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Kompakt-Lexikon Wirtschaft

Kompakt-Lexikon
Wirtschaft
5.400 Begriffe nachschlagen,
verstehen, anwenden
12., aktualisierte und erweiterte Auflage
Der Verlag bedankt sich herzlich bei Herrn Prof. Dr. Dirk Piekenbrock für seine außerorden-
tlich umfangreiche Bearbeitung und Erweiterung des vorliegenden Werkes.

ISBN 978-3-658-05790-9 ISBN 978-3-658-05791-6 (eBook)


DOI 10.1007/978-3-658-05791-6

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbib-


liogra¿e; detaillierte bibliogra¿sche Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar.

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© Springer Fachmedien Wiesbaden 1980, 1982, 1986, 1989, 1991, 1995, 1998, 2001, 2006,
2010, 2013, 2014
1. und 2. AuÀage unter dem Titel „Schüler-Lexikon Wirtschaft“
3. bis 5. AuÀage unter dem Titel „ Kleines Lexikon Wirtschaft“
6. AuÀage unter dem Titel „Lexikon Wirtschaft“
Das Werk einschließlich aller seiner Teile ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung,
die nicht ausdrücklich vom Urheberrechtsgesetz zugelassen ist, bedarf der vorherigen
Zustimmung des Verlags. Das gilt insbesondere für Vervielfältigungen, Bearbeitungen, Über-
setzungen, Mikrover¿lmungen und die Einspeicherung und Verarbeitung in elektronischen
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Die Wiedergabe von Gebrauchsnamen, Handelsnamen, Warenbezeichnungen usw. in diesem


Werk berechtigt auch ohne besondere Kennzeichnung nicht zu der Annahme, dass solche
Namen im Sinne der Warenzeichen und Markenschutz-Gesetzgebung als frei zu betrachten
wären und daher von jedermann benutzt werden dürften.

Redaktion: Prof. Dr. Dirk Piekenbrock, Claudia Hasenbalg

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Springer Gabler ist eine Marke von Springer DE. Springer DE ist Teil der Fachverlagsgruppe
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www.springer-gabler.de
Vorwort zur 12. Auflage

Aktuelle Entwicklungen führen in Politik, Medien und Wissenschaft zu neuen Begrif-


fen, Theorien und Erklärungen oder verändern alte. Für das Verständnis von kom-
plexen Sachverhalten wie der Finanz- und Wirtschaftskrise der Jahre 2008/2009,
der Staatsschulden-, Euro- und Bankenkrise oder der Energiewende ist ein Nach-
schlagewerk wie das Kompakt-Lexikon Wirtschaft ein unabdingbares Hilfsmittel.
Als kleiner Bruder unseres großen Gabler Wirtschaftslexikons konzentriert
es sich auf das Wesentliche eines Wirtschaftsbegriffes und klärt über Sinn und
Bedeutung desselben auf. Das Lexikon definiert auf kurze und prägnante
Weise mehr als 4.500 Stichwörter aus den Themenbereichen
- Management/Organisation/Personal
- Finanzierung/Bank/Börse/Versicherung
- Rechnungswesen/Controlling/Steuern
- Handel
- Marketing
- Produktion
- Logistik
- Mathematik/Statistik
- Volkswirtschaft und
- Recht.
Zahlreiche Verweise ergänzen die Ausführungen und zeigen Zusammenhänge
auf. Für die 12. Auflage wurde das Lexikon komplett überarbeitet, aktualisiert und
umfassend erweitert.

Wiesbaden, im September 2014

Prof. Dr. Dirk Piekenbrock


Claudia Hasenbalg
Erläuterungen für den Benutzer

1. Unter einem aufgesuchten Stichwort ist die jeweilige Erklärung/Definition des


Begriffs zu finden. Zahlreiche Verweise (→) zielen auf Begriffe,
die dem Leser zusätzliche Informationen bieten und eine Einordnung in
größere Zusammenhänge ermöglicht.
2. Die alphabetische Reihenfolge ist – auch bei zusammengesetzten
Stichwörtern – strikt eingehalten. Dies gilt sowohl für Begriffe, die durch
Bindestriche verbunden sind, als auch für solche, die aus mehreren,
durch Leerzeichen oder Kommata getrennten Wörtern bestehen.
In diesen Fällen erfolgt die Sortierung als sei der Bindestrich bzw. das
Leerzeichen oder das Komma nicht vorhanden.
3. Substantivische Stichwortbegriffe sind i.d.R. im Singular aufgeführt.
4. Die Umlaute ä, ö, ü wurden bei der Einordnung in das Alphabet
wie die Grundlaute a, o, u behandelt; ß wurde in ss aufgelöst.
5. Geläufige Synonyme und angloamerikanische Termini werden
jeweils am Anfang eines Stichwortes in Kursivschrift aufgeführt.
Abkürzungsverzeichnis

AbzG Abzahlungsgesetz
ABM Arbeitsbeschaffungsmaßnahme
Abs. Absatz
ABWL Allgemeine Betriebswirtschaftslehre
AEntG Arbeitnehmerentsendegesetz
AEVO Ausbilder-Eignungsverordnung
AfA Absetzung für Abnutzung
AfaA Absetzung für außergewöhnliche Abnutzung
AfS Absetzung für Substanzverringerung
AG Aktiengesellschaft
AGB Allgemeine Geschäftsbedingungen
AGG Allgemeines Gleichbehandlungsgesetz
AKA Ausfuhrkredit-Gesellschaft
AktG Aktiengesetz
AltEinkG Alterseinkünftegesetz
AO Abgabenordnung
AOK Allgemeine Ortskrankenkasse
ArbZG Arbeitszeitgesetz
Art. Artikel
AStV Ausschuss der ständigen Vertreter
ATG Altersteilzeitgesetz

BA Bundesagentur für Arbeit


BAB Betriebsabrechnungsbogen
BADV Bundesamt für Zentrale Dienste und offene Vermögensfragen
BAFA Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle
BAfI Bundesanstalt für Immobilienfragen
BaFin Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht
BAföG Bundesausbildungsförderungsgesetz
BBiG Berufsbildungsgesetz
BDA Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände
BDI Bundesverband der Deutschen Industrie
BDSG Bundesdatenschutzgesetz
BEEG Bundeselterngeld- und Elternzeitgesetz
bes. besonders(-e, -er, -es)
Abkürzungsverzeichnis X

BErzGG Bundeserziehungsgeldgesetz
BfA Bundesanstalt für Arbeit
BfB Bundesmonopolverwaltung für Branntwein
BfDI Bundesbeauftragter für den Datenschutz und die Informationsfreiheit
BFH Bundesfinanzhof
BetrVG Betriebsverfassungsgesetz
BewG Bewertungsgesetz
BgA Betriebe gewerblicher Art
BGB Bürgerliches Gesetzbuch
BGBl Bundesgesetzblatt
BGH Bundesgerichtshof
BGJ Berufsgrundbildungsjahr
BHO Bundeshaushaltsordnung
BImSchG Bundes-Immisionsschutzgesetz
BIP Bruttoinlandsprodukt
BIS Bank for International Settlement
BIZ Bank für Internationalen Zahlungsausgleich
BKartA Bundeskartellamt
BKK Betriebskrankenkasse
BMAS Bundesministerium für Arbeit und Soziales
BMF Bundesministerium der Finanzen
BMELV Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und
Verbraucherschutz
BMWi Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie
BNE Bruttonationaleinkommen
BNetzA Bundesnetzagentur
BörsG Börsengesetz
Bobl Bundesobligationen
BPersVG Bundespersonalvertretungsgesetz
BSG Bundessozialgericht
BSP Bruttosozialprodukt
BSV Bundesschuldenverwaltung
BVA Bundesversicherungsamt
BVerfG Bundesverfassungsgericht
BVerwG Bundesverwaltungsgericht
BVG Bundesversorgungsgesetz
BVJ Berufsvorbereitungsjahr
XI Abkürzungsverzeichnis

BvS Bundesanstalt für vereinigungsbedingte Sonderaufgaben


BWL Betriebswirtschaftslehre
B2B Business to Business
B2C Business to Consumer
BZSt Bundeszentralamt für Steuern
bzw. beziehungsweise

ca. circa
CD Certificate of Deposite
CDAX Composite DAX
CGB Christlicher Gewerkschaftsbund
CIF Cost, Insurance, Freight
CLV Customer Lifetime Value
c.p. ceteris paribus
CP Commercial Paper
CRM Costumer Relationship Management
CSR Corporate Social Responsibility
C2C Consumer to Consumer

DAX Deutscher Aktienindex


DCGK Deutscher Corporate Governance Kodex
DGB Deutscher Gewerkschaftsbund
d.h. das heißt
DIHK Deutscher Industrie- und Handelskammertag
DPMA Deutsches Patent- und Markenamt
DRSC Deutsches Rechnungslegungs Standards Committee

EBDIT Earnings before Depreciation, Interest and Tax


EBIT Earnings before Interest and Tax
EBITDA Earnings before Depreciation, Interest, Tax and Amortisation
EBWE Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung
ECR Efficient Consumer Response
ECU European Currency Unit
EDI Electronic Data Exchange
EDV Elektronische Datenverarbeitung
EFF Europäischer Fischereifonds
EFRE Europäischer Fonds für Regionale Entwicklung
Abkürzungsverzeichnis XII

EFTA European Free Trade Association


e.G. eingetragene Genossenschaft
EG Europäische Gemeinschaften
EGKS Europäische Gemeinschaft für Kohle und Stahl
EGV Vertrag über die Europäischen Gemeinschaften
EIB Europäische Investitionsbank
EigZulG Eigenheimzulagegesetz
ELER Europäischer Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des
ländlichen Raums
EntgFG Entgeltfortzahlungsgesetz
ERP European Recovery Programme
ESF Europäischer Sozialfonds
EStG Einkommensteuergesetz
ESVG Europäisches System Volkswirtschaftlicher Gesamtrechnungen
ESZB Europäisches System der Zentralbanken
EU Europäische Union
EuGH Europäischer Gerichtshof
EURATOM Europäische Atomgemeinschaft
EUREX European Exchange
EURIBOR Euro Interbank Offered Rate
EUROSTAT Statistisches Amt der Europäischen Union
EUSt Einfuhr-Umsatzsteuer
EUV Verträge über die Europäische Union
e.V. eingetragener Verein
EVTZ Europäischer Verbund für territoriale Zusammenarbeit
EWG Europäische Wirtschaftsgemeinschaft
EWIV Europäische Wirtschaftliche Interessenvereinigung
EWR Europäischer Wirtschaftsraum
EWS Europäisches Währungssystem
EWU Europäische Währungsunion
EWWU Europäische Wirtschafts- und Währungsunion
EZB Europäische Zentralbank

FASB Financial Accounting Standards Board


FDAX Future DAX
F&E Forschung und Entwicklung
FRS Federal Reserve System
XIII Abkürzungsverzeichnis

FSF Forum für Finanzmarktstabilität

GASP Gemeinsame Außen- und Sicherheitspolitik (der EU)


GATS General Agreement on Trade in Services
GATT General Agreement on Tariffs and Trade
GbR Gesellschaft bürgerlichen Rechts
GewO Gewerbeordnung
GewStG Gewerbsteuergesetz
GG Grundgesetz
ggf. gegebenenfalls
GKR Gemeinschaftskontenrahmen
GKV Gesetzliche Krankenversicherung
GmbH Gesellschaft mit beschränkter Haftung
GoB Grundsätze ordnungsmäßiger Buchführung
GuV Gewinn- und Verlustrechnung
GVO Gruppenfreistellungsverordnung
GWB Gesetz gegen Wettbewerbsbeschränkungen

HBCI Homebanking Computer Interface


HGB Handelsgesetzbuch
HÜSt Handelsüberwachungsstelle
HVPI Harmonisierter Verbraucherpreisindex
HwO Handwerksordnung

i.Allg. im Allgemeinen
IASB International Accounting Standards Board
IBRD International Bank of Reconstruction and Development
ICC International Chamber of Commerce
i.d.R. in der Regel
i.e.S. im engeren Sinne
IHK Industrie- und Handelskammer
IKK Innungskrankenkasse
IKR Industriekontenrahmen
IMF International Monetary Fund
InsO Insolvenzordnung
InvG Investmentgesetz
IPA Instrument for Pre-Accession Assistence
Abkürzungsverzeichnis XIV

IPO Initial Public Offering


i.S. im Sinne
IWF Internationaler Währungsfonds
i.w.S. im weiteren Sinne

JArbSchG Jugendarbeitsschutzgesetz

KapAEG Kapitalaufnahmeerleichterungsgesetz
KAG Kapitalanlagegesellschaft
KfW Kreditanstalt für Wiederaufbau
Kfz Kraftfahrzeug
KG Kommanditgesellschaft
KGaA Kommanditgesellschaft auf Aktien
KGV Kurs-Gewinn-Verhältnis
KMU kleine und mittlere Unternehmen
KonTraG Gesetz zu Kontrolle und Transparenz im Unternehmensbereich
KrW-/AbfG Kreislaufwirtschafts- und Abfallgesetz
KSchG Kündigungsschutzgesetz
KStG Körperschaftssteuergesetz
KWG Kreditwesengesetz

LAG Landesarbeitsgericht
LVA Landesversicherungsanstalt
LZB Landeszentralbank

MBO Management Buyout


MDAX Midcap DAX
MdE Minderung der Erwerbsfähigkeit
MFI Monetäre Finanzinstitute
Mio. Millionen
MitbestG Mitbestimmungsgesetz
Mrd. Milliarden
MWSt Mehrwertsteuer

NASDAQ National Association of Securities Dealers Automated Quotation


NIC Newly Industrializing Countries
NPM New Public Management
XV Abkürzungsverzeichnis

NPO Non-Profit-Organisation
NYSE New York Stock Exchange

OECD Organization for Economic Cooperation


OHG Offene Handelsgesellschaft
OLG Oberlandesgericht
OR Operations Research
OTC Over the Counter
OVG Oberverwaltungsgericht

PartG Partnerschaftsgesellschaft
PIN Persönliche Identifikationsnummer
PKV Private Krankenversicherung
Pkw Personenkraftwagen
POS Point of Sale
PR Public Relations
PSA Personal-Service-Agenturen
PublG Publizitätsgesetz

REX Deutscher Rentenindex


ROI Return on Investment

SBWL Spezielle Betriebswirtschaftslehre


SCE Societas Cooperativa Europaea
SCM Supply Chain Management
SDAX Small Caps DAX
SDR Special Drawing Rights
SEC Securities and Exchange Commission
SFAC Statements of Financial Standards Concept
SFAS Statements of Financial Accounting Standards
SGB Sozialgesetzbuch
SGE Strategische Geschäftseinheiten
StWG Stabilitäts- und Wachstumsgesetz
StBA Statistisches Bundesamt
SVR Sachverständigenrat zur Begutachtung der
gesamtwirtschaftlichen Entwicklung
SZR Sonderziehungsrechte
Abkürzungsverzeichnis XVI

TAN Transaktionsnummern
TARGET Transeuropean Automated Real-Time Gross Settlement
Express Transfer-System
TecDAX Technology DAX
TIN Tax Identification Number
TVG Tarifvertragsgesetz
TzBfG Teilzeit- und Befristungsgesetz

u.a. unter anderem


u.Ä. und Ähnliche(s)
UN United Nations
UNCTAD United Nations Conference on Trade and Development
UrhG Urhebergesetz
US United States
USA United States of America
US-GAAP United States General Accepted Accounting Principles
USP Unique Selling Proposition
UStG Umsatzsteuergesetz
usw. und so weiter
UWG Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb

v.a. vor allem


VAG Versicherungsaufsichtsgesetz
VAT Value Added Tax
VDAX Votalitätsindex DAX (Deutscher Aktienindex)
VermBG Vermögensbildungsgesetz
vgl. vergleiche
VGR Volkswirtschaftliche Gesamtrechnungen
v.H. von Hundert
VPI Verbraucherpreisindex
VVA EG-Verordnung zu Verbringung von Abfällen
VVaG Versicherungsverein auf Gegenseitigkeit
VWL Volkswirtschaftslehre

WKN Wertpapier-Kenn-Nummer
WpHG Wertpapierhandelsgesetz
WTO World Trade Organization
XVII Abkürzungsverzeichnis

XETRA Exchange Electronic Trading

z.B. zum Beispiel


ZK Zollkodex
ZPO Zivilprozessordnung
z.T. zum Teil
z.Zt. zur Zeit
Abandon – Aufgabe eines Rechts oder ei-
A
feste, flüssige und gasförmige Abfall-
ner Sache mit der Absicht, dadurch von stoffe. – Die Verwertung in der Industrie
einer Verpflichtung (meistens zur Zah- (unter Einschaltung von Recycling-Bör-
lung) entbunden zu sein.  –  Transport- sen und Aufkaufhandel) ist Aufgabe
versicherung: Berechtigung des Versi- der ĺ  Abfallwirtschaft.  –  2.  Recht: Ab-
cherers, sich nach dem Eintritt eines fall i.S. des Kreislaufwirtschaftsgesetzes
Versicherungsfalls durch Zahlung der (KrWG)  von  2012  sind alle Stoffe oder
Versicherungssumme von allen weiteren Gegenstände, derer sich ihr Besitzer ent-
Verpflichtungen (z. B. Bergung) zu be- ledigt, entledigen will oder entledigen
freien.  –  Seeversicherung: Abondierungs- muss. Dabei wird zwischen Abfall zur Ver-
recht des Versicherungsnehmers z. B. wertung und (nicht verwertetem) Abfall
bei Verschollenheit des Schiffes. Mit der zur Beseitigung unterschieden. Der Ab-
Abandonerklärung gehen die Rechte am fall-Begriff des KrWG ist wortgleich mit
versicherten Gegenstand an den Versiche- dem in Art. 1a der EG-Abfallrichtlinie
rer über, der Versicherungsnehmer erhält von 1991 festgelegt. Nach den maßgebli-
dafür die Versicherungssumme. –  Prämi- chen EG-Richtlinien müssen Abfälle so
engeschäft: Recht, gegen Zahlung der ver- beseitigt bzw. verwertet werden, dass die
einbarten Prämie vom Bezugs- oder Lie- menschliche Gesundheit nicht gefähr-
ferungsgeschäft zurücktreten zu können. det wird und dass Verfahren oder Metho-
den verwendet werden, die die ĺ Umwelt
Abbuchungsverfahren ĺ  Lastschrift-
nicht schädigen.
verfahren.
Abfallverbringung  –  Oberbegriff
ABC-Analyse  –  Verfahren zur Klassifi-
der EG-Verordnung zur Verbringung
zierung von Gesamtheiten (A = wichtig,
von Abfällen (VVA) von 2006 für alle
B = weniger wichtig, C = unwichtig), wo-
grenz-überschreitenden Transporte von
bei die Klassengrenzen jeweils im Einzel-
ĺ  Abfall (Ausfuhren, Einfuhren und
fall festgelegt werden. – Wichtige Anwen-
Durchfuhren). Die VVA regelt EU-weit
dungsgebiete: ĺ  Materialwirtschaft (zur
die Abfallverbringungskontrolle (insbes.
Differenzierung der Beschaffungs- und
Informationspflichten, Zustimmungs-
Bereitstellungsmaßnahmen), Organisati-
pflichtigkeiten, Verbote und Ausnahme-
onsanalyse, Aufgabenpriorisierung, Ma-
regelungen). Sie wird ergänzt durch das
ke-or-Buy-Entscheidungen (ĺ  Make or
Abfallverbringungsgesetz (AbfVerbrG)
Buy).
von 2007, das z. B. die Behördenzustän-
Abfall  –  1.  Betriebswirtschaftslehre: digkeit regelt.
Bei der Bearbeitung von Werkstof-
Abfallvermeidung ĺ  Kreislaufwirt-
fen und beim Betrieb von Anlagen un-
schaft.
vermeidbar anfallendes Material, das
keine oder nur begrenzte Verwertung Abfallverwertung ĺ  Kreislaufwirt-
finden kann. Zu unterscheiden sind schaft.
Springer Fachmedien Wiesbaden (Hrsg.), Kompakt-Lexikon Wirtschaft,
DOI 10.1007/978-3-658-05791-6_1, © Springer Fachmedien Wiesbaden 2014
Abfallwirtschaft 2

Abfallwirtschaft  –  1.  Institutionell: wirtschaftlichen Lage des Arbeitgebers.


alle Wirtschaftssubjekte und -berei- I.d.R. werden maximal zwölf, bei älte-
che, die an der Herstellung, Beseitigung ren Arbeitnehmern maximal 18 Monats-
und Verwertung von ĺ  Abfall beteiligt verdienste als Abfindung gezahlt. – 2. Ge-
sind.  –  2.  Funktionell: wirtschaftlicher sellschaftsrecht: Eine  Abfindung ist beim
Umgang mit Abfall in allen Stadien der Ausscheiden eines Gesellschafters aus ei-
Abfallerzeugung, -beseitigung und -ver- ner Gesellschaft zu zahlen. – 3.  Sozialver-
wertung. Mit dem Kreislaufwirtschafts- sicherungsrecht und soziales Entschädi-
und Abfallgesetz (KrW-/AbfG) von 1994 gungsrecht: (1) In der gesetzlichen ĺ Ren-
(Vorläufer des Kreislaufwirtschaftsge- tenversicherung erhalten Witwen/Witwer
setzes (KrWG) von 2012) wurde der bei Wiederheirat eine  Abfindung höchs-
Schritt von der Beseitigungswirtschaft zur tens des 24-fachen Monatbetrages der
ĺ Kreislaufwirtschaft vollzogen. Die Ab- Witwen-/Witwerrente. (2) Die gesetzli-
fallwirtschaft wurde zur Stoffstromwirt- che ĺ Unfallversicherung kann nach Ab-
schaft mit dem neuen Ziel der stoffstro- schluss einer Heilbehandlung den Ver-
morientierten Ressourcenschonung. sicherten mit einer Gesamtvergütung in
Höhe des voraussichtlichen Rentenauf-
Abfindung  –  einmalige Geldentschä- wandes abfinden. (3) Eine  Abfindung
digung. 1.  Arbeitsrecht:  Abfindung we- von Beschädigtenrenten von Kriegs- und
gen Beendigung des Arbeitsverhältnis- Wehrdienstopfern ist zu bestimmten
ses. Gesetzlich vorgeschrieben: (1) nach Zwecken (z. B. Grundbesitzerwerb) mög-
dem Kündigungsschutzgesetz (KSchG), lich. Außerdem erhält die Witwe eines Be-
wenn wegen dringender betrieblicher schädigten bei Wiederheirat eine  Abfin-
Erfordernisse gekündigt wurde und der dung in Höhe des 50-fachen der monatli-
ĺ  Arbeitnehmer die dreiwöchige Frist chen Grundrente.
für die Kündigungsschutzklage verstrei-
Abgaben – alle auf der ĺ Finanzhoheit
chen lässt. (2) Durch Urteil im Kündi-
beruhenden öffentlichen Einnahmen der
gungsschutzprozess, wenn die Kündigung
ĺ  Gebietskörperschaften und bestimm-
des ĺ  Arbeitgebers unwirksam ist, aber
ter ĺ Parafisci: (1) ĺ Steuern einschließ-
das Arbeitsverhältnis auf Antrag des Ar-
lich ĺ  Kirchensteuer, (2) ĺ  Zölle und
beitgebers oder des Arbeitnehmers vom
ĺ  Abschöpfungen, (3) ĺ  Gebühren (4)
ĺ  Arbeitsgericht aufgelöst wird. (3) bei
ĺ  Beiträge und (5) ĺ  Sozialabgaben,
Entlassung wegen Betriebsänderung ohne
(„Quasisteuern“) an die Träger der gesetz-
Versuch eines Interessensausgleichs mit
lichen ĺ Sozialversicherung.
dem ĺ Betriebsrat oder Abweichung von
diesem.  –  Außerdem können ĺ  Sozial- Abgabenordnung (AO) – „Steuergrund-
pläne  Abfindungen vorsehen. Am häu- gesetz“ oder „Mantelgesetz“ von 1976. Es
figsten werden  Abfindungen im Rah- umfasst in neun  Teilen sowohl das for-
men von ĺ  Aufhebungsverträgen oder melle Recht einer Verfahrensordnung
Prozessvergleichen vereinbart. – Die Ab- als auch einen allgemeinen Teil des ma-
findungshöhe richtet sich nach dem Le- teriellen Steuerrechts. Die AO enthält
bensalter und der Betriebszugehörigkeits- grundlegende Bestimmungen, Begriffs-
dauer des Arbeitnehmers sowie nach der definitionen und Grundsätze für die
3 Abmahnung

Besteuerung. Sie legt diese für zahlreiche Beschlüsse von Unternehmensvereini-


Steuerarten einheitlich fest. Durch die Re- gungen mit diesem Zweck und dieser
gelungen der AO sollen die Einzelsteu- Wirkung). – Nach Art. 81 EGV sind auf-
ergesetze entlastet und die Behandlung einander abgestimmte Verhaltensweisen
wichtiger Gebiete des Steuerrechts in ein- mit dem ĺ Gemeinsamen Markt unver-
heitlicher Form sichergestellt werden. einbar und ebenfalls verboten, soweit sie
den Handel zwischen Mitgliedstaaten zu
Abgabenquote – Anteil der ĺ Abgaben
beeinträchtigen geeignet sind und eine
am ĺ Bruttoinlandsprodukt (BIP). – Vgl.
Verhinderung, Einschränkung  oder Ver-
auch ĺ Steuerquote.
fälschung des Wettbewerbs innerhalb des
Abgeld ĺ Disagio. Gemeinsamen Marktes bezwecken oder
bewirken.
Abgeltungsteuer  –  seit dem 1.1.2009
eingeführte Quellensteuer auf Kapitaler- Abgrenzungsprinzip ĺ Bewertung.
träge in Form einer ĺ Abzugsteuer. Da- abhängig Beschäftigte  –  Abhängige,
nach wird jeder Kapitalertrag, der über zusammenfassende Bezeichnung der
den ĺ  Sparer-Pauschbetrag hinausgeht, ĺ amtlichen Statistik für alle ĺ Erwerbs-
pauschal mit dem einheitlichen ĺ Steuer- tätigen in einem abhängigen Beschäfti-
satz von 25 % besteuert. Mit der einbehal- gungsverhältnis: ĺ Angestellte, ĺ Arbei-
tenen ĺ Kapitalertragsteuer gilt die Steu- ter, ĺ Auszubildende und ĺ Beamte.
erpflicht für den Privatanleger als abge-
golten, d.h., dass die bereits versteuerten Abhängige ĺ abhängig Beschäftigte.
Kapitalerträge nicht mehr in seiner jähr- Ability to Pay Prinicple ĺ  Leistungsfä-
lichen Steuererklärung aufgeführt werden higkeitsprinzip.
müssen und nicht mit seinem individuel- Ablauforganisation – der raum-zeitliche
len Steuersatz versteuert werden. Aspekt der ĺ  Organisation. Die organi-
abgestimmtes Verhalten  –  aufeinan- satorischen Elemente (Handlungsträger,
der abgestimmte Verhaltensweisen, Be- Aufgaben, Sachmittel etc.) sind hinsicht-
griff und Gegenstand des deutschen lich des zeitlichen und räumlichen Ab-
und europäischen Kartellrechts (ĺ  Kar- laufs so zu gestalten, dass alle Arbeitsvor-
tell, ĺ  Wettbewerbsrecht): alle Formen gänge lückenlos aufeinander abgestimmt
der Koordinierung des Marktverhaltens sind. Ablauforganisatorische Regelungen
ohne gegenseitige rechtliche Verpflich- sind nur bei Routineprozessen sinn-
tung, wodurch die Ungewissheit über das voll. – Gegensatz: ĺ Aufbauorganisation.
zukünftige Verhalten anderer Marktteil- Ablaufpolitik ĺ Prozesspolitik.
nehmer beseitigt wird. – Solche Verhal-
tensabstimmungen,  die eine Verhinde- ABM – Abk. für ĺ Arbeitsbeschaffungs-
rung, Einschränkung und Verfälschung maßnahme.
des ĺ Wettbewerbs bezwecken oder be- Abmahnung  –  Aufforderung, ein ver-
wirken, sind gemäß §  1 GWB verbo- tragswidriges Verhalten zu unterlassen.
ten (ebenso wie alle über abgestimm- Dabei wird für den Wiederholungsfall
tes Verhalten hinausgehende Verein- eine Strafe angedroht. – 1. Abmahnung ei-
barungen  zwischen Unternehmen und nes Arbeitnehmers: Förmlicher Ausdruck
Abmahnverein 4

der Missbilligung wegen Verletzung ar- Einrichtungen, die bei der Verteilung von
beitsvertraglicher Pflichten, verbunden ĺ Waren und ĺ Informationen mitwir-
mit dem Hinweis auf arbeitsrechtliche ken, ohne selbst Eigentümer der Ware zu
Konsequenzen, insbes. auf ĺ Kündigung werden. Zu unterscheiden sind mit der
im Wiederholungsfall.  –  2.  Wettbewerbs- ĺ  Akquisition beschäftigte  Absatzhelfer
rechtliche Abmahnung: Vorprozessuale, (z. B. Handelsvertreter, Kommissionäre,
i.d.R. schriftliche Aufforderung, ein wett- Makler, Versteigerer) und vornehmlich
bewerbswidriges Verhalten zu unterlas- die ĺ  Logistik übernehmende  Absatz-
sen und zur Vermeidung einer Klage eine helfer (z. B. Spediteure, Frachtführer, La-
ĺ Unterlassungserklärung abzugeben. gerhalter, Reeder). I.w.S. auch: Marktfor-
Abmahnverein  –  Verein, der gewerbs- schungsinstitute, Werbeagenturen, Inkas-
mäßig wettbewerbsrechtliche ĺ Abmah- sogemeinschaften, Leasinggesellschaften
nungen vornimmt. Nach dem Gesetz ge- und Factoringunternehmen.  –  Vgl. auch
gen den unlauteren Wettbewerb (UWG) ĺ Distributionsorgane.
(ĺ  unlauterer Wettbewerb) dürfen Ab- Absatzinstrumente ĺ Marketing.
mahnungen nur von Vereinen zur För- Absatzkanal  –  Marketing Channel, Dis-
derung gewerblicher Interessen, Ver- tribution Channel; der Teil des Distribu-
braucherschutzvereinen, ĺ  Hand- tionssystems, der vom Hersteller gestaltet
werkskammern sowie ĺ  Industrie- und wird, um den ĺ Absatz seiner Produkte/
Handelskammern (IHK) ausgesprochen Dienstleistungen sowie die Verteilung der
werden. erforderlichen Informationen sicherzu-
Abnutzung – wirtschaftlicher Wertever- stellen. – Wichtige Entscheidungen: An-
zehr abnutzbarer Anlagegüter wie Ge- zahl und Art der Stufen des ĺ  Absatz-
bäude, Maschinen, Fahrzeuge oder Be- weges sowie der auf jeder Stufe einge-
triebs- und Geschäftsausstattung. Die schalteten ĺ  Distributionsorgane sowie
Wertminderung durch  Abnutzung die Gestaltung der Zusammenarbeit zwi-
wird im ĺ  Rechnungswesen durch die schen den einzelnen Elementen.
ĺ  Abschreibung berücksichtigt, steuer- Absatzkette  –  die Glieder eines ĺ  Ab-
lich durch die Absetzung für Abnutzung satzweges, die in ihrer Gesamtheit die
(AfA). Distributionsfunktionen (ĺ  Distribu-
Abrechnung ĺ Clearing. tion) übernehmen. Unselbstständige Glie-
der sind Beschaffungs- und Absatzabtei-
Absatz – 1. Menge, der in einem bestimm- lungen der Produktionsunternehmun-
ten Zeitraum verkauften Produkte  (inkl. gen (inkl. Reisender und Außenlager).
Dienstleistungen).  –  2.  Schlussphase Selbstständige Glieder sind der kollektie-
des innerbetrieblichen Leistungserstel- rende Aufkaufhandel und die distribuie-
lungsprozesses, der aus den betriebli- renden ĺ  Handelsbetriebe und ĺ  Ab-
chen Grundfunktionen ĺ  Beschaffung, satzhelfer, in der Handelsvermitt-
ĺ Produktion und Absatz besteht. –  An- lung Tätige und Marktveranstaltungen.
ders: ĺ Umsatz, ĺ Vertrieb. ĺ  Konsumenten können selbststän-
Absatzhelfer  –  rechtlich und wirt- dige Beschaffungsorganisationen (Kon-
schaftlich selbstständige Personen oder sumgenossenschaften) oder persönlich
5 Abschreibung

Distributionsaufgaben übernehmen (z. B. abschlagsfreie Rente ab 63 ĺ Rente ab


Selbstbedienung).  –  Vgl. auch ĺ  Distri- 63.
butionsorgane. Abschlagszahlung ĺ Teilzahlung.
Absatzmarketing ĺ Marketing. Abschlussbilanz ĺ Jahresabschluss.
Absatzmarkt ĺ  Markt, auf dem Pro- Abschlussprovision ĺ Provision.
dukte/Dienstleistungen verkauft (abge-
setzt) werden. Der  Absatzmarkt ist der Abschlussprüfer ĺ Wirtschaftsprüfer.
ĺ  Produktion nachgelagert. Gegenstück Abschlussprüfung ĺ  Jahresabschluss-
ist der vorgelagerte ĺ  Beschaffungs- prüfung.
markt. Der Absatzmarkt des Verkäufers Abschlussvermittlung ĺ Finanzdienst-
(Anbieters) ist für den Käufer (Nachfra- leistungen.
ger) Beschaffungsmarkt.
Abschlussvertreter ĺ Handelsvertreter.
Absatzmittler – rechtlich und wirtschaft-
lich selbstständige Absatzorgane, die als Abschöpfungen  –  variable ĺ  Abgaben
Elemente des ĺ Absatzkanals von Liefe- auf ĺ Importe, die sich aus der Differenz
ranten Produkte kaufen und ohne wesent- eines staatlich festgelegten Zielpreises im
liche Be- oder Verarbeitung (Manipula- Inland und dem aktuellen Weltmarktpreis
tion) oder Einbau in andere Produkte an ergeben. Abschöpfungen wurden v.a. im
andere Absatzmittler oder Endkäufer wie- Rahmen der EU-Agrarpolitik bis zu dem
der verkaufen, z. B. eine ĺ  Großhandel- Agrarreformprozess 1992 auf Marktord-
sunternehmung oder ĺ Einzelhandelsu- nungsprodukte angewendet.
nternehmung. – Vgl. auch ĺ Distributi- Abschreibung  –  1.  Begriff: a)  Abschrei-
onsorgane. bung i.e.S.: Betrag oder Methode zur Er-
Absatzpolitik ĺ Marketingpolitik. mittlung des Betrages, der bei Gegen-
ständen des ĺ Anlagevermögens, die im
Absatzvolumen ĺ Marktvolumen. Laufe der Nutzungsdauer durch Nutzung
Absatzweg – Distributionsweg, Vertriebs- eingetretenen Wertminderung (ĺ  Ab-
weg, Marktkanal. Weg einer Ware oder nutzung) eines Vermögensgegenstandes
Dienstleistung von der Erzeugung bis hin erfassen soll.  Abschreibungen werden in
zur Verwendung bzw. zum Verbrauch, der ĺ Gewinn- und Verlustrechnung, als
d.h. Art und Umfang des Einschaltens ĺ  Aufwand und in der ĺ  Kostenrech-
von Absatzorganen (ĺ  Absatzhelfer, nung als ĺ Kosten angesetzt. – Ursprüng-
ĺ Absatzmittler) bei der akquisitorischen lich bezog sich die Abschreibungsfähig-
und physischen Distribution von Sach- keit nur auf abnutzbare Gegenstände des
und Dienstleistungen vom Hersteller zum Anlagevermögens, die sowohl materiel-
Endverbraucher. – Zu unterscheiden sind ler als auch immaterieller Art (z. B. Lizen-
im Wesentlichen: a) direkter Vertrieb (Di- zen, Patente, Konzessionen) sein können.
rektvertrieb): Der Absatz erfolgt vom Her- Die aktivierten ĺ  Anschaffungskosten
steller direkt an den Endverbraucher, b) oder ĺ  Herstellungskosten werden ent-
indirekter Vertrieb: In diesem Fall werden sprechend der voraussichtlichen betriebli-
ĺ Absatzmittler eingeschaltet, z. B. Groß- chen Nutzungsdauer jedes Jahr um einen
und Einzelhandel. bestimmten Teilbetrag zur Erfassung des
Abschreibungsgesellschaft 6

in der Rechnungsperiode an dem einzel- Inanspruchnahme oder einer Veralterung


nen Vermögensgegenstand eingetretenen hinsichtlich des technischen Fortschritts
Werteverzehrs gekürzt. b) Abschreibung kann nach dem Handelsrecht jedoch eine
i.w.S.: Neben dem betrieblich bedingten außerplanmäßige  Abschreibung vorge-
Leistungsverzehr an einem Gegenstand nommen werden. (2) Steuerrecht: Abset-
des Anlagevermögens werden auch die zung für Abnutzung (AfA), Absetzung für
sich aus sonstigen Abwertungsgeboten außergewöhnliche technische oder wirt-
und Abwertungswahlrechten ergebenden schaftliche Abnutzung (AfaA), Absetzung
Wertminderungen erfasst. c)  Abschrei- für Substanzverringerung (AfS), erhöhte
bung in der ĺ Volkswirtschaftlichen Ge- Absetzungen, Sofortabschreibung für ge-
samtrechnung ĺ  (VGR):  Abschreibun- ringfügige Wirtschaftsgüter, Sonderab-
gen in der VGR messen Wertminderun- schreibungen und Teilwertabschreibun-
gen von Vermögensgütern während einer gen. b) kalkulatorische Abschreibung: Ab-
Periode durch normalen Verschleiß und schreibungsart der ĺ  Kostenrechnung.
wirtschaftliches Veralten unter Einschluss In diesem Fall werden i.d.R. die Wieder-
des Risikos für Verluste durch versicher- beschaffungskosten angesetzt. Aufgrund
bare Schadensfälle. Sie werden sowohl auf eines unterschiedlichen Wertansatzes, ei-
das gesamte Anlagevermögen als auch auf ner unterschiedlichen ĺ Abschreibungs-
das Gebrauchsvermögen privater Haus- methode oder einem anderen Abschrei-
halte berechnet. Die Bewertung erfolgt je bungszeitraum stimmen Abschreibungen
nach Verwendung zu Anschaffungsprei- in der Bilanz und in der Kostenrechnung
sen, Wiederbeschaffungspreisen oder nicht überein.
konstanten Preisen.  –  2.  Abschreibungs-
Abschreibungsgesellschaft  –  Gesell-
ursachen: a) Technische Ursachen: ge-
schaft, die in steuerbegünstigte Anlage-
wöhnlicher Verschleiß (Gebrauchs- oder
projekte investiert. Ziel einer  Abschrei-
Ruheverschleiß, Abbau) oder außerge-
bungsgesellschaft ist es, den Kapitalanle-
wöhnlicher Verschleiß (Katastrophen-
gern Verluste zuzuweisen, die diese mit
verschleiß); b) Wirtschaftliche Ursachen:
anderen Einkünften oder Gewinnen aus-
z. B. Nachfrageverschiebungen, Fehlin-
gleichen können. Die Anleger mindern so
vestitionen oder Ineffizienz; c) Rechtliche
ihr zu versteuerndes Einkommen oder ih-
Ursachen: Entwertung durch gesetzliche
ren zu versteuernden Gewinn. Die Höhe
Maßnahmen, Ablauf von Verträgen oder
abziehbarer Verluste ist jedoch durch das
Schutzrechten. – 3. Abschreibungsarten: a)
Einkommensteuergesetz (EStG) auf die
bilanzielle Abschreibung: (1) Handelsrecht:
Höhe der Gesellschaftereinlage bzw. auf
Abnutzbare Gegenstände des Anlagever-
den Betrag begrenzt, für den der Gesell-
mögens sind in der ĺ Bilanz planmäßig
schafter gegenüber den Gläubigern haf-
abzuschreiben. D.h., die Anschaffungs-
ten muss.
oder Herstellungskosten werden entspre-
chend der voraussichtlichen betriebli- Abschreibungsmethoden  –  Verfah-
chen Nutzungsdauer jährlich um einen ren, mit denen die Abschreibungsbe-
bestimmten Teilbetrag zur Erfassung des träge berechnet werden (ĺ  Abschrei-
Werteverzehrs gekürzt. Im Fall eines voll- bung). – 1. Lineare Abschreibung: Die An-
ständigen Wertverlusts, einer erhöhten schaffungs- oder Herstellungskosten des
7 Abwicklung

Anlagevermögens werden gleichmäßig Abtretung ĺ Forderungsabtretung.


auf die voraussichtlichen Nutzungsjahre Abwehraussperrung ĺ Aussperrung.
verteilt. – 2.  Degressive Abschreibung: Die
Anschaffungs- oder Herstellungskosten Abweichungsgesetzgebung ĺ Gesetz-
werden in fallende Raten aufgeteilt. Dabei gebungskompetenz.
ist entweder die Differenz der Abschrei- Abwerbung – Die Abwerbung von Kun-
bungsraten konstant (arithmetisch de- den und/oder Beschäftigten von Mit-
gressive Abschreibung) oder der Abschrei- bewerbern ist nach dem Gesetz gegen
bungsprozentsatz (geometrisch degressive den  unlauteren Wettbewerb (UWG) erst
Abschreibung).  –  3.  Progressive Abschrei- bei Hinzutreten bes. Umstände (Einsatz
bung: Die Anschaffungs- oder Herstel- unlauterer Mittel oder Verfolgung unlau-
lungskosten werden in jährlich steigende terer Zwecke) ein „sittenwidriger“ bzw.
Beträge (arithmetisch oder geometrisch ĺ  unlauterer Wettbewerb, z. B. bei irre-
progressiv) aufgeteilt.  –  4.  Leistungsab- führenden und herabsetzenden Äußerun-
schreibung: Die Anschaffungs- oder Her- gen über den bisherigen Lieferanten bzw.
stellungskosten werden nach der Inan- Arbeitgeber. Rechtsfolge können ein An-
spruchnahme oder nach der tatsächlichen spruch auf ĺ Schadensersatz oder ein be-
Nutzung im Abschreibungsjahr verteilt. fristetes Beschäftigungsverbot sein.
Problematisch bei dieser Methode sind ab Werk ĺ  Versandklauseln, ĺ  Inco-
die Prognose und der Nachweis der ent- terms.
standenen Kosten, die auf das einzelne
Jahr entfallen. Abwertung – Wertverlust einer ĺ Wäh-
rung im Vergleich zu einer anderen Wäh-
Abschwung ĺ Konjunkturzyklus. rung. Eine  Abwertung der Inlandswäh-
Absentismus ĺ Fehlzeiten. rung liegt vor, wenn der ĺ Wechselkurs
bei Preisnotierung (z. B. Euro je US-Dol-
Absetzung für Abnutzung (AfA) ĺ Ab-
lar) steigt. In diesem Fall müssen für einen
schreibung.
US-Dollar mehr Euro gezahlt werden.
Absetzung für Substanzverringerung Der Euro wird „billiger“.  –  Mit der  Ab-
(AfS) ĺ Abschreibung. wertung sinkt der ĺ Außenwert der In-
absolute Armut ĺ Armut. landswährung. Die ĺ  Importe werden
teurer, die ĺ  Exporte billiger.  –  Gegen-
absoluter Preis ĺ Preis.
satz: ĺ Aufwertung.
Absonderung  –  Begriff aus dem Insol- Abwicklung  –  Liquidation, Begriff aus
venzrecht (ĺ  Insolvenzverfahren): das dem ĺ  Handelsrecht für die Auflösung
Recht eines Gläubigers auf eine vorzugs- eines Unternehmens. Die Abwicklung hat
weise Befriedigung eines Anspruchs aus die Aufgabe, die persönlichen und ver-
einem Pfand- oder pfandähnlichen Recht mögensrechtlichen Bindungen der Ge-
an einem zur Insolvenzmasse gehörenden sellschafter zu lösen, um so die Vollbeen-
Gegenstand. Letzterer sowie ein Über- digung der Gesellschaft herbeizuführen.
schuss verbleiben der Masse.  –  Anders: In rechtlicher Hinsicht setzt die Abwick-
ĺ Aussonderung. lung einer Gesellschaft ihre Auflösung vo-
Abstimmungskosten ĺ Koordination. raus. In wirtschaftlicher Hinsicht bleibt
ABWL 8

die Gesellschaft bestehen, jedoch in Än- Kapitalerträgen für Privatanleger, womit


derung ihres Gegenstandes nunmehr durch den Abzug die Steuerpflicht abge-
zur  Abwicklung. Gründe für eine  Ab- golten ist.
wicklung können z. B. auf einem Gesell- Accounting ĺ Rechnungswesen.
schafterbeschluss oder einer ĺ Insolvenz
der Gesellschaft beruhen. Accounting Standards Committee of
Germany ĺ  Deutsches Rechnungsle-
ABWL – Abk. für Allgemeine ĺ Betriebs- gungs Standards Committee (DRSC).
wirtschaftslehre (BWL).
Acquisition ĺ Merger & Acquisition.
Abzahlungsgeschäft  –  Ratenkauf, Ge-
schäft, bei dem der Käufer durch Kre- Action Lag ĺ Lag.
ditvertrag (ĺ  Kredit) den Kaufpreis in Ad-hoc-Publizität  –  Wichtiges Instru-
Raten (ĺ Teilzahlung) leistet. Beim Teil- ment der ĺ  Börsenkommunikation:
zahlungsgeschäft wird dem Käufer die Veröffentlichungspflicht für Wertpapie-
ĺ Ware schon vor vollständiger Zahlung remittenten nach dem Wertpapierhan-
übergeben, während beim ĺ Sukzessivlie- delsgesetz (WpHG). Danach sind die
ferungsvertrag auch die Warenmenge in Emittenten, die an einer inländischen
Raten geliefert wird. I.d.R. behält sich der Börse zum Handel zugelassen sind, ge-
Verkäufer das Eigentum an der Ware bis setzlich verpflichtet, kursrelevante Tat-
zur endgültigen Zahlung vor (ĺ  Eigen- sachen unverzüglich öffentlich zu ma-
tumsvorbehalt). Bei einem  Abzahlungs- chen. Publizitätspflichtige Tatsachen
geschäft in Form eines ĺ  Verbraucher- müssen noch vor ihrer Veröffentlichung
vertrages gelten die Schutzvorschriften der ĺ  Bundesanstalt für Finanzdienst-
des ĺ Bürgerlichen Gesetzbuchs (BGB), leistungsaufsicht (BaFin) und der Ge-
außerdem wird es im BGB weitestgehend schäftsführungen der betreffenden Bör-
wie ein ĺ  Verbraucherdarlehen behan- sen mitgeteilt werden. Die BaFin prüft,
delt.  –  Vgl. auch ĺ  verdecktes Abzah- ob die Emittenten ihrer Publizitätspflicht
lungsgeschäft. nachkommen. Ein Verstoß dagegen kann
Abzahlungskredit ĺ Ratenkredit. mit einer erheblichen Geldbuße geahn-
det werden. Die Börsen entscheiden da-
Abzinsung ĺ Diskontierung. rüber, ob die Veröffentlichung der kurs-
Abzugsteuern  –  Quellensteuern. Steu- beeinflussenden Tatsache eine vorüber-
ern, die nicht vom Empfänger einer Zah- gehende Kursaussetzung erfordert. Zu
lung, sondern von der auszahlenden Stelle den meldepflichtigen Tatsachen gehö-
zu leisten sind. Da der Abzug i.d.R. an ren bevorstehende ĺ  Mergers & Acqui-
der Ertrags- oder Einkunftsquelle erfolgt, sitions, Großaufträge, unerwartetes neues
werden  Abzugsteuern auch als Quellen- Umsatzpotenzial, Bilanzzahlen, Gewin-
steuern bezeichnet. Dabei kann es sich neinbrüche, gewichtige personelle und
um anrechenbare Abzugsteuern handeln, andere einschneidende Veränderungen
die den Charakter von Vorauszahlun- im Unternehmen. Ziel der  Ad-hoc-Pu-
gen haben (z. B. die ĺ Lohnsteuer). Ab- blizität ist es, durch das Herstellen der
zugsteuern können aber auch ĺ  Abgel- sog. Bereichsöffentlichkeit, also die In-
tungsteuern sein, in Deutschland z. B. bei formationsweitergabe an wesentliche
9 aggregierte Nachfrage

Informationsvermittler, dem ĺ  Insider- Agenda 21  –  weltweites Aktionspro-


handel vorzubeugen und eine allgemeine gramm zur Umsetzung des Prinzips einer
Transparenz zu schaffen. (in ökologischer, ökonomischer und sozi-
Administrative Lag ĺ Lag. aler Hinsicht) ĺ  nachhaltigen Entwick-
lung im 21.  Jahrhundert. Die Agenda 21
ad-valorem-Zoll ĺ  tarifäre Handels-
wurde 1992 auf der Konferenz der ĺ Ver-
hemmnisse, ĺ Zoll.
einten Nationen (UN) für Umwelt und
AfA – Abk. für Absetzung für Abnutzung, Entwicklung in Rio de Janeiro von 172
ĺ Abschreibung. teilnehmenden  Staaten verabschiedet. –
After-Sales-Service  –  technische und In Deutschland haben zahlreiche Kom-
kaufmännische ĺ  Dienstleistungen munen zur örtlichen Umsetzung der glo-
(ĺ Kundendienst), die nach einem Kauf balen Nachhaltigkeitsstrategie eine lokale
von einem Unternehmen als Leistun- Agenda 21 entwickelt.
gen des ĺ  Vertriebs angebotenen wer- Agentur für Arbeit – früher Arbeitsamt;
den. Dies sind z. B. Schulungen des Bedie- örtliche Dienststelle der ĺ  Bundesagen-
nungspersonals, Wartungs- und Repara- tur für Arbeit. – Vgl. auch ĺ Jobcenter.
turdienste, Managementleistungen. Von
Agglomeration  –  Zusammenballung
großer Bedeutung für die Angebotsdiffe-
oder Ansammlung von ĺ  Standorten
renzierung (ĺ Qualitätswettbewerb) und
(allg. von Merkmalsträgern) auf ein Ge-
Schaffung eines ĺ  akquisitorischen Po-
biet, z. B. Betriebsagglomeration, Kun-
tenzials bei komplexen und erklärungs-
denagglomeration oder Lieferantenagglo-
bedürftigen Produkten und Produkt-
meration.
verbunden, v.a. im Investitionsgüterbe-
reich. – Gegensatz: ĺ Pre-Sales-Service. aggregate demand  –  engl. für aggre-
gierte Nachfrage, ĺ  gesamtwirtschaftli-
AG – Abk. für ĺ Aktiengesellschaft
che Nachfrage.
AGB – Abk. für ĺ Allgemeine Geschäfts-
bedingungen. aggregate supply –  engl. für aggregier-
tes Angebot, ĺ  gesamtwirtschaftliches
Agency-Theorie  –  Prinzipal-Agent-The- Angebot.
orie. Teilgebiet der Wirtschaftstheorie.
Die Agency-Theorie beschäftigt sich mit Aggregation  –  Begriff aus der Wirt-
Kooperationen zwischen Personen oder schaftstheorie für die Zusammenfassung
Unternehmen bei Vorliegen von Inter- mehrerer Einzelgrößen hinsichtlich eines
essenkonflikten und bei unterschiedli- Merkmals. Durch die Aggregation soll es
chem Informationsstand der Beteilig- ermöglicht werden, Zusammenhänge zu
ten. Ausgangspunkt ist eine sog. Agen- erkennen. Die Nachfragen der einzelnen
cy-Beziehung, bei der eine Partei (Agent) Haushalte werden bspw. (in der ĺ  Mi-
im Auftrag einer anderen Partei (Prinzi- kroökonomie) zur Marktnachfrage oder
pal) handelt. Die  Agency-Theorie unter- (in der ĺ Makroökonomie) zur gesamt-
sucht, durch welche Anreizmaßnahmen wirtschaftlichen Nachfrage (aggregate de-
das Verhalten des Agenten indirekt beein- mand) zusammengefasst.
flusst werden kann, damit er im Interesse aggregierte Nachfrage ĺ  gesamtwirt-
des Prinzipals handelt. schaftliche Nachfrage.
aggregiertes Angebot 10

aggregiertes Angebot ĺ  gesamtwirt- Hauptzielsetzung ist die Beseitigung der


schaftliches Angebot. Einkommensdisparität gegenüber ande-
ren Wirtschaftsbereichen. Durch ein Sys-
Agio  –  Aufgeld. 1. Betrag, um den der
tem staatlich festgelegter oder beeinfluss-
Ausgabepreis eines ĺ  Wertpapiers über
ter Preise werden Einzelpreise stabilisiert.
dem ĺ  Nennwert liegt.  –  2.  Betrag,
Diese Preise sind z.T.  deutlich höher als
um den der Rückzahlungsbetrag eines
auf dem Weltmarkt. Für die Agrarpreis-
ĺ  Darlehens über dem Auszahlungsbe-
politik ist die EU zuständig. – 6. Agrarum-
trag liegt. – Gegensatz: ĺ Disagio.
weltpolitik: Ziel ist eine nachhaltige Agrar-
Agrarpolitik  –  1.  Begriff: a) Prakti- produktion, die simultan der Ernährungs-
sche Agrarpolitik: Alle wirtschaftspoli- sicherung, dem Einkommenserwerb und
tischen Maßnahmen zur Beeinflussung dem Ressourcenschutz dient.  –  7.  Agrar-
des Agrarsektors eines Wirtschaftsrau- sozialpolitik: Maßnahmen zur sozialen Si-
mes. b) Theoretische Agrarpolitik: Teilge- cherung der in der Landwirtschaft Täti-
biet der Agrarökonomik, dessen Erkennt- gen und der Armutsbekämpfung im länd-
nisgegenstand das politische Handeln lichen Raum. In Deutschland existiert
im Agrarbereich ist. Zu ihren Aufga- z. B. ein eigenständiges Versicherungssys-
ben gehört es, das agrarpolitische Han- tem, das vom Staat bezuschusst wird.
deln wissenschaftlich zu beschreiben, zu
erklären und dessen Wirkungen zu un- Agrarwirtschaft ĺ Land- und Forstwirt-
tersuchen.  –  2.  Ziele: Als Zielbereiche schaft.
der  Agrarpolitik werden hervorgehoben:
(1) Effizienz (optimale intra- und inter- AIDA-Regel – bekanntes Modell der Wer-
sektorale Ressourcenallokation), (2) Ver- bewirkungsforschung. Danach muss er-
teilungsgerechtigkeit (Sicherung ange- folgreiche ĺ  Werbung folgende Phasen
messener Einkommen in der Landwirt- durchlaufen: (1) A = Attention (Aufmerk-
schaft und die Armutsbekämpfung im samkeit erregen),  (2) I = Interest (Inter-
ländlichen Raum, Ernährungssicherung) esse wecken), (3) D = Desire (Wünsche er-
und (3) Nachhaltigkeit (Berücksichti- wecken), (4) A = Action (Reaktion auslö-
gung von Umwelteffekten in der land- sen, Kauf). – Die AIDA-Regel wurde zur
wirtschaftlichen Produktion). – 3.  Träger AIDCA- und zur AIDCAS-Formel wei-
der Agrarpolitik sind staatliche und über- terentwickelt. Bei der AIDCA-Formel
staatliche Einrichtungen, aber auch nati- folgt der Phase des Kaufwunsches die
onale Organisationen wie der Deutsche Phase der Vertrauensgewinnung (Con-
Bauernverband.  –  4.  Agrarstrukturpoli- fidence). Erst dann folgt die Kaufhand-
tik: Maßnahmen zur Milderung der An- lung. Bei der AIDCAS-Formel folgt der
passungszwänge aufgrund des sektora- Phase des Kaufwunsches die Phase der
len Strukturwandels. Diese werden durch Überzeugung vom Produktvorteil gegen-
Zuschüsse der ĺ  Europäischen Union über vergleichbaren Angeboten (Convic-
(EU) sowie durch Bund und Länder fi- tion). Außerdem geht das Modell davon
nanziert. Die EU gibt im Fall der Agrar- aus, dass nach der Kaufhandlung ĺ Kun-
strukturpolitik den Rahmen für die natio- denzufriedenheit (Satisfaction) hergestellt
nalen Politiken vor. – 5.  Agrarpreispolitik: werden muss.
11 Aktie

AKA-Ausfuhrkredit-Gesellschaft mbH  – Akquisition  –  1.  Marketing: auf der


AKA-Bank. privates, 1952 gegründetes Absatzseite Gewinnung von Kun-
Gemeinschaftsinstitut von 19 deutschen den oder Aufträgen, auf der Beschaf-
Banken zur Finanzierung  kurz-, mittel- fungsseite  Maßnahmen zur Beschaffung
und langfristiger Exportgeschäfte  sowie von Produkten, Dienstleistungen, Perso-
weiterer Transaktionen in  internationa- nal (Personalakquisition) und Immobi-
len Geschäften mit Sitz in Frankfurt a.M. lien. – 2.  Strategisches Management: Kauf
Für die Bewilligung eines AKA-Kredits ist eines Unternehmens oder Unternehmen-
i.d.R. eine Ausfuhrbürgschaft der Euler steiles. Heute wird meistens der angloa-
Hermeskredit-Versicherungs-AG (ĺ Ex- merikanische Begriff ĺ Merger & Acqui-
portkreditgarantien des Bundes) erfor- sition verwendet.
derlich.  –  Weitere Informationen unter akquisitorische Distribution ĺ  Ver-
www.akabank.de. trieb.
AKA-Bank ĺ  AKA-Ausfuhrkredit-Ge- akquisitorisches Potenzial  –  Gesamt-
sellschaft mbH. heit der bei potenziellen Käufern präfe-
Akkordlohn  –  Form des Leistungslohns renzschaffenden Tatbestände eines Unter-
(ĺ  Lohn). Beim  Akkordlohn wird das nehmens, bestehend aus der Qualität der
Mengenergebnis pro Zeiteinheit vergü- angebotenen Produkte, dem Ansehen des
tet. Sofern keine tarifliche Regelung be- Unternehmens, seinem ĺ Kundendienst,
steht, unterliegt die Festsetzung der Ak- seinen ĺ  Lieferungsbedingungen und
kordsätze einschließlich der Geldfaktoren ĺ  Zahlungsbedingungen und ggf. auch
dem erzwingbaren Mitbestimmungsrecht seinem ĺ Standort.
(ĺ  Mitbestimmung) des ĺ  Betriebsrats Aktie  –  Anteil an einer ĺ  Aktiengesell-
in sozialen Angelegenheiten.  –  Zu un- schaft (AG), der entsprechende Mitglied-
terscheiden sind folgende Arten von Ak- schaftsrechte verbrieft. Die  Aktie dient
kordlöhnen: (1) Einzelakkord: Die Ent- der AG zur Beschaffung von ĺ Eigenka-
geltzahlung erfolgt an einen einzelnen im pital. Jede Aktie repräsentiert entweder ei-
Akkordlohn arbeitenden Arbeitnehmer. nen auf volle Euro lautenden Nennwert
(2) Gruppenakkord: Die Entgeltzahlung (ĺ  Nennwertaktie) oder einen Anteil am
geht an eine im  Akkordlohn arbeitende Grundkapital (ĺ  Stückaktie). –  Nach der
Personengruppe. (3) Geldakkord: Lohn Übertragung unterscheidet man folgende
= Menge x Geldeinheit/Stück. (4) Zeitak- Arten von Aktien: a) Inhaberaktie: eine
kord: Lohn = Menge x Stückzeit x Geld- auf den Inhaber lautende Aktie. b) Na-
bzw. Minutenfaktor.  –  Gegensatz: Zeit- mensaktie: eine auf eine bestimmte Per-
lohn (ĺ Lohn). son lautende  Aktie. Ist bei der Übertra-
gung der Aktie die Zustimmung der AG
Akkordrichtsatz ĺ Tariflohn.
erforderlich, handelt es sich um eine sog.
Akkreditiv ĺ Dokumentenakkreditiv. vinkulierte Namensaktie. – Nach dem Um-
fang der verbrieften Rechte gibt es fol-
Akkreditivbank ĺ  Dokumentenakkre-
gende Arten von Aktien: a) Stammak-
ditiv.
tie: Aktie, die dem Inhaber die im Akti-
AKP-Staaten ĺ Cotonou-Abkommen. engesetz vorgesehenen Rechte gewährt
Aktienanalyse 12

(ĺ  Stammaktie). b) Vorzugsaktie: Ak- Verkaufsignale werden aus typischen Er-


tie, die laut Satzung mit bes. Vorrechten scheinungsbildern abgeleitet.
ausgestattet ist (ĺ Vorzugsaktie). – Nach Aktienbuch ĺ Aktienregister
dem Aktiengesetz dürfen  Aktien nur
über dem ĺ Nennwert ausgegeben wer- Aktienfonds ĺ Investmentfonds.
den (ĺ  Agio).  –  Eine  Aktie besteht aus Aktiengesellschaft (AG)  –  spezielle
dem ĺ Mantel, der die Rechte des Aktio- ĺ Rechtsform der ĺ Kapitalgesellschaft
närs verbrieft, und dem ĺ Bogen mit den (juristische Person) und damit ĺ  Han-
Zinsscheinen. delsgesellschaft mit eigener Rechtsper-
sönlichkeit, die im Aktiengesetz (AktG)
geregelt ist. Die Gesellschafter (ĺ Aktio-
Aktienanalyse  –  methodische Erfas-
näre) haften nur mit ihrer Einlage, d.h. die
sung und Auswertung aktueller und his-
Haftung der Gesellschaft beschränkt sich
torischer Daten der durch die ĺ Aktien
auf das in ĺ  Aktien zerlegte ĺ  Grund-
repräsentierten Unternehmung sowie
kapital. Die Aktionäre sind i.d.R. mit Ka-
der Entwicklungstendenz des Marktes.
pitaleinlagen am Grundkapital beteiligt
Grundlage der  Aktienanalyse bilden die
und erhalten Gewinnanteile in Form der
in die marktmäßige Bewertung (Aktien-
ĺ  Dividende.  –  Nach dem Aktiengesetz
kurse) einfließenden Faktoren. Schwer- ist für die Gründung einer AG eine Sat-
punkte der  Aktienanalyse sind das (1) zung, die notariell beurkundet wurde, er-
Selektionsproblem (Aktienauswahl), das forderlich. Diese muss die im Gesetz ge-
(2) Timingproblem (Kauf-/Verkaufszeit- nannten Mindestbestimmungen wie v.a.
punkt) und (3) die Portfolio-Zusammen- Firma, Sitz, Unternehmensgegenstand,
setzung. – Formen der Aktienanalyse sind: Höhe des Grundkapitals, Zerlegung in
a) Fundamentale Aktienanalyse: Diese be- Nennwert- oder Stückaktien und An-
ruht auf unternehmensbezogenen Grö- zahl der Vorstandsmitglieder enthalten.
ßen wie z. B. Geschäftsstruktur, Ertrags- Das Grundkapital einer AG muss mind.
lage, Kostenstruktur, Zukunftschancen 50.000 Euro betragen. Die AG muss ins
der Produkte und Qualität des Manage- ĺ  Handelsregister eingetragen werden.
ments. Aus der Analyse dieser Größen Über den Gründungsvorgang muss ab-
wird der sog. innere oder objektive Wert schließend ein Gründungsbericht erstellt
einer Aktie ermittelt. Im Vergleich zum werden.  –  Organe der AG sind ĺ  Vor-
aktuellen Börsenkurs ergibt sich daraus stand, ĺ  Aufsichtsrat und ĺ  Hauptver-
ein Kauf- oder Verkaufssignal, je nach- sammlung.  –  Eine AG kann aufgelöst
dem ob der innere Wert größer oder werden, wenn dies von der Hauptver-
kleiner als der Börsenkurs ist. b) Techni- sammlung mit Drei-Viertel-Mehrheit be-
sche Aktienanalyse: Die zukünftige Kur- schlossen wird. Sie kann außerdem durch
sentwicklung wird aus der Analyse von Eröffnung des ĺ  Insolvenzverfahrens
Kursverlauf und Handelsvolumen abge- oder nach einer satzungsmäßig festgeleg-
leitet. Als Hilfsmittel werden Charts ge- ten Zeit aufgelöst werden. – Die AG un-
nutzt. Dies sind grafische Darstellun- terliegt der ĺ Körperschaft- und ĺ Ge-
gen von Kurs- oder Umsatzentwicklun- werbesteuer.  –  Vgl. auch ĺ  kleine Akti-
gen zur Ermittlung von Trends. Kauf- und engesellschaft.
13 Aktienumtausch

Aktienindex  –  Kennziffer zur Darstel- führendes Verzeichnis, in dem Namens-


lung der Kursentwicklung (sog. Kursin- aktien (ĺ  Aktien) und ĺ  Zwischen-
dex) oder ĺ  Performance (sog. Perfor- scheine unter Angabe des Namens, Ge-
manceindex). Ein Aktienindex beruht auf burtsdatums und der Adresse des In-
einer Auswahl an Wertpapieren („Korb“). habers sowie der Stückzahl oder der
Beim ĺ  Deutschen Aktienindex (DAX) Aktiennummer und bei Nennbetragsak-
und beim US-amerikanischen ĺ Dow Jo- tien des Betrags einzutragen sind. Außer-
nes Index werden bspw. die Aktien der 30 dem wird jede Übertragung von Namens-
börsenumsatzstärksten deutschen bzw. aktien (Löschung und Neueintragung auf
US-amerikanischen Unternehmen ein- Mitteilung und Nachweis) registriert.
bezogen.  Aktienindizes werden als Ver- Aktienrückkauf  –  Kauf eigener emit-
gleichsmaßstab für Wertpapieranlagen tierter ĺ  Aktien durch eine ĺ  Aktien-
herangezogen.  –  Vgl. auch ĺ  CDAX, gesellschaft (AG). Das Gesetz zur Kont-
ĺ  MDAX, ĺ  TecDAX und ĺ  Midcap rolle und Transparenz im Unternehmens-
Market Index. bereich (KonTraG) und das Aktiengesetz
Aktienmarkt ĺ  Wertpapiermarkt, (AktG) nennen die für einen Aktienrück-
auf dem ĺ  Aktien gehandelt werden. kauf geltenden Auflagen. Danach darf
Der Aktienmarkt umfasst den Börsenhan- eine AG nur bis zu 10 % des ĺ  Grund-
del auf dem streng ĺ  regulierten Markt kapitals Aktien zurückkaufen. Dafür ist
und im Freiverkehr (ĺ Open Market) so- die Zustimmung der Aktionäre auf der
wie den außerbörslichen Handel mit Ak- Hauptversammlung erforderlich. Gründe
tien (ĺ  Over-the-Counter Market oder für den  Aktienrückkauf können die An-
OTC-Markt). Als ĺ  Primärmarkt bein- lage überflüssigen Kapitals, die Erhöhung
haltet er den Aktienemissionshandel, wäh- des Werts der verbleibenden Aktien am
rend der ĺ  Sekundärmarkt den laufen- Markt, die Erschwerung von Übernahme-
den Handel mit emittierten Aktien bildet. versuchen oder die Nutzung als Tausch-
Aktienoption  –  1.  Börsenwesen: termin- währung bei Fremdübernahmen sein.
geschäftliches Recht, in einem festgeleg- Aktiensplit  –  forward stock split; Auf-
ten Zeitraum oder zu einem bestimm- teilung einer ĺ  Aktie mit einem hohen
ten Zeitpunkt eine bestimmte  Menge Kurswert in mehrere Anteile mit klei-
von ĺ  Aktien  zu einem vereinbarten nerem Nennwert. Durch den  Aktiens-
Preis zu kaufen (Kaufoption oder ĺ Call) plit wird die Aktie billiger, ohne dass sich
oder zu verkaufen (Verkaufsoption oder das ĺ Eigenkapital der Aktiengesellschaft
ĺ Put). – 2. Personalwesen: Mitarbeitern, (AG) ändert. Die Handelbarkeit der Ak-
v.a. Führungskräften in Abhängigkeit tie soll damit verbessert werden. – Gegen-
vom Unternehmenserfolg als Zusatzver- satz: ĺ  Aktienzusammenlegung (reverse
gütung eingeräumtes Bezugsrecht auf Ak- stock split)
tien des eigenen Unternehmens (Stock Aktienumtausch  –  Maßnahme zur Fi-
Option). nanzierung von Unternehmensübernah-
Aktienregister  –  (früher) Aktienbuch; men oder Unternehmenszusammen-
ein von der ĺ  Aktiengesellschaft (AG) schlüssen. ĺ Aktien der zu übernehmen-
in Buchform oder auf Datenträgern zu den ĺ  Aktiengesellschaft (AG) werden
Aktienzertifikat 14

gegen Aktien der übernehmenden Gesell- direkt im Hinblick auf seine Zielset-
schaft getauscht. zung  (z. B.  Gewinn- oder Nutzensteige-
rung) eingesetzt werden können. Bes. Be-
Aktienzertifikat – ein anstelle von ĺ Ak-
deutung haben sie für Unternehmungen.
tien gehandeltes ĺ  Wertpapier, das von
Aktionsparameter sind u.a. Preis, Menge,
Banken über hinterlegte Aktien zerti-
Qualität, Information, Werbung, Kon-
fiziert wird, wenn der Handel der Ak-
ditionen, Service, Forschung und Ent-
tien selbst nicht möglich ist oder erleich-
wicklung. Die vom Akteur durch ihren
tert werden soll. – In Deutschland werden
Einsatz indirekt beeinflussbaren Größen
Aktienzertifikate für ausländische Aktien
(Absatz, Umsatz, Kosten, Gewinn) be-
ausgegeben.
zeichnet man als ĺ  Erwartungsparame-
Aktienzusammenlegung –  reverse stock ter.
split; Zusammenlegung von ĺ Aktien mit
Aktionsverzögerung ĺ Lag.
einem geringen Kurswert zu einer Aktie
mit höherem Nennwert. Durch die Akti- Aktiva –  Aktivposten, bilanzielles Vermö-
enzusammenlegung wird die Aktie teu- gen. Summe der Vermögensgegenstände,
rer, ohne dass sich das ĺ Eigenkapital der Rechnungsabgrenzungsposten (ĺ  Rech-
ĺ  Aktiengesellschaft (AG) ändert. Die nungsabgrenzung), Korrekturposten
Handelbarkeit der Aktie soll damit ver- und Bilanzierungshilfen eines Unter-
bessert werden.  –  Gegensatz: ĺ  Aktien- nehmens, die auf der linken Seite (Aktiv-
split (forward stock split) seite) der ĺ Bilanz ausgewiesen werden.
Die Aktivseite zeigt die Mittelverwendung
Aktionär  –  Inhaber von ĺ  Aktien.
auf. – Gegensatz: ĺ Passiva.
Der Aktionär ist damit Teilhaber (Gesell-
schafter) einer ĺ Aktiengesellschaft (AG) Aktivgeschäfte ĺ  Bankgeschäfte, die
oder einer ĺ Kommanditgesellschaft auf der Mittelverwendung der Kreditinsti-
Aktien (KGaA). Bei Inhaberaktien be- tute dienen und auf der linken Seite (Ak-
rechtigt der bloße Besitz der Aktienur- tivseite) der Bankbilanz ausgewiesen
kunde den Inhaber als Aktionär. Auf der werden. Zu den  Aktivgeschäften zählen
Namensaktie ist der Aktionär namentlich Kreditgeschäfte, aber auch eigene Anlage-
bezeichnet und im ĺ Aktienregister ein- geschäfte der Bank (z. B. Kauf von Wert-
getragen.  –  Ein  Aktionär hat  Anspruch papieren oder Beteiligungen).  –  Gegen-
auf eine Gewinnbeteiligung (ĺ  Divi- satz: ĺ Passivgeschäfte.
dende) und auf einen Anteil am Erlös im
Aktivierung – Begriff aus dem Handels-
Fall der Auflösung der Gesellschaft. Er hat
recht für den Ausweis von Vermögensge-
ĺ Stimmrecht sowie Auskunfts- und Re-
genständen auf der linken Seite (Aktiv-
derecht in der ĺ  Hauptversammlung.
seite) der ĺ  Bilanz  (ĺ  Aktiva).  –  Nach
Außerdem hat der Aktionär bei der Aus-
dem ĺ  Handelsgesetzbuch (HGB) müs-
gabe von jungen Aktien, Wandel- und
sen Vermögensgegenstände ausgewie-
Gewinnschuldverschreibungen sowie Ge-
sen werden (sog. Aktivierungspflicht).
nussscheinen ein ĺ Bezugsrecht.
Ein Aktivierungswahlrecht besteht jedoch
Aktionsparameter  –  Mittel, die von ei- bei einem ĺ Disagio, bei Aufwendungen
nem Akteur (Entscheidungsträger) für die Ingangsetzung und Erweiterung
15 Alleinvertrieb

eines Geschäftsbetriebs und bei ĺ laten- an die sich ändernde gesamtwirtschaftli-


ten Steuern. Zudem gilt ein sog. Aktivie- che Nachfrage angepasst werden. In Kom-
rungsverbot bspw. für Aufwendungen, die bination mit dem Multiplikatorprinzip
im Zusammenhang mit einer Unterneh- (ĺ  Multiplikator) wird das  Akzelerator-
mensgründung stehen oder für die Be- prinzip zur Erklärung von Konjunktur-
schaffung des dafür erforderlichen Ei- schwankungen (ĺ Konjunktur) herange-
genkapitals sowie für selbst erstellte zogen.
immaterielle Gegenstände des Anlage-
Akzept  –  1.  Unterschrift des Schuld-
vermögens. – Gegensatz: ĺ Passivierung.
ners auf der Wechselurkunde. Durch
Aktivierungsverbot ĺ Aktivierung. diese Annahmeerklärung verpflichtet
Aktivierungswahlrecht ĺ Aktivierung. sich der Wechselschuldner (Bezogener),
den Wechselbetrag bei Fälligkeit an den
Aktivkonto ĺ Bestandskonto.
Begünstigten (Wechselnehmer) zu zah-
Aktivposten ĺ Aktiva. len. – 2. ĺ Wechsel, der vom Schuldner
Aktivzinsen ĺ Sollzinsen. angenommen wurde.
Aktuar – bes. qualifizierter Wirtschafts-/ Akzeptakkreditiv ĺ  Dokumentenak-
Versicherungsmathematiker, der mit Me- kreditiv.
thoden der Wahrscheinlichkeitsrechnung
Akzeptkredit  –  Wechselkredit. Kredit,
und Statistik  unter Berücksichtigung der
den eine Bank gewährt, indem sie inner-
rechtlichen und wirtschaftlichen Rah-
halb einer festgelegten Kreditgrenze vom
menbedingugen unterschiedliche Risi-
Kreditnehmer ausgestellte ĺ Wechsel an-
ken u. a. im Versicherungs- und Bauspar-
nimmt (ĺ Bankakzept). Durch einen Ak-
wesen, der Kapitalanlage und Altersvor-
zeptkredit stellt die Bank ihrem Kunden
sorge  (z. B. Versicherungs-, Anlage-  und
die eigene ĺ  Kreditwürdigkeit (Bonität)
Liquiditätsrisiken) analysiert.
zur Verfügung.  –  Vgl. auch ĺ  Diskont-
aktueller Rentenwert  –  wichtiger Be- kredit.
standteil der ĺ  Rentenformel. Der  ak-
tuelle Rentenwert ist der Betrag, der ei- Aliudlieferung ĺ Sachmangel.
ner monatlichen ĺ  Altersrente in der Alleineigentum ĺ Eigentum.
gesetzlichen ĺ  Rentenversicherung ent-
spricht, wenn für ein Kalenderjahr Bei- Alleinvertrieb  –  Exklusivvertrieb. Ver-
träge aufgrund des Durchschnittsentgelts triebsform, bei der das Produktprogramm
gezahlt worden sind. Der aktuelle Renten- eines Herstellers ganz oder z.T. in einem
wert wird jedes Jahr zum 1. Juli angepasst festgelegten Gebiet nur über einen Ver-
(ĺ Rentenanpassung). tragshändler angeboten wird. I.d.R. ver-
pflichtet sich dieser, die Ware nur vom
aktueller Wettbewerb ĺ Wettbewerb. betreffenden Hersteller zu beziehen oder
Akzeleratorprinzip  –  Begriff aus der nur an bestimmte Kunden im vereinbar-
ĺ Volkswirtschaftslehre (VWL). Das Ak- ten Verkaufsgebiet zu verkaufen. – Allein-
zeleratorprinzip besagt, dass im Verlauf vertriebsvereinbarungen (vertikale Ver-
von gesamtwirtschaftlichen Prozessen In- einbarungen) unterliegen grundsätzlich
vestitionen aus Kapazitätsgründen linear dem Verbot des Art. 81 EGV, das aber
Allfinanz 16

über sog. Gruppenfreistellungsverord- Allgemeine Krankenversicherungs-


nungen (GVO) bedingte Ausnahmen zu- pflicht – Im Rahmen der Gesundheitsre-
lässt. form 2007 für jede Person mit Wohnsitz
in Deutschland eingeführte Pflicht (§ 193
Allfinanz  –  Angebot aller Finanzdienst- Versicherungsvertragsgesetz (VVG)), für
leistungen aus einer Hand. Allfinanz um- sich selbst und für die gesetzlich von ihm
fasst neben den klassischen Bankdienst- vertretenen Personen, soweit diese nicht
leistungen z. B. Versicherungsleistungen, selbst Verträge abzuschließen können,
ĺ  Leasing, ĺ  Factoring, ĺ  Bausparen, bei einem in Deutschland zum Geschäfts-
Vermittlung von Immobilien oder Un- betrieb zugelassenen Versicherungsun-
ternehmensberatungsleistungen. Zur ternehmen eine (private) Krankheits-
Durchführung von Allfinanzgeschäften kostenversicherung abzuschließen und
können ĺ  Kreditinstitute mit anderen aufrechtzuerhalten. Diese Pflicht zum
spezialisierten Finanzinstituten zusam- Abschluß einer privaten ĺ  Krankenver-
menarbeiten, Tochterunternehmen grün- sicherung besteht nicht für alle Perso-
den oder sich an anderen Finanzinstituten nen, die in der gesetzlichen Krankenversi-
beteiligen. Durch das Angebot von Allfi- cherung versicherungspflichtig oder ver-
nanzgeschäften sollen Kundenbindungen sichert sind oder deren Krankheitskosten
gestärkt, der Kundenkreis erweitert oder auf andere Weise gedeckt sind (z. B. Bei-
Synergien im ĺ Vertrieb genutzt werden. hilfeberechtigte, Heilfürsorgeberech-
Allgemeine Betriebswirtschaftslehre tigte, Asylbewerber, Leistungsempfänger
(ABWL) ĺ  Betriebswirtschaftslehre nach den 12. Sozialgesetzbuch). Dadurch
(BWL) wurde die bis dahin bestehende Kranken-
versicherungslücke in Deutschland  ge-
Allgemeine Geschäftsbedingungen schlossen, was einer allgemeinen  Kran-
(AGB) – „das Kleingedruckte“. Vorformu- kenversicherungspflicht für Bundesbür-
lierte, also nicht im Einzelfall ausgehan- ger gleichkommt. – Um die Pflicht zu
delte Vertragsklauseln, die eine Vertrags- einer privaten substitutiven Krankenver-
partei der anderen bei Vertragsabschluss sicherung zu gewährleisten, wurden die
einseitig stellt. Sie bedürfen daher ei- privaten Krankenversicherungen (PKV)
ner bes. Kontrolle, um ihren Missbrauch durch §  12 Versicherungsaufsichtsgesetz
zu verhindern. Nach dem ĺ  Bürgerli- (VAG) seit dem 1.1.2009 verpflichtet, ei-
chen Gesetzbuch (BGB) muss derjenige, nen  den  Pflichtleistungen der gesetzli-
der die AGB stellt, den Vertragspartner chen Krankenversicherung  entsprechen-
auf die AGB ausdrücklich hinweisen. Be- den brancheneinheitlichen  Basistarif mit
stimmungen der AGB sind dann unwirk- der Möglichkeit zu einem Selbstbehalt
sam, wenn sie entgegen dem Gebot von (ĺ  Selbstbeteiligung)  anzubieten. Der
ĺ  Treu und Glauben nur die Interessen Beitrag hierfür darf den Höchstbeitrag
des wirtschaftlich Stärkeren berücksich- der gesetzlichen Krankenversicherung
tigten. Inhalt der AGB sind z. B. ĺ Erfül- nicht übersteigen. Zudem sind die priva-
lungsort, ĺ  Gerichtsstand, ĺ  Haftung, ten Krankenversicherer verpflichtet, al-
ĺ  Eigentumsvorbehalt,  ĺ  Lieferungs- len Bundesbürgern, die nicht zur gesetz-
und ĺ Zahlungsbedingungen. lichen Krankenversicherung verpflichtet
17 Alterseinkünftegesetz (AltEinkG)

sind, die Versicherung in diesem Basista- der ĺ  Marktwirtschaft wird die  Alloka-
rif zu gewähren. tion primär über den ĺ Preis bestimmt,
Allgemeine Ortskrankenkasse (AOK) – in der ĺ  Zentralverwaltungswirtschaft
Träger der gesetzlichen ĺ  Krankenver- durch die zentrale Planungsinstanz.
sicherung (ĺ Krankenkasse). Eine AOK Alternativkosten ĺ  Opportunitätskos-
ist eine ĺ  Körperschaft des öffentlichen ten.
Rechts. Sie unterliegt der Aufsicht der Alterseinkünfte  –  Altersbezüge, Begriff
für die Gesundheitspolitik zuständigen der ĺ  Einkommensteuer, der alle Ein-
Landesgesundheitsministerien. Insge- nahmen in Form von Geld oder geldwer-
samt gibt es in Deutschland 11 selbststän- ten Leistungen eines Steuerpflichtigen im
dige AOK, die im AOK-Bundesverband Ruhestand umfasst: (1) Bezüge und Vor-
zusammengeschlossen sind. teile aus früheren Dienstverhältnissen
allgemeines Gleichgewicht ĺ  Markt- (Pensionen, Ruhegehälter, Witwen- und
gleichgewicht. Waisengelder), (2) Nachträgliche Ein-
künfte aus einer ehemaligen Tätigkeit
Allgemeines Zoll- und Handelsab-
oder einem früheren Rechtsverhältnis, (3)
kommen (GATT)  –  General Agreement
Unterhaltsleistungen, (4) Versorgungs-
on Tariffs and Trade. Internationales Ver-
leistungen, (5) Schuldrechtlicher Versor-
tragswerk, dessen Zielsetzung die Schaf-
gungsausgleich, (6) Einnahmen aus Al-
fung einer Welthandelsordnung war. Das
tersvorsorgeverträgen, Pensionsfonds,
GATT trat 1948 in Kraft. Dem GATT ge-
Pensionskassen und Direktversicherun-
hörten über 120 Staaten an. Deutsch-
gen, (7) Wiederkehrende Bezüge und (8)
land trat 1951 dem GATT bei. Im Laufe
Leibrenten.
der Zeit entwickelte sich eine selbststän-
dige internationale Organisation. – In ins- Alterseinkünftegesetz (AltEinkG) – Ge-
gesamt acht Verhandlungsrunden wur- setz von 2004, das die Besteuerung von
den konkrete Vereinbarungen zum Ab- ĺ Alterseinkünften und ĺ Vorsorgeauf-
bau von Handelshemmnissen getroffen. wendungen für das Alter neu regelt. Ziel
In der letzten Runde 1993 (sog. Uru- des Gesetzes ist es, Beamtenpensionen
guay-Runde) wurde die Schaffung der (ĺ  Pension)  und ĺ  Renten aus der ge-
ĺ  Welthandelsorganisation (WTO) als setzlichen ĺ Rentenversicherung bei der
Nachfolgeorganisation beschlossen, die Einkommensbesteuerung gleichzustel-
1995 gegründet wurde.  –  Das GATT ist len. Entsprechend werden Renten aus der
heute Teil der WTO. Es regelt den Wa- gesetzlichen Rentenversicherung nach-
renverkehr sowie zusätzlich die Bereiche gelagert besteuert und gleichzeitig die Al-
Landwirtschaft und Textilien. tersvorsorgeaufwendungen steuerlich frei-
gestellt.  –  Renten aus der gesetzlichen
Allgemeine Wirtschaftspolitik ĺ Wirt- Rentenversicherung werden seit 2005 zu
schaftspolitik. 50 % besteuert. Für jeden neuen Rent-
Allokation  –  Begriff der ĺ  Volkswirt- nerjahrgang steigt dieser Anteil um wei-
schaftslehre (VWL): Zuweisung von Gü- tere 2 %. Die volle Besteuerung wird 2040
tern und ĺ Produktionsfaktoren auf Per- erreicht. Parallel dazu werden die Bei-
sonen und ĺ  Produktionsprozesse. In träge zur ĺ  Altersversorgung in Stufen
Altersentlastungsbetrag 18

freigestellt, beginnend mit 60 % im Jahr langjährig unter Tage beschäftigte Ber-


2005.  Die völlige Freistellung wird 2025 gleute: Vollendung des 62.  Lebensjah-
erreicht sein. Der abzugsfähige Höchstbe- res und Wartezeit von 25 Jahren.  (7) Al-
trag beläuft sich auf 20.000 Euro jährlich. tersrente wegen Arbeitslosigkeit oder Alter-
steilzeit: Altersgrenze 65 Jahre, Wartezeit
Altersentlastungsbetrag  –  Begriff der
15 Jahre,  entweder arbeitslos  bei Ren-
ĺ  Einkommensteuer: ĺ  Freibetrag für
tenbeginn und  insgesamt 52 Wochen
Steuerpflichtige, die das 64.  Lebensjahr
nach Vollendung von 58,5 Lebensjah-
vollendet haben. Nach dem ĺ Altersein-
ren oder bei mind. 24 Monaten Altersteil-
künftegesetz (AltEinkG) von 2004 ist
zeitarbeit. – Eine Altersrente kann in vol-
der Altersentlastungsbetrag von dem Ka-
ler Höhe (Vollrente) oder in halber Höhe
lenderjahr, das auf die Vollendung des
(Teilrente zu 1/3, 1/2 oder 2/3) in Anspruch
64. Lebensjahres folgt, abhängig. Für das
genommen werden.  –  Ab dem 67.  Le-
Jahr 2005 waren es 40 % der Einkünfte
bensjahr kann der Rentner unbeschränkt
(maximal 1.900 Euro monatlich). Der
hinzuverdienen. Für alle anderen  Alters-
Prozentsatz sinkt bis 2020 jährlich um
renten gelten unterschiedlich gesetzlich
1,6 % und bis 2040 um 0,8 %. Bis 2040
geregelte Hinzuverdienstgrenzen.
wird er so abgeschmolzen.
Altersruhegeld ĺ Altersrente.
Altersrente  –  Altersruhegeld, laufende
monatliche Leistung im Rahmen der ge- Alterssicherung ĺ Rentenversicherung.
setzlichen ĺ Rentenversicherung zur Al- Altersteilzeit – Verminderung der ĺ Ar-
terssicherung. Nach dem geltenden Ren- beitszeit ab dem 55. Lebensjahr, um einen
tenrecht wird unterschieden zwischen: (1) gleitenden Übergang in die ĺ Altersrente
Regelaltersrente: Vollendung des 67.  Le- zu erreichen. Im Gleichverteilungsmodell
bensjahres (mit Übergangsregelung) und wird die Arbeitszeit während der gesam-
Wartezeit von fünf Jahren. (2) Altersrente ten Altersteilzeit auf die Hälfte reduziert,
für Schwerbehinderte: Vollendung des während im Blockmodell die  Altersteil-
65. Lebensjahres (des 63. Lebensjahres bei zeit auf eine Arbeits- und eine gleich lange
Geburt vor 1952, u.U. des 60. Lebensjah- Freistellungsphase aufgeteilt wird.  –  Der
res) und Wartezeit von 35 Jahren. (3)  Al- Arbeitgeber übernimmt die Rentenver-
tersrente für langjährig Versicherte: Voll- sicherungsbeiträge für die Differenz zwi-
endung des 67.  Lebensjahres (mit Über- schen Teilzeitarbeitsentgelt und 90 % des
gangsregelung) und Wartezeit von 35 Vollzeitarbeitsentgelts. Auf diese Weise
Jahren. (4)  Altersrente für bes. langjährige werden ungekürzte Rentenansprüche ge-
Versicherte (ĺ Rente ab 63): Vollendung sichert. Die zusätzlichen Leistungen des
des 63. Lebensjahres (mit Übergangsrege- ĺ  Arbeitgebers, der Aufstockungsbe-
lung)  abschlagsfrei nach 45 Beitragsjah- trag sowie die Höherversicherung sind
ren (seit 1.  Juli 2014). (5)  Altersrente für steuer- und beitragsfrei. – Nach dem Al-
Frauen: vor dem 1.1.1952 geboren, Voll- tersteilzeitgesetz (ATG) kann  Altersteil-
endung des 65.  Lebensjahres, mehr als zeit durch die ĺ  Bundesagentur für Ar-
zehn Jahre versicherungspflichtige Tätig- beit gefördert werden. Voraussetzung ist,
keit nach dem 40. Lebensjahr und War- dass die Arbeitszeit auf die Hälfte der bis-
tezeit von 15 Jahren. (6) Altersrente für herigen vermindert wird. Die Arbeitszeit
19 Amortisationsrechnung

darf jedoch nicht weniger als 15 Arbeits- von  Privatvermögen einen angemesse-
wochenstunden betragen. Die  Förde- nen Lebensunterhalt zu sichern. – 2.  För-
rung  neuer  Altersteilzeitfälle  ist im De- derung: Neben der Sicherung der gesetz-
zember 2009 ausgelaufen. lichen Grundversorgung werden insbes.
steuerliche und finanzielle Anreize zur
Altersversorgung – 1. Begriff: Bereitstel-
privaten Altersvorsorge gegeben: Steu-
lung der erforderlichen Mittel (Kapital
erfreiheit für Arbeitgeberanteile zur ge-
oder Renten) für den Ruhestand nach Er-
setzlichen ĺ  Rentenversicherung, Steu-
reichen der Altersgrenze oder bei Invali-
erbefreiung sozialer Versorgungskassen,
dität und für die Hinterbliebenen im To-
steuerliche Anreize für die betriebliche
desfall. Genauer wäre die Bezeichnung
Altersversorgung, steuerliche Abzugs-
Alters-, Invaliditäts- und Hinterbliebe-
fähigkeit von Altersvorsorgebeiträgen
nenversorgung. – 2.  System der Altersver-
(ĺ  Vorsorgeaufwendungen) als Sonder-
sorgung in Deutschland: „Dreisäulenkon-
ausgaben sowie staatliche Zulagen zur ka-
zept“ eines mehrstufigen Versorgungssys-
pitalgedeckten Altersvorsorge (ĺ  Ries-
tems: a) kollektive Basisversorgung kraft
ter-Rente).
Gesetz: (1) Beamtenversorgung, (2) ge-
setzliche ĺ  Rentenversicherung und (3) Altersvorsorgeaufwendungen ĺ  Vor-
Berufsständische Zwangsversicherungs- sorgeaufwendungen.
einrichtungen für Selbständige und freie Alterszulage ĺ Zulage.
Berufe (z. B. Ärzte, Architekten, Journa- Amortisation  –  1.  Rückfluss der Inves-
listen, Handwerker, Landwirte, Rechts- titionsbeträge hinsichtlich der Finan-
anwälte). b) Betriebliche Altersversor- zierung (ĺ  Liquidität) oder der Wirt-
gung: Leistungen der Alters-, Invalidi- schaftlichkeit (ĺ  Amortisationsrech-
täts- und Hinterbliebenenversorgung aus nung). – 2. ĺ Tilgung einer Schuld.
Anlass eines Arbeitsverhältnisses. Seit
2002 gilt eine gesetzliche Verpflichtung Amortisationsanleihe ĺ  Tilgungsan-
für die Arbeitgeberseite, eine betriebli- leihe.
che  Altersversorgung anzubieten. c) In- Amortisationsdauer ĺ  Amortisations-
dividuelle Vorsorge: Jede Art der Vermö- rechnung.
gensbildung(z. B. Lebensversicherung, Amortisationshyopthek ĺ Tilgungshy-
Investmentsparen), Risiko- und Berufs- pothek.
unfähigkeitsversicherungen. d) Versor-
Amortisationsrechnung  –  Verfahren
gungslücken werden im Rahmen des
der ĺ  Investitionsrechnung zur Beur-
ĺ Subsidiaritätsprinzips durch die ĺ So-
teilung eines Investitionsobjekts im Hin-
zialhilfe (Grundsicherung im Alter) und
blick auf die Dauer der ĺ  Amortisation
die Wohlfahrtspflege geschlossen.  –  Vgl.
des investierten Kapitals. Die Amortisa-
auch ĺ Altersvorsorge.
tionsdauer ist der Zeitraum, in dem die
Altersvorsorge  –  1.  Begriff: Vorsorge- Summe der geplanten Nettoeinzahlungen
maßnahmen mit dem Ziel, im Alter durch den Anschaffungsbetrag mind. erreicht.
den Erwerb von Anwartschaften auf ge- Es kann zusätzlich eine Verzinsung des in-
setzliche und private Versorgungsleistun- vestierten Kapitals berücksichtigt werden.
gen (ĺ  Altersversorgung)  und Bildung Für die Beurteilung des Investitionsrisikos
amtlicher Makler 20

ist die Amortisationsrechnung problema- Strafsachen ist es nur zuständig, wenn ge-


tisch, da die Restlebensdauer des Investi- setzlich nicht eine höhere Instanz vorge-
tionsobjekts nach Ablauf der Amortisati- schrieben ist.
onsdauer nicht berücksichtigt wird. Amtshilfe  –  1.  Grundgesetz: Gegensei-
amtlicher Makler ĺ Skontroführer. tige Beistandsleistung aller Behörden des
Bundes und der Länder nach Art. 35 GG
amtlicher Markt  –  früherer Teilmarkt durch Auskunftserteilung, Übersendung
der ĺ  Börse, der (anders als der „gere- von Akten etc., Hilfe bei Naturkatastro-
gelte“ Markt) bes. strengen Zulassungsbe- phen und schweren Unglücksfällen durch
stimmungen unterlag. Seit dem 1.11.2007 Polizei, Bundesgrenzschutz und Streit-
gibt es aufgrund der Umsetzung der kräfte. – 2.  Steuerrecht: Alle Gerichte und
EU-Richtlinie über Märkte für Finanzins- Behörden haben den Finanzbehörden die
trumente (MiFID) von 2004 nur noch den zur Durchführung der Besteuerung erfor-
einheitlichen ĺ regulierten Markt. derliche Amtshilfe zu leisten.
amtliche Statistik  –  1.  Begriff: Gesamt- Anbieterpolypol ĺ Polypol.
heit der von speziellen Fachbehörden
und den übrigen Behörden der Gebiets- Anbieterwettbewerb ĺ Wettbewerb.
körperschaften (EU, Bund, Ländern und Anderkonto  –  Treuhandkonto. Bank-
Gemeinden) für staatliche, wissenschaft- konto, auf dem Gelder treuhänderisch
liche und private Zwecke zusammenge- verwaltet werden (ĺ  Treuhandschaft).
stellten Statistiken. – 2. Statistische Ämter: Berechtigt zur Eröffnung eines  Ander-
(1) Europäisches Statistisches Amt in Lux- kontos sind Rechtsanwälte, Notare, Wirt-
emburg, (2) ĺ  Statistisches Bundesamt schaftsprüfer, Steuerberater und Paten-
in Wiesbaden, (3) Statistische Landesäm- tanwälte. Der Treuhänder ist über das
ter.  –  3.  Hauptthemengebiete: (1) Bevöl- Konto allein verfügungsberechtigt. Der
kerungsstatistik, (2) Bildungsstatistik, (3) Vermögenseigentümer selbst hat kein
Gesundheitsstatistik, (4) Sozialstatistik, Verfügungs- und Auskunftsrecht. Ein An-
(5) Rechtspflegestatistik, (6) Umweltsta- derkonto kann bspw. bei Grundstücks-
tistik und (7) Wirtschaftsstatistik. –  Wei- käufen eröffnet werden, um sicherzustel-
tere Informationen unter www.destatis.de. len, dass die Vertragsbedingungen erfüllt
Amtsgericht ĺ Gericht der ordentlichen werden.
Gerichtsbarkeit auf der unteren Stufe des Anderskosten ĺ  Kosten, die sich zwar
Gerichtsaufbaus. Das Amtsgericht ent- direkt aus dem ĺ Aufwand ableiten las-
scheidet in Zivilsachen durch Einzelrich- sen, aber in der Höhe „anders“ als der be-
ter und in Strafsachen durch Einzelrichter treffende Aufwand erfasst werden.  An-
oder als Spruchkörper durch das Schöf- derskosten sind „bewertungsverschie-
fengericht. In Zivilsachen ist das Amtsge- dene“ oder „aufwandsungleiche“ Kosten,
richt bei Ansprüchen bis zum Streitwert z. B. Ersatz der Bilanzabschreibungen
von  5.000 Euro, Wohnraummietsachen, durch ĺ kalkulatorische Abschreibungen
Kindschafts-, Unterhalts- und Famili- und Ersatz der Fremdkapitalzinsen durch
ensachen, Reisestreitigkeiten, Mahnver- ĺ  kalkulatorische Zinsen.  –  Vgl. auch
fahren und Registersachen zuständig. In ĺ kalkulatorische Kosten.
21 Angestellter

Änderungskündigung ĺ  Kündigung Angebotskurven dargestellt. Sie zeigen die


eines ĺ  Arbeits- oder ĺ  Mietvertrags, Abhängigkeit des  Angebots vom jeweili-
verbunden mit dem  Angebot auf Ab- gen Preisniveau. Als Normalfall gilt, dass
schluss eines neuen Vertrags. I.d.R. ist das  Angebot mit steigendem Preis zu-
die neue Regelung für den Gekündigten nimmt. – Gegensatz: ĺ Nachfrage.
schlechter als die alte. Die Kündigung ein- Angebotselastizität ĺ Elastizität.
zelner Vertragsbedingungen, z. B. im Fall
des Arbeitsvertrags Arbeitsentgelt und angebotsorientierte Wirtschaftspoli-
Beschäftigungsort, sind jedoch grund- tik – mittel- und langfristig ausgerichtete
sätzlich unzulässig. Eine  Änderungs- wirtschaftspolitische Maßnahmen, die
kündigung unterliegt dem Kündigungs- an den Einflussgrößen des gesamtwirt-
schutz nach dem Kündigungsschutzgesetz schaftlichen Angebots (ĺ  Produktivität,
(KSchG) sowie dem ĺ Mieterschutz nach ĺ  Produktionskosten, ĺ  Produktions-
dem ĺ Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB). potenzial) ansetzen. Sie versteht sich als
Alternative zur keynesianischen Nachfra-
anerkannter Ausbildungsberuf ĺ Aus- gesteuerung. Ziel der  angebotsorientier-
bildungsberuf. ten Wirtschaftspolitik ist es, die Bedin-
Anfangsbilanz ĺ Eröffnungsbilanz. gungen für Investitionen, ĺ Wirtschafts-
wachstum und ĺ Produktion und damit
Anfechtung  –  Mittel, um ein Rechtsge- für die ĺ Beschäftigung in der Gesamt-
schäft, das durch eine ĺ  Willenserklä- wirtschaft zu verbessern. Eine  angebots-
rung zustande gekommen ist, nachträg- orientierte Wirtschaftspolitik bedeutet
lich für nichtig zu erklären. Nach dem v.a., die Märkte zu deregulieren, die öf-
ĺ Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB) kön- fentlichen Finanzen zu konsolidieren, den
nen Rechtsgeschäfte wegen Irrtums, arg- Staatsanteil zu verringern, Subventionen
listiger Täuschung oder Drohung ange- abzubauen sowie Unternehmenssteuern
fochten werden. Wenn ein Anfechtungs- und Sozialversicherungsbeiträge zu sen-
grund vorliegt, wird das Rechtsgeschäft ken. –  Gegensatz: ĺ nachfrageorientierte
rückwirkend unwirksam. Dies gilt nicht Wirtschaftspolitik.
für Arbeits- und Gesellschaftsverträge.
Angebotstheorie des Haushalts ĺ
In diesen Fällen gilt die  Anfechtung erst
Haushaltstheorie.
ab dem Zugang der Erklärung. – Die An-
fechtung ist gegenüber dem Vertragspart- Angebotsüberschuss ĺ Marktgleichge-
ner oder dem Empfänger der Willenser- wicht.
klärung zu erklären. Gesetzlich ist keine angemessene Eigenmittelausstattung
bestimmte Form für die Anfechtung vor- ĺ Solvabilität.
geschrieben. Das Anfechtungsrecht geht
Angestellter ĺ Arbeitnehmer, der nach
durch Bestätigung des Geschäfts verloren.
herkömmlicher Auffassung überwie-
Angebot  –  Menge an Gütern, die zum gend geistige Aufgaben (z. B. kaufmän-
Kauf oder ĺ  Tausch angeboten wird. nische, höhere technische, büromäßige
Als wichtigste Determinante des  Ange- oder überwiegend leitende Tätigkeit) er-
bots wird der ĺ  Preis angesehen.  –  Das füllt. Die Unterscheidung in  Angestellte
Angebotsverhalten wird durch sog. und ĺ  Arbeiter gilt als überholt. Die
Angriffsaussperrung 22

Einteilung ist jedoch teilweise noch tarif- gesetzbuch (HGB) verpflichtet,  Anla-
vertraglich und sozialversicherungsrecht- gengitter zu erstellen. Im  Anlagengitter
lich relevant. – Vgl. auch AT-Angestellter, werden die Anschaffungs- und Herstel-
ĺ leitender Angestellter. lungskosten, die Zu- und Abgänge, die
Angriffsaussperrung ĺ Aussperrung. Umbuchungen sowie die Summe der Ab-
schreibungen aus den Vorjahren und dem
Anhang  –  Bestandteil des ĺ  Jahresab-
Geschäftsjahr aufgeführt.  –  Vgl. auch
schlusses bei ĺ  Kapitalgesellschaften
Abb. „Anlagengitter“.
bzw. des ĺ Konzernabschlusses. Der An-
hang enthält Erklärungen und Ergänzun- Anlagenrechnung  –  Teilgebiet des in-
gen zu einzelnen Positionen der ĺ  Bi- ternen ĺ  Rechnungswesens. In der  An-
lanz und der ĺ  Gewinn- und Verlust- lagenrechnung wird der Bestand und
rechnung (GuV). Anhänge sind nach dem die Veränderungen der ĺ Anlagen nach
ĺ  Handelsgesetzbuch (HGB) prüfungs- Art, Menge und Wert erfasst. Die  Anla-
und offenlegungspflichtig. genrechnung soll Informationen für an-
lagebezogene Entscheidungen (insbes.
Ankerwährung ĺ Leitwährung.
Anlagenauswahl, -instandhaltung und
Anlageberatung ĺ  Finanzdienstleis- -ersatz) liefern.
tungen.
Anlagevermittlung ĺ Finanzdienstleis-
Anlagen  –  Vermögensgegenstände, die tungen.
dem Unternehmen langfristig dienen
Anlagevermögen  –  Begriff aus dem
sollen. – In der ĺ Kostenrechnung wer-
ĺ  Handelsrecht. Das  Anlagevermögen
den verbrauchbare Anlagen (z. B. Maschi-
sind Vermögensgegenstände eines Un-
nen, Fahrzeuge, Lizenzen), betriebsnot-
ternehmens, die nicht für den Verkauf
wendige Anlagen (z. B. Fabrikgrundstück
bestimmt sind, sondern dauerhaft dem
und -gebäude) und nicht betriebsnotwen-
Geschäftsbetrieb dienen sollen. Nach
dige Anlagen (z. B. Werkswohnungen) un-
dem Handelsgesetzbuch (HGB) zählen
terschieden. – Der Werteverzehr von An-
(1) immaterielle Vermögensgegenstände
lagen wird durch ĺ Abschreibungen be-
(z. B. Firmenwert, geleistete Anzahlun-
rücksichtigt.
gen, Konzessionen), (2) Sachanlagen (z. B.
Anlagenerneuerung ĺ  Ersatzinvesti- Grundstücke, Gebäude, technische An-
tion. lagen und Maschinen, Betriebs- und Ge-
Anlagengitter  –  Darstellung der Wer- schäftsausstattung) und (3) Finanzan-
tentwicklung der einzelnen Posten lagen (z. B. Beteiligungen, Wertpapiere)
des ĺ  Anlagevermögens. ĺ  Kapital- zum Anlagevermögen. – Das Anlagever-
gesellschaften sind nach dem ĺ Handels- mögen wird auf der linken Seite der Bilanz
23 Annexsteuern

ausgewiesen (ĺ  Aktiva) und ist abzu- Anlernausbildung  –  Qualifizierung ei-


schreiben (ĺ  Abschreibung).  –  Gegen- nes ĺ  Arbeitnehmers (Anlernling) im
satz: ĺ Umlaufvermögen. Rahmen einer betrieblichen Ausbildung,
häufig durch Unterweisung am Arbeits-
Anlageverwaltung ĺ  Finanzdienstleis- platz, ohne dass eine umfassende beruf-
tungen. liche Ausbildung (Beruf) erforderlich
ist. Sie erfolgt im Rahmen eines Anlern-
Anleihe  –  Bond, Obligation, Schuld- verhältnisses, das sich vom Berufsaus-
verschreibung, festverzinsliches Wertpa- bildungsverhältnis (ĺ  Berufsausbil-
pier, Rentenpapier. 1.  Begriff: ĺ  Wertpa- dungsvertrag) durch einen begrenzten
pier, das Gläubigerrechte verbrieft, v.a. Ausbildungszweck unterscheidet. Nach
das Recht auf Verzinsung und Rückzah- Inkrafttreten des Berufsbildungsgesetzes
lung.  Anleihen können von juristischen gelten auch für Anlernlinge begrenzt des-
Personen begeben werden. Die Begebung sen Vorschriften.
erfolgt i.d.R. zur langfristigen Aufnahme Anmutungsqualität ĺ Qualität.
von ĺ  Fremdkapital auf dem in- und
ausländischen ĺ  Kapitalmarkt.  Anlei- Annahmeverzug – 1.  Bürgerliches Recht:
hen unterscheiden sich durch ihre ver- Der ĺ  Gläubiger gerät in  Annahmever-
schiedenen Konditionen (Laufzeiten, Zin- zug (Gläubigerverzug), wenn er die vom
sen, Emissionswährungen). Ihr Kurs wird ĺ  Schuldner angebotene Leistung nicht
in Prozent ihres Nominalwertes angege- annimmt oder wenn er bei einer Leistung
ben.  Anleihen sind i.d.R. festverzinslich, ĺ  Zug um Zug zwar zur Annahme der
es gibt aber auch Anleiheformen mit vari- Leistung bereit ist, die Gegenleistung aber
abler Verzinsung (ĺ Floating Rate Note). nicht anbietet. Die Folgen des Annahme-
Die Laufzeit beträgt fünf bis 30 Jahre. In verzugs sind, dass der Schuldner mögli-
Deutschland werden  Anleihen meist che Mehraufwendungen geltend machen
mit ĺ  Disagio emittiert, die Rückzah- kann und die Pflicht zur Verzinsung auf-
lung erfolgt i.d.R. zum Nennwert, selten hört. – 2.  Arbeitsrecht: Nichtannahme ei-
ĺ  über pari.  –  2.  Arten: a) Anleihen der ner ordnungsgemäß angebotenen Ar-
öffentlichen Hand: Bund, Länder, Kom- beitsleistung des ĺ Arbeitnehmers durch
munen und Sondervermögen des Bun- den ĺ  Arbeitgeber. Der Arbeitnehmer
des geben zur Haushaltsfinanzierung An- behält seinen Lohnanspruch, ohne nach-
leihen aus (z. B. ĺ  Bundesanleihen, arbeiten zu müssen. Er muss sich aber an-
ĺ  Bundesobligationen, Bundesschat- rechnen lassen, was er infolge des Unter-
zanweisungen (ĺ  Schatzanweisungen), lassens der Arbeitsleistung aufgrund an-
ĺ  Bundesschatzbriefe). b) Schuldver- derer Dienste erwirbt oder zu erwerben
schreibungen von Kreditinstituten (z. B. böswillig unterlässt.
ĺ  Pfandbriefe, Kommunalobligationen Annexsteuern  –  Zuschlagsteuern. Steu-
und sonstige ĺ  Bankanleihen). c) An- ern, die in ihrer Höhe mit einem be-
leihen der gewerblichen Wirtschaft (z. B. stimmten Steuersatz an eine andere Steuer
ĺ  Industrieobligationen). d) Internatio- anknüpfen, z. B. ĺ  Kirchensteuer und
nale Anleihen (z. B. ĺ Auslandsanleihen, ĺ Solidaritätszuschlag an die ĺ Einkom-
ĺ Eurobond). mensteuer.
Annuität 24

Annuität – regelmäßige, gleich hohe Zah- wie Außendienstmitarbeiter, Verkäufer


lung. 1.  Bankwesen: regelmäßiger, gleich oder Händler motiviert werden. Als An-
hoher Rückzahlungsbetrag einer Schuld. reiz können Geld (z. B. Umsatzprämien),
Die  Annuität umfasst die zwischenzeit- aber auch materielle Werte (z. B. Reisen,
lich fälligen Zinsen und den Tilgungsbe- Uhren, Autos) eingesetzt werden.  –  Vgl.
trag. – 2. Investitionsrechnung: gleich hohe auch ĺ Incentives.
Zahlung, die in jedem Zeitabschnitt des Anschaffungskosten  –  Begriff aus dem
Betrachtungszeitraums anfällt (ĺ Annu- ĺ  Handelsrecht.  Anschaffungskos-
itätenrechnung). ten sind ĺ Aufwendungen bzw. ĺ Kos-
Annuitätenhypothek ĺ  Tilgungshypo- ten, die geleistet werden, um einen Ver-
thek. mögensgegenstand zu erwerben und in
Annuitätenrechnung  –  Methode zur einen betriebsbereiten Zustand zu ver-
Beurteilung eines Investitionsobjekts setzen.  Anschaffungskosten sind damit
(ĺ  Investitionsrechnung). Es wird die der Anschaffungspreis des Gegenstan-
durchschnittliche Differenz von Ein- und des zzgl. der Anschaffungsnebenkosten
Auszahlungen je Zeitabschnitt des Be- wie z. B. ĺ  Provisionen und Frachtkos-
trachtungszeitraums unter Berücksichti- ten. Preisnachlässe (ĺ Bonus, ĺ Rabatt,
gung des ĺ Kalkulationszinsfußes ermit- ĺ  Skonto) sind abzuziehen.  –  Die  An-
telt (Barwert der Nettozahlungen). Der schaffungskosten sind Grundlage und
ĺ  Kapitalwert wird auf die Nutzungs- Höchstgrenze für die ĺ  Bewertung von
dauer des Investitionsobjektes verteilt. Vermögensgegenständen in der ĺ  Han-
delsbilanz und ĺ  Steuerbilanz. Außer-
anorganischer Konzern ĺ Konzern. dem sind sie im Fall abnutzbarer Ge-
Anrechnungszeiten  –  Zeiten, in de- genstände des ĺ  Anlagevermögens die
nen aufgrund bes. Sachverhalte Bei- Grundlage zur Bemessung der ĺ  Ab-
träge zur gesetzlichen ĺ Rentenversiche- schreibungen.
rung nicht geleistet wurden (früher als Anschaffungskredit ĺ Ratenkredit.
„Ausfallzeiten“ bezeichnet). Dazu zäh-
len z. B. Zeiten der Arbeitslosigkeit,  Ar- Anschaffungsnebenkosten ĺ  An-
beitsunfähigkeit, Ausbildung, Schwanger- schaffungskosten.
schaft, Mutterschaft, Kinderbetreuung, Anspannungsgrad ĺ Kapitalstruktur.
des Wehr- und Zivildienstes. Die Anrech-
Ansparabschreibung ĺ Investitionsab-
nungszeiten werden bei der Rentenbe-
zugsbetrag.
rechnung berücksichtigt.
Ansparanteil ĺ Ertragsanteil.
Anrechtsschein ĺ Zwischenschein.
Anreiz – Begriff der Arbeits- und Organi- Ansparanteil ĺ Ertragsanteil.
sationspsychologie: Situative Bedingung, Anspruch  –  1.  Recht: Begriff aus dem
die aufgrund einer gegebenen Bedürfnis- ĺ  Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB) für
struktur bzw. einer inhaltlichen ĺ Moti- „das Recht, von einem anderen ein Tun
vation Aufforderungscharakter (Valenz) oder Unterlassen zu verlangen“. Grund-
für die Person aufweist. Durch  Anreize lage kann jedes gesetzliche oder vertrag-
können Mitarbeiter, aber auch Personen liche Rechtsverhältnis sein. Ansprüche
25 Äquivalenzprinzip

unterliegen der Verjährung.  –  2.  Mar- Wirkung wirtschaftlicher Maßnah-


keting: Ansprüche bilden die Grund- men. – Gegensatz: ĺ prozyklisch.
lage für die ĺ  Kundenorientierung im antizyklische Finanzpolitik ĺ  Fiskal-
ĺ  Marketing. Sie können als nahe an politik.
der Verhaltensoberfläche liegende gegen-
standsgerichtete Wünsche des ĺ Kunden Antragsveranlagung – früher Lohnsteu-
umschrieben werden. erjahresausgleich. Verfahren zur Einkom-
mensteuerveranlagung von ĺ  Arbeit-
Anspruchsgruppe ĺ Stakeholder. nehmern im Falle zu viel gezahlter Lohn-
Anstalt des öffentlichen Rechts  –  Ver- steuer. Der Antrag wird einfach dadurch
waltungseinrichtung, die bestimmte öf- gestellt, dass der Arbeitnehmer unter Ein-
fentliche Aufgaben außerhalb der di- haltung der vierjährigen Festsetzungs-
rekten Staatsverwaltung wahrnimmt. pflicht freiwilig eine Einkommsteuerer-
Typische Beispiele für  Anstalten des öf- klärung abgibt. Die einbehaltenen Lohn-
fentlichen Rechts sind Bibliotheken und steuern werden vom Finanzamt auf die
Schulen, Rundfunkanstalten sowie die Jahreseinkommensteuerschuld angerech-
ĺ  Bundesagentur für Arbeit (früher: net und eventuelle Überschüsse erstat-
Bundesanstalt für Arbeit). Anders als bei tet.  –  Anders: ĺ  Lohnsteuerjahresaus-
einer ĺ  Körperschaft hat sie keine Mit- gleich durch den Arbeitgeber, ĺ Pflicht-
glieder, sondern „Nutzer“.  –  Zu unter- veranlagung.
scheiden sind rechtsfähige (z. B. die öf- Anwartschaft  –  auf Gesetz beruhende
fentlich-rechtlichen ĺ  Sparkassen) und Aussicht auf ĺ  Versicherungsleistun-
nicht-rechtsfähige Anstalten des öffentli- gen (z. B. auf ĺ  Altersrente), die auch
chen Rechts. Letztere sind in die staatliche vom Eintritt gewisser Ereignisse abhän-
Verwaltung eingegliedert und nicht Trä- gen kann.
ger eigener Rechte und Pflichten.
Anwartschaftsdeckungsverfahren ĺ
Anstellungsbetrug  –  Begriff aus dem Kapitaldeckungsverfahren.
Strafrecht. Ein  Anstellungsbetrug liegt
Anzahlung – Form eines Handelskredits:
vor, wenn sich jemand durch falsche An-
Vorauszahlung des Auftraggebers an den
gaben (z. B. zur Qualifikation) einen
Auftragnehmer (Lieferanten). – Vgl. auch
ĺ Arbeitsvertrag „erschleicht“ und es zu
ĺ Teilzahlung.
einem Schaden beim Arbeitgeber gekom-
men ist. Ein Schaden liegt vor, wenn ein AO – Abk. für ĺ Abgabenordnung.
Missverhältnis zwischen Leistung und Äquivalenzprinzip  –  Prinzip, nach dem
Arbeit besteht. sich Leistung und Gegenleistung ent-
Anteilseigner  –  Begriff im Mitbestim- sprechen müssen. – 1. Privatversicherung:
mungsgesetz (MitbestG) für ĺ  Aktio- Grundlegendes Kalkulationsprinzip, das
näre, Gesellschafter und Genossen. die Gleichheit von Leistung (gezahlte
Versicherungsbeiträge) und Gegenleis-
antizipative Posten ĺ  Rechnungsab- tung (Ausgaben der Versicherer) for-
grenzung. dert.  –  2.  Sozialversicherung: In der ge-
antizyklisch  –  gegen den Konjunktur- setzlichen ĺ  Rentenversicherung gilt
verlauf (ĺ  Konjunkturzyklus) gerichtete das Äquivalenzprinzip nur eingeschränkt,
Äquivalenzziffernkalkulation 26

hier bilden die sog. persönlichen ĺ Ent- Arbeitszeit und die Vorankündigungsfrist


geltpunkte den individuellen Faktor der vorsieht.
ĺ  Rentenformel.  –  3.  Steuerrecht: Die
Höhe der Abgaben oder Steuern sollte Arbeiter ĺ Arbeitnehmer, der nicht die
sich nach den staatlichen Leistungen Merkmale eines ĺ  Angestellten erfüllt.
an die Bürger richten.  –  4.  Lohnbildung: Nach herkömmlicher Auffassung verrich-
Grundsatz des leistungsgerechten Lohns. tet der Arbeiter überwiegend körperliche
Äquivalenzziffernkalkulation ĺ Kalku- Arbeit. Die Unterscheidung in  Arbeiter
lationsverfahren. und Angestellter gilt jedoch als überholt,
sie spielt nur noch tarifvertraglich und so-
Arbeit – jede körperliche und geistige Tä- zialversicherungsrechtlich eine schwin-
tigkeit mit einer wirtschaftlichen Ziel- dende Rolle.
setzung. Sowohl in der ĺ  Betriebswirt-
schaftlehre (BWL)  als auch in der der Arbeitgeber – Begriff des Arbeitsrechts:
ĺ Volkswirtschaftslehre (VWL) zählt Ar- eine natürliche oder juristische Person,
beit zu den ĺ Produktionsfaktoren. die ĺ Arbeitnehmer beschäftigt. Der Ar-
Arbeit auf Abruf  –  Kapazitätsorientierte beitgeber besitzt ein ĺ Weisungsrecht ge-
variable Arbeitszeit (Kapovaz); Vereinba- genüber einem Arbeitnehmer, das Recht
rung zwischen ĺ Arbeitgeber und ĺ Ar- zur ĺ Kündigung und zur Kontrolle der
beitnehmer, dass der Arbeitnehmer seine Arbeitsleistung des Arbeitnehmers. Er
Arbeitsleistung entsprechend dem Ar- ist nach dem ĺ  Bürgerlichen Gesetz-
beitsanfall erbringt. Gesetzliche Grund- buch (BGB) verpflichtet, ein ĺ  Arbeits-
lage ist das Teilzeit- und Befristungsge- entgelt (Lohn, Gehalt) an Arbeitnehmer
setz (TzBfG) von 2000.  –  Die Vereinba- zu zahlen (Vergütungspflicht). Außer-
rung muss eine bestimmte Dauer der dem hat er gegenüber dem Arbeitneh-
wöchentlichen und täglichen ĺ Arbeits- mer eine ĺ  Fürsorgepflicht und Pflicht
zeit festlegen. Ist eine bestimmte Dauer zur ĺ  Gleichbehandlung.  –  Nach dem
der wöchentlichen Arbeitszeit nicht fest- Einkommen- und Lohnsteuerrecht hat
gelegt, gilt eine Arbeitszeit von 10 Stun- der  Arbeitgeber die ĺ  Lohnsteuer ord-
den als vereinbart. Wenn die Dauer der nungsgemäß zu berechnen, beim Fi-
täglichen Arbeitszeit nicht festgelegt ist, nanzamt anzumelden und die Beträge
hat der Arbeitgeber die Arbeitsleistung an dieses abzuführen. Der  Arbeitgeber
des Arbeitnehmers jeweils für mind. drei muss eine Lohnsteuerbescheinigung aus-
aufeinander folgende Stunden  in An- fertigen und diese an das Finanzamt über-
spruch  zu nehmen.  Der Arbeitnehmer mitteln (ĺ  elektronische Lohnsteuerbe-
ist nur zur Arbeitsleistung verpflichtet, scheinigung). Über die Lohnsteuerbe-
wenn der Arbeitgeber ihm die Lage sei- scheinigung muss er dem Arbeitnehmer
ner Arbeitszeit jeweils mind. vier Tage im einen Ausdruck aushändigen oder einen
Voraus mitteilt.  –  Durch ĺ  Tarifvertrag Zugriff auf elektronische Weise ermögli-
kann von diesen Vorschriften auch zuun- chen. Außerdem hat der Arbeitgeber die
gunsten des Arbeitnehmers abgewichen Pflicht, die Beiträge zur ĺ Sozialversiche-
werden, wenn der Tarifvertrag Regelun- rung, einschließlich ĺ Arbeitgeberanteil
gen über die tägliche und wöchentliche zu zahlen.
27 arbeitnehmerähnliche Personen

Arbeitgeberanteil – Teil des Beitrags zur Vertretung der Interessen der Arbeit-


Sozialversicherung, der vom ĺ  Arbeit- geber gegenüber Gewerkschaften so-
geber für einen versicherungspflichtigen wie die Öffentlichkeitsarbeit. – 2.  Öffent-
Arbeitnehmer an die ĺ  Sozialversiche- lich-rechtliche Arbeitgeberverbände: Alle
rung zu entrichten ist. In der gesetzlichen Industrie- und Handelsunternehmen so-
ĺ  Rentenversicherung, ĺ  Pflegeversi- wie Handwerksbetriebe eines Bezirks
cherung und in der ĺ  Arbeitslosenver- sind Pflichtmitglieder einer ĺ Industrie-
sicherung  beträgt der  Arbeitgeberan- und Handelskammer (IHK)  oder einer
teil 50 % des allgemeinen Beitragssatzes, ĺ  Handwerkskammer. Ihre Aufgaben
während  der Arbeitnehmer die andere sind v.a. die Beratung ihrer Mitglieder, die
Hälfte trägt (paritätische Finanzierung). Beratung von Behörden und die Überwa-
In der gesetzlichen ĺ  Krankenversiche- chung der Berufsausbildung.
rung gilt hiervon abweichend seit dem
Arbeitnehmer – Person, die aufgrund ei-
1.7.2005, dass die Mitglieder einen zu-
nes ĺ  Arbeitsvertrags unselbstständige,
sätzlichen Beitragssatz von 0,9 % der bei-
fremdbestimmte Leistungen zu erbrin-
tragspflichtigen Einnahmen zu zahlen ha-
gen hat.  Arbeitnehmer sind grundsätz-
ben. – Der Arbeitgeber hat in bestimmten
lich sozialversicherungspflichtig. Für  Ar-
Fällen, z. B. bei ĺ geringfügiger Beschäf-
beitnehmer gelten bes. Regelungen zum
tigung bis 450 Euro, den vollen Beitrag zu
Kündigungsschutz.  –  Zu unterschei-
leisten. – Nach dem Einkommensteuerge-
den sind folgende Arbeitnehmergrup-
setz (EStG) ist der gesetzliche  Arbeitge-
pen: (1) ĺ  Angestellte und ĺ  Arbeiter,
beranteil steuerfrei.
(2) ĺ leitende Angestellte, (3) ĺ Auszu-
bildende.  –  Arbeitnehmer sind zur per-
Arbeitgeberverbände  –  Zusammen-
sönlichen Erbringung der „versproche-
schlüsse von ĺ  Arbeitgebern zur Wahr-
nen Dienste“ verpflichtet (sog. Arbeits-
nehmung gemeinsamer Interessen in ar-
pflicht). Außerdem müssen Arbeitnehmer
beitsrechtlicher und sozialpolitischer
die berechtigten Interessen des Arbeitge-
Hinsicht. Art. 9 GG garantiert das Recht,
bers vertreten. Bspw. dürfen vom Arbeit-
zur Wahrnehmung und Förderung der
nehmer Betriebsgeheimnisse nicht preis-
Arbeits- und Wirtschaftsbedingungen
gegeben werden und für den Arbeitgeber
Vereinigungen zu bilden. Nach dem Tarif-
nachteilige Aktivitäten müssen unterblei-
vertragsgesetz (TVG) können  Arbeitge-
ben (ĺ  Treuepflicht). –  Keine Arbeitneh-
berverbände wie ĺ  Gewerkschaften Ta-
mer sind z. B. Beamte und Richter, Ehe-
rifvertragspartei sein. – 1. Privatrechtliche
gatten und Kinder, soweit sie auf famili-
Arbeitgeberverbände: Über 90 % der Ar-
enrechtlicher Grundlage Arbeit leisten,
beitgeber sind freiwillig in beruflich-fach-
Vorstandsmitglieder juristischer Perso-
lichen (z. B. ĺ Bundesverband der Deut-
nen, tätige Gesellschafter, Strafgefangene
schen Industrie (BDI)  und/oder tarif-
und Ordensleute.  –  Vgl. auch ĺ  arbeit-
rechtlichen Zusammenschlüssen (z. B.
nehmerähnliche Personen.
Bundesvereinigung  der Deutschen Ar-
beitgeberverbände e. V. (BDA)) organi- arbeitnehmerähnliche Personen – Per-
siert. Zu ihren Aufgaben zählen v.a. der sonen, die – ohne ĺ  Arbeitnehmer
Abschluss von Tarifverträgen sowie die zu sein – in wirtschaftlich abhängiger
Arbeitnehmeraktie 28

Stellung für andere Arbeit leisten. Arbeit- Gesamtrechnungen (VGR): Bruttolohn-


nehmerähnliche Personen sind z. B. die in und Bruttogehaltssumme der Arbeitneh-
ĺ  Heimarbeit Beschäftigten, die ihnen mer sowie Sozialbeiträge der ĺ Arbeitge-
gleichgestellten ĺ  Hausgewerbetreiben- ber. Die Bruttolohn- und Bruttogehalts-
den und selbstständige ĺ  Handelsver- summe enthält die Löhne und Gehälter
treter, die Einfirmenvertreter sind, even- (vor Abzug der Sozialbeiträge und Lohn-
tuell auch ĺ freie Mitarbeiter. Wegen der steuer), die Arbeitern, Angestellten und
wirtschaftlichen Abhängigkeit kommt ar- Beamten und anderen Arbeitnehmer-
beitnehmerähnlichen Personen im ĺ Ar- gruppen aus ihrem Arbeits- bzw. Dienst-
beitsrecht ein besonderer Schutz zu. verhältnis zufließen. Im Verhältnis zum
ĺ  Volkseinkommen gibt  das Lohnein-
Arbeitnehmeraktie ĺ  Belegschaftsak-
kommen  die ĺ  Lohnquote an. Das Ar-
tie.
beitsentgelt ist ein Teil der ĺ Arbeitsein-
Arbeitnehmeranteil  –  Teil des Beitrags kommen. – Vgl. auch ĺ Verteilungsrech-
zur Sozialversicherung, der – i.d.R. ne- nung.
ben dem ĺ Arbeitgeberanteil – vom Ar-
beitnehmer zu tragen ist. Der  Arbeit- Arbeitnehmer-Entsendegesetz (AEntG)
nehmeranteil beträgt in der gesetzlichen – Gesetz über zwingende Arbeitsbedin-
Rentenversicherung, Pflegeversicherung gungen für grenzüberschreitend ents-
und zur Arbeitslosenversicherung 50 % andte und für regelmäßig im Inland be-
des Gesamtbeitrags. Die andere Hälfte schäftigte Arbeitnehmerund Arbeitneh-
trägt der ĺ Arbeitgeber (paritätische Fi- merinnen“ (AEntG) vom 20.4.2009.
nanzierung).  Bei der gesetzlichen Kran- Das Gesetz bezweckt, die Arbeitsbe-
kenversicherung zahlt der Arbeitnehmer dingungen des Arbeitsorts als Mindest-
seit dem 1.7.2005 einen Zusatzbeitrag norm zu gewährleisten und dadurch die
in Höhe von 0,9 % der beitragspflichti- Wettbewerbsbedingungen für Unter-
gen Einnahmen.  Der  Arbeitnehmeran- nehmen, die Dienstleistungen am glei-
teil ist vom Arbeitgeber bei der Lohn- chen Ort erbringen, teilweise anzunä-
oder Gehaltszahlung einzubehalten und hern (Produktionsort-Prinzip). Das AE-
an die Einzugsstellen weiterzuleiten. Nur ntG gilt für aufgezählte Wirtschaftszweige
der Arbeitgeber ist gegenüber dem Ver- mit mehr als 50 % Tarifbindung: (1) Bau-
sicherungsträger Schuldner des gesam- gewerbe, (2) Gebäudereinigung, (3) Brief-
ten Beitrags.  –  Bei einer ĺ  geringfügi- dienstleistungen, (4) Sicherheitsdienst-
gen Beschäftigung bis  450 Euro  werden leistungen, (5) Bergbauspezialarbeiten,
die Beiträge zur Sozialversicherung voll (6) Wäschereidienstleistungen, (7) Ab-
vom Arbeitgeber gezahlt. Nach dem Ein- fallwirtschaft und (8) Aus- und Weiter-
kommensteuergesetz (EStG) ist der  Ar- bildungsdienstleistungen. In diesen Bran-
beitnehmeranteil steuerpflichtig. chen können ĺ Mindestlöhne eingeführt
werden. Tarifverträge mit einer Tarifbin-
Arbeitnehmereinkommen ĺ  Faktor-
dung für alle deutschen Arbeitgeber sind
einkommen.
nach diesem Gesetz auch für ausländi-
Arbeitnehmerentgelt  –  Lohneinkom- sche Arbeitgeber hinsichtlich ihrer in
men, Begriff der ĺ Volkswirtschaftlichen Deutschland beschäftigten Arbeitnehmer
29 Arbeitsbereicherung

verbindlich. – Außerdem eröffnet das Ge- vermögenswirksamen Leistungen ande-


setz Regulierungsmöglichkeiten für die rer Art beträgt die Arbeitnehmer-Sparzu-
Arbeitsbedingungen in der Pflegebran- lage 20 % eines Betrags von höchstens 400
che (Altenpflege und ambulante Kran- Euro pro Jahr. Die Arbeitnehmer-Sparzu-
kenpflege).  –  Beschäftigungspolitisches lage wird auf Antrag von dem für die Ein-
Ziel des AEntG ist der Schutz betroffe- kommensteuer des Arbeitnehmers zu-
ner Branchen vor einem durch „Nied- ständigen Finanzamt festgesetzt und ge-
riglohn-Arbeiter“  verursachten Arbeits- zahlt.
platzabbau. – In Wirtschaftszweigen unter
50 % Tarifbindung gilt das Mindestar- Arbeitnehmerüberlassung – Leiharbeit,
beitsbedingungengesetz (ĺ  Mindestar- Personalleasing, Zeitarbeit. Gewerbliches
beitsbedingungen). Überlassen oder Verleihen eines ĺ  Ar-
beitnehmers von einem ĺ  Arbeitgeber
Arbeitnehmerfreizügigkeit ĺ  Freizü- an einen anderen. Die Arbeitnehmerü-
gigkeit. berlassung ist ein dreiseitiges Beschäfti-
gungs- bzw. Arbeitsverhältnis zwischen
Arbeitnehmer-Pauschbetrag ĺ  Pau-
Arbeitnehmer, Verleih- und Entleihfir-
schbetrag, der bei der Ermittlung der
men (ĺ  atypische Beschäftigungsver-
ĺ  Einkünfte aus nichtselbstständiger
hältnisse). Für die Entleihfirma ist sie ein
Arbeit für ĺ  Werbungskosten angesetzt
Instrument des flexiblen Personalein-
wird. Der  Arbeitnehmer-Pauschbetrag
satzes.  –  Der Verleiher ist weiterhin Ar-
beträgt 1.000 Euro jährlich. Er ist bereits
beitgeber mit den entsprechenden Pflich-
in den Lohnsteuertabellen berücksichtigt.
ten wie Zahlung des Arbeitsentgelts so-
Aufwendungen, die den Pauschbetrag
wie Abgabe von Sozialversicherungs- und
übersteigen, müssen durch Belege nach-
Lohnsteuerbeiträgen. Der Leiharbei-
gewiesen werden.
ter hat den Anweisungen des Entleihers
Arbeitnehmerschutz ĺ Arbeitsschutz. zu folgen. – Für eine gewerbsmäßige Ar-
beitnehmerüberlassung ist die Erlaub-
Arbeitnehmer-Sparzulage  –  staatliche
nis der ĺ  Bundesagentur für Arbeit er-
Leistung nach dem Fünften Vermögens-
forderlich. Die Bundesagentur hat außer-
bildungsgesetz (VermBG). Die  Arbeit-
dem gewisse Überwachungsrechte. – Die
nehmer-Sparzulage erhalten ĺ  Arbeit-
Deregulierungsmaßnahmen im Bereich
nehmer, die einen Teil des Arbeitsentgelts
der Arbeitnehmerüberlassung, insbes. die
als ĺ  vermögenswirksame Leistungen
ĺ Hartz-Gesetze, haben zu einer deutli-
anlegen. Arbeitnehmer-Sparzulagen wer-
chen Zunahme der Leiharbeit geführt.
den bei einem zu versteuernden Jahres-
einkommen von bis zu 20.000 Euro jähr- Arbeitsagentur ĺ Agentur für Arbeit.
lich oder bei Zusammenveranlagung von
Ehegatten 40.000 Euro jährlich gewährt. Arbeitsangebot ĺ Arbeitsmarkt.
Die Höhe der  Arbeitnehmer-Sparzu- Arbeitsberechtigung ĺ  Arbeitserlaub-
lage beträgt 9 % eines Betrags von höchs- nis.
tens 470 Euro pro Jahr, wenn es sich um
Aufwendungen für Wohnspar- und Arbeitsbereicherung ĺ  Job Enrich-
Wohnungsbauförderung handelt. Bei ment.
Arbeitsbeschaffungsmaßnahme (ABM) 30

Arbeitsbeschaffungsmaßnahme (ABM) – selbstständig Erwerbstätigen (einschließ-


frühere Arbeitsförderungsmaßnahme der lich der mithelfenden Familienangehöri-
ĺ  Bundesanstalt für Arbeit und Instru- gen). – 3.  Sozialrecht: der nach den allge-
ment aktiver ĺ  Arbeitsmarktpolitik, bei meinen Gewinnermittlungsvorschriften
der durch Lohnkostenzuschüsse, Dar- des Einkommensteuerrechts ermittelte
lehen und Sachkostenzuschüsse an die Gewinn aus einer selbstständigen Tätig-
Maßnahmeträger die Beschäftigung  von keit.
Langzeitarbeitslosen  gefördert werden Arbeitseinkommensquote  –  Verhältnis
sollte. Wegen umstrittener Wirksam- von ĺ  Arbeitseinkommen zu ĺ  Volks-
keit wurde die ABM-Förderung seit dem einkommen. – Anders: ĺ Lohnquote.
1.4.2012 eingestellt.
Arbeitsentgelt  –  Arbeitslohn, Entloh-
Arbeitsdirektor  –  gleichberechtig- nung, Vergütung. Begriff für alle aus
tes Mitglied der Unternehmensleitung nichtselbstständiger Arbeit erzielten
(Vorstand, Geschäftsführung). Er hat ĺ  Einkünfte, d.h. aus einem Arbeits-
wie die übrigen Mitglieder seine Aufga- oder Dienstverhältnis. Das  Arbeitsent-
ben im engsten Einvernehmen mit der gelt ist das Bruttoentgelt, das sich aus
Gesamtleitung auszuüben und wird im dem an den ĺ Arbeitnehmer auszuzah-
selben Verfahren gewählt. Nach dem lenden Nettoentgeltbetrag und den vom
Mitbestimmungsgesetz (MitbestG) sind ĺ  Arbeitgeber einbehaltenen öffent-
in Unternehmen mit mehr als 2.000 Be- lich-rechtlichen Lohnabzügen (Lohn-
schäftigten oder nach dem Montan-Mit- steuer und Sozialversicherungsbeiträge)
bestimmungsgesetz (MontanMitbestG) zusammensetzt. Nach dem ĺ  Bürgerli-
in Unternehmen des Bergbaus sowie der chen Gesetzbuch (BGB) hat grundsätz-
Eisen und Stahl erzeugenden Industrie lich jeder Arbeitnehmer Anspruch auf
mit mehr als 1.000 Beschäftigten Arbeits- eine Vergütung. Das  Arbeitsentgelt ist
direktoren zu bestellen. I.d.R. ist der Ar- i.d.R. im Dienst- oder Arbeitsvertrag ge-
beitsdirektor für Sozial- und Personal- regelt. Zahlungsart, -ort und -zeit der Ent-
angelegenheiten zuständig und Vertrau- geltzahlung bestimmen sich nach den in
ensperson der ĺ Arbeitnehmer und der Tarif- und Arbeitsverträgen getroffenen
ĺ Gewerkschaften. Vereinbarungen.  –  Unterschieden wer-
Arbeitseinkommen  –  1.  Volkswirt- den der Lohn für den ĺ  Arbeiter sowie
schaftslehre: der dem Produktionsfak- das Gehalt für den ĺ  Angestellten. Die
tor ĺ Arbeit zuzurechnende Teil der im Unterscheidung ist rechtlich und in der
Zuge der Produktion von Gütern ent- Unternehmenspraxis heute jedoch ohne
standenen Einkommen. Die Entstehung Bedeutung. Außerdem zählen bes.  Ar-
des  Arbeitseinkommen wird durch die beitsentgelte wie ĺ Prämien, ĺ Gratifi-
funktionelle Verteilungstheorie unter- kationen, ĺ  Tantiemen, Arbeitnehmer-
sucht.  –  Gegensatz: Besitzeinkommen beteiligungen oder Schutz- und Mehrar-
(ĺ  Einkommen).  –  2.  Volkswirtschaft- beitszuschläge zum Arbeitsentgelt.
liche Gesamtrechnungen: Zusammenfas- Arbeitserlaubnis  –  befristete oder be-
sung von ĺ  Arbeitnehmerentgelt und schränkte Genehmigung, die bestimmte
kalkulatorischen Arbeitseinkommen der Ausländer (Nicht-Deutsche nach Art.
31 Arbeitslose

116 GG) zur Ausübung einer Arbeit in Arbeitsgerichtsbarkeit ĺ  Arbeitsge-


Deutschland benötigen. Seit 2005 ent- richt, ĺ Gerichte.
scheidet die Ausländerbehörde mit Zu-
Arbeitskampf – von Arbeitnehmer- oder
stimmung der ĺ Bundesagentur für Ar-
Arbeitgeberseite aufgrund eines Kampf-
beit über den ausländerrechtlichen Sta-
beschlusses gezielt vorgenommene Stö-
tus und die Arbeitsberechtigung. Bürger
rung des Arbeitsablaufs. Durch gemein-
der ĺ  Europäischen Union (EU)  genie-
same (kollektive) Maßnahmen soll die an-
ßen grundsätzlich ĺ  Freizügigkeit, die
dere Seite unter wirtschaftlichen Druck
auch die Aufnahme einer Erwerbstätig-
gesetzt werden, um ein bestimmtes Ver-
keit umfasst. Ausgenommen davon sind
handlungsziel zu erreichen. Ein  Arbeits-
die Bürger von Kroatien, die noch bis zum
kampf gilt im Rahmen der Tarifautono-
30.6.2015 eine Arbeitserlaubnis-EU benö-
mie als gerechtfertigt. Die Kampfmaß-
tigen.
nahmen sind auf Arbeitnehmerseite
Arbeitserweiterung ĺ  Job Enlarge- verschiedene Formen von ĺ  Streik und
ment. ĺ Boykott, auf Arbeitgeberseite ĺ Aus-
sperrung.
Arbeitsfeldvergrößerung ĺ  Job Enlar-
gement. Arbeitskreis Steuerschätzung  –  Bei-
rat beim Bundesministerium der Finan-
Arbeitsgericht  –  erste Instanz der für zen,  der seit 1955 besteht und zwei Mal
Arbeitssachen zuständigen Gerichtsbar- jährlich als Grundlage für die Haushalts-
keit (Arbeitsgerichtsbarkeit).  Arbeitsge- planung die künftige Entwicklung der
richte sind ĺ  Gerichte der Länder; Ver- Steuereinnahmen schätzt. Dem  Arbeits-
waltung und Dienstaufsicht obliegen der kreis Steuerschätzung gehören Vertreter
zuständigen Landesbehörde (meist Justiz- des Bundesministeriums der Finanzen,
oder Sozialministerium).  –  Das Arbeits- des Bundesministeriums für Wirtschaft
gericht ist v.a. zuständig für Streitigkeiten und  Energie sowie der Länderfinanz-
zwischen ĺ Arbeitgeber und ĺ Arbeit- ministerien an, außerdem Vertreter der
nehmer, zwischen Tarifparteien (ĺ  Ta- Bundesvereinigung kommunaler Spit-
rifpartner)  und für betriebsverfassungs- zenverbände, der ĺ Sachverständigenrat
rechtliche Streitigkeiten. Die Streitange- zur Begutachtung der gesamtwirtschaft-
legenheiten werden durch Kammern oder lichen Entwicklung (SVR), Vertreter der
Fachkammern entschieden. Eine Kam- fünf großen ĺ  Wirtschaftsforschungs-
mer setzt sich aus einem Berufsrichter institute, der ĺ  Deutschen Bundesbank
und zwei ehrenamtlichen Richtern, je ei- und des ĺ  Statistischen Bundesamtes.
ner von Arbeitgeber- und Arbeitnehmer- Planungszeitraum der Schätzung sind
seite, zusammen. – Gegen seine Entschei- das laufende Haushaltsjahr und vier Fol-
dung ist ĺ  Berufung oder Beschwerde gejahre (im Mai) bzw. fünf Folgejahre (im
beim ĺ  Landesarbeitsgericht (LAG)mög- November).
lich. Unter bestimmten Bedingungen
Arbeitslohn ĺ Arbeitsentgelt.
kann eine direkte Sprungrevision (ĺ Re-
vision) zum ĺ Bundesarbeitsgericht ein- Arbeitslose – nach der ĺ amtlichen Sta-
gelegt werden. – Vgl. auch ĺ Gerichte. tistik Personen, die (1) nicht in einem
Arbeitslosengeld 32

Beschäftigungsverhältnis stehen oder we- als „teilarbeitslos“ gemeldet und die An-
niger als 15 Stunden pro Woche arbei- wartschaftszeit erfüllt haben.
ten,  (2) eine sozialversicherungspflich-
Arbeitslosengeld I ĺ Arbeitslosengeld.
tige zumutbare Beschäftigung suchen, (3)
sich bei einer ĺ Agentur für Arbeit oder Arbeitslosengeld II ĺ  Grundsicherung
einem ĺ  Jobcenter arbeitslos gemeldet für Arbeitssuchende.
haben und (4) deren Vermittlungsbemü-
Arbeitslosenquote  –  Anteil der regist-
hungen zur Verfügung stehen. – Teilneh-
rierten ĺ Arbeitslosen (1) an den abhän-
mer an Maßnahmen der aktiven ĺ  Ar-
gig beschäftigten zivilen ĺ  Erwerbsper-
beitsmarktpolitik gelten nicht als ar-
sonen oder (2) an allen zivilen Erwerb-
beitslos. Ebenso  wird von der amtlichen
spersonen. Die  Arbeitslosenquote wird
Arbeitsmarktstatistik die sog.  ĺ stille Re-
von der ĺ Bundesagentur für Arbeit be-
serve  des Arbeitsmarktes nicht berück-
rechnet und veröffentlicht. Sie ist ein Maß
sichtigt. – Anders: ĺ Erwerbslose.
für die Unterauslastung des registrierten
Arbeitskräfteangebots und Zielgröße für
Arbeitslosengeld  –  Arbeitslosengeld I.
die ĺ  Arbeitsmarktpolitik und ĺ  Be-
Hauptsächliche Entgeltersatzleistung der
schäftigungspolitik.
ĺ  Bundesagentur für Arbeit an ĺ  Ar-
beitslose im Rechtskreis des Dritten Arbeitslosenversicherung  –  1.  Be-
ĺ Sozialgesetzbuchs (SGB III). Anspruch griff: Ältester und zweitgrößter Zweig
auf  Arbeitslosengeld haben Arbeitneh- der ĺ  Sozialversicherung in Deutsch-
mer, die (1) arbeitslos sind, (2) sich bei der land und neben der ĺ  Grundsicherung
Arbeitsagentur als arbeitssuchend gemel- für Arbeitssuchende wesentlicher Teil der
det und (3) die Anwartschaftszeit erfüllt ĺ  sozialen Sicherung bei Arbeitslosig-
haben. Seitens des Arbeitslosen muss zu- keit. – 2. Rechtsgrundlagen sind das Dritte
dem die Bereitschaft bestehen, jede zu- und Vierte Sozialgesetzbuch (SGB III und
mutbare Beschäftigung auszuüben. An- IV). – 3.  Träger ist die Bundesagentur für
dernfalls ist der Anspruch auf  Arbeits- Arbeit. – 4.  Finanzierung: Die Leistungen
losengeld ausgeschlossen.  –  Die Höhe der Arbeitsförderung und die sonstigen
des  Arbeitslosengeldes beträgt 60 % des Aufgaben der Bundesagentur für Arbeit
pauschalierten Nettoentgelts oder bei Ver- werden durch Beiträge der Arbeitgeber
heirateten oder Alleinerziehenden mit ei- und -nehmer sowie durch Umlagen, Mit-
nem Kind 67 %. Die Anspruchsdauer (zwi- tel des Bundes und sonstige Einnahmen fi-
schen 6 und 24 Monaten) hängt davon ab, nanziert. Die Höhe der Arbeitgeber- und
(1) wie viele Monate der Arbeitslose in 5 Arbeitnehmerbeiträge bemisst sich nach
Jahren mind. versicherungspflichtig war der monatlichen Einkommenshöhe, be-
und (2) wie alt der Arbeitslose ist, wenn grenzt durch die ĺ  Beitragsbemessungs-
er das 50. Lebensjahr vollendet hat. – Tei- grenze. Der Beitragssatz beträgt seit dem
larbeitslosengeld (für sechs Monate) er- 1.1.2011  3,0 %. Die Beiträge werden je
halten Arbeitnehmer, die eine versiche- zur Hälfte von Arbeitgeber und Arbeit-
rungspflichtige Beschäftigung verloren nehmer gezahlt. Sie werden mit den Bei-
haben und sich wegen einer weiteren ver- trägen zur gesetzlichen Kranken-, Pflege-
sicherungspflichtigen Beschäftigung nur und Rentenversicherung abgeführt. Für
33 Arbeitsmarktpolitik

ĺ geringfügig Beschäftigte hat allein der Stunde ab. Beim Gleichgewichtsreallohn,


Arbeitgeber einen Pauschalbeitrag zu leis- der sich bei flexiblen  Nominal- und Re-
ten.  –  5.  Leistungen: a) nach Adressaten: allöhnen bei vollkommener  Konkurrenz
(1) Leistungen an Arbeitnehmer, (2) Leis- auf dem Arbeitsmarkt  (durch Herauf-
tungen an Arbeitgeber und (3) Leistungen bzw. Herunterkonkurrieren des Nominal-
an Träger. b) nach dem Inhalt: (1) Entgel- lohnes) „automatisch” einstellt,  kommt
tersatzleistungen: (a) ĺ Arbeitslosengeld, ein Arbeitsmarktgleichgewicht in dem
(b) Teilarbeitslosengeld, (c) ĺ Kurzarbei- Sinne zustande, dass Arbeitsangebot und
tergeld (einschließlich Saison- und Trans- Arbeitsnachfrage (ohne Arbeitslosigkeit)
ferkurzarbeitergeld) und (d) ĺ  Insol- übereinstimmen (sog. Vollbeschäftigungs-
venzgeld; (2) Leistungen der aktiven Ar- mechanismus). – Bei mangelnder Flexibi-
beitsförderung, die zugleich Instrumente lität der Nominallöhne nach unten (z. B.
der aktiven ĺ  Arbeitsmarktpolitik dar- aufgrund eines gesetzlichen oder tarifli-
stellen. chen ĺ Mindestlohnes) kommt es jedoch
bei  einem oberhalb des Gleichgewichts-
Arbeitslosigkeit  –  fehlende Beschäfti-
lohnes  fixierten Reallohn zu Arbeitslo-
gungsmöglichkeiten für Personen, die ar-
sigkeit, da die Arbeitsnachfrage kleiner
beitsfähig sowie bei dem herrschenden
ist als das Arbeitsangebot (Arbeitsmark-
Lohnniveau und den sonstigen Arbeitsbe-
tungleichgewicht). Ist der Reallohn dage-
dingungen arbeitsbereit sind. Ursache ist
gen  niedriger als der Gleichgewichtsre-
ein Angebotsüberschuss auf dem ĺ  Ar-
allohn wird der (trotz Mindestlohn nach
beitsmarkt.  –  Arbeitslosigkeit kann z. B.
oben flexible) Nominallohn durch gegen-
nach folgenden Ursachen gegliedert wer-
seitiges Überbieten der Arbeitsnachfra-
den: (1) friktionelle  Arbeitslosigkeit auf-
ger (bei zu kleinem Arbeitsangebot) bis
grund kurzfristiger Anpassungsschwie-
zum Gleichgewichtsreallohn heraufkon-
rigkeiten auf dem Arbeitsmarkt, (2) kon-
kurriert (der Effektivlohn übersteigt den
junkturelle  Arbeitslosigkeit aufgrund von
Mindestlohn).
Konjunkturschwankungen, (3) lohnbe-
dingte Arbeitslosigkeit aufgrund zu hoher
Arbeitsmarktpolitik – 1. Begriff: Gesamt-
Löhne, (4) saisonale  Arbeitslosigkeit auf-
heit der einzelwirtschaftlich orientierten
grund jahreszeitlicher Nachfrageschwan-
Maßnahmen, die zur Bekämpfung der
kungen, (5) strukturelle  Arbeitslosigkeit
ĺ  Arbeitslosigkeit das Arbeitskräftean-
aufgrund sektoraler oder branchenspezi-
gebot und Arbeitskräffetnachfrage auf
fischer Strukturkrisen (z. B. durch Einsatz
den einzelnen ĺ  Arbeitsmärkten quan-
Arbeitskräfte sparender Technologien).
titativ und qualitativ beeinflussen (Ni-
Arbeitsmarkt ĺ Markt, auf dem Arbeits- veau- und Strukturdimension). Im Un-
angebot und Arbeitsnachfrage zusam- terschied dazu ist die Beschäftigungspolitik
mentreffen.  Nach neoklassischer Lehre im Rahmen der ĺ  Stabilisierungspolitik
hängen das gesamtwirtschaftliche Ar- gesamtwirtschaftlich orientiert und setzt
beitsstundenangebot  postiv und die ge- die Instrumente der Finanz-, Geld- und
samtwirtschaftliche Arbeitsstundennach- Einkommenspolitik global ein (Global-
frage negativ vom Reallohn (= Nominal- steuerung). – 2. Zielorientierungen und Ar-
lohn dividiert durch das Preisniveau) pro ten: a) Quantitative  Arbeitsmarktpolitik
Arbeitsmittel 34

(Beschäftigungsniveaupolitik): In quantita- Sie sind nach dem Dritten Sozialgesetz-


tiver Hinsicht steht mit dem Ziel der Er- buch zur Arbeitsförderung (SGB III) auf
höhung des ĺ  Beschäftigungsgrades die drei funktionalen Ebenen angesiedelt:
Verbesserung des Verhältnisses zwischen (1) die ĺ  Bundesagentur für Arbeit (BA),
der Zahl der ĺ Erwerbstätigen (Beschäf- (2) die Kompetenzzentren für neue Ar-
tigten) und dem ĺ Erwerbspersonenpo- beitsplätze und Beschäftigungsentwick-
tenzial im Vordergrund. Dies bedeutet lung (früher Landesarbeitsämter) und (3)
umgekehrt die Reduzieruang der ĺ  Ar- die ĺ  Agenturen für Arbeit (früher Ar-
beitslosenquote. b) Qualitative  Arbeits- beitsämter).  –  4.  Instrumente: a) Leistun-
marktpolitik (Beschäftigungsstrukturpoli- gen an Arbeitnehmer umfassen u.a. die
tik): In qualitativer Hinsicht wird die Be- Verbesserung der Eingliederungsaussich-
schäftigungsstruktur beeinflusst, d.h. ein ten, die Förderung der Aufnahme einer
regional, qualifikatorisch sowie in Bezug Beschäftigung, der selbstständigen Tätig-
auf die Arbeitszeitvorstellungen verbes- keit, der Berufsausbildung und berufli-
sertes Matching zwischen Arbeitsange- chen Weiterbildung sowie die Förderung
bot und Arbeitsnachfrage. Damit wird in- der Teilhabe behinderter Menschen am
direkt versucht, das Beschäftigungsniveau Arbeitsleben. b) Leistungen an Arbeitge-
zu verbessern. c) Arbeitsmarktordnungs- ber umfassen u.a. die Eingliederung von
politik: Sie versucht über die Gestaltung Arbeitnehmern, die Förderung der beruf-
bzw. Veränderung der Arbeitsmarktver- lichen Ausbildung sowie Leistungen zur
fassung die rechtlich-institutionellen Rah- Teilhabe am Arbeitsleben. c) Leistungen
menbedingungen für einen Ausgleich von an institutionelle Träger umfassen u.a. die
Arbeitsangebot und Arbeitsnachfrage zu Förderung von Einrichtungen der beruf-
verbessern. d) Arbeitsmarktprozesspolitik: lichen Aus- und Weiterbildung oder der
Mit prozessbeeinflussenden Maßnahmen beruflichen Rehabilitation, Zuschüssen zu
wird durch die Setzung von (inbesondere Sozialplanmaßnahmen, Förderung von
finanziellen) Anreizen versucht, das Han- Strukturanpassungs- und Infrastruktur-
deln der Akteure auf dem Arbeitsmarkt zu maßnahmen. – 5. Finanzierung:Die Maß-
verbessern. e) Passiv-verwaltende Arbeits- nahmen der aktiven und passiven  Ar-
marktpolitik: Hier stehen die Lohnersatz- beitsmarktpolitik werden überwiegend
leistungen der „Arbeitslosenverwaltung“ und zu gleichen Teilen durch die Pflicht-
für Einkommensausfälle infolge von Ar- beiträge der Arbeitnehmer und Arbeitge-
beitslosigkeit (ĺ  Arbeitslosengeld) im ber zur ĺ  Arbeitslosenversicherung fi-
Vordergrund. f) Aktiv-gestaltende Ar- nanziert, einzelne Instrumente (ĺ Insol-
beitsmarktpolitik: Sie zielt dagegen auf venzgeld, ĺ Wintergeld) zusätzlich durch
den aktiven Abbau der Arbeitslosigkeit, Umlagen der Arbeitgeber. Außerdem hat
d.h. auf eine Intensivierung der Arbeits- der Bund die Verpflichtung zur Über-
beratung und -vermittlung, die Erhaltung nahme bzw. zum Ausgleich von Defiziten
von Arbeitsplätzen und die Schaffung aus allgemeinen Steuermitteln.
zusätzlicher Arbeitsplätze durch Unter-
stützungsleistungen und die Wiederein- Arbeitsmittel – 1. Steuerrechtlich alle Ge-
gliederung von Arbeitssuchenden, ins- genstände und Hilfsmittel, die dazu ge-
bes. benachteiligter Gruppen. – 3.  Träger: eignet sind, die berufliche Tätigkeit zu
35 Arbeitsteilung

unterstützen und zu fördern. Aufwendun- Betriebsverfassung festgeschrieben sind


gen des ĺ Arbeitnehmers für Arbeitsmit- (Kollektivarbeitsrecht). Das  Arbeitsrecht
tel können als ĺ Werbungskosten geltend besteht aus vielen Einzelgesetzen wie
gemacht werden.  –  2.  Betriebswirtschaft- z. B. Kündigungsschutz-, Betriebsverfas-
lich ĺ Betriebsmittel. sungs-, Arbeitszeit- und Bundesurlaubs-
Arbeitsnachfrage ĺ Arbeitsmarkt. gesetz. Es umfasst außerdem Einzelbe-
stimmungen allgemeiner Gesetze wie
Arbeitspapiere  –  Unterlagen, die vom z. B. Europarecht, Verfassungsrecht und
ĺ  Arbeitnehmer bei Beginn eines Ar- ĺ  Bürgerliches Gesetzbuch (BGB). Ein
beitsverhältnisses vorzuweisen sind. Dies zusammenfassendes Arbeitsgesetzbuch
sind (1) ĺ  Steuer-Identifikationsnum- existiert nicht. Das Arbeitsrecht ist Teil
mer, (2) Sozialversicherungsausweis, (3) des ĺ Zivilrechts.
Bescheinigung der Krankenkassenmit-
gliedschaft, (4) im Fall ausländischer Ar- Arbeitsschutz  –  Arbeitnehmerschutz.
beitnehmer aus Nicht-EU-Staaten ĺ Ar- Alle dem ĺ  Arbeitgeber durch gesetzli-
beitserlaubnis, (5) Unterlagen über ver- che Regelungen (Arbeitsschutzrecht) vor-
mögenswirksame Leistungen und (6) geschriebenen Pflichten zum Schutz der
Urlaubsbescheinigung. (Sicherheit und Gesundheit der) Arbeit-
nehmer. Zu unterscheiden sind (1) sozi-
Arbeitsplatzbeschreibung ĺ Stellenbe- aler  Arbeitsschutz (Schutzbestimmungen
schreibung. für bes. Arbeitnehmergruppen wie z. B.
Arbeitsproduktivität  –  als Durch- Schwerbehinderte und Jugendliche) und
schnittsproduktivität das Verhältnis des (2) technischer  Arbeitsschutz (Betriebs-
Produktionsergebnisses zur Menge der und Gefahrenschutz). – Bei Nichteinhal-
eingesetzten Arbeitseinheiten (Stunden- tung der Arbeitschutzvorschriften hat
produktivität  je Arbeitsstunde, Mitar- der Arbeitnehmer u.U. ein Leistungsver-
beiterproduktivität je Mitarbeiter). Die weigerungsrecht und kann bei schuld-
Grenzproduktivität ist das Verhältnis von hafter Verletzung der Schutzvorschriften
Produktionszuwachs zum Einsatz einer ĺ Schadensersatz verlangen.
zusätzlichen Arbeitseinheit. Die  Arbeits- Arbeitsteilung  –  1.  Volkswirtschafts-
produktivität gilt als Maß für die Effizi- lehre: Aufspaltung einer Arbeitsleistung
enz des Produktionsfaktors ĺ Arbeit, d.h. in Teilverrichtungen, die von verschie-
je Arbeitskraft oder je Arbeitsstunde. Die denen Wirtschaftseinheiten (Menschen,
ĺ  Wachstumsrate der Arbeitsprodukti- Unternehmen, Gebiete, Länder) ausge-
vität (Produktivitätsfortschritt) je Stunde führt werden. Ziel der  Arbeitsteilung ist
oder je Mitarbeiter ist eine entscheidende es, die Produktivität zu steigern (ĺ  Ar-
Größe für die Entwicklung der Lohn- beitsproduktivität).  –  Internationale  Ar-
kosten (ĺ  Personalkosten) und für die beitsteilung bedeutet v.a., dass sich jedes
ĺ Lohnpolitik. Land auf die Produktion der Güter spezi-
Arbeitsrecht  –  alle Rechtsvorschriften, alisiert, die es am kostengünstigsten pro-
die das Verhältnis zwischen ĺ Arbeitge- duzieren kann. Gründe dafür können
ber und ĺ Arbeitnehmer regeln (Indivi- Unterschiede bei den Vorkommen (z. B.
dualarbeitsrecht) sowie in der Tarif- und Rohstoffe), den Produktionsverfahren
Arbeitsunfähigkeit 36

(z. B. Qualität, Zeit, Know-how) oder den Arbeitsunfall – Betriebsunfall; Begriff der


Lohnkosten sein. – 2.  Betriebswirtschafts- gesetzlichen ĺ  Unfallversicherung: Un-
lehre: Organisatorische Zerlegung einer fall, den ein Versicherter bei einer versi-
Arbeitsaufgabe in Teilaufgaben, die ein- cherten Tätigkeit erleidet. Unfälle sind
zelnen Personen oder Personengruppen danach zeitlich begrenzte, von außen auf
zur Ausführung zugewiesen werden. Als den Körper einwirkende Ereignisse, die
Vorteil werden die durch die Spezialisie- zu einem Gesundheitsschaden oder zum
rung möglichen Kosteneinsparungen an- Tod führen, außerdem sog. Wegeunfälle
gesehen. Heutige produktions- und per- (auf einer Dienstreise oder einem Dienst-
sonalwirtschaftliche Konzepte grenzen gang sowie auf dem Weg von oder zur Ar-
die  Arbeitsteilung und Spezialisierung beitsstelle). Durch den Arbeitsunfall wird
ein, um so die Motivationsprobleme auf- die Leistungspflicht des Unfallversiche-
grund von Arbeitsteilung und Spezialisie- rungsträgers ausgelöst.
rung zu lösen. Arbeitsvermögen ĺ Humankapital.
Arbeitsvertrag  –  schuldrechtlicher ge-
Arbeitsunfähigkeit – Begriff aus der ge-
genseitiger Austauschvertrag (ĺ  Ver-
setzlichen ĺ  Krankenversicherung. Ar-
trag), durch den sich der ĺ  Arbeitneh-
beitsunfähig ist ein durch Krankheit oder mer zur Leistung abhängiger ĺ  Arbeit
Unfall hervorgerufener Körper- und und der ĺ Arbeitgeber zur Zahlung einer
Geisteszustand, aufgrund dessen der Ver- Vergütung verpflichtet. Der  Arbeitsver-
sicherte seine bisherige Erwerbstätigkeit trag ist eine bes. Art des Dienstvertrages
überhaupt nicht oder nur unter der in ab- und Grundlage des Arbeitsverhältnisses.
sehbar nächster Zeit zu erwartenden Ge- Er unterliegt den Vorschriften des ĺ Bür-
fahr der Verschlimmerung seines Zu- gerlichen Gesetzbuchs (BGB). Der  Ar-
standes weiter ausüben kann. Nach dem beitsvertrag enthält zahlreiche Neben-
Entgeltfortzahlungsgesetz (EntgFG) be- pflichten, v.a. die ĺ  Treuepflicht des Ar-
steht im Fall von  Arbeitsunfähigkeit für beitnehmers und die ĺ  Fürsorgepflicht
den Arbeitnehmer ein Anspruch auf des Arbeitgebers. – Abschluss, Inhalt und
Fortzahlung seines Arbeitsentgelts für Form des Vertrages können frei vereinbart
sechs Wochen (ĺ  Entgeltfortzahlung werden. Einschränkungen der Vertrags-
im Krankheitsfall). Nach Ablauf der Ent- freiheit ergeben sich jedoch aus gesetz-
geltfortzahlung erhält der Arbeitnehmer lichen Vorschriften (z. B. Kündigungs-,
ĺ  Krankengeld. Der Arbeitnehmer muss Betriebsverfassungs-, Jugendschutzge-
innerhalb von vier Tagen dem Arbeitge- setz und Arbeitszeitordnung), Bestim-
ber ein ärztliches Attest für seine Arbeits- mungen eines anwendbaren Tarifvertrags
unfähigkeit (sog. Arbeitsunfähigkeitsbe- oder einer Betriebsvereinbarung. Lücken
scheinigung) vorlegen, es sei denn der Ar- des Arbeitsvertrags kann der Arbeitgeber
beitgeber verlangt dieses bereits am ersten durch sein Direktionsrecht (ĺ Weisungs-
Tag. In der gesetzlichen ĺ  Unfallversi- recht) ausfüllen.  –  Ein  Arbeitsvertrag
cherung ist Arbeitsunfähigkeit Vorausset- kann unbefristet oder auf einen bestimm-
zung für den Anspruch auf ĺ Verletzten- ten Zeitraum befristet abgeschlossen wer-
geld. den (ĺ befristeter Arbeitsvertrag). – Ein
37 Arbeitszeitpolitik

Arbeitsvertrag kann durch ĺ Kündigung gearbeitet wird. Werden die Pausen in die
oder einvernehmlich durch Vereinba- Schichtzeit mit eingerechnet, dann ent-
rung eines ĺ Aufhebungsvertrages aufge- spricht die Schichtzeit der Arbeitszeit. Die
löst werden. – Vgl. auch ĺ Berufsausbil- Arbeitszeit wird gegliedert in Leistungs-
dungsvertrag. zeit, Bereitschaftszeit sowie bezahlte und
unbezahlte Freizeit. – Bei Arbeitsstudien
Arbeitsvolumen ĺ  Arbeitszeit, ĺ  Be-
nach REFA wird als Arbeitszeit die Tä-
schäftigung.
tigkeitszeit zugrunde gelegt. – 3.  Amtliche
Arbeitszeit  –  1.  Arbeitsrecht: a) Abgren- Statistik: Informationen über die durch-
zung: Zeit, die der ĺ Arbeitnehmer dem schnittlich je Beschäftigten geleistete Jah-
ĺ  Arbeitgeber zur Verfügung stellen resarbeitszeit werden zusammen mit dem
muss. Es ist die Zeit von Beginn bis Ende Arbeitsvolumen  (durchschnittliche jähr-
der Arbeit ohne Ruhepausen. Zur Ar- liche Beschäftigtenzahl x durchschnitt-
beitszeit zählen auch Zeiten der Arbeits- liche Jahresarbeitszeit) im Rahmen der
bereitschaft und des Bereitschaftsdiens- ĺ  Volkswirtschaftlichen Gesamtrech-
tes, jedochnicht die Rufbereitschaft. b) Ar- nungen (VGR) nachgewiesen. Grundla-
beitszeitregelungen: (1) Dauer: Nach dem gen sind die Arbeitszeiterhebungen des
Arbeitszeitgesetz (ArbZG) darf die regel- Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsfor-
mäßige werktägliche Arbeitszeit acht Stun- schung (IAB) der ĺ  Bundesagentur für
den nicht überschreiten. Sie kann auf bis Arbeit (BA).
zu zehn Stunden verlängert werden, wenn
Arbeitszeitmodelle  –  praktizierte Ar-
innerhalb von sechs Kalenderwochen
beitszeitregelungen mit ganz unterschied-
oder innerhalb von 24 Wochen durch-
lichen Zielsetzungen (z. B. individuelle
schnittlich acht Stunden werktäglich nicht
und betriebliche Arbeitszeitflexibilisie-
überschritten werden.  –  Die tatsächli-
rung, bessere Nutzung der betrieblichen
che tägliche oder wöchentliche  Arbeits-
Kapazität, Ausgleich von Beschäftigungs-
zeit ergibt sich aus dem ĺ Arbeitsvertrag
schwankungen, Senkung von Fehlzeiten,
oder aus einem ĺ Tarifvertrag. Bspw. gilt
Abkoppelung der Arbeitszeit von der Be-
für den Öffentlichen Dienst im Tarifge-
triebszeit, Erhöhung der Beschäftigung,
biet West (Ost)  die 39(40)-Stunden-Wo-
Verbesserung der internationalen Wett-
che. – (2) Pausen und Ruhezeiten: Nach
bewerbsfähigkeit). – Arbeitszeitmodelle
spätestens sechs Stunden ist die Arbeits-
reichen von der Gestaltung der täglichen
zeit durch Ruhepausen von mind. 30 Mi-
und wöchentlichen Arbeitszeit (ĺ  glei-
nuten zu unterbrechen. Bei einer Arbeits-
tende Arbeitzeit, ĺ Schichtarbeit, ĺ Ar-
zeit von neun Stunden sind Ruhepausen
beit auf Abruf), der jährlichen Arbeitszeit
von mind. 45 Minuten einzuhalten. Die
(Arbeitszeitkonten, ĺ  Jahresarbeitszeit-
Ruhepausen können dabei in Viertel-
vertrag, ĺ  Sabbatical), der Lebensarbeit-
stunden aufgeteilt werden.  –  Für Perso-
zeit (ĺ  Altersteilzeit, ĺ  Vorruhestand)
nen unter achtzehn Jahren gelten die Vor-
bis hin zu Modellen der ĺ Teilzeitarbeit
schriften zum ĺ  Jugendarbeitsschutz. –
(ĺ Job Sharing).
2.  Industriebetriebslehre: In der Industrie
gilt als Arbeitszeit der Teil der Schichtzeit Arbeitszeitpolitik – 1. Begriff: Summe al-
(ĺ Schichtarbeit), zu dem üblicherweise ler Maßnahmen, die die individuelle und
Arbeitszeugnis 38

betriebliche ĺ  Arbeitszeit bzgl. Umfang Arbeitszeugnis  –  Urkunde, die der


(chronometrische Dimension) und Lage ĺ Arbeitgeber nach Beendigung des Ar-
(chronologische Dimension) durch ge- beitsverhältnisses für den ĺ  Arbeitneh-
setzliche und vertragliche Regelungen be- mer auszustellen hat. Nach dem ĺ Bür-
einflussen. – 2. Träger der Arbeitszeitpoli- gerlichen Gesetzbuch (BGB) müssen
tik sind Gesetzgeber, ĺ Tarifpartner, Un- im Arbeitszeugnis Art und Dauer der Be-
ternehmensleitungen und betriebliche schäftigung bescheinigt werden. Auf Ver-
Arbeitnehmervertretungen.  –  3.  Grund- langen des Arbeitnehmers muss der Ar-
richtungen: a) Die staatliche  Arbeitszeit- beitgeber darüber hinaus die Aufgaben
des Arbeitnehmers beschreiben sowie die
politik verfolgt mit ihren gesetzlichen Ar-
Leistung und das persönliche Verhalten
beitszeitvorschriften (Arbeitszeitgesetz,
des Arbeitnehmers bewerten.
Bundesurlaubsgesetz, Jugendarbeitschutz,
Frauen- und Mutterschutz, Ladenschluss- Arbeitszimmer  –  häusliches Arbeitszim-
gesetz) vorrangig Ziele des ĺ  Arbeits- mer; Raum in einer Privatwohnung, der
schutzes. Zur Bekämpfung der ĺ  Ar- für die berufliche oder betriebliche Tä-
beitslosigkeit wurde das Instrument der tigkeit genutzt wird. Aufwendungen für
ein  Arbeitszimmer sind bei der ĺ  Ein-
Lebensarbeitszeitverkürzung (ĺ  Vorru-
kommensteuer als ĺ  Werbungskosten
hestand) eingesetzt. b) Die ĺ  Gewerk-
nur noch dann abzugsfähig, wenn der
schaften streben aus beschäftigungspoli-
Raum den Mittelpunkt der gesamten be-
tischen Gründen eine allgemeine Verkür- ruflichen oder betrieblichen Betätigung bil-
zung der tariflichen Wochenarbeitszeit det. Die Regelung betrifft nicht nur die
mit vollem Lohnausgleich (Einstieg in Kosten des  Arbeitszimmers selbst, son-
die 35-Stunden-Woche) und  den Ab- dern auch seine Ausstattung.
bau von Überstunden an, um das ge-
Arbitrage  –  Begriff aus dem Bank- und
samte Arbeitszeitvolumen auf mehr Be-
Börsenwesen: Geschäfte, die Preis-, Kurs-
schäftige zu verteilen. c) Die Arbeitgeber-
oder Zinsunterschiede zwischen ver-
verbände lehnen dies als kostensteigernd schiedenen Märkten zum Gegenstand
und beschäftigungsfeindlich ab. Sie schla- der Gewinnerzielung machen. Volks-
gen vielmehr ĺ  Arbeitszeitmodelle vor, wirtschaftlich gesehen führen Arbitra-
die Betrieben und ĺ  Arbeitnehmern geprozesse zum Ausgleich bestehender
mehr Arbeitszeitflexibilität eröffnen. Neu- Preis-, Kurs- und Zinsdifferenzen zwi-
erdings werden auch wieder kostensen- schen den Teilmärkten und bewirken so
kende und beschäftigungserhöhende Ar- eine einheitliche Preis- und Zinsfeststel-
beitszeitverlängerungen gefordert. d) Die lung. Mit der zunehmenden Ausbreitung
ordnungspolitische Zielsetzung  einer Si- des Computerhandels an der ĺ Börse so-
cherung der freien Arbeitszeitwahl (Ar- wie der Vernetzung der nationalen und
beitszeitsouveränität) wird schließlich internationalen Börsenplätze werden die
ebenfalls vertreten, damit den individu- Arbitragemöglichkeiten immer geringer.
ellen, familiären und betrieblichen Wün- Armut –  Pauperismus, Deprivation. wirt-
schen besser Rechnung getragen werden schaftliche Notlage, die nicht mehr zeit-
kann. lich begrenzt, sondern für die Lebenslage
39 atomistische Marktstruktur

ingesamt bestimmend ist. – 1.  Absolute meist einem Reiz und einer belohnten
Armut: liegt bei Unterschreiten eines phy- (oder bestraften) Reaktion (Ausnutzung
siologischen ĺ  Existenzminimums vor. in der Werbung).  –  3.  Soziologie: meist
Als absolute Armutsgrenze wird für Ent- freiwillige Verbindung von Gruppen
wicklungsländer z. B. ein täglicher Min- (aber auch einzelnen Personen) und an-
destkalorienbedarf oder  die ĺ  Kauf- deren sozialen Gebilden (z. B. Organisa-
kraftparität für 1 US-Dollar definiert. tionen) zu Gruppen-, Zweck- und Inter-
– 2.  Relative Armut wird auf die Wohl- essenverbänden (wie ĺ Gewerkschaften,
standssituation einer Gesellschaft bezo- ĺ  Genossenschaften).  –  4.  Statistik: Zu-
gen. Nach einer vom Statistischen Amt sammenhang von zwei Merkmalen belie-
der Europäischen Union (Eurostat) emp- biger Skalierung, die auch eine ĺ Korre-
fohlenen Abgrenzung soll die relative Ar- lation umfassen.
mutsgrenze für den Europäischen Ver-
Assoziierungsabkommen  –  1.  All-
gleich als 60 v.H. des Medians des Netto-
gemein: Völkerrechtliche Verträge, die
äquivalenzeinkommens definiert werden
bes. Beziehungen zwischen einer inter-
(Einkommensarmutsgrenze). Nach dem
nationalen (oder supranationalen) Or-
4. Armuts- und Reichenbericht der Bun-
ganisation und einem Nicht-Mitglieds-
desregierung von 2013  lag die Armutsri-
staat begründen.  –  2.  Assoziierungs-
sikoschwelle (60 % Medianeinkommen)
abkommen der EU: Der EG-Vertrag
in Deutschland im Jahre 2010 für  einen
(ĺ Europäische Gemeinschaft) sieht zwei
Ein-Personenhaushalt  bei 993 Euro im
Formen der Assoziierung Dritter vor: (1)
Monat.
die vorgeschriebene konstitutionelle As-
Armutsgrenze ĺ Armut. soziierung sog. überseeischer Gebiete und
Armutsrisikoschwelle ĺ Armut. Länder und (2) die Möglichkeit einer ver-
traglichen Assoziierung (z. B. von Beitritts-
Artvollmacht ĺ Handlungsvollmacht.
kandidaten, EWR-Abkommen).
Assekuranz ĺ Versicherung.
Assurancebanking ĺ Bankassurance.
Assessment Center  –  diagnostisches
Verfahren zur ĺ  Personalauswahl, bei AT-Angestellter  –  außertariflicher An-
dem mehrere Kandidaten über mehrere gestellter. ĺ  Angestellter, der eine über
Tage hinweg untersucht und von mehre- die höchste tarifliche Vergütungsgruppe
ren Beurteilern hinsichtlich ihrer Eignung hinausgehende Vergütung erhält und
für bestimmte Positionen beurteilt wer- nicht oder nicht in vollem Umfang un-
den. Dabei kommen z. B. Rollenspiele und ter den einschlägigen Tarifvertrag fällt.
Präsentationsübungen zum Einsatz. Die Vergütung richtet sich nach dem Ar-
beitsvertrag.  AT-Angestellte unterliegen
Assoziation  –  1.  Allgemein: Vereini-
gleichwohl in vollem Umfange dem Be-
gung bzw. Zusammenschluss wirtschaft-
triebsverfassungsgesetz und anderen ar-
licher Organe zur Verfolgung bes. wirt-
beitsrechtlichen Schutzgesetzen.  –  An-
schaftlicher Ziele (ĺ  Assoziierungsab-
ders: ĺ leitender Angestellter.
kommen). – 2. Psychologie: automatischer
Denkvorgang; eine gelernte Beziehung atomistische Marktstruktur ĺ  Markt-
zwischen zwei kognitiven Elementen, formen.
atypische Beschäftigungsverhältnisse 40

atypische Beschäftigungsverhält- Lebensbedingungen in Ostdeutschland


nisse – Darunter werden in der Beschäf- dem Niveau im Westen Deutschlands an-
tigtenstatistik des ĺ  Statistischen Bun- zupassen. Hierzu wurden 1990 der Fonds
desamtes Beschäftigungsverhältnisse Deutsche Einheit gegründet sowie im
verstanden, die von „normalen“ Beschäf- Rahmen des ĺ Finanzausgleichs die So-
tigungsverhältnissen durch folgende lidarpakte I und II (ĺ  Solidarpakt) ge-
Merkmale abweichen: (1) Befristung, (2) schlossen. Der Aufbau Ost soll im Jahre
Teilzeitbeschäftigung mit weniger als 20 2019 abgeschlossen sein.
Stunden in der Woche, (3) Zeitarbeits-
Aufbewahrungsfunktion ĺ Lager.
verhältnis (ĺ Arbeitnehmerüberlassung)
und (4) ĺ geringfügige Beschäftigung. Aufbewahrungspflicht  –  1.  Handels-
recht: (1) Handelsbücher, Inventare, Er-
atypische stille Gesellschaft ĺ  stille
öffnungsbilanzen, Jahresabschlüsse, La-
Gesellschaft.
geberichte, Konzernabschlüsse und
Auditing  –  engl. für revidieren, prüfen; -lageberichte sowie die zu ihrem Ver-
angloamerikanischer Begriff für ĺ Revi- ständnis erforderlichen Arbeitsanweisun-
sion (Prüfung) und zwar durch von dem gen, sonstigen Organisationsunterlagen
zu prüfenden Verantwortungsbereich un- und Buchungsbelege sind nach Erstel-
abhängige Personen. Unterschieden wird lung zehn Jahre aufzubewahren. (2) Emp-
zwischen (1) Internal  Auditing (interne fangene Handelsbriefe und Wiederga-
Revision) und (2) External Auditing (ex- ben der abgesandten Handelsbriefe sind
terne Revision). sechs Jahre aufzubewahren.  –  2.  Steuer-
recht: Eine zehnjährige Aufbewahrungsfrist
Aufbauorganisation – das statische Sys-
gilt grundsätzlich auch für steuerlich re-
tem der organisatorischen Einheiten einer
levante Unterlagen. Kürzere Fristen kön-
Unternehmung, das die Zuständigkeiten
nen sich aus speziellen Steuergesetzen er-
für die arbeitsteilige (ĺ  Arbeitsteilung)
geben.
Erfüllung der Unternehmensaufgabe re-
gelt (ĺ  Organisation). Zur Gestaltung aufeinander abgestimmte Verhaltens-
der  Aufbauorganisation werden im Rah- weisen ĺ abgestimmtes Verhalten.
men der Stellen- bzw. Abteilungsbildung
Auffanggesellschaft  –  Beschäftigungs-
die organisatorischen Einheiten nach
gesellschaft. Gesellschaft, die zur Ret-
Maßgabe ihrer ĺ Kompetenzen vonein-
tung eines von der ĺ Insolvenz bedroh-
ander abgegrenzt und durch Handlungs-
ten Unternehmens von Schuldnern und
beziehungen miteinander verknüpft. Je
Gläubigern gemeinsam gegründet wird.
nach Art dieser Abgrenzung und Ver-
Die  Auffanggesellschaft ist von der ur-
knüpfung ergeben sich unterschiedli-
sprünglichen Unternehmung rechtlich
che Organisationsstrukturen, die sich
getrennt, sie wird in die neue Gesellschaft
durch ein ĺ Organigramm abbilden las-
eingebracht. Sie soll nach einer Kapitalzu-
sen. – Gegensatz: ĺ Ablauforganisation.
führung vorliegende Aufträge überneh-
Aufbau Ost  –  im Zuge der Wiederver- men und so Arbeitsplätze sichern. Aus
einigung entstandenes wirtschaftspoli- den Erträgen der Auffanggesellschaft sol-
tisches Konzept mit der Zielsetzung, die len wiederum die Altschulden abgetragen
41 Aufsichtsrat

und die Einlagen der Gläubiger zurückge- die Aufrechnung miteinander verrechnet


zahlt werden. Es kann auch Ziel der Auf- und erlöschen somit.
fanggesellschaft sein, das Altunterneh-
Aufschwung ĺ Konjunkturzyklus.
men ganz oder teilweise zu überführen
und an einen Investor zu verkaufen. – Vgl. Aufsichtsrat – Organ, das für eine ĺ Ak-
auch ĺ Transfergesellschaft. tiengesellschaft (AG), eine ĺ  Komman-
ditgesellschaft auf Aktien (KGaA), eine
Aufhebungsvertrag  –  1.  Bürgerli- ĺ Genossenschaft und im Fall einer be-
ches Recht und Handelsrecht: ĺ  Vertrag stimmten Größe für eine ĺ Gesellschaft
zur einverständlichen Aufhebung eines mit beschränkter Haftung (GmbH) ge-
ĺ  Schuldverhältnisses.  –  2.  Arbeitsrecht: setzlich vorgeschrieben ist. Außerdem
Schriftlicher Vertrag zwischen ĺ  Ar- kann ein Aufsichtsrat bei einer ĺ Kom-
beitgeber und ĺ  Arbeitnehmer, durch manditgesellschaft (KG) oder einer ĺ of-
den ein zwischen ihnen bestehendes Ar- fenen Handelsgesellschaft (OHG) gebildet
beitsverhältnis (ĺ  Arbeitsvertrag) ein- werden. Diese Fälle sind jedoch nicht ge-
vernehmlich aufgehoben (beendet) wird. setzlich geregelt. – 1. Aufsichtsrat einer AG
Über den Aufhebungsvertrag gibt es keine oder KGaA: a) Zusammensetzung: Dieser
besonderen Schutzvorschriften, auch der besteht aus mind. drei, je nach Grundka-
Kündigungsschutz findet keine Anwen- pital aus maximal 21 Personen. Je nach
dung. Größe der Gesellschaft sind auch ĺ Akti-
Auflassung  –  die nach dem ĺ  Bürger- onäre und ĺ Arbeitnehmer vertreten. Die
lichen Gesetzbuch (BGB) zur Übereig- Mitglieder des  Aufsichtsrats werden von
nung eines Grundstückes erforderliche der ĺ Hauptversammlung gewählt (aus-
Einigung zwischen Verkäufer und Käu- genommen der Arbeitnehmervertreter).
fer über den Eigentumsübergang. I.d.R. Sie dürfen nicht dem ĺ Vorstand angehö-
muss die  Auflassung bei gleichzeitiger ren. Die Amtsdauer eines Mitgliedes be-
Anwesenheit von Verkäufer und Käufer trägt vier Geschäftsjahre. Der Aufsichtsrat
vor einem Notar erklärt werden, wobei wählt aus seiner Mitte einen Vorsitzenden
eine Stellvertretung möglich ist. Zur Ei- und mind. einen Stellvertreter, die zum
gentumsübertragung ist außer der  Auf- ĺ  Handelsregister anzumelden sind. b)
lassung die Eintragung ins ĺ Grundbuch Aufgaben des Aufsichtsrats sind die Über-
erforderlich. wachung der Tätigkeit des Vorstands,
die Prüfung von ĺ  Jahresabschluss und
Aufrechnung  –  wechselseitige ĺ  Til- ĺ  Lagebericht, die Vertretung der AG
gung zweier sich gegenüberstehender gegenüber dem Vorstand sowie die Be-
ĺ  Forderungen durch Verrechnung. stellung und Abberufung des Vorstands.
Die Aufrechnung ermöglicht einem Gläu- c) Vergütung: Für die Tätigkeit erhal-
biger auf einfache Weise, seine Forderung ten die Aufsichtsratsmitglieder eine Ver-
gegenüber dem Schuldner durch Selbst- gütung (ĺ  Tantieme). d) Haftung:   Falls
hilfe zu vollstrecken. Voraussetzung ist, ein Mitglied seine Obliegenheiten nicht
dass der Schuldner gegen den Gläubiger mit der Sorgfalt eines ordentlichen Kauf-
eine gleichartige Forderung (z. B. Geld) manns wahrnimmt, kann es von den Ak-
hat. Beide Forderungen werden durch tionären für die Schäden haftbar gemacht
Aufsichtsratsteuer 42

werden. – 2.  Aufsichtsrat einer Genossen- Aufwand – Aufwendungen. Geldwert al-


schaft: Dieser besteht aus mind. drei Mit- ler Güter, Dienstleistungen und öffent-
gliedern. Sie werden von der Generalver- lichen Abgaben, die in einem Abrech-
sammlung gewählt. Der  Aufsichtsrat hat nungszeitraum in einem Unternehmen
v.a. Überwachungsaufgaben. Die Auf- verbraucht wurden und die ĺ  Erfolgs-
sichtsratsmitglieder erhalten für ihre Tä- rechnung beeinflussen. Dazu zählen
tigkeit keine nach dem Geschäftsergebnis v.a. Aufwendungen für Roh-, Hilfs- und
bemessene Vergütung. – 3. Aufsichtsrat ei- Betriebsstoffe, Personalausgaben, Ab-
ner GmbH: Die Bildung eines  Aufsichts- schreibungen, Steuern, Mieten und Ver-
rats ist für GmbHs, die mehr als 500 Mit- sicherungen.  –  Im Rahmen der ĺ  Ge-
arbeiter beschäftigten, nach dem Be- winn- und Verlustrechnung (GuV) wer-
triebsverfassungsgesetz (BetrVG) und den zur Erfolgsermittlung  Aufwand
dem Mitbestimmungsgesetz (MitbestG) und ĺ  Erträge gegenübergestellt.  Auf-
vorgeschrieben. Die Vorschriften über wendungen sind in dem Geschäftsjahr
den  Aufsichtsrat der AG gelten entspre- zu erfassen, in dem sie verursacht wur-
chend. den (ĺ  Rechnungsabgrenzung).  –  In
Aufsichtsratsteuer ĺ Tantieme. der Kostenrechnung werden nur Zweck-
aufwendungen erfasst (ĺ  Zweckauf-
aufsichtsrechtliches Eigenkapital ĺ wand). Nicht berücksichtigt werden die
Solvabilität. neutralen Aufwendungen (ĺ  neutrale
Auftrag  –  1.  Bürgerliches Recht: ĺ  Ver- Aufwendungen/Erträge).  –  Vgl. auch
trag, durch den sich der Beauftragte ver- ĺ Kosten. – Gegensatz: ĺ Ertrag. – An-
pflichtet, ein übernommenes Geschäft ders: ĺ Ausgaben.
für den Auftraggeber unentgeltlich sorg- aufwandsgleiche Kosten ĺ Grundkos-
fältig auszuführen. Nach dem ĺ Bürger- ten.
lichen Gesetzbuch (BGB) muss der Be-
Aufwandskonto ĺ Erfolgskonto.
auftragte dem Auftraggeber die erforder-
lichen Auskünfte, v.a. über den Stand des Aufwands- und Ertragskonsolidierung
Geschäfts erteilen und nach Beendigung ĺ Konzernabschluss.
des Auftrags Rechenschaft ablegen. Der Aufwendungen  –  1.  Rechnungswe-
Auftraggeber muss dem Beauftragten die sen: ĺ  Aufwand.  –  2.  Handelsrecht: er-
zur Ausführung des  Auftrags notwendi- satzpflichtige Ausgaben (Aufwendungs-
gen Aufwendungen ersetzen. Der Auftrag ersatz)  eines Beauftragten (ĺ  Auftrag),
kann vom Auftraggeber jederzeit wider- Gesellschafters einer OHG oder KG,
rufen, vom Beauftragten jederzeit gekün- ĺ  Handlungsgehilfen oder ĺ  Handels-
digt werden.  –  2.  Organisation: Organi- vertreters.  –  3.  Steuerrecht: Unterschei-
satorisches Mittel der Betriebssteuerung. dung zwischen abzugsfähigen und nicht
Die beauftragte Stelle wird zur Durch- abzugsfähigen Aufwendungen.
führung einer Leistung verpflichtet. –
Aufwendungsersatz ĺ Aufwendungen.
3. Wertpapiergeschäft: ĺ Order.
Aufwertung  –  Wertgewinn einer
Auftragsfertigung ĺ Einzelproduktion. ĺ  Währung im Vergleich zu einer an-
Auftragssplitting ĺ Splittingverfahren. deren Währung. Eine  Aufwertung der
43 Ausbildungsberuf

Inlandswährung liegt vor, wenn der die Ausstellung eines Zeugnisses nach Be-
ĺ  Wechselkurs bei Preisnotierung (z. B. endigung der Ausbildung.
Euro je US-Dollar) sinkt und weniger Ausbilder  –  derjenige, der persönlich
Euro für einen US-Dollar gezahlt wer- und fachlich geeignet und beauftragt ist,
den müssen. Der Euro wird damit teu- ĺ Auszubildende zu unterweisen. In der
rer.  –  Mit der Aufwertung steigt der Ausbilder-Eignungsverordnung (AEVO)
ĺ  Außenwert der Inlandswährung. Die ist vorgeschrieben, dass der Ausbilder vor
ĺ  Importe werden billiger, die ĺ  Ex- der zuständigen Kammer über seine fach-
porte teurer. – Gegensatz: ĺ Abwertung. liche Eignung hinaus eine berufs- und ar-
Aufzeichnungspflichten ĺ  Buchfüh- beitspädagogische Eignung nachzuweisen
rungspflicht. hat. – Anders: ĺ Ausbildender.
Ausbildungsabschlussprüfung  –  Prü-
Aufzinsung  –  finanzmathematische Be-
fung, die in den anerkannten ĺ  Ausbil-
zeichnung für die Bestimmung des End-
dungsberufen vor einem Prüfungsaus-
kapitals Kn bei gegebenen Anfangskapi-
schuss abgelegt wird. Bestandteile sind die
tal K0, Zinssatz i und Laufzeit n. Es gilt:
schriftliche, mündliche und in einigen Be-
Kn = Ko (1+i)n. – Der mathematische Aus-
rufen zusätzlich eine praktische Prüfung.
druck (1 + i)n wird auch als Aufzinsungs-
Durch die Ausbildungsabschlussprüfung
faktor bezeichnet.  –  Gegensatz: ĺ  Dis-
festzustellen ist, ob der Prüfling die er-
kontierung (Abzinsung).
forderlichen Fertigkeiten beherrscht, die
Auktion ĺ Versteigerung. notwendigen praktischen und theoreti-
schen Kenntnisse besitzt.  –  Zugelassen
Auktionsverfahren ĺ Tenderverfahren. wird ein ĺ  Auszubildender, wenn seine
Ausbildender  –  nach dem Berufsbil- Ausbildungszeit innerhalb von zwei Mo-
dungsgesetz (BBiG) derjenige, der einen naten abläuft. Außerdem muss er die vor-
ĺ Auszubildenden zur Berufsausbildung geschriebenen Zwischenprüfungen be-
einstellt. Bei fehlender fachlicher Eig- standen und die vorgesehenen Berichts-
nung hat der Ausbildende einen ĺ Aus- hefte geführt haben. Eine Ausnahme
bilder mit der Ausbildung zu beauftra- besteht, wenn ausreichende Berufspra-
gen. Zu den Pflichten des  Ausbildenden xis oder der Besuch bestimmter berufs-
gehören: (1) eine ordnungsgemäße und bildender Schulen nachgewiesen werden
planmäßige Ausbildung auf der Grund- kann. Bei Nichtbestehen darf die  Aus-
lage der ĺ Ausbildungsordnung, (2) die bildungsabschlussprüfung zweimal wie-
Bereitstellung geeigneter Ausbildungs- derholt werden. Der Auszubildende er-
mittel, (3) die Gewährleistung zweckmä- hält bei bestandener Prüfung ein Zeugnis.
ßiger und angemessener Arbeitsbedin- Die  Ausbildungsabschlussprüfung ist für
gungen, (4) die Freistellung des Auszubil- den Auszubildenden gebührenfrei.
denden für den Berufsschulunterricht, für Ausbildungsberuf  –  anerkannter Aus-
Prüfungen sowie für Ausbildungsmaß- bildungsberuf. Bezeichnung für Aus-
nahmen außerhalb der Ausbildungsstätte, bildungsgänge, die gemäß Berufsbil-
(5) die Zahlung einer angemessenen Ver- dungsgesetz (BBiG) und ĺ  Hand-
gütung für den Auszubildenden und (6) werksordnung (HwO) als Beruf durch
Ausbildungsförderung 44

ĺ  Ausbildungsordnungen bundesweit Ausfuhrbürgschaft ĺ  Exportkreditga-


geregelt sind. Die Ausbildung in diesen rantien des Bundes.
Berufen erfolgt ausschließlich „dual“, d.h.
Ausfuhrdeckung ĺ Exportkreditgaran-
an den beiden Lernorten Betrieb und Be-
tien des Bundes.
rufsschule. Das Bundesinstitut der Be-
rufsausbildung führt und veröffentlicht Ausfuhrförderung ĺ Exportförderung.
jährlich ein Verzeichnis der anerkannten Ausfuhrgarantie ĺ  Exportkreditgaran-
Ausbildungsberufe. –  Weitere Informatio- tien des Bundes.
nen unter www.bibb.de.
Ausfuhrkredit-Gesellschaft ĺ  AKA
Ausbildungsförderung ĺ  Bundesaus- Ausfuhrkredit-Gesellschaft mbH.
bildungsförderungsgesetz (BAföG).
Ausfuhrsubventionen ĺ  Exportsub-
Ausbildungsfreibetrag  –  Begriff des vention, ĺ tarifäre Handelshemmnisse.
Einkommensteuerrechts für einen
ĺ Freibetrag, der pauschal für die Berufs- Ausfuhrversicherung ĺ  Exportkredit-
ausbildungskosten eines volljährigen Kin- garantien des Bundes.
des unter 27 Jahren bei einer auswärtigen Ausfuhrzoll ĺ  tarifäre Handelshemm-
Unterbringung gewährt wird. Der  Aus- nisse, ĺ Zoll.
bildungsfreibetrag beträgt höchstens 924
Ausgaben – 1. Rechnungswesen: Vermin-
Euro und wird nur auf Antrag gewährt.
derung des Geldvermögens (Zahlungs-
Ausbildungsordnung  –  Vorschriften mittelbestand + Bestand an Geldforderun-
für staatlich geregelte und einheitliche gen – Bestand an Geldverbindlichkeiten)
Ausbildungen in anerkannten ĺ Ausbil- eines Unternehmens. Ausgaben entstehen
dungsberufen. Die  Ausbildungsordnung beim Abfluss von ĺ Zahlungsmitteln und
beinhaltet einen Rahmenplan, aus dem beim Eingehen von Zahlungsverpflich-
das Unternehmen einen betrieblichen tungen in Form von Geldverbindlichkei-
Ausbildungsplan erstellt. –  Weitere Infor- ten.  –  Gegensatz: ĺ  Einnahmen.  –  An-
mationen unter www.bibb.de. ders: ĺ  Aufwand.  –  2.  Finanzwis-
Ausbildungsvergütung  –  eine nach senschaft: ĺ  öffentliche Ausgaben/
dem Berufsbildungsgesetz (BBiG) vom Einnahmen. – 3. Steuerrecht: Aufwendun-
ĺ Ausbildenden an den ĺ Auszubilden- gen, ĺ Betriebsausgaben.
den zu zahlende angemessene Vergütung, Ausgabenkonzept ĺ Konsum.
die nach dem Lebensalter zu bemessen
ist und mit fortschreitender Ausbildung Ausgabensteuern ĺ  Umsatzsteuer,
(mind. jährlich) ansteigt. ĺ Verbrauchsteuern
Ausbringungsmenge ĺ Output. Ausgangslager ĺ Lager.
Ausfallbürgschaft ĺ Bürgschaft. Ausgeglichene-Posten-Buchführung
ĺ Offene-Posten-Buchführung.
Ausfallzeiten ĺ Anrechnungszeiten.
Ausgleichsabgaben ĺ Sonderabgaben.
Ausfuhr ĺ Export.
Ausfuhrbeschränkung ĺ  Exportbe- Ausgleichsfunktion ĺ Lager.
schränkung. Ausgleichsgeber ĺ Mischkalkulation.
45 Außenfinanzierung

Ausgleichskalkulation ĺ  Mischkalku- (Konjunkturindikator).  –  Vgl. auch


lation. ĺ Beschäftigungsgrad.
Ausgleichsmesszahl ĺ  Länderfinanz- Auslieferungslager ĺ Lager.
ausgleich. Ausschließlichkeitsbindung  –  vertikale
Ausgleichsnehmer ĺ  Mischkalkula- Vereinbarung, die die Freiheit beschränkt,
tion. Waren oder gewerbliche Leistungen von
Ausgleichszuweisung ĺ Finanzhilfe. Dritten zu beziehen oder an diese liefern
(Alleinbezugs- und Alleinbelieferungs-
Ausgliederung ĺ Spin-off. verpflichtung).  Ausschließlichkeitsbin-
Auskunftspflicht – gesetzliche Pflicht zur dungen unterliegen bei hinreichender
Erteilung einer Auskunft von Behörden Spürbarkeit dem Verbot des § 1 GWB und
oder gegenüber Behörden. Art. 81 EGV, es sei denn, es sind Ausnah-
men durch Einzel- oder Gruppenfreistel-
Auslandsanleihe  –  1.  mit inländischem
lungen möglich.
Schuldner: Im Ausland aufgelegte, auf in-
ländische oder ausländische ĺ Währung Ausschlussprinzip ĺ  öffentliches Gut,
lautende ĺ  Anleihe eines inländischen ĺ privates Gut.
privaten oder öffentlichen Schuldners. – Ausschreibung  –  Submission, öffentli-
2.  mit ausländischem Schuldner: Auf dem che Bekanntgabe der Bedingungen, zu de-
Deutschen Kapitalmarkt aufgelegte und nen ein Vertragsangebot abgegeben wer-
in Euro notierte Anleihe eines ausländi- den kann.  Ausschreibung erfolgen z. B.
schen Emittenten. für Baumaßnahmen und Beschaffungs-
Auslandsinvestition – Form des ĺ Ka- aufträge.  –  Vgl. auch ĺ  öffentliche Auf-
pitalexports: Übertragung inländischen tragsvergabe.
Kapitals ins Ausland. Zu unterscheiden Ausschreibungsverfahren ĺ  Tender-
sind ĺ  Direktinvestition und ĺ  Portfoli- verfahren.
oinvestition.
Ausschüttung ĺ  Dividende, ĺ  ver-
Auslandsverschuldung ĺ  Kapitalex- deckte Gewinnausschüttung.
port, ĺ Kapitalimport.
Außenbeitrag  –  Begriff aus den
Auslands-Vertriebsgesellschaft ĺ Ver- ĺ  Volkswirtschaftlichen Gesamtrech-
triebsgesellschaft. nungen (VGR) und in der ĺ Zahlungsbi-
Auslandswährung ĺ Währung. lanz für den Saldo zwischen dem ĺ Ex-
Auslastungsgrad  –  Kapazitätsauslas- port und ĺ  Import von Waren und
tung; allg. das Verhältnis einer tatsäch- Dienstleistungen. Exportiert ein Land
lichen Größe zu einer Potenzialgröße. mehr (weniger) ins Ausland als es impor-
– 1.  Betriebswirtschaft: Verhältnis ef- tiert, ist der  Außenbeitrag positiv (nega-
fektiver Leistung oder Beschäftigung tiv).
zur Betriebskapazität (z. B. Werkstat- Außenfinanzierung  –  Form der ĺ  Fi-
tauslastung).  –  2.  Volkswirtschaft: Ver- nanzierung, bei der Kapital „von außen“
hältnis des ĺ  Bruttoinlandsprodukts über den ĺ Kapitalmarkt einfließt. Dies
(BIP) zum ĺ  Produktionspotenzial ist durch zusätzliche Einlagen bisheriger
Außenhandel 46

Anteilseigner oder Beteiligung Drit- das Verfahren nicht nur auf Betriebe be-
ter (ĺ  Beteiligungsfinanzierung) mög- schränkt ist, sondern auch bei anderen
lich. Es können aber auch Kredite auf- Steuerpflichtigen Anwendung finden
genommen werden (ĺ  Fremdfinanzie- kann. – Eine Außenprüfung ist ohne Ein-
rung). – Gegensatz: ĺ Innenfinanzierung. schränkungen zulässig bei Steuerpflich-
Außenhandel  –  Teil des Handels, der tigen, die einen gewerblichen oder land-
Güter über die Grenzen eines Landes und forstwirtschaftlichen Betrieb unter-
importiert (ĺ  Import) und exportiert halten oder freiberuflich tätig sind. Bei
(ĺ  Export). Träger des  Außenhandels anderen Steuerpflichtigen ist die  Außen-
sind Exporteure und Importeure. Das Au- prüfung zulässig, wenn sie deren Ver-
ßenhandelsvolumen der Bundesrepublik pflichtung betrifft, für Rechnung eines
Deutschland wird von der ĺ  amtlichen anderen Steuern zu entrichten oder ein-
Statistik nach Menge und Wert der Waren zubehalten und abzuführen, oder wenn
sowie nach Bezugs- und Absatzgebieten die für die Besteuerung erheblichen Ver-
ausgewiesen. – Gegensatz: ĺ Binnenhan- hältnisse der Aufklärung vor Ort bedür-
del.  –  Weitere Informationen unter www. fen.  –  Ein Anspruch auf  Außenprüfung
destatis.de. besteht nicht; die Durchführung liegt im
Ermessen der Behörde.
Außenhandelspolitik  –  Teil der ĺ  Au-
ßenwirtschaftspolitik: gezielte wirt- Außensteuerrecht  –  Vorschriften des
schaftspolitische Beeinflussung des inter- nationalen Steuerrechts, die sich mit gren-
nationalen Güterhandels durch ĺ tarifäre züberschreitenden Sachverhalten be-
Handelshemmnisse und ĺ  nicht tari- fassen. Dazu gehört v.a. das Außensteu-
färe Handelshemmnisse bzw. deren Ab- ergesetz (AStG). Ziel des AStG ist es,
bau und Beseitigung (ĺ  Handelslibera- ungerechtfertigte Steuervorteile auszu-
lisierung). a) tarifäre Handelshemmnisse schließen, die aus der Nutzung des in-
beinflussendurch Importzölle (ĺ  Zoll) ternationalen Steuergefälles erlangt wer-
und ĺ Exportsubventionen die Relation den können. Zum  Außensteuerrecht ge-
zwischen Weltmarktpreisen und Inland- hören außerdem z. B. die Regelungen des
spreisen. b) nicht tarifäre Hemmnisse kön- Einkommensteuergesetzes (EStG) zur Er-
nen vielfältige Formen annehmen, z. B. fassung von Auslandseinkünften und zur
werden zur Beschränkung der Einfuhren Besteuerung von im Ausland ansässigen
ĺ Importquoten und Importkontingente Personen.
sowie freiwillige Exportbeschränkungen Außenwert – Menge ausländischer Wäh-
eingesetzt. – Gegensatz: ĺ Binnenhandel- rungseinheiten, die man für eine Einheit
spolitik. der inländischen ĺ  Währung auf dem
Außenprüfung  –  bes. Sachaufklä- ĺ  Devisenmarkt erhält (Mengennotie-
rungsverfahren der Finanzbehörden. rung), z. B. 1 Euro = x US-Dollar. Bleiben
Im Unterschied zur früheren Bezeich- die Preisniveaus des Inlands und des be-
nung Betriebsprüfung soll in der durch treffenden Auslands unberücksichtigt, so
die ĺ  Abgabenordnung (AO) einge- handelt es sich um den sog. nominalen
führten Bezeichnung  Außenprüfung Außenwert. Wird das relative Preisniveau
zum Ausdruck gebracht werden, dass der Warenkörbe dagegen einbezogen, so
47 außerordentliche Kündigung

handelt es sich um den sog. realen Außen- Vereinbarungsweg mit den Gläubigern
wert. Dieser ist der Kehrwert des realen Erlass oder Stundung der Schulden zu er-
ĺ  Wechselkurses.  –  Vgl. auch ĺ  Kauf- reichen.
kraftparität.
außergewöhnliche Belastungen  –  Be-
außenwirtschaftliches Gleichge- griff aus dem Einkommensteuerrecht.
wicht –  externes Gleichgewicht; eines der Außergewöhnliche Belastungen sind
gesamtwirtschaftlichen Ziele des ĺ  Sta- Aufwendungen, die zwangsläufig, d.h.
bilitäts- und Wachstumsgesetzes (StWG). aus rechtlichen oder tatsächlichen Grün-
Da die ĺ Zahlungsbilanz buchhalterisch den, höher sind als die der überwiegen-
immer ausgeglichen ist, kann zur Defini- den Mehrzahl der Steuerpflichtigen mit
tion eines außenwirtschaftlichen Gleich- gleichen Einkommens-, Vermögens- und
gewichts i.S. eines „Zahlungsbilanzgleich- Familienverhältnissen. Dazu zählen z. B.
gewichts“ sinnvoll nur eine Teilbilanz Krankheits-, Scheidungs-, Entbindungs-
herangezogen werden. Das  außenwirt- und Ausbildungskosten der Kinder. Au-
schaftliches Gleichgewicht bezieht sich ßergewöhnliche Belastungen sind bei der
entweder auf den Ausgleich der Leistungs- Einkommensteuer absetzbar. Der Steuer-
bilanz oder auf den Ausgleich der Devi- pflichtige trägt jedoch einen Prozentsatz
senbilanz, d.h. der Saldo der Leistungs- der Belastungen selbst (ĺ zumutbare Be-
bilanz bzw. der Devisenbilanz soll annä- lastung).
hernd gleich null sein.
außerordentliche Aufwendungen/
Außenwirtschaftspolitik  –  Gesamtheit Erträge ĺ  neutrale Aufwendungen/Er-
der staatlichen Maßnahmen zur Regelung träge.
der außenwirtschaftlichen Beziehungen
eines Landes. Die  Außenwirtschaftspoli- außerordentliche Betriebsversamm-
tik umfasst v.a. die ĺ  Außenhandelspo- lung ĺ Betriebsversammlung.
litik, ĺ Währungspolitik (Währungsord-
außerordentliche Einkünfte  –  Einnah-
nungs- und ĺ  Wechselkurspolitik) und
men, die nicht im Rahmen der norma-
Integrationspolitik (Schaffung binnen-
len jährlichen Einkünfte liegen. Dazu zäh-
marktähnlicher Verhältnisse), kann aber
len v.a. Veräußerungsgewinne, Entschä-
auch in anderen Politiken enthalten sein
digungen, Nutzungsvergütungen und
(z. B. Bildungs- und Forschungspolitik).
Zinsen, Vergütungen für mehrjährige Tä-
Der Großteil der außenwirtschaftlichen
tigkeiten und Einkünfte aus Holznutzun-
Kompetenzen ist von den Mitgliedsstaa-
gen. Zur steuerlichen Entlastung kann
ten an die ĺ  Europäische Union (EU)
bei  außerordentlichen Einkünften die
übertragen worden.
ĺ  Fünftelmethode angewandt werden.
außergerichtliche Kosten ĺ  Prozess- Weiter gibt es im Fall von Veräußerungs-
kosten. gewinnen die Möglichkeit, statt der Fünf-
telmethode eine Steuersatzermäßigung zu
außergerichtlicher Vergleich ĺ  Ver- beantragen.
gleich, der mit den Gläubigern verein-
bart und geschlossen wird, ohne dass ein außerordentliche Kündigung ĺ  Kün-
Gericht eingeschaltet wird. Ziel ist es, im digung.
außertariflicher Angestellter 48

außertariflicher Angestellter ĺ den Bestand an Zahlungsmitteln (Kas-


AT-Angestellter. senbestände, Sichtguthaben bei Ban-
Aussetzung der Vollziehung – Möglich- ken).  –  2.  Bankwesen: Überweisung zur
keit einer Verwaltungsbehörde, auf den Barauszahlung eines bestimmten Betra-
Vollzug eines Verwaltungsaktes auf An- ges an einen Empfänger gegen Legitima-
trag oder von Amts wegen zu verzich- tion.  –  Gegensatz: ĺ  Einzahlung.  –  An-
ten, z. B. des ĺ Finanzamtes eine Steuer- ders: ĺ Ausgaben, ĺ Aufwand, ĺ Kos-
forderung ruhen zu lassen, bis über einen ten.
Einspruch gegen den Steuerbescheid ent- Auszubildender  –  i.S. des Berufsbil-
schieden ist. dungsgesetzes (BBiG) bzw. der ĺ Hand-
Aussonderung – Begriff aus dem Insol- werksordnung (HwO) eine Person, die
venzrecht (ĺ  Insolvenzverfahren): das auf der Grundlage eines ĺ  Berufsaus-
Trennen der Gegenstände, die nicht zum bildungsvertrages eine ĺ  Berufsausbil-
Eigentum des Schuldners gehören, von dung absolviert. a) Pflichten: Der  Aus-
der ĺ Insolvenzmasse. Dabei handelt es zubildende hat sich zu bemühen, die für
sich z. B. um geliehene und gemietete Ge- ĺ  Ausbildungsabschlussprüfung (Aus-
genstände und unter Eigentumsvorbehalt bildungsziel) erforderlichen Fertigkei-
gelieferte Waren. Die Geltendmachung ten und Kenntnisse zu erwerben. Er hat
des Anspruchs erfolgt im Streitfalle vor die im Rahmen seiner Berufsausbildung
dem ordentlichen Gericht.  –  Anders: übertragenen Verrichtungen sorgfältig
ĺ Absonderung. auszuführen, den Weisungen des ĺ Aus-
Aussperrung  –  Kampfmittel der ĺ  Ar- bildenden oder ĺ  Ausbilders zu folgen,
beitgeber im ĺ Arbeitskampf. ĺ Arbeit- über Betriebsgeheimnissen Stillschwei-
nehmer werden von einem oder mehreren gen zu bewahren, Werkzeuge, Maschinen
Arbeitgebern nicht zur Arbeit zugelassen und sonstige Einrichtungen pfleglich zu
und die Lohn- oder Gehaltszahlung ver- behandeln. – b) Rechte: Anspruchauf Ver-
weigert. Die  Aussperrung kann alle Ar- gütung, die sich nach Tarifvertrag, Aus-
beitnehmer eines Betriebes oder Wirt- bildungsjahr und Alter staffelt. Er hat ein
schaftszweigs betreffen. I.d.R. reagiert die Recht auf eine umfassende Berufsausbil-
Arbeitgeberseite mit der Aussperrung auf dung. Außerdem hat der  Auszubildende
einen zuvor begonnenen Streik mit einer einen Anspruch auf den kostenlosen Er-
Abwehraussperrung. Auch eine Angriffs- halt von Ausbildungsmitteln, auf die
aussperrung ist denkbar, aber seit Kriegs- Freistellung für den Besuch der Berufs-
ende nicht mehr erfolgt. schule sowie am Ende des Berufsausbil-
dungsverhältnisses auf die Erteilung eines
Austauschvertrag ĺ  gegenseitiger Ver-
ĺ Arbeitszeugnisses.
trag.
Ausverkauf ĺ Sonderveranstaltung. Autarkie  –  hypothetische Situation der
Auswahlfreiheit ĺ Konsumfreiheit. völligen wirtschaftlichen Unabhängigkeit
eines Landes vom Ausland, d.h. die voll-
Auszahlung  –  1.  Rechnungswesen: Ab- ständige Selbstversorgung eines Landes.
fluss an Zahlungsmitteln (Bargeld, Gi-
ralgeld). Eine  Auszahlung vermindert Autonomiekosten ĺ Koordination.
49 Avalkredit

Autoversicherung ĺ  Kraftfahrtversi- Kunden (Avalkreditnehmer) gegenüber ei-


cherung. nem Dritten (Begünstigter) im In- oder
Ausland. Das Kreditinstitut übernimmt
Aval ĺ Avalkredit.
die Haftung in Form einer ĺ Bankbürg-
Avalkredit – Aval, Bankaval. Übernahme schaft oder einer ĺ  Bankgarantie.  Aval-
der Haftung durch ein ĺ  Kreditinstitut kredite werden von den Kreditinstituten
(Avalkreditgeber) für und im Auftrag eines i.d.R. wie Barkredite behandelt.
B  –  Abk. ĺ  hinter der Kursangabe für
B
beitragen. Einige  Bagatellsteuern wie die
ĺ Brief. Getränke-, Tee-, Salz- und Zuckersteuer
B2B ĺ Business-to-Business-Markt. wurden in den letzten Jahren abgeschafft.
Derzeit werden u.a. noch die Hunde-,
B2C ĺ Business-to-Consumer-Markt.
Jagd-, Schankerlaubnis- und Schaum-
Bad Bank – dt. „schlechte Bank“, Bezeich- weinsteuer erhoben.
nung für Finanzinstitute, die in ĺ  Ban-
Bail-In – Begriff der Finanzwirtschaft: Bei
kenkrisen als reine Abwicklungsbanken
einem Bail-In tragen der Geldgeber einer
gegründet werden, d.h. zum speziellen
Institution deren Verluste mit, z. B. wenn
Zweck der Abwicklung bzw. Entsorgung
ein Staat zahlungsunfähig wird und seine
nicht einlösbarer Kreditforderungen
Gläubiger nach einem festzulegenden
und schwieriger ĺ  Wertpapiere, die bei
Schlüssel Teile ihrer Ansprüche verlieren.
Ausfall in ihrer Gesamtheit die Bonität
– Gegensatz: ĺ Bail-Out.
(ĺ  Kreditwürdigkeit) der Bank gefähr-
det hätten. Hat die Bad Bank ihre Entsor- Bail-Out  –  Begriff der Finanzwirtschaft:
gungsfunktion erfüllt, wird sie aufgelöst Maßnahmen zur Rettung einer Institu-
oder in eine „Good“ Bank umgewandelt. tion (z. B. eines Staates) bei drohender
Zahlungsfähigkeit durch Entschuldung
Badwill  –  negativer ĺ  Firmenwert,
oder Bereitstellung neuer Kredite. – Ge-
der  im Rahmen der Kapitalkonsolidie-
gensatz: ĺ Bail-In.
rung entsteht, wenn bei einem ĺ Unter-
nehmenszusammenschluss der Kaufpreis Baisse  –  Bezeichnung für einen negati-
der Beteiligungen unter dem Wert des an- ven Börsentrend mit nachhaltig fallenden
teiligen ĺ Eigenkapitals liegt. Kursen. Anleger, die eine Baisse erwarten
(sog. Baissiers), verkaufen ihre Wertpa-
BaFin – Abk. für ĺ Bundesanstalt für Fi-
piere. – Gegensatz: ĺ Hausse.
nanzdienstleistungsaufsicht.
Balanced Scorecard  –  Konzept und In-
BAföG – Abk. für ĺ Bundesausbildungs-
strument des ĺ  strategischen Manage-
förderungsgesetz.
ment. Die Balanced Scorecard ist ein Ver-
Bagatelldelikt  –  Straftat, bei der die bindungsglied zwischen Strategiefindung
Schuld des Täters als gering eingestuft und -umsetzung. Sie konzentriert sich da-
wird. Im Fall eines Bagatelldelikts besteht bei auf vier Perspektiven: (1) Finanzielle
kein öffentliches Interesse an einer Straf- Perspektive: Sie soll zeigen, ob die Imple-
verfolgung. Aus diesem Grund kann in mentierung der Strategie zur Ergebnisver-
diesem Fall von einer Verfolgung abgese- besserung beiträgt (Kennzahlen: ĺ  Ei-
hen werden. genkapitalrentabilität, Economic Value
Bagatellsteuern ĺ  Steuern, die nur im Added). (2) Kundenperspektive: Diese re-
geringen Umfang zum ĺ Steueraufkom- flektiert die strategischen Ziele des Unter-
men der jeweiligen ĺ  Gebietskörper- nehmens in Bezug auf die Kunden- und
schaft (Bund, Länder oder Gemeinden) Marktsegmente, in denen es konkurrieren
Springer Fachmedien Wiesbaden (Hrsg.), Kompakt-Lexikon Wirtschaft,
DOI 10.1007/978-3-658-05791-6_2, © Springer Fachmedien Wiesbaden 2014
Balance of Trade 52

möchte. (3) Interne Prozessperspektive: ĺ  Universalbanken und  Spezialbanken


Ihre Aufgabe ist es, diejenigen Prozesse unterschieden. Seit 2014 ist in Deutsch-
abzubilden, die zur Erreichung der Ziele land das ĺ  Trennbankensystem vorge-
der Finanz- und Kundenperspektive be- schrieben. Im Kreditwesengesetz (KWG)
deutsam sind. (4) Lern- und Entwick- wird der Begriff ĺ Kreditinstitut verwen-
lungsperspektive: Sie beschreibt mit Hilfe det. Keine Geschäftsbank ist die ĺ Deut-
von Kennzahlen die Infrastruktur (Mit- sche Bundesbank.
arbeiterqualifizierung, Leistungsfähigkeit Bankakzept ĺ Wechsel, der im Rahmen
des Informationssystems, Ziele und Moti- eines ĺ  Akzeptkredits von einem (erst-
vation der Mitarbeiter), die notwendig ist, klassigen) Kunden auf eine Bank gezo-
um die Ziele der drei ersten Perspektiven gen wurde und von dieser akzeptiert wird.
zu erreichen.  –  Die  Balanced Scorecard Dadurch ist die Bank verpflichtet, an den
präsentiert sich somit als strukturierte, Begünstigten bei Fälligkeit zu zahlen. Der
ausgewogene Sammlung von primär di- Bankkunde erhält somit von der Bank ei-
agnostisch zu verstehenden Kennzahlen, nen Kredit. I.d.R. wird das  Bankakzept
durch welche die wesentlichen Sichtwei- direkt von der Bank diskontiert, d.h. un-
sen eines Unternehmens für die strategi- ter Abzug des ĺ  Diskonts angekauft.
sche Planung und Steuerung des Unter- Das Bankakzept kann aber auch bei einer
nehmens abgebildet werden. fremden Bank eingereicht werden, um ei-
Balance of Trade ĺ Handelsbilanz. nen Kredit zu einem günstigeren Zinssatz
zu erhalten (ĺ  Diskontkredit). Außer-
Bank  –  Bankbetrieb, Geschäftsbank, Kre- dem ist es möglich, das Bankakzept an ei-
ditinstitut; 1.  Begriff: Unternehmen, das nen Gläubiger weiterzugeben.
gewerbsmäßig ĺ  Bankgeschäfte be-
treibt, d.h. geld- und finanzwirtschaftli- Bankanleihe  –  Bankobligation, Bank-
che Dienstleistungen anbietet. – 2. Funkti- schuldverschreibung. ĺ  Anleihe, die
onen: a) Einzelwirtschaftliche Funktion: (1) von einer ĺ  Bank zur Beschaffung von
Umtauschfunktion: Schaffung von Mög- ĺ  Fremdkapital ausgegeben wird. Sie
lichkeiten des Tauschs liquider Mittel un- dient der Bank zur ĺ Refinanzierung ih-
terschiedlicher Formen und/oder Qua- res Aktivgeschäfts. Die Laufzeit beträgt
lität. (2) Depotfunktion: Verwahrung li- i.d.R. fünf bis 30 Jahre. Bankanleihen wer-
quider Mittel über bestimmte Zeiträume. den i.d.R. in Selbstemission begeben, ent-
(3) Transportfunktion: Räumliche Über- weder als Einmal- oder als Daueremis-
tragung monetärer Mittel. (4) Finanzie- sion. – Vgl. auch ĺ Pfandbrief.
rungsfunktion: Zeitweilige Überlassung Bankassurance  –  Assurancebanking, be-
von Geld oder Kreditvergabe an Dritte. b) zeichnet die Zusammenarbeit und den
Volkswirtschaftliche Funktion: Liquiditäts- gemeinsamen Marktauftritt von Kredit-
ausgleich innerhalb des dem Wertestrom instituten (ĺ  Banken) und ĺ  Versiche-
der Sachgüter und Dienstleistungen ent- rungsunternehmen, allg. auch ĺ  Allfi-
gegengerichteten Geldstroms durch Los- nanz genannt. Ziele des  Bankassurance
größen-, Fristen- und Risikotransforma- sind, die Kundenbindung zu erhöhen,
tion.  –  3.  Arten: Je nach Anzahl der be- neue Kundengruppen zu erreichen,
triebenen Bankgeschäfte wird zwischen die Produktpalette zu erweitern und zu
53 Bankenaufsicht

ergänzen sowie ĺ  Synergien zu nutzen. die Kosten ihrer Geschäftsrisiken zu de-


Das Modell Bankassurance kann auf un- cken. Die eingenommenen Mittel spei-
terschiedliche Weise umgesetzt werden. sen den ĺ  Restrukturierungsfonds und
Bank und Versicherungsgesellschaft kön- stehen im Fall einer Krise bereit, wenn
nen im Bereich Vertrieb zusammenarbei- z. B. eine Bank im Rahmen einer geord-
ten. Möglich sind  aber auch  Unterneh- neten Isolvenz abgewickelt werden muss.
menszusammenschlüsse und Unterneh- Die Bankenabgabe wird von der ĺ Bun-
mensübernahmen. desanstalt für Finanzmarktstabilisierung
Bankauskunft  –  Mitteilung einer (FMSA)  erhoben, ihre Höhe hängt u.a.
ĺ Bank über die sog. allg. Verhältnisse ei- von der Größe und  dem Verflechtungs-
nes Kunden, die Dritten auf Anfrage er- grad einer Bank ab.
teilt wird. Sie enthält allg. gehaltene Fest-
stellungen und Bemerkungen über die Bankenaufsicht  –  staatliche Aufsicht
wirtschaftlichen Verhältnisse des Kunden, über ĺ Kreditinstitute. a) Die Bankenauf-
seine ĺ  Kreditwürdigkeit (Bonität) und sicht in Deutschland ist im Wesentlichen
Zahlungsfähigkeit. Betragsmäßige Anga- durch das Kreditwesengesetz (KWG) ge-
ben über Kontostände, Sparguthaben etc. regelt. Im Rahmen der  Bankenaufsicht
werden nicht gemacht. Nach den ĺ All- werden die gesetzlichen Vorschriften
gemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) überwacht, die für Kreditinstitute bei der
ist die Bank befugt, Auskünfte über ju- Gründung und bei ihren laufenden Ge-
ristische Personen (ĺ Kapitalgesellschaf- schäften gelten. Durch die Bankenaufsicht
ten) und im Handelsregister eingetragene soll der Gefahr des Zusammenbruchs und
ĺ Kaufleute zu erteilen, sofern keine ge- der Insolvenz von Kreditinstituten begeg-
genteilige Weisung des Kunden vorliegt. net werden. – Ausgeübt wird diese durch
Anders ist dies bei Privatkunden, Klein- die ĺ Bundesanstalt für Finanzdienstleis-
gewerbetreibenden, Freiberuflern und tungsaufsicht (BaFin) und die ĺ  Deut-
Vereinigungen. Diese müssen der Aus- sche Bundesbank, die in der vereinbarten
kunftserteilung ausdrücklich zugestimmt Aufgabenaufteilung zum ganz überwie-
haben. Ansonsten gilt das ĺ  Bankge- genden Teil die operative Bankenaufsicht
heimnis. (laufende Überwachung und Auswer-
tung der von den Banken einzureichen-
Bankaval ĺ Avalkredit. den Unterlagen, Meldungen, Jahresab-
Bankbetrieb ĺ Bank. schlüssen und Prüfberichte, regelmäßige
bankgeschäftliche Prüfungen und bei Be-
Bankbürgschaft ĺ  Bürgschaft, die im darf Aufsichtsgespräche) übernimmt. Die
Auftrag eines Kunden von einer ĺ Bank Bafin trägt demgegenüber die Verant-
übernommen wird. Sie wird i.d.R. zeitlich wortung für alle hoheitlichen Maßnah-
befristet abgeschlossen und auf einen be- men.  b) Europäische Bankenaufsicht: In
stimmten Betrag beschränkt. Die  Bank- der EU sorgt die Europäische Banken-
bürgschaft zählt zu den ĺ Avalkrediten. aufsichtsbehörde (EBA) durch die Ent-
Bankenabgabe ĺ  Abgabe, die ĺ  Kre- wicklung eines einheitlichen europä-
dititinstituten seit 2011 nach dem Res- isches Regelwerk für die Angleichung
trukturierungsgesetz auferlegt wurde, um der Aufsichtspraktiken der nationalen
Bankenkonsortium 54

Aufsichtsbehörden.  –  Reform: Ab  Herbst von einer Hypothekenkrise in den USA


2014  wird die Europäische Zentralbank ausgehende  weltweite Finanzmarktkrise
(EZB) in diejenigen Ländern, die sich am (gekennzeichnet durch Bankenkonkurse,
neuen einheitlichen Aufsichtsmechanismus Banken-Run, Liquiditäts- und Refinan-
der sog. ĺ Europäischen Bankenunion be- zierungsprobleme, Kreditklemme) be-
teiligen, in enger Abstimmung mit den troffen. Insbes. in Großbritannien und
zuständigen nationalen Aufsichtsbehör- den USA werden Banken (teil-)verstaat-
den  „bedeutende” Kreditinstitute direkt licht, mehrere der größten Investment-
beaufsichtigen.  –  Weitere Informationen banken werden mit stärkeren Commer-
unter www.bafin.de und www.bundes- cial Banks verschmolzen. Lehman Bro-
bank.de. thers wird unter Konkursrecht gestellt.
Bankenkonsortium  –  Konsortium; Ver- Die Regierungen sind angehalten, die
einigung mehrerer Banken (Konsorten) in ĺ  Einlagensicherung  für Kundeneinla-
der Rechtsform einer ĺ Gesellschaft bür- gen temporär zu erhöhen und die Ban-
gerlichen Rechts (GbR) zur Durchfüh- kenaufsicht zu verschärfen, um das Ver-
rung eines gemeinsamen Geschäfts (Kon- trauen der Bankkunden in die Zahlungs-
sortialgeschäft).  Bankenkonsortien wer- fähigkeit der Banken aufrechtzuerhalten.
den v.a. zur Durchführung eines größeren Bankenstresstest ĺ Stresstest.
Wertpapieremissionsgeschäfts (Emissi- Bankenunion ĺ  Europäische Banken-
onskonsortium) oder von Großkrediten union.
(Kreditkonsortium) errichtet, um das Ri-
siko für die einzelne Bank zu verringern Bank für Internationalen Zahlungs-
und die für den Kredit erforderlichen ausgleich (BIZ)  –  Bank for Internatio-
Mittel leichter aufzubringen. nal Settlement (BIS); zwischenstaatli-
ches Finanzinstitut in der Rechtsform ei-
Banken-Kontokorrent ĺ  Korrespon- ner Aktiengesellschaft (AG) mit Sitz in
denzbank. Basel. Die BIZ wurde 1930 ursprünglich
Bankenkrise  –  krisenhafter Zustand zur Abwicklung deutscher Reparations-
des Geld- und Kreditwesens eines Lan- zahlungen im Rahmen des Young-Pla-
des, gekennzeichnet durch Illiquidi- nes gegründet. Zu den heutige Aufgaben
tät und Vertrauensverlust in ĺ  Kredi- gehören die Förderung der Zusammen-
tinstitute.  –  1.  Schwerste Bankenkrise in arbeit der Zentralbanken, die Schaffung
Deutschland 1931: Sie begann mit dem neuer Möglichkeiten für internationale
Zusammenbruch der Österreichischen Finanzgeschäfte sowie die Übernahme
Credit-Anstalt. Es folgten die Danatbank von ĺ  Treuhandschaften oder Bevoll-
und die Dresdner Bank. Außer in der allg. mächtigungen bei internationalen Fi-
ĺ  Weltwirtschaftskrise hatte die deut- nanzabkommen. Die BIZ gilt als „Zent-
sche Bankenkrise ihre letzte Ursache in ralbank der Zentralbanken“. Sie wird von
ungünstigen außenwirtschaftlichen Be- den Zentralbanken zur Zusammenar-
ziehungen (starke kurzfristige Verschul- beit und Abstimmung auf nicht offiziel-
dung der Wirtschaft gegenüber dem Aus- ler Ebene genutzt. Als Teil der ĺ Neuen
land). – 2. Moderne Bankenkrise: Seit 2007 Weltfinanzarchitektur wurde an der BIZ
sind mehr und mehr Banken durch die das ĺ  Forum für Finanzmarktstabilität
55 Bankgeschäfte

(FSF) eingerichtet.  –  Weitere Informatio- Kunden. Außerdem muss gegenüber ei-


nen unter www.bis.org. ner Strafverfolgungsbehörde bei Verdacht
auf ĺ  Geldwäsche sowie gegenüber der
Bankgarantie – Zahlungsversprechen ei-
ĺ  Bundesanstalt für Finanzdienstleis-
ner ĺ  Bank in Form einer ĺ  Garantie.
tungsaufsicht (BaFin) bei Wertpapier-
Durch die  Bankgarantie übernimmt die
käufen und -verkäufen und gegenüber
Bank im Auftrag ihres Kunden die finan-
der ĺ  Deutschen Bundesbank im Zu-
zielle Absicherung, dass eine bestimmte
sammenhang mit den beim Außenwirt-
vertragliche Verpflichtung erfüllt wird
schaftsverkehr bestehenden Meldepflich-
oder ein bestimmter Schaden nicht ein-
ten Auskunft erteilt werden. Finanz- und
tritt.  Bankgarantien werden v.a. zur Ab-
Leistungsbehörden (z. B. Arbeitsagentur
sicherung und Bezahlung von Außen-
und Sozialamt) können nach dem Straf-
handelsgeschäften eingesetzt. Eine Bank-
befreiungserklärungsgesetz (StraBEG)
garantie dient dazu, die Bezahlung eines
von 2005 Kontonummer, Name des Kon-
Außenhandelsgeschäfts abzusichern (sog.
toinhabers und Angaben über Konto-
Zahlungsgarantie). Durch die Bankgaran-
bevollmächtigte abfragen.  –  Vgl. auch
tie können aber auch andere Risiken, die
ĺ Bankauskunft.
sich aus einer nicht planmäßigen Abwick-
lung eines Geschäfts ergeben können, ab-
Bankgeschäfte  –  Geschäfte, die von
gesichert werden. Die Bankgarantie zählt
ĺ  Kreditinstituten betrieben werden.
zu den ĺ Avalkrediten.
Dazu zählen die unten genannten  Bank-
Bankgeheimnis  –  Vertragspflicht der geschäfte i.S.d.  Kreditwesengesetzes
ĺ  Bank, über sämtliche Tatsachen und (KWG), der Handel mit Devisen, Sorten
Wertungen und damit über alle einen und Edelmetallen sowie das Kreditkarten-
Kunden betreffenden Angelegenheiten geschäft. – Nach § 1 KWG handelt es sich
Stillschweigen zu bewahren. Das  Bank- bei Bankgeschäften im Einzelnen um fol-
geheimnis ist in Deutschland – anders gende Geschäfte: a) Einlagengeschäft: An-
als z. B. in der Schweiz – nicht gesetzlich nahme von fremden Geldern, b) Kreditge-
geschützt. Es handelt sich um eine ne- schäft: Gewährung von Gelddarlehen und
benvertragliche Pflicht im Bank-Kun- Akzeptkrediten, c) Diskontgeschäft: An-
den-Verhältnis. Auch Kenntnisse, die im kauf von Wechseln und Schecks, d) Fi-
Rahmen der Abwicklung eines Geschäfts- nanzkommissionsgeschäft: Anschaffung
vorfalls über einen Nichtkunden erlangt und Veräußerung von Finanzinstrumen-
wurden, unterliegen dem  Bankgeheim- ten im eigenen Namen und für fremde
nis – Das Bankgeheimnis ist aufgrund ge- Rechnung, e) Depotgeschäft: Verwahrung
setzlicher Auskunftspflichten durchbro- und Verwaltung von Wertpapieren für
chen. Eine Auskunftspflicht besteht v.a. andere, f) Investmentgeschäft: Geschäfte
in Strafprozessen und bei strafrechtlichen der Kapitalanlagegesellschaften, g) Revol-
Ermittlungsverfahren, gegenüber dem vinggeschäft: Eingehen der Verpflichtung,
Finanzamt im Todesfall des Kunden so- Darlehensforderungen vor Fälligkeit
wie bei Steuerfahndungen, in einem Be- zu erweben, h) Garantiegeschäft: Über-
steuerungsverfahren und bei Zwangs- nahme von Bürgschaften, Garantien und
vollstreckungsmaßnahmen gegen einen sonstige Gewährleistungen für andere,
Bankkonto 56

i) Girogeschäft: Durchführung des bar- Bankkundenkarte ĺ Debitkarte.


geldlosen Zahlungsverkehrs und des Ab- Bankleitzahl – Kennziffer, die zur Iden-
rechnungsverkehrs, j) Emissionsgeschäft: tifizierung inländischer Banken als Zah-
Übernahme von Finanzinstrumenten für lungsdienstleister zwischen der ĺ Deut-
eigenes Risiko zur Unterbringung oder schen Bundesbank und dem inländischen
die Übernahme gleichwertiger Garantien, Kreditgewerbe vereinbart wurde und  8
k) E-Geld-Geschäft: Ausgabe und Verwal- Ziffern umfasst. Sie ist zugleich die Kon-
tung von elektronischem Geld. –  Weitere tonummer der betreffenden Bank bei der
Informationen unter www.bafin.de. Bundesbank.  Für die Zuteilung, Ände-
Bankkonto – die in Kontenform geführte rung und Löschung der Bankleitzahl ist
Rechnungslegung einer ĺ Bank für einen die Bundesbank zuständig. Die seit 1970
Bankkunden. Es werden die Forderun- in Deutschland eingeführte  Bankleit-
gen und Verbindlichkeiten aufgrund der zahl ist mit der Einführung des ĺ  Ein-
Geschäftsverbindung mit dem Kunden heitlichen Euro-Zahlungsverkehrsraums
erfasst.  –  Folgende Arten von  Bankkon- (SEPA) am 1.1.2014 (ab der 5.  Stelle)
ten werden unterschieden: a) Konten für in die 22-stellige internationale Bankkon-
den Zahlungsverkehr: Kontokorrentkonto tonummer ĺ IBAN integriert.
(ĺ Kontokorrent) und ĺ Girokonto, b) Banknote  –  Geldschein. Papiergeld, das
Konten für das Kreditgeschäft: Darlehens- von einer dazu berechtigten Bank (ĺ No-
konto und Kontokorrentkonto, c) Kon- tenbank) ausgegeben wird. Für Banknoten
ten für die Geldanlage: ĺ Sparkonto, Ter- als gesetzliches ĺ Zahlungsmittel besteht
mingeldkonto und Geldmarktkonto, d) eine unbeschränkte Annahmepflicht, z. B.
Konto für die Verwahrung und Verwaltung für den Euro innerhalb des ĺ Eurowäh-
von Wertpapieren: Depotkonto.  –  Zur rungsgebietes.  –  Die Ausgabe von  Bank-
Einrichtung oder Eröffnung eines  Bank- noten erfolgt im Euroraum durch das
kontos müssen die ĺ  Allgemeinen Ge- ĺ Eurosystem, in Deutschland durch die
schäftsbedingungen (AGB) und die ĺ Deutsche Bundesbank. – Vgl. ĺ Euro,
ĺ  SCHUFA-Klausel anerkannt werden. ĺ  Notenmonopol, ĺ  Notenstückelung,
Außerdem muss durch den Kunden eine ĺ Notenumlauf.
Unterschriftenprobe abgegeben werden.
Der Kunde muss Vor- und Zuname sowie Banknotenmonopol ĺ Notenmonopol.
den Wohnsitz angeben. Seitens der Bank Banknotenumlauf ĺ Notenumlauf.
erfolgt eine Prüfung der Berechtigung des Bankobligation ĺ Bankanleihe.
Kontoinhabers.
Bankrott  –  Zahlungsunfähigkeit (ĺ  In-
Bankkredit ĺ  Kredit, der von einer solvenzgrund) eines Schuldners. Auf-
ĺ  Bank eingeräumt wird. Grundlage ist grund eines Bankrotts wird das ĺ Insol-
ein Kreditvertrag. Nach der Laufzeit wird venzverfahren eröffnet.
zwischen kurz-, mittel- und langfristigem
Bankkredit, nach der Art der Mittelbe- Bankschuldverschreibung ĺ  Bankan-
reitstellung zwischen Buchkredit, ĺ Dis- leihe.
kontkredit und ĺ  Akzeptkredit unter- Banküberweisung  –  Auftrag des In-
schieden. habers eines ĺ  Bankkontos an seine
57 Barwert

ĺ  Bank, einen bestimmten Betrag dem bargeldloser Zahlungsverkehr  –  Ab-


Begünstigten auf dessen Konto zur Ver- wicklung von ĺ  Zahlungen ohne Ver-
fügung zu stellen. Das Konto des Kon- wendung von ĺ Bargeld, d.h. von Konto
toinhabers wird mit dem Betrag belas- zu Konto. Ein  bargeldloser Zahlungsver-
tet.  –  Für Banküberweisungen gelten kehr kann v.a. durch Verrechnungsscheck,
aufgrund der EU-Zahlungsdienstrichtli- Lastschrift, Dauerauftrag, Banküberwei-
nie  nach dem Bürgerlichen Gesetzbuch sung, ĺ  Debitkarte oder ĺ  Zahlungs-
(BGB) folgende Ausführungsfristen: (1) karte vorgenommen werden. Der bar-
1 Tag für überweisungen in Euro inner- geldlose Zahlungsverkehr zwischen den
halb des ĺ  Europäischen Wirtschafts- Kreditinstituten wird heute überwiegend
raums (EWR), (2) 2 Tage für Überwei- ohne Belege abgewickelt. Auch die Bank-
sungen mit Überweisungsvordruck, (3) 4 kunden reichen ihre Zahlungsaufträge
Tage für Überweisungen innnerhalb des zunehmend beleglos ein, z. B. über ĺ Ho-
EWR, die nicht in Euro erfolgen, (4) un- mebanking.
beschränkt für Überweisungen außerhalb Bargeldumlauf – Umlauf von Banknoten
des EWR. Für die Fristberechnung maß- (ĺ Notenumlauf) und Münzen (ĺ Mün-
geblich sind die sog. Geschäftstage. Sams- zumlauf) in einem Land bzw. Währungs-
tage, Sonn- und Feiertage sowie Nichtöff- raum.
nungstage sind keine Geschäftstage. – Die
Verrechnung von Banküberweisungen er- Bargründung – Form der Gründung ei-
folgt über die ĺ Gironetze der Kreditin- ner ĺ  Aktiengesellschaft (AG), bei der
stitute. das ĺ  Eigenkapital durch Geldeinlagen
der Gründer aufgebracht wird.  –  Gegen-
Bannbruch ĺ Steuerstraftat, die begeht, satz: ĺ Sachgründung.
wer Gegenstände entgegen einem Ver- Barlohnumwandlung ĺ  Entgeltum-
bot, ein-, aus- oder durchführt, ohne sie wandlung.
der zuständigen Zollbehörde ordnungs-
Barreserve  –  1.  Allgemein: Bestand an
gemäß anzuzeigen. Der Täter wird wegen
ĺ  Bargeld und das jederzeit in bar ver-
ĺ  Steuerhinterziehung bestraft, wenn die
fügbare Guthaben auf ĺ  Bankkon-
Tat nicht in anderen Vorschriften als Zu-
ten. – 2. Geldpolitik: Bestände der Banken
widerhandlung gegen ein Einfuhr-, Aus-
an Bargeld (Kassenbestände) und Gut-
fuhr- oder Durchfuhrverbot mit Strafe
haben bei der Zentralbank.  –  Vgl. auch
oder Geldbuße bedroht ist.
ĺ Liquidität, ĺ Mindestreserve.
Bannerwerbung ĺ  Werbung mit ei- Barscheck ĺ Scheck.
ner Werbefläche (sog. Banner) auf einer Bartergeschäft ĺ  Kompensationsge-
Internetseite (ĺ  Internet). Die meisten schäft.
Banner sind animiert und mit einem Link
auf die Internetseite des Werbetreibenden Barwert  –  Gegenwartswert. Begriff aus
versehen. der Finanzmathematik für den heutigen
Wert einer zukünftigen Zahlung. – 1. Til-
Bargeld – gesetzliches ĺ Zahlungsmittel gungsrechnung:  Barwert ist der aktuelle
in Form von ĺ Banknoten und ĺ Mün- Wert einer in der Zukunft fälligen Zah-
zen. – Vgl. auch ĺ Geld. lung, der sich durch Abzinsung ergibt
Barzahlung 58

(ĺ  Diskontierung). – 2.  Investitionsrech- Basiszinssatz  –  Zinssatz, auf dessen


nung:  Barwert ist der Wert einer Zah- Grundlage v.a. ĺ Verzugszinsen berech-
lungsreihe im Bezugszeitpunkt, der sich net werden. Nach dem ĺ  Bürgerlichen
durch Abzinsung ergibt. Gesetzbuch (BGB) wird der  Basiszins-
Barzahlung  –  Zahlungsform, bei der satz zum 1. Januar und zum 1. Juli an die
der Schuldner dem Gläubiger ĺ Bargeld Entwicklung des Zinssatzes für Hauptre-
übergibt. Dadurch ist die Verpflichtung finanzierungsgeschäfte der Europäischen
gegenüber dem Gläubiger erfüllt.  –  Zur Zentralbank (ĺ  Offenmarktgeschäfte)
Barzahlung zählen die direkte Übergabe angepasst. Der  Basiszinssatz fällt oder
von Bargeld, der Bargeldversand mittels steigt jeweils um die Prozentpunkte wie
Wertbrief, die Postanweisung und Wech- der Zinssatz der Hauptrefinanzierungs-
sel, die bar eingelöst werden. – Häufig ist geschäfte. Er wird von der ĺ Deutschen
in Zahlungsbedingungen für  Barzahlung Bundesbank im ĺ  Bundesanzeiger ver-
ein ĺ Skonto vorgesehen. öffentlicht. –  Weitere Informationen unter
www.bundesbank.de.
Barzahlungsrabatt ĺ Rabatt.
Bauabzugsteuer  –  Steuer, die gemäß
Basel II  –  Gesamtheit der Vorschriften §§ 48 ff. EStG von Unternehmern, die im
des Baseler Ausschusses für Bankenauf- Inland eine Bauleistung in Auftrag ge-
sicht der ĺ Bank für Internationalen Zah- ben, an das Finanzamt gezahlt werden
lungsausgleichs (BIZ) über die Ausstat- muss. Die  Bauabzugsteuer wurde 2001
tung der ĺ Kreditinstitute mit ĺ Eigen- mit dem Gesetz zur Eindämmung illega-
kapital. Mit diesen Vorschriften sollen ler Betätigung im Baugewerbe zur Siche-
Risiken bei Kreditinstituten begrenzt und rung von Steueransprüchen bei Bauleis-
die Stabilität des Finanzsektors  gestärkt tungen eingeführt. Von der Rechnung
werden. des Bauunternehmers müssen 15 % di-
Basel III  –  eine auf ĺ  Basel II aufbau- rekt an das Finanzamt abgeführt werden.
ende Reform der Bankenregulierung des Dies ist nicht erforderlich, wenn der leis-
Baseler Ausschusses für Banken  und am tende Bauunternehmer eine sog. Frei-
16.12.2010 in einer finalisierten Version stellungsbescheinigung vorlegt oder es sich
veröffentlichtes Regelwerk. Basel III soll um einen Auftrag unter 5.000 Euro (Baga-
die Stabilität des Bankensektors stärken. tellgrenze) handelt.
Basistarif ĺ  Allgemeine Krankenversi- Bauerlaubnis ĺ Baugenehmigung.
cherungspflicht. Baufinanzierung  –  Finanzierung (ein-
Basiswert  –  Bezugswert, Underlying. schließlich Vor- und Zwischenfinanzie-
Kontraktgegenstand, der einem ĺ  Ter- rung) eines Bauvorhabens oder eines Im-
mingeschäft oder ĺ  Derivat zugrunde mobilienerwerbs. Zu unterscheiden sind
liegt.  Basiswerte können Waren (z. B. folgende Finanzierungsformen: (1) Eigen-
Edelmetalle, Rohstoffe) oder Finanzinst- finanzierung: eigenes Geld- oder Sachka-
rumente (z. B. Aktien, Devisen und Akti- pital (z. B. eigenes Grundstück) oder Ei-
enindizes) sein. Ein Basiswert kann auch genleistung (persönlich oder gemein-
ein künstlich geschaffenes Wertpapier wie schaftlich erbrachte Bauleistungen), (2)
z. B. ĺ Bund-Future sein. Fremdfinanzierung: Hypothekendarlehen,
59 Bedarfsermittlung

Bauspardarlehen, Arbeitgeberdarlehen Bausparkasse – Spezialkreditinstitut, das


und öffentliche Baudarlehen. Bei der Bau- das ĺ Bausparen mit dem Ziel der Finan-
finanzierung handelt es sich i.d.R. um zierung eines Bauvorhabens oder eines
eine gemischte Finanzierung durch eigene Immobilienerwerbs betreibt. Die Tätig-
und fremde Mittel. keit der Bausparkasse unterliegt der Auf-
Baugenehmigung  –  Bauerlaubnis. Ge- sicht der ĺ  Bundesanstalt für Finanz-
nehmigung zur Errichtung, zum Umbau dienstleistungsaufsicht (BaFin).
oder Abriss eines Gebäudes. Die  Bauge- BDA  –  Abk. für ĺ  Bundesvereinigung
nehmigung ist von der zuständigen Bau- der Deutschen Arbeitgeberverbände e. V.
behörde zu erteilen, wenn das Vorhaben
BDI  –  Abk. für ĺ  Bundesverband der
den öffentlich-rechtlichen Vorschriften
Deutschen Industrie.
entspricht. Sie kann unter Auflagen und
Bedingungen erteilt werden. Für die Bau- Beamte – Bedienstete des ĺ Bundes, der
genehmigung muss ein Antrag mit den ĺ  Länder, der ĺ  Gemeinden oder an-
erforderlichen Bauunterlagen wie z. B. derer öffentlich-rechtlicher ĺ  Körper-
Baupläne eingereicht werden. schaften. Beamte stehen in einem gesetz-
lich bes. geregelten Dienst- und Treue-
Baukindergeld ĺ Kinderzulage.
verhältnis gegenüber dem Staat. Das
Bausparen  –  steuerbegünstigtes Ge- Beamtenverhältnis wird durch den ho-
meinschaftssparen bei einer ĺ  Bauspar- heitlichen Formalakt der Ernennung be-
kasse mit anschließender Gewährung ei- gründet und gilt grundsätzlich auf Le-
nes zinsgünstigen Darlehens für Zwecke benszeit (ausgenommen  Beamte auf
des Baus, Erwerbs oder der Renovierung Zeit,  Beamte auf Probe und  Beamte auf
von Eigenheimen und Eigentumswoh- Widerruf). Beamte haben einen Anspruch
nungen sowie zur Ablösung der hierzu auf ĺ Besoldung, im Ruhestand auf Ver-
eingegangenen Verpflichtungen. Grund- sorgung (ĺ Pension).
lage des  Bausparens ist ein Bausparver-
trag. – Nach Abschluss des Vertrages leis- Bedarf  –  wirtschaftlicher Begriff für ein
tet der Sparer regelmäßige Einzahlungen konkretisiertes ĺ Bedürfnis und eine am
an die Bausparkasse. Die Sparbeiträge flie- Markt tatsächlich auftretende ĺ  Nach-
ßen in eine gemeinsame Zuteilungsmasse. frage.
Sie werden nach Erreichen eines Min- Bedarfsermittlung  –  Bedarfsmengen-
destguthabens (i.d.R. 40 % der Bauspar- planung, Beschaffungsdisposition, Mate-
summe) und einer Wartezeit nach einem rialbedarfsermittlung. Verfahren zur Er-
bestimmten Verteilungsschlüssel (Bewer- mittlung der zukünftig auftretenden Ma-
tungszahl) zugeteilt. Die ausgezahlte Bau- terialbedarfe nach Zeit und Menge. Zu
sparsumme setzt sich aus dem angesam- unterscheiden sind die programmorien-
melten Sparguthaben einschließlich Zin- tierte (deterministische) Bedarfsermittlung
sen und Prämien sowie einem Darlehen anhand des Absatz- und Produktions-
(i.d.R. 60 % der Bausparsumme) zusam- programms und die verbrauchsorientierte
men.  –  Durch die Steuer- und Prämien- (stochastische) Bedarfsermittlung, die auf-
gesetzgebung (ĺ  Wohnungsbauprämie) grund des Vergangenheitsverbrauchs ge-
wird das Bausparen staatlich gefördert. schätzt wird.
Bedarfsgemeinschaft 60

Bedarfsgemeinschaft ĺ  Grundsiche- Pyramide entwickelt.  –  Vgl. Abb. „Be-


rung für Arbeitsuchende. dürfnishierarchie“.
Bedarfsmengenplanung ĺ  Bedarfser-
mittlung.
Bedarfswert  –  Begriff des Bewertungs-
gesetzes (BewG): Wert, der im Gegen-
satz zum ĺ  Einheitswert nicht turnus-
gemäß für alle Grundstücke erstellt wird,
sondern nur bei Bedarf für das jeweilige
Grundstück. Der  Bedarfswert ist rele-
vant für die Bewertung von Grundbesitz
für Zwecke der ĺ  Erbschaftsteuer und
ĺ Grunderwerbsteuer. Befrachter ĺ Verfrachter, ĺ Versender.
bedingte Kapitalerhöhung – Form der befristete Einlagen ĺ Termineinlagen.
ĺ  Kapitalerhöhung bei einer ĺ  Akti-
befristeter Arbeitsvertrag ĺ  Arbeits-
engesellschaft (AG). Das ĺ  Grundka-
vertrag, der auf eine bestimmte Zeit abge-
pital wird nur in dem Umfang erhöht, in
schlossen ist. Die Befristung muss immer
dem von einem Umtausch- oder Bezugs-
schriftlich erfolgen, um wirksam zu sein.
recht auf ĺ  junge Aktien (Bezugsak-
Im Fall des befristeten Arbeitsvertrags ist
tien) Gebrauch gemacht wird. Der Nenn-
für die Beendigung des Arbeitsverhält-
betrag des bedingten Kapitals darf die
nisses eine ĺ Kündigung nicht erforder-
Höhe des Grundkapitals nicht überschrei-
lich. Andererseits ist die ordentliche Kün-
ten.  –  Die  bedingte Kapitalerhöhung ist
digung ausgeschlossen, wenn der Arbeits-
zur Gewährung von Umtausch- oder Be-
vertrag dies nicht ausdrücklich anders
zugsrechten an Gläubiger von ĺ Wande-
regelt.  –  Nach dem Teilzeit- und Befris-
lanleihen oder ĺ  Optionsanleihen, zur
tungsgesetz (TzBfG) ist eine Befristung des
Vorbereitung eines Unternehmenszu-
Arbeitsvertrages immer zulässig, wenn sie
sammenschlusses oder bei Ausgabe von
durch einen sachlichen Grund (z. B. Aus-
ĺ Belegschaftsaktien zulässig.
hilfe, Mutterschaftsvertretung und Erzie-
bedingter Vorsatz ĺ Vorsatz. hungsurlaub) gerechtfertigt ist. Außer-
Bedürfnis – Wunsch, der aus dem Emp- dem ist auch ohne sachlichen Grund eine
fingen eines Mangels herrührt. Nur ein Befristung bis zur Dauer von zwei Jahren
Teil der Bedürfnisse kann vom Menschen erlaubt. Innerhalb dieses Zeitraums kann
befriedigt und in ĺ  Bedarf umgewan- der befristete Arbeitsvertrag drei Mal ver-
delt werden. Aufgabe der Volkswirtschaft längert werden. Weitere sofort oder spä-
ist es, die Güter, die zur Bedürfnisbefrie- ter anschließende Befristungen sind ge-
digung oder zur Deckung des Bedarfs er- setzlich nur möglich, wenn ein Sachgrund
forderlich sind, bereitzustellen.  –  Von vorliegt. Andernfalls befindet sich der Ar-
Maslow (US-amerikanischer Psychologe, beitnehmer in einem unbefristeten Ar-
1908–1970) wurde eine hierarchische beitsverhältnis.
Ordnung der  Bedürfnisse in Form einer Befundrechnung ĺ Materialverbrauch.
61 Beitragsbemessungsgrenze

Begebungskonsortium ĺ Emission. Diskriminierungsverbot gemäß §  19


Abs. 2, Nr.1  des Gesetzes gegen Wettbe-
Beggar-my-Neighbour-Politik – Begriff
werbsbeschränkungen (GWB) besagt,
für „den Nachbarn ausplündern“. Wirt-
dass  ein marktbeherrschendes Unterneh-
schaftspolitische Strategie eines Landes,
men als Anbieter oder Nachfrager ei-
die eigene Konjunkturschwäche durch
ner bestimmten Art von Waren oder ge-
Exportüberschüsse auszugleichen. Da
werblichen Leistungen ein anderes Un-
die Zunahme der ĺ  Exporte eines Lan-
ternehmen (1) weder unmittelbar oder
des eine Zunahme der ĺ  Importe für
mittelbar unbillig behindern oder (2)
das Ausland darstellt, können sich für das
ohne sachlich gerechtfertigten Grund
Ausland negative Wirkungen, z. B. ĺ Ar-
unmittelbar oder mittelbar anders be-
beitslosigkeit, ergeben.
handeln (diskrimieren) darf als gleichar-
Beglaubigung  –  Bestätigung der Echt- tige  Unternehmen. Ein solches Verhal-
heit einer ĺ Urkunde durch eine Behörde ten ist  als missbräuchliche Ausnutzung
oder durch einen Notar. Zu unterschei- einer marktberrschenden Stellung  gem.
den ist zwischen der  Beglaubigung einer § 19 Abs. 1 GWB verboten. – Gem. § 20
Abschrift und der  Beglaubigung einer Un- Abs. 1 GWB gilt dieses Verbot  auch für
terschrift. –  1.  Amtliche Beglaubigung: Be- Unternehmen und Unternehmensverei-
stätigung durch eine Behörde, dass eine nigungen mit relativer Marktmacht ge-
Unterschrift echt ist oder eine Abschrift genüber kleinen und mittleren Unter-
mit dem Original übereinstimmt. – 2. Öf- nehmen. – Vgl.auch ĺ Diskriminierung,
fentliche Beglaubigung: Bestätigung einer ĺ Diskriminierungsverbot.
schriftlichen Erklärung durch die Unter- Beinahegeld ĺ Geldsurrogat.
schrift eines Notars. Diese ist für die Gül-
tigkeit verschiedener Rechtsgeschäfte vor- Beitrag ĺ  Abgabe, die von der öffent-
geschrieben, z. B. für die Anmeldung zum lich-rechtlichen ĺ  Körperschaft zur
Vereinsregister. Deckung des Aufwands für die Schaf-
fung, Erweiterung oder Erneuerung
Behinderten-Pauschbetrag ĺ  Pausch- öffentlicher Einrichtungen erhoben
betrag, der behinderten Personen mit ei- wird.  Beiträge für die Bereitstellung die-
nem Behinderungsgrad von mehr als ser Leistungen müssen unabhängig von
50 % (bedingt auch schon ab 25 %) ge- ihrer Inanspruchnahme gezahlt wer-
währt wird. Die Höhe des  Behinder- den.  –  Als  Beitrag wird häufig auch die
ten-Pauschbetrags liegt zwischen 310 Zahlung für eine Versicherung oder
Euro und 3.700 Euro jährlich. Der Pau- für die ĺ  Sozialversicherung bezeich-
schbetrag für ein Kind kann auch auf net. – Anders: ĺ Gebühr.
die Eltern übertragen werden. Anstelle
Beitragsbemessungsgrenze  –  Höchst-
des  Behinderten-Pauschbetrags können
grenze, bis zu der das Arbeitsentgelt eines
die tatsächlichen Aufwendungen ange-
Arbeitnehmers der Sozialversicherungs-
setzt werden.
pflicht unterliegt. Die  Beitragsbemes-
Behinderungs- und Diskriminierungs- sungsgrenze wird jährlich für jeden Ver-
verbot  –  Begriff aus dem ĺ  Wettbe- sicherungszweig getrennt durch Verord-
werbsrecht. Das  Behinderungs- und nung des Bundesministeriums für Arbeit
Beitragssatz 62

und Soziales (BMAS) festgelegt. – Weitere bekannt ist. Der Bekanntheitsgrad ist u.a.
Informationen unter www.bmas.de. ein Maß für die Effektivität der ĺ Kom-
munikationspolitik.
Beitragssatz – Anteil des sozialversiche-
rungspflichtigen Arbeitsentgelts, der an Bekanntmachung – 1. Veröffentlichung
die gesetzliche Renten-, Kranken-, Pflege- amtlicher Nachrichten (Verkündigung:
und Arbeitslosenversicherung (ĺ  Sozi- nur bei  Bekanntmachung von Gesetzen
alversicherung) zu zahlen ist. Der  Bei- und Verordnungen).  –  2.  Öffentliche  Be-
tragssatz wird getrennt für die einzel- kanntmachung betreffend ĺ  Handelsre-
nen Versicherungszweige festgelegt. In gister, ĺ Insolvenz, Strafverfahren, ĺ ge-
Deutschland werden die Beiträge grund- werbliche Schutzrechte, ĺ  Urheberrecht
sätzlich  jeweils zur Hälfte (paritätisch) und ĺ unlauteren Wettbewerb. – 3. Han-
vom ĺ  Arbeitgeber (Arbeitgeberanteil) delsübliche Bekanntmachung, z. B. Anzei-
und vom ĺ  Arbeitnehmer (Arbeitneh- gen, Rundschreiben.
meranteil) gezahlt. Eine Ausnahme bildet Bekanntmachungswerbung ĺ  Ein-
die gesetzliche Krankenversicherung, für führungswerbung.
die die Kassenmitglieder einen allgemei-
nen Zusatzbeitrag von 0,9 % des Arbeits- Belastung  –  1.  Buchführung: Als  Be-
entgelts zahlen. Dieser soll im Zuge der lastung wird die Buchung im Soll (linke
jüngsten Krankenkassenreform ab 2015 Seite) eines Kontos bezeichnet. Das zu
jedoch wieder abgeschafft werden bzw. belastende Konto steht an erster Stelle
durch einen Zusatzbeitrag ersetzt wer- des ĺ  Buchungssatzes.  –  Gegensatz:
den, den jede Krankenkasse selbst festset- ĺ  Gutschrift.  –  2.  Grundstücksrecht: im
zen darf. ĺ Grundbuch eingetragene Rechte eines
Dritten an einem Grundstück.
Beitragszuschuss – Zuschuss zum Kran-
kenversicherungsbeitrag. – 1. Leistung des Beleg  –  Buchungsbeleg. Schriftstück,
Arbeitgebers an Beschäftigte, die wegen das als Unterlage und als Beweis für eine
Überschreitens der Verdienstgrenze nicht ĺ  Buchung dient. Es gilt der Grund-
pflichtversichert sind oder wegen einer satz: „Keine Buchung ohne Beleg“ (Be-
privaten ĺ Krankenversicherung von der legprinzip). Es gibt Fremdbelege wie z. B.
Pflichtversicherung befreit sind. – 2. Leis- Rechnungen, Quittungen, Bankabrech-
tung des Rentenversicherungsträgers an nungen, Schecks und Wechsel. Für in-
nicht gleichzeitig in der gesetzlichen nerbetriebliche Vorgänge wie z. B. Mate-
Krankenversicherung pflichtversicherte rialentnahmen werden Eigenbelege ausge-
Rentner, wenn sie bei einem privaten Ver- stellt. – Aufbewahrungspflicht: zehn Jahre.
sicherungsunternehmen oder an einer ge- Belegschaftsaktie  –  Arbeitnehmerak-
setzlichen ĺ Krankenkasse freiwillig für tie. ĺ  Aktie, die den Mitarbeitern einer
den Krankheitsfall versichert sind. ĺ  Aktiengesellschaft (AG) angeboten
werden, um deren Interesse am Wohl-
beizulegender Wert ĺ Tageswert.
ergehen der Unternehmung zu fördern.
Bekanntheitsgrad – Prozentsatz der po- I.d.R. wird den Mitarbeitern hierfür ein
tenziellen ĺ  Kunden (meist Verbrau- Vorzugskurs eingeräumt. Durch die Aus-
cher), denen eine Marke oder Firma gabe von  Belegschaftsaktien kann die
63 Berichtigungsaktie

Vermögensbildung der Mitarbeiter ge- mit denen eines oder mehrerer ande-
fördert werden. Außerdem können Ar- rer Unternehmen. Auf diese Weise soll
beitnehmer  über die ĺ  Dividende  am die Leistungslücke zum sog. Klassenbes-
Gewinn des Unternehmens beteiligt wer- ten aufgedeckt werden, d.h. einem Un-
den. Im Regelfall kann von einem Mitar- ternehmen, das Prozesse, Methoden
beiter nur eine begrenzte Anzahl an Be- usw. hervorragend beherrscht. Grund-
legschaftsaktien erworben werden. Dies idee des Benchmarkings ist es, festzustel-
wird häufig von der Dauer der Betriebszu- len, welche Unterschiede bestehen, wa-
gehörigkeit abhängig gemacht. Ein Wei- rum diese Unterschiede bestehen und
terverkauf der  Belegschaftsaktien durch welche Verbesserungsmöglichkeiten es
den Arbeitnehmer ist meist nach Ablauf gibt. – Vgl. auch ĺ Betriebsvergleich.
einer Sperrfrist (häufig von fünf Jahren)
Benutzungsgebühr ĺ Gebühr.
möglich. – Vgl. auch ĺ Aktienoption.
Beraterhaftung ĺ  Haftung für eine
Belegschaftsrabatt  –  Personalrabatt;
Falschberatung von Versicherungs- und
verbilligte oder unentgeltliche Abgabe
Finanzmaklern, Vermittlern von Versi-
von ĺ  Waren und ĺ  Dienstleistungen
cherungen und Geldanlageberatern ge-
an Mitarbeiter.  Belegschaftsrabatte wer-
genüber Kunden. Im deutschen Recht
den nur für Leistungen eingeräumt, die
ist eine  Beraterhaftung nicht ausdrück-
im Unternehmen selbst hergestellt, ver-
lich geregelt. Grundsätzlich gelten je-
trieben oder erbracht werden. Diese Ver-
doch die gesetzlichen Haftungsregelun-
günstigungen sind beim Arbeitnehmer
gen. Der „Berater“ muss nach dem Gesetz
(bewertet zum Endabnehmerpreis abzüg-
und Spruchrecht  verschiedene Pflichten
lich 4 % Bewertungsabschlag) als steu-
erfüllen, v.a. darf er nicht mit irreführen-
erpflichtiger Arbeitslohn zu erfassen.
den Angaben werben. Eine erweiterte Be-
Für Belegschaftsrabatte gilt ein Freibetrag
ratungspflicht gilt z. B. nach dem Wertpa-
von 1.080 Euro. Deputate (z. B. Haustrunk
pierhandelsgesetz (WpHG) für Wertpa-
und Freitabakwaren) sind grundsätzlich
pierdienstleistungen. Im Regelfall muss
steuerfrei.
der Geschädigte den Nachweis erbringen,
Beleihung ĺ Pfandrecht. dass er falsch beraten wurde. Die Regel-
verjährungsfrist für Ansprüche auf Scha-
Bemessungsgrundlage  –  Steuerbemes-
densersatz beträgt drei Jahre.
sungsgrundlage. Technisch-physische
oder wirtschaftlich-monetäre Größe, auf Bereichsöffentlichkeit ĺ  Ad-hoc-Pub-
die der ĺ  Steuertarif angewandt wird. lizität.
Bei der ĺ Einkommensteuer ist beispiels-
bereinigte Lohnquote ĺ Lohnquote.
weise die  Bemessungsgrundlage das zu
versteuernde Einkommen. Bereitstellungsplanung ĺ  Produkti-
onsprozessplanung.
Benchmarking  –  Instrument der
ĺ  Konkurrenzanalyse.  Benchmarking Bergbau ĺ Urproduktion.
ist der kontinuierliche Vergleich von Pro-
Bergknappschaft ĺ Knappschaft.
dukten, Dienstleistungen sowie Prozes-
sen und Methoden eines Unternehmens Berichtigungsaktie ĺ Zusatzaktie.
Berichtswesen 64

Berichtswesen  –  In der Beriebswirt- Tätigkeit notwendigen beruflichen Fertig-


schaft Sammelbegriff für alle systematisch keiten, Kenntnisse und Fähigkeiten (be-
erstellten Berichte, die entscheidungs- rufliche Handlungsfähigkeit) in einem ge-
und führungsrelevante Informationen ordneten Ausbildungsgang zu vermitteln
enthalten. Die Berichte werden schriftlich sowie den Erwerb von Berufserfahrung.
verfasst oder heute häufig in elektroni- Die Berufsausbildung vollzieht sich über-
scher Form erstellt. Das Berichtswesen ist wiegend im dualen System (duale Berufs-
eine zentrale Aufgabe des ĺ Controlling, ausbildung) mit der fachpraktischen Aus-
zunehmend auch des externen ĺ  Rech- bildung im Betrieb und der fachtheoreti-
nungswesens. schen Ausbildung in der ĺ Berufsschule
bzw. in einer Berufsakademie oder dualen
Beruf ĺ Ausbildungsberuf.
Hochschule im Falle eines dualen Studi-
berufliche Ausbildung ĺ Berufsausbil- ums. – Vgl. auch ĺ Bundesausbildungs-
dung. förderungsgesetz (BAföG) und ĺ Ausbil-
berufliche Fortbildung  –  Maßnah- dungsfreibetrag.
men zur Erhaltung (Erhaltungsfortbil- Berufsausbildungsbeihilfe  –  Zuschuss
dung) und Erweiterung (Erweiterungsfort- nach SGB III von der ĺ  Bundesagentur
bildung)  der beruflichen Kenntnisse und für Arbeit für die ĺ  Berufsausbildung
Fertigkeiten im bisherigen Berufsfeld. in einem anerkannten Ausbildungsbe-
Durch die  berufliche Fortbildung sollen ruf und berufsvorbereitende Bildungs-
die bestehenden Qualifikationen an die maßnahmen von Jugendlichen und Er-
technische Entwicklung angepasst (An- wachsenen (18 Jahre oder älter), soweit
passungsfortbildung) oder ein beruflicher hierfür die eigenen Mittel für den Lebens-
Aufstieg (Aufstiegsfortbildung) ermöglicht unterhalt, die Fahrtkosten, die Lehrgangs-
werden. Die Kosten übernimmt im Fall kosten und sonstigen Aufwendungen
einer vom ĺ  Arbeitgeber veranlassten nicht ausreichen. –  Anders: Ausbildungs-
Fortbildung i.d.R. der Arbeitgeber, bei ei- beihilfe nach dem ĺ Bundesausbildungs-
geninitiierter Fortbildung weitgehend der förderungsgesetz (BAföG).
ĺ Arbeitnehmer selbst. – Im Unterschied
Berufsausbildungsverhältnis  –  Rechts-
dazu umfasst die berufliche Weiterbildung
verhältnis, das zum Zwecke der Ausbil-
als Leistung der Arbeitsförderung gemäß
dung (ĺ Berufsausbildung) in einem an-
SGB III an Arbeitnehmer, Arbeitgeber
erkannten ĺ Ausbildungsberuf zwischen
oder Träger von Arbeitsförderungsmaß-
einem ĺ  Auszubildenden und einen
nahmen auch die Befähigung zu einem
ĺ Ausbildenden begründet wird. Rechts-
anderen Beruf (Umschulung).
grundlage ist das Berufsbildungsgesetz
berufliche Weiterbildung ĺ  berufliche mit einer einheitlichen Regelung für alle
Fortbildung. Berufe und Wirtschaftszweige.
Berufsausbildung  –  berufliche Ausbil- Berufsausbildungsvertrag ĺ  Ver-
dung, Berufsbildung. Ausbildung in ei- trag zwischen einem ĺ  Auszubildenden
nem anerkannten ĺ  Ausbildungsberuf. und einem ĺ  Ausbildenden (Arbeitge-
Die Berufsausbildung hat die für die Aus- ber), der ein ĺ  Berufsausbildungsver-
übung einer qualifizierten beruflichen hältnis begründet. Bei Vertragsabschluss
65 Berufsschulzeiten

mit einem Minderjährigen ist die Zu- ĺ  Berufsausbildung, in der auf einer
stimmung des gesetzlichen Vertreters er- ĺ Berufsschule eine staatliche berufliche
forderlich. Ein  Berufsausbildungsver- Grundbildung auf Berufsfeldbreite ver-
trag muss schriftlich vereinbart werden. mittelt wird. Es gilt für ĺ  Ausbildungs-
In ihm werden Art, sachliche und zeitli- berufe, die dem ĺ Berufsfeld (z. B. Wirt-
che Gliederung sowie Ziel der ĺ Berufs- schaft und Verwaltung) zugeordnet sind.
ausbildung vereinbart. Außerdem werden Das  BGJ dauert ein Jahr und kann von
Beginn und Dauer der Ausbildung, Pro- einem späteren Ausbildungsbetrieb als
bezeit, Vergütung, Arbeitszeit und Urlaub erstes Ausbildungsjahr anerkannt wer-
sowie Kündigungsfrist festgelegt. den. Dieses Berufsbildungsangebot rich-
Berufsbildung ĺ Berufsausbildung. tet sich an Schulabgänger, die keinen be-
trieblichen Ausbildungsplatz gefunden
Berufsfeld  –  zusammenfassende Be- haben. – Anders: ĺ Berufsvorbereitungs-
zeichnung für eine Gruppe inhaltlich oder jahr (BVJ)
funktional verwandter ĺ Ausbildungsbe-
Berufshaftpflichtversicherung ĺ Haft-
rufe. Die Berufsfeldschneidung erfolgte
pflichtversicherung.
unter pragmatischen Gesichtspunkten
mit der Einführung des ĺ Berufsgrund- Berufsschule  –  Schule, die von Berufs-
bildungsjahres (BGJ), für das zunächst 13 schulpflichtigen oder -berechtigten be-
Berufsfelder unterschieden wurden. Auch sucht wird, die sich in der ĺ Berufsaus-
das ĺ  Berufsvorbereitungsjahr (BVJ) ist bildung befinden oder in einem Arbeits-
berufsfeldorientiert. – Das Bundesinsti- verhältnis stehen und ihre Schulpflicht
tut  für Berufsbildung (BIBB) hat inzwi- noch nicht erfüllt haben. Die  Berufs-
schen 54 Berufsfelder abgegrenzt. schule soll als Lernort in der dualen Be-
rufsbildung allgemeine und fachliche
Berufsfreiheit  –  ein durch das Grund-
Lerninhalte unter besonderer Berück-
gesetz (Art. 12 GG) gewährleistetes
sichtigung der Anforderungen der Be-
ĺ Grundrecht, nach dem alle Deutschen
rufsausbildung vermitteln. Der Unter-
das Recht haben, Beruf, Arbeitsplatz und
richt erfolgt in Teilzeitform an einem oder
Ausbildungsstätte frei zu wählen. Die Be-
zwei Wochentagen oder in zusammen-
rufsausübung kann durch Gesetz oder
hängenden Teilabschnitten als Blockun-
aufgrund eines Gesetzes geregelt sein.
terricht. Im Rahmen einer in Grund- und
Berufsgenossenschaft  –  Träger der ge- Fachstufe gegliederten Berufsausbildung
setzlichen ĺ Unfallversicherung. Die Be- kann die Grundstufe als ĺ  Berufsgrund-
rufsgenossenschaft ist ein Verband in der bildungsjahr (BGJ) durchgeführt werden.
Form einer öffentlich-rechtlichen ĺ Kör- Daneben werden auch die Vollzeitberufs-
perschaft mit Selbstverwaltung. Unter- schulen als Berufsschule bezeichnet.
nehmen müssen Mitglied der für sie zu- Berufsschulzeiten  –  Unterrichtszeiten
ständigen Berufsgenossenschaft sein. Die an der ĺ  Berufsschule. Der ĺ  Ausbil-
Finanzierung erfolgt über Mitgliedsbei- dende ist nach dem Berufsbildungsgesetz
träge. (BBiG) verpflichtet, den ĺ Auszubilden-
Berufsgrundbildungsjahr (BGJ)  –  Or- den für die  Berufsschulzeiten (auch für
ganisationsform der Grundstufe der Prüfungen, Schulausflüge und sonstige
Berufsunfähigkeit 66

Schulveranstaltungen) freizustellen. Für Schulpflicht an einer berufsbildenden


die Freistellungszeiten ist die ĺ  Ausbil- Schule absolviert wird und Schulabbre-
dungsvergütung fortzuzahlen. chern u.U.  den Hauptschulabschluss er-
möglicht.  Im Rahmen des  BVJ werden
Berufsunfähigkeit – Begriff des privaten
grundlegende fachliche Kenntnisse und
Versicherungswesens: Nach den Versiche-
Fertigkeiten aus einem oder mehreren
rungsbedingungen für eine ĺ Berufsun-
ĺ  Berufsfeldern vermittelt.  –  Anders:
fähigkeitsversicherung liegt eine  Berufs-
ĺ Berufsgrundbildungsjahr (BGJ).
unfähigkeit vor, wenn der Versicherte in-
folge Krankheit, Körperverletzung oder Berufung ĺ  Rechtsmittel, das gegen
„Kräfteverfalls“ voraussichtlich sechs Mo- ĺ  Urteile der ersten Instanz zwecks er-
nate ununterbrochen außerstande ist, sei- neuter Verhandlung des Rechtsstreites
nen Beruf oder eine andere Tätigkeit aus- vor dem nächst höheren Gericht einge-
zuüben, die er aufgrund seiner Ausbil- legt werden kann. Aufgrund einer  Beru-
dung und Erfahrung ausüben könnte fung prüft das Berufungsgericht das Urteil
und die seiner bisherigen Lebensstellung in rechtlicher und tatsächlicher Hinsicht.
entspricht. Bei den meisten Versicher- Das Berufungsgericht kann das Urteil
ten liegt der Versicherungsfall bei mind. aufheben, um neu zu entscheiden oder
50-prozentiger Berufsunfähigkeit vor. Der die Entscheidung an das Gericht der ers-
Eintritt der Berufsunfähigkeit wird i.d.R. ten Instanz zurückzuverweisen. – Anders:
durch ein ärztliches Gutachten festge- ĺ Revision.
stellt. Die Kriterien der Berufsunfähigkeit
Beschaffung  –  Versorgung eines Unter-
sind enger gefasst als die der Erwerbsun-
nehmens mit ĺ  Material bzw. ĺ  Wa-
fähigkeit, da der Betroffene u.U. noch ei-
ren, ĺ  Dienstleistungen, ĺ  Betriebs-
ner anderen Erwerbstätigkeit nachgehen
und ĺ Arbeitsmitteln sowie Rechten und
kann. – Anders: ĺ Erwerbsminderung.
ĺ  Informationen aus unternehmensex-
Berufsunfähigkeitsrente ĺ  Rente, die ternen Quellen auf ĺ Beschaffungsmärk-
ein Versicherter der privaten ĺ  Berufs- ten. –  Ziel der Beschaffung ist es, eine an-
unfähigkeitsversicherung bei ĺ  Berufs- forderungsgerechte Versorgung sicher-
unfähigkeit erhält.  –  Versicherte der ge- zustellen, d.h., die richtige Menge in der
setzlichen ĺ  Rentenversicherung haben richtigen Qualität zum richtigen Zeit-
nach dem Rentenreformgesetz von 2001 punkt am richtigen Ort zu minimalen
bei Berufsunfähigkeit nur noch Anspruch Kosten (ĺ  Beschaffungskosten) bereit-
auf eine gestaffelte ĺ  Rente wegen Er- zustellen.  –  Zu den operativen Aufgaben
werbsminderung. der  Beschaffung zählen: Bestandskont-
rolle, ĺ  Bedarfsermittlung und ĺ  Be-
Berufsunfähigkeitsversicherung  –  pri-
stellmengenplanung, Lieferantenauswahl,
vate ĺ  Versicherung, die im Falle der
ĺ  Bestellung und Bestellüberwachung,
ĺ  Berufsunfähigkeit eine vereinbarte
Zusammenarbeit mit dem Logistikbe-
Rente (ĺ Berufsunfähigkeitsrente) zahlt.
reich, Beschaffungslogistik.  –  Strategi-
Berufsvorbereitungsjahr (BVJ)  –  ein- sche Aufgaben der  Beschaffung sind:  Be-
jähriges, vollzeitschulisches Bildungs- schaffungsmarktforschung, Entschei-
jahr, das zur Erfüllung der allgemeinen dung über zentrale und/oder dezentrale
67 Beschäftigungsanspruch

Beschaffung, Lieferantenanalyse, -be- Vorprodukte, Roh- und Betriebsstoffe


wertung und -auswahl, Beziehungsma- und Waren. – Gegensatz: ĺ Absatzmarkt.
nagement zu Lieferanten, ĺ  Beschaf- Beschaffungsnebenkosten ĺ  Beschaf-
fungsmarketing, Erstellung von Beschaf- fungskosten.
fungsportfolios. – Vgl. auch ĺ Electronic
Procurement. Beschaffungspreis ĺ Beschaffungskos-
ten.
Beschaffungsdisposition ĺ  Bedarfser-
mittlung. Beschäftigte  –  Begriff aus der ĺ  amt-
lichen Statistik für Personen, die in Be-
Beschaffungskosten  –  alle ĺ  Kos- trieben, Unternehmen oder Arbeitsstät-
ten, die zur Beschaffung der notwendi- ten tätig sind: tätige Inhaber/Inhaberin-
gen Güter aufgewendet werden. Die  Be- nen, mithelfende Familienangehörige und
schaffungskosten setzen sich aus dem alle ĺ Arbeitnehmer/innen. Dazu gehö-
Rechnungspreis der Güter (sog. Beschaf- ren auch vorübergehend Abwesende (z. B.
fungspreis) und den  Beschaffungsneben- Kranke, Urlauber) und Teilzeitbeschäf-
kosten wie z. B. Frachtkosten, Versiche- tigte. – Anders: ĺ Erwerbstätige.
rung und Verwaltungskosten zusam-
men. Beschaffungskosten in diesem Sinn Beschäftigung  –  1.  Betriebswirtschafts-
sind ein Synonym für ĺ  Anschaffungs- lehre: Ausnutzung der produktionstech-
kosten. nischen ĺ  Kapazität. Die  Beschäftigung
kann outputorientiert in Leistungsmengen
Beschaffungsmarketing – Einsatz mar- (Produkte) oder inputorientiert in Grö-
ketingpolitischer Instrumente auf der Be- ßen wie Maschinenstunden oder Arbeits-
schaffungsseite eines Unternehmens, d.h stunden gemessen werden. – 2. Volkswirt-
auf ĺ  Beschaffungsmärkten.  –  Aufga- schaftslehre: der tatsächliche Einsatz des
ben des strategischen  Beschaffungsmarke- Produktionsfaktors Arbeit in einer be-
tings sind die Nutzung vorleistungsspezi- stimmten Periode. Statistisch messbar ist
fischer Marktchancen, die langfristige Si- die  Beschäftigung durch die jährlich in
cherung der Bezugsquellen und die Pflege der Gesamtwirtschaft geleisteten Arbeits-
der Beziehungen zu diesen. – Das opera- stunden (Arbeitsvolumen), die Anzahl der
tive Beschaffungsmarketing umfasst v.a. Beschäftigten oder die durchschnittliche
die Beschaffungsmarktforschung und Jahresarbeitszeit pro Beschäftigten. – Die
-analyse, Segmentierung des Beschaf- relative Beschäftigung wird am ĺ Beschäf-
fungsmarktes und das beschaffungspoli- tigungsgrad gemessen.
tische Marketing-Mix (Kontrahierungs-
Beschäftigungsanspruch  –  Anspruch
politik, Leistungs- und Qualitätspolitik,
des ĺ  Arbeitnehmers auf tatsächliche
Beschaffungswegepolitik, Beschaffungs-
Beschäftigung mit der vertraglich ver-
kommunikation).
einbarten Tätigkeit, der nur bei Unzu-
Beschaffungsmarkt  –  ein der eigenen mutbarkeit entfällt. Schutzwerte Interes-
Produktions- oder Handelstufe vorge- sen des ĺ Arbeitgebers, die diesem An-
lagerter ĺ Markt, auf dem Güter für ei- spruch entgegenstehen, können z. B. sein:
gene Produktions- und Handelspro- Auftragsmangel, Verdacht einer straf-
zesse beschafft werden können, wie z. B. baren Handlung des Arbeitnehmers
Beschäftigungsgesellschaft 68

oder Streitigkeiten mit Arbeitskollegen Maßnahmen der Beschäftigungspolitik


oder Vorgesetzten.  –  Ein Weiterbeschäf- zählen Steuer- und Zinssenkungen, hö-
tigungsanspruch während einer Kün- here Staatsausgaben sowie die Verbesse-
digungsschutzklage besteht auch nach rung der Produktions- und Investitions-
der ĺ  Kündigung bis zum rechtskräfti- bedingungen.  –  Vgl. auch ĺ  Arbeits-
gen Abschluss des Kündigungsprozes- marktpolitik.
ses, wenn ein ĺ  Arbeitsgericht festge- Beschäftigungsstrukturpolitik ĺ  Ar-
stellt hat, dass die Kündigung unwirksam beitsmarktpolitik.
ist und schutzwerte Interessen des Arbeit-
gebers einer solchen Beschäftigung nicht Beschluss  –  gerichtliche Entscheidung,
entgegenstehen.  –  Der  Beschäftigungs- die (im Gegensatz zum ĺ  Urteil) i.d.R.
anspruch kann im Klagewege oder durch ohne mündliche Verhandlung ergeht.
ĺ  einstweilige Verfügung geltend ge- beschränkte Geschäftsfähigkeit ĺ Ge-
macht werden. schäftsfähigkeit.
Beschäftigungsgesellschaft ĺ  Auf- beschränktes Monopol ĺ  Marktfor-
fanggesellschaft. men.
Beschäftigungsgrad  –  1.  Betriebswirt- beschränktes Monopson ĺ  Marktfor-
schaftslehre: Verhältnis von ĺ  Beschäf- men.
tigung zur ĺ  Kapazität bzw. von der beschränkte Steuerpflicht  –  Steuer-
Ist- zur Plan-Beschäftigung.  –  2.  Volks- pflicht von natürlichen Personen, die we-
wirtschaftslehre: Auslastungsgrad des im der Wohnsitz noch gewöhnlichen Aufent-
Inland zur Verfügung stehenden Arbeits- halt im Inland haben, und von Körper-
kräfteangebots im Inland.  Der gesamt- schaften, Personenvereinigungen und
wirtschaftliche Beschäftigungsgrad ist das Vermögensmassen, die weder Sitz noch
Verhältnis der ĺ  Erwerbstätigen zum Geschäftsleitung im Inland haben. Sie
ĺ  Erwerbspersonenpotenzial der Volks- gilt im Fall der ĺ  Einkommensteuer
wirtschaft. und ĺ  Körperschaftsteuer sowie der
Beschäftigungsniveaupolitik ĺ  Ar- ĺ Erbschaftsteuer. – Gegensatz: ĺ unbe-
beitsmarktpolitik. schränkte Steuerpflicht.

Beschäftigungspolitik  –  globale staatli- Beschwerde – als gerichtlicher Rechtsbe-


che Maßnahmen zur Aufrechterhaltung helf (ĺ Rechtsmittel) führt sie dazu, dass
oder Wiederherstellung eines hohen Be- eine angefochtene Maßnahme oder Ent-
schäftigungsstandes oder ĺ  Beschäf- scheidung durch die nächsthöhere Ins-
tigungsgrades im Rahmen der ĺ  Glo- tanz geprüft wird. – Vgl. auch ĺ Rechts-
balsteuerung. Die Beschäftigungspolitik beschwerde, ĺ Kundenzufriedenheit.
versucht, die Höhe und die Struktur der Beschwerdemanagement  –  der syste-
gesamtwirtschaftlichen ĺ  Beschäftigung matische unternehmerische Umgang mit
zu beeinflussen und zielt auf die Förde- Kundenbeschwerden. Ziel des Beschwer-
rung des ĺ  Wirtschaftswachstums und demanagements ist es, die Abwanderung
damit auf die Erhöhung der Nachfrage von unzufriedenen ĺ  Kunden zu ver-
nach Arbeitskräften ab. Zu den möglichen meiden (ĺ  Kundenzufriedenheit) sowie
69 Bestellmengenplanung

Beschwerden als Hinweise auf betriebli- Schuldwechsel-, Debitoren-, Kredito-


che Schwächen und somit als Marktchan- ren- und Lagerkonten zu den Bestands-
cen zu nutzen. konten.  –  Je nachdem, auf welcher Seite
Besitz  –  tatsächliche Herrschaft einer das Konto steht, handelt es sich um fol-
Person über eine Sache. Anders als beim gende Kontenarten: (1) Aktivkonto: Die-
ĺ Eigentum muss die Sache dem Besitzer ses steht auf der linken Seite (Aktivseite)
nicht rechtlich gehören. Bspw. ist der Dieb der Bilanz. Aktivkonten erfassen die Ver-
Besitzer, aber nicht Eigentümer. änderungen der einzelnen Vermögenspo-
sitionen. Bei den Aktivkonten stehen An-
Besitzeinkommen ĺ Einkommen. fangsbestand und Zugänge auf der linken
Besitzgesellschaft ĺ  Betriebsaufspal- Seite (ĺ Soll), Abgänge und Endbestand
tung. auf der rechten Seite (ĺ Haben). (2) Pas-
Besitzkonstitut ĺ  Sicherungsübereig- sivkonto: Dieses steht auf der rechten Seite
nung. (Passivseite) der Bilanz. Passivkonten er-
fassen die Veränderungen der einzel-
Besitzsteuern  –  Steuern, die an Ertrag nen Schuldenpositionen. Bei Passivkon-
(ĺ Ertragsteuern), Einkommen oder und ten stehen Anfangsbestand und Zugänge
Vermögen anknüpfen. Dazu zählen v.a. auf der rechten Seite (Haben), Minderun-
die ĺ  Einkommensteuer, ĺ  Erbschaft- gen und Endbestand auf der linken Seite
steuer, ĺ  Gewerbesteuer, ĺ  Grund- (Soll). – Gegensatz: ĺ Erfolgskonto.
steuer, ĺ Kirchensteuer und ĺ Körper-
schaftsteuer. Bestandsnachfrage ĺ Nachfrage.
Besoldung  –  Vergütung eines ĺ  Be- Bestätigungsvermerk  –  Prüfungsver-
amten für seine Dienste. Die  Besoldung merk, Testat. Abschließende Gesamt-
umfasst folgende Dienstbezüge: Grund- beurteilung des ĺ  Jahresabschlusses
gehalt, Familien- und Ortzuschläge, durch einen ĺ Wirtschaftsprüfer auf der
Zulagen, Vergütungen und Auslands- Grundlage einer ordnungsgemäß durch-
dienstbezüge. Die Höhe der  Besoldung geführten Prüfung. Mit dem  Bestäti-
richtet sich nach den jeweiligen Besol- gungsvermerk wird bestätigt, dass der
dungsordnungen. Jahresabschluss und die ĺ Buchführung
den gesetzlichen Regelungen entspre-
Bestandsermittlung ĺ Lagerbestand.
chen und der ĺ  Lagebericht keinen fal-
Bestandsgrößen  –  Größen, die zeit- schen Eindruck über die Unternehmens-
punktbezogen gemessen werden, z. B. La- lage vermittelt.
gerbestand, Kassenbestand, Forderungen,
Bestechlichkeit ĺ Korruption.
Kapitalstock.  –  Gegensatz: ĺ  Stromgrö-
ßen. Bestechung ĺ Korruption.
Bestandskonto ĺ  Konto, das An- Bestellmengenplanung  –  Ermitt-
fangsbestand, Zu- und Abgänge sowie lung der Bestellmenge und des Bestell-
den Endbestand von ĺ  Bestandsgrö- zeitpunktes des geplanten Materialbe-
ßen  erfasst.  Bestandskonten werden für darfs. Dazu wird die Bestellmenge, bei
alle Bilanzpositionen geführt. Bspw. ge- der die Summe aus Bestell- und Lager-
hören Kassen-, Bank-, Besitzwechsel-, haltungskosten minimal ist (sog. optimale
Bestellprozess 70

Bestellmenge), ermittelt. Außerdem wer- der Einkaufsabteilung eines Unterneh-


den die Termine für die einzelnen Bestel- mens getätigt und überwacht.
lungen festgelegt.  –  Als Verfahren kön-
Besteuerungsgrundsätze ĺ  Besteue-
nen eingesetzt werden: (1) Bestellpunkt-
rungsprinzipien.
verfahren (Meldebestandsverfahren): Die
Bestellung erfolgt bei Erreichung einer Besteuerungsprinzipien  –  Besteue-
bestimmten Bestandsgröße (Mindestbe- rungsgrundsätze. Prinzipien, die zur Re-
stand, Meldebestand, ĺ  Sicherheitsbe- alisation bestimmter Ziele bei der Aus-
stand), (2) Bestellrhythmusverfahren: Die gestaltung von Steuersystemen zu beach-
Bestellung erfolgt regelmäßig nach Ablauf ten sind. Dazu zählen Grundsätze, die auf
festgelegter Fristen. eine ausreichende Deckung des Bedarfs
an finanziellen Mitteln und auf die Neu-
Bestellprozess – Prozess zur rechtlichen
tralität der Besteuerung ausgerichtet sind.
Absicherung der Besitzübertragung und
Außerdem gehören ethisch-soziale Prin-
der organisatorischen Abwicklung dieser
zipien wie Grundsätze der Allgemein-
Aufgabe auf der Grundlage der ĺ Bedarf-
heit, Gleichmäßigkeit und Leistungsfä-
sermittlung. Der Bestellprozess setzt sich
higkeit dazu. Bsp. für  Besteuerungsprin-
aus mehreren Teilprozessen zusammen:
zipien sind das ĺ Äquivalenzprinzip und
(1) Bedarfsmeldung oder Bestellanforde-
das ĺ  Leistungsfähigkeitsprinzip.  Be-
rung, (2) Angebotseinholung, (3) Ange-
steuerungsprinzipien im internationalen
botsbearbeitung, (4) Vergabeverhandlun-
Lieferungs- und Leistungsverkehr sind
gen, (5) Bestellentscheidung, (6) schrift-
das ĺ Bestimmungslandprinzip und das
liche oder elektronische Ausführung der
ĺ Ursprungslandprinzip.
ĺ Bestellung und (7) Kontrolle der Auf-
tragsannahme. – Vgl. auch ĺ Electronic Bestimmungslandprinzip ĺ  Besteu-
Procurement. erungsprinzip des Umsatzsteuerrechts
im internationalen Lieferungs- und Leis-
Bestellpunktverfahren ĺ  Bestellmen-
tungsverkehr: die Besteuerung einer Ware
genplanung.
oder Lieferung mit der Umsatzsteuer des
Bestellrhythmusverfahren ĺ  Bestell- Bestimmungslandes. Das  Bestimmungs-
mengenplanung. landprinzip ist in den EU-Mitgliedsstaa-
ten weitestgehend die Grundlage bei der
Bestellung  –  Willenserklärung eines
Umsatzsteuer. – Gegensatz: ĺ Ursprungs-
ĺ  Kunden an seinen Lieferanten, ihm
landprinzip.
zu bestimmten Bedingungen Güter zu
liefern. Bestellt der Kunde auf ein An- Best Practice  –  herausragende, exzel-
gebot rechtzeitig, so ist ein ĺ  Kaufver- lente Unternehmenspraktiken, die im ei-
trag zustande gekommen. Eine Bestäti- genen Unternehmen umgesetzt werden
gung durch den Lieferanten ist in diesem sollen. Ziel ist es, durch die Orientierung
Fall nicht erforderlich. Wurde die Bestel- am „Klassenbesten“ nachhaltige Verbes-
lung ohne ein vorheriges Angebot abge- serungen oder Wettbewerbsvorteile zu
geben, so handelt es sich um eine Anfrage erlangen.  Best Practices können z. B. im
des Kunden, die einer Bestätigung be- Rahmen des ĺ  Benchmarking aufge-
darf. – Die Bestellung wird meistens von deckt werden.
71 Betriebsabrechnung

Beteiligung ĺ  Erfolgsbeteiligung, Betrieb  –  örtliche, technische und orga-


ĺ Kapitalbeteiligung. nisatorische Einheit zum Zwecke der Er-
stellung von Gütern und/oder Dienstleis-
Beteiligungsfinanzierung  –  Einlagen- tungen, charakterisiert durch einen räum-
finanzierung, Form der ĺ Finanzierung, lichen Zusammenhang der Organisation
bei der einem Unternehmen „von außen“ des Zusammenwirkens von Menschen
ĺ  Eigenkapital zugeführt wird. Die Ka- und Sachen. Hilfs- und Nebenbetriebe zäh-
pitalbeschaffung erfolgt bei ĺ Personen- len (im Gegensatz zur Arbeitsstätte) auch
gesellschaften durch die Aufnahme neuer dann zur organisatorischen Einheit des
Gesellschafter, bei ĺ  Kapitalgesellschaf- Betriebes, wenn sie getrennt vom Haupt-
ten durch eine Erhöhung des ĺ Grund- betrieb am gleichen Ort unter der gleichen
kapitals oder des ĺ  Stammkapitals Leistung arbeiten. – Anders: ĺ Unterneh-
(ĺ Kapitalerhöhung). mung (als rechtlich und wirtschaftlich-fi-
nanzielle Einheit).
Beteiligungsgesellschaft ĺ Holdingge- Betriebe gewerblicher Art (BgA) – steu-
sellschaft. errechtlicher Begriff für Einrichtungen
von öffentlich-rechtlichen ĺ  Körper-
Betreuungsgeld – Kinderbetreuungsgeld. schaften, die einer nachhaltigen wirt-
Am 1.8.2013 eingeführte Sozialleistung schaftlichen Tätigkeit zur Erzielung von
nach dem Bundeselterngeld- und Eltern- Einnahmen oder anderen wirtschaftli-
zeitgesetz (BEEG), das ein Elternteil auf chen Vorteilen außerhalb der Land- und
Antrag für ein nach dem 1.8.2012 gebo- Forstwirtschaft dienen und die sich inner-
renes Kind für maximal 22 Monate erhält, halb der Gesamttätigkeit der juristischen
für das die Eltern keine frühkindliche Be- Person wirtschaftlich herausheben. Nicht
treuung in öffentlich bereitgestellten Kin- erforderlich ist Gewinnerzielungsabsicht
dertagesstätten in Anspruch nehmen. Das und Beteiligung am allgemeinen wirt-
Betreuungsgeld kann grundsätzlich ab schaftlichen Verkehr.
dem 15. Lebensmonat bis zur Vollendung
des 36.  Lebensmonats bezogen werden. betriebliche Altersversorgung ĺ  Al-
Vor dem 15.  Lebensmonat wird es nur tersversorgung.
gewährt, wenn die Eltern die ihnen  zu- betriebliche Ausbildung ĺ  Berufs-
stehenden Monatsbeträge des ĺ  Eltern- ausbildung.
geldes bereits ausgeschöpft haben. – Bei betriebliche Lohnpolitik ĺ  Lohnpoli-
der Einführung betrug das  Betreuungs- tik.
geld 100 Euro monatlich, ab dem 1.8.2014
werden pro Kind und Monat 150 Euro ge- betriebliche Mitbestimmung ĺ  Mit-
währt. – Das Betreuungsgeld dient dem bestimmung.
Ziel, den Eltern eine möglichst umfas- Betriebsabrechnung  –  Begriff der
sende Wahlfreiheit bei der Kinderbe- ĺ  Kostenrechnung.  Betriebsabrechnung
treuung zu eröffnen. Sie sollen frei ent- ist in der ĺ Vollkostenrechnung die peri-
scheiden können, ob sie ihr Kind privat odenbezogene (zumeist monatliche) Ver-
betreuen oder in einem öffentlich geför- rechnung aller angefallenen Kosten auf die
derten Angebot betreuen lassen wollen. ĺ Hauptkostenstellen. – Ausgangspunkt
Betriebsänderung 72

der  Betriebsabrechnung sind die in der Betriebsaufgabe  –  endgültige Einstel-


ĺ  Kostenartenrechnung gesammelten lung eines gewerblichen oder eines land-
Kostenträgergemeinkosten (ĺ  Gemein- und forstwirtschaftlichen ĺ  Betriebs
kosten). Diese werden im ersten Schritt oder einer selbstständigen Tätigkeit in-
den ĺ Hilfskostenstellen und Hauptkos- nerhalb eines kurzen Zeitraums (sonst
tenstellen, die sie verursacht haben, zu- ĺ  Abwicklung). Die wesentlichen Be-
geordnet. Anschließend erfolgt im Rah- triebsgrundlagen (z. B. Maschinen, Kraft-
men der ĺ  innerbetrieblichen Leis- fahrzeuge, Büro- und Geschäftsausstat-
tungsverrechnung eine mehrstufige tung) sind (teilweise) zu verkaufen oder
Kostenverrechnung zwischen den Hilfs- (und teilweise) in das Privatvermögen zu
und Hauptkostenstellen. Nach diesen überführen. – Einkommensteuerrechtlich
Verrechnungsvorgängen sind sämtliche gilt die  Betriebsaufgabe als ĺ  Betriebs-
Kostenträgergemeinkosten den Haupt- veräußerung. Der Veräußerungsgewinn
kostenstellen belastet. Meist werden sie ist unter Anrechnung eines Freibetrages
dann mit Hilfe von Zuschlagssätzen auf als ĺ außerordentliche Einkünfte zu ver-
die ĺ Kostenträger übertragen. – Früher steueren.
wurde die Betriebsabrechnung mittels des Betriebsaufspaltung  –  Betriebsspaltung,
tabellarischen Betriebsabrechnungsbo- Betriebsteilung, Trennung eines ĺ  Ge-
gens (BAB) manuell durchgeführt. Heute werbebetriebs in zwei rechtlich getrennte
erfolgt sie i.d.R. EDV-gestützt als Aus- Unternehmen. Der bisher einheitliche Be-
wertungsrechnung der Kostenarten- und trieb kann z. B. in eine Besitz- und in eine
Kostenstellenrechnung. Betriebsgesellschaft geteilt werden. Bei
der Besitzgesellschaft handelt es sich um
Betriebsänderung  –  grundlegende Än- eine ĺ Personengesellschaft, bei der Be-
derung der ĺ Organisation, der Struktur, triebsgesellschaft i.d.R. um eine ĺ Kapit-
des Tätigkeitsbereichs, der Arbeitsweise, algesellschaft. Möglich ist aber auch eine
der Fertigung oder des ĺ Standortes ei- Teilung in eine Produktionsgesellschaft
nes ĺ Betriebes. Nach dem Betriebsver- und eine Vertriebsgesellschaft. Eine  Be-
fassungsgesetz (BetrVG) unterliegt in triebsaufspaltung wird v.a. vorgenom-
Unternehmen mit mehr als 20 wahlbe- men, um die Haftung auf die Betriebs-
rechtigten Arbeitnehmern eine  Betrieb- gesellschaft zu beschränken oder um die
sänderung nur dann dem Mitbestim- Gewerbesteuerbelastung zu mindern.
mungsrecht (ĺ  Mitbestimmung) des
ĺ  Betriebsrats, wenn die Änderungs- Betriebsaufwand ĺ  betriebsbedingter
maßnahmen wesentliche Nachteile für die Aufwand/Ertrag.
Belegschaft oder wesentliche Teile dersel- Betriebsausgaben  –  Begriff aus dem
ben zur Folge haben. Als  Betriebsände- Einkommensteuerrecht.  Betriebsaus-
rung in diesem Sinn gelten v.a. Einschrän- gaben sind ĺ  Aufwendungen, die
kungen, Stilllegungen und Verlegungen durch den Betrieb des Steuerpflichti-
des ganzen Betriebs oder wesentlicher Be- gen veranlasst sind.  Betriebsausgaben
triebsteile, ĺ Betriebsaufspaltungen und mindern bei der Gewinnermittlung den
Zusammenschlüsse mit anderen Betrie- Gewinn, es sei denn, es handelt sich
ben. um nicht abzugsfähige  Betriebsausgaben
73 Betriebsformen des Handels

(z. B. Aufwendungen für Geschenke an Betriebsergebnis  –  Betriebserfolg. Be-


Personen, die nicht Arbeitnehmer des griff aus dem ĺ  Rechnungswesen für
Steuerpflichtigen sind). –  Keine Betrieb- das Ergebnis des betrieblichen Leistungs-
sausgaben sind: Aufwendungen zur För- prozesses. Ein positives Ergebnis wird
derung staatspolitischer Zwecke, Auf- als Betriebsgewinn, ein negatives Ergeb-
wendungen für die Wege zwischen nis als Betriebsverlust bezeichnet. Das Be-
Wohnung und Betriebsstätte und für triebsergebnis wird durch die Gegenüber-
Familienheimfahrten, Aufwendungen stellung von Kosten und Erlösen ermittelt.
für die ĺ  Gewerbesteuer und die dar- Das Betriebsergebnis, korrigiert um die
auf entfallenden Nebenleistungen. Bei pagatorischen Kosten und Erlöse, bildet
Schuldzinsen regelt das Einkomensteu- zusammen mit dem ĺ neutralen Ergeb-
ergesetz (EStG) näher, welche als be- nis das in der ĺ  Gewinn- und Verlust-
trieblich anzuerkennen sind.  –  Gegen- rechnung (GuV) auszuweisende  Unter-
satz: ĺ Betriebseinnahmen. nehmensergebnis.
betriebsbedingte Kündigung ĺ  Kün- Betriebsertrag ĺ  betriebsbedingter
digung. Aufwand/Ertrag.

betriebsbedingter Aufwand/Ertrag  – Betriebsformen des Handels  –  1.  Be-


Betriebsaufwand/-ertrag, ĺ  Aufwand griff: Eine Betriebsform des Handels ist
oder ĺ Ertrag, der durch die betriebliche die Zusammenfassung realer Erschei-
Leistungserstellung entsteht oder resul- nungsformen des Handels, die nach ei-
tiert. – Vgl. auch ĺ Zweckaufwand. nem oder mehreren Merkmalen ähn-
lich sind und sich dadurch von anderen
Betriebsbuchhaltung  –  traditionelle, ĺ Handelsbetrieben deutlich unterschei-
heute nicht mehr gebräuchliche Bezeich- den.  –  2.  Unterscheidungsmerkmale: (1)
nung für ein Teilgebiet des ĺ Rechnungs- Kundenkreis (ĺ  Großhandel, ĺ  Ein-
wesens. Die Betriebsbuchhaltung umfasst zelhandel), (2) Basisstrategie (Erlebnis-
die Kosten- und Leistungsrechnung so- handel, Versorgungshandel), (3) Betä-
wie als Nebenrechnungen die Material-, tigungsgebiet (ĺ  Binnenhandel, ĺ  Au-
Lohn- und Anlagenbuchhaltung.  –  Vgl. ßenhandel), (4) Standort (City, grüne
auch ĺ Finanzbuchhaltung. Wiese), (5) Sortiment (Universalhan-
Betriebseinnahmen  –  Begriff aus dem del, Spezialhandel), (6) Andienungsform
Einkommensteuerrecht.  Betriebsein- (Bedienung, Selbstbedienung, Katalog),
nahmen sind Geldeinnahmen und Sach- (7) Preis (Diskount- oder Hochpreisge-
werte (Geldeswerte), die durch einen schäft), (8) Inkasso (Automatenladen,
ĺ Gewerbebetrieb oder einen land- und persönliches Inkasso), (9) Distanzüber-
forstwirtschaftlichen Betrieb veranlasst windung (stationärer oder ambulanter
sind.  Betriebseinnahmen ergeben sich Handel, Versandhandel), (10) Agglomera-
auch aus der Veräußerung von Gütern tion (Einkaufzentrum, Passage), (11) Or-
des Betriebsvermögens.  –  Gegensatz: ganisationsform (Kooperation, Konzern),
ĺ Betriebsausgaben. (12) Anzahl der Verkaufsstätten (Einzel-
betrieb, Filialbetrieb), (13) Betriebsgröße
Betriebserfolg ĺ Betriebsergebnis. (Umsatz, Verkaufsfläche, Mitarbeiter),
betriebsfremde Aufwendungen/Erträge 74

(14) Warengruppen (Elektronikhandel, (ĺ Betrieb) nach quantitativen Merkma-


Lebensmittelhandel). – 3. Bedeutung: Ein- len der ĺ Betriebsgröße.
teilungen in der Statistik, bei der regiona- Betriebshaftpflichtversicherung ĺ
len Einzelhandelplanung, bei ĺ Betriebs- Haftpflichtversicherung.
vergleichen, in der Konkurrenzforschung
und in wettbewerbsrechtlichen Fragestel- Betriebskapital ĺ Umlaufvermögen.
lungen. Betriebsklima  –  Sammelbegriff für das
subjektive Erleben eines Unternehmens
betriebsfremde Aufwendungen/Er-
und seiner Arbeitsbedingungen durch
träge ĺ neutrale Aufwendungen/Er-
seine Mitarbeiter, das sich auch in deren
träge.
Arbeitszufriedenheit äußert. Ein positi-
Betriebsgeheimnis ĺ Betriebs- und Ge- ves  Betriebsklima fördert das Leistungs-
schäftsgeheimnis. vermögen des Mitarbeiters (ĺ  Motiva-
tion). Als Ausdruck eines schlechten Be-
Betriebsgemeinschaft ĺ  Interessenge-
triebsklimas gilt ĺ Mobbing.
meinschaft.
Betriebskrankenkasse (BKK)  –  Träger
Betriebsgesellschaft ĺ Betriebsaufspal- der Krankenversicherung (ĺ  Kranken-
tung. kasse). Die BKK ist eine öffentlich-recht-
Betriebsgewinn/-verlust ĺ  Betriebser- liche ĺ Körperschaft. Die BKK waren ur-
gebnis. sprünglich ausschließlich für einzelne Be-
triebe zuständig. Seit der Einführung des
betriebsgewöhnliche Nutzungs- Krankenkassenwahlrechts haben sich je-
dauer  –  Zeitraum, in dem ein Wirt- doch viele BKK für alle Versicherungs-
schaftsgut in einem Unternehmen  sei- pflichtigen und Versicherungsberechtig-
ner Zweckbestimmung nach voraussicht- ten geöffnet. Derzeit (Stand 7/2014) gibt
lich  genutzt und abgeschrieben werden es  107 BKK mit  vier Landesverbänden
kann; bei gebraucht angeschafften Wirt- und den BKK Bundesverband als Spitzen-
schaftsgütern die voraussichtliche Rest- organisation. Die BKK sind mit über  11
nutzdauer. – Vgl. auch ĺ Nutzungsdauer Mio. Mitgliedern die drittgrößte Kassen-
und ĺ Abschreibung. art der gesetzlichen ĺ Krankenversiche-
Betriebsgröße  –  Ausmaß der Kapazität rung.
oder Leistungsfähigkeit eines Unterneh- Betriebsmittel – materielle Güter, die ne-
mens. Mögliche Maßgrößen: Ausstoß, Be- ben den Elementarfaktoren (menschliche
schäftigtenzahl, Anzahl der Maschinen, Arbeitsleistungen und Werkstoffe) als be-
Lohn- und Gehaltssumme, Umsatz, Bi- triebswirtschaftlicher ĺ  Produktions-
lanzsumme etc.  –  Wegen vieler Bestim- faktor zur Leistungserstellung notwendig
mungsgrößen immer nur eine relative Be- sind. Betriebsmittel sind z. B. Maschinen,
triebsgröße. –  Optimale Betriebsgröße: (1) Gebäude, Werkzeuge und sonstige techni-
kostenminimale oder (2) gewinnmaxi- sche Anlagen.
male Betriebsgröße.
Betriebsnachfolge  –  Wechsel eines Be-
Betriebsgrößenklasse  –  Untergliede- triebsinhabers im Wege der Gesamtrechts-
rung der statistisch erfassten Einheiten nachfolge (z. B. durch Verschmelzung
75 Betriebsstätte

oder Erbschaft) oder durch Einzelrechts- sozialen und individuellen personellen


nachfolge (z. B. durch Kauf). Arbeitsver- Angelegenheiten wahr (ĺ  Mitbestim-
hältnisse werden im Fall der  Betriebs- mung). Dabei handelt es sich v.a. um Ver-
nachfolge nicht beendet, sondern beste- einbarungen zur Arbeitszeit, Urlaubspla-
hen mit den entsprechenden Rechten und nung, Einstellung und Versetzung sowie
Pflichten für den neuen Betriebsinhaber Betriebsordnung. Das Recht auf Beratung
weiter. und Mitsprache (Mitwirkung) besteht für
betriebsnotwendiges Kapital  –  be- wirtschaftliche und allg. personelle Ange-
triebsbedingtes Kapital. Es bezeichnet das legenheiten (z. B. Personalplanung, Kün-
im Unternehmen eingesetzte ĺ  Eigen- digungen, Arbeitsplatzgestaltung, Be-
und ĺ Fremdkapital, soweit es zur Erfül- triebsorganisation und Arbeitsschutz).
lung des Betriebszweckes notwendig ist. Der  Betriebsrat  trifft zudem mit dem
Es wird ermittelt, indem von der Summe ĺ  Arbeitgeber eine ĺ  Betriebsvereinba-
des für den Leistungsprozess erforder- rung.  –  Nach dem Betriebsverfassungs-
lichen Anlage- und Umlaufvermögens gesetz haben Arbeitgeber und  Betriebs-
(sog. betriebsnotwendiges Vermögen) (a) rat zum Wohle der Arbeitnehmer und
die zinslos zur Verfügung gestellten Kapi- des Betriebes vertrauensvoll zusammen-
talbeträge und (b) das betriebsfremd ein- zuarbeiten. – Ein Betriebsrat kann durch
gesetzte Kapital abgezogen werden. die Entscheidung eines ĺ Arbeitsgerichts
aufgelöst werden, wenn er seine gesetzli-
Betriebsprüfung ĺ Außenprüfung. chen Pflichten grob verletzt. Dazu ist vom
Betriebsrat  –  gesetzlich berufenes Ver- Arbeitgeber, von einer im Betrieb vertre-
tretungsorgan der Belegschaft eines Un- tenen ĺ  Gewerkschaft oder von einem
ternehmens. Als Organ der ĺ  Betriebs- Viertel der wahlberechtigten Arbeitneh-
verfassung wird der Betriebsrat im ei- mer ein entsprechender Antrag beim Ar-
genen Namen kraft Amtes tätig und ist beitsgericht zu stellen. Eine Abberufung
Träger der Mitbestimmungs- und Mitwir- des Betriebsrats ist gesetzlich nicht zuläs-
kungsrechte der Arbeitnehmer. Nach dem sig. – Vgl. auch ĺ Personalrat, ĺ europä-
Betriebsverfassungsgesetz (BetrVG) muss ischer Betriebsrat.
in einem Unternehmen mit mehr als fünf
Betriebsrente ĺ Pensionszusage.
Arbeitnehmern ein  Betriebsrat gewählt
werden. Seine Amtszeit beträgt vier Jahre. Betriebsschutz ĺ Arbeitsschutz.
Wahlberechtigt sind alle Arbeitnehmer
Betriebsspaltung ĺ  Betriebsaufspal-
über 18 Jahre, ausgenommen ĺ leitende
tung.
Angestellte. Wählbar sind alle Wahlbe-
rechtigten, die mind. sechs Monate dem Betriebsstätte  –  Begriff aus der ĺ  Ab-
Unternehmen angehören. Der Betriebsrat gabenordnung (AO) für jede feste Ge-
wird in geheimer und unmittelbarer Wahl schäftseinrichtung oder Anlage, die der
von den Arbeitnehmern aufgrund von Tätigkeit eines Unternehmens dient. Dazu
Wahlvorschlägen gewählt. Die Anzahl der zählen z. B. Stätten, an denen sich die Ge-
Betriebsratsmitglieder ist von der Größe schäftsleitung befindet, ĺ  Zweignie-
der Belegschaft abhängig. – Der Betriebs- derlassungen, Fabrikinstallationen, Wa-
rat nimmt die Mitbestimmungsrechte in renlager, Bergwerke, Bauausführungen
Betriebsstoffe 76

und Montagen.  –  Betriebsstätten unter- zur Verschwiegenheit gilt auch nach Be-
liegen der ĺ  Gewerbesteuer. Außerdem endigung des Arbeitsverhältnisses.
ist jeder ĺ  Arbeitgeber, der im Inland
Betriebsunfall ĺ Arbeitsunfall.
eine Betriebsstätte unterhält, gemäß Ein-
kommensteuergesetz inländischer Ar- Betriebsveräußerung – Begriff aus dem
beitgeber und unterliegt den Arbeitge- Einkommensteuerrecht.  Betriebsveräu-
berpflichten im Lohnsteuerverfahren ßerung ist der Eigentümerwechsel an ei-
(ĺ Lohnsteuer). nem Betrieb oder Teilbetrieb. Eine  Be-
triebsveräußerung liegt vor, wenn wesent-
Betriebsstoffe – Begriff aus der ĺ Kos-
liche Betriebsgrundlagen des Betriebes
tenrechnung. Stoffe, die zur Durchfüh-
oder des Teilbetriebes in einem Vorgang
rung des ĺ Produktionsprozesses benö-
auf den Käufer übertragen werden. Au-
tigt werden, ohne direkt in die Produkte
ßerdem muss der gesamte Betrieb zum
einzugehen, z. B. Schmiermittel, Repara-
Zeitpunkt der Übertragung noch beste-
tur- und Büromaterial. Die Betriebsstoffe
hen und vom Erwerber fortgeführt wer-
werden zumeist als ĺ Gemeinkosten er-
den können.  –  Der Veräußerungsgewinn
fasst und bei den ĺ Kostenstellen ausge-
ist zu versteuern. Zur Steuerreduzierung
wiesen, in denen sie verbraucht wurden.
werden Freibeträge und Steuerermäßi-
Betriebsteilung ĺ Betriebsaufspaltung. gungen gewährt.
Betriebsteuern  –  Steuern, die durch Betriebsvereinbarung  –  vertragliche
den Betrieb verursacht werden und als Vereinbarung auf betrieblicher Ebene
ĺ  Betriebsausgaben geltend gemacht zwischen ĺ Arbeitgeber und ĺ Betriebs-
werden können, z. B. ĺ  Gewerbesteuer, rat, durch die Bestimmungen getroffen
ĺ Grundsteuer, ĺ Kraftfahrzeugsteuer. werden können, die unmittelbar auf das
Arbeitsverhältnis einwirken. Betriebsver-
Betriebs- und Geschäftsgeheim-
einbarungen können Regelungen organi-
nis  – nicht offenkundiger betrieblicher
satorischer Angelegenheiten (z. B. Sprech-
Vorgang, an dem der ĺ  Arbeitgeber
stunden), Verpflichtungen zwischen
Geheimhaltungswillen hat, der auf einem
Betriebsrat und Arbeitgeber sowie Rege-
schutzwürdigen wirtschaftlichen Inter-
lungen der direkten Arbeitsverhältnisse
esse beruht. Dem Geheimschutz unterlie-
(z. B. Schichtpläne, Urlaubspläne, Gleit-
gen (1) sonderrechtlich nicht geschützte
zeitordnung) enthalten. Der ĺ  Tarifver-
technische Leistungen (Konstruktions-
trag geht einer Betriebsvereinbarung vor.
zeichnungen, Rezepturen, Verfahrensab-
Arbeitsvertragliche Bedingungen dür-
läufe etc.) und (2) kaufmännische Ge-
fen durch eine Betriebsvereinbarung nur
schäftsunterlagen (Kunden- und Preis-
verschlechtert werden, wenn ein entspre-
listen, Umsatzzahlen, Kalkulationen,
chender Vorbehalt besteht.
Vertragsunterlagen und Personalda-
ten).  –  Betriebs- und Geschäftsgeheim- Betriebsverfassung  –  arbeitsrechtliche
nisse dürfen als Nebenpflicht aus ĺ  Ar- Grundordnung, die die Zusammenarbeit
beitsverträgen von ĺ  Arbeitnehmern zwischen ĺ Arbeitgeber und ĺ Arbeit-
nicht weitergegeben werden (ĺ  Schwei- nehmern in einem ĺ  Betrieb regelt. Sie
gepflicht und ĺ Treuepflicht). Die Pflicht bestimmt die Rechtsstellung der Organe
77 Betriebsversammlung

wie ĺ  Betriebsrat, Gesamtbetriebsrat, Betrieb zu fördern. Beträgt der betriebli-


Konzernbetriebsrat sowie Jugend- und che Nutzungsanteil  10 bis 50 %, so kön-
Auszubildendenvertretung. Gesetzliche nen diese bei der Gewinnermittlung an-
Grundlage ist das Betriebsverfassungsge- gesetzt werden. Besonderheiten gelten bei
setz (BetrVG). Grundstücken. – Gegensatz: ĺ Privatver-
mögen.
Betriebsvergleich  –  systematischer,
nach bestimmten Methoden durchge- Betriebsvermögensvergleich – Verfah-
führter Vergleich betrieblicher Größen ren zur Ermittlung des steuerrechtlichen
oder Kennzahlen zur Beurteilung be- Gewinns. Der Gewinn ist die Differenz
triebswirtschaftlicher Tatbestände. Im zwischen dem ĺ  Betriebsvermögen am
Rahmen eines  Betriebsvergleichs kön- Schluss des Wirtschaftsjahres und dem
nen unterschiedliche örtliche Bereiche Betriebsvermögen am Schluss des voran-
oder einzelne Funktionsbereiche vergli- gegangenen Wirtschaftsjahres, vermehrt
chen werden.  Betriebsvergleiche können um den Wert der ĺ  Entnahmen und
als innerbetrieblicher Vergleiche in Form vermindert um den Wert der ĺ  Einla-
eines Zeitvergleichs oder Soll-Ist-Ver- gen. Wer nach Handelsrecht Bücher füh-
gleichs, aber auch als zwischenbetriebli- ren muss, muss den  Betriebsvermögens-
cher Vergleich durchgeführt werden. Zwi- vergleich nach den ĺ Grundsätzen ord-
schenbetriebliche Vergleiche beziehen sich nungsmäßiger Buchführung vornehmen.
auf finanzwirtschaftliche Daten (z. B. Bi-
Betriebsversammlung  –  Nichtöffent-
lanz-, Liquiditäts- und Finanzstruktur-
liche Versammlung der Belegschaft ei-
vergleich), Aufwands- und Ertragsgrö-
nes Unternehmens unter der Leitung des
ßen (z. B. Umsatz und Deckungsbeitrag),
Vorsitzenden des ĺ Betriebsrats. Die Be-
sonstige Daten (z. B. Produktivität, Ren-
triebsversammlung kann dem ĺ  Be-
tabilität und Wachstum) sowie Kennzah-
triebsrat Anträge unterbreiten und zu sei-
len. – Vgl. auch ĺ Benchmarking.
nen Entschlüssen Stellung nehmen. Sie
Betriebsvermögen  –  Begriff aus dem dient auch der Unterrichtung der Beleg-
Steuerrecht.  Betriebsvermögen sind alle schaft und der allgemeinen innerbetrieb-
Wirtschaftsgüter, die einem Unterneh- lichen Kommunikation.  –  1.  Ordentliche
men zugerechnet werden. Dies können Betriebsversammlung: Diese wird viertel-
z. B. Grundstücke, Maschinen, Vorräte, jährlich durch den Betriebsrat einberufen.
aber auch Rechte, Konzessionen und Fir- Bei dieser Versammlung legt der Betriebs-
menwert sein. Zu unterscheiden sind: rat Rechenschaft über seine Tätigkeit ab
a) notwendiges Betriebsvermögen: Wirt- und informiert über Betriebsangelegen-
schaftsgüter, die zu mehr als 50 % für ei- heiten. Außerdem hat der ĺ Arbeitgeber
gene betriebliche Zwecke genutzt werden. mind. einmal im Jahr in der Betriebsver-
b) gewillkürtes Betriebsvermögen: Wirt- sammlung über die wirtschaftliche Lage
schaftsgüter, die weder notwendiges  Be- des Betriebs zu berichten.  –  Der Arbeit-
triebsvermögen noch notwendiges Pri- geber ist zur Betriebsversammlung einzu-
vatvermögen sind, aber in einem gewissen laden. Er ist dort redeberechtigt. Es dür-
objektiven Zusammenhang mit dem Be- fen auch Beauftragte der im Betrieb ver-
trieb stehen. Sie müssen geeignet sein, den tretenen ĺ  Gewerkschaften teilnehmen.
Betriebswirtschaftslehre (BWL) 78

Auch der Arbeitgeber darf einen Be- Bewegungsbilanz ĺ  Bilanz, in der die
auftragten des ĺ  Arbeitgeberverban- Veränderungen der Bilanzpositionen
des hinzuziehen. – Betriebsversammlun- während einer Periode ausgewiesen wer-
gen finden i.d.R. während der Arbeitszeit den. In der Bewegungsbilanz werden Mit-
statt.  –  2.  Außerordentliche Betriebsver- telherkunft und Mittelverwendung einer
sammlung: Die außerordentliche Einbe- Periode gegenüber gestellt. Dafür sind
rufung einer Betriebsversammlung liegt zwei aufeinander folgende ĺ  Jahresab-
im Ermessen des Betriebsrats. Er ist zur schlüsse notwendig. Die Bewegungs-
Einberufung verpflichtet, wenn der Ar- bilanz veranschaulicht die Vermögens-
beitgeber oder ein Viertel der Arbeitneh- und Kapitalbewegungen. Sie ermöglicht
mer dies wünschen. Diese  Betriebsver- eine Beurteilung der Finanzlage des Un-
sammlung findet außerhalb der Arbeits- ternehmen.  –  Vgl. Abb. „Bewegungsbi-
zeit statt. lanz“.  –  Eine verfeinerte Form der  Be-
Betriebswirtschaftslehre (BWL)  –  Teil- wegungsbilanz ist die ĺ  Kapitalfluss-
gebiet der ĺ  Wirtschaftswissenschaften. rechnung.
Die BWL befasst mit dem einzelnen Un-
ternehmen und seinen Funktionsberei-
chen. Funktionsbereiche sind z. B. ĺ Pro-
duktion, ĺ  Marketing, ĺ  Vertrieb,
ĺ  Rechnungswesen, ĺ  Controlling,
ĺ Finanzierung und ĺ Investition. – Im
Rahmen der sog. Allgemeinen Betriebs-
wirtschaftslehre (ABWL) werden Erschei-
nungen und Probleme von Unterneh- Beweis  –  Mittel, dem Richter in einem
men unabhängig von ihrer Rechtsform Prozess durch ĺ  Beweismittel die Über-
und dem Wirtschaftszweig untersucht zeugung von der Wahrheit oder Unwahr-
und erklärt.  –  Die Spezielle Betriebswirt- heit einer Tatsache oder einer Behauptung
schaftslehre (SBWL) dagegen befasst sich zu verschaffen. Dabei ist keine absolute
mit Unternehmen einzelner Wirtschafts- Gewissheit erforderlich, sondern nur ein
zweige. Spezielle Lehren sind v.a. die In- so hoher Grad an Wahrscheinlichkeit, dass
dustrie-, Handels-, Bank- und Versiche- bei einem vernünftigen und lebenserfahre-
rungsbetriebslehre. nen Menschen jeder Zweifel schweigt.
Beurkundung ĺ  notarielle Beurkun- Beweislast – Regelung der Frage, welche
dung. Partei in einem Gerichtsverfahren den
Bevölkerung  –  Begriff der ĺ  amtli- ĺ  Beweis für die vom Gegner bestritte-
chen Statistik: Zur Bevölkerung Deutsch- nen Tatsachen erbringen muss. Grund-
lands zählen alle Einwohner, die mit ih- sätzlich muss jede Partei die Tatsachen
rer alleinigen Wohnung oder Hauptwoh- beweisen, aus denen sie ihre Rechte oder
nung in der Bundesrepublik Deutschland den Wegfall eines Rechtes des Gegners
gemeldet sind, also auch alle hier ge- herleitet.
meldeten Ausländer/innen.  –  Vgl. auch Beweismittel  –  Möglichkeiten, durch
ĺ Volkszählung. die dem Gericht gegenüber das Vorliegen
79 Beyond Budgeting

oder Nichtvorliegen einer Tatsache oder der Vermögensgegenstände und Schulden


Behauptung bewiesen wird (ĺ  Be- sind handelsrechtlich v.a. die  Bewertung
weis). Beweismittel im Zivil- und im Ver- zu ĺ  Anschaffungskosten und ĺ  Her-
waltungsrecht sind Augenschein, Zeugen, stellungskosten, zu Börsen- und Markt-
Sachverständige, Urkunden und die Aus- preisen sowie zu einem sich nach kauf-
sagen der Parteien. männischer Beurteilung ergebenden Wert
(ĺ  Tageswert) möglich.  –  Im Einkom-
Bewertung – Verfahren zur Bestimmung mensteuergesetz (EStG) sind Anschaf-
des Wertes von Gütern oder Handlungs- fungs-, Herstellungskosten und ĺ  Teil-
alternativen im Rahmen der ĺ  Rech- wert vorgeschrieben. – Vgl. auch ĺ Un-
nungslegung. Eine  Bewertung erfolgt ternehmensbewertung.
v.a. im Hinblick auf die Aufstellung des Bewertungsfreiheit ĺ  Bewertungs-
ĺ  Jahresabschlusses. Da die angewand- wahlrecht.
ten Bewertungsmaßstäbe die Höhe des
Erfolgs beeinflussen, gibt das Handels- Bewertungsgrundsätze ĺ Bewertung.
und Steuerrecht verbindliche Bewer- Bewertungsstetigkeit ĺ Bewertung.
tungsvorschriften vor. Zu den allgemei-
nen Bewertungsgrundsätzen, die für alle Bewertungswahlrecht – Bewertungsfrei-
Kaufleute gelten, zählen: a) Bilanziden- heit. Begriff aus dem Handels- und Steu-
tität: In der Eröffnungs- und Schlussbi- errecht für die Möglichkeit, bei der ĺ Be-
lanz müssen identische Wertansätze an- wertung von Vermögensgegenständen
gesetzt werden. b) Going-Concern-Prinzip und Schulden zwischen mehreren zuläs-
(Grundsatz der Unternehmensfortfüh- sigen Wertansätzen zum Zwecke der Ge-
rung): Bei der Bewertung ist von der Fort- winnermittlung zu wählen. Instrument
führung der Unternehmenstätigkeit aus- der ĺ Bilanzpolitik. – Im Handelrecht be-
zugehen. c) ĺ  Einzelbewertung und steht ein  Bewertungswahlrecht bspw. bei
stichtagsbezogene Bewertung (Stichtags- der Ermittlung von Herstellungskosten,
prinzip): Aktiva und Passiva, die bis zum die alternativ als Voll- oder Einzelkosten
Abschlussstichtag entstanden sind, sind oder als Zwischenwert angesetzt werden
in der Bilanz einzeln zu bewerten. Nur in können. – Im Steuerrecht kann bspw. ge-
Ausnahmefällen ist eine ĺ  Pauschalbe- wählt werden, ob man bei geringwertigen
wertung zulässig. d) ĺ Vorsichtsprinzip: Wirtschaftsgütern im Jahr der Anschaf-
Es sind vorhersehbare Risiken und Ver- fung, Herstellung oder Einlage die Auf-
luste zu berücksichtigen. Gewinne dür- wendungen absetzt. Außerdem sieht das
fen dagegen erst erfasst werden, wenn sie Steuerrecht ein Wahlrecht für ĺ Sonder-
realisiert wurden. e) Periodengerechte Ab- abschreibungen vor.
grenzung (Abgrenzungsprinzip): Aufwen- Beyond Budgeting  –  Managementmo-
dungen und Erträge sind unabhängig dell zur Verbesserung der Planung und
vom Zahlungszeitpunkt zu berücksich- Budgetierung im Unternehmen. Im Vor-
tigen. f) Bewertungs(methoden)stetigkeit: dergrund stehen die Qualität der Plan-
Die im vorangegangenen Jahresabschluss vorgaben und die Verringerung des Zeit-
gewählte Bewertungsmethode muss bei- aufwands. Im Rahmen des Beyond Bud-
behalten werden.  –  Bei der Bewertung geting wird auf starre Budgets verzichtet,
Beziehungsmarketing 80

um die operative Planung und die Maß- ist innerhalb der Bezugsfrist von mind.
nahmensteuerung flexibler gestalten zu zwei Wochen möglich. Während dieser
können. Es werden selbstständige ĺ Pro- Zeit findet auch der Handel mit Bezugs-
fitcenter geschaffen, deren sog. opera- rechten an der Börse statt.  –  Die Aktio-
tive Manager die Strategie- und Maßnah- näre haben auch ein gesetzliches Bezugs-
menplanung regelmäßig durchführen. recht bei der Ausgabe von Wandelschuld-
Die Profitcenter agieren auf sog. internen verschreibungen (ĺ  Wandelanleihen),
Märkten mit einem direkten Zugriff auf ĺ  Gewinnschuldverschreibungen und
alle Ressourcen. Zielvereinbarungen mit ĺ Genussscheinen.
den operativen Managern werden auf der Bezugswert ĺ Basiswert.
Grundlage des ĺ  Benchmarking getrof-
fen. BFH – Abk. für ĺ Bundesfinanzhof.

Beziehungsmarketing ĺ  Relationship BGB  –  Abk. für ĺ  Bürgerliches Gesetz-


Marketing. buch.

Bezogener ĺ Wechsel. BGB-Gesellschaft  –  Kurzbezeichnung


für ĺ  Gesellschaft bürgerlichen Rechts
Bezugsaktien ĺ Bezugsrecht. (GbR).
Bezugsgrößenkalkulation ĺ Kalkulati- BGBl – Abk. für ĺ Bundesgesetzblatt.
onsverfahren.
BGH – Abk. für ĺ Bundesgerichtshof.
Bezugsobligation ĺ Optionsanleihe.
BGJ – Abk. für ĺ Berufsgrundbildungs-
Bezugsrecht  –  Recht eines Aktionärs, jahr (BGJ).
im Fall einer ĺ  Kapitalerhöhung einen
seinem Anteil am ĺ  Grundkapital ent- BIC  –  Abk. für ĺ  Business Identifier
sprechenden Teil ĺ junger Aktien zu be- Code (BIC).
ziehen. Wird bspw. das Aktienkapital von Bilanz  –  der Abschluss des ĺ  Rech-
drei auf vier Mio. Euro erhöht, beträgt nungswesens einer Unternehmung für ei-
das Bezugsrecht 3:1. Auf diese Weise soll nen bestimmten Zeitpunkt (Bilanzstich-
es dem Aktionär ermöglicht werden, sei- tag) in Form einer Gegenüberstellung von
nen bisherigen prozentualen Anteil am ĺ  Vermögen und ĺ  Kapital eines Un-
Grundkapital der Aktiengesellschaft (AG) ternehmens. Sie dient der Erfolgsermitt-
und die damit verbundenen Rechte un- lung und Vermögensübersicht. Das Ver-
verändert beizubehalten. Das Bezugsrecht mögen (ĺ Aktiva) zeigt die konkrete Ver-
schützt so den Altaktionär vor einer Ka- wendung der eingesetzten finanziellen
pitalverwässerung.  –  Das gesetzliche  Be- Mittel, das Kapital (ĺ  Passiva) die An-
zugsrecht kann durch die Hauptversamm- sprüche der Gläubiger (ĺ  Fremdkapi-
lung mit Drei-Viertel-Mehrheit ganz oder tal) und der Unternehmer (ĺ  Eigenka-
teilweise ausgeschlossen werden; auch zur pital als Saldo zwischen Vermögen und
Ausgabe von ĺ Belegschaftsaktien. – Der Fremdkapital, also als Restanspruch) an
Aktionär kann das ihm zustehende  Be- das Vermögen. Vermögen und Kapital
zugsrecht wahlweise durch Erwerb junger stellen dieselbe Wertgesamtheit dar, was
Aktien ausüben oder seine  Bezugsrechte in der Bilanzgleichung (Aktiva = Passiva)
an der Börse verkaufen. Eine Ausübung zum Ausdruck kommt. – Die Aufstellung
81 Bilanzgliederung

der  Bilanz und die dafür geltenden Be- Bilanzeinsichtspflicht ĺ  Offenlegungs-


wertungsrichtlinien sind im ĺ Handels- pflicht.
gesetzbuch (HGB) geregelt. Die ĺ Han- Bilanzgewinn/-verlust  –  der in der
delsbilanz ist für die ĺ  Steuerbilanz ĺ  Bilanz von ĺ  Kapitalgesellschaften
maßgeblich.  –  Zum Abschluss jedes Ge- ausgewiesene Erfolg oder Verlust. Wird
schäftsjahres muss eine Bilanz aufgestellt die Bilanz unter Berücksichtigung der
werden (Jahresbilanz). – Vgl. auch ĺ Bi- Verwendung des Jahresergebnisses aufge-
lanzgliederung, ĺ Grundsätze ordnungs- stellt, tritt an die Stelle der Posten ĺ Jah-
mäßiger Bilanzierung und ĺ  Sonderbi- resüberschuss/Jahresfehlbetrag und
lanz. ĺ Gewinnvortrag/ ĺ Verlustvortrag der
Posten  Bilanzgewinn/-verlust. Ein vor-
Bilanzanalyse  –  Bilanzkritik, Jahresab- handener Gewinn- oder Verlustvortrag
schlussanalyse. Zerlegen und Aufgliedern aus den vorherigen Jahren ist dabei einzu-
des ĺ  Jahresabschlusses bzw. ĺ  Kon- beziehen und gesondert auszuweisen.
zernabschlusses einschließlich der dar-
Bilanzgleichung ĺ Bilanz.
auf aufbauenden Beurteilung der Lage
und Entwicklung des Unternehmens. Bilanzgliederung  –  systematische Dar-
Gegenstand der  Bilanzanalyse ist nicht stellung der Posten einer ĺ  Bi-
nur die ĺ Bilanz, sondern der (Konzern-) lanz.  –  1.  Einzelunternehmen und Perso-
ĺ Jahresabschluss, bestehend aus Bilanz, nengesellschaften: Auf der Vermögensseite
ĺ Gewinn- und Verlustrechnung (GuV) (Aktivseite) werden die Konten des
und ĺ Anhang, bei Kapitalgesellschaften ĺ Anlagevermögens und ĺ Umlaufver-
auch der ĺ Lagebericht. Der Konzernab-
schluss besteht zusätzlich aus einer ĺ Ka-
pitalflussrechnung und einem Eigenka-
pitalspiegel.  –  Die  Bilanzanalyse umfasst
die Analyse der Ertrags- und Finanzlage
des Unternehmens anhand von Kennzah-
len. Wichtige Kennzahl bei der Bilanzana-
lyse ist für den Vermögensaufbau das Ver-
hältnis von Anlage- zu Umlaufvermögen.
Hinsichtlich der Investitionen ist es das
Verhältnis von ĺ Eigenkapital und lang-
fristigem ĺ Fremdkapital zu ĺ Anlage-
vermögen. Kennzahlen für die Finanzie-
rung und Liquidität sind der ĺ Verschul-
dungsgrad und die ĺ  Liquiditätsgrade.
Hinsichtlich der Rentabilität werden v.a.
die ĺ  Eigenkapitalrentabilität und der
ĺ Cashflow ermittelt. Zur Analyse kann mögens
aber auch die ĺ  Bewegungsbilanz und
die ĺ  Kapitalflussrechnung herangezo-
gen werden.
Bilanzidentität 82

aufgeführt. Die Kapital- oder Schul- Bilanzprüfung ĺ  Jahresabschlussprü-


denseite (Passivseite) führt das ĺ  Ei- fung.
genkapital, die ĺ  Rückstellungen und
Bilanzsumme  –  Schlusssumme der lin-
die ĺ  Verbindlichkeiten auf.  –  2.  Kapi-
ken Seite (Aktivseite) oder der rechten
talgesellschaften: Für diese ist nach dem
Seite (Passivseite) einer ĺ  Bilanz, die
ĺ  Handelsgesetzbuch (HGB) die in der
wertmäßig gleich hoch sind.
Abb. „Bilanzgliederung“ aufgeführte
Gliederung vorgeschrieben. Diese Gliede- Bilanzvergleich ĺ Erfolgsrechnung.
rung ist heute in zahlreichen anderen Un- Bilanzvolumen ĺ Bilanzsumme.
ternehmen gebräuchlich.
bilateraler Wechselkurs ĺ  Wechsel-
Bilanzidentität ĺ Bewertung. kurs.
bilanzielles Vermögen ĺ Aktiva. bilaterales Monopol ĺ Marktformen.

Bilanzierung  –  1.  Begriff für Kontoaus- bilaterales Oligopol ĺ Marktformen.


gleich. Ein Konto bilanziert, wenn es im bilaterales Polypol ĺ  Marktformen,
ĺ Soll und ĺ Haben die gleiche Summe ĺ Polypol.
aufweist.  –  2.  Begriff für Bilanzansatz,
Bildungsfreistellung ĺ Bildungsurlaub.
d.h. Aufstellung der ĺ Bilanz. Dabei sind
die gesetzlichen Bewertungs- und Bilan- Bildungspolitik  –  Gesamtheit der
zierungsgrundsätze zu berücksichtigen Entscheidungen, Handlungen,
(ĺ  Grundsätze ordnungsmäßiger Bilan- Handlungsprogramme und Regelungen,
zierung). die von öffentlichen und privaten Orga-
nisationen getroffen werden, um die Be-
Bilanzierungsgrundsätze ĺ  Grund- dingungen für das Gelingen von Lernpro-
sätze ordnungsmäßiger Bilanzierung. zessen inhaltlich, organisatorisch und res-
Bilanzkonto ĺ Bestandskonto. sourcenmäßig zu gestalten. Die Sicherung
eines bestimmten Bildungsniveaus gilt als
Bilanzkritik ĺ Bilanzanalyse. ein aus dem ĺ Grundgesetz (GG) ableit-
Bilanzpolitik  –  alle legalen Maßnah- bares gesellschaftliches Ziel und als Auf-
men, die der Bilanzierende innerhalb des gabe des Staates.
ĺ Jahresabschlusses und ĺ Lageberichts Bildungsurlaub  –  Bildungsfreistel-
ergreift, um die Informationen über die lung. Urlaub (Freistellung von der Ar-
Vermögens-, Finanz- und Ertragslage des beit oder Ausbildung), der einem ĺ Ar-
Unternehmens inhaltlich und/oder for- beitnehmer zu Bildungszwecken gewährt
mal so zu gestalten, dass bei den Adressa- wird.  Bildungsurlaub soll der Berufsbil-
ten bestimmte Reaktionen hervorgerufen dung (ĺ Berufsausbildung) auf allen Stu-
oder vermieden werden. Dies geschieht fen, aber auch der allgemeinen und poli-
durch die Ausnutzung expliziter und fak- tischen sowie gewerkschaftlichen Bildung
tischer Ansatz- und ĺ Bewertungswahl- dienen. In den meisten Bundesländern
rechte, formaler Gestaltungsmöglichkei- besteht ein Anspruch auf Bildungsurlaub.
ten und sachverhaltsgestaltende Maßnah- Die Einzelheiten sind in den jeweilgen
men. Landesgesetzen geregelt.
83 Boden

Billigkeitshaftung ĺ  Haftung eines BIS – Abk. für Bank for International Sett-


Verursachers für einen Schaden aus Bil- lement, ĺ Bank für Internationalen Zah-
ligkeitsgründen, ohne dass ein Verschul- lungsausgleich (BIZ).
den vorliegt. Die  Billigkeitshaftung ist
Bitcoins – elektronische ĺ Währung, die
nur in Ausnahmefällen bei mangelnder
2009 durch  ein direktes internationales
ĺ  Deliktsfähigkeit gegeben. Sie gilt z. B.
Zahlungssystem  mit virtuellem ĺ  Geld
dann, wenn der Schadensverursacher
eingeführt wurde. I.S.d. Kreditwesen-
unter sieben Jahre alt, geisteskrank oder
gesetzes handelt es um private ĺ  Rech-
taubstumm ist.
nungseinheiten, die kein gesetzliches
Bill of Lading ĺ Konnossement. ĺ  Zahlungsmittel darstellen. Zuneh-
mend werden Bitcoins im internationalen
Binnenhandel – Handel, der sich inner- Handel mit Gütern und Dienstleistungen
halb der nationalen Grenzen eines Staates als Zahlungsmittel akzeptiert. Bitcoins
oder Wirtschaftsunion (z. B. ĺ  Europä- werden wie ĺ  Devisen an Online-Bör-
ische Union (EU))  abspielt.  –  Gegensatz: sen gegen Währungen getauscht.  Der
ĺ Außenhandel. ĺ  Wechselkurs unterliegt jedoch ei-
Binnenhandelspolitik – staatliche Maß- ner größeren Schwankungsbreite (ĺ Vo-
nahmen zur Sicherung der optimalen latilität) als auf ĺ Devisenmärkten.
Versorgung der Bevölkerung durch den BIZ – Abk. für ĺ Bank für Internationa-
ĺ Binnenhandel. Dazu zählt v.a. die För- len Zahlungsausgleich (BIZ).
derung des Wettbewerbs (ĺ Wettbewerb-
spolitik), i.w.S. aber auch der Verbrau- blauer Umweltengel ĺ Umweltzeichen.
cherschutz (ĺ Verbraucherpolitik). – Im Blockkostenrechnung ĺ Deckungsbei-
weiteren Rahmen der ĺ  Europäischen tragsrechnung.
Union (EU)  wird Binnenhandelspolitik
auch als die Herstellung des gemeinsamen Blue Chips  –  Spitzenpapiere und Favo-
ĺ Binnenmarktes mit u.a. freiem Waren- riten unter den börsennotierten ĺ  Ak-
verkehr verstanden.  –  Gegensatz: ĺ  Au- tien. Der Begriff wurde in den USA für
ßenhandelspolitik. Titel des ĺ  Dow Jones Index geprägt,
in Deutschland sind dies v.a. Aktien im
Binnenmarkt – 1.  Allgemein: Begriff für ĺ Deutschen Aktienindex (DAX).
einen internen nationalen ĺ Markt, z. B.
Deutschland. – 2. Europäische Union: Von BNE – Abk. für ĺ Bruttonationaleinkom-
der EU verwendeter Begriff zu Kenn- men.
zeichnung des ĺ  Gemeinsamen Mark- Bobl – Abk. für ĺ Bundesobligation.
tes der ĺ Europäischen Union (EU) mit
freiem Waren- und Dienstleistungsver- Boden  –  volkswirtschaftlicher ĺ  Pro-
kehr, mit freiem Kapitalverkehr sowie duktionsfaktor neben ĺ  Arbeit und
ĺ  Freizügigkeit der Arbeitnehmer und ĺ  Kapital. Als Produktionsfaktor dient
Niederlassungsfreiheit der Selbstständi- er (1) der land- und forstwirtschaftli-
gen (Grundfreiheiten der EU). chen Produktion, (2) dem Bergbau (3)
als ĺ Standort für sonstige Produktions-
BIP – Abk. für ĺ Bruttoinlandsprodukt. betriebe. Boden ist nicht vermehrbar und
Bodenrente 84

aufgrund seiner besonderen Knappheit Bookbuilding  –  international übli-


ein Spekulationsgegenstand. ches Verfahren zur Preisbildung bei der
Börseneinführung (ĺ  Emission) eines
Bodenrente ĺ Grundrente.
ĺ  Wertpapiers, das in Deutschland ge-
Bogen – Urkunde, die bei ĺ Wertpapie- genwärtig bevorzugt wird. Im Unter-
ren Nebenrechte des Inhabers verbrieft. schied zum Emissionsverfahren mit Fest-
Bei ĺ  Aktien mit Festpreisbildung ent- preisbildung, wird beim Bookbuilding die
hält der  Bogen Gewinnanteilsscheine, Preisfindung im Dialog mit dem Anle-
die den ĺ  Aktionär zur Erhebung der ger vorgenommen. Zunächst wird auf der
ĺ  Dividende berechtigen (sog. Dividen- Grundlage von Vorgesprächen mit einzel-
denscheinbogen). Bei ĺ  Anleihen ent- nen Großanlegern eine Preisspanne (10-
hält der  Bogen Zinsscheine oder Kupons, 15 %) festgelegt. Diese wird anschließend
die zur Erhebung von Zinsen berechti- veröffentlicht. Die Anleger können dann
gen (sog. Zinsscheinbogen).  –  Gegensatz: während einer festgelegten Frist (norma-
ĺ Mantel. lerweise 8-10 Tage) ihre Gebote inner-
Bond ĺ Anleihe. halb der Preisspanne abgeben. Die Ge-
bote werden in einer zentralen Datei ge-
Bond Warrant ĺ Optionsanleihe. sammelt. Am Ende der Frist wird auf der
Bonität ĺ Kreditwürdigkeit. Grundlage der eingegangenen Gebote der
Ausgabepreis des Wertpapiers festgelegt.
Bonitätsprüfung ĺ  Kreditwürdigkeits-
prüfung. Boom ĺ Konjunkturzyklus.
Bonus – 1.  Allgemeiner Geschäftsverkehr: Börse  –  1.  Begriff: organisierter Markt,
Vergütung bzw. ĺ  Preisnachlass, der ei- an dem Vermögenswerte (Wertpapiere,
nem Abnehmer als Treueprämie nach- Waren, Devisen, Edelmetalle und andere
träglich (z. B. jährlich) vom Lieferanten handelbare Gegenstände) gehandelt wer-
gewährt wird. Boni können als (1) Gut- den. Der Börsenhandel erfolgt regelmä-
schrift, (2) Auszahlung oder (3) zusätzli- ßig zu festgelegten Zeiten.  Börsen sind
che Warenlieferung gegeben werden. Ein an verschiedenen Börsenplätzen konzen-
Bonus wird meistens auf den Umsatz oder triert, z. B. Frankfurt a.M., London, New
die Verkaufsmenge eingeräumt. – Anders: York.  –  2.  Börsenfunktionen: (1) Markt-
ĺ  Skonto, ĺ  Rabatt.  –  2.  Spargeschäft: funktion: Zusammenführen von Angebot
Nach Ablauf einer bestimmten Anlage- und Nachfrage. (2) Mobilisationsfunktion:
dauer zusätzlich zu den Sparleistungen Bereitstellung eines Umfeldes, in dem Un-
gezahlter Betrag (Sparbonus).  –  3.  Ak- ternehmen durch ĺ Emission von Wert-
tien: Eine neben der ĺ  Dividende ein- papieren Geldkapital aufnehmen können.
malig in bes. günstigen Geschäftsjahren (3) Substitutionsfunktion: Gewährleis-
ausgeschüttete Vergütung.  –  4.  Einkom- tung der Verkaufs- und Übertragungs-
mensbestandteil: In Abhängigkeit vom möglichkeit von Wertpapieren. (4) Bewer-
Unternehmensgewinn gezahlter variabler tungsfunktion: Feststellung des aktuellen
Bestandteil der Vergütung, v.a. von Ma- Marktpreises für das einzelne Wertpapier
nagern großer Unternehmen. – Vgl. auch und damit des Marktwertes der betref-
ĺ Zielvereinbarung. fenden Unternehmung. – 3.  Börsenarten:
85 Börsengesetz (BörsG)

a) Nach Art der Handelobjekte werden hat, informieren. Die Börsenaufsichtsbe-


unterschieden: (1) Wertpapierbörsen, hörde wacht über die Einhaltung des Bör-
an denen ĺ  Wertpapiere und ĺ  Deri- senrechts und der börsenrechtlichen Vor-
vate gehandelt werden (in der Praxis fin- schriften und Anordnungen sowie über
det der Derivatehandel ausschließlich die ordnungsmäßige Durchführung des
an der ĺ  Terminbörse statt), (2) De- Börsenhandels bis hin zur Geschäftsab-
visenbörsen, auf denen Guthaben und wicklung. Sie erlässt selbst börsenrele-
Schecks in ausländischer Währung ge- vante Regelwerke. Die ĺ  Bundesanstalt
handelt werden, (3) ĺ  Edelmetallbör- für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin)
sen, (4) ĺ  Warenbörse und Rohstoff- nimmt als dritte Aufsichtsbehörde v.a.
börse, insbes.  Warenterminbörse. b) die Überwachung der Einhaltung der In-
nach der Geschäftsart: (1) ĺ Kassabörse, siderregeln und der Publizitätsvorschrif-
(2) ĺ  Terminbörse. c) nach der Orga- ten nach dem Wertpapierhandelsgesetz
nisationsform: (1) ĺ  Parkettbörse, (2) (WpHG) wahr.  –  Weitere Informationen
ĺ  Computerbörse.  –  Schwerpunkt des unter www.boersenaufsicht.de.
Börsenhandels bilden die Wertpapierbör-
Börsenbericht – Tagesbericht in Zeitun-
sen, die heute zunehmend als ĺ  Com-
gen und elektronischen Medien über das
puterbörsen organisiert sind. – 4.  Rechts-
Börsengeschehen. Es wird über den Ver-
grundlagen: Der deutsche Börsenhandel
lauf und die allgemeinen Tendenzen an
ist durch das ĺ  Börsengesetz (BörsG)
der ĺ Börse berichtet.
und ergänzend durch das Wertpapier-
handelsgesetzes (WpHG) gesetzlich gere- Börsenersteinführung ĺ  Initial Public
gelt. – 5. Organe der Börse sind nach dem Offering (IPO).
Börsengesetz (1) der ĺ Börsenrat, (2) die
Börsengang  –  Notierungsaufnahme ei-
Börsengeschäftsführung und (3) die Han-
nes Unternehmens an der ĺ Börse. Vor-
delsüberwachungsstelle (HÜSt). Die deut-
aussetzungen: (1) Das Unternehmen ini-
schen Börsen unterliegen der ĺ Börsen-
tiiert den Börsengang. (2) Die ĺ Aktien
aufsicht durch die zuständigen Bundes-
des Unternehmens werden erstmalig an
länder.  –  6.  Teilmärkte (Marktsegmente)
der Börse gelistet.  –  Vgl. auch ĺ  Going
der  Börse sind nach dem WpHG der
Public, ĺ Initial Public Offering (IPO).
ĺ  regulierte Markt und der Freiverkehr
(ĺ Open Market). – Für den regulierten Börsengesetz (BörsG)  –  seit 1892 be-
Markt gelten als unterschiedliche Trans- stehendes Gesetz, das die Organisation
parenzlevel der ĺ  General Standard und und die Tätigkeit der deutschen ĺ  Bör-
der ĺ Prime Standard. sen regelt. Es umfasst allgemeine Bestim-
mungen über die Börse und deren Or-
Börsenaufsicht  –  Aufsicht über die Ge- gane, Feststellung des Börsenpreises und
schäfte an einer ĺ Börse. Die Börsenauf- Maklerwesens, Zulassung von Wertpa-
sicht erfolgt intern durch die Handelsüber- pieren zum Börsenhandel, Börsenter-
wachungsstelle (HÜSt) als Börsenorgan. minhandel, Ordnungsverfahren und
Stellt diese Unregelmäßigkeiten fest, muss Strafbestimmungen. Das BörsG wird er-
sie die Börsenaufsichtsbehörde des Bun- gänzt durch das Wertpapierhandelsgesetz
deslandes, in dem die Börse ihren Sitz (WpHG).
Börsenhändler 86

Börsenhändler  –  1.  I.e.S. an einer ĺ Börsenkurs ĺ Börsenpreis.


Börse zugelassene Handelsteilnehmer.  – Börsenkürzel ĺ  Kurszusätze und -hin-
2.  I.w.S. alle Personen, die an der Börse weise.
Geschäfte tätigen.
Börsenmakler ĺ freier Makler, ĺ Skon-
Börsenkapitalisierung ĺ  Marktkapita-
troführer.
lisierung.
Börsenplatz – Ort, an dem eine ĺ Börse
Börsenkommunikation  –  Teil der
ihren Sitz hat. Der bedeutendste Börsen-
ĺ Public Relations (PR) eines börsenno-
platz in Deutschland ist Frankfurt a.M.
tierten Unternehmens, der seine Wett-
Außerdem gibt es in Berlin, Bremen, Düs-
bewerbsfähigkeit am ĺ Kapitalmarkt si-
seldorf, Hamburg/Hannover, München
chern soll. Die ĺ Aktie wird dabei weni-
und Stuttgart sog. Regionalbörsen.
ger als Anteilsschein am Unternehmen,
sondern als ein am Markt zu positionie- Börsenpreis  –  Börsenkurs. Marktpreis
rendes Produkt begriffen. –  Ziel der Bör- für ĺ  Wertpapiere, ĺ  Devisen oder
senkommunikation ist es, durch Trans- ĺ  Waren. Der  Börsenpreis wird an ei-
parenz der Geschäftspolitik und Be- ner ĺ Börse aufgrund vorliegender Kauf-
reitstellung umfassender und seriöser und Verkaufsaufträge je nach Börsenart
Markt- und Unternehmensinformation in unterschiedlichen Verfahren und  Ab-
mittel- und langfristig das Vertrauen der grenzungen  festgestellt (ĺ  Börsenpreis-
Anleger zu erlangen, sie damit zu Aktien- feststellung). An deutschen Wertpapier-
käufen zu animieren und private wie in- börsen wird der Börsenpreis für Aktien in
stitutionelle ĺ  Shareholder an das Un- Euro pro Stück (Stückkurs) notiert. Anlei-
ternehmen zu binden. Wesentliche Teile hen werden in Prozent des ĺ Nennwertes
der  Börsenkommunikation sind durch (Prozentkurs) notiert.
Gesetze und Börsenverordnungen gere- Börsenpreisfeststellung  –  früher Kurs-
gelt (z. B. ĺ Geschäftsbericht und Quar- feststellung. 1.  Begriff: Ermittlung der
talsbericht, ĺ Ad-hoc-Publizität). Preise für Wertpapiere, Waren und Devi-
Börsenkrach – Starker Kursverfall an den sen im Handel an der ĺ Börse (ĺ Bör-
Börsen, der häufig einer Wirtschaftskrise senpreis).  –  2.  Verfahren: a) im  Prä-
vorausgeht. Am bekanntesten ist der Zu- senzhandel  (ĺ  ĺ  Parkettbörse)  durch
sammenbruch der New Yorker Börse am ĺ Skontroführer: Diese haben für die ih-
Freitag, dem 25.10.1929 (ĺ  Schwarzer nen übertragenen Wertpapiere Preise zu
Freitag), der als Auslöser für die nachfol- stellen, zu denen der größte Umsatz bei
gende ĺ Weltwirtschaftskrise gilt. – Der größtmöglichem Ausgleich aller vorlie-
15.9.2008 wird in Anlehnung daran als genden Aufträge erfolgt. Dazu werden
Schwarzer Montag bezeichnet. An diesem sog. gerechnete Preise als (1) Eröffnungs-
Tag kollabierte die viertgrößte amerikani- kurse, (2) Einheitskurse und (3) Schluss-
sche Investmentbank Lehmann Brothers, kurse festgestellt. Für Wertpapiere, die
nachdem staatliche Hilfe und die Hilfe nicht in die laufende Notierung einbezo-
anderer Kreditinstitute verweigert wurde. gen sind, wird börsentäglich (gewöhn-
Die Bankenpleite riss weltweit die Börsen- lich zur Mitte der Börsensitzung) nur ein
kurse in die Tiefe. Einheitskurs festgestellt. Dagegen werden
87 Brandmanagement

bei (variabler) ĺ fortlaufender Notierung Boykott  –  1.  Allgemein: Verabredung,


über die gerechneten Preise hinaus stän- Kontakte mit einer Person zu vermei-
dig variable Preise festgestellt. Dazu führt den und v.a. keine Verträge mit ihr ab-
der Skontroführer Angebote sofort mit zuschließen.  –  2.  Außenwirtschaft: Pri-
der passenden Nachfrage zusammen. b) vatwirtschaftlich organisierter Abbruch
Im elektronischen Handel (ĺ  Computer- der Wirtschaftsbeziehungen, indem be-
börse): Hier werden in Auktionen mit Un- stimmte Produktes eines Herstellers oder
terstützung der ĺ  Designated Sponsors Landes nicht mehr gekauft oder Kunden
analog zum Präsenzhandel die Preise er- bzw. Länder nicht mehr beliefert wer-
mittelt, bei denen das größte Auftragsvo- den. –  Anders: ĺ Embargo. – 3.  Wettbe-
lumen bei minimalem Überhang ausge- werbsrecht: Aufforderung eines Unter-
führt werden kann. Neben der Eröffnungs- nehmens oder einer Organisation zu ei-
und Schlussauktion gibt es untertägige ner Bezugs- oder Liefersperre, d.h.  keine
Auktionen, für die der fortlaufende Han- Geschäftsbeziehungen mit bestimmten
del unterbrochen wird. Im fortlaufen- Marktteilnehmern einzugehen, was  ei-
den Handel kommen die Preise durch nen Verstoß gegen das Gesetz gegen den
das Zusammenführen (Matching) zum je- unlauteren Wettbewerb (UWG) dar-
weils besten im Auftragsbuch angezeigten stellt.  –  4.  Arbeitsrecht: Maßnahme des
Geld- oder Brief-Limit, bei gleichem Preis ĺ  Arbeitskampfes, z. B. wenn die Ge-
in der Reihenfolge der Eingabe in das Sys- werkschaftsseite die Arbeitnehmer eines
tem (Preis-Zeit-Priorität) zustande. Betriebes dazu auffordern, einer Betriebs-
vereinbarung nicht zuzustimmen.
Börsenrat – Organ an einer ĺ Börse, der
Brainstorming  –  Technik zur Ideenfin-
aus 24 ehrenamtlichen Mitgliedern be-
dung. Beim  Brainstorming sollen alle
steht. Nach dem Börsengesetz (BörsG)
Gruppenteilnehmer Ideen spontan äu-
müssen die Personen und Unternehmen,
ßern, aufgreifen und weiterentwickeln,
die zum Börsenhandel zugelassen sind,
ohne Kritik zu üben. Die Ideen werden
vertreten sein. Die Ratsmitglieder wer-
erst nach dem  Brainstorming geordnet
den auf drei Jahre gewählt. – Aufgaben:
und ausgewertet. Bei Brainstorming geht
Der Börsenrat erlässt die Börsenordnung,
es darum, die Problemlösungsfähigkeit
die Bedingungen für die Börsengeschäfte,
und Kreativität der Mitarbeiter auszu-
die Gebührenordnung sowie die Prüfungs-
schöpfen.
ordnung für ĺ Börsenhändler. Außerdem
werden die Geschäftsführer vom  Börsen- Branche ĺ Wirtschaftszweig.
rat bestellt, abberufen und überwacht, er
Branchenabgaben ĺ Sonderabgaben.
wählt die Mitglieder des Zulassungsstelle
und des Zulassungsausschusses und be- Branchenmindestlohn ĺ Mindestlohn.
stellt schließlich auch den Leiter der Han-
Branding – Begriff aus dem ĺ Marketing
delüberwachungsstelle (HÜSt) (ĺ Börsen-
für das Kennzeichnen eines Produktes
aufsicht).
oder einer Dienstleistung als ĺ Marke.
Börsenzulassungsprospekt ĺ  Pros- Brandmanagement ĺ Produktmanage-
pekt. ment.
Branntweinmonopol 88

Branntweinmonopol  –  einziges noch in der Gewinn (= Erlös – Kosten)  genau


Anspruch genommenes ĺ  Finanzmo- Null ist. Bei  größerer (kleinerer)  Absatz-
nopol des Bundes, das sich heute im We- menge werden entsprechend Gewinne
sentlichen auf Übernahme und Vermark- (Verluste) gemacht.  –  Vgl. Abbildung
tung von Agraralkohol beschränkt und „Break-Even-Analyse“. 2. Investitionsrech-
damit der Subventionierung kleiner und nung: Ermittlung des Zeitpunkts, in dem
mittlerer landwirtschaftlicher Brennereien die Summe der durch die Investition ver-
dient. Benötigt jährlich einen Zuschuss ursachten Einzahlungen erstmals die
aus dem Bundeshaushalt von ca. 80 Mio. Summe der durch die Investition verur-
Euro. Das  Branntweinmonopol wird von sachten Auszahlungen übersteigt.
der Bundesmonopolverwaltung für Brannt- Bretton-Woods-Abkommen  –  Verträge
wein (BfB) verwaltet. – Abschaffung: Auf- zur Neuordnung der internationalen Wäh-
grund des Gesetzes zur Abschaffung des rungsordnung (ĺ  Währungssystem).
Branntweinopols (BrantwmonAG)  vom Das  Bretton-Woods-Abkommen wurde
21.06.2013, das eine  EU-Richtlinie um- 1944 in Bretton Woods (USA) abgeschlos-
setzt,  endet das deutsche Branntweinmo- sen. Es betraf v.a. die Errichtung des ĺ In-
nopol am 31.12.2017 und damit auch die ternationalen Währungsfonds (IWF) , der
staatliche Subventionierung. ĺ  Internationalen Bank für Wiederauf-
Break-Even-Analyse  –  Begriff aus der bau und Entwicklung (IBRD) sowie die
ĺ Betriebswirtschaftslehre (BWL) für ei- Einführung des Währungssystems fester
nen ermittelten kritischen Wert oder Zeit- ĺ  Wechselkurse. Deutschland trat 1952
punkt, ab dem Gewinn gemacht wird dem Bretton-Woods-Abkommen bei.
(sog. Break-Even-Punkt). – 1.  Kostenrech-
Brief – Begriff im Börsenwesen: ĺ Bör-
nung: Im Rahmen der  Break-Even-Ana-
senpreis, zu dem ein Marktteilnehmer ein
lyse wird die Ausbringungsmenge (= Ab-
ĺ Wertpapier anbietet.
satzmenge)  eines Produkts ermittelt,  ab
dem die Gewinnzone erreicht wird. Briefgeheimnis  –  Schutz der Vertrau-
lichkeit individueller schriftlicher Kom-
munikation, d.h. von Briefen und anderen
persönlichen Schriftstücken. Das Brief-
und Postgeheimnis ist im ĺ Grundgesetz
(GG) verfassungsrechtlich (Art. 10 I GG)
garantiert. – Vgl. auch ĺ Postgeheimnis.
Briefhypothek ĺ  Hypothek, ĺ  Hypo-
thekenbrief.
Briefkastengesellschaft  –  Gesellschaft,
die an ihrem Sitz nur einen „Briefkas-
ten“ unterhält. Der tatsächliche  Sitz der
Im Break-Even-Punkt (dem Schnitt- ĺ Firma oder der Geschäftsführung be-
punkt von Kosten- und Erlöskurve)  ist findet sich an einem anderen Ort. Auf-
die Summe der fixen und variablen Kos- grund ihrer Anonymität dienen Briefkas-
ten gleich dem Erlös (Umsatz), sodass tengesellschaften der Steuerbeeinflusung,
89 Bruttoinlandsprodukt (BIP)

aber auch der ĺ  Steuerhinterziehung Bruttoeinkaufspreis  –  Listenpreis


oder der Verschleierung von Geldströ- des  Lieferanten,  einschließlich ĺ  Mehr-
men. wertsteuer (MWst), aber ohne Bezugs-
kosten (Verpackung und Fracht). – An-
Briefkurs  –  Feststellung des Kurses
ders: ĺ Nettoeinkaufspreis.
(ĺ Börsenpreis), zu dem für ein ĺ Wert-
papier Verkaufsaufträge vorlagen, ohne Bruttogewinn ĺ Rohergebnis.
dass es zu einem Umsatz kam.  –  Gegen- Bruttoinlandsprodukt (BIP)  –  Begriff
satz: ĺ Geldkurs. aus den ĺ  Volkswirtschaftlichen Ge-
Broker – früher angloamerikanische Be- samtrechnungen (VGR) für die wirt-
zeichnung für Personen oder Unterneh- schaftliche Leistung einer Volkswirt-
men, die Wertpapiergeschäfte an der schaft in einem bestimmten Zeitraum
ĺ Börse vermitteln, heute allg. für Han-
delsteilnehmer.
Bruchteilseigentum ĺ Miteigentum.
Brückenbank ĺ  Bank, die  auf Anord-
nung der ĺ  Bundesanstalt für Finanz-
marktstabilisierung  (FMSA) durch die
Übertragung von systemrelevanten Un-
ternehmensteilen eines Kreditinstitu-
tes errichtet wird, um drohende Bestands-
und Systemgefährdungen zu verhindern.
Die Brückenbank ist unter dem Dach
der FMSA angesiedelt. Der Restrukturie- (i.d.R. Jahr). Das BIP gibt an, wie viele
rungsfonds kann sie durch Eigenkapital Güter im Inland produziert wurden. Da-
und Garantien stützen. bei werden Vorleistungen und Importe
abgezogen.  –  Das BIP wird auf unter-
brutto  –  vor Abzug von ĺ  Steuern,
schiedliche Weise berechnet. Dies ist da-
ĺ Abschreibungen usw. (z. B. Bruttopreis,
von abhängig, ob die Entstehungs- oder
Bruttogewinn) oder mit Verpackung (z. B.
Bruttogewicht). – Anders: ĺ netto.
Bruttoarbeitsentgelt  –  Bruttolohn,
ĺ Arbeitsentgelt vor Abzug von Steuern
(Lohnsteuer, Solidaritätszuschlag und ggf.
Kirchensteuer) und Sozialversicherungs-
beiträgen (i.d.R. Arbeitslosen-, Kranken-,
Pflege- und Rentenversicherung). Auf
der Grundlage des Bruttoarbeitsentgelts
werden die Steuern und die Sozialversi-
cherungsbeiträge berechnet.  –  Anders:
ĺ Nettoarbeitsentgelt.
Bruttoclearing ĺ Clearing.
Bruttokreditaufnahme 90

die Verwendungsseite des BIP betrachtet Bruttosozialprodukt (BSP) ĺ Bruttona-


wird.  –  Vgl. auch ĺ  Bruttonationalein- tionaleinkommen (BNE).
kommen (BNP) und die Abb. „BIP – Ent- Bruttoumsatz ĺ Umsatz.
stehungsrechnung“ und „BIP – Verwen-
dungsrechnung.  –  Weitere Informationen Bruttovermögen ĺ Vermögen.
unter www.destatis.de. Bruttowertschöpfung ĺ  Produktions-
wert, ĺ Wertschöpfung.
Bruttokreditaufnahme  –  Bruttoneuver- BSG – Abk. für ĺ Bundessozialgericht.
schuldung. Summe der in einem Jahr von Bubbles  –  Finanzblase. Begriff des Bör-
ĺ Bund, ĺ Ländern und ĺ Gemeinden senwesens. Bubbles sind erhebliche posi-
neu aufgenommenen Kredite.  –  Gegen- tive Abweichungen der Börsenkurse von
satz: ĺ Nettokreditaufnahme. den eigentlichen Werten eines ĺ Wertpa-
Bruttolohn ĺ Bruttoarbeitsentgelt. piers. Bubbles beruhen i.d.R. auf massen-
psychologischen Phänomenen wie z. B.
Bruttonationaleinkommen (BNP) – frü-
dem Herdenverhalten. – Häufig wird der
her Bruttosozialprodukt (BSP). Begriff
Begriff auch für positive Kursübertrei-
aus den ĺ  Volkswirtschaftlichen Ge-
bungen angewandt.
samtrechnungen (VGR). Das BNP ist ein
wichtiges Maß für den wirtschaftlichen Bubills ĺ Schatzanweisung.
Wohlstand einer Volkswirtschaft.  –  Vgl. Buchbestand – Begriff aus dem ĺ Rech-
Abb. „BNP-Berechnung“. –  Weitere Infor- nungswesen für den Wert eines ĺ  Be-
mationen unter www.destatis.de. standskontos. Mind. einmal im Jahr
werden die  Buchbestände mit den tat-
sächlichen Beständen (Ist-Beständen) ab-
gestimmt. I.d.R. erfolgt dies beim ĺ Jah-
resabschluss durch eine ĺ  Inventur am
Bilanzstichtag. Buchbestände und Ist-Be-
stände können aufgrund von Buchungs-
Bruttoneuverschuldung ĺ  Bruttokre-
fehlern, Diebstahl oder Schwund (Ein-
ditaufnahme.
trocknen, Veralten, Verderben, Verduns-
Bruttoprinzip ĺ Bruttorechnung. ten etc.) voneinander abweichen.
Bruttorechnung  –  Bruttoprinzip, Aus- Bucheffekten ĺ Wertrechte.
weis der Ausgaben und Einnahmen oder
Aufwendungen und Erträge ohne vor- Bücher ĺ Geschäftsbücher.
herige Verrechnung. Bspw. müssen nach Buchführung  –  Teil des ĺ  Rechnungs-
den Vorschriften des ĺ  Handelsgesetz- wesens.  Buchführung ist die lückenlose
buchs (HGB) im Rahmen der ĺ  Ge- und ordnungsgemäße Aufzeichnung al-
winn- und Verlustrechnung (GuV) Auf- ler Geschäftsvorfälle. Diese werden an-
wendungen und Erträge nach der  Brut- hand von ĺ  Belegen in zeitlicher Rei-
torechnung ausgewiesen werden.  –  Vgl. henfolge und mit zahlenmäßiger Wertan-
auch ĺ  Haushaltsgrundsätze.  –  Gegen- gabe erfasst. Die  Buchführung hat den
satz: ĺ Nettorechnung. Grundsätzen ordnungsmäßiger Buchfüh-
rung (GoB) zu entsprechen. – Wesentliche
91 Budgetierung

Aufgaben der  Buchführung sind: (1) Do- Buchungsbeleg ĺ Beleg.


kumentation, d.h. Aufzeichnung aller Ge-
Buchungsformel ĺ Buchungssatz.
schäftsvorfälle, (2) Rechenschaftslegung,
z. B. gegenüber Anteilseignern, Gläubi- Buchungssatz  –  Buchungsformel. Gibt
gern, etc., (3) Gläubigerschutzfunktion, (4) an, wie ein Geschäftsvorfall zu buchen ist
Bereitstellung von Informationen für die (ĺ Buchung). Jeder Buchungssatz enthält
Kalkulation, innerbetriebliche Kontrolle mind. die Buchung auf zwei Konten: eine
und Besteuerung.  –  Die gebräuchlichste Buchung im ĺ  Soll (Sollbuchung) und
Form der  Buchführung ist die  ĺ  dop- eine Buchung im ĺ  Haben (Habenbu-
pelte Buchhaltung. chung). Beide Buchungen sind durch „an“
verbunden. Bsp.: „Kasse an Waren“. Die
Buchführungspflicht  –  Verpflich-
Summe der Sollbuchungen muss gleich
tung, unter der Berücksichtigung der
der Summe der Habenbuchungen sein
ĺ  Grundsätze ordnungsmäßiger Buch-
(Soll = Haben).
führung (GoB) Bücher zu führen. Nach
dem ĺ Handelsgesetzbuch (HGB) ist je- Buchwert – Wert eines Vermögensgegen-
der ĺ  Kaufmann buchführungspflich- standes in den kaufmännischen Büchern
tig.  –  Die ĺ  Buchführung muss so be- oder in der ĺ Bilanz bewertet zu ĺ An-
schaffen sein, dass sie einem Dritten schaffungskosten oder ĺ  Herstellungs-
innerhalb angemessener Zeit einen Über- kosten, korrigiert um die ĺ  Abschrei-
blick über die Geschäftsvorfälle und die bungen und ĺ Zuschreibungen entspre-
finanzielle Lage des Unternehmens ver- chend den handels- und steuerrechtlichen
mitteln kann. Bewertungsgrundsätzen.  –  Vgl. auch
ĺ Restwert.
Buchgeld ĺ Geld.
Buchhaltung  –  Finanzbuchführung. Ab- Budget  –  Aufstellung der voraussicht-
teilung im Unternehmen, die für die lichen Einnahmen und der geplanten
ĺ Buchführung und ĺ Bilanzierung zu- Ausgaben für einen bestimmten Zeit-
ständig ist. raum. – 1.  Volkswirtschaft: ĺ Haushalts-
plan.  –  2.  Betriebswirtschaft: meist kurz-
Buchhypothek ĺ Hypothek. fristiger operativer Plan, der im Rahmen
Buchkredit ĺ Kredit an Kunden, der le- der Finanz- oder Investitionsplanung auf-
diglich „in den Büchern” erfasst wird, ohne gestellt wird (ĺ Finanzplan). Hinsichtlich
dass der Gegenwert beurkundet wird (wie ihrer Anpassungsfähigkeit kann zwischen
z. B. bei ĺ  Schuldscheindarlehen). Die starren und flexiblen Budgets unterschie-
häufigste Form ist das Einräumen einer den werden.
ĺ  Kreditlinie auf dem Kontokorrent- Budgetierung  –  Prozess der Budgeter-
konto oder die Gewährung eines ĺ Dar- stellung (ĺ Budget). – 1.  Volkswirtschaft:
lehens. Verfahren, bei dem ein finanzieller Rah-
Buchung  –  Begriff aus der ĺ  Buchfüh- men für den ĺ  Haushaltsplan vorgege-
rung für die Eintragung eines Geschäfts- ben wird. Die einzelnen Posten können
vorfalls in eines der ĺ  Geschäftsbücher. von den Verantwortungsträgern in sach-
Eine  Buchung erfolgt aufgrund eines licher und zeitlicher Hinsicht bestimmt
ĺ Belegs. werden.  –  2.  Betriebswirtschaft: Prozess
Bund 92

der Aufstellung und Verabschiedung ei- Berufsberatung, Förderung der berufli-


nes ĺ Budgets. Z.T. wird auch die Kon- chen Fortbildung, Umschulung und Ei-
trolle der Budgets zur Budgetierung ge- narbeitung. Die BA fördert die Wieder-
zählt. Die  Budgetierung ist ein zentra- eingliederung von Arbeitslosen in den
ler Teil der kurzfristigen Planung. Über Arbeitsmarkt z. B. durch Lohnzuschüsse.
die Budgetierung kann auch die Abstim- Sie ist außerdem für die Zahlung finan-
mung der Budgets im Unternehmen er- zieller Leistungen wie ĺ  Insolvenzgeld,
folgen. In diesem Fall werden Teilbudgets ĺ  Kurzarbeitergeld oder ĺ  Winter-
für die einzelnen Unternehmensberei- geld zuständig.  –  Der überwiegende Teil
che gebildet, die in einem Gesamtbudget der Ausgaben der BA wird durch die Bei-
zusammengeführt werden.  –  Vgl. auch träge zur ĺ Arbeitslosenversicherung fi-
ĺ Beyond Budgeting. nanziert. Der Rest wird vom Staat ge-
zahlt. – Weitere Informationen unter www.
Bund  –  1.  Staatsrecht: in der bundes-
arbeitsagentur.de.
staatlichen Ordnung der Bundesrepub-
lik Deutschland Bezeichnung für den Ge-
Bundesamt für Wirtschaft und Aus-
samtstaat („Bund und Länder“). – 2. Wer-
fuhrkontrolle (BAFA)  –  Bundesbehörde
bung: Freiraum außerhalb des Satzspiegels
mit Sitz in Eschborn a.T., die dem Bun-
in der Blattmitte oder in der Falz eines
desministerium für Wirtschaft und Ener-
Druckwerkes. Anzeigen „über Bund“ fül-
gie (BMWi) unterstellt ist. Es nimmt in
len diesen Freiraum aus und treffen in der
Deutschland wichtige administrative
Blattmitte aufeinander.
Aufgaben in den Bereichen Außenwirt-
Bundesagentur für Arbeit (BA) – früher schaft, Wirtschaftsförderung und Energie
Bundesanstalt für Arbeit, zentrale Behörde wahr. – Weitere Informationen unter www.
der Arbeitsverwaltung mit Sitz in Nürn- bafa.de.
berg. Die BA ist eine öffentlich-rechtliche
ĺ Körperschaft. Sie steht unter Aufsicht Bundesanleihe  –  spezielle Form
des Bundesministers für Arbeit und Sozi- von Bundesschuldverschreibun-
ales (BMAS). Sie unterliegt jedoch nicht gen (ĺ  Bundeswertpapiere). Sie die-
den Weisungen staatlicher Stellen. Die nen der öffentlichen Hand zur Beschaf-
BA gliedert sich in drei Stufen: die Nürn- fung von langfristigen Finanzierungs-
berger Zentrale, zehn  Regionaldirektionen mitteln.  Bundesanleihen werden in den
(früher Landesarbeitsämter), 156 örtli- ĺ  regulierten Markt der Wertpapier-
che  ĺ Agenturen für Arbeit (früher Ar- börse (ĺ  Börse) ohne ĺ  Prospekt ein-
beitsämter) mit ca. 600 Nebenstellen und geführt.  –  Ausstattungsmerkmale: (1)
304 ĺ  Jobcenter (Stand 3/2014).  –  Die feste Verzinsung, (2) jährliche Zinszah-
BA ist Hauptträger der ĺ Arbeitsmarkt- lung, (3) Tilgung am Ende der Laufzeit,
politik. Zur ihren Aufgaben zählen v.a. (4) zehn bis dreißig Jahre Laufzeit, (5)
die Arbeitsvermittlung in den örtlichen kein Mindestanlagebetrag, (6) keine ef-
Arbeitsagenturen und die Zahlung des fektiven Stücke, sondern Wertrechte, ein-
ĺ  Arbeitslosengeldes und ĺ  Kurzar- getragen in das ĺ  Bundesschuldbuch
beitergeldes. Außerdem übernimmt sie der ĺ  Deutschen Finanzagentur.  –  Die
Arbeitsförderungsmaßnahmen wie z. B. Ausgabe von Bundesanleihen erfolgt im
93 Bundesarbeitsgericht

ĺ Tenderverfahren. –  Weitere Informati- errichten. Mit Errichtung des ĺ Restruk-


onen unter www.deutsche-finanzagentur. turierungsfonds übernahm sie 2011  des-
de. sen Verwaltung,  die Anwendung seines
Bundesanstalt für Arbeit  –  frühere Be- Instrumentariums zur Vermeidung und
zeichnung für die ĺ  Bundesagentur für Bewältigung zukünftiger Bankenkrisen
Arbeit (BA). und den Einzug der ĺ Bankenabgabe. –
Weitere Informationen unter www.fmsa.
Bundesanstalt für Finanzdienstleis- de.
tungsaufsicht (BaFin) – Bundesbehörde,
die für die Bundesaufsicht über Finanz- Bundesanzeiger  –  täglich erschei-
dienstleistungsunternehmen zuständig nende Zeitung der Bundesanzeiger Ver-
ist. Die BaFin ist eine bundesunmittelbare lags GmbH in Köln. Im amtlichen Teil ma-
ĺ Anstalt des öffentlichen Rechts mit Sitz chen Behörden Vorschriften, Mitteilun-
in Bonn und Frankfurt a.M. Sie unterliegt gen oder Entscheidungen bekannt. Im
der Rechts- und Fachaufsicht des Bundes- nicht amtlichen Teil werden z. B. Bilan-
ministers der Finanzen. Die BaFin wurde zen, Jahresabschlüsse und Einladungen zu
2002 durch Zusammenlegung der drei Hauptversammlungen veröffentlicht. Zu
ehemaligen Bundesaufsichtsämter für das ihrer Veröffentlichung sind Unternehmen
Kreditwesen, für das Versicherungswesen aufgrund von Gesetzen oder Satzung ver-
und für den Wertpapierhandel gegrün- pflichtet.  –  Seit 2007 können eine Reihe
det.  –  Der einheitlichen staatlichen Auf- gesetzlich vorgeschriebener Bekannt-
sicht durch die BaFin unterliegen ĺ Ban- machungen des Gesellschaftsrechts auch
ken, ĺ  Finanzdienstleistungsinstitute, im elektronischen Bundesanzeiger veröf-
ĺ  Versicherungsunternehmen, ĺ  Pen- fentlicht werden. Seit 2012 ist die elek-
sionsfonds und der Wertpapierhandel. tronische Veröffentlichung der Regel-
Hauptziel der Allfinanzaufsicht ist es, die fall, Druckausgaben beschränken sich auf
Funktionsfähigkeit, Stabilität und Integ- Ausnahmen. – Weitere Informationen un-
rität des deutschen Finanzmarktes zu si- ter www.bundesanzeiger.de.
chern.  –  Weitere Informationen unter
www.bafin.de. Bundesarbeitsgericht  –  oberster Ge-
Bundesanstalt für Finanzmarktstabi- richtshof des Bundes im Bereich der Ar-
lisierung (FMSA)  –  Bundesanstalt im beitsgerichtsbarkeit mit Sitz in Erfurt.
Geschäftsbereich des Bundesministe- Das  Bundesarbeitsgericht ist für Revisi-
rium der Finanzen (BMF). Sie wurde im onen und für Rechtsbeschwerden gegen
Jahre  2009 im Zuge der Finanzmarkt- Urteile der Landesarbeitsgerichte und
krise von 2008 zur Umsetzung und Über- für Nichtzulassungsbeschwerden zustän-
wachung der Stabilisierungsmaßnahmen dig. Es entscheidet in Senaten, die mit ei-
des deutschen Finanzmarktes  und  zur nem Vorsitzenden, zwei Berufsrichtern
Verwaltung des ĺ  Sonderfonds Finanz- und je einem ehrenamtlichen Richter aus
marktstabilisierung (SoFFin)  mit Sitz in den Kreisen der ĺ Arbeitnehmer und der
Fankfurt errichtet. Im Jahre 2009 erhielt ĺ  Arbeitgeber besetzt sind.  –  Vgl. auch
sie die (nicht in Anpruch genommene) ĺ Gericht. – Weitere Informationen unter
gesetzliche Möglichkeit, ĺ Bad Banks zu www.bundesarbeitsgericht.de.
Bundesauftragsverwaltung 94

Bundesauftragsverwaltung ĺ  Steuer- BfDI die gesetzliche Aufgabe, den Deut-


verwaltungshoheit. schen Bundestag und die Öffentlichkeit
Bundesausbildungsförderungsgesetz über wesentliche datenschutzrechtliche
(BAföG)  –  regelt die finanzielle Förde- Entwicklungen im privatwirtschaftlichen
rung schulischer und akademischer Aus- Bereich zu unterrichten. Er legt dem Bun-
bildungen (z. B. weiterführende Schulen, destag alle zwei Jahre einen Tätigkeitsbe-
Berufsfachschulen, Fachhochschulen und richt vor. – Der BfDI ist in der Ausübung
Universitäten). Es wird die Erstausbildung seines Amtes unabhängig. Daher  unter-
im Inland  (Inlands-BAFög) und Ausland steht er keiner Fachaufsicht, sondern nur
(Auslands-BAFög) gefördert. Die Ausbil- der Rechtsaufsicht der Bundesregierung
dungsförderung wird nur für die Studi- und der Dienstaufsicht des Bundesminis-
enregelzeit gezahlt. – Altersgrenze: Ge- teriums des Inneren (BMI). – Auf Landes-
fördert werden kann grundsätzlich nicht ebene wird der Datenschutz durch den
mehr, wer bei Beginn des Ausbildungsab- Landesdatenschutzbeauftragten und/oder
schnitts bereits das 30. Jahr vollendet hat, durch  eine Datenschutzkommission kon-
bei Masterstudiengängen das 35. Lebens- trolliert. – Weitere Informationen unter
jahr.  –  Die Höhe der Leistung wird nach www.bfdi.bund.de.
den im Gesetz genannten Bedarfssätzen Bundesergänzungszuweisungen ĺ
festgelegt. Es werden dabei Einkommen Länderfinanzausgleich.
und Vermögen des Auszubildenden, sei-
nes Ehegatten und seiner Eltern berück- Bundeserziehungsgeld ĺ  Erziehungs-
sichtigt. Schüler erhalten die Förderung geld.
als Vollzuschuss. Im Fall eines Hoch-
schulstudiums wird i.d.R. die Leistung zur Bundesfinanzhof (BFH)  –  oberster Ge-
Hälfte als Zuschuss, zur anderen Hälfte als richtshof des Bundes für ĺ Steuern und
zinsloses Darlehen gewährt.  –  Zuständig ĺ  Zölle mit Sitz in München. Der BFH
für die Durchführung ist das Amt für Aus- entscheidet als Rechtsmittelinstanz über
bildungsförderung.  –  Weitere Informatio- ĺ  Revisionen und ĺ  Beschwerden ge-
nen unter www.das-neue-bafoeg.de. gen Entscheidungen der ĺ  Finanzge-
richte. An diese Entscheidungen sind die
Bundesbank ĺ Deutsche Bundesbank. Finanzgerichte gebunden. Im Rahmen ei-
Bundesbeauftragter für den Daten- nes Gerichtsverfahrens können Steuer-
schutz und die Informationsfreiheit pflichtige bis zur Entscheidung vor dem
(BfDI)  –  Bundesbehörde, die die Einhal- BFH einen Antrag auf ĺ Aussetzung der
tung des ĺ Datenschutzes bei der Daten- Vollziehung stellen. Der BFH entscheidet
und Informationsverarbeitung der öffent- durch Senate, die mit drei Berufsrichtern
lichen Stellen des Bundes kontrolliert. Au- und zwei ehrenamtlichen Richtern be-
ßerdem berät und kontrolliert sie auch setzt sind. Bei Beschlüssen außerhalb der
bestimmte nicht öffentliche Stellen wie mündlichen Verhandlung und bei Ge-
Telekommunikations- und Postdienstun- richtsbescheiden wirken die ehrenamtli-
ternehmen sowie private Unternehmen, chen Richter nicht mit. Einfache Rechts-
die unter das Sicherheitsüberprüfungsge- fälle können auf einen Einzelrichter zur
setz fallen. Darüber hinaus obliegt dem Entscheidung übertragen werden.  –  Vgl.
95 Bundesnetzagentur

auch ĺ Gericht. –  Weitere Informationen des Bundesrechts: nach Sachgebieten ge-


unter www.bundesfinanzhof.de. ordnete Neuveröffentlichung von Rechts-
Bundesfinanzverwaltung ĺ  Finanz- vorschriften, die bei der mit dem Stand
verwaltung. 31.12.1963 abgeschlossenen Rechtsberei-
nigung als fortgeltendes Bundesrecht fest-
Bundesgerichtshof (BGH)  –  oberster gestellt worden sind. – Weitere Informatio-
Gerichtshof der Bundesrepublik Deutsch- nen unter www.bundesgesetzblatt.de.
land im Bereich der ordentlichen Ge-
richtsbarkeit, d.h. der Zivil- und Straf- Bundeskartellamt (BKartA)  –  Selbst-
rechtspflege, mit Sitz in Karlsruhe. Der ständige Bundesoberbehörde mit Sitz in
BGH ist in Zivilsachen für ĺ Revisionen Bonn, die als Kartellbehörde des Bun-
gegen Urteile der ĺ  Oberlandesgerichte des die Einhaltung des ĺ  Wettbewerbs-
(OLG) und (selten) für Sprungrevisionen rechts überwacht. Das  Bundeskartellamt
gegen Urteile von ĺ  Landgerichten zu- steht unter der Aufsicht des Bundesmi-
ständig. Weiterhin ist der BGH in Strei- nisters für Wirtschaft und Technologie,
tigkeiten des gewerblichen Rechtsschut- der dem  Bundeskartellamt lediglich all-
zes für Berufungen gegen Entscheidun- gemeine Anweisungen erteilen kann.
gen des Bundespatentgerichts (BPatG), Das  Bundeskartellamt veröffentlicht alle
in Strafsachen für Revisionen gegen Ur- zwei Jahre einen Bericht über seine Tä-
teile der Schwurgerichte und der großen tigkeit und die Lage und Entwicklung
Strafkammern der Landgerichte sowie in auf seinem Aufgabengebiet.  –  Vgl. auch
der Berufsgerichtsbarkeit für Steuerbera- ĺ Kartellbehörden. – Weitere Informatio-
ter und Wirtschaftsprüfer zuständig. Der nen unter www.bundeskartellamt.de.
BGH entscheidet in Zivil- und Strafsena-
ten, die mit jeweils fünf Richtern besetzt Bundesländer ĺ Länder.
sind.  –  Vgl. auch ĺ  Gerichte.  –  Weitere
Informationen unter www.bundesgerichts- Bundesmonopolverwaltung für Brannt-
hof.de. wein (BfB) ĺ  Branntweinmonopol,
ĺ Finanzmonopol.
Bundesgesetzblatt (BGBl)  –  amtliches
Organ zur Bekanntmachung der Bun- Bundesnetzagentur  –  Kurzbezeichnung
desgesetze und anderer Rechtsvorschrif- für: Bundesnetzagentur für Elektrizität, Gas,
ten.  –  Es umfasst folgende Teile: Teil I: Telekommunikation, Post und Eisenbah-
Bundesgesetze, Rechtsverordnungen von nen; selbstständige Bundesoberbehörde
wesentlicher oder dauernder Bedeutung im Geschäftsbereich des Bundesministe-
und Entscheidungsformeln der Urteile riums für Wirtschaft und Energie (BMWi)
des Bundesverfassungsgerichts sowie An- mit Sitz in Bonn. – Aufgabe: durch Libera-
ordnungen und Erlasse des Bundespräsi- lisierung und ĺ Deregulierung für einen
denten. Teil II: völkerrechtliche Verein- diskriminierungsfreien Netzzugang und
barungen und die zu ihrer Inkraftsetzung mehr Wettbewerb zu sorgen. Die Regu-
oder Durchsetzung erlassenen Rechtsvor- lierungsentscheidungen der  Bundesnetz-
schriften. Außerdem werden Rechtsvor- agentur werden durch Beschlusskammern
schriften auf dem Gebiet des Zolltarif- gefasst. – Weitere Infomationen unter www.
wesens veröffentlicht. Teil III: Sammlung bundesnetzagentur.de.
Bundesobligation 96

Bundesobligation  –  spezielle Form ei- seinen Geschäftsbereich selbstständig un-


ner Bundesschuldverschreibung (ĺ Bun- ter eigener Verantwortung leitet.
deswertpapiere) mit einer mittleren Lauf- Bundesrepublik Deutschland – Fi-
zeit von fünf Jahren. Bundesobligationen nanzagentur GmbH ĺ  Deutsche Fi-
sind fest verzinslich. Die Zinszahlung er- nanzagentur.
folgt jährlich und die Rückzahlung zum
ĺ Nennwert. Bundesobligationen haben Bundesschatzanweisung ĺ  Schatzan-
eine Stückelung von 0,01 Euro und kön- weisung.
nen in beliebigen Nennbeträgen gehan- Bundesschatzbrief  –  von der Bun-
delt und übertragen werden. Es werden desrepublik Deutschland ausgegebene
keine Wertpapierurkunden ausgedruckt. ĺ  Schuldbuchforderung. Die Erwerber
Die Schuldbuchforderungen werden le- erhalten über die Bundesschatzbriefe ab-
diglich in das ĺ  Bundesschuldbuch bei tretungsfähige Quittungen, jedoch keine
der ĺ  Deutschen Finanzagentur einge- Wertpapierurkunden. Die Laufzeit be-
tragen.  Bundesobligationen werden im trägt sechs Jahre bei jährlicher Zinszah-
ĺ  Tenderverfahren begeben und direkt lung (Typ A) oder sieben Jahre bei Zah-
danach an der ĺ Börse eingeführt. – Wei- lung der Zinsen mit Zinseszinsen zum
tere Informationen unter www.bundes- Zeitpunkt der Rückzahlung (Typ B).
wertpapiere.de. Die  Bundesschatzbriefe haben eine Stü-
ckelung von 0,01 Euro und einen Mindest-
Bundespräsident – Staatsoberhaupt der
anlagebetrag von 50 Euro. Bundesschatz-
Bundesrepublik Deutschland, von der
briefe können bei Banken und Sparkassen
Bundesversammlung für fünf Jahre ge-
zum Anlagebetrag erworben werden. Sie
wählt.
werden nicht an der Börse gehandelt. Sie
Bundesrat – Verfassungsorgan des Bun- können jedoch an Dritte übertragen wer-
des, durch das die ĺ  Länder nach dem den. –  Weitere Informationen unter www.
ĺ  Grundgesetz (GG) bei der Gesetzge- bundeswertpapiere.de.
bung und Verwaltung des ĺ Bundes mit- Bundesschuldbuch  –  öffentliches Ver-
wirken. zeichnis, in das Schulden und sonstige
Bundesrechnungshof ĺ  Rechnungs- Verbindlichkeiten (z. B. internationale
hof. Beitragsverpflichtungen) des Bundes und
seiner Sondervermögen eingetragen wer-
Bundesregierung – Regierung der Bun- den. Das Bundesschuldbuch wird von der
desrepublik Deutschland, bestehend aus ĺ Deutschen Finanzagentur geführt.
dem (der) Bundeskanzler(in), der (die)
vom Bundestag gewählt wird, und den Bundesschuldverschreibungen ĺ
Bundesministern, die auf Vorschlag des Bundeswertpapiere.
Bundeskanzlers bzw. der Bundeskanzle- Bundessozialgericht (BSG)  –  oberster
rin durch den ĺ  Bundespräsidenten er- Gerichtshof für Sozialgerichtsbarkeit mit
nannt und entlassen werden. Der (die) Sitz in Kassel. Das BSG ist v.a. für Revisi-
Bundeskanzler(in) bestimmt die Richtli- onen gegen Urteile der ĺ  Landessozial-
nien der Politik (Richtlinienkompetenz), gerichte zuständig. Das  BSG entscheidet
innerhalb derer jeder Bundesminister in Senaten, die mit einem Vorsitzenden,
97 Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände e. V. (BDA)

zwei Berufsrichtern und zwei ehrenamt- 598, 4 Überhangmandate und 29 Aus-


lichen Richtern besetzt sind. – Vgl. auch gleichsmandate), von denen 299 in Wahl-
ĺ Gerichte. –  Weitere Informationen un- kreisen und die übrigen nach Landeslisten
ter www.bundessozialgericht.de. gewählt wurden. Die Abgeordneten wer-
Bundesstaat  –  Zusammenschluss von den für vier Jahre von den wahlberechtig-
Gliedstaaten zu einem besonderen Ge- ten Deutschen gewählt. – Neben den ihm
samtstaat mit eigenen Organen und ei- nach dem ĺ Grundgesetz (GG) zugewie-
gener Verfassung. Letzterer wird als senen Aufgaben und Rechten ist der Bun-
ĺ Bund bezeichnet. Die Gliedstaaten ver- destag als das Repräsentationsorgan des
fügen über verfassungsmäßig gesicherte Volkes der zentrale Ort der institutiona-
eigenständige und nicht beschränkbare lisierten politischen Willensbildung auf
Kompetenzbereiche und sind an der Bil- der Ebene des Bundes. – Zu seinen verfas-
dung des Bundeswillens institutionell und sungsgemäßen Aufgaben gehören u.a.: (1)
verfassungsmäßig beteiligt. – Die bundes- die Beschlussfassung über Bundesgesetze;
staatliche Gliederung der Bundesrepublik (2) die Feststellung des Bundeshaushalts;
Deutschland ist im ĺ Grundgesetz (GG) (3) die Wahl des Bundeskanzlers; (4) die
verankert (ĺ  Föderalismus) und einer Beteiligung an der Wahl des ĺ Bundes-
Verfassungsänderung entzogen. – Anders: präsidenten; (5) das konstruktive Miss-
ĺ Staatenbund. trauensvotum gegenüber dem Bundes-
kanzler; (6) Große und Kleine Anfragen
Bundessteuern ĺ  Steuern, für die der sowie Befragung der ĺ Bundesregierung;
ĺ  Bund über die Ertragshoheit ver- (7) Einsetzung von Untersuchungsaus-
fügt.  –  1.  Bundessteuern i.e.S.: Steuern, schüssen.
deren Aufkommen allein dem Bund zu-
fließt: ĺ Zölle, ĺ Verbrauchsteuern, die Bundesverband der Deutschen Indus-
nicht den Ländern (z. B. Biersteuer), Bund trie (BDI)  –  Spitzenorganisation im Be-
und Ländern (z. B. ĺ Umsatzsteuer) oder reich der Industrieunternehmen und in-
den Gemeinden (z. B. ĺ Gewerbesteuer) dustrienahen Dienstleister. Der BDI
zustehen: u.a.: Branntweinsteuer, Energie- wurde 1949 gegründet. Sitz in Berlin. Auf-
steuer, Kaffeesteuer, Schaumweinsteuer, gabe des BDI ist v.a. die Förderung aller
Solidaritätszuschlag, Stromsteuer, Tabak- gemeinsamen wirtschaftspolitischen Be-
steuer, Versicherungsteuer sowie Abga- lange der in ihm zusammengeschlossenen
ben im Rahmen der EU. – 2.  Bundessteu- Industriezweige. –  Weitere Informationen
ern i.w.S.: Gesamtheit der dem Bund zu- unter www.bdi.eu.
stehenden Steuereinannahmen, die aus Bundesvereinigung der Deutschen Ar-
den  Bundessteuern i.e.S. und dem Bun- beitgeberverbände e. V. (BDA)  –  Zu-
desanteil an den ĺ  Gemeinschaftssteu- sammenschluss von Arbeitgeberverbän-
ern besteht.  –  Vgl. auch ĺ  Gemeinde- den der deutschen Privatwirtschaft mit
steuern, ĺ Landessteuern. Sitz in Berlin. Die Aufgaben der BDA
Bundestag – Deutscher Bundestag. Volks- sind v.a. die Wahrnehmung der gemein-
vertretung der Bundesrepublik Deutsch- schaftlichen sozialpolitischen Belange auf
land in Berlin mit (im 18. Deutschen Bun- Bundes-, europäischer und internationa-
destag) 631 Abgeordneten (Reguläre Sitze ler Ebene, u.a. in Fragen der Sozial- und
Bundesverfassungsgericht (BVerfG) 98

Tarifpolitik, des Arbeitsrechts und Ar- Bundeszuschüsse und sonstigen Zuwei-


beitsmarktes, der Bildungs-, Personal- sungen an die ĺ  Rentenversicherung,
und Gesellschaftspolitik einschließlich die Zulassung von Behandlungsprogram-
der europäischen und internationalen So- men für chronisch Kranke, die Durchfüh-
zialpolitik. –  Weitere Informationen unter rung des Finanzausgleichs in der sozia-
www.arbeitgeber.de. len Pflegeversicherung und des ĺ Risiko-
strukturausgleichs und seit dem 1.1.2009
Bundesverfassungsgericht (BVerfG)  –
für die Verwaltung des Gesundheits-
höchstes Bundesgericht mit Sitz in Karls-
fonds (ĺ Gesundheitsreform) zuständig.
ruhe. Es wacht über die Einhaltung des
Schließlich ist das BVA Zahlstelle für das
ĺ  Grundgesetzes (GG) der Bundesre-
ĺ  Mutterschaftsgeld und in die Ausbil-
publik Deutschland („Hüter der Verfas-
dung des qualifizierten Nachwuchses der
sung“). Das  Bundesverfassungsgericht
Sozialversicherungsträger eingeschal-
ist für Verfassungsstreitigkeiten zwi-
tet.  –  Weitere Informationen unter www.
schen Bund und Ländern, zwischen ver-
bundesversicherungsamt.de.
schiedenen Bundesorganen und zwi-
schen verschiedenen Ländern zuständig. Bundesversicherungsanstalt für An-
Im Rahmen des sog. Normenkontroll- gestellte (BfA)  –  früherer Versiche-
verfahrens überprüft das  Bundesverfas- rungsträger, der für die Durchführung
sungsgericht ein Gesetz auf seine Verein- der Rentenversicherung für Angestellte
barkeit mit der Verfassung. Außerdem ist verantwortlich war; seit 1.10.2005 in der
das Bundesverfassungsgericht für alle an- ĺ Deutschen Rentenversicherung aufge-
deren im Grundgesetz vorgesehenen Fälle gangen.
wie z. B. Verfassungsbeschwerden, Rich- Bundesverwaltungsgericht (BVerwG) –
teranklagen, Verfassungswidrigkeit von oberster Gerichtshof der für die allge-
Parteien und über die Verwirkung von meine Verwaltungsgerichtsbarkeit mit
ĺ  Grundrechten zuständig. Entschei- Sitz in Leipzig. Das BVerwG ist v.a. für
dungen des  Bundesverfassungsgerichts ĺ Revisionen gegen Urteile der ĺ Ober-
haben z.T. Gesetzeskraft.  –  Das  Bundes- verwaltungsgerichte (OVG) zuständig,
verfassungsgericht besteht aus zwei Se- außerdem für Streitigkeiten zwischen
naten mit jeweils acht Richtern, die für Bund und Ländern, zwischen Ländern
zwölf Jahre gewählt werden.  –  Vgl. auch untereinander, für Klagen auf den Ge-
ĺ Gerichte. –  Weitere Informationen un- bieten des Vereinsrechts und des Versi-
ter www.bundesverfassungsgericht.de. cherungsaufsichtsrechts. Das  Bundes-
Bundesversicherungsamt (BVA)  – verwaltungsgericht entscheidet in Sena-
selbstständige Bundesbehörde im Ge- ten, die i.d.R. mit fünf Richtern besetzt
schäftsbereich des Bundesministers für sind.  –  Vgl. auch ĺ  Gerichte.  –  Weitere
Arbeit und Soziales mit Sitz in Bonn. Ker- Informationen unter www.bverwg.de.
naufgabe des BVA ist die Rechtsaufsicht Bundeswertpapiere  –  Oberbegriff für
über die bundesunmittelbaren Träger der alle Schuldverschreibungen (ĺ  Anlei-
ĺ  Sozialversicherung. Darüber hinaus hen), die vom Bund und seinen ĺ Son-
ist es für eine Reihe von Verwaltungsauf- dervermögen begeben werden.  –  Kon-
gaben wie z. B. die Bewirtschaftung der krete Formen: ĺ  Bundesanleihe,
99 Bürgschaft

ĺ  Bundesobligation, ĺ  Bundes- Nach den Wahlen 2002 war das Bündnis


schatzbrief, Bundesschatzanweisungen für Arbeit nicht mehr aktiv.
(ĺ  Schatzanweisungen), ĺ  Finanzie- Bürgerliches Gesetzbuch (BGB)  –  seit
rungsschätze, Inflationsindexierte Bun- 1900 in Kraft. Das BGB ist die wichtigste
desanleihen und -obligationen, Un- Grundlage des ĺ  Bürgerlichen Rechts.
verzinsliche Finanzierungsschätze, Das BGB ist in fünf Bücher unterteilt: (1)
Fremdwährungsanleihen.  –  Weitere Allgemeiner Teil (z. B. Regelungen über
Informationen unter www.bundeswert- Geschäftsfähigkeit), (2) Schuldrecht (z. B.
papiere.de. Kaufvertrag, Werkvertrag, Mietvertrag),
Bundeswertpapierverwaltung ĺ (3) Sachenrecht (z. B. Besitz, Eigentum),
Deutsche Finanzagentur. (4) Familienrecht (z. B. Ehe, Vormund-
schaft) und (5) Erbrecht.
Bundeszentralamt für Steuern
(BZSt)  –  Bundesoberbehörde der ĺ  Fi- Bürgerliches Recht  –  1.  Bürgerliches
nanzverwaltung mit einer Vielzahl von Recht i.w.S.: Recht, das als Teil des Privat-
Zuständigkeiten, u.a. zur Vergabe der rechts die Rechtsbeziehungen der natür-
ĺ  Steuer-Identifikationsnummern und lichen und juristischen Personen regeln.
der ĺ  Umsatzsteuer-Identifikations- Zum  Bürgerlichen Recht zählen bspw.
nummern sowie im Bereich der ĺ Um- auch das Gesellschaftsrecht (z. B. Akti-
satzsteuer. – Weitere Informationen unter engesetz, GmbH-Gesetz), das Handels-
www.bzst.de. recht und die ĺ  gewerblichen Schutz-
rechte.  –  Gegensatz: ĺ  Öffentliches
Bund-Future – Euro-Bund-Future. ĺ Fu- Recht.  –  2.  Bürgerliches Recht i.e.S.: Im
ture, der auf einer idealtypischen ĺ Bun- ĺ  Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB) und
desanleihe beruht. Der Bund-Future wird dessen Nebengesetzen geregeltes Recht.
an der ĺ  EUREX gehandelt. Grundlage
des Termingeschäfts ist eine aus einem Bürgerrechte ĺ Grundrechte.
Korb lieferbarer Anleihen berechnete, fik- Bürgerversicherung  –  Vorschlag zur
tive Bundesanleihe mit einer Verzinsung Reform der gesetzlichen ĺ  Kranken-
von 6 % und einer Restlaufzeit zwischen versicherung. Bei der  Bürgerversiche-
8,5 bis 10,5 Jahren. Das Emissionsvolu- rung sollen alle Einkunftsarten und alle
men muss mind. 5 Mrd. Euro betragen, Bevölkerungskreise (auch Beamte und
der Kontraktwert beträgt 100.000 Euro. Selbstständige) zur Finanzierung der ein-
Bündnis für Arbeit –  Bündnis für Arbeit, heitlichen Gesundheitsversorgung heran-
Ausbildung und Wettbewerbsfähigkeit, Ge- gezogen werden.
sprächsrunde von Bundesregierung, Ver- Bürgschaft  –  schriftliche Erklärung, die
tretern der Wirtschaftsverbände und der den Bürgen gegenüber dem Gläubiger
Gewerkschaften unter Vorsitz des Bun- verpflichtet, für die Erfüllung einer Ver-
deskanzlers. Sie wurde 1998 ins Leben ge- bindlichkeit durch den Schuldner ein-
rufen. Ziel der Gespräche war es, gemein- zustehen. D.h., der Bürge muss die Ver-
sam auf den Abbau der Arbeitslosigkeit pflichtungen des Schuldners gegenüber
hinzuarbeiten und die Wettbewerbsfähig- dem Gläubiger erfüllen.  –  Grundsätz-
keit der Wirtschaft nachhaltig zu stärken. lich hat der Gläubiger zuerst durch
Burn-out 100

ĺ  Zwangsvollstreckung beim Schuld- muss nach dem Standard des ĺ  Ein-


ner die Schuld einzutreiben. Bei der sog. heitlichen Euro-Zahlungsverkehrsraums
selbstschuldnerischen  Bürgschaft verzich- (SEPA) (SEPA-Standard) der BIC vorü-
tet der Bürge allerdings darauf.  –  Wich- bergehend noch bis zum 1.2.2016 neben
tige Arten der Bürgschaft sind: (1) Aus- ĺ IBAN verwendet werden.
fallbürgschaft: Der Bürge kann nur dann
Business Plan  –  Geschäftskonzept, Ge-
in Anspruch genommen werden, wenn
schäftsplan. Beschreibung eines unter-
ihm der Gläubiger nachweist, dass eine
nehmerischen Vorhabens. Im  Business
Zwangsvollstreckung gegen den Schuld-
Plan werden v.a. die unternehmerischen
ner erfolglos war. (2) Höchstbetragsbürg-
Ziele, geplante Strategien und Maßnah-
schaft: Vertragliche Begrenzung der Bürg-
men sowie die Rahmenbedingungen in-
schaft auf einen maximalen Betrag. (3)
haltlich und zahlenmäßig dargestellt. Bu-
Zeitbürgschaft: Durch eine entsprechende
siness Pläne werden für Phasen von be-
Vereinbarung erlischt die Haftung zu ei-
sonderer strategischer Bedeutung erstellt,
nem bestimmten Zeitpunkt bzw. nach ei-
z. B. Gründungsvorhaben, Einführung
ner bestimmten Frist. (4) Nachbürgschaft:
von neuen Produkten, Vorbereitung des
Für den Fall, dass ein Hauptbürge nicht
Börsengangs, Vorbereitung von Beteili-
zahlen kann, haftet dann ein Nachbürge.
gungen und strategischen Allianzen sowie
(5) Rückbürgschaft: Wenn der Bürge die
Umstrukturierungsmaßnahmen.
Hauptschuld erfüllt hat, hat er gegenüber
dem Hauptschuldner einen Rückgriffsan- Business Process Reengineering – Ana-
spruch, der durch einen weiteren Bürgen lyse der ĺ  Ablauforganisation und der
(Rückbürgen) abgesichert werden kann. ĺ  Aufbauorganisation eines Unterneh-
mens mit dem Ziel, ĺ Geschäftsprozesse
Burn-out – Stressreaktion. Ein Burn-out
und Strukturen eines Unternehmens ef-
ist dadurch gekennzeichnet, dass meist
fizienter zu gestalten.  Dabei sollen alle
ehemals beruflich sehr engagierte Perso-
Tätigkeiten aufgedeckt werden, die nicht
nen emotional erschöpft sind und in ih-
wettbewerbs- oder kundennutzenori-
rer Arbeitstätigkeit keine Erfüllung mehr
entiert sind. Diese sollen anschließend
finden.
durch eine radikale Neugestaltung der
Business AG ĺ kleine Aktiengesellschaft. Geschäftsprozesse beseitigt werden.
Business Angel  –  vermögende Privat- Business-to-Business-Markt  –  B2B.
person, die mit eigenem Kapital und be- Marktform, bei der das Angebot von Un-
ruflichen Erfahrungen junge Unterneh- ternehmen  an Unternehmen als Nach-
men (sog. ĺ  Start-up-Unternehmen) un- frager erfolgt. Der Begriff B2B dient v.a.
terstützen. der Abgrenzung der Marktbereiche, in
die das ĺ  Electronic Business eingeteilt
Business Identifier Code (BIC)  –  In-
wird. – Vgl. auch ĺ Business-to-Consu-
ternationaler Bank-Code, mit dem
mer-Markt (B2C), ĺ  Consumer-to-
sich Banken weltweit identifizieren las-
Consumer-Markt (C2C).
sen. Er umfasst  11 Stellen (Buchstaben
und Zahlen).  Bei grenzüberschreiten- Business-to-Consumer-Markt  –  B2C;
den Überweisungen und Lastschriften Marktform, in der das Angebot von
101 BWL

Unternehmen an ĺ  Konsumenten bzw. Buying Center  –  Einkaufsgremium; alle


Endverbraucher als Nachfragern erfolgt. an der ĺ Beschaffung eines Gutes betei-
Der Begriff B2C dient v.a. der Abgrenzung ligten Personen. V.a. bei der Beschaffung
der Marktbereiche, in die das ĺ Electro- von Investitionsgütern sind häufig meh-
nic Business eingeteilt wird.  –  Vgl. auch rere Funktionsträger (z. B. Geschäftsfüh-
ĺ  Business-to-Business-Markt (B2B), rer, Einkaufsleiter und Entwickler) betei-
ĺ Consumer-to-Consumer-Markt (C2C). ligt.
Bußgeld – Strafe bei ĺ Ordnungswidrig- BVJ  –  Abk. für ĺ  Berufsvorbereitungs-
keiten. Ein Bußgeld wird von der zustän- jahr (BVJ).
digen Verwaltungsbehörde durch einen BWL  –  Abk. für ĺ  Betriebswirtschafts-
Bußgeldbescheid festgesetzt. lehre (BWL).
c.p.  –  Abk. für ceteris paribus, ĺ  Cete-
C
der ĺ Kundenzufriedenheit und ĺ Kun-
ris-Paribus-Annahme. denbindung. – Vgl. auch ĺ Direktmarke-
C2C ĺ Consumer-to-Consumer-Markt. ting, ĺ Telefonverkauf.
CAD – Abk. für Computer Aided Design, Call Money  –  1.  Geldanlage bei einer
computergestütztes Konstruieren und Bank, für die keine bes. Laufzeit verein-
Entwickeln von Produkten und Werkzeu- bart wird. Sie kann eintägig (One Day
gen. Vorteile des CAD sind eine wesent- Notice) oder zweitägig (Two Days Notice)
liche Erleichterung von Neukonstrukti- gekündigt werden.  –  2.  Täglich fälliges
onen und Konstruktionsänderungen so- Geld an ĺ Geldmärkten. – 3. In Deutsch-
wie Zeit- und Kostenersparnis.  –  Arten: land wird der Begriff Call Money auch für
a) 2D-Geometrie-System: zweidimensio- ĺ Tagesgeld verwendet.
nale Darstellung in Ebenen. b) 3D-Geo-
Call Option ĺ Call.
metrie-System: dreidimensionale Darstel-
lung mit Kanten-, Flächen- und Volu- CAM – Abk. für Computer Aided Manu-
menmodellen. – Vgl. auch ĺ Concurrent facturing. Computergestützte Produktion
Engineering. sowie Produktionssteuerung und -über-
Call  –  Kurzbezeichnung für Call Option wachung. Im Rahmen von CAM erfolgt
(Kaufoption). Ein  Call gibt dem Inha- die Fertigungssteuerung durch Einsatz
ber (Käufer) gegen Zahlung der Options- von CNC-Technik, computergestützten
prämie das Recht (ĺ Option), einen ver- Transportsystemen, flexiblen Fertigungs-
einbarten Geschäftsgegenstand (Basis- systemen oder Industrierobotern.  –  Vgl.
objekt) zu einem festgelegten Basispreis auch ĺ PPS-System.
zu einem bestimmten Termin oder in ei- Cap  –  Begriff aus dem Börsenwesen für
nem bestimmten Zeitraum zu kaufen. die Vereinbarung einer Zinsbegrenzung
Der Verkäufer (Stillhalter) der Option hat zwischen Verkäufer und Käufer. Der
die Pflicht zu verkaufen, wenn der Käu- Cap-Verkäufer garantiert dem Cap-Käu-
fer sein Recht ausübt. – Gegensatz: ĺ Put fer die Zahlung der Differenz zwischen
(Verkaufsoption). dem vereinbarten Cap und dem darüber
Callcenter  –  Kommunikationszentrum, liegenden tatsächlichen Marktzinssatz für
in dem Kundenkontakte mittels moder- ein variabel verzinsliches ĺ  Finanzinst-
ner Kommunikationsmittel (z. B. Tele- rument (z. B. ĺ Floating Rate Note). Der
fon, ĺ  E-Mail, ĺ  Internet) abgewickelt Verkäufer erhält bei Vertragsabschluss
werden. In  Callcentern werden sowohl eine einmalige Prämie. Diese hängt im
Kundenanfragen von Spezialisten bear- Wesentlichen von der Höhe des Caps,
beitet als auch Kunden aktiv angespro- dem aktuellen Marktzinssatz, der Laufzeit
chen.  Callcenter sind häufig ausgeglie- und der Schwankungsbreite (ĺ  Volatili-
derte Organisationseinheiten oder selbst- tät) des ĺ Referenzzinssatzes (z. B. ĺ LI-
ständige Unternehmen. Callcenter dienen BOR) ab. Der Cap wird zur Absicherung
Springer Fachmedien Wiesbaden (Hrsg.), Kompakt-Lexikon Wirtschaft,
DOI 10.1007/978-3-658-05791-6_3, © Springer Fachmedien Wiesbaden 2014
CAP 104

gegen steigende Zinsen eingesetzt.  –  Ge- Cashflow  –  Liquiditätszufluss. Wichtige


gensatz: ĺ Floor. betriebswirtschaftliche ĺ  Kennzahl zur
CAP – Abk. für Computer Aided Planning. Bewertung der Finanz- und Ertragslage
Computergestützte Arbeitsplanung. Im eines Unternehmens. Der  Cashflow ist
Rahmen von CAP werden Arbeitspläne der Überschuss der ĺ Einzahlungen über
zur Produktion eines Erzeugnisses auf die ĺ  Auszahlungen, d.h. der Nettozu-
der Grundlage geometrischer Daten von gang an flüssigen Mitteln aus dem Umsatz
ĺ  CAD sowie weiterer technologischer und sonstigen Aktivitäten eines Unter-
Informationen über Materialeigenschaf- nehmens. Er wird abgeleitet aus den Da-
ten erstellt. ten des ĺ Jahresabschlusses, v.a. aus der
ĺ Gewinn- und Verlustrechnung (GuV).
Cargoversicherung ĺ  Transportversi- Der Net Operating Cashflow bezieht sich
cherung. nur auf Zahlungen aus der Produktions-
Carrier ĺ Verfrachter. und Absatztätigkeit, der gesamte Cashflow
Carry-over-Effekt  –  Begriff aus dem berücksichtigt zusätzlich Zahlungen aus
ĺ  Marketing. Der  Carry-over-Effekt ist Finanzierungs-, Investitions- und Aus-
die Wirkungsverzögerung beim Einsatz schüttungsentscheidungen.  –  Vgl. Abb.
absatz- oder marketingpolitischer Maß- „Cashflow“.
nahmen, v.a. von Werbemaßnahmen.
Case Management – Organisationsform
im ĺ  Marketing, bei der jeder Auftrag
als ein Geschäftsvorfall behandelt wird.
Der Kunde wird während des gesam-
ten Auftragsablaufs nur von einer Person
(sog. Case Manager) oder Stelle betreut.
Das  Case Management eignet sich v.a.
für Unternehmen, deren Produkte und
Dienstleistungen eine komplexe Marktbe-
arbeitung und eine enge und kontinuierli-
che Betreuung des Kunden erfordern.
Cash-and-Carry-Großhandel (CC)  –
Selbstbedienungsgroßhandel. Betriebsform
des Großhandels (ĺ Betriebsformen des
Handels), in der nach dem Prinzip der
Selbstbedienung ein großes Sortiment
von Konsumgütern v.a. Gewerbetreiben-
den (z. B. Einzelhändlern, Gastwirten,
Großverbrauchern und sonstigen gewerb-
lichen Verwendern) angeboten wird. Der
Kunde sucht die Ware selbst aus, bringt sie
zur Kasse, zahlt bar und transportiert sie
zum Ort der Verwendung.
105 Charge

Cashflow Statement ĺ  Kapitalfluss- CD –  Abk. für ĺ Certificate of Deposit.


rechnung. CDAX – Abk. für Composite DAX, ĺ Ak-
Cash Management – Steuerung der täg- tienindex, der die Wertentwicklung al-
lichen Gelddispositionen eines Unterneh- ler deutschen Aktien im ĺ General Stan-
mens. Als Instrument der ĺ  Finanzpla- dard und im ĺ  Prime Standard abbil-
nung ist das Cash Management kurzfristig det. Er wird von der ĺ Deutschen Börse
(mit einem Planungshorizont von we- AG berechnet und veröffentlicht. Der
nigen Tagen) ausgerichtet und plant die ĺ Deutsche Aktienindex ĺ (DAX) um-
ĺ  Liquidität für die unmittelbar bevor- fasst demgegenüber nur 30 Standard-
stehenden Tage anhand der verfügbaren werte.  –  Weitere Informationen unter
Informationen über ein- und ausgehende www.deutsche-boerse.com.
Zahlungsströme auf den zu disponieren- Certificate of Deposit (CD)  –  Deposi-
den Konten. Hauptaufgabe ist die stö- tenzertifikat; eine verbriefte ĺ  Termin-
rungsfreie Abwicklung des ĺ Zahlungs- einlage von Nicht-Banken bei Banken.
verkehrs auf der Grundlage der bei den Der Anleger einer bestimmten Mindest-
Kreditinstituten eingeräumten Kreditli- summe festverzinslicher Termineinlagen
nien sowie die kurzfristige Anlage über- erhält dafür ein Depositenzertifikat. Die-
schüssiger ĺ  Liquidität. Von der Kre- ses ist ein fungibles Wertpapier mit Lauf-
ditwirtschaft wird  Cash Management im zeiten von i.d.R ein bis sechs Monaten,
Rahmen des ĺ  Electronic Banking als das auch vor Fälligkeit veräußert werden
Dienstleistung angeboten. kann. CD unterliegen der ĺ Mindestre-
serve.
Category Management  –  Warengrup-
penmanagement. Konzept im Einzel- Ceteris-Paribus-Annahme –  Ceteris-Pa-
handel zur Umsetzung des ECR-Ansat- ribus-Klausel. Begriff aus der Wissen-
zes (ĺ  Efficient Consumer Response) schaftstheorie, der besagt, dass bei der
im Rahmen der ĺ  Sortimentspolitik. Analyse eines Zusammenhangs nur eine
Grundidee ist die Führung von Waren- betrachtete Variable verändert wird, wäh-
gruppen, die aus Sicht des Kunden zu- rend alle anderen gedanklich konstant
sammengehören (sog. Categories), als (ceteris paribus oder c.p.) gehalten wer-
Strategische Geschäftseinheiten (SGE) den. – Vgl. auch ĺ Partialanalyse.
(ĺ  Strategische Geschäftsfelder). Diese Change Management  –  Reorganisa-
sollen in einem kooperativen Prozess zwi- tion. Begriff für die laufende Anpassung
schen Hersteller und Händler optimiert von Unternehmensstrategien und -struk-
werden. Verantwortlich für die Umset- turen an veränderte Rahmenbedingun-
zung (vom Einkauf bis zum Verkauf) ist gen (ĺ Flexibilität). Das Change Manage-
auf der Handelsseite der Category Mana- ment soll ein Unternehmen ständig plan-
ger, dessen Zielvorgabe die Optimierung voll weiterentwickeln. Zu Ansätzen des
der Deckungsbeiträge der gesamten Wa- Change Managements zählen Konzepte
rengruppe ist. des Reengineerings sowie der ĺ Organi-
CC – Abk. für ĺ Cash-and-Carry-Groß- sationsentwicklung.
handel. Charge ĺ Chargenproduktion.
Chargenproduktion 106

Chargenproduktion  –  diskontinuierli- Chipkarte – spezielle Plastikkarte, in die


che Produktion. ĺ  Produktionsverfah- ein Chip mit unterschiedlichen Funktio-
ren, bei dem die Werkstoffe mit zeitlicher nen integriert ist. Zu unterscheiden sind
Unterbrechung (diskontinuierlich) in das Speicherkarten mit Datenspeicherfunk-
Arbeitssystem eingegeben und chargen- tion (z. B. Krankenversicherungskarte, Te-
oder partieweise be- und verarbeitet wer- lefonkarte) und Prozessorkarten mit ei-
den. Eine Charge oder Partie ist eine be- nem Mikroprozessor, der den Ablauf an-
stimmte nach oben begrenzte Menge von wendungsspezifischer Programme, z. B.
Einsatzgütern, die als Ganzes den Produk- zum Zugriffsschutz, erlaubt. Anwendung
tionsprozess durchlaufen. Bei der  Char- derzeit v.a. als ĺ  Zahlungskarte und als
genproduktion ist die Begrenzung der je- ĺ Debitkarte.
weiligen Produktionsmenge durch das
Fassungsvermögen der Produktionsanla- CIF  –  Abk. für Cost, Insurance, Freight
gen bestimmt. Im Unterschied dazu ist die (Kosten, Versicherung, Fracht), vgl. ĺ In-
Begrenzung bei der Partieproduktion na- coterms.
tur- oder beschaffungsbedingt (z. B. bei CIM – Abk. für Computer Integrated Ma-
Naturstoffen). nufacturing. Computergestützte Planung,
Chart  –  grafische Darstellung einer Da- Steuerung und Kontrolle der Produktion.
tenreihe, die in der technischen ĺ Akti- CIM umfasst ĺ  CAD (Computer Ai-
enanalyse die Kursentwicklung aufzeigt. ded Design), ĺ  CAP (Computer Aided
Gebräuchliche Formen des  Charts sind Planning) und ĺ  CAM (Computer Ai-
Linien-, Balken-, Candlestick- und Point- ded Manufacturing) sowie CAQ (Compu-
and-Figure-Charts. Der Analyst leitet aus ter Aided Quality Assurance), die compu-
dem Verlauf mögliche Trends der Kurs- tergestützte Qualitätssicherung und -kon-
entwicklung ab. trolle.

Charta der Grundrechte  –  Die Grund- CIP  –  Abk. für Carriage and Insurance
rechte-Charta wurde im Jahre 2000 in Paid (Transport und Versicherung ge-
Nizza von den Präsidenten des Europäi- zahlt), ĺ Incoterms.
schen Parlaments, des ĺ Rates der Euro- Clearing  –  Abrechnung. Begriff aus dem
päischen Union und der ĺ Europäischen Zahlungsverkehr: die gegenseitige Auf-
Kommission unterzeichnet. Sie wurde und Verrechnung von Forderungen und
vom Konvent ausgearbeitet und beruht Verbindlichkeiten von Geschäftspartnern
auf den gemeinsamen Verfassungstradi- über eine zentrale Stelle. Beim Nettoclea-
tionen, den einschlägigen internationalen ring werden nur die Beträge zwischen den
Verträgen und der Rechtsprechung des Teilnehmern ausgetauscht, die sich aus
ĺ  Europäischen Gerichtshofs (EUGH) der Saldierung von Forderungen und Ver-
und des Europäischen Gerichtshofs für bindlichkeiten ergeben, während beim
Menschenrechte.  –  Im Vertrag von Lis- Bruttoclearing jede Zahlung (ohne Saldie-
sabon  wurde der Charta Rechtsverbind- rung) einzeln ausgeführt wird. Ein Clea-
lichkeit verliehen und zu diesem Zweck ringsystem ist bspw. ĺ TARGET.
im Dezember 2007 ein zweites Mal pro-
klamiert. Cluster ĺ Clusteranalyse.
107 Common Stock

Clusteranalyse  –  deskriptive Methode ĺ  Marken kooperierender Anbieter für


der multivariaten ĺ Statistik, bei der zur die Nachfrager wahrnehmbar ein Leis-
Strukturierung von Beobachtungswer- tungsangebot im Verbund markieren. Die
ten möglichst homogene und untereinan- Kooperationspartner erhoffen sich davon
der möglichst unterschiedliche Gruppen eine Imageverbesserung und Verbreite-
(sog. Cluster) gebildet werden. Die Clus- rung ihrer Markenkompetenz.
teranalyse wird bspw. im ĺ  Marketing Collaborative Business  –  die unterneh-
zur Bildung von Kundengruppen bzw. mensübergreifende Zusammenarbeit al-
ĺ Marktsegmentierung eingesetzt. ler an einer ĺ  Wertschöpfungskette Be-
CLV  –  Abk. für ĺ  Customer Lifetime teiligten, vom Rohstofflieferanten bis zum
Value. Kunden. Ziel des  Collaborative Business
ist es, technologische und Wettbewerbs-
Coaching  –  Konzept der ĺ  Personal- vorteile zu erreichen, die als einzelnes
entwicklung, bei dem die Aufgabe ei- Unternehmen nicht möglich wären. Zur
ner Führungskraft darin gesehen wird, Umsetzung des  Collaborative Business
durch individuelle Betreuung der Mitar- in die Praxis sind geeignete Organisati-
beiter auf deren Leistungsverhalten ein- onsformen wie z. B. überbetriebliche Ar-
zuwirken, einen Ausgleich zwischen Un- beitsgruppen sowie Internetvernetzung
ternehmensanforderungen und Mitar- (ĺ Internet) erforderlich.
beiterbedürfnissen zu schaffen und damit
Commercial Banking ĺ Bankgeschäfte,
Hilfestellung zur Selbstmotivation zu ge-
die sich auf das Einlagen- und Kreditge-
ben. Z.T. wird zu diesem Zweck auch ein
schäft sowie den zugehörigen Zahlungs-
geschulter Berater (sog. Coach) einge-
verkehr erstrecken. – Gegensatz: ĺ Inves-
setzt. – Anders: ĺ Mentoring.
tment Banking.
Coase-Theorem  –  von R. Coase (briti- Commercial Paper (CP)  –  unbesicherte
scher Wirtschaftswissenschaftler und Inhaberschuldverschreibungen (ĺ  An-
Nobelpreisträger, geb. 1910) begrün- leihe), die ähnlich wie Sola-Wechsel
detes Theorem der Umwelt- und Res- (ĺ  Wechsel) Zahlungsversprechen be-
sourcenökonomik, nach dem unter be- inhalten. Ihre Laufzeit kann von zwei Ta-
stimmten Voraussetzungen (vollständige gen bis zu zwei Jahren reichen. CP werden
Information, klar definierte ĺ  Verfü- nur von Banken und Unternehmen erster
gungsrechte, wenige Beteiligte) durch eine Adresse (mit hoher ĺ Kreditwürdigkeit)
Verhandlungslösung ein optimales Niveau ausgegeben.
von ĺ  externen Effekten erzielt werden
kann. So zahlt z. B. der Verursacher ei- Commodity – englischer Begriff für Roh-
nes Umweltschadens den Geschädigten stoff oder ĺ Ware. Dies sind z. B. Kakao,
eine Entschädigung in der Höhe, bei der Zucker und Getreide. Commodities wer-
die Grenzvermeidungskosten gleich den den an Waren- und Warenterminbörsen
Grenzkosten der Schädigung sind (sog. (ĺ Börse) gehandelt.
Haftungsregel). Commodity Future ĺ Future.
Co-Branding  –  Markenallianz. Mar- Common Share ĺ Stammaktie.
ketingstrategie, bei der zwei oder mehr Common Stock ĺ Stammaktie.
Company Brand 108

Company Brand ĺ Dachmarke. Computerhandel ĺ Computerbörse.


Compliance – Handeln in Übereinstim- Computer Integrated Manufacturing
mung mit den Compliance-Regeln für ĺ CIM.
Mitarbeiter von Unternehmen und Wert-
Concurrent Engineering –  simultaneous
papierhandelsunternehmen, die über In-
Engineering. Konstruktionsmethode, bei
sider-Informationen verfügen. Nach dem
der die Arbeitsschritte weitgehend paral-
Wertpapierhandelsgesetz (WpHG) von
lel erfolgen.  Concurrent Engineering ist
1998 dürfen Mitarbeiter bei Börsenge-
wegen der kürzeren ĺ  Produktlebens-
schäften (mit Wertpapieren, Derivaten,
zyklen, des Kostendrucks im Bereich der
Devisen oder Edelmetallen) nicht gegen
Entwicklung und der zunehmenden In-
die Interessen des eigenen Unternehmens
tegration von Informationstechnologien
und gegen die Interessen ihrer Kunden
von wachsender Bedeutung.
verstoßen. Ziel ist es, ĺ Insidergeschäfte,
ĺ  Geldwäsche und Terrorismusfinan- Constant Returns to Scale ĺ  Ska-
zierung, Marktmanipulation und ĺ Kor- lenertrag.
ruption zu verhindern sowie den ĺ Da- Consulting  –  individuelle Aufarbeitung
tenschutz zu wahren. Es gehört zu den betriebswirtschaftlicher Problemstellun-
organisatorischen Pflichten eines Wert- gen durch Interaktion zwischen einem ex-
papierdienstleistungsunternehmens eine ternen, unabhängigen Berater oder einer
Compliancestelle einzurichten, die die Beratungsgesellschaft und einem um Rat
Einhaltung dieser Regeln sicherstellt. suchenden Klienten.  –  Je nach Einfluss-
Composite DAX ĺ CDAX. grad und Beteiligungsintensität des Be-
Computer Aided Design ĺ CAD. raters werden verschiedene Beratungsar-
ten unterschieden: Problemlösungsbera-
Computer Aided Manufacturing
tung (der Berater als neutraler Dritter),
ĺ CAM.
Krisen- und Sanierungsberatung (der Be-
Computer Aided Planning ĺ CAP. rater als Krisenmanager) oder laufende
Computer Aided Quality Assurance Beratung mit Eingriffsmöglichkeiten in
(CAQ) ĺ CIM. Abstimmung mit dem Klienten (der Bera-
Computerbörse – Computerhandel, elek- ter als Interventionist).  –  Unternehmens-
tronisches Handelssystem. ĺ  Börse, de- beratung ist der Teilbereich des Consul-
ren Geschäftstätigkeit (Auftragseingabe ting, der auf Unternehmen abstellt. Ne-
und -weiterleitung, die Zusammenfüh- ben der Unternehmensberatung, die den
rung von Kauf- und Verkaufsorder sowie größten Anteil ausmacht, werden zuneh-
die ĺ  Börsenpreisfeststellung) über ein mend auch Beratungsleistungen für an-
elektronisches Handelssystem organisiert dere Organisationstypen wie Verwaltung
ist. Die Marktteilnehmer treten weder oder ĺ  Non-Profit-Organisationen an-
persönlich noch telefonisch in Kontakt. geboten. – Im Consulting wird i.d.R. nicht
Wichtige  Computerbörsen in Deutsch- mehr zwischen Personal- und Unterneh-
land sind ĺ EUREX und ĺ XETRA der mensberatung getrennt.
ĺ  Deutschen Börse AG.  –  Gegensatz: Consumer-to-Consumer-Markt  –  C2C;
ĺ Parkettbörse. Marktform, bei der das Angebot von
109 Corporate Design

ĺ  Konsumenten an Konsumenten als Zeitungen.  –  Gegensatz: ĺ  Shopping


Nachfrager gerichtet ist. Der Kontakt er- Goods, ĺ Specialty Goods.
folgt durch die neuen Möglichkeiten des
Convertible Bond ĺ Wandelanleihe.
ĺ  Electronic Commerce (E-Commerce)
i.d.R. über ĺ  Internet im Rahmen von Copyright  –  angloamerikanische Be-
Internetauktionen oder virtuellen Markt- zeichnung für ĺ  Urheberrecht an Wer-
plätzen. Eine der bekanntesten C2C-Platt- ken der Literatur, Tonkunst, bilden-
formen ist ebay. Der Begriff C2C dient v.a. den Kunst und Fotographie zur Erlan-
der Abgrenzung der Marktbereiche, in gung des Urheberrechtsschutzes in den
die das ĺ  Electronic Business eingeteilt USA. Das  Copyright unterliegt gewis-
wird.  –  Vgl. auch ĺ  Business-to-Busi- sen Formvorschriften, u.a. sind dies der
ness-Markt (B2B), ĺ Business-to-Consu- Vermerk „Copyright“ oder das Kennzei-
mer-Markt (B2C). chen  © mit der Jahresangabe der Erst-
Contestable Markets ĺ  potenzieller veröffentlichung, der Name des Berech-
Wettbewerb. tigten auf der Titel- und ersten Textseite
von Druckwerken sowie der Antrag an
Controlling  –  Teilfunktion innerhalb Register of Copyrights, Copyright Office,
der Unternehmensführung (ĺ  Manage- Library of Congress,   Washington 25, D.
ment), deren Hauptaufgabe die Planung, C., USA.
Steuerung, Kontrolle und Informations-
versorgung aller Unternehmensberei- Corporate Behaviour ĺ  Corporate
che ist. Im  Controlling laufen die Da- Identity
ten des ĺ  Rechnungswesens und ande- Corporate Communication ĺ  Corpo-
rer Quellen zusammen.  –  Grundlegend rate Identity.
ist, dass Unternehmensziele ausdrücklich
und messbar formuliert vorliegen. Au- Corporate Culture ĺ  Unternehmens-
ßerdem werden für alle Unternehmens- kultur.
bereiche Handlungsalternativen entwi- Corporate Design  –  das visuelle Er-
ckelt, ausgewählt und deren Ergebnisse scheinungsbild eines Unternehmens im
geplant. Im Rahmen des Controlling wird Rahmen und zur Unterstützung der von
zudem überprüft, inwieweit Planungen der ĺ  Corporate Identity vorgegebenen
tatsächlich eingehalten werden. Bei Ab- Ziele. Das Corporate Design soll das Un-
weichungen werden Maßnahmen ergrif- ternehmen nach innen und außen als Ein-
fen, um in der Durchführungsphase ge- heit erscheinen lassen, bes. durch formale
genzusteuern. Ggf. wird die Planung an- Gestaltungskonstanten, z. B. Firmen-
gepasst und ein neuer realistischer Plan zeichen (ĺ  Logo), Typographie, Haus-
aufgestellt. farbe etc. In Gestaltungsrichtlinien („De-
Convenience Goods  –  (problemlose) sign-Bibeln“) wird festgelegt, wie diese
Güter des täglichen Bedarfs, die der End- Gestaltungskonstanten in unterschied-
verbraucher möglichst bequem in der lichen Anwendungsbereichen einzuset-
Nähe seiner Wohnung oder seines Ar- zen sind, z. B. Briefbögen, Innenarchitek-
beitsplatzes einkaufen möchte. Dies tur, Produkt- und Verpackungsgestaltung
sind z. B. Brot, Milch, Zigaretten und und Anzeigen.
Corporate Finance 110

Corporate Finance  –  Begriff für Unter- mangelnde Unabhängigkeit deutscher


nehmensfinanzierung (ĺ Finanzierung). Aufsichtsräte und (5) eingeschränkte Un-
Wegen der im Vergleich zu Deutschland abhängigkeit der Abschlussprüfer berück-
bestehenden Dominanz von Körperschaf- sichtigt.  –  Weitere Informationen unter
ten im angelsächsischen Raum liegt ihr www.corporate-governance-code.de.
Schwerpunkt im Bereich der ĺ  Eigenfi- Corporate Identity – Konzept der strate-
nanzierung. – In der Bankpraxis ist Cor- gischen Unternehmensführung zur Posi-
porate Finance der Sammelbegriff für Be- tionierung der Identität oder des Selbst-
ratungs- und Finanzierungsdienstleis- verständnisses eines Unternehmens. Ziel
tungen einer Bank. Dazu gehören i.d.R. ist es, nach außen ein einheitliches, un-
neben dem ĺ Investment Banking auch verwechselbares Unternehmensbild (sog.
die Vermittlung von Unternehmenszu- Corporate Image) zu erreichen. Nach in-
sammenschlüssen oder Unternehmens- nen soll ein „Wir-Gefühl“ und eine gelebte
übernahmen und die Finanzierung dieser ĺ  Unternehmenskultur geschaffen wer-
Geschäfte (ĺ Merger & Acquisition). den.  Corporate Identity umfasst die Ele-
mente: (1) Corporate Behaviour: Verhalten
Corporate Governance  –  1.  Allgemein: eines Unternehmens gegenüber Mitar-
rechtlicher und faktischer Ordnungs- beitern sowie gegenüber Kunden und der
rahmen für die Leitung und Überwa- Öffentlichkeit, (2) Corporate Communica-
chung eines Unternehmens. Unvollstän- tion: unternehmensbezogene ĺ Kommu-
dige Verträge und unterschiedliche Inte- nikationspolitik, v.a. Werbung und Pub-
ressenslagen bieten den ĺ  Stakeholdern lic Relations, (3) ĺ Corporate Design: vi-
prinzipiell Gelegenheiten und Motive für suell einheitliches Erscheinungsbild eines
opportunistisches Verhalten. Regelungen Unternehmens.
zur Corporate Governance haben grund-
sätzlich die Aufgabe, durch geeignete Corporate Image ĺ Corporate Identity.
rechtliche und faktische Arrangements Corporate Social Responsibility
die Spielräume und Motivationen der Ak- (CSR)  –  Schlüsselbegriff der Unterneh-
teure für opportunistisches Verhalten ein- mensethik für die soziale ĺ  Verantwor-
zuschränken. – 2. Der Deutsche Corporate tung von Unternehmen, z. B. durch nach-
Governance Kodex (DCGK) von 2002 (ak- haltiges Wirtschaften und die Bereit-
tualisiert am 13.5.2013) fasst die Grund- schaft, gesellschaftliche Verantwortung zu
sätze einer verantwortungsvollen Unter- tragen. Inhalt von CSR sind Themen wie
nehmensführung zusammen und nennt Menschenrechte (ĺ  Grundrechte), Kin-
zahlreiche Verhaltensempfehlungen für derarbeit, Armut, ĺ  Umweltschutz, Be-
börsennotierte Unternehmen. Bei der stechung, Gemeindeaktivitäten, Bezie-
Aufstellung des Kodex wurden die häu- hungen zu ĺ Stakeholdern etc.
fig von Geldanlegern kritisierten Punkte Cost-Benefit-Analyse ĺ  Kosten-Nut-
wie (1) mangelhafte Ausrichtung auf Ak- zen-Analyse.
tionärsinteressen, (2) duale Unterneh-
mensverfassung mit Vorstand und Auf- Cost Driver ĺ Prozesskostenrechnung.
sichtsrat, (3) mangelhafte Transparenz Cost Driver Accounting ĺ  Prozesskos-
deutscher Unternehmensführungen, (4) tenrechnung.
111 Crossmedia

Cotonou-Abkommen ĺ Assoziierungs- ĺ  Parkettbörse für die Vermittlung ei-


abkommen der ĺ  Europäischen Union nes Börsengeschäfts vom Anleger er-
(EU) mit 79 Staaten aus Afrika, dem kari- hält. – 2.  Versicherungswesen: Vergütung,
bischen Raum und im Pazifischen Ozean die der ĺ  Versicherungsmakler für den
(AKP-Staaten). Das  Cotonou-Abkom- Abschluss und die Betreuung eines Ver-
men löste 2000 das Lomé-Abkommen sicherungsvertrages von der Versiche-
ab. Ziel des Cotonou-Abkommens ist v.a. rungsgesellschaft erhält.
die Armutsbekämpfung. Es ist umfassen- CP – Abk. für ĺ Commercial Paper.
der als das Lomé-Abkommen, da es ne-
ben der wirtschafts- und entwicklungs- Credit Rating  –  Rating ist eine Me-
politischen Zusammenarbeit auch die thode zur Einstufung von Sachverhal-
Frage der Menschenrechte (ĺ  Grund- ten, Gegenständen und Personen. Im Fi-
rechte)  und die konkrete Einführung ei- nanz- und Bankwesen dienen Credit Ra-
nes bilateralen freien Handels mit Waren tings zur Beurteilung und Einstufung der
und Dienstleistungen im Zeitraum von ĺ Kreditwürdigkeit von ĺ Wertpapieren
2008 bis 2020 regelt. und der Unternehmen, die diese ausgege-
ben haben. Das Rating wird anhand fest-
Counseling  –  Instrument der ĺ  Perso- gelegter Kriterien von sog. Rating-Agen-
nalentwicklung. Ein Vorgesetzter beglei- turen vorgenommen. Bei der Bewertung
tet und überwacht einen Mitarbeiter bei werden unternehmensbezogene Risiken,
der Arbeitsdurchführung, so dass der branchentypische Risiken und Länder-
Mitarbeiter eigene Erfahrungen sammeln risiken berücksichtigt. Die Einstufung er-
kann. Durch Anregung und Hilfestellung folgt anhand von Kennziffern und lässt
des Vorgesetzten soll dem Mitarbeiter das die Einschätzung der Kreditwürdigkeit
Hineinwachsen in eine neue Aufgaben- innerhalb einer abgestuften Skala (Rating-
stellung erleichtert werden.  –  Vgl. auch klassen) erkennen.
ĺ Coaching, ĺ Mentoring.
CRM  –  Abk. für ĺ  Customer Relations-
Coupon  –  Kupon. festverzinslichen hip Management.
ĺ  Wertpapieren oder ĺ  Aktien bei-
gefügte Zinsscheine oder Dividenden- Cross Border Leasing  –  Instrument der
scheine (ĺ  Bogen); wird auch als Syno- Exportfinanzierung. Grenzüberschrei-
nym für diese Scheine verwendet. Gegen tende Leasingverträge (ĺ  Leasing), d.h.
Einreichung eines einzelnen Coupons, Leasingnehmer und Leasinggeber sind
der vom Coupon-Bogen abgetrennt wird, in unterschiedlichen Staaten tätig.  Cross
wird am Zinstermin der fällige Zinsbetrag Border Leasing zielt dabei auf die Aus-
gezahlt. nutzung von Unterschieden bei der steu-
erlichen Zurechnung der Leasinggegen-
Couponing ĺ  Verkaufsförderung mit- stände auf Leasinggeber oder -nehmer ab,
tels eines ĺ Coupons, für den eine ausge- die häufig kapitalintensive Investitions-
wählte Personengruppe bei Vorlage einen güter (Flugzeuge, Schiffe, Schienenfahr-
ĺ Rabatt oder eine ĺ Zugabe etc. erhält. zeuge, Industrieanlagen etc.) sind.
Courtage – Kurtage. 1. Börsenwesen: Ge- Crossmedia  –  Begriff aus der ĺ  Wer-
bühr, die der ĺ  Skontroführer bei der bung für den parallelen Einsatz mehrerer
Cross Selling 112

möglichst synergetisch wirkender Customer Lifetime Value (CLV)  –  Kun-


ĺ Werbeträger (wie z. B. Fernsehen, Ra- denertragswert. Instrument zur Bestim-
dio und Kino) in der ĺ  Mediaplanung mung der Rentabilität einzelner Kunden
werbetreibender Unternehmen. im Rahmen des ĺ  Customer Relations-
Cross Selling – Aktivierung von vorhan- hip Management (CRM). Im einfachsten
denen Kundenkontakten für Käufe wei- Fall wird zu seiner Ermittlung die Kapital-
terer ĺ Produkte oder die Nutzung von wertmethode (ĺ  Investitionsrechnung)
weiteren ĺ Dienstleistungen einer Unter- herangezogen, bei der für die erwartete
nehmung. Dauer der Geschäftsbeziehung (lifetime)
für jede Periode die Differenz zwischen
Crowding-out-Effekt  –  Begriff der den erwarteten kundenspezifischen Ein-
ĺ  Makroökonomie, der besagt, dass und Auszahlungen mit einem ĺ  Kalku-
durch eine kreditfinanzierte Ausweitung lationszinsfuß abdiskontiert wird. In wei-
der Staatsnachfrage zinsabhängige private terführenden Ansätzen wird versucht, bei
Investitions- und Konsumgüternachfrage dieser Berechnung den Beitrag von Kun-
verdrängt wird, weil die öffentliche Kre- denreferenzen (Kundenreferenzwert) und
ditnachfrage zu einer Erhöhung des Zins- Kundeninformationen (Kundeninforma-
niveaus führt. Infolgedessen wird die ex- tionswert) zu berücksichtigen. Zugunsten
pansive Wirkung eines ĺ  Deficit Spen- höherer Kundeneinzahlungen in zukünf-
ding abgeschwächt. tigen Perioden können zur Kundenakqui-
CSR – Abk. für ĺ Corporate Social Res- sition zusätzliche Auszahlungen („Investi-
ponsibility. tionen“) getätigt werden, die sich erst im
Laufe der Geschäftsbeziehung amortisie-
Culpa in Contrahendo ĺ  Verschulden ren.
bei Vertragsabschluss.
Currency Board System ĺ  Währungs- Customer Relationship Management
system bzw. regelgebundene Geldord- (CRM) – Strategisches Konzept des Kon-
nung, bei der der Hauptteil der inlän- sumgütermarketing zur langfristigen
dischen Geldbasis (ĺ  monetäre Basis) ĺ  Kundenbindung und ĺ  Kundenzu-
durch internationale ĺ  Währungsreser- friedenheit, das zur vollständigen Pla-
ven oder Gold gedeckt ist. Die Emission nung, Steuerung und Durchführung al-
heimischer ĺ  Banknoten und ĺ  Mün- ler interaktiven Prozesse mit dem Kun-
zen erfolgt durch ein Währungsbehörde den genutzt wird. Während der klassische
zu einem Fixkurs gegenüber einer inter- Marketingansatz vorwiegend produk-
national anerkannten Währung (ĺ Leit- torientiert und auf die Gewinnung von
währung). Die Behörde garantiert umge- Kunden ausgerichtet ist, stehen im Mit-
kehrt einen freien und unbeschränkten telpunkt des CRM die Beziehungen zum
Tausch der ausgegebenen Banknoten in Kunden über den gesamten Kundenle-
die Leitwährung. Die Einführung eines benszyklus. Dabei wird die Kundenorien-
Currency Board Systems ist häufig für tierung durch eine Wirtschaftlichkeitsori-
Länder attraktiv, die hohe ĺ Inflationsra- entierung ergänzt, wodurch der Focus auf
ten haben und sich so eine Rückkehr zur dem Kundenwert liegt (Maximierung des
ĺ Geldwertstabilität erhoffen. ĺ Customer Lifetime Value). Wesentlich
113 Cybergeld

für das CRM ist die individuelle und Ziel, die individuellen Kundenbedürf-
ganzheitliche Kundenbearbeitung, z. B. nisse zu befriedigen (ĺ  Individualisie-
durch ĺ  Direktmarketing und ĺ  Kun- rung). Bspw. werden beim Customized
denclubs. Die Grundlage des CRM bilden Marketing Massenprodukte individuali-
Datenbanken (ĺ  Data Mining, ĺ  Data siert, indem ein Grundmodell durch die
Warehouse, ĺ Database Marketing) und Entwicklung zahlreicher Produktvarian-
ĺ Callcenter. ten den Wünschen des einzelnen Kunden
Customized Marketing ĺ Customizing. angepasst wird (z. B. durch Ausstattungs-
und Zubehörvarianten von Automobi-
Customizing  –  Planung, Steuerung und len). – Gegensatz: ĺ Standardisierung.
Kontrolle aller auf den Markt ausgerich-
teten Unternehmensaktivitäten mit dem Cybergeld ĺ elektronisches Geld.
Dachfonds  –  Umbrella-Fonds. ĺ  Inves-
D
ersten Tilgungsraten (Tilgungsstreckung)
tmentfonds von Gesellschaften, die statt vorgenommen werden.
ĺ Aktien oder ĺ Renten Investmentzer- Darlehen  –  1.  Begriff: Schuldrechtlicher
tifikate anderer Fonds kaufen und hierü- ĺ Vertrag, durch den einem Darlehens-
ber eigene Anteile ausgeben. In Deutsch- nehmer Geld oder vertretbare Sachen auf
land wurden  Dachfonds erst seit 1994 Zeit zum Gebrauch überlassen werden.
durch das Gesetz über Kapitalanlagege- Im allgemeinen Sprachgebrauch werden
sellschaften (inzwischen abgelöst durch die Begriffe Darlehen und ĺ  Kredit syn-
das Investmentgesetz (InvG)), eingeführt. onym verwendet, während im Kreditge-
Der Vorteil eines Dachfonds ist die relativ werbe unter  Darlehen i.e.S. mittel- und
breite Risikostreuung und damit meist ein langfristige Kredite versteht, die in ei-
besserer Schutz vor Verlusten. ner Summe ausgezahlt und für die eine
Dachgesellschaft ĺ  Holdinggesell- regelmäßige Tilgung vereinbart wer-
schaft. den. – 2. Gelddarlehen (§§ 488-498 BGB):
Mit dem Darlehensvertrag verpflich-
Dach-Hedgefonds ĺ Hedgefonds. tet sich der Darlehensgeber dem Dar-
lehensnehmer einen Geldbetrag in ver-
Dachmarke ĺ Marke (wie VW als Com-
einbarter Höhe zur Verfügung zu stel-
pany Brand), unter der alle Produkte (Ein-
len und zur Nutzung zu überlassen. Der
zelmarken wie Golf, Polo, Phaeton etc.)
Darlehensnehmer ist wiederum ver-
eines Unternehmens geführt werden.
pflichtet, einen vereinbarten Zins zu zah-
In einem Konzern sind mehrere  Dach-
len (ĺ  Darlehenszinsen) und bei Fällig-
marken nebeneinander möglich, z. B. im
keit den Darlehensbetrag zurückzuzah-
VW-Konzern VW, Audi, Porsche, Skoda
len und sofern vereinbart Sicherheiten zu
und Seat. Durch eine Dachmarke soll das
überstellen. Darlehensverträge kommen
positive Image von Einzelprodukten auf
wie andere Verträge durch übereinstim-
das gesamte Leistungsangebot des Unter-
mende ĺ  Willenserklärungen zustande.
nehmens übertragen werden. – Vgl. auch
Für ĺ  Verbraucherdarlehen ist mit Aus-
ĺ Markenstrategien.
nahme von ĺ Überziehungskrediten die
Damnum – Unterschiedsbetrag zwischen Schriftform vorgeschrieben. Das Darle-
dem Nenn- oder Rückzahlungsbetrag eines hensverhältnis endet mit dem Ablauf der
ĺ  Darlehens oder einer Forderung und Zeit, für die es eingegangen ist, oder durch
dem tatsächlich an den Darlehensnehmer Kündigung.  –  3.  Sachdarlehen (§§  607-
gezahlten Betrag (Verfügungs- oder Nomi- 609 BGB): Darlehensform, bei der sich
nalbetrag). Das  Damnum kann in Form der Darlehensgeber verpflichtet, dem
eines Abschlags bei der Auszahlung des Darlehensnehmer eine vertretbare ĺ Sa-
Darlehens (ĺ  Disagio), eines Zuschlags che zu überlassen. Der Darlehensnehmer
bei der Rückzahlung (ĺ Agio) oder durch ist verpflichtet, das vereinbarte Entgelt zu
eine entsprechende Verbuchung der zahlen und die Sache in gleicher Art, Güte
Springer Fachmedien Wiesbaden (Hrsg.), Kompakt-Lexikon Wirtschaft,
DOI 10.1007/978-3-658-05791-6_4, © Springer Fachmedien Wiesbaden 2014
Darlehenszinsen 116

und Menge zurückzuerstatten. Die Rück- werden. Bspw. kann so ermittelt wer-
gabe der Sache erfolgt entweder bei Fäl- den, welche Produkte häufig zusammen-
ligkeit entsprechend einer Vereinbarung gekauft werden (typische Warenkörbe)
oder nach Kündigung. Spätestens bei oder welche Faktoren ausschlaggebend
Rückzahlung ist das Darlehensentgelt zu sind für die Kundentreue. Die Zielset-
zahlen. Sachdarlehen haben nur eine ge- zung des Data Mining besteht darin, sol-
ringe praktische Bedeutung. che Zusammenhänge in den Daten aufzu-
spüren, die für den Entscheidungsträger
Darlehenszinsen – Preis für ein ĺ Dar-
interessant und nützlich sind, d.h. seine
lehen (Gelddarlehen), den der Darle-
Entscheidungen verbessern helfen.  Data
hensnehmer dem Darlehensgeber für die
Mining wird im ĺ  Marketing, v.a. im
Überlassung eines Geldbetrages und sei-
ĺ Direktmarketing, zur Zielgruppenana-
ner Nutzung zu zahlen hat. Diese Ver-
lyse eingesetzt. Es wird aber auch in ande-
pflichtung besteht nur bei entsprechender
ren Bereichen wie z. B. in der Finanzpla-
Vereinbarung, andernfalls handelt es sich
nung (z. B. Prognose von Devisenkursen)
um ein zinsloses Darlehen. Sofern ver-
genutzt.
traglich nichts anderes bestimmt ist, sind
die  Darlehenszinsen jeweils am Ende ei- Data Warehouse  –  zentrale, von den
nes Jahres oder bei der früheren Rückzah- operativen Datenverarbeitungssystemen
lung an den Darlehensgeber zu zahlen. separierte ĺ Datenbank, auf die nur Le-
Die Höhe der Darlehenszinsen kann ver- sezugriff besteht. Aus den operativen
traglich frei vereinbart werden. Sie orien- DV-Systemen werden in regelmäßigen
tiert sich jedoch i.d.R. am jeweiligen Zins- Abständen Daten zusammengetragen,
niveau. Bei Darlehen an Letztverbraucher vereinheitlicht, nach Nutzungszusam-
ist bei jedem Darlehensvertrag der ĺ Ef- menhängen geordnet und in der Daten-
fektivzins anzugeben. basis des Data Warehouse archiviert. Ziel
ist die Verbesserung der unternehmeri-
Database ĺ Datenbank. schen Informationsversorgung (ĺ  Wis-
Database Marketing  –  zielgruppenori- sensmanagement) und damit der Unter-
entierte Marktbearbeitung auf der Basis stützung strategischer Entscheidungen. Es
detaillierter Informationen zu den Adres- dient z. B. als Datenbasis für das ĺ Data
saten, die  in einer (Kunden-) ĺ Daten- Mining.
bank (Database) gespeichert sind. Diese Dateiorganisation ĺ  Datenorganisa-
enthält sowohl Stammdaten als auch tion.
Transaktionsdaten (z. B. Kaufdaten) der
Daten  –  1.  Wirtschaftstheorie: Bezeich-
ĺ Kunden.
nung für volkswirtschaftliche Gegeben-
Data Mining – Anwendung von Metho- heiten, die den Wirtschaftsablauf beein-
den und Algorithmen zur möglichst auto- flussen, ohne von diesem selbst – zu-
matischen (computergestützten) Heraus- mindest unmittelbar und kurzfristig
filterung empirischer Zusammenhänge – beeinflusst zu werden.  –  2.  Informa-
zwischen Planungsobjekten, deren Da- tik: Zum Zweck der Verarbeitung zusam-
ten in einer hierfür aufgebauten Daten- mengefasste Zeichen, die aufgrund be-
basis (ĺ  Data Warehouse) bereitgestellt kannter oder unterstellter Abmachungen
117 Dauerauftrag

Informationen (d.h. Angaben über Sach- Sperrung von Daten verlangen. Schließ-
verhalte und Vorgänge) darstellen. lich hat der Betroffene ein Widerspruchs-
recht gegenüber jeglicher Nutzung und
Datenbank  –  Database, selbstständige,
Übermittlung seiner Daten zum Zwecke
auf Dauer sowie auf flexiblen und siche-
der Werbung oder der Markt- und Mei-
ren Gebrauch ausgelegte ĺ  Datenorga-
nungsforschung. Die Einhaltung daten-
nisation, die sowohl eine Datenbasis als
schutzrechtlicher Bestimmungen wird
auch eine dazugehörige Datenverwaltung
durch einen innerbetrieblichen ĺ Daten-
umfasst. Sie dient dazu, eine große Menge
schutzbeauftragten sichergestellt, dessen
von ĺ  Daten strukturiert zu speichern
Tätigkeit wiederum von einer staatlichen
und zu verwalten.
Aufsichtsbehörde (z. B. dem Regierungs-
Datenbankorganisation ĺ  Datenorga- präsidenten) kontrolliert wird. Zuwider-
nisation. handlungen im Sinne des BDSG werden
als Straftaten oder als Ordnungswidrig-
Datenorganisation – alle Verfahren zur
keiten geahndet. – Vgl. auch ĺ Bundes-
Anordnung und zum Wiederauffinden
beauftragter für den Datenschutz und die
von ĺ Daten: Dateiorganisation und Da-
Informationsfreihet (BfDI).
tenbankorganisation.
Datenschutzbeauftragter – Person, die
Datenschutz – Schutz des Einzelnen vor
in einer Behörde oder in einem Unterneh-
einer Beeinträchtigung seines Rechts auf
men die Einhaltung der Bestimmungen
informationelle Selbstbestimmung, kraft
zum ĺ Datenschutz zu überwachen hat.
dessen jeder Bürger selbst über die Preis-
Der  Datenschutzbeauftragte soll v.a. die
gabe und Verwendung seiner ĺ  perso-
ordnungsgemäße Anwendung der Com-
nenbezogenen Daten bestimmen darf.
puter und Softwareprogramme überwa-
Dies wurde 1983 vom Bundesverfassungs-
chen und Mitarbeiter zum Datenschutz
gericht als Grundrecht anerkannt. Rechtli-
schulen. Nach dem Bundesdatenschutz-
che Grundlage des Datenschutzes sind das
gesetz (BDSG) ist ein Datenschutzbeauf-
Bundesdatenschutzgesetz (BDSG) und
tragter in einem Unternehmen vorge-
die Landesdatenschutzgesetze (LDSG)
schrieben, wenn mind. fünf Personen mit
für Datenverarbeitung der Landesbe-
der Erfassung und Verarbeitung ĺ  per-
hörden. Das BDSG verbietet grundsätz-
sonenbezogener Daten (z. B. Mitarbeiter-
lich jede Verarbeitung personenbezoge-
und Kundendaten) beschäftigt sind oder
ner Daten in oder aus Dateien. Zulässig
Zugriff auf diese Daten haben. Behörden
ist die Verarbeitung nur ausnahmsweise
müssen grundsätzlich einen Datenschutz-
in zwei (eng auszulegenden) Fällen: (1)
beauftragten ernennen, wenn sie perso-
Der Betroffene hat schriftlich eingewil-
nenbezogene Daten verarbeiten.  –  Vgl.
ligt oder (2) das BDSG oder andere Vor-
auch ĺ Bundesbeauftragter für den Da-
schriften sehen die Verarbeitung vor. Der
tenschutz und die Informationsfreiheit
Betroffene hat in jedem Fall ein Recht auf
(BfDI).
Auskunft über die zu seiner Person gespei-
cherten Daten. Daneben kann er Berichti- Dauerauftrag  –  Anweisung an ein
gungen unrichtiger Daten und Löschung ĺ  Kreditinstitut, regelmäßig Zahlun-
unzulässig gespeicherter Daten sowie die gen in gleicher Höhe und an denselben
Dauerlieferungsvertrag 118

Empfänger zu leisten (z. B. Miete oder ĺ Portfolio bei Fälligkeit zu einem festge-
Mitgliedsbeiträge). Die Eröffnung, Än- legten Preis abzunehmen bzw. zu liefern.
derung und Löschung eines Dauerauftrag Der Kontraktwert beträgt 25 Euro pro
wird auf einem bes. Formblatt angege- Index-Punkt des DAX. Liegt der DAX-
ben und erfolgt zunehmend an Selbstbe- Stand am Fälligkeitstag über dem bei Ge-
dienungsgeräten in den Filialen oder über schäftsabschluss vereinbarten Wert, so
das ĺ  Internet (ĺ  Homebanking). Für erhält der Käufer den entsprechenden
die termingerechte Ausführung des Dau- Differenzbetrag in Höhe von 25 Euro je
erauftrags haftet das Kreditinstitut. DAX-Punkt. Liegt der DAX-Stand dage-
Dauerlieferungsvertrag ĺ Sukzessivlie- gen unter dem vereinbarten Wert, muss
ferungsvertrag. er den Differenzbetrag an den Verkäufer
zahlen. Da beim FDAX eine tatsächliche
dauernde Lasten – Begriff aus dem Ein- Lieferung des Vertragsgegenstandes nicht
kommensteuerrecht für regelmäßig wie- möglich ist, erfolgt am Fälligkeitstag eine
derkehrende Versorgungsleistungen, die Ausgleichszahlung der erzielten Gewinne
ein Steuerpflichtiger für längere Zeit ei- oder Verluste in bar. FDAX werden an der
nem Dritten gegenüber im Zusammen- Terminbörse ĺ EUREX gehandelt.
hang mit einer Vermögensübertragung
aufgrund rechtlicher Verpflichtungen DAX-Volatilitätsindex ĺ VDAX.
(Vertrag, Testament, Gesetz) zu erbringen Day Trading  –  Intra-Day Trading. An-
hat.  –  Dauernde Lasten sind beim Leis- und Verkauf identischer ĺ  Wertpapiere
tenden als ĺ  Sonderausgaben (gemäß am gleichen Börsentag durch professi-
§  10 EStG) voll abzugsfähig und beim onelle Händler, aber auch durch private
Empfänger in voller Höhe zu versteuern. Anleger über das ĺ Internet. Day-Trader
Dauerschulden ĺ  Dauerschuldverhält- nutzen durch ĺ Arbitrage tägliche Preist-
nis. rends und -schwankungen von Wertpa-
pieren aus.
Dauerschuldverhältnis ĺ  Vertrag, bei
dem die geschuldete Leistung über einen DCF-Methode – Kurzbezeichnung für ĺ
längeren Zeitraum wiederkehrend er- Discounted Cashflow-Methode.
folgt. Bsp. hierfür sind ĺ Miete, ĺ Pacht, DCGK – Abk. für Deutscher Corporate Go-
ĺ  Darlehen, ĺ  Dienstvertrag, ĺ  Ver- vernance Kodex, vgl. ĺ Corporate Gover-
sicherungsvertrag und ĺ  Gesellschafts- nance.
vertrag. Das Dauerschuldverhältnis kann Debet ĺ Soll.
nach dem ĺ  Bürgerlichen Gesetzbuch
(BGB) aus wichtigem Grund fristlos ge- Debitkarte –  Bankkundenkarte. ĺ Zah-
kündigt werden. lungskarte, die von ĺ  Kreditinstitu-
ten herausgegeben wird. Mit der  Debit-
DAX  –  Abk. für ĺ  Deutscher Aktienin- karte können Barabhebungen an Geld-
dex (DAX). automaten und bargeldlose Zahlungen
DAX-Future –  FDAX. ĺ Future auf den (ĺ  bargeldloser Zahlungsverkehr) an
ĺ  Deutschen Aktienindex (DAX), bei Computerkassen von Handels- und
dem sich Käufer und Verkäufer verpflich- Dienstleistungsunternehmen (ĺ  Point-
ten, ein dem DAX-Index nachgebildetes of-Sale-Zahlung) vorgenommen werden.
119 Deckungsbeitragsrechnung

Nach dem Einsatz der Debitkarte wer- ĺ  Einzelkosten. Der  Deckungsbeitrag


den die Zahlungsbeträge dem Konto des gibt an, wie viel das Bezugsobjekt zur De-
Karteninhabers ohne Zeitverzug belastet ckung der ĺ  Gemeinkosten und damit
(debitiert). Außerdem können die Debit- zum Gesamterfolg beiträgt.
karten für den Zugang zu Kontoauszugs-
druckern und Selbstbedienungsgeräten Deckungsbeitragsrechnung  –  1.  Be-
eingesetzt werden. griff: betriebswirtschaftliche Erfolgs-
rechnung, die auf der Trennung von
Debitoren  –  Begriff aus der ĺ  Buch-
ĺ  variablen Kosten und ĺ  fixen Kos-
haltung für Warenschuldner oder Kun-
ten (ĺ  Grenzplankostenrechnung) oder
den, die Waren vom Lieferanten auf Ziel
auf der Unterscheidung von ĺ  Einzel-
bezogen, d.h. auf Kredit gekauft haben
kosten und ĺ  Gemeinkosten beruht.
(ĺ Schuldner). –  Gegensatz: ĺ Kredito-
Im Rahmen der  Deckungsbeitragsrech-
ren.
nung werden einem Produkt, einer Pro-
Decision Lag ĺ Lag. duktgruppe oder einem Geschäftsbereich
nur die variablen Kosten bzw. die direkt
Deckung  –  1.  Geldpolitik: Bereithaltung
zurechenbaren Einzelkosten zugeord-
von Mitteln seitens der ĺ  Zentralbank
net. Die fixen Kosten bzw. Gemeinkos-
zur Einlösung von Banknoten (Notende-
ten werden als Block bei der Ermittlung
ckung). In modernen Wirtschaftssyste-
des Gesamtbetriebsergebnisses berück-
men sind für die Stabilität des Geldwertes
sichtigt. Die  Deckungsbeitragsrechnung
keine gesetzlichen Deckungsvorschriften
ist ein wichtiges Instrument zur Planung
mehr vorgesehen.  –  2.  Zahlungsverkehr:
und Kontrolle unternehmenspolitischer
Stehen einer in Auftrag gegebenen Über-
Entscheidungen eines Unternehmens.
weisung, einer Lastschrift, einem aus-
Typische Anwendungsbereiche der  De-
gestellten Scheck oder Wechsel ausrei-
ckungsbeitragsrechnung sind die Er-
chende Mittel auf dem Konto des Auf-
mittlung des Betriebsergebnisses und die
tragsgebers oder Zahlungspflichtigen
Kontrolle der Wirtschaftlichkeit einzel-
gegenüber, wird dies als  Deckung be-
ner Produkte, Produktgruppen oder Ge-
zeichnet.
schäftsbereiche.  –  2.  Einfache  Deckungs-
Deckungsbeitrag – Begriff aus der Kos- beitragsrechnung (Blockkostenrechnung):
tenrechnung mit unterschiedlichen In- Es werden von den Umsatzerlösen jedes
terpretationen für einen Bruttogewinn: einzelnen Produkts deren variablen Kos-
1.  Grenzplankostenrechnung: Unter- ten abgezogen. Die so ermittelten ĺ De-
schiedsbetrag zwischen ĺ  Umsatzerlös ckungsbeiträge werden addiert. Von der
und ĺ variablen Kosten. Der Deckungs- Summe aller Deckungsbeiträge werden
beitrag ist somit der Beitrag eines Pro- die fixen Kosten dann als Block abgezo-
duktes oder einer Produktgruppe zur De- gen. Mit der einfachen Deckungsbeitrags-
ckung der ĺ fixen Kosten und damit zur rechnung lässt sich feststellen, ob ein ein-
Gewinnerzielung.  –  2.  Einzelkostenrech- zelnes Produkt einen positiven Deckungs-
nung: Überschuss der (direkt zurechen- beitrag erbringt und ob die fixen Kosten
baren) ĺ  Einzelerlöse eines Bezugsob- insgesamt gedeckt werden können. ĺ Di-
jektes über die (direkt zurechenbaren) rect Costing ist ein Bsp. für eine einfache
Deckungsgrad 120

Deckungsbeitragsrechnung.  –  3.  Mehr- Deckungsstock ĺ  Deckungsrückstel-


stufige Deckungsbeitragsrechnung (Fixkos- lung.
tendeckungsrechnung): Im ersten Schritt
Deckungsstockfähigkeit  –  Begriff für
werden wie bei der einfachen Deckungs-
die Eigenschaft von ĺ Wertpapieren, die
beitragsrechnung die Deckungsbeiträge
von Versicherungsgesellschaften gekauft
der einzelnen Produkte berechnet. Diese
und als Vermögenswert in den Deckungs-
Deckungsbeiträge werden nach Bezugs-
stock (ĺ  Deckungsrückstellung) ein-
objekten zusammengefasst. Dies kön-
gebracht werden dürfen. Als deckungs-
nen Produktgruppen, Geschäftsbereiche,
stockfähig gelten Wertpapiere nur dann,
Teilmärkte oder Kunden sein. Die fixen
wenn sie den Bestimmungen des Versi-
Kosten werden nach ihrer Zurechenbar-
cherungsaufsichtsgesetzes (VAG) genü-
keit auf die einzelnen Bezugsobjekte
gen.
in Erzeugnis-, Erzeugnisgruppen-, Be-
reichs- und Unternehmensfixkosten auf- Deckungszusage  –  Vereinbarung ei-
geteilt und zugeordnet. Auf diese Weise nes vorläufigen ĺ  Versicherungsschut-
kann die Wirtschaftlichkeit einzelner zes vor Abschluss des ĺ  Versicherungs-
Produktgruppen oder Geschäftsbereiche vertrags und Zahlung der Erstprämie. Die
kontrolliert werden. vorläufige Deckung endet, wenn der end-
gültige Versicherungsvertrag abgeschlos-
Deckungsgrad  –  1.  Bilanzielle Kenn-
sen wird oder sich die Vertragsverhand-
zahl: Verhältnis von kurzfristigem Um-
lungen endgültig zerschlagen haben. Er
laufkapital zu kurzfristigen Verbind-
kann auch rückwirkend entfallen, wenn
lichkeiten.  –  Vgl. auch ĺ  Liquiditäts-
der Versicherungsnehmer innerhalb einer
grad.  –  2.  Kostenrechnerische Kennzahl:
vertraglich festgelegten Frist die erste Prä-
Quotient aus Erlösen zu einem bestimm-
mie nicht gezahlt hat.
ten Kostenvolumen.
Decreasing Returns to Scale ĺ  Skale-
Deckungskredit ĺ  öffentliche Kredit-
nertrag.
aufnahme.
Deckungsrückstellung ĺ Rückstellung, Deficit Spending – wirtschaftspolitische
die nach dem Versicherungsaufsichtsge- Maßnahme des ĺ Keynesianismus. Defi-
setz (VAG) von 1992 und dem ĺ  Han- cit Spending ist die Bildung eines ĺ Defi-
delsgesetzbuch (HGB) für zukünftige zits, d.h. die durch Kredite finanzierte Er-
ĺ  Versicherungsleistungen von ĺ  Ver- höhung der öffentlichen Ausgaben und/
sicherungsunternehmen zu bilden ist. oder Steuersenkung, um in einer kon-
Die  Deckungsrückstellung ist in der Le- junkturellen Abschwungphase die Nach-
bens- und Krankenversicherung, aber frage zu erhöhen und damit die Konjunk-
auch in der Unfall- und Haftpflichtver- tur anzukurbeln. Boomt die Wirtschaft,
sicherung von bes. Bedeutung. – Zur Si- soll das Defizit und die Verschuldung wie-
cherung der als  Deckungsrückstellung der abgebaut werden. – Vgl. ĺ Crowding-
ausgewiesenen Ansprüche ist ein Son- out-Effekt.
dervermögen zu bilden, das von einem Defizit  –  Überschuss der Ausgaben ge-
Treuhänder (ĺ  Treuhandschaft) über- genüber den Einnahmen. Beim öf-
wacht wird (sog. Deckungsstock). fentlichen Haushalt spricht man von
121 Delkredere

Haushaltsdefizit (ĺ  öffentliche Kredit- „Wertpapierhaus” und Girozentrale der


aufnahme, ĺ Deficit Spending), im kauf- Sparkassen-Finanzgruppe fungiert. Die
männischen Rechnungswesen von einem Dekabank ist als zentraler Dienstleis-
Kassendefizit (Fehlbetrag auf einem Kas- ter der Sparkassen, die auch ihre Eigen-
senkonto). tümer und exklusiven Vetriebspartner
Defizitverfahren ĺ Europäischer Stabi- sind,  in den Geschäftsfeldern  Wertpa-
litäts- und Wachstumspakt. piere, Immobilien, Kapitalmarkt und
Finanzierungen tätig. Mit einem Fonds-
Deflation – Wirtschaftsphase mit abneh- vermögen von ca. 180 Mrd. Euro (Stand
mendem ĺ  Preisniveau bzw. negativer 9/2013) zählt sie zu den größen Finanz-
ĺ Inflationsrate (dh. postiver ĺ Deflati- dienstleistern in Deutschland.
onsrate) verbunden mit einer wirtschaft-
lichen Krise. Diese kann dadurch ver- Delikt  –  1.  Zivilrecht: ein schuldhaftes
schärft werden, dass die Nachfrager mit Verhalten, das zu einer Schadensersatz-
weiteren Preissenkungen rechnen und pflicht führt (ĺ Schadensersatz). Ein De-
ihre Käufe hinauszögern. Der  Deflation likt wird auch als unerlaubte Handlung be-
kommt heute nur eine geringe praktische zeichnet.  –  2.  Strafrecht: eine mit Strafe
Bedeutung zu. – Gegensatz: ĺ Inflation. bedrohte rechtswidrige Handlung.
Deflationierung  –  Begriff der Wirt- Deliktsfähigkeit  –  Begriff aus dem
schaftsstatistik (ĺ Statistik) für das Ver- ĺ  Bürgerlichen Recht: Fähigkeit, durch
fahren zur Bereinigung von in Geldein- eine unerlaubte Handlung schadenser-
heiten ausgedrückten Größen  (Nominal- satzpflichtig (ĺ Schadensersatz) zu wer-
werten) von Preisänderungseinflüssen. den. Neben der ĺ Geschäftsfähigkeit Teil
Die Geldgröße wird dabei  durch einen der Handlungsfähigkeit. – Zu unterschei-
adäquaten ĺ Preisindex dividiert, um ih- den sind: (1) doppelt beschränkte Delikts-
ren Realwert zu bestimmen. fähigkeit: Kinder zwischen sieben und
neun Jahren mit Ausnahme von Ver-
Deflationsrate – absoluter Wert der pro-
kehrsunfällen, soweit erforderliche Ein-
zentualen Abnahme des ĺ  Preisnivaus,
sicht gegeben ist; (2) einfach beschränkte
d.h. der absolute  Wert einer negativen
Deliktsfähigkeit: Kinder und Jugendliche
ĺ Inflationsrate (z. B. 3 % Deflationsrate
zwischen zehn und 18 Jahren, soweit er-
im Falle einer Inflationsrate von -3%).
forderliche Einsicht gegeben ist; (3) volle
degressive Abschreibung ĺ  Abschrei- Deliktsfähigkeit: Mit Vollendung des 18.
bungsmethoden. Lebensjahres.  –  Anders: ĺ  Geschäftsfä-
degressive Kosten  –  unterproportio- higkeit.
nale Kosten. Sinkende ĺ  Grenzkosten Delkredere  –  1.  Handelsrecht: Gewähr-
und/oder ĺ  Stückkosten bei steigen- leistung für den Eingang einer ĺ  For-
dem Absatz bzw. zunehmender Beschäfti- derung. Der Delkrederegeber haftet so-
gung. – Gegensatz: ĺ progressive Kosten. mit gegenüber dem Gläubiger im Fall
DekaBank Deutsche Girozent- der Zahlungsunfähigkeit des Schuldners.
rale  –  deutsches ĺ  Kreditinstitut, Das ĺ  Handelsgesetzbuch (HGB) sieht
ĺ  Anstalt des öffentlichen Rechts, die Delkrederehaftung beim ĺ  Han-
mit Sitz in Frankfurt a.M., das als delsvertreter und beim Kommissionär
Delkredereprovision 122

(ĺ  Kommissionsgeschäft) vor. Der Del- Investmentgesetz (InvG) Unternehmen,


krederegeber erhält für die Übernahme die die Verwahrung und Überwachung
des  Delkrederes eine zusätzliche Vergü- von Investmentvermögen ausführen.
tung (sog. Delkredereprovision). – 2. Rech- Depotgeschäft ĺ  Bankgeschäft i.S.d.
nungswesen: Als  Delkredere wird die Kreditwesengesetzes (KWG). Das Depot-
ĺ Wertberichtigung für voraussichtliche geschäft ist die gewerbsmäßige Aufbe-
Forderungsausfälle bezeichnet. wahrung und Verwaltung von Wertgegen-
Delkredereprovision ĺ Delkredere. ständen, hauptsächlich ĺ  Wertpapiere,
durch ein  ĺ  Kreditinstitut (ĺ  Depot).
Demand Pull ĺ Market Pull.
Gesetzliche Regelungen zum  Depotge-
Department Store ĺ Warenhaus. schäft enthält das ĺ Bürgerliche Gesetz-
Depositen – zu dt. „das Hinterlegte“: die buch (BGB) und das Gesetz über die Ver-
kurz- und mittelfristigen ĺ  Einlagen: wahrung und Anschaffung von Wertpa-
a) ĺ  Sichteinlagen(Sichtdepositen); b) pieren (DepotG).
ĺ Termineinlagen (Termindepositen). Depression ĺ Konjunkturzyklus.
Depositengeschäft ĺ Einlagengeschäft. Deprivation ĺ Armut.
Depositenzertifikat ĺ Certificate of De- Deputat ĺ  Belegschaftsrabatt, ĺ  Sach-
posit (CD). bezüge.
Depot  –  Aufbewahrungsort für Wert- Deregulierung  –  Abbau bestehender
gegenstände (v.a. ĺ  Wertpapiere), der staatlicher Regelungen, v.a. bürokrati-
i.d.R. bei Kreditinstituten eingerich- scher und gesetzlicher Vorschriften. De-
tet ist. In Bezug auf die unterschiedli- regulierungsmaßnahmen werden häu-
che Aufbewahrung der Wertpapiere wer- fig in der wirtschaftspolitischen Diskus-
den folgende Depotarten unterschieden: sion gefordert, um durch die Beseitigung
(1) Sammeldepot (Sammelverwahrung): einschränkender Bestimmungen für un-
Aufbewahrung von Wertpapieren glei- ternehmerisches Handeln und somit
cher Art unterschiedlicher Hinterleger. durch Schaffung von mehr ĺ  Wettbe-
(2) Streifbanddepot (Sonderverwahrung): werb zu höherer volkswirtschaftlicher
getrennte Aufbewahrung von Wertpa- Leistung beizutragen. Die Forderung
pieren. Die Wertpapiere des Hinterlegers nach Deregulierung wird insbes. für den
können aufgrund einer bes. Kennzeich- ĺ Arbeitsmarkt und für Staatsunterneh-
nung (Streifband) von denen Dritter oder men (z. B. Bahn, Post) erhoben. –  Gegen-
von den eigenen Beständen der Bank un- satz: ĺ Regulierung.
terschieden werden.  –  Beim offenen  De- Derivate –  Finanzderivate. ĺ Terminge-
pot sind die hinterlegten Wertgegenstände schäfte (Fest- oder ĺ Optionsgeschäfte),
der Bank bekannt, beim geschlossenen De- deren Kurse von der Preisentwicklung ei-
pot unbekannt. Beim offenen Depot wird nes zugrunde liegenden Anlageobjektes
die Depotverwaltung von der Bank über- (Basiswert, Underlying) abgeleitet sind.
nommen. Dazu zählen v.a. ĺ Aktienzertifikate und
Depotbanken  –  i.w.S. alle depotführen- ĺ  Optionen.  Derivate werden entwe-
den Banken (ĺ Depot). – I.e.S. nach dem der an ĺ  Terminbörsen oder außerhalb
123 Deutsche Finanzagentur

von ĺ Börsen an sog. Over-the-Counter- Deutsche Bundesbank  –  1.  Institu-


Märkten (ĺ  Over-the-Counter Market) tion: ĺ  Zentralbank der Bundesrepub-
gehandelt. lik Deutschland und seit 1999 Bestand-
teil des ĺ  Europäischen Systems der
derivativer Firmenwert ĺ Firmenwert. Zentralbanken (ESZB). Sitz in Frank-
derivativer Produktionsfaktor ĺ  Pro- furt a.M. – 2. Aufgaben: Seit dem Inkraft-
duktionsfaktoren. treten des ESZB sind die ursprünglich
auf der Bundesbankebene angesiedel-
Designated Sponsor ĺ  Banken oder ten Aufgaben der Sicherung der Wäh-
sonstige ĺ  Finanzdienstleistungsinsti- rung und die Verantwortung für die Ab-
tute, die im elektronischen Handel der wicklung des Zahlungsverkehrs auf das
ĺ Börse (ĺ Computerbörse) zur Über- ESZB übergegangen. Die  Deutsche Bun-
brückung temporärer Ungleichgewichte desbank ist gegenüber dem ESZB wei-
von Angebot und Nachfrage nicht so li- sungsgebunden und setzt dessen Ziele auf
quider Aktien verbindliche Preislimits für deutscher Ebene um. Zentrales Geschäfts-
den An- und Verkauf von Aktien abge- feld ist infolgedessen die ĺ  Geldpolitik
ben. Bei nicht ausreichender ĺ  Liquidi- im Eurosystem. Weitere Kerngeschäftsfel-
tät eines Wertpapiers im laufenden Handel der sind (1) das Finanz- und Währungs-
muss sein Emittent mind. einen Designa- system, (2) die ĺ Bankenaufsicht, (3) der
ted Sponsor verpflichten. unbare Zahlungsverkehr im Inland und
mit dem Ausland, (4) die Bargeldversor-
Desinvestition  –  Rückgewinnung bzw.
gung (ĺ Bargeld), (5) die Verwaltung der
Freisetzung der in konkreten Vermögens-
ĺ  Währungsreserven, (6) die Funktion
werten gebundenen finanziellen Mittel
als Hausbank des Staates und (7) die Be-
(ĺ  Kapitalbindung) durch Verkauf, Li-
ratung der Bundesregierung in währungs-
quidation und Aufgabe. Die  Desinvesti-
politischen Fragen.  –  3.  Organisation:
tion ist die Umkehrung der ĺ Investition.
Die Deutsche Bundesbank ist in 9 Haupt-
Deutsche Börse AG  –  Dachgesellschaft verwaltungen (früher Landeszentralban-
der Gruppe Deutsche Börse mit Haupt- ken) und 41 Filialen (Stand 2013) unter-
sitz in Frankfurt a.M. Die Deutsche Börse gliedert. Der Vorstand leitet und verwaltet
AG ist Trägergesellschaft der Frankfur- die Bundesbank. Er besteht aus dem Prä-
ter Wertpapierbörse. Dort gliedert sie den sidenten, dem Vizepräsidenten und vier
Börsenhandel in drei Teilmärkte, die sich weiteren Mitgliedern. Der Bundesbank-
hinsichtlich der Transparenzanforderun- präsident hat Sitz und Stimme im Rat der
gen unterscheiden. Dies sind der ĺ Ge- ĺ  Europäischen Zentralbank ĺ  (EZB)
neral Standard und ĺ  Prime Standard und wirkt so an den geldpolitischen Ent-
sowie der ĺ Open Market (Freiverkehr). scheidungen der EZB mit. – Weitere Infor-
Die Deutsche Börse AG bietet außerdem mationen unter www.bundesbank.de.
umfassende Börsendienstleistungen in
den Bereichen Informationstechnologie Deutsche Finanzagentur  –  Die „Bun-
sowie Handel und Abwicklung an. – Vgl. desrepublik Deutschland Finanzagen-
auch ĺ  Börse.  –  Weitere Informationen tur GmbH“ (Deutsche Finanzagentur)
unter www.deutsche-boerse.com ist aus der Bundesschuldenverwaltung
Deutscher Aktienindex (DAX) 124

(BSV) hervorgegangen; 2000 gegründet Deutscher Corporate Governance Ko-


mit Sitz in Frankfurt a.M. Sie ist der zen- dex (DCGK) ĺ Corporate Governance.
trale Dienstleister für die Kreditaufnahme Deutsche Rentenversicherung  –  Trä-
und das Schuldenmanagement des Bun- ger der gesetzlichen ĺ  Rentenversiche-
des. –  Aufgaben: (1) Aufnahme von Kre- rung. Bundesträger ist die Deutsche Ren-
diten für den Bund und seine ĺ Sonder- tenversicherung Bund, in welche die frü-
vermögen sowie Maßnahmen der Port- here Bundesversicherungsanstalt für
foliosteuerung und zur Marktpflege. (2) Angestellte aufgegangen ist. Die 14 Regi-
Verwaltung der Schulden und Finanzie- onalträger heißen Deutsche Rentenversi-
rungsinstrumente des Bundes. (3) Füh- cherung mit einem die regionale Zustän-
rung des ĺ Bundesschuldbuchs. (4) Ab- digkeit anzeigenden Zusatz (z. B. Deutsche
schluss von Geschäften zur Steuerung der Rentenversicherung Westfalen). In ihnen
Liquidität. – Weitere Informtionen unter sind die früheren Landesversicherungs-
www.deutsche-finanzagentur.de. anstalten aufgegangen.  –  Weitere Infor-
mationen unter www.deutsche-rentenver-
Deutscher Aktienindex (DAX) ĺ  Ak- sicherung.de
tienindex, der die 30 umsatzstärksten
deutschen Aktien (ĺ  Blue Chips) im Deutscher Gewerkschaftsbund
ĺ  Prime Standard beinhaltet. Das Ge- (DGB)  –  Vereinigung und Dachorgani-
wicht jeder Aktie im Index richtet sich sation von acht Einzelgewerkschaften
nach ihrem Anteil an der gesamten (ĺ Gewerkschaft) mit Sitz in Berlin. Mit-
ĺ  Marktkapitalisierung der DAX-Ti- glieder sind IG Bauen-Agrar-Umwelt, IG
tel. Die Auswahl der DAX-Aktien erfolgt Bergbau, Chemie und Energie, EVG-Ei-
nach dem Börsenumsatz und der Markt- senbahn- und Verkehrsgewerkschaft, Ge-
kapitalisierung des Streubesitzes. Über werkschaft Erziehung und Wissenschaft,
die Zusammensetzung des DAX wird IG Metall, Gewerkschaft Nahrung-Genuss-
einmal jährlich im September entschie- Gaststätten, Gewerkschaft der Polizei,
den. Beim DAX handelt es sich um ei- ver.di (Vereinte Dienstleistungsgewerk-
nen Kurs- und Performance-Index, der schaft). –  Aufgaben des DGB sind v.a. die
aus XETRA-Kursen (ĺ XETRA) sekünd- Vertretung der Arbeitnehmerinteressen
lich berechnet und aktualisiert wird. Der in der nationalen und internationalen So-
DAX wird von der ĺ  Deutsche Börse zial- und Arbeitsmarktpolitik sowie der
AG veröffentlicht. – Der DAX ist für den Ausbau der Mitbestimmung. – Weitere In-
deutschen Kapitalmarkt repräsentativ, er formationen unter www.dgb.de.
dient als Marktbarometer, Benchmark Deutscher Industrie- und Handelskam-
(ĺ Benchmarking) und als ĺ Basiswert mertag (DIHK) – Spitzenorganisation der
für ĺ  Derivate.  –  Vgl. auch ĺ  MDAX, 80 ĺ  Industrie- und Handelskammern
ĺ  Deutscher Rentenindex (REX), (IHK) in Deutschland mit Sitz in Berlin.
ĺ SDAX, ĺ TecDAX, ĺ VDAX. – Wei- Hauptaufgaben des DIHK sind die För-
tere Informationen unter www.deut- derung und Sicherung der Zusammenar-
sche-boerse.com. beit der Kammern untereinander sowie
die Vertretung der Interessen der gewerb-
Deutscher Bundestag ĺ Bundestag. lichen Wirtschaft innerhalb Deutschlands
125 Devisenhandel

und im Ausland. – Weitere Informationen Deutsche Terminbörse ĺ EUREX.


unter www.dihk.de. Developing Countries ĺ Entwicklungs-
Deutscher Rentenindex (REX)  –  In- land.
dex, der auf 30 idealtypischen deutschen Devisen ĺ  Zahlungsmittel in frem-
ĺ Anleihen mit unterschiedlichen ganz- der ĺ Währung. Es kann sich dabei um
zahligen Laufzeiten (von ein bis zehn Jah- Guthaben auf ausländischen Bankkonten
ren) und Zinssätzen (6, 7,5 und 9 %) be- oder um ĺ Schecks und ĺ Wechsel han-
ruht. Jede der 30 Anleihen wird mit ih- deln, die auf fremde Währung lauten und
rem Marktanteil gewichtet. Der REX gibt im Ausland zahlbar sind.  –  Im ĺ  Devi-
die Bewertung eines repräsentativen Aus- senhandel werden nur die Guthaben auf
schnitts des deutschen ĺ  Rentenmark- ausländischen Bankenkonten als Devisen
tes wieder. Er wird von der ĺ  Deut- bezeichnet. – Vgl. auch ĺ Sorten.
schen Börse AG berechnet und veröffent-
licht. – Weitere Informationen unter www. Devisenbewirtschaftung –  Devisenkon-
deutsche-boerse.com. trolle; staatliche Maßnahmen zur Rege-
lung und Kontrolle des Zahlungsverkehrs
Deutsches Patent- und Markenamt mit dem Ausland meist im Falle eines
(DPMA) – selbstständige Bundesbehörde, chronischen Devisenmangels. Der An-
die dem Bundesminister der Justiz (BMJ) und Verkauf von ĺ  Devisen erfolgt nur
untersteht. Hauptsitz in München mit Au- über die dafür zuständigen staatlichen
ßenstellen in Jena und Berlin. Das Patent- Stellen. Durch die  Devisenbewirtschaf-
amt ist die Zentralbehörde auf dem Ge- tung soll verhindert werden, dass Devi-
biet des gewerblichen Rechtsschutzes sen in einem von staatlicher Seite nicht
in Deutschland. Es erteilt und verwaltet gewollten Umfang gekauft oder verkauft
ĺ gewerbliche Schutzrechte (ĺ Patente, werden. Häufig sind die Währungen in
ĺ  Gebrauchsmuster, ĺ  Marken und diesen Ländern überbewertet, so dass der
ĺ  Geschmacksmuster).  –  Weitere Infor- Handel nur auf dem Schwarzmarkt er-
mationen unter www.dpma.de. folgt. – Gegensatz: ĺ Konvertibilität.
Deutsches Rechnungslegungs Stan- Devisenbilanz ĺ Zahlungsbilanz.
dards Committee (DRSC)  –  Accounting
Standards Committee of Germany. Priva- Devisenbörse – Abteilung der ĺ Börse,
tes Rechnungslegungsgremium, das 1998 an der der An- und Verkauf von zum Bör-
nach den Vorbildern des ĺ Financial Ac- senhandel zugelassenen ĺ Devisen statt-
counting Standards Board (FASB) und findet. Die bedeutendsten internationa-
des ĺ  International Accounting Stan- len  Devisenbörsen sind New York, Lon-
dards Board (IASB) gegründet wurde. don, Tokio, Frankfurt a.M. und Zürich.
Laut dem Handelsgesetzbuch (HGB) hat In Deutschland wird der größte Teil der
das DRSC v.a. die Aufgabe, Empfehlun- Devisen außerbörslich gehandelt.  –  Vgl.
gen zur Anwendung von Grundsätzen auch ĺ Devisenmarkt.
über die Konzernrechnungslegung (sog. Devisenhandel – Kauf und Verkauf von
Deutsche Rechnungslegungs Standards ĺ Devisen. Devisen werden v.a. von Zen-
(DRS)) zu entwickeln. – Weitere Informa- tralnotenbanken, ĺ  Kreditinstituten so-
tionen unter www.drsc.de. wie großen Unternehmen gehandelt. Der
Devisenkassageschäft 126

Devisenhandel ist weltweit und jederzeit Art des Geschäftes wird zwischen dem
mittels Telekommunikation sowohl an Devisenkassamarkt (ĺ  Devisenkassa-
ĺ  Devisenbörsen also auch außerbörs- geschäft) und dem Devisenterminmarkt
lich möglich. Im  Devisenhandel werden (ĺ  Devisentermingeschäft) unterschie-
ĺ  Devisenkassageschäfte, ĺ  Devisen- den. – Vgl. auch ĺ Devisenhandel.
termingeschäfte und Devisenoptionsge- Devisenmarktintervention ĺ Devisen-
schäfte (ĺ  Devisenoption) abgeschlos- markt.
sen.
Devisenoption – Recht des Inhabers ei-
Devisenkassageschäft  –  Käufe oder ner Option, einen bestimmten Wäh-
Verkäufe von ĺ  Devisen, die innerhalb rungsbetrag zu einem vereinbarten Kurs
von zwei Geschäftstagen nach Geschäfts- bis oder zu einem festgelegten Zeitpunkt
abschluss zu erfüllen sind. Devisenkassa- zu kaufen oder zu verkaufen. Die Kauf-
geschäfte werden von Kreditinstituten im option wird als  ĺ Call, die Verkaufsop-
Auftrag von Kunden als ĺ Kommissions- tion als ĺ  Put bezeichnet. Devisenoptio-
geschäfte (Kundengeschäft) und auf eigene nen werden zur Absicherung von Risiken,
Rechnung (Eigengeschäft) abgeschlos- die aufgrund fallender oder steigender
sen. – Vgl. auch ĺ Devisenhandel. Kurse bei Außenhandelsgeschäften beste-
Devisenkassamarkt ĺ Devisenmarkt. hen, eingesetzt. Devisenoptionen werden
aber auch aus spekulativen Gründen ge-
Devisenkontrolle ĺ  Devisenbewirt-
kauft oder verkauft (ĺ  Devisenspekula-
schaftung.
tion). – Vgl. auch ĺ Devisenhandel.
Devisenkurs ĺ Wechselkurs. Devisenreserven ĺ Währungsreserven.
Devisenmarkt – Markt, an dem das An- Devisenspekulation  –  Käufe oder Ver-
gebot und die Nachfrage von ĺ  Devi- käufe von ĺ  Devisen in der Erwar-
sen zusammentreffen. Am Devisenmarkt tung, dass der Devisenkurs (ĺ  Wech-
bildet sich der ĺ  Wechselkurs. Der  De- selkurs)  steigt oder sinkt und somit die
visenmarkt befindet sich gesamtwirt- Devisen mit Gewinn wieder verkauft
schaftlich im Gleichgewicht, wenn die oder zurückgekauft werden können. Die
Leistungsbilanz (ĺ Zahlungsbilanz) aus- Transaktion erfolgt am Devisenkassa-
geglichen ist und die internationalen Ka- markt (ĺ  Devisenkassageschäft) und/
pitalgeber die zu einem bestimmten Zeit- oder am Devisenterminmarkt (ĺ  Devi-
punkt existierenden Devisenbestände zu sentermingeschäft), wobei auch Swapge-
halten bereit sind (Bestandsgleichgewicht). schäfte (ĺ Swap) und Devisenoptionsge-
Das Devisenmarktgleichgewicht wird bei schäfte (ĺ Devisenoption) abgeschlossen
freien Wechselkursen durch die Anpas- werden können.
sung des Wechselkurses an die Angebots-
und Nachfrageentwicklung erreicht. Im Devisenswap ĺ Swap.
Fall fester Wechselkurse (mit Bandbreite) Devisentermingeschäft  –  Käufe oder
kommt es zu Devisenmarktinterventio- Verkäufe von ĺ Devisen zu einem heute
nen (Devisenankäufen oder -verkäufen) vereinbarten (und damit sicheren) Kurs,
der Zentralbank, wenn der Wechselkurs die (im Unterschied zum ĺ Devisenkas-
die Bandbreite zu verlassen droht. – Nach sageschäft)erst nach zwei Geschäftstagen
127 Dienstleistungsmarketing

oder später erfüllt werden.  Devisenter- Dienstleistungsbilanz ĺ  Zahlungsbi-


mingeschäfte werden zur Absicherung lanz.
von Risiken, die aufgrund fallender oder
Dienstleistungsexport ĺ Export.
steigender Kurse bei Außenhandelsge-
schäften bestehen, eingesetzt (Wechsel- Dienstleistungsfreiheit  –  eine der
kurssicherung). Devisen werden aber auch Grundfreiheiten der EU (ĺ  Binnen-
aus spekulativen Gründen per Termin ge- markt), die für jeden Bürger der ĺ  Eu-
kauft oder verkauft (ĺ  Devisenspekula- ropäischen Union (EU) und im Gebiet
tion). – Vgl. auch ĺ Devisenhandel. des ĺ  Europäischen Wirtschaftsraums
(EWR) gilt. – 1. Aktive Dienstleistungsfrei-
Devisenterminmarkt ĺ Devisenmarkt.
heit: Das Recht, sich zur Erbringung einer
Dezentralisation – Dezentralisierung; or- ĺ  Dienstleistung in einen anderen Mit-
ganisatorische Verteilung von Funktionen gliedsstaat der EU bzw. des EWR zu be-
und Aufgaben auf verschiedene ĺ  Stel- geben und zu den dortigen Branchen-
len. D.h., im Hinblick auf ein Merkmal vorschriften tätig zu werden. – 2.  Passive
werden gleichartige Aufgaben stellenmä- Dienstleistungsfreiheit: Das Recht, sich zur
ßig getrennt.  –  Gegensatz: ĺ  Zentralisa- Entgegennahme einer Dienstleistung in ei-
tion. nen anderen Mitgliedsstaat der EU bzw.
des EWR zu begeben.
DGB  –  Abk. für ĺ  Deutscher Gewerk-
schaftsbund (DGB). Dienstleistungsmarke ĺ  Markenarti-
kel.
Diagnostic Lag ĺ Lag.
Dienstleistungsmarketing   –  Analyse,
Dialogfähigkeit ĺ Sozialkompetenz.
Planung, Steuerung und Kontrolle aller
Dienstbarkeit  –  Recht zur Nutzung ei- marketingpolitischen Maßnahmen eines
ner Sache, durch  welches das Recht des Dienstleistungsunternehmens. Besonder-
Eigentümers eines ĺ  Grundstücks ein- heiten ergeben sich dabei aus den Merk-
geschränkt wird.  Dienstbarkeiten sind malen von ĺ Dienstleistungen: Immate-
v.a. ĺ Nießbrauch und ĺ Grunddienst- rialität, Nichtlager- und Nichttransport-
barkeit.  Dienstbarkeiten sind in das fähigkeit sowie Kundenbeteiligung bei
ĺ Grundbuch einzutragen. der Erstellung.  –  Zu den Instrumenten
des Dienstleistungsmarketings zählen: (1)
Dienstgeheimnis ĺ  Betriebs- und Ge-
Leistungspolitik: Dienstleistungen müs-
schäftsgeheimnis.
sen entsprechend den Wünschen und Be-
Dienstleistung  –  nicht stoffliche, nicht dürfnissen der Kunden gestaltet werden.
körperliche Leistung (immaterielles Der Kundennutzen kann v.a. durch Zu-
Gut).  Dienstleistungen sind z. B. Bank-, satzleistungen (z. B. Essen und Getränke
Transport-, Versicherungsleistungen während eines Fluges) gesteigert werden.
oder Unterhaltungsleistungen. Sie sind (2) Preispolitik: Der Preis wird häufig vom
v.a. durch Gleichzeitigkeit von Produk- Kunden als Qualitätsindikator verwendet,
tion und Verbrauch und dadurch gekenn- da die Qualität einer Dienstleistung vor
zeichnet, dass sie nicht lager- und trans- der Inanspruchnahme vom Kunden nur
portfähig sind. – Gegensatz: ĺ Sachgut. schwer beurteilt werden kann. Außerdem
Dienstleistungssektor 128

kann die Preispolitik eingesetzt werden, kann über ĺ  Dienstleistungen jegli-


um eine bessere Kapazitätsauslastung zu cher Art abgeschlossen werden. I.d.R. be-
erreichen (z. B. unterschiedliche Hotel- stimmt der  Dienstvertrag Art, Umfang,
preise je nach Saison). (3) Distributions- Ort und Zeitdauer der Dienstleistung so-
politik: Standortentscheidungen kommen wie die Vergütung.  –  Zu unterscheiden
eine größere Bedeutung als im Konsum- sind: (1) Dienstvertrag unselbstständig Tä-
güter- oder Industriegütermarketing zu, tiger: ĺ Arbeitsvertrag. (2) Dienstvertrag
da eine Dienstleistung nicht transportfä- selbstständig Tätiger (Unternehmer oder
hig ist. (4) Kommunikationspolitik: Das Freiberufler): In diesem Fall ist derjenige,
Leistungsangebot muss fassbar gemacht der die Arbeitsleistung erbringt, wirt-
werden. Außerdem muss Vertrauen beim schaftlich und sozial unabhängig.  –  An-
Kunden geschaffen werden. Dies kann ders: ĺ Werkvertrag.
hauptsächlich durch eine möglichst ge- Dienstwagen ĺ Firmenwagen.
naue Beschreibung der Leistung erreicht
werden (z. B. im Fall einer Autowasch- Differenzierung  –  betriebliche
anlage durch die Beschreibung techni- ĺ Wachstumsstrategie, bei der ein erfolg-
scher Besonderheiten). (5) Personalpoli- reiches Angebot (ĺ Produkt, ĺ Dienst-
tik: Sie zählt als zusätzliches Instrument leistung) genauer an die Wünsche und Be-
des Dienstleistungsmarketings. Aufgrund dürfnisse der unterschiedlichen Kunden-
des direkten Kontakts zwischen Mitarbei- gruppen angepasst wird. Dazu werden die
ter und Kunde ist eine systematische Per- Kunden entsprechend ihren differenzier-
sonalpolitik von bes. Bedeutung (ĺ inter- ten Anspruchsschwerpunkten aufgeteilt
nes Marketing). (ĺ  Marktsegmentierung). Aus einem
Einzelprodukt entsteht eine Gruppe von
Dienstleistungssektor ĺ  tertiärer Sek- ähnlichen Produkten (Produktlinie,
tor. ĺ Produktfamilie). – Anders: ĺ Diversi-
Dienstleistungsunternehmen  –  Unter- fikation.
nehmen, das ĺ  Dienstleistungen erstellt digitales Geld ĺ elektronisches Geld.
und verkauft. Dazu zählen ĺ Handelsbe-
DIHK – Abk. für ĺ Deutscher Industrie-
triebe, Verkehrsbetriebe, Telekommuni-
und Handelskammertag (DIHK).
kationsunternehmen, ĺ Banken, ĺ Ver-
sicherungsunternehmen und sonstige Dilemma-These ĺ Wettbewerbspolitik.
Unternehmen wie Gaststätten, Hotels, dingliches Recht – Recht einer Person an
Restaurants, Friseure, Kinos oder Kran- einer Sache (Ding), das gegen jeden Drit-
kenhäuser. Außerdem sind Freiberufler ten gilt und von jedem anderen respek-
wie Ärzte, selbstständige ĺ  Steuerbera- tiert werden muss. Die wichtigsten dingli-
ter oder ĺ Makler Dienstleistungsunter- chen Rechte sind ĺ Eigentum, ĺ Hypo-
nehmen. thek, ĺ Grundschuld und ĺ Pfandrecht.
Dienstreise ĺ Reisekosten. dingliches Vorkaufsrecht ĺ  Vorkaufs-
Dienstvertrag ĺ  Vertrag, bei dem sich recht.
ein Vertragspartner verpflichtet, für den DIN-Normen  –  technische ĺ  Normen,
anderen zu arbeiten. Ein  Dienstvertrag die vom Deutschen Institut für Normung
129 Direktmarketing

e. V. (DIN) aufgestellt und mit dem Zei- der geringeren Verwaltungskosten kön-
chen DIN herausgegeben werden. nen dem Kunden Bankgeschäfte günsti-
DIN-Normen sind keine von Behörden ger angeboten werden. Häufig wird nur
oder Körperschaften öffentlichen Rechts ein eingeschränktes oder spezialisiertes
erlassene Verordnungen, sondern am Produktangebot mit unterschiedlicher
Stand von Wissenschaft und Technik ori- Serviceintensität angeboten.
entierte Empfehlungen an Industrie und direkte Preiselastizität ĺ Elastizität.
Handel, deren Anwendung der Entschei-
dung des Einzelnen unterliegt. – Vgl. auch direkter Vertrieb ĺ Absatzweg.
ĺ EN-Normen, ĺ ISO-Normen. –  Wei- direkte Steuern ĺ  Steuern, die direkt
tere Informationen unter www.din.de. vom Steuerschuldner (Unternehmen,
Personen, private Haushalte) auf dem
Direct Costing –  Proportionalkostenrech-
Wege der ĺ  Veranlagung erhoben und
nung, eine einfache Form der ĺ  Teil-
gezahlt werden. Zu den  direkten Steu-
kostenrechnung bzw. der ĺ  Deckungs-
ern zählen Steuern auf das Einkommen
beitragsrechnung, die in den 1930er-Jah-
und das Vermögen (z. B. ĺ Einkommen-
ren in den USA entwickelt wurde.
steuer, ĺ  Lohnsteuer, ĺ  Körperschaft-
Das Direct Costing beruht auf der Tren-
steuer und ĺ Solidaritätszuschlag) sowie
nung von ĺ variablen Kosten und ĺ fi-
Steuern im Zusammenhang mit dem pri-
xen Kosten. Von den Umsätzen je Produkt
vaten Verbrauch (z. B. ĺ  Kraftfahrzeug-
(ĺ  Umsatzerlös) werden die variablen
steuer und Hundesteuer).  –  Gegensatz:
Kosten abgezogen (ĺ Deckungsbeitrag).
ĺ indirekte Steuern.
Von der Summe aller Deckungsbeiträge
wird dann zur Ermittlung des Betriebser- Direktinvestition  –  Form der ĺ  Aus-
gebnisses der gesamte Fixkostenblock landsinvestition. ĺ  Kapitalexport durch
subtrahiert. Wirtschaftssubjekte eines Landes in ein
anderes Land mit dem Ziel, dort Immo-
Direct Mailing  –  Mailing, Begriff aus bilien zu erwerben, Betriebsstätten oder
dem ĺ  Marketing.  Direct Mailing ist Tochterunternehmen zu errichten, aus-
die gezielte Ansprache einer bestimm- ländische Unternehmen zu erwerben
ten Kundengruppe (Zielgruppe) mit ei- oder sich an ihnen mit einem Anteil zu
nem persönlich adressierten Anschreiben beteiligen, der einen entscheidenden Ein-
(Brief) oder auch einer ĺ E-Mail (Direct fluss auf die Unternehmenspolitik ge-
Mail). Direct Mailing ist eine Maßnahme währleistet.  –  Gegensatz: ĺ  Portfolioin-
des ĺ Direktmarketing. vestition, die vorrangig der Geldanlage
Direct Marketing ĺ Direktmarketing. dient.

Direktbank ĺ Kreditinstitut, das seinen Direktionsrecht ĺ Weisungsrecht.


Kunden Leistungen anbietet, ohne ein Fi- Direktmarketing  –  Direct Marketing.
lialnetz zu unterhalten. Die ĺ  Bankge- Alle Marketingmaßnahmen, bei dem
schäfte werden i.d.R. telefonisch, per Fax, durch einstufige Kommunikation ein di-
online oder per ĺ  Internet abgewickelt. rekter, individueller Kontakt zum Kun-
Eine Beratung findet nur in geringem den aufgebaut wird. Durch eine per-
Umfang oder gar nicht statt. Aufgrund sönliche Ansprache sollen Kunden und
Direktverkauf 130

Kundengruppen gezielt erreicht werden. Discounted Free Cashflow-Methode


Wichtige Instrumente des  Direktmarke- ĺ Discounted Cashflow-Methode.
tings sind Direktwerbung (ĺ Direct Mai- Discounter  –  Betriebsform des ĺ  Ein-
ling), persönlicher Verkauf und Telefon- zelhandels, die nur ein begrenztes ĺ Sor-
verkauf (ĺ Callcenter). Direktmarketing timent (geringe Sortimentsbreite und
ist für das ĺ Customer Relationship Ma- -tiefe) von Waren mit hoher Umschlags-
nagement (CRM) von großer Bedeutung. häufigkeit zu Dauerniedrigpreisen an-
Direktverkauf ĺ Absatzweg. bietet. Es handelt sich i.d.R. um Selbstbe-
Direktversicherung  –  Form der  be- dienungsgeschäfte, die keine Serviceleis-
trieblichen ĺ  Altersversorgung. Es wird tungen wie z. B. Beratung bieten und die
ein Lebensversicherungsvertrag (ĺ  Le- Waren ohne großen Aufwand präsentie-
bensversicherung) zwischen dem ĺ  Ar- ren (Verkauf direkt von der Palette oder
beitgeber (Versicherungsnehmer) und aus dem Karton). Bes. starke Position im
der Versicherungsgesellschaft zugunsten Lebensmitteleinzel- und Konsumelektro-
des ĺ  Arbeitnehmers und/oder dessen nikhandel.
Hinterbliebenen vereinbart. Discount-Handelsmarke ĺ  Handels-
Direktvertrieb ĺ Absatzweg. marke.
Direktzusage ĺ Pensionszusage. Diskont  –  Zinsabschlag, der beim An-
kauf von noch nicht fälligen ĺ Forderun-
Disagio  –  Abgeld. 1.Betrag, um den der
gen (insbes. von ĺ Wechseln) abgezogen
Ausgabepreis eines ĺ Wertpapiers unter
wird für die Zeit vom Ankaufstag bis zur
dem ĺ  Nennwert liegt.  –  2.  Betrag, um
Fälligkeit der Forderung.
den der Auszahlungsbetrag eines Darle-
hens unter dem Rückzahlungsbetrag liegt Diskontgeschäft  –  1.  Kreditwesenge-
(ĺ Damnum). – Gegensatz: ĺ Agio. setz (KWG): Ankauf von noch nicht fäl-
ligen ĺ Wechseln oder ĺ Schecks mit ei-
Discount Broker  –  Institut, das Bank-
nem ĺ Diskontsatz bis zum Fälligkeitstag
dienstleistungen, v.a. die Abwicklung
(ĺ  Diskont).  –  2.  Bankpraxis: ĺ  Dis-
von Wertpapierkauf- und Wertpapierver-
kontkredit.
kaufsaufträgen ohne Beratungsleistungen
zu günstigen Konditionen anbietet. Die Diskontierung  –  Abzinsung. Finanzma-
Auf-tragserteilung erfolgt meist über Te- thematische Bezeichnung für die Bestim-
lefon, per Fax oder ĺ Internet. Discount mung des Anfangskapitals K0 bei gegebe-
Broker sind i.d.R. ĺ Direktbanken. nen Endkapital Kn, Zinsfaktor q und Lauf-
zeit n. Es gilt: K0 = 1 / (qn · n · Kn), wobei q
Discounted Cashflow-Methode  –  Dis-
= 1 + p / 100 (p = Kalkulationszinsfuß). –
counted Free Cashflow-Methode. Ein in
Der Abzinsungsfaktor 1 / qn wird auch als
der Praxis häufig verwendetes Verfahren
Diskontierungsfaktor bezeichnet. – Gegen-
der ĺ Unternehmensbewertung und Im-
satz: ĺ Aufzinsung.
mobilienbewertung. Es wird der Gegen-
wartswert (ĺ  Barwert) der zukünftigen Diskontierungsfaktor ĺ Diskontierung.
Zahlungsüberschüsse berechnet und mit Diskontkredit  –  kurzfristiger ĺ  Kre-
einem Risikoaufschlag abgezinst (ĺ Dis- dit, der durch den Ankauf von noch nicht
kontierung). zur Zahlung fälligen ĺ  Wechseln und
131 Distribution

ĺ Schecks gewährt wird. Der ĺ Diskont Diskriminierungsverbot  –  1.  Wett-


wird vom Zahlungsbetrag abgezogen. Der bewerbsrecht: ĺ  Behinderungs- und
Kreditnehmer kann bis zu einer verein- Diskriminierungsverbot gemäß §  19
barten Höhe ĺ Wechsel zum Ankauf ein- f.  GWB.  –  2.  Steuerrecht: Verbot, fremde
reichen. Die Tilgung des  Diskontkredits Staatsangehörige bei vergleichbarer Sach-
erfolgt durch die Zahlung des Wechselbe- lage steuerlich schlechter zu behandeln als
trags bei Fälligkeit. die des eigenen Staates. – 3.  Arbeitsrecht:
ĺ Diskriminierung.
Diskontpapiere ĺ  Finanzierungs- Disposition  –  1.  Organisation: die von
schätze. einer Situation abhängige Entscheidung
oder Regelung im Rahmen der dauer-
Diskontsatz – Zinssatz für einen ĺ Dis- haft und umfassend angelegten ĺ Orga-
kontkredit. nisation. Das Verhältnis von Organisation
und Disposition bestimmt den Organisa-
Diskriminierung  –  Benachteili- tionsgrad. – 2.  Planung: die Entscheidung
gung durch unterschiedliche Behand- im Rahmen einer kurzfristigen Planung
lung.  –  1.  Außenwirtschaft: Unter- von Mengen und Zeiten, z. B. Bedarfs-
schiedliche Behandlung der einzel- mengenplanung.
nen Partnerstaaten hinsichtlich des
Waren-, Dienstleistungs- und Kapitalver- Dispositionskredit  –  Kreditlinie, die
kehrs.  Diskriminierung liegt z. B. vor bei Privatkunden von einem ĺ  Kreditins-
Abweichung von der ĺ  Meistbegünsti- titut eingeräumt wird; meist statisch in
gung, bei nach Währungsräumen oder Höhe von drei Netto-Monatsgehältern.
Ländern unterschiedlichen Devisenbe- Bei moderneren Vergabeverfahren wird
stimmungen sowie bei ĺ tarifären Han- die Kredithöhe anhand festgelegter Bo-
delshemmnissen oder ĺ  nicht tarifären nitätskriterien automatisch ermittelt und
Handelshemmnissen. Der Abbau von au- bei Änderungen der ĺ  Kreditwürdig-
ßenwirtschaftlichen  Diskriminierungen keit automatisch angepasst.  –  Vgl. auch
gehört zu den Zielen verschiedener in- ĺ Kontokorrentkredit, ĺ Überziehungs-
ternationaler Organisationen (ĺ  Welt- kredit.
handelsorganisation (WTO), ĺ  OECD, dispositive Faktoren ĺ Produktionsfak-
ĺ  Internationaler Währungsfonds toren.
(IWF). – 2. Arbeitsrecht: Nach dem Allge-
meinen Gleichbehandlungsgesetz (AGG) Distanzhandel ĺ Teleshopping.
sind ĺ  Arbeitgeber dazu verpflichtet, Distribution – 1. Betriebswirtschaftslehre:
„Benachteiligungen aus Gründen der Verteilung der Vertriebsobjekte (ĺ  Wa-
Rasse oder wegen der ethnischen Her- ren, ĺ  Dienstleistungen, ĺ  Informati-
kunft, des Geschlechts, der Religion oder onen und Rechte), d.h. alle (physischen
der Weltanschauung, einer Behinderung, und akquisitorischen) Prozesse, die zwi-
des Alters oder der sexuellen Identität zu schen Produzenten direkt oder indirekt
verhindern oder zu beseitigen.“ – 3. Wett- über Händler bis zum Endabnehmer ab-
bewerbsrecht: ĺ Behinderungs- und Dis- laufen. In der Praxis werden synonym
kriminierungsverbot. auch die Begriffe Absatz, Vertrieb und
Distribution Channel 132

Verkauf benutzt.  –  2.  Volkswirtschafts- ähnlich sind und auf derselben Produkti-
lehre: gesamtwirtschaftliche Verteilung onsstufe liegen. (2) vertikale Diversifika-
von Einkommen (ĺ Einkommensvertei- tion: Aufnahme von Produkten auf der
lung) und Vermögen (ĺ Vermögensver- vor- oder nachgelagerten Produktions-
teilung).  –  Vgl. auch ĺ  Verteilungspoli- stufe (vertikale Integration). (3) laterale
tik. Diversifikation: Aufnahme von Produk-
Distribution Channel ĺ Absatzkanal. ten, die keinen oder nur minimalen Be-
zug zu den bisherigen Produkten aufwei-
Distributionslogistik ĺ Logistik. sen. – Anders: ĺ Differenzierung.
Distributionsorgane  –  Personen und Dividende  –  1.  Bei einer ĺ  Aktienge-
Einrichtungen, die bei der ĺ Distribution sellschaft ĺ  (AG) der auf eine einzelne
von Produkten eingesetzt werden. Dazu ĺ  Aktie fallende Anteil am ausgeschüt-
zählen: (1) Vertriebsorgane des Herstellers, teten Gewinn. Die Gewinnanteile der
z. B. Verkaufsabteilungen und Reisende, ĺ Aktionäre bestimmen sich nach ihren
Verkaufssyndikate, (2) ĺ  Absatzmittler, Anteilen am ĺ  Grundkapital. Die Höhe
z. B. Groß- und Einzelhändler, (3) ĺ Ab- der Dividende wird in Euro pro Mindest-
satzhelfer, z. B. Handelsvertreter und Spe- nennwert (Nennwert) oder in Prozenten
diteure, (4) Marktveranstaltungen, z. B. des Nennwertes ausgedrückt. Die Satzung
Messen, Ausstellungen und Auktionen kann aber auch eine andere Form der Ge-
und (5) Beschaffungsorgane der Abneh- winnverteilung vorsehen. Die Dividen-
mer, z. B. Einkaufs- und Konsumgenos- denhöhe wird aufgrund des ĺ Jahresab-
senschaften sowie Einkaufsreisende. schlusses i.d.R. vom Vorstand und vom
Distributionspolitik  –  marketingpoli- Aufsichtsrat vorgeschlagen und von der
tische Maßnahmen, die die Verteilung Hauptversammlung beschlossen. – 2.  Bei
(ĺ  Distribution)  eines Vertriebsobjek- der ĺ Gesellschaft mit beschränkter Haf-
tes vom Hersteller oder Anbieter bis zum tung (GmbH) ist die Dividende der Anteil
Endabnehmer betreffen. Die  Distributi- an der Gewinnauschüttung, der auf einen
onspolitik umfasst: (1) Vertriebspolitik: Gesellschaftsanteil entfällt. Die Gewinn-
Entscheidungen v.a. über den ĺ Absatz- verteilung erfolgt i.d.R. wie bei der Akti-
weg und über ĺ  Absatzmittler. (2) Ver- engesellschaft (AG).  –  Dividenden sind
kaufspolitik: z. B. Entscheidungen über als Einkünfte aus Kapitalvermögen steu-
Verkaufsbezirke, Planung und Steuerung erpflichtig. Im Zusammenhang mit dem
des Außendienstes und Schulungen für Aktienbesitz anfallende Kosten sind ab-
Verkäufer. zugsfähig. Seit 2008 gilt für  Dividenden
Distributionsweg ĺ Absatzweg. das sog. ĺ Teileinkünfteverfahren.

Diversifikation  –  Ausweitung des Leis- Dividendenkapitalerhöhung ĺ Schütt-


tungsprogramms eines Unternehmens aus-Hol-zurück-Politik.
auf neue Produkte und neue Märkte Dividendenpolitik – Teil der Unterneh-
(ĺ  Wachstumsstrategie).  –  Zu unter- menspolitik, der auf die Bemessung der
scheiden sind folgende Arten: (1) hori- ĺ Dividende ausgerichtet ist. Die ĺ Ak-
zontale Diversifikation: Aufnahme von tiengesellschaft (AG) ist meist bestrebt,
Produkten, die den bisherigen Produkten über einen längeren Zeitraum hinweg eine
133 Dokumenteninkasso

gleichmäßige Dividende auszuschütten. Akkreditivbank kann ihr Zahlungsver-


Die  Dividendenpolitik hat im Sharehol- sprechen jederzeit ändern oder zurück-
der-Value-Konzept (ĺ  Shareholder nehmen.  –  Nach der Leistungsart und
Value) für den ĺ Aktionär eine bes. Be- dem Leistungszeitpunkt kann außer-
deutung, da sie den Marktwert des Eigen- dem folgende Unterteilung vorgenommen
paitals der Unternehmung beeinflusst. werden: (1) Sichtakkreditiv: Bei Vorlage
Dividendenschein ĺ Bogen. der Dokumente wird von der jeweiligen
Bank sofort gezahlt. (2) Nachsichtakkre-
Dividendenscheinbogen ĺ Bogen. ditiv: Die Bank zahlt erst zu einem festge-
Dividendenvorrecht ĺ Vorzugsaktie. setzten Zeitpunkt nach Vorlage der Do-
divisionale Organisation ĺ  Spartenor- kumente. (3) Akzeptakkreditiv: Die Bank
ganisation. verpflichtet sich, einen den Dokumenten
beigefügten ĺ  Wechsel des Exporteurs
Divisionskalkulation ĺ  Kalkulations- zu akzeptieren oder die Einlösung eines
verfahren. vom Importeur akzeptierten Wechsels zu
Dokumentenakkreditiv  –  Akkredi- garantieren. (4) Negoziierungsakkreditiv:
tiv. Eine im Außenhandel gebräuchliche Die Zahlung erfolgt gegen einen Wechsel
Zahlungsform. Ein ĺ Kreditinstitut (Ak- und/oder ein Dokument durch eine an-
kreditivbank) verpflichtet sich im Auf- dere Bank, die durch die Akkreditivbank
trag seines Kunden (z. B. Importeur), ge- damit beauftragt wurde.
gen Vorlage bestimmter Dokumente eine
Zahlung an einen Dritten (z. B. Expor-
teur) zu leisten. Bei den Dokumenten
kann es sich z. B. um Fracht-, Versiche-
rungsdokumente oder Handelsrechnun-
gen handeln. Das  Dokumentenakkredi-
tiv ist ein Zahlungsversprechen der Bank
gegenüber dem Begünstigten. Es gibt
dem Begünstigten die Sicherheit, dass
er den Erlös aus dem Exportgeschäft er-
hält.  –  Vgl. Abb. „Abwicklung des Do-
kumentenakkreditivs“. – Es können nach
der Art der Verpflichtung folgende Arten Dokumenteninkasso  –  Auftrag eines
des  Dokumentenakkreditivs unterschie- Exporteurs an seine Bank, die von ihm
den werden: (1) Unwiderrufliches unbe- eingereichten Dokumente (z.B Fracht-,
stätigtes Dokumentenakkreditiv: Die Ver- Versicherungsdokumente und Handels-
pflichtung kann von der Akkreditivbank rechnungen) an den Importeur zu über-
nicht zurückgenommen werden. (2) Un- geben. Voraussetzung für die Übergabe
widerrufliches bestätigtes Dokumentenak- ist, dass der Importeur gezahlt, einen
kreditiv: Zusätzlich zur Akkreditivbank ĺ  Wechsel akzeptiert oder einen un-
verpflichtet sich auch die Bank des Ak- widerruflichen Zahlungsauftrag unter-
kreditivbegünstigten zur Zahlung. (3) Wi- schrieben hat. Grundlage ist der zwischen
derrufliches Dokumentenakkreditiv: Die Exporteur und Importeur geschlossene
Domizilprinzip 134

Kaufvertrag, in dem die Zahlungsabwick- Doppik ĺ doppelte Buchhaltung.


lung über ein  Dokumenteninkasso ver- Dow Jones Index  –  Dow Jones Indust-
einbart wurde. rial Average. Der wichtigste und bekann-
Domizilprinzip ĺ Haustürgeschäft. teste US-Aktienindex. Er wird an der
Doppelbesteuerung  –  Bezeichnung New York Stock Exchange für die 30 um-
für die Besteuerung eines Steuerpflichti- satzstärksten Aktien berechnet. Der An-
gen für den gleichen Zeitraum mit einer teil einer Aktie am Index bestimmt sich
gleichartigen Steuer in zwei Ländern. Um nur durch ihren Kurs. Der Dow Jones In-
eine  Doppelbesteuerung zu verhindern, dex wird während der Börsenzeit laufend
haben die meisten Staaten untereinander ermittelt.  –  Weitere Informationen unter
zweiseitige internationale Verträge (Dop- ĺ www.djindexes.com.
pelbesteuerungsabkommen) abgeschlos- Dow Jones Industrial Average ĺ Dow
sen. So hat Deutschland mit zahlreichen Jones Index.
Einzelstaaten Abkommen vereinbart, die Drei-Sektoren-Hypothese ĺ  Struktur-
eine doppelte Besteuerung im Bereich der wandel.
ĺ  Einkommensteuer, aber auch anderer
Drittaufwand – Begriff aus dem Einkom-
Steuern wie z. B. der Erbschaftsteuer ver-
mensteuerrecht. Drittaufwände sind Aus-
hindern sollen.  –  Weitere Informationen
gaben, die mit der Erzielung von ĺ Ein-
unter www.bundesfinanzministerium.de.
künften in Verbindung stehen, die aber
Doppelbesteuerungsabkommen ĺ von einem Dritten getragen werden. Drit-
Doppelbesteuerung. taufwände können nicht als Betriebsaus-
doppelte Buchführung ĺ  doppelte gaben oder ĺ Werbungskosten des Steu-
Buchhaltung. erpflichtigen geltend gemacht werden.
doppelte Buchhaltung – doppelte Buch- Drittlandsgebiet – Begriff aus dem Um-
führung, Doppik. Gebräuchliche ĺ Buch- satzsteuerrecht für alle Gebiete, die um-
führung, bei der jeder Geschäftsvor- satzsteuerlich zu keinem Mitgliedsstaat
fall immer mind. zwei Konten (ĺ Konto der ĺ  Europäischen Union (EU) gehö-
und Gegenkonto) berührt. Es erfolgt ren.
stets eine Soll- und eine Habenbuchung Drittschuldner  –  Person, die bei der
(ĺ  Buchungssatz). Die Gewinnermitt- ĺ  Zwangsvollstreckung  durch Forde-
lung wird über die ĺ Bilanz und über die rungspfändung dem Schuldner etwas
ĺ Gewinn- und Verlustrechnung (GuV) schuldet. Im Fall der Lohnpfändung ist
durchgeführt. dies bspw. der ĺ Arbeitgeber.
doppelte Haushaltsführung  –  Begriff Drittstaateneinlagenvermittlung ĺ
aus dem Einkommensteuerrecht. Dop- Finanzdienstleistungen.
pelte Haushaltsführung ist der notwen- DRSC  –  Abk. für ĺ  Deutsches Rech-
dige Unterhalt eines zweiten Haushalts nungslegungs Standards Committee.
aus betrieblichem Anlass. Die Ausga-
ben für die  doppelte Haushaltsführung duale Berufsausbildung ĺ  Berufsaus-
sind unter bestimmten Bedingungen  als bildung.
ĺ Werbungskosten abzugsfähig. duales Studium ĺ Berufsausbildung.
135 Dyopol

dubiose Forderung ĺ zweifelhafte For- Durchschnittsbewertung  –  ein nach


derung. dem Handels- und Steuerrecht zulässiges
Dumping – Verkauf von Waren zu Prei- vereinfachtes Verfahren zur Bewertung
sen, die unter den ĺ Selbstkosten liegen. von Vermögensgegenständen. Gleichar-
Ziel ist es, Wettbewerber aus dem Markt tige Gegenstände des Anlage- und Um-
zu verdrängen.  Dumping verstößt gegen laufvermögens, v.a. der Lagervorräte, wer-
das Gesetz gegen Wettbewerbsbeschrän- den zusammengefasst. Aus den zu unter-
kungen (GWB).  –  Zum Schutz vor aus- schiedlichen Preisen gekauften Waren
ländischen Dumpingangeboten können wird entweder einmal zum Jahresende ein
im Rahmen der Außenwirtschaftspolitik Durchschnittswert gebildet oder es wer-
ĺ  Zölle eingesetzt werden (ĺ  Protekti- den während des Jahres laufende Durch-
onismus). schnitte errechnet.
Duopol ĺ Oligopol. Durchschnittsertrag – Durchschnittspro-
Durchführbarkeitsstudie ĺ  Feasibili- dukt. Verhältnis von Ausbringungs-
ty-Studie. menge zur zugehörigen Faktoreinsatz-
menge.  –  Kehrwert: Produktionskoeffizi-
Durchfuhrhandel ĺ Transithandel. ent (z. B. ĺ Kapitalkoeffizient).
Durchführungsverzögerung ĺ Lag.
Durchschnittskosten  –  die durch-
Durchfuhrzoll ĺ Zoll. schnittlich auf eine Leistungseinheit (z. B.
Durchgriffshaftung ĺ Haftung von Ge- Produkt, Auftrag, Kostenstelle) entfallen-
sellschaftern einer juristischen Perso- den Gesamtkosten. – Vgl. auch ĺ Stück-
nen (z. B. GmbH und GmbH & Co. KG) kosten.
für Verbindlichkeiten dieser juristischen Durchschnittsprodukt ĺ Durchschnitts-
Person. Die  Durchgriffshaftung kommt ertrag.
nur in Ausnahmefällen in Betracht, z. B.
wenn Gesellschaftsvermögen und sons- Durchschnittsproduktivität ĺ Produk-
tiges Vermögen nicht unterschieden wer- tivität.
den können. Durchgriffshaftung führt zur Durchschnittssteuersatz  –  Verhältnis
vollen persönlichen Haftung. zwischen Steuerbetrag und ĺ  Bemes-
durchlaufende Posten – Begriff aus dem sungsgrundlage. Der  Durchschnittssteu-
ĺ Rechnungswesen für Beträge, die vom ersatz gibt insofern die Belastung der ge-
Unternehmen einbehalten und an Dritte samten Besteuerungsmenge an. – Anders:
weitergeleitet werden. Durchlaufende ĺ Grenzsteuersatz.
Posten sind z. B. ĺ Arbeitgeberanteile zur
Durchsetzungsverzögerung ĺ Lag.
ĺ Sozialversicherung bei der Lohn- und
Gehaltsabrechnung. Dyopol ĺ Oligopol.
e.G.  –  Abk. für eingetragene ĺ  Genos-
E
steuerliche Einflüsse unberücksichtigt.
senschaft. Außerdem wird nur die eigentliche Ge-
e. V. – Abk. für eingetragener ĺ Verein. schäftstätigkeit des Unternehmens zum
Vergleich herangezogen, da der Anteil
Earnings before Depreciation, Inte- des ĺ  Fremdkapitals nicht einbezogen
rest, Tax and Amortisation (EBDITA, wird. – Ähnlich: ĺ Betriebsergebnis.
EBITDA)  –  international gebräuchliche
Kennziffer, die aus der ĺ  Gewinn- und Earnings per Share ĺ Gewinn je Aktie.
Verlustrechnung (GuV) abgeleitet wird. EBA – Abk. für European Banking Autho-
EBDITA ist der Gewinn vor ĺ Abschrei- rity, ĺ  Europäische Bankenaufsichtsbe-
bungen, ĺ  Zinsen, ĺ  Steuern und Ge- hörde (EBA).
schäftswertabschreibungen (Amorti- EBDIT – Abk. für ĺ Earnings before De-
sation) bzw. die um die Amortisation preciation, Interest and Tax.
geminderten ĺ Earnings before Depreci-
EBDITA – Abk. für ĺ Earnings before De-
ation, Interest and Tax (EBDIT).
preciation, Interest, Tax and Amortisation
Earnings before Depreciation, Inte- (EBDITA oder EBITDA).
rest and Tax (EBDIT) – international ge- EBIT – Abk. für ĺ Earnings before Inte-
bräuchliche Kennziffer, die aus der ĺ Ge- rest and Tax.
winn- und Verlustrechnung (GuV) ab-
geleitet wird. EBDIT ist der Gewinn EBITDA  –  Abk. für ĺ  Earnings before
(Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstä- Depreciation, Interest, Tax and Amortisa-
tigkeit) vor dem Abzug von ĺ Abschrei- tion (EBDITA oder EBITDA).
bungen, ĺ Zinsen und ĺ Steuern. Durch EBRD – Abk. für European Bank for Re-
die Kennziffer sollen zur besseren Ver- construction and Development (EBRD);
gleichbarkeit solche Einflüsse (Abschrei- ĺ  Europäische Bank für Wiederaufbau
bungspolitik, Verschuldungsgrad, Steue- und Entwicklung (EBWE).
reffekte) ausgeschaltet werden, die unab- E-Business  –  Kurzbezeichnung für
hängig vom Unternehmen bestehen. So ĺ Electronic Business.
werden Zinsen von den Gläubigern (z. B.
EBWE – Abk. für ĺ Europäische Bank für
Banken), Steuern und Abschreibungs-
Wiederaufbau und Entwicklung.
möglichkeiten vom Staat festgelegt.
E-Cash  –  Kurzbezeichnung für ĺ  Elec-
Earnings before Interest and Tax
tronic Cash.
(EBIT) – Operating Income, Operating Pro-
fit. International gebräuchliche Kennzif- EC-Karte  –  häufig verwendeter Begriff
fer, die aus der ĺ Gewinn- und Verlust- für die vom deutschen Kreditgewerbe
rechnung (GuV) abgeleitet wird. EBIT gemeinsam herausgegebene Bankkun-
ist der Gewinn vor Zinsen und Steuern. denkarte (ĺ Debitkarte).
Beim Vergleich von Unternehmen aus Ecklohn – im ĺ Tarifvertrag festgelegter
verschiedenen Ländern bleiben somit Stundenlohn für einen Facharbeiter der
Springer Fachmedien Wiesbaden (Hrsg.), Kompakt-Lexikon Wirtschaft,
DOI 10.1007/978-3-658-05791-6_5, © Springer Fachmedien Wiesbaden 2014
Eckrentner 138

untersten Tarifgruppe im Alter von über Skalenerträge (Increasing Returns to Scale)


21 Jahren (Mindeststundenlohn). Auf der entstehen.  Economies of Scale sind eine
Grundlage des Ecklohns werden die tarif- Ursache der ĺ Unternehmenskonzentra-
lichen Grundlöhne für andere Lohngrup- tion und für natürliche Monopole (ĺ na-
pen berechnet. Im Rahmen von Lohn- türliches Monopol). – Vgl. auch ĺ Skale-
verhandlungen geht es i.d.R. nur um die nertrag und ĺ Economies of Scope.
Neufestsetzung des Ecklohns. Economies of Scope  –  Verbundvor-
Eckrentner  –  Standardrentner. Standar- teile; wirtschaftliche Vorteile, die bei di-
disierter Musterfall eines Beziehers einer versifizierten Unternehmen, die mit ver-
ĺ  Altersrente, der während seines ge- schiedenen Produkten auf verschiede-
samten Arbeitslebens mit einer Dauer von nen Märkten tätig sind, auftreten können.
45 Jahren ein durchschnittliches ĺ  Ar- Diese Unternehmen können in bestimm-
beitsentgelt erzielt hat. Das Verhältnis sei- ten Unternehmensbereichen Synergien
ner Rente zum Durchschnittseinkommen zusammenführen, um Kostenerspar-
beziffert das Rentenniveau. nisse zu erzielen. Bspw. können die Kos-
E-Commerce  –  Kurzbezeichnung für ten der Mehrprodukt-Unternehmen für
ĺ Electronic Commerce. ĺ  Forschung und Entwicklung (F&E)
von zwei verschiedenen Produkten nied-
E-Community  –  Kurzbezeichnung für riger sein, als wenn die Produkte von zwei
ĺ Electronic Community. Unternehmen gesondert entwickelt wür-
E-Company  –  Kurzbezeichnung für den. – Vgl. auch ĺ Synergie.
ĺ Electronic Company.
ECU – Abk. für European Currency Unit
Economic Value Added (EVA)  –  Be- (ĺ Europäische Währungseinheit).
triebswirtschaftliche Kennzahl, die im
Edelmetallbörse ĺ Börse, an der Edel-
Rahmen eines Wertsteigerungskonzeptes
metalle (Gold und Silber) gehandelt
zur Anwendung kommt. Der EVA-Ansatz
werde. Die größten Edelmetallbörsen der
errechnet ein wertorientiertes Residual-
Welt sind die Commodity Exchange (CO-
einkommen der zu bewertenden ĺ  In-
MEX) in New York und die London Metall
vestition. Diese ist dann wertsteigernd,
Exchange (LME), an der neben Edelme-
wenn sie eine positive Differenz (EVA)
tallen vorwiegend Industriemetalle (Alu-
zwischen der tatsächlichen Rendite und
minium, Blei, Kupfer, Zink etc.) gehandelt
den geforderten Kapitalkosten erwirt-
werden.
schaftet.
Economies of Scale  –  Größenkostener- EDI – Abk. für ĺ Electronic Data Inter-
sparnisse. Bezeichnung der Wirtschafts- change.
theorie für Kostenersparnisse (sin- EEG-Umlage – Umlage nach dem Erneu-
kende Durchschnittskosten und sin- erbare-Energien-Gesetz (EEG)  von 2000,
kende Grenzkosten), die bei gegebener die von den Stromverbrauchern über den
ĺ  Produktionsfunktion mit zunehmen- Strompreis erhoben wird. Das Umlage-
der Ausbringungsmenge entweder kurz- aufkommen soll die Differenz zwischen
fristig aufgrund der Fixkostendegression der nach dem EEG den Ökostromerzeu-
oder langfristig aufgrund zunehmender gern garantierten Einspeisevergütung,
139 Efficient Consumer Response (ECR)

welche die zur Stromabnahme verpflich- (ĺ Depotgeschäft) sowie die Übernahme


teten  Netzbetreiber einerseits als festen und Unterbringung von Wertpapieren auf
Stromeinkaufspreis zu zahlen haben, und eigenes Risiko (ĺ Emissionsgeschäft).
dem i.d.R. niedrigeren Stromverkaufs- Effektenpensionierung ĺ  Wertpapier-
preis  ausgleichen,  den die Netzbetrei- pensionsgeschäft.
ber andererseits für den Ökostrom an der
Strombörse erzielen. Bei sinkenden Prei- effektiver Wechselkurs ĺ Wechselkurs.
sen an der Strombörse kommt es so ku- Effektivmarkt ĺ Kassamarkt.
rioserweise für die Letztverbraucher zu Effektivverschuldung ĺ  Verschul-
einem steigenden Strompreis. Da dieser dungsgrad.
Preisauftrieb mit wachsendem Anteil er-
neuerbarer Energien an der Stromversor- Effektivzins – tatsächlicher Zinssatz, der
gung und infolgedessen steigender Um- die mit einer Kapitalaufnahme verbun-
lage forciert wird, droht dieses Strompreis- denen Kosten bzw. die mit einem Kapi-
dilemma die  ĺ  Energiewende ernsthaft taleinsatz erzielte Rentabilität wieder-
zu blockieren. – Die im Juli 2014  vom gibt. Bei der Berechnung des Effektivzin-
Bundestag und Bundesrat verabschiedete ses werden der Nominalzins, Gebühren,
EEG-Reform soll (vorbehaltlich der Zu- Laufzeit, Agio bzw. Disagio und Tilgungs-
stimmung der EU-Kommission) durch modalitäten berücksichtigt. Nach dem
verschiedene Maßnahmen (u.a. Kürzung ĺ  Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB) und
der Ökostromsubventionen, Verschär- der Preisangabenverordnung (PAngV)
fung der Befreiung von der EEG-Umlage) müssen Kreditinstitute bei Krediten an
zur Lösung dieses Problems beitragen. Privatkunden den „effektiven Jahreszins“
angeben. – Gegensatz: ĺ Nominalzins.
EFF  –  Abk. für Europäischer Fischerei-
fonds, ĺ Strukturfonds. Efficient Consumer Response
(ECR) – Distributionssystem in der Kon-
Effekten – Sammelbegriff für vertretbare, sumgüterindustrie, in dem alle Vertrieb-
d.h. fungible ĺ  Wertpapiere (zur Geld- spartner (Lieferanten und Handel) zur
anlage geeignet). Zu ihnen gehören v.a. Optimierung der Wertschöpfungskette
ĺ  Aktien, ĺ  Anleihen, ĺ  Pfandbriefe eng zusammenarbeiten. Unter ECR wer-
und Optionsscheine (ĺ Optionen). Nicht den verschiedene Managementmetho-
dazu zählen ĺ  Banknoten, ĺ  Schecks den zusammengefasst, um die Versor-
und ĺ Wechsel. gungsketten effizient und an den ĺ  Be-
Effektengeschäft ĺ  Bankgeschäft im dürfnissen der Verbraucher orientiert zu
Sinne des Kreditwesengesetzes (KWG). gestalten. – Ziel ist es, flexibler, schneller
Es handelt sich dabei um unterschied- und gezielter auf Änderungen der Kun-
liche Geschäfte mit ĺ  Wertpapieren. denachfrage reagieren zu können und
Dazu zählen der An- und Verkauf von gleichzeitig die Distributionskosten zu
Wertpapieren in Kommission (ĺ  Kom- senken.  –  Wichtig für das ECR-Kon-
missionsgeschäft), der An- und Ver- zept ist, dass Warenabverkauf und Wa-
kauf von Wertpapieren auf eigene Rech- rennachschub aufeinander abgestimmt
nung (ĺ  Eigengeschäft), die Aufbewah- sind. Auf diese Weise können die Wa-
rung und Verwaltung von Wertpapieren renbestände und somit Kosten verringert
Effizienz 140

werden (Efficient Continuous Replenish- eGK – Abk. für ĺ elektronische Gesund-


ment). Durch die enge Zusammenarbeit heitskarte (eGK).
sollen außerdem im Handel Warenan- EGKS – Abk. für ĺ Europäische Gemein-
gebote wirtschaftlicher und kundenori- schaft für Kohle und Stahl.
entierter gestaltet und präsentiert (Ef-
ficient Store Assortment) und Herstel- E-Government  –  Kurzbezeichnung für
ler bei der Entwicklung und Einführung ĺ Electronic Government.
neuer Produkte durch Informationsaus- Ehegattensplitting ĺ  Splittingverfah-
tausch unterstützt werden (Efficient Pro- ren.
duct Instruction). Es werden Verkaufsför- EHIC  –  Abk. für European Health In-
derungsaktionen gemeinsam geplant und surance Card, ĺ Europäischen Kranken-
durchgeführt (Efficient Promotions). Eine versicherungskarte (EHIC).
entscheidende Rolle spielt beim ECR der
lückenlose Informationsfluss von den Fi- EIB  –  Abk. für ĺ  Europäische Investiti-
lialen der beteiligten Händler zurück in onsbank (EIB).
die zentralen Systeme des Handels und eidesstattliche Versicherung  –  Versi-
von dort in die der Hersteller (ĺ Electro- cherung an Eides statt. Form der Beteu-
nic Data Interchange (EDI)). erung, dass eine abgegebene Erklärung
Effizienz  –  Beurteilungskriterium, mit richtig ist. Sie wird in vielen Fällen vom
dem sich beschreiben lässt, ob eine Maß- Gesetz vorgeschrieben oder zugelassen,
nahme geeignet ist, ein vorgegebenes Ziel kann aber auch sonst in einem förmli-
in einer bestimmten Art und Weise (z. B. chen Beweisverfahren vor einer Behörde
unter Beachtung der ĺ  Wirtschaftlich- als Grundlage für eine Entscheidung ab-
keit) zu erreichen. gegeben werden.
EFRE – Abk. für Europäischer Fonds für Eigenanzeige ĺ Selbstanzeige.
regionale Entwicklung, ĺ Strukturfonds. Eigenbetrieb  –  Rechtsform, in der
EFSF – Abk. für European Financial Sta- ĺ  kommunale Unternehmen geführt
bility Facility (EFSF), ĺ Europäische Fi- werden können.  Eigenbetriebe sind or-
nanzstabilisierungsfazilität (EFSF). ganisatorisch und finanzwirtschaftlich
aus der Gemeindeverwaltung ausgeglie-
EFSM  –  Abk. für European Financial
dert (ĺ  Sondervermögen). Sie besitzen
Stabilisation Mechanism, ĺ  Europäi-
keine eigene Rechtspersönlichkeit. Die
scher Finanzstabilisierungsmechanismus
Gemeinde haftet unbeschränkt für die
(EFSM).
Schulden ihrer Eigenbetriebe.
EFTA – Abk. für European Free Trade As-
eigene Leistung ĺ  innerbetriebliche
sociation, ĺ  Europäische Freihandelsas-
Leistung.
soziation.
EG  –  Abk. für ĺ  Europäische Gemein- eigener Wechsel ĺ Wechsel.
schaft sowie für ĺ Europäische Gemein- Eigenfertigung oder Fremdbezug
schaften. ĺ Make or Buy.
E-Geld  –  Kurzbezeichnung für ĺ  elekt- Eigenfinanzierung ĺ  Finanzierung,
ronisches Geld. die der Beschaffung von ĺ  Eigenkapital
141 Eigenkapitalrentabilität

dient. Dies ist möglich, indem das Eigen- Einzelunternehmen (ĺ Einzelkaufmann)


kapital des Unternehmens durch Einla- und den persönlich haftenden Gesell-
gen bisheriger oder neu hinzukommen- schaftern von ĺ  Personengesellschaften
der Gesellschafter erhöht wird (ĺ Betei- werden Gewinne, Verluste, Einlagen und
ligungsfinanzierung). Es kann aber auch Entnahmen auf den sog. Kapitalkonten
durch die Einbehaltung von Gewinnen der Gesellschafter ausgewiesen. – ĺ Ka-
zusätzliches Eigenkapital gebildet werden pitalgesellschaften müssen nach dem
(ĺ  Selbstfinanzierung). In diesem Fall ĺ Handelsgesetzbuch (HGB) das Eigen-
wird der Unternehmensgewinn nicht an kapital in der ĺ Bilanz in folgende Posten
die Gesellschafter oder Aktionäre ausge- unterteilen und ausweisen: (1) gezeichne-
zahlt. tes Kapital (nominelles Haftungskapital),
(2) Kapitalrücklagen, (3) Gewinnrücklagen
Eigengeschäft  –  Propergeschäft. Ge-
(gesetzliche Rücklage, Rücklagen für ei-
schäft im eigenen Namen und auf eigene
gene Anteile, satzungsmäßige Rücklagen,
Rechnung. Bspw. kaufen oder verkaufen
andere Gewinnrücklagen), (4) Gewinn-
ĺ  Kreditinstitute ĺ  Wertpapiere ohne
vortrag/Verlustvortrag, (5) Jahresüber-
Auftrag eines Kunden oder ein Einkaufs-
schuss/-fehlbetrag. – Gegensatz: ĺ Fremd-
verband kauft ohne Auftrag seiner Mit-
kapital.
glieder Waren. –  Gegensatz: ĺ Fremdge-
schäft. Eigenkapitalquote – betriebswirtschaft-
liche Kennziffer zur Beurteilung der fi-
Eigenhandel ĺ Finanzdienstleistungen. nanziellen Stabilität und Unabhängigkeit
Eigenheimzulage – Zulage, die ĺ Steu- eines Unternehmens. Die  Eigenkapital-
erpflichtige nach dem Eigenheimzulagen- quote ist der Anteil des ĺ  Eigenkapitals
gesetz (EigZulG) erhalten (haben), wenn am ĺ Gesamtkapital. – Vgl. auch ĺ Ka-
sie eine Wohnung in einem Haus oder pitalstruktur.
eine eigene Eigentumswohnung gebaut Eigenkapitalrendite ĺ Eigenkapitalren-
oder gekauft haben. Die Eigenheimzulage tabilität.
wurde für Neufälle  ab dem 1.1.2006 ge-
Eigenkapitalrentabilität  –  Eigenkapital-
strichen. Das bisherige Gesetz ist nur noch
rendite, engl. Return on Equity (ROE). Be-
anzuwenden, wenn vor dem 1.1.2006 mit
triebswirtschaftliche Kennzahl zur Be-
der Herstellung des Objekts begonnen,
urteilung des Erfolgs eines Unterneh-
die Anschaffung aufgrund eines rechts-
mens.  Eigenkapitalrentabilität ist das
wirksam abgeschlossenen Vertrages getä-
Verhältnis des ĺ  Gewinns eines Unter-
tigt oder einer ĺ  Genossenschaft beige-
nehmens zum ĺ  Eigenkapital. Die  Ei-
treten wurde. Die Eigenheimzulage kann
genkapitalrentabilität gibt an, wie sich
sich durch die ĺ Kinderzulage erhöhen.
das Eigenkapital eines Unternehmens in-
Eigenkapital  –  Finanzmittel (ĺ  Kapi- nerhalb eines Zeitraums (i.d.R. ein Jahr)
tal) eines Unternehmens, die von sei- verzinst hat. Wegen des unternehmeri-
nen Eigentümern zur deren ĺ Finanzie- schen Risikos sollte die Eigenkapitalrenta-
rung aufgebracht oder als erwirtschaf- bilität deutlich über der Verzinsung einer
tete Gewinne im Unternehmens belassen sicheren Geldanlage liegen.  –  Vgl. auch
wurden (ĺ  Selbstfinanzierung).  –  Bei ĺ Rentabilität.
Eigentum 142

Eigentum  –  Begriff aus dem Bürgerli- Miteigentum. (3) Weitergeleiteter Eigen-


chen Recht für die rechtliche Herrschaft tumsvorbehalt: Anweisung an den Kun-
über Sachen und andere Vermögensge- den, nur unter  Eigentumsvorbehalt wei-
genstände. Im Rahmen der bestehen- terzuverkaufen.  –  Ist der Käufer mit der
den Gesetze kann der Eigentümer damit Zahlung im Verzug, kann der Verkäufer
nach Belieben verfahren. Eigentum kann vom Vertrag zurücktreten.
im Fall beweglicher Sachen durch Eini- Eigenverbrauch ĺ  unentgeltliche
gung und Übergabe, im Fall unbeweg- Wertabgaben.
licher Sachen (Immobilien, Grundstü-
cke) durch Auflassung und Eintragung Ein-Euro-Job  –  befristete, sozialversi-
in das ĺ  Grundbuch übertragen wer- cherungsfreie Beschäftigung für Bezie-
den. – Zu unterscheiden sind: (1) Allein- her von Arbeitslosengeld II bei einem ge-
eigentum: Nur eine Person ist Eigentümer. eigneten Träger. Zusätzlich zum Arbeits-
(2) ĺ  Miteigentum: Mehrere Personen losengeld II erhalten Ein-Euro-Jobber ein
sind Eigentümer. Dazu zählt das Bruch- bis zwei Euro pro geleistete Arbeitsstunde.
teilseigentum, bei der jedem Eigentümer Es muss sich dabei um eine Tätigkeit han-
ein bestimmter ideeller (nicht realer) An- deln, die im öffentlichen Interesse liegt
teil gehört. Er kann über diesen Anteil frei und wettbewerbsneutral ist. –  Weitere In-
verfügen. Er kann ihn verkaufen oder be- formationen unter www.arbeitsagentur.de.
lasten. Außerdem ist das Gesamthands- einfache Regression ĺ Regressionsana-
eigentum eine Form des Miteigentums. lyse.
Beim Gesamthandseigentum gehört allen Einfuhr ĺ Import.
alles (z. B. das der Gesellschaft gehörende
Grundstück). – Anders: ĺ Besitz. Einfuhrsubventionen ĺ  tarifäre Han-
delshemmnisse.
Eigentumsvorbehalt  –  bes. Verein- Einfuhrumsatzsteuer (EUSt)  –  Form
barung in einem Kaufvertrag über be- der Verbrauchsteuer i.S. der ĺ Abgaben-
wegliche Sachen (ĺ  Waren). Danach ordnung und Einfuhrabgabe i.S. des Zoll-
bleibt der Verkäufer so lange Eigentümer rechts, die auf die Einfuhr von Gegenstän-
(ĺ  Eigentum), bis die Ware vollständig den aus sog. Drittlandsgebieten in das
bezahlt ist. Damit das Eigentum bei der Inland von der Bundeszollverwaltung er-
Weiterveräußerung oder Verarbeitung hoben wird. Die Einfuhrumsatzsteuer be-
nicht untergeht, können zusätzliche Ver- misst sich nach dem Zollwert des einge-
einbarungen in folgenden Formen getrof- führten Gegenstands. Ihr Aufkommen
fen werden: (1) Erweiterter Eigentumsvor- steht dem Bund und den Ländern ge-
behalt: Der Eigentumsvorbehalt erstreckt meinsam zu. Durch die Belastung der aus
sich nicht nur auf die derzeitigen Waren- Drittländern eingeführten Waren mit der
forderung, sondern auch auf alle weiteren EUSt wird ein umsatzsteuerlicher Gren-
Forderungen. (2) Verlängerter Eigentums- zausgleich bewirkt. Das Ursprungsland
vorbehalt: Bei einer Weiterveräußerung (ĺ  Ursprungslandprinzip) entlastet die
steht die entstehende Forderung auto- Ware von der Umsatzsteuer, das Bestim-
matisch dem Erstverkäufer zu. Wird die mungsland (ĺ  Bestimmungslandprinzip)
Ware verarbeitet, erhält der Verkäufer ein belastet die Ware, so dass das inländische
143 Einheitlicher Abwicklungsmechanismus (SRM)

Umsatzsteuerniveau erreicht wird. – Vgl. ĺ  Einheitlichen Abwicklungsmechanis-


auch ĺ Erwerbsteuer, ĺ Zoll. mus (SRM), auf die im Falle einer durch
Einführungswerbung ĺ  Werbung zur die europäische Abwicklungsbehörde ent-
Unterstützung der Markteinführung ei- schiedenen Restrukturierung und Liqui-
nes neuartigen Produkt, einer neuen dation einer in Schieflage geratenen Bank
ĺ  Dienstleistung oder neuen ĺ  Marke. zurückgegriffen werden kann. – Das Ent-
Durch diese Maßnahmen soll das Pro- scheidungsverfahren ist so angelegt, dass
dukt bekannt gemacht (Bekanntma- Abwicklungsmaßnahmen schnell und ef-
chungswerbung) und seine Aktualität er- fizient – notfalls auch an einem Wochen-
zeugt werden. Außerdem soll die Wahr- ende – beschlossen werden können. So-
nehmbarkeit und Eigenständigkeit der weit dabei größere Beträge aus dem neuen
Positionierungsbotschaft (ĺ  Produktpo- Abwicklungsfonds eingesetzt werden sol-
sitionierung) sichergestellt und integriert len, sind alle Mitgliedstaaten an dem Ent-
vermittelt werden. – Vgl. auch ĺ Erhal- scheidungsprozess zu beteiligen. Wenn
tungswerbung, ĺ Erinnerungswerbung. die ĺ  Europäische Kommission Zweifel
an der Entscheidung der Abwicklungs-
Einfuhrzoll ĺ  tarifäre Handelshemm-
behörde hat, kann sie den Rat der EU-Fi-
nisse, ĺ Zoll.
nanzminister (ECOFIN) anrufen. Dieser
Eingangslager ĺ Lager. hat das Recht, in bestimmten Fragen, z. B.
eingetragener Kaufmann (e.K.) ĺ Ein- der Fondsnutzung, einer Abwicklungs-
zelkaufmann. maßnahme zu widersprechen oder Än-
derungen zu verlangen. – Die Fondsfinan-
eingetragener Verein (e. V.) ĺ Verein.
zierung muß national organisiert werden,
Eingruppierung  –  Begriff des Arbeits- da das europäische Recht keine ĺ  Ban-
rechts: Einordnung eines ĺ  Arbeitneh- kenabgabe kennt. Der Abwicklungsfonds
mers in eine bestimmte Vergütungs- startet daher als ein System mit nationalen
gruppe. Soweit Lohn- und Gehaltsgrup- Abteilungen, in die die  nationalen Ban-
pen nach der Art der Tätigkeit gebildet kenbeiträge transferiert werden. Die Bün-
werden, beschreiben die Tarifvertrags- delung der Gelder ist im Verlauf von zehn
parteien im ĺ Tarifvertrag auch die Tä- Jahren geplant. In dieser Zeit sollen von
tigkeitsmerkmale, die für die  Eingrup- den Banken ca. 55 Mrd. Euro eingesam-
pierung maßgeblich sind. Erfüllt die von melt werden. In der Aufbauphase können
einem Arbeitnehmer erbrachte Arbeits- die nationalen Abteilungen den anderen
leistung die Tätigkeitsmerkmale einer be- nationalen Abteilungen Kredite erteilen
stimmten Lohn- oder Gehaltsgruppe, so oder auch  nachträgliche Bankenabgaben
hat er Anspruch auf Vergütung nach die- zur Kostendeckung einziehen. – Haupt-
ser Gruppe. – In Betrieben mit mehr als ziel der Bildung des Abwicklungsfonds
zwanzig wahlberechtigten Arbeitneh- ist, dass künftig nicht mehr die Steuerzah-
mern hat der ĺ Betriebsrat bei Eingrup- ler, sondern die Finanzinstitute selbst für
pierungen ein Mitbestimmungsrecht Bankenprobleme aufkommen.
(ĺ Mitbestimmung).
Einheitlicher Abwicklungsfonds Einheitlicher Abwicklungsmecha-
(SRF)  –  Finanzielle  Grundlage des nismus (SRM)  –  Single Resolution
Einheitlicher Aufsichtsmechanismus (SSM) 144

Mechanism. Mechanismus zur geordne- Mrd. Euro oder 20 % der Wirtschafsleis-


ten Abwicklung von in Schieflage gera- tung eines Landes beträgt. Werden diese
tenen Banken in den 18 Mitgliedstaaten beiden  Kriterien nicht erfüllt, wird  die
des ĺ  Eurosystems auch über nationale EZB in jedem Fall die drei größten Insti-
Grenzen hinweg. Die  übrigen EU-Mit- tute eines Landes überwachen. Nach ak-
gliedstaaten können sich an dem neuen tuellem Stand (4/2014)  sollen insgesamt
Abwicklungsmechanismus beteiligen 124 Banken, 24 aus Deutschland, von der
(Opt-In). – Als institutionelle Grundlage EZB beaufsichtigt werden, wobei diese auf
wird eine europäische Abwicklungsbehörde die Unterstützung der nationalen Auf-
geschaffen, die künftig direkt über die Ab- sichtsbehörden zurückgreifen kann. Für
wicklung von unter EZB-Aufsicht stehen- die Aufsicht über die übrigen, weniger be-
den Kreditinstituten sowie grenzüber- deutsamen Banken bleiben die nationalen
schreitend tätiger Banken entscheidet. Behörden zuständig. – Die anderen Mit-
Für alle übrigen Banken überwacht die gliedstaaten der ĺ  Europäischen Union
Behörde die Einhaltung der vereinbarten (EU) können  am SSM  freiwillig teilneh-
Spielregeln. Notwendige Abwicklungen men.
werden aber grundsätzlich von den nati-
Einheitlicher Binnenmarkt ĺ  Binnen-
onalen Behörden vorgenommen. – Für
markt, ĺ  Europäische Gemeinschaft
die finanzielle Grundlage  haben die Ban-
(EG).
ken selbst durch den Aufbau eines ĺ Ein-
heitlichen Abwicklungsfonds (SRF) zu Einheitlicher Euro-Zahlungsverkehrs-
sorgen. raum (SEPA) – Single Euro Payments Area.
Vereinheitlichung des grenzüberschrei-
Einheitlicher Aufsichtsmechanismus
tenden bargeldlosen Zahlungsverkehrs in
(SSM)  –  Single Supervisory Mechanism,
Europa, bei dem Lastschriftverfahren und
ĺ  Einheitlicher Bankenaufsichtsmecha-
Überweisungen nach den gleichen, von
nismus (SSM).
den Banken ausgearbeiteten Standards
Einheitlicher Bankenaufsichtsmecha- (SEPA-Standards) durchgeführt werden.
nismus (SSM)  –  Single Supervisory Me- Dadurch soll der Euro-Zahlungsverkehr
chanism, Einheitlicher Aufsichtsmecha- einfacher, schneller und kostengünstiger
nismus. Die einheitliche europäische Ban- abgewickelt werden. SEPA  kann für Eu-
kenaufsicht  ist wesentlicher Baustein der ro-Zahlungen in den 28 EU-Staaten sowie
ĺ  Europäischen Bankenunion. Der ar- in Liechtenstein, Island, Monaco, Norwe-
beitsteilige SSM setzt sich zusammen gen, San Marino und in der Schweiz ge-
aus der ĺ  Europäischen Zentralbank nutzt werden. – Kern der Standardisie-
(EZB)  und den nationalen Aufsichtsbe- rung ist die Einführung der internatio-
hörden. Ohne die Errichtung einer neuen nalen Bankkontonummer ĺ  ĺ  IBAN
Behörde werden  ab Herbst 2014 bedeu- (International Bank Account Number),
tende Großbanken der am ĺ  Eurosys- die in Deutschland 22 Stellen hat. – SEPA
tem teilnehmenden Länder direkt unter wurde am 1.2.2014 eingeführt, bis zum
die Aufsicht der EZB gestellt. Als bedeu- 1.8.2014 können  Bankkunden  für Zah-
tende Großbanken werden Banken ein- lungsaufträge  aber noch das alte  Format
gestuft, deren Bilanzsumme  mehr als 30 benutzen, für Verbraucher gilt dies sogar
145 Einkaufspreis

bis zum  1.2.2016.  In dieser Übergangs- (ĺ  Sozialplan), ist ohne eine Einigung
zeit führen die Banken einer kostenlose keine wirksame Regelung möglich. Der
und sichere Konvertierung der Bankad- Auflösung dieser Konflikte dient die  Ei-
resse durch. Bei grenzüberschreitenden nigungsstelle. Ihr Spruch ersetzt die feh-
Zahlungen in die 34 teilnehmenden SE- lende Einigung. – Die Einigungsstelle ist
PA-Länder  ist vorübergehend neben der i.d.R. keine Dauereinrichtung, sondern
IBAN noch der international standardi- wird bei Bedarf gebildet. Sie besteht aus
sierte ĺ  Business Identifier Code (BIC) einer gleichen Anzahl von Arbeitgeber-
anzugeben, mit dem Zahlungsdienstleis- vertretern und Betriebsräten sowie einem
ter weltweit eindeutig identifiziert werden unparteiischen Vorsitzenden, auf den sich
können. Im inländischen Zahlungsver- beide Parteien einigen müssen. In der
kehr kann auf die Angabe von BIC nach Praxis ist das meist ein Richter der Ar-
wie vor verzichtet werden. beitsgerichtsbarkeit.
Einheitskosten ĺ Stückkosten. Einkauf  –  Sammelbegriff für alle opera-
tiven Tätigkeiten, die mit der Bestellung
Einheitskurs ĺ Börsenpreisfeststellung.
von ĺ Werkstoffen, ĺ Waren und ĺ Be-
Einheitswert  –  der nach den Vorschrif- triebsstoffen verbunden sind, die Festle-
ten des Bewertungsgesetzes (BewG) für gung der ĺ Einkaufspolitik und die Be-
die dort bezeichneten Bewertungsgegen- schaffungsmarktforschung (ĺ  Beschaf-
stände einheitlich für mehrere Steuerar- fungsmarketing). Der Begriff  Einkauf ist
ten und in einem gesonderten Verfahren im Vergleich zur ĺ  Beschaffung enger
ermittelte Wert für wirtschaftliche Ein- gefasst, da sich diese zusätzlich mit der
heiten (z. B. Grundstücke). Die Feststel- Beschaffungslogistik beschäftigt.
lung von Einheitswerten erfolgt unabhän-
Einkaufsgremium ĺ Buying Center.
gig von der Steuerfestsetzung. Nach dem
Wegfall der Vermögensteuer ist der  Ein- Einkaufspolitik – Teilbereich der ĺ Un-
heitswert nur noch bei der ĺ  Grund- ternehmenspolitik, der sich mit der Be-
steuer und der ĺ Erbschaftsteuer von Be- stimmung der Ziele des ĺ Einkaufs und
deutung. der Festlegung der entsprechenden Maß-
nahmen befasst. Die Einkaufspolitik um-
Einigungsstelle  –  im Betriebsverfas-
fasst die Lieferanten- und Kontraktpolitik.
sungsgesetz vorgesehene privatrecht-
Im Rahmen der Lieferantenpolitik erfol-
liche, innerbetriebliche Schlichtungs-
gen Lieferantenauswahl und -pflege so-
stelle zur Beilegung von Meinungsver-
wie die Gestaltung der Zusammenarbeit.
schiedenheiten zwischen ĺ  Betriebsrat
Die Kontraktpolitik befasst sich mit der
und ĺ  Arbeitgeber (ĺ  Betriebsverfas-
Gestaltung von Verträgen, der Festlegung
sung). Arbeitgeber und Betriebsrat sol-
von Preisen, Konditionen und Gewähr-
len nach dem Gesetz über strittige Fragen
leistungsansprüchen.
mit ernstem Willen zur Einigung verhan-
deln. In mitbestimmungspflichtigen An- Einkaufspreis  –  der im Rahmen der
gelegenheiten (erzwingbare Mitbestim- ĺ  Einkaufspolitik mit dem Lieferan-
mung), z. B. in sozialen Angelegenheiten ten kontrahierte Preis eines Beschaf-
und wirtschaftlichen Angelegenheiten fungsgutes: Bezugspreis (netto) abzüglich
Einkommen 146

Preisnachlässe.  –  Vgl. auch ĺ  Ware- Einkommensteuer  –  Steuer, die das


neinstandspreis. ĺ  Einkommen natürlicher Personen
(Einzelpersonen und Mitunternehmer
Einkommen – Einnahmen in Form von in Personengesellschaften) erfasst. Da-
Geld und Gütern.  –  1.  Mikroökonomik: bei werden sieben Einkunftsarten (ĺ Ein-
Stromgröße im Rahmen der ĺ  Haus- künfte) berücksichtigt. Bemessungsgrund-
haltstheorie, die einem privaten ĺ Haus- lage für die  Einkommensteuer ist das
halt innerhalb einer Periode i.Allg. aus ĺ  zu versteuernde Einkommen auf das
vier Einkommensarten zufließt: (1) Ein- der Einkommensteuertarif angewandt
kommen aus Arbeitsleistungen Lohnzah- wird: Ein Grundfreibetrag in Höhe des
lungen (Arbeitseinkommen). (2) Einkom- Existenzminimums bleibt unbelastet, da-
men aus Vermögen in Form von Zinsen nach beginnt eine untere Proportionalzone
bzw. Grundrente durch die Bereitstellung mit einem festen Steuersatz von 15 %. Da-
von Kapital und Boden (Besitzeinkom- nach steigt der Steuersatz allmählich an
men). (3) Einkommen aufgrund recht- (Progressionszone), um schließlich einen
licher Ansprüche oder freiwilliger Zu- Spitzensteuersatz von 42 % bzw. 45 % (=
wendungen (Transfereinkommen). (4) ĺ Reichensteuer seit 2007) ab einem Ein-
Einkommen als Residualgewinn aus un- kommen von 250.000 bzw. 500.000 Euro
ternehmerischer Tätigkeit (Unternehme- zu erreichen. Danach bleibt der Steuer-
reinkommen).  –  2.  Volkswirtschaftliche satz konstant (obere Proportionalzone).
Gesamtrechnungen (VGR):  Einkommen Die  Einkommensteuer wird nach Ablauf
sind alle Entgelte für die Bereitstellung des Kalenderjahres nach dem Einkom-
von Arbeit, Kapital und Boden sowie lau- men veranlagt, das während dieser Zeit
fende Übertragungen (ĺ  Transfers). Bei bezogen wurde. Auf die  Einkommen-
der Berechnung des Bruttoinlandspro- steuer werden geleistete Vorauszahlun-
dukts (BIP) und des Bruttonationalein- gen, Lohn- und Kapitalertragsteuer sowie
kommens (BNP) unterscheidet man fol- anrechenbare Körperschaftsteuer ange-
gende Einkommensarten: (1) Faktor- rechnet. –  Bes. Erhebungsformen der Ein-
einkommen (Leistungseinkommen), (2) kommensteuer sind die ĺ  Lohnsteuer
ĺ  Transfereinkommen   (Übertragungs- sowie die ĺ  Kapitalertragsteuer und
einkommen).  –  Vgl. auch ĺ  Volksein- ĺ  Abgeltungsteuer, die bei Einkünften
kommen.  –  3.  Steuerrecht: Gesamtbetrag aus unselbstständiger Arbeit und bei be-
der Überschüsse, die eine Person in ei- stimmten Kapitalerträgen direkt abge-
nem bestimmten Zeitraum erwirtschaf- zogen werden.  –  Außerdem ist die  Ein-
tet. – Vgl. auch ĺ Einkünfte, ĺ zu ver- kommensteuer Bemessungsgrundlage
steuerndes Einkommen. für die ĺ  Kirchensteuer und für den
ĺ  Solidaritätszuschlag (Zuschlagsteu-
Einkommensarmutsgrenze ĺ Armut.
ern).  –  Die  Einkommensteuer ist eine
Einkommenselastizität der Nachfrage Gemeinschaftsteuer, d.h. ihr Aufkom-
ĺ Elastizität. men steht dem Bund und den Länder ge-
meinsam zu. Vorab wird ein bestimmter
einkommenspolitische Empfehlungen (durch Bundesgesetz festgelegter) Anteil
ĺ Lohnleitlinien. für die Gemeinden reserviert.
147 Einkünfte

Einkommensteuertarif ĺ Einkommen- Generationen (Aufteilung nach Alter). –


steuer. Vgl. auch ĺ Verteilungspolitik.

Einkommensverteilung  –  Verteilung Einkünfte  –  Begriff des Einkommen-


des ĺ Volkseinkommens (vor oder nach steuerrechts (ĺ Einkommensteuer). Ein-
der Umverteilung) auf bestimmte Grup- künfte sind der ĺ Gewinn oder der Über-
schuss der Einnahmen über die ĺ Wer-
pen, Schichten oder Klassen. Die Ein-
bungskosten, die der Steuerpflichtige im
kommensverteilung, die sich direkt aus
Rahmen der sieben Einkunftsarten erzielt:
dem Produktionsprozess ergibt, wird als
(1) Einkünfte aus Land- und Forstwirt-
Primärverteilung bezeichnet. Sie stellt die
schaft: z. B. Einkünfte aus dem Betrieb von
Entlohnung der einzelnen Produktions-
Land- und Forstwirtschaft, Wein-, Obst-
faktoren (Arbeit, Kapital, Boden) dar. Die
und Gemüseanbau, Baumschulen, Tier-
sog. Sekundärverteilung ergibt sich da-
haltung und Tierzucht, Binnenfischerei,
gegen nach einer Umverteilung des Ein-
Fischzucht, Imkerei und Saatzucht. (2)
kommens. Meistens handelt es sich um
Einkünfte aus Gewerbebetrieb:  Einkünfte
staatliche Maßnahmen, die die  Einkom-
aus gewerblichen Unternehmen, Gewin-
mensverteilung verändern (z. B. Erhe- nanteile der Gesellschafter einer offenen
bung von Steuern und Sozialabgaben, Handelsgesellschaft (OHG), Kommandit-
soziale Leistungen).  –  Man unterschei- gesellschaft (KG) oder einer anderen Ge-
det folgende Arten von Einkommensver- sellschaft, bei der die Gesellschafter als
teilung: (1) Personelle Einkommensver- Mitunternehmer anzusehen sind, Gewin-
teilung: Aufteilung nach Personen oder nanteile der persönlich haftenden Gesell-
privaten Haushalten. Dabei werden alle schafter einer Kommanditgesellschaft auf
Einkommensarten einer Person oder ei- Aktien (KGaA), Vergütungen von Gesell-
nes Haushalts zusammengefasst (z. B. Ar- schaftern der Personengesellschaften oder
beitseinkommen, Zins- und Pachteinnah- der haftenden Gesellschafter der KGaA
men). (2) Funktionale Einkommensver- sowie Veräußerungsgewinne. (3) Ein-
teilung: Aufteilung nach den Funktionen künfte aus selbstständiger Arbeit: z. B. Ein-
der Produktionsfaktoren Arbeit, Kapi- künfte aus der Tätigkeit der freien Be-
tal und Boden. Auch die Verteilung des rufe, Einkünfte aus sonstiger selbstständi-
Einkommens nach sozialen Gruppen ger Tätigkeit wie Vermögensverwaltung,
(Arbeiter, Angestellte, Beamte, Selbstän- Aufsichtsratsvergütungen. (4) Einkünfte
dige, Nichterwerbstätige) ist eine funkti- aus nichtselbstständiger Arbeit: z. B. Gehäl-
onale Einkommensverteilung. Das Volks- ter, Löhne, Provisionen, Gratifikationen,
einkommen wird in Arbeitnehmer-, Un- Tantiemen, Ruhegelder. (5) Einkünfte aus
ternehmer- und Vermögenseinkommen Kapitalvermögen: z. B. Dividenden, sons-
gegliedert (ĺ Faktoreinkommen). – Au- tige Bezüge aus Aktien, Genussscheine,
ßerdem gibt es die sektorale Einkommens- Zinsen aus Hypotheken, Grundschul-
verteilung (Aufteilung nach Wirtschafts- den und Renten, Diskontbeträge, Veräu-
zweigen), regionale  Einkommensvertei- ßerungseinnahmen von Zinsscheinen,
lung (Aufteilung nach Regionen) und von ab- oder aufgezinsten Kapitalforde-
die  Einkommensverteilung zwischen den rungen. (6) Einkünfte aus Vermietung und
Einkunftsarten 148

Verpachtung: z. B. Einkünfte aus Vermie- Einlagenfinanzierung ĺ Beteiligungsfi-


tung und Verpachtung von unbewegli- nanzierung.
chen Vermögen (z. B. Grundstück, Ge- Einlagengeschäft ĺ Bankgeschäft i.S.d.
bäude, Schiffe) und Sachen (v.a. beweg- Kreditwesengesetzes (KWG). Einlagenge-
liches Betriebsvermögen). (7) sonstige schäft ist die Annahme fremder Gelder als
Einkünfte: Renten und sog. dauernde Las- verzinsliche oder unverzinsliche ĺ  Ein-
ten, aber auch Einkünfte aus Unterhalts- lage. Im Fall von Sicht- und Termineinla-
zahlungen und private Veräußerungs- gen (sog. ĺ Depositen) wird dies auch als
geschäfte. – Zu den sog. Gewinneinkünf- Depositengeschäft bezeichnet.
ten gehören die Einkünfte aus Land- und
Forstwirtschaft, aus Gewerbebetrieb und Einlagensicherung  –  Verpflichtung der
aus selbstständiger Arbeit, zu den Über- ĺ Kreditinstitute, ihre Einlagen und Ver-
schusseinkünften die Einkünfte aus nichts- bindlichkeiten aus Wertpapiergeschäften
elbstständiger Arbeit, aus Kapitalvermö- durch die Zugehörigkeit zu einer Entschä-
gen, aus Vermietung und Verpachtung so- digungseinrichtung zu sichern. Die Einla-
wie die sonstigen Einkünfte. gensicherung besteht nach dem Einlagen-
sicherungs- und Anlegerentschädigungs-
gesetz (EAG). Die Entschädigung ist seit
Einkunftsarten ĺ Einkünfte.
dem 31.12.2010 auf 100 % der Einlage und
100.000 Euro pro Kunde begrenzt.  – Zu-
Einlage – 1.  Handelsrecht: alle Bar- oder
sätzlich existieren in Deutschland freiwil-
Sachleistungen, mit denen sich ein Gesell-
lige Einlagesicherungseinrichtungen der
schafter an einer ĺ  Handelsgesellschaft
Bankenverbände. – Weitere Informationen
(Personen- oder Kapitalgesellschaft) be-
unter www.bafin.de. 
teiligt. Barleistungen werden als Kapital-
einlagen, Sachleistungen als Sacheinla- Einmanngesellschaft  –  Einpersonenge-
gen bezeichnet. – 2.  Bankwesen: alle Zah- sellschaft. Kapitalgesellschaft, bei der alle
lungsmittel aus dem Nichtbankenbereich, Geschäftsanteile in einer Hand liegen
die bei ĺ Kreditinstituten deponiert wer- (z. B. Einmann-GmbH und Einman-AG).
den. Dazu zählen eingezahlte Geldbeträge Einmann-GmbH ĺ  Einpersonengesell-
sowie kurz-, mittel- oder langfristige Fi- schaft.
nanzierungsmittel. Grundlage ist ein Dar-
Einmarkenstrategie ĺ  Markenstrate-
lehensvertrag oder ein Verwahrungsver-
gien.
trag. – Nach der Art der Einlage werden
unterschieden: ĺ  Sichteinlage, ĺ  Spa- Einnahmen – 1. Rechnungswesen: Strom-
reinlage und ĺ  Termineinlage.  –  Vgl. größe zum ĺ Geldvermögen: Zufluss an
auch  ĺ  Einlagengeschäft.  –  3.  Steuer- ĺ  Zahlungsmitteln und/oder Erlangung
recht:  Einlagen sind alle Wirtschaftsgü- von ĺ Forderungen. – Gegensatz: ĺ Aus-
ter, die der Steuerpflichtige dem Betrieb gaben. – Anders: ĺ Einzahlung, ĺ Erlös,
zuführt (z. B. Geld, Waren, Grundstücke, ĺ Ertrag. – 2.  Finanzwissenschaft: ĺ öf-
Forderungen, Patente).  –  Gegensatz: fentliche Ausgaben/Einnahmen. – 3. Steu-
ĺ Entnahme. errecht: ĺ Betriebseinnahmen.
Einnahmen-Überschuss-Rechnung
Einlagefazilität ĺ ständige Fazilitäten. ĺ Überschussrechnung.
149 Einstellungszuschuss

Einpersonengesellschaft ĺ  Einmann- eines Monats nach Bekanntgabe eingelegt


gesellschaft. werden.
Ein-Prozent-Regelung  –  einkommen- Einstandspreis  –  Anschaffungspreis
steuerrechtliche Regelung, um die Kos- von Beschaffungsgütern. Er umfasst
ten der privaten Nutzung eines (betrieb- den ĺ  Einkaufspreis sowie alle Bezugs-
lichen) Pkw zu schätzen. Die Regelung Nebenkosten, die durch den Güter-
wird sowohl für Unternehmer als auch transport entstehen (Verpackung, Ver-
für Arbeitnehmer angewandt. Dabei wird sicherung, Fracht, Zoll).  –  Vgl. auch
zwischen der allgemeinen Privatnut- ĺ  Anschaffungskosten, ĺ  Ware-
zung und der speziellen Nutzung des Pkw neinstandspreis.
für Fahrten zwischen Wohnung und Ar- Einstellung  –  1.  Arbeitsrecht: (1) Ab-
beitsstätte unterschieden. Die allgemeine schluss eines ĺ Arbeitsvertrages und (2)
Privatnutzung wird monatlich mit ei- die damit zusammenhängende Einglie-
nem Wert von 1 % des Bruttolistenpreises derung des Arbeitnehmers in den Be-
des Pkw (zzgl. sonstiger Kosten wie z. B. trieb (Arbeitsaufnahme). In Betrieben mit
für Sonderausstattung) angesetzt. Fahr- mehr als zwanzig Arbeitnehmern unter-
ten zwischen Wohnung und Arbeitsstätte liegt eine  Einstellung dem Mitbestim-
werden zusätzlich mit 0,03 % je Entfer- mungsrecht des Betriebsrats (ĺ  Mitbe-
nungskilometer berechnet. Darüber hin- stimmung).  –  2.  Beamtenrecht: Begrün-
aus wird auch für Familienheimfahrten ein dung eines Beamtenverhältnisses durch
Vorteil von 0,02 % des Listenpreises zu- Ernennung zum ĺ  Beamten.  –  3.  Han-
sätzlich angesetzt. delsrecht:  Einstellung des Geschäfts-
Einsatzmenge ĺ Input. betriebes durch die Erben bei Firmen-
fortführung.  –  4.  Insolvenzrecht: Durch
einseitiges Rechtsgeschäft  –  Rechts- Beschluss des Gerichts angeordnete vor-
geschäft, das nur aus einer Willenserklä- zeitige Einstellung des Insolvenzverfah-
rung besteht. Dies sind z. B. ĺ  Kündi- rens.  –  5.  Zwangsvollstreckung:  Einstel-
gung, ĺ Rücktritt von einem Vertrag und lung der Vollstreckung, wenn diese aus-
ĺ Testament. – Gegensatz: ĺ Vertrag. drücklich für unzulässig erklärt oder
Einspruch ĺ Rechtsbehelf gegen eine be- durch gerichtliche Entscheidung angeord-
hördliche Verfügung oder einen gerichtli- net wurde. – 6.  Käuferverhalten: Die Ein-
chen Bescheid. – 1.  Zivilrecht: Einspruch stellung eines Käufers  zu einem Mei-
a) gegen Versäumnisurteile und b) gegen nungsgegenstand gilt als „hypothetisches
Vollstreckungsbescheide im Mahnver- Konstrukt“, auch als Image bezeichnet,
fahren bei einem Amts- oder Landgericht das nicht direkt beobachtet werden kann,
(Arbeitsgericht) innerhalb von zwei Wo- sondern i.d.R. aus verbalen Stellungnah-
chen (einer Woche) einzulegen. – 2.  Ver- men oder offenem Verhalten erschlossen
waltungsrecht: ĺ Widerspruch. – 3. Steu- wird. Ein Subjekt besitzt einem Objekt ge-
errecht: Außergerichtlicher Rechtsbehelf genüber eine positive, negative oder neut-
gegen Verwaltungsakte der Finanzbe- rale Einstellung.
hörden in Abgabenangelegenheiten (z. B. Einstellungszuschuss – ein von der Bun-
Steuerbescheid). Dieser muss innerhalb desagentur für Arbeit (nach §§  225-228
einstweilige Verfügung 150

SGB III) gewährter Zuschuss bei Neu- ĺ  Bilanz einzeln bewertet werden müs-
gründungen von Unternehmen, wenn ein sen. Nur in Ausnahmefällen sind ver-
neuer Arbeitsplatz mit einem förderungs- einfachte Verfahren wie die ĺ  Grup-
fähigen ĺ Arbeitslosen besetzt wird und penbewertung oder die ĺ  Durch-
dieser einen unbefristeten ĺ Arbeitsver- schnittsbewertung zulässig.  –  Gegensatz:
trag erhält. Die Höhe des Einstellungszu- ĺ Pauschalbewertung.
schuss beträgt maximal 50 % des Arbeits- Einzelerlöse  –  spezifische Erlöse. ĺ  Er-
entgelts und wird maximal für 12 Monate löse, die einem sachlich und zeitlich ab-
gewährt. gegrenzten Bezugsobjekt wie z. B. Pro-
einstweilige Verfügung  –  vorläufige dukt oder Kunde eindeutig zugerechnet
gerichtliche  Entscheidung in einem be- werden können. Entspricht von der Zure-
schleunigten Verfahren.  –  1.  Zivilpro- chenbarkeit dem Begriff ĺ Einzelkosten.
zess:  einstweilige Verfügung (1) zur Si- Einzelfertigung ĺ Einzelproduktion.
cherung von Ansprüchen (ausgenommen
Geldforderungen), deren Durchsetzung Einzelfirma ĺ Einzelkaufmann.
durch Veränderung des bestehenden Zu- Einzelhandel  –  Begriff und Stufe des
stands vereitelt oder wesentlich erschwert ĺ Handels: 1.  Institutioneller Begriff: Ab-
werden könnte (z. B. Anordnung eines satz (ohne wesentliche Be- und Verarbei-
Veräußerungsverbots), sowie (2) zur Re- tung) von ĺ Waren an Letztverbraucher
gelung eines streitigen Rechtsverhältnis- durch ĺ  Einzelhandelsunternehmun-
ses.  –  2.  Handelsrecht:  einstweilige Ver- gen. – 2.  Funktionaler Begriff: Absatz von
fügung zur Eintragung in das ĺ  Han- Waren und sonstigen warenbezogenen
delsregister. – 3.  Arbeitsrecht: einstweilige Dienstleistungen an Letztverbraucher.
Verfügung bei Eilbedürftigkeit im ar- einzelhandelsrelevante Kaufkraft
beitsgerichtlichen Verfahren, z. B. auf ĺ Kaufkraft.
Beschäftigung bzw. Weiterbeschäfti-
gung.  –  4.  Wettbewerbsrecht:  einstwei- Einzelhandelsunternehmung  –  Einzel-
lige Verfügung zur Durchsetzung wett- handlung. ĺ Unternehmung, deren wirt-
bewerbsrechtlicher Unterlassungsansprü- schaftlicher Tätigkeitsschwerpunkt aus
che. dem An- und Verkauf bzw. der Beschaf-
fung und dem Absatz von ĺ Waren be-
Einzahlung – Zunahme des Bestands an steht. In  Einzelhandelsunternehmungen
Bargeld und sofort verfügbarer Gutha- werden an der Ware nur unwesentliche
ben auf dem ĺ  Girokonto  eines Unter- (handelsübliche) Be- und Verarbeitungs-
nehmens (ĺ Stromgröße). Durch die lau- prozesse (Sortieren, Mischen, Ändern,
fende Erfassung von  Einzahlungen und Zuschneiden, Verpacken, Reparieren
Auszahlungen kann das Rechnungswesen etc.) und mit speziellen ĺ  Dienstleis-
die ĺ Liquidität eines Unternehmens be- tungen (Serviceleistungen) das Warenan-
stimmen. – Gegensatz: ĺ Auszahlung. gebot für den ĺ  Letztverbraucher ver-
Einzelbewertung – wichtiger ĺ Grund- kaufsfähig gemacht (Lagern, Präsentie-
satz ordnungsmäßiger Bilanzierung. Die- ren, Beraten, Transportieren, Finanzieren
ser besagt, dass Vermögensgegenstände etc.). Bes. Merkmale von  Einzelhandel-
und ĺ  Schulden am Jahresende in der sunternehmungen sind die Abgabe von
151 Elastizität

Waren in kleinen und kleinsten Mengen sollen die auf das Durchführen oder Un-
an Letztverbraucher, das Zusammenstel- terlassen bestimmter Handlungen zu-
len von Warenangeboten zu mehr oder rückzuführenden kosten- und erlösmä-
weniger breiten und/ oder tiefen Sorti- ßigen Konsequenzen bestimmt werden.
menten sowie vielfältige ĺ  Betriebsfor- Hieraus folgt unmittelbar die Notwendig-
men des Handels (vom ĺ Discounter bis keit, alle Kosten und Erlöse als ĺ Einzel-
zum ĺ Warenhaus). kosten bzw. ĺ Einzelerlöse zu erfassen.
Einzelhandlung ĺ  Einzelhandelsunter- Einzellöhne ĺ Fertigungslöhne.
nehmung. Einzellohnkosten ĺ Fertigungslöhne.
Einzelkaufmann  –  Einzelfirma, Einzel- Einzelnachfrage ĺ Nachfrage.
unternehmen. Unternehmungsform mit Einzelproduktion –  Einzelfertigung. Ele-
einem das ĺ Handelsgewerbe als Allein- mentartyp der Produktion: ĺ  Produk-
inhaber betreibenden ĺ Kaufmann. Der tionsverfahren, bei dem jedes produ-
Inhaber kann seinen Namen oder eine be- zierte Stück auf die Wünsche eines Kun-
liebige, nicht irreführende Bezeichnung den zugeschnitten ist.  Einzelproduktion
als ĺ  Firma führen. Die Firma muss in ist die typische Form der Auftragsferti-
diesem Fall den Zusatz „eingetragener gung.  –  Vgl. auch ĺ  Serienproduktion,
Kaufmann (e.K.)" enthalten. Der Einzel- ĺ Sortenproduktion, ĺ Massenproduk-
unternehmer haftet persönlich und unbe- tion.
schränkt für die Verbindlichkeiten seines
Einzelunternehmen ĺ  Einzelkauf-
Unternehmens. –  Gegensatz: ĺ Handels-
mann.
gesellschaft.
Einzelvollmacht ĺ  Handlungsvoll-
Einzelkosten  –  identifizierbare Kosten, macht.
spezifische Kosten. ĺ  Kosten, die einem
bestimmten Bezugsobjekt wie z. B. Pro- Einzugsermächtigungsver fahren
dukt, Kunde oder Kostenstelle direkt zu- ĺ Lastschriftverfahren.
gerechnet werden oder direkt zugerech- EIOPA – Abk. für European Insurance an
net werden können. Einzelkosten sind v.a. Occupational Pensions Authority, ĺ  Eu-
die Kosten für Roh- und Hilfsstoffe so- ropäische Aufsichtsbehörde für das Ver-
wie Fertigungslöhne. – Gegensatz: ĺ Ge- sicherungswesen und die betriebliche Al-
meinkosten. tersversorgung (EIOPA).
Einzelkostenrechnung  –  System der eiserner Bestand ĺ Sicherheitsbestand.
ĺ  Teilkostenrechnung, das durch das Elastizität  –  Kennziffer aus der Wirt-
Bestreben gekennzeichnet ist, die Rea- schaftstheorie für das Maß des Wirkungs-
lität des Kostenanfalls möglichst wirk- zusammenhangs zweier ökonomischer
lichkeitsnah abzubilden. ĺ  Kosten und Variablen: Verhältnis der relativen (pro-
ĺ Erlöse werden nur dann erfasst, wenn zentualen) Veränderung der abhängigen
sie mit ĺ Auszahlungen und ĺ Einzah- Variablen y (Wirkung) zur relativen Än-
lungen verbunden sind. Die Einzelkosten- derung der unabhängigen Variablen x
rechnung verwendet damit den entschei- (Ursache). Der Elastizitätskoeffizient gibt
dungsorientierten Kostenbegriff, d.h. es dabei mit dem (positiven oder negativen)
Electronic Banking 152

Vorzeichen die Wirkungsrichtung und (ĺ  Electronic Procurement), der Ver-


mit seinem absoluten Wert die Wirkungs- kauf von Produkten und Dienstleistungen
stärke an. Z. B. besagt ein Elastizitätswert (ĺ  Electronic Shop und ĺ  Electronic
von -2, dass y um 2 % abnimmt, wenn x Commerce) und die Ermöglichung des
um 1 % steigt.  –  Nach dem betrachteten Handels über digitale Märkte (ĺ  Elec-
Zusammenhang werden z. B. die Ange- tronic Marketplace). Hinzu kommen zwei
botselastizität (Angebotsmenge und Preis Plattformen, die zum erweiterten Kreis
eines Gutes), die Einkommenselastizität des Electronic Business gehören: elekt-
der Nachfrage (Nachfrage eines Haus- ronische Kontaktnetzwerke (ĺ  Electro-
halts nach einem Gut und seinem Ein- nic Community) und elektronische Un-
kommen), die direkte Preiselastizität der ternehmenskooperation (ĺ  Electronic
Nachfrage (Nachfragemenge und Preis Company).
eines Gutes) und die Kreuzpreiselastizität Electronic Cash  –  E-Cash. Zahlungs-
(Nachfragemenge eines Gutes und Preis verfahren, bei dem der Käufer den Kauf-
eines anderen Gutes) unterschieden. preis mittels Bankkundenkarte (ĺ  De-
Electronic Banking  –  Onlinebanking. bitkarte) am ĺ Point of Sale (POS) durch
Ausführung von ĺ  Bankgeschäften un- Eingabe der ĺ persönlichen Identifikati-
ter Nutzung von Datenträgern und -lei- onsnummer (PIN) bezahlt. Die positive
tungen. Die EDV wird genutzt, um Daten Online-Autorisierung durch die Autori-
zu erfassen, zu verarbeiten, zu transpor- sierungszentrale, welche die Prüfung der
tieren und wieder zur Verfügung zu stel- PIN, der Kartenechtheit, einer möglichen
len. Zum Electronic Banking zählen v.a. Sperre und der Deckung umfasst, garan-
ĺ  Electronic Cash, Selbstbedienungsge- tiert dem Verkäufer die unbedingte Zah-
schäfte (z. B. Nutzung von Kontoauszugs- lung.
druckern, Geldautomaten, Kundentermi- Electronic Commerce  –  E-Commerce.
nals) sowie ĺ Homebanking. Abwicklung von Absatzvorgängen über
Electronic Business  –  E-Business. Op- ĺ  Internet oder ähnliche Computer-
timierung aller Geschäftsprozesse durch netze (z. B. Extranet). Zum  Electronic
den Einsatz von Internettechnologien Commerce gehören v.a. die Onlinekata-
(ĺ  Internet). D.h., es werden die An- loge, die Onlinebestellung, die elektroni-
bahnung sowie die Unterstützung, Ab- sche Zahlungsabwicklung (ĺ Homeban-
wicklung und Aufrechterhaltung des king) und die Auftragsbestätigung per
gesamten Leistungsaustauschprozes- ĺ  E-Mail.  Electronic Commerce ist Teil
ses vom Hersteller bis zum Endverbrau- des ĺ Electronic Business.
cher einbezogen. Nach den Akteuren Electronic Community –  E-Community,
wird beim  Electronic Business v.a. zwi- virtuelle Community. Organisierte Kom-
schen ĺ  Business-to-Business-Markt munikation innerhalb eines elektroni-
(B2B), ĺ  Business-to-Consumer-Markt schen Kontaktnetzwerkes und damit die
(B2C) und ĺ  Consumer-to-Consumer- Bereitstellung einer technischen Platt-
Markt (C2C) unterschieden. – Die wich- form (z. B. im ĺ Internet oder durch Mo-
tigsten Plattformen des Electronic Busi- bilfunk) für die virtuelle Zusammenkunft
ness sind die elektronische Beschaffung einer Gruppe von Individuen, die in einer
153 elektronische Gesundheitskarte (eGK)

bestimmten Beziehung zueinander stehen Electronic Mail ĺ E-Mail.


bzw. zueinander stehen wollen.
Electronic Marketplace  –  E-Market-
Electronic Company  –  E-Company, vir- place, elektronischer Marktplatz, virtuel-
tuelles Unternehmen. Einsatz elektroni- ler Marktplatz. Elektronisch unterstützte
scher Informations- und Kommunika- Institutionen zum Austausch von Gü-
tionstechnologien zur Verknüpfung von tern. Die Marktplatzbetreiber sind bei der
Unternehmungen zwecks Kooperation Durchführung von Transaktionen durch
zu einem virtuellen Unternehmen. Dabei die Bereitstellung virtuellen Handelsrau-
entsteht ein gemeinsames, über digitale mes behilflich. Sie beeinflussen die hier
Wertschöpfungsnetze erstelltes Transak- stattfindenden Käufe und Verkäufe aber
tionsangebot. Häufig stehen bei solchen nicht.  Electronic Marketplaces sind z. B.
virtuellen Unternehmungen die Samm- Finanzmärkte, Gebrauchtwarenbörsen,
lung, Aufbewahrung und neue Aufberei- Onlineauktionen oder Reservierungssys-
tung von Informationen im Vordergrund. teme im Luftverkehr.
Electronic Data Interchange Electronic Procurement  –  E-Procure-
(EDI)  –  Elektronischer Datenaustausch. ment, Electronic Purchasing, Online-
Begriff für den papierlosen, z.T. automa- beschaffung. Durch elektronische Systeme
tisierten elektronischen  Austausch von unterstützter ĺ  Einkauf von Produk-
Daten zwischen Unternehmen oder zwi- ten und Dienstleistungen. Dazu zählen
schen einzelnen Unternehmensteilen. Die z. B. die elektronische Rechnungsstellung
ĺ Daten sind nach einheitlichen interna- durch den Lieferanten, die elektronische
tionalen Standards (z. B. EDIFACT, SIN- Auftragsübermittlung und die Auftrags-
FOS) strukturiert und formatiert. verfolgung im ĺ Internet. Electronic Pro-
curement ist ein Teilbereich des ĺ Elec-
Electronic Government  –  E-Govern- tronic Business.
ment. Abwicklung geschäftlicher Pro-
zesse im Zusammenhang mit Regieren Electronic Purchasing ĺ  Electronic
und Verwalten mit Hilfe von Informa- Procurement.
tions- und Kommunikationstechnologien Electronic Shop  –  E-Shop, Onlineshop.
über elektronische Medien. Dabei handelt Plattform des ĺ  Electronic Business,
es sich um Prozesse innerhalb des öffent- auf der Anbieter ihre Waren und Dienst-
lichen Sektors sowie zwischen öffentli- leistungen präsentieren. Die Interessen-
cher Verwaltung und Bürgern, Unterneh- ten können sich über die Angebote in-
men und gemeinnützigen Organisatio- formieren, Bestellungen und u.U. auch
nen. Electronic Government zielt auf eine Bezahlungen vollständig elektronisch ab-
grundlegende Modernisierung der Ver- wickeln.
waltung.
elektronische Gesundheitskarte
Electronic Logistic –  E-Logistik. Teil des (eGK)  –  Identifikationskarte der gesetz-
ĺ  Electronic Business: Planung, Aufga- lichen ĺ  Krankenversicherung, die seit
benerfüllung und Kontrolle von logisti- dem 1.1.2014 als Nachweis für die Be-
schen Prozessen (ĺ  Logistik) durch In- rechtigung zur Inanspruchnahme  ärzt-
ternettechnologien (ĺ Internet). licher Leistungen sukzessive eingeführt
Elektronische Lohnsteuerabzugsmerkmale (ELStAM) 154

wird. Sie  löst mit zusätzlichen  Eigen- Datenbank des Finanzamtes auf Abruf
schaften ausgestattet spätestens bis zum zur Verfügung gestellt, um den monat-
1.10.2014 die bisherige ĺ Krankenversi- lichen  Lohnsteuerabzug für  jeden lohn-
chertenkarte ab. – Zur Vermeidung von steuerpflichtigen Mitarbeiter  berechnen
Missbrauch enthält die Karte ein Lichtbild zu können.
(Pflicht für Versicherte über 15 Jahre). elektronische Lohnsteuerbescheini-
Entscheidende Neuerung ist ein Mikro- gung  –  Bescheinigung des Arbeitge-
prozessor, der neben den Stammdaten bers, die am Ende des Kalenderjahres
auch umfangreiche medizinische Daten oder am Ende des Dienstverhältnisses
für die durch einen elektronischen Heilbe- auf elektronischem Weg an die Finanz-
rufsausweis berechtigten und mit einem behörde übermittelt wird. Die Bescheini-
Lesegerät ausgestatteten Leistungserbrin- gung muss bis zum 28. Februar des Fol-
ger (Ärzte, Zahnärzte,  Krankenhäuser) gejahres durchgeführt worden sein und
liefern kann. Dritte (wie z. B. Versicherun- u.a. folgende Daten enthalten: persönli-
gen) haben hierauf  keinen Zugriff. Der che Daten (Name, Vorname, Geburtsda-
Datenschutz für die sensiblen persönli- tum und Adresse), Dauer des Dienstver-
chen Daten  wird durch Verschlüsselung hältnisses und U-Vermerke (Arbeitspe-
und  das Zwei-Schlüssel-Prinzip gewähr- rioden von mind. fünf Arbeitstagen, für
leistet: Patient und Arzt stimmen der Ent- die der Lohnanspruch weggefallen ist),
schlüsselung zu, in dem der Patient seine Art und Höhe des ĺ Arbeitsentgelts und
elektronische Gesundheitskarte und der ĺ  Versorgungsbezüge,  Höhe der einbe-
Arzt seinen elektronischen Heilberufs- haltenen ĺ  Lohnsteuer, ĺ  Solidaritäts-
ausweis gleichzeitig in ein Kartenterminal zuschlag und ĺ  Kirchensteuer, bezoge-
einstecken und der Patient durch Eingabe nes ĺ  Kurzarbeitergeld, Zuschuss zum
seiner PIN-Nummer den Zugriff auf seine ĺ  Mutterschaftsgeld,  Alterteilzeitzu-
Daten erlaubt. Eine Ausnahme bilden schlag etc., auf die Entfernungspauschale
Notfalldaten, auf die auch ohne PIN-Ein- anzurechnende Leistungen des Arbeitge-
gabe zugegriffen werden kann. – Darü- bers, und Arbeitgeber- und Arbeitneh-
ber hinaus  wird die Rückseite der elek- merbeiträge zur ĺ Sozialversicherung.
tronischen Gesundheitskarte als ĺ  Eu-
ropäische Krankenversicherungskarte  Elektronische Lohnsteuerkarte
ĺ (ĺ EHIC ĺ ) genutzt. ĺ Elektronische Lohnsteuerabzugsmerk-
male (ELStAM).
Elektronische Lohnsteuerabzugsmerk- Elektronischer Datenaustausch
male (ELStAM) – Elektronische Lohnsteu- ĺ Electronic Data Interchange (EDI).
erkarte. Elektronisches Verfahren, das seit elektronischer Handel ĺ  Computer-
2013 die früher dem ĺ Arbeitgeber vor- börse.
zulegende Lohnsteuerkarte ersetzt. Die
auf der Vorderseite der Lohnsteuerkarte elektronischer Marktplatz ĺ Electronic
verzeichneten Steuermerkmale des ĺ Ar- Marketplace.
beitnehmers (Steuerklasse, Zahl der Kin- elektronischer Zahlungsverkehr  –  be-
der, Freibeträge, Religionszugehörig- leglose Erfassung und Abwicklung des
keit) werden dem Arbeitgeber von der ĺ  bargeldlosen Zahlungsverkehrs.
155 Elterngeld

Werden vom Kunden Zahlungsver- ausgehen. Rechtsgrundlage für dieses


kehrsbelege beim ĺ Kreditinstitut einge- Verfahren ist das Signaturgesetz (SigG).
reicht, werden diese über Datenterminals elektronisches Orderbuch ĺ  Order-
in Datensätze umgewandelt und dann im buch.
Datenträgeraustauschverfahren oder mit-
tels Datenfernübertragung an das end- elektronische Steuererklärung (ELS-
begünstigte Institut weitergeleitet. Dieses TER)  –  Programm der Finanzverwal-
schreibt den eingehenden Auftrag ohne tung, das in auf dem Markt befindlichen
Erstellung eines Beleges auf dem Konto Steuerprogrammen integriert ist. Der
des Zahlungsempfängers gut. Steuerpflichtige kann mit ELSTER seine
ĺ  Steuererklärung am Computer erstel-
elektronisches Geld  –  E-Geld, digitales len und diese über ĺ Internet dem ĺ Fi-
Geld. Eine auf einem elektronischen Me- nanzamt übermitteln.
dium gespeicherte Werteinheit, die allg.
zur Zahlung an Unternehmungen genutzt elektronisches Unternehmensregister
werden kann, die nicht Emittenten sind. ĺ Unternehmensregister.
Elektronisches Geld kann z. B. auf einem Elementarfaktoren ĺ  Produktionsfak-
Chip (ĺ  Chipkarte) oder auf der Fest- toren.
platte eines Computers (Cybergeld) ge- ELER – Abk. für Europäischer Landwirt-
speichert sein. In Deutschland gibt es mit schaftsfonds für die Entwicklung des
der ĺ  Geldkarte ein von der deutschen ländlichen Raums, ĺ Strukturfonds.
Kreditwirtschaft gemeinsam betriebenes
E-Geld-System. E-Logistik  –  Kurzbezeichnung für
ĺ Electronic Logistic.
elektronisches Handelssystem
ĺ Computerbörse. ELStAM  –  Abk. für ĺ  Elektronische
Lohnsteuerabzugsmerkmale (ELStAM)
elektronische Signatur  –  Authentifika-
tion eines in elektronischer Form vorlie- ELSTER – Abk. für ĺ elektronische Steu-
genden Objekts. Das größte Problem elek- ererklärung (ELSTER).
tronischer Unterlagen liegt in der Un- Elterngeld  –  Sozialleistung nach dem
gewissheit ihrer Herkunft, die mithilfe Bundeselterngeld- und Elternzeitgesetz
der elektronischen Signatur bestätigt wer- (BEEG): Mütter und Väter erhalten  für
den soll. Zu diesem Zweck werden Ver- die Dauer von maximal 14 Monaten nach
fahren der Kryptographie angewendet, der Geburt des Kindes Elterngeld, wo-
indem mittels eines nur dem Sender be- bei beide  (unter der Voraussetzung von
kannten Schlüssels algorithmisch festleg- mind. zwei Partnermonaten) den Zeit-
bare Teile der zu zertifizierenden Nach- raum beliebig untereinander aufteilen
richt verschlüsselt werden. Zur Authenti- können. Das  Elterngeld wird seit dem
fizierung der Nachricht entschlüsselt der 1.1.2007 anstelle des Bundeserziehungs-
Empfänger mittels eines allg. bekannten, geldes (ĺ  Erziehungsgeld) gewährt. Es
öffentlichen Schlüssels diese  elektroni- soll den Einkommensausfall ausgleichen,
sche Signatur und kann so bei Gleichheit wenn Eltern nach der Geburt für die Be-
des entschlüsselten Teils mit der erhalte- treuung ihres Kindes die berufliche Ar-
nen Nachricht von deren Authentizität beit unterbrechen oder einschränken.
Elternzeit 156

– Voraussetzungen: Der Anspruchsbe- des Ehegatten oder Lebenspartners in ei-


rechtigte  muss in der Bundesrepublik nem Haushalt leben und dieses selbst be-
Deutschland wohnen, mit dem Kind in treuen und erziehen. – Der Elternzeitan-
einem Haushalt leben, das Kind selbst spruch besteht bis zur Vollendung des
betreuen oder erziehen und keine oder dritten Lebensjahres des Kindes. Ein An-
keine volle (bis zu 30 Wochenstunden) teil bis zu zwölf Monaten ist mit Zustim-
Erwerbstätigkeit ausüben. – Die Höhe mung des ĺ Arbeitgebers bis zur Vollen-
des  Elterngelds beträgt zwischen 65 und dung des achten Lebensjahres übertrag-
67 % des in den letzten zwölf Monaten bar. Die  Elternzeit kann, auch anteilig,
vor dem Monat der Geburt durchschnitt- von jedem Elternteil allein oder gemein-
lich  erzielten Nettoeinkommens aus Er- sam genommen werden. Sie ist aber auf
werbstätigkeit  oder des Differenzbe- insgesamt drei Jahre pro Kind begrenzt.
trages aus dem nach der Geburt durch- Während der  Elternzeit ist eine Teilzeit-
schnittlich erzielten Nettoeinkommen im beschäftigung von bis zu 30 Stunden pro
Vergleich zu dem vor der Geburt durch- Woche zulässig. Bei einem unbefristeten
schnittlich erzielten, mind. aber 300 Euro Arbeitsverhältnis bleibt dieses während
und höchstens 1.800 Euro. Das ĺ  Mut- der Elternzeit weiter bestehen, ein befris-
terschaftsgeld wird angerechnet. – Mehr- tetes Arbeitsverhältnis endet zum verein-
kindfamilien erhalten einen Zuschlag von barten Zeitpunkt. – Die Elternzeit bedarf
10 % des sonst zustehenden Elterngeldes, nicht der Zustimmung des Arbeitgebers,
mind. aber 75 Euro. Bei Mehrlingsgebur- sie muss jedoch spätestens 7 Wochen vor
ten besteht neben dem Mehrlingszuschlag ihrem Beginn schriftlich gegenüber dem
von 300 Euro für jedes neugeborene Kind Arbeitgeber verlangt werden.  Mit An-
ein eigener Elterngeldanspruch. – Kein El- meldung der Elternzeit, frühestens jedoch
terngeldanspruch haben Eltern, die im Ka- acht Wochen vor deren Beginn besteht für
lenderjahr vor der Geburt des Kindes ein den Arbeitnehmer ein besonderer Kündi-
gemeinsam zu versteuerndes Einkommen gungsschutz. – Vgl. auch ĺ Elterngeld.
von mehr als 500.000 Euro hatten, bei Al- E-Mail  –  Electronic Mail; weit verbrei-
leinerziehenden von mehr als 250.000 teter Dienst im ĺ  Internet, mit dessen
Euro. –  Vgl. auch ĺ Elternzeit, ĺ Siche- Hilfe Textnachrichten und digitale Daten
rung der Familie und von Kindern. (in Form eines Attachments) an einen be-
stimmten Empfänger versendet werden
Elternzeit  –  arbeitsrechtlicher Anspruch können.
eines ĺ  Arbeitnehmers auf Freistellung
von der Arbeit nach dem Bundeseltern- E-Marketplace  –  Kurzbezeichnung für
geld- und Elternzeitgesetz (BEEG) im An- ĺ Electronic Marketplace.
schluss an die nachgeburtliche Schutz- Embargo  –  staatlich angeordnete
frist des ĺ Mutterschutzes (ĺ Sicherung Zwangsmaßnahme (im Unterschied zum
der Familie und von Kindern). – An- privatwirtschaftlichen ĺ  Boykott), mit
spruchsberechtigt sind Arbeitnehmer der der Handel mit bestimmten Gütern
einschließlich zur Berufsausbildung Be- mit einem bestimmten Staat unterbunden
schäftigte und Heimarbeiter, die mit ei- wird.  Ein Embargo kann aus politischen
nem eigenen Kind oder mit dem Kind Gründen als wirtschaftliches Druck- oder
157 Emissionshandel

Sanktionsmittel eingesetzt werden, z. B. Kapitalmarkt auf eigenes Risiko oder die


als Repressalie gegen Völkerrechtsverlet- Übernahme gleichwertiger Garantien.
zungen oder um das Land zu bestimm- Bspw. übernehmen im ersten Fall meh-
ten Handlungen oder Unterlassungen zu rere Banken (Übernahmekonsortium)
zwingen. eine ĺ  Emission zu einem festen Kurs
Emerging Markets ĺ Schwellenländer. in den eigenen Bestand und bringen die
Wertpapiere im eigenen Namen und für
EMFF  –  Abk. für Europäischer Meeres- eigene Rechnung am Markt unter.
und Fischereifonds, ĺ Strukturfonds.
Emission  –  1.  Bank- und Börsenwesen: Emissionshandel  –  Emissionsrechtehan-
Ausgabe von ĺ  Aktien und anderen del. Ökonomisches Instrument
Wertpapieren, d.h. ihre Unterbringung der ĺ  Umweltpolitik zum Klima-
im Publikum und ihre Einführung in den schutz.  Emissionshandel ist der Handel
Verkehr. Während eine Selbstemission nur mit Emissionsrechten (ĺ Umweltzertifi-
für Kredit- und Finanzdienstleistungsin- kat). Ziel des Emissionshandels ist es, die
stitute in Frage kommt, ist die Regel eine Atmosphäre im Hinblick auf die Emis-
Fremdemission. Dabei übernimmt ein sion von Treibhausgasen in ein kosten-
Konsortium professioneller Finanzdienst- pflichtiges Gut zu verwandeln, in dem die
leister die Abwicklung der Emission, ĺ  Emission solcher Gase an den Besitz
meist in Form eines Übernahmekonsor- von Berechtigungen zur Treibhausgase-
tiums (ĺ  Emissionsgeschäft) oder Bege- mission geknüpft wird. Die Gesamtmenge
bungskonsortiums. Im letztgenannten Fall an Emissionsberechtigungen ist dabei be-
wird für den Emittenten kein Risiko über- grenzt. Jeder Emittent darf nur die Menge
nommen. Das gegenwärtig bevorzugte an Schadstoffen in einer Periode freiset-
Emissionsverfahren ist das ĺ  Bookbuil- zen, für die er über Emissionsrechte ver-
ding. – 2. ĺ Umweltpolitik: Ausstoß von fügt. Dem Emittenten steht es frei, ob er
Schadstoffen bei Produktion, Verteilung die höchstens zugelassene Schadstoff-
und Verbrauch (z. B. Lärm, Gase, Strah- menge freisetzt oder versucht, die Schad-
lung). Das Bundes-Immissionsschutzge- stoffemission durch technische Innova-
setz (BImSchG) definiert  Emissionen als tionen oder durch Installation von Fil-
Luftverunreinigungen, Geräusche, Er- tern etc. zu verringern. Erreicht er eine
schütterungen, Licht, Wärme, Strahlen Reduktion der Emissionsmenge, verfügt
und ähnliche Umwelteinwirkungen, die er über überschüssige Emissionsrechte.
von Anlagen wie Betriebsstätten, Maschi- Diese kann er an solche Emittenten wei-
nen oder Grundstücke ausgehen.  –  Ge- terveräußern, für die etwa eine Nachrüs-
gensatz: ĺ Immission. tung der Anlagen höhere Kosten verur-
Emissionsauflage ĺ Umweltauflage. sacht als der Erwerb zusätzlicher Emissi-
onsrechte. Auf diese Weise bildet sich ein
Emissionsdisagio ĺ Emissionskurs. ĺ  Markt für Emissionsrechte. Verant-
Emissionsgeschäft ĺ  Bankgeschäft wortliche haben die Wahl, entweder im
i.S.d. Kreditwesengesetzes (KWG). Bereich der eigenen Anlage Emissionen
Das Emissionsgeschäft ist die Übernahme zu reduzieren oder Berechtigungen von
der Platzierung von ĺ Wertpapieren am anderen Verantwortlichen zuzukaufen.
Emissionskonsortium 158

Der Emissionshandel ist insofern ein kos- und dieses Wissen in Führungssituatio-


tengünstiges Instrument, mit dem genau nen erfolgreich einzusetzen.  –  Vgl. auch
definierte Reduktionsziele erreicht wer- ĺ Kompetenz, ĺ Sozialkompetenz.
den können: Es wird für die betroffenen empirische Wirtschaftsforschung  –
Unternehmen ein Anreizsystem geschaf- Teilbereich der Volkswirtschaftslehre,
fen, ihre Emission zu verringern oder zu in dem ökonomische Zusammenhänge
vermeiden, um durch Emissionen ver- mit Hilfe statistischer und ökonometri-
ursachte Betriebskosten zu sparen. – Die scher Verfahren und Modelle (ĺ  Statis-
ĺ  Europäische Union (EU) führte am tik, ĺ  Ökonometrie) untersucht wer-
1.1.2005  den Europäisches Emissions- den. Es werden Daten für die Erklärung
handelssytem (European Union Emis- von Wirtschaftsabläufen (ĺ  Konjunk-
sions Trading System (EU ETS))  für be- turforschung) und als Basis wirtschafts-
stimmte Branchen in ihren Mitgliedsstaa- politischer Meinungsbildung aufberei-
ten ein, um den Ausstoß von CO2-Gasen tet. Außerdem werden zukünftige wirt-
zu reduzieren. Die Teilnehmer des Han- schaftliche Entwicklungen abgeschätzt
delssystems sind derzeit die Betreiber von (Wirtschaftsprognose).  –  Vgl. auch
großen Energieanlagen und energieinten- ĺ Wirtschaftsforschungsinstitute.
siven Industrieanlagen.  –  Für die Zutei-
lung und Ausgabe der Emissionsberech- Empowerment  –  angloamerikanische
tigungen in Deutschland ist die Deutsche Bezeichnung für Maßnahmen des ĺ Ma-
Emissionshandelsstelle (DEHSt) zustän- nagements zur Erweiterung der Autono-
dig.  –  Weitere Informationen unter www. mie und Mitbestimmungsmöglichkeiten
dehst.de. von Mitarbeitern rund um ihren Arbeits-
platz.  Empowerment bezeichnet somit
Emissionskonsortium ĺ  Bankenkon- die Weitergabe von Entscheidungsbefug-
sortium. nissen und Verantwortung durch Vorge-
Emissionskurs – Kurs, zu dem neu aus- setzte an ihre Mitarbeiter.
gegebene ĺ Wertpapiere dem Publikum Endkostenstelle ĺ Kostenstelle, auf der
angeboten werden. Anleihen werden häu- in der ĺ  innerbetrieblichen Leistungs-
fig mit einem ĺ Disagio (Emissionsdisa- verrechnung gesammelte Beträge nicht
gio) von 2 bis 3 % unter dem ĺ Nennwert auf weitere Kostenstellen verrechnet,
ausgegeben (ĺ  unter pari). ĺ  Aktien sondern direkt in die Kalkulation über-
dürfen dagegen nur über dem Nennwert nommen werden. Es kann sich um eine
ausgegeben werden (ĺ über pari). ĺ  Hauptkostenstelle oder ĺ  Hilfskos-
Emissionsmarkt ĺ Primärmarkt. tenstelle handeln.  –  Gegensatz: ĺ  Hilfs-
Emissionsrechtehandel ĺ  Emissions- kostenstelle (Vorkostenstelle).
handel. Endpreis ĺ Preisangabe.
Emissionszertifikat ĺ Umweltzertifikat. Endverbraucher ĺ Konsument.
emotionale Kompetenz  –  Fähigkeit Energieleistung  –  als ĺ  Produkt, die
einer Führungskraft, bedeutungshal- Arbeitsleistung, die dem Verbraucher
tige Signale und Gefühle seiner Mitar- als Nutzenenergie (Raumwärme, Vor-
beiter sowie eigene Gefühle zu erkennen wärtsbewegung eines Kraftfahrzeugs,
159 EN-Normen

Arbeitsleistung eines Staubsaugers) zur der Klimaschutz im  Vordergrund stand,


Verfügung gestellt wird. wurde bald auch gegen starken politi-
schen Widerstand der Atomausstieg pro-
Energiepolitik  –  wirtschaftspolitische
pagiert. Über die Risiken und Laufzeiten
Maßnahmen, die auf die ĺ Energiewirt-
von Atomkraftwerken wurde jahrelang
schaft oder auf deren Teilbereiche Einfluss
erbittert gestritten. Erst die Reaktorkatas-
nehmen. Ziel der Energiepolitik ist es, die
trophe von Fukushima im Jahre 2011 löste
Energieversorgung kurz- und langfris-
ein Umdenken in eine gemeinsame ener-
tig zu sichern. Zur Energieversorgung ge-
giepolitische Richtung aus. Noch im glei-
hören die Gewinnung und Bereitstellung
chen Jahre wurde von der Bundesregie-
sog. Primärenergien wie Erdgas, Kohle,
rung der Ausstieg aus der Kernenergie bis
Mineralöl, Wind-  oder Wasserkraft so-
zum Jahre 2022  mit breiter öffentlicher
wie veredelte sog. Sekundärenergien wie
Zustimmung verkündet und beschlossen.
Benzin, Heizöl oder Strom. Die Instru-
Nicht die Energiewende an sich, sondern
mente der  Energiepolitik lassen sich in
nur  die Umsetzungsgeschwindigkeit und
ordnungsrechtliche Vorgaben einerseits
damit die Frage der Finanzierbarkeit der
und direkte Interventionen an den Märk-
Fördermaßnahmen (vgl. die Problematik
ten andererseits einordnen. Bes. die lei-
der ĺ EEG-Umlage) werden heute noch
tungsgebundenen Energieträger (Gas,
kontrovers diskutiert.
Strom, Fernwärme) unterliegen der staat-
lichen Aufsicht. Außerdem existieren für Energiewirtschaft  –  Wirtschaftssektor,
einzelne Branchen wie Kernenergie und der sich mit der Förderung oder dem Im-
Steinkohle aus politischen Gründen Son- port von Energieträgern, deren Umwand-
derregelungen.  –  Aus der Zuständig- lung, Lagerung und Transport befasst.
keit der ĺ  Europäischen Union (EU) in Der Energiemarkt setzt sich aus sehr un-
Wettbewerbsfragen oder ĺ  Umweltpo- terschiedlichen Teilmärkten wie z. B. für
litik trifft die EU Vorgaben für die natio- Kohle, Öl und Strom zusammen. Diese
nale Energiepolitik. Dies betrifft z. B. die Teilmärkte sind unterschiedlich organi-
Ausgestaltung der Klimapolitik durch die siert und wettbewerbsintensiv. Um die
Einführung des ĺ Emissionshandels für Energieversorgung der Volkswirtschaft zu
CO2 oder die Öffnung der Verteilungs- sichern, wird die Energiewirtschaft durch
netze für Strom oder Erdgas (ĺ Bundes- die ĺ Energiepolitik beeinflusst.
netzagentur).
EN-Normen  –  Europäische Normen;-
Energiewende  –  Konzept einer nach- von verschiedenen europäischen Insti-
haltigen ĺ Energiepolitik, welche (1) die tutionen (z. B. dem Europäischen Kom-
Ablösung der umweltschädlichen Nut- mittee für Normung CEN) entwickel-
zung nuklearer und fossiler Energieträ- tes Regelwerk zur Standardisierung,
ger durch die umweltfreundliche Nutzung das v.a. der Entwicklung des Europä-
erneuerbarer Energien fördern, (2) Ener- ischen ĺ  Binnenmarktes  dienen soll.
gieeinsparungen  und (3) die Energieef- Die ĺ  Normen sind in 10 vordefinier-
fizienz steigern will. – In Deutschland ten Nummernbereichen (z. B. EN 1 bis
wird seit fast 15 Jahren eine energiepoliti- EN 99 und EN 1000 bis EN 1999) klassi-
sche Wende gefordert. Während zunächst fiziert. Hinter der Norm-Nummer wird
Entfernungspauschale 160

durch einen Doppelpunkt abgetrennt Güter. Entgelt ist der Oberbegriff für Be-
das Entstehungsjahr angeführt.  EN-Nor- schaffungsausgabe und ĺ Erlös. – 3. Um-
men können auch vom Deutschen Insti- satzsteuerrecht:  Entgelt ist Tatbestands-
tut für Normung e. V. mit gleicher Num- merkmal und ĺ  Bemessungsgrundlage
mer unter der Bezeichnung DIN EN als der ĺ Umsatzsteuer.
ĺ DIN-Normen übernommen werden. –
Entgeltersatzleistungen – früher Lohn-
Vgl. auch ĺ ISO-Normen.
ersatzleistungen. Leistungen der gesetzli-
Entfernungspauschale ĺ  Pauschbe- chen Sozialversicherungen und des Staa-
trag, den ein Arbeitnehmer für Fahrten tes zum Ausgleich aus verschiedenen
zwischen Wohnung und Arbeitsstätte Gründen entfallenen ĺ  Arbeitsentgelts.
wie ĺ  Werbungskosten ansetzen kann. Die Höhe berechnet sich meistens aus
Seit 2004 können unabhängig vom Be- dem zuletzt erzielten Arbeitsentgelt. Ent-
förderungsmittel für jeden Entfernungs- geltersatzleistungen sind z. B. ĺ Arbeits-
kilometer 30 Cent geltend gemacht wer- losengeld, ĺ Elterngeld, ĺ Krankengeld,
den (maximal 4.500 Euro). Die ab dem ĺ  Insolvenzgeld, ĺ  Kurzarbeitergeld
1.1.2007 eingeführte Beschränkung ab und ĺ  Mutterschaftsgeld. – Entgelter-
dem 21.  Entfernungskilometer wurde satzleistungen sind nicht zu versteuern.
nach einem Urteil des Bundesverfas- Die Zahlung wird auf der ĺ Lohnsteuer-
sungsgerichts für verfassungswidrig er- karte bescheinigt.
klärt, sodass die Aufwendungen hierfür
rückwirkend wieder berücksichtigt wer- Entgeltfortzahlung im Krankheits-
den. Zusätzlich zur Entfernungspauschale fall  –  Lohnfortzahlung, Fortzahlung des
können die Kraftfahrzeug-Haftpflichtver- ĺ  Arbeitsentgelts bei krankheitsbeding-
sicherung und eventuell entstandene Un- ter Arbeitsunfähigkeit des ĺ Arbeitneh-
fallkosten steuerlich geltend gemacht wer- mers. Diese ist im Entgeltfortzahlungsge-
den. – Vgl. auch ĺ Fahrgemeinschaft. setz (EntgFG) geregelt. Der Anspruch auf
Entgeltfortzahlung besteht für die Dauer
entgangener Gewinn  –  Begriff des von sechs Wochen. Bei einer erneuten Er-
Schadensersatzrechts: der mit Wahr- krankung (Fortsetzungskrankheit) hat der
scheinlichkeit zu erwartende Gewinn. Arbeitnehmer keinen Anspruch auf Ent-
Dieser kann als Teil des ĺ  Schadenser- geltfortzahlung. Dies gilt nicht, wenn er
satzes geltend gemacht werden. Bspw. seit der letzten Erkrankung mind. sechs
kann ein ĺ Kaufmann, der eine ĺ Ware Monate arbeitsfähig war. Der Arbeitneh-
kauft, um diese weiterzuverkaufen, i.d.R. mer hat im Krankheitsfall seinen ĺ  Ar-
bei Nichtlieferung als Schadensersatz den beitgeber unverzüglich zu informieren
Unterschied zwischen dem Einkaufs- und und spätestens innerhalb von drei Tagen
Marktpreis verlangen. eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung
Entgelt  –  1.  Arbeitsrecht: ĺ  Arbeitsent- vorzulegen. Die Fortzahlungsbeträge er-
gelt.  –  2.  Kostenrechnung: Geldäquiva- halten Arbeitgeber, die nicht mehr als 30
lent, das für die Beschaffung von Waren, Arbeitnehmer (ausschließlich der Aus-
Dienst- und Arbeitsleistungen zu bezah- zubildenden) haben, von den Trägern
len ist, oder Anspruch auf Zahlung ei- der gesetzlichen Krankenversicherung
nes geldlichen Äquivalents für abgesetzte bis zur Höhe von 80 % zurück. Die Mittel
161 Entrepreneur

hierfür werden durch Umlagen aufge- Ersatzansprüche. Über die  Entlastung


bracht. – Vgl. auch ĺ Krankengeld. muss in den ersten acht Monaten eines
Entgeltpunkte – Bestandteil der ĺ Ren- Geschäftsjahres durch die ĺ  Hauptver-
tenformel. Die jeweilige Rentenhöhe der sammlung beschlossen werden. Wird
einzelnen Versicherten richtet sich nach die Entlastung verweigert, kann der Auf-
der Höhe der persönlichen Entgeltpunkte. sichtsrat die Vorstandsmitglieder abbe-
Sie werden aus der Anzahl der anrechen- rufen. Für betroffene Aufsichtsratmitglie-
baren Versicherungsjahre und der Höhe der kann dies Grund zur fristlosen Kün-
der in diesen Jahren bezogenen ĺ  Ar- digung sein.
beitsentgelte berechnet. Außerdem wer- Entlastungsbetrag für Alleinerzie-
den versicherungsfreie Zeiten z.T. ange- hende  –  Begriff des Einkommensteuer-
rechnet. rechts: ĺ  Freibetrag in Höhe von 1.308
Entgelttarifvertrag ĺ Tarifvertrag. Euro im Jahr für Steuerpflichtige, die
nicht die Voraussetzungen für eine Zu-
Entgeltumwandlung  –  Barlohnum- sammenveranlagung erfüllen und auch
wandlung. Begriff aus der betrieblichen nicht mit einer anderen Person außer ih-
ĺ  Altersversorgung.  Entgeltumwand- ren eigenen Kindern in häuslicher Ge-
lung ist eine vertragliche Vereinbarung meinschaft leben.
zwischen Arbeitgeber und –nehmer,
nach der Teile des Arbeitsentgelts in eine Entlohnung ĺ Arbeitsentgelt.
gleichwertige Anwartschaft auf Versor- Entnahme  –  1.  Handelsrecht: alle Bar-
gungsleistungen im Alter umgewandelt und Sachleistungen, die der Unterneh-
werden. Seit 2002 hat jeder Arbeitnehmer mer oder ein Gesellschafter für betriebs-
Anspruch auf eine Entgeltumwandlung fremde Zwecke entnimmt. Entnahmen
zum Zweck der betrieblichen Altersver- werden über das ĺ Privatkonto oder di-
sorgung jährlich in Höhe von 4 % der Be- rekt über das Eigenkapitalkonto ver-
messungsgrundlage in der gesetzlichen bucht. –  Gegensatz: ĺ Einlage. – 2.  Steu-
ĺ  Rentenversicherung. Die Entgeltum- errecht: Eine  Entnahme liegt vor, wenn
wandlung kann durch eine ĺ  Pensions- Wirtschaftsgüter des Betriebsvermögens
kasse oder durch einen ĺ Pensionsfonds (z. B. ein Firmenwagen), aber auch Bar-
erfolgen. Bietet der Arbeitgeber dies nicht geld aus der Betriebskasse für sich, seinen
an, kann der Arbeitnehmer eine ĺ  Di- Haushalt oder für betriebsfremde Zwe-
rektversicherung zu seinen Gunsten ver- cke entnommen werden. Zur  Entnahme
langen. gehören auch die aus Betriebsmitteln ge-
Entlassung ĺ Kündigung. zahlten Einkommen-, Kirchen- und Erb-
schaftsteuern.  –  3.  Gewerblicher Rechts-
Entlastung  –  1.  Buchführung: Bezeich-
schutz:  Entnahme bezeichnet den Um-
nung für eine Kontogutschrift oder Ha-
stand, dass eine ĺ Erfindung von einem
beneintragung. – 2.  Aktienrecht: Billi-
Nichtberechtigten als ĺ  Patent oder
gung der Geschäftsführung des ĺ  Vor-
ĺ Gebrauchsmuster angemeldet wird.
stands und des ĺ  Aufsichtsrats einer
ĺ  Aktiengesellschaft (AG). Die  Entlas- Entrepreneur – ein ĺ Unternehmer bzw.
tung enthält jedoch keinen Verzicht auf Unternehmensgründer mit innovativen
Entsorgung 162

Geschäftsideen, die mit hohem Risiko als  Entwicklungshilfe zu gelten.  –  Viele


und Wachstumschancen behaftet sind. Industrieländer haben sich der Zielset-
Entsorgung – 1.  Abfallrecht: Verwertung zung der ĺ  Vereinten Nationen (UN),
und Beseitigung von ĺ  Abfällen. Dies die  Entwicklungshilfe auf mind. 0,7 %
kann auf unterschiedliche Weise gesche- des ĺ Bruttoinlandsprodukt (BIP) anzu-
hen. Es können aus Abfällen Stoffe oder heben, angeschlossen. Die tatsächlichen
Energie gewonnen werden (Abfallver- Leistungen liegen jedoch wesentlich dar-
wertung, ĺ  Recycling). Es ist außerdem unter.
möglich, dass Abfälle abgelagert werden Entwicklungsländer  –  Staaten, die im
(Abfallentsorgung auf Deponien).  –  Vgl. Vergleich zu ĺ  Industrieländern einen
auch ĺ Abfallwirtschaft. – 2. Betrieblich:- Entwicklungsrückstand aufweisen. Bei
Zum Bereich Entsorgung zählen: (1) Ein- diesen Staaten wird das erzielte Wohl-
stufung von Abfällen nach technisch-phy- fahrtsniveau als niedrig und die Funk-
sikalischen Eigenschaften. (2) Erfassen, tionsfähigkeit des Wirtschaftssystems
Sammeln, Umformen, Selektieren, Auf- als nicht ausreichend angesehen. Cha-
bereiten, Regenerieren, Vernichten, Ver- rakteristische Merkmale sind ein niedri-
werten und Verkaufen der zu entsor- ges Pro-Kopf-Einkommen, geringer Bil-
genden Stoffe. (3) Durchführung aller dungsstand, hohe Arbeitslosigkeit und
übrigen zur Entsorgung notwendigen Ak- unzulängliche Infrastruktur.  –  Die  Ent-
tivitäten, wie z. B. der Abtransport und die wicklungsländer werden entsprechend
Verschrottung gemäß den gesetzlichen den ĺ  Vereinten Nationen (UN) nach
Vorschriften sowie den technischen Ge- bestimmten Kriterien in Least Developed
gebenheiten. Countries (am wenigsten entwickelte Län-
Entsparen ĺ Sparen. der) und Developing Countries (normale
Entwicklungsländer) unterschieden.
Entstehungsrechnung ĺ Bruttoinland-
sprodukt (BIP). Entwicklungspolitik  –  Gesamtheit aller
staatlichen Maßnahmen zur Förderung
Entwicklung ĺ Forschung und Entwick- der sozioökonomischen Entwicklung in
lung (F&E). ĺ Entwicklungsländern. In der Entwick-
Entwicklungshilfe  –  staatliche Leistun- lungspolitik werden als Hauptziele die
gen materieller und nicht materieller Art Überwindung der Armut und die Siche-
an ĺ  Entwicklungsländer zu Vorzugs- rung der Menschenrechte verfolgt. Trä-
bedingungen. Ziel ist es, deren sozioöko- ger der  Entwicklungspolitik sind neben
nomische Entwicklung und die Lebens- den Regierungen in den Entwicklungs-
bedingungen zu verbessern. Im neueren ländern v.a. internationale Organisationen
Sprachgebrauch werden auch die Begriffe sowie Regierungen und Institutionen der
finanzielle und technische Zusammenar- Industrieländer. Ein wichtiger Teilbereich
beit verwendet. Nach der Definition des der  Entwicklungspolitik ist die ĺ  Ent-
Development Assistance Commitee ist ein wicklungshilfe. Aber auch andere Politik-
Zuschusselement von mind. 25 % bei den felder wie z. B. Handels- und Agrarpolitik
betreffenden Leistungen im Vergleich sind für die wirtschaftliche Entwicklung
zu üblichen Geschäften notwendig, um der Entwicklungsländer von Bedeutung.
163 Erbvertrag

Nach dem Brundtland-Bericht wird die der Oberfläche eines ĺ Grundstücks ein
ĺ Nachhaltigkeit der Entwicklung betont. Gebäude oder Bauwerk zu haben. Für das
Entwicklungsländer benötigen ein aufho- Erbbaurecht ist ein Erbbauzins (sog. Erb-
lendes Wachstum, aber es müssen auch die pacht) an den Grundstückseigentümer zu
Folgen der Entwicklung für die Umwelt zahlen. Als Belastung des Grundstücks
berücksichtigt werden. Weitere Prioritäten muss ein Erbbaurecht an erster Rangstelle
liegen bei der Überwindung des Problems in das ĺ Grundbuch eingetragen werden.
der explosiven Bevölkerungsentwicklung Erbpacht ĺ Erbbaurecht.
und der stärkeren Berücksichtigung der
Erbschaft ĺ Nachlass.
ĺ  Globalisierung und Dezentralisierung
von Institutionen und Finanzmitteln. Erbschaftsteuer  –  Schenkungsteuer.
Steuer, die den Übergang von Vermögens-
E-Procurement  –  Kurzbezeichnung für
werten (1) durch Erbfall an den Erben,
ĺ Electronic Procurement.
(2) durch Schenkung unter Lebenden, (3)
Equity-Methode  –  Methode zur ĺ  Bi- durch ĺ Zweckzuwendungen sowie  (4)
lanzierung bestimmter langfristiger Be- das Vermögen einer Familienstiftung (Er-
teiligungen einer ĺ  Kapitalgesellschaft, bersatzsteuer) erfasst. Die Erbschaftsteuer
die am stimmberechtigten Kapital einer ist im Erbschaftsteuer- und Schenkungs-
anderen Gesellschaft beteiligt ist. Aus- steuergesetz (ErbStG) geregelt. Die  Erb-
gehend von den ĺ  Anschaffungskosten schaftsteuer berücksichtigt in Abhängig-
der Beteiligung wird der Wert der Betei- keit vom Verwandtschaftsverhältnis zwi-
ligung (sog. Equity-Wert) laufend an die schen Erblasser und Erben bestimmte
Entwicklung des ĺ Eigenkapitals des Be- ĺ Freibeträge und beträgt zwischen sie-
teiligungsunternehmens angepasst. – Vgl. ben und 50 % des Erbwertes. – Vgl. auch
Abb. „Equity-Methode".  –  Die  Equi- Abb. „Erbschaftsteuer – Steuersätze“.
ty-Methode ist gemäß dem ĺ Handelsge-
setzbuch (HGB) im ĺ Konzernabschluss Erbschaftsteuer – Steuersätze
für die Bewertung von Beteiligungen an
Wert des steuer- Prozent in der Steuerklass e
sog. assoziierten Unternehmen vorge- pflichtigen Erwerbs bis
einschließlich ... Euro
schrieben. I II III
75.000 7 1 5
300.000 1 1 20
30
600.000 1 5 25
6.000.000 1 9 30
13.000.000 2 3 35
26.000.000 2 7 40 50
über 26.000.000 3 04 3

Erbvertrag  –  Form der Verfügung von


Todes wegen, bei der der Erblasser zu Leb-
zeiten einen Vertrag schließt. Vertragsver-
Erbauungsnutzen ĺ Kundennutzen. fügungen, wie z. B. Einsetzung von Erben,
Erbbaurecht – ein vererbliches und i.d.R. Vermächtnisse und Auflagen, können von
veräußerliches ĺ  Recht, auf oder unter ihm nicht einseitig geändert werden. Ein
Erfindung 164

nach dem Abschluss eines  Erbvertrages Aufwandskonten werden die Aufwen-


gemachtes ĺ Testament ist entsprechend dungen erfasst (ĺ  Aufwand). Die Auf-
unwirksam. wendungen werden auf der linken Seite
des Kontos (ĺ Soll) ausgewiesen. (2) Er-
Erfindung – kreative Leistung, die auf der
tragskonto: Auf den Ertragskonten wer-
Anwendung von Erkenntnissen auf tech-
den die Erträge erfasst (ĺ  Ertrag). Sie
nischem Gebiet beruhen. Eine Erfindung
werden auf der rechten Seite des Kon-
ist dem Patentschutz (ĺ  Patent) und/
tos (ĺ Haben) ausgewiesen. – Gegensatz:
oder Gebrauchsmusterschutz (ĺ  Ge-
ĺ Bestandskonto.
brauchsmuster) zugänglich, wenn mit
ihr eine neue, auf erfinderischer Tätig- Erfolgsrechnung  –  Rechnung zur Er-
keit beruhende und gewerblich anwend- mittlung des Erfolgs (ĺ  Betriebsergeb-
bare Lehre zum planmäßigen Handeln nis) eines Unternehmens innerhalb eines
unter Einsatz beherrschbarer Naturkräfte Zeitraums. Die Erfolgsrechnung ist in un-
zur unmittelbaren Erreichung eines kau- terschiedlichen Varianten möglich. Die
sal übersehbaren Erfolgs gegeben wird. einfachste Form ist der Bilanzvergleich,
bei dem Anfangs- und Endkapital gegen-
Erfolg ĺ Betriebsergebnis. übergestellt werden. Eine differenzierte
Erfolgsbeteiligung  –  individual- oder Form ist die ĺ  Gewinn- und Verlustrech-
kollektivvertragliche Vereinbarung eines nung (GuV), da diese die Quellen der Auf-
ĺ Arbeitgebers mit seinen Mitarbeitern, wendungen und Erträge offen legt.
die additiv zu seinem (tarif-)vertraglich Erforderlichkeitsklausel ĺ  Gesetzge-
festgesetzten Lohn regelmäßig einen An- bungskompetenz.
teil am Erfolg des Unternehmens gewährt.
Einer Erfolgsbeteiligung kann der ĺ Ge- Erfüllung  –  Begriff des ĺ  Bürgerlichen
winn (ĺ Gewinnbeteiligung), der ĺ Er- Rechts für das Erbringen einer geschul-
trag (Ertragsbeteiligung) oder die ĺ Leis- deten Leistung. Die Erfüllung kann bspw.
tung (Leistungsbeteiligung) zugrunde ge- durch Zahlung erfolgen. Mit der  Erfül-
legt werden. Die häufigste Form in der lung erlischt das ĺ Schuldverhältnis.
Praxis ist die Gewinnbeteiligung. Durch Erfüllungsgehilfe  –  diejenige (natürli-
eine  Erfolgsbeteiligung soll das Interesse cher oder juristische) Person, welcher sich
der Mitarbeiter an ihrer Arbeit und ihrem der ĺ Schuldner zur ĺ Erfüllung seiner
Unternehmen gefördert werden. Außer- ĺ  Verbindlichkeiten bedient (z. B. die
dem sollen sie sich stärker mit dem Un- Bank, durch die der Schuldner zahlt).
ternehmen identifizieren.
Erfüllungsort  –  Leistungsort. Ort, an
Erfolgskonto ĺ Konto, auf dem erfolgs- dem der ĺ  Schuldner seine Leistung zu
wirksame Vorgänge verbucht werden. Er- erbringen hat. Gesetzlicher  Erfüllungs-
folgskonten erfassen die Aufwendungen ort ist im Zweifel Wohnsitz bzw. gewerb-
oder Erträge der Konten, die in der ĺ Ge- liche Niederlassung des Schuldners bei
winn- und Verlustrechnung (GuV) be- Entstehung der Schuld. Bei gegenseiti-
rücksichtigt werden.  –  Bei den  Erfolgs- gen Verträgen (z. B. Kauf) kann der Erfül-
konten sind folgende Kontenarten zu un- lungsort für beide Teile verschieden sein.
terscheiden: (1) Aufwandskonto: Auf den Der Erfüllungsort begründet besonderen
165 Erlös

ĺ Gerichtsstand bei Klagen auf ĺ Erfül- Erinnerung  –  nicht fristgebundener, ge-


lung oder Schadensersatz. setzlich geregelter ĺ Rechtsbehelf, der zur
Überprüfung innerhalb derselben Instanz
Ergänzungsbilanz ĺ  Steuerbilanz, die
führt. Bei der ĺ Zwangsvollstreckung z. B.
Korrekturen zu den Wertansätzen in der
die Geltendmachung der ĺ Unpfändbar-
Steuerbilanz der Gesellschaft (Gesamt-
keit gegen das Vorgehen des Gerichtsvoll-
handelsbilanz) enthält. Eine Ergänzungs-
ziehers. Erinnerung ist einzulegen beim
bilanz ist eventuell nach einem Gesell-
Vollstreckungsgericht, das vor der Ent-
schafterwechsel oder bei Einbringung
scheidung die einstweilige Einstellung der
personenbezogener Steuervergünstigun-
Vollstreckung anordnen kann.
gen durch eine Personengesellschaft für
einzelne Gesellschafter zu erstellen. – An- Erinnerungsposten ĺ  Erinnerungs-
ders: ĺ Sonderbilanz. wert.
ErgänzungskapitalKapital. Erinnerungswerbung ĺ  Werbung
zur Erinnerung an bestimmte Werbe-
Ergebnis ĺ Performance. inhalte.  Erinnerungswerbung zielt auf
Ergiebigkeit ĺ Produktivität. eine Erhaltung und Sicherung des Absat-
zes (ĺ Erhaltungswerbung). – Vgl. auch
Erhaltungsaufwand  –  Begriff aus dem
ĺ Einführungswerbung.
Steuerrecht.  Erhaltungsaufwände sind
ĺ  Aufwendungen für die laufende In- Erinnerungswert  –  Erinnerungsposten.
standhaltung und die Instandsetzung be- Merkposten in der ĺ Bilanz für einen bis
trieblicher und privater Wirtschaftsgü- auf einen Euro abgeschriebenen Vermö-
ter. Erhaltungsaufwände können sofort in gensgegenstand, vielfach bei Wirtschafts-
voller Höhe abgesetzt werden. Seit 2004 gütern des ĺ Anlagevermögens, teilweise
können größere Erhaltungsaufwände für auch bei uneinbringlichen ĺ Debitoren.
Gebäude, die nicht zu einem Betriebs- Erkenntnisverzögerung ĺ Lag.
vermögen gehören und überwiegend Erlebensfallversicherung ĺ Lebensver-
Wohnzwecken dienen, auf zwei bis fünf sicherung.
Jahre gleichmäßig verteilt werden.
Erlebnismarketing ĺ  Marketing, das
Erhaltungsinvestition ĺ Investition, die den Konsumenten einen Erlebniswert
der Erhaltung der betrieblichen Substanz, bietet. Erlebniswerte sind z. B. Genuss,
d.h. der betrieblichen Leistungsfähigkeit Luxus, Schönheit oder Umweltbewusst-
dient. Zur Substanzerhaltung kann Ersatz sein. Dabei wird der mögliche Kunde auf
und/oder Erweiterung notwendig sein Gefühlsebene angesprochen. – Vgl. auch
(ĺ Ersatzinvestition, ĺ Erweiterungsin- ĺ Event Marketing.
vestition).
Erlös  –  1.  Rechnungswesen: Gegenwert
Erhaltungswerbung ĺ  Werbung, aus Verkauf, Vermietung und Verpach-
die einen Absatz- oder Umsatzrück- tung von Produkten, Waren und Dienst-
gang gegenüber der Vorperiode verhin- leistungen. Von diesem Wert werden
dern soll.  –  Anders: ĺ  Expansionswer- ĺ  Umsatzsteuer und ĺ  Erlösschmäle-
bung, ĺ Reduktionswerbung. – Vgl. auch rungen abgezogen (sog. Nettoerlös). – Ge-
ĺ Erinnerungswerbung. gensatz: ĺ  Kosten.  –  2.  Preis- und
Erlösrechnung 166

Markttheorie: Produkt aus Preis und Ab- Errichtungsinvestition ĺ  Gründungs-


satzmenge (ĺ Umsatz). investition.
Erlösrechnung – Erfassung und Darstel- Ersatzinvestition  –  Anlagenerneuerung.
lung der Wertzuwächse, die dem Unter- Art der ĺ  Investition: Ersatz vorhande-
nehmen durch die Erstellung und Ver- ner Anlageobjekte durch neue.  Eine Er-
wertung von Leistungen zugehen. Die satzinvestition kann durchgeführt werden
ĺ Kostenrechnung dagegen ermittelt die als ĺ Reinvestition zur Aufrecherhaltung
durch die Leistungserstellung entstan- der betrieblichen Leistungsfähigkeit oder
denen ĺ  Kosten. Auf der Basis von  Er- als ĺ  Erweiterungsinvestition, bei der
lösrechnung und Kostenrechnung kann die betriebliche Leistungsfähigkeit erhöht
durch Gegenüberstellung von Kosten und wird.
Erlösen das ĺ Betriebsergebnis ermittelt Ersatzkasse ĺ  Krankenkasse, die ur-
werden. Die Erlösrechnung ist Teil des in- sprünglich auf bestimmte Berufsgruppen
ternen ĺ Rechnungswesens. beschränkt war. Die Mitglieder der  Er-
Erlösschmälerungen  –  Minderung satzkasse waren in der gesetzlichen Kran-
der erzielten ĺ  Erlöse. Dies sind v.a. kenkasse befreit. Seit 1996 haben alle Ver-
Erlöskorrekturen, ĺ  Rabatte, Skonti sicherten die Wahlmöglichkeit, Mitglied
(ĺ Skonto), Boni (ĺ Bonus), Gutschrif- einer Ersatzkasse zu werden. Eine Ersatz-
ten und sonstige Preisnachlässe (ĺ Preis- kasse ist eine ĺ Körperschaft des öffent-
nachlass). lichen Rechts. – Dachorganisation der Er-
Ermessensrücklagen ĺ  stille Rückla- satzkassen ist der Verband der Ersatzkas-
gen. sen (vdek).

erneuerbare Ressource ĺ  natürliche erschöpfliche Ressource ĺ  natürliche


Ressource, ĺ Ressourcenökonomik. Ressource, ĺ Ressourcenökonomik.

Erneuerungsschein ĺ Bogen. Erschwerniszulage ĺ Zulage.

Eröffnungsauktion ĺ  Börsenpreisfest- Ersitzung – Begriff aus dem Bürgerlichen


stellung. Recht. Rechtsgrund für Eigentumser-
werb. (1) Wer eine bewegliche Sache zehn
Eröffnungsbilanz  –  Anfangsbilanz. Jahre in Eigenbesitz hat, erwirbt durch Er-
ĺ Bilanz, die bei Beginn der Geschäftstä- sitzung ĺ  Eigentum. (2) Wer, ohne Ei-
tigkeit (Gründung) oder zu Beginn eines gentümer zu sein, 30 Jahre lang als Eigen-
Geschäftsjahres aufgestellt werden muss. tümer im ĺ  Grundbuch eingetragen ist
Nach dem Grundsatz der Bilanzkontinui- und in dieser Zeit das Grundstück in Ei-
tät (ĺ Grundsätze ordnungsmäßiger Bi- genbesitz hat, erwirbt Eigentum.
lanzierung) müssen ĺ Schlussbilanz und
Eröffnungsbilanz des Folgejahres über- Ertrag  –  1.  Betriebswirtschaftslehre: Der
einstimmen. Ertrag entspricht den einer Unternehmen
wegen der Erstellung von Gütern und
Eröffnungskurs ĺ  Börsenpreisfeststel- Dienstleistungen zugerechneten ĺ  Ein-
lung. nahmen.  –  Gegensatz: ĺ  Aufwand. – In
ERP  –  Abk. für European Recovery Pro- der ĺ  Gewinn- und Verlustrechnung
gram, ĺ Marshall-Plan. (GuV) wird zwischen dem  Ertrag der
167 Erwerbsfähige

gewöhnlichen Geschäftstätigkeit und dem und ĺ  Gewerbesteuer sowie die daran


außerordentlichen  Ertrag differenziert. anknüpfenden ĺ Annexsteuern (ĺ Kir-
Der neutrale  Ertrag fließt der Unterneh- chensteuer und ĺ Solidaritätszuschlag).
mung aufgrund betriebsfremder und au- Ertragswert  –  Begriff aus der ĺ  Inves-
ßerordentlicher Geschäftsvorfälle (Buch- titionsrechnung. Der  Ertragswert ist der
gewinne bei Veräußerung von Anlage- Gegenwartswert (ĺ  Barwert) zukünfti-
gegenständen, Steuerrückerstattungen, ger Zahlungsüberschüsse aus einem In-
Währungsgewinnen etc.) zu.  –  Erträge, vestitionsobjekt. Der Ertragswert wird
die den Erlösen entsprechen, nennt man durch Abzinsung der über die Nutzungs-
ĺ  Zweckerträge.  –  2.  Volkswirtschafts- dauer des Objekts zu erwartenden Zah-
lehre: Gütermenge, die mit einem gegebe- lungsüberschüsse berechnet (ĺ  Diskon-
nen Aufwand an ĺ Produktionsfaktoren tierung).
in einer Periode hergestellt wird. Der Er-
trag pro Aufwandseinheit heißt ĺ Durch- Ertragswertverfahren ĺ  Unterneh-
schnittsertrag, der Ertragszuwachs bei mensbewertung.
Vermehrung des Aufwands um eine un- Erwartungsparameter  –  ökonomische
endlich kleine (infinitesimale) Einheit Größe, die ein Akteur (Entscheidungs-
heißt ĺ Grenzertrag. träger) indirekt durch die Fixierung von
ĺ Aktionsparametern beeinflussen kann.
Ertragsanteil – Begriff aus dem Einkom-
Setzt z. B. der Monopolist seinen Preis
mensteuerrecht. Der  Ertragsanteil ist im
als Aktionsparameter ein, ist die Absatz-
Unterschied zum Ansparanteil (Summe
menge Erwartungsparameter.
der angesparten Geldbeträge) der Teil
der ĺ  Rente, der zu versteuern ist. Der Erweiterter Rat ĺ  Europäische Zen-
Ertragsanteil bemisst sich je nach Alter tralbank (EZB).
nach einer dafür vorgesehenen amtlichen Erweiterungsinvestition ĺ  Investition
Altersrenten-Tabelle.  –  Vgl. auch ĺ  Al- zur Vergrößerung der betrieblichen Leis-
terseinkünfte. tungsfähigkeit. –  Wirkungen: (1) horizon-
Ertragsbeteiligung ĺ  Erfolgsbeteili- tale Erweiterung: mengenmäßige Aus-
gung. weitung des Produktions- und Absatz-
programms; (2) vertikale Erweiterung:
ertragsgesetzliche Produktionsfunk-
Vergrößerung der Produktionstiefe durch
tion ĺ Produktionsfunktion.
Angliederung von Produktionsstufen. –
Ertragskonto ĺ Erfolgskonto. Vgl. auch ĺ Ersatzinvestition, ĺ Erhal-
Ertragsmanagement ĺ  Yield Manage- tungsinvestition.
ment. Erwerbseinkommen ĺ  Faktoreinkom-
Ertragsteuern  –  Steuern, deren ĺ  Be- men.
messungsgrundlage an das wirtschaftliche Erwerbsfähige – Begriff aus der ĺ amt-
Ergebnis (Ertrag, Gewinn) anknüpft. Der lichen Statistik für Personen im erwerbs-
Staat ist so am wirtschaftlichen Erfolg des fähigen Alter (i.d.R zwischen 15 und 65
ĺ Steuerpflichtigen beteiligt. Zu den Er- Jahren) unabhängig davon, ob sie tat-
tragsteuern zählen im Einzelnen ĺ Ein- sächlich einer Erwerbstätigkeit nachge-
kommensteuer, ĺ  Körperschaftsteuer hen. – Anders: ĺ Erwerbspersonen.
Erwerbslose 168

Erwerbslose  –  Begriff aus der ĺ  amtli- Erwerbspersonenpotenzial  –  Maß für


chen Statistik, der auf der Definition des das im Inland zur Verfügung stehende
Internationalen Arbeitsamtes (ILO) be- Arbeitskräfteangebot. Es setzt sich zu-
ruht: Personen ohne Erwerbstätigkeit, die sammen aus der festgestellten Zahl der
sich in den letzten vier Wochen aktiv um im Inland ĺ  Erwerbstätigen, der Zahl
eine Arbeitsstelle bemüht haben und dem der registrierten ĺ  Arbeitslosen und ei-
ĺ  Arbeitsmarkt sofort (d.h. innerhalb ner geschätzten Zahl versteckt Arbeitslo-
von zwei Wochen) zur Verfügung ste- ser (stille Reserve). Damit ist dieses Ab-
hen. Zu den  Erwerbslosen können auch grenzungskonzept umfassender als das
Personen zählen, die nicht als ĺ Arbeits- der ĺ Erwerbspersonen, das die stille Re-
lose gemeldet sind. Damit ist der Begriff serve nicht berücksichtigt. Das  Erwerbs-
der Erwerbslosen umfassender als der Be- personenpotenzial bildet die Basis für die
griff der Arbeitslosen.  Auf der anderen Berechnung des ĺ Beschäftigungsgrades.
Seite zählen Arbeitslose, die vorüberge- Erwerbsquote  –  Anteil der ĺ  Erwerb-
hend einer ĺ  geringfügigen Beschäfti- spersonen an der Gesamtbevölkerung
gung nachgehen, nicht zu den Erwerbs- oder einer Bevölkerungsgruppe. Die glo-
losen, sondern zu den Erwerbstätigen. bale  Erwerbsquote bezieht sich auf die
ĺ Erwerbstätige und Erwerbslose bilden Gesamtbevölkerung, die spezifische Er-
zusammen die ĺ Erwerbspersonen. werbsquote auf die ĺ Erwerbsfähigen. Es
können auch alters- und geschlechtsspezi-
Erwerbsminderung  –  1.  Teilweise Er- fische  Erwerbsquoten berechnet werden,
werbsminderung: liegt vor, wenn der Ver- z. B. für Frauen (Männer) von 20 bis un-
sicherte wegen Krankheit oder Behin- ter 25 Jahren.
derung außerstande ist, unter den übli-
chen Bedingungen des Arbeitsmarktes Erwerbstätige – Begriff aus der ĺ amt-
mind. sechs Stunden täglich erwerbstätig lichen Statistik. Personen, die in einem
zu sein. – 2. Volle Erwerbsminderung: liegt Arbeitsverhältnis stehen, selbstständig
vor, wenn der Versicherte wegen Krank- ein Gewerbe oder eine Landwirtschaft
heit oder Behinderung außerstande ist, betreiben oder einen freien Beruf aus-
unter den üblichen Bedingungen des Ar- üben. Nach der Stellung im Beruf werden
beitsmarktes mind. drei Stunden täglich ĺ  Selbstständige und ĺ mithelfende Fa-
erwerbstätig zu sein. – Anders: ĺ Minde- milienangehörige sowie ĺ  abhängig Be-
rung der Erwerbsfähigkeit (MdE). schäftigte unterschieden.  Erwerbstätige
gehören zu den ĺ Erwerbspersonen und
Erwerbsminderungsrente ĺ Rente we- zum ĺ Erwerbspersonenpotenzial.
gen Erwerbsminderung. Erwerbsteuer – eine bes. Erhebungsform
der ĺ Umsatzsteuer, die seit 1993 bei in-
Erwerbspersonen  –  Begriff aus der nergemeinschaftlichen Warenlieferungen
ĺ  amtlichen Statistik.  Erwerbspersonen an die Stelle der ĺ Einfuhrumsatzsteuer
sind Personen, die eine Erwerbstätigkeit (EUSt) getreten ist, weil diese EU-intern
ausüben (ĺ  Erwerbstätige) oder suchen mit dem Wegfall der Grenzkontrollen
(ĺ Erwerbslose). –  Gegensatz: ĺ Nicht- nicht mehr praktikabel zu erheben gewe-
erwerbspersonen. sen wäre. Die Bemessungsgrundlage ist
169 Euler Hermes Kreditversicherungs-AG

das Nettoentgelt zzgl. der Verbrauchsteu- ESM  –  Abk. für European Stability Me-
ern im Land des Erwerbers. Der Steuer- chanism, ĺ  Europäischer Stabilitätsme-
satz entspricht dem des Bestimmungs- chanismus (ESM).
lands der Ware. ESMA  –  Abk. für European Securities
Erwerbsunfähigkeit ĺ  Erwerbsminde- and Markets Authority, ĺ  Europäische
rung. Wertpapier- und Marktaufsichtsbehörde
(ESMA).
Erwerbsunfähigkeitsrente ĺ Rente we-
gen Erwerbsminderung. ESM-Programme ĺ Europäischer Stabi-
litätsmechanismus (ESM).
Erzeugung ĺ Produktion.
ESRB – Abk. für European Systemic Risk
Erziehungsfreibetrag ĺ  Kinderfreibe- Board, ĺ  Europäischer Ausschuss für
trag. Systemrisiken (ESRB)
Erziehungsgeld –  Bundeserziehungsgeld. ESVG – Abk. für ĺ Europäisches System
Sozialleistung, die bis zum 31.12.2006 volkswirtschaftlicher Gesamtrechnungen.
nach dem Bundeserziehungsgeldgesetz
(BErzGG) an Mütter und Väter bis zu 24 ESZB – Abk. für ĺ Europäisches System
Monaten nach der Geburt des Kindes ge- der Zentralbanken.
währt wurde. Ab dem 1.1.2007 wurde Etablissementbezeichnung ĺ  Ge-
diese Leistung durch das ĺ  Elterngeld schäftsbezeichnung.
ersetzt. – In vier Bundesländern (Ba-
Etat ĺ Haushaltsplan.
den-Württemberg, Bayern, Sachsen und
Thüringen) wird jedoch im Anschluß an EU – Abk. für ĺ Europäische Union.
das Elterngeld weiterhin ein Landeserzie- EU ETS – Abk. für European Union Emis-
hungsgeld (von unterschiedlicher Dauer) sons Trading System, ĺ  Emissionshan-
gezahlt. – Vgl. auch ĺ Betreuungsgeld. del.
Erziehungsurlaub ĺ Elternzeit. EuGH  –  Abk. für ĺ  Europäischer Ge-
Erziehungszeiten ĺ  Kindererziehungs- richtshof.
zeiten. EU-Grundlagenvertrag ĺ  EU-Reform-
ESAs  –  Abk. für Joint Committee of the vertrag.
European Supervisory Authorities, ĺ Ge- EU-Kommission ĺ  Europäische Kom-
meinsamer Ausschuss der Europäischen mission.
Aufsichtsbehörden (ESAs). Euler Hermes Kreditversiche-
ESF – Abk. für Europäischer Sozialfonds, rungs-AG  –  kurz Hermes. Privates Kre-
ĺ Strukturfonds. ditinstitut, das erwerbswirtschaftli-
che Kreditversicherung betreibt und
ESFS  –  Abk. für European System of Fi-
von bes. Bedeutung im Bereich der
nancial Supervision, ĺ  Europäisches Fi-
Ausfuhrversicherung ist. Sie vergibt
nanzaufsichtssystem (EFSF)
im Auftrag des Bundes Ausfuhrbürg-
E-Shop  –  Kurzbezeichnung für ĺ  Elec- schaften, -garantien und -deckungen
tronic Shop. (ĺ  Exportkreditgarantien des Bundes,
EU-Ministerrat 170

ĺ Exportförderung). –  Weitere Informa- Ratspräsident wird für zweieinhalb Jahre


tionen unter www.eulerhermes.de. vom Europäischen Rat mit qualifizierter
EU-Ministerrat ĺ Rat der Europäischen Mehrheit gewählt. Er darf kein anderes
Union. politisches Amt in einem Mitgliedsland
oder der EU haben. (5) Der ĺ  Rat der
EU-Organe ĺ Europäische Union (EU). Europäischen Union besteht aus je einem
EU-Parlament ĺ  Europäisches Parla- Vertreter der Mitgliedsstaaten auf Minis-
ment. terebene. Er entscheidet in nunmehr 23
Politikbereichen mit qualifizierter Mehr-
EURATOM  –  Abk. für ĺ  Europäische heit. Ab dem 1.1.2014 gilt das Prinzip der
Atomgemeinschaft. doppelten Mehrheit: Zustimmen müs-
EU-Reformvertrag  –  Vertrag von Lis- sen 55 % der Ratsmitglieder, gebildet aus
sabon, EU-Grundlagenvertrag. Re- mind. 15 Mitgliedern, die zumindest 65 %
form der ĺ  Europäischen Union (EU) der Bevölkerung repräsentieren. Eine
durch den Vertrag von Lissabon vom Sperrminorität muss mind. vier Mitglie-
13.12.2007.  Durch den Vertrag werden der des Rats umfassen. Übergangsrege-
die Vertragsgrundlagen der EU grundle- lungen können bis 2017 zur Anwendung
gend reformiert: (1) Der Vertrag löst die kommen. (6) Der Hohe Vertreter leitet die
bisherige Drei-Säulenstruktur der Euro- Gemeinsame Außen- und Sicherheitspo-
päischen Union auf. EU und EG werden litik (ĺ  GASP) und hat den Vorsitz im
zu einer Rechtspersönlichkeit verschmol- Rat für Auswärtige Angelegenheiten. (7)
zen, die „Europäische Union“ heißt. Der Der Präsident der Europäischen Kommis-
Vertrag zur Gründung der Union wird in sion wird unmittelbar durch das Euro-
Vertrag über die Arbeitsweise der Europäi- päische Parlament gewählt. Die Zahl der
schen Union (AEUV) umbenannt. (2) Die Kommissionsmitglieder einschließlich des
ĺ Charta der Grundrechte wird nicht als Kommissionspräsidenten und des Hohen
Text in den Vertrag übernommen, wird Vertreters soll ab dem 1.1.2014 nur noch
aber durch Anerkennung des Vertra- der Zahl von zwei Dritteln der Mitglieds-
ges verbindlich. (3) Das ĺ  Europäische länder bestehen. Diese Regelung wurde
Parlament wird neben dem ĺ  Europäi- jedoch, auf Basis des geltenden Vertrags-
schen Rat gleichberechtigter Mitgesetzge- rechts, von den Staats- und Regierungs-
ber. Das Mitentscheidungsverfahren wird chefs bei Europäischen Rat im Dezem-
zum ordentlichen Gesetzgebungsverfah- ber 2008 aufgehoben, um Irland den Ra-
ren. Der Haushaltsplan wird zusammen tifizierungsprozess zu erleichtern. – Nach
mit dem Rat festgelegt. Das Parlament der Ratifikation durch Tschechien ist der
wählt den Präsidenten der ĺ  Europäi- EU-Reformvertrag am 1.12.2009 in Kraft
schen Kommission. Je Mitgliedsstaat gibt getreten.
es 6 bis 96 Abgeordnete je nach Bevölke-
EU-Rettungsschirme ĺ  Europäische
rungszahl. (4) Der Europäische Rat be-
Rettungsschirme.
steht aus den Staats- und Regierungschefs
der Mitgliedsstaaten, dem Präsidenten EUREX  –  Abk. für European Exchange.
des Europäischen Rats und dem Präsiden- Vollelektronische ĺ Börse für den Han-
ten der Europäischen Kommission. Der del mit ĺ Futures und ĺ Optionen auf
171 Euromarkt

Aktien. Die EUREX wird gemeinsam von Währung, vielfach der Euro-Dollar.
der Deutschen Börse AG und der Schwei- – 2.  Euro-Staatsanleihe, EU-Staatsan-
zer Börse betrieben. Die EUREX ist die leihe;  bisher nicht realisiertes und um-
Nachfolgeorganisation der Deutschen strittenes  Projekt einer gemeinsamen
Terminbörse (DTB) und der Schwei- Staatsanleihe mehrerer EU-Staaten in der
zer Soffex. –  Weitere Informationen unter ĺ  Europäischen Union (EU) oder Eu-
www.eurexchange.com. rozone, um den  Staaten mit unterdurch-
EURIBOR – Abk. für Euro Interbank Offe- schnittlicher eingestufter Bonität (ĺ Cre-
red Rate. ĺ Referenzzinssatz für ĺ Ter- dit Rating) einen leichtere und zinsgüns-
mingelder im ĺ Euromarkt (Ausleihun- tigere Verschuldung am Kapitalmark zu
gen unter Banken bis zu zwölfmonatiger ermöglichen.
Laufzeit). Der EURIBOR wird täglich an- Euro-Bund-Future ĺ Bund-Future.
hand von 57 Referenzbanken (davon 12 Eurogeldmarkt ĺ Euromarkt.
in Deutschland) ermittelt. Der EURIBOR
Euro Interbank Offered Rate ĺ EURI-
ist auch ein wichtiger Referenzzinssatz für
BOR.
andere Finanzierungsinstrumente und
hat in vielen Marktsegmenten den ĺ LI- Eurokapitalmarkt ĺ Euromarkt.
BOR als Referenzzinssatz ersetzt. – We- Euro-Krise  –  Sammelbezeichnung für
gen der Manipulation des EURIBOR und die seit 2009 anhaltende und sich ge-
LIBOR wurden 2013 mehrere europä- genseitig verstärkende Staatsschulden-
ische  Großbanken von der EU-Kom- krise und ĺ Bankenkrise in einigen Län-
mission zu einer Strafe von insgesamt dern der Eurozone (ĺ Eurowährungsge-
1,7 Mrd. Euro verurteilt. –  Weitere Infor- biet), namentlich Griechenland,  Irland,
mationen unter www.de.euribor-rates.eu. Spanien, Portugal und Zypern. Zur Ab-
EU-Richtlinie ĺ Richtlinie. wendung  von Staats-  bzw. Bankenbank-
rotten mussten sich diese  sog. Euro-Kri-
Euro  –  Zahlungsmittel und Rechenein- senländer unter die ĺ Europäischen Ret-
heit in der ĺ Europäischen Wirtschafts- tungsschirme begeben. – Eine Krise des
und Währungsunion (EWWU). Ersetzt Euro als Währung ist nicht Begriffsinhalt,
seit 1.1.1999 die nationalen Währungen da sowohl der Binnen-  als auch der Au-
der Teilnehmerstaaten im ĺ  Eurowäh- ßenwert des ĺ  Euro während der „Eu-
rungsgebiet, zunächst als  Buchgeld ro-Krise” von Stabilität gekennzeichnet
(ĺ  Geld) und ĺ  elektronisches Geld, war. Allerdings wurde im Falle einer nicht
seit dem 1.1.2002 auch als ĺ Bargeld und verhinderten Ausweitung und Eskalation
ausschließliches ĺ Zahlungsmittel inner- der Euro-Krise auch ein Verlust an Ver-
halb der EWWU. trauen in den Euro befürchtet.
Euroanleihe ĺ Eurobond. Euro-Krisenländer ĺ Euro-Krise.
Eurobond –  1. Euroanleihe; eine an dem Euromarkt  –  internationaler Markt
ĺ  Euromarkt begebene, auf den Inha- für kurz- und mittelfristige (Eurogeld-
ber lautende  Anleihe (Inhaberschuld- markt) oder langfristige (Eurokapital-
verschreibung). Die Emissonswährung markt) Geldanlageformen. Auf  dem  Eu-
ist eine vom Emissionsland verschiedene romarkt werden Anlageformen in
Europäische Atomgemeinschaft (EURATOM) 172

allen bedeutsamen Währungen gehan- beaufsichtigt wird und (6) den Verbrau-
delt. Wichtige europäische Finanzplätze cherschutz zu verbessen.
für den Euromarkt sind London, Paris,
Europäische Bankenaufsichtsbehörde
Luxemburg und Frankfurt a.M.
(EBA) – European Banking Authority. Un-
Europäische Atomgemeinschaft (EU- abhängige Europäische Behörde mit Sitz
RATOM)  –  eine der drei ĺ  Europäi- in London, die seit dem 1.1.2011 Bestand-
schen Gemeinschaften (EG). Sie wurde teil des ĺ Europäischen Finanzaufsichts-
durch die Römischen Verträge zum 1. Ja- systems (ESFS) ist. – Aufgabe der EBA ist
nuar 1958 zeitgleich mit der Europäischen es, ein wirksames und kohärentes Maß an
Wirtschaftsgemeinschaft (EWG), heute Regulierung und Beaufsichtigung im eu-
ĺ  Europäische Gemeinschaft (EG), ge- ropäischen Bankensektor zu gewährleis-
gründet. Aufgabe von EURATOM ist die ten. Während die nationalen Aufsichts-
Kontrolle und Koordination der friedli- behörden und demnächst die ĺ Europä-
chen Nutzung der Kernenergie und -for- ische Zentralbank (EZB) im Rahmen des
schung.  –  Weitere Informationen unter neuen einheitlichen Aufsichtsmechanis-
www.ec.europa.eu. mus der ĺ  Europäischen Bankenunion
auch künftig für die Überwachung ein-
Europäische Aufsichtsbehörde für das
zelner Finanzinstitute zuständig sind,
Versicherungswesen und die betrieb-
soll die EBA insbesondere (1) durch ver-
liche Altersversorgung (EIOPA) –  Euro-
bindliche technische Standards und Leit-
pean Securities and Occupational Pensi-
linen zur Erarbeitung des Einheitlichen
ons Authority. Unabhängige EU-Behörde
Europäischen Regelwerks im Finanzsek-
mit Sitz in Frankfurt a.M., die seit dem
tor beitragen, (2) durch die Förderung der
1.1.2011 als Teil des ĺ Europäischen Fi-
Angleichung der Aufsichtspraktiken eine
nanzaufsichtssystem (FSFS) zur Stabilität
harmonisierte Anwendung der Auf-
des Finanzsektors der ĺ  Europäischen
sichtsregeln sicherstellen, (3) Risiken und
Union (EU) beitragen soll. – Aufgabe der
Schwachstellen im EU-Bankensektor ins-
EIOPA  ist es insbes., (1) zur Verbesse-
bes. mit Hilfe regelmäßiger Berichte  zur
rung des Funktionierens des ĺ  Binnen-
Risikobewertung und zu europaweiten
marktes mittels einer soliden, wirksamen
Bankenstresstest bewerten, (4) Nachfor-
und kohärenten Regulierung und Über-
schungen über die unzureichende An-
wachung beizutragen, (2) die Integrität,
wendung des EU-Rechts durch nationale
Transparenz, Effizienz und das ordnungs-
Behörden anstellen, (5)  Meinungsver-
gemäße Funktionieren der Finanzmärkte
schiedenheiten zwischen zuständigen Be-
zu gewährleisten, (3) die internationale
hörden bei grenzüberschreitenden Fällen
Koordinierung der Aufsicht auszubauen,
beilegen und (6) das ĺ Europäische Par-
(4) Aufsichtsarbitrage zu verhindern und
lament, den ĺ Europäischen Rat und die
gleiche Wettbewerbsbedingungen zu för-
ĺ Europäische Kommission unabhängig
dern, (5) zu gewährleisten, dass die Über-
beraten.
nahme von Risiken im Zusammenhang
mit Tätigkeiten der Versicherung, Rück- Europäische Bankenunion  –  Banken-
versicherung und der betrieblichen Al- union. Einheitliches Regelwerk für alle
tersversorgung angemessen reguliert und im europäischen ĺ Binnenmarkt tätigen
173 Europäische Finanzstabilisierungsfazilität (EFSF)

Finanzinstitute, das der ĺ  Europäische Europäische Bank für Wiederaufbau


Rat im Juni 2009 einstimmig empfoh- und Entwicklung (EBWE)  –  European
len hat und die ĺ Europäische Kommis- Bank for Reconstruction and Development
sion weitgehend umgesetzt hat. Dadurch (EBRD). Internationale Organisation, die
soll sichergestellt werden, dass in allen Be- 1991 gegründet wurde, mit Sitz in Lon-
reichen angemessene Vorschriften gel- don. Mitglieder sind insgesamt 64 Staa-
ten und keine Regulierungslücken beste- ten sowie die ĺ Europäische Union (EU)
hen, sodass gleiche Wettbewerbsbedin- und die ĺ Europäische Investitionsbank
gungen für Banken und ein integrierter (EIB). Aufgabe der EBWE ist v.a. die För-
derung ost- und mitteleuropäischer Staa-
Binnenmarkt für Finanzdienstleistun-
ten sowie der Gemeinschaft unabhängiger
gen gewährleistet sind. – Tragende Säulen
Staaten (GUS), die sich zu Mehrparteien-
der Bankenunion sind (1) strengere Auf-
demokratie, Pluralismus und Marktwirt-
sichtsvorschriften: a)  höhere Eigenkapi- schaft bekennen. Anders als bei der Welt-
talanforderungen an Banken durch Um- bank (ĺ Internationale Bank für Wieder-
setzung von ĺ Basel III in europäisches aufbau und Entwicklung (IBRD)) besteht
Recht, die seit dem 1.1.2014 gelten; b) ein politischer Auftrag. – Weitere Informa-
Vorschriften zur Einhaltung ausreichen- tionen unter www.ebrd.com.
der Kapital- und Liquiditätsreserven; c)
erhöhte Anforderungen an die ĺ  Cor- Europäische Finanzstabilisierungsfa-
porate Governance  der Banken  bezüg- zilität (EFSF)  –  European Financial Sta-
lich der Diversifität der Leistungsgremien bilty Facilität. Private Kapitalgesellschaft
(insbes. ein ausgewogenes Geschlechter- nach luxemburgischen Recht, die 2010
verhältnis) und strengere Vorschriften als Element des temporären Euro-Schutz-
für Bonus-Zahlungen.–(2) Neufassung schirmes (ĺ  Europäische Rettungs-
der Richtlinie über Einlagensicherungs- schirme)  zur Bewältigung der akuten
systeme, sodass in allen Mitgliedslän- ĺ Staatsschuldenkrise gegründet wurde.
dern im Falle eines Bankenausfalls weiter- Sie kann Notkredite an Länder der Euro-
hin bis zu 100.000 Euro pro Einleger und zone ausgeben, wenn deren Probleme die
Bank gesichert sind.–(3) Schaffung eines desamte Europäische Währungsunion
gefährden. Die EFSF wurde Mitte 2013
ĺ  Einheitlichen Bankenaufsichtsmecha-
durch den dauerhaften ĺ  Europäischen
nismus (SSM) mit neuen zentralen Auf-
Stabilitätsmechanismus (ESM) abgelöst
sichtsbefugnissen der ĺ  Europäischen
und wird aus diesem Grunde nur noch
Zentralbank (EZB) über die Großbanken die bereits zugesagten Finanzhilfen an die
im ĺ Eurosystem, (4) Einigung über den Programmländer tätigen und danach suk-
ĺ  Einheitlichen Abwicklungsmechanis- zessive abgewickelt. – Das Ausleihvolu-
mus ĺ (ĺ SRM ĺ ) mit einem Einheit- men des EFSF beträgt 440 Mr. Euro bei ei-
lichen Abwicklungsfonds (SRF) zur Sanie- nem maximalen Garantierahmen von 780
rung und Abwicklung von Banken, damit Mrd. Euro, wovon Deutschland einen ma-
im Falle eines Bankausfalls nicht wiede- ximalen Garantieanteil von ca. 211 Mrd.
rum der Steuerzahler  die Bankenrettung Euro trägt. Das Geld für die Kredite leiht
übernehmen muss. sich die EFSF am Kapitalmarkt, wofür die
Europäische Freihandelsassoziation (EFTA) 174

Euroländer anteilig Garantien bereitstel- Europäische Gemeinschaften (EG)  –


len. zusammenfassende Bezeichnung für die
drei Gemeinschaften: (1) Europäische
Europäische Freihandelsassoziation
Wirtschaftsgemeinschaft (EWG), heute
(EFTA) – European Free Trade Association.
ĺ  Europäische Gemeinschaft (EG); (2)
ĺ Freihandelszone, die 1960 von Staaten,
Europäische Gemeinschaft für Kohle und
die aus politischen oder wirtschaftlichen
Stahl (EGKS) bis 23.7.  2002; (3) ĺ  Eu-
Gründen nicht Mitglied der ĺ  Europä-
ropäische Atomgemeinschaft (EURA-
ischen Wirtschaftsgemeinschaft (EWG)
TOM).  –  Die Bezeichnung wurde durch
werden wollten, gegründet wurde. Mit-
den Vertrag zur Einsetzung eines Ge-
glieder der EFTA waren Dänemark, Finn-
meinsamen Rates und einer Gemeinsa-
land, Großbritannien, Österreich, Portu-
men Kommission der EG von 1965 ein-
gal und Schweden. Diese sind inzwischen
geführt. Nach der Gründung der ĺ  Eu-
der ĺ  Europäischen Union (EU) bei-
ropäischen Union (EU) bildeten zunächst
getreten. Derzeitige Mitglieder sind nur
die drei EG, nach Wegfall der bis zum
noch Island, Liechtenstein, Norwegen
23.7.2002 befristeten EGKS nur noch
und die Schweiz. Seit 1994 arbeiten EFTA
zwei EG die sog. Erste Säule der EU.
und EU im Rahmen des ĺ Europäischen
Eine formelle Vereinigung der EG hat je-
Wirtschaftsraums (EWR) eng zusammen
doch nicht stattgefunden. Die gemeinsa-
(ausgenommen die Schweiz).  –  Weitere
men Organe werden heute als Organe der
Informationen unter www.efta.int.
EU bezeichnet: der EG-Rat als EU-Rat
Europäische Gemeinschaft (EG)  –  eine (ĺ Europäischer Rat) und die EG-Kom-
der drei ĺ  Europäischen Gemeinschaf- mission als EU-Kommission (ĺ Europä-
ten (EG). Sie wurde als Europäische Wirt- ische Kommission). – Weitere Informatio-
schaftsgemeinschaft (EWG) durch die nen unter www.europa.eu.
Römischen Verträge zum 1.1.1958 zeit-
gleich mit der ĺ Europäischen Atomge- Europäische Gemeinschaft für Kohle
meinschaft (EURATOM) gegründet. Die und Stahl (EGKS)  –  Montanunion. Eine
EWG wurde 1992 in EG unbenannt. Der der drei ĺ  Europäischen Gemeinschaf-
reformierte (ehemalige) EWG-Vertrag ten (EG). Sie wurde bereits 1951 von Bel-
wurde unter der (neuen) Bezeichnung gien, Deutschland, Frankreich, Italien,
EG-Vertrag (Vertrag zur Gründung der Luxemburg und den Niederlanden ge-
Europäischen Gemeinschaft) Bestand- gründet. Ziel der EGKS war die Schaf-
teil des Vertrags über die Europäische fung eines gemeinsamen Marktes für
Union. Mit dem Mantelvertrag zur ĺ Eu- Kohle, Eisen, Schrott und Stahl. 1965
ropäischen Union (EU) (ĺ  Maastrich- wurden die Organe der EGKS mit denen
ter Vertrag) wurden die damals noch der ĺ Europäischen Wirtschaftsgemein-
drei, heute zwei Gemeinschaften zur sog. schaft (EWG) und der ĺ  Europäischen
Ersten Säule der EU. Die völkerrechtli- Atomgemeinschaft (EURATOM) zusam-
che Selbstständigkeit der Gemeinschaf- mengefasst. Der bis zum 23.7.2002 be-
ten wurde dadurch jedoch nicht aufgeho- fristete Gründungsvertrag ist nach fünf-
ben. –  Weitere Informationen unter www. zigjähriger Laufzeit außer Kraft getreten.
europa.eu. Seitdem gelten für den Montansektor die
175 Europäischer Ausschuss für Systemrisiken (ESRB)

allgemeinen Bestimmungen des EG-Ver- Europäische Kommission  –  EU-Kom-


trags. – Weitere Informationen unter www. mission. Organ der ĺ  Europäischen
europa.eu. Union (EU) mit Sitz in Brüssel. Die  Eu-
ropäische Kommission hat ein Mitglied je
Europäische Genossenschaft (SCE) – So-
EU-Mitgliedsland der EU (z.Zt. 28). Der
cietas Cooperativa Europaea. Suprana-
Präsident und die Mitglieder werden von
tionale Rechtsform, die durch das Aus-
den Mitgliedsstaaten mit Zustimmung
führungsgesetz zur Verordnung über
des ĺ Europäischen Parlaments ernannt.
das Statut der Europäischen Genossen-
Die  Europäische Kommission hat das
schaft (SCE) von 2003 seit August 2006
Recht, Gesetze vorzuschlagen und diese
in Deutschland neben die ĺ  Genossen-
dem ĺ Europäischen Rat und dem Par-
schaft nationalen Rechts tritt. – Die Grün-
lament vorzulegen. Außerdem ist die Eu-
dung muss von mind. 5 natürlichen bzw.
ropäische Kommission verantwortlich
juristischen Personen erfolgen, die ihren
für die Aufstellung und Verwaltung des
Sitz in mind. zwei EU-Mitgliedsstaaten
EU-Haushalts und die Überwachung der
haben müssen. Die Mitgliederförderung
EU-Verträge. Sie vertritt die EU nach au-
bezieht sich nicht nur auf wirtschaftliche,
ßen und verhandelt im Auftrag des Ra-
sondern auch auf soziale und kulturelle
tes internationale Abkommen. Beitritte
Zwecke. Die Satzung kann nicht nutzende
neuer EU-Mitglieder werden von der Eu-
Mitglieder als Kapitalgeber zulassen. Eine
ropäischen Kommission vorbereitet und
wesentliche Mindestvoraussetzung ist ein
überwacht. – Weitere Informationen unter
tatsächliches Grundkapital von 30.000
www.ec.europa.eu.
Euro, das auch als Sachanlagen zur Ver-
fügung gestellt werden kann. In der un- Europäische Krankenversicherungs-
ternehmerischen Willensbildung ist die karte (EHIC)  – European Health In-
Generalversammlung das höchste Organ surance Card. Einheitlich gestalteter eu-
der SCE, bei der grundsätzlich das Eine- ropäischer Versicherungsausweis, der
Person-eine-Stimme-Prinzip gilt. auf der Rückseite der in Deutschland seit
1.1.2014 eingeführten ĺ  elektronischen
Europäische Investitionsbank (EIB)  – Gesundheitskarte (eGK) aufgebracht ist.
selbstständige öffentlich-rechtliche Fi- Sie ermöglicht den Mitgliedern der deut-
nanzierungseinrichtung der ĺ  Europäi- schen gesetzlichen ĺ  Krankenversiche-
schen Union (EU) mit Sitz in Luxemburg. rung eine unbürokratische medizinische
Sie wurde 1958 gegründet. Die EIB ver- Behandlung im europäischen Ausland
folgt keinen Erwerbszweck. Ihre Haupt- (EU-Länder, Island, Liechtenstein, Nor-
aufgabe besteht in der Förderung einer wegen und Schweiz).  Die Karte  enthält
ausgewogenen Entwicklung der ĺ  Eu- alle Daten, die für die Gewährung von
ropäischen Union (EU)  durch Finanzie- medizinischen Leistungen und die Erstat-
rung von Investitionen, v.a. zur Entwick- tung der Kosten nach europäischem Ge-
lung strukturschwacher Gebiete. Außer- meinschaftsrecht notwendig sind.
dem vergibt die EIB seit 1993 Darlehen im
Rahmen der Kooperations- und Entwick- Europäische Normen ĺ EN-Normen.
lungspolitik an Drittstaaten. – Weitere In- Europäischer Ausschuss für System-
formationen unter www.eib.org. risiken (ESRB)  –  European Systemic Risk
europäischer Betriebsrat 176

Board. Ausschuß im Rahmen des ĺ Eu- Europäischer Bürgerbeauftragter – Eu-


ropäischen Finanzaufsichtssystems ropäischer Ombudsmann. Einrichtung,
(ESFS) mit Sitz in Frankfurt a.M., der den um Beschwerden von Bürgern oder von
Auftrag hat, aus makroökonomischer und natürlichen und juristischen Personen
systemischer Sicht einen Beitrag zur Ab- mit Wohnsitz bzw. Sitz in einem EU-Mit-
wendung oder Eindämmung von System- gliedsland über Missstände in Organen
risiken für die Finanzstabilität der ĺ Eu- und Einrichtungen der ĺ  Europäischen
ropäischen Union (EU) zu leisten. Er soll Union (EU) entgegenzunehmen, zu un-
damit sicherstellen, das der ĺ  Binnen- tersuchen und nach Möglichkeit zu besei-
markt reibungslos funktioniert und der tigen. – Weitere Informationen unter www.
Finanzsektor einen nachhaltigen Beitrag ombudsman.europa.eu.
zum Wirtschaftswachstum leisten kann.
Europäische Rettungsschirme  –
– Aufgaben des ESRB sind u.a. (1) die Er-
EU-Rettungsschirme, Euro-Rettungs-
mittlung und Einordnung von Systemrisi-
schirme, EU-Schutzschirme, Euro-Schutz-
ken nach Prioritäten (Risikoanalyse),  (2)
schirme. Institutionelle Finanzhilfe der
Herausgabe von Risikowarnungen und
ĺ  Europäischen Union (EU) und des
ggf. deren Veröffentlichung, (3) Erteilung
ĺ Internationalen Währungsfonds (IWF)
von Empfehlungen für Abhilfemaßnahmen
zur Rettung von EU-Mitgliedstaaten vor
zu den erkannten Risiken und gegebenen-
der drohenden Zahlungsunfähigkeit. –
falls deren Veröffentlichung sowie (4) die
1.  Temporärer Rettungsschirm von Mai
Überwachung der Maßnahmen, mit de-
2010 bis Mitte 2013 unter Berufung auf
nen Warnungen und Empfehlungen um-
die Beistandsklausel in § 122 AUEV. Der
gesetzt werden.
Schirm umfasste  ein Garantievolumen
von 750 Mrd. Euro mit den drei Schirm-
europäischer Betriebsrat ĺ  Betriebs-
trägern (1) ĺ  Europäischer Finanzsta-
rat in einer gemeinschaftsweit operie-
bilisierungsmechanismus (EFSM), (2)
renden Unternehmung oder Unterneh-
ĺ  Europäische Finanzstabilisierungsfa-
mensgruppe. Ein  europäischer Betriebs-
ziliät (EFSF) und (3) dem IWF (mit einer
rat muss nach europäischem Recht in
Beteiligung von 250 Mrd. Euro). – 2. Per-
Unternehmen bzw. Unternehmensgrup-
manenter Rettungsschirm durch die Er-
pen mit mind. 1.000 Arbeitnehmern in
richtung des ĺ Europäischen Stabilitäts-
den Mitgliedsstaaten und jeweils mind.
mechanismus (ESM)  im Jahre 2012 mit
150 in zwei EU-Mitgliedsstaaten einge-
einem Stammkapital von 700  Mrd. Euro
richtet werden. Nach Möglichkeit soll
und einem Ausleihvolumen von 428 Mrd.
ein  europäischer Betriebsrat jedoch frei-
Euro, das durch die laufenden  ESM-Pro-
willig durch eine Vereinbarung zwischen
gramme für Spanien und Zypern mit ins-
Arbeitnehmern und Unternehmen erfol-
gesamt 50 Mrd. Euro  in Anspruch ge-
gen. Durch die Einrichtung eines euro-
nommen wird.
päischen Betriebsrats soll das Recht auf
Unterrichtung und Anhörung der Ar- Europäischer Finanzstabilisierungs-
beitnehmer gestärkt werden. Mitbestim- mechanismus (EFSM) – European Finan-
mungsrechte hat der  europäische Be- cial Stabilisation Mechanism. Der EFSM
triebsrat nicht. war ein EU-Gemeinschaftsinstrument,
177 Europäischer Stabilitätsmechanismus (ESM)

das zu dem 2010 errichteten temporären Wirtschafts- und Finanzminister kön-


Euro-Schutzschirm (ĺ Europäische Ret- nen in Fragen der ĺ Europäischen Wirt-
tungsschirme)  60 Mrd. Euro beisteuerte. schafts- und Währungsunion (EWWU)
Der deutsche  Finanzierungsanteil  ent- hinzugezogen werden. – Der Europäische
sprach dem Anteil am EU-Haushalt Rat gibt der EU die für die Entwicklung
in Höhe von 20 %. Mit der Ablösung duch erforderlichen Impulse und legt die allge-
den permanenten ĺ  Europäischen Sta- meinen politischen Zielvorstellungen für
bilisierungsmechanismus (ESM)  fiel der diese Entwicklung fest. Der  Europäische
EFSM Mitte 2013 ersatzlos fort. Rat kann als Gemeinschaftsorgan han-
Europäischer Gerichtshof (EuGH) – Ge- deln und Beschlüsse fassen. Im Rahmen
richtshof der Europäischen Gemeinschaf- der Gemeinsamen Außen- und Sicher-
ten. Oberstes Rechtsprechungsorgan der heitspolitik (ĺ GASP) kann er nicht nur
ĺ  Europäischen Union (EU) mit Sitz Grundsätze und allgemeine Leitlinien,
in Luxemburg. Seine Richter (ein Rich- sondern auch gemeinsame Strategien be-
ter je Mitgliedsstaat) und acht Gene- schließen. –  Anders: ĺ Rat der Europäi-
ralanwälte werden von den Regierungen schen Union. – Weitere Informationen un-
der Mitgliedsstaaten für sechs Jahre er- ter www.eurpopa.eu.int.
nannt. –  Hauptaufgabe des EuGH ist die Europäischer Rechnungshof  –  Organ
Wahrung des Gemeinschaftsrechts bei der ĺ Europäischen Union (EU) mit Sitz
der Auslegung und Anwendung von Ver- in Luxemburg. Der  Europäische Rech-
trägen. Der EuGH ist in erster Linie Ver- nungshof wurde 1975 eingerichtet. Seine
fassungsgericht, ferner hat er verwal- Mitglieder (ein Mitglied je Mitglieds-
tungsgerichtliche Zuständigkeiten und land) werden vom ĺ  Europäischen Rat
ist Rechtsmittelinstanz für Entscheidun- nach Anhörung des ĺ Europäischen Par-
gen des Europäischen Gerichts erster In- laments für sechs Jahre ernannt. Der Eu-
stanz (EuG). Außerdem erstellt der EuGH ropäische Rechnungshof prüft die Rech-
Rechtsgutachten für die ĺ  Europäische nung, die Recht- und Ordnungsmäßigkeit
Kommission und den ĺ  Europäischen der Einnahmen und Ausgaben jeder EU-
Rat. –  Weitere Informationen unter www. Einrichtung und überzeugt sich von der
europa.eu. Wirtschaftlichkeit der Haushaltsführung.
Europäischer Ombudsmann ĺ  Euro- Er kontrolliert auch nationale und regio-
päischer Bürgerbeauftragter. nale Stellen, die EU-Gelder verwalten, so-
wie Empfänger von EU-Beihilfen. –  Wei-
Europäischer Rat  –  Dachorgan und
tere Informationen unter www.europa.eu 
höchste politische Instanz der ĺ Europä-
ischen Union (EU). In ihm kommen die Europäischer Stabilitätsmechanis-
Staats- und Regierungschefs der EU und mus (ESM)  –  European Stability Mecha-
der Präsident der Europäischen Kom- nism. Der ESM wurde Mitte 2013 durch
mission bis zu viermal jährlich zusam- völkerrechtlichen Vertrag (ESM-Ver-
men. An den mind. zwei Gipfeltreffen trag) als internationale Finanzinstitu-
pro Jahr nehmen i.d.R. die Außenminis- tion mit Sitz in Luxemburg gegründet.
ter und ein weiteres Mitglied der ĺ Eu- Er löst als permanenter europäischer Kri-
ropäischen Kommission teil. Auch die senmechanismus sowohl die temporäre
Europäischer Stabilitäts- und Wachstumspakt 178

ĺ  Europäische Finanzstabilisierungsfa- sodass Spanien insgesamt ein Ausleihvo-


zilität (EFSF) als auch den temporären lumen von knapp 41,4 Mrd Euro in An-
ĺ  Europäischen Finanzstabilisierungs- spruch genommen hat. – 2.  Zypern hat
mechanismus (EFSM) ab. – Das Stamm- am 25.6.2012 Finanzhilfe bei der Europäi-
kapital des ESM beträgt 700 Mrd. Euro, schen Union (EU) und am 26.6.2012 beim
wovon 80 Mrd. Euro eingezahlt und 620 Internationalen Währungsfonds (IWF)
Mrd. Euro abrufbar sind. Der Finanzie- beantragt. Im Auftrag der Euro-Gruppe
rungsanteil Deutschlands  (27,15 %) ent- hat die ĺ Troika (EU-Kommission, EZB
spricht rd. 22 Mrd. Euro eingezahltem und IWF) ein Memorandum für ein An-
und 168 Mrd. Euro abrufbarem Kapi- passungspramm mit verschiedenen Auf-
tal. Das maximale deutsche Haftungsri- lagen erarbeitet. Der ESM hat das Pro-
siko ist auf rd. 190 Mrd. Euro beschränkt. gramm mit einem Ausgabevolumen von
– Das Ausleihvolumen ist gem. ESM-Ver- 10 Mrd. Euro beschlossen, wovon der
trag dadurch begrenzt, dass das Verhält- ESM 9 Mrd. Euro  und der IWF 1 Mrd.
nis von eingezahltem Kapital zum ausste- Euro trägt.
henden Betrag an ESM-Anleiheemissio-
nen mind. 15 % betragen muß. Bei (2014) Europäischer Stabilitäts- und Wachs-
durch die Mitgliedstaaten eingezahltem tumspakt  –  Euro-Stabilitätspakt. 1997
Kapital von 64,3 Mrd. Euro beträgt das vom ĺ Europäischen Rat in Amsterdam
Ausleihvolumen aktuell 428,6 Mrd. Euro. getroffene Entschließung der Mitglieds-
Davon sind 41,4 Mrd. Euro durch Spanien staaten der ĺ Europäischen Union (EU).
und 9,0 Mrd. Euro durch Zypern belegt, Der Pakt verpflichtet die Mitgliedsstaa-
sodass noch 378,2 Mrd. Euro ausgeliehen ten, mittelfristig einen nahezu ausge-
werden können. Dies entspricht einem glichenen oder überschüssigen Haus-
Ausschöpfungsrad von 12 %. – ESM-Pro- halt anzustreben. Dabei soll unabhängig
gramme: 1.  Spanien  hat am 25.6.2012 bei von der konjunkturellen Lage ein Haus-
den Mitgliedstaaten des Euro-Raums fi- haltsdefizit von 3 % des Bruttoinland-
nanzielle Hilfe zur Stützung seiner Ban- sprodukts (BIP) nicht überschritten wer-
ken beantragt. Am 20.7.2012 hat die Eu- den. Eine Ausnahme ist nur für den Fall
ro-Gruppe dem Bankenprogramm Spa- einer schweren Rezession (Rückgang des
niens zugestimmt und ein maximales realen BIP von mind. 0,75 % auf Jahres-
Programmvolumen von 100 Mrd. Euro basis) vorgesehen. Liegen Hinweise da-
mit einer Laufzeit von 18 Monaten be- für vor, dass ein Mitgliedsstaat die Ober-
schlossen. Am 29.12.2012 wurde die- grenze erreicht oder überschritten hat,
ses Programm vollständig von der EFSF wird das sog. Defizitverfahren eingelei-
in den ESM überführt. Nach fristge- tet. Zunächst wird dem betreffenden Staat
rechter Erfüllung der Programmaufla- eine Frist von sechs Monaten zur Korrek-
gen wurde am 11.12.2012 die erste Tran- tur des zu hohen Defizits eingeräumt. Da-
che von 39,5 Mrd ausgezahlt,  die Aus- nach ist je nach Höhe des Fehlbetrags eine
zahlung einer zweiten Tranche von 1,865 unverzinsliche Einlage von 0,2 bis 0,5 %
Mrd. Euro erfolgte am 5.2.2013. Bis zum des BIP an die EU zu zahlen. Die Einlage
Programmende am 23.1.2014 wurden wird dann nach zwei Jahren in eine Geld-
keine weiteren Finanzhilfen notewendig, buße umgewandelt, falls Maßnahmen zur
179 Europäisches System der Zentralbanken (ESZB)

Haushaltskonsolidierung unterbleiben. Bankenaufsichtsbehörde (EBA), (2) die


Aufgrund zahlreicher politischer Abstim- ĺ  Europäische Wertpapier- und Markt-
mungsmechanismen kann das Defizitver- aufsichtsbehörde (ESMA), (3) die ĺ  Eu-
fahren eventuell umgangen werden. ropäische Aufsichtsbehörde für das Ver-
Europäischer Verbund für territoriale sicherungswesen und die betriebliche
Zusammenarbeit (EVTZ) ĺ  Struktur- Altersversorgung (EIOPA), (4) den ĺ Eu-
fonds. ropäischen Ausschuss für Systemrisiken
(ESRB), (5) den ĺ  Gemeinsamen Aus-
Europäischer Wirtschaftsraum (EWR) schuss der europäischen Aufsichtsbehörden
ĺ Freihandelszone, die von der ĺ Euro- (ESAs) sowie (6) die nationalen Aufsichts-
päischen Union (EU) und der ĺ Europä- behörden umfasst.
ischen Freihandelsassoziation (EFTA) ge-
bildet wird. Die Schweiz nimmt allerdings Europäisches Parlament  –  EU-Par-
am EWR nicht teil. Grundsätzlich über- lament; parlamentarisches Organ der
nehmen die EFTA-Staaten die Regelun- ĺ Europäischen Union (EU) mit Sitz in
gen der ĺ Europäischen Gemeinschaften Straßburg. Ausschüsse und Fraktionen ta-
(EG) für den Waren-, Personen-, Dienst- gen in Brüssel. Die Abgeordneten des Eu-
leistungs- und Kapitalverkehr sowie die ropäischen Parlaments werden für fünf
Grundzüge des Wettbewerbsrechts. Ei- Jahre von den Bürgern der Mitgliedsstaa-
nige Ausnahmen bestehen z. B. bzgl. der ten direkt gewählt. Das Europäische Par-
ĺ Agrarpolitik. lament kontrolliert die ĺ  Europäische
Kommission. Es muss der Ernennung
Europäische Schuldenkrise  –  Eu-
der Kommissionsmitglieder zustimmen
ro-Schuldenkrise. ĺ  Staatsschuldenkrise
und kann ein Misstrauensvotum gegen sie
einiger Mitgliedsländer der ĺ  Europäi-
vorbringen. Außerdem hat es Mitsprache-
schen Union (EU)  und Eurozone (Grie-
recht in Haushaltsfragen. Bei der EU-Ge-
chenland, Irland, Portugal, Spanien und
setzgebung in der Ersten Säule der EU hat
Zypern), die eine Bedrohung für die Sta-
das Parlament abgestufte Mitwirkungs-
bilität des Euro als gemeinsame Währung
rechte: (1) Anhörungsverfahren, (2) Ko-
darstellte und auf die seit 2010 zur Über-
operationsverfahren, (3) Zustimmungs-
windung der ĺ  Euro-Krise mit zwei
verfahren und Miteinscheidungsverfah-
ĺ  Europäischen Rettungsschirmen re-
ren. In der Zweiten und Dritten Säule hat
agiert wurde.
es lediglich Anhörungs-, Beratungs- und
Europäische Schutzschirme ĺ Europä- Kontrollrechte. Außerdem hat das  Euro-
ische Rettungsschirme. päische Parlament das Recht, die Kom-
Europäisches Emissionshandelssystem mission zu einer Rechtssetzungsinitiative
ĺ Emissionshandel aufzufordern.  –  Weitere Informationen
unter www.europarl.europa.eu.
Europäisches Finanzaufsichtssys-
tem (ESFS)  –  European System od Fi- Europäisches System der Zentralban-
nancial Supervision. System von Insti- ken (ESZB)  –  1.  Begriff: Zentralbanksys-
tutionen  der grenzüberschreitenden Fi- tem, das aus der ĺ  Europäischen Zent-
nanzaufsicht in der ĺ  Europäischen ralbank (EZB) und den nationalen Zen-
Union (EU) , das (1) die ĺ  Europäische tralbanken aller 28 Mitgliedsstaaten der
Europäisches System Volkswirtschaftlicher Gesamtrechnungen 180

ĺ Europäischen Union (EU) besteht, un- ESVG ist dem System of National Accounts
abhängig davon, ob sie den ĺ Euro einge- (SNA)der ĺ  Vereinten Nationen (UN)
führt haben oder nicht. Das ESZB wurde weitgehend angeglichen.  –  Weitere Infor-
durch den Vertrag zur Gründung der Eu- mationen unter www.destatis.de.
ropäischen Gemeinschaft (EG-Vertrag Europäisches Währungssystem (EWS) –
von Maastricht 1993) eingerichtet, der zu- Währungssystem, das 1979 von den
sammen mit der als Protokoll beigefüg- Staaten der ĺ  Europäischen Gemein-
ten ESZB-Satzung auch die Aufgaben der schaften (EG) eingeführt wurde. Nur
ESZB festlegt. Der EG-Vertrag und die Großbritannien nahm nicht teil. Ge-
Satzung beziehen sich auf die „ESZB“ in kennzeichnet war das EWS durch die
der Annahme, dass letztlich alle EU-Mit- Einführung des ECU (ĺ  Europäische
gliedsstaaten den Euro einführen werden. Währungseinheit) als Währungseinheit
Bis dahin wird das ĺ Eurosystem die Auf- sowie die Festlegung der Wechselkurse
gaben des ESZB ausführen. – 2.  Ziele: a) innerhalb des Währungsverbundes mit
Vorrangiges Ziel der ESZB ist es, die Preis- Bandbreiten und Pflichten zu Eingrif-
stabilität zu gewährleisten. b) Soweit dies fen. Das EWS mit der Paritätsbindung
ohne Beeinträchtigung des Zieles der an den ECU (sog. EWS I) war die erste
Preisstabilität möglich ist, unterstützt das Stufe zur ĺ  Europäischen Währungs-
ESZB die allgemeine Wirtschaftspolitik union (EWU). – Seit dem 1.1.1999 wird
in der Gemeinschaft, um zur Verwirkli- der dem EWS zugrunde liegende Wech-
chung der Ziele hohes Beschäftigungsni- selkursmechanismus mit einer Pari-
veau und ein beständiges, nicht inflatio- tätsbindung an den ĺ  Euro (sog. EWS
näres Wachstum beizutragen. – 3. Grund- II oder Wechselkursmechanismus II)
legende Aufgaben: a) Festlegung und auf Währungen von EU-Mitgliedsstaa-
Ausführung der Geldpolitik des Eurowäh- ten angewandt, die vorerst noch nicht
rungsgebietes, b) Durchführung von De- an der dritten Stufe der Europäischen
visengeschäften, c) Haltung und Verwal- Währungsunion teilnehmen.  Auch
tung der offiziellen Währungsreserven der Nicht-EU-Mitgliedsstaaten können frei-
EU-Mitgliedsländer, d) Förderung des willig das EWS II übernehmen.
reibungslosen Funktionierens der Zah-
lungssysteme. – Weitere Informationen un- Europäisches Wettbewerbsrecht ĺ
ter www.ecb.europa.eu. Wettbewerbsrecht.
Europäische Union (EU) – 1. Begriff: Ge-
Europäisches System Volkswirtschaft- meinschaft europäischer Staaten. Die
licher Gesamtrechnungen (ESVG) – Eu- Mitgliedsstaaten der EU arbeiten auf der
ropean System of Accounts. System zur Grundlage des Maastrichter Vertrags von
Vereinheitlichung der ĺ  Volkswirt- 1992 wirtschaftlich weitgehend sowie po-
schaftlichen Gesamtrechnungen (VGR) litisch bereichsweise zusammen. Ziel ist
in den Mitgliedsstaaten der ĺ  Europäi- die Fortsetzung des europäischen Integ-
schen Union (EU) von 2010 (kurz ESVG rationsprozesses.  –  2.  Integrationssäulen
2010). Danach müssen Daten, die an EU- der EU:  erste Säule: die drei (heute noch
ROSTAT gemeldet werden, einer EU-ein- zwei) ĺ  Europäischen Gemeinschaf-
heitlichen Systematik entsprechen. Das ten (EG); zweite Säule: die Gemeinsame
181 Europäische Währungsunion (EWU)

Außen- und Sicherheitspolitik transparenter und effizienter werden.


(ĺ  GASP);  dritte Säule: die Zusammen- Der Entwurf gliedert sich in vier Teile: (1)
arbeit in den Bereichen Justiz und Inneres grundlegende Verfassungsbestimmungen
(ZBJI).  –  1997 wurde der Amsterdamer (Ziele, Zuständigkeiten, Entscheidungs-
Vertrag von allen EU-Mitgliedsstaaten verfahren und Organe), (2) ĺ Charta der
unterzeichnet, der den Maastrichter Ver- Grundrechte, (3) Politikbereiche und (4)
trag änderte. U.a. wurde damit die recht- Schlussbestimmungen. – Nach dem Schei-
liche Grundlage einer abgestimmten Stra- tern wurde vom Europäischen Rat im Juni
tegie gegen Arbeitslosigkeit geschaffen. 2005 eine „Reflexionsphase“ eingeleitet,
Außerdem erhielten die EU-Organe zu- die im Juni 2007 zu dem Beschluss des Ra-
sätzliche Verantwortungen im Bereich der tes über den ĺ  EU-Reformvertrag von
Sozial- und Beschäftigungspolitik. An- Lissabon (ĺ  EU-Reform) führte. Dieser
liegen des Vertrags war es, einerseits po- ist am 1.12.2009 durch die Ratifizierung
litische Defizite des Maastrichter Ver- Tschechiens in Kraft getreten und enthält
trags auszugleichen, andererseits die EU wesentliche Elemente der Verfassung.
und ihre Organe auf die EU-Erweiterung
Europäische Währungseinheit (ECU)  –
vorzubereiten.  –  3.  EU-Organe sind: (1)
Verrechnungseinheit des ĺ  Europäi-
ĺ  Europäisches Parlament (EU-Parla-
schen Währungssystems (EWS). Der
ment), (2) ĺ  Europäischer Rat (EU-Rat),
ECU enthielt als sog. Korbwährung die
(3) ĺ  Rat der Europäischen Union, (4)
Währungen aller Mitgliedsstaaten der
ĺ  Europäische Kommission (EU-Kom-
Europäischen Gemeinschaft (EG). Seit
mission), (5) ĺ  Europäischer Gerichtshof
dem 1.1.1999 ist der ĺ  Euro gemein-
(EuGH), (6) ĺ  Europäischer Rechnungs-
same Währung der Teilnehmerstaaten
hof. – Weitere EU-Institutionen sind z. B.
der ĺ  Europäischen Wirtschafts- und
der Ausschuss der Regionen, der Wirt-
Währungsunion (EWWU).
schafts- und Sozialausschuss und die
ĺ Europäische Investitionsbank. – 4. Re- Europäische Währungsunion (EWU)  –
form der EU: Eine grundlegende Reform Vereinheitlichung der Währung (Wäh-
wurde durch den ĺ  EU-Reformver- rungsunion), die 1991 auf der Konfe-
trag von Lissabon am 1.12.2009 eingelei- renz der Regierungschefs der EG in
tet.  –  Weitere Informationen unter www. Maastricht auf dem Gebiet der ĺ  Eu-
europa.eu. ropäischen Union (EU) (oder Teilen da-
von) ab 1.1.1999 beschlossen wurde. Die
Europäische Verfassung – Verfassungs- EWU bildet einen Kernpunkt in den Be-
entwurf für die ĺ  Europäische Union strebungen zur Schaffung eines in Form
(EU) und ihre Mitgliedsstaaten, der am der ĺ  Europäischen Wirtschafts- und
24.10.2004 vom ĺ Europäischen Rat un- Währungsunion (EWWU) geeinten Eu-
terzeichnet worden war. Die Ratifika- ropa.  –  Die Einführung des ĺ  Euro er-
tion scheiterte jedoch, weil Frankreich folgte in drei Stufen: Die 1. Stufe begann
und die Niederlande in Volksabstim- am 1.6.1991 und bestand in einer weit-
mungen gegen die Annahme der Verfas- gehenden Aufhebung aller Kapitalver-
sung stimmten. Durch die  Europäische kehrskontrollen und der Verwirklichung
Verfassung sollte die EU demokratischer, des Europäischen Binnenmarktes ab
Europäische Wertpapier- und Marktaufsichtsbehörde (ESMA) 182

1.1.1993. Zudem sollten die Wechselkurse Die geldpolitische Verantwortung in die-


zwischen den EU-Währungen im Wech- sem Euroraum trägt seit Beginn der
selkursmechanismus des EWS (ĺ  Euro- 3. Stufe die EZB.
päisches Währungssystem) zunächst mit
Europäische Wertpapier- und Markt-
einer maximalen Schwankungsbreite von
aufsichtsbehörde (ESMA)  –  European
+/- 2,25 % um den bilateral festgelegten
Securities and Markets Authority. Unab-
Leitkurs stabilisiert werden. Im Zuge der
hängige EU-Behörde und Teil des ĺ Eu-
EWS-Krise im September 1992 (mit der
ropäischen Finanzaufsichtssystems
Folge des Austritts von Großbritannien
(ESFS) mit Sitz in Paris, die am 1.1.2011
und vorübergehenden Austritts von Ita-
gegründet wurde und zur Stabilität des Fi-
lien) wurde die maximale Schwankungs-
nanzsystems in der Europäischen  Union
breite jedoch auf +/- 15 % erweitert. – Die
(EU) beitragen soll. Insbes. besteht ihre
2.  Stufe begann am 1.1.1994 und zielte
Aufgabe darin, die Integrität, Transpa-
vorrangig auf die beschleunigte Annähe-
renz, Effizienz und Funktionsweise der
rung der wirtschaftlichen Entwicklung in
ĺ Wertpapiermärkte sicherzustellen und
den potenziellen Teilnehmerländern ab.
den Anlegerschutz zu intensivieren.
Der Währungskorb für die ĺ  Europäi-
sche Währungseinheit (ECU) wurde fest- Europäische Wirtschaftliche Interes-
gelegt. Außerdem wurde das Europäische senvereinigung (EWIV)  –  Rechtsform
Währungsinstitut (EWI) als Vorläufer für kleinere und mittlere Unternehmen
der ĺ  Europäischen Zentralbank (EZB) aus Mitgliedsstaaten der ĺ Europäischen
mit der Aufgabe eingerichtet, die dritte Union (EU). In Form der EWIV können
Stufe der EWU vorzubereiten und das Unternehmen grenzüberschreitend zu-
ĺ  Europäische System der Zentralban- sammenarbeiten. Die an der EWIV be-
ken (ESZB) aufzubauen, das am 1.6.1998 teiligten Unternehmen bleiben rechtlich
seine Arbeit aufnahm. – Die 3. Stufe be- selbstständig. Sie haften unbeschränkt
gann am 1.1.1999 mit der Einführung und gesamtschuldnerisch. Die Grund-
des ĺ Euro. Die Teilnahmeberechtigung struktur der EWIV ähnelt der ĺ offenen
der EU-Mitgliedsstaaten entschied sich Handelsgesellschaft (OHG). Die Vereini-
am 2.5.1998 anhand der Erfüllung von gung selbst hat nicht den Zweck der eige-
vier sog. Konvergenzkriterien. Es qualifi- nen Gewinnerwirtschaftung, sondern soll
zierten sich als die elf Gründungsmitglie- die unternehmerischen Ergebnisse der
der EWU: Belgien, Deutschland, Finn- Mitglieder verbessern. – Weitere Informa-
land, Frankreich, Irland, Italien, Luxem- tionen unter www.europa.eu.
burg, Niederlande, Österreich, Portugal
Europäische Wirtschaftsgemeinschaft
und Spanien. Im weiteren Verlauf qualifi-
(EWG) ĺ  Europäische Gemeinschaft
zierten sich nach erfolgreicher Teilnahme
(EG).
am EWS II Griechenland (2001), Slowe-
nien (2007), Zypern und Malta (2008), die Europäische Wirtschafts- und Wäh-
Slowakei (2009), Estland (2011) und Lett- rungsunion (EWWU)  –  erste Säule
land (2014). Das ĺ Eurowährungsgebiet der ĺ  Europäischen Union (EU). Die
umfasst  damit z.Zt. das Territorium von EWWU ist das Vertragswerk zur Schaf-
18 EU-Staaten mit ca. 334 Mio. Bürgern. fung eines Binnenmarktes mit freien
183 Europäische Zentralbank (EZB)

Personen-, Waren-, Dienstleistungs- und mit Sitz in Frankfurt a.M. Die EZB bil-
Kapitalverkehr (Wirtschaftsunion) so- det mit den 27 nationalen Zentralban-
wie einer gemeinsamen Währung und ken der Mitgliedsländer der ĺ  Europä-
einer einheitlichen Geld- und Wech- ischen Union (EU) das ĺ  Europäische
selkurspolitik (Währungsunion). Nach System der Zentralbanken (ESZB) und
dem Maastrichter Vertrag von 1992 sol- mit den 18 nationalen Zentralbanken des
len die Mitgliedsstaaten ihre Wirtschafts- ĺ  Eurowährungsgebiets das ĺ  Eurosys-
politiken als eine Angelegenheit von ge- tem.  –  2.  Aufgaben (neben den grundle-
meinsamen Interessen ansehen und im genden Aufgaben des ESZB bzw. des Eu-
Rahmen des ĺ  Rates der Europäischen rosystems): (1) Banknoten: Die EZB hat
Union abstimmen. Die Politiken sind an das ausschließliche Recht, die Ausgabe
dem Ziel der Preisniveaustabilität sowie von Banknoten im Euroraum zu geneh-
an den Grundsätzen der offenen Markt- migen. (2) Statistik: In Zusammenarbeit
wirtschaft (freier Wettbewerb, gesunde mit den nationalen Zentralbanken erhebt
öffentliche Finanzen, langfristiges au- die EZB die zur Aufgabeerfüllung not-
ßenwirtschaftliches Gleichgewicht) aus- wendigen statistischen Daten. (3) Auf-
zurichten. Entspricht das Verhalten eines sicht über die Kreditinstitute und Stabilität
Mitgliedsstaates nicht den Grundprinzi- des Finanzsystems: Die EZB und das Eu-
pien, so kann der Rat konkrete Empfeh- rosystem tragen zur Durchführung der
lungen an den betreffenden Staat richten. von den zuständigen Behörden auf die-
Dies ist v.a. in der Fiskal- und Lohnpolitik sem Gebiet ergriffenen Maßnahmen bei.
von Bedeutung, da diese Bereiche nicht (4) Internationale und europäische Zusam-
auf die Union übertragen wurden.  –  Im menarbeit: Zum Zwecke der dem Euro-
Maastrichter Vertrag wurde für die ĺ Eu- system übertragenen Aufgaben arbeitet
ropäische Währungsunion (EWU) ein die EZB in der EU und international mit
konkreter Zeitplan mit drei Integrations- den zuständigen Organen, Einrichtun-
stufen vereinbart, an dessen Ende eine ge- gen und Foren zusammen.  –  3.  Organe:
meinsame Währung stand, für deren Si- (1) EZB-Rat: Zentrales Beschlussorgan,
cherung das ĺ  Europäische System der das aus den Mitgliedern des Direktori-
Zentralbanken (ESZB) zuständig ist. Die ums und den Präsidenten der nationa-
dritte Stufe wurde mit der Schaffung der len Zentralbanken des Eurosystems be-
ĺ Europäischen Zentralbank (EZB) und steht. (2) EZB-Direktorium: Ausführendes
der Einführung des ĺ Euro am 1.1.1999 Organ der gemeinschaftlichen Geldpoli-
erreicht. tik entsprechend den Leitlinien und Be-
schlüssen des Rates. Es besteht aus dem
Europäische Zentralbank (EZB) – 1. Be- EZB-Präsidenten, dem EZB-Vizepräsiden-
griff: Zentrale Währungsbehörde ten und vier weiteren Mitgliedern. (3) Er-
(ĺ  Zentralbank) für die Mitgliedsstaa- weiterter Rat: Übergangsgremium, das
ten der ĺ Europäischen Währungsunion das Funktionieren des EWS II (ĺ Euro-
(EWU). Die EZB wurde 1993 durch den päisches Währungssystem (EWS)) und als
Maastrichter Vertrag von 1992 gegrün- Forum für die geld- und währungspoliti-
det und besitzt eine eigene Rechtsper- sche Zusammenarbeit mit den 10 an der
sönlichkeit. Sie arbeitet seit dem 2.6.1998 EWU nicht teilnehmenden Staaten dient.
European Banking Authority (EBA) 184

Mitglieder sind der EZB-Präsident, der Euro-Rettungsschirme ĺ  Europäische


EZB-Vizepräsident und die Präsiden- Rettungsschirme.
ten der nationalen Zentralbanken aller 28 Euro-Schuldenkrise ĺ  Europäische
EU-Mitgliedsstaaten. – Weitere Informati- Schuldenkrise.
onen unter www.ecb.int.
Euro-Schutzschirme ĺ  Europäische
European Banking Authority (EBA) Rettungsschirme.
ĺ  Europäische Bankenaufsichtsbehörde
(EBA). Euro-Staatsanleihe ĺ Eurobond.

European Exchange ĺ EUREX. EURO STOXX 50 –  STOXX 50. Aktienin-


dex, der auf den Aktien der 50 größten
European Financial Stabilisation Aktiengesellschaften in den Ländern der
Mechanism (EFSM) ĺ  Europäischer Fi- ĺ  Europäischen Wirtschafts- und Wäh-
nanzstabilisierungsmechanismus (EFSM). rungsunion (EWWU) beruht. Er wird in
European Financial Stability Facility Euro und US-Dollar berechnet. Basisda-
(EFSF) ĺ  Europäische Finanzstabilisie- tum ist 31.12.1991 mit dem Basiswert von
rungsfazilität (EFSF). 1000 Punkten.
European Health Insurance Card (EHIC) Eurosystem  –  Zentralbankensystem im
ĺ  Europäische Krankenversicherungs- ĺ  Eurowährungsgebiet. Es besteht im
karte (EHIC). Unterschied zum ĺ  Europäischen Sys-
tem der Zentralbanken nur aus der ĺ Eu-
European Insurance and Occupational ropäischen Zentralbank und den 18 na-
Pensions Authority (EIOPA) ĺ Europä- tionalen Zentralbanken, die den ĺ Euro
ische Aufsichtsbehörde für das Versiche- eingeführt haben.
rungswesen und die betriebliche Alters-
versorgung (EIOPA). Eurowährungsgebiet  –  Euroraum, Eu-
rowährungsraum, Eurozone. Gebiet der-
European Recovery Program (ERP) jenigen Mitgliedsstaaten der ĺ  Eu-
ĺ Marshall-Plan. ropäischen Union (EU), in denen der
European Securities and Markets ĺ  Euro gesetzliches ĺ  Zahlungsmittel
Authority (ESMA) ĺ Europäische Wert- ist. Das Eurowährungsgebiet umfasst z.Zt.
papier- und Marktaufsichtsbehörde das Territorium von 18 EU-Staaten, die
(ESMA). sich durch Erfüllung der Konvergenzkri-
terien für die ĺ Europäische Währungs-
European Stability Mechanism (ESM)
union (EWU) qualifiziert haben.
ĺ  Europäischer Stabilitätsmechanismus
(ESM). Eurowährungsraum ĺ  Eurowäh-
rungsgebiet.
European System for Financial Super-
vision (SFS) ĺ Europäisches Finanzauf- Eurozone ĺ Eurowährungsgebiet.
sichtssystem (ESFS). EU-Schutzschirme ĺ  Europäische Ret-
European Union Emissions Trading tungsschirme.
System (EU ETS) ĺ Emissionshandel. EU-Staatsanleihe ĺ Eurobond.
Euroraum ĺ Eurowährungsgebiet. EU-Strukturfonds ĺ Strukturfonds.
185 Existenzminimum

EU-Strukturfonds ĺ Strukturfonds. Exchange Electronic Trading ĺ  XE-


EVA – Abk. für ĺ Economic Value Added TRA.
(EVA). Exekutive  –  Begriff für die ausübende
Evaluation – Evaluierung. Verfahren, um Gewalt des Staates im Rahmen der ĺ Ge-
z. B. Produkte, Projekte oder Prozesse an- waltenteilung. Sie ist für die Ausführung
hand von festzulegenden Kriterien zu be- der von der ĺ Legislative beschlossenen
werten. Gesetze verantwortlich. Die  Exekutive
umfasst die Regierung als staatsleitendes
Event ĺ Event Marketing.
Organ und die gesamte öffentliche Ver-
Event Marketing  –  Instrument des waltung. – Vgl. auch ĺ Gewaltenteilung.
ĺ Marketings, mit dem für ein Produkt,
Existenzgründungsförderung  –  staat-
eine Dienstleistung oder für ein Unter-
liche Maßnahmen zur Unterstützung bei
nehmen im Rahmen eines informie-
der ĺ Gründung von Unternehmen oder
renden und unterhaltenden Ereignis-
bei der Aufnahme einer selbstständigen
ses (Event) die Basis für eine erlebniso-
Tätigkeit. Sie ist Teil der ĺ Wirtschaftsför-
rientierte Kommunikation (erhöhtes
derung und ĺ  Mittelstandspolitik. Dazu
Aktivierungspotenzial) geschaffen wer-
zählen z. B. Kredite und Beratungsleistun-
den soll.  –  Vgl. auch ĺ  Erlebnismarke-
gen der ĺ Kreditanstalt für Wiederaufbau
ting.
(KfW), Gemeinschafts-Förderprogramme
EVTZ  –  Abk. für Europäischer Ver- von Bund, Ländern und Banken, aber
bund für territoriale Zusammenarbeit, auch Leistungen der ĺ Bundesagentur für
ĺ Strukturfonds. Arbeit (ĺ  Gründungszuschuss).  –  Wei-
EWG – Abk. für Europäische Wirtschafts- tere Informationen unter www.bmwi.
gemeinschaft, heute ĺ  Europäische Ge- de und www.kfw.de/Gründen.
meinschaft (EG). Existenzgründungszuschuss ĺ  Grün-
ewige Anleihe ĺ Tilgungsanleihe. dungszuschuss.
EWIV  –  Abk. für ĺ  Europäische Wirt- Existenzminimum  –  1.  Volkswirt-
schaftliche Interessenvereinigung. schaft:  Existenzminimum ist die für den
EWR  –  Abk. für ĺ  Europäischer Wirt- Lebensunterhalt notwendige Einkom-
schaftsraum. mens- bzw. Lohnhöhe, die sich nach
dem Lebensstandard des jeweiligen Lan-
EWS  –  Abk. für ĺ  Europäisches Wäh-
des und nach dem technischen und kul-
rungssystem (EWS).
turellen Stand der wirtschaftlichen Ent-
EWS II ĺ Europäisches Währungssystem wicklung richtet.  –  2.  Einkommensteu-
(EWS). errecht: Nach der Rechtssprechung des
EWU  –  Abk. für ĺ  Europäische Wäh- ĺ  Bundesverfassungsgerichts (BVerfG)
rungsunion. muss dem ĺ  Steuerpflichtigen nach der
Erfüllung seiner Steuerschuld von sei-
EWWU – Abk. für ĺ Europäische Wirt- nem Erworbenen so viel verbleiben, wie
schafts- und Währungsunion. er zu Bestreitung seines Lebensunterhalts
Ex-ante-Koordination ĺ Koordination. und desjenigen seiner Familie bedarf.
Exklusivvertrieb 186

Die Höhe des steuerlich zu verschonen- Exportkreditfinanzierung, Tätigkeit von


den  Existenzminimums hängt von den Auslandshandelskammern und Gemein-
allgemeinen wirtschaftlichen Verhältnis- schaftswerbung im Ausland zu nen-
sen und dem in der Rechtsgemeinschaft nen.  –  Hauptakteur ist jedoch der Staat,
anerkannten Mindestbedarf ab. Im deut- der durch eine Reihe von Gesetzen und
schen Einkommensteuerrecht soll der Bestimmungen eingreifen kann, z. B. im
Grundfreibeitrag (ĺ Freibetrag) das Exis- Rahmen des Außenwirtschaftsgesetzes
tenzminimum sichern. (AWG). Ziele der staatlichen  Exportför-
Exklusivvertrieb ĺ Alleinvertrieb. derung sind einerseits die Erzielung ei-
nes Handelsbilanzüberschusses oder die
Expansion ĺ Konjunkturzyklus.
Verringerung eines Handelsbilanzdefi-
Expansionswerbung ĺ  Werbung zits, andererseits die Verbesserung des
zwecks kontinuierlicher Erhöhung des ĺ  Beschäftigungsgrades im Inland. Zu
Umsatzes, Absatzes oder des Marktanteils den zahlreichen Instrumenten, die der
gegenüber dem vorangegangenen Zeit- Staat einsetzen kann, zählen z. B. die Ge-
abschnitt.  –  Anders: ĺ  Erhaltungswer- währung von ĺ  Exportsubventionen,
bung.  –  Gegensatz: ĺ  Reduktionswer- Exportprämien, ĺ  Exportkreditgaran-
bung. tien des Bundes, Steuerbefreiungen und
expansive Lohnpolitik ĺ  Lohn-Preis- -ermäßigungen, Erlaubnis zur Bildung
Spirale. steuerfreier Rücklagen, Sonderabschrei-
bungen auf Exportforderungen, Zinszu-
Export  –  Ausfuhr. Abgabe der in einem
schüsse bei Exportkrediten oder staatliche
Wirtschaftsgebiet produzierten Sachgüter
Auslandswerbung.
(Warenexport) und/oder Dienstleistungen
(Dienstleistungsexport) in das Ausland. Exportkontingent ĺ Kontingent.
Teil des ĺ Außenhandels. Der Export von
Waren und Dienstleistungen wird in der Exportkreditgarantien des Bundes  –
ĺ Handelsbilanz (ĺ Zahlungsbilanz) er- Hermes-Deckungen, Garantien der Bun-
fasst. – Gegensatz: ĺ Import. desrepublik Deutschland zugunsten deut-
scher Exporteure und Kreditinstitute zur
Exportbeschränkung  –  Exportrestrik- Absicherung der mit Exportgeschäften
tion, Ausfuhrbeschränkung; Begriff für verbundenen Käuferrisiken (bestimmte
alle staatlichen Maßnahmen der ĺ  Au- wirtschaftliche Schadenstatbestände) und
ßenhandelspolitik, die den ĺ Export ein- Länderrisiken (bestimmte politische Scha-
schränken oder sogar unterbinden, wie denstatbestände). Instrument der ĺ  Ex-
ĺ  Embargo, Ausfuhrzölle (ĺ  Zoll) und portförderung. Exportkreditgarantien des
Ausfuhrverbote.  –  Vgl. auch ĺ  tarifäre Bundes werden durch die ĺ Euler Hermes
Handelshemmnisse und ĺ nicht tarifäre Kreditversicherungs-AG vergeben.  –  Fol-
Handelshemmnisse. gende Formen werden unterschieden: (1)
Exportförderung  –  Ausfuhrförde- Ausfuhrbürgschaften: Diese werden nur
rung. Staatliche und private Maßnah- für Geschäfte mit ausländischen Staaten
men, um ĺ  Exporte zu fördern. Auf oder ausländischen Gebietskörperschaften
privater Basis sind v.a. Exportkar- genehmigt. (2) Ausfuhrgarantien: Diese
telle (ĺ  Kartell), gemeinschaftliche werden für Geschäfte mit ausländischen
187 EZB

Vertragspartnern, die nicht durch Aus- entstehen aufgrund des Unterschieds


fuhrbürgschaften gedeckt werden (z. B. zwischen privaten und volkswirtschaft-
insolvenzfähige ausländische Unterneh- lichen Kosten oder Erträgen. Bsp. für ex-
men), vergeben. (3) Fabrikationsrisikode- terne Kosten sind Umweltbelastungen,
ckungen: diese decken die Risiken des Ex- für externe Erträge die Grundlagenfor-
porteurs bis zum Versand der Ware. (4) schung.  –  Die Anlastung der externen
Ausfuhrdeckungen: Diese werden zur Ab- Kosten oder die Vergütung der externen
sicherung einer uneinbringlichen Export- Erträge beim Verursacher externer Ef-
förderung aufgrund politischer oder wirt- fekte wird als Internalisierung bezeichnet.
schaftlicher Risiken vergeben. – Weitere In- Dadurch sollen die Fehler bei der ĺ Allo-
formationen unter www.bmwi.de. kation von Gütern und Produktionsfakto-
Exportquote  –  Anteil des Exports am ren beseitigt werden.
ĺ Bruttoinlandsprodukt (BIP) zu Markt- externe Erträge ĺ externe Effekte.
preisen. externe Kosten ĺ externe Effekte.
Exportrestriktion ĺ  Exportbeschrän-
externe Revision ĺ Revision.
kung.
externes Gleichgewicht ĺ  außenwirt-
Exportsubvention  –  Ausfuhrsubven-
schaftliches Gleichgewicht.
tion. Instrument der ĺ Exportförderung:
vom Staat gewährte finanzielle Unterstüt- externes Rechnungswesen ĺ  Rech-
zung von ĺ Exporten, um sonst interna- nungswesen.
tional nicht konkurrenzfähige ĺ  Waren Extranet  –  geschlossenes, meist
auf dem ĺ  Weltmarkt wettbewerbsfähig unternehmenseigenes Computernetz-
zu machen. – Vgl. auch ĺ tarifäre Han- werk, das auf Internettechnologien
delhemmnisse. (ĺ Internet) beruht. Als Ergänzung zum
Ex-post-Koordination ĺ Koordination. unternehmenseigenen ĺ  Intranet er-
externe Effekte  –  Begriff aus der Wirt- möglicht es die Interaktion bzw. Transak-
schaftstheorie für Auswirkungen von tion mit Lieferanten, Kunden und weite-
ĺ Konsum und ĺ Produktion auf Dritte, ren Geschäftspartnern.
die i.d.R. dem Urheber zugerechnet wer- EZB  –  Abk. für ĺ  Europäische Zentral-
den. Positive und negative  externe Effekte bank.
F&E  –  Abk. für ĺ  Forschung und Ent-
F
übernimmt sie das Ausfallrisiko. Dafür
wicklung. berechnet die Factoringgesellschaft zu-
Fabrik – historischer Begriff für eine Be- sätzlich zu den banküblichen Zinsen Ge-
triebsform der Industrie, die durch eine bühren. Seit dem 25.12.2008 ist Factoring
stark mechanisierte ĺ  Produktion ge- im Kreditwesengesetz (KWG) als erlaub-
kennzeichnet ist.  –  Vgl. auch ĺ  Manu- nis- und aufsichtspflichtige ĺ  Finanz-
faktur. dienstleistung definiert. Factoringunter-
nehmen unterliegen daher der Aufsicht
Fabrikationsrisikodeckung ĺ  Export- durch die ĺ  Bundesanstalt für Finanz-
kreditgarantien des Bundes. dienstleistungsaufsicht (BaFin) und der
Fabrikverkauf ĺ Factory-Outlet. ĺ Deutschen Bundesbank.
Fachkompetenz ĺ Kompetenz. Factory-Outlet  –  Fabrikverkauf. Ver-
Fachpromotoren ĺ Promotoren. kaufsstelle eines Herstellers, in der Waren
direkt an den Endverbraucher verkauft
Facility Management  –  Gebäudemana-
werden. In einem Factory-Outlet werden
gement. Integrative und ganzheitliche Pla-
häufig II.-Wahl-Artikel, überschüssige
nung, Kontrolle und Bewirtschaftung von
Produktionsmengen oder auslaufende
Gebäuden, Anlagen und Einrichtungen
Waren direkt an den Endverbraucher ver-
(facilities). Das  Facility Management be-
kauft. I.d.R. befinden sich  Factory-Out-
schäftigt sich mit der Zweckmäßigkeit
lets am Herstellungsort. Die Preise in Fac-
und Wirtschaftlichkeit von Gebäuden
tory-Outlets liegen deutlich unter den
und Anlagen über die gesamte Lebens-
Preisen des Fachhandels. – Factory-Out-
dauer hinweg. Ziel ist es, Gebäude und
lets verschiedener Hersteller in einem
Anlagen auf die Bedürfnisse der Mieter
Gebäudekomplex, der von einer Betrei-
und Nutzer auszurichten und deren Wirt-
bergesellschaft gemanagt wird, wird als
schaftlichkeit sicherzustellen.
Factory-Outlet-Center bezeichnet. Diese
Factoring – Begriff aus der ĺ Finanzie- liegen i.d.R. an einem  verkehrsgünstigen
rung. Factoring ist der Verkauf noch nicht ĺ Standort, um ein großes Einzugsgebiet
fälliger ĺ  Forderungen aus Warenliefe- zu erzielen.
rungen und Dienstleistungen an eine Fac-
Factory-Outlet-Center ĺ  Factory-Out-
toringgesellschaft (Factor). Forderungen
let.
an Verbraucher werden i.d.R. nicht ange-
kauft. Der Forderungsverkäufer schließt Fahrgemeinschaft  –  Begriff aus dem
mit dem Factor einen Vertrag mit i.d.R. Einkommensteuerrecht. Eine Fahrge-
zweijähriger Laufzeit ab. Die Factoring- meinschaft ist ein Zusammenschluss
gesellschaft schreibt dem Forderungsver- von Arbeitnehmern, die zur Kostener-
käufer die offenen Forderungen sofort sparnis wechselweise gemeinsam ein
nach Rechnungsstellung mit entsprechen- Kraftfahrzeug (Kfz) für Fahrten zwi-
dem Liquiditätsvorteil gut. Außerdem schen Wohnung und Arbeitsstätte,
Springer Fachmedien Wiesbaden (Hrsg.), Kompakt-Lexikon Wirtschaft,
DOI 10.1007/978-3-658-05791-6_6, © Springer Fachmedien Wiesbaden 2014
Fahrlässigkeit 190

Familienheimfahrten und Dienstrei- Neubewertung der beteiligten Unterneh-


sen nutzen. Jeder Teilnehmer der Fahr- men vorausgeht.
gemeinschaft kann die ĺ  Entfernungs- Faktoreinkommen  –  Leistungseinkom-
pauschale (maximal 4.500 Euro jährlich) men, Primäreinkommen. Begriff aus den
steuerlich geltend machen, da diese von ĺ  Volkswirtschaftlichen Gesamtrech-
der tatsächlichen Benutzung eines eige- nungen (VGR). Faktoreinkommen ist das
nen Kfz unabhängig ist. ĺ Einkommen, das aus der Bereitstellung
Fahrlässigkeit – Begriff aus dem ĺ Bür- von ĺ Produktionsfaktoren (Arbeit, Ka-
gerlichen Gesetzbuch (BGB).  Fahrlässig- pital und Boden) erzielt wird. Dies sind
keit ist das Außerachtlassen der im Ge- z. B. Löhne, Gehälter, Zinsen, Gewinne,
schäftsverkehr erforderlichen Sorgfalt. (1) Mieten und Pachten. Faktoreinkommen
Bewusste Fahrlässigkeit: Bewusst fahrläs- setzen sich zusammen aus: (1) Erwerbs-
sig handelt der, der den Schaden voraus- einkommen: Faktoreinkommen, das für
sieht, aber hofft, er werde nicht eintreten. Arbeitsleistung in Form von Löhnen und
(2) Unbewusste Fahrlässigkeit: Unbewusst Gehältern für das Führen eines Unter-
fahrlässig handelt der, der den schädli- nehmens und Verwerten von Gebäuden
chen Erfolg nicht voraussieht, ihn aber bei in Form von Gewinnen gezahlt wird. Die
Anwendung der üblichen Sorgfalt hätte Löhne und Gehälter werden auch als Ar-
voraussehen müssen. (3) Grobe Fahrläs- beitnehmereinkommen oder Einkommen
sigkeit: Nichtbeachtung dessen, was jedem aus unselbstständiger Tätigkeit bezeichnet.
einleuchten muss. – Ein Schuldner muss Für Gewinne werden auch die Begriffe
nur für konkrete  Fahrlässigkeit haften Einkommen aus Unternehmertätigkeit
(ĺ Haftung), d.h. Verletzung der Sorgfalt, oder auch Unternehmereinkommen ver-
die der Schuldner in eigenen Angelegen- wandt. (2) Vermögenseinkommen: Fakto-
heiten anzuwenden pflegt. In bestimmten reinkommen, das als Entgelt für die Nut-
Gesetzen ist die Haftung auf Vorsatz und zung von Kapital und Boden gezahlt wird.
grobe Fahrlässigkeit beschränkt. Dies sind z. B. Dividenden, Zinsen, Pacht
für Grundstücke. – Gegensatz: ĺ Transfe-
Fahrtkosten Wohnung – Arbeitsstätte reinkommen.
ĺ  Ein-Prozent-Regelung, ĺ  Entfer-
nungspauschale, ĺ Fahrgemeinschaft. Faktorverbrauch ĺ Produktionskosten,
ĺ Verbrauch.
Fahrzeugversicherung ĺ  Kraftfahrt-
Faktorverbrauchsfunktion ĺ Produkti-
versicherung.
onsfunktion.
Fair Value – 1. Allgemein: der einem Ver- Faktura ĺ Rechnung.
mögenswert oder einer Schuld an ei-
nem Stichtag tatsächlich beizulegende Fakturierung – Erstellung einer ĺ Rech-
Wert.  –  2.  Wertpapierhandel: Preis, zu nung.
dem ein Finanzinstrument zwischen zwei Fälligkeit  –  Zeitpunkt, von dem an eine
unabhängigen Parteien frei gehandelt geschuldete Leistung vom ĺ  Schuld-
werden würde. – 3.  Unternehmenszusam- ner gefordert werden kann. Nach dem
menschluss: Der Wertansatz in der Kapi- ĺ Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB) kann
talkonsolidierung, der eine vollständige der ĺ  Gläubiger die Leistung sofort
191 Feasibility-Studie

verlangen, wenn dies vertraglich nicht erfolgt durch den ĺ  Kinderfreibetrag


anders vereinbart wurde. Oft ist die  Fäl- und den Freibetrag für den Betreuungs-,
ligkeit von einer ĺ  Kündigung abhän- Erziehungs- und Ausbildungsbedarf oder
gig (z. B. im Fall von ĺ Darlehen). Fällig- durch das ĺ  Kindergeld.  –  2.  Familien-
keit ist die Voraussetzung dafür, dass ein politik: Über den ĺ  Familienlastenaus-
Schuldner in Verzug gerät (ĺ Schuldner- gleich hinausgehende staatliche Kompen-
verzug) und für eine Leistungsklage. sation der Leistungen, die die Familien für
Familienheimfahrten ĺ  Ein-Pro- die Gesellschaft erbringen, die aber nicht
zent-Regelung. über den Markt abgegolten werden.

Familienhilfe – Leistung der gesetzlichen Familienmutterschaftshilfe ĺ  Famili-


ĺ Krankenversicherung im Rahmen der enhilfe.
ĺ  Familienversicherung (§  10 SGB V).
Familienversicherung  –  beitragsfreie
Die  Familienhilfe erhalten bei Krank-
Versicherung von Familienangehörigen
heit (Familienkrankenhilfe) und Entbin-
in der gesetzlichen ĺ  Krankenversiche-
dung (Familienmutterschaftshilfe) Fa-
rung (gem. § 10 SGB V) und gesetzlichen
milienangehörige, gegenüber denen der
ĺ  Pflegeversicherung  (gem. §  25 SGB
Versicherte unterhaltspflichtig ist. Die Fa-
XI). – Vgl. auch ĺ Familienhilfe.
milienhilfe wird für Ehegatten und Le-
benspartner, für Kinder bis zum 18. oder FASB – Abk. für ĺ Financial Accounting
während der Schul- und Berufsausbil- Standards Board.
dung bis zum 25.  Lebensjahr sowie für
sonstige Familienangehörige gewährt, die Faustregeln ĺ Regeln.
mit dem Ehegatten/Lebenspartner in ei- Fazilität – allg. alle von ĺ Kreditinstitu-
nem Haushalt leben und von diesem ganz ten ihren Kunden eingeräumten Möglich-
oder überwiegend unterhalten werden. keiten des Zahlungsverkehrs, der Geldan-
Familienkasse ĺ Kindergeldkasse. lage oder Kreditnahme, i.e.S. der bereit-
gestellte Finanzierungsrahmen, der vom
Familienkrankenhilfe ĺ Familienhilfe.
Kunden in Anspruch genommen werden
Familienlastenausgleich  –  Leistungen darf (Kreditfazilität).  –  Vgl. auch ĺ  Eu-
(direkte Transfers und Steuererleichterun- ropäische Finanzstabilisierungsfazilität
gen) des Staates an Familien mit Kindern, (EFSF) , ĺ Kreditlinie, ĺ ständige Fazi-
welche die Belastungen der Eltern durch litäten.
Geburt, Unterhalt, Betreuung und Erzie-
hung der Kinder ausgleichen sollen. – An- FDAX – Abk. für ĺ DAX-Future.
ders: ĺ Familienleistungsausgleich. Feasibility-Studie  –  Durchführbarkeits-
Familienleistungsausgleich  –  1.  Ein- studie, Machbarkeitsstudie. Vorstudie,
kommensteuerrecht: Mit dem  Familien- die im Rahmen der strategischen Pla-
leistungsausgleich soll die steuerliche nung eines Investitionsvorhabens, ins-
Freistellung des ĺ  Existenzminimums bes. Großprojektes, durchgeführt wird. Es
des Kindes erreicht werden. Hierzu ge- wird überprüft, ob ein Projekt überhaupt
hört der Bedarf für Betreuung und Erzie- durchführbar und ob es technisch und
hung oder Ausbildung. Die Freistellung ökonomisch sinnvoll ist.
Federal Reserve Bank 192

Federal Reserve Bank ĺ  Federal Re- feindliche Übernahme ĺ Takeover.


serve System (FRS).
Feinsteuerungsoperationen ĺ  Of-
Federal Reserve System (FRS)  –  Geld- fenmarktgeschäfte.
und Kreditorganisation der USA. In zwölf
Federal Reserve Districts sind jeweils Fe- Fernabsatzvertrag ĺ  Verbraucherver-
deral Reserve Banks (Bundesreserveban- trag über die Lieferung von ĺ  Waren
ken) als alleinige Notenbanken und Zen- oder über die Erbringung von ĺ Dienst-
tralinstitute errichtet worden, bei denen leistungen, bei dem ausschließlich Briefe,
die dem FRS angehörenden Banken ihre Kataloge, Telefonanrufe, ĺ  E-Mails und
Liquiditätsreserven halten. Die Federal andere Fernkommunikationsmittel ver-
Reserve Banks nehmen die üblichen Auf- wendet werden.  Fernabsatzverträge sind
gaben einer ĺ Zentralbank wahr, so z. B. z. B. Verträge im Versandhandel (ĺ Han-
die Ausgabe von ĺ  Banknoten. Außer- del) oder ĺ Electronic Commerce. Nach
dem besorgen sie die ĺ  Bankgeschäfte dem ĺ  Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB)
der Regierung, erledigen das zwischen- muss der Verbraucher vor Abschluss ei-
staatliche ĺ  Clearing und kaufen oder nes  Fernabsatzvertrages über alle für
verkaufen ĺ  Anleihen im Rahmen der ihn wichtigen Informationen in klarer
ĺ Offenmarktgeschäfte. –  Weitere Infor- und verständlicher Form verfügen kön-
mationen unter www.federalreserve.gov. nen. Außerdem hat der Verbraucher ein
ĺ  Widerrufsrecht bzgl. des Vertrages.
Fehlzeiten – in Arbeitsstunden oder -ta-
Der Widerruf kann ohne Angabe von
gen gemessene Abwesenheit eines ĺ Ar-
Gründen  in Textform oder durch Rück-
beitnehmers von seinem Arbeitsplatz.
gabe  (ĺ  Rückgaberecht) innerhalb von
Gesetzlich oder vertraglich vereinbarte
zwei Wochen nach Erhalt der Ware er-
Abwesenheiten wie Urlaub oder ĺ Mut-
klärt werden.
terschutz gelten nicht als Fehlzeiten. Un-
terschieden werden (1) motivations- Fernsehzuschauerpanel ĺ Panel.
bedingte  Fehlzeiten (Absentismus), (2)
krankheitsbedingte  Fehlzeiten und (3) Fertigerzeugnis – Fertigfabrikat. ĺ Pro-
sonstige  Fehlzeiten aufgrund von Zusat- dukt, das den ĺ  Produktionsprozess bis
zurlaub oder Fortbildungsmaßnahmen. zum Ende durchlaufen hat. Fertigerzeug-
Motivational bedingte Abwesenheit ist nisse stehen zum Verkauf oder zum Ver-
i.d.R. ein Indikator für fehlende Arbeits- brauch im eigenen Betrieb zur Verfü-
zufriedenheit und für die Qualität der gung. – Der Bestand an Fertigerzeugnis-
Personalführung. – Wegen der negativen sen wird durch ĺ  Inventur jeweils am
Auswirkungen auf die Personalkosten, Anfang und am Ende eines Geschäfts-
aber auch auf den Arbeitsablauf sollten jahres festgestellt. Fertigerzeugnisse wer-
die  Fehlzeiten möglichst gering gehalten den unter dem Bilanzposten ĺ Umlauf-
werden. Zur Verringerung der  Fehlzeiten vermögen ausgewiesen. Sie müssen nach
können Maßnahmen wie z. B. Fehlzeiten- dem ĺ  Handelsgesetzbuch (HGB) mit
briefe, persönliches Rückkehrgespräch, den ĺ Herstellungskosten oder nach dem
motivierende Arbeitsplatzumgebung ein- strengen ĺ  Niederstwertprinzip mit ei-
gesetzt werden. nem niedrigeren Marktpreis bewertet
193 Festwertbewertung

werden.  –  Gegensatz: ĺ  unfertiges Er- selbst tragen. Durch die Festbetragsrege-


zeugnis. lung sollen die Ausgaben der Kranken-
Fertigfabrikat ĺ Fertigerzeugnis. kassen gesenkt werden.  –  Für Hilfsmittel
wie z. B. Brillengläser gilt eine ähnliche
Fertigung ĺ Produktion.
Regelung.
Fertigungskosten ĺ  Produktionskos-
feste Kosten ĺ fixe Kosten.
ten.
fester Wechselkurs ĺ  Wechselkursbil-
Fertigungslöhne  –  Einzellöhne, Einzel-
dung.
lohnkosten. Löhne und Gehälter für di-
rekt am Werkstück verrichtete Arbeiten. Festgeld ĺ  Termineinlage, die an ei-
Die  Fertigungslöhne werden i.d.R. dem nem festgelegten Tag ausgezahlt wird. Die
Erzeugnis direkt als ĺ Einzelkosten zuge- Laufzeit beträgt mind. einen Monat. Der
rechnet. Sie sind Teil der ĺ Produktions- Zinssatz wird fest vereinbart. Er hängt
kosten. – Gegensatz: ĺ Hilfslöhne. von der Höhe des Anlagebetrags und der
vereinbarten Laufzeit ab.   –  Gegensatz:
Fertigungsplanung ĺ  Produktionspla-
ĺ Kündigungsgeld.
nung.
Feststellungsbescheid  –  gesonderter
Fertigungsprogramm ĺ  Produktions-
Bescheid des ĺ  Finanzamtes über die
programm.
Feststellung der Besteuerungsgrundla-
Fertigungsprogrammplanung ĺ  Pro- gen, die dann in die ĺ Steuererklärung zu
duktionsprogrammplanung. übernehmen sind.
Fertigungsprozessplanung ĺ Produk- Feststellungsklage ĺ Klage.
tionsprozessplanung.
festverzinsliches Wertpapier ĺ  An-
Fertigungssteuerung ĺ  Produktions- leihe.
steuerung.
Festwertbewertung – vereinfachtes Ver-
Fertigungsverfahren ĺ  Produktions- fahren zur Bewertung von Vermögensge-
verfahren. genständen. Es werden gleich bleibende
Festbeträge für Arznei- und Verband- Mengen und gleich bleibende Werte an-
mittel  –  Obergrenzen für den Apothe- gesetzt, wenn der Bestand in seiner
kenabgabepreis, bis zu denen die gesetz- Größe, seinem Wert und seiner Zusam-
lichen ĺ  Krankenkassen die Kosten für mensetzung nur geringen Veränderungen
bestimmte Arznei- und Verbandmittel unterliegt. Nach dem ĺ  Handelsgesetz-
erstatten. Der Gemeinsamer Bundesaus- buch (HGB) ist die Festwertbewertung für
schuss (G-BA) als höchstes Gremium der Vermögensgegenstände des Sachanlage-
gemeinsamen Selbstverwaltung von Ärz- vermögens und für Roh-, Hilfs- und Be-
ten und Krankenkassen legt einmal im triebsstoffe, die regelmäßig ersetzt wer-
Jahr die Höhe der Festbeträge fest. Wer- den und in ihrem Gesamtwert für das
den Arznei- oder Verbandmittel mit ei- Unternehmen von nachrangiger Bedeu-
nem höheren Preis verschrieben, muss tung sind, zulässig.  Nach den Internatio-
der Patient die Differenz zwischen Fest- nal Financial Reporting Standards (IFRS)
betrag und tatsächlichem Preis (Aufzah- (ĺ  International Accounting Standards
lung)  plus die normale ĺ  Zuzahlung Board (IASB)) und den ĺ United States
Festzinssatz 194

Generally Accepted Accounting Princip- (ĺ  Verbrauchsfolgeverfahren). Deswe-


les ĺ (ĺ US-GAAP ĺ ) ist die Festwert- gen werden bei der Bewertung der End-
bewertung jedoch unzulässig. bestände die Preise der letzten Einkäufe
Festzinssatz  –  Zinssatz eines ĺ  Darle- zugrunde gelegt.  –  Steuerliche Anerken-
hens oder einer Vermögensanlage, der für nung nur möglich, wenn Fifo auch der
eine bestimmte Laufzeit festgeschrieben tatsächlichen Verbrauchsreihenfolge ent-
ist und nicht geändert werden darf. Nach spricht. – Vgl. auch ĺ Steuerbilanz.
Ablauf der Frist muss die Höhe des Zins- Filialbetrieb ĺ Filiale.
satzes neu vereinbart werden.  –  Gegen- Filiale  –  Filialbetrieb. Einzelne ĺ  Be-
satz: ĺ variabler Zinssatz. triebsstätte einer ĺ  Filialunterneh-
Festzinstender ĺ Tenderverfahren. mung (insbes. im ĺ  Handel). Die Filia-
Feuer-Sachversicherung ĺ Feuerversi- len stehen unter einer einheitlichen Lei-
cherung. tung. – Anders: ĺ Zweigniederlassung.

Feuerversicherung  –  Versicherung für Filialist ĺ Filialunternehmung.


Schäden durch Brand, Blitzschlag, Explo- Filialunternehmung  –  Filialist. Unter-
sion und durch Absturz eines Flugkör- nehmung mit mind. fünf räumlich ge-
pers und seiner Teile oder seiner Ladung trennten Niederlassungen (ĺ  Filia-
und durch Löschen, Niederreißen oder len), die unter einheitlicher Leitung ste-
Ausräumen infolge eines dieser Ereig- hen. Verkaufsfilialen des Einzelhandels
nisse. Die einzelnen Gefahren werden in unterhalten sowohl Hersteller bei direk-
den Versicherungsbedingungen z.T. ab- tem Verkauf (ĺ  Factory-Outlets) und
weichend vom allg. Sprachgebrauch de- ĺ  Großhandelsunternehmung als auch
finiert. Gegenstand der Feuerversiche- große ĺ  Einzelhandelsunternehmungen
rung sind entweder Sachen wie z. B. Ge- (z. B. ĺ Disounter, ĺ Warenhäuser). We-
bäude, Maschinen, Vorräte und Hausrat gen räumlich begrenzter Einzugsgebiete
(Feuer-Sachversicherung) oder Erträge aus der ĺ  Standorte von Verkaufsfilialen
der Nutzung von Sachen (Feuer-Betriebs- sind  Filialunternehmungen durch groß-
unterbrechungsversicherung). räumige Filialnetze bes. im Lebensmit-
Fifo  –  Fifo-Verfahren. 1.  Allge- teleinzelhandel verbreitet.
mein:   –  Kurzbezeichnung für First-in- Finance Leasing  –  Finanzierungsleasing.
first-out, Prioritätsprinzip in der Warte- Form des ĺ Leasings mit einer mittel- bis
schlangentheorie, nach dem zuerst an- langfristigen Vertragslaufzeit. Es wird eine
kommende Transaktionen zuerst bedient Grundmietzeit festgelegt, während der
werden. Angewandt u.a. in der ĺ  Rei- das Vertragsverhältnis von den Vertrags-
henfolgeplanung.  –  Vgl. auch ĺ  Hifo, parteien nicht gekündigt werden kann.
ĺ  Lifo, ĺ  Lofo.  –  2.  Handels-/Steuer- Die Grundmietzeit beträgt i.d.R. zwi-
recht: Verfahren zur Bewertung gleichar- schen 50 und 75 % der betriebsgewöhn-
tiger Gegenstände des Vorratsvermögens. lichen Nutzungsdauer des Leasinggegen-
Beim Fifo-Verfahren wird unterstellt, dass stands. Das  Finance Leasing wird auf-
die zuerst gekauften Waren auch zuerst grund der relativ langen Grundmietzeit
verbraucht oder weiter veräußert werden i.d.R. zur Finanzierung sehr spezieller, auf
195 Finanzausgleich

die Wünsche des Leasingnehmers abge- des ĺ  Forums für Finanzmarktstabilität


stellte Leasinggegenstände (z. B. Spezial- (FSF).
maschinen) genutzt. – Gegensatz: ĺ Ope-
Finanzamt  –  örtliche Landesfinanzbe-
rate Leasing.
hörde (ĺ  Finanzverwaltung). Die Zu-
Financial Accounting Standards Board ständigkeit eines  Finanzamts ergibt sich
(FASB) – US-amerikanische unabhängige aus dem Wohnsitz des ĺ  Steuerpflichti-
Organisation, die Standards für die Rech- gen oder aus dem Sitz der Geschäftslei-
nungslegung privater Gesellschaften erar- tung. Das Finanzamt führt das gesamte
beitet und herausgibt. Sie wurde 1972 ge- Besteuerungsverfahren von der Steuer-
gründet. Hauptorgan ist das Board, das veranlagung (ĺ  Veranlagung) bis zur
aus sieben hauptberuflichen Mitarbeitern Steuererhebung oder bis zur Vollstre-
besteht. Diese werden für sieben Jahre be- ckung der Steuerschuld durch.
stellt und dürfen während ihrer Board-Tä- Finanzanalyse – Analyse der wirtschaft-
tigkeit keiner weiteren beruflichen Tätig- lichen Lage eines Unternehmens. Die
keit nachgehen. Das FASB wird von der Analyse erfolgt v.a. im Hinblick auf die zu-
Financial Accountig Foundation finanziert künftige Erfolgsermittlung und die Zah-
und überwacht. Die Financial Accoun- lungsfähigkeit (ĺ Liquidität). Grundlage
ting Foundation ist eine Stiftung, die von der Finanzanalyse sind Daten der ĺ Bi-
den wichtigsten Berufsorganisationen aus lanz, der ĺ  Gewinn- und Verlustrech-
dem Bereich des Rechnungswesens getra- nung (GuV), des ĺ  Geschäftsberichts,
genen wird. – Das FASB veröffentlicht: (1) der Branche und der konjunkturellen Ent-
Statements of Financial Accounting Stan- wicklung. – Eine durch das Unternehmen
dards (SFAS): Verlautbarungen zu Rech- selbst durchgeführte Analyse (interne Fi-
nungslegungsproblemen; (2) Statements nanzanalyse) soll Planungs- und Kont-
of Financial Standards Concept (SFAC): rollinformationen für Entscheidungen
Verlautbarungen zu übergeordneten Zie- der Unternehmensleitung zur Verfügung
len und Definitionen der Rechnungsle- stellen. Eine von unternehmensexternen
gung; (3) Interpretations: Veröffentlichun- Personen durchgeführte Analyse (externe
gen zu Einzelfragen und Interpretatio- Finanzanalyse) bildet die Grundlage für
nen der Standards; (4) Technical Bulletins: Entscheidungen wie der Kauf einer Betei-
Richtlinien zu aktuellen Problemen der ligung, die Gewährung eines ĺ Lieferan-
Rechnungslegung.  –  Die SFAS und die tenkredits oder eines ĺ Darlehens.
SFAC durchlaufen den sog. Due Process.
Dies ist ein standardisiertes Verfahren zur Finanzanlagen – Teil des ĺ Anlagever-
Verabschiedung von Rechnungslegungs- mögens, der auf Dauer finanziellen Anla-
grundsätzen, bei dem interessierte Perso- gezwecken dient. Hierzu gehören Beteili-
nen und Gruppen ihre Vorstellungen ein- gungen, Ausleihungen an Beteiligungs-
bringen können. unternehmen sowie langfristig gehaltene
ĺ  Wertpapiere.  –  Anders: ĺ  Sachanla-
Financial Future ĺ Future. gen, ĺ immaterielle Wirtschaftsgüter.
Financial Stability Board (FSB)  –  Fi- Finanzausgleich  –  Regelungen zur
nanzstabilitätsrat, Nachfolgeorganisation Verteilung öffentlicher Aufgaben und
Finanzbedarf 196

Ausgaben sowie der Einnahmen in ei- Mischsystem. D.h., es gibt Steuern, die nur
nem Staat mit einem gegliederten Auf- einer Ebene zustehen (ĺ Bundessteuern,
bau (ĺ  Föderalismus). Im Rahmen ĺ  Landessteuern, ĺ  Gemeindesteuern)
des passiven  Finanzausgleichs werden und solche, die mehreren Ebenen zuste-
den einzelnen Ebenen die für sie ge- hen (ĺ Gemeinschaftsteuern). Es erfolgt
eigneten Aufgaben und die damit ver- ein ergänzender Finanzausgleich zwi-
bundenen Ausgaben zugeordnet.  –  Er- schen Bund und Ländern, zwischen den
folgt die Aufgabenverteilung auf ĺ  Ge- Ländern untereinander (ĺ Länderfinan-
bietskörperschaften gleicher Ebene, wird zausgleich), zwischen Land und Kom-
dies als horizontaler  Finanzausgleich be- munen sowie zwischen den Kommunen
zeichnet. Handelt es sich dagegen um untereinander (kommunaler Finanzaus-
Körperschaften auf verschiedenen Ebe- gleich).
nen (Bund, Länder, Gemeinden), spricht Finanzbedarf ĺ Finanzausgleich, ĺ Ka-
man von einem vertikalen Finanzaus- pitalbedarf.
gleich.  –  Für die Verteilung der Einnah-
men (aktiver Finanzausgleich) stehen un- Finanzblase ĺ Bubbles.
terschiedliche Systeme zur Verfügung: (1) Finanzbuchhaltung  –  Geschäftsbuch-
Trennsystem (Konkurrenzsystem): Jede haltung, kaufmännische Buchhaltung, Pa-
Körperschaft verfügt über eigene Einnah- gatorische Buchhaltung. Teil des ĺ Rech-
mequellen; d.h., sie erhebt eigene Steu- nungswesens, der die Zahlungsvorgänge
ern. (2) Mischsystem: Beim Zuschlagssys- eines Unternehmens erfasst. Die Finanz-
tem besitzt eine Körperschaft die Steuer- buchhaltung liefert das Zahlenmaterial
hoheit, eine andere hat jedoch das Recht, für die Erstellung des ĺ Jahresabschlus-
prozentuale Zuschläge auf die Steuer- ses (ĺ Bilanz und ĺ Gewinn- und Ver-
schuld oder Bemessungsgrundlage zu er- lustrechnung (GuV)). Jeder Kaufmann
heben. Beim Verbundsystem erhebt eine ist zur  Finanzbuchhaltung verpflich-
Körperschaft die Steuer, an der die an- tet. – Vgl. auch ĺ Betriebsbuchhaltung.
dere mit einem festgelegten Anteil betei-
ligt ist. (3) Zuweisungssystem: Die oberste Finanzderivate ĺ Derivate.
Ebene besitzt die alleinige Steuerhoheit. Finanzdienstleistungen  –  Sammelbe-
Die unteren Ebenen werden über Zah- griff für Leistungen, die von Kreditinsti-
lungen an den Einnahmen beteiligt. – Der tuten und Organisationen wie Bauspar-
ergänzende oder sekundäre  Finanzaus- kassen oder Kreditkartenorganisationen
gleich regelt, wie der nach der Verteilung angebotenen werden. Nach dem Kredit-
der Einnahmen verbleibende Ausgleichs- wesengesetz (KWG) zählen folgende Leis-
bedarf gedeckt wird. Der Ausgleichsbe- tungen zu den Finanzdienstleistungen: (1)
trag ist die Differenz zwischen Steuerein- Anlagevermittlung: Vermittlung von Ge-
nahmen und Finanzbedarf. Beim Aus- schäften über die Anschaffung und Ver-
gleichsbedarf werden Zahlungen an eine äußerung von ĺ Finanzinstrumenten; (2)
andere Körperschaft berücksichtigt.  –  In Anlageberatung: Abgabe von persönlichen
Deutschland ist die Verteilung der Steue- Empfehlungen an Kunden oder deren
reinnahmen im ĺ Grundgesetz (GG) ge- Vertreter, die sich auf Geschäfte mit be-
regelt. Danach gelten das Trenn- und das stimmten Finanzinstrumenten beziehen;
197 Finanzhilfe

(3) Platzierungsgeschäft: Platzieren von Geschäftsbetrieb erfordert, und das kein


Finanzinstrumenten ohne feste Übernah- ĺ  Kreditinstitut ist.  Finanzdienstleis-
meverpflichtung; (4) Abschlussvermitt- tungsinstitute sind v.a. Anlagevermitt-
lung: Anschaffung und Veräußerung von ler, Vermögensverwalter und Wertpapier-
Finanzinstrumenten im fremden Namen handelsbanken.  Finanzdienstleistungs-
für fremde Rechnung; (5) Finanzportfoli- institute unterliegen wie Kreditinstitute
overwaltung: Verwaltung einzelner in Fi- der Aufsicht durch die ĺ  Bundesanstalt
nanzinstrumenten angelegter Vermögen für Finanzdienstleistungsaufsicht (Ba-
für andere mit Entscheidungsspielraum; Fin). – Weitere Informationen unter www.
(6) Eigenhandel: Anschaffung und Ver- bafin.de.
äußerung von Finanzinstrumenten für
Finanzflussrechnung ĺ  Kapitalfluss-
eigene Rechnung als Dienstleistung für
rechnung.
andere; (7) Eigengeschäft: Anschaffung
und Veräußerung von Finanzinstrumen- Finanzgericht  –  erste Instanz der Fi-
ten für eigene Rechnung; (8) Drittstaa- nanzgerichtsbarkeit in den Ländern. Es
teneinlagenvermittlung: Vermittlung von besteht aus dem Präsidenten, den Vor-
ĺ Einlagengeschäften mit Unternehmen sitzenden Richtern und weiteren Rich-
mit Sitz außerhalb des ĺ  Europäischen tern.  Finanzgerichte sind zuständig für
Wirtschaftsraums (EWR); (9) Factoring: öffentlich-rechtliche Streitigkeiten mit
der laufende Ankauf von Forderungen auf Finanzbehörden im Bereich der ĺ Abga-
der Grundlage von Rahmenverträgen mit ben und in anderen in der Finanzgerichts-
oder ohne Rückgriff; (10) Sortengeschäft: ordnung geregelten Fällen sowie für Be-
Handel mit Sorten; (11) Finanzierungs- rufsrechtsstreitigkeiten der ĺ  Steuerbe-
leasing: Abschluss von Finanzierungslea- rater. –  Finanzgerichte entscheiden i.d.R.
singverträgen als Leasinggeber und die nach mündlicher Verhandlung durch
Verwaltung von Objektgesellschaften; ĺ  Urteil.  Finanzgerichte können aber
(12) Anlageverwaltung: Anschaffung und auch ohne mündliche Verhandlung ei-
Veräußerung von Finanzinstrumenten nen Gerichtsbescheid erlassen. – Gegen
für eine Gemeinschaft von Anlegern, die Urteile des  Finanzgerichts ist die ĺ  Re-
natürliche Personen sind. – Weitere Infor- vision möglich, wenn das  Finanzgericht
mationen unter www.bafin.de. oder der ĺ  Bundesfinanzhof (BFH) auf
Beschwerde der Nichtzulassung eine Re-
Finanzdienstleistungsaufsicht ĺ  Bun-
vision zugelassen hat. Gegen andere Ent-
desanstalt für Finanzdienstleistungsauf-
scheidungen ist die ĺ Beschwerde beim
sicht (BaFin), ĺ Europäische Wertpapier-
BFH statthaft.
und Marktaufsichtsbehörde (ESMA) .
Finanzgerichtsbarkeit ĺ Gerichte.
Finanzdienstleistungsinstitut  –  Begriff
aus dem Kreditwesengesetz (KWG). Ein Finanzhilfe  –  1.  ĺ  Zuweisung (Aus-
Finanzdienstleistungsinstitut ist ein Un- gleichszuweisung oder Lenkungszuwei-
ternehmen, das ĺ  Finanzdienstleistun- sung), die der Bund den Ländern und
gen i.S.d. KWG für andere erwerbsmäßig Gemeinden für bes. wichtige Investitio-
oder in einem Umfang erbringt, der einen nen gewähren kann.  Finanzhilfen wer-
in kaufmännischer Weise eingerichteten den gezahlt (1) zur Abwehr einer Störung
Finanzhoheit 198

des gesamtwirtschaftlichen Gleichge- Finanzierungsregeln  –  Sollvorschrif-


wichts, (2) zum Ausgleich unterschied- ten für die Zusammensetzung des Kapi-
licher Wirtschaftskraft im Bundesgebiet tals eines Unternehmens. Finanzierungs-
und (3) zur Förderung des Wirtschafts- regeln gehen davon aus, dass die ĺ  Li-
wachstums.  –  2.  Staatliche Ausgabe mit quidität eines Unternehmens durch ihre
dem Charakter einer ĺ  Subvention. – Einhaltung sichergestellt ist. Zu unter-
Vgl. auch ĺ Finanzausgleich. scheiden sind: (1) horizontale Finanzie-
rungsregeln: Regeln hinsichtlich der Kapi-
Finanzhoheit  –  Befugnis zur selbststän-
talstruktur. Dazu zählen v.a. die sog. Gol-
digen Regelung der eigenen öffentlichen
dene Finanzierungsregel, nach der sich die
Finanzen sowie zur Begrenzung der fi-
Fristen zwischen Kapitalbeschaffung und
nanzwirtschaftlichen Rechte der übrigen
-rückzahlung sowie Kapitalverwendung
Körperschaften. Sie umfasst die ĺ  Ge-
entsprechen sollen. Ein weiteres Bsp. ist
setzgebungskompetenz, ĺ  Verwal-
die sog. ĺ Goldene Bilanzregel. (2) Ver-
tungshoheit und ĺ  Steuerertragshoheit
tikale Finanzierungsregeln: Vorgaben, die
über öffentliche Einnahmen (ĺ öffentli-
ein bestimmtes Verhältnis von Eigen- und
che Ausgaben/Einnahmen), inbes. Steue-
Fremdkapital festlegen.
reinnahmen.
Finanzierung  –  Maßnahmen zur Be- Finanzierungsschätze – vom Bund aus-
schaffung von Eigen- und Fremdkapital: gegebene ĺ  Anleihen. Sie haben ei-
(1) ĺ Außenfinanzierung und (2) ĺ In- nen Mindestnennwert von 500 Euro
nenfinanzierung. (ĺ  Nennwert). Ihre Laufzeiten betragen
ein oder zwei Jahre (Typ 1 oder 2). Finan-
Finanzierungsgemeinschaft ĺ  Inter-
zierungsschätze werden abdiskontiert be-
essengemeinschaft.
geben (Diskontpapiere), d.h., der Anleger
Finanzierungsgesellschaft – Unterneh- zahlt den Anlagebetrag abzüglich Zinsab-
men, das für nah stehende Unternehmen schlag (ĺ  Diskont) und erhält am Ende
Finanzierungsmittel beschafft.  Finanzie- der Laufzeit den Nennbetrag zurück.  Fi-
rungsgesellschaften übernehmen keinen nanzierungsschätze werden nicht an der
Zahlungsverkehr. Sie kaufen ĺ  Aktien Börse gehandelt. Sie können während der
und ĺ  Anleihen i.d.R. zwecks dauern- Laufzeit nicht an den Bund zurückgege-
der Übernahme oder zum Weiterverkauf. ben werden.  Finanzierungsschätze wer-
Der Kauf wird mit Mitteln finanziert, die den in das ĺ  Bundesschuldbuch einge-
sie durch eigene ĺ Emissionen erwerben. tragen.
Finanzierungskosten  –  Kapitalkosten.
Finanzinstitute ĺ  monetäre Finanzins-
ĺ  Kosten, die bei der Beschaffung von
titute (MFI).
ĺ Eigenkapital und ĺ Fremdkapital ein-
malig und laufend anfallen. Dazu zählen
Finanzinstrumente  –  Sammelbegriff
hauptsächlich die Kosten der Kapitalbe-
nach dem Kreditwesengesetz (KWG) für
schaffung (z. B. Provisionen) und die Kos-
ĺ  Wertpapiere, ĺ  Geldmarktpapiere,
ten der Kapitalnutzung (z. B. Zinskosten).
ĺ Devisen oder Rechnungseinheiten so-
Finanzierungsleasing ĺ Leasing. wie ĺ Derivate.
199 Finanzplanung

Finanzinvestition  –  Erwerb von Forde- ĺ  Wettbewerbsbeschränkung). Ein Fi-


rungs- und Beteiligungsrechten (ĺ Kapi- nanzmonopol wird verwaltet durch eine
talbeteiligung). – Vgl. auch ĺ Investition. Monopolbehörde (Monopolamt), die zu-
gleich die Monopolsteuer auf die Waren
Finanzmanagement  –  Planung, Steu-
erhebt.  –  2.  Finanzmonopole in Deutsch-
erung und Kontrolle aller betrieblichen
land: Die ausschließliche Gesetzgebung
Zahlungsströme. Das Finanzmanagement
über die Finanzmonopole steht nach dem
umfasst alle Finanz- und Investitionsent-
ĺ  Grundgesetz (GG) dem Bund zu. In
scheidungen.  –  Ziele des  Finanzmanage-
der Bundesrepublik Deutschland existiert
ments sind v.a. die Sicherung und Erhal-
nur noch das am 31.12.2017 auslaufende
tung der ĺ Liquidität sowie die Maximie-
ĺ Branntweinmonopol, das von der Bun-
rung der ĺ  Rentabilität.  –  Im Rahmen
desmonopolverwaltung für Branntwein
des strategischen  Finanzmanagements er-
(BfB) verwaltet wird.  Das frühere Zünd-
folgt die langfristige Planung, Steuerung
warenmonopol wurde 1982 abgeschafft.
und Kontrolle der Erfolgs- und Risikopo-
sitionen des Unternehmens, v.a. die Ka- Finanzplan – 1. Finanzwissenschaft: Auf-
pitalverteilung und Kapitalstrukturie- stellung der Einnahmen und Ausgaben
rung. – Das operative Finanzmanagement von Bund, Länder und Gemeinden für
dagegen besteht im Wesentlichen aus der einen längeren Zeitraum. Im Gegensatz
Sicherung der Zahlungsfähigkeit. Ein zum ĺ Haushaltsplan, der als Gesetz ver-
wichtiges Instrument des Finanzmanage- abschiedet wird, ist der Finanzplan recht-
ments ist die ĺ  Finanzanalyse. Auf der lich nicht verbindlich.  –  2.  Betriebswirt-
Grundlage der Finanzanalyse können die schaft: zukunftsbezogene Rechnung, die
Finanz- und Investitionsentscheidungen für einen Planungszeitraum für jede Teil-
an die relevanten Einflussfaktoren ange- periode (Tag, Woche, Monat, Quartal,
passt werden. Jahr) Ein- und Auszahlungen unsaldiert
gegenüberstellt. Der  Finanzplan ist ein
Finanzmarkt  –  Kreditmarkt, monetärer
Instrument der operativen ĺ Finanzpla-
Markt. Markt, auf dem ĺ  Finanzinstru-
nung und dient vorrangig der Sicherung
mente gehandelt werden. Zu unterschei-
der ĺ Liquidität.
den sind folgende Arten von Finanzmärk-
ten: (1) ĺ Geldmarkt und (2) ĺ Kapital- Finanzplanung  –  1.  Betriebswirtschaft:
markt. Teilgebiet der ĺ Unternehmensplanung.
Prozess der zielgerichteten, d.h. an der
Finanzmarktkrise ĺ Bankenkrise.
ĺ  Liquidität, ĺ  Rentabilität und an Ri-
Finanzmonopol  –  1.  Begriff: Allei- sikozielen ausgerichteten Gestaltung zu-
nige Befugnis des Staates, zu Einnah- künftiger Finanzentscheidungen.  –  Die
mezwecken bestimmte Waren als ab- operative Finanzplanung umfasst die voll-
soluter Monopolist (ĺ  Monopol) her- ständige, zeitpunkt- und betragsgenaue
zustellen und/oder zu vertreiben. Aus Prognose von Ein- und Auszahlungen
fiskalischen und/oder aus wirtschaftspo- zur Gestaltung zukünftiger Finanzent-
litischen Gründen nimmt der Staat einen scheidungen, die Ermittlung des zukünf-
völligen Ausschluss des freien ĺ  Wett- tigen Finanzbedarfs sowie die Bestim-
bewerbs vor (Bsp. für eine staatliche mung der Art, Höhe und Zeitpunkte von
Finanzpolitik 200

Finanzierungsmaßnahmen. Ergebnis der des ĺ  Forums für Finanzmarktstabilität


Finanzplanung ist der ĺ Finanzplan. – In (FSF).
der strategischen  Finanzplanung werden
Finanzterminkontrakt ĺ Future.
die Rahmendaten der rentabilitäts- und
risikoorientierten Finanzentscheidungen Finanztransaktionssteuer  –  geplante
festgelegt.  –  2.  Volkswirtschaft: ĺ  Haus- Kapitalverkehrssteuer, mit welcher der
haltsplan, ĺ  mittelfristige Finanzpla- Wert  börslicher und außerbörslicher Fi-
nung. nanztransaktionen (nach Art der Umsatz-
Finanzpolitik  –  Teilgebiet der Wirt- steuer) besteuert werden soll. Diskutiert
schaftspolitik, das sich mit Einnahmen, wird ein Steuersatz von 0,01 bis  0,1 %. –
Ausgaben und Vermögen der öffentli- Ziele der Einführung einer Transaktions-
chen Hand (ĺ  öffentliche Ausgaben/ steuer  sind (1)  der Stabilisierungseffekt
Einnahmen) beschäftigt.  –  Die Zielset- durch die Eindämmung kurzfristiger und
zungen der  Finanzpolitik können zu fol- hochvolumiger Spekulationsgeschäfte,
genden Bereichen zusammengefasst wer- die sich aufgrund der Transaktionskoste-
den: (1) fiskalpolitisches Ziel: Sicherung nerhöhung kaum noch lohnen, und (2)
der staatlichen Einnahmen; (2) allokati- die Steuermehreinnahmen, mit denen sich
onspolitisches Ziel: Veränderung der Res- die bisherige Belastung der Steuerzahler
sourcenverteilung, z. B. zwischen Staat durch die Kosten der staatlichen Stabilise-
und Privaten oder innerhalb des Staa- rung der Finanzmärkte ausgleichen ließe.
tes; (3) verteilungspolitisches Ziel: Korrek- Finanzunternehmen  –  Unternehmen
tur der Einkommensverteilung unter so- nach dem Kreditwesengesetz (KWG), die
zialen Gesichtpunkten, z. B. durch Trans- keine ĺ Kreditinstitute, ĺ Finanzdienst-
ferleistungen; (4) stabilisierungspolitisches leistungsinstitute, Kapitalanlagegesell-
Ziel: Förderung des Wirtschaftswachs- schaften oder ĺ Investmentaktiengesell-
tums durch gezielte konjunkturelle Im- schaften sind. Ihre Haupttätigkeit besteht
pulse. – Als Instrumente der Finanzpolitik vielmehr darin, (1) Beteiligungen zu er-
stehen zur Verfügung: (1) Einnahmenpo- werben und zu halten, (2) Geldforderun-
litik: Erhöhung oder Senkung der Steu- gen entgeltlich zu erwerben, (3) Leasing-
ersätze, Einführung neuer Steuern und objektgesellschaft zu sein, (4) mit ĺ  Fi-
staatliche Kreditaufnahme; (2) Ausgaben- nanzinstrumenten für eigene Rechnung
politik: Einsparungen und Umschichtun- zu handeln, (5) andere bei der Anlage in
gen bei der Finanzierung von Konjunk- Finanzinstrumente zu beraten, (6) Un-
tur- und Beschäftigungsprogrammen, ternehmen über die Kapitalstruktur, in-
Subventionierung, Zahlung von Transfer- dustrielle Strategie, bei Zusammenschlüs-
leistungen. – Träger der Finanzpolitik sind sen und Übernahmen zu beraten und ih-
v.a. Bund, Länder und Gemeinden sowie nen Dienstleistungen anzubieten sowie
die ĺ Europäische Union (EU). (7) Darlehen zwischen Kreditinstituten zu
Finanzportfolioverwaltung ĺ  Finanz- vermitteln.
dienstleistungen. Finanzverwaltung  –  alle Behörden,
Finanzstabilitätsrat (FSB) – Financial Sta- die auf der Grundlage des Finanzver-
bility Board (FSB), Nachfolgeorganisation waltungsgesetzes (FVG) ĺ  Abgaben
201 Firma

einziehen und verwalten.  –  1.  Bundesfi- Haushaltsaufstellung, Einnahmen- und


nanzverwaltung: a) Oberste Behörde ist das Ausgabenpolitik). b) Probleme der Bud-
Bundesministerium der Finanzen (BMF). getbestimmung (normative Theorie der
b) Oberbehörden: (1) Bundesmonopolver- Finanzwissenschaft): Die  Finanzwissen-
waltung für Branntwein (BfB) (ĺ Brannt- schaft geht dabei von einem durch die
weinmonopol), (2) ĺ  Bundeszentralamt gesellschaftliche Struktur und die poli-
für Steuern (BZSt), (3) Bundesamt für tischen Entscheidungsinstanzen gesetz-
Zentrale Dienste und offene Vermögens- ten Zielsystem aus und untersucht, wie
fragen (BADV), (4) ĺ Bundesanstalt für das optimale ĺ Budget gestaltet sein soll.
Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin), Das Zentralproblem ist, wie eine optimale
(5) Bundesanstalt für Immobilienaufga- Aufteilung der Produktivkräfte und eine
ben (BAfI), (6) Bundesanstalt für verei- gerechte ĺ  Einkommensverteilung er-
nigungsbedingte Sonderaufgaben (BvS). reicht werden kann, d.h. welche spezifi-
c) Mittelbehörden:Bundesfinanzdirek- schen öffentlichen Bedürfnisse befriedigt
tionen, ĺ  Oberfinanzdirektionen und werden sollen und wer dafür zu zahlen
das Zollkriminalamt (ZKA) d) Ortsbe- hat. Die Theorie der öffentlichen Verschul-
hörden: Hauptzollämter, Zollfahndungs- dung (ĺ öffentliche Kreditaufnahme) ist
ämter.  –  2.  Landesfinanzverwaltung: a) darin ebenfalls enthalten. c) Wirkungen
Oberste Behörden: Landesfinanzministe- der Budgetpolitik: Die ĺ  Inzidenz der
rien bzw. Finanzsenatoren. b) Mittelbe- budgetpolitischen Maßnahmen auf mik-
hörden: Oberfinanzdirektionen (Landes- roökonomischer Basis (Reaktion der Un-
abteilungen). c) Ortsbehörden: ĺ Finanz- ternehmen und Haushalte auf Verände-
ämter. rungen von ĺ  öffentlichen Ausgaben/
Einnahmen) und deren Einkommens-
Finanzwechsel ĺ  Wechsel, der nur der
verteilungswirkungen (mikro- und mak-
Geldbeschaffung dient. Dem  Finanz-
roökonomische Steuerüberwälzung) steht
wechsel liegt kein Waren- oder Dienstleis-
hier im Mittelpunkt der Untersuchungen.
tungsgeschäft zugrunde.  Finanzwechsel
Darunter fallen auch konjunktur- und
kommen z. B. im Rahmen von ĺ Akzept-
wachstumspolitisch motivierte Analysen
krediten vor.  –  Gegensatz: ĺ  Handels-
der Staatstätigkeit. – Vgl. auch ĺ Finanz-
wechsel.
politik.
Finanzwissenschaft – 1.  Begriff: Bereich
Finanzzuweisung ĺ Zuweisung.
der Volkswirtschaftslehre. Im Rahmen
der Finanzwissenschaft wird das wirt- Firma – rechtlicher Name, unter dem ein
schaftliche Handeln des Staates analy- ĺ  Kaufmann seine Geschäfte betreibt
siert. – 2.  Hauptbereiche: a) Ökonomische und mit dem er unterschreibt, klagt und
Theorie der öffentlichen Haushalte (posi- verklagt werden kann. Die  Firma muss
tive Theorie der Finanzwissenschaft): Die seitens des Kaufmanns zur Eintragung
Finanzwissenschaft liefert systematische im ĺ  Handelsregister angemeldet wer-
Aussagen über die Funktionsweise des den. Es steht den Kaufleuten und Han-
öffentlichen Sektors, Zielsetzungen der delsgesellschaften frei, Personen-, Sach-
Budgetpolitik, institutionelle und funkti- oder Fantasiefirmen zu wählen. Fremd-
onelle Regelungen (ĺ  Finanzausgleich, sprachliche  Firmen sind nur begrenzt
Firmengründung 202

zulässig.  –  Handelsgesellschaften müs- Nachweis der tatsächlichen Kosten mit


sen die Rechtsform durch einen entspre- Hilfe eines Fahrtenbuchs erfolgen.
chenden Firmenzusatz oder eine ver-
ständliche Abkürzung erkennen lassen Firmenwert –  Geschäftswert. Betrag, den
(z. B. AG, KG und GmbH).  –  Die  Firma ein Käufer bei Übernahme einer ĺ  Un-
eines Einzelkaufmanns muss die Bezeich- ternehmung als Ganzes unter der Berück-
nung „eingetragener Kaufmann“, „ein- sichtigung künftiger Ertragserwartun-
getragene Kauffrau“, „e.K.“, „e.Kfm. oder gen (ĺ  Ertragswert, ĺ  Unternehmens-
„e.Kfr.“ führen. – Nach dem ĺ Handels- bewertung) über den Wert der einzelnen
gesetzbuch (HGB) gelten folgende Grund- Vermögensgegenstände hinaus nach Ab-
sätze der Firmenbildung: (1) Firmenaus- zug der ĺ  Schulden (ĺ  Substanzwert)
schließlichkeit: Die  Firma muss sich klar zu zahlen bereit ist (Unternehmensmehr-
von anderen abgrenzen, um Verwechs- wert). Ist der Ertragswert höher als der
lungen auszuschließen. (2) Firmenbestän- Substanzwert, wird dies als Goodwill,
digkeit: Nach einem Inhaberwechsel kann ist er niedriger, als ĺ  Badwill bezeich-
die Firma durch den neuen Inhaber fort- net.  –  Firmenwertbildende Faktoren sind
geführt werden. Dazu muss der bishe- z. B. gutes Management, effiziente Her-
rige Inhaber oder der ausscheidende Ge- stellungsverfahren, Facharbeiterstamm,
sellschafter, dessen Name Bestandteil der verkehrsgünstige Lage, Stammkund-
Firma ist, der Fortführung zustimmen. schaft, etc. Im Handels- und Steuerrecht
Ein Verkauf nur der  Firma ist nicht zu- werden unterschieden: (1) Originärer Fir-
lässig. (3) Firmeneinheit: Ein Unterneh- menwert: Dies ist der selbst geschaffene
men darf nur als eine Firma geführt wer- Firmenwert. Er wird als Differenz von
den. (4) Firmenwahrheit: Die  Firma darf Ertrags- und Substanzwert berechnet.
keine irreführenden Angaben enthalten. Der Ansatz des originären  Firmenwer-
Sie muss bestimmte rechtlich vorgeschrie- tes ist weder handels- noch steuerrecht-
bene Firmenzusätze enthalten und Haf- lich zulässig. (2) Derivativer Firmenwert:
tungsbeschränkungen deutlich machen. Dies ist der durch Kauf erworbene Fir-
menwert. Er wird als Differenz zwischen
Firmengründung ĺ Gründung. Kaufpreis und Substanzwert berechnet.
Nach den handelsrechtlichen Vorschrif-
Firmenlogo ĺ Logo.
ten darf nur der derivative  Firmenwert
Firmentarifvertrag ĺ Tarifvertrag. in der Bilanz angesetzt werden. Er muss
in den folgenden Geschäftsjahren jeweils
Firmenwagen –  Dienstwagen. Kraftfahr- zu mind. einem Viertel oder aber plan-
zeug (Kfz), das ein ĺ Arbeitgeber einem mäßig auf die voraussichtliche Nutzungs-
ĺ  Arbeitnehmer im Rahmen des Ar- dauer abgeschrieben werden. Nach dem
beitsverhältnisses zur Nutzung überlässt. Steuerrecht ist der derivative Firmenwert
Wird vereinbart, dass das Kfz auch privat zu den ĺ  Anschaffungskosten (abzüg-
genutzt werden kann, ist dieser ĺ  geld- lich Absetzung für Abnutzung (AfA)) an-
werte Vorteil steuerpflichtig. Die Ver- zusetzen und über 15 Jahre abzuschrei-
steuerung kann nach der sog. ĺ Ein-Pro- ben. Der derivative  Firmenwert kann
zent-Regelung oder entsprechend dem auch nach den  International Financial
203 Fixkosten

Reporting Standards (IFRS) (ĺ Internati- Schritt  wurde mit dem am 1.1.2013 in


onal Accounting Standards Board (IASB) Kraft getretenen  Vertrag über Stabi-
und ĺ United States Generally Accepted lisierung, Koordinierung und Steue-
Accounting Principles (US-GAAP) abge- rung in der Wirtschafts- und Währungs-
schrieben werden. union (SKS-Vertrag) getan, der auch  ei-
Firmenzeichen ĺ Logo. nen Fiskalpakt (Fiscal  Compact) umfasst