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Reaktionen auf die Übergriffe in der Neujahrsnacht

Die Suche nach Schuldigen und Tätern geht weiter


6. Januar 2016 | red

Oberbürgermeisterin Henriette Reker und Polizeipräsident Wolfgang Albers stellten sich der Presse.
Alle großen Presseorgane zwängten sich ins das kleine Besprechungszimmer im Historischen
Rathaus. Bild: Köln Nachrichten
Im Laufe des gestrigen Dienstags gab es eine regelrechte Flut von Statements zu den
Vorfällen der Neujahrsnacht. Auch wenn deren Geschehnisse bereits eine halbe Woche
zurückliegen, suchen die politischen Parteien und deren Vertreter nun weiter nach der
richtigen Antwort.
Und die fällt im pluralistischen Köln durchaus unterschiedlich auf. So forderte
beispielsweise die Kölner CDU aufgrund der Vorfälle den Rücktritt von Polizeipräsident
Wolfgang Albers und Landesinnenminister Ralf Jäger. Zwar bemühte sich Kölns Parteichef
diese Forderungen in beiden Fällen zu begründen, der eigentliche Grund für diese
Forderung dürfte indes eher darin liegen, dass beide Verantwortliche SPD-Mitglieder sind.
Die Initiative der Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker begrüßte Petelkau
ausdrücklich, sicher auch aufgrund der neu gewonnenen Nähe zu den Grünen in ihrer
Kölner „Gestaltungskoalition“.
In der Sache selbst stellte Petelkau die Position der Konservativen klar. „Stärkere
Polizeipräsenz und eine Videoüberwachung an zentralen Orten sind für eine Großstadt
wie Köln ein Muss“, so die zentrale Forderung. Genau das wollen die Verantwortlichen von
Stadt und Polizei nun in der Tat umsetzen, wohlwissend, dass sie gerade an Karneval dies
schon rein personell gar nicht flächendeckend umsetzen können.
Dass die Polizei am gestrigen Dienstag selbst den „Fehler“ einräumte, in der ersten
Meldung kurz nach Mitternacht nicht das komplette Ausmaß der Vorfälle erkannt zu haben,
lag nach Angaben der Polizeisprecherin Martina Kaiser auch daran, dass ein nicht
unerheblicher Anteil der eingegangenen Strafanzeigen erst Stunden, ja Tage nach den
Geschehnissen und dazu noch von außerhalb bei der Kölner Ermittlungsgruppe
eingingen. Und so stieg die Zahl der Strafanzeigen bis heute auf 90, vermutlich wird sie
weiter steigen, wie Polizeipräsident Wolfgang Albers auf der gestrigen Pressekonferenz
verkündete. Den Fehler der etwas zu voreiligen Ersteinschätzung räumte die
Polizeibehörde dennoch ein.
Grünen wollen lückenlose Aufklärung und Schutz vor „jeglicher Gewalt“
Grünen-Landeschef Sven Lehmann bezeichnete die Vorfälle als „widerliche Übergriffe“
und forderte eine „lückenlose“ Aufklärung und – im gleichen Atemzug – konsequente
Sanktionen. „ Sexuelle Gewalt ist widerlich und ein Eingriff in die Grundrechte. Es ist
unerträglich, dass zahlreiche Frauen in der Silvesternacht vor dem Kölner Hauptbahnhof
Opfer sexueller Gewalt geworden sind. Jeder Mann, der sowas betreibt, sollte sich
schämen. Aufgeklärt werden muss auch, warum die Polizei in Köln erneut von einer
aggressiv auftretenden Menschenmenge derart überrascht wurde“, so Lehmann, der
ebenfalls die Initiative der Kölner Oberbürgermeisterin lobte.
Ähnlich die Stoßrichtung der Kölner Grünen, die wenige Stunden nach der Landespartie
die Redaktion erreichte. „Das Bahnhofs- und Domumfeld darf kein rechtsfreier Raum sein.
Wir erwarten von der Polizei eine konkrete Strategie, wie sie die Menschen bei
Großereignissen in der Kölner City vor jeglicher Gewalt schützt“, erklärten die
Fraktionsvorsitzende Kirsten Jahn und Fraktionsgeschäftsführer Jörg Frank. „ Viele
Frauen wurden verbal erniedrigt, eingeschüchtert und sexuell genötigt. Diese
massenhaften Entwürdigungen von Frauen waren auch ein Angriff auf unsere
demokratischen Grundwerte. Wir fordern daher von Staatsanwaltschaft und Justiz die
konsequente strafrechtliche Verfolgung und Bestrafung der Täter“, echauffierte sich Julia
Woller, frauenpolitische Sprecherin der Grünen-Ratsfraktion.
SPD und FDP beantragen Sondersitzungen
Während die Liberalen im Stadtrat kurz und bündig im bevorstehenden Hauptausschuss
eine Aktuelle Stunde beantragt haben, will die SPD-Fraktion bereits am Donnerstag dieser
Woche eine Sondersitzung des Polizeibeirats einberufen, um dort weitere Informationen
aus erster Hand zu beziehen. Deren Vorsitzender Gerrit Krupp (SPD) fordert ebenfalls
lückenlose Aufklärung und – zusätzlich – einen „klaren Fahrplan zur Beherrschung der
Sicherheitslage auf den Kölner Straßen“.
Christian Joisten, integrationspolitischer Sprecher der SPD-Fraktion betonte den
integrationspolitischen Aspekt. „Scheinbar greifen die bisherigen Integrationsmaßnahmen
nicht in allen Fällen. Hier müssen wir verstärkt agieren, um insbesondere der
überwältigend hohen Zahl von integrationsbereiten Zuwanderern die Möglichkeit zu
geben, bei uns anzukommen. Genauso konsequent müssen aber auch geeignete
Maßnahmen ergriffen werden, wenn neuzugewanderte Menschen sich nicht an unsere
Ordnung halten. Hier muss im Bedarfsfall auch häufiger von dem Instrument der
Abschiebung Gebrauch gemacht werden“, so Joisten weiter.
Neben vielen anderen Bundes- und Landespolitikern meldete sich auch der Hausherr der
Hohen Domkirchen, Domprobst Gerd Bachner zu Wort. Er versuchte in seinem Statement,
die offenbar sehr aufgeregten Politiker verbal zu besänftigen. Zwar zeigte sich auch der
Kirchenmann schockiert über die Geschehnisse im Schatten seiner Domkirche. Doch
warnte er auch vor zu viel Hektik. „Dabei ist es jetzt vor allem wichtig besonnen zu
handeln, die Vorfälle sorgfältig aufzuklären und keine voreiligen Schlüsse zu ziehen“,
mahnte Bachner abschließend.