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Das Hackbrett: 30 Stimmungen – Herkunft und Entwicklung

Es gibt kaum ein so vielfältiges Instrument wie das Hackbrett. Es kommt fast überall
auf der Welt vor und ist in seiner Ausgestaltung je nach Gegend wieder anders. Es
kann gespielt, gezupft, oder zum Teil sogar gestrichen werden.
Trotz seiner langen Geschichte, hat das Hackbrett nie eine wahnsinnig gewichtige
Rolle in der Musik eingenommen.
Früher entwickelten sich viele verschiedene Arten von Hackbrettern. Sie unterschie-
den sich beispielsweise in Grösse, Baumaterial, Bauart und – das entscheidende – in
ihrer Stimmung. Der Begriff ‚Stimmung‘ meint die Anordnung der Töne auf dem
Hackbrett. Es gibt also ganz verschiedene Varianten der Platzierung einzelner Töne
auf dem Hackbrett. Diese Tatsache hat mehrere Ursachen. Weltweit betrachtet gab
es natürlich ganz eigene Entwicklungen der einzelnen Hackbrettarten (Cimbalom,
Santur, Salterio, Yangqin). Sie nahmen unterschiedlich schnell genormte Formen an.
Das Cimbal wurde beispielsweise bereits Ende des 19. Jahrhunderts vereinheitlicht.
Jozsef Schunda entwickelte das Cimbal weiter und baute innerhalb von 30 Jahren
ungefähr 10‘000 dieser Instrumente. Er konnte seine Stimmung nicht nur in Ungarn,
sondern auch in weiten Teilen Osteuropas etablieren.
In Westeuropa, speziell in der Schweiz, gab es damals keine vergleichbare Entwick-
lung, was zur Folge hatte, dass früher jeder, der Hackbrett spielen wollte, sich selbst
ein Instrument bauen musste – dieses selbstgebaute Instrument wurde natürlich im-
mer nach individuellen Wünschen und Ideen gestaltet, woraus sich eine Vielzahl an
verschiedenen Hackbrettern ergab.

Geschichte
Die wahrscheinlich älteste Darstellung eines Instruments, das dem Hackbrett ähnelt,
stammt aus Babylon. Sie stammt aus dem 6. Jahrhundert vor Christus und ist somit
etwas mehr als 2500 Jahre alt.

Abbildung aus Babylon

Das Hackbrett ist in der Schweiz seit 1447 belegt. In einem Zürcher Ratsbuch wird
erwähnt: „Es habe sich gefüegt, das der Ackli […] nachts […] hab das Hackbrett ge-
schlagen […].“ Um diese Zeit breitete sich auch ein vergleichbares Instrument, das
Santur, von Persien nach China aus. Es kann nicht mehr ganz lückenlos festgestellt
werden, wie das Hackbrett in der Schweiz landete. Sicher ist, dass ein Vorläufer des
Hackbretts über Nordafrika, Spanien und Südfrankreich in die Schweiz gefunden hat.
Während das Hackbrett im 14. Jahrhundert eine erste Blütezeit erlebte, verlor es in
der Renaissance bereits wieder an Bedeutung. Es galt als Bauern- und Lumpen-
instrument. Aus dieser Zeit stammt die erste appenzellische Quelle. In einem Buch
des Finanzarchivs Appenzell Innerhoden wird erwähnt, dass im Advent 1567 ein
Landläufer damit beauftragt wurde, fremde Musiker des Landes zu verweisen. „Um
dz er der hackbreteren ussem landt hat batte“, erhielt er einen Lohn von drei Schillin-
gen ausbezahlt. Der Hackbrettler war aller Wahrscheinlichkeit nach kein Zigeuner, da
diese noch besonders als „haiden“ erwähnt wurden.

Aufbau
Grundsätzlich besteht ein Hackbrett aus einem Resonanzkasten, über dessen Decke
Saiten gespannt sind, die man mit Holzstäbchen (sogenannten Ruten oder „Schlä-
gerli“) anspielt. Für einen einzigen Ton werden bis zu fünf Saiten verwendet. Solche
Saitenbünde nennt man Chor. Diese Chöre führen oft über einen Mittelsteg, der die
Saiten in einem bestimmten Verhältnis teilt. Wird eine Saite beispielsweise im Ver-
hältnis 2:3 geteilt, ergibt das eine reine Quint. Man hat somit zum Beispiel rechts vom
Steg ein c und links vom Steg ein g, oder je nach dem dasselbe auch umgekehrt.
Man spielt die Saiten circa drei bis vier Zentimeter neben den Stegen an, um sie op-
timal zu treffen. Dadurch können verschiedene Spielebenen ausgemacht werden.
Bei Hackbrettern mit einem Mittelsteg macht das meistens drei Spielebenen.

Eine Stimmung, die sich in grossen Teilen der Schweiz etablieren konnte ist die Al-
der-Stimmung. In den 80er Jahren rief Johann Fuchs die damals einflussreichsten
Hackbrettler zusammen, um sich auf eine Stimmung zu einigen, die sie dann als
Standard festlegen wollten. Man einigte sich schliesslich auf die Alder-Stimmung.
Besonders Walter Alder, Werner Alder und Johannes Fuchs entwarfen immer wieder
neue Pläne und entwickelten die Alder-Stimmung weiter. Ein Resultat davon ist zum
Beispiel das sogenannte „Konzerthackbrett“, das über viereinhalb Oktaven umfasst.

Da die Stimmungen aus dem Alpstein darauf ausgerichtet sind mit Streichern zu-
sammenzuspielen, werden die Kreuztonarten bevorzugt. Das bedeutet, dass man
besonders in den Tonarten C-Dur, G-Dur, D-Dur und A-Dur meistens relativ einfache
und kurze Bewegungsabläufe hat. Das hat aber zur Folge, dass die Töne nicht wie
beim Klavier der chromatischen Reihenfolge entsprechend angeordnet sind, sondern
stellenweise kreuz und quer verstreut sind. Deshalb haben sich neue Stimmungen
entwickelt, die der chromatischen Reihenfolge entsprechen. Von einem Chor zum
nächsten ist immer ein Halbtonschritt dazwischen. Die drei bekanntesten dieser neu-
en Stimmungen sind wahrscheinlich die Ramser-Stimmung, die Bischoff-Stimmung
und die Schwander-Stimmung. Der grosse Unterschied von der Schwander- zur Al-
der-Stimmung ist nicht zu übersehen.

Schwander-Stimmung

Christian Schwander entwarf 1981 die Stimmung, da er oft mit Klarinetten und Hand-
orgeln zusammenspielte, die sehr häufig in den B-Tonarten spielen. Aus bereits er-
wähnten Gründen, ist das auf der Alder-Stimmung schnell einmal etwas umständlich.
Salzburger-Stimmung

Um noch ein Beispiel aus dem Ausland zu erwähnen, kommen wir noch zur Salzbur-
ger-Stimmung. Sie wurde kurz vor dem zweiten Weltkrieg von Tobi Reiser (1907-
1974) entworfen. Während dem Krieg soll sie über die Grenze nach Deutschland ge-
schmuggelt worden sein.
Die Stimmung von Reiser ist wohl von allen Stimmungen diejenige, die am logischs-
ten aufgebaut ist. Sie hat bloss zwei Spielebenen: eine links und eine rechts am
Brett. Von einem Chor zum nächsten ist auch hier immer ein Halbtonschritt. Die
Stimmung hat den Vorteil, dass ein Stück in allen Tonarten grundsätzlich gleich zu
spielen ist (für die eine Hälfte wird die Bewegung einfach um einen Chor verschoben
und für die andere Hälfte wird der Bewegungsablauf an der Mittellinie gespiegelt).
Ein Nachteil dieser Stimmung ist jedoch, dass wegen dem fehlenden Mittelsteg bei
gleicher Anzahl Chöre weniger Töne herausgeholt werden können, als zum Beispiel
bei der Alder-Stimmung.