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April/Mai 2019 Nr. 3/2019 € 4,95 Österreich € 5,70 . Schweiz sFr 8,40 . BeNeLux € 5,90 .

Italien € 6,90

Sturmgewehr 44
Revolutionäre Waffe
der Wehrmacht

Nato-Schre ck
r PT-76
Schwimmpanze

1944: Drama an der Ostfront

Kampf
um Tarnopol

Landwehr gegen Napoleon Festung Alpenrepublik


1813: Geburt einer Volksarmee Wie die Schweiz den Weltkrieg überstand
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Herausgeber Dr. Guntram Schulze-Wegener
über eine historische Entscheidung im Oktober 1923
KOLUMNE

Reichswehr marschiert!

er Krieg war 1918 zwar vorü- Erfolg, der das Bild Deutschlands Weit über lokale Grenzen hinaus

D ber, aber ein solch gewaltiges


Weltereignis konnte weder in
Deutschland selbst noch in den betei-
nachhaltig geprägt hat.
Was war geschehen? In der säch-
sischen Landesregierung unter Erich
bahnte sich ein Kampf zwischen
Reichsregierung und der gesamten
sozialistischen Linken an!
ligten Ländern zu einem sofortigen Zeigner vereinten sich gemäßigte Als sich die Anzeichen für Unru-
friedlichen Abschluss gelangen. Die Sozialdemokraten mit dem neuen hen mehrten, setzten sich im Auftrag
Nachbeben wirkten fort, und bis 1923 proletarischen Gewaltmonopol von von Reichspräsident Friedrich Ebert
erschütterten Folgerevolutionen und Kommunisten, welche die Reichs-
-konflikte die mitunter ehrlichen Be- wehr nicht nur als Verkörperung des
mühungen der neuen Regierungen. verhassten preußischen Militaris-
Im Januar jenes Jahres besetzten mus betrachteten, sondern als gefähr-
die Franzosen das Ruhrgebiet, im liche Brutstätte konterrevolutionärer
April kam in Sachsen eine linksso- Monarchisten. Am 10. Oktober 1923
zialistische Regierung an die Macht, trat die aus Moskau gesteuerte KPD
deren Programm das Land in Kon- in Sachsen und einige Tage später
flikt mit dem Reich bringen musste. auch in Thüringen in die Regierung
In Hamburg und Thüringen rüsteten ein. Ein wichtiger Punkt der Verein-
ebenfalls Kommunisten zur bewaff- barungen zwischen Landesregierung

1923 bahnte sich ein Kampf zwischen der


Reichsregierung und den Sozialisten an.
neten Revolution, während in Bayern und KPD war die Erlaubnis, „proleta-
eine Koalition aus Konservativen, rische Hundertschaften“ aufzustel-
Ultrakonservativen und Rechtsradi- len, die sich als eine schlagkräftige Im sächsischen
kalen gegen das „Rote Berlin“ die Truppe gegen die konservierenden Truppen in Bewegung und lieferten Freiberg zeigte die
Autorität der Reichsregierung infra- Kräfte der Reichswehr verstand. Der sich vom 21. bis 27. Oktober in ver- Reichswehr 1923
ge stellte. Allgemeine Unsicherheiten Führer der sächsischen Kommunis- schiedenen Städten Schießereien Präsenz. Um die
und die Versailler Vertragsbestim- ten Paul Böttcher forderte öffentlich: mit Kommunisten. Zwei Tage darauf Bevölkerung nicht zu
mungen schufen eine Atmosphäre „Das Proletariat muss sofort bewaff- beendete eine förmliche Reichsexe- beunruhigen, trugen
genereller Ohnmacht, die Kaufkraft net werden“ und rief zum Kampf auf. kution die Regierung Zeigner und die Soldaten statt
der Mark sank beinahe stündlich und Nicht ganz zu Unrecht wertete entzog dem organisierten Krawall der des Stahlhelms die
mehrte das Elend einer ohnehin Reichswehrminister Otto Geßler die- Straße jede Grundlage. einfache Feldmütze
schon geschundenen Bevölkerung. sen Aufruf als Signal zum kommu- Aus heutiger Sicht mag es verstö-
Deutschland drohte in Stücke ge- nistischen Aufstand mit möglicher- rend klingen, aber die Anwendung
rissen, politisch, wirtschaftlich und weise länderübergreifenden Folgen, von Gewalt – es hatte Tote, Verletzte
gesellschaftlich atomisiert zu werden. während Reichswehrchef Hans von und unentschuldbare Misshandlun-
Wie sollte es weitergehen? Dass aus- Seeckt anfangs noch zur Gelassen- gen durch Angehörige der Reichs- Ein Hinweis
in eigener Sache:
gerechnet die Reichswehr, zum dama- heit mahnte. Dann überschlugen wehr gegeben – war in dieser Situa- Als Abonnent haben
Abb.: Scherl/SZ-Photo

ligen Zeitpunkt einer der Konflikther- sich die Ereignisse: Mitte Oktober ließ tion das einzige Mittel gewesen, um Sie Militär & Geschichte
de und politisch bestimmenden Fak- der in Sachsen kommandierende einen drohenden, unkalkulierbaren erstmals ohne Ver-
packung erhalten.
toren in Berlin, in dieser brisanten General Alfred Müller die „proletari- Flächenbrand zu verhindern. Schwert Wir folgen damit zahl-
Phase als Regulativ und Instrument schen Hundertschaften“ verbieten (Reichswehr) und Feder (Reichsexeku- reichen Anregungen
unserer treuen Leser,
zur Lösung der schweren Krise in und unterstellte die Schutzpolizei tion) hatten im Oktober 1923 Schlim- um unnötigen Plastik-
Sachsen auftrat, war ein historischer (Schupo) dem Befehl der Reichswehr. meres verhindert. müll zu vermeiden!

Militär & Geschichte 3


TITEL

Kampf um Tarnopol
INHALT

8 Anfang 1944 wurde Tarnopol zum


Festen Platz erklärt und prompt
eingeschlossen. Ein Wettlauf
gegen die Zeit begann

Alpenwacht
Die Rolle der Schweiz im Zweiten
Weltkrieg – zwischen Neutralität,
Geschäftemacherei und
ständiger Alarmbereitschaft

70

54
Landwehr
gegen Napoleon
Als sich Preußens Bürger zu einem
Volksheer vereinten und der regulären
Armee zum Sieg verhalfen

4
Germanicus am Ort der Varus-
36 Schlacht: Rom wollte Rache für
3 KOLUMNE Reichswehr marschiert! die Niederlage gegen Arminius
Warum die Armee 1923 in Thüringen und Sachsen eingreifen musste

6 PANORAMA Wussten Sie, dass ..., Die historische Zahl, Zitate

8 TITEL Halten um jeden Preis


Im März 1944 wurden 4.500 Deutsche in Tarnopol eingeschlossen. Würde es
der Wehrmacht gelingen, noch einmal zu der Besatzung vorzudringen?

22 MENSCHEN & SCHICKSALE Der Vorhof zur Hölle


Wie der Künstler Otto Dix seine Weltkriegserlebnisse verarbeitete

28 WAFFEN & TECHNIK Mit allen Wassern gewaschen


Der begehrte Schwimmpanzer PT-76 gehörte zur Erstausstattung der NVA

36 KRIEGE & SCHLACHTEN Die Rache des Imperiums


Germanicus-Feldzüge 14–16 n. Chr.: So wollte Rom die Germanen zähmen Nicht wasserscheu: Als erster
28 Schwimmpanzer wurde der PT-76
40 KRIEGE & SCHLACHTEN Untergang im Feuersturm seiner Aufgabe wirklich gerecht
Am 2. Januar 1945 wurde Nürnbergs Altstadt im Bombenhagel völlig zerstört

46 NEU AM KIOSK Clausewitz Spezial „1866“ und Clausewitz 2/2019


Einblicke in unsere Schwestermagazine zum Schwerpunkt „Österreich“

48 WAFFEN & TECHNIK Die verschleppte Revolution


Warum das revolutionäre Sturmgewehr 44 erst so spät zur Wehrmacht kam

54 VERBÄNDE & EINHEITEN Bürger, zu den Waffen!


1813: Die neue preußische Landwehr nimmt den Kampf gegen Napoleon auf
Abb.: Scherl/SZ-Photo (2), p-a/akg-images (2), MIREHO (3), Knorr+Hirth/SZ-Photo

60 DOKUMENT „Wollen deutsch bleiben“


Wie der Magistrat von Danzig 1918 den Verbleib bei Deutschland forderte

62 VERBÄNDE & EINHEITEN Kalkulierter Terror


Das Sudetendeutsche Freikorps sollte im Herbst 1938 die ČSR destabilisieren

68 MILITARIA Rekordpreise für Sammlerstücke


Unterm Hammer: Auszeichnungen des „Panzerhelden“ Michael Wittmann

70 SPEZIAL Ungeliebt, aber nützlich


Zwischen Kooperation und Abschottung: die Schweiz im Zweiten Weltkrieg

78 SERVICE Bücher, Ausstellungen, Militärhistorisches Stichwort


Von der Festung Mainz bis zu ferngelenkten Panzermodellen in Munster

80 EINST & JETZT Nervosität auf den Straßen


1916: Nach dem Osteraufstand in Dublin retten Bürger ihre Habseligkeiten

82 Rubriken: Vorschau, Impressum Siegessicher: Sudetendeutsche Frei-


62 schärler wollten den Anschluss ihrer
Titelthema Heimat ans NS-Reich herbeibomben

Mehr Feuerkraft: Das deutsche


Zum Titelbild: Panzerkampfwagen VI „Tiger“ durchqueren Sturmgewehr 44 bedeutete eine
im Kampfraum Tarnopol einen Fluss (April 1944) Revolution im Bereich der auto-
Bildquellen: picture-alliance (p-a)/ZB, MIREHO (2), 48 matischen Handfeuerwafen
Interfoto/Mary Evans, p-a/akg-images

Militär & Geschichte 5


„Ich bin froh, dass wir bombardiert
PANORAMA

worden sind. Jetzt können wir den


Leuten im (Londoner Arbeiterviertel)
East End in die Augen sehen. “
Queen Elisabeth II. (geb. 1926), ab Februar 1945 Subalternoffizier
ehrenhalber beim Auxiliary Territorial Service (ATS), über die
mehrfache Bombardierung des Buckingham Palace seit 1940

WUSSTEN SIE, DASS …


Burghausen … die längste Burg der Welt im ober-
liegt oberhalb bayerischen Burghausen steht?

Abb.: Interfoto/Austrian National Library/New York Times Photo, Bwag (CC BY-SA 4.0), US Navy, Slg. M&G, Berliner Unterwelten e.V./Frieder Salm, Scherl/SZ-Photo
der gleichna- Die Anlage erstreckt sich über 1.051 Meter
migen Stadt an auf einem Bergkamm und wurde vom 11. bis
der Grenze zu ins 19. Jahrhundert mehrfach erweitert.
Österreich
… die britische Vanguard das letzte
Schlachtschiff war?
Die 1944 vom Stapel gelaufene Vanguard wurde
erst am 25. April 1946 in Dienst gestellt; ab
Die Vanguard war das letzte 1955 war sie Flaggschiff der Reserveflotte der
und seinerzeit auch größte Royal Navy. Nur das französische Schlachtschiff
Schlachtschif der Royal Navy Jean Bart nahm noch später seinen Dienst
auf (1949), der Stapellauf lag da aber schon
neun Jahre zurück.

… die Japaner die USA mit Ballonbomben


angriffen?
Während des Frühjahrs 1945 starteten die
Japaner bis zu 9.000 mit Wasserstoff gefüllte
Ballons, die – vom Windstrom getrieben – den
Pazifik überfliegen und Nordamerika erreichen
Japanische Ballons sollten die amerikanische sollten. Nach drei Tagen wurde automatisch
Bevölkerung in Angst und Schrecken versetzen die mitgeführte Nutzlast abgeworfen: fünf
Zwölf-Kilogramm- und eine 15-Kilogramm-
Bombe, die Waldbrände verursachen und Panik
auslösen sollten. 1.000 dieser „Fu-Go“-Ballons
erreichten Kanada und die USA. Weil die
noch winterfeuchte Vegetation aber kaum
Feuer fing, endete die Aktion als Fehlschlag.

Der Verein … die Flaktürme in Hamburg, Berlin


Berliner Unter- und Wien nach dem „Endsieg“ verkleidet
welten e.V. werden sollten?
zeigt in seiner Die gigantischen Betonanlagen sollten nach
Ausstellung dem Krieg in eine zivile Nutzung überführt
„Mythos werden. Um sie harmonischer in das Stadtbild
Germania“, zu integrieren, wollte man sie in einen Mantel
wie der Flakturm aus Granit, Kalk- und Sandstein hüllen, der
Humboldthain an neoromanische Burgen des 19. Jahrhunderts
mit Verkleidung angelehnt war. Zur Probe hatte man vorüber-
ausgesehen hätte gehend 40 Quadratmeter Fassade am Flakturm
im Berliner Tiergarten derart verblendet.
Mehr Infos: www.mythos-germania.de

6
„ Ach, was schießt Ihr schlecht!“
Andreas Hofer (1767–1810), Tiroler Freiheitskämpfer, vor dem Erschießungskommando

„ Gott schütz’ die Flotte, schirm’ das Heer, und geb’uns Sieg zu Land und Meer!“
Deutsche Kriegspostkarte von 1914

„ Eiserne Ration bedeutet eiserne Ration,


weil sie innen genauso hart wie außen ist. “
Soldatenspruch

DIE HISTORISCHE ZAHL

2.800.000
Pferde setzte die Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg ein. Fast
Allein im ersten Jahr
des Russlandfeldzugs
zwei Drittel davon verendeten durch Strapazen und Hunger. starben durchschnittlich
1.000 Pferde – jeden Tag

Militär & Geschichte 7


TITELTHEMA

FESTER PLATZ TARNOPOL, 1944

Halten
um jeden Preis
Mit scheinbar unerschöpflichen Kräften attackierte
die Rote Armee Anfang 1944 im Südabschnitt der Ostfront
die stark geschwächten Verbände der Heeresgruppe Süd.
Um den sowjetischen Vormarsch aufzuhalten, befahl
Hitler im März 1944 die Errichtung „Fester Plätze“.
Sie sollten gegnerische Truppen binden und
Abb.: picture-alliance/ZB

nötigenfalls bis zum letzten Mann gehalten werden

8
n Heiligabend 1943 trat die Rote zierte Ende Februar 1944, dass die Oberbefehlshaber der Heeresgruppe

A Armee westlich von Kiew zur


Offensive an. Die sowjetischen
Verbände rissen die deutsche Front
Sowjets ihre Offensive so bald wie
möglich fortsetzen würden. Nur 70 Ki-
lometer nördlich von Tarnopol, zwi-
Süd, sah diese Bahnlinie als seine
wichtigste Verkehrsverbindung an.
Gelänge es der Roten Armee, durch
auf und stießen weit nach Westen vor. schen Kremenez und Jampol, klaffte die Frontlücke weiter nach Süden bis
Als die Schlammperiode den Angrif- eine breite Lücke in der Front. Diese zu den Karpaten durchzubrechen,
fen Ende Februar 1944 vorläufig ein bot sich der Roten Armee als Sprung- wäre der Südabschnitt der Ostfront
Ende setzte, hatten Stalins Truppen brett für die Weiterführung ihrer Ope- für Mansteins Truppen nicht mehr zu
einen 250 Kilometer tiefen Keil in rationen geradezu an, zumal Tarno- halten. Um dieser Gefahr zu begeg-
den Nordflügel der Heeresgruppe Süd pol ein verlockendes Operationsziel nen, wollte die deutsche Führung
getrieben, waren bis weit in die West- war: Durch die Stadt verlief nicht nur zwischen Tarnopol und dem 100 Kilo-
ukraine vorgedrungen und hatten eine wichtige Nachschubstraße. Auch meter weiter östlich liegenden Pro-
Rowno sowie Luzk zurückerobert. die letzte Eisenbahnbahnlinie zum skurow fünf Panzerdivisionen ver-
Schwarzen Meer, die sich nördlich der sammeln. Aufgrund der Schlamm-
Lohnendes Operationsziel Karpaten noch in deutscher Hand be- periode glaubte man auf deutscher
Die Abteilung Fremde Heere Ost des fand, führte durch Tarnopol. General- Seite, es bleibe noch genügend Zeit
Generalstabs des Heeres prognosti- feldmarschall Erich von Manstein, der für diese Abwehrmaßnahme.

Schlachtfeld: Während Tarnopol verteidigt wurde, tobten auch


im Umland schwere Kämpfe, hier Richtung Stanislaus:
deutsche Soldaten mit zerstörtem T-34-Panzer

Militär & Geschichte 9


ZITAT

Hitlers fataler Befehl


TITELTHEMA

„Die ,festen Plätze‘ sollen die gleichen Aufgaben wie die früheren
Festungen erfüllen. Sie haben zu verhindern, dass der Feind diese operativ
entscheidenden Plätze in Besitz nimmt. Sie haben sich einschließen
zu lassen und dadurch möglichst starke Feindkräfte zu binden. Sie haben
dadurch mit die Voraussetzung für erfolgreiche Gegenoperationen
zu schafen. (…) Der Kommandant des festen Platzes haftet mit seiner
Soldatenehre für die Erfüllung seiner Aufgaben bis zum letzten.
Nur der Oberbefehlshaber der Heeresgruppe persönlich kann mit meiner
Genehmigung den Kommandanten des festen Platzes von seinen Aufgaben
entbinden und eine etwaige Aufgabe des festen Platzes anordnen.“
Aus dem „Führer-Befehl Nr. 11“ über die Errichtung Fester Plätze vom 8. März 1944

Erich von Manstein, Oberbefehlshaber der


Heeresgruppe Süd, vertraute seine Zweifel an
Hitlers Konzept allein seinem Tagebuch an

ZUR LAGE
Doch bereits am 4. März 1944 trat
die 1. Ukrainische Front unter Mar-
schall Georgi Schukow wieder zur
Offensive an. Die deutschen Panzer-
divisionen befanden sich noch im
Anmarsch. Daher gelang es sowjeti-
schen Verbänden bereits am folgen-
den Tag, bis in den Raum 40 Kilometer
östlich von Tarnopol vorzudringen.
Ein sowjetisches Panzerkorps, das in
Richtung der Stadt vorstieß, näherte
sich ihr am Abend des 5. März bis auf
14 Kilometer.
Hitler befahl daraufhin, Tarnopol
„selbst auf die Gefahr der Einschlie-
ßung unbedingt zu halten“. Der
Kampfkommandant dürfe die Stadt
„nur auf persönlichen Befehl des Füh-
rers“ aufgeben. General der Panzer-
truppe Hermann Balck, der Kom-
mandierende General des XXXXVIII.
Panzerkorps, hatte gerade sein
Hauptquartier in Tarnopol aufge-
schlagen. Er befürwortete Hitlers Be-
fehl. Da er die Stadt jedoch noch nicht
unmittelbar bedroht sah, versäum-
Abb.: Sammlung M&G, Interfoto/UIG/Sovfoto, MIREHO, Graik: Anneli Nau

te er, sie augenblicklich zur Verteidi-


gung einzurichten.

Tarnopol wird Fester Platz


Am 8. März 1944 gab Hitler den Befehl,
sogenannte „Feste Plätze“ zu errich-
ten (siehe Kasten oben). Jene Städte,
die Hitler zu Festen Plätzen erklärte,
hatten sich „bei ungünstiger Entwick-
lung der Lage einschließen zu lassen
und bis zum letzten zu halten“. Am
selben Tag näherten sich sowjetische
Verbände Tarnopol von mehreren Sei-
ten. Erst jetzt befahl General Balck,
den Ort zur Rundumverteidigung ein-
zurichten. Dafür war es mittlerweile
aber zu spät. Bereits am nächsten Tag
drang eine sowjetische Einheit von
Osten her in Tarnopol ein. Daraufhin

10
Aus allen Rohren: Seit dem 23. März 1944 war Tarnopol von fünf Divisionen der Roten Armee eingeschlossen. Während die
Truppen den Kessel immer weiter einschnürten, nahmen Geschütze und Raketenwerfer das Stadtzentrum unter Feuer

brach bei der Besatzung in der Stadt Sanitätsbestände am Vortag ein wei- war dagegen optimistisch und melde-
Panik aus. Unter den Soldaten, die terer empfindlicher Rückschlag, der te, Tarnopol sei, nachdem man ein
Hals über Kopf nach Westen flohen, die Versäumnisse der Führung über- Infanteriebataillon, weitere Pak und
befand sich der für Tarnopol zustän- deutlich aufzeigte. zwei Batterien Artillerie zugeführt
dige Truppenarzt. Auf seiner Flucht Am selben Tag, dem 10. März 1944, hatte, ohne Weiteres zur Rundumver-
nahm er wichtige Sanitätsbestände erklärte Hitler Tarnopol zum Festen teidigung geeignet. Zugleich bean-
mit, die später für die Verwundeten- Platz. Der Kampfkommandant vor tragte er, Schrepffer abzulösen, weil Die Verteidiger hatten
versorgung fehlten. Ort, Generalmajor Johannes Schrepf- dieser der Lage nicht gewachsen sei. kaum schwere Wafen
Zwar gelang es Panzerjägern und fer, äußerte allerdings Zweifel, ob die Generalfeldmarschall Erich von und Fahrzeuge zur
Sturmgeschützen bis zum Mittag des Stadt zu halten sei. Zum einen ver- Manstein hielt nichts vom Konzept Verfügung, darunter
9. März, die sowjetischen Truppen aus fügte sie über keine geeigneten Ver- der Festen Plätze. In sein Tagebuch sechs solcher Selbst-
der Stadt zu werfen. Aber die Besat- teidigungsanlagen. Zum anderen war fahrlafetten „Grille“
zung Tarnopols kam nun nicht mehr eine ausreichende Versorgung mit
zur Ruhe. An einen gründlichen Bau Munition und Verpflegung nicht an-
von Verteidigungsstellungen war da- nähernd gewährleistet. General Balck
her nicht zu denken. Schon am fol-
genden Tag drangen sowjetische Sol-
daten erneut in die Stadt ein. Am
Nordostrand konnten sie das Verpfle-
gungsamt mit großen Lebensmittel-
beständen erbeuten. Für die Vertei-
diger war das nach dem Verlust der

Militär & Geschichte 11


ZAHLEN, DATEN, FAKTEN
Hermann Balck hatte
das Hauptquartier In Tarnopol eingeschlossene deutsche Truppen
des XXXXVIII. Panzer-
TITELTHEMA

korps in Tarnopol Am 23. März 1944 schloss die Rote Sturmgeschütz-Brigade 301.
aufschlagen lassen, Armee den Festen Platz Tarnopol ein. An schweren Wafen waren vor-
versäumte es aber, Zu dieser Zeit hielt sich in der Stadt handen: fünf Sturmgeschütze,
die Stadt rechtzeitig eine deutsche Besatzung mit einer sechs schwere Infanteriegeschütze
Verplegungsstärke von insgesamt 33 auf Selbstfahrlafette („Grille“),
auf die Verteidigung
4.602 Mann auf (einschließlich eine schwere Feldhaubitze 18 auf
vorzubereiten Beamte). Unter den eingeschlossenen Selbstfahrlafette („Hummel“),
Truppenteilen befanden sich unter vier 8,8-Zentimeter-Flak, 15 Panzer-
anderem Einheiten der 7. Panzer- abwehrkanonen, 19 gezogene
Division, der 154. Reserve-Division, Artillerie- und Infanteriegeschütze
der 1. SS-Panzer-Division und der sowie 42 Granatwerfer.

Lächeln für die Propaganda: In ihren Berichten


über die ersten Kämpfe um Feste Plätze
versuchte das NS-Regime noch Zuversicht
zu verbreiten; dieser im Raum Tarnopol
eingesetzte galizische Freiwillige der Wafen-SS
wird daher gut gelaunt (und mit einem Beute-
Maschinengewehr bewafnet) präsentiert

12
Sajer, Guy
Der vergessene
Soldat
483 Seiten, Paper-
back, 14,8x22,3 cm;
ISBN 978-3-86933-
146-1
22,00 €

Abb.: SZ-Photo/Scherl (2), p-a/ZB, MIREHO


lt. Wikipedia: die
auflagenstärkste
Autobiografie eines
franz. Wehrmachts-
soldaten zum 2.
Weltkrieg (Ruß-
landfeldzug) – in mehr als 30 Sprachen
übersetzt – bisherige Auflage: mehr
als 3 Millionen

Kampfpause: Derselbe Soldat wie auf dem großen Foto links; hier darf er eine
Scheil, Stefan
normale Verplegungslage vermitteln. Zum rechten Bild vom April 1944 schrieb
707. Infanteriedi-
die NS-Propaganda: „Sicherungstrupps durchstreifen das brennende Tarnopol“ vision
Strafverfolgung,
notierte er, sie führten dazu, „dass die „Die neuen Divisionen werden völlig Forschung und
wenigen Kräfte, die überhaupt vor- überrannt, was kein Wunder ist, da Polemik um einen
handen sind, dorthin zusammen- sie nicht ausgebildet sind und aus Wehrmachtsver-
band in Weißruß-
gezogen werden müssen, sodass es ganz jungen Leuten bestehen“, land
auf der übrigen Front überhaupt nicht schrieb Manstein an jenem 21. März
120 Seiten, Hard-
mehr geht“. Dennoch war auch Man- in sein Tagebuch. cover, fadengehef-
stein von der operativen Bedeutung Einen Tag später übernahm Gene- tet, 17x24 cm; ISBN
Tarnopols überzeugt. Am 10. März be- ralmajor Egon von Neindorff als neu- 978-3-86933-156-0
fahl er, die Stadt wegen ihrer Schlüs- er Kampfkommandant den Befehl in
19,80 €
selposition „unter allen Umständen“ Tarnopol. Am Morgen des 23. März
zu halten und ihr so viele Kräfte wie meldete er, die Stadt sei aufgrund zu
nur möglich zuzuführen. geringer Munitionsbevorratung und Losert, Alexander
unvollendeter Verteidigungsstellun- Stalingrad
Die Falle schnappt zu gen nicht zum Festen Platz geeignet. Das kurze Leben
Zwei Tage später traten die Deut- Doch bereits wenige Stunden später des Funkers Rudolf
Theiß Feldpost aus
schen mit zwei neu herangeführten hatte die Rote Armee Tarnopol einge- dem Kessel
Infanteriedivisionen aus dem Raum schlossen. Da die Stadt weiterhin ge- 132 Seiten, Hard-
südlich von Tarnopol zum Gegenan- halten werden sollte, kündigte Man- cover, 121 Abb.,
griff nach Osten und Nordosten an. stein für den 25. März einen Entlas- 17x24 cm; ISBN
Die sowjetischen Truppen sollten tungsangriff an. Für diesen Vorstoß 978-3-86933-222-2
zurückgedrängt und die Verbindung war ein Panzerverband unter Füh-
19,80 €
mit der 30 Kilometer östlich der Stadt rung von Oberst Werner Friebe vor-
neu
Optimismus: Laut General Balck war die
Stadt zur Rundumverteidigung geeignet. Stich, Karl
Der Kampf um die
stehenden deutschen 7. Panzer-Divi- gesehen (siehe Kasten Seite 14). Der Seelower Höhen
sion hergestellt werden. Nach schwe- Panzerverband Friebe sollte den dort April 1945 --
ren Kämpfen gelang es am 20. März ausharrenden Soldaten Versorgungs- Ein blutiges Drama
tatsächlich, die Frontlücke südöstlich güter zuführen, um ihnen das Weiter- 280 Seiten, Hard-
von Tarnopol zu schließen. kämpfen zu ermöglichen, bis die cover, 74 Abb.,
Doch die Freude über diesen Erfolg Front ausreichend stabilisiert sei. Spä- davon 53 Fotos, 21
währte nur kurz: Schon am nächsten ter würde die Stadt durch eine größe- Grafiken/Schau-
Tag setzte Schukows 1. Ukrainische re Gegenoffensive entsetzt werden. bilder, 17x24 cm;
Front ihre Offensive mit voller Wucht Obwohl die Versorgungseinheit ISBN 978-3-86933-
nach Süden fort. Östlich von Tarnopol mit dem Nachschub für Tarnopol am 221-5
riss die sowjetische 1. Panzerarmee Morgen des 25. März noch nicht ein-
neu 26,50 €
die gerade wiederhergestellte deut- getroffen war, entschloss sich Oberst
sche Front auf, während die sowje- Friebe, zum Angriff anzutreten. Er
tische 60. Armee nordwestlich von hoffte, die Versorgungskolonne kön-
Tarnopol einen Durchbruch erzielte.
Rund um die Stadt standen nur drei
ne später nachkommen, wenn sein
Verband die Straße nach Tarnopol
Helios-Verlag.de
deutsche Infanteriedivisionen. Zwei freigekämpft hätte. Ausgangspunkt Brückstr. 48, 52080 Aachen
davon waren obendrein Neuauf- des Vorstoßes war die Ortschaft Jezier- Tel.: 0241-555426 Fax: 0241-558493
stellungen ohne Kampferfahrung. na, etwa 20 Kilometer nordwestlich eMail: Helios-Verlag@t-online.de
Militär & Geschichte versandkostenfreie Auslieferung
innerhalb Deutschlands
von Tarnopol. Friebe hatte beantragt, sowjetischen Truppen starke Abwehr- Beschuss. Für eine Versorgungsein-
ihm die schwere Panzer-Abteilung stellungen aufgebaut hatten. Sie rech- heit mit ungepanzerten Radfahr-
507 mit ihren 22 einsatzbereiten „Ti- neten mit einem deutschen Entsatz- Gewehrgranat- zeugen gab es folglich kein Durch-
gern“ zu unterstellen. Diese hätten angriff, hatten mehrere Pak-Riegel Gerät als Auf- kommen. Am Nachmittag zog sich
dem Angriff ohne Zweifel erheblich errichtet, die Straße vermint und Ar- satz für den der Panzerverband Friebe daher nach
TITELTHEMA

mehr Durchschlagskraft verliehen. tillerie in Stellung gebracht.Trotzdem Karabiner 98k. Jezierna zurück.
Doch General Balck lehnte ab. Er ge- konnte sich der Panzerverband Friebe Damit konnten Nicht nur die Versorgung Tarno-
die Verteidiger pols war gescheitert. Auch die Hoff-
von Tarnopol nung, die Front der Verteidiger im
Die Panther sollten den Weg freikämpfen, feindliche Panzer Westen der Stadt spürbar zu entlas-
der Nachschub würde hoffentlich folgen. bekämpfen ten, war vergeblich. Noch am 25. März
griffen sowjetische Truppen bei Za-
nehmigte lediglich einer Kompanie bis auf vier Kilometer an den west- grobela an und erzielten mehrere
der schweren Panzer-Abteilung 507, lichen Vorort Zagrobela herankämp- Einbrüche. Diese zwangen die Besat-
Friebes Verband zu Beginn des Vor- fen. Dort wurde der weitere Vor- zung von Tarnopol, ihre Haupt-
stoßes zu unterstützen. Die Hauptlast marsch allerdings durch einen Wald kampflinie weiter nach Osten
des Angriffs lag daher auf den 36 ein- versperrt, den die Sowjets besonders zurückzunehmen.
satzbereiten „Panthern“, die Friebe stark zur Abwehr eingerichtet hatten. So umstritten das Konzept
unterstellt waren. Friebe ging davon aus, dieses Hinder- der Festen Plätze schon da-
nis sei nur unter schweren Verlusten mals war, hatten die Deutschen
Kein Durchkommen zu überwinden. Und selbst wenn dies doch eines erreicht: Die Rote Ar-
Die deutsche Führung hatte es ver- gelinge, wäre der Angriff sinnlos. mee begnügte sich nicht damit,
säumt, den Kampfraum westlich von Denn die Straße zwischen Jezierna Tarnopol abzuriegeln und daran
Tarnopol aus der Luft aufklären zu las- und Tarnopol war nicht nur vermint, vorbeizustoßen. Fünf sowjeti-
sen. Friebe ahnte daher nicht, dass die sondern lag auch unter sowjetischem sche Divisionen belagerten die
Stadt. Sie griffen in den folgenden
Tagen von allen Seiten an und
HINTERGRUND drängten die Verteidiger auf immer
engerem Raum zusammen. Die
Panzerverband Friebe
Abb.: SZ-Photo/Scherl (2), p-a/akg-images, MIREHO

Deutschen konnten den Angriffen


Dem Panzerverband Friebe unterstanden am 25. März keinen ausreichenden Widerstand
1944 folgende Einheiten: SPW-Bataillon der 8. Panzer- entgegensetzen, da ihnen die Muniti-
Division, SPW-Bataillon der 19. Panzer-Division, I. Abteilung
des Panzer-Regiments 11, Werfer-Brigade 6 und schwere
Panzer-Brückenkolonne 849. Im Gegensatz zu wiederholten
falschen Angaben in der Literatur bildete den Kern des
Panzerverbands Friebe nicht die I./Panzer-Regiment 10
(8. PD), sondern die I./Panzer-Regiment 11. Diese Abteilung
hatte ursprünglich zur 6. PD gehört, war nach ihrer
Umrüstung auf „Panther“ jedoch nicht zu ihrem Stamm-
regiment zurückgekehrt. Im März 1944 verlegte sie
als selbstständige Abteilung an die Ostfront. Erst im
Dezember 1944 wurde sie wieder in die 6. PD eingegliedert.

14
Kampf um jeden Meter: Mit den fünf in der Stadt vorhandenen Sturm- Wichtige Bahnlinie: Die Sowjets wussten genau, dass die Deutschen
geschützen ließ sich das Vordringen des Feindes allenfalls hinauszögern auf die durch Tarnopol verlaufende Strecke nicht verzichten konnten

Mühsamer Vorstoß: Mit drei Dutzend


Panthern versuchte der Panzerverband Friebe
den Belagerungsring zu sprengen, musste
aber angesichts der massiven sowjetischen
Gegenwehr kurz vor dem Ziel umkehren
(Symbolfoto)

Militär & Geschichte 15


on ausging. Zwar versuchte die Ar- verdanken wir die Ruhe. Ohne sie wä- der Festen Plätze besagte, die Besat-
meeführung,Tarnopol aus der Luft zu ren wir nicht zum Stehen gekom- zung müsse bis zum Letzten aushar-
versorgen. Weil der Einschließungs- men.“ Im gleichen Sinn funkte Man- ren. Wann hätten die Verteidiger Tar-
ring aber immer kleiner wurde, lande- stein am selben Abend an Neindorff: nopols nach seiner Meinung ausbre-
ten die meisten abgeworfenen Versor- „Vom Ausharren tapferer Besatzung chen sollen? Die Antwort auf diese
TITELTHEMA

gungsbomben nicht bei den eigenen Tarnopols nur noch wenige Tage lang Frage blieb Balck auch in seinen Me-
Soldaten, sondern beim Gegner. abhängt eigenes Schicksal sowie ge- moiren schuldig.
samte Operationen. Dank und Aner- Anfang April setzten die sowjeti-
Hitler lehnt Ausbruch ab kennung für bisheriges Ausharren.“ schen Belagerer ihre Angriffe auf
Am 1. April meldete Generalmajor Allerdings sollte dieser Funk- Tarnopol mit unverminderter Härte
von Neindorff, etwa die Hälfte der ur- spruch offensichtlich nur die Vertei- fort. Während die Deutschen kaum
sprünglichen Besatzung Tarnopols
sei nunmehr ausgefallen: 426 Solda-
ten seien tot, 248 vermisst, 1.651 ver-
Die „tapfere Besatzung“ von Tarnopol war
wundet oder krank. Er bat Hitler, über Wochen zum Ausharren verdammt.
einen Ausbruchsversuch zu genehmi-
gen. Doch der „Führer“ befahl, Tarno- diger motivieren. Denn bereits am fol- noch Munition hatten, schoss die
pol zu halten, bis es möglich sei, die genden Tag schrieb Manstein in sein sowjetische Artillerie die Stadt fast Aussichtslos:
Verbindung von außen herzustellen. Tagebuch, er habe den Ausbruch aus ungehindert zusammen. Allein in Zwei Durchbruchs-
General Balck glaubte, die Vertei- Tarnopol befürwortet, doch Hitler ha- den ersten vier Apriltagen betrugen versuche schlugen
digung der Stadt habe ihren Zweck be abgelehnt. Auch Balck klagte, man die deutschen Ausfälle 745 Mann. Ein- fehl, am 16. April
erfüllt. An eben jenem 1. April notierte habe den Augenblick versäumt, die ziger Lichtblick für die Verteidiger war versuchte die
er, die „Festung Tarnopol“ habe den Stadt zu räumen. Das war allerdings die wiederholte Unterstützung durch restliche Besatzung
gegnerischen Stoß aufgehalten. „Ihr ein Widerspruch, denn das Konzept Sturzkampfbomber. im letzten Moment
auszubrechen

ZUR LAGE
Graik: Anneli Nau (Quelle: MGFA 04830-21)

16
INTERVIEW

Deutsche Abwehr ohne Chancen


Der Historiker Adrian Wettstein erklärt, wie das Konzept der Festen Plätze
operationsgeschichtlich einzuordnen ist – und warum es nicht aufgehen konnte

Herr Wettstein, Sie haben sich intensiv mit nen. Denn die Lastkraftwagen und Pfer- Der Militärhistoriker Karl-Heinz Frieser
der Wehrmacht im Stadtkampf beschäftigt. degespanne, die Versorgungsaufgaben bezeichnet die Errichtung Fester Plätze als
Gab Hitler den Befehl zur Errichtung Fester übernahmen, waren auf einigermaßen „eine der verhängnisvollsten Ideen Hitlers“.
Plätze (auch) aufgrund der deutschen Erfah- gangbare Straßen angewiesen. In der Stimmen Sie dem zu?
rungen mit energisch verteidigten gegneri- Schlammperiode verschärfte sich die- Wettstein: Superlative in der Geschich-
schen Städten? ses Problem noch. te sind immer heikel. Ich bin aus zwei
Wettstein: Es ist schwierig, da eine direk- Gründen gegenüber Friesers Aussage
te Linie zu ziehen. Am ehesten ließe sich Wie ist das Konzept der Festen Plätze opera- skeptisch. Zuallererst: Die deutschen
dies vielleicht noch für den Feldzug vom tionsgeschichtlich zu beurteilen? Chancen, die sowjetische Offensive im
Sommer/Herbst 1942 behaupten, als die Wettstein: Die frühen Festen Plätze Sommer 1944 abwehren zu können, ten-
zeit- und kräfteraubenden Kämpfe um Tarnopol und Kowno zeitigten einen ge- dierten angesichts der Kräfteverhältnis-
Woronesch, Stalingrad und Noworos- wissen Erfolg, weil sie am Anfang der se, der Auszehrung der deutschen Wehr-
sijsk einen nachhaltigen Eindruck bei Operationen nicht frontnah lagen, die macht in personeller, materieller und
der deutschen Führungsspitze hinter- Wetterbedingungen eine Umgehung er- qualitativer Hinsicht sowie der stark
ließen. Viel bedeutsamer scheinen mir schwerten und die Rote Armee den gewachsenen sowjetischen operativen
aber die Erfahrungen mit der Vertei- Deutschen den Gefallen tat, sich auf die Professionalität gegen null, Feste Plätze
digung sowjetischer Städte im Winter Festen Plätze zu stürzen. Allerdings hin oder her. Allenfalls hätte eine an-
1941/42, die vor allem bei der Heeres- zeigte sich in beiden Fällen, dass die dere Kampfführung das Ausmaß der
gruppe Nord und Mitte tatsächlich eine Schlammperiode auch einen Nachteil Niederlage abmildern können.
Wellenbrecherwirkung erzielten. für die Deutschen hatte, nämlich dass Aber selbst wenn wider Erwarten ei-
ne Abwehr der sowjetischen Offensive
Die Festen Plätze verurteilten viele deutsche gelungen wäre, was hätte sie 1944 an
der Gesamtkriegslage geändert? Der
Verbände zu einer starren Kriegführung. Brückenkopf in der Normandie war
nicht mehr zu eliminieren, und weitere
An welche Städte denken Sie, und wie muss sie die Entsatzoperationen stark behin- sowjetische Offensiven standen bevor,
man sich das konkret vorstellen? derte, bei Tarnopol sogar scheitern ließ. deren Abwehrchancen unabhängig
Wettstein: Den sehr bedrohlichen Stoß Unter den Bedingungen des Sommers von der Kampfführung äußerst gering
der sowjetischen Kalinin- und Nord- 1944 war es verfehlt. Weil die Plätze waren. Insofern waren es wohl eher die
westfront in den Rücken der Heeres- frontnah lagen und das Wetter im Som- politischen und strategischen Ideen
gruppe Mitte beispielsweise konnten mer 1944 trocken war, kam die oben ge- Hitlers, die besonders verhängnisvoll
die Deutschen bei Welikije Luki, Cholm, nannte Wirkung der Kämpfe vom Win- waren. Zweitens waren die Festen Plät-
Welisch, Demidow und natürlich bei ter 1941/42 nicht zum Tragen. ze keine wirklich neue Idee, sondern
Rschew stoppen. In Cholm waren sie da- Die Rote Armee konnte die nun front- verstärkten nur noch das auf starres
bei drei Monate lang eingeschlossen nahen, teilweise stark exponierten Städ- Halten fokussierende Verteidigungs-
und wurden aus der Luft versorgt. Als te rasch einschließen. Die Festen Plätze konzept Hitlers. Selbst ohne Feste Plätze
die sowjetischen Truppen diese Städte banden ganz erhebliche Kräfte der ist es unwahrscheinlich, dass Hitler ei-
erreichten, waren sie durch den Angriff Wehrmacht, ganz zu schweigen von den nen Rückzug auf die von der Heeres-
und langen Vormarsch geschwächt und eingelagerten Gütern. Sie verurteilten ei- gruppe und den Armeen angedachte
in Unordnung geraten. Die Deutschen nen großen Anteil der deutschen Solda- rückwärtige Stellung zeitgerecht er-
konnten dagegen frische Kräfte heran- ten zu einer starren Kriegführung, und laubt hätte. Letztlich war es aber dieser
führen, die sich an die Städte anklam- dies angesichts eines zahlenmäßig mas- Faktor, das unbedingte Haltenwollen
merten. Dort gab es ausreichend Unter- siv überlegenen Gegners. Zudem hatte allen eroberten Raumes in einer über-
künfte, was bei den Wintertemperatu- die sowjetische Führung inzwischen da- spannten, linearen und dünnen Vertei-
ren in Russland besonders bedeutsam zugelernt. Die Rote Armee suchte nun digungslinie, der das Schicksal der Hee-
war. Ebenso befanden sich in den Städ- den operativen Durchbruch und wollte resgruppe Mitte besiegelte.
ten Depots und rückwärtige Dienste, diesen ausnutzen. Das bedeutete, dass
was die Versorgung erleichterte. sich die sowjetischen Truppen nicht auf Dr. Adrian Wettstein lehrt
Schließlich aber waren die Städte die Festen Plätze stürzten und dort „fest- an der Militärakademie der
Knotenpunkte, die man bei der dünnen fraßen“. Schließlich fehlten dem deut- ETH Zürich. Er forscht hauptsächlich
sowjetischen Verkehrsinfrastruktur schen Heer nach der Besetzung der Fes- zur deutschen Wehrmacht.
zwar umgehen, dann aber einnehmen ten Plätze die Verbände, um zwischen
musste, um die Versorgung der angrei- diesen vorgehende gegnerische Trup-
fenden Verbände sicherstellen zu kön- pen abzufangen und zu zerschlagen.

Militär & Geschichte 17


TITELTHEMA

Die schwere
Am 2. April gab Manstein den Ober- sion „Hohenstaufen“ zum Entsatz- Panzer-Abteilung che aus Tarnopol wurden jetzt immer
befehl über die Heeresgruppe Süd an angriff antreten zu lassen. 507 mit 22 Tigern verzweifelter.
Generalfeldmarschall Walter Model Doch dieser Angriffstermin war für (links) hatte Friebe Am 11. April trat der Panzerver-
ab. Drei Tage später wurde der Groß- die „Hohenstaufen“ viel zu früh. Auf- angefordert, er band Friebe bei Kozlow, 20 Kilometer
verband in Heeresgruppe Nordukra- grund starken Regens waren alle Stra- bekam aber nur westlich von Tarnopol, zum Angriff
ine umbenannt. Um der Besatzung ßen und Wege völlig verschlammt. eine Kompanie. an. Diesmal war ihm auch die schwe-
Oben einige Tiger re Panzer-Abteilung 507 mit neun ein-
im Raum Tarnopol satzbereiten „Tigern“ unterstellt. Der
Als der Panzerverband zum Angriff antrat, Angriff traf sofort auf starke sowjeti-
traf er sofort auf sowjetische Gegenwehr. sche Abwehr, vor allem durch Artille-
rie. Drei Versuche, einen Brückenkopf
Tarnopols Mut zu machen, ließ Model Die Truppe meldete, der Wegezustand über den Fluss Wosuszka zu bilden,
am 4. April eine glatte Lüge funken: sei „katastrophal“. Selbst Kettenfahr- scheiterten. Daraufhin entschied die
„Entsatzoperationen heute erfolgver- zeuge würden „hoffnungslos stecken Das Ärmelband Führung, den Angriff an dieser Stelle
sprechend angelaufen. Durchhalten!“ bleiben“, die Infanterie komme nur der Division abzubrechen und Friebes Verband im
einen Kilometer pro Stunde voran. wurde am linken Gefechtsabschnitt der Division „Ho-
Halten um jeden Preis Am Morgen des Angriffstags waren Unterarm ange- henstaufen“ einzusetzen.
In Wirklichkeit begann man bei der deshalb erst Teile der Division „Ho- näht. Hier die Die „Hohenstaufen“ griff einige Ki-
Heeresgruppe Nordukraine erst zwei henstaufen“ im Bereitstellungsraum Ausführung für lometer südlich von Kozlow an, und
Tage nach Models Funkspruch über- eingetroffen. Trotzdem musste der Unteroiziere und
haupt ernsthaft den Entsatz Tarno- Angriff beginnen, denn die Funksprü- Mannschaften
pols zu erörtern. Am 9. April entschied
Model, den Panzerverband Friebe
am 11. April gemeinsam mit der neu
herangeführten 9. SS-Panzer-Divi-

HINTERGRUND

Die 9. SS-Panzer-Division „Hohenstaufen“


bei Tarnopol
Beim Entsatzangriff auf Tarnopol tes Licht rücken wollen, um sie als
übte General Balck scharfe Kritik am Sündenbock für das Scheitern des
Abb.: SZ-Photo/Scherl, p-a/ZB, MIREHO (2), MIREHO-Weitze

Kommandeur der „Hohenstaufen“, Entsatzangrifs hinzustellen. Dies


SS-Brigadeführer Wilhelm Bittrich: trift jedoch nicht zu. In Balcks Erinne-
Dieser habe den Angrif nicht ener- rungen inden sich zwar eindeutige
gisch genug geführt. Bittrich muss man Vorurteile gegen die Wafen-SS und
dabei zugutehalten, dass er ganz und manche nachweislich unzutrefende
gar nicht dem landläuigen Klischee Kritik. Doch in Bezug auf Tarnopol
entsprach, die Wafen-SS sei eine ging er sogar über Versäumnisse der
rücksichtslose Draufgängertruppe. „Hohenstaufen“ hinweg und schrieb,
Bei Tarnopol versuchte er, die Ausfälle die Division habe später noch Gutes
seiner Division möglichst gering zu geleistet. Die Schuld am Scheitern des
halten. Daher lehnte er mehrfach Entsatzversuchs schob Balck nicht
Angrife ab, von denen er glaubte, auf Bittrichs SS-Division, sondern –
sie würden zu hohe Verluste fordern. in typischer Nachkriegsmanier – auf
Nach dem Krieg behaupteten Vetera- Hitler. Dieser habe „auf den Entsatz
nen der „Hohenstaufen“, Balck habe von Tarnopol keinen Wert gelegt.
ihre Division absichtlich in ein schlech- Alles andere ist Frontklatsch.“

18
TECHNIK zwar bei Slobodka und Horodyszcze.
Unterstützt von Stukas, gelang es der
Technik: leichter Granatwerfer 36 Division in schweren Kämpfen, einen
Teil von Horodyszcze zu erobern und
1 Rohr
einen kleinen Brückenkopf über die
1 2 Höhenrichttrieb +41 bis +83 Grad Wosuszka zu bilden. Dann blieb der
3 Seitenrichttrieb bis 16 Grad je Seite Angriff jedoch im Schlamm stecken
8 4 Kipptrieb. Ausrichtung bei schräger und kam auch am nächsten Tag nicht
Bodenplatte voran. Deshalb beantragte Model
5 Bodenplatte beim OKH, der Besatzung von Tarno-
6 Tragegrife für Bodenplatte und pol den Ausbruch zu genehmigen.
Abfeuerungseinrichtung
7 5-Zentimeter-Wurfgranate 36 Herankämpfen und ausbrechen
6 (Anfangsgeschwindigkeit 80 m/s) Doch Hitler forderte, den Entsatzan-
8 Richtaufsatz (fehlt hier) über dem griff möglichst bis Tarnopol weiter-
Haltering zuführen. Er wollte die vielen Verwun-
deten in der Stadt nicht in Gefangen-
schaft geraten lassen. Gelänge den
Angriffskräften nicht, Tarnopol zu er-
2 4 reichen, sollten sie sich wenigstens so
7 6
4 nah wie möglich an die Stadt heran-
3 kämpfen. Erst dann durfte die Besat-
zung ausbrechen. In der Nacht zum
13. April ließ Hitler an Neindorff fun-
5 ken: „Halten Sie um jeden Preis! Be-
fehl zur Befreiung ist gegeben.“
Am 13. April gelang es den sowje-
Granatwerfer: 42 davon tischen Einschließungskräften, den
befanden sich in Tarnopol Verteidigungsraum der Deutschen in

Mit vereinten Kräften: Friebes


Panther mussten die Hauptlast der
Angrife tragen – zu wenige für die
gestellte Aufgabe

Militär & Geschichte 19


Egon von Neindorf iel kurz vor dem
Ausbruch und erhielt posthum das Eichen-
laub zum Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes
TITELTHEMA

Kampfspuren in Tarnopol: Zu diesem seltenen


Foto aus der eingeschlossenen Stadt schrieb
die NS-Berichterstattung am 12. April 1944, es
zeige einen sowjetischen Panzer, der bei Straßen-
kämpfen „von unserer Abwehr zerschlagen wurde“

Tarnopol in zwei Teile zu spalten. Auf


Befehl Models zog sich die Masse von
Neindorffs Soldaten daraufhin in den
Vorort Zagrobela im Westen Tarno-
pols zurück. In der Stadt selbst verblie-
ben nur Nachhuten – und 700 Schwer-
verwundete. Zagrobela bot kaum
Deckungsmöglichkeiten. Doch die
Verteidiger hofften, sie würden am
folgenden Tag entsetzt.
Dies entsprach allerdings nicht der
Wirklichkeit. Die Division „Hohen-
staufen“ steckte noch immer bei Ho-
rodyszcze an der Wosuszka fest. Nicht
nur das Wetter und die starke sowjeti-
sche Abwehr hielten ihren Vorstoß
auf, sondern auch eigene Unzuläng-
lichkeiten. So stellte sich heraus, dass
die SS-Männer versäumt hatten, die
„Den Helden von Tarnopol entgegen“: Wosuszka hinreichend auf geeignete
Laut Bildtext haben diese Panzer „beim Stellen zum Brückenbau zu unter-
Vorgehen in Richtung Tarnopol ein suchen. Am Abend des 13. April fand
Dorf umfahren und stehen nun schuss- ein Pionier-Oberst des Heeres bei Ho-
und eingreibereit“ (Mitte April 1944) rodyszcze einen tauglichen Uferab-
schnitt. Umgehend begann der Bau
einer Kriegsbrücke.
Am frühen Morgen des 14. April
konnten die ersten Sturmgeschütze
auf das östliche Flussufer rollen.Trotz-
dem kam der Angriff nur mühsam
voran. Die Truppe meldete „Gelände-
schwierigkeiten, die unvorstellbar
sind“. Da es nicht gelang, die Brücke

20
für schwere Panzer zu verstärken, Etwa 1.500 Soldaten waren noch Linien zurückgekehrt. Somit hatte die
musste die „Hohenstaufen“ zunächst marschfähig. Um 2 Uhr nachts bra- Wehrmacht die Verteidigung des Fes-
ohne die „Tiger“ und „Panther“ des chen sie nach Westen auf. Der Gegner ten Platzes mit dem Verlust von 4.547
Panzerverbands Friebe auskommen, rechnete nicht mit dem Ausbruchs- Mann bezahlt. Hinzu kamen noch
die ihr mittlerweile unterstellt waren. versuch. So konnten die Deutschen mehrere Hundert Soldaten, die bei
Die sowjetischen Truppen leisteten die ersten sowjetischen Stellungen dem Entsatzangriff fielen oder ver-
erbitterten Widerstand, und die Zeit westlich von Tarnopol im Schutz der wundet wurden. Über die Ausfälle der
lief den Deutschen davon, denn die Nacht glücklich überwinden. Aber der sowjetischen Belagerer liegen hinge-
Lage der Eingeschlossenen wurde im- Weg zu den deutschen Linien war gen keine zuverlässigen Angaben vor.
mer aussichtsloser. noch weit, als es Tag wurde. Und ge- Der russische Historiker Boris Soko-
In der Nacht zum 15. April waren gen die nunmehr alarmierten sowje- low schätzt die Zahl der Gefallenen
die letzten deutschen Nachhuten, die tischen Truppen hatten die nur leicht und Vermissten auf etwa 16.000.
sich noch in Tarnopol befanden, zum
Rückzug nach Zagrobela gezwungen.
Am nächsten Vormittag meldeten die
Von rund 4.600 Deutschen in Tarnopol Dr. Roman Töppel
Verteidiger, dass sie keine Munition hatten nur 55 die eigenen Linien erreicht. arbeitet als
und kein Trinkwasser mehr hätten, Historiker mit dem
und forderten „dringendst Entsatz“. bewaffneten deutschen Soldaten in Doch abgesehen von den Verlus- Schwerpunkt
Doch die Division „Hohenstaufen“ war dem weitgehend offenen Gelände ten schien der Kampf um Tarnopol Militärgeschichte
in München
den ganzen Tag in schweren Kämpfen keine Chance. Nur 50 Überlebende Hitlers Entscheidungen zu bestäti-
um den Ort Chodaczkow Wielki ge- erreichten schließlich die eigenen gen: Der Feste Platz hatte sich trotz
bunden. Erst als am Abend die „Tiger“ Linien. Fünf weitere deutsche Solda- ungenügender Abwehrvorbereitung
zur Unterstützung eintrafen, fiel die ten, die bereits in Gefangenschaft ge- fünf Wochen lang gehalten und ein
Ortschaft in deutsche Hand. raten waren, ließen die Sowjets wie- Mehrfaches an sowjetischen Kräften
Die Eingeschlossenen konnten der frei – „zu Propagandazwecken“, gebunden. Dass sein Entsatz geschei-
Abb.: p-a/ZB (2), MIREHO (2)

nun aber nicht länger in Zagrobela wie die deutschen Kriegstagebücher tert war und obendrein erhebliche
ausharren. Am Nachmittag tötete vermerkten. Verluste gekostet hatte, konnte man
eine sowjetische Fliegerbombe Ge- auf die widrige Witterung während
neralmajor von Neindorff. Daraufhin Eine furchtbare Bilanz der Schlammperiode schieben. Als
übernahm Oberst Carl-August von Von 4.602 in Tarnopol eingeschlosse- scheinbarer Erfolg setzte Tarnopol
Schönfeld das Kommando und gab nen Soldaten und Beamten waren somit ein Signal, das sich später als
am Abend den Befehl zum Ausbruch. demnach nur 55 zu den deutschen verhängnisvoll erwies.

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Mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten im Jahr
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Kriegsmarine umbenannt. Ulf Kaack und Harald Focke
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Schiffsklassen der damaligen deutschen Seestreitkräfte –
mit allen historischen und technischen Basisdaten.

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ODER UNTER GERAMOND.DE
MENSCHEN & SCHICKSALE

OTTO DIX UND DER ERSTE WELTKRIEG

Der Vorhof
zur Hölle
Trichterlandschaften, erstarrte Tote, verwesende Leichen:
Was der Künstler Otto Dix als Soldat im Ersten Weltkrieg
mit ansehen musste, hat er in Hunderten Zeichnungen
festgehalten, die später eine heftige Kontroverse entfachten

Verstörende Realität: gefallene


Franzosen in der Champagne, 1918.
Otto Dix verarbeitete solche Eindrücke
zu Kunstwerken – weniger aus
antimilitaristischen Beweggründen,
sondern weil er menschliche
Grenzerfahrungen ausloten wollte
Abb.: p-a/Associated Press

22
Antlitz des Krieges:
Zwei Zeichnungen aus
dem Zyklus „Der Krieg“,
den Dix 1924 seinem
Skandalbild „Schützen-
graben“ folgen ließ.
Ganz links ist etwa ein
MG-Zug an der Somme
1916 dargestellt. Unten
der Künstler 1925

ie die meisten Männer sei- etwas Gewaltiges. Das durfte ich auf

W nes Jahrgangs konnte sich


auch der Maler Otto Dix dem
Ersten Weltkrieg nicht entziehen. Im
keinen Fall versäumen. Man muss
den Menschen in diesem entfessel-
ten Zustand erlebt haben, um etwas
Abb.: Slg. M&G, p-a/dpa, Interfoto/IFPAD

August 1914 wurde der 23-Jährige als über den Menschen zu wissen.“
Ersatzreservist eingezogen und an- Andere Intellektuelle und Künstler
schließend am schweren Maschinen- haben den Beginn des Krieges als so-
gewehr ausgebildet. Im September zialen Aufbruch und Akt der „inneren
1915 meldete er sich freiwillig an die Reinigung“ empfunden. Nur durch
Front. Gegen Ende seines Lebens wird ein elementares Ereignis,
er den Krieg als „eben was so Vieh- so glaubten sie, ließen sich
mäßiges“ bezeichnen: „Hunger, Läu- die Dekadenz des „nervösen
se, Schlamm, diese wahnsinnigen Zeitalters“ und die Verkrustun-
Geräusche (…). Der Krieg war eine gen der wilhelminischen Gesell-
scheußliche Sache, aber trotzdem schaft abstreifen. Der deutsche

Militär & Geschichte 23


MENSCHEN & SCHICKSALE

Kriegsblinde
Bettler, wie er am 8. August 1918 eine Splitter-
sie verfremdet verletzung am Hals.
Schriftsteller Georg Heym hatte be- Gesehene. Dix kämpfte an jenen Or- auch bei Otto Otto Dix wollte den erlebten Krieg
reits 1910 seinem Tagebuch anver- ten, wo der Krieg sein hässlichstes Dix auftauchen. bezeugen, weitergeben, was er selbst
traut: „Es ist immer das gleiche, so Gesicht zeigte, in den durch Giftgas Die Zeichnung gesehen und erfahren hatte. Und so
langweilig, langweilig, langweilig. (…) und Granatfeuer verfärbten, ins Uto- wurde 1936 in verarbeitete er seine Eindrücke noch
Geschähe doch einmal etwas. (…) pische veränderten Landschaften der Ausstellung im Schützengraben und fertigte
Oder sei es auch nur, dass man einen der Westfront: baumlose Kraterland- „Entartete Kunst“ knapp 500 Zeichnungen an, die später
Krieg begänne, er kann ungerecht schaften, die keinen natürlichen Ori- verfemt (Bild aus als Vorlagen für 342 Radierungen
sein. Dieser Frieden ist so faul ölig und entierungspunkt mehr boten und mit dem Katalog) dienten. Eine Auswahl von 50 Dru-
schmierig wie eine Leimpolitur auf ihren gelblichen Farbsäumen wie der cken, fünf Mappen mit zehn Radie-
alten Möbeln.“ Vorhof zur Hölle anmuteten. rungen in einer Auflage von 70 Exem-
Während einige Künstler von End- plaren, wurde 1924 unter dem Titel
zeitstimmung erfasst waren oder den Angst und Angriff „Der Krieg“ erstmalig veröffentlicht.
Krieg fürchteten, sehnten ihn andere Noch Jahrzehnte später erinnerte er Die Grafiken zeigten den Frontalltag
als reinigende Kraft herbei, in der sich an das, was er da gesehen hatte: nach dem Kampf, verwesende Lei-
Hoffnung, dass daraus eine neue Epo- „Schon die Eindrücke auf dem Weg zur chen, erstarrte Tote, Pferdekadaver,
che hervorgehen würde. „Mein Herz Front waren furchtbar.“ Dix beschrieb Trichterlandschaften, aber auch sau-
ist dem Krieg nicht böse, sondern aus „Verwundete und die Gaskranken mit fende oder ein Bordell besuchende
tiefem Herzen dankbar“, nur so kön- eingefallenen gelben Gesichtern“, er Soldaten. Dies entsprach in keiner
ne der Augiasstall des alten Europas sprach von den „aufgeweichten krei- Weise der vorherrschenden Geistes-
gereinigt werden, schrieb Franz Marc deweißen Gräben der Champagne“ haltung der Soldatenverbände, der
am 16. November 1914. Dieser viel- und vom „Leichengestank der herum- Offiziersklubs oder der erstarken-
leicht bedeutendste Vertreter des liegenden Toten“. Doch er sah sich Gegensicht: Wer den Reichswehr, der Ideologie der
den Weltkrieg im Deutschnationalen und dem über-
Dix wollte den Krieg bezeugen, weitergeben, Nachhinein heroi- bordenden Revanchismus der noch
sierte, musste jungen Nazipartei, der an einer retro-
was er selbst gesehen und erlebt hatte.
Abb.: Interfoto/TV-Yesterday, p-a/akg-images (2), Slg. M&G, p-a/dpa, p-a/ullstein bild

an Dix’ Arbeiten spektiven Heroisierung des Front-


Anstoß nehmen kämpfers gelegen war. „Im Felde un-
deutschen Expressionismus fiel am nicht als jemand, der verängstigt zu- (Buchtitel von 1923) besiegt“ lautete die Grundlüge der
4. März 1916 bei Verdun. Der Krieg rückgewichen wäre, wehrte Angriffe Weimarer Zeit. Der Dix-Zyklus war
hat die meisten Intellektuellen und französischer Soldaten mit dem Ma- geeignet, dieses Bild auszulöschen.
Künstler desillusioniert, das Sterben schinengewehr ab und drang als Stoß-
an der Front hatte nichts Heroisches, truppführer mit dem Maschinenge- Produktiv im Schützengraben
es vollzog sich massenhaft und weit- wehr in die feindlichen Linien ein, Einem Künstlerkollegen war es
gehend anonym. um den Tod zu bringen; dafür wurde „kaum begreiflich, dass man so viel im
er mehrfach ausgezeichnet, 1916 er- Graben fertig bringen konnte“. Einige
In Giftgas und Granatfeuer hielt er das Eiserne Kreuz II. Klasse, der Zeichnungen zeigten zerstörte
Otto Dix hat den Krieg bis Dezember 1918 stieg er planmäßig zum Vizefeld- Gebäude. Die Veränderung der Land-
1918 als Unteroffizier und MG-Trupp- webel auf. schaft und der Verlust der gebauten
führer vor allem an der Westfront er- Später gab er zu, Angst gehabt zu zivilisatorischen Umgebung ist durch
lebt, in der Champagne, an der Som- haben. „Wenn man vorging an die Schriftsteller wie Ernst Jünger be-
me, im Artois und in Flandern. Im Front“, da war „eine Hölle von Trom- schrieben worden. Dix vermerkte
Herbst und Winter 1917 kämpfte er an melfeuer, na ja – jetzt kann man la- 1916 auf einer Feldpostkarte aus Au-
der Ostfront in Wolhynien. Nichts hat chen –, da war Scheiße in den Hosen bérive: „Häuser sind das nicht mehr,
auf das Leben des Malers so intensiv (…). Aber je weiter man vorkam, um niemand glaubt das im Ernst. (…) Es
eingewirkt wie die Erfahrung des so weniger hatte man Angst.“ Sein sind lauter Löcher mit Steinen herum,
Krieges, die hier aufgenommenen Ge- Überleben im Krieg glich einem Wun- oder lauter Skelette. Es ist eine eigen-
räusche und Gerüche sowie das hier der. Mehrfach verwundet, empfing artige seltene Schönheit, die hier re-

24
„Entartete Kunst“:
det.“ Die bildliche Beschreibung die- In den gleichnami-
ser hochgradig verstörenden wie gen Ausstellungen
beispiellosen Eindrücke erforderten wurden auch Bilder
neue Ausdrucksformen. Folgten sei- des damals difa-
ne Kriegszeichnungen anfangs noch mierten Otto Dix
dem Realismus, trugen sie ab 1917 ex- präsentiert. Sein
pressive und futuristische Züge, bis Hauptwerk (unten)
Umstritten: Sein Werk „Schützengraben“ machte Otto Dix Ende 1923 sich die Motive gegen Ende des Krie- überstand, gut
schlagartig bekannt. Seit dem Zweiten Weltkrieg verschollen, existiert ges in abstrakte Endzeit- und Todes- versteckt, die NS-
davon nur dieses Schwarz-Weiß-Foto. In seinem Triptychon „Der Krieg“ visionen wandelten. Seine Zeichnun- Zeit unbeschadet
von 1932 (unten) hat Dix bestimmte Motive nochmals aufgegrifen gen fingen das ein, was die Fotografie

Militär & Geschichte 25


MENSCHEN & SCHICKSALE

ZAHLEN, DATEN, FAKTEN

Ein Künstlerleben
2. Dezember 1891: Otto Dix wird in Untermhaus
bei Gera als zweites Kind des Eisenformers Franz und
der Näherin Louise Dix geboren.
1906–1910: Dekorationsmalerlehre in Gera,
Sommer 1910 Geselle.
September 1910 bis August 1914: Besuch der Kunst-
gewerbeschule in Dresden, zwei Studienreisen nach
Österreich und Italien.
September 1915 bis Dezember 1918: Kriegseinsatz
als MG-Schütze und Unteroizier in der Champagne,
an der Somme, im Artois und in Flandern sowie 1917
an der Ostfront. Es entstehen realistische, expressionis-
tische, futuristische und abstrakte Zeichnungen.
1919: Rückkehr nach Dresden, bis 1922 Studium an der
Staatlichen Akademie der Bildenden Künste.
1919/20: Entwicklung eines neuen, sozialkritischen
Realismus.
1924: Endgültiger Durchbruch als anerkannter Künstler.
1930: Mitglied der Preußischen Akademie der Künste,
1932 Vollendung des Triptychons „Der Krieg“.
Künstlerikone: Otto Dix 1952 in
seinem Atelier. Obwohl in beiden April 1933: Entlassung aus dem Lehramt, Difamierung
deutschen Staaten hoch angesehen, als „entarteter“ Künstler in einer Ausstellung in Dresden,
seit 1934 Ausstellungsverbot.
blieb er in der damaligen Kunst-
szene doch ein Außenseiter 1937/38: Acht Hauptwerke stehen im Zentrum der
Wanderausstellung „Entartete Kunst“, Beschlagnahmung
von zirka 260 Werken.
Ab Sommer 1933: „Innere Emigration“, zunächst auf
nicht abbilden konnte oder sollte, da Farben. Langsam begreift man ent- Schloss Randegg im Hegau, seit 1936 in Hemmenhofen
sie der Zensur unterlag. Und doch hat setzt. Ein Schützengraben liegt gänz- am Bodensee (bis zum Tod 1969 Hauptwohnsitz). Ende
er, das ist durch Ankäufe von Abzügen lich zerschossen, Material mischt sich 1938 vierzehntägige Inhaftierung durch die Gestapo nach
dem Attentat auf Hitler im Münchener Hobräuhaus.
belegt, auch auf fotografische Vor- zerfetzt mit zerfetzten Leibern, Holz-
lagen zurückgegriffen, zum Beispiel stützen zersplittert, Eisenstangen ver- 1945: Zum Volkssturm eingezogen, französische Kriegs-
bei der Darstellung des auf Eisenstan- bogen, Draht, Gasmaske und Arm- gefangenschaft.
gen gehaltenen, verrenkten Toten auf banduhr blieben unversehrt. Die Februar 1946: Rückkehr nach Hemmenhofen. Expres-
dem Bild „Schützengraben“ aus dem Phosphorpfütze bildet den Farbmit- sives Spätwerk aus Primamalerei und Lithograie.
Jahre 1923. Otto Dix war kein Anti- telpunkt. Gedärm, Fleisch und Blut 1947 bis 1966: Dix gerät zwischen die Fronten der
kriegskünstler, ihn interessierte das hängen umher. Ein Teil der Leichen abstrakten Nachkriegsmoderne westlicher Prägung und
Elementare des Krieges. verwest, weiße Würmer kriechen aus des sozialistischen Realismus in der DDR. 1955 Mitglied
(…). Das Bild kennt keine Tendenz, der Akademie der Künste in beiden Teilen Berlins,
Ein kontroverses Gemälde nur peinlich genaue sachliche Schil- 1957 Retrospektive in der Akademie der Künste Ost,
Noch bevor der Grafikzyklus ver- derung: so ist Krieg (…). Keiner sonst 1959 Großes Bundesverdienstkreuz.
öffentlicht wurde, konnte Dix 1923 wäre imstande gewesen, diese ge- 25. Juli 1969: Otto Dix stirbt nach einem zweiten
das 2,30 mal 2,50 Meter große Bild häuften Gräuel in Einzelheiten zu ge- Schlaganfall in Singen am Hohentwiel. Sein Grab
„Schützengraben“ fertigstellen. Es gilt ben, ein Bild damit zu bauen.“ beindet sich in Hemmenhofen.
als Vorläufer des Triptychons „Der Die Kontroverse um das Bild brach
Krieg“ von 1932, seines Hauptwerkes. sofort aus. Bereits am 1. Dezember
Während sich das Triptychon in der 1923 hatte die Kölnische Volkszeitung Akademie-Schau vom April 1924 wei-
Dresdner Gemäldegalerie befindet, kommentiert, dass „die Wirkung ter angefacht, wo das Bild auf Initia-
sind vom „Schützengraben“ nur des modernen Menschenmordens“ tive von Max Liebermann ausgestellt
Schwarz-Weiß-Fotografien erhalten furchtbarer nicht wiedergegeben war: In der Weltbühne griff Paul Fer-
geblieben. Das Bild gilt als eines der werden könne. „Inhaltlich ist es das dinand Schmidt seine Kritiker an
bedeutendsten und kontroversesten grausigste Bild, das vielleicht je ge- und betonte, dass im Bild nichts über-
Gemälde des 20. Jahrhunderts. Es malt wurde (…).“ Und darum werde trieben worden sei. „Es ist nur kom-
wurde im Oktober 1923 vom Wallraf- das Bild „viele Gegner finden“. primiert (…). Ein Mann lag vier Jahre
Abb.: Interfoto/Friedrich

Richartz Museum Köln angekauft Eine Woche später meldet sich im Schützengraben und erlebte das
und löste nach seiner Hängung im der erste, der Kunstkritiker Walter unnennbar Scheußliche, das der Na-
Dezember 1923 Besucherrekorde aus. Schmits, bereits zu Wort, indem er das me Krieg bedeckt (…). Und es ent-
Der Kölner Kunsthistoriker Alfred Bild als niederschmetternde „pazifis- stand ein großes Kunstwerk: ein Be-
Salmony beschrieb den ungewöhnli- tische Predigt“ anprangerte. Die Kon- kenntnis zum Leben in der grausams-
chen Eindruck des Bildes: „Unerhörte troverse wurde durch die Berliner ten Darstellung des Todes, die wohl

26
jemals gemalt worden ist (mit einzi- hat“. Stattdessen wurde das Gemälde für Meißner Porzellan, Gemälde aus
ger Ausnahme von Grünewalds Ge- auf Geheiß des Kölner Oberbürger- dem Depot der Dresdener Sammlun-
kreuzigtem).“ meisters Konrad Adenauer im Januar gen sowie Stücke aus den Rüstkam-
1925 aus dem Wallraf-Richartz Mu- mern, darunter eine edle Turnierrüs-
Elementarer Realismus seum entfernt. tung, verscherbelt – so wichtig war
Der Streit um das Gemälde eskalierte Im November 1928 entschloss sich ihr dieses Bild.
weiter. So forderte der bekannte Autor die Stadt Dresden, das Bild anzukau-
der Entwicklungsgeschichte der mo- fen, allerdings ohne es auszustellen. Mahnmal des Krieges
dernen Kunst, Julius Meier Graefe, Es wurde erst wieder ab 1933 im Rah- Die Mitteltafel des Triptychons bildet
mit den Worten „Dieser Dix ist zum men der NS-Ausstellung „Entartete eine aktualisierte Version des „Schüt-
Kotzen!“ die Entfernung des Werkes. Kunst“ gezeigt, wo es der ganzen zengrabens“. Auf den vier Tafeln sind
Die Maler der Gruppe „Junges Rhein- Häme der neuen Machthaber ausge- die vier Tageszeiten Morgen, Mittag,
land“ sowie die Kunstkritiker Paul setzt war. Im Januar 1940 zog man Abend und die Nacht veranschau-
Westheim und Willi Wolfradt hielten es heraus und verkaufte es für ein Ta- licht, was als kreislaufhafte Wieder-
kehr des Gleichen im Sinne einer
Nach der Zeit seiner „inneren Emigration“ zwangsläufigen Abfolge des Krieges
interpretiert worden ist. Otto Dix hat
konnte Dix an frühere Erfolge anknüpfen. das Triptychon noch kurz vor der
Machtübernahme Hitlers im Herbst Prof. Jürgen
dagegen. Letzterer lobte die maleri- schengeld an den Händler Bernhard 1932 in der Preußischen Akademie Angelow ist
sche Gewalt und das handwerkliche Boehmer in Güstrow. Niemand weiß, der Künste in Berlin ausgestellt. Kurz
außerplanmäßiger
Professor für Neuere
Können von Dix und schrieb: „Welch ob das Gemälde verschollen oder zer- darauf ließ er es in Kisten verpacken
Geschichte an der
ein Wandschmuck für die Schulen! stört worden ist. und in der Fabrik eines Freundes im Universität Potsdam
Welch ein Memento! Elementar ist Dieses ungewisse Schicksal blieb Erzgebirge verstecken. Dort hat das und Lehrbeauftrag-
dieser Realismus, elementar die fre- dem Hauptwerk von Otto Dix erspart. Bild den Krieg überdauert. 1946 nahm ter an der Freien
netische Tatkraft des Schaffens, ele- Sein vierteiligesTriptychon „Der Krieg“ es einen zentralen Platz der Ersten Universität Berlin
mentar das Einschlagen dieses Out- hat er auf Holz in altmeisterlicher Allgemeinen Deutschen Kunstaustel-
siders in die Moderne.“ Auch Max Lasurtechnik ausgeführt, innerhalb lung ein. Fortan wurde es an verschie-
Liebermann ergriff Partei für das Bild von vier Jahren unzählige Male über- denen Standorten gezeigt, bis es sei-
und bedauerte gegenüber dem Köl- schichtet und 1932 fertiggestellt. Es nen Platz im Dresdener Albertinum
ner Museumsdirektor, „dass es nicht befindet sich heute im Dresdener Al- fand. Dort ist es heute zu betrachten:
seinen ihm gebührenden Platz in der bertinum. Die DDR hatte es 1968 für als Mahnmal des Krieges in seiner
Berliner Nationalgalerie gefunden 500.000 Westmark angekauft und da- unmittelbarsten Gestalt.
WAFFEN & TECHNIK

SCHWIMMPANZER PT-76

Mit allen Wassern


gewaschen
Der aus der UdSSR importierte Schwimmpanzer PT-76
gehörte zu den ersten Gefechtsfahrzeugen der Nationalen
Volksarmee der DDR. Er sollte amphibische Landungen
unterstützen, hatte aber eine empfindliche Schwachstelle
Abb.: MIREHO (2)

28
ereits im Gründungsjahr der und einer automatischen Kernwaf-

B NVA (1956) beschaffte die DDR


die ersten PT-76 von ihrem
mächtigen Waffenbruder, der Sowjet-
fenschutzanlage zur Truppe. Bis Ende
1967 bildeten selbstständige Aufklä-
rungszüge die Speerspitze der NVA-
union. Weil das schwimmfähige Ge- Aufklärungseinheiten der Mot.-Schüt-
fechtsfahrzeug viele Vorzüge aufwies, zen- und Panzerregimenter. Diese
erwarteten die Aufklärungsverbände Züge gliederten sich in je einen SPW-
der 1., 6. und 8. Mot.-Schützen-Divisi- Halbzug mit vier Schützenpanzerwa-
on (MSD) sowie der 9. Panzer-Division gen SPW 40P und einen Panzerhalb-
(PD) des Militärbezirks V (Stab in Neu- zug mit drei Schwimmpanzern PT-76.
brandenburg) händeringend die noch Nach der späteren Aufwertung vom
fabrikneuen PT-76. Bis Anfang der Zug zur vollständigen Aufklärungs-
1960er-Jahre füllte man dann nachfol- kompanie nutzten die Mot.-Schüt-
gend die anderen Aufklärungsbatail- zenregimenter den originalen PT-76
lone der 4. und 11. MSD sowie der 7. PD weiter, während in den Panzerregi-
vom Militärbezirk III (Stab in Leipzig) mentern der kampfwertgesteigerte
mit dem Schwimmpanzer auf. Bis PT-76B zum Einsatz kam.
1964 stieg der Bestand bei den NVA
auf insgesamt 131 Stück. Lehren des Zweiten Weltkriegs
Noch im gleichen Jahr kamen die Welch hohen taktischen Stellenwert
ersten von 54 modernisierten PT-76B amphibische bewaffnete Fahrzeuge
mit einer stabilisierten Bordkanone beim Vorstoß auf feindliches Terrain

Bannerträger des Sozialismus: Die im Aubau


beindliche Panzertruppe der Nationalen Volksarmee
warb mit solchen Plakaten um Interessenten

Nassforsch: Seen und Flüsse stellten für den PT-76


kein Hindernis dar, mit ihm gelangte die Besatzung
halbwegs sicher ans jenseitige Ufer

Militär & Geschichte 29


WAFFEN & TECHNIK

Vorläufer:
Der sowjetische T-38
konnte im Zweiten
Weltkrieg nicht
überzeugen. Panze-
rung und Bewaf-
nung waren viel zu
schwach, außerdem
ging er im Wasser
wiederholt unter

Mit zehn Stunden-


kilometern durch
jedes Gewässer. Zwei
hydrodynamische
Wasserstrahltrieb-
werke sorgten für den
Vortrieb beim PT-76
Abb.: Interfoto/UIG/Sovfoto, One half 3544, MIREHO (3)

30
einnahmen, erfuhren die Einheiten Doch genau hier lag ein wesent- HINTERGRUND
der Roten Armee während der Ge- liches Problem. Um nicht die amphi-
fechte gegen die Deutsche Wehr- bische Eigenschaft zu verlieren, er- Überraschungsangriff
macht besonders in den letzten bei- hielten die damaligen Fahrzeugty- von der See
den Kriegsjahren. Fließgewässer und pen nur schwache Panzerungen und
Seen verlangsamten immer wieder leichte Waffen. Um einen Brücken-
Was innerhalb der Warschauer-Pakt-Staaten
als fester Bestandteil der Gefechtstaktik galt, wurde
den Angriffsschwung. Einen Brücken- kopf aber auch mit der nötigen Feuer-
auch bei der Volksmarine der DDR im Rahmen von
großen Manövern eingeübt: das rasche Anlanden
Frühe Schwimmpanzer soffen regelmäßig von Gefechtsverbänden von See aus. Dabei setzte
die Volksmarine diverse Landungsboote mit unter-
ab – da war der PT-76 ein echter Fortschritt. schiedlichen Ladekapazitäten ein, die aufgrund
des geringen Tiefgangs sehr nah bis an die Küste
kopf am anderen Ufer unter schwe- unterstützung zu halten, legten die heranfuhren. Reichte dies nicht aus, verließen die
rem Feindfeuer einzunehmen und zu sowjetischen Nachkriegsentwürfe Schwimmpanzer PT-76 die Boote und schwammen
halten, gelang häufig nur unter hohen für einen neuen Schwimmpanzer viel die letzten Meter eigenständig bis zum Ufer, um
Wert auf eine adäquate Bewaffnung.
dort unverzüglich mit ihrer operativen und taktischen
Verlusten. Erst schwimmfähige Ge-
Auklärungsarbeit zu beginnen.
fechtsfahrzeuge, die seit den 1930er-
Panzertechnik aus Stalingrad Die Volksmarine benutzte für diese amphibischen
Jahren entwickelt wurden, verbesser- Landungsoperationen drei Boottypen:
ten die Erfolgsaussichten deutlich. Als zum Ende der 1940er-Jahre die • Landungsboot Projekt 46,
Mit ihnen konnte man sich zumin- ersten Versuche mit einem neuen NATO-Code: LABO-100-Klasse (drei PT-76)
dest unter leichtem Panzerschutz zur Schwimmpanzer mehr Nachteile als • Landungsboot Projekt 47 „Robbe“ (acht PT-76)
Wehr setzen. Vorteile offenbarten, trat das Entwick- • Landungsboot Projekt 108 Typ „Hoyerswerda“,
NATO-Code: Frosch I (elf PT-76)

Landungsoperationen der Warschauer-Pakt-Streit-


kräfte hatten dank des PT-76 gute Erfolgsaussichten;
hier ein sowjetisches Manöver mit Landungsschifen
der Ropucha-Klasse, die elf PT-76 laden konnten

Militär & Geschichte 31


WAFFEN & TECHNIK

ZAHLEN, DATEN, FAKTEN

PT-76 (Version PT-76B)


Besatzung: 3 Soldaten
Einführungsjahr: 1952 (1962)
Zweckentfremdet: Seinen ersten Einsatz Gefechtsgewicht: 14 t (14,4 t)
hatte der Schwimmpanzer ausgerechnet Länge (ohne Kanone): 6,71 m
gegen Stadtbewohner – während des Höhe über alles: 2,26 m
Aufstandes in Budapest/Ungarn 1956 Breite: 3,14 m 3. Stufe der
Leistung: 179 kW / 240 PS Klassiizierungs-
lungsbüro im Werk Nr. 100 in Tschel- Motor: V-6-Mehrstof-Dieselmotor W-6B in Reihe spange für
jabinsk auf den Plan. Bereits wenige Reichweite Straße: ca. 370 km (510 km) Panzerfahrer
Monate später nahm der zukünftige Geschwindigkeit Straße: 44 km/h der Nationalen
amphibische PT-76 „Plavayushiy Geschwindigkeit Wasser: 10 km/h Volksarmee, die
Tank“ konkrete Gestalt an. In der Ge- Bewafnung: 1 x 76,2-mm-Bordkanone D-56T (D-56TS) in dieser Form
wichtsklasse zwischen 13 und 14 Ton- 1 x 7,62-mm-SMGT-Maschinengewehr vom 1. Juni 1963
nen sollte der Panzer mit einer 76,2- 1 x 7,62-mm-AK-Maschinengewehr bis 1986 ver-
Millimeter-Bordkanone bewaffnet Munition: 40 (36) Patronen 76,2 mm liehen wurde
und ausreichend gegen Splitter und 1.000 Patronen 7,62 mm SMGT
schweres Maschinengewehrfeuer ge- 300 Patronen 7,62 mm AK
schützt sein. Für die Produktion wähl- 15 F-1 Handgranaten
te der Ministerrat der UdSSR das Sta- Panzerung: Wannenfront: 20 mm, -seite: 14 mm, -heck: 7 mm
lingrader Traktorenwerk (STZ, später Turmfront: 25 mm, -seite: 20 mm, -heck: 13 mm
Abb.: Fortepan (CC-BY-SA 3.0), p-a/ZB, Forum/Süddt.Ztg.Photo, MIREHO

Wolgograder Staatswerke Traktoren-


bau VGTZ).
technische Vorbereitungen oder pio- der aus. Der Schwimmpanzer erreich-
Große Gewässer – kein Problem niertechnische Hilfsmittel zu über- te damit im Wasser immerhin eine
1952 lief die Serienproduktion an, den queren. Sobald der Panzer in tieferes Geschwindigkeit von zehn Stunden-
ersten Aufritt in der Öffentlichkeit Gewässer einfuhr, schaltete der Fah- kilometern. Im runden Turm saß die
hatte der PT-76 während der Sieges- rer die beiden Wasserstrahlantriebe D-56T 76,2-Millimeter-Bordkanone,
parade auf dem Roten Platz in Mos- an. Der halbierte V6-Mehrstoff-Diesel- mit der man auch bei amphibischen
kau am 9. Mai 1952. Die offizielle sow-
jetische Definition des PT-76 lautete: Mit diesem Panzer konnte man schon vom
Leichtes Kampffahrzeug, Kette, vorge-
sehen für Aufklärungsaufgaben und Wasser aus den Feuerkampf aufnehmen.
als Kampfpanzer für amphibische
Operationen in der Überwindung von motor eines Kampfpanzers T-54 saug- Anladungen bereits vom Wasser aus
Binnengewässern und auf See. te dann über Pumpen Wasser durch den Feuerkampf führen konnte.
Der PT-76 war dank seiner leichten zwei Öffnungen im Wannenboden an Diese besonderen Eigenschaften
und kompakten Schwimmwanne in und stieß dieses verdichtet über Turbi- machen den Sowjetpanzer bis zum
der Lage, auch größere Gewässer ohne nen durch zwei Kanäle am Heck wie- heutigen Tag recht populär, und dies

32
Vorzeigeobjekt:
1 Einer von mehreren
PT-76 des Militär-
historischen Museums
4 5 der Bundeswehr
in Dresden
TECHNIK 8

PT-76B Modell 1962 6


1 76,2-Millimeter-Kanone (D-56TS ) mit 9
Doppelkammer-Mündungsbremse
2 Infrarot-Fahrlicht 2 7
3 Schwallbrett für Wasserfahrt
4 FG-100-Turmscheinwerfer
5 Turmluke
6 Blende mit Richtschützenoptik 3
7 Optik für den Fahrer
8 Funkantenne
9 5-Liter-Treibstobehälter
10 Gleiskette mit zwei
Führungszähnen

10

Aufgesessen: Die Streitkräfte der Volksrepublik Polen hatten den


Panzer seit 1960 im Bestand, insgesamt war er in rund 25 Ländern
anzutrefen. Das Manöverfoto zeigt einen PT-76B

Militär & Geschichte 33


HINTERGRUND
WAFFEN & TECHNIK

Verhängnis auf dem Riewendsee


Vor allem den Ostdeutschen dürfte der tragische Unfall und ging innerhalb weniger Sekunden unter.
auf dem Riewendsee (Landkreis Potsdam) vom 24. August Dabei ertranken sieben Jungen. Das geborgene
1965 im Gedächtnis geblieben sein. An jenem Sommertag Unglücksfahrzeug kam am späten Abend zurück
verbrachten viele Kinder ihre Schulferien im Ferienlager in die Kaserne, und es begannen Untersuchungen,
„Flax und Krümel“ und bewunderten die Fahrausbildung wie es zu dieser Tragödie kommen konnte.
zweier PT-76 der Auklärungskompanie 1 aus Groß Beh- Rasch wurde deutlich, dass der als unsinkbar geltende
nitz auf dem dortigen Gewässer. Als besonderes Erleb- PT-76 mit 21 „Passagieren“ hofnungslos überladen war.
nis nahm einer der Schwimmpanzer mehrmals eine Bis zu diesem Tag hatte es keinen vergleichbaren Unfall
große Anzahl von Kindern und deren Betreuer mit zu mit diesem Fahrzeugtyp im Warschauer Pakt gegeben.
einer Rundfahrt auf dem See. Das Vergnügen endete Der verunfallte Panzer steht heute im Depot des Militär-
in einer Katastrophe. Um 10:06 Uhr kenterte der PT-76 historischen Museums der Bundeswehr in Dresden.

Prägnante
Panzerhauben
mit Sprechfunk-
kabel waren
jahrzehntelang
das typische
Kennzeichen für
Panzersoldaten
der Warschauer-
Pakt-Staaten

Kurz vor der Wende: Ein Soldat


der sowjetischen Marineinfanterie
im August 1989. Während seiner
fast 40 Jahre bei der Sowjetarmee
war der PT-76 fortlaufend
modernisiert worden

34
Artitec ®

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Neue 
0LOLWlUPRGHOOH

6870193 - 3DQ]HUMlJHU(OHIDQWZLQWHU

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Herausgeputzt für eine der 38 NVA-Paraden präsentiert sich hier der PT-76B
auf der Karl-Marx-Allee. Jeweils am 7. Oktober („Tag der Republik“) lockte
das kostspielige Spektakel Zehntausende Zuschauer an den Straßenrand

dürfte auch der wesentliche Grund auf dem Balkan. Während des Viet-
dafür sein, dass es nie ein westliches namkriegs war der PT-76 sogar der
Pendant zum PT-76 gab! Seit seiner einzige Feindpanzer, mit dem es die
Einführung vor gut 60 Jahren durch- US-Truppen dort zu tun bekamen.
lief der PT-76 zahlreiche Moderni- Als Anfang der 1970er-Jahre der
sierungsmaßnahmen, sodass die ebenfalls schwimmfähige Schützen- 6870205 - %:.UDND7UDQVSRUW$XVI
letzten Exemplare dieses Panzerfahr- panzer BMP-1 zur NVA kam, schob
zeugs bei den Kräften des Innen- man die abgelösten PT-76 auf unbe-
ministeriums der Russischen Förde- stimmte Zeit ins Lager. Nur wenige
ration erst in 2015 deaktiviert wurden. Schwimmpanzer wurden bis zur Auf-
Zur Zeit des Kalten Krieges beschaff- lösung der NVA verschrottet oder ver-
ten neben den Warschauer-Pakt-Staa- kauft. Die von der Bundeswehr über-
ten auch andere Länder, die der nommenen Bestände zeigten dies Clemens Niesner
UdSSR nahestanden, den Schwimm- recht eindrucksvoll. So verteilten sich interessiert sich als
Militärjournalist 6870203 - %:.UDND6DQLWlWV$XVI
besonders für
Der PT-76 hatte in der Armee der Sowjet- amphibische Ge-
union bis zuletzt seinen festen Platz. fechtsfahrzeuge.
Mit dem PT-76
hatte die UdSSR
panzer für ihre Streitkräfte. Deutlich zu Beginn der 1990er-Jahre noch im- in den frühen
günstiger als schwerere Kampfpan- mer 96 PT-76 und 53 PT-76B in diver- 1950er-Jahren einen
zer, konnten sich so selbst ärmere sen zentralen Gerätelagern auf dem schwimmfähigen
Länder ein taugliches Gefechtsfahr- Boden der ehemaligen DDR. Panzer vorgelegt,
für den es selbst 6870202 - %:.UDNDPP0.
zeug leisten. In vielen zumeist afrika- Doch dann ging alles recht schnell.
Abb.: PH2 Mark Kettenhofen, MIREHO (2)

Jahrzehnte später
nischen Staaten wird der PT-76 noch Für die Bundeswehr wertlos, kamen
kein NATO- ,QXQVHUHP:HEVKRSÀQGHQ6LH
heute genutzt. 48 der eingelagerten Schwimmpan-
Pendant gab! PHKUDOV0LOLWlUPRGHOOH
zer auf den Schrott und 86 Fahrzeuge
Aus der NVA ausgemustert sahen ihrem Ende als Hartziele auf LP0D‰VWDE%HVXFKHQ6LH
Als preiswerter Panzer sah der PT-76 Truppenübungsplätzen entgegen. ZZZDUWLWHFVKRSGHRGHUIUDJHQ
zahlreiche Kampfeinsätze wie zum Der Rest diente zu Erprobungszwe- 6LH,KUHQ0RGHOOIDFKKlQGOHU
Beispiel beim Sechstagekrieg (1967), cken, wanderte in die Studiensamm-
dem Yom-Kippur-Krieg (1973) oder lung nach Koblenz, in die Lehrsamm-
bei den Gefechten der Jugoslawischen
Volksarmee Anfang der 1990er-Jahre
lung nach Munster oder gelangte
nach Großbritannien und in die USA.
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Militär & Geschichte


KRIEGE & SCHLACHTEN

ROMS FELDZÜGE IN GERMANIEN 14–16 N. CHR.

Die Rache des


Imperiums
Nach der vernichtenden Niederlage, die die Römer
im Jahr 9 n. Chr. in der Varusschlacht gegen die verbündeten
Germanenstämme hatten hinnehmen müssen, sann das Imperium
auf Vergeltung. Fünf Jahre später setzte sich ein gewaltiges
römisches Heer in Marsch, um die unbotmäßigen Germanen
zu strafen und die Schande Roms endgültig zu tilgen

36
it Erstaunen und Schrecken gegen die Germanen bereits einige

M nahm man im Jahr 9 n. Chr.


in Rom zur Kenntnis, dass
einige schlecht ausgerüstete Bar-
Erfahrungen vorzuweisen hatte. Ti-
berius überschritt den Rhein; dies
stellte aber vielmehr einen symboli-
barenstämme vom nördlichen En- schen Schachzug dar, denn es kam zu
de des Erdkreises der gewaltigsten keinen größeren Kämpfen. 14 n. Chr.
Abb.: akg-imgaes/Peter Connolly, p-a/akg-images, Interfoto/Lacollection/Gilles Mermet

Kriegsmaschinerie der bekannten starb Kaiser Augustus und Tiberius


Welt eine vernichtende Niederlage folgte ihm auf den Thron. Von da an
hatten zufügen können. Drei Legio- übernahm Germanicus, der Sohn des
nen, drei Alen Kavallerie und sechs Drusus und Neffe des neuen Kaisers,
Kohorten Hilfstruppen, zusammen das Oberkommando des Germanien-
über 20.000 Mann, waren im Teuto- feldzuges.
burger Wald von einer Koalition auf-
ständischer Germanenstämme unter Mit Feuer und Schwert
der Führung von Arminius vom Germanicus machte sich mit großer
Stamm der Cherusker vollständig Energie an seine neue Aufgabe. Noch
aufgerieben worden. im Jahr 14 n. Chr. zog er von Vetera
Um den schwer angeschlagenen (Xanten) mit vier Legionen, 26 Kohor-
Ruf des Imperiums wiederherzu- ten Auxiliarinfanterie und acht Alen
stellen, bedurfte es eines neuen Feld- Kavallerie die Lippe entlang in das
zuges. Die Vorbereitungen nahmen Land der Marser. Dabei spielte die
einige Zeit in Anspruch, die Armee schiffbare Lippe eine wichtige Rolle, Gewaltmarsch:
musste ihre Verluste an Soldaten und um die Truppen versorgen zu kön- Im Jahre 14 n. Chr.
Ausrüstung ergänzen und Truppen Feldherr Nero Claudius Germanicus nen. Die Marser wurden vollkommen zogen vier römische
umgruppieren. 11 n. Chr. hatte man wollte die römische Oberhoheit in überrascht, ihr Gebiet fiel einer gründ- Legionen und wei-
die gesamte Rheinarmee auf acht Le- Germanien wieder herstellen lichen Brandschatzung zum Opfer, tere Hilfstruppen
gionen verstärkt. Deren Oberbefehls- wobei die Invasoren auch das be- erneut durch
haber war Tiberius, der Adoptivsohn rühmte Stammesheiligtum der Tan- Germanien. Ein
des Kaisers Augustus, der im Kampf fana zerstörten. Die sich auf den Jahr später fanden
sie den Ort der
Varusschlacht, wo
Germanicus die
damals Gefallenen
bestatten ließ

Militär & Geschichte 37


KRIEGE & SCHLACHTEN

Tusnelda, die
Rhein zurückziehenden römischen Gemahlin des segelte, in die Mündung der Ems ein- großen Grabhügel bestatten. Armi-
Truppen wurden zwar von den Stäm- Arminius, wurde bog und weiter stromaufwärts fuhr. nius blieb mittlerweile nicht untätig
men der Usipeter und Brukterer auf von Germanicus An einem bereits vorher festgelegten und ging zum Angriff über. In der fol-
dem Marsch angegriffen, sie konnten nach Rom ver- Punkt vereinte sich die Streitmacht genden Schlacht entging Germanicus
allerdings standhalten und den Feind schleppt. Rechts: und begann auch hier das Land der nur knapp einer Niederlage und trat
zurückschlagen. Arminius bei einer Brukterer großflächig zu verwüsten. daraufhin den Rückzug an.
Im folgenden Frühjahr unternahm Seherin vor der Im Laufe dieser Aktionen konnten die Während Germanicus den Weg
Germanicus einen weiteren Feldzug, Schlacht bei Idis- Römer einen der drei in der Varus- über die Nordsee einschlug, mar-
der ihn von Mogontiacum (Mainz) aus taviso, 16 n. Chr. schlacht verlorenen Legionsadler schierten die vier Legionen des Caeci-
in das Stammesgebiet der Chatten zurückerbeuten. Darüber hinaus ent- na durch ein weites Moorgebiet über
im heutigen Nordhessen führte. Bei deckte Germanicus das Schlachtfeld die sogenannten „Langen Brücken“,
ihrem schnellen Vormarsch konnten der Varus-Niederlage und ließ die hölzerne, durch das Moor führende
die Römer auch die Chatten vollstän- Überreste der Gefallenen in einem Bohlenwege. Hier griff Arminius er-
dig überrumpeln, ihre Dörfer nieder- neut an, und beinahe wäre es für die
brennen und das Land verheeren. Die letzte Schlacht Römer zu einer Katastrophe gekom-
Wer nicht fliehen konnte, fiel dem der Feldzüge am men, hätten die undisziplinierten
Abb.: p-a/akg-images, p-a/Judaica-Sammlung Richter, Interfoto/Sammlung Rauch, p-a/Guido Kirchner/dpa, Graik: Anneli Nau

Schwert zum Opfer. Angrivarierwall Germanen nicht den zurückgelasse-


Mittlerweile hatte sich von der von konnte Germanicus nen Tross geplündert. Damit gelang es
Arminius geschmiedeten antirömi- (hier zu Pferde) Caecina, sich hinter hastig angeleg-
schen Stammeskoalition ein rom- angeblich für sich ten Feldbefestigungen zu verschan-
freundlicher Zweig unter der Führung entscheiden zen. Unnötigerweise setzten die Ger-
seines Schwiegervaters Segestes ab- manen zum Sturm auf die Schanzen
gespalten. Segestes sah sich bald in an, wurden aber unter großen Verlus-
einer Fluchtburg von seinen eige- ten zurückgeschlagen. So gelang es
nen Stammesgenossen belagert und Caecina zu entkommen.
musste Germanicus um Hilfe bitten.
Dieser befand sich bereits auf dem Große Feldschlachten
Rückmarsch zum Rhein, kehrte aber Auch im Jahr 16 n. Chr. setzte Germa-
um, befreite Segestes und nahm ihn nicus seine bisher nicht sehr erfolg-
mit auf römisches Gebiet.Trotz dieser reiche Eroberungsstrategie fort. Im
Querelen konnte Arminius seine Posi- Sommer führte er sein gesamtes Heer,
tion erneut stärken und mit dem bis- ungefähr 80.000 Mann, an die Rhein-
her romfreundlichen Cherusker In- mündung und fuhr Richtung Ems.
guiomeros sogar noch einen wichti- Nahe der Weser kam es bei Idistaviso
gen Verbündeten hinzugewinnen. zu einer regelrechten Feldschlacht
mit dem Heer des Arminius, der hier
Rache für Varus verwundet wurde. Arminius zog sei-
Germanicus blieb dies nicht verbor- ne Truppen rechtzeitig zurück, sodass
gen und er holte zu einem neuen er trotz hoher Verluste einer Nieder-
Schlag gegen seine Feinde aus. Sein lage entgehen konnte. Kurz darauf
Heer gliederte er dabei in drei Kontin- trafen die Kontrahenten in der
gente: Vier Legionen unter Aulus Cae- Schlacht am Angrivarierwall erneut
cina Severus rückten von Xanten aus aufeinander. Bei diesem Wall handel-
in Richtung des Stammesgebietes der te es sich um eine aus Erdwall und
zwischen Lippe und Ems siedelnden Palisaden angelegte Feldbefestigung
Brukterer vor. Die Kavallerie durch- des Stammes der Angrivarier.
querte das Land der Friesen, während Auch hier kam die militärtechni-
Germanicus selbst mit vier Legionen sche Überlegenheit der Römer voll
zu Schiff die Nordseeküste entlang- zum Tragen. Die römischen Pfeilkata-

38
ZUR LAGE

Römische Darsteller erinnerten 2017


in Kalkriese (dem vermeintlichen Ort
der Varusschlacht) an den Triumphzug
des Germanicus in Rom (17 n. Chr. )

te. Rom hatte seine Genugtuung,


seine Waffenehre war wiederherge-
stellt und Germanicus marschierte
am 26. Mai 17 n. Chr. im Triumphzug
durch Rom und verkündete die Sie-
gesnachricht. Bis in das dritte Jahr-
hundert blieben die Beziehungen der
Die Feldzüge Römer zu den Germanen weitgehend
pulte nahmen die Palisaden unter so des Germanicus Römer, die ihre weiten Versorgungs- auf Handel und friedlichen kulturel-
schweres „Feuer“, dass die Germanen führten tief linien sichern mussten und hohe Ver- len Austausch beschränkt. Erst mit
den Wall nicht mehr halten konnten, hinein in das luste an Menschen und Ausrüstung den sich zu dieser Zeit erneut häufen-
und dennoch gelang es Arminius heutige Nieder- hatten, während die Moral der germa- den Übergriffen auf römisches Gebiet,
erneut, der Vernichtung zu entgehen. sachsen; eine nischen Truppen ungebrochen war. die den Sturm der kommenden Völ-
Danach teilte Germanicus sein Heer Flotte segelte Obwohl die Feldzüge des Germa- kerwanderung ankündigten, begann
ein weiteres Mal, die eine Hälfte zog sogar die nicus den Germanen die Fähigkeiten sich das Verhältnis zwischen Germa-
sich auf dem Landweg in Richtung Friesischen der römischen Militärmacht noch ein- nen und Römern erneut zu wandeln.
Rhein zurück, der Rest wurde auf die Inseln entlang mal eindringlich vor Augen geführt
Flotte verteilt. Diese geriet jedoch hatten, verpuffte deren Wirkung sehr Otto Schertler
in schwere Stürme, in denen viele schnell. Dies erkannte auch Kaiser schreibt hauptsächlich
Männer und haufenweise Material Tiberius, der seine gesamten Truppen über archäologische
verloren gingen. nach Abschluss der Militäroperatio- und militärgeschicht-
nen hinter die Rheingrenze zurück- liche Themen.
Ein letzter Versuch zog und gleichzeitig alle rechts des
Im Herbst desselben Jahres unter- Rheins gelegenen Militärlager auflös-
nahm Germanicus letzte Vorstöße
nach Germanien, wobei er noch einen
zweiten der verlorenen Legionsadler HINTERGRUND
erbeuten konnte. Trotz aller Bemü-
hungen des Germanicus musste sich Die Strategie Roms in Germanien
Rom das Scheitern des Feldzuges ein- Mit der Eroberung Galliens waren die Römer auch ohne dass man jedoch von einer vollständigen
gestehen – von einer Eroberung war in Kontakt mit den rechts des Rheins lebenden Eroberung oder gar der Umwandlung in eine römi-
Germanien weit entfernt. Militärisch germanischen Stämmen gekommen. Diese über- sche Provinz hätte sprechen können. Die katastro-
behielten die Römer zwar meist die schritten immer wieder den Fluss, um in Gallien phale Niederlage in der Schlacht im Teutoburger
Oberhand, doch ein wirklicher Sieg Raubzüge durchzuführen und sich dann in ihr Wald 9 n. Chr. und die letztendlich gescheiterten
blieb Germanicus versagt. In Germa- Heimatgebiet zurückzuziehen. Die ständige Ge- Rachefeldzüge des Germanicus bedeuteten das
nien gab es keine städtischen oder fahr bewog Kaiser Augustus dazu, durch eine Groß- endgültige Aus für die römischen Ambitionen in
politischen Zentren wie in Gallien, de- ofensive die Kontrolle über Germanien bis hin zur Germanien. Wegen der immensen Kriegskosten
Elbe zu gewinnen. Von den großen Militärbasen hielten die Römer nun einen Rückzug auf die stark
ren Einnahme eine Kontrolle des um-
am Rhein stieß ab 12 v. Chr. zunächst sein Stiefsohn gesicherte Rheingrenze für klüger. Die untereinan-
liegenden Landes ermöglichte. Das Drusus in mehreren Feldzügen tief nach Germa- der zerstrittenen germanischen Stämme überließ
Niederbrennen einiger Gehöfte und nien hinein bis zur Elbe hin vor. Nach dessen plötz- man sich selbst und versuchte, diese Zersplitterung
Dörfer traf die Germanen nicht über- lichem Tod im Jahr 9. v. Chr. übernahm dessen durch unterschiedliche Bündnisse mit den einzel-
mäßig schwer, da sie derartige Ver- Bruder Tiberius den Oberbefehl in Germanien. Er nen germanischen Fürsten beständig zu schüren.
luste relativ schnell ausgleichen konnte im Lauf einiger Jahre den Raum zwischen Damit war die von den Germanen ausgehende
konnten. Arminius hingegen führte Donau, Nordsee und Elbe weitgehend befrieden, Gefahr für Rom für gut zweihundert Jahre gebannt.
einen Abnutzungskrieg gegen die

Militär & Geschichte 39


KRIEGE & SCHLACHTEN

LUFTANGRIFF AUF NÜRNBERG

Untergang
im Feuersturm
Am 2. Januar 1945 wurde Nürnberg, das „Schatzkästlein des Deutschen Reiches“,
bei einem verheerenden Luftschlag völlig zerstört. Wie bei allen vergleichbaren
Angriffen in der Endphase des „Dritten Reiches“ konnte die deutsche Flugabwehr
den alliierten Bombern nur wenig entgegensetzen
Abb.: keine Angaben/Bildarchiv Nürnberger Nachrichten (2), MIREHO-Weitze,

In Schutt und
Asche: Diese
beiden raren
Originalfotos aus
Nürnberg zeigen
das nächtliche
Flammeninferno
und Lösch-
L. Howard, p-a/SZ-Photo

versuche am
folgenden Tag

40
Tödliche Fracht:
Wie auch über Nürn-
berg geschehen,
wirft dieser britische
Bomber vom Typ
Avro Lancaster zu-
nächst Radartäusch-
mittel („Düppel“) ab,
dann folgen Bomben
und eine Luftmine

Das Luftschutz- chnee lag auf den Hausdächern den große Teile der weltberühmten
Ehrenzeichen der
zweiten Stufe gab
es für Verdienste bei
S am 2. Januar 1945 in Nürnberg,
der Stadt der Reichsparteitage.
Nachts schien der fast volle Mond an
Altstadt unversehrt da, noch künde-
ten zahllose Fachwerkhäuser von der
stolzen Geschichte Nürnbergs. Diese
vier Jahren aktivem einem klaren Himmel, es war „Flieger- mittelalterliche Pracht war dem Un-
Dienst im Luftschutz wetter“, wie die leidgeplagten Bürger tergang geweiht, als 514 Lancasters
es nannten – und diese Chance woll- und sieben Mosquitos der Royal Air
ten sich die Alliierten nicht entgehen Force an diesem 2. Januar erneut zum
lassen. Für gewöhnlich kamen die Angriff starteten. Die Lancaster-Lang-
Flugzeuge der Amerikaner am Tag, streckenbomber waren mit je 6.350
die der Briten in der Nacht. Der Schre- Kilogramm Bomben beladen – der
cken, den sie über die Stadt brachten, maximalen Last.
hatte sich bereits tief ins Gemüt der Um 18:37 Uhr gaben die Sirenen
Nürnberger eingegraben: „Die (...) das Signal für „Öffentliche Luftwar-
schweren Angriffe, die (...) Bombenab- nung“. Das vierte Mal an diesem Tag.
würfe, das Geheule der Sirenen ließen Um 18:43 Uhr folgte der Fliegeralarm.
die Angst langsam faßbar werden“, er- Die Bewohner flüchteten sich in die
zählt Zeitzeuge Karl Sopp, damals elf Bunker oder in die Luftschutzräume
Jahre, im Buch Kriegsjahre in Nürnberg. der Häuser, auch Karl Soop mit seiner
In den letzten Jahren hatte die Familie. Sein Vater war Luftschutz-
Stadt bereits über ein Dutzend Luft- wart und zuständig für die Menschen
angriffe hinnehmen müssen, in den Kellern 7 bis 13 in der Wunder-
denen über 2.000 Menschen burggasse. Den Beginn der Bomben-
zum Opfer gefallen wa- abwürfe hatte das Bomber Command
ren. Aber noch stan- für 19:30 Uhr eingeplant.

Einsatz bei Nacht: Gegen die britischen


Bomber hatte die um Nürnberg
postierte Flak (hier ein älteres
Symbolfoto) kaum eine Chance

Militär & Geschichte 41


KRIEGE & SCHLACHTEN

„Zugleich bemerkte ich ein Verschie- mel fegt.“ Doch das passierte nicht.
ben der Quader, ein Bröckeln der Fu- Erst als die B for Baker nach dem Ab-
gen“, erzählt er weiter.Wie in Zeitlupe wurf wieder auf dem Rückflug war,
hätten sich die Steine in den Raum sah Petch die Suchscheinwerfer der
hineingeschoben. Dann hörte es auf. Flak aufleuchten und „feindliche Jä-
Aber draußen ging das Inferno wei- ger in Richtung Nürnberg fliegen, um
ter. Die ersten zwei Angriffswellen den Bomberstrom abzufangen“.
überschütteten die Stadt mit Spreng-
bomben, anschließend warfen die Bri- Ein gefährlicher Job
ten Brandbomben ab. Damit folgten Das Kommando für die Luftverteidi-
sie einem etablierten Muster: Wäh- gung vor Ort hatte das Luftgaukom-
Eine knappe Viertelstunde vorher NS-Aufmärsche: rend die Sprengbomben zunächst die mando XIII. Die Luftwaffe setzte dabei
kam es im Norden zum ersten Flak- Als „Stadt der Dächer aufrissen, setzten die Brand- auf Tag- und Nachtjäger sowie seit
einsatz, verzeichnet im „Notizheft Reichsparteitage“ bomben die entblößten Häuser in Ende 1940 auf Flakverbände. In der
für Befehlsstelle“, das vermutlich hatte Nürnberg Flammen. Daraus konnte sich ein glü- Nachtabwehr kamen Messerschmitt
aus einem Nürnberger Polizeirevier aus alliierter Sicht hend heißer Feuersturm entwickeln, 110 sowie Junkers Ju 88 zum Einsatz.
stammt. Im Visier: die Pathfinder einen hohen der allen Sauerstoff aus der Umge- Wie die Luftverteidigungsanlagen
Force Group 8, welche die britischen Symbolwert. Auch bung ansaugte und somit den Men- aufgebaut waren, lässt sich nur noch
Fliegerverbände anführte. Sie warfen wegen ansässiger schen in den Kellern keine Chance grob skizzieren, weil der Großteil der
zuerst Staniolstreifen, sogenannte Rüstungsbetriebe mehr ließ. Dieses Schreckensszena- offiziellen Dokumente dazu fehlt. Die
„Düppel“, ab, um die Radargeräte der wurde sie mehr- rio stand auch den Nürnbergern be- Batterien mit Scheinwerfern zogen
Flaks zu stören, gefolgt von Leucht- fach ins Visier vor, denn der jahrhundertealte Fach- sich damals kreisförmig um die Stadt.
markierungen für die Bomber. Die ers- genommen werkbestand der Altstadt bot den Die Untergruppen waren unter ande-
ten Bomben fielen um 19:20 Uhr. Karl Flammen besonders viel Nahrung. rem an den Standorten Sündersbühl,
Abb.: SZ-Photo/SZ-Photo (2), Scherl/SZ-Photo, Keystone/Second Roberts Commission, Slg. M&G

sollte die Kellertür schließen, doch Schoppershof, Ziegelstein und Zoll-


genau das brachte ihn in Gefahr. Die Fast ungestört von der Flak haus verteilt.
Hebel rasteten nicht richtig ein: „Da Vermutlich versuchten die Bomber- „Das war ein gefährlicher Job“, er-
schlug die erste Sprengbombe im Hof- besatzungen, solche Gedanken zu klärt Ralf Arnold, Vorsitzender des
bereich unseres Hauses ein. Die ein- verdrängen. Frank Petch, der in dieser Fördervereins Nürnberger Felsen-
setzende Sogwirkung riss die schwe- Nacht in der Lancaster B for Baker mit- gänge, der sich unter anderem um
re Stahltür nach außen, ich war völlig flog, erinnert sich im Buch Der Luft- erhaltene Bunker und Schutzräume
machtlos“, erinnerte sich Sopp noch krieg gegen Nürnberg: „Nürnberg erwar- kümmert. „Wenn die Flak schoss,
nach Jahrzehnten. tete wohl keinen Angriff (...). Die von dann blitzte das Geschossfeuer in der
Schnee bedeckten mittelalterlichen Dunkelheit auf und gab den feind-
Bebendes Mauerwerk
Rasch eilte der Vater hinzu, er zog die Die einstige NS-Hochburg wurde von einer
Tür „mit aller Gewalt zurück“ und die
Hebel rasteten ein. Keine Sekunde Reihe schwerer Luftangriffe erschüttert.
später detonierte die Bombe mit „oh-
renbetäubendem Krachen“, gefolgt Gebäude erinnerten an eine Weih- lichen Piloten den Standort der Bat-
von einer Druckwelle, die das schwere nachtskarte. Es schien nicht recht zu terien unfreiwillig preis.“ Deshalb
Mauerwerk zum Beben brachte. Zu sein, diese friedliche Szene mit Bom- gerieten die Flakstellungen meist
der Zeit befanden sich Karl Sopp und ben zu stören. Meine Nerven waren schnell unter Beschuss. „Im Januar
seine Familie bereits im Schutzraum. bis zum Zerreißen gespannt, als wir 1945 war die deutsche Luftverteidi-
Eine Explosion nach der anderen folg- mit offenem Bombenschacht lang- gung mit Flakgeschützen und Flug-
te. Der Junge vernahm einen „Schlag, sam und stetig über das Stadt- zeugen so gut wie ausgeschaltet“, so
ein Dröhnen von nicht bekanntem zentrum flogen. Ich erwartete jeden Arnold. Abgesehen von fehlenden
Ausmaß“. Augenblicklich waren sei- Moment, dass ihre berüchtigte Flak Soldaten mangelte es an Munition
ne Ohren taub, der Raum schwankte. das Feuer eröffnet und uns vom Him- und Treibstoff.

42
Das Nürnberger Flakregiment 93 ling und Lancaster konnten Angriffe
bestand aus der Schweren Flak-Ab- in zehn bis zwölf Kilometer Höhe flie-
teilung 633, die mit 10,5-Zentimeter- gen. Für die deutsche Flak waren sie
Geschützen ausgerüstet war, aus den damit nur schwer zu erreichen.
Abteilungen 634 und 522, die über Im August 1944 wurde die Flakab-
8,8-Zentimeter-Geschütze verfügten, wehr zum letzten Mal umgruppiert
und aus der Leichten Flak 951, die mit und es wurden Großbatterien gebil-
ihren 2-Zentimeter- und 3,7-Zenti- det, die konzentrierte Flakriegel schos-
meter-Geschützen gegen Tiefflieger sen. Zu dieser Zeit hatte man die
vorgehen sollte. Nachts verwendete Schwere Flak-Abteilung 633 fast voll-
man Scheinwerfer, um feindliche Ma- ständig in die Nähe von Auschwitz
schinen erfassen zu können, ab 1941 verlegt. Ende 1944 musste das Jagdge-
übernahmen Radargeräte vom Typ schwader 104 die Hälfte seines tech-
Würzburg diese Aufgabe. Die briti- nischen Personals an andere Kampf-
schen Bomber vom Typ Halifax, Stir- verbände am Boden abgeben und er-

Tod und Zerstörung


brachte der Angrif
vom 2. Januar 1945,
dem über 1.800 Men-
schen zum Opfer ielen
– hier veranschaulicht
durch ein Foto aus
Dresden (oben links),
das kurz darauf
bombardiert wurde

Überleben in Ruinen:
Die schwer zerstörte
Stadt iel Ende April
1945 in die Hände der
Amerikaner

Militär & Geschichte 43


ZAHLEN, DATEN, FAKTEN hielt Luftwaffenhelferinnen als Er-
satz.Wie schlecht es um die Leistungs-
Luftangriffe 1940–1945
KRIEGE & SCHLACHTEN

fähigkeit der Einheiten bestellt war,


Als Stadt der Reichsparteitage, Verkehrsknotenpunkt und damals größte gibt ein Eintrag zum Übungsschießen
Industriestadt Nordbayerns mit bedeutender Rüstungsproduktion war vom November 1944 im Kriegstage-
Nürnberg für die Alliierten ein strategisch und symbolisch wichtiges Ziel. buch des Stabchefs des Luftgaukom-
Der erste britische Luftangrif traf Nürnberg am 21. und 22. Dezember 1940. mandos VII wieder: „Die gezeigten
Zu den schwersten Angrifen mit mehr als 100 Opfern zählen: Leistungen der Flakkampftruppsbe-
28./29. August 1942: RAF-Nachtangrif mit 137 Toten dienungen waren mäßig. Sie erwie-
8./9. März 1943: RAF-Nachtangrif mit 316 Toten sen, dass die Flakartillerie leistungs-
10./11. August 1943: RAF-Nachtangrif mit 582 Toten mäßig nahezu am Ende ist und dass
3. Oktober 1944: USAAF–Tagangrif mit 364 Toten von einer Einsatzbereitschaft solcher
19. Oktober 1944: RAF-Nachtangrif mit 243 Toten Flakkampftrupps nur noch mit Vorbe-
2. Januar 1945: RAF-Nachtangrif mit 1.835 Toten halten gesprochen werden kann.“
20./21. Februar 1945: USAAF-Tagangrif mit 1.390 Toten
16. März 1945: USAAF-Tagangrif mit 597 Toten Tödliches Abenteuer
5. April 1945: USAAF-Tagangrif mit 195 Toten
Mit der „Anordnung über den Kriegs-
(RAF = Royal Air Force, USAAF = United States Army Air Force) hilfsdienst der Deutschen Jugend in
der Luftwaffe“ von 1943 zogen die Na-
Angriff und Schäden tionalsozialisten in Nürnberg die Jahr-
Angrifsdauer am 2. Januar: 53 Minuten (19:20 Uhr bis 20:13 Uhr) gänge 1927/28 der Oberschulen zum
Abgeworfene Bombenlast: geschätzt 6.000 Sprengbomben Flakdienst ein. In einem Interview mit
und eine Million Brandbomben den Nürnberger Nachrichten im Feb-
Öfentliche Bunker in Nürnberg: 23 ruar 2018 berichtete der 90 Jahre alte
Tote insgesamt: 1.835 Richard Knoblach von seiner Zeit als
Verschüttete: 2.260, davon lebend geborgen: 652 Flakhelfer. Er war von Februar 1943 bis
Wohngebäude zerstört o. beschädigt: 4.553 September 1944 erst in Sündersbühl
Industriewerke zerstört o. beschädigt: 12
und später im Stadtteil Maiach einge-
Andere Betriebe zerstört o. beschädigt: 24
Kulturbauten (ohne Kirchen, Theater setzt. „Wir haben bei unserer Einberu-
und Museen) zerstört oder beschädigt: 17 fung nicht ,Hurra‘ geschrien, aber es
war für uns zunächst ein Abenteuer“,
so Knoblach. Während eines Luftan-
Ein Helm des Luftschutzes, dessen griffs im März 1943 fielen Bomben
Angehörige in Nürnberg und direkt neben seine Flak. Die beiden
anderswo freilich auf verlorenem Kanoniere und 20 russische Kriegs-
Posten standen. Im Hintergrund: gefangene in einer Baracke kamen
die Stadt nach Kriegsende ums Leben. „Von ihnen blieb nichts
mehr übrig. Die Leichenteile waren
in kleinsten Fetzen über den Platz
Abb.: PIXPAST.com, MIREHO-Weitze, Stadt Nürnberg,

44
verstreut“, beschrieb er die Situation. son dagegen geriet in Flakfeuer und schon die Flammen schlugen. Das
Wie viele Soldaten und Flakhelfer am musste notlanden. Erdgeschoss fing Feuer und der Giebel
2. Januar in den Flugabwehrstellun- Während des Luftangriffs befand drohte einzubrechen: „Als wir die
gen durch das Bombardement getötet sich Karl Sopp noch im Schutzraum. Gehsteigkante (...) erreichten, gab es
wurden, ist ungewiss. Eine Luftmine war an der Außen- hinter uns einen fürchterlichen
mauer eingeschlagen, aber nicht de- Krach.“ Die Giebelwand war einge-
Ein Weg durch die Hölle toniert. Um 19:45 Uhr meldete die stürzt, der Luftdruck warf die Familie Juliane Pröll ist
Dass Nürnberg nicht vollkommen Flak, dass alle Nachrichtenverbin- auf den Gehweg. Der Nachbar schaff- freie Journalistin
wehrlos war, zeigen die Aussagen dungen außer Betrieb waren. Um te es nicht. „Ich höre heute noch den und schreibt haupt-
der britischen Soldaten. Der Chef der 20:22 Uhr heißt es im Notizbuch „Luft- Todesschrei des Mannes“, so Sopp. sächlich über Ge-
166 Squadron meldete, dass Flak so- gefahr vorbei“. Als sein Vater die Räu- Insgesamt warfen die Briten 2.304 schichte und Kultur.
wie Suchscheinwerfer aktiv waren, mung des Kellers gegen 23 Uhr anord- Tonnen Bomben über der Altstadt ab. Für ihren Artikel
hat die in der Nähe
im Laufe des Angriffs jedoch zuneh- nete, war der Schrecken für den jun- Über 1.800 Menschen starben, mehr
von Nürnberg
mend ausfielen. Er gab an, die Squa- gen Karl noch nicht vorüber. Draußen als 6.000 wurden verletzt, Tausende
lebende Autorin
dron habe „Berührung mit feind- tobte der Feuersturm und fraß sich Gebäude fielen in Schutt und Asche. die reichhaltigen
„In dieser Nacht wurden mit einem Bestände des Nürn-
Schlag über 100.000 Menschen mitten berger Stadtarchivs
In Trümmern: Die weltberühmte Altstadt im Winter obdachlos“, resümiert Ralf ausgewertet.
von Nürnberg ist für immer verloren. Arnold. Der Angriff markierte den
furchtbaren Höhepunkt der alliierten
lichen Nachtjägern“ gehabt, zwei von Haus zu Haus. Sopp bezeichnete Luftschläge gegen Nürnberg, er ra-
Flugzeuge seien in einen Luftkampf es als „Weg durch die Hölle“. dierte das Gesicht der romantischen
verwickelt worden. Er verlor drei Ma- Seine Eltern, der Sohn der Nach- Altstadt aus und zerstörte es teilweise Ausradiert: Die
schinen. Zwei davon schossen den barn und er rannten um ihr Leben. Auf unwiederbringlich. Noch in den 50er- zeitgenössische
Berichten zufolge die Amerikaner aus ihrem Fluchtweg wären sie beinah Jahren nannten die Nürnberger den Karte zeigt in Rot
Versehen über Frankreich ab. Die Ma- unter einem Gebäude begraben wor- Nordosten der Altstadt hinter der die in jener Nacht
schine von Wing Commander Law- den, aus dessen oberen Stockwerken Frauenkirche „die Steppe“. total zerstörten
Gebäude

45
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Schlacht

cht
Die Jahrhunder t schla
Königgrätz, 3. Juli 1866
sen
Österreich und Sach
Truppenstärke

Der
r eg
215.000 Soldaten

uderkri
Preußen
650 Kanonen

Brru
chen
so weit: Die drei preußis Truppenstärke
Anfang Juli war es endlich en. Der 221.000 Soldaten
die Nordarmee zu umfass 702 Kanonen
Armeen traten an, um Risiken
allerdings auch große
getrennte Vormarsch barg
gewaltige Chance
– und für Österreich eine Stefan Krüger Von

Überraschend! Preußens Elite


Ve r b l ü f f e n d e S c h l a g k r a f t Weshalb Preußen den Krie
g
k
Wie Wilhelm I. und Bismarcen
Warum Österreichs Armee Ruf den Gegner ausmanövriert
tatsächlich gewonnen hat
deutlich besser war als ihr

Strategie

Preußen tat sich


IN KLEINEN SCHRITTEN:
Moderne aufzubre-
ein wenig schwer, in die
chen. Dafür sollten die
erzielten Fortschritte UNG: Bei Königgrätz
TAG DER ENTSCHEID
wichtiger sein. Das die Nordarmee
im Krieg von 1866 umso bekam Moltke die Chance,
von Borsig
Gemälde zeigt das Firmengelände Dafür aber musste 63
1840er-Jahren vernichtend zu schlagen.
(Maschinenbau) in den Und für einen
mages
Foto: picture-alliance/akg-i er ein hohes Risiko eingehen.
als würde Österreich
Moment sah es so aus, Clausewitz Spezial
Foto: picture-alliance/akg-images
triumphieren

62

Schlacht
zurück. Die
zog sich Richtung Königgrätz
würden, um die drei preu-

G
verspra-
den Bäu- die Chance nutzen Festungsanlagen und Geschütze
ranaten schlagen zwischen getrennt voneinander zu zer-

Abb.: p-a/ullstein bild


Schutz. Über
meterhohe ßischen Armeen chen seiner Armee Halt und
men ein und schleudern des Plans gelang. Die jedoch keinen
Ein- schlagen. Dieser Teil den Krieg an sich gab er sich
Dreckfontänen in die Luft. Schreie. triumphierten in den Begegnungs- 1. Juli drängte er
taumeln benom- Preußen sich Illusionen mehr hin. Am
zelne preußische Soldaten und trieben ihre Gegner vor jeden Preis Frie-
die kümmerli- gefechten Kaiser Franz Joseph, „um
men aus dem Wald, es sind der nächste Schritt war der ungleich war die Ar-
die praktisch auf- her. Doch seine drei Ar- den zu schließen“, denn noch
chen Reste der 7. Division, schwierigere: Moltke musste aber hatte die
Hinter ihnen blitzt
an die Österreicher he- mee intakt. Der Monarch
gehört hat zu existieren. Wenigs-
rücken meen nun dergestalt Hoffnung noch nicht aufgegeben.
Gewehrfeuer auf – die Österreicher ranführen, dass er ihre Hauptkräfte
umfassen um sich
dass ihre Gegner tens einen Sieg wollte er erringen,
nach. Sie sehen und spüren, konnte. Das war das große später wie ein
ein Sieg, der und vernichten die Demütigung zu ersparen,
wanken. Ein großer Sieg winkt, des Feldzugs, der Schlüssel
zum Sieg. sch
Ziel geprügelter Hund am Verhandlungsti SCHULTER AN SCHULTER: Mit dieser Formation wehrten die
den Krieg entscheiden könnte. Benedek hingegen verfiel
nach den ers-
Artillerie Österreicher Kavallerieattacken ab Fotos (2): Ondřej Littera
Die Miene Bismarcks hingegen
verfinstert Platz zu nehmen. WIRKSAM: Die österreichische
in Rat- und Tatlosigkeit und
Moltke bleibt er- ten Niederlagen war der preußischen überlegen
und spielte
sich mehr und mehr, nur Rolle
vor glaubt er bei Königgrätz eine herausragende
staunlich gelassen, nach wie
Gelingen kann er
fest an seinen großen Plan. ZÄHES RINGEN: Die preu-
des Kaisers KARTE
2. Armee aus dem Die entsprechende Antwort
Königgrätz, 3. Juli 1866
aber nur, wenn endlich die ßische Infanterie, hier Dar-
selben Tag, doch
Norden eintrifft. Von dieser
ist allerdings steller im Jahr 2015, traf erhielt Benedek noch am
zu sehen. Moltke Weder bereitete
weit und breit noch nichts
auf einen gut vorbereiteten Maßnahmen ergriff er keine.
ein Herz Foto: Ondřej Littera gegen die nach
weiß: Wenn sich die Österreicher
Gegner er ein offensives Manöver
allen Kräften an- Preußen
fassen und energisch mit wie vor getrennt marschierenden
Rückzug
greifen, können sie heute triumphieren. vor, noch leitete er den weiteren
ihm Franz Jo-
nach Königgrätz ein, zu dem
hatte. Stattdessen
Der Schlüssel zum Sieg seph sehr wohl ermächtigt
tatenlos auf der
hat das Risiko verharrte die Nordarmee
Der Chef des Generalstabes ließ den gesam-
Anstatt seine Straße nach Königgrätz und
von Anfang an mit einkalkuliert:
Feind zu füh- ten 2. Juli nutzlos verstreichen.
Kräfte geschlossen gegen den
Armeen, die ge-
ren, unterteilte er sie in drei
Preußen im
gemäß dem Zen-
ben die Wahlberechtigten
KÖNIGGRÄTZ
sondern nur Bür- Er speku-
sung aus, die keine Grund-, trennt in Böhmen einmarschierten.

L
Hinkte es Staat vielerlei Op- suswahlrecht. zu lang-
eicht hatte es Preußen nicht. gerrechte kannte und dem
des Par- lierte darauf, dass die Österreicher
Jahr 1866 doch den anderen westlichen
Nationen
die Industriali- tionen offenhielt, um die
Versammlungs-, Re-
Eine der wichtigsten Befugnisse
laments betraf das Budgetrecht
– auch über sam und zu unbeweglich
seien, als dass sie
gerade im Hinblick auf de- oder Meinungsfreih
eit einzugrenzen. dieses konnte der
war nicht nur In- das Militär. Doch auch hält eine Königgrätz (tschechisch: Hradec
Králové)
sierung weit hinterher. Der preußische König ent Otto von UNTER FEUER: Das Gemälde
Im Vergleich zu Groß- Dies lag zum Teil an der
Ressourcenarmut
haber der exekutiven
Gewalt, sondern frisch berufene Ministerpräsid
als sich das mehr- Szene aus der Schlacht im
Swiep Wald fest, existierte schon im frühen
Mittelalter
um Bran- Bismarck 1862 aushebeln, ausartete auf, was
britannien, den USA und der preußischen Kernprovinzen
Ostpreußen, zum konnte auch die obersten
Richter ernennen
Das Parlament be- heitlich aus liberalen Abgeordneten
beste- die zu einem blutigen Nahkampf
Foto: picture-alliance/akg-images
und stieg 1225 zur Königsstadt
ihr einige Privilegien und den
späteren
denburg, Pommern und und Gesetze vorlegen. hende Parlament weigerte,
der Erhöhung
selbst Frankreich ist das Adels, der
des zur
Teil aber auch an der Politik wobei die erste Bismarck ar- Namen brachte. Im 18. Jahrhundert
Handels- und stand aus zwei Kammern, des Heeresetats zuzustimmen. Stadt heute
das kleine, aber aufstrebende und das Besitz- Festung ausgebaut, ist die
weitgehend agrarisch gepräg- aus 180 Mitgliedern bestand dass das Parla-
zögerlich an den po- Die zweite Kam- gumentierte, dass im Fall, interessant.
Industriebürgertum nur bürgertum repräsentierte. ment und das Kabinett
sich nicht über das vor allem architektonisch
te Preußen 1866 ein rück- litischen Prozessen beteiligte.
Diese eher re-
drückt mer umfasste 350 Abgeordnete
und vertrat
Budget einigen könnten,
der König auch oh-
Laufe dieses
aktionäre als liberale Grundhaltungn Verfas- Abgestimmt ha- Dabei erhielt Benedek im
ständiges Land. Wie gelang sich auch in der 1848 verabschiedete
die breite Masse des Volkes.
Tages mehr als nur eine Warnung,
dass die
Richtung Westen
ihm der Sprung nach vorne? 15 preußische 1. Armee aus
Nacht, als man
ser in Anmarsch sei. Erst in der
Von Alexander Querengäs Clausewitz Spezial ihm meldete, dass die Elbarmee
südlich der
kurz davor
Straße nach Königgrätz offenbar
schrillten
stand, die Bistritz zu überwinden,
es der Elbar-
14 die Alarmglocken. Denn wenn
Fuß zu fas-
mee gelang, östlich des Flusses
die Nordar-
sen, bekam sie die Gelegenheit,
mee zu umfassen.

Eine gute Stellung

Opulente Bildfülle: Clausewitz Spezial Nun konnte es nicht schnell


Da es für einen Rückzug
mit den Preußen so dicht
nunmehr zu spät war, musste
genug gehen:
nach Königgrätz
auf den Fersen
sich Benedek
begünstigte
zur Schlacht stellen. Immerhin

erzählt die Geschichte des Deutschen Krieges


enorm. Quer zur
das Gelände die Verteidiger Grafik Schlaich
schlängelte Gestaltung: KGS Kartographie und
großen Straße nach Königgrätz
ein teilweise un-
sich die Bistritz und schuf
65

mit einer Vielzahl an Bildern, originalen


Clausewitz Spezial

64

Fotografien und Karten

46
, I: € 8,30
, Lux: € 7,10 NL: € 7,40 SK

itz
A: € 6,80 CH: sFr 11,00 Be

ausewit
€ 5,95
2/2019 März | April

Cla
Schlachten N ER
ANZ
STURMPA d en ür
Großkaliber fm
Häuserka pf

um Österreich Gotensturm 410


Die Germanen erobern
wüsten Rom
und verw
Sowohl Clausewitz Spezial als auch das reguläre Heft
widmen sich Österreich und seinen schicksalhaften KURZ, HEFTTIG, VERLUSTREICH
Schlachten: nämlich Königgrätz 1866 und Wien 1945
Sensation! Schlacht um
Wien 1945
Görings Geheimdienst
war der mächtigste
t
Clausewitz Spezial Nr. 24 Clausewitz 2/2019
Deutschland war zutiefst gespal- April 1945: Nach ihrem militäri-
ten: Im Norden dominierte Preu- schen Siegeszug in Ungarn steht
Wege zum Ruhm
ßen, im Süden Österreich. Der Stalins Rote Armee vor den Toren Warum
Frankreich
ständige Machtkampf eskalierte Wiens. Doch Hitler befiehlt seinen diesen
Film
schließlich 1866, als beide Seiten schwer angeschlagenen Verbänden Scharnhorst verbieten
Der geeistigee Vaater wollte
zu den Waffen griffen, um ein für von Wehrmacht und Waffen-SS, Titelgeschichte | Schlacht der Bundesw
um Wien 1945 wehr STAHLKOLOSS: Die sowjetischen
können im April 1945 auch
Angriffstruppen
auf schwer gepanzerte

AN DER DONAU
1944) zurückgreifen

ERBITTERTER PANZERKAMPF
Fahrzeuge wie den JS-2 (Modell Foto: Sammlung Anderson

allemal zu klären, wer Deutsch- die Millionenstadt „bis zum Letzten“


lands Führungsmacht sein soll. gegen den sowjetischen Ansturm TÖDLICHE
Clausewitz Spezial erläutert die zu verteidigen – gegen die kampf- PANZERWALZE Garde‐Panzerarmee, rollen
mit
e Verbände, darunter die 6.
1. April 1945: Sowjetisch sionen von Wehrmacht
Vorgeschichte des Krieges, zu der kräftigen Divisionen der 2. und die Reste mehrerer Panzerdivi
gepanzerte
FLACHER AUFBAU: Der stark
voller Wucht auf Wien zu. Doch von etwa 57 sich trotz einge-
Von Thomas Anderson aufgrund des hohen Gewichtes Panzer IV/70 (V) bewährt
Stoßkeilen in den Weg
stießen, im Kampf. Doch
und Waffen‐SS werfen sich Stalins
und KW (Kliment Woroschilow) geschickt und schränkter Beweglichkeit
aufrüsten. Tonnen eingeschränkt. Aber den deut-
musste das Waffenamt technisch eingesetzt, nur wenige Exemplare stehen
Reich schließ- im Bewusstsein ihrer Schwächen um Wien
1943 beginnt im Deutschen Kampf gegen ei- schen Divisionen im Abwehrkampf
Panzer mit können sie oftmals auch im Foto: Sammlung Anderson

der gemeinsame Kampf gegen 3. Ukrainischen Front ein äußerst


lich die Serienfertigung neuer nen zahlenmäßig stärkeren
Gegner beste- zur Verfügung
mittlere Panther
überlegener Feuerkraft. Der hen. Die Zahl der an die Truppe
überstellten zu be-
zer den Pan- gering. Panzer-Typen auf weite Entfernungen
soll als neuer Hauptkampfpan Exemplare ist jedoch vergleichsweise in den Turm
7,5-Zen- kämpfen. Da diese Waffe nicht
zer IV ersetzen. Mit der überlangen Aufgrund der Erfolge der deutschen
Pan-
den mittleren
der Panther über des T-34 passt, versieht man
timeter-KwK L/70 verfügt ther und Tiger sind die Alliierten
gezwungen, u. Mit dem
anone. Panzer mit einem Kasematt-Aufba
eine leistungsstarke Hochleistungsk 1943 zeigen

Dänemark genauso gehört wie schwieriges Unterfangen! den schweren zu reagieren. Bereits im Herbst SU-85 steht der Roten Armee
fortan ein leis-
Zeitgleich führt die Truppe waffentechnische
ein. Er soll sich bei der Roten Armee tungsstarker Panzerjäger zur
Verfügung.
Tiger I in geringen Stückzahlen Erfolge. So ist die 85-Millimeter-Fl
ugabwehr-
1944 erhält der T-34 einen
ffe den Ab Sommer
als gut gepanzerte Schwerpunktwa kanone L/52 in der Lage,
beide deutschen mit dem
Linien si- deutlich größeren Turm. Bewaffnet
Durchbruch durch die feindlichen geht das
der 8,8-Zentime- neuen 85-Millimeter-D5S-Geschütz,
cherstellen. Zunächst mit Nun ist der T-34

der anschließende Streit um die Erfahren Sie in der aktuellen ter-KwK 36 L/56 bewaffnet

B (Königstiger; auch Tiger


die deutlich feuerstärkere
(Tiger Ausf E),
trägt der fast 70 Tonnen schwere
Tiger Ausf
II) im Jahr 1944
8,8-Zentimeter-
DOKUMENT

Frontbericht
„Um den Ostbahnhof toben
Zeit heftige Kämpfe, und
zu dieser
der Feuer-
Modell als T-34/85 in Serie.
auch den Panthern und Tigern
gewachsen.
Die 122-Millimeter-D-25T-Kanone
die sowjetischen Konstrukteure
wollen
ebenfalls in
diese Weise ent-
erhellt
einen Panzer verbauen. Auf
schein der brennenden Häuser
KwK 43 L/71. Panzer KW der
Stra-
den Himmel. Wir müssen mehrere
Zukunft des neu erworbenen Clausewitz-Titelgeschichte alles
steht 1944 aus dem schweren
heißt für
schwer ge-
ßenzüge durchfahren. Das
Trügerische Überlegenheit JS-2 (JS = „Josef Stalin“). Dieses
durch die
analog zu den
uns, so schnell wie möglich
auch in den Ver- panzerte Kampffahrzeug ist
Der moderne Panther, der
zu kommen, um wie-
nzer
HOHER KAMPFWERT: Der
Panther 6. Panzer-
Straßenschlucht en deutschen Tigern als Durchbruchspa
(...)
bänden der bei Wien kämpfenden
der im Dunkeln unterzutauchen.
(hier Ausf G) gilt als gefürchteter bietet den konzipiert.
Absitzen!
armee seinen Dienst verrichtet,
Plötzlich heißt es: ,Halt!
ausgerüste-
Gegner. Doch Hitlers Divisionen Die mit Panthern und Tigern

Gebietes im Norden. Wissenswerte über das verlust-


eine gelungene
In einer
Panzerfäuste fertigmachen!’
Wien deutschen Panzereinheiten und Waffen-
stehen in der Schlacht um ten Verbände von Wehrmacht
kurven meh-
hoher Be-
nur unzureichende Stückzahlen
Mischung aus guter Panzerung,
Querstraße links von uns notgedrungen
Wir ha-
SS müssen im Fronteinsatz
rere russische Panzer herum.
r Kanone.
Foto: Sammlung Anderson weglichkeit und leistungsfähige gen
mit diesen gefährlichen Herausforderunden
verfranzt
zur Verfügung gelungen ist, die
ben uns in dem Häusermeer
Nachdem es der Indutrie ist
die russi-
Auftragstaktik
und sind geradewegs auf
on konzen- zu überwin- klarkommen. Ihre
fasst und auf die Panzerprodukti gravierenden Anlaufprobleme auch 1945
(...)
An-
prekär. Man kann gegen die sowjetischen Einheiten jedoch
schen Stellungen zugefahren.
Mit knapp ss den gegne-
triert, kann er diese hochfahren.

Das Magazin skizziert den Feld- reiche „Drama an der Donau“.


an allen deut- besonders den, ist dieser 45-Tonnen-Kolo
Aber
m Frühjahr 1945 brennt es Front
Wird der Russe näherkommen?
I
der 2. und 3. Ukrainischen genauso viele überlegen. Seine noch überlegen.
Während die griffskeile 20.000 Stück rollen 1944 fast rischen Panzern schließlich
Iwan noch
offensichtlich hat uns der
schen Fronten lichterloh. Soldaten sowie Waffen und der deut-
zur Wand nicht genügend
wie in 1943 auf – für Anders sieht es für die Masse
Kampfpanzer aus den Werkhallen Produktion beginnt im Jahr
uns
nicht ausgemacht. Wir können
Wehrmacht mit dem Rücken Rüs- für die Sturm-
einsetzen. Dabei läuft die Jahren zusam- hohem Ni- schen Panzerdivisionen sowie
Anti-Hitler-Ko- Munition den drei vorangegangenen deutsche Verhältnisse – durchaus
In einem
eilungen aus:
unbehelligt zurückziehen.
steht, haben die Truppen der n im Reich seit Monaten auf Kampfwert, heraus, dass der geschütz- und Panzerjäger-Abt
das Wie-
erreicht. Rote tungsproduktio men – und das bei höherem veau. Es stellt sich jedoch
großen Garten, in dem sich
allem mit der
alition längst das Reichsgebiet gung Auch 1945 sind diese noch
vor
wir in
ner Sendehaus befindet, gehen
Truppen Hochtouren. geplante Auslauf der Panzer-IV-Ferti rie

zug und den Aufmarsch der Lesen Sie spannende Beiträge


wohlgemerkt. Diese
Armee, U.S. Army und britische Ende Januar 1945, rund acht
Wochen vor 7,5-Zentimeter-KwK 40 ausgerüstet.
vor. nicht möglich ist. Speers Rüstungsindust a-
Stellung.“
dringen immer weiter ins Landesinnere um Wien, veröffentlicht um den JS-2 fron-
„Ostmark“, Beginn der Schlacht Gesteigerter Kampfwert Waffe reicht nicht mehr aus,
Im Süden des Reiches, in der ist nicht in der Lage, neue Produktionskap Und sowohl
Rüstung zuständige Reichsminis- der Kampfwert Frontbericht (Auszug) eines an den
Kämpfen
tal bekämpfen zu können.
Heeresgruppe der für die Doch kann im Frühjahr 1945 zitäten aus dem Boden zu
stampfen.
verschanzen sich Teile der Speer eine erstaunliche Statistik: dem der gegneri- die schweren um Wien beteiligten deutschen Soldaten
vom
T-35/85 als auch JS-2 können
den Feuerkampf
die Metropole ter Albert der deutschen Panzer mit Wie der Panther, sind auch
Süd (HGr. Süd). Sie sollen die deutsche Rüstungs- dem „Panzer- Pan- 6. April 1945 auf weit größere Entfernung
aufnehmen.
Groß- Im Jahr 1944 erreicht schen Waffen mithalten? Nach Tiger-Panzer den meisten sowjetischen
Wien vor der erwarteten sowjetischen

preußischen Armeen detailliert auch zu diesen Themen: Angriff


alliierten
industrie trotz der permanenten schock“ des Jahres 1941, als
deutsche Trup-
zern überlegen. Zwar ist ihre
Beweglichkeit
offensive schützen. Indem Speer T-34 29
von Bombenangriffe Höchstwerte. pen auf die überlegenen sowjetischen
Doch die Lage für die Verbände Mittel scharf zusammen-
ist an der Donau alle verfügbaren
Wehrmacht und Waffen-SS Clausewitz 2/2019

und erzählt den Höhepunkt der der Stahlkolosse – Alliierte Groß-


28

Militärtechnik im Detail ELLIPTISCHE FLÜGEL


S von
Die Flügel der Spitfire waren
ABZEICHEN EINES FLIEGERASSE

Auseinandersetzung, die Schlacht offensive bei Amiens 1918; Spät-


sehr
elliptischer Form und einem

DIE SUPERMARINE SPITFIRE


Viele Piloten des kanadischen
ihre Ma- dünnen Querschnitt. Dies
126. Geschwaders schmückten doch reduzierte zwar den Luftwiderstand,
schine mit einem roten Ahornblatt, person- auch
Johnson verringerte aber gleichzeitig
Geschwaderführer „Johnnie“ die Kapazität der in den Flügel
er es dunkel-
alisierte sein Abzeichen, indem befindlichen Tanks

von Königgrätz, oppulent und aus- antike Katastrophe – Die Eroberung


des Krieges
grün malen ließ. Gegen Ende
E SPITFIRE MK. IX wurde Johnson zum führenden
britischen
DIE BRITISCHE SUPERMARIN Jagdfliegerass in Europa
Länge: 9,44 m
Spannweite: 9,9 m
km/h
Höchstgeschwindigkeit: 650

führlich – inklusive eines umfang- Roms durch die Westgoten 410; Reichweite: 700 km
Bewaffnung: 2 x 20-mm-Maschin
4 x Maschinengewehre Kaliber
Im Allgemeinen betrachtet
enkanonen,
.303
man die Mk. IX als den perfekten
Ausgleich zwischen Geschwindigkei
t und Manövrierfähigkeit

reichen Zeitzeugenberichts. Schussgewaltige Schwergewichte


Ferner erklärt Clausewitz, welchen – Sturmpanzer der Wehrmacht;
Einfluss das legendäre Zündna- Gerhard von Scharnhorst – Der
delgewehr auf den Ausgang des „verhinderte Feldherr“ u. v. m. ZAUBERER
Die Mk. IX war anfänglich mit
MERLIN
dem Merlin-61-Motor
sie über den
ausgestattet. Nach 1943 verfügte der Maschine in

Krieges tatsächlich hatte und Clausewitz 2/2019 ist noch bis zum
die Leistung
verbesserten Merlin 66, was Dies war die Version des
niedriger Flughöhe optimierte. wurde
Jägers, die am meisten produziert
MARKENZEICHEN
die Alliierten
Am D-Day erkämpften sich Daher
die Luftüberlegenheit in Frankreich. ihre

welche Rolle die kaum beachtete, 7. April 2019 im Handel erhältlich. DIE KONKURRENZ bemalten die beteiligten Geschwader
Maschinen mit gut sichtbaren
„Invasionsstreifen“, um sie
im
Invasionsraum leichter erkennbar
SCHLAGRINGE
Die meisten Mk. IX waren mit
Maschinengewehren und zwei
vier .303-
20-mm-
Gegen Ende
Maschinenkanonen bewaffnet. .303-MG
zu machen vier
des Krieges ersetzte man die

aber überlegene preußische


Kaliber .50
durch zwei schwere MG im
FW 190 A-8
DIE DEUTSCHE FOCKE-WULF
Länge: 9 m
Spannweite: 10,5 m
km/h
Höchstgeschwindigkeit: 650

Taktik für den Kriegsverlauf Reichweite: 800 km der Spit-


ALLES IM BLICK: Das Cockpit

Clausewitz 2/2019
engewehre
enkanonen, 2 x 13-mm-Maschin not-
Bewaffnung: 4 x 20-mm-Maschin g fire mit allen für den Luftkampf
als Jäger und als Schlachtflugzeu
Die vielseitige Fw 190 diente wendigen Anzeigen. Der
varianten-
– neben
reiche Flugzeugtyp spielte
– eine zen-
der Hawker Hurricane
Luft-

gespielt hat.
trale Rolle dabei, die britische .
überlegenheit zu gewährleisten
zum Sommer 1944 begannen
Bis
Zusatz-
Illustration: Jim Laurier

die Spitfires abwerfbare


ITT BF 109 G-6 tanks mit einem Fassungsvermzu
ö-
DIE DEUTSCHE MESSERSCHM mit sich
Länge: 9 m gen von je 166 Litern

84 Seiten, ca. 200 Abb., Preis: 5,95 €


ihre Einsatz-
Spannweite: 9,9 m führen. Dies steigerte
besetzte
Höchstgeschwindigkeit: 640
km/h reichweite bis tief in das
Europa hinein
Reichweite: 850 km en-
enkanone, 2 x 13-mm-Maschin Abb.: akg/Science Photo Library
Bewaffnung: 1 x 30-mm-Maschin
45
gewehre Rückgrat des
des gesamten Krieges das
Die Bf 109 bildete während

GeraMond Verlag GmbH Gesamtbestandes an Jagdflugzeugen

44
der Luftwaffe
Clausewitz 2/2019

Bezug: www.verlagshaus24.de
Menschen & Geschichten

er Gerhard von Scharnhorst


Beispiele aus dem Heft: Berühmter Militärreform 21. Mai 1813: „Alle sieben
Orden und

Der „verhinderte
Kommando
mein Leben gäbe ich für das
st kurz
eines Tages“, schreibt Scharnhor
ohne
vor seinem Tod. Doch auch
Titelgeschichte „Wien 1945“, Kommando ist er der „thätigste

Feldherr “ und bedeutend ste


Gegener“ Napoleons
Militärreformer in der deutschen

Militärtechnik im Detail, Geschichte Von Eberhard Birk

An der
an die Kriegsschule nach Hannover.

Gerhard von Scharnhorst A


ls Napoleon im Juni 1815
von Wellington und Blücher
gegen die wächst am Rande
des Calenberger Landes
geführ- zwischen dem Steinhuder
ten alliierten Truppen die vernichten-
nover auf.
Meer und Han-
auf dem Dienstplan: Neben
militärischer Grundlagen
dem Vermitteln
zielt die Ausbil-
dung mit technischen, naturwissenscha
chen und allgemeinbilden
ftli-
den Disziplinen
ebenfalls 1782 gegründeten

dieser Doppelfunktion auf.


Artillerieschule
wird er Lehrer und Bibliothekar.
Er geht in
Glücklich ist er
auch über seine 1785 in Bordenau
eingegan-
auf den ganzen Menschen. Aus dieser Part-
de Niederlage von Waterloo
erleidet, ist einer Anfänge bleibt gene Ehe mit Clara Schmalz.
bereits rund Militärische geht Bei seinen weiteren Verwendungen nerschaft gehen fünf Kinder hervor.
seiner größten Widersacher ersten militärischen Schritte Terrain tätig. Er für das Bild
hat Gerhard von Seine an der Schule des Gra- Scharnhorst auf geistigem Eine wesentliche Grundlage
zwei Jahre tot: Dennoch Scharnhorst ab 1773 Kompetenz den preußischen
Anteil am strebt danach, fachmilitärische des Offiziers, das dann in
Scharnhorst ganz entscheidenden von Schaumburg-Lippe, Mili- bemüht er sich, hat Scharn-
französischen fen Wilhelm aufzubauen. Parallel dazu Militärreformen wiederkehrt,
späten Triumph über den tärtheoretiker und Feldherr
im Siebenjähri- in Form von Aufsät- „Die Bildung
Militärschule das erworbene Wissen horst bereits 1782 festgehalten:
Herrscher. gen Krieg (1756–1763). Die zen und Lehrbüchern weiterzugeben.
Gera-
des Offiziers verfeinert das
Militär nach und
Nichts deutet auf eine herausragende liegt auf der Insel Wilhelmstein inmitten des den 1782 zum zur Lectüre“
Johann Da- dezu folgerichtig beruft man nach.“ In dieser „Anleitung
Militärkarriere hin, als Gerhard Durch sie weht der Geist Scharnhorst
1755 in Steinhuder Meeres. Artillerie-Leutnant beförderten
vid Scharnhorst am 12. November Nicht Kommissdienst steht
Welt erblickt. Er der Aufklärung.
Bordenau das Licht der

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Scharnhorst, der nicht als
von
erfolgreicher
Feldherr, sondern als herausragender

oder ein Testabo mit Prämie bestellen unter


eingeht;
Preußisch Eylau Militärreformer in die Geschichte
AUF LEBEN UND TOD: Bei Gemälde von Friedrich Bury
zwischen
tobt 1807 eine heftige Schlacht Abb.: picture-alliance/akg-images
Russen und
Franzosen auf der einen und
81
Preußen auf der anderen Seite
Abb.: picture-alliance/Heritage Images

www.clausewitz-magazin.de/abo 80
Clausewitz 2/2019

Militär & Geschichte 47


WAFFEN & TECHNIK

STURMGEWEHR 44

Angespannt: Das Sturmgewehr 44


verschafte auch diesem Grenadier
erhöhte Feuerkraft, konnte die Lage
an den Fronten aber natürlich nicht
wenden (Foto vom Winter 1944)

48
Die verschleppte
Revolution
Schon 1942 hätte die Wehrmacht mit dem Sturmgewehr eine bahn-
brechende neue Waffe einsetzen können. Doch ausgerechnet Hitler
verhinderte lange, dass sie zur Truppe kam. Als es endlich so weit
war, weckte das Gewehr schnell auch beim Gegner Begehrlichkeiten

Die Version mit Zielfernrohr ZF-4


ermöglichte in Kombination mit
Einzelfeuer den Einsatz als Scharf-
schützengewehr; das war aber nicht
die Standardverwendung des StG 44

ktober 1946: Der kurze Herbst Waffen experimentiert. Ehrgeiziges Standardpatrone der Wehrmacht, die

O ging bereits in den kalten rus-


sischen Winter über, als der
deutsche Waffenkonstrukteur Hugo
Ziel war dabei die Entwicklung einer
in jeder Gefechtslage einsetzba-
ren „Einheitswaffe“. Sie sollte so-
mit ihrem Gewicht und Rückstoß für
Salven- und Dauerfeuer ungeeignet
war. Folglich enttäuschten die Proto-
Schmeisser am Bahnhof von Izhe- wohl die Maschinenpistolen als typen der „Einheitswaffe“, für die
vesh ankam. Die Stadt tief im sowje- auch den Karabiner 98k mit seinem man die 7,92-Millimeter-Patrone vor-
tischen Hinterland war ein Zentrum Fünf-Schuss-Ladestreifen ersetzen. gesehen hatte: Sie waren zu schwer,
der Rüstungsindustrie und die Hei- Doch besonders die Munition er- zu unhandlich, zu aufwendig für die
mat von Millionen Handfeuerwaffen. wies sich als Problem: Auf der einen Kriegsproduktion.
Nun sollte auch Schmeisser hier hei- Seite gab es die leichte 9-Millimeter- Schließlich reagierte die Waffen-
misch werden und seinen neuen Pistolenpatrone, die man auch in den prüfungsabteilung mit einem radika-
Dienstherren all sein Können und Maschinenpistolen 35 und 38 einsetz- len Schritt: Sie beauftragte die Firma
Wissen zur Verfügung stellen. Die te, der es aber an Reichweite und Poelte, eine neue, mittlere Patrone zu
Sowjets hatten es besonders auf seine Durchschlagskraft mangelte, auf der entwickeln, die zwischen der schwe-
letzte, revolutionäre Erfindung abge- anderen Seite die 7,92-Millimeter- ren Gewehrpatrone und der Pistolen-
sehen: das erste massengefertigte patrone liegen sollte – die spätere
Sturmgewehr. Dessen Fronteinsatz „7,92 mm Kurz“.
bei der Wehrmacht hatten sie auf- ZAHLEN, DATEN, FAKTEN Zugleich wies sie die Firma Haenel
merksam verfolgt, sie arbeiteten fie- und ihren Chefkonstrukteur Hugo
berhaft an einem eigenen Sturm- Sturmgewehr 44 Schmeisser an, eine passende auto-
gewehr, und als der Konstrukteur matische Waffe zu entwerfen. Die
1945 in ihre Hände fiel, nahmen sie Länge: 94 cm erwünschten Spezifikationen: Wech-
ihn sogleich in ihre Dienste. Munition: 7,92 × 33 mm Kurz sel Einzel-/Dauerfeuer, 30-Schuss-Ma-
Gewicht: 5,22 kg gazin mit der neuen Kurzpatrone und
Die Idee einer Einheitswaffe Feuerarten: Einzel-/Dauerfeuer geeignet für die Herstellung im billi-
In der Sowjetunion sollte Schmeisser Magazin: 30 Schuss gen Blechprägeverfahren. Der 54-jäh-
Abb.: MIREHO (2)

eine Erfolgsgeschichte fortschreiben, Feuerrate: 500 Schuss die Minute rige Schmeisser war eine logische
die bis ins Jahr 1938 zurückreichte. Zu Mündungsgeschwindigkeit: 650 m/s Wahl. Bereits im Ersten Weltkrieg hat-
jener Zeit hatte die Wehrmacht schon Produktionszeitraum: 1943–1945 te er sich mit der Maschinenpistole 18
jahrelang mit neuen automatischen einen Namen gemacht.

Militär & Geschichte 49


18 18
19
WAFFEN & TECHNIK

17

TECHNIK 15 16

StG 44 / MP 44
1 Hölzerner Hinterschaft mit Kantenschutz
und Tragegurtschlitz
2 Schaftbolzen zum Entriegeln des Grifstückes
3 Grifstück mit Pistolengrif und Abzug
4 Grifstücklager zum Abklappen des Grifstücks
5 Magazin 44 mit Druckfeder für 30 Schuss
Mittelpatrone 7,92 × 33 mm Kurz 9
12
14 10
13 11

7 8
2
6
1 4 Das Sturmgewehr 44 oder
militärisch abgekürzt StG 44 / MP 44
3
funktioniert nach dem Gasdruck-
5 ladeprinzip – so wie auch die meisten
6 Magazinschuh seiner modernen Nachfolger, sei
7 Vorderschaft und Handschutz als Blechprägeteil es das amerikanische M 16 oder die
mit Laulüftung russische Kalaschnikow
8 Öse für den Trageriemen
9 Kornhalter mit Korn und Kornabdeckung
10 Dichtungsschraube des Gaszylinders mit Stock
Doch trotz dieses Rückschlags ging schützen durch Feuermoduswechsel
zum Halten beim Zusammenstellen
einer Gewehrgruppe der Weg des Sturmgewehrs unbeirrt einnehmen. Selbst das MG wäre
weiter. Denn die neue Waffe hatte in- durch das kombinierte Feuer dreier
11 Gefederter Auswurfdeckel über dem Hülsen-
zwischen einen mächtigen Fürspre- Soldaten mit Sturmgewehren ersetz-
auswurf
cher – das Oberkommando des Hee- bar. „Beim Rückzug zeigte sich die
12 Visierung mit Kimme und Stellrad
res (OKH). Doch warum war dieses be- Überlegenheit der Waffe ganz bedeu-
13 Außengehäuse des Verschlusses reit, sich über die Weisung Hitlers tend. Wenn früher das MG Stellungs-
14 Lager als Federaufnahme der Schließfeder
Abb.: MIREHO (3), picture-alliance

hinwegzusetzen? wechsel machen musste, hatte die


15 Magazinentriegelungsknopf Gruppe ihren schwächsten Augen-
16 Sicherungsraste
Gleichbleibende Feuerkraft blick, nur ihre Gewehre als Feuerkraft
Das OKH selbst gibt in seiner umfang- zur Verfügung. Diesesmal blieb die
17 Durchschieber von Einzel- auf Dauerfeuer
reichen „Denkschrift über Maschi- Feuerkraft der Gruppe immer die Sel-
18 Spannschieber mit Spannschieberrohr
nenkarabiner“ die Antwort: Mit dem be“, bestätigte die Fronterprobung.
19 Verbindungsstück für den Lauf (unten) und das Sturmgewehr besäße jeder Soldat ei- Zudem hoffte das OKH mit dem
Druckrohr (oben) ne Automatikwaffe mit hoher Kadenz Sturmgewehr Ausbildung, Nachschub
– im Gegensatz zum Karabiner 98k, und Produktion zu vereinfachen. Statt

1941 liefen die ersten Beschuss- Das OKH setzte sich einfach über Hitler
tests. Dann musste die neue Waffe im
April 1942 ihre wohl wichtigste Hürde hinweg und ordnete die Serienfertigung an.
nehmen: Sie wurde Hitler vorgestellt
– und scheiterte. Der „Führer“ sah in der ein Repetieren nach jedem Schuss wie bisher mit MP, MG und Karabiner
der Panzer- und Luftmacht den erforderte. Die neue Kurzpatrone sei ins Feld zu ziehen, sollte es nur noch ge-
Hauptträger des Kampfes, nicht in zugleich stärker als die Pistolenpatro- schlossene Sturmgewehrzüge geben.
der Infanterie. Zudem fürchtete Hitler ne und um ein Drittel leichter als die Trotzdem scheiterte im November
die Belastung, die eine weitere Muni- Standardpatrone. Das hieße: mehr Pa- 1942 ein erneuter Anlauf, Hitler von
tionsart für die angespannte Rüs- tronen pro Soldat im Feld. Zudem dieser Waffe zu überzeugen. Doch
tungsmaschine bedeutete. Dabei war würde die Aufgabenverteilung in der abermals setzte sich das OKH über
die Kurzpatrone extra entwickelt wor- Gruppe – der kleinsten organisatori- seinen „Führer“ hinweg – ein wohl
den, um weitgehend die gleichen Fer- schen Einheit der Wehrmacht – flexib- beispielloser Vorgang – und ordnete
tigungsmittel nutzen zu können wie ler. Jeder Soldat könne sowohl die kurzerhand die Serienfertigung an,
die 7,92-Millimeter-Standardpatrone. Rolle des MP- als auch des Karabiner- mit dem ambitionierten Ziel, das ge-

50
ZUR PERSON
Hugo Schmeissers zweite Karriere
Am 3. April 1945 besetzten US-Truppen die Stadt Suhl teuren angewiesen, in der Technischen Kommission
mitsamt dem Hanel-Werk, in dem Hugo Schmeisser mitzuarbeiten, um den Stand der deutschen Rüstung
arbeitete. Der Konstrukteur wurde tagelang von zu ermitteln und für die UdSSR nutzbar zu machen.
Vertretern des britischen und amerikanischen Mili- Ein Jahr später brachte man ihn in die Sowjetunion.
tärgeheimdienstes zu seinen Wafenentwicklungen Die UdSSR entlohnte die Zusammenarbeit mit einem
verhört. Ende Juni übergaben die Amerikaner das großzügigen Gehalt und verhinderte seine Straf-
Gebiet an die Sowjets. Am 13. Juli musste das Hanel- verfolgung in der DDR. Befasst war er wohl haupt-
Werk alle Unterlagen der Technischen Kommission sächlich mit dem Blechprägeverfahren für die kos-
der Roten Armee überlassen (insgesamt rund tengünstige Massenproduktion. Hugo Schmeisser
10.800 Blätter, rund 1.000 Seiten davon über das blieb rund ein halbes Jahr länger als die anderen
Sturmgewehr). Im Oktober wurde Schmeisser zu- deutschen Wafenentwickler in der UdSSR,
sammen mit weiteren deutschen Wafenkonstruk- Mitte 1952 kehrte er nach Deutschland zurück.

samte Ostheer auf das Sturmgewehr als Einheitswaffe einzuführen, konn- rung auch in schwerem Kampf ist je-
umzustellen. te hieran nichts ändern. Dabei ist un- der Mann von der überlegenen Leis-
Doch die begehrte Waffe benötigte klar, was ihn letztlich zum Umdenken tungsfähigkeit der Waffe überzeugt“,
auch die neuen Kurzpatronen. Und brachte. Die beständige Fürsprache um dann unmissverständlich zu
die waren Mangelware in der er- des OKH und von Rüstungsminister schließen: „Die Kompanie wünscht
schöpften Kriegswirtschaft. 130 Mil- Speer? Himmler, der sich die Waffe für mit dieser Waffe weiterzukämpfen.“
lionen Patronen hätte man allein ge- seine Waffen-SS wünschte? Vielleicht Ein weiterer Beweis, dass das Konzept
braucht, um etwa jeden dritten Zug auch die Frontberichte? des Sturmgewehrs aufging: nämlich
mit Sturmgewehren ausstatten zu Durchschlagskraft und Reichweite ei-
können. So bestimmten am Ende we- Erst Skepsis, dann Begeisterung nes Karabiners mit der Kadenz einer
der Hitler noch das OKH den Zeitplan So meldete beispielweise ein Grena- MP zu verbinden.
zur Einheitswaffe, die diesen Platz nie dierregiment von der Ostfront: „Es ist Und während der Munitionsnach- Mittelpatrone
ausfüllen konnte. Als Resultat wur- leicht erklärlich, dass sich die Kämp- schub stockte und die Produktion 7,92 × 33 mm Kurz auf
den 1944/45 im Monatsschnitt nur fer nur ungern von ihren alten Waffen dem Bedarf an der Front hinterher- Ladestreifen. Ihre
rund 23.500 Sturmgewehre gefertigt trennen wollen. Deshalb ging auch hinkte, setzte Schmeisser seine Ver- Entwicklung war
gegenüber 188.500 Karabinern 98k. diese Kompanie zuerst zögernd und besserungsarbeiten unermüdlich unabdingbar für die
Auch Hitlers späte Einsicht im mit schärfster Kritik an diese neue fort. Das bedeutete so kurz vor Kriegs- Konstruktion des
Herbst 1944, das Sturmgewehr doch Waffe heran. Aber nach der Bewäh- ende vor allem eines: Rationalisie- Sturmgewehrs 44

Schießübung in Frankreich, 1944.


Die ausgeworfene Hülse zeigt an,
dass der Schütze seine Wafe auf
Einzelfeuer eingestellt hat

Militär & Geschichte 51


WAFFEN & TECHNIK

Im Fronteinsatz hätte die Infanterie das StG 44 lächendeckend gut Grenadiere der Division „Großdeutschland“ in einem Schwimmwagen;
gebrauchen können, es wurde aber in zu geringer Stückzahl geliefert die Soldaten hinten sind mit dem neuen Sturmgewehr ausgestattet

TECHNIK
Abb.: BArch 146-1979-118-55, Scherl/SZ-Photo (2), Interfoto/Miller, p-a/dpa, MIREHO-www, MIREH

Das Vampir-Gerät Hightech: Das Nachtsichtgerät


Vampire sind in der Mythologie blutsaugende Mons- war seiner Zeit weit voraus
ter, die in der Nacht zuschlagen. Ein passender Deck-
name für ein Gerät, das die Überlegenheit des Sturm-
gewehrs 44 auch im Nachtkampf sichern sollte.
Herzstück des Vampir-Systems war ein 15 Zentimeter
messender Infrarotscheinwerfer, der mit einem Bild-
wandler kombiniert wurde (Gewicht 1,9 Kilogramm).
Zusätzlich musste man auf einem Tragegestell eine
11,2 Kilogramm schwere Batterie-Einheit mitführen,
welche die benötigten 6.000 Volt zu liefern hatte.
Erste Erfahrungen gab es bereits mit dem UHU-System
– speziell ausgerüstete Schützenpanzerwagen mit
starken Infrarotscheinwerfern. Daher wollte die
Wehrmacht auch das System für die Infanterie
schnell an die Front bringen. Immerhin ließen
sich mit dem Vampir-Gerät Menschen auf einer
Entfernung von bis zu 73 Metern ausmachen – eine
Bildqualität, die in der Pionierzeit des Fernsehens auch
bei den Alliierten Staunen auslöste. Letztlich aber
kam das Vampir-Gerät zu spät und kaum 300 Stück
konnten vor Kriegsende produziert werden.

Durch das Zielfernrohr


erschien das anvisierte Ziel
in vierfacher Vergrößerung

52
Nach dem Krieg
blieb die Wafe weiter
in Gebrauch, die DDR
rüstete damit Volks-
polizei und Betriebs-
kampfgruppen aus.
Unten: Bundeswehr-
soldat mit G 36,
einem „Urenkel“ des
Sturmgewehrs 44

rung. Kammer, Magazinschacht, Grif-


fe, Schlagbolze wurden vereinfacht.
Doch viele der Änderungen erreich-
ten nicht mehr die Produktionsstra-
ßen, ehe die Rote Armee am 2. Mai
1945 Berlin eroberte und auf den tota-
len Krieg die totale Niederlage folgte.
Dieses Schicksal traf auch das zahl-
lose Zubehör, das sich noch in der
Entwicklung befand. Ein Zielfernrohr Direkter Vergleich: Anders, als oft behauptet,
wurde nicht mehr in Serie gebaut, ein beruht die Konstruktion des sowjetischen
Gewehrgranatgerät für den Kampf AK 47 (unten, hier ohne Magazin) nicht direkt
gegen Panzer nicht mehr eingeführt. auf dem StG 44, trotz äußerer Ähnlichkeiten
So erging es auch einem Schall- und
einem Mündungsfeuerdämpfer und
dem hoch innovativen Vampir-Gerät
für den Nachtkampf (siehe Kasten
links). Selbst der skurril anmutende
Liebling der Entwicklungsabteilung,
ein gekrümmter Lauf für den Häuser-
kampf, kam nicht mehr zum Einsatz.

Nachleben einer Innovation


Am Ende wurden Sturmgewehr und
Max Remke ist
Zubehör zur Kriegsbeute der Sieger. schrieben beeindruckt: „Dies ist eine unter dem Kürzel AK oder schlicht Historiker mit
Ebenso wie die kreativen Köpfe hinter sehr bemerkenswerte Patrone.“ Wäh- „Kalaschnikow“. Schwerpunkt
der Waffe. Als Hugo Schmeisser nach renddessen studierte auch in der Sow- Hugo Schmeisser selbst, der Erfin- auf neuere
Russland verfrachtet wurde, war die jetunion ein ehrgeiziger junger Waf- der dieser revolutionären Waffe, kehr- und neueste
Erprobung von Waffe und Patrone fenkonstrukteur das StG 44 und seine te erst im Juni 1952 in seine Heimat Geschichte und
längst überall auf der Welt im vollen Baupläne. Sie lieferten ihm Inspiratio- Suhl zurück, ein Jahr vor seinem Tod. seit seiner Jugend
Gange. Die alliierten Experten vom nen für jenes Kriegsgerät, das bald sei- Damals war das Zeitalter des Sturm- an Wehrtechnik
CIOS, die u.a. den Entwicklungsstand nen Namen tragen sollte: den „Awto- gewehrs – 14 Jahre nach seinem Proto- interessiert.
deutscher Waffentechnik ermittelten mat Kalaschnikowa“, besser bekannt typen – längst angebrochen.

Militär & Geschichte 53


VERBÄNDE & EINHEITEN

LANDWEHR GEGEN NAPOLEON

Bürger, zu
den Waffen!
In den Befreiungskriegen ging das preußische
Militär einen Schritt, der vorher undenkbar
schien: Ganz normale Bürger wurden zu einer
Landwehr einberufen, die der regulären Armee
zum Sieg verhelfen sollte

s regnete in Strömen, als die von Bülow, hob in seinem Tagesbe-

E preußischen Bataillone am spä-


ten Nachmittag des 23. August
1813 zum Angriff antraten. Vor ihnen
fehl nach der Schlacht besonders die
Leistung der „Landwehr-Truppen des
Corps“ hervor, „die an diesem Tage
lag das zerschossene, lichterloh bren- zum ersten Male die Liebe für König
nende Dorf Großbeeren. Erst vor zwei und Vaterland bewährten“.
Stunden hatten sie selbst zwischen Die Männer, die hier als Teil der
diesen Häusern Stellung bezogen, alliierten Nordarmee (siehe Kasten
waren dann aber von anrückenden rechts oben) ihre Feuertaufe erhalten
Franzosen und Sachsen unter schwe- hatten, waren Preußens Antwort auf
rem Artilleriefeuer vertrieben wor- die größte Niederlage seiner Ge-
den. Nun galt es, die strategisch wich- schichte. 1806 hatten die Truppen des

Eine allgemeine Wehrpflicht? Das ging Adel


und Konservativen zunächst viel zu weit.
tige Ortschaft, das Einfallstor nach französischen Kaisers das legendäre
Berlin, von Napoleons Truppen zu- preußische Heer bei Jena und Auer-
rückzuerobern. stedt vernichtend geschlagen. In der
Abb.: p-a/akg-images, Sammlung M&G

Zuerst ließen die Preußen ihre Folge sank das Königreich Friedrichs
eigenen Kanonen sprechen, dann des Großen zu einer drittklassigen
stürmten sie los. Die Franzosen und Macht von Napoleons Gnaden herab.
Sachsen wehrten sich mit allen Kräf-
ten, doch schließlich mussten sie sich Dringende Reformen
geschlagen geben und Großbeeren Um aus dieser Krise wieder heraus-
wieder räumen. Damit war Napo- zufinden, musste Preußen neue Pfade
leons Plan, Berlin einzunehmen, ver- beschreiten – nicht zuletzt beim Mili-
eitelt. Der preußische Befehlshaber, tär. Schon vor dem Zusammenbruch
General Friedrich Wilhelm Freiherr hatten reformorientierte Beamte da-

54
HINTERGRUND
Alliierte Nordarmee
Preußens König
Friedrich Wilhelm III. wollte Im Herbst 1813 stellten die verbündeten
Preußen, Österreicher, Schweden, Russen
zwar keine ständige
und Briten drei gemeinsame Armeen auf,
„Nationalmiliz“ einführen, darunter die 125.000 Mann umfassende
musste aber notgedrungen Nordarmee, die vom schwedischen Kronprinzen
eine Landwehr zulassen Karl Johann angeführt wurde. Sie bestand
aus 73.000 Preußen (davon 40.000 Landwehr),
23.000 Schweden und 29.000 Russen.

Eine Welle des Patriotismus


wogte im Frühjahr 1813 durch die
deutschen Lande. Das Gemälde
von Richard Knötel zeigt Land-
wehrmänner in Breslau „in den
Tagen der Erhebung“

Militär & Geschichte 55


rauf gedrängt, die veralteten Struk- zu weit. Scharnhorsts Idee einer roggen am 30. Dezember das preußi-
turen des preußischen Feudalstaates „Nationalmiliz“ stieß auf taube Ohren. sche Hilfskorps der Grande Armée für
VERBÄNDE & EINHEITEN

endlich aufzubrechen, doch erst die Das erinnerte die Konservativen zu neutral erklärt hatte, begannen die
Katastrophe von 1806 ebnete den Weg sehr an die Levée en masse in Frank- Landstände eine ostpreußische Pro-
für eine Modernisierung von Staat reich. Und in der Tat hatte Scharn- vinziallandwehr aufzustellen. Das
und Heer. horst die Begeisterung der siegrei- waren zwei Insubordinationen, doch
Die „Militärreorganisations- chen Revolutionstruppen im Blick, stellte sich jetzt der Monarch an die
kommission“ unter Generalma- wenn er erklärte, man müsse Spitze der Entwicklung: Im Februar
jor Gerhard von Scharnhorst „der Nation das Gefühl der Selb- 1813 wurden freiwillige Jäger-Abtei-
stellte eine Armee auf die Beine, ständigkeit einflößen“, um sie lungen gebildet und die allgemeine
die Napoleons Truppen eben- für den Kampf zu mobilisieren. Wehrpflicht eingeführt. Am 17. März –
bürtig sein sollte: Das Privileg einen Tag, nachdem der König Frank-
des Adels auf Offizierstellen Krieg gegen Frankreich reich den Krieg erklärt hatte – erließ
wurde abgeschafft, Ausbildung Erst nachdem Napoleons Russ- er eine Verordnung, mit der in ganz
und Taktik wurden modernisiert. Hermann von landfeldzug 1812 in einem Desaster Preußen „eine allgemeine Landwehr
Dass die Reformer – neben Scharn- Boyen erneuerte endete, konnten sich die Reformer aufs Schleunigste errichtet und ein
horst Oberstleutnant Neidhardt von als Mitglied der durchsetzen. Friedrich Wilhelm zö- Landsturm eingeleitet“ wurde.
Gneisenau, Major Hermann von Boy- Militärreorganisa- gerte noch, das erzwungene Bündnis Alle Männer vom 17. bis zum 40. Le-
en und Major Karl von Grolman – die tionskommission mit Frankreich aufzukündigen, da bensjahr, die nicht in anderen Heeres-
allgemeine Wehrpflicht einführen Preußens Armee schuf man in Ostpreußen Fakten. teilen dienten, sollten nun Teil der
wollten, ging König Friedrich Wil- Nachdem General Ludwig Graf Yorck Landwehr werden. Jeder Kreis musste
helm III. und vielen Adeligen jedoch von Wartenburg im litauischen Tau- eine bestimmte Anzahl an Landwehr-
Abb.: Interfoto/Mary Evans, Sammlung Behrndt, MIREHO (2)

Steinschlossgewehr: Die Freiwilligen zogen mit dem altpreußischen


Vorderlader ins Gefecht und benutzten ihn, wenn nötig, mit dem Kolben
voraus als Schlagwafe

Schlachtgetümmel: Der
alliierte Sieg in der Schlacht
bei Hagelberg am 27. August
1813 ging vor allem auf das
Konto kurmärkischer
Landwehrregimenter

56
AUSRÜSTUNG männern stellen; kamen nicht genug
Freiwillige zusammen, ermittelte
Uniformen der Landwehr man unter den verbliebenen Wehr-
pflichtigen mittels Los, wer einzu-
1 Steinschlossgewehr mit Tüllenbajonett 10 Schwarzer Tschako aus Leder und Filz, rücken hatte.
2 Schwarze Lederschuhe mit zum Regenschutz mit schwarzem Die Truppen wurden nur kurz aus-
Leinengamaschen Wachstuchüberzug gebildet, für die Schießübungen wa-
3 Doppelreihig geknöpfter Wafenrock 11 Lanze mit Metallspitze und Lanzen- ren pro Mann nur zehn bis 20 Patro-
mit silberfarbenen Metallknöpfen wimpel in Landesfarben nen vorgesehen. Ihre ersten Einsätze
4 Gebleichte Leinenhosen 12 Schwarz-weiße preußische Kokarde zeigten, dass sie der Kampfsituation
5 Verdeckt geknöpfte, blau gefärbte 13 Landwehrkreuz aus silberfarbigem Blech nur unzureichend gewachsen waren.
Litewka 14 Schirmmütze mit weißem Rand Daher wurden im Juli die Landwehr-
6 Schwarze Überknöphose über (Pommern) und schwarz-weißer regimenter in das stehende Heer, die
Reitstiefeln mit Sporen Kokarde Linienarmee, eingegliedert, um durch
7 Blüchersäbel am schwarzen Leibgurt 15 Weiße Ledertrageriemen für engeren Anschluss an die kampf-
8 Schwarzes ledernes Bandoliere den kalbfellbezogenen erprobten Einheiten die Disziplin der
für den Kartuschkasten Tornister neuen Truppen zu stärken. Das Gros
9 Kragen in Provinzfarben: Rot für Ost- 16 Gerollter, grauer Mantel der Kommandeure rekrutierte sich
preußen, Neumark und Kurmark; 17 Schwarzes ledernes aus ehemaligen Armeeoffizieren so-
Schwarz für Westpreußen; Weiß für Bandoliere für Seiten- wie erfahrenen Angehörigen der Li-
Pommern; Gelb für Schlesien; Hellblau wafe oder Axt nienarmee.
für die Elbprovinz 11
Schleppender Aufbau
In Blau: 12 Trotz der allgemeinen Kriegsbegeiste-
14 13
pommerscher rung ging in einigen Kreisen der Auf-
Infanterist, 10 bau der Landwehr nur schleppend
ostpreußischer voran, vor allem in Schlesien gab es
Kavallerist Widerstand gegen die Rekrutierun-
gen. Dennoch gelang es, bis zum Be-

9
HINTERGRUND

Kleidung und
15 Ausrüstung
8
Bekleidet waren die Landwehrmänner
mit einer dunkelblauen oder schwar-
zen Litewka, deren Kragen und Knöpfe
– je nach Provinz – unterschiedliche
16 Farben besaßen. Die Infanterie trug
17 leinene Hosen und eine Schirmmütze
mit einem breiten Deckel. Das Land-
wehrkreuz aus weißem Blech mit der
Inschrift „Mit Gott für König und
Vaterland“ wurde über der Kokarde der
7 Mütze angebracht. Für die Uniform
5 war der Landwehrmann selbst ver-
3 antwortlich, konnte er die Kleidung
nicht beschafen, kam der Kreis dafür
auf. Entsprechend uneinheitlich sah
die neue Truppe aus.
Die Bewafnung übernahm der Staat.
Er beschafte eilig Gewehre aus Russ-
land, England und Österreich, doch
1 das erste Glied musste mangels Feuer-
wafen zunächst mit Piken auskom-
men. Zum Teil führten die Männer
4 auch Äxte als Wafen mit sich. Die
6 Landwehrkavallerie trug – oft im Über-
zug getragene – Tschakos mit dem
Landwehrkreuz und graue Überhosen
mit Knöpfen. Sie war mit Säbeln,
Pistolen und Lanzen mit Flaggen in
den Farben der Provinz ausgestattet.
2

Militär & Geschichte 57


Heldenstadt Leipzig: Mit der Erstürmung des Grimmai-
schen Tores am 19. Oktober 1813 gelang es dem Königs-
VERBÄNDE & EINHEITEN

berger Landwehrbataillon als erstem alliiertem Truppen-


kontingent, in die französisch besetzte Stadt einzudringen

ginn des Herbstfeldzuges 1813 38 In- zeln beteiligt und eskortierte – mit-
fanterie- sowie 30 Kavallerieregimen- unter nur mit Heugabeln, alten Sä-
ter aufzustellen. Somit umfasste die Sattelfest: Ein Oizier beln oder Flinten bewaffnet – Kriegs-
Landwehr – bei einer Gesamtheeres- der preußischen Land- gefangene, doch erlangte er keine grö-
stärke von 280.000 Mann – letztlich wehr zu Pferde. Solche ßere Bedeutung.
120.000 Angehörige. historischen Darstellungen
Doch damit nicht genug: Mit dem hoben selbstredend Als „Canaille“ geschmäht
zeitgleich geschaffenen Landsturm gern die Kühnheit der Anders die Landwehr. Zwar litt vor
sollte das Wehrpotenzial Preußens Kämpfer hervor allem in den ersten Wochen des Feld-
noch weiter ausgeschöpft werden. zuges ihre Kampfkraft unter der ge-
Hier dienten Männer zwischen 15 ringen Ausbildungsdauer und Er-
und 60 Jahren, die nicht dem Linien- fahrung, oft zeigten sich die Land-
heer oder der Landwehr angehörten. wehreinheiten dem französischen
Ihre Aufgabe war der Schutz der Hei- Tirailleurfeuer nicht gewachsen und
mat. Ein Edikt vom 21. April bestimm- rissen bei ihrer Flucht Linienregimen-
te, dass der Landsturm keine Unifor- ter in das entstehende Durcheinan-
men tragen sollte, „weil sie den Land- der mit hinein. Mancher Offizier der
stürmer kenntlich machen“ – er Linie schmähte die Landwehrmän-
sollte gegen einen ins Land einge- ner daher als „Kreuzbauern“, Napole-
Abb.: p-a/akg-images, Sammlung Behrndt, MIREHO

drungenen Feind einen Partisa- on verspottete sie als „Canaille“. Doch


nenkrieg führen, einen „Kampf diese Mängel konnten die neuen
der Nothwehr, der alle Mittel Soldaten durch ihre hohe Motivation
heiligt“, um so den Gegner „be- wieder ausgleichen.
ständig außer Athem zu halten“. Als Der Truppenzuwachs durch die
Vorbild diente den Reformern der Landwehr bildete eine wesentliche
Kampf der spanischen Freischärler Voraussetzung für die preußischen
gegen die französischen Besatzer. Erfolge in den Befreiungskriegen. Von
Aber das war den Konservativen den 73.000 Preußen der alliierten
zu radikal. Im Juli wurde das Edikt ent- Nordarmee gehörten 40.000 der Land-
schärft und die staatlich verordnete wehr an. Am 27. August waren es vor
Guerilla wieder abgeschafft. Zwar war allem kurmärkische Landwehrregi-
der Landsturm an einigen Scharmüt- menter, die zusammen mit russi-

58
Grimmaischen Tores am letzten Tag Pflicht schon hinreichend erfüllt.
der Völkerschlacht von Leipzig durch Manche kehrten später wieder zu
Das Landwehrkreuz Männer des 3. Ostpreußischen Land- ihren Einheiten zurück, ohne darin
aus geprägtem Blech wehr-Regiments unter Major Friccius. einen Disziplinverstoß zu sehen.
ähnelte dem neu gestif- Im feindlichen Kugelhagel schlugen Solche Vorkommnisse bestätigten
teten Eisernen Kreuz sie eine Bresche in die Mauer und die Vorurteile konservativer Offiziere,
drangen als Erste in die Stadt ein. doch hatten sich Wehrpflicht und
In den Feldzügen von 1814 und Landwehr in den Kriegen gegen Napo-
1815 baute Preußen wieder auf das leon bewährt und wurden auch nach

Ohne die Landwehr hätte Preußen wohl


nicht über Napoleons Truppen triumphiert.
Zusammenspiel von Linie und Land- 1815 beibehalten. Das hatte nicht zu-
wehr, die zuletzt fast die Hälfte der letzt den Vorteil, dass Preußen trotz
preußischen Heeresstärke ausmach- knapper Kassen eine Armee aufstel-
te. Dem IV. Armeekorps, das am 18. Ju- len konnte, die seinen Großmacht-
ni 1815 an der Spitze jener preußi- anspruch untermauerte. Ihre organi-
schen Truppen marschierte, die den satorische Eigenständigkeit und da-
rechten Flügel von Napoleons Armee mit ihren Milizcharakter allerdings
schen Kosaken das französische angriffen und die Schlacht bei Water- verlor die Landwehr, als man sie 1819
Korps Girard bei Hagelberg vernichte- loo entschieden, gehörten Landwehr- im Rahmen der Restaurationspolitik
ten. Wenige Tage später rieben die Ka- regimenter aus Pommern, Schlesien den Divisionskommandeuren der
valleristen des 3. Pommerschen Land- und der Neumark an. Linie unterstellte. Durch die Heeres-
wehr-Regiments bei Dennewitz Na- reorganisation 1859 geriet sie zu
poleons Bataillone auf. Umfassend bewährt einer Reserveeinrichtung, während
Jedoch kam es auch zu Desertionen. der Landsturm ohnehin nur noch auf
Legendäre Kämpfe Ein schlesischer Landwehroffizier dem Papier bestand.
Auch an den Siegen der von Blücher beschrieb, dass an einem Mor- Trotz ihrer wechselvollen Ge-
kommandierten Schlesischen Armee gen im August 1813 nach schichte haben Scharnhorsts „Bürger-
an der Katzbach und bei Wartenburg dem gescheiterten Angriff soldaten“ viel dazu beigetragen, die
hatten die Landwehrregimenter ent- der Alliierten auf Dresden deutsche Bevölkerung im Laufe des
scheidenden Anteil. „Keenen Unter- beim Wecken der Truppe 181 19. Jahrhunderts in die Landesvertei-
schied mehr“ zwischen Linie und Gewehre stehenblieben, deren digung einzubinden. Als Vorbild des
„Landwehrpatteljons“ habe er gese- Besitzer in der Nacht geflo- „Staatsbürgers in Uniform“ sind sie
hen, soll der alte „Marschall Vorwärts“ hen waren. Das lag aller- auch heute traditionsstiftend für die
bewundernd ausgerufen haben. Le- dings nicht nur an den deutschen Streitkräfte.
gendär wurde die Erstürmung des Strapazen des Marsches
und des Gefechts. Vie- Dr. Karsten Behrndt war
le Landwehrmän- überrascht darüber, wie
Verwegen: Oizier ner gingen offen- schnell die aus dem Boden
gestampften Landwehr-
der preußischen bar davon aus,
einheiten zu einer schlag-
Landwehr zu Fuß sie hätten nach kräftigen Truppe wurden.
der Schlacht ihre
DAS DOKUMENT

„Heim ins Reich“:


Auch die National-
sozialisten hielten
EIN TELEGRAMM ZUR am Anspruch auf

DANZIG-FRAGE Danzig fest; 1939


wurde die Stadt
dem Reich wieder
einverleibt

„Wollen deutsch bleiben“


Von 1920 bis 1939 existierte die Freie Stadt Danzig – abgetrennt vom Reichsgebiet
und unter dem Protektorat des Völkerbunds. Bereits im Oktober 1918 forderte
der Magistrat der Stadt, dass Danzig nicht an Polen angegliedert werden dürfe

m Oktober 1918 zeichnete sich be- Staat ins Leben rufen, und Gebiete mit listischen Machthabern in Polen, der

I reits ab, dass das Deutsche Reich


den Weltkrieg verlieren würde.
Ungewiss blieb, wie die Nachkriegs-
mehrheitlich polnischer Bevölkerung
sollten diesem zugeschlagen werden,
ebenso ein Zugang zur Ostsee. Das
Regierung von Danzig sowie dem Rat
und Hochkommissariat des Völker-
bunds. In endlosen Anträgen, Klagen
ordnung aussehen würde – und ob erschien den Siegermächten nur ge- und Interventionen beanspruchte
die Deutschen dabei überhaupt noch recht, nachdem die Habsburger, Ho- Polen die Oberhoheit über Danzig für
ein Wörtchen mitzureden hatten. Das henzollern und Romanows Polen im sich. 1920 beantragte es sogar, polni-
erklärt vielleicht den verzweifelten 18. Jahrhundert unter sich aufgeteilt sche Truppen im Stadtgebiet statio-
Ton, der in jenem Telegramm des Ma- hatten. Nun, am Ende des Ersten Welt- nieren und als Protektoratsmacht
gistrats der alten Hansestadt Danzig kriegs, lagen diese einst mächtigen auftreten zu dürfen. Immer wieder be-
an den Staatssekretär des Reichs- Dynastien am Boden. lehrte der Völkerbund in den 1920er-
amtes des Innern, den Innenminister
des Deutschen Reiches, spürbar wird. Die Weimarer Republik hat den Anspruch
Das Amt hatte am 14. Oktober 1918,
dem Datum der Telegrammaufnah- auf die verlorenen Gebiete nie aufgegeben.
me, der Zentrumspolitiker Karl Trim-
born inne. Gesandt an das „Haupt- Das Schicksal Danzigs war hier von Jahren die Regierung in Warschau,
Telegraphenamt Berlin“, enthielt es besonderer Brisanz. Am 7. Oktober dass Polen keine Macht über die Freie
unter anderem folgende Worte: 1918 proklamierten die Polen ihren Stadt ausüben durfte. Es entstand
„(...) stellen wir fest, dass danzig eigenen Staat. Die Regierung in War- schon genug Chaos dadurch, dass es
nimmermehr diesem polen angehoe- schau machte keinen Hehl daraus, zwischen polnischen und Danziger
ren darf. unsere alte hansastadt dan- dass sie Danzig gern ihren Grenzen Behörden wie Post, Bahn- und Seever-
zig ist durch deutsche kulturkraft ent- einverleibt wüsste, und einen Tag kehr oder Zoll regelmäßig zu Kompe-
standen und gewachsen, sie ist kern- später überreichte Roman Dmowski, tenzgerangel kam.
deutsch. wir nehmen fuer uns das der Leiter der polnischen Delegation Abschließend sei erwähnt, dass
Abb.: SZ-Photo/SZ-Photo (2), Interfoto/Mary Evans

selbstbestimmungsrecht der voelker bei den Friedensverhandlungen, Prä- die Weimarer Republik den Anspruch
in anspruch wir wollen deutsch blei- sident Wilson in Washington ein Me- auf die durch den Vertrag von Ver- Ralph Kreuzer
ben immerdar (...).“ morandum mit Polens territorialen sailles abgetretenen Gebiete nie auf- ist freiberufli-
Worum ging es genau in diesem Vorstellungen. Doch Danzig wurde im gegeben hatte. Erst 1938 machte Hit- cher Lektor und
historischen Dokument? US-Präsi- Versailler Vertrag zur Freien Stadt ler folgendes Angebot: den Anschluss Journalist. Er
dent Woodrow Wilson forderte in unter dem Mandat des Völkerbunds Danzigs ans Deutsche Reich als Preis entstammt einer
einem 14-Punkte-Programm, das er erklärt; der Stichtag dieser „Unabhän- für die Anerkennung der polnischen Familie aus Ober-
schlesien, das
bereits im Januar 1918 dem amerika- gigkeit“ war der 15. November 1920. Gebietserwerbungen seit 1920. Das er-
ebenfalls durch
nischen Kongress vorstellte, unter an- Die Souveränität der Stadt, deren schien wie ein Zwischenhoch in dem den Versailler
derem die Zerschneidung des deut- Hafen für den Ostseehandel für Deut- an Misstrauen und Rivalitäten rei- Vertrag zerstü-
schen Reichsgebiets im Osten durch sche wie Polen gleichermaßen wich- chen Nachbarschaftsverhältnis. Das ckelt wurde.
den Polnischen Korridor. Wilson woll- tig war, mutierte seitdem zum ewigen mag man bewerten, wie man will –
te einen unabhängigen polnischen Streitpunkt zwischen den nationa- es ist bekannt, wie es leider ausging.

60
Massenprotest:
Der Magistrat grif in
seinem Telegramm den
Willen vieler deutscher
Einwohner von Danzig
auf, darauf lassen
jedenfalls die eindrucks-
vollen Versammlungen
auf dem Heumarkt im
Frühjahr 1919 schließen,
wo Zehntausende den
Verbleib bei Deutsch-
land forderten

Militär & Geschichte 61


VERBÄNDE & EINHEITEN

DAS SUDETENDEUTSCHE FREIKORPS

Noch in Zivil: Tausende Sudetendeutsche


traten im September 1938 einem Freikorps
bei, das von Deutschland ausgerüstet und
gesteuert wurde; Ausbilder stellte die SA

Kalkulierter Terror
Auf dem Höhepunkt der „Sudetenkrise“ 1938 ließ Adolf Hitler eine para-
militärische Einheit aufstellen, die die Tschechoslowakei destabilisieren
sollte. Das „Sudetendeutsche Freikorps“ verübte zahlreiche Anschläge auf
staatliche Einrichtungen – mit Unterstützung von SA und Wehrmacht

62
Gewalt gegen
den Staat: Links
n der Nacht zum 13. September revier, Postamt und Bahnhof waren zig Jahre zuvor aus der Konkursmasse wurde das Zoll-

I 1938 spielten sich im tschecho-


slowakischen Eger bürgerkriegs-
ähnliche Szenen ab. Viele Einwohner
schwer beschädigt, Telefon- und Tele-
grafenleitungen durchgetrennt. Vor-
erst bekamen Polizei und Militär die
der Habsburgermonarchie hervorge-
gangen war (siehe Kasten Seite 66).
Doch jedes Mal lehnte die Prager Regie-
amt bei Unterretz-
bach angegrifen,
rechts eine Armee-
der mehrheitlich deutsch besiedelten Lage in den Griff. Doch viele Unter- rung kategorisch ab. Daher ging patrouille bei Gras-
Sudetenstadt schliefen bereits, als grundkämpfer organisierten sich der deutschstämmige Politi- litz beschossen.
Abb.: SZ-Photo/Scherl (2), p-a/ZB, MIREHO

plötzlich Geschrei, Gewehrsalven und nun im „Sudetendeutschen Frei- ker Konrad Henlein in die Of- In der Mitte ein
der Lärm von zersplitternden Schei- korps“ – und verschärften ihre fensive: Ende April 1938 for- Koppelschloss
ben durch die Straßen hallten. Eine Attacken gegen Repräsentan- derte er im „Karlsbader Pro- des „Freikorps
Gruppe sudetendeutscher Rebellen ten der verhassten Tschecho- gramm“ den „Anschluss“ Sudetenland“
attackierte staatliche Einrichtungen, slowakei (ČSR). seiner Heimat ans Deut-
die überwiegend von Tschechen gelei- sche Reich – eine Steil-
tet wurden. Bevor die Polizei eintraf, Pulverfass „Sudetenkrise“ vorlage für die Na-
hatten sich die Vermummten bereits Seit 1937 forderte die große sude- tionalsozialisten.
aus dem Staub gemacht. tendeutsche Minderheit friedlich Am 12. Sep-
Im Morgengrauen offenbarte sich ihre Selbstverwaltung innerhalb tember richtete
das Ausmaß der Zerstörung: Polizei- dieses Staates, der knapp zwan- Hitler auf dem

Militär & Geschichte 63


VERBÄNDE & EINHEITEN

Fast 35.000 Mann


Nürnberger Reichsparteitag drohen- eine Schutzmacht vor tschechischen schrieben sich Wehrmachtuniformen, sondern eilig
de Worte in Richtung Prag: „Die Deut- Übergriffen darstelle. beim SFK ein. angefertigte Kleidung, die teils aus
schen in der Tschechoslowakei sind Auf jeden Fall musste es zunächst Aus Deutschland Stücken alter SA-Uniformen bestand.
weder wehrlos, noch sind sie verlas- vorsichtig agieren, getreu der Devise erhielten sie aus-
sen. Das möge man zur Kenntnis neh- „Im Geheimen operieren und vorerst schließlich Wafen Ein buntes Reservoir
men.“ Diese Rede löste im Sudeten- alles vermeiden, was diplomatische aus österreichi- Wer waren diese Männer, die unter
land wahre Tumulte aus; unter der Verwicklungen zwischen Berlin und schen Beständen solch abenteuerlichen Bedingungen
Parole „Wir wollen heim ins Reich!“ Prag auslösen könnte“. Sämtliche Mit- – Berlin wollte in ihr Leben aufs Spiel setzten? Die meis-
kam die deutsche Bevölkerung vieler- glieder mussten die ČSR-Staatsbür- diesem Konlikt ten hatten eine militärische Aus-
orts zu Massendemonstrationen zu- gerschaft besitzen, um legal die Gren- neutral erscheinen bildung absolviert oder standen kurz
sammen. Sabotageakte, wie eingangs ze passieren zu können. Das Kom- davor: sudetendeutsche Reservisten,
bei Eger beschrieben, ereigneten sich mando übernahm Konrad Henlein. die bereits widerwillig in der ČSR-Ar-
jetzt in rund 70 Städten. Nachdem Sein Stellvertreter Karl Hermann mee gedient hatten; oder Wehrpflich-
aber tschechische Soldaten den Auf- Frank und Stabschef Anton Pfrogner tige, die vor der Einberufung geflohen
stand niedergeschlagen hatten, kehr- waren Spitzenfunktionäre aus der waren, weil sie den Waffendienst für
te vorerst gespenstische Ruhe ein. „Sudetendeutschen Partei“. Sie bezo- die Tschechen nicht mit ihrem patrio-
gen ihr Hauptquartier im Schloss Fan- tischen Gewissen vereinbaren konn-
Gründung und Auftrag taisie in Dondorf bei Bayreuth – was Parteiabzeichen ten. Zahlreiche SFK-Angehörige wa-
Drei Tage nach seiner Brandrede emp- die Öffentlichkeit jedoch nicht wuss- für Funktionäre ren schon länger in der „Untergrund-
fing Hitler den britischen Premiermi- te. Radio und Presse streuten nämlich von Henleins szene“ tätig gewesen und direkt nach
nister Neville Chamberlain auf dem die Falschmeldung, dass der SFK-Stab Sudetendeutscher dem 13. September ins Reich geflo-
Berghof und forderte ihm gegenüber seinen Sitz nicht im Reich, sondern Partei (SdP), hen. Sie bildeten den „harten Kern“.
vehement die Angliederung des Sude- im sudetendeutschen Asch hätte. einer Vorfeld- Doch Henleins Radiobotschaft sowie
Abb.: p-a/ZB, SZ-Photo, SZ-Photo/Scherl, Dr. Wilfried Bahnmüller/imageBRO/SZ-Photo, MIREHO

organisation das rigide Vorgehen der tschechi-


Männer aus der „Untergrundszene“ des Freikorps schen Polizei vor Ort mobilisierte
auch viele Neumitglieder: Diese reis-
bildeten den harten Kern des Freikorps. ten unauffällig nach Deutschland,
um sich dort den Freischärlern anzu-
tenlandes. In der Zwischenzeit waren Über Oberstleutnant Friedrich Köch- schließen.
Heinlein und seine Freischärler über ling bestand ein ständiger Austausch Bereits am 18. September liefen die
die Grenze ins Reich geflohen. Bereits mit dem Oberkommando der Wehr- Vorbereitungen auf Hochtouren. Die
am 17. September formte Henlein auf macht (OKW). Zudem korrespondier- Freischärler verteilten sich auf vier
Befehl Hitlers aus seinen Männern te Henlein mit Admiral Wilhelm Ca- Territorialgruppen, die sich entlang
das „Sudetendeutsche Freikorps“ naris, dem Leiter der OKW-Abwehr. der Grenzlinie postierten: Sachsen,
(SFK). Der geheime Auftrag lautete: Schlesien, Bayrische Ostmark und
von Deutschland aus in die Sudeten- Hilfe von Wehrmacht und SA Alpenland/Donau. Jede Gruppe um-
gebiete eindringen, durch Sabotage- Die SA war nicht nur Vorbild für die Or- fasste fünf Bataillone, die wiederum
akte die Lage zum Eskalieren bringen ganisation des Freikorps; sie stellte aus je vier Kompanien (zu je 150 bis
und einen Vorwand für ein militäri- auch erfahrene Ausbilder sowie Waf- 300 Mann) bestanden. Zunächst hatte
sches Eingreifen in der ČSR schaffen. fen, Munition, Fahrzeuge, Zelte und Henlein rund 10.000 Mann zur Verfü-
Noch am selben Tag richtete Hen- Proviant. Der rechtliche Status des gung. Diese Zahl stieg rasch an: auf
lein aus Berlin eine Rundfunkanspra- SFK blieb absichtlich vage: Es stand 26.000 am 22. September und 34.500
che an die sudetendeutsche Minder- formal unter Kontrolle der deutschen am 1. Oktober. Zum Waffenarsenal ge-
heit: Unter Berufung auf das „zu allen Armee, war jedoch organisatorisch hörten anfangs 7.780 Karabiner, 62 Ma-
Zeiten geübte Notrecht der Völker“ nicht in die regulären Streitkräfte ein- schinengewehre und 1.050 Handgra-
sollten sie „zu den Waffen greifen“. gebunden. Dennoch übernahm die naten. Diese stammten ausschließ-
Eine groß angelegte Pressekampagne Wehrmacht den Großteil der Finan- lich aus österreichischen Beständen,
vermittelte das Bild, dass das SFK nur zierung. Die Freischärler trugen keine welche die Wehrmacht nach dem

64
ZUR PERSON
Henlein und die SdP
Der einflussreichste sudetendeutsche Politiker fehlgeschlagenen „Septemberaufstände“ von 1938
war Konrad Henlein. Am 6. Mai 1898 bei Reichenberg loh Henlein ins Reich. Nach dem Münchner Ab-
(tschechisch: Liberec) geboren, arbeitete er nach der kommen wirkte er ab Oktober 1938 als Gauleiter des
Rückkehr aus dem Ersten Weltkrieg als Turnlehrer. „Sudetengaus“. Im Januar 1939 trat er der NSDAP
Nachdem sich die beiden sudetendeutschen Partei- bei. Nach der deutschen Besetzung Tschechiens im
en auf Druck der Prager Regierung aulösten, grün- März 1939 wurde er Reichsstatthalter des „Reichs-
dete Henlein 1933 in Eger die „Sudetendeutsche gaus Sudetenland“. Während des Kriegs trat Henlein
Heimatfront“ (SHF). Bei den Parlamentswahlen von kaum in Erscheinung. Er soll Kontakte zur Wider-
1935 trat diese Organisation als „Sudetendeutsche standsgruppe um Canaris unterhalten und zeitweise
Partei“ (SdP) an. Unterstützt von NS-Deutschland, als britischer Spion gearbeitet haben. Am 10. Mai
gewann SdP-Spitzenkandidat Henlein über zwei 1945 beging Henlein in einem US-Gefangenenlager
Drittel der sudetendeutschen Stimmen. Wegen der in Pilsen Selbstmord.

Öffentliche Präsenz
(hier im Grenzort Asch)
war für die Männer
nicht ungefährlich: Wer
bereits in der Armee der
ČSR gedient hatte galt
als „Fahnenlüchtiger“,
ihm drohte in Prag ein
Prozess wegen
Hochverrats

Militär & Geschichte 65


VERBÄNDE & EINHEITEN

Guerillas am MG: Zunächst kämpften die Männer nur gegen Zöllner Die tschechischen Streitkräfte grifen ab dem 23. September in den
und Polizisten, dann aber auch gegen die reguläre Armee der ČSR Konlikt ein, wodurch das Freikorps in Schwierigkeiten geriet

„Anschluss“ im März 1938 erbeutet


hatte. Jedoch mangelte es dem
Freikorps an Ausrüstung: Jedes zwei-
te Mitglied besaß keine Waffen.
Das SFK operierte meist im Schutz
der Dunkelheit. Schon in der Nacht
zum 19. September setzten einzelne
Kompanien erste Nadelstiche. Eine
Nacht später begann der erste von
mehreren Großangriffen: Sämtliche
Freikorps-Gruppen drangen an ver-
schiedenen Stellen in das Sudeten-
land ein, wo sie Grenzübergänge, Poli-
zeistationen und Zollämter angriffen.
Nachdem die Freischärler ihr Zerstö-
rungswerk vollbracht hatten, zogen
sie sich in Windeseile wieder auf
deutsches Gebiet zurück. Die tsche-
chischen Patrouillen bekamen die Si-
tuation vorerst nicht in den Griff. Nicht wählerisch: Dieser
Freischärler hat seinen
Diplomatische Lösung tschechischen Helm per
Am 21. September verkündeten Groß- Hakenkreuz „eingedeutscht“.
britannien und Frankreich, dass sie Am Ende lernten Kämpfer wie
die tschechoslowakische Regierung er das schwere, tschechische
nicht mehr unterstützen würden, MG 37 (oben) kennen

HINTERGRUND

Die Tschechoslowakei 1919–1938


Nach Ende des Ersten Weltkriegs und sche“ – nach dem gleichnamigen Gebirgs-
Aulösung der k. u. k. Monarchie entstand zug zwischen Sachsen, Schlesien und
ein neuer Vielvölkerstaat: die Tschecho- Böhmen. Bald zeigte sich, dass das von
slowakei. Sie umfasste Tschechien (Böh- US-Präsident Wilson proklamierte
men und Mähren), die Slowakei und einen „Selbstbestimmungsrecht der Völker“
kleinen Teil des Westukraine. Hier lebten für die Sudetendeutschen nicht galt. Un-
fast sieben Millionen Tschechen, über drei mittelbar nach Kriegsende bemühten sie sich
Millionen Deutsche, zwei Millionen Slowa- vergeblich um einen Anschluss ans Deutsche
ken, 700.000 Ungarn und 450.000 Ukrainer. Reich oder Österreich. Bereits 1920 schränkte
Die deutsche Bevölkerung siedelte mehr- ein von Tschechen und Slowaken verabschie-
heitlich in den westböhmischen Gebieten, detes Gesetz die vom Völkerbund garantier-
die ans Deutsche Reich grenzten. Als ten Minderheitenrechte ein: Deutsche, Un-
ihnen die tschechischen Behörden die Ver- garn und Ukrainer wurden „Bürger zweiter
wendung der Begrife „Deutschböhmen“, Klasse“. Diese Konstellation bot Zündstof
„Deutschmährer“ und „Deutschschlesier“ für künftige ethnische Konlikte, die 1938 in
verboten, nannten sie sich „Sudetendeut- der Sudetenkrise kulminierten.

66
Lesen
Sie noch oder

sammeln
Sie schon?

Ziel erreicht: Freikorps-Angehörige räumten am 1. Oktober 1938


vielerorts die Grenzpfähle beiseite. Sie wurden danach mit
der „Sudetenlandmedaille“ (rechts) belohnt

sollte Prag die deutschen Forderun-

© viktor - Fotolia
gen ablehnen. Angesichts eines dro-
henden Krieges lenkte die ČSR ein.
Acht Tage später folgte das „Münch-
ner Abkommen“, unterzeichnet von
Deutschland, Großbritannien, Frank-

GeraMond Verlag GmbH, Infanteriestraße 11a, 80797 München


reich und Italien: Die ČSR musste das
Sudetenland ans Deutsche Reich ab- OKW lautete die Gesamtbilanz der
treten und binnen zehn Tagen militä- Kämpfe: 62 Freikorps-Angehörige fie-
risch räumen. len, 65 wurden verwundet und 19 ver-
Obwohl sich eine Lösung der „Su- misst. Im Gegenzug töteten die Frei-
detenfrage“ nicht durch rohe Gewalt, schärler 110 Tschechen, 50 weitere
sondern durch Diplomatie abzeichne- wurden verwundet.
te, setzte das SFK den Untergrund- Aus ihrer Sicht hatten die SFK-Mit-
kampf auch nach dem 21. September glieder ihr Leben für die Freiheits-
fort – schon um die Drohkulisse wäh- rechte der Sudetendeutschen riskiert
rend der laufenden Verhandlungen – und dennoch hatten sie Schuld auf
aufrecht zu erhalten. Doch am 23. Sep- sich geladen. Aber gewiss ahnten vie-
tember ordnete die provisorische le nicht, welche Katastrophen in den 1e5sp%
art
Zuerst setzten die Kämpfer Nadelstiche,
g assett
en
cryl-K
bei 5 A
dann traten sie zu Großangriffen an.
Prager Regierung unter General Jan kommenden Jahren geschehen wür-
Sýrový die allgemeine Mobilma- den. Am 15. März 1939 okkupierte
chung an. Statt gegen Zöllner und Poli- NS-Deutschland die „Rest-Tschechei“ Diese hochwertige Acryl-Sammelkassette
zisten hatten die Freischärler nun und unterdrückte fortan die Tsche- hilft Ihnen, Ihre Militär & Geschichte-
gegen reguläre, gut ausgerüstete Sol- chen. Unmittelbar nach Kriegsende Ausgaben zu ordnen. In jede Kassette
daten zu kämpfen und gerieten zu- schlug dann das Pendel zurück, als passt ein kompletter Jahrgang.
Abb.: SZ-Photo, SZ-Photo/Scherl (3), MIREHO, MIREHO-Weitze

nehmend in die Defensive. die tschechoslowakische Regierung


rund drei Millionen Deutsche enteig- 1 Acryl-Kassette 5 Acryl-Kassetten
Auftrag erfüllt nete und aus ihrer angestammten € 18,95 € 79,95
Best.-Nr. 51009 Best.-Nr. 51010
Pünktlich am 1. Oktober begann die Heimat vertrieb. Diese Ereignisse be-
Wehrmacht mit der Besetzung der lasten das deutsch-tschechische Ver-
Sudetengebiete. Das Freikorps verlor hältnis bis heute.
damit seine eigentliche Funktion und
löste sich anderthalb Wochen später DER AUTOR
offiziell auf. Einige Mitglieder traten Julius Bruckner wurde bei seinen Recherchen
der Wehrmacht oder SS bei, die meis- bewusst, wie verhängnisvoll die Schafung
ten kehrten nach Hause und in ihre des Vielvölkerstaates Tschechoslowakei war.
alten Berufe zurück. Das Führungs- Hätten die Alliierten nach 1918 allen Völkern
personal mit Henlein an der Spitze das Recht auf Selbstbestimmung gewährt,
wären die bedauerlichen ethnischen Konlikte
erhielt hohe Ämter im neu geschaf-
im Sudetenland wohl vermeidbar gewesen.
fenen „Reichsgau Sudetenland“. Ge- Jetzt bestellen unter:
mäß einer Statistik des deutschen www.verlagshaus24.de
oder Telefon 0180-532 16 17
Militär & Geschichte (14 Cent/Minute von 8-18 Uhr)
NEUE RUBRIK
MILITARIA

NACHLASS
MICHAEL WITTMANN

Wittmann kurz nach seinem Gefecht mit einer


britischen Schützenbrigade bei Caen am 13. Juni 1944
(links). Auch diese beiden Fotos standen zum Verkauf

Rekordpreise
für Sammlerstücke
In dieser neuen Rubrik stellen wir Besonderheiten aus der bunten Welt
der Orden und Abzeichen, der Uniformen und historischen Waffen vor.
Heute: Stücke aus dem Nachlass von Michael Wittmann

in Auktionssaal im schwäbi- Die Erwartungsstimmung stieg kreuz und die Schwerter zum Eichen-

E schen Kirchheim unter Teck.


Am 14. Dezember des vergan-
genen Jahres haben sich dort rund
von Los zu Los, bis endlich Inhaber
und Auktionator Andreas Thies die
Nummer 437 aufrief: Mit „Ritterkreuz
laub, jeweils mit einer Vielzahl un-
terschiedlicher Dokumente zum da-
maligen Verleihungsgeschehen wie
50 Liebhaber von Antiquitäten einge- des Eisernen Kreuzes, persönliches Fotos, Verleihungstelegrammen und
funden, genauer: Sammler von Mili- Exemplar des SS-Hauptsturmführers Korrespondenz versehen.
taria, also Orden, Uniformen, histori- Michael Wittmann, Leibstandarte SS
Wie gefällt schen Waffen und dergleichen mehr. Adolf Hitler“ begann der Katalogtext, Zuschlag bei 1,1 Millionen Euro!
Ihnen unsere Das Auktionshaus Thies ist auf diesen der dann in aller Ausführlichkeit auf Die Sensation der 64. Thies-Auktion
neue Rubrik? Bereich spezialisiert und versteigert das Leben und den militärischen Wer- vom Frühjahr 2018, als aus dem Nach-
Haben Sie regelmäßig begehrte Einzelstücke degang des erfolgreichsten Panzer- lass des Kommandeurs der 7. Panzer-
Themen-
oder ganze Konvolute. An jenem Frei- kommandanten der Wehrmacht ein- Division Generalmajor Adelbert
wünsche?
tag ging dort bereits die 65. Orden- ging (siehe auch Militär & Geschichte Schulz vier prachtvolle, von Hitler per-
Schreiben
Sie uns! und Militaria-Auktion über die Bühne, 6/2018). Die Bietergefechte um die sönlich signierte „Große Urkunden“
und sie hielt für die Militaria-Fans im folgenden drei Realien versprachen des Ritterkreuzes und der Eichenlaub-
Saal (und an den heimischen PC-Bild- spannend zu werden: Wittmanns Rit- stufen bis zu den Brillanten für 1,1 Mil-
schirmen) ein Highlight bereit. terkreuz, das Eichenlaub zum Ritter- lionen Euro verkauft wurden, ist dem

68
„Bewährtes Heldentum“:
Verleihung der 71. „Schwerter
zum Eichenlaub des Ritter-
kreuzes“ per „Führer“telegramm
(22. Juni 1944)

Das Ritterkreuz erhielt


Wittmann am 13. Januar 1944,
nachdem er in Russland
76 Panzer abgeschossen hatte

Publikum noch gegenwärtig. Ein sol- te Zuschlagpreise zu erzielen“, be- von Adelbert Schulz für 1,1 Millionen Kaum getragen:
ches Auktionsergebnis ist für den schreibt Unternehmer Andreas Thies Euro blieben übrigens im deutsch- Anfang Juli 1944
deutschen Kunst- und Antiquitäten- sein Erfolgsrezept. sprachigen Raum und werden jetzt in hatte ihm Hitler
markt sehr selten und für den Milita- einer privaten Sammlung verwahrt. persönlich die
ria-Bereich, soweit man zurückden- Zunehmend Käufer aus Asien Internationalität ist für den Han- „Schwerter zum
ken kann, absolut einmalig. Und das kam auch bei der 65. Auktion del mit Orden und Ehrenzeichen und Eichenlaub“ über-
wieder zum Tragen. Denn während Militaria unerlässlich. „Viele Interes- reicht. Nur einen
Harte Überzeugungsarbeit ein originales Ritterkreuz des Eiser- senten für deutsche Relikte der Zeit- Monat später, am
Ein dreiviertel Jahr später war nicht nen Kreuzes heute etwa einen Preis geschichte kommen heute aus Süd- 8. August 1944,
nur das Wittmann-Konvolut mit um die 13.000 Euro erzielt, wechselte ostasien, aus Korea oder China“, ver- iel Wittmann an
nachgewiesener Provenienz aus dem das Ritterkreuz von Michael Witt- rät Andreas Thies. Sicherlich mit ein der Invasionsfront
Nachlass seiner Witwe von Interesse, mann für 90.000 Euro den Besitzer! Grund, warum er seine nächste Auk-
sondern auch ein Schnellboot-Kriegs- Warum zahlen Interessenten so viel tion am 30. März 2019 in einer Schwei-
abzeichen mit Brillanten vom Eichen-
laubträger Klaus Feldt oder ein ein- Ein Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes bringt
zigartiges, goldenes „Panzertruppen-
abzeichen der Legion Condor“, das 13.000 Euro – oder auch bedeutend mehr.
einst dem Befehlshaber der Panzer-
verbände „Drohne“, Oberst Wilhelm Geld? In diesem Fall „sicherlich nur, zer Zollfreizone abhält. Zur Versteige-
Ritter von Thoma, gehört hatte. weil die Provenienz unwiderspro- rung kommen dann Gegenstände
DER AUTOR
„Die Angebote werden mir nicht chen ist und das Legendäre der militä- aus dem Besitz von Adolf Hitler und
Volker A. Behr
ins Haus getragen, sondern sind das rischen Persönlichkeit des Trägers Eva Braun. Das dunkelste Kapitel
hat unter ande-
Ergebnis harter Überzeugungsarbeit für den Ersteigerer eine wertvolle Rol- deutscher Geschichte ist aber nicht rem zahlreiche
und von über 30 Jahren Kenntnis des le gespielt hat“, so Thies. „Der Witt- der Schwerpunkt des Auktionshau- Nachschlage-
Abb.: MIREHO-Thies (5)

Sammlermarktes. Hilfreich ist zudem mann-Nachlass, mit den drei Aus- ses Thies – den bildet vielmehr die werke zu den
ein Kontaktnetzwerk zum privaten zeichnungen in ihren Etuis und den vielfältige, faszinierende und bunte Auszeichnungen
Angebot. Die gesicherte Herkunft so- begleitenden Dokumenten, ist dies- Welt der europäischen Orden und Eh- der Wehrmacht
wie eine differenzierte Beschreibung mal mit dem Nachverkauf für 265.000 renzeichen des 19. und 20. Jahrhun- veröfentlicht.
und die professionelle Präsentation Euro in eine ausländische Sammlung derts. Mehr Informationen gibt es im
sind das A und O, um bemerkenswer- gewandert.“ Die Großen Urkunden Internet unter www.andreas-thies.de.

Militär & Geschichte 69


SPEZIAL

DIE SCHWEIZ IM ZWEITEN WELTKRIEG

Ungeliebt,
aber nützlich
Während die übrigen Nachbarn des Deutschen Reiches
von der Wehrmacht besetzt wurden, blieb die Schweiz
aus verschiedenen Gründen verschont. Dennoch hielt sie
sich ständig für den Ernstfall bereit
Grenzpatrouille im
Hochgebirge: Mit dem
Beginn des Zweiten
Weltkriegs waren auch
Territorium und Neutra-
lität der Schweiz in latenter
Gefahr (Foto von 1939)

70
ie Schweizer Armee war in satz älterer Geschütze wie beispiels- später wählte die Bundesversamm-

D der Zwischenkriegszeit kaum


modernisiert worden. Da sich
die Weltwirtschaftskrise erst verspä-
weise der 12-Zentimeter-Kanone von
1882 erreicht. Das Schweizer Heer von
1939 war folglich primär ein Infante-
lung den 64-jährigen Kommandan-
ten des I. Armeekorps Henri Guisan
zum Oberbefehlshaber („General“)
tet auf die Alpenrepublik auswirkte, rieheer. Hierbei war es bis auf fehlen- der Armee. Nach der Generalmobil-
reagierte der Politikbetrieb erst mit de Maschinenpistolen gut ausgerüs- machung konzentrierten sich die
der Wehranleihe von 1936 auf die sich tet und vor allem zahlenmäßig relativ Truppen an der Nord- und Westgren-
verschärfende internationale Lage.
Man bemühte sich um moderne Waf- Als die Schweiz moderne Waffen kaufen
fen, traf dabei aber auf einen bereits
stark ausgelasteten Rüstungsmarkt, wollte, war der Markt schon leergefegt.
Abb.: p-a/akg-images, Knorr+Hirth/SZ-Photo, MIREHO

sodass die Armee ihre Lücken nicht


zu schließen vermochte. Bei Kriegs- stark. Die Schweiz mobilisierte bei vier ze, um sowohl französische als auch
ausbruch besaß sie gerade einmal Millionen Einwohnern 430.000 Solda- deutsche Angriffe abwehren zu kön-
zwölf leichte Panzer tschechischer ten (sowie 200.000 Hilfsdienstpflich- nen. Doch schon im Winter 1939 ging
Herkunft, und bei der Luftwaffe stan- tige), das war prozentual weit mehr, man nur noch von einem deutschen
den außer 40 Bf-109-Jägern, die sie als etwa Belgien oder die Niederlan- Angriff aus, weshalb die Armee die
1938/39 erworben hatte, nur veraltete de aufboten. vor dem Krieg erkundete (und noch
Muster in den Hangars. Die Panzer- nicht voll ausgebaute) Aare-Limmat-
und Fliegerabwehr bestand aus rela- Mobilmachung Stellung bezog. Zuvor hatte man sich
tiv guten Waffen, aber ebenfalls in Aufgrund der deutschen Drohungen insgeheim mit dem französischen
völlig unzureichender Zahl. gegen Polen begann die Schweiz am Generalstab abgesprochen
Nicht ganz so dramatisch sah es 28. August 1939 ihre Armee zu mobili- und für den Fall eines
bei der Artillerie aus, allerdings wurde sieren; das betraf zunächst die 80.000 deutschen Angriffs
hier die nötige Menge nur durch Ein- Mann der Grenztruppen. Zwei Tage den Einmarsch fran-

Im November 1942 besetzten deutsche und italienische Truppen die


Südzone Frankreichs, die Lage für die Schweiz schien sich zu verschärfen

71
SPEZIAL

Auf Tuchfühlung: Scheinbar entspannt posieren Hindernisbau: Die Aare-Limmat-Stellung im Nordosten der
Soldaten 1940 an der Grenze zum Kanton Jura Republik musste man im Herbst 1939 erst noch ausbauen

zösischer Unterstützungstruppen ver- verloren gingen. Nach einer geschei- neralstabschef des Heeres, Franz
einbart. Da dies keinem Automatis- terten deutschen Sabotageaktion auf Halder, fertigte selbst eine Angriffs-
mus unterlag und dem französischen mehrere Flugplätze und einem diplo- skizze an. Mit zunehmender Dauer
Abb.: Rue des Archives/SZ-Photo, p-a/akg-images, p-a/Keystone, MIREHO-Kaiser

Eingreifen ein deutscher Angriff vo- matischen Intermezzo verbot Guisan wuchsen die Planungen sich zu ei-
rangehen musste, war die Schweizer am 20. Juni 1940 den Schweizer Pilo- nem eigenen Feldzug mit bis zu 21 Di-
Neutralität durch diese Gespräche ten, weitere Luftkämpfe zu führen. visionen und italienischer Beteili-
nicht verletzt worden. Neben diesen Scharmützeln sorg- gung aus. Hitler war allerdings im
te auch die deutsche Angst vor einem Herbst 1940 mit Großbritannien be-
Kritische Tage 1940 Fortgang des Krieges gegen Frank- schäftigt und richtete dann sein Au-
Guisan ließ die ab November 1939 teil-
weise demobilisierte Armee mit Be- 1939: Deutschland und Frankreich – von
ginn des deutschen Westfeldzuges
erneut mobilmachen. Militärführung beiden schien zunächst Gefahr zu drohen.
und Behörden rechneten stündlich
mit einem deutschen Vorstoß, und reich dafür, dass sich das Oberkom- genmerk auf die Sowjetunion, was
Teile der Zivilbevölkerung flüchteten mando der Heeres nun damit befass- der Schweiz zugute kam.
ins Landesinnere. Im Juni 1940 kam es te, wie man die Schweiz als Durch- Die französische Niederlage 1940
dann zum einzigen Kampfeinsatz der marschraum gewinnen könne. Der schockierte die Eidgenossen. Stim-
Schweizer Armee, genauer ihrer Luft- erste, unter großem Zeitdruck erarbei- men nach Anpassung oder sogar An-
waffe. An insgesamt sechs Kampf- tete Plan sah eine schnelle Anschluss- schluss ans Reich wurden laut wie et-
tagen schossen Schweizer Jäger elf in operation an den Westfeldzug vor. wa die „Eingabe der 200“ (siehe Kas-
den Schweizer Luftraum eingedrun- Diese Ideen wurden später von der
gene Maschinen der deutschen Luft- Heeresgruppe C weitergeführt (Ope-
waffe ab, wobei drei eigene Flugzeuge ration „Tannenbaum“), und der Ge-

HINTERGRUND
Oberbefehlshaber:
Juden als Flüchtlinge Henri Guisan wurde Ende
August 1939 zum General
Als Transitland duldete die Schweiz Emigranten nur
der Schweizer Armee
vorübergehend und bei Kriegsausbruch wurde eine
Visumsplicht eingeführt. Ausgenommen waren poli- ernannt – ein Dienstgrad,
tische Flüchtlinge, wobei die Behörden Juden nicht der noch heute nur
als solche anerkannten. Diese waren durch den aufgrund für den Kriegszustand
deutsch-schweizerischer Verhandlungen eingeführten vorgesehen ist
„Judenstempel“ im Pass gekennzeichnet. Als im Sommer
1942 die Repressionen gegen Juden im besetzten
Frankreich zunahmen, kam die Grenzschließung („Das
Boot ist voll“). Der Zickzackkurs der Behörden führte
aber just in jenen Monaten zur höchsten Zahl an einge-
reisten Juden, bis im November neue Weisungen und
die Besetzung Vichy-Frankreichs diesen Fluchtkorridor
schlossen. Erst nach dem Bekanntwerden der Massaker
in Ungarn 1944 wurden Juden als politische Flüchtlinge
anerkannt. Ab September 1939 nahm die Schweiz
51.000 Zivilpersonen auf, davon zirka 21.000 Juden. Eine
ähnliche hohe Zahl wurde an der Grenze abgewiesen.

72
Kurz nach Kriegsbeginn wurde das gesamte Feldheer mobilisiert. In den Ortswehren fasste man ab
1940 zudem Männer zusammen, die bis dahin aus Altersgründen nicht der Wehrplicht unterlagen

Schwere Packung mit allem, was der Schweizer Armee-


angehörige 1940 für seinen Aktivdienst mitzubringen
hatte. Die Kampfausrüstung mitsamt Wafe und Munition
bewahrte er zu Hause auf

Abb.: p-a/Keystone, SZ-Photo/SZ-Photo, Bildarchiv ETH


Offiziere beim Schießtraining: Dass bis zum Kriegsende
kein Schweizer Infanterist in einem echten Kampfeinsatz
stehen würde, war anfangs keineswegs ausgemacht

Militär & Geschichte 73


SPEZIAL

Im Schritttempo: Gegenüber der Wehrmacht war das wenig Dringend benötigt: Mangels kaubarer Jagdlugzeuge wurden in den
motorisierte Schweizer Heer erheblich im Nachteil Flugzeugwerken Emmen französische M.S.-406-Jäger in Lizenz gebaut

ten Seite 76). Andererseits formierte mit wenigen Heeresteilen einen Ver- Truppenkommandanten auf der Rüt-
sich der Offiziersbund, dessen Ange- zögerungskampf im Mittelland füh- li-Wiese, wo dem Schweizer Grün-
hörige sich einigten, den Widerstand ren, mit der Masse aber ins schwer dungsmythos nach 1291 der Rütli-
gegen Invasoren auch dann fortzuset- zugängliche Gebirge ziehen und dort Schwur stattgefunden hatte. Als die
zen, wenn Bundesrat oder Armeefüh- einen möglichst ausgedehnten Ab- Verteidigungsanlagen in den Alpen
rung kapitulieren sollten. wehrkampf führen. Dafür baute man („Réduit“) 1941 stärker ausgebaut wa-
General Guisan hatte unterdessen zahlreiche Hindernisse, Bunker und Die 20-Millimeter- ren, zog sich schließlich die gesamte
aus der neuen Lage seine Konsequen- Vorratslager. Propagandistisch wirk- Flak produzierte Armee außer den Grenzbrigaden
zen gezogen. Die Armee sollte mit den sam verkündete Oberbefehlshaber Oerlikon-Bührle dorthin zurück.
Grenzbrigaden die Grenze sichern, Guisan seinen Kampfplan vor allen sowohl für die
Schweizer Armee Nützlicher Handelspartner
als auch für die Hitler hatte sich mehrfach negativ
Wehrmacht über die Schweizer ausgelassen, die
für ihn ein „missratener Zweig unse-
res Volkes“ waren. Dennoch ließ er
die Wehrmacht nicht einmarschie-
ren, und zwar hauptsächlich mit
Rücksicht auf die deutsche Kriegs-
wirtschaft. Einerseits konnte das
Reich über ökonomischen Druck die
stark von Importen (Rohstoffe, Ener-
gieträger, Nahrungsmittel) abhängi-
ge Schweiz kontrollieren. Auf der an-
deren Seite waren die Verkehrsadern,
die sich durch die Alpen zogen, für
den deutsch-italienischen Güteraus-
tausch schwer ersetzbar. Hierin lag in
der Frühphase denn auch der stärks-
te Trumpf der Réduit-Strategie: Die
Wehrmacht hätte die Verteidigungs-
stellungen in den Alpen niemals
schnell genug niederringen können,
um eine Zerstörung der Transit-
strecken verhindern zu können.
Rasch wurde auch der willfährige
schweizerische Finanzdienstleis-
tungssektor wichtig für die Deut-
schen: Mit seiner Hilfe konnte man
Kriegsbeute und von Juden geraubte
Vermögenswerte in Devisen umset-
zen, die für den deutschen Außen-
handel benötigt wurden. Und schließ-
lich wuchs auch die Bedeutung der
schweizerischen Industrie, als die
alliierte Bomberoffensive gegen
Deutschland einsetzte. Sie lieferte vor
allem Nischenprodukte wie Zünder,

74
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Kaum bekannt: Die Schweiz internierte auch eine große Zahl deutscher Soldaten.

GeraMond Verlag GmbH, Infanteriestraße 11a, 80797 München


Viele von ihnen waren Deserteure, die dem Krieg zu entkommen suchten

optisches Gerät und Werkzeugma- Leitung des Offiziers Hans Hausa-


schinen, aber auch die geschätzten mann, das zwar privat organisiert
Flugabwehrgeschütze von Oerlikon- war, aber unter der Ägide des militäri-
Bührle an das Deutsche Reich. schen Nachrichtendienstes arbeitete.
Wie in der Flüchtlingspolitik (siehe Hier bestanden enge Kontakte zu den
Kasten Seite 72) musste die politische Schweizer Gruppen der Roten Kapelle
Führung der Alpenrepublik auch in und damit zum sowjetischen Militär-
der Wirtschaftspolitik immer wieder geheimdienst.
neu abwägen, welche Spielräume sie Die bedeutsamste Aktion war aller-
gegenüber dem Reich besaß. Auch dings die vorgezogene Kapitulation
Jetzt downloaden!
wenn es die Kriegslage ab Ende 1942 der deutschen Streitkräfte in Nord-
ermöglichte, gewisse Zugeständnisse italien am 2. Mai 1945, die in Privat-
bei den vom Deutschen Reich aufge- initiative durch den Schweizer Major

Da ist viel für Sie drin:


Hitler verachtete die Schweizer, aber im
Krieg mochte er nicht auf sie verzichten. eine komplette Ausgabe
Militär & Geschichte kostenlos
Abb.: MIREHO, Knorr+Hith/SZ-Photo, Bildarchiv ETH, Rue des Archives/Tallandier/SZ-Photo

bürdeten Zwangskrediten oder dem Max Waibel und den Pädagogen Max 10 Seiten jeder Ausgabe
für die Neutralität bedeutsamen Han- Husmann zwischen dem Höheren ab 1/17 gratis
del mit den Alliierten zu erreichen, so SS- und Polizeiführer Italien, Karl
blieb die Gefahrenlage doch erheblich. Wolff, und dem Leiter des US-Geheim- alle Ausgaben ab 1/17 zum
Deutsche Aktionen wie jene gegen dienstes OSS in Mitteleuropa, Allen günstigen eMag-Vorzugspreis
Ungarn 1944 zeigten, dass vom „gro- Dulles, vermittelt worden war.
ßen Nachbarn“ immer noch eine er- nur hier, nur digital: im Handel
hebliche Bedrohung ausging; zudem Deutsche in der Schweiz vergriffene Ausgaben von
wuchs die Unberechenbarkeit Hitlers. Während des gesamten Krieges wur- Militär & Geschichte Extra
Die Nervosität wurde beim März- den 103.000 Militärpersonen in der
interessante und praktische
alarm 1943 deutlich, als der schwei- Schweiz interniert. Den Löwenanteil
zerische Nachrichtendienst fälsch- bildeten die 43.000 französischen,
Funktionen: immer und
licherweise vor einem Angriff der nordafrikanischen und polnischen überall, online oder offline
Wehrmacht warnte. Soldaten, die im Juni 1940 in die lesen, Lesezeichen setzen,
Schweiz abgedrängt worden waren. im Archiv suchen
Spione und Agenten Deutsche gerieten dagegen in den
Neben dem Wert als Handelsplatz frühen Kriegsjahren kaum in Gefan-
war die Schweiz ein Tummelplatz für genschaft; zumeist traf es Deserteure
Agenten vieler Nationen. So gab etwa und Piloten. Letztere wurden aber
der französische Spion Michel Hollard nicht zwingend festgehalten, wie
seine Informationen zu den V1-Start- der Fall jener Besatzung einer Focke-
rampen über die Schweiz nach Lon- Wulf 58 zeigte, die sich am 10. August
don weiter. Eine besondere Bedeu- 1941 auf den Flughafen Biel-Bözingen
tung besaß das „Büro Ha“ unter der verirrt hatte. Die Schweizer Behörden

Militär & Geschichte


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SPEZIAL

HINTERGRUND
Schweizer Nationalisten
Mit „Frontenbewegung“ bezeichnet die Fronten, die die Schweiz als Satellit „Groß-
Geschichtsforschung eine sehr heterogene deutschlands“ sahen. Auf politischer Ebene
Gruppe von politischen Organisationen in blieben die Fronten aufgrund ihrer inneren
der Schweiz, deren Gemeinsamkeit in ihren Zersplitterung nahezu irrelevant.
Kollateralschäden: Mehrmals ielen alliierte nationalistischen Programmen lag, die Nach dem deutschen Sieg über Frankreich
Bomben versehentlich auf die Schweiz (oben in antikommunistische, antisemitische, stän- lebten die Fronten im Sommer 1940 noch-
Zürich), wobei einige Maschinen notlanden mussten. destaatliche und antiliberale Elemente ent- mals auf. Höhepunkt dieser Renaissance
Rechts ist ein US-Bomber zu Bruch gegangen hielten. Diese Organisationen entstanden war die „Eingabe der 200“, die zwar die
aufgrund der Weltwirtschaftskrise, einer Neutralität beibehalten wollte, jedoch auch
zunehmenden Bipolarität des schweizeri- ein Entgegenkommen an deutsche Wünsche
schen Politikbetriebs sowie dem Aufstieg forderte, vor allem im Pressewesen.
des Faschismus. Unterschieden wird zwi- Bis zum Sommer 1943 lösten sich alle fron-
schen gemäßigteren Fronten, die eine un- tistischen Organisationen auf, teilweise
abhängige Schweiz wollten, und extremeren auch infolge von Verboten.
Der schwerste Luftangriff traf
am 1. April 1944 den Grenzort
Schahausen, 40 Einwohner
kamen dabei ums Leben

76
Relikte des
parats wie beispielsweise Walter Furg- Schweizer Réduits
ler, der für eine US-Firma in den Nie- sind noch heute
derlanden gearbeitet hatte, sich nach quer durch die
der deutschen Besetzung dem Wi- Alpen zu finden.
derstand anschloss und schließlich Nicht nur beim
1944 von der Gestapo in Paris verhaf- Tarnen von
tet wurde. Er wurde nach Dachau ge- Geschütztürmen
Pakete vom Roten Kreuz: Die Organisation unterstützte während des Krieges bracht, kam aber zusammen mit war das Militär
bedürftige Einheimische, unterhielt aber auch Hilfsprogramme in fast ganz Europa zwölf anderen Schweizer KZ-Insas- kreativ; im Bild ein
sen durch politische Verhandlungen 10,5-Zentimeter-
betrachteten das unbewaffnete Flug- terniert. Angehörige der SS sowie teil- wieder frei. Panzerturm der
zeug lediglich als Schulungsmaschi- weise auch der kollaborierenden Wlas- Festung San Carlo
ne, und so durfte es am nächsten Tag sow-Armee wiesen die Behörden da- Kriegsende am Gotthardpass
zurückfliegen. gegen zurück. Die alliierte Bomberoffensive führte
Drei Jahre später hatte sich die Si- Um in der Waffen-SS zu dienen, auf deutsches Drängen dazu, dass die
tuation erheblich geändert: Mit dem nahmen umgekehrt rund 900 Schwei- Schweizer Luftwaffe wieder aktiv
Rückzug der deutschen Truppen im zer den Weg ins Deutsche Reich. An- wurde und abgedrängte und beschä-
Westen traten immer wieder deut- tikommunismus und Nähe zur NS- digte Bomber zur Landung zwang.
sche Soldaten und Teileinheiten auf- Ideologie waren ebenso Beweggründe Allerdings konnten die Schweizer
Kampfflieger nicht verhindern, dass
Durch alliierte Bombenangriffe verloren mehrfach Bomben auf Schweizer
Territorium fielen. Dabei ragt jener
bis 1945 Dutzende Schweizer ihr Leben. Angriff vom 1. April 1944 heraus, als
47 amerikanische B-24-Bomber ihre
grund der Kampflage, allerdings auch, wie Abenteuerlust und Perspektiv- Last versehentlich über dem grenz-
um dem immer sinnloser werdenden losigkeit. Auch 1.200 Auslandsschwei- nahen Schaffhausen abwarfen, wo-
Krieg zu entkommen, über die Schwei- zer dienten im deutschen Militär. Aus- bei 40 Schweizer starben.
zer Grenze. Bis zum Ende des Krieges landsschweizer gerieten aber auch Nachdem alliierte Truppen im Sep-
wurden 7.200 deutsche Soldaten in- in die Hände des deutschen Terrorap- tember 1944 die Schweizer Grenze
erreicht hatten, änderte sich die Lage
Verteidigung: Von der 1939 bezogenen des Landes nochmals grundlegend.
Limmatstellung ging es bis 1941 ins Landes- Einerseits war der deutsche Würge-
innere. Aus den dortigen Reduit-Stellungen griff aufgebrochen, andererseits be-
Abb.: p-a/Keystone (2), Bildarchiv ETH (2), Paebi (CC BY-SA 3.0)

kehrten aber Ende 1944 stand nun die Gefahr, dass Kampf-
große Truppen- handlungen auf Schweizer Boden
kontingente an übergreifen könnten. Erneut wurden
die Grenze zu größere Truppenkontingente mobili- Dr. Adrian Wettstein
Deutschland siert und die Armee verließ das Réduit ist Wissenschaftlicher
Mitarbeiter an der
zurück Richtung Grenze.
Militärakademie an
Als die deutsche Wehrmacht am der ETH Zürich und
8. Mai 1945 kapitulierte, war die unterrichtet dort
Schweizer Bevölkerung erleichtert, auch Schweizerische
von diesem Weltenbrand weitgehend Militärgeschichte.
verschont geblieben zu sein. Jedoch
begann schon bald, allerdings auf
Druck von außen, die Debatte, ob sich
die Schweiz dabei auch moralisch
korrekt verhalten hatte – eine Debatte,
die bis heute anhält.

Militär & Geschichte 77


EXTRA-TIPP der Redaktion
Hans Joachim Koerver
Deutscher Ubootkrieg 1914–1918
In diesem Buch wird zunächst die damals neue
Waffengattung der deutschen U-Boote beschrieben,
SERVICE

gefolgt vom Handelskrieg ab 1915, dem uneinge-


schränkten U-Boot-Krieg ab 1917 und dem Verbleib
MAGAZIN der deutschen Boote nach dem Kriegsende. Um den
Leser quasi mit an Bord zu nehmen, zitiert der Autor
ausführlich aus den Berichten von 20 Zeitzeugen,
die selbst auf U-Booten gefahren sind, vom Marine-
maler Claus Bergen bis zu diversen U-Boot-
Kommandanten. Kurzweilig und informativ!
517 Seiten, Edition Riviere, 2018, 68,50 Euro

Jens Müller-Bauseneik
NEUE BÜCHER Stellv. Chefredakteur

Till Kiener
Die Neckar-Enz-Stellung
Die in den 1930er-Jahren gebaute
Neckar-Enz-Stellung mit ihren
450 Bauwerken sollte einen Angriff
auf Südwestdeutschland erschweren.
Ihre Technik erklärt der Autor unter
anderem mit professionellen, selbst
gefertigten Konstruktionszeichnun-
gen, im zweiten Teil beschreibt er die
dortigen Kämpfe von 1945. Fazit:
ein überzeugendes Beispiel lokal-
geschichtlicher Militärforschung.
145 Seiten, Explorate-Verlag, 24,99 Euro
Abb.: Morisel Verlag (4)

Damals und heute:


Reste vom Kavalier Klaus Schmid (Hrsg.)
Hartenberg, Fußartille-
rie mit 15-Zentimeter- Schnellfeuer
Ringkanone, Fort Heinrich Sevin war ein österreichisch-
Biehler, Straßenschild ungarischer Soldat, der in einer MG-
Abteilung des ungarischen Infanterie-
Regiments No. 83 zwischen 1914 und
1916 an der Ostfront kämpfte. Was er
von der anfänglichen Ausbildung in
Festungsstadt Mainz Wien bis zu seiner Gefangennahme
im August 1916 erlebte, hat er
Während die meisten deutschen Städte erst im Mittel- skizzenhaft in seinem Tagebuch
alter eine Stadtmauer erhielten (und diese bald nach festgehalten, das den Kriegsalltag in
1800 auch wieder verloren), blickt Mainz auf eine fast all seinen Facetten nachfühlen lässt.
2.000-jährige Geschichte als Festungsstadt zurück. Am 240 Seiten, Morisel, 2018, 18 Euro
Anfang stand ein römisches Legionslager, die spätere Me-
tropole war dann von einer Mauer, gewaltigen Bastionen, Peter Joachim Lapp
Gräben und Forts umgeben. Bürger und Mainzer Kurfürs-
ten haben die Festung immer weiter ausgebaut. Napole- GST – Schule der Soldaten
on, der in ihr sogar ein „zweites Paris“ sah, schätzte ihren Die DDR-Massenorganisation
Wert als Waffenplatz des französischen Kaiserreichs. „Gesellschaft für Sport und Technik“
Umso erstaunlicher ist, dass die Festung in der heutigen war für die vormilitärische Ausbil-
Rudolf Büllesbach Erinnerungskultur fast keine Rolle mehr spielt. Ihre Res- dung der Jugendlichen zuständig.
und André Brauch: te liegen tief vergraben unter der Erde, nur wenige Wehr- Die vorliegende Studie konzentriert
Festungsstadt bauten und eine Reihe von Straßennamen künden noch sich auf die 1970er- und 1980er-Jahre,
Mainz – von den von der einstigen Pracht. Dieses opulent illustrierte Buch beleuchtet interne Strukturen und
Römern bis heute. erweckt die Festungsstadt Mainz zu neuem Leben. Dut- Abläufe sowie den Einfluss der NVA
268 Seiten, Morisel, zende Rekonstruktionszeichnungen führen Aussehen und zeigt, dass die Motivation bei
2018, 38 Euro und Funktion der Anlagen vor Augen, moderne Luftbil- Ausbildern und Jugendlichen in den
der, in die man den Verlauf der Wälle eingeblendet hat, späten Jahren spürbar nachließ.
stellen den Bezug zum heutigen Stadtbild her. JMB 168 Seiten, Helios, 2018, 22 Euro

78
Nach dem Fall von Tsingtau gerieten Tausende Deutsche in
japanische Haft. Wer kann helfen, ihr Schicksal aufzuklären?
Gasentzündung: „L 2“ wurde am 17. Oktober 1913 als zweites Luft-
schif an die Marine übergeben – und verunglückte am selben Tag AUFRUF

DAS MILITÄRHISTORISCHE STICHWORT


Material gesucht
Der deutsch-japanische Historiker Dr. Takuma Melber

Marine-Luftschiff (Universität Heidelberg) hat ein Forschungsprojekt zum


Thema „Deutsche Kriegsgefangene in Japan“ gestartet.
Er untersucht den Werdegang deutscher Soldaten,
Zu Beginn des Ersten Weltkriegs hatten die Armeen fast aller die nach dem Fall des Stützpunktes Tsingtau 1914 in
führenden Nationen schon die neuartigen Luftschife in ihren Japan interniert waren. In diesem Zusammenhang
Arsenalen. Deutschland gebot anfangs über elf Zeppeline, bittet er unsere Leser um Mithilfe: Falls Sie im Besitz
die als Bombenträger im strategischen Luftkrieg dienten, vor von Hinterlassenschaften ehemaliger Gefangener
allem gegen England. Bald wurden sie aber auch zu Auklärungs- in Japan sind, melden Sie sich bitte per E-Mail unter
zwecken eingesetzt, insbesondere als Seeauklärer und dann takuma.melber@asia-europe.uni-heidelberg.de
auch als U-Boot-Jäger. Dabei bewährte sich, was man schon oder postalisch bei Dr. Takuma Melber,
vor dem Krieg in die Wege geleitet hatte: dass die Marine ihre Heidelberg Centre for Transcultural Studies,
eigenen Luftschife unterhielt – die Keimzelle der heutigen Universität Heidelberg, Voßstraße 2, 69115 Heidelberg.
Abb.: Sammlung M&G (2), Deutsches Panzermuseum Munster

Marinelieger. Dass Deutschland Zeppeline auch über Land


beim Heer einsetzte, war sogar die Ausnahme, in den anderen
Nationen hatte man sie bei Kriegsausbruch sämtlich der
Marine zugeteilt. Das erscheint natürlich gerade bei einem
MUSEUM AKTUELL
Inselstaat wie England sinnvoll, wo es lange Küsten und lebens-
wichtige Konvois zu schützen galt. Klein, aber oho
Insgesamt verfügte die Kaiserliche Marine über 75 Exemplare, Eine bei Alt und Jung beliebte Veranstaltungsreihe des
die über See rund 1.200 Auklärungslüge absolvierten. Dazu Deutschen Panzermuseums Munster wird auch in diesem
kamen 352 Angrifslüge auf Großbritannien (die parallel zu Jahr fortgesetzt: Am 24. März und am 27. April lassen die
denen der Heeresluftschifer durchgeführt wurden). Nachdem Mitglieder der Reservisten-AG Militärmodellbau ihre
am 5. August 1918 der „Führer der Luftschife“ Fregattenkapitän ferngesteuerten Panzer durchs eigens angelegte Miniatur-
Peter Strasser beim Abschuss von LZ 112 den Tod gefunden gelände preschen. Die Modelle zeigen sich dabei genauso
hatte, setzte man die Marine-Luftschife nur noch zur Fernauf- wendig wie ihre großen Vorbilder, besonders ausgetüftelte
klärung für die Hochseelotte und zur Minensuche ein. JMB Exemplare können sogar mit Getöse ihre Kanone abfeuern.
In der zweiten Jahreshälfte gibt es dann weitere Termine.

Deutsches Panzermuseum Munster


Hans-Krüger-Straße 33, 29633 Munster (Örtze)
Korrekturen zu Ausgabe 2/2019 www.daspanzermuseum.de
Auf Seite 11 haben wir den abgebildeten Ladungswerfer PIAT
fälschlich als Raketenwerfer bezeichnet. Tatsächlich wurden dessen Beim Aktionstag
Geschosse aber mithilfe einer starken Feder abgefeuert. Militärmodellbau
Seite 51 oben: Die AOL hat nicht Erich „Honegger“ aufgelöst, gemeint dürfen kleine und
war natürlich Erich Honecker. große Modelle vom
„Tiger“ natürlich
Einen herzlichen Dank an alle Leser, die uns auf diese Fehler nicht fehlen
aufmerksam gemacht haben.

Militär & Geschichte 79


EINST & JETZT

Alles so modern: Von den einstigen Bauwerken hat neben


dem (heute roten) Haus, in dem der Spirituosenladen
von James Ryan untergebracht war, nur noch die Loopline
Bridge, eine Eisenbahnbrücke (links oben), überlebt

DUBLIN, IRLAND

Nervosität auf
den Straßen
Der Osteraufstand von 1916 endete
für die Iren in einer bitteren Nieder-
lage – und legte doch den Grundstein
für die spätere Unabhängigkeit
Dublin, Ende April 1916. Vom Georges Quay
kommend, der am Südufer des Lifey-Flusses
entlangführt, betreten drei Frauen die Butt
Bridge, eine Schwingbrücke, über die sie das
Stadtzentrum erreichen werden. Sie schleppen
Leinenbeutel, in die sie ein paar Habseligkeiten
gestopft haben. Vielleicht sind ihre Wohnun-
gen in den schweren Straßenkämpfen verwüs-
tet worden, die zwischen dem 24. und 29 . April
Dublin erschütterten. Sechs Tage lang hatten
militante Republikaner die Stadt in Atem gehal-
ten, Straßensperren errichtet, amtliche Gebäu-
de besetzt und britische Soldaten angegrifen.
Wie nicht anders zu erwarten, hatte die Armee
entsprechend reagiert – und den sogenannten
Osteraufstand niedergeschlagen. Doch zur
Zeit unserer Aufnahme scheint die Lage noch
unsicher zu sein, ein Soldat begleitet die Frau-
en durch die Straßen. Von hier bis zum Epizen-
Abb.: Scherl/SZ-Photo, JMB

trum der Kämpfe, dem Hauptpostamt in der


Sackville Street (heute O’Connell Street) sind
es Luftlinie nur 900 Meter. Was in diesem Mo-
ment niemand ahnt: Nur sechs Jahre später
wird Irland als Freistaat seine Unabhängigkeit
von Großbritannien erlangt haben. JMB

80
Militär & Geschichte 81
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IMPRESSUM
1944: Der Kessel von Falaise Nr. 104 | 03/2019 | April–Mai 2019 | 17. Jahrgang
Militär & Geschichte, Tel. +49 89 130699-720
Im August 1944 lieferten sich die Alliierten mit den südlich von Caen stehenden Wehr- Infanteriestraße 11a, 80797 München
machtverbänden eine Schlacht, von der sich die Westfront nicht mehr erholen sollte Herausgeber Dr. Guntram Schulze-Wegener
Redaktion Markus Wunderlich (Chefredakteur Luftfahrt,
Geschichte, Schiffahrt und Modellbau),
Jens Müller-Bauseneik M. A. (Stellv. Chefredakteur)
Wissenschaftlicher Beirat Prof. Dr. Jürgen Angelow,
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Produktion/Chef vom Dienst Christian Ullrich
Layout Ralf Puschmann
Schlussredaktion Helga Peterz
Kartograie Anneli Nau
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