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Swetlana W.

Pogorelskaja

Die parteinahen Stiftungen als Akteure und


Instrumente der deutschen Auûenpolitik

die innenpolitische Bildungsarbeit der Stiftungen.


I. Einleitung Selbst die bekannte Entscheidung des Bundesver-
fassungsgerichtes (BVerfG) von 1986 konnte diese
Debatte weder beenden noch entschårfen.4
Wenn man es sich zum Ziel setzt, den hierzulande
seit mehr als dreiûig Jahren in Wissenschaft und ± Auch im Diskurs zur auûen- und entwicklungs-
Publizistik gefçhrten Diskurs zu Fragen der politischen Arbeit der Stiftungen, die bekanntlich
auûen- und entwicklungspolitischen Tåtigkeit der vom Bundesministerium fçr wirtschaftliche Zu-
deutschen Nichtregierungsorganisationen (im Fol- sammenarbeit und Entwicklung (BMZ), Auswårti-
genden NGO = Non-Governmental Organiza- gen Amt (AA) und zu kleineren Teilen von ande-
tions) zu analysieren, wird man feststellen, dass ren Ressorts finanziert wird, nimmt das Thema der
der græûte Teil der Beitråge den politischen Stif- ¹Parteinåheª einen bedeutenden Platz ein. Den
tungen1 gewidmet ist, zugleich aber auch, dass dies Stiftungen wird u. a. vorgeworfen, mit den Geldern
oft in emotionaler Weise erfolgt: Stiftungen wer- der deutschen Steuerzahler ¹Parteienauûenpoli-
den gelobt ± manchmal çbertrieben; sie werden tikª zu finanzieren. Nicht selten taucht dieses
gerçgt ± manchmal auch çbertrieben. Und was Thema auch im Zusammenhang mit den Spen-
besonders erstaunlich ist: gelobt und gerçgt wer- denaffåren (wie z. B. der Flick-Affåre) auf; gele-
den sie nicht selten fçr ein und dasselbe. gentlich wirft man den Stiftungen auch vor, als
¹Geldwåsche-Anlagenª aufzutreten und der Be-
Das ist auch kein Wunder. Der græûte Teil der reicherung nahe stehender Parteien zu dienen.5
deutschen NGOs, die heutzutage in VENRO2 ver-
treten sind, wollen ± in den besten entwicklungs- ± Ein weiterer Themenkomplex, der im Zusam-
politischen Traditionen ± den Armen dieser Welt menhang mit der Auslandsarbeit der Stiftungen
helfen, und zwar unparteilich und unpolitisch. Die besonders håufig diskutiert wird, ist ebenfalls ±
Stiftungen aber wollen mehr: ¹Wir wollen zugleich wenn auch indirekt ± mit Finanzierungsfragen ver-
auf die Gestaltung politischer und gesellschaftli-
cher Ordnungen, auf politische Entscheidungspro- 4 Vgl. Urteil des BVerfG vom 14. 7. 1986: Gewåhrung von
zesse und auf die Entwicklung politischer und Globalzuschçssen zur politischen Bildungsarbeit an partei-
gesellschaftlicher Institutionen einwirken.ª3 Und nahe Stiftungen, in: Entscheidungen des Bundesverfassungs-
gerichts, Band 73, Tçbingen 1987, S. 1±39. Diesem Urteil ging
sie wollen es nicht nur ± sie tun es. Diese Zielset- eine von Bçndnis 90/Die Grçnen, die damals keine eigene
zung bietet daher immer neues Material fçr immer Stiftung hatten, iniziierte Diskussion voraus. Vgl. ferner Uwe
neue innenpolitische Diskussionen zu fast immer Gçnter/Michael Vesper, Wie weiter mit dem Stiftungsgeld?,
denselben Themen. Fassen wir diese seit dreiûig in: Zeitschrift fçr Rechtspolitik, 27 (1994) 8, S. 289±291, sowie
Gemeinsame Erklårung der KAS, FES, FNS, HSS und HBS
Jahren so gut wie konstant gebliebenen Themen- vom November 1998, 11 S. (vervielfåltigt); Grundsåtze der
komplexe zusammen: Finanzierung politischer Stiftungen, Sankt-Augustin, 3. Fe-
bruar 2000, 6 S. (vervielfåltigt).
± Innenpolitisch wird immer wieder çber die 5 Zum sog. ¹spanischen Fall Flickª siehe u. a. Lotar La-
Legalitåt der Globalzuschçsse des Bundes an die busch, Ein Hauch von Flick bringt die deutschen Stiftungen in
Stiftungen (Stichwort: ¹verdeckte Parteienfinan- Verruf, in: Kælner Stadt-Anzeiger vom 7. November 1984,
S. 2; Walter Haubrich, Deutsches Geld in spanischer Politik,
zierungª) gestritten, dies zumeist im Hinblick auf in: Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) vom 2. Februar
2000, S. 3. Ferner wurde die Tåtigkeit der Stiftungen auf der
1 Die Friedrich-Ebert-Stiftung (FES, der SPD nahe ste- iberischen Halbinsel wieder unter die Lupe genommen im
hend), die Konrad-Adenauer-Stiftung (KAS, der CDU nahe Zusammenhang mit den Vorwçrfen, dass die zweckge-
stehend), die Hanns-Seidel-Stiftung (HSS, der CSU nahe bundenen Gelder aus den sog. ¹Reptilienfondsª des Bundes-
stehend), die Friedrich-Naumann-Stiftung (FNS, der FDP kanzleramtes, die deutsche Parteien fçr die Unterstçtzung
nahe stehend), die Heinrich-Bæll-Stiftung (HBS, Bçndnis 90/ der demokratischen Kråfte in Spanien und Portugal in den
den Grçnen nahe stehend), die Rosa-Luxemburg-Stiftung Jahren 1974 bis 1982 erhielten, teilweise wieder an die nahe
(RLS, der PDS nahe stehend). stehenden Parteien zurçckgeflossen seien. Vgl. Hans Leyen-
2 VENRO e. V. = Verband Entwicklungspolitik deutscher decker, Alltågliches unter strengster Geheimhaltung, in:
Nichtregierungsorganisationen. Sçddeutsche Zeitung (SZ) vom 2. Februar 2000, S. 7; Tina
3 Ottfried Henning, Netzwerke schaffen, in: KAS/Einblicke Stadlmayer, BND-Geld fçr Portugal und Spanien, in: die ta-
vom Oktober 1997, S. 8. geszeitung vom 2. Februar 2000, S. 6.

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bunden. Es geht um die Intensitåt der Parteinåhe kommt.8 Die Aufgaben, die die Stiftungen zu
in der entwicklungspolitischen Projektarbeit. Be- bewåltigen haben, çberschreiten die speziellen
sonders in den achtziger Jahren håuften sich im Interessen der Parteien und werden nicht unbe-
Zusammenhang mit den lateinamerikanischen dingt von ihnen bestimmt, was gerade am Beispiel
Aktivitåten der Stiftungen die Vorwçrfe, die Stif- der Auslandståtigkeit der Stiftungen besonders
tungen trçgen, indem sie die den deutschen Par- deutlich zu sehen ist. Was kann mit Hilfe von politi-
teien ¹nahe stehendenª Parteien und Organisatio- schen Stiftungen auûenpolitisch bewegt werden?
nen im Ausland unterstçtzen, die deutschen Welche Rolle spielen die Stiftungen bei der Gestal-
innenpolitischen Auseinandersetzungen ins Aus- tung der deutschen Auûenpolitik?9
land.6
± Schlieûlich und nicht zuletzt wird çber die Tåtig-
keit der Stiftungen im Ausland hinsichtlich ihres
Verhåltnisses zur deutschen Auûenpolitik und offi-
II. Entwicklungspolitische Arbeit
ziellen Diplomatie gestritten. In den letzten zwan- und auûenpolitischer Auftrag
zig Jahren reichte die Palette der in diesem
Zusammenhang diskutierten Fragen von Vorwçr-
fen, ¹geheime Diplomatieª oder ¹Nebenauûen- Schon in den frçhen sechziger Jahren wurde im
politikª zu betreiben, bis zu Lobesliedern auf die Auswårtigen Amt (AA) der Wert der Stiftungen
Flexibilitåt und Scharfsichtigkeit der Stiftungen, als auûenpolitische Instrumente erkannt.10 Es
die frçhzeitig politische Kråfte dort erkannten und waren die Jahre, in denen die Richtlinien der Poli-
færderten, wo die offizielle deutsche Auûenpolitik tik gegençber den Entwicklungslåndern im allge-
noch an den alten Strukturen hing. meinen Kontext der damaligen deutschen Auûen-
politik im Hinblick auf die Deutschlandpolitik11
Alle diese Themenkomplexe sind eng mitein- und bezogen auf die Besonderheiten dieser Staa-
ander verflochten; dies spiegelt den realen Stand ten entworfen wurden. Es waren auch die Jahre
der Dinge wider: Die Stiftungen, die sich als der Streitigkeiten çber die Verteilung der Kompe-
¹Grenzgånger zwischen Gesellschafts- und Staa- tenzen zwischen dem AA und dem neu geschaffe-
tenweltª7 von anderen NGOs durch ihre unmittel- nen BMZ, ferner der praxisbezogenen Diskussio-
bare Verankerung in der offiziellen Politik unter- nen çber das Verhåltnis zwischen ¹Auûenpolitikª,
scheiden, und doch ± aus rechtlicher Perspektive ¹Entwicklungshilfeª und ¹Entwicklungspolitikª.
gesehen ± sowohl innenpolitisch als auch interna- Wåhrend das Auswårtige Amt den Standpunkt
tional als NGO's auftreten, befinden sich inmitten vertrat, dass ¹die Entwicklungshilfe das wichtigste
der vielfåltigen innen-, auûen- und internationa- Instrument unserer Auûenpolitik im Verhåltnis
len Beziehungen, die in der heutigen interdepen- zur Dritten Welt ist und bleibtª12, behauptete das
denten Welt nicht mehr voneinander zu trennen BMZ, dass ¹die Entwicklungshilfe ihren Haupt-
sind. grund in sich selbst hatª13, und daher nicht mit
Bezogen auf die Intensitåt der Parteinåhe gehe ich 8 Vgl. u. a. Henning von Vieregge, Parteistiftungen, Baden-
in meinem Beitrag davon aus, dass die politischen Baden 1977, und Alan Watson, Die politischen Stiftungen in
Stiftungen in hinreichender Weise sowohl organisa- Westdeutschland, Bonn ± London 1976.
torisch als auch in ihrer Willensbildung von ihren 9 Zur Auslandsarbeit der Stiftungen vgl. u. a. Roland Kress,
Die politischen Stiftungen in der Entwicklungspolitik, Bo-
Parteien unabhångig sind. Auch wenn die ¹Partei- chum 1985; Maximilian Schçrmann, Zwischen Partnerschaft
nåheª immer wieder in ihrer praktischen innen- und politischem Auftrag, Saarbrçcken 1989; Annette Spit-
politischen Tåtigkeit zum Ausdruck kommt, ist die zenpfeil, Der Beitrag der politischen Stiftungen zur entwick-
Verbindung zwischen der Stiftung und der Partei lungspolitischen Zusammenarbeit, Frankfurt/M. 1996; Swet-
lana W. Pogorelskaja, Die politischen Stiftungen in der
keineswegs eingleisig. Es handelt sich eher um eine deutschen Auûenpolitik, Bonn 1997.
Art Wechselbeziehung, die allerdings von rechtli- 10 Die FES wurde schon 1925 gegrçndet; die KAS ging
cher Seite schwer nachzuweisen ist, da sie nicht auf 1964 aus der 1958 gegrçndeten Politischen Akademie Eich-
dem offiziellen, sondern eher auf einem ideellen holz hervor; die FNS wurde 1958 und die HSS 1967 ge-
grçndet.
und politisch-persænlichen Niveau zum Ausdruck 11 Vgl. Auswårtiges Amt III B 1, Bd. 651, Aufzeichnung
¹Auûenpolitik und Entwicklungspolitikª vom 6. Mai 1966:
6 Vgl. Konrad Adam, Der Staat als Spender, in: FAZ vom ¹Die Entwicklungspolitik war ein unverzichtbares In-
8. Mårz 1985, S. 3; Gættrik Wewer, Fragen an die politischen strument bei der Abschirmung und Verteidigung unseres Al-
Stiftungen, in: Das Parlament vom 13. September 1986, S. 4. leinvertretungsanspruchs.ª (AA III B 1 = Archivbestand
7 Diese Bezeichnung gibt Sebastian Bartsch mit Verweis Grundsatzfragen der Entwicklungshilfe).
auf Ernst-Otto Czempiel: Sebastian Bartsch, Politische Stif- 12 Auswårtiges Amt III B 1, Bd. 651. Aufzeichnung ¹Au-
tungen: Grenzgånger zwischen Gesellschafts- und Staaten- ûenpolitische Notwendigkeit der Entwicklungshilfeª vom
welt, in: Wolf-Dieter Eberwein/Karl Kaiser, Deutschlands 2. November 1965.
neue Auûenpolitik, Bd. 4: Institutionen und Ressourcen, 13 Walter Scheel, Entwicklungshilfe und Auûenpolitik, in:
Mçnchen 1998, S. 185±198, hier: S. 193. Bulletin vom 16. November 1965, S. 1463.

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auûenpolitischen Aufgaben (die damals nicht sel- dungsinstitutionen: Akademie Eichholz, FES und
ten mit den Interessen der auswårtigen Tagespoli- FNSª17 durchgefçhrt werden.
tik, wie z. B. dem Alleinvertretungsanspruch, iden-
tifiziert wurden) belastet werden solle ± und Somit wurden die Stiftungen schon in den frçhen
spåter, dass sie, im Unterschied zur traditionellen sechziger Jahren dort im politischen Bereich ein-
Auûenpolitik, ¹nicht nur eine Sache von Staaten, gesetzt, wo staatliche Aktivitåten als eine Einmi-
sondern von Gesellschaftenª14 sei. schung in die inneren Angelegenheiten des Gast-
landes betrachtet werden konnten ± zumal wenn
es um Kontakte zu oppositionellen Kråften, um
Der Kompetenzstreit zwischen den zwei Ressorts die Unterstçtzung von politischen Parteien und
beeinflusste allerdings eher die Institutionelle Ge- Gewerkschaften ging. ¹Zur Durchfçhrung von
staltung der Entwicklungspolitik denn ihre inhalt- Maûnahmen politischen Charakters . . . dçrfen in
liche Ausrichtung. Die Entwicklungspolitik aller erster Linie Institutionen wie FES, FNS, Eichholz
Geberlånder war in den Zeiten der Block-Kon- usw. herangezogen werden, damit die Bundesre-
frontation von langfristigen, u. a. auch ideologisch gierung nicht als direkter Geldgeber auftritt.ª18
geprågten auûenpolitischen Zielsetzungen nicht zu Darçber hinaus wurden sie auch mit einigen kul-
trennen; auch die Modernisierung der Entwick- turpolitischen Aufgaben beauftragt (wobei die
lungskonzepte war in das Geflecht auûenpoliti- Kulturpolitik gegençber diesen Låndern eher als
scher und auûenwirtschaftlicher Interessen einge- Bildungshilfe interpretiert wurde).19 Nach Mei-
bunden. Entwicklungspolitik war ein Bestandteil nung der Stiftungen selbst sollte ¹die gesellschafts-
der Systemkonkurrenz und diente u. a. dem politische Kontaktpflege . . . ausschlieûlich und
Export der Ordnungsmodelle. Die Projekte, die unmittelbar durch die KAS, FES und FNSª erfol-
entwicklungspolitisch als ¹Hilfe zur Selbsthilfeª gen, da ¹das politische Risiko geringer istª20.
bezeichnet wurden, trugen gleichzeitig zur gçnsti-
gen Gestaltung der Beziehungen zu den entspre- Das auûenpolitische Engagement der Stiftungen
chenden Låndern bei15. Die Entwicklungslånder begann also mit ihrem Einsatz in Låndern Afrikas,
lehnten jedoch eine ¹politische Bindungª ab. Asiens und Lateinamerikas; insbesondere in
Lateinamerika ist es den Stiftungen im Laufe der
Fçr die Durchsetzung der langfristigen deutschen Zeit gelungen, ihre Pråsenz çber den ganzen Kon-
auûenpolitischen Zielsetzungen in den Entwick- tinent auszudehnen.21 In den ersten zehn Jahren
lungslåndern sollten also Mittel und Wege ge- ihrer entwicklungspolitischen Arbeit entstanden
funden werden, die çber die çblichen auûen- die Formen, Methoden und Instrumente, die fçr
politischen Methoden hinausgehen wçrden. die Tåtigkeit der Stiftungen auch heuzutage noch
¹Technische Hilfeª, die als ¹der Bereich der Ent- charakteristisch sind. Schwerpunkte ihrer entwick-
wicklungshilfe, in dem insbesondere durch Ver- lungspolitischen Arbeit liegen grundsåtzlich im
mittlung von Wissen und Kænnen . . . geholfen gesellschaftlich-politischen Bereich; erklårtes Ziel
werden sollª16 ± zuerst nur als eine Voraussetzung war und ist es, zur Entwicklung in Richtung
fçr eine spåtere wirtschaftliche Hilfe oder als eine Demokratie und Marktwirtschaft beizutragen. Die
Begleitung dieser Entwicklungshilfe ±, auftrat, Arbeit soll multiplikatorische Effekte entfalten;
gewann allmåhlich an selbstståndiger politischer daher gehæren zu den Zielgruppen Journalisten,
Bedeutung. Ihr wichtigster Bestandteil war die Politiker, Gewerkschaftler, Dozenten, Mitarbeiter
gesellschaftspolitische Bildung, welche die ¹He- der kommunalen Verwaltung usw. Die langfristig
ranbildung einer demokratischen, nichttotalitåren angelegten Projekte haben eine klare ordnungspo-
Fçhrungsschicht und des dazu gehærenden Nach-
wuchses in den gesellschaftlichen Schlçsselberei- 17 Ebd.
18 Auswårtiges Amt III B 1, Bd. 313. Aufzeichnung ¹Be-
chen der Entwicklungslånder, und zwar auf natio- schwernisse im Verhåltnis zum BMZª (Entwurf), Februar
naler, regionaler und ærtlicher Ebeneª, bewirken 1963.
sollte. Diese ¹weltanschaulich und politisch gebun- 19 Vgl. Auswårtiges Amt III B 2, Bd. 304: ¹Bericht çber die
denen Bildungsmaûnahmenª sollten ¹mittels der kulturellen Maûnahmen in den Entwicklungslåndernª vom
15. August 1963.
den drei groûen Parteien nahe stehenden Bil- 20 Auswårtiges Amt III B 1, Bd. 721: FES. ¹Ausschuss
¹Nachkontakteª bei der ¹Arbeitsgemeinschaft fçr inter-
14 BMZ, Pressemitteilung ¹Was ist Entwicklungspolitik?ª nationalen Kulturaustauschª, (Entwurf), vom 25. Oktober
vom 14. April 1969. 1965.
15 ¹Jedes der Motive fçr die Entwicklungspolitikª war nach 21 Voraussetzung fçr die erfolgreiche Arbeit war, dass es in
Meinung des Auswårtigen Amtes, ¹auch ein Motiv der deut- einigen Låndern des Kontinents bereits Parteien sozial-
schen Auûenpolitikª. Auswårtiges Amt III B 1, Bd. 651: demokratischer und christdemokratischer Orientierung gab.
¹Auûenpolitik und Entwicklungspolitikª vom 16. Mai 1966. Daher konnten die Stiftungen in der ersten Phase mit der
16 Auswårtiges Amt III B 2, Bd. 304: ¹Leistungen der BRD ¹politischen Kaderausbildung fçr Mitglieder der bestehenden
im Rahmen der Technischen Hilfeª vom 10. September 1963. demokratischen Parteienª beginnen (Auswårtiges Amt III B
(AA III B 2 = Archivbestand Technische Hilfe). 2, Bd. 366).

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litische Ausrichtung: Es geht um die ¹Demokra- gen eindeutig voneinander zu trennen. Auch die
tiefærderungª in allen Bereichen des gesellschaftli- Finanzierung der Projekte ist hier kein Kriterium:
chen Lebens. In ein und demselben Land kænnen einige Pro-
jekte vom Auswårtigen Amt, einige vom BMZ
Zu den Partnerorganisationen in den Projektlån- finanziert werden. Grundsåtzlich werden heutzu-
dern gehæren alle die (in der Regel nichtstaatli- tage mit den Mitteln des Auswårtigen Amts die
chen) Organisationen, die zur Entwicklung von Maûnahmen unterstçtzt, die offensichtlich in die
Rechtsstaatlichkeit, Demokratie und Marktwirt- Kompetenz der Auûenpolitik gehæren, wie z. B.
schaft beitragen kænnen. Waren diese Organisatio- Færderung internationaler Kontakte oder bilatera-
nen nicht vorhanden, wurden sie nicht selten vor ler Beziehungen. Das BMZ finanziert dagegen die
Ort von den Stiftungen selbst oder mit ihrer Hilfe Projekte, die typische ¹entwicklungspolitischeª
geschaffen. Die Zusammenarbeit mit den Regie- Zçge tragen und in der Regel langfristig (Færde-
rungen war zwar nicht ausgeschlossen, wurde aber rungszeitraum von drei bis vier Jahren) angelegt
der Úffentlichkeit nicht gerne pråsentiert; die Fær- sind wie die gesellschaftspolitische Bildung oder
derung der nichtstaatlichen demokratischen Insti- Maûnahmen zur Sozialstrukturhilfe; dieser Be-
tutionen stand im Vordergrund.22 Man ging und reich wird in den heutigen entwicklungspolitischen
geht davon aus, dass die entwicklungspolitische Ûberlegungen immer noch als ¹die nichtstaatliche
Wirksamkeit der Projekte in entscheidender Weise Technische Zusammenarbeit im weiteren Sinneª26
davon abhångt, dass die gesellschaftlich-politi- definiert. Sie kænnte aber auch als eine ¹Auûen-
schen Kråfte vor Ort nicht als Objekte der Stif- politik im weiteren Sinneª definiert werden.
tungsarbeit auftreten, sondern als Subjekte zu
ihrer Gestaltung beitragen.23 In den letzten zehn Das Engagement der Stiftungen in den Staaten des
Jahren allerdings wurde immer mehr Wert auf die ehemaligen Ostblocks kann ± obwohl es ebenfalls
Zusammenarbeit mit den ¹Einrichtungen des Staa- um ¹Demokratiefærderungª geht ± mit dem in den
tes, wie Parlament, Regierung und Judikativeª24 Entwicklungslåndern nur bedingt verglichen wer-
gelegt; nicht selten geht es um die unmittelbare den, wenngleich nicht selten vom entwicklungspo-
Beratung der Regierungen. Als wichtigste ent- litischen Beitrag in den gesellschaftlich-politischen
wicklungspolitische Tåtigkeitsfelder werden fçr Bereichen gesprochen wird, wo diese Staaten
die Stiftungen heutzutage die ¹Færderung demo- ¹åhnliche Defiziteª27 aufweisen wie die Entwick-
kratischer Ordnungen, Unterstçtzung nachhaltiger lungslånder. Diese Staaten zåhlten frçher zu den
wirtschaftlicher Entwicklung, Bekåmpfung der Industrielåndern. Die Zusammenarbeit, welche
Armut, Færderung umweltbewussten Handelns, die Stiftungen noch vor der Wende mit einigen
Krisenpråventionª genannt,25 also die Aufgaben, von ihnen begannen, wies formell die Zçge auf,
die auch andere NGOs zu bewåltigen haben. die teilweise auch fçr ihre Tåtigkeit in den westli-
chen Industriestaaten charakteristisch waren ± mit
Es fållt schwer, zwischen entwicklungspolitischem dem Unterschied, dass es in dem von den Stiftun-
und auûenpolitischem Beitrag der Stiftungen in gen gepflegten intensiven und vielseitigen Dialog
den Entwicklungslåndern zu unterscheiden, da mit den westlichen Verbçndeten primår um die
es gerade im Fall der Projekte, die zum Aufbau Entwicklung und Festigung der europåischen und
und zur Festigung von demokratischen, pluralisti- transatlantischen Prozesse ging. Die in den Ost-
schen und rechtsstaatlichen Rahmenbedingungen blockstaaten aufgenommene Arbeit dagegen trug
beitragen sollen, wohl kaum mæglich ist, die den Charakter eines kritischen Gedankenaustau-
entwicklungs- und auûenpolitischen Zielsetzun- sches, vorwiegend auf der Ebene der Gesell-
schaftswissenschaften, die in den damaligen Ost-
22 Grundsåtzlich arbeiteten die Stiftungen schon immer mit blockstaaten allerdings eng mit den Parteieliten
den Regierungen zusammen, wenn nur die Mæglichkeit dazu vernetzt waren.28 Vor allem die FES als die SPD-
bestand, da sie sich dadurch schnellere strukturwirksame
Effekte ihrer Arbeit versprachen. Besonders effizient war die nahe Stiftung wurde von den damaligen kommunis-
Arbeit, wenn eine von der Stiftung gefærderte demokratische tischen Parteieliten als ein geeigneter Gespråchs-
Partei an der Regierung beteiligt war. Mit den Regierungen partner akzeptiert (wie es auch in China, wo die
wurde auch in den Låndern zusammengearbeitet, wo es in- FES seit Anfang der achtziger Jahre pråsent ist,
folge der undemokratischen Gesellschaftsordnung keinen
nichtstaatlichen Partner fçr die Zusammenarbeit gab. der Fall ist).
23 Vgl. Karl Osner, Der entwicklungspolitische Beitrag der
politischen Stiftungen, Sankt Augustin 1976, S. 69. 26 BMZ, ¹Schwerpunktsetzung in der Entwicklungs-
24 BMZ, Pressemitteilung: Carl Dieter Spranger, Rede bei zusammenarbeitª, Arbeitspapier vom 16. Juni 2000, S. 2.
der Pressekonferenz mit den Vorsitzenden der politischen 27 BMZ (Anm. 25).
Stiftungen am 26. Februar 1997 in Bonn, S. 2. 28 So hat z. B. die FES seit Anfang der siebziger Jahre
25 BMZ, ¹Die entwicklungspolitische Arbeit der politi- flankierend zur damaligen Ostpolitik Osteuropa im Pro-
schen Stiftungenª, Informationsvermerk fçr den Bundestags- gramm; zunåchst ging es um den Journalistenaustausch mit
ausschuss fçr wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwick- Polen, Ungarn und der Sowjetunion, spåter kamen Post-
lung vom August 1999, S. 1. graduiertenprogramme und wissenschaftlicher Dialog hinzu.

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Ein Schwenk hin zu einer gezielten Unterstçtzung tionalen Sicherheitsfragen, der Entwicklung der
der Reformbemçhungen erfolgte Ende der achtzi- Zusammenarbeit mit Europa und der bilateralen
ger Jahre; die Vorbereitung dieser Strategien ging Beziehungen. Die langfristige Stabilisierung der
allerdings z. T. schon auf den Anfang der achtziger Staaten zumal Ost- und Sçdosteuropas auf der
Jahre zurçck. Anfang der neunziger Jahre war der Basis von Demokratie und Marktwirtschaft hat
Kurswechsel abgeschlossen; alle politischen Stif- primåre Bedeutung und ist gerade fçr Deutsch-
tungen waren in Osteuropa und in den Nachfolge- land auch innenpolitisch lebenswichtig.
staaten der Sowjetunion pråsent und færderten im
Rahmen ihrer ¹Demokratisierungsprogrammeª
die reformorientierten Kråfte auf allen Ebenen,
wo es nur ging ± sei es in Politik, Gerichtswe- III. Die politischen Stiftungen im
sen, kommunaler Selbstverwaltung oder Wissen- System der deutschen Auûenpolitik
schaft.29 Im bildungspolitischen Angebot unter-
schieden sich die Stiftungen damals nur in
Nuancen, stårker aber in der Auswahl der Lånder, 1. Stiftungen als ¹Instrumenteª der Auûenpolitik
was nicht zuletzt auf die Koordination ihrer Arbeit
Somit treten bei einem Ûberblick çber das inter-
zurçckging. Grundsåtzlich handelte es sich bei der
nationale Engagement der Stiftungen vor allem
Arbeit in den Staaten Mittelosteuropas (MOE)
zwei ihrer wichtigen Funktionen in den Vorder-
und den Nachfolgestaaten der Sowjetunion (GUS)
grund, die Anlass geben kænnen, die Stiftungen als
± im Unterschied zu den Dritte-Welt-Låndern, wo
einen Teil des auûenpolitischen Instrumentariums,
die ¹klassischeª Unterentwicklung zu beheben
ja sie sogar als ¹wirksamste und bewåhrteste
war ± darum, die nur diesen Staaten eigenen
Instrumente der deutschen Auûenpolitikª31 zu
Probleme im Verlauf der Tansitionsprozesse zu
betrachten.
bekåmpfen und somit zur Stabilisierung der De-
mokratien und der (sozial)marktwirtschaftlichen Erstens: Die Stiftungen begleiten und ergånzen die
Strukturen beizutragen. amtliche Politik gegençber den Staaten durch eine
Reihe von Maûnahmen im politischen und vorpo-
So unterschiedlich wie die MOE/GUS-Staaten litischen Raum, deren Durchfçhrung gerade durch
sind, so breit gefåchert war und ist auch die den Status der Stiftungen, die einerseits als NGOs
Spanne der Projektarbeit der Stiftungen in diesen auftreten und andererseits unmittelbar in der offi-
Staaten: von den in den NATO- und EU-Beitritts- ziellen Politik und (falls die nahe stehende Partei
kandidaten durchgefçhrten Projekten zur Schaf- an der Macht ist) auch in den deutschen Regie-
fung der fçr die Einbeziehung dieser Staaten in die rungsstrukturen verankert sind, an Effizienz
westliche Gemeinschaft notwendigen Strukturen gewinnt. Auf den europapolitischen und transat-
bis hin zu einer eher kultur- und entwicklungspoli- lantischen Ebenen wird die amtliche Politik
tisch ausgerichteten Arbeit in mittelasiatischen dadurch nicht nur begleitet und ergånzt, sondern
Låndern.30 Grundsåtzlich konzentrierten sich die zum groûen Teil auch entlastet. In den Entwick-
vom BMZ finanzierten Projekte auf die Bereiche lungslåndern und den MOE/GUS-Staaten kommt
der Parlaments- und Rechtsberatung, Færderung die begleitende und ergånzende Funktion auch
der Verwaltungsstrukturen, Færderung der Markt- dort zum Ausdruck, wo die Stiftungen mit jenen
wirtschaft, Færderung der Gewerkschaften, Ver- politischen Kråften zusammenarbeiten, mit denen
bånde und freien Medien (einschl. Journalisten- Kontakte auf offizieller Ebene aus diplomatischen
ausbildung) sowie der Zusammenarbeit mit den Grçnden nicht ratsam sind, die aber ihrem politi-
wissenschaftlichen und universitåren Einrichtun- schen Potenzial nach fçr die deutsche Auûenpoli-
gen. Die vom Auswårtigen Amt finanzierten Pro- tik wichtig sind.
jekte richteten sich auf die Bereiche der interna-
Zweitens: Die Stiftungen ermæglichen die Um-
29 Wåhrend die aus Dissidentenkreisen stammenden poli- setzung langfristiger auûenpolitischer Prioritåten
tischen Parteien diese westliche Færderung als etwas Selbst- dort, wo sie mit den klassischen Mitteln des Aus-
verståndliches empfanden, brauchten die zu ¹Demokratenª wårtigen Dienstes prinzipiell nicht zu erreichen
gewordenen ehemaligen kommunistischen Funktionåre Zeit,
um zu begreifen, dass sie von Subjekten des politischen Dia- sind und wo auch andere entwicklungspolitische
logs zu ¹Objektenª der bildungspolitischen Arbeit geworden Trågerorganisationen kaum einzusetzen sind. In
sind. der Tat kænnen die Stiftungen dank ihrer Flexibi-
30 Ausfçhrlich çber die Arbeit der politischen Stiftungen in litåt dort handeln, wo die klassische Diplomatie
den GUS-Staaten sowie in den baltischen Staaten bis Mitte
der neunziger Jahre vgl. S. W. Pogorelskaja (Anm. 9). Vgl. versagt; mehr sogar: Dank ihrem Nichtregierungs-
auch BMZ, Die Tåtigkeit der politischen Stiftungen in Mittel-
und Osteuropa sowie der ehemaligen Sowjetunion, Informa- 31 Roman Herzog, Weltweites Wirken fçr Demokratie und
tionsvermerk vom 26. Februar 1997; BMZ (Anm. 25), S. 8±12 Rechtsstaatlichkeit. Ansprache zur Jubilåumsveranstaltung
und 15±18. der FES am 8. Mårz 1995 in Bonn, (vervielfåltigt), S. 2.

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status kænnen sie sich in mehreren Entwicklungs- senschaftlichen Bereichen; Kontakte mit wissen-
låndern und auch in den Transformationsstaaten schaftlichen und universitåren Einrichtungen
dort engagieren, wo deutsche staatliche Hilfe als wurden geknçpft. Das waren bewåhrte Positionen,
Einmischung in die inneren Angelegenheiten auf die sich die Stiftungen immer zurçckziehen
bezeichnet werden kænnte. Sie dringen in alle konnten, falls die von ihnen begonnene politische
wichtigen Bereiche der Politik und Gesellschaft Projektarbeit abgebrochen werden musste, ein
durch; dabei ¹konkurrieren sie im Ausland nicht auûenpolitisch bedingtes Interesse am Verbleib im
gegeneinander. Ihre Beratung ist pluralistischª32. Lande aber weiterhin bestand.
Dieser Pluralismus der Beratung ermæglichte es,
falls in einem Land mit Ansåtzen demokratischer Drittens: Neben den zwei genannten Funktionen
Ordnung alle Stiftungen pråsent waren, so gut wie erfçllen die Stiftungen noch eine Beratungsfunk-
alle etablierten politischen Kråfte in die Projektar- tion fçr die deutsche Auûenpolitik, die von Diplo-
beit einzubeziehen. Dort z. B., wo die HSS Kon- maten zwar nur als ein ¹Nebeneffektª der eigentli-
takte zur Regierung pflegte, arbeitete die FES mit chen Stiftungsarbeit eingeschåtzt wird, allerdings
der Opposition. Wo eine derartige Færderung des einen nicht unwichtigen Beitrag zur Gestaltung
politischen Pluralismus nicht mæglich oder wo nur der auûenpolitischen Konzepte leistet, da die Stif-
eine der Stiftungen pråsent war, wurde versucht, tungen infolge ihrer langfristigen Pråsenz in den
die Arbeit auf der Grundlage eines mæglichst brei- ¹Grauzonenª der Politik in den Projektlåndern
ten demokratischen Konsenses durchzufçhren und çber Informationen verfçgen, zu welchen die offi-
als Vermittler zwischen den håufig gegeneinander zielle Diplomatie keinen Zugang hat. Allerdings
kåmpfenden demokratischen Kråften aufzutreten. sind diese Informationsrçckflçsse nur gering for-
malisiert. Grundsåtzlich fassen die Stiftungen Jah-
Die Stiftungen gingen aber nicht nur in die Lån- resaufzeichnungen zur Situation in den Projektlån-
der, in denen bereits Ansåtze fçr eine demokrati- dern zusammen, die dem Auswårtigen Amt zur
sche Entwicklung vorhanden waren oder in denen Kenntnis vorgelegt werden. Es gibt einen Informa-
Interesse an westlichen bzw. deutschen Modellen tionsaustausch auch mit anderen Ressorts, mit den
bestand; sie gingen çberall hin, wo die deutschen Botschaften vor Ort, und Mitarbeiter des Auswår-
Regierungen sie gerne haben wollten ± wenn man tigen Amtes besuchen die Veranstaltungen der
sie nur hereinlieû; und in der Regel lieû man sie Stiftungen. Der eigentliche Rçckfluss von Infor-
herein, weil sie lukrative und auch unpolitisch aus- mationen der Stiftungen in die deutschen politi-
sehende Angebote machen konnten, an welchen schen Strukturen und dadurch in die Auûenpolitik
selbst autoritåre Herrscher eines Entwicklungslan- erfolgt aber durch die Informations- und Bera-
des Interesse hatten. Die HSS mit ihren Projekten tungsarbeit, welche die Stiftungen fçr die ihnen
z. B. im Bereich beruflicher Bildung, die sie in eini- nahe stehenden Parteien leisten. Eben diese Be-
gen nicht unproblematischen Entwicklungslåndern ratungsarbeit gab wohl seinerzeit den Anlass,
durchfçhrte, wurde in diesem Zusammenhang Stiftungen als ¹politische Frçhwarnsystemeª zu
nicht selten in Deutschland kritisiert. Es gab aller- bezeichnen, die ¹uns die Augen æffnen fçr die Ent-
dings Regime, die nur mit der HSS zusammenar- wicklungen der Welt, damit wir uns rechtzeitig
beiten konnten; und es bestand Interesse, auf diese darauf einstellenª33.
Regime zumindest mittelbar Einfluss im demokra-
tischen Sinne nehmen zu kænnen. Schon bei dieser Beratungståtigkeit betritt man
ein Terrain, wo es schwer fållt, die Arbeit der Stif-
Andere Stiftungen engagierten sich dort, wo es aus tungen eindeutig im ¹instrumentalenª Sinne zu
unterschiedlichen Grçnden keine Mæglichkeit gab, interpretieren. Stiftungen sind keine Instrumente
mit politischer Arbeit zu beginnen, und wo auch im klassischen Sinne des Wortes. Es gibt nur
die Regierungen nicht unbedingt kooperationswil- wenige offizielle Mæglichkeiten, sie in ihrer Tåtig-
lig waren, zunåchst in kulturpolitischen und wis- keit direkt zu beeinflussen; dies kann eigentlich
vor allem mit finanziellen Mitteln geschehen. Alle
32 FES, Presseinformation vom 26. Februar 1997. Darçber Projekte ± auch die, die dem BMZ vorgelegt wer-
kann man allerdings streiten. Zumindest in den siebziger den ± werden vom Auswårtigen Amt unter Einbe-
Jahren gab es Fålle, wo sich die Stiftungen in einigen Pro- ziehung der Botschaften hinsichtlich mæglicher
jektlåndern durch die Unterstçtzung der gegeneinander
kåmpfenden politischen Kråfte indirekt untereinander be- auûenpolitischer Bedenken oder mæglicher Ûber-
hindert haben, bis ihnen das BMZ nahe legte, ihre Arbeit
besser zu koordinieren. Die Kontroversen betreffend die 33 Gçnter Rinsche, Freiheit und Demokratie, Ge-
Auslandsarbeit wurden gelegentlich sogar in die deutsche in- rechtigkeit und Selbsthilfe ± die entwicklungspolitischen
nenpolitische Diskussion getragen. Vgl. z. B. Volkmar Kæhler, Ziele der Konrad-Adenauer-Stiftung, Rede anlåsslich der
SPD diskreditiert Gedanken der politischen Stiftungen. Hilfe Bundespressekonferenz in Bonn zum Thema ¹Aufgaben der
der FES fçr Exponenten der Gewalttåtigkeit und der Desta- politischen Stiftungen in der Entwicklungszusammenarbeitª
bilisierung, in: Deutschland-Union-Dienst, 34 (1980) 108, am 26. Februar 1997, in: KAS-Presseinformation vom
S. 4. 26. Februar 1997, S. 1.

Aus Politik und Zeitgeschichte B 6 ± 7 / 2002 34


schneidungen mit den Aktivitåten anderer deut- Viertens: In diesem Zusammenhang ist noch eine
scher bzw. westlicher Trågerorganisationen ge- weitere auûenpolitische Funktion der Stiftungen
prçft; sollten Bedenken bestehen bzw. Ûberschnei- zu nennen, nåmlich die ¹pråventiveª Funktion, die
dungen absehbar sein, wird den Stiftungen sie fçr die offizielle Auûenpolitik spielen bzw. zu
empfohlen, ihr Projekt zu çberdenken bzw. mit spielen versuchen. Diese Funktion wurde in den
anderen Organisationen zu koordinieren. siebziger und achtziger Jahren besonders håufig in
Verbindung mit der sog. ¹Stiftungsauûenpolitikª
und einer daraus angeblich resultierenden ¹Spal-
2. Stiftungen als ¹Akteureª der Auûenpolitik
tung der deutschen Auûenpolitikª diskutiert.36
Die Stiftungen kænnen also nur bedingt als auûen- Von einer solchen ¹Spaltungª kann heute im Zei-
politische Instrumente bezeichnet werden. Sie sind chen einer zunehmend ¹entstaatlichtenª Auûen-
kein ¹Werkzeugª der Auûenpolitik; dafçr sind sie politik nicht mehr die Rede sein, doch steht diese
viel zu selbstståndig, manchmal sogar eigenwillig. Funktion, die nicht selten zugespitzt als ¹politische
Sie sind auf der internationalen Bçhne vertreten; Abenteuerlustª der Stiftungen kritisiert wurde, an
wie mehrere andere NGOs treten sie als Akteure der Grenze zwischen den Bereichen, denen die
internationaler Politik auf, indem sie zur interna- Stiftungen als Instrumente eingesetzt werden, und
tionalen Kommunikation beitragen und versu- denen, wo sie als selbstståndige Akteure auftreten.
chen, auf die Ausgestaltung der internationalen Es kommt dabei vor allem auf die Bewertung an,
Beziehungen Einfluss zu nehmen und internatio- wie bedeutend in der langfristigen Perspektive
nale Netzwerke zu schaffen. Kænnen aber die eines etwaigen Machtwechsels und der kçnftigen
Auûenbeziehungen der Stiftungen den Rang Zusammenarbeit die von den Stiftungen in einigen
nationaler Auûenpolitik beanspruchen? Es gab Entwicklungslåndern gefærderten oppositionellen
einige Fålle, in denen Projekte der Stiftungen im Gruppen der Bundesregierung erschienen. In den
Ausland sich von den offiziellen deutschen auûen- siebziger und achtziger Jahren orientierten sich
politischen Konzepten unterschieden bzw. ihnen einige der Stiftungen an den politischen Kråften,
sogar widersprachen. Es gab auch Fålle, wo eine die von ihnen als perspektivenreich eingeschåtzt
solche Tåtigkeit unmittelbaren Bezug zur Neuge- wurden, die aber der damaligen deutschen Auûen-
staltung dieser Konzepte gewann. Und es gab, politik selbst im Fall ihrer Regierungsçbernahme
wenn auch selten, Fålle, in denen die von den Stif- und der daraus resultierenden Notwendigkeit,
tungen aufgrund ihres Selbstverståndnisses (ver- diplomatische Beziehungen zu pflegen, als proble-
bunden mit ihrer Parteinåhe) durchgefçhrten und matisch erschienen.37 Allerdings gab es auch Fålle,
fçr ihren internationalen Ruf wichtigen Projekte in denen die von den Stiftungen gewåhlte ± und
problematisch auf den Gang der bilateralen Bezie- vom Misstrauen der amtlichen Auûenpolitik
hungen einwirkten oder gar zu diplomatischen begleitete ± Strategie langfristig auûenpolitische
Komplikationen fçhrten. Beispiele dafçr sind etwa Gewinne brachte.38
die Tibet-Konferenz der FNS in Bonn 199634 und
die Iran-Tagung der HBS in Berlin 2000.35 diplomatischer Ebene: Das Auswårtige Amt åuûerte offiziell
¹tiefe Besorgnisª der Bundesregierung çber die Urteile; der
34 Im Juni 1996, im Vorfeld des Besuches von Auûenmi- Iran protestierte offiziell gegen die Berliner Reaktionen.
nister Kinkel in China, plante die FNS in Bonn eine inter- 36 Vgl. u. a. Konrad Adam, Der Staat als Spender, in: FAZ
nationale Tibet-Konferenz, zu welcher auch der im Exil vom 8. Mårz 1985, S. 4.
lebende Dalai Lama eingeladen werden sollte. Nach heftigen 37 ¹Um einen Beitrag zum Aufbau und zur Festigung der
offiziellen Protesten von chinesischer Seite strich die Bun- demokratischen Strukturen und zur inneren Befriedung zu
desregierung der FNS die bereits bewilligten Mittel fçr die leistenª, arbeitete z. B. die FES in den achtziger Jahren in
Durchfçhrung des Projektes, um sich offiziell von diesem Nicaragua mit den den regierenden Sandinisten unterstellten
Projekt zu distanzieren. Die Konferenz fand trotzdem statt; Behærden zusammen, wodurch sich Spannungen mit der of-
ihr folgte im Jahre 2000 eine weitere Tibet-Konferenz in fiziellen Politik des Auswårtigen Amtes ergaben. Daneben
Berlin, die allerdings ohne diplomatische Komplikationen unterstçtzte die KAS die den Sandinisten nicht unterstellten
verlief. Organisationen und christlich-demokratischen Kråfte, die
35 Die im April 2000 in Berlin von der HBS durchgefçhrte FNS die liberalen Kråfte.
dreitåtige Tagung ¹Iran nach den Parlamentswahlen ± die 38 Mitte der sechziger Jahre z. B. ergaben sich Spannungen
Reformdynamik der Islamischen Republikª, zu welcher zwischen der FES und der deutschen Botschaft in Paraguay
17 reformorientierte Politiker, Kçnstler, Intellektuelle und im Zusammenhang mit dem FES-Projekt zur Heranbildung
Theologen aus dem Iran eingeladen wurden und die als Ver- einer Fçhrungsschicht. Der Hinweis des Botschafters, dass
such gedacht war, den iranischen Reformern aus unter- ¹das erneute Eintreten Paraguays fçr die deutsche Wieder-
schiedlichen Fraktionen ein breites Forum fçr Diskussionen vereinigung . . . den Vorzug vor . . . zweifelhaften Demo-
anzubieten, verlief von Anfang an unglçcklich, da sie von kratisierungsplånen der Stiftung verdientª, hat die FES nicht
lauten Protesten seitens der in Deutschland lebenden Exil- beeinflusst. Auswårtiges Amt, III B 1, Bd. 721, Botschaft der
Iraner begleitet wurde. Darçber hinaus wurde sie von Irans BRD Paraguay, 16. September 1966. Als jçngeres Beispiel
Konservativen zum Schlag gegen die Reformer benutzt. Alle kann die Zusammenarbeit der FES mit dem Afrikanischen
17 Teilnehmer wurden im Iran angeklagt. Einige von ihnen National-Kongress in Sçdafrika genannt werden: ¹Wir haben
wurden zu hohen Strafen verurteilt. Die HBS forderte die mit . . . dem ANC çber viele Jahre zusammengearbeitet und
sofortige Freilassung der Gefangenen. Das Nachspiel auf um Vertrauen geworben. Manche haben uns damals dafçr

35 Aus Politik und Zeitgeschichte B 6 ± 7 / 2002


Das Auswårtige Amt warnte die Stiftungen des wieder çber die Rolle der Stiftungen bei der Ver-
æfteren davor, sich in parteipolitische Kåmpfe in tretung deutscher Interessen, bezogen auf die
den Projektlåndern einzumischen. Allerdings kann gestiegene internationale Verantwortung Deutsch-
eine Stiftung aufgrund ihres Nichtregierungsstatus lands, reflektiert wird.
eben auf dieser Einmischung bestehen, falls es
ihrem Selbstverståndnis entspricht. In diesem
3. Koordination der Auslandsarbeit der Stiftun-
Sinne hatte die FNS, die sich gern als weltweite
gen mit der offiziellen Auûenpolitik und unter-
Kåmpferin fçr Menschenrechte sieht ± und nicht
einander
selten darunter leidet ±, ihre Tibet-Konferenz an-
gelegt.39 Die Iran-Tagung der HBS, die ein breites Wie wird die Auslandsarbeit der Stiftungen koor-
Forum fçr den Meinungsaustausch der iranischen diniert und geprçft? Ihre Projekte, auch wenn sie
Reformer sein sollte und zu den geschilderten nicht im Rahmen der amtlichen auûenpolitischen
Ergebnissen fçhrte, wurde spåter von einigen ihrer Konzepte liegen, werden bewilligt, wenn von
Veranstalter ebenfalls als eine berechtigte, ja sogar ihnen (im Fall einer entwicklungspolitischen Aus-
notwendige Einmischung im Sinne des Kampfes richtung) ein eindeutig positiver, strukturwirk-
um die Menschenrechte interpretiert.40 samer Effekt zu erwarten ist und solange sie das
¹Kerngebietª der deutschen Auûenpolitik nicht
Aber auch als ¹Akteureª kænnen die Stiftungen antasten. Die Grenzen der ideologischen Toleranz
nur bedingt bezeichnet werden; ihr auûen- sind ziemlich breit angelegt; ein minimaler demo-
politisches Auftreten geht nicht selten auf ihre kratischer Konsens reicht. Eine Stiftung kann ihre
Parteinåhe zurçck und hat auch etwas mit ihrem Arbeit in einem Entwicklungsland mit dem Ver-
Engagement in entsprechenden internationalen such beginnen, demokratische Kråfte zu konsoli-
Organisationen zu tun.41 Die ¹Eigenwilligkeitª, dieren. Indem die Stiftungen ihre Pråsenz in die-
welche die Stiftungen in ihrer Auslandståtigkeit sem Land ausweiten, koordinieren sie ihre
zum einen gegençber den eigenen Parteien mit Tåtigkeit und ¹teilenª gelegentlich untereinander
dem Verweis auf die Notwendigkeit eines ¹breite- die Einflusssphåre und die Partner. Da der
ren Ansatzesª im Dienst der deutschen, ja çber- Umfang der Zuwendungen in den letzten Jahren
haupt westlicher Interessen artikulieren, zum abnimmt, wird die Frage der Koordination und
anderen gegençber dem Auswårtigen Amt mit Zusammenarbeit besonders aktuell. Die Bçnde-
dem Verweis auf ihr Selbstverståndnis und mit der lung der Kråfte erscheint als das kleinere Ûbel im
Begrçndung, ihren Partnern gehære die Zukunft, Vergleich zu einem finanziell bedingten Rçckzug
demonstrieren, folgt aus ihrer einzigartigen Stel- aus Regionen, wo im Laufe mehrerer Jahre effizi-
lung im politischen System Deutschlands. Sie sind ente Arbeit geleistet wurde und gute Netzwerke
in den Parteien und in der Politik, vom Parlament aufgebaut wurden. Eine solche Strategie wird
bis zur Regierung, verankert und genieûen dabei nicht zuletzt auch durch den in den neunziger Jah-
den Status einer international agierenden NGO. ren erreichen ¹auûenpolitischen Konsensusª der
Sie sind weder ¹Akteureª noch ¹Instrumenteª, sie etablierten Parteien ermæglicht.
sind beides in einem. Und sie wissen dies zu schåt- Die freiwillige Selbstkoordination der Stiftungen
zen und zu nutzen. Aber auch die amtliche Politik ist nicht streng formalisiert und verlåuft çberwie-
weiû dies zu schåtzen und zu nutzen, zumal immer gend auf der Ebene der Treffen der Leiter der
Internationalen Abteilungen. Vom BMZ und AA
kritisiert. Wir aber wussten, dass es ohne ihn keine Læsung
geben wird.ª FES-Presseinformation vom 26. Februar 1997, werden regelmåûig ¹Routinegespråcheª mit den
S. 2 f. Stiftungen durchgefçhrt. Die Evaluierung der Pro-
39 Nach der Tibet-Konferenz bekam das Bçro der FNS in jekte erfolgt sowohl aufgrund der jåhrlichen Ver-
Peking die Folgen zu spçren: Die bereits begonnene Ko- wendungsnachweise, welche die Stiftungen an das
operation mit chinesischen Partnerorganisationen (in China
wurden die Partnerorganisationen den Stiftungen ¹von obenª AA und BMZ richten, als auch aufgrund der Bot-
zugeteilt) wurde von chinesischer Seite storniert, das Bçro schaftsberichte (wie z. B. die entwicklungspoliti-
geschlossen. Es gab auch andere åhnliche Fålle: In Kenia z. B. schen Zwei-Jahres-Berichte); in Einzelfållen kæn-
wurde die Vertreterin der FNS im Jahre 1994 unter dem nen die Projekte von externen Gutachtern im
Vorwurf der ¹Einmischung in die inneren Angelegenheitenª
aus dem Land ausgewiesen. Auftrage des BMZ evaluiert werden.
40 ¹Selbstverståndlich ist eine politische Stiftung . . . dazu
verpflichtet, sich gerade in die Angelegenheiten der Lånder
Die Zusammenarbeit zwischen den Botschaften
einzumischen, in denen Unterdrçckung herrscht.ª Bahman und den Stiftungen spielt grundsåtzlich eine sehr
Nirumand, Ein Beitrag zur Aufklårung, in: Tageszeitung vom wichtige Rolle. Sowohl vor der Eræffnung eines
25. Januar 2001, S. 11. Bçros als auch vor der Bewilligung eines neuen
41 In diesem Zusammenhang war z. B. die Tåtigkeit der
FES im Rahmen der so genannten ¹lateinamerikanischen
Projektes bzw. einer neuen Færderphase wird die
Offensive der Sozialistischen Internationaleª Ende der sieb- Botschaft vor Ort vom Auswårtigen Amt ange-
ziger Jahre Gegenstand von Diskussionen. fragt. Es gab Fålle, dass die Botschaften die Abwe-

Aus Politik und Zeitgeschichte B 6 ± 7 / 2002 36


senheit der Stiftungen bedauerten und Anregun- ten Einfluss der Wirtschaft auf die Politik aus und
gen hinsichtlich des einen oder anderen mæglichen wurde in den siebziger und achtziger Jahren nicht
Bereiches, wo sich die Stiftungen engagieren kænn- nur in den Gesellschaftswissenschaften der Ost-
ten, gaben. In der Regel sind Botschaften und Stif- blockstaaten vertreten, sondern auch von links-
tungen aufeinander angewiesen. Die Botschaften orientierten westlichen Beobachtern geteilt. Spe-
erhalten normalerweise von den Stiftungen aus- ziell in Bezug auf Lateinamerika warf man den
fçhrliche Informationen çber ihre Tåtigkeit; in Stiftungen gelegentlich vor, durch die Unterstçt-
einigen Botschaften ist inzwischen eine regelmå- zung der demokratischen Eliten, die aus diversen
ûige ¹Stiftungsrundeª eingerichtet worden. Gele- Grçnden die Zusammenarbeit mit den USA
gentlich arbeiten Botschaften und Stiftungen im ablehnten, die nordamerikanische Politik auf dem
Rahmen ein und desselben Projektes zusammen, sçdlichen Kontinent indirekt zu ergånzen und zu
insbesondere, wenn das Projekt vom Auswårtigen færdern. Heutzutage werden solche Vorwçrfe
Amt finanziert wird. Eine solche Zusammenarbeit kaum noch erhoben. Dafçr aber werden die Stif-
wird in den Entwicklungslåndern im Rahmen der tungen immer wieder kritisiert, sich in die inneren
Projekte zur Demokratiefærderung durchgefçhrt.42 Angelegenheiten der Projektlånder einzumischen.
Es gab zwar auch Fålle, dass die Beziehungen
zwischen den Botschaften und Stiftungen nicht Grundsåtzlich versuchen die Stiftungen durch ihre
unproblematisch verliefen. Doch ¹bei geeigneten, Arbeit, keinen Anlass zu solchen Beschuldigungen
parteiçbergreifenden Maûnahmen . . . sind die zu geben. Legalitåt, Offenheit und Kontrolle sind
Stiftungen in der Regel geeignete und gesuchte die wichtigsten Grundlagen ihrer Auslandståtig-
Partnerª43. keit. In Deutschland sind sie der ministeriellen
Kontrolle unterworfen, in den Projektlåndern sind
sie bei den entsprechenden Behærden registriert;
auch ihre Projekte erfolgen mit der Zustimmung
der ærtlichen Behærden. Sollten sie mit den oppo-
IV. ¹Partnerschaft auf dem Weg zur sitionellen Kråften zusammenarbeiten, ist es
Demokratieª oder ¹externe immer die legale Opposition. Und doch betreffen
Einflussnahmeª? diese Vorwçrfe unmittelbar den Charakter der
Stiftungståtigkeit. Sie kænnen z. B. im Zusammen-
hang mit der ¹parteinahenª Arbeit vorgebracht
Es sind mehrere Vorwçrfe, mit welchen die Stif- werden ± entweder von der Regierung, falls mit
tungen vor allem im Zusammenhang mit ihrer der Opposition zusammengearbeitet wird, oder
Arbeit in den Entwicklungslåndern und spåter in von der Opposition, falls die von den Stiftungen
den MOE/GUS-Staaten konfrontiert wurden und unterstçtzten Parteien an der Macht sind.46 In eini-
werden. Einige davon gehæren definitiv der Ver- gen Låndern kann selbst Wahlhilfe fçr die legalen
gangenheit an, andere bleiben immer noch aktuell. oppositionellen Kråfte als Einmischung eingestuft
In den Zeiten der Block-Konfrontation wurden werden, insbesondere wenn es dabei nicht nur um
die Stiftungen zum Gegenstand ideologisch Know-how, sondern auch um die Ausstattungshilfe
geprågter Kritik. Insbesondere in den siebziger geht. Bekannt sind u. a. die Vorwçrfe, die in die-
Jahren wurde ihre entwicklungspolitische Tåtig- sem Zusammenhang den christlich orientierten
keit unter diesem Gesichtspunkt als eine ¹Wçhl- politischen Stiftungen im Jahre 1987 in Ecuador,
arbeitª interpretiert,44 bis hin zu der Behauptung, der FNS im Jahre 1994 in Kenia, der FES und der
die Stiftungen håtten durch ihre bildungspolitische FNS im Jahre 1999 in Simbabwe und im Jahre
Arbeit (Stichwort: ¹ideologische Diversionª) am 2000 in Russland gemacht wurden.
Putsch in Chile mitgewirkt.45 Dieser Kritik lag die
allgemeine These zugrunde, Stiftungen stçnden im Darçber hinaus neigten gelegentlich einige der
Dienst des ¹Monopolkapitalsª und begleiteten die von den Stiftungen im demokratischen Geist
Expansion der westdeutschen Wirtschaft in die gefærderten Organisationen dazu, unerwartet eine
Entwicklungslånder. Diese These ging vom direk- politische Eigendynamik zu entwickeln, die den
Machthabern ungelegen war und den Anlass gab,
42 Z. B. die Zusammenarbeit im Bereich der Wahl- Stiftungen der Einmischung zu beschuldigen. So
beobachtungen. Vgl. Auswårtiges Amt, Bericht çber die Zu- war ¹die weit reichende und letztlich entschei-
sammenarbeit der Botschaften mit den politischen Stiftungen dende Unterstçtzung demokratischer Parteienª
bei der Umsetzung der Demokratisierungshilfe vom 6. Sep- auf der iberischen Halbinsel Mitte der siebziger
tember 1995.
43 Ebd. Jahre, die den demokratischen Wandel in Spanien
44 Vgl. ¹Zentrum Bonner Provokationenª, in: Neues
Deutschland vom 22. August 1967, S. 1. 46 In den achtziger Jahren fanden in Venezuela in diesem
45 Vgl. ¹Die stillen Instituteª, in: Såchsische Zeitung vom Zusammenhang sogar Parlamentsdebatten çber die Einfluss-
7. Dezember 1973, S. 2. nahme durch auswårtige Kråfte auf die Innenpolitik statt.

37 Aus Politik und Zeitgeschichte B 6 ± 7 / 2002


und Portugal ermæglichte und ¹wesentlich zum sche Kråfte geben, die den Stiftungen Einmi-
internationalen Renommee der Stiftungen beige- schung in die inneren Angelegenheiten vorwerfen
tragen hatª47, Mitte der achtziger Jahre zum werden. In den MOE-Staaten kommt solche Kritik
Gegenstand innenpolitischer Diskussionen in Spa- nicht selten von Seiten der rechten, nationalisti-
nien u. a. im Zusammenhang mit den Flick-Gel- schen Kråfte, die sich gegen den ¹westlichenª und
dern geworden, und sie ist erst kçrzlich wieder in ± im historischen Kontext ± insbesondere gegen
Deutschland wegen der neuen Erkenntnisse zu den ¹deutschenª Einfluss wehren. Solche Kritik
Spendenaffåren wieder aufgerollt worden. wird auch von Seiten der Nationalkommunisten
geåuûert. Gerade hier aber kænnen die Unter-
Der Begriff ¹Demokratisierungª auch im Hinblick schiede zwischen den Stiftungen, die auf ihre Par-
auf eine Unterstçtzung der Transformationspro- teinåhe zurçckgehen, einen guten Dienst leisten.
zesse in den MOE/GUS-Staaten gibt einen deutli- Indem die PDS-nahe Rosa-Luxemburg-Stiftung
chen Hinweis auf eine externe Einflussnahme. ihre Projektarbeit in vollem Maûe aufnimmt, wer-
Daher wird er heutzutage nicht mehr so håufig den so gut wie alle etablierten deutschen politi-
benutzt wie noch Anfang der neunziger Jahre, schen Kråfte mit ihren Stiftungen im Ausland ver-
obwohl er exakt das Wesen der Stiftungsarbeit treten sein. Daher wåre es sinnvoll, dass jede
widerspiegelt. Es geht um eine direkte (finanzielle Stiftung im Rahmen der fçr alle Stiftungen
und Ausstattungshilfe an die Partnerorganisatio- gemeinsamen Richtlinien noch deutlicher ihre
nen) und indirekte (Beratung, bildungspolitische eigenen Schwerpunkte und Prioritåten setzt und
Arbeit) Einflussnahme auf den Gang der Trans- durchaus auch aus ihrer Parteinåhe resultierende
formationsprozesse. In den MOE/GUS-Staaten Besonderheiten intensiver pflegt. Dieser Beson-
waren die Stiftungen im Verlauf der neunziger derheiten wegen werden die deutschen Stiftungen
Jahre praktisch auf allen Ebenen vertreten, und manchmal von bestimmten politischen Kråften in
zwar gleichzeitig. Sie wirkten bei der Heranbil- den Entwicklungslåndern wie in den MOE/GUS-
dung der zentralen staatlichen Institutionen (ins- Staaten als Kontakt- oder Kooperationspartner
besondere Parlament und Judikative) mit, durch gesucht, und nicht weil sie generell ¹vom Westenª
die Færderung der demokratischen Parteien und (bzw. ¹vom Nordenª) kommen. Nach wie vor blei-
kommunalen Selbstverwaltung trugen sie zu den ben fçr diese Staaten auch spezielle deutsche
Prozessen der demokratischen Transformation bei, Erfahrungen von Interesse.
und sie versuchten, durch Bildung und Beratung
auch eine so genannte ¹Verhaltenstransformationª
Eines steht fest: Wie umstritten einige Aktivitåten
zur Færderung der Zivilgesellschaft zu bewirken.
der Stiftungen manchmal auch sein mægen, ihnen
In der westlichen Forschung und Publizistik wird und den ihnen åhnlichen Organisationen gehært
die Einflussnahme auf den Gang von Transforma- die Zukunft. Die allmåhliche ¹Entstaatlichungª
tionsprozessen bzw. ¹auf zentrale politische Wei- der Auûenpolitik, die nicht eine Abwertung tra-
chenstellungen in anderen Staatenª48 weitgehend ditioneller Formen des auswårtigen Dienstes ist,
positiv eingeschåtzt, weil sie die Konsolidierung sondern die Erweiterung der auûenpolitischen
der nach westlichem Vorbild funktionierenden Strategien in Zeiten rasch fortschreitender Inter-
Demokratien zum Ziel hat. Man wundert sich dependenz, bedeutet, dass die Rolle der Stiftungen
daher, weshalb den Stiftungsvertretern in einigen in der deutschen Auûenpolitik vermutlich noch
Låndern eben wegen dieses ¹Einflussesª gelegent- græûer werden wird. Daher wåre es auch fçr dieje-
lich die Tçr gewiesen wird. So wie in Deutschland nigen Staaten, in denen man sich aus unterschied-
immer wieder Stiftungen in dem einen oder ande- lichen Grçnden manchmal nicht als Subjekt der
ren Bereich ihrer Tåtigkeit angefochten werden, Zusammenarbeit, sondern als Objekt des Einflus-
so wird es auch im Ausland immer wieder politi- ses empfindet, wohl empfehlenswert, die langfristi-
gen Vorteile zu erkennen, welche die Auûenpoli-
47 S. Bartsch (Anm. 7), S. 194. tik durch Kooperation mit den Stiftungen und
48 Ebd., S. 194. anderen NGOs gewinnt.

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