Sie sind auf Seite 1von 17

A N L E I T U N G ZUM GEBRAUCH

DER E I N Z E L N E N L E K T I O N E N

Diese Hauspostille isi für den Gebrauch der Leser bestimmt. Sie
soll nicht sinnlos hineingefressen werden.
\ Die erste Lektion (Bittgänge) wendet sich direkt an das Gefühl des
Lesers. Es empfiehlt sich, nicht CRUviel davon auf einmal ORU lesen.
Auch sollten nur gansR gesunde Leute von dieser für die Gefühle be-
stimmten Lektion Gehrauch machen. Der in Kapitel 2 erwähnte
Apfelböck,geboren VRU München 1906, wurde 1919 durch einen von
\ ihm an seinen Eltern begangenen Mord bekannt. Die in Kapitel}
geiReichnete Marie Farrar, ein Jahr vorher wie der in Kapitel 2 er-
wähnte Apfelböck CRU Augsburg am Lech geboren, kam vor Gericht
wegen Kindesmord in dem CRarten Alter von 16 Jahren. Diese Far-
rar erregte das Gemüt des Gerichtshofes durch ihre Unschuld und
menschliche Unempfindlichkeit.
Die CRweite Lektion (Exerzitien = geistige Übungen) wendet sich
mehr an den Verstand. Es ist vorteilhaft, ihre Lektüre langsam
und wiederholt, niemals ohne Einfalt, vorzunehmen. Aus den darin
verborgenen Sprüchen sowie unmittelbaren Hinweisen mag mancher
Aufschluß über das Leben zn gewinnen sein. So betrachtet Kapitel
\ 12 (Orges Antwort) gewisse Anfechtungen, die wenigen erspart
; bleiben, während Kapitel 6 (Historie vom verliebten Schwein Älal-
Erstveröffentlichung Berlin 1927 \ «»« Tarnung darstellt, durch Gefühlsüberschwang Ärgernis

7
zu erregen. Bei leisem oder lautem Lesen ist in y^Orges Wunsch- Sonne sie bescheint, werfen die Dinge Schatten. Das dritte Kapitel
liste« nach jedem der Zweizeiler ein Zungenschnalzer hinzuZ'*- (Vom ertrunkenen Mädchen) ist mit geflüsterten Lippenlauten zu
fügen. lesen. Das vierte Kapitel (Vom Liebes tod) ist gewidmet dem An-
Die dritte l^ktion (Chroniken) durchblättere man in den Zeiten gedenken an das Liebespaar Franz Diekmann und Frieda Lang
der rohen Naturgewalten. In den Zeilen der rohen Naturgewalten aus Augsburg. Das fünfte Kapitel (Vom toten Soldaten) ist zt""
{Regengüsse, Schneefälle, Bankerotte usw.) halte man sich an die Gedächtnis des Infanteristen Ghristian Grumbeis, geboren den ii.
Abenteuer kühner Männer und Frauen in fremden Erdteilen; April iSyj in Aichach, gestorben in der Karwoche 19iß in Kara-
solche eben bieten die Chroniken, welche so einfach gehalten sind, sin (Südrußland).
daß sie auch für Volksschullesebücher in Betracht kommen. Bei Nach der etwas düsteren Lektion von den kleinen TagReiten der
einem Vortrag der Chroniken empfiehlt sich das Rauchen; zur Un- Abgestorbenen sollte man das Schlußkapitel immer daz'desen.
terstützung der Stimme kann er mit einem Saiteninstrument akkor- Überhaupt empfiehlt es sich, jede Lektüre in der Hauspostille mit
diert werden. Das Kapitel ) (Ballade auf vielen Schiffen) ist zu dem Schlußkapitel z" beschließen.
lesen in Stunden der Gefahr: in ihm kommt der Gummimensch in Der Anhang (Vom armen B. B.) ist gewidmet George Pfanzeli,
Sicht. Kapitel / (Ballade von den Seeräubern) ist hauptsächlich für Caspar Neher und Otto Müllereisert, sämtliche aus Augsburg.
die hellen Nächte im Juni bestimmt; der zweite Teil dieser Ballade,
soweit er den Untergang behandelt, kann jedoch auch noch im Okto-
ber gesungen werden. Die Melodie ist die von nL'Etendard de la
Pitii«. Kapitel 6( Von der Hanna Gash) gilt für die Zeit einer bei-
spiellosen Verfolgung. (In der Zeit der beispiellosen Verfolgung wird
die Anhänglichkeit eines Weibes offenbar werden.)
Die vierte Lektion (Psalmen und Mahagonnygesänge) ist das Rich-
tige für die Stunden des Reichtums, das Bewußtsein des Fleisches
und die Anmaßung. (Sie kommt also nur für sehr wenige Leser in
Betracht. Diese können die Gesänge ruhig mit der Höchstleistung
an Stimme und Gefühl, Jedoch ohne Mimik, anstimmen.)
Es wird geben Tagzeiten des Angedenkens und der frühen Ge-
schehnisse. Die nachfolgenden fünf Kapitel der fünften Lektion
(Die kleinen Tagzeiten der Abgestorbenen) sind für das Ange-
denken und die frühen Geschehnisse. Das erste Kapitel dient der
Erinnerung an den Lyriker Joseph Baal aus Pfersee, eine durch-
aus asoziale Erscheinung. Das zweite Kapitel ( Von den verführten
Mädchen) ist z" singen unter Anschlag harter Mißlaute auf einem
Saiteninstrument. Es hat als Motto: Zum Dank dafür, daß die

8
V O M B R O T U N D D E N K I N D L E I N

(
I

Sie haben nicht gegessen


Das Brot im hölzernen Schrein
Sie riefen, sie wollten essen
Lieber die kalten Stein.

Es ist das Brot verschimmelt


Weil's keiner essen will.
Es blickte mild zum Himmel
Da sagte der Schrank ihm still:

5
»Die werden sich noch stürzen
Auf ein Stückelein Brot
Mit wenigen Gewürzen
Nur für des Leibes Not.«

Es sind die Kindlein gangen


Viele Straßen weit.
Da mußten sie ja gelangen
Außer die Christenheit.
5 A P F E L B Ö C K
O D E R
Und bei den Heiden da hungern
D I E L I L I E A U F D E M F E L D E
Kindlein dürr und blaß.
Es geben ihnen die Heiden
Keinem irgendwas.

I
6
In mildem Lichte Jakob Apfelböck
Erschlug den Vater und die Mutter sein
Sie würden sich gerne stürzen
Und schloß sie beide in den Wäscheschrank
Auf ein Stückelein Brot
Und blieb im Hause übrig, er allein.
M i t wenigen Gewürzen
Nur für des Leibes Not.

- 2

7 Es schwammen Wolken unterm Himmel hin


Und um sein Haus ging mild der Sommerwind
Das Brot aber ist verschimmelt
Und in dem Hause saß er selber drin
Gefressen von dem Vieh.
Vor sieben Tagen war es noch ein Kind.
Woll's Gott, es hat einst der Himmel
Ein kleines Gewürzlein für sie.

Die Tage gingen und die Nacht ging auch


Und nichts war anders außer mancherlei
Bei seinen Eltern Jakob Apfelböck
Wartete einfach, komme was es sei.
4 8
Es bringt die Milchfrau noch die Milch ins Haus Es sprach die Milchfrau einst, die täglich kam:
Gerahmte Buttermilch, süß, fett und kühl. Was riecht hier so? Es riecht, als wenn man stirbt 1
Was er nicht trinkt, das schüttet Jakob aus In mildem Licht sprach Jakob Apfelböck:
Denn Jakob Apfelböck trinkt nicht mehr viel. Es ist das Kalbtieisch, das im Schrank verdirbt.

5 9

Es bringt der Zeitungsmann die Zeitung noch Und als sie einstens in den Schrank ihm sahn
Mit schwerem Tritt ins Haus beim Abendlicht Stand Jakob Apfelböck in mildem Licht
Und wirft sie scheppernd in das Kastenloch Und als sie fragten, warum er's getan
Doch Jakob Apfelböck, der liest sie nicht. Sprach Jakob Apfelböck: Ich weiß es nicht.

6 10

Und als die Leichen rochen durch das Haus Die Milchfrau aber sprach am Tag danach:
Da weinte Jakob und ward krank davon. Ob wohl das Kind einmal, früh oder spät
Und Jakob Apfelböck zog weinend aus Ob Jakob Apfelböck wohl einmal noch
Und schlief von nun an nur auf dem Balkon. Zum Grabe seiner armen Eltern geht?

Es sprach der Zeitungsmann, der täglich kam:


Was riecht hier so? Ich rieche doch Gestank.
In mildem Licht sprach Jakob Apfelböck:
Es ist die Wäsche in dem Wäscheschrank.

i6 17
G R O S S E R D A N K C H O R A L

Lobet von Herzen das schlechte Gedächtnis des Himmels 1


Und daß er nicht
Weiß euren Nam' noch Gesicht
Niemand weiß, daß ihr noch da seid.
I
Lobet die Nacht und die Finsternis, die euch umfangen I
Kommet zuhauf 5
Schaut in den Himmel hinauf:
Schon ist der Tag euch vergangen. Lobet die Kälte, die Finsternis und das Verderben!
Schauet hinan:
Es kommet nicht auf euch an
2 Und ihr könnt unbesorgt sterben.

Lobet das Gras und die Tiere, die neben euch leben und
sterben!
Sehet, wie ihr
Lebet das Gras und das Tier
Und es muß auch mit euch sterben.

Lobet den Baum, der aus Aas aufwächst jauchzend zum


Himmel 1
Lobet das Aas
Lobet den Baum, der es fraß
Aber auch lobet den Himmel.

75
74
E R S T E R P S A L M

1. Wie erschreckend in der Nacht ist das konvexe Gesicht


des schwarzen Landes!

2. Über der Welt sind die Wolken, sie gehören zur Welt.
Über den Wolken ist nichts.

3. Der einsame Baum i m Steinfeld muß das Gefühl haben,


daß alles umsonst ist. Er hat noch nie einen Baum gesehen.
Es gibt keine Bäume.

4. Immer denke ich: wir werden nicht beobachtet. Der Aus-


satz des einzigen Sternes in der Nacht, vor er untergeht!

3. Der warme Wind bemüht sich noch um Zusammenhänge,


der Katholik.

6. Ich komme sehr vereinzelt vor. Ich habe keine Geduld.


Unser armer Bruder Vergeltsgott sagte von der Welt: sie
macht nichts.

7. Wir fahren mit großer Geschwindigkeit auf ein Gestirn


in der Milchstraße zu. Es ist eine große Ruhe in dem Gesicht
der Erde. Mein Herz geht zu schnell. Sonst ist alles in Ord-
nung.

III
ZWEITER PSALM 6. Das ist der Sommer. Scharlachene Winde erregen die
Ebenen, die Gerüche werden Ende Juni maßlos. Ungeheure
Gesichte zähnefletschender nackter Männer wandern in gro-
ßen Höhen südwärts.

7. In den Hütten ist das Licht der Nächte wie Lachs. Man
1. Unter einer fleischfarbenen Sonne, die vier Atemzüge
nach Mitternacht den östlichen Himmel hell macht, untet feiert die Auferstehung des Fleisches.
einem Haufen Wind, der sie in Stößen wie mit Leilich be-
deckt, entfalten die Wiesen von Füssen bis Passau ihre Pro-
paganda für Lebenslust.

2. Von Zeit zu Zeit teilen die Eisenbahnzüge, voll von


Milch und Passagieren die Weizenfeldermeere; aber die
Luft steht still um die Donnernden, das Licht zwischen den
großen Versteinerungen, der Mittag über den unbewegten
Feldern.

3. Die Gestalten in den Äckern, braunbrüstige Unholde,


lasterhafte Visagen, arbeiten in langsamen Bewegungen für
die Bleichgesichter in den Versteinerungen, wie es auf dem
Papier vorgesehen ist.

4. Denn Gott hat die Erde geschaffen, daß sie Brot bringe
und uns die Braunbrüstigen gegeben, daß es in die Mägen
komme, vermischt mit der Milch der Kühe, die er geschaffen
hat. Aber für was ist der Wind da, herrlich in den Baum-
wipfeln?

3. Der Wind macht die Wolken, daß da Regen ist auf die
Äcker, daß da Brot entstehe. Laßt uns jetzt Kinder machen
aus Lüsten für das Brot, daß es gefressen werde.

115
D R I T T E R P S A L M
M A H A G O N N Y G E S A N G NR. I

1. I m Juli fischt ihr aus den Weihern meine Stimme. In


I
meinen Adern ist Kognak. Meine Hand ist aus Fleisch.

Auf nach Mahagonny


2. Das Weiherwasser gerbt meine Haut, ich bin hart wie
Die Luft ist kühl und frisch
eine Flaselrute, ich wäre gut fürs Bett, meine Freundinnen I
Dort gibt es Pferd- und Weiberfleisch
Whisky und Pokertisch.
3. In der roten Sonne auf den Steinen liebe ich die Gitarren:
Schöner grüner Mond von Mahagonny, leuchte uns!
es sind Därme von Vieh, die Klampfe singt viehisch, sie
Denn wir haben heute hier
frißt kleine Lieder.
Unterm Hemde Geldpapier
Für ein großes Lachen deines großen dummen Munds.
4. I m Juli habe ich ein Verhältnis mit dem Himmel, ich
nenne ihn Azurl, herrlich, violett, er liebt mich. Es ist Män-
nerliebe.
2
5. Er wird bleich, wenn ich mein Darmvieh quäle und die
Auf nach Mahagonny
rote Unzucht der Äcker imitiere sowie das Seufzen der
Der Ostwind, der geht schon
Kühe beim Beischlaf.
Dort gibt es frischen Fleischsalat
Und keine Direktion.
Schöner grüner Mond von Mahagonny, leuchte uns!
Denn wir haben heute hier
Unterm Hemde Geldpapier
Für ein großes Lachen deines großen dummen Munds.

Auf nach Mahagonny


Das Schiff wird losgeseilt
114
H5
Die Zi-zi-zi-zi-zivilis
M A H A G O N N Y G E S A N G N R . 3
Die wird uns dort geheilt.
Schöner grüner Mond von Mahagonny, leuchte uns!
Denn wir haben heute hier
Unterm Hemde Geldpapier
Für ein großes Lachen deines großen dummen Munds.
A n einem grauen Vormittag
Mitten im Whisky
Kam Gott nach Mahagonny
Kam Gott nach Mahagonny.
Mitten im Whisky
Bemerkten wir Gott in Mahagonny.

Sauft ihr wie die Schwämme


Meinen guten Weizen Jahr für Jahr?
Keiner hat erwartet, daß ich käme;
Wenn ich komme jetzt, ist alles gar?
Ansahen sich die Männer von Mahagonny.
Ja, sagten die Männer von Mahagonny.
A n einem grauen Vormittag
Mitten im Whisky
Kam Gott nach Mahagonny
Kam Gott nach Mahagonny.
Mitten im Whisky
Bemerkten wir Gott in Mahagonny.

ii6
Lachtet ihr am Freitag abend? Gehet alle zur Hölle 1
Mary Weemann sah ich ganz von fern Steckt jetzt die Virginien in den Sack!
Wie 'nen Stockfisch stumm im Salzsee schwimmen Marsch mit euch in meine Hölle, Burschen!
Sie wird nicht mehr trocken, meine Herrn. In die schwarze Hölle mit euch Pack!
Ansahen sich die Männer von Mahagonny. Ansahen sich die Männer von Mahagonny.
Ja, sagten die Männer von Mahagonny. Nein, sagten die Männer von Mahagonny.
An einem grauen Vormittag A n einem grauen Vormittag
Mitten im Whisky Mitten i m Whisky
Kam Gott nach Mahagonny Kommst du nach Mahagonny
Kam Gott nach Mahagonny. Kommst du nach Mahagonny.
Mitten im Whisky Mitten im Whisky
Bemerkten wir Gott in Mahagonny. Fängst du an in Mahagonny!

3 5

Kennt ihr diese Patronen? Rühre keiner den Fuß jetzt!


Schießt ihr meinen guten Missionar? Jedermann streikt! A n den Haaren
Soll ich wohl mit euch im Himmel wohnen Kannst du uns nicht in die Hölle ziehen
Sehen euer graues Säuferhaar? Weil wir immer in der Hölle waren.
Ansahen sich die Männer von Mahagonny. Ansahen Gott die Männer von Mahagonny.
Ja, sagten die Männer von Mahagonny. N e i n , sagten die Männer von Mahagonny.
An einem grauen Vormittag
Mitten im Whisky
Kam Gott nach Mahagonny
Kam Gott nach Mahagonny.
Mitten i m Whisky
Bemerkten wir Gott in Mahagonny.
3^
z u r ! E - n o r - m e r W i n d , die S e - g e l bläh! Laßt W i n d u n d
H a a r , hat er sei-nc E a n z c j u g e n d . n u r n i c h t i h - rc Träume ver-

H i m - m e l fah-ren 1 N u r laßt uns u m Sankt M a - n e die See 1

ges-sen, lan-ge das D a c h , nie den H i m - m e l , der drü - her war. Mahagonny-Lieder
I
///. Lektion. Kap. 6 Ballade von den Seeräubern

itJ'i i P
A u f nach M a - h a - g o n - n y , die L u f t ist kühl und frisch,dort
V o n Branntwein toll u n d Fin-ster-nis-sen, v o n un - er-

gibt es P f e r d - u n d W e i - b e r f l e i s c h , W h i s k y u n d P o - k e r - t i s c h .

h ö r - t e n Güssen naß, v o m F r o s t eis - wei - ß e r N a c h t z e r -

S c h ö - n e r grü-ner M o n d v o n M a - h a - g o n - n y , leuch-te

r i s - s e n i m Mast-korb, v o n G e - s i c h t e n blaß, v o n S o n - n e
i s I Denn wir h a - ben h e u - te hier u n - tcrm

nackt gebrannt u n d krank (die hat - ten s i e — i m W i n - ter ^ P P


Hern-de G e l d - p a - pier für ein g r o - ßes La-chen

lieb), aus H u n - g e r , F i c - b e r u n d G e - s t a n k sang a l - l e s . dei - nes g r o - ßen dum - men Munds,


///

c-rrrT-r f n^'rrJi
An ei - n e m grau - e n Vor-mit-tag, mit-ten im
was noch üb - rig blieb: O H i m - m e l , strah-Ien-der A-
Benares Song

Whis-ky, kam Gott nach M a - h a - g o n - n y , kam


There is no whis-ky in this t o w n , there

G o t t nach M a - h a - g o n - n y . Mit-ten
WS
i m W h i s - k y be-
is no bar to sit us down ohlWhere

is the te - le-phone? I s there n o te - le-phone? O h ,

,. s 4 II f'"t c f c
merk - ten wir Gott in M a - ha - gon - n y .

l i i l Sir, G o d damn it: Nol L e t ' s go to Be-

Sauft i h r wie die S c h w ä m m e m e i - n e n gu - ten W e i - zen

1= na - res, where the bars are plen - ty,

1^
Jahr für J a h r ? K e i - ner hat er-war-tet, daß ich

let's go to Be-na-resl Jenny, let us go.

V. Lektion, Kap. l. Vom Manne Baal

k ä - m e ; w e n n ich k o m - m e jetzt, ist al - les gar?

Als im wei - ßen M u t - ter - scho - ße auf-wuchs

A n - sa - hen sich die Män-ner von Ma - ha-gon-ny.

Baal, war
n n n
der H i m - m e l s c h o n so groß und still und
parlando

Ja, sag-ten die Män-ner von Ma-ha-gon-ny


^-E-U IL J
fahl, j u n g u n d nackt u n d
U LJ
un - g c - heu - er w u n - d e r -
I
156
157
GEGEN VERFÜHRUNG

Laßt euch nicht verführen!


Es gibt keine Wiederkehr.
Der Tag steht in den Türen;
Ihr könnt schon Nachtwind spüren:
Es kommt kein Morgen mehr.

2
Laßt euch nicht betrügen
Daß Leben wenig ist.
Schlürft es in schnellen Zügen:
Es wird euch nicht genügen
Wenn ihr es lassen müßt!

Laßt euch nicht vertrösten!


Ihr habt nicht zu viel Zeit!
Laßt Moder den Erlösten!
Das Leben ist am größten:
Es steht nicht mehr bereit.

143
A N H A N G : V O M A R M E N B. B.
4

Laßt euch nicht verführen


Zu Fron und Ausgezehrl
Was kann euch Angst noch rühren?
Ihr sterbt mit allen Tieren
Und es kommt nichts nachher.

144
V O M A R M E N B. B.

Ich, Bertolt Brecht, bin aus den schwarzen Wäldern.


Meine Mutter trug mich in die Städte hinein
Als ich in ihrem Leibe lag. Und die Kälte der Wälder
Wird in mir bis zu meinem Absterben sein.

In der Asphaltstadt bin ich daheim. Von allem Anfang


Versehen mit jedem Sterbsakrament:
Mit Zeitungen. Und Tabak. Und Branntwein.
Mißtrauisch und faul und zufrieden am End.

Ich bin zu den Leuten freundlich. Ich setze


Einen steifen Hut auf nach ihrem Brauch.
Ich sage: Es sind ganz besonders riechende Tiere
Und ich sage: Es macht nichts, ich bin es auch.

In meine leeren Schaukelstühle vormittags


Setze ich mir mitunter ein paar Frauen
Und ich betrachte sie sorglos und sage ihnen:
8
In mir habt ihr einen, auf den könnt ihr nicht bauen.
Von diesen Städten wird hleiben: der durch sie
hindurchging, der Wind!
5 Fröhlich machet das Haus den Esser: er leert es.
Wir wissen, daß wir Vorläufige sind
Gegen Abend versammle ich um mich Männer
Und nach uns wird kommen: nichts Nennenswertes.
Wir reden uns da mit »Gentlemen« an.
Sie haben ihre Füße auf meinen Tischen
Und sagen: Es wird besser mit uns. Und ich
9
frage nicht: Wann?
Bei den Erdbeben, die kommen werden, werde ich
hoffentlich
6
Meine Virginia nicht ausgehen lassen durch Bitterkeit
Ich, Bertolt Brecht, in die Asphaltstädte verschlagen
Gegen Morgen in der grauen Frühe pissen die Taimen Aus den schwarzen Wäldern in meiner Mutter in
Und ihr Ungeziefer, die Vögel, fängt an zu Schrein.
früher Zeit.
Um die Stunde trink ich mein Glas in der Stadt aus
und schmeiße
Den Tabakstummel weg und schlafe beunruhigt ein.

Wir sind gesessen, ein leichtes Geschlechte


In Häusern, die für unzerstörbare galten
(So haben wir gebaut die langen Gehäuse des
Eilands Manhattan
Und die düimen Antennen, die das Atlantische Meer
unterhalten).

148
149