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Stadt Strausberg

Bürgermeisterin
Elke Stadeler
Hegermühlenstraße 58

15344 Strausberg

Offener Brief: Unser Straussee – es ist Fünf vor Zwölf

Ihr Zeichen, Ihre Nachricht vom Unsere Zeichen, unsere Nachricht vom Telefon, Name Datum
VS 01/2019 25.02.2019

Sehr geehrte Frau Stadeler,

„Wasser ist keine übliche Handelsware, sondern ein ererbtes Gut, das geschützt, verteidigt und
entsprechend behandelt werden muss.“ So steht es im Vorwort der EU-Richtlinie 2000/60/EG
-Wasserrahmenrichtlinie-.

Wir vertreten den am 23.Februar 2019 neu gegründeten Verein "Bürgerinitiative zur Erhaltung des
Straussee e.V." (i.Gr.) und wenden uns mit diesem offenen Brief an Sie in Ihrer Funktion als Bürgermeisterin
der Stadt Strausberg sowie als Vertreterin unserer Stadt im Wasserverband Strausberg-Erkner (WSE).

„Strausberg – die grüne Stadt am See“, so der offizielle Beiname unserer Heimatstadt. Eine stolze, schöne
und warme Empfindung entsteht bei diesen Worten bei uns als Bürgerinnen und Bürgern von Strausberg. Wie
sieht aber die Realität aus? Infolge des seit Jahren ständig sinkenden Wasserpegels sehen wir mit großer
Besorgnis einen trockengefallenen breiten Uferbereich, ein Wahrzeichen unserer Stadt, die Straussee-Fähre,
hätte ohne die Investition von fast 200.000€ (widerstandslos bezahlt aus dem Haushalt der Stadt Strausberg!)
ihren Betrieb einstellen müssen, Ruderboote liegen im Trockenen, unser Freibad ist nur noch begrenzt nutzbar
und steht eventuell sogar wegen des zu niedrigen Wasserstandes diesen Sommer vor der Schließung…

Ein „Runder Tisch“ Anfang der 2000er Jahre, ein äußerst deutliches Straussee-Gutachten aus dem Jahr 2009
und auch ein 7 Jahre danach !!! gefasster Beschluss der Stadtverordnetenversammlung aus 2016 haben zwar
eine Historie von nahezu 20 Jahren, bei der Suche nach den wahren Ursachen bzw. Verursachern des
sinkenden Wasserpegels, geschweige denn bei der Einleitung sinnvoller Gegenmaßnahmen hat uns all das
nicht einen einzigen sichtbaren Schritt vorangebracht. Statt die eindeutigen Empfehlungen des Gutachtens aus
2009 umzusetzen, wurde nunmehr für über 200.000€ ein erneutes Gutachten durch die Stadt in Auftrag
gegeben, mit einem Auftragszeitraum von 15 Monaten!!!

Im Moment können wir noch nicht trennscharf unterscheiden, ob Desinteresse, Ignoranz, Inkompetenz oder
eine wirtschaftspolitisch getriebene geschickte „Vernebelungstaktik“ bei den verantwortlichen
Entscheidungsträgern dahintersteckt...

Der See läuft weiter (sogar im Winter) kontinuierlich leer, für uns ist jetzt das Maß endgültig voll!

Zu unserer Verwunderung haben wir bereits im Straussee-Gutachten aus dem Jahr 2009 "Stabilisierung des
Wasserhaushaltes des Straussee" im Fazit viel Konkretes lesen können (zu finden unter: www.stadt-
strausberg.de).

Bürgerinitiative zur Erhaltung des Straussee e.V. (i.Gr.) Vorstand:


c/o Frank Weber Frank Weber (Vorsitzender)
Fontanestraße 51 Jens Mader (Stellvertreter)
15344 Strausberg Frederick Kunze (Stellvertreter)
Kerstin Behlau (Schatzmeisterin)
Bürgerinitiative zur Erhaltung des Straussee e.V. (i.Gr.)
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Punkt 8.2. (Seite 39) "Es wird eine Untersuchung des Einflusses der Trinkwasserförderung in den
Wasserwerken Straussee und Bötzsee auf den Seewasserstand des Straussee empfohlen. Dazu sind die für die
Ermittlung der Wasserdargebote und der Ausweisung der Schutzzonen im Auftrag des
Wasserversorgers erstellten Grundwassermodelle geeignet, wenn sie mit Grundwasserneubildungsraten
betrieben werden, die den klimatischen Änderungen angepasst wurden. Solche Untersuchungen können beim
Wasserversorger, dem Wasserverband Strausberg-Erkner...angefordert werden."

Punkt 8.4. (Seite 40) "Eine detailliertere Ursachenanalyse der nach 2000 beobachteten
Seewasserstandsentwicklungen wird erst notwendig, wenn kein hinreichender Einfluss der größeren
Grundwasserentnahmen auf den Seewasserstand nachgewiesen werden konnte."

Was wurde nach diesen nunmehr 10 Jahre alten Feststellungen unternommen, um die Ursachen bzw. den/die
Verursacher zu ermitteln und auf dieser Grundlage geeignete Gegenmaßnahmen einzuleiten?

Wir sehen die Antwort täglich an unserem See: NICHTS!

Das ist einer der aktuellen Hauptgründe, weshalb sich unser Verein gegründet hat. Und wir fragen jetzt
detailliert nach! Wir erwarten von allen Beteiligten, verantwortlichen Entscheidungsträgern incl.
Stadtverordneten und auch vom WSE sofortigen, schonungslosen und transparenten Einsatz für
unseren See!

In diesem Zusammenhang bewegt uns auch die Frage, warum es trotz der seit vielen Jahren erkennbaren
brisanten Situation unseres Straussees in der Strausberger Stadtverordnetenversammlung bisher keinen
„Sonderausschuss Straussee“, aber schon seit vielen Jahren einen „Sonderausschuss Poller in der Altstadt“
gibt. Wir bitten Sie Ihren Einfluss geltend zu machen, dass ein solcher Sonderausschuss kurzfristig gebildet
wird und bieten gern an, dass unser Verein in diesem Ausschuss konstruktiv mitwirkt.

Aufgrund der aktuellen Situation und dargestellten Fakten halten wir es für dringend erforderlich,
dass Sie beim WSE folgende Themen ansprechen und verbindliche Antworten zu nachfolgenden
Fragen mit dem nötigen Nachdruck einfordern:

1. Welche Untersuchungen gab es im Vorfeld der Inbetriebnahme des Wasserwerks Spitzmühle im Jahre
2014, um den Einfluss der damit neu geplanten Grundwasserentnahme auf den Grundwasserspiegel
(insbesondere im Einzugsbereich des Straussees) zu untersuchen, um die gesetzlichen Vorschriften
zur Trinkwasserentnahme (u.a. aus der EU-Richtlinie 2000/60/EG -Wasserrahmenrichtlinie-)
zu entsprechen. Wie wird diesen Gesetzen aktuell entsprochen und deren Einhaltung sichergestellt?

Gem. EU-Wasserrahmenrichtlinie soll beim Grundwasser ein „guter chemischer und mengenmäßiger
Zustand“ erreicht werden. Anhand geologischer Daten wird die Menge des Grundwassers bestimmt. Die
jeweilige Wasserentnahme darf laut Gesetz lediglich einen Teil des jährlich neu gebildeten
Grundwassers betragen. „Ein „guter mengenmäßiger Zustand“ besteht dann, wenn die mittlere
jährliche Wasserentnahme die verfügbaren Ressourcen langfristig nicht übersteigt.“

2. Wie hat sich der Grundwasserspiegel im GWLK2 -unterteilt nach einzelnen Messstationen, mit
besonderem Augenmerk auf die Messstationen im Grundwassereinzugsbereich des Straussees- seit
2000 jährlich entwickelt und wie werden diese kontrolliert?

3. Welche Wassermengen wurden seit dem Jahr 2000 (unterteilt nach den aktuell 4 Wasserwerken mit
82 bzw. 83 Brunnen) jährlich entnommen? Wie stellt sich in diesen Jahren die Kapazitätsauslastung
der einzelnen Wasserwerke dar und welches Wasserwerk versorgt welche Region?

4. Wie verteilen sich die Brunnen innerhalb des Verbandsgebietes und wie verteilen sich die
Fördermengen auf diese Brunnen im Einzelnen? Welche Brunnen speisen welches Wasserwerk?
Wichtig ist dabei die Aussage, ob einzelne Brunnen und damit einzelne Grundwasserleiter mehr
belastet sind, da aus diesen mehr Trinkwasser gefördert wird, als aus anderen?

5. Ein zusätzlicher Brunnen ist mit der Inbetriebnahme des neuen Wasserwerkes hinzugekommen. Wo
genau befindet sich dieser Brunnen und weicht diese Bohrung grundsätzlich von den Übrigen ab (Tiefe
und Lage)?
Bürgerinitiative zur Erhaltung des Straussee e.V. (i.Gr.)
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6. Gibt es vertragliche Verpflichtungen für den Verkauf von Trinkwasser außerhalb des
Verbandsgebietes? Wie sieht hier die geplante Entwicklung in den nächsten Jahren aus?

7. Welchen Einfluss haben Trinkwasserschutzzonen auf den Standort der Förderbrunnen.

8. Wir fordern grundsätzlich eine vollständige Übersicht aller beim WSE vorliegenden Untersuchungen,
Analysen, Gutachten etc. zur Grundwasserentnahme und -entwicklung im Verbandsgebiet mit den
Angaben: Was wurde untersucht? Wer hat untersucht? Wann und wo wurde untersucht?

9. Der Wasserverband vertritt die Auffassung (in einem Artikel der MOZ vom 15.02.2019), dass kein
Zusammenhang zwischen der Trinkwasserförderung und dem Pegelstand des Straussees existiert. In
Spitzmühle werde „das Wasser aus einem Grundwasserhorizont gefördert, der keine Kopplung mit den
umliegenden Oberflächengewässern aufweist. Deshalb ist ein Zusammenhang zwischen dem
Pegelstand der umliegenden Gewässer und der Fördermenge nicht herleitbar“… so der WSE.
Welche Untersuchungen (der GWHL1 und GWHL2) liegen diesen Aussagen zugrunde?

10. Wurden der mit dem neuen Gutachten beauftragten Dresdner Firma BGD Ecosax vom WSE alle
erbetenen Unterlagen zur Verfügung gestellt? Uns liegen Informationen vor, dass das nicht der Fall
sein soll. Bitte klären Sie als Auftraggeber des Gutachtens diesen Sachverhalt und fordern den WSE zu
einer entsprechenden kurzfristigen Stellungnahme sowie zu einer uneingeschränkt kooperativen
Zusammenarbeit auf.

11. Warum ist der Geschäftsbericht des WSE ab 2014 nicht mehr öffentlich zugänglich? Wir bitten um
Veranlassung, dass dieser wieder jährlich für alle Bürgerinnen und Bürger im Einzugsgebiet des WSE
öffentlich zugänglich ist. Oder liegt es evtl. daran, dass niemand sehen soll, dass jährlich vom WSE
über 10.000.000€ sogenanntes „Grundwasserentnahmeentgelt“ an das Land Brandenburg gezahlt wird
und trotzdem Jahr für Jahr Gewinne in mehreren Millionenbeträgen erwirtschaftet werden? Wir lassen
uns natürlich gern vom Gegenteil überzeugen…

Ja, sehr viele Fragen. Aber diese Quantität hat auch ihre Gründe: Ein ausgesprochen hohes
Informationsdefizit. Zufall oder Absicht…?! Wir versichern Ihnen jedoch, sehr geehrte Frau Stadeler, dass
Hintergrund dieser Fragen nicht überschüssige Freizeit, Langeweile oder gar politischer Profilierungsehrgeiz
(unser Verein agiert gem. Satzung parteienunabhängig) sind, nein! Es sind einzig und allein die Sorge um
unseren See und die Verantwortung, irgendwann einmal für unsere Enkel vor einem leeren Straussee keine
Antworten zu haben, wenn sie uns in Zukunft einmal fragen: Habt ihr damals nicht hingeschaut? Warum habt
ihr damals nichts unternommen?

Uns geht es um die Nachhaltigkeit auch für zukünftige Generationen!

Wir sind an einer sinnvollen, nachhaltigen und zügigen Lösung für unseren Straussee interessiert,
die einerseits die Trinkwasserversorgung im Verbandsgebiet garantiert, andererseits jedoch
unseren Straussee nicht weiter schädigt!

Gern unterstützen wir Sie zur Verbandsversammlung des WSE am 20.03.2019 und bitten Sie vorab, dem
Vorstand unseres Vereins auf der Verbandsversammlung ein Rederecht einräumen zu lassen.

Wir bedanken uns schon jetzt für Ihre Rückantwort, welcher wir bis spätestens 13.März 2019 mit großer
Erwartung entgegensehen.

Mit freundlichen Grüßen

Bürgerinitiative zur Erhaltung des Straussee e.V. (i.Gr.)

gez. Frank Weber gez. Jens Mader gez. Frederick Kunze gez. Kerstin Behlau
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