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Die Technosphäre
Raúl Claro, Juni 20181

Zusammenfassung:    Seit   einigen   Jahren   scheint   sich   die   Meinung   zu   verbreiten,   dass   die
Veränderungen   in   der   historischen   Entwicklung   einer   globalen   Welt   nur   unzureichend   mit   den
bisherigen   Bezeichnungen   erfasst   werden   wie   der   sich   jetzt   vollziehenden  dritten   industriellen
Revolution,   oder   gar   der   sich   vorbereitenden   vierten,  Industrie   4.0.2  So   tauchte   der   Begriff   des
Anthropozäns  auf,   um   ein   neues   Zeitalter   zu   bezeichnen,   in   dem   der   Mensch   Auswirkungen
geologischen Ausmaßes auf den Planeten hat. In vergleichbarer Weise stellt der konkretere Begriff
der  Technosphäre  einen   Versuch   dar,   genauer   die   umfassenden   und   tiefen   Veränderungen   zu
erfassen,  die  wir  der  Erde  zufügen.   Er  bezieht  sich  auf  eine  Schicht  von  technischen   Objekten   –
Maschinen im umfassenden Sinn –, die inzwischen sich praktisch lückenlos über die Erde zieht. Der
Artikel befasst sich mit ihren Merkmalen und Auswirkungen.

“Kuckuck sah sich flüchtig um und eröffnete dann mit einer gewissen Vertraulichkeit – offenbar
nur, weil ich es war, der Marquis de Venosta:  »Es hat nicht eine, sondern drei Urzeugungen 
gegeben: Das Entspringen des Seins aus dem Nichts, die Erweckung des Lebens aus dem Sein 
und die Geburt des Menschen« .3

Professor Kuckuck, eine Figur des Romans Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull von 
Thomas Mann, zeichnet mit diesem Satz den Umriß einer Geschichte des Kosmos, und zwar
einer dramatischen. Es sind drei explosive Momente, an denen sich ein Sprung ereignet. Es 
wird jeweils etwas hinzugefügt,  was vorher nicht vorhanden war. Dem Nichts wird das 
Sein, dem Sein das Leben, dem Leben das menschliche Bewusstein hinzugesetzt.

Seine Behauptung ist auch ein Beispiel dafür, wie dieses Letzte, das Bewusstsein,  
Bereiche der Wirklichkeit im Denken vereinigt und miteinander in Beziehung setzt – und 
mit Hilfe von Begriffen diese in einem geistigen Spiel nachbildet.

Die Sphären der Erde

In einem vergleichbaren Spiel hat der österreichische Geologe Eduard Suess gegen Ende 
des 19. Jahrhunderts die Erde als durch konzentrische Schichten zusammengesetzte Kugel 

1 Dieser Artikel fasst kurz das Thema zusammen, das  im bald zu erscheinenden Buch »Die Technosphäre« (oekom verlag) dargelegt 
wird.
2 Siehe z. B. die Broschüre des deutschen Umweltministeriums »Die Dritte Industrielle Revolution – Aufbruch in ein ökologisches 
Jahrhundert. Dimensionen und Herausforderungen des industriellen und gesellschaftlichen Wandels« (2008). Unter: 
https://www.boell.de/sites/default/files/assets/boell.de/images/download_de/oekologie/broschuere_dritte_industr_rev.pdf. Da 
bezeichnen die aufeinanderfolgenden Etapen die jeweils zugrundeliegende Energieform: Kohle für die erste, Erdöl für die zweite, 
erneuerbare Energien für die dritte industrielle Revolution.  Den gleichen Ausdruck benutzt Günther Anders in einem ganz anderen Sinn: 
die erste industrielle Revolution ist dadurch gekennzeichnet, dass Maschinen Maschinen bauen; die zweite, dass Bedürfnisse produziert 
werden müssen. Die dritte setzt an, als eine Technik entsteht, die der Menschheit ermöglicht »ihren eigenen Untergang zu produzieren«, 
die Atombombe. Siehe Anders, Günther. [1980] 1992. Die Antiquiertheit des Menschen II, München: Beck Verlag, S. 19.  Wiederum 
andere beziehen sich auf die Haupteigenschaften des technischen Systems und sehen in der Kraft und Genauigkeit der Maschinen die 
erste, in der Automation die zweite, in der Digitalisierung die dritte. 
      Die erstgenannte Veröffentlichung definiert Industrielle Revolution »als radikaler und beschleunigter, aber langfristig wirksamer 
(„säkularer“) Wandel auf allen Ebenen der Gesellschaft« (S. 12­13). 
3 Mann, Thomas. 1996. Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull. Frankfurt a. M.: Fischer Verlag. Siehe Drittes Buch, Kapitel 5, S. 281.
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beschrieben, in denen sich jeweils spezifische Prozesse und Zyklen abspielen. Die ersten 
Schichten, die wir als Konkretisierung jener ersten Urzeugung ansehen können, sind die 
Lithosphäre (starre Gesteinschicht), die Hydrosphäre (Wasserschicht) und die Atmosphäre 
(Gasschicht). Diese drei zusammen mit der Barysphäre (der tiefen, plastischen Schicht) 
bilden die Geosphäre.
Mitten in dieser findet die zweite Urzeugung, von der Kuckuck spricht, statt: die 
Entstehung des Lebens, die Biosphäre. Und dann, innerhalb dieser, ereignet sich die dritte 
Urzeugung, der Spross des Menschenwesens, dem andere Autoren, wie der französische 
Philosoph Eduard Leroy, der russische Geologe Wladimir Wernadskzy und der Jesuit Pierre 
Teilhard de Chardin den Namen einer Noosphäre gaben: die Schicht des Denkens. 

Ich bin der Ansicht, dass es heute nötig ist, diese Auffassungen noch einen Schritt 
weiterzuführen. Über diese Noosphäre hinaus, die aus den verschiedenen über die Erde 
verstreuten Kulturen der Menschheit besteht, bildet eine dieser, die europäisch­westliche 
Kultur, eine neue Schicht, die bereits die Erdkruste umhüllt. Sie bedeckt die Oberfläche der 
Erde mit menschlichen Schöpfungen von einem besonderen, zu allem Früheren sehr 
verschiedenen Charakter. Man kann daher von einer Technosphäre sprechen: der Schicht der
technischen Objekte. 4

Eine Technosphäre?

Die Noosphäre soll die geistige Umwelt der Menschen bezeichnen, die Schicht des 
Bewusstseins, die sich in der Natur, d. h. in der Geo­ und Biosphäre entwickelt ;
die Technosphäre ersetzt aber nach und nach die Natur als physische Umwelt des Menschen.
Ein großer Teil der Menschheit lebt bereits in ihr –  vor allem die Einwohner/innen großer 
Städte und die Mehrheit der Bevölkerung in der sogenannten entwickelten Welt, den 
OECD­Ländern. Es ist also die Zeit gekommen, sie  zum Gegenstand einer Reflexion zu 
machen und als historisches Phänomen zu untersuchen. Woher kommt sie? Was macht sie 
aus und was unterscheidet sie von anderen Phänomenen? Wie entwickelt sie sich und 
welche Gesetzmäßigkeiten leiten ihre Evolution? Welche Auswirkungen hat sie auf die 
anderen Sphären – und was lässt sich zu ihrer Zukunft sagen?

Als erstes verdienen diese zwei letzten Fragen, wegen ihrer praktischen Folgen, 
unsere Aufmerksamkeit. Bereits heute sorgt sich ein Teil der Weltöffentlichkeit um die  
gefährlichen Auswirkungen, die das Wachstum dieser neuen Sphäre mit sich bringt. Die 
Biosphäre ist bedroht in ihrer Artenvielfalt und damit in ihrer Existenz; die Atmosphäre 
wird in ihrer Zusammensetzung abgeändert, und damit verwandelt sich das Klima der 
Erde; die Gewässer sind vielfach mit fremden, lebensfeindlichen Substanzen verseucht; das 
Leben überhaupt und insbesondere die verschiedenen Kulturen sehen sich vor zunehmend 
widrigen Überlebens­ und Entwicklungsbedingungen. Täglich verschwinden Walder, 
Wiesen, Feuchtgebiete samt ihren Ökosystemen und Populationen von tierischen und 
pflanzlichen Organismen unter dem Beton; so sterben Arten aus, mehr als Hundert pro Tag.
Es wird daher unabweislich und von zentraler Bedeutung, dass sich jede Erdbewohnerin, 
jeder Erdbewohner und insbesondere die hauptsächlichen Erschaffer von Technosphäre 
dieser Umstände bewusst werden. 

4 Abbildung aus: https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=3673219 (Herausgegeben v. Albert Scobel ­ Andrees 
Handatlas, 4. Auflage, Gemeinfrei)
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Das technische Objekt

Fangen wir mit der zweiten Frage an: Was macht die Technosphäre aus und was 
unterscheidet sie von anderen Phänomenen?  Meine Antwort darauf ist: die Schicht  oder 
das globale Netz von technischen Objekten.  Aber was kennzeichnet die technischen 
Objekte – angefangen von den kolossalen wie einem Containerschiff bis den unsichtbaren, 
wie den Schöpfungen der Nanotechnologie und den immateriellen elektromagnetischen 
Wellen –, die heute die Erdoberfläche überziehen? Warum tauchen sie auf?

Eisenbahnen­ und Telegraphendichte der Erde um 1900. Kopie aus Andrees Handatlas von 1901, S. 17.
Kolonial­ und Weltverkehrskarte

Was sie von alldem, was davor da war,  unterscheidet und trennt, ist die Eigenschaft,
dass sie von einer Technik erzeugt wurden, die von den exakten Wissenschaften getränkt 
ist. Mitten in ihrem Wesen herrscht das wissenschaftliche Gesetz, ein von mathematischer 
Stringenz geherrschtes System. Dieser Ursprung macht aus den technischen Objekten zu 
Konkretisierungen oder Verkörperungen einer Welt von Exaktheit und Manipulierbarkeit, 
wie der Welt der Mathematik. 
Vor Galilei betrachtete man die Mathematik als etwas, das einer höheren Welt 
angehörte, verschieden von der konkreten, materiellen Welt der menschlichen Gesellschaft 
und ihrer Umwelt. Für Aristoteles und für die Galilei bekämpfenden Aristoteliker gehörte 
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die Mathematik den himmlischen Sphären, nicht der irdischen Welt.  Das grundsätzlich 
Neue, das im 16. und 17. Jahrhundert entstand, ist die Entdeckung, dass die Welt als ein 
System von Systemen beschrieben werden kann und dass wir in ihr nicht auf die natürliche 
Alltagswelt mit ihren Zufälligkeiten, Überraschungen, Vielfalt und Ungenauigkeiten 
beschränkt sind: Es ist möglich, einfache Systeme von mathematischer Exaktheit in der 
Welt zu bauen, wenn die geeigneten Größen ausgewählt und isoliert werden. Es ist 
möglich, sogenannte Gesetze der exakten Wissenschaften zu formulieren, die solche 
allgemeine, einfache Systeme beschreiben können. Und nicht nur eine Beschreibung wird 
dadurch möglich: Die Gesetze erlauben es, dass eine neue Technik, die ich hier moderne 
Technik nennen möchte, entsteht. Es gerät im Bereich des Möglichen, mit denjenigen 
Eigeschaften von Genauigkeit und Manipulierbarkeit, die die Mathematik auszeichnen, 
ausgestattete Objekte zu erschaffen.  Es ist ein Schritt aus »der Welt des Ungefähren zum 
Universum der Genauigkeit«, wie der Wissenschaftshistoriker Alexander Koyré es 
ausdrückt.5 
Und es ist in diesem neuen Universum, dass sich nach und nach die Gesellschaft 
einrichtet, die wir »modern« nennen.
Wie kommt man zu diesem einfachen und exakten Systemen? Es ist dafür nötig, das,
was wir im Alltag vorfinden, zu reinigen, denn die Größen, die das exakte System bilden 
sollen, sind, isoliert, weder einfach da, noch in der einfachen geforderten Form miteinander
verbunden. Wenn wir uns für die Anziehung zwischen Massen interessieren, für das 
Gravitationsgesetz und seine Gleichung zum Beispiel, müssen wir Körper haben, deren 
Masse genau messbar ist und den Luftwiderstand entfernen. Das ist die Rolle des 
Experiments in den exakten Wissenschaften: Das genaue und einfache System zu 
verwirklichen, um auf diese Weise seine Gültigkeit und Möglichkeiten nachzuweisen. So 
kommt man zum wissenschaftlichen Gesetz. Drückt man dieses mit Hilfe geeigneter Begriffe 
und Symbole aus, hat man ein mathematisches System, das sich so verhält wie (ist 
homomorph zu) einem Ausschnitt einer bereinigten Welt.
Die auf solche Weise hergestellte Verbindung zwischen Materie und Mathematik 
führt die menschliche Macht zu ungeahnten Höhen – obwohl die wissenschaftlichen 
Utopien jener Zeit zeigen, dass einige Autoren durchaus die in der neuen Technik 
enthaltenen Möglichkeiten zum Teil vorausgesehen haben.6

Entstehung der Technosphäre

Die neu gefundene Macht kurbelt eine kontinuierliche und schnelle Entwicklung dieser 
neuen Art und Weise, mit der Welt umzugehen, an. Ein Prozess wechselseitigen Antreibens 
findet statt. Ein Erfolg in der exakten Wissenschaften eröffnet eine neue Möglichkeit, auf 
die Welt einzuwirken: eine neue Technik. Und diese macht ihrerseits möglich, die Welt so 
zu verändern, dass ein neuer wissenschaftlicher Erfolg erzielt werden kann. Die Methoden, 
Wissenschaft zu betreiben und aus deren Erfolgen Technik zu entwickeln, breiten sich auf 
neue Abschnitte und auf immer tiefere Ebenen der Wirklichkeit aus: Mechanik, Chemie, 
Elektromagnetismus, Radioaktivität, Quantenphysik, Genetik, Molekularbiologie …

5 Koyré, Alexandre. 1971. “Du monde de l' «à­peu­prés» à l’univers de la précision”. In Études d'histoire de la pensée philosophique,
S. 341­ 362.
Newton schreibt im Vorwort seiner »Principia naturalia«: »... die Neuern haben, nachdem sie die Lehre von den substantiellen 
Formen und den verborgenen Eigenschaften aufgegeben, angefangen die Erscheinungen der Natur auf mathematische Gesetze 
zurückzuführen. Es erschien daher zweckmässig, im vorliegenden Werke die Mathematik so weit auszuführen, als sie sich auf die Physik 
bezieht. «
6 Zum Beispiel die Neue Atlantis von Francis Bacon (1626) oder 170 Jahre später der Esquisse von Nicolas de 
Condorcet (1793).
5

Parallel dazu werden neue technische Objekte erfunden, die Anwendungen 
wissenschaftlicher Erkenntnisse darstellen. Was sind ihre Eigenschaften?

Der in den exakten Wissenschaften verankerte Ursprung der technischen Objekte verleiht 
ihnen spezielle Merkmale:
­ sie werden vorwiegend geplant. Obwohl der Zufall manchmal eine Rolle spielt, sind
die technischen Objekte unvergleichlich weniger abhängig von ihm als die Elemente 
anderer Sphären, der Kulturen, zum Beispiel;
­ sie erreichen einen extrem hohen Grad von Genauigkeit und Manipulierbarkeit im 
Vergleich zu von der Natur oder der nicht­wissenschaftlichen Technik hergestellten 
Objekten;
­ sie genießen daher eine besonders hohe Nützlichkeit und Effizienz7, um die 
verschiedensten Bedürfnisse oder Wünsche der Gesellschaft zu befriedigen, und verleihen 
den Nutzern oft besonders viel Macht;
­ sie entstehen nach und nach mitten in einem Medium, das bereits von anderen, 
früheren technischen Objekten geprägt ist, dessen Wirksamkeit sie voraus­ und fortsetzen. 
Mit ihnen vernetzen sie sich, bis sie – wie Günther Anders es ausdrückt  – eine »totale 
Maschine«8  bilden;
­ grundsätzlich entsprechen sie einer Welt und einer Logik, die der Natur fremd sind.
Sie müssen in der Regel von dieser isoliert gehalten und geschützt werden: vor Feuchtigkeit
und anderen korrodierenden und sie angreifenden Elementen. Die Natur ihrerseits, obwohl 
sie die Objekte zerstören kann, nimmt sie oder ihre Bestandteile nicht in ihre Kreisläufe auf.
So können sie Jahrhunderte lang als fremde und störende Stoffe weiter bestehen, wie die 
Kunststoffe im Land und Meer, die Gase in der derzeitigen Atmosphäre und die kaum zu 
zählenden chemischen Zusammensetzungen, die täglich entwickelt und später in die 
Umwelt entlassen werden.

Entwicklung und Folgen der Technosphäre

Wie lässt sich die wiederholte Erfindung technischer Objekte und ihre wuchernde 
Ausbreitung über die Erde erklären? Es liegt nahe, die Antwort auf diese Frage in ihren 
vorhin ausgeführten Eigenschaften zu finden – im besonderen Nutzen und  Machtzuwachs, 
mit denen sie dank der Genauigkeit und Manipulierbarkeit des sie hervorbringenden 
Systems wissenschaftlicher Gesetze ausgestattet werden können. Es sind mehrere positive 
Rückkopplungen am Werk, die vom Streben nach Macht und Reichtum in der Konkurrenz 
angetrieben werden.  Die durch diese Objekte vergrößerte Macht ermöglicht die Schaffung 
von noch mehr und noch besseren technischen Objekten, durch die die Konkurrenten um 
Macht und Reichtum besiegt werden können und zur weiteren Machterweiterung führen 
kann.  
Letzlich finden wir die kummulierte Wirkung einer gegenseitigen Stimulierung: eine 
moderne Technik hervorbringende Gesellschaft, die ihrerseits von einer Forderung von 
Rationalität und Effizienz geprägt wird. Eine Gesellschaft von im Wettbewerb stehenden 
Produzenten führt zum kapitalistischen Wirtschaftssystem, in dem der Erfolg von der 
Fähigkeit abhängt, etwas »besseres« herzustellen und zu verkaufen. Die Herstellung neuer 

7 Mit »Effizienz« beziehe ich mich auf das Verhältnis Nutzen – Aufwand, wobei beide Größen in vielfacher Hinsicht historisch 
definiert werden. In der heutigen technosphärischen Gesellschaft werden beide kurzfristig und kapitalistisch bestimmt, das heißt: sie 
werden vorwiegend in Geldbeträgen ausgedrückt – und lanfristige, möglicherweise tiefe und entscheidende Auswirkungen werden nicht 
berücksichtigt.
8 Anders, Günther. [1980] 1992. Die Antiquiertheit des Menschen II, München: Beck Verlag.
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technischer Objekte – Innovationen – wird zum Schlüsselziel eines kapitalistischen 
Unternehmens und wird gleichzeitig zum Motor der Entwicklung der Technosphäre.
Nach und nach wandert die menschliche Gesellschaft aus der früheren natürlichen 
Welt des Alltags in das neue Universum dicht miteinander vernetzter exakter technischer 
Systeme.

Die globale Dimension des Problems wurde durch die Veröffentlichungen des Club of Rome
in den 1970er Jahren zu den Grenzen des Wachstums offengelegt. Im gleichnamigen  Buch 
vertreten ihre Autoren (Donella Meadow u. a.9) die Auffassung, dass unser Planet das Ende 
der menschlichen Expansion in Bevölkerung und Produktion innerhalb der kommenden 
hundert Jahre sehen würde. Das technosphärische Wachstum würde zum Stillstand 
kommen. Das wahrscheinlichste Folge würde eine plötzliche und unkontrollierbare 
Verringerung sowohl der Bevölkerung wie der wirtschaftlichen Produktionskapazität sein.
Betrachten wir einige konkrete Zeichen der zerstörerischen Einwirkungen der 
Technosphäre in die anderen Sphären.

Globale Auswirkungen auf die Erde

Im europäischen Kulturraum lassen sich sehr alte Klagen zu den lokalen Veränderungen 
und Zerstörungen finden, die das natürliche Milieu unter dem Einfluss der menschlichen 
Siedlungen erleidet (Plato in der Antike, Georgius Agricola im 16. Jahrhundert). Im 19. 
Jahrhundert bedauern viele Autoren in Deutschland und den Vereinigten Staaten die 
Verwüstungen, die eine sorg­ und verantwortungslose Ausbeutung der Natur in der Neuen 
Welt angesichts von angeblich unbegrenzten und unzerstörbaren Resourcen verursacht.10
Das vielleicht allgemeinste (und undifferenzierteste) Zeichen des Anschlags der 
Technosphäre auf die Erde ist die Masse von Materie, die der Natur entwendet wird und 
heute 60 Milliarden Tonnen jährlich erreicht. Es ist schwer, sich eine solche Menge und ihre
Auswirkungen vorzustellen. Bedeutender erscheint also, ihre Wachstumsgeschwindigkeit zu
betrachten. Entlang des 20. Jahrhunderts hat sich die jährliche Entnahme von Rohstoffen 
aus Geo­ und Biosphäre verachtfacht und die Berechnungen sagen für die Mitte dieses 
Jahrhunderts eine Menge in Höhe von 140 Milliarden Tonnen voraus11.  Diese Dimensionen
verraten eine so gewaltige Störung, dass die geologischen Wissenschaften von einem 
Anthropozän sprechen, der Epoche, in der die Aktivität der Menschheit sich in eine Kraft 
von geologischem Rang verwandelt und den Planeten außerhalb des Raumes gemäßigter 
Variationen der Holozäns herausführt.

Detaillierter aber zeigt sich diese Wirklichkeit in einigen besonderen Aspekten. Seit der 
Mitte des 20. Jahrhunderts  – zum Beginn jenes dreißigjährigen Zeitraums, der in manchen 
Industrienationen das Goldene Zeitalter genannt wird, beschleunigt sich rasant das 
Wachstum mancher Prozesse und Entwicklungen von großer Bedeutung. Sie betreffen 
sowohl die menschliche Gesellschaft wie das System Erde. Die Bevölkerung wächst, zum 
Beispiel, um eine Milliarde alle 12 Jahre, vor allem in den nicht entwickelten Ländern. Die 
Förderung und Verbrauch von Naturstoffen, um sie menschlichen Zwecken umzuwidmen, 
wie Wasser, Land, Erdöl, Fischen, Mineralien, und die Erzeugung schädlicher Abfälle wie 

9 Meadows, Donella H., Meadows, Dennis L., Randers, Joergen, Behrens, William W. 1972. Die Grenzen des Wachstums. Bericht 
des Club of Rome zur Lage der Menschheit. Deutsche Verlags­Anstalt, Stuttgart 1972.
10 Es lassen sich Alexander v. Humboldt, George P. Marsh, Henry David Thoreau, John Muir und andere anführen.
11 Siehe Global Environment Outlook­5 (GEO­5), p. 207, das Programm der Vereinten Nationen für die Umwelt (UNEP), 
http://web.unep.org/geo/assessments/global­assessments/global­environment­outlook­5.
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der CO2­Emissionen, Methan, Blei, Chlorfluorkohlenstoffe und vieler anderer (vor allem in 
den OECD­Ländern) wachsen oft mehr als dopelt so schnell wie in der Zeit zuvor und 
häufig exponentiell. Diesem Phänomen wurde 2007 der Name »Große Beschleunigung« 
gegeben.
Acht Jahre später in einer aktualisierten Version weisen die Autoren darauf hin, dass 
sich bei einigen dieser Entwicklungen die Wachstumsrate vermindert hat, wie zum Beispiel 
den Fangmengen von Fisch, der Verwandlung von Wildnis in Agrarland oder dem Bau von 
Deichen. Doch die Verminderung geschieht nicht aufgrund einer sorgfältigeren, 
schonenderen Vorgehensweise bei der Gewinnung der Naturelemente sondern wegen der 
Erschöpfung der vorhandenen Ressourcen: Es gibt einfach nicht mehr so viel Fisch, Wildnis 
oder Flüsse, die zur Verfügung stehen, um in Technosphäre verwandelt zu werden.12 In 
einigen Fällen scheinen aber bei der Verminderung auch wenig besorgniserrende Prozesse 
eine Rolle zu spielen, eine Art vernünftige Selbstbeschränkung, etwa beim 
Bevölkerungswachstum, Zerstörung der Ozonschicht oder beim Verbrauch von 
Düngemitteln
Aber die meisten Entwicklungen befinden sich noch im früheren beschleunigten 
Wachstum mit den entsprechenden zerstörerischen, direkten oder indirekten Auswirkungen
auf die Natur: beim Konsum der Primärenergie, Degradierung der Biosphäre auf dem 
Festland, Versauerung der Ozeane, CO2­Emissionen, Transport auf Land, Meer und Luft, 
Telekommunikationen, Urbanisierung usw. 

Die Zukunft der Technosphäre: eine Anthroposphäre?

Wenn wir einen bedeutsamen Prozess beschreiben und in Frage stellen, scheint es 
folgerichtig, zu fragen, wohin er führen wird, wenn seine Dynamik ungehindert 
weiterwirkt.
Und auch diese Frage – glücklicherweise – stellen sich viele Menschen zunehmend. 
Hauptsächlich innerhalb der »OECD­Welt«, dem Träger und Erzeuger der Technosphäre,  
aber auch anderswo, beginnen Bürgerinnen und Bürger zu verstehen, was ihr Handeln 
bedeutet und welche Auswirkungen es hat. Es gibt eine unzählige Menge von Initiativen auf
allen Niveaus: des Einzelnen, der Familien, lokal, regional, national und schließlich 
international und global, die beobachten, prüfen, sich äußern und handeln hinsichtlich des 
beschriebenen Prozesses. Sie betreffen eine Reihe menschlicher Dimensionen im Alltag, in 
der Politik, in den Medien und selbst in Regionen der Wissenschaft und des religiösen und 
spirituellen Raumes auf der Suche nach einem Weg, wie die Technosphäre daran gehindert 
werden kann, den noch übriggebliebenen Rest von Natur zu  zerstören.

12 Will Steffen, Wendy Broadgate, Lisa Deutsch, Owen Gaffney and Cornelia Ludwig. 2015. "The trajectory of the 
Anthropocene: The Great Acceleration", The Anthropocene Review, 2015, pp. 1–18.
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An diesen zwölf Größen lässt sich erleben, wie ab Mitte des 20. Jahrhunderts eine unerhört steile Zunahme von
Produktion und Konsum stattfindet und unser derzeit exponentiell angetriebenes Wirtschaftswachstum offenbart .
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Aber die Anzeichen sind nicht ermutigend. Noch die Mehrheit der Menschen und der
hauptsächlich Verantwortlichen setzen all ihre Anstrengungen daran, den bisher 
eingeschlagenen Weg fortzuführen. Der bewusstere Teil verliert nicht die Hoffnung, merkt 
jedoch, dass die Zeit, einen Kurswechsel zu vollziehen, kurz ist. Bis zur Mitte dieses 
Jahrhunderts müssen sich etliche Dinge gründlich geändert haben, wenn wir Bedingungen 
fernhalten wollen, die bis heute unüblich und kaum erträglich für das Leben erscheinen, so 
wie wir es bis heute gekannt haben: das menschliche und das Leben der pflanzlichen und 
tierischen Welt.
Es handelt sich nicht nur um eine Beschränkung, besser gesagt um eine 
Selbstbeschränkung der expansiven Bewegung menschlicher Bevölkerung und Wirtschaft. 
Es wird auch das sein müssen, doch verbunden mit einer neuen Utopie. Nötig ist die 
bejahende Sicht eines künftigen menschlichen Gebäudes, das nicht mehr als Bedingung 
oder als Ergebnis eine umfassende und tiefe Zerstörung der Natur mit sich trägt, wie es der 
heutige Weg tut.

Ich schlage für diese neue Sphäre den Namen »Anthroposphäre«, weil sie wahrhaft 
menschlich wird sein müssen in der Hellsichtigkeit und Verantwortungsfähigkeit der 
Menschen, die sie gestalten – in viel stärkerem Maße als das blinde Wachstum, das den 
derzeitigen Kurs kennzeichnet.
Innerhalb der Grenzen dieses Artikels ist eine ausführlichere Beschreibung der 
Anthroposphäre nicht möglich. Aber sie wird Ergebnis einer neuen Haltung sein müssen, 
die sich von Verantwortung für die Zukunft und großer Kreativität kennzeichnet – das 
heißt, sie wird von solchen Eigenschaften geleitet sein, die unsere Art vor dem Rest der 
Biosphäre auszeichnet, von unseren spezifisch menschlichen Merkmalen.  Von solchen, an 
die Professor Kuckuck denkt, als er im menschlichen Bewusstsein eine dritte Urzeugung, 
einen Sprung aus dem Nicht­vorhandenem sieht.
 Einem aufmerksamen Blick erscheint, dass Keime einer solchen Haltung sich überall
zeigen. Viele gehen ein, bevor sie sich voll entfalten können. Andere jedoch wachsen und es
entstehen weitere, ebenfalls auf allen Ebenen.

So dass in einer nicht voraussagbaren Welt und in einem nicht vorausbestimmten 
Geschichtsverlauf das letzte Wort noch nicht gesprochen ist.