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Vorlesung Grundkurs Staatsrecht I für Juristen

Vorlesung Grundkurs Staatsrecht I für Juristen Arbeitsmaterialien 1/4 1. Gesetzestexte - dtv, Basistexte Öffentliches

Arbeitsmaterialien 1/4

1. Gesetzestexte

- dtv, Basistexte Öffentliches Recht: ÖffR, 26. Aufl. 2018

- Beck‘sche Textausgaben: Grundgesetz für die Bundesrepublik

Deutschland

- Nomos-Texte Öffentliches Recht

- Sartorius I (Loseblatt)

- Staats- und Verwaltungsrecht Bundesrepublik Deutschland, C.F. Müller

2. Lehrbuch-Literatur (Auswahl)

- Maurer, Staatsrecht I, 7. Aufl. 2019

- Degenhart, Staatsrecht I. Staatsorganisationsrecht, 34. Aufl. 2018

- Ipsen, Staatsrecht I - Staatsorganisationsrecht, 30. Aufl. 2018

- Gröpl, Staatsrecht I, 10. Auflage 2018

Vorlesung Grundkurs Staatsrecht I für Juristen

Vorlesung Grundkurs Staatsrecht I für Juristen Arbeitsmaterialien 2/4 3. Fallbücher Degenhart, Klausurenkurs im

Arbeitsmaterialien 2/4

3. Fallbücher Degenhart, Klausurenkurs im Staatsrecht I, 4. Aufl. 2016

außerdem:

Fallbearbeitungen in den Ausbildungszeitschriften JuS, Jura und JA

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Vorlesung Grundkurs Staatsrecht I für Juristen Arbeitsmaterialien 3/4 4. Grundgesetz-Kommentare (jeweils aktuellste

Arbeitsmaterialien 3/4

4. Grundgesetz-Kommentare (jeweils aktuellste Auflage)

Dreier; Sachs; Maunz/Dürig; Bonner Kommentar; Berliner

Kommentar; von Münch/Kunig; Jarass/Pieroth;

von Mangoldt/Klein/Starck

5. Handbücher (jeweils mehrbändig)

- Isensee/Kirchhof, Handbuch des Staatsrechts der Bundesrepublik Deutschland, 3. Aufl.

- Stern, Staatsrecht, 1. bzw. 2. Aufl.

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Vorlesung Grundkurs Staatsrecht I für Juristen Arbeitsmaterialien 4/4 6. Rechtsprechung - Amtliche Sammlung der

Arbeitsmaterialien 4/4

6. Rechtsprechung

- Amtliche Sammlung der Entscheidungen des

Bundesverfassungsgerichts (BVerfGE)

- Schwabe, Entscheidungen des Bundesverfassungsgerichts, Studienauswahl - Nachschlagewerk der Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts, 4 Bde., Loseblatt

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Vorlesung Grundkurs Staatsrecht I für Juristen RECHT Privatrecht: Öffentliches Recht: Strafrecht: Bindung des
RECHT Privatrecht: Öffentliches Recht: Strafrecht: Bindung des Staates und der handelnden Akteure Bez. zw. Rechts-
RECHT
Privatrecht:
Öffentliches Recht:
Strafrecht:
Bindung des Staates
und der handelnden
Akteure
Bez. zw. Rechts-
subjekten;
Privatautonomie
des Einzelnen
Teil des
Öffentl. Rechts,
aber verselbständigt
STAATSRECHT
Verwaltungsrecht

Vorlesung Grundkurs Staatsrecht I für Juristen

Vorlesung Grundkurs Staatsrecht I für Juristen ÖFFENTLICHES RECHT = Gesamtheit aller Rechtsnormen, die ausschließlich

ÖFFENTLICHES RECHT

= Gesamtheit aller Rechtsnormen, die ausschließlich einen Träger öffentlicher Gewalt als solchen berechtigen oder verpflichten

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Vorlesung Grundkurs Staatsrecht I für Juristen STAATSRECHT 1/3 …meint:  Rechtsnormen, die die Grundlagen des

STAATSRECHT 1/3 …meint:

Rechtsnormen, die die Grundlagen des Staates, den Aufbau und die Tätigkeit der obersten Staatsorgane regeln

Staatsorganisationsrecht

sowie die grundlegenden Rechte gegenüber dem Staat festlegen Schutz- und Abwehrrechte ggü. dem Staat Grundrechte, Art. 1-19 GG

Staatsrecht umfasst das Verfassungsrecht sowie das dieses ergänzende einfache Recht (Parteiengesetz,

Bundeswahlgesetz, Bundesverfassungsgerichtsgesetz usw.)

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Vorlesung Grundkurs Staatsrecht I für Juristen STAATSRECHT 2/3  nähere Regelung bestimmter staatsrechtlicher

STAATSRECHT 2/3

nähere Regelung bestimmter staatsrechtlicher Bereiche erfolgt durch

GESETZ = Parlamentsgesetz! sog. formelles Gesetz

erfordern zwingend z.B. Art. 21 III, 38 III, 41 III, 45b Satz 2, Art. 45c II,

Art. 54 VII, Art. 94 II 1 GG; s. ferner Abgeordnetengesetz, Bundesministergesetz, Parlamentsbeteiligungsgesetz, Parl. Untersuchungsausschussgesetz

RECHTSVERORDNUNG, s. Art. 80 GG, z.B. BWahlO auf Grundlage des § 52 BWahlG

GESCHÄFTSORDNUNGEN (insbes. GeschO BT auf Grundlage des Art. 40 I 2 GG) = organinterne Regelungen

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Vorlesung Grundkurs Staatsrecht I für Juristen STAATSRECHT 3/3 … und andere Disziplinen:  Staats recht

STAATSRECHT 3/3 … und andere Disziplinen:

Staatsrecht beschäftigt sich mit den geltenden, den Staat

betreffenden Rechtsnormen der Bundesrepublik Deutschland,

insbes. mit dem Grundgesetz

(allgemeine) Staatslehre beschäftigt sich allgemein mit den Erscheinungsformen des Staates unabhängig von bestimmten Rechtsnormen, die einen konkreten Staat verfassen

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Vorlesung Grundkurs Staatsrecht I für Juristen VERFASSUNG  … im formellen Sinn = alle Rechtsnormen, die

VERFASSUNG

im formellen Sinn = alle Rechtsnormen, die in der Verfassungsurkunde (im Grundgesetz) enthalten sind

… im materiellen Sinn = rechtliche Grundordnung des

Gemeinwesens im Sinne einer politischen Einheit

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Vorlesung Grundkurs Staatsrecht I für Juristen Besonderheiten des Verfassungsrechts 1/4 Wie wird die Verfassung

Besonderheiten des Verfassungsrechts 1/4 Wie wird die Verfassung erlassen?

originär durch den pouvoir constituant = verfassungsgebende

Gewalt; vorverfassungsrechtliche Größe!

i.d.R. durch das Volk - z.B. durch Wahl einer verfassungsgebenden Versammlung - ggf. Bestätigung durch

Volksentscheid (vgl. für das GG: Art. 144 GG)

zu unterscheiden von: pouvoir constitué = verfasste Gewalt = die an die Verfassung gebundene Gewalt die Verfassungsänderung ist unter Geltung des GG an die dafür vorgesehenen Regeln (Art. 79 GG) gebunden und somit dem pouvoir constitué zuzuordnen; Aktivierung des pouvoir constituant hingegen nur in

Sondersituationen (revolutionärer Akt oder Bildung eines

europäischen Bundesstaats (BVerfGE 123, 267 (332))

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Vorlesung Grundkurs Staatsrecht I für Juristen Besonderheiten des Verfassungsrechts 2/4 Welchen Rang hat die Verfassung

Besonderheiten des Verfassungsrechts 2/4

Welchen Rang hat die Verfassung innerhalb der staatlichen Rechtsordnung? alle Gesetze, Verwaltungsakte und Gerichtsentscheidungen müssen mit dem Grundgesetz in Einklang stehen, Art. 20 III, Art. 1 III GG die Verfassung geht also auch den späteren einfachen Gesetzen vor = sog. Vorrang der Verfassung

Verfassung (Grundgesetz)

vor = sog. Vorrang der Verfassung Verfassung (Grundgesetz) einfaches Gesetzesrecht übrige, unter den Gesetzen stehende

einfaches Gesetzesrecht

Verfassung Verfassung (Grundgesetz) einfaches Gesetzesrecht übrige, unter den Gesetzen stehende Normen (Verordnungen,

übrige, unter den Gesetzen stehende Normen (Verordnungen, Satzungen)

Unvereinbarkeit mit GG = Verfassungswidrigkeit = Norm ist nichtig

(§§ 78 S.1, 82 Abs. 1, 95 Abs.3 BVerfGG)

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Vorlesung Grundkurs Staatsrecht I für Juristen Besonderheiten des Verfassungsrechts 3/4 Wie kann die Verfassung

Besonderheiten des Verfassungsrechts 3/4

Wie kann die Verfassung geändert werden?

erhöhte Bestandsfestigkeit (Änderungsfestigkeit) der

Verfassung

Änderung durch Gesetz, aber zusätzliche Anforderungen:

- qualifizierte Mehrheit: 2/3-Mehrheit der Mitglieder (!) des

Bundestags und der Stimmen (!) des Bundesrats, Art. 79 II GG - ausdrückliche Änderung des Texts nötig, Art. 79 I 1 GG - gar keine Änderung bestimmter Grundsätze möglich, sog. Ewigkeitsgarantie, Art. 79 III GG

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Vorlesung Grundkurs Staatsrecht I für Juristen Besonderheiten des Verfassungsrechts 4/4 Können Normen der Verfassung

Besonderheiten des Verfassungsrechts 4/4 Können Normen der Verfassung analog angewendet werden?

Was ist analoge Anwendung?

- planwidrige Regelungslücke: Sachverhalt ist unbewusst nicht

geregelt - vergleichbare Interessenlage: Rechtsfolge einer anderen Norm wird übertragen, da die Wertung die gleiche ist

für das Grundgesetz herrschende Meinung (h.M.):

Analogie nicht möglich Grund: Spielregeln müssen vor Beginn des Spiels feststehen

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Vorlesung Grundkurs Staatsrecht I für Juristen VERFASSUNGSAUSLEGUNG 1/5  „Eine Verfassung muss kurz und dunkel

VERFASSUNGSAUSLEGUNG 1/5

„Eine Verfassung muss kurz und dunkel sein.“

eindeutige und nicht eindeutige Fälle

Beispiel für Auslegung:

Art. 22 II GG: „Die Bundesflagge ist schwarz-rot-gold.“

22 II GG: „Die Bundesflagge ist schwarz -rot- gold.“ Frage: Wie ist der Vorschrift zu entnehmen,

Frage: Wie ist der Vorschrift zu entnehmen, welche

Flaggengestaltung gemeint ist?

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Vorlesung Grundkurs Staatsrecht I für Juristen VERFASSUNGSAUSLEGUNG 2/5  allgemeine Auslegungsmethoden: - Wortlaut

VERFASSUNGSAUSLEGUNG 2/5

allgemeine Auslegungsmethoden:

- Wortlaut der Norm

- Systematik

- Entstehungsgeschichte/historische Auslegung

- Sinn und Zweck („Teleologie“)

besondere Methoden der Verfassungsinterpretation

- Staatspraxis

- Rechtsvergleichung

- Prinzip der Einheit der Verfassung

Beachte: verfassungskonforme Auslegung ist nicht Auslegung der

Verfassung

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Vorlesung Grundkurs Staatsrecht I für Juristen VERFASSUNGSAUSLEGUNG 3/5  Wortlaut der Norm = Frage nach dem

VERFASSUNGSAUSLEGUNG 3/5

Wortlaut der Norm = Frage nach dem Wortsinn der gesetzlichen Ausdrücke Beachte aber Sprachästhetik des Grundgesetzes: identische Begriffe können verschiedene Bedeutungen haben, z.B. „verfassungsmäßige Ordnung“ in Art. 2 I GG, 9 II GG, 20 III GG!

Systematik = Frage nach dem Kontext der Norm:

In welchem Abschnitt steht eine Norm? Amtliche Überschrift?

Welche Regelungen sehen andere Normen vor?

(Kollision von Grundrechten)

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Vorlesung Grundkurs Staatsrecht I für Juristen VERFASSUNGSAUSLEGUNG 4/5  Entstehungsgeschichte = Frage nach

VERFASSUNGSAUSLEGUNG 4/5

Entstehungsgeschichte = Frage nach Regelungsabsicht und Blick auf historische Voraussetzungen, z.B. Vorläuferregelungen - Historische Auslegung bedeutsam vor allem bei der Bestimmung der Zuständigkeitsbereiche (Kompetenznormen)

- Relevanz verblasst weiter mit stärkerem Alter

- Relevanz verblasst weiter mit stärkerem Alter Falllösung: historische Auslegung Beachte: - nicht allein

Falllösung: historische Auslegung

Beachte:

- nicht allein maßgeblich, kann nur Anhaltspunkte bieten

- Blick auf den objektivierten Willen des Gesetzgebers

- subjektive Vorstellungen Einzelner am Gesetzgebungsverfahren Beteiligter sind nicht maßgeblich

- keine Motiverforschung für Abstimmungsverhalten!

Sinn und Zweck („Teleologie“) Was ist das Ziel einer Regelung? („ratio legis“)

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Vorlesung Grundkurs Staatsrecht I für Juristen VERFASSUNGSAUSLEGUNG 5/5  Staatspraxis  problematisch:

VERFASSUNGSAUSLEGUNG 5/5

Staatspraxis

problematisch: Staatshandeln ist grundsätzlich Gegenstand, nicht Maßstab der verfassungsgerichtlichen Prüfung; Bsp.: Vertrauensfrage

Rechtsvergleichung

Bsp.: Unmittelbarkeit der Wahl: Wahlrechtsgrundsätze, die andere Länder nicht kennen, können nicht zum änderungsfesten Kern - Art. 79 III GG - des Demokratieprinzips zählen

Prinzip der Einheit der Verfassung Vermeidung von Widersprüchen in der Verfassung Lösung im Sinne praktischer Konkordanz:

Bsp.: Kollision von Grundrechten, etwa Kunstfreiheit gegen allgemeines

Persönlichkeitsrecht

Vorlesung Grundkurs Staatsrecht I für Juristen

Vorlesung Grundkurs Staatsrecht I für Juristen zur Vertiefung: Maurer, § 1; Degenhart, Rn1-22; Gröpl, Rn. 76-216;

zur Vertiefung:

Maurer, § 1; Degenhart, Rn1-22; Gröpl, Rn. 76-216; Ipsen, § 1;