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Der Arbeitsmarkt für Akademikerinnen und Akademiker in Deutschland

ARBEITSMARKTBERICHTERSTATTUN G

Naturwissenschaften/

Informatik

für Akademikerinnen und Akademiker in Deutschland ARBEITSMARKTBERICHTERSTATTUN G Naturwissenschaften/ Informatik

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Ralf Beckmann Judith Wüllerich E-Mail: arbeitsmarktberichterstattung @arbeitsagentur.de

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Zitiervorschlag:

Bundesagentur für Arbeit, Arbeits- marktberichterstattung: Der Arbeits- markt für Akademikerinnen und Aka- demiker in Deutschland - Naturwissen- schaften/Informatik, Nürnberg 2012.

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1. Allgemeiner Teil

1.1 Überblick

„MIN-Berufe“ profitieren von der wirtschaftlichen Lage

In Diskussionen um das Thema „Fach- kräftebedarf der Wirtschaft“ dauert es in der Regel nicht lange bis die Abkür- zung „MINT“ genannt wird. In breit an- gelegten Informationskampagnen, wie z. B. „MINT-Zukunft schaffen“, werden jugendliche Berufswähler auf die viel- fältigen und interessanten Aufgaben- felder und guten Jobaussichten auf- merksam gemacht. Regelmäßige Ver- öffentlichungen über MINT-Fachkräfte- lücken lenken zusätzlich die Aufmerk- samkeit auf den Arbeitsmarkt in den Berufsfeldern Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik.

Diese Broschüre beschreibt die aktuel- le Situation am Arbeitsmarkt und die Entwicklung des wissenschaftlichen Nachwuchses im Bereich Mathematik, Informatik und Naturwissenschaften mit den Teilgebieten Chemie, Physik, Geowissenschaften, Geografie und

Biologie; also die ersten drei Teilberei- che des MINT-Feldes. Der Bereich des „T“ – der ingenieurtechnischen Berufe – wird aufgrund der Größe in einer ge- sonderten Publikation betrachtet 1 . Ausnahmen bilden die Chemieinge- nieure und Physikingenieure, die auf- grund ihrer fachlichen Nähe und aus Gründen der Berufssystematik den Chemikern bzw. Physikern zugeordnet sind.

Der konjunkturelle Aufschwung spie- gelte sich 2011 in einer positiven Ent- wicklung am Arbeitsmarkt für Natur- wissenschaftler und IT-Fachleute. Die relevanten Arbeitsmarktindikatoren zeigten in die „richtige“ Richtung: Die Nachfrage nach Fachkräften mit ei- nem naturwissenschaftlichen oder In- formatik-Beruf stieg kräftig; die Ar- beitslosigkeit ging deutlich zurück. Ebenso verzeichnete die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäf-

1 Bundesagentur für Arbeit: Der Arbeitsmarkt für Akademiker/innen in Deutschland - Ingenieurinnen und Ingenieure, Nürnberg 2010

tigten, die den weitaus größten Teil der Erwerbstätigkeit ausmacht, starke Zu- wächse. Die Nachwirkungen der Wirt- schaftskrise 2008/2009 zeigten sich damit überwunden. Anzeichen für einen akuten Fachkräftemangel sind derzeit allerdings auch nicht zu erken- nen.

Heterogenes Berufsfeld

Insgesamt betrachtet sind die Natur- wissenschaften ein überaus heteroge- nes Berufsfeld. Das weite Spektrum der Fachgebiete von der Chemie und der Physik über die Biologie und die Geowissenschaften bis hin zur Mathe- matik und sogar der Informatik ver-

weist bereits darauf, dass die Tätig- keitsfelder von Naturwissenschaftlern in sehr vielen Wirtschaftsbereichen lie- gen können: Sie reichen von der Kern- forschung, der Medizintechnik und der Pharmaindustrie bis hin zum Natur- schutz, der Raumplanung, der Markt- forschung oder der Versicherungswirt- schaft. Eine spezielle Branche für die jeweilige Fachrichtung gibt es in der Regel nicht - vielleicht mit Ausnahme der chemischen Industrie.

Nicht nur das Branchenspektrum, in dem Naturwissenschaftler arbeiten, ist breit, auch bieten sich ihnen unter- schiedliche Einsatzfelder - von der For- schung und Entwicklung über die Pro-

ist breit, auch bieten sich ihnen unter- schiedliche Einsatzfelder - von der For- schung und Entwicklung

duktion und den Vertrieb in einem Un- ternehmen bis hin zu Tätigkeiten in der Beratung, im Management oder in der Geschäftsführung.

Dementsprechend schwierig gestaltet es sich, diese vielfältige Welt in kon- kreten Zahlen und Daten eindeutig ab- zugrenzen. Laut den Hochrechnungen des Mikrozensus 2 waren 2010 rund 695.000 Menschen in Deutschland er- werbstätig, die einen Hochschulab- schluss in den betrachteten Fachrich- tungen absolviert hatten.

Mit rund 435.000 Männern und Frau- en gab aber nur ein Teil dieser „gelern- ten“ Naturwissenschaftler an, in ei- nem einer „MIN-Ausbildung“ entspre- chenden Aufgabenfeld 3 einen Beruf auszuüben (Abb. 1). Dies zeigt einer- seits, dass Kompetenzen von Natur- wissenschaftlern, die nicht nur im fachlichen Bereich liegen müssen, berufsfeldübergreifend gefragt sind. Auch kann die Zuordnung zu einer an- deren Berufsgruppe durchaus Aus- druck von sehr erfolgreich verlaufen- den Karrierewegen sein, wenn z. B. ein ausgebildeter Physiker nicht mehr als Physiker tätig ist, sondern als Unter- nehmensberater arbeitet oder als Vor- standsmitglied ein Unternehmen lei- tet. Andererseits ist aber auch denk- bar, dass ein Teil der Diskrepanz darauf zurückzuführen ist, dass nicht immer Beschäftigungsmöglichkeiten

im eigentlichen Berufsfeld in entspre- chender Zahl vorhanden sind. Hier- über können jedoch auf Basis der Mikrozensus-Daten keine Aussagen getroffen werden.

Im Rückblick auf die Entwicklung im letzten Jahrzehnt ist aber klar zu er- kennen, dass es sich um einen dyna- misch wachsenden Arbeitsmarkt mit guten Beschäftigungschancen han- delt. So ist die Zahl der Erwerbstätigen mit einem Studienabschluss in den Naturwissenschaften um 57 Prozent gestiegen; die Zahl der als Naturwis- senschaftler tätigen um 56 Prozent. Die Statistik über die sozialversiche- rungspflichtige Beschäftigung, die den größten Teil der Erwerbstätigkeit aus- macht, weist – wie im Folgenden nä- her ausgeführt – ebenfalls einen sehr positiven Trend aus.

2 Quelle: Statistisches Bundesamt

3 Als „MIN“-Aufgabenfeld wurden hier der Berufsbereich IV (Technische Berufe), die Berufsgruppen 77 (Rechnungs- kaufleute/Informatiker) und 88 (Geistes- und Naturwissen- schaftler) sowie die Berufsordnung 871 (Hochschullehrer) der Klassifikation der Berufe 1992 zu Grunde gelegt.

1.2 Sozialversicherungspflichti- ge Beschäftigung und Entgelt

Im März 2011 waren rund 682.000 „MIN-Fachkräfte“ in Deutschland sozialversicherungspflichtig beschäf- tigt. Die mit Abstand größte Teilgruppe stellten mit gut 551.000 Beschäftigten die IT-Fachleute, darunter knapp 190.000 mit Fach- oder Hochschulab- schluss (Abb. 2). Naturwissenschaftler im engeren Sinne – Physiker, Chemi- ker, Mathematiker, Biologen, Geowis- senschaftler und Geografen – waren zum selben Zeitpunkt gut 131.000 in Deutschland tätig.

Hohe Beschäftigungsgewinne

Trotz Zusammenbruchs der New Eco- nomy und weiterer wirtschaftlicher Turbulenzen im Verlauf des letzten Jahrzehnts, verzeichnete die Beschäfti- gung in diesem Segment einen star- ken Aufwärtstrend. So waren 2011 23,1 Prozent mehr sozialversiche- rungspflichtige Arbeitsplätze für Natur- wissenschaftler in Deutschland ange- siedelt als im Jahr 2001 und das bei nur leicht gestiegener Beschäftigten- zahl am Gesamtarbeitsmarkt (+1,3 Prozent). Die Zuwächse gehen insbe- sondere auf die Informationstechnik, aber auch auf die Bereiche Biologie,

(+1,3 Prozent). Die Zuwächse gehen insbe- sondere auf die Informationstechnik, aber auch auf die Bereiche Biologie,
Geografie und Geowissenschaften 4 zu- rück. Kaum verändert hat sich dage- gen die Zahl der

Geografie und Geowissenschaften 4 zu- rück. Kaum verändert hat sich dage- gen die Zahl der Beschäftigten in der Chemie oder der Physik. Im Vergleich zur Akademikerbeschäftigung insge- samt, die im letzten Jahrzehnt sogar um 26,4 Prozent zulegte, fällt der An- stieg der „MIN-Beschäftigten“ aller- dings leicht unterdurchschnittlich aus.

Überdurchschnittliche Verdienst- möglichkeiten

Aus der Beschäftigtenstatistik können seit kurzem auch Informationen zu den erzielten Bruttoarbeitsentgelten gewonnen werden. Dabei zeigt sich,

dass die mittleren Entgelte 5 in den meisten naturwissenschaftlichen Be- rufen höher ausfallen als bei Akademi- kern insgesamt (Abb. 3). Die höchsten Einkommen aus sozialversicherungs- pflichtiger Arbeit erzielten 2010 in Westdeutschland Chemiker mit knapp 5.500 Euro, gefolgt von Physikern und Informatikern mit akademischen Ab- schluss. Unterdurchschnittliche Ent- gelte im Vergleich zu allen Akademi- kern wiesen dagegen die Naturwissen- schaftler der Fachrichtungen

4 Berufsordnung 883 der Klassifikation der Berufe 1988 „Naturwissenschaftler, anderweitig nicht genannt“

5 Als Mittelwert wird hier der Median verwendet, da eine Berechnung des arithmetischen Durchschnitts aufgrund der Beitragsbemessungsgrenze in der Sozialversicherung verzerrte Ergebnisse liefern würde.

Biologie, Geografie und Geowissen- schaften auf. Auch die Vergütung von nichtakademischen IT-Fachkräften kann sich mit durchschnittlich 4.100 Euro durchaus sehen lassen, lag sie doch deutlich über dem Medianein- kommen aller sozialversicherungs- pflichtig Beschäftigten mit Berufsab- schluss (alte Länder, 2010: 2.900 Eu- ro). In den neuen Ländern zeigt sich neben einem erheblich niedrigeren Entgeltniveau eine andere Reihenfolge der Berufsgruppen. Positiv fällt hierbei auf, dass Biologen, Geografen und Geowissenschaftlicher fast ein ebenso hohes Medianentgelt erzielten wie im Westen Deutschlands, während die Unterschiedsbeträge zwischen West und Ost sonst bei häufig mehr als 1.000 Euro Brutto lagen.

1.3 Arbeitslosigkeit

Starker Rückgang

Der wirtschaftliche Aufschwung ließ 2011 die Zahl der Arbeitslosen in den „MIN-Berufen“ sinken. 37.700 waren im Jahresdurchschnitt arbeitslos ge- meldet, zwölf Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Damit war der Anstieg in Folge der Wirtschaftskrise 2008/ 2009 nahezu wieder ausgeglichen. Nimmt man das Jahr 2001 als Aus- gangspunkt ist insbesondere die Zahl der Arbeitslosen in den Geowissen-

schaften, in der Chemie sowie in Phy- sik, Mathematik und Geografie in den letzten Jahren stark rückläufig (Abb. 4). Auch in der Biologie gab es einen deutlichen Abbau der Arbeitslosigkeit, der vor dem Hintergrund gewachsener Beschäftigtenzahlen für eine sehr po- sitive Arbeitsmarktentwicklung steht. Gestiegen ist im Gegensatz dazu die Zahl der Arbeitslosen in Informatikbe- rufen. Da aber die Zahl der IT-Beschäf- tigten im selben Zeitraum doppelt so stark anstieg wie die Arbeitslosigkeit, hat sich auch hier die Situation für Ar- beitnehmer deutlich verbessert.

Setzt man die Zahl der Arbeitslosen in „MIN-Berufen“ in Beziehung zu den so- zialversicherungspflichtigen Erwerbs- personen in diesem Feld ergibt sich eine Arbeitslosenquote von 5,3 Pro- zent 6 . Die vergleichbare Arbeitslosen- quote über alle Berufe fiel mit 9,8 Pro- zent fast doppelt so hoch aus. Dies bestätigt die vergleichsweise geringe Betroffenheit von Arbeitslosigkeit im naturwissenschaftlichen Bereich. In den Bundesländern gab es – wie bei der Arbeitslosigkeit insgesamt – eine

6 Da berufsdifferenzierte Informationen über die Gesamt- heit der Erwerbstätigen nur sehr eingeschränkt vorliegen, wird alternativ die Arbeitslosenquote auf Basis der sozial- versicherungspflichtig Beschäftigten im März 2011 berech- net. Dabei ist zu beachten, dass sich bei dieser Berech- nungsvariante nominal höhere Arbeitslosenquoten ergeben als bei einer Berechnung auf Basis der Erwerbstätigen.

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beträchtliche Schwankungsbreite, die von 3,2 Prozent in Bayern und Baden- Württemberg bis hin zu Quoten um die elf Prozent in Berlin und Mecklen- burg-Vorpommern reichte (Abb. 5). In allen Ländern wiesen aber die Arbeits- losenquoten von „MIN-Berufen“ einen erheblichen Abstand zur durchschnitt- lichen Landes-Arbeitslosenquote auf. So waren beispielsweise die „MIN-Ar- beitslosenquoten“ in den ostdeut- schen Ländern im Schnitt mehr als fünf Prozentpunkte niedriger als die vergleichbare regionale Quote für alle Berufe insgesamt.

1.4 Arbeitskräftenachfrage und Fachkräfteengpässe

Nachfrage insbesondere nach IT- Fachkräften gestiegen

Im Jahresverlauf 2011 wurden der Bun- desagentur für Arbeit 36.100 Arbeits- stellen in „MIN-Berufen“ zur Besetzung gemeldet. Das waren 29 Prozent mehr als im Vorjahr. Krisenbedingte Nach- frageeinbrüche der Jahre 2009 und 2010 waren damit wieder ausgegli- chen. Die Nachfrage lag 2011 sogar 13 Prozent über der des Jahres 2008 (Abb. 6). Der weit überwiegende Teil der Stellenofferten richtete sich mit 31.700 Angeboten an IT-Fachkräfte.

2008 (Abb. 6). Der weit überwiegende Teil der Stellenofferten richtete sich mit 31.700 Angeboten an IT-Fachkräfte.

Hier gab es mit 14 Prozent auch das größte Nachfrageplus. Deutlich mehr Stellenmeldungen im Vergleich zum Vorkrisenniveau gab es auch für Geo- wissenschaftler, während für Physiker und Mathematiker weniger spezifische Angebote eingingen. Insgesamt muss man aber sehen, dass sich die Zahl der explizit im engeren naturwissen- schaftlichen Bereich gemeldeten Ar- beitsstellen auf sehr überschaubarem Niveau bewegt.

Derzeit kein genereller Fachkräf- temangel

Durchschnittlich waren 2011 bei der Bundesagentur für Arbeit 9.600 Ar- beitsstellen für „MIN-Berufe“ im Be- stand. Geht man – entsprechend den regelmäßigen Erhebungen des Insti- tuts für Arbeitsmarkt- und Berufsfor- schung – davon aus, dass etwa jede vierte bis fünfte Stelle im hochqualifi- zierten Segment bei der Bundesagen- tur für Arbeit gemeldet wird, so dürfte sich die Gesamtnachfrage deutsch- landweit im letzten Jahr auf ca. 38.000 bis 48.000 Stellen belaufen. Demge- genüber waren bei der Bundesagentur 2011 im Durchschnitt 37.700 arbeits- lose „MIN-Fachkräfte“ gemeldet. Als Berufseinsteiger kamen 2010 - nach letzten Angaben des Statistischen Bundesamtes - rund 55.700 Studien- absolventen mit einem Abschluss in einem „MIN-Fach“ neu auf den Ar-

beitsmarkt. Auch wenn ein Teil der na- turwissenschaftlichen Absolventen zu- nächst noch weitere akademische Qualifizierungen anschließt, sprechen diese Zahlen eindeutig gegen einen flächendeckenden Fachkräfteengpass im „MIN-Bereich“.

Auch die Vakanzzeit als Maß dafür, wie schnell es Arbeitgebern gelingt, ihre gemeldeten Arbeitsstellen zu beset- zen, liefert keine Anhaltspunkte für be- sondere Schwierigkeiten bei der Stel- lenbesetzung. Lediglich bei hochquali- fizierten akademischen IT-Fachkräften gibt es Anzeichen dafür, dass derzeit viele Firmen erhebliche Probleme bei der Fachkräfterekrutierung haben 7 . Hier lag die Zeitspanne zwischen dem angestrebten Stellenbesetzungstermin und der Abmeldung einer gemeldeten Arbeitsstelle bei der Arbeitsvermitt- lung mit 81 Tagen deutlich über dem Durchschnitt aller Stellen (61 Tage).

Die in den nächsten Jahren altersbe- dingt zu erwartenden, relativ hohen Abgänge von Erwerbspersonen in den Ruhestand, dürften – unter sonst glei- chen Bedingungen - zu einem hohen Ersatzbedarf an qualifizierten Fach- kräften in MIN(T)-Berufen führen.

7 siehe auch: Aktuelle Fachkräfteengpässe, Hintergrundin- formation der Bundesagentur für Arbeit - statistik.arbeitsagentur.de > Arbeitsmarktberichte > Berichte & Broschüren > Arbeitsmarkt

Gleichzeitig sprechen der rasante technologische Fortschritt und die sich auf immer mehr Lebensbereiche ausweitende Informationstechnologie für eine zukünftig weiter steigende Nachfrage nach qualifizierten MIN(T)- Fachkräften. Perspektivisch bleibt je- doch offen, inwieweit die gestiegenen Studienanfängerzahlen in den MINT- Fachrichtungen dem zukünftigen Fach- kräftebedarf entsprechen werden.

1.5 Akademischer Nachwuchs

Wachsendes Nachwuchspotenzial

Die Hochschulstatistik weist seit 2002 in der Fächergruppe Mathematik, Na- turwissenschaften kontinuierlich stei- gende Zahlen erfolgreicher Prüfungs- teilnahmen aus. Rund 55.600 Natur- wissenschaftler beendeten - nach letz- ten Angaben des Statistischen Bun- desamtes - im Jahr 2010 ihr Studium. Das waren zehn Prozent mehr als im Vorjahr und so viele wie nie zuvor (Abb. 7). Gute jede dritte Prüfung (36 Prozent) endete mittlerweile mit dem Bachelorzeugnis.

so viele wie nie zuvor (Abb. 7). Gute jede dritte Prüfung (36 Prozent) endete mittlerweile mit

Mit einem Drittel hatte der größte Teil der „MIN-Absolventen“ des Jahres 2010 Informatik studiert. Jeder Fünfte erwarb Expertenwissen in der Biologie; etwa jeder Achte hatte Chemie stu- diert, jeder Zehnte Physik und jeder Elfte Mathematik. Weitere knapp zehn Prozent entfielen auf die Geografie und die Geowissenschaften.

Mehr Neueinschreibungen

Auch bei den Studienwählern ist das Interesse an den Naturwissenschaften – ablesbar an stetig wachsenden Erst- semesterjahrgängen – kräftig gestie- gen. Allerdings spielten Sondereffekte wie der Studienbeginn doppelter Abiturjahrgänge oder die Einführung des gestuften Studiensystems hierbei eine gewisse Rolle.

Im Studienjahr 2010 8 schrieben sich insgesamt 106.200 Männer und Frau- en neu für einen Studiengang in den Naturwissenschaften oder der Infor- matik ein. Das waren insgesamt zehn Prozent mehr als im vorangegangen Studienjahr und mehr als doppelt so viele wie Mitte der 90-er Jahre. Die stärksten Anstiege waren 2010 in den Geowissenschaften zu verzeichnen. Auch in der Mathematik und der Infor- matik stiegen die Studienanfängerzah- len stärker als im Durchschnitt der na- turwissenschaftlichen Fächergruppe.

Da sich jedoch allgemein mehr junge Menschen für ein Studium entschei- den, hat sich der Anteil von „MIN-Stu- dienanfängern“ an allen Studienanfän- gern kaum verändert. Er liegt genau im Durchschnitt des letzten Jahrzehnts bei 18 Prozent.

Überdurchschnittliche Abbruch- quoten

Nicht jede Neueinschreibung in ein na- turwissenschaftliches Fach führt zum erfolgreichen Studienabschluss auf diesem Gebiet. Auch Wechsel in ande- re Studienfächer oder Studienabbrü- che gehören zum Hochschulleben; in der Fächergruppe Mathematik, Natur- wissenschaften sogar überdurch- schnittlich oft. Die Studienabbruch- quote lag für die zuletzt untersuchte Kohorte – dem Absolventenjahrgang 2006 – an Universitäten bei 28 Pro- zent 9 . Während die Abbruchquote ins- gesamt für alle Fachrichtungen gegen- über dem Jahrgang 2004 von 24 auf 20 Prozent sank, konnte in Mathema- tik, Naturwissenschaften keine Fort- schritte erreicht werden. Anteilig die meisten Abbrüche sind in der Physik und den Geowissenschaften mit 36 Prozent zu verzeichnen, gefolgt von der Informatik und der Mathematik

8 Sommersemester 2010 und Wintersemester 2010/11 9 Quelle: Ullrich Heublein u. a.: Die Entwicklung der Schwund- und Studienabbruchquoten an deutschen Hoch- schulen, HIS-Projektbericht, Mai 2008

(32 bzw. 31 Prozent). Wenige erfolglo- se Studierende gab es dagegen in der Biologie und der Geografie mit jeweils 15 Prozent.

1.6 Berufseinstieg

Für die Beurteilung der Frage, wie leicht oder schwer Absolventen der Naturwissenschaften der Berufsein- stieg gelingt, bieten unter anderem die Absolventenbefragungen der Hoch- schulinformationssystem GmbH (HIS) zahlreiche Anhaltspunkte. Zuletzt wur- de dort der Absolventenjahrgang des Jahres 2009 befragt.

Bei der Interpretation der Ergebnisse ist zu berücksichtigen, dass dieser in einer wirtschaftlich schwierigen Phase und damit unter erschwerten Bedin- gungen in den Arbeitsmarkt gestartet war. Zwar waren die Auswirkungen der Wirtschaftskrise auf den Arbeitsmarkt gering. Dennoch bekamen gerade Be- rufsanfänger die Zurückhaltung der Unternehmen zu spüren, was sich in einer Zunahme der Arbeitslosenzahl der Jungakademiker unter 35 Jahren widerspiegelte. So stieg die Zahl der arbeitslosen 25- bis 34-Jährigen mit akademischen Berufen von 2008 bis 2010 mit rund einem Fünftel deutlich an.

Hoher Anteil von Promovierenden

Nach einem traditionellen Universi- tätsabschluss in der Chemie, der Phy- sik und der Biologie folgt ein unmittel- barer Arbeitsmarkteinstieg nur selten. Stattdessen wurden 2009 von bis zu 91 Prozent der befragten Chemiker, Physiker und Biologen weitere akade- mische Qualifizierungen angeschlos- sen, bei denen es sich in der Regel um Promotionen handelte (Abb. 8).

Viele erstellten ihre Dissertation im Rahmen eines Angestelltenverhältnis- ses, beispielsweise als wissenschaftli- che Mitarbeiter an einer Hochschule. Dies erklärt, weshalb in diesen Fach- richtungen die Anteile der Absolven- ten, die eine Erwerbstätigkeit ausüb- ten, ähnlich hoch ausfielen wie die Weiterqualifizierungsquote.

Unterdurchschnittlich im Vergleich zu allen Universitätsabsolventen mit her- kömmlichen Abschlüssen waren Pro- motionsstudierende in der Mathema- tik oder der Informatik mit 25 bzw. 28 Prozent vertreten. In der Geografie lag die Promovierendenquote mit 31 Pro- zent leicht über dem universitären Ge- samtdurchschnitt von 30 Prozent.

Sehr erfolgreicher Berufseinstieg in der Informatik Der kaum zu überbietende Prozentsatz an Informatikern, die zwölf

Sehr erfolgreicher Berufseinstieg in der Informatik

Der kaum zu überbietende Prozentsatz an Informatikern, die zwölf Monate nach dem Examen eine reguläre Er- werbstätigkeit ausübten (95 Prozent), und der verschwindend geringe Anteil Arbeitsloser in diesem Feld, bestäti- gen einen unproblematisch verlaufen- den Berufsstart. Ähnlich kann der ho- he Erwerbstätigenanteil in der Mathe- matik und der Geografie gesehen wer- den, der allerdings bei Mathematikern durch einen vergleichsweise hohen Anteil von Arbeitslosen geschmälert wird (9 Prozent).

Für größere Schwierigkeiten beim Übergang von der Universität in das Berufsleben spricht der nicht unbe- deutende Anteil von Biologen, die ein Jahr nach ihrem Examen noch arbeits- los waren (11 Prozent).

In den weiteren naturwissenschaftli- chen Fächern bewegte sich die Ar- beitslosigkeit zwölf Monate nach dem Examen etwa im Durchschnitt aller Universitätsabsolventen (4 Prozent). Generell handelte es sich bei Arbeits- losigkeit nach dem Studium um eine zumeist kürzere Übergangsphase.

Inadäquate Beschäftigungspositio- nen sind selten

Die Tätigkeiten, die Absolventen ein Jahr nach ihrem Abschluss ausübten, geben erste Hinweise auf den Erfolg der Berufseinstiegsphase. Abgerundet werden kann das Bild mit einem Blick auf die Qualität der wahrgenommenen Aufgaben, d. h. inwieweit diese den Studienabschlüssen entsprechen. Hierbei unterscheidet die HIS-Befra- gung vier Abstufungen: Als vertikal ad- äquat wurde eine Tätigkeit beurteilt, wenn ein Hochschulabschluss notwen- dig bzw. übliche Voraussetzung für die Ausübung war. Fachliche Adäquanz heißt im Gegenzug, dass die Arbeits-

aufgaben zwar inhaltlich dem Studien- fach entsprechen, aber das akademi- sche Anforderungsniveau eher nicht gegeben war. Volladäquat waren dem- nach diejenigen beschäftigt, die so- wohl in vertikaler als auch in fachlicher Dimension angemessen tätig waren.

Absolventen der Naturwissenschaften mit traditionellen Universitätsab- schlüssen schätzten ihre ausgeübte Tätigkeit häufiger als ihrem Studium adäquat ein als Universitätsabsolven- ten aller Fachrichtungen im Durch- schnitt (Abb. 9). Allerdings dürften die hohen Anteilswerte in der Physik, Che- mie und der Biologie auch dadurch be- einflusst sein, dass Absolventen viel-

die hohen Anteilswerte in der Physik, Che- mie und der Biologie auch dadurch be- einflusst sein,

fach auf Promotionsstellen tätig sind, bei denen per se von angemessenen Aufgabenstellungen ausgegangen wer- den kann. Insoweit kann diese Be- trachtung nur einen vorläufigen Ein- druck vermitteln, der durch nachfol- gende Befragungen zu vertiefen wäre. Positiv festzuhalten bleibt jedoch, dass die erste Tätigkeit nach dem Ab- schluss in allen naturwissenschaftli- chen Fächern seltener inadäquat zum Studium war als im Durchschnitt aller Absolventen mit traditionellen Univer- sitätsabschlüssen.

Bachelor nur Zwischenstation

Zählt in den Naturwissenschaften die Promotion fast schon als Regelab- schluss, erscheint es nur folgerichtig, dass sich die meisten Bachelors in die- sem Bereich zunächst für ein Master- studium entscheiden. Insbesondere in der Physik, der Chemie und der Biolo- gie befanden sich viele Bachelorabsol- venten des Jahres 2009 ein Jahr nach ihrem Abschluss in einer weiteren aka- demischen Qualifizierung (Abb. 10). In der Physik waren es sogar ausnahms- los alle Befragten. Dies steht im Ein- klang mit den Erkenntnissen einer Be- fragung der Deutschen Physikalischen Gesellschaft, die gegenwärtig für den

Ein- klang mit den Erkenntnissen einer Be- fragung der Deutschen Physikalischen Gesellschaft, die gegenwärtig für den

universitären Physik-Bachelorab- schluss keinen Bedarf am Arbeits- markt sieht und zur Fortsetzung der wissenschaftlichen Ausbildung rät 10 .

Demgegenüber steht der erhebliche Bedarf der Wirtschaft an IT-Fachleu- ten, der sich in auffallend höheren An- teilen von Informatikabsolventen der Fachhochschulen, aber auch von Ma- thematikern und Informatikern von Universitäten zeigt, die zwölf Monate nach der Abschlussprüfung erwerbstä- tig waren. Ansonsten kam der Aus- übung einer regulären Erwerbstätigkeit nach dem Bachelorexamen eine unter- geordnete Bedeutung zu.

Arbeitslosigkeit sehr selten

Arbeitslosigkeit ist für Bachelors noch seltener ein Thema als für Absolventen mit traditionellen Abschlüssen, da sie bei einem Mangel an passenden Stel- lenangeboten eine Vielzahl von Aus- weichmöglichkeiten haben. Neben Überbrückungsmöglichkeiten wie Praktika oder Übergangsjobs steht ih- nen außerdem ein Masterstudium als Option zur Verfügung.

Allerdings war bei Geografiebachelors ein überdurchschnittlicher Anteil von arbeitslosen Absolventen zu verzeich- nen.

10 Quelle: Deutsche Physikalische Gesellschaft: Der Bache- lorabschluss in Physik in der Wirtschaft, Bad Honnef, März

2011

2. Berufsgruppen

2.1 Chemie und Chemieingenieurwesen

Mit rund 415.000 Mitarbeitern und ei- nem Jahresumsatz von rund 170 Mrd. ist die chemisch-pharmazeutische In- dustrie in Deutschland der sechstgröß- te industrielle Arbeitgeber 11 . Die wirt- schaftliche Lage ist gut; in den letzten Jahren wuchs die Chemieproduktion jährlich um 1,7 Prozent und hatte sich damit laut dem Verband der Chemi- schen Industrie besser entwickelt als das Verarbeitende Gewerbe insge- samt. Die Beschäftigtenzahl in der Branche ist zwar insgesamt rückläufig, dennoch bieten sich insbesondere hochqualifizierten naturwissenschaft- lich-technischen Fachkräften gute Per- spektiven. So stieg 2011 die Zahl der sozialversicherungspflichtig beschäfti- gen Chemiker und Chemieingenieure weiter an und die Arbeitslosigkeit blieb auf niedrigem Niveau. Die gute wirt- schaftliche Lage ließ auch die Zahl der gemeldeten Arbeitsstellen für Che- mie-Experten deutlich ansteigen.

Da die Tätigkeitsfelder von Chemikern und Chemieingenieuren miteinander verknüpft sind und zahlreiche Über- schneidungen aufweisen, werden nachfolgend die Entwicklungen in bei- den Berufsgruppen betrachtet. Die Ab- grenzung der Chemieberufe basiert auf der Klassifikation der Berufe (Be- rufsordnung 611) 12 . Dabei umfasst die Berufsgruppe Chemiker insbesondere Chemiker allgemein, Organiker, Anor- ganiker, Biochemiker, Analytiker sowie Umweltchemiker oder Arzneimittel- chemiker. Daneben werden, wie er- wähnt, auch die Chemieingenieure in diese Berufsgruppe mit einbezogen.

11 Quelle: Branchenreport VCI, 2011, Angaben beziehen sich auf das Jahr 2010 12 Verwendet wird hier die Fassung aus dem Jahr 1988, da für die neue Klassifikation aus dem Jahr 2010 derzeit noch keine Daten zur Beschäftigung vorliegen.

2.1.1 Sozialversicherungspflichtige Beschäftigung und Erwerbstätig- keit

Steigende Beschäftigtenzahl

Nachdem die Zahl der sozialversiche- rungspflichtig beschäftigten Chemiker und Chemieingenieure 13 von 2003 bis 2006 leicht rückläufig war, stieg sie seit 2007 fast kontinuierlich an (2010 leichter Rückgang um 0,2 Prozent). 2011 waren rund 41.900 Chemiker und Chemieingenieure in Deutschland be- schäftigt, 1,7 Prozent mehr als 2010 und immerhin 2,8 Prozent mehr als 2001. Im Verhältnis zur Zahl der be- schäftigten Akademiker insgesamt, die

innerhalb der letzten zehn Jahre um 26,4 Prozent zulegte, konnte im Feld der Chemie damit nur ein vergleichs- weise mageres Beschäftigungswachs- tum erzielt werden (Abb. 2 auf Seite

9).

Die Arbeitgeber der Chemiker sind in verschiedenen Wirtschaftszweigen zu finden. Vorne an steht natürlich die Chemische Industrie, in der 2011 gut jeder vierte Chemiker tätig war; die meisten in der Herstellung von chemi- schen Grundstoffen (Abb. 11).

13 Angaben zur sozialversicherungspflichtigen Beschäfti- gung liegen bislang nur für Chemiker und Chemieingenieu- re insgesamt vor. Die Begriffe werden hier deshalb in Be- zug auf die Beschäftigtenstatistik synonym verwandt.

re insgesamt vor. Die Begriffe werden hier deshalb in Be- zug auf die Beschäftigtenstatistik synonym verwandt.

15 Prozent waren in Forschung und Entwicklung beschäftigt. In der Be- schäftigtenstatistik folgten der Bil- dungssektor – insbesondere der Hoch- schulbereich – sowie Unternehmen, die pharmazeutische Produkte herstel- len (jeweils 8 Prozent), Ingenieurbüros und Labore (7 Prozent) sowie der Großhandel (4 Prozent). Auch im Ge- sundheitswesen, im Öffentlichen Dienst (jeweils 3 Prozent), in der Gum- mi- und Kunststoffherstellung und der Nahrungsmittel- und Futtermittelpro- duktion (jeweils 2 Prozent) waren Che- miker in nennenswertem Umfang tä- tig.

Hoher Anteil älterer Beschäftigter

Die demografischen Veränderungen in der Gesellschaft zeigen sich in der Al- tersstruktur von Chemikern stärker als bei anderen Naturwissenschaftlern (Abb. 12). So ist in den letzten zehn Jahren die Zahl der Chemiker im Alter von 55 Jahren und darüber um fast zwei Fünftel gestiegen. 17 Prozent ge- hörten 2011 dieser Altersgruppe an. Im Gegenzug gab es weniger Jüngere. Nicht einmal jeder vierte Chemiker (24 Prozent) war 2011 jünger als 35 Jahre. Das ist der niedrigste Anteil unter al- len naturwissenschaftlichen Berufs- gruppen. Er war auch deutlich geringer als im Durchschnitt aller sozialversi-

al- len naturwissenschaftlichen Berufs- gruppen. Er war auch deutlich geringer als im Durchschnitt aller sozialversi- 24
cherungspflichtig beschäftigten Aka- demiker, bei denen 29 Prozent noch nicht das 35. Lebensjahr erreicht hat-

cherungspflichtig beschäftigten Aka- demiker, bei denen 29 Prozent noch nicht das 35. Lebensjahr erreicht hat- ten. Die Gruppe der 35- bis 54-Jähri- gen war dementsprechend mit 59 Pro- zent auch etwas größer als bei Akade- mikern insgesamt (56 Prozent).

Beschäftigungshochburg Nordrhein- Westfalen

Geografischer Beschäftigungsschwer- punkt ist Nordrhein-Westfalen. Hier ar- beitete 2011 jeder vierte Chemiker Deutschlands. Es folgten die Bundes- länder Baden-Württemberg (15 Pro- zent) sowie Bayern und Hessen mit je- weils zwölf Prozent der Arbeitsplätze.

Gemessen an der Einwohnerzahl stell- ten zudem Rheinland-Pfalz und Ham- burg zahlreiche Arbeitsplätze. In den östlichen Bundesländern waren die meisten Chemiker – im Verhältnis zur Einwohnerschaft - in Berlin und Sach- sen-Anhalt beschäftigt.

Während insgesamt in Deutschland von 2005 bis 2011 per Saldo 1.800 Ar- beitsplätze bzw. 4,6 Prozent für Che- miker hinzugekommen waren, fällt ei- ne regionale Betrachtung differenziert aus (Abb. 13). Die Beschäftigungssi- tuation wird dabei häufig von der wirt- schaftlichen Entwicklung einzelner Großunternehmen bestimmt. Netto- Beschäftigungszuwächse von mehr als

200 Arbeitsplätzen verzeichnete die Beschäftigtenstatistik in den Regionen Ludwigshafen, Dortmund, München, Berlin und Darmstadt. Eine drastische Verringerung der Zahl sozialversiche- rungspflichtiger Verträge war dagegen in den Agenturbezirken Frank- furt/Main, Wuppertal, Braunschweig, Bergisch Gladbach, Stuttgart und Kre- feld zu konstatieren.

Zweitgrößte Frauenquote in den Natur- wissenschaften

Der Anteil der Chemikerinnen in der Berufsgruppe ist in den letzten zehn Jahren, ausgehend von 22 Prozent im Jahr 2001, um sieben Prozentpunkte gestiegen. Mit 29 Prozent im Jahr 2011 wies das Berufsfeld Chemie die zweit- größte Frauenquote im Bereich der Naturwissenschaften auf – nur in der Biologie gab es eine höhere weibliche Präsenz. Dennoch waren Chemikerin- nen– bezogen auf einen Frauenanteil von 46 Prozent bei den Beschäftigten insgesamt – noch deutlich unterdurch- schnittlich vertreten. Im Laufe der nächsten Jahre ist jedoch ein weiterer Zuwachs an Chemieexpertinnen zu er- warten, da mittlerweile ähnlich viele Frauen wie Männer in einem Chemie- studiengang eingeschrieben sind.

Teilzeitarbeit spielt in der Chemie nur eine untergeordnete Rolle, was auch mit dem, gesamtwirtschaftlich be-

trachtet, noch immer unterdurch- schnittlichen Anteil von Frauen zusam- menhängen dürfte. Nur etwa zwölf Prozent der Chemiker waren 2011 nicht in Vollzeit tätig. Der Teilzeitanteil war unter den Geschlechtern – wie in anderen Berufsfeldern auch – unter- schiedlich ausgeprägt. Während jede vierte Chemikerin in Teilzeit arbeitete, war es bei den Männern nur jede 14. Fachkraft.

Ehemalige Chemieabsolventen auch in anderen Berufsfeldern tätig

Das Beschäftigungsvolumen für Che- mieexperten ist weitaus größer als die Zahl der knapp 42.000 sozialversiche- rungspflichtig beschäftigten Chemiker und Chemieingenieure. So gab es laut den Erhebungen des Mikrozensus 2010 rund 84.000 Personen, die mit einem Fach- oder Hochschulabschluss in der Hauptfachrichtung Chemie ein- schließlich der Lebensmittelchemie 14 in Deutschland erwerbstätig waren. In dieser Zahl enthalten sind – neben den sozialversicherungspflichtig Be- schäftigten – auch Selbständige, Be- amte und geringfügig Beschäftigte, wobei diese Erwerbsformen bei Che- mikern allesamt nur einen geringen Anteil einnahmen.

14 Quelle: Mikrozensus, Statistisches Bundesamt, Angaben ohne Absolventen mit Lehramtsstudium

Etwas mehr als die Hälfte der ehemali- gen Chemieabsolventen war im „enge- ren“ Berufsfeld Chemie als Ingenieur oder als Wissenschaftler tätig. Zudem arbeitete mit einem Anteil von sieben Prozent ein nicht unerheblicher Teil als Lehrer zum Beispiel an Hochschulen. Die restlichen zwei Fünftel verteilten sich auf sonstige Aufgaben im Dienst- leistungsbereich. Zu nennen wären hier beispielsweise Tätigkeiten als Un- ternehmensberater, als Manager oder als Fachexperte in der Öffentlichen Verwaltung. Hierbei bleibt offen, inwie- weit diese Tätigkeiten fachlich der Chemie zuzuordnen waren oder voll- kommen fachrichtungsfremd ausfie- len.

2.1.2 Entwicklung der Arbeitskräf- tenachfrage

Anstieg der gemeldeten Arbeitsstellen

Die Nachfrage nach Chemikern und Chemieingenieuren entwickelte sich in den letzten Jahren unterschiedlich. Während die Wirtschaftskrise 2009 der Zahl der Stellenmeldungen für Chemieingenieure einen deutlichen Dämpfer versetzte, waren bei Angebo- ten für Chemiker kaum Auswirkungen festzustellen. 2011 ließ die gute wirt- schaftliche Lage den Bedarf in beiden Fachrichtungen wieder deutlich stei- gen (Abb. 14). Mit 970 gemeldeten Ar- beitsstellen, die sich explizit an Chemi-

Fachrichtungen wieder deutlich stei- gen (Abb. 14). Mit 970 gemeldeten Ar- beitsstellen, die sich explizit an

ker richteten, gingen 2011 bei der Bun- desagentur für Arbeit zehn Prozent mehr Stellenmeldungen für diese Be- rufsgruppe ein als 2010. Auch gegen- über dem Vorkrisenniveau von 2008 gab es ein Nachfrageplus von zehn Prozent. Für Chemieingenieure wur- den 2011 420 Stellenangebote regis- triert – gut ein Viertel mehr als im Vor- jahr, aber immer noch acht Prozent weniger als 2008. Mehr Stellenange- bote für das Berufsfeld Chemie ver- zeichneten die Arbeitsagenturen 2011 vor allem aus dem Großhandel sowie von Chemie- und Pharmaunterneh- men.

Auch in Printmedien wurden laut Adecco-Stellenindex in den ersten drei Quartalen 2011 mehr Stellenofferten für Chemiker als im Vorjahreszeitraum veröffentlicht. Demgegenüber war bei Stellenangeboten, die sich an Chemie- ingenieure richteten, ein Rückgang festzustellen.

Stellenbesetzungsdauer im Durch- schnitt

Nimmt man die Vakanzzeit als Indika- tor dafür, wie schnell oder leicht es ei- nem Arbeitgeber gelingt, eine freie Ar- beitsstelle erfolgreich zu besetzen, verlief die Suche nach Chemikern und Chemieingenieuren problemlos. Im Durchschnitt war eine gemeldete Ar- beitsstelle, die mit einem Chemiker

oder Chemieingenieur besetzt werden sollte, 66 Tage vakant. Die Suchzeit nach Chemikern und Chemieingenieu- ren lag damit nur geringfügig (+5 Tage) über der durchschnittlichen Vakanzzeit aller Berufe.

Hohe Nachfrage aus Zeitarbeit, Hoch- schullehre und Forschung

Die Stellenangebote für Chemiker und Chemieingenieure gingen aus ver- schiedenen Wirtschaftszweigen bei der Bundesagentur für Arbeit ein. Je- weils ein Anteil von zwölf bzw. elf Pro- zent an den Stellenmeldungen kam aus dem Bildungssektor von Universi- täten und Fachhochschulen sowie aus dem Bereich der Forschung und Ent- wicklung. Die Chemische Industrie meldete neun Prozent der Stellen, ge- folgt von Behörden und Institutionen der Öffentlichen Verwaltung mit acht Prozent. Mit sieben Prozent waren In- genieurbüros und Laboratorien an den Stellenofferten beteiligt. Nennenswer- te Stellenmeldungen waren außerdem aus dem Großhandel (5 Prozent) und von Pharmaherstellern (4 Prozent) zu verzeichnen. Etwas seltener mit je- weils zwei Prozent waren Unterneh- mensberatungen, die Gummi- und Kunststoffindustrie, Hersteller von IT- Produkten, elektrischen und optischen Erzeugnissen, Unternehmensdienst- leister und das Gesundheitswesen an den Stellenmeldungen für Chemiker

beteiligt. Private Arbeitsvermittlungen und Zeitarbeitsfirmen stellten 18 Pro- zent der Gesamtofferten, wobei hier allerdings nicht ausgewiesen werden kann, in welchen Branchen konkret der Fachkräftebedarf bestand.

Hohe Anforderungen an Jobsuchende

Einschlägige Berufserfahrung verbun- den mit Branchenkenntnissen erleich- terten es Bewerbern, bei der Personal- auswahl gut abzuschneiden. Hin und wieder waren 2011 Positionen jedoch auch gezielt an Berufseinsteiger ge- richtet. Arbeitgeber erwarteten einen erfolgreichen Hochschulabschluss, der bei Chemikern in der Regel an einer Universität und bei Chemieingenieuren häufig auch an einer Fachhochschule erworben sein sollte. Eine Promotion wurde manchmal ausdrücklich ge- wünscht, viel häufiger war jedoch der Diplom- oder Masterabschluss in den Stellenanzeigen genannt. Je nach Ein- satzgebiet traten hierbei Chemiker, Chemieingenieure, Biotechnologen oder Pharmazeuten in Konkurrenz zu- einander.

So unterschiedlich die Einsatzbereiche waren, so vielfältig waren auch die fachlichen Anforderungen, die Firmen an die Bewerber stellten. Gesucht wur- den Experten sowohl im Bereich der organischen als auch der anorgani- schen und physikalischen Chemie.

Interdisziplinäre Kenntnisse, zum Bei- spiel im Chemieingenieurwesen, der Biochemie oder der Molekularbiologie, waren für Arbeitgeber wichtig. Häufig war in den Stellenofferten auch Know-how in den Bereichen analyti- sche Chemie, Kunststoffchemie, tech- nische Chemie, Lebensmittelchemie, Umweltchemie oder pharmazeutische Chemie gefragt.

Als sehr wichtig wurden bei Chemi- kern Fähigkeiten und Erfahrungen in der Forschung angesehen. So zählten Kompetenzen im Bereich der Doku- mentation, der Labortechnik, in chemi- schen Untersuchungs- und Messver- fahren oder in Versuchsdurchführun- gen und –auswertungen zu den häufig vorausgesetzten Fähigkeiten. In zahl- reichen Angeboten erwartete man Er- fahrungen im Bereich Qualitäts- oder Produktmanagement. Gefragt waren außerdem Bewerber, die vertraut wa- ren mit der Chromatografie, vor allem der Hochdruckflüssigkeitschromato- grafie oder der Spektroskopie, insbe- sondere der Massenspektroskopie. Auch Erfahrungen mit internationalen pharmazeutischen Standards wie zum Beispiel GLP oder GMP wurden wie- derholt verlangt.

Neben der fachlichen Kompetenz wünschten sich die Arbeitgeber eine Vielzahl außerfachlicher Fähigkeiten der Bewerber. Sie sollten über analyti-

sches Denkvermögen verfügen, syste- matisch arbeiten, zielorientiert vorge- hen und die Bereitschaft und Fähigkeit zu interdisziplinärem Arbeiten haben. Kommunikations- und Teamfähigkeit hatten einen hohen Stellenwert unter den Soft Skills. Gern gesehen waren außerdem Kreativität und Flexibilität sowie Verhandlungsgeschick und Kun- denorientierung. Nicht nur in der Ar- beit mit gefährlichen Chemikalien leg- ten Arbeitgeber Wert auf das Sicher- heits- und Verantwortungsbewusst- sein der Bewerber. Überzeugendes, verbindliches Auftreten und unterneh- merisches Denken rundeten ein gutes Bewerberprofil ab.

Gute Englischkenntnisse waren genau- so wie fundierte MS-Office-Kenntnisse in nahezu allen Positionen erforder- lich. Reisebereitschaft und Kontakt- freude wurden in den Qualifikations- profilen für eine Tätigkeit im Vertrieb besonders hervorgehoben.

2.1.3 Entwicklung der Arbeitslosigkeit

Aufschwung führt zum Rückgang der Arbeitslosigkeit

Nach einer hohen Arbeitslosigkeit zur Jahrtausendwende war die Zahl ar- beitsloser Chemiker und Chemieinge- nieure bis 2008 stetig zurückgegan-

gen. In Folge der letzten Wirtschafts- krise stieg sie von 2009 bis 2010 zu- nächst leicht an, um mit dem wirt- schaftlichen Aufschwung 2011 zumin- dest bei Chemieingenieuren wieder zu sinken (Abb. 15). Durchschnittlich wa- ren 2011 2.200 Chemiker und 400 Chemieingenieure arbeitslos gemel- det. Das waren ähnlich viele arbeitslo- se Chemiker wie im Vorjahr, während die Arbeitslosigkeit bei Chemieinge- nieuren um 16 Prozent zurückging. Dass die Entwicklung in den letzten Jahren als sehr positiv zu bewerten ist, zeigt ein Vergleich der Arbeitslosen- zahl der Jahre 2001 und 2011: Im Jahr 2011 waren über 50 Prozent weniger Arbeitslose mit dem Zielberuf Chemi- ker oder Chemieingenieur auf Arbeits- suche als noch zehn Jahre zuvor. Vor dem Hintergrund der seit 2004 stetig ansteigenden Absolventenzahlen wird hier die hohe Aufnahmefähigkeit des Marktes deutlich.

Die Arbeitslosenquote auf Basis der sozialversicherungspflichtig Beschäf- tigten 15 sank von 2010 bis 2011 von 6,1 auf 5,9 Prozent. Sie fiel damit er- heblich niedriger aus als die entspre- chende Arbeitslosenquote für alle Be- rufe insgesamt, die 2011 9,8 Prozent betrug. Chemikerinnen und Chemiein- genieurinnen waren 2011 mit einem Anteil von 43 Prozent an den Arbeits-

15 siehe Fußnote 6 Allgemeiner Teil (Seite 11)

losen vertreten, was in etwa dem Frau- enanteil bei den Chemieabsolventen der letzten Jahre entspricht.

losen vertreten, was in etwa dem Frau- enanteil bei den Chemieabsolventen der letzten Jahre entspricht.

Berufseinstieg in der Chemie nicht im- mer ohne Phase der Arbeitslosigkeit

Etwas mehr als die Hälfte der Arbeits- losen mit Chemieabschluss war noch keine 35 Jahre alt, etwa ein Fünftel über 50 Jahre. Im Vergleich zu den Chemieingenieuren, bei denen Berufs- einsteiger und Young Professionals nicht mal ein Drittel der Arbeitslosen ausmachten, schien in der allgemei- nen Chemie die erfolgreiche berufliche Etablierung überproportional mit Schwierigkeiten – in Form von zumin-

dest vorübergehender Arbeitslosigkeit – verbunden zu sein. Im Jahr 2011 ist die Arbeitslosigkeit bei jüngeren Che- mikern sogar um sechs Prozent weiter gestiegen, während sie in der mittle- ren Altersgruppe um zwölf Prozent zu- rückging und bei über 55-Jährigen leicht um drei Prozent zunahm. Bei Chemieingenieuren konnte die Ar- beitslosigkeit dagegen in allen Alters- gruppen kräftig abgebaut werden.

Zahl der Langzeitarbeitslosen gesunken

Ein Viertel der Arbeitslosen in der Chemie suchte bereits seit einem Jahr oder länger einen Arbeitsplatz, deut- lich weniger als bei allen Arbeitslosen

insgesamt. Hier war - unabhängig von der Qualifikation – 2011 etwa jeder Dritte von Langzeitarbeitslosigkeit be- troffen. Gegenüber dem Vorjahr ging die Zahl der Langzeitarbeitslosen in der Chemie leicht um ein Prozent zu- rück. Im Zehn-Jahresvergleich zeigte sich mit einem überdurchschnittlichen Rückgang von 69 Prozent eine sehr positive Entwicklung.

2.1.4 Akademischer Nachwuchs in der Chemie

Viele erfolgreiche Studienabschlüsse

Seit 2004 steigt die Zahl der Absolven- ten kontinuierlich an. Mit 7.200 Che- mikern erwarben 2010 fast doppelt so viele Absolventen einen Hochschulab- schluss wie im Jahr 2003, als die Ab- solventenzahl ihren Tiefpunkt erreichte (Abb. 16). Gegenüber dem Vorjahr be- deutete dies eine Zunahme um elf Pro- zent. Die meisten studierten an Uni- versitäten. Der Anteil von Fachhoch- schulchemikern ist konstant niedrig. 2010 waren es gerade einmal fünf Pro- zent.

versitäten. Der Anteil von Fachhoch- schulchemikern ist konstant niedrig. 2010 waren es gerade einmal fünf Pro-

Drei von vier Absolventen hatten allge- meine Chemie studiert. Fast jeder fünfte Absolvent legte sich auf Bioche- mie fest, jeder 16. auf die Lebensmit- telchemie. Unter den Chemikern ins- gesamt waren Frauen knapp zur Hälfte vertreten (47 Prozent). In den beiden letztgenannten Fachrichtungen fühlten sie sich mit einem Frauenanteil von 58 bzw. 74 Prozent eher zu Hause als in der allgemeinen Chemie.

Hinzu kamen 1.300 Absolventen, die die Studienfächer Chemie-Ingenieur- wesen/Chemietechnik belegt hatten.

Promotion ist Regelabschluss

Traditionell hoch ist die Zahl der Pro- motionen in der Chemie. Mit einer Promotionsintensität 16 von fast 74 Pro- zent im Jahr 2010 war sie die höchste unter den Naturwissenschaften. Dabei erwarben Männer überproportional häufig einen Doktortitel. Mit 82 Pro- zent war die Quote deutlich höher als bei Frauen mit 64 Prozent. Im Durch- schnitt schlossen Chemiker ihr Promo- tionsstudium im Alter von fast 31 Jah- ren ab. Zunehmend gewinnt die Um- strukturierung der Studienlandschaft auch in der Chemie an Bedeutung: 31 Prozent der Absolventen erwarben einen Bachelorabschluss und zehn Prozent einen Master. Durchschnittlich hatten Masterabsolventen ihren Ab- schluss kurz nach Vollendung ihres

26. Lebensjahres in der Tasche. Damit waren sie kaum jünger als ihre Kommi- litonen mit universitären Diplomab- schlüssen, die ihre Prüfung im Durch- schnitt nach zwölf Semestern im Alter von ebenfalls 26 Jahren ablegten.

Der Bachelorabschluss stellt für fast alle Chemiker nur eine erste Ausbil- dungsstufe dar. 98 Prozent von ihnen beabsichtigen, ein weiteres Studium anzuschließen 17 . Unter dem Gesichts- punkt einer hohen Promotionsquote betrachtet, scheint die hohe Über- gangsrate in ein weiteres Studium nur folgerichtig.

Mehr Neueinschreibungen

Da die Studienanfängerzahlen der letz- ten Jahre – zum Teil bedingt durch doppelte Abiturjahrgänge und Ausset- zung der Wehrpflicht – kräftige Zu- wächse verzeichneten, steht zu erwar- ten, dass die Absolventenzahlen mit- telfristig weiter ansteigen werden. Im Studienjahr 2010/11 schrieben sich

12.800 junge Menschen für ein Che-

miestudium ein. Das waren zehn Pro-

zent mehr als im Vorjahr und so viele wie noch nie. Der Frauenanteil lag bei 44 Prozent. Insgesamt waren damit

40.600 Männern und Frauen in einem

Chemie-Studiengang eingeschrieben.

16 eigene Berechnungen auf Basis der Hochschulstatistik des Statistischen Bundesamtes 17 Quelle: HIS

34

2.2. Physik

Ein exakt definierbares Einsatzfeld, das sich spezifisch an Physiker richtet, gibt es nicht. Physiker finden in sehr unterschiedlichen Wirtschaftsberei- chen auch jenseits der Forschung ih- ren Arbeitsplatz. Ihr Fachwissen ist in der Elektronikbranche, dem IT-Sektor oder in der Automobilwirtschaft eben- so gefragt wie in der Versicherungs- branche, in der Luft- und Raumfahrt oder in der Medizintechnik. Demzufol- ge hängt die Entwicklung ihrer Arbeits- marktchancen auch immer von der Wirtschaftslage in diesen Branchen ab. Gleichzeitig beschreibt die in der Statistik übliche Eingrenzung auf den ausgeübten Beruf des Physikers nur einen Kern des Arbeitsmarktes. Für ein Gesamtbild sollten daher immer auch weitere mögliche Tätigkeitsfelder einbezogen werden.

Getragen von der guten wirtschaftli- chen Situation hat sich der Arbeits- markt für Physiker 2011 positiv entwi- ckelt. Die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung ist gestiegen und gleichzeitig gab es mehr gemeldete Ar- beitsstellen, auf die sich Experten der Physik bewerben konnten. Die Arbeits- losigkeit, die sich bereits auf einem niedrigen Niveau bewegte, ging weiter zurück.

2.2.1 Sozialversicherungspflichtige Beschäftigung und Erwerbstätig- keit

Stabiles Beschäftigungsniveau

Im Jahr 2011 waren 24.500 Physiker und Mathematiker in Deutschland an- gestellt 18 . Das waren 1,2 Prozent mehr als 2010. Damit wuchs die Zahl der Ar- beitsplätze in der Physik und Mathe- matik allerdings weniger als die Be- schäftigung von Akademikern insge- samt, die um 4,3 Prozent angestiegen war. Auch bei der Beschäftigung insge- samt fiel der Zuwachs mit 2,5 Prozent stärker aus. Betrachtet man die ver- gangene Dekade ist aber zu erkennen, dass die Beschäftigung von Physikern immerhin sehr stabil war und selbst in wirtschaftlich schlechteren Zeiten nur geringen Schwankungen unterlag (Abb. 26 auf Seite 58).

Frauenanteil gestiegen

Das Interesse von Frauen an der Phy- sik wächst stetig. So stieg die Zahl der Physikerinnen von 2001 bis 2011 um fast die Hälfte. Dennoch ist der Frau- enanteil unter den beschäftigten

18 Daten zur sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung liegen derzeit nur für Physiker, Physikingenieure und Ma- thematiker in einer Gruppe zusammengefasst vor. Die ent- sprechende Berufsordnung 612 umfasst im Einzelnen Phy- siker, Physikingenieure, Mathematiker, Kybernetiker, Atom- und Kernphysiker sowie andere Physiker und Physikinge- nieure.

Physikern und Mathematikern mit 17 Prozent noch immer unterdurch- schnittlich im Vergleich zum Frauenan- teil bei allen sozialversicherungspflich- tig beschäftigten Akademikern. Dieser war 2011 mit 40 Prozent mehr als dop- pelt so hoch. Einen entsprechend klei- nen Raum nimmt aus diesem Grund auch die Teilzeitarbeit ein. Nur 14 Pro- zent der Physiker hatten eine Teilzeit- stelle inne – Frauen zu 26 Prozent, bei Männern waren es lediglich elf Pro- zent.

Die Altersstruktur in der Physik hat sich – dem allgemeinen demografi- schen Trend folgend – hin zu mehr äl- teren Beschäftigten verschoben. Etwa jeder sechste Physiker war 2011 55 Jahre oder älter. 2001 war es nur jeder Achte gewesen. Der Anteil der Physi- ker, die noch nicht das 35. Lebensjahr vollendet hatten, sank im gleichen Zeitraum von 34 Prozent auf 30 Pro- zent.

Haupttätigkeitsbereiche sind For- schung, Lehre und Informationstechnik

Die Verteilung auf Wirtschaftsbereiche war breit gestreut. Der Schwerpunkt lag jedoch eindeutig auf Forschungs- und Entwicklungsaufgaben. Drei von zehn Physikern und Mathematikern waren hier zu finden. An Hochschulen und anderen Bildungseinrichtungen ar- beitete jeder Neunte. Wichtige Wirt-

schaftszweige waren zudem die Her- stellung von IT-Produkten, elektrischen und optischen Erzeugnissen (9 Pro- zent) und IT-Dienstleistungen ein- schließlich der Softwareentwicklung (6 Prozent). Jeweils fünf Prozent waren im Versicherungsgewerbe, im Gesund- heitswesen sowie in Ingenieurbüros und Laboren anzutreffen. Drei Prozent brachten ihr Fachwissen bei der Her- stellung von elektrischen Anlagen und Ausrüstungen, wie zum Beispiel Elek- tromotoren, Generatoren und Elektrizi- tätsverteilungsanlagen mit ein. Nicht selten waren sie auch in Geschäftsfüh- rungen oder Unternehmensberatun- gen vertreten (3 Prozent). Der Maschi- nenbau, die Luft- und Raumfahrtindus- trie, die Kfz-Hersteller, der Großhandel und Unternehmen, die Finanzdienst- leistungen erbringen, beschäftigten je- weils zwei Prozent (Abb. 17).

Beschäftigungskonzentration an großen Forschungsstandorten

Regional betrachtet konzentrierte sich die Beschäftigung auf sieben Indus- trie- und Forschungszentren in Deutschland (Abb. 18). Mit jeweils mindestens 900 Beschäftigten stellten die Regionen München, Berlin, Karlsru- he, Hamburg, Stuttgart, Darmstadt und Aachen zusammen fast zwei Fünf- tel der sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplätze von Physikern und Ma- thematikern. Bezogen auf die Ein-

37

wohnerzahl gab es gute Chancen für die Berufsgruppe auch in Bremen, wo die Arbeitsplatzdichte fast doppelt so hoch war wie im Bundesdurchschnitt.

Im Vergleich zum Jahr 2005 gab es 2011 in Deutschland 3,0 Prozent bzw. 700 sozialversicherungspflichtig be- schäftigte Physiker und Mathematiker mehr. Die Entwicklungen werden oft- mals durch den Bedarf einzelner großer Unternehmen oder For- schungsinstitutionen bestimmt und fallen in den einzelnen Regionen unter- schiedlich aus. Die größten Netto-Zu- wächse an Arbeitsplätzen gab es in Berlin, Dresden und Aachen. Deutliche Beschäftigungseinbußen verzeichne- ten dagegen Stuttgart und Göppingen.

Beschäftigungsvolumen umfassender

Bei einer Interpretation der Beschäf- tigten-Daten darf nicht außer Acht bleiben, dass es sich bei der Physik wie der Mathematik um eine „Quer- schnittswissenschaft“ handelt, deren Absolventen interdisziplinär in den ver- schiedensten Feldern arbeiten; ein ori- ginäres Berufsfeld jedoch – abgesehen von wenigen Bereichen wie zum Bei- spiel die Grundlagenforschung – nicht existiert. So kann die Zahl von 24.500 sozialversicherungspflichtig als Physi- ker und Mathematiker Beschäftigten als eine Untergrenze des tatsächlichen Beschäftigungsvolumens interpretiert

werden. Der Mikrozensus des Statisti- schen Bundesamtes weist eine weit höhere Zahl Erwerbstätiger mit einem Hochschulabschluss der Studien- Hauptfachrichtung Physik, Astronomie aus 19 . Diese Hochrechnungen beruhen allerdings auf einer Ein-Prozent-Haus- halts-Stichprobe und sind auch auf- grund der Interpretationsspielräume bei den ausgeübten und erlernten Be- rufen mit nicht unerheblichen Unge- nauigkeiten verbunden. Sie können da- her nur als grobe Schätzgröße für den gesamten Umfang der Erwerbstätig- keit dienen.

Für das Jahr 2010 ergab sich daraus eine Gesamtzahl von rund 95.000 Er- werbstätigen mit einem Hochschulab- schluss in Physik bzw. Astronomie. In dieser Zahl sind neben sozialversiche- rungspflichtig Beschäftigten auch Selbständige, Beamte und geringfügig Beschäftigte enthalten, deren Größen- ordnungen aber keine wesentliche Rol- le spielen. Nicht ganz jeder dritte im Mikrozensus befragte ehemalige Phy- sikstudierende gab an, eine Tätigkeit als Physiker oder Wissenschaftler aus- zuüben. Dies zeigt im Umkehrschluss, wie sehr die analytischen und interdis- ziplinären Kompetenzen von Physikern auch in anderen – mehr oder weniger

19 Quelle: Mikrozensus, Statistisches Bundesamt, Angaben ohne Absolventen mit Lehramtsstudium

fachbezogenen – Tätigkeitsbereichen gefragt sind. Als wichtige weitere Be- rufsfelder, in denen „gelernte“ Physi- ker arbeiteten, sind laut Mikrozensus zu nennen: Informatik (17 Prozent), Management, Unternehmensführung und –beratung (13 Prozent), Bildung, insbesondere im Hochschulsektor (13 Prozent) sowie Ingenieursaufgaben (11 Prozent).

2.2.2 Entwicklung der Arbeitskräf- tenachfrage

Deutlich gestiegene Nachfrage

Die wirtschaftliche Erholung spiegelte sich 2011 in einer wieder deutlich an- steigenden Nachfrage nach Spezialis- ten der Physik. Von Oktober 2010 bis September 2011 gingen bei der Bun- desagentur für Arbeit rund 820 Stel- lenmeldungen für Physiker und Physik- ingenieure ein. Das war ein Fünftel mehr als im Vorjahreszeitraum und an- nähernd so viel wie vor der Wirt- schaftskrise 2008/2009. Demgegen- über nahm die Inseratenzahl in Print- medien laut Adecco-Stellenindex leicht ab. Mehr gemeldete Arbeitsstellen ka- men 2011 insbesondere von Unterneh- men, die IT-Geräte, elektrische und op- tische Erzeugnisse produzierten, aus der Forschung und Entwicklung und von Zeitarbeitsunternehmen. Weniger Stellenmeldungen als im Vorjahr wur-

den dagegen aus dem Hochschulsek- tor registriert. Hier hatte es 2009 vor dem Hintergrund des Kapazitätenaus- baus im Rahmen des Hochschulpakts eine außergewöhnlich hohe Zahl an Stellenmeldungen gegeben.

Etwa ein Drittel der Stellen für Physik- ingenieure war befristet. Bei Physikern waren es sogar 44 Prozent. Der höhe- re Anteil befristeter Jobangebote für Physiker verwundert kaum, da unter den gemeldeten Stellen häufiger auch Positionen für Doktoranden und Post-Doc-Positionen zu finden sind, die per se befristet sind.

Die meisten gemeldeten Stellen in For- schung und Entwicklung

Der größte Teil der Arbeitsangebote für Physiker und Physikingenieure kam 2011 mit 22 Prozent aus der For- schung und Entwicklung (Abb. 19). Ho- her Bedarf bestand ebenfalls in der Herstellung von IT-Produkten, elektri- schen und optischen Anlagen und Ge- räten (15 Prozent) sowie bei Bildungs- einrichtungen und hier insbesondere den Hochschulen (12 Prozent). Außer- dem suchten Ingenieurbüros und La- bore (7 Prozent), Behörden und Insti- tutionen des Öffentlichen Dienstes (5 Prozent) sowie das Gesundheitswe- sen (4 Prozent) gezielt nach Physikern. Etwas seltener wurden Offerten aus der Autoindustrie, von Herstellern

elektrischer Ausrüstungen und dem Maschinenbau registriert. Hinzu ka- men Angebote von Zeitarbeitsunter- nehmen und

elektrischer Ausrüstungen und dem Maschinenbau registriert. Hinzu ka- men Angebote von Zeitarbeitsunter- nehmen und privaten Arbeitsvermitt- lungen (21 Prozent), wobei hier nicht ausgewiesen werden kann, in welchen Wirtschaftszweigen der konkrete Ein- satz erfolgen sollte.

Moderate Vakanzzeit

Physiker sind zwar gefragte Fachkräf- te, jedoch waren Klagen darüber, dass es in diesem Bereich einen Bewerber- mangel gäbe, bislang nicht zu hören. Auch eine Betrachtung der Vakanzzei- ten von Stellenofferten bei der Bun- desagentur für Arbeit weist nicht auf

Fachkräfteengpässe hin. So vergingen vom geplanten Besetzungstermin bis zur Abmeldung einer gemeldeten Ar- beitsstelle bei der Arbeitsagentur 2011 im Durchschnitt 60 Tage. Bei Physi- kern und Physikingenieuren waren es mit 72 Tagen zwar einige Tage mehr, jedoch fällt die Vakanzzeit hier im Ver- gleich zu anderen Akademikern wie Ärzten (152 Tage) oder Maschinenbau- ingenieuren (92 Tage) moderat aus. Gegenüber dem Vorjahr ging die Va- kanzzeit bei Physik-Stellenangeboten sogar um zwei Tage zurück.

Vielfältige Anforderungen

Aufgrund der vielfältigen Beschäfti- gungsmöglichkeiten für Physiker, wa- ren die fachlichen Anforderungsprofile je nach Aufgabenbereich unterschied- lich ausgerichtet. Entwicklungskennt- nisse standen insgesamt hoch im Kurs. Oft war Wissen in technischer Optik sowie Mess-, Steuer und Regel- technik (MSR) gefragt. Auch Elektro- nikkenntnisse hatten einen hohen Marktwert. Des Weiteren wurde Sach- verstand in experimenteller Physik, Halbleiterphysik, Festkörperphysik, Elektrophysik oder Atomphysik viel- fach gesucht. Als weitere Anforderun- gen wurden zum Beispiel Kenntnisse in Lasertechnik, in Fertigungstechnik, in Hochfrequenztechnik, in Konstrukti- on, in Automatisierungstechnik oder in der Finite-Elemente-Methode formu- liert. Bewerber sollten häufig Erfahrun- gen in physikalischen Mess- und Prüf- verfahren mitbringen. Wichtige Be- schäftigungsgebiete waren das Pro- jektmanagement und die Forschung. Mehrfach erwartet wurden ebenso Kenntnisse in Dokumentation, Ver- suchsplanung, -durchführung und -auswertung. Von Bedeutung war au- ßerdem das Beherrschen von Pro- grammiersprachen, beispielsweise C, C++ oder Java. Auch Kenntnisse von Anwendungssoftware wie Matlab, Si- mulink oder CAD waren ausdrücklich erwünscht.

Die Teamfähigkeit künftiger Mitarbei- ter stand ganz oben auf der Wunschlis- te von Arbeitgebern. Auch sollten neue Kollegen ihre Arbeit gut organisieren können, lernbereit sein und Verant- wortungsbewusstsein zeigen. Koordi- nations- und Führungserfahrungen schlugen ebenfalls positiv zu Buche. Englische Sprachkenntnisse haben aufgrund der internationalen Ausrich- tung vieler Projekte einen sehr hohen Stellenwert.

Insgesamt sahen es Arbeitgeber sehr gern, wenn ein Bewerber mit Berufser- fahrung in eine neue Aufgabe einstieg. Explizit forderten einige sogar Indus- trieerfahrung, das heißt, ein Bewerber sollte den „Bannkreis“ der Hochschule und der Forschung bereits verlassen und in Unternehmen gearbeitet haben. Positiv vermerkt wurde auch, wenn ein Physiker aufgrund seiner Arbeitsein- blicke über Branchenkenntnisse ver- fügte.

Masterabschluss ist das Maß der Dinge

Mit Blick auf die neuen Studienab- schlüsse Bachelor und Master, kommt eine Studie der Deutschen Physikali- schen Gesellschaft 20 zu der Erkennt- nis, dass der Bachelor in der Physik von den meisten Arbeitgebern nur als

20 Deutsche Physikalische Gesellschaft: „Der Bachelorab- schluss in Physik in der Wirtschaft“; Bad Honnef, 2011

eine Zwischenqualifikation gesehen wird. Der Masterabschluss wird in der Regel als Mindestqualifikation erwar- tet. Für Absolventen der Physik, die mit dem Bachelorabschluss in den Ar- beitsmarkt eintreten, werden eher Tä- tigkeiten vorgesehen, die bislang von Physikalisch-Technischen Assistenten ausgeübt werden.

2.2.3 Entwicklung der Arbeitslosig- keit

Aktuell leichter Rückgang der Arbeitslo- sigkeit

In Folge der guten wirtschaftlichen Si- tuation ging die Arbeitslosigkeit von Physikern und Physikingenieuren 2011 wieder leicht zurück (Abb. 20). Mit knapp 1.100 Personen, waren ein Pro- zent weniger arbeitslos gemeldet als 2010. Verglichen mit dem Stand im Jahr 2008, bevor sich die Wirtschafts- krise auf dem Arbeitsmarkt bemerkbar gemacht hatte, war die Arbeitslosig- keit allerdings noch um rund 200 Per- sonen bzw. gut ein Viertel höher.

bemerkbar gemacht hatte, war die Arbeitslosig- keit allerdings noch um rund 200 Per- sonen bzw. gut

Langfristig gesehen ist die Entwick- lung aber als sehr positiv zu bewerten:

Hoher Anteil jüngerer Arbeitsloser

In den letzten zehn Jahren war eine Reduzierung der Arbeitslosenzahl in

Stark verändert hat sich die Alters- struktur der arbeitslosen Bewerber.

Physikberufen um 46 Prozent festzu- stellen. Damit hat sie sich deutlich günstiger entwickelt als bei allen aka-

Lag der Anteil der Berufsanfänger und Young Professionals mit einem Le- bensalter unter 35 Jahren im Jahr

demischen Berufen, bei denen sie im

2001

noch bei 25 Prozent, war er bis

2011

auf 45 Prozent gestiegen. Die Ur-

gleichen Zeitraum um rund sechs Pro- zent zurückging.

Eine Arbeitslosenquote kann aufgrund der Datenlage nur für den Bereich Phy- sik und Mathematik aggregiert ermit- telt werden. Für 2011 ergab sich, auf Basis der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten berechnet 21 , mit 6,2 Prozent eine erheblich niedrigere Ar- beitslosenquote als bei allen Arbeitslo- sen insgesamt (9,8 Prozent). Aller- dings ist diese Quote aufgrund der be- schriebenen Schwierigkeiten bei der statistischen Darstellung des Berufs- feldes sehr zurückhaltend zu interpre- tieren.

sachen dürften in enorm gestiegenen Absolventenzahlen in Kombination mit einer zurückhaltenden Einstellungspra- xis der Firmen in und nach der Wirt- schaftskrise 2008/2009 zu suchen sein. Profitieren konnten eindeutig äl- tere Arbeitnehmer: Während sich die absolute Zahl arbeitsloser Physiker und Physikingenieure, die noch nicht ihren 35. Geburtstag feierten, in etwa auf dem Niveau der Jahrtausendwende bewegte, verringerte sich die Arbeits- losigkeit von Personen mit einem Le- bensalter von mehr als 50 Jahren überproportional – und zwar um mehr als 70 Prozent.

Physikerinnen waren mit einem Anteil von 17 Prozent unter den Arbeitslosen vertreten. In dieser Größenordnung bewegte sich im letzten Jahrzehnt durchschnittlich auch der Anteil der Physikabsolventinnen. Dies weist auf annähernd ausgeglichene Chancen von Frauen und Männern in der Physik hin.

Zahl der Langzeitarbeitslosen in den letzten Jahren deutlich gesunken

Etwas mehr als jeder vierte Arbeitslo- se in der Physik suchte bereits seit ei- nem Jahr oder länger einen Arbeits- platz. Gegenüber dem Vorjahr stieg die Zahl der Langzeitarbeitslosen zwar

21 vergleiche Fußnote 6 – Seite 11

leicht um drei Prozent an. Im Zehn- Jahresvergleich zeigt sich aber ein überdurchschnittlicher Rückgang von 63 Prozent. Bei den Akademikern ins- gesamt lag der Anteil der langfristig Arbeitslosen 2011 geringfügig niedri- ger (25 Prozent).

2.2.4 Akademischer Nachwuchs in der Physik

Mehr erfolgreiche Prüfungen

Die Absolventenzahlen erreichten 2010 mit 5.700 frisch examinierten Physikern ein neues Allzeithoch (Abb. 21). Gegenüber dem Vorjahr war ein

kräftiges Plus von 14 Prozent zu ver- zeichnen. Allerdings hatte jeder vierte Prüfling mit dem Bachelorabschluss zwar einen ersten berufsqualifizieren- den Abschluss in der Tasche; startete aber in der Regel noch nicht in den Ar- beitsmarkt, sondern strebte ein Mas- terstudium an. 22 Lässt man diese Ab- solventen außen vor, hatte sich die Zahl der erfolgreichen Prüfungen im Vergleich zum Vorjahr fast nicht verän- dert. Sie lag aber gleichzeitig deutlich über dem Schnitt des letzten Jahr- zehnts. Das hohe Niveau von Mitte der 90-er Jahre wurde allerdings nicht

22 Laut HIS strebten 2009 100 Prozent der Bachelorabsol- venten in der Physik ein Masterstudium an.

nicht 2 2 Laut HIS strebten 2009 100 Prozent der Bachelorabsol- venten in der Physik ein

erreicht. Noch immer ist die Physik ei- ne Männerdomäne. Aber die Zahl der Physikerinnen wächst. So hat sich der Frauenanteil unter den Absolventen in den letzten zwölf Jahren verdoppelt. 2010 lag er bei 18 Prozent.

Viele Promotionen

Entsprechend der hohen Bedeutung von Forschungsaufgaben in der Physik nimmt die Promotion als Abschlussart einen gewichtigen Platz ein (Abb. 22). 1.400 Absolventen wurde 2010 ein Doktorhut verliehen. Sie waren bei der Verleihung der Doktorwürde durch- schnittlich 31 Jahre alt. Mit einer Pro- motionsintensität von 73 Prozent stell-

te diese Abschlussart eher die Regel als die Ausnahme dar 23 . Anders als zum Beispiel in der Chemie erwarben dabei Physikerinnen sogar etwas häufi- ger einen Doktortitel als ihre männli- chen Kommilitonen (78 Prozent versus 72 Prozent).

Masterabsolventen waren 2010 mit ei- nem Anteil von fünf Prozent noch sel- ten vertreten. Durchschnittlich been- deten sie ihr Studium, nachdem sie ih- ren 28. Geburtstag gefeiert hatten. Sie waren damit älter als Physiker mit uni-

23 eigene Berechnungen auf Basis der Hochschulstatistik des Statistischen Bundesamtes, siehe auch „Hinweise zu statistischen Angaben“

auf Basis der Hochschulstatistik des Statistischen Bundesamtes, siehe auch „Hinweise zu statistischen Angaben“ 45

versitären Abschlüssen, die ihr Ex- amen häuf ig ber eits im 27. Lebensjahr nach einer Gesamtstudienzeit von zwölf Semestern in den Händen hiel- ten.

Steigendes Interesse an Physikstudium

Seit vier Jahren steigt die Zahl der Stu- dienanfänger kontinuierlich an, was auch für die nächsten Jahre höhere Absolventenzahlen erwarten lässt. Erstmals über 10.000 Neueinschrei- bungen in ein Physikstudium waren 2010 zu verzeichnen. Dies bedeutete gegenüber dem Vorjahr ein Zuwachs von 16 Prozent, nachdem es bereits ein Jahr zuvor ein ebenso großes Plus gegeben hatte. Die vielversprechen- den Zukunftsprognosen für MINT-Be- rufe dürften ebenso zu dem gestiege- nen Interesse beigetragen haben wie ein höheres Potenzial an Studienwäh- lern in Folge doppelter Abiturjahrgän- ge und Aussetzung der Wehrpflicht. Der Frauenanteil bei den Studierenden im 1. Fachsemester lag 2010 bei 24 Prozent. Insgesamt verzeichnete die Hochschulstatistik 32.700 Studieren- de der Hauptfachrichtung Physik.

47

2.3 Mathematik

Der wirtschaftliche Aufschwung spie- gelte sich 2011 am Arbeitsmarkt für Mathematiker in einer deutlich sinken- den Arbeitslosigkeit. Allerdings blieb die Zahl der gemeldeten Arbeitsstellen hinter der des Vorjahres zurück.

2.3.1 Erwerbstätigkeit

Laut Mikrozensus waren 2010 rund 75.000 Menschen mit einem Hoch- schulabschluss der Hauptfachrichtung Mathematik in Deutschland erwerbs- tätig 24 . Die interdisziplinäre Natur der Mathematik bringt es mit sich, dass mit rund 12.000 Erwerbstätigen nur gut jeder sechste ausgebildete Mathe- matiker seine ausgeübte Tätigkeit fachlich einem vorrangig mathema- tisch geprägten Aufgabenbereich zu- ordnet. Etwa 43 Prozent arbeiteten in Büro-, Verwaltungs- und Organisati- onsberufen. Hierzu zählen insbesonde- re Aufgaben im kaufmännischen Be- reich, in der Softwareentwicklung so- wie in der Unternehmensberatung, -leitung und –prüfung. Gut jeder vierte Mathematiker war als Forschender oder Lehrender im Bildungssektor, ins- besondere an Hochschulen, beschäf- tigt.

In der Statistik über die sozialversiche- rungpflichtige Beschäftigung liegen Daten zu Mathematikern nur zusam- men mit den Physikern und Physikin- genieuren vor. Die aktuellen Entwick- lungen finden Sie ab Seite 35.

2.3.2 Entwicklung der Arbeitskräf- tenachfrage

Mathematiker konnten 2011 von der allgemeinen wirtschaftlichen Erholung nur teilweise profitieren. So zeigte sich ein leichter Rückgang in der Nachfrage nach Personal. Rund 310 Stellenmel- dungen gingen für Mathematiker von Oktober 2010 bis September 2011 bei der Bundesagentur für Arbeit ein, sie- ben Prozent weniger als im Vorjahres- zeitraum. Allerdings blieb der Rück- gang der Nachfrage alleine auf befris- tete Stellen beschränkt (-30 Prozent), während Stellenangebote für unbefris- tete Beschäftigungen einen Zuwachs verzeichnen konnten (+12 Prozent). Insgesamt waren 2011 zwei Drittel der gemeldeten Arbeitsstellen für Mathe- matiker unbefristet.

Betrachtet man daneben den Adecco- Stellenindex, war für die Berufsgruppe eine steigende Anzahl an Inseraten in Printmedien und somit eine positive

24 Quelle: Mikrozensus, Statistisches Bundesamt, Angaben ohne Absolventen mit Lehramtsstudium

Entwicklung zu konstatieren. Der Bun- desagentur für Arbeit wurden im Ver- gleich zum Vorjahr vermehrt Stellen für Mathematiker im Bereich der Dienstleistungen der Informations- technologie, in der Erbringung von Fi- nanzdienstleistungen sowie von Zeitar- beitsunternehmen und privaten Ar- beitsvermittlungen angezeigt. Hinge- gen mussten Rückgänge in der Öffent- lichen Verwaltung, bei Versicherungen sowie in der Forschung und Entwick- lung hingenommen werden.

Wichtige Arbeitgeber sind Hochschu- len, IT-Firmen und der Finanzsektor

2011 kamen die meisten Stellenange- bote aus Bildungseinrichtungen (28 Prozent), insbesondere von Hoch- und Fachhochschulen. Auch Arbeitgeber, die Dienstleistungen in der Informati- onstechnologie und im Finanzbereich erbringen, hatten Bedarf gemeldet (je- weils 12 Prozent). Bei Behörden und Institutionen des Öffentlichen Diens- tes (11 Prozent), Versicherungen (6 Prozent) sowie in der Forschung und Entwicklung (7 Prozent) wurde eben- falls gezielt nach Mathematikern ge- sucht. Des Weiteren wurden 14 Pro- zent der Vakanzen von Zeitarbeitsun-

eben- falls gezielt nach Mathematikern ge- sucht. Des Weiteren wurden 14 Pro- zent der Vakanzen von

ternehmen und privaten Arbeitsver- mittlungen gemeldet, wobei hier der konkrete Wirtschaftszweig für den Ein- satz nicht ausgewiesen werden kann (Abb. 23).

Unauffällige Vakanzzeiten

Obwohl sich konstant ein Bedarf an qualifizierten Mathematikern zeigt, war ein Bewerbermangel bisher nicht fest- zustellen. Betrachtet man die Vakanz- zeiten von Stellenofferten bei der Bun- desagentur für Arbeit, deutet ebenfalls nichts auf einen Fachkräfteengpass hin. 2011 vergingen im Durchschnitt 70 Tage vom geplanten Besetzungster- min bis zur Abmeldung einer gemelde- ten Stelle für einen Mathematiker; so- mit etwa zehn Tage mehr als bei allen Stellen insgesamt (60 Tage). Im Ver- gleich zum Vorjahr ging die Vakanzzeit bei Mathematikern sogar um acht Ta- ge zurück. Mit anderen Akademikern wie Ärzten (152 Tage) oder Maschi- nenbauingenieuren (92 Tage) vergli- chen, verlief der Prozess der Stellen- besetzung wesentlich schneller und somit offensichtlich unproblemati- scher.

So wie in den genannten Tätigkeitsbe- reichen meist nicht nur Mathematiker als potenzielle Mitarbeitende ange- sprochen wurden, sondern auch ande- re Qualifikationen für die Aufgabener- ledigung in Frage kamen, kann es für

Mathematiker bei der Jobsuche zum Ziel führen, wenn sie sich Angebote zum Beispiel für Informatiker, Physiker oder auch Wirtschaftsingenieure nä- her anschauen. Oftmals bringen sie die im Fachprofil geforderten Kompe- tenzen ebenfalls mit, ohne dass der Arbeitgeber sie in der Ausschreibung direkt anspricht.

Hohe Fach- und Methodenkompetenz erwartet

Solide Fachkenntnisse sind eine Grundbedingung, wenn ein Mathema- tiker sich auf ein Stellenangebot be- wirbt. Neben Statistik, Analysis und angewandter Mathematik waren auch speziellere Bereiche wie Finanzmathe- matik, Versicherungsmathematik, Wirtschaftsmathematik, Risikomana- gement und –controlling, Stochastik, Biometrie oder digitale Simulation ge- suchte Tätigkeitsschwerpunkte. Fä- cherübergreifend wurden häufig Kenntnisse der Betriebswirtschaftsleh- re, der Finanzwissenschaft oder der Wirtschaftsinformatik gewünscht. Die meisten Offerten listeten auch Eng- lischkenntnisse unter den Anforderun- gen auf. Berufserfahrung möglichst in der jeweiligen Branche war von Vorteil.

Know-how in der Informationstechno- logie ist eine Grundlage im Berufsfeld der Mathematik. So gehört das Be- herrschen von Programmiersprachen,

51

wie C++, C# oder Java oder objekt- orientierter Programmierung zum Auf- gabenkatalog in vielen Stellenangebo- ten. Des Weiteren wünschten sich vie- le Arbeitgeber Erfahrungen im Um- gang mit fachbezogener Software wie Matlab, Statistiksoftware (SAS, SPSS, STATA) oder in der Datenbankentwick- lung und –administration. In einigen Positionen erwiesen sich SAP-Kennt- nisse als Pluspunkt. Der sichere Um- gang mit allen MS-Office-Produkten wurde in der Regel als selbstverständ- lich angesehen.

Neben der fachlichen Qualifikation leg- ten Unternehmen sehr großen Wert auf Soft Skills. Ideale Bewerber sollten über ausgeprägte analytische und kommunikative Kompetenzen verfügen und in der Lage sein, Komplexität zu reduzieren. Erwartet wurde außerdem die Fähigkeit, die eigene Arbeit gut zu organisieren und im Team erfolgreich zu arbeiten. Zudem wurden Einsatz- und Erfolgswille sowie Durchsetzungs- vermögen genannt.

2.3.3 Entwicklung der Arbeitslosig- keit

Sinkende Arbeitslosigkeit

Die Arbeitslosigkeit von Mathemati- kern entwickelte sich 2011 günstiger als bei den meisten anderen Naturwis-

senschaftlern. Im Vergleich zum Vor- jahr ging die Zahl arbeitsloser Mathe- matiker um gut ein Zehntel zurück. Durchschnittlich waren 2011 nur noch 550 Bewerber mit dem Zielberuf Ma- thematiker arbeitslos gemeldet. Das waren rund ein Drittel weniger als vor zehn Jahren (Abb. 24).

Mathematikerinnen waren zu gut ei- nem Drittel unter den Arbeitslosen vertreten. Der Frauenanteil hat sich damit im letzten Jahrzehnt nicht verän- dert. Eine Gegenüberstellung mit dem durchschnittlichen Anteil von Mathe- matikerinnen, die von 1993-2010 ihr Studium erfolgreich abschlossen (32 Prozent), lässt erkennen, dass Arbeits- losigkeit zwischen den Geschlechtern relativ gleichmäßig verteilt war und Frauen aus diesem Blickwinkel am Ar- beitsmarkt ebenso etabliert waren wie ihre männlichen Kollegen.

Lebenserfahrene seltener arbeitslos

Die Altersstruktur der arbeitslosen Mathematiker hat sich – ähnlich wie bei anderen naturwissenschaftlichen Berufen – stark zugunsten der Älteren verschoben. So hatte die Mehrzahl (56 Prozent) der arbeitslosen Mathemati- ker 2011 den 35. Geburtstag noch vor sich. Entsprechend weniger waren die anderen Altersgruppen vertreten. Nur jeder sechste Arbeitslose war 50 Jahre oder älter – 2001 war es noch etwa je-

der dritte. Offensichtlich führten die gestiegenen Absolventenzahlen in Kombination mit einer zurückhalten- den

der dritte. Offensichtlich führten die gestiegenen Absolventenzahlen in Kombination mit einer zurückhalten- den Einstellungspolitik der Firmen in der Rezession 2008/09 dazu, dass ge- rade die Arbeitslosigkeit Jüngerer stark anstieg. Die Schwierigkeiten beim Berufseinstieg lösten sich aller- dings mit anspringender Konjunktur wieder auf. Im Jahr 2011 setzte sich der Abbau der Arbeitslosigkeit in allen Altersgruppen fort.

Zahl der Langzeitarbeitslosen in den letzten Jahren um die Hälfte gesunken

24 Prozent der arbeitslosen Mathema- tiker suchte bereits seit einem Jahr

oder länger einen Arbeitsplatz. Gegen- über dem Vorjahr sank die Zahl der Langzeitarbeitslosen leicht um zwei Prozent. In den letzten zehn Jahren war ein starker Abbau der Langzeitar- beitslosigkeit zu konstatieren. Damals waren doppelt so viele langfristig Ar- beitslose gemeldet. Bei Akademikern insgesamt lag der Anteil Langzeitar- beitsloser 2011 geringfügig höher bei 25 Prozent.

2.3.4 Akademischer Nachwuchs in der Mathematik

Absolventenzahlen im Plus

Die Zahl der Mathematik-Absolventen erreichte in den letzten Jahren immer neue Rekorde. Mit 4.900 erfolgreich abgelegten Examina im Jahr 2010 be- endeten mehr als doppelt so viele Stu- dierende erfolgreich ihr Studium wie zum Anfang des letzten Jahrzehnts (Abb. 25). Während dieses Zeitraums ist der Frauenanteil um 15 Prozent- punkte gestiegen und erreichte 2010 41 Prozent.

Viele Bachelors studieren weiter

Die gestiegene Zahl der erfolgreich ab- gelegten Examina ist teilweise auch darauf zurückzuführen, dass die Ba- chelorstudiengänge – die schneller zu einem Abschluss führen – aus dem „Exotencharakter“ mittlerweile heraus- gewachsen sind. 1.800 Absolventen bzw. 37 Prozent hatten 2010 ihre Ba- chelorprüfung abgelegt. Gerade in den Naturwissenschaften schließt jedoch der weit überwiegende Teil der Bache- lorabsolventen ein Masterstudium an und steht damit dem Arbeitsmarkt erst später zur Verfügung. Bei Absol- ventenbefragungen hatten 89 Prozent der Interviewten der Fachrichtungen

erst später zur Verfügung. Bei Absol- ventenbefragungen hatten 89 Prozent der Interviewten der Fachrichtungen 54

Mathematik, Informatik, Naturwissen- schaften, ca. ein Jahr nach ihrem uni- versitären Bachelorabschluss angege- ben, eine weitere akademische Qualifi- zierung begonnen zu haben. Weitere fünf Prozent planten eine solche 25 .

Elf Prozent hatten ihre akademische Ausbildung mit der Promotion abge- schlossen. Die Promotionsintensität 26 , die sich als Verhältnis zwischen den Promotionen und den vier Jahre zuvor erworbenen universitären Abschlüs- sen ergibt, lag 2010 mit 31 Prozent nach wie vor auf einem hohen Niveau. Im Vergleich zu anderen naturwissen- schaftlichen Fachrichtungen wie der Chemie, der Physik oder der Biologie kommt dem Doktorgrad in Mathema- tik allerdings eine geringere Bedeu- tung zu (Abb. 22 auf Seite 45). Einem anwendungsorientierteren Fachhoch- schulstudium hatte nur etwa jeder zehnte Absolvent den Vorzug gegeben, ähnlich wie im Vorjahr.

Im Durchschnitt verließen Mathemati- ker mit traditionellen Universitätsab- schlüssen kurz vor Vollendung ihres 27. Lebensjahres und nach fast 13 Ge- samtsemestern die Hochschule. Mas- terabsolventen waren mit durch- schnittlich 28 Jahren ein Jahr älter. Promovierte beendeten in der Regel nach drei bzw. vier weiteren Jahren mit 31 Jahren ihre Hochschulausbildung. Lediglich ein Teil der Mathematikin-

teressierten hatte bereits bei Studien- beginn den Schwerpunkt auf eine an- wendungsorientierte Studiengangaus- richtung gelegt. So hatten 19 Prozent ihren Studienfachschwerpunkt auf Wirtschafts-, fünf Prozent auf Techno- mathematik und drei Prozent auf Ma- thematische Statistik/Wahrscheinlich- keitsrechnung gelegt. Der Großteil stu- dierte ohne besondere Spezialisie- rung, was allerdings nicht bedeutet, dass durch die Wahl von Nebenfä- chern nicht Zusatzkenntnisse erwor- ben wurden.

Mehr Neueinschreibungen lassen wei- ter wachsende Absolventenjahrgänge erwarten

Um die 10.000 Frauen und Männer beginnen jährlich ein Mathematik-Stu- dium. Auch die guten Zukunftsprogno- sen für MINT-Berufe dürften dazu bei- getragen haben, dass 2010 erstmals sogar die 12.000-er Marke überschrit- ten wurde 27 . Mit 12.800 Studierenden im ersten Fachsemester gab es gegen- über dem Vorjahr nochmals eine Stei- gerung von 14 Prozent, nach einem

25 Quelle: Stifterverband für die deutsche Wissenschaft „Mit dem Bachelor in den Beruf“, 2011

26 eigene Berechnungen auf Basis der Hochschulstatistik des Statistischen Bundesamtes, siehe auch „Hinweise zu statistischen Angaben“

27 Doppelte Abiturjahrgänge hatten 2010 nach Angaben des Statistischen Bundesamtes nur unwesentlichen Ein- fluss auf den Anstieg der Erstsemesterzahlen, da 2010 nur Hamburg betroffen war.

Plus von acht Prozent im Jahr zuvor. Insgesamt waren im Studienjahr 2010 37.800 Studierende im Studienbereich Mathematik eingeschrieben.

im Jahr zuvor. Insgesamt waren im Studienjahr 2010 37.800 Studierende im Studienbereich Mathematik eingeschrieben. 56

2.4 Biologie, Geografie und Geowissenschaften – Sozialver- sicherungspflichtige Beschäfti- gung und Erwerbstätigkeit

Nach der Einführung der neuen Klassi- fikation der Berufe 2010 werden vor- aussichtlich im Jahr 2013 erstmals dif- ferenzierte Daten zur sozialversiche- rungspflichtigen Beschäftigung von Biologen vorliegen. Derzeit enthalten die Beschäftigungsstatistik der Bunde- sagentur für Arbeit wie auch die Erhe- bungen des Mikrozensus des Statisti- schen Bundesamtes nur kumulative Angaben für die sogenannte Berufs- gruppe „Naturwissenschaftler, ander- weitig nicht genannt“, zu denen insbe- sondere Biologen, Geografen und Geo- wissenschaftler zählen. In den folgen- den Ausführungen des Kapitels 2.4 zur sozialversicherungspflichtigen Be- schäftigung und Erwerbstätigkeit sind diese Berufsgruppen vereinfacht als Naturwissenschaftler bezeichnet.

Rasanter Beschäftigungszuwachs

Im März 2011 übten in Deutschland 64.700 Menschen eine Tätigkeit als Biologe, Geograf, Geowissenschaftler oder in verwandten Berufen aus. Dies waren sechs Prozent mehr als im Vor- jahresmonat. Im Verlauf der letzten Dekade erlebte die Beschäftigung in diesem Berufsfeld einen kleinen

Boom. Die Zahl der sozialversiche- rungspflichtigen Arbeitsplätze legte von 2001 bis 2011 um 63 Prozent zu (Abb. 26). Im gleichen Zeitraum stieg die Beschäftigtenzahl in Deutschland insgesamt dagegen nur leicht um ein Prozent. Die Zahl der Arbeitsplätze von Fachkräften mit akademischem Abschluss stieg zwar auch kräftig um 26 Prozent an, aber nicht einmal halb so stark wie die der Naturwissen- schaftler.

Kein „Jobwunder“

Überproportional erhöhte sich in den letzten zehn Jahren die Zahl der Teil- zeit-Stellen – mit 102 Prozent um mehr als das Doppelte. Aber auch die Zahl der Vollzeit-Stellen stieg immer- hin um 48 Prozent. Die meisten neuen Arbeitsplätze entstanden im Bildungs- wesen, in der Forschung und Entwick- lung sowie im Gesundheitssektor. Die Entwicklung in den wachsenden Ein- satzfeldern Biotechnologie, Biomedizin oder Bioinformatik dürfte hier ihren Anteil haben. Einschränkend ist jedoch festzustellen, dass ein gewisser Ni- veaueffekt mit hineinspielt: Die Ver- gleichsbasis der Beschäftigten im Jahr 2001 ist mit 39.600 relativ klein, so dass es mit einem absoluten Zuwachs von rund 25.000 Arbeitsplätzen be- reits zu großen prozentualen Verände- rungen kam. So hat es Arbeitsplatzge- winne in dieser Größenordnung - abso-

lut gesehen - durchaus auch in ande- ren Berufsgruppen gegeben, was aber prozentual weit weniger

lut gesehen - durchaus auch in ande- ren Berufsgruppen gegeben, was aber prozentual weit weniger ins Gewicht fiel. Also alles in allem verbirgt sich hinter der dynamischen Beschäfti- gungsentwicklung kein „Jobwunder“ am Arbeitsmarkt für Naturwissen- schaftler, aber dennoch eine sehr po- sitive Entwicklung.

Gestiegener Frauenanteil

Vom Beschäftigungszuwachs profitier- ten vor allem Frauen. Ihre Zahl verdop- pelte sich in den letzten zehn Jahren. Der Frauenanteil kletterte dement- sprechend von 33 Prozent auf 42 Pro- zent im Jahr 2011. Bei den Biologen

dürfte er dabei - mit Blick auf die Ge- schlechterverteilung bei den Absolven- ten – höher ausfallen als bei Geowis- senschaftlern.

Analog zum vergleichsweise hohen Frauenanteil war auch der Anteil an Teilzeitarbeitsstellen größer als in den anderen naturwissenschaftlichen Fachrichtungen. Mit rund jedem drit- ten Arbeitsplatz in Teilzeit fiel er sogar höher aus als bei der Beschäftigung insgesamt. Hier war es 2011 nur rund jeder fünfte sozialversicherungspflich- tig Beschäftigte. Sowohl von den Frau- en als auch den Männern in der Biolo- gie und den Geo-Berufen standen überdurchschnittlich viele in einem

Teilzeitarbeitsverhältnis (Männer 27 Prozent, Frauen 44 Prozent). Vermut- lich schlägt sich hier nieder, dass ins- besondere im Bereich der Hochschul- lehre und der Forschung in diesen Fachgebieten viele Stellen für wissen- schaftliche Mitarbeitende in Teilzeit angeboten werden.

60 Prozent in Forschung und Lehre

Die meisten Naturwissenschaftler ha- ben ihren Arbeitsplatz an einer deut- schen Hochschule. Drei von zehn wa- ren im Bildungssektor tätig und fast ebenso viele in Forschung und Ent- wicklung. Es folgen das Gesundheits- wesen (15 Prozent) und mit weitem

Abstand Ingenieurbüros und Labore, der Öffentliche Dienst sowie Interes- senvertretungen wie Umwelt- oder Na- turschutzverbände mit jeweils fünf Prozent. Naturwissenschaftliche Fach- leute sind außerdem in nennenswer- tem Umfang tätig in der Pharmaher- stellung, im Großhandel und bei Fir- men, die wissenschaftliche Dienstleis- tungen wie beispielsweise Gutachter- und Sachverständigenaufgaben erbrin- gen. Kleinere Beschäftigungsanteile sind in der Chemischen Industrie, bei Unternehmensberatungen, bei Her- stellern von elektronischen und opti- schen Produkten oder IT-Dienstleis- tern anzutreffen (Abb. 27).

bei Her- stellern von elektronischen und opti- schen Produkten oder IT-Dienstleis- tern anzutreffen (Abb. 27). 59

Regional an Universitätsstandorten ver- treten

Aufgrund der großen Beschäftigungs- anteile in Forschung und Lehre ver- wundert es nicht, dass viele Ar- beitsplätze in Universitätsstädten an- gesiedelt sind. Allen voran sind Mün- chen, Heidelberg, Hamburg und Berlin mit jeweils über 2.000 sozialversiche- rungspflichtig beschäftigten Naturwis- senschaftlern zu nennen (Abb. 28). Zu den Beschäftigungshochburgen zählen außerdem Göttingen, Bochum, Reutlin- gen, Stuttgart und Frankfurt/Main. Dort arbeiten jeweils über 1.500 Ange- stellte in naturwissenschaftlichen Be- rufen. Eine positive Beschäftigungs-

entwicklung war in nahezu allen Regio- nen festzustellen. Über Netto-Beschäf- tigungszuwächse von jeweils mindes- tens 200 Arbeitsplätzen im Vergleich zum Jahr 2005 konnten sich 35 Regio- nen freuen. Lediglich in der Region Nordhausen gab es im Saldo einen nennenswerten Beschäftigungsverlust von rund 70 Arbeitsplätzen.

Junge Beschäftigte in der Mehrzahl

Die Alterszusammensetzung der Be- rufsangehörigen ist völlig konträr zu al- len anderen naturwissenschaftlichen Berufen. So gingen die Beschäfti- gungsgewinne in der letzten Zeit ins- besondere auf junge Fachkräfte unter

Berufen. So gingen die Beschäfti- gungsgewinne in der letzten Zeit ins- besondere auf junge Fachkräfte unter

35 Jahre zurück. Ihre Zahl steigerte sich in den vergangenen zehn Jahren um 81 Prozent. 2011 war über die Hälfte der Biologen, Geografen und Geowissenschaftler noch keine 35 Jahre alt. Zum Vergleich: Selbst bei den IT-Fachkräften lag der Anteil der Jüngeren bei lediglich einem Drittel, bei Chemikern bei einem Viertel. Vier von zehn Naturwissenschaftlern ge- hörten zur Altersgruppe 35 bis 54 Jah- re. Der Anteil der lebensälteren Natur- wissenschaftler ab 55 Jahren ist mit gerade einmal sieben Prozent sehr klein. Einen gewissen Einfluss auf die unterschiedliche Entwicklung in den Altersgruppen könnte allerdings auch die zunehmende Spezialisierung im Laufe des Berufslebens ausüben. So erscheint es denkbar, dass lebensälte- re Biologen, Geografen oder Geowis- senschaftler statistisch seltener als „Naturwissenschaftler“, sondern bei- spielsweise entsprechend ihrer kon- kret ausgeübten Tätigkeit als Ver- triebsleiter, Projektleiter, Zoodirektor, Geoinformatiker, Hochschullehrer oder Sachverständiger erfasst werden.

Zahl der Erwerbstätigen mit naturwis- senschaftlichem Abschluss deutlich größer

Die Zahl der in Deutschland Erwerbs- tätigen, die 2010 einen Studienab- schluss in der Biologie und den Geo- wissenschaften vorweisen konnten,

war mit 102.000 Biologen und 53.000 Geowissenschaftlern und Geografen mehr als doppelt so hoch wie die sozi- alversicherungspflichtige Beschäfti- gung in diesen Berufen 28 . Abgesehen davon, dass es sich hierbei um eine aus dem Mikrozensus hochgerechnete Zahl handelt, die naturgemäß mit Un- genauigkeiten behaftet ist, sind hierin weitere Erwerbsformen wie Selbstän- dige, Beamte oder geringfügig Be- schäftigte beinhaltet. Zum Anderen zeigt die große Differenz zwischen so- zialversicherungspflichtig Beschäftig- ten und Mikrozensus-Daten, dass nur ein Teil der Erwerbstätigen eine Tätig- keit ausübt, die fachlich dem Studien- abschluss entspricht. Dahinter stehen im positiven Fall erfolgreiche Karriere- wege außerhalb des engeren naturwis- senschaftlichen Bereiches, zum Bei- spiel wenn ein Biologe als Führungs- kraft tätig ist. Im ungünstigen Fall han- delt es sich um naturwissenschaft- liche Fachkräfte, die auf eine inad- äquate Tätigkeit ausweichen mussten.

28 Quelle: Mikrozensus, Statistisches Bundesamt, Angaben ohne Absolventen mit Lehramtsstudium

2.5 Biologie

Grundsätzlich ist die Situation am Bio- logie-Arbeitsmarkt verhaltener einzu- schätzen als bei anderen naturwissen- schaftlichen Fachrichtungen. Es gibt relativ wenig Stellenangebote, die sich direkt an Biologen wenden. Zudem ist die Berufsgruppe vergleichsweise häu- figer von Arbeitslosigkeit betroffen. Positiv hervorzuheben ist allerdings die in den letzten Jahren starke Zunah- me der sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplätze für naturwissenschaftli- che Fachkräfte in der Biologie und den Geowissenschaften.

2.5.1 Entwicklung der Arbeitskräf- tenachfrage

Leichtes Stellenplus

Schwierigkeiten bereitet es Arbeitsu- chenden, dass vergleichsweise wenige Stellenangebote für Biologen vorhan- den sind. Insgesamt gingen von Okto- ber 2010 bis September 2011 knapp 800 Stellenangebote für Biologen ein. Das waren fünf Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum und immerhin gut ein Fünftel mehr als 2004/05. Mehr Stellenangebote als im Vorjahr kamen insbesondere von Laboratorien und dem Öffentlichen Dienst. Weniger Stel- lenmeldungen waren demgegenüber aus dem Großhandel z. B. mit Pharma- und Medizinprodukten zu verzeichnen.

Eine insgesamt schlechtere Entwick- lung konstatierte der Adecco-Stellen- index bei den in Printmedien veröffent- lichten Stellenangeboten für Biologen. Hier gab es erhebliche Rückgänge ge- genüber dem Vorjahreszeitraum.

Forschung und Lehre meldeten den größten Bedarf

Mit gut einem Viertel stammten die meisten Stellenmeldungen aus dem Forschungs- und Entwicklungsbereich. Ein Fünftel der Offerten kam von Be- hörden und Institutionen der Öffentli- chen Verwaltung (Abb. 29). Weitere 18 Prozent wurden von Hochschulen und Universitäten für den Bereich der Lehre gemeldet, zwölf Prozent aus dem Gesundheitswesen. Ferner such- ten Zeitarbeitsunternehmen, Labore, Verbände und Interessenvertretungen, der Großhandel und die Pharmaindus- trie nach Biologen. In geringem Um- fang kamen Offerten von Unterneh- men, die medizinische, optische oder therapeutische Geräte herstellten, von Unternehmensberatungen, Museen und Zoologischen Gärten.

Viele zu besetzende Arbeitsstellen wurden als Projekt – insbesondere im wissenschaftlichen Bereich – befristet ausgeschrieben. So war nur gut jede dritte für Biologen gemeldete Arbeits- stelle als unbefristete Anstellung vor- gesehen.

Zügige Stellenbesetzung Nimmt man die Vakanzzeit als Maß- stab für Schwierigkeiten von Arbeitge- bern bei

Zügige Stellenbesetzung

Nimmt man die Vakanzzeit als Maß- stab für Schwierigkeiten von Arbeitge- bern bei der Rekrutierung von Mitar- beitern, gestaltete sich die Besetzung von Stellen für Biologen in der Regel unproblematisch. Die Zeitspanne vom gewünschten Besetzungstermin bis zur Abmeldung der freien Arbeitsstelle bei der Bundesagentur für Arbeit um- fasste 2011 49 Tage. Dies war ein deutlich unterdurchschnittlicher Wert (Durchschnitt 60 Tage).

Vielfältige fachliche Kompetenzanforde- rungen

Unterschiedliche Arbeitgeber aus ver- schiedenen Wirtschaftsbereichen er- warteten in der Breite der Stellenange- bote für Biologen oft unterschiedliche Schwerpunkte in den fachlichen Teil- disziplinen. Arbeitgeber suchten zum Beispiel häufig nach Bewerbern mit Schwerpunkten in den klassischen Fachgebieten. So waren Fachkennt- nisse in der Molekularbiologie, der Mi- krobiologie oder der Zellbiologie sehr gefragt. Aber auch mit anwendungsori- entierten Kenntnissen boten sich un- terschiedliche Beschäftigungsmöglich- keiten. So wurden zum Beispiel Bewer-

ber mit Kompetenzen in der Biotech- nologie, der Bioverfahrenstechnik, der Gentechnologie oder der Pharmakolo- gie gesucht.

Ebenso waren fachübergreifende Kenntnisse in Bereichen der Chemie oder der Physik oftmals gewünscht. Etwas seltener wurden von den Arbeit- gebern Fachwissen in der Bakteriolo- gie, der Ökologie oder der Botanik ver- langt. Gerade in der Forschungs- und Entwicklungsarbeit wurden Versuchs- durchführungen und -auswertungen sowie Dokumentationen oder chemi- sche Untersuchungs- und Messverfah- ren erwartet. Besonders Bewerber, welche die Methode der Polymerase- kettenreaktion beherrschten, waren gefragt. Auch die Hochdruckflüssig- keitschromatografie, die Spektrosko- pie oder das Enzym-immunologische Verfahren ELISA waren in den Aufga- benkatalogen vorhanden. Nicht selten war Labortierkunde im Zusammen- hang mit der Durchführung von Tier- versuchen gefordert.

Wenn in der medizinischen Forschung neben einem Biologen auch ein Medi- ziner als potenzieller Bewerber ge- nannt war, waren zumeist auch medizi- nische Kenntnisse erwünscht. Biolo- gen, die im Bereich der Pharmazie ar- beiten wollten, sollten die internatio- nalen pharmazeutischen Standards kennen (zum Beispiel GLP, GMP). In al-

len Bereichen spielten zudem Maßnah- men zur Qualitätskontrolle und -siche- rung eine wichtige Rolle. Insgesamt waren eher Bewerber mit Berufserfah- rung gesucht als Berufsanfänger. Expli- zit gewünscht wurde zudem häufig ein Pkw-Führerschein.

Hoher Stellenwert von Soft Skills

Arbeitgeber interessierten sich für Be- werber, die sehr gute Englischkennt- nisse mitbringen, flexibel sind, in ei- nem Team arbeiten können und kom- munikativ versiert auftreten. Ge- schätzt wurde ebenso ihre Einsatzbe- reitschaft und Flexibilität sowie Orga- nisationsfähigkeit und Verantwor- tungsbewusstsein. Biologen sollten über Kenntnisse der gängigen Stan- dardsoftware sicher verfügen und kun- denorientiert arbeiten. Bei Führungs- aufgaben sollten die Bewerber unbe- dingt auch Erfahrung in der Teamlei- tung haben.

2.5.2 Entwicklung der Arbeitslosig- keit

Arbeitslosigkeit langfristig gesunken

Durchschnittlich waren 2011 rund 2.800 Arbeitslose mit dem Zielberuf Biologe arbeitslos gemeldet, vier Pro- zent mehr als im Vorjahr. Während von 2005 bis 2009 ein kontinuierlicher Ab-

bau der Arbeitslosigkeit von Biologen zu verzeichnen war, stieg der Arbeits- losenbestand seit 2010 wieder an (Abb. 30). Diese zunächst negativ er- scheinende Entwicklung wird jedoch durch eine noch kräftiger ansteigende Zahl sozialversicherungspflichtiger Be- schäftigter relativiert (+6 Prozent). Ein Vergleich mit der Arbeitslosenzahl um die Jahrtausendwende bestätigt die Entspannung, die insgesamt am Ar- beitsmarkt für Biologen zu verzeichnen ist: 2011 waren immerhin gut ein Fünf- tel weniger arbeitslose Biologen regis- triert als noch im Jahr 2001.

Mehr von Arbeitslosigkeit betroffen

Dennoch sind Biologen im Vergleich der naturwissenschaftlichen Fachrich- tungen häufiger von Arbeitslosigkeit betroffen. Setzt man die Zahl der Ar- beitslosen mit dem Zielberuf Biologie (sowie Geografie und Geowissenschaf- ten 29 ) ins Verhältnis zu den sozialversi- cherungspflichtig Beschäftigten in die- sem Tätigkeitsfeld ergibt sich für 2011 eine Arbeitslosenquote von 7,3 Pro- zent – der höchste Wert unter den Na-

29 Beschäftigten-Daten sind derzeit nur gemeinsam für die- se Berufe vorhanden – siehe Kapitel 2.4. Aus diesem Grund und aufgrund von Ungenauigkeiten bei der statisti- schen Abgrenzung und Zuordnung von Berufen ist die an- gegebene Quote nur als Schätzgröße zu verstehen.

statisti- schen Abgrenzung und Zuordnung von Berufen ist die an- gegebene Quote nur als Schätzgröße zu

turwissenschaften. Die Quote ist aber immerhin deutlich geringer als der Durchschnitt aller Berufe (9,8 Pro- zent). Gegenüber dem Vorjahreszeit- raum sank sie um 0,3 Prozentpunkte. Auch Absolventenbefragungen zeigen die vorhandenen Schwierigkeiten auf:

Bei den universitären Biologie-Absol- venten 30 des Jahrgangs 2009 waren elf Prozent ein Jahr nach dem Examen arbeitslos. Der entsprechende Ver- gleichswert für alle Universitätsabsol- venten lag bei lediglich vier Prozent.

Rückgang der Arbeitslosigkeit von Be- rufserfahrenen

Hohe Absolventenzahlen schienen 2011 unmittelbar die Konkurrenz beim Arbeitsmarkteinstieg zu verstärken. In Folge dessen gelang der Berufsein- stieg nicht immer ohne eine Phase der Arbeitslosigkeit. So war der Anstieg der Arbeitslosigkeit bei Biologen 2011 auf die Jahrgänge bis zum 35. Lebens- jahr zurückzuführen. Hier stieg die Zahl der Arbeitslosen binnen Jahres- frist um neun Prozent. Insgesamt ge- hört jeder zweite Biologe dieser Alters- gruppe an. Rückläufige Arbeitslosig- keit war dagegen in der mittleren Al- tersgruppe von 35 bis 49 Jahre festzu- stellen (-3 Prozent), ebenso bei den Arbeitslosen mit 50 Jahren und älter (-1 Prozent). 61 Prozent der Arbeitslo- sen waren Frauen. Dies entspricht in etwa dem Frauenanteil bei den Absol-

ventenjahrgängen der letzten Jahre.

Zahl der Langzeitarbeitslosen in den letzten Jahren deutlich gesunken

Fast jeder fünfte arbeitslose Biologe suchte bereits seit einem Jahr oder länger einen Arbeitsplatz. Damit fiel in dieser Berufsgruppe der Anteil lang- fristig Arbeitsloser geringer aus als bei Akademikern insgesamt (25 Prozent). Gegenüber dem Vorjahr stieg die Zahl der Langzeitarbeitslosen leicht um drei Prozent an. In den letzten zehn Jahren ist jedoch ein erfreulicher Rückgang um knapp die Hälfte zu kon- statieren.

2.5.3 Akademischer Nachwuchs in der Biologie

Zahl der Prüfungen auf Rekordniveau

Die Zahl der in der Biologie abgelegten Examina erreichte 2010 die 11.000 und war damit so hoch wie noch nie in Deutschland (Abb. 31). Im Vergleich zum Vorjahr gab es ein sattes Plus von 14 Prozent. Nicht alle erfolgreichen Prüflinge standen jedoch unmittelbar dem Arbeitsmarkt zur Verfügung. So erhielt mehr als jeder dritte Prüfling einen Bachelorabschluss und strebte in der Regel anschließend den Mas-

30 Datenquelle: HIS, nur traditionelle Abschlüsse

terabschluss an. Gerade in der Biolo- gie liegt die Zahl derjenigen, die sich nach einem

terabschluss an. Gerade in der Biolo- gie liegt die Zahl derjenigen, die sich nach einem Bachelorabschluss akade- misch weiter qualifizieren möchten, mit 94 Prozent sehr hoch 31 . Aber auch wenn man die Zahl der Bachelorprü- fungen außen vor lässt, standen in den letzten drei Jahren mit jeweils deutlich über 7.000 Absolventen dem Arbeits- markt mehr Nachwuchsbiologen zur Verfügung als je zuvor.

Sehr hoch ist im Studienfach Biologie der Frauenanteil. Fast zwei Drittel aller Absolventen waren Frauen (64 Pro- zent).

Viele Promotionen

Der Promotionsabschluss ist in der Biologie nach wie vor eher die Regel als die Ausnahme. Mit 2.600 Promoti- ons-Prüfungen im Jahr 2010 lag die Promotionsintensität 32 bei 67 Prozent; wobei Männer deutlich häufiger einen Doktortitel erwarben als Frauen (81 versus 59 Prozent). Promovierte waren bei ihrem Abschluss durchschnittlich etwas über 31 Jahre alt. Biologie-Stu- dierende erwarben ihr Universitätsdi- plom im Durchschnitt mit 27 Jahren

31 Quelle: HIS

32 eigene Berechnungen auf Basis der Hochschulstatistik des Statistischen Bundesamtes, siehe auch „Hinweise zu statistischen Angaben“

nach insgesamt 12,5 Hochschulse- mestern. Ihre Kommilitonen mit Mas- terabschluss waren sogar ein ganzes Jahr jünger. Vier Fünftel der Absolven- ten hatten im ersten Studienfach Bio- logie ohne einen ausgewiesenen Schwerpunkt studiert. Sie waren fast ausschließlich an Universitäten einge- schrieben, während etwa die Hälfte der Biotechnologen - auf die etwa jede siebte Prüfung entfiel - an Fachhoch- schulen ausgebildet wurde. Mit insge- samt nur vier Prozent hatten sich we- nige Biologen für Anthropologie (Hu- manbiologie) oder Biomedizin als ers- ten Studienschwerpunkt entschieden.

Interesse an der Biologie ungebrochen

Die Studienanfängerzahlen in der Bio- logie wiesen in den letzten Jahren eine stark steigende Tendenz auf und lagen 2010 bei über 15.000. Gegenüber dem Schnitt der 1990-er Jahre haben sie sich sogar verdoppelt. Entsprechend gestiegen ist auch die Studierenden- zahl in der Biologie insgesamt: 2010 auf 49.200 Studierende. Vor diesem Hintergrund ist in den nächsten Jahren auch in der Biologie mit weiter anstei- genden Absolventenzahlen zu rech- nen.

69

2.6 Geografie

Der Arbeitsmarkt für Geografen hat sich 2011 insgesamt positiv entwi- ckelt. Die Arbeitslosigkeit ging zurück und die Zahl der gemeldeten Arbeits- stellen stieg an. Allerdings gibt es nach wie vor wenige Stellenofferten, die sich direkt und in erster Linie an Geografen wenden. Sie sind deshalb darauf angewiesen, ihre interdiszipli- nären Kompetenzen offensiv in ver- wandten Berufsfeldern anzubieten.

2.6.1 Entwicklung der Nachfrage

Wenig gemeldete Stellen

Relativ wenig gemeldete Arbeitsstellen richteten sich direkt an Geografen. Von Oktober 2010 bis September 2011 waren es nur etwa 120 Angebote, aber immerhin fast 40 mehr als im Vorjah- reszeitraum. Mehr als die Hälfte dieser Stellen war befristet (57 Prozent). Der hohe Anteil der Befristungen deutet darauf hin, dass Geografen sehr häufig projektbezogen eingestellt werden.

Die Stärke von Geografen ist ihre inter- disziplinäre Ausbildung. Nicht immer denken Arbeitgeber daran, dass für ei- ne Tätigkeit mit sozialwissenschaftli- cher oder naturwissenschaftlicher Ausrichtung gerade ein Geograf der geeignete Kandidat sein kann. Deshalb

haben Geografen durchaus gute Chan- cen, wenn sie Stellen für Sozialwissen- schaftler, Landschaftsplaner, Geolo- gen oder Bauingenieure in ihre Suche mit einbeziehen (Abb. 32).

Wenn Arbeitgeber gezielt einen Geo- grafen einstellen wollten, hatten sie kaum Schwierigkeiten, einen geeigne- ten Bewerber zu finden. Während im Durchschnitt gemeldete Arbeitsstellen 60 Tage vakant waren, fiel die Suchzeit nach Geografen mit 45 Tagen unter- durchschnittlich aus.

Mögliche Einsatzbereiche breit gefä- chert

Den größten Anteil der gemeldeten Ar- beitsstellen für Geografen meldete mit einem knappen Viertel der Angebote die allgemeine Öffentliche Verwaltung, wo sie beispielsweise in der Wirt- schaftsförderung und Stadtplanung tä- tig werden sollten. Hinter fast jeder fünften Stellenofferte stand eine Uni- versität als Arbeitgeber. Auch Unter- nehmensdienstleister, Hersteller von Navigationssystemen oder anderen IT-Produkten, Unternehmensberatun- gen und internationale Organisationen zeigten sich in einigen Fällen gezielt an Geografen interessiert, ebenso wie Unternehmen mit dem Schwerpunkt Forschung und Entwicklung. Vereinzelt suchten Verbände, Botanische oder Zoologische Gärten sowie Unterneh-

men der Elektrizitätserzeugung und der Abwasserentsorgung nach Geo- grafen (Abb. 33). Interdisziplinäre Kompetenzen

men der Elektrizitätserzeugung und der Abwasserentsorgung nach Geo- grafen (Abb. 33).

Interdisziplinäre Kompetenzen gefragt

Arbeitgeber erwarten ein qualifiziertes Fachstudium. Jedoch ist nur in weni- gen Fällen – wie etwa bei einer Hoch- schultätigkeit als akademischer Rat oder Professor – in einer Ausschrei- bung allein das Fach Geografie ge- nannt. Benachbarte Fachrichtungen wie Geologie, Bauingenieurwesen, Geoinformatik, Landschaftsarchitektur oder Betriebswirtschaft finden sich nicht selten parallel in der Ausschrei- bung.

Je nach Aufgabengebiet stehen ver- schiedene fachliche Qualifikationen im Vordergrund. Dies können Kenntnisse der Regional- und Raumordnungspla- nung, der Standortanalyse, der Was- serwirtschaft, der Wirtschafts-, Sozial- oder Verkehrsgeografie sein. Im Bauin- genieurbereich sind oft Kenntnisse der Vergabe- und Vertragsordnung für Bauleistungen (VOB) und Gutachter-Er- fahrung sowie Kenntnisse im Umwelt- recht gewünscht. Teilweise steht das IT-Fachwissen an vorderster Stelle auf der Wunschliste der Arbeitgeber. Die Entwicklungs- und Anwendungsgebie- te für Geo-Informations-Systeme (GIS) weiten sich aus, so dass eine der zen- tralen Anforderungen der sichere Um-

gang mit diesen ist. Neben GIS, Arc- GIS oder Smallworld war speziellere Software wie zum

gang mit diesen ist. Neben GIS, Arc- GIS oder Smallworld war speziellere Software wie zum Beispiel CAD, Wind- PRO oder Arc View von Bedeutung. Die Standardbüroprogramme für Text- verarbeitung und Tabellenkalkulation werden vorausgesetzt.

Für Aufgaben in der empirischen Sozi- alforschung war ein sozialwissen- schaftlicher Hintergrund der Geogra- fen wichtig. Gefordert wurde ebenso Erfahrung im Umgang mit amtlichen Statistiken. Kenntnisse im Projekt- management und in der Projektsteue- rung kamen im gewünschten Anforde- rungsprofil ebenfalls an vorderster Stelle. Insgesamt war in allen Tätig-

keitsbereichen Berufserfahrung ein Qualifikationsmerkmal. Wichtig war den Arbeitgebern auch die Kundenori- entierung eines Kandidaten. Zudem sollte er oder sie unternehmerisch denken, gewandt auftreten, teamfähig sein und über eine flexible Arbeitswei- se verfügen. Gute bis sehr gute Eng- lischkenntnisse, oft auch Französisch, rundeten das Profil eines guten Bewer- bers ab.

2.6.2 Entwicklung der Arbeitslosig- keit

Sinkende Arbeitslosigkeit

Die Arbeitslosigkeit von Geografen war in den letzten Jahren deutlich gesun- ken. Nachdem 2010 im Nachgang der Wirtschaftskrise zunächst ein leichter Anstieg zu verzeichnen war, setzte sich der Abbau der Arbeitslosigkeit 2011 fort (Abb. 34). Knapp 700 Geo- grafen waren 2011 durchschnittlich ar- beitslos gemeldet; acht Prozent weni- ger als im Vorjahreszeitraum. Der posi- tive Trend zeigt sich klar in einem Zehn-Jahresvergleich: Gegenüber dem Jahr 2001 hat sich die Zahl der Ar-

beitslosen, die eine Tätigkeit als Geo- graf anstreben, um 40 Prozent verrin- gert.

Frauen scheinen am Geografie-Ar- beitsmarkt etabliert zu sein. So stell- ten Geografinnen 43 Prozent der Ar- beitslosen in der Berufsgruppe. Damit waren sie unter den Arbeitslosen an- teilig etwas weniger vertreten als durchschnittlich unter den Geografie- Absolventen seit 1993.

Zwei Drittel sind jüngere Arbeitslose

Die Arbeitslosigkeit konzentrierte sich stark auf jüngere Menschen. Zwei Drit- tel der Bewerber waren noch keine 35

Die Arbeitslosigkeit konzentrierte sich stark auf jüngere Menschen. Zwei Drit- tel der Bewerber waren noch keine

Jahre alt, nur jeder 19. über 50 Jahre. Die Altersstruktur der Geografen un- terscheidet sich damit sehr von ande- ren Berufsgruppen. So ist etwa bei Chemikern und Physikern der Anteil der älteren Jahrgänge mit mehr als 20 Prozent viel größer und junge Fach- kräfte seltener unter den Arbeitslosen. Für Geografen scheinen hingegen die ersten Berufsjahre besonders schwie- rig zu bleiben. Beeinflusst wird diese Altersgewichtung jedoch auch da- durch, dass viele berufserfahrene Geo- grafen ihren Zielberuf nicht mehr als Geograf, sondern je nach Tätigkeitsbe- reich als Marktforscher, GIS-Experte oder als Wirtschaftsförderer bezeich- nen dürften.

Vergleichsweise geringer Anteil Lang- zeitarbeitsloser

17 Prozent der arbeitslosen Geografen waren bereits seit einem Jahr oder län- ger auf der Suche nach einem Arbeits- platz. Bei Akademikern insgesamt lag der Anteil Langzeitarbeitsloser 2011 mit 25 Prozent um einiges höher. Da- bei konnte auch diese Personengrup- pe an der wirtschaftlich guten Ent- wicklung teilhaben. Gegenüber dem Vorjahr sank die Zahl langzeitarbeitslo- ser Geografen um vier Prozent. Im Ver- gleich zum Jahr 2001 gab es sogar 53 Prozent weniger.

2.6.3 Akademischer Nachwuchs in der Geografie

Mehr erfolgreiche Prüfungen, aber ak- tuell weniger Berufseinsteiger

2010 waren das vierte Jahr in Folge

zweistellige prozentuale Zuwachsraten bei den Absolventen der Geografie zu konstatieren. 3.300 Geografen legten

2010 ihr Examen an einer Universität

ab, 17 Prozent mehr als 2009 (Abb. 35). Der Frauenanteil lag bei 49 Pro-

zent. Fachhochschulstudiengängen kommt in diesem Studienbereich kei- ne Bedeutung zu.

Die enorme Steigerung bei der Zahl der abgelegten Prüfungen wird zum Teil hervorgerufen durch die Zunahme der Bachelorabschlüsse, die bereits nach einer Regelstudienzeit von sechs Semestern erreicht werden. 2010 war dies jeder dritte Abschluss. Die über- große Mehrheit schließt jedoch ein Masterstudium an. So strebten laut HIS-Absolventenbefragung 86 Prozent der Geografieabsolventen, die 2009 einen Universitätsbachelor erwarben, einen weiteren Studienabschluss an. Dies hat zur Folge, dass derzeit weit weniger frisch ausgebildete Geografen auf den Arbeitsmarkt kommen als die Rekordzahl der Prüfungen vermuten lässt. Ohne Berücksichtigung der Ba- chelorprüfungen gab es 2010 nur rund 2.000 Geografieabsolventen. Gegen-

über dem Vorjahr bedeutete dies einen Rückgang um drei Prozent. Promotionen eher selten Rund 150

über dem Vorjahr bedeutete dies einen Rückgang um drei Prozent.

Promotionen eher selten

Rund 150 Geografen erwarben 2010 einen Doktortitel. Die Promotionsin- tensität 33 war mit zehn Prozent die niedrigste unter den naturwissen- schaftlichen Studienbereichen (Abb. 22 auf Seite 45). Die Promovierten in der Geografie waren mit Abstand die ältesten Studierenden unter den Na- turwissenschaftlern – die meisten hat- ten bereits ihren 35. Geburtstag gefei- ert. Geografen waren bei Erhalt des Diploms in der Regel fast 28 Jahre und vier Monate alt und hatten mit 14 Se-

mestern – im Vergleich zu Naturwis- senschaftlern insgesamt - überdurch- schnittlich viel Zeit an einer Hochschu- le verbracht. Die gestufte Studien- struktur scheint zu einer Beschleuni- gung geführt zu haben: So beendeten Masterabsolventen ihr Studium in der Regel acht Monate früher im Alter von 27 Jahren und sieben Monaten. Mit vier Prozent war ihr Anteil jedoch noch sehr klein.

Zwar besteht innerhalb der Studien- richtung die Möglichkeit, sich mehr auf naturwissenschaftliche oder auf so-

33 eigene Berechnungen auf Basis der Hochschulstatistik des Statistischen Bundesamtes, siehe auch „Hinweise zu statistischen Angaben“

zialwissenschaftliche Fragestellungen zu konzentrieren. Jedoch ist bei nur wenigen Geografen bereits in der Wahl des ersten Studienfachs eine Speziali- sierung zu erkennen. Unter den Absol- venten des Prüfungsjahres 2010 wa- ren 13 Prozent ausgewiesene Geoöko- logen und nur drei Prozent Wirt- schafts- und Sozialgeografen.

Mehr Neueinschreibungen

Nach deutlichen Einbußen in der Mitte des letzten Jahrzehnts, scheint das Studium der Geografie in den letzten drei Jahren an Attraktivität gewonnen zu haben. Auch doppelte Abiturjahr- gänge und der allgemeine Trend zu hö- herqualifizierenden Schulabschlüssen dürften ihren Beitrag zu steigenden Studienanfängerzahlen geleistet ha- ben. 4.900 Männer und Frauen schrie- ben sich 2010 neu für ein Geografie- studium ein, zwölf Prozent mehr als im Vorjahr. Das Geschlechterverhältnis war mit einem Frauenanteil von 48 Prozent ausgewogen. Die zunehmen- den Neueinschreibungen lassen er- warten, dass die Zahl der Absolventen in den nächsten Jahren weiter leicht steigen wird. Das gesamte „Nach- wuchspotenzial“ der Fachrichtung Geografie betrug 2010 18.200 Studie- rende.

2.7 Geowissenschaften und Geophysik

Nach der hier vorgenommenen Ab- grenzung auf Basis der Klassifikation der Berufe umfassen die Berufe der Geowissenschaften und der Geophysik alle Wissenschaften, die sich auf die Erde beziehen, außer den Geografen, die im vorangegangenen Kapitel be- trachtet wurden. Es zählen hierzu ins- besondere Geotechniker, Geologen, Hydrologen, Geoökologen, Mineralo- gen und Gemmologen. Zu den Geo- physikern werden auch Astronomen und Ozeanografen gerechnet.

Der Arbeitsmarkt für Geowissen-

schaftler und Geophysiker hat sich

2011 positiv entwickelt. Die Nachfrage

nach qualifizierten Fachkräften stieg etwas an, während die Arbeitslosigkeit weiter zurückging. Allerdings zeigt ei- ne leicht gestiegene Zahl Arbeitsloser unter 35 Jahren, dass vor dem Hinter- grund größerer Absolventenjahrgänge der Berufseinstieg nicht immer ohne Schwierigkeiten verläuft.

2.7.1 Entwicklung der Nachfrage

Gemeldete Stellen auf Vorjahresniveau

Bei der Bundesagentur für Arbeit wur- den von Oktober 2010 bis September

2011 rund 430 Stellenangebote für

Geowissenschaftler und 60 für Geo- physiker gemeldet, was jeweils dem Niveau des Vorjahreszeitraumes ent- sprach. Im Verlauf des letzten Jahr- zehnts ist aber insgesamt eine deutli- che Steigerung der Nachfrage auszu- machen (Abb. 36).

Viele Befristungen

Während bei Geophysikern nur eine von fünf Stellen unbefristet war, boten rund 45 Prozent der Stellen für Geo- wissenschaftler einen Dauerarbeits- vertrag. Die Mehrzahl der Befristungen in den beiden Berufsgruppen war auf eine Befristungsdauer über 18 Monate ausgelegt. Dies lässt vermuten, dass viele Unternehmen Interesse an einer längerfristigen Tätigkeit der neuen Mit- arbeiter haben. Arbeitgeber nutzen aber offensichtlich die im Teilzeit- und Befristungsgesetz geregelte maximale zweijährige Befristungsdauer ohne Vorliegen eines sachlichen Grundes der Befristung, um sich nicht frühzeitig an einen Arbeitnehmer zu binden. Au- ßerdem dürfte insbesondere der hohe Befristungsanteil in der Geophysik auf die Mitarbeit in von vornherein zeitlich begrenzten wissenschaftlichen Projek- ten zurückgehen.

Die größte Nachfrage nach Geowis- senschaftlern und Geophysikern, rund 39 Prozent aller gemeldeten Stellen, kam aus der Öffentlichen Verwaltung.

Hier wurden sie zum Beispiel von Na- turschutzämtern und Forschungsinsti- tuten gesucht. Auch seitens Architek-

Hier wurden sie zum Beispiel von Na- turschutzämtern und Forschungsinsti- tuten gesucht. Auch seitens Architek- tur- und Ingenieurbüros und in der For- schung und Entwicklung konnte ein hoher Bedarf an Fachkräften verzeich- net werden (22 bzw. 18 Prozent). Wei- tere Stellen wurden zudem von Bil- dungseinrichtungen sowie für Aufga- ben in sonstigen freiberuflichen, wis- senschaftlichen und technischen Tä- tigkeiten angeboten (3 bzw. 2 Pro- zent). Des Weiteren wurden fünf Pro- zent der Stellen von Zeitarbeitsunter- nehmen und privaten Arbeitsvermitt- lungen gemeldet, für die allerdings ei- ne Angabe der genauen Tätigkeitsfel- der nicht möglich ist (Abb. 37).

Im Vergleich zum Vorjahr verzeichnete der Personalbedarf in der Forschung und Entwicklung den größten Nachfra- geanstieg, während beispielsweise in der Öffentlichen Verwaltung nur ein leichtes Plus festzustellen war. Die prozentual größten Rückgänge an Stel- lenangeboten mussten im Bildungswe- sen, im Kohlebergbau sowie in der Zeitarbeit verzeichnet werden.

Überdurchschnittliche Vakanzzeit

Zieht man die durchschnittliche Va- kanzzeit als Kriterium dafür heran, wie leicht es Arbeitgebern gelang, ihre frei- en Stellen zu besetzen, konnte eine unterschiedliche Entwicklung beob-

achtet werden: Während die durch- schnittliche Vakanzzeit 2011 im Ver- gleich zum Vorjahreszeitraum bei Geo-

achtet werden: Während die durch- schnittliche Vakanzzeit 2011 im Ver- gleich zum Vorjahreszeitraum bei Geo- wissenschaftlern um zehn auf 82 Ta- gen erneut anstieg, konnten Stellen für Geophysiker mit 75 Tagen im Durch- schnitt zehn Tage früher besetzt wer- den als vor Jahresfrist. Somit lag die durchschnittliche Zeitspanne zwischen gewünschtem Besetzungstermin und Abmeldung einer Arbeitsstelle bei der Arbeitsvermittlung bei Geowissen- schaftlern um 22 Tage über dem Durchschnitt, aber gleichzeitig noch deutlich unter der Vakanzzeit bei ge- meldeten Stellen für Maschinen- und Fahrzeugbauingenieuren oder Ärzten (92 bzw. 152 Tage). Der aktuelle Rück-

gang bei Geophysikern sollte dagegen sehr zurückhaltend interpretiert wer- den, da die Zahl der zugrunde liegen- den Stellenangebote in diesem Seg- ment relativ klein ist. Die weitere Ent- wicklung wird zeigen, ob die Stellenbe- setzung dauerhaft leichter vonstatten geht oder die Suchdauer erneut an- steigt.

Breites Grundlagenwissen gefordert

Arbeitgeber von Geowissenschaftlern forderten von ihren Bewerbern um- fangreiche Fachkenntnisse und Erfah- rungen in den unterschiedlichen Teil- gebieten. So suchten viele Firmen nach Fachexperten in den Bereichen

Geologie, Hydrogeologie, Bodenkunde, Seismik oder Sedimentologie. Für Ge- steinsuntersuchungen wurden Kennt- nisse der Petrologie und Petrografie erwartet und auch Mineralogie war ein häufiger genanntes Kriterium. Fächer- übergreifend nannten Unternehmen Wissen in den Bereichen Geophysik, Geochemie, Geoökologie und Geoin- formatik als wichtige Anforderung. Im relativ jungen Fachgebiet der Geotech- nik wurden die Disziplinen Geologie, Bauingenieurwesen und Bergbau mit- einander verbunden. Auch Kenntnisse aus den verwandten Wissenschaften Geografie und Chemie waren oftmals gewünscht. Des Weiteren sollten Be- werber mit Themen wie Wasserwirt- schaft, Grundwasserschutz, Umwelt- schutz oder Entwicklungspolitik ver- traut sein.

Zu den Aufgaben zählten wiederholt Dokumentation, Erstellen von Fachpu- blikationen, Gutachter- und Sachver- ständigentätigkeiten, Projektmanage- ment, Laboranalysen und Forschung. Ebenso wurden Öffentlichkeitsarbeit, Kundenberatung sowie Betreuung und Vermessung genannt.

Für Arbeitgeber hatte ein sicherer Um- gang mit Geoinfomationssystemen einen hohen Stellenwert, zum Beispiel wurden häufig explizit Kenntnisse in ArcGIS erwartet. Für Geotechniker war das Beherrschen allgemeiner und spe-

ziellerer Software Voraussetzung (CAD, FEM-Anwendung Plaxis, Fortran, Matlab).

Außerfachliche Kompetenzen wichtig

Sehr gute Fremdsprachenkenntnisse, insbesondere Englisch, waren für Geo- wissenschaftler fast unumgänglich. Verantwortungsbewusstsein und die Fähigkeit Aufgaben eigenständig, krea- tiv und zielorientiert zu lösen waren häufig gefordert. Ein sicheres Auftre- ten war ebenso wichtig wie Teamfähig- keit. Arbeitgeber erwarteten von ihren Bewerbern ein hohes Maß an Motivati- on und Flexibilität. Im Rahmen von Projekten in unterschiedlichen Regio- nen waren Reisebereitschaft und teil- weise internationale Mobilität wichtig.

2.7.2 Entwicklung der Arbeitslosig- keit

Deutlicher Abbau der Arbeitslosigkeit in den letzten Jahren

2011 waren durchschnittlich 600 Ar- beitslose mit dem Vermittlungs- wunsch Geowissenschaften ein- schließlich Geophysik bei der Bundes- agentur für Arbeit registriert. Dies wa- ren etwa vier Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Nach einem kurzen Stopp durch die Wirtschaftskrise 2009 setzte sich damit die positive Entwick-

lung der letzten Jahre fort. Im Zehn- Jahresvergleich konnte die Arbeitslo- sigkeit im Berufsfeld sogar um mehr als die Hälfte abgebaut werden. Damit hat sie sich deutlich stärker verringert als bei allen akademischen Berufen, bei denen sie im gleichen Zeitraum um rund sechs Prozent zurückging (Abb. 34, Seite 73).

Geowissenschaftlerinnen waren mit ei- nem Anteil von 37 Prozent unter den Arbeitslosen vertreten. Dies entsprach etwa dem durchschnittlichen Frauen- anteil bei den Absolventen der Geo- wissenschaften seit der Wiedervereini- gung (34 Prozent). Offensichtlich sind die Chancen für Frauen und Männern in den Geowissenschaften angemes- sen verteilt.

Arbeitslosigkeit Jüngerer leicht gestie- gen

Von der guten Entwicklung konnten al- le Altersgruppen profitieren; Berufser- fahrene sogar überproportional. Wenn- gleich sich auch bei den Berufseinstei- gern im Verlauf der letzten zehn Jahre die Arbeitslosigkeit kräftig verringerte, zeigte sich in der Altersgruppe bis 34 Jahre in den letzten zwei Jahren ein Anstieg der Arbeitslosenzahl. Dies geht zurück auf eine verhaltene Ein- stellungspraxis von Unternehmen in und nach der Wirtschaftskrise 2008/2009, während gleichzeitig die

Absolventenjahrgänge stärker ausfie- len. So waren 43 Prozent der Arbeits- losen unter 35 Jahre alt. Der Alters- gruppe der 35 bis 49-Jährigen gehörte gut jeder Dritte an. Seinen 50. Ge- burtstag hatte etwa jeder Fünfte hinter sich.

Langzeitarbeitslosigkeit in den letzten Jahren um zwei Drittel gesunken

24 Prozent der arbeitslosen Geowis- senschaftler waren seit einem Jahr oder länger ohne Arbeitsplatz. Dabei konnte diese Personengruppe beson- ders stark vom wirtschaftlichen Auf- schwung profitieren. Gegenüber dem Vorjahr sank ihre Zahl um 17 Prozent. Im Vergleich zum Jahr 2001 gab es so- gar 67 Prozent weniger von dieser Pro- blematik Betroffene. Bei den Akademi- kern insgesamt lag der Anteil Langzeit- arbeitsloser 2011 geringfügig höher bei 25 Prozent.

2.7.3 Akademischer Nachwuchs in den Geowissenschaften

Steigende Absolventenzahlen

1.700 Studierende – so viele wie noch nie – legten 2010 erfolgreich ihre Prü- fung im Studienbereich Geowissen- schaften ab (Abb. 38). Verglichen mit dem Vorjahr war dies ein beachtliches Plus von 38 Prozent. Diese enorme

Steigerung wurde in erster Linie durch die Bachelorabschlüsse hervorgerufen, die in kürzerer Zeit zum Examen

Steigerung wurde in erster Linie durch die Bachelorabschlüsse hervorgerufen, die in kürzerer Zeit zum Examen führ- ten und mittlerweile einen Anteil von 43 Prozent ausmachten. Da in den Na- turwissenschaften jedoch die meisten Universitätsbachelors zunächst noch ein Masterstudium anstreben, dürfte die Zahl der Berufseinsteiger erheblich kleiner sein als die Rekordabsolven- tenzahl suggeriert. Ohne Berücksichti- gung der Bachelors verzeichnete die Hochschulstatistik nicht mal ganz 1.000 Absolventen – zwar auch acht Prozent mehr als im Vorjahr. Aber an- ders als in den weiteren naturwissen- schaftlichen Fachrichtungen waren die Abschlusszahlen in den 90-er Jahren

erheblich höher - im Durchschnitt um jährlich rund 200 Prüfungsabsolven- ten.

Die Geowissenschaftler hatten fast ausschließlich an Universitäten stu- diert. Jeder Fünfte entschied sich im ersten Studienfach für Geologie/Palä- ontologie, weitere insgesamt 18 Pro- zent hatten sich auf Meteorologie, Mi- neralogie oder Ozeanografie festge- legt. Mit 56 Prozent wählte jedoch die Mehrheit keinen ausdrücklichen Schwerpunkt. Immer mehr Frauen in- teressieren sich für die Geowissen- schaften: Der Anteil der Geowissen- schaftlerinnen stieg von 26 Prozent im Jahr 1993 auf 45 Prozent 2010.

Rund 270 Geowissenschaftler schlos- sen 2010 mit einer Promotion ab. Die Promotionsintensität 34 – als Anteil der Promotionsprüfungen im Jahr 2010 an den Diplom- und Masterabsolventen des Jahres 2006 – lag bei 50 Prozent. Bei der Verleihung des Doktorhutes waren die Geowissenschaftler mit durchschnittlich 33 Jahren etwa zwei Jahre älter als zum Beispiel Physiker oder Chemiker. Ein Universitätsdiplom hielten Absolventen im Alter von 28 Jahren nach durchschnittlich fast 14 Semestern Gesamtstudienzeit in ihren Händen. Studierende mit der Absicht den Master of Science zu erwerben, waren gut ein Jahr früher mit Vollen- dung ihr es 27. Lebensjahr es am Ziel.

Mehr Neueinschreibungen, jedoch we- niger Studierende insgesamt

Doppelte Abiturjahrgänge und die all- gemeine Tendenz zu höheren Schulab- schlüssen erhöhen das Potenzial für den akademischen Nachwuchs. Auch in den Geowissenschaften wirkt sich dies seit vier Jahren in Form von mehr Neueinschreibungen aus. Mit 4.700 Erstsemestern waren es 2010 gut ein Viertel mehr als 2009. Für die nächs- ten Jahre kann deshalb mit weiter leicht wachsenden Absolventenkohor- ten gerechnet werden; wenngleich die Studierendenzahl insgesamt derzeit noch unter dem Niveau bis Mitte der 1990-er Jahre liegt. Im Studienjahr

2010 waren insgesamt 12.600 Studie- rende im Studienbereich Geowissen- schaften (ohne Geografie) eingeschrie- ben.

34 eigene Berechnungen auf Basis der Hochschulstatistik des Statistischen Bundesamtes, siehe auch „Hinweise zu statistischen Angaben“

2.8 Informatik

Der Arbeitsmarkt für IT-Fachleute hat vom wirtschaftlichen Aufschwung 2011 kräftig profitiert. Die Zahl der Be- schäftigten stieg, die bereits geringe Arbeitslosigkeit ist weiter zurückge- gangen und die Nachfrage nach Fach- kräften deutlich gestiegen. Damit zeig- ten sich die durch die Wirtschaftskrise 2008/09 verursachten Eintrübungen mittlerweise mehr als überwunden. Im Bereich der hochqualifizierten IT-Spe- zialisten mehren sich sogar Anzeichen für zunehmende Schwierigkeiten von Unternehmen bei der Besetzung offe- ner Stellen. Dies dürfte zum Teil auf ei- ne geringere Zahl von Informatik-Stu- dierenden zurückzuführen sein, die in den letzten Jahren neu auf den Ar- beitsmarkt kamen. Denn viele der Ba- chelorabsolventen haben sich statt für den sofortigen Arbeitsmarkteinstieg für den Anschluss eines Masterstudi- ums entschieden und treten in der Re- gel erst nach zwei weiteren Jahren in das Berufsleben ein. Allerdings führten und führen die guten Berufsperspekti- ven ebenso wie doppelte Abiturjahr- gänge zu einem deutlichen Anwachsen der Erstsemesterzahlen. Diese dürften einen wesentlichen Beitrag leisten, um in den nächsten Jahren Fachkräfteeng- pässen entgegenzuwirken.

2.8.1 Sozialversicherungspflichtige Beschäftigung und Erwerbstätig- keit

Überdurchschnittliches Beschäfti- gungswachstum

Der Zuwachs an IT-Arbeitsplätzen setz- te sich auch 2011 fort (Abb. 39). Rund 551.300 Fachkräfte der Informations- technologie waren aktuell angestellt. Gut jede Dritte davon verfügte über einen Fachhochschul- bzw. Hochschul- abschluss. Gegenüber dem Vorjahr war ein überdurchschnittlicher Zu- wachs von 3,0 Prozent zu verzeichnen, bei Informatikexperten mit Fach- und Hochschulabschluss sogar um 3,8 Prozent.

Die Stagnationsphase bei der Beschäf- tigung von IT-Experten zwischen 2002 und 2005 nach dem Zusammenbruch der „New Economy“ ist inzwischen seit sechs Jahren passé. Seit 2005 steigen die Beschäftigtenzahlen konti- nuierlich an. Selbst im Krisenjahr 2009 gab es gegenüber dem Vorjahr ein Beschäftigungsplus, ein Trend der bis jetzt ungebrochen ist. Im Zehn-Jah- resvergleich waren 2011 gut 100.000 oder 22,6 Prozent mehr Informatiker sozialversicherungspflichtig in Deutschland beschäftigt. Bei akade- misch ausgebildeten IT-Fachkräften fiel das Plus mit 26,1 Prozent sogar noch etwas kräftiger aus.

IT-Fachleute zumeist männlich und durchschnittlich 40 Jahre alt IT-Fachkräfte sind, statistisch gese- hen, eine junge

IT-Fachleute zumeist männlich und durchschnittlich 40 Jahre alt

IT-Fachkräfte sind, statistisch gese- hen, eine junge Berufsgruppe. Die ty- pische IT-Fachkraft ist männlich und im Durchschnitt 40 Jahre alt. Zwar macht die demografische Entwicklung auch vor Informatikberufen nicht Halt:

War 2001 nur jeder 19. Beschäftigte mindestens 55 Jahre, war es 2011 be- reits jeder zehnte. Dennoch ist der An- teil der Älteren in den meisten ande- ren Berufen höher: Im Durchschnitt hatte 2011 jeder siebte Beschäftigte das 55. Lebensjahr vollendet, bei Phy- sikern und Chemikern sogar jeder sechste. Der demografiebedingte Er-

satzbedarf ist damit vergleichsweise geringer als bei anderen Berufsgrup- pen. Dennoch werden rechnerisch al- lein zum Ausgleich der Altersabgänge unter den sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in den nächsten 15 Jah- ren rund 110.000 qualifizierte Fach- kräfte benötigt.

Geringer Frauenanteil

Der Frauenanteil unter den Beschäftig- ten ist nach wie vor gering. Zwar ist die Zahl der weiblichen IT-Fachkräfte in den letzten zehn Jahren gestiegen (+9,0 Prozent). Da jedoch die Zuwäch- se an männlichen Kollegen höher aus- fielen, reduzierte sich der Frauenanteil

von gut 20 Prozent im Jahr 2001 auf 18 Prozent im Jahr 2011.

In allen Wirtschaftsbereichen vertreten

Etwas mehr als zwei Fünftel der Infor- matikfachkräfte sind in Firmen tätig, deren Schwerpunkt auf der Erbringung von Dienstleistungen der Informations- technik liegt (Abb. 40). Die weiteren Fachkräfte sind in IT-Abteilungen von Unternehmen anderer Wirtschafts- zweige angestellt. Hierzu zählen insbe- sondere Unternehmensberatungen und -verwaltungen (6 Prozent), der Großhandel (5 Prozent), Behörden und Ämter, Hersteller von IT-Produkten und der Maschinenbau (jeweils 3 Prozent).

Kleinere Beschäftigungsanteile von je- weils rund zwei Prozent finden sich zu- dem im Einzelhandel, im Verlagswe- sen, bei Autoherstellern, in Architek- tur- und Ingenieurbüros sowie im Bil- dungswesen. Es gibt wohl keinen Wirt- schaftszweig, der heutzutage ohne In- formatiker auskäme. So verteilen sich die weiteren IT-Beschäftigten zu klei- neren Anteilen auf alle Wirtschaftsfel- der in Deutschland.

Regionale Konzentration auf Dienstleis- tungszentren

Es verwundert nicht, dass sich der Hauptteil der IT-Arbeitsplätze in den Ballungszentren Deutschlands befin-

Es verwundert nicht, dass sich der Hauptteil der IT-Arbeitsplätze in den Ballungszentren Deutschlands befin- 86

det, allen voran München, Frankfurt, Hamburg und Berlin, in denen zusam- men ein Viertel der IT-Beschäftigten Deutschlands arbeiten (Abb. 41). Be- zogen auf die Einwohnerzahl gibt es außerdem viele IT-Fachkräfte in Hes- sen, Bremen und Süddeutschland.

Beschäftigungsgewinne in vielen Regio- nen

Im Vergleich zum Jahr 2005 gab es 2011 in Deutschland fast 76.000 so- zialversicherungspflichtige IT-Arbeits- plätze mehr. Das war ein Plus von 16,0 Prozent. Die größten Netto-Zuwächse an Arbeitsplätzen gab es dabei in den großen Beschäftigungszentren wie

auch in Nürnberg, Karlsruhe oder Köln. Prozentual hohe Zuwächse von mehr als zwei Drittel der in der Region be- schäftigten IT-Fachkräfte waren zudem in Montabaur, Ingolstadt, Halle/Saale und Ahlen festzustellen. Beschäfti- gungseinbußen von mehr als einhun- dert Arbeitsplätzen mussten dagegen in Saarbrücken, Eberswalde, Mön- chengladbach und Krefeld hingenom- men werden.

Rund 802.000 erwerbstätige IT-Fach- leute

Insgesamt wiesen die Hochrechnun- gen auf Basis des Mikrozensus 802.000 erwerbstätige Datenverarbei-

IT-Fach- leute Insgesamt wiesen die Hochrechnun- gen auf Basis des Mikrozensus 802.000 erwerbstätige Datenverarbei- 87

tungsfachleute, Softwareentwickler, DV-Organisatoren, Rechenzentrums- fachleute, DV-Benutzer-Service-Kräfte, DV-Beratungs- und Vertriebsfachleute und sonstige IT-Spezialisten aus. In dieser Zahl sind neben den sozialversi- cherungspflichtig Beschäftigten Selb- ständige, Beamte sowie geringfügig Beschäftigte enthalten. Daneben muss berücksichtigt werden, dass es sich um eine Hochrechnung auf Basis einer Ein-Prozent-Haushaltsstichprobe han- delt, die naturgemäß mit Unschärfen verbunden ist.

Auch eine selbständige Tätigkeit wird für viele IT-Fachleute zunehmend inter- essant. Waren 2008 noch 67.000 ihr eigener Chef, gingen 2010 83.000 ei- ner selbständigen Tätigkeit nach.

2.8.2 Entwicklung der Arbeitskräf- tenachfrage

Ansteigende Nachfrage nach qualifizier- ten Fachkräften

Die allgemeine Belebung auf dem Ar- beitsmarkt ließ die Beschäftigungs- chancen im IT-Bereich steigen. Von Oktober 2010 bis September 2011 gin- gen 31.700 Stellenmeldungen für IT- Fachleute bei den Agenturen für Arbeit ein, knapp ein Drittel mehr als im glei- chen Zeitraum zwölf Monate zuvor (Abb. 42). Der Nachfrageeinbruch

durch die Wirtschaftskrise 2008/09 war damit überwunden. Die aktuelle Nachfrage überstieg das Vorkrisenni- veau sogar um 14 Prozent. An Akade- miker richteten sich rund 13.300 der gemeldeten Arbeitsangebote. Hier war ein Zuwachs von 37 Prozent festzustel- len.

Wie bei den Daten der Bundesagentur für Arbeit stellt sich auch die Entwick- lung der Stelleninserate in Tages- und Wochenzeitungen eindeutig positiv dar. Der Adecco-Stellenindex, für den regelmäßig die Stelleninserate in 40 Printmedien ausgewertet werden, re- gistrierte einen kräftigen Aufwärts- trend bei Angeboten für IT-Spezialisten und IT-Ingenieuren.

Vergleichsweise wenig Befristungen

Vergleicht man die beabsichtigte Be- setzungsdauer der gemeldeten Ar- beitsstellen für Informatiker mit ande- ren naturwissenschaftlichen Berufen, fällt ein relativ geringer Anteil an Be- fristungen auf. So wurden 2011 rund 81 Prozent der gemeldeten Stellen für IT-Fachkräfte mit unbefristeten Ar- beitsverträgen angeboten. In den an- deren naturwissenschaftlichen Beru- fen lag der Anteil unbefristeter Stellen- angebote durchschnittlich bei 53 Pro- zent.

Mehr Stellen aus Maschinenbau und Metallbranche Die prozentual größten Zuwächse an gemeldeten Stellen für

Mehr Stellen aus Maschinenbau und Metallbranche

Die prozentual größten Zuwächse an gemeldeten Stellen für IT-Fachkräfte im Vergleich zum Vorjahr konnte die Bundesagentur für Arbeit vor allem im Maschinenbau und in der Herstellung von Metallerzeugnissen verzeichnen. Auch Unternehmensführungen und -verwaltungen sowie Hersteller von Datenverarbeitungsgeräten, elektri- schen und optischen Erzeugnissen meldeten im Vorjahresvergleich einen höheren Bedarf.

Der mit Abstand größte Anteil der bei der Bundesagentur für Arbeit 2011 neu

registrierten Stellen, wurde mit rund 30 Prozent von Unternehmen der IT- Branche gemeldet, die Experten für die Softwareentwicklung, die Erstel- lung und Programmierung von Inter- netseiten oder für Beratungsleistun- gen auf dem Gebiet der Informations- technologie suchten. Verzeichnet wur- den weiterhin jeweils vier Prozent der Stellenangebote von Unternehmens- beratungen, Call-Centern und der Öf- fentlichen Verwaltung. Der Bedarf von Arbeitgebern im Bildungswesen sowie im Groß- und im Außenhandel schlug mit jeweils drei Prozent zu Buche. Wei- terhin kamen 27 Prozent der Stellen- meldungen von Zeitarbeitsunterneh- men und privaten Arbeitsvermittlun-

gen, für die bezüglich der genauen Ein- satzgebiete der gesuchten IT-Fachkräf- te keine Angaben vorliegen.

Stellenbesetzungen dauern länger, teil- weise Engpässe

Der Bedarf an qualifizierten IT-Fach- kräften ist weiterhin ungebrochen, dies macht sich auch an einer steigen- den Vakanzzeit bemerkbar. Durch- schnittlich vergingen 2011 rund 80 Ta- ge vom geplanten Besetzungstermin bis zur Abmeldung einer gemeldeten Stelle; fünf Tage mehr als noch 2010. Verglichen mit den gemeldeten Stellen über alle Berufe, blieben Jobs für IT- Fachleute 20 Tage länger vakant (Abb.

43). Allerdings kann auf einen allge- meinen Fachkräftemangel im IT-Sektor allein aufgrund der längeren Vakanz- zeit nicht geschlossen werden. Stellt man den durchschnittlichen Bestand der gemeldeten Arbeitsstellen (8.600) der Anzahl der Arbeitslosen aus dem Fachbereich gegenüber (28.400) 35 , ist zu erkennen, dass der Arbeitsmarkt im IT-Sektor zahlenmäßig nicht ausgegli- chen ist. Selbst unter Berücksichti- gung dessen, dass nur ein Teil der in der gesamten Wirtschaft offenen Stel- len der Bundesagentur für Arbeit ge- meldet wird – nach der repräsentati- ven Erhebung des gesamtwirtschaftli-

35 jeweils 1.-3. Quartal 2011

ge- meldet wird – nach der repräsentati- ven Erhebung des gesamtwirtschaftli- 3 5 jeweils 1.-3. Quartal

chen Stellenangebots durch das Insti- tut für Arbeitsmarkt- und Berufsfor- schung lag die Meldequote im IV. Quartal 2011 bei 43 Prozent – ver- bleibt eine deutliche Diskrepanz zwi- schen Angebot und Nachfrage nach IT-Fachkräften. Ein Mangel an Informa- tikern ist aber durchaus in Bezug auf hochqualifizierte Experten mit Hoch- schulabschluss im Bereich der Softwa- reentwicklung und Programmierung auszumachen.

2.8.3 Entwicklung der Arbeitslosig- keit

Arbeitslosigkeit weiter rückläufig

Nachdem die Arbeitslosigkeit von IT- Fachleuten, in Folge der Wirtschaftkri- se, 2009 und 2010 angestiegen war, erreichte der wirtschaftliche Auf- schwung 2011 spürbar den Arbeits- markt. Die Zahl arbeitsloser IT-Fach- kräfte ging gegenüber dem Vorjahr um 16 Prozent zurück. Der krisenbedingte Anstieg war damit wieder vollständig ausgeglichen (Abb. 44). Mit durch- schnittlich rund 28.400 arbeitslosen IT-lern im Jahr 2011 wurde das Vorkri- senniveau von 2008 sogar um zwei

Mit durch- schnittlich rund 28.400 arbeitslosen IT-lern im Jahr 2011 wurde das Vorkri- senniveau von 2008

Prozent unterschritten.

Ein Rückblick auf die letzte Dekade lässt die Dynamik am IT-Markt erken- nen: Mit dem Zusammenbruch der „New Economy“ stieg die Arbeitslosig- keit nach der Jahrtausendwende stark an - bis auf fast 69.000 Arbeitslose im Jahr 2004. Seitdem konnte die Ar- beitslosigkeit – trotz stetig wachsen- der Absolventenkohorten – kontinuier- lich reduziert werden. Bis 2011 ist die Arbeitslosenzahl um gut 40.000 Per- sonen auf zwei Fünftel des damaligen Standes gesunken.

Knapp jeder vierte arbeitslose IT-Ex- perte verfügte über einen Fachhoch- schul- oder Hochschulabschluss. Verg- lichen mit ihrem Anteil an den sozial- versicherungspflichtig Beschäftigten (34 Prozent) waren IT-Experten mit akademischem Abschluss damit – er- wartungsgemäß – seltener von Ar- beitslosigkeit betroffen.

Geringste Arbeitslosenquote unter Na- turwissenschaftlern

Informatikfachkräfte sind seltener ar- beitslos als andere Berufsgruppen. Die Arbeitslosenquote, berechnet auf Ba- sis der sozialversicherungspflichtig Be- schäftigten 36 , betrug 2011 insgesamt 4,9 Prozent (Vorjahr 5,9 Prozent). Die vergleichbare Quote für alle Berufs- richtungen war mit 9,8 Prozent dop-

pelt so hoch. Noch niedriger lag die Quote für Informatiker mit Fach- und Hochschulabschluss. Sie ging inner- halb eines Jahres von 4,1 Prozent auf 3,3 Prozent zurück.

Langzeitarbeitslosigkeit bei Akademi- kern gestiegen

Von den arbeitslosen Informatikern mit akademischen Abschluss waren 2011 27 Prozent bereits seit einem Jahr oder länger ohne Arbeitsplatz. Im Vergleich zu Akademikern insgesamt, bei denen 25 Prozent langzeitarbeits- los waren, waren demnach in der In- formatik anteilig etwas mehr Men- schen betroffen. Vom wirtschaftlichen Aufschwung konnte dieser Personen- kreis nicht profitieren. Gegenüber dem Vorjahr stieg die Zahl langzeitarbeits- loser IT-Fachleute mit Fach- und Hoch- schulabschluss um drei Prozent an.

Im Gegensatz dazu konnte der Be- stand an langfristig arbeitslosen IT- Fachkräften ohne akademischen Ab- schluss von 2010 auf 2011 um sieben Prozent abgebaut werden. Allerdings lag der Anteil Langzeitarbeitsloser mit 33 Prozent noch deutlich höher, aber leicht unter dem vergleichbaren Anteil bei allen Arbeitslosen ohne akademi- schen Abschluss (35 Prozent).

36 vergleiche Fußnote 6 – Seite 11

Ältere überproportional arbeitslos

Ein Blick auf die Altersstruktur lässt die Schlussfolgerung zu, dass es ältere IT-Fachkräfte immer noch schwerer am Arbeitsmarkt haben. So waren 2011 27 Prozent der arbeitslosen IT-ler 50 Jahre oder älter. Unter den sozial- versicherungspflichtig Beschäftigten nimmt die Altersgruppe 50+ nur einen Anteil von 21 Prozent ein. Ziemlich ausgeglichen waren diese Anteile da- gegen bei den Jüngeren: Sowohl unter den Beschäftigten als auch unter den Arbeitslosen war rund jeder Dritte noch nicht 35 Jahre alt (34 bzw. 32 Prozent). Die besten Chancen hatten nach dieser Betrachtungsweise IT- Fachkräfte von 35 bis 49 Jahren, die sich bereits am Arbeitsmarkt durch Berufserfahrung in gefestigen Arbeits- verhältnissen etabliert haben. Sie wa- ren nur zu 41 Prozent unter den Ar- beitslosen vertreten; bei den Beschäf- tigten aber mit 45 Prozent.

2.8.4 Akademischer Nachwuchs in der Informatik

Mehr erfolgreiche Abschlüsse

Im Verlauf der letzten Dekade sind die Absolventenzahlen der Informatikstu- diengänge stetig gewachsen. Rund 18.900 Informatiker beendeten 2010 ihr Studium erfolgreich, ein Prozent

mehr als im Vorjahr und so viele wie noch nie (Abb. 45). Der Anteil der Ba- chelorabschlüsse liegt mittlerweile bei 45 Prozent. Die meisten Angehörigen dieser Prüfungsgruppe stehen jedoch aktuell noch nicht dem Arbeitsmarkt zur Verfügung, da sie weiterstudieren. Wie die aktuelle Absolventenbefra- gung des HIS ergab, schließen neun von zehn Unibachelors der Informatik noch eine akademische Qualifizierung an, bei Fachhochschulbachelors sind es mehr als drei Fünftel 37 . Lässt man die Bachelors deshalb bei der Betrach- tung der Absolventenkohorte unbe- rücksichtigt, gab es bei den examinier- ten Nachwuchsinformatikern in den letzten drei Jahren eine rückläufige Entwicklung und 2010 gegenüber dem Vorjahr sogar einen erheblichen Rück- gang von 17 Prozent.

Die Hochschularten sind relativ gleich- mäßig in der Informatik vertreten. Mit einem Anteil von 54 Prozent hatten ein paar mehr Studierende ihre Prüfung an Fachhochschulen als an Universitä- ten abgelegt. Knapp die Hälfte der Ab- solventen hatte allgemeine Informatik studiert und 29 Prozent sich auf Wirt- schaftsinformatik spezialisiert. Mit weitem Abstand folgte als drittstärks- tes Studienfach die Medieninformatik. Der Frauenanteil lag insgesamt bei

37 Quelle: Stifterverband für die deutsche Wissenschaft „Mit dem Bachelor in den Beruf“, 2011

niedrigen 15 Prozent. Wesentlich stär- ker sind Informatikerinnen in den Stu- dienfächern Medizinische Informatik,

niedrigen 15 Prozent. Wesentlich stär- ker sind Informatikerinnen in den Stu- dienfächern Medizinische Informatik, Bioinformatik und Medieninformatik vertreten.

Der Promotion kommt in der Informa- tik eine eher untergeordnete Bedeu- tung zu. Die Promotionsintensität 38 – errechnet als Anteil der Promotionen im Jahr 2010 an den universitären Di- plom- und Masterabschlüssen des Jah- res 2006 - lag bei rund 13 Prozent.

Rund 2.200 Männer und Frauen, also rund jeder neunte Absolvent, schloss 2010 das Informatikstudium mit dem Master ab. Sie waren im Durchschnitt

28 Jahre alt und damit ebenso alt wie Absolventen mit universitärem Di- plomabschluss. Mit fast 15 Gesamtse- mestern verbrachten Letztgenannte mehr Zeit an der Universität als ihre Kommilitonen naturwissenschaftlicher Fachrichtungen.

Studienwähler/innen zeigen großes In- teresse an Informatikstudiengängen

Die Entwicklung der Studienanfänger- zahlen ist eng verknüpft mit der wirt- schaftlichen Entwicklung der Branche.

38 eigene Berechnungen auf Basis der Hochschulstatistik des Statistischen Bundesamtes, siehe auch „Hinweise zu statistischen Angaben“

Zur Zeit des IT-Booms um die Jahrtau- sendwende war das Interesse an Infor- matikstudiengängen deutlich angestie- gen. Nach dem Platzen der „dot-com- Blase“ entschieden sich ab 2001 Jahr für Jahr weniger junge Menschen für ein Studium der Informatik. Seit 2007 ist dieser Trend gestoppt. Nach vorläu- figen Angaben des Statistischen Bun- desamts immatrikulierten sich im Stu- dienjahr 2011 mit 48.000 Studieren- den rund 18 Prozent mehr als im Vor- jahr 39 . Der Anstieg ist zum wesentli- chen Teil auf die doppelten Abiturjahr- gänge in Bayern und Niedersachsen sowie auf die Aussetzung der Wehr- pflicht zurückzuführen. Nichtsdesto- trotz werden die gestiegenen Erstse- mesterzahlen in den nächsten Jahren zu einem kräftigen Zuwachs des Fach- kräftepotenzials beitragen. Auch der Anteil der Informatikerinnen hat in den letzten Jahren zugenommen. 2011 lag er bei 20 Prozent.

39 Quelle: Statistisches Bundesamt. Für den Studienbe- reich Informatik liegen bereits Angaben für das Studienjahr 2011 vor, allerdings nur einschl. Lehramtsstudierenden. Die Anteile sind jedoch geringfügig (ein Prozent im Jahr

2010).

Hinweise zu statistischen Angaben

Für die Analyse der Arbeitsmarktsitua- tion wurden folgende Quellen einbezo- gen:

Statistik der Bundesagentur für Ar- beit (BA): Beschäftigtenstatistik, Ar- beitslosenstatistik, Statistik der bei der BA gemeldeten Arbeitsstellen

Institut für Arbeitsmarkt- und Be- rufsforschung (IAB): Erhebung zum gesamtwirtschaftlichen Stellenange- bot

Statistisches Bundesamt: Erwerbs- tätigenstatistik (Mikrozensus), Hoch- schulstatistik (Angaben zu Studien- anfängern in einzelnen Fachrichtun- gen beziehen sich dabei auf Studie- rende im 1. Fachsemester. Das Stu- dienjahr umfasst das jeweilige Som- mersemester und das darauffolgen- de Wintersemester. Angaben zu Ab- solventen resultieren aus der Prü- fungsstatistik, wobei jeweils Lehr- amtsstudiengänge bei der Betrach- tung außen vor blieben. Das jeweili- ge Prüfungsjahr beinhaltet das Som- mersemester und das vorangehende Wintersemester.) Als Promotionsin- tensität / Promotionsquote wird der

Anteil der Promovierten an den Ab- solventen bezeichnet. Sie wird ge- schätzt als Relation der Promotionen zur Zahl der vier Jahre zuvor erwor- benen universitären Abschlüsse (oh- ne Bachelor- und Lehramt).

Ergebnisse von Absolventenbefra- gungen: Stifterverband für die deut- sche Wissenschaft „Mit dem Bache- lor in den Beruf“, 2011 sowie HIS-Fo- rum Hochschule 17/2011 „Hoch- schulabschlüsse im Umbruch“, 2011

Analysen von Stellenmärkten, z. B. Adecco, JOBBÖRSE der Bundes- agentur für Arbeit

Erfahrungen aus den Beratungs- und Vermittlungsteams der Bundesagen- tur für Arbeit

Statistiken und Beobachtungen von berufsständischen Organisationen, Verbänden, Forschungsinstituten und den Tarifparteien

Bei den Daten der Statistik der Bun- desagentur für Arbeit sind einige Be- sonderheiten zu beachten:

Die Angaben zu Arbeitslosen beinhal- ten auch Daten der zugelassenen kom-

munalen Träger („Optionskommu- nen“). Außer für die Jahre 2005 und 2006, für die keine Angaben zu Ar- beitslosen nach Berufen von Seite der zugelassenen kommunalen Träger vor- liegen, bilden die Angaben die regis- trierte Arbeitslosigkeit vollständig ab. Aufgrund veränderter Auswertungs- prozesse in der Statistik kann es aber zu Abweichungen zu früheren Veröf- fentlichungen kommen.

Allerdings ist weiterhin zu beachten, dass aufgrund von Datenverarbei- tungsproblemen in den Statistiken für Arbeitslose und Arbeitsuchende nach dem Zielberuf von Dezember 2005 bis Juli 2008 nicht alle Veränderungen in den Hauptberufswünschen berück- sichtigt wurden. Angaben zu Arbeitslo- sen/ Arbeitsuchenden für diese Zeiträume und entsprechende Verän- derungsraten in dieser Broschüre sind daher im Sinne von Trendaussagen bzw. Schätzungen zu verstehen.

Seit Juli 2010 umfasst die Statistik der gemeldeten Arbeitsstellen nicht mehr die geförderten Stellen des soge- nannten zweiten Arbeitsmarktes wie insbesondere Arbeitsgelegenheiten. Damit wird eine verbesserte Abbildung des Marktgeschehens möglich. Durch die Umstellung liegt die neue Zahl der gemeldeten Arbeitsstellen niedriger als die frühere Gesamtzahl. Dies ist bei Vergleichen mit alten Veröffentli-

chungen zu berücksichtigen. Die neu abgegrenzten Daten stehen jedoch rückwirkend bis Januar 2000 zur Ver- fügung, so dass verzerrungsfreie Zeit- vergleiche möglich sind.

Die Berufsaggregate in dieser Ar- beitsmarktanalyse basieren auf der Klassifikation der Berufe aus dem Jah- re 1988. Lediglich bei Daten des Sta- tistischen Bundesamtes zur Erwerbs- tätigkeit oder Selbständigkeit ist die Klassifikation der Berufe 1992 Grund- lage. Um eine bessere Lesbarkeit des Textes zu gewährleisten, sind die Be- rufsbezeichnungen teilweise gegen- über den offiziellen Benennungen in der Klassifikation verkürzt benannt.

Im Einzelnen wurden für Daten zu Be- schäftigten, Arbeitslosen und gemel- deten Arbeitsstellen die in der folgen- den Tabelle dargestellten Abgrenzun- gen zu Grunde gelegt. Bei Angaben zu Beschäftigten handelt es sich dabei immer um die gesamte Berufsord- nung, da differenziertere Angaben der- zeit noch nicht vorliegen.

Zu den verwendeten Zeiträumen: Daten zur sozialversicherungspflichti- gen Beschäftigung beziehen sich in dieser

Zu den verwendeten Zeiträumen:

Daten zur sozialversicherungspflichti- gen Beschäftigung beziehen sich in dieser Broschüre jeweils auf den Stich- tag 31. März des angegeben Jahres. Bei Jahresangaben von Arbeitslosen- beständen wird jeweils auf den Durch- schnittsbestand von Januar bis Sep- tember des jeweiligen Jahres zurück- gegriffen. Hinsichtlich der gemeldeten Arbeitsstellen werden jeweils die Zu- gänge von Oktober des Vorjahres bis September des angegebenen Jahres betrachtet. Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird im Text in der Regel nur das jeweilige Jahr benannt.

Grundsätzlich sind alle Angaben auf ein Vielfaches von einhundert gerun- det; bei Arbeitslosen und gemeldeten Stellen für Mathematiker sowie den gemeldeten Stellen für Chemiker, Phy- siker, Geografen und Geowissen- schaftler sowie bei Promotionsprüfun- gen wegen der kleinen Größenordnun- gen auf ein Vielfaches von zehn.

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Herausgeber Bundesagentur für Arbeit Arbeitsmarktberichterstattung März 2012

Diese Broschüre kann über www.ba-bestellservice.de bezogen werden.