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D Untersuchung und Nachweisführung auflagernah

ausgeklinkter BSH/BSP-Plattenbalkenquerschnitte
M. Augustin, S. E. Zimmer

Dipl.-Ing. Manfred Augustin

1989-2004 Diplomstudium Bauingenieurwesen an der


Technischen Universität Graz, Vertiefung Holzbau
1998-2001 Wissenschaftlicher Mitarbeiter bei Lignum Research, e. V. für
Holzforschung, Graz
2001-2004 Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Stahlbau,
Holzbau und Flächentragwerke, Technische Universität Graz
2004-2008 Wissenschaftlicher Assistent am Institut für Holzbau und
Holztechnologie, Technische Universität Graz
seit 10/2008 Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Kompetenzzentrum holz.bau
forschungs gmbh, Graz
seit 02/2013 Geschäftsführer der holz.bau forschungs gmbh, Graz

Dipl.-Ing. Severin E. Zimmer, BSc

2006-2009 Bachelorstudium „Bauplanung und Bauwirtschaft“


an der FH Joanneum, Graz
2009-2013 Masterstudium „Bauingenieurwissenschaften – Konstruktiver
Ingenieurbau“ an der Technischen Universität Graz
2011-2012 Studienassistent / Projektmitarbeiter am Institut für Hochbau an
der Technischen Universität Graz
seit 2013 Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Kompetenzzentrum
holz.bau forschungs gmbh

D-1 2. Klagenfurter Holzbau-Fachtagung


1 Einleitung

1 Einleitung
In den beiden letzten Jahrzehnten wurde der Holzbau durch die Entwicklung von innovativen und
gleichzeitig wirtschaftlichen Produkten und Verbindungstechniken geprägt. Weiters konnte ein
verstärkter Trend hin zu, mit hohem Vorfertigungsgrad hergestellten, Komponenten und Modulen
beobachtet werden. Insbesondere die Entwicklung des Produktes Brettsperrholz sowie der einfach
einzubringenden und hochleistungsfähigen selbstbohrenden Voll- und Teilgewindeholzbauschrauben
führten zu neuen, technisch und wirtschaftlich effizienten Möglichkeiten des Bauens mit Holz. So ist
mittlerweile ist die Errichtung von bis zu 10-geschoßigen Wohn- und Bürobauten aus Holz und
Holzprodukten längst keine Seltenheit mehr. Die angesprochenen Entwicklungen führten aber auch zu
Veränderungen und neuen Herausforderungen in der Bemessung und Nachweisführung, die von den
bemessenden Ingenieuren bewältigt und gehandhabt werden müssen.
Im inhaltlichen Kontext dieses Beitrages besteht insbesondere die Erfordernis Deckenkonstruktionen
mit immer größeren Spannweiten auszuführen. Die Nachweisführung derartiger lastabtragender
Bauteile ist im Allgemeinen durch Anforderungen an die Gebrauchstauglichkeit determiniert, d. h. es
sind für die Einhaltung der Grenzwerte der Durchbiegungen und Schwingungen hohe (Biege-)
Steifigkeiten erforderlich, während die Tragfähigkeit nur in seltenen Fällen bemessungsrelevant wird.
Lediglich in speziellen Fällen, wie z. B. punktgestützten Platten wird die Tragfähigkeit für die
Dimensionierung maßgebend. Obwohl mit den flächenförmig lastabtragenden, großformatigen BSP-
Platten problemlos Spannweiten von 6 m und mehr ausgeführt werden können, ist es aus
wirtschaftlichen Gründen ratsam dazu auch den Einsatz alternativer Konstruktionssysteme in
Erwägung zu ziehen. Abgesehen von Holz-Beton-Verbunddecken oder unterspannten Systemen bietet
sich zu diesem Zweck die Ausführung von, sowohl ökonomisch als auch vom Materialeinsatz her
günstigen, Rippen- oder Kastenquerschnitten an. Diese bestehen aus ein bzw. zwei plattenförmigen
Deckelementen und damit verbundenen stabförmigen Rippen.
Für die Ausführung dieser Tragelemente sind allgemein zwei Möglichkeiten gebräuchlich: Zum einen
werden die, für Auflagerungen der Rippen erforderlichen, Aussparungen aus der darunterliegenden
Wand ausgeschnitten und die Rippen entsprechend aufgelagert oder die Deckenelemente werden an
die aufgehende Wand angeschlossen. Nachteilig ist in diesem Fall der hohe Arbeitsaufwand, das
Entstehen problematischer Situationen in bauphysikalischer Hinsicht (z. B. Schallschutz) sowie
fehlende bzw. umständliche Möglichkeiten für die Leitungsführung der Haustechnik quer zur
Rippenrichtung. Um die angesprochenen Probleme zu vermeiden und, insbesondere aus
wirtschaftlichen und weiteren technischen Gründen, ist es zum andererseits sinnvoller die Rippen in
einem Abstand kurz vor den angrenzenden Wänden im auflagernahen Bereich enden zu lassen.
Obwohl im Vergleich zu den entsprechend ausgeführten Bauteilen mit Vollholz und BSH einige
Unterschiede in der mechanischen Betrachtung bestehen, wird das dabei auftretende
Konstruktionsdetail im Weiteren dieses Beitrags als “Ausklinkung” (der Rippenplatte) bezeichnet.
Aus mechanischer Sicht tritt in der Umgebung dieses Details ein komplexer Spannungszustand mit
hohen Schub- und Querzugspitzen auf. Insbesondere um Letztere zu minimieren, und damit
wirtschaftliche Lösungen herstellen zu können, sind Rippenplatten im Bereich der Ausklinkung daher
jedenfalls zu verstärken. Zu diesem Zweck bietet sich der Einsatz von Vollgewindeschrauben
und/oder eingeklebten Gewindestangen an. Grundsätzlich können aber auch andere geeignete
Verbindungstechniken Verwendung finden.
Im Rahmen des vorliegenden Beitrages werden durchgeführte Prüfungen an ausgeklinkten BSP-BSH-
Rippenplatten sowie an BSP-Stahltrapezblech-Verbundelementen geschildert. Weiters wird ein
Vorschlag zur mechanischen Berechnung des Ausklinkungsdetails vorgestellt. Damit ist es möglich,
die auftretenden Schub- und Querzugspannungen in der Klebefuge zu berechnen und die

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Kapitel D: Untersuchung und Nachweisführung auflagernah ausgeklinkter
BSH/BSP-Plattenbalkenquerschnitte

Bauteilbemessung durchzuführen. Erwähnt werden muss in diesem Zusammenhang, dass die


zugehörige (normative) Nachweisführung noch in Bearbeitung steht.

2 Stand der Technik

2.1 Herstellung von Rippenplatten


Die Herstellung von Rippenplatten können verschiedene Holzbauprodukte Verwendung finden (z. B.
Vollholz, Brettschichtholz (BSH) und stabförmigen Holzwerkstoffen für die Rippen und
Brettsperrholz (BSP), Furniersperrholz- und anderen Holzwerkstoffprodukten für die Platte). Auf
Grund der erforderlichen Verbindungssteifigkeit bzw. des hohen Verschiebungsmoduls (Kser) in der
Verbindungsfuge sollten die beiden Komponenten aus Wirtschaftlichkeitsgründen verklebt werden.
Obwohl dazu prinzipiell auch andere Verbindungsvarianten und -mittel (z. B. mechanische
Verbindungsmittel wie Holzbauschrauben, Dübel besonderer Bauart, etc.) angewendet werden
können, ist in einem solchen Fall von massiven Einbußen der mechanischen Leistungsfähigkeit
auszugehen.
Die Verklebung der Fügeteile kann mit hydraulischen Pressen oder Vakuumpressen erfolgen. In der
Praxis wird jedoch zumeist eine Schraubpressverklebung, in selteneren Fällen eine
Nagelpressverklebung, gewählt. Erfahrungsgemäß stellen sich bei der Verklebung bei Einhaltung der
üblichen Randbedingungen für Verklebungen von Holzbauteilen keine Probleme ein. Im Vergleich zur
Produktion von z. B. BSH ist bei der Produktion von Rippenplatten jedoch verstärktes Augenmerk auf
die Ebenheit der zu verklebenden Bauteile (Empfehlung: ∆d ≤ 0,3 mm) sowie die Verwendung von
geraden und unverwundenen Rippen bzw. Plattenbauteilen zu legen. Kann die erwähnte Toleranz-
abmessung in der Klebefuge nicht eingehalten werden, sind sog. “fugenfüllende” Klebstoffe (mit
Fugendicken bis zu 2 mm) zu verwenden. In jedem Fall sind die Verarbeitungsrichtlinien des
jeweiligen Klebstoffes bzw. der Klebstoffhersteller einzuhalten.

2.2 Berechnung von Verbundquerschnitten im Holzbau


Aus mechanischer Sicht sind Rippenplatten als Verbundquerschnitte zu betrachten. Deren Berechnung
und Nachweisführung hat im Holzbau, insbesondere in Europa, eine lange Tradition, sodass dazu viel
an Erfahrung und entsprechendes Know-How vorliegt. Unter den vielen Publikationen zur
Berechnung von, aus nachgiebig verbundenen Einzelquerschnitten aufgebauten, Verbundquerschnitten
ist aus der Vergangenheit insbesondere der Beitrag von K. Möhler, TH Karlsruhe hervorzuheben, der
im Rahmen seiner Dissertation [1] die Basisarbeit zur Etablierung des sog. „γ“-Verfahrens (siehe
Anhang B in der europäischen Konstruktions- und Berechnungsnorm EN 1995-1-1) entwickelte.
Weitere maßgebende Beiträge zum Thema kamen von R. Pischl, TU Graz [2], W. Schelling, TH
Karlsruhe [3] und B. Heimeshoff, TU München [3]. Zusammenfassend befassten sich die erwähnten
Arbeiten mit der Beschreibung des Verbundes von, aus Einzelquerschnitten zu Bauteilen mit größeren
Abmessungen und entsprechend höherer Tragfähigkeit aufgebauten, Verbundquerschnitten. Zur
Fügung der Einzelteile wurden die damals bekannten mechanischen, und damit nachgiebigen,
Verbindungsmitteln herangezogen. Für diese Konfiguration wurden praxisnahe und zuverlässige
Berechnungsmethoden für stabförmige (1D) Bauteile entwickelt, die damit seither sicher berechnet
und hergestellt werden konnten.
Für den Bereich der Berechnung plattenförmiger (2D) Holzbauteile waren, unter vielen anderen, die
Arbeiten von H. Kreuzinger, TU München (Schubanalogieverfahren) [5] und G. Schickhofer, TU Graz
(Grundlagen für die Berechnung geschichteter 2D-Holzbauelemente, z. B. für BSP) [6] wegweisend.
Obwohl auf die genannten Arbeiten im weiteren dieses Beitrags nicht im Detail eingegangen wird,

D-3 2. Klagenfurter Holzbau-Fachtagung


3 Erfahrungswerte ausgeführter Rippenplatten in der Praxis

bilden diese die Basis für die angestellten weiteren Betrachtungen, sodass deren Studium für ein
tieferes Verständnis des Inhaltes empfohlen werden kann.

2.3 Berechnung der Beanspruchungen in Ausklinkungen


Wie für den Nachweis von nachgiebig verbundenen Verbundbauteilen aus Holz sind auch für die
Berechnung von Ausklinkungen zahlreiche wissenschaftliche Publikationen bekannt.
Mistler [7] und Henrici [8] konzentrierten sich im Rahmen ihrer Arbeiten auf die Entwicklung von
Lösungen zur Berechnung der Querzugspannungen im Bereich der Ausklinkungen und
berücksichtigten dabei den Größeneinfluss sowie jenen der Orthotropie auf die Tragfähigkeit dieses
Detailpunktes. Gustafsson [9] analysierte die Spannungen im Bereich der Ausklinkungen mit Hilfe
von bruchmechanischen Ansätzen und definierte die Grundlage für das aktuell gültige, in EN 1995-1-1
festgelegte, Nachweisverfahren. In seiner Dissertation untersuchte Jockwer [10] das mechanische
Verhalten im Bereich von Ausklinkungen mit verschiedenen Modellannahmen. Insbesondere wurde
die Interaktion der auftretenden Schub- und Querzugbeanspruchungen mit Hilfe bruchmechanischer
Ansätze im Detail ausgearbeitet und Bemessungsvorschläge unterbreitet. In diesem Zusammenhang
soll abschließend erwähnt werden, dass die Nachweisführung des kombinierten Auftretens von
Spannungen (Schub und Querzug) in der Ausklinkung vereinfacht über einen formalen Schubnach-
weis erfolgt.

3 Erfahrungswerte ausgeführter Rippenplatten in der Praxis


Als Kombination von BSP und BSH hergestellte Rippenplatten werden seit rund 15 Jahren erfolgreich
in der Praxis eingesetzt. Daneben konnten sich Aufführungsvarianten mit Holzwerkstoffplatten und
-stäben, insbesondere als Kastenquerschnitte ausgeführt, etablieren, auf die jedoch in diesem Beitrag
nicht näher eingegangen wird.
Zur Gewinnung eines Überblicks für die konstruktive Ausführung werden an dieser Stelle lediglich
Erfahrungswerte zu üblicherweise ausgeführten geometrischen Verhältnissen und Abmessungen für
BSP-BSH-Rippenplatten angegeben. Diese sind als Richtwerte zu verstehen.
- (übliche) Spannweiten: 6 bis 15 m
- Gesamthöhe zu Spannweite: 1:14 bis 1:25
- Verhältnis Höhe Platte zu Höhe Rippe: 1:2 bis 1:5
- übliche BSP-Aufbauten und Dicken: 3- bis 5-schichtig; tBSP = 80 bis 150 mm
- übliche BSH-Querschnitte: b/h = 120 mm bis 200/200 bis 600 mm
- Abstand der Rippen: s = 500 mm bis 1.200 mm

2. Klagenfurter Holzbau-Fachtagung D-4


Kapitel D: Untersuchung und Nachweisführung auflagernah ausgeklinkter
BSH/BSP-Plattenbalkenquerschnitte

4 Prüfungen an bauteilgroßen ausgeklinkten Rippenplatten

4.1 Allgemeines
Im Vorfeld der nachfolgenden theoretischen Betrachtungen zur Bemessung von ausgeklinkten
Rippenplatten wurden im Rahmen des FFG COMET K-Projektes „focus_solid_timber_solutions
(focus_sts)“, Arbeitspaket 1.2.2 an der holz.bau forschungs gmbh in Graz bzw. im Bautechnikzentrum
der TU Graz bauteilgroße Prüfungen an diesen Bauteilen durchgeführt, die, nachdem keine
prüftechnischen Erfahrungen mit Rippenplatten vorlagen bzw. aus der Literatur bekannt waren, neben
dem allgemeinen Tragverhalten insbesondere das Potential verschiedener Ausführungsvarianten der
Ausklinkungsverstärkung aufzeigen sollten. Diese Prüfungen wurden als bauteilgroße Prüfungen mit
praxisnahen Abmessungen durchgeführt, um die auftretenden Effekte möglichst realitätsnah abbilden
zu können und Einflüsse durch Größeneffekte u. a. bestmöglich zu vermeiden. Ausgelegt wurden die
Prüfkörper für eine äquidistante 4-Punkt-Biegeprüfung mit einer Spannweite von 6 m. Als
Verstärkungsmaßnahmen wurden zum einen eingeklebte Gewindestangen und zum anderen
selbstbohrende Vollgewindeschrauben mit Neigungen gegen die Faserrichung der Rippe von α = 30°
und α = 45° verwendet.

4.2 Beschreibung der Prüfkörper


Die Gurtplatte aller 20 geprüften Rippenquerschnitte bestand jeweils aus 3-schichtigen BSP-
Elementen mit gleichen Schichtdicken und hatte die Abmessungen L/B/H = 6.500/800/120 mm. Als
Rippe wurde ein BSH-Balken der Festigkeitsklasse GL24h mit einem Querschnitt von
b/h = 120/240 mm jeweils entlang der Mittelachse der Platten mit dem Klebstoff PURBOND
HBS 359 auf das BSP-Element aufgeklebt (Abb. 4.1 und Abb. 4.2). Die BSH-Träger wurden fertig
abgelängt, gehobelt und mit einer werkseitig gefrästen Fase (2,5/2,5 mm) an den BSH-Kanten
geliefert. Bei fünf Prüfkörpern (Referenz ohne Ausklinkung) war die Länge der BSH-Rippe gleich
jener des BSP-Elementes. Auf den restlichen 15 Prüfkörpern wurde jeweils eine BSH-Rippe mit einer
Länge von 5,75 m mittig aufgeklebt. Bei einem Auflagerabstand der Prüfkonfiguration von 6 m ergab
sich so für die kürzeren, ausgeklinkten Rippen ein Abstand von Rippenende zur Achse der
Auflagerlinie von a = 125 mm.
Für die Manipulation in der Prüfhalle wurden vier Löcher mit dem Durchmesser Ø = 30 mm in das
BSP-Element gebohrt, an denen die Prüfkörper angeschlagen werden konnten (vgl. Abb. 4.1 und Abb.
4.2).

Abb. 4.1: Geometrie der Prüfkörper – ohne Ausklinkung

D-5 2. Klagenfurter Holzbau-Fachtagung


4 Prüfungen an bauteilgroßen ausgeklinkten Rippenplatten

Abb. 4.2: Geometrie der Prüfkörper – mit Ausklinkung

4.3 Vorbemessung
Unter Annahme eines starren Verbundes zwischen dem BSH- und BSP-Bauteile ergibt sich für das
Rippenelement eine rechnerische Biegesteifigkeit von (EI)ef = 9,25·108 Nmm², bei einem Abstand
der neutralen Faser ys = 118 mm von der Oberkante der Gurtplatte (BSP). Als
Vergleichselastizitätsmodul wurde jener des BSP-Elementes mit EBSP = 11.000 N/mm² in der
Vorbemessung berücksichtigt.
Für den maßgebenden Versagensfall des Rippenelementes, mit Ausnahme der Prüfkörper mit
Ausklinkung, errechnete sich ein Biegebruch der BSH-Zuglamelle bei einem charakteristischern Wert
der Prüfkraft von Fk = 87,3 kN. Unter Berücksichtigung eines Variationskoeffizienten für die
Biegefestigkeit von COV = 20 % konnte die Prüfkraft auf dem 95 %-Quantilniveau zu F = 173 kN
abgeschätzt werden.
Die 15 Prüfkörper mit Ausklinkung wurden in fünf Serien zu je drei Stück unterteilt. Eine Serie wurde
als Referenz unverstärkt geprüft, während eine weitere Serie mit normal zur Faserrichtung
eingeklebten Gewindestangen versehen wurde. Selbstvorbohrende Vollgewindeschrauben mit
unterschiedlichen Gruppengrößen und Eindrehwinkeln wurden als Verstärkungsmaßnahme für die
restlichen drei Serien verwendet.
Auf charakteristischem Niveau ergibt sich im ausgeklinkten Bereich bei einer Prüfkraft von
F = 87,3 kN eine Querkraft von V = 43,7 kN. Angelehnt an Glg. (3) und unter Berücksichtigung des
empirischen Faktors von 1,3 ergibt sich die, von der Verstärkung zu übertragende Kraft, zu
Ft,90 = 36,1 kN. Anhand dieser Kraft wurden die Verstärkungsmaßnahmen bemessen, welche in Tab.
4.1 wiedergegeben sind. Der limitierende Faktor war dabei jeweils die Dicke des BSP-Gurtes und
die damit verbundene Einbindelänge. Die mittleren Widerstandswerte der Verbindungsmittel
wurden, ausgehend vom charakteristischen Wert, unter der Annahme eines Variationskoeffizienten
von COV = 5 % für die eingeklebten Gewindestangen und COV = 10 % für die Schraubverbindungen
abgeschätzt.

2. Klagenfurter Holzbau-Fachtagung D-6


Kapitel D: Untersuchung und Nachweisführung auflagernah ausgeklinkter
BSH/BSP-Plattenbalkenquerschnitte

Tab. 4.1: gewählte Verstärkungsmaßnahmen und berechnete Kraft beim Versagen auf Ausziehen

Verbindungsmittel Ausführung Widerstand der Verbindungsmittelgruppe [kN]

eingeklebte Gewindestangen 2 x M12/8.8


Rax,k,vertikal = 33,2 kN; Rax,mean,vertikal = 36,2 kN
(Klebstoff Purpond® CR 421) Z-9.1-707
Geneigte Vollgewindeschrauben 45° 4 x Ø8,0/450 mm Rax,k,horizontal = 42,8 kN; Rax,mean,horizontal = 51,6 kN
ETA 12/0373 Rax,k,vertikal = 42,8 kN; Rax,mean,vertikal = 51,6 kN
Geneigte Vollgewindeschrauben 45° 2 x Ø8,0/450 mm Rax,k,horizontal = 21,4 kN; Rax,mean,horizontal = 25,8 kN
ETA 12/0373 Rax,k,vertikal = 21,4 kN; Rax,mean,vertikal = 25,8 kN
Geneigte Vollgewindeschrauben 30° 4 x Ø8,0/600 mm Rax,k,horizontal = 59,6 kN; Rax,mean,horizontal = 71,6 kN
ETA 12/0373 Rax,k,vertikal = 34,4 kN; Rax,mean,vertikal = 41,3 kN

4.4 Ausführung der Verstärkung im Bereich der Ausklinkung


Basierend auf den Ergebnissen der Vorbemessung (Abschnitt 4.3) und unter Anwendung der
Mindestabstände der ÖNORM EN 1995-1-1 [11] sind die Positionen der gewählten
Verstärkungsmaßnahmen in Abb. 4.3 wiedergegeben.

Abb. 4.3: Anordnung und Abmessungen der Verstärkungen bei den ausgeklinkten Auflagern (Abmessungen in mm)

D-7 2. Klagenfurter Holzbau-Fachtagung


4 Prüfungen an bauteilgroßen ausgeklinkten Rippenplatten

4.5 Messkonfiguration
Neben der lokalen und der globalen Durchbiegung des Rippenelementes wurden im Bereich beider
Ausklinkungen zusätzlich die vertikalen und horizontalen Verformungen mit induktiven
Wegaufnehmern der Fa. Hottinger Baldwin Messtechnik (HBM) erfasst. Die vertikalen Verformungen
wurden auf beiden Seiten der BSH-Rippe in einem Abstand von 35 mm zur Ausklinkungskante
gemessen, während dies für die horizontale Verformung nur auf einer Seite erfolgte.

4.6 Prüfergebnisse
In Tab. 4.2 werden die Ergebnisse der einzelnen Prüfkonfigurationen zusammengefasst und für die
einzelnen Serien der Mittelwert, die Standardabweichung, der Variationskoeffizient, der
normalverteilte, und für die Festigkeitswerte, der charakteristische Wert gemäß
ÖNORM EN 14358:2007 [12] ausgewiesen.
Bei der 4-Punkt-Biegeprüfung zeigten die Referenzversuche ohne Ausklinkung, dass die
Prüfergebnisse mit den Werten der Vorbemessung gut übereinstimmte und demnach im Mittel bei
einer Gesamtlast von rund F = 120 kN ein Versagen auf Biegezug auftrat. Als mittlere Biegefestigkeit
wurde ein Wert von fm,mean = 30,9 N/mm² und als charakteristische Biegespannung ein Wert von
fm,k = 25,3 N/mm² erreicht.
Vergleichend wurde eine Referenzkonfiguration mit unverstärkter Ausklinkung geprüft. Diese
erreichte im Mittel eine maximale Kraft von F = 23,3 kN, was einer mittleren Biegefestigkeit von
fm mean = 6,11 N/mm² entspricht. Als Versagensform konnte durchgehend ein Querzugversagen der
ausgeklinkten Rippenenden festgestellt werden, wobei der Riss, bei ansonsten intakter Verklebung,
immer im Bereich der Verbindungsfuge zwischen BSP und BSH auftrat.
Beachtlich ist hier, dass trotz der theoretisch hohen Spannungsspitzen im Bereich der Ausklinkung
und dem geringen Widerstand des Holzes auf Querzug, bei gleichzeitig sprödem Bruchverhalten für
die geprüfte Konfiguration, dennoch ein mittleres Lastniveau von rund 20 % des nicht ausgeklinkten
Trägers erreicht werden konnte. Die Biegesteifigkeit der beiden Referenzkonfigurationen sowie aller
weiteren Prüfkonfigurationen variierte im Vergleich nur gering (COV < 6 %) und ergab einen
Referenzwert für den E-Modul, welcher im Mittel um rund 200 bis 450 N/mm² höher war als der, in
der Vorbemessung berücksichtigte E-Modul aus den Produktangaben. Ein Steifigkeitsverlust als Folge
der Querschnittsverminderung im Auflagerbereich (Ausklinkungen) konnte im Vergleich von lokalem
zu globalem Elastizitätsmodul zwar festgestellt werden, fiel jedoch vernachlässigbar gering aus.
Die Prüfkonfigurationen mit eingeklebten Gewindestangen und mit 2 x 45°-Verschraubung waren in
der Vorbemessung so ausgelegt, dass der mittlere Widerstand der Verstärkung gleich bzw. geringer
war als jener des charakteristischen Biegebruches des Rippenquerschnittes. Dennoch konnte bei
beiden Prüfkonfigurationen jeweils ein Biegebruch beobachtet werden. Das mittlere Lastniveau beim
Versagen auf Ausziehen der Verstärkungen lag bei 126 kN bzw. 95,3 kN. Dies entspricht in beiden
Fällen rund dem 1,4-fachen Widerstand des errechneten mittleren Widerstandes. Bei der 2x45°-
Verschraubung konnte in einem Fall ein Schubbruch bei einer Kraft von F = 84,1 kN (1,3-facher
mittlerer Widerstand der Bemessung) im Nahbereich der Klebefuge festgestellt werden. Obwohl pro
Prüfkonfiguration nur eine geringe Prüfkörperanzahl vorlag, jedoch zeigen die Ergebnisse der beiden
erwähnten Prüfserien, dass der Widerstand der eingesetzten Verbindungsmittel den
Bemessungswiderstand erheblich überschreiten kann.

2. Klagenfurter Holzbau-Fachtagung D-8


Kapitel D: Untersuchung und Nachweisführung auflagernah ausgeklinkter
BSH/BSP-Plattenbalkenquerschnitte

Tab. 4.2: statistische Daten der Biegeelastizitätsmodule und Festigkeiten je Prüfkonfiguration

D-9 2. Klagenfurter Holzbau-Fachtagung


4 Prüfungen an bauteilgroßen ausgeklinkten Rippenplatten

Die Ergebnisse der eingeklebten Gewindestangen zeigen auf, dass die Verstärkung der Ausklinkung
primär Querzugspannungen aufnehmen muss, um ein Öffnen der Klebefuge zu unterbinden. Bleibt die
Klebe- bzw. Schubfuge durch die Querzugverstärkung intakt, so kann der Schub über das Holz
abgetragen werden. Durch eine theoretische Analyse der Querzugspannungen im ausgeklinkten
Bereich kann die Position und Auslegung der anzubringenden Verstärkungen optimiert werden.
Mit einem charakteristischen Widerstand von Fk = 42,8 kN je Auflager lag die 4x45°-Verschraubung
in der Vorbemessung über der Last beim charakteristischen Biegebruch (36,1 kN je Ausklinkung). Bei
den Untersuchungen konnten nur Biegebrüche, und somit kein Versagen im Bereich der Ausklinkung
beobachtet werden. Die 4 x 30° Verschraubung mit dem größten rechnerischen Widerstand auf Schub
versagte folglich ebenfalls nur auf Biegung. Bei beiden Konfigurationen konnte lediglich ein geringes
Öffnen der Klebefuge am Anfang der Ausklinkung festgestellt werden (rund 1 bis 2 mm), jedoch trat
dabei kein Schubversagen ein.
In Tab. 4.3 sind die mittleren und charakteristischen Biegezugfestigkeiten mit den zugehörigen
Variationskoeffizienten angeführt. Zum Zweck einer besseren Vergleichbarkeit wurden die
Spannungen der Referenzserie ohne Ausklinkung als Bezugsbasis gewählt und das Verhältnis der
weiteren Prüfkonfigurationen in Prozent wiedergegeben. Abgesehen von der Prüfserie mit
unverstärkter Ausklinkung zeigt sich bei den mittleren Festigkeiten eine gute Übereinstimmung. Bei
den charakteristischen Werten kann, mit Ausnahme der 4 x 45° Verschraubung, ebenfalls von einer
guten Übereinstimmung gesprochen werden. Der Abfall der charakteristischen Festigkeit der
4 x 45° Verschraubung ist der geringen Prüfkörperanzahl in Kombination mit einem durch Druckholz
(Buchs) verursachten Biegebruch, bei vergleichsweise geringem Lastniveau geschuldet, was sich auch
im vergleichsweise hohen Variationskoeffizienten wiederspiegelt.
Tab. 4.3: Vergleich der mittleren und charakteristischen Biegefestigkeiten

Aus den vorangegangenen Abschnitten sowie Tab. 4.3 lässt sich ableiten, dass die Ausklinkungen mit
relativ geringem Aufwand verstärkt werden können und somit das Biege- bzw. Schubversagen des
Querschnitts maßgebend wird. Diesen Versagensfällen kann mit einer Optimierung der
Querschnittsgeometrie entgegengewirkt werden. Zudem bietet sich an, die Biegefestigkeit des
Querschnitts durch einen asymmetrischen Aufbau der BSH-Rippe zu erhöhen, indem am unteren
Zugrand Lamellen mit höherer Festigkeitsklasse eingesetzt werden. Der Einsatz von Hölzern mit
höherer Festigkeit oder Furnierschichtholz (z. B. Baubuche oder Kerto®) in der untersten Lamelle
wäre eine weitere mögliche Optimierungsvariante.

2. Klagenfurter Holzbau-Fachtagung D-10


Kapitel D: Untersuchung und Nachweisführung auflagernah ausgeklinkter
BSH/BSP-Plattenbalkenquerschnitte

5 Prüfungen mit ausgeklinkten Verbundquerschnitten aus BSP und


einem Stahltrapezblech [19]
Bei den Verbundquerschnitten handelt es sich um einen Verbund aus einem BSP-Element als
Druckgurt und einem Stahltrapezblech als Zuggurt, welche starr miteinander verklebt wurden. Ziel der
4-Punkt-Biegeprüfungen war es, die duktilen Eigenschaften dieser Hybridbauweise aufzuzeigen. Für
die Lagerung der 6 m langen Elemente wurde das Trapezprofil in den Auflagerbereichen ausgeklinkt,
wodurch auch Erkenntnisse in Bezug auf das mechanische Verhalten der BSP-BSH-Prüfkörper mit
Ausklinkung gewonnen werden konnten.

5.1 Beschreibung der Prüfkörper


Insgesamt wurden nach einem Vorversuch weitere drei Ausführungsvarianten von BSP-Trapezblech-
Verbund-Profilen (BSV) geprüft. Für den Vorversuch und die Ausführung III wurde ein 5-schichtiges
BSP-Element mit einer Aufbauhöhe von h = 136 mm eingesetzt, während für die je drei Prüfkörper
der Ausführung I und Ausführung II ein 3-schichtiges BSP-Element mit tBSP = 120 mm Aufbauhöhe
zur Anwendung kam. Als Trapezprofil für den Vorversuch und die Ausführung III wurde ein
gekantetes Profil mit vorgegebenen Querschnittsabmessungen bei einer Spenglerei in Auftrag
gegeben. Da marktübliche Trapezprofile gegenüber Sonderanfertigungen wirtschaftliche Vorteile
besitzen, wurde für die Ausführungen I und II die Eignung des Einsatzes für das Profils S 135/420 der
Firma Siegmetall GmbH untersucht. Die Blechdicke der Trapezprofile betrug in beiden Fällen
0,75 mm. Als Klebstoff zwischen Holz und Stahl wurde der Klebstoff PURBOND® HB S309
eingesetzt, dessen Zulassung zwar auf Holz-Holz-Verbindungen beschränkt ist, jedoch für die
Laborprüfungen ein ausreichendes Haftvermögen aufwies. Ausführung II und III bilden jeweils eine
Variante mit zusätzlicher Verstärkung am unteren Zugrand, aufbauend auf Ausführung I bzw. dem
Vorversuch. Aufgeklebt mit dem Klebstoff Sikadur®-30 Normal bestand die Verstärkungslamelle für
die Ausführung II aus Stahlblechen mit den Abmessungen h/b = 8/130 mm. Bei der Ausführung III
wurde eine Kohlefaserverstärkung (KFV) aus Sika® CarboDur® S614 (h/b = 1,4/60 mm) aufgeklebt.
(vgl. Abb. 5.1)

Abb. 5.1: Querschnittsabmessungen der verstärkten Ausführung II (links) und Ausführung III (rechts)

Bei sämtlichen Prüfkörpern wurde das Trapezprofil gemäß den Angaben in Abb. 5.2 an den
Auflagerenden ausgeklinkt. Die Schrauben dienten lediglich als Querzugsicherung, wofür diese mit
Unterlagsscheiben nahe der geneigten Stege des Trapezprofiles angeordnet wurden.

D-11 2. Klagenfurter Holzbau-Fachtagung


5 Prüfungen mit ausgeklinkten Verbundquerschnitten aus BSP und einem Stahltrapezblech [19]

Abb. 5.2: Abmessungen der ausgeklinkten Auflager für die Prüfkörper (Verstärkungslamellen nicht eingezeichnet);
inkl. Querschotts im linken Auflagerbereich; die Abmessungen des Prüfkörpers für den Vorversuch und
Ausführung III unterscheiden sich nur in der Höhe des Trapezprofiles (links); abgeschrägte Ausklinkung mit
Querzugsicherung des Vorversuches (rechts)

5.2 Vorbemessung
Bemessungsrelevantes Versagen war für sämtliche Prüfkörper der Beginn des Stahlfließens am
unteren Zugrand. Die nächste Versagensform weist gemäß Tab. 5.1 eine mehr als viermal so hohe
rechnerische Last auf als jene bei Erreichen des Stahlfließens, wodurch ein duktiles Versagen des BSV
zu erwarten war. Das Versagen der Ausklinkung wurde in der Vorbemessung der Prüfkörper ebenso
vernachlässigt wie die Schubnachgiebigkeit oder ein teilplastisches Tragverhalten.
Tab. 5.1: Versagensform und zugehörige rechnerische Bruchkraft für den 4-Punkt-Biegeversuch

rechn. Bruchkraft [kN] bei Versagen je Prüfkonfiguration


Versagensform
Ausführung Ausführung
Vorversuch Ausführung I
III II

Erreichen der Fließgrenze Stahl 52,3 55,8 125 22,2

Biegebruch Holz (Drucklamelle) 216 230 432 97,7


Rollschub BSP-QS (Auflager) 217 217 217 130
Schub in Verbundfuge (Holzversagen) 254 254 240 245

5.3 Messkonfiguration
Neben den Wegaufnehmern für die lokale und globale Durchbiegung wurden für die 4-Punkt-
Biegeversuche der BSV-Elemente auch Dehnmessstreifen (DMS) eingesetzt. Aufgeklebt in Punkten
die für eine Spannungsanalyse von Interesse waren, konnte mit den DMS die Dehnung, und im Fall
vorhandener Materialparameter, auch die Spannung bestimmt werden. Metalle bieten für DMS ideale
Voraussetzungen, weshalb auf der Oberfläche des Trapezprofiles in Feldmitte und an den Auflagern
DMS appliziert wurden. In Feldmitte wurden die Längsdehnungen am unteren Zugrand der
Verstärkung (falls vorhanden), des Trapezprofiles und auf Höhe der Klebefuge gemessen. Nahe den
Ausklinkungen wurden auf halber Höhe des Trapezsteges sogenannte DMS-Rosetten verwendet, um
den dort auftretenden ebenen Spannungszustand bestimmen zu können (siehe Abb. 5.3).

2. Klagenfurter Holzbau-Fachtagung D-12


Kapitel D: Untersuchung und Nachweisführung auflagernah ausgeklinkter
BSH/BSP-Plattenbalkenquerschnitte

Abb. 5.3: parallelprojizierter Trapezsteg mit Achsenlage und positiver Drehrichtung für den Hauptachsenwinkel der
DMS-Rosetten (RA2 bei B-07 nicht vorhanden)

5.4 Prüfergebnisse
Anhand des Kraft-/Wegdiagrammes in Abb. 5.5 lassen sich die verschiedenen Effekte der
untersuchten Holz-Stahl-Verbundkonfigurationen gut erkennen: Im ersten, elastischen Anstieg der
Kurven zeigt sich die wesentlich höhere Steifigkeit der Prüfkörper mit den Verstärkungen durch
Stahllamellen (B-02, B-03, B-05) gegenüber der Grundkonfiguration ohne Verstärkung (B-01, B-04,
B-06). Das Erreichen der Fließgrenze und somit der Übergang in das teilplastische Tragverhalten des
Trägers lässt sich bei den Prüfkörpern B-01, B-04, B-06 und B-07 an der Änderung der Steigung bei
rund 30 bis 50 mm des Traversenweges ablesen. Anhand einer Regressionsanalyse wurde die Kraft
beim Beginn des Stahlfließens genauer bestimmt (siehe eingetragene Kräfte). Jedoch ist dieser Wert
nur als Richtwert zu verstehen, da je nach tolerierten Abweichungen der Wert stark schwanken kann.
Im Allgemeinen besteht eine gute Übereinstimmung des prüftechnisch ermittelten Beginns des
Stahlfließens und dem Prognostizierten. Nach dem Eintreten des Stahlfließens wird noch ein
Kraftanstieg von 33% bis 115 % erreicht, bis ein erstes Teilversagen bzw. ein erster Lastabfall
verzeichnet werden konnte. Wird ein solches Bauteil mit gegebener Geometrie in der Bemessung
maximal bis zur Fließgrenze belastet, verbleibt demnach eine große Sicherheitsreserve bis zum
tatsächlichen Versagen, welches zudem durch gut erkennbare Verformungen (L/60 bis L/30)
angekündigt wird (siehe Abb. 5.4).

Abb. 5.4: Verformung des Vorversuches bei Prüfende

D-13 2. Klagenfurter Holzbau-Fachtagung


5 Prüfungen mit ausgeklinkten Verbundquerschnitten aus BSP und einem Stahltrapezblech [19]

Im Fall der verstärkten Träger B-02, B-03 und B-05 zeigte sich, dass der errechnete Fließpunkt der
Stahllamelle bei einer Kraft von 125 kN nicht erreicht werden konnte. Das vorzeitig eingetretene
Versagen der Klebefuge zwischen Holz und Stahl resultierte aus einer Kombination aus Schub und
Rollschub, wobei die Rollschubbeanspruchung durch die Abtriebskräfte des geneigten Trapezsteges in
Feldmitte erzeugt wurden. An diesem Beispiel zeigt sich, dass der Steifigkeitserhöhung konstruktive
Grenzen gesetzt sind, will man das duktile Verhalten dieser Hybridbauweise erhalten.

Abb. 5.5: Kraft-/Traversenwegdiagramm (Weg der Prüfmaschine) für sämtliche Prüfkörper; eingetragene Kraft
markiert den Beginn des Stahlfließens

Tab. 5.2: Ergebnisse der 4-Punkt-Biegeprüfungen Teil 1 von 2 – allgemeine Parameter und lokale Elastizitätsmoduln

In Tab. 5.2 sind die Eingangsdaten und Ergebnisse der 4-Punkt-Biegprüfungen angeführt. Es zeigt sich
eine gute Übereinstimmung des Vergleichs-E-Moduls Ev, welcher dem vorab gemessenen E-Modul

2. Klagenfurter Holzbau-Fachtagung D-14


Kapitel D: Untersuchung und Nachweisführung auflagernah ausgeklinkter
BSH/BSP-Plattenbalkenquerschnitte

des BSP-Elementes entspricht, und jenem des ausgewerteten lokalen E-Moduls Elokal,mean der
Prüfkörper. Der E-Modul Elokal,mean ist gegenüber dem Vergleichs-E-Modul Ev durchgehend höher und
steigt vom ersten zum zweiten Ast der Hysterese geringfügig an. Die Prüfkörper wiesen demnach ein
steiferes Verhalten auf (größte Steigerung bei B-06 mit 16,6 % von Ev auf Elokal,mean), als dies in der
Vorbemessung berücksichtigt wurde, wenngleich die Unterschiede vernachlässigbar sind und von
einer guten Übereinstimmung gesprochen werden kann.
Aus der Analyse der Messdaten der DMS in Feldmitte konnte die gute Übereinstimmung von
Vorbemessung und den tatsächlichen Eigenschaften des BSV-Elementes ebenfalls bestätigt werden.
Ein Vergleich der rechnerisch bestimmten Spannungen in Feldmitte und den Gemessenen ergab
nahezu deckungsgleiche Spannungsverläufe.
Um eine konstruktiv einfache Einbindung der Deckenelemente in die tragenden Wandbauteile zu
ermöglichen, wurde das Trapezblech an den Auflagern ausgeklinkt und durch Schrauben gesichert.
Beide Varianten der Ausklinkung (abgeschrägtes und senkrecht abgeschnittenes Ende) erwiesen sich
als anwendbare Lösungen, da diese für das Versagen nicht maßgebend waren. Bei fortschreitendem
Bruchverhalten des BSV-Trägers trat bei den Ausführungen I und II ein Versagen der Klebeflächen
zwischen Holz und Stahl am linken Auflager mit der abgeschrägten Ausklinkung auf. Das Versagen
im Nettoquerschnitt des Trapezprofiles auf Höhe der dritten Schraubenreihe (ausgehend vom
ausgeklinkten Ende) der Querzugsicherung der abgeschrägten Ausklinkung verursachte den letzten
Lastabfall vor Versuchsende. Es ließ sich beobachten, dass das Auflager mit rechtwinkliger
Ausklinkung bis zum Versuchsende unversehrt blieb bzw. auch keine augenscheinlichen
Verformungen festgestellt werden konnten.
Gemäß der in diesem Beitrag vorgestellten Berechnungsmethode lässt sich begründet vermuten, dass
durch die Eigenbiegesteifigkeit des Trapezprofiles bei der rechtwinkligen Ausklinkung die Klebefuge
kurz nach der Querzugsicherung teilweise überdrückt wird und so die Schubtragfähigkeit der
Klebefuge erhalten bleibt. Im Fall der abgeschrägten Ausklinkung nimmt die Biegesteifigkeit des
Trapezprofiles kontinuierlich ab, wodurch dieser Effekt nicht gegeben ist bzw. die Klebefuge nach der
Querzugsicherung auch weiterhin Querzugbeanspruchung erfährt.

Tab. 5.3: gemessene Hauptspannungen und Hauptachsenneigungen in den Positionen der DMS-Rosetten bei Belastung
kurz vor dem plastischen Bereich bzw. dem Versagen

D-15 2. Klagenfurter Holzbau-Fachtagung


6 Theorie zur Berechnung von Rippenplatten

Bezugnehmend auf die Ergebnisse der DMS-Rosetten in Tab. 5.3 konnte der Verlauf der
Eigenspannung im Trapezsteg in drei Punkten beobachtet werden: Vergleicht man RA1 und RA2
(Positionen und Drehsinn siehe Abb. 5.3) so lässt sich erkennen, dass sich die Hauptspannungen
strahlenförmig von der Position der Querzugsicherung bzw. der Ausklinkung her ausbreiten. Im Fall
der unverstärkten BSV-Elemente war die, nahezu normal zur Längsachse orientierte, Hauptspannung
in RA2 sogar größer als jene in RA1. Dieser Sachverhalt stützt die vorangegangene Auslegung, dass
die Übertragung der Querzugkräfte nahe der Ausklinkung gewährleistet werden muss, damit die
Klebefuge im weiteren Verlauf überdrückt wird, was wiederum die Aufrechterhaltung der
Tragfähigkeit der Verbundfuge zur Folge hat. Durch die Abschrägung am anderen Auflager treten in
LA1 gegenüber dem spiegelgleichen Punkt RA1 höhere Eigenspannungen auf, welche sich an der
Neigung des Anschnittes orientieren. Anders als bei der rechtwinkligen Ausklinkung wird die
Klebefuge nur im geringeren Ausmaß auf Querzug beansprucht bzw. können durch die fehlende
Eigenbiegesteifigkeit keiner Druckkräfte normal auf die Klebefuge aufgebaut werden.

6 Theorie zur Berechnung von Rippenplatten


6.1.1 Allgemeines

Auf Grund der Tatsache, dass für den Biegenachweis von Rippenplatten die üblichen
Berechnungsmethoden und Nachweisverfahren angewendet werden können, wird in diesem Beitrag
nicht weiter darauf eingegangen. Dieser ist in der gewohnten Art und Weise unter Berücksichtigung
der mitwirkenden Breite bef der Platte an der Stelle der maximalen Beanspruchung (für das maximale
Moment) durchzuführen. Weiter ist der Nachweis der Biegebeanspruchung der Platte kurz vor der
Ausklinkung zu erbringen.
Trotz der gesteigerten Biegesteifigkeit der Rippendecke wird in der Bemessungspraxis im
Allgemeinen der Nachweis der Gebrauchstauglichkeit (Durchbiegung, Schwingung) maßgebend
werden. Dabei gilt es zu beachten, dass vom Auflager bis zum Rippenende lediglich die
Biegesteifigkeit der Platte berücksichtig werden darf, während für den weiteren Bereich in
Bauteillängsrichtung die Steifigkeit des Verbundquerschnittes wirksam ist. Für die wirksame
(effektive) Breite beim Nachweis der Gebrauchstauglichkeit kann in guter Näherung bef für eine
Gleichlast in Feldmitte angesetzt werden.

6.2 vereinfachte Ermittlung der Schubspannungen nach der Technischen


Biegetheorie („Dübelformel”)
Für die Ermittlung der auftretenden Schubspannungen von biegebeanspruchten Balken kann,
zumindest näherungsweise, eine Berechnung mit der sog. „Dübelformel“ gemäß der Technischen
Biegetheorie erfolgen und die, von der Verstärkungsmaßnahme aufzunehmende Kraft F90
näherungsweise durch Integration der Schubspannungen bis zur Höhe der Ausklinkung errechnet
werden.
Die Schubspannungen eines Balkens mit beliebigem Querschnitt ergibt sich nach der Dübelformel zu

V ( x ) ⋅ S ( x, z ) .
τ ( x) = (1)
I ( x ) ⋅ b( z )

2. Klagenfurter Holzbau-Fachtagung D-16


Kapitel D: Untersuchung und Nachweisführung auflagernah ausgeklinkter
BSH/BSP-Plattenbalkenquerschnitte

Es bedeuten:
τ (x) Schubspannung an der Stelle x, in N/mm²
V(x) Querkraft an der Stelle x, in N
S(x,z) statisches Moment des Querschnitts, in mm³
I(x) Trägheitsmoment, in mm4
b(z) Breite des Querschnitts, in mm
In Fällen in denen der Querschnitt aus Schichten (Lagen) aus verschiedenen Baustoffen und/oder
Festigkeitsklassen mit unterschiedlichen Elastizitätsmoduln (E-Modul) aufgebaut ist, ist es üblich, den
E-Modul Ei der i-ten Schicht auf einen beliebig wählbaren Referenz-E-Modul Eref zu beziehen und
damit eine sog. „n-Ziffer“ zu ermitteln (n=Ei/Eref), mit der die jeweiligen Querschnittswerte zu
multiplizieren sind.
Die von der Verstärkung aufzunehmende Kraft F90 in der Fuge (zwischen Platte und Rippe) kann
durch Integration über die Rippenhöhe wie folgt ermittelt werden (siehe auch Abb. 6.1):
zIF z
V ( x) iF S IF ( x, z )
=z
F90 ( x)= ∫ τ ( x, z) ⋅ dz=
I ( x ) ∫ b( z )
0=z 0
⋅ (2)

6.2.1 Berechnung von Ausklinkungen für Balken mit rechteckigem Querschnitt

Die Ermittlung der in der Ausklinkung auftretenden Kraft F90 für einen Balken mit Rechteck-
querschnitt kann mit Hilfe der bekannten Gleichung
h⋅(1−α ) h⋅(1−α )

) V ( x) ⋅ (1− 3 ⋅ α 2 − 2 ⋅ α 3 )
12 h z
=

z 0=
b ⋅ h 3
⋅ ∫ b⋅ z ⋅( − =
z 0
F90 ( x=
2
)
2
τ ( x, z ) ⋅ b ⋅ dz= V ( x) ⋅ (3)

erfolgen.

Es bedeuten:
hef
α=
h
h Querschnittshöhe des Balkens, in mm
hef wirksame Höhe des Querschnittes, in mm

Abb. 6.1: Ermittlung der von der Verstärkung aufzunehmenden, resultierenden Kraft F90

In einigen Normen (z. B. [11]) ist die so ermittelte, von der Verstärkung aufzunehmende Kraft, auf
Grund der Orthotropie des Holzes und anderer Parametern, mit dem Faktor 1,30 zu multiplizieren. Der
interessierte Leser wird für weitere Details zu diesem Faktor auf die Literatur verwiesen.
Hintergrundinformationen finden sich z. B. in [7] und [8].

D-17 2. Klagenfurter Holzbau-Fachtagung


6 Theorie zur Berechnung von Rippenplatten

In der europäischen Konstruktions- und Bemessungsnorm für Holztragwerke EN 1995-1-1 [11] ist ein,
auf einem bruchmechanischen Ansatz beruhendes, Nachweisweisverfahren festgelegt, das auf Grund
des überproportionalen Anwachsens der auftretenden Spannungsspitzen die Berücksichtigung weiterer
geometrischer Randbedingungen einfordert (hef/h ≥ 0.5, x/h ≤ 0.4). Eine Zusammenfassung der
aktuellen Situation zur Bemessung von Ausklinkungen kann [10] entnommen werden.

6.2.2 Nachweisführung von ausgeklinkten Rippenplatten in der Baupraxis

Soweit es den Autoren bekannt ist, existieren für die Bemessung von ausgeklinkten Rippenplatten
weder explizite normative Festlegungen, noch Ausführungsrichtlinien. Für eine überschlägige und
schnelle Abschätzung dieser Bauteile wird in der Baupraxis daher oftmals Glg. (3) herangezogen.
Ergänzend zu der in Abschnitt 6.2.1 beschriebenen Vorgangsweise ist dabei zu beachten, dass der
Schwerpunkt des Querschnittes einer Rippenplatte nicht mehr in der Mitte der Querschnittshöhe zu
liegen kommt, sondern vom Querschnittsaufbau und den verwendeten Baustoffen abhängt (z. B. BSH-
Festigkeitsklasse der Rippe und Aufbau des Querschnittes). Auf Grund der Schubverformungen ist für
die Breite der Platte, im Gegensatz zur konstanten Breite des Rechteckquerschnittes, die wirksame
Breite bef in die Berechnung einzuführen. Diese variiert über die Längsachse des Bauteils und nimmt
im Bereich der Ausklinkung näherungsweise einen Wert der Breite der Rippe plus zweimal der Dicke
der ersten Decklage des BSP’s an, während diese (beim Einfeldträger) in Trägermitte deutlich höher
ist. Weiters besteht eine Abhängigkeit von der Belastungsart (Streckengleichlast oder Einzellast
(Einschnürung) sowie dem Nachweisverfahren (ULS/SLS). Ein Vorschlag zur Bestimmung der
wirksamen Breite bef sowie Gleichungen zu deren Bestimmung ist [13] zu entnehmen.

6.3 Analogie der Bemessungssituation mit verstärkten Stahlbetonbalken

6.3.1 Allgemeines

Bei der Anwendung der in Abschnitt 6.2 erläuterten Vorgangsweise wird man feststellen, dass die
zugehörigen Randbedingungen bei Rippenplatten aus BSP und BSH in den meisten Fällen nicht
eingehalten werden können. Rippenplatten lassen sich wirtschaftlich nur effizient gestalten, wenn
relativ dünne Platten (für BSP: hBSP ≈ 90 bis 150 mm) in Verbindung mit Rippen (für BSH: b/h ≈ 100
bis 160 mm / 200 bis 500 mm) verklebt werden. Der Faktor α beträgt daher in der Praxis großteils >
0,5. Auf Grund der Anforderungen der Haustechnik ist im Allgemeinen zusätzlich der Abstand
x/h > 0,4 zu wählen. Weiters ist anzumerken, dass keine explizite Ermittlung der auftretenden
Querzugspannungen erfolgt, obwohl aus bruchmechanischer Sicht eine kombinierte Beanspruchung in
den Moden 1 (Querzug) und 2 (Schub in Faserlängsrichtung) vorliegt. In Abhängigkeit von
verschiedenen Parametern wird das Bruchverhalten im Bereich der Ausklinkung vorwiegend von
einem dieser beiden Moden bestimmt.
Um die genannten Beschränkungen zu überwinden, sollte daher für die Bemessung der Ausklinkung
von Rippenplatten die Verwendung eines alternativen Ansatzes in Erwägung gezogen werden. Auf
Grund der anzustrebenden Robustheit des Models in der Praxis und des allgemein gewohnten
Umgangs kommen dafür in erster Linie Stabmodelle in Frage. Sollte eine detaillierte Betrachtung
gewünscht sein, können natürlich auch diverse numerischen Berechnungsmethoden (z. B. lineare oder
nicht-lineare FEM-Berechnungen) verwendet werden.
Für die Entwicklung eines geeigneten Bemessungsverfahren und Nutzung von Wissen zur Thematik
bietet sich eine Analogiebetrachtung des Nachweisverfahrens von nicht mehr ausreichend tragfähigen
Stahlbetonbalken an. In solchen Fällen wird im Stahlbeton oftmals eine aufgeklebte Verstärkung am
unteren Trägerrand aus leistungsfähigen Materialen (z. B. CFK, Stahl und andere) eingesetzt. Für

2. Klagenfurter Holzbau-Fachtagung D-18


Kapitel D: Untersuchung und Nachweisführung auflagernah ausgeklinkter
BSH/BSP-Plattenbalkenquerschnitte

diesen Themenbereich liegen umfangreiche Erkenntnisse und wissenschaftliche Arbeiten vor, die für
das vorliegende Thema, mit Adaptierungen, zielbringend verwendet werden können.
Im Weiteren dieses Berichtes wird näher auf das von Abdelouahed [14] veröffentlichte Vorgehen
eingegangen. Dieser publizierte ein, gegenüber jenem von Smith und Teng [15] erweitertes,
Berechnungsmodell für Stahlbetonbalken, dass in der Lage ist, die im Interface (Klebefuge)
auftretenden Spannungen unter Berücksichtigung der Schubverformungen der beteiligten Bauteile zu
beschreiben. Dieser Berechnungsansatz wird im nächsten Abschnitt dargestellt. Alle weiteren
Aussagen beziehen sich dabei auf ein elastisches Materialverhalten, sowohl der Fügeteile, als auch der
Klebefuge und sind für den Einfeldbalken gültig. Eine Anpassung an weitere statische Systeme ist
jedoch möglich. Für den Fall, dass die Berücksichtigung eines nicht-linearen Materialverhaltens der
Klebefuge gewünscht ist, kann u. a. auf das, von de Laurenzis [16] veröffentliche Verfahren
zurückgegriffen werden, der ein bruchmechanisches Modell („cohesive zone model“) zur Ermittlung
der Spannungen im Interface vorschlug.

6.3.2 erweiterte theoretische Lösung von Abdelouahed zur Ermittlung der Spannungen im
Interface von verstärkten Stahlbetonbalken

Abdelouahed schlägt in [14] eine theoretische Lösung zur Berechnung von verstärkten
Stahlbetonbalken vor. Diese berücksichtigt die Schubverformungen der Fügebauteile und geht
vereinfacht von einer linear verteilten Schubspannung über die Höhe des Interfaces (Klebefuge) aus.
Auf Grund des, im Vergleich mit anderen Baustoffen, relativ hohen Verhältnisses des
Elastizitätsmoduls (E-Modul) zum Schubmodul (G-Modul) von Holz ist insbesondere die
Berücksichtigung der Schubverformungen von hoher Relevanz. Die daraus resultierenden
Spannungskonzentrationen im Interface sind damit wesentlich geringer als jene vergleichbarer
Modelle ohne Berücksichtigung der Schubverformung. Ein Verbundbalken mit dem statischen System
eines Einfeldträgers und der zugehörige Querschnitt einer Rippenplatte ist in Abb. 6.2 dargestellt.

Abb. 6.2: Skizze einer Rippenplatte bzw. eines Verbundbalkens (Einfeldträger) bestehend aus Platte,
Klebefuge und Rippe

D-19 2. Klagenfurter Holzbau-Fachtagung


6 Theorie zur Berechnung von Rippenplatten

Ein infinitesimaler Abschnitt dx des Verbundbalkens (Rippenplatte) und der, auf dieses Element
einwirkenden Beanspruchungen wird in Abb. 6.3 gezeigt.

Abb. 6.3: an einem infinitesimalen Element des Verbundbalkens (Rippenplatte) auftretende Kräfte

6.3.3 Verteilung der Schubspannungen im Interface (Klebefuge)

Unter der Annahme eines parabolischen Ansatzes für die Verformungen in Längsrichtung U1N (x,y)
und U2N (x,y) in den Fügeteilen 1 und 2 mit
y ) A1 ( x) ⋅ y 2 + B1 ( x) ⋅ y + C1 ( x) und U 2 ( x, y=
U1N ( x, = ') A2 ( x) ⋅ y '2 + B2 ( x) ⋅ y '+ C2 ( x)
N
(4)

können für das in Abb. 6.3 dargestellte infinitesimale Element sowohl Gleichungen zur Erfüllung des
Gleichgewichts, als auch der Kompatibilität der Verzerrungen aufgestellt werden. Weiters wird auf die
Berücksichtigung der Verformungen quer zur Längsachse wiN (auf Grund der Normalkräfte im
Verbundbalkens) wegen deren geringen Einflusses auf das Berechnungsergebnis verzichtet.
Details zur Ableitung der Gleichungen für die Ermittlung der Schubspannungen im Interface können
[14] entnommen werden. In diesem Beitrag wird lediglich das Ergebnis des Ansatzes in Form der
beschreibenden Differentialgleichung dargestellt (Glg. (5))
d 2t ( x)  ( y + y2 ) ( y1 + y2 + ta ) 1 1   y1 + y2 
− K1 b2  1 + +  t ( x) + K1   VT ( x) =
0 (5)
dx 2
 E1I1 + E2 I 2 E1 A1 E2 A2   E1I1 + E2 I 2 
Es bedeuten:
τ(x) Schubspannung im Interface (Klebefuge);
x Abstand vom Rippenende;
Ei Ii Biegesteifigkeit der Fügeteile;
Ei Ai Dehnsteifigkeit der Fügeteile;
b2 Breite der Rippe;
Gi Schubmoduln der Fügeteile bzw. der Klebefuge;
Ea E-Modul der Klebefuge;
ta Dicke der Klebefuge
t1, y1 Dicke und Schwerpunktsabstand des Fügeteils 1 (von der Klebefuge aus nach Oben);
t2, y2 Dicke und Schwerpunktsabstand des Fügeteils 2 (von der Klebefuge aus nach Unten);
q Gleichlast;
VT(x) Querkraft an der Stelle x;

2. Klagenfurter Holzbau-Fachtagung D-20


Kapitel D: Untersuchung und Nachweisführung auflagernah ausgeklinkter
BSH/BSP-Plattenbalkenquerschnitte

K1 Faktor zur Berücksichtigung der Schubnachgiebigkeit der Fügeteile und der Klebefuge
t t t 
=
K1 1  a + 1 + 2 
 a
G G 1 G2 

Die allgemeine Lösung dieser Differentialgleichung (Glg. 6) ist entweder auf Einzellasten und/oder
Gleichlasten über Teile des Tragelements oder die volle Spannweite beschränkt. Dies entspricht den
häufigsten in der Praxis auftretenden Lastfällen, sodass diese Einschränkung akzeptiert werden kann.
Für einwirkende Kräfte, für die d2VT (x)/dx2 = 0 gilt, kann die allgemeine Lösung zur Beschreibung
der Schubspannungsverteilung in der Klebefuge wie folgt angegeben werden
τ ( x) = B1 ⋅ cosh(λ ⋅ x) + B2 ⋅ sinh(λ ⋅ x) + m1 ⋅V ( x) (6)

mit den Koeffizienten


 ( y1 + y2 ) ⋅ ( y1 + y2 + ta ) 1 1 
λ 2 = K1 ⋅ b2 ⋅  + + 
 E1 ⋅ I1 + E 2 ⋅ I 2 E1 ⋅ A1 E2 ⋅ A2 

K1  y1 + y2 
=
m ⋅ 
1
λ 2  E1 ⋅ I1 + E2 ⋅ I 2 

B1 und B2 sind konstante Koeffzienten, die aus den jeweiligen Randbedingungen zu bestimmen sind.

Mit der Abkürzung m2 = (K1·y1)/(E1·I1) können die Schubspannungen im Interface (Klebefuge) für die
unterschiedlichen Einwirkungssituationen wie folgt bestimmt werden:

- Lösung für eine Gleichlast über die volle Trägerlänge


−λ ⋅x
m ⋅a  q⋅e L 
( x)  2 ⋅ ( L − a ) − m1  ⋅
τ= + m1 ⋅ q ⋅  − a − x  für 0 ≤ x ≤ L p (7)
 2  λ 2 
- Lösung für eine Einzellast
für a < b ' :
 für 0 ≤ x ≤ (b '− a ) :

 m2 ⋅ F ⋅ a ⋅  1− b '  ⋅ e − λ ⋅ x + m1 ⋅ F ⋅  1− b '  − m1 ⋅ F ⋅ cosh(λ ⋅ x) ⋅ e − λ ⋅(b '− a )
 λ  L  L
τ ( x) = 
 für (b '− a ) ≤ x ≤ L p :
m ⋅ F ⋅a  b'  F ⋅b ' (8)
 2
⋅  1−  ⋅ e − λ ⋅ x − m1 ⋅ + m1 ⋅ F ⋅ sinh(λ ⋅ (b '− a )) ⋅ e − λ ⋅ x
 λ  L L

für a > b ' und 0 ≤ x ≤ L p :


m2 ⋅ F ⋅ b '  a  − λ ⋅ x b'
τ ( x)
= ⋅  1−  ⋅ e − m1 ⋅ F ⋅
λ  L L

Es bedeutet:
b' Abstand der Einzellast vom Auflager

D-21 2. Klagenfurter Holzbau-Fachtagung


6 Theorie zur Berechnung von Rippenplatten

- Lösung für zwei bezüglich der Trägermitte symmetrische Einzellasten


für a < b '' :
 für 0 ≤ x ≤ (b ''− a ) :
m ⋅ F ⋅a
 2 ⋅ e − λ ⋅ x + m1 ⋅ F − m1 ⋅ F ⋅ cosh(λ ⋅ x) ⋅ e − λ ⋅(b ''− a )
 λ

τ ( x) =  Lp
 für (b ''− a ) ≤ x ≤ :
 2
(9)
 m2 ⋅ F ⋅ a − λ ⋅ x
 ⋅ e + m1 ⋅ F ⋅ sinh(λ ⋅ (b ''− a )) ⋅ e − λ ⋅ x
 λ

für a > b '' und 0 ≤ x ≤ L p :


m2 ⋅ F ⋅ b ''
τ ( x)
= ⋅ e−λ ⋅x
λ
Es bedeutet:
b'' Abstand der Einzellasten vom Auflager

6.3.4 Verteilung der Normalspannungen im Interface (Klebefuge)

Der Ansatz zur Berechnung der Normalspannungen im Interface (Klebefuge) kann wie folgt ange-
geben werden:
σ n ( x= ) K n ⋅ [ w2 ( x) − w1 ( x) ]
) K n ⋅ ∆w( x= (10)
Es bedeuten:
Kn Steifigkeit der Fügeteile normal zur Stabachse je Längeneinheit
wi(x) (vertikale) Verformung der Fügeteile i (i=1,2)

Im Beitrag von Abdelouahed [14] ist die Steifigkeit Kn definiert mit


σ n ( x) σ n ( x)  1  Ea
K n= = ⋅  = (11)
∆w( x) ∆w( x) ta  ta  ta

Der angeführte Zusammenhang kann mechanisch als lineare Feder bzw. Bettungsziffer interpretiert
werden. Die Steifigkeit der Klebeschicht ist relativ hoch und deren Dicke beträgt lediglich rund 0,1 bis
0,3 mm, während der E-Modul des Holzes in Querrichtung relativ gering ist. Daher sollte der Ansatz
für die Bettung in Glg. (11) um den Anteil der Holzbauteile (Platte und Rippe) ergänzt werden, sodass
die Federsteifigkeit mit der folgenden Gleichung ermittelt werden sollte (abweichend von [14]):
1
Kn * =
t1 * ta t * (12)
+ + 2
E90;1 Ea E90;2

Die „wirksame“ Tiefe ti* in den Holzbauteilen kann mit dem Ansatz von Vlasov aus der
Veröffentlichung von Tanahashi [17] bestimmt werden. Die Eindrückung in den Fügeteil bestimmt
sich damit zu
( z ) w(0) ⋅ ϕ ( z ) ,
w= (13)

wobei die Formfunktion ϕ(z) wie folgt definiert ist


  z 
Sinh h * ⋅  1 −  
  t  . (14)
ϕ ( z) =
Sinh(h *)

2. Klagenfurter Holzbau-Fachtagung D-22


Kapitel D: Untersuchung und Nachweisführung auflagernah ausgeklinkter
BSH/BSP-Plattenbalkenquerschnitte

Mittels Integration dieser Funktion über die Bauteilhöhe und Bezug auf die Dicke des Fügeteiles kann
die „Eindringtiefe“ ti* als Länge eines äquivalenten Dehnstabes mit konstanter Querschnittsfläche
interpretiert werden.
Der Parameter h* beschreibt die Form der Funktion und kann z. B. mittels FEM-Kalibration und/oder
Prüfung bestimmt werden. In diesem Beitrag wurde dieser Parameter mit h* = 2.5 berücksichtigt
(siehe auch Tanahashi [17]):

=t*
( Cosh(h*) − 1) ⋅ t
(15)
h * ⋅Sinh(h *)

Wieder kann die detaillierte Ableitung der Zusammenhänge zur Ermittlung der Normalspannungen im
Interface (Klebefuge) [14] entnommen werden. Die daraus resultierende Differentialgleichung zur
Beschreibung der Normalspannungen im Interface (Klebefuge) ergibt sich damit zu:
d 4σ n ( x)  1 1   y1 y  dτ ( x) K *
4
+ K n * ⋅ b2 ⋅  +  σ n ( x) + K n * ⋅ b2 ⋅  − 2  + q⋅ n = 0 (12)
dx  E1 I1 E2 I 2   E1 I1 E2 I 2  dx E1 I1

Die allgemeine Lösung dieser gewöhnlichen Differentialgleichung 4. Ordnung kann wie folgt
angeschrieben werden:
dτ ( x)
s n ( x)= e − β ⋅ x ⋅ [C1 ⋅ cos ( β ⋅ x) + C2 ⋅ sin( β ⋅ x) ] + e β ⋅ x ⋅ [C3 ⋅ cos ( β ⋅ x) + C4 ⋅ sin( β ⋅ x) ] − n1 ⋅ − n2 ⋅ q
dx (13)

mit

K n * ⋅ b2  1 1  ;
b= 4 ⋅ + 
4  E1 ⋅ I1 E2 ⋅ I 2 
y1 ⋅ E2 ⋅ I 2 − y2 ⋅ E1 ⋅ I1 ;
n1 =
E1 ⋅ I1 + E2 ⋅ I 2
E2 ⋅ I 2 ;
n2 =
b2 ⋅ ( E1 ⋅ I1 + E2 ⋅ I 2 )

C1, C2, C3 und C4 sind Konstanten, die aus den jeweiligen Randbedingungen zu bestimmen sind.

Eine Vereinfachung ergibt sich aus dem Umstand, dass für große Werte von x die Querzugspannungen
gegen Null laufen müssen. Der exponentiell ansteigende Teil e+βx in Glg. (13) kann damit
vernachlässigt werden, wodurch sich die Konstanten C3 = C4 = 0 ergeben.
Damit resultiert die allgemeine Lösung zur Ermittlung der Normalspannungen im Interface in der
Gleichung:
dτ ( x)
s n ( x)= e − β ⋅ x ⋅ [C1 ⋅ cos ( β ⋅ x) + C2 ⋅ sin( β ⋅ x) ] − n1 ⋅ − n2 ⋅ q (14)
dx

Die Normalspannungen im Interface (Klebefuge) können mit Hilfe von Glg. (14) ermittelt werden.
Die Konstanten C1 und C2 für die genannten drei Lastfälle unter Beachtung der entsprechenden
Randbedingungen lassen sich zu

D-23 2. Klagenfurter Holzbau-Fachtagung


6 Theorie zur Berechnung von Rippenplatten

Kn * n =n  d 4τ ( x 0)= d 3τ ( x 0) 
C1 = ⋅ [V ( x = 0) + β ⋅ M ( x = 0) ] − 3 3 ⋅τ ( x = 0) + 1 3 ⋅  +β⋅ 
2 ⋅ β ⋅ E1 ⋅ I1
3
2⋅β 2 ⋅ β  dx 4
dx3 
(15)
Ea n d 3t (0)
C2 =
− ⋅ M (0) − 1 2 ⋅
2 ⋅ β ⋅ ta ⋅ E1 ⋅ I1
2
2⋅ β dx3

mit
 y y2 
n3= K n * ⋅ b2 ⋅  1 − 
 E1 ⋅ I1 E2 ⋅ I 2 
ermitteln.
Die Gleichungen (7) bis (9) und (15) können in einfacher Weise z. B. in einem Mathematik Algebra
System oder einem Tabellenkalkulationsprogramm implementiert werden. Nachdem als grund-
legender Ansatz ein elastisches Modell gewählt wurde, können die Ergebnisse der einzelnen Lastfälle
superponiert (addiert) werden. Weiters liegen die Ergebnisse in analytischer Form vor, wodurch
weitere gewünschte Werte und Kenngrößen mit den üblichen mathematischen Methoden ermittelt
werden können (z. B. Integration der resultierenden, von der Verstärkung aufzunehmenden Kraft F90
im Bereich der Ausklinkung).

6.3.5 Ermittlung der, von der Verstärkung aufzunehmenden Kraft in der Ausklinkung

Mit Glg. (14) können die Normalspannungen, insbesondere die auftretenden Querzugspannungen, in
der Klebefuge ermittelt werden.

Abb. 6.4: Ingenieurmodell zur Ermittlung der von der Verstärkung aufzunehmenden Kraft im Bereich der Ausklinkung

Die von der Verstärkung im Bereich der Ausklinkung aufzunehmende querzugbeanspruchende Kraft
F90 kann durch Integration der Querzugspannungen ermittelt werden. Für deren Berechnung kann ein
einfaches ingenieurmäßiges Berechnungsmodell basierend auf einem elastisch gebetteten Balken
herangezogen werden. Die Spannweite des Ersatzbalkens ergibt sich dabei aus der charakteristischen
Länge des elastisch gebetteten Balkens zu
Kn
l0 = 4 . (16)
4 ⋅ E2 ⋅ I 2

2. Klagenfurter Holzbau-Fachtagung D-24


Kapitel D: Untersuchung und Nachweisführung auflagernah ausgeklinkter
BSH/BSP-Plattenbalkenquerschnitte

Die Definitionen der zur Berechnung erforderlichen Parameter sind den vorherigen Abschnitten zu
entnehmen. Ein weiterer wichtiger Parameter für die Ausführung der Ausklinkungsverstärkung betrifft
die Steifigkeit bzw. den Verschiebungsmodul Kser der Verstärkung. Dieser kann den jeweiligen
Bemessungsnormen sowie den spezifischen bauaufsichtlichen Zulassungen entnommen werden bzw.
ist durch geeignete Prüfungen zu ermitteln.
Das angesprochene Modell und die zu berücksichtigenden Schnittgrößen sind in Abb. 6.4 dargestellt.

6.3.6 Interpretation der beschreibenden Differentialgleichungen

Der Vorteil des dargestellten mechanischen Modells in Form von Differentialgleichungen ist
offensichtlich: Der Einfluss der unterschiedlichen Parameter auf das Ergebnis der beschreibenden
Differentialgleichungen (Glg. (5) und (12)) lässt sich in klarer Weise aus deren Aufbau ablesen und
das mechanische Verhalten kann daraus interpretiert werden. Damit können prinzipielle Einblicke
gewonnen werden.
- Schubspannungen
Glg. (5) stellt eine gewöhnliche Differentialgleichung 2. Ordnung dar, die in analoger Weise das
Verhalten des elastisch nachgiebigen Verbundes von längskraftbeanspruchten Bauteilen beschreibt.
Ein Vergleich von Glg. (5) mit der erstmals von Volkersen im Jahre 1953 [18] veröffentlichen
Gleichung

d 2t ( x) Ga  1 1 
− b2  +  t ( x) =
0 (16)
dx 2 ta  E1 A1 E2 A2 

zeigt vom Aufbau der Gleichung her eine interessante Ähnlichkeit.


Die Differentialgleichung (16) erlaubt die Bestimmung der Schubspannungen in Verbindung mit
dehnweichen Fügepartnern und schubnachgiebigem Interface und stellt eine fundamentale Gleichung
zur Beschreibung des mechanischen Verhaltens von Klebeverbindungen dar. Der gebenüber Glg. (16)
zusätzliche Termin in Glg. (5) berücksichtigt den inhärenten Einfluss der Biegesteifigkeiten der
Verbundbauteile auf die Schubspannungen und entspricht im Wesentlichen jenen der Beschreibung
von aus hölzernen Einzelbauteilen aufgebauten Querschnitten mit starrem Verbund (siehe z. B. [1],
[2]).
- Normalspannungen im Interface (Klebefuge)
Glg. (12) ist eine gewöhnliche Differentialgleichung 4. Ordnung und erinnert in ihrem Aufbau stark an
die Beschreibung des mechanischen Verhaltens des elastisch gebetteten (Winkler-) Balkens (Winkler,
1867 ).

d 4 w( x) q
+ 4 ⋅ β 4 ⋅ w( x) − =0 (17)
dx 4 E⋅J

Die Beanspruchung der Rippe kann daher als Balken auf elastischer Bettung (Platte) interpretiert
werden und ist im Wesentlichen vom Verhältnis der Biegesteifigkeiten der Platte und Rippen
abhängig, während der Einfluss der Verklebung auf Grund deren Steifigkeit und Dicke vernachlässigt
werden kann. Zwischen den Schubspannungen und den Normal- bzw. Querzugspannungen in der
Klebefuge besteht eine Interaktion.
Elastisch gebettete Balken sind durch eine charakteristische Kenngröße β gekennzeichnet, deren
Kehrwert eine charakteristische Länge l0 (Glg. (16)) ist, aus der sich der beeinflusste Bereich der
Randstörung ablesen lässt. Typisch für derartige Balken ist die rapide abfallende Tendenz (e-βx-

D-25 2. Klagenfurter Holzbau-Fachtagung


6 Theorie zur Berechnung von Rippenplatten

Funktion!) der mechanischen Kenngrößen im Bereich der Randstörung (u. a. der Schub- und
Querzugspannungen). Daraus folgt, dass deren Einfluss lediglich über eine relativ geringe Länge des
Verbundbauteils wirksam ist. Innerhalb dieser Länge verändert sich die Krümmung des Fügeteils 1
(Patte) im Bereich der Auflager bzw. Ausklinkung und passt sich bis zum Ende der charakteristischen
Länge kontinuierlich jener des (ungestörten) Verbundbauteiles an.

6.4 Experimentelle Überprüfung des Modells

6.4.1 Prüfungen

Um weitere Einblicke in das Verhalten von Rippenplatten zu gewinnen, das vorgestellte mechanische
Modell auf Übereinstimmung zu überprüfen und den Einfluss weiterer Parameter abzuklären, wurden
weitere sechs Prüfkörper, in kleinerem Maßstab als die in Abschnitt 4 geschilderten, geprüft. Das
statische System war in allen Fällen ein Einfeldträger mit einer äquidistanten 4-Punkt-Beanspruchung
gemäß EN 408. Die Spannweite betrug l = 2.850 mm mit Lasteinleitungen in Abständen von
b = 950 mm zu den Auflagern und zwischen den aufgebrachten Lasten. Der Abstand der Ausklinkung
zur Auflagerlinie betrug in allen Fällen a = 125 mm. Für die Platte waren 3-schichtige Fichtensperr-
holzplatten mit einer Dicke von 40 mm (13-14-13 mm) verfügbar und eingesetzt. An einigen
Prüfkörpern wurden BSH-Rippen (b/h=45/125 mm; GL24h gemäß EN 14080) mit Hilfe eines
Polyurethanklebstoffes (Henkel Purbond HB 110) mit der Platte verklebt, während an anderen
Prüfkörpern an der Unterseite der BSH-Rippe, zu Optimierungszwecken der Tragfähigkeit, eine
40 mm dicke Furnierschichtlamellen aus Buche (Pollmeier Baubuche) bei ansonsten gleicher
Rippenhöhe wie jene aus BSH aufgeklebt wurde. Weiters wurden Prüfkörper mit zwei Rippen
untersucht (Gesamtbreite w2= 800 mm; 200−400−200 mm), während einige nur eine Rippe aufwiesen
und eine Gesamtbreite von w1=400 mm hatten.

Abb. 6.5: Abmessungen und verwendete Baustoffe der Prüfkörper

2. Klagenfurter Holzbau-Fachtagung D-26


Kapitel D: Untersuchung und Nachweisführung auflagernah ausgeklinkter
BSH/BSP-Plattenbalkenquerschnitte

Eine Prüfung erfolgte zu Vergleichszwecken (Prüfkörper B-1u-02) ohne Verstärkungsmaßnahme. In


allen anderen Fällen wurde je eine Vollgewindeschraube (Würth Assy 3.0 Ø 8│160mm) pro Rippe
eingedreht. An mindestens einem Rippenende wurde ein sog. „Messschraube“ (VG-Schraube mit
innenliegendem Dehnmessstreifen) eingesetzt, mit der die von der Schraube übertragene Kraft direkt
gemessen werden konnte. Details dazu können [22] entnommen werden. Die restlichen Verstärkungen
erfolgten mit Schrauben desselben Typs, jedoch ohne Messfunktion. Alle Schrauben wurden
rechtwinklig zur Balkenlängsachse in geringfügig unterschiedlichen Abständen zum Rippenende
eingedreht, wobei sich letztlich zeigte, dass ein (Mindest-) Abstand von rund 2,5 ⋅ d zum besten
Ergebnis führte. Die Schraubenköpfe waren durch Stahlplatten (l/b/t = 100/100/15 mm) am oberen
Ende der Platte gelagert, sodass die Kraftübertragung von der Schraube in die Platte über Kontakt
bzw. Querdruck erfolgte.
Ein Überblick der eingesetzten Prüfkonfiguration kann Abb. 6.5 entnommen werden, während eine
Zusammenfassung der Prüfkörperbezeichnungen und sonstigen Parameter in Tab. 6.1 zusammen-
gestellt ist.
Tab. 6.1: verwendete Prüfkörperbezeichnungen und sonstige Parameter der Prüfkörper

lfd. Nr. Prüfkörper- Rippenanzahl Baustoff der Verstärkung


bezeichnung Rippe (VG-Schraube)
1 B-1u-02 1 BSH Nein
2 B-2v-01 2 BSH
3 B-2v-02 2 BSH
4 B-2v-03 2 BSH Ja
5 B-1v-01 1 BSH/BauBu
6 B-2v-04 2 BSH/BauBu
Abkürzungen: BSH... Brettschichtholz GL24h, BauBu... Buchenfurnierschichtholz (BauBuche)

Alle Prüfungen wurden mit der Universalprüfmaschine lignum_Zwick_uni_275 im


Bautechnikzentrum der Technischen Universität Graz durchgeführt. Während der Prüfungen wurden
neben der Kolbenkraft und dem Traversenweg der Prüfmaschine auch die lokalen Verformungen zur
Bestimmung des E-Moduls und die Kräfte in den Messschrauben aufgezeichnet.
In Abb. 6.7 ist das Bruchbild des unverstärkten Prüfkörpers (B-1u-02) abgebildet, der bei einem
Kraftniveau von rund 30% der verstärkten Prüfkörper auf Grund der, im Bereich der Ausklinkung
auftretenden Querzugspannungen versagte.

Abb. 6.6: Überblick zur verwendeten Prüfkonfiguration

D-27 2. Klagenfurter Holzbau-Fachtagung


6 Theorie zur Berechnung von Rippenplatten

Abb. 6.7: Versagen des Prüfkörpers ohne Verstärkungsmaßnahme auf Grund der auftretenden Querzug-
spannungen im Bereich der Ausklinkung

Abb. 6.8 zeigt das typische Bruchverhalten der verstärkten Prüfkörper. Nach rund 1/3 der Bruchlast
konnte am Rippenende das Auftreten eines Risses bis zur VG-Schraube beobachtet werden. Das
Fortschreiten des Risses wurde durch die Verstärkungsmaßnahme gestoppt und blieb bis zum
Erreichen der Bruchlast stabil. Im Allgemeinen trat ein Biegeversagen der BSH-Rippen auf. Für die,
mit den Buchenfurnierlamellen an der Unterseite der Rippen verstärkten, Prüfkörper (Nr. 5 und 6 in
Tab. 6.1) konnte ein Bruchversagen zufolge Schub festgestellt werden. Das dabei erreichte
Kraftniveau lag etwas höher als jenes der Prüfkörper mit BSH-Rippen.

Verstärkung durch
Riß
VG-Schraube

Abb. 6.8: Ausbildung eines stabilen Risses im Bereich der Ausklinkung der verstärkten Prüfkörper

2. Klagenfurter Holzbau-Fachtagung D-28


Kapitel D: Untersuchung und Nachweisführung auflagernah ausgeklinkter
BSH/BSP-Plattenbalkenquerschnitte

6.4.2 Prüfergebnisse

In Tab. 6.2 sind die maximalen Bruchlasten pro Ausklinkung angeführt, wobei im Zuge der
Auswertung angenommen wurde, dass sich die aufgezeichnete Bruchlast gleichmäßig auf alle Rippen
aufteilt, d. h. diese wurden durch Division der Bruchlast und der Anzahl der Ausklinkungen ermittelt.
Die angeführte Biegespannungen wurde in Feldmitte errechnet, während die Schubspannungen über
dem Auflager ausgewertet wurden. In beiden Fällen erfolgte die Berechnung auf Basis der
Technischen Biegetheorie mit einem schubstarren Euler-Bernoulli-Balken, weshalb die angegebenen
Festigkeiten lediglich informativen Charakter besitzen. Weiters ist die zugeordnete, maßgebende
Bruchursache in angeführt.
Tab. 6.2: Prüfergebnisse und Bruchursachen der geprüften Rippenplatten (ermittelt mittels Technischer Biegetheorie)

Lfd. Nr. Prüfkörper- max F pro max σm max τ Bruchursache


bezeichnung Ausklinkung [N/mm²] [N/mm²]
[kN]
1 B-1u-02 3.57 13.7 0,70 Querzug
2 B-2v-01 12.4 47.6 2.43 Schub
3 B-2v-02 10.5 40.3 2.06 Biegung
4 B-2v-03 8.83 33.9 1.73 Biegung
5 B-1v-011) 10.9 42.6 2.06 Schub (Ausscheren Schraube)
6 B-2v-041) 12.4 48.5 2.34 Schub
Abkürzungen:
max σm, max τ ... Biege- und Schubspannung ermittelt nach der Technischen Biegetheorie;
1)
mit BauBu an der Unterseite der Rippe

In Tab. 6.3 sind die ermittelten Schubspannungen in der Klebefuge (Interface) gemäß der Technischen
Biegetheorie und dem vorgestellten Model (Glg. (5)) an der Stelle der Ausklinkung gegenübergestellt.
Weiters enthält diese Tabelle die Querzugspannungen ebendort. Mit der Bezeichnung F90,MS sind die,
mittels der Messschraube aufgezeichneten Kräfte abgekürzt, während F90,Modell die gemäß Glg. (14)
errechneten Kräfte und F90,FEM die, mit dem Softwarepaket DLUBAL RFEM 5.0 (2D-Analyse)
erhaltenen Kräfte bezeichnet. Die FEM-Berechnung erfolgte unter der Annahme der Gültigkeit
elastischen Materialverhaltens an einem schubnachgiebigen Timoshenko-Balken. Die für die
numerische Berechnung verwendeten Materialkenngrößen sind in Tab. 6.4 aufgelistet. Auf die
Nennung der, aus der FEM-Berechnung ermittelten, Schubspannungswerte im Bereich der
Ausklinkung wurde wegen der an dieser Stelle unrealistisch hohen Spannungsspitzen verzichtet.
Tab. 6.3: Prüfergebnis – Spannungen an der Ausklinkung und Kräfte in den Verstärkungen

Lfd. Nr. Prüfkörper- τIF τModell F90,MS F90,Model F90,FEM


bezeichnung [N/mm²] [N/mm²] [kN] [kN] [kN]
1 B-1u-02 0.69 1.20 − 3.58 3.88
2 B-2v-01 2.39 4.17 11.7 12.4 13.5
3 B-2v-02 2.02 3.53 10.5 10.5 11.4
4 B-2v-03 1.70 2.97 6.01 8.86 9.60
5 B-1v-01 2.00 3.11 8.28 9.56 12.8
6 B-2v-04 2.28 3.53 11.1 10.9 14.5
Abkürzungen:
τIF ... (max.) Schubspannung in der Klebefuge (gemäß der Technischen Biegetheorie)
τModel ... (max.) Schubspannung gemäß (9) an der Stelle der Ausklinkung (unter
Berücksichtigung einer wirksamen Breite bef = 292 mm)
F90,MS ... (Quer-) Zugkraft in der Verstärkungsschraube
F90,Model .(Quer-) Zugkraft gemäß Glg. (14) (ermittelt durch Integration der Querzugspannungen)
F90,FEM .. (Quer-) Zugkraft aus der durchgeführten linear-elastischen FEM-Analyse (RFEM, 2D)

D-29 2. Klagenfurter Holzbau-Fachtagung


6 Theorie zur Berechnung von Rippenplatten

Tab. 6.4: für die FEM-Berechnung verwendete Materialparameter

Bauteil Platte Klebstoff Rippe BauBu


40
t [mm] 0.3 125/85 40
(13-141)-13)
w[mm] 292 45 45 45
Ex [N/mm²] 11400 3700 11400 16800
Ey [N/mm²] 300 − 300 470
G0 [N/mm²] 650 1320 650 850
Gr [N/mm²] 65 − − −
Anmerkung:
1)
Die E-Moduln (Ex and Ey) wurden in der Berechnung entsprechend der Orientierung der Lagen berücksichtigt.
2)
Für die Dreischichtplatte (Fichte) wurde in der FEM-Berechnung ein Wert für den Schubmodul (G-Modul gemäß
aktueller Zulassung von G1 = 90 N/mm² angesetzt.

6.4.3 Interpretation der Prüfergebnisse

- Schubspannungen
Bei einem Blick auf die Ergebnisse in Tab. 6.3 bzw. Abb. 6.9 wird offensichtlich, dass die mittels der
Technischen Biegetheorie ermittelten Schubspannungen signifikant von jenen mittels des vorgestellten
Modells (Glg. 9) erhaltenen abweichend. Wie bereits erwähnt, ist es mit dem Euler-Bernoulli-Balken
natürlich nicht möglich die lokalen Effekte in der Umgebung der Ausklinkung abzubilden. Im
Unterschied dazu kann, wie ein Vergleich mit den FEM-Ergebnissen zeigt, jenen nach Glg. (9) mehr
Vertrauen geschenkt werden. Obwohl auch die so erhaltenen Ergebnisse deutlich von den
ausgeprägten Spannungsspitzen der (elastischen) FEM-Analyse abweichen, zeigt sich an der
Ausklinkung mit dem diskutierten Modell ein realistisches Verhalten, weil anzunehmen ist, dass es
z. B. im Zuge einer nicht linear-elastischen FEM-Analyse zu einer signifikanten Reduktion der
Spannungsspitzen kommen würde. Die Berechnungsergebnisse wurden jeweils unter Ansatz einer
effektiven Breite bef in Balkenmitte berechnet. In Abb. 6.9 sind daher zusätzlich die Schubspannungen
des Rechenmodells unter Berücksichtigung der mitwirkenden Breite über dem Auflager eingetragen,
aus denen hervorgeht, dass mit diesem eine zunehmende Annäherung an die FEM-Ergebnisse erfolgt.
In jedem Fall zeigt sich an der Ausklinkung eine deutliche Spitze in den Schubspannungen mit stark
abfallender Tendenz in Richtung Trägermitte. Auf Grund der hohen Schubspannungen (in
Kombination mit hohen Querzugspannungen) reißt der Verbundträger im Bereich der Ausklinkung bei
entsprechender Einwirkung bis zur Verstärkung auf (ein solches Verhalten konnte auch im Zuge der
Prüfungen beobachtet werden; siehe Abb. 6.8). Bei ausreichender Tragfähigkeit und Steifigkeit der
eingebrachten Verstärkungsmaßnahme bleibt der Riss jedoch bis zum Versagen des Bauteils stabil.
Die Randstörung auf Grund der Ausklinkung klingt innerhalb einer relativ geringen Länge (von rund
500 mm für die untersuchten Prüfkörper) auf das Niveau des starr verbundenen Verbundquerschnittes
ab. Diese Länge wird von den geometrischen Abmessungen und dem verwendeten Material
beeinflusst. Aus der Analyse des elastisch gebetteten Balkens ist bekannt, dass die Randstörung bis zu
einer charakteristischen Länge von rund l0 ≈ 4/β auftritt, wobei β durch Glg. (13) definiert ist. Für die
untersuchte Konfiguration ergibt sich ein Wert für β = 8,0826 1/m bzw. eine charakteristische Länge
von rund l0 ≈ 4/8,0826 = 0,495 m (punktierte vertikale Linie in Abb. 6.9). Wie ersichtlich wird,
erweist sich die so ermittelte Länge in sehr guter Übereinstimmung mit den Ergebnissen der
unterschiedlichen Berechnungsmodelle.

2. Klagenfurter Holzbau-Fachtagung D-30


Kapitel D: Untersuchung und Nachweisführung auflagernah ausgeklinkter
BSH/BSP-Plattenbalkenquerschnitte

Abb. 6.9: Vergleich der Schubspannungen im Bereich der Ausklinkung der Rippenplatte (x = 0), ermittelt mit
verschiedenen mechanischen Modellen und einer FEM-Analyse für eine aufgebrachte Kraft von F = 10 kN

- Querzugspannungen in der Ausklinkung


In Abb. 6.10 sind die auftretenden Normal- bzw. insbesondere Querzugspannungen im Interface
(Klebefuge) dargestellt. Wieder treten in den Ergebnissen der FEM-Berechnung im Bereich der
Ausklinkung ausgeprägte Spannungsspitzen auf, während diese für das vorgestellte Berechnungs-
modell deutlich geringer ausfallen.

Abb. 6.10: Vergleich der Querzugspannungen im Bereich der Ausklinkung der Rippenplatte (x = 0), ermittelt mit
verschiedenen mechanischen Modellen und einer FEM-Analyse für eine aufgebrachte Kraft F = 10 kN

D-31 2. Klagenfurter Holzbau-Fachtagung


6 Theorie zur Berechnung von Rippenplatten

Es bestätigen sich erneut die Vorhersagen des elastisch gebetteten Balkens bezüglich des raschen
Abklingens der Randstörungen für die Querzugspannungen. Für die betrachtete Konfiguration klingen
diese im Wesentlichen nach einer Länge von lediglich 100 mm bis 150 mm ab und schlagen
nachfolgend auf eine Beanspruchung auf Querdruck durch. Nach der charakteristischen Länge l0 (rund
500 mm) ist der Einfluss der Ausklinkung mehr oder weniger verschwunden (punktierte, vertikale
Linie in Abb. 6.10). Daraus kann gefolgert werden, dass die Rippe (auf Grund der
Krümmungsunterschiede des Gesamtsystems) im unmittelbaren Bereich der Ausklinkung dazu
tendiert, sich von der Platte zu lösen, um sich nach einer relativ geringen Länge auf dieser
abzustützen.
Dieser Umstand hat Konsequenzen auf die Anordnung der Verstärkungsmittel: Weil die
Querzugspannungen im Bereich der Ausklinkung eine ausgeprägte Spannungsspitze aufweisen, sind
ausgeklinkte Rippenplatten aus wirtschaftlichen Gründen jedenfalls mit z. B. Vollgewindeschrauben
oder eingeklebten Gewindestangen in einem definierten Bereich der Ausklinkung zu verstärken. Je
näher zur Ausklinkung die Verstärkungsmaßnahmen eingebracht werden, desto effektiver sind diese
wirksam. Einerseits sind dabei die Mindestrandabstände der Verbindungsmittel zum Hirnholzende hin
einzuhalten, um ein vorzeitiges Ausziehen oder Ausscheren des beanspruchten Hirnholzteiles der
Rippe zu vermeiden. Andererseits fallen die Verstärkungsmittel bei einem zu großen Abstand vom
Rippenende in den Bereich von Druckspannungen und verlieren damit ihre Wirkung. Es kommt zu
einem Aufreißen des Bereichs bis zur Verstärkungsmaßnahme und damit zum Verlust der wirksamen
Länge der Rippen, wodurch wiederum Leistungseinbußen des Bauteils einhergehen. Im Übrigen ist
festzuhalten, dass die durch die Verstärkung übertragbare Kraft im Allgemeinen auf Grund der oftmals
geringen Plattendicke durch die Ausziehtragfähigkeit der Verstärkung im Fügeteil 1 (Platte) limitiert
wird. Für eine Optimierung der übertragbaren Kraft kann zu diesem Zweck eine spezielle
Produktentwicklung angeregt werden.
Bei Anwendung von Glg. (3) auf die Prüfkonfiguration kann, unter Vernachlässigung des Faktors 1,3,
ein Faktor von 0,778 mal der, in der Ausklinkung wirkenden Querkraft für die, von der Verstärkung
aufzunehmenden Kraft ermittelt werden. Wird dieselbe Berechnung mit dem vorgestellten Modell
durchgeführt, ergibt sich ein Mittelwert von rund 1,00 für die BSH-Rippe bzw. 1,14 für die
BSH/BauBu-Rippe, während sich dieser Faktor für Ergebnisse der FEM -Berechnung zu 1,09 bzw.
1,17 errechnet. Selbstverständlich hängt dieser von den geometrischen Abmessungen und den
Baustoffeigenschaften ab und kann daher nicht verallgemeinert werden. Die untersuchte
Prüfkonfiguration ist als sehr schlank einzustufen und weist eine relativ große Distanz zwischen der
Auflagerlinie und dem Rippenende auf (x = 0.76 ⋅ h). Aus durchgeführten Berechnungen an
Rippenplatten mit veränderter Geometrie, insbesondere geänderten l/h-Verhältnissen, konnte
festgestellt werden, dass der genannte Faktor auch unter jenem, nach der Technischen Biegetheorie
bzw. der Dübelformel ermittelten, fallen kann. Zusammenfassend muss festgestellt werden, dass der
Anteil der durch die Verstärkung aufzunehmenden Kraft nur näherungsweise aus der, an der
Ausklinkung wirkenden Querkraft im Verbundbalken abgeschätzt werden kann und eine genauere
Berechnung, z. B. mit dem vorgestellten Modell, durchgeführt werden sollte.

6.4.4 Ergänzende Anmerkungen

Bezüglich der festgestellten Differenzen zwischen dem Berechnungsmodell und der FEM-Analyse ist
festzustellen, dass die Berechnungen in Abschnitt 3.3 mit der wirksamen Breite bef des Verbundträgers
in Feldmitte gemäß [13] durchgeführt wurden. Klarerweise führt eine Berechnung mit einer
verminderten wirksamen Breite bef zu Umlagerungen der Beanspruchungen im Querschnitt mit
ansteigenden Schubspannungen zu den Auflagern hin. Der Verbundquerschnitt verliert dadurch an
Biegesteifigkeit und dessen Durchbiegung steigt an. Während auf die Normalspannungen kein
größerer Einfluss erkennbar wird und diese daher mit der wirksamen Breite bef des Verbund-

2. Klagenfurter Holzbau-Fachtagung D-32


Kapitel D: Untersuchung und Nachweisführung auflagernah ausgeklinkter
BSH/BSP-Plattenbalkenquerschnitte

querschnitts in Feldmitte ermittelt werden können, sollte zur Ermittlung der Schubspannungen die
Verringerung der wirksamen Breite zum Auflager hin berücksichtigt werden (siehe punktierte,
vertikale Line in Abb. 6.9). Auf der konservativen Seite liegend kann diese mit der wirksamen Breite
bef über dem Auflager erfolgen. Dieser Umstand wurde bei den vorgestellten Berechnungen nicht
berücksichtigt.
Weiters kann angenommen werden, dass sich die aufgetretenen Unterschiede durch Anwendung einer
realitätsnäheren elastisch-plastischen bzw. höherstehenden Materialmodellen erklären lassen. Es ist
anzunehmen, dass sich die Spannungsspitzen im Bereich der Ausklinkung verringern und sich das
vorgestellte Modell damit bestätigen lässt. Entsprechende numerische Untersuchungen dazu sind in
Planung. Jedenfalls sollte sich bei Anwendung des adaptierten Modells von Abdelouahed eine, für die
Praxis ausreichende Genauigkeit bzw. Zuverlässigkeit für die Berechnung der Ausklinkung erzielen
lassen.
Die Berechnungen in diesem Beitrag wurden mit Mittelwerten der Bauteilsteifigkeiten durchgeführt.
In der praktischen Anwendung ist es zielführend auch Kombinationen der Steifigkeitswerte der
Fügeteile für hohe und niedrige Quantilwerte der Baustoffsteifigkeitwerte zu untersuchen, weil sich
damit höhere Spannungsspitzen für die Schub- und Normal- bzw. Querzugbeanspruchungen in der
Klebefuge ergeben können.
Wie mit Hilfe der durchgeführten Prüfungen bestätigt werden konnte ist es möglich mit Hilfe der
Verstärkungsmaßnahmen die entstehenden (resultierenden) Querzugkräfte aufzunehmen und damit
einen progressiven Rissfortschritt von der Ausklinkung zur Trägermitte hin zu unterdrücken. Somit
verbleiben die zu übertragenden Schubspannungen im Bereich der Randstörung als bemessungs-
relevante Größe. Diese Feststellung ist in Überstimmung mit den Ergebnissen in [10].
Auf Grund der Tatsache, dass die gestörte Zone im Bereich der Ausklinkung auf die charakteristische
Länge des elastisch gebetteten Balkens l0 beschränkt bleibt kann die Bemessung des
Ausklinkungsdetails näherungsweise an einem Kragarmmodell (siehe Abb. 6.9 und Abb. 6.10)
erfolgen. Bei Anwendung einer passend gewählten Bettungsziffer und der entsprechenden
zugehörigen Spannungen und Schnittgrößen konnte gezeigt werden, dass damit sehr gute
Übereinstimmungen mit Ergebnissen von 2D-FEM Berechnungen erzielt werden konnten.
An Hand einer durchgeführten FEM-Berechnung zeigte sich, dass die Zone mit komplexer
Spannungsverteilung sich auf einen Bereich von rund der Höhe der Rippe konzentriert. Diese
Feststellung deckt sich wiederum mit dem St. Venant’schen Prinzip, wonach Störungen im
Kraftverlauf innerhalb einer charakteristischen Bauteilabmessungen abklingen.

7 Zusammenfassung
In diesem Beitrag wurden Ergebnisse von Prüfungen und eine Methode zur Berechnung von
Rippenplatten aus Holz vorgestellt. Diese Bauteile sind eine effektive und wirtschaftliche Möglichkeit
um Deckenkonstruktionen aus Holz mit einer Spannweite von – sinnvollerweise – mehr als 6 m
auszuführen. Dabei werden im Allgemeinen nicht die Nachweise der Tragfähigkeit, sondern meist
jene der Gebrauchstauglichkeit (Durchbiegungen und Schwingungen) bemessungsrelevant, d. h. es ist
in erster Line eine hohe Biegesteifigkeit zur Erfüllung der zu führenden Nachweise erforderlich. Eine
Möglichkeit dazu ist die Ausführung von verrippten und damit orthotropen Bauteilen.
Rippenplatten werden im Holzbau aus einem plattenförmigen Bauteil (z. B. Brettsperrholz) und
stabförmigen Rippen (z. B. aus Brettschichtholz) zu einem Verbundbauteil verklebt. Alternativ können
dazu auch andere Vollholz- und Holzwerkstoffe bzw. Baustoffe wie Beton als Platte (Holz-Beton-
Verbundquerschnitte) oder Stahltrapezprofile (als Rippe) Verwendung finden. In der Baupraxis ist es

D-33 2. Klagenfurter Holzbau-Fachtagung


7 Zusammenfassung

zielführend die Rippen in einem Abstand vor den darunterliegenden Wänden enden zu lassen und die
Platte auf diesen zu lagern. Damit entsteht ein mechanisch anspruchsvolles Konstruktionsdetail, eine
sog. „Ausklinkung“, für das geeignete Berechnungsmethoden zu entwickeln und anzuwenden sind.
Auf diese Weise können effiziente und wirtschaftliche Holzbauteile hergestellt werden, die darüber
hinaus auch Vorteile in Hinblick auf Fragestellungen der Gebäudetechnik/Leitungsführung sowie der
Bauphysik bieten.
Eingangs dieses Berichtes werden Prüfungen und Ergebnisse an verklebten, bauteilgroßen
Rippenplatten aus BSP (Platte) und BSH (Rippe) geschildert. Dabei zeigt sich, dass die Ausklinkung
zur Ausführung wirtschaftlicher Bauteile jedenfalls zu verstärken ist. Dazu bieten sich z. B.
Vollgewindeschrauben und/oder eingeklebte Gewindestangen an. Wesentlich ist, dass die
Verstärkungsmaßnahmen in erster Linie zur Aufnahme der im Interface – der Klebefuge zwischen
Platte und Rippe − entstehenden Querzugspannungen bzw. der daraus resultierenden Kräfte dienen,
während die auftretenden Schubspannungen großteils durch die Klebefuge auf die angrenzenden
Fügeteile übertragen werden müssen. Um die Leistungsfähigkeit des Verbundquerschnittes
auszunützen, sollten die Rippen an ihrer Unterseite aus einem hochleistungsfähigen Baustoff (z. B.
asymmetrisch aufgebauten BSH-Rippen oder Furnierschichtlamellen) bestehen.
Alternativ zur Holz-Holz-Lösung können auch Querschnitte mit anderen Baustoffen aufgebaut
werden. So wurde ein BSP-Element mit einem Stahltrapezblech und – bei einigen Prüfkörpern – mit
zusätzlichen Stahllamellen bzw. einem CFK-Streifen, verklebt und es zeigte sich, dass damit ebenfalls
die Umsetzung sehr steifer und damit leistungsfähiger Querschnitte ermöglicht wird. Die
entsprechenden Prüfungen konzentrierten sich dabei ausschließlich auf die mechanische Fragestellung.
Auf, für die praktische Umsetzung ebenso relevante Fragestellungen, wie Brandschutz und Bauphysik
wurde vorerst nicht weiter eingegangen.
Im dritten Teil dieses Beitrages wurde ein mechanisches Berechnungsmodell vorgestellt, mit dem es
möglich ist die, in der Ausklinkung auftretenden, hohen Schub- und Normalspannungsspitzen mit
ausreichender Genauigkeit zu berechnen. Dabei wurde auf ein analoges Verfahren zur Berechnung
von verstärkten Stahlbetonbalken (siehe Abdelouahed [14]) zurückgegriffen und dieses an einzelnen
Stellen für die Anwendung auf die vorliegende Themenstellung des Holzbaus adaptiert. Anhand einer
durchgeführten experimentellen Überprüfung und einer linear-elastischen FEM-Berechnung konnte
die prinzipielle Eignung des vorgeschlagenen Modells zur Berechnung der Ausklinkung bestätigt
werden. Dies insbesondere unter Bedachtnahme, dass das erwähnte Modell eine Stabwerkslösung, also
ein 1D-Element darstellt, dass zur Lösung eines 2D-Problems im Bereich der Ausklinkung
herangezogen wird. Für eine Verwendung in der Praxis sind jedoch noch Zusatzuntersuchungen sowie
weitere Vergleichsrechnungen erforderlich. Sollten genauere Berechnungen erforderlich sein, bietet
sich ohnedies der Einsatz von numerischen Methoden (FEM) unter Verwendung höherer
Materialmodelle sowie 3D-Analysen an.
Abschließend kann festgestellt werden, dass Rippenplatten aus BSP und BSH äußerst effiziente,
leistungsfähige und wirtschaftliche Bauteile sind, mit denen Deckenkonstruktionen von 6 m bis rund
15 m in Holzbauweise umgesetzt werden können. Neben statischen Gesichtspunkten können damit
auch Anforderungen der Haustechnik/Leitungsführung und der Bauphysik sehr elegant und
wirtschaftlich erfüllt werden. Mit den Rippendecken wurden dem Bauen mit Holz bereits seit einiger
Zeit neue Anwendungsfelder erschlossen, die noch vor rund 15 Jahren nicht in dieser Form, und vor
allem Wirtschaftlichkeit, möglich waren. Aus technischer Sicht steht einem verstärkten Einsatz dieser
Systemkomponente nichts im Wege.

2. Klagenfurter Holzbau-Fachtagung D-34


Kapitel D: Untersuchung und Nachweisführung auflagernah ausgeklinkter
BSH/BSP-Plattenbalkenquerschnitte

8 Danksagung
Die Bearbeitung des vorgestellten Forschungsprojektes erfolgte im Rahmen des Arbeitspakets 1.2.2
des FFG COMET K-Programmes „focus_sts“ an der holz.bau forschungs gmbh in Graz. Dieses
Programm wird mit Mitteln des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Wirtschaft, des
Ministeriums für Transport, Innovation und Technologie, der Steirischen Wirtschaftsförderungs-
gesellschaft SFG und dem Land Steiermark (Abteilung 12), dem Kärntner Wirtschaftsförderungs
Fond, dem Land Niederösterreich, Abteilung Wirtschaft, Tourismus und Technology und der
Standortagentur Tirol sowie Beiträgen der im Projekt „focus_sts“ vertretenen Unternehmens- und
Wissenschaftspartner gefördert.

9 Literaturverweise
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Querschnitten und nachgiebigen Verbindungs-mitteln, Diss., Karlsruhe University of Technology, 1956
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Verbundtheorie, Diss., Graz University of Technology, 1966
[3] Schelling, W.: Die Berechnung nachgiebig verbundener, zusammengesetzter Biegeträger im
Ingenieurholzbau, Diss., TH Karlsruhe, 1968
[4] Heimeshoff, B.: Zur Berechnung von Biegeträgern aus nachgiebig miteinander verbundenen Quer-
schnittsteilen im Ingenieurholzbau, Holz als Roh- und Werkstoff 45 (1987) p. 237-241
[5] Kreuzinger, H.: Verbundkonstruktionen aus nachgiebig miteinander verbundenen Querschnitts-teilen,
Proceedings Karlsruher Tage, 2000
[6] Schickhofer, G.: Starrer und nachgiebiger Verbund bei geschichteten, flächenhaften Holzstrukturen, Diss.,
Graz University of Technology, 1994
[7] Mistler, L.: Die Tragfähigkeit des am Endauflagers unten rechtwinklig ausgeklinkten Brettschicht-trägers,
Diss., Karlsruhe University of Technology, 1979
[8] Henrici, D.: Beitrag zur Spannungsermittlung in ausgeklinkten Biegeträgern aus Holz, Diss., Munich
University of Technology, 1984
[9] Gustafson, P. J.: A study on strength of notched beams, Proceedings of the CIB-W18 Meeting 21,
Parksville, Canada, Paper No. CIB-W18/21-10-1, 1988
[10] Jockwer, R.: Structural Behaviour of Glued Laminated Timber Beams with Unreinforced and Reinforced
Notches, Diss., ETH Zürich, 2014
[11] ÖNORM EN 1995-1-1:2015, Eurocode 5: Bemessung und Konstruktion von Holzbauten ‒ Teil 1-1:
Allgemeines ‒ Allgemeine Regeln für den Hochbau (konsolidierte Fassung), Österreichisches
Normungsinstitut, Wien
[12] ÖNORM EN 14358:2007, Berechnung von 5%-Quantile für charakteristische Werte und Annahmekriterien
für Proben, Österreichisches Normungsinstitut, Wien
[13] Bogensperger: Darstellung und praxistaugliche Aufbereitung für die Ermittlung mitwirkender Plattenbreiten
von BSP-Elementen, Forschungsbericht zum COMET K-Programm "focus_sts", Task focus_sts 2.2.3_1,
holz.bau forschungs gmbh, Graz, 2013 (unveröffentlicht)
[14] Abdelouahed, T.: Improved theoretical solution for interfacial stresses in concrete beams strengthened with
FRP plate, Int. Journal of Solides and Structures 43 (2006), p. 4154-4174
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of Solids and Structures 46 (2009), p. 4181-4191
[17] Tanahashi, H., Okamura, M., Suzuki, Y.: Simple Formulation of Elasto-Plastic Embedment Behavior of
Orthotropic Wood Considering Densification, WCTE 2008, Paper ID 217, Miyazaki, Japan, 2008
[18] Volkersen, O.: Die Schubraftverteilung in Leim-, Niet- und Bolzenverbindungen, Energie und Technik
(Journal), March 1953, p. 68-71; May 1953, p. 103-108, July 1953, p. 150-154
[19] Zimmer, S. E.; Augustin, M.: Timber Steel Composites – A Possibility for Hybrid Structures of Long Span
Timber Floors, WCTE 2016, Wien

D-35 2. Klagenfurter Holzbau-Fachtagung


9 Literaturverweise

[20] Zimmer, S. E., Augustin, M.; Vibrational Behaviour of Cross Laminated Timber Floors in Residential
Buildings, WCTE 2016, Wien
[21] Augustin, M., Zimmer, S. E., Bogenperger, T., Sleik, T.; A Contribution to the Design of Ribbed Plates,
WCTE 2016, Wien
[22] Wolfthaler, F., Augustin, M.: Development of a measurement screw and application for laboratory tests and
building monitoring, WCTE 2016, Wien

2. Klagenfurter Holzbau-Fachtagung D-36