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Buchbesprechungen/Book Reviews

LEONHARD SASSMANNSHAUSEN (Hg.), He Has Opened Nisaba’s House of Learning.


Studies in Honor of Åke Waldemar Sjöberg on the Occasion of his 89th Birthday on
August 1st 2013. In Collaboration with Georg Neumann. Cuneiform Monographs
46. Leiden / Boston: Brill Academic Publishers 2014. VIII + 319 S., ISBN 978–90–
04–26074–0, €125,00 / $162.00.

Bei dem zu besprechenden Buch handelt es sich um die zweite Festschrift zu Ehren des
kürzlich verstorbenen Prof. Åke Sjöberg.1
Der Band enthält 21 Beiträge von zahlreichen Assyriologen und Sumerologen sowie
eine Liste von Å. Sjöbergs Publikationen (S. IX–X).2 Indices der besprochenen Text-
stellen, Wörter, Personen, Ortsnamen, Götternamen und Begriffe runden das Buch ab.
Im Folgenden werden die einzelnen Aufsätze kurz besprochen.

B. Alster bearbeitet die zweisprachige Sprichwörtersammlung K 7674+111166+13568


(= BWL, 252 f.; pl. 64).3 Die Tafel ist stark beschädigt, so dass die Übersetzung an vielen
Stellen spekulativ bleibt.
Anmerkungen: S. 3 iii 6: lies _a2 ^-kuš2 -u3 -zu.
iii 19–24: Der Verf. übersetzt Z. iii 19–20 urruk napšati ritpuš s.urri ... u’alladka mit
„long life begets a feeling of satisfaction for you“. Dabei übernimmt er Lamberts Über-
setzung. Die Belege für s.urru šadlu/šumdulu im Sinne von „weites Verständnis, wei-
ter Intellekt“4 ermöglichen eine andere Übersetzung: „Die Verlängerung des Lebens
erzeugt dir eine Erweiterung des Verständnisses“.5 Demnach impliziert die Stelle kei-
nen Zustand der Zufriedenheit oder Fröhlichkeit, sondern die aus der Lebenserfahrung
stammende ,Altersweisheit‘. Der Text schließt mit der Aussage „Wohlstand erzeugt
Respekt“. Dieser Zusammenhang erinnert an Ludlul bēl nēmeqi, wobei er dort negativ
dargestellt wird: Der Verlust des Wohlstandes geht mit dem Verlust des gesellschaft-
lichen Respektes einher.
S. 5 zu iii 11: lies KA-ra ĝal2 -bi.
J. Bauer bespricht die Texte IAS 298 und IAS 328. Der Verf. kann überzeugend nach-
weisen, dass es sich dabei nicht um literarische bzw. lexikalische Texte, sondern um
Personennamenlisten handelt. IAS 328 ist ein Paralleltext zum altakkadischen Zylin-
der YOS 1 11.

1 Hier möchte ich mich bei P. Attinger, S. BorkowskiJ. Matuszak für ihre hilfreichen Anmer-
kungen bedanken.
2 Diese ergänzt das Schriftenverzeichnis in H. Behrens / D. Loding / M. T. Roth, DUMU-E2 -
DUB-BA-A. Studies in Honor of Åke Sjöberg, OPSNKF 11, Philadelphia 1989, 593–595.
3 CDLI Nr.: P373826.
4 Z. B. die Inschrift Šamšı̄-Adads V. RIMA A 0.1.103.1 i 22 s.ur-ru šum-du-lu ka-raš nik-la-a-ti
„mit weitem Verständnis (und) kunstvollem Sinn“ (gesagt von Ninurta), s. weiter CAD S. 260
s. v. s.urru b).
5 So auch CAD R 156 s. v. ritpušu. Der Verf. zitiert die Übersetzung von CAD (S. 8), ohne sie
jedoch zu übernehmen.
Die Welt des Orients, 46. Jahrgang, S. 107–??, ISSN (Printausgabe): 0043-2547, ISSN (online): 2196-9019
© 2016 Vandenhoeck & Ruprecht GmbH & Co. KG, Göttingen
108 Buchbesprechungen/Book Reviews

Anmerkungen:
S. 13 zu IAS 328 iv 13: Die Zeichenfolge GIŠ:PAP:NE:GA kann pa4 -bilgabil-ga um-
schrieben werden; s. A. R. George, The Babylonian Gilgamesh Epic. Introduction, Cri-
tical Edition and Cuneiform Texts, Oxford 2003, 70–74.6
S. 14 zu a-nu-ŠE3 : Für die Alternation zwischen den Graphemen ŠE3 , ŠE3 -tenû 90
(Fāra-Zeit), GAN2 (altsum. und altakk.) und KAR2 (Ur III) vgl. zuletzt C. Woods, The
Paleography and Values of the Sign KIB, in: M. T. Roth et alii (Hg.), Studies Presented
to Robert D. Biggs, June 4, 2004, Chicago 2007, 327 f; N. Veldhuis, Guardian of Tra-
dition: Early Dynastic Lexical Texts in Old Babylonian Copies, in: H. D. Baker et alii,
Your Praise is Sweet. A Memorial Volume for Jeremy Black from Students, Colleagues
and Friends, London 2010, 382.
S. 16 zu e2 -kur-anzud-mušen: Ebenso möglich ist die Umschrift e2 -kur-an anzudx
(MI)mušen , s. K. V. Zand, Zu den Schreibungen des Anzud-Vogels in der Fāra-Zeit, in:
D. Shehata et alii, Von Göttern und Menschen. Beiträge zu Literatur und Geschichte
des Alten Orients, CM 41, Leiden 2010, 424 f.
S. 18 zu den mit lugal gebildeten Personennamen s. jetzt J. Anderson, Kingship in
the Early Mesopotamian Onomasticon 2800–2200 BCE, Uppsala 2012, 322 (lugal-
E2 .NUN-si); 377 (lugal-nu-ki-saĝ; lugal-nu-silig).

A. Cavigneaux und F. Wiggermann untersuchen mit ihrem Beitrag die Zeichenkom-


bination SAL.%UB2 . Die vorgeschlagene Lesung ist lagarx . Das Lexem /lagar/ wird
allerdings mit unterschiedlichen Ideogrammen wiedergegeben: LAGAR (= lagar);
SAL.ME (= lukur, lagar2 /; SAL.%UB2 (= lagarx /; SAL.ME.%UB2 (= lagary /. Die Verf.
schlagen als Grundbedeutung „serviteur admis dans l’intimité de son seigneur“ vor.
M. Cohen bietet die Edition einer neuen Klage über den verstorbenen Dumuzi.
Anmerkungen:
S. 38 obv. i 7’–10’: Der Beginn der Zeilen ist nicht erhalten; lies vorsichtiger: [(x) x g]a- /
[(x) x] e2 / _x^ e2 / [x] _e2 ^._x^
ii 5’: lies a2 -šu-me-ri.
ii 11’: al-geg[ge]-ga.
S. 39 rev. ii 3’: Es gibt noch ein Zeichen zwischen ALIM und KUR; lies möglicherweise
alim-ŠE3 ? .
S. 40 obv. i 12: besser „jener Ochse“.
ii 3’–4’: vgl. CT 58 Nr. 42 (= S. N. Kramer, AnSt 30, 1980, 5–13): 23–24.
ii 5’–6’: In diesen Zeilen werden wohl Dumuzis Gliedmaßen erwähnt. Für a2 -šu-ĝiri3
in Bezug auf Dumuzi vgl. Dumuzi-Innana E, 8, wo Innana Dumuzis Gliedmaßen preist:
a2 -šu-ĝiri3 -ni lal3 (-e) ku7 -ku7 -dam(/-de3 / „seine Gliedmaßen sind honigsüß“. mu-
ge-na in Zeile 6’ ist folglich als Emesal-Form von ĝeš-ge-na „Gliedmaßen/Knochen“
zu verstehen; vgl. M. Krebernik, Die Beschwörungen aus Fara und Ebla, Hildesheim
1984, 215 („Knochen“)7 und M. J. Geller, Forerunners to Udug-%ul. Sumerian Exorci-

6 Vgl. auch J. Keetman, Der altsumerische Name /pa-g bilga-mes/ = gilgameš, BiOr. 71, 2014,
30–39.
7 Vgl. hierzu auch K. Lämmerhirt, Wahrheit und Trug. Untersuchung zur altorientalischen
Begriffsgeschichte, AOAT 348, Münster 2010, 102 mit Anm. 12.
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stic Incantations, FAOS 12, Wiesbaden 1985, 50:529 saĝ-ge17 ge17 ĝeš-ge-na […] „der
Kopfschmerz belastet die Gliedmaßen/Knochen […]“.8
ii 11’: al-geg[ge]-ga: möglicherweise „der/die/das verdunkelt ist“. Für die Übersetzung
mit „ruined“ geht der Verf. anscheinend von einer syllabischen Schreibung ge6 = ge4
(= akk. dâku; šabāt.u) aus. In dieser Bedeutung hat ge4 aber einen /r/-Auslaut.9
iii 4’ ĝeš Xa-lu-ub2 AK kommt in CT 58 Nr. 42 63–64 in Zusammenhang mit magischen
Handlungen der Hexen von Arali vor; vgl. P. Attinger, A propos de AK “faire” (II), ZA
95, 2005, 228 Nr. 5.174 „écorcer du bois X.“ oder „travailler du bois X.“.
S. 41 Rev. ii 6’: zu giri17 Xu-tu-ul-Xu-tu-ul s. M. Civil, Early Semitic Loanwords in
Sumerian, in: M. T. Roth et alii (Hg.), Studies Presented to Robert D. Biggs, June 4,
2004, Chicago 2007, 29 „to flare the noistrils“; M. M. Fritz, Und weinten um Tammuz:
Die Götter Dumuzi-ama’ušumgal’anna und Damu, AOAT 307, Münster 2003, 115 mit
Anm. 419 „mahlende Zähne“.

B. R. Foster diskutiert die wichtige Rolle von Diorit und Kalkstein in der Plastik anhand
der Aussagen des sumerischen Mythos Lugale.
Anmerkungen:
Für eine Diskussion der symbolischen Rolle der Steine, vor allem des Hämatits, anhand
ihrer Beschreibung in Lugale s. jetzt K. Simkó, Überlegungen zu den symbolischen Rol-
len der Steine in Mesopotamien, AoF 41, 2014, 112–123. Zu den Statuen als Mittel der
Verewigung des Namen des Königs s. K. Radner, Die Macht des Namens. Altorienta-
lische Strategien zur Selbsterhaltung, SANTAG 8, Wiesbaden 2005, 114–127.
S. 52 zu 472: Lies ma2 -ganki -ta.
S. 53 zu 467: Übersetze möglicherweise: „es ist so, dass du vor mir wie Rauch aufgestie-
gen bist“. Zu i ibbi2 -gen7 + du3 . vgl. Gud. Zyl. viii 11–12 // xiii 2710 šem eren ir-sim
diĝir-ra-kam i3 ibbi2 -bi mu-du3 „er (Gudea) lies Rauch von Zedernharz – ein gött-
licher Wohlgeruch ist es – aufsteigen“.
Zu Z. 477–478: Übersetze möglicherweise: „Hat ein König (...) dich an der Libations-
stätte meines mit Pracht erfüllten Eninnu aufgestellt, mögest du ihm (d. h. dem Enin-
nu11 ) zur Zierde gereichen“12 .
S. 54 zu 496: kur-kur Xe2 -mi-i-i ist eine Variante (nur ein Text). Der fehlende Ergativ
bereitet Schwierigkeiten: „die Fremdländer mögen dich preisen? “. Zwei Textzeugen
haben il2 (Xe2 -a-il2 -e // Xe2 -il2 -i): „die Fremdländer mögen dich erhöhen“.13

W. Hallo diskutiert Bedeutung und Etymologie von subur „Sklave“, das zuerst eine
Orts- bzw. Volksbezeichnung war. Die Bedeutung „Sklave“ sei sekundär und dadurch

8 Zu vergleichen ist auch geš-ge-en-ge-n(a), akk. binâtu, „Gliedmaßen“, s. CAD B, 237 s. v.


binâtu lex.
9 A. Cavigneaux, Rez. zu: M. Cohen, The Canonical Lamentation of Ancient Mesopotamia,
JAOS 113, 1993, 255 Anm. 1.
10 Ich danke P. Attinger für diesen Beleg.
11 {m+b+ši}.
12 Zu dieser Stelle s. auch K. Radner, SANTAG 8, 116–119.
13 Man könnte die Verbalform intransitiv übersetzen: „die Fremdländer mögen vor dir aufste-
hen“ (Hinweis P. Attinger). Die zweisprachige Fassung bietet eine andere Version: ar2 -re-eš
Xe2 -em-mi-gar (// Xe2 -em-me-gal2 / / ana tanādāti liškunka „das Land (Sumer) (…) möge
dich preisen“.
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zu erklären, dass viele Sklaven Subaräer waren; hierzu vergleicht der Verf. die Etymo-
logie des englischen Wortes „slave“.

M. Jaques bearbeitet zwei Texte, die als „Schlaflieder“ bezeichnet werden können.
Anmerkungen:
Zu Text Nr. 2: Streiche die Museumsnummer; der Text ist BM 38099 (Foto auf CDLI:
P274217).

B. Kienast bespricht zwei altassyrische Eheverträge. Nach Meinung des Verf.s habe es
„im Altassyrischen keine Kaufehe“ gegeben und das Wort šı̄mu habe nicht die Bedeu-
tung „Brautpreis“.

J. Klein und Y. Sefati besprechen das sumerische mul „Stern(e)“ und mul an „Sterne
(des) Himmel(s); himmlische Sterne“ anhand der Stellen Sulgi B, 305–319; 354–367
und Sulgi E, 242–257. Die Frage nach dem Vergleich zwischen Sternen und Schrift-
zeichen beantworten die Verf. folgendermaßen: Nicht die Keilschriftzeichen auf der
Tontafel seien mit den Sternen verglichen worden, vielmehr seien die Sterne als eine
himmlische Schrift angesehen worden, durch die die Astrologen die ominösen Zeichen
des Himmels lesen konnten (S. 94–99). Dementsprechend bezeichne Nisabas dub mul
an eine Tafel mit der Darstellung von Konstellationen, aus der die Göttin die Zukunft
lese (S. 94–96).
Anmerkungen:
S. 101 zu 362 und Anm. 113: Das Wort nam-de10 -de10 -la2 ist nicht nur in Sulgi B, 361,
sondern auch in Reiher und Schildkröte, 12 bezeugt; vgl. zuletzt J. Peterson, Sumerian
Faunal Conception, unveröffentlichte PhD., Philadelphia, 2007, 329 und 332 „child-
hood“, „that of the little ones“. Der Übersetzung „childhood“ ist gegenüber jener der
Verf. („children“) der Vorzug zu geben.

E. Leichty und A. Guinan beschäftigen sich mit zwei bislang unveröffentlichten Texten
aus der Sammlung der Cornell University. Es handelt sich bei diesen sehr interessanten
Tafeln um Auflistungen von Tieren, die körperliche Mängel aufweisen. Nach Ansicht
der Verf. wurden diese Tiere wegen ihrer Mängel als ungeeignet für die Eingeweide-
schau angesehen und infolgedessen aussortiert. Opfertiere mussten nämlich makellos
sein, damit sie als ,rein‘ und somit geeignet für den kultischen Gebrauch gelten konn-
ten.14

H. Limet bespricht in seinem Aufsatz die wichtige Rolle der Viehzucht sowie der Milch-
produkte in der mesopotamischen Gesellschaft und deren Darstellung in den literari-
schen Texten.

14 Vgl. dazu S. Maul, Die Wahrsagekunst im Alten Orient. Zeichen des Himmels und der Erde,
München 2013, 29 und 329 Anm. 5 und 6 mit Belegen. Dieselbe Vorstellung liegt wohl auch
in Enki und Ninmah, 47 (Zeilenzählung nach ETCSL) vor. Dort kocht (šeg6 -šeg6 / Enki „ma-
kellose Zicklein“ (maš ku3 /, d. h. Zicklein ohne körperliche Mängel, für An und Ellil. Dagegen
äußert sich W. G. Lambert, Babylonian Creation Myths, MC 16, Winona-Lake 2013, 506 zu II
10, der ohne triftige Argumente die Übersetzung „holy kids“ ablehnt. Eine neue Edition von
Enki und NinmaX durch den Rez. befindet sich im Druck.
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Anmerkungen:
S. 118 zu VS 10 Nr. 123 Vs. iii 11’:15 „pour le lait, il n’y a pas d’eau dans les plantes
humides“ (wohl ga a u2 -duru5 -bi nu-me-a). Limets Übersetzung ist problematisch,
da ga (a-)u2 eine Milchsorte zu sein scheint. Vgl. zuletzt die Übersetzung der Zeile in
P. Attinger, EnkimDU–Dumuzi (online-Version 201516 ) Anm. 48: „Quoique n’étant
pas les eaux en crue du printemps (a-aštub), le lait au a été versé pour lui (Dumuzi)
sur le champs“. Zu ga (a-)u2 s. Attinger, a. a. O.17
iii 12’: Für eine andere Übersetzung s. M. Civil, The 10th Tablet of úru àm-ma-ir-ra-bi,
AulaOr. 1, 1983, 50: „the itirda-milk, without being river mud (gu2 en-na), has been
diverted into the cracks of the ground“.

L. D. Morenz untersucht in seinem Beitrag die Rolle von rebusartigen Zeichen bei
der Herausbildung des mesopotamischen Schriftsystems. Als Beispiel bespricht er das
Token und das Zeichen für UDU „Schaf, Kleinvieh“. Dieses Zeichen stelle ein umkreis-
tes Zeichen MAŠ (graphisch wie ein ,+‘ realisiert) dar, wobei die Verwendung von
MAŠ (,+‘) mit der Bedeutung „Ziege“ eine Rebuskodierung sei, die auf das sumerische
Homophon /maš/ „Hälfte“ zurückgehe. Das Zeichen ,+‘ stelle graphisch eine Kreu-
zung im Sinne einer „Halbierung“ dar, werde aber nicht für /maš/ „Hälfte“, sondern für
/maš/ „Ziege“ verwendet. Der Kreis, der das ,+‘ umkreist, symbolisiere die „Vollheit“
und „verweise so auf das in der Metaphorik gleichsam als eine im Sinne der Kategorie
Kleinvieh ,volle‘ Ziege konzipierte Schaf “ (S. 138). Sollte diese Interpretation zutreffen,
wäre sie ein weiteres Argument dafür, dass die Sprache der Uruk IV-Texte das Sumeri-
sche ist, denn die geschilderte Rebus-Entwicklung des Zeichens und des Tokens UDU
kann nur dann stimmen, wenn die zugrundeliegende Sprache das Sumerische ist.18
Der Verf. bespricht unter anderem auch das Zeichen SANGA mit der Bedeutung „zäh-
len, rechnen“. Nach der zitierten Meinung von J. Friberg wäre das Piktogramm für
SANGA als ein „ikonisches Zeichen mit Referenz auf das Token-System zu interpre-
tieren“ (S. 136), denn das Bild würde ein rechteckiges Kästchen mit Abteilungen für
das Aufbewahren von Token darstellen.
Anmerkungen:
S. 136 Fig. 2: Die vom Verf. in Fig. 2. wiedergegebenen vier Zeichen sind keine Form-
varianten des (proto-)sumerischen Zeichens SANGA (= ZATU 444). Die ersten zwei
sind Formvarianten des Zeichens E2 (= ZATU 129), die anderen des Zeichens KID
(= ZATU 291).

J. Oelsner greift die sogenannten „Graeco-Babyloniaca“ wieder auf. Nach einer knap-
pen Vorstellung des Materials, das er bis ins ausgehende 1. Jh. n. Chr. datiert (S. 150),
bietet er einige Bemerkungen und Lesungsvorschläge zu einzelnen Zeilen der litera-
rischen „Kolophone“ bzw. Weihgebete. Der Verf. hält es für wahrscheinlich, dass die
Schreiber dieser Texte Babylonier waren, die den Elementarunterricht bereits absol-

15 Zu den Zeilen iii 10’–12’ vgl. CT 7:38–40.


16 http://www.iaw.unibe.ch/unibe/portal/fak_historisch/dga/iaw/content/e39448/e99428/
e122665/e122821/pane122850/e123068/4_08_33.pdf.
17 S. auch M. Stol, Artikel „(Milch)produkte A“ in RlA 8, 192; 200 und J. van Dijk, La sagesse
suméro-accadienne, Leiden 1953, 83 zu 108.
18 Es sei denn, man will annehmen, dass /maš/ „Hälfte“ und /maš/ „Ziegen(bock)“ einem Sub-
stratum angehören. Soweit ich sehen kann, gibt es dafür aber keinen Anlass.
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viert hatten (S. 149) und in ihrer zweiten Ausbildungsstufe Tafeln mit griechischen
Umschriften anfertigten (S. 149; 157 f.). Darüber hinaus spricht sich Oelsner dafür aus,
dass die Wiedergabe des Akkadischen mit griechischen Buchstaben wahrscheinlich
nicht nur auf die „Graeco-Babyloniaca“ beschränkt war, sondern in größerem Umfang
verwendet wurdet, um Texte der babylonischen Tradition auf Schriftträgern wie Leder
und Wachstafeln niederzuschreiben (S. 160 f.; 163).

In seinem Beitrag bespricht Leonhard Sassmannshausen die Namen der kassitischen


Herrscher. Beginnend mit Tigzil und Išiknit, ,Könige‘ des kassitischen Heeres, die
aus einer Urkunde des 30. Jahres Samsu-ilunas bekannt sind, bis hin zu Janzû von
%ubuškia, einem König der Nairi-Länder, gibt der Verf. die wichtigsten Informationen
zu Chronologie, Genealogie und sprachlicher Stellung der Herrscher der Kassitendy-
nastie, der zweiten Meer-land-Dynastie, der Bazi-Dynastie sowie zu den letzten kassi-
tischen Herrschern des nördlichen Zagrosgebiets. Abschließend bietet der Verf. einige
Überlegungen zur kassitischen Sprache, die demnach nicht indoeuropäisch, sondern
mit dem Hurritischen und dem Urartäischen verwandt sei.

G. Selz greift die Frage nach der Identität der Gottheit d dumu-zi in den altsumerischen
Texten aus Lagas und Fāra wieder auf. Er übernimmt Kreberniks Vorschlag, Dumuzi
sowie (Ama)ĝeštin(ana) und (Ama)ušumgal(ana) seien zuerst Personennamen gewe-
sen.19 Besonders interessant ist Selzs Erklärung für die Erweiterung der zwei Namen
mit dem Zusatz an-na „des Himmels; himmlisch“. Dieser Zusatz verdeutliche, dass die
ursprünglichen Personennamen jetzt Gottheiten bezeichnen, wobei das „Himmlische“
zugleich auf einen Astralisierungsprozess verweise.
Selz distanziert sich von Kreberniks Annahme, der Name Dumuzi sei nicht nur in
Lagas, sondern auch in Fāra eine Abkürzung des Namens der Göttin Dumuzi-abzu.
Krebernik basierte seine Annahme auf dem Vorkommen Dumuzis neben Ninkinnir,
„Herrin von Kinnir“, der Stadt von Dumuzi-abzu, in einer Opferliste (TSŠ 886 ii 1–2)
und in vergleichbaren Kontexten (TSŠ 715 i 6’ – ii’ 3’–5’; SF 5 / SF 6 1–7)20 . Da Dumuzi
und Amaušum in jenen Texten im Zusammenhang mit dem Mondgott bzw. seinem
Sohn Numušda vorkommen, befürwortet Selz die Identifikation von diesem Dumuzi
mit Amaušum. Dies lässt sich nicht ausschließen, da jedoch die Verbindung zwischen
Dumuzi-abzu und dem Ort Kinnir besser als eine Verbindung zwischen Dumuzi-abzu
und dem Mondgott belegt ist, bleibt Kreberniks Annahme nach Ansicht des Rez. plau-
sibler. Zum Schluss bietet der Ver. einige Überlegungen zu LUM-ma. Unter Berück-
sichtigung des Titels pa4 -pa4 im altsumerischen PN pa4 -pa4 -diĝir-ĝu10 und des struk-
turell vergleichbaren PN LUM-ma-diĝir-ĝu10 versteht der Verf. LUM-ma als ein Titel
des Ninĝirsu und des Herrschers „in seiner ,funktionsgebundenen Göttlichkeit“‘.
Anmerkungen:
S. 211 f. zu 10.11: Der zitierte Text ist nicht Innana D, 56–58, sondern Innana G, 56–
60. Z. 56–58: „Dumuzi, der neben diesem Haus, diesem Ort strahlt! / Mutter Innana,

19 M. Krebernik, Drachenmutter und Himmelsrebe? Zur Frühgeschichte Dumuzis, in: W. Sall-


aberger / K. Volk / A. Zgoll (Hg.), Literatur, Politik und Recht in Mesopotamien. Festschrift
für Claus Wilcke, OBC 14, Wiesbaden 2003, 151–180, vor allem 153–156.
20 M. Krebernik, a. a. O., 162–164.
Buchbesprechungen/Book Reviews 113

Mutter Innana, dein Hügel, dein Gehen, / Mutter Innana, himmlische Innana …“.21
S. 214 f.: pa4 -pa4 vgl. auch Th. Balke, Die religiösen ‘Titel’ PA4 -PA4 und NI-A-A im prä-
sargonischen Onomastikon, Kaskal 8, 2011, 1–10 und J. Andersson, Kingship (2012),
54 mit Anm. 258 und 120.

H. Steible und F. Yildiz bieten eine neue Kopie und eine Bearbeitung des Textes TSŠ
302. Es wird vorgeschlagen, dass der Text nicht in Šuruppak, sondern in Uruk kompi-
liert wurde.

H. Vanstiphouts diskutiert mit welchen rhetorischen Stilmitteln sich die Kontrahen-


ten eines Rangstreitgespräches preisen bzw. den Gegner diskreditieren. Hinsichtlich
des Schlusses der Rangstreitgespräche weist der Verf. der Göttin Nisaba eine wichtige
Rolle zu: „she is […] responsible for the format this discussion takes“ und „in some
instances she even justifies her verdict“ (S. 239). Außerdem würde sie den Gewinner
des Rangstreitgespräches wählen. Hier kann der Rez. dem Verf. nicht folgen, zumal die
Göttin Nisaba nur in der zamim-Doxologie von zwei Kompositionen, nämlich Enmer-
kar und Ensukukešdana und Hacke und Pflug, gepriesen wird, und möglicherweise nur
in Enmerkar und Ensukukešdana als Richterin auftritt.22 Das Urteil würde nach dem
Verf. nicht nur den Gewinner bestimmen, sondern auch die Gewichtigkeit und Kom-
plementarität beider Kontrahenten betonen. Zwar versöhnen sich die Kontrahenten in
Mutterschaf und Getreide und Dumuzi und Enkimdu, die Komplementarität der Kon-
trahenten wird jedoch nur in Sommer und Winter erwähnt.23

N. Veldhuis bespricht eine Gruppe von Texten, die er einer nordmesopotamischen


Kiš-Tradition zuordnet: ED Lu E; ED List of Names and Professions; ED List of Geo-
graphical Names; ED Animals B; ED Practical Vocabulary A; Šamaš Hymn. Diese Tra-
dition erstrecke sich von Tell Abū-S.alābı̄X („a Southern outpost of the Kiš Civiliza-
tion“; S. 253) über Kiš und Mari bis nach Ebla. Eine der Gemeinsamkeiten dieser Tex-
te liege darin, dass sie in semitischer Sprache verfasst worden seien. Die sumerischen
Einträge der lexikalischen Listen seien als Sumerogramme zu verstehen. Da im Früh-
dynastikum IIIa semitische Lehnwörter im Sumerischen in a auslauten, nimmt der
Verf. an, ED Practical Vocabulary A (EDPV-A) sei auf Grund der Einträge mit einer
Nominativendung -um in der ,sumerischen Spalte‘ „a list of logograms to be read in
Semitic“; die semitische Fassung des zweisprachigen Textzeugen aus Ebla sei „a sylla-
bic version“ (S. 256 f.). Die Annahme des Verf.s ist allerdings nicht die einzig mög-
liche Erklärung. J. Keetman hat nämlich auf einige vorsargonische semitische Lehn-
wörter im sumerischen mit Nominativendung -um hingewiesen.24 Außerdem können
einige Einträge in der semitischen Version des EDPV-A aus Ebla als sumerische Lehn-
wörter im Semitischen verstanden werden: bu 3 -ru 12 -gu 2 -nu (= piriĝ-gunu3 ZA „Dio-

21 S. auch P. Attinger, L’enclitique démonstratif de proximité -/(? )e/, NABU 2014, Nr. 3 „Dumuzi,
resplendissant dans cette maison, (dans cet endroit =) ici même“
22 Vgl. die Zusammenstellung in C. Mittermayer, Was sprach der eine zum anderen? Argumenta-
tionsformen in den sumerischen Rangstreitgesprächen, unveröffentlichte Habilitationsschrift,
Tübingen 2014, 23 f.
23 So nach C. Mittermayer, a. a. O., 36 f.
24 J. Keetman, Die ältesten semitischen Lehn- bzw. Fremdwörter mit Nominativendung -um im
Sumerischen, NABU 2013, Nr. 36.
114 Buchbesprechungen/Book Reviews

rit“; Z. 53); NA4 .NA4 ŠITA.GIŠ Xu-du-uš-um (= LAK Xuduš ZA; Z. 61); NA4 ga-ra-še 3 -
im (= ga-rašSAR ZA „Lauch(grüner) Stein“; Z. 64); BUR gu 2 -nu-gu 2 -nu (= bur piriĝ-
gunu3 „Dioritschale“; Z. 71); li-ma-’a 3 ga-ra-aš ? /sa ? (= li BUR(limx ) ga-rašSAR „Schale
für Lauch“ Z. 75); BUR Xu-Xu-bu 3 (= BUR Xub2 -Xub2 ; Z. 79); BUR še 3 -bi 2 (= BUR
šembi „Schale für Schminke“; Z. 81); BUR gu 2 -ne (= BUR LAGABA(buniĝ/bugin)
„Kübel“; Z. 84); na-a še 3 -bi 2 (= na-šembi „Schminkpalette“; Z. 90); a-ga-ri 2 -num 2 (=
UMUN2 %A(/UMUN2 GIN2 „Tiegel“; Z. 98); möglicherweise auch BUR li-im-am
(lim BUR(limx ) „eine Schale“; Z. 74); BUR šu-ša-al (= BUR šu-sal; Z. 77). Es kann also
nicht ausgeschlossen werden, dass die Sprache von EDPV-A das Sumerische war. Nach
Ansicht des Rez. lässt sich die Frage nach der Sprache dieser Liste nicht mit Sicherheit
beantworten.

G. Voet und K. van Lerberghe bearbeiten vier Tontafeln aus Sippar-Amnānum und
legen die Kopie einer fünften Tafel vor, die Claus Wilcke bereits veröffentlicht hatte.
Es handelt sich dabei um Tafeln, die die Form von Hüllentafeln imitieren. Diese Tafeln
betreffen den Verkauf von Grundstücken, für die die ursprünglichen Eigentumsnach-
weise nicht mehr zugänglich waren.

J. G. Westenholz bietet eine ausführliche Untersuchung zum sumerischen Wort


ĝeštug „Ohr, Verstand, Ohrring“. Sowohl die verschiedenen Graphien als auch das
breite semantische Feld dieses Lexems werden ausführlich diskutiert. Darüber hinaus
werden die Bezeichnungen der einzelnen Teile des Ohres besprochen und einige mit
ĝeštug zusammengesetzten Verben erörtert.
Anmerkungen:
S. 291: Die Lexeme ĝeštug und ĝessal kommen tatsächlich mehrmals gemeinsam vor.
Die vom Verf. zitierte Stelle Enki und NinmaX, 26 ist allerdings epigraphisch sehr
schwierig und möglicherweise ĝeš-tu9 ĝeštu-ĝeš-tu9 ĝeštu-ga!? zu lesen.25
S. 294 zu VAS 27 98 iv 4 (= FAOS 19, 33–35 asGir 5): Lies ĝeš-tu9 ĝeštu-ga-ni.

A. Zgoll greift das Thema ,Traum und Träumen‘ auf. Unter anderem bespricht die
Verf. A. L. Oppenheims Kategorie der ,message dreams‘, d. h. Träume mit längeren
Götterreden, und die Frage, ob die Mesopotamier anders als wir träumten. Dabei betont
Zgoll, dass der Unterschied zwischen ,message dreams‘ und ,symbolic dreams‘, d. h.
kryptischen, noch zu deutenden Träumen, nicht die Eigenschaften der Träume selbst,
sondern nur die Ebene der Erzählung betreffe. ,Message dreams‘ seien bereits gedeutete
Träume, die nach der jeweiligen Auslegung wiedergegeben werden. ,Symbolic dreams‘
würden dagegen in ihrer ursprünglichen Form erzählt.

Alle Beiträge bieten zweifellos etliche Ansatzpunkte für weiterführende Diskussionen.


Dem Herausgeber und den einzelnen Autoren sei für dieses anregende Buch gedankt.

Manuel Ceccarelli

25 Vgl. M. Ceccarelli, Enki und NinmaX. Eine Mythische Erzählung in sumerischer Sprache (im
Druck).