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BERUFLICHE

SELBSTVERWIRKLICHUNG

Anchu Kögl
Der Weltuntergang rettete mich
„Die zwei bedeutendsten Tage in deinem Leben sind der Tag an dem du geboren
wurdest, und der Tag an dem du herausfindest, warum."

Mark Twain

In diesem Ratgeber möchte ich dir erklären, wie du einen Beruf findest, in der dich
erfüllt. Jahrhundertelang waren die meisten Menschen von der Sicherung ihrer
Existenz so in Anspruch genommen, dass die Frage, ob sie ihre Arbeit erfüllt, keine
Relevanz hatte. Doch heutzutage können sich viele Menschen in der westlichen Welt
diesem „Luxusproblem“ widmen. Wir haben die Möglichkeit, einer Arbeit
nachzugehen, die sich finanziell lohnt, die uns sinnvoll erscheint und die uns
emotional erfüllt. Diese Chance sollten wir nutzen und genau deshalb habe ich diesen
Ratgeber geschrieben. Denn die immer noch weit verbreitete Einstellung, dass es in
Ordnung sei, einer Arbeit nachzugehen die uns nicht erfüllt, solange wir uns das
Leben leisten können, was wir wollen, ist meiner Meinung nach einer der großen
Denkfehler unserer modernen Gesellschaft. Doch das musste ich erst lernen. Deshalb
beginne ich mit einer kurzen Geschichte.

Es war der Frühling im Jahr 2011 und ich machte gerade ein Auslandssemester in
Italien. Ich studierte Wirtschaftsingenieurwesen im sechsten Semester und hatte eine
Karriere in einer großen Firma angepeilt. Eigentlich. Eines Abends ging ich mit
meiner damaligen Freundin spazieren, einer zuckersüßen Brasilianerin. Ich weiß
nicht mehr, wie wir auf das Thema Weltuntergang kamen. Doch wir stellten uns die
Frage, was wir tun würden, hätten wir die Gewissheit, dass 2012 – wie von einigen
vorausgesagt – die Welt untergehen würde. Ich sagte damals:

„Ich würde bis dahin so viel reisen wie ich nur könnte und mein Leben genießen. Und
ich würde ein Buch schreiben.“

„Du würdest ein Buch schreiben, Anchu?“


„Ja, davon habe ich schon immer geträumt, auch wenn ich es noch nie jemandem
gesagt habe.“

Das, was eigentlich nur eine humorvolle Unterhaltung über den Weltuntergang war,
veränderte im Nachhinein maßgeblich mein Leben. Denn diese Unterhaltung lies
mich nicht mehr los. In den Wochen und Monaten danach fragte ich mich immer
wieder, warum ich mein Leben komplett anders leben würde als ich es tat, nur weil
ich die Gewissheit hätte, das es bald vorbei wäre. Ich fragte mich immer wieder:

Sollte ich denn mein Leben nicht auch ohne diese grausame Gewissheit so leben, wie
ich es mir wünsche?

Im Spätsommer des selben Jahres war mein Auslandssemester zu Ende und ich zog
zurück nach Deutschland. Ich war mittlerweile im siebten Semester und fing ein
Praktikum in einer internationalen Firma an. Von morgens 9 Uhr bis abends um 18
Uhr, montags bis freitags. Nach zwei Wochen war ich todunglücklich. Das Praktikum
erfüllte mich nicht – ich sah darin keinen Sinn und es machte mir keinen Spaß – und
mir wurde klar, dass es mir mit meinem Studium ähnlich ging. Daraufhin überkam
mich immer mehr das Gefühl, dass mich meine bis dato beruflichen Ziele – Karriere
in einer großen Firma machen und viel Geld verdienen – wahrscheinlich auch nicht
erfüllen werden. Damals bekam ich für das Praktikum monatlich 400 Euro. Ich fragte
mich daraufhin, ob es einen Unterschied machen würde, ob ich statt 400 Euro im
Monat 10.000 Euro bekommen würde. Als Wirtschaftsingenieur ist das nach einigen
Jahren durchaus ein Betrag, den ich hätte verdienen können. Ich brauchte einige Zeit,
um mir diese Frage zu beantworten, denn ich wollte die Antwort zuerst nicht
wahrhaben. Als ich letztendlich ehrlich zu mir selbst war – was häufig das
schwierigste ist – war meine Antwort ein klares Nein.

Die Höhe des Gehalts würde überhaupt keinen Unterschied machen. Selbst wenn ich
10.000 Euro im Monat verdienen würde, wäre ich immer noch unglücklich und
unzufrieden, nur eben in einer größeren Wohnung, mit einem Sportwagen vor der Tür
und einem maßgeschneiderten Anzug. Um meine Seele vor dem Untergang zu
bewahren würde ich ein oder zwei Mal im Jahr einen Luxusurlaub machen und mir
einreden, wie gut es mir doch geht. Klingt absurd? Absolut. Und trotzdem machen es
viele Menschen. Als ich das realisierte, fasste ich meinen ganzen Mut zusammen und
kündigte mein Praktikum. Daraufhin machte ich nur das Allernötigste, um noch
irgendwie meinen Bachelorabschluss zu machen.

Seitdem war ich in über 25 Ländern, habe ein Buch geschrieben und bin
selbstständig. Ich lebe mein Leben selbstbestimmt. Ich lebe mein Leben nach meinen
Werten und so wie ich es will, nicht so, wie es andere von mir erwarten. Doch der
größte Unterschied ist, dass mich meine Arbeit erfüllt. Ich arbeite nicht wegen des
Geldes, weil ich durch meinen Job reisen kann oder wegen der Anerkennung anderer.
Ich arbeite, weil es mich erfüllt. Die Motivation, für das was ich tue, kommt von
innen – sie ist intrinsisch. Und das hat mein Leben radikal verändert.
Intrinsische Motivation
Intrinsische Motivation beschreibt das Bestreben, etwas aus eigenem Willen zu tun.
Weil wir in der Tätigkeit einen Sinn sehen, weil es für uns eine Herausforderung
darstellt und vor allem, weil uns die Tätigkeit erfüllt. Es ist gut möglich, dass du diese
Art von innerer Motivation kennst (Falls du gerade an Sex denkst, nein, die Art von
Motivation meine ich nicht). Vielleicht hast du während dem Studium an einem
Projekt gesessen für das du gebrannt hast. Oder du gehst einer ehrenamtlichen
Tätigkeit nach, die dir Spaß macht. Es kann auch sein, dass es dein Hobby ist, etwas
grandioses herzustellen. Bei diesen Aktivitäten spielt Geld und äußere Anerkennung
für uns keine Rolle. Wir tun diese Dinge leidenschaftlich gerne und opfern dafür viel,
denn die Motivation ist intrinsisch. Extrinsische Motivation bezeichnet hingegen das
Bestreben, bestimmte Leistungen zu erbringen, weil man eine Belohnung erwartet
(Geld, Anerkennung) oder Bestrafung vermeidet (Kündigung, schlechte Zensuren).

Die Autoren Coon Jik Cho und James Perry analysierten in einer Untersuchung
Daten von über 200.000 Beschäftigen. Die Resultate zeigten, dass das Level an
Motivation dreimal stärker an intrinsische Motive gekoppelt war als an extrinsische.
Mitarbeiter, die intrinsisch motiviert sind, sind etwa dreimal engagierter als solche,
die sich von extrinsischen Anreizen wie zum Beispiel Geld leiten lassen. Sind wir
also intrinsisch motiviert, genießen wir unsere Arbeit mehr und sind bereit, uns mehr
dafür einzusetzen.

In der intrinsischen Motivation und der Suche nach Erfüllung in der Arbeit sehe ich
vor allem das Streben nach Selbstverwirklichung. In der weltbekannten
Bedürfnispyramide des amerikanischen Psychologen Abraham Maslow zählt
Selbstverwirklichung zu einem der fünf großen Bedürfnisfelder des Menschen. Unter
Selbstverwirklichung versteht man generell die Umsetzung der eigenen Ziele und
Wünsche sowie das optimale Nutzen von unseren individuellen Möglichkeiten und
Talenten. Das impliziert, sich von äußeren Einflüssen und Zwängen freizumachen,
das Leben zu führen, das man führen will und zu demjenigen Menschen zu werden,
der man sein möchte. Selbstverwirklichung beschränkt sich somit nicht nur auf die
berufliche Ebene, sondern auf unser ganzes Sein und Tun. Doch unsere Arbeit nimmt
zeitlich, emotional und psychisch einen großen Teil unseres Lebens ein und spielt
somit eine zentrale Rolle in unserem Streben nach Selbstverwirklichung.

Häufig entscheiden wir uns jedoch nicht intrinsisch motiviert für ein Studium oder
einen Beruf, sondern treffen unsere Entscheidung extrinsisch motiviert. Wir
entscheiden uns basierend auf Dingen wie Einkommen, sozialer Anerkennung und
Sicherheit, wobei ein hohes Einkommen oder die Aussicht darauf häufig der
wichtigste Faktor ist. Auch ich entschied mich damals vor allem wegen der guten
Karriereaussichten für mein Studium. Häufig basiert unsere Studiums- und
Berufswahl somit auf extrinsischer Motivation und deshalb erfüllt uns unsere Wahl
nur selten. Auch nicht, wenn wir sehr viel verdienen.

Der Autor Tim Judge und seine Kollegen kamen in einer Analyse, in der 120 Jahre
Forschung und insgesamt 92 Studien einbezogen wurden, zu dem Ergebnis, dass der
Zusammenhang zwischen Gehalt und Zufriedenheit im Beruf unter 2% liegt. Doch ist
nicht nur der Zusammenhang zwischen Einkommen und Zufriedenheit im Beruf
gering. Auch der Zusammenhang zwischen Einkommen und wahrgenommenem
Glück ist kaum vorhanden. Der Psychologe und Nobelpreisträger Daniel Kahneman
und sein Kollege Angus Deaton untersuchten den Zusammenhang von Geld und
Glück anhand von 450.000 US-Bürgern. Ihr Ergebnis ist, dass das Glücksgefühl der
Menschen bei steigendem Einkommen mitwächst, allerdings nur bis zu einem
Einkommen von ca. 75.000 Dollar (60.000€) pro Jahr. Verdienen wir weniger als
60.000€ im Jahr, kann unserer Glück noch mit steigendem Gehalt wachsen. Doch nur
bis 60.000€ Jahresgehalt. Verdienen wir mehr als das, egal, wie viel mehr, hat das
keine Auswirkungen mehr auf unser wahrgenommenes Glück.

Auf der anderen Seite kann man in vielen Ländern ein überraschendes Phänomen
beobachten: Obwohl in den letzten Jahren das durchschnittliche Einkommen pro
Kopf gestiegen ist, blieb das durchschnittliche Glücksniveau konstant oder sank
sogar. Die Menschen können sich viel mehr leisten, sind dadurch aber nicht
glücklicher. In Deutschland zum Beispiel hat sich zwischen 1970 und 2000 das um
die Preissteigerungen bereinigte Pro-Kopf-Einkommen beinahe verdoppelt, jedoch
kaum die allgemeine Lebenszufriedenheit.1

Der Autor Roman Krznaric behauptet, dass das Fehlen einer eindeutigen positiven
Korrelation zwischen steigendem Einkommen und wachsendem Glück eine der
größten Erkenntnisse der modernen Sozialwissenschaften ist. Auch der Philosoph und
Emotionswissenschaftler Aaron Ben-Ze’ev ist der Meinung, dass es keinen
durchgängigen Zusammenhang zwischen wirtschaftlicher Situation und vermehrten
Glück gibt.

Meine persönliche Empfindung ist ähnlich und ich bin der Meinung, dass die
Relation zwischen Einkommen und Glück sehr gering ist. Wenn man zum Beispiel
die Lebensfreude der Menschen in Südamerika für eine längere Zeit erlebt hat und
dann nach Deutschland zurückkehrt, ist man über die generelle Unzufriedenheit
vieler deutscher verwundert, obwohl es uns häufig finanziell deutlich besser geht. Für
mich ist Unzufriedenheit und Nörgeln übrigens eine typische deutsche
Volkskrankheit. Letzten endes denke ich, dass weniger das Einkommen, als Dinge
wie Familie, Freunde, Beziehungen, Selbstverwirklichung und das Wetter einen
Einfluss auf unser Glück haben.

Doch mal abgesehen von Studien, Theorien und der Meinungen von Experten und
meiner Wenigkeit: Wie steht es mit dir? Falls du momentan unzufrieden mit deinem
Job bist, stelle dir doch mal die gleiche Frage, die ich mir vor ein paar Jahren
während meines Praktikums gestellt habe: Wäre ich zufriedener und glücklicher mit
meinem Beruf, wenn ich das doppelte oder sogar dreifache verdienen würde?

Ich bin mir ziemlich sicher, dass deine Antwort nein ist. Vielleicht würde das höhere
Einkommen deine Lebensumstände verbessern und du könntest dir damit einige, an
Geld gekoppelte, Wünsche und Träume erfüllen, doch dein Gehalt wird nicht
beeinflussen, wie sehr dich deine Arbeit erfüllt. Auch würdest du durch das höhere
Einkommen sehr wahrscheinlich nicht viel glücklicher sein als vorher, denn wir

1 Glück. Die Sicht der Ökonomie - Bruno S. Frey und Claudia Frey Marti
Menschen gewöhnen uns allzu schnell an die neuen Lebensumstände. Erfreust du
dich zunächst an deinem neuen Haus, Auto oder Uhr, so wirst du dich schnell daran
gewöhnen. Wir wissen zum Beispiel, dass Lottogewinner nicht glücklicher sind als
einfache Leute und nur wenig glücklicher als Menschen, die vor kurzem durch einen
Unfall gelähmt worden waren.2

Ich bin der Meinung, dass dich ein Beruf erst erfült, wenn du für ihn intrinsisch
motiviert bist. Ähnlich sieht es der schweizer Wirtschaftswissenschaftler Bruno S.
Frey und behauptet, dass Menschen, die intrinsisch motivierten Zielen folgen,
tendenziell glücklicher sind, als solche, die nach externen Dingen wie Geld und
Anerkennung suchen.

Doch das verdrängen wir häufig. Ist unser Beruf nicht erfüllend reden wir uns ein,
dass wir uns damit ja ein tolles Leben leisten können und dass die Arbeit ja nur acht
Stunden am Tag dauert. Jedoch machen wir uns damit etwas vor. Erstens – wie wir
gerade gesehen haben – macht uns ein höheres Einkommen oder materieller
Wohlstand kaum glücklicher. Zweitens sind es nicht nur acht Stunden, die wir mit
Arbeit verbringen, sondern ein Großteil des Tages. Zu den acht Stunden reiner
Arbeitszeit addieren sich häufig Hinfahrt, Rückfahrt und Mittagspause. Dazu kommt
die Zeit, die wir zwar nicht physisch bei der Arbeit sind, aber gedanklich. Wenn du
den Sonntagabend nicht genießt, weil du schon wieder an Montagmorgen denkst, bist
du indirekt am arbeiten. Versuch das mal deinem Chef zu erklären ...

Was ist also der eigentliche Deal, den wir häufig eingehen? Wir tauschen fünf gegen
zwei. Fünf Tage etwas tun, dass uns nicht erfüllt, und dafür zwei Tage frei zu haben.
Nicht unbedingt clever.

Seitdem das Buch „Die 4-Stunden-Woche“ von Timothy Ferriss erschienen ist,
träumen immer mehr Menschen davon, ein passives Einkommen zu haben und kaum
arbeiten zu müssen. Ich halte davon nicht viel. Es geht nicht darum, den ganzen Tag
frei zu haben. Was zum Teufel willst du den ganzen Tag machen? Früher oder später

2 Die Logik der Gefühle. Kritik der emotionalen Intelligenz – Aaron Ben-Ze‘ev
wird einem langweilig und man fühlt sich nutzlos. Ich habe es bei mir selbst gemerkt:
Die Zeit, in der ich nichts tat und keine Ziele verfolgte, fühlte ich mich ziellos,
verloren und unzufrieden. Ähnliches ist mir bei anderen Menschen, die wenig bis gar
nicht arbeiten, aufgefallen. Das Problem ist demnach nicht, viel zu arbeiten, sondern
dauerhaft etwas zu tun, was uns nicht erfüllt.

Doch genau das, tun so viele. In der Mehrzahl der Umfragen in westlichen Ländern
ist mindestens die Hälfte der Befragten mit ihrem Beruf unzufrieden. Des Weiteren
ergab eine europaweite Studie, dass 60% der Befragten einen anderen Beruf wählen
würden, wenn sie noch ein Mal von vorne anfangen könnten. Doch warum kommt es
soweit? Warum entscheiden wir uns häufig für ein Studium oder einen Beruf, der uns
nicht erfüllt? Und die vielleicht noch wichtigere Frage, warum verharren wir dann
auch noch solange bei unserer Entscheidung?

Dass wir uns für das falsche Studium oder den falschen Beruf entscheiden, liegt
häufig am Einfluss der Gesellschaft und unseres Umfeldes. Dass wir solange bei
unserer Fehlentscheidung verharren hängt hingegen mit der investierten Zeit und
Energie in der Vergangenheit zusammen. Beides erscheinen mir sehr wichtige
Faktoren, um ein besseres Verständnis für unsere bisherigen Entscheidungen zu
haben und deshalb werde ich im Folgenden ein bisschen genauer auf diese Faktoren
eingehen.

Der Einfluss der Gesellschaft
Ich bin kein Fan davon, die Schuld anderen in die Schuhe zu schieben. Das ist nur ein
Vermeidungsverhalten und führt dazu, dass wir keine Eigenverantwortung
übernehmen. Jedoch ist Eigenverantwortung der erste Schritt jeder Veränderung,
schließlich sind wir für alles zu 100% verantwortlich Natürlich gibt es Dinge, auf die
wir keine Kontrolle ausüben können, wie zum Beispiel eine Krankheit oder einen
Todesfall, jedoch können wir immer entscheiden, wie wir darauf reagieren. Trotzdem
ist es wichtig zu verstehen, was für externen Einflüssen wir ausgesetzt sind, denn das
kann uns dabei helfen, unsere eigenen Entscheidungen und Motivationen besser
nachzuvollziehen und zu überdenken. Gerade bei dem Thema Studiums- und
Berufswahl finde ich es interessant, wie uns unser Umfeld häufig stark beeinflusst.

Als ich 10 Jahre alt war, hatte ich einen Freund, der nach der Schule nie Zeit zum
Spielen hatte. Er hatte abwechselnd Nachhilfeunterricht, Fußballtraining und
Englischkurse. An der Wand in seinem Zimmer hing außerdem eine
Wochenübersicht, auf der verschiedene Aufgaben aufgelistet waren. Dort standen
Dinge wie Zähneputzen, Zimmer sauber machen, lernen und der eben erwähnte
Nachhilfeunterricht und Englischkurs. Es waren insgesamt sieben oder acht
Aufgaben. Jeden Wochentag musste er in das entsprechende Feld dieser Aufgaben
entweder einen grünen, gelben oder roten Aufkleber setzen. Grün bedeutete, er hatte
die Aufgabe gut gemacht. Gelb hieß mittelmäßig. Rot bedeutete schlecht, zum
Beispiel vergessen. Er wurde somit fürs Zähneputzen bewertet. Der Vater von
meinem damaligen Freund war Arzt. Ich gehe mal davon aus, dass er wollte, dass aus
seinem Sohn mal was Ordentliches wird.

Die westliche Kultur räumt Geld, materiellem Besitz und sozialem Status einen sehr
hohen Stellenwert ein. Schon sehr früh geraten wir somit in einen fragwürdigen
Strudel aus Zeit-, Leistungs- und Erfolgsdruck. Wir werden in ein Bildungs- und
Arbeitssystem gedrängt, das persönliche Freiheit und individuelle
Entfaltungsmöglichkeiten kaum zulässt. Schule, Abitur, Studium und dann Karriere
ist der Weg, dem es zu folgen gilt. Raum für Schlenker und Selbstfindung ist kaum
vorhanden, schließlich soll der Lebenslauf möglichst lückenlos und geradlinig
verlaufen.

Wir sollen in unserer Gesellschaft nicht ausprobieren, experimentieren und


entdecken, sondern funktionieren und konsumieren. Doch genau diese unterdrückte
Neugier, dieser Entdeckerdrang, ist das, was wir brauchen, um überhaupt
herauszufinden, was wir eigentlich wollen. Stattdessen sollen wir uns mit 18 Jahren
entscheiden, was wir studieren sollen. Mit 18 Jahren wusste ich aber noch nicht mal,
was ein Ingenieur überhaupt macht. (Sind wir nicht alle manchmal ein bisschen
naiv?)

Es ist schwer, sich für ein Studium oder für einen Beruf zu entscheiden, wenn du nie
die Möglichkeit hattest, dich selbst kennenzulernen und herauszufinden, was du
eigentlich willst. Von vielen Menschen, die einen Beruf nachgehen, der sie erfüllt,
hört man, dass sie eine Zeit lange verloren waren und eine Art Sinnkrise hatten. So
ging es auch mir damals. Nach dem Gespräch über den Weltuntergang mit meiner
Ex-Freundin wusste ich erst mal über ein Jahr nicht, was ich wollte und habe kaum
was für mein Studium getan. Doch diese Zeit ist äußerst wichtig, schließlich ist es
eine Zeit der Reflexion und der Selbstfindung. In dieser Zeit geht es darum, sich
selbst besser kennenzulernen und zu entdecken, was einem wirklich wichtig ist. Doch
das ist ein Prozess der seine Zeit benötigt. Genau diese Zeit nehmen sich heutzutage
die wenigsten.

p.s. Monatelang als Backpacker unterwegs zu sein und dich jeden Abend mit Alkohol
und Joints wegzuschießen hat nicht viel mit Selbstfindung zu tun.

p.p.s. Monatelang nichts zu tun, außer auf der Couch rumzusitzen, Fernsehen zu
gucken und Chips zu fressen, genauso wenig.

Doch selbst wenn wir irgendwann herausfinden, was uns wichtig ist und was wir
gerne studieren oder beruflich machen wollen, treffen wir meistens auf
Schwierigkeiten.
Zum einen werden wir häufig mit den gesellschaftlichen Werten konfrontiert, wenn
unsere Wahl nicht einem vernünftigen Berufsbild entspricht. Erklärst du, dass du
Autor, Schauspieler, Astronaut oder Prinzessin werden willst, wirst du sehr
wahrscheinlich zu hören bekommen, dass du aufhören sollst zu träumen und doch
was Vernünftiges machen solltest. Ich bin hingegen der Meinung, vernünftig ist es,
wenn dich dein Studium oder Beruf erfüllt. Alles andere ist unvernünftig.

Zum anderen fällt es uns meistens sehr schwer, unser Studium abzubrechen oder den
Beruf hinter uns zu lassen, um uns etwas Neuem zu widmen. Das liegt vor allem an
dem Einfluss unserer Vergangenheit, auf den ich kurz eingehen möchte.
Der Einfluss der Vergangenheit
Selbst wenn wir uns sicher sind, dass wir nicht das richtige studieren oder höchst
unzufrieden im Job sind, fällt uns schwer, zu wechseln. Gerade im Beruf werden
viele Menschen erst einsichtig, wenn der Körper die Notbremse zieht – in Form von
einer Sinnkrise, anhaltenden Panikattacken oder einem Burn-out.

Doch warum fällt es uns oft so schwer, ein Studium oder Beruf hinter uns zu lassen,
selbst wenn wir wissen, dass es nicht das Richtige für uns ist? Das liegt vor allem an
unserer Vergangenheit. Um beruflich an dem Punkt zu kommen, an dem du jetzt bist,
musstest du Zeit und Mühen investieren. Vielleicht sogar Jahre oder Jahrzehnte.
Diese ganze Mühe und Zeit „wegzuwerfen“ um etwas Neues anzufangen, fällt
äußerst schwer. In der Ökonomie bezeichnet man das Phänomen als versunkene
Kosten. Es handelt sich hier um Kosten in Form von Geld, Zeit oder Energie, die in
der Vergangenheit entstanden sind und die nicht mehr reversibel sind. Durch diese
versunkenen Kosten hängen wir oft länger als wir eigentlich sollten an unserem
Studium oder Beruf, obwohl wir mit einem Wechsel vielleicht besser bedient wären.
Es fällt uns schwer, die investierte Zeit und Energie wegzuschmeißen, denn dann
wären sie ja unwiederbringlich verloren.

Doch sind es nicht nur die versunkenen Kosten, die uns einen Wechsel erschweren.
Auch das in der Psychologie bekannte Phänomen der Verlustaversion trägt seinen
Anteil dazu bei. Das Phänomen der Verlustaversion wurde erst malig von Daniel
Kahneman und Amos Tversky im Jahr 1979 erklärt. Dieses Phänomen bezeichnet die
menschliche Tendenz, Verluste höher zu gewichten als Gewinne. Wir ärgern uns
Beispielsweise mehr über den Verlust von 100€, als dass wir uns üben Gewinn von
100€ freuen.

Stehen wir also vor der Entscheidung, unsere jetzige Karriere aufzugeben, um uns
etwas anderem zu widmen, werden wir den Verlust von all den Jahren harter Arbeit
wahrscheinlich höher bewerten, als die neu entstandene Möglichkeit, etwas
nachzugehen, was uns erfüllt. Hast du zum Beispiel fünf Jahre Jura studiert und
merkst danach, dass es dich eigentlich nicht erfüllt, wirst du vor allem den hohen
versunkene Kosten in Form von Mühe und Zeit nachtrauern anstatt dich auf den
Gewinn zu freuen: Etwas nachgehen zu können, das dich erfüllt.

Doch in manchen Fällen ist ein Studiums- oder Berufswechsel die einzig richtige
Lösung. Selbst wenn dir dein Studium oder Beruf in der Vergangenheit mal gefallen
hat, heißt es nicht, dass das auch jetzt noch zutrifft. Wir verändern mit der Zeit uns
selbst und genauso unsere Werte, Ansichten und Präferenzen. Egal, wie erfüllend
unsere Wahl damals war, es macht keinen Sinn, länger daran festzuhalten, wenn es
dich nicht mehr erfüllt oder sogar krank macht.

Das Ganze ist sehr gut mit einer Partnerschaft vergleichbar. Selbst wenn man sich
früher mal abgrundtief geliebt hat, muss das nicht für immer gelten. Und ist man an
diesem Punkt angekommen, dann ist die beste Lösung eine Trennung, auch wenn das
oft verdammt hart ist.
Falsche Erwartungen
Bis jetzt haben wir gesehen, dass externe Dinge wie Geld oder Anerkennung uns
weder mehr Zufriedenheit im Beruf garantieren, noch dazu führen, dass wir
glücklicher sind. Finden wir stattdessen etwas, für das wir intrinsisch motiviert sind,
erfüllt uns diese Arbeit in den meisten Fällen und wir tun diese gerne. Auch haben
wir gesehen, dass der externe Einfluss der Gesellschaft und unseres Umfeldes häufig
dazu führt, dass wir eine falsche Studiums- oder Berufswahl treffen. Zuletzt bin ich
noch darauf eingegangen, dass es durch die in der Vergangenheit investierte Zeit und
Mühen häufig schwer ist, ein Studium abzubrechen oder einen Job zu wechseln, da
wir hohe versunkene Kosten haben. Jetzt bleibt also die wichtigste Frage zu klären:
Was will ich überhaupt und wie finde ich einen erfüllenden Beruf?

Bevor wir uns dieser Frage widmen, möchte ich mit vier falschen Glaubenssätzen
aufräumen, die uns daran hindern einen erfüllenden Beruf zu finden.

1. Lebensweg finden

Viele Menschen wollen ihren Lebensweg finden. Doch damit machen sie sich das
Leben unnötig schwer, den sie versuchen das Pferd von hinten aufzuzäumen. Anstatt
nach deinem Lebensweg zu suchen, solltest du anfangen, dich selbst besser
kennenlernen. Wenn du die Beweggründe für deine bisherigen Entscheidungen
verstehst und herausfindest, was in deinem Leben eine Bedeutung für dich hat, ist es
viel einfacher, dass du entdeckst, was der passende Beruf für dich sein könnte, als
wenn du nach deinem Lebensweg suchst. Wie vieles im Leben handelt es sich hier
um einen Prozess. Es ist eher unwahrscheinlich, dass du morgens aufwachst und
plötzlich haargenau weißt, was deine Lebensaufgabe ist. Doch je mehr du dich mit dir
selbst beschäftigst, dich selbst kennenlernst und herausfindest, was dir im Leben
wichtig ist, desto mehr kristallisiert sich heraus, was der richtige Beruf für dich ist.

2. Du kannst nicht alles haben

Es ist sehr wahrscheinlich, dass du nicht alles haben kannst. Was ich damit meine ist,
dass es den perfekten Beruf nicht gibt. Mir ist zum Beispiel meine persönliche
Freiheit sehr wichtig und genau das bietet mir mein Job. Ich kann machen, was ich
will. Dafür habe ich relativ wenig Sicherheit und sitze sehr viel vor dem PC, obwohl
ich gerne unter Menschen bin. Den Halbtagsjob, in dem du voll bezahlt wirst, viel mit
Menschen zu tun hast und im Freien bist, wo du viel reist und dir Sicherheit geboten
wird und wo du eigene Ideen mit einbringen kannst, diesen Job wirst du
wahrscheinlich nicht finden. Die eierlegende Wollmilchsau gibt es berufstechnisch
eher selten. Es geht also darum, Prioritäten zu setzen. Was ist mir am wichtigsten und
in welchem Bereich kann ich eher Kompromisse eingehen?

3. Spaß

Ein großer Denkfehler rund um das Thema Traumberuf, ist, dass dir deine Arbeit
immer Spaß machen muss. Dem ist nicht so. Ich zum Beispiel liebe meine Arbeit, das
habe ich schon erklärt. Doch das heißt noch lange nicht, dass ich sie immer genieße.
Es gibt Tage, da verfluche ich meinen Job und wünschte mir, ich wäre Pizzabäcker
geworden. Wenn du etwas willst, was dir immer Spaß macht, suche dir ein Hobby. Ja,
im besten Fall erfüllt dich dein Beruf auf einer tiefen Ebene, doch das heißt noch
lange nicht, dass es immer Spaß machen wird. Es geht um das große Ganze, nicht
darum, jede einzelne Sekunde deiner Arbeit zu genießen. Wie schon einst Charles
Bukowski schrieb:

„Finde was du liebst und lass es dich töten.“

(Find what you love and let it kill you)

4. Die Angst vor dem Erfolg

Das, was uns wohl am meisten davon abhält, einen erfüllenden Beruf zu finden, ist
die Angst vor dem Erfolg. Es mag zuerst paradox klingen, doch oft ist unsere größte
Angst nicht, dass wir scheitern, sondern dass wir Erfolg haben können. Bei seinem
Amtsantritt als erster schwarzer Präsident von Südafrika im Jahr 1994 zitierte
Nelson Mandela in seiner Rede die amerikanische Autorin Marianne
Williamson. Die Rede wurde Weltberühmt.
„Unsere tiefgreifendste Angst ist nicht, dass wir ungenügend sind. Unsere
tiefste Angst ist, über das Messbare hinaus kraftvoll zu sein. Es ist unser
Licht, nicht unsere Dunkelheit, das uns erschreckt. Wir fragen uns, wer bin
ich, mich brillant, großartig, talentiert, fantastisch zu nennen? Aber wer bist
Du, Dich nicht so zu nennen? Du bist ein Kind Gottes.

Dich selbst klein zu halten, dient nicht der Welt. Es ist nichts Erleuchtendes
daran, sich so klein zu machen, dass andere um Dich herum sich nicht sicher
fühlen. Wir sind alle bestimmt, zu leuchten, wie es die Kinder tun. Wir sind
geboren worden, um den Glanz Gottes, der in uns ist, zu manifestieren. Und
wenn wir unser eigenes Licht erscheinen lassen, geben wir unbewusst
anderen Menschen die Erlaubnis dasselbe zu tun. Wenn wir von unserer
eigenen Angst befreit sind, befreit unsere Gegenwart automatisch andere.“

Der Glaube, den Erfolg nicht verdient zu haben, führt dazu, dass wir nicht über den
Tellerrand gucken und dass wir uns mit der Ist-Situation zufrieden geben. Es gibt
immer wieder Tage, an denen ich mich frage: Wer bin ich eigentlich, um anderen
Menschen Tipps und Ratschläge zu geben? Was denkst du dir dabei, Anchu?

Ich stelle mir diese Frage, obwohl mich tagtäglich E-Mails erreichen, in denen mir
Menschen danken, weil ihnen meine Artikel, meine Ratgeber oder mein Buch
weitergeholfen und inspiriert haben. Das ist genau die Angst, vor der Nelson Mandela
bei seinem Amtsantritt gesprochen hat. Es die Angst vor unserem eigenen Licht,
davor, dass wir mächtig sind, dass in uns großes Potenzial schlummert. Es ist die
Angst davor, unsere Träume zu leben. Mittlerweile kann ich damit immer besser
umgehen, doch ich muss es mir auch immer wieder bewusst machen. Behalte das im
Hinterkopf. Oft versuchen wir uns selbst zu sabotieren und glauben, dass wir
gewisse Dinge nicht verdient haben. Es ist unwichtig, dass ein Großteil der Menschen
ihre Arbeit verabscheut und sie nur schlecht darüber reden. Du hast es verdient, einen
Job zu finden, der dich erfüllt und den du gerne machst. Und falls du dir die
Erlaubnis dazu nicht geben kannst, geb ich sie dir – und zwar jetzt gerade!

Einen erfüllenden Beruf finden
Kommen wir nun zu dem eigentlichen Teil, dem Finden erfüllender Arbeit. Zwei sehr
gute Indikatoren dafür, ob ein Beruf das Potenzial dazu hat, dich zu erfüllen, sind die
Eigenschaften Sinn und Flow. Beide will ich im Folgenden erklären.

In dem was du tust einen tieferen Sinn zu sehen, ist der wohl wichtigste Indikator
dafür, dass ein Beruf dich erfüllen könnte. Schon vor über 100 Jahren schrieb der
weltbekannte russische Autor Fjodor Dostojewski, dass es die schrecklichste Strafe
für den Menschen sei, lebenslang zu einer Arbeit verurteilt zu sein, die ihm
vollkommen zweck- und sinnlos erscheint.

Auch wenn diese Aussage etwas radikal ist, sehe ich keinen Zweifel daran, dass Sinn
der wohl wichtigste Faktor beim Finden einer erfüllenden Arbeit ist. Ich bin davon
überzeugt, dass es wichtig für unsere persönliche Zufriedenheit ist, unser Leben
etwas Größeres zu widmen als uns selbst und das können wir sehr gut durch sinnvolle
Arbeit erreichen. Was mich größtenteils bei meiner Arbeit erfüllt, ist das Wissen, dass
ich anderen Menschen weiterhelfe und für sie etwas von Wert kreiere.

Was du genau unter sinnvoll verstehst, musst allerdings du herausfinden. Es kann


bedeuten, anderen Menschen oder Tieren zu helfen, einen Sportwagen zu bauen, der
die Umwelt weniger verschmutzt oder den besten Schokomuffin aller Zeiten zu
backen. Damit dir deine Arbeit sinnvoll erscheint, musst nur du alleine in dem was du
tust einen Sinn sehen, kein anderer.

Ein zweiter wichtiger Indikator dafür, dass eine Arbeit das Potenzial dazu hat, dich zu
erfüllen, ist Flow. Die Flow-Theorie stammt von dem Psychologen Mihály
Csíkszentmihályi und mittlerweile ist Flow als ein wichtiger Indikator für
Lebenszufriedenheit und Glück angesehen.3 Flow beschreibt eine Erfahrung, bei der
wir uns selbst vergessen und voll und ganz in dem was wir tun aufgehen. Der Fokus
liegt somit zu 100% auf der Aufgabe, die man gerade erledigt und dabei blendet man
alles andere aus, häufig auch die Zeit. Während ich zum Beispiel diesen Ratgeber

3 Wie man die richtige Arbeit für sich findet – Roman Krznaric
geschrieben habe, war ich immer wieder im Flow-Zustand. Dann ist es fast so, als
würden die Worte aus mir heraussprudeln und ich schreibe fast ohne darüber
nachzudenken. Auch verliere ich völlig das Gefühl für Zeit, Hunger und Durst.

Eine Flow-Erfahrung ist somit ein sehr guter Indikator dafür, dass wir in dem was wir
tun vollends aufgehen. Flowerfahrungen kann man nicht nur bei kreativen oder
intellektuellen Aufgaben erleben, sondern auch bei körperlichen Tätigkeiten wie
Sport oder Handwerk. Falls es eine Tätigkeit gibt, bei der du immer wieder in Flow-
Zuständen bist, könnte das schon ein guter Anhaltspunkt auf dem Weg zur erfüllender
Arbeit sein.

Abgesehen von den zwei Indikatoren Sinn und Flow, die dir dabei helfen können,
erfüllende Arbeit zu finden, geht es vor allem darum, dich selbst besser
kennenzulernen. Dies ist ein nie endender Prozess. Im Folgenden möchte ich dir ein
paar Fragen vorschlagen, die dir dabei helfen können, herauszufinden, was dir
wirklich wichtig ist. Jedoch solltest du das Thema Geld und Einkommen beim
beantworten dieser Fragen ausblenden. Herauszufinden, was dir wichtig ist, solltest
du als einen Prozess sehen. Wie du damit Geld verdienen kannst, ist dann ein völlig
anderer Prozess. Der erste ist emotional und hat viel mit deiner Persönlichkeit zu tun,
der zweite ist logisch und hängt stark von externen Faktoren ab. Vergiss somit erst
mal das Thema Geld und konzentriere dich darauf, herauszufinden, was dir wirklich
wichtig ist.

Beantworte folgende Fragen, am besten auf Papier. Es ist nicht schlimm,


wenn dir nur eine vage oder total absurde Antwort einfällt, schreibe sie
trotzdem auf.

• Was macht dich glücklich?

• Woran denkst du jeden Tag oder zumindest sehr häufig?

• Worin bist du gut?

• Wen bewunderst du?


• Welche Aufgaben machen dir am meisten Spaß?

• Gibt es etwas, von dem andere behaupten, dass du es besonders gut kannst?
Zuhören, Tipps geben, Inspirieren, Kochen – egal was.

• Was wolltest du mal werden, als du klein warst?

• Was würdest du tun, wenn Geld keine Rolle spielen würde? Nehmen wir an,
jemand gibt dir genug Geld, ganz egal, was du machst. Was würdest du tun?

• Was würdest du tun, wenn du nur noch ein Jahr zu leben hättest?

In diesen Fragen steckt mehr Kraft, als du dir wahrscheinlich vorstellst. Nimm sie
ernst und lasse dir beim beantworten Zeit.

Gerne würde ich dir mitteilen, was der perfekte Beruf für dich ist. Doch leider ist mir
das nicht möglich. Der Großteil der Arbeit wartet auf dich. Du musst in dich gehen,
deine bisherigen Beweggründe analysieren und dich immer wieder aufs Neue fragen,
was dir wichtig ist. Die beiden Indikatoren Sinn und Flow sowie die Fragen können
dir dabei sehr helfen. Doch solltest du nicht vergessen, dass das Finden von
erfüllender Arbeit ein oftmals langwieriger Prozess ist. Es geht vor allem darum, dich
selbst besser kennenzulernen. Und darum, zwischen dem zu unterscheiden, von dem
du dachtest, dass dir wichtig sei und zwischen dem, was dir wirklich wichtig ist. Du
musst dich von den Werten und Meinungen anderer lösen und deine eigenen
Präferenzen und Werte entdecken.

Das kann ein schmerzvoller Prozess sein. Nicht körperlich, aber emotional. Während
du dich hinterfragst und dich selbst besser kennenlernst, kann es gut sein, dass du
etwas über dich herausfindest, was nicht schön ist. Ich habe zum Beispiel während
dieses Prozesses entdeckt, dass ich lange Zeit versucht habe, das Leben meines
mittlerweile verstorbenen Vaters zu leben. Als Kind war er selten da und manchmal
hatte ich das Gefühl, dass seine Liebe mir gegenüber vor allem an gewisse
Leistungen geknüpft sind Das ist keine Kritik gegen ihn, denn hätte er es besser
gewusst, hätte er sich sicherlich anders verhalten. Doch auch wenn diese Dinge erst
mal schmerzhaft sind und dazu führen können, dass wir uns verloren fühlen, da
unserer bisheriges Glaubens- und Wertesystem ein Knacks bekommt, ist der Prozess
unheimlich wichtig. Nur indem wir uns und das was wir tun immer wieder
hinterfragen, können wir uns selbst besser kennenlernen und herausfinden, was uns
wichtig ist.
Wie geht es weiter?
Das war ein kleiner Einblick in das Thema
berufliche Selbstverwirklichung. Ich kann in
diesem Ratgeber nicht auf alles eingehen, was von
Bedeutung ist, jedoch denke ich, dass ich dir einen
ganz guten Überblick geben konnte.

Ich habe geplant, noch dieses Jahr ein Buch oder


einen Videokurs über dieses Thema zu erstellen, da
sich immer mehr Menschen bei mir melden und
Tipps möchten. Bis es soweit ist, kannst du mir
deine Fragen und Anregungen gerne per E-Mail
schicken. Meine E-Mail Adresse ist:

anchu@anchukoegl.com

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