Sie sind auf Seite 1von 7

Native oder web-basierende Apps? (Druckansicht) http://www.computerwoche.de/_misc/article/articleprintpopup/index.cfm...

Ratgeber
Native oder web-basierende Apps?
Datum: 20.09.2010
Autor(en): Manfred Bremmer
URL: http://www.computerwoche.de/2353736

Im Rummel um die Apps für iOS, Google Android und andere Plattformen sind mobile Web-Applikationen
fast in Vergessenheit geraten. Dabei eignen sich beide Ansätze für den Bau von Business-Anwendungen.
Die Tücken stecken aber im Detail.

Native mobile Anwendungen wurden aus der Not geboren, weil vom PC gewohnte Organizer-Funktionen auch
unterwegs auf dem mobilen Endgerät verfügbar sein sollten. So besaßen die ersten einfachen PDAs schlichtweg kein
Mobilfunkmodul, bei den daraus hervorgegangenen Smartphones konnte man sich nicht unbedingt darauf verlassen,
dass mobile Datendienste überall in ausreichender Bandbreite verfügbar (und bezahlbar) waren. Als Konsequenz liefen
die Fat-Client-Anwendungen offline direkt auf dem Gerät, im Büro ließen sich die Informationen dann mit dem Büro-PC
synchronisieren.

Mit der drastisch gestiegenen Prozessorleistung der Smartphones, dem wachsenden Speichervolumen und anderen
Komponenten wie GPS oder Megapixel-Kamera wurden die Anwendungen dann immer ausgereifter. Gleichzeitig
erlaubte der Mobilfunk der dritten Generation (UMTS) auch den mobilen Zugriff/Versand von Daten ohne nennenswerte
Wartezeiten. Ihren Siegeszug feierten die "Apps" letztendlich mit der Popularität des Apple iPhone und des iTunes App
Store, wo sich inzwischen 250.000 mobile Programme herunterladen lassen. Die Apps-Euphorie hat inzwischen so weit

1 von 7 26.10.2010 09:33


Native oder web-basierende Apps? (Druckansicht) http://www.computerwoche.de/_misc/article/articleprintpopup/index.cfm...

geführt, dass sogar aufbereitete Inhalte von Websites in Anwendungen vorgehalten werden. Sie sollen dadurch beim
Nutzer besonders präsent sein, neue Geschäftsfelder eröffnen oder schlicht dem Prestige des Herausgebers dienen.

Web-Seiten werden mobil

Parallel dazu ist die Nutzung mobiler Websites dank UMTS und anderer 3G-Dienste sowie immer ausgereifterer
Geräte-Hard- und -Software im Lauf der vergangenen Jahre auch für Handys und Smartphones immer komfortabler
geworden. So lassen sich auch bestehende Web-Applikationen, also Client-Server-Anwendungen mit dem Internet als
Schnittstelle, gut für mobile Endgeräte einsetzen.

Pizza Hut iPhone App: Pizza Hut bietet eine iPhone-App an, mit der man seine Pizza individuell belegen und
anschließend direkt bestellen kann. Obwohl nur in den USA verfügbar, registrierte die Fast-Food-Kette in den ersten
zwei Wochen 100.000 Downloads, die Umsätze stiegen (trotz/wegen eines Discounts von 20 Prozent) in drei
Monaten um über eine Million Dollar.

DB Stadtrad iPhone App: Der Fahrradverleih der Deutschen Bahn zeigt auf einem virtuellen Stadtplan die Standorte
aller aktuell verfügbaren Leihfahrräder an. Die Nutzer können Fahrräder direkt reservieren und die Bestellung samt
Bezahlung über die App abwickeln.

2 von 7 26.10.2010 09:33


Native oder web-basierende Apps? (Druckansicht) http://www.computerwoche.de/_misc/article/articleprintpopup/index.cfm...

Layar iPhone App: Die Augmented-Reality-Anwendung Layar blendet Angaben zu Geldautomaten, Restaurants,
Immobilien etc. direkt auf dem Display in die Bilder der Handy-Kamera ein.

Wikitude iPhone App: Das Thema Erweiterte Realität wird auch von der Wikitude-App aufgegriffen - nützlich nicht
nur zur Entschlüsselung des Bergpanoramas.

3 von 7 26.10.2010 09:33


Native oder web-basierende Apps? (Druckansicht) http://www.computerwoche.de/_misc/article/articleprintpopup/index.cfm...

VW Scirocco iPhone App: Beispiel für das Thema Spiele-Apps als Marketing-Tool ist das Scirocco-Rennspiel von VW.

Qype Radar iPhone App: Die App des Bewertungsportals Qype zeigt zu unterschiedlichen Kategorien oder
Suchbegriffen (z.B. Restaurants, KZF-Werkstatt, Buchladen, etc.) die von den Usern Bewerteten Einträge –
entweder in Form einer Adressliste oder über eine Verknüpfung mit Google Maps.

4 von 7 26.10.2010 09:33


Native oder web-basierende Apps? (Druckansicht) http://www.computerwoche.de/_misc/article/articleprintpopup/index.cfm...

Maggi Eieruhr iPhone App: Viele Apps machen sich für die Anwender nützlich. Sie profitieren davon, dass man das
Handy stets bei sich trägt – so können Sie ihre Dienste immer und an jedem Ort anbieten. Beispiel dafür ist die
Maggi Eieruhr...

Marken-Apps: Es gibt jedoch noch mehr Beispiele für solche nutzwertige Apps: Einkaufsliste, Stadtführer,
Gedächtnisstütze oder Eieruhr.

5 von 7 26.10.2010 09:33


Native oder web-basierende Apps? (Druckansicht) http://www.computerwoche.de/_misc/article/articleprintpopup/index.cfm...

Marken-Apps : Weit verbreitete Konzepte sind auch Bestell-Tools, Shopfinder, Produktkonfiguratoren, interaktive
Kataloge oder Broschüren sowie Service-Tools.

Sowohl für Apps als auch für Web-basierende Anwendungen gibt es Argumente: Für eine native Fat-Client-Anwendung
spricht, dass sie auch offline verfügbar ist und direkt auf die Hardware des Geräts, etwa GPS oder Kamera (Barcode-
Scanner), zugreifen kann. Außerdem ist es möglich, wichtige Daten lokal vorzuhalten, was bei den steigenden
Speicherkapazitäten aktueller Geräte und der immer größeren Kapazität von MicroSD-Karten nicht zu vernachlässigen
ist.

Die Speicherkapazitäten können gleichzeitig aber auch als Nachteil gesehen werden. Kommt das Gerät abhanden,
besteht die Gefahr, dass auch geschäftskritische Informationen in die falschen Hände geraten können. Außerdem ist die
Aktualität der Daten - anders als bei Browser-basierenden Anwendungen - nicht immer gewährleistet.

Teure Plattformabhängigkeit

Auch die Möglichkeit, eine Anwendung speziell an ein Device oder eine Plattform anzupassen, ist ein zweischneidiges
Schwert. Der Hersteller bezahlt für die gewonnenen Usability-Vorteile mit einer aufwendigen und oft kostspieligen
Entwicklung, außerdem kann der Code für andere Plattformen, insbesondere das iPhone, nur teilweise
wiederverwendet werden.

Zumindest vor diesem Hintergrund sind mobile Web-Applikationen klar überlegen. Hier handelt es sich meist um
existierende Web-Anwendungen, die nur für die veränderte Bedienung und Display-Größe verschiedener Geräte
angepasst wurden. Da sie es erlauben, Geräte mit verschiedenen Plattformen und Formfaktoren anzusprechen, sind
Web-basierende Apps auch eine günstige Möglichkeit, auf den gegenwärtigen Trend zur IT-Consumerization zu
reagieren: Nutzer können ihre Endgeräte behalten und beliebige Web-basierende Anwendungen laden. Als weiterer
Vorteil ist kein umständlicher Rollout notwendig, ein per E-Mail oder SMS versandter Link genügt. Da keine lokale
Installation stattfindet, können außerdem Veränderungen ohne viel Aufheben vorgenommen und realisiert werden.
Auch die Frische der Daten ist kein Problem, da diese direkt aus der zentralen Datenbank abgegriffen werden.

Es gibt allerdings auch Nachteile: So ist für eine reibungslose Nutzung eine performante Netzverbindung erforderlich.
Diese ist in ländlichen Gebieten nach wie vor nicht Standard, im Ausland kann sie zudem hohe Roaming-Kosten
verursachen. Außerdem ist eine Web-basierende App nur eingeschränkt in der Lage, Funktionen des Geräts (E-Mail,
Telefonbuch) zu integrieren.

Hybridformen als Alternative

6 von 7 26.10.2010 09:33


Native oder web-basierende Apps? (Druckansicht) http://www.computerwoche.de/_misc/article/articleprintpopup/index.cfm...

Neben den Web-basierenden Programmen und Apps gibt es noch Hybridformen, die die Vorteile beider Varianten
vereinen beziehungsweise deren jeweilige Nachteile abschwächen: So ist es bereits gang und gäbe, dass native
Anwendungen Informationen abrufen oder übermitteln, wenn ein Netz verfügbar ist. Ist kein Internet-Zugang möglich,
kann die Rich-Client-Lösung oft trotzdem vollständig genutzt werden, die Daten werden zu einem späteren Zeitpunkt
synchronisiert. Andererseits gibt es auch Thin-Client-Lösungen, die wesentliche Nachteile der Web-basierenden
Anwendungen wettmachen und Vorteile von nativen Apps nutzen. So wird die Benutzerschnittstelle direkt in der
Anwendung realisiert, außerdem kann die Hardware des genutzten Geräts stärker integriert werden als über HTML. Da
weniger Daten übertragen werden müssen, begnügen sich Thin-Client-Lösungen in der Regel auch mit niedrigeren
Bandbreiten, funktionieren also auch in Gebieten, wo nur GPRS- oder Edge-Netze verfügbar sind.

Welche Variante gewählt wird, muss der Anwender von Fall zu Fall selbst entscheiden. Trotz der inzwischen vielfältigen
Möglichkeiten wird es sich immer um einen Kompromiss handeln, der zu Lasten von Aufwand, Datenaktualität,
Netzabhängigkeit, Usability und anderen Faktoren geht.

Auswahlkriterien

Anforderung Offline-Client (native App) Online-Client (Web-basierende App) Hybridlösung

Datenaktualität + +++ ++

Performance +++ +/++ +++

plattformunabhängig + +++ +

netzunabhängig +++ + ++

Sichere Datenübertragung +++ + ++

Sichere Datenhaltung + +++ ++

Anpassung des User Interface +++ +/++ +++

Verwaltbarkeit + +++ ++

(Quelle: Berlecon)

IDG Business Media GmbH


Alle Rechte vorbehalten. Jegliche Vervielfältigung oder Weiterverbreitung in jedem Medium in Teilen oder als Ganzes bedarf der schriftlichen
Zustimmung der IDG Business Media GmbH. DPA-Texte und Bilder sind urheberrechtlich geschützt und dürfen weder reproduziert noch
wiederverwendet oder für gewerbliche Zwecke verwendet werden. Für den Fall, dass in Computerwoche unzutreffende Informationen
veröffentlicht oder in Programmen oder Datenbanken Fehler enthalten sein sollten, kommt eine Haftung nur bei grober Fahrlässigkeit des
Verlages oder seiner Mitarbeiter in Betracht. Die Redaktion übernimmt keine Haftung für unverlangt eingesandte Manuskripte, Fotos und
Illustrationen. Für Inhalte externer Seiten, auf die von Computerwoche aus gelinkt wird, übernimmt die IDG Business Media GmbH keine
Verantwortung.

7 von 7 26.10.2010 09:33