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Société d'Études Latines de Bruxelles

Zur politischen Rolle der Aristokratinnen zwischen Republik und Prinzipat


Author(s): Maria H. Dettenhofer
Source: Latomus, T. 51, Fasc. 4 (OCTOBRE-DÉCEMBRE 1992), pp. 775-795
Published by: Société d'Études Latines de Bruxelles
Stable URL: http://www.jstor.org/stable/41536447
Accessed: 14-01-2018 16:14 UTC

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Zur politischen Rolle der Aristokratinnen
zwischen Republik und Prinzipat (')

Auf die Frage, ob eine Frau in einer öffentlichen Versammlung


auftreten dürfe, antwortet Valerius Maximus mit einem entschiedenen
„Nein". Diesem „Nein" fügt er jedoch einschränkend hinzu : „ so
lange die Verfassung des Landes aufrecht steht ; wenn aber die Ruhe
des Staates durch stürmische Gärungen erschüttert wird, dann sinkt
das Ansehen der ererbten Sitte dahin und rohe Gewalt gilt mehr als
die Stimme der Sittsamkeit" (III, 8, 6). Als Beispiel führt er Sempronia,
die Schwester der Gracchen, an, die wider Willen in einer Contio
aufgetreten war. Diese Einschätzung überrascht nicht, denn in Rom
galt der Grundsatz cum feminis nulla comitiorum communio est
(Gellius, N.A. V, 19, 10). Das öffentliche Auftreten von Frauen in der
Politik wäre demnach ein sicheres Zeichen für die schwere Krise eines
Gemeinwesens. Valerius Maximus dürfte mit seiner Bewertung nicht
zuletzt ein Stück augusteischer Propaganda wiedergeben, deren restau-
rative Bestrebungen bekanntlich auch als Antwort auf ein verändertes
Rollenverständnis der Aristokratinnen zu verstehen sind (2). Inwiefern
also war Valerius Maximus' Analyse Resultat der politischen Erfahrung
der jüngsten Vergangenheit ? Oder anders : Welche Rolle spielten die
Aristokratinnen in der Übergangszeit zwischen Republik und Prinzipat ?

(1) Dies ist die überarbeitete Fassung eines Vortrags, der unter dem Titel Women
in a Political Crisis : between Republic and Principáte am 18. Oktober 1990 im Rahmen
einer Reihe über die Rolle der Frau in der Antike am Institute for Classical Studies
der University of London gehalten wurde. Dank für nützliche Hinweise und Kritik
schulde ich den Teilnehmern der anschließenden Diskussion und besonders Herrn Dr.
Lindsay Hall.
(2) Daß Augustus' Betonung der alten Frauenrolle vorwiegend die Absicht verfolgte,
den physischen Bestand der alten Aristokratie zu sichern, soll dabei nicht bestritten
werden. Daß aber zwischen der verminderten Geburtenzahl und den erweiterten Frei-
heitsspielräumen der Frauen (dazu siehe unten das Ergebnis dieser Studie) ein Zusam-
menhang bestand, ist ebensowenig zu leugnen. Dazu K. Hopkins, Death and Renewal ,
Cambridge et al., 1983, S. 78 f., 91, 95 f. ; S. Dixon, The Roman Mother , Norman-
London, 1988, S. 71-103.

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776 M. H. DETTENHOFER

Die römische Aristokratin nahm - im Ge


schen Standes- und Geschlechtsgenossin -
und damit am informellen Bereich des p
Cornelius Nepos ist das selbstverständlich,
die seltsamen Bräuche der Griechen (3). A
bewußtsein, verbunden mit der grundsätzlic
tischen Anlässen in die Öffentlichkeit zu ge
Livius und Valerius Maximus schon für di
in mehreren Beispielen bezeugt (4). Allerdi
die republikanische Zeit anekdotenhaft. Z
Valerius Maximus, wenn sie sich mit politisc
in der Geschichte befassen, einer Generat
Erfahrungshorizont von der Phase des Un
der Konsolidierung des augusteischen Prin
dürfte. Da aber einerseits, wie an versch
werden wird, gerade in dieser Zeit Frauen w
der politischen Öffentlichkeit getreten zu se
andererseits die Betonung der traditionellen
zu den Anliegen des ersten Prinzeps gehö
weibliches Verhalten, das der idealen Norm
mutlich bereits besonders geschärft gewesen
für die Endphase der Republik mit Ciceros K
artige Quelle zur Alltagsgeschichte, in der
der Oberschicht implizit abzeichnet, ohne un
bildender Absichten zu stehen.
Im folgenden soll der Versuch unternom
überlieferten Fälle des politischen Eingreif
analysieren und in Muster sozialen Verhalten
waren die Frauen, obwohl de iure von den
de facto doch an ihnen beteiligt? Inwiew

(3) Als Beispiel für einen Vergleich der Stellung d


griechischen cf. Nepos, Praefatio 4-7. Schon Corne
weitgehende Ausschluß der griechischen Frauen soga
häuser in Form der gynaeconitis niederschlug.
(4) Livius XXXIV, 1, 5-7, 2 ; 5, 25, 9 ; 50, 7 ; Vale
Belege und Beispiele bei S. B. Pomeroy, Goddesses
London, 1975, S. 176 f. ; W. Schuller, Frauen in der
1987, S. 35 f.
(5) Dazu siehe B. v. Hesberg-Tonn, Coniunx carissim
charakter im Erscheinungsbild der römischen Frau, D

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ARISTOKRATINNEN ZWISCHEN REPUBLIK UND PRINZIPAT III

dingungen wurden ihre politischen Aktivitäten akzeptiert und wo lagen


die Grenzen ? Kurz : Wie gestaltete sich das Verhältnis der römischen
Aristokratin zur res publica in der Praxis ? Welche Bedeutung hatte
die Tatsache, daß Frauen in die Politik verwickelt wurden, es sogar
für nötig und passend hielten, politische Initiative zu ergreifen, für die
römische Gesellschaft ? Inwiefern also und in welcher Weise bildeten
die Aristokratinnen ein Strukturelement römischer Politik und Ge-
schichte ? Oder : Inwieweit dürfen von den Verhältnissen der Übergangs-
zeit auf frühere Verhältnisse Rückschlüsse gezogen werden ? Handelt
es sich bei den politischen Auftritten in dieser Krisenzeit um bloße
Zufalle oder waren sie das Ergebnis veränderter gesellschaftlicher Be-
dingungen ?

Bereits Friedrich Münzer stellte 1920 fest, daß in der Zeit nach
Caesars Ermordung verschiedene Frauen der Oberschicht Einfluß auf
zentrale politische Ereignisse nahmen, hatte aber keine Erklärung für
das Phänomen (6). Es handelt sich dabei vor allem um Servilia, Caesars
ehemalige Geliebte und Vertraute sowie Mutter des Caesarmörders
Marcus Brutus, um die namentlich nicht bekannte Mutter des zweiten
bedeutenden Verschwörers C. Cassius Longinus und um Fulvia, die
Gattin des Triumvirn M. Antonius. Mit ihnen mußte sich Cicero -
wie aus seinen Briefen und Reden deutlich wird - politisch arrangieren,
denn wenigstens zeitweilig scheinen diese Damen entscheidende poli-
tische Fäden in Händen gehabt zu haben.
Zunächst zu Servilia (7) : Als M. Brutus im Mai 44 nach seiner Flucht
aus Rom keine Möglichkeit mehr sah, der Sache der Befreier zur
Durchsetzung zu verhelfen, und bereits an freiwilliges Exil dachte,
suchte er politischen Rat bei seiner Mutter (cf. Cicero, Att. XIV, 19, 1 ;
18, 4 ; 15, 10). Sie war es auch, die dann am 7. Juni ein Treffen ein-
berief, bei dem über die künftige Politik der Befreier entschieden werden

(6) Römische Adelsparteien und Adelsfamilien, Stuttgart, 1920 [1963], S. 358 f. Zur
besonderen Situation nach der Ermordung des Dictators sowie den darin enthaltenen
Handlungsspielräumen und Grenzen siehe M. H. Dettenhofer, Perdita inventus :
Zwischen den Generationen von Caesar und Augustus, München, 1992, S. 262 ff.
(7) Zu ihrer Biographie cf. F. Münzer in RE, II, A, 2, 1923, s.v. Servilia, 101,
Sp. 1817-1821 ; B. Förtsch, Die politische Rolle der Frau in der römischen Republik,
Stuttgart, 1935, S. 88-94 ; 104-108.

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778 M. H. DETTENHOFER

sollte. Zwei Tage zuvor war vom Senat eine


worden, die es M. Brutus und C. Cassius
im Auftrag des Senats zu verlassen. Als amt
war immerhin praetor urbanus - bedurften
um ihren Amtsbereich verlassen zu können. In Wirklichkeit handelte
es sich dabei um einen Vorwand sowohl für die Befreier als auch für
Antonius, um eine einigermaßen legale Entfernung der Caesarmörder
aus Italien zu ermöglichen. Anwesend bei der von Servilia einberufenen
Versammlung waren neben Brutus, Cassius, Favonius und Cicero auch
Brutus' Gattin Porcia und Cassius' Gattin Iunia Tertia. Das Wort führte
die Gastgeberin, Cicero wurde nur befragt. Er riet zur Annahme des
Auftrags, Cassius war strikt dagegen. Das Ergebnis dieser Zusammen-
kunft war Servilias Versprechen, den Auftrag zur Getreidebeschaffung
aus dem Senatsbeschluß streichen zu lassen - was ihr auch gelungen
zu sein scheint (Cicero, Att. XV, 11, 1-2 ; 12, 1) (8). Dabei scheint Cicero
keinerlei Bedenken gehabt zu haben, daß die Änderung eines Senats-
beschlusses nicht in Servilias Macht stehen könnte. Und auch in der
Folgezeit scheint sie die Unternehmungen des Kreises um die Befreier,
in dem immerhin die wichtigsten Verfechter der Republik versammelt
waren, koordiniert zu haben (cf. Cicero, Att. XV, 17, 2 ; 24 ; 13, 4).
Ein Jahr später, im März 43, entschuldigt sich Cicero bei Cassius,
daß er den Antrag, ihn als Statthalter von Syrien anzuerkennen und
ihm das Oberkommando über Asia, Bithynia und Pontos zu verleihen,
gegen den Willen seiner Schwiegermutter Servilia im Senat eingebracht
habe. Diese hatte befürchtet, der Consul Pansa könnte sich beleidigt
fühlen. Der erklärte wiederum in der Volksversammlung, Cassius'
Mutter und sein Bruder hätten den Antrag nicht gewünscht ( Farn . XII,
7, 1). Hier tritt die politische Mitsprache zweier Matronen offen zutage,
wie sie im privaten, inoffiziellen Bereich stattfand und in der Öffent-
lichkeit wirkte.
Für Ende Juli 43 ist ein weiteres politisches Treffen überliefert,
zu dem Servilia Cicero bat. Er scheint sich geschmeichelt gefühlt zu

(8) Cf. F. Münzer, Servilia, 101 [n. 7], Sp. 1820 ; B. Förtsch, Politische Rolle
[n. 7], S. 362 f. Die curatio frumenti scheint nur ein Teil - aber eben der anstößige
- eines umfassenderen Beschlusses gewesen zu sein. Da das senatus consultum als
Ganzes nicht erkennbar ist, erscheint es allerdings schwierig, die politische Bedeutung
dieser Streichung genau auszumachen ; cf. D. R. Shackleton Bailey, Cicero's Letters
to Atticus, Bd. 6, Cambridge, 1967, S. 260.

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ARISTOKRATINNEN ZWISCHEN REPUBLIK UND PRINZIPAT 779

haben. Anwesend waren außerdem Casca und Labeo, zwei weitere


Mitglieder der Verschwörung gegen Caesar, und Scaptius, ein Finanz-
mann. Wieder führte sie das Wort. Cicero befragte sie nach seiner
Meinung, ob man Brutus heimrufen oder ob er im Osten bleiben solle.
Cicero wollte ihn in Italien haben, aber Brutus blieb im Osten. Servilia
scheint auch weiterhin Brutus' engste politische Vertraute gewesen zu
sein. Sie hielt ihn auf dem laufenden, was in der Hauptstadt und im
Senat geschah (Cicero, ad Brut. I, 18, 1-6). In seinen Briefen an Cicero
aus diesen Tagen entwickelte Brutus einen außerordentlichen und für
ihn höchst ungewöhnlichen Scharfblick für die Einschätzung der Lage,
als er das von Caesar errichtete und weiterbestehende instrumemtum
regni, womit Caesars private Administration (9) zusammen mit der
Heeresklientel gemeint war, als den eigentlichen Machtfaktor bezeich-
nete und das Streben Octavians, sich dieses Machtapparats zu bemäch-
tigen, sowie die ungeheure Gefahr, die davon ausging, erkannte (Cicero,
ad Brut. I, 4a, 3) (10). Er wird diese glänzende Analyse der politischen
Situation, die Cicero nicht nachvollziehen konnte und wollte, nicht
zuletzt Servilias Berichterstattung zu verdanken gehabt haben.
Auffällig an diesen Cicerobelegen ist die selbstverständliche Akzeptanz
der Einmischung oder besser : des Mitmischens von weiblicher Seite.
Die politische Kompetenz der Damen ist unbestritten (")• Cicero zählt
sogar auf sie (cf. Cicero, Fam. V, 2, 6 ; 8) (l2). Zwar ärgert es ihn,
wenn man seiner politischen Meinung widerspricht, und er lästert über
den Betreffenden. Aber das hätte er bei einem männlichen Gegenüber
ebenso getan.
Das gilt auch für Fulvia (13). Daß er für Clodius' Witwe und
Antonius' Ehefrau keine Sympathie empfand, ist nicht verwunder-

(9) Zu Caesars Administration cf. J. Malitz, Die Kanzlei Caesars - Herrschafts-


organ zwischen Republik und Prinzipat in Historia 36, 1987, S. 51-72.
(10) Dazu Perdita iuventus [n. 6], S. 306 f. ; 330.
(1 1) Zumal er Interesse an Politik schon von seiner Frau Terentia gewöhnt war ;
cf. Plutarch, Cie. 20 und 29.
(12) Cicero bezeichnete Servilia als prudentíssima et diligentíssima /emina (Cicero,
ad Brut. 1, 18, 1). - Zu dem Respekt, den Cicero den adligen Damen entgegenbrachte,
cf. S. Dixon, A Family Business : Women 's Role in Patronage and Politics at Rome
80-44 B.C. in С & M 34, 1983, S. 96.
(13) Sämtliche Belege zu ihrer Biographie bei F. Münzer, in RE VII, 1910, s.v.
Fulvia. 113, Sp. 281-284 ; В. Förtsch, Politische Rolle [n. 7], S. 108-116 ; B. Kreck,
Untersuchungen zur politischen und sozialen Rolle der Frau in der späten Republik,
Diss. Marburg, 1975, S. 152-209 ; B. v. Hesberg-Tonn, Coniunx carissima [n. 5],
S. 77-83 ; Neuerdings D. Delia, Fulvia Reconsidered, in S. В. Pomeroy (Hrsg.),
Women's History and Ancient History, Chapell Hill-London, 1991, S. 197-217.

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lich (14). Aber seine Kritik an ihrer Polit


schlecht zu tun (l5). Fulvia scheint völlig un
öffentliche Geschehen genommen zu hab
auch die antiken Historiker ausführlich von ihren Aktivitäten. Ende
April 44 wollte sie König Deiotarus die Gebiete wiederverschaffen, die
ihm Caesar aberkannt hatte (Cicero, Ait. XIV, 12, 1 ; Phil. II, 94 f.).
Auch bei den Proskriptionen soll Fulvia die Hände im Spiel gehabt
haben (Cassius Dio XLVII, 8, 2 ; Appian, Ciu. IV, 29). Ihr politischer
Einfluß war, besonders in M. Antonius' Abwesenheit, so evident, daß,
als im Jahr 41 P. Servilius und L. Antonius Consuln waren, Cassius
Dio berichtet, in Wirklichkeit hätten Fulvia und L. Antonius dieses
Amt geführt (LXVIII, 4, 1). Daß Fulvias Macht auch von ihrem
Schwager unabhängig war, zeigt Dio an folgendem Beispiel : Als L.
Antonius den Senat wegen eines Sieges über einige Alpenvölker um
einen Triumph bat, erhob Fulvia Einspruch, worauf man Antonius
die Auszeichnung nicht zugestehen wollte. Als sie schließlich doch ihre
Zustimmung erteilte, schloß sich auch der Senat an. Bei dem Zerwürf-
nis zwischen ihrem Mann und Octavian im selben Jahr nahm sie
Antonius' Interessen und Aufgaben in Italien auch im militärischen
Bereich wahr und hielt öffentliche Reden (Cassius Dio XLVIII, 4, 2-4 ;
7, 6, 5-7, 3) (|6). Im perusinischen Krieg versuchte sie, ihren Schwager
L. Antonius zu entsetzen (Plutarch, Ant. 30, 1 ; Appian, Ciu. V, 14 ;
Cassius Dio XLVIII, 1 f.). Valerius Maximus berichtet, sie habe deutlich
sichtbar einen Dolch getragen (III, 5, 3). Auch war sie vermutlich die
erste Römerin, die Münzen mit ihrem Bildnis schlagen ließ (l7).
Von einem weiteren Beispiel für das öffentliche Auftreten von Frauen
in der Übergangszeit berichten Valerius Maximus (VIII, 3, 3) und

(14) Zu Fulvias früheren Konfrontationen mit Cicero, cf. С. L. Babcock, The Early
Career of Fulvia in AJP 86, 1965, S. 1-32.
(15) Cicero, Phil. II, 95 : Syngrapha sesterti centiens per legatos , uiros bonos, sed
tímidos et imperitos, sine nostra, sine reliquorum hospitum regis sententia facta in
gynaecio est, quo in loco plurimae res uenierunt et ueneunt. Seine Anspielung auf
den Damensalon ist keine Widerlegung dieser These, da Cicero in der zweiten Phi-
lippika an allem, was Antonius betraf, etwas zu kritisieren fand. Sonst warf er Fulvia
Habsucht vor (Phil. II, 113 ; VI, 4 ; XIII, 18), einen Charakterfehler, der wohl kaum
auf das weibliche Geschlecht beschränkt ist.
(16) Cf. auch Cassius Dio XLVIII, 5, 2 ; 6, 2-7, 3, wo sie mit Octavian wegen
der Landverteilungen an die Veteranen in Streit geriet.
(17) J. M. C. Toynbee, Roman Historical Portraits , London, 1978, S. 46 und 48,
no. 53.

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ARISTOKRATINNEN ZWISCHEN REPUBLIK UND PRINZIPAT 781

Appian ( Chi . IV, 32-35). Als die Triumvira die wohlhabenden Frauen
mit einer Steuer belegen wollten, beschlossen diese, sich an deren
Frauen zu wenden. Bei Octavians Schwester und Antonius' Mutter
stießen sie auf Verständnis, wogegen sie von Fulvia abgewiesen wurden.
Daraufhin zogen sie zum Forum, wo Hortensia, die Tochter des be-
rühmten Redners, im Namen aller eine Rede an die Triumvirn hielt,
in der sie die Zahlungen mit dem folgenden Argument verweigerte :
Wenn die Triumvirn ihnen nun auch noch ihr Eigentum wegnähmen,
nachdem sie ihnen bereits die Väter, die Söhne, die Ehemänner und
die Brüder geraubt hätten, brächten sie sie in Lebensbedingungen, die
ihrem Stand und ihrem Geschlecht nicht entsprächen. Wenn sie ihnen
Unrecht getan hätten, sollten sie sie, wie sie es bei ihren Ehemännern
getan hätten, proskribieren. Aber wenn nicht, warum sollten sie die
Strafe teilen, wenn sie nicht auch die Schuld teilten ? Die Rede gipfelte
in dem Satz : "Warum sollten wir Steuern zahlen, wenn wir keinen
Anteil haben an den Ehren, den Kommanden und dem Gemeinwesen,
um das ihr mit so katastrophalen Ergebnissen miteinander kämpft V
Hortensia fügt hinzu, daß sie, wie schon ihre Mütter, durchaus bereit
seien, für einen Krieg Opfer zu bringen, aber dann freiwillig und nur
bei einem Krieg gegen äußere Feinde. Aber zu einem Bürgerkrieg
wollten sie nicht beitragen.
Hortensias Rede zeigt außerordentlichen Mut und große Solidarität
unter den Frauen. Und sie enthält - die Authentizität vorausgesetzt (18)
- den ersten Beleg für Kritik am Ausschluß vom öffentlichen Leben.
Dabei handelte Hortensia ohne männlichen politischen Schutz. Ihr
Vater war schon im Jahr 50 gestorben, und ihr Bruder kämpfte bei
M. Brutus auf seiten der Republikaner. Die Triumvirn waren wütend,
weil Frauen es wagten, in einer öffentlichen Versammlung zu sprechen,
während die Männer schwiegen, und dabei auch noch die Forderung
nach Rechtfertigung einer Maßnahme stellten. Als sie Befehl gaben,
die Frauen zu vertreiben, äußerte die Plebs durch lautes Geschrei Miß-

(18) Quintilian, Inst. I, 1,6, kennt die Rede ; sie wurde noch in seiner Zeit gelesen.
Sie könnte also auch Appian noch vorgelegen haben. Aber selbst wenn Appian diese
Rede frei erfunden hätte, was angesichts der Bemerkung Quintilians eher unwahr-
scheinlich erscheint, wäre das Argument noch ein äußerst bemerkenswertes Zeugnis.
- Ferner: Cicero erwähnt in seinem Brutus, daß Frauen Reden hielten (211-212).
Offensichtlich wurden auch Töchter rhetorisch ausgebildet ; cf. Valerius Maximus
VIII, 1-3, der Beispiele für öffentliche Reden von Frauen nennt. Auch Appian, du.
IV, 32-34 ; dazu S. Dixon, Family Business [n. 12], S. 97-100.

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782 M. H. DETTENHOFER

billigung. Die Machthaber sahen sich off


nachzugeben : die Abgabe wurde erheblic
der Plebs und die Konzessionen der Trium
kratinnen über Machtmittel verfügt haben
haber Rücksicht nehmen mußten.
Aus den Quellen geht deutlich hervor, daß sich einige Aristokratinnen
nach Caesars Tod maßgeblich an der Politik beteiligt haben (20), in
einer Zeit also, in der ein plötzliches Machtvakuum aufgetreten war (2I).
Sie übten ihren Einfluß ziemlich unverhohlen aus und zögerten auch
nicht, wenn sie es zur Durchsetzung ihrer Anliegen für nötig hielten,
in der Öffentlichkeit dafür einzutreten. Diese Bereitschaft zum Enga-
gement legt die Vermutung nahe, daß diese Frauen schon in den Jahren
zuvor das politische Geschehen zumindest aufmerksam verfolgt, wenn
nicht sogar an den privaten Diskussionen teilgenommen haben (22).
Bereits in den letzten Jahren der Republik sind Fälle politischen Enga-
gements von Frauen bekannt. Ein berühmtes Beispiel für vom Ehe-
gatten unabhängige Politik in den späten 60er Jahren ist Sempronia,
die Mutter des späteren Caesarmörders D. Brutus. Sie war Mitwisserin
der Catilinarischen Verschwörung und Sallusts Bericht zufolge keines-
wegs die einzige Frau in diesem Kreis (Sallust, Cat. 24 ; 25) (23). Die
Einbeziehung von Frauen in die Pläne der Verschwörer könnte ein
Hinweis darauf sein, daß wir es in der Endphase der Republik mit
einer zunehmenden Politisierung der Frauen zu tun haben (24).

(19) Übrigens verurteilen weder Appian noch Valerius Maximus den öffentlichen
Auftritt Hortensias. Zu ihrer Rede cf. auch Quintilian, Inst. I, 1, 6 ; C. Herrmann,
Le rôle judicaire et politique des femmes sous la République romaine, Brüssel, 1964,
S. 111-115 ; В. v. Hesberg-Tonn, Coniunx carissima [n. 5], S. 84-92.
(20) Dazu F. Münzer, Adelsparteien [п. 6], S. 358 ; В. Förtsch, Politische Rolle
[n. 7], S. 1 und 122 f. und passim ; К. Hopkins, Death and Renewal [п. 2], S. 93 f. ;
allgemeiner К. Christ, Römische Geschichte und Wissenschaftsgeschichte, I, Darm-
stadt, 1982, S. 148.
(21) Cf. Ch. Habicht, Cicero the Politician, Baltimore-London, 1990, S. 77 ; M.
H. Dettenhofer, Perdita iuventus [п. 61, S. 324 f.
(22) Cf. Plutarch, Cie. 20, wo es über Ciceros Gattin Terentia nach Aussage des
Ehemanns heißt, sie habe sich mehr um seine politischen Sorgen gekümmert als sie
ihn an den häuslichen Sorgen Anteil nehmen ließ.
(23) Cf. К. Hopkins, Death and Renewal [п. 2], S. 92 f. - Zu ihrer Biographie,
cf. F. Münzer, in RE II, A2, 1923, s.v. Sempronia. 103, Sp. 1446 ; B. Förtsch,
Politische Rolle [n. 7], S. 82 f.
(24) Cf. К. Hopkins, Death and Renewal [п. 2], S. 93.

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ARISTOKRATINNEN ZWISCHEN REPUBLIK UND PRINZIPAT 783

Als politisches Strukturelement (25) waren die Aristokratinnen also


potentiell vorhanden, aber erst durch den Wandel der politischen Ver-
hältnisse wurden sie so deutlich wirksam, daß sie für den Historiker
als politischer Faktor erkennbar sind. Suzanne Dixon bezeichnete
diesen Sachverhalt sehr treffend als „the iceberg principle" (26).

II

Vergleichen wir damit die Berichte über politische Aktionen von


Frauen aus früheren Zeiten. Livius bietet zu diesem Thema ein Rede-
duell zwischen dem älteren Cato und dem Volkstribunen L. Valerius
(XXXIV, 1-8, 3 ; Zonaras IX, 17, 1-4 ; uir. ill. 47, 6). Der Anlaß war
folgender : Während des 2. Punischen Krieges war die lex Oppia
erlassen worden, die das Vermögen und den Luxus der Frauen be-
schränkte. Jetzt, im Jahr 195, war ein Antrag für die Aufhebung des
Gesetzes eingebracht worden. Um das durchzusetzen, belagerten die
Frauen alle Straßen und die Zugänge zum Forum. Dabei erhielten
sie täglich Verstärkung durch den Zustrom weiterer Frauen aus den
Landstädten. Der Consul Cato war strikt gegen die Aufhebung des
Gesetzes. Dabei ging es ihm um zweierlei : die Frauen auf ihren Platz
im Haus unter der Kontrolle des Mannes bzw. ihre traditionelle
Rechtsstellung in manu esse parentium, fratrum, uirorum zu verweisen
(XXXIV, 2, 11) und die Geschlossenheit der Gesellschaft durch die
Demonstration von Reichtum von seiten der Begüterten nicht zu
gefährden (XXXIV, 4, 1-14). In seiner Rede verurteilte er das öffentliche
Engagement der Frauen daher aufs schärfste und prangerte dann das
allgemeine Streben nach Luxus an. Darauf entgegnete ihm der An-
tragsteller L. Valerius, daß die Frauen schon früher in großer Zahl
an die Öffentlichkeit getreten seien - und immer zum Vorteil des Ge-
meinwesens. Es folgen mehrere Beispiele, wobei er aus Catos Origines
zitiert : Schon unter Romulus war durch die Intervention der Frauen
der Zwist zwischen Römern und Sabinern beendet worden. Als später
der Verräter Coriolan auf Rom marschierte, war es wieder der Ein-
mischung der Frauen zu verdanken, daß er von seinem Plan abgebracht
werden konnte. Valerius Maximus ergänzt dazu, daß der Senat dar-

(25) Zum Begriff der „politischen Struktur", cf. M. Riedel, System, Struktur in
O. Brunner, W. Conze, R. Koselleck (Hrsg.), Geschichtliche Grundbegriffe, VI,
Stuttgart, 1990, S. 318-322.
(26) Family Business [n. 12], S. 109.

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784 M. H. DETTENHOFER

aufhin erklärte, der Staat verdanke seine R


den Kriegern, und sie mit entsprechende
Als die Stadt von den Galliern eingenomme
das Gold für den Loskauf auf. Und schließlich hatten sie während
des 2. Punischen Kriegs vom Senat den Freikauf ihrer Gatten und
Söhne verlangt - allerdings vergeblich. Als dann wegen der hohen
Gefallenenzahl die Steuern nicht mehr ausreichten, um den Staatshaus-
halt zu decken, sprangen die Frauen ein (27). Schließlich hielt Valerius
Cato entgegen, daß das Gesetz (wie damals auch andere Gesetze) in
einer Notsituation erlassen wurde, die nun aber endgültig vorüber sei.
Es sei also Unrecht, ausgerechnet die Frauen mit der Aufrechterhaltung
eines unzeitgemäßen Gesetzes zu diskriminieren, zumal es zu Unzu-
friedenheit führe, wenn die Frauen der Bundesgenossen, für die dieses
Gesetz nicht galt, sich prachtvoll geschmückt zeigen durften, die
Römerinnen aber nicht. Zuletzt betont er die grundsätzliche Macht-
losigkeit der Frauen, so daß diese den Männern auch nach Aufhebung
des Gesetzes doch keinesfalls etwas anhaben könnten.
Die Authentizität dieser Reden wird in der Regel bezweifelt (28).
Das m. E. überzeugendste Argument stellt dabei Livius' Hinweis auf
Catos Origines dar(29), denn diese werden von Cornelius Nepos im
Gegensatz zu den Reden ausdrücklich als Catos Alterswerk genannt
( Cato 3, 3 f.) (30). L. Valerius hätte demnach nicht aus Catos Geschichts-
werk zitieren können, da es ihm, im Gegensatz zu Livius, noch gar
nicht vorlag. Wenn also Catos Rede Livius' Werk ist, bleiben als Fakten
der Bericht von den vehementen öffentlichen Aktivitäten vieler Frauen
und die Beispiele aus Catos Origines.

(27) Als Parallelstellen, cf. Livius I, 13 ; II, 40 ; Valerius Maximus V, 2, 1 ; III,


47 ; XXII, 56, 4-6 ; XXII, 60, 1-3 ; XXII, 61, 1 ; XXIII, 48, 8-9. Auf dieses Ereignis
läßt Appian Hortensia in ihrer Rede an die Triumvirn anspielen.
(28) Cf. M. Gelzer in RE XXII, 1, 1953, s.v. M. Porcius Cato Censorinus No. 9,
Sp. 116; J. Teufer, Zur Geschichte der Frauenemanzipation im alten Rom. Eine
Studie zu Livius 34, 1-8, Berlin, 1913, S. 14 ; A. E. Astin, Cato the Censor , Oxford,
1978, S. 25 f. ; С. Herrmann, Rôle judiciaire [п. 19], S. 52-67 ; S. В. Pomeroy,
Goddesses [п. 4], S. 181 f. ; wogegen D. Kienast, Cato der Zensor , 2. Aufl., Darmstadt,
1979, S. 21, die Echtheit nicht ausschließt.
(29) Wogegen ich das argumentum e silent io, diese Rede sei uns in keinem der
Fragmente erhalten und werde auch sonst nirgends erwähnt, für nicht überzeugend
halte.
(30) Cf. A. E. Astin, Cato [п. 28], S. 211 f. ; R. Helm, Cato Censorinus [n. 28],
Sp. 157-162.

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ARISTOKRATINNEN ZWISCHEN REPUBLIK UND PRINZIPAT 785

Daraus ergibt sich Folgendes : Frauen hatten schon vormals in die


Politik eingegriffen und genossen dafür einen gewissen Respekt. Auch
wenn es sich bei den Beispielen aus der frühen Zeit Roms möglicherweise
nicht um historische Fakten, sondern um Mythen handelt, kommt
ihnen als solchen eine wichtige Bedeutung zu. Schließlich spielten Ver-
gangenheitsmythen eine wichtige Rolle im Bewußtsein der Römer.
Weiter wird aus den Beispielen deutlich, daß es immer Krisenzeiten
waren, in denen die Frauen politische Initiative ergriffen (31). Der Aus-
fall vieler Männer durch Krieg, Gefangenschaft oder Tod dürfte dabei
eine wichtige Rolle gespielt haben (32).
Bemerkenswert ist die zahlenmäßig hohe Beteiligung der Frauen an
der Initiative zur Aufhebung der lex Oppia. Ob es sich bei denen, die
die Straßen belagerten, nur um die begüterten Frauen handelte, wird
bei näherem Hinsehen fraglich. Cato bietet zwei Möglichkeiten an.
Wenn es sich hier nicht um einen von Männern inszenierten Massen-
auflauf handelte, hätten wir es mit einem beeindruckenden Beispiel
weiblicher Solidarität zu tun (Livius XXXIV, 2, 6-7). Die Frauen wären
demnach einfach nicht länger bereit gewesen zu akzeptieren, daß sie
am Aufblühen des Gemeinwesens nicht wie früher teilhaben durften.
Möglicherweise ging es auch um die Restitution der von Valerius
Maximus erwähnten Privilegien, die der Senat den Frauen im Laufe
der Zeit für ihre Verdienste um das Gemeinwesen verliehen hatte (33).
Aber auch im Falle eines female rent-a-mob wären Frauen auf eine
sehr unkonventionelle Weise für politische Zwecke instrumentalisiert
und als politische Kraft verstanden worden.
An dieser Stelle stellt sich jedoch die Frage, wie Livius' Catorede
zu beurteilen ist, d.h. ob man die Aussagen, die hier über das Norm-
verhalten der Frauen gemacht werden, überwiegend den Vorstellungen
des beginnenden zweiten Jahrhunderts zuordnen kann oder nicht viel-
mehr als Zeugnis der Übergangszeit zwischen Republik und Prinzipat
werten muß. Es ist anzunehmen, daß Livius aufgrund seines Quellen-
materials versuchte, die Frauendemonstration durch Catos Augen zu
sehen. Daß er dabei jedoch unbewußt Vorstellungen vom Normverhalten

(31) Das gilt auch für den vorliegenden Fall. Cf. Livius XXXIV, 1,1.
(32) Dazu cf. auch S. B. Pomeroy, Goddesses [n. 4], S. 181 f. ; M.-L. Deibmann,
Aufgaben, Rollen und Räume von Mann und Frau im antiken Rom in Aufgaben,
Rollen und Räume von Frau und Mann , Bd. 2, hrsg. v. J. Martin und R. Zoepffel,
München, 1989, S. 531.
(33) Valerius Maximus V, 2, 1 ; ferner Livius V, 25, 9 ; 50, 7.

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786 M. H. DETTENHOFER

der Frau seiner eigenen Zeit zugrunde legte


Frauen in der politischen Öffentlichkeit als
wurde, liegt nahe. Klar zu trennen sind die
wenn auch einzelne Elemente, wie die Ve
Massenauflaufs, in den politischen Erfahru
des ersten Jahrhunderts gehören dürften.
In jedem Fall bemerkenswert ist Catos Hin
Anliegen zu Hause ihren Ehemännern vo
um die Wahrnehmung ihrer Interessen z
fentlichkeit zu gehen. Im darauffolgende
Vorschlag dahingehend, daß Frauen sich
Annahme oder Aufhebung von Gesetzen
XXXIV, 2, 9-10). An dieser Stelle wird d
idealen Norm und der praktizierten Wirklic
Frauen die Geschäfte der res publica nich
die Frauen daran gewöhnt, zu Hause an
teilzunehmen - besonders natürlich, wen
die sie unmittelbar betrafen.
Daß diese Verhältnisse für die späte Repu
Es ist jedoch durchaus wahrscheinlich, da
mentierte Einstellung der tatsächlichen Hal
also keineswegs ausschließlich livianisch o
zwischen Republik und Prinzipat zuzuord
Aulus Gellius einer Rede Catos entnomm
1-2), spiegelt im wesentlichen die beschriebe
wider : Darin versucht eine Mutter ihre
Senat begleitet hatte, über das dort Verh
war man jedoch übereingekommen, daß d
Beschlußfassung niemand etwas verlauten la
der Mutter zu befriedigen, erfand der Sohn
wonach verhandelt wurde, ob es nicht sinn
Frauen heiraten dürfe oder eine Frau an zwei Männer verheiratet
würde. Die Dame war empört und zog tags darauf mit den anderen
Matronen zum Senat, um sich zu beklagen (N.A. I, 23, 4-13). Auch
hier spiegelt sich das selbstverständliche Interesse der Frauen der Ober-
schicht am politischen Tagesgeschehen sowie die grundsätzliche Bereit-
schaft wider, sich im Notfall selbst um die eigenen, frauenspezifischen
Interessen zu kümmern.

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ARISTOKRATINNEN ZWISCHEN REPUBLIK UND PRINZIPAT 787

III

Das politische Selbstbewußtsein der Römerin war also groß. Ver-


mutlich war es durch die wiederholte Bewährung in Krisenzeiten ent-
standen und dann - nicht zuletzt durch die Anerkennung von Seiten
der Vertreter des Gemeinwesens - weiter gewachsen. Trotzdem gab
es, wenn auch Livius Cato das Gespenst von der rechtlichen Gleich-
stellung an die Wand malen läßt (XXXIV, 11, 2), offenbar keine Ini-
tiativen, die die Angleichung der Rechtsstellung der Frau an die des
Mannes zum Ziel hatte, keine Initiativen für Emanzipation im moder-
nen Sinn (34). Überhaupt wurde nach den Bedingungen und Metho-
den des politischen Engagements der Frauen bisher kaum gefragt : In
welchem institutionellen Rahmen bewegten sich die politischen Akti-
vitäten der Aristokratinnen ? Und welche Machtmittel standen diesen
Frauen zur Verfügung ? Schließlich waren sie von der Bekleidung öf-
fentlicher Ämter sowie von der Teilnahme an den Volksversammlungen
ausgeschlossen. Weiter müssen die verschiedenen Initiativen nach ihren
jeweiligen Motivationen, Zielen und Ausdrucksformen unterschieden
werden, nämlich zum einen, ob es dabei um Inhalte ging, die aus-
schließlich Frauen betrafen, oder ob es sich um politische Entschei-
dungen handelte, die von frauenspezifischen Themen unabhängig
waren, zum anderen, ob den weiblichen Initiativen eher restaurativer
Charakter zukam ober ob sie auf eine Veränderung der Verhältnisse
im Sinne einer Neuerung zielten, und schließlich, ob die Anliegen von
Frauen in der Öffentlichkeit, also auf direktem Weg vertreten wurden
oder ob nahestehende Männer als indirekter Weg der Einflußnahme
dienten.
Unter diesen Kategorien gesehen, ist die Abschaffung der lex Oppia
in erster Linie als ein frauenspezifisches Interesse einzuordnen und

(34) So schon J. Teufer, Frauenemanzipation [n. 28], S. 36 : „Tatsächlich lag für


die Wünsche der römischen Frauenschaft die Erlangung der politischen Rechte unter
allen Zielen von vornherein am fernsten". Gegen K. Christ, Rom. Gesch. [n. 20],
S. 148 : „Doch inmitten der Phasen des Chaos' und der Resignation ... emanzipierten
sich nicht nur die bekannten großen Einzelpersönlichkeiten, sondern auch die Frauen
der Führungsschicht". Die Forschung behandelt die politisch aktiven Frauen häufig
mit den Frauen, die durch ihren freien Lebenswandel in den Quellen hervortreten
(wie z.B. Clodia, cf. Cicero, pro Caelio) unter der Überschrift „Frauenemanzipation".
Cf. e.g. J. R V. D. Balsdon, Roman Women. Their History and Habits , London,
1962, S. 48-68 ; wenig differenzierend auch W. Schuller, Frauen [п. 4], S. 47-60 ;
zur terminologischen und rechtlichen Problematik cf. J. Gardner, Women in Roman
Law and Society , Bloomington-Indianapolis, 1986, S. 257-266.

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788 M. H. DETTENHOFER

darüber hinaus als restaurativer Akt zu verstehen. Ein alter Zustand


sollte wiederhergestellt werden (cf. Livius XXXIV, 3, 3). Im Klartext :
Die Frauen fühlten sich in die Defensive gedrängt und wehrten sich.
Dafür scheuten sie sich nicht, in die Öffentlichkeit zu gehen. Ähnliches
gilt für Hortensias Auftritt. In beiden Fällen ging es um die Verteidigung
der traditionellen Rechte der Frauen, nicht um deren Erweiterung.
Dagegen waren die politischen Taten Servilias, Cassius' Mutter und
Fulvias keineswegs auf Themen beschränkt, von denen nur Frauen
betroffen waren. Hier ging es um die Interessen politischer Gruppie-
rungen, die die großen Themen ihrer Zeit vertraten. Ebensowenig
können diese in ihren Zielen so eindeutig als restaurativ gekennzeichnet
werden. Servilia ergriff in einer verfahrenen Situation nicht nur Ini-
tiative, sie besaß auch genug Autorität und Einfluß gegenüber den
Männern, um sich durchzusetzen (35). Aber auch Cassius' Mutter, von
der zwar nicht einmal ihr Name, aber bezeichnenderweise die Nachricht
ihrer politischen Position überliefert ist, scheint über derartige Autorität
verfügt zu haben. Denn Cicero entschuldigte sich sicher nicht gerne
für seine politischen Stellungnahmen.
Freilich handelte Servilia im Interesse ihrer Familie (36). Aber zum
einen waren in ihrer Familie zu allen Zeiten die unterschiedlichsten
politischen Richtungen vereint. Eine ihrer Töchter war mit dem Cae-
sarianer Lepidus verheiratet (cf. e.g. Cicero, ad Brut. I, 13), wogegen
eine andere Cassius' Gattin war (Plutarch, Brut. 7, 1), und ihr Sohn
M. Brutus hatte, als er noch als Caesarianer galt, zu ihrem Miß-
vergnügen Porcia, die Tochter ihres Halbbruders Cato, geheiratet
(Cicero, Att. XIII, 9, 2 ; 10, 3 ; 11, 2 ; 16, 2 ; 22, 4). Wenn sie also
damals im Sommer 44, als sich die Fronten zwischen den Befreiern
und den Caesarianern schon sehr verhärtet hatten, für die erstere Partei
ergriff, bezog sie sehr wohl politisch Stellung. Zum anderen : In wessen
Interesse hätte sie sonst handeln sollen, wenn nicht in dem einiger ihrer
Familienmitglieder ? Schließlich konnte sie als Frau selbst keine Ämter
bekleiden. Ihre Machtbasis beruhte vielmehr ganz auf ihrer persön-
lichen Autorität und der familiären Klientel. Der Erhalt der letzteren
stand wiederum im Interesse des gesamten Clans. Suzanne Dixon hat

(35) Zur materna auctoritas, cf. T. W. Hillard, Materna auctoritas. The Political
Influence of Roman matronae in Classicum 22, 1983, S. 10-13 ; M.-L. Deibmann,
Aufgaben, Rollen und Räume [n. 32], S. 523 f.
(36) Dazu und zur älteren Forschung, cf. T. W. Hillard, Materna auctoritas [п. 35],
S. 10-13.

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ARISTOKRATINNEN ZWISCHEN REPUBLIK UND PRINZIPAT 789

es sehr wahrscheinlich gemacht, daß die Patronageverhältnisse, die sich


jeweils auf die ganze Familie erstreckten, auch von den Frauen des
Hauses aktiv wahrgenommen werden konnten (37) - was durch deren
rechtliche Stellung allerdings nur bedingt möglich sein konnte. Damit
wäre auch die Frage nach Servilias Machtmitteln beantwortet. Analoges
gilt für die anderen Damen. Kurz : Die Machtbasis war freilich die
Familie, so wie sie es auch ganz selbstverständlich für jeden Mann
war. Darin unterschieden sich die Frauen weder in ihren Wegen der
Einflußnahme noch in ihren Zielen von den Männern. Und die Frauen
identifizierten sich völlig mit den Interessen der Männer, die weitgehend
den Interessen der einzelnen Familien entsprachen (38).
Ein aufschlußreiches Merkmal, um 'weibliche' und 'männliche' Vor-
gehensweisen klar zu unterscheiden, scheint dagegen das Kriterium der
Öffentlichkeit zu sein. Schon Valerius Maximus hatte dieses Kriterium
zum Maßstab gemacht. Gingen die Initiatoren also den direkten Weg
an die Öffentlichkeit oder bedienten sie sich der informellen, nicht-
öffentlichen Wege ? Überspitzt formuliert würde das hier bedeuten :
Wählten die Damen ihre Vorgehensweise auch über die Institutionen,
wo sie eigentlich nicht zugelassen waren, oder nur über die Klientel ?
Das kompromißloseste Beispiel für Einflußnahme auf das politische
Geschehen stellt Fulvia dar. An der Überlieferung ihrer Taten dürfte
allerdings der antoniusfeindlichen Propaganda Octavians besonders
gelegen haben. Fulvia vertrat ihren Gatten in allen politischen Bereichen
und scheint dabei auch ihre eigenen Interessen zielstrebig verfolgt zu
haben. Weder frauenspezifische Interessen, noch restaurative Bestre-
bungen spielten für sie eine Rolle. Sie agierte voll und ganz wie manche
männlichen Politiker ihrer Zeit. Das einzig typisch Weibliche an ihrer
politischen 'Karriere' ist wie bei Servilia und Cassius' Mutter, daß auch
Fulvia im Grunde nur als Stellvertreterin eines Mannes handelte. Da-
bei scheute sie auch öffentliche Auftritte nicht. Allerdings wählte sie
wohl am wenigsten von allen den indirekten Weg über den Einfluß
eines Mannes.
Die Antwort auf die Frage nach den Rahmenbedingungen und den
Grundlagen ihrer Macht lautet also, daß die Aristokratinnen höchst-

(37) Family Business [n. 12], S. 91-112, übernommen von W. Schuller, Frauen
[n. 4], S. 55 ; siehe auch M.-L. Deibmann, Aufgaben, Rolien und Räume [n. 32],
S. 524.
(38) Cf. D. Daube, Civil Disobedience in Antiquity, Edinburgh, 1972, S. 23.

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790 M. H. DETTENHOFER

wahrscheinlich unter Zuhilfenahme der


Interessen ihrer Familien wahrnahmen und
Aufgaben übernahmen, die zuvor nur Männ
lässen der Kriege waren die Reihen der Män
ihre Frauen hatten überlebt. Neben dieser durch Krisensituation be-
dingten Bereitschaft, soweit wie möglich an die Stelle der Männer zu
treten (39), scheint es unter diesen Bedingungen auch eine gewisse Soli-
darität unter den Matronen gegeben zu haben. Marie-Luise Deißmann
geht soweit, aufgrund dieses Phänomens einen ordo matronarum an-
zunehmen (40). Unter der Voraussetzung einer Krisensituation lassen
sich im wesentlichen also zwei Gründe für die politische Aktivität von
Frauen ausmachen : die Aktualisierung frauenspezifischer Themen, die
in ihren Zielen eigentlich restaurativ waren, so daß das politische Enga-
gement im Grunde defensiven Ursprungs war, und die Wahrnehmung
einer Ersatzfunktion, bedingt durch den Ausfall der Männer (4I), die
durchaus aktiven Charakter haben konnte.
Demnach läßt sich für die Nachrichten über politisches Engagement
von weiblicher Seite folgende Typisierung treffen : Interessen einzelner
politischer Gruppierungen, die nicht frauenspezifisch waren, erlaubten
ein indirektes Vorgehen über die Klientel bzw. die persönliche Ein-
flußnahme auf nahestehende Männer (42), wogegen Interessen, die die
Frauen als Gruppe betrafen, durchaus zu direktem öffentlichen En-
gagement führen konnten, wenn auf dem informellen Weg nichts zu
erreichen war. Oder anders : Einzelinteressen konnten Frauen nur über
den indirekten Weg geltend machen, ohne gesellschaftlich anzuecken,
wogegen ihr Auftreten als Gruppe bereits eine ruhmvolle Tradition
beanspruchen und damit gerade noch im Rahmen des Akzeptablen
bleiben konnte. Wenn auf dem Höhepunkt einer Krise die Tendenz
bestand, diese Regel zu durchbrechen, bestätigt das nur Valerius Maxi-
mus' Analyse, dergemäß das öffentliche Auftreten von Frauen in der
Politik als Krisenphänomen zu bewerten ist.

(39) Da Frauen in patriarchalischen Gesellschaften zur Anpassungsfähigkeit erzogen


werden, wäre es zudem möglich, daß sie mit dem schnellen Realitätswechsel in Krisen-
situationen insgesamt besser zurecht kommen.
(40) Aufgaben, Rollen und Räume [n. 321, S. 528.
(41) Cf. auch T. W. Hillard, Materna auctoritas [n. 35], S. 12.
(42) Leider ist der Grund der römischen Matronen, sich für C. Gracchus' Gegenspieler
Popilius einzusetzen, aus der bei Festus 136 L überlieferten Nachricht nicht erkennbar,
so daß sie diese These weder stützt noch widerlegt. Das Engagement brachte den
Damen jedenfalls eine scharfe Rüge des Tribunen ein.

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ARISTOKRATINNEN ZWISCHEN REPUBLIK UND PRINZIPAT 791

Wie können diese Resultate erklärt werden ? Der öffentliche Raum


war in allen antiken Gesellschaften grundsätzlich den Männern vor-
behalten. Rom bildete da keine Ausnahme. Aber es war eine Gesell-
schaft, in der das politische Leben der Oberschicht kaum vom Privat-
leben getrennt werden konnte und nicht alle Teile politischer Entschei-
dungen in der Öffentlichkeit getroffen, sondern auf der informellen
Ebene in den Häusern der führenden Familien verhandelt wurden. Und
am gesellschaftlichen Leben nahm die römische Matrone aktiv teil.
Diese Bedingungen boten den Frauen die Möglichkeit, auf indirektem
Weg an der Politik teilzunehmen, da sie auf der informellen nicht-
öffentlichen Ebene der politischen Diskussion zugelassen waren. Dieser
nur partielle Ausschluß vom politischen Leben ermöglichte es den
Damen wiederum, sich mit den Angelegenheiten der Männer zu iden-
tifizieren, die im wesentlichen sowohl die Angelegenheiten der Familie
als auch der res publica waren. Mit anderen Worten : Eben weil die
römische Matrone von der Einflußnahme auf das politische Geschick
ihrer Familie nicht völlig ausgeschlossen war, gab es für sie keinen
Grund, auf eine Institutionalisierung ihrer politischen Mitsprache zu
drängen, zumal der Grundsatz, nach dem öffentlicher Raum männlicher
Raum war, im Notfall die Ausnahme von der Regel zuließ.

IV

Wenden wir uns nun mit unserer Fragestellung wieder dem Ausgangs-
punkt und damit noch einmal der für uns wohl am besten dokumen-
tierten Krise eines antiken Gemeinwesens zu : der späten Republik und
besonders der Übergangszeit von der Republik zum Prinzipat. Auffällig
sind die bekannten Fälle, bei denen die Mütter von jungen Politikern
am politischen Leben, soweit es ihnen rechtlich möglich war, teilnahmen
und auch versucht haben einzugreifen (43) : Als frühestes prominentes
Beispiel dafür kann Cornelia, die Mutter der Gracchen gelten, die ihren
Sohn Gaius in politischen Sachfragen beeinflußte i44). Ihre Einmischung
scheint sich unter den besonderen Umständen der schweren Krise sowie
der Abwesenheit des Vaters ihrer Kinder jedoch völlig im Rahmen des

(43) Zum Einfluß der Mütter auf ihre erwachsenen Söhne, cf. S. Dixon, Family
Business [n. 12], S. 168-209.
(44) Belege sowie ausführliche Diskussion bei S. Barnard, Cornelia and the Women
of her Family in Latomus 49, 1990, S. 383-392 ; B. Kreck, Untersuchungen [n. 13],
S. 79 f. ; B. v. Hesberg-Tonn, Coniunx carissima [n. 5], S. 66 f. ; T. W. Hillard
in Materna auctoritas [n. 35], S. 1 1 f.

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792 M. H. DETTENHOFER

Akzeptablen gehalten zu haben, denn sie


einer römischen Matrone (45).
Auffällig ist - wobei hier allerdings ein
einzigartigen Quellenlage bestehen mag -
politische Mütter außergewöhnlicher Söh
vermehrt auftraten : D. Brutus' Mutter Sem
Servilia, C. Cassius' Mutter und auch M. A
Plutarch, Ant. 2, 1 ; Appian, du. 4, 37). U
Zufall handeln, aber es sticht ins Auge, d
schwörung gegen Caesar (M. Brutus, C
Brutus) politisch engagierte Mütter hatte
in denen wir kaum Nachrichten von den Vätern haben oder von ihrem
Scheitern wissen, traten die Frauen hervor. Eine Erklärungsmöglichkeit
für das gehäufte Auftreten dieses Phänomens könnte in dem besonders
tiefen Einschnitt der Jahre 91 bis 80 liegen, in denen ein großer Teil
der männlichen Oberschicht den Tod fand i46). Dagegen dürften die
Überlebenschancen der Frauen erheblich besser gewesen sein. Gezwun-
genermaßen werden die Frauen so weit wie möglich die Aufgaben der
Männer für das Überleben und Fortkommen der Familie übernommen
haben. Das war es auch, was die Töchter von den Müttern lernten,
besonders wenn sie sich bald in ähnlichen Situationen wiederfanden.
Auf Dauer mußte es das Rollenverständnis der Aristokratinnen ver-
ändern.
Das Rollenverständnis der Matrona hatte sich im Laufe der Zeit
ohnehin langsam in Richtung einer Erweiterung der Handlungsspiel-
räume der Frauen - zunächst besonders im ökonomischen Bereich (47)
- entwickelt (48). Während die vorwiegend durch Livius überliefer-

(45) Belege und Literatur bei W. Schuller, Frauen [n. 4], S. 39 f. ; S. Barnard,
Cornelia [n. 44], S. 387-392.
(46) Zu den Konsequenzen für die res publica siehe : Ch. Meier, Res publica amissa ,
Wiesbaden, 1966, 1980, S. 243 f. ; A. Heuss, Römische Geschichte , 4. Aufl., Braun-
schweig, 1976, S. 169-185.
(47) Beispiele z.B. bei T. Carp, Two Matrons of the Late Republic in Reflections
of Women in Antiquity , hrsg. v. H. B. Foley, New- York et al., 1981, S. 343-354 ;
S. Dixon, Family Business [n. 12], S. 168 f.
(48) Dabei scheint die Tatsache, daß man häufig von der Manusehe zur freieren
Form der Ehe ohne in manum conuentio überging, eine wichtige Rolle gespielt zu
haben ; cf. J. Teufer, Frauenemanzipation [n. 28], S. 36 : S. Gardner, Women
[n. 34], S. 45 f. Die Gründe dafür können hier nicht untersucht werden. Zu den
verschiedenen Eheformen, cf. M. Käser, Das römische Privatrecht , Bd. 1, 2. Aufl.,
München, 1971, S. 76-81 ; J. Teufer, Frauenemanzipation [n. 28], S. 31 f.

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ARISTOKRATINNEN ZWISCHEN REPUBLIK UND PRINZIPAT 793

ten Versuche politischer Einflußnahme römischer Matronen Rück-


schlüsse auf langfristige, strukturell bedingte Erklärungsmöglichkeiten
für sich gesehen kaum zulassen, scheint der Prozeß der Politisierung
der Frauen, der als spezifisches Krisenphänomen erkennbar wurde,
indem er an die ereignisgeschichtliche Oberfläche trat, in der politi-
schen Entwicklung mit der Zuspitzung der Krise der Republik eine
Beschleunigung erfahren zu haben. Zwar beinhalten Ausnahmesitua-
tionen immer Chancen für ausgeschlossene Gruppen zur Integration.
Konkret geht es hier jedoch um eine politische Krise, in der auf ihrem
Höhepunkt Mitglieder einer von den politischen Rechten ausgeschlos-
senen Gruppe zunehmend Einfluß gewannen und diesen auch nutzten.
Zu einer Integration im Sinne einer rechtlichen, d.h. öffentlichen Be-
teiligung an der Macht kam es jedoch nicht - soweit waren die tra-
ditionellen Strukturen noch nicht aufgeweicht. Trotzdem : Während es
bei späteren politischen Krisen in der Geschichte, die eine grundlegende
Änderung der 'Verfassung' zur Folge hatten, in der Regel andere
Gesellschaftsschichten waren, die in das entstandene Machtvakuum
traten, handelte es sich hier nicht um eine mehr oder weniger homogene
Gruppe, sondern um Mitglieder des weiblichen Teils der Aristokratie,
die als Individuen an die Stelle der männlichen Repräsentanten traten.
Die Nah- und Treuverhältnisse, die an die Familien geknüpft waren,
erleichterten ihnen diese Rolle. Ein geschlossenes Vorgehen im Sinne
eines ordo matronarum stellte die Ausnahme dar, die aber schon eine
gewisse Tradition beanspruchen konnte. Eine Alternative zur herrschen-
den Aristokratie stellten diese Frauen daher ebensowenig dar wie eine
Bewegung zur politischen Gleichstellung der Frau, auch wenn sich
dadurch de facto die Handlungsspielräume der Frauen erweiterten.
Entsprechend hat ihr Handeln, so revolutionär politische Initiative von
Frauen innerhalb der republikanischen Ordnung an sich war, nichts
Revolutionäres an sich. Vielmehr stellte sie im wesentlichen - so
provozierend diese Formulierung klingen mag - eine konservative
Reserve dar.
So kennzeichnend das politische Hervortreten der Aristokratinnen
für die Übergangszeit war, so konsequent war Augustus' Familienpolitik
nach der Konsolidierung. Die adligen Damen wurden wieder auf ihre
'eigentliche' Aufgabe als Ehefrau und Mutter u.s.w. hingewiesen und
aus dem öffentlich-politischen Bereich gedrängt. Dieser Teil der au-
gusteischen Propaganda machte die Überwindung der Krise des Ge-
meinwesens deutlich. Allerdings scheint die politische Autorität, die die

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794 M. H. DETTENHOFER

römische Aristokratin genießen konnte, ke


zu haben. Denn der Zugang zur inform
politischen Diskussion blieb ihr erhalten.
auch eine neue Chance für die politische
die jedoch erst im weiteren Verlauf der
kommen sollte. Als Regentinnen für unm
sie an die oberste Schaltstelle der Macht ge
Als Ergebnis kann festgestellt werden : D
schicht genoß in politischen Fragen im Geg
Standesgenossin ungewöhnliche Autorität
bewußtsein. Sie war daran gewöhnt, an d
informeller, privater Ebene teilzunehmen.
Frauen in Krisenzeiten offenbar beinahe selbstverständlich - soweit
es ihnen möglich war - die Rolle der Männer übernahmen und von
ihrer Umwelt darin auch akzeptiert wurden. Durch die zunehmende
Häufigkeit von schweren Krisen im letzten Jahrhundert der Republik
und den damit verbundenen Ausfall der Männer verstärkte sich zwangs-
läufig der politische Einsatz der Frauen. Ihr Handlungsspielraum mußte
durch diesen Prozeß eine stetige Erweiterung erfahren. Damit einher
ging eine weitere Steigerung des Selbstbewußtseins und der Autorität,
so daß auch größere Handlungs- und zugleich Freiheitsspielräume
beansprucht wurden und u.a. öffentliche Auftritte, die in einem poli-
tischen Kontext standen, häufiger wurden. Damit allerdings überschrit-
ten die Frauen die Toleranzgrenze. Zwar war Mitsprache auf informeller
Ebene von Seiten der römischen Matrone selbstverständlich, aber in
der politischen Öffentlichkeit hatte sie grundsätzlich nicht in Erschei-
nung zu treten. Das Ergebnis war ein Rollenverständnis, das der
traditionellen Auffassung nicht mehr entsprach. Genauer : Die Kluft
zwischen Realität und Ideal war zu tief geworden. Augustus mußte
daran gelegen sein, auch dieses Symptom der Krisenzeit aus dem
politischen Leben zu verbannen. Zudem spielten Bestrebungen, den
physischen Fortbestand der alten Aristokratie zu sichern, eine Rolle
bei der Absicht, die Frauen wieder auf ihre ursprüngliche Rolle zu
verpflichten. Aber der Prozeß war nur zum Teil und nur an der Ober-
fläche reversibel. Denn immerhin wurde der insgesamt freieren Stel-

(49) Zu ihrer Stellung in der Kaiserzeit, cf. G.Fau, L'émancipation féminine dans
la Rome antique , Paris, 1978.

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ARISTOKRATINNEN ZWISCHEN REPUBLIK UND PRINZIPAT 795

lung der Frau unter Augustus insoweit Rechnung getragen, als er in


der Möglichkeit (für Frauen mit drei Kindern), aus der Vormundschaft
des Mannes entlassen zu werden, einen Anreiz schaffte, Kinder zu
gebären, d.h. die traditionelle Rolle zum Nutzen des Staates wenigstens
für einen Teil des Lebens zu übernehmen, um danach einen höheren
Freiheitsspielraum genießen zu können.

Universität München. Maria H. Dettenhofer.

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