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Abwassertechnik für die

Wasserwirtschaft

Planungshandbuch – Klärwerksprozesse

2010
I n h A lt

Übersicht 4

Einleitung 7

Heutiger Stand in Deutschland 7


Von der Abwasserbeseitigung zur Abwassersammlung 7
Membrantechnik 9
Künftige Herausforderungen 11

Anforderung an die Abwasserreinigung 13

Abwasserinhaltsstoffe 13
Begriffsbestimmung 14
Kläranlagentypen 16
Kläranlagengröße und hydraulische Bemessung 17

Zulauf 19

Regenüberlaufbecken 19
Pufferbecken 21
Beckenreinigung 22
Bauwerksgestaltung 23
Zulaufpumpwerke 26
Berechnung Pumpenschacht, Stauvolumen 28
Installationsbeispiele 30
Installationshinweise Abwasserpumpen 35

Mechanische Reinigung 39

Rechen 39
Siebe 40
Rechengut / Rechengutwäsche 41
Sandfang 42
Vorklärung 43

Biologische Reinigung und weitergehende Maßnahmen 45

Phosphatelimination 45
Kohlenstoffelimination 46
Stickstoffelimination 46
Konventionelles Belebtschlammverfahren 48
Tropfkörperanlage 52
SBR 52
Membranbelebungsanlagen 52
Spezielle Verfahren 53

2 Änderungen vorbehalten 04/2010 WILO SE


I n h A lt

Maschinentechnik in der biologischen Abwasserreinigung 55

Rührwerke 55
Rezirkulationspumpen 57

Schlamm 59

Schlammarten 60
Schlammstabilisierung 62
Volumenreduktion 63

Maschinentechnik in der Schlammschiene 71

Pumpen 71

nachklärung 75

Räumer 76
Betriebs- und Prozessstörungen 77

Ablauf 81

Ablaufpumpwerk 81
Filtration 83
Desinfektion 83

Kläranlagenmanagement 85

Betriebswasser 85
Steuerung und Regelung der Maschienentechnik 85
Errichten elektrischer Anlagen in explosionsgefährdeten Bereichen 86
Elektrische Anlagen in explosionsgefährdeten Bereichen 87
Arbeitsschutz 89
Probeentnahme und Analytik, Eigenüberwachung, Maschinentechnik 90
Energiehaushalt 92

Anhang 95

Verwendete Abkürzungen 95
Auslegungshilfe von Strahlbelüftern 96
Widerstandsbeiwerte für Formstücke und Armaturen (Auszug) 97
Tabellen und Diagramme 98
Formelsammlung 101
Werkstofftabellen 102
Fehleranalyse 105

literatur- und Quellenhinweise 106

Impressum 107

Wilo – Abwassertechnik für die Wasserwirtschaft 04/2010 3


2

Eine ausführliche Erläuterung


zu den Grundlagen der
Hydraulik und Elektrotechnik
finden Sie im ersten Teil des
Planungshandbuches
Abwassertechnik für die 6 7
Wasserwirtschaft.

1 Anforderung an die Abwasserreinigung S. 13

2 Zulauf S. 19

3 Mechanische Reinigung S. 39

4 Biologische Reinigung und


weitergehende Maßnahmen S. 45

4 Änderungen vorbehalten 04/2010 WILO SE


3

3
10

1
3

4
5
6 7
8

4 5

5 Maschinentechnik in der 8 Nachklärung S. 75


biologischen Abwasserreinigung S. 55
9 Ablauf S. 81
6 Schlamm/Faulturm S. 59
10 Kläranlagenmanagement S. 85
7 Maschinentechnik in der
Schlammschiene S. 71

Wilo – Abwassertechnik für die Wasserwirtschaft 04/2010 5


Einleitung
Abwasser – vom Krankheitserreger zum kostbaren Gut

Heutiger Stand in Deutschland

In der Bundesrepublik Deutschland mit rd. 82 Mio. 2007 wurden 4,5 Mrd. Euro in die Abwasserent-
Einwohnern werden heute täglich ca. 25,7 Mio. sorgung investiert, davon ca. die Hälfte für die
m³ Abwasser in ca. 10.000 öffentlichen, kommu- Erneuerung und den weiteren Ausbau des Kanal-
nalen Abwasserbehandlungsanlagen gereinigt. netzes. Die Bürger wurden dadurch i. M. mit rd.
110 €/a Abwassergebühren belastet. Die Ab-
Das Abwasser wird mit einem 515.000 km langen wasserbehandlung kostet i. M. 1,91 €/m³.
öffentlichen und einem ca. doppelt so langen
privaten Kanalnetz gesammelt. 95 % der Bevöl- Um diesen hohen Standard zu erreichen, waren
kerung sind an zentrale biologische Kläranlagen in den letzten 100 bis 200 Jahren erhebliche
angeschlossen. Diese wiesen 2007 einen mittle- Anstrengungen erforderlich.
Univ.-Prof. Dr.-Ing.
ren Abbaugrad von 99 % BSB5, 81 % Nges und F. Wolfgang Günthert
90 % Pges auf. 5 % der Bevölkerung sind an
Kleinkläranlagen angeschlossen.

Von der Abwasserbeseitigung zur Abwassersammlung

Infolge der industriellen Revolution in der ersten Als heute noch übliches Entwässerungsverfah-
Hälfte des 19. Jahrhunderts wuchsen die Städte ren wurde dann die Schwemmkanalisation ent-
Westeuropas sehr rasch. Die Zunahme des wickelt, bei der die Fäkalien durch das Brauch-
Schmutz- und Abwassers und der häuslichen und Niederschlagswasser abgeschwemmt und
Fäkalien führte zu katastrophalen hygienischen beseitigt werden. Mit dem ersten systemati-
Verhältnissen in den Siedlungen. Es traten ver- schen Kanalisationsentwurf von Arnold Zenetti
mehrt Krankheiten und Seuchen auf. Nach einer (1857) wurden bis 1874 in München 24,6 km
schweren Choleraepidemie in London 1831 Kanäle gebaut. Es traten dabei große Geruchs-
wurde der Zusammenhang zwischen Seuchen- probleme auf, da wegen zu geringer Wasserfüh-
verbreitung und Abwasserbeseitigung herge- rung in der Kanalisation die Fäkalien im Kanal-
stellt und man begann mit der Kanalisation (Roe netz zu faulen begannen.
und Rawlinson). 1842 folgten Kanalisationsbau-
ten in Hamburg durch den englischen Ingenieur Nach einer weiteren Choleraepidemie 1879
Lindley, 1852 in Berlin durch Hobrecht. In Mün- wurde der englische Ingenieur Gordon beauf-
chen wurden zwar 1811 bereits die ersten Ka- tragt, für München ein allgemeines Projekt für
näle (50.000 E) gebaut (vom Promenadeplatz die Kanalisation von München zu planen. Es
zum Hofgarten) und dann weitere Kanäle in der wurde ein Mischverfahren gewählt, wobei die
Altstadt, allerdings systemlos. Erst schwere Kanalspülung durch Leitungswasser erfolgen
Choleraepidemien in München 1836 und 1854 sollte, das Regenwasser wurde über Regenüber-
mit mehr als hundert Toten am Tag führten läufe in die Isar entlastet. Da das Spülwasser
dazu, dass mit der „Grundwassertheorie“ von nicht ausreichend war, wurden 1890 die Einfüh-
Prof. Max von Pettenkofer als Ursache der Seu- rung des Wasserklosetts (WC) und der Bau von
chen die Verunreinigungen des Bodens und des Hausanschlussleitungen beschlossen.
Grundwassers durch Fäkalien erkannt wurden.
In Deutschland entwickelten sich im Laufe der
Es entwickelten sich verschiedene Entwässe- Zeit zwei grundsätzliche Entwässerungsverfahren.
rungsverfahren. Die Einleitung des Abwassers in Im Mischverfahren, wie in der Stadt München,
die Gewässer erfolgte ohne vorherige Behand- werden Schmutz- und Abwasser gemeinsam mit
lung. Daher wurde in einigen Städten das Nie- dem Niederschlagswasser in einem Kanalnetz
derschlags- und Brauchwasser in der Kanalisa- abgeleitet. Um die Kläranlagen hydraulisch nicht
tion abgeleitet und die Fäkalien wurden getrennt zu überlasten, wurden Mischwasserbehand-
in Kübeln und Tonnen erfasst und weiterhin als lungsanlagen (Fangbecken, Durchlaufbecken,
Dünger verwendet. Dieses Verfahren hat sich je- Stauraumkanäle u. a.) im Kanalnetz angeordnet.
doch damals nicht durchgesetzt.

Wilo – Abwassertechnik für die Wasserwirtschaft 04/2010 7


EInlEItung

Damit soll die Gesamtfracht aus Abwasserbe- kosten für Freispiegelkanäle vermieden werden,
handlungsanlagen und Mischwasserentlastun- allerdings zulasten höherer Betriebskosten. So
gen in den Gewässern minimiert werden. Um wurde z. B. in Karlskron in Oberbayern 1974 die
sauberes Niederschlagswasser nicht in Abwas- erste Vakuumentwässerungsanlage Deutsch-
serbehandlungsanlagen mitbehandeln zu müs- lands gebaut. Diese Wasser sparende Verfahrens-
sen, wurde das Trennverfahren eingeführt. Das technik wird heute in Zügen und Flugzeugen
Schmutz- und Abwasser wird in einem Kanal der eingesetzt.
Kläranlage zur Behandlung zugeleitet. Das nicht
behandlungsbedürftige Niederschlagswasser Klimawandel, demografische Entwicklung, stei-
wird direkt einem Gewässer (Oberflächen- oder gende Rohstoffpreise (z. B. Düngemittel, Energie),
Grundwasser) zugeführt. Wassermangel und Hunger in vielen Regionen
der Welt fordern die heutige Siedlungswasser-
Nachdem erkannt wurde, dass auch das Nieder- wirtschaft heraus, Lösungen für die Anpassung
schlagswasser erheblich verschmutzt sein kann, zu finden. Ein Ansatz hierfür ist, von der reinen
insbesondere durch Verunreinigungen befestigter Abwasserentsorgung zur Kreislaufwirtschaft
Flächen (Dächer, Straßen u. a.), werden heute umzudenken, die Wertstoffe des Abwassers, das
zunehmend modifizierte Entwässerungsverfah- Wasser und die darin enthaltenen Nährstoffe, zu
ren betrieben. Damit soll erreicht werden, dass sammeln und einer Wiederverwendung zuzufüh-
alle verschmutzten Abwässer einer Behandlung ren und die Schadstoffe umweltverträglich zu
zugeführt werden und alle nicht behandlungs- beseitigen. Hierfür wurden in den letzten beiden
bedürftigen Abwässer die Abwasserbehandlungs- Jahrzehnten Sanitärsysteme entwickelt und er-
anlagen nicht zusätzlich hydraulisch belasten. forscht, die u. a. das Ziel verfolgen: Nutzung und
Den nachteiligen Folgen der zunehmenden Flä- Wiederverwendung von Stoff- und Wasserströ-
chenversiegelung soll durch Regenwasserrück- men.
halt und -versickerung entgegengewirkt werden.
Hierzu wurde von der Deutschen Vereinigung für
Um auch in ländlichen Regionen das Abwasser Wasserwirtschaft, Abwasser und Abfall e.V. (DWA)
wirtschaftlich entsorgen zu können, wurden dort der Begriff NASS (neuartige Sanitärsysteme)
seit den 70er-Jahren des letzten Jahrhunderts geprägt und umfangreiche Überlegungen und
Vakuum- und Druckentwässerungssysteme ge- Erfahrungen wurden in einem Themenband
plant und betrieben. Damit konnten hohe Bau- (DWA 2008)* zusammengestellt.

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EInlEItung

Entwicklung der Siedlungswasserwirtschaft in Deutschland

Mikroverunreinigung

Desinfektion

Stickstoffelimination

Phosphorelimination

Schlammbehandlung
(Imhofftank, Emscher-
brunnen)
Membranverfahren

Biologische Abwasser-
reinigung (TK,BB)
Chemische Abwasser-
reinigung
Mechanische Abwasser-
reinigung (Rechen, Siebe,
Absetzbecken)
NASS

Druck- und Vakuum-


entwässerung

Regenwasserbehandlung

Trennverfahren *DWA (2008): Neuartige


Sanitärsysteme. DWA-Themen,
Mischverfahren Hrsg.: Deutsche Vereinigung
für Wasserwirtschaft, Abwas-
Bau von Abwasserkanälen
(Schwemmkanalisation) ser und Abfall e.V. (DWA),
Hennef, Dezember 2008,
1800 1850 1900 1950 2000 ISBN 978-3-941089-37-2.

Abwasserbehandlung – vom Rechen zur Membrantechnik

Durch die zunehmende Entsorgung des Schmutz- 1864 wurde der erste Käfigrechen in einer Lon-
und Abwassers durch Kanäle mit Ableitung in doner Pumpstation eingebaut. Im Folgenden
Flüsse wurde die natürliche Selbstreinigungs- wurden dann Trommel-, Scheiben-, Stab-, Band-,
kraft der Gewässer bald erschöpft. So kamen Fein- und Rundrechen entwickelt. Mit Verbesse-
auch die ersten Ideen zur Abwasserbehandlung rung der Rechen-Reinigungstechniken wurden
aus England. Bei der Behandlung des Abwassers, dann immer feinere Rechen, heute bis 1 mm
sowohl vor der Einleitung in ein Gewässer als auch Stababstand, gebaut. Nach dem 2. Weltkrieg
vor der Ausbringung auf Landflächen, wurden wurden Siebe mit Spaltweite von 0,25 bis 3 mm
anfänglich einfachste Methoden zum Rückhalt angeboten. Heute sind Siebtrommeln mit Ma-
störender Abwasserinhaltsstoffe angewendet. schenweite 0,2 mm auf dem Markt, die einen
So wurden als erstes Rechen und Siebe zum Ab- Rückhalt organischer Stoffe über 50 % ermögli-
trennen von Grobstoffen vor der Einleitung an- chen.
geordnet. Die Rechen wurden auch wichtig, als
Pumpen zur Abwasserförderung eingesetzt wer-
den mussten. Die Pumpen sollten dadurch vor
Schäden und Verstopfungen geschützt werden.

Wilo – Abwassertechnik für die Wasserwirtschaft 04/2010 9


EInlEItung

Zur Abtrennung absetzbarer, fester Stoffe aus 1925 wurde die Münchner Kläranlage (3,6 m³/s
dem Abwasser wurden zunächst einfache Gruben, Trockenwetterzufluss, 460.000 E) mit Rechen,
später Absetzbecken verwendet. In Deutschland Sandfang und einer zweistöckigen Anlage mit
wurden die ersten Klärbecken in Frankfurt am Absetzbecken, Schlammfaulraum und Faulwas-
Main gebaut. Nach englischem Vorbild entstanden serbecken in Betrieb genommen. Das so gerei-
1883 bis 1887 vier jeweils 83 m lange, horizontal nigte Abwasser (60 % der absetzbaren Stoffe)
durchströmte Klärkammern. Die Reinigung des wurde zur biologischen Nachreinigung in Fisch-
Schlamms erfolgte von Hand. Dies war mühsam teiche eingeleitet. In den Jahren 1964 bis 1971
und unhygienisch und führte zu Faulprozessen, wurde die Kläranlage mit einer biologischen Rei-
Geruchsbelästigungen und Schlammabtrieb. So nigungsstufe ausgebaut. 1976 wurde ein zweites
wurden für die verschiedenen Beckenformen Klärwerk in Dietersheim mit Stickstoff- und
Schild-, Band- und Saugräumer vor ca. 100 Jah- Phosphorelimination sowie einer weitergehenden
ren entwickelt. Andererseits wurden Chemika- Reinigung mit Sandfiltern in Betrieb genommen.
lien (Eisensalze und Kalk) zugegeben, um die
Reinigungsleistung zu verbessern. Der gesteigerte Bedarf an Frisch- und Brauch-
wasser, insbesondere in Asien, dem Mittleren
Auch die ersten Ideen zur biologischen Abwas- Osten sowie Mittel- und Südamerika, führt dazu,
serreinigung kamen Ende des 19. Jahrhunderts dass seit Anfang dieses Jahrtausends Abwasser
aus England. 1893 wurde das Tropfkörperver- mit Membranen gereinigt wird. Diese innovative
fahren von dem Engländer Corbett entwickelt. Technologie wurde in den 1980er-Jahren aus-
Die Biofilmtechnologie mit den Vorteilen eines schließlich für die Behandlung von stark verun-
einfachen, stabilen Prozesses, eines geringen reinigten Abwässern, z. B. Deponiesickerwasser
Energiebedarfs und geringen Schlammanfalls oder produktionsspezifischem Abwasser, einge-
wird heute noch auf deutschen Kläranlagen an- setzt. Neben der Anwendung für die Wiederver-
gewandt. Das Belebungsverfahren wurde 1914 wendung von Abwasser wird die Membrantechnik
ebenfalls in England von Lockett und Arden ent- als Barriere für Feststoffe sowie Bakterien und
wickelt und anschließend u. a. von Imhoff ver- Viren, zur Verbesserung der Ablaufqualität und
fahrenstechnisch (Rücklaufschlammführungen, zur Reduzierung des Reaktorvolumens beim Be-
Überschussschlammabzug) weiterentwickelt. lebungsverfahren eingesetzt. Ausgehend von
Die ersten Anlagen waren Einbeckenanlagen mit ersten Untersuchungen in den 1980er-Jahren
Belüften und Absetzen nacheinander in einem mit getauchten Plattenmembranen, dann mit
Reaktor (heute SBR genannt). Parallel dazu ver- Hohlfasermembranen, entwickelte sich diese
lief die Entwicklung chemischer Reinigungsver- Technologie rasch zu einer heute auch aus wirt-
fahren. Erste chemische Kläranlagen wurden u. a. schaftlicher Sicht ernsten Konkurrenz zur kon-
in London und Leipzig zu Beginn des 20. Jahr- ventionellen weitergehenden Abwasserreinigung.
hunderts gebaut.

Durch den Betrieb von Abwasserreinigungsanla-


gen (mechanisch, biologisch, chemisch) entstand
die Notwendigkeit, den anfallenden Schlamm zu
behandeln bzw. zu stabilisieren, zu entwässern
und zu beseitigen. Das älteste Verfahren zur
Stabilisierung ist die Ausfaulung in doppelstö-
ckigen Absetz- und Faulanlagen (Emscherbrun-
nen, Imhofftank). Die Schlammentwässerung auf
Trockenbecken wurde 1902 von Dunbar unter-
sucht.

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EInlEItung

Künftige Herausforderungen

Während in den Industrienationen durch Wasser Für die künftigen Technologien und Abwasser-
sparende Geräte und Einrichtungen sowie Ein- konzepte müssen zusammenfassend folgende
führung kostendeckender Wasserpreise der spe- Grundsätze beachtet werden:
zifische Wasserverbrauch abnimmt, nimmt in
den bevölkerungsreichsten Ländern der Erde, • Minimierung des Schadstoffeintrages
China und Indien, der Wasserverbrauch ständig in das Abwasser
zu. Beides führt zu Problemen, einerseits zu Sta- • Reduzierung der Abwasserverdünnung
gnation in den Trinkwasserleitungen und in den (Fremdwasser)
Anlagen zur Wiederverkeimung, Geruchs- und • Entflechten der Abwasserteilströme
Korrosionsproblemen in Abwasseranlagen, an- (Regenwasser, Schmutz- und Abwasser)
dererseits zu Engpässen in der Versorgung und • Reduzierung der Reststoffe
hygienischen Missständen bei der Abwasserent- aus der Abwasserbehandlung
sorgung. Für beide Fälle müssen die Technolo- • Nutzung von Abwasserteilströmen
gien angepasst bzw. weiter- und neu entwickelt (Grauwasser, Urin u. a.)
werden. Hierbei bieten sich auch neuartige Sani-
tärkonzepte an, mit Trennung der Stoffströme, Künftige Abwasserkonzepte erfordern daher von
Urin, Fäkalien und Grauwasser, um einerseits die dem Planer und dem Betreiber einen weiten
konzentrierten, nicht vermischten Abwasserteil- Blickwinkel, um das Kosten-Nutzen-Verhältnis
ströme einfacher und damit kostengünstiger zu im Interesse der Menschen und der Umwelt wei-
behandeln und andererseits wertvolle Inhalts- ter zu verbessern.
stoffe und das gereinigte Abwasser einer Wie-
derverwendung zuzuführen. Dies wird auch un-
ter dem Aspekt interessant, dass in Deutschland
der größte Teil der Investitionen in die Abwas-
serableitung investiert wurde. Das bedeutet,
dass für Gebiete, in denen noch keine Abwasser-
leitungsinfrastruktur vorhanden ist, Konzepte
untersucht werden müssen, bei denen der Kos-
tenquotient Abwasserbehandlung/Abwasser-
sammlung optimiert wird.

Untersuchungen zu Betriebskosten einzelner


Teilprozesse der Abwasserbehandlung haben er-
geben, dass mit ca. 35 % die Schlammverwer-
tung und -entsorgung den größten Anteil noch
vor der biologischen Reinigung mit ca. 25 % bei
Anlagen kleiner 100.000 Einwohnerwerten und
18,5 % bei Anlagen über 100.000 Einwohner-
werten aufweisen. Daher liegt dort das größte
Einsparpotenzial der Abwasserbehandlung.

Wilo – Abwassertechnik für die Wasserwirtschaft 04/2010 11


Anforderung an die
Abwasserreinigung
Die Abwasserbehandlung ist nach § 7a des deutschen Wasserhaus-
haltsgesetzes vorgeschrieben und muss nach dem Stand der Technik
erfolgen. Ziel dabei ist, die Abwasserinhaltsstoffe zu beseitigen sowie
die natürliche Wasserqualität wiederherzustellen.

Die Abwasserverordnung bestimmt dabei die Abwasserinhaltsstoffe


konkreten Mindestanforderungen für die jewei-
lige Industriebranche. Nach dem Wasserhaus- Im Abwasser liegen Schmutzstoffe in ungelöster
haltsgesetz sind die Länder dazu verpflichtet, und gelöster Form sowie als organische Verbin-
Körperschaften des öffentlichen Rechts als ab- dungen in Form von Fetten, Eiweißen, Kohlenhy-
wasserbeseitigungspflichtig zu bestimmen. In draten vor. Die Abwasserinhaltsstoffe unter-
der Regel sind die Gemeinden, in deren Gebiet scheidet man in Zehrstoffe, Nährstoffe, Schad-
das Abwasser anfällt, dafür verantwortlich. Klei- und Störstoffe.
nere Städte und Gemeinden sind häufig zu Ab-
wasserzweckverbänden zusammengefasst. • Zehrstoffe sind zum Beispiel Glukose und
Harnsäure, die grundsätzlich biologisch abbau-
Zentrale Abwasserreinigungsanlagen unterschei- bar sind. Beim aeroben Abbauprozess wird
den sich dabei in mechanische/physikalische, durch die Stoffe eine Sauerstoffzehrung bzw.
biologische und chemische Reinigungsverfahren. der Sauerstoffgehalt des Gewässers ausgelöst
Dezentrale Abscheideranlagen bzw. Ölabscheider • Nährstoffe sind zum Beispiel Stickstoff und
behandeln Verunreinigungen von Leichtflüssig- Phosphor in unterschiedlichen Verbindungen,
keiten vor der Einleitung ins Abwasserkanalnetz. die bei stehenden Gewässern zur Eutrophie-
In Gebieten, die nicht an eine zentrale Kläranlage rung bzw. zum verstärkten Algenwachstum
angeschlossen sind, reinigen biologische Haus-/ führen
Kleinkläranlagen die Abwässer. • Schadstoffe, die zu Erkrankungen führen kön-
nen, sind zum Beispiel Pilze, Bakterien, Viren,
Definition und Unterscheidung des Abwassers: Gifte, Schwermetalle, synthetische oder orga-
nische Substanzen
• Häusliches Schmutz- und Abwasser aus Haus- • Störstoffe wie Kies, Sand, Tone, Öl, Fett oder
halten, Büros, Gaststätten und Kleingewerbe Salz finden sich in nahezu jedem Abwasser vor
• Gewerbliches Schmutz- und Abwasser aus In-
dustrie und Gewerbe, das in Konzentration und
Inhaltsstoffen vom häuslichen Abwasser ab-
weicht
• Niederschlagswasser in behandlungsbedürfti-
ger und nicht behandlungsbedürftiger Form
• Fremdwasser aus Undichtigkeiten im Kanalnetz

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A n f o R D E R u n g A n D I E A B wA S S E R R E I n I g u n g

Begriffsbestimmung

Biochemischer Sauerstoffbedarf Stickstoff


Beim BSB5-Wert, dem biochemischen Sauerstoff- Stickstoff liegt im Rohabwasser hauptsächlich
bedarf während einer Messzeit von 5 Tagen unter organisch gebunden (zum Beispiel in Proteinen,
Standardbedingungen, wird jener Sauerstoffbe- Nukleinsäuren, Harnstoff) in Form von Ammo-
darf erfasst, der durch die Oxidation von organi- nium-Ionen (NH4+) sowie in geringen Anteilen
schen Stoffen durch aerobe Mikroorganismen auch in Form von Nitrat- (NO3-) und Nitrit-Ionen
entsteht. Er gehört zu den sogenannten Sum- (NO2-) vor.
menparametern, da damit der Abbau von Einzel-
verbindungen nicht bestimmt werden kann. • Angesetzt werden hier etwa 10 bis 12 g pro
Einwohner und Tag
• Als üblicher Wert für den BSB5 werden 60 g
pro EW und Tag angesetzt Phosphor
• Davon können etwa 20 g in der Vorklärung Phosphor liegt organisch als Phosphatgruppe
durch Sedimentation entfernt werden gebunden und als freies Phosphat vor.

Chemischer Sauerstoffbedarf • Hier werden etwa 1,8 g pro Einwohner und Tag
Der chemische Sauerstoffbedarf, abgekürzt auch angenommen
CSB, gehört ebenfalls zu den sogenannten Sum-
menparametern, da damit keine Einzelverbin-
dungen quantifiziert werden können. Er wird
mittels der Oxidation der Abwasserinhaltsstoffe
durch Kaliumdichromat bestimmt und erfasst
den Sauerstoffbedarf zur Oxidation eines Groß-
teils der organischen Stoffe. Sind im Abwasser
auch oxidierbare anorganische Verbindungen
wie beispielsweise Sulfite enthalten, werden
diese ebenfalls als CSB erfasst.

• Dieser Parameter wird ebenfalls zur Bilanzie-


rung der Anlage herangezogen
• Für den CSB wird ein Wert von 120 g pro Ein-
wohner und Tag angesetzt

Physikalische Verfahren

Prozess Kläranlagenkomponente Zweck

Siebung Rechen, Trommelsieb, Entfernung von größeren Feststoffen und


Mikrosieb Schwimmstoffen
Abscheidung Schwimmstoff / Ölabscheider Entfernung von Fetten und Ölen
Sedimentation Sandfang, Absetzbecken, Entfernung kleinerer Schwimmstoffe, Sand,
Zentrifugalabscheider, Vor- geflockter Schwebstoffe; Entfernung des
und Nachklärbecken Belebtschlamms aus dem gereinigten Abwasser
Filtration Sandfilter Entfernung von Schwebstoffen
Flotation Flotationsbecken, Fettfang Entfernung von feinen Schmutzpartikeln
durch Einblasen von Luft
Adsorption Aktivkohlefilter Anlagerung von beispielsweise halogenierten
Kohlenwasserstoffverbindungen (AOX) oder
Farbstoffen

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Biologische Verfahren

Prozess Kläranlagenkomponente Zweck

Biochemische Oxidation Belebtschlammverfahren, Aerober Abbau organischer Bestandteile zu anorganischen Endprodukten


Tropfkörper (H2O, CO2, NO3-, N2, PO43-, SO42-) durch Belebtschlämme (Belebungsbecken)
beziehungsweise Bakterienrasen (Tropfkörper). Durch geeignete Betriebs-
führung bei Belebungsanlagen kann die Phosphoraufnahme in die Biomasse
optimiert werden (Bio-P). Somit ist weniger Fällmittel zur Phosphorelimina-
tion erforderlich.

Grundsätzliches Ziel ist stets, zu entfernende Abwasserinhaltsstoffe durch


biologische Prozesse (Veratmung, Biomassewachstum) in Formen zu
überführen, die durch Sedimentation oder Stripping (gasförmiges Austrei-
ben) aus dem Abwasser entfernt werden können und zudem möglichst
unschädlich sind.
Biochemische Oxidation Pflanzenkläranlage, Belebt- Aerober und anaerober Abbau in flachen Becken und anschließender
bei Kleinkläranlagen schlammverfahren, Tropf- Bodendurchgang bei Pflanzenkläranlagen oder Abbau durch Belebt-
körper schlämme in Belebungsbecken oder durch Bakterienrasen in Tropfkörpern
Schlammfaulung Faulturm Anaerober Abbau organischer Bestandteile des Primär- beziehungsweise
Überschusschlammes zu anorganischen Endprodukten: Kohlenstoffdioxid
(CO2), Methan (CH4), Ammoniak (NH3), Schwefelwasserstoff (H2S)
Anaerobe Abwasser- Reaktor Anaerober Abbau organischer Bestandteile zu anorganischen Endproduk-
reinigung ten: Kohlenstoffdioxid (CO2), Methan (CH4), Ammoniak (NH3), Schwefel-
wasserstoff (H2S). Besonders für organisch hoch belastete Abwässer
geeignet (beispielsweise Lebensmittelindustrie, Tierkörperbeseitigung)

Chemische Verfahren

Prozess Kläranlagenkomponente Zweck

Flockung Flockungsbecken Entfernung von Kolloidstoffen und feinen Schmutzpartikeln durch


Flockungsmittelzugabe beziehungsweise Einstellung des pH-Wertes
Neutralisation / pH-Wert Neutralisationsbecken Einstellung des pH-Wertes durch die Zugabe von Säure oder Base
Fällung Fällungsbecken, Bio-P-Becken Ausfällung von Phosphationen (PO43-) mit Eisen- und Aluminiumsalzen
Simultanfällung Belebungsbecken/Nach- Entfernung von Phosphor (als Phosphat) durch Zugabe von Eisen- oder
klärbecken Aluminiumsalzen zum Belebtschlamm
Vorfällung Mischbecken/Vorklärbecken Entfernung von Phosphor (als Phosphat) durch Zugabe von Eisen- oder
Aluminiumsalzen vor dem Vorklärbecken
Nachfällung Mischbecken/Absetzbecken Entfernung von Phosphor (als Phosphat) durch Eisen- oder Aluminium-
nach dem Nachklärbecken salze nach dem Vorklärbecken
Abiotische Oxidation Sonderbecken Zerstörung biotisch nicht abbaubarer organischer Verbindungen beispiels-
weise durch Ozon oder UV-Licht. Gegebenenfalls mit dem Ziel, die Reste
biotisch abbauen zu können (beispielsweise Entfärbung von Abwasser)
Desinfektion Sonderbecken Abtötung von Krankheitserregern durch Chlor- oder Ozonzugabe oder
durch UV-Bestrahlung

Wilo – Abwassertechnik für die Wasserwirtschaft 04/2010 15


A n f o R D E R u n g A n D I E A B wA S S E R R E I n I g u n g

Kläranlagentypen

Eine Abwasserreinigungsanlage bzw. Kläranlage • Das Biofilmverfahren mit bepflanzten Bodenfil-


säubert die Abwässer, die ihr über die Kanalisa- tern, einer Tropfkörper- oder Tauchkörperan-
tion, eine Druckleitung oder durch Sonderfahr- lage, dem belüfteten Festbett oder einer Wir-
zeuge zufließen. Über die letzten Jahrzehnte bel-Schwebebettanlage
sind die Anforderungen an die Reinigungsleis- • Das andere Verfahren ist das Belebtschlamm-
tung stetig gestiegen. Vollkommen unterschied- verfahren mit einer klassischen Belebung, einer
liche mechanische, biologische oder chemische Belebung im SBR-Reaktor oder die Belebung
Verfahren reinigen heute die Abwässer in ein bis mit Membranen. Im Gegensatz zum Biofilmver-
dreistufigen Verfahren, wobei jeweils ein Verfah- fahren ist die aktive Biomasse nicht auf Träger-
ren pro Reinigungsstufe im Vordergrund steht. körpern fixiert, sondern frei schwimmend im
Kläranlagen sind heutzutage umfangreich und Belebungsbecken
unterschiedlich in Form und Verfahren. Grund-
sätzlich unterscheidet man zwei Grundtypen.

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A n f o R D E R u n g A n D I E A B wA S S E R R E I n I g u n g

Kläranlagengröße und hydraulische Bemessung

Die Belastung von Kläranlagen bestimmt sich Üblicherweise werden Schmutzwassermengen


nach Einwohnerwerten (EW). Dabei handelt es um die 130 Liter pro Einwohner und Tag ange-
sich um die Summe aus den tatsächlichen Ein- setzt (Tendenz fallend).
wohnern (Einwohnerzahl, EZ) und den Einwoh-
nergleichwerten (EGW). Der Einwohnergleich- Für die Bemessung der Kläranlage wird jedoch in
wert ist die Vereinbarungsgröße der für der Regel ein Zuschlag für Fremdwasser (un-
einen „Standardeinwohner“ anzusetzenden dichte Kanäle, Einleitungen von Drainagen und
Emission an Abwasser. dergleichen) einkalkuliert. Dieser kann bis 100 %
des Schmutzwasseranfalls betragen. Die Fremd-
Für gewerbliche, industrielle und landwirtschaft- wassermenge bezieht sich auf die angeschlos-
liche Produktion gibt man auf Produktionsgrö- sene versiegelte Fläche und sollte nicht mehr als
ßen bezogene Belastungen (beispielsweise 0,15 l/(s*ha) betragen.
10 EW BSB5 pro ha Weinbaufläche) an. Zu beach-
ten ist jedoch, dass sich die Verhältnisse zwi- Bei Mischkanalisationen (Regenwasser und
schen den einzelnen Parametern verschieben Schmutzwasser in einem Kanal) sind entspre-
können. Abwässer können höher konzentriert chende Zuschläge zur Behandlung des Regen-
sein (weniger Abwassermenge bei gleicher wassers einzubeziehen, die meist mit 100 % der
Schmutzfracht) oder sie können beispielsweise Tagesspitze bei Trockenwetter angesetzt werden.
reich an organischen Kohlenstoffverbindungen
und dafür nährstoffarm sein. Für die hydraulische Berechnung (Zahl und
Größe der Förderpumpen) der Kläranlage ist zu-
Den Gehalt an biotisch abbaubaren Stoffen dem der Tagesgang der Belastung von Bedeu-
quantifiziert der Summenparameter biochemi- tung. Die durchschnittliche Tagesfracht ist daher
scher Sauerstoffbedarf, abgekürzt BSB5. Für den zur Bemessung nicht durch 24 Stunden, sondern
biotischen Abbau ist ein Nährstoffverhältnis von durch eine kleinere Zahl (10 bis 14) für den ma-
BSB5:N:P von etwa 100:5:1 vorteilhaft, um die ximalen Stundenwert zu teilen.
Mikroorganismen ausreichend mit Stickstoff und
Phosphor zu versorgen. Dies fußt auf der An- Abwasseranfall
nahme, dass etwa 50 % der abgebauten organi- Der Schmutzwasserabfluss setzt sich aus dem
schen Stoffe zum Biomassewachstum verwendet häuslichen und dem industriell-gewerblichen
werden und Biomasse zu etwa 10 % aus Stick- Abfluss zusammen.
stoff und zu etwa 2 % aus Phosphor besteht.
trockenwetterabfluss
Ein Einwohnerwert entspricht folgenden Größen: Der Trockenwetterabfluss ist mit den Bestand-
teilen Schmutzwasserabfluss und Fremdwasser-
Abwassermenge abfluss definiert.
Als Belastung der Kläranlage mit Abwasser
wurde früher ein Schmutzwasseranfall von 150 Regenwetterabfluss
bis 200 Litern pro Einwohner und Tag angesetzt. Der Abfluss im Mischsystem ist der Mischwasser-
Der Schmutzwasseranfall entspricht etwa dem abfluss, der sich aus dem Trockenwetterabfluss
Wasserverbrauch. Für Neuplanungen oder Vo- und dem Regenwasserabfluss zusammensetzt.
rausplanungen wird inzwischen der ortsspezifi-
sche Wasserverbrauch ermittelt und eine Ab-
schätzung für die Zukunft versucht.

Wilo – Abwassertechnik für die Wasserwirtschaft 04/2010 17


Zulauf

Regenbecken

Bei der Zuführung des Abwassers zur Kläranlage


sind zwei Kanalisationssysteme zu unterscheiden,
das Misch- und das Trennsystem. Das Mischsys-
tem leitet Schmutz- und Regenwasser in einem
gemeinsamen Kanal zur Kläranlage. Im Trenn-
system fließen Schmutz- und Regenwasser Stauraumkanäle im Mischsystem (SK)
durch getrennte Kanäle. Man bedient sich in Nur im Mischsystem kommen Stauraumkanäle
beiden Systemen verschiedener Becken, um die zum Einsatz. In der Regel werden sie im Haupt-
Regen- bzw. Schmutzfracht zu sammeln, zu schluss angeordnet.
speichern oder vorzureinigen.
Bei Anordnung im Nebenschluss ist eine Reini-
Der Begriff Regenüberlaufbecken fasst Bauwerke gungseinrichtung zwingend erforderlich.
der zentralen Regenwasserbehandlung und der
Regenwasserrückhaltung zusammen. Regenklärbecken im trennsystem (RKB)
Sie werden im Trennsystem nur dann angeord-
Regenbecken im Mischsystem (RÜB) net, wenn dass gesammelte Niederschlagswas-
Sie werden nur im Mischsystem installiert. Nach ser vor der Einleitung in ein Gewässer behandelt
Arbeitsblatt DWA-A 128 kann aus den Einzelvo- werden muss.
lumina der Speicherkammern und verbindender
Rohrleitungen und Gerinne das anrechenbare Regenklärbecken entschlammen das Regenwas-
Gesamtvolumen ermittelt werden. ser und halten gleichzeitig Schwimmstoffe zu-
rück. Man unterscheidet zwischen nicht ständig
Um dem Austrag von Grobstoffen an Becken- gefüllten Becken ohne Dauerstau und ständig
überläufen entgegenzuwirken, kann es sinnvoll gefüllten Becken mit Dauerstau.
sein, Rechen oder Siebe einzubauen.
Es handelt sich meist um offene Becken, da von
RÜB als Fangbecken werden ausschließlich als ihnen in der Regel keine Geruchsbelästigung
Mischwasserspeicher eingesetzt. ausgeht.

In Anbetracht einer unproblematischen Reini- filteranlagen im Misch- und trennsystem (fiB)


gung und Vermeidung stoßweiser Belastung der Es ist sowohl im Misch- als auch im Trennsystem
Kläranlage ist einer Sedimentation absetzbarer möglich, Filteranlagen zu installieren. Sie beste-
Stoffe entgegenzuwirken. hen, neben dem Filterbecken, aus einer Anlage
zur Vorreinigung, wie RKB, RÜB oder SK. Filter-
Dies ist durch geeignete konstruktive Maßnah- becken können kombiniert mit einem Retenti-
men oder maschinentechnische Ausrüstung zu onsraum für die Nachbehandlung des Nieder-
realisieren. schlagsabflusses aus Trennsystemen und von
entlastetem Mischwasser genutzt werden. Hier-
Eine Möglichkeit zur Suspendierung möglicher bei unterscheidet man mechanische Filter, die
Ablagerungen im RÜB bieten direktgetriebene vorrangig partikuläre Feststoffe abtrennen, und
Tauchmotor-Rührwerke. Diese können direkt am Bodenfilter, die darüber hinaus zum Ziel haben,
Beckenboden oder der -wand befestigt werden durch biologischen Abbau und Adsorption ge-
und erzeugen ausreichende Turbulenzen, um zu löste Stoffe zu entfernen.
verhindern, dass sich Feststoffe absetzen.

Wilo – Abwassertechnik für die Wasserwirtschaft 04/2010 19


ZulAuf

Regenrückhalteanlagen im Misch- und trenn-


system (RRA)
Sie finden sich sowohl im Misch- als auch im
Trennsystem, sie sollen vorrangig den Abfluss
bei Regenwetter speichern.

Bei langen Aufenthaltszeiten und großen Volu-


mina begünstigen Regenrückhalteanlagen die
Sedimentation des zugeführten Abwassers.
Bei in die Kanalisation integrierten Anlagen ist
dies im Normalfall nicht erwünscht. Hier sind
ggf. Reinigungsanlagen vorzusehen.

Die Becken werden weiterhin wie folgt


unterschieden:

Art der Becken


FB Fangbecken
DB Durchlaufbecken
VB Verbundbecken
SKO Stauraumkanäle mit oben liegender Entlastung
SKU Stauraumkanäle mit unten liegender Entlastung
SKK Stauraumkanäle als Kaskade
MF Mechanische Filter
BF Bodenfilter
RRB Regenrückhaltebecken
RRK Regenrückhaltekanäle
RRG Regenrückhaltegräben
RRSB Regenrückstaubecken

Anordnung der Becken


Hauptschluss Speicherkammer und Kanalnetz sind hydraulisch gekoppelt,
d. h., sie füllen und leeren sich gleichzeitig
Nebenschluss Kanalnetz und Speicherkammer sind hydraulisch entkoppelt,
das Kanalnetz füllt und leert sich vor der Speicherkammer
Unechter Nebenschluss Hierbei ist keine eindeutige Zuordnung möglich

Betriebsweise der Becken


Statisch Feste Einstellungen von Wasserständen und Abflüssen
Bewirtschaftet Wasserstände und Abflüsse sind variabel

20 Änderungen vorbehalten 04/2010 WILO SE


ZulAuf

Pufferbecken

Um Kläranlagen hydraulisch gleichmäßig zu


beschicken, können vor Ort Ausgleichsbecken,
sogenannte Pufferbecken, installiert werden. Sie
speichern übermäßige Volumenströme, z. B. bei
Starkregenereignissen. In Trockenwetterzeiten
fließen diese Volumina wieder kontinuierlich der
Anlage zu. Damit ist eine hydraulische Überbe-
lastung der Anlage zu jeder Zeit ausgeschlossen.

Um zu vermeiden, dass sich mitgeführte Fest-


stoffe in diesen Becken absetzen, sind z. B.
Tauchmotor-Rührwerke oder Strahlreiniger vor-
zusehen. Diese Maschinen halten die Partikel in
der Schwebe und leiten sie während des Ent-
leerungsvorganges dem weiteren Reinigungs-
prozess zu.

Der Entleerungsvorgang selbst erfolgt entweder


in freiem Gefälle oder mithilfe von Pumpen.

Misch- und Ausgleichsbecken


Klärwerk Hildesheim

Schematische Darstellung von Pufferbecken im Kanalsystem

Wilo – Abwassertechnik für die Wasserwirtschaft 04/2010 21


ZulAuf

Beckenreinigung

Lang anhaltende Regenfälle und Tauwetter füh- funktionsbeschreibung Strahlreiniger


ren den Regenrückhaltebecken große Mengen Die Abwassertauchpumpe saugt aus der Entlee-
von Schmutz und Feststoffen zu. Um Geruchs- rungsrinne das Schmutzwasser aus dem Becken
bildung und das Absetzen von Feststoffen an an und fördert es über die Injektordüse und das
Wänden und an der Sohle des Beckens zu ver- Strahlrohr in das Becken zurück. Zusätzlich wird
meiden, können unterschiedliche Reinigungs- Luft durch Unterdruck über das Ansaugrohr ge-
verfahren zum Einsatz kommen. fördert, die sich mit dem Schmutzwasser im
Strahlrohr vermischt. Der unter Druck und großer
Geschwindigkeit aus dem Strahlrohr explosions-
artig austretende Luft-Wasser-Treibstrom reicht
weit in das Becken hinein und bewirkt eine tur-
bulente Strömung. Durch das einseitige Nei-
gungsgefälle von 2 bis 3 % zur Ablaufrinne sam-
meln sich die Grobstoffe dort an. Dieser Vorgang
wirbelt organische und anorganische Substan-
zen auf und transportiert sie zur Ablaufrinne.
Während sich die organischen Stoffe sehr schnell
mit dem im Wasser im Becken vermischen, hat
sich gezeigt, dass die schwereren anorganischen
Substanzen größtenteils erst in der Restreini-
gungsphase von der Beckensohle abgeschoben
werden.

Nachdem das Beckenwasser mehrfach durch das


Strahlrohr gefördert wird, werden dabei auch
Strahldüsenreinigung (ohne Injektor) gröbere organische Bestandteile zerkleinert und
Für dieses Düsensystem sind große Mengen aufgelöst. Der auftretende Wellenschlag reinigt
sauberen Wassers und eine Hochdruckpumpe auch die Beckenwände.
erforderlich.
Außerdem reichert sich das Wasser mit Sauer-
Schwallspülung mit Spülkippen stoff an. Dieser Nebeneffekt ist insofern bedeu-
Hier ist ein hoher baulicher Aufwand nötig. Wei- tend, weil das Wasser bei längeren Aufenthalts-
terhin ist eine Abwasserpumpe notwendig, um zeiten im Becken nicht anfaulen kann. Dies
die Spülkippen zu befüllen. bedeutet, dass
• keine Geruchsemission durch Gasentwicklung
Reinigung mit tauchmotor-Rührwerken auftritt
Die Vorteile sind der geringe Energieaufwand • die Kläranlage nicht zusätzlich durch angefaul-
und die geringe Nennleistung. Allerdings sind die tes Wasser belastet wird, was mit einer Ener-
Reinigungszeiten länger. Darüber hinaus hängt gieeinsparung bei der Abwasserreinigung ver-
die Reinigungsleistung stark von der Beckenform bunden ist, und
ab. • die Gefährdung der weiterführenden Kanäle
durch Schwefelwasserstoff entfällt. Wie Unter-
Strahlreiniger suchungen gezeigt haben, können erhebliche
Strahlreiniger können einfach installiert und mit Korrosionsschäden am Kanalnetz auftreten,
geringen bauseitigen Modifikationen in beste- deren Ursache in Schlammablagerungen und
henden Becken nachgerüstet werden. Sie haben der damit verbundenen anaeroben Faulung zu
einen geringen Energieaufwand und aufgrund suchen ist. Prinzipiell kann man die Korrosions-
großer Nennweiten sind kurze Reinigungszeiten schäden auf verschiedenen Wegen vermeiden.
zu erzielen. Mit einer Schaltanlage ausgerüstet, Einmal durch Verhinderung der Schwefelreduk-
kann die Reinigung auf unterschiedliche Be- tion z. B. durch Einspeisung von Sauerstoff in
ckenformen eingestellt werden. Leitungen oder Verminderung von Schlammab-
lagerungen und starker Sielhautbildung im Ka-
nalnetz
Ansaugrohr • für den Reinigungsvorgang kein Fremdwasser
benötigt wird

Injektordüse
Strahlrohr

Abwassertauchpumpe

22 Änderungen vorbehalten 04/2010 WILO SE


ZulAuf

Bauwerksgestaltung

Auswahlkriterien Rechteckbecken • Die Energiedichte sollte bei ca. 30–40 Watt/m³


• Länge:Breite sollte ein Verhältnis von 2:1 mit (bezogen auf 30 % Befüllung bei sehr tiefen
einer Wassertiefe nicht über 6 m haben. (Luft- Becken bis 6 m und bis 100 % Befüllung bei
eintrag erfolgt erst bei weniger als 4 m Wasser- flachen ca. 2–3 m tiefen Becken) liegen
überdeckung über dem Injektor) • Motor mit S1-Dauerbetrieb auch voll ausge-
• Das Längsgefälle zur Ablaufrinne sollte bei taucht
2–3 % liegen • Die Beckenentleerung soll zügig erfolgen.
• Anordnung der Strahlreiniger zentriert, bei der Während dies beim Pumpvorgang gewährleistet
Entleerungsrinne ist, ist bei der Entleerung über Auslaufklappen
• Die Ablaufrinne ist mit möglichst steilem Ge- darauf zu achten, diese so hoch anzubringen,
fälle von min. 5 % zur Entleerung auszubilden dass sie beim Entleerungsvorgang nicht vom
• Das erforderliche Nutzvolumen für die Restrei- Außenwasserspiegel eingestaut werden
nigung ist dem Becken anzupassen und sollte • Rechteckbecken Beispielrechnung
min. 3 % von der Beckenfläche als Volumen
betragen

Einbauvorschlag (ohne Maßstab) 8,00 m


Beckenlänge: 16,00 m Zulauf

Beckenbreite: 8,00 m
Beckenhöhe: 6,00 m
Max. Wasserstand ca. 5,00 m
Beckenvolumen ca. 640 m³
Gefälle ca. 1-3 %

Erforderlicher Mindest-
energieeintrag ca. 7,7 kW

16,00 m
Typ SR

Vnutz = 16,00 m x 8,00 m = 128,00 m2


3% der Fläche als Volumen = 3,84 m2

Auswahlkriterien Rund- und Ringbecken • Die Energiedichte sollte bei ca. 30-40 Watt/m³
• Rund- oder Ringbecken sollten eine Wasser- (bezogen auf 30 % Befüllung bei sehr tiefen
tiefe nicht über 6 m haben (Lufteintrag erfolgt Becken bis 6 m und bis 100 % Befüllung bei
erst bei weniger als 4 m Wasserüberdeckung flachen ca. 2 m tiefen Becken) liegen
über dem Injektor) • Motor mit S1-Dauerbetrieb auch voll ausge-
• Bei Rundbecken sind der Außendurchmesser taucht
und die Fläche maßgebend • Die Beckenentleerung soll zügig erfolgen.
• Das Längsgefälle zur Ablaufrinne am Rand oder Während dies beim Pumpvorgang gewährleistet
in der Mitte sollte bei 2-3 % liegen ist, ist bei der Entleerung über Auslaufklappen
• Anordnung der Strahlreiniger 1/3 Radius vom darauf zu achten, diese so hoch anzubringen,
Beckenaußenrand bei Ringbecken und zentriert dass sie beim Entleerungsvorgang nicht vom
bei der Ablaufrinne in Rundbecken Außenwasserspiegel eingestaut werden
• Die Ablaufrinne, sofern vorhanden, ist mit
möglichst steilem Gefälle von min. 5 % zur
Entleerung auszubilden
• Das erforderliche Nutzvolumen, sofern vorhan-
den und möglich, sollte für die Restreinigung
min. 3 % von der Beckenfläche als Volumen
betragen

Wilo – Abwassertechnik für die Wasserwirtschaft 04/2010 23


ZulAuf

Besondere Beckenformen – Beispiel 1


Die Beckenform ist nicht im optimalen Verhältnis
2:1. Die Ablaufrinne ist nicht am Beckenrand und
teilt das Becken in zwei so große zu reinigende
Hälften, dass mehrere Strahlreiniger notwendig
sind.

33,00 m Einbauvorschlag (ohne Maßstab)


10,00 m 23,00 m
Beckenlänge: 55,00 m
Beckenbreite: 33,00 m
Beckenhöhe: 4,50 m
Quergefälle ca. 2-3 % Quergefälle ca. 2-3 % Max. Wasserstand ca. 3,20 m
Beckenvolumen ca. 5808 m³
Erforderlicher Mindest-
energieeintrag ca. 69,7 kW
55,00 m
Gefälle ca. 1-3 %

3 Stück SR 11,5 5 Stück SR 11,5

Besondere Beckenformen – Beispiel 2


Die Beckenform ist nicht im optimalen Verhältnis
2:1. Die Ablaufrinne ist nicht am Beckenrand und
teilt das Becken in zwei zu reinigende Hälften.
Zwischen den Bauwerkspfeilern sollte zur besse-
ren Reinigungsleistung und Vermeidung von
Strömungstotzonen eine ca. 0,3 m hohe Mauer
angebracht werden.

30,00 m Einbauvorschlag (ohne Maßstab)


Beckenlänge: 30,00 m
Beckenbreite: 14,00 m
Beckenhöhe: 5,00 m
ca. 3 % Max. Wasserstand ca. 4,00 m
Beckenvolumen ca. 1680 m³
Erforderlicher Mindest-
Gefälle ca. 2-3 %

energieeintrag ca. 30,2 kW


14,00 m

ca. 1%
Pumpensumpf Zwischen den Säulen empfehlen wir eine Führung
mittels Blech oder aus Beton, ca. 0,2 bis 0,3 m
hoch, bis hin zur Sammelrinne.

ca. 3 %

24 Änderungen vorbehalten 04/2010 WILO SE


ZulAuf

Besondere Beckenformen – Beispiel 3


Bei dieser Sonder-Ringbeckenform ist eine un-
günstige Schmutzfrachtführung von der Außen-
ringkammer ins Innenrundbecken gegeben. Die
Ablaufrinne ist nicht am Beckenrand und teilt
das Becken. Hier ist eine Kombination aus Tauch-
motor-Rührwerken und Strahlreinigern möglich.

Einbauvorschlag (ohne Maßstab) 22,00 m


Beckendurchmesser außen: 22,00 m 9,50 m
ca. 2,16 m
Beckenhöhe Sole Rand: 5,00 m 5,00 m
Beckenhöhe Konusrand Mitte: 4,50 m 4,50 m
Max. Wasserstand ca. 4,00 m 4,00 m
Beckenvolumen
Außenring ca. 640 m³ 301 m³ ca. 2-3 %
Ablauf
Erforderlicher Mindest-
energieeintrag ca. 6,3 kW
ca. 3 %
ca. 30°

Zulauf

9,50 m

Planungslösungsweg Zusammenfassung
Die Fläche zu unterteilen und zwischen jedem • Der Reinigungsvorgang erfolgt bereits in der
Pfosten einen Strahlbelüfter zu installieren, ist Entleerungsphase
zu teuer. Die zu reinigende Fläche ca. 24 x 7 m ist • Es wird das Beckenwasser für die Reinigung
nicht im Verhältnis 2:1 und durch die Pfosten verwendet und kein Fremdwasser benötigt
ungünstig. Die Durchlauf- oder Entleerungsrinne • Das abfließende Beckenwasser ist gleichmäßig
als Ansaugrinne ist zu flach. mit Schmutzstoffen befrachtet, es entsteht
kein Spülstoß
Die Hauptschmutzfracht bleibt aber in der • Abwaschen der Beckenwände durch auftreten-
Durchlaufrinne. Somit ist ein Strahlreiniger 11,5 den Wellenschlag
mit Strahlrohrverlängerung hier die günstigste • Sauerstoffanreicherung des Beckenwassers, in-
Preis-Leistungs-Lösung. folgedessen keine Schwefelwasserstoffbildung
und keine Geruchsbelästigung
• Zerkleinerung und Auflösung gröberer organi-
scher Feststoffe
• Verhinderung von Sielhautbildung in weiter-
führenden Abwasserkanälen
• Geringe Investitionskosten
• Niedrige Wartungskosten und hohe Lebens-
dauer der Einrichtung
• Insgesamt geringere Betriebskosten durch
wirtschaftlichen Betrieb
• Vollautomatischer Betriebsablauf

Wilo – Abwassertechnik für die Wasserwirtschaft 04/2010 25


ZulAuf

Zulaufpumpwerke

fäkalschlamm/-annahme Ist die Fäkalschlamm-Annahmestation mit einer


Fäkalschlamm im Sinne des DWA-Arbeitsblattes eigenen Vorrichtung zur Entfernung von Grob-
DWA-A280 ist der Schlamm aus Kleinkläranla- und Faserstoffen sowie Sand ausgerüstet, so
gen nach DIN 4261 bzw. solchen mit bauauf- bestehen größere Freiheitsgrade bei der Wahl
sichtlicher Zulassung sowie aus werksmäßig ge- der Zugabestelle.
fertigten Faulgruben.
• Einbringen in den Abwasserstrom vor Rechen
Inhalte aus abflusslosen Gruben, Trocken- und und Sandfang einer KLA mit Vorklärung und
Chemietoiletten fallen nicht unter den Begriff Faulbehälter
„Fäkalschlamm“. • Einbringen in den Abwasserstrom hinter Re-
chen und Sandfang einer KLA mit Vorklärung
Die Zusammensetzung und Menge des Fäkal- und Faulbehälter
schlammes hängen vor allem vom Volumen, der • Einbringen in den Schlammstrom, direkt in den
Art der Entnahme und von der Entleerungs- Faulbehälter, Rechen und Sandfang sind dabei
bzw. Entschlammungshäufigkeit der Mehrkam- Voraussetzung
mergrube ab.
Die Fäkalschlamm-Annahmestation kann aus
Wurden Mehrkammergruben jahrelang nicht ge- folgenden Elementen bestehen:
räumt, kann der Fäkalschlamm um bis zu vier- • Anschlussstutzen für die Fäkalschlammanliefe-
fach erhöhte Schmutzkonzentration gegenüber rung, evtl. Online-Datenerfassung
dem aus regelmäßig geräumten Gruben aufwei- • Grobstoffrückhalt (Steinfang)
sen. Fäkalschlamm kann Steine, Sand, Textilien, • Grobrechen
Plastikmaterial, Glas, Blechdosen, Rasierklingen • Sandfang
u. Ä. enthalten. • Fäkalschlammspeicher
• Dosierstation
Fäkalschlamm darf die Reinigungswirkung einer
kommunalen Kläranlage nicht beeinträchtigen Die Fäkalschlamm-Annahmestation sollte
und keine Geruchsbelästigungen oder Betriebs- zweckmäßigerweise im Bereich des Kläranlagen-
störungen hervorrufen. zulaufs angeordnet werden.

Die Kläranlagen sollten im Allgemeinen einen Pumpentechnik


Ausbauwert von mindestens 10.000 Einwohnern Das Zulaufpumpwerk hebt die auf dem Klärwerk
haben. In Sonderfällen ist die Annahme bei ent- ankommenden Abwässer an, um sie durch die in
sprechend ausgerüsteten Belebungsanlagen bei der Regel nachgeschalteten Rechen, Siebtrom-
5.000 und 10.000 Einwohnern möglich. In der meln, Sand- und Fettfänge in die Vorreinigung
biologischen Stufe einschließlich der Belüf- zu befördern. Die Dimensionierung ist den ent-
tungseinrichtung und in der Faulstufe sowie in sprechenden DWA-Richtlinien zu entnehmen.
den anderen Einrichtungen zur Schlammbe-
handlung müssen entsprechende Leistungsre- Bei der hydraulischen Berechnung von Entwäs-
serven vorhanden sein. serungssystemen ist die Gesamtkonzeption der
Siedlungs- bzw. Stadtentwässerung unbedingt
Die Zugabestelle von Fäkalschlamm ist abhängig einzubeziehen.
von der Verfahrenstechnik der kommunalen
Kläranlage und von der Gestaltung der Fäkal- Zur Förderung setzt man häufig Schnecken-
schlammannahmestation. Ist diese nicht mit ei- oder Abwasserkreiselpumpen ein.
genem Sandfang ausgerüstet, so kann der
Schlamm nur in den Abwasserstrom vor der me-
chanischen Reinigungsstufe eingebracht werden.

Bei kleineren und mittleren Ausbaugrößen emp-


fiehlt es sich, einen Ausgleichsbehälter vorzu-
schalten, um eine stoßweise Zugabe zu vermei-
den.

26 Änderungen vorbehalten 04/2010 WILO SE


ZulAuf

Schneckenpumpwerke Abwasserkreiselpumpen
Die Erfindung dieser robusten Maschine, die In der kommunalen Wasserwirtschaft gibt es
aber auch viel Platz benötigt, wird auf den alt- unterschiedliche Aufstellungsarten. In der Nass-
griechischen Mathematiker Archimedes zurück- aufstellung ist die Gestaltung des Bauwerkes
geführt. Schneckenpumpwerke kommen zum recht einfach und platzsparend möglich, da die
Einsatz bei der Förderung großer Mengen. Pumpenaggregate im Pumpensumpf aufgestellt
werden.
Durch die großen Gangweiten ist es problemlos
möglich, auch feststoffbeladene Medien zu
transportieren.

Installation eines Schneckenpumpwerks

Bei der Trockenaufstellung ist ein separater


Pumpenkeller erforderlich, die Pumpen sind aber
Man unterscheidet folgende Bauformen: auchim Havariefall bei Überflutungen frei zu-
• Schneckentrog aus Ortbeton gänglich und überflutbar. Die Betriebssicherheit
• Schneckentrog aus vorgefertigten Betontrog- ist also jederzeit gewährleistet! Um die Ver-
steinen schleißfestigkeit zu erhöhen, können Sonder-
• Schneckentrog aus Stahlblech werkstoffe, z. B. Abrasit, Duplex oder Beschich-
• Kompakt-Schneckentrogpumpen tungen mit Ceram, eingesetzt werden.
(Rohrschnecken)

Da das Bauwerk hierbei in der Regel gleichzeitig


zur Wasserführung dient, ist hohe Genauigkeit
bei den Betonarbeiten notwendig (Ausnahme:
Schnecken mit Stahltrog oder Rohrschnecken).

Die ersten drei Bauformen arbeiten in einem


nach oben offenen Trog, letztere in einem ge-
schlossenen Rohr (Einsatz hauptsächlich im
Schlammbereich, Verstopfungsgefahr).

Hinweis:
Eine ausführliche Erläuterung
zur Pumpentechnik finden Sie
im Planungshandbuch
Abwassertechnik für die
Wasserwirtschaft – Teil 1:
Grundlagen der Hydraulik und
Elektrotechnik.

Wilo – Abwassertechnik für die Wasserwirtschaft 04/2010 27


ZulAuf

Berechnung Pumpenschacht, Stauvolumen

Das nutzbare Stauvolumen des Saugraumes ist formel nutzvolumen


abhängig von der zulässigen Schalthäufigkeit
und dem Förderstrom der größten eingebauten
Pumpe. Bei zwei gleichen Pumpen und automati- 0,9 • Q
scher, wechselnder Einschaltung kann das Volu- VNutz [m3] =
men halbiert werden. Z

Zulässige Schalthäufigkeit S: meist in Abhängig- Abkürzung Beschreibung


keit der Motorleistung bis zu 15 Einschaltungen
Q Volumenstrom der größten
pro Stunde. Pumpen [l/s]
Z Schalthäufigkeit [1/h]
Bei größeren Motorleistungen oder höherer
Schalthäufigkeit ist eine Rückfrage erforderlich.
Die im Diagramm angegebenen Volumina sind Das Ergebnis ist für eine Pumpe, bei zwei
Mindestwerte, um unter ungünstigen Verhältnis- Pumpen wird das Ergebnis halbiert.
sen einen störungsfreien Pumpbetrieb zu gewähr-
leisten. Dieser Betriebsfall ist gegeben, wenn der 0,9 • l/s
Zufluss für eine Pumpe halb so groß ist wie deren =
Förderstrom. Das ergibt eine maximale Anzahl Starts/h • 2 Pumpen
von Einschaltvorgängen pro Stunde.

0,9 • 150 l/s


=
10 • 2

= 6,75 m3/h nutzbar

Schachtnutzvolumen

V
20 U.S. qpm 50 100 200 300 500 1000 2000 3000 5000 10.000
[m3]
20Imp. qpm 50 100 200 300 500 1000 2000 3000 5000 10.000
100 100

50 50

40 40

30 30
pe
m

20 20
Pu
er
td

V
ei
gk

(m3)
fi
äu
l th

10 10
ha
Sc

1
=
S

2
3

5 5
4
5

4 4
6
8
12 0
1

3 3
15
20

2 2

1 1
1 2 3 4 5 10 20 30 40 50 100 200 300 400 500 1000 [/s]
5 10 20 30 40 50 100 200 300 500 1000 2000 3000 [m3/h]
Förderstrom der Pumpe Q

28 Änderungen vorbehalten 04/2010 WILO SE


ZulAuf

Bauwerksgestaltung und nachträgliche


optimierung des Pumpensumpfs
Der Pumpensumpf ist so zu gestalten, dass ein Folgendes muss beachtet werden:
einwandfreier Zustrom gewährleistet ist. Es dür- • Das Fördermedium muss der Pumpe möglichst
fen sich keine Ablagerungen und Schwimm- gleichmäßig zufließen (frei von Wirbeln und
schichten bilden. Lufteinschlüssen)
• Strömungstotzonen vermeiden
Bei ungleichmäßigem Zustrom kommt es zu un- • Prallwandanordnung im Pumpenschacht, um
regelmäßiger Belastung des Laufrades. Zusätz- Wirbel und Strudelbildung zu vermeiden
lich verändert die Wirbelbildung vor der Ansaug- • Ausreichende Wasserspiegelhöhe, um Ober-
öffnung der Pumpe die Betriebsbedingungen. flächenwirbel zu vermeiden (Luftansaugung)
Dies führt zu Geräuschen, Vibrationen, hohen • Bodengefälle, um Ablagerung zu vermeiden
Belastungen der Dichtungen und Lagerver- • Wasserzulauf aus relativ großer Höhe vermeiden
schleiß. durch die Installation einer Prallwand

Wilo – Abwassertechnik für die Wasserwirtschaft 04/2010 29


ZulAuf

Installationsbeispiele

Zulauf von vorn mit Prallwand

2
4

6 7

x = Mindest-Druckstutzen-
abgang der Pumpe
H = immer unter Mindest-
wasserspiegel
H
8 x 9

11

10

Zulaufgeschwindigkeit
ca. 0,5 m/s

30 Änderungen vorbehalten 04/2010 WILO SE


ZulAuf

Zulauf von vorn ohne Prallwand

x = Mindest-Druckstutzen-
2 abgang der Pumpe

8 x 9

10

Zulaufgeschwindigkeit
ca. 0,5 m/s

60° - 70°

legende
1 Befestigung Druckleitung 6 Prallwand
2 Zulauf 7 Mindestwasserspiegel
3 Mindestens ¾ des Zulaufstutzens 8 Maximal 10°
4 Kleiner Wandabstand 9 Ebene Auflage des Kupplungsfußes
5 Mindestens 25 % größer als Zulauf 10 Zwischenwände einziehen
11 Durchbrüche drosseln die Strömung und geben
der Luft Zeit zum Entweichen

Wilo – Abwassertechnik für die Wasserwirtschaft 04/2010 31


ZulAuf

Zulauf von der Seite mit Prallwand

2
4

5 6 7

x = Mindest-Druckstutzen-
abgang der Pumpe
H = immer unter Mindest-
wasserspiegel H
8 x 9

11

10

Zulaufgeschwindigkeit
ca. 0,5 m/s

32 Änderungen vorbehalten 04/2010 WILO SE


ZulAuf

Zulauf von der Seite mit Prallwand (ohne Durchbrüche)

2
7
3
x = Mindest-Druckstutzen-
6 abgang der Pumpe
5
H
8 x 9

10

Zulaufgeschwindigkeit
ca. 0,5 m/s

legende
1 Befestigung Druckleitung 6 Prallwand
2 Zulauf 7 Mindestwasserspiegel
3 Mindestens ¾ des Zulaufstutzens 8 Maximal 10°
4 Kleiner Wandabstand 9 Ebene Auflage des Kupplungsfußes
5 Mindestens 25 % größer als Zulauf 10 Zwischenwände einziehen
11 Durchbrüche drosseln die Strömung und geben
der Luft Zeit zum Entweichen

Wilo – Abwassertechnik für die Wasserwirtschaft 04/2010 33


ZulAuf

Überschlägige Auslegung des Bauwerks ohne trennwände


Förderstrom pro Pumpe [l/s]

2400

2200
A B C
2000

1800

1600

1400

1200

1000

800

600

400

200

0 0,4 0,8 1,2 1,6 2,0 2,4 2,8 3,2 3,6 4,0 4,4 4,8 5,2 5,6 6,0 6,4 6,8 7,2 7,6 8,0 8,4 8,8 9,2 9,6 10,0
Bauwerksabmessungen [m]

Generell ist eine Ausführung


mit Trennwand immer die
bessere Lösung.

Bauwerksgestaltung ohne trennwände (grobschätzung)

o,5 x C

A oder 1 x D

C
B oder 2 x D

B oder 2 x D

34 Änderungen vorbehalten 04/2010 WILO SE


ZulAuf

Installationshinweise Abwasserpumpen

Installation der Aufstellteile

ursache / fehler Auswirkungen fachgerechte Installation


• Instabiler Unterbau • Überhöhte Schwingungen • Bodenabstand zur Saugseite muss einge-
• Wassereintritt in die Dich- halten werden.
tungskammer/den Motorraum • Achtung: Abhängig vom Pumpentyp ist ein
Betonsockel erforderlich!

• Schräg eingebrachte Ankerstangen • Hohe Aggregatsvibrationen • Kupplungsfuß muss fachgerecht befestigt


• instabiler Höhenausgleich, keine satte • Öffnen der Gleitringdichtung und somit werden.
Auflagefläche Eintritt von Fördermedium in Dichtungs- • Gute massive Auflagefläche!
kammer und Motor • Befestigungsbolzen exakt montiert!
• Klebeanker!

• Ankerstangen nicht tief genug • Maschine läuft unruhig, Brüche am • Klebeanker müssen ausreichend tief in
eingebracht Kupplungsfuß den Betonboden eingebracht werden
• Kleber tritt aus der Bohrung heraus • Befestigungsschrauben reißen ab
• Instabile Kupplungsfußbefestigung

• Höhenausgleich durch instabile Unter- • Die entstehenden Momente und Kräfte • Der Kupplungsfußkrümmer muss an einem
lagen/Unterbau werden auf die Pumpe übertragen massiven Betonboden befestigt werden!
• Überschreitung der zulässigen Schwing- • Keine Unterlagen zum Höhenausgleich
stärke und dadurch Öffnen der Gleitring-
dichtung (Wassereintritt)

Wilo – Abwassertechnik für die Wasserwirtschaft 04/2010 35


ZulAuf

fehler mit Zubehör bzw. Installation zwischen Saug- und Druckleitung

ursache / fehler Auswirkungen fachgerechte Installation


• Keine Kompensatoren zwischen Druck- • Vibrationen der Rohrleitung werden auf • Bei Trockenaufstellung sind Kompen-
stutzen und Druckrohrleitung das Pumpenaggregat übertragen satoren unmittelbar nach dem Druckstut-
• Die Schwingungen steigen an, sodass die zen notwendig
Laufflächen der Gleitringdichtung öffnen • Ein Kompensator vor dem Kupplungsfuß-
(Wassereintritt) krümmer ist von Vorteil!
• Es kommt zu keinen Rückschwingungen
aus dem Rohrleitungssystem!
• Reduzierung der Saugleitung durch ein • Luftansammlung am Hochpunkt • Bei Reduzierung der Saugleitung sollte ein
FFR-Stück • Unruhiger Lauf beim Ansaugen des Luft- FFR-E anstelle eines FFR-Stückes einge-
Wasser-Gemisches (Kavitation) setzt werden
• Unmittelbar vor dem Kupplungsfuß- • Die Anströmung wird negativ beeinflusst • Unmittelbar vor dem Kupplungsfußkrüm-
krümmer ist ein Klappenschieber einge- • Es entstehen Ablösungen und Verwirbe- mer dürfen keine Einbauten installiert
baut lungen unmittelbar vor der Saugöffnung werden, welche zu einer Störung der
• Die Pumpe läuft unruhig und kann kavi- Strömung führen
dieren  Öffnen der Gleitringdichtung • Einen Plattenschieber einbauen, der einen
Wassereintritt freien Durchfluss gewährleistet. Ausrei-
chend lange Beruhigungsstrecke und
drallfreie Anströmung!
• Rechtwinkliger Abzweig (90°) zur • Ablösungen durch ungleichmäßige und • Rechtwinklige Abzweige der Zulaufleitung
Saugleitung aus der Sammelleitung drallbehaftete Anströmung sollten vermieden werden.
• Das Fördermedium wird der Pumpe • Günstige Strömungsverhältnisse erhält
ungleichmäßig zugeführt  Erhöhung von man mit schrägen Abzweigen!
Vibrationen • Dadurch wird eine drallfreie und gleichmä-
ßige Anströmung gewährleistet
• Keine ausreichende Rohrleitungs- • Ablösungen durch ungleichmäßige und • Rechtwinklige Abzweige der Zulauflei-
befestigung drallbehaftete Anströmung tung sollten vermieden werden.
• Das Fördermedium wird der Pumpe • Günstige Strömungsverhältnisse erhält
ungleichmäßig zugeführt  Erhöhung man mit schrägen Abzweigen!
von Vibrationen • Dadurch wird eine drallfreie und gleich-
mäßige Anströmung gewährleistet
• Versatz des Flansches der Druckrohrlei- • Das Aggregat wird verspannt eingebaut; • Spannungsfreier Einbau des Pumpen-
tung zum Druckstutzen der Pumpe Schwingungen erhöhen sich und dies aggregates in die Systemrohrleitung!
führt zu Schäden der Gleitringdichtung
bzw. des Kugellagers und zum Öffnen der
Gleitringdichtung  Wassereintritt

• Das RV ist unmittelbar nach dem Fuß- • Luftansammlung im RV-Gehäuse • Das RV sollte an der höchsten Stelle der
krümmer eingebaut • Die Pumpe fördert nicht, da die Luft Steigleitung angeordnet werden
komprimiert, jedoch das RV nicht öffnet • Wenn möglich in die horizontale Druck-
rohrleitung montieren!

36 Änderungen vorbehalten 04/2010 WILO SE


ZulAuf

fehler während der Bauphase

ursache / fehler Auswirkungen fachgerechte Installation


• Stromzuführungskabel nicht fachgerecht • Kabel werden beschädigt • Stromzuführungskabel ordnungsgemäß
verlegt • Es kann zu Schäden an der Pumpe sowie von der Pumpe über Kabelkanäle zur
an der Schaltanlage kommen Schaltanlage verlegen!
• Pumpe steht ungeschützt in dem im Bau • Beschädigung des Pumpenaggregates • Stromzuführungkabel sind außerhalb des
befindlichen Pumpensumpf durch herabfallende Teile Pumpenschachtes fachgerecht befestigt!
• Stromzuführungskabel liegen im Wasser • Eindringen von Wasser über die Kabelen- • Die Kabelenden des Stromzuführungska-
den in den Klemmenraum bzw. Motor bels dürfen nicht im Wasser liegen
• Bei der Inbetriebnahme kann es zu einem • Das Pumpenaggregat muss von herabfal-
Kurzschluss und somit zum Defekt des lenden Teilen geschützt werden!
Motors kommen

Interaktion Pumpe – fluid bzw. mehrerer Pumpen

ursache / fehler Auswirkungen fachgerechte Installation


• Zu geringer Abstand zwischen den Pum- Gegenseitige Beeinflussung der Aggregate • Ausreichender Abstand der Pumpen
penaggregaten • Ungleichmäßige Anströmung untereinander muss eingehalten werden
• Vibrationen (2 x Durchmesser)!
• Pulsierende Förderung
• Erhöhter Verschleiß

• Zufließendes Fördermedium stürzt direkt • Es entsteht Lufteintrag • Es darf beim zulaufenden Fördermedium
neben die Pumpe • Die Pumpe saugt das Luft-Wasser- kein Wasserabsturz entstehen
Gemisch an und es kommt zum unruhigen • Zufließendes Fördermedium wird durch ein
Lauf der Maschine und somit zu einem Prallblech bzw. Prallrohr beruhigt und der
Wassereintritt in die Pumpe Pumpe zugeführt!

Wilo – Abwassertechnik für die Wasserwirtschaft 04/2010 37


Mechanische Reinigung
Mechanische Verfahren bilden zumeist die erste Reinigungsstufe.
Dadurch werden etwa 20 – 30 % der festen (ungelösten) Schwimm-
und Schwebstoffe, die mechanisch erfasst werden können, aus dem
Abwasser entfernt. Die weitergehende Abwasserreinigung und die
Industriewasserwirtschaft setzen unter anderem Adsorption, Filtra-
tion und Strippung ein.

Zu den mechanischen Verfahren gehören: Heute verwendet man immer kleinere Stabab-
• Rechen- und Siebverfahren stände oder Trommelsiebe, wodurch Rechen-
• Sedimentation in Absatzbecken und Sandfängen gutwäscher erforderlich werden.
• Flotation und Leichtstoffabscheidung
• Filtration Verfahrenstechnisch handelt es sich um eine
• Membranverfahren wie Umkehrosmose und Trennung aufgrund geometrischer Unterschiede,
Ultrafiltration die Klassieren oder Sieben genannt wird. Selte-
• Zentrifugation ner werden Siebe am Ablauf des Sandfangs oder
im Rücklaufschlammstrom eingesetzt.
In kommunalen Anlagen kommen im Allgemei-
nen Rechen- und Siebverfahren sowie Sandfang Bauformen von Rechen
und Absetzbecken vor. Es gibt Rechen, die manuell gereinigt werden,
und automatische Rechen.

Eine Räumung von Hand findet man heute fast


Rechen ausschließlich bei Notumlaufrechen. Sie bestehen
aus geraden Stahlstäben, die meistens in einer
Das Ziel der Rechen ist es, grobe Inhaltsstoffe Neigung von 1:2 bis 1:3 (selten senkrecht) ange-
fernzuhalten. Sie dienen dem Schutz nachge- ordnet sind.
schalteter Anlagen und Maschinen z. B. vor Ver-
stopfung. Rechen werden nach unterschiedlichen Kriterien
eingeteilt. Üblich ist die Unterscheidung nach
Rechen arbeiten nach dem Siebfiltrationsver- dem Trenngrad, d. h. der Größe der Sieböffnungen.
fahren. Sie sind die erste und wichtigste Reini-
gungsstufe in Kläranlagen. Das Abwasser durch- • Grobrechen haben Öffnungsweiten von mehr
fließt ein Sieb, das grobe Inhaltsstoffe zurückhält, als 40 mm
um nachfolgende Maschinen und Anlagen zu • Feinrechen liegen im Bereich von 10 bis 40 mm
schützen. Die abgetrennten Grobstoffe nennt • Maschinen mit Öffnungsweiten unter 10|mm
man Rechengut. werden als Feinstrechen bezeichnet

Heute werden oft Grob- und Feinrechen bzw.


eine Siebung hintereinandergeschaltet.

Wilo – Abwassertechnik für die Wasserwirtschaft 04/2010 39


MEChAnISChE REInIgung

Man unterscheidet folgende Rechentypen nach • Weniger störanfällige Schlammbehandlung


der Art der maschinellen Ausbildung: • Homogenere Schlammausbildung ohne unäs-
thetische Ausbildungen (u. U. ein Vorteil bei
Bogenrechen landwirtschaftlicher Nutzung)
Sie haben eine relativ große Nutzfläche bei gerin- • Vermeidung von Schwimmdecken in Faulbe-
ger Einbautiefe. Ein oder zwei Kämme schwenken hältern
an einem Gestänge um eine horizontale Achse. • Wichtig für Membrananlagen, die einen weit-
Ihr Einsatzbereich findet sich hauptsächlich auf gehend faserfreien, mit Rechen nicht erreich-
kleinen Kläranlagen mit engen Gerinnen. baren Zulauf benötigen

harkenrechen Siebanlagen unterscheidet man nach folgenden


Mit ihnen können große Einbautiefen erreicht Kriterien:
werden. Die geraden Rechenstäbe sind in einem
Winkel von 80° angeordnet, die Reinigung er- Größe der Sieböffnungen:
folgt mit einer Harke, die ein Wagen mit zwei • Grobsiebe ≥ 1 mm
Seilen zieht. • Feinsiebe < 1 mm
• Mikrosiebe ≥ 0,05 mm
greiferrechen
Sie sind ähnlich dem Harkenrechen, jedoch für Art des Siebkörpers:
härtere Belastungen ausgelegt. Ein zusätzliches • Bogensiebe
Kabel und ein Getriebemotor steuern den Greifer • Trommelsiebe
unabhängig vom Schlitten. • Siebbänder
• Siebscheiben
umlaufrechen
Hier dienen Kammbleche, die durch eine umlau- Aufbau der Siebfläche:
fende Kette gezogen werden, zur Reinigung. Sie • Spaltsiebe
werden senkrecht oder wenig geneigt eingebaut. • Lochsiebe
• Siebgewebe
Sonderformen (Körbe usw.)
Der zu den Feinstrechen zählende Stufenrechen Art des Einbaues:
wird immer beliebter. Hier handelt es sich um ein • In einem Gerinne
Feingitter, das aus stufenförmigen Lamellen zu- • Unabhängig von einem Gerinne
sammengesetzt ist. Diese Lamellen sind ab-
wechselnd starr und beweglich mit definierten Die einfachsten Siebe sind die Bogensiebe, die
Spaltweiten, in einem Rahmen angeordnet. Die keine mechanisch bewegten Teile besitzen. Über
gleichzeitigen Dreh- und Hubbewegungen der starre bogenförmige Siebflächen läuft das Was-
beweglichen Lamellen heben Feststoffe von ser nach unten durch das Sieb. Die Feststoffe
Stufe zu Stufe an und transportieren sie auf eine rutschen von der Siebfläche auf ein Förderband
Abwurfvorrichtung. oder in einen Container.

Der Siebrechen, auch Paternosterrechen, ist ein Bei einer anderen Bauform, dem Muldensieb,
häufig eingesetzter Zwitter zwischen Sieb und räumen rotierende Bürstenarme das als halb-
Rechen. Ein Endlosband aus Kunststoffelemen- kreisförmig ausgebildete Mulde geformte Sieb
ten taucht in den Abwasserstrom ein und nimmt durch rotierende Bürstenarme geräumt.
bei der Aufwärtsbewegung die Feststoffe mit.
Er wird wie ein Rechen in ein Gerinne gesetzt Trommelsiebe bestehen aus einer sich langsam
und erzeugt nur geringe hydraulische Verluste. drehenden Trommel, bei der das Wasser entwe-
der von außen nach innen oder umgekehrt
strömt. Siebtrommeln werden in der Regel durch
Betriebswasser über Sprühdüsen gereinigt.
Siebe
Die Siebanlagen bemisst der jeweilige Hersteller.
Im Zulauf kommunaler Kläranlagen finden sich Da sie erfahrungsgemäß zu den wartungsinten-
heutzutage immer öfter Siebe mit folgenden sivsten maschinellen Einrichtungen gehören,
Vorteilen: sind sie redundant auszuführen.
• Weniger Wartung der nachfolgenden Reini-
gungsstufen, da alle Grob- und Faserstoffe im
Sieb zurückgehalten werden
• Verminderung an absetzbaren Stoffen

40 Änderungen vorbehalten 04/2010 WILO SE


MEChAnISChE REInIgung

Rechengut/Rechengutwäsche

Rechengut besteht aus organischen und anorga-


nischen Substanzen wie Toilettenpapier, Hygie-
neartikeln, Fäkalien, Lebensmittelresten und
Laub. Problematisch sind im Abwasser enthal-
tene Textilfasern, Haare, Papier und Kunststoffe.
Durch ihre Struktur neigen sie zur Verzopfung
und können bei Pumpen und Rührwerken zu
Schäden führen.

Rechengut ist ein hygienisch problematischer


Abfall, der meist verbrannt wird. Dazu wird das
Rechengut in der Regel vorher mechanisch ent-
wässert. Oft wird das Rechengut auch gewa-
schen, um den Anteil an löslichen organischen
Stoffen zu verringern. Diese organischen Stoffe
werden der biologischen Reinigung wieder zu-
geführt.

Je nach Rechentyp schwankt der TR (Trocken-


rückstand) von kommunalem Rechengut zwi-
schen 10 und 25 %. Der organische Anteil liegt
hierbei im Durchschnitt bei 90 % des Trocken-
rückstandes.
ROTATMAT®-Feinrechen im
Zulaufkanal einer Großkläran-
Die anfallende Rechengutmenge ist im Wesent- lage in Freiluftaufstellung
lichen abhängig von installiert (Huber SE)
• der Spaltweite der Rechen- bzw. Siebanlagen
• der Art und Größe des Entwässerungssystems
• der Art und Menge vorgeschalteter Pumpsta-
tionen
• dem Anteil an Großeinleitern mit bestimmten
Abwasserinhalten

Der Trockenrückstand des Rechengutanfalles


wird in Entwässerungscontainern mittels
Schnecken-, Kolben-, oder Walzenpressen auf
maximal 50 % erhöht. Damit gelingt eine Ge-
wichts- und Volumenreduktion um bis zu 80 %.

Häufig wird eine Rechengutwäsche in diesen


Verfahrensschritt integriert, um Fäkalien und
suspendierbare organische Stoffe auszuspülen
und in den Zulauf der Kläranlage rückzuführen.

Rechengutmengen in Abhängigkeit der Durchgangsweiten (modifiziert nach DwA-DVwK, 2003b)

Spezifische Rechengutmengen [l/E·a]


Durchgangsweite nicht entwässert Mechanisch entwässert
Aggregat [mm] (8 % tR) (25 % tR)
Grobrechen > 40 2–5 0,5–1,5
Feinrechen 10–40 5–15 2,5–5
Grobsieb 15–5 11–17 3,5–5,5
Siebrechen 6–1 16–35 5–12

Wilo – Abwassertechnik für die Wasserwirtschaft 04/2010 41


MEChAnISChE REInIgung

Sandfang

Der Sandfang als zweiter Teil der mechanischen


Abwasserreinigung ist meistens ein langgezoge-
nes Absetzbecken zur Entfernung des Sandes
aus dem Abwasser. Grundsätzlich unterscheidet
man zwischen einem belüfteten und unbelüfteten
Sandfang.

Im Sandfang reduziert sich die Fließgeschwin-


digkeit des Abwassers, wodurch schwere Stoffe
wie mitgeführte Sandpartikel und Kies absinken
können. Damit sollen hauptsächlich die anorga-
nischen Bestandteile des Abwassers entfernt
werden.

Dies dient
• zum Schutz vor Ablagerungen in Leitungen und
Klärbecken
• zum Schutz vor Abrasion von Maschinen und
Anlagenteilen
• zur mechanischen Reinigung des Abwassers

Die verbreitetste Bauform ist der Langsandfang.


Im Langsandfang darf die Fließgeschwindigkeit
des Abwassers max. 0,3 m/s betragen, damit
Sandkörner und anderes Material (d > 0,2 mm)
sich absetzen können. Die Sedimentation wird
durch die verringerte Fließgeschwindigkeit
erreicht. Leichtere Stoffe sowie kleinere Partikel
transportiert die Strömung weiter.

Die anfallende Sandmenge beträgt etwa 2–6 Liter


pro Einwohner pro Jahr.

Das Sandfanggut wird regelmäßig geräumt und


entsorgt. Sandfänge können durch hydraulischen
Überdruck (bei hoch liegenden Sandfängen),
mechanische Räumeinrichtungen wie Kratzer,
Schilde und Schnecken sowie Mammutpumpen
und Kreiselpumpen geräumt werden.

Die heute am meisten gebräuchliche Art ist die


Räumung durch Pumpen. Sie sind an einer fahr-
baren Räumerbrücke befestigtund saugen die
sedimentierten Partikel aus der Absetzrinne am
Boden des Sandfanges ab.

42 Änderungen vorbehalten 04/2010 WILO SE


MEChAnISChE REInIgung

Vorklärung

Aufgrund der hohen Turbulenz in Pumpstatio- Diese mechanische Reinigung geschieht durch
nen und im Kanalsystem sind Fettanteile im Ab- einen Absetzvorgang der ungelösten, organi-
wasser fein dispergiert und dadurch kaum zu schen Stoffe in Form von Vorklärschlamm (Pri-
entfernen. Durch eine Belüftung des Mediums märschlamm) oder auch von groben Stoffen wie
können sich diese fein gelösten Fetttröpfchen Wattestäbchen und Hygieneartikeln, die der Re-
wieder agglomerieren und an die Wasseroberflä- chen nicht erfasst. Um die Sedimentation zu er-
che aufsteigen. Bei diesem Vorgang werden in möglichen, wird durch eine Querschnittsverbrei-
einem belüfteten Sandfang die gemeinsamen terung des Beckens die Fließgeschwindigkeit
hydrophoben Eigenschaften von Luft und Fett auf, je nach Belastung der Kläranlage (Trocken-
ausgenutzt. Danach kann das Fett mit einem oder Regenwetter), etwa 1,5 cm/s gesenkt. Der
Räumer aus dem Abwasser wieder entfernt wer- Vorklärschlamm (Primärschlamm) hat einen Fest-
den. stoffanteil von max. 3 %. Der pH-Wert liegt zwi-
schen 5 und 6, da der Schlamm durch den Faul-
Die anfallende Fettmenge beträgt: 6–15 g pro vorgang recht sauer ist. Ein Räumer schiebt den
Einwohner pro Tag. Schlamm in die Trichterspitzen des Vorklärbe-
ckens und von dort aus führen ihn Abwasser-
Das Räumen des Sandfangs stellt hohe Anforde- pumpen der weiteren Schlammbehandlung zu.
rungen an die Verschleißfestigkeit der verwen- Das Abwasser aus dem Vorklärbecken fließt
deten Pumpen. Ablagerungen (insbesondere meist im freien Gefälle in den biologischen Anla-
Sand) müssen aufgewirbelt und abgepumpt genteil der Kläranlage.
werden. Spezielle Sandfangpumpen mit Frei-
stromlaufrad und Rührkopf eignen sich hierfür Ausgelegt werden die Becken nach Aufenthalts-
besonders. Dabei wird der Sand nur im Bereich zeit abhängig von der Schmutzfracht und dem
des Pumpeneinlaufs aufgewirbelt, feste Ablage- max. Trockenwetterdurchfluss.
rungen werden aufgelockert und gefördert.
Durch die eng begrenzte Strömungszone kann Mit der Vorklärung endet die mechanische Ab-
sich der Sand ungestört absetzen. Da Rührkopf, wasserreinigung. Im Abwasser befinden sich
Laufrad und Pumpengehäuse einem sehr hohen jetzt noch ca. 60–70 % der Verschmutzung in
Verschleiß ausgesetzt sind, verwendet man oft gelöster Form, die anschließend biologisch ab-
Hartgusswerkstoffe mit erhöhtem Chromanteil gebaut werden.
(z. B. Abrasit).

Bei modernen Anlagen wird das Sandfanggut


nach der Entnahme aus dem Sandfang gewa-
schen, d. h. von organischen Inhaltsstoffen be-
freit, um eine bessere Entwässerung und an-
schließende Verwertbarkeit (z. B. im Straßenbau)
zu ermöglichen.

Eine weitere Bauform ist der Rotationssandfang


(Rundsandfang). Durch den Teetasseneffekt
sammeln sich die absetzbaren Stoffe im mittig
angeordneten Sumpf eines Rundbeckens.

Wilo – Abwassertechnik für die Wasserwirtschaft 04/2010 43


Biologische Reinigung und
weitergehende Maßnahmen
Biologische Verfahren werden für den Abbau organisch hoch
belasteter Abwässer eingesetzt. Sie verwenden mikrobiologische
Abbauvorgänge.

Dabei werden abbaubare organische Abwasser- rechnet werden. Dieses sogenannte Schlamm-
bestandteile möglichst vollständig mineralisiert, alter ist ein wichtiger Parameter, um den biolo-
d. h. in der aeroben Abwasserreinigung bis zu gischen Teil einer Kläranlage zu beschreiben.
den anorganischen Endprodukten Wasser, Koh-
lenstoffdioxid und Stickstoff abgebaut. Die dritte Stufe ist ein abiotisch-chemisches
Verfahren. Dieses bedient sich chemischer Reak-
Ebenso werden durch bakterielle Nitrifikation N tionen wie Oxidation und Fällung ohne Beteili-
und Denitrifikation DN organisch gebundenen gung von Mikroorganismen. Diechemischen
Stickstoff und Ammonium entfernt. Zunehmend Reaktionen dienen in der kommunalen Abwas-
wird in mittleren und großen Kläranlagen auch serreinigung vor allem der Entfernung von Phos-
der Phosphor bakteriell eliminiert. phor durch Fällungsreaktionen. Dieser Prozess
ist sehr wichtig, um die Eutrophierung der Vor-
Die Gesamtheit der an der biologischen Abwas- fluter zu vermeiden. Zudem nutzt die Industrie-
serreinigung beteiligten Mikroorganismen be- wasserwirtschaft abiotisch-chemische Verfah-
zeichnet man als Belebtschlamm. Teilweise hoch ren zur Fällung und zur weitergehenden
spezialisierte Bakterienstämme nutzen die ab- Abwasserreinigung (beispielsweise Flockung/
zubauenden Abwasserinhaltsstoffe, um ihren Fällung/Filtration).
Stoffwechsel zu decken. Die Zusammensetzung
des Belebtschlammes passt sich der jeweiligen
Abwasserzusammensetzung an und variiert von
Kläranlage zu Kläranlage.
Phosphatelimination

Erfahrene Laborarbeiter sind in der Lage, allein In den letzten 30 Jahren hat sich die Belastung
durch mirkroskopische Auswertung vorliegender der Abwässer mit Phosphat um mehr als 50 %
Schlammproben eine Kläranlage sehr genau zu reduziert, was hauptsächlich dem Einsatz phos-
charakterisieren. phatfreier Textilwaschmittel zu verdanken ist.
Der Hauptanteil des Phosphates, das heute ins
Für eine effektive Reinigung ist eine gewisse Abwasser gelangt, ist Stoffwechselprodukten
Mindestkonzentration an Mikroorganismen im und damit den menschlichen Ausscheidungen
Belebungsbecken notwendig. Das stellt eine zuzuschreiben.
kontinuierliche Biomassenrückführung (siehe
Abbildung: Fermenter mit teilweiser Biomassen- Da Phosphat wie auch Stickstoff einen Pflan-
rückführung) sicher. Da auch gleichzeitig regel- zennährstoff darstellt, der zur Eutrophierung
mäßig eine definierte Menge an Überschuss- von Gewässern führen kann, ist es ein elementa-
schlamm aus dem System abgezogen wird, kann rer Bestandteil der biologischen Abwasserreini-
über das Verhältnis der im System befindlichen gung, diese Verbindungen zu entfernen. Dies ist
zur täglich abgezogenen Biomasse deren durch- durch chemische Fällungsreaktionen oder auf
schnittliche Verweilzeit im Belebungsbecken er- biochemischem Wege bzw. durch die Kombina-

Wilo – Abwassertechnik für die Wasserwirtschaft 04/2010 45


Biologische Reinigung und weiteRgehende MassnahMen

Stickstoffelimination

tion dieser Verfahren möglich. Bei der biochemi- Stickstoff stellt analog zum Phosphat einen
schen Elimination nutzt man die Fähigkeit be- Pflanzennährstoff dar, der in höheren Konzen-
stimmter Bakterienstämme, Phosphor als energe- trationen zu einem erhöhten Algenwachstum in
tisch hochwertigen Speicherstoff in die Biomasse den Gewässern führt. Bestimmte Stickstoffver-
einzulagern. Da ein Wechsel von anaeroben und bindungen wirken außerdem direkt fischgiftig.
aeroben Milieus diese Vorgänge unterstützt,
findet man im Einlauf der biologischen Abwas- Die Elimination von Stickstoffverbindungen um-
serreinigung häufig sogenannte anaerobe Selek- fasst mehrere Abbaustufen, wobei hier die
torbecken als Bio-P-Becken. Zur chemischen Hauptschritte Nitrifikation und Denitrifikation
Phosphatelimination setzt man komplexbildende betrachtet werden.
Metallsalze oder Kalk zu. Die Kationen dieser
Fällmittel gehen mit dem Phosphat-Anion eine Bereits in der Kanalisation und dann weiter in der
in Wasser nicht lösliche Verbindung ein. Diese Kläranlage wird der organisch gebundene Stick-
Kolloide lagern sich zu Flocken zusammen, die in stoff zu Ammonium hydrolysiert und ist in dieser
der Nachklärung NK sedimentieren und mit dem Form zugänglich für in der Belebung angesiedelte
Überschussschlamm entfernt werden. Durch Mikroorganismen. Bei diesen Nitrifikanten han-
diese Maßnahmen sind Eliminationsgrade von delt es sich um obligat aerob wirkende Bakterien,
über 90 % zu erreichen. die in einem zweistufigen Prozess unter Sauer-
stoffverbrauch Ammonium zu Nitrat oxidieren.

Im ersten Schritt bildet der Mikroorganismus Ni-


trosomonas das Zwischenprodukt Nitrit, welches
Kohlenstoffelimination dann der Nitrobacter zum Nitrat überführt.

Biochemische Abbauprozesse erfordern organi- Hydrolyse


sche Kohlenwasserstoffe, die die Mikroorganis-
men umsetzen oder adsorbieren. Bei der Ad- org-N + H2O  NH4+ + OH-
sorption lagern sich kolloidale und gelöste
organische Substanzen auf der Oberfläche der 1. Schritt:
Belebtschlammflocken an und werden teilweise NH4+ + 1,5 O2  NO2- + 2 H+ + H2O + Energie
ins Flockeninnere weitertransportiert. Dort kann
je nach Qualität der Kohlenwasserstoffe eine 2. Schritt:
stoffliche Umsetzung stattfinden oder die Sub- NO2- + 0,5 O2  NO3- + Energie
stanzen bleiben unverändert an der Biomasse
adsorbiert und sind so mit dem Überschuss- Das intermediär gebildete Nitrit ist in der Praxis
schlamm zu entfernen. nur in geringen Konzentrationen nachweisbar.
Folglich ist in der Praxis davon auszugehen, dass
Ein weiterer Anteil der organischen Kohlenwasser- der zweite Reaktionsschritt vollständig abläuft.
stoffe wird unter Sauerstoffzufuhr biochemisch Diese für die Stickstoffelimination wichtigen Re-
zu Kohlendioxid und Wasser oxidiert. Damit de- aktionen stellen den Mikroorganismen die Ener-
cken die Mikroorganismen die Energiezufuhr für gie bereit, die sie zur Deckung Ihres Energie-
ihren Stoffwechsel und den Kohlenstoffbedarf, stoffwechsels und zum Aufbau neuer Biomasse
um weitere Mikroorganismensubstanz aufzu- notwendig ist. Diese Zellsynthese ist begleitet
bauen. von einer Inkorporation an Stickstoff in die Mi-
Klärwerk Swinemünde auf kroorganismen. Unter Berücksichtigung der
Usedom Energiebilanz lässt sich die gesamte Nitrifikation
stöchiometrisch wie folgt ausdrücken:

NH4+ + 1,83 O2 + 1,98 HCO3-  0,021

C5H7O2N + 0,98 NO3- + 1,041 H2O + 1,88 H2CO3

Zusammenfassend lässt sich die Nitrifikation als


ein Vorgang beschreiben, der unter Sauerstoff-
verbrauch abläuft, Protonen freisetzt und somit
Pufferkapazität im Belebungsbecken verbraucht.
Dies ist insofern bedeutend, da die nitrifizieren-
den Mikroorganismen wie die meisten anderen
Bakterien auch im neutralen pH-Bereich die op-
timalen Lebensbedingungen vorfinden und die
größte Aktivität aufweisen.

46 Änderungen vorbehalten 04/2010 WILO SE


Biologische Reinigung und weiteRgehende MassnahMen

Im zweiten Schritt der biologischen Stickstoff- Der dabei freigesetzte Sauerstoff entweicht je-
elimination wird das gebildete Nitrat zum ele- doch nicht in die Atmosphäre, sondern wird zur
mentaren Stickstoff reduziert. Da dieser Vorgang Oxidation von Kohlenstoffverbindungen ge-
nur bei Abwesenheit von gelöstem Sauerstoff nutzt, um den Energiestoffwechsel der Mikroor-
stattfindet, ist die Denitrifikation entweder ganismen zu decken. Dies soll am Beispiel der
räumlich oder zeitlich streng von der Nitrifika- anoxischen Glukoseveratmung dargestellt werden:
tion zu trennen. In der Biozönose der Bele-
bungsanlage sind neben den autotrophen Nitri- 5 C6H12O6 + 24 NO3-  24 HCO3- + 6 CO2
fikanten auch die zur Denitrifikation befähigten + 18 H2O + Energie
Mikroorganismen vorhanden.
Wie beide Gleichungen deutlich machen, ver-
Diese brauchen Kohlenstoffverbindungen für ih- braucht die Denitrifikation Protonen und sorgt
ren Energiestoffwechsel und haben demnach damit im Zusammenspiel mit der Nitrifikation für
heterotrophen Charakter. In den Nitrifikations- eine nahezu ausgeglichene Säurebilanz.
zonen der Belebungsanlage besteht ihre Auf-
gabe vor allem darin, Kohlenwasserstoffe unter Damit sich die für die Stickstoffelimination rele-
Sauerstoffverbrauch bis zu den Endprodukten vanten Mikroorganismen in der Belebung einer
Kohlendioxid und Wasser zu oxidieren. Etwa 70 – Kläranlage akkumulieren können, muss die Bio-
90 % der heterotrophen Mikroorganismen sind masse vor dem Kläranlagenablauf vom gereinig-
in der Lage, bei Abwesenheit von gelöstem Sau- ten Abwasser getrennt und in den Zulauf der
erstoff den im Nitrat gebundenen Sauerstoff zu biologischen Stufe zurückgeführt werden. Damit
veratmen. Dieser Zustand, der als Übergang von ist es möglich, eine notwendige minimale Bio-
aeroben zu anaeroben Bedingungen charakteri- massenkonzentration im Belebungsbecken auf-
siert werden kann, wird als anoxisch bezeichnet. rechtzuerhalten.
Die komplexen Zusammenhänge dieses Vorgan-
ges werden im Folgenden anhand der Reaktions- Die Rückhaltung der Biomasse erfolgt in der Nach-
gleichungen näher beschrieben. klärung, wo sich der belebte Schlamm absetzen
kann und von dort kontinuierlich abgezogen
Obwohl der biologische Nitratabbau über ver- wird. Die täglich nachwachsende Bakterienmasse
schiedene Zwischenprodukte wie Nitrit oder wird als Überschussschlamm aus dem Schlamm
Distickstoffmonoxid ablaufen kann, geht man in entfernt, um die Mikroorganismenkonzentration
der biologischen Abwasserreinigung davon aus, konstant zu halten. Solch ein System ist in der
dass keine dieser Zwischenprodukte freigesetzt Abbildung dargestellt und wird als Fermenter mit
werden, sondern nur elementarer Stickstoff ent- teilweiser Biomassenrückführung bezeichnet.
steht:

NO3- + 2 H+  N2 + H2O + 2,5 O2

Fermenter mit teilweiser Biomassenrückführung

Zulauf Ablauf

Belebungsbecken Klarwasserüberstand

eingedickter Schlamm

Biomassen-Rückführung Überschussschlammabzug

Wilo – Abwassertechnik für die Wasserwirtschaft 04/2010 47


Biologische Reinigung und weiteRgehende MassnahMen

Konventionelles Belebtschlammverfahren

Die hier vorgestellten Typen sind alle im DWA– nachgeschaltete denitrifikation


Regelwerk A131 aufgeführt. Diese Art Anlagen In diesem Verfahren sind Nitrifikation und Deni-
ist jeweils für Nitrifikation und Denitrifikation trifikation in derselben Reihenfolge wie die bio-
ausgelegt. Charakteristisch für alle diese Verfah- logischen Prozesse. Der Abwasserstrom gelangt
rensweisen sind Zonen ohne gelösten Sauerstoff erst in ein aerobes Becken, in dem das Nitrat
und vollständig durchmischte Reaktoren, in de- entsteht. Dann erfolgt in der anoxischen Zone
nen die Biomasse suspendiert ist. der Umsatz zum Stickstoff. In dieser Denitrifika-
tionsstufe können die Mikroorganismen zumeist
Neben den hier aufgeführten Anlagentypen nur noch die interzellulären Speicherstoffe zum
existieren für verschiedene Anwendungen viel- Erhaltungsstoffwechsel nutzen. Demnach be-
gestaltige Modifikationen, die sich im Grundsatz steht die Gefahr einer Substratlimitierung beim
oft nur wenig voneinander unterscheiden. Nitratabbau, da ein Großteil des CSB bereits ae-
rob veratmet wurde.
Das hier als Zulauf bezeichnete Abwasser hat
die primären Reinigungsaggregate, wie etwa die Dieses Verfahren bietet sich vor allem in indus-
Grobstoffentfernung, bereits passiert. Im Nor- triellen Anlagen an, deren Abwässer von Natur
malfall ist es hier gleichzusetzen mit dem Ablauf aus ein großes CSB:NO3-N-Verhältnis aufweisen
der mechanischen Vorreinigung. und in denen sichergestellt ist, dass ausreichend
CSB zur Verfügung steht. Da dieser Anlagentyp
zumeist ohne interne Rezirkulation gefahren
wird, besteht die Gefahr, dass Frachtstöße in
den Ablauf der Kläranlage durchschlagen.

Verfahrensschema der nachgeschalteten denitrifikation

Zulaufstrom Ablauf

N DN NK

Rücklaufschlammstrom

Überschussschlammabzug

48 Änderungen vorbehalten 04/2010 WILO SE


Biologische Reinigung und weiteRgehende MassnahMen

Vorgeschaltete denitrifikation
In diesem Verfahren ist der Ablauf umgekehrt. Dies hat jedoch verschiedene Nachteile:
Der Zulaufvolumenstrom wird mit dem Rück-
laufschlamm vermischt und fließt in ein unbe- Zum einen sind großzügige Pumpanlagen zur
lüftetes Denitrifikationsbecken. Wie in der Ab- Förderung von Rezirkulation und Rücklauf-
bildung dargestellt, fließt dort zusätzlich die schlamm einzuplanen, die auf Dauer sehr viel
Rezirkulation aus dem Ablauf der Belebung zu elektrische Energie verbrauchen. Zweitens ver-
und läuft dann erst in das belüftete Nitrifikati- kürzt sich durch den vergrößerten Volumen-
onsbecken. strom die Verweilzeit in der Kaskade, was unter
reaktionstechnischen Gesichtspunkten alles an-
Dieses Verfahren hat einen entscheidenden Vor- dere als sinnvoll ist. Schließlich besteht noch die
teil: Es besteht kaum die Gefahr einer Substratli- Gefahr, dass die Denitrifikation durch Sauerstoff-
mitierung in der Denitrifikation, da das bei der eintrag aus der Nitrifikation beeinträchtigt wird.
Nitrifikation gebildete Nitrat und das Nitrat aus
dem Rezirkulationsstrom direkt mit Rohabwasser
in Kontakt gebracht werden. Dieses führt noch
ausreichend CSB-Fracht mit sich.

Allerdings ist für eine hohe Stickstoffeliminati-


onsleistung eine große Rezirkulationsrate nötig,
da ja das Nitrat erst in der folgenden Stufe ge-
bildet wird.

Verfahrensschema der vorgeschalteten denitrifikation

Zulaufstrom Ablauf

DN N NK

Rezirkulationsstrom

Rücklaufschlammstrom

Überschussschlammabzug

Wilo – Abwassertechnik für die Wasserwirtschaft 04/2010 49


Biologische Reinigung und weiteRgehende MassnahMen

simultane und intermittierende denitrifikation


Der große Vorteil dieses Verfahrens liegt in der Reaktionstechnisch ist dieses System nahezu als
sehr einfachen konstruktiven Gestaltung. In ei- vollständig durchmischter kontinuierlicher Rühr-
nem einzelnen Becken wechseln sich zeitlich die reaktor anzusehen. Wie daraus folgt, müssen
Nitrifikations- und Denitrifikationsphasen ab, überall im Reaktor bereits die geforderten Ab-
sodass beide Vorgänge im gleichen Reaktions- laufkonzentrationen vorhanden sein. Folglich
raum ablaufen. Dieser Wechsel wird im einfachs- können die Reaktionsgeschwindigkeiten nur sehr
ten Fall durch eine Zeitschaltung gesteuert. klein sein.
Weiter ist eine Regelung nach der Ammonium-,
Nitrat- oder Sauerstoffkonzentration möglich.
Für diesen Anlagentyp sind sehr große Becken-
volumina notwendig, um eine ausreichende Ver-
weilzeit realisieren zu können.

Nach dem Belüftungszeitraum wird die Denitrifi-


kation so lange gehemmt, bis ein Großteil des
gelösten Sauerstoffs verbraucht oder ausgegast
ist.

Verfahrensschema der intermittierenden denitrifikation

Zulaufstrom Ablauf

N/DN NK

Rücklaufschlammstrom

Überschussschlammabzug

50 Änderungen vorbehalten 04/2010 WILO SE


Biologische Reinigung und weiteRgehende MassnahMen

Kaskadenverfahren
Die Nachteile der oben genannten Typen führ- verteilt, sondern unter Berücksichtigung der
ten zu der Überlegung, bessere Reinigungser- Verweilzeit in der gesamten Belebung zuzuge-
gebnisse mit einer Reaktionskaskade zu erhal- ben. So könnte man in die erste Kaskade den
ten. Dieses System beinhaltet im Normalfall eine größten Volumenstrom zugeben und in der letz-
Aneinanderreihung von drei Denitrifikations- ten den geringsten.
und Nitrifikationsstufen im Belebungsbecken.
Bei dieser Methode verteilt sich das Abwasser So vermindert sich bei hydraulischen Stoßbelas-
auf die drei Denitrifikationszonen, um ausrei- tungen die Gefahr, dass Schmutzfracht in den
chend Substrat bereitzustellen. Ablauf der Kläranlage durchschlägt. Wenn in
normalerweise schwach belasteten Anlagen
Hinsichtlich der Stickstoffeliminationsleistung überhaupt keine Rezirkulation vorgesehen ist,
ist eine solche Kaskade bei geringeren Rezirkula- bleibt diese Gefahr jedoch bestehen.
tionsströmen weitaus besser zu beurteilen.
Weiterhin wird damit der Umstand berücksich-
Die Anzahl n der eingesetzten Kaskaden bedeutet tigt, dass die Schlammbelastung, also die abzu-
hier eine Einheit von je einer Denitrifikations- bauende Schmutzfracht pro Gramm Mikroorga-
und Nitrifikationsstufe. nismen, in der Belebung von Kaskade zu Kaskade
abnimmt, wenn das Abwasser nur in die erste
Abhängig von der geforderten Reinigungsleis- Stufe zugegeben wird. Bei einem wie oben be-
tung und den Schadstofffrachten, bietet dieses schriebenen aufgeteilten Zulaufvolumenstrom
Verfahren eine Vielzahl an unterschiedlichen Ge- bleibt die Schlammbelastung relativ konstant.
staltungsmöglichkeiten. So kann unter anderem Alle Kaskadenverfahren bieten einen zusätzliche
die Anzahl der Reaktionskaskaden variiert wer- Pluspunkt: Durch den Wechsel von Nitrifikati-
den oder die Strömungsführung des Zulaufs be- ons- und Denitrifikationszonen wird die Säure-
ziehungsweise der Rezirkulation abweichen. bilanz immer wieder ausgeglichen und der pH-
Es hat sich in manchen Anlagen als sinnvoll er- Wert verläuft somit in engeren Grenzen.
wiesen, die Zulaufvolumenströme nicht gleich-

Verfahrensschema der Kaskadendenitrifikation mit verteiltem Zulauf

Zulaufstrom Ablauf

DN N DN N DN N
NK

Rezirkulationsstrom

Rücklaufschlammstrom

Überschussschlammabzug

Wilo – Abwassertechnik für die Wasserwirtschaft 04/2010 51


Biologische Reinigung und weiteRgehende MassnahMen

Tropfkörperanlage SBR

Diese Anlagentypen sind immer noch häufig an- Das SBR-Verfahren (Sequencing Batch Reactor)
zutreffen, werden aber heute kaum noch neu vereint alle Teilschritte der biologischen Abwas-
konzipiert. serbehandlung in einem einzigen Becken. Dort
finden nach einem festgelegten zeitlichen Ab-
Die Mikroorganismen sind in mehreren Packun- lauf Reinigungs- und Absetzphasen statt. Me-
gen übereinander auf Trägerkörpern angesiedelt. chanisch vorgereinigtes Abwasser wird in den
Das mechanisch vorgereinigte Abwasser rieselt SBR-Behälter gepumpt, in dem sich Belebt-
über diese Packungen und läuft im freien Gefälle schlamm befindet. In einer ersten belüfteten
durch die Trägerkörper, wobei es mit den Mikro- Phase wird nitrifiziert. Daran schließt sich die
organismen in Kontakt kommt. Der Sauerstoff- Denitrifikation an, bei der die Belüftung abge-
bedarf für die biochemische Umsetzung wird aus schaltet und der Behälter mechanisch gerührt
der Umgebungsluft gedeckt. Dies stellt auch den wird. Den Abschluss der Abwasserbehandlung
großen Vorteil dieses Verfahrens dar, da keine bildet die Sedimentationsphase, in der man das
elektrische Energie zur Belüftung benötigt wird. gereinigte Wasser vom Belebtschlamm trennt
Jedoch kann dabei nur CSB eliminiert und nitrifi- und aus dem Reaktor pumpt. Dort verbleibt der
ziert werden. Eine Denitrifikation ist wegen der Belebtschlamm, der für die nächste Reinigungs-
fehlenden anoxischen Bereiche nur sehr einge- sequenz bereitsteht.
schränkt möglich. Auch aus diesem Grund wird
dieses Verfahren häufig mit konventionellen Be- Der große Vorteil dieses Verfahrens ist seine Fle-
lebungsbecken kombiniert. xibilität. Abhängig vom Abwasseraufkommen
(z. B. saisonalen Schwankungen in touristischen
Gebieten), können parallel auch mehrere Becken
beschickt werden, die außerhalb der Saison au-
ßer Betrieb gehen.

Membranbelebungsanlagen

Im Unterschied zum konventionellen Belebt- Jedoch stehen den Einsparungen in den Becken-
schlammverfahren kommen Membranbele- volumina (kleinere Belebungsbecken, keine
bungsanlagen ohne Nachklärbecken aus. Die Nachklärung) die heute noch sehr hohen not-
Biomasse wird beim Ablauf aus den Belebungs- wendigen Investitionen und laufenden Betriebs-
becken durch spezielle Membranen zurückge- kosten für die Membranen gegenüber.
halten. Da der Sedimentationsschritt entfällt,
können im Belebungsbecken höhere TS-Gehalte
gefahren werden, was zu einem signifikant klei-
neren Beckenvolumen führt.

Membranfiltration

Bioreaktor Membranfiltration

Abwasser Belüftung Bioreaktor Belüftung Membran-System Permeat Ablauf


(Wiederverwendung)

Membran

Überschussschlamm

Zulauf

Biomasse

52 Änderungen vorbehalten 04/2010 WILO SE


Biologische Reinigung und weiteRgehende MassnahMen

Spezielle Verfahren

Fließbettverfahren
In diesen Verfahren ist die Biomasse auf Träger-
körpern angesiedelt. Im Unterschied zum Tropf-
körper schwimmen die Biomasseträger hier in
konventionellen Belebungsbecken. Somit sind
sowohl aerobe als auch anoxische Umgebungen
zu realisieren. Ein Großteil der Biomasse kann
hier auf einfache Weise in den Belebungsbecken
gehalten werden, um die Nachklärung zu entlas-
ten. Das erlaubt auch hier höhere Biomassekon-
zentrationen, um die Leistungsfähigkeit der An-
lage zu erhöhen. Dies bietet sich vor allem an,
wenn eine bestehende Kläranlage bei steigen-
dem Abwasseraufkommen den Anforderungen
nicht mehr gewachsen ist. Dann ist die Möglich-
keit zu prüfen, die bestehende Anlage auf einen
solchen Prozess umzurüsten.

teichkläranlagen
Die in der Kläranlage als Belebtschlamm aufkon-
zentrierten Mikroorganismen kommen in weit
geringerer Anzahl auch in der Natur vor. Geringe
Mengen kommunalen Abwassers lassen sich bei
ausreichend großen Verweilzeiten auch durch
die Selbstreinigungskraft der Natur behandeln.
Prinzipiell laufen hier die gleichen Prozesse wie
auf einer Kläranlage ab.

Gerade auf kleineren Kläranlagen ist häufig noch


ein sogenannter Schönungsteich zwischen dem
Kläranlagenablauf und dem Zulauf zum Vorfluter
zu finden. Auch im privaten Bereich sind Anwen-
dungen möglich.

Wilo – Abwassertechnik für die Wasserwirtschaft 04/2010 53


Maschinentechnik in der
biologischen Abwasserreinigung

Rührwerke

Rührwerke sind wegen ihrer universellen Ein-


satzmöglichkeiten bei den heutigen Methoden Vergleich
der modernen Abwasserreinigung nicht mehr Vorteile nachteile
wegzudenken.
Vertikal- • Normmotoren • Erhöhter Platzbedarf
rührwerke • Aggregatskosten • Hohe Bauwerkskosten
Hauptanwendungsgebiete sind die Strömungs- • Teilweise erhöhter Wartungs-
erzeugung, Suspendierung und Homogenisie- aufwand
rung. Hierfür stehen Rührwerke in verschiedenen • Einbau und Montage
Größen und Ausführungen als Horizontalrühr- • Nachrüstung nicht möglich
• Nicht geeignet zur gerichteten
werk mit Tauchmotor oder Vertikalrührwerk mit
Strömungserzeugung
trocken aufgestelltem Normmotor bereit. • Höhere Lagerbelastung und
Vibrationsneigung durch
Mittlerweile sind Tauchmotor-Rührwerke, die im Langwelle
Folgenden näher beschrieben werden, bei der Horizontal- • Energieeffizienz LCC • Aggregat direkt im Förderme-
maschinentechnischen Ausrüstung einer Kläran- rührwerke • Positionierungsmög- dium (Hygiene)
lage zu einem wichtigen Bestandteil geworden. (Tauchmotor- lichkeiten • Exakte Einhaltung von Positio-
Sie unterteilen sich in Langsamläufer, Schnell- Rührwerke) • Langlebigkeit nierungsrichtlinien notwendig
läufer und Mittelschnellläufer. • Geräuscharm

Vergleich von unterschiedlichen tauchmotor-Rührwerken

Leistungsziffer [N/kW]
200 400 600 800 1000 1200

2 4 6 8 10 12 14 16 18 20 22 24 26
Umfangsgeschwindigkeit [m/s]

Wilo – Abwassertechnik für die Wasserwirtschaft 04/2010 55


M a s c h i n e n t e c h n i K i n d e R B i o l o g i s c h e n a B wa s s e R R e i n i g u n g

langsam laufende tauchmotor-Rührwerke


Es ist zu unterscheiden zwischen 2-flügligen Bei der Auslegung von Tauchmotor-Rührwerken
und 3-flügligen Tauchmotor-Rührwerken. Durch wird für jeden speziellen Einsatzfall ein exakter
den Einsatz von großen Propellerdurchmessern Einbauvorschlag erstellt. Die Installation erfolgt
und niedrigen Propellerdrehzahlen lassen sich auf festen Stativeinheiten. Für die verschiedens-
enorme Schubkräfte bei geringem Leistungsbe- ten Beckengeometrien gibt es frei stehende Sta-
darf erzielen. 3-flüglige Tauchmotor-Rührwerke tiveinheiten, welche die Reaktionskräfte direkt
haben im Vergleich zu 2-flügligen bei gleicher in den Beckenboden ableiten. Bei begehbaren
Schubkraft geringere Flügelblattbelastungen. Bedienbrücken oder Podesten werden vorzugs-
Wilo-EMU Maxiprop TR 221 Des Weiteren bieten sie bei ungünstigen Zu- weise Stativeinheiten mit oberem Befestigungs-
strömverhältnissen einen ruhigeren Lauf und da- punkt eingesetzt. Dieser verhindert zuverlässig
mit höhere Standzeiten, ähnlich den Erfahrun- ein Pendeln vom freien Führungsrohrende.
gen mit Windkraftwerken.
Die Anwendungsbereiche sind vielfältig. Darun-
Langsam laufende Tauchmotor-Rührwerke wer- ter fallen vor allem belebte Schlämme mit gerin-
den modular zusammengestellt. Es stehen Pro- gen TS-Gehalten.
pellerdurchmesser bis 2.600 mm zur Verfügung.
Die Propellerflügel sind meist aus Kunststoff ge-
fertigt und idealerweise einzeln austauschbar.
Durch die Verwendung von 4-, 6- oder 8-poli-
gen Tauchmotoren und eines 2-stufigen Plane-
tengetriebes mit unterschiedlichen Übersetzun-
gen sind Propellerdrehzahlen von < 100 min-1 zu
Wilo-EMU Megaprop TR 326 erreichen. Die daraus resultierenden Rührkräfte
absorbiert die großzügig dimensionierte Getrie-
belagerung. Sie übertragen sich somit nicht auf
die Motorlagerung.

Mittelschnell laufende tauchmotor-Rührwerke


Auch mittelschnell laufende Tauchmotor-Rühr- Die Installation der mittelschnell laufenden
werke werden modular zusammengestellt, da- Tauchmotor-Rührwerke auf flexiblen Absenk-
durch ist es möglich, sie an die unterschiedlichs- vorrichtungen oder festen Stativeinheiten er-
ten Betriebsbedingungen anzupassen. Durch die möglicht einen Einsatz in verschiedensten Be-
Variation von Propellerdurchmesser und Propel- ckengeometrien. Absenkvorrichtungen bieten
lerdrehzahl lassen sich optimale Rührergebnisse den Vorteil, die Tauchmotor-Rührwerke in un-
erzielen. 4-, 6- oder 8-polige Tauchmotoren terschiedlichen horizontalen Winkeln betreiben
und unterschiedliche Getriebeübersetzungen zu können. Mittels einer Hilfshebevorrichtung ist
Wilo-EMU Uniprop TR 75-2 erlauben Propellerdrehzahlen von 90-600 1/min der Betrieb auch in verschiedenen Höhen reali-
und reduzieren den Verschleiß am Propeller ent- sierbar. Bei Verwendung einer Stativeinheit kann
scheidend. Alternativ finden auch höherpolige das Tauchmotor-Rührwerk frei im Becken instal-
Motoren ohne Getriebe Verwendung, um die ge- liert werden. Montiert man diese Stativeinheit
wünschte Propellerabdrehzahl zu erreichen. Die auf einer Betonplatte, ist sogar der nachträglich
daraus resultierenden Rührkräfte absorbiert die Einbau in gefüllten Becken möglich.
großzügig dimensionierte Getriebelagerung, so-
dass sich diese nicht auf die Motorlagerung Mittelschnell laufende Tauchmotor-Rührwerke
übertragen. kommen vor allem bei Schlämmen mit unter-
schiedlichen TS-Gehalten und Viskositäten, in
Ausgleichsbecken mit schwankendem Wasser-
stand sowie Belebungsbecken zum Einsatz.

56 Änderungen vorbehalten 04/2010 WILO SE


M a s c h i n e n t e c h n i K i n d e R B i o l o g i s c h e n a B wa s s e R R e i n i g u n g

schnell laufende tauchmotor-Rührwerke


Trotz ihrer kompakten Abmessungen bieten die Bedingt durch den kleinen Propellerdurchmesser
direkt getriebenen Rührwerke höchste Leistung ist eine Montage auch am Beckenboden mög-
auf kleinstem Raum. Aufgrund geringer Abmes- lich, welche einen Betrieb bei geringem Wasser-
sungen eignen sie sich hervorragend für die stand erlaubt. Für spezielle Einsätze in Pumpen-
Schwimmdeckenzerstörung und um Ablagerungen schächten kann das Tauchmotor-Rührwerk über
in Pumpenschächten oder Regenrückhaltebe- eine flexible Rohrbefestigung an der Becken-
cken mit kleinen Einbauöffnungen zu vermeiden. wand oder -decke montiert werden.
Auch die nachträgliche Installation in bestehen- Wilo-EMU Miniprop TR 21
den Bauwerken gestaltet sich dadurch sehr ein-
fach.

Wilo-EMU Uniprop TR 36S

Rezirkulationspumpen

Eine Abwandlung eines Tauchmotor-Rührwerkes Für die Auslegung ist es daher erforderlich, den
bildet die Rezirkulationspumpe. Durch eine den notwendigen minimalen und maximalen Förder-
Propeller umgebende Leiteinrichtung kann ein strom zu kennen. Im Zusammenspiel mit den
solches Aggregat an bestehende Druckrohrlei- vorhandenen Rohrleitungsverlusten ist es dann
tungen angeschlossen werden und kanalisiert möglich, ein geeignetes Aggregat auszuwählen,
das Fördermedium in axialer Richtung. Dabei ist das den erforderlichen Bereich mittels Frequenz-
es machbar, große Volumenströme auf kleine umformer abdeckt.
Förderhöhen zu heben bzw. Rezirkulationsvolu-
menströme von einem Becken in ein anderes zu
fördern. Im Gegensatz zu den häufig mit kon-
stantem Betriebspunkt arbeitenden Kreiselpum-
pen müssen Rezirkulationspumpen einen großen
Betriebsbereich abdecken. Abhängig von Abwas-
serzulauf und Stickstoffkonzentration im Kläran-
lagenablauf muss mehr oder weniger Rücklauf-
schlamm in den Zulauf zur Biologie rezirkuliert
werden.

Weitere Informationen zu
Tauchmotor-Rührwerken und
Zirkulationspumpen finden Sie
im Planungshandbuch
Abwassertechnik für die
Wasserwirtschaft – Teil
Rührwerkstechnik.

Wilo – Abwassertechnik für die Wasserwirtschaft 04/2010 57


Schlamm
Klärschlamm fällt bei der Behandlung von Abwässern in Abwasser-
reinigungsanlagen (Kläranlagen) an. Er durchläuft verschiedene
Prozessstufen wie aerober/anerober Stabilisierung, Konditionierung
und Entwässerung.

Klärschlämme aus häuslichen Abwässern werden Klärschlamm kann allerdings je nach Abwasser-
häufig der stofflichen Verwertung zugeführt. Die art und Behandlungsverfahren noch umwelt-
wichtigsten Verwertungspfade sind dabei der oder gesundheitsgefährdende Stoffe enthalten
Einsatz von Klärschlamm bei landschaftsbaulichen (insbesondere Schwermetalle). Diese belasteten
Maßnahmen (z. B. Rekultivierung/Landschafts- Klärschlämme gehen in die thermische Entsor-
bau) und die Kompostierung. Klärschlämme aus gung (Mono- oder Mitverbrennung). Da die Ak-
kommunalen Abwasserbeseitigungsanlagen zeptanz in der Bevölkerung für eine landwirt-
können aufgrund ihres relativ hohen Stickstoff- schaftliche Verwertung fällt, gewinnt die
und Phosphatgehaltes auch auf landwirtschaft- thermische Verwertung mehr und mehr an Be-
lichen Flächen als Dünger ausgebracht werden, deutung.
sofern sie nur geringe Schadstoffbelastungen
aufweisen. Die Klärschlamm-Verordnung (Abf-
KlärV) regelt dazu die Grenzwerte für die Belas-
tung des Klärschlamms mit Schwermetallen und
anderen Schadstoffen.

Wilo – Abwassertechnik für die Wasserwirtschaft 04/2010 59


schlaMM

Schlammarten

Im Zuge der Abwasserreinigung existieren drei tertiärschlamm


Anfallpunkte für zu entsorgenden Schlamm: • Fällungs- und Flockungsschlamm entsteht
durch chemische Reinigung in der dritten
Primärschlamm Abwasserreinigungsstufe
• Entsteht während mechanischer Reinigungs-
stufe Diese Schlämme unterscheiden sich hinsichtlich
• Fault schnell der Menge, des Trockensubstanzgehalts und der
• Grauschwarze, graubraune bis gelbe Farbe Inhaltsstoffe. Die Gesamtschlammmenge muss
• Qualität hängt von den Verweilzeiten des jedoch insgesamt in einen Zustand überführt
kommunalen Abwassers in der mechanischen werden, der die Anforderungen der jeweiligen
Reinigungsstufe ab Entsorgungspfade erfüllt. Anforderungen exis-
tieren meist in Bezug auf Wassergehalt, Stabili-
Überschussschlamm sierungsgrad, Hygiene und Inhaltsstoffe und
• Während des biologischen Verfahrens gebildeter können von den verschiedenen Behandlungsme-
Zuwachs an nicht zurückgeführtem belebtem thoden unterschiedlich erfüllt werden.
Schlamm
• Entsteht aus der Lebenstätigkeit der am Reini-
gungsprozess beteiligten Mikroorganismen

allgemeine schlammliste (dwa, 1996)

Mittlere einwohner- Mittlere einwohnerspezifische Mittlere einwoh-


spezifische tagesfracht tagesfracht der organischen nerspezifische
der trockenmasse trockenmasse (glühverlust – gV) wassergehalt schlammmenge
a 100 1)

(m t spez) 1) 3) (m t org spez) 4) (wg) 1)


( 100–c 
1.000 )
arten und herkunft der a b c
Klärschlämme g/(ed) g/(ed) % i/( e·d)
aus mech. abwasser- ~ 452) ~ 29 – 32 ⭋ 95 ⭋ 0.90
reinigung (eingedickt)
aus biol. abwasser-
reinigung
• Mit Tropfkörper (TK)
• Nur Sekundärschlamm ~ 253) ~ 11 – 14 ⭋ 96 ⭋ 0.63
• Primär- und ~ 70 ~ 40 – 46 ⭋ 95.3 ⭋ 1.50
Sekundärschlamm
• Mit Belebungsverfahren (BV)
• Nur Sekundärschlamm ~ 353) ~ 22 – 25 ⭋ 99.3 ⭋ 5.00
• Primär- und
Sekundärschlamm ~ 80 ~ 51 – 56 ⭋ 96.0 ⭋ 2.00
aus chemischer Fällung und
Flockung (eingedickt)
• Vorfällung (Vorklärbecken) ~ 65 ~ 34 – 39 ⭋ 96.0 ⭋ 1.60
• Simultanfällung (bei Belebung ~ 90 ~ 52 – 58 ⭋ 96.0 ⭋ 2.25
aus Vor- und Nachklärbecken)
• Nachfällung (Tertiärstufe)
~ 15 ~ 3–4 ⭋ 98.5 ⭋ 1.00

Schlammmengen und 1) Werte nach Imhoff


Schlammbeschaffenheit aus 2) Nach Vorklärbecken mit tA ≥ 1,5 h
der mechanischen und 3) Die Werte für Sekundärschlamm sind bezogen auf BSB5-Lastwerte von 40 g BSB5/E*d (nach VKB mit
biologischen Reinigung
tA ≥ 1,5 h) sowie auf Anlagen ohne weitgehende Nitrifikation. Bei weitgehender Nitrifikation reduzie-
häuslichen Abwassers sowie
ren sich die Mengen um ca. 15–20 %.
der Reinigung durch Fällung
und Flockung (DWA, 1996) 4) Auf die Problematik der Gleichsetzung von Glühverlust und organischer Substanz wird ausdrücklich
hingewiesen.

60 Änderungen vorbehalten 04/2010 WILO SE


schlaMM

Schlammstabilisierung

Schlämme aus Abwasserreinigungsanlagen sind


aufgrund ihrer Gehalte an organischer Substanz
faulfähig. Bei Lagerung ohne Luftzufuhr erfolgt
daher ein weiterer Abbau unter anaeroben Be-
dingungen und damit unter starker Geruchsent-
wicklung. Grundbedingung jeder Verwertung
von Klärschlamm ist es daher, die organische
Substanz auf einen nicht faulfähigen Anteil zu
reduzieren. Die dabei eingesetzten Methoden
sind abhängig von der Anlagengröße, der Ver-
wertungsart und dem Gesamtenergiekonzept
der Kläranlage.

schematische untergliederung der stabilisierungsverfahren (dwa, 1996)

stabilisierung
Biologische stabilisierung chemische stabilisierung thermische stabilisierung

oxidations- Verbrennung
aerobe Verfahren anaerobe Verfahren verfahren Kalkzusatz* Pyrolyse Veraschung
Betriebs- Psychrophil Meso- bzw. Psychrophil Meso- bzw. Selbst- Hochtemperatur
temperatur thermophil thermophil erwärmung
Mit der Simultan im Baulich
Abwasserrei- Belebungsbe- vereint
nigung cken Emscher-
brunnen
Getrennt von Behälter Wärme- Offene oder Geschlossene Spezielle Misch- Spezielle Spezielle
der Abwas- ohne Wärme- isolierte geschlossene beheizte Reaktoren aggregat Reaktionen Verbren-
serreinigung isolation Behälter Behälter Faulräume nungsöfen

* Keine Stabilisierung im engeren Sinne. Effekte werden lediglich durch Milieuveränderungen bewirkt.

aerobe stabilisierung
Bei der aeroben Stabilisierung reduzieren aerobe Zu klären ist die Stabilisierung von etwaig vor-
Mikroorganismen die organische Substanz durch handenem Primärschlamm aus einer mechani-
ihre Stoffwechseltätigkeit bei minimalem Nähr- schen Vorreinigung.
stoffangebot. In der Praxis finden mehrere Ver-
fahren Verwendung, die notwendigen Stabilisie- getrennte aerobe stabilisierung bei normal-
rungszeiten sind stark temperaturabhängig. temperatur
Unter getrennter aerober Stabilisierung versteht
simultane aerobe stabilisierung man die räumliche Entkopplung des Stabilisie-
Bei Kläranlagen mit sehr kleinen Schlammbelas- rungsvorgangs von der Reinigungsstufe. Über-
tungen (BTS < 0,05 kg BSB5/(kg/TS  d)) verwenden schussschlamm normal belasteter Anlagen
die Mikroorganismen den Großteil der vorhande- und/oder Primärschlamm werden in eigenen Be-
nen organischen Substanz für ihren Energie- cken belüftet, wobei die erforderliche Aufent-
stoffwechsel, d. h., es kommt nur zu geringem haltszeit bei ca. 20 Tagen liegt. Probleme können
Biomassezuwachs ohne Speicherung von Reser- durch die Temperaturabhängigkeit der Prozesse
vestoffen. Überschussschlamm aus derartigen bzw. durch Vereisung im Winter auftreten. Die-
Anlagen ist kaum faulfähig, zeichnet sich jedoch ses Verfahren ist daher in kühleren Klimaten
durch relativ schlechte Entwässerungseigen- nicht sehr verbreitet.
schaften aus.

Dieses Verfahren ist durch die steigende Anzahl


von kleineren Anlagen mit vollständiger Nitrifi-
kation weit verbreitet, teilweise auch ungewollt
infolge aktueller Unterbelastung.

Wilo – Abwassertechnik für die Wasserwirtschaft 04/2010 61


schlaMM

aerobe thermophile stabilisierung (ats) anaerobe stabilisierung


Da die aerobe Veratmung 60 % der gewonnenen Unter anaerober Stabilisierung (Faulung) ver-
Energie als Wärme freisetzt, kann sich bei ent- steht man den biologischen Abbau organischer
sprechender Isolation der Schlamm im Behälter Stoffe durch Methanbakterien, wobei Methan
selbst erwärmen. In der Praxis werden Tempera- und Kohlendioxid ca. im Verhältnis 70:30, Faul-
turen von ca. 50 °C erreicht, wodurch sich einer- schlamm und ammoniakreiches Schlammwasser
seits niedrige Stabilisierungszeiten ergeben (> 5 entstehen.
Tage) und andererseits eine gewisse Hygienisie-
rung erfolgt. In der Praxis kommt hauptsächlich die Faulung in
beheizten, durchmischten Behältern zum Einsatz,
Zusätzlich erfolgt ein Aufschluss organischer meist im mesophilen Bereich (ca. 35 °C) mit Faul-
Substanz, was zu verbesserter Gasausbeute in zeiten von ca. 20 Tagen.
nachfolgenden Anaerobreaktoren führt. Dies
verbessert die Energiebilanz des Verfahrens Eine auf kleinen Anlagen verwendete Kombina-
ebenso wie die Nutzung der anfallenden Ab- tion aus Vorklärung und ungeheizter anaerober
wärme. Stabilisierung ist der sogenannte Emscherbrun-
nen.
Kompostierung
Die Kompostierung ist verfahrenstechnisch eine
Abwandlung des ATS-Verfahrens, auch hier er-
folgt ein aerober Abbau bei hohen Temperatu-
ren. Um die entsprechenden Bedingungen zu
schaffen, mischt man entwässerten Roh-
schlamm mit Strukturmaterial (Papier, Rinde
etc.).

schema eines Faulraums mit heizung und umwälzung (dwa, 1996)

Mischer Schlammfalle

Gashaube mit Sicherheitsvorlage

Schwimm- Schwimmschlammschutz
schlammleitung
Faulschlammüberlauf

Faulgas DN 150
Faulbehälter
V=8720 m3
Vorlauf DN 150
Ablaufleitung

Notüberlaufleitung Rücklauf DN 150

Umwälz-Austragsleitung

DN 250
DN 250 Wärmetauscher
DN 250
DN 250
DN 250
0
30
DN

DN 300

ø 22,40 m Grundablaß Heizschlamm Rohschlamm

62 Änderungen vorbehalten 04/2010 WILO SE


schlaMM

Volumenreduktion

Schlämme fallen auf Kläranlagen mit Wasserge-


halten zwischen 96 % und 99,5 % (Rohschlamm
> 99 %) an. Dies führt bei allen nachfolgenden
Behandlungsprozessen bzw. bei der Verwertung
zu technischen Problemen und erhöht den bau-
lichen, maschinellen und betrieblichen Aufwand.
Jede Schlammbehandlungslinie enthält daher
eine oder mehrere Stufen, die der Abtrennung
von Schlammwasser dienen, um den nachfol-
genden Stufen optimierte Bedingungen zu lie-
fern.

Konditionierung
Die Aufgabe der Schlammkonditionierung ist es,
die starke Bindung zwischen Schlammwasser
und Feststoffen so weit zu lockern, dass der
nachfolgende Entwässerungsvorgang optimal,
d. h. rasch und mit minimalem Energieaufwand,
ablaufen kann.

Die nachfolgende Tabelle gibt einen Überblick


über die gängigsten Verfahrensmöglichkeiten.

Konditionierungsmethoden (nach dwa, 1996)

Konditionierung

Chemische Verfahren Mechanische Verfahren Thermische Verfahren Sonstige Verfahren

Anorganische Organische Gefrierverfahren Hitzebehandlung


Chemikalien Chemikalien

Polyelektrolyte Natürliche hohe Mittlere


Polymere Temperaturen Temperaturen
Porteous-Verfahren

Schlammwaschung
Nassverbrennung

Mittelthermische
Aluminiumsalze

Behandlungen
Nicht ionogen

Verschiedene

Aschezugabe
Kohlezugabe
Mischungen

Ultraschall
Kationisch
Eisensalze

Anionisch

Gefrieren
Kalk

Wilo – Abwassertechnik für die Wasserwirtschaft 04/2010 63


schlaMM

eindickung
In der statischen Eindickung sedimentierten die
Feststoffe aus der Schlamm-Wasser-Suspension
unter dem Einfluss der Schwerkraft. Eindicker
sind meist Rundbecken, wobei bei Konstruktio-
nen ohne maschinelle Räumung Trichterneigun-
gen >1,5:1 eingehalten werden sollten.

Durch Flotation werden Feststoffe durch anhaf-


tende feine Luftblasen zum Aufschwimmen und
damit zum Eindicken gebracht. Bei bestimmten
Schlämmen ist dieser Vorgang effektiver und
schneller als jener der statischen Eindickung
(z. B. Überschussschlamm).

eindicker mit schlammräumung und eindickstäben (dwa, 1996)

Räumerantrieb

Kontrollsteg

Einlaufzylinder

Schlammwasser-
überlauf

Zulauf

Schlammräumer
mit Eindickstäben
Dickschlamm-
entnahme

erreichbare eindickungen (nach dwa, 1996)


durch eindickung ohne
Konditionierung erreichbarer
schlammart trockenmassenteil (tR)
Vorklärschlamm (GV > 65 %) 5–8 %
Vorklärschlamm (GV < 65 %) 6–12 %
VK- und BB-Schlamm mit Index > 100 ml/g 4–6 %
VK- und BB-Schlamm mit Index < 100 ml/g 5–10 %
BB-Schlamm mit Index > 100 ml/g 1–3 %
BB-Schlamm mit Index < 100 ml/g 3–5 %
Faulschlamm – Vorklärung 8–14 %
Faulschlamm – Vorklärung und Belebung 5–9 %

64 Änderungen vorbehalten 04/2010 WILO SE


schlaMM

natürliche entwässerung
Das älteste Verfahren zur Behandlung von stabi-
lisierten Schlämmen auf Kläranlagen ist das Aus-
bringen auf Trockenbeeten, wobei die Einflüsse
von Schwerkrafteindickung und Verdunstung
mit dem Speichereffekt kombiniert werden.

schematischer aufbau von schlammbeeten (dwa, 1996)

Fertigteilpfähle
15 x 15 x 2,20

Max. Füllhöhe

Filterschicht:
20 cm Verschleißschicht
6 cm Körnung 0-12 mm
6 cm Körnung 18-25 mm
6 cm Körnung -60 mm

Lehmschürze (30-40 cm)

Dränleitung

Maschinelle entwässerung

Fliehkraftverfahren
Fliehkraftverfahren trennen Feststoffe und Was-
ser unter dem Einfluss von Zentrifugalkräften.
Bei der Schlammentwässerung kommen vorwie-
gend sogenannte Vollmantelschneckenzentrifu-
gen („Dekanter”) zum Einsatz.

schema eines gegenstromdekanters (dwa, 1996)

Schneckenantrieb (n2) Trommel (Rotor) Entwässerungszone Klärzone (Flüssigkeitsteich)

Überlaufwehr

Schnecke

Schlammzulauf

n1

n2

Trommelantrieb

Entwässerter Schlamm
(Kuchen)

Schlammwasserüberlauf
(Zentrat)

Wilo – Abwassertechnik für die Wasserwirtschaft 04/2010 65


schlaMM

Filterpressen

Bandfilterpressen
Bandfilterpressen sind kontinuierlich arbeitende
Maschinen, die in vier hintereinandergeschalteten
Schritten den Schlamm bei steigendem Druck
und wechselnder Beanspruchung entwässern.

Kammerfilterpressen
Kammerfilterpressen sind Druckfilter und arbei-
ten nach dem Prinzip der kuchenbildenden Fil-
tration. Sie besitzen Hohlräume, die an den
durchlässigen Wandungen mit Filtergeweben
bespannt sind und in denen der Schlamm unter
Druck ausfiltriert wird. Häufig sind zahlreiche
derartige Kammern zwischen zwei Kopfstücken
zusammengepresst, um größere Filterflächen zu
schaffen (Kammerfilterpresse). Die Filtration er-
folgt dabei NICHT durch das Zusammenpressen,
sondern durch den Druck der Beschickerpumpe!

Bandfilterpressen
Passavant-Geiger GmbH

Kammerfilterpressen
Passavant-Geiger GmbH

66 Änderungen vorbehalten 04/2010 WILO SE


schlaMM

schema einer Bandfilterpresse (dwa, 1996)

Vorentwässerung/Seihzone

Drucksteigerungszone

Hochdruck-/Walk-/Scherzone

Mitteldruckzone

Faulbehälter
V=8720 m3

schema einer Kammerfilterpresse (dwa, 1996)

Reflektor für Lichtschranke Transportkette Filtratöffnung Lichtschranke Motor Druckluftleitung

Hydraulikaggregat

Hydraulikkolben

Fülleitung

Entleerungsleitung

Wilo – Abwassertechnik für die Wasserwirtschaft 04/2010 67


schlaMM

thermische Verfahren
Thermische Verfahren werden in der Schlamm-
behandlung dort eingesetzt, wo die maschinell
erreichbaren Trockenmasseanteile (< 50 %) nicht
ausreichen und eine weitere Volumenreduktion
notwendig ist.

schematische darstellung der thermischen Volumenreduktion

Drehrohrofen Drehetagenofen Wirbelschichtofen

Schlamm Abgas Schlamm Abgas Abgas


200 °C und Asche
800 °C

Drehtrommel

Schlamm
Wirbelschicht
Luft
Rost

Brenner Asche Brennkammer Asche Brenner

68 Änderungen vorbehalten 04/2010 WILO SE


schlaMM

Rückbelastungen aus der schlammbehandlung ventionellen Methoden behandelt wurde. Ther-


Das im Zuge der gesamten Klärschlammbehand- mische Verfahren (Trocknung, Verbrennung) als
lung in mehreren Verfahrensschritten anfallende Endstufe der Klärschlammbehandlung sind da-
Schlammwasser wird üblicherweise wieder dem her eine zukunftstaugliche Alternative.
Reinigungsprozess zugeführt und stellt damit
eine sogenannte Sekundärbelastung dar. Wie Faulgasnutzung
groß diese Rückbelastung in Bezug auf die ur- Das bei der anaeroben Schlammstabilisierung in
sprüngliche Zulaufbelastung ist, hängt vom Zu- beheizten, geschlossenen Faulbehältern anfal-
sammenwirken vieler Faktoren des Reinigungs- lende Gas wird aufgefangen und muss entsorgt
und Schlammbehandlungsprozesses ab und werden. Da Faulgas zu einem großen Teil aus
kann in großen Bereichen schwanken. Die ange- Methan besteht, ist es brennbar und daher ener-
gebenen Werte stellen daher nur Größenord- giewirtschaftlich sinnvoll zu nutzen. Dies ge-
nungen dar. schieht heute meist in Gasmotoren mit Kraft-
Wärme-Kopplung zum Betrieb von Generatoren.
Insgesamt stellen im Allgemeinen nicht die Tages-
frachten, sondern kurzzeitige Spitzenbelastungen
das eigentliche Problem dar. Deshalb empfiehlt
sich ein zeitliches Management der anfallenden
Mengen.

landwirtschaftliche Verwertung Kennzahlen für die Rückbelastung aus schlammwässern (nach dwa, 1996)
Angesichts der Kosten der abfalltechnischen
Behandlung von Klärschlamm (Deponie, Ver-
brennung) stellt die landwirtschaftliche Verwer- Konzentrationen [mg/l] Rückbelastung [%]
tung eine attraktive Alternative dar, die unter
bestimmten Rahmenbedingungen wegen des Q 1
Wertstoffgehaltes auch ökologisch sinnvoll ist BSB5 500 – 5.000 10
(Stichwort Kreislaufwirtschaft). Die Rahmenbe- CSB 1.000 – 10.000 10
dingungen für die landwirtschaftliche Verwer-
tung zu formulieren, ist allerdings eine Aufgabe, NH4-N 100 – 1.000 10-20
die heute noch nicht endgültig gelöst ist. Die P 1 – 100 10
Vielzahl der beeinflussenden Parameter, haupt-
sächlich Charakterisierungen der Bodeneignung
bzw. der Schadstoffbelastung des Schlammes,
öffnet ein weites Diskussionsfeld.

deponierung
Lange Zeit war die Deponierung von stabilisiertem
und entwässertem Klärschlamm die verbreitetste
Methode der Entsorgung. Mit den steigenden
Anforderungen an die technische Ausrüstung
von Deponien und den damit verbundenen hö-
heren Kosten sank die Attraktivität dieses Ent-
sorgungspfades. Zusätzlich verlangten die
Deponiebetreiber immer höhere Trockensub-
stanzgehalte bzw. Scherfestigkeiten der abge-
lagerten Schlämme. Das erhöhte den Aufwand
bei der Entwässerung bzw. der Konditionierung
des Klärschlamms.

Mitte der 90er-Jahre setzte sich europaweit die


Ansicht durch, dass die Deponierung von Abfäl-
len mit hohen organischen Anteilen nicht sinn-
voll ist. Die daraus resultierenden gesetzlichen
Regelungen verhindern zunehmend die Depo-
nierung von Klärschlamm, welcher nur nach kon-

Wilo – Abwassertechnik für die Wasserwirtschaft 04/2010 69


Maschinentechnik in der
Schlammschiene
Obwohl die Schlammbehandlung nicht im Fokus der eigentlichen
Abwasserreinigung steht, darf Ihre Bedeutung für den Gesamt-
prozess nicht außer Acht gelassen werden. Einerseits erfordert die
Schlammbehandlung erhebliche Investitionen in Maschinentechnik
und zugehörige Bauwerke, andererseits wirken sich Rückbelastungen
negativ auf die Zulaufkonzentrationen des Abwassers aus.

Pumpen
An einigen Stellen des Schlammkreislaufes ist es Bei der Auslegung der Kreiselpumpen sind dabei
notwendig, Pumpen einzusetzen, z. B. zur Um- evtl. Korrekturfaktoren zur Ermittlung der Was-
wälzung von Faulschlamm oder Heizschlamm, serleistung zu berücksichtigen. Als bevorzugte
zum Transport von eingedickten Primär- und Hydrauliken im Bereich Verdrängerpumpen
Sekundärschlämmen. haben sich Drehkolbenpumpen und Exzenter-
Schneckenpumpen bewährt.
Dies gilt auch für Beschickungsvorgänge von
Schlammentwässerungsanlagen aller Art. Je
nach Schlammkonsistenz stehen Kreiselpumpen
oder Verdrängerpumpen bereit.

Wilo – Abwassertechnik für die Wasserwirtschaft 04/2010 71


MaschinentechniK in deR schlaMMschiene

drehkolbenpumpen
Das Funktionsprinzip der Drehkolbenpumpe ist schematische darstellung der drehkolbenpumpe
durch das Rootsgebläse bekannt, wovon es auch
abgeleitet wurde. Ein Synchrongetriebe dreht
zwei Förderelemente exakt gegeneinander. Die
einströmende Flüssigkeit fließt zwischen Dreh-
kolben und Pumpengehäuse von der Saugseite
hin zur Druckseite. Durch den symmetrischen
Aufbau der Drehkolbenpumpe ist die Förderrich-
tung reversierbar, Verstopfungsprobleme in der
Rohrleitung sind dadurch leicht zu beheben.

Drehkolbenpumpen können Medien mit einer


Viskosität von 1 – 1.000.000 mPas fördern. Sie
haben ein hohes Saugvermögen, bis zu 8 mWs,
sind unempfindlich gegen Trockenlauf und
drehrichtungsunabhängig. Die Pumpen sind
selbstansaugend.

Kennlinie einer drehkolbenpumpe

H [m]

Kreiselpumpe

B Betriebspunkt

Anlagenkennlinie

Verdrängungspumpe

Q [m3/h]

72 Änderungen vorbehalten 04/2010 WILO SE


MaschinentechniK in deR schlaMMschiene

exzenterschneckenpumpen
Bei der Exzenterschneckenpumpe handelt es Die Größe der Förderräume und damit die theo- Darstellungen verschiedener
Geometrien von Exzenter-
sich um eine Erfindung von Rene J. L. Moineau, retische Fördermenge hängen von der Pumpen-
schneckenpumpen finden Sie
die er in seiner Doktorarbeit vom 15.06.1939 an größe ab. Eine 360°-Drehung bei freiem Auslauf im Anhang.
der Universität Paris beschreibt. Die Exzenter- ergibt die volumetrische Fördermenge pro Um-
schneckenpumpe gehört zur Gruppe der rotie- drehung. Die Fördermenge lässt sich somit über
renden Verdrängerpumpen. die Drehzahl verändern.

Hauptteile sind ein rotierendes Teil, der „Rotor“, Exzenterschneckenpumpen können Medien mit
und ein feststehendes, der „Stator“, in dem sich höchsten Viskositäten, auch mit Fest- und Fa-
das erstere drehend bewegt. Der Rotor ist eine serstoffen, fördern.
Art Rundgewindeschraube mit extrem großer
Steigung, großer Gangtiefe und kleinem Kern-
durchmesser. Der Stator hat einen Gang mehr
und die doppelte Steigungslänge des Rotors.
Dadurch bleiben zwischen dem Stator und dem
sich drehenden und zusätzlich radialbewegen-
den Rotor Förderräume, die sich kontinuierlich
von der Eintritts- zur Austrittsseite bewegen.

exzenterschneckenpumpen – Partikelgröße dp und Kugeldurchgang dk

Stator

Rotor

dp

Stator

Rotor

dk

Wilo – Abwassertechnik für die Wasserwirtschaft 04/2010 73


Nachklärung
Die Aufgabe der Nachklärung ist es, das gereinigte Abwasser vom
belebten Schlamm durch Sedimentation zu trennen. Sie bildet eine
Einheit mit dem Belebungsbecken.

Ein Teil des sedimentierten Schlamms wird als klärbecken bestimmt. Eine Mindestverweilzeit
Rücklaufschlamm in die Belebungsbecken zu- ist erforderlich, um den Schlammpartikeln genü-
rückgeführt, um dort eine konstante Konzentra- gend Zeit zum Absetzen zu geben.
tion an Mikroorganismen aufrechtzuerhalten.
Den Überschussschlamm (Zuwachs an Biomasse) Grundsätzlich gibt es kein Einheitsnachklärbecken.
zieht man aus dem System ab und führt ihn zu- Die Form, Materialien und Beckentiefen sowie
sammen mit dem Primärschlamm aus der Vor- die Art der Schlammräumung sind sehr unter-
klärung der Faulung zu. schiedlich ausgeführt (z. B. Flachbecken, Trich-
terbecken oder kombinierte Absetzanlagen).
Erfolgt die Trennung zwischen gereinigtem Ab-
wasser und Belebtschlamm nur unvollständig,
gelangt ein Teil der Biomasse in den Vorfluter Schematisierte Bereiche eines Nachklärbeckens
und verschlechtert dessen Gewässergüte. Dieser
Schlammabtrieb kann dazu führen, dass die ge-
setzlich vorgeschriebenen Ablaufwerte nicht Konzentration Fließverhalten Absetzregime
eingehalten werden. Das kann finanzielle und
rechtliche Konsequenzen nach sich ziehen. Wie
bereits erwähnt, erfolgt diese Trennung über Se- Klarwasser- und Newtonsches Freies Absinken
dimentationsvorgänge. Rückstromzone Fluid

Die Konzentration an Biomasse in der Klarwas- ~20 mg/l


serzone ist gleich null. Bis zur Beckensohle
nimmt die Konzentration bis über 10 g/l zu. Der Trenn- und Newtonsche Behindertes
Zufluss aus dem Belebungsbecken erfolgt in die Rückstromzone Fluid mit erhöhter Absinken
Viskosität
Trenn- und Rückstromzone, damit keine Bio-
>1 g/l
masse in die Klarwasserzone gelangt und die
Eindickvorgänge in den darunterliegenden
Schichten ungestört bleiben. Zusammenfassend Dichtestrom- und Pseudoplastisches Übergangsbereich
Speicherzone Fluid
sollten in diesem Becken keine turbulenten Strö-
mungen entstehen, die die Sedimentationspro- >10 g/l
zesse stören würden. Sie sollten gerade turbulent
genug sein, um die Flokkulation zu unterstützen Eindick- und Bingham- Konsolidierungs-
und die entstandenen Strukturen nicht zu zer- Räumzone plastisches Fluid bereich
stören. Dies begrenzt auch den maximalen
Zulauf, der die hydraulische Verweilzeit im Nach-

Wilo – Abwassertechnik für die Wasserwirtschaft 04/2010 75


NachkläruNg

Räumer

Bei Räumern handelt es sich um maschinelle


Einrichtungen, um abgesetzte Stoffe, wie Sand
und Schlamm, aber auch Schwimmschlamm, in
Sedimentationsbecken zu beseitigen (DIN EN
1085). Sie kommen im Sandfang, im Vorklär-,
Belebungs- und Nachklärbecken vor. Man unter-
scheidet nach der Beckenform Rund- und
Längsräumer.

Nach der Ausführung differenziert man zwischen


Ketten- bzw. Bandräumern, Unterwasserbrü-
ckenräumern und Saugräumern.

Stahlkettenräumer
Passavant-Geiger GmbH

Kunststoffbandräumer
Passavant-Geiger GmbH

76 Änderungen vorbehalten 04/2010 WILO SE


NachkläruNg

Betriebs- und Prozessstörungen

Viele Kläranlagen in Europa haben in der biologi-


schen Klärstufe mit Problemen zu kämpfen, wel-
che auf das massenhafte Auftreten von faden-
förmigen Mikroorganismen zurückzuführen sind.

Ursachen des massenhaften Auftretens von


fadenförmigen Mikroorganismen:
• Geringe Schlammbelastung
• Einseitige Beschaffenheit von Abwässern
• Schwankungen im Zulauf

Durch die steigenden Anforderungen an die Rei- Ungesunder Schlamm mit


nigungsleistung nimmt die Schlammbelastung, einem hohen Anteil von
Fadenorganismen
also das Verhältnis zwischen der täglich zuge-
führten BSB5-Fracht zur im Belebungsbecken
vorhandenen Trockenmasse, ab. Dadurch ver-
mehren sich die fadenförmigen Organismen
übermäßig, da diese im Gegensatz zu den Flo-
cken bildenden Bakterien schon bei sehr niedri-
gen Substrat- und Sauerstoffkonzentrationen
hohe Wachstumsraten erreichen.

Ein weiterer Grund für die Dominanz von faden-


förmigen Mikroorganismen im Belebtschlamm
liegt in der einseitigen Beschaffenheit von Ab-
wässern, wie sie bei vielen Industriebetrieben
auftreten. Doch auch Schwankungen im Zulauf, Gesunde, ausgeglichene
was die Menge, die Temperatur und die Nähr- Biomasse mit gutem Absetz-
stoffzusammensetzung im Abwasser betrifft, verhalten

können die Vermehrung dieser Organismen be-


günstigen, da sie im Allgemeinen anspruchsloser
als die Flocken bildenden Organismen sind.

Symptome bei übermäßigem Wachstum faden-


förmiger Mikroorganismen
Bei den fadenförmigen Organismen handelt es
sich meist um Bakterien, in seltenen Fällen auch
um fädige, niedere Pilze. Eine gewisse Zahl
fadenförmiger Organismen im Schlamm ist in
jedem Fall anzustreben, da sie aufgrund der bes-
seren Nährstoffaufnahme im Vergleich zu den
flockenbildenden Bakterien eine höhere Reini-
gungsleistung erzielen. Auch begünstigt ihr ge-
streckter Körperbau die Eigenschaft, schwebende
Partikel einzufangen. Dem stehen die Nachteile
wie verminderte Schlammabsetzbarkeit gegen-
über, welche die Kosten der Schlammbehandlung
drastisch erhöht.

Eine verstärkte Entwicklung von fadenförmigen


Mikroorganismen hat zwei äußerst unange-
nehme Phänomene zur Folge:

Wilo – Abwassertechnik für die Wasserwirtschaft 04/2010 77


NachkläruNg

Blähschlamm gegenmaßnahmen
Als Blähschlamm wird Schlamm bezeichnet, der Es gibt einige Methoden, um die übermäßige
sich durch extrem schlechte Absetz- und Eindick- Vermehrung fadenförmiger Mikroorganismen zu
eigenschaften auszeichnet. Der Blähschlamm bekämpfen. Eine technische Lösung zur Bläh-
steht meist in dicker Schicht im Nachklärbecken schlammvermeidung stellt die Vorschaltung
und muss abgezogen werden, um einen Abtrieb hoch belasteter Becken (Selektoren) vor das Be-
und damit eine Belastung des Vorfluters zu ver- lebungsbecken dar oder die Installation eines
hindern. Kaskaden-Systems. Beide gleichen die niedrigen
Belastungsverhältnisse in Belebungsbecken
Die Schlammabsetzbarkeit wird mit den Para- durch den entstehenden Substratgradienten aus
metern Vergleichsschlammvolumen (VSV) und und verhindern dadurch Blähschlamm. Auch bei
Schlammvolumenindex (SVI) angegeben. Das der biologischen Phosphatelimination in der
Schlammvolumen ist das spezifische Volumen weitergehenden Abwasserreinigung findet sich
des Belebtschlamms nach einer bestimmten Ab- ein ähnlicher Lösungsansatz: Die vorgeschalte-
setzzeit in ml/l. Der Schlammindex bezeichnet ten, anaeroben Mischbecken haben hier eine
das Volumen, welches 1 g Schlamm (bezogen auf Wirkung, die jener der Selektoren gleichkommt.
die Trockenmasse TS) nach 30 min Absetzzeit
einnimmt. Zur Berechnung des SVI wird das VSV Weitere Maßnahmen, um ein besseres Absetz-
in ml/l durch die Trockenmasse in g/l dividiert: verhalten zu erlangen, sind, die Vorklärung zu
umgehen, die Abwasserbeschaffenheit bei ein-
SVI (ml/g) = VSV (ml/l) / TS (g/l) seitigen Abwässern zu verbessern oder Fällungs-
und Flockungsmitteln zuzusetzen.
Blähschlämme haben einen Schlammvolumen-
index (SVI) von mehr als 150 ml/g.

Schwimmschlamm
Neben dem Blähschlamm kann Schwimmschlamm
als zweites Phänomen eines „kranken“ Belebt-
schlammes vorkommen. Dieser an der Oberfläche
flotierende Schlamm wird durch massenhaftes
Auftreten von Actinomyceten und von bestimm-
ten Fadenbildnern hervorgerufen. Diese haben
eine stark wasserabstoßende (hydrophobe) Zel-
loberfläche. In den Belebtschlammbecken kön-
nen sich Bläschen aus Luft oder Stickstoffgas an
der hydrophoben Zelloberfläche anlagern und
den Schlamm zum Aufschwimmen bringen.
Schwimmschlamm ist möglichst rasch aus dem
Prozess zu entfernen, da er auch bei der anaer-
oben Schlammstabilisierung zu Schaumbildung
in Faultürmen führt.

78 Änderungen vorbehalten 04/2010 WILO SE


NachkläruNg

Wilo – Abwassertechnik für die Wasserwirtschaft 04/2010 79


Ablauf

Ablaufpumpwerk

In der Regel baut man Kläranlagen in der Nähe Bei Kläranlagen, die am Meer bzw. an ins Meer
eines Gewässers, des Vorfluters. Dies kann ein mündende Flüsse gebaut sind, muss man den
Fluss, ein See oder ein Meer sein. Ablauf u. U. dem Tidenhub anpassen. D. h., bei
Ebbe kann frei abgeleitet werden, bei Flut muss
Ist dies aus topografischen Gründen nicht mög- gepumpt werden. Hierzu eignen sich Propeller-
lich, so ist es möglich, das gereinigte Abwasser pumpen hervorragend, da sie für große Förder-
in den Untergrund zu verpressen oder über eine mengen bei relativ geringen Förderhöhen konzi-
Transportleitung zu einem entfernt liegenden piert sind. Um ein Zurückfließen nach dem
Vorfluter zu leiten. Ein Vorfluter ist ein Gewäs- Pumpvorgang zu vermeiden, dienen in der Regel
ser, in das Wässer (Abwasser, Drainagewasser) sogenannte Froschklappen am Ende des Aus-
eingeleitet werden können. Dafür ist in der Regel laufrohres. Es handelt sich hierbei um horizontal
eine wasserrechtliche Zulassung bei der zustän- installierte Rückschlagklappen, die der Wasser-
digen Behörde (z. B. Wasserwirtschaftsamt) zu strom beim Pumpvorgang öffnet und die sich
beantragen. Die Zulassung erfolgt in Form einer beim Abschalten der Pumpen durch das Eigen-
Erlaubnis. gewicht wieder schließen.

Infolge der zunehmenden Wasserknappheit


nutzt man das (teil-)gereinigte Abwasser auch in
der landwirtschaftlichen Bewässerung. D. h., das
Abwasser wird verregnet. Die noch im Abwasser
enthaltenen Verschmutzungen (Stickstoff und
Phosphat) dienen gleichzeitig als Düngemittel.

Ablaufpumpwerke kommen zum Tragen, wenn Die technische Beschreibung


kein natürliches Gefälle zum Vorfluter besteht. der Ablaufpumpwerke finden
Sie im Planungshandbuch
In der Regel ist dies bei der Konzeption der Ge-
Abwassertechnik für die
samtanlage im Vorfeld berücksichtigt, um soweit Wasserwirtschaft – Teil
wie möglich auf Pumpwerke (zusätzliche Kosten) Grundlagen im Kapitel
zu verzichten. Da es sich bei diesem Förderme- Pumpstationen.
dium um gereinigtes Abwasser ohne feste oder
faserige Bestandteile handelt, kann man Pumpen
mit Mehrkanalrädern und somit hohen Wir-
kungsgraden einsetzen. Bei sehr niedrigen För-
derhöhen kommen auch Axialmaschinen infrage.

Wilo – Abwassertechnik für die Wasserwirtschaft 04/2010 81


aBlauf

Filtration

Der Filtrationsprozess besteht aus dem mecha- Als Filtermaterial verwendet man Sande in Kör-
nischen Siebvorgang und einer Summierung von nungen von 0,5 bis 3 mm. Für spezielle Aufgaben
physikochemischen Einzelreaktionen wie Sorp- stehen auch Mehrschichtfilter zur Verfügung.
tionen, Agglomerationen, Flockungen um Umla-
dungen. Dadurch werden auch Partikel mit klei- Die Durchströmung erfolgt von oben nach unten
neren Durchmessern als die Porenweite des bei Geschwindigkeiten von 10 – 20 m/h. Rück-
Filtermaterials sowie teilweise auch kolloidal ge- gespült wird mit reinem Wasser und Druckluft
löste Stoffe zurückgehalten. bei 20 – 25 m/h.

Die Filtration ist eine häufig und in vielen Varia- Als nachgeschaltete Filter sind auch offene
tionen angewendete Grundoperation. Schnellfilter mit Quarzsandfüllung zu verwenden.
Als Vorstufe beim Durchsatz kleiner Volumina
Sie muss anderen Grundoperationen vorgeschal- eignen sich Papierfilter, als endlose Filterbände
tet sein, z. B. dem Ionenaustausch, dem Mem- zur einmaligen Benutzung.
branverfahren oder den Adsorptionskolonnen,
um mechanische Belastungen zu vermeiden und Bei der Anschwemmfiltration wird mit Filter-
die Standzeiten zu vergrößern. hilfsmitteln wie Kieselgur, Kohle oder Cellulose
eine Filterschicht vor dem Filter aufgebaut, um
Als additive Maßnahme dient sie zur Rückhal- inhomogene Feststoffmaterialien zu erfassen. Für
tung von feindispersen Stoffen bei Fällungsstu- die Schlammentwässerung dienen sehr oft Kam-
fen mit schwer sedimentierbaren Schlämmen. merfilterpressen. Sie liefern einen relativ festen
Von den verschiedenen Formen der Filtereinhei- Kuchen und ein blankes Filtrat. In speziellen Fäl-
ten sind zu nennen: len eignet sich auch Aktivkohle als Filtermaterial,
• Anschwemmfilter um gleichzeitig eine Adsorption von flüssigen,
• Filterpressen nicht wässrigen Phasen oder gelösten organi-
• Bettfilter schen Stoffen zu erzielen.
• Schnellfilter
• Endlose Papierfilter Die Entwicklung von porigen Membranen führte
in den letzten Jahren zu neuen Formen der Fil-
In der Praxis der betriebsinternen Vorbehandlung trationstechnik, sodass der Unterschied zwi-
haben sich die Schnellfilter besonders bewährt. schen der klassischen Filtration von Feststoffen
Meist werden sie als geschlossene Schnellfilter und der Ultrafiltration, die gelöste Stoffe auf-
ausgeführt und unter Druck betrieben. grund ihrer Molekülgröße „filtriert“, nicht mehr
scharf zu ziehen ist.

Membranfiltration Die Mikro- und Ultrafiltration sind rein physikali-


sche (mechanische) Membrantrennverfahren
Membranfiltration und laufen i. d. R. ohne Zusatz von Chemikalien
ab.
Belüftung Membran-System Permeat Ablauf
(Wiederverwendung)
Beide Verfahren trennen nach dem Prinzip des
Membran
mechanischen Größenausschlusses, d. h., alle In-
haltsstoffe im Wasser bzw. Abwasser, die größer
Überschussschlamm
als die Membranporen sind, werden von der
Membran zurückgehalten.
Zulauf

Der wesentliche Unterschied zwischen Mikro-


Biomasse
und Ultrafiltration liegt in den verschiedenen
Porengrößen und in der unterschiedlichen Mem-
branstruktur (Werkstoffe, Materialien).

Eine Filtration durch Membranen mit einer Po-


rengröße  0,1 µm wird Ultrafiltration genannt,
während eine Filtration bei Porengrößen
≥ 0,1 µm als Mikrofiltration bezeichnet wird.

82 Änderungen vorbehalten 04/2010 WILO SE


aBlauf

Desinfektion

Treibende Kraft in beiden Trennverfahren ist der Die Desinfektion von Abwässern, Trinkwasser
Differenzdruck zwischen Zulauf und Ablauf der oder flüssigen Medien kann durch verschiedene
Membran, der zwischen 1 und 10 bar liegt. Mit Verfahren erfolgen. Man unterscheidet grund-
diesen Arbeitsdrücken lassen sich flächenbezo- sätzlich zwischen chemischen und physikali-
gene Filtratdurchsätze (Flux) von 50 l (m²/h) bis schen Methoden.
ca. 500 l (m²/h) erreichen.
Besonders gebräuchliche chemische Verfahren
Charakteristisch für Mikro- und Ultrafiltration ist basieren auf der Zugabe von Chlor, Chloroxid,
die tangentiale Überströmung der Membran, die Wasserstoffperoxid, Silberionen oder Ozon.
Querstromfiltration oder auch Cross-Flow-Filtra- Weitverbreitete physikalische Methoden basie-
tion. ren auf der Erhitzung des Mediums (Pasteurisa-
tion oder Dampfdruck im Autoklav) oder der Be-
Diese Strömungsführung minimiert durch die strahlung mit UV-Licht.
tangential wirkenden Schwerkräfte den Deck-
schichtaufbau auf der Membran. Eine Filterku- Quecksilberdampfstrahler unterschiedlicher
chenausbildung wie bei der klassischen Filtra- Dampfdrücke senden UV-Strahlen in verschie-
tion ist nicht erwünscht. Dennoch bildet sich denen Längen aus.
zwangsläufig eine Art Deckschicht aus. Da die
meisten Mikro- und Ultrafiltrationsmembranen Die Strahlen von 253,7 nm haben eine inaktivie-
selbsttragend sind, kann zur Deckschichtmini- rende Wirkung. Die Primärschädigung der Mikro-
mierung auch die periodische Rückspülung ein- organismen bei der UV-Bestrahlung beruht auf
gesetzt werden. Für beide Verfahren stehen einer fotochemischen Veränderung der Nuklein-
Membranen aus keramischen und organischen säuren.
Werkstoffen zur Verfügung, z. B. Zirkoniumoxid,
Siliciumcarbid und hydrophiles Polysulfon. Voraussetzung für eine wirksame UV-Anlage ist
eine definierte Bestrahlungsdosis von mind.
Keramische Werkstoffe haben im Vergleich zu 25 mJ cm-2. Sie errechnet sich aus der Bestrah-
organischen den Vorteil einer größeren chemi- lungsstärke als Funktion der Schichtdicke und
schen, thermischen und mechanischen Bestän- der Trübung des Wassers und der Bestrahlungs-
digkeit. Das geht aber mit einem höheren Preis dauer (Verweilzeit der Zelle im UV-Licht), die aus
einher. der Durchflussgeschwindigkeit resultiert. Die
unvermeidliche Verschmutzung des Quarz-
Mikro- und Ultrafiltrationsmembranen gibt es in schutzrohres und die Lampenalterung, die mit
Form von Flachmembranen, Rohrmembranen jedem Einschalten fortschreitet, beeinflussen
oder Hohlfasern. Sie finden sich in Druckrohren. die Bestrahlungsstärke.
Eine anschlussfertige Einheit aus Druckrohr und
Membrane heißt Modul. UV-Wasserdesinfektion gilt als wirksam und si-
cher und verändert weder den Geschmack, die
Bei der Reinigung von Abwässern kommen i. d. R. Farbe noch den Geruch des Wassers.
Rohrmodule mit einem Rohrdurchmesser von
3 – 24 mm zum Einsatz. Das so behandelte Wasser gilt als bedenkenlos
trinkbar und gewerblich nutzbar.
Wickel- oder Hohlfasermodule werden in der
Regel bei der Trinkwasseraufbereitung verwen-
det.

Beispiele für die Anwendung der Mikro- und


Ultrafiltration im Bereich Abwasser sind:
• Vorfiltration von Deponiesickerwasser
• Rückhaltung von Biomasse
• Wiedergewinnung von Rissprüfungschemika-
lien bei der Prüfung von Gusswerkstücken
• Recycling von Gleitschleifabwässern
• Standzeitverlängerung von Entfettungsbädern
• Spaltung von Öl-Wasser-Emulsionen

Wilo – Abwassertechnik für die Wasserwirtschaft 04/2010 83


Kläranlagenmanagement

Betriebswasser Steuerung und Regelung der


Maschinentechnik
Im Prozess der Reinigung des Abwassers ent-
steht auch sogenanntes Betriebswasser, d. h. Schaltanlagen auf Klärwerken sind meist große,
klares Wasser, welches keine Trinkwassergüte komplexe Anlagen, die in einem gemeinsamen
hat, aber für andere Zwecke nutzbar ist. Nach Schrank, oftmals in der sogenannten Schalt-
der letzten Reinigungsstufe fließt das geklärte warte, untergebracht sind.
Abwasser in den Vorfluter. Dieses Wasser wird im
kleinen Bereich auch Prozessen im Bereich der Meist sind diese Schränke an der Front mit einem
Kläranlage wieder zugeführt. Systembild der Kläranlage versehen, an dem man
über Signalleuchten Betrieb und Störung aller
Dies kann für die Nutzung im Bereich der Versor- Anlagenteile auf einen Blick ablesen kann.
gung von den Betriebsgebäuden sein (z. B. Toi-
lettenspülung), Beregnung der Grünanlagen,
Betankung von Spülfahrzeugen oder als erneute
Wasserzufuhr in den Klärprozess. Auch der Ein-
satz zum Reinigen der Fahrzeuge bzw. zum Spü-
len von Siebtrommeln ist vorzusehen.

Damit das Betriebswasser dorthin gelangt, wer-


den Pumpen und Pumpensysteme eingesetzt,
um das Wasser mit einem ausreichenden Druck
den verschiedenen Einsätzen zur Verfügung zu
stellen.

Dies wird mit Druckerhöhungsanlagen realisiert.


Dies können Kompaktanlagen sein, aber auch
Druckmantelpumpen oder Fertigpumpstationen
aus PE, die je nach erforderlicher Leistung dimen-
sioniert sind. Fertigpumpstation Druckgeregelte Druck- Druckmantelpumpe
Wilo-EMUport Feststoff- erhöhungsanlage (DEA) Wilo-EMU NK 86-3
Trennsystem Wilo-Comfort CO-/COR-
MVI.../CC

Weitergehende Hinweise zu
Druckerhöhungsanlage
(Grundlagen, Dimensionierung
und Auslegung) sind im
Planungshandbuch Wilo
Druckerhöhung 2007/2008
nachzulesen.

Wilo – Abwassertechnik für die Wasserwirtschaft 04/2010 85


kläraNlageNMaNageMeNt

Errichten elektrischer Anlagen in explosionsgefährdeten Bereichen

Die EG-Richtlinie 99/92/EG „Mindestvorschriften Der Betreiber hat nach Richtlinie 99/92/EG die
zur Verbesserung des Gesundheitsschutzes und Explosionsgefahr der Anlage zu beurteilen, die
der Sicherheit der Arbeitnehmer, die durch Anlage in Gefahrzonen einzuteilen und im Explo-
explosionsfähige Atmosphäre gefährdet werden sionsschutzdokument alle Maßnahmen zum
können“ betrifft den Betrieb explosionsgefähr- Schutz der Beschäftigten zu dokumentieren.
deter Anlagen und richtet sich damit an den
Betreiber. Diese Richtlinie enthält nur Mindest- Bei der Beurteilung der Explosionsrisiken ist zu
vorschriften, die bei der Umsetzung ins nationale berücksichtigen:
Recht durch weitergehende Regelungen ergänzt • Wahrscheinlichkeit und Dauer des Auftretens
werden können. Dies erfolgte auch bei der explosionsfähiger Atmosphäre
Umsetzung der Richtlinie 99/92/EG in die • Wahrscheinlichkeit des Vorhandenseins, der
Betriebssicherheitsverordnung. Die Betriebssi- Aktivierung und des Wirksamwerdens von
cherheitsverordnung (BetrSichV) „Verordnung Zündquellen
über Sicherheit und Gesundheitsschutz bei der • Die verwendeten Stoffe, Verfahren und deren
Bereitstellung von Arbeitsmitteln und deren mögliche Wechselwirkung
Benutzung bei der Arbeit, über Sicherheit beim • Das Ausmaß der zu erwartenden Auswirkung
Betrieb überwachungsbedürftiger Anlagen und von Explosionen
über die Organisation des betrieblichen Arbeits-
schutzes“ enthält unter anderem detaillierte Der Anlagenbetreiber hat die Bereiche, in denen
Reglungen zum Betrieb von Ex-Anlagen, insbe- explosionsfähige Atmosphäre vorhanden sein
sondere zur Überwachung, Prüfung und Instand- kann, in Zonen einzuteilen und die in der Richt-
haltung dieser Anlagen. linie geforderten Mindestvorschriften zu gewähr-
leisten.

Zoneneinteilung und Zuordnung von geräten entsprechend ihrer kategorie

Zone Dauer des Vorhandenseins gerätekategorie


explosionsfähiger atmosphäre
Gase, Dämpfe, Nebel 0 Ständig, langzeitig, dauernd 1G
1 Gelegentlich 2G
2 Selten 3G
Stäube 20 Ständig, langzeitig, dauernd 1D
21 Gelegentlich 2D
22 Selten 3D

Der Betreiber hat ein Explosionsschutzdokument


zu erstellen, das mindestens nachfolgende
Angaben enthält:
• Gefährdungsbeurteilung
• die getroffenen Schutzmaßnahmen
• die Zoneneinteilung
• die Einhaltung der Mindestvorschriften
(technische und organisatorische Maßnahmen)

86 Änderungen vorbehalten 04/2010 WILO SE


kläraNlageNMaNageMeNt

Elektrische Anlagen in explosionsgefährdeten Bereichen

Die Sicherheit in explosionsgefährdeten Bereichen Wartung und Instandhaltung


ist nur durch eine enge und gute Zusammenar- Elektrische Anlagen in explosionsgefährdeten
beit aller beteiligten Stellen zu gewährleisten. Bereichen sind regelmäßig zu warten, um die
Sicherheit zu gewährleisten. Die Wartungs- und
Planung und errichtung Instandhaltungsmaßnahmen sind nur von
Bei der Planung neuer Anlagen ist frühzeitig die geschultem Personal durchzuführen.
Frage nach möglichen Explosionsgefahren zu
stellen. Für die Einstufung explosionsfähiger Vor Wartungs- und Änderungsarbeiten ist
Bereiche ist neben der Stärke möglicher Freiset- sicherzustellen, dass keine explosionsfähige
zungsquellen brennbarer Stoffe auch der Einfluss Atmosphäre vorhanden ist. Die durchgeführten
der natürlichen oder technischen Lüftung zu Arbeiten sind zu dokumentieren und es soll
berücksichtigen. Die explosionstechnischen bestätigt werden, dass während der Maßnahmen
Kennzahlen der verwendeten brennbaren Stoffe die relevanten Vorschriften eingehalten wurden.
sind zu ermitteln. Erst dann kann die Zonenein- Werden Änderungen durchgeführt, die den
teilung erfolgen und über die Auswahl der geeig- Explosionsschutz beeinträchtigen können, ist
neten Betriebsmittel für die explosionsgefährde- eine Überprüfung durch eine von der Behörde
ten Bereiche entschieden werden. anerkannte, befähigte Person durchzuführen.
Diese Überprüfung ist nicht notwendig, wenn
Der Betreiber hat sicherzustellen, dass die der Hersteller die Änderung durchgeführt hat.
Anlage ordnungsgemäß errichtet und vor der
ersten Inbetriebnahme geprüft wird. Normen
Die ersten europaweit gültigen Normen für
Der Errichter muss die Errichtungsanforderungen elektrische Betriebsmittel wurden als EN
beachten und die elektrischen Betriebsmittel 50014 – EN 50020 (Anforderungen an die
gemäß ihrer Verwendung richtig auswählen und Betriebsmittel für gasexplosionsgefährdete
installieren. Bereiche) herausgegeben. Diese Normreihe
ersetzt schrittweise die Reihe EN 60079 (VDE
Der Hersteller explosionsgeschützter Betriebs- 0170). Im Bereich der Zündschutzarten für
mittel hat sicherzustellen, dass jedes gefertigte brennbaren Staub ersetzt IEC 61241 die
Gerät der geprüften Bauart entspricht. Dies stellt ursprüngliche Normreihe EN 50281.
ein entsprechendes Qualitätsmanagementsys-
tem sicher. Die Kennnummer ist auf dem Typen- Die nachfolgende Aufstellung gibt eine Über-
schild dokumentiert. sicht der Zündschutzarten elektrischer Betriebs-
mittel für gas- und staubexplosionsgefährdete
Bereiche:

elektrische Betriebsmittel für gasexplosionsgefährdete Bereiche

eN (alt) eN (neu) Iec


Allgemeine Anforderungen EN 50 014 EN 60 079-0 IEC 60 079-0
Druckfeste Kapselung [d] EN 50 018 EN 60 079-1 IEC 60 079-1
Überdruckkapselung [p] EN 50 016 EN 60 079-2 IEC 60 079-2
Sandkapselung [q] EN 50 017 EN 60 079-5 IEC 60 079-5
Ölkapselung [o] EN 50 015 EN 60 079-6 IEC 60 079-6
Erhöhte Sicherheit [e] EN 50 019 EN 60 079-7 IEC 60 079-7
Eigensicherheit [i] EN 50 020 EN 60 079-11 IEC 60 079-11
Zündschutzart [n] EN 50 021 EN 60 079-15 IEC 60 079-15
Vergusskapselung [m] EN 50 028 EN 60 079-18 IEC 60 079-18
Eigensichere Systeme EN 60 079-25 IEC 60 079-25
Elektrische Betriebsmittel für Zone 0 EN 50 284 EN 60 079-26 IEC 60 079-26
Eigensicher Feldbussysteme EN 60 079-27 IEC 60 079-27
Optische Strahlung [op] EN 60 079-28 IEC 60 079-28

Wilo – Abwassertechnik für die Wasserwirtschaft 04/2010 87


kläraNlageNMaNageMeNt

kennzeichnung elektrischer Betriebsmittel nach ateX

Beispiel Benennung klartext Übersicht


II II 2 g ex de IIB t4 Einsatz in allen Bereichen gerätegruppen
gerätegruppe außer Bergbau I = Bergbau
II = alle Bereiche außer Bergbau

2 II 2 g ex de IIB t4 Einsatz in Zone 1 bzw. gerätekategorien


gerätekategorie Zone 21 1 = geeignet für Zone 0 bzw. 20
2 = geeignet für Zone 1 bzw. 21
3 = geeignet für Zone 2 bzw. 22

G II 2 g ex de IIB t4 Einsatz in Ex-Medium Gas ex-Medien (atmosphäre)


einsatzbereich G = Gas
D = Staub

Ex II 2 g ex de IIB t4 Gerät entspricht Bemerkungen:


Normkennzeich- aktuellen EU-Ex-Schutz- Konformitätserklärung ohne
nung Normen weitere Angaben

de II 2 g ex de IIB t4 Gerät ausgestattet mit Zündschutzarten:


Zündschutzart(en) Zündschutzarten druck- o= Ölkapselung
feste Kapselung (d) und p = Überdruckkapselung
erhöhte Sicherheit (e) (Schutz höher als bei nP)
q = Sandkapselung
d = druckfeste Kapselung
e = erhöhte Sicherheit
ia = Eigensicherheit
ib = Eigensicherheit
m = Vergusskapselung

IIB II 2 g ex de IIB t4 Gerät ausgelegt für explosionsgruppen:


explosionsgruppe Explosionsschutz- A = Explosionsneigung gering
explosionsschutz- anwendung Gruppe II B = Explosionsneigung mittel
anwendung für Umgebungen mit C = Explosionsneigung hoch
mittlerer Explosions-
neigung explosionsschutzanwendungen:
I = Bergbau
II = alle Einsatzbereiche außerhalb des
Bergbaus
T4 II 2 g ex de IIB t4 Die maximale (im Falle temperaturklassen:
temperaturklasse eines Fehlers) vom Gerät T1 = 450 °C
auf das Umgebungs- T2 = 300 °C
medium einwirkende T3 = 200 °C
Oberflächentemperatur T4 = 135 °C
beträgt 135 °C T5 = 100 °C
T6 = 85 °C

88 Änderungen vorbehalten 04/2010 WILO SE


kläraNlageNMaNageMeNt

Arbeitsschutz

Kläranlagen und abwassertechnische Anlagen


sind in allen Teilen so zu planen und zu bauen,
dass keine Gefährdung für die Beschäftigten und
auch andere Personen in der Anlage ausgeht.

Weitere wichtige Punkte:


• Unfallverhütungsvorschriften Gesetze und Verordnungen zur Arbeitssicherheit
• Gefährdungsbeurteilung sind:
• Ex-Schutz • Nationale Gesetze,Verordnungen und Regeln
• Sicherheitsorganisation und -management zum Thema Arbeitssicherheit
• Chemikalienrecht
• Gefahrstoffdatenbanken
• CE, Gerätesicherheitsgesetz und Maschinen-
richtlinie

Pflichten des Betreibers von kleinkläranlagen

aufgabe/tätigkeit Verantwortlichkeiten
Wartungs- abfuhr- untere
Betreiber firma gemeinde unternehmen Wasserbehörde

Tätigkeiten der Eigen- E, D, K


kontrolle: inkl. Führen
des Betriebstagebuchs
Beauftragung der E, D
Wartungsfirma mit
Wartung: Abschluss
Wartungsvertrag
Durchführung War- K D
tung, Wartungsproto-
kollerstellung und
-weitergabe
Erhalt des Wartungs- I I (I) I
protokolls
Beauftragung der Firma E, D
mit Instandsetzungsar-
beiten
Durchführung, K D
Instandsetzung,
Dokumentation
Fäkalschlammabfuhr K E, K D
Überwachung des I E, D, K
Betriebes

E = Entscheidung
D = Durchführung
K = Kontrolle

Wilo – Abwassertechnik für die Wasserwirtschaft 04/2010 89


kläraNlageNMaNageMeNt

Probeentnahme und Analytik, Eigenüberwachung, Maschinentechnik

Die systematische Überwachung von Kläranla-


gen ist ein sehr wichtiger Bestandteil des Betrie-
bes sowohl kommunaler als auch industrieller
Kläranlagen.

Es gibt zwei sich ergänzende Formen der Über-


wachung:
• Überwachung durch die Behörde
(staatliche Überwachung)
• Überwachung durch den Einleiter selbst
(Eigenüberwachung)

Die staatliche (oder sog. amtliche) Überwachung


erfolgt stichprobenartig und nach pflichtgemä-
ßem Ermessen. Auch die Einleitungen von Ab-
wässern mit gefährlichen Stoffen in die öffentli-
che Kanalisation werden kontrolliert. Sie ist
Grundlage für den wasser- und abwasserabga-
berechtlichen Vollzug.

Die amtliche Überwachung wird von den Was-


serwirtschaftsämtern (technische Gewässer-
aufsicht – tGewA) wahrgenommen. Die Über-
wachung umfasst:
Probeentnahme in der • die technische Kontrolle der Abwasseranlage
kommunalen Kläranlage (Anlage bescheidsgemäß; Zustand, Wartung
Grüneck bei Freising der Anlage; Eigenüberwachung vollständig und
richtig)
• die Ablaufuntersuchung zur Kontrolle der
wasserrechtlichen Anforderungen (Probenahme
mit Analytik, Bewertung)
• die direkten Auswirkungen auf das Gewässer

Je nach Größe und Bedeutung werden die Anla-


gen in der Regel 1- bis 4-mal pro Jahr überprüft.

Vor Ort misst man Temperatur und pH-Wert.


Um die Leistungsfähigkeit der betreffenden
Kläranlage zu ermitteln, beinhaltet die Laborun-
tersuchung zusätzlich noch folgende Parameter:
• Gesamt-organischer-Kohlenstoff-Gehalt
(TOC)
• Bzw. Chemischer Sauerstoffbedarf (CSB)
• Biochemischer Sauerstoffbedarf (BSB5)
• Gesamt-Phosphor-Gehalt (Pges)
• Ammonium (NH4-N)
• Nitrat (NO3-N)
• Nitrit (NO2-N)
• Chloridgehalt (Cl-)
• TKN Gesamtstickstoff (Nges)

Aus den Nachklärbecken fließt das gereinigte


Abwasser durch den Ablauf in der Regel in ein
Fließgewässer.

Entnahme einer Probe aus Die Eigenüberwachung ist die laufende Kontrolle
dem Kläranlagenablauf durch einer Abwasseranlage durch den Betreiber. Sie
einen Mitarbeiter des Wasser- ist z. B. in Bayern in der Eigenüberwachungs-
wirtschaftsamtes
Verordnung (EÜV) geregelt. Die dadurch gewon-
nenen Daten sollen einen den Bescheidsanforde-
rungen entsprechenden Betrieb gewährleisten.

90 Änderungen vorbehalten 04/2010 WILO SE


kläraNlageNMaNageMeNt

Der Betreiber dokumentiert die Messungen,


wertet sie aus und archiviert sie. Außerdem kon-
trolliert er regelmäßig Betrieb und Funktion der
Anlage.

Die Untersuchung erfolgt bei der amtlichen


Überwachung mit Verfahren gemäß der Anlage
zu § 4 der Abwasserverordnung (AbwV) bzw.
gleichwertigen Verfahren. Bei der Eigenüberwa-
chung können auch geeignete Betriebsmethoden
verwendet werden. Zum Nachweis der Eignung
und zur Qualitätssicherung der Betriebsanalytik
sind Paralleluntersuchungen durchzuführen
(Untersuchung einer geteilten Probe parallel mit
Betriebsmethode durch Betreiber und mit vorge-
schriebenem Verfahren nach AbwV). Hierzu
muss vom Betreiber der private Sachverständige
in der Wasserwirtschaft (PSW) eingeschaltet und
beauftragt werden. Die Durchführung der Unter-
suchung mit vorgeschriebenem Verfahren darf
nur durch AQS-zertifizierte Labore erfolgen.

Eigenüberwachung und amtliche Überwachung


haben zwar unterschiedliche Aufgaben, aber
auch das gemeinsame Ziel des bestmöglichen
Gewässerschutzes. Sie ergänzen sich im Sinne
des Vorsorge- und Kooperationsprinzips. Die Ei-
genverantwortung des Betreibers wurde in den
letzten zehn Jahren durch rechtliche Rahmen-
bedingungen und Beratung konsequent ver-
stärkt. Das hat bewirkt, dass der Schwerpunkt
der Überwachung immer mehr in den Verant-
wortungsbereich des Betreibers fällt und die be-
hördliche Überwachung die Funktion einer Un-
terstützung und Plausibilitätsüberprüfung
übernimmt. Qualitätsgesicherte und repräsenta-
tive Eigenüberwachungsdaten werden z. B. bei
der Abwasserabgabe im Rahmen des Nachweises
niedriger erklärter Werte mittels eines Messpro-
gramms zugrunde gelegt.

Für den rechtlichen Vollzug des Wasser- und


Abwasserabgaberechts sind die Kreisverwal-
tungsbehörden (KVB) zuständig.

Wilo – Abwassertechnik für die Wasserwirtschaft 04/2010 91


kläraNlageNMaNageMeNt

Energiehaushalt

heizung, gasmotor, Wärmerückkopplung,


fernwärme, Stromerzeugung
ISO-Norm über energiemanagement In den letzten Jahren ist es wegen der kaum kal-
Die internationale Normungsorganisation ISO kulierbaren Preissteigerungen und der energie-
hat angekündigt, eine Norm zum Energiemana- rechtlichen und steuerlichen Randbedingungen
gement erarbeiten zu wollen. Die Norm soll für schwieriger geworden, Optimierungspotenziale
alle Organisationen und Unternehmen Hinweise zu erkennen und abzuschätzen. Der vorliegende
geben zum effizienten Energieeinsatz, zur Kos- Beitrag beleuchtet die energetische Situation
tenreduzierung und zur Verbesserung der Um- der Kläranlagen und Sonderbauwerke, um die
weltbilanz. Betreiber zu motivieren, sich ihre eigene Situa-
tion transparent zu machen und eine Strategie
energiekosten von kläranlagen und kanalnetzen zur Optimierung der Energiekosten zu entwi-
Die gestiegenen Energiekosten zwingen die Ver- ckeln.
antwortlichen im privaten, kommunalen und in-
dustriellen Bereich zum Handeln. Trotz oder ge- Im Abwasser steckt eine große Wärmemenge,
rade wegen der schwierigen wirtschaftlichen die moderne Wärmepumpentechnologie ver-
Situation und knapper Kassen wächst der Ent- wenden kann, um Gebäude zu beheizen. Das Po-
scheidungsdruck für energetische Investitionen, tenzial dieser erneuerbaren Energiequelle ist
die sich bei steigenden Preisen wieder lohnen. sehr groß, mit der Abwasserwärme könnten –
Besondere Aufmerksamkeit gilt den anteilig vom Angebot her – 10 % von allen Gebäuden in
größten Verbrauchern. Im kommunalen Bereich Deutschland beheizt werden.
sind das üblicherweise die Abwasserreinigung
(ca. 35 %), die Schulen (25 %) und die Straßen- Aufgrund steigender Energiepreise einerseits
beleuchtung (25 %). und des technologischen Fortschritts im Bereich
der Wärmepumpen und Wärmetauscher ande-
Eine in mehrfacher Weise herausgehobene Stel- rerseits wird die Abwasserwärmenutzung zu-
lung hat dabei die Kläranlage: nehmend wirtschaftlich interessanter. Entspre-
• Sie ist oft der größte Einzelverbraucher und so- chende Rahmenbedingungen vorausgesetzt,
mit das von den Energieversorgern begehrte sind Anlagen zur Abwasserwärmenutzung im
„Sahnestück“ im Stromliefervertrag einer Kom- Vergleich zu fossilen Heizanlagen schon heute
mune betriebswirtschaftlich wettbewerbsfähig.
• Ideen zur Verbesserung der Energieeffizienz
haben finanziell und ökologisch eine große Bei richtiger Planung und Ausführung entstehen
Wirkung weder für das Entwässerungssystem noch für die
• Das anfallende Klärgas ist regenerative Energie, Abwasserreinigung Nachteile. Die Abwasserwär-
welche bei Nutzung mit einem Blockheizkraft- menutzung wird für die Heizung von Gebäuden
werk (BHKW) den Wärmebedarf der Anlage fast und die Wassererwärmung eingesetzt. Dafür
vollständig und den Strombedarf zu etwa eignen sich vor allem größere Einzelgebäude
25 – 40 % deckt oder ein Nahwärmeverbund mit mehreren Ge-
• Bei einem Anteil der Energiekosten von etwa bäuden. Die Abwasserwärmenutzung eignet sich
30 – 40 % an den Betriebskosten bleibt es zwar aber auch ausgezeichnet für die Schwimmbad-
die erste Pflicht des Betriebsleiters, die Über- heizung, um den Klärschlamm zu trocknen und –
wachungswerte einzuhalten. Der verantwortli- bei geeigneten Temperaturverhältnissen – für
che Umgang mit der Energie ist aber nicht we- gewerbliche Nutzungen.
niger wichtig als Personal, Entsorgung und
Abwasserabgabe

92 Änderungen vorbehalten 04/2010 WILO SE


kläraNlageNMaNageMeNt

klärgasgewinnung und
energieerzeugung aus klärgas
Je tiefer das Temperaturniveau der Wärmebezie- Ein Viertel der Kläranlagen Baden-Württem-
her liegt, desto effizienter können die Wärme- bergs gewinnt bei der Klärschlammbehandlung
pumpen arbeiten. Die Wärmepumpen können Klärgas. Während die Anzahl dieser Klärwerke in
gleichzeitig auch zur Kühlung genutzt werden, den letzten zehn Jahren relativ stabil blieb, stieg
z. B. für gewerbliche Kälte oder im Sommer zur die Zahl der Kläranlagen mit eigener Stromer-
Raumkühlung. Die Wärmepumpe wirkt dabei in zeugung deutlich. Dabei wird das Klärgas mehr-
„umgekehrter“ Weise als Kältemaschine. In allen heitlich am Standort der Kläranlage zur Energie-
Fällen ist aber in der örtlichen Nähe eine ausrei- erzeugung eingesetzt und die erzeugte Energie
chend verfügbare Wärmemenge aus dem Ab- überwiegend selbst verbraucht.
wasser notwendig. Die Wärme kann dem Abwas-
ser im Gebäude selbst, dem Kanal oder der Es enthält als energetisch wichtigste Kompo-
Kläranlage entnommen werden. nente das Methangas, außerdem Kohlendioxid,
Wasserstoff und einige Spurengase. Der Methan-
Die erste Variante wird hier nicht weiter unter- gasanteil liegt in den baden-württembergischen
sucht, da es sich um eine gebäudeinterne Wär- Kläranlagen im Mittel bei 65 %. Für die Energie-
merückgewinnung handelt. Die Nutzung aus erzeugung kann es zum Beispiel in Heizwerken
dem Kanal oder der Kläranlage betrifft hingegen oder Blockheizkraftwerken eingesetzt werden.
die Abwasserentsorgung und fällt deswegen in Aufgrund des hohen Methangehaltes ist Klärgas
den Anwenderbereich dieses Merkblattes. Im besonders klimaschädlich und darf nicht in die
Merkblatt DWA-M 114 „Energie aus Abwasser - Atmosphäre entlassen werden.
Wärme- und Lageenergie“ sind die Aspekte der
Energiegewinnung aus Abwasseranlagen hin- energie sparen beim Pumpen siehe auch
sichtlich Planung, Bau und Unterhalt beschrieben. Planungshandbücher Druckerhöhung und
heizungstechnik, klimatechnik, abwasser,
Der Schwerpunkt liegt auf der Wärmegewinnung regenwasser, DZP
aus Abwasserleitungen und -kanälen. Dies ist im Neben dem Betrieb von Belüftern sind es vor al-
angepassten Sinne auch auf die Lageenergie lem die Pumpen und Rührwerke, die zum Strom-
übertragbar. Einen weiteren Schwerpunkt bilden verbrauch beitragen. Eine Kampagne „Energie-
die Auswirkungen von Energiegewinnungsanla- effiziente Systeme in Industrie und Gewerbe“,
gen auf die – dem Entwässerungssystem nach- die von der deutschen Energie-Agentur GmbH
geschaltete – Kläranlage. Die bereits vorhande- und dem Verband Deutscher Maschinen- und
nen Erfahrungen der Leitfäden aus der Schweiz Anlagenbau durchgeführt wird, soll den
und Deutschland sind in das Merkblatt einge- Betroffenen zeigen, wie durch gesteigerte Ener-
flossen. Ein Kapitel des Merkblattes beschäftigt gieeffizienz ihrer Pumpensysteme der Stromver-
sich mit der Wirtschaftlichkeit solcher Anlagen. brauch zu senken ist. Wie bereits durchgeführte
Das Merkblatt soll Planer, Ingenieurbüros, Kom- Beratungen zeigen, ist eine bedarfsabhängige
munen, Verbände, Betreiber von Kläranlagen und Regelung der Pumpendrehzahl mit Frequenzum-
Entwässerungssystemen sowie Hersteller von richtern erfolgreich.
Anlagen der Energiegewinnung als auch Anlagen-
betreiber (Wärmeversorger, Contractoren) an-
sprechen und diesen Personengruppen eine Hil-
festellung für Planung, Bau und Unterhalt
solcher Anlagen geben.

Wilo – Abwassertechnik für die Wasserwirtschaft 04/2010 93


Anhang
Verwendete Abkürzungen

abkürzung Bedeutung

agglomerieren vereinen
ATS aerobe thermophile Stabilisierung
BHKW Blockheizkraftwerk
BSB5 biochemischer Sauerstoffbedarf
CERAM Beschichtung auf Aluminiumoxidbasis zur Verlängerung der Standzeit bei korrosiven
und abrasiven Medien
CSB chemischer Sauerstoffbedarf
DIN Deutsche Industrie Norm
DN Denitrifikation
DWA Deutsche Vereinigung für Wasserwirtschaft, Abwasser und Abfall e.V.
EGW Einwohnergleichwerte
EnEV Energieeinsparverordnung
EÜV Eigenüberwachungs-Verordnung
EW Einwohnerwert
EZ Einwohnerzahl
F Frequenz
Fließgeschwindigkeit Geschwindigkeit, mit der sich das Abwasser z. B. in einem Kanal bewegt
GRD Gleitringdichtung
H Förderhöhe
hydrophil wasseranziehend
hydrophob wasserabweisend
Kaskade Aneinanderreihung von Prozessen oder Verfahren
Mischkanalisation Regenwasser und Schmutzwasser werden in einem Kanal gefördert
N Nitrifikation
NH4-N Ammonium-Stickstoff
NK Nachklärung
pH-Wert Skalierung/Wert für den Säure- bzw. Laugengehalt eines Mediums (7 = neutral)
Prallwand Bestandteil in einem Pumpenschacht für einen optimalen Zulauf des Mediums
(Wirbel-und Strudelvermeidung)
RÜB Regenüberlaufbecken
RV Rückflussverhinderer
S Schalthäufigkeit von Pumpen
S1 Betriebsart einer Pumpe: Dauerbetrieb
SBR Sequencing Batch Reactor – Verfahren zur Reinigung von Abwasser
Schwimmschlamm Bestandteile des Abwassers, die sich auf/an der Abwasseroberfläche ablagern
TOC Gesamt-organischer-Kohlenstoff-Gehalt
Trennkanalisation Regenwasser und Schmutzwasser werden jedes für sich in einem Kanal gefördert
TS-Gehalt Anteile von Feststoffen (Trockensubstanz) in einem Medium
UV ultraviolett
Vorfluter Gewässer, in das das gereinigte Abwasser geleitet wird (z. B. Fluss)
Z Schalthäufigkeit eines Motors
°dH Grad deutscher Härte, Einheit zur Beurteilung der Wasserhärte

Wilo – Abwassertechnik für die Wasserwirtschaft 04/2010 95


aNhaNg

Auslegungshilfe von Strahlreinigern

rechteckbecken
Strahlreiniger-
erfahrungswerte nach v 0,6 m/s bei
30 W/m³ 40 W/m³
(kW) B x l = a Wt* V bei 30 % Wt = bei 30 % Wt = 1,00 cm Wt.

2,2 3m x 6m = 18,00 m² 6m 108,00 m³ 0,97 kW mind. 1,30 kW mind. 18,0 l/s


3,3 – 4 4m x 8m = 32,00 m² 6m 192,00 m³ 1,73 kW mind. 2,30 kW mind. 24,0 l/s
5 5 m x 10 m = 50,00 m² 6m 300,00 m³ 2,70 kW mind. 3,60 kW mind. 30,0 l/s
5,5 – 6,6 6 m x 12 m = 72,00 m² 6m 432,00 m³ 3,89 kW mind. 5,18 kW mind. 36,0 l/s
6,6 7 m x 14 m = 98,00 m² 6m 588,00 m³ 5,29 kW mind. 7,06 kW mind. 42,0 l/s
7,8 – 10 8 m x 16 m = 128,00 m² 6m 768,00 m³ 6,91 kW mind. 9,22 kW mind. 48,0 l/s
10 9 m x 18 m = 162,00 m² 6m 972,00 m³ 8,75 kW mind. 11,66 kW mind. 54,0 l/s
10– 11,5– 15 10 m x 20 m = 200,00 m² 6m 1200,00 m³ 10,80 kW mind. 14,40 kW mind. 60,0 l/s
15 11 m x 22 m = 242,00 m² 6m 1452,00 m³ 13,07 kW mind. 17,42 kW mind. 66,0 l/s
18 – 20 12 m x 24 m = 288,00 m² 6m 1728,00 m³ 15,55 kW mind. 20,74 kW mind. 72,0 l/s
10– 11,5– 15 10 m x 20 m = 200,00 m² 6m 1200,00 m³ 10,80 kW mind. 14,40 kW mind. 60,0 l/s
15 11 m x 22 m = 242,00 m² 6m 1452,00 m³ 13,07 kW mind. 17,42 kW mind. 66,0 l/s
18 – 20 12 m x 24 m = 288,00 m² 6m 1728,00 m³ 15,55 kW mind. 20,74 kW mind. 72,0 l/s

rundbecken
Strahlreiniger-
erfahrungswerte nach v 0,6 m/s bei
30 W/m³ 40 W/m³
(kW) D = a Wt* V bei 30 % Wt = bei 30 % Wt = x 0,65

2,2 (5 m² x ∏) :4 = 19,63 m² 6m 117,81 m³ 1,06 kW mind. 1,41 kW mind. 19,5 l/s


3,3 – 4 (6 m² x ∏) :4 = 28,27 m² 6m 169,65 m³ 1,53 kW mind. 2,04 kW mind. 23,4 l/s
4 (7 m² x ∏) :4 = 38,48 m² 6m 230,91 m³ 2,08 kW mind. 2,77 kW mind. 27,3 l/s
5 (8 m² x ∏) :4 = 50,27 m² 6m 301,59 m³ 2,71 kW mind. 3,62 kW mind. 31,2 l/s
(9 m² x ∏) :4 = 63,62 m² 6m 381,70 m³ 3,44 kW mind. 4,58 kW mind. 35,1 l/s
5,5 – 6,6 (10 m² x ∏) :4 = 78,54 m² 6m 471,24 m³ 4,24 kW mind. 5,65 kW mind. 39,0 l/s
(11 m² x ∏) :4 = 95,03 m² 6m 570,20 m³ 5,13 kW mind. 6,84 kW mind. 42,9 l/s
(12 m² x ∏) :4 = 113,10 m² 6m 678,58 m³ 6,11 kW mind. 8,14 kW mind. 46,8 l/s
7,8 – 10 (13 m² x ∏) :4 = 132,73 m² 6m 796,39 m³ 7,17 kW mind. 9,56 kW mind. 50,7 l/s
(14 m² x ∏) :4 = 153,94 m² 6m 923,63 m³ 8,31 kW mind. 11,08 kW mind. 54,6 l/s
10– 11,5– 15 (15 m² x ∏) :4 = 176,71 m² 6m 1060,29 m³ 9,54 kW mind. 12,72 kW mind. 58,5 l/s
(16 m² x ∏) :4 = 201,06 m² 6m 1206,37 m³ 10,86 kW mind. 14,48 kW mind. 62,4 l/s
(17 m² x ∏) :4 = 226,98 m² 6m 1361,88 m³ 12,26 kW mind. 16,34 kW mind. 66,3 l/s
(18 m² x ∏) :4 = 254,47 m² 6m 1526,81 m³ 13,74 kW mind. 18,32 kW mind. 70,2 l/s
(19 m² x ∏) :4 = 283,53 m² 6m 1701,17 m³ 15,31 kW mind. 20,41 kW mind. 74,1 l/s

*Werden generell 6 m Wassertiefe bei der Energieeintrags-Berechnung zugrunde gelegt, kommt dies den vorgegebenen Strahlbelüfter-
Erfahrungswerten am nächsten. Die optimale Durchmischung beginnt mit Einsetzen des Lufteintrages bei weniger als 4 m Wasserstand.

96 Änderungen vorbehalten 04/2010 WILO SE


aNhaNg

Widerstandsbeiwerte für Formstücke und Armaturen (Auszug)

Auslauf (Auslassverlust) ζ = 1 Kniestücke α 45° 60° 90°


(Maßgebend ist die Strömungsgeschwindigkeit im Auslaufquerschnitt)
Oberfläche Oberfläche Oberfläche
Querschnittsveränderung α glatt rauh glatt rauh glatt rauh
ζ 0,25 0,35 0,50 0,70 1,15 1,30
d1 /d2 0,5 0,6 0,7 0,8 0,9
d1 d2
ζ 0,56 0,46 0,24 0,13 0,04
Kombinationen mit 90°-Kniestücken

d1 /d2 0,5 0,6 0,7 0,8 0,9


α= 8° 0,12 0,09 0,07 0,04 0,02
d1 α d2
ζ bei α= 16° 0,19 0,14 0,09 0,05 0,02
ζ = 2,5 ζ=3 ζ=5
α= 25° 0,33 0,25 0,16 0,08 0,03
Flachschieber (Schieber ganz geöffnet)
DN 100 200 300 400 500 600-800 900-1200
d1 /d2 1,2 1,4 1,6 1,8 2,0 ζ 0,18 0,16 0,14 0,13 0,11 0,10 0,09
d1 d2
ζ 0,10 0,22 0,29 0,33 0,35
Ovalschieber und Rundschieber (Schieber ganz geöffnet)
DN 100 200 300 400 500 600-800 900-1200
d1 /d2 1,2 1,4 1,6 1,8 2,0
d1 10-30° d2 ζ 0,22 0,18 0,16 0,15 0,13 0,12 0,11
ζ 0,02 0,05 0,10 0,17 0,26

Krümmer
α 45° 60° 90° 6
gebogen
Widerstandswert ζ

Oberfläche Oberfläche Oberfläche 5


glatt rauh glatt rauh glatt rauh
ζ für R = 8° 0,14 0,34 0,19 0,46 0,21 0,51 4

d ζ für R = 16° 0,09 0,19 0,12 0,26 0,14 0,30


R 3
α R = 25° 0,08 0,16 0,10 0,20 0,10 0,20

2
segmentgeschweißt α 45° 60° 90°
Anzahl der
α 2 3 3
Rundnähte
ζ 0,15 0,2 0,25
1
0,9
0,8
0,7
0,1 0,2 0,3 0,4 0,5 0,6 0,8 1 2 3
2 x ζ 90° 3 x ζ 90° 4 x ζ 90° Durchflussgeschwindigkeit v [m/s]

Wilo – Abwassertechnik für die Wasserwirtschaft 04/2010 97


aNhaNg

Tabellen und Diagramme

Wasserverbrauchszahlen (nach DIN 1986-100, tabelle 4)

einsatzfall von … liter bis … liter


Ein-/Mehrfamilienhaus
Trinken, Kochen, Reinigen, je Person/Tag 20 30
Wäsche waschen, je kg 25 75
Toilettenspülung, einmal 6 10
Wannenbad 150 250
Duschbad 40 140
Rasenberegnung, je m2/Tag 1,5 3
Gemüseberegnung, je m2/Tag 5 10

Hotel/Kommune
Schule, je Person/Tag 5 6
Kaserne, je Person/Tag 100 150
Krankenhaus, je Person/Tag 100 650
Hotel, je Person/Tag 100 130
Öffentliches Schwimmbad, je m3/Tag 450 500
Feuerhydrant, je Sekunde 5 10

Gewerbe/Industrie
Schlachthaus, je Stück Großvieh 300 500
Schlachthaus, je Stück Kleinvieh 150 300
Wäscherei, je Waschstand 1000 1200
Brauerei, je Hektoliter Bier 250 500
Molkerei, je Liter Milch 0,5 4
Weberei, je kg Tuch 900 1000
Zuckerfabrik, je kg Zucker 90 100
Fleischfabrik, je kg Fleisch/Wurst 1 3
Papierfabrik, je kg feines Papier 1500 3000
Betonwerk, je m3 Beton 125 150
Baugewerbe, je 1000 Ziegel mit Mörtel 650 750
Lebensmittelindustrie, je kg Stärke 1 6
Lebensmittelindustrie, je kg Margarine 1 3
Weberei, je kg Schafswolle 90 110
Bergbau, je kg Kohle 20 30

Landwirtschaft
Großvieh, je Stück/Tag 50 60
Schaf, Kalb, Schwein, Ziege je Stück/Tag 10 20

Transport
Reinigung Pkw 100 200
Reinigung Lkw 200 300
Reinigung eines Güterwaggons 2000 2500
Reinigung eines Geflügelwaggons 7000 30000

98 Änderungen vorbehalten 04/2010 WILO SE


aNhaNg

Innendurchmesser neuer rohre (nach entsprechender DIN)

Jeweils kleinste Durchmesser der Nennweiten

DN gg-rohr PVc-rohr Pe80hD-rohr Pe100hD-rohr Mindestwert lt.


PN16 PN10 SDr11 SDr11 DIN eN 12056-2
PN12,5 (für gg)
[mm] [mm] [mm] [mm] [mm]
32 k. A. 36 32,6 32,6 k. A.
40 k. A. 45,2 40,8 40,8 34
50 k. A. 57,0 51,4 51,4 44
65 k. A. 67,8 61,2 61,2 k. A.
80 80 81,4 73,6 73,6 75
100 100 99,4 90,0 90,0 96
150 151 144,6 130,8 130,8 146
200 202 203,4 184 184 184

rohrreibungsverluste und korrekturfaktoren


1

600

1000

4000
2000

6000
400
60

200
4

40
10

80
2

800
20
8
0,8

100
6
0,6
0,4

m3/h

30 30 k = 0,1 mm
m m (z. B. neue Gussrohre,
bitumierte Gussrohre, längs-
20 20
20

geschweißte Stahlrohre)
25

32

10 10
4
40

8 8
50

6 3 6
65
80

4 4
100

2
125
150

2 2

1,5
200

250

1 1
300

0,8 0,8
350

1m
/s
400

0,6 0,6
500

0,8 Reibungsverluste
0,4 0,4
ite

600

in „m“ pro 100 m


0,7
nwe

neuer Rohrleitung aus


700
rnen

800

0,6 Grauguss
900
Roh

0,2 0,2
100
Reibungsverlust

0,4

0,1 0,1
0,1

100

600
800
400
200
60

1000

2000
40
2

10

80
0,2

6
0,6

20
0,8

l/s
4

8
0,4

Durchflussmenge

Wilo – Abwassertechnik für die Wasserwirtschaft 04/2010 99


aNhaNg

rohrreibungsverluste und korrekturfaktoren (fortsetzung)

faktoren zur anpassung an andere Werkstoffe bzw. ältere leitungen:


0,1 Neue galvanisierte Stahlrohre
0,8 Neue gewalzte Stahlrohre, neue Kunststoffrohre
1,0 Neues Gussrohr, bitumiertes Gussrohr
1,25 Ältere angerostete Gussrohre
1,5 Neue verzinkte Stahlrohre, gesäuberte Gussrohre
1,7 Inkrustierte Rohre
2 Neue Betonrohre mittelglatt
2,5 Steinzeugrohre
3 Neue Betonrohre Glattstrich
15-30 Gussrohre mit leichten bis starken Verkrustungen

Verluste in armaturen

Richtwerte zur überschlägigen Kalkulation für Verlustberechnungen angegeben in m Rohrleitungslänge


(bei Verengungen bzw. Vergrößerungen immer auf den größeren Durchmesser bezogen)
Widerstandstyp DN 32 DN 40 DN 50 DN 65 DN 80 DN 100 DN 150 DN 200
Abzweig oder T-Stück 2,02 2,74 3,87 5,61 6,58 8,85 15,45 23,36

Querschnitts- -0,85 -1,13 -1,5 -2,29 -2,4 -3,72 -5,02 -13,22


vergrößerung
Querschnitts- 1,08 1,45 1,94 2,46 3,19 4,85 8,04 19,25
verengung
Plötzliche Quer- -0,24 -0,34 -0,48 -0,56 -0,76 -1,05 -1,96 -2,6
schnittsvergrößerung
Plötzliche Quer- 0,29 0,42 0,6 0,7 0,95 1,31 2,45 3,25
schnittsverengung
Bögen mit R = d und 0,11 0,15 0,2 0,3 0,4 0,55 0,95 1,4
glatter Oberfläche 45°
60° 0,15 0,2 0,28 0,43 0,59 0,93 1,5 2,28

90° 0,19 0,27 0,38 0,58 0,79 1,11 2,06 3,18

Rückflussverhinderer 1,7 1,48 1,84 2,6 3,3 4,26 7,26 10,58

Absperrschieber, 0,27 0,3 0,38 0,49 0,56 0,7 1,08 1,45


Kugelhähne

100 Änderungen vorbehalten 04/2010 WILO SE


aNhaNg

Formelsammlung

Verhalten bei Drehzahländerung

Förderstrom:
冢n冣
n2
Q2 = Q1 •
1

Förderhöhe:
冢n冣
n2 2

H2 = H1 •
1

Leistung:
冢n冣
n2 3

P2 = P1 •
1

Im folgenden sind formeln zu finden, die beim anschluss von Motoren


häufig gebraucht werden.

Widerstand eines Leitungsstücks:


L
R= [Ω]
•A

Spannungsfall einer Drehstromleitung

Leistung bekannt:
L•P
ΔU = [V]
•A•U

Strom bekannt:
L•I
ΔU = √3 • cos φ [V]
•A

Leistungsverlust einer Drehstromleitung:


Abkürzung Beschreibung
L•P•P
PVerl = [W] Q Förderstrom
 • A • U • U • cos φ • cos φ n Drehzahl
H Förderhöhe
P Leistung
Elektrische Leistung von Drehstrommotoren P1 Leistungsaufnahme des Motors
L Länge des Leiters [m]
Abgegebene Leistung: A Querschnitt des Leiters [ mm2]
I Stromaufnahme
P1 = (1,73) • U • I • cos φ [W]
 Leitfähigkeit [m/Ω mm2]

m
Kupfer:  = 57
Stromaufnahme: Ω mm2

P1 m
Aluminium:  = 33
I= [A] Ω mm2
(√3) • U • cos φ
m
Eisen:  = 8,3
Wirkungsgrad: Ω mm2
P2 m
η= • (100 %) Zink:  = 15,5
P1 Ω mm2

Wilo – Abwassertechnik für die Wasserwirtschaft 04/2010 101


aNhaNg

Werkstofftabellen

Werkstoffbezeichnung Bedeutung

1.4021 Chromstahl X20Cr13


1.4057 Chromstahl X17CrNi16-2
1.4112 Chromstahl X90CrMoV18
1.4122 Chromstahl X39CrMo17-1
1.4301 Chrom-Nickel-Stahl X5CrNi18-10
1.4305 Chrom-Nickel-Stahl X8CrNiS18-9
1.4306 Chrom-Nickel-Stahl X2CrNi19-11
1.4308 Chrom-Nickel-Stahl GX5CrNi19-10
1.4401 Chrom-Nickel-Molybdän-Stahl X5CrNiMo17-12-2
1.4408 Chrom-Nickel-Molybdän-Stahl GX5CrNiMo19-11-2
1.4462 Chrom-Nickel-Molybdän-Stahl X2CrNiMoN22-5-3
1.4470 Chrom-Nickel-Molybdän-Stahl GX2CrNiMoN22-5-3
1.4517 Chrom-Nickel-Molybdän-Stahl mit Kupferzusatz GX2CrNiMoCuN25-6-3-3
1.4541 Chrom-Nickel-Stahl mit Titanzusatz X6CrNiTi18-10
1.4542 Chrom-Nickel-Stahl mit Kupfer- und Niobzusatz X5CrNiCuNb16-4
1.4571 Chrom-Nickel-Stahl mit Titanzusatz X6CrNiMoTi17-12-2
1.4581 Chrom-Nickel-Molybdän-Stahl mit Niobzusatz GX5CrNiMoNb19-11-2
Abrasit Hartgusswerkstoff für den Einsatz in stark abrasiven Medien
Al Leichtmetall-Werkstoff (Aluminium)
Ceram Beschichtung auf Aluminiumoxidbasis; Beschichtung mit sehr hohem
Haftvermögen, Schutz vor Korrosion und Abrasion
Composite Hochfestes Kunststoffmaterial
EN-GJL Grauguss (Gusseisen mit lamellarem Graphit)
EN-GJS Grauguss (Gusseisen mit Kugelgraphit, auch Sphäroguss genannt)
G-CuSn10 Zinkfreie Bronze
GFK Glasfaserkunststoff
GG Siehe EN-GJL
GGG Siehe EN-GJS
Inox Rostfreier Stahl
NiAl-Bz Nickel-Aluminium-Bronze
Noryl Glasfaserverstärkter Kunststoff
PE-HD Polyethylen mit hoher Dichte
PP-GF30 Polypropylen, verstärkt mit 30 % Glasfaser
PUR Polyurethan
SiC Silizium-Karbid
St Stahl
St.vz. Stahl verzinkt
V2A (A2) Werkstoffgruppe, z. B. 1.4301, 1.4306
V4A (A4) Werkstoffgruppe, z. B. 1.4404, 1.4571

102 Änderungen vorbehalten 04/2010 WILO SE


aNhaNg

Beständigkeitstabelle ceram c0 Beständigkeitstabelle ceram c1

Medium temperatur faktor Medium faktor

Säuren Säuren
5 % Salpetersäure +20 °C 3 5 % Salpetersäure 1
5 % Salzsäure +20 °C 2 10 % Salpetersäure 3
10 % Salzsäure +20 °C 2 5 % Salzsäure 1
20 % Salzsäure +20 °C 3 10 % Salzsäure 2
10 % Schwefelsäure +20 °C 2 20 % Salzsäure 3
20 % Schwefelsäure +20 °C 3 10 % Schwefelsäure 2
20 % Schwefelsäure 3
laugen und Bleichen 5 % Phosphorsäure 1
Abwasser alkalisch 20 % Phosphorsäure 3
(pH 11) +20 °C 1
Abwasser alkalisch laugen und Bleichen
(pH 11) +40 °C 1
5 % Ammoniak 2
Abwasser leicht sauer
(pH 6) +20 °C 1 28 % Ammoniumhydroxid 1
Abwasser leicht sauer 6 % Fixiersalz 1
(pH 6) +40 °C 1 10 % Natronhydroxid 1
Abwasser stark sauer 50 % Natronhydroxid 1
(pH 1) +20 °C 2 5 % Seifenlösung 1
Abwasser stark sauer Zementmörtel/Beton 1
(pH 1) +40 °C 3
5 % Ammoniumhydroxid +40 °C 3
andere Verbindungen
5 % Natronlauge +20 °C 1
Abwasser 1
5 % Natronlauge +50 °C 2
Bunker C 1
10 % Natriumchloridlösung +20 °C 1
Dieselöl 1
Isopropanolalkohol 1
andere Verbindungen
Kerosin 1
Decanol (Fettalkohol) +20 °C 1
Naphtha 1
Decanol (Fettalkohol) +50 °C 1
Toluen 1
40 % Ethanol +20 °C 1
Salzwasser 1
96 % Ethanol +20 °C 3
Xylol 1
Ethylenglykol +20 °C 1
1 = beständig; 2 = kurzfristig beständig; 3 = überlaufbeständig,
Heizöl/Diesel +20 °C 1
sofortige Reinigung; 4 = nicht für direkten Kontakt empfohlen
Kompressorenöl +20 °C 1
Methylethylketon (MEK) +20 °C 3 Getestet bei 20 °C. Muster zwölf Tage lang bei 20 °C ausgehärtet.
Toluol +20 °C 2 Längeres Aushärten verbessert die chemische Widerstandsfähigkeit.

Wasser
(Kühl-/Brauchwasser) +50 °C 1
Xylol +20 °C 1

1 = beständig; 2 = kurzfristig beständig; 3 = überlaufbeständig,


sofortige Reinigung; 4 = nicht für direkten Kontakt empfohlen

Wilo – Abwassertechnik für die Wasserwirtschaft 04/2010 103


aNhaNg

Beständigkeitstabelle ceram c2 Beständigkeitstabelle ceram c3

Medium faktor Medium faktor

Säuren Säuren
5 % Essigsäure 2 5 % Essigsäure 2
20 % Essigsäure 4 20 % Essigsäure 4
5 % Salzsäure 1 5 % Salzsäure 1
10 % Salzsäure 2 10 % Salzsäure 2
20 % Salzsäure 3 20 % Salzsäure 3
10 % Schwefelsäure 1 10 % Schwefelsäure 1
20 % Schwefelsäure 2 20 % Schwefelsäure 2

laugen und Bleichen laugen und Bleichen


28 % Ammoniumhydroxid 1 28 % Ammoniumhydroxid 1
6 % Fixiersalz 1 6 % Fixiersalz 1
10 % Natronlauge 1 10 % Natronlauge 1
30 % Natronlauge 1 30 % Natronlauge 1
10 % Kaliumhydroxid 1 10 % Kaliumhydroxid 1
50 % Kaliumhydroxid 1 50 % Kaliumhydroxid 1

andere Verbindungen andere Verbindungen


Abwasser 1 Abwasser 1
Bunker C 1 Bunker C 1
Diesel 1 Diesel 1
Isopropanolalkohol 1 Isopropanolalkohol 1
Kerosin 1 Kerosin 1
Naphtha 1 Naphtha 1
Toluen 1 Toluen 1
Salzwasser 1 Salzwasser 1
Xylen 1 Xylen 1
1 = beständig; 2 = kurzfristig beständig; 3 = überlaufbeständig, 1 = beständig; 2 = kurzfristig beständig; 3 = überlaufbeständig,
sofortige Reinigung; 4 = nicht für direkten Kontakt empfohlen sofortige Reinigung; 4 = nicht für direkten Kontakt empfohlen

Getestet bei 20 °C. Muster 7 Tage lang bei 20 °C ausgehärtet. Getestet bei 20 °C. Muster sieben Tage lang bei 20 °C ausgehärtet.
Längeres Aushärten verbessert die chemische Widerstandsfähigkeit. Längeres Aushärten verbessert die chemische Widerstandsfähigkeit.

104 Änderungen vorbehalten 04/2010 WILO SE


aNhaNg

Fehleranalyse

Mängelursache Wirkung
Zulaufbereich Der Zulauf der Pumpe ist nicht • Lufteintrag durch Einlaufstrahl
luftblasenfrei • Lufteintrag durch Belüftung
• Lufteintrag durch Wirbelbildung
• Lufteintrag durch zu starke Absenkung des Wasserspiegels
• Lufteintrag durch turbulente Zuströmung
• Unruhiger Lauf, starke Schwingungen, Schraubenverbindungen können sich lockern
oder reißen ab
• Geringe Lebensdauer der Pumpe
• Insbesondere Lagerung und Abdichtung der Pumpe zeigen bereits nach kurzer Laufzeit
Beschädigungen
Schwieriges Fördermedium • Förderstrom reißt ab
• Zu hohe Temperatur, thermische Belastung der Wicklung wird zu hoch
• Aggressives Fördermedium, Werkstoffe werden angegriffen
• Stark verschleißendes Fördermedium (Sandanteil ist sehr hoch), Verschleiß an Laufrad
und Pumpengehäuse
• Spezifisches Gewicht ist höher als 1 kg/dm3, Antrieb überlastet
• Zähigkeit > 1,5 – 10 – 06 m2/s, Antrieb überlastet, höhere Reibungsverluste
• Feststoffkonzentration zu hoch, Förderstrom reißt ab
• Sperrige Stoffe, Blockieren des Laufrades
Ungünstiger Pumpensumpf • Wasservolumen zu klein, Schalthäufigkeit zu groß
• Wasservolumen zu groß, Abwasser fault – Gasbildung
• Zu geringe Neigung zum Pumpeneinlauf, Feststoffe lagern sich ab und werden nicht gefördert
Fehlerhafte Niveauschaltung • Schaltdifferenz zu gering, zu hohe Schalthäufigkeit
• Schaltdifferenz zu groß, Bilden von Ablagerungen und Faulprozessen
• Ausschaltkontakt zu niedrig, Lufteintrag in Pumpe, evtl. Kavitation
• Kontaktgeber fehlerhaft oder nicht ordentlich befestigt, Flatterkontakt; unkontrolliertes
Ein- und Ausschalten der Pumpe
Störungen in Saugleitung • Saugleitung zu lang und mit zu geringem Durchmesser, hohe Reibungsverluste, evtl.
Kavitation, Verstopfungsgefahr
• Saugleitung mit Hochpunkt (nicht stetig steigend)
• Unregelmäßige Förderung
• Gefahr des Trockenlaufs
• Verstopfung in Saugleitung oder saugseitigem Schieber, geschlossener Trockenlauf der
Pumpe, Pumpe läuft sehr unruhig; Schäden an Lagern, Schrauben und Abdichtung
Pumpe Wasserüberdeckung zu niedrig • Lufteintrag in Pumpe, evtl. Kavitation
Die Pumpe ist nicht • Erschütterungen der Pumpe durch äußere Bauteile (z. B. schwingende Unterlage usw.)
schwingungsfrei und stoßfrei • Die Pumpe ist nicht befestigt, nur locker befestigt oder schlägt gegen andere Bauteile,
aufgestellt unruhiger Lauf, starke Schwingungen
• Geringe Lebensdauer, Lagerung und Abdichtung der Pumpe zeigen
bereits nach kurzer Laufzeit Beschädigungen
Die Pumpe läuft in einem • Der Betriebspunkt liegt auf dem extremen linken Bereich der Kennlinie (äußerst geringer
ungünstigen Betriebspunkt Förderstrom), hohe Verstopfungsgefahr, wegen zu geringer Fließgeschwindigkeit, evtl.
Kavitation, unruhiger Lauf, geringe Lebensdauer, schlechter Wirkungsgrad
• Der Betriebspunkt liegt auf dem extremen rechten Bereich der Kennlinie (sehr großer Förder-
strom), evtl. Kavitation, unruhiger Lauf, geringe Lebensdauer, schlechter Wirkungsgrad
• Der Betriebspunkt liegt im Kavitationsbereich
Die Pumpe verstopft • Fließgeschwindigkeit zu gering
oder blockiert • Spaltringspiel zu eng
• sperrige Teile im Fördermedium
Der elektrische Anschluss • Falsche Drehrichtung, sehr unruhiger Lauf
ist mangelhaft • Phasenausfall, Wicklungsschaden
• Schutzkontakte verschmort, Wicklungsschaden
• Adern nicht fest angeschraubt, Wackelkontakt, evtl. Wicklungsschaden
• Motorschutz zu niedrig eingestellt, Motorschutz löst aus
• Sicherungen klein, Sicherungen lösen aus
• Sicherungen nicht fest verschraubt, Phasenausfall
• Kabel im Wasserbereich beschädigt, Wasser im Klemmenraum des Motors
• Falscher Anschluss bei Stern-Dreieck-Anlauf
• Starke Über- bzw. Unterspannung, Motorschutz löst aus
Druckleitung Ungünstige Anordnung der • Vertikale Anordnung, Blockieren oder Flattern der RV-Klappe durch Ablagerungen
Rückschlagorgane • RV nicht entlüftet, Pumpe fördert nicht wegen Lufteinschluss
Druckrohrleitung • Ungünstige Anordnung der Druckrohrleitung, Druckrohrleitung schwingt stark
schwingungstechnisch nicht • Druckrohrleitung nicht ausreichend befestigt und abgestützt,
von Pumpe getrennt Druckrohrleitung schwingt stark
• Druckrohrleitung unmittelbar an Pumpe ohne Kompensator angeschlossen
Ungünstiger Anschluss der • Ablagerungen in der Sammelleitung können in RV und Pumpe
Druckrohrleitung an Sammel- gelangen, Verschleiß und evtl. Blockieren des RV
leitung

Wilo – Abwassertechnik für die Wasserwirtschaft 04/2010 105


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Literatur- und Quellenhinweise

• ATV-Handbuch Mechanische Abwasserreinigung, 4. Auflage, „wasser wissen“


• Thomé-Kozmiensky, Karl J. Klärschlammentsorgung. Neuruppin: TK Verlag Karl Thomé-Kozmiensky,
1998.
• Rhodesly, Chihab. Beitrag zur Konditionierung und Entwässerung von Klärschlamm.
Clausthal-Zellerfeld: Papierflieger, 1998.
• Letmathe, Bernd R. Klärschlamm – Entsorgungskonzepte der alten Bundesländer und Grundlagen
der Aufbereitung, Verwertung, Kompostierung, Deponierung und thermischen Behandlung
(Trocknung, Verbrennung, Pyrolyse) von Klärschlamm, ein Umweltschutzbeitrag.
Heere: Wanderer, 1994.
• Thomé-Kozmiensky, Karl J. (Hrsg.), Loll, Ulrich (Hrsg.). Recycling von Klärschlamm.
Berlin: Verlag für Energie- und Umwelttechnik, 1982.
• Delmhorst, Bernd. Entsorgung 2000, Klärschlamm: Leitfaden für Kommunen, Wirtschaft und
Politik. Bonn: Bonner Energie Report, 1991.
• World Wide Web:
URL: http://www.limus.de/tro.htm [Abrufdatum: 27.12.2006].
URL: http://www.drying.de [Abrufdatum: 05.01.2007].
URL: http://www.eawag.ch/services/pr/dokumente06/20060228/bilder.html
[Abrufdatum: 20.12.2006].
URL: www.wangen.com/anwendung/anwendung.htm [Abrufdatum: 20.12.2006].
• Transfer d’oxygene en boues activees par insufflation d’air mesure et elements d’interpretation
Ecole doctorale de Sciences Physiques et Chimiques, et d’Ingenierie, Université Paris XII – Val de
Marne. Gillot, S., 1997.
• Aeration efficiency in horizontal flow systems and other non-full floor
coverage aeration systems. Aeration Conference der Firma Nopon Oy in Helsinki am 02.10.2000.
Mantovani, A. , 2000.

106 Änderungen vorbehalten 04/2010 WILO SE


Die WILO SE hat alle Texte in dieser Unterlage mit großer Sorgfalt erarbeitet. Dennoch
können Fehler nicht ausgeschlossen werden. Eine Haftung des Herausgebers, gleich aus
welchem Rechtsgrund, ist ausgeschlossen.

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