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ADAC Fahrzeugtechnik

20.01.1010 - IN 28974 – STAND 03-2017

Tipps zum Motorrad-Gebrauchtkauf

Tipps zum Motorrad-Gebrauchtkauf.................................................................................................... 1


1. Vorteile des Motorradgebrauchtkaufes ............................................................................................ 2
2. Tipps für wenig erfahrene Anfänger und Wiedereinsteiger ............................................................. 3
3. Wo ein gebrauchtes Motorrad suchen? ........................................................................................... 3
4. Wo ein gebrauchtes Motorrad kaufen? Beim Händler oder von privat? ......................................... 3
5. Preise, Preisfindung, Preislisten ...................................................................................................... 4
6. Fragen an den Verkäufer ................................................................................................................. 5
7. Die Besichtigung des Motorrades .................................................................................................... 8
7.1. Äußere Erscheinung/erster Eindruck ............................................................................................... 8
Umbauten, umfangreiche Veränderungen ....................................................................................... 8
Beschädigungen, Rostbefall............................................................................................................. 9
Sonstige allgemeine Prüfungen ....................................................................................................... 9
7.2. Detailprüfungen im Stand .............................................................................................................. 10
Schlösser, Instrumente, Armaturen, Schalter, Beleuchtung .......................................................... 10
Lenker, Lenkkopflager, Lenkeranschlag ........................................................................................ 10
Telegabel, Federbein ..................................................................................................................... 11
Räder, Reifen, Bremsen ................................................................................................................. 12
Auspuffanlage................................................................................................................................. 14
Motorgehäuse, Tank, Kraftstoffanlage ........................................................................................... 15
Ketten- u. Kettenradverschleiß, Kardan ......................................................................................... 16
Rahmen, Schwinge, Schwingenlager............................................................................................. 16
Batterie und Elektrik ....................................................................................................................... 17
Bordwerkzeug, Fahrerhandbuch, Kundendienstheft ...................................................................... 17
8. Probefahrt ...................................................................................................................................... 18
8.1. Grundsätzliches zur Probefahrt ..................................................................................................... 18
8.2. Anlassen des Motors, Anfahren ..................................................................................................... 19
8.3. Motor, Kupplung, Getriebe ............................................................................................................. 19
8.4. Ketten-, Kardanantrieb ................................................................................................................... 20
8.5. Fahrwerk, Bremsen ........................................................................................................................ 21
8.6. Motor nach der Fahrt ..................................................................................................................... 22
8.7. Sonstige Funktionen ...................................................................................................................... 22
9. Kaufvertrag..................................................................................................................................... 23
ADAC-Tipps: Motorrad-Gebrauchtkauf Seite 1
1. Vorteile des Motorradgebrauchtkaufes
Das Jahr 2016 war ein gutes Motorradjahr, zumindest was die Neuzulassungen angeht. Laut KBA
wurden mit über 180 000 erstmalig zugelassenen Krafträdern fast 15% mehr motorisierte Zweirä-
der in den Verkehr gebracht als 2015. Im gleichen Zeitraum wurden fast eine halbe Millionen Besit-
zumschreibungen vorgenommen. Dies entspricht den Zahlen des Vorjahres. Trotz der vielen
Neuzulassungen ist der Gebrauchthandel somit um den Faktor 2,7 lebhafter als der Verkauf von
Neufahrzeugen.
Trotz des Risikos, das der Käufer eines gebrauchten Motorrades zweifelsfrei eingeht, hat der Er-
werb einer Maschine aus zweiter oder dritter Hand für viele Motorradfahrer einen besonderen
Reiz:
• Der Wertverlust eines neuen Motorrades in den ersten zwei Jahren liegt meist zwischen 30 und
40 %. Eine so hohe Abwertung über einen solchen Zeitraum erfährt das Motorrad bei vorgese-
hener Benutzung im späteren Leben nicht mehr.
• Viele gebrauchte Motorräder sind nur wenige Jahre alt und haben auch deswegen geringe
Laufleistungen. Außerdem sind sie vielfach in einem guten Pflegezustand. Vereinzelt gibt es
auch „Notverkäufe“, bei denen der Käufer echte Schnäppchen machen kann.
• Mit dem Wechsel von der Euro 3- auf die Euro 4-Zulassungsvorschrift ist derzeit ein großes An-
gebot an tageszugelassenen Neumaschinen am Markt verfügbar. Viele Motorradfahrer, die hier
zuschlagen, bieten dann ihre alten Maschinen an. Dadurch ist besonders in diesem Jahr ein
großes Angebot an Gebrauchten zu erwarten.
• Wer sind die wichtigsten Wartungsarbeiten entsprechend der Beschreibung im Fahrerhandbuch
zutraut, kann nach Ende der Garantie und der Gewährleistungsfrist selbst Hand anlegen und
Geld sparen. Bis zu einem Alter von 5 bis 8 Jahren sollte die Maschine trotzdem gelegentlich in
eine Werkstatt, um mögliche Service- oder sogar Rückrufaktionen nicht zu versäumen.
• Je nach Umfang des Etats, der für das Hobby Motorradfahren zur Verfügung steht, kann auf
dem Gebrauchtmarkt fast immer ein "passendes" Motorrad gefunden werden. Der Motorrad(ge-
braucht)markt war noch nie so vielfältig wie derzeit. Wenn dann vom Budget etwas übrig bleibt,
ist vielleicht noch eine gute Fahrersicherheitsausstattung drin.
• Viele Fahranfänger/innen und Wiedereinsteiger/innen wollen lediglich ausprobieren, ob ihnen
das Motorradfahren überhaupt oder ein bestimmter Motorradtyp liegt. Diese Versuche sollten
natürlich nicht zum wirtschaftlichen Ruin führen. Besonders hier bietet sich der Gebrauchtkauf
an.
• Für Profis, die ihre Maschine „customizen“, also den individuellen Bedürfnissen und Vorleiben
anpassen wollen, kommen oft nur Maschinen mit Vergangenheit in Frage. Diese Szene ist der-
zeit sehr aktiv. Auch hier können günstig erworbene Maschinen ein zweites, aufregendes Leben
bekommen.
Die Zuverlässigkeit, Standfestigkeit und zu erwartende Lebensdauer von modernen Motorrädern
stellen heute kein Problem mehr dar. Auch die erreichbaren Laufleistungen der meisten Großseri-
enmaschinen sind je nach Motorbauart, Fahrweise und Pflege kein Grund, vom Gebrauchtkauf Ab-
stand zu nehmen. 100 000 Kilometer und mehr sind für viele Maschinen durchaus realistisch, zu-
mal sie vielfach auf Langstrecken ihre Kilometer gesammelt haben und somit nicht dem schädli-
chen Kurzstreckenverkehr ausgesetzt sind.
Bei einem Gebrauchtkauf eher wahrscheinlich ist, dass die ins Auge gefasste Maschine leichte Be-
schädigungen aufweist oder umgebaut wurde. Deswegen sollte ein eingehender technischer
Check der angebotenen Maschine deren individuellen Erhaltungszustand offenlegen. Dazu werden
hier wichtige, praxisbezogene Tipps für die Vorgehensweise beim Gebrauchtkauf von Motorrädern
gegeben werden. Die einzelnen Prüfpunkte werden in gesonderten Checklisten nochmals aufge-
führt.
Bitte beachten: Die hier gegeben Tipps können nicht die Entscheidung für einzelne Marken oder
Modelle herbeiführen. Wer noch nicht weiß, welcher Motorradtyp oder welche Maschine überhaupt
in Frage kommt, sollte sich unter adac.de/motorrad oder in Motorradfachzeitschriften kundig ma-
chen. Einige Redaktionen veröffentlichen auch spezielle Sonderhefte zum Gebrauchtkauf von Mo-
torrädern.

ADAC-Tipps: Motorrad-Gebrauchtkauf Seite 2


2. Tipps für wenig erfahrene Anfänger und Wiedereinsteiger
Einfache Massenmodelle bzw. Bestseller sind häufig günstiger zu bekommen und Anfängern
eher zu empfehlen als ausgefallenere Modelle, da Stärken und Schwächen der häufig verkauf-
ten Modelle in der Motorradszene und im Bekanntenkreis bekannt sind. Außerdem können u.
U. zur Vorauswahl im Bekanntenkreis Probefahrten mit den gewünschten Motorradmodellen
organisiert werden. Natürlich ist auch das Angebot dieser Modelle umfangreicher und vielfältiger.
Darüber hinaus ist die Ersatzteil- und Zubehörversorgung für die beliebteren Modelle flächende-
ckender und umfangreicher als für andere weniger verkaufte Typen, was sich in einem wirtschaftli-
cheren Unterhalt bemerkbar macht.
Aktuell zählen zu den gängigen Modelle z.B.: BMW R 1200 GS, Yamaha MT-07, Kawasaki ER-6n,
Kawasaki Z 800, KTM 390 Duke, Honda CRF 1000 L Africa Twin, BMW F 700/800 GS, Honda NC
750 Serie.

3. Wo ein gebrauchtes Motorrad suchen?


Wenn feststeht, welcher Motorradtyp oder sogar welches Modell in die engere Wahl kommt, kann
die Angebotssuche beginnen.
Internet-Plattformen
Für die gezielte Suche nach der passenden Maschine bieten sich in erste Linie Internet-Verkaufs-
plattformen an. Zu den bekanntesten zählen „mobile.de“ und „motoscout24“. Durch geschickte
Festlegung der Auswahlkriterien ist eine Gruppe der in Frage kommenden Angebote schnell einge-
grenzt.
Aktuelles Angebotsprofil (Stand: Februar/März 2017)
Aktuell bietet „mobile.de“ mit über 80000 Angeboten die größte Auswahl an motorisierten Zweirä-
dern. Ca. 60% der Motorradangebote (über 125 cm3) stammen von Händlern, knapp 40% von Pri-
vatpersonen. Anfang 2017 betreffen fast 20% aller Angebote Neufahrzeuge von Händlern. Jeweils
ca. die Hälfte der echten Gebrauchtangebote fallen auf Händler und Privatverkäufer. Diese Auftei-
lung ist auch auf die Besonderheit des Jahreswechsels 2016/2017 zurückzuführen. Seit Anfang
des Jahres dürfen nur noch Fahrzeuge erstmalig zugelassen werden, die die neuen Typgenehmi-
gungsvorschriften erfüllen (Euro 4). Damit waren viele Händler Ende 2016 gezwungen, Euro 3-Mo-
delle vor dem Jahreswechsel zumindest für einen Tag zuzulassen. Diese Modelle werden jetzt im
Frühjahr 2017 als Neufahrzeuge in den Markt gedrückt, was auch einen Anstieg der Gebrauchtan-
gebote erwarten lässt.
Klassische Angebote
Nach wie vor werden gebrauchte Motorräder auch in Kleinanzeigen von Motorradzeitschriften oder
Anzeigenblättern angeboten. Die meisten dieser Offerten finden sich allerdings auch auf den On-
line-Verkaufsplattformen. Neben der einfacheren Suche bieten die Webplattformen im Vergleich zu
klassischen Kleinanzeigen in Printmedien den entscheidenden Vorteil, mittels aussagekräftiger Bil-
der und Texte das Fahrzeug detailliert darzustellen. Der Umfang und die Qualität dieser Präsenta-
tionen geben dem Kaufinteressierten auch einen Hinweis auf die Professionalität des Verkäufers.

4. Wo ein gebrauchtes Motorrad kaufen? Beim Händler oder von


privat?
Kauf beim Händler
Wem das technische Verständnis und das sichere Gefühl für einen privaten Gebrauchtkauf oder
ein vertrauenswürdiger, fachkundiger Bekannter fehlt, ist sicher mit der Suche bei einem Motorrad-
händler besser beraten. Der Händler unterliegt ebenso wie jeder andere gewerbliche Verkäufer der
gesetzlich auf ein Jahr befristeten Sachmängelhaftung. Eine mögliche zusätzliche Gebrauchtfahr-
zeuggarantie ersetzt diese Sachmängelhaftung des gewerblichen Verkäufers grundsätzlich nicht.
Tritt an der als gebraucht gekauften Maschine innerhalb des ersten halben Jahres ein relevanter
Mangel (kein Verschleißteile) auf, wird allgemein davon ausgegangen, dass dieser Mangel bereits
bei Fahrzeugübergabe vorhanden war. Später muss der Käufer nachweisen, dass der Mangel bei
Übergaben bereits bestand. Wird ein Mangel festgestellt und dem Händler angezeigt, muss ihm
die Möglichkeit zur Nachbesserung gewährt werden.
Die meisten Händler checken deswegen die gebrauchten Maschinen vor dem Verkauf eingehend
durch und bieten somit mehr Sicherheit beim Kauf. Die gesetzlichen Auflagen führen allerdings
ADAC-Tipps: Motorrad-Gebrauchtkauf Seite 3
auch dazu, dass nur wenige Händler ältere und damit günstigere Motorräder an Privatpersonen
verkaufen.
Klären Sie grundsätzlich, ob der Händler ein eigenes Motorrad im Rahmen seines Gewerbes oder
ein fremdes Fahrzeug im Auftrag eines privaten Eigentümers verkauft.
Privater Gebrauchtkauf
Wer über das nötige technische Know-How für die realistische Beurteilung des technischen Zu-
stands und des Wertes eines Motorrades verfügt und gerne auch über Preis und sonstige Konditio-
nen verhandelt, wird den Kauf von Privat bevorzugen. Besonders für diese Einkaufsart sind die
hier aufgeführten Tipps und Checklisten gedacht.

5. Preise, Preisfindung, Preislisten


Beim Studium der vielfältigen Motorradgebrauchtangebote fallen immer wieder besonders niedrige
oder auch hohe Preise auf. Die Frage, welcher Preis für welche Maschine angemessen ist, kann
nur nach eingehender Prüfung vor Ort und einer Probefahrt erfolgen. Für eine erste Orientierung
im Rahmen der Internet- oder Kleinanzeigenrecherche sind professionelle Preisnotierungen ver-
fügbar.
Über Gebrauchtpreise informieren die
• schwackeLISTE Zweirad von eurotaxSCHWACKE oder (http://www.schwacke.de/SP/MO-
TORRAEDER.html&&)
• DAT Marktspiegel der DAT Deutsche Automobil Treuhand. (https://www.dat.de/gebraucht-
fahrzeugwerte.html#/start)
Bitte beachten: Die Online-Preis- bzw. Wertermittlung ist überwiegend kostenpflichtig.
Diese Gebrauchtpreislisten erscheinen vierteljährlich (schwackeLISTE) bzw. monatlich (DAT
Marktspiegel) und enthalten jeweils eine Einkaufs- und eine Verkaufsnotierung. An der niedrige-
ren Einkaufsnotierung orientieren sich die Gebrauchthändler bei der Inzahlungnahme von Motorrä-
dern, an der höheren Verkaufsnotierung orientieren sich die verkaufenden Händler und die meis-
ten privaten Verkäufer.
Auszüge der Liste der Basis-Gebrauchtpreise werden re-
gelmäßig in verschiedenen Motorrad-Zeitschriften veröf-
fentlicht. Üblicherweise nicht enthalten ist hier die mögli-
che Preiskorrektur, die erforderlich wird, wenn die tat-
sächliche Laufleistung des gebrauchten Motorrades von
der in der Liste angenommenen Kilometerleistung ab-
weicht.
Für ADAC Mitglieder werden kostenlose Gebrauchtpreis-
kalkulationen für Motorräder (Händler-Verkaufsnotierun-
gen) auch unter adac.de direkt und online angeboten.
(https://www.adac.de/infotestrat/fahrzeugkauf-und-ver-
kauf/gebrauchtfahrzeuge/default.aspx)
Hierbei werden die laufleistungsbedingten Preiskorrektu-
ren eingeschlossen, so dass meist praxisnahe Wertbe- Fahrzeugwertermittlung unter adac.de
stimmungen möglich sind.
Trotzdem bitte beachten: Die Gebrauchtpreiskalkulationen sind nicht verbindlich, sondern stellen
nur eine Orientierungshilfe dar. Sie sind Mittelwerte, die aus den regional unterschiedlichen Prei-
sen errechnet wurden. Es bestehen bisweilen große Preisunterschiede zwischen Ballungs-
zentren und ländlichen Regionen.
Die Preise beziehen sich grundsätzlich auf unfallfreie, betriebs- und verkehrssichere Serienmo-
torräder mit einem durchschnittlichen, der angegebenen Gesamtfahrleistung und dem Alter ent-
sprechenden Erhaltungszustand. Die nächste Hauptuntersuchung der Motorräder steht frühes-
tens in einem Jahr an. Die Bereifung ist höchstens zu fünfzig Prozent abgenutzt.
Diesen hohen Anspruch wird wohl kein gebrauchtes Motorrad erfüllen, zumal bereits ein umge-
stürztes Zweirad im strengsten juristischen Sinne nicht mehr als unfallfrei gilt, wenn dabei ein
Schaden entstanden ist.

ADAC-Tipps: Motorrad-Gebrauchtkauf Seite 4


Angebotene Motorräder mit vielen Umrüstungen:
Wird Ihnen ein Motorrad angeboten, das nicht mehr dem Serienzustand entspricht, sondern mit
vielen Zubehör- und fremden Ersatzteilen ausgerüstet ist, oder als Oldtimer gelten kann, wird eine
realistische Preisfindung häufig sehr schwierig. Zur Prüfung, ob dem Angebot irgendein Phantasie-
preis oder eine vernünftige Kalkulation zu Grunde liegt, sollte der Verkäufer Rechnungen für Zu-
satzteile oder sogar ein möglichst junges Gutachten vorlegen können. Preise für Einzelzubehör
lassen sich auch Zubehörkatalogen entnehmen. Grundsätzlich fließt Zubehör je nach Alter und
Funktion mit höchstens 50 bis 60 % des Neupreises in den Gebrauchtpreis des ganzen Motorra-
des ein.
Als Käufer sollten Sie auf jeden Fall prüfen, ob Ihnen die nachgerüsteten Zubehörteile oder die
Umbauten überhaupt sinnvoll erscheinen. Würden Sie ähnliche Bauteile (z.B. größerer Tank, stär-
keres Federbein, wirksamere Bremse, Hauptständer, ....) an Ihrem Motorrad nachrüsten?
Haben Sie an den Umrüstungen kein wirkliches Interesse, sollten Sie dem Verkäufer deutlich ma-
chen, dass Sie nicht bereits sind, hierfür einen besonders hohen Preis zu zahlen. U.U. verliert der
Verkäufer dann Interesse an weiteren Verkaufsverhandlungen.
Neben der professionellen Wertermittlung, die sich auf umfangreiches statistisches Datenmaterial
stützt, kann zumindest bei gängigen Modellen auch ein intensives Studium der Online-Angebote
ein Gefühl für die üblichen Handelspreise vermitteln.

6. Fragen an den Verkäufer


Besonders bei der Recherche im Internet wird der Käufer auf interessante Angebote aus weit ent-
fernten Regionen oder gar aus dem Ausland stoßen. Um unnötige Ausflüge zu letztendlich ernüch-
ternde Besichtigungen zu vermeiden, können klare Fragen und deren ehrliche Beantwortung früh
die Entscheidungsfindung erleichtern. Folgende Fragen sollte der Verkäufer bereits bei der ersten
Kontaktaufnahme per Telefon oder Mail beantworten, damit der Kaufinteressierte schnell weiß,
ob die angebotene Maschine für ihn in Frage kommt. Siehe hierzu auch Checkliste „Fragen an den
Verkäufer“. Viele Informationen zu dem Fahrzeug können aus der Anzeige in die Checkliste über-
nommen werden. Der Kaufinteressierte sollte sich ausdrücklich bestätigen lassen, dass diese In-
formationen korrekt sind. Widersprüchliche Aussagen unbedingt ansprechen und Unklarheiten be-
seitigen. Die Angaben zu der Maschine in den Online-Anzeigen inklusive aller Bilder abspeichern.
Sie dienen als Grundlage für die Produktbeschreibung im Kaufvertrag.
Fragen am Telefon:
• Ist der Verkäufer der Eigentümer oder lediglich der Besitzer?
Sie sollten sich die Informationen vorrangig vom Eigentümer holen und mit diesem verhandeln.
Der Eigentümer kann meist verbindlichere Aussagen zu den verschiedenen Fragen machen als
ein Verkaufsbevollmächtigter. Auch die Preisverhandlungen gestalten sich mit dem Eigentümer
unkomplizierter. Lassen Sie sich ggf. eine schriftliche Verkaufsvollmacht von dem Verkäufer
vorlegen, wenn dieser nicht der Eigentümer ist.
• Wie lautet die genaue Modellbezeichnung? Welches Baujahr? Welche Leistungsvariante?
Gelegentlich werden in Anzeigen irrtümlich falsche Modellbezeichnungen oder Leistungen
angegeben.
• Stammt das Motorrad ursprünglich von einem offiziellen Importeur, einem Re- oder
Parallelimporteur?
Im letzten Fall gilt es, besondere Hinweise zu einer möglicherweise noch wirksamen Garantie
(Werks- oder Werkstattgarantie) und zur Ersatzteilversorgung zu beachten. Die Herkunft des
Fahrzeugs lässt sich meist anhand der Eintragungen im Fahrzeugbrief bestimmen (dort auf der
letzten Seite).
• Wann wurde das Motorrad erstmalig zugelassen?
Von dem Erstzulassungsdatum hängt ab, ob die Gewährleistungs- bzw. Garantiefrist bereits ab-
gelaufen ist. Außerdem wurden in den letzten Jahren die Zulassungsvorschriften geändert.
Wichtig: Euro 3-Motorräder können 2017 nur im Ausnahmefall erstmals zugelassen werden.
Dies ist bedeutsam bei gebrauchten Maschinen, die z.B. bislang nicht für den öffentlichen Stra-
ßenverkehr zugelassen wurden.
• Wie hoch ist die tatsächliche Kilometerleistung? Stimmt sie mit dem Tachostand überein?
Wenn hier keine Übereinstimmung besteht, muss geklärt werden, warum. Auskünfte wie „Laut
Tacho“ sollten misstrauisch stimmen.

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• Wurden die regelmäßig fälligen Inspektionen von einer Fachwerkstatt durchgeführt?
Das Scheck- bzw. Kundendienstheft gibt hier unter anderem Aufschluss darüber, wer die regel-
mäßige Wartung vorgenommen hat. Prüfen Sie die Aussagen des Verkäufers bei der Besichti-
gung.
Wenn eine Fachwerkstatt die regelmäßige Wartung durchgeführt hat: In welcher (Vertrags-)
Werkstatt? Gibt es Aussagen zu deren Arbeitsqualität?
Wenn keine Fachwerkstatt die regelmäßige Wartung durchgeführt hat: Von wem wurden die
Wartungsarbeiten durchgeführt? Qualifikation des Mechanikers?
• Wieviel Vorbesitzer hatte das Motorrad bereits?
Die neuen Zulassungsbescheinigungen (Teil II, Fahrzeugbrief) haben nur Platz für einen Vorbe-
sitzer. Es wird lediglich die Zahl der Vorbesitzer in der Zeile B unter der Kennzeichenangabe
genannt. Bei Erstbesitzer steht an dieser Stelle eine „0“. Viele Vorbesitzer sind ein Hinweis da-
für, dass die Vorgänger mit dem Motorrad nicht zufrieden waren. Wenn dieses vermutet wird:
Warum?
• Ist das Motorrad unfallfrei?
Auch wenn sich die Richtigkeit der Aussage der Verkäufers am Telefon nicht prüfen lässt, kann
dies bei der Besichtigung nachgeholt werden. Widersprüchliche Aussagen sollten misstrauisch
machen. Wenn das Motorrad nicht als „unfallfrei“ angeboten wird, klären Sie, welche Bauteile
beschädigt, repariert oder ersetzt wurden. Schäden, die nicht oder nur provisorisch repariert
wurden, sollten mittels Bilder dokumentiert werden. Sind Unterlagen (Rechnungen) zur Repara-
tur noch vorhanden?
• Welche Ausstattung hat das Motorrad ab Werk?
Meist wird hierüber bereits in der Anzeige informiert.
• Wurden Komponenten des Motorrades überholt oder ersetzt?
Wenn Teile des Motorrades wie z.B. der Motor, der Rahmen, der Tank, die Elektrik usw. über-
holt oder ersetzt wurden: Sind die Rechnungen für diese Arbeiten noch vorhanden?
• Sind alle Bauteile original oder wurden Fremdteile bzw. Fremdzubehör montiert? Wurde die
Maschine grundlegend umgebaut?
Wenn fremde Teile montiert wurden, die die Betriebserlaubnis betreffen: Sind die Zubehör-
oder Anbauteile in den Fahrzeugbrief eingetragen bzw. liegt für alle Zubehör- oder Anbau-
teile eine ABE oder eine Unbedenklichkeitserklärung des Herstellers vor? Besonders be-
trifft dies: Motor, Einspritz- und Auspuffanlage, Beleuchtung, Räder u. Reifen, Federelemente
und weitere Komponenten.
Bei mehreren Änderungen an verschiedenen Komponenten, die technisch zusammen wirken,
kann eine Einzelbetriebserlaubnis (§ 21 StVZO) erforderlich sein oder werden.
Die Klärung dieser Fragen hat besondere Bedeutung für Änderungen, die die Abgasqualität und
das Geräuschverhalten betreffen. Vor einem Kauf müssen alle Zulassungsvoraussetzungen
lückenlos und zweifelfrei geklärt und entsprechend dokumentiert werden. Ist dies nicht
möglich, sollte der Kauf gut überlegt werden.
Sind die Fremdteile Markenprodukte? Sie die Originalteile noch vorhanden?
• Wann wurde das Motorrad das letzte Mal gefahren? Hat das Motorrad längere Zeit gestan-
den?
Manche meist ältere Motorräder fristen ein wenig bewegtes Leben in einem Keller, einer Ga-
rage oder sogar im Freien und sollen jetzt „endlich“ verkauft werden. Besonders auffällig wird
dies, wenn das Alter der Maschine und die angegebene Laufleistung nicht zueinander passen.
In diesen Fällen muss mit Standschäden gerechnet werden. Davon betroffen sind vorrangig
alle Gummi- (vor allem Reifen) und Kunststoffteile, besonders wenn das Fahrzeug längere Zeit
im Freien ohne Schutzplane abgestellt wurde, die Bremsen, die Batterie, Tank und Vergaser
sowie bewegte Teile des Fahrwerks und des Endantriebs. Der Besitzer sollte zur Erweckung
aus dem „Dornröschen-Schlaf“ die wichtigsten Teile überprüft, gepflegt oder ersetzt haben. Bei
der Besichtigung besonders die genannten Teile prüfen oder vom Kauf absehen.
• Ist das Motorrad zugelassen, oder ist ein Kurzzeitkennzeichen für die Probefahrt verfügbar?
Bei Saisonkennzeichen: Wann ist die „aktive“ Zeit?
Wenn das Motorrad abgemeldet (außer Betrieb gesetzt) ist: Wie lange ist das Fahrzeug bereits
abgemeldet?
Ein Fahrzeug, das außer Betrieb gesetzt wurde, kann in einem Zeitraum von sieben Jahren wie-
der angemeldet werde. Dabei ist darauf zu achten, dass bei der Wiederinbetriebnahme ein gül-
tiger HU-Prüfbericht vorliegen muss.

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• Ist eine Probefahrt möglich?
Auch wenn es selbstverständlich erscheint, dass der interessierte Käufer zu einem Besichti-
gungstermin auch eine Probefahrt machen kann, sollten etwaige Hinderungsgründe beachtet
werden. Nicht jeder Edelbike-Eigentümer will sein schönstes Stück einem Fremden anver-
trauen. Fragen Sie deswegen besser nach, ob Sie selbst mit dem Motorrad fahren dürfen und
ob der Verkäufer an die Überlassung des Motorrades Bedingungen knüpft (z.B. Hinterlegung
eines Pfandes oder des Kaufpreises in bar).Siehe auch Punkt Probefahrt.
• Werden sonstige Zubehörteile mit angeboten? In welchem Zustand sind sie?
Beispiele: Tankrucksack für Enduros mit domförmigen Tank, Koffer für vorhandenen Kofferträ-
ger, andere Sitzbank, Kleidung, Montageständer. Häufig kann der Verkäufer dieses spezifische
Zubehör nicht weiter verwenden. Er hat dann vielfach ein Interesse, auch dieses Zubehör zu
verkaufen.
Wenn die Beantwortung dieser Fragen beim Käufer einen vertrauenswürdigen Eindruck vom Ver-
käufer hinterlässt und die Fahrzeugeigenschaften den Wünschen entsprechen, sollte ein Termin
für Besichtigung und Probefahrt vereinbart werden. Ist ein direkter Abschluss des Handels geplant
sein, sollten auch Fragen der Bezahlung und der Fahrzeugummeldung besprochen werden. Bei
längeren Anfahrten sollte verbindlich vereinbart werden, dass sich Käufer und Verkäufer sofort in-
formieren, wenn der geplante Besichtigungstermin nicht eingehalten werden kann bzw. das Fahr-
zeug bereits anderweitig veräußert wurde.

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7. Die Besichtigung des Motorrades
Sobald Sie sich auf den Weg machen, um das ausgesuchte Motorrad unter die Lupe zu neh-
men, sollten Sie Folgendes nicht vergessen:
• einen fachkundigen, vertrauenswürdigen Bekannten, wenn Sie selbst nicht über ausreichende
technische Kenntnisse verfügen. Außerdem gilt: Vier Augen sehen mehr als zwei.
• Ausweis und Führerschein
• vollständige Motorradbekleidung
• einfaches Werkzeug wie Schraubendreher, Zange usw.
• ein Voltmeter
• eine Taschenlampe
• einen kleinen Spiegel
• einen weißen Lappen
• ggf. ein Kurzzeitkennzeichen oder ein rotes Nummernschild mit dazugehörigem Fahrzeug-
schein und Verwendungsnachweis.
• schönes Wetter
• genügend Zeit und natürlich
• Bargeld für eine Anzahlung oder für den vollständi-
gen Abschluss des Geschäftes.
Die Besichtigung der Maschine gliedert sich in zwei
Abschnitte:
• die Detailprüfung im Stand und
• die Probefahrt.
Zu Beginn der Prüfung sollten Sie die Fahrgestellnummer: Gehören Maschine und Pa-
Fahrgestellnummer am Motorradrahmen piere zusammen.

mit der im Fahrzeugbrief vergleichen.

7.1. Äußere Erscheinung/erster Eindruck


Zum Verkauf anstehende Motorräder sind meist auf Hochglanz poliert. Der Käufer sollte sich bei
aller Schönheit hiervon nicht blenden lassen. Auf der anderen Seite werden auch immer wieder
„Standuhren“ offeriert, bei denen besondere Prüfungen einzelner Komponenten sinnvoll werden.
Wenn der erste Eindruck wenig überzeugt, kann auf die Detailprüfung meist verzichtet werden.

Umbauten, umfangreiche Veränderungen


Der Kauf eines umfangreich umgebauten Motorrades muss gut überlegt sein. Mit dem Verkäufer
ist zu klären, welche Komponenten und Bauteile verändert und umgebaut wurden, weshalb diese
Umbauten vorgenommen wurden und wie die Umbau-
ten eingetragen und zugelassen wurden. Hierfür sind
die Fahrzeugpapiere (Zulassungsbescheinigung Teil I
und Teil II) sowie alle Gutachten, Prüfberichte und All-
gemeine Betriebserlaubnisse heranzuziehen. Sollten
Zweifel an der Zulassungsfähigkeit des Gesamtfahrzeu-
ges bestehen, sollten alle Informationslücken vor dem
Kauf eindeutig geschlossen oder vom Kauf abgesehen
werden.
Besondere Vorsicht ist geboten, wenn Teile des
Rahmens und/oder der Schwinge nachträglich bear-
Auch ein Original kann schön sein. Nicht jeder Um-
beitet wurden. Vereinzelt werden Flächen und bau gefällt.
Schweißnähte des Rahmens abgeschliffen und/oder
poliert. Diese Veränderungen lassen vielfach die Betriebserlaubnis erlöschen und können
deswegen spätestens bei der nächsten Hauptuntersuchung Probleme bereiten. Also, bes-
ser Finger weg!

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Beschädigungen, Rostbefall
Zu Beginn der Besichtigung sollte der Gesamtzustand der Maschine betrachte werden. Ergeben
sich bei dieser Prüfung bereits gravierende Mängel oder Beschädigungen, dürfte das weitere Kauf-
interesse schnell versiegen. Kleine Schäden oder leichte Mängel sollten in der Checkliste notiert
und später für die Preisverhandlungen genutzt werden. Wichtig dabei ist, dass zwischen normalen
Gebrauchsschäden, die zu dem Alter der Maschine passen, und weniger angemessene Schäden
durch viele Änderungs- und Schrauberarbeiten oder grobe Behandlung unterschieden wird. Bei
älteren Fahrzeuge, die wenig gepflegt wurden und überwiegend Wind und Wetter ausgesetzt wa-
ren, sind Kunststoff- und Gummiteile verfärbt oder versprödet. Je nach Alter und Verarbeitungs-
qualität sind verschiedene Bauteile auch von Korrosion befallen. Einen Katalog der Prüfpunkte ent-
hält die Checkliste „Fahrzeugbesichtigung“.
Undichtigkeiten an Motor, Kühlsystem, Kraftstoffanlage und Getriebe sind vor allem für die Um-
welt schädlich und sollten möglichst schnell beseitigt werden. Gleichzeitig zeugen sie von einer
gewissen Nachlässigkeit des Besitzers. Deswegen sollte wegen Undichtigkeiten über den Preis
verhandelt werden.
Schleifspuren oder Bruchstellen…
• an Fußrasten und am Endschalldämpfer:
Beschädigungen an diesen Stellen deuten auf eine dynamisch-schräge Fahrweise mit häufi-
gem Aufsetzen der entsprechenden Teile oder leichte Unfälle hin.
• an den Lenkerenden, den Schwingungsdämpfern und den Armaturen.
Sie geben Hinweise auf Stürze. Wenn Schleifspuren an den Lenkerenden und den Armaturen
sichtbar sind, prüfen Sie den Lenkeranschlag rechts und links. Eine Reparatur dieser Schäden
(Lenkanschlag) ist oftmals nur durch den Austausch des Rahmens möglich, da am Rahmen
nicht geschweißt werden darf. Aus diesem Grund ist bei einem verformten oder abgerissenen
Lenkeranschlag vom Kauf abzuraten.
• am Rahmen; hier vor allem an den Unterzügen.
Grobe Schleifspuren am Rahmen weisen auf Off-Road-Einsatz oder Unfälle hin. Wenn das
Motorrad kein Geländemotorrad ist und trotzdem diese Spuren aufweist, ist von einem Kauf
dringend abzuraten.
Die Wertminderung durch Schleifspuren und Bruchteile ist schwer zu beurteilen. Erscheint äußer-
lich der Rahmen unversehrt, muss die Probefahrt entscheiden, ob das Interesse an dem Motorrad
bestehen bleibt. In diesem Fall sollten Sie, bevor sie sich zum Kauf und für einen bestimmten Preis
entscheiden, Informationen über Ersatzteilkosten einholen.

Sonstige allgemeine Prüfungen


Je nach Alter des Motorrades sind Gebrauchsspuren unvermeidbar. Allerdings zeugen schlecht
durchgeführte Lackierungen des Motors, des Rahmens und der Auspuffanlage sowie ver-
murkste Schraubenköpfe und Muttern von wenig Liebe zu dem Fahrzeug und geringen hand-
werklichen Fähigkeiten. Auch ein zerrissener Sitzbankbezug und schlechte, nachträgliche
Elektroinstallationen geben hierüber Auskunft.
In jedem Fall sollten Sie die Sitzbank abnehmen, um auch hier den Pflegezustand zu prüfen.
Je nach Ergebnis der ersten optischen Prüfung, kann eine weitergehende Detailprüfung der
verschiedenen Komponenten Mängel sicher aufdecken. Ein unschönes Äußeres, das nicht direkt
auf weitere Schäden hinweist, sollte als Argument bei der Preisverhandlung genutzt werden.
Über Kosten für die Beseitigung von optischen Mängeln (Lackierungen usw.) machen Sie sich
u.U. vor Vertragsabschluss bei entsprechenden Fachbetrieben kundig.
Bei längere Zeit nicht bewegten Maschinen, die zudem für die Einlagerung bzw. Standzeit nicht
präpariert wurden, folgende Komponenten prüfen:
• Kunststoff- und Gummiteile
• lackierte oder durchgefärbte Verkleidungsteile,
• die elektrische Anlage inkl. Batterie,
• die Bremsanlage, besonders Bremszangen u. -kolben
• Kraftstofftank und Kraftstoffleitungen,

ADAC-Tipps: Motorrad-Gebrauchtkauf Seite 9


7.2. Detailprüfungen im Stand

Schlösser, Instrumente, Armaturen, Schalter, Beleuchtung


• Lenker- und Zündschloss
Sind alle Schlüssel vorhanden? Wurden Schlüssel nachgemacht? Wenn ja, warum? Unbe-
dingt alle Schlüssel bei Vertragsabschluss übergeben.
Passen die Schlüssel an allen Schlössern: Sitzbank, Helmschloss, Tankdeckel, Staufächer?
Lässt sich das Lenkerschloss sicher und ohne zu haken schließen? Funktioniert das Zünd-
schloss sicher und ohne zu klemmen? Ist das Zündschloss äußerlich unbeschädigt?
• Instrumente
Sind die Instrumente unversehrt und vollständig? Wenn LC-Display vorhanden: Ist es ohne
Pixelfehler? Funktionieren die Beleuchtungen der Anzeigen? Kann der Tageskilometerzähler
zurückgestellt werden? (Ggf. diese Prüfung nach der Probefahrt vornehmen.)
Wenn Zweifel an der Richtigkeit der Gesamtkilometeranzeige auf dem Tacho besteht, unbe-
dingt nachfragen, wie viele Kilometer tatsächlich im Ganzen mit dem Motorrad gefahren wur-
den. Diese Aussage in den Kaufvertrag eintragen. Tachomanipulationen, im Besonderen Ver-
stellen des Gesamtkilometerstandes, sind bei Motorrädern weniger häufig als bei Pkw. Trotz-
dem ist es nicht unmöglich. Bei älteren Motorrädern mit mechanischen Zählwerken sind dann
meist Spuren erkennbar.
Funktionieren alle Kontrollleuchten (soweit vorhanden): Öldruck o. Ölstand, Leerlauf, Licht-
hupe u. Fernlicht, Blinker, Seitenständer, Batterieladung, ABS, Kraftstoffreserve usw.?
Bei modernen Motorrädern werden direkt nach dem
Einschalten der Zündung fast alle Anzeigen und
Kontrollleuchten kurz angesteuert, um eine korrekte
Arbeitsweise checken zu können. Je nach Funktion
verlöschen die Kontrollleuchten wieder oder sie
leuchten bis zum Start des Motors bzw. bis zur Ab-
fahrt (z.B. ABS). Während normaler Fahrt leuchten
allenfalls die Kontrollleuchte für Abblendlicht (wenn
vorhanden) oder bei abgeschalteten Funktionen wie
ABS und Traktionskontrolle die entsprechenden
Warnleuchten. Zu Details bitte in der Bedienungs-
anleitung nachlesen. Wichtig ist, dass z.B. die
Warnlampen für Motorstörungen aus geht. Nur selten haben moderne Displays Fehler, der Er-
Funktionieren nachgerüstete Zusatzinstrumente satz kann teuer werden.
(Ölthermometer, Batteriespannungsanzeige, Zeit-
uhr)? Sind für diese Instrumente Montage- und Benutzungshinweise vorhanden?
• Armaturen, Schalter, Beleuchtung
Lassen sich Kupplung und Gas leicht bedienen? Sind die Bowdenzüge leichtgängig? Der Gas-
griff muss aus jeder Position selbstständig in die Leerlaufstellung zurückdrehen.
Sind die Handhebel in ihrer Lagerung locker? Wenn ja: Wie verschlissen sind die Lagerboh-
rungen o. –bolzen? Ist ein Ersatz notwendig?
Schalter: Funktionieren alle übrigen Bedienungselemente bzw. Fahrzeugbeleuchtungen:
Stand-, Abblend-, und Fernlicht, Lichthupe, Rücklicht, Blinker inklusive Rückstellung, ggf.
Warnblickanlage, Bremslicht (Hand- und Fußbremshebel), Hupe, Kill- bzw. Notausschalter,
Kupplungs- und Seitenständerzündschalter, ggf. heizbare Griff?

Lenker, Lenkkopflager, Lenkeranschlag


• Lenkerenden beschädigt? Lenker verbogen?
Beschädigte Lenkerenden oder sogar verbogene Lenker deuten darauf hin, dass das Motor-
rad zumindest umgefallen ist, möglicherweise einen Unfall hatte. Deswegen:

ADAC-Tipps: Motorrad-Gebrauchtkauf Seite 10


• Lenkeranschlag rechts oder links verformt?
Gibt es Anzeichen eines verformten Lenkeranschla-
ges, so ist der Verdacht auf einen Unfall berechtigt.
Also, Vorsicht! Es dürfen auch keine nachträglichen
Reparaturarbeiten am Lenkanschlag vorgenommen
worden sein (z.B. Schweißarbeiten).
• Lenker und Lenkerhalterung original?
Wenn der Lenker oder die Lenkerhalterung (Len-
kererhöhung) umgerüstet wurde, muss mindestens
eine ABE für diese Bauteile vorliegen.
• Lenkkopflager ohne Spiel und Rastpunkte?
Heben Sie die Motorradfront an, um das Vorderrad
zu entlasten (ein Helfer belastet das Heck des Mo-
torrades, das auf dem Mittelständer steht), und um-
fassen Sie die frei drehbare Telegabel am unteren
Ende. Drücken Sie die Gabel nach vorne und hin-
ten, und schlagen Sie sie von Anschlag zu An- Der Lenkanschlag darf nicht gebrochen oder ver-
form sein.
schlag ein. Drehen Sie sie außerdem langsam und
feinfühlig um die Geradeausstellung etwas hin und
her. Dabei darf kein Haken, kein Spiel oder un-
gleichmäßiger Lauf spürbar sein. Die Lenkung
muss auch bei kleinsten Bewegungen immer leicht
und ohne jeden Widerstand beweglichen sein. Der
Kabelbaum sollte dabei nicht eng anliegen oder rei-
ben. Ist das Lenkkopflager auch nur geringfügig
schwergängig, befragen Sie den Verkäufer, ob das
Lager in letzter Zeit gewechselt oder neu eingestellt
wurde. Ein ausgeschlagenes Lenkkopflager lässt
sich vorübergehend so fest einstellen, dass der De-
fekt nur schlecht oder gar nicht spürbar wird. Notie-
ren Sie die Aussagen des Verkäufers deswegen im
Kaufvertrag.
Um die Reifenreibung am Vorderrad zu reduzieren, Eine Folie unter dem Vorderrad reduziert die Lenk-
kann das Vorderrad auch auf eine leicht benetzte kräfte. Defekte am Lenkkopflager lassen sich so
leichter „erfühlen“.
Plastikfolie gestellt werden. Damit lassen sich die
Unregelmäßigkeiten am Lenkkopflager leichter „erfühlen“.
Eine weitere Methode zur Prüfung des Lenkkopflagers und der Telegabel: Drücken Sie das
Vorderrad gegen eine Wand, und lassen Sie die Telegabel stark ein- und ausfedern. Kna-
ckende Geräusche im Lenkkopf oder in der Gabel weisen auf Spiel und Verschleiß hin. (s.a.
Probefahrt, Fahrwerk)

Telegabel, Federbein
Telegabel
• Sind die Standrohre ohne Kratzer oder Rostspu-
ren?
Die Oberflächen der Standrohre sollten hell glänzen
(spiegeln) und dürfen keine Kratzspuren aufweisen.
Wischen Sie mit einem weißen Lappen über die
Standrohre. So lässt sich auch ein dünner Ölfilm,
der durch leichte Undichtigkeit der Simmerringe
entsteht, deutlich machen. Ggf. Wiederholung nach
der Probefahrt.
• Telegabel verdreht oder verschränkt?
Peilen Sie seitlich über die Vorderkonturen der
Standrohre (nur bei Standardtelegabeln ohne Falt-
enbälge möglich). Die vorderen Konturlinien der
beiden Gabelholme müssen absolut parallel zuei-
nander liegen. Ganz sicher gehen Sie, wenn Sie
eine absolut ebene Platte (Stahl oder Glas) von Ein Ölfilm auf dem Gleitrohr deutet auf defekte Sim-
merringe hin.
vorne auf beide Standrohre auflegen. Kippelt die
ADAC-Tipps: Motorrad-Gebrauchtkauf Seite 11
Platte oder liegt sie auf den ganzen Berührlinien auf? Wenn die Platte nicht sicher aufliegt,
sind die Gabelholme u.U. zueinander verwunden oder vielleicht sogar verbogen. Im Zweifels-
fall beachten Sie besonders den Geradeauslauf und etwaiges Lenkerflattern während der Pro-
befahrt.
• Federn die Gabelholme leichtgängig ein?
Ist das Dämpfungsverhalten angemessen? Hierzu die Telegabel mehrfach möglichst tief ein-
und ausfedern lassen. Wenn vorhanden: Sind die Schrauben für die Feder-Dämpfer-Einstel-
lung beweglich?
• Sind Gabelholme und Gabelbrücken original montiert?
In Einzelfällen werden die Gabelholme in den Gabelbrücken verschoben, meist um die Fahr-
zeugfront abzusenken und damit die Sitzhöhe zu reduzieren. Diese Einstellung sollte wieder
auf die originale Position korrigiert werden.
Federbein
• Hinterer Stoßdämpfer in Ordnung?
Drücken Sie das frei stehende Motorradheck nieder, wenn das Motorrad von einem Helfer am
Lenker gehalten wird, und lassen Sie es hochschnellen. Dabei darf es nicht weit überschwin-
gen und muss nach etwa einer halben Schwingung zur Ruhe kommen. Es dürfen keine gur-
gelnden Geräusche im Stoßdämpfer hörbar werden. Kontrollieren Sie an der Dämpferstange,
ob Öl aus dem Stoßdämpfer austritt.
• Ist das Federbein Original- oder Nachrüstteil?
Zubehör- oder Nachrüstfederbeine müssen über eine modellspezifische ABE oder ein Gutach-
ten verfügen.

Räder, Reifen, Bremsen


Räder
• Lassen sich die Räder in beide Richtungen frei drehen?
Gehen Sie gegebenenfalls der Ursache von Schleif- und Knackgeräuschen nach.
Am Vorderrad: Meistens schleifen die Bremsbeläge mehr oder minder stark an den Brems-
scheiben. Betätigen Sie die Bremse und drehen Sie wiederholt. Der Kraftaufwand, um das
Vorderrad auf Schwung zu bringen, darf nicht sehr groß sein (siehe auch Punkt Bremsen).
Am Hinterrad: Der Antrieb wird neben den Bremsen ein freies Drehen des Hinterrades er-
schweren. Trotzdem müssen sich kettengetriebene Hinterräder leicht bewegen lassen. Kar-
dangetriebene Hinterräder laufen meist schwerer (kaltes Öl im Winkeltrieb), müssen sich aller-
dings gleichmäßig drehen lassen und dürfen nicht haken oder ungleichmäßige, mahlende Ge-
räusche von sich geben.
• Prüfen Sie die Felgen auf etwaigen Höhen- oder Seitenschlag.
Halten Sie hierfür einen Schraubendreher so an beide Gabel- oder Schwingenholme, dass
seine Spitze die Felge bzw. das Felgenhorn gerade berühren. Bei Drehung des Rades sollte
der Abstand zwischen der Schraubenzieherspitze und der Felge auf dem gesamten Felgen-
umfang gleich bleiben. Viele Hersteller lassen für den maximalen Höhen- oder Seitenschlag
Werte von 1,5 bis 2 mm zu. In der Praxis sind diese Ungleichmäßigkeiten deutlich und unan-
genehm spürbar. Deswegen sollte in solchen Fällen
über den Kaufpreis diskutiert werden oder vom
Kauf Abstand genommen werden. Ggf. weitere Prü-
fungen (Unwuchterscheinungen o. Gleichlauf-
schwankungen) während der Probefahrt vorneh-
men.
Prüfen Sie besonders die Felgenhörner auf Risse,
Verformungen und Lackschäden. Gussräder sollten
an Nabe und Speichen keine Riss oder Verformun-
gen aufweisen. Bei Lackschäden genau hinsehen:
Gibt es dahinter weitere Schäden (z.B. Korrosion)?
• Gleichmäßige Spannung der Drahtspeichen
Prüfen Sie die gleichmäßige Spannung der Draht-
speichen, indem Sie mit dem Schraubendrehergriff
nacheinander an die Drahtspeichen schlagen. Die
angeschlagenen Speichen müssen einen hohen, Drahtspeichen genau prüfen. Mit lockeren, feh-
klaren, etwa gleichen Klang haben und dürfen nicht lende o. gebrochene Speichen sollte nicht gefahren
scheppern. Schätzen Sie auch ab, ob sich lockere werden.

ADAC-Tipps: Motorrad-Gebrauchtkauf Seite 12


Speichen nachspannen lassen und ob sie vollständig sind. Festgerostete Speichen lassen
sich häufig nicht mehr nachspannen, d.h. diese Speichen müssen ersetzt werden, wenn ihre
Spannung nachgelassen hat. Werfen Sie außerdem einen Blick auf die Radnabe: Sie muss
gerade im Rad stehen und besonders im Bereich der Speichenköpfe ohne Risse sein. Die ge-
kröpften Speichenköpfe dürfen sich nicht in das Nabenmaterial eingearbeitet haben. Gleiches
gilt für die Felgenlöcher, in denen die Speichenköpfe sitzen.
Bitte auch Beachten: Einige Hersteller schreiben regelmäßige Prüfungen der Drahtspeichen
vor. Wurden diese Prüfungen tatsächlich regelmäßig durchgeführt?
• Prüfen der Radlager
Umgreifen Sie beide Räder oben und unten bzw. vorne und hinten mit den Händen und versu-
chen Sie, sie zu kippen (nicht drehen). Ist ein Spiel spürbar, müssen möglicherweise die Rad-
lager ausgewechselt werden. Defekte an Radlagern werden auch spürbar durch ungleichmä-
ßigen Lauf des drehenden Rades. In der Praxis ist dies meist nur an ausgebauten Rädern
ausreichend deutlich spürbar.
• Vorder- und Hinterrad in einer Flucht?
Bringen Sie das Vorderrad möglichst genau in Geradeausstellung, und peilen Sie nahe dem
Boden von vorne an den Flanken des Vorder- und Hinterreifens vorbei nach hinten. Wenn die
Räder nicht fluchten: Während Probefahrt ganz besonders auf den Geradeauslauf achten!
Das Hinterrad kann schräg eingebaut oder die Schwinge verbogen sein. Beachten Sie aber,
dass einige Motorradmodelle einen konstruktiv vorgesehenen Räderversatz haben, wie z.B.
einige BMW Modelle.
Reifen
• Sind die richtigen Reifen montiert?
Die korrekten Reifendimensionen finden Sie in
der Zulassungsbescheinigung Teil 1 (Fahr-
zeugschein) in den Zeilen 15.1. und 15.2 oder
im CoC (EU Übereinstimmungsbescheinigung)
unter dem Punkt 32. Ein Hinweis auf eine Rei-
fenfabrikatsbindung wird im Feld 22 der Fahr-
zeugpapiere eingetragen. Die werksseitigen
Reifenfreigaben stehen meist auch in der Be-
dienungsanleitung. Wenn eine Reifenbindung
vorgesehen ist und nicht die werksseitig freige-
gebenen Reifenmodelle montiert sind, sollte Je mehr, umso besser. Bei den Preisverhandlungen ein
Thema: Profiltiefen
der Verkäufer eine Unbedenklichkeitsbeschei-
nigung für die montierten Reifenpaarungen vor-
legen können.
In den alten Fahrzeugpapieren stehen die Angaben zur Reifendimension unter den Ziffern 20-
23 bzw. 33 „Bemerkungen“. Die Angaben in den Papieren müssen mit den Beschriftungen der
Reifen übereinstimmen. Gibt es hier Abweichungen, muss eine Unbedenklichkeitsbescheini-
gung des Fahrzeugherstellers für die Reifenpaarung vorliegen. Weitere Informationen zu Mo-
torradreifen und Reifenbindungen finden Sie unter adac.de/motorrad.
• Stimmen die Drehrichtungen der Reifen?
• Wieviel Profil haben die Reifen?
Bremsen
• Ist die Bremsanlage vollständig dicht?
Als Austrittsstellen für Bremsflüssigkeiten kommen
die Bremsflüssigkeitsbehälter (Deckel) sowie die
Anschlüsse der Bremsleitungen an Geberzylinder
und Bremszange in Frage. Seltener entstehen Le-
ckagestellen an den Bremsleitung selbst. Prüfen
Sie auch Bremsleitungen auf Altersrisse (Ver-
sprödung).
• Bremsscheibe
Überprüfen Sie die Bremsscheibenoberfläche auf
Riefen. Fahren Sie dazu mit senkrecht aufgesetz-
tem Fingernagel von innen nach außen. Bei tiefen
Riefen oder eingelaufenen Bremsscheiben (deutlich
sicht- und spürbare Absätze an den inneren und
Die Nagelprobe an den Bremsscheiben.
äußeren Scheibenrändern) müssen diese unter
ADAC-Tipps: Motorrad-Gebrauchtkauf Seite 13
Umständen ausgewechselt werden. Bremsscheiben sind vor allem bei japanischen Herstellern
häufig sehr teuer. Also Preis neu verhandeln!
Hat die Bremsscheibe einen seitlichen Schlag (vor allem am Vorderrad)? Prüfen können Sie
dies durch gleichmäßiges Drehen des Vorderrades. Rhythmische Schleifgeräusche sollten
Misstrauen erwecken (siehe auch Punkt Räder und Reifen). Bremsscheiben mit seitlichem
Schlag müssen aus Sicherheitsgründen ersetzt werden.
• Bremsbeläge/ Bremsbeläge mit ABE?
Bestimmen Sie die Bremsbelagstärken? Meistens ist dies durch einen Blick von hinten oder
unten in die Bremszange möglich. Anderenfalls mit
einem Spiegel von der Bremseninnenseite in die
Bremszange blicken. Eine Bremsbelagstärke von 3
mm sollte noch sichtbar sein. Sind die Bremsbeläge
auf beiden Scheibenseiten gleichmäßig abgenutzt?
Wenn nicht, prüfen Sie die Freigängigkeit des
Bremssattels durch seitliches Verschieben
(Schwimmsattelbremse). Auch ein langer Bremshe-
belweg ist häufig ein Indiz für die geringe Bremsbe-
lagstärke.
An Trommelbremsen gibt ein Verschleißanzeiger
3 mm Stärke sollten die Bremsbeläge noch aufwei-
Auskunft über die Belagstärke. sen.
Befragen Sie den Verkäufer, ob die Bremsbeläge
freigegebene Originalteile des Herstellers oder günstigere Ersatzteile aus dem Zubehör sind.
Aussagen des Verkäufers im Zweifelsfall im Kauf-
vertrag notieren.
• Wirksamkeit der Bremse
Lässt sich der Handbremshebel leicht bis in die
Nähe des Gasgriffs oder ganz an ihn heran ziehen,
ist das Bremssystem schlecht entlüftet, undicht, mit
zu weichen Bauteilen zusammengestellt oder frisch
befüllt. Ggf. die Einstellung des Bremshebels verän-
dern und die Prüfung wiederholen. Fragen Sie den
Besitzer danach.
Sollten die Bremsen einen schlechten Eindruck ma-
chen, sehen Sie von einer Probefahrt und dem Kauf ab.
Wurden Teile der Bremse (z.B. Stahlflex-Bremsleitun-
gen) um- oder nachgerüstet, überprüfen Sie die Eintra- Der Bremsgriff darf sich nicht voll durchziehen las-
sen.
gungen im Brief bzw. die KBA- oder ABE-Nummer.

Auspuffanlage
• Ist die Originalauspuffanlage oder ein Zubehörauspuff montiert?
Austauschauspuffanlagen und Zubehörendschalldämpfer zählen zu den beliebtesten Umrüst-
komponenten an Motorrädern. Allerdings ist trotz der Beteuerungen der Verkäufer nicht alles,
was an Gebrauchtmaschinen montiert angeboten wird, selbstverständlicherweise zulassungs-
fähig.
Deswegen unbedingt darauf achten, dass die Auspuffanlage den gesetzlichen Bestimmungen
entspricht. Tut sie dies nicht, kann es bei der nächsten Hauptuntersuchung oder bei Verkehrs-
kontrollen zu Beanstandungen
kommen.
Ist an einem Motorrad, das nach
dem 1. April 1994 erstmalig zuge-
lassen wurde, eine Auspuffanlage
aus dem Zubehör nachgerüstet, so
muss diese ein E-Kennzeichen für
eine EG-Betriebserlaubnis aufwei-
sen (kleines eingeprägtes E mit
Prüfnummer) und ein dazugehöri-
ger Prüfbericht und/oder eine ABE-
Karte vorliegen. Aus den Unterla-
Auch originale Auspuffanlagen können gefallen. Es muss nicht immer Zu-
gen muss hervorgehen, dass die behör sein.
Auspuffanlage an dem Motorradtyp
ADAC-Tipps: Motorrad-Gebrauchtkauf Seite 14
betrieben werden darf.
Für die Geräuschgrenzwerte von Maschinen mit Einzelzulassung gelten teilweise abwei-
chende Regelungen.
Sollte ein Nachweis über die Rechtmäßigkeit der Auspuffumbauten nicht vorliegen oder der
Motor bei Inbetriebnahme sehr laut erscheinen, empfiehlt es sich, von dem Kauf abzusehen.
Wenn die originale Auspuffanlage verfügbar ist, kommt natürlich eine Zurückrüstung in Frage.
In diesem Punkt sollte der Verkäufer dem Käufer wegen des zusätzlichen Reparaturaufwan-
des entgegenkommen.
• Rost an der Auspuffanlage?
Besonders ältere und günstige Modelle verfügen serienmäßig vielfach über korrosionsemp-
findliche Auspuffanlagen. Werden beim Klopfen auf das entsprechende Bauteil Klappergeräu-
sche laut, sind die Auspuffinnenbleche mit hoher Wahrscheinlichkeit durchgerostet und lose.
Dies macht sich bei laufendem Motor meist auch als lauteres Auspuffgeräusch bemerkbar.
Die Auspuffanlagen moderner Motorräder werden überwiegend aus rostbeständigen Metallle-
gierungen gefertigt. An diesen Auspuffanlagen ist Rost eher selten. Lediglich an den Vor-
schalldämpfern einzelner moderner Maschinen können Korrosionspuren sichtbar sein. Deswe-
gen auch unter die Maschine in den Bereich des Vorschalldämpfers blicken. Die meist braun-
grauen Verfärbungen an den Oberflächen können mit Spezialreinigern wirksam entfernt wer-
den. Auch eingebrannte Kunststoffreste auf den Krümmeroberflächen lassen sich mit geeigne-
ten Methoden entfernen.
• Auspuffanlage vollständig dicht?
Die wenigsten Auspuffanlagen sind aus einem Stück gefertigt. An den Flanschen, die die
Rohre der Einzelteile verbinden, können Undichtigkeiten entstanden sein, die meist an
schwarzen Rußspuren in diesen Bereichen erkennbar sind.

Motorgehäuse, Tank, Kraftstoffanlage


• Sind das Motorgehäuse und ggf. das Kühlsystem dicht?
Bei schwarzer Motorlackierung wischen Sie mit einem weißen Lappen über die fraglichen Stel-
len und wiederholen dies nach der Probefahrt. Wenn der Motor wassergekühlt ist, überprüfen
Sie, ob Öl oder Wasser austritt (Konsistenz der Flüssigkeit). Die professionelle Beseitigung
von Ölundichtigkeiten kann teuer werden.
• Ist der Tank ohne Rost?
Rost kann sich an und in Stahltanks besonders älte-
rer Motorräder im Bereich des Einfüllstutzens sowie
auf der Unterseite bilden. Falls möglich sollten Sie mit
einer Taschenlampe in den Tank leuchten. Wenn
Roststellen vorhanden sind: Sind sie korrekt behan-
delt bzw. geschützt? Die Partikel von unbehandelten
Roststellen im Tank können die Kraftstoffversorgung
stören.
• Ist der Tank original?
Besonders für Enduros werden als Zubehör großvolu- Rost am und im Tank ist nur bei alten Maschinen
zu erwarten, wenn sie überwiegend unter freien
mige Kunststofftanks angeboten. Hierfür ist eine pas- Himmel stand.
sende ABE erforderlich.
• Ist der Tank dicht?
• Ist die Kraftstoffanlage dicht?
Bei Vergaser-Maschinen: Überprüfen Sie, ob das Schwimmerventil abdichtet. Öffnen Sie dazu
den Benzinhahn bei stehendem Motor (ggf. den Benzinhahn in die PRI-Stellung bringen).
Wenn die Schwimmerventile nicht ausreichend abdichten oder der Schwimmer falsch einge-
stellt ist, tritt nach wenigen Minuten Benzin aus der Schwimmerkammer (Überlaufschläuche
enden meist unter der Maschine). Bei Einspritzanlagen sollte die Zündung eingeschaltet wer-
den. Die Benzinpumpe baut üblicherweise sofort und hörbar den erforderlichen Druck auf, um
danach wieder auszugehen. An den Druckleitungen sollte kein Benzin austreten. Mängel an
Benzinleitungen können mittels Sichtprüfung ermittelt werden.

ADAC-Tipps: Motorrad-Gebrauchtkauf Seite 15


Ketten- u. Kettenradverschleiß, Kardan
• Sind Antriebskette und Kettenräder in Ord-
nung?
Wenn sich die Kette hinten deutlich vom Kettenrad
abheben lässt, sind Kette und Kettenräder wahr-
scheinlich verschlissen. Ein verschlissenes Ketten-
rad erkennt man an den spitzen, zum Teil wie Hai-
fischflossen geformten Zähnen (Sägezahnformen).
Der Hinweis „Kette neu“ reicht nicht. Nur der Ersatz
von Kette und Kettenrädern macht Sinn.
Außerdem sollten Sie den Durchhang der Kette an
Kettendurchhang immer an verschiedenen Ketten-
dem unteren Kettenabschnitt prüfen. Vor allem die abschnitte prüfen.
Gleichmäßigkeit der Kettenspannung ist wichtig.
Drehen Sie dazu das Hinterrad in Schritten von einer halben Umdrehung weiter und prüfen
Sie erneut den Kettendurchhang. Sollten zwischen zwei aufeinanderfolgenden Prüfpunkten
stark unterschiedliche Kettenspannungen spürbar sein, kann sowohl die Kette auf ihrer ge-
samten Länge unterschiedlich gelängt sein und/oder die Zentrierung des Kettenrades unzu-
reichend sein. Die Unterschiede bei der vertikalen Beweglichkeit des unteren Kettenabschnit-
tes sollten bei Straßenmaschinen 20 bis 30 mm nicht übersteigen. Bei verschissenem Ketten-
trieb ist eine Preisreduzierung angemessen.
• Wie weit ist der Kettenspanner ausgenutzt?
Je weiter die Hinterradachse nach hinten gezogen ist, umso mehr ist die Kette verschlissen
(Markierungen beachten!)
• Originalübersetzung?
Hat der Kettensatz die originale Übersetzung, oder ist eine geänderte Endübersetzung in den
Fahrzeugpapieren eingetragen? Wenn eine vom Original abweichende Übersetzung nicht ein-
getragen wurde, ist die allgemeine Betriebserlaubnis des Fahrzeuges erloschen. Aussagen
des Verkäufers zu diesem Thema, die Sie nicht nachprüfen können, sollten ggf. in den Kauf-
vertrag aufgenommen werden.
Kardanantrieb
• Gleichmäßiger Rundlauf
Hinterrad in beide Richtungen drehen. Es dürfen keine mahlenden Geräusche hörbar werden.
Die Drehung muss gleichmäßig und ohne zu haken möglich sein.
• Öldichtigkeit
Die meisten Kardanantriebe laufen trocken d.h., dass sich kein Öl im Gehäuse der Kardan-
welle befindet. Nur die Winkeltriebe laufen in Öl. Ist trotzdem Ölnebel an dem Kardangehäuse
sichtbar, ist Vorsicht geboten. An Simmerringen und Gummimanschetten darf kein Ölnebel
sichtbar sein.

Rahmen, Schwinge, Schwingenlager


• Ist er Rahmen unversehrt?
Soweit der Rahmen frei zugänglich und gut sichtbar ist können die Schweißnähte z.B. im Be-
reich von Lenkkopf, Federbeinaufnahme, Schwingenlagerung und Heckträgerbefestigung ge-
prüft werden.
Außerdem sollten Korrosionsspuren in Bereichen gesucht werden, an denen möglicherweise
Batteriesäure oder scheuernde Kabelbäume die Oberflächen beschädigt oder den Lack abge-
tragen haben.
• Rahmenoberflächen oder auch Schweißnähte die nachträglich bearbeitet (z.B. poliert)
wurden, sollten Anlass sein, von dem Objekt Abstand zu nehmen. Es ist nicht auszu-
schließen, dass das Motorrad nicht mehr zulassungsfähig ist. Dies bedeutet nicht sel-
ten wirtschaftlicher Totalschaden.

Schwinge und Schwingenlager


• Schwinge verzogen?
In extremen Fällen ist eine Zweiarm-Schwinge verschränkt, die Holme der Schwinge also nicht
exakt parallel. Dies kommt nur unter hoher Gewalteinwirkung zustande, weswegen ein Unfall
anzunehmen ist. Steht das Rad schräg, und/oder decken sich die Oberkanten der Holme beim
„Darüberpeilen“ nicht exakt, weitere Untersuchungen vornehmen oder vom Kauf Abstand neh-
men.

ADAC-Tipps: Motorrad-Gebrauchtkauf Seite 16


• Schwingenlagerspiel
Greifen Sie beide Holmenden der frei hängenden Schwinge und drücken Sie sie nach der
Seite sowie nach oben und unten. Ggf. müssen Sie auch von der Seite einen Schwingenholm
umgreifen, um ein Spiel spürbar zu machen. Bei deutlichem Spiel müssen die Schwingenlager
nachgestellt oder ersetzt werden. Außerdem wird das Spiel in und an den Lagern der Feder-
beinhebel deutlich.
Spiel in den Lagern der Schwingen- und Federbeinanlenkung können auch ermittelt werden,
indem das Hinterrad beidseitig von oben umgriffen wird. Beim gefühlvollen Anheben des Hin-
terrades wird ein leichtes Spiel spürbar. Dieses Spiel sollte Bewegungen mit nur wenigen Milli-
metern zulassen.

Batterie und Elektrik


• Nehmen Sie die Sitzbank oder Seitenverkleidung ab und prüfen Sie den Zustand der Batte-
rie (Füllstand bei nicht wartungsfreien Batterien) und der Batteriepole. Diese sowie die Befesti-
gungsschrauben der Anschlüsse sollten keine porige Oberfläche haben, sauber und korrosi-
onsfrei sein.
• Messen Sie die Batteriespannung bei
aus- und eingeschalteter Zündung und
schalten Sie weitere Verbraucher und
das Licht an und aus (ggf. Fernlicht). Die
Spannung sollte dabei nicht unter ca. 11
Volt fallen. Führen Sie diese Prüfung
auch durch, während der Motor gestartet
wird.
Bei laufendem Motor sollte die Batterie-
spannung auf mindestens 13 bis 14 V
ansteigen.
• Prüfen Sie auch die Stecker und Ka-
bel unter der Sitzbank und wenn mög-
lich unter dem Tank. Sie sollten sauber Erst unter Last zeigt die Batterie die inneren Werte

und vollständig isoliert sein.


• Ist der Bereich unter der Sitzbank/im Bereich der Batterie ohne Rost?
Rost unter der Sitzbank entsteht vielfach bei Maschinen die im Freien stehen durch Feuchtig-
keit, die nicht ablaufen oder verdunsten kann. Auch der Bereich der Batterie ist gefährdet
durch Säureleckagen oder -dämpfen.
• Sind die Sicherungen vollständig bzw. nicht überbrückt?
• Sind nachträgliche Installationen fachmännisch durchgeführt?

Bordwerkzeug, Fahrerhandbuch, Kundendienstheft


• Ist das Bordwerkzeug vollständig? Sind Spezialschlüssel für Zündkerzen, Federbein und
ggf. zum Kettenspannen vorhanden?
• Sind das Fahrerhandbuch und das Kundendienstheft verfügbar?

ADAC-Tipps: Motorrad-Gebrauchtkauf Seite 17


8. Probefahrt
Führen Sie eine Probefahrt nur dann durch, wenn die Maschine betriebssicher erscheint und nach
wie vor echtes Kaufinteresse besteht! Machen Sie sich vorsichtig vertraut mit der „fremden“ Ma-
schine.

8.1. Grundsätzliches zur Probefahrt


• Niemals ein Motorrad ohne eigene, eingehende Probefahrt kaufen! Bei schlechtem Wetter
ggf. einen neuen Termin vereinbaren.
• Die Probefahrt sollte auch dazu dienen, abschließend die eigene „Kompatibilität“ zu dem Mo-
torradtyp zu ermitteln: Passt das Motorrad überhaupt zu mir? Fühle ich mich auf der Ma-
schine wohl und sicher? Entscheiden muss natürlich die Person, die damit später überwie-
gend fahren will.
• Die „ADAC-Vereinbarung über die Probefahrt mit einem gebrauchten Kraftfahrzeug“ gemein-
sam (Verkäufer und Probefahrer) ausfüllen. Ein Formular dieser Vereinbarung kann unter
adac.de als PDF-Dokument heruntergeladen werden.
Legen Sie dem Verkäufer Ihren gültigen Führerschein vor und vereinbaren Sie die voraus-
sichtliche Dauer der Probefahrt. Sie sollten mindestens 30 Minuten Zeit für die Probefahrt
haben.
In den meisten Fällen gibt sich der Verkäufer mit der Hinterlegung des Personalausweises
zufrieden. Stellen Sie sich als Käufer trotzdem darauf ein, dass der Verkäufer Ihnen nur das
Motorrad überlässt, wenn Sie für die Dauer der Probefahrt ein dem Wert des Motorrades
entsprechendes Pfand hinterlegen. Dies ist nicht als besonderes Misstrauen Ihnen gegen-
über zu werten, sondern eine Folge von Berichten, wonach Kaufinteressenten Probefahrzeuge
unterschlagen haben. Im Zweifelsfall müssten Sie Ihm gegen Quittung den vereinbarten Kauf-
preis als Bargeld überlassen.
Rechtslage während der Probefahrt!
Nach der überwiegenden Rechtsprechung haftet der Kaufinteressent für Schäden, die während
der Probefahrt entstehen, nur dann, wenn er diese Schäden mindestens grob fahrlässig herbei-
geführt hat. Bei Probefahrten mit Pkw und Motorrädern findet danach ein Haftungsausschluss für
Schäden statt, die durch leichte Fahrlässigkeit entstanden sind. Für den Verkäufer bedeutet dies,
dass es empfehlenswert ist, eine schriftliche Vereinbarung dergestalt zu treffen, dass Schäden
an dem Motorrad, die während der Probefahrt entstehen, vom Kaufinteressenten getragen wer-
den, sofern dieser die Schäden zumindest leicht fahrlässig herbeigeführt hat. Stellen Sie sich als
kaufinteressierter Probefahrer auf ein entsprechendes Ansinnen des Verkäufers ein.
Eine Probefahrt muss nicht der Versicherung gemeldet werden.
Bei einem tatsächlich entstandenen Schaden kann der Halter (Versicherungsnehmer, Verkäufer)
vom Kaufinteressenten, der den Schaden verursacht hat, folgende Schadenspositionen verlan-
gen: Bei Haftpflichtschäden den Rückstufungsschaden, bei Kaskoschäden gleichfalls einen etwa-
igen Rückstufungsschaden plus die Selbstbeteiligung. Ggf. kann auch ein Nutzungsausfall für die
Reparaturdauer beansprucht werden.
• Lassen Sie sich den Kfz-Schein für die
Dauer der Probefahrt aushändigen.
• Wenn Sie unterwegs sind: Gönnen
Sie sich und dem Motorrad eine
kurze Pause.
Es hat sich bewährt, während der Pro-
befahrt eine kurze Pause einzulegen,
um mit der „neuen“, gebrauchten Ma-
schine ungestört alleine zu sein. Dabei
können nochmals einzelne, wichtige
Details begutachtet werden. Sie können
die Beobachtungen während der Fahrt
jetzt in die Checkliste eintragen.

Vor der Fahrt Reifendruck prü- Je abwechslungsreicher die Probefahrt umso leichter wird die Kau-
fen! fentscheidung.

ADAC-Tipps: Motorrad-Gebrauchtkauf Seite 18


8.2. Anlassen des Motors, Anfahren
• Ölstand kontrollieren!
Beachten Sie für die Ölstandskontrolle die Hinweise in der Bedienungsanleitung. Liegt der Öl-
stand am unteren Limit, sollte das nachdenklich stimmen: Entweder ist es nicht Sache des Be-
sitzers, die notwendigsten Pflege- und Wartungsarbeiten durchzuführen, oder der Motor hat
einen sehr hohen Ölverbrauch. Gesunde Motorradmotoren haben keinen oder nur minimalen
Ölverbrauch. Außerdem können Sie an der Ölfarbe abschätzen, wie lange der letzte Ölwech-
sel zurückliegt. Je heller und transparenter das Öl erscheint, umso jünger ist es im Allgemei-
nen.
• Ist der Motor warm oder noch kalt?
Ein warmer Motor springt im Allgemeinen wesentlich besser an als ein kalter. Deswegen sollte
ein warmer Motor etwas misstrauisch stimmen, da Sie die Kaltstarteigenschaften natürlich so
nicht prüfen können.
• Springt der Motor schnell und zuverlässig an?
Wird der Anlasser nicht länger als zwei bis drei Sekunden betrieben? Der Motor sollte inner-
halb dieser Zeit anspringen und sauber im (erhöhten) Standgas laufen. Geben Sie beim An-
lassen kein Gas, v.a. wenn der Choke zur Hilfe genommen wird.
• Während des Anlasserbetriebs: Achten Sie auf die Anlassergeräusche und die Kontroll-
leuchten.
Harte mechanische Geräusche sind ungewöhnlich und nur bei wenigen großen 1-Zylindermo-
toren „normal“. Auch sehr laute Pfeif- und Wimmergeräusche sind ungewöhnlich. Prüfen Sie
diesen Punkt nochmals später, wenn der Motor warm ist.
Eine Anlasserdrehzahl, die während des Anlassvorganges abfällt, weist auf eine wenig belast-
bare, schwächer werdende Batterie oder Übergangswiderstände im Anlasserstromkreis hin.
Auch Kontrollleuchten, die während des Anlassvorganges dunkler werden, deuten auf Batte-
rieschwäche hin. Beachten Sie, dass bei einigen Maschinen während der Betätigung des An-
lassers das Licht und die Kontrollleuchten ganz abgeschaltet werden.
• Verlischt die Öldruck- und ggf. Batteriekontrollleuchte beim Anlassen sofort?
Erlischt die Öldruckleuchte nicht sofort, Motor gleich wieder abstellen. Der Verdacht liegt nahe,
dass kein ausreichender Öldruck aufgebaut wird (u.U. Ölpumpendefekt).
Eine vorhandene Batterieladekontrollleuchte (nur bei alten BMW-Modellen) sollte im Standgas
vollständig verlöschen. Glimmt diese Leuchte weiter, ist u.U. die Batterie oder die Lichtma-
schine (Erregerwicklung) in einem schlechten Zustand bzw. defekt.
• Wie hoch liegt die Standgasdrehzahl des kalten und des warmen Motors?
Nur 1-Zylindermotoren haben im allgemeinen Standgasdrehzahlen über 1200 U/min. Warme
Motoren mit mehreren Zylindern laufen im Stand unter 1200 U/min, meist mit ca. 1000 U/min.
Ggf. Standgasdrehzahl absenken und auf harte mechanische Geräusche oder Rasselgeräu-
sche achten, die auf eine abgenutzte Steuerkette oder einen defekten Kettenspanner hindeu-
tet. Sprechen Sie den Verkäufer auf Ihre akustischen Beobachtungen an.
• Durch Ziehen des Kupplungshebels können Sie einen klappernden Kupplungskorb zum
Schweigen bringen. Leisere Geräusche werden dann deutlicher.
Die rein mechanischen Geräusche des laufenden Motors sind so vielfältig, dass hier keine de-
taillierten Hinweise auf bestimmte Mängel des Motors gegeben werden können. Es bedarf vie-
ler Erfahrung mit dem jeweiligen Motor, um Geräuschdiagnosen zu stellen.
Grundsätzlich gilt aber, dass harte metallische Geräusche Misstrauen verdienen. Wer Zweifel
an der einwandfreien Funktion des Triebwerkes bekommt, nimmt lieber Abstand vom Kauf.
Anfahren
• Geht beim Anfahren die ABS-Kontrollleuchte sofort aus?

8.3. Motor, Kupplung, Getriebe


• Lässt sich die Kupplung leicht betätigen und gut dosieren?
Ist das Kupplungsspiel korrekt? Der Kupplungshebel sollte rund fünf Millimeter Spiel haben.
Im Stand bei laufendem Motor lässt sich bei voll gezogenem Kupplungshebel prüfen, ob die
Kupplung sauber trennt. Das Motorrad darf dabei nicht „schieben“.
Rutscht die Kupplung durch? Dies lässt sich am besten durch Beschleunigen im hohen Gang
ermitteln. Die Drehzahl sollte immer proportional zu der Geschwindigkeit steigen.
• Lassen sich die Gänge leicht einlegen und wechseln?
Bei einigen v.a. älteren Motorradmodellen lässt sich der 1. Gang nur mit Nachdruck und ent-
sprechendem Geräusch einlegen. Dies ist konstruktiv so bedingt, meist nicht vermeidbar und

ADAC-Tipps: Motorrad-Gebrauchtkauf Seite 19


gelegentlich temperaturabhängig. Auch die Suche nach dem Leerlauf kann bei manchen Mo-
dellen mühsam sein. Erleichterung bringt meist ein geringfügiges Schließen der Kupplung.
Spielen Sie ggf. mit der Kupplung.
Bei moderneren und jüngeren Motorrädern sollten die Gänge ohne diese unangenehmen Er-
scheinungen einrasten. Anderenfalls besteht der Verdacht auf verschlissene oder verbogene
Schaltgabeln (Reparatur meist aufwendig!).
• Getriebegeräusche
Wie beim Motor lassen sich die Getriebegeräusche nicht immer eindeutig einem möglichen
Mangel zuordnen. Tritt hohes, deutliches Singen oder Surren nur in bestimmten Gangstufen –
meist im höchsten Gang – auf, sind die zugehörigen Zahnradpaare möglicherweise abgenutzt.
(Reparatur meist aufwendig).
• Dreht der Motor auch in hohen Gängen gleichmäßig ohne Ruckeln und ohne Vibratio-
nen aus niedrigen Drehzahlen hoch?
Ab welcher Drehzahl ist der Motor in welchem Gang satt belastbar? Ruckelt der Motor in Zu-
sammenarbeit mit der Kette (v.a. bei 1-Zylindern)?
Läuft der Motor in allen Drehzahlbereichen mit erträglichen Vibrationen?
Ist dies nicht der Fall, sind zum Beispiel die Ausgleichswelle, die Antriebskette, der Vergaser
und/oder die Zündung nicht korrekt eingestellt.
Die Ursachen für unzureichende Laufruhe und schlechte Leistungsentfaltung sind vielfältig
und meist schwer zu ergründen. Auch hat natürlich jede Maschine ihren eigenen Charakter.
Sollten Sie trotzdem ein ungutes Gefühl haben, sehen Sie von einem Kauf ab. (s.a. Punkt Ab-
schätzung der Motorleistung).
• Rauch- oder Dampfaustritt am Auspuff?
Kontrollieren Sie Rauchaustritt am Auspuff u. U. mit fremder Hilfe. Blauer Rauch unter Last,
wie etwa beim Beschleunigen, weist auf verschlissene Kolbenringe hin. Blauer Rauch im
Schiebebetrieb oder bei Standgasdrehzahlen weist auf undichte Ventilschaftdichtungen hin. In
beiden Fällen sollten sie entweder den Kaufpreis nach unten handeln oder ganz vom Kauf Ab-
stand nehmen. Die Reparaturkosten sind im Allgemeinen hoch.
Nach dem Start eines kalten Motors kann weißer Wasserdampf am Auspuff austreten. Dies
gilt besonders für lange Auspuffanlagen (Underseat-Auspuffanlagen). Dieser Dampf sollte
nach kurzer Fahrtstecke bei heißem Motor und Auspuff verschwinden.
• Auffällige Auspuffgeräusche?
Bei übermäßigen Auspuffgeräuschen, sollten Sie die Dichtheit des Auspuffs überprüfen oder
den Besitzer nach einer Veränderung oder Umrüstung des Auspuffs fragen. Siehe auch Punkt
Detailprüfungen im Stand, Auspuff, Zubehör und ABE. Bei sehr lauten Auspuffanlagen fehlen
möglicherweise Teile des Endschalldämpfers.
• Abschätzung der Motorleistung (nur mit warmen Motor).
Auf der Probefahrt sollte möglichst auch ein Straßenabschnitt ohne Tempolimit befahren wer-
den, um ein Gefühl für die Motorleistung im gehobenen Lastbereich zu bekommen. Dabei na-
türlich alle Sicherheitsvorkehrungen beachten. Sinnvoller als ein Versuch, die Höchstge-
schwindigkeit zu erreichen, ist es, den Durchzug in höheren Gängen z.B. bei der Beschleuni-
gung von 100 auf 140 km/h zu testen.
Sollten Sie Zweifel bezüglich der Performance der Maschine haben, können Sie die Leistung
in einem ADAC-Prüfzentrum messen lassen. Die Ursachen für Leistungsmängel sind sehr
vielfältig und auch von der Laufleistung des Motorrades abhängig.

8.4. Ketten-, Kardanantrieb


• Kettentrieb
Beachten Sie beim Fahren mit verschiedenen konstanten Geschwindigkeiten auf ebener
Straße die Kettenschwingungen und –geräusche. Sie sind Hinweise auf falsche Kettenspan-
nung und Kettenverschleiß. Quietsch- und Rasselgeräusche weisen auf fehlende oder falsche
Kettenpflege oder fortgeschrittenen Verschleiß hin. Lassen Sie die Maschine mit gezogener
Kupplung rollen. Auch dabei kann der Gleichlauf der Kette geprüft werden. Nehmen Sie bei
Zweifeln weitere Prüfungen im Stand vor.
• Lastwechselreaktionen bei Kardanantrieb
Beachten Sie die Antriebsgeräusche und die Fahrzeugbewegung beim Lastwechsel. Bei har-
ten mechanischen Geräuschen am Kardanantrieb (falls vorhanden) sollten Sie vom Kauf Ab-
stand nehmen. Beachten Sie zudem die Geräusche aus dem Kardanantrieb.

ADAC-Tipps: Motorrad-Gebrauchtkauf Seite 20


8.5. Fahrwerk, Bremsen
• Lenkkopflager in Ordnung?
Langsamfahrt: Fahren Sie bei korrektem Reifenluftdruck mit Schrittgeschwindigkeit – so lang-
sam wie möglich – geradeaus und in kleinen Bögen. Lenken Sie gegebenenfalls auch im
Stand. Hakt die Lenkung bei leichten Ausgleichslenkbewegungen oder ist sie schwergängig,
so ist das Lenkkopflager möglicherweise eingelaufen bzw. eingeschlagen oder zu fest angezo-
gen. Sprechen Sie den Verkäufer auf Ihre Beobachtungen an, und verhandeln Sie den Preis
neu, oder sehen Sie vom Kauf ab, da der Austausch von Lenkkopflagern aufwendig und teuer
sein kann (s.a. Prüfung im Stand/ Lenkkopflager).
• Geradeauslauf prüfen
Wenn die Verkehrssituation es zulässt, dann lassen Sie bei einer Geschwindigkeit zwischen
50 und 80 km/h die Lenkerenden locker (zugriffsbereit bleiben), und lassen Sie die Maschine
im Leerlauf oder hohen Gang rollen. Sitzen Sie dabei mittig und möglichst gerade auf dem
Motorrad. Zieht die Maschine bei mehreren Versuchen immer wieder in eine Richtung? Wenn
ja, auch Prüfpunkt „Langsamfahrt“ beachten. Bei starker Ausprägung dieser Erscheinung be-
steht der Verdacht, dass die Räder nicht fluchten, der Rahmen verbogen oder die Telegabel
verspannt bzw. verbogen ist. BEI UNKLARHEITEN: NICHT KAUFEN!
Bei dieser Geradeauslaufprüfung können Sie auch prüfen, ob Lenker im rechten Winkel zu
Fahrtrichtung steht.
• Lenkerflattern?
Bei dem Rollenlassen des Motorrades können Sie auch prüfen, ob Lenkerflattern zwischen 90
und 60 km/h auftritt. Dazu die Lenkerenden ganz locker lassen. Vorsicht! Halten Sie immer
beide Hände zugriffsbereit. Eine Hand reicht nicht, um einen stark flatternden Lenker zu be-
ruhigen.
Besprechen Sie mit dem Verkäufer Ihre Beobachtungen, verhandeln Sie den Preis neu, oder
sehen Sie vom Kauf ab. Als mögliche Ursachen kommen viele Mängel in Frage (nicht korrek-
ter Reifendruck, Reifen, Telegabel,…). Deswegen kann die Beseitigung dieses Übels sehr auf-
wendig und teuer werden.
• Hochgeschwindigkeitspendeln?
Fahren Sie wenn möglich und erlaubt mit Geschwindigkeiten um 130 km/h: Achten Sie auf
Hochgeschwindigkeitspendeln. Vorsicht! Sollte Hochgeschwindigkeitspendeln auftreten
(im Bereich zwischen ca. 110 und 140 km/h) nicht blitzartig Gas schließen, sondern bei
gleichbleibender Gasstellung Hinterradbremse betätigen.
MOTORRÄDER, DIE BEI HOHEN GESCHWINDIGKEITEN PENDELN, NICHT KAUFEN!
• Feder-Dämpfer-Verhalten
Beobachten Sie die Reaktionen des Fahrwerks auf unebener Straße. Prüfen Sie besonders
das Ansprechverhalten der Federelemente. Besonders die Telegabel muss auch bei geringen
Unebenheiten je nach Beladung (Tankbefüllung) sensibel reagieren.
Bremsen
• Wirksamkeit der Bremse.
Bremsen Sie zu Beginn der Probefahrt bei langsamer Fahrt mit beiden Bremsen vorerst vor-
sichtig, um ein Gefühl für ihren Charakter zu bekommen. Laufen die Bremsen frei, und quiet-
schen sie nicht? Verändert sich die Bremscharakteristik bei mehreren Bremsungen? Einen gu-
ten Reibwert der Bremsbeläge erkennen Sie an einem spontanen Ansprechen der Bremse mit
guter Verzögerung bei bereits relativ niedriger Handkraft.
Erst nach Gewöhnung an die „neue“ Bremse sollten Sie bei entsprechender Verkehrslage
(ggf. auf freien abgelegenen Platz) Bremsungen aus höheren Geschwindigkeiten (bis 80 km/h)
vornehmen und gleiche Prüfungen wie bei langsamer Fahrt durchführen.
• Vibriert die Gabel oder Lenker bei starker Bremsung
Ungleichmäßigkeiten an der Bremsscheibe (Verformungen, unterschiedliche Reibwerte) ma-
chen sich durch Vibrationen an Gabel und Lenker bemerkbar. Meistens müssen die Brems-
scheiben dann ersetzt werden.
• Ist ein deutlicher Druckpunkt zu spüren?
Einige ältere Bremssysteme fühlen sich konstruktionsbedingt relativ schwammig an. Beson-
ders für ältere Enduros trifft dies zu. Hier kann die Erneuerung der Bremsschläuche oder de-
ren Umrüstung auf Stahlflexleitungen Besserung bringen.
Moderne Anlagen hingegen haben meist einen präzisen Druckpunkt. Wenn bei diesen Syste-
men kein deutlicher Druckpunkt spürbar wird, ist das Bremssystem nicht optimal entlüftet, un-
dicht oder sehr frisch befüllt worden (innerhalb der letzten 100 km). Befragen Sie hierzu den
Besitzer.
ADAC-Tipps: Motorrad-Gebrauchtkauf Seite 21
• Funktioniert das ABS?
Nur wenn die Bremsen mit ABS ausgerüstet sind und die Verkehrslage es zulässt, übersteu-
ern Sie bei Geradeausfahrt die Hinterradbremse bei Geschwindigkeit um ca. 40 km/h bis das
ABS anspricht.

8.6. Motor nach der Fahrt


• Undichtigkeit nach der Probefahrt?
Untersuchen Sie nach der Probefahrt den Motor erneut auf Flüssigkeitsverluste an Zylinder-
fuß, -kopf, Ventil- und Seitendeckel, Ölablassschrauben und Ölfilterdeckel sowie Kühlsystem
und Kraftstoffanlage.

8.7. Sonstige Funktionen


• Funktionieren die Kupplungs- und Seitenständerzündschalter?
Die meisten Motorräder haben eine Zündunterbrechung an Seitenständer und/oder Kupp-
lungshebel. Wird der Seitenständer bei eingelegtem Gang ausgeklappt, wird die Zündung un-
terbrochen, der Motor stirbt ab. Der Motor lässt sich nicht starten, wenn der Seitenständer
ausgeklappt und ein Gang eingelegt ist.
Vielfach lässt sich bei eingeklappten Seitenständer und eingelegtem Gang der Motor nur mit
gezogener Kupplung starten.
Nehmen Sie die Prüfungen entsprechend vorsichtig vor, damit das Motorrad nicht abrupt an-
fährt und außer Kontrolle gerät.
• Funktionieren die Instrumente. Zeigen sie ruhig an?
Bei älteren Motorrädern mit klassischer Tachowelle: Wenn die Anzeigen vibrieren, sind häufig
die flexiblen Antriebswellen eingeklemmt, mit zu kleinen Radien verlegt oder schlecht ge-
schmiert. Gelegentlich ist auch die Dämpfung der Anzeigeinstrumente defekt.
• Kleiner Elektrik-Test.
Mängel am Ladesystem der Batterie lassen sich für gewisse Zeit vertuschen, indem die Bat-
terie optimal geladen wird. Lassen Sie deswegen die Zündung und alle Verbraucher (Fernlicht,
Bremslicht, Blinker,……) eine gewisse Zeit lang eingeschaltet. Starten Sie ggf. mehrmals den
Motor im möglichst kalten Zustand, um die Batterie zu belasten. Prüfen Sie nach der Probe-
fahrt nochmals die Helligkeit des Lichtes und der Kontrollleuchten während eines Startvorgan-
ges. Messen Sie die Batteriespannung wie bei der Standprüfung erläutert.

ADAC-Tipps: Motorrad-Gebrauchtkauf Seite 22


9. Kaufvertrag
Wenn Sie als Käufer nach der aussage-
kräftigen Probefahrt und vielleicht länge-
ren Preisverhandlungen eine Kaufent-
scheidung für das in Frage kommende
Motorrad getroffen haben, gilt es den
Kaufvertrag auszufüllen.

Unter adac.de können Sie einen


„ADAC Kaufvertrag für den privaten
Verkauf eines Gebrauchten Motorra-
des“
als ausfüllbares PDF-Dokument herun-
terladen.
(https://www.adac.de/_mmm/pdf/Kauf-
Nach der Kaufentscheidung sollte in Ruhe der „Papierkram“ erledigt wer-
vertrag_Motor- den.
rad_11.2016_V1_33249.pdf)

Dieses Formular enthält zusätzliche Hinweise für Käufer und Verkäufer, die Sie zur Vermeidung
von Missverständnissen und Ärger beachten sollten.

Für das Ausfüllen des Kaufvertrages gilt:


• Füllen Sie das Vertragsformular gemeinsam mit dem Verkäufer vollständig (insbesondere Ad-
ressen der Vertragsparteien und eventuell der Bevollmächtigten, Ausweis- o. Pass-Nr., Fahr-
zeug-Ident-Nr., Fahrzeugbrief-Nr., Kaufpreis) und in Ruhe aus. Achten Sie darauf, dass noch
keine Angaben vorab eingetragen wurden oder prüfen Sie diese Angaben genau.
• Überprüfen Sie die Eintragungen aus den Fahrzeugpapieren, insbesondere aus dem Fahrzeug-
brief.
• Lassen sie sich eine schriftliche Verkaufsvollmacht und die Ausweispapiere des Bevollmächtig-
ten zeigen, wenn nicht der Fahrzeugeigentümer selbst mit Ihnen verhandelt.
• Achten Sie darauf, dass die ebenfalls verkaufte Zusatzausstattung und das Zubehör im Vertrag
vollständig aufgeführt und genau beschrieben werden.
• Achten Sie auf die Eintragungen zu möglichen Unfallschäden: Entsprechen Sie den Notizen,
die Sie während der Motorradbesichtigung in der Checkliste eingetragen haben.
• Achten Sie auf die erklärte Gesamtfahrleistung und die Zahl der Vorbesitzer.
• Sind Ihre übrigen wichtigen Notizen aus der Checkliste im Kaufvertrag?
• Unterschreiben Sie erst, wenn vom Verkäufer alle Eintragungen vorgenommen wurden. Werden
Eintragungen auf einen späteren Zeitpunkt verschoben, weil die nötigen Informationen nicht zur
Verfügung stehen, sollten Sie auch erst später unterschreiben.
Zusammen mit dem Kaufvertrag erhalten Sie als Käufer vom Verkäufer:
• Das Motorrad
• 2 bzw. 3 Originalschlüssel (bei Schlüsselkopien nach dem Verbleib der Originale fragen).
• Zulassungsbescheinigung Teil II (Fahrzeugbrief) mit der Stilllegebescheinigung auf der entwer-
teten Zulassungsbescheinigung Teil I (Fahrzeugschein) bei abgemeldetem Motorrad.
• Zulassungsbescheinigungen Teil I und II (Fahrzeugbrief und Fahrzeugschein) bei einem ange-
meldetes Motorrad
• EU-Übereinstimmungsbescheinigung (EU-CoC)
• Bericht der letzten Hauptuntersuchung
• Mustergutachten, Unbedenklichkeitserklärung oder ABE von Zubehör- oder Anbauteilen
• Serviceheft und Fahrerhandbuch
• ggf. Werkstatthandbuch oder Reparaturanleitung
• ggf. Zubehör und/oder Bekleidung.
Als Käufer übergeben Sie den vereinbarten Geldbetrag! Melden Sie die Maschine umgehend auf
den neuen Halter an.
Gute Fahrt mit Ihrer neuen gebrauchten Maschine!

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