Sie sind auf Seite 1von 30

Der Begriff der Rechtsfähigkeit

Author(s): Matthias Lehmann


Source: Archiv für die civilistische Praxis, 207. Bd., H. 2 (April 2007), pp. 225-255
Published by: Mohr Siebeck GmbH & Co. KG
Stable URL: http://www.jstor.org/stable/40996147
Accessed: 18/06/2014 06:12

Your use of the JSTOR archive indicates your acceptance of the Terms & Conditions of Use, available at
http://www.jstor.org/page/info/about/policies/terms.jsp

JSTOR is a not-for-profit service that helps scholars, researchers, and students discover, use, and build upon a wide range of
content in a trusted digital archive. We use information technology and tools to increase productivity and facilitate new forms of
scholarship. For more information about JSTOR, please contact support@jstor.org.

Mohr Siebeck GmbH & Co. KG is collaborating with JSTOR to digitize, preserve and extend access to Archiv
für die civilistische Praxis.

|5
STÖR
http://www.jstor.org

This content downloaded from 62.122.79.78 on Wed, 18 Jun 2014 06:12:14 AM


All use subject to JSTOR Terms and Conditions
Der Begriff der Rechtsfähigkeit
von Dr. Matthias Lehmann, Bayreuth

Inhaltsübersicht

1. Rechtsfähigkeit und Handlungsfähigkeit ....................................................................................... 226


2. Notwendigkeit der Zuerkennung der Rechtsfähigkeit ............................................................. 227
a) Bei natürlichen Personen ......................................................................................................... 227
h) Bei Personenmehrheiten ........................................................................................................... 229
c) Einführung neuer Rechtssuhjekte durch Rechtsforthildung ......................................................... 231
3. Umfang der Rechtsfähigkeit ......................................................................................................... 233
a) Beschränkungen der Rechtsfähigkeit natürlicher Personen ......................................................... 234
h) Beschränkungen der Rechtsfähigkeit von Personenmehrheiten .................................................... 236
4. Gesamtrechtsfähigkeit und Einzelrechtsfähigkeit ......................................................................... 239
5. Rechtsfähigkeit und Rechtspersönlichkeit ..................................................................................... 240
a) Verbände mit und ohne Rechtspersönlichkeit ........................................................................... 240
h) Nähere Bestimmung des Begriffs der Rechtspersönlichkeit ......................................................... 242
c) Sinn der Unterscheidung zwischen Verbänden
mit und ohne Rechtspersönlichkeit ........................................................................................ 245
6. Rechtsfähigkeit und Publizität des Rechtssuhjekts ......................................................................... 247
7. Rechtsfähigkeit und Vermögen ..................................................................................................... 249
8. Gespaltene Rechts- und Pflichtenfähigkeit ..................................................................................... 251
9. Transnationale Rechtsfähigkeit .................................................................................................... 252
10. Zusammenfassung ..................................................................................................................... 255

Die jüngere Rechtsprechung, welche der Gesellschaft bürgerlichen Rechts und der
Wohnungseigentümergemeinschaft beschränkte Rechtsfähigkeit zusprichti, der
Erbengemeinschaft jedoch nichtii, sorgt für Irritationen. In der Literatur ist in diesem
Zusammenhang eine „Begriffsverwirrung" beklagt worden. iii Dies ist umso
erstaunlicher, als es sich bei der Rechtsfähigkeit um einen grundlegenden Terminus des
Zivilrechts handelt. Ziel dieses Artikels ist, den Begriff konsistent im Hinblick sowohl
auf natürliche und juristische Personen als auch auf Personengesellschaften zu klären.
Dabei ist zu beachten, dass es sich um einen Grundbegriff nicht nur der deutschen,
sondern einer je-

This content downloaded from 62.122.79.78 on Wed, 18 Jun 2014 06:12:14 AM


All use subject to JSTOR Terms and Conditions
226 Matthias Lehmann AcP
den Rechtsordnung handelt. Das macht es notwendig, auch rechtstheoretische und
rechtsvergleichende Aspekte einzubeziehen.

1. Rechtsfähigkeit und Handlungsfähigkeit

Das Bürgerliche Gesetzbuch hat den Begriff der Rechtsfähigkeit ursprünglich nicht
definiert, sondern vorausgesetzt. In seiner Eingangsvorschrift bestimmt es lapidar, dass
die Rechtsfähigkeit des Menschen mit der Vollendung der Geburt beginnt. iv Die
herrschende Meinung versteht von jeher unter der Rechtsfähigkeit - in teilweiser
Tautologie - die Fähigkeit, Träger von Rechten und Pflichten zu sein v. Rechtsfähigkeit
wird auch definiert als die Möglichkeit, „Subjekt von Rechtsverhältnissen“ zu seinvi,
oder als die „Fähigkeit, Zurechnungsendpunkt von Rechtsbeziehungen zu sein“vii. Ein
sachlicher Unterschied zur üblichen Definition besteht insoweit nicht.
Dagegen sehen andere in der Rechtsfähigkeit die Fähigkeit, sich rechtserheblich zu
verhalten.viii Sie wollen den Begriff näher an tatsächliche Gegebenheiten anbinden.
Damit verwischen sie jedoch die Grenze zu einem anderen Terminus: der
„Handlungsfähigkeit“ix. Letztere bezeichnet die Fähigkeit, durch eigene Handlungen
Rechtswirkungen hervorzubringen.x Obwohl das BGB den Ausdruck
„Handlungsfähigkeit“ nirgends benutzt, kennt es zwei ihrer Ausprägungen: die
Geschäfts- und die Deliktsfähigkeit. Diese sind nach deutschem Recht von der
Rechtsfähigkeit zu unterscheiden. So ist der Mensch vor Vollendung des siebten
Lebensjahrs zwar rechtsfähig, aber nicht geschäftsoder deliktsfähig.xi Die
Unterscheidung zwischen Rechts- und Handlungsfähigkeit findet sich auch in anderen
Rechtsordnungen. So trennt etwa die französische Lehre die „capacite de jouissance“
von der „capacite d’exercice“.xii Das spanische Recht differenziert zwischen der
„capacidad jurfdica“ und der „capacidad de obrar“. xiii Das schweizerische
Zivilgesetzbuch kennt ebenfalls die Unterscheidung zwischen Rechts- und
Handlungsfähigkeit.xiv
Mittlerweile hat auch der deutsche Gesetzgeber zur Rechtsfähigkeit Stellung
genommen, und zwar an versteckter Stelle. Der im Jahr 2000 eingefügte § 14 Abs. 2
BGB definiert im Zusammenhang mit dem Unternehmerbegriff die „rechtsfähige
Personengesellschaft“ und klärt in diesem Zusammenhang den Begriff der
Rechtsfähigkeit. Aus der Regelung geht hervor, dass es sich um die Fähigkeit handelt,
Rechte zu erwerben und Verbindlichkeiten einzugehen. Uber den Umweg des
Verbraucherrechts und des Rechts der Personengesellschaften ist daher erstmals der
Begriff der Rechtsfähigkeit in Deutschland legaldefiniert worden. Die vom
Gesetzgeber gewählte Definition stimmt mit der herrschenden Meinung und mit der
im Ausland vorherrschenden Begriff- lichkeit überein.

2. Notwendigkeit der Zuerkennung der Rechtsfähigkeit

This content downloaded from 62.122.79.78 on Wed, 18 Jun 2014 06:12:14 AM


All use subject to JSTOR Terms and Conditions
207 (2007) Der Begriff der Rechtsfähigkeit 227
a) Bei natürlichen Personen

Rechtsfähigkeit versteht sich nicht von selbst, sondern muss von der Rechts-
ordnung zuerkannt werden. Das gilt entgegen anderer Meinung xv auch bezüglich
natürlicher Personen.xvi Die Notwendigkeit der Zuerkennung der Rechtsfähigkeit an
den Menschen lässt sich mittelbar aus internationalen Abkommen schließen. So
bestimmt die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte in ihrem Artikel 6: „Jeder hat
das Recht, überall als rechtsfähig anerkannt zu werden.“xvii Eine wortgleiche Vorschrift
findet sich in Artikel 16 des Internationalen Paktes über bürgerliche und politische
Rechte.xviii Dieser Bestimmungen bedurfte es nicht, wenn Menschen immer und überall
rechtsfähig wären. Genau dies ist aber nicht der Fall. So wurden Sklaven im römischen
ius civile nicht als rechtsfähig anerkannt.xix Später gab es den sogenannten
„Klostertod“: mit der Aufnahme als Mönch oder Nonne erloschen alle bürgerlichen
Rechte.xx Bis Mitte des 19. Jahrhunderts wurden zum Tod oder zu lebenslanger Haft
Verurteilte in Frankreich als „juristisch tot“ angesehen. xxi Im chilenischen Zi-
vilgesetzbuch klafft noch heute eine Lücke an der Stelle, an der der „muerte civil“
geregelt war.xxii
Der bürgerlicheTod lebender Menschen widerspricht in grobem Maße dem
Gerechtigkeitsempfinden. Bereits Savigny äußerte, der einzelne Mensch trage seinen
Anspruch auf Rechtsfähigkeit „schon in seiner leiblichen Erscheinung“ mit sichxxiii.
Jedoch war er vorsichtig genug, nur von einem „Anspruch“ auf Rechtsfähigkeit zu
reden, nicht von der Rechtsfähigkeit selbst. Denn diese kommt einer Person nicht
schon aufgrund ihres Äußeren zu. Eine solche Auffassung würde den Unterschied
zwischen dem tatsächlichen Sein und dem Recht als einer nur gedachten Ordnung
verkennen. Was Savigny meinte, war, dass das Recht jeden Menschen als rechtsfähig
anerkennen müsse. Diese Idee ist von naturrechtlichen Vorstellungen beeinflusst. Sie
gehen vor allem auf Samuel Pufendorf zurück, welcher aus der Menschenwürde die
naturrechtliche Gleichheit und Freiheit aller Menschen folgerte.xxiv
Aus der Menschenwürde wird heute abgeleitet, dass der Einzelne stets rechtsfähig
sei. Das gelte unabhängig davon, ob es im Gesetz vorgesehen sei oder nicht. xxv Dem
ist jedoch zu widersprechen. Jede Rechtsordnung legt selbst fest, welches ihre Subjekte
sind. Im Völkerrecht ist beispielsweise immer noch umstritten, ob das einzelne
Individuum völkerrechtliche Rechte und Pflichten haben kann. xxvi Das hängt mit den
besonderen Zwecken der internationalen Rechtsordnung zusammen. Hinsichtlich der
nationalen Rechte würde es aus heutiger Sicht einen eklatanten Verstoß gegen die
Menschenwürde darstellen, wenn diese einen lebenden Menschen nicht als
Rechtssubjekt anerkennen würde. Doch kann nicht bezweifelt werden, dass sie die
Macht dazu hat.xxvii Die Versuche im Dritten Reich, die Rechtsfähigkeit nach § 1 BGB
auf sogenannte Volksgenossen zu beschränken, sollten in dieser Hinsicht als Mahnung
dienen.xxviii Gerade weil die Rechtsordnung ihre Rechtssubjekte selbst definiert, ist
Wachsamkeit gegenüber Bestimmungen zur Rechtsfähigkeit geboten.
Einen gewissen Spielraum wird man dem Gesetzgeber auch hinsichtlich natürlicher

This content downloaded from 62.122.79.78 on Wed, 18 Jun 2014 06:12:14 AM


All use subject to JSTOR Terms and Conditions
228 Matthias Lehmann AcP
Personen nicht absprechen können. So ist es der Festlegung durch das nationale Recht
überlassen, ab und bis zu welchem Zeitpunkt es einer Person Rechtssubjektivität
zukommen lässt.xxix Es kann nicht Medizinern oder Biologen erlaubt werden, den
Beginn und das Ende der Rechtsfähigkeit zu bestimmen. Andernfalls würde man in
heillose Abgrenzungsschwierigkeiten geraten. Insoweit kommen genuin juristische
Erwägungen wie das Bedürfnis nach Rechtssicherheit zum Tragen. xxx
Auch dann also, wenn man zustimmt, dass die Anerkennung aller Menschen als
rechtsfähig einem naturrechtlichen Prinzip entspricht, kann die Rechtsfähigkeit der
Person innerhalb der positiven Rechtsordnung nur durch letztere zuerkannt werden.xxxi
Die Rechtsfähigkeit ist Eigenschaft unter dem Recht, nicht nach der Natur.

b) Bei Personenmehrheiten
Noch deutlicher als bei natürlichen Personen ist die Notwendigkeit der Zu-
erkennung der Rechtsfähigkeit durch die Rechtsordnung bei juristischen Personen und
Gesellschaften. Keine Personenmehrheit ist ohne weiteres rechtsfähig. Hier fehlt es
schon an einem äußerlich eindeutig bestimmbaren Subjekt.
So wäre es unmöglich, die oben zitierten Vorschriften der Allgemeinen Men-
schenrechtserklärung und des Internationalen Paktes über bürgerliche und politische
Rechte auch auf Gesellschaften zu beziehen. Bei ihnen fehlt die physische Grundlage,
an die das Recht anknüpfen könnte. Daher müsste zunächst definiert werden, was unter
einer Gesellschaft verstanden wird. Dazu bedarf es aber sehr eingehender Regelungen
im positiven Recht. Insoweit besteht ein grundlegender Unterschied zwischen
Einzelpersonen und Personenmehrheiten, der Savigny dazu bewogen haben mag, davon
zu sprechen, nur dem Individuum käme „natürliche Rechtsfähigkeit“ zu.xxxii
Sieht man in der Rechtsfähigkeit eine natürliche und keine rechtliche Eigenschaft,
so ist es in der Tat nur konsequent, ausschließlich Menschen für rechtsfähig zu halten.
Zu dieser Schlussfolgerung waren allerdings bisher nur wenige Autoren bereit. Zu
ihnen gehört zum Beispiel Ernst Wolf, der die Rechtsfähigkeit juristischer Personen
sowie deren Existenz überhaupt leugnete.xxxiii Ulrich v. Lübtow behauptet ebenfalls, nur
Menschen könnten Rechtsträger sein.xxxiv Diese Äußerungen zeigen, zu welch absurden
Folgerungen die Idee einer biologisch begründeten „natürlichen“ Rechtsfähigkeit führt.
Die Existenz von Rechtssubjekten, die dem Recht seit Jahrhunderten bekannt sind,
müsste entgegen den Rechtstatsachen abgelehnt werden.
Aber gibt es solche „Rechtstatsachen“ überhaupt? Savigny hatte dies geleugnet und
die juristische Person zum „idealen Subjekt“ degradiert.xxxv Dagegen hat Otto von Gierke
den Versuch unternommen, die Existenz des Verbandes als realer Gesamtperson
nachzuweisen.xxxvi Obwohl die Debatte eines gewissen theoretischen Reizes nicht
entbehrt, ist sie hier nicht weiterzuverfolgen, denn sie wirkt sich auf die Rechtsfähigkeit
nicht aus. Auch von Gierke war bewusst, dass dem Recht und ihm allein die
Entscheidung darüber gebührt, „ob ein irgendwie beschaffenes Etwas die Eigenschaft

This content downloaded from 62.122.79.78 on Wed, 18 Jun 2014 06:12:14 AM


All use subject to JSTOR Terms and Conditions
207 (2007) Der Begriff der Rechtsfähigkeit 229
eines Rechtssubjekts hat oder nicht“xxxvii. Weitergehend wird man sagen müssen, dass
das Recht auch ein tatsächlich nicht existentes „Etwas“ kreieren kann, wie das Beispiel
der Stiftung zeigt. Umgekehrt bedarf es selbst dann, wenn die Rechtsfähigkeit an eine
außerrechtliche Realität anknüpft, zu deren Anerkennung eines besonderen
Rechtssatzes. So werden einige Personenmehrheiten, obwohl ihre Realität greifbar
scheint, auch heute noch als nicht rechtsfähig angesehen, zum Beispiel die
Erbengemeinschaft oder die Europäische Union.
Rechtsfähigkeit kann einem Verband auf verschiedene Arten gewährt werden. Sie
kann durch besondere Konzession im Einzelfall (Konzessionssystem), durch Erlaubnis
im Falle der Einhaltung bestimmter gesetzlicher Anforderungen (System der
Normativbestimmungen) oder ohne hoheitliche Kontrolle erteilt werden. xxxviii
Gleichgültig, welches System vom Gesetzgeber gewählt wird, die Rechtsfähigkeit muss
sich immer aus der Rechtsordnung selbst ergeben.

c) Einführung neuer Rechtssubjekte durch Rechtsfortbildung


Da nur die Rechtsordnung Rechtsfähigkeit verleihen kann, muss sie sich stets auf
einen Rechtssatz zurückführen lassen. Man sollte diesen Punkt nicht gering schätzen.
Er bedeutet, dass die Rechtsfähigkeit eines Verbandes nicht auf Gründe außerhalb des
positiven Rechts gestützt werden kann. Zwar hat die französische Cour de cassation in
einem berühmten Urteil gemeint, die Eigenschaft als Person des Zivilrechts sei keine
Schöpfung des Rechts, sondern komme grundsätzlich jeder Gemeinschaft zu, die zu
kollektivem Ausdruck fähig sei und erlaubten Interessen diene. xxxix Jedoch hat sie sich
im selben Urteil darauf berufen, dass die von ihr als Rechtssubjekt anerkannte
Einrichtung der betrieblichen Mitbestimmung durch Gesetz geschaffen sei. xl Ohne
Anhaltspunkt in der Rechtsordnung lassen sich neue Rechtssubjekte nicht einführen.
Ablehnen muss man daher den Versuch, die Anerkennung der Gesellschaft
bürgerlichen Rechts (GbR) als rechtsfähiges Subjekt allein mit der „Sachgerechtigkeit“
dieser Lösung zu begründen.xli Ebenso wenig taugt als Argument für die
Rechtsfähigkeit der unternehmenstragenden GbR der von Karsten Schmidt geprägte Satz
„Jeder Unternehmensträger ist fähig, Träger von Rechten und Pflichten zu sein.“ xlii
Denn entweder handelt es sich hierbei um eine Beschreibung des positiven Rechts;
dann ist der Satz an den einzelnen Vorschriften der Rechtsordnung nachzuweisen und
damit als eigenständige Begründung letztlich überflüssig. Oder der Satz ist, wie es eher
den Anschein hat, als rechtspolitisches Prinzip gemeint, dann würde er besser lauten:
„Jeder Unternehmensträger sollte fähig sein, Träger von Rechten und Pflichten zu sein.“
Zur Rechtsfähigkeit bedürfte es daneben aber noch der Umsetzung dieses
rechtspolitischen Prinzips durch eine Norm des positiven Rechts.
Eine solche Norm stellt jedenfalls nicht § 14 BGB oder § 1059 a Abs. 2 BGB dar,
obwohl der Gesetzgeber dort von „rechtsfähigen Personengesellschaften“ spricht.
Ausweislich der Gesetzesbegründung hatte er damit nur die OHG und die KG im
Auge.xliii Die Rechtsfähigkeit der GbR folgt dagegen aus dem Urteil des

This content downloaded from 62.122.79.78 on Wed, 18 Jun 2014 06:12:14 AM


All use subject to JSTOR Terms and Conditions
230 Matthias Lehmann AcP
Bundesgerichtshofs vom 29. Januar 20 01.xliv Aufgrund der Entscheidung des BGH
vom 2. Juni 2005 ist die Wohnungseigentümergemeinschaft ebenfalls rechtsfähig.xlv
Die gesetzliche Grundlage beider Urteile ist zwar ausgesprochen dünn. Wortlaut,
Entstehungsgeschichte und Systematik von BGB und WEG sprechen dagegen, GbR
und Wohnungseigentümergemeinschaft zu Rechtssubjekten zu erheben. Es scheint, als
habe sich das Gericht eher von Praktikabilitätserwägungen als vom Gesetz leiten lassen.
Daher gibt es gute Gründe, die Rechtsprechung hart zu kritisieren. xlvi Doch faktisch
sind die GbR und die Wohnungseigentümergemeinschaft seit den beiden Urteilen des
BGH rechts- und demzufolge gemäß § 501 ZPO auch parteifähig: Sie können Rechte
und Verbindlichkeiten haben, klagen und verklagt werden.
Den Irrungen und Wirrungen der Rechtsprechung zur Rechtsfähigkeit wohnt
insoweit eine gewisse faktische Kraft inne. Normativ gesehen kann man die
Rechtssubjektivität von GbR und Wohnungseigentümergemeinschaft nur aus einem
Rechtssatz erklären, und zwar einem solchen des Richterrechts.xlvii Auch wer aus
rechtstheoretischen Gründen Bedenken hat, Gerichtsurteile als Rechtsquelle
anzusehen, kommt am dictum des Bundesgerichtshofs nicht vorbei, wonach die
Rechtsfähigkeit eine „rechtstechnische Kategorie ist, die keiner ausdrücklichen
gesetzlichen Anordnung bedarf, sondern auch in der Form der Gesetzesauslegung
ermittelt werden kann“xlviii. Das Privileg der Gesetzesauslegung aber liegt bei der
Rechtsprechung.
Auch eine Fortbildung des Rechts entsprechend den Bedürfnissen des
Rechtsverkehrs wird man den Gerichten nicht verwehren können. Unzulässig wäre
dagegen die Anerkennung neuer Rechtssubjekte contra legem. Dafür, dass die
Rechtsprechung bei der GbR und bei der Wohungseigentümerge- meinschaft diese
Grenze überschritten hat, gibt es deutliche Hinweise.xlix Doch bleibt der Einwand ohne
Wirkung, solange nicht das Bundesverfassungsgericht oder der Gesetzgeber
korrigierend einschreiten. Die Rechtsprechung hat rein faktisch die Möglichkeit,
Gebilde als rechtsfähig anzuerkennen, selbst wenn dafür keine oder nur geringe
gesetzliche Anhaltspunkte bestehen. Allerdings wird die Einführung neuer
Rechtssubjekte ohne ausreichende Grundlage im Gesetz um den Preis von Friktionen
innerhalb der Rechtsordnung erkauft.l

3. Umfang der Rechtsfähigkeit

Nach der neueren Rechtsprechung zur GbR und zur Wohnungseigentü-


mergemeinschaft soll die Rechtsfähigkeit nicht allen Rechtssubjekten in gleichem
Umfang zustehen. In dem Urteil zur GbR spricht der Bundesgerichtshof von einer
„beschränkten Rechtssubjektivität“.li Der Wohnungseigentümergemeinschaft erkennt
er lediglich eine „Teilrechtsfähigkeit“ zu.lii Er knüpft damit an eine Lehre an, die eine
gegenständliche Beschränkung der Rechtsfähigkeit für möglich hält.liii
Herausragender Vertreter dieser Lehre ist Fabricius. Nach ihm ist die

This content downloaded from 62.122.79.78 on Wed, 18 Jun 2014 06:12:14 AM


All use subject to JSTOR Terms and Conditions
207 (2007) Der Begriff der Rechtsfähigkeit 231
Rechtsfähigkeit „relativ“ in dem Sinne, dass sie einer Person nicht absolut zusteht,
sondern nur in bestimmten Verhältnissen.liv Es lohnt sich, näher auf die Prämissen
Fabricius’ einzugehen, die aus dem Recht der natürlichen Personen stammen.

a) Beschränkungen der Rechtsfähigkeit natürlicher Personen


Fabricius vertritt die Auffassung, dass es eine gleiche Rechtsfähigkeit aller Menschen
nicht geben könne, auch nicht vor dem Hintergrund des verfassungsrechtlichen
Gleichheitssatzes. Natürliche Unterschiede rechtfertigten nicht nur eine
unterschiedliche Behandlung, sondern geböten diese sogar.lv Diese Auffassung ist nur
vor dem Hintergrund der von ihm vertretenen Vermischung zwischen der Fähigkeit zu
rechtserheblichem Handeln und der Rechtsubjektivität zu verstehen. lvi Fabricius knüpft
an die tatsächlich bestehenden Unterschiede zwischen Menschen an, insbesondere an
ihre unterschiedlichen Handlungsmöglichkeiten. So kann zum Beispiel ein Neugebore-
nes rein tatsächlich keine Ehe eingehen und kein Erwerbsgeschäft führen. Diese
Besonderheit muss Fabricius zufolge auch auf den Umfang der Rechtsfähigkeit
zurückwirken.
Die nach dieser Auffassung bestehenden Abstufungen zwischen der Rechts-
fähigkeit verschiedener natürlicher Personen bedeuten jedoch einen glatten Bruch mit
den Errungenschaften der französischen Revolution. Zu ihren Grundfesten gehört die
rechtliche Gleichheit aller Menschen.lvii Sie wird über die Zuerkennung der
Rechtsfähigkeit an alle Menschen, gleichgültig ihrer Abstammung, Herkunft oder
geistigen Fähigkeiten, gewährt. Die Anerkennung aller lebenden Menschen als
Rechtssubjekte ist die Voraussetzung jedes „bürgerlichen“ Rechtssystems, das diesen
Namen verdient. Selbstverständlich gibt es natürliche Unterschiede zwischen den
einzelnen Personen. Das Recht will sie hinsichtlich der Rechtsfähigkeit jedoch gerade
nicht zur Kenntnis zu nehmen.lviii Es verleiht jedem Menschen allein aufgrund seiner
Geburt Rechtssubjektivität. Von individuellen Beschaffenheiten abstrahiert es dagegen.

Fabricius bezeichnet die Rechtsfähigkeit nicht handlungsfähiger, unmündiger


Personen als „Fiktion“.lix Dem ist zuzustimmen. Man muss aber die Rechtsfähigkeit
allgemein als „Fiktion“ bezeichnen, weil sie nicht in der Realität existiert, sondern Werk
des menschlichen Geistes ist.lx Dies ist keine Besonderheit, sondern eine Eigenschaft,
die die Rechtsfähigkeit mit dem Recht insgesamt teilt. Recht ist keine Beschreibung der
Wirklichkeit, sondern normative Ordnung. Die Auffassung von der Teilrechtsfähigkeit
verwischt die Grenzen zwischen Normativität und Sein, indem sie aus gewissen tatsäch-
lichen Gegebenheiten Schlüsse auf die Rechtsfähigkeit zieht. Sie versucht, auf diese
Weise die klare Dichotomie zwischen Rechtsfähigkeit und Rechtsunfähigkeit zu
überwinden. Definiert man die Rechtsfähigkeit jedoch als die Fähigkeit, Träger von
Rechten und Pflichten zu sein, dann kann es ein „Dazwischen“ nicht geben. Entweder
man ist fähig, Rechte zu haben, oder man ist es nicht. Beide Aussagen verhalten sich
zueinander wie die Aussagen „a“ und „non-a“: tertium non datur.

This content downloaded from 62.122.79.78 on Wed, 18 Jun 2014 06:12:14 AM


All use subject to JSTOR Terms and Conditions
232 Matthias Lehmann AcP
Das scheint auch einigen Vertretern der Teilrechtsfähigkeit bewusst zu sein. Nur
so ist zu erklären, dass sie den Zusatz „Teil-“ in Klammern vor den Begriff der
Rechtsfähigkeit setzenlxi. In Wahrheit ist die „(Teil-)Rechtsfähigkeit“ jedoch bereits
volle Rechtsfähigkeit, denn besteht die Rechtsfähigkeit auch nur in einem Teil des
Rechts, dann ist damit zugleich gesagt, dass die Person als taugliches Subjekt der
Zuordnung von Rechten und Pflichten angesehen wird.
Den Kritikern ist zuzugeben, dass der so verstandene Begriff der Rechtsfähigkeit
in gewisser Weise abstrakt und inhaltsleer ist.lxii Aus der Existenz eines einzigen
Rechtssatzes, der einem Subjekt Rechte oder Pflichten verleiht, kann bereits auf dessen
Rechtsfähigkeit geschlossen werden. Dennoch ist die Rechtsfähigkeit als Kategorie bei
diesem Verständnis nicht überflüssig. Es bleibt nämlich aus dogmatischer Sicht immer
noch eine Grundentscheidung des Rechts, ob es ein Gebilde als geeignetes Subjekt für
die Zuordnung von Rechten und Pflichten ansieht. Das zeigt sich insbesondere im
Hinblick auf Personenmehrheiten.

This content downloaded from 62.122.79.78 on Wed, 18 Jun 2014 06:12:14 AM


All use subject to JSTOR Terms and Conditions
233 Matthias Lehmann AcP

b) Beschränkungen der Rechtsfähigkeit von Personenmehrheiten


Nur durch den abstrakten Begriff der Rechtsfähigkeit ist es möglich, so
verschiedene Subjekte wie natürliche und juristische Personen unter einer einheitlichen
dogmatischen Kategorie zu vereinigen. Eine der wichtigsten Funktionen der
Rechtsfähigkeit liegt gerade in der Gleichstellung von Personen und
Personenverbindungen.lxiii Die Rechtsfähigkeit ist der Kulminationspunkt, in dem die
faktisch bestehenden Unterschiede zwischen Mensch und Verband rechtlich
aufgehoben sind. Deshalb müssen auch juristische Personen ohne Einschränkung als
rechtsfähig bezeichnet werden.
Der Gleichstellung zwischen natürlichen Personen und Personenmehrheiten
scheint auf den ersten Blick die ultra-vires-Lehre des anglo-amerika- nischen Rechts zu
widersprechen.lxiv In ihrer ursprünglichen Form drückte sie einen grundlegenden
Unterschied zwischen der Rechtsfähigkeit beider aus. Juristische Personen hätten, da
von Menschen künstlich kreiert, nur die Fähigkeit zu denjenigen Akten, zu denen sie
geschaffen wurden. Die Wurzeln dieser Vorstellung liegen im alten englischen
Konzessionssystems, nach dem die Gründung einer Gesellschaft der Genehmigung
durch die Krone bedurfte, die sie nur für ganz bestimmte Geschäftszwecke erteilte.
Sobald das Konzessionssystem weggefallen war, änderte sich die Funktion der ultra-
vires-Lehre: Sie wurde nunmehr dazu verwendet, die Mitglieder vor der Überschreitung
des Verbandszwecks durch die Organe zu schützen. Ihrem Kern nach betrifft sie damit
das Verhältnis zwischen Mitgliedern und Organen des Verbands. Die deutsche
Rechtsprechung hat dieses Verhältnis über die Figur der Vertretungsmacht geregelt.lxv
Dagegen sind die englische und die US-amerikanische Rechtsprechung den Weg über
die Einschränkung der „legal capacity“ der Gesellschaft gegangen. Rechtsgeschäfte, die
den Wirkungskreis der Gesellschaft überschreiten, sind unwirksam.
Die Geltung der ultra-vires-Lehre wird für das deutsche Zivilrecht allgemein
abgelehnt.lxvi Heute wird sie selbst im anglo-amerikanischen Rechtskreis als überholt
angesehen.lxvii Allerdings soll sie nach in Deutschland verbreiteter Ansicht für die
juristischen Personen des deutschen öffentlichen Rechts fortgelten.lxviii Dem ist jedoch
zu widersprechen. In der Entscheidung des Bundesgerichtshofs, die zum Beleg
angeführt wird, führt dieser aus, dass juristische Personen des öffentlichen Rechts „nur
innerhalb des durch ihre Zwecke und Aufgaben bestimmten, sachlich und räumlich
beschränkten Lebenskreises handeln“ könnten.lxix Die Frage, ob sie auch in ihrer
Rechtsfähigkeit beschränkt sind, hat er dagegen ausdrücklich dahingestellt sein lassen. lxx
Inhaltlich geht es hier nicht um eine Beschränkung der Rechts-, sondern der
Handlungsfähigkeit. Diese Einordnung entspricht der ultra-vires-Lehre aus deutscher
Sicht ohnehin am besten.lxxi
Aus theoretischer Sicht ist daher eine Differenzierung hinsichtlich der
Rechtsfähigkeit natürlicher und juristischer Personen nicht gerechtfertigt. Allerdings
bestehen zwischen diesen praktisch so viele Abweichungen, dass es ratsam erscheinen
könnte, hinsichtlich der Rechtsfähigkeit beider zu unterscheiden. So kann eine
juristische Person weder Ehegatte noch Erblasser sein. Das beeinträchtigt jedoch
richtig gesehen ihre Rechtsfähigkeit nicht. Denn sie ist trotzdem taugliches

This content downloaded from 62.122.79.78 on Wed, 18 Jun 2014 06:12:14 AM


All use subject to JSTOR Terms and Conditions
207 (2007) Der Begriff der Rechtsfähigkeit 234
Rechtssubjekt. Dass sie bestimmte Rechte nicht haben kann, liegt an den besonderen
Merkmalen, die diese Rechtssätze voraussetzen und die der Verband nicht erfüllt.lxxii
Deshalb zu sagen, die juristische Person sei im Gegensatz zu natürlichen Personen nur
„beschränkt“ rechtsfähig, ist schon sprachlich falsch. Denn die Rechtsfähigkeit
bezeichnet ein Potential, eine abstrakt-individuelle Möglichkeit einer Person oder eines
Verbandes. Wenn jemand überhaupt Rechte haben kann, dann folgt daraus, dass er
rechtsfähig ist, ohne dass es auf spezifische Rechte ankommt. So würde niemand von
einer eingeschränkten Rechtsfähigkeit natürlicher Personen reden, nur weil diese
gemäß § 7 Abs. 1 VAG kein Versicherungsunternehmenlxxiii oder gemäß § 2 a Abs. 1
KWG keine Bank betreiben dürfen.
Es verbleibt, dass die juristische Person für einen nicht unbeträchtlichen Teil der
Rechtsverhältnisse, an denen natürliche Personen beteiligt sein können, nicht in Frage
kommt.lxxiv Auch das rechtfertigt jedoch nicht die Rede von
der „beschränkten“ oder der „Teil-“Rechtsfähigkeit. Denn einerseits ist der Zusatz von
geringem Erkenntniswert. Die Bereiche, in denen die juristische Person keine Rechte
haben kann, werden gerade nicht benannt. Andererseits ist die Idee, dass juristische
Personen etwa im Familien- und Erbrecht als Rechtssubjekte ausscheiden, in dieser
Allgemeinheit falsch. So wurde beispielsweise entschieden, dass eine Stiftung eine
„nahestehende Person“ im Sinne des § 2270 Abs. 2 BGB sein kann.lxxv Es ist eben doch
der einzelne Rechtssatz auszulegen, um zu ermitteln, ob nicht auch eine juristische
Person berechtigt oder verpflichtet wird. Jegliche Pauschalierungen hinsichtlich ganzer
Rechtsgebiete verbieten sich.
Es hilft schließlich auch wenig, bestimmte Merkmale juristischer Personen
hervorzuheben, die von denen natürlicher Personen abweichen. Ein Beispiel dafür ist
Artikel 53 des Schweizer Zivilgesetzbuchs, der vorschreibt: „Die juristischen Personen
sind aller Rechte und Pflichten fähig, die nicht die natürlichen Eigenschaften des
Menschen, wie das Geschlecht, das Alter oder die Verwandtschaft zur notwendigen
Voraussetzung haben.“lxxvi Damit wird letztlich nur Selbstverständliches gesagt. Es
wird eben gerade keine Besonderheit der Rechtsfähigkeit juristischer Personen
ausgedrückt, sondern nur gewisser Rechtssätze, die an die natürlichen Eigenschaften
des Menschen anknüpfen.
Am meisten wurden die Begriffe „Teilrechtsfähigkeit“ oder „beschränkte
Rechtsfähigkeit“ bisher im Zusammenhang mit den Personengesellschaften
gebraucht.lxxvii Nunmehr hat sich jedoch auch der deutsche Gesetzgeber der Auf-
fassung angeschlossen, dass diese uneingeschränkt rechtsfähig sind. Denn anders ist
nicht zu erklären, dass er in §§ 14, 1059 a Abs. 2 BGB von „rechtsfähigen“
Personengesellschaften und nicht von „beschränkt rechtsfähigen“ oder
„teilrechtsfähigen“ Personengesellschaften spricht. Jeder Auffassung von einer nur
relativen Rechtsfähigkeit ist damit eine Absage erteilt. Auf Begriffe wie
Teilrechtsfähigkeit sollte daher künftig verzichtet werden.lxxviii Sie führen in die Irre.
Wer als „teil“rechtsfähig oder als „beschränkt“ rechtsfähig bezeichnet wird, ist in
Wahrheit rechtsfähig.

This content downloaded from 62.122.79.78 on Wed, 18 Jun 2014 06:12:14 AM


All use subject to JSTOR Terms and Conditions
207 (2007) Der Begriff der Rechtsfähigkeit 235

4. Gesamtrechtsfähigkeit und Einzelrechtsfähigkeit


Von Volker Beuthien stammt der Vorschlag, bezüglich der Gesellschaft bürgerlichen
Rechts von einer „Gesamtrechtsfähigkeit“ zu sprechenlxxix. Diese soll sich aus den
gesellschaftsrechtlich gebündelten Rechtsfähigkeiten der Personengesellschafter
ergeben.lxxx Den Gegensatz zur juristischen Person sieht Beuthien darin, dass die GbR
nicht wie diese einzelrechtsfähig sei, sondern nur „aus den in ihr gesamthänderisch
verknüpften Rechtsfähigkeiten ihrer Gesellschafter heraus gesamtrechtsfähig“. lxxxi
Der Vorschlag hat zum Ziel, das Gesamthandskonzept des BGB zu bewahren,
gleichzeitig aber dem offenbar als dringend empfundenen Bedürfnis nach der
Rechtsfähigkeit der GbR zu entsprechen. Ist die Rechtsfähigkeit jedoch, wie oben
beschrieben, die Fähigkeit, Träger von Rechten und Pflichten zu sein, so stellt sich die
Frage in ganz einfacher Form: Ist die GbR das Zuordnungssubjekt der Rechte und
Pflichten, oder sind es ihre Gesellschafter? Dabei hilft es nicht weiter, davon zu
sprechen, die GbR sei aus den gebündelten Rechtsfähigkeiten der Gesellschafter heraus
„gesamtrechtsfähig“. Dies trägt ebenso zur Begriffsverwirrung bei wie der Ausdruck
„Teilrechtsfähigkeit“. Es handelt sich bei der „Gesamtrechtsfähigkeit“ nicht etwa um
eine besondere Form der Rechtsfähigkeit. Vielmehr soll ausgedrückt werden, dass die
GbR nicht selbst das Zuordnungssubjekt der Rechte und Pflichten ist, sondern die in
ihr verbundenen Gesellschafter.
Rein äußerlich ähnelt die Auffassung Beuthiens dem Bild von der Gesamthand als
„Gruppe“, das Werner Flume geprägt hat.lxxxii Doch wäre es ein grundsätzlicher Irrtum,
beide miteinander zu vermengen. Flume ging es darum, die Rechtsfähigkeit der
Gesellschaft bürgerlichen Rechts selbst zu behaupten, die er zu diesem Zweck mit den
Gesellschaftern in ihrer gesamthänderischen Verbundenheit, eben als „Gruppe“,
identifizierte. Beuthiens „Gesamtrechtsfähigkeit“ ist hingegen keine Rechtsfähigkeit der
GbR, sondern das Ergebnis der Summierung der Rechte und Pflichten der
rechtsfähigen Personengesellschafter. Mit anderen Worten: Bei Flume steht der
Gedanke der Gruppe als Einheit im Vordergrund, bei Beuthien dagegen liegt die
Betonung auf der Vielheit der Gesellschafter. Mit beiden Begriffen, der Gesamthand
als Gruppe und der Gesamtrechtsfähigkeit, wird versucht, die theoretisch scharf
gezogene Grenze zwischen Rechts- und Nichtrechtsfähigkeit zu überwinden. Um die
Verwirrung nicht noch größer werden zu lassen, sollte man aufhören, neue Begriffe in
die Debatte zu werfen. Es gibt nur eine Rechtsfähigkeit, und diese ist weder teilbar
noch summierbar.

5. Rechtsfähigkeit und Rechtspersönlichkeit

a) Verbände mit und ohne Rechtspersönlichkeit

Durch die Rechtsprechung ist geklärt, dass Personengesellschaften nunmehr


rechtsfähig sind. Das lässt jedoch ihre Abgrenzung zu den juristischen Personen
fraglich werden. Denn herausragendes Kennzeichen einer juristischen Person ist es, als

This content downloaded from 62.122.79.78 on Wed, 18 Jun 2014 06:12:14 AM


All use subject to JSTOR Terms and Conditions
236 Matthias Lehmann AcP
Subjekt gegenüber ihren Mitgliedern so weit verselbständigt zu sein, dass sie selbst
Rechte und Pflichten haben kann.lxxxiii Wenn dies nach neuer Rechtslage auch bei den
Personengesellschaften der Fall ist, was unterscheidet dann die GbR, die oHG und die
KG von der juristischen Person?
Diese Frage ist in § 11 Abs. 1, 2 Nr. 1 der Insolvenzordnung in spezieller Weise
beantwortet. Danach ist zwischen juristischen Personen einerseits und Gesellschaften
„ohne Rechtspersönlichkeit“ andererseits zu trennen. Zu letzteren zählen nach der
Klammerdefinition insbesondere Personengesellschaften. Im Umkehrschluss folgt
daraus, dass juristische Personen als Gesellschaften mit eigener Rechtspersönlichkeit
anzusehen sind.
Allerdings sind nicht alle juristischen Personen zugleich Gesellschaften, etwa nicht
die rechtsfähige Stiftung. Umgekehrt gibt es nach neuer Rechtsprechung auch
Rechtssubjekte ohne eigene Rechtspersönlichkeit, die keine Gesellschaften sind, etwa
die Wohnungseigentümergemeinschaft. Statt von „Gesellschaften“ sollte man daher
besser von „Verbänden“ mit oder ohne eigener Rechtspersönlichkeit sprechen.
Die Unterscheidung von Verbänden nach der Rechtspersönlichkeit wird in
Deutschland bereits seit langem getroffen. § 1 Abs. 1 S. 1 AktG nennt die Ak-
tiengesellschaft eine „Gesellschaft mit eigener Rechtspersönlichkeit“. Im Gegensatz
dazu wurde die Gesamthand schon im Jahre 1918 als „Personenvereinigung ohne
Rechtspersönlichkeit“ bezeichnet.lxxxiv Der Unterschied wurde damit gerechtfertigt,
dass bei der Gesamthand der Bezugspunkt von Rechten und Pflichten nicht die
Gemeinschaft als selbständige, von den Mitgliedern abgelöste Rechtsperson ist,
sondern dass vielmehr die Mitglieder selbst in ihrer gesamthänderischen Verbundenheit
berechtigt und verpflichtet werden. Die Vorschrift des § 124 Abs. 1 HGB konnte man
als indirekte Bestätigung
dieser Auffassung ansehen, weil sie die Rechtsfähigkeit von oHG und KG besonders
anordnet und damit deren Ausnahmecharakter hervorhebt.lxxxv In der älteren Literatur
wurde daher von der nur „formellen“ Rechtsfähigkeit der Gesamthand
gesprochen.lxxxvi Nachdem nunmehr auch die GbR ohne besondere gesetzliche
Anordnung als rechtsfähig angesehen wird, lässt sich die Differenzierung zwischen
Personengesellschaft und juristischer Person hinsichtlich der Rechtsfähigkeit allerdings
nicht mehr halten. An der vollen Rechtsfähigkeit der Gesamthandsgesellschaften kann
heute kein Zweifel mehr bestehen kann. Dennoch fehlt ihnen nach Ansicht des
Gesetzgebers weiterhin die Rechtspersönlichkeit.
Rechtspersönlichkeit und Rechtsfähigkeit sind daher nach dem Sprachgebrauch des
Gesetzes nicht mehr identisch. Das ist aus mehreren Gründen zu bedauern. Zum einen
entsprach die Identifikation des Begriffs der „Rechtsperson“ mit dem der
Rechtsfähigkeit einer langen Tradition. So hat Puchta den Begriff der Persönlichkeit als
„die subjective Möglichkeit eines rechtlichen Willens, einer rechtlichen Macht, die
Fähigkeit zu Rechten, die Eigenschaft, wodurch der Mensch Subject rechtlicher
Beziehungen ist“, beschrieben.lxxxvii Knapper formulierte Otto von Gierke: „Die
Fähigkeit, Rechtssubjekt zu sein, heißt Persönlichkeit“.lxxxviii Lehre und Rechtsprechung

This content downloaded from 62.122.79.78 on Wed, 18 Jun 2014 06:12:14 AM


All use subject to JSTOR Terms and Conditions
207 (2007) Der Begriff der Rechtsfähigkeit 237
haben diese Begriffsbestimmungen aufgenommen und Rechtsfähigkeit mit
Rechtspersönlichkeit identifiziert.lxxxix Selbst wenn ein Sprachgebrauch nicht für immer
unwandelbar ist, sollte man zumindest die geistesgeschichtlichen Wurzeln der
Traditionen berücksichtigen, mit denen man bricht.
Zum anderen steht die Unterscheidung werden Rechtspersönlichkeit und
Rechtsfähigkeit im Widerspruch zur Terminologie im Ausland. In anderen Staaten
werden beide schlicht gleichgesetzt. So wird der deutsche Begriff
„Rechtspersönlichkeit“ von unseren Schweizer Nachbarn weiterhin im Sinne von
Rechtsfähigkeit gebraucht.xc Im Englischen und Französischen bezeichnet man mit den
Begriffen „legal personality“ oder „personnalite juridique“ die Eigenschaft, Rechte und
Pflichten haben zu können, also die Rechtsfähigkeit im deutschen Sinne.xci Dieser
internationale Sprachgebrauch hat durchaus Konsequenzen für unsere Rechtssprache.
Man schreibt beispielsweise auch in der deutschen Literatur über die
„Rechtspersönlichkeit“ der Europäischen Union, wenn man deren Rechtsfähigkeit
meint.xcii Die neue, im Gesellschaftsrecht eingeführte Unterscheidung zwischen
Rechtspersönlichkeit und Rechtsfähigkeit wird es schwer haben, sich gegenüber der
internationalen Terminologie durchzusetzen. Tatsächlich entsteht hier eine neue
„Begriffsverwirrung“xciii. Das ist gerade vor dem Hintergrund des Zusammenwachens
der europäischen Rechtsordnungen zu bedauern.

b) Nähere Bestimmung des Begriffs der Rechtspersönlichkeit


Weil die Unterscheidung aber nun einmal Gesetz geworden ist, muss man sich die
Frage stellen, welchen Inhalt sie hat. Da der Gesetzgeber die Begriffe „Rechtsfähigkeit“
und „Rechtspersönlichkeit“ einander gegenüberstellt, müssen sie unterschiedliche
Bedeutung haben. Keine Lösung besteht darin, den Gebrauch des Ausdrucks
„Gesellschaften ohne Rechtspersönlichkeit“ in § 11 Abs. 2 Nr. 1 InsO damit zu
erklären, dass die Insolvenzordung im Jahre 1994 verabschiedet wurde, zu einer Zeit
also, als die Rechtsfähigkeit der Personengesellschaften noch nicht allgemein anerkannt
war. Denn der Gesetzgeber beabsichtigte schon damals, die Personengesellschaften
den juristischen Personen hinsichtlich der Rechtsfähigkeit anzunähern; nicht zuletzt
deshalb hat er beide als insolvenzfähig angesehen. Das im gleichen Jahr verabschiedete
Umwandlungsgesetz bezeichnet Personenhandelsgesellschaften als
verschmelzungsfähige „Rechtsträger“.xciv An dem Willen des Gesetzgebers,
Personengesellschaften als selbständige Rechtssubjekte anzuerkennen, kann daher kein
Zweifel bestehen. Allerdings hat man, um die historisch gewachsene Unterscheidung
zwischen Gesamthandsgesellschaft und juristischer Person aufrechtzuerhalten, die
Einschränkung hinzugefügt, die Personengesellschaften hätten keine eigene
Rechtspersönlichkeit. Auch der BGH betont in seiner Entscheidung vom 29. Januar
2001, die Gesamthandsgesellschaften hätten trotz ihrer Rechtsfähigkeit nicht den
Status einer juristischen Person.xcv Was damit gemeint ist, lässt er allerdings offen.

This content downloaded from 62.122.79.78 on Wed, 18 Jun 2014 06:12:14 AM


All use subject to JSTOR Terms and Conditions
238 Matthias Lehmann AcP
Naheliegend ist die Idee, dass Rechtspersönlichkeit nur Personen zukommen kann,
gleich ob natürlichen oder juristischen, aber nicht den Gesamthandsgesellschaften. Es
wäre daher nach Eigenschaften zu suchen, die juristische Personen mit den natürlichen
teilen, welche aber den Personengesellschaften fehlen. Zum Beispiel könnte man sagen,
die juristische Person habe ähnlich wie eine natürliche Person „Organe“, durch die sie
im Rechtsverkehr handele und welche sie im Gegensatz zu den Geschäftsführern einer
Personengesellschaft nicht vertreten, sondern deren Handeln das Handeln der ju-
ristischen Person ist.xcvi Die sogenannten Verbands„organe“ sind jedoch von denen
natürlicher Personen rein tatsächlich verschieden. Ihre Gleichstellung ist eine Folge des
nach Otto von Gierke in Deutschland üblich gewordenen „Verbandsmystizismus“. xcvii
Juristische und natürliche Personen teilen Organe nur in begrifflicher Hinsicht.
Sachlich bestehen wesentliche Unterschiede, die eher eine Annäherung der juristischen
Person an die Gesamthandsgesellschaft als an den Menschen rechtfertigen xcviii
Ebensowenig kann eine Übereinstimmung der juristischen Person mit der natürlichen
darin gefunden werden, dass diese wie jene einen einheitlichen Willen bilden
könntenxcix. Auch das wäre eine unzulässige anthromorphe Betrachtungsweise der
juristischen Person. Sie ist eben keine natürliche Person, sondern dieser nur in
rechtlicher Hinsicht gleichgestellt. Es gibt keine naturgegebenen Eigenschaften, die
juristische und natürliche Personen miteinander teilen.
Ein anderer Weg zur Erklärung des Begriffs der „Rechtspersönlichkeit“ besteht
darin, nicht nach Parallelen zwischen juristischen und natürlichen Personen zu suchen,
sondern nach Unterschieden zwischen juristischen Personen und
Personengesellschaften. Tatsächlich gibt es eine Reihe solcher Unterschiede. Diese
bestehen zum einen hinsichtlich der Gründung. Juristische Personen bedürfen in der
Regel eines aufwendigen Gründungsverfahrens vor staatlichen Stellen, an dessen Ende
die Eintragung im Handelsregister steht.c Dagegen entstehen Personengesellschaften
ohne Einhaltung besonderer Formen durch schlichten Gesellschaftsvertrag oder durch
Geschäftsbeginn.ci Hier wird an tatsächliches Geschehen angeknüpft mit der Folge,
dass sich die Beteiligten oft nicht einmal bewusst sind, eine Gesellschaft gegründet zu
haben.
Auch die Haftung ist unterschiedlich geregelt. Während sie sich bei juristischen
Personen meist auf das Gesellschaftsvermögen beschränktcii, ist bei
Personengesellschaften die persönliche Haftung der Gesellschafter für die
Verbindlichkeiten der Gesellschaft die Regelciii. Auch wenn diese Regel nicht immer
durchgehalten wird, ist die Haftungsbefreiung der Mitglieder ein typisches
Kennzeichen der juristischen Person.
Weitere Unterschiede bestehen hinsichtlich der Gesellschaftsstruktur. Juristische
Personen sind in der Weise organisiert, dass Kompetenzen auf mehrere „Organe“
verteilt werden.civ Diese müssen nicht unbedingt Mitglieder des Verbandes sein,
sondern können auch von außerhalb kommen.cv Innerhalb von Personengesellschaften
werden Geschäftsführungsaufgaben dagegen durch die Gesellschafter selbst
wahrgenommen, die dabei grundsätzlich gleichberechtigt sind.cvi

This content downloaded from 62.122.79.78 on Wed, 18 Jun 2014 06:12:14 AM


All use subject to JSTOR Terms and Conditions
207 (2007) Der Begriff der Rechtsfähigkeit 239
Außerdem sind Anteile an juristischen Personen im Prinzip frei übertragbar.cvii Bei
den Personengesellschaften bedarf der Eintritt neuer Gesellschafter hingegen der
Zustimmung aller anderen Gesellschafter.cviii Allgemein sind juristische Personen vom
Bestand der Mitglieder unabhängiger als Personengesellschaften. Wenn auch die oHG
mit dem Tod eines Gesellschafters nicht mehr aufgelöst wird, so sieht das
Handelsgesetzbuch doch immer noch die Möglichkeit abweichender vertraglicher
Bestimmungen vor.cix Bei der AG würde niemand auf den Gedanken kommen, dass
sie mit dem Tod eines Aktionärs aufgelöst sein könnte.
Alle diese Eigenschaften sind nicht ein für alle mal feststehend. Wie Thomas Raiser
zu Recht ausführt, haben sich juristische Person und Personengesellschaft hinsichtlich
der meisten von ihnen stetig angenähert.cx Daraus wie
Raiser zu folgern, dass die Personengesellschaften ebenfalls als juristische Personen zu
bezeichnen sind, geht jedoch zu weit. Die genannten Merkmale dienen der
Beschreibung zweier rechtlicher Grundtypen.cxi Sie müssen nicht bei allen Exemplaren
gleich ausgeprägt sein. Dass die beiden Typen dem geltenden Recht als Ausgangspunkt
zugrunde liegen, lässt sich kaum bestreiten. Allgemein kann man sagen, dass bei der
juristischen Person die Gesellschafter gegenüber der Gesellschaft in den Hintergrund
treten. Die Gesellschaft schiebt sich wie eine „Maske“ - darin liegt der Ursprung des
Begriffs persona - zwischen die Gesellschafter, und zwar sowohl im Außen- wie auch im
Innenverhältnis. Dagegen tritt die Gesellschaft ohne Rechtspersönlichkeit nur im
Außenverhältnis als Einheit auf; im Innenverhältnis fällt dagegen die Maske und es
bestehen nur Rechtsbeziehungen der Gesellschafter untereinander. Aus diesem Grund
ist zum Beispiel eine actio pro socio gegen die anderen Mitglieder des Verbandes und
nicht gegen diesen selbst zu richten.cxii Außerdem ist eine Gesellschaft ohne
Rechtspersönlichkeit mit nur einem einzigen Mitglied undenkbar. cxiii

c) Sinn der Unterscheidung zwischen Verbänden mit und


ohne Rechtspersönlichkeit
Die Konsequenzen der Unterscheidung nach der Rechtspersönlichkeit sind vor
allem rechtstheoretischer Natur. Sie hat didaktischen Wert, indem sie bewusst macht,
dass es zwei Arten rechtsfähiger Verbände gibt. Allerdings geht sie über die schon
bisher bekannte Einteilung in Personen- und Kapitalgesellschaften kaum hinaus.cxiv
Diese verbessert sie allenfalls an Randstellen, zum Beispiel hinsichtlich der
eingetragenen Genossenschaft, welche juristische Person, aber keine
Kapitalgesellschaft ist.cxv
Rechtspraktisch gesehen ist die Unterscheidung von geringem Wert. Sie hat nur für
die actio pro socio und die Unzulässigkeit der Ein-Mann-Gesellschaft Bedeutung.
Hinsichtlich aller übrigen Regelungen können die Typen durch privatautonome
Gestaltung so weit angenähert werden, dass die Unterschiede verschwimmen.
Wegen der vorrangig rechtstheoretischen Bedeutung der Unterscheidung kann man
bemängeln, dass der Gesetzgeber sie in § 11 InsO aufgenommen hat. Im Bereich des

This content downloaded from 62.122.79.78 on Wed, 18 Jun 2014 06:12:14 AM


All use subject to JSTOR Terms and Conditions
240 Matthias Lehmann AcP
Insolvenzrechts ist es gerade nicht bedeutsam, zwischen
Verbänden mit und ohne Rechtspersönlichkeit zu unterscheiden, sondern diese sollen
gleichgestellt werden. Der Hinweis, es handele sich bei den Personengesellschaften
nicht um juristische Personen, hat für die Insolvenzordnung, die sich gar nicht zentral
mit Fragen der Struktur der Gesellschaft befasst, keine Bedeutung. Man kann sich des
Eindrucks nicht erwehren, dass die fehlende Rechtspersönlichkeit nur als Feigenblatt
benutzt wurde, um zu verdecken, dass auch der Gesetzgeber die
Personengesellschaften nunmehr als neue Rechtssubjekte ansehen wollte. Dogmatische
Belehrungen durch den Gesetzgeber sind jedenfalls überflüssig.
Nicht nur überflüssig, sondern sogar falsch ist es, die Unterscheidung zwischen
Gesellschaften mit und ohne Rechtspersönlichkeit zur Auslegung supranationaler
Gesetzgebung anzuwenden. Zu kritisieren ist daher eine Entscheidung des
Bundesgerichtshofs, in der die GbR als Verbraucher im Sinne der
Verbraucherkreditrichtliniecxvi mit dem Argument angesehen wird, die Richtlinie
verwendete den Begriff des Verbrauchers als „natürliche Person“ nur in Abgrenzung
zur juristischen Person und schließe daher Personengesellschaften nicht aus.cxvii
Dagegen spricht schon, dass Artikel 1 Abs. 2 der Richtlinie bei der Definition des
Kreditgebers in lit. b neben den natürlichen und juristischen Personen auch eine
„Gruppe solcher Personen“ nennt, bei der Definition des Verbrauchers in lit. a jedoch
nicht. Daher muss davon ausgegangen werden, dass Verbraucher im Sinne der
Richtlinie nur natürliche Personen sein können. In diesem Sinne hat auch der
Gerichtshof der Europäischen Gemeinschaften entschieden.cxviii
Darüber hinaus ist es ein methodischer Fehler des BGH, die GbR einmal als
gegenüber den Gesellschaftern selbständiges Rechtssubjekt zu bezeichnen, bei
vermeintlichem Bedarf aber wieder hervorzuheben, dass die Gesellschaft letztlich aus
natürlichen Personen besteht. Eine Rechtsfähigkeit der GbR mit Rückfallklausel gibt
es nicht. Es sollte vielmehr davon ausgegangen werden, dass durch die Anerkennung
der Personengesellschaften als „rechtsfähig“ diese im Außenverhältnis grundsätzlich
dieselben Rechte und Pflichten wie juristische Personen haben. Das gilt erst recht
hinsichtlich der Auslegung von Vorschriften des Völkerrechts und des supranationalen
Rechts, die eine Differenzierung zwischen rechtsfähigen Verbänden mit und ohne
Rechtspersönlichkeit nicht kennen.
6. Rechtsfähigkeit und Publizität des Rechtssubjekts

Unsicherheiten bereitet immer wieder die Frage, ob Verbände nur dann rechtsfähig
sein können, wenn sie in ein Register eingetragen sind. Die Registereintragung
entspricht dem rechtspolitischen Gebot der Publizität des Rechtsträgers.cxix Träger von
Rechten und Pflichten müssen nach außen sichtbar oder zumindest erkennbar sein.
Dieses Gebot ist bei natürlichen Personen kraft ihrer Existenz erfüllt; die Publizität der
natürlichen Person resultiert aus ihrer Körperlichkeit und wesensmäßigen
Einmaligkeit.cxx Die Frage, wie die natürliche Person handelt, stellt sich nicht: sie
handelt selbst. Bei juristischen Personen und Personengesellschaften müssen dagegen

This content downloaded from 62.122.79.78 on Wed, 18 Jun 2014 06:12:14 AM


All use subject to JSTOR Terms and Conditions
207 (2007) Der Begriff der Rechtsfähigkeit 241
zumindest die Organisations- und Vertretungsverhältnisse durch einen besonderen Akt
publik gemacht werden.cxxi Die Registereintragung liefert die Offenkundigkeit der
Verhältnisse des Verbandes, die notwendig ist, um mit diesem als selbständigem Träger
von Rechten und Pflichten zum Beispiel Verträge schließen zu können.
Dennoch setzt Rechtsfähigkeit eine Eintragung des Rechtssubjekts in einem
staatlichen Register nicht unbedingt voraus. Vielmehr bedarf es zur Rechtssubjektivität
lediglich der Anerkennung durch die Gesetzgebung oder Rechtsprechung. Auch
nichteingetragene Gesellschaften können daher Rechtsträger sein, wie das Beispiel der
offenen Handelsgesellschaft zeigt.cxxii
Dass heißt nicht, dass eine Bindung der Rechtsfähigkeit an die Eintragung nicht
zweckmäßig wäre. Wegen der Nützlichkeit der Publizität für den Rechtsverkehr
verwundert es kaum, dass das Handelsgesetzbuch die Registereintragung an die erste
Stelle der Entstehungsgründe der oHG setzt.cxxiii Auch das französische Recht macht
die Rechtsfähigkeit der societe civile von der Eintragung der Gesellschaft abhängig.cxxiv
Vor der Eintragung ist die Gesellschaft zwar nicht inexistent, aber eben kein
selbständiger Rechtsträger. Sie ist „societe de fait“, also nur faktisch vorhanden; die
Verhältnisse der Gesellschafter untereinander werden von den Bestimmungen des
Gesellschaftsvertrags und den allgemeinen Rechtsprinzipien des Schuldrechts
beherrscht.cxxv
Demgegenüber ist die deutsche GbR seit dem Urteil des Bundesgerichtshofs vom
29. Januar 2001cxxvi rechtsfähiges, aber nicht registerpflichtiges Subjekt. Die mit dieser
Entscheidung beabsichtigte Vereinfachung des Rechtsverkehrs wurde zu einem großen
Teil verfehlt, weil die Verhältnisse der GbR nicht publik sind. So wird die GbR in der
Rechtsprechung weiterhin nicht als grundbuchfähig angesehen. cxxvii Würde sich dies
ändern und sie allein unter ihrem Namen eingetragen, müsste das Grundbuch zum
Gesellschaftsregister umfunktioniert werden, in dem der Gesellschafterbestand und die
Vertretungsverhältnisse dokumentiert sind.cxxviii Sieht man dagegen von einer Do-
kumentation der Gesellschaftsverhältnisse ab, dann wären die Möglichkeiten des
gutgläubigen Grundstückserwerbs von einer GbR weitgehend eingeschränkt.cxxix Der
Erwerber könnte die Gesellschafter und die Vertretungsverhältnisse weder aus dem
Grundbuch noch aus einer anderen Quelle zuverlässig ersehen. Er kann zwar auf das
Eigentum der GbR vertrauen, weiß aber nicht, wie sie sich zusammensetzt und wer sie
vertritt, in einem Wort: wer die GbR überhaupt ist. Folglich könnte sich der im
Grundbuch als Rechtsnachfolger einer solchen Gesellschaft Eingetragene nie sicher
sein, ob er tatsächlich Eigentümer geworden ist. Die GbR wäre eine Art schwarzes
Loch im Grundstücksverkehr.
Weniger gravierend wirkt sich dagegen die fehlende Publizität bei der Eintragung
der Gesellschaft in das Markenregister aus, die das Bundespatentgericht zulässt.cxxx Hier
ist die Situation insofern anders, als das Markenregister ohnehin keinen gutgläubigen
Erwerb erlaubt, sich hier also die erwähnten Rechtsprobleme nicht stellen.cxxxi
Wegen der fehlenden Publizität der Gesellschaftsverhältnisse hat die passive
Parteifähigkeit der GbR im Zivilprozess auch nur geminderte Vorteile für die

This content downloaded from 62.122.79.78 on Wed, 18 Jun 2014 06:12:14 AM


All use subject to JSTOR Terms and Conditions
242 Matthias Lehmann AcP
Gläubiger. Denn diese müssen bei einer Klage immer den oder die vertre-
tungsberechtigten Gesellschafter nennen. Bei Gesellschaften ohne besondere
Vertretungsregelung läuft dies auf die Nennung aller Gesellschafter hinaus. Bei allen
anderen ist die Kenntnis der besonderen Vereinbarungen über die Vertretung
erforderlich. Dies bereitet in der Praxis mangels Öffentlichkeit der
Gesellschaftsverhältnisse Schwierigkeiten.
Wie man es auch dreht und wendet, die Rechtsfähigkeit der äußerlich nicht publiken
Gesellschaft bürgerlichen Rechts führt zu Einschränkungen ihrer Teilnahme am
Rechtsverkehr. Vor diesem Hintergrund ist verständlich, dass in der Literatur teilweise
die Eintragungspflicht der GbR gefordert wirdcxxxii. Das hätte jedoch den Nachteil, dass
diese Verbandsform ihre Flexibilität verlieren würde. Die GbR ist, wie Karsten Schmidt
noch 1998 formulierte, ein „viel zu flüchtiges Rechtssubjekt“, als dass es der
Registrierung fähig wäre.cxxxiii Sie könnte nicht mehr allein durch mündliche
Vereinbarung, erst recht nicht durch konkludente Willenserklärungen begründet
werden. Damit ginge sie ihrer Rolle als Grund-Gesellschaftsform, die jede tatsächliche
Zweckgemeinschaft erfasst, verlustig. Man müsste eine neue Rechtsform erfinden, die
die Funktion der alten GbR erfüllte.
Insgesamt ist das Auseinanderfallen von Rechtsfähigkeit und Eintragung daher
unbefriedigend. Auch wenn kein zwingender Zusammenhang zwischen
Rechtssubjektivität und Publizität besteht, sollten beide aus rechtspolitischer Sicht
miteinander einhergehen. Das Problem der deutschen Entwicklung des GbR-Rechts
besteht darin, dass die Rechtsfähigkeit durch die Judikative anerkannt wurde, sich ein
Register jedoch nur mit den Mitteln der Legislative einrichten lässt. Die
Rechtsprechung kann den Gesetzgeber nicht zwingen, eine Registerpflicht für die GbR
einzuführen, auch wenn es in der Konsequenz ihrer Entscheidungen zweckmäßig wäre.
Es zeigt sich, dass die richterrechtliche Anerkennung neuer Rechtssubjekte zwar
möglich ist, aber zu Brüchen und Verwerfungen innerhalb der Rechtsordnung führen
kann.

7. Rechtsfähigkeit und Vermögen

Verwirrungen bestehen auch hinsichtlich des Verhältnisses der Begriffe


Rechtsfähigkeit und Vermögen. Kann ein Vermögen rechtsfähig sein, wie insbesondere
die Lehre von der juristischen Person als einem „Zweckvermögen“ behauptetecxxxiv?

Zur Beantwortung dieser Frage muss man zunächst die Bedeutung des Ausdrucks
„Vermögen“ klären. Seinem ursprünglichen Wortsinn nach bezeichnet er ein
rechtliches Können der Person, etwas, das sie „vermag“.cxxxv Husserl hat das Vermögen
als die „Zusammenfassung aller sozialwertigen Beziehungen des Einzelnen“
definiert.cxxxvi Das Vermögen ist also ein Attribut des Rechtssubjekts. Daher muss
letzteres existieren, bevor es ein Vermögen haben kann, und nicht umgekehrt. Ein

This content downloaded from 62.122.79.78 on Wed, 18 Jun 2014 06:12:14 AM


All use subject to JSTOR Terms and Conditions
207 (2007) Der Begriff der Rechtsfähigkeit 243
Vermögen muss irgendeiner Person zugehören; es kann nicht frei in der Luft schweben.
Die Fähigkeit, eigenes Vermögen zu haben, ist daher Folge und nicht Voraussetzung
der Rechtsfähigkeit.
Die Verwirrung um das Verhältnis von Rechtsfähigkeit und Vermögen ist dadurch
entstanden, dass zuweilen juristische Personen ohne personales Substrat anerkannt
werden. Paradebeispiel ist die Stiftung. Sie erhält die Rechtsfähigkeit durch besondere
behördliche Anerkennung.cxxxvii Die Stiftung hat keine Mitglieder; sie ist reines
juristisches Kunstprodukt. Hieran wird deutlich, dass der Gesetzgeber frei ist,
Rechtssubjekte zu konstruieren, die keinerlei außerrechtliche Realität haben. cxxxviii
Dennoch ist die Stiftung kein bloßes Sondervermögen, das als rechtsfähig anerkannt
wird. Vielmehr hat sie eigenes Vermögen, weil sie selbständiger Rechtsträger ist.
Konsequenterweise ordnet die überwiegende Meinung bei der unselbständigen
Stiftung, die nicht rechtsfähig ist, das Stiftungsvermögen dem Treuhänder als Träger
zu.cxxxix Die rechtsfähige Stiftung ist deshalb kein für rechtsfähig erklärtes Vermögen,
sondern Rechtsträger mit Vermögen.
Kein rechtsfähiges Vermögen ist auch der Fiskus. Diese Figur ist geschaffen
worden, um den Staat privatrechtlich verklagen zu können. Die Staatsgewalt wurde
juristisch in den Herrscher als Landesherrn und den Fiskus gespalten.cxl Auch beim
Fiskus handelt es sich jedoch nicht um ein frei schwebendes Sondervermögen; vielmehr
ist er eine als eigenständig gedachte Person.
Jedes Vermögen setzt also einen rechtsfähigen Träger voraus. Daher ist es
methodisch ein Zirkelschluss, die Rechtsfähigkeit nur derjenigen GbR zuzuerkennen,
die Außengesellschaft ist, als Außengesellschaft aber nur solche Ge-
Seilschaften anzusehen, die über eigenes Vermögen verfügen.cxli Die Rechts-
subjektivität von der Existenz eines eigenen Vermögens abhängig zu machen heißt, die
Dinge auf den Kopf zu stellen. Aus der Existenz eines Vermögens - das sich, weil
Rechtsbegriff, empirisch überhaupt nicht feststellen lässt - kann nicht auf dessen
rechtliche Vorbedingung, das Rechtssubjekt, geschlossen werden. Damit soll nicht
gesagt sein, dass bei nicht rechtsfähigen Personenmehrheiten etwa kein Vermögen
vorhanden sein könnte. Nur ist dieses Vermögen dann den Gesellschaftern, zum
Beispiel zur „gesamten Hand“, und nicht der Gesellschaft zugeordnet.
Es ist damit festzustellen, dass das Vermögen Folge der Rechtsfähigkeit ist, und
nicht umgekehrt. Das Primat der rechtlichen Zuordnung liegt beim Subjekt, nicht beim
Vermögen. Dieser Zusammenhang gilt auch für die Schulden: Sie können nur
Rechtssubjekte, nicht Vermögensmassen treffen.cxlii Gäbe es Vermögen ohne
zugehörigen Träger, dann würden Schulden und Vermögen auseinanderlaufen.

8. Gespaltene Rechts- und Pflichtenfähigkeit

Der Trennung zwischen Schulden und Vermögen ähnelt die gespaltene Rechts-
und Pflichtenfähigkeit. Nach der oben erörterten Lehre von der Teilrechtsfähigkeit soll

This content downloaded from 62.122.79.78 on Wed, 18 Jun 2014 06:12:14 AM


All use subject to JSTOR Terms and Conditions
244 Matthias Lehmann AcP
es eine Rechtsfähigkeit im engeren Sinne ohne Pflichtfähigkeit und umgekehrt eine
Pflichtfähigkeit ohne Rechtsfähigkeit geben können.cxliii Während das erste als zu schön
erscheint, um wahr zu sein, bedeutet das zweite für die Betroffenen nichts weniger als
eine juristische Hölle. Auch der Generalanwalt beim Europäischen Gerichtshof hat
gegen sie Bedenken. In den Schlussanträgen zum Uberseering-Urteil bezeichnet er die
Auffassung des Bundesgerichtshofs, eine nach niederländischem Recht gegründete Ge-
sellschaft könne in Deutschland Eigentümerin eines Grundstücks sein und verklagt
werden, sei aber nicht aktiv klagefähig, als „merkwürdige begriffliche Aufspaltung der
herkömmlichen Vorstellung von Rechtsfähigkeit“, bei der es sich um eine
„Abschreckung“ oder „Sanktion“ handeln müsse.cxliv
Tatsächlich existiert eine solche „merkwürdige“ Aufspaltung nach deutschem
Recht: beim nicht rechtsfähigen Verein. Denn dieser kann nach der Konzeption des
Gesetzes, wie schon sein Name besagt, keine eigenen Rechte haben. Dennoch kann er
nach § 50 Abs. 2 ZPO verklagt werden. Der Strafcharakter der Regelung ist eindeutig.
Diese ist nicht nur, wie Wieacker formulierte, das „Zeugnis einer elementaren
Ungerechtigkeit“.cxlv Es handelt sich zugleich um eine elementare Inkonsequenz. Denn
womit soll der Verein aus dem Urteil haften, wenn er nicht rechtsfähig ist, also kein
Vermögen bilden kann? Ausdrücklich spricht § 735 ZPO von der Vollstreckung in das
„Vermögen“ des nicht rechtsfähigen Vereins, setzt also die Möglichkeit der Zuordnung
von Rechten zum Verein voraus. Dann ist es aber nur folgerichtig, den „nicht
rechtsfähigen“ Verein als rechtsfähig anzusehen. Dies hat die Rechtsprechung,
beginnend mit der Gewährung der aktiven Parteifähigkeit für die Gewerkschaften, auch
getan.cxlvi Seit der Anerkennung der Rechtsfähigkeit der GbR durch das Urteil des
Bundesgerichtshofs vom 29. Januar 2001cxlvii ist über den Verweis in § 54 S. 1 BGB
auch der „nicht rechtsfähige“ Verein endgültig als rechtsfähig anzusehen.
Es kann nicht geleugnet werden, dass damit ein offener Widerspruch innerhalb der
deutschen Rechtsordnung entstanden ist. Die Rechtsfähigkeit des nicht rechtsfähigen
Vereins ist ein Paradoxon ersten Rangescxlviii. Doch ist dies nur ein weiterer Beweis für
die Schwierigkeiten, die durch die richterliche Anerkennung neuer Rechtssubjekte ohne
Abstimmung mit dem Gesetzgeber hervorgerufen werden.

9. Transnationale Rechtsfähigkeit

Jede Rechtsordnung entscheidet selbst, welche Subjekte sie als rechtsfähig ansieht.
Die Rechtsfähigkeit ist daher immer auf ein bestimmtes Rechtssystem beschränkt.
Andere Staaten können die unter einem Recht bestehende Rechtssubjektivität jedoch
anerkennen.
Bei natürlichen Personen stellen sich insoweit kaum Probleme. Das deutsche
Kollisionsrecht unterstellt ihre Rechtsfähigkeit dem Recht des Staates, welchem sie
angehören.cxlix Bestimmungen in anderen Rechtsordnungen, die die Rechtsfähigkeit
natürlicher Personen einschränken, sind heute weitgehend unbekannt.cl Sähe eine

This content downloaded from 62.122.79.78 on Wed, 18 Jun 2014 06:12:14 AM


All use subject to JSTOR Terms and Conditions
207 (2007) Der Begriff der Rechtsfähigkeit 245
ausländische Rechtsordnung solche Einschränkungen vor, dann würden sie im Inland
wegen Verstoßes gegen den ordre public nicht angewandt. cli Damit werden Menschen
ungeachtet ihrer Herkunft aus einem bestimmten Staat als rechtsfähig angesehen. Sie
verlieren diese Eigenschaft auch nicht, soweit sie sich über die Grenze bewegen. Es
gibt also eine echte „transnationale Rechtsfähigkeit“ des Individuums.
Anders verhält es hinsichtlich ausländischer Gesellschaften und juristischer
Personen. Die Bereitschaft zu ihrer Anerkennung ist wesentlich geringer als bei
natürlichen Personen. Hier wirkt sich besonders nachteilig aus, dass der Verband die
Geburt einer bestimmten Rechtsordnung ist, nach der er entsteht und lebt. Besonders
verheerende Wirkungen hat insoweit die Sitztheorie, welche die Rechtsfähigkeit an den
Ort des Verwaltungssitzes der Gesellschaft oder der juristischen Person anknüpft. clii In
ihrer extremen Variante führt sie dazu, dass ein Verband, der nach dem Recht eines
bestimmten Staates gegründet wurde, bei Verlegung seiner Geschäftstätigkeit in ein
anderes Land als nicht existent gilt.cliii
Der Europäische Gerichtshof hat die Folgen dieser Theorie in seiner Entscheidung
im Fall Überseering für unvereinbar mit der in Art. 43,48 des EGVertrags verbürgten
Niederlassungsfreiheit erklärt.cliv Nach diesem Urteil muss eine Gesellschaft ihren
tatsächlichen Verwaltungssitz ohne Verlust ihrer Rechtsfähigkeit in einen anderen
Mitgliedstaat verlegen können. Im Grunde ließe sich dieser Anforderung auch dadurch
genügen, dass man auf Ebene des materiellen Rechts die Anerkennung in einer
Gesellschaftsform des Sitzrechts vorsieht. Doch hat sich der EuGH nicht damit
begnügt, die Mitgliedstaaten dazu zu verpflichten, nach dem Recht anderer
Mitgliedstaaten gegründete Gesellschaften als rechtsfähig anzusehen. Weitergehend
verlangt er, die Gesellschaft müsse „als Gesellschaft ausländischen Rechts“ von ihrer
Niederlassungsfreiheit Gebrauch machen können.clv Dadurch werden Konstruktionen
des Sachrechts abgeschnitten, die die Rechtsfähigkeit nach dem Statut des
Sitzes herbeigeführt hätten.clvi In diesem Punkt ist die Entscheidung sehr zweifelhaft,
da das Gemeinschaftsrecht es grundsätzlich den Mitgliedstaaten überlässt, ob sie
kollisionsrechtliche oder materiellrechtliche Mittel zur Wahrung der Grundfreiheiten
wählen. Der EuGH ist über die ihm vorgelegte Frage weit hinausgegangen. Doch wirkt
sich dies nicht im Bereich der Rechtsfähigkeit, sondern bei anderen Fragen des
Gesellschaftsrechts aus, wie zum Beispiel bei der Haftung der Mitglieder oder beim
Mindestkapital.
Nach dem Überseering-Urteil steht fest, dass die Sitztheorie im Verhältnis zu
anderen Mitgliedstaaten der europäischen Gemeinschaft nicht mehr auf die
Rechtsfähigkeit angewandt werden kann. Aufgrund eines bilateralen Vertragsclvii gilt
dasselbe auch im Verhältnis zu den USA.clviii Schließlich darf sie auch gegenüber in
Staaten des Europäischen Wirtschaftsraums (EWR) gegründeten Gesellschaften nicht
mehr praktiziert werden.clix
Fraglich bleibt, ob der Sitztheorie jedenfalls im Verhältnis zu anderen Staaten
weiterhin zu folgen ist. Dafür spricht, dass ihre grundsätzlichen Anliegen, wie zum
Beispiel der Schutz inländischer Gläubiger, hinsichtlich von Gesellschaften aus

This content downloaded from 62.122.79.78 on Wed, 18 Jun 2014 06:12:14 AM


All use subject to JSTOR Terms and Conditions
246 Matthias Lehmann AcP
Drittstaaten weiterhin berechtigt erscheinen. Insbesondere unterliegen diese nicht der
gemeinschaftsrechtlichen Harmonisierung, und es bestehen auch keine
völkerrechtlichen Abkommen, die zu einer Anerkennung verpflichten. Doch hat auf
der anderen Seite die Versagung ihrer Rechtsfähigkeit dramatische Konsequenzen für
den grenzüberschreitenden Rechtsverkehr. Ein Rechtsträger, der nach einer
Rechtsordnung existiert, in einer anderen jedoch nicht anerkannt wird, führt zu
unlösbaren Verwicklungen: Aus von ihm abgeschlossenen Verträgen entstehen keine
Rechte, die ihm zustehenden Vermögensgegenstände sind herrenlos. Daher sollte die
Sitztheorie auch im Verhältnis zu Drittstaaten fallengelassen werden. Berechtigten
Schutzbedürfnissen kann in anderer Weise als durch Negierung der Rechtsfähigkeit
Rechnung getragen werden, zum Beispiel durch die Anwendung inländischer
Deliktsvorschriften. Probleme der grenzüberschreitenden Publizität werden in Zeiten
elektronischer Handelsregister immer geringer.
10. Zusammenfassung

Rechtsfähigkeit bedarf der Zuerkennung durch die Rechtsordnung. Versteht man


unter ihr die Eignung, Zurechnungssubjekt von Rechten und Pflichten zu sein, so ist
die Rechtsfähigkeit unteilbar. Ob bestimmte Rechte und Pflichten allen oder nur
gewissen Rechtssubjekten zukommen, ist aus den jeweiligen Rechtssätzen heraus zu
ermitteln, die sie begründen. Eine „beschränkte“ oder „relative“ Rechtsfähigkeit oder
eine „Teilrechtsfähigkeit“ gibt es nicht.
Die Verwendung des Begriffs „Rechtspersönlichkeit“ zur Kennzeichnung der
Unterschiede zwischen juristischen Personen und Personengesellschaften ist sprachlich
missglückt. Sowohl aus historischer wie aus internationaler Sicht bezeichnen
Rechtspersönlichkeit und Rechtsfähigkeit dasselbe. Dennoch bestehen in Deutschland
Unterschiede zwischen rechtsfähigen Verbänden mit und ohne Rechtspersönlichkeit.
Sie sind in erster Linie rechtstheoretischer Natur und haben Bedeutung als
Ausgangspunkt der gesetzlichen Regelungen. Durch privatautonome Gestaltung lassen
sie sich weitgehend einebnen.
Die Rechtsfähigkeit kann außer durch die Legislative auch durch die Judikative
zuerkannt werden. Jedoch sollte die Rechtsprechung mit der Anerkennung neuer
Rechtssubjekte vorsichtig sein. Ein in sich geschlossenes, konsistentes System der
Rechtsfähigkeit anderer als natürlicher Personen kann nur der Gesetzgeber schaffen.
Das gilt vor allem wegen des Gebots der Publizität des Rechtsträgers. Rechtssubjekte
müssen erkennbar sein, entweder aufgrund ihrer natürlichen Erscheinung, oder durch
rechtliche Hilfsmittel, wie zum Beispiel ein Register. Ein nicht eingetragener Verband,
der unter seinem eigenen Namen Rechte erwerben und Verbindlichkeiten eingehen
kann, ist zwar rechtstechnisch möglich, aber rechtspolitisch bedenklich.
In kollisionsrechtlicher Hinsicht sollte die Rechtsfähigkeit ausländischer
Rechtssubjekte möglichst weitgehend anerkannt werden, gleichgültig, ob es sich um
natürliche oder juristische Personen oder um Gesellschaften handelt. Berechtigten
Schutzbedürfnissen ist in anderer Weise als durch das scharfe Schwert der Versagung

This content downloaded from 62.122.79.78 on Wed, 18 Jun 2014 06:12:14 AM


All use subject to JSTOR Terms and Conditions
207 (2007) Der Begriff der Rechtsfähigkeit 247
der Rechtsfähigkeit zu entsprechen.

i BGHZ 146,341; 163,154.


ii BGH, ZIP 2006,2125.
iii Vgl. Beuthien,]Z 2003,715.

Archiv für die civilistische Praxis, Bd. 207 (2007), S. 225-255


© Mohr Siebeck - ISSN 0003-8997
iv § 1 BGB.
v Habermann/Weick, in: Staudinger, Kommentar zum BGB, Bearb. 1994, § 1, Rn. 1;
Soergel/Fahse, BGB, Kommentar, 13. Aufl. 2000, § 1, Rn. 1; Bork, Allgemeiner Teil des
Bürgerlichen Gesetzbuchs, 2. Aufl. 2006, Rn. 154. So schon v. Savigny, System des heutigen
Römischen Rechts, Band 2, 1840, S. 1; Enneccerus/Nipperdey, Allgemeiner Teil des Bürgerlichen
Rechts, Band 1,15. Aufl. 1959, S. 477.
vi Larenz/Wolf Allgemeiner Teil des Bürgerlichen Rechts, 9. Aufl. 2004, § 5, Rn. 2.
vii Wiedemann, WM Sonderbeilage 1994/4, S. 6 f.
viii Fabricius, Relativität der Rechtsfähigkeit, 1963, S.44; Gitter, in: Münchener Kommentar
zum BGB, 3. Aufl. 1993, § 1, Rn. 5. In diese Richtung auch Husserl, AcP 127 (1927), 129,191, der
formuliert: „Rechtsfähig ist, wer befähigt ist, selbst oder durch ,andere 4 rechtswirksam zu
handeln.“
ix Bork, Allgemeiner Teil des Bürgerlichen Gesetzbuchs, 2. Aufl. 2006, Rn. 155.
x Vgl. Soergel/Fahse, 13. Aufl. 2000, Vor § 1, Rn. 13.
xi Vgl. § 104 Nr. 1 und § 828 Abs. 1 BGB.
xii Vgl. Goubeauxy in: Ghestin (Hrsg.), Traite de droit civil, Les personnes, 1989, S.24.
xiii Siehe Diez-Picazo/Gullon^ Sistema de derecho civil, Bandl, 11. Aufl.2003, S.214.
xiv Vgl. Art. 11 f., 53 f. ZGB.
xv Larenz^ Allgemeiner Teil des deutschen Bürgerlichen Rechts, 7. Aufl. 1989, S. 89; E. Wolf

Allgemeiner Teil des bürgerlichen Rechts, 3. Aufl. 1982, S. 181.


xvi So auch Rittner, Die werdende juristische Person, 1973, S. 217.
xvii Allgemeine Erklärung der Menschenrechte vom 10. Dezember 1948, abgedruckt in:

Tomuschat (Hrsg.), Völkerrecht, 2. Aufl. 2004, unter Nr. 10. Die Vorschrift enthält scheinbar einen
Gedankenzirkel, da ein Recht zu haben bereits Rechtsfähigkeit voraussetzt. Der Zirkel löst sich
auf, wenn man bedenkt, dass es sich um eine Vorschrift des Völkerrechts handelt, die auf die
Anerkennung der Rechtsfähigkeit in anderen Rechtsordnungen, nämlich in den nationalen
Rechten, gerichtet ist.
xviii vom 19.12.1966, BGBl. 1973 II 1534.
xix Nass, Person, Persönlichkeit und juristische Person, 1964, S.31; v. Savigny, System des

heutigen Römischen Rechts, Band 2,1840, S. 32. Dagegen wurde ihnen unter dem Naturrecht sehr
wohl Rechtsfähigkeit zugesprochen, vgl. Digesten 1,1,4.
xx Staudinger/Hausmann, Bearb. 2000, Art. 7 EGBGB, Rn. 28; Kegel/Schurig, Internationales

Privatrecht, 8. Aufl. 2000, S. 478.


xxi Cornu, Droit civil, Introduction - Les personnes, les biens, 11. Aufl. 2003, S.205.
xxii Art. 95-97 chilenischer Cödigo civil a.F.
xxiii v. Savigny, System des heutigen Römischen Rechts, Band 2, 1840, S. 277. Zum
Zusammenhang zwischen Rechtsfähigkeit und Publizität des Rechtsubjekts noch unten, unter 6.
xxiv Vgl. Welzel, Die Naturrechtslehre Samuel Pufendorfs, 1986, S. 47 ff.
xxv v. Lübtow, in: Festschrift für Erik Wolf, 1985, S. 421, 424; Larenz/Wolf, Allgemeiner Teil

des Bürgerlichen Rechts, 9. Aufl. 2004, § 5, Rn. 5.


xxvi Vgl. nur Ipsen, Völkerrecht, 4. Aufl. 1999, S. 79 ff.
xxvii Nach H.J. Wolff, Organschaft und juristische Person, Band 1, 1968, S. 133, folgt aus

This content downloaded from 62.122.79.78 on Wed, 18 Jun 2014 06:12:14 AM


All use subject to JSTOR Terms and Conditions
248 Matthias Lehmann AcP

der Positivität der Rechtsordnung, dass mit der Möglichkeit gerechnet werden muss, die
Rechtsordnung könnte dem ihr unterworfenen Menschen dessen Urrecht, nämlich die
Anerkennung als Rechtssubjekt, versagen.
xxviii Siehe Larenz, in: Dahm u.a. (Hrsg.), Grundfragen der neuen Rechtswissenschaft,
1935, S. 225,241.
xxix Siehe dazu Wolf/Naujoks, Anfang und Ende der Rechtsfähigkeit, 1955; Selb., AcP 166
(1966), 76.
xxx Ein bemerkenswertes Beispiel ist die Vorschrift des Art. 30 des spanischen Cö- digo civil,

welche die Rechtsfähigkeit davon abhängig macht, dass das Kind ein menschliches Antlitz
aufweist und nach der Geburt mindestens 24 Stunden lebt.
xxxi Vgl. Coing/Habermann, in: Staudinger, 12. Aufl. 1980, § 1, Rn. 17.
xxxii Vgl. v. Savigny, System des heutigen Römischen Rechts, Band 2, 1840, S. 10, 12 und
passim sowie (zu juristischen Personen) S. 278.
xxxiii E. Wolf Allgemeiner Teil des bürgerlichen Rechts, 3. Aufl. 1982, S. 651.
xxxiv v. Lübtow, in: Festschrift für Ernst Wolf, 1985, 421, 427. Eine feinsinnige Unter-
scheidung zwischen der Rechtsfähigkeit natürlicher und juristischer Personen trifft dagegen
Wiedemann, WM Sonderbeilage 1994/4, der meint, juristischen Personen werde die Rechtsfähigkeit
von der Rechtsordnung „gewährt“, bei natürlichen Personen werde sie dagegen „gewährleistet“.
xxxvv. Savigny, System des heutigen Römischen Rechts, Band 2,1840, S. 278.
xxxvi Vgl. O. von Gierke, Die Genossenschaftstheorie und die deutsche Rechtsprechung,
1887 (Nachdruck 1983), S. 5-8. Die Ideen der Fiktionstheorie und der Theorie der realen Existenz
der juristischen Person sind nicht auf Deutschland beschränkt geblieben, sondern auch in anderen
Ländern aufgegriffen worden, vgl. für Frankreich: Goubeaux, in: Ghestin (Hrsg.), Traite de droit
civil, Les personnes, 1989, Rn. 19-23; für das Vereinigte Königreich: Pickering, Modern Law Review
31 (1968), S. 481, 508.
xxxvii O. von Gierke, Die Genossenschaftstheorie und die deutsche Rechtsprechung, 1887
(Nachdruck 1983), S.21.
xxxviii Vgl. Mummenhoff Gründungssysteme und Rechtsfähigkeit, 1979, S. 15; Priester
ZHR168 (2004), 248,255.
xxxix Cour de cassation, 2e sect. civ., Urteil vom 28.1.1954, Dalloz 1954,217.
xl Ebenda.
xli Vgl. Ulmer, AcP 198 (1998), 113,115 mit Nachweisen.
xlii K. Schmidt, Handelsrecht, 5. Aufl. 1999, S. 109.
xliii BT-Drucks. 13/3604, S. 7.
xliv BGHZ 146, 341. Da es sich bei der Entscheidung um ein Versäumnisurteil handelte und

der Rechtsstreit nachfolgend für erledigt erklärt wurde, wird von manchen die Auffassung
vertreten, die GbR sei weiterhin nicht rechtsfähig, vgl. Stürner, JZ2003, 44; Jauernig, BGB, 11. Aufl.
2004, Vor §21, Rn. 1. Jedoch ist ihre Rechtssubjektivität spätestens durch die zahlreichen
Entscheidungen anerkannt, die nach den Urteil vom 29. Januar 2001 ergangen sind und ebenfalls
Rechtsfähigkeit annehmen, vgl. nur BGHZ 148,201,206; 151,204,207; 154, 370, 376.
xlv BGHZ 163,154.
xlvi Besonders deutlich Bork, ZIP 2005,1205-1210.
xlvii Vgl. Wiedemann, Gesellschaftsrecht, Band 2, 2004, S.646, der die „Lehrsätze“ des
Urteils zur GbR im Stil eines Gesetzes wiedergibt.
xlviii BGHZ 163,154,164.
xlix Vgl. Bork, Allgemeiner Teil des Bürgerlichen Gesetzbuchs, 2. Aufl. 2006, Rn. 195; ders.,

ZIP2005,1205; Stürner,]?. 2002,1108,1109; ders., JZ2003,44; Prärfzwg, in: Festschrift für Herbert
Wiedemann, 2002, S. 1177,1193.
l Siehe dazu unten unter 5, 6 und 8.
li BGHZ 146, 341, 344. Der BGH setzt den Zusatz „nach außen bestehend“ davor. Was

damit gemeint ist, bleibt dunkel: Eine Rechtsfähigkeit besteht immer nur nach außen, insofern sie
die Rechtssubjektivität in der Rechtsordnung betrifft. Kritisch auch Beuthien, JZ 2003, 715, 720.

This content downloaded from 62.122.79.78 on Wed, 18 Jun 2014 06:12:14 AM


All use subject to JSTOR Terms and Conditions
207 (2007) Der Begriff der Rechtsfähigkeit 249

lii BGHZ 163,154,158 f.


liii Vgl. z.B. Habermann/Weick, in: Staudinger, Bearb. 1995, Vorbem. zu § 1, Rn. 3;
Larenz/Wolf, Allgemeiner Teil des Bürgerlichen Rechts, 9. Aufl. 2004, § 5, Rn. 9.
liv Fabricius., Relativität der Rechtsfähigkeit, 1963, S. 109.
lv Fabricius, aaO., S. 55.
lvi Dazu oben unter 1.
lvii Declaration des Droits de l’Homme et du Citoyen vom 26. August 1789, Art. I S. 1. Zu

den Auswirkungen des allgemeinen Gleichheitssatzes auf die Rechtsfähigkeit vgl. de Boor,
Bürgerliches Recht, Band 1,2. Aufl. 1954, S. 56; E. Wolf Allgemeiner Teil des bürgerlichen Rechts,
3. Aufl. 1982, S. 179.
lviii Vgl. Bork, Allgemeiner Teil des Bürgerlichen Gesetzbuchs, 2. Aufl. 2006, Rn. 154.
lix Fabricius, Relativität der Rechtsfähigkeit, 1963, S. 80.
lx Vgl. Geny, Science et technique en droit prive positif, Band 3, S. 221; zitiert nach

Goubeaux, in: Ghestin (Hrsg.), Traite de droit civil, Les personnes, 1989, S. 28.
lxi Vgl. Ulmer, AcP 198 (1998), 113,121 und passim.
lxii Als „farblos-abstrakte Eigenschaft“ bezeichnet sie Schiink, in: Schlegelberger (Hrsg.),

Rechtsvergleichendes Handwörterbuch für das Zivil- und Handelsrecht des In- und Auslandes, 5.
Band, 1935, Stichwort „Rechtsfähigkeit“.
lxiii Rittner, Die werdende juristische Person, 1973, S. 219.
lxiv Dazu Gower, Governing Principles of Modern Company Law, 5.Aufl. 1992, S. 166 ff.;

Schiink, Die Ultra-Vires-Lehre im englischen Privatrecht, 1935.


lxv RG, Seuffert’s Archiv 40,389,392; JW 1937,3114,3115.
lxvi K. Schmidt, Gesellschaftsrecht, 4. Aufl.2002, S.214; Wiedemann, Gesellschaftsrecht, Band

1,1980, S. 209; Flume, Allgemeiner Teil des Bürgerlichen Rechts, Band 1/2 - Die juristische Person,
1983, S. 370.
lxvii Vgl. Greenfield, Virginia Law Review 87 (2001), 1279,1280; Hovenkamp, Georgetown
Law Journal 76 (1988), 1593, 1664. Siehe auch sec. 35 (1) englischer Companies Act 1985.
lxviii Vgl. Ehlers, Die Lehre von der Teilrechtsfähigkeit juristischer Personen des öf-
fentlichen Rechts und die Ultra-Vires-Doktrin des öffentlichen Rechts, 2000, S. 15 f.; Flume,
Allgemeiner Teil des Bürgerlichen Rechts, Band 1/2 - Die juristische Person, 1983, S. 370;
Wiedemann, Gesellschaftsrecht, Band 1,1980, S. 209.
lxix BGHZ20,119,124.
lxx BGHaaO., S. 126.
lxxi Vgl. Eggert, Die deutsche ultra-vires-Lehre, 1977, S. 5; Schiink, Die Ultra-Vires- Lehre im

englischen Privatrecht, 1935, S. 14.


lxxii Ebenso K. Schmidt, Verbandszweck und Rechtsfähigkeit im Vereinsrecht, 1984, S. 40;
Bork, Allgemeiner Teil des Bürgerlichen Gesetzbuchs, 2. Aufl. 2006, Rn. 191.
lxxiii Beispiel nach Medicus, Allgemeiner Teil des BGB, 8. Aufl. 2002, Rn. 1099; Timm,
NJW 1995,3209,3211.
lxxivDie Unterscheidung zwischen dem vorangegangenen sprachlichen Argument

und dem nun folgenden lässt sich nur eingeschränkt mit der Einteilung Miilberts in quantitativ und
qualitativ bedingte Rechtsfähigkeit vergleichen, vgl. Miilberts AcP 199 (1999), 38,44-47.
lxxv OLG München, NJW-RR 2000,526.
lxxvi Vgl. auch § 18 österr. ABGB: „Jedermann ist unter den von den Gesetzen vorgeschriebenen
Bedingungen fähig, Rechte zu erwerben.“ (Hervorhebung vom Verfasser).
lxxvii Vgl. Flume, Allgemeiner Teil des Bürgerlichen Rechts, Band 1/1 - Die Personen-
gesellschaft, 1977, S.90; K. Schmidt, Gesellschaftsrecht, 4.Aufl. 2002, S. 213; Ulmer, AcP 198 (1998),
113,115.
lxxviii Vgl. jetzt auch K. Schmidt, Gesellschaftsrecht, 4. Aufl. 2002, S. 213; Ulmer, ZIP
2001,585,588; Hadding, ZGR2001, 712, 718.
lxxix Beuthien,2003, 715, 721.

This content downloaded from 62.122.79.78 on Wed, 18 Jun 2014 06:12:14 AM


All use subject to JSTOR Terms and Conditions
250 Matthias Lehmann AcP

lxxx Ebenda.
lxxxi Ebenda.
lxxxii Flume, ZHR 136 (1972), 177,181 und passim; ders., Allgemeiner Teil des Bürgerlichen
Rechts, Band 1/1 - Die Personengesellschaft, 1977, S. 50 ff.
lxxxiii So Raiser, AcP 194 (1994), 495, 504,510; ders.} AcP 199 (1999), 104,137.
lxxxiv Haff Institutionen der Persönlichkeitslehre und des Körperschaftsrechts, 1918, S.61.
lxxxv Vgl. Bork, Allgemeiner Teil des Bürgerlichen Gesetzbuchs, 2.Aufl. 2006, Rn. 195.
lxxxvi Haff, Institutionen der Persönlichkeitslehre und des Körperschaftsrechts, 1918, S. 66-
68.
lxxxvii Puchta, Pandekten, 3. Aufl. 1845, S. 33 (Hervorhebung vom Verfasser).
lxxxviii O. von Gierke, Das deutsche Privatrecht, Band 1,1895, S. 265.
lxxxix Stellvertretend für viele: Rittner, Die werdende juristische Person, 1973, S.251; K.
Schmidt, Verbandszweck und Rechtsfähigkeit im Vereinsrecht, 1984, S. 10; Timm, NJW 1995, 3209;
H. J. Wolff, Organschaft und juristische Person, Band 1, 1968, S. 128. Aus der Rechtsprechung
siehe z.B. RGZ 165,193,203.
xc Siehe Tuor/Schnyder/Schmid, Das Schweizerische Zivilgesetzbuch, 11. Aufl. 1995, S.69.
xci Vgl. nur Furmstone Cheshire, Fifoot and Furmston’s Law of Contract, 12. Aufl. 1991, S. 444;

Cornu, Droit civil, Introduction - Les personnes, les biens, 11. Aufl. 2003, S. 209.
xcii Vgl. Oppermann, Europarecht, 3. Aufl. 2005, Rn. 69.
xciii Beuthien,]Z 2003,715, 718.
xciv § 3 Abs. 1 Nr. 1 UmwG. Dazu Timm, NJW 1995,3209; Mülbert, AcP 199 (1999),
38,50f.
xcv BGHZ146,341,347.
xcvi Rittner, Die werdende juristische Person, 1973. S. 255.
xcvii Treffend K. Schmidt, Gesellschaftsrecht, 4. Aufl. 2002, S. 408.
xcviii Völlig zu Recht wendet die Rechtsprechung daher beispielsweise die Bestimmung des
§ 31 BGB auf Personengesellschaften analog an, vgl. BGH NJW 1952,538 (für die oHG und die
KG); BGHZ 154, 88 (für die GbR).
xcix So aber Lampe, Juristische Semantik, 1970, S. 27, unter Hinweis auf Puchta, Art.

„Corporationen“, in: Weiske’s Rechtslexikon für Juristen aller teutschen Staaten, Band 3, 1841, S.
65 ff.; siehe auch Haff, Institutionen der Persönlichkeitslehre und des Körperschaftsrechts, 1918,
S. 37. Zur Kritik dieser Auffassung vgl. bereits Buchda, Geschichte und Kritik der deutschen
Gesamthandslehre, 1936, S. 231 f.
c Vgl. z.B. §§23-41 AktG, §§7-11 GmbHG.
ci Siehe z.B. § 705 BGB, § 123 Abs. 2 HGB.
cii Vgl. z.B. § 1 Abs. 1 Satz2 AktG, § 13 Abs. 2 GmbHG.
ciii Siehe § 128 HGB, der vom BGH analog auch auf die GbR angewandt wird, vgl.

BGHZ146, 341, 358; 148, 201, 206. Zur Anwendung auf die KG siehe § 161 Abs. 3 HGB.
civ Siehe z.B. §§ 76,111,119 AktG, §§ 35,46 GmbHG.
cv Statt aller K. Schmidt, 4. Aufl. 2002, S. 409. Allerdings ist die Fremdorganschaft nicht bei

allen juristischen Personen zulässig, z.B. nicht bei der eingetragenen Genossenschaft siehe § 24
Abs. 2 S. 1 GenG.
cvi Siehe z.B. § 709 Abs. 1 BGB.
cvii Siehe z.B. §15 Abs. 1 GmbHG.
cviii Statt aller Grunewald, Gesellschaftsrecht, 6. Aufl. 2005, S. 64.
cix Siehe §131 Abs. 3 S. 1 HGB.
cx Raiser, AcP 194 (1994), 495,506 ff.
cxi Zur Typenlehre vgl. LarenzJCanaris, Methodenlehre der Rechtswissenschaft, 3. Aufl.

1995, S. 290-302; Leenen, Typus und Rechtsfindung, 1971.


cxii Vgl. BGHZ 163,154,178 für die Wohnungseigentümergemeinschaft.
cxiii K. Schmidt, Gesellschaftsrecht, 4. Aufl. 2002, S. 209.

This content downloaded from 62.122.79.78 on Wed, 18 Jun 2014 06:12:14 AM


All use subject to JSTOR Terms and Conditions
207 (2007) Der Begriff der Rechtsfähigkeit 251

cxiv Siehe z.B. § 3 Abs. 1 Nr. 1,2 UmwG.


cxv Darauf weist Hadding, ZGR 2001, 712, 719, hin.
cxvi Richtlinie 87/102/EWG des Rates vom 22.12.1986 zur Angleichung der Rechtsund

Verwaltungsvorschriften der Mitgliedstaaten über den Verbraucherkredit, ABI. Nr. L42v.


12.2.1987, S. 48.
cxvii BGHZ149, 80, 83.
cxviii EuGH v. 22.11.2001 - C-541/99 u. 452/99, Cape Snc gegen Idealservice Sri u.a., Slg.
1-9049, Rn. 16.
cxix Vgl. K. Schmidt, Gesellschaftsrecht, 4. Aufl. 2002, S. 194.
cxx K. Schmidt, Verbandszweck und Rechtsfähigkeit im Vereinsrecht, 1984, S.62; ders., ZIP

1998,2, 7.
cxxi K. Schmidt, Verbandszweck und Rechtsfähigkeit im Vereinsrecht, 1984, S.63; zweifelnd vor

dem Hintergrund der neueren Entwicklungen im Personengesellschaftsrecht dagegen ders.,


Gesellschaftsrecht, 4. Aufl. 2002, S. 105.
cxxii Vgl. §§ 123 Abs. 2,124 HGB.
cxxiii §123 Abs. 1 HGB.
cxxiv Siehe Art. 1842 Abs. 1 Code civil.
cxxv Art. 1842 Abs. 2 Code civil.
cxxvi BGHZ146,341.
cxxvii BayObLG, NJW 2003,70; NJW-RR 2005,43.
cxxviii Dasselbe gilt nach dem Vorschlag von Ulmer/Steffek, NJW 2002, 330, 336, für die
Grundbuchakten. Vgl. dazu W4gwer, ZZP177 (2004) 305, 351.
cxxix Dies ausdrücklich hinnehmend Wagner, ZIP 2005, 637,644.
cxxx BPatG, GRUR 2004,1030; dazu Hildebrandt,2004,1924. Gegen die Markenrechtsfähigkeit

der GbR noch BGH, NJW-RR 2001,114.


cxxxi Dagegen will Knöfel, AcP 205 (2005), 645,685, die Rechtsprechung zur Marken-
rechtsfähigkeit auch auf die Grundbuchfähigkeit ausdehnen. Sein Argument, auch bei einer
Eintragung der GbR in das Grundbuch werde der gute Glauben an einen bestimmten
Gesellschafterbestand nicht geschützt, ist zwar richtig. Doch würde, wie im Text gezeigt, der
Grundsatz des Schutzes des gutgläubigen Erwerbers im Grundstücksrecht eingeschränkt, wenn
auch nicht registrierte Gesellschaften als Eigentümer in das Grundbuch eingetragen würden.
cxxxii Siehe Münch, DNotZ 2001, 535,549; K. Schmidt, NJW 2001,993,1002; Werten-
brnch,NJW 2002, 324, 329.
cxxxiii K. Schmidt, ZIP 1998,2, 7.
cxxxiv Klassischer Vertreter dieser Lehre ist Brinz, Lehrbuch der Pandekten, Band 3,
2. Aufl. 1888, S. 453-586; zu entsprechenden Theorien im französischen Recht vgl. die Nachweise
bei Malaurie/Aynes, Droit civil, Band 3, Les personnes, les incapacites,
3. Aufl. 1994, S. 196. Kritisch zu dieser Lehre Enneccerus/Nipperdey, Allgemeiner Teil des
Bürgerlichen Rechts, Band 1,15. Aufl. 1959, S. 610, Fn. 2; Larenz/Wolf Allgemeiner Teil des
Bürgerlichen Rechts, 9. Aufl. 2004, §9, Rn. 8; Flume, ZHR 136 (1972), 177, 184 f.; Wieacker, in:
Feschrift für Ernst Rudolf Huber, 1973, S. 339, 354.
cxxxv Vgl. Holder, Natürliche und juristische Personen, 1905, S. 127.
cxxxvi Husserl, AcP 127 (1927), 129,183.
cxxxvii § 80 Abs. 1 BGB.
cxxxviii Dazu schon oben unter 2 b).
cxxxix Vgl. Palandt/Heinrichs, 66. Aufl. 2007, Vorb. v. §80, Rn. 10; Soergel/Neuhoff, 13. Aufl.
2000, §80, Rn. 24.
cxl Siehe Thieme, Das Deutsche Personenrecht, 2003, S. 67.
cxli Siehe Grunewald, Gesellschaftsrecht, 6.Aufl. 2005, S.53; K. Schmidt, Gesellschaftsrecht, 4.

Aufl. 2002, S. 1697.


cxlii So zu Recht BGHZ146,341, 345; 163,154,164.

This content downloaded from 62.122.79.78 on Wed, 18 Jun 2014 06:12:14 AM


All use subject to JSTOR Terms and Conditions
252 Matthias Lehmann AcP

cxliii Fabricius, Relativität der Rechtsfähigkeit, 1963, S. 65.


cxliv Siehe Schlussanträge des Generalanwalts Ruiz-Jarabo Colomer, Rs. C-208/00, Slg. 2002,1-
9919, Rn. 46 - Überseering.
cxlv Wieacker, Das Sozialmodell der klassischen Privatrechtsgesetzbücher und die

Entwicklung der modernen Gesellschaft, 1953, S. 11.


cxlvi BGHZ42,210.
cxlvii BGZ146,341.
cxlviii Vgl. Wagner, 7TT? 117 (2004), 305, 317. Dagegen sieht Hadding, ZGR 2001, 712, 728,
im rechtsfähigen nicht rechtsfähigen Verein keinen Widerspruch, weil §54 S.l BGB nur den nach
den Vorschriften der §§21-23 BGB nicht rechtsfähigen Verein meine, eine Rechtsfähigkeit nach
anderen Vorschriften aber nicht ausschließe. Ein solcher gespaltener Begriff der Rechtsfähigkeit
ist aus den oben unter 3 b genannten Gründen abzulehnen.
cxlix Art. 711 EGBGB.
cl Vgl. dazu oben unter 2 a). Zu Ausnahmen siehe Kegel/Schurig, Internationales Privatrecht,

8. Aufl. 2000, S. 478 f.


cli Art.6EGBGB. Zu seiner Bedeutung für die Rechtsfähigkeit siehe Staudinger/ Hausmann,

Bearb. 2000, Art. 7 EGBGB, Rn.28f.; Kegel/Sch urig, Internationales Privatrecht, 8. Aufl. 2000, S.
479.
clii Vgl. zu ihr Kindler, in: MünchKommBGB, 4. Aufl. 2006, IntGesR, Rn. 400405; Leible, in:

Michalski, GmbHG, 2002, Syst. Darst. 2, Rn. 4-6.


cliii v. Hoff'mann/Thorn, Internationales Privatrecht, 8. Aufl. 2005, S. 290.
cliv EuGH, Urt. v. 5.11.2002 - Rs. C-208/00, Slg. 1-9919 - Überseering.
clv EuGH aaO., Rn. 80 f.
clvi Der BGH hatte einen entsprechenden Versuch in BGHZ151, 204 unternommen. Nach

dem Urteil des EuGH hat ein anderer Senat diese Lösung verworfen, vgl. BGHZ154,185.
clvii Freundschafts-, Handels- und Schiffahrtsvertrag zwischen der Bundesrepublik
Deutschland und den Vereinigten Staaten von Amerika v. 29.10.1954, BGBl. 1956II 488, Art.
XXV Abs. 5 S. 2.
clviii BGH NZG 2004,1001.
clix BGH NJW 2005,3351.

This content downloaded from 62.122.79.78 on Wed, 18 Jun 2014 06:12:14 AM


All use subject to JSTOR Terms and Conditions