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Amarna

Amarna Karte von Amarna Tell el-Amarna , auch kurz nur Amarna , ist ei- ne archäologische

Karte von Amarna

Tell el-Amarna, auch kurz nur Amarna, ist ei- ne archäologische Fundstätte am Ostufer des Nils in Mittelägypten, im Gouvernement Al-Minya. Sie befindet sich etwa 312 Kilometer südlich von Kairo. [1]

Mit Amarna werden in der ägyptologischen Forschung meist die in der Nähe befindlichen Ruinen der ehemaligen altägyptischen Hauptstadt von König Echnaton, Achet- Aton, bezeichnet, die sich im ehemaligen 15. oberägyp- tischen Gau („Hasengau“) befand. [1]

Der Ort ist namengebend für einen Zeitabschnitt der spä- ten 18. Dynastie, der als Amarna-Zeit bezeichnet wird.

1 Etymologie

Der Begriff Tell el-Amarna wurde von europäischen Rei- senden im 19. Jahrhundert geprägt. [2] Er setzt sich aus dem Namen der modernen Siedlung „et-Till“ und ent- weder der Bezeichnung „Beni Amran“ (früherer arabi- scher Volksstamm) oder „al-Amaria“, einem weiteren Dorf in der Umgebung, zusammen. Dagegen hat der Be- griff nichts mit Tell, der arabischen Bezeichnung für ei- nen Siedlungshügel, zu tun, da es in dieser Gegend keinen solchen Hügel gibt. [3]

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Der antike Name des Ortes lautete Achetaton („Horizont des Aton“), wobei die eigentliche Stadt wahrscheinlich den Namen des Haupttempels Per Aton („Haus des Aton“) trug. [1]

2 Forschungsgeschichte

Die Ruinen von Achetaton wurden bereits von der französischen Expedition unter Napoleon Bonaparte be- sucht, die wissenschaftliche Erforschung begann aller- dings erst mit John Gardner Wilkinson, der 1824 die Felsengräber an der Ostseite der Stadt entdeckte. Karl Ri- chard Lepsius, der den Ort auf seiner Expedition nach Nubien für kurze Zeit besuchte, fertigte 1843 einige Zeichnungen und Gipsabgüsse an. [4]

Nachdem eine Fellachin im Jahr 1887 Tontafeln mit Keilschriftbriefen entdeckte, die einen Teil der Korre- spondenz zwischen dem ägyptischen Königshof und vor- derasiatischen Fürsten darstellten, begannen im Winter 1891/1892 erste systematische Ausgrabungen des Egypt Exploration Fund (EEF) unter der Leitung von Flinders Petrie. Petrie fand weitere Tontafeln und das „Staatsar- chiv“ nahe der Königsresidenz. Norman de Garis Davies kopierte von 1901 bis 1907 für den EEF Inschriften der Felsengräber und Texte sämtlicher Grenzstelen. [5][1]

Tell el-Amarna war auch einer der Forschungs- und Ausgrabungsschwerpunkte der Deutschen Orient- Gesellschaft (DOG) von 1911 – 1914 unter Ludwig Borchardt. Er fand am 6. Dezember 1912 in der Werkstatt des Bildhauers Thutmosis die berühm- te Nofretete-Büste, die seit 2009 wieder im Neuen Museum Berlin zu sehen ist.

Von 1921 bis 1936 unternahm die Egypt Exploration So- ciety (EES) umfangreiche Arbeiten im Stadtgebiet und untersuchte unter anderem das Königsgrab Echnatons. [5]

Blöcke vieler Bauten wurden in den 1920er Jahren als wiederverwendetes Baumaterial in Karnak und 1939 von einer deutschen Expedition unter der Leitung von Günther Roeder in Hermopolis entdeckt. [5]

Die EES nahm 1977 unter der Leitung von Barry Kemp (Cambridge, UK) ihre Arbeit wieder auf. Seit 1980 wid- met sie sich in Zusammenarbeit mit der ägyptischen Anti- kenbehörde verstärkt der Restaurierung und Rekonstruk- tion der Stadtanlage. [5]

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4 MERKMALE

3 Gründung

2 4 MERKMALE 3 Gründung Grenzstele U An diesem Ort gründete König ( Pharao ) Echnaton

Grenzstele U

An diesem Ort gründete König (Pharao) Echnaton (Amenophis IV.) die neue Hauptstadt Achet-Aton zu Eh- ren des Aton beziehungsweise für diesen Gott. Die Größe der Stadt legte Echnaton durch insgesamt 15 sogenann- te „Grenzstelen“ fest, die er in seinem fünften, sechsten und achten Regierungsjahr am Ost- und Westufer des Nils errichten ließ. [6] Gemäß der Inschriften einer aus seinem 5. Regierungsjahr zu datierenden Grenzstele war dies der Platz „der Schöpfung, den er (der König) ihm (dem Gott) bereitet hat“ [7] . Aufgrund der Verwendung von sogenannten Talatat dauerte die Bauzeit der Stadt ca. drei Jahre.

Eigentlich war Achetaton keine Hauptstadt im modernen Sinn wie Memphis oder Theben, sondern im Wesentli- chen königliche Residenz und religiöses Zentrum. Sie ist eher mit Amenhotep III.'s neuer Stadtgründung Tjehen- Aton („Glanz des Aton“) in Westtheben vergleichbar. Beide besaßen einen als Per Hai („Haus des Jubels“) be- zeichneten offiziellen Zentralbezirk mit Tempeln und Pa- lästen, in denen königliche Gedenkfeste (Heb-Sed) abge- halten wurden, und weitere spezielle Bauten, wie die für Vergnügungszwecke angelegten Komplexe Maru-Amun und Maru-Aton. [8]

4 Merkmale

4.1 Bauten

Die in den Fels der Wüste geschlagenen Grenzstelen zei- gen den König, die Königin und einige der Töchter. Die Inschriften berichten von der Gründung der Stadt. Ne- ben den Stelen waren auch Statuen der Herrscherfami- lie in den Fels gehauen. Im Zentrum der Stadt befanden sich die meisten öffentlichen Gebäude. Hier ist vor allem der Aton-Tempel zu nennen, dessen Mauern ein Gelände von 730 mal 229 Meter einnahmen. Bei einem kleineren Aton-Tempel handelt es sich eventuell um einen Tem-

Aton-Tempel handelt es sich eventuell um einen Tem- Räume des Nordpalastes pel für den Atonkult, aber

Räume des Nordpalastes

pel für den Atonkult, aber auch für den Kult des Herr- schers. Im Zentrum der Stadt befanden sich auch Palast- anlagen, die aus verschiedenen Höfen und Sälen bestan- den. Von hier aus wurde das ganze Land regiert. So ist es nicht verwunderlich, dass man ein nahezu unversehrtes diplomatisches Archiv in Form von Keilschrift-Tontafeln auffand, die sogenannten Amarnatafeln.

Die meisten Paläste waren einst reich mit Statuen und Malereien, wie auch mit in Wände eingelegte Glas- und Keramikfayencen dekoriert. Nördlich und südlich des Stadtzentrums befanden sich die eigentlichen Wohnge- biete. Ganz im Süden stand eine als Maru-Aton bezeich- nete Anlage unbekannter Funktion. Ganz im Norden fand sich ein weiterer Stadtteil. Hier konnten starke Mauern beobachtet werden, doch ist dieser Teil der Stadt schlecht erhalten. Es wurde vermutet, dass es sich hier um den ei- gentlichen Wohnpalast von Echnaton handelte. Eine Ar- beitersiedlung, wohl zum Bau von Grabanlagen fand sich im Osten, circa zwei Kilometer in der Wüste, von der ei- gentlichen Stadt entfernt.

4.2 Kunst

der Wüste, von der ei- gentlichen Stadt entfernt. 4.2 Kunst Wandmalerei aus einem Palast von Amarna

Wandmalerei aus einem Palast von Amarna (Ashmolean Muse- um, Oxford)

Die Künstler von Amarna führten Malerei, Bildhauerei und Reliefkunst zu einer beispiellosen Blüte, mit äußerst

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lebendigen, teilweise auch karikierenden, Szenen aus dem täglichen Leben und einer menschlichen Darstel- lung auch des Königspaares Echnaton und Nofretete, die im Gegensatz zu der erstarrten abstrakten und typisierten archaischen Kunst Ägyptens stand. Die Kunst dieser Zeit wird deshalb auch als „Amarnakunst“ bezeichnet.

4.3 Felsengräber

In den östlichen Bergen liegt die Nekropole von Amarna, die sich in einen Nordfriedhof (Grabnummern 1 bis 6), den Südfriedhof (Grabnummern 7 bis 25) und das könig- liche Wadi, mit dem Königsgrab sowie vier weiteren so- genannten Nebengräbern (Gräber 27 bis 30), gliedert. Bis auf die Nebengräber im Königswadi konnten alle Grä- ber namentlich zugeordnet werden. Die nördlichen und südlichen Gräber sind allesamt Privatgräber, wobei die Bestatteten im nördlichen Friedhof Ratgeber des Königs waren und jene in den südlichen Gräbern zur Exekutive in Echnatons Regierungszeit zählten.

In diesen Grabmälern sind zum Teil eine Vielzahl von Dekorationen in Form von Malereien oder Reliefs er- halten geblieben. Sie ermöglichen heute den Forschern einen tiefen Einblick in die Lebensgewohnheiten der Einwohner der damaligen Stadt Achet-Aton, des Aton- Kultes, der königlichen Familie und der Art ihrer Regent- schaft. Die Beamtengräber wurden im Dezember 1891 von Alessandro Barsanti entdeckt. So findet sich im Grab des Eje (Nr. 25) die einzige erhaltene Fassung des soge- nannten Aton-Hymnus, auch Sonnengesang oder Sonnen- hymus genannt, der in 13 Kolumnen fast die vollständige Fläche der rechten Wand im Eingangskorridor ausfüllt.

5 Nach der Echnaton-Regentschaft

Die Stadt bestand nur für kurze Zeit. Nach Echnatons Tod zog der Hof unter König Tutanchamun in die al- te Hauptstadt Memphis und Achet-Aton wurde danach nie wieder im großen Umfang besiedelt. Einiges deutet darauf hin, dass der Tempelbetrieb bis in die Zeit von Haremhab, möglicherweise noch bis Sethos I. aufrecht- erhalten wurde. [8]

Spätere Pharaonen zerstörten sehr viel von dem Werk des Echnaton, um die Erinnerung an ihn auszulöschen. Viele Gebäude wurden zur Zeit von Ramses II. abgetragen, das Material für verschiedene landesweite Bauvorhaben wie- derverwendet. So fanden sich Talatat-Blöcke aus Achet- Aton vor allem in Antinoupolis und in den Tempeln von Hermopolis, auf dem anderen Flussufer, wo sie als Füll- material dienten, aber auch im mehrere hunderte Kilo- meter entfernten Karnak. [8]

Gräber der 22. und 23. Dynastie im südöstlich gelegenen Arbeiterdorf deuten auf eine schwache Wiederbesied-

lungsphase in spätpharaonischer Zeit hin. Die Römer leg- ten in der nördlichen Vorstadt Häuser und einen großen Friedhof an, in spätrömischer Zeit folgte eine Festung. Christliche Spuren finden sich unter anderem in Grab Nr. 6, das zu einer Kirche zweckentfremdet wurde. [8]

6 Literatur

Kathryn A. Bard (Hrsg.): Encyclopedia of the Ar- chaeology of Ancient Egypt. Routledge, London 1999, ISBN 0415185890, S. 763–776.

Barry Kemp: The City of Akhenaten and Neferti- ti: Amarna and its People. First paperback Editi- on, Thames & Hudson, London 2013, ISBN 978-

Barry Kemp, Salvatore Garfi: A survey of the ancient city of El-'Amarna. (= Occasional publications. Bd. 9). Egypt Exploration Society, London 1993, ISBN

William J. Murnane, Charles Cornell Van Siclen:

The boundary stelae of Akhenaten (= Studies in Egyptology.). Kegan Paul International, London/ New York 1993, ISBN 0-7103-0464-1

J. D. S. Pendlebury: Tell el-Amarna. Dickson & Thompson, London 1935.

W. M. Flinders Petrie: Tell El Amarna. Methuen & Co, London 1894.

Herbert Ricke: Der Grundriss des Amarna- Wohnhauses. Mit 26 Tafeln und 60. Abb. im Text (= Ausgrabungen der Deutschen Orient-Gesellschaft in Tell-el-Amarna. Bd. 4.; Wissenschaftliche Veröffentlichung. Bd. 56). Leipzig 1932.

Heinrich Schäfer: Amarna in Religion und Kunst. In:

Sendschrift der Deutschen Orient-Gesellschaft. Nr. 7, Henrichs, Leipzig 1931.

Christian Tietze (Hrsg.): Amarna. Lebensräume – Lebensbilder – Weltbilder (= Ausstellungskatalog Köln 2008). 2., aktualisierte und erweiterte Aufla- ge, Arcus-Verlag, Weimar 2010, ISBN 978-3-00-

7 Weblinks

Weimar 2010, ISBN 978-3-00- 031582-4 . 7 Weblinks Commons: Amarna – Sammlung von Bildern, Videos und

Commons: Amarna – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien Wikivoyage: Tell el-Amarna – Reiseführer

Audiodateien Wikivoyage: Tell el-Amarna – Reiseführer • Amarna Project (Webseite der Universität Cam- bridge)

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8 EINZELNACHWEISE

8 Einzelnachweise

[1] Eric P. Uphill: Tell el-Amarna, city. In: Kathryn A. Bard (Hrsg.): Encyclopedia of the Archaeology of Anci- ent Egypt. Routledge, London 1999, ISBN 0415185890,

S. 763.

[2] B. Kemp in: Wolfgang Helck, Eberhard Otto, Wolfhart Westendorf: Lexikon der Ägyptologie. (LÄ) Band VI, Har- rassowitz, Wiesbaden 2000, ISBN 3-447-04468-3, Spalte

309ff.

[3] Gabriele Höber-Kamel: Zur Geschichte der Amarna-Zeit. In: Nofretete. Kemet Heft 3, 2010, S. 4.

[4]

Christian Tietze (Hrsg.): Amarna. Lebensräume – Lebens- bilder – Weltbilder. Weimar 2010, S. 36.

[5]

Christian Tietze (Hrsg.): Amarna. Lebensräume – Lebens- bilder – Weltbilder. Weimar 2010, S. 37.

[6] Nicholas Reeves: Echnaton. Ägyptens falscher Prophet (= Kulturgeschichte der antiken Welt. Bd. 91). von Zabern, Mainz 2002, ISBN 3805328281, S. 182.

[7] Hermann A. Schlögl: Echnaton - Tutanchamum. Daten, Fakten, Literatur. 5., erweiterte Auflage, Harrassowitz, Wiesbaden 2013, ISBN 978-3-447-06845-1, S. 102.

[8] Eric P. Uphill: Tell el-Amarna, city. In: Kathryn A. Bard (Hrsg.): Encyclopedia of the Archaeology of Anci- ent Egypt. Routledge, London 1999, ISBN 0415185890,

S. 764.

27.66166666666730.905555555556Koordinaten: 27° 39′ 42″ N, 30° 54′ 20″ O

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9 Text- und Bildquellen, Autoren und Lizenzen

9.1 Text

Amarna Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Amarna?oldid=133350524 Autoren: Wst, RobertLechner, Fristu, Media lib, Aka, Stefan Kühn, Fusslkopp, Aglarech, GDK, Robbot, Yak, Pm, Wiegels, Gunnar Eberlein, Peter200, Magadan, Semataui, Martin-vogel, Ralf S., BWBot, Histo, Bierdimpfl, Heinte, Carbidfischer, Schreiber, FlaBot, Hubertl, Udimu, RedBot, Antonin, Marcus Cyron, Muck, Roterrae- cher, Chobot, Sven-steffen arndt, RobotQuistnix, König Alfons der Viertelvorzwölfte, YurikBot, Löschfix, 32X, Kajk, Logograph, Thomas Schulte im Walde, Old Man, Thijs!bot, KönigAlex, Einsamer Schütze, JAnDbot, Wo st 01, Sat Ra, Gudrun Meyer, Colus, Adolorin, Dor- ganBot, TXiKiBoT, Aurelius Marcus, Entlinkt, Loveless, Hapfff, Achsenzeit, Umherirrender, NebMaatRe, QualiStattQuanti, Mamusch, Folkby, Alexbot, Inkowik, Visi-bot, Hot Fuzz, Meritites, Luckas-bot, Ptbotgourou, Rubinbot, Cherub51, Hurin Thalion, Xqbot, Krisbi2210, RibotBOT, GhalyBot, Stöpsel der Warheit, Nordlicht8, CatMan61, EmausBot, Sinuhe20, Cologinux, WikitanvirBot, KLBot2, Manajah85, Cimballi, Tippex3000 und Anonyme: 30

9.2 Bilder

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9.3 Inhaltslizenz