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Holger Marcks & Matthias Seiffert (Hg.)

Die großen Streiks

Episoden aus dem Klassenkampf

BUNRAST

I in der Deutschen sind im lnternet über

Holger Marcks & Matthias Seiffert (Hg.): Die groRen Streiks 1.Auflage I Mai 2008

ISBN 987-3-89771-473-1 O UNRAST-Verlag, Münster

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Lucien van der Walt

Zyklen der Akkumulation - Zyklen des Klassenkampfes

Zum Verhältnis von Apartheid, Arbeit und Befreiung in Südafrika

Die 1970er Jahre eroffneten eine Periode der okonomischen Krise und politischen Instabilität in Sudafrika. Das rasante Wirtschaftswachstum der 1950er und 1960er Jahre sowre die politische Ruhe der 1960er Jahre endeten, als 1973 eine massive Streikwelle in Durban ihren Anfang nahm. Dem folgte die Schulerrevolte von 1976, die in Soweto begann, sich über das ganze Land ausbreitete und mehrere General- streiks ausloste. Damit hatte der Auflosungsprozess des Apartheidprojekts, das 1948 startete, begonnen. Die Expansion des sudafrikanischen Kapitalismus, der auf billiger, ko- lonisierter Arbeit von Afrikanern in einer nach )>Rassen«getrennten sozialen Ord- nung beruhte, wurde durch die Ausbildungskrise und den winzigen Konsummarkt untergraben, die diese Gesellschaftsordnung zwangslaufig hervorbrachte. Als das Apartheid-Modell zu scheitern begann, ging die afrikanische Arbeiterklasse zum Handeln über. Gleichzeitig gingen große Teile der »weißen« Arbeiterklasse zur radikalen Rechten über. Bis zu den 1990er Jahren war die Apartheid formal »be- siegt«, jedoch nicht der Kapitalismus: Ungleichheit und Armut bestehen weiter; sie treffen Millionen von Menschen aller ~Rassen~(ein Konstrukt, das nicht einfach verschwand), über der eine zunehmend »multirassische«herrschende Klassesteht. Das Beispiel Südafrika zeigt anschaulich, wie eng verwoben okonomische und so- ziale Unterdruckung sind und wie unvollstandig eine palitische Befreiungohne die ökonomischeist.

Arbeiterklasse und )~Rassen«spaltungam Vorabend der Apartheid Die Periodedirekt nach dem ZweitenWeltkrieg war gekennzeichnetvon stürmischen Protesten der Arbeiterklasse. Sie war geprägt von Konsumboykotten, Streiks, Land- besetzungen und Protesten von heimkehrenden Soldaten. Jedoch spiegelten sich die koloniale Vergangenheit und die Geschichte der »Rassentrennung«(Segregati- on) auch in der Politik der Arbeiterklassewieder. Diese war genauso diskrepant wie die Arbeiterklasse selbst. Afrikanische Arbeiter - insbesondere männliche Arbeits- migranten, deren Familien auf den landlichen Bauernhöfen uberall in Afrika lebten - bildeten die Grundlage einer Wirtschaft, die sich aus Billigarbeit speiste. »Weiße« Arbeiter dominierten dagegen die Facharbeiter- und Aufseherposten. Zwischen diesen zwei Enden des Spektrums gab es eine breite Palette von Arbei- tern, was Ausbildungsgrad und berufliche Tätigkeit betrifft. Auch gab es dazwischen eine breite Streuung von Nationalitäten, was städtische Afrikaner und »Farbige« ebenso umfasste wie indische Arbeiter und arme »Weiße.rc.Sogenannte »Rassen- gesetze« gewährten jeder dieser Gruppen unterschiedliche Rechte und die Arbeit- geber spielten die Gruppen dementsprechendgegeneinander aus. Die nationale Unterdruckung der Afrikaner - der südafrikanische Kapitalismus wurde auf Grundlage der kolonialen Vorherrschaft errichtet - machte die Situation

noch komplizierter. Die Aufspaltung in „Rassen« war nicht einfach nur eine Frage 161 von Vorurteilen, sondern war tief verflechtet mit dem Kapitalismus sowie einem autoritaren und rasststischen Staat. Zum Beispiel wurden in den Bergwerken Zuge- wanderte Afrikaner durch spezielle Arbeitsgesetze besonders eng an die Arbeitge- ber gebunden. Jede ihrer Bewegungenwurde durch ein internes Kennkartensystem kontrolliert und Unterkunfte wurden ihnen nur in Form von streng uberwachten Wohnheimen geboten. Ihre Familien tebten wiederum auf dem Lande, wo sie sich mit Subsistenzwirtschaft uber Wasser hielten. Auf der anderen Seite waren die

nweißen« Bergarbeiter - die volistandig urbanisiert und proletarisiert

den 1930er Jahren weitestgehend mit Burgerrechten ausgestattet waren - freie Lohnarbeitermit Gewerkschaftsrechten. Allerdings waren sie stets davon bedroht. durch Arbeiter mit niedrigeren Lohnen ersetzt zu werden.

sowie seit

Zwei Traditionen der Arbeiterorganisierung In der Geschichte reagierten die Arbeiter auf diese Aufspaltung in verschiedener . Weise. Manche entschieden sich dafur, exklusive Gewerkschaften und politische Parteien zu gründen, die Arbeiter entlang gruppenspezifischer und rassistischer Trennlinien protegierten, so eine Hierarchie nach Hautfarben und Ausbildungs- graden zementierend. Anfang des 20. Jahrhunderts zum Beispiel unterstützen Ge- werkschaften »weißer« Handwerker die South Aft-ican Labour Party (SACP), deren Programm sich für »berufliche Rassenschranken« (sogenannte job colour bars), »Rassentrennung«und die Rückführungder asiatischen Minderheit aussprach. 1922 führten >)weiße«Bergarbeiter im Witwatersrand (dem wirtschaftlichen Kernstück des Landes) einen Generalstreik durch, der sich schnell zu einem bewaffneten Auf- stand auswuchs. Vielsagenderweise war ihre zentrale Forderung eine berufliche Rassenschra nke. Allerdings wurden solchen Traditionen immer wieder die alternative Tradition einer inklusiven, d.h. alle Arbeiter einbeziehendenGewerkschaftsbewegungentge- gengehalten, eine Tradition, die in Südafrika zum Teil auf die anarchistischen und revolutionär-syndikalistischenAktivisten des fruhen 20. Jahrhunderts zurückgeht und spater von der South African Communist Party (SACP) fortgesetzt wurde. Die Syndikalisten, stark beeinflusst von den lndustrial Workers of the World (IWW) in den USA, befürworteten wdie eine große Gewerkschaft« (»One Big Union«) aller Arbeiter, um sowohl den Kapitalismus als auch die nationale Unterdrückung zu be- kampfen. In Erwiderung auf segregationistischeVorstellungen traten sie für gleiche Lähne und Arbeitsbedingungen für alle ein und erblickten darin eine Möglichkeit, alle Arbeiter zu vereinigen. In der Praxis spiegelten die syndikalistischen Gewerkschaften in Sudafrika in gewisser Weise die Realität der gespaltenen Arbeiterklasse wieder. Die Industrial Workers of Africa (IWA) zum Beispiel waren in Wirklichkeit eine Gewerkschaft stadtischer Afrikaner. Spätere linke Richtungsgewerkschaftenwie z.B. die lndustrial and Commercial Workers' Union (ICU) und die Federation of Non-European Trade Unions (FNETU) in den späten 1920er Jahren folgten demselben Muster. Was an dieser Tradition depnoch so beeindruckendwar, ist, dass diese Gewerkschaften sich nicht nur auf die sogenannten Brot-und-Butter-Fragenfokussierten, sondern ebenso »politische«Fragen aufgriffen, die mit der nationalen Unterdrückungzusammenhin-

162 gen, und in Verbindung mit Kampfen auf Gemeindebasis standen, die ein weiteres Hauptkampffeld im Klassenkampf waren. Die Expansion der verarbeitenden lndustrie von 1914 an - die ursprünglich aur den Bedingungen der Kriegszeit beruhte und spater auf der staatlichen Forderung einer importunabhangigen lndustrie - bewirkte ein rasantes Wachstum der Anzahl von Arbeitern in Fertigungs- und ~artungsjobs.Nicht nur sorgte dies für eine

konzentrierte Ayisammlung von Arbeitern in den Betrieben, es bildete ebenso eine andere Art der Klassenzusammensetzung- im Gegensatz zu der in den Bergwerken -heraus. Die Fabrikbesitzer benotigten eine bestandige Menge angelernter Arbeits-

Berufen

zusammen und ermbglichte ab den 1930erJahren eine »neue Gewerkschaftsbewe- gung«, die tatsachlich rassenubergreifend in der Textil-, Kleidungs-, Nahrungs- und

krafte. Dies brachte Arbeiter verschiedener »Rassen« in relativ ahnlichen

Lederindustrie organisiert war.

Apartheid und Differenz

Am Vorabend der Apartheid im Jahre 1948 befanden sich die Gewerkschaften una die Linke auf dem Ruckzug. Die Kriegsjahre hatten eine weitere Expansion der ver- arbeitenden Industrie hervorgebracht und damrt auch den Aufstieg des machtigen (vorwiegend afrikanischen) Council of Non-European Trade Unions (CNETU) sowie das Anwachsen des zunehmend rossenubergreifenden South African Trades and La- bour Council (SATLC). Die SACP war die tonangebende Kraft im CNETU und gewann auch in allen anderen Bereichen an Einfluss; die Labour Party schaffte die Segregati- on ab; eine Organisation radikaler Soldaten, die Springbok Legion, war außerst aktiv; und es gab eine Welle erfolgreicher Landbesetzurigen diirch afrikanische Besetzer. Auch wenn viele andere Kräfte aktiv waren - so 2.0. eine groRe faschistische Be- wegung unter »WeiRen« und weiterhin einflussreiche afrikanisch-nationalistische Bewegungen und der Buren-Nationalismus -, so war diese Periode doch eine Zeit des wachsenden Klassenkampfes und Klassenbewlisstseins. Im Jahre 1948 jedoch brachen der CNETU und der SATLC auseinander, und eine rapide wachsende Arbeitslosigkeit dezimierte die Mitgliederreihen der Gewerk- schaften und die Zuversicht der Arbeiter. Der afrikanische Nationalismus machte sich uberall auf dem Kontinent breit und brachte oftmals - neben seiner zweifellos wichtigen antikolonialen Position -eine tiefe Feindschaft gegenüber der Linken und gegenuber der unabhängigen Gewerkschaftsbewegung mit sich. Buren-Nationalis- mus war ebenfalls auf dem Vormarsch: die National Party (NP) gewann noch im selben Jahr die Wahlen - und blieb bis 1994 an der Regierung. In ihrem ersten Regierungsjahrzehnt wurde von der Apartheid-Regierung nicht nur wieder die Segregation fest verankert und gegen jeglichen Ungehorsam streng vorgegangen, es wurde auch die SACP verboten und linke Aktivisten aus dem offent- lichen Leben gedrangt. Gleichzeitig wurden die Arbeitsrechte abgeändert, so dass rossenübergreifende Gewerkschaften ausgeschlossen und Streiks von Afrikanern illegal wurden. Afrikanische Gewerkschaften wurden zwar nicht verboten, doch sie arbeiteten unter extrem harten Bedingungen. Die 1950erJahre waren eine Zeit der Turbulenzen und des Aktivismus. Der African National Congress (ANC), der zunehmend von der im Untergrund agierenden SACP beeinflusst wurde und als weiteren Arm der Bewegung den South African Congress

of Trade Unions (SACTU) hatte, organisierte umfassende Kampagnen des zivilen 163 Ungehorsams ebenso wie verschiedene politische Generalstreiks (stayaways). Die Spannung wuchs und der Staat unterdruckte, nach Massakern an protestie- renden Schwarzen bei Sharpeville und Langa 1960, den ANC und dessen Absplitte- rung, den Pan-Africanist Congress (PAC). Die Nationalisten und die Kommunisten, die beide zunehmend als Exilbewegungen agierten, gingen zu einer Politik des Guerillakriegs uber. Abgesehen davon, dass die Erfolge dieser Politik ausblieben; bedeutete diese neue Strategie eine Abkehr von der Massenorganisation und der SACTU schwand dahin. Jedoch bewirkten das in den 1950er Jahre einsetzende und bis in die 1970er andauernde schnelle Wirtschaftswachstum ein massives Anwach- sen der Arbeiterklasse. Wenn auch die Apartheid-Regierung sich in den 1960er Jahren darauf konzentrierte, sich einer Reihe nominell unabhängiger afrikanischer »Homelands« zu widmen -die mit dem »weißen« Südafrikadurch Arbeitsmigranten verbunden sein sollten -, so geriet dieses System der Arbeitsmigration zunehmend in die Krise. Denn die Landverknappung untergrub die Rentabilitat der afrikanischen Bauernhöfe, auf der das System basierte.

Die Siebzigerjahre und danach

Die Anfange einer globalen Rezession in den fruhen 1970er Jahren, in Verbindung mit einer massiven und wachsenden Verknappung von Fachkraften in Sudafrika und dessen geringe Große des Binnenmarktes, sorgten dafur, dass das Wachstum zum erliegen kam. Die Arbeitslosigkeit unter Afrikanern, insbesondere unter ungelernten Arbeitsmigranten, wuchs, ebenso wie die Inflation, schnell an, die Reallohne aller Arbeiter sturzten ab. Besonders hart von der wirtschaftlichen Flaute getroffen, ließen afrikanische Arbeitsmigranten 1973 die Streikaktivitaten wieder aufleben, womit sie die Grundlage fur ein Revival der afrikanischen Gewerkschaften legten, die sich schnell ausbreiteten und die wachsende Gruppe angelernter stadtischer Arbeiter in sich versammelten. Die Schulerrevolte und die Generalstreiks von 1976 und 1977 signalisierten weiterhin die Wiedergeburt einer aktiven Opposition gegen die Apartheid, und die Arbeiterklasse gab zunehmend den Ton der Veränderung in Südafrika an. Kon- frontiert mit einer Wirtschaftskrise und einem Volksaufstand, experimentierte die Apartheid-Regierung zunehmend mit einer Mischung aus politischen Reformen und neoliberaler Umstrukturierung. Eine Folgewar die zunehmende Beseitigungvon Rassenregelungenin den Arbeits- rechten von 1979 an, was das Anwachsen der neuen Federation of South African Trade Unions (FOSATU) erleichterte. Dies veranlasste die mächtigen, exklusiven »weißen(<Gewerkschaften dazu, einen fortwahrenden Kampf zur Verteidigung der

I beruflichen Rossenschranken zu führen. Diese Gewerkschaften brachen letztlich gar mit der NP, um die radikale Rechte zu unterstutzen. Auf der anderen Seite losten Reformversuche im Parlament 1983, denen kurz daralif eine massive Erhöhung der Mieten in den afrikanischen Townships folgte, eine riesige Welle von Kämpfen aus, die sich über mehrere Jahre erstreckte. Die Kombination von politischen Reformeyi und neoliberaler Umstrukturierung im Zusammenhang mit der Wirtschaftskrise und wlicherrider Arbeitslosigkeit war ein explosives Gemisch. 1985 schlossen sich dann im Congress of South African Trade Unions (COSATU) die FOSATU und andere Gewerkschaften zusammen. Im Gegensatz zur FOSATU, die

164 fur eine Politik der gewerkschaftlichen Unabhangigkeit und fur Arbeitei-kontrolle eintrat, war der COSATU eng mit dem ANC verbunden, der nun als politische Kraft im Lande wiedererstarkte.

Das nneue Südafrikae Trotz der heftigen Repressionwaren die Tage der Apartheid gezahlt. Massive Streiks, Schuler- und Studentenproteste, Miet- und Gebuhreyiboykotte, Gemeindeaufstande und bewaffnete Angriffe eskalierten immer weiter. Konfrontiert mit politischen Um- schwungen, fortwahrenden wirtschaftlichen Problemen, internationaler Isolation und tiefer Uneinigkeit innerhalb der herrschenden Klasse ebenso wie innerhalb der »weißen(( Bevolkerung, bekamen in der NPdie Reformer die Oberhand, die auf ein ~bereinkommenmit dem ANC pochten. In mancher Hinsicht war das »neue Sudafrikac~,das durch die Verhandtungen von 1990-1993 geschaffen wurde, ein großer ~ortschrittfur die afrikanische Mehrheit der Arbeiterklasse. Diefür alle gesellschaftlichen Gruppeh zuganglichen Wahlen am 27. April 1994 beerdigten das Sudafrika der billigen unfreien Lohnarbeit und der nationalen Unterdruckung. Nicht nur wurden die Gesetze radikal reformiert, das Wohlfahrtssystem ausgeweitet und Gewerkschaftsrechte verburgt, sondern auch das Prinzip zumindest der sogenannten »Rassengleichheit« wurde im offentlichen Diskurs und in der staatlichen Politik etabliert. Dennoch blieben viele Probleme ungelöst. Der Kapitalismus blieb selbstverstand- lich bestehen. Eine Folge dessen war, dass die riesigen Ressourcen, die hatten ver- wendet werden müssen, um Südafrikasgroße soziale Frageund die krasse Ungleich- heit zu lösen, in den Händen der kleinen - wenn auch zunehmend multirass~schen - ökonomischen und politischen Elite verschlossen blieben. Der Neoliberalismus wurde auf breiter Front angewendet und trug direkt zu einem massiven Anstieg von Servicegebühren, der Arbeitslosigkeit und einer Flexibilisierung der Arbeit bei. Wenn auch die Wirtschaft sich letztlich erholen mag, so geschah dies auf Kosten von Millionen Menschen. Es bleibt eine unbestreitbare Tatsache, dass die große Mehrheit der Armen Afrikaner sind und dass große Teile der afrikanischen Arbei- terklasse geopfert wiirden zum Zwecke der globalen Konkurrenzfähigkeit und der Wiederherstellung von Profitabilität. Die afrikanische Arbeiterklasse war entschei- dend für die Niederlage der Apartheid und den Wahlsieg des ANC 1994 - doch sie ist immer noch gefesselt von Tausendeh Ketten.

D~esesBuch enthalt zwei Uberblickskapitel uber das AuPxommen der Bc-B~~~~169 und ihre Ideologie sowie ein Kapitel uber den Aufstand von 1976. Es Zeichnet die Geschichte der Schulerorganisationen und die verschiedenen Phasen des aufstands nach. Besonders nutzbringend ist, dass das Buch ebenfalls Originaldokumente im Zusammenhang mit der BC-Bewegung und dem Aufstand enthalt. Dazu gehbren Auszuge aus den Rundschreiben von BC- oder BC-nahen Organisationen, ManlfeSte, Flugblatter der Schuler Sowetos und Abschriften von Reden. Fur weitere QueHen,

insbes. der Oral History und Augenzeugenberichte, siehe ELSABE BRINK, Sowrto, 16

June 1976 It All Started W/tha ßog,

Kapstadt 2001. Speziell zur Bildungsfrage

siehe BARUCHHIRSON, Year of Fire, Year of Ash. London 1979. Das Buch ze~chnetdie Geschichte der Bildung in Sudafrika und die Entfaltung des Bantu-Erzieh~ngssystem~ nach. Außerdem untersucht es das Aufkommen der Schulerbewegung und den Auf- stteg der BC-Bewegung. Eine sehr detaillierte Darstellung des Aufstands von 1976 findet sich ebenso darin. HIRSONist ein linker Historrker und seine Arbeiten enthalten, oftmals Einzelheiten und Einblicke, die sich nicht in Standarddarstelfungenfinden. Fur

Debatten uber die Rolle des ANC im Aufstand von 1976 siehe NOZIPHO DISEKO,))The Origins and Development of the South African Students' Movement, 1968-1976«, in: Journal of Southern African Studies, Nr. 18, Bd. 1 (1992), S. 41-62; sowie JEREMV BRJCKH~LL& ALANBROOKS,Wh~rlwindBefore the Srorm, London 1980. Jungere Wis- senschaftler haben damit begonnen zu etforschen, w1e sich der Aufstand von 1976 in den verschiedensten Teilen des Landes auswirkte; siehe 2.8. NGOANAMADIMAJ.S.

MATHABATHA,The Stvuggle Over Educatzon Zn the Northevpr Transbaal. The Case of Cathollc Mssion Schools, 1948 to 1994, Amsterdam 2005. Zur neuen Gewerk-

schaftsbewegung in den 1970ern und frühen 1980ern siehe z.8. STEVEN FR~EDMANN, Building Tomorrow. African Workers In Trade Unions 1970- 1984, Johannesburg 1987. Das Buch enthalt eine detaillierte Schilderung der Gewerkschaftsbewegung in dieser Zeit. Obwohl es vorwiegend auf dokumentarischen Quellen und Interviews mit hohen Gewerkschaftsfunktionären basiert, ist es sehr umfassend und ein gutes Referenzwerk. Leider hat das Buch keinen Index, was es schwieriger macht, schnellen Zugang zu den Informationen zu finden. Speziell zu den Streiks von Durban 1973 siehe IIE, The Durban Strikes 1973. „Human Being wrth Souls«, Durban 1974. Hierbei handelt es sich cim eine umfangreiche Broschure, die verfasst wurde von Mitgliedern des INSTITUTEFOR INDUSTRIALEDUCATION,elner Bildungs- und Forschungsgruppe, die in Verbindung mit den frühen Gewerkschaften stand. Es bietet eine detaillierte Darstellung der Streiks wie auch von Reaktionen des Staates und der Upternehmen. Offensichtlich in Angst vor staatlicher Repression geschrieben, gibt es jedoch eine ganze Menge an Dingen, die die Autoren aussparen, was manche Organisationen und Personen betrifft, die in den Streik involviert waren. (Nicole Ulrich)

Zyklen der Akkumulation-Zyklen des Klassenkampfes

Zum Verhaltnis von Klassenkampf und nationalem Befreiungskampf siehe generell ROBERT FINE & DENNISDAVIS, Beyond Apartheid. Labour and Liberation in South Africa, London & Concord 1990. Dieses Buch konzentriert sich auf das komplizierte Verhältnis zwischen Bewegungen der Arbeiterklasse, insbeso~dereGewerkschaften, und afrikanischen nationalistischen Formationen. Aus. einer unabhangigen marxisti- schen Perspektive geschrieben, ist es eine wichtige und kritische Studie, die für eine klassenorientierte Politik plädiert und Nationalismen zurtickweist. Zur politischen

170 Okonomie Südafrikas ist besonders empfehlenswert: TOM KAMP,Historical Patterns of Industr~alisatron,2. Aufl., London 1993. Das Kapitel zu Sudafrika stellt wohl die beste Kurzeinfuhrung zu dessen politischer Okonomie zwischen den 1880ern und 1980eyn sowle zum Verhiltnis von Billiglohnarbeit und nationaler Unterdruckung dar. Allerdings berucksichtigt es nur unzureichend das Aufkommen des Neolibera- lismus. Fur eine kurze Einordnung der Akkumulationszyklen des sudafrikanischen Kapitalismus jener Zeit im globalen Kontext siehe BEVERLYJ. SILVER, Forces of Labor. Arbeiterbewegungen und Globalrsierungseit 1870, Berlin & Hamburg 2005, S 81-85. Der beste Überblick uber Proteste und Organisationen der Arbeiterklasse in Sudafrika findet sich bei: LACOM, Freedom From Below. The Struggle for South African Trade Unions, Skotaville 1989. Dieses Buch wurde vom LAEOUR AND COMMUNIN PROJECT in einem Popularstil fur Arbeiter verfasst. Es erfasst die Geschichte der Proteste der Arbeiterklasse und ihrer Organisationen von 1800 bis zu den 1980ern. Es ist sehr gut zuganglich und gut bebildert; wohl die beste radikale Populargeschichte, die in den 1980ern in Sudafrika verbffentlicht wurde. Abgesehen von ein paar wenigen faktischen Fehlern dient es als sehr gutes Referenzwerk. Speziell zum fruhen revo- iutionaren Syndikalismus in Sudafrika siehe LUCIEN VAN DER WALT,»~evo)utionarer Syndikalismus, Rasse und Klasse in Sudafrika. Die International Soc/alist League und die lndustrial Workers of Africa 1915 bis 1920«, in: Archiv für die Geschichte des Widerstandes und der Arbeit, Nr. 16 (2001), S. 213-46. Zur neuen Gewerkschaftsbe- wegung in den 1970ern und frühen 1980ern siehe außerdem DAVEHEMSON,MARTIN LEGASSICK& NICOLEULRICH,nWhite Activists and the Revival of the Workers' Move- ment«, in: SADET, Road to Democracy in South Africa, Bd. 2 (1970- 1980), Pretoria 2006. Dieser Artikel bietet einen umfassenden Uberblick uber die Gewerkschaften und die Streiks in den 1970ern. Es stellt die Behauptungen bestimmter ANC- und anderer Nationalisten in Frage, dass die neuen Gewerkschaften der 1970er und fruhen 1980er reaktionär gewesen seien. Viele der anderen Artikel in diesem Band dagegen sind aus einer außerst problematischen nationalistischen Perspektive ge- schrieben und versuchen im Wesentlichen zu beweisen, dass der ANC verantwortlich war für jeden größeren Kampf gegen die Apartheid. Tatsachlich aber war der ANC von Anfang der 1960er bis Mitte der 1980er nur eine marginale Kraft. Zur neueren politischen und ökonomischen Transformation Sudafrikas siehe HEIN MARIAS,South Africo - Limits to Change. The Political Economy of Transition, 2. Aufl., London & Kapstadt 2001. D~esesBuch ist eine unentbehrliche Darstellung der Veränderungen in der politischen Ökonomie und der sozialen Kämpfe in Sudafrika seit den letzten Tagen der Apartheid bis in das erste Jahrzehnt des xneuen Sudafrikac. Es ist kom- primiert geschrieben und sehr informativ, wenn es auch immer noch teilweise im Gesichtskreis des ANC verfangen ist. (Lucien van der Walt)

Die Klasse von 1976

Innenanblicke und Reflektionen des damaligen Aktivisten Selby Semefa finden sich in: SECBYSEMELA,SAM THOMPSON& NORMANABRAHAM,Reflections on the Black Consciousness Movernent in South Africa, Johannesburg & Durban 2005 (Neuver- offentlichung des Originals von 1979), mit einer Einleitung von MICHAELSCHMIDT. SEMELA,eine führende Figur im SSRC, schrieb mit an diesem situationistisch be- einflussten Pamphlet, das eine kritische Analyse der BC-Bewegung und des SSRC liefert, vor allem in Hinsicht auf deren Avantgardismus und darauf, dass sie »der