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Venezuela im Chaos – Initiiert von den USA und deren Gier nach Öl

Februar 5, 2019

Von Peter Haisenko

Auf seiner dritten Reise hat Kolumbus 1498 erstmals den Boden des südamerikanischen Kontinents
betreten, an der Mündung des Flusses Orinoco. Es war das Gebiet, das später Venezuela heißen
sollte. Von dieser Zeit an war dieses rohstoffreiche Land Spielball erst europäischer Interessen,
später dann auch nordamerikanischer. Es ging immer um die Ausbeutung von Quellen des
Wohlstands für die Länder der Eroberer. Bis heute ist dieses Land niemals zur Ruhe gekommen.

Die gesamte Karibik inklusive der kontinentalen Küstengebiete war über Jahrhunderte Lieferant für
Produkte, die Kaufleute reich gemacht haben, weil sie einen permanenten Mangel Europas mildern
konnten. Es ging vor allem um Kalorien in Form von Zucker und Alkohol. Die Gier nach Gold
konnte dort weniger befriedigt werden. Gold war mehr im Inneren des Kontinents zu finden und hat
dort zur Zerstörung der südamerikanischen Hochkulturen geführt. Die industrielle Ausbeutung der
Karibik und Venezuelas war gekennzeichnet durch den Import von Sklaven aus Afrika, denn es
wurden Arbeitskräfte benötigt. Das führte in der gesamten Region zu einer Durchmischung der
indigenen Bevölkerung mit afrikanischen Elementen. Die ursprünglichen Kulturen sind auf immer
ausgelöscht.

Die karibischen Inseln unterscheiden sich in ihrer Entwicklung erheblich vom kontinentalen
Festland. Während die kleinen Inseln keinen Widerstand gegen die vollständige Kolonialherrschaft
leisten konnten, war das auf dem Festland nicht so einfach. Die Tiefe der Länder erlaubte es mit den
damaligen Mitteln nicht, totale Kontrolle zu erlangen. Immer wieder gab es Aufstände, die meist
ihren Ursprung im Hinterland hatten. Das bedingt bis heute eine allgemeine Instabilität der
Regionen südlich der Grenzen der USA. Mit der Monroe-Doktrin des Jahres 1823 haben die USA
ihren Anspruch auf Herrschaft über beide amerikanische Kontinente formuliert. Eine Fülle an
politischen Umstürzen, orchestriert durch die USA, haben die Länder südlich der US-Grenze bis
heute nicht zur Ruhe kommen lassen. Erst ging es um Nahrungsmittel, später um Rohstoffe und in
Venezuela eben um Öl. Verdammt viel Öl. Heute die größten Reserven der Welt.

Bis Ende der 1970-er Jahre erlebte Venezuela einen wirtschaftlichen Aufschwung

Ebenso wie in Arabien war auch Venezuela nicht in der Lage, sein Öl in eigener Regie zu fördern.
Obwohl es eine der ersten Regionen war, in denen Öl gefördert wurde, entwickelte sich keine
eigenständige Ölindustrie. So gesehen war es dort nicht anders als in den arabischen Förderländern,
wobei sich die politische Situation jedoch gänzlich anders darstellte. Während das frisch von Ibn
Saud eroberte Saudi-Arabien ein absolutistisch-fundamentalistisch-islamischer Staat ist, wie auch
die anderen Emirate auf der Halbinsel, litt Venezuela seit Jahrhunderten unter Aufständen und
Revolutionen. Saudi-Arabien und die Emirate haben einfach ihre alten Abhängigkeiten vom British
Empire erweitert, später auch auf die USA, und dürfen so ihre monarchischen Diktaturen bis heute
weiterführen. Jedenfalls so lange, wie sie nicht gegen die amerikanisch-englische Dominanz
aufbegehren.

Für Persien, die uralte gewachsene Kultur, lief es anders. 1952 hat der demokratisch gewählte
Präsident Mossadeq gegen die britische Ausbeutung aufbegehrt, wurde von der CIA gestürzt, die
Perser mit der Diktatur des US-Vasallen Schah Reza Pachlevi “belohnt” und nach dessen
unrühmlichem Abgang mit Sanktionen bestraft. Wohl für die ursprüngliche Anmaßung, sich dem
Diktat des angelsächsischen Kapitals zu widersetzen. Hier ist die Parallele zu Venezuela. Bis Ende
der 1970-er Jahre erlebte Venezuela einen soliden Aufschwung. Dann wurde der Sozialist Carlos
Andrés Pérez zum Präsident gewählt und der hat 1976 die Ölindustrie verstaatlicht. Es folgten Jahre
des weiteren rasanten Aufschwungs und der politischen Stabilität, weil Pérez eine ähnliche Politik
betrieb wie die arabischen Länder.

Pérez verteilte die Einnahmen aus der – jetzt staatlichen – Ölförderung unter die Bevölkerung und
legte weitgreifende Bildungsprogramme auf. Die Verstaatlichung der Schlüsselindustrien, Eisen und
Öl, war ein voller Erfolg für die Bürger des Landes. So muss es unverständlich erscheinen, dass
bereits drei Jahre später, 1979, Pérez abgewählt und durch den Christdemokraten Campins ersetzt
worden ist. Unverständlich allerdings nur so lange, wie man die Interventionen der USA außer Acht
lässt, denn in einer Hinsicht unterschied sich die Politik Pérez von der der Saudis: In Venezuela
gingen die Einnahmen aus dem Ölgeschäft direkt in die Staatskassen und für die US-Konzerne blieb
nichts übrig.

Vergleiche mit dem “Arabischen Frühling” und dem “Maidan” drängen sich auf

Es folgten Jahre des chaotischen Wechsels zwischen Sozialisten und Vasallen des US-Kapitals.
Nach Aufständen und Plünderungen wurde 1989 wieder Pérez zum Präsident gewählt, der nun
wieder versuchte, Ruhe ins Land zu bringen, indem er die Verstaatlichung der Ölindustrie
rückgängig machte. Er hoffte so, die USA dazu bewegen, ihre destabilisierenden Aktionen in
Venezuela zu beenden. Es hat nicht geholfen und auch die Bevölkerung Venezuelas war keineswegs
glücklich mit der Re-Privatisierung und so trat der Sozialist Hugo Chávez auf die Bühne. 1992
scheiterte er mit einem Putschversuch und wurde eingesperrt.

Auch die folgende Amtszeit der sozialistischen Koalition unter Rafael Caldera brachte keine
Besserung. Kein Wunder, denn es waren immer noch Sozialisten – demokratisch legitimiert – an
der Macht. Das konnten die USA nicht fördern. So kam schließlich Hugo Chávez – diesmal auf
demokratischem Weg – an die Macht, nachdem er seine Gefängnisstrafe abgesessen hatte. Er erhielt
1998 eine solide Mehrheit von 56 Prozent der Stimmen.

Bei der Präsidentschaftswahl 2006 gewann er sogar knapp 63 Prozent der abgegebenen Stimmen.
Erklärtes wichtiges Vorhaben der neuen Regierung war die Wiederverstaatlichung der in den 80-er
und 90-er Jahren im Zuge einer neoliberalen Politik re-privatisierten Betriebe und Ölfelder. Damit
hatte er sich die USA endgültig zum Feind gemacht. Diverse Embargos und Sanktionen waren die
Folge. Das Land erlebte einen wirtschaftlichen Niedergang und gleichzeitig einen dramatischen
Anstieg der Kriminalität. Obwohl es etliche Versuche gab, Chávez aus dem Amt zu treiben, wurde
er am 7. Oktober 2012 mit guter Mehrheit wieder auf sechs Jahre zum Präsident gewählt. Fünf
Monate später verstarb er jedoch an Krebs. Gerüchte, die CIA hätte ihn vergiftet, wurden als
Verschwörungstheorie abgetan. Derartige Behauptungen haben nur Bestand, wenn Russland der
Angeklagte ist. So oder so, bei den Vorgängen in Venezuela drängt sich der Vergleich mit den
Abläufen des “Arabischen Frühlings” und dem “Maidan” in der Ukraine auf. Besonders jetzt, wo
die USA und andere den selbsternannten “Präsident” Guaido als Präsident anerkennen, obwohl das
keine demokratische Legitimation hat.

Mit Embargos und Sanktionen haben die USA das Land gezielt destabilisiert

Auf Wunsch von Chávez folgte ihm Nicolás Maduro im Amt und wurde am 14. April 2013 durch
eine Wahl knapp im Amt bestätigt. Die gewaltsamen Proteste nahmen nicht ab, bis heute. Nachdem
auch Maduro die Verstaatlichung der Ölindustrie nicht zurückgenommen hat, kann mich das nicht
verwundern. Doch betrachten wir dazu, warum die Bevölkerung Venezuelas überhaupt bereit ist für
Massenproteste.

Nach der Katastrophe des Vietnamkriegs und der weltweiten Proteste dagegen, konnten die USA in
den 1970-er Jahren nicht schon wieder einen richtigen Krieg anfangen – weder gegen das
Mullahregime in Persien, noch gegen Venezuela. So haben sie einen Wirtschaftskrieg angezettelt,
mit den üblichen menschenverachtenden Mitteln, die sie auch gegen Kuba, Iran und den Irak nach
dem ersten Golfkrieg anwenden. Lebenswichtige Güter, Medikamente und Technologien werden
auf Sanktionslisten gesetzt und andere Staaten werden mit aller Macht daran gehindert, diese zu
unterlaufen. So wird die Bevölkerung in einen Mangelzustand versetzt, obwohl das Land genügend
Geld hätte. Das ist die Voraussetzung, um Aufstände zu provozieren. Der Beweis hierfür sind in
Venezuela die Jahre nach 1976, nach der ersten Verstaatlichung der Ölindustrie, die dem Land
wegen der guten Lebensbedingungen Stabilität gebracht hatte. Eben bis die destruktiven
Maßnahmen der USA Wirkung gezeigt haben. Hätten die USA hier nicht interveniert, könnte
Venezuela in einem ganz anderen Zustand sein. Eben wie die gefälligen Länder am arabischen Golf,
bei denen es niemand interessiert, ob sie hässliche Diktaturen sind.

Wo bleibt der Protest der Alt-68-er?

Der Umgang der westlichen Medien mit Venezuela zeigt, dass es immer noch ein westliches
Politkartell gibt, jenseits des Hasses auf Donald Trump. Die “Berichterstattung” ist einseitig. Nicht
einmal die linken Medien scheren da aus, denn man sollte doch erwarten können, dass sich die Alt-
68-er in höchstem Maße darüber aufregen, dass schon wieder ein sozialistisches Land kaputt
gemacht wird. So aber wird groß berichtet, dass sich bereits ein venezolanischer General gegen
Maduro gestellt hat. Eine Korrespondentin der ÖRR-Medien in Venezuela hat das richtig gestellt,
indem sie feststellte, dass es 2.000 Generäle dort gibt und der Abtrünnige bereits pensioniert ist.
Nein, gelogen haben sie nicht, sie haben nur nicht die ganze Wahrheit gesagt.

Venezuela hat dieselben Grundprobleme wie die arabischen Staaten. Man hat zu viel Geld, aber
keine gewachsenen Strukturen, die mit dem Geld umgehen können. Bereits Ende der 1980-er Jahre
haben Freunde, die in Venezuela leben, das so beschrieben: Es kann nicht gut gehen, wenn die
Menschen von der Palme direkt in den Mercedes steigen. Ich sage dazu, dass es nur gut gehen kann,
wenn zum einen niemand in den internen Angelegenheiten herumpfuscht und wenn ein autoritäres
System dafür sorgt, dass das viele Geld nicht sinnlos in Konsum und Korruption versickert. Nicht
dass die arabischen Staaten nicht korrupt wären, aber dort ist Korruption Staatsräson und man
befindet sich unter der Schutzherrschaft der USA. Das bleibt solange so, wie man nicht aufmuckt.
Libyen, Iran und Irak haben das getan und bitter dafür bezahlt.

Jetzt ist mal wieder Venezuela dran und man kann nur hoffen, dass China und Russland ihre Ansage
wahr machen, nicht mehr zuzulassen, dass die USA in ihrer imperialen Gier weitere Staaten
zerstören. Venezuela wird die Nagelprobe für Donald Trump. Er hat zwar dem Interventionismus
eine Absage erteilt, aber bei Venezuela und dessen Öl geht es mehr ums Geschäft. Wenn er hier
tatsächlich militärisch eingreift, dürfte er das nach seinem Selbstverständnis nicht als Intervention
betrachten, sondern als geschäftliche Investition. Hier bei uns muss unverständlich bleiben, warum
Venezuela und seine sozialistische Regierung keine “uneingeschränkte Solidarität” erfahren – von
Linken und Alt-68-ern. Da muss es doch wie eine völlige Umkehrung des politischen Kompasses
wirken, wenn ausgerechnet die als rechtspopulistisch verunglimpfte Regierung Italiens die
Sozialisten in Venezuela vor fremden Übergriffen schützen will.

Nachtrag:

Ich erinnere hier an Billy Six, einen aufrechten Journalist, der seit Monaten in Venezuela im
Gefängnis sitzt. Die Merkelregierung hat keinerlei Anstrengungen unternommen, Billy Six zur Seite
zu stehen. Vielleicht liegt das daran, dass Billy Six kritisch aufgeklärt hat über den Abschuss der
MH 17 durch einen ukrainischen Kampfflieger. Vergleicht man das mit dem Zirkus um den
deutschen-hassenden Schmierfink Deniz Yücel, zu dessen Gunsten beinahe diplomatische
Konfrontationen eingeleitet wurden, muss man sich schon fragen, ob man Deutsch-Türke und anti-
deutsch sein muss, um Unterstützung von der Merkelregierung zu erhalten. Lesen Sie dazu:
https://www.anderweltonline.com/klartext/klartext-2017/deniz-yuecel-widerlicher-schmierfink-
ohne-moral-und-anstand/

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