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Inhalt

I. Insulinresistenz in der Theorie ........................................................................................ 1


Was ist Insulinresistenz? ........................................................................................................ 1
Was ist der Unterschied zu Diabetes Mellitus? ...................................................................... 1
Welche Symptome sind typisch für Insulinresistenz? ............................................................ 2
Welche Ursachen hat Insulinresistenz? .................................................................................. 2
Ist Insulinresistenz heilbar? .................................................................................................... 2

II. Konforme Ernährung bei Insulinresistenz ..................................................................... 3


Warum sollten wir bei IR auf unsere Ernährung achten? ...................................................... 3
Was bedeuten Glykämischer Index und Glykämische Last ................................................... 3
10 Regeln, um den Blutzucker zu stabilisieren ...................................................................... 4
Wo finde ich Rezepte und Informationen zum Thema "IR-konforme Ernährung"? ............. 7
„Einkaufsguide“ für IR-konforme Lebensmittel .................................................................... 8
Was kann man bei IR trinken? ............................................................................................. 10
Darf man Süßungsmittel/-stoffe benutzen? .......................................................................... 10
Wie viele Mahlzeiten pro Tag sollten wir essen?................................................................. 11
Wann sollte man Kohlenhydrate essen und wie viele? ........................................................ 11
Wie viel Eiweiß und Fett sollten wir am Tag zu uns nehmen? ............................................ 12
Beispielbild zur Gewichtung der Portionen auf dem Teller ................................................. 12
Sollten wir Kalorien zählen? ................................................................................................ 12
Warum empfehlen wir Low-Carb, die Paleo-Diät, Keto-Diät und Ähnliches nicht? .......... 13
Warum sollten wir „Wunder Diäten“ meiden? .................................................................... 14

III. Sport und Insulinresistenz ............................................................................................. 14


Wie intensiv und wie oft sollten wir trainieren? .................................................................. 14
Welches Trainings ist am besten? ........................................................................................ 14
Ich habe keine Zeit fürs Training. Was mach ich nun? ........................................................ 15

IV. Medikamente bei Insulinresistenz ................................................................................. 15


Metformin, was ist das? ....................................................................................................... 16
Nebenwirkungen von Metformin- wie komme ich damit klar? ........................................... 17
Darf man Alkohol trinken, wenn man Metformin einnimmt? ............................................. 17
Darf man in der Schwangerschaft Metformin einnehmen? Wenn ja, wie lange? ................ 18
Nahrungsergänzungsmittel (NEM), medizinische Kräutertees – sind diese erlaubt? .......... 18

V. Untersuchungen und Diagnostik bei Insulinresistenz. ................................................... 19


Welcher Arzt behandelt Insulinresistenz? ............................................................................ 19
Wie wird IR diagnostiziert? ................................................................................................. 19
Wie sollten gute Glukose Werte ausfallen? ......................................................................... 20
Wann sind Kontrollen nötig und was sollte man noch kontrollieren? ................................. 20
Sollten wir ein Blutzuckermessgerät benutzen? ................................................................... 21
I. Insulinresistenz in der Theorie

Was ist Insulinresistenz?

Insulinresistenz (IR) bezeichnet die verringerte Empfindlichkeit der Körperzellen auf das
Hormon Insulin, welches für den Transport von Blutzucker in die Zellen zuständig ist. Eine
unbehandelte IR kann sich mit der Zeit verschlimmern. Die Bauchspeicheldrüse produziert
infolgedessen immer mehr Insulin (Hyperinsulinämie), um den Blutzucker zu regulieren. Dies
kann langfristig zu Diabetes Typ 2 führen.
Insulin ist das einzige Blutzucker-senkende Hormon. Erst dadurch wird die Glucose zur Ener-
giegewinnung zur Verfügung gestellt.

Was ist der Unterschied zu Diabetes Mellitus?

Bei Diabetes Mellitus ist Hyperglykämie charakteristisch (ein erhöhter Glukosewert im Blut)
auf Grund einer gestörten Produktion oder Funktion des in der Bauchspeicheldrüse ausge-
schütteten Insulins. Die dauerhafte Hyperglykämie kann Funktionsstörungen und oder eine
Insuffizienz verschiedener Organe und Systeme in unserem Körper verursachen. Oft betroffen
sind hiervon Augen, Nieren, Nerven- und das Herz- Kreislauf-System.

Bei der Insulinresistenz ist oft der Glukose-Wert (Blutzuckerwert) in der Norm, der Insulin-
wert aber hoch. Bei Diabetes ist es anders herum, der Glukose-Wert ist hoch und der Insulin-
Wert entweder zu klein, normal oder zu hoch. Mit Diabetes Typ 2 tritt i.d.R. auch eine Insu-
linresistenz auf.
Insulinresistenz, also ein Zustand vor Diabetes, der zu Diabetes führt bzw. führen kann. Dia-
betes an sich ist eine unabhängige Krankheit.

Nicht alle, die an Insulinresistenz leiden, bekommen auch zwingend Diabetes! Die richtige
Behandlung und Umstellung von Lebensgewohnheiten kann diese Gefahr eingrenzen oder
sogar beseitigen. Es gibt Menschen, die trotz Insulinresistenz nie Diabetes bekommen. Den-
noch birgt die Insulinresistenz das erhöhte Risiko, an Folgeerkrankungen wie Herz-Kreislauf-
Erkrankungen, neurologischen Störungen oder Alzheimer Demenz usw. zu erkranke.

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Welche Symptome sind typisch für Insulinresistenz?

● Schläfrigkeit nach einer Mahlzeit, allgemeine Müdigkeit oder Antriebslosigkeit


● Gewichtszunahme trotz normalen Portionsgrößen, Gewichtsprobleme trotz Diät
● schwerer Kopf, Probleme mit Konzentration und Gedächtnis, Kopfschmerzen
● Verfärbungen der Haut oder auch Hautjucken,
● Häufiges Hungergefühl auch nach einer Mahlzeit, sehr große Lust auf Süßes oder
"weiße Kohlehydrate" wie Nudeln, Mehlspeisen, „Fress-Attacken“
● Erhöhter Durst nach kohlehydratreichen Mahlzeiten
● Betrübte Stimmung, bei Neigung zu Depression: Verschlechterung des seelischen Zu-
stands

Welche Ursachen hat Insulinresistenz?

Es gibt genetische Faktoren (seltener) und Umweltfaktoren (öfter). Zu den Umweltfaktoren


gehören: schlechte Ernährung, Bewegungsmangel, Suchtmittel: Zigaretten, Alkohol, Drogen,
Zucker, Stress, Schlafmangel, manche Medikamente, Übergewicht und Fettleibigkeit (vor
allem im Taillen-Bauch-Bereich), sowie Alterungsprozesse.

Ist Insulinresistenz heilbar?

Jein. Sie ist nicht heilbar in dem Sinne, dass man sie einmalig mit Medikamenten behandelt
und sie dann für immer los ist. Sie ist jedoch so gut behandelbar, dass man sie bei Verände-
rung ungesunder Lebensgewohnheiten nicht mehr nachweisen kann und somit die Blutwerte
eine "Heilung" anzeigen. Die neuen, gesunden Lebensgewohnheiten müssen allerdings kon-
stant beibehalten werden, um wirklich "geheilt" zu sein. Eine Ernährungsumstellung bei Insu-
linresistenz ist keine "Turbo-Diät", nach der man wieder wie vorher essen kann. Ein Rückfall
in die Gewohnheiten, die zur Insulinresistenz geführt haben, verursachen sie leider auch wie-
der und verschlechtern auch wieder die Blutwerte.

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II. Konforme Ernährung bei Insulinresistenz

[Die hier beschriebene konforme Ernährung bezieht sich lediglich auf die Ernährung bei Insu-
linresistenz. Weitere Gegebenheiten werden nicht berücksichtigt und müssen eigenständig mit
den behandelnden Ärzten abgesprochen werden. Da bei jedem Patienten IR anders verläuft,
sollte jeder Patient seine konforme Ernährung seinen persönlichen Umständen eigenverant-
wortlich anpassen. Wir können hier nur Ratschläge geben, die für die Mehrheit der Erkrank-
ten funktionieren, nicht aber für die gesundheitliche Entwicklung jedes einzelnen Verantwor-
tung übernehmen.]

Warum sollten wir bei IR auf unsere Ernährung achten?

Bei Frauen und Männern, die an Insulinresistenz leiden, ist die Gewichtsreduktion bei Über-
gewicht und vor allem die richtige Ernährung der wichtigste Teil der Behandlung!
Unser größter Feind bei IR sind Einfache Kohlenhydrate /Zucker, da diese die Glucose im
Blut sehr schnell steigen lassen - was auch die Produktion von Insulin in der Bauchspeichel-
drüse aktiviert. Danach fällt die Glucose wieder sehr schnell ab. Die Folge ist dann, dass wir
wieder schnell Hunger und Lust auf KH/Zucker haben, was wir dann wiederholt zu uns neh-
men. Um diesen Teufelskreis durchzubrechen, gibt es nur eine Möglichkeit; vollständiger
Verzicht auf einfache KH und einfachen Zucker. Nicht zu verwechseln mit komplexen KH,
da diese zur empfehlen sind! Am besten ist eine Ernährung, die auf einem niedrigen Glykämi-
schen Index (GI) basiert.

Was bedeuten Glykämischer Index und Glykämische Last

Der Glykämische Index ist ein Wert, der aufzeigt, wie schnell die Glucose im Blut nach dem
Verzehr ansteigt. Der GI bezieht sich nur auf die im Lebensmittel enthaltenen Kohlenhydrate,
da Eiweiße und Fette an sich einen sehr niedrigen GI haben. Je kleiner der Glykämischer In-
dex, desto besser für uns.
Die Glykämische Last basiert auf dem GI und dem Kohlenhydrat-Anteil eines Lebensmit-
tels, da auch die Menge der verzehrten KH einen Einfluss auf die Steigerung der Glucose im
Blut bzw. Glykämische Reaktion hat. Der GI hingegen berücksichtigt nicht, wie viel KH ein
Lebensmittel enthält.

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Beispiel: Karotten gekocht - GI 40 (es ist an sich hoch, sodass wir es eher meiden sollten) der
GL in 100g beträgt aber nur 3! Das heißt, wir können es in kleinen Mengen ruhig essen ohne
Sorge, dass der Blutzucker sehr schnell nach oben steigt. Deswegen ist es ratsam, nicht nur
auf den GI, sondern auch auf die GL zu achten.

10 Regeln, um den Blutzucker zu stabilisieren

1. Zucker, weg!

Damit unser Gehirn und Körper richtig funktionieren, brauchen wir Zucker – aber nicht den
einfachen Zucker, den wir in Schokolade, Gummibärchen und süßem Gebäck finden können,
sondern den aus Lebensmitteln wie Vollkornprodukten, Hülsenfrüchten, Obst und manchen
Gemüsesorten – die lange satt halten und einen niedrigen oder mittleren GI haben.
Wenn wir Zucker essen, steigt unser Blutzucker sehr schnell, die Bauchspeicheldrüse produ-
ziert Insulin. Genauso schnell fällt der Blutzucker anschließend wieder nach unten und wir
verspüren wieder Lust auf Süßes/ bekommen Hunger. Also essen wir wieder – und es passiert
das gleiche. Da jetzt aber im Körper Insulin schon im Überfluss vorhanden ist, wird der Zu-
cker als Fett gespeichert. Bei einer IR ist die Sensitivität der Zellen gegenüber Insulin sowieso
schon gestört, Zucker begünstigt daher die Gewichtszunahme und Verschlechterung der IR-
Symptomatik und die Entwicklung von Diabetes Typ II.

Leider ist es nicht so einfach, wie man denkt, weißem Zucker zu entgehen. In vielen Produk-
ten wird er als Geschmacksträger/-verstärker zugesetzt. Daher ist es wichtig, „Zucker-
Namen“ zu kennen und immer die Zutatenliste von Produkten zu lesen!
Wenn du nicht anders kannst, ersetze Zucker mit natürlichem Zucker aus Früchten oder als
Ausnahme mit Zuckeralkoholen (Xylitol aus Birke und Erythritol).

2. Reduziere industriell stark verarbeitete Lebensmittel!

Industriell hergestellte Lebensmittel werden sehr oft starken Verarbeitungsprozessen unterzo-


gen, um die Haltbarkeit so lange wie möglich gewährleisten zu können. Dabei werden auch
viele Zusatzstoffe hinzugefügt: Salz, Zucker, Fett, Konservierungsstoffe, etc.

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Viele dieser Produkte werden auch thermisch behandelt, dadurch gehen nicht nur viele wich-
tige Nährstoffe und Vitamine verloren, sondern durch diese Prozesse erhöht sich auch der
glykämische Index. Dies ist besonders bei Kohlenhydratreichen Lebensmitteln der Fall.
Wir sollten beim Kauf verarbeiteter Produkte vor allem auf folgende Verarbeitungsmethoden
achten: Trocknungsprozesse (vor allem bei Obst/ Knäckebrot/ Kräcker etc.), Kochprozesse,
Bratprozesse, Behandlung mit starker Hitze und Druck (gepuffte Lebensmittel).

3. Verliebe dich in Vollkornprodukte und komplexe Kohlenhydrate!

Zu einer ausgewogenen IR-Ernährung gehören auch Kohlenhydrate, da wir diese als wichtige
Energiequelle benötigen. Wichtig ist nur, dass wir die richtigen auswählen – dafür können wir
uns am GI orientieren. Einfache und verarbeitete kohlenhydratreiche Produkte haben oft einen
höheren Index als die Variante, die weniger behandelt ist und mehr komplexe KH enthält.

Einfache/Verarbeitete Produkte Komplexe/weniger verarbeitete Produkte


Reis, weiß, Standard GI 70 Vollkornreis (Basmati) GI 45
Nudeln aus Hartweizen GI.70 Vollkornnudeln (al dente) GI 40

Bei Getreidemehl gilt: Je kleiner der „Mehltyp“ (Standard ist Typ 405), desto weniger Scha-
lenbestandteile - und damit auch Mineralien und Ballaststoffe – enthält es. Je höher der Typ,
desto besser für uns. Wir sollten ausschließlich Vollkornmehle nutzen (mind. 1850). Voll-
kornprodukte sind auch Lieferanten von Vitaminen und Ballaststoffen.

4. Verbinde Produkte mit einem hohen GI mit Produkten, die einen niedrigen GI haben!

Wir müssen uns nicht unser ganzes Leben lang nur von Produkten mit sehr niedrigem GI
ernähren – viele Produkte, die wir essen dürfen, haben einen mittleren GI. Es gibt dafür einen
Trick, den wir jeden Tag nutzen sollten:
Wenn wir Produkte mit mittlerem GI zu uns nehmen, sollten wir es immer mit Begleitung von
Produkten mit niedrigem GI tun. Bsp.: Wenn wir Vollkornnudeln essen, sollten wir dazu Fett
essen (z.B. selbstgemachtes Pesto, dieses beinhaltet Olivenöl), da Fette und Eiweiße nicht den
Blutzucker ansteigen lassen, so wie Kohlenhydrate es tun. Dazu wäre am besten eine große
Portion Salat oder Gemüse mit geringem GI/GL. Studien zeigen, dass der Blutzucker noch
langsamer ansteigt, wenn man die Produkte mit niedrigem GI zuerst isst.

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5. Koche „al dente“!

Die Stärke ändert ihre Beschaffenheit und Form, wenn sie einer thermischen Verarbeitung
unterzogen wird. Produkte, die Stärke enthalten, absorbieren Wasser und werden dadurch
leichter verdaut. Je länger diese Lebensmittel einer thermischen Verarbeitung ausgesetzt (also
z.B. gekocht) sind, desto höher ist danach der GI – und der Blutzucker steigt stärker an.
Es empfiehlt sich, die letzten Minuten der Garzeit nicht mehr auf hoher Hitze zu kochen,
sondern nur noch „ziehen zu lassen” und immer ausreichend Flüssigkeit zu verwenden.

6. Nutze Eiweiß und Fett!

Proteine sind für bestimmte Vorgänge im Organismus sehr wichtig. Wir sollten deswegen
lernen, Eiweiß für uns zu nutzen. Durch Hinzufügen von Eiweißreichen Produkten zu einer
Mahlzeit verlangsamen wir die Absorption und die Verdauung von Kohlenhydraten, was sich
wiederum positiv auf den Blutzuckeranstieg auswirkt, dieser wird verlangsamt.
Die Auswirkung von Fett funktioniert nach einem ähnlichen Prinzip. Der GI von Fett ist nied-
rig, somit erhöhen die Fette auch nicht den Blutzuckerspiegel.

Ein Joghurt zu Haferflocken oder ein Löffel Olivenöl zum Salat helfen dir schon, den
Blutzuckerspiegel niedrig zu halten.

7. Sag „Ja“ zu Ballaststoffen!

Ballaststoffe kommen fast nur in pflanzlichen Lebensmitteln vor, wir unterscheiden zwischen
wasserlöslichen und wasserunlöslichen:

Wasserlösliche (Quellstoffe) Wasserunlösliche (Füllstoffe)


Früchte (Birne, Apfel, Orange...), Gemüse, Getreideschalen, Vollkornprodukte, Kleie,
Nüsse, Hafer sowie Hülsenfrüchte in manchen Obst- und Gemüsesorten

Vor allem den wasserlöslichen Ballaststoffen wird eine Blutzucker-senkende Wirkung und
somit auch mindere Insulin-Ausschüttung zugeschrieben, da sie die Aufnahme von Kohlen-
hydraten verlangsamen können. Deswegen ist es wichtig, sich bei IR jeden Tag ballaststoff-

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reich zu ernähren. Laut DGE (Deutsche Gesellschaft für Ernährung e.V.) sollte man jeden
Tag Minimum 30 g pro Tag zu sich nehmen.

8. Sauer macht nicht nur lustig

Menschen mit Diabetes Typ 2 oder Prädiabetes weisen laut einer amerikanischen Studie nach
regelmäßigem Genuss von Essig bessere Glukosewerte auf (vor allem, wenn dieser kurz vor
dem Schlafengehen gegessen wurde), als solche, die es nicht zu sich genommen haben. Schon
kleine Mengen (1 Esslöffel Essig pro Tag) genügen.
Gib jeden Tag ein bisschen Säure in deine Mahlzeiten! Ein wenig Essig oder Zitrone ins
Salatdressing, eine Scheibe Sauerteig-Brot etc.

9. Esse nicht zu viel auf einmal!

Zu viel Nahrung in unserem Magen aktiviert zusätzlich die Bauchspeicheldrüse und kurbelt
die Insulinproduktion an, vor allem, wenn sie kohlenhydratreich ist.

10. Entdecke die Kraft der Gewürze!

Es gibt einige Gewürze, die eine positive Wirkung auf die glykämische Reaktion haben. Das
bekannteste Gewürz ist Zimt (Ceylon-Zimt), ihm wird eine blutzuckersenkende Wirkung zu-
geschrieben. Es gibt mittlerweile auch Studien mit Diabetes Typ-2 Patienten dazu, die dies
bestätigt haben. Eine ähnliche Wirkung wird auch folgenden Gewürzen zugeschrieben:
Kurkuma, Ingwer, Knoblauch, Cayennepfeffer, Bockshornklee, Echter Kümmel

Wo finde ich Rezepte und Informationen zum Thema "IR-konforme Ernährung"?

In unserer Selbsthilfegruppe: https://www.facebook.com/groups/insulinresistenz/


Auf unserer Website: www.insulinresistenz.club

Es gibt aber mittlerweile noch viel mehr Seiten und Blogs, die sehr viele konforme Rezepte
beinhalten. Wenn man z.B. das Stichwort "Slow Carb" oder „Glyx“ in Suchmaschinen ein-
gibt, finden sich viele gute Ideen. Das wichtigste ist, zu wissen, was wir grundsätzlich essen
dürfen und was nicht. So können wir oft auch leicht die Zutaten in Rezepten austauschen.

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„Einkaufsguide“ für IR-konforme Lebensmittel

Bitte beachten: Immer die Zutatenliste genau lesen: Zucker-/Stärkezusatz oder andere
nicht konforme Lebensmittel dürfen nicht enthalten sein, das gilt für jedes Produkt!

Komplexe Kohlenhydrate:
Komplexe Kohlenhydrate sollten zu jeder Mahlzeit gehören, aber in kleinen Mengen und sie müssen
immer gut mit viel Gemüse/Salat und etwas Fett und Eiweiß kombiniert werden!

Vollkornmehl (Weizen-, Roggen-, Dinkel-,


Nudeln aus Hülsenfrüchten (rote Linsen, Kichererb-
Vollkornmehl) bzw.
sen, Erbsen, Bohnen)
Vollkornbrot aus 100% VK-Mehl
Vollkornreis (auch genannt Natur-Reis) Quinoa (ungepufft!)
Grobe Haferflocken (oder auch andere grobe Getreide-
Dinkelkörner (unbehandelt); Grünkern
flocken)
Kichererbsen, Erbsen, Linsen, Bohnen
Vollkornnudeln (Dinkel- oder Weizen-VK)
(weiß/schwarz)

Mehl aus Hülsenfrüchten (Rote Linsen,


Glasnudeln aus 100% Mungbohnen (z. B. Rewe)
Kichererbsen…)
Süßkartoffeln, Kürbis (unpüriert, da GI
Buchweizen (ganz oder Mehl)
erhöht!)
Graupen Topinambur
Amaranth (als Ausnahme nur in sehr
Bulgur (aber kein Couscous!)
kleinen Mengen, wegen hohem GI!)

Gemüse:
Hier gilt das Motto: So viel wie möglich! ☺

Salat (Kopfsalat, Feldsalat, Rucola, Krautsalat, Karotten roh (gekocht  gut kombinieren, da GI
Endiviensalat, Chicorée, Kräuter) erhöht)
Tomate Rote Beete roh
Paprika Gurke
Zucchini Pilze
Aubergine Blumenkohl, Broccoli, Romanesco
Zwiebeln, Knoblauch, Lauch Spinat, Mangold
Wirsing, Grünkohl Radieschen
Sellerie (Knollensellerie gut kombinieren we- Kohlrabi roh (gekocht  gut kombinieren, da GI
gen hohem GI) erhöht)
Pak-Choi, Fenchel Grüne Bohnen
Spargel, Schwarzwurzel Avocado

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Nüsse/Saaten:

Mandeln Walnüsse, Pekannüsse


Paranüsse Macadamia
Erdnüsse Cashewkerne
Kokos Haselnüsse
Sonnenblumenkerne Kürbiskerne, Pinienkerne, Sesam
Chiasamen, Leinsamen, Hanfsamen Pistazien

Nuss-Mus aller Art (ohne Zuckerzusatz) Nuss-Mehl aller Art (z. B. Mandel-/Kokos)

Obst:
Obst enthält immer Fruchtzucker und sollte daher immer nur in kleinen Mengen gegessen und gut
mit Fett Eiweiß etc. kombiniert werden!

Beeren (Erdbeeren, Blaubeeren, Himbeeren, Brom- Zitrusfrüchte (Orange, Mandarine, Pomelo,


beeren, Johannisbeeren, Physalis, n. B. tiefgekühlt) Pampelmuse, Grapefruit...)
Apfel, Birne, Pflaume, Granatapfel, Ananas, Wassermelone (hoher GI, aber kleine GL, daher
grüne Banane (als Ausnahme) kleine Menge)

Konforme Fertigprodukte/ Sonstige konforme Lebensmittel:


Aufpassen: Oft sind Fertigprodukte nicht konform! Zutatenliste beachten!

Bohnen, Kichererbsen, Erbsen im Glas (oh- Tiefkühl-Gemüse (teilweise gute Mischungen, z.


ne Zuckerzusatz) B. Kaisergemüse, Asia-Gemüse...)
Falafel-Fertigmischungen (z. B. Alnatura) Kokosmilch
Passierte/ gehackte Tomaten, -Mark Pesto und Tomatensoße (z. B. dmBio)
Senf (z. B. der scharfe Lidl Senf oder oft Dijon
Sauerkraut im Glas (z. B. Tegut, Edeka)
Senf)
konforme Gemüsebrühe (z. B. Seitenbacher
Gurken im Glas, milchsauer vergoren
klare Brühe oder Rewe: biozentrale „hefefrei“)
Oliven, getrocknete Tomaten, Artischocken Essig (hier darauf achten, dass kein Zucker
im Glas, eingelegt oder Saft/Traubenmost bei den Zutaten steht)
Öl jeglicher Art, Butter, Margarine Hefe
Tierprodukte Pflanzliche Produkte
Naturjoghurt (z. B. griechischen); Quark, Käse
Sojajoghurt ungesüßt, Hafer- /Mandel-/
(Vorsicht bei Streukäse, da oft Zusatz von Stärke!),
Cashew-/ Kokos-/ Sojadrink ungesüßt
Sahne, Schmand, Creme fraiche, Eier
Fleisch, Fisch (Vorsicht bei der Marinade) Tofu, Tempeh, Seitan (ohne Zucker-/ Stär-
Wurst etc.  konforme Produkte in den Alben kezusatz) siehe Dateien für vegane/ vegetari-
(Vorsicht, meist mit Zuckerzusatz!) sche Alternativen

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Was kann man bei IR trinken?

Am besten ist es, ca. 2 Liter Wasser pro Tag zu sich zu nehmen, zum Beispiel mit Zitrone,
Minze oder mit Ingwer als Wasserzusatz. Auch Tees oder Kaffee sind möglich, solange diese
keinen zusätzlichen Zucker enthalten, z.B. durch Süßungsmittel, Milch oder durch Zugabe
von Zucker. Zwischen den Mahlzeiten empfehlen wir aber am besten nur Wasser zu trinken.

Ein vorsichtiger Umgang mit Alkohol ist generell zu empfehlen. Besonders bunte alkoholi-
sche Getränke enthalten fast immer sehr viel Zucker/Kohlehydrate, der unseren Körper
schnell und stark belastet/belasten. Ebenso Bier ist sehr kohlenhydrathaltig. Diese alkoholi-
schen Getränke lassen den Blutzuckerspiegel schnell ansteigen und lösen somit eine starke
Insulinproduktion aus. Sie sind damit für uns nicht geeignet. Zudem entzieht der Alkohol dem
Körper wichtige Mineralstoffe und Spurenelemente wie z.B. Magnesium oder Kalzium, die
wir dringend im Kampf gegen die Insulinresistenz brauchen.

Es gibt zwar Studien, dass sich ein Glas trockenen Weins ab und zu positiv auf unsere Ge-
sundheit auswirken kann. Wer sich hierzu entschließt, sollte allerdings dringend eines beach-
ten: die Einnahme von Metformin. Wenn man Metformin einnimmt, sollte Alkohol tabu
sein! Im Zusammenhang mit Alkohol kann bei der Einnahme von Metformin eine le-
bensbedrohliche Laktatazidose entstehen.

Zu Thema Koffein/Teein, also Kaffee und schwarzem/grünen Tee, gibt es unterschiedliche


Studien. In keinen Mengen scheint es unseren Körper nichts auszumachen, größere hingegen
können sich negativ auswirken, z.B. Blutdruckprobleme. Da wir mit unserer Insulinresistenz
bereits ein erhöhtes Risiko haben, an Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu erkranken, ist jeder
weitere Reizstoff bzw. jedes weitere Suchtmittel ein erhöhender Risikofaktor.

Darf man Süßungsmittel/-stoffe benutzen?

Süßstoffe sind nicht empfehlenswert. Immer mehr Studien und Veröffentlichungen zeigen,
dass diese die gleiche oder eine ähnliche Auswirkung wie Zucker auf den Insulinspiegel ha-
ben, auf Grund von Zusammensetzung und Geschmack.
Inzwischen werden oft Zuckerersatzstoffe wie Xylitol, Erythritol oder Maltitol empfohlen,
aber auch zu ihnen liest man immer mehr Negatives oder Kritisches. Daher wäre es am bes-

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ten, (nahezu) ganz auf diese Produkte zu verzichten. [Sollte man etwas Positives lesen, sollte
man immer erst die Quelle der Information und der Studie prüfen, wie übrigens immer.
Manchmal stecken dahinter Werbekampagnen.]

Wie viele Mahlzeiten pro Tag sollten wir essen?

Allgemein werden 3-5 Mahlzeiten pro Tag empfohlen: z. B. 3 etwas verkleinerte Hauptmahl-
zeiten und 2 gut balancierte kleinere Mahlzeiten, oder 3 größere Hauptmahlzeiten. Im Ideal-
fall sollten mindestens 4 Stunden Abstand zwischen den Mahlzeiten liegen (öfter bei Unter-
zuckerproblemen!). Nicht zu große Mahlzeiten mit den ca. 4 h Abstand helfen, den Glukose-
und Insulinspiegel im Blut im Rahmen zu halten. Zu große Abstände können aber auch Heiß-
hungerattacken auslösen. Welche Methode zu einem passt, ist individuell.

Am besten beobachten wir uns selber und passen unsere Ernährung immer an unsere Bedürf-
nisse und unseren Tagesablauf an. Ob 3 oder 5 Mahlzeiten am Tag ist nicht so wichtig, es ist
wichtiger, dass wir uns gut fühlen, nicht hungrig/unterzuckert sind und unserem Körper genug
Vitamine und Energie liefern. So verbessern sich nachhaltig unsere Werte und wir nehmen,
sofern erforderlich, ab. Wenn das alles der Fall ist, machen wir es richtig.

Wann sollte man Kohlenhydrate essen und wie viele?

Jede Mahlzeit sollte Kohlenhydrate, Eiweiß, Fett und Ballaststoffe beinhalten. Eine gut balan-
cierte Mahlzeit besteht aus all diesen Komponenten (und viel Gemüse/Salat).
Aufnahme von nur Fett und Eiweiß früh am Morgen kann zu Unterzucker führen, wenn wir
am Abend aber nur Kohlenhydrate essen, riskieren wir einen sehr hohen Insulin-Ausstoß
nachts. Wenn jede Mahlzeit komplexe Kohlenhydrate beinhaltet, werden Eiweiß, Fett sowie
Ballaststoffe deren Aufnahme verlangsamen, also wird der Insulin-Ausstoß viel kleiner.

Natürlich ist jeder anders, da machen auch die Ausnahmen die Regel. Die Methode, die oben
genannt ist, wird aber sehr oft empfohlen und auch durch die Betroffenen als richtig bestätigt.

Die benötigte tägliche Menge an Kohlenhydraten ist sehr individuell, je nach Gewicht, Alter,
und Lebensstil. Menschen, die sich mehr bewegen, können z.B. etwas mehr Kohlehydrate
essen als Menschen, die viel sitzen. Ein guter Richtwert ist aber, dass unser Gehirn und die

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Schilddrüse ca. 130 g pro Tag brauchen, um richtig funktionieren zu können. Deswegen soll-
ten wir nicht zu wenig Kohlehydrate essen. Die Kohlenhydratmenge sollte nicht kleiner sein
als 45-50 % des täglichen Kalorienbedarfs. Ein Richtwert ist ca. 2-4 g pro kg Körpergewicht.

Wie viel Eiweiß und Fett sollten wir am Tag zu uns nehmen?

Empfehlenswert sind ca. 30 % Eiweiß und 25 % Fett (vor allem ungesättigte Fette) des Kalo-
rienbedarfs. Dies kann je nach Person noch einmal ein wenig variieren. Wer anderweitige
Fettverdauungsstörungen hat, sollte diese natürlich berücksichtigen.

Beispielbild zur Gewichtung der Portionen auf dem Teller

Wichtig: Gemüse/ Salat mit geringem GI und GL als Hauptkomponente!

Sollten wir Kalorien zählen?

Allgemein ist das nicht nötig, wenn man sich konform ernährt und Portionsgrößen wie z.B.
einen normalen Teller beim Mittagessen einhält. Am Anfang kann es jedoch hilfreich sein, da

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wir aus alten Essmustern oft zu viel, zu unregelmäßig oder auch zu wenig (!) Kalorien am Tag
zu uns nehmen. Das beobachten wir oft in unseren Gruppen.

Für Patienten, die Metformin einnehmen, ist es am Anfang ratsam, da sie mindestens
1.200 kcal pro Tag einnehmen müssen und dies bei zu Beginn schwer abschätzbar ist.
Sobald die Umstellung erfolgt ist, sollte es aber bald nicht mehr nötig sein, sofern keine
Sucht nach stark kalorienhaltigen Lebensmitteln besteht. Kalorienzählen kann nämlich
auch zu Kontrollzwang führen, der vor allem bei typischen Diäten oft auftritt. Dieser
führt zu Stress und verschlechtert die Insulinresistenz. Wichtig: Es geht nur nebenbei
um das Abnehmen, unser Hauptziel ist Gesundheit für den Körper. Schlanksein ist nicht
100 % gleichzusetzen mit Gesundsein, das ist ein alter Irrglaube.

Warum empfehlen wir Low-Carb, die Paleo-Diät, Keto-Diät und Ähnliches nicht?

Viele dieser Ernährungsweisen sind Trends und werden erst einmal Menschen mit einem
mehr oder weniger gesunden Stoffwechsel empfohlen. Sie eliminieren oft auch große Mengen
von Lebensmitteln, die für uns IR-Patienten allgemein erst einmal geeignet sind, z.B. Voll-
korngetreide/komplexe Kohlehydrate, Milchprodukte, Obst usw. Was wegfällt, wird durch
eine starke Steigerung von Eiweißmengen und tierischen=gesättigten Fetten in der Ernährung
ersetzt. Bei beiden Lebensmittelgruppen ist bereits erwiesen, dass eine Aufnahme in dauerhaft
großen Mengen zu Lebererkrankungen und anderen Folgeerkrankungen führen kann. Zudem
wird z.B. in der Paleo-Diät Ahornsirup als Süßungsmittel verwendet, der einen hohen GI hat.

Patienten, die solche Diäten nutzen, um schnell abzunehmen, werden erstmal mit schnellen
ersten Erfolgen belohnt. Aber nach ein paar Monaten steigt das Gewicht oft wieder, die Werte
werden schlechter und es kommt oft zu Kohlehydrat-unverträglichkeiten und zu unkontrol-
lierten „Fressattacken“ und Lust auf Süßes. Eliminierung einer großen Lebensmittelgruppe,
egal, ob Kohlehydrate, Fette oder Eiweiß, führt auch oft zu Nährstoffmängeln. Zu hoher Ei-
weiß- und Fettkonsum kann z.B. die Leber- und Nierenfunktion verschlechtern und zu weite-
ren Störungen im Hormonhaushalt führen.

Bei der Mehrheit der Patienten bringen diese Diäten aber oft das Gegenteil. Wenn wir also
keine medizinischen Indikationen zu Low-Carb-Ernährung haben, sollten wir eine ausbalan-
cierte Diät bevorzugen, die eine für uns gesunde Menge an Kohlenhydraten beinhaltet.

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Warum sollten wir „Wunder Diäten“ meiden?

All diese Diäten, die schnelle Abnahme versprechen, bringen allenfalls kurzfristige Erfolge,
wenn überhaupt. Langfristig verschlimmern sie die Lage immer mehr, z.B. durch Jo-Jo-
Effekt, Scham, weil man sich für undiszipliniert hält, darauffolgendes Hungern bis zur nächs-
ten Heißhungerattacke usw. Besonders solche Wunderdiäten verschlimmern die Lage bei In-
sulinresistenz oft noch und bringen den Stoffwechsel nur noch mehr durcheinander.

Bei der Ernährungsumstellung für insulinresistente Patienten geht es nicht primär darum,
schnell schlank zu werden, sondern darum, die Ernährung dauerhaft gesund umzustellen und
Diabetes und ihre Folgeerkrankungen zu verhindern. Die Abnahme ist oft ein Nebeneffekt,
der eher eintritt, wenn man sich auf die langfristige Umstellung konzentriert.

III. Sport und Insulinresistenz

Wie intensiv und wie oft sollten wir trainieren?

Ein optimales Training sollte min. 30. pro Tag dauern bei maximal zwischen 50-80 % der
individuellen maximalen Pulsfrequenz. Wir sollten diese Intensität nicht überschreiten, weil
dann der Körper unter Stress gerät und beginnt, Kohlehydrate zu speichern. Der Stress für den
Körper kann auch hormonelle Probleme, Hypoglykämie und Schwierigkeiten bei der Gewich-
tabnahme verursachen und somit eine Verschlechterung der Werten.

Welches Trainings ist am besten?

DAS perfekte Training gibt es nicht. Alles ist von unseren jeweiligen Bedürfnissen und Inte-
ressen abhängig, Training sollte immer individuell angepasst werden, damit es durchgehalten
werden kann und auch Spaß macht.

Wichtig ist, dass wir es an unsere persönlichen Kriterien anpassen. Alter, Gewicht, Möglich-
keiten sowie unsere körperliche Verfassung und auch unsere persönlichen Interessen sind da
nicht zu unterschätzen. Die Motivation schwindet schnell, wenn Bewegung als reines MUSS

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angesehen wird und fällt umso leichter, wenn sie Spaß macht, leicht in den Lebensalltag ein-
gebaut werden kann und schnell Erfolge sichtbar sind.
Personen mit starkem Übergewicht oder ältere Personen sollten Aktivitäten auswählen, die
die Gelenke nicht zu stark belasten und das Verletzungsrisiko nicht steigern. Statt Joggen sind
als Ausdauersport z.B. Schwimmen oder Nordic Walking empfehlenswerter.

Allgemein haben sich folgende Sportarten als empfehlenswert erwiesen: Spazieren, Nordic
Walking, Joggen, Slow-Joggen, Schwimmen, Fahrradfahren, Crosstrainer, Fitness, Tanz, Yo-
ga, Pilates, Rollschuhfahren, Schlittschuhfahren, Krafttraining. Aber auch viele andere Sport-
arten sind gut, der Spaß und die Motivation sind hierbei sehr wichtig.
Extremsportarten, da diese zu sehr den Cortisolspiegel und den Adrenalinspiegel erhöhen, wie
Marathons, Ultramarathons, schweres Bergsteigen und andere schwer belastende Sportarten,
sowie alle Sportarten mit hohem Verletzungsrisiko sind nicht zu empfehlen.

Ich habe keine Zeit fürs Training. Was mach ich nun?

Wenn wir wirklich mal keine Zeit für Sport haben, können wir mehr Bewegung in den Alltag
einbauen. Zum Beispiel: Statt mit dem Auto Einkaufen zu fahren, gehen wir oder fahren mit
dem Fahrrad, steigen wir 2 Stationen eher aus dem Bus und gehen den restlichen Weg zu Fuß.
Wenn wir öffentliche Verkehrsmittel benutzen, bleiben wir stehen und setzen und nicht
gleich. Beim Warten auf den Bus können wir an der Haltestelle hin- und herlaufen. In der
Mittagspause können wir einen Spaziergang einbauen. Eltern können z.B. mit ihren Kindern
tanzen, kleinere Kinder sind sogar super Gewichte. Zudem machen Kinder auch oft gerne
Bewegungsspiele mit und selbst Spielekonsolen bieten Tanzspiele an. Zudem gibt es im In-
ternet jede Menge Ideen und Anleitungen für Bewegungsspiele. Selbst im Liegen kann man
noch mit den Beinen radeln.

IV. Medikamente bei Insulinresistenz

Wichtig: Die Dosis von Medikamenten wird immer durch Arzt verschrieben und, wenn nötig,
geändert. Wieviel andere Patienten verschrieben bekommen haben, ist irrelevant. Medika-
mente und deren Dosen sind individuell angepasst. Wenn wir uns unsicher sind oder die Dosis
ändern wollen (zum Beispiel wegen starker Nebenwirkungen), sollten wir das immer mit dem

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Arzt absprechen. Sich mal auszutauschen ist nicht schlecht, aber das letzte Wort hat der be-
handelnde Arzt, wir geben KEINE verbindlichen medizinischen Anweisungen!

Metformin, was ist das?

„Metformin hat mehrere Angriffspunkte, die für eine effektive Blutzuckersenkung bedeutsam
sind. Metformin verzögert die Glukoseaufnahme in der Darmzelle und vermindert die Freiset-
zung von Glukose aus der Leber. Letzteres führt zu einer Hemmung des Blutzuckeranstiegs
im Nüchternzustand. Die Insulinwirkung wird verbessert, was zu einer Steigerung der Gluko-
seaufnahme und des Verbrauches durch Muskel- und Fettzellen führt. Dadurch wird der
Nüchtern-Blutzuckerspiegel durchschnittlich um 25 Prozent gesenkt, ohne dass Unterzucke-
rungen erzeugt werden. Der HbA1c-Wert, der die Höhe des Blutzuckers der vergangenen
zwei bis drei Monate anzeigt, kann mit Metformin im Mittel um 1,5 Prozent gesenkt werden.“
Quelle: http://www.diabetes-heute.uni-duesseldorf.de/index.html?TextID=1736

Hinweise zur Einnahme von Metformin: Es wird empfohlen und hat sich bisher auch meist
bewährt, dass Metformin eingeschlichen wird. Das heißt, dass man mit einer kleinen Dosis
anfängt. In der Packungsbeilage sowie von vielen Ärzten wird empfohlen, dass Metformin
zum oder kurz nach dem Essen zu nehmen, um Nebenwirkungen zu vermeiden. Leider haben
manche auch dann Probleme mit Durchfall, Übelkeit etc.
Man kann Metformin auch unabhängig vom Essen nehmen. Zum Anfang z. B. eine halbe
Stunde bis Stunde vor dem Schlafengehen. Dies dann für 2-6 Wochen beibehalten und dann
kann man die Dosis mit einer zusätzlichen morgens Einnahme steigern, wenn es vom Arzt so
verschrieben ist. Bitte keine Dosiserhöhungen auf eigene Faust machen!!!

Jeder von uns ist individuell. Leider gibt es kein „Standard-Rezept“ für uns. Deshalb achtet
Euch und Euren Körper und schaut, was euch persönlich guttut.“

Wenn ihr das Gefühl habt, es geht euch gar nicht gut damit, sprecht mit eurem Arzt darüber.
Tabletten ohne Laktose (Bsp. Marke Siofor oder Stada) werden oft besser vertragen. Ihr könnt
versuchen, diese bei der Apotheke zu bekommen.

Metformin ist momentan in Deutschland nur zur Behandlung von Diabetes Typ II zugelassen.
Es kann aber in manchen Fällen auch bei Patienten verschrieben werden, die nicht an Diabe-

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tes erkrankt sind. Metformin hat die Eigenschaft, dass es nicht nur bei Diabetes den Blutzu-
ckerspiegel senkt, sondern auch die Sensibilisierung von Zellen auf Insulin (also die IR) ver-
bessert. Es kann zudem einen positiven Einfluss auf den Hormonhaushalt (Zyklusregulation)
bei PCOS haben. In diesen Fällen wird dann das Metformin Off-Label verschrieben. Metfor-
min senkt bei IR- und Diabetes-Patienten auch das Risiko, an Herz-Kreislauf Störungen zu
erkranken. Ein möglicher Nebeneffekt ist zudem die Erleichterung der Gewichtreduktion.

Nebenwirkungen von Metformin- wie komme ich damit klar?

Metformin trotz seiner oft guten Wirksamkeit kann auch viele Nebenwirkungen haben, diese
sind oft mit dem Magen-Darm-System verbunden: Bauchschmerzen, Blähungen, Sodbrennen,
Übelkeit, Durchfall, Metallischer Geschmack im Mund. Wenn die Nebenwirkungen nach paar
Tagen nicht besser sind, sollte man eine ärztliche Meinung einzuholen. Man sollte nicht auf
eigene Faust das Medikament absetzen!!! Es reicht oft, dass man die Dosis ein wenig nach
Absprache mit dem Arzt verändert. Es passiert aber auch manchmal, dass dieses Medikament
bei manchen gar nicht durch den Körper aufgenommen wird. Dann muss die Behandlung ab-
gebrochen werden nach Absprache mit dem behandelnden Arzt. Manchmal kann zusätzlich
die Gabe von Inositol helfen, da dieses auch die Zellen sensibilisieren kann.

Bei längerer Einnahme von Metformin kann es verstärkt zu Vitamin B12-Mangel kommen,
dieser Wert sollte deswegen regelmäßig kontrolliert werden. Falls die Blutwerte einen Mangel
anzeigen, sollte zusätzlich ein Vitamin-B12-Präparat eingenommen werden.

Darf man Alkohol trinken, wenn man Metformin einnimmt?

Nein! Schon auf der Packungsbeilage des Medikamentes können wir lesen, dass es negative
Folgen für unsere Gesundheit haben kann und Alkohol in Verbindung mit Metformin mit ei-
ner Laktatazidose (schwere Übersäuerung) enden kann, und diese im schlimmsten Fällen zu
Tod führen kann. Immer wieder hört man zwar, dass "ein bisschen Alkohol ja nicht so
schlimm sei", aber für uns ist die Packungsbeilage ausschlaggebend. Jeder Körper reagiert
anders, und nur, weil es in manchen Fällen gut geht, geht es nicht in allen Fällen gut.

Deswegen empfehlen wir, keinen Alkohol zu trinken, wenn an Metformin nimmt!!!


Wenn schon, dann als absolute Ausnahme, und dann sollte man aber für mindestens 1 bis 2

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Tag davor und 1 bis 2 Tage danach die Gabe von Metformin aussetzen und mit der Alkohol-
menge nicht übertreiben. (Mit ärztlicher Absprache!)

Darf man in der Schwangerschaft Metformin einnehmen? Wenn ja, wie lange?

Es ist umstritten bzw. viele Ärzte haben da unterschiedliche Meinungen. In Deutschland ist es
allgemein verboten, dies zu verschreiben, da Metformin weiterhin auf einer Liste von Medi-
kamenten steht, die nicht in der SS eingenommen werden dürfen bzw. nicht zugelassen sind.
Aber auch da findet man immer wieder gut informierte Ärzte, die zwar die Patientinnen über
die rechtliche Lage informieren, aber auch über die Studien und Erfahrungen aus anderen
Ländern kennen. In vielen Ländern wird Metformin bei Kinderwunsch und Schwangerschaft
weiterhin verschrieben (z. B. bei Patientinnen mit PCOS und Insulinresistenz).
Immer öfter lesen wir auch bei Patientinnen in unserer Selbsthilfegruppe, dass bei ihnen Met-
formin bis zum Ende der Schwangerschaft verschrieben wird. Aber auch hier sind oft die
Meinungen der Ärzte sehr unterschiedlich. Manche Ärzte raten davon ab.
Suchen wir uns deswegen einen guten Arzt, der sich stetig fortbildet und möglichst auf dem
neuesten Stand ist. Sollten Zweifel bestehen, hilft es, sich eine zweite Meinung einzuholen.

Nahrungsergänzungsmittel (NEM), medizinische Kräutertees – sind diese erlaubt?

Die Wirksamkeit der Einnahme vieler NEM ohne triftigen Grund ist sehr strittig, da NEM im
Gegensatz zu Medikamenten nicht auf ihre Wirksamkeit in Studien untersucht werden müs-
sen. Mit vielen wird nur Geld gemacht und ihr Placebo-Effekt genutzt, um Patienten Wunder
zu versprechen, die dann nicht eintreten. Ganz besonders im Bereich Gewichtsabnahme ist
der Markt damit überschwemmt. Allerdings sind nicht alle NEM unwirksam. Es ist oft sehr
schwer, da zu differenzieren. Jeder muss da ausprobieren, was ihm guttut. Eine Absprache mit
dem Arzt ist generell empfehlenswert. Die Nahrungsergänzungsmittel Clavella, Inofolic bzw.
Inositol werden häufig unterstützend bei IR eingenommen.
Oft sind in den Diabetes-NEM nicht IR-konforme Zutaten wie z.B. Stärke, die wir vermeiden
sollten. Wir sollten auch im Kopf behalten, wenn wir keine Diabetiker sind und andere medi-
zinischen Ansprüche haben. Manche Wirkstoffe von NEM für Diabetiker haben als Aufgabe
die Stimulierung der Bauchspeicheldruse zur Insulinausschüttung, da die Bauchspeicheldrüse
nicht ausreichend Insulin ausschüttet. Bei IR ohne Diabetes ist das kontraproduktiv.

Kräutertees können wir bedenkenlos (zu einer Mahlzeit) nach Packungsangaben trinken.

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V. Untersuchungen und Diagnostik bei Insulinresistenz.

Welcher Arzt behandelt Insulinresistenz?

Am häufigsten wird die Insulinresistenz von einem Endokrinologen oder Diabetologen diag-
nostiziert, aber es heißt nicht, dass z.B. ein guter Hausarzt sie deswegen nicht behandelt kann.
Jeder Arzt, der sich mit IR auskennt und Erfahrung aufweist, kann diese auch behandeln.
Es ist aber so, dass unsere Spezialisten oft zusammenarbeiten müssen, um uns zu behandeln
und wir somit mehr als nur einen Arzt brauchen, um die IR in Griff zu bekommen. Die wich-
tigste Basis ist ein guter Hausarzt, der zuhören kann und mit dem Patienten die richtigen Ent-
scheidungen in Zusammenarbeit mit den Spezialisten trifft.

Wie wird IR diagnostiziert?

Um eine IR diagnostizieren zu können, wird Blut aus der Vene abgenommen. Manchmal rei-
chen Nüchtern-Blutzucker- und Insulinwert zur Diagnose aus. Gesteigerte Werte des Nüch-
tern-Insulinspiegels können bereits auf eine IR hindeuten.

Oft wird aber zusätzlich der HOMA-Index (Homeostasis Model Assessment) bestimmt. Er
ergibt sich aus Nüchtern-Glukose und Nüchtern-Insulin einer Blutprobe. In Deutschland wird
üblicherweise ab Werten > 2 von einer IR gesprochen, die Referenzwerte können abweichen.
Es ist möglich, dass der HOMA-Index unauffällig ist, aber man trotzdem eine Insulinresistenz
nicht ausschließen kann. Der QUICKI-Index (Quantitative-Insulin-Sensitivity-Check Index)
ist ein weiterer Anhaltspunkt, um zu prüfen, ob eine Insulinresistenz vorliegt. Werte < 0,34
deuten auf IR hin. Einen Rechner findet ihr auf unseren Blog: www.insulinresistenz.club

Zusätzlich wird oft ein erweiterter oGTT (oraler Glucose Toleranz Test) durchgeführt. Hier
wird das Insulin nach einer Belastung (Trinken einer Glukose-Testlösung/Saft) anhand von 3
Proben gemessen. Um den ISI (Insulin Sensitivität Index) nach „Matsuda“ zu ermitteln, kön-
nen auch 5 Proben nötig sein.
Wichtig: Wenn ihr einen oGTT machen lasst, lasst auch dazu den Insulinwert bestimmen!
Ansonsten kann es keine Auskunft über die Insulinresistenz geben. Erhöhte Insulinwerte nach
Belastung, sind typisch für eine Insulinresistenz und können zur Diagnose ausreichen.

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Wenn der Arzt es nicht anders vorschreibt, sollte man 8 bis 12 Stunden vor dem oGTT nichts
mehr essen und trinken, um die Ergebnisse nicht zu verfälschen. Ein Glas Wasser ist aber ok.
Die Untersuchung dauert ca. 2-5 Stunden, je nach Test. Währenddessen sollten wir ruhig im
Warteraum sitzen und den Anweisungen des Untersuchungspersonals und dem Arzt folgen.
Im Zweifel lieber nochmal in der Praxis nachfragen, bevor man etwas unternimmt, was den
Test verfälschen könnte. Für nach dem Test sollte man sich ein Frühstück mitbringen!

Wie sollten gute Glukose Werte ausfallen?

Die Glukose (Blutzucker) nüchtern sollte zwischen 70 – 100 mg/dl, und nach 2 Stunden nach
dem Essen/OGTT zwischen 70- 150 mg/dl liegen. Ein kleinerer Wert als 70 mg kann ein
Hinweis auf Hypoglykämie sein. Diese Werte wird der betreuende Arzt genau auswerten.

Wenn der Glukosewert nüchtern (Blutabnahme aus der Vene) zwischen 100-124 mg liegt und
nach 2 Stunden zwischen 160-199 mg, spricht das für Prädiabetes. (HOMA meist 1,9 - 4,9)

Wenn der nüchtern-Glukosewert (Blutabnahme aus der Vene) 2-mal die Normwerte über-
steigt höher als 125mg/dl, und der Glukosewert nach 2 Std. höher ist als 200mg, wird Diabe-
tes Typ II diagnostiziert. Zudem liegt der Langzeitblutzuckerwert meist über 6,0 und der
HOMA-Index über 5. (ein Richtwert, wichtiger: Interpretation vom spezialisierten Arzt.)

Wann sind Kontrollen nötig und was sollte man noch kontrollieren?

Beides entscheidet der behandelte Arzt. Die Belastung beim oGTT ist eine sehr invasive Un-
tersuchung und wenn der Arzt es nicht anders verordnet, sollten wir diese nicht mehr als
zweimal im Jahr machen. Andere Untersuchungen je nach den Empfehlungen des Arztes.
Was zusätzlich untersucht wird, ist sehr individuell. Oft werden bei IR noch folgende Werte
untersucht: Blutbild allgemein, HbA1c, C-Peptid, Vitamin D, B12, Ferritin, Kreatinin, Lipid-
profil, Leberfunktionstest, Schilddrüsenhormone, Blutdruck und evtl. Gewicht, sofern dies
außerhalb des Normbereichs liegt.
Bei hormoneller Problematik und unerfülltem Kinderwunsch sollte man einen Endokrinolo-
gen aufsuchen. Frauen sollten zudem regelmäßig zur einer gynäkologischen Untersuchung
gehen, Männer zur Prostata-Prophylaxe beim Urologen.

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Sollten wir ein Blutzuckermessgerät benutzen?

Erstmal sollten wir wissen, dass Blutzuckermessgeräte nur den Blutzucker messen und nicht
zur IR-Diagnostik dienen können. Den Insulinwert bestimmen sie nicht. Sie können auch hilf-
reich sein, um bei betroffenen Patienten Blutzuckerschwankungen zu vermeiden und niedrige
bzw. hohe Blutzuckerwerte rechtzeitig zu erkennen.
Allerdings müssen wir bedenken, dass IR-Patienten oft normale Blutzuckerwerte haben, be-
sonders bei Gabe von Metformin. Sofern nicht vom Arzt angeordnet, ist das Messen i.d.R.
nicht notwendig.

Autorin: Alicja Kurzius


Gründerin von dem „Insulinresistenz – der Weg zur Genesung“- Projekt, von 5 Selbsthilfe-
gruppen auf Facebook:

• „Insulinresistenz - Selbsthilfegruppe“ (HAUPTGRUPPE)


• „Insulinresistenz - Gesunde Ernährung und Rezepte“
• „Insulinresistenz - Körperliche Aktivität “
• „Insulinresistenz - Kinderwunsch und Schwangerschaft“
• „Insulinresistenz - Kinder & Jugendliche “

Website zu Thema Insulinresistenz: www.insulinresistenz.club


Instagram Profil: @insulinresistenz
Kontakt: insulinresistenz@gmail.com

Ergotherapeutin, selbst betroffen. Mama einer Tochter. Interessiert an Diättherapie und ge-
sunder Ernährung. Mitglied der ersten und derzeit einzigen Insulinresistenz Stiftung in Polen.

Korrektur und Ergänzungen: Vera Novajas


Studentin (Master Umweltingenieurwesen), Betroffene von IR und PCOS und Administrato-
rin der Selbsthilfegruppen auf Facebook

In Kooperation mit der polnischen IR-Stiftung, gegründet von Dominika Musialowska


Website: www.insulinoopornosc.com

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