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IMMANUEL KANT Kritik der reinen Vernunft VERLAG VON FELIX MEINER IN HAMBURG
IMMANUEL KANT
Kritik
der reinen Vernunft
VERLAG VON FELIX MEINER
IN HAMBURG
PHILOSOPHISCHE BIBLIOTHEK BAND 37 a Unveränderter Neudruck der von Raymund Schmidt besorgten Ausgabe (nach der
PHILOSOPHISCHE BIBLIOTHEK BAND 37 a
Unveränderter Neudruck der von Raymund Schmidt besorgten
Ausgabe (nach der zweiten durchgesehenen Auflage von 1930)
Alle Abweichungen zwischen den beiden Original-Ausgaben
(der
Ausgabe A = 1. Auflage VOn 1781 und der Ausgabe B
= 2. Auflage von 1787) sind im Text durch Kursivdruck
kenntlich gemacht, bei größeren Abweichungen auch unmittel-
bar einander gegenübergestellt.
©
FELIX MEINER
1956
Alle Reehte für die vorliegende Ausgabe, einsehl. des Ubersetzungs-
rechtes vorbehalten. Druck 1967: H. StÜrtZ AG., Würzburg.
Printed in Germany
Vorrede des Herausgebers Die vorliegende Neuausgabe des kritischen Grund- buches aller modernen Philosophie (auch
Vorrede des Herausgebers
Die vorliegende
Neuausgabe des kritischen
Grund-
buches aller modernen Philosophie (auch derjenigen,
die sich in
bewußter Abkehr von Kant befindet) ver-
dankt ihren Habitus der Reihe der "Philosophischen
Bibliothek", in welcher sie erscheint. In solcher Um-
gebung konnte es sich nicht darum handeln, die Kritik
wieder
einmal
einer
großen
Öffentlichkeit
so
darzu-
bieten,
daß
eine
schnelle
und
soweit
der
schwierige
Inhalt es gestattet - mühelose Besitzergreifung durch
den Leser möglich ist, sondern es mußte ein Text ge-
schaffen werden, der auch peinlicheren Ansprüchen
genügt, ein Text, der ohne auffallende Erschwerung der
Lesbarkeit wichtige Handhaben für ein gründliches
Studium der Entstehung und der Interpretation aller
einzelnen
Teile .renthält
Es war da;nicht eigentlich
vollständig und grundlegend Neues zu teisten, vielmehr
mußten alle in der gleichen Richtung bereits unter-
nommenen Versuche peinlich beachtet, und die Vorzüge
vieler Ausgaben in einer einzigen vereinigt wercl.el}
Selbstverständlich war es für einen solchen Zweck,
daß dem Druck der genaue Wortlaut beider Original-
ausgaben zugrundegelegt wurde. Mag der Streit um die
"Kanonisierung" der zweiten Ausgabe noch so end-
gültig für die Geschichtschreiber der kantischen Philo-
sophie entschieden sein, für denjenigen, der unbefangen
Kants Gedank~n und ihren Wandel an der Quelle stu-
dieren will, ist die erste Ausgabe auch heute noch so
VI Vorrede des Herausgebers wichtig wie die zweite. Der Herausgeber hat sich aus diesem Grunde
VI Vorrede des Herausgebers
wichtig
wie die zweite. Der Herausgeber hat sich aus
diesem Grunde bemüht, die Texte, soweit sie erheblich
voneinander abweichen, einander gegenüberzustellen, so
daß der mehr oder weniger einschneidende Charakter
der Umarbeit unmittelbar abgelesen werden kann.
Kleinere Abweichungen der 2. Auflage (B), soweit es
sich nur um Worte, Satzteile oder einzelne Sätze han-
delt, wurden im fortlaufenden Text kenntlich gemacht;
die ursprüngliche Fassung der 1. Auflage (A) findet
sich stets als. Note am Fuße der betreffenden Seite.
Herausgehoben sind die Abweichungen der beiden Ori-
ginalausgaben voneinander in allen Fällen durch kur-
siven Druck.
Besonders fruchtbar erweist sich die Konfrontierung
der beiden Einleitungen zu A und .B, weil sie deutlich
die Entstehung des zweiten Textes aus dem ersten er-
kennen läßt und Schlüsse zuläßt nicht nur auf die
Arbeitsweise Kants, sondern auch auf die Absichten,
die ihn bei der Neuausgabe leiteten. Dieser Vorzug
\ mag den Leser für den unschönen Eindruck einiger
unbedruckter Seitenteile entschädigen, der bei der un-
gleichen Länge der konfrontierten Stücke nicht zu
umgehen war. Selbstverständlich wurden zur besseren
Vergleichung mit den Originalen 'und mit anderen kri-
tischen Ausgaben die Originalpagierungen beider Aus-
gaben als Marginalien beigefügt.
Der Originaltext wurde auch in solchen Fällen bei-
behalten, wo er offensichtlich fehlerhaft ist. Bei der
Verschiedenheit und Unvereinbarkeit der Versuche zur
Textverbesserung durch mehrere Generationen von
Kantinterpreten, war häufig keine Möglichkeit ge-
geben, sich rückhaltlos für die eine oder für die andere
Version einzusetzen,
a:uch sollte
dem Leser selbst die
Entscheidung
über die notwendige Korrektur und die
Art ihrer Ausführung überlassen bleiben, im Gegen-
satz zu allen bekalmten kritischen Ausgaben, die dem
Leser ihre Lesart aufzwingen und Abweichungen
davon in einen schwer übersichtlichen Anhang verwei-
sen. Es wurden deshalb die Varianten der späteren
Vorrede Vorrede des des Herausgebers Herausgebers VII VII Bearbeiter in chronologischer Reihenfolge an den Fuß
Vorrede Vorrede des des Herausgebers Herausgebers
VII VII
Bearbeiter in chronologischer Reihenfolge an den Fuß
Bearbeiter in chronologischer Reihenfolge an den Fuß
der betreffenden Seite gesetzt und mit dem Namen des-
der betreffenden Seite gesetzt und mit dem Namen des-
jenigen signiert,
jenigen signiert, der
der
als
als
Erster die angeführten Vari-
Erster die angeführten Vari-
anten aufbrachte.
anten aufbrachte.
Diese
Diese Angaben über die Lesarten erheben Anspruch
Angaben über die Lesarten erheben Anspruch
auf Vollständigkeit nur soweit sie den Sinn der Stelle
auf Vollständigkeit nur soweit sie den Sinn der Stelle
treffen oder die Lesbarkeit erheblich fördern.
treffen
oder die Lesbarkeit erheblich fördern.
Von der
Von der
Anführung der zahlreichen Varianten zur Verbesserung
Anführung der zahlreichen Varianten zur Verbesserung
des Textes durch
des Textes
durch
Abänderung
Abänderung
der
der
Interpunktion,
Interpunktion,
der
der
Rechtschreibung und der Betonung mußte auS Raum-·
Rechtschreibung und der Betonung mußte auS Raum-·
mangel
mangel
und
und
auch
auch
wegen
wegen
des
des
geringen
geringen
aktuellen
aktuellen
In-
In-
teresses
teresses
solcher
solcher
Verbesserungen
Verbesserungen
größtenteils
größtenteils
Abstand
Abstand
genommen werden.
genommen werden.
Der so gebotene Text unterscheidet
Der so gebotene Text unterscheidet
sich also von
sich also von
dem kantischen nur in der Anwendung einer moderneren
dem kantischen nur in der Anwendung einer moderneren
Schreibweise.
Schreibweise.
(Auch
(Auch
hier
hier
wurde
wurde
vorsichtig
vorsichtig
alles
alles
ge-
ge-
schont, was mit
schont, was mit der kantischen Schreibweise den kan-
der kantischen Schreibweise den kan-
tischen Sinn und die kantische Wucht verlieren würde.)
tischen Sinn und die kantische Wucht verlieren würde.)
Die
Die
häufig
häufig
als völlig
als völlig
unzulänglich beklagte ka:ntische
unzulänglich beklagte ka:ntische
Interpunktion wurde ebenfalls aus einem guten Grunde
Interpunktion wurde ebenfalls aus einem
guten Grunde
beibehalten. -
beibehalten.
-
Wer die
Wer die
Langatmigkeit und Unüber-
Langatmigkeit und Unüber-
sichtlichkeit
sichtlichkeit
gewisser
gewisser
kantischer
kantischer
Perioden
Perioden
beklagt,
beklagt,
macht häufig die überraschende Entdeckung, daß diese
macht häufig die überraschende Entdeckung, daß diese
Perioden sich im
Perioden sich im
Original gar nicht so schwierig
Original gar nicht so schwierig
und
und
unübersichtlich ausnehmen.
unübersichtlich ausnehmen.
Der
Der
Grund
Grund
ist
ist
in der
in der
für
für
Kant überaus bezeichnenden und im ganzen konsequent
Kant überaus bezeichnenden und im ganzen konsequent
durchgeführten Interpunktion zu suchen, die seine Sätze
durchgeführten Interpunktion zu suchen, die seine Sätze
zwar nicht immer in unserem Sinne grammatisch richtig
zwar nicht immer in unserem Sinne grammatisch richtig
aber doch in sinnvollem gedanklichen Rhythmus gliedert.
aber doch in sinnvollem gedanklichen Rhythmus gliedert.
Diesen
Diesen
Vorzug
Vorzug
wollten
wollten
wir
wir
unseren
unseren
Lesern
Lesern
erhalten,
erhalten,
zumal in vielen Fällen Kants Arbeitsweise gar nicht ge-
zumal
in vielen Fällen Kants Arbeitsweise gar nicht ge-
stattet,
stattet,
eine
eine
moderne
moderne
Interpunktion
Interpunktion
auf
auf
seinen
seinen
Text
Text
anzuwenden.
anzuwenden.
Sein
Sein
Werk
Werk
ist
ist
stellenweise
stellenweise
au.;
au.;
Einzel-
Einzel-
notizen
notizen
mosaikartig
mosaikartig
zusammengesetzt,
zusammengesetzt,
wobei
wobei
zuweilen
zuweilen
Satzkonstruktionen ineinander verflochten wurden,
Satzkonstruktionen ineinander verflochten wurden,
die
die
sich grammatisch nicht einwandfrei
sich
grammatisch nicht einwandfrei
zueinander fügen.
zueinander fügen.
Da kann allein die Originalinterpunktion auf die Spur
Da kann allein die Originalinterpunktion auf die Spur
der Entstehung solcher Perioden und also auf den rech-
der Entstehung solcher Perioden und also auf den rech-
ten kantischen Sinn helfen.
ten kantischen Sinn helfen.
VIII Vorrede des Herausgebers Die als Fußnoten angeführten Lesarten finden sich in folgenden sorgfältig
VIII Vorrede des Herausgebers
Die als Fußnoten angeführten Lesarten finden sich
in
folgenden
sorgfältig
verglichenen
Ausgaben
bzw.
Schriften:
A die erste Originalausgabe vom Jahre 178l.
=
B die zweite Originalausgabe vom Jahre 1787.
=
Die dritte Originalausgabe vom Jahre 1790.
Die vierte Originalausgabe vom Jahre 1794.
Die fünfte Originalausgabe vom Jahre 1799
bzw.
die an
diese Ausgabe angefügten "Verbes-
serungen".
Kant:
dessen
"Nachträge
zur
Kritik"
(aus
Kants
Nachlaß
herausgegeben
von
Benno
Erdmann),
Kiel 1881-
Mellin: dessen "Marginalien und Register zu Kants
Kritik der reinen Vernunft".
Züllichau 1794.
Grillo: dessen "Druckfehleranzeigen in den Schrif-
ten
des Herrn I. Kant"
in "Annalen der Philo-
sophie" Halle 1795, 37.-40. Stück.
Meyer: dessen "Berichtigung" dazu.
54. Stück.
Ebendort im
Schopenhauer: dessen "Collation der ersten und
fünften Auflage der Kritik der reinen Vernunft".
Beilage zu Schopenhauers Brief an Rosenkranz
vom 25. Sept. 1837. (Vgl. Altpreußische Monats-
schrift 1889, Bd. XXVI. S. 310f.)
Rosenkranz: dessen Ausgabe der Kritik vom
Jahre 1838.
Hartenstein: dessen Ausgaben der Kritik aus den
Jahren 1838, 1853, 1867, 1868.
Kirchmann: dessen Ausgaben der Kritik auS den
Jahren 1868 u.
später.
Fredrichs: dessen Schrift "Der phänomenale Idea-
lismus Berkeleys und Kants". Breslau 1871.
Michelis: dessen Schrift "Kant vor und nach dem
Jahre 1770". Braunsberg 1871.
Laas:
dessen
Schrift
"Kants
Analogieen der
Er·
fahrung".
Berlin 1876.
Lec1ai r, v.: dessen "Kritische Beiträge zur Kate-
gorienlehre Kants". Prag
1877.
Vorrede des Herausgebers IX Kehrbach: dessen Ausgaben der Kritik aus den Jahren 1877, 1878, später
Vorrede des Herausgebers
IX
Kehrbach:
dessen
Ausgaben
der
Kritik
aus
den
Jahren 1877, 1878, später ohne Jahr.
Erdmann: dessen Ausgaben der Kritik aus den
Jahren 1878 bis 1919, dessen "Akademie-Aus-
gabe" (1911) sowie seine "Beiträge zur Geschichte
und Revision des Textes der Kritik der reinen
Vemunft". Berlin 1900.
Müller: dessen Übersetzung der Kritik ins Eng-
lische. (London 1881).
N oire: dessen Einleitung zur Müllerschen über-
setzung.
Vaihinger: dessen Kommentar zu Kants Kritik
der reinen Vernunft". Stuttgart 1881 bzw. 1892.
(2. Aufi. 1922 herausgegeben von Raymund
Schmidt), dessen "Notiz, den Kanttext betreffend"
in "Philosophische Monatshefte", Bd. XVIII
1881) sowie dessen "Siebzig textkritische Rand-
glossen zur Analytik" in "Kant-Studien" Bd. IV
(1900).
Medicus: nach Mitteilung von Vaihinger im "Kom-
mentar".
J. B. M ey er:
in
"Deutsche Literaturzeitung" (1883).
Adickes: dessen Ausgabe der Kritik vom Jahre 1889.
Wille: dessen textkritische Arbeiten in "Philoso-
phische Monatshefte" , Bd. XXVI (1890) und "Kant-
Studien", Bd. IV, V, VIII.
Pa ulse n: dessen Schrift über "Kant". Stuttgart 1898.
Vorländer: dessen Ausgabe der Kritik vom Jahre
1899.-
Klein: nach Mitteilungen von Vorländer in dessen
Ausgabe.
Valentiner: dessen Ausgaben der Kritik aus den
Jahren 1901-1919.
Riehl: dessen "Korrekturen zu Kant" in " Kant-
Studien" Bd. V (1901).
Goldschmidt: dessen Aufsatz "zum Ende der
Kant-Philologie" in "Altpreuß. Monatsschrift"
XXXIX (1902) sowie dessen "Kants Privatmei-
nungen über das Jenseits" Gotha 1905.
Görlan d: dessen Ausgabe der Kritik vom Jahre 1922.
x Vorrede des Herausgebers Wenn der Herausgeber nach vielen Mühen sein Im- primat auf die
x Vorrede des Herausgebers
Wenn der Herausgeber nach vielen Mühen sein Im-
primat auf die Bogen der vorliegenden A:usgabe setzte,
so war er sieh zwar bewußt, getan zu haben, was getan
werden konnte und wozu die Bedeutung der Kant-
sehen Kritik verpflichtet, zugleich war er sich aber auch
bewußt, daß peinliche A:rbeit und sorgfältigste Druck-
überwachung Fehler und Irrtümer nicht ausschließt. Er
gibt sich der Hoffnung hin, ihm vorläufig noch unbe-
kannte Fehler in künftigen Auflagen ausmerzen zu kön-
nen, und rechnet dabei auf die freundliche Mitarbeit der
Leser dieser Ausgabe.
Leipzig, März 1926. Dr. Raymund Schmidt.
Zur 14. Auflage
Die vorlie:gende neue Auflage der Kr. d. r. V. ist gleich-
lautend mit der des Jahres 1~26. Eine Anzahl von Druck-
versehen, die trotz aller Sorgfalt diese Auflage noch ent-
hielt, hat beseitigt werden können. Zahlreiche Zuschriften
bewiesen dem Herausgeber, daß die mühevolle A:rbeit
einer gründlichen Textrevision nicht überflüssig war.-
Wie sorgfältig das Hauptwerk Kants auch jetzt noch
immer wieder gelesen wird, ging aus diesen Zuschriften,
die mancherlei beachtenswerte Verbesserungsvorschläge
enthielten, hervor. Besonderer Dank sei hier den Herren
E. Franck in Marburg, Norman Kemp Smith in
Edinburgh und M. Heidegger in Freiburg für ihre
wertvollen Anregungen ausgesprochen. -
Vermehrt wurde die vorliegende Ausgabe um ein
ausführliches Namenregister, welches die verschiedenen
Phasen der Auseinandersetzung Kants mit Vorläufern
und Zeitgenossen deutlich erkennen läßt. Es wird zu-
sammen mit dem, in gesondertem Band erschienenen
"Systematischen Handlexikon zu Kants Kr. d. r. V:' von
Heinrich Ratke, dem Leser sicherlich gute Dienste
leisten.
Leipzig, Oktober 1930. Dr. Raymund Schmidt.
Inhaltsverzeichnis Zueignung • Vorrede zur ersten Ausgabe Vorrede zur zweiten Ausgabe. Einleitung der ersten Ausgabe
Inhaltsverzeichnis
Zueignung •
Vorrede zur ersten Ausgabe
Vorrede zur zweiten Ausgabe.
Einleitung der ersten Ausgabe
I. Idee der Transzendental-Philosophie
2
5
14
38-69
88
Von dem Unterschiede analytischer und synthetischer
.
II. Einteilung der
Einleitung der zweiten Ausgabe. • . • • .
Urteile
.
.
.
.
.
.
.
.
.
45
.,
57
.38*-59*
I. Von dem Unterschiede der reinen und empirischen
Erkenntnis.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
38*
II.
Wir sind im Besitze gewisser Erkenntnisse apriori,
und selbst der gemeine Verstand ist niemals ohne
solche. •
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.•
39*
III.
Die Philosophie bedarf einer Wissenschaft, welche
die Möglichkeit, die Prinzipien und den Umfang
aller Erkenntnisse apriori bestimme
42*
IV.
Von dem Unterschiede analytischer und synthe-
tischer Urteile
.
.
.
.
.
.
.
.•
46'"
V.
In allen theoretischen Wissenschaften der Vernunft
sind synthetische Urteile apriori als Prinzipien
enthalten
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
•.
48 *
VI. Allgemeine Aufgabe der reinen Vernunft
61'"
VII. Idee
und
Einteilung einer besonderen Wissen-
schaft unter dem Namen einer Kritik der reinen
Vernunft.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
&6*
I. Transzendentale Elementarlehre
61-660
Erster Teil.
Die transzendentale Ästhetik
63-93
Einleitung. § 1
.
.
.
.
.
.
.
63
1.
Abschn.
Von
dem Raume.
§ 2,
3
.
.
66
2.
A bschn.
Von
der Zeit.
§ 4-7.
.
.
.
.
74
Allgemeine Anmerkungen zur transzendentalen Asthe-
tik.§8
••.
XII Inhaltsverzeichnis Zweiter Teil. Die transzendentale Logik Einleitung. Idee einer transzendentalen Logik. 1. Von
XII
Inhaltsverzeichnis
Zweiter Teil. Die transzendentale Logik
Einleitung. Idee einer transzendentalen Logik.
1. Von der Logik überhaupt
H. Von der transzendentalen Logik
.94-650
.94-105
94
.
.
98
HI.
Von der Einteilung der allgemeinen Logik in Ana-
lytik und Dialektik.
• •
.
.
100
IV.
Von der Einteilung der transzendentalen Logik in
die transzendentale Analytik und Dialektik
103
Erste Abteilung. Die transzendentale Analytik. 105-333
Erstes Buch. Die Analytik der Begriffe. • 106-191
1. Hauptst. Von dem Leitfaden der Entdeckung
aller reinen Verstandesbegriffe
107
1. Abschn. Von dem logischen Verstandesge-
brauche überhaupt
.
.,
108
2. Abschn. Von der logischen Funktion des
Verstandes in Urteilen.
§ 9.
.
.
110
3. Abschn. Von den reinen Verstandesbegriffen
oder Kategorien.
§ 10-12
.
11ö
2.
Hauptst. Von der Deduktion der reinen Ver-
standesbegriffe . •
• .
.
.
.
.
.
126
1. Ab s c h n. Von den Prinzipien einer transzenden-
talen Deduktion überhaupt. § 13
Übergang zur transzendentalen Deduktion der
.
.
.
126
Kategorien. § 14
.
.
.
.
133
2. Abschn.
Transzendentale
Deduktion
der
reinen Verstandesbegriffe. § 15 - 27
.
137
Zweites Buch.
szendentale Doktrin der Urteilskraft)
Die Analytik der Grundsätze (tran-
"
192-333
Einleitung.
Von
der
transzendentalen
Urteils-
kraft Überhaupt
.
.
193
1. Hauptst.
Verstandesbegriffe •
Von dem Schematismus der reinen
.
.
.
.
.
196
2. Hau p t s t. System aller Grundsätze des reinen
Verstandes
.
.
.
.
.
.
.
.
.
205
1. Abschn. Von dem obersten Grundsatze aller
analytischen Urteile.
.
.
.
"
207
2. Abschn. Von dem obersten Grundsatze aller
synthetischen Urteile.
.
.
.
.
.
.
209
3. Ab sc h n. Systematische Vorstellung aller syn-
thetischen Grundsätze des reinen Verstande"
213
1) Axiome der Anschauung.
2) Antizipationen der
.
.
217
• .
220
Inhaltsverzeichnis XIII 3) Analogien der Erfahrung. Erste Analogie. Grundsatz der Beharrlich- keit der Substanz .
Inhaltsverzeichnis
XIII
3) Analogien der Erfahrung.
Erste Analogie. Grundsatz der Beharrlich-
keit der Substanz .
Zweite Analogie. Grundsatz der Zeitfolge
nach dem Gesetze der Kausalität
Dritte Analogie. Grundsatz des Zugleich-
229
235
241
seins
nach
dem
Gesetze
der
Wechsel-
wirkung oder Gemeinschaft
259
4) Die Postulate des empirischen Denkens
überhaupt.
Widerlegung des Idealismus.
266
272
Allgemeine Anmerkung zum
Grundsätze
System
der
283
3.
Hauptst. Von dem Grunde der Unterscheidung
aller Gegenstände überhaupt in Phaenomena
und N oumena
Anhang. Von der Amphibolie der Reflexions-
begriffe.
Anmerkung zur Amphibolie der Reflexionsbe-
griffe .
287
309
315
Zweite Abteilung.
Die transzendentale
Dialektik
334-650
Einleitung
334-646
1. Vom transzendentalen
11. Von der reinen Vernunft, als dem
szendentalen Scheins
•.
334
Sitze des tran·
338-346
A. Von der Vernunft überhaupt.
338
B. Vom logischen Gebrauche der Vernunft
341
C. Von dem reinen Gebrauche der Vernunft
343
Erstes Buch.
der
reinen Ver-
nunft
.
.
Von den Begriffen
.
.
.
.
.
.
.
.
347-368
1. Von den Ideen überhaupt
Abschn.
348
2. Von den transzendentalen Ideen.
A bschn.
355
3.
A bschn.
System der transzendentalen Ideen.
364
Zweites
Buch.
Von
den
dialektischen
Schlüssen
der reinen Vernunft .
.•
.
.
368 - 650
1.
H auptst.
.
Widerlegung des Mendelssohnschen Beweises der
Vernunft .
Von den Paralogismen der reinen
.
.
.
.
.
.
.
.
370
.
Allgemeine Anmerkung, den Übergang von der
Beharrlichkeit der Seele
.
.
.
.
395
rationalen
Psychologie
zur
Kosmologie
be-
treffend.
429
XIV Inhaltsverzeichnis 2. Hau p ts t. Die Antinomie der reinen Vernunft. 437 1. System
XIV
Inhaltsverzeichnis
2. Hau p ts t. Die Antinomie der reinen Vernunft.
437
1. System der kosmologischen Ideen
Abschn.
439
2. Antithetik der reinen Vernunft
Abschn.
448
Erste Antinomie
Zweite Antinomie.
Dritte Antinomie .
Vierte Antinomie .
404
458
462
465
3. Abschn.
Von
dem
Interesse
der
Vernunft
bei diesem ihrem Widerstreite
470
4. Abschn. Von den transzendentalen Aufgaben
der reinen Vernunft, insofern sie schlechter-
dings müssen aufgelöst werden können •
480
5. Abschn. Skeptische Vorstellung der kosmo-
logischen Fragen
dentalen Ideen •
durch
alle vier transzen-
487
6. Abschn. Der transzendentale Idealismus als
der
Schlüssel
zur Auflösung der kosmolo-
gischen Dialektik .
491
7. Abschn.
Kritische
Entscheidung
des
kos-
mologischen Streits
der
Vernunft mit sich
selbst
496
8. A bsch n. Regulatives Prinzip der reinen Ver-
nunft in A.nsehung der kosmologischen Ideen
504
9. Ab sehn. Von dem empirischen Gebrauche
des regulativen Prinzips der Vernunft in An-
sehung aller kosmologischen Ideen • 010
I. Auflösung der kosmologischen Idee
von der Totalität der Zusammen-
setzung der Erscheinungen zu einem
Weltganzen.
II. Auflösung der kosmologischen Idee
von .der Totalität der Teilung eines
gegebenen Ganzen in der Anschauung
511
516
Schlußanmerkung und Vorerinnerung 519
IH. Auflösung der kosmologischen Idee
von der Totalität der Ableitung der
Weltbegebenheiten aus ihrenUrsachen
Möglichkeit der Kausalität durch Frei-
622
~it.
~7
Erläuterung
der
kosmologischen
Idee
einer Freiheit .
630
Inhaltsverzeichnis XV IV. Auflösung der kosmologischen Idee von der Totalität der Abhängigkeit der Erscheinungen,
Inhaltsverzeichnis
XV
IV. Auflösung der kosmologischen Idee
von der Totalität der Abhängigkeit
der Erscheinungen, ihrem Dasein
nach überhaupt.
.
.
.
.
642
Schlußanmerkung
zur
ganzen
Anti-
nomie der reinen Vernunft
046
3. Hauptst.
Das Ideal der reinen Vernunft
•••
048
1. Abschn.
Von dem Ideal überhaupt
548
2. Abschn.
Von
dem
transzendentalen
Ideal
(Prototypon transzendentale).
.
.
.
.
551
3. A bschn. Von den Beweisgründen der spe-
kulativen Vernunft, auf das Dasein eines
höchsten Wesens zu schließen . • .
561
4. Abschn.
logischen Beweises vom Dasein Gottes.
Von der Unmöglichkeit eines onto-
567
5. .A bschn. Von der Unmöglichkeit eines kos-
mologischen Beweises vom Dasein Gottes.
Entdeckung und Erklärung des dialektischen
Scheins in allen transzendentalen Beweisen
575
vom Dasein eines notwendigen Wesens.
.
584
6. Abschn.
Von der Unmöglichkeit des physiko-
theologischen Beweises.
.
.
588
7. Abschn.
Kritik aller Theologie aus spekula-
.
Anhang zur transzendentalen Dialektik.
tiven Prinzipien der Vernunft
.
.
596
.
.
604
Von dem regulativen Gebrauch der Ideen der
.
Von der Endabsicht der natürlichen Dialektik
reinen Vernunft
.
.
.
.
.
604
der menschlichen Vernunft
.
"
625
II. Transzendentale Methodenlehre
651-766
Einleitung
•.••.•
1. H auptst.
1. Abschn.
Die Disziplin der reinen Vernunft.
653
654-720
Die Disziplin der
reinen
Vernunft im
dogmatischen Gebrauche.
.
.
.
657
2. Abschn. Die Disziplin der reinen Vernunft in
Ansehung ihres polemischen Gebrauchs
.
677
Von der Unmöglichkeit einer skeptischen Befriedi-
gung der
Vernunft.
Ab s ch n.
mit
sich
selbst veruneinigten
reinen
.
Die Disziplin der
.
.
.
.
.
.
692
3.
reinen
Vemunft in
Ansehung der Hypothesen
.
.
.
701
XVI Inhaltsverzeichnis 4. Abschn. Die Disziplin der reinen Vernunft in Ansehung ihrer Beweise . 711
XVI
Inhaltsverzeichnis
4. Abschn.
Die
Disziplin der
reinen
Vernunft in
Ansehung ihrer Beweise .
711
2. Der Kanon der reinen Vemunft
Hauptst.
720-748
1. Abschn.
Von
dem
letzten
Zwecke
des
reinen
Gebrauchs unserer Vernunft
722
2. Von dem Ideal des höchsten Guts
Abschn.
727
3. Vom Meinen, Wissen und Glauben
Abschn.
739
3. Hauptst. Die Architektonik der reinen Vernunft 748-763
4. Haupts t.
Die Geschichte der reinen Vernunft 763-766
NAMENREGISTER.
767
Kritik der • reInen Vernunft von Immanuel Kant, Professor in Königsberg, de1' Kiinigl. Akademie de1'
Kritik
der
reInen Vernunft
von
Immanuel Kant,
Professor in Königsberg,
de1' Kiinigl. Akademie de1' Wissenschaften in Be,.Un
MitgUed 1 )
Zweite hin und wieder "erbesserte Auflage t )
Riga,
beil) Johann Friedrich Hartknoch
t 7874.)
1) fehlt
in
A.
t)
fehlt in A.
3) A: ""erlegt,".
~) A.: ,,1181".
I Baco de Verulamio (B TI) lnatauratio magna. Praefatio. De nobis iP8is 8ilemus: De re
I Baco de Verulamio
(B TI)
lnatauratio magna. Praefatio.
De nobis iP8is 8ilemus: De re autem, quae agitur,
petimus : ut
homines eam non Opinionem, 8ed Opus eB8e
eogitent; ae pro urto habeant, non Seetae no8 atieuius,
aut Plaeiti, 8ed utilitatis et amplitudiniB humanae fun·
damenta moliri. Deinde ut 8uis eommodis aequi
• in
eommune
et iP8i in partem veniant. Prae.
terea ut bene 8perent, neque lnataurationem n08tram ut
quiddam infinitum et ultra martale fingant, et animo
eoneipiant; quum revera 8it infiniti erroris fini8 et ter·
min>.t8 legitimus 1 ).
1) Zusatz von B.
Die punktierten Stellen bezeichnen Ver·
kürzungen des Baconschen Textes durch Kant.
Übersetzung des Herausgebers:
Blico von Verula.m
Instauratio magna.
Vorwort.
Von unserer person schweigen wir. Was aber die Sache
angeht, um die es sich hier handelt, so wünschen wir I daß
sie nicht als eine bloße Meinungsäußerung , sondern als ein
rechtschaffenes Werk angesehen werde, bei dem man überzeugt
sein kann davon, daß es sich nicht etwa bloß um die Gründung
einer Sekte oder um die Rechtfertigung eines gelegentlichen
Einfalles handelt. sondern um die Grundlegung der mensch·
lichen Wohlfahrt und Würde überhaupt. Es möge also jeder
einzelne im eigensten Interesse
auf das allgemeine Wohl
bedacht
und dafür eintreten. Schließlich möge jeder
unserer Instauratio den guten Glauben entgegenbringen, daß
sie nichts Endloses und übermenschliches darstelle, denn in
Wahrheit bedeutet sie das Ende und die gehörige Grenze
endlosen Irrtums.
ISr. Exzellenz, (Bill) dem Königl. Staatsminister Freiherrn von Zedlitz I Gnädiger Herr I (B V)
ISr. Exzellenz,
(Bill)
dem
Königl. Staatsminister
Freiherrn von Zedlitz
I Gnädiger Herr I
(B V)
Den Wachstum der Wissenschaften an seinem Teile
befördern, heißt an E w. Exzellenz eigenem Interesse
arbeiten; denn dieses ist mit jenen, nicht bloß durch
den erhabenen Posten eines Beschützers, sondern durch
das viel vertrautere l ) eines Liebhabers und erleuchteten
Kenners, innigst verbunden. Deswegen bediene ich
mich auch des einigen Mittels, das gewissermaßen in
meinem Vermögen ist, meine Dankbarkeit für das
gnädige Zutrauen zu bezeigen, womit Ew. Exzellenz
mich beehren, als könne 2 ) ich zu dieser Absicht etwas
beitragen.
I Demselben gnädigen
Augenmerke,
dessen
Ew.
Ex- (B VI)
zellenz die
erste Auflage dieses
Werks
gewürdigt
haben,
') Erdmann,
nach
Kants
Brief an
Biester
vom 8. Juni
1781 fügt hinzu :
"Verhältnis".
2) A: "könnte".
4 1Didme ich nun auch diue zweite und hiemit zugleich 1) alle übrige Angelegenheit meiner
4
1Didme ich
nun
auch diue
zweite und hiemit
zugleich 1)
alle übrige Angelegenheit meiner literarischen Bestim-
mung, und bin mit der tiefsten Verehrung
Ew. Exzellenz
untertänig gehorsamster
Diener
Königsberg
den
238ten April 1787').
Immanuel Kant.
1) Statt: "Demselben gnliiligen - zugleich· steht in A: n Wen
das spekulative Leben vergnügt, dem ist, unter mäligen WanscAen,
der &ifaU. eiMB aufgeklärten. gaUigen Richter. eine kräftige
Aufm/unterung
.u Bemilhungen, deren Nutzen grol, ob.rwar ent-
fernt ist, und daher von gemeinen Augen gän.lich verkannt wird.
Einem Solchen und De.,en gnädigem Augenmerke widme ich
nun diese Schrift und, Seinem Schutze," usw.
') A: "KÖ'nigsberg den 29sten Mär. 1781."
(A VlI) Die menschliche Vermmft 1IaI daB be.Bondere 8cAlobal in einer GatttWIg ihrtw Et-~e: daß
(A VlI)
Die menschliche Vermmft 1IaI daB be.Bondere 8cAlobal in
einer GatttWIg ihrtw Et-~e: daß rie durchFragtlfl beZti8ti9'
wird, die rie t'I4cAI abweisen l:onn; denn rie ftnd fIw durch die
Natur der Vermmft 8el1ut aufgegdJen, die rie abtw aucA t'I4cAI
beantworten kafm,' denn rie iJbtwBleigen allu Verm4gen der
menschlichen Vermmft.
In dieBe Vtwlegenheil gert'JI rie olme flwe Schuld. Sie ftilngl
oon GrufldBdtzen an, dtwen GdJrauc1t itn Laufe der Et-fahnmg
unvermeidlich und zugleich durch diese hinreichend bewä1wt
ist.
Mil diesen steige rie (wie u
aucA ihre Natur tn" rich 10
bringt) im
'AIJher, zu entfernteren Bedingr.mgen.
Da I rie CA 'VIII)
abtw geflJahrtoird, daß auf dieseArl ilwGuc1llJft ietleruil unv0ll-
endet bleiben tnüue,
weü die Fragen nierntJlB au{h6ren,
80
sieht rie sich genöRge, zu GrufldBdtzen ihre Zuflucht zu nehmen,
die
allen mögZi.chen Erf~gdJrauch
iJbtw8c1weiten und
gleichwohl 80 tm~ Bcheinen, daß auch die gemeine
M ensoh.emJemunft dam., im EinwJrBtändniB8e steht. Dadurch
abtw stürzt sie rich in Dunkelheit und Widtwsprüche, am
welchen rie zwar abnehmen kann, daß irgendwo ~orgene
Irrtümtw
zmn Grunde
Ziegen
tniL9Ben,
die
rie
abtw
t'I4cAI 20
entdecken kann, weil die GrundstUu. deren rie sich be-
dient, da rie iJbtw die Grenze aller Et-fahru1l!! hinam-
gehen, keinen ProbitwBtein der Erfahrung me1w anerkennen.
Dtw Kampfplatz diestw endlosen Streiligkeiten heißt f1un
M etaph1l8ik.
E8 war eine ZeiI, in welcher sie die Königin aller WiBBen-
80haflen genannt wurde, und wenn tnan den WiZlen für die
Tat nimmt, 80 tltwdiente rie, wegen der VOf'ZiigUchen Wichtig-
I) Diese Vorrede zur ersten Ausgabe vom Jahre 1781 bat
Kant bei der zweiten Ausgabe weggelassen.
6 Vorrede keit im es Gegenstandes, allerding8 diesen Ehirennamen. Jetzt bringt es der Modeton des
6
Vorrede
keit im es Gegenstandes, allerding8 diesen Ehirennamen. Jetzt
bringt es der Modeton des Zeitalters 80 mit sich, ihire alZe V 61'-
aehtung zu beweisen und die Matrone klagt, ver8toßen und
(A IX) verlas8en, wie Hecuba: modo mamma rerum, I tot generis
natisque potens - nune tralw-r exul, inopsl) - Ovid. Metam.
Anfänglich war ihire He"1'scha/t unter der Verwaltung der
Dogmatiker, despoti8ch. Allein, weil die Gesetzgebung
noch die Spur der alten Barbarl'i an sich hatte, 80 artete 8ie
durch innere Kriege nach und nach in völlige Anarchie aus
10 und die S k ep ti k er, eine Art Nomaden, die allen beständigen
Anbau de8 Bodens verab8cheuen, zertrennten von Zeit zu Zeit
die bürgerliche Vereinigung. Da ihirer aber zum Glück nur
wenige waren, 80 konnten 8ie nicht hindern, daß jene 8ie nicht
1:mmer auf8 neue, obgleich nach keinem unter 8ich einstimmigen
Plane, wieder anzubauen 1>61'8uchten. In neueren Zeiten 8chien
es zwar einmal, al8 80llte allen diesen Streitigkeiten durch eine
gewi88e PhY8iologie des menschlichen Ver8tandes (t·on dem
bCTÜhmten Locke) ein Ende gemaeht und die Rechtmäßigkeit
jener Ansprüche völlig entschieden werden,. es fand sich aber,
20 daß, obgleich die Geburt jener vorgegebenen Königin aus dem
Pöbel der gemeinen Erfahir'ung abgeleitet wurde und dadurch
ihire Anmaßung mit Recht hätte verdächtig w61'de,n müs8en,
dennoch, weil diese Genealogie ihir in der Tat fäZschlich
(A X) angedichtet War, 8ie ihire Ansprüche noch immer behaupte Ite,
wodurch alle8 wiederum in den veralteten wurmstichigen
Dogmati8mu8 und daraus in die Gering8chätzUng verfiel,
daraus man die Wi8senschaft hatte ziehen wollen. Jetzt, nach-
dem alle Wege (wie man sich 1Wm }det) vergeblich versucht
8ind, herr8cht (Jberdruß und gänzlicher Indifferenti8mus,
30 die Mutter des Chaos und der Naeht, in Wi88enschaften, aber
doch zugleich der Ur8prung, wenig8tens das Vor8piel einer
nahen Um8chaffung und A ufkZärung der8elben, wenn sie durch
übel angebraehten Fleiß dunkel, verwirrt und unbrauchbar
geworden.
Es ist nämlich umsonst, Gleichgültigkeit in Ansehung
1) Valentiner übersetzt: "Noch vor kurzem die Mächtigste
von Allen und Herrscherin durch so viele Schwiegersöhne und
Kinder - werde ich jetzt dem Vaterlande entrissen und hülf·
los fortgeführt".
zur ersten Auflage 7 80lcher Nachforschungen erkünsteln zu wollen, deren Gegen- stand der menschlichen Natur
zur ersten Auflage
7
80lcher Nachforschungen erkünsteln zu wollen, deren Gegen-
stand der menschlichen Natur nicht gleichgültig sein kann.
Auch fallen jene vorgeblichen Indifferenti8ten, so sehr sie
sich auch durch die Veränderung der Schulsprache in e1:nem
populären Tone unkenntlich zu machen gedenken, wofern 8ie
nur überall etwas denken, in metaphysische Behauptungen
unvermeidlich zurück, gegen die sie doch 80 viel Verachtung
vorgaben. Indessen ist diese Gleichgültigkeit, die sich mitten
in dem Flor aller Wi88enschaften ereignet und gerade die-
jenigen trifft, auf deren Kenntnis8e, wenn dergleichen zu haben 10
wären, man unter allen am wenig 18ten Verzicht tun würde, doch (A XI)
ein Phänomen, das Aufmerksamkeit 1md Nachsinnen verdient.
Sie ist offe'flhar die Wirkung nicht des Leichtsinns, 80ndern der
gereiften Urteil8kraft") des Zeitalter8, welches sich nicht
länger durch Scheinwissen hinhalten läPt und eine Aufforde-
rung an die Vernunft, das beschwerlichste aller ihrer Geschäfte,
nämlich das der Selbsterkenntnis aufs neue zu übernehmen
und einen Gerichtshof einzusetzen, der 8ie bei ihren gerechten
A nspl'üchensichere, dagegen aber alle grundlosenAnlmapull1]en,
CA XII)
nicht durch Machtsprüche, sondern nach ihren ewigen und 20
1~nwandelbarenGesetzen, abfertigen könne, und dieser i8t kein
anderer als die Kritik der reinen Vernunft selbst.
Ich verstehe aber hierunter nicht eine Kritik der Bücher und
*) Man hört hin und wie"er Klagen über Seichtigkeit de?'
Denkungsart unserer Zeit und den Verfall gri.in,(llicher Wissen-
schaft. Allein ich sehe nicht. dall die, deren Gmnd 9t~t gelegt
ist, als Mathematik, Naturlehre usw. diesen Vorwurf im -mindesten
verdienen, sondern vielmehr den alten Ruhm der Gl"Ündlichkeit
behaupten, in der letzteren aber 80gar übertreffen. Eben derselbe
Geist will·de sich nun auch in ancle?'en Artm flon Erkenntnis
wirk.sam beweisen, wäre flur allererst fur die Berichtigung ihl'er
Prinzipien gesorgt worden, In Ermanglung derselben sind Gleich-
gültigkeit und Zweifel und endlich, strenge Kritik, vielmehr Be-
weise einer gründlichen Denkungsart. Unser Zeitalter ist das
eigentliche Zeitalter der Kritik, der sich alles unterwerfen mull,
Reli,qion, durch ihre Heiligkeit, und Gesetzgebung durch
ihre M aj es tä t, wolle-n sich gen~einiglich derselben entzi/'hen.
Aber alsdann erregen sie gerechten Verdacht wider sich und kannen
a1~f un"erstellte Achtun,q nicht Anslwuch machen, die die Vernunft
nur demjenigen bewilligt, was ihre freie und öffentliche Priifung
hat aushalten kannen.
8 Vorrede SY8C6me, 80Mem die du VermmfW6f'mÖgenB iJb6f'haupe, in Ansehung all6f' ErkermtniB8e, zu denen
8
Vorrede
SY8C6me, 80Mem die du VermmfW6f'mÖgenB iJb6f'haupe, in
Ansehung all6f' ErkermtniB8e, zu denen rie,l) unabhdngig
von aller Erfahrung, 8tf'ebenmag, mithin die Entscheidung
der Möglichkeit od6t' Unmöglichkeit einet' Metaphysik iJbet'.
haupt und die Bestimmung 8owoN G6'I' QueUen, al8 du Um.
fangu und der G1'eneen 1Ü1'8elben, aU68 ab6f' aus PriNlipien.
.Diuen Weg, den eiNigen, der übrig gelas8en 1Oar, bin ich
nun eing68chlagen und 8chmeichle mir, auf demaelben die
Ab8teUung aller Irrungen angetroffen zu haben, die bisher die
10 V 6f'nunft im 6'l'fahrung8freien Gebrauche mit sich 8elb8t mtztDeit
hatten. Ich bin ihren Pragen nicht dadurch etwa ausgewichen,
daP ich mich mit dem UntJ6t'mögen der mensohlichen Vernunft
entschuldigte; 8ond6f'n ich habe Bie nach Prinzipien t10UBtdndig
8p6Zif~ierl und, nachdem ich den Punkt d68 Mi{Jv6'I'8tandeB der
V 6f'nunft mit ihr 8elbst entdeckt hatte, rie zu ihret' völligen
(A XIII) Befrietßgung auf I gelöst. ZtDaf' ist die BeanttDorlung iefl6f'
Pragen gar nicht 80 ausgefallen, als dogmatisch 8chtDlirmende
WifJbegimk enoarten mochte; denn die könnte nicht ander8
als durch Zaubet'W/te, darauf ich mich nicht tJ6'I'8t6he, befriedigt
20
SO
werde1/ Allein, das tDar auch wohl nicht die AbBid&e der N amr-
b68timmung UnB6f'6f' V6f'nun/t: und die Pflicht der Philosophie
1Oar: das Blendtoerk, das aus Mi{Jdeutung entaprang, auf·
zuheben, 8aUte auch noch Boviel gepriesen6'/' und beliebtet' Wahn
dabei zu nichIe gehen. In dies6'l' B680Mftigung habe ich Aus-
führlichkeit mein grO{J68 Augenm6f'k 8ein laBBen und ich
611.iihne mich .zu Bagen, da{J nicht eine eiNige metaphyBiBche
Aufgabe 8ein mÜ88e, die hi6'l' nicht GufgeJ.öBt, od6t' zu d6'l'6n
Auflösung nicht tD6fl4g8t6nB der SchlÜ88el daf'g6f'6icht worden.
In der Tat ist auch reine V6f'nun/t eine 80 fJOUkommene Ein-
heit: daP. toenn das Prinzip G6'I'8elben auch nur zu einer eiNigen
all6f' der Pragen, die ihr durch we eigene Natur aufgegeben
Bind. UN~
tDtire, man d4e8611 if'l'&mef'Mn nur 106(lW6'I'fen
könnte, weil 68 alBdann auch kein6'/' der ii1wigen mit f16Uig6'l'
Z~keit gewachsen 8ein 'WÜirde.
Ich glaube, indem ich di6868 8age, in dem G68ichte du
(A XIV) Leser8 einen mit V6f'achtung gemischten UnItDillen iJbet', dem
Anscheine nach, 80 rtI1lmredige und unb68cheidene Anaprikhe
wahrzunehmen, und gletchtDohl Bind rie ohne Vergleichung
I) Adickes:
es".
zur ersten Auflage 9 gemliPigter, ola die, einea ietJen. Vtlff088ers des gemeiMtm pf'Offt'amms, dtIf darin
zur ersten Auflage
9
gemliPigter, ola die, einea ietJen. Vtlff088ers des gemeiMtm
pf'Offt'amms, dtIf darin etwa die einfache Nat'Ulf der Sede,
oder die Notwendigkeit eines ersten Weleanfanges zu
beweisen vorgibt Denn diestlf mao1R sich anheischig, die
mensckUMe Erke"""""'is Ubtlf alle GrentUn möglicher Erfolwung
hinaus zu erweitern, UI()tJ()n ich demütig gestehe: daP dieses
mein VemWgen gänzlich übersteige, an dessen StQU ich es
lediglich mie der V tll'nunft selbst und wem reinen Denken zu
wn habe, nach deren aua/ülwlicher Kenntnis ich niMI weie
um mich suchen darf, weil ich sie in mir selbse anereffe und 10
wotlon'mir auch schon die gem6'~.neLogik ein Beispiel gibt, daP
sich aUs we einfachen Handlungen vöUig und systematisch
aufzählen lassen,' .n'Ulf dafJ hier die Frage aufgeworfen wird,
wietJieZ ich mil dtlfselben, wenn mir aller Stoff und Beiskmd
dtIf Erfahrwn,g genommen wird, etwa ausz'Ulfichten hoffen dÜllfe.
So tJieZ von der V oZZständigkeie in EfTeichung eines
ieden, und der Ausfiihrlichkeit in EtTeichung aUer
Zwecke zusammen, die mMt ein beZiebigtlf Vorsatz, sondef:n
die Nat'UIf dM ErkeMlnis selbst uns aufgibt, als der Materie
tmBtIftlf mtischen UnttII'iltWmng. 20
J Noch sind Gewipheit und Deudichkeit zwei Stücke, (A. XV)
die die Form derselben bellreffen, als W6Bemliehe Forderungen
anzusehen, die man an den VtlffaB6t1f, der sieh an eine MI
schZÜlpfrt,ge Untemehmung wagt, mil Recht tun kann.
Wa8 nun die Gewipheie betrifft, so habeichmir selbst das
Urteil gesprochen: daP es in diestlf Af't von BellratNungen
attf keine Weise et'Zaube sei, zu meinen und daP alles, Wa8
dann einet' Hypoehese n'Ulf tiMIJ,ich sieht, vtlfbotene W Me sei,
die auch nicht /iif' den geringsten Preis feil stehen darf, ~
sobald sie entdeckt wird, beschlagen werden mup. Denn das 80
kündigt eine iede Erkenntnis; die apriorifeststehen solZ, selbst
an, daP sie für schlechthin notwendig gehalten wtlfden wiU,
und, eine Bestimmung aUet' reinen Erkenntnis8e apriorinoch
fJielmeJw1), die das Riehtmap, mithin 8flbst das Beispiel aUet'
apodiktischen (philosophischen) Gewipheit sein soU. Ob ich
nun das, wozu ich mich anh.eißchig mache in diesem Stiicke
geleistet habe, das bleibt gänzUoh dem Urteile des Lewrs anheim-
gestellt, weil es dem V tlffauer n'Ulf geziemt, Griitlde fHm'lJlegen,
1) H artenstein:"viel mehr".
10 Vorrede mcht aber über die Wirkung der8elben bei 8einen Richtern zu urteilen. Damit aber
10
Vorrede
mcht aber über die Wirkung der8elben bei 8einen Richtern
zu urteilen. Damit aber nicht etwas unsM'lddigerwei8e an der
(A XVI) Schwächu1llJ der18elben Ur8ache 8ei, 80 mag es ihm wohll(?Jrlaubt
8ein, diejenigen Stellen, die zu eimgem Mißtrauen Anlaß
geben könnten, ob 8ie gleich nur den Nebenzweck angehen, 8elb8t
anzumerken, um den Einfluß, den auch nur die mindeste
Bedenklichkeit des Leser8 in diesem Punkte auf 8ein Urteil,
in Ansehung des Hauptzwecks, haben möchte, beizeiten
abzuhalten.
10 Ich kenne keine Unter8uchungen, die zur Ergründu1llJ des
Vermögens, welche8 wir Verstand nennen, und zugleich zur
Bestimmung der Regeln und Grenzen 8eines Gebrauchs, wich·
tiger wären, als die, welche ich in dem zweiten Hauptstücke der
trans8zendentalen Analytik, unter dem Titel der Deduktion
der reinen Ver8tande8begriff e, angestellt habe; auch
haben sie mir die meiste, aber, wie ich hoffe, mcht unvergoltene
Mühe gek08tet. Diese Betrachtung, die etWas tief angelegt ist,
hat aber zwei Seiten. Die eine bezieht 8ich auf die Gegenstände
des reinen Ver8tandes, und 80ll die objektive Gültigkeit 8einer
20 Begriffe apriori da.rtun und begreiflich machen; eben da.rum
ist 8ie auch wesentlich zu meinen Zwecken gehörig. Die andere
geht darauf aus, den reinen Ver8tand 8elb8t, nach 8einer
Möglichkeit und den Erkenntniskräften, au/ denen er 8elb8t be.
(A XVII) ruht, mithin ihn in subjektiver Beziehung zu betrachten und,
obgleich diese Erärteru1llJ in Ansehung meines Haupf~wecks
von großer Wichtigkeit ist, 80 gehört sie doch nicht wesentlich
zu demselben; weil die Hauptfrage immer bleibt, wa8 und wie
viel kann Ver8tand und Vernunft, frei von aller Erfrihirung,
erkennen UM mcht, wie i8t da8 Vermögen zu denken
30 8elb8t möglich? Da das letztere gleichsam eine Au/suchung der
Ur8ache zu einer gegebenen Wirkung i8t, und insofern etwas
einer Hypothese Ähnliches an 8ich hat, (ob es gleich, wie ich
bei anderer Gelegenheit zeigen werde, sich in der Tat nicht so
verhält), 80 8cheint es, als sei hier der Fall, da ich mir die
Erlaubms nehme, zu meinen, und dem Leser also auch /rei-
8tehen müsse, anders zu meinen. In Betracht dessen muß ich
dem Le8er mit der Erinneru1llJ zuvorkommen; daß, im Fall
meine subiektive Deduktion nicht die ganze V'berzeugu1llJ, die
ich erwarte, bei ihm gewirkt hätte, doch die objektive, um die es
40 mir hier vornehmlich zu tm~ ist, ihre ganze Stärke bekomme,
zur ersten Auflage 11 wozu allenfalls dasjenige, was Seite 92 bis 93 gesagt wirdl), allein
zur ersten Auflage
11
wozu allenfalls dasjenige, was Seite 92 bis 93 gesagt wirdl),
allein hi'Meichend sein kann.
Was endlich die Deutlichkeit betrifft, so hat der Leser ein
Recht. zuerst die diskursive (logische) Deutlichkeit, durch
Begriffe, dann aber auch eine in I tuitive (ästhetische) (A XVIII)
Deutlichkeü, durch Anschauungen, d.1:. Beispiele oder
andere Erläuterungen in conereto zu fordern. Für die erste
habe ich hinreichend gesorgt. Das betraf das Wesen meines
Vorhabens, war aber a1lch die zufällige Ursache, daß ich der
zweiten, obzwar nicht so strengen, abe1' doch billigen Forderung 10
nicht habe aenÜ(Je leisten können. Ich bin fast beständig im
li'ortgange meiner Arbeit unschlüssig gewe.~en, wie ich es
hiermit halten sollte. Beis-piele und Erläutertlngen schienen
mir immer nötig und flossen daher auch wirklich im ersten
Entwurfe an ihren Stellen gehörig ein. Ich sah aber d·ie Gtöße
meiner Au/(Jabe und die Menge der aegenstände, womit ich
es zu tun haben WÜ1de, gar bald ein und, da ich gewahr ward,
daß diese gan2, allein. im trockenen, bloß scholastischen
Vortrage, das Werk schon genug ausdehnen würden, so fand
ich es u'Matsam, es durch Beispiele und Erläuterungen, die 20
nur in populärer Absieht notwendig s-ind, noch mehr anzu-
schwellen, zumal diese Arbeit keines-wegs dem populären
aebrauche angemessen werden könnte und die eigentlichen
Kenner der Wissenschaft wiese Erleichterung nicht so nötig
haben, ob sie zwar iederzeit angenehm ist, hier aber sogar etwas
Zweckwidriges nach ftich ziehen konnte. Abt Terrassan sagt
zwar: wenn
man Idie Größe eines Buchs nicht nach der Zahl (A XIX)
der Blätter, sondern nach der Zeit mißt, die man nötig hat, es
zu verstehen, so könne man von manchem Buche sagen: daß
es viel kürzer sein würde, wenn es nicht so kurz 30
wäre. Andererseits aber, wenn man auf die Faßlichkeit eines
weitläufigen, dennoch aber in einem Prinzip 2) zusammen-
hängenden aanzen spekulativer Erkenntnis seine Abs-icht
richtet, könnte man mit eben so gutem Rechte sagen: manches
Buch wäre viel deutlicher geworden, wenn es nicht
1) Die Seitenzahlen beziehen sich auf die Originalausgabe(A),
die bezeichnete Stelle ist der "Übergang zur transzendentalen
Deduktion der Kategorien".
B) Kirchmann:
"im Prinzip".
12 Vorrede so gar deutHch häUe werden soUen. Denn die BUlIs. mittel der DeutZichkeü I~)
12
Vorrede
so gar deutHch häUe werden soUen. Denn die BUlIs.
mittel der DeutZichkeü I~) StDGr in Peilen,
eU6n aber
öfters im Ganzen. indem sie den Luer nicht schmU genug
zut" tfbtJrschauung des Garaun gelangen lassen und ~
alle
i1we hellen Farben gZeie1wJoAl die .Arlihlation. odtJt' den
~ des 811
Neben
und tmhmnflic:A machen.
auf.den es doch. um !ibtJr die EinAm und PüMligkeü duselben
twteilm zu können. am mei ten ankommt.
Es kann, wH miM dtlnk, dem LutJr zu nioAt gmngtJt' .An-
10 lockung dienen. seine BemiJhung mv der des VtJrlauers. zu
ttereinigen. tDmn tJr d~ .A~ hat. ein grolJes und tDichtiges
WtJrk, nach dem fJOf'~ EnItDut"/e. gaM und doch da,.haft
(A XX)
zu tJOllführen. I Nun iBtMetaphtlsik.
nach den Begriflen. die
wir MtJt' daoon geben tDtJrdm. die .Mige aller Wiumschaftm.
die sich eine soZche VnllMadung und ztIJ(Jf' in kut"zer Zeit. und
mit nut" tDmSgtJr. aber ttereinSgW BemlJlw,ng. tter~ dar/.
80 dalJ mMts fiNr die Nachkommenschaft übrig bleibt. als in
der didaktischen ManitJr alles nach wen AbsicAtm einzv.
riMtm. ohne darum den Inhalt im mindesten t16rmeMen zu
20
können. Denn es ist nic1tts als das I nt1entarium aller UMtJrtJr
Besitze dut"M reine VtJrnun/t. 8fJ8temaNch g6Of'llnet. Es kann
um hier mMts mtgehm. tD6Ü. was Vernunft gäMZich aus sich
selbst ~. sich nicht ttersteckm kann. sondern selbBt
dut"ch VtJrnUnft ans Licht gebracht tDitd. sobald man nut" das
gemeinschaftliche Prinzip cI6sselben MIItl6cla hat. Die voU-
kommme Einheit diestJr ArlErkennmisBe. und ztIJ(Jf' aus lauter
reinen Begriffen. ohne daß irgend 6t1D68 t10n Erlalwung. odtJt'
auch nut" besondere Anschauung. die zut" benMnmtm Erlah-
rung leiten sollte, aul sie einigen EinflulJ haben kann. sie zu
80
6f'W6i~ ,~nd zu tterm6hf'en. machen'/.) diese tmbedingte Voll-
stärldigkeü nic:At allein tunUch. sondtJt'n auch noW16ntlig.
Tecum habVa et non quam sV tibi Cut"ta 8Uf'6lle:e. I) PtJrftus.
(A XXI)
lEin soZches 811nem der reinen (B'Pe1ctIlativen) Vernunft
hoffe ich unttJr dem Titel: M etaph1lsik der N aeur. selbBt
zu Ziefsm. tDelches, bei noch nicht der Billte dtJt' WeitltiIufigkeü.
1) Rosenkranz:
"helfen".
I) Hartenstein:
"macht".
I) Valentiner übersetzt: "Sieh dich in deiner eigenen
Behausung um, und du wirst erkennen, wie einfach dein In-
ventarium ist".
zur ersten Auflage 13 dennoch ungleich reicheren Inhalt haben soU, als hier die Kf"iIik, die
zur ersten Auflage
13
dennoch ungleich reicheren Inhalt haben soU, als hier die
Kf"iIik, die zUOOrderst die Qudlen UM Bedingungen ilw6f'
Möglichkeit darlegen mußte, UM einen ganz t16I'Wachs61len
Boden zu reinigen uM zu ebnen nötig hatte. Hier 6f'f/Jarte ich
an meinem Les6f' die Geduld UM Unparteilichkeit eines
Richters, dorl ab6f' die WiUfähigkeit uM den BeislaM eines
Mithelfers,' denn, so '!JOUBtänd.ig auch alle Prinzipien zu
dem System in der Kritik fJOf'getf'agen sifItl, so gehört zur Aus-
jülwlichkeit des SyslemB selbst doch noch, daß es auch an
keinen abgeleiteten Begriffen mangle, die man a priof'i 10
nichI in tJb6f'schlag bringen kann, sontlem die nach ,,tM nach
aufgesucht werden müssen, imgleichen, da dort die ganzs
Synthesis der Begriffe 6f'schöpjt wurde, so wird iJbertlem
hier gefordert, daß eben dasselbe auch in Ansehung d.er Anal y-
sis geschehe, welches alles leicht UM meM Untetrhaltung als
Arbeit ist.
I eh habe nur noch einiges in Anaehung des Drucks anzu-
merken.
konnte
Da der Anfang desselben etwas tJ6f'spätet war, so
ich nur etwa die Hälfte d.er IAushängebogen zu sehen (A. XXII)
bekommen, in denen ich zwar einige, den Sinn ab6f' nicht t16f'- 20
wif'rentle Druckfehler antreffe, auß6f' demjenigen, tl6f' S. 319,
Zeile 4 1 ) tIOn unten oorkommt, da spezifisch anstatt skep-
ti8chgelesenwerdenmuß. Die Antinomie d.erreinen VSf'nUnjt,
von
Seite
426 bis 461 1 ), ist so, nach An einer Tafel, angestellt,
clas alles, was zur Thesis gehört, auf der linken, was ab6f' zur
Antithesis gehört, auf d.er rechten Seite imm6f' fortläuft,
welches ich darum so anordnete, damit Satz uM Gegensatz
desto leichter miteinatldcr tJeII'glichen werden könnte.
1) Zählung der Originalausgabe.
I Vorrede (B VII) zur zweiten Auflage 1) Ob die Bearbeitung der Erkenntnisse, die zum
I Vorrede
(B VII)
zur zweiten Auflage 1)
Ob die Bearbeitung der Erkenntnisse, die zum Vernunft-
geschäfte gehören, den sicheren Gang einer Wissenschaft gehe
oder nicht, das läßt sich bald aus dem Erfolg be1M'teilen. Wenn
sie nach viel gemachten Anstalten und Zurüstungen, sobald
es zum Zweck kommt, in Stecken gerät, oder, um diesen zu
erreichen, öfters wieder zurückgehen und einen andern Weg
einschlagen muß; imgleichen wenn es nicht möglich ist, dic
verschiedenen Mitarbeiter in der Art, 'lb'ie die gemeinschaftliche
Absicht erfolgt 2 ) werden soU, einheUig zu machen: so kann man
10 immer überzeugt sein, daß ein solches Studium bei weitem Mch
nicht den sicheren Gang einer Wissenschaft eingeschlagen,
sondern ein bloßes Herumtappen sei, und es ist schon ein Ver-
dienst um die Vernunft, diesen Weg womöglich ausfindig zu
machen, sollte a'lbch manches als vergeblich aufgegeben werden
müssen, was in dem ohne tJberlegung vorher genommenen
Zwecke enthalten war.
(B vm) IDaß die La gi k diesen sicheren Gang schon von den ältesten
Zeiten her gegangen sei, läßt sich daraus ersehen, daß sie seit
dem Aristoteles keinen Schritt rückwärts hat tun dürfen,
20 wenn man ihr nicht etwa die Wegschaffung einiger entbehr-
licher Subtilitäten, oder deutlichere Bestimmung des Vor-
getragenen als Verbesserungen anrec1men will, welches aber
mehr Z1M' Eleganz, als Z1M' Sicherheit der Wissenschaft gehört.
Merkwürdig ist noch an ihr, daß sie a'lbch bis ietzt keinen Schritt
vorwärts hat tun können, und also allem Ansehen nach ge-
schlossen und voUendet zu sein Mheint. Denn, wenn einige
Ne'lber6 sie dadurch zu erweitern dachten, daß sie teils psycho-
logische Kapitel von den verschiedenen Erkenntniskräften
1) Vom Jahre 1787.
I) Grillo:
"verfolgt".
Vorrede zur zweiten Auflage 15 (der Eirl1Jildungskraft, dem Witze), teil8 metaphY8ische über den Ursprung der
Vorrede zur zweiten Auflage
15
(der Eirl1Jildungskraft, dem Witze), teil8 metaphY8ische
über den Ursprung der Erkenntnis oder der ver8chiedenen Art
der Gewißheit nach Verschiedenheit der Objekte (dem Ideali8-
mU8, Skeptizismu8 usw.), teils anthropologi8che von Vor-
wrteilen (den Ur8achen derselben und Gegenmitteln) hinein-
8choben, 80 'fÜhrt dieses von ihrer Unkunde der eigentümlichen
Natur die8er Wi88enschaft her. Es ist nicht Vermehrung,
sondern Verunstaltung der Wi88enschaften, wenn man ihre
Grenzen ineinander laufen läßt: die Grenze der Logik aber ist
dadurch ganz genau bestimmt, daß 8ie eine Wis8enschaft 10
ist, I welche nichts als die formalen Regeln alles Denkens (es (B IX)
mag apriori oder empirisch 8ein, einen Ursprung oder Objekt
haben, welches es wolle, in unserem Gemüte zufällige oder
natürliche Hindernis8e antreffen) ausführlich darlegt und
strenge bewei8t.
Daß es der Logik so gut gelungen ist, diesen Vorteil hat 8ie
bloß ihrer Einge8chränktheit zu verdanken, dadurch sie berech-
tigt, ja verbunden ist, von allen Objekten der Erkenntnis und
ihrem Unter8chiede zu abstrahieren, und in ihr al80 der Ver8tand
es ~it nichts weiter, als sich 8elb~tl)und 8e1:ner Form, zu tun
hat. Weit 8chwerer mußte es natürlicherweise für die Vernunft
8ein, den 8icheren Weg der Wis8enschaft einzuschlagen, wenn
sie nicht bloß mit sich 8elbst, 80ndern auch mit Objekten zu
schaffen hat; daher jene aucJ~ als Propädeutik gleichsam nwr
den Vorhof der Wis8enschaften ausmacht, und wenn von
Kenntnis8en dieRede ist, man zwar eine Logik zur Bewrteilung
der8elben voraus8etzt, aber die Erwerbung der8elben in eigent-
lich und objektiv 80 genannten Wi8senschaften suchen muß.
Sofern in diesen nun Vernunft 8ein soU, 80 muß darin etwa.,
apriori erkannt werden, und ihre Erkenntni8 kann auf zweierlei
20
30
Art auf i'Men Gegenstand bezogen werden, entweder 2 ) diesen
und seinen Begriff (der anderweitig gegeben werden muß) bloß
zu I be8timmen, oder ihn auch wirklich zu machen. (B X)
Die er8te ist theoreti8che, die ande1'e p'rakti8che Erkennt-
ni8 der Vernunft. Von beiden muß der reine Teil, 80viel oder
sowenig er auch enthalten mag, nämlich derjenige, darin Ver-
nunft gänzlich a priori ihr Objekt be8timmt, vO'1'her allein VO'1'-
1) Grillo: "als mit sich".
~) Görland; "entweder um".
16 Vorrede getragen werden, und daBjenige. was aus anderen Quellen kommt, damit nicht t1ertnengt werden;
16
Vorrede
getragen werden, und daBjenige. was aus anderen Quellen
kommt, damit nicht t1ertnengt werden; denn ea gibt üble W in-
schaft, wenn man bZindlings auagt"bt, was einkommt, olme
naMher, wenn iene in Stecken gerät, wntersoheidm su können,
welcher TeiZ der EitvNihme den A ufwa'fld tragen k6nne, und
t1()fI. weZcher 1 ) man denselben beachneiden muß.
M athemalik und Physik sind die beiden theormachen
Erkenntnisse der Vernunft, welche ihre Obiekte apriori be-
stimmen solZen, die erstere ganz rein, die sweit6 wenigsteN sum
10 Peil rein, dann aber (JfIJ,(;'h nach Maßgabe anderer ErlcermmiB-
quellen aZa der der Vernunft.
Die Mathematik ist t1()fI. den frühest6n Zeit6n her, wohin
die Geachichte der mense1Uichen Vernunft reicht, in dem bewun-
clernBwiWcligen Volke der Griechen den sicheren Weg einer
Wissenschaft gegangen. AUein man darf nicht denken, daß
ea ihr so leicht geworden, wie der Logik, wo die Vernunft ea nur
(B XI)
mit sich
selbst su tun hat, ienen 1cöniglicMn Weg su
lref I fen,
oder vielmehr sich selbst zu bahnen; vielmehr glaube ich, daß
ealange mit ihr (oornehmlich noch unt6r den .l.g1lPI6m) beim
20 Herumtatppen geblieben ist, und dieae Umänclerung einer
Ret1olution zuzuschreiben sei, die der gliJclcUche EinfaU
einea einzigen M annea in einem Versuche zustande bracht6,
l1Qß weZchem an die Bahn, die man nehmen mußt6, nicht mehr
zu 11/lrfehlen war, und der sichere Gang einer Wissenschaft für
aUe Zeiten und in unendliche Weit6n eingeachZagen und oor-
gezeichnet war. Die Geachicht6 clieaer ReooZution der DenkfJrl,
welche 11iel wichtiger war, aZa die Entdeckung des Wegea um
das berühmte Vorgebirge, und des Gliiclclichen, der sie sustande
bracht6, ist uns nicht au/behalt6n. Doch beweiBt die Sage, weZche
80 Dio gen es der L aer Ii er uns überliefert, der t1()fI. den 1cleinst6n,
und, nach dem gemeinen Urt6Ü, gar nicht einmal einea Be-
weiBea bm6tigten, Elementen der geometrischen Demonstra-
tionen den angeblichen Erfinder nennt, daß das Andenken der
Veränderung, die durch die erBt6 Spur der Entdeckung dieBea
neuen Wegea bewirTet wurde, den Mathemaflilcern äußerst
wichtig geachienen haben mÜ88e, und dadurch wntJeJrgeßlich
1) Erdmann: "von welchem"; Görland ergänzt: "welcher
(Einnahme)".
zur zweiten Auflage 17 g6fJJO'l'de,n sei. Dem ersten. der den glei chseitigenl) Triangel ~ (er
zur zweiten Auflage
17
g6fJJO'l'de,n sei. Dem ersten. der den glei chseitigenl) Triangel
~ (er mag nun Thalea oder wie man tDiU ge'lla/kn
1KIben),demgingeinLichtlJUf;denner femd,daß IermcAcdem, (B XII)
WIJB er in der Figur sOO, oder auch dem bloßen Begriffe der-
selben t140ABpüren und gleWaBam dallOR ihre Eigemchaft,en
ablemen, sondern durch tltW), WIJ8 er nach Begriffen s8lb8t
apriori hineindachte und darBteUce
(durch KOfWI~),
~ngen8) mÜBBe, und daß er, um sicher 6CW1JB a pnon
zu toiBsen, er der') Sache Mehls beilegen mÜBBe, als WIJ8 SUB
dem ~
f()lgCe, WIJB er seinem Begriffe gmuJlJ
8elbBC in 10
8U gelegt W.
Mit der Natuf'tJJi8IIenschaft ging 68 weit langsamer zu, bu.
8U den Heer68We{J der Wissenschaft waf,' denn 68 Bind nur Moa
t:mtlerlhalb Ja1whunderCe, dalJ der Vorschlag des rinnreichen
B aco "on Verulam di8ae EntJecJcung teil8 fIerfJf'Ila!Jte, 1eÜ8,
da man bereits auf der Spur derselben toar, mehr belebte, welche
eben sowohl durch eine 8Chnell tJO'I'gegangene Reoolt4ion der
DenkarC er1clärc werden kann.
Ich will hier nur die Natur-
toiBsenschaft, so fern 8U auf empirische Primipi,en ge-
griindeI ist, in E'f"Wiigung ziehen.
AlB GaUlei seine Kugeln die schiefe Fläche mit einer t'Oß
ihm selbn getJJdhlten ScNwere herabrollen, oder TorriceUi die
Luft ein Gewicht, WIJ8 er sich zum t'Of'a'US dem einer ihm be.
20
kannten W IJ88ersäule gleich gedacht hatte, wagen lielJ, oder
in flOM späterer Zeit Stahl Metalle in Kalk
tmd diesen
wieder I um in M ecall t'erWaf'ldelte, indem er ihnen UwIJB mIzog (B XIII)
und wiedergab*); so ging allen Naturforschern ein Licht IJUf.
*) Ich folge 1Ker nicl&t gmau dem Fadm der GucAicAte der
&:perittaet&talthetAode, deren erate Anfänge auch tric1It tDoAl be-
kannt sind.
1) Rosenkranz: gleichschenklig" (auf Grund eines Briefes
von Kant an Schütz vom 26. Juni 1787).
I) Hartenstein: "sondern sie durch das"; Erdma-nn:
"sondern diese durch das"; Adickes: "sondern das",
I) Erdmann: "darstellte, (durch Konstruktion) seinen
Gegenstand allererst hervorbringen": Hartenstein: .•. (durch
Konstniktion) sie hervorbringen".
&) Rosenkranz: "und daß, um sicher etwas apriori zu
wissen. er der Sache"; Kehrbach: "und
wissen, der Sache".
daß er, um
Kallt, Kritik der l'eiImI Vemunft.
2
18 Vorrede Sie begriffen, daß die Vernunft nur das eirt8ieht, was sie selbst nach ihrem
18
Vorrede
Sie begriffen, daß die Vernunft nur das eirt8ieht, was sie selbst
nach ihrem Entwwrfe hervorbringt, daß sie mit Prinz'ipien
ihrer Urteile nach beständigen Gesetzen vorangehen und die
Natur nötigen müsse auf ihre Fragen zu antworten, nicht aber
sich von ihr allein gleich.,am am Leitbande gängeln lassen
müsse!); denn S0rt8t hängen zufällige, nach keinem vorher
entworfenen Plane gemachte Beobachtungen gar nicht in einem
notwendigen Gesetze zusammen, welches doch die Vernunft
sucht und bedarf. Die Vernunft muß mit ihren Prinzipien,
10 nach denen allein übereinkommend( 2 ) Erscheinuf/{Jen für Gesetze
gelten können, in einer Hand, und mit dem Experiment, das
sie nach jenen ausdachte, in der anderen, an die Natur gehen,
zwar um von ihr belehrt zu werden, aber nicht in der Qualität
eines Schülers, der sich alles vorsagen läßt, 'Was der Lehrer will,
sondern eineS bestallten Richters, der die Zeugen nötigt, auf
die Fragen zu antworten, die er ihnen vorlegt. Und so hat sogar
Physik die so vorteilhafte Revolution ihrer Denkart lediglich
(B XIV) dem Einfalle zu verdanken, demje Inigen, was die Vernunft
selbst in die Natur hineinlegt, gemäß, dasjenige in ihr zu
20
suchen (nicht ihr anzudichten), was sie von die.ser lernen muß,
?tnd wovon sie für sich selbst nichts wissen würde. 1Iierdu'rch
ist die N aturwissert8chaft allererst in den sicheren Gang einer
W issert8chaft gebracht worden, da sie so viel Jahrhunderte durch
nichts weiter als ein bloßes Herumtappen gewesen war.
Der Metaphysik, einer ganz isolierten spekulativen
Vernun/terkenntnis, die sich gänzlich iiber Erfahrungsbeleh-
rung erhebt, und zwar durch bloße Begriffe (nicht wie Mathe-
matik durch Anwendung derselben auf Art8chauung), wo
also Vernunft selbst ihr eigener Schüler sein soll, ist das
30
Schicksal bisher noch so {JÜrt8tig nicht gewesen, daß sie den
sicheren Oang einer W issert8chaft einzuschlagen vermocht
hätte,' ob sie gleich älter ist, als alle übrige3), und bleiben würde,
wenn gleich die übrigen irt8gesamt in dem Schlunde einer alles
vertilgenden Barbarei gänzlich 1'erschlungen werden sollten.
Denn in ihr gerät die Vernunft kontinuierlich in Stecken,
1) Grillo: "lassen; denn".
') Erdmann: "übereinstimmende".
3) 5. Aufl.: "alles übrige"; Rosenkranz: "alles Übrige";
Erdmann: "alle übrigen".
zur zweiten Auflage 19 selhst wenn sie dieienigenGesetze, welche die gemeinste Erfah- rung bestätigt, (wie
zur zweiten Auflage
19
selhst wenn sie dieienigenGesetze, welche die gemeinste Erfah-
rung bestätigt, (wie sie s'ich anmaßt) apriori- einsehen will.
In ihr muß man unzählige Male den Weg zurück tun, weil
man findet, daß er dahin nicht führt, wo man hin will, und
was die Einhilligkeit ihrer Anhänger in Be I hauphm.gen (B XV)
betrifft, so ist sie noch so weit davon entfernt, daß sie vielmehr
ein Kampfplatz ist, der ganz eigentlich dazu bestimmt zu sein
scheint, seine Kräfte im Spielgefechte zu üben, auf dem noch
niemals irgend ein l!'echter sich auch den kleinsten Platz hat
erkämpfen und auf seinen Sieg einen dauerhaften Besitz 10
gründen können. Es ist also kein Zweifel, daß ihr Vcrfahren
bisher ein bloßes Herumtappen, und, was das Schlimmste ist,
unter bloßen Begriffen, gewesen sei.
Woran liegt es nun, daß hier noch kein sicherer Weg der
Wissenschaft hat gefunden werden können? Ist 0/1' etwa un-
möglich? Woher hat denn die Natur unser'3 Ve;rnunft mit der
rastlosen Bestrebung heimgesucht, ihm als einer ihrer wichtig-
sten Angelegenheiten nachzuspüren? Noch mehr, wie wenig
haben wir Ursache, Vertrauen in unsere Vernunft zu setzen,
wenn sie uns in einem der wichtigsten Stücke unserer Wiß- 20
begierde nicht bloß verläßt, sondern durch VorspiegeZungen
hinhält und am Ende betrügt! Oder ist er bisher nur verfehlt;
welche Anzeige können wir benutzen, ".m bei erneuertem Nach-
suchen zu· hoffen, daß wir glücklicher sein werden, als andere
vor uns gewesen sind?
Ich sollte meinen, die Beispiele der Mathematik und Natur-
wissenschaft, die durch eine auf ein Imal zustande gebrachte (B XVI)
Revolution das geworden sind, was sie ietzt sind, wärel)
merkwürdig genug, um dem wesentlichen Stücke der Umände-
rung der Denkart, die ihnen so vorteilhaft geworden ist, nach- 30
zusinnen, und ihnen, soviel ihre Analogie, als Vernunfterkennt-
nisse, mit der Metaphysik verstattet, hierin wenigstens zum
Versuche nachzuahtmen. Bisher nahm man an, alle unsere
Erkenntnis müsse sich nach den Gegenständen richten; aber
alle Versuche über sie a priori etwas durch Begriffe auszu-
machen, wodurch unsere Erkenntnis erwf!litert 'Urürde, gingen
unter dieser Voraussetzung zunichte. Man tJersuche es daher
einmal, ob wir nicht in den Au/gaben de1 Metaphysik damit
1) Rosenkranz: "wären".
2*
90 Vorrede bUHr I~ drsß tIM ~ die Geg~ miiacet& ftcA t'&Cl.M URIerefR 1I1r~ ric1aCeR.
90
Vorrede
bUHr
I~
drsß
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die Geg~
miiacet& ftcA t'&Cl.M URIerefR 1I1r~ ric1aCeR. welcAM ao achoft
heuer _ der wrlcmglen Mög~ After 1I1rJ:etwnN der-
nlben tI priori Zfl8am~,die üb81' GegmtlldNle, Me .se
UM gegtben tDerdm, etwaB IUfHIU;n aoU. 1118
hiermit ebm.Bo,
ala milden 1 )
Ir"GedGnleerHlu K 01'er",leU8 betDtJl'&dl, der,
tatJtMem u mil der 1I1r1cllJrwtq der HimmelsbetDefUftf1en ntehI
f1UI Itm wolZIs, tDefm
CJfUkJ1Im, drJB gGftU S~
iI.reM
atch 'IM den ZuBe1wJuer, verlUClhC&. ob u
ntehI bUHr geltftgen
10 möcAIe, tDefm
den Z
c1ttJuM
Bkh drehen, und dagegen die
(B XVII) &.ne '" Ruhe lüß. In der MelcYpAgale 1ctJr&n f'IIt.m I mm,
weu die Ä nBelhtluung der~ belri/#, u (JIU,f ä1mZtche
Weise wr8tlCAen.
BOIttJlfeMeil der ~
Wm.n die Anso1ltJuung Bkh t&tJo1l der Be-
rio1lIm. müßte, ao .ehe iM ntehI
ein, wH Mon Gpriori ClOn ilw etwaB wiBBen kÖRne,' ric1atel ftM
OO81'derGegenBklnd (alaObje1t:t der Sifme) ntJC1lder BuchtJl1m-
heil Uft8fIf'U Ä~tJnB. 80 1cMm ich mir GieBe
MögUMleeiI gGnz tD01aI tJOf'BIellen.
Weil iM 0081' bet dtuen
Änsc1lcJuungen, tDefm .se 1I1rkenrtmiB8e werden Bollen, ntehI
20
lfMm. bleiben 1ctJnn, BOfIdem .se als VorBt8Uungen (JIU,f irgmd
etwaB als Geg6ft8larld beWJaen und GieBen durch iene beBttmmen
mu/J,80 1ccmn iM e1IIlD6d6r ~
iM GieBe BUltmmtmg ~
die Begr'lfe, tIJOdurch
bringe, richten BiM ~ ntJtS1l
dem Gegen8ItJnde, und da"" btn ich ~
'" derBelben
VerlegeMeil, tDegen der A,.,. wH iM (J ,non hiervon etwaB
wiBBen I:önne: oder iM fIe1ame on, die Geg~ oder, weJc1w
einelW
die lCr ftlhrung, '" t.oekher .se allein (als gegebene
G~)
81'1cGnt1I tD81'den, richte Bkh ntJtS1l dtuen Begriffen,
.0 .ehe iM 80ftm etne Ietohtere Ä
letm#.
toeil1l1rfciJwung selb8t
80
etne 1I1rJ:etwnNarl
,
die V 81'Btmad 81'forderl, duBen Regel
iM '" mir, noch ehe mir G~ gegeben werden, mithin
(J ,non tJOf'(J!/J,8.etzen mu/J, welMe i" Begriffen (J ,non (J!/J,8.
getlrllo1ct tDird, nach denen ftM also tJlleG~ der 1I1r1aJa.
(B XVIIl) rtmg I notwndtgric1alenundmitihnenüberemmmmenmÜBBm.
WCJ8 Gegef&llliJnrJe beftf#. BOf
,.
.se bloß durch V81'f'Mmft und
8tDOf' ftOWJmdig gedaohI, die 0081' (80 wentgBtenB, wH die V81'-
mmft N
denk) gar ntehI '" der 1I1rlalwung gegeben W81'den
iönNm, ao W81'den die VerBUMe N
zu den1:en (denn denken
I) Erdmann: "dem".
zur zweiten Auflage 21 mÜHm sie ritih tJoM lGAm), AemtJcla eiMn 1aerrUdIm ProWer· BIeiA dujmigm
zur zweiten Auflage
21
mÜHm sie ritih tJoM lGAm), AemtJcla eiMn 1aerrUdIm ProWer·
BIeiA dujmigm abgtlH;n, fD(U tIM az. dN wnInderIe MeI1fotM
der D~
~
dofJ tIM fICimUch t1tm cfm ~
nUf' du G priori erketwam, fD(U tIM Be11m in sie legen.*)
DieHr Vflf'8UClh gelingI ftCICA Wunec1l, und wrlfJricAl der
Melaph7l11Ü '" ihrem er". Peile, do .ie 8ich ncJmUclh mit Be-
griffm GprioribucM#igI,dcwondN ~a.,
8Iäntla
in
der lfJr/aIwtmg jenen ~
gegeben .".,
,.
können, den I .ic1wrm GMI(J einer W
".
DeM
(B XIX)
kann ftCICA me.er Verciradert.mg der Den1ctJrI dN MligUo1ahit 10
eina- lfJrkemamU G priori g(Jftl$ tI101tl er1:llren, und, fD(U noM
mehr
e,
ist, die ae UlelcAe G priori der N GItW, az. dem In-
begriffe der Geg6Nl4ftde der lfJrftl1wtmg,
G'nmde Uegen.
mit ihrm 1 ) gm~ Bewei.teft tIer.Mm, fDeZo1aeI beidu
fW.ICh der biBherigeft Verf~ tmmeJgUM tDGr. Aber SB
ergibt 8ich tIW tUeBer ~ UNerSB V~ G priori
zu erkmnm, im er.1en Petze der MelGP1l7IBi1c
be/r~
und dem g(Jftl$6ft ZtDeCl:e derBelbm, der cfm swiIm Peil be-
.eMfIigI, dem A~
ftCICA
~
B6B1flIaI,
*) Diae deta Nattw(oruAer tlClCAgeaAMte Met1torU 6attAt tJlIo
darin: die Elemente der
V
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in deta .sv BIden, tIIG'
.ich durcll ein E:J:perimen' b6lt4",en oder tIIiderle,.n
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Prifu, der Sät" dtJr
VtnIMjI,
t10mehmlicA IHM N Qber ""'" Gnfue m6glicAer JiJrfa1wwtg Aiu
,etI1tJgt wrtlen, iM .E:rp!ri"'" mit ihrM ObJ"'" mtJCMIt
rw in dtJr Natwrtllittentc1laft): alto tllird. """ mit B.,riffen
Md Grund,atsen, tUe tIIir G priori tUIfIeA_, ttmliM -.
indem fJI(Jft tie tItimW 80 einriMtd, dal t.lieNlbm (hgeul4flde
einer,eit, alt Gegefl8t4ntle der Si
I Md du VerttancIet ftir (B XIX)
die Erfa1wwtg, Gndereruit, aber tlocA alt Geg6fl8Ulflde, die
fJI(Jft blol dm.W, allI!tAfalb fir die isolierte Md ihr') 1Grfall-
f"UfI/IBgr- Ili
trebmtle
Vet"lMmtt, trritAin t10ft
tHlt"8cAie-
denen Seiten betrtJc1ltet tII6f'CIen können.
ßIfIdet. tic1 MIt, dal,
die Dittge alllj
tloppeltm ~
bdrt.JtideI,
Eins"""""", mit dem Priuip der NÜttll V
ft
BlaUflwM,
bri einerlei GaiclttBpM1le aber ein ~
Wiclertlrrit
der V
,
,."
_
tic1 telbt, """"'e. 80 ~
tlat Ere-
perifllMt fir die BicMigl:ri' ierter l1tItmf:ieitl"",.
I} Görland: "ihnen".
I) Erdmann: .ü~ die"; Adickel: "über alle".
22 Vorrede nämlich daß 'wir mit ihm nie. über die Grenze möglicher Erfah- rung hinauskommen
22
Vorrede
nämlich daß 'wir mit ihm nie. über die Grenze möglicher Erfah-
rung hinauskommen können, welches doch gerade die wesent-
(B XX) lichste Angelegenheit dieser Wissenschaft ist. Aber hierin I liegt
eben das Experiment einer Gegenprobe der Wahrheit des
Restdtats jener ersten Würdigung unserer Vernunfterkenntnis
apriori, daß sie nämlich nur auf Erscheinungen gehe, die Sache
an sich selbst dagegen zwar als für sich wirklich, aber VOr/. uns
unerkannt, liegen lasse. Denn das, was uns notwendig über
die Grenze der Erfahrung und aller Erscheinungen hinaus zu
10
gehen treibt, ist das U nb edingte, welches die Vernunft in den
Dingen an sich selbst notwendig und mit allem Recht zu allem
Bedingten, und dadurch die Reihe der Bedingungen als vollendet
verlangt. Findet sich nun, wenn man annimmt, unsere Erfan-
rungserkenntnis richte sich nach den Gegenständen als Dingen
an sich selbst, daß das Unbedingte ohne Widerspruch gar
nicht gedacht werden könne: dagegen, wenn man annimmt,
un-sere Vorstellung der Dinge, wie sie uns gegeben werden, richte
sich nicht nach diesen, als Dingen an sich selbst, sondern diese
Gegenstände vielmehr, als Erscheinungen, richten sich nach
20
unserer Vorstellungsart, der Widerspruch wegfalle; und
daß folglich das Unbedingte nicht an Dingen, sofern wir sie
lcennen, (sie uns gegeben werden,) wohl aber an ihnen, sofern
wir sie nicht kennen, als Sachen nn sich selbst, angetroffen
werden müsse: so zeigt sich, daß, was wir anfangs nur zum
(B XXI) Versuche annahmen, gegTÜn Idet sei.*) Nun bleibt uns immer
noch übrig, nachdem der spektdatit'en Vernunft alles Fort.
lcommen in diesem Felde des Übersinnlichen abgesprochen
worden, zu versuchen, ob sich nicht in ihrer praktischen Er.
kenntnis Data finden, jenen transzendenten Vernunftbegriff
30 de.~ Unbedingten zu bestimmen, und auf solche Weise, dem
*) Dieses .Experiment der reinen Vernunft hat mit dem der
Ohemiker, welches sie manchmal den Versuch d~ Reduktion,
im allgemeinen aber das synthetische Verfahren nennen, viel
Ähnliches. Die Analysis des Metaphysikers schied die reine
Erkenntnis apriori in zwei sehr ungleichartige Elemente, näm-
lich die der Dinge als Erscheinungen, und dann der Dinge an
sich selbst. Die Di alektik verbindet beide wiederum zur Ein-
helligkeit mit der notwendigen Vernunftidee des Unbedingten
und findet, da{l diese Einhelligkeit niemals anders, als durch jene
Unterscheid'Wflg herauskomme, welche also die wahre ist.
zur zweiten Auflage 23 Wunsche der Metaphysik gemäß, über die Grenze aller möglichen Er/ahrung hinaus
zur zweiten Auflage
23
Wunsche der Metaphysik gemäß, über die Grenze aller möglichen
Er/ahrung hinaus mit unserem, aber nur in praktischer Absicht
möglichen Erkenntnisse a priori zu gelangen. Und bei einem
solchen Ver/aMen hat uns die spekulative Vernunft zu solcher
Erweiterung immer doch wenigste'YW:i Platz 'Verschafft, wenn sie
ihn gleich leer lassen mußte, und es bleibt uns also noch unbe-
nommen, ia wir sind gar dazu durch sie aufgefordert, ihn
durch I praktische Data derselben, wenn wir können, aus- (B XXll)
zufiillen. "')
In ienem Ver.~uche, das bisherige VerfaMen dCIT Metaphysik
10
umzuändern, und dadurch 1 ), daß wir nach dem Beispiele der
Geometer und Naturforscher eine gänzliche Revolution mit
derselben vornehmen, be.steht nun das Geschäft dieser Kritik
der reinen 8pekulativen Vernttnft. Sie ist ein Traktat von der
Methode, nicht ein System der Wissenschaft selbst; aber sie
verzeichnet gleir.l//Wohl den ganzen Umriß derselben, sowohJ,2) in
AnsehungihrerGrenzen, als auch I den ganzen innerenGlieder- (B XXill)
bau 3 ) derselben. Denn das hat die reine 8pekulative Vernunft
EigcnW,mliches an sich, daß sie ihr eigen Vermögen, nach
*) So verschafften die Zentra~qesetze der Bewegung der
IIimmelskiJrper dem, was Kopernikus, anfanglich nnr als
Hypothese annahm, ausgemachte Gewi{lheit und bewiesen zu-
gle:ich die unsichtbare, den Weltbau verbindende Kraft (der
Ne,wtonischen Anziehung), welche auf immer unentdeckt ge-
blieben wäre, wenn der erstere es nicht gewagt Mtte, auf eine
widersinnische, aber doch wahre Art, die beobachteten Bewegungen
nicht in den Gegenständen des Himmels, sondern in ihrem Zu-
schauer zu suchen. Ich stelle in dieser Vorrede die in der Kritik
vorgetragene, :jener Hypothese analogische, Umänderung der Denk-
art auch nur als Hypothese auf, ob sieqleich in der Abhand-
lung selbst aus der Beschaffenheit unserer Vorstellungen von Raum
und Zeit und den Elementarbe(Jriffen des Verstandes, nicht hypo-
thetisch, sondern apodiktisch bewiesen wif·d, um nur die ersten
Versuche einer solchen Umänderung, welche allemal hypothetisch
sind, bemerklich zu machen.
1) Adickes: "und zwar dadurch"; Erdmann vermutet,
daß hier ausgefallen sei: "ihr den sichern Gang einer Wissen-
schaft zu geben", evtl. sei "und" zu streichen.
2) Valentiner verlegt das Komma hinter "sowohl".
') Erdmann: "des •
Gliederbaus".
24 Vorrede Vers~ der An. tDie Me trich Objekte zum DeMen. tJJtWI. ClU8f'll6888ft, und GtCClh
24
Vorrede
Vers~
der An. tDie Me trich Objekte zum DeMen.
tJJtWI. ClU8f'll6888ft, und GtCClh 86lb8e die mcmcAerZet Anm, trich
A ufgabm vorzulegen., "OllBländig tlOt'ZdhZen, uM 80 den. gcmun
Yorri/l su einem 81181em der MtJaiph,lN wrzeic1men l:tmt\
und soll; weil. was das erBCe bstrifte. in der Er~ apriori
den Objekltn McAt8 beigelegl werden. l:tmt\, als was das denkende
8ubjek GU8 trich H1b8I1aerMmml. Uftd. was das ~
tIfIkmgI.
Me in Amehung der J!W~iptm eine gGM abguon-
derIe. /Ur BiM b68khetatle EiMetI ül. in welcher ein jedes GUed.
10 tDie in einem org~ Körper. um aller Gflderm uM alle
um etMB wtllm da Bind. uM kein PriM", mit 8tMerheit 'n
e'ner BeßMU"f1 gmommen. werden kann. ohne u sugZetM 'n
der durchgäng'gen BatMung sum gcmun remen Vermm/l-
gebrGtCClh UftIersuMlsu·habm. Da,/Ur aber MI GtCClh die Meta,.
ph1lN das seltene Glüo1c. welMu keiner a,nderm Vernun/l-
wiuenBMaft. die u mit Obie1clm su Iun MI (denn die Log'Te
buchdfttgl riM nur mit der FOf'm du Dm1cmB iiberhaupl),
sUIeiJ werden l:tmt\, da/l. werm Me dwrM diue KmiTe in den.
riMeren. Gang einer WW6f&8Maft gebraohl worden. Me das
20 gGMe Ff!ld der /Ur Me geMrigm J!W~e völUg befrJ886n I
(B XXIV) uM aLso ihr WerTe t10llentIm uM /Ur die NoMweZI. als emen
tKe su ~
HaupfBlu1Il, sum GWrGtCClhe niederlegm
1ca,,,,,,. weil Me u
bZo/l mit P~ uM den. 1!:wclwätakungm
ihru GebrGtCClhB su Iun haI, wdclhe dwrM ime selbsl bultmml
werden. Zu diuer VollBtdndtgkeil ÜI Me daher. als (}rund.
wtNenBo1I.ate. auch verbunden., uM "0" ihr mu/l geBauI werden.
k6m&m:
ntl aclum
repuIc:mB. Bi qWI ~eI
a,gmtJum 1 ).
Aber was ÜI detm das. 1IMd t'IU.m fragen., für ein Schals.
den tIM der NtJCh1«Jmm8fl8Maft mit einer 80lMm durM KrittTe.
80 geld1ACerlen, ~ obtIr GtCClhin emen belaorrUcAenZueIcJftd 96-
braohlm Meltlph1lN, N 1M~~' M(JfI wH·d bei
einer /ZüMligmt.J6
cIiuu Wer1cu ~
glauben.,
da/l der Nutur& dat10n doch nur ftegal'., Ht, tm8 flCimUM
mit der ~.,. VfJt'fW,f&te
iiber die J!Wfa1wurllp·
gr6M6 Mf&GU8 sv wagen., und das ÜI GtCClh in der TGI ihr erBter
NtIItUf&.
Dtuer aber 1IMd alBbClld pos.,•.,. wenn t'IU.m tnf&e
1IMd. da/l die fJrundMJ/u. mit den.m trich ~ Vernuftte
iiber tMe Grertu ~ in der Tal MeIle Brve"ervftg.
I) Valentiner übenetzt:
Sie
hilt noch nichts für getan.
10 lange noch etwas ZII tlIn übrig ist."
zur zweiten Auflage 25 Bondern, tDefm man aN nciher bewachtet, Verengung UftBeI'U Vermmftgtlwrw.cM zum ~Uchm
zur zweiten Auflage
25
Bondern, tDefm man aN nciher bewachtet, Verengung UftBeI'U
Vermmftgtlwrw.cM zum ~Uchm Erfolg haben, tradem
Bie wirklich die Gr6flUft der 8im1lic1&1ceit, zu der Bie eigentliM
gMlJrm, I über aZleB zu~ und BO denreinen (prtJ1mBc1&en) (B xxv)
Verwunftgtlwauc1& gM zu t16rdräf&gen drohen. DaMIt ist eine
Kritik, weZc1&e die erstere einBchrän1et, Bofern ZWM negaeiv,
aber, mdem Bie dadurch zugZeiM ein Hit'IdemiB, t06lchu den
Zelzceren GtlwauM einBckrtinkt oder gM zu ~ droht,
aufMbe, in der Tat f10ft pOBiei"em und B. tOichtigem Nutzen,
Bobald man überzeugl tOirtl. daIJ 68 einen Bc1&Zec1&terd,i,ngB not- 10
wendigen praktischen GtlwGtl.Ch der reinen Verwunft (den
~) gtbe, in weZcbem Bie Bich u~ über die
Grenzen der 8~ erweitert, dazu sie ZWM f10ft der 8fJelcu-
lativen 1eeiner Beihilfe bedarf, dewnoch aber tDider iMe Gegm-
wir1eung g68ic1&erc Bein muß, um nicht in WiderBfJruc1& mit Bic1&
Belbse zu geraten. Di68em Dienste der Kritik den pOB'Hi"en
Nutzen abZU8fJrechen, tOMe tben BO M, e&lB Bagm, daß Polizei
.RenpoBitioen Nutzen Behalte, weil iM HatllpCg68tJ1ii.ft doch
nur ise, der GCtOalctiJtigkeie, tOeZc1&e Biirger f10ft Bürgern zu
buorgen haben, einen Riegel f1MZUBc1&itben, damie ein jeder 20
.eine AngeZgenheie ruhig tmtl Bieher treiben könne. Da{J Raum
und Zeit nur :Formen der BimIlichen Anschauung, e&lB0 '""
Bedingungen der ENtenz der Dinge e&lB ErBcheinungen Bind,
daß 11M ferner 1eeine Ver~lfe, mithin atech gM keine
.Elemente zur ErkennmiB der Dinge habm, als .ofern I di68en (B XXVI:
Begriffen korrespondierende Anschauung gegtben werden kann,
folglich 11M von 1eeinem Gegenstande als Dinge an Bich selbsc,
Bondern nur Bofern er) Objekt der sinnlichen Anschauung isc,
d. i. e&lB Erscheinung, Er1eeMtnia haben können, tDird im
analytischen Teile der Kritik betOiuen: tOOrlJUB denn freilich 80
die EinstJlwtinkung aller nur möglichen 8fJe1eulatWen ErkennmiB
der Verwunft auf bloße ~ der Erfahrung folge.
Gleichwohl tDird, tOelchu wohl gemerkt werden muß, doch dabei
immer tIOt'behalten, daß wir tben di68eZben Gegenstände auch
e&lB Dinge an Bich aZWt, t06ftft gZeic1& nicht erkennen, doch
tDmigBCenB miiBBen denieß können.). Denn sonst würde der
*) Ji}inm GegenltantJ erkennen, dazu wird erfordert, da'
ich .rine Jl6glic1&keit (t.8 .ri nach dem Zeugnia der Erfahrwng
1) Erdmann: "er".
26 Vorrede X~I1)ungereimte Satz daraua folgen, daß Er Ischeinttng ohne etwas wäre, was da erscheint.
26
Vorrede
X~I1)ungereimte Satz daraua folgen, daß Er Ischeinttng ohne etwas
wäre, was da erscheint. Nun wollen wir annehmen, die durch
unsere Kritik notwendiggemachteI) Unterscheidung der Dinge
als Gegenstände der Erfahrung, von eben denselben, als Dingen
an sich selbst, wäre gar nicht gemacht, so müßte der Grundsatz
der Kauaalität und mithin der N aturmechanismua in Bestim-
mung derselben durchaus f:on aUen Dingen üherhaupt als
wirkenden Ursachen gelten. Von eben demselben Wesen also,
z. B. der menschlichen Seele, würde ich nicht sagen können,
10 iM Wille sei frei, und er sei doch zugleich der N atumotwendig.
keit unterworfen, d. i, nicht frei, ohne in einen offe'Ylharen
Widerspruch zu geraten: weil ich die Seele in beiden Sätzen
in eben derselben Bedeutung, nämlich als Ding üherhau1)t
(als Sache an sich selbst) genommen habe, und, ohne vorher-
gehende Kritik, auch nicht anders nehmen konnte. Wenn aber
die Kritik nicht geirrt hat, da sie das Objekt in zweierlei
Bedeutung nehmen lehrt, nämlich als Erscheinung, oder als
Ding an sich selbst; wenn die De.duktion ihrer Verstandes-
begriffe richtig ist, mithin auch der Grundsatz der Kausalität
20 nur auf Dinge im ersten Sinne genommen, nämlich sofern sie
Gegenstände der Erfahrung sind, geht, eben dieselben aber na.ch
(B der zweiten Bedeutung ihm nicht unte'l'worfen sind, so wild
XXVIII) eben derselbe Wille in der I Erscheinung (den sichtbaren Hand-
lungen) als dem Naturgesetze notwendig gemäß und sofern
nicht frei, und doch andererseits, als einem Dinge an sich
selbst angehörig, jenem nicht unterworfen, mithin als frei
gedacht, ohne daß hierbei ein Widerspruch vorgeht. Ob ich nun
gleich meine Seele, von der letzteren Seite betrachtet, durch
aus seiner Wirklichkeit, oder a pliori durch Vernunft} beweisen
könne. Aber denken kann ich, was ich will, wenn ich mir nur
nicht selbst widerspreche, d. i. wenn mein Begl'iff nur ein mög-
licher Gedanke ist, ob ich zwar dafiir nicht stehen kann, ob im
Inbegriffe aller Möglichkeiten diesem auch ein Objekt korrespon-
diere oder nicht. Um einem solchen Begriffe aber objektive Gul-
tigkeit (reale Möglichkeit, denn die erstere war bio! die logische)
beizulegen, dazu wird etwas mehr erfordert. Dieses Mehrel'e abel'
braucht eben nicht in theoretischen Erkenntnisquellen gesucht zu
werden, es kann auch in praktischen liegen.
1) Erdmann: "notwendig gemachte".
zur zweiten Auflage 27 keine spekUlative Vernunft (noch weniger durch empirische Beobachtung), mithin auch nicht
zur zweiten Auflage
27
keine spekUlative Vernunft (noch weniger durch empirische
Beobachtung), mithin auch nicht die Freiheit als Eigenschaft
eines Wesens, dem ich Wirkungen in der Sinnenwelt zmchreibe,
erkennen kann, darum weil ich ein so'lches seiner Existenz
nach, und doch nicht in der Zeit, bestimmt erkennen müßte,
(welches, weil ich meinem Begriffe keine Anschauung unter-
legen kann, unmöglich ist), so kann ich mir doch die Freiheit
denken, d. i. die Vorstellung davon enthält wenigstens keinen
Widerspruc/> in sich, wenn unsere kritische Unterscheidung
beider (der sinnlichen und intellektuellen) Vorstellungs arten
10
und die davon herrührende E1:nschränkung der reinen Ver-
standesbegriffe, mithin auch der am ihnen fließenden Grund-
sätze, statt hat. Gesetzt nun, die Moral setze notwendig Freiheit
(im strengsten Sinne) als Eigenschaft unseres Willens voram,
indem sie praktische in unsel/"er Vernunft liegende ursprüng-
liche Grundsätze als Data derse11Jen a prim anführt, die ohne
Voramsetwng der Frei I heit schlechterdings unmöglich wären, (B XXIX)
die spekUlative Vernunft aber hätte be1viesen, daß diese sich
gar nicht denken laRse, so muß notwendig jene Voratt8setzung,
nämlich die moralische, derjenigen weichen, deren Gegenteil 20
einen offenlJaren Widerspruch enthält, folglich Freiheit und
mit ihr Sittlichkeit (denn deren Gegenteil enthält keinen
Widerspruch, wenn nicht schon Freiheit voramgesetzt wird,)
dem Naturmechanismus den Platz einräumen. So aber,
da ich zur Moral nichts weiter brauche, als daß Freiheit sich
nur nicht se11Jst widerspreche, und sich also doch wenigstens
denken lasse, ohne nötig zu haben. sie weiter einz'U-sehen, daß
sie also dem Naturmechanismus wen derse11Jen Handlung (in
anderer Beziehung genommen) gar kein Hindernis in den Weg
lege: so behauptet die Lehre der!) Sittlichkeit ihren Platz, und 30
die Naturlehre auch den ihrigen, 1velches aber nicht statt-
gefunden hätte, wenn nicht Kritik uns zuvor von unserer unver-
meidlichen Unwissenheit in Ansehung der Dinge an sich selbst
belehrt, und alles, was wir theoretisch erkennen können, auf
bloße Erscheinungen eingeschränkt hätte. Eben diese Erörterung
des positiven Nutzens kritischer Grundsätze der reinen Vernunft
läßt sich in Ansehung des Begriffs von Gott und der ein-
fachen Natur unserer Seele zeigen, die ich aber der Kürze
1) Valentiner: "von der".
28 Vorrede 1cA mnn , , (B XXX) AIJ11J"" vorbeigehe. I Go". Freih.i, tmd Un·
28
Vorrede
1cA mnn ,
,
(B XXX) AIJ11J"" vorbeigehe.
I Go". Freih.i, tmd Un·
".rblichk.i' sum Btlwuf du ~en ".~ (h
brClUChl meiner Vemun# Mehl eitlmal a"n.hm.n. wenn iM
nichI"lp6~VtJrfWnft ngleicA w.AfIIIltJ/Jung üb""•
•t1rMengUcAer ~ b.n.Am., U1fIÜ aN ftcA, um sudieeen
zu geltJngen, aolcher Gnmt.iIdIu bedMnen mup, die, Wem aN
in
Pal bloP tJtJ,f (hgenattIrtde miigUc'Iaer 1IJrfalwung reiMen,
wenn aN gleic1w1oM tJtJ,f da CHlfetI7CInt.U tHI'den, tDCI8 nichI ein
~
1IJrfalwung
Ann, wWicA dieHI jetltneil
10
in 1IJr~ ~ tmd so tIlIe prak,i.ch. lCrwe',••
runll
reinen VtJrfWn# für unmögUcA erwaren. IcA muPle
aMo da W i ••• n atl/AtiJen, um SfIfII Glau".n platz
su l1e-
l:ommen, tmeP)
])ogmt;INmw
MeltJph"Bt1e, tI. i. da
VonwIeiI, in i1w ohne Krinl:
l:ommen,
NI cUc tDfiIw, Quelle
reinen V""",,,# forlZU-
MoraIiItiI wider.
weilentlen UnglmWene," i~ /IM BeM ~
-
Wenn u also mil einer ntJcA MfJ/JgOO." KrilÜ" reinen
VtJrfWn/l OOgeffJ/Jeen ",BIemtJIi8c11.en MdtJlphgnk eben nichI
.ar1W1tJr •• kann,
N adaI:ommenscAtJ# • Vermcic1ImiI su
00
Mn.IerltJuen, so VI tJiu Mn /Ur gering _
~
GucAenl:;
man mtJ{/ nun bloP auf die KuUur
Vemun# tJurcA .Jen
ftcAeren GG'IIfl einer WielenecAtJ# über~" in Verg~
(B DXl) mit tkm ~
Pappen tmd leichlftnrri Ium H"""";'fen
der.elben ohne Krin1c .e1aen, otler ~
atI/ bUB"". Zeila.ritDen-
.Jung einer wi/IbegUrigen Jugttnil, die beim g8tl1Ö1ml.ichtm
DogmtJlimaw so ~ t.mtl so viel Aufmumerung bekomme,
üb"" Ding., tJat10n aN nichtB fJ6f'8I8AI, tmd darin aN, so tDN
niemt.mtJ in
Weil, tJUM nie eltDtJB eitve1aen tDirtJ, bequem
su fJemiln/feln, otler fItJf' auf 1IJr/inrJtmg neuer GedtJnleen tmd
80 Meinungen aunuge1aen, und so tlie 1IJrlernung grüfIdlicAer
WwenechtJ/Ien _verab8äumen; 11m meiBten 00"", wenn man
.Jen utl8cMtzbcmm VorleÜ in AnacMa,g bringe, allen ICinwiJrfen
wider ~ t.mtl Religion tJtJ,! .ol:rali.ch. An, tICitnUch
tJurcA .Jen kltJr8len BeweiB der UmDiueMeil der Gegner, tJtJ,f
alle I:ün/tige ZeiI"n ICntk su mtJcAen. Denn irgend eine MeItJ-
ph1lnl: NI immer in
Weil gewuen, tmd tDWtJ tmeh tD01aI
ferner. mil ihr 00"" auth eina Dialeleäk
reinen V"""""",
wea aN w natürlicA
" darin MUl.tltlrtffen ftin.
lC. NI ,
,
1) Erdmann: "denn der".
zur zweiten Auflage 29 die erBte und fJ1ichtigBte Angelegenheit der PMlosopAie, einmal für aIlemtJZ tJw
zur zweiten Auflage
29
die erBte und fJ1ichtigBte Angelegenheit der PMlosopAie, einmal
für aIlemtJZ tJw dadurch, aa,/J m«m die QueUe der 1rrliimer
tJtII'*Pft, aUen nachteiligen Emflu/J zu benehmen.
Bei diuer wichtigen Veräfldertmg im Pelde der Wi&9m-
BMo.ftm, und dem VerJuBte, den spelcuZatifJ8 Vernunft t.m
ilwem bNher eingebildeten Buitu erkiden mu/J, bleibt dtmtaoch (B
aUu mil der aUgemeinen I m8f&8c1aUchen Angelegenheit, und xXXD)
dem Nutzen, den die Welt bisher GU8 den LiIwm der reinen
Vemunft ~, in demBeZbtm 9H1'I't8iUIa/ttm Zustande. ale u
iemaZtm tDar, und dtJr VerZtm trifft ftUt' das M onopoJ der 10
S clauJen. keit'&Utt1eg8 aber das Inter eBBe der M enBehen.
Ich frage den tmbiegBtJmBttm Dogmatiker, Ob der BeweiB t10ft
der Fortdauer tmBeNr Suk nach dem Tode GU8 der Einfach1tat
d6f'
Su1NJtf.mz, Ob der f10ft der Preiheit du W ülenB gegen den oll·
gemeinenMec1wmi8m
durch die Bttbtütm, Ob&tDar olmmälJhtigen
UmeraMeitlungen Bflb;ektWer und ob;ekm1er praktiBcAer Not-
tDefldig1ceil, oder Ob der t1Of'I& DtJBeift Gottu a
dem Begriffe
tÄftU allerrealeten W U8fl8, (der ZufäZUg1ceil du VerdnderUchen,
und der NotIDtJn,tjigkeil tÄftU erBten BewegerB,) ftachdem Bie
t10ft den Sc1wlett, tJfJBgingm, jemale haben bis zum PtlbU1Dum W
gelangen und auf duaen tJb~ den mit'lduteft Eiftflu/J
haben körmen, 18t diuu nun mMt guchehMl" und kiJfm u
auch, tDegen der Uma'lJ{lZic1akeit du ~ M8f&8Mm-
tJe1'Btandu zu 80 Btlbßkr SpekuZatitm, ftiemale er1Dartet werden;
hat t1Wme1w, fDtI8 das erBtere betrifft, die jedem M8f&8chen
bemerl:Kc1ae Anlage Beiner Natur, durch das Zeitliche (ale zu
den AftZagm BNaer gMlUft Bemmmung unztl1iJngUc'h) nN
zu/rietltm
guteUt
~
zu
kcJnnen,
die
Hoff'flllJ#lg
einu
(B
1cünftigen LebenB, inAt'&8Mung MB ~ die bZo/Je I 1cZare XXXIIl)
Dar8teUung der Pflitihttm im Geg8f&8atu aller AfI81Jt'ÜC1ae der SO
NeigvwJen das BefD'U/JIBein der Preilaeit, und mtlKch, fDtI8
das dri#e aNangt, die herrliche Ordnung, ScMMeit und Für·
8orge, die allertt1drt8 in der Natur hervorbKc1ct, allein den
Glauben (1ft einen weiBtm und gro/Jen WeZturlaeber, die riM
au/B PtlbZi1Dum tJtII'breittmtle tJberr.eugung. 80fern Bie auf
Vemrm/fgriifltleft bet"ll1ll, gcma allein bewir1cm müum: 80 bleibt
ja ftic1at alleitI diuer B
Uf&(JUIIJrl. 80ndem er gewimaI f1iel.
meAr dadurc1a tIoeA (1ft AMe1atm, dafJ die Sc1wlett, tWnmeIw
btJMrt ~
aWa Wtae höMre und GUBgebreitetere EinBiclat
in einem Pwa1cIe MlZ/IlIII4!Jen, der die aUgemeif&8 mtm8c1aUMe 40
30 Vorrede Angelegenheit betrifft, als dieienige ist, zu der die (J1'oße (fWr uns achtungSWÜ'T'digste)
30
Vorrede
Angelegenheit betrifft, als dieienige ist, zu der die (J1'oße (fWr
uns achtungSWÜ'T'digste) Menge a'UCh wen so leiche gelangen
kann, und sich also auf die Kultur dieser allgemein faßlichen
und in moralischer Absicht hinreichenden Bewei.9gründe
allein einzuschränken. Die Veränderung betrifft also bloß die
arroganten Ansprüche der Schulen, die sich gerne hierin (wie
sonst mit Recht in melen anderen Stücken) fiilr die alleinigen
Kenner und Aufbewahrer solcher Wahl'heiten möchten halten
lassen, von denen sie dem Publikum nur den Gwrauch mitteüen,
10 den Schlüssel derselben aber fWr sich behalten (quod mecUffl
(B nescit, solus tfult scire mderi). Gleichwohl ist doch auch für
XXXIV) einen Ibilligeren A nspr'UCh des spekulativen Philosophen gesorgt.
Er bleibt immer ausschließlich Depositär einer dem Pttblikum
ohne dessen Wissen nützlichen Wissenschaft, nämlich der
Kritik der Vernunft; denn die kann niemals populär werden,
hat aber auch nicht nötig, es zu sein; weil, so wenig dem Volke
die fein ge.sponnenen Argumente für nützliche W cihrheiten in
den Kopf wollen, wensowenig kommen ihm a'UCh die wen so
subtilen Einwürfe dagegen iemals in den Sinn; dagegen, weil
20
die Schule, so wie feder sich zur Spekulation erhebende Mensch,
unvermeidlich in beide gerät, iene dazu vet'bunden ist, durch
gründliche Untersuchung der Rechte der spekulativen Vernunft
einmal fWr allemal dem Skandal vorzuheugen, das über kwrz
oder lang selbst dem Volke aus den Streitigkeiten aufstoßen
muß, in welche sich Metaphysiker (und als solche endlich (/,'UCh
wohl Geistliche) ohne Kritik unausblet'blich verwickeln, und
die selbst na~hher ihre Lehren verfälschen. Durch wiese kann
nun alleindemMaterialismus, Fatalismus, Atheismus,
dem freigeisterischen U nglaub en, der Schwärmerei und
30
Aberglauben ' ), die allgemein schädlich werden können,
zuletzt auch dem Idealismus und Skeptizismus, die mehr
den Schulen gefährlich sind und schwerl,ich ins Puhlikum
(B übergehen können, selbst die Wurzel abgeschnitten werden.
XXXV) Wenn Regierungen I sich ia mit Angelegenheiten der Gelehrten
zu befassen gut finden, so 1Cürde es ihrer weisen Fürsorge für
Wissenschaften sowohl als Menschen weit gemäßer sein, die
Freiheit einer solchen Kritik zu begünstigen, wodurch die
Vermmftbearbeitungen allein auf einen festen Fuß gwracht
1) Valentiner: "dem Aberglauben".
zur zweiten Auflage 31 werden können, als den lächerlichen Despoti8m'U8 der Schulen zu unter8tützen, welche
zur zweiten Auflage
31
werden können, als den lächerlichen Despoti8m'U8 der Schulen
zu unter8tützen, welche übet· öffentliche Gefahr ein lautes
Geschre·i erheben, wenn man ihre Spinneweben zerreißt, von
denen doch das Publikum niemals Notiz genommen hat, und
deren V crl'U8t e8 al80 auch nie fü!den
kann.
Die Kritik i8t nicht dem dogmati8chen Verfahren der
Vernunft in ihrem reinen Erkenntni8 al8 Wissenschaft ent-
gegengesetzt, (denn diese muß jederzeit dogmatisch, d. i. aus
8icheren Prinzipien apriori strenge beweisend sein,) sondern
dem Dogmati8mus, d. i. der Anmaßung, mit einer reinen 10
Erkenntnis aus Begriffen (der philosophischen), nach Prin-
zipien, so wie sie die Vernunft längst im Geb-rauche hat, ohne
Erkundigung d.er Art und des Rechts, womit 1 ) sie dazu gelangt
ist, allein fortzukommen. Dogmatism'U8 ist also das dogmatische
Verfahren der reinen Vernunft, ohne vorangehende Kritik
ihres eigenen Vermögens. Diese Entgegensetzung soll daher
nicht der geschwätzigen Seichtigkeit, unter dem angemaßten (B
Namen der Popu Ilarität, oder wohl gar dem Skeptizismus, der XXXVI)
mit der ganzen Metaphysik kurzen Prozeß macht, das Wort
reden; vielmehr ist die Kritik die notwendige vorläufige Veran- 20
staltung zur Beförderung einer gründlichen Metaphysik als
Wissenschaft, die notwendig dogmatisch und nach der strengsten
Forderung systematisch, mithin schulgerecht (nicht populär)
ausgeführt werden muß: denn diese Forderung an sie, da sie
sich anheischig macht, gänzlich apriori, mithin zu völliger
Befriedigung der spekulatitlfm Vernunft ihr Geschäft auszu-
führen, ist unnachläßlich. In der Ausführung also des Plans,
den die Kritik vorschreibt, d. i. im künftigen System der Meta-
physik, müssen wir dereinst der strengen Methode des berühmten
Wo l f, des größten unter allen dogmatischenPhilosophen, folgen,
der zuerst da.~ Beispiel gab, (und durch dies Beispiel de-r Ur-
heber des bisher noch nicht erloschenen Geistes der Gründlichkeit
in Deutschland wurde,) wie durch gesetzmäßige Feststellung
der Prinzipien, deutliche Bestimmung der Begriffe, versuchte
Strenge der Beweise, Verhütung kühner Sprünge in Folge-
rungen der sichere Gang einer Wissenschaft zu nehmen sei, der
auch eben darvm eine 8olcl~e, als Metaphysik ist, in diesen
Stand zu versetzen vorzüglich geschickt war, wenn es ihm
30
1) Grillo: "wodurch".
S9 Vorrede (B beige/aUen wäre, durch Kritik deB Orgam, nämlich der reinen XXXVII) V M'mmft
S9
Vorrede
(B beige/aUen wäre, durch Kritik deB Orgam, nämlich der reinen
XXXVII) V M'mmft I Be1bBI. rich daa Feld, fJOf'Mr zu bereiten: ein Mangel,
der mMlBowohli1am. als tnelmehr der dogmatiBchm Dmkungs.
an SeifUIB ZeitaUers beizumessen iBt. und darilber die Phüo-
sophm seiner sowohl. als aller f1Of'igm Zeilen einander mchIs
fJOf'Zuwer/en habm. Diejenigen. welche semeLe1wan und doch
zugleich atteh daa Ver/ahren der Kritik der reinen VerßUnft
tJeJrWerfen. können mchts anderea im Sinne habm. als die
Fesseln der Wissenschaft gar abzuwerfen. Arbeit in Spiel,
10 GewiIJheit m Meinung und Philosophie in Philodozie zu
t16I"Wandeln.
WaB diese zweite Auflage betrifft. 80 habe ich. wie
billig. die Gelegenheit derselbm nicht tlorbei laBsm wollen, um
den Schwierigkeiten und der Dunkelheit BO tliel möglichI ) abzu-
helfm, woraus manche MifJdeutungen entsprungm Bein mögm,
welche BcharfsimKgm Mänßem, tlieUeicht mcht ohne meine
Schuld. in der Beurteilung diesea Buchs aufgeatoIJen sind.
In den Sätzm selbst und ihrm Beweisgründen, imgZeichm der
Form aowohl als der Vollständigkeit deB Plans, habe ich mchts
W zu ändem gefunden welchea teils der langm PriJ,ftmfl, der ich
sie unterworfen hatte, ehe ich er) dem P1J1JZikum vorlegte. teils
der Beachaffenheit der Sache selbst. nämlich der N tJtur einer
reinen BPekulatitlm Verwu.nft, beizumessm iBt. die einen wcilwm
Gliederbau enthält.
worin alles Organ iBt. nämlich alles um
nl'VIIl) eifUIB willm und ein I jedes Einzelne um aller willm. mithin
jede noch so kleine Gebrechlichkeit, sie Bei ein Fehler (Irrtum)
oder Mangel, rich im Gebrauche unausbleibZic1a tlerraten muIJ.
In dieaer Utwercinderlichkeit wird rich dieaea System. wie ich
ho/fe. auch fernerhin behaupten. Nicht Eigendünkel. Bondem
80 bloIJ die EtJide1&I:. welche daa Ewperfmem der Gleichheit deB
BesultatB. im Ausgange flOß den mindeatm Elernen.ten biB
zum Gtmzm der reinen Vernunft. und im Rückgange t:am
Ganzm (denn auch diesea iBt für sich durch die Endabsicht
derselbm im Praktischen gegebm) zu jedem Teile bewirkt,
indem der Versuch. auch nur den 1deimten Teil aba:uändem.
sofort. Wider8'prüche. mMI bloIJ deB Sy8tem8. 8011dern der all.
gemeinen M~nft herbeijilhrl. berechtigt miM zu
1) Kehrbach: "als möglich": Vorländer: "wie möglich".
I) Erdmann: "sie"; Görland: "dieses Buch".
zur zweiten Auflage 33 diesem Vertrauen. Allein in der Dar.tellung i8t noch viel zu ,"n,
zur zweiten Auflage
33
diesem Vertrauen. Allein in der Dar.tellung i8t noch viel
zu ,"n, und hierin habe ich mit die8er Auftage Vet'bes8erungen
t1erBtAChl, welcÄ6 eeilB dem Mi/Jver8tfJhld6 der Ä8ehetik, vornehm-
lich dem im Begriffe der Zeit, eeilB der Dunkelheit der Deduktion
der Ver.lcmdubegrille, eeilB dem tJef'meintUchen Mangel einer
genüg.amen Evidenz in den BeweiBen der GrundBätze des
reinen Vemaftdes, teils endUch der Mißdeutung der der
raeionalen P.ychologie tJOf'gerückten
Paralogismen
abMlfen
80llen. Bis 'Met-her (fl6mlich nur biB zu Ende des er8ten H awpt- (B
.eückB der wanszen Identalen Dialektik) und weiter nicht er- <XXXIX)
8trecken sich meine Abänderungen der Dar.tellung8art""), weil
*) Eigentliche Vwmehnmg, aber doch nur in der Bewei8art.
kl1nnte ich "Uf' die nennen, die ich durch eine neue Widerlegung
des IJBYChologischm Ideali.mu., und einen .wengen (wie ich
glallbe awch eiflZig möglichen) Bewei. von der objektiven Realitllt
der 4u1eren .AtI8chavu?ig S. 2'/9 gemacht habe. Der Idealismus
mag in .AftleI&Uf&g der wuentlichen Zwecke der Metaph'!J8ik für
noch
'0 UfIIJchMldig gehaUen werden.
(dar
er
in
der Tat nicht
ist,)
.0 bleibe 6B immer ein Skandal der Philosophie und allge-
meinen MenrchmtJemunft, dar DaBein der Dinge au1er uns (von
denen wir doch de7t ganzen Stoff zu Erketlntni8Ben Betb.t für
u7l8eren inneren Sin" her haben) blo1 auf Glauben annehmen
zu mÜBBen, und, wenn f8 jemand ei?ifitllt e. zu bezweifeln. ihm
keinen genugtuenden BeweiB entgegensteUen zu können. Weil,ich
in den AUBdrücken des BeweiBes von der dritten Zeile biB zur
'eehrten einige Dunkelheit findet, so bitte ich diesen Periodl) .0
umzuändern: "DieBes Beharrliche aber kann nicht eine
An.chauung in mir sein. Denn alle Be,timmung,-
gründe meineB Dasein" die in mir angetroffen werden
kannen, .ind Vor8tellungen, und bedurfen, als 8olche,
selbst ein von ihnen unter.chiedenes Beharrliches.
worauf in Beziehung der Wechsel der.elben. mithin
mein Da.ein in der Zeit, darin sie wechseln. bestimmt
werden könne." Man wird gegen die.en BeweiB verfl'l1dlich
.agen: ich bin mir doch nur de8Sen, war in mir iBt, d. i. meiner
Vor.tellung 4u1erer Dinge, unmittelbar bewuptj folglich bleibe
e. immer noch U1la'l48gemacht, ob etwar ihr Korr6Bpondierendes
au1er mir sei,
oder nicht.
Allein ich I bin mir meines Da- (B XL)
Bein. in der Zeit (folglich auch der Be.timmbarkeit demlben
in dieser) durch innere Erfahrung bewult, und die.e. ist
1) Rosenkranz: "diesen Perioden"; Hartenstein: "diese
Perioden"; Erdmann: "diese Periode".
Kant, Kritik der reinen .VemlUlft.
S
34 Vorrede (B XL) I die Zeit zu kurz und mir in Anaehung des übrigen
34
Vorrede
(B XL) I die Zeit zu kurz und mir in Anaehung des übrigen auch kein
(B XLI)
Mißverstand scwhkundiger 1md unparteii I scher Prii,fer vor-
gekommen war, welche, auch ohne daß ich
sie mit dem ihnen
(B XLII) gebührenden Lobe nennen I darf, die Rücksicht, die ich auf
ihre Erinnerungen genommen habe, schon von selbst an ihren
Stellen antreffen werden, Mit dieser Verbesserung aber ist ein
kleiner Verlust für den Leser verbunden, der nicht zu verhüten
war, ohne das Buch gar zu voluminös zu mcwhen, nämlich, daß
verschiedenes, was zwar nicht wesentlioh zur Vollständigkeit
10 des Ganzen gehört, manoher Leser aber doch ungern missen
möchte, indem es sonat in ande1'er Absioht brauchbar sein kann,
hat weggelassen oder abgekürzt vorgetragen werden mÜRsen. um
meiner, wie ich hofte, 1'etzt faßlicheren Darstellung Platz zu
machen, die im Grunde in Ansehung der Sätze und selbst ihrer
Bewe1:sgTÜnde schleohterdings nichts 1!erändert, aber dOM in der
mehr, als blof/ mich l ) meiner Vorstellung bewuf/t zu sein, doch
aber einerlei mit dem empirischen Bewufltsein meines
Daseins, welchp-B nur durch Beziehung auf etwas, was mit
meiner Existenz verbunden, auf/er mir ist, bestimmbar ist.
Dieses Bewuf/lsein meines Daseins in der Zeit ist also mit dem
Bewuf/tsein eines Verhältnisses zu etwas auf/er mir identisch ver-
bunden, und es ist also Erfahrung und nicht Erdichtung, Sinn
und nicht Einbildungskraft, welches das Äuf/ere mit meinem
inneren Sinn unzertrennlich verknüpft,. denn der äuflere Sinn
ist schon an sich Beziehung der Anschauung auf etwas Wirk-
liches auf/er mir, und die Realität desselben, zum Unterschiede
von der Einbildung, beruht nur darauf, daf/ er mit der inneren
Erfahrung selbst, als die Bedingung der Möglichkeit derselben
tmzertrennlich verbunden werde, welches hier geschieht. Wenn
ich mit dem intellektuellen Bewuf/tsein meines Daseins,
in der Vorstellung Ich bin, welche alle meine Urteile und Ver-
standeshandlungen begleitet, zugleich eine Bestimmung meines
Daseins durch in tellektuelle A nsch auung verbinden könnte,
so wäre zu derselben das Bewuf/tsein eines Verhältnisses zu etwas
auf/er mir nicht notwendig gehörig, Nun aber jenes intellektuelle
Bewuf/tsein zwar vorangeht, aber die innere Anschauung, in der
mein Dasein allein bestimmt werden kann, sinnlich und an Zeit-
bedingung gebunden ist, diese Bestimmung aber, mithin die
innere Erfahrung selbst, von etwas Beha'frlichem, welches in mir
(B XLI) nicht ist, folglich nur in etwas aufler I mir, wogegen ich mich
in Relation betrachten mUf/, abltängt: so ist die Realität des
1) Hartenstein: "mir".
zur zweiten Auflage 35 Methode des Vortrags hin und wieder so von der vorigen abgeht,
zur zweiten Auflage
35
Methode des Vortrags hin und wieder so von der vorigen
abgeht, daß sie durch Einschaltungen sich nicht bewerkstelligen
ließ. Dieser kleine Verlust, der ohnedem, nach iedes Belieben,
durch Vergleichung mit der e1'sten Auflage ersetzt werden kann.
wird durch die größere Faßlichkeit, wie ich hoffe, 'Überwiegend
ersetzt, lch habe in verschiedenen öffentlichen Schriften (teils
bei Gelegenheit der Rezension mancher Bücher, teils in beson-
deren Abhandlungen) mit dankbarem Vergnügen wahrge-
nommen, daß der Geist der Gründlichkeit in Deutschland nicht
erstorben, sondern nur durch den Modeton einer geniemäßigen 10
Frei I heit im Denken auf kurze Zeit 'Überschrieen worden, (B XLIII)
und daß die dornigen Pfade der Kritik, die zu einer schul-
gerechten, aber als solche allein dauerhaften und daher höchst.
notwendigen Wissenschaft der reinen Vernunft führen, mutige
und helle Köpfe nicht gehindert haben, sich derselben zu
äufleren Sinnes mit der des inneren, zur Möglichkeit einer Er-
fahrung überhaupt, notwendig verbunden: d. i. ich bin mir eben
so siclter bewuflt, dafl es Dinge aufler mir gebe, die sich auf
meinen Sinn beziehen, als ich mir bewujlt bin, dajl ich selbst in
der Zeit bestimmt existiere. Welchen gegebenen Anschauungen
nun aber wirklich Objekte aujler mir korrespondie'ren, und die
also zum äufleren Sinne gehören, welchem sie und nicht der
Einbildungskraft Z'Uzu8chreibe11 sind, mufl nach den Regeln, nach
welchen Erfahrung überhaupt (selbst innere) von Einbildung
unterschieden wird, in jedem besonderen Falle ausgemacht werden,
u'obei der Satz: dafl es wirklich äujlere Erfahrung gebe, immer
zum Grunde liegt. Man kann hiezu noch die Anmerkung fügen:
die Vorstelllmg '1:on etwas Beharrlichem im Dasein ist nicht
einerlei mit der beharrlichen Vorstellung; denn diesel)
kann sekr wandelbar und wechselnd sein, wie alle mIsere ttnd
selbst die Vorstellungen der Materie, und bezieht sich doch auf
etwas Beharrliches, welches also ein von allen meinen Vor-
stellungen unterschiedenes und äufleres Ding sein mujl, dessen
Existenz in der Bestimmung meines eigenen Daseins notwendig
mit eingeschlossen wird, und mit derselben nur eine einzige Er-
fahrung ausmacht, die nicht einmal innel'lich stattfinden würde,
wenn sie nicht (zum Teil) zugleich äujlerlich wäre. Das Wie?
läßt sich hier ebensowenig weiter erklären, als wie wir überhaupt
das Stehende in der Zeit denken, dessen Zugleichsein mit dem
Wechselnden den Begriff der Veränderung hervorbringt.
1) Wille: "jene"; Erdmann: =
Beharrlichem".
"die Vorstellung von etwas
3*
36 Vorrede zur zweiten Auflage bemeistern. DieBen verdienten Männem, die mit df!/l' GrihId· lichk6it df!/I'
36 Vorrede zur zweiten Auflage
bemeistern. DieBen verdienten Männem, die mit df!/l' GrihId·
lichk6it df!/I' Einsicht noch das Talent einer lichtvollen DM·
stellung (dessen ich mir eben nicht bewußt bin) so glücklich
verbinden, trof!/l'lasBe ich meine in Ansehung df!/I' letzteren hin
u1ld wiedf!/l' etwa noch mangelhafte Bearbeitung zu txJUenden,.
denn wid.(!jf'legt zu werden ist in di68em Falle keine Gefahir, wohl
aber nicht Vf!/l'standen zu wf!/l'den. Meinerseits kann ich mich
auf Streitigkeiten von nun an nicht einlassen, ob ich ZWM auf
aUe Winke, 68 sei von Freu1lden odf!II' Gegnern, sorgfältig achten
10 werde, um sie in df!/l' künftigen AusjijJwung des Systems cUe8f!II'
Propädeutik gemäß zu benutzen. Da ich währe1ld M68f!/1'
Arbeiten schon ziemlich tief ins Altf!/l' fortgrickt bin (in di68em
Monat ins mcrundBechzigste JaJw,) so muß ich, wenn ich
meinen Plan, die MetOlphysik der Natur sowohl als df!/I' Sitten,
als Bestätigung der R~chtigkeit df!/l' Kritik df!/I' spekulativen
sowohl als praktischen V f!/I'nunft, zu lieff!/l'n, ausführen will,
mit df!/I' Zeit spMsam vf!/I'faJwen, u1ld die AUfhellung sowohl
(B XLIV) df!/l' in di68em W f!/I' I ke anfangs kaum tJf!II'meidlichen Dunkel-
heilen, als die V f!/I'teidigung d68 Ganzen von den tJf!II'diemen
20 Männem, di-e 68 sich z1l eigen gemacht haben, 6'f'WMten. An
einzelnenStellen läßt 8ich jedf!/l' philosophische Vortrag zwacken,
(denn f!/I' kann nicht so gepanzert auftreten, als df!/I' mathe-
matische,) indessen, daß doch df!/I' Gliedf!/l'bau des System8, als
EinhP.it betrachtet, dabei nicht die mindeste GefaJw läuft, zu
dessen Obf!/l'sicht, wenn es neu ist, nur wenige die Gewa1ldtheit
des Geist68, noch wenigere abf!/l', weil ihnen alle Neuerung
ungelegen kommt, Lust beBitzen. Auch scheiooMe Widf!/I'-
sprüche lassen sich, Wenn man einzelne Stellen, aus ihrem
Zusammenhange gerissen, gegeneina1ldf!/l' vergleicht, in jedf!/l',
80 vornehmlich als freie Rede fortge1~e1lden Schrift ausklauben,
die in den Augen dessen, df!/I' sich auf fremde Beurteilung
vf!/I'läßt, ein nachteilig68 Licht auf dieBe wf!/l'fen, demjenigen abf!/l',
df!/I' sich. der Idee im Ganzen bemächtigt hat, sehr leicht auf·
zulösen si1ld. Indessen, wenn eins Theorie in sich B68ta1ld
hat, so dienen Wirkung u1ld Gegenwirkung, die ihr anfänglich.
große Gefahir drohten, mit der Zeit nur dazu, um ihre Uneben-
heiten abzuschleifen, u1ld wenn Bich Männf!/I' von U1lIPQIf't6üich-
keit, Einsicht u1ld wahirf!/l' Popularität damit beschäftigen, ihr
in kurzf!/l' Zeit auch die f!/I'forderlieke Eleganz zu WJrBchaffen,
40 Königsberg, im Aprilmonat 1787.
(.A.XXIU) seUe') Einleitung . I. Transzendenf4/e Elementar/ekre . . . . . . . .
(.A.XXIU)
seUe')
Einleitung
.
I. Transzendenf4/e Elementar/ekre
.
.
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1
17
ErBter Teil. Transzendentale .Äathetik
19
1. Abschnitt. Vom Raume
22
2. Abschnitt.
Von der Zeit
30
Zweiter Teil.
Transzendentale Logik
50
1. Abteilung.
Transzendentale
Analytik
in
zwei
Büchern
und
deren verschiedenen Hauptstücken
und Abschnitten.
.
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64
2. Transzendentale Dialektik in zwei
deren verschiedenen Hauptst'ÜCken
Abteilung.
Büchern
und
und Abschnitten.
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293
1/. Transzendentale MethodenleItre
.
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105
(.A. XXIV)
1. Hauptstilck. Die Disziplin der reinen Vernunft
708
2. Hauptstück. Der Kanon der reinen Vernunft •
795
3. Hauptstück. Die Architektonik der reinen Vernunft
832
4. Hauptstück. Die Geschichte der reinen Vernunft
852
1) Dieses Inhaltsverzeichnis befindet sich nur in A.
') Die Seitenzahlen sind die der ersten Ausgabe (A).
I Einleitung (A 1) [nach Ausgabe A] I. Idee der Transzendental-Philosophie Erfahrung iBt ohne Zweifel
I Einleitung
(A 1)
[nach Ausgabe A]
I.
Idee der Transzendental-Philosophie
Erfahrung iBt ohne Zweifel das erste Produkt. welches unser
Verstand hervorbringt, indem er den rohen Stoff sinnlicher
Empfindungen bearbeitet. Sie ist eben dadurch die erste
Belehrung und im Fortgange so unerschöpflich an neu,em
Unterricht, daß das zusammengekeUete Leben aller künftigen
Zeugungen an neuen Kenntnissen. die auf diesem Boden
10 gesammelt werden können. niemals Mangel haben wird.
Gleichwohl ist sie bei weitem nicht das einzige Feld. darin sich
unser Verstand einschränken läßt. Sie sagt uns ZWar, was
da sei, aber nicht, daß es notwendigerweise, so und nicht anders,
(A 2)
sein müsse. Eben darum gibt sie uns auch keine wahre All·
gemeinheit, und die Vernunft, welche nach dieser Art von
Erkenntnissen so begiet'ig ist, I wird durch sie mehr gereizt, als
befriedigt. Solche allgemeine Erkenntnisse nun, die zugleich den
O1MJJrakter der innern Notwendigkeit haben, müssen, von der
Erfahrung unabhängig, Vor sich selbst klat' und gewiß sein;
20 man nennt sie daher Erkenntnisse apriori: da im Gegenteil
das, was lediglich von der Erfahrung erborgt ist, wie man sich
ausdrückt, nur aposteriori, oder empirisch erkannt wird.
Nun zeigt es sich, welches überaus merkwürdig ist, daß
selbst unter unsere Erfahrungen sich Erkenntnisse mengen, die
ihren Ut'SPt'ung apriori haben müssen und die vieUeicht nur
dazu dienen, um unsern Vorstellungen der Sinne Zusammen·
hang zu verschaffen. Denn wenn man aus den et'steren auch
alles wegschafft, Was den Sinnen angehört, so bleiben dennoch
gewisse urspt'Üngliche Begriffe und aus ihnen erzeugte Ut'teile
30 übrig, die gänzlich apriori, unabhängig von der Erfalvrung
entstanden sein müssen, weil sie ma,chen, daß man von den
Gegenständen, die den Sinnen erscheinen, mehr sagen kann.
I Einleitung (B 1) [nach Ausgabe B] I. Von dem Unterschiede der reinen und empirischen
I Einleitung
(B 1)
[nach Ausgabe B]
I. Von dem Unterschiede der reinen und empirischen
Erkenntnis
Daß alle unsere Erkenntnis mü der Erfa1llrung anlange,
daran ist gar kein Zweifel; denn wodurch sollte das Erkenntnis-
vermögen sonst zur A tlSübung erweclet werden, geschähe es
nicht durch Gegenstände, die unsere Sinne rühren und teüs
von selbst Vorstellungen bewirken, teils unsere V er,~tandes·
tätigkeit l ) in Bewegung bringen, diese zu vergleichen, sie zu 10
verknüpfen oder zu trennen, und so den rohen Stoff sinnlicher
Eindrücke zu et~ne.rErkenntnis der Gegenstände zu verarbeiten,
die Er/alvrung heißt? Der Zeit nach geht also keine Erkenntnis
in uns vor der Erfa1llrung vorher, und mit dieser fängt alle an.
Wenn aber gleich alle unsere Erkenntnis mit der Erfa1llrung
anhebt, so entspringt sie darum doch nicht eben alle. aus de?'
Erfahrung. Denn es könnte wohl sein, daß selbst unsere
Erfalvrungserkenntnis ein Zusammenge.setztes aus dem sei, was
wir durch Eindrücke empfangen, und dem, was unser eigenes
Erkenntnisvermögen (durch sinnliche Eindrücke bloß veran- 20
laßt) ans sich selbst hergibt, welchen Zusatz wir von ienem I
Grundstoffe nicht eher unterscheiden, als bis lange tJbung uns (B 2)
darauf aufmerksam und zur Absonderung desselben geschickt
gema.cht hat.
Es ist also wenigstens eine der näheren Untersuchung noch
benötigte und nicht auf den ersten Anschein sogleich abzu-
fertigende Frage: ob es ein dergleichen von der ErfahlT'ung und
selbst von allen Eindrücken der Sinne unabhängiges Erkenntnis
gebe. Man nennt solche Erkenntnisse apriori, und unter-
1) Die fünfte Originalausgabe: "Verstandesfähigkeit".
39 Einleitung [nach Ausgabe Al wenig8I6N 68 8agBn zu Wmam glaub', alB bloße Efofalwung le1wen
39 Einleitung [nach Ausgabe Al
wenig8I6N 68 8agBn zu Wmam glaub', alB bloße Efofalwung
le1wen tDÜrtle, Uf&d dGß B~ walwe AUg~
UM menge NoIwent1Ägkeil eNhalIen, dergleichen dU bloß
empirilche Ef'~
mchI Ziefern kann.
Einleitung [nach Ausgabe B] 39. BchsidelsietlondenempiriBchen,dHihreQuellmGf'OBteriori, fldmUch in der JJJrIG1wtmg,
Einleitung [nach Ausgabe B]
39.
BchsidelsietlondenempiriBchen,dHihreQuellmGf'OBteriori,
fldmUch in der JJJrIG1wtmg, habm.
JeMI'.A~ iß MadeNen noch mMI be.mmml gem.t9,
um den gGMeft sm
,
der tIOrgeleg#eft Frage tmgeme&9en, zu
b~. Deftft mGft pfHgI V10hl VOR mGtaMer CJUlJJJrIG1wtmgB-
queUeta Gbgeleileleft JJJr~ zu MJgen, dG/J w wer GprioN
fiiMg oder 1ei11tGfti,g Bind, tMZ w sie mMI tmmNlelbM CJUI der
JJJrIG1wtmg,
80ftIlem CJUI einer
~
BegtJ,
dH w
gl6ic1wJoltl nlbBl tMJch CJUI
der
JJJrfG1wtmg
eNle1mI Mben,
ableiIeft.
& 8tJgI mGft VOR iemtJnd, der dtJB Ft.mtIameraI BeiMB 10
HaUHII~: er J:onnIe U G prioNl) tDiuen, d4P U ein-
1aJJ,e,. 'IDiWe, d. i. er durfte mMI GUf dH JJJrlalwtmg, d4P U
wli&h einliek, tI1Gf'Ieft.
.Allein gt'JtliUch a prioN 1:omate er
diesu doch GuM nicAI WB Deftft d4P dH KiJrper 8C1wJer
BiM, ufId daher, tDeM ih
dH 8ti#ze entzogen tNd, 1aUtm.
mu/J1e ihm doch zuvor durch JJJrfalwtmg bd:afMII ~.
Wir ~
alao im Verfolg tmIer JJJr~fJftG twiori
mcM dclte ~ dH VOR dieser oder ieMl'. I 80ftIlem dH
(B 8)
~fl{/.
VOR tJller JJJrlaArufl{/ uMbMflgig 8IG#tmdtm.
l1men .md empWüche JJJr~e, oder aolche, dH nUf' 20
a f'OBteriori, d. i. durch JJJrfG1wtmg, m4gZiM BiM, erlIgegen-
gu".
Von den JJJrkennmiuen l ) G priori hei/Jm aber dH
imigm reift, denen gM nichIB Em~ beigemiacAl
80
ia' z. B. der 8=: eine iede Verdndertmg Aal ihre Ursache, em
8a1Z G twiori, allein nicAI reift, fDfJÜ VeräfIdert.mg ein Begri/l·
iß, der nur aus der ErfalwtmtJ gaogm werden kcmn.
11. Wir sind im Besitze gewisser Er:kenntnisse
apriori, und selbst der gemeine Verstand') ist niemals
ohne solehe
E. kommI hier Gul em Merkmal Gn, woran W
BiMer ein 80
reiMB Erlcennmül vom empWüMen tmIer.~ kön"en.
ErlalwtmtJ Zehre tm8 Z'WGf', dG/J etuJaB 80 oder 80 buMaften m,
aber mMI, dG/J u mcM CIt'Ider. Bem bnme. Pifldel ftch also
1) Die fünfte Originalausgabe: "a posteriori"
I) Erdmann: "Erfahrungen".
'\ Die fünfte Originalausgabe: "Stand".
40 Einleitung (nach Ausgabe A]
40
Einleitung (nach Ausgabe A]
Einleitung [nach Ausgabe B] 40* erstlich ein Satz, der zugleich mit seine? Notwendigkeit gedacht wird,
Einleitung [nach Ausgabe B]
40*
erstlich ein Satz, der zugleich mit seine? Notwendigkeit
gedacht wird, so ist er ein Urteil a priori,' ist er iiberdem auch
von keinem abgeleitet, als der selbst l ) wiederum als ein not-
wendiger Satz gültig ist, /JO ist er schlechterdings apriori.
Zweitens: Erfahrung gibt niemals ihren Urteilen wahre oder
strenge, sondern nur angenommene und komparative A H-
gemeinheit (durch Induktion), so daß es eigentlich heißen
muß: somel wir bisher wahrge I nommen haben, findet sich
(B 4)
von dieser oder iener Regel keine Ausnahme. Wird also ein
Urteil in strenger Allgemeinheit geda.cht, d. i. so, daß gar keine 10
Ausnahme als möglich verstattet wird, so ist es nicht von der
Erfahrung abgeleitet, sondern schlechterdings apriori gültig.
Die empirische Allgemeinheit ist also nur eine willkürliche
Steigerung der Gültigkeit. von der, welche in den meisten
Fällen, zu de1', die in allen gilt, wie z. B. in dem Satze: alle
Körper sind schwer; wo dagegen strenge 4llgemeinheit zu
einetn Urteile wesentlich gehört, da zeigt diese auf einen beson-
deren Erkenntnisqttell desselben, nämlich ein Vermögen des
Erkenntnisses apriori. Notwendigkeit und strenge Allgemein-
heit sind also sichere Kennzeichen einer Erkenntnis apriori, 20
und gehören auch unzertrennlich zueinander. Weil es aber im
Gebrauche derselben bisweilen leichter ist, die empirische
Beschränktheit derselben 2 ), als die Zufälligkeit in den Urteilen s ),
oder es auch manchmal einleuchtender ist, die unbe.9chränkte
Allgemeinheit, die wir einem Urteile beilegen, als die Not-
wendigkeit desselben zu zeigen, so ist es ratsam, sich gedachter
beider Kriterien, deren iedes für sich unfehlbar ist, ahgesondert
zu bedienen.
Daß es nun dergleichen notwendige und im strengsten Sinne
allgemeine, mithin reine
Urteile Cl priori, im menschlichen 30
Erkenntnis wirklich gebe, ist le1:cht zu zeigen. Will man ein
Beispiel aus Wissenschaften, so darf man nur auf alle Sätze
der Mathematik hinatt8sehen; will man ein solche.s aus dem
1) Erdmann:
usw.
"nämlich einem solchen, der selbst".
2) Görland:
"derselben
derselben",
auf
das
nach-
folgende "Urteile" zu
beziehen;
Goldschmidt streicht
das
zweite " derselben".
8) Vaihinger:
"die Zufälligkeit in den Urteilen als die
empirische Beschränktheit derselben".
41 Einleitung [nach Ausgabe Al
41
Einleitung [nach Ausgabe Al
Einleitung (nach Ausgabe B] 41 '* gemftnslen Ver Istandesgebrauohe, so kann der Satz, daß alle
Einleitung (nach Ausgabe B] 41 '*
gemftnslen Ver Istandesgebrauohe, so kann der Satz, daß alle (B 1)
VriraMrung ane U"sache haben mÜ88e, dazu dienen: ja in
dem letzIeren tmtMU selbs' der Begriff einer U"sache so offmbar
den B6fJriff einer N~keU der Verknüpfung mü einer
Wirhng uM einer sfrengen AUgemeinheit der Regel, daß er
~ fJ6f'lorengehen 'WÜrde, wenn man ihn, wie Rume tat,
oon einer iJ/W'n BeigeseUung dessen, was geschieht, mit dem,
was fHJ'rhergeht, und einer dMaus entBpringmden GewohnMit,
(mithin bloß B1Jbiektit'en Notwendigkeü,) Vorstellungen zu
fJ6f'lmüpfen. ahleüen wollte. Auch könnte man, ohne der· 10
gkichen Beispiek zum Beweise der WirklichkeU reiner Grund.
BCitu CI priori in unserem Erkenntnisse zu bedürfen, dies8f' ihre
Unentb.~zur MögUchkei' der Erfahtrung selbst, mithin
apriori cIarltm. Denn Wo wollte selbst Erfahrung ihre Gewißheit
~ wenn tJlle Regeln, nach denen sie fortgeht, immer
wieder em-pirisch, mühin zufällig wären; dah8f' mcm diese
lIChwerUch für eme GrundBCitu gellen 1GBsen kann.
AUein hier
können wir uns damü begn'Ügen, den reinen Gebrauch unseres
JCtok~iJgens als TaI8ache samt den Kennzeichen
deRselben GargelegI zu haben. Ab8f' nicht bloß in Urteilen, 20
sondern selbst in Begriffen zeigl sich ein Ursprung amger
derselben a priori. Lasset f10R eurem ErfahrungBbegn,ffe eines
KiJ"pers GlleB, WGB daran empirisch ist, nach und. nach weg:
die Fa.rbe, die Härte oder Weiche, die SchW8f'e, selbst!) die
UndurchdringliehkeU, 80 bleib' doch der Raum übrig, den
8f' (welch8f' nun ganz wrschWltnden ist) einnahm, uM den I (B 6)
könt'lt ihr nicht weglGBBen. Ebenso, wenn ihr tIOfl eurem empiri.
sehen Begriffe eines jeden, körperlichen oder nicht körp8f'lichen,
Ob;ektB alle Eigenschaften weglaßt, die euch die Erfahrung
lehrt,· 80 kclnnt ihr ihm doch nicht diejenige nehmen, dadurch 30
ihr es als Substanz oder einer Substanz anhängend denkt,
(obgleich dieser Begriff mehr Bestimmung entMJ." als der
eines Objekls überhaup,). Ihr müß, also, überführt dwrch die
N otwmdigkeü, womü sich dieser Begriff euch cau/dringl,
geslehen, daß er in eurem ErkenntniswrmiJgen apriori seinen
Süz habe.
1) "selbst" fehlt in der vierten Originalausgabe.
42 Einleitung [nach Ausgabe A] vVas aber noch weit mehr sagen will ist dieses, daß
42 Einleitung [nach Ausgabe A]
vVas aber noch weit mehr sagen will ist dieses,
daß gewisse Erkenntnisse sogar das Feld aller mög-
(A 3) lichen Erlfahrungen verlassen, und durch Begriffe,
denen überall kein entsprechender Gegenstand in der
Erfahrung gegeben werden kann, den Umfang unserer
Urteile über alle Grenzen derselben zu erweitern den
Anschein haben.
D nd gerade in diesen letzteren Erkenntnissen, welche
über die Sinnenwelt hinausgehen, wo Erfahrung gar
10
keinen Leitfaden noch Berichtigung geben kann, liegen
die Nachforschungen unserer Vernunft, die wir der
Wichtigkeit nach für weit vorzüglicher, und ihre End-
absicht für viel erhabener halten, als alles, was der
Verstand im Felde der Erscheinungen lernen kann,
wobei wir, sogar auf die Gefahr zu irren, eher alles
wagen, als daß wir so angelegene 1) Untersuchungen
aus irgendeinem Grunde der Bedenklichkeit, oder aus
Geringschätzung und Gleichgültigkeit aufgeben sollten.
Nun scheint es zwar natürlich, daß, sobald man den
20
Boden der Erfahrung verlassen hat, man doch nicht
mit Erkenntnissen, die man besitzt, ohne zu wissen
woher, und auf den Kredit der Grundsätze, deren Ur-
sprung man nicht kennt, sofort ein Gebäude errich-
ten werde, ohne der Grundlegung desselben durch
sorgfältige Untersuchungen vorher versichert zu sein,
I) Grillo: "angelegentliche".
Einleitung [nach Ausgabe B] 42* IIf. Die Phüosophie bedarf einer Wissenschaft, welche die Möglichkeit, die
Einleitung [nach Ausgabe B]
42*
IIf. Die Phüosophie bedarf einer Wissenschaft, welche
die Möglichkeit, die Prinzipien und den Umfang aller
Erkenntnisse apriori bestimme
Was noch weit mehr sagen will als alles vorige,
ist dieses, daß gewisse Erkenntnisse sogar das Feld
aller möglichen Erfahrungen verlassen, und durch Be-
griffe, denen überall kein entsprechender Gegenstand
in der Erfahrung gegeben werden kann, den Umfang
unserer Urteile über alle Grenzen derselben zu er-
weitern den Anschein haben.
Und gerade in diesen letzteren Erkenntnissen, welche 10
über die Sinnenwelt hinausgehen, wo Erfahrung gar
keinen Leitfaden, noch Berichtigung geben kann, liegen
die Nachforschungen unserer Vernunft, die wir, der I
Wichtigkeit nach, für weit vorzüglicher, und ihre End- (B 7)
absicht für viel erhabener halten, als alles, was der
Verstand im F~lde der Erscheinungen lernen kann,
wobei wir,
wagen, als
sogar auf die Gefahr zu irren, eher alles
daß wir so angelegene l ) Untersuchungen
aus irgend einem Grunde der Bedenklichkeit, oder aus
Geringschätzung und Gleichgültigkeit aufgeben sollten.
20
Diese unvermeidlichen Aufgaben der reinen Vernunft 8elb8t
sind Gott, Freiheit und Un8terblichkeit. Die Wi88en-
schaft aber, deren Endabsicht mit allen ihren Zurüstungen
eigentlich nttr auf die A uflö8ung der8elben gerichtet ist,
heißt Metaphysik, deren Verfahren im Anfange dogmatisch
ist, d. i. ohne vorhergehende Prüfung des Vermögens oder
Unvermögens der Vernunft zu einer so großen Unternehmung
zuver8ichtlich die Ausführung übl7mimmt 2 ).
Nun scheint es zwar natürlich, daß, sobald man den 30
Boden der Erfahrung verlassen hat, man doch nicht
mit Erkenntnissen, die man besitzt, ohne zu wissen
woher, und auf den Kredit der Grundsätze, deren Ur-
sprung man nicht kennt, sofort ein Gebäude errich-
ten werde, ohne der Grundlegung desselben durch
sorgfältige Untersuchungen vorher versichert zu sein,
1) Grillo: "angelegentliche".
I) "Diese
übernimmt" fehlt bei Rosenkranz.
43 Einleitung [nach Ausgabe A] daß man also die Frage vorlängst werde aufgewor- fen haben,
43 Einleitung [nach Ausgabe A]
daß man also die Frage vorlängst werde aufgewor-
fen haben, wie denn der Verstand zu allen diesen
Erkenntnissen
apriori kommen könne, und welchen
(A 4) Umfang, Gültigkeit und Wert sie haben mögen. I In
der Tat ist auch nichts natürlicher, wenn man unter
diesem Wort das versteht, was billiger- und vernünf-
tigerweise geschehen sollte; versteht man aber darun-
ter das, was gewöhnlichermaßen geschieht, so ist hin-
wiederum nichts natürlicher und begreiflicher, als daß
10
diese Untersuchung lange Zeit unterbleiben mußte. Denn
ein Teil dieser Erkenntnisse, die mathematischen, ist
im alten Besitze der Zuverlässigkeit, und gibt dadurch
eine günstige Erwartung auch für andere, ob diese
gleich von ganz verschiedener Natur sein mögen. über-
dem, wenn man über den Kreis der Erfahrung hinaus
ist, so ist man sicher, durch Erfahrung nicht wider-
sprochen zu werden. Der Reiz, seine Erkenntnisse zu
erweitern, ist so groß, daß man nur durch einen klaren
Widerspruch, auf den man stößt, in seinem Fortschritte
20
aufgehalten werden kann. Dieser aber kann vermieden
werden, wenn man seine Erdichtungen behutsam macht,
ohne daß sie deswegen weniger E'tdichtungen bleiben.
Die Mathematik gibt uns ein glänzendes Beispiel, wie
weit wir es unabhängig von der Erfahrung in der Er-
kenntnis apriori bringen können. Nun beschäftigt sie
sich zwar mit Gegenständen und Erkenntnissen, bloß
so weit als sich solche in der Anschauung darstellen
lassen. Aber dieser Umstand wird leicht übersehen,
weil gedachte Anschauung selbst apriori gegeben
30
werden kann, mithin von einem bloßen reinen Begriff
kaum unterschieden wird. Durch einen solchen Be-
(A ö) weis von der Mac::ht der Vernunft auflgemuntert, sieht
der Trieb zur Erweiterung keine Grenzen. Die leichte
Taube, indem sie im freien Fluge die Luft teilt, deren
Widerstand sie fühlt, könnte die Vorstellung fassen,
daß es ihr im luftleeren Raum noch viel besser gelingen
werde. Ebenso verließ :l>lato die Sinnenwelt, weil sie
dem Verstande so vielfältige Hindernisse legt, und wagte
sich jenseit derselben auf den Flügeln der Ideen, in
40 den leeren Raum des reinen Verstandes. Er bemerkte
Einleitung [nach Ausgabe B] 43* daß man also vielmehr die Frage vorlängst werde auf- geworfen
Einleitung [nach Ausgabe B]
43*
daß man also vielmehr die Frage vorlängst werde auf-
geworfen haben, wie denn der Verstand zu allen diesen
Erkenntnissen apriori kommen könne, und welchen Um-
fang, Gültigkeit und Wert sie haben mögen. In der
Tat ist auch nichts natürlicher, wenn man unter dem
Worte flatiirlich das versteht, was billiger- und vemünf-
tigerweise geschehen I sollte; versteht man aber darun· (B 8)
ter das, was gewöhnlichermaßen geschieht, so ist hin·
wiederum nichts natürlicher und begreiflicher, als daß
diese Untersuchung lange unterbleiben mußte. Denn 10
ein Teil dieser Erkenntnisse, al8 die mathematischen, ist
im alten Besitze der Zuverlässigkeit, und gibt dadurch
eine günstige Erwartung auch für andere, ob diese
gleich von ganz verschiedener Natur sein mögen. Ober-
dem, wenn man über den Kreis der Erfahrung hinaus
ist, so ist man sicher, durch Erfahrung nicht widerlegt
zu werden. Der Reiz, seine Erkenntnisse zu erweitem,
ist so groß, daß man nur durch einen klaren Wider-
spruch, auf den man stößt, in seinem Fortschritte auf-
gehalten werden kann. Dieser aber kann vermieden 20
werden, wenn man seine Erdichtungen nur behutsam
macht, ohne daß sie deswegen weniger Erdichtungen
bleiben. Die Mathematik gibt uns ein glänzendes Bei-
spiel, wie weit wir es, unabhängig von der Erfahrung,
in der Erkenntnis apriori bringen können. Nun be-
schäftigt sie sich zwar mit Gegenständen und Erkennt-
nissen bloß so weit, als sich solche in der Anschauung
darstellen lassen. Aber dieser Umstand wird leicht
übersehen, weil gedachte Anschauung selbst apriori
gegeben werden kann, mithin von einem bloßen reinen 80
Begriff kaum unterschieden wird. Durch einen solchen
Beweis von der Macht der Vemunft eingenommen, sieht
der Trieb zur Erweiterung keine Grenzen. Die leichte
Taube, indem sie im freien Fluge die Luft teilt, deren
Widerstand sie fühlt, könnte die Vorstellung fassen,
daß es ihr im luftleeren Raum noch viel I besser ge- (B 9)
lingen werde. Ebenso verließ Plato die Sinnenwelt,
weil sie dem Verstande so enge Schranken Betd, und
wagte sich jenseit derselben, auf den Flügeln der Ideen,
in den leeren Raum des reinen Verstandes. Er bemerkte «)
KaDt, Kritik der m- Vonlllllft.
,
44 Einleitung [nach Ausgabe AJ nicht, daß er durch seine Bemühungen keinen Weg gewönne, denn
44 Einleitung [nach Ausgabe AJ
nicht, daß er durch seine Bemühungen keinen Weg
gewönne, denn er hatte keinen Widerhalt, gleichsam
zur Unterlage, worauf er sich steifen, und woran er
seine Kräfte anwenden konnte, um den Verstand von
der Stelle zu bringen. Es ist aber ein gewöhnliches
Schicksal der menschlichen Vernunft in der Spekulation
ihr Gebäude so früh, wie möglich, fertigzumachen, und
hintennach allererst zu untersuchen, ob auch der Grund
dazu gut gelegt sei. Alsdann aber werden allerlei Be-
10 schönigungen herbeigesucht, um uns wegen dessen
Tüchtigkeit· zu trösten, oder eine solche späte und ge-
fährliche Prüfung abzuweisen. Was uns aber während
dem Bauen 1) von aller Besorgnis und Verdacht freihält,
undmit scheinbarer Gründlichkeit schmeichelt, ist dieses.
Ein großer Teil, und vielleicht der größte, von dem
Geschäfte unserer Vernunft besteht in Zergliederungen
der Begriffe, die wir schon von Gegenständen haben.
Dieses liefert uns eine Menge von Erkenntnissen, die,
ob sie gleich nichts weiter als Aufklärungen oder Er-
(A 6) läuterungen desjenigen I sind, was in unsern Begrif-
fen, (wiewohl noch auf verworrene Art) schon gedacht
worden, doch wenigstens der Form nach neuen Ein-
sichten gleich geschätzt werden, wiewohl sie der Materie
oder dem Inhalte nach die Begriffe, die wir haben,
nicht erweitern, sondern nur auseinander setzen. Da
dieses Verfahren nun eine wirkliche Erkenntnis apriori
gibt, die einen sichern und nützlichen Fortgang hat,
so erschleicht die Vernunft, ohne es selbst zu merken,
unter dieser Vorspiegelung Behauptungen von ganz
30 anderer Art, wo die Vernunft zu 2) gegebenen Begriffen
apriori ganz fremde hinzutut, ohne daß man weiß,
wie sie dazu gelange, und ohne sich diese Frage auch
nur in die Gedanken kommen zu lassen. Ich will daher
gleich anfangs von dem Unterschiede dieser zweifachen
Erkenntnisart handeln.
I) Valentiner:
"des Bauens".
I) Grillo:
"wo sie zu".
-
Einleitung [nach Ausgabe B] 44* nicht, daß er durch seine Bemühungen keinen Weg gewönne, denn
Einleitung [nach Ausgabe B]
44*
nicht, daß er durch seine Bemühungen keinen Weg
gewönne, denn er hatte kein~n Widerhalt, gleichsam
zur Unterlage, worauf er sich steifen, und woran er
seine Kräfte anwenden konnte, um den Verstand von
der Stelle zu bringen. Es ist aber ein gewöhnliches
Schicksal der menschlichen Vernunft in der Spekulation,
ihr Gebäude so früh, wie möglich, fertigzumachen, und
hintennach allererst zu untersuchen, ob auch der Grund
dazu gut gelegt sei. Alsdann aber werden allerlei
Beschönigungen herbeigesucht, um uns wegen dessen 10
Tüchtigkeit zu trösten, oder auch eine solche späte und
gefährliche Prüfung lieber gar abzuweisen. Was uns
aber während dem Bauen 1) von aller Besorgnis und
Verdacht frei hält, und mit scheinbarer Gründlichkeit
schmeichelt, ist dieses. Ein großer Teil, und vielleicht
der größte, von dem Geschäfte unserer Vernunft, be-
steht in Zergliederungen 2) der Begriffe, die wir schon
von Gegenständen haben. Dieses liefert uns eine Menge
von Erkenntnissen, die, ob sie gleich nichts weiter als
Aufklärungen oder Erläuterungen desjenigen sind, was 20
in unsern Begriffen (wiewohl noch auf verworrene Art
schon gedacht worden, doch wenigstens der Form nach
neuen Einsichten gleich geschätzt werden, wiewohl sie
der Materie, oder dem Inhalte nach die Begriffe, die
wir haben, nicht erweitern,
sondern nur auseinander
setzen.
I Da
dieses
Verfahren nun
eine
wirkliche
Er- (B 10)
kenntnis apriori gibt, die einen sichern und nützlichen
Fortgang hat, so erschleicht die Vernunft, ohne es selbst
zu merken, unter dieser Vorspiegelung Behauptungen
von ganz anderer Art, wo die Vernunft zu~) gegebenen 30
Begriffen ganz fremde und zwar 'a priori hinzutut,
ohpe daß man weiß, wie sie dazu gelange, und ohne
sich eine solche Frage auch nur in die Gedanken
kommen zu lassen. Ich will daher gleich anfangs
von dem Unterschiede dieser zweifachen Erkenntnisart
handeln,
1) Valentiner:
"des Bauens".
B) Die fünfte Originalausgabe:
"Zergliederung".
I) Grillo:
"wo sie zu".
4*
I
45 Einleitung [nach Ausgabe A] Von dem Unterschiede analytischer und synthetischer Urteile In allen Urteilen,
45 Einleitung [nach Ausgabe A]
Von dem Unterschiede analytischer und
synthetischer Urteile
In allen Urteilen, worinnen das Verhältnis eines Sub-
jekts zum Prädikat gedacht wird, (wenn ich nur die be-
jahenden erwäge: denn auf die verneinenden ist die
Anwendung leicht) ist dieses Verhältnis auf zweier-
lei Art möglich. Entweder das Prädikat B gehört zum
Subjekt AI) als etwas, was in diesem Begriffe A (ver-
steckterweise) enthalten ist; oder B liegt ganz außer
10 dem Begriff A, ob es zwar mit demselben in Ver-
lmüpfung steht. Im ersten Fall nenne ich das Urteil
(A 7) analytisch, im anaern syntheltisch. Analytische Ur-
teile (die bejahenden) sind also diejenigen, in welchen
die Verlmüpfung des Prädikats mit dem Subjekt durch
Identität, diejenigen aber, in denen diese Verlmüpfung
ohne Identi~t gedacht wird, sollen synthetische Urteile
heißen. Die ersteren könnte man auch Erläuterungs-,
die anderet1 Erweiterungs-Urteile heißen, weil jene durch
das Prädikat nichts zum Begriff des Subjekts hinzutun,
20
sondern diesen nur durch Zergliederung in seine Teil-
begriffe zerfällen, die in selbigenlI) schon, (ob8c1um ver-
worren) gedacht waren: dahingegen die letzteren zu
dem Begriffe des Subjekts ein Prädikat hinzutun, wel-
ches in jenem gar nicht gedacht war, und durch keine
Zergliederung desselben hätte können herausgezogen
werden, z. B. wenn ich sage: alle Körper sind aus-
gedehnt, so ist dies ein analytisch S ) Urteil. Denn
ich darf nicht aus dem Begriffe, den ich mit dem Wort
Körper verbinde, hinausgehen, um die Ausdehnung als
30
mit demselben .verknüpft zu finden, sondern jenen Be-
griff nur zergliedern, d. i. des Mannigfaltigen, welches
ich jederzeit in ihm denke, nur bewußt werden, um
dieses Prädikat darin anzutreffen; es ist also ein ana-
lytisches Urteil. Dagegen, wenn ich sage: alle Körper
1) Die vierte Originalausgabe: "B".
I) Hartenstein: "selbigem".
') Die vierte Originalausgabe:
"analytisches".
Einleitung [nach Ausgabe B] 45· IV.t} Von dem Unterschiede anal7Ü8ohw und 8)'Jlthetischer Urteile In allen
Einleitung [nach Ausgabe B]
45·
IV.t} Von dem Unterschiede anal7Ü8ohw und
8)'Jlthetischer Urteile
In allen Urteilen, worinnen das Verhältnis eines
Subjekts zum Prädikat gedacht wird, (wenn ich nur die
bejahenden erwäge, denn auf die vemeinenden ist nachher
die Anwendung leicht,) ist dieses Verhältnis auf zweier-
lei Art möglich. Entweder das Prädikat B gehört zum
Subjekt All} als etwas, was in diesem Begriffe A (ver-
steckterweise) enthalten ist; oder B liegt ganz außer
dem Begriff A, ob es zwar mit demselben in Ver- 10
knüpfung steht. Im ersten Fall nenne ich das Urteil
analytisch, in dem andern synthetisch. Analytische Ur-
teile (die bejahenden) sind also diejenigen, in welchen
die Verknüpfung des Prädikats mit dem Subjekt durch
Identität, diejenigen aber, in denen diese Verknüpfung
ohne Identität gedacht
wird, sollen synthetische Urteile
I heißen. Die ersteren könnte man auch Erläuterungs-, (B 11)
die andem Erweiterungs-Urteile heißen, weil jene durch
das Prädikat nichts zum Begriff des Subjekts hinzutun,
sondem diesen nur durch Zergliederung in seine Teil- SO
begriffe
zerfällen, die in selbigen S} schon (obgkich ver-
worren) gedacht waren: dahingegen die letzteren zu
dem Begriffe des Subjekts ein Prädikat hinzutun, wel-
ches in jenem gar nicht gedacht war, und durch keine
Zergliederung desselben hätte können herausgezogen
werden. Z. B. wenn ich sage: alle Körper sind aus-
gedehnt, so ist dies ein analytisch'} Urteil. Denn
ich darf nicht über den Begriff, den ich mit dem
Körper verbinde, hinausgehen, um die Ausdehnung, als
mit demselben verknüpft, zu finden, sandem jenen Be- 80
griff nur zergliedem, d. i. des Mannigfaltigen, welches
ich jederzeit in ihm denke, mir nur bewußt werden, um
dieses Prädikat darin anzutreffen; es ist also ein ana-
lytisches Urteil.
Dagegen, wenn ich sage: alle Körper
1) "IV" fehlt in A.
I) Die vierte Originalausgabe:
"B".
,) Hartenstein:
"selbigem"•
•} Die vierte Originalausgabe: "analytisches".
46 Einleitung [nach Ausgabe A] sind schwer, so ist das Prädikat etwas ganz anderes, als
46 Einleitung [nach Ausgabe A]
sind schwer, so ist das Prädikat etwas ganz anderes,
als das, was ich in dem bloßen Begriff eines Körpers
überhaupt denke. Die Hinzufügung eines solchen Prä·
dikats gibt also ein synthetisch 1) Urteil.
Nun i8t hieraus klar: 1. daß durch analytische Urteile unsere
(A 8) Erkenntni8 gar nicht erweitert werde, 80ndern I der Begriff,
den ich 8chon habe, auseinanderge8etzt, und mir 8elbst verständ.
lieh gemacht werde; 2. daß bei 8ynthetischen Urteilen ich außer
dem Begriffe des Subjekts noch etwas anderes (X) haben
10 müs8e, worauf8ich der Verstand 8tützt, um ein Prädikat, da8 in
jenem Begriffe nicht liegt, doch als dazu gehörig zu erkennen.
Bei empirischen oder Erfahrung8urteilen hat es hiermit gar
keine Schwierigkeit. Denn dieses X i8t die voll8tändige
Erfahrung von dem Gegenstande, den ich durch einen Begriff
A denke, welcher nur einen Teil dieser Erfahrung ausmacht.
Denn ob ich 8chon in dem Begritt eines Körper8 überhaupt da8
Prädikat der Schwere gar nicht einschließe, 80 bezeichnet er
doch die vollständige Erfahrung durch einen Teil der8elben,
20 zu welchem also ich noch andere Teile eben der8elben Erfahrung,
als zu dem ersteren gehörig, hinzufügen kann. Ich kann den
Begriff des Körpers vorher analytisch durch die Merkmale
der Ausdehnung, der Undurchdringlichkeit, der Gestalt U.9W.,
die alle in diesem Begriff gedacht werden, erkennen. Nun
erweitere ich aber meine Erkenntnis, und, indem ich auf die
Erfahrung zwtÜcksehe, von welcher ich diesen Begriff des
Körpers abgezogen hatte, so finde ich mit obigen Merkmalen
auch die Schwere jederzeit verknüpft. Es ist also die Erfahrung
jenes X, was außer dem Begriffe A liegt, und worauf sich die
Möglichkeit der Synthesis des Prädikats der Schwere B mit
30 dem Begriffe A
gründet.
(A 9) I Aber bei synthetischen Urteilen apriori fehlt dieses
Hilfsmittel ganz und gar. Wenn ich außer dem Be-
1) Die vierte
Originalausgabe:
"synthetisches".
Einleitung [nach' Ausgabe B] 46* sind schwer, so ist das Prädikat etwas ganz anderes, als
Einleitung [nach' Ausgabe B]
46*
sind schwer,
so
ist das
Prädikat etwas ganz anderes,
als das,
was ich in dem bloßen Begriff eines Körpers
überhaupt denke.
Die Hinzufügung eines solchen Prä·
dikats
gibt
also
ein
synthetisch 1)
UrteiL
Erfahrungsurteile, al8 801che, Bind ;1l8gesamt 8ynthetisch.
Denn es wäre ungereimt, ein analytisches Urteil auf Erfahrung
zu gründen, weil ich aus meinem Begriffe gar nicht hinausgehen
darf, um das Urteil abzufas8en, und also kein Zeugnis der
Erfahrung dazu nötig habe. Daß ein Körper a.usgedehnt 8ei,
i8t ein Satz, der a priO'l'i feststeht, und kein Erfahrung81 urteil. (B 12)
Denn, ehe ich zur Erfahrung gehe, habe ich alle Bedingungen zu
meinem UrÜ'ile 8chon in dem Begriffe, aus welchem ich das
Prädikat nach dem Satze des Wide'1'8pruchs nur herausziehen,
und dadurch 2 ) zugleich der Notwendigkeit des Urteil8 bewußt
werde.n kann, welche mirS) Erfahrung nicht einmal lehren
wÜrde. Dagegen, ob ich 8chon in dem Begriff eines Körper8
überhaupt das Prädikat der Schwere gar nicht ei1l8chließe,
so bezeichnet jener doch einen Gege1l8tand der Erfahrung durch
einen Teil der8elben, zu welchem ich al80 noch andere Teile
eben der8elben Erfahrung, als zu dem ersteren geMrten 4 ), 20
hinzufügen kann. Ich kann den Begriff des Körpers vO'l'her
analytisch durch die Merkmale der Ausdehnung, der Uridurch.
dringlichkeit, der Gestalt UBW., die alle in diesem Begriffe
gedacht werden, erkennen. Nun erweitere ich aber meine
Erkenntnis, und, indem ich auf die Erfahrung zurück8ehe, von
welcher ich diesen Begriff des Körper8 abgezogen hatte, 80 finde
ich mit obigen Merkmalen auch die Schwere jederzeit verknüpft,
und füge al80 diese al8 Prädikat zu ienem Begriffe 8ynthetisch
hinzu. E8 i8t also die Erfahirung, wO'l'auf sieh die Möglichkeit
der Synthesis des Prädikate der Schwere mit dem Begriffe des BO
Körper8 gründet, weil beide Begriffe, ob zwar einer nicht in dem
andmen enthalten ist, dennoch al8 Teile eine8 Ganzen, nämlich
der Erfahrung, die selbst eine synthetische Verbindung der An-
8chauungen ist, zueinander, wiewohl nur zufäUigerweise, gehören.
Aber bei synthetischen Urteilen apriori fehlt dieses
Hilfsmittel ganz und gar. Wenn ich über den Be-
l)
Die vierte Originalausgabe:
"synthetisches".
B)
Erdmann: "dadurch mir".
8)
Grillo: "mich".
~) Erdmann: "gehörig".
47 Einleitung [nach Ausgllbe Al griffe A hinausgehen BOlZ, um einen andem B, als da-
47 Einleitung [nach Ausgllbe Al
griffe A
hinausgehen BOlZ, um einen andem B, als da-
mit verbunden zu erkennen, was ist das, worauf ich
mich stütze, und wodurch die Synthesis möglich wird,
da ich hier den Vorteil nicht habe, mich im Felde der
Erfahrung danach umzusehen? Man nehme den Satz:
Alles, was geschieht, hat seine Ursache. In dem Be-
griff von etwas, das geschieht, denke ich zwar ein Da-
sein, vor welchem eine Zeit vorhergeht usw. und daraus
lassen sich analytische Urteile ziehen. Aber der Be-
10 griff einer Ursache zeigt etwas von dem, was geschieht,
Verschiedenes an, und ist in dieser letzteren Vorste!-
Jung gar nicht mit enthalten. Wie komme ich denn
dazu, von dem, was überhaupt geschieht, etwas davon
ganz Verschiedenes zu sagen, und den Begriff der Ur-
sachen, obzwar in jenen nicht enthalten, dennoch, als dazu
gehörig, zu erkennen. Was ist hier das X, worauf sich
der Verstand stützt, wenn er außer dem Begriff von A
ein demselben fremdes Prädikat aufzufinden glaubt, da8
gleichwohl damit verknüpft sei.
Erfahrung kann es nicht
20 sein, weil der angeführte Grundsatz nicht allein mit
größerer Allgemeinheit, als die Erfahrung wrschaffen
kann, sondem auch mit dem Ausdruck der Notwendig-
keit, mithin gänzlich apriori und aus bloßen Begriffen
diese zweite Vorstellungen 1 ) zu der ersteren hinzufügt.
Nun beruht auf solchen synthetischen d. i. Erweite-
(A 10) rungs-Grundsätzen die ganze Endabsicht unselrer spe-
kulativen Erkenntnis apriori; denn die analytischen')
sind zwar höchst wichtig und nötig, aber nur um zu
derjenigen Deutlichkeit der Begriffe zu gelangen, die
SO zu einer sicheren und ausgebreiteten Synthesis, als zu
einem wirklich neuen Anbau, erforderlich ist.
E8liegt 000 hier ein getDi8868 GeheimniB verborgen·), au8en
Aul8chluIJ allein den ForlBChritl in dem grenzmlo8en Felde
*) W4re 68 einem von den Alten ein.gefallen, auch "Uf" diese
Frage aufzuwerfen, 80 wilrtle di68e allein allen SY8temen der
1) Grillo: "Vorstellung".
') Erdmann ergänzt: "Urteile".
Einleitung [nach Ausgabe B] 47. Igriff Ä hinaUlgehen BOlZ, um einen andern B als da-
Einleitung [nach Ausgabe B]
47.
Igriff Ä
hinaUlgehen BOlZ, um einen andern B als
da- (B 18)
mit verbunden zu erkennen, was ist das, worauf ich
mich stütze, und wodurch die Synthesis möglich wird?
da ichluer den Vorteil nicht habe, mich im Felde der
Erfahrung ~ch umzusehen. Man nehme den Satz:
Alles, was geschieht, hat seine Ursache. In dem Be-
griff von etwas, das· geschieht, denke ich zwar ein Da-
sein, vor welchem eine Zeit vorhergeht USw. und daraus
lassen sich analytische Urteile ziehen. Aber der Be-
griff einer Ursache Ziegt gaM auper jenem Begriffe, 10
und zeigt etwas von dem, was geschieht, Verschiedenes
an, ist aZ80 in dieser letzteren Vorstellung gar nicht
mit enthalten. Wie kOqmle ich denn dazu, von dem,
was überhaupt geschieht, etwas davon ganz Verschie-
denes zu sagen, und den Begriff der Ursache, ob-
%Wal in jenem nicht enthalten, dennoch, als dazu und
80gar notto6ndig gehörig, zu erkennen. Was ist hier das
Unbe'l«Jnnte = X, worauf sich der Verstand stützt, wenn
er außer dem Begriff von A ein demselben fremdes
Prädikat B aufzufinden glaubt, weZchu er gleichwohl da- iO
mit verknüpft zu
,ein erachtet 1
Erfahrung kann es
nicht sein, weil der angeführte Grundsatz nicht allein
mit größerer Allgemeinheit, sondern auch mit dem Aus-
druck der Notwendigkeit, mithin gänzlich apriori und
aus bloßen Begriffen, diese zweite Vorstellungen 1) zu
der ersteren hinzugefügt. Nun beruht auf solchen syn-
thetischen d. i. Erweiterungs-Grundsätzen die ganze
Endabsicht unserer spekulativen Erkenntnis apriori;
denn die analytischenJ) sind zwar höchst wichtig und
nötig, aber nur I um zu derjenigen Deutlichkeit der Be- (B 14)
griffe zu gelangen, die zu einer sicheren und ausge-
breiteten Synthesis, als zu einem wirklich neuen ErtDerb,
erforderlich ist.
1) Grillo: "Vorstellung":
') E rdm ann ergänzt: "Urteile".
48 Einleitung [nach Ausgabe A] der reinen VerstandeBerkenntnis sicher und zuverlässig machen kann: nämUch mit
48 Einleitung [nach Ausgabe A]
der reinen VerstandeBerkenntnis sicher und zuverlässig machen
kann: nämUch mit gehöriger Allgemeinheit den Grund der
Möglichkeit synthetischer Urteile a priMi aufzudecken, die
Bedingungen, die eine jede Art derselben möglich machen,
einzusehen, und diese ganze Erkenntnis (die ihre eigene
Gauung ausmacht) in einem System nach ihren ursprünglichen
Quellen, Abteilungen, Umfang und Grenzen, nicht dut"ch einen
flüchtigen Umkreis zu bezeichnen, sondern oollständig und
zu jedem Gebrauch hirn"eichend zu bestimmen. SO'IJiel vorläufig
10 von dem Eigentümlichen, was die synthetischen Urteile an
sich haben.
reinen Vernunft bis auf unsere Zeit mächtig widerstanden haben,
und hätte so viele eitele Versuche erspart, die, ohne zu wissen,
womit man eigentlich zu tun hat, blindlings unternommen worden.
Einleitung [nach Ausgabe B] 48* V In allen theoretischen Wissenschaften der Vernunft sind synthetische Urteile
Einleitung [nach Ausgabe B]
48*
V
In allen theoretischen Wissenschaften
der Vernunft sind synthetische Urteile apriori als
Prinzipien enthalten
1. ],1 athematische Urteile sind insgesamt syn.
thetisch. Dieser Satz scheint den Bemerkungen der Zerglie-
derer der menschlichen Vernunft bisher entgangen, ja. allen
ihiren Vermutungen gerade entgegengesetzt zu sein, ob er gleich
unwiderspreehlich gewiß und in der Folge sehir wichtig ist.
Denn weil man fand, daß die Schlüsse der Mathematiker alle
nach dem Satze des Widerspruchs fortgehen, (welches die Natur 10
einer jeden apodiktischen Gewl:ßheit erfordert,) so überredete
man sich, daß auch die Grundsätze aus dem Satze des Wider·
spruchs erkannt 1 ) würden: worin sie sich irrten; denn ein
,
spruchs eingesehen werden, aber nur so, daß ein anderer
synthetischer Satz vorausgesetzt wird, aus dem er gefolgert
werden kann, niemals aber an sich selbst.
ZuvÖTderst muß bemerkt werden: daß eigentliche mathe.
matische Sätze jederzeit Urteile a priori und nicht empirisch
sind, weil sie Notwendigkeit bei sich fühiren, welche aus 20
Erfahrung nicht abgenommen werden kann. I Will man aber (B 15)
dieses nicht einräumen, wohlan, so schiränke ich meinen Satz
auf die reine Mathematik ein, deren Begriff es schon mit
sich bringt, daß sie nicht empirische, sondern bloß reine
Erkenntnis apriori enthalte.
Man sollte anfänglich zwar denken: daß der Satz 7 + 5 = 12
ein bloß analytischer Satz sei, der aus dem Begriffe einer
Summe von Sieben und Fünl nach dem Satze des Wider-
spruches erfolge. Allein, wenn man e.s näher betrachtet, so
findet man, daß der Begriff der Summe von 7 und 5 nichts 30
weiter enthalte, als die Vereinigung beider Zahlen in eine
einzige, wodurch ganz und gar nicht gedacht wird, welches diese
einzige Zahl sei, die beide zusammenfaßt'). Der Begriff von
Zwölf ist keineswegs dadurch schon gedacht, daß ich mir bloß
jeneS) Vereinigung von Sieben und Fünf denke, und, ich mag
synthetischer Satz kann allerdings nach dem Satze de
Wider-
1) Die vierte Originalausgabe: "anerkannt".
2) Die
fünfte
Originalausgabe:
"zusammen
gefaßt".
8) Die
fünfte
Originalausgabe: "mir jene".
49 Einleitung [nach Ausgabe A]
49
Einleitung [nach Ausgabe A]
Einleitung [nach Ausgabe B] 49* meinen Begriff oon einer Bolchen möglichen Summe noch Bolange z6f'!1liedem,
Einleitung [nach Ausgabe B] 49*
meinen Begriff oon einer Bolchen möglichen Summe noch
Bolange z6f'!1liedem, BO werde ich doch darin die Zwölf nichl
Q/rlkeffen. Man mu!J über diue Begriffe hinaUBgeßen, ifldem
man die AmMauung zu Hilfe nimmt, die einem oon beiden
korrupondiert, etwa Beine fünf Finger, oder (wie Segner in
Beiner Arithmetik) fünf Pun1cte. und BO nach und nach die
Einheiten der in der Amchau'Ung gegebenen Fünf zu dem
Begriffe der Sieben hinzutut1). Denn ich nehme Z'U6f'Bt die
Zahl 7, und, ifldem ich für den Begriff der 5 die Finger meiner
Hand alB AmMau'Ung zu Hilfe nehme, BO tue ich die Einheiten,
10
die ich tJorher zUBamlmennahm, um die Zahl 5 a'U8Zumachen, (B 16)
nun an jenem meinem Bilde nach und nach zur Zahl 7, und
Behe BO die Zahl 12 entBpringen. Da!J 7 zu 5 I) hinzugetan
werden BolZten I). habe ich zwar in dem Begriffe einer Summe
= 7 + 5 geda.cht. aber nichl, da!J diue Summe der Zahl 12
gleich Bei. Der arithmeti8che Satz iBt alBo jederzeit BlIntheti8ch;
welche8 man duto deutlicher inne wird, wenn man etwlJ8
grö!Jere Zahlen nimmt, da e8 dann klar einkucMet, da!J. wir
möchten umere Begriffe drehen und wenden, wie wir wollen,
wir, ohne die Amchauung zu Hilfe zu nehmen. tJermiU6ls der 20
blo!Jen Zergliederung 'Un8erer Begriffe die Summe niemalB
finden könnten.
Eb6n8OWenig iBt irgendein Grundsatz der reinen Geometrie
OInalytiBch. Da!J die gerade Linie zwiBchen zwei Punkten
die ki.Wzut6 Bei, iBt ein BlInthetischer Satz. Denn mein Begriff
tJom Geraden enthält nicht8 tJon Grö!Je, Bondern nur eine
Qualität. Der Begriff du KÜ1'Z68t6n kommt al80 gänzlich
hinzu, und kann durch keine Z6f'!1liederung aUB dem Begriffe
der geraden Linie gezogen werden. Amchau'Ung mu!J al80 hier
zu Hilfe genommen werden, tJermittel8 deren allein die SlInthe8i8 80
möglich iBt.
Einige wenige Grundsätze. welche die Geometer tJoraUB-
Betun, Bind zwar wirklich aruillltiBch und b61"Uhen auf dem
Satze du Wider8Pf'uchs; 8ie dienen aber auch nur, wie identilche
Sätze,
zur Kette der Methode und
I nicM alB Prinzipien,
(B 17)
z. B. a = a, das Ganze i8t 8ich Belber gleich, oder (a + b)
> a, d. i. das GOInU iBt grö!Jer alB Bein Teil.
Und doch auch
1) Grillo: "hinzutun".
I) Erdmann: ,,0 zu 7".
I) ErdmanD: "sollte",
50 Einleitung [nach Ausgabe A]
50
Einleitung [nach Ausgabe A]
Einleitung [nach Ausgabe B] 50* diese selbst, ob sie gleich nach bloßen Begriffen gelten, werden
Einleitung [nach Ausgabe B]
50*
diese selbst, ob sie gleich nach bloßen Begriffen gelten, werden
in der Mathematik nur darum zugelassen, weil sie in der
Anschauung können dargestellt werden. Was uns hier 1 )
gemeiniglich glauben macht, als läge das Prädikat solcher
apodiktischen Urteile schon in unserm Begriffe, und das
Urteil sei also analytisch, ist bloß die Zweideutigkeit des
Ausdrucks. Wir sollen nämlich zu einem gegebenen Begriffe
ein gewisses Prädikat hinzudenken, und diese Notwendigkeit
haftet schon an den Begriffen. Aber die Frage ist nicht, was
wir zu dem gegebenen Begriffe hinzudenken sollen, sondern 10
was wir wirklich in ihm 2 ), obzwar nur dunkel, denken, und
da zeigt
sich,
daß das Prädikat jenen Begriffen 8 ) zwar
not-
wendig, aber nicht als im Begriffe selbst gedacht, sondern
vermittels einer Anschauung, die zu dem Begriffe hinzukommen
muß, anhänge.
2. Naturwissenschaft (Physica) enthält synthe-
tische Urteile apriori als Prinzipien in &ich.
Ich will nur ein paar Sätze zum Beispiel anführen, als den
Satz: daß in allen Veränderungen der körperlichen Welt die
Quantität der Materie unverändert bleibe, oder daß, in aller 20
Mitteilung der Bewegung, Wirkung und Gegenwirkung jederzeit
einander gleich sein müssen. An beiden ist nicht allein die
Notwendigkeit, mithin 1:hr Ursprung apriori, sondern auch,_
daß sie synthetische I Sätze sind, klar. Denn in dem Begriffe (B 18)
der Materie denke ich mir nicht die Beharrlichkeit, sondern
bloß ihre Gegenwart im Raume durch die Erfüllung desselben.
Also gehe ich wirklich über den Begriff von det' Materie hinaus,
um etwas apriori zu ihm hinzuzudenken, was ich in ihm
nicht dachte. Der Satz ist also nicht analytisch, sondern syn-'
thetisch und dennoch apriori gedacht, und so in den übrigen 30
Sätzen des reinen Teils der N aturwissenscha/t.
3. In der Metaphysik, wenn man sie auch nur für eine
bisher bloß verauchte, dennoch aber durch die Natur der mensch-
lichen Vernunft unentbehrliche Wissenscha/t ansieht, sollen
synthetische Erkenntnisse apriori enthalten sein,
und es ist ihr gar nicht darum zu tun, Begriffe, die wir uns
1) Vaihinger möchte diesen Satz an den vorhergehenden
Absatz angeschlossen wissen.
') Prolegomena: "ihnen".
8) Erdmann: "jenem Begriffe".
61 Einleitung [Dach Ausgabe Al
61
Einleitung [Dach Ausgabe Al
Einleitung [nach Ausgabe B] 51* apriori von Dingen machen, bloß zu zergliedern und dadurch analytisch
Einleitung [nach Ausgabe B]
51*
apriori von Dingen machen, bloß zu zergliedern und dadurch
analytisch zu erläutern, sondern wir wollen unsere Erkenntnis
apriori erweitern, wozu wir uns solcher Grundsätze bedienen
müssen,
die über den l ) gegebenen BegriffS) etwas hinzutun,
was in ihm nicht enthalten war, und durch synthetische Urteile
apriori wohl gar so weit hinamgehen 3 ), daß uns die Erfahrung
selbst nicht so weit folgen kann, z. B. in dem Satze: die Welt
muß einen ersten Anfang haben, u. a. m. und so besteht Meta-
physik wenigstens ihrem Zwecke nach aus lauter synthe-
t'ischen Sätzen apriori.
10
I VI.
Allgemeine Aufgabe der reinen Vernunft
(B 19)
Man gewinnt dadurch schon sehr viel, wenn man eine
Menge von Untersuchungen unter die Formel einer einzigen
Aufgabe bringen kann. Denn dadurch erleichtert man sich
nicht allein selbst sein eigenes Geschäft, indem man es sich
genau bestimmt, sondern auch jedem anderen, der es prüfen
will, das Urteil, ob wir unserem Vorhaben ein Genüge getan
haben oder nicht. Die eigentliche Aufgabe der reinen Vernunft
ist nun in der Frage enthalten: Wie sind synthetische
Urteile apriori möglicM
20
Daß die Metaphysik bisher in einem so schwankenden
Zmtande der Ungewißheit 4 ) und Widersprüche geblieben ist,
ist lediglich der Ursache zuzuschre~7Jen, daß man sich diese
Aufgabe und vielleicht sogar den Unterschied der analyti-
schen und synthetischen Urteile nicht früher in Gedanken')
kommen ließ. Auf der Auflösung dieser Aufgabe, oder einem
genugtuenden Beweise, daß die Möglichkeit, die sie erklärt
zu wissen' verlangt, in der Tat gar nicht stattlinde, beruht nun
das Stehen und Fallen der Metaphysik. David Hume, der
dieser Aufgabe unter allen Philosophen noch am nächsten 30
trat, sie aber sich bei weitem nicht bestimmt genug und in ihtrer
Allgemeinheit dachte, sondern bloß bei dem synthetischen Satze
1) Erdmann: d. i. zu dem.
I) Görland fügt hinzu: "hinaus noch".
S) Erdmann: "weit über ihn hinausgehen".
4) Er dmann: "Unwissenheit".
6) Die vierte Originalausgabe: "in die Gedanken".
Kant. Kritik der reinen Vernunft.
5
52 Einleitung [nach Ausgabe A]
52
Einleitung [nach Ausgabe A]
Einleitung [nach Ausgabe B] 52* der Verknüpfung der Wirkung mit ihren Ursachen (Princi. pium oousalitatis)
Einleitung [nach Ausgabe B]
52*
der Verknüpfung der Wirkung mit ihren Ursachen (Princi.
pium oousalitatis) 8tehen blieb, glaubte I herauszubringen, daß (B 20)
ein 80lcher Satz a priori gänzlich unmöglich 8ei, und nach
seinen Schlüs8en würde alle8, waa wir Metaphysik nennen,
auf einen bloßen Wahn von vermeinter Vernunfteinsicht de88en
hinauslaufen, waa in der. Tat bloß aus der Erfahrung erborgtl)
und dwrch Gewohnheit den Schein der Notwendigkeit über·
kommen hat,' auf welche, alle reine Philo8ophie zer8törende,
Behauptung er niemal8 gefallen wäre, wenn er unBere Aufgabe
in ihrer Allgemeinheit vor Augen gehabt hätte, da er dann 10
eingesehen haben würde, daß, nach 8einem Argumente, 138
auch keine reine Mathematik geben könnte, weil diue gewiß
8yntheti8che Sätze apriori enthält, vor welcher Behauptung
ihn alsdann 8ein guter Ver8tand wohl würde bewahrt haben.
In der A uflö8ung obiger Aufgabe ist zugleich die Möglichkeit
du reinen Vernunftgebrauch68 in Gründung und Ausführung
aller Wis8enschaften, die eine theoreti8che Erkenntni8 apriori
von Gegenständen enthalten, mit begriffen, d. i. die Beant-
wortung der Fragen:
Wie i8t reine Mathematik möglich? 20
Wie i8t reine N aturwi88en8chaft möglich?
Von diuen W is8enschaften, da 8ie wirklich gegeben sind,
läßt sich nun wohl geziemend fragen: wie sie möglich sind,'
denn daß sie möglich 8ein müs8en, wird dwrch ihre Wirklichkeit
bewiuen*). Waa aber MetaphY8ik beltrifft, 80 muß ihr (B21)
bisheriger 8chlechter Fortgang, und weil man von keiner einzigen
bi8her vorgetragenen, waa ihren wuentlichen Zweck angeht,
8agen kann, sie 8ei wirklich vorhanden, einen ieden mit Grund
an ihrer Möglichkeit zweifeln laa8en.
*) Von der reinen Naturwissenschaft könnte mancher die8e8
letztere noch bezweifeln. Allein man darf nwr die t;er8ckiedenen
Satze, die im Anfange der eigentlichen (empirischen) Physik vor-
kommen, nachsehen, al8 den ·von der Behart'lichkeit der8elben
Quantität Materie, von der Trägheit, der Gleichheit der Wirkung
und Gegenwirkung usw., 80 wird man, bald überzeugt werden,
da! sie eine physicam puram (oder rationalem) ausmachen, die
138 wohl verdient, als eigene Wissen8chaft, in ihrem engen oder
weiten, aber doch ganzen Umfange, abge80ndert aufgestellt zu
werden.
1) Erdmann: "erborgt ist".
5*
53 Einleitung [nach Ausgabe A]
53
Einleitung [nach Ausgabe A]
Einleitung [nach Ausgabe B] 53* Nun ist aber diese Art von Erkenntnis in gewissem Sinne
Einleitung [nach Ausgabe B]
53*
Nun ist aber diese Art von Erkenntnis in gewissem
Sinne doch auch als gegeben anzusehen, und Metaphysik ist,
wenngleich nicht als Wissenschaft, doch als Naturanlage
(metaphysica naturalis) wirklich. Denn die menschliche Ver-
nunft geht ttnaufhaltsam, ohne daß bloße Eitelkeit des Viel-
wissens sie dazu bewegt, durch eigenes Bedürfnis getrieben
bis zu solchen Fragen fort, die durch keinen Erfahrung~gebrauch
der Vernunft und daher entlehnte Prinzipien beantwortet werden
können, und so ist wirklich in allen Menschen, sobald Vernunft
sich in ihnen bis zur Spekulation erweitert, irgendeine ltleta- 10
physik zu aller Zeit gewesen, und wird auch immer da7'in
bleiben. Und nun ist auch von dieser die Frage:
I Wie ist Metaphysik als Naturanlage möglich?
(B22)
d. i. wie entspringen die Fragen, welche reine Vernunft sich
aufwirft, und die sie, so gut als sie kann, zu beantworten
durch ihr eigenes Bedürfnis 1 ) getrieben wird, aus der Natur der
allgemeinen Menschenvernunft?
Da sich aber bei allen bisherigenVersuchen, diese natürlichen
Fragen, z. B. ob die Welt einen Anfang habe, oder von Ewigkeit
her set:,usw. zu beantworten, jederzeit unvermeidliche Wider- 20
sprüche gefunden haben, so kann man es nicht bei der bloßen
Naturanlage zur Metaphysik, d. i. dem reinen Vernunft-
vermögen selbst, woraus zwar immer irgendeine Metaphysik
(es sei welche es wolle) erwächst, bewenden lassen, sondern
es muß möglich sein, mit ihr es zur Gewißheit zu bringen, ent-
weder im Wissen oder Nicht- Wi08sen der Gegenstände, d. i.
entweder der Entscheidung über die Gegenstände ihrer Fragen,
oder über das Vermögen ttnd Unvermögen der Vernunft in
Ansehung ihrer etwas zu urteilen, also entweder unsere reine
Vernunft mit Zuverlässigkeit zu erweitern, oder ihr bestimmte 30
und sichere Schranken zu setzen. Diese letzte Frage, die aus
der obigen allgemeinen Aufgabe fließt, würde mit Recht diese
sein: Wie ist Metaphysik als Wissen8chaft möglich?
Die Kritik der Vernunft führt also zuletzt notwendig zur
Wissenscha/t: der dogmatische Gebrauch derselben ohne Kritik
dagegen auf grundlose Behauptungen, I denen man ebenso (B 23)
scheinbare entgegensetzen kann, mithin zum Skeptizismus.
1) Die vierte Originalausgabe: "durch eigenes".
54 Einleitung [nach Ausgabe A]
54
Einleitung [nach Ausgabe A]
Einleitung [nach Au~gabe B] 54* Auch kann die.ße Wissenschaft nicht von großer ohschrecken- der Weitläufigkeit
Einleitung [nach Au~gabe B]
54*
Auch kann die.ße Wissenschaft nicht von großer ohschrecken-
der Weitläufigkeit sein, weil sie es nicht mit Objekten der
Vernunft, deren Mannigfaltigkeit unendlich ist, s01Ulern es
bloß1) mit sich selbst, mit Aufgaben, die ganz aus {/Wem
Schoße entspringen, und ihr nicht durch die Natur der Dinge,
die von ihr unterschieden sind, sondern durch ihre eigene
vorgelegt sind, zu tun hat,. da es denn, wenn sie zuvor ihr eigen
Vermögen in Ansehung der Gegenstände, die ihr in der Erfah-
rung vorkommen mögen, vollständig hat kennenlernen, leicht
werden muß, den Umfang und die Grenzen ihres über alle 10
Erfahrungsgrenzen versuchten Gebrauchs voUständig und sicher
zu bestimmen.
Man kann also und muß alle bisher gemachten Versuche,
eine Metaphysik dogmatisch zustande zu bringen, als
ungeschehen ansehen,. d.enn was in der einen oder der anderen
Analytisches, nämlwh bloße Zergliederung der Begriffe ist,
die unserer Vernunft a priori beiwohnen, ist noch gar nicht der
Zweck, sondern nur eine Veranstaltung zu der eigentlichen
Metaphysik, nämlich seine Erkenntnis apriori synthetisch
zu erweitern, und ist zu diesem untauglich, weil sie bloß zeigt, 20
was in diesen Begriffen enthalten ist, nicht aber, wie wir
apriori zu solchen Begriffen gelangen, um danach auch ihren
gültigen
Gebrauch in Ansehung der GegenIstände aller Er- (B 24)
kenntnis überhaupt bestimmen zu können. Es gehört auch nur
wenig Selbstverleugnung dazu, alle diese Ansprüche aufzugeben,
da die nicht abzuleugnenden und im dogmatischen Verfahren
auch 'Unvermeidlichen Widersprüche du Vernunft mit sich
selbst iede bisherige Metaphysik schon längst um ihr Ansehen
gebracht hohen. Mehr Standhaftigkeit wird dazu nötig sein,
sich durch die Schwierigkeit innerlich und den Wide,'stand 30
äußerlich nicht ohhalten zu lassen, eine der menschlichen
Vernunft unentbehrliche Wissenschaft, t'on der man wohl ieden
hervorgeschossenen Stamm ohhauen, die Wurzel oher nicht
ausrotten kann, durch eine andere, der bisherigen ganz entgegen-
gesetzte, Behandlung endlich einmal zu einem gedeihlichen und
fruchtbaren Wuchse zu befördern.
1) Grillo: "sondern bloß".
55 Einleitung [nach Ausgabe Al Aus diesem allen ergibt sich nun die Idee einer be-
55 Einleitung [nach Ausgabe Al
Aus diesem allen ergibt sich nun die Idee einer be-
sondern
Wissenschaft,
die zur Kritik der reinen Ver-
(A 11) nunft I dienen könne. Es heißt aber jede Erkenntnis rein,
die mit nichts Fremdartigen l ) vermischt ist. Besonders
aber wird eine Erkenntnis schlechthin rein genannt, in
die sich überhaupt keine Erfahrung oder Empfindung ein-
mischt, welche mithin völlig apriori möglich ist. Nun
ist Vernunft das Vermögen, welches die Prinzipien der
Erkenntnis apriori an die Hand gibt. Daher ist
10 reine Vernunft diejenige, welche die Prinzipien etwas
schlechthin apriori zu erkennen, enthält. Ein Or-
ganon der reinen Vernunft würde ein Inbegriff der-
jenigen Prinzipien sein, nach denen alle reinen Er-
kenntnisse apriori können erworben und wirklich zu-
stande gebracht werden. Die ausführliche Anwendung
eines solchen Organon würde ein System der reinen
Vernunft verschaffen. Da dieses aber sehr viel ver-
langt ist, und es noch dahin steht, ob auch überhaupt
eine solche Erweiterung unserer Erkenntnis, und in wel-
20 chen Fällen sie möglich sei; so können wir eine Wissen-
schaft der bloßen Beurteilung der reinen Vernunft, ihrer
Quellen und Grenzen, als die Propädeutik zum System
der reinen Vernunft ansehen. Eine solche würde nicht
eine Doktrin, sondern nur Kritik der reinen Vernunft
heißen müssen, und ihr Nutzen würde wirklich nur
negativ sein, nicht zur Erweiterung, sondern nur zur
Läuterung unserer Vernunft dienen, und sie von Irr-
tümern frei halten, welches schon sehr viel gewonnen
ist. Ich nenne alle Erkenntnis transzendental, die sich
30 nicht sowohl mit Gegenständen, sondern mit unsern
(A 12) Begriffen
apriori
von
Gegenlständen
überhaupt
be-
schäftigt. Ein System solcher Begriffe würde Tran-
szendental-Philosophie heißen. Diese ist aber wiederum
für den Anfang zu viel. Denn weil eine solche Wis-
1) Hartenstein: "Fremdartigem".
Einleitung [nach Ausgabe B] 55* VII. Idee und Einteilung einer besonderen Wissen- schaft, unter dem
Einleitung [nach Ausgabe B]
55*
VII. Idee und Einteilung einer besonderen Wissen-
schaft, unter dem Namen einer Kritik der reinen
Vernunft
Aus diesem allem ergibt sich nun die Idee einer be-
sonderen Wissenschaft, die Kritik der reinen Vernt~nft
heißen kann. Denn ist Vernunfti) das Vermögen, welches
die Prinzipien der Erkenntnis apriori an die Hand gibt.
Daher ist reine Vernunft diejenige, welche die Prinzipien,
etwas schlechthin apriori zu erkennen, enthält. Ein Or-
ganon der reinen Vernunft würde ein Inbegriff der- 10
jenigen Prinzipien
sein,
nach
denen
alle I reinen
Er- (B 25)
kenntnisse apriori können erworben und wirklich zu-
stande gebracht werden. Die ausführliche Anwendung
eines solchen Organon würde ein System der reinen
Vernunft verschaffen. Da dieses aber sehr viel ver-
langt ist, und es noch dahin steht, ob auch hier über-
haupt eine Erweiterung unserer Erkenntnis, und in wel-
chen Fällen sie möglich sei; so können wir eine Wissen-
schaft der bloßen Beurteilung der reinen Vernunft, ihrer
Quellen und Grenzen, als die Propädeutik zum System 20
der reinen Vernunft ansehen. Eine solche würde nicht
eine Doktrin, sondern nur Kritik der reinen Vernunft
heißen müssen, und ihr Nutzen würde in Ansehung
der Spekulation wirklich nur negativ sein, nicht zur
Erweiterung, sondern nur zur Läuterung unserer Ver-
nunft dienen, und sie von Irrtümern frei halten, welches
schon sehr viel gewonnen ist. Ich nenne alle Erkennt-
nis transzendental, die sich nicht sowohl mit Gegen-
ständen, sondern mit unserer Erkenntnisart von Gegen-
ständen 2), insofern diese apriori möglich sein soll, über- 30
haupt beschäftigt. Ein System solcher Begriffe würde
Transzendental-Philosophie heißen. Diese ist aber wiede-
rum für den Anfang noch zuviel. Denn, weil eine solche
Wissenschaft sowohl die analytische Erkenntnis, als die
synthetische apriori vollständig enthalten müßte, so ist
sie, soweit es unsere Absicht betrifft, von zu weitem
1) Mellin: "Vernunft ist".
2) M ellin: "Gegenständen überhaupt".
56 Einleitung [nach Ausgabe A] sensehaft sowohl die analytische Erkenntnis, als die synthetische apriori vollständig
56 Einleitung [nach Ausgabe A]
sensehaft sowohl die analytische Erkenntnis, als die
synthetische apriori vollständig enthalten müßte, so ist
sie, insofern es unsere Absicht betrifft, von zu weitem
Umfange, indem wir die Analysis nur so weit treiben
dürfen, als sie unentbehrlich nötig ist, um die Prin-
zipien der Synthesis apriori, als warum es uns nur zu
tun ist, in ihrem ganzen Umfange einzusehen. Diese
Untersuchung, die wir eigentlich nicht Doktrin, sondern
nur transzendentale Kritik nennen können, weil sie nicht
10
die Erweiterung der Erkenntnisse selbst, sondern nur
die Berichtigung derselben zur Absicht hat, und den
Probierstein des Werts oder Unwerts aller Erkenntnisse
apriori abgeben soll, ist das, womit wir uns jetzt be-
schäftigen. Eine solche Kritik ist demnach eine Vor-
bereitung, wo möglich, zu einem Organon, und, wenn
dieses nicht gelingen sollte, wenigstens zu einem Kanon
derselben, nach welchen allenfalls dereinst das vollstän-
ständige System der Philosophie der reinen Vernunft,
es mag nun in Erweiterung oder bloßer Begrenzung ihrer
20
Erkenntnis bestehen, sowohl analytisch, als synthetisch
dargestellt werden könnte. Denn daß dieses möglich
sei, ja daß ein solches System von nicht gar großem Um-
fange sein könne, um zu hoffen, es ganz zu vollenden,
läßt sich schon zum voraus daraus ermessen, daß hier
(A 13)
nicht die Natur der Dinge,
welche
unerschöpflich I ist,
sondern der Verstand, der über die Natur der Dinge
urteilt, und auch dieser wiederum nur in Ansehung
seiner Erkenntnis apriori den Gegenstand ausmacht,
dessen Vorrat, weil wir ihn doch nicht auswärtig suchen
30
dürfen, uns nicht verborgen bleiben kann, und allem
Vermuten nach klein genug ist, um vollständig auf-
genommen, nach seinem Werte oder Unwerte beurteilt
und unter richtige Schätzung gebracht zu werden.
Einleitung [nach Ausgabe B] 56* Umfange, indem wir die Analysis nur so weit treiben dürfen,
Einleitung [nach Ausgabe B]
56*
Umfange, indem wir die Analysis nur so weit treiben
dürfen, als sie unentbehrlich notwendig ist, um die Prin-
zipien der Synthesis apriori, als warum es uns nur zu
tun ist, in ihrem ganlzen Umfange einzusehen. Diese (B 26)
Untersuchung, die wir eigentlich nicht Doktrin, sondern
nur transzendentale Kritik nennen können, weil sie nicht
die Erweiterung der Erkenntnisse selbst, sondern nur
die Berichtigung derselben zur Absicht hat, und den
Probierstein des Werts oder Unwerts aller Erkenntnisse
apriori abgeben soll, ist das, womit wir uns jetzt be- 10
schäftigen. Eine solche Kritik ist demnach eine Vor-
bereitung, wo möglich, zu einem Organon, und wenn
dieses nicht gelingen sollte, wenigstens zu einem Kanon
derselben, nach welchem allenfalls dereinst das vollstän-
dige System der Philosophie der reinen Vernunft, es
mag nun in Erweiterung oder bloßer Begrenzung ihrer
Erkenntnis bestehen, sowohl analytisch als synthetisch
dargestellt werden könnte. Denn daß dieses möglich
sei, ja daß ein solches System von nicht gar großem Um-
fange sein könne, um zu hoffen, es ganz zu vollenden, 20
läßt sich schon zum voraus daraus ermessen, daß hier
nicht die Natur der Dinge, welche unerschöpflich ist,
sondern der Verstand, der über die Natur der Dinge
urteilt, und auch dieser wiederum nur in Ansehung
seiner Erkenntnis apriori, den Gegenstand ausmacht,
dessen Vorrat, weil wir ihn doch nicht auswärtig suchen
dürfen, uns nicht verborgen bleiben kann, und allem
Vermuten nach klein genug ist, um vollständig auf-
genommen, nach seinem Werte oder Unwerte beurteilt
und unter richtige Schätzung gebracht zu weriden. (B 27)
Noch weniger darf man hier eine Kritik der Bücher und
Systeme der reinen Vernunft erwarten, sondern die des reinen
Vernunft'IJermiigens selbst 1 ). N wr allein, wenn diese zum
Grunde liegt, hat man einen sicheren PrObierstein, den philo-
sophischen Gehalt alter und neuer Werke in diesem Fache zu
schätzen; widrigenfalls beurteilt der unbefugte Geschichts-
schreiber und Richter grundlose Behauptungen anderer, dwrch
seine eigenen, die ebenso grundlos sind.
1) Erdmann: Vgl. hierzu den Satz in der Vorrede zur ersten
Ausgabe (S.8, Z. 11), dessen etwas veränderter Abdruck er ist.
57 Einleitung [nach Ausgabe A] II. Einteilung der Transzendental-Philosophie Die Transzendental-Philosophie ist hier nur
57 Einleitung [nach Ausgabe A]
II. Einteilung der Transzendental-Philosophie
Die Transzendental-Philosophie ist hier nur eine Idee,
wozu 1) die Kritik der reinen Vernunft den ganzen Plan
architektonisch, d. i. aus Prinzipien entwerfen soll, mit
völliger Gewährleistung der Vollständigkeit und Sicher-
heh aller Stücke, die dieses Gebäude ausmacht. Daß
diese Kritik nicht schon selbst Transzendental-Philo-
sophie heißt, beruht lediglich darauf, daß sie, um ein
vollständiges System zu sein, auch eine ausführliche
10 Analysis der ganzen menschlichen Erkenntnis apriori
(A 14)
enthalten müßte. Nun muß zwar unsere Kritik aller-
dings auch eine vollständige Herzählung aller Stamm-
begriffe, welche die gedachte reine Erkenntnis aus-
machen, vor Augen legen. Allein der ausführlichen
Analysis dieser Begriffe selbst, wie auch der vollstän-
digen Rezension der daraus abgeleiteten, enthält sie
sich billig, teils weil diese Zergliederung nicht zweck-
, mäßig wäre, indem sie die Bedenklichkeit nicht hat,
welche bei der Synthesis angetroffen wird, um deren
20
willen eigentlich die ganze Kritik da ist, teils, weil es
der Einheit des Planes zuwider wäre, sich mit der Ver-
antwortung der Vollständigkeit einer solchen Analysis
und Ableitung zu befassen, deren man in Ansehung
seiner Absicht doch überhoben sein konnte. Diese
Vollständigkeit der Zergliederung sowohl, als der Ab-
le:tung aus den künftig zu liefernden Begriffen apriori,
ist indessen leicht zu ergänzen, wenn sie nur allererst
als ausführliche Prinzipien der Synthesis da sind, und
ihnen in Ansehung dieser wesentlichen Absicht nichts
80
ermangelt.
Zur Kritik der reinen Vernunft gehört demnach alles,
was
die Transzendental-Philosophie ausmacht, und sie
1) Grillo: "zu der".
Einleitung [nach Ausgabe B] 57* Die Transzendental- Philosophie ist die Idee einer Wissenschaft, wozu 1)
Einleitung [nach Ausgabe B]
57*
Die Transzendental- Philosophie ist die Idee einer
Wissenschaft, wozu 1) die Kritik der reinen Vernunft den
ganzen Plan architektonisch, d. i. aus Prinzipien, entwerfen
soll, mit völliger Gewährleistung der Vollständigkeit und
Sicherheit aller Stücke, die dieses Gebäude ausmachen.
S'te ist das System aller Prinzipien der reinen Vernunft.
Daß diese Kritik nicht schon selbst Transzendental-Philo-
sophie heißt, beruht lediglich darauf, daß sie, um ein
vollständiges System zu sein, auch eine ausführliche
Analysis der ganzen menschlichen Erkenntnis apriori 10
enthalten müßte. Nun muß zwar unsere Kritik aller-
dings auch eine vollständige Herzählung aller Stamm-
begriffe, welche die gedachte reine Erkenntnis aus-
machen, vor Augen legen. Allein der ausführlichen
Analysis dieser Begriffe selbst, wie auch der vollstän-
digen Rezension der daraus abgeleiteten, enthält sie
sich billig, teils weil diese Zergliederung nicht zweck-
mäßig wäre, I indem sie die Bedenklichkeit nicht hat, (B 28)
welche bei der Synthesis angetroffen wird, um deren
willen eigentlich die ganze Kritik da ist, teils, weil es 20
der Einheit des Planes zuwider wäre, sich mit der Ver-
antwortung der Vollständigkeit einer solchen Analysis
und Ableitung zu befassen, deren man in Ansehung
seiner Absicht doch überhoben sein konnte. Diese
Vollständigkeit der Zergliederung sowohl, als der Ab-
leitung aus den künftig zu liefernden Begriffen apriori,
ist indessen leicht zu ergänzen, wenn sie nur allererst
als ausführliche Prinzipien der Synthesis da sind, und
in Ansehung dieser wesentlichen Absicht nichts er-
mangelt.
Zur Kritik der reinen Vernunft gehört demnach alles,
was die Transzendental-Philosophie ausmacht, und sie
30
1) Grillo:
"zu der".
58 Einleitung [nal,:h Ausgabe A] ist die vollständige Idee der Transzendental-Philosophie, aber diese Wissenschaft noch
58 Einleitung [nal,:h Ausgabe A]
ist die vollständige Idee der Transzendental-Philosophie,
aber diese Wissenschaft noch nicht selbst, weil sie in
der Analysis nur so weit geht, als es zur vollständigen
Beurteilung der synthetischen Erkenntnis apriori er-
forderlich ist.
Das vornehmste Augenmerk bei der Einteilung einer
solchen Wissenschaft ist: daß gar keine Begriffe hinein-
kommen müssen, die irgend etwas Empirisches in sich
enthalten, oder daß die Erkenntnis apriori völlig rein
10 sei. Daher, obzwar die obersten Grundsätze der Mora-
lität,
und die Grundbegriffe derselben, Erkenntnisse
(A 10)
a P!iori sind, I so gehören sie doch nicht in die Tran-
szendental-Philosophie, weil die Begriffe der Lust und
Unlust, der Begierden und Neigungen, der Willkür usw.,
die insgesamt empirischen Ursprunges Bind, dtibei voraUS-
gesetzt werden müßten. Daher ist die Transzendental-
Philosophie eine Weltweisheit der reinen bloß speku-
lativen Vernunft. Denn alles Praktische, sofern es Be-
wegungsgründe enthält, bezieht sich auf Gefühle, welche
20 zu empirischen Erkenntnisquellen gehören.
Wenn man nun die Einteilung dieser Wissenschaft
aus dem allgemeinen Gesichtspunkte eines Systems
überhaupt anstellen will, so muß die, welche wir jetzt
vortragen, erstlich eine Elementar-Lehre, zweitens
eine Methoden-Lehre der reinen Vernunft enthalten.
Jeder dieser Hauptteile würde seine Unterabteilung
haben, deren Gründe sich gleichwohl hier noch nicht
vortragen lassen. Nur so viel scheint zur Einleitung
oder Vorerinnerung nötig zu sein, daß es zwei Stämme
SO der menschlichen Erkenntnis gebe, die vielleicht aus
einer gemeinschaftlichen, aber uns unbekannten Wurzel
entspringen, nämlich, Sinnlichkeit und Verstand,
durch deren ersteren uns Gegenstände gegeben, durch
den zweiten aber gedacht werden. Sofern nun die Sinn-
lichkeit Vorstellungen apriori enthalten sollte, welche
Einleitung [nach Ausgabe B] 58* ist die vollständige Idee der Transzendental-Philosophie, aber diese Wissenschaft noch
Einleitung [nach Ausgabe B]
58*
ist die vollständige Idee der Transzendental-Philosophie,
aber diese Wissenschaft noch nicht selbst; weil sie in
der Analysis nur so weit geht, als es zur vollständigen
Beurteilung der synthetischen Erkenntnis apriori er-
forderlich ist.
Das vornehmste Augenmerk bei der Einteilung einer
solchen Wissenschaft ist: daß gar keine Begriffe hinein-
kommen müssen, die irgend etwas Empirisches in sich
enthalten; oder daß die Erkenntnis apriori völlig rein
sei. Daher, obzwar die obersten Grundsätze der Mora- 10
lität und die Grundbegriffe derselben, Erkenntnisse
apriori sind, so gehören sie doch nicht in die
Transzendental- Philosophie, weil
sie die Be Jg1;,tfe der
(B 29)
Lust und Unlttst, der Beg·ierden und Neigungen usw.,
die insgesamt empirischen Ursprungs sind, zwar selbst
nicht Z1tm Grunde ihrer Vorschriften legen 1), aber doch
im Begriffe der Pflicht, als Hindernis, das überwunden,
oder als Anreiz, der nicht zum Bewegungsgrunde gemacht
werden soll, notwendig in die Abfas8ung des Systems der
reinen Sittlichkeit mit hineinziehen müssen. Daher ist die 20
Transzendental-Philosophie eine Weltweisheit der reinen
bloß spekulativen Vernunft. Denn alles Praktische, so-
fern es Triebfedern enthält, bezieht sich auf Gefühle,
welche zu empirischen Erkenntnisquellen gehören.
Wenn man nun die Einteilung dieser Wissenschaft
aus dem allgemeinen Gesichtspunkte eines Systems
überhaupt anstellen will, so muß die, welche wir jetzt
vortragen, erstlich eine Elementar-Lehre, zweitens
eine Methoden-Lehre der reinen Vernunft enthalten.
Jeder dieser Hauptteile würde seine Unterabteilung 30
haben, deren Gründe sich gleichwohl hier noch nicht
vonragen lassen. Nur so viel scheint zur Einleitung,
oder Vorerinnerung, nötig zu sein, daß es zwei Stämme
der menschlichen Erkenntnis gebe, die vielleicht aus
einer gemeinschaftlichen, aber uns unbekannten Wurzel
entspringen, nämlich Sinnlichkeit und Verstand,
durch deren ersteren uns Gegenstände gegeben, durch
1) Valentiner:
"ihren Vorschriften zum
Grunde legen".
59 Einleitung [nach Ausgabe A] die Bedingungen ausmachen, unter der uns Gegenstände gegeben werden, so
59 Einleitung [nach Ausgabe A]
die Bedingungen ausmachen, unter der uns Gegenstände
gegeben werden, so würde sie zur Transzendental-Philo-
(A 16) sophie gehören. Die transzenldentale Sinnenlehre würde
zum ersten Teile der Elementarwissenschaft gehören
müssen, weil die Bedingungen, worunter allein die Ge-
genstände der menschlichen Erkenntnis gegeben wer-
den, denjenigen vorgehen, unter welchen selbige ge-
dacht werden.
Einleitung [nach Ausgabe B] 59 * den zweiten aber gedacht werden. Sofern nun die Sinn-
Einleitung [nach Ausgabe B]
59 *
den zweiten aber gedacht werden. Sofern nun die Sinn-
lichkeit Vorstellungen apriori enthalten sollte, welche
die Bedingung ausmachen, un/ter der uns Gegenstände (B BO)
gegeben werden, so würde sie zur Transzendental-Philo-
sophie gehören. Die transzendentale Sinnenlehre würde
zum ersten Teile der Elementarwissenschaft gehören
müssen, weil die Bedingungen, worunter allein die Ge-
genstände der menschlichen Erkenntnis gegeben wer-
den, denjenigen vorgehen, unter welchen selbige ge-
dacht werden.
10
Kaut, Kritik der reinen Vernunft.
6

Kritik der reinen Ve

1.

Transzendentale Elemen

I Der transzendentalen Elementarlehre ~~~~ Erster Teil Die transzendentale Ästhetik § 11) Auf welche Art
I Der transzendentalen Elementarlehre ~~~~
Erster Teil
Die transzendentale Ästhetik
§
11)
Auf welche Art und durch welche Mittel sich auch
immer eine Erkenntnis auf Gegenstände beziehen mag,
es ist doch diejenige, wodurch sie sich
auf dieselbe 2)
unmittelbar bezieht, und worauf alles Denken als Mittel
abzweckt, die Anschauung. Diese findet aber nur
statt, sofern uns der Gegenstand gegeben wird; dieses 10
aber ist wiederum, uns Menschen wenigstens!), nur da-
durch möglich, daß er das Gemüt auf gewisse Weise
affiziere. Die Fähigkeit (Rezeptivität), Vorstellungen
durch die Art, wie wir von Gegenständen affiziert
werden, zu bekommen, heißt Sinnlichkeit. Ver-
mittelst der Sinnlichkeit also werden uns Gegenstände
gegeben, und sie allein liefert uns Anschauungen;
durch den Verstand aber werden sie gedacht, und von
ihm entspringen Begriffe. Alles Denken aber muß
sich, es sei geradezu (direkte) oder im Umschweife (in- 20
direkte), vermittelst gewisser Merkmale 4 ), zuletzt auf An-
schauungen, mithin, bei uns, auf Sinnlichkeit beziehen,
weil uns auf andere Weise kein Gegenstand gegeben
werden kann.
I Die Wirkung eines Gegenstandes auf die Vorstellungs-
fähigkeit, sofern wir von demselben affiziert werden,
(B 34)
ist
I
Empfindung.
Diejenige Anschauung, welche sich (A20)
1) Die Paragrapheneinteilung fehlt in A.
I) Kehrbach: "dieselben".
3)
Fehlt in A.
~) Fehlt in A.; Kant (Nachträge XI): "wenn die Vorstellung
nicht selbst an sich die Ursache des Objekts ist".
64 Elementarlehre. I. Teil auf den Gegenstand durch Empfindung bezieht, heißt empirisch. Der unbestimmte Gegenstand
64 Elementarlehre.
I. Teil
auf den Gegenstand durch Empfindung bezieht, heißt
empirisch. Der unbestimmte Gegenstand einer em-
pirischen Anschauung heißt Erscheinung.
In der Erscheinung nenne ich das, was der Emp-
findung korrespondiert, die Materie derselben, das-
jenige aber, welches· macht, daß das Mannigfaltige der
Erscheinung in gewissen Verhältnissen geordnet werden
kann 1 ), nenne ich die Form der Erscheinung. Da das,
worinnen sich die Empfindungen allein ordnen, und
10
in gewisse Form gestellt werden können, nicht selbst
wiederum Empfindung sein kann, so ist uns zwar die
Materie aller Erscheinung nur aposteriori gegeben,
die Form derselben aber muß zu ihnen insgesamt im
Gemüte apriori bereitliegen, und daher abgesondert
von aller Empfindung können betrachtet werden.
Ich nenne alle Vorstellungen rein (im transzenden-
talen Verstande), in denen nichts, was zur Empfindung
gehört, angetroffen wird. Demnach wird die reine
Form sinnlicher Anschauungen überhaupt im Gemüte
20
apriori angetroffen werden, worinnen alles Mannig-
faltige der Erscheinungen in gewissen Verhältnissen
angeschaut wird. Diese reine Form der Sinnlichkeit
(B3ll) wird auch selber reine I Anschauung heißen. So,
wenn ich von der Vorstellung eines Körpers das, was
der Verstand davon denkt, als Substanz, Kraft, Teil-
barkeit usw., imgleichen, was davon zur
Empfindung
(A21) gehört, als Undurchdringlichkeit, Härte, I Farbe usw.
absondere, so bleibt mir aus dieser empirischen An-
schauung noch etwas übrig, nämlich Ausdehnung und
30 Gestalt. Diese gehören zur reinen Anschauung, die
apriori, auch ohne einen wirklichen Gegenstand der
Sinne oder Empfindung, als eine bloße Form der Sinn-
lichkeit im Gemüte stattfindet.
Eine Wissenschaft von allen Prinzipien der Sinnlich-
keit apriori nenne ich die transzendentale Asthe-
tik*). Es muß also eine solche Wissenschaft geben,
*) Die Deutschen sind die einzigen, welche sich jetzt des
Worts Ästhetik bedienen, um dadurch das zu bezeichnen,
t) A: "geordnet, angeschaut wird".
Die transzendentale Ästhetik 65 die I den ersten Teil der transzendentalen Elementar- lehre ausmacht, im
Die transzendentale Ästhetik
65
die I den ersten Teil der transzendentalen Elementar-
lehre ausmacht, im Gegensatz mit!) derjenigen, welche
die Prinzipien des reinen Denkens enthält, und tran-
szendentale Logik genannt wird.
(B 36)
In
der
transzendentalell
Ästhetik
also
werden
wir
(A 22)
zuerst die Sinnlichkeit isolieren, dadurch, daß wir
alles absondern, was der Verstand durch seine Begriffe
dabei denkt, damit nichts als empirische Anschauung
übrigbleibe. Zweitens werden wir von dieser noch alles,
was zur Empfindung gehört, abtrennen, damit nichts 10
als reine Anschauung und die bloße Form der Er-
scheinungen übrigbleibe, welches das einzige ist, das
die Sinnlichkeit apriori liefern kann. Bei dieser Unter-
suchung wird sich finden, daß es zwei reine Formen
sinnlicher Anschauung, als Prinzipien der Erkenntnis
apriori gebe, nämlich Raum und Zeit, mit deren Er-
wägung wir uns jetzt beschäftigen werden.
was andere Kritik des Geschmacks heißen. Es liegt hier eine
verfehlte Hoffnung zum Grunde, die der vortreIDiche Analyst
Baumgarten faßte, die kritische Beurteilung des Schönen unter
Vernunftprinzipien zu bringen, und die Regeln derselben zur
Wissenschaft zu erheben. Allein diese Bemühung ist ver-
geblich. Denn gedachte Regeln oder Kriterien sind ihren
vornehmsten 2 ) Quellen nach bloß empirisch, und
niemals zu bestimmten I) Gesetzen apriori dienen,
können also
wonach sich
unser Geschmacksurteil richten müßte, vielmehr macht das
letztere den eigentlichen Probierstein der Richtigkeit der
ersteren aus. I Um deswillen ist es ratsam, diese Benennung (B 36)
entwedet4) wiederum eingehen zu lassen, und sie derjenigen Lehre
aufzubehalten, die wahre Wissenschaft ist, (wodurch man auch
der Sprache und dem Sinne der Alten näher treten würde, bei
denen die Einteilung der Erkenntnis in alolhJ1:a ",ai 1'01]1:11 &)
sehr berühmt war)II), oder sich in die Benennung mit der spe-
ktdativen Philosophie zu teilt» und die 1sthetik teils im tran-
szendentalen Sinfle, teils in psychologischer Bedeutung zu nehmen 1).
1) Fehlt in B.
2) I) 4.)
Fehlt in
A.
&) A: Jl1'01J1:a"; im übrigen fehlen im Original die Akzente.
8) Die
( ) fehlen
in A.
1) Fehlt in A.
66 Elementarlehre. I. Teil. Transzendentale Ästhetik (B37) I Der transzendentalen Ästhetik Erster Abschnitt Von dem
66 Elementarlehre. I. Teil. Transzendentale Ästhetik
(B37)
I Der transzendentalen Ästhetik
Erster
Abschnitt
Von dem Raume
§
2
Mdaphysische Erörterung dieses Begriffs 1)
Vermittelst des äußeren Sinnes, (einer Eigenschaft
unseres Gemüts), stellen wir uns Gegenstände als außer
uns, und diese insgesamt im Raume vor. Darinnen
ist ihre Gestalt, Größe und Verhältnis gegeneinander
10 bestimmt, oder bestimmbar. Der innere Sinn, vermit-
telst dessen das Gemüt sich selbst, oder seinen inneren
Zustand anschaut, gibt zwar keine Anschauung von der
Seele selbst, als einem Objekt; allein es ist doch eine
(A 23) beistimmte Form, unter der die Anschauung ihres inne-
ren Zustandes allein möglich ist, so daß alles, was zu
den inneren Bestimmungen gehört, in Verhältnissen
der Zeit vorgestellt wird. Äußerlich kann die Zeit
nicht angeschaut werden, so wenig wie der Raum, als
etwas in uns. Was sind nun Raum und Zeit? Sind
20 es wirkliche Wesen? Sind es zwar nur Bestimmungen,
oder auch Verhältnisse der Dinge, aber doch solche,
welche ihnen auch an sich zukommen würden, wenn
sie auch nicht angeschaut würden, oder sind sie solche,
die
nur an der Form der Anschauung allein haften, und
(B 38)
mithin an I der subjektiven Beschaffenheit unseres Ge-
müts, ohne welche diese Prädikate gar keinem Dinge
beigelegt werden können? Um uns hierüber zu be-
lehren, wollen wir zuerst den BC{P'iff des Baumes er-
Ö1'tern 2 ). Ich verstehe aber unter Erörterung (expositio)
30 die deutliche (wenn gleich nicht ausführliche) VOTsteUung
dessen, was zu einem Begriffe gehört; metaphysisch aber
ist die Erörterung, wenn sie dasjenige enthält, was den
Begriff. als apriori gegeben, darstellt 3).
1) Die Bezeichnung "§ 2" und die überschrift "Metaphysische
EriJ1·te,-wng dieses Be,qriffs" fehlt in A.
2) A: "zue'l'st den Baum betracMen".
I)
Fehlt in A.
I. Abschnitt. Von dem Raume 67 1. Der Raum ist kein empirischer Begriff, der von
I. Abschnitt.
Von dem Raume
67
1. Der Raum ist kein empirischer Begriff, der von
äußeren Erfahrungen abgezogen worden. Denn damit
gewiße Empfindungen auf etwas
außer mich 1 ) bezogen
werden, (d. i. auf etwas in einem anderen Orte des
Raumes, als darinnen ich mich befinde), imgleichen da-
mit ich sie als außer- und neben 2 )einander, mithin nicht
bloß verschieden, sondern als in verschiedenen Orten
vorstellen könne, dazu muß die Vorstellung des Rau-
mes schon zum Grunde liegen. Demnach kann die
Vorstellung des Raumes nicht aus den Verhältnissen 10
der äußeren Erscheinung durch Erfahrung erborgt sein,
sondern die