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Frick/Knöll Baukonstruktionslehre 2

Ulf Hestermann • Ludwig Rongen

Frick/Knöll
Baukonstruktionslehre 2
34., überarbeitete und aktualisierte Auflage
Ulf Hestermann
Ludwig Rongen
University of Applied Sciences
Erfurt, Deutschland

ISBN 978-3-8348-1617-7 ISBN 978-3-8348-2140-9 (eBook)


DOI 10.1007/978-3-8348-2140-9

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Vorwort zur 34. Auflage

Im Jahr 2009 feierte der Frick/Knöll – das Stan- schlagewerk in der Baupraxis. Besonders deshalb
dardwerk der Baukonstruktionslehre – seinen ist es notwendig, ständig die geltenden Normen
100. Geburtstag. Abschließend zu diesem Anlass und technischen Vorschriften zu beobachten
erscheint nun die aktualisierte und teilweise stark und das Werk auf dem technisch neuesten Stand
überarbeitete 34. Auflage von Teil 2. zu halten. Darüber hinaus soll auch dem Bau-
Im Jahr 1909/1910 erschienen beim ehem. B. G. praktiker ein breiter Überblick über aktuelle Ent-
Teubner Verlag in Leipzig und Berlin die ersten wicklungstendenzen wie z. B. neue Materialent-
Auflagen der beiden Teile der Baukonstruktions- wicklungen oder Fertigungsprinzipien gegeben
lehre von Otto Frick und Karl Knöll als „Leitfaden werden.
für den Unterricht an Baugewerkschulen und ver- Der bisherige Erfolg der Frick/Knöll Baukonstruk-
wandten technischen Lehranstalten“ mit 140 tionslehre mit über einer halben Million verkauf-
bzw. 191 Seiten und graphischen Darstellungen ter Exemplare dürfte unter anderem darin be-
als „Hilfsmittel für den Vortragsunterricht und die gründet sein, dass es kein anderes Werk gibt, in
Wiederholungen“ im Baukonstruktionsunterricht dem nicht nur der allgemeine Bereich der Bau-
der Königlich Preußischen Baugewerkschulen. konstruktion, sondern auch der raumbildende
Aus dem Leitfaden wurde bis heute das nach wie Innenausbau umfassend und ganzheitlich be-
vor aus zwei Teilen bestehende, umfassendste handelt und auch die zunehmend wichtiger wer-
Standardwerk für die Ausbildung und Praxis von dende Integration gebäudetechnischer Anlagen
Architekten und Ingenieuren. berücksichtigt wird. Dies betrifft sowohl die tradi-
tionellen Techniken als auch den Trockenbau
Bis heute ist der „Frick/Knöll“ die mit großem entsprechend seiner ständig zunehmenden Be-
Abstand am weitesten verbreitete Baukonstruk- deutung als Fertigungsprinzip.
tionslehre für Studierende der Architektur und
des Bauingenieurwesens und auch ein vielfacher Seit Erscheinen der 33. Auflage ist eine große
Ratgeber und Begleiter in der Berufspraxis. Anzahl von wichtigen neuen Vorschriften, natio-
nalen und europäischen Normen überarbeitet
Von einer Baukonstruktionslehre wird erwartet, oder neu erstellt worden, so dass eine weitere
dass sie die wichtigsten und die am weitesten ver- Bearbeitung des Werkes nötig wurde. In der
breiteten Aufgabengebiete des Bauens erfasst, nun vorliegenden 34. Auflage wurden alle Kapi-
die unterschiedlichen Konstruktionsprinzipien in tel erneut kritisch durchgesehen, aktualisiert
den Bereichen des Rohbaus, des Innenausbaus und in wesentlichen Teilen völlig neu bearbeitet.
und teilweise auch des Technischen Ausbaus be- Dabei wurden insbesondere die Auswirkungen
rücksichtigt und dabei die sich ständig weiterent- der immer höheren Anforderungen an die Ener-
wickelnden Herstellungsverfahren aufzeigt. gieeinsparung sowie die Eurocodes berück-
Hierbei müssen die wesentlichen Zusammenhän- sichtigt.
ge zwischen der Konstruktion und den vielen an- Der Frick/Knöll geht schon heute auf Baukonst-
deren Bereichen eines Bauwerkes wie z. B. Stand- ruktionen ein, die in absehbarer Zeit europäi-
sicherheit, Materialeigenschaften- und verhalten, scher Standard hinsichtlich Klimaschutz und
Anforderungen an die Verarbeitung, Fügungs- Energieeinsparung sein werden. Damit berück-
prinzipien und nicht zuletzt Gestaltqualitäten sichtigen die Autoren bereits jetzt die das Bauge-
eines Gebäudes oder Bauteiles verständlich ge- schehen weiterhin zunehmend beeinflussenden,
macht werden. zukunftsorientierten Aufgabenbereiche und
Ziel dieses Standardwerkes ist es, Studierenden Standards.
Grundlagenwissen zu vermitteln und grundle- Das Kapitel 1 „Dächer“ wurde vollständig überar-
gendes konstruktives Verständnis zu erreichen beitet und insbesondere hinsichtlich integrierter
und nicht etwa rezeptartig möglichst viele Kons- Solardachsysteme, Zusatzmaßnahmen bei Dach-
truktionsmöglichkeiten aufzuzeigen. deckungen, Brandschutzanforderungen an Beda-
In zunehmendem Maße dient die Frick/Knöll Bau- chungen und nicht belüfteter Dachkonstruktio-
konstruktionslehre auch als bewährtes Nach- nen ergänzt.
VI Vorwort zur 34. Auflage

Das Kapitel 2 „Flachdächer“ wurde dem aktuellen Kapitel 7 und 8 jeweils um eine Ziffer verkürzt.
Normenstand angepasst. Die Unterabschnitte zu bzw. nach vorne verlagert.
Kunststoff- und Elastomerbahnen sowie Flüs- Das Kapitel 9 (früher Kapitel 10 „Beschichtun-
sigabdichtungen wurden vollständig neu bear- gen“) wurde dem aktuellen Stand der Normung
beitet. angepasst. Insbesondere erforderte die DIN V 18
Das Kapitel 3 „Abgasanlagen (Schornsteine, Ka- 550, die trotz des Status einer Vornorm längst von
mine) und Lüftungsschächte“ wurde aktualisiert der Industrie als die gültige Norm anwendet wird,
und die neuen Normen eingearbeitet. eine gründliche Überarbeitung dieses Kapitels.
Das Kapitel 4 „Treppen, Rampen, Auszüge und Das Kapitel 10 (früher Kapitel 11) „Gerüste und
Fahrtreppen“ wurde auf Grundlage der neuen Abstützungen“ wurde dem aktuellen Stand der
DIN 18065 grundlegend überarbeitet und um die Normung angepasst.
Abschnitte Treppen aus Glas sowie Fahrtreppen In dem vorliegenden Teil 2 dieses Werkes sind vor
erweitert. allem Europäische Normen eingearbeitet, soweit
Das Kapitel 5 „Fenster“ wurde unter Mitwirkung diese inzwischen entweder durch Veröffentli-
des ift-Rosenheim – Institut für Fenstertechnik chung eines identischen Textes oder durch Aner-
ergänzt und überarbeitet, das Kapitel 6 „Pfosten- kennung den Status einer Deutschen Norm erhal-
Riegel-Fassaden“ wurden durchgesehen und die ten haben, auch wenn die Frist, bis zu der entge-
Liste der Normen und Bestimmungen aktuali- genstehende nationale Normen zurückgezogen
siert. werden müssen, noch nicht abgelaufen ist. So
erhebt das Werk auch weiterhin den Anspruch
Die früheren Kapitel 7 „Außentüren, Innentüren,
auf Aktualität.
Schutz- und Sondertüren“ sowie „Horizontal
verschiebbare Tür- und Wandelemente“ wurden In allen Kapiteln wurden die Hinweise auf die
zu einem neuen Kapitel 7 „Türen, Zargen und wichtigsten Normen und die Normenverzeichnis-
Schlösser“ zusammengefasst, insgesamt neu se sowie die Literaturverzeichnisse aktualisiert.
strukturiert und textlich gestrafft. Normenan- Bei der dramatisch zunehmenden Informations-
passungen in diesem Bereich betrafen insbeson- flut, nicht zuletzt bedingt durch die Ausdehnung
dere die Türen für das barrierefreie Bauen (Ersatz der Normung auf den größer werdenden europä-
der Normenreihen DIN 18 024 und DIN 18 025 ischen Raum und durch immer mehr ausufernde
durch die neue Normenreihe DIN 18 040) sowie Zertifizierungen, Güte- und Bauproduktricht-
die Änderungen bezüglich der Einbruchhem- linien würde der Versuch einer vollständigen Auf-
mung von Türen aus der Novellierung der DIN EN listung den Rahmen dieses Werkes sprengen.
1627. Dem Benutzer muss deshalb dringend empfoh-
len werden, die weitere Entwicklung aller Bestim-
Das Kapitel 8 (früher Kapitel 9) „Außen- und In- mungen zu beobachten.
nenputze, Sonderputze, Wärmedämmputze und
Wärmedämm-Verbundsysteme“ wurde umfas- Bei der Auswahl der Bildbeispiele blieben die Be-
send überarbeitet. In den letzten Jahren hat es arbeiter bemüht, nur Konstruktionen zu erwäh-
nen, die einen kritisch beobachteten Reifepro-
gerade zum Thema „Putze“ wichtige Änderungen
zess aufweisen können.
in den entsprechenden Normen gegeben. So z. B.
die DIN EN 998-1. Alle in dieser Norm beschriebe- Darüber hinaus wurden aus den Rezensionen der
nen Produkte müssen, um sie überhaupt noch Leserschaft viele Anregungen und Hinweise be-
innerhalb der Europäischen Union in den Verkehr rücksichtigt, soweit diese im Sinne des Gesamt-
bringen zu dürfen, mit dem CE-Kennzeichnen werkes Ziel führend waren und den Rahmen
versehen werden. Die DIN V 18 550 hat die alte nicht sprengen. Hierfür gebührt den aufmerksa-
DIN 18 550 komplett ersetzt. Der Begriff Vornorm men und kritischen Lesern herzlicher Dank.
heißt in diesem Fall aber nicht, dass es sich nicht Allen, die durch Bereitstellung von Informationen
um eine „richtige“ Norm handelt. Auch wenn die oder ihre Mitarbeit wertvolle Hilfe geleistet ha-
DIN V 18 550 in Zukunft weiter ergänzt und über- ben danken wir.
arbeitet wird, ist sie schon heute in gültig und in Unserer besonderer Dank gilt Herr Dipl.-Ing.
vollem Umfang anzuwenden. Sie nimmt insbe- Ingo Leuschner vom ift-Rosenheim für die Mit-
sondere die Planer stärker als bisher in die Verant- wirkung an der Überarbeitung des Abschnittes 5
wortung. „Fenster“.
Die Ordnungsnummern der bisherigen Kapitel 9 Vor allem verdienen unseren Dank für die zeich-
bis 11 werden durch die Zusammenlegung der nerische und rechnergestützte Bearbeitung der
Vorwort zur 34. Auflage VII

zahlreichen neuen Abbildungen und für Recher- fortführen und im Sinne dieser Tradition das
chearbeiten Frau Olga Roor (Bachelor of Arts) so- Lehrbuch auch im Zeitalter der zunehmend digi-
wie die studentischen Mitarbeiterinnen Sissy talen Publikationen ähnlich erfolgreich entwi-
Panzer und Lisa Quentin. Dank gilt vor allem auch ckeln und verbreiten zu dürfen.
unseren Büropartnern Dipl.-Ing. Architekt Reiner Gemeinsam mit dem Verlag hoffen wir, dass die
Wirtz und Dipl.-Ing. Michael Rommel sowie unse- weiterentwickelte Neugestaltung bei den Lesern
rer Mitarbeiterin Frau Dipl.-Ing. Sibylle Roßmann, Anklang findet und sich auch dieser zweite Teil
die uns mit vielen wertvollen Tipps und z. T. auch der Jubiläumsausgabe sowohl im Studium wie
kritischen Anmerkungen unterstützt haben. auch in der Planung als ein brauchbarer Leitfaden
Mit der jetzigen 34. Auflage von Teil 2 haben die und Ratgeber und auch in der Baupraxis als
Autoren alle Bearbeitungsteile von Herrn Prof. brauchbares und zuverlässiges Nachschlagewerk
Dipl.-Ing. Dietrich Neumann und von dem Ende erweist.
des Jahres 2011 leider verstorbenen Kollegen
Prof. Dipl.-Ing. Ulrich Weinbrenner übernommen.
Wir danken hiermit den Vorgängerautoren für
das entgegengebrachte Vertrauen und die jahre- Erfurt, im Sommer 2012
lange Unterstützung, das traditionsreiche Werk U. Hestermann, L. Rongen
VIII

Verzeichnis der Autoren und Bearbeiter:

Prof. Dipl.-Ing. Ulf Hestermann hat nach seinen Gastprofessur an der South-West-Jiaotong Uni-
Studien an der Fachhochschule Aachen und der versität, beide in Chengdu (V. R. China). Das Büro
RWTH-Aachen 1980 ein bundesweit tätiges Ar- RONGEN ARCHITEKTEN GmbH hat zusammen mit dem
chitektur- und Ingenieurbüro gründet (www.hks- Passivhaus-Institut – Prof. Dr. Wolfgang Feist im
architekten.de). Tätigkeitsbereiche waren und Auftrag der Deutschen Bundesstiftung Umwelt
sind Projekte der technischen Infrastruktur, Ver- das Forschungsprojekt „Passivhäuser für fünf
kehrsbauten, Gewerbe- und Wohnungsbauten, verschiedene Klimazonen“ erarbeitet. Die Er-
Bauten für das Gesundheitswesen sowie Schul- gebnisse sind in dem Fachbuch „Passivhäuser für
und Hochschulbauten u. A. mit den Arbeits- verschiedene Klimazonen“ zusammengefasst.
schwerpunkten Prozess- und Kostenoptimierung Darüber hinaus hat Ludwig Rongen zusammen
durch Teilvorfertigung und Systembauweisen in mit anderen Autoren das 2012 im Verlag Wood-
Holz und Beton sowie energieoptimierte Ent- head Publishing Limited (Oxford, Cambridge,
wurfskonzepte und Bauwerksplanungen. Philadelphia, New Delhi) erschienene Fachbuch
1991 folgte die Berufung zum Professor für Bau- „Modern earth buildings – Materials, engineering,
konstruktion, Entwerfen und Gebäudeplanung construction and applications“ geschrieben. Des-
an die Fachhochschule Erfurt. Weiterhin ist Ulf weiteren ist er u. a. mit seinem Kollegen Prof. Ulf
Hestermann leitend im eigenen Architekturbüro Hestermann Co-Autor eines Fachbuches zum
für Projekte im In- und Ausland tätig. Energieeffizienten Bauen in der V. R. China, er-
schienen 2012 im Verlag der SEU – South-East-
Darüber hinaus ist er Autor eines Fachbuches University in Nanjing, China.
zum Energieeffizienten Bauen in der V. R. China,
erschienen 2012 im Verlag der SEU – South-East-
University in Nanjing, China. Dipl.-Ing. Ingo Leuschner hat an der FH Rosen-
heim sein Studium der Holztechnik abgeschlos-
sen und ist seit 1997 Mitarbeiter im ift Rosen-
Prof. Dipl.-Ing. Ludwig Rongen studierte nach heim. Zu Beginn seiner Tätigkeit war er als tech-
seiner praktischen Ausbildung zum Technischen nische Assistenz der Institutleitung mit der
Zeichner zuerst Städtebau an der Fachhochschu- Begleitung und Erstellung von Gutachten zu
le Aachen und war danach mehrere Jahre als Pro- Fenstern, Türen, Fassaden und Verglasungen be-
jektleiter in der Stadt- und Regionalplanung tätig. schäftigt. Die daraus resultierenden Erfahrungen
Sein zweites Studium der Architektur absolvierte wurden in Tätigkeiten für das ift-Sachverständi-
er an der RWTH Aachen und gründete danach genzentrum, Leitung von diversen Forschungs-
sein eigenes Architekturbüro, das heute unter projekten (Holzfassaden, Beschlagtechnik, Ver-
dem Namen RONGEN ARCHITEKTEN GmbH firmiert und bundaufbauten, Energieeffiizenz Oberflächen-
das er zusammen mit zwei Büropartnern leitet. Im technik) vertieft. Weiterhin resultierte daraus die
Jahr 1992 wurde Ludwig Rongen als Professor an Erstellung von diversen Fachveröffentlichungen
die Fachhochschule Erfurt für die Studienfächer und technischen Regeln, Vorträge bei nationalen
Baukonstruktionslehre und Entwerfen berufen. Er und internationalen Symposien, Vorlesungen etc.
hat sich als Architekt insbesondere im Bereich des Im Zeitraum von 2005 bis 2010 nahm er dabei die
hoch Energie effizienten Bauens (insbesondere Position des stellvertretenden Leiters der F&E-
„Bauen im Passivhausstandard“) national und Abteilung ein, seit 2010 ist er zuständig für die
auch international einen Namen gemacht. Zu die- Unternehmensentwicklung des ift Rosenheim.
sem Thema hält er regelmäßig Vorträge auch auf Aktuell beschäftigt er sich mit der Konzeption
internationalen Kongressen inner- und außerhalb und Entwicklung von Online-Diensten wie Ener-
Europas. Er ist darüber hinaus (z. T. leitend) in gy-Labelling-Systeme, Einsatzempfehlungen für
verschiedenen nationalen und internationalen Fenster.
Ausschüssen, die sich mit dem Thema „Energie-
effizienz“ beschäftigen, tätig. Seit dem Jahr 2004
hat Ludwig Rongen eine Gastprofessur an der
Sichuan Universität inne, 2005 folgte eine zweite
IX

Inhalt

1 Geneigte Dächer 1.8 Dachzubehör und Anschlüsse


1.1 Allgemeines . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1 an Dachdeckungen . . . . . . . . . . . . . . . . 163
1.1.1 Dachformen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1 1.8.1 Anschlüsse an Wände
1.1.2 Bezeichnung von Dachteilen . . . . . . . 3 und Abgasanlagen . . . . . . . . . . . . . . . . . 163
1.1.3 Konstruktionsgrundregeln . . . . . . . . . . 3 1.8.2 Standflächen für Schornsteinfeger
1.1.4 Zeichnerische Darstellung . . . . . . . . . 5 an Abgasanlagen . . . . . . . . . . . . . . . . . . 164
1.2 Dachtragwerke aus Holz . . . . . . . . . . 5 1.8.3 Dachhaken, Schneefanggitter
1.2.1 Allgemeines . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 5 und Dachüberstand . . . . . . . . . . . . . . . . 165
1.2.2 Baustoff Holz . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 6 1.8.4 Sanitärentlüftungen
1.2.3 Dachtragwerke als Zimmermanns- und Antennendurchgänge . . . . . . . . . 167
konstruktionen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 15 1.9 Ausbau von Dachräumen . . . . . . . . . 168
1.2.4 Ingenieurmäßige Holzdach- 1.9.1 Allgemeines . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 168
konstruktionen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 48 1.9.2 Wärmeschutz . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 168
1.3 Dachtragwerke aus Stahl . . . . . . . . . . 76 1.9.3 Unterdeckungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . 174
1.3.1 Allgemeines . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 76 1.9.4 Dampfsperren und Luftdichtheit . . . . 175
1.3.2 Baustoff Stahl . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 77 1.9.5 Schallschutz . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 176
1.3.3 Schutzmaßnahmen . . . . . . . . . . . . . . . . 77 1.9.6 Brandschutz . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 178
1.3.4 Bauteile . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 77 1.9.7 Ausführungsarten . . . . . . . . . . . . . . . . . . 178
1.3.5 Gittertragwerke . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 82 1.9.8 Innenflächen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 182
1.3.6 Raumtragwerke . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 82 1.10 Dachfenster und Dachgauben . . . . 183
1.4 Massivdachkonstruktionen . . . . . . . 84 1.10.1 Flächenverglasungen
1.4.1 Dachtragwerke aus Massivplatten . . . 84 (verglaste Dachflächen) . . . . . . . . . . . . . 183
1.4.2 Steildachelemente aus Holz . . . . . . . . . 86 1.10.2 Dachflächenfenster . . . . . . . . . . . . . . . . . 184
1.4.3 Dachtragwerke aus Stahlbeton . . . . . 86 1.10.3 Dachgauben . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 186
1.5 Textile Flächentragwerke . . . . . . . . . 89 1.11 Normen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 193
1.5.1 Allgemeines . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 89 1.12 Literatur . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 199
1.5.2 Werkstoffe und Materialien . . . . . . . . . 89
1.5.3 Ausführungsbeispiele . . . . . . . . . . . . . . 91 2 Flachdächer
1.6 Dachdeckungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 91 2.1 Allgemeines . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 201
1.6.1 Allgemeines . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 91 2.1.1 Nutzung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 201
1.6.2 Dachdeckungen mit Dachziegeln 2.1.2 Beanspruchungen – Arten und
und Dachsteinen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 92 Klassifizierungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 202
1.6.3 Betondachstein-Deckung . . . . . . . . . . . 108 2.1.3 Bauarten
1.6.4 Schieferdeckung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 110 (Bauphysikalischer Aufbau) . . . . . . . . . 203
1.6.5 Faserzement-Wellplattendeckung . . . 115 2.1.4 Dachneigung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 204
1.6.6 Schindeldeckung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 123 2.1.5 Wärmeschutz . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 204
1.6.7 Bitumenschindeldeckung . . . . . . . . . . . 125 2.1.6 Feuchtigkeitsschutz
1.6.8 Bitumen-Wellplattendeckung . . . . . . . 127 (Tauwasserschutz) . . . . . . . . . . . . . . . . . . 204
1.6.9 Stroh- und Rohr-(Reet-)Deckung . . . . 127 2.1.7 Brandschutz . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 204
1.6.10 Metalldeckungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 128 2.1.8 Oberflächenschutz . . . . . . . . . . . . . . . . . 205
1.6.11 Dachpappedeckungen . . . . . . . . . . . . . 142 2.1.9 Windbeanspruchung . . . . . . . . . . . . . . . 205
1.6.12 Geneigte Dächer mit Begrünung . . . . 144 2.1.10 Entwässerung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 207
1.6.13 Solardach-Systeme . . . . . . . . . . . . . . . . . 147 2.1.11 Anschlüsse an
1.7 Dachrinnen und Regenfallrohre . . . 149 aufgehende Bauteile . . . . . . . . . . . . . . . 208
1.7.1 Allgemeines . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 149 2.1.12 Flachdachränder . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 212
1.7.2 Bemessung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 149 2.1.13 Arbeitsablauf an der Baustelle . . . . . . . 214
1.7.3 Werkstoffe . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 151 2.1.14 Instandhaltung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 214
1.7.4 Hängedachrinnen . . . . . . . . . . . . . . . . . . 153 2.2 Baustoffe . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 216
1.7.5 Dachrinnen – Sonderformen . . . . . . . . 157 2.2.1 Abdichtungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 216
1.7.6 Regenfallrohre . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 160 2.2.2 Wärmedämmstoffe . . . . . . . . . . . . . . . . . 223
X Inhalt

2.2.3 Dampfdruckausgleichsschicht . . . . . . 226 3.3 Bauarten von Abgasleitungen,


2.2.4 Dampfsperren . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 226 Luft-Abgas-Systemen und
2.2.5 Gefälleschichten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 226 Schornsteinen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 268
2.2.6 Voranstrich . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 227 3.3.1 Allgemeines . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 268
2.3 Nicht belüftete Flachdächer 3.3.2 Abgasleitungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 269
mit nicht genutzter Oberfläche . . . . 227 3.3.3 Vorgefertigte frei stehende
2.3.1 Allgemeines . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 227 Abgasanlagen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 273
2.3.2 Flachdachabdichtungen auf 3.3.4 Schornsteine . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 273
Stahlbetonplatten . . . . . . . . . . . . . . . . . . 228 3.3.5 Gemauerte Schornsteine . . . . . . . . . . . 275
2.3.3 Flachdachabdichtungen auf 3.4 Abgasanlagen im Freien
Trapezblechkonstruktionen . . . . . . . . . 233 (Schornsteinköpfe) . . . . . . . . . . . . . . . . 277
2.3.4 Flachdachabdichtung auf Poren- 3.5 Schornsteinsanierung . . . . . . . . . . . . . 280
und Leichtbetonplatten . . . . . . . . . . . . 236 3.6 Anschluss von Gasfeuerstätten
2.3.5 Sperrbetondächer . . . . . . . . . . . . . . . . . . 237 gemäß DVGW . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 281
2.3.6 Nicht belüftete Flachdachabdichtun- 3.7 Lüftung von innenliegenden
gen auf Holzkonstruktionen . . . . . . . . 238 Bädern und Toilettenräumen . . . . . . 283
2.4 Nicht belüftete Flachdächer 3.8 Normen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 286
mit genutzter Oberfläche . . . . . . . . . 239 3.9 Literatur . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 287
2.4.1 Allgemeines . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 239
2.4.2 Begehbare Flachdächer . . . . . . . . . . . . . 239 4 Treppen, Rampen, Aufzüge
2.4.3 Befahrbare Flachdächer . . . . . . . . . . . . 241 und Fahrtreppen
2.4.4 Begrünte Flachdächer . . . . . . . . . . . . . . 242 4.1 Allgemeines . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 289
2.5 Zweischalige, belüftete Flachdach- 4.1.1 Begriffe . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 289
konstruktionen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 247 4.1.2 Vorschriften . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 292
2.5.1 Allgemeines . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 247 4.1.3 Planung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 301
2.5.2 Zweischalige Flachdachkonstruk- 4.2 Treppenbauarten . . . . . . . . . . . . . . . . . 307
tionen über Stahlbetondecken . . . . . . 249 4.2.1 Gemauerte Treppen . . . . . . . . . . . . . . . . 308
2.5.3 Zweischalige, belüftete Flachdach- 4.2.2 Werksteintreppen . . . . . . . . . . . . . . . . . . 308
Leichtkonstruktionen . . . . . . . . . . . . . . . 249 4.2.3 Stahlbetontreppen . . . . . . . . . . . . . . . . . 311
2.5.4 Vorgefertigte zweischalige, durch- 4.2.4 Holztreppen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 316
lüftete Flachdachkonstruktionen . . . . 250 4.2.5 Stahltreppen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 326
2.6 Flachdachzubehör . . . . . . . . . . . . . . . . 250 4.2.6 Treppen aus Glas . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 331
2.6.1 Lichtkuppeln . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 250 4.2.7 Sonderformen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 332
2.6.2 Entwässerung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 251 4.3 Geländer und Umwehrungen . . . . . 338
2.6.3 Sanitärentlüftungen und Antennen- 4.3.1 Vorschriften . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 338
durchgänge . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 252 4.3.2 Ausführung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 340
2.7 Normen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 254 4.4 Rampen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 346
2.8 Literatur . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 256 4.5 Aufzüge . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 347
4.4.1 Allgemeines . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 347
3 Abgasanlagen 4.5.2 Barrierefreie Erschließungen . . . . . . . . 348
(Schornsteine, Kamine) 4.5.3 Bauarten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 348
und Lüftungsschächte 4.5.4 Abmessungen und Grundriss-
3.1 Allgemeines . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 257 planung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 350
3.2 Allgemeine Bauvorschriften . . . . . . 259 4.6 Fahrtreppen und Fahrsteige . . . . . . 352
3.2.1 Vorschriften und Normen . . . . . . . . . . . 259 4.7 Normen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 353
3.2.2 Baustoffe . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 259 4.8 Literatur . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 355
3.2.3 Höhe der Abgasanlage . . . . . . . . . . . . . 260
3.2.4 Lage der Mündung und Abstände 5 Fenster
von brennbaren Bauteilen . . . . . . . . . . 260 5.1 Allgemeines . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 357
3.2.5 Wärmeschutz . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 263 5.1.1 Bezeichnungen und Bauarten . . . . . . . 361
3.2.6 Standsicherheit . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 264 5.2 Anforderungen an Fenster . . . . . . . . 365
3.2.7 Querschnitte . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 265 5.2.1 Luftdurchlässigkeit . . . . . . . . . . . . . . . . . 369
3.2.8 Anschluss von Feuerstätten . . . . . . . . . 265 5.2.2 Widerstandsfähigkeit bei Windlast . . 370
3.2.9 Wartungseinrichtungen . . . . . . . . . . . . 267 5.2.3 Schlagregendichtheit . . . . . . . . . . . . . . . 370
3.2.10 Heizräume . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 268 5.2.4 Wärmeschutz . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 371
Inhalt XI

5.2.5 Tauwasserschutz . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 373 6.4.3 Pfosten und Riegel aus Stahl


5.2.6 Schallschutz . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 373 oder Aluminium . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 492
5.2.7 Erfüllung von Mindestanforderungen 6.4.4 Pfosten und Riegel-Mischformen . . . . 493
an Fenster und Fenstertüren . . . . . . . . 378 6.5 Ausfachungen und
5.3 Bauwerksanschlüsse . . . . . . . . . . . . . . 379 Füllelemente . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 493
5.3.1 Allgemeines . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 379 6.6 Fugen- und Anschluss-
5.3.2 Einbauebene . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 380 ausbildung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 500
5.3.3 Befestigung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 382 6.7 Normen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 505
5.3.4 Fugendämmung und Abdichtung . . 384 6.8 Literatur . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 507
5.3.5 Brüstungsanschlüsse . . . . . . . . . . . . . . . 388
5.3.6 Schwellen bei Fenstertüren . . . . . . . . . 394 7 Türen, Zargen und Schlösser
5.4 Verglasungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 394 7.1 Allgemeines . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 509
5.4.1 Glasarten und Lieferformen . . . . . . . . . 394 7.1.1 Einteilung und Benennung:
5.4.2 Bemessung der Glasscheiben . . . . . . . 401 Überblick . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 510
5.4.3 Einbau von Verglasungen . . . . . . . . . . . 401 7.2 Planungshinweise . . . . . . . . . . . . . . . . . 510
5.4.4 Verglasung von Sprossenfenstern . . . 409 7.2.1 Wohnungsbau . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 513
5.4.5 Schrägverglasungen 7.2.2 Arbeitsstätten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 513
(Überkopfverglasungen) . . . . . . . . . . . . 410 7.2.3 Barrierefreies Bauen . . . . . . . . . . . . . . . . 515
5.5 Beschläge . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 416 7.2.4 Türmaße und Türgeometrie . . . . . . . . 516
5.5.1 Allgemeines . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 416 7.3 Außentüren . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 520
5.5.2 Fensterbänder . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 417 7.3.1 Anforderungen an Außentüren . . . . . 520
5.5.3 Fensterverschlüsse . . . . . . . . . . . . . . . . . 418 7.3.2 Baukörperanschlüsse
5.5.4 Funktionsbeschläge . . . . . . . . . . . . . . . . 420 von Außentüren . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 524
5.5.5 Zubehör . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 426 7.3.3 Außentüren aus Holz und
5.6 Ausführungsarten Holzwerkstoffen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 528
und Konstruktionsbeispiele . . . . . . . 426 7.3.4 Außentüren aus Metall . . . . . . . . . . . . . 536
5.6.1 Allgemeines . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 426 7.3.5 Außentüren aus Kunststoff . . . . . . . . . 541
5.6.2 Holzfenster . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 427 7.3.6 Außentüren aus Glas . . . . . . . . . . . . . . . 544
5.6.3 Holz-Aluminium-Fenster . . . . . . . . . . . . 439 7.3.7 Automatische Außentüranlagen . . . . 545
5.6.4 Aluminium-Fenster . . . . . . . . . . . . . . . . 441 7.4 Innentüren . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 547
5.6.5 Stahlfenster . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 448 7.4.1 Anforderungen an Innentüren . . . . . . 547
5.6.6 Kunststoff-Fenster . . . . . . . . . . . . . . . . . . 449 7.4.2 Bauteilanschlüsse von Innentüren . . . 555
5.7 Kellerfenster . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 454 7.4.3 Türzargen aus Holz . . . . . . . . . . . . . . . . . 559
5.7.1 Allgemeines . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 454 7.4.4 Türblätter aus Holz . . . . . . . . . . . . . . . . . 567
5.7.2 Lichtschächte . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 455 7.4.5 Türzargen aus Metall . . . . . . . . . . . . . . . 574
5.7.3 Einbau von Kellerfenstern . . . . . . . . . . 457 7.4.6 Türblätter aus Metall . . . . . . . . . . . . . . . 585
5.8 Sonnenschutz . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 457 7.4.7 Ganzglas-Türen und -Türanlagen . . . 586
5.8.1 Allgemeines . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 457 7.5 Innere Schiebetüren
5.8.2 Rollläden . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 458 und Faltwände . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 591
5.8.3 Jalousetten (Raffstores) . . . . . . . . . . . . . 465 7.5.1 Schiebetüren aus Holz
5.8.4 Markisen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 467 und Holzwerkstoffen . . . . . . . . . . . . . . . 591
5.8.5 Außen liegende Lamellensysteme . . . 468 7.5.2 Ganzglas-Schiebetüren . . . . . . . . . . . . . 595
5.8.6 Fensterläden und Schiebeläden . . . . . 469 7.5.3 Harmonikatüren und
5.9 Einbruchshemmung . . . . . . . . . . . . . . 469 Harmonikawände . . . . . . . . . . . . . . . . . . 596
5.10 Lüftungseinrichtungen . . . . . . . . . . . 473 7.5.4 Falttüren und Faltwände . . . . . . . . . . . 597
5.11 Normen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 476 7.5.5 Bewegliche Elementwände . . . . . . . . . 600
5.12 Literatur . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 479 7.6 Sondertüren . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 604
7.6.1 Feuerschutztüren und -abschlüsse . . 604
6 Pfosten-Riegel-Fassaden (PRF) 7.6.2 Rauchschutztüren und -abschlüsse . . 614
6.1 Allgemeines . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 481 7.6.3 Schallschutztüren . . . . . . . . . . . . . . . . . . 615
6.2 Planung von PRF . . . . . . . . . . . . . . . . . . 481 7.6.4 Feucht- und Nassraumtüren . . . . . . . . 619
6.3 Befestigung am Bauwerk . . . . . . . . . . 486 7.6.5 Wohnungsabschlusstüren . . . . . . . . . . 620
6.4 Bauarten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 488 7.6.6 Einbruch- und Schusshemmende
6.4.1 Allgemeines . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 488 Türen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 622
6.4.2 Pfosten und Riegel aus Holz . . . . . . . . 491 7.6.7 Strahlenschutztüren . . . . . . . . . . . . . . . . 627
XII Inhalt

7.7 Türbeschläge . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 628 8.11 Putze für Sonderzwecke:


7.7.1 Türbänder . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 628 Wärmegedämmte und
7.7.2 Türdrücker . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 633 verputzte Außenbauteile . . . . . . . . . 726
7.7.3 Türschlösser . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 637 8.11.1 Einschalige Wände aus
7.7.4 Dichtungen hoch wärmedämmenden
(Falz- und Bodendichtungen) . . . . . . . 650 Wandbaustoffen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 727
7.7.5 Türschließer und Pendeltür- 8.11.2 Einschalige Wände
beschläge . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 658 mit Außendämmung . . . . . . . . . . . . . . . 727
7.8 Normen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 664 8.11.3 Einschalige Wände
7.9 Literatur . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 675 mit Innendämmung . . . . . . . . . . . . . . . . 727
8.11.4 Wärmedämmputzsysteme . . . . . . . . . . 732
8 Außen- und Innenputze, 8.11.5 Wärmedämm-Verbundsysteme . . . . . 735
Sonderputze, Wärmedämmputze 8.12 Normen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 743
und Wärmedämm-Verbund- 8.13 Literatur . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 748
systeme
8.1 Allgemeines . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 677 9 Beschichtungen (Anstriche)
8.2 Einteilung und Benennung: und Wandbekleidungen (Tapeten)
Überblick . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 678 auf Putzgrund
8.3 Ausgangsstoffe . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 679 9.1 Beschichtungen:
8.3.1 Mineralische Bindemittel Putzmörtel 679 Allgemeine Grundbegriffe . . . . . . . . 749
8.3.2 Putze mit organischen Bindemitteln 682 9.2 Wasserverdünnbare Beschich-
8.3.3 Zuschläge für Mörtel- und tungsstoffe. Deckende Beschich-
Kunstharzputze . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 682 tungssysteme für Außen- und
8.3.4 Zusätze für Putzmörtel . . . . . . . . . . . . . 683 Innenputze . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 750
8.4 Putzmörtel und Beschichtungs- 9.3 Beschichtungen auf mineralischen
stoffe . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 683 Außenputzen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 753
8.4.1 Putzmörtel für Mineralputze . . . . . . . . 683 9.4 Beschichtungen auf mineralischen
8.4.2 Beschichtungsstoffe für Kunstharz- Innenputzen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 757
putze . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 686 9.5 Wandbekleidungen (Tapeten)
8.5 Putzaufbau . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 686 auf mineralischen Innenputzen . . . 760
8.6 Putzsysteme . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 687 9.6 Normen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 761
8.7 Putze mit mineralischen Binde- 9.7 Literatur . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 763
mitteln: Mineralputz als Außen-
und Innenputz . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 690 10 Gerüste und Abstützungen
8.7.1 Putzgrund . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 690 10.1 Gerüste . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 765
8.7.2 Putzträger, Putzbewehrung 10.1.1 Allgemeine Bestimmungen . . . . . . . . . 765
und Putzprofile . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 693 10.1.2 Materialien . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 768
8.7.3 Putzausführung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 700 10.1.3 Bauliche Anforderungen . . . . . . . . . . . . 768
8.7.4 Putzweise . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 701 10.1.4 Gerüstbauarten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 771
8.7.5 Mineralisch gebundene Außenputze 702 10.2 Absteifungen und Abfangungen . . 778
8.7.6 Mineralisch gebundene Innenputze 710 10.3 Freistehende Gerüste . . . . . . . . . . . . . 782
8.8 Putze mit organischen 10.4 Schutznetze . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 783
Bindemitteln: Kunstharzputze 10.5 Normen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 785
als Außen- und Innenputz . . . . . . . . . 716 10.6 Literatur . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 785
8.9 Putze für Sonderzwecke:
Brandschutztechnisch wirksame Sachwortverzeichnis . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 787
Putzbekleidungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . 719
8.10 Putze für Sonderzwecke:
Schallschutztechnisch wirksame
Putzbekleidungen . . . . . . . . . . . . . . . . 723
1

1 Geneigte Dächer
1

1.1 Allgemeines Dachflächen, insbesondere geneigter, also viel-


fach sichtbarer Dächer sind als so genannte „fünf-
Dächer sind in ihrer Variantenvielfalt und Ge- te Fassade“ qualifiziert zu entwerfen.
staltung entscheidend prägend für den Gesamt- Herstellungs- und Unterhaltungskosten eines Da-
eindruck eines Gebäudes. Die Ausbildung von ches können von der Gestaltung stark beeinflusst
geneigten Dächern wird durch das Klima, die Re- werden. Komplizierte Dachformen erfordern
gion, den verwendeten Baustoff, bautechnische meistens aufwändige Detaillösungen, bei denen
Traditionen und die Nutzungsart der Gebäude oft schon geringfügige Planungs- oder Ausfüh-
bestimmt. rungsfehler zu schwer wiegenden Bauschäden
Dächer sollen Bauwerke vor Witterungseinflüs- führen können. So sollten allein aus diesen Grün-
sen und meistens auch vor Wärmeverlust schüt- den ebene, zusammenhängende Dachflächen
zen. Häufig sind auch Anforderungen des Schall- bei der Planung bevorzugt werden, bei denen
schutzes und des Brandschutzes zu erfüllen. Dachaufbauten und Unterbrechungen der Dach-
haut durch Belichtungsöffnungen, Dachaufbau-
Zur eindeutigen Kennzeichnung eines Daches ge- ten, Installationen und Ähnliches auf das unbe-
hören Angaben über dingt Notwendige beschränkt bleiben.
Ɣ Dachform
Bei Verschneidungen verschiedener Dachflächen
Ɣ Dachgrundriss untereinander oder mit Dachaufbauten muss un-
Ɣ Dachtragwerk bedingt darauf geachtet werden, dass der Regen-
Ɣ Dachneigung wasserlauf nicht auf schwer abzudichtende
Ɣ Dachdeckungsmaterial
Wandanschlüsse, schräg verlaufende Ortgänge
usw. trifft. Bei manchen Dachentwürfen mit Er-
Ɣ Dachdeckungsart kern, Gauben oder Gebäudevor- oder -rücksprün-
Ɣ Dachentwässerung. gen wird vielfach übersehen, dass in solchen
Fällen für oft nur kurze Traufenabschnitte geson-
Dachflächen können in Abhängigkeit von der derte Regenfallrohre notwendig werden, die sich
Dachneigung auf die verschiedenste Weise her- sehr nachteilig auf die Fassadengestaltung aus-
gestellt werden. wirken können.

Dachdeckungen aus „geschuppt“ mit Fugen ver-


legten Materialien (Abschn. 1.6) erfordern deut- Bezeichnung der Dachformen
lich geneigte Dachflächen, die in der Regel von
einem Dachtragwerk getragen werden. Die Grundformen von geneigten Dächern mit ebe-
nen Flächen sind in Bild 1.1 gezeigt. Unterschie-
Dachabdichtungen aus geschlossenen, fugen- den werden einachsige (über eine Gebäuderich-
los verlegten Bahnen (Abschn. 2) können ohne tung) gespannte Formen wie Sattel-, Pult-, Gra-
oder mit geringer Neigung auf flachen Tragwer- ben- und Mansarddächer und zweiachsige (über
ken oder direkt auf Bauwerken oder Bauteilen zwei Achsen entwickelte) Dächer wie Walm- oder
flächig aufliegen. Zeltdächer. Varianten, Misch- und Sonderformen
dieser Grundformen sind möglich. Sie entstehen
z. B. auch, wenn geneigte Dachflächen auf nicht
1.1.1 Dachformen
rechtwinkligen Baukörpern vorgesehen werden.
Dachform, Dachneigung, Dachdeckung und Dabei entstehen Dachformen mit vorspringen-
Dachränder mit Ortgang- und Traufenausbildung den und geneigten Traufen- und Firstlinien, die
haben entscheidenden Einfluss auf die äußere jedoch besondere Aufmerksamkeit hinsichtlich
Gesamtwirkung eines Bauwerks. Sie sollen im Ein- aller Detailpunkte und der Wasserableitung erfor-
klang stehen mit dessen Funktion und sind damit dern.
weitgehend abhängig von Grundriss, Konstruk- Geneigte Dächer mit gekrümmten Flächen können
tionsart und Höhe eines Gebäudes. einachsig als Tonnendächer (Voll-, Halbtonne,

U. Hestermann, L. Rongen, Frick/Knöll Baukonstruktionslehre 2,


DOI 10.1007/978-3-8348-2140-9_1, © Springer Fachmedien Wiesbaden 2013
2 1 Geneigte Dächer

Segmentbogen) oder auch zweiachsig als para- werke und andere mehr (s. Bild 1.17, 1.21 und
bel- oder hyperbelförmige Schalendächer über 1.22 in Teil 1 dieses Werkes), die in diesem Zu-
1 nahezu jeder Grundrissform ausgebildet werden. sammenhang nicht behandelt werden können
Weitere besondere Dachformen ergeben sich und für die auf weiterführende Literatur ver-
durch Konstruktionstechniken wie Hängekon- wiesen werden muss.
struktionen, pneumatische Konstruktionen, Falt-

1.1 Dachformen
a) Flachdach mit Attikarand (s. Abschn. 2) g) Mansarddach
b) Flachdach mit auskragender Dachscheibe h) Walmdach
c) Pultdach i) Sheddach
d) Satteldach j) Tonnendach
e) Grabendach (Schmetterlingsdach) k) Halbtonnendach
f) Zeltdach l) Segmentbogendach
1.1 Allgemeines 3

1.1.2 Bezeichnung von Dachteilen


Die Bezeichnungen einzelner Dachteile sind Bild
1.2 zu entnehmen
1

1.2
Bezeichnung von Dachteilen
1 First
2 Traufe
3 Ortgang
4 Giebel
5 Drempel
oder Kniestock
6 Grat
7 Kehle
8 Walm
9 Anfallspunkt
10 Schleppgaube
11 Fledermausgaube
12 Stehende Gauben
(s. a. Abschn. 1.10.3)

1.1.3 Konstruktionsgrundregeln unterteilt), sowie nach der Dachform und Dach-


neigung, mit deren zunehmendem Winkel Form-
Dachflächen werden durch zwei Belastungsarten beiwerte μ (früher Abminderungsbeiwert ks) an-
beansprucht. gesetzt werden.
Das Eigengewicht und die Schnee- und Eislast wir- Die Windbelastungen sind abhängig von der
ken senkrecht auf das Tragwerk ein, – Windlasten Windgeschwindigkeit (geographische Lage), der
gemäß DIN EN 1991-1-4 erzeugen hingegen von Dachform und der Höhenlage über Gelände. Mit
der Dachneigung abhängige horizontale Lastein- zunehmender Höhe des Daches über Gelände
wirkungen als Drucklast (Staudruck) auf der wind- nimmt die Windgeschwindigkeit ab. (Windlast-
zugewandten angeströmten Seite (Luvseite) und zonen s. Abschn. 5.2.7 und Bild 5.19).
als Sogwirkung auf der windabgewandten Seite
Dachflächen können auf Bauwerken so aufliegen,
(Leeseite). Die Sogwirkung kann größer sein als
dass die senkrechten Lasten nur vertikale Auflager-
der Staudruck und tritt an angeströmten Ge-
kräfte bewirken (Bild 1.3a und b). Sie können sich
bäudekanten und -ecken durch Wirbelbildungen
jedoch auch so gegeneinander abstützen, dass
besonders stark auf. Dachkonstruktionen sind
an den Auflagern vertikale und horizontale Kräfte
deshalb gegen Abheben durch Soglasten zu
auftreten (Bild 1.3c).
sichern.
Die Grundformen für Dachkonstruktionen, die
Die Größe der Schnee- und Eislasten richtet sich
sich traditionell herausgebildet haben, werden
nach der geographischen Lage des Gebäudes
bezeichnet als
(Deutschland ist gemäß DIN EN 1991-1-3 in fünf
Schneelastzonen bzw. vier Eiszonen in Abhängig- Ɣ Sparrendächer (Bild 1.3c),
keit von der Höhenlage des Standortes über NN Ɣ Pfettendächer (Bild 1.3b, 1.4b).
4 1 Geneigte Dächer

1.3 Auflagerkräfte von Dachkonstruktionen


a) Flachdächer
b) vertikale Auflagerkräfte bei Pfettendächern
c) vertikale und horizontale Auflagerkräfte bei Sparrendächern

Sparrendächer sind auf rechteckigen einfachen Pfettendächer sind ab einer Dachneigung unter
Gebäudegrundrissen mit Dachneigungen ab ca. 25 Grad die einzige konstruktiv und wirt-
ca. 30 bis 60 Grad einsetzbar. Sie ermöglichen schaftlich sinnvolle Alternative. Sie bieten sich
durch die mögliche Stützenfreiheit einen unein- auch immer dann an, wenn komplizierte Grund-
geschränkt nutzbaren Dachraum. Das tragende, rissformen sowie Dächer mit nahezu jeder
i. d. R. aus Holz erstellte Tragwerk beruht auf dem beliebigen Neigung zu überdecken sind. Pfet-
Prinzip des unverschieblichen Dreiecks, bei dem tendächer ermöglichen den Einbau größerer
jeweils zwei gegeneinander geneigt liegende Dachöffnungen für Gauben, Fenster und Dach-
Sparren und der Deckenbereich dazwischen bzw. terrassen. Vielfach stören allerdings notwendige
ein Deckenbalken zu einem statischen System Stützen und Aussteifungsbauteile die Nutzbar-
verbunden sind. Ungünstig wirken sich größere keit des Dachraumes. Zudem ist ein höherer Ma-
Dachöffnungen aus, die die jeweiligen Gespärre terialaufwand erforderlich.
unterbrechen. Bei größeren Spannweiten wird Die aus dem Eigengewicht der Dachkonstruktio-
das Sparrendach durch horizontale Kehlbalken nen, aus Wind- und Schneelasten und aus Nutz-
gestützt (Bild 1.16). last resultierenden Gesamtlasten können linear
über Pfetten auf Außen- und Innenwände bzw.
punktweise auf Stützen abgetragen werden (Bild
1.4b).

1.4a 1.4b 1.4c

1.4 Lastabtragung
a) Abtragung der Dachlast auf die Außenwände
b) Lastabtragung auf Außen- und Innenwände
c) Lastabtragung punktweise
1.2 Dachtragwerke aus Holz 5

1.5 Aussteifung
a) durch Scheibenwirkung der Dachschale
b) durch biegesteifen Eckverband der Kopfbänder und Scheibenwirkung der Zwischendecke
c) durch Dreieckverbände, z. B. Windrispen (s. Bild 1.14 u. 1.17)

Gegen die Auswirkung horizontal angreifender dem alle Glieder der Konstruktion in ihrem Zu-
Kräfte – (das sind überwiegend Windkräfte) – sammenwirken erkennbar werden. Das sind z. B.
müssen Dachkonstruktionen für sich allein oder beim
in Verbindung mit dem übrigen Bauwerk unver- Ɣ Sparrendach: Sparren, Kehlbalken, Deckenbal-
schiebbar ausgebildet (ausgesteift) sein. Das kann ken oder Deckenkonstruktion
erreicht werden durch die Flächenwirkung schei-
benartiger Bauteile (durch Schalungsflächen in Ɣ Pfettendach: Stuhlsäulen (Stiele, Pfosten), Pfet-
den Dachebenen oder Fußbodenflächen) oder ten, Streben, Sparren und ggf. Zangen, Stre-
durch Dreiecksverbände (z. B. durch Kopfbänder ben, Kopfbänder.
oder Windrispen, Bild 1.5). Alle Dachkonstruktio- Bei ingenieurmäßig konstruierten und berechne-
nen müssen gegen Abheben oder Kippen infolge ten Tragwerken sollen neben dem Überblick über
Winddruck oder -sog durch entsprechendes Ei- die Gesamtkonstruktion mit allen Verbänden die
gengewicht oder durch Verankerung mit dem Ausbildung der Knotenpunkte mit allen Maßen
übrigen Bauwerk gesichert sein (Bild 1.21, 1.22 und Verbindungselementen in großem Maßstab
und 1.37). deutlich gemacht werden.
In Detailzeichnungen sind Ortgang- und Traufen-
1.1.4 Zeichnerische Darstellung abschlüsse, Anschlüsse an aufgehende Wände,
Lichtöffnungen, Regenrohre usw. im Zusammen-
Dachkonstruktionen sind in Quer- und Längs- hang mit Dachdeckung und Wärmeschutz darzu-
schnitten, Grundrissen und Detailzeichnungen stellen.
darzustellen. Sie dienen zur
Ɣ Klarstellung der Konstruktion
Ɣ Grundlage der statischen Berechnung 1.2 Dachtragwerke aus Holz
Ɣ Preisermittlung
Ɣ Bauausführung. 1.2.1 Allgemeines
Grundrisszeichnungen sollen zeigen Holz gilt nach wie vor als hervorragend geeigne-
Ɣ Lage aller tragenden Bauteile wie tragende ter Baustoff für Dachkonstruktionen. Die traditio-
Wände, Unterzüge, Stützen, Pfosten nellen, handwerklich (zimmermannsmäßig) her-
Ɣ Lage der Binder, aller Pfetten, Zangen, Sparren gestellten Dachtragwerke sind ständig weiterent-
Ɣ Lage von Dachaufbauten, Schornsteinen, Dach- wickelt worden, so dass es auch heute möglich
fenstern oder Lichtöffnungen, Dachausstiegen ist, statisch-konstruktiv und geometrisch sehr
und sonstigen Aussparungen mit den evtl. er- anspruchsvolle Bauaufgaben gerade mit Holz-
forderlichen Auswechslungen konstruktionen wirtschaftlich und formal anspre-
chend zu lösen. Moderne Holzverarbeitungsver-
Ɣ Lage von Firstlinien, Graten und Kehlen sowie
fahren und Holzschutzmittel haben die ohnehin
Darstellung des geplanten Regenwasserab- große Lebensdauer von Holzkonstruktionen
laufes noch bedeutend verbessert, die Gestaltungs-
Ɣ Dachüberstände und Dachrandausbildungen. möglichkeiten ausgeweitet und die Unterhaltung
Querschnitte sollen insbesondere den Dachbin- wesentlich vereinfacht. Als Konstruktionsregel ist
der zeigen, d. h. den Teil des Dachtragwerkes, in jedoch auch heute noch zu beachten, dass Höl-
6 1 Geneigte Dächer

zer, die Feuchtigkeitseinwirkungen ausgesetzt Bauholz


sind, leicht wieder trocknen können müssen. Vor Für Bauholz gelten DIN 68 365 (Bauholz) sowie
1 ständiger Einwirkung von wechselnder Erdfeuch- DIN EN 338 (Festigkeitsklassen), DIN EN 384 (Cha-
tigkeit, vor Spritzwasser (z. B. in Geländenähe) rakteristische Werte für mechanische Eigenschaf-
oder vor Tauwasser (z. B. bei unmittelbarer Berüh- ten und Rohdichte) und DIN 4074-1 (Sortierklas-
rung mit Mauerwerk, Beton oder größeren Me- sen). Nach DIN EN 338 werden hinsichtlich der
tallflächen) muss Holz durch konstruktive Maß- Festigkeitswerte und zulässigen Beanspruchun-
nahmen geschützt sein. gen Festigkeitsklassen für Pappel- und Nadel-
Die Widerstandsfähigkeit von Holzkonstruktio- hölzer (C14 bis C40) und für Laubhölzer (D30 bis
nen gegen Feuer kann durch Beschichtungen D70) unterschieden. Der angegebene Zahlen-
oder Ummantelungen ggf. erheblich verbessert wert benennt die Biegezugfestigkeit in N/mm².
werden. Verleimte Konstruktionen (z. B. Brett- DIN 4074-2 unterscheidet darüber hinaus für Na-
schichtträger, s. Bild 1.62, 1.87, 1.89) und einige delrundholz 3 Güteklassen:
Holzwerkstoffplatten sind gegen Entflammung Ɣ Güteklasse I besonders hohe Tragfähigkeit
besonders widerstandsfähig.
Ɣ Güteklasse II gewöhnliche Tragfähigkeit
Für kleinere und konstruktiv einfache Dächer
Ɣ Güteklasse III geringe Tragfähigkeit
werden auch heute noch Konstruktionen nach
handwerklichen Erfahrungsgrundsätzen ausge- Bauholz (Vollholz) für Zimmerarbeiten ist zwar
führt. In der Regel ist aber ein Standsicherheits- auch in DIN 68 365 genormt, jedoch enthält DIN
nachweis für das Baugenehmigungsverfahren 4074-1 eine noch weitergehende Klassifizierung
notwendig, wobei Mindestabmessungen der ein- der Anforderungen an Nadelschnittholz (Latten,
zelnen Bauteile und ihre konstruktive Verbin- Bretter, Bohlen, Kanthölzer), an die Oberflächen-
dung untereinander festgelegt werden. beschaffenheit, die Zulässigkeit von Krümmun-
gen oder Verdrehungen, von Baumkanten, Ästen,
Breite und Neigung von Jahresringen, von Blitz-
1.2.2 Baustoff Holz und Frostrissen, Verfärbungen, Insektenbefall
usw.
Allgemeines
Die Sortierungsmerkmale werden gem. DIN
Für Zimmerarbeiten werden hauptsächlich Nadel- 4074-1 und 4074-5 unterschieden für:
hölzer verwendet: Ɣ „visuelle Sortierung“
Ɣ Kiefer (sehr harzreich, daher dauerhaft) Sortierklassen (Festigkeitsklasse gemäß DIN EN
338): S7 (C16), S10 (C24), S13 (C30)
Ɣ Fichte (Rottanne)
Ɣ „maschinelle Sortierung“
Ɣ Weißtanne (Edeltanne)
Sortierklassen (Festigkeitsklasse gemäß DIN EN
Ɣ Lärche (sehr harzreich). 338): MS7 (C16), MS10 (C24), MS13 (C30) usw.,
wobei die Angabe der Festigkeitsklasse mit
Hölzer mit größeren Querschnitten (Balken) be- dem Zusatz M gekennzeichnet wird.
stehen meist aus Kiefern- oder Fichtenholz.
Durch Anwenden der Gütevorschriften, volles Für zimmermannsmäßige Dachkonstruktionen
Ausnutzen der Tragfähigkeit, sachgemäßen Ein- wird in der Regel Vollholz der Sortierklasse S 10
bau und ggf. geeigneten Holzschutz kann Holz verwendet.
gespart werden; ferner dadurch, dass alle Balken- Die Sortierkriterien sind gemäß DIN 4074-1 auf
und Dachverbandhölzer nach der DIN EN 1995- eine mittlere Holzfeuchte von 20% (Gewicht des
1-1 und DIN EN 1995-1-2 „Bemessung und Kons- absolut trockenen Holzes – Holzfeuchte = 0%) be-
truktion von Holzbauten“ berechnet werden und zogen. Holzfeuchten unter 20% lassen sich nur
die DIN 18 334 „Zimmer- und Holzbauarbeiten“ durch technische Trocknung (gesteuerte Holz-
beachtet wird. trocknung in Trockenkammern) erreichen.
Die Dichte in kg/dm³ des Holzes in lufttrockenem
Gütebedingungen
Zustand (DIN EN 384) beträgt bei
Holzbauwerke aller Art und somit auch Dachkon-
Ɣ weichen Hölzern (Fichte, Tanne) 0,55
struktionen werden nach Eurocode 5 (DIN EN
1995-1-1 und 1995-1-2), vormals DIN 1052 be- Ɣ halbharten Hölzern (Kiefer, Lärche) 0,60
messen. Ɣ harten Hölzern (Buche, Eiche) 0,75–0,80
1.2 Dachtragwerke aus Holz 7

Konstruktionsvollholz (KVH) Kreuz(holz)balken


Für Konstruktionsvollholz (Bild 1.6a) aus Fichte Aus einheimischen Nadelhölzern (Fichte/Tanne)
oder Tanne zur Verwendung im Holzhausbau gel- werden zur Verbesserung der Holzausbeute aus 1
ten auf Grund von Vereinbarungen zwischen Schwachhölzern mit kleinen Querschnitten so
dem Bund Deutscher Zimmermeister (BDZ) und genannte Kreuzbalken hergestellt. Dabei werden
der Vereinigung Deutscher Sägewerksverbände vier Rundholz-Außenteile so miteinander ver-
besondere Qualitätsstandards hinsichtlich Maß- leimt, dass die Rundungen innen liegen, im Zent-
haltigkeit und Dimensionsstabilität, optischem rum also ein mehr oder weniger unregelmäßig
Erscheinungsbild, Zulässigkeit von Keilzinkun- geformtes Loch entsteht. Die Jahresringe laufen
gen, Standardquerschnitten und -längen sowie dabei sehr gleichmäßig auf die Außenseiten zu
des Feuchtegehaltes (< 18%). Dabei wird unter- (Bild 1.6 f). Es entstehen somit gegen Risse weit
schieden zwischen Konstruktionsvollholz für den weniger anfällige Außenflächen, und es werden
sichtbaren Einbaubereich (KVH-Si) und für den eine erheblich bessere Formstabilität, besseres
nicht sichtbaren Bereich (KVH-NSi). Feuchtigkeitsverhalten bzw. bessere Trocknungs-
eigenschaften und auch günstigere statische
Brettschichtholz (BSH) Eigenschaften gegenüber Vollholz erreicht. Es
Vollkantige Konstruktionshölzer mit großen werden standardmäßig Querschittsabmessun-
Querschnitten (ab einer Seitenlänge von ca. 20 cm) gen von 8 bis 10 cm Breite und 20 bis 26 cm Höhe
sind heute nicht nur schwierig zu beschaffen, sie und Längen bis 12 m von zugelassenen Herstel-
neigen wegen der verfügbaren Holzqualitäten lern angeboten.
auch besonders zum Reißen, Schwinden und Ver- Nach diesem Herstellungsprinzip können auch
drehen. großformatige mehrschichtige Wandelemente
Sie werden daher vielfach insbesondere bei sich- mit Hohlräumen gefertigt werden.
tigem Einbau durch Brettschichtholz (Bild 1.6b) Durch die Verwendung von Hölzern geringer
ersetzt. Die Vorteile des BSH liegen in der Verrin- Feuchte (d 15%) für zusammengesetzte, verleim-
gerung des Verwindens und Schwindverhaltens te Querschnitte kann auf einen vorbeugenden
sowie in der Erhöhung der Maßhaltigkeit und der chemischen Holzschutz gemäß DIN 68 800-2 ge-
Festigkeitswerte quer zur Faser. Brettschichthöl- gen Pilze und Insekten verzichtet werden.
zer weisen zudem ein besseres Brandschutzver-
halten als Vollholzquerschnitte auf. Es besteht Holzwerkstoffe
aus lamellenartig zu Vollprofilen in einem Press-
Für die Verwendung in zimmermannsmäßigen
bett verleimten, mit Keilzinkung (Bild 1.117) ge-
Konstruktionen kommen für tragende Bauteile
stoßenen Brettern. Rechteckquerschnitte werden
ab ca. 8 cm Breite und in Höhen bis über 2,00 m
und Regellängen bis zu 35 m in besonders dafür
zugelassenen Betrieben hergestellt. Dabei sind
auch gebogene und räumlich gekrümmte Träger-
formen sowie trapezförmige o. ä. Querschnitte
möglich. Die Abmessungen der gehobelten
Querschnitte werden durch die Größen der Ho-
belmaschinen und den Transport begrenzt.

Duobalken (Halbhölzer) oder Triobalken


Zur Verbesserung der Formstabilität und zur Ver-
meidung von Rissen in sichtbar eingesetzten Be-
reichen werden aus zwei oder drei ca. 8 cm dicken
Bohlenquerschnitten oder Kanthölzern (überwie-
gend aus Fichtenholz) verleimte, zusammenge-
setzte Balkenquerschnitte ähnlich wie Brett- 1.6 Bauholz
schichthölzer hergestellt (Bild 1.6 c–e). Die Vor- a) Konstruktions-Vollholz (KVH)
zugsquerschnitte betragen bei Duobalken 8 bis b) Brettschichtholz (BSH)
c) Halbholzbalken
16 cm, bei Triobalken 18 bis 24 cm Breite und 12 d) Duobalken
bis 24 cm Höhe. Es sind standardmäßig Längen e) Triobalken
bis 18 m in der Sortierklasse 10 lieferbar. f) Kreuzholzbalken
8 1 Geneigte Dächer

und auch zusammengesetzte Querschnitte wie Spanplatten gemäß DIN EN 309 bestehen aus
z. B. Kastenträger (Bild 1.63) verschiedene Holz- dünnen Holzspänen oder anderen holzartigen
1 werkstoffplatten zur Anwendung. Dies sind plat- Faserstoffen sowie Bindemitteln als Kunstharz,
tenförmige Bauteile, die durch Pressen von Holz- Zement oder auch Gips, die unter Pressdruck zu-
teilen wie Furnieren, Stäben und zerkleinerten sammengefügt werden.
Spänen, Fasern und Holzwolle unter Zugabe von Dazu zählen:
Bindemitteln (z. B. Kunstharze oder mineralische Furnierstreifenholz (Parallam PSL® = Parallel
Bindemittel wie Zement) hergestellt werden. Es Strand Lumber) aus phenolharzverleimten paral-
werden nach Zerkleinerungsgrad, Art und Quali- lel verlaufenden Schälfurnierstreifen (ca. 16 mm
tät des verwendeten Holzes, Bindemittel und breit und 3 mm dick) aus Douglas Fir oder Sou-
Pressverfahren vier Arten unterschieden. thern Yellow Pine. Kantholz- Querschnitte von
Ɣ Lagenholz (Sperr- und Schichtholz) 280/490 mm und Längen bis etwa 20 m, hohe
Ɣ Spanplatten Festigkeitseigenschaften und einfache Verbin-
Ɣ Holzfaserplatten für vorwiegend statisch nicht dungstechniken ergeben außerordentlich wirt-
beanspruchte Bauteile schaftliche Einsatzmöglichkeiten. Gut geeignet
Ɣ Holzwolle-Leichtbauplatten (HWL) überwiegend
für Träger, Stützen, Pfetten usw.
als Dämmstoffe
Streifenholz (Intrallam LSL® = Laminated Strand
Sperr- oder Schichtholzplatten bestehen mindes- Lumber) wird aus langen polyurethanverleimten
tens aus drei Holzlagen aus Furnieren oder Holz- Furnierstreifen (ca. 0,8 x 25 x 300 mm) auch aus
stäbchen, die mit ihren Faserrichtungen gegenei- minderwertigen Holzqualitäten (Pappelholz) zu
nander versetzt aufeinander geleimt werden. großen bis zu 32 bis 89 mm dicken Platten in Ab-
messungen von max. ca. 2,40 x 10 m gepresst.
Dazu zählen: Diese können in beliebige Einzelstreifen aufge-
Drei- oder Fünfschichtplatten (Brettsperrholz) trennt werden.
bestehen aus kreuzweise miteinander verleimten
unterschiedlich dicken Brettlagen (3 oder 5) aus OSB-Flachpressplatten (Oriented Strand Boards)
Nadelholz. Die Decklagen werden in wesentlich nach DIN EN 300 aus parallel zur Oberfläche lie-
geringeren Materialstärken als die Mittellagen genden Längsspänen (i. M. 0,6 mm dick, bis
ausgebildet. Die Standardabmessungen betra- 75 mm lang und 35 mm breit) mit Phenolharz
gen zwischen 13 bis 52 mm Dicke und 2,50/3,00 m verleimte Platten in Dicken ab 8 mm bis 22 mm,
bis 5.00/6.00 m Seitenlänge. max. 30 mm und Plattenformaten von 2,50/5,00 m
Länge und 1,25/2,50 m Breite.
Bau-Furniersperrholz (BFU) (Multiplex-Platten)
entsteht durch das Verleimen von kreuzweise an- Flachpressplatten (FP) gemäß DIN EN 312, be-
geordneten Furnieren (bis 3 mm dick) aus unter- stehen aus parallel zur Plattenebene unter Druck
schiedlichen Holzarten mit Phenol- oder Resor- verleimten Holzspänen. Die Plattenfeuchte in ein-
zinharzen. Die Plattenfeuchte im eingebauten gebauten Zustand ist bei der Materialwahl zu be-
Zustand ist bei der Materialwahl zu berücksichti- rücksichtigen (d 15% = V 20, d 18% = V100, d 21%
gen (d 15% = BFU 20, d 18% = BFU 100, d 21% = = V100G). Die Standardabmessungen betragen
BFU 100G). Die Standardabmessungen betragen 4, 8, 10, 13, 16, 19, 22, 25, 28 und 38 mm Dicke und
8, 9, 10, 12, 15, 18, 20, 21, 24 und 25 mm Dicke und ca. 2,70/4,10/5,50 m Länge sowie 1,85/2,05 m
ca. 2,40/3,00 m Länge sowie 1,20/1,50 m Breite. Breite.

Furnierschichtholz (FSH), hergestellt vor allem Zementgebundenen Flachpressplatten gemäß


in den USA, Kanada und Finnland (z. B. Kerto®, Mi- DIN EN 634. Chemisch behandelte Holzspäne
crollam LVL) aus verleimten 3 mm dicken Fichten- aus Nadelholz, die als Armierung dienen, wer-
Schälholzfurnieren. Das Material wird in Platten den mit Portlandzement gebunden. Sie können
von 1,82 m Breite, Dicken von 21 bis 75 mm (in in allen Nutzungsklassen (1, 2 und 3 gemäß
6 mm Stufen) und in Längen bis zu 23 m produ- DIN 68 800-2) in den Materialstärken 8, 10, 12,
ziert und ist für tragende Bauteile (z. B. für ausstei- 15, 16, 20, 24, 25, 28, 32, 36 und 40 mm ver-
fende Scheiben, Wind- und Knickverbände in wendet werden. Die Plattenformate betragen
Verbindung mit Sparren, Rippen usw. bauauf- ca. 2,20 bis 3,35 und 6,50 m Länge und 1,25 bis
sichtlich zugelassen. 3,00 m Breite.
1.2 Dachtragwerke aus Holz 9

Gipsgebundenen Flachpressplatten. Sie beste- anspruchungsart sind sie druckbelastbar (WD)


hen aus kalziniertem Gips und Holzspänen aus oder nicht druckbelastbar (W) lieferbar.
Fichte und Espe, die als Armierung dienen. In den 1
Dicken 6, 8, 10, 12, 15, 18 und 22 mm dürfen sie Mängel und Fehler des Holzes
in Feuchtebereichen bis d 18% (Nutzungsklassen Nachteilig ist die Neigung des Bauholzes – insbe-
1 und 2 gemäß DIN 68 800-2) in Holzhäusern in sondere des Vollholzes zum Quellen und Schwin-
Tafelbauweise eingesetzt werden. den (bei Wasser- und Feuchtigkeitsaufnahme
bzw. -abgabe), zum Reißen (bei ungleichmäßi-
Holzfaserplatten gemäß DIN EN 622 bestehen aus gem Austrocknen von Kern- und Splintholz) und
Holzfasern oder Holzfaserbündeln, die überwie- zum Werfen (ungleichmäßiges Quellen oder
gend ohne Bindmittel zu Platten gepresst werden. Schwinden von Schnittholz mit einer Kernholz-
Sie sind für statisch nicht belastungsfähige Bau- und einer Splintholzseite).
teilschichten sowie im Innenausbau einsetzbar.
Trocken- und Schwindrisse, von außen nach in-
Dazu zählen: nen verlaufend und kaum zu vermeiden, beein-
Harte Holzfaserplatten (HFH – Hard Fibreboard trächtigen die Holzfestigkeit nur wenig. Dagegen
sog. „Hartfaserplatten“) aus leimfrei im Nassver- wird die Tragfähigkeit durch Kernrisse, von innen
fahren zusammengepressten verholzten Fasern nach außen gehend, bedeutend vermindert.
stehen in Abmessungen von 3,2 mm, 4 und 6 mm Ringschäle, in der Richtung der Jahresringe ver-
Dicke, 2,60 m Länge und 2,05 m Breite in den laufende Risse, sowie Blitzrisse und Frostrisse sind
Holzwerkstoffklassen HFH 20 und HFH 100 zur für Holz der Sortierklasse S13 nicht zulässig.
Verfügung. Gesunde, festverwachsene Äste sind keine Fehler,
beeinträchtigen jedoch die Tragfähigkeit des
Mitteldichte Holzfaserplatten (MDF – Medium Bauholzes, und zwar bei Zugbeanspruchung
-Density-Fibreboard) entstehen durch Verpres- mehr als bei Druckbeanspruchung. Drehwüchsi-
sen von Fasern mit Klebstoffen (Harnstoff- oder ges Holz (mit schraubenförmig verlaufenden Fa-
Phenolharze) im Trockenverfahren in den Holz- sern) lässt sich schlecht bearbeiten und wirft sich
werkstoffklassen MDF 20 und MDF 100. Die Plat- leicht. Faserverlauf schräg zu den Längskanten
tenformate betragen i. d. R. 1,25 m x 2,50 m Breite vermindert die Festigkeit.
bis 5,70 m Länge, die Standard-Materialstärken 6, Bläue und harte rote Streifen sind bei Verwen-
8, 9,10, 12 und 15 bis 60 mm. dung im Trockenen zulässig, nicht aber, wenn das
Holz getränkt werden soll.
Mittelharte Holzfaserplatten (HFM – Medium- Rot- und Weißfäule, die den lebenden Baum be-
Hard-Fibreboard) entstehen durch Verpressen fallen, beeinträchtigen die Güte des Holzes we-
von Fasern ohne Klebstoffe im Nassverfahren in nig. Befallenes trockenes Holz ist nur im Trocke-
den Holzwerkstoffklassen HFM 20 und HFM 100. nen verwendbar. Das gleiche gilt für Holz mit
Die Plattenformate betragen i. d. R. ebenfalls Wurmfraß, falls die Bohrgänge der Käfer und
1,875 m x 2,60 m, die Standard-Materialstärken 6, Holzwespen sich nur an der Oberfläche befinden
8, 9,10, 12 und 15 mm. und das Holz sorgfältig mit Holzschutzmitteln im-
prägniert wird.
Weiche Holzfaserplatten werden als Dämm- Durch die Verwendung zusammengesetzter, ver-
stoffplatten aus Cellulosefasern im Nassverfahren leimter Holzquerschnitte lassen sich die vorher
bindemittelfrei bis zu einer Rohdichte von 400 beschriebenen Nachteile des Bauholzes (Vollhol-
kg/m³ in verschiedensten Dicken von 6 bis 20 und zes) vermeiden.
100 mm und Plattenabmessungen von 1,25 x
2,50 m hergestellt. In Feuchtebereichen können
Holzschutz
bituminierte Holzfaserplatten (BPH) eingesetzt
werden (z. B. als Vordeckung/Unterdach). Gelagertes und eingebautes Holz ist durch
pflanzliche Schädigungen (Pilze wie Echter
Holzwolleleichtbauplatten (HWL) gemäß DIN 13 168 Hausschwamm, Porenhausschwamm, Keller-
sind als Dämmstoff bestehend aus Holzwolle schwamm, Bläuepilz) und Insekten (Hausbock,
und mineralischen Bindemitteln (Zement oder Poch- oder Nagekäfer, Splintholzkäfer, Holzwes-
Magnesit) einsetzbar. Die Standardabmessungen pen) gefährdet.
betragen 15, 25, 35, 50, 75 und 100 mm Dicke Pflanzliche Schädigungen treten vor allem dort
und 2,00 m Länge sowie 50 cm Breite. Je nach Be- auf, wo Holz zu feucht eingebaut wurde und eine
10 1 Geneigte Dächer

rasche Austrocknung nicht möglich ist oder wenn Tauwasserbildung entgegenzuwirken (s. Abschn.
eingebautes Holz ständiger Feuchtigkeit durch 10.3 in Teil 1 des Werkes).
1 Bewitterung, Kondensat oder durch an Schadens- Während der Bauzeit sind Holzbauteile nötigen-
stellen eindringendes Wasser ausgesetzt wird. Zu falls durch geeignete provisorische Abdeckun-
Schutzmaßnahmen zählt daher vor allem der gen gegen länger einwirkende Feuchtigkeit zu
sachgemäße Einbau des Holzes (vgl. Abschn. 17.2 schützen.
in Teil 1 des Werkes).
Wenn schädigende Beanspruchungen durch Chemischer Holzschutz
bauliche Maßnahmen nicht ausreichend zu ver-
Holz im Innenbereich, das nicht durch Schädlinge
hindern sind, sind chemische Maßnahmen gegen
gefährdet ist, wie z. B. Treppen, Verkleidungen,
den Befall schädigender Insekten nicht zu ver-
Einbaumöbel usw., wird lediglich mit Holzverede-
meiden.
lungsmitteln behandelt, die das Holz in natürli-
Baulicher (konstruktiver) Holzschutz cher Farbe belassen und einen Oberflächen-
schutz gegen Verschmutzung bilden.
Bauholz ist am meisten durch Pilze gefährdet,
wenn für diese geeignete Wachstumsbedingun- Hölzer, die der Bewitterung ausgesetzt sind, müs-
gen vorhanden sind. Das ist überall dort der Fall, sen zusätzlich zu baulichen Schutzmaßnahmen
wo längere Zeit Feuchtigkeit herrscht, die über vor allem gegen zerstörende und verfärbende
dem Wert von 20% für luftfeuchtes Holz liegt. Pilze geschützt werden.
Zu den baulichen Holzschutzmaßnahmen sind Dabei ist zunächst die unterschiedliche Resistenz
daher schon die Wahl geeigneter Holzarten und der verwendeten Holzarten gegen Pilzbefall zu
die Einhaltung der richtigen Holzfeuchte bei der berücksichtigen (Tab. 1.7).
Bearbeitung und beim Einbau zu rechnen. Durch Beschichtungen, die lichtechte Pigmente
Bereits bei der Planung von im Freien liegenden enthalten, ist ein Schutz gegen ultraviolette
Holzkonstruktionen ist darauf zu achten, dass die- Strahlung des Sonnenlichtes möglich. Für die
se nicht durch exponierte Lage übermäßiger Be- Herstellung wasserabweisender Oberflächen
witterung ausgesetzt sind. Wenn das nicht zu kommen biozidfreie Grundierungs- und Anstrich-
vermeiden ist, müssen komplizierte Profilierun- mittel (wasserlösliche Lasuren) in Frage.
gen und Bauteilanschlüsse vermieden werden, Für tragende und aussteifende Holzbauteile ist in
damit keine Feuchtigkeitsnester entstehen kön- der Regel vorbeugender chemischer Holzschutz
nen. Freiliegende Holzflächen, insbesondere nötig. Chemische Holzschutzmittel müssen nach
Hirnholzflächen, müssen durch Abdeckungen aus dem bisherigen Stand der Forschung biozide
Metall geschützt werden oder – wenn das aus Wirkstoffe enthalten. (Die sogenannten „biologi-
gestalterischen Gründen nicht gewünscht wird – schen“ Holzschutzmittel haben sich bisher zu-
durch zusätzliche Holzbauteile, die wie eine „Ver- mindest auf Dauer als nicht ausreichend erwie-
schleißschicht“ ggf. leicht zu erneuern sind, ab- sen. Bauaufsichtliche Zulassungen wurden bisher
gedeckt werden. Im Übrigen ist durch ent- nicht erteilt.) Zwar sind früher verwendete, inzwi-
sprechende Profilierungen, insbesondere durch schen als außerordentlich gefährlich erkannte
Gefällebildung, für eine rasche Ableitung von Wirkstoffe wie PCP, Lindan, Dioxin usw. durch
Niederschlagswasser zu sorgen. andere Stoffe ersetzt, doch ist die Entwicklung
Der Bewitterung ausgesetzte Holzteile sollen wegen der erforderlichen Langzeitbeobachtun-
möglichst senkrecht eingebaut werden, damit gen ständig im Fluss. Für Schutzmittel mit biozi-
Niederschlagwasser in der Faserrichtung ablau- der Wirkung kann eine Gesundheitsgefährdung
fen kann. Insbesondere bei ungehobelten Ober- nicht ausgeschlossen werden. Aus begründeter
flächen ist dabei auch die Schnittrichtung des Vorsicht sollten daher chemische Holzschutz-
Holzes entsprechend zu beachten. maßnahmen nur dort ausgeführt werden, wo sie
An Auflagern und Berührungspunkten mit ande- wirklich unvermeidbar sind.
ren Materialien sind Holzbauteile durch Zwi- Nach den Festlegungen von DIN 68 800 ist für
schenlagen (z. B. durch Bitumenbahnen) gegen den vorbeugenden Holzschutz zunächst zu prü-
die aus angrenzenden Bauteilen herrührende fen, ob die Notwendigkeit des Schutzes gegen
Feuchtigkeit zu schützen. Bei eingebauten Bau- Insekten und Pilze überhaupt besteht. Die Not-
teilen, wie z. B. Balkenköpfen von Holzbalkende- wendigkeit wird durch Vergleich mit der Ge-
cken oder Pfettenauflagern in Wänden, ist durch brauchsklasse gem. DIN EN 335-1 bzw. Gefähr-
Hinterlüftung und zusätzlichen Wärmeschutz der dungsklasse festgestellt.
1.2 Dachtragwerke aus Holz 11

In den Gebrauchsklassen 1 bis 5 hängt die Not- Tabelle 1.7 Dauerhaftigkeit verschiedener Holzarten nach
wendigkeit von chemischen Holzschutzmaßnah- DIN 350-2
men von den Dauerhaftigkeitsklassen des Holzes Dauerhaftig- Beschreibung Beispiele 1
gemäß DIN 350-2 ab. keitsklasse
Die Wirkung der verschiedenen Einflussfaktoren 1 sehr dauerhaft einige afrikanische
ist abhängig von den konkreten Einbaubedin- Hölzer
gungen, von der Beanspruchung und der daraus 1 bis 2 – Robinie
sich ergebenden Gefährdung. Es werden neben 2 dauerhaft Eiche
Klassifikationen der natürlichen Dauerhaftigkeit 3 mäßig dauerhaft Pitch Pine
von Holz (DIN EN 350-1 und DIN EN 350-2 und 3 bis 4 – Lärche, Douglasie
DIN EN 460) in DIN EN 335-1 und 335-2 fünf Ge- 4 wenig dauerhaft Tanne, Fichte
brauchsklassen (ersatzweise für die bisher gülti-
5 nicht dauerhaft Ahorn, Buche,
gen Gefährdungsklassen gemäß DIN 68 800-3) Esche
neu definiert, die sich vorrangig an der Feuchte-
beanspruchung orientieren:
Gebrauchsklassen gemäß DIN EN 335-1 und Ɣ in Räumen mit üblichem Wohnklima verbaut
335-2: ist (Gebrauchsklassen 0 und 1) und,
1 unter Dach, keiner Witterung und Befeuch- Ɣ gegen Insektenbefall allseitig durch geschlos-
tung, ausgesetzt, Innenbereich und abge- sene Bekleidungen abgedeckt ist,
deckt, trocken, Holzfeuchtegehalt max. 20% Ɣ oder zum Raum hin so offen eingebaut ist, dass
2 unter Dach, keiner Witterung ausgesetzt, Be- es kontrollierbar bleibt
feuchtung durch hohe Umgebungsfeuchtig- sowie in allen Gefährdungsklassen, wenn splint-
keit gelegentlich möglich, Innenbereich oder freie Farbkernhölzer nach DIN 68 364 verwendet
abgedeckt, gelegentlich feucht, Holzfeuchte- werden (Dauerhaftigkeitsklassen s. Tab. 1.7).
gehalt gelegentlich ! 20%
Die chemischen Schutzmittel bestehen in der
3 nicht unter Dach, nicht im Erdkontakt, stän- Hauptsache aus wasserlöslichen und öligen Mit-
diger Witterung ausgesetzt oder geschützt
teln, Öl-Salz-Gemischen und Emulsionen. Das
aber häufig befeuchtet, Außenbereich ohne
Holz kann mit den Schutzmitteln behandelt wer-
Erdkontakt, gelegentlich oder häufig feucht,
den u. A. durch
Holzfeuchtegehalt gelegentlich oder häufig
! 20% Ɣ Streichen, Sprühen (Spritzen)
4 in Kontakt mit Erde oder Süßwasser, ständig Ɣ Kurztauchen (Sek. und Min.)
befeuchtet, Holzfeuchtegehalt vorwiegend Ɣ Tauchen (30 Min. bis mehrere Std.)
oder ständig ! 20% Ɣ Trogtränkung (mehrere Std. bis Tage)
5 ständig dem Meerwasser ausgesetzt, ständig Ɣ Kesseldrucktränkung (Schutzflüssigkeit wird in
feucht, Holzfeuchtegehalt ständig ! 20% die Hohlräume des Holzes gedrückt)
Die Zuordnung zu den Gebrauchsklassen soll Ɣ Diffusionstränkung (Schutzpaste wandert durch
nicht formal vorgenommen werden, sondern aus monatelange Diffusion in saftfrisches Holz ein).
den spezifischen konkreten Bedingungen abge-
leitet werden. In DIN 350-2 werden allgemeine Je nach Schutzmittelverteilung sind Eindring-
Vorsichtsmaßnahmen hinsichtlich der Einstufung tiefeklassen (NP1 bis NP6 – New Penetration
in die Gebrauchsklassen (vormals Gefährdungs- Class) definiert.
klassen) aufgrund der Wichtigkeit und Zugäng- Einbringverfahren und Wirksamkeit der Mittel
lichkeit der Holzteile und der Dauerhaftigkeit und sind in DIN 68 800-3 näher erläutert.
Tränkbarkeit der Hölzer erläutert. Weiterhin wird Hölzer für Dachkonstruktionen werden in der Re-
auf die Gefahr des Auswaschens behandelter Höl- gel mit Salzimprägnierungen im Tauch- oder
zer und notwendige Schutzmaßnahmen insbe- Tränkverfahren behandelt. Wichtig ist, dass durch
sondere in der Bauphase ungeschützt verbrach- lange Tränkzeiten eine ausreichende Eindringtie-
ter Bauteile verwiesen. fe der Schutzsalze erreicht wird. An der Baustelle
Chemische Holzschutzmaßnahmen sind gemäß dürfen die Imprägnierungen nicht durch Regen-
DIN 68 800-1 nicht erforderlich wenn Holz: wasser ausgewaschen werden. Die fixierenden,
12 1 Geneigte Dächer

meistens grün gekennzeichneten Schutzmittel


sind den vielfach üblichen einfacheren rot oder
1 orange gekennzeichneten ggf. vorzuziehen.
Beim Einbau etwa entstehende frische Schnitt-
oder Bearbeitungsstellen, ggf. auch größere
Schwindrisse sind nachzuimprägnieren.
Mit schaumbildenden, einen Oberflächenfilm bil-
denden Feuerschutzmitteln behandelte Hölzer
müssen gegen mechanische Beschädigungen
und gegen Feuchtigkeit besonders geschützt 1.8 Kennzeichnung von Holzschutzmitteln
werden. a) Überwachungszeichen
b) Gütezeichen
In jedem Falle sind für tragende Bauteile nur
Holzschutzmittel mit allgemeiner bauaufsichtli-
cher Zulassung vom Institut für Bautechnik in
Berlin (DIBt) vorgeschrieben. Sie müssen das amt- lichkeit (Lösungsmittelanteil) verschiedener
liche Prüfzeichen, das Überwachungszeichen Holzschutzmittel.
(Bild 1.8a), den Prüfbescheid und Anwendungs- Seit 1998 ist zudem die Europäische Biozidricht-
bereich sowie Hinweise zur Verarbeitung (S = Si- linie in Kraft, die für Holzschutzprodukte Warn-
cherheitsratschläge bzw. R = Risikohinweise) auf hinweise, Abgaben zum Wirkstoffgehalt, Hinwei-
den Gebinden tragen. se zu Schutzmaßnahmen und zur umweltgerech-
Weiterhin bestehen das freiwillige Prüfverfahren ten Entsorgung erfordern.
der Gütegemeinschaft Holzschutzmittel e. V. Die in den Prüfbescheiden enthaltenen Prädikate
(RAL1)- Gütezeichen s. Bild 1.8b) für nicht tragende sind in Tabelle 1.9 zusammengestellt.
Bauteile und das freiwillige Registrierverfahren
für Bläueschutzmittel des Umweltbundesamtes Verarbeitungshinweise sind genau zu beach-
(UBA-Registrierverfahren). ten. Bei der Anwendung dürfen Holzschutzmittel
nicht in das Erdreich, Gewässer oder die Kanalisa-
Der ebenfalls vergebene „Blaue Engel“ ist kein of- tion gelangen.
fizielles Prüf- oder Überwachungszeichen son-
dern gibt Auskunft über die Gesundheitsverträg- Die Beseitigung von leeren Gebinden ist je nach
Art und Menge der Mittel auf üblichen Mülldepo-
nien bzw. gemäß vorgeschriebenem Hinweis der
1) RAL – Deutsches Institut für Gütesicherung und Kennzeich- Hersteller ggf. nur über die Sondermüll-Beseiti-
nung e. V. als anerkannte Kompetenz für die Kennzeich- gung durchzuführen.
nung von Produkten und Dienstleistungen ist die alleinige
Vergabestelle für das Umweltzeichen „Blauer Engel“. (RAL Zurichten des Bauholzes
– Reichsausschuss für Lieferbedingungen, gegründet 1925
zur Vereinheitlichung technischer Lieferbedingungen mit Nach dem Fällen sollte das Holz zwei bis drei Jahre
dem Ziel der Rationalisierung.) lang austrocknen (air dried = AD). Leider erzwingt

Tabelle 1.9 Kennzeichnung von Holzschutzmitteln


1.2 Dachtragwerke aus Holz 13

1.10 Sägeschnitte
a Kanthölzer günstigstes Widerstandsmoment für Vollbalken bei
b Latten Seitenverhältnis | 5 : 7
c Schwarten günstigstes Trägheitsmoment für Vollbalken bei
d Seitenbretter Seitenverhältnis | 4 : 7
e Kernbretter (Herzdielen)

die Marktlage oft viel kürzere Fristen. Deshalb Übliche Dicken gehobelter Bretter (besäumt/un-
wird häufig Holz verarbeitet, das nach dem Einbau besäumt) für lufttrockenes Nadelholz:
durch Austrocknen stark schwindet. Dabei entste- Ɣ 7 9 12 15 17 21 23 27 32 und 36 mm (Brett-
hen u. A. klaffende Fugen, Putzrisse und häufig und Bohlenbreiten • 8 cm).
Pilzbefall. Holz darf nur dann halbtrocken einge-
baut werden, wenn es in Kürze dauerhaft aus- Bohlen
trocknen kann. Hochwertiges Holz wird technisch Übliche Dicken rauer Bohlen (besäumt und unbe-
getrocknet („Kammertrocknung“). Unter Kammer- säumt):
trocknung versteht man das künstliche trocknen
Ɣ 45 50 55 60 65 70 80 90 und 100 mm; Län-
frischen Holzes in speziellen Trockenkammern auf
12 bis 15% Holzfeuchte (kiln drying = KD). genstufung wie vor.
Durch Schneiden des Stammes im Sägegatter Übliche Dicken gehobelter Bohlen (besäumt/un-
entsteht Schnittholz verschiedener Abmessun- besäumt) für lufttrockenes Nadelholz:
gen. Kanthölzer sind besonders günstig geschnit- Ɣ 40 45 50 55 60 65 75 mm.
ten, wenn das Kernholz im Schnittpunkt der
Querschnittachsen liegt. Zulässige Spannungen
Ebenso sind Bretter mit stehenden Jahresringen In Bauwerken aus Bauholz nach DIN 4074 sind
(Kernbretter, Herzdielen) wertvoller als Seiten- die zulässigen Spannungen nach Eurocode 5 –
bretter (Bild 1.10). DIN EN 1995-1-1 und DIN EN 1995-1-2 zu be-
Unterschieden wird das Bauholz hinsichtlich der rücksichtigen. Die zulässige Spannung richtet
Lieferform nach Sortierklassen (s. Tab. 1.11). sich nach der Sortierklasse des Holzes, der
Im Allgemeinen genügt bei nicht sichtigem Ein- Nutzungsklasse1) (NKL – gemäß DIN EN 1995-1-1,
bau fehlkantiges Bauholz (Sortierklasse S 10 bzw. Abschn. 2.3.1.3) sowie der Lasteinwirkungs-
MS 10), vollkantiges soll nur in Ausnahmefällen
bei sichtigem Einbau verlangt werden. 1) Nutzungsklasse 1 ist gekennzeichnet durch eine Holz-
Holzabmessungen feuchte, die einer Temperatur von 20 °C und einer relativen
In DIN 4070 und 4074 sind die Schnittholzabmes- Luftfeuchte der umgebenden Luft entspricht, die nur für
sungen festgelegt. Unterschieden werden Kanthöl- einige Wochen je Jahr einen Wert von 65% übersteigt, z. B.
in allseitig geschlossenen und beheizten Bauwerken. In
zer ab 4 cm Breite (b) bis zu einer Höhe von 3 x b, Nutzungsklasse 1 übersteigt der mittlere Feuchtegehalt
Bretter mit einer Dicke bis 40 mm und einer Breite • der meisten Nadelhölzer nicht 12%.
80 mm und Bohlen mit einer Dicke (d) ab 40 mm Nutzungsklasse 2 ist gekennzeichnet durch eine Holz-
und einer Breite von größer als 3 x d. Kleinere Quer- feuchte, die einer Temperatur von 20 °C und einer relativen
Luftfeuchte der umgebenden Luft entspricht, die nur für
schnitte werden als Latten bezeichnet (Tab.: 1.12). einige Wochen je Jahr einen Wert von 85% übersteigt, z. B.
Bretterdicken bei überdachten offenen Bauwerken. In Ausnahmefällen
können auch überdachte Bauteile in die Nutzungsklasse
Übliche Dicken rauer Bretter (besäumt und unbe- 3 einzustufen sein. In Nutzungsklasse 2 übersteigt der
säumt): mittlere Feuchtegehalt der meisten Nadelhölzer nicht 20%.
Ɣ 10 12 15 18 20 22 24 26 28 30 35 und 40 mm; Nutzungsklasse 3 erfasst Klimabedingungen, die zu
höheren Holzfeuchten führen als in Nutzungsklasse 2
Ɣ Längenstufung innerhalb eines Meters für Na- angegeben, z. B. für Konstruktionen, die der Witterung
delholz wie vor, für Laubholz von 10 zu 10 cm ausgesetzt sind.
14 1 Geneigte Dächer

Tabelle 1.11 Sortierkriterien für Kanthölzer und vorwiegend hochkant (K) biegebeanspruchte Bretter und Bohlen
bei der visuellen Sortierung (DIN 4074-1, Tab. 2)
1

a) Bei Fichte und Douglasie bis 1/2 bei Jahresringbreiten bis 4 mm bei Fichte und 5 mm bei Douglasie. Der Anteil an
einer Lieferung darf 25% nicht überschreiten.
b) Bei Kantholz mit einer Breite > 120 mm zulässig.
c) Diese Sortiermerkmale bleiben bei nicht trockensortierten Hölzern unberücksichtigt.

Tabelle 1.12 Holzabmessungen für Nadelschnittholz nach DIN 4070-1 (die Maße gelten für halbtrockenes [verlade-
trockenes] Holz in rauhem Zustand)
1.2 Dachtragwerke aus Holz 15

dauer1) (KLED – gemäß DIN EN 1995-1-1; Abschn. lichere Lösungen ermöglichen. Im Hinblick auf
2.3.1.2). Nadelholz ist nach DIN 4074 auszuwäh- die immer wichtiger werdenden Gebiete der Bau-
len und zu beurteilen. Für zugbeanspruchte Trag- erhaltung und -sanierung sowie der Denkmal- 1
glieder aus Holz wird der Bemessungswert für die pflege erscheinen auch Kenntnis und Beurtei-
Zugtragfähigkeit in Abhängigkeit von den ge- lungsvermögen älterer Konstruktionen nötig.
wählten Verbindungsmitteln entsprechend re-
Sparrendächer
duziert.
Sparrendächer bilden einen stützenfreien Dach-
raum und erleichtern somit die flexible Nutzung
1.2.3 Dachtragwerke als Zimmermanns- von Dachgeschossen (Bild 1.13). Beim Sparren-
konstruktionen dach bilden zwei Sparren mit einem Decken-
balken oder dem dazugehörigen Streifen einer
Nachfolgend werden herkömmliche, nach Erfah- Massivdecke ein unverschiebliches Dreieck („Ge-
rungsregeln gestaltete Dachkonstruktionen be- spärre“) als Dreigelenk-Stabzug. Jedes Gespärre
sprochen, wie sie auch heute noch ausgeführt ist somit in Richtung seiner Konstruktionsachse
werden. Die aufwändigeren in diesem Zusam- ausgesteift (Queraussteifung). Die gesamte Dach-
menhang dargestellten Zimmermannskonstruk- last wird – ohne die Decke zu belasten – auf die
tionen werden heute jedoch vielfach ersetzt Außenwände übertragen. Decke oder Decken-
durch Tragwerke, in denen vorgefertigte Holz- balken werden auf Zug beansprucht. Größere
bauelemente mit weitaus günstigeren statischen Öffnungen in Decken erfordern daher besondere
Eigenschaften als das übliche Bauholz wirtschaft- konstruktive Aufwendungen. Ebenso sind größe-
re Öffnungen in der Dachfläche für Dachfenster
oder Gauben zu vermeiden. Dabei sollte – wenn
1) Klassen der Lasteinwirkungsdauer (KLED) gem. überhaupt – möglichst nur ein Gespärre „ausge-
DIN EN 1995-1-1 wechselt“ werden (Bild 1.14).
Größenordnung der akkumulierten Dauer der
charakteristischen Lasteinwirkung
ständig = länger als 10 Jahre
lang = 6 Monate bis 10 Jahre
1) (Fortsetzung)
mittel = 1 Woche bis 6 Monate
kurz = kürzer als eine Woche Horizontale Nutzlasten nach DIN EN 1991-1-1
sehr kurz = kürzer als eine Minute Horizontale Nutzlasten infolge von Personen
auf Brüstungen, Geländern und anderen
Einteilung der Einwirkungen nach Eurocode 1 Konstruktionen, die als Absperrung dienen kurz
– DIN EN 1991-1 – Einwirkungen auf Tragwerke Horizontallasten zur Erzielung einer
ausreichenden Längs- und Quersteifigkeit
Wichten- und Flächenlasten nach entsprechend den zugehörigen Lasten lang
DIN EN 1991-1-1 ständig
Lotrechte Nutzlasten nach DIN EN 1991-1-1 Windlasten nach DIN 1991-1-4 kurz/sehr kurz
Spitzböden, Wohn- und Aufenthaltsräume mittel
Büroflächen, Arbeitsflächen, Flure mittel Schneelast und Eislast nach DIN 1991-1-3
Räume, Versammlungsräume und Flächen, Geländehöhe des Bauwerkstandortes
die der Ansammlung von Personen dienen über NN d 1 000 m kurz
können (mit Ausnahme von unter A, B, D Geländehöhe des Bauwerkstandortes
und E festgelegten Kategorien) kurz über NN > 1 000 m mittel
Verkaufsräume mittel
Fabriken und Werkstätten, Ställe, Anpralllasten nach DIN 1991-1-7 sehr kurz
Lagerräume und Zugänge,
Flächen mit erheblichen Menschen- Einwirkungen aus Temperatur- und Feuchteänderungen
ansammlungen lang sind der Klasse der Lasteinwirkungsdauer „mittel“ zuzu-
Verkehrs- und Parkflächen für leichte ordnen
Fahrzeuge Einwirkungen aus ungleichmäßigen Setzungen sind der
(Gesamtlast d 25 kN) mittel Klasse der Lasteinwirkungsdauer „ständig“ zuzuordnen.
Zufahrtsrampen zu diesen Flächen kurz Bei Holzbauteilen darf der Einfluss von Temperaturände-
nicht begehbare Dächer, außer für übliche rungen vernachlässigt werden.
Erhaltungsmaßnahmen, Reparaturen kurz Einwirkungen der Klasse der Lasteinwirkungsdauer „sehr
Treppen und Treppenpodeste kurz kurz“ wirken weniger als 1 Minute auf die Bauteile und
Zugänge, Balkone und Ähnliches kurz Verbindungen ein.
16 1 Geneigte Dächer

Dabei müssen die „Wechselsparren“ die Belastun-


gen aus den Feldern der ausgewechselten Spar-
1 ren übernehmen und sind daher in der Regel
gegenüber den normalen „Feldsparren“ gemäß
statischem Nachweis zu verstärken.
Der Sparrenabstand beträgt mit Rücksicht auf die
Dachlattenabmessung je nach Gewicht der Dach-
1.13 a deckung 70 bis 100 cm.
Über kleineren Bauwerken, bei denen sich je nach
Dachneigung Sparrenlängen bis etwa 5,00 m er-
geben, können einfache Sparrendächer wie in
Bild 1.15 bzw. 1.19 geplant werden. Bei größeren
Dachabmessungen werden die erforderlichen
Abmessungen der Sparren unwirtschaftlich. In
der Regel werden die Sparren eines Gespärres zur
Abminderung der Durchbiegung dann durch
1.13 b Kehlbalken als Druckstäbe gegeneinander abge-
1.13 Prinzip des Sparrendaches stützt. Sparrendächer in derartiger Form werden
a) Sparrendach (Gespärre) in Verbindung mit deshalb auch als „Kehlbalkendächer“ bezeichnet
Holzbalkendecke (Bild 1.16).
b) Sparrendach (Gespärre) in Verbindung mit
Stahlbetondecke

1.14
Sparrendach; Begriffe
1 Sparren (Feldsparren)
2 Schwelle
3 Deckenplatte (oder Holzbalkendecke)
4 Giebelscheibe
5 Windrispen (Gegenseite nicht eingezeichnet) (nur in
Verbindung mit Firstbrett und/oder Dachlattung für
alle Sparren wirksam)
6 Wechsel
7 Wechselsparren
8 ausgewechselter Sparren
9 Firstlasche (vgl. Bild 1.15, hier nur im 1. Gespärre ein-
gezeichnet)

1.15 Einfaches Sparrendach ohne Kehlbalken; 1.16 Sparrendach mit Kehlbalken (schematisch;
Sparrenlänge < ca. 5,00 m (schematisch; Windrispen, Laschen usw. nicht eingezeichnet)
Windrispen usw. nicht eingezeichnet) 1 Kehlbalken
1 Sparren 3 Schwelle 2 Sparren
2 Firstbohle 4 Firstlaschen 3 Hahnenbalken (vgl. Bild 1.24b)
(nicht tragend) 5 Giebelanker
1.2 Dachtragwerke aus Holz 17

1.17 Aussteifung durch Rispenbänder 1.18 Aussteifung durch großformatige Bauelemente


(Windrispen nur in Verbindung mit Firstbrett und/
oder Dachlattung für alle Sparren wirksam)

Aussteifung. In Längsrichtung müssen die Ge- Die Giebelscheiben bilden beim Sparrendach le-
spärre (Sparrenpaare) von Sparrendächern zur diglich den Abschluss des Dachraums und sind
Herstellung von unverschieblichen Dreiecksver- nicht Bestandteile der Dachkonstruktion. Sie
bänden durch „Windrispen“ ausgesteift werden müssen daher mit den ersten Gespärren durch
(Längsaussteifung). In herkömmlicher Ausführung Anker verbunden oder durch einen über die Gie-
waren das diagonal in der Dachfläche unter die beloberkante verlaufenden Ringbalken (s. Bild
Sparren genagelte Bretter. Durch diese Ausfüh- 1.25b und Abschn. 10.3.3 in Teil 1 dieses Werkes)
rungsart wird jedoch ein Dachausbau zu sehr be- eigenständig gegen Kippen gesichert werden
hindert. (Bild 1.15).
Daher ist heute die Längsaussteifung mit Rispen- Die gesamte Dachkonstruktion muss mit dem da-
bändern aus verzinkten, gelochten etwa 4 cm runter liegenden Bauwerk so verbunden werden,
breiten Stahlbändern üblich. Sie werden auf die dass alle auftretenden Horizontal- und Vertikal-
Oberseite der Sparren (d. h. unterhalb der Dach- kräfte sowie Kippmomente aus Winddruck und
lattung) angebracht, damit möglichst nur gerin- -sog sicher übertragen werden. Bei Sparrendach-
ge außermittige Kraftanschlüsse entstehen. Da konstruktionen in Verbindung mit Holzbalken-
solche Stahlbänder nur Zugkräfte übertragen decken sind die Deckenbalken mit dem Mauer-
können, müssen sie auf jeder Dachseite über werk oder den in der Regel notwendigen Ringbal-
Kreuz angeordnet werden (Bild 1.17). Bei größe- ken zu verankern (vgl. Bild 1.21 a und b). Wenn
ren Dachflächen sind mehrere derartige Ausstei- Massivdecken Bestandteil von Sparrendachkons-
fungsverbände vorzusehen. truktionen sind, werden die dabei notwendigen
Statt durch Windrispen können die Dachflächen Schwellen oder Sparrenschuhe fest mit dem Bau-
auch durch im Verband verlegte und verschraub- werk verankert (Bilder 1.21 c und d, 1.22).
te großformatige Holzwerkstoffplatten oder
vorgefertigte entsprechend belastbare Wärme- Einfache Sparrendächer
dämmelemente (Aufdach – Fertigteil – Dämm- Ein einfaches Sparrendach in traditioneller hand-
elemente)) ausgesteift werden (Bild 1.18). Die werklicher Ausführung über einem kleineren
Längsaussteifung erfolgt hierbei durch die in der Bauwerk zeigt Bild 1.19.
Dachfläche erzeugte „Scheibenwirkung“ der Am First wurden die Sparren nach traditioneller
Plattenelemente (s. a. Abschn. 1.6 in Teil 1 dieses Art durch „Scherzapfen“ mit Hartholznagel von
Werkes). quadratischem Querschnitt in entsprechender
Bei dieser Form der flächenhaften Aussteifung Bohrung gesichert (Bild 1.20a). Heute bildet man
werden die Dachlatten oder die Schalung eines die Firstverbindung jedoch meist mit einer First-
evtl. vorhandenen „Unterdaches“ (s. Abschn. bohle und mit doppelten, genagelten Brettla-
1.9.3) statisch zur Koppelung der einzelnen Spar- schen aus (Bild 1.20b und c). Dadurch wird nicht
ren bzw. Gespärre herangezogen. Stöße der nur der arbeitsaufwändige Scherzapfen vermie-
Dachlatten bzw. Schalbretter müssen daher auf den, sondern auch ein einfacheres Ausrichten des
den Sparren vernagelt sein. gesamten Daches ermöglicht. Die Firstbohle hat
18 1 Geneigte Dächer

1.19 Einfaches Sparrendach auf Holzbalkendecke1) 1 Sparren ca. 8/18 cm, Abstand a = ca. 80 cm
a) Querschnitt 2 Deckenbalken ca. 14/20 cm
b) Längsschnitt 3 Ringbalken innerhalb des Wandquerschnittes
4 Giebelanker

1.20 Firstpunkt
a) Firstverbindung mit Scherzapfen 1 Sparren
b) Firstverbindung mit Laschen und Firstbohle 2 Firstbohle
c) Firstverbindung mit Sperrholzlaschen und innen liegenden Firstbohlen 3 doppelte Brettlasche, genagelt

keine tragende Funktion im Dachverband, ist je- diesen Ausführungsarten ergibt sich der für der-
doch ein Bauteil zur Stabilisierung des Daches in artige Sparrendächer typische Knick in der
Längsrichtung. Dachebene, der durch einen „Aufschiebling“ ge-
Die am Fußpunkt des Sparrens auftretenden ho- mildert wird. Aufschieblinge, die meistens aus
rizontalen Schubkräfte (Bild 1.3c) wurden traditi- einer dicken Bohle geschnitten und durch Nägel
onell bei Holzbalkendecken durch „Versatz“ in die auf Balken und Sparren befestigt werden, sind
Deckenbalken übertragen. Der Sparrenanschluss eine besondere Eigenart des Sparrendaches in
muss gegen das Balkenende zurückgesetzt wer- Verbindung mit Holzbalkendecken. Die Anschlüs-
den, damit eine ausreichend große Scherfläche se zwischen Aufschiebling und Sparrenoberkante
(„Vorholz“) entsteht, die errechnet werden muss bedingen einen Knick in der Dachfläche bzw.
und keinesfalls weniger als 20 cm lang sein soll. Dachdeckung. Dieser kann ggf. durch „Aufspar-
Die handwerkliche Ausführung mit „Stirnversatz“ rendämmung“ oder die Unterkonstruktion der
und Zapfen (Bild 1.21a) wird wegen des hohen Dachdeckung ausgeglichen werden.
Arbeitsaufwandes in dieser Form nicht mehr aus- Stahlblech-Sparrenhalter (Bild 1.21b) ermög-
geführt. Auch die Ausführung ohne Zapfen erfor- lichen es, einen versatzähnlichen Sparrenan-
dert aber eine relativ große Vorholzlänge. Bei schluss so weit nach außen zu verlegen, dass kei-
ne Aufschieblinge erforderlich sind und die Spar-
1)
renenden sogar überstehen können.
Die im Bild angegebenen Holzdimensionen sollen als
Anhalt dienen. Sie sind in jedem Fall durch Standsicher- In jedem Fall ist die Einleitung der Horizontalkräfte
heitsnachweis zu ermitteln. am Auflager der Sparren statisch nachzuweisen.
1.2 Dachtragwerke aus Holz 19

1.21 Fußpunkte 1 Sparren


a) Traditioneller Sparrenanschluss mit Stirnversatz 2 Deckenbalken
und Aufschiebling 3 Vorholzlänge
b) Sparrenanschluss mit Stahlblech-Sparrenhalter 4 Aufschiebling
c) Sparrenanschluss mit Stahlbalkenschuh und 5 Dachverband
Schwelle 6 Verankerung mit Stahlwinkel
d) Sparrenanschluss mit Schwelle und 7 Bolzen
überstehendem, versatzartig angeschlossenem 8 Sparrenschuh aus Stahlblech
Sparren. 9 Stahlbetondecke
10 Balkenschuh
11 Fußschwelle mit Verankerung in der Deckenaufkantung
12 Beiholz
20 1 Geneigte Dächer

1.22 Fußpunkte für Sparrendächer über Stahlbetondecken


a) Stahlbetondecke mit Aufkantung
b) Sparrenanschluss mit Sparrenschuh aus Stahlblech
c) Sparrenanschluss mit Sparrenschuhverbinder aus
verzinktem Stahlblech
d) Sparrenanschluss mit Z-Profil aus Flachstahl

1 Sparren
2 Stahlbetondecke
3 Wärmedämmung
4 Gleitlager
5 Ringanker
6 Fußschwelle mit Verankerung an der Deckenaufkantung, Sparren genagelt
7 Ankerschiene, einbetoniert
8 Stahlblech-Sparrenschuh (BTM) auf Ankerschiene verschraubt, Sparren seitlich genagelt
9 Sparrenfußverbinder
10 Z-förmiger Sparrenfußverbinder aus Flachstahl
11 Zuglasche
1.2 Dachtragwerke aus Holz 21

1.23a 1.23b 1.23c 1.23d

1.23 Konstruktive Überlegungen für Dachüberstände bei Sparrendächern


a) Sparrenanschluss mit Versatz auf Holzbalkendecke
b) Gesimsbildung durch Balken- oder Deckenüberstand (stat. ungünstige Lösung)
c) Gesimsform durch Aufschiebling (bildet sich geometrisch in der Dachfläche ab!)
d) Gesimsbildung bei Sparrenanschlüssen auf Stahlbetondecken

In der Regel liegen die Balken auf Ringankern tion lange Aufschieblinge unvermeidlich (Bild
(s. Abschn. 6.2.1 in Teil 1 des Werkes) der Außen- 1.23c). Werden die Fußpunkte jedoch im Zusam-
wände auf (vgl. Bild 1.19 a). Durch geeignete Ver- menhang mit Stahlbetondecken ausgebildet
ankerung ist die gesamte Dachkonstruktion ge- (Bild 1.22), können die Sparren problemlos Über-
gen Winddruck bzw. -sog zu sichern. stände haben (Bild 1.23d).
Die am Sparrenfuß auftretenden Horizontalkräfte Ortgangüberstände sind bei Sparrendächern
können natürlich auch von Massivdecken – am konstruktiv nicht zu begründen, da an den Ge-
einfachsten von Stahlbetonplatten – aufgenom- bäudeabschlüssen die letzten Gespärre (Streich-
men werden. Die Sparren werden entweder mit sparren) auf der Innenseite der Giebelscheiben
einer Fußschwelle auf eine Deckenaufkantung stehen. In der Regel wird daher hier lediglich die
gesetzt (Bild 1.21c und d, 1.22a) oder mit Stahl- Dachdeckung über die Giebelscheiben hinweg-
blech-Sparrenschuhen in Verbindung mit einbe- gezogen.
tonierten Ankerschienen am Deckenrand ange-
schlossen (Bild 1.22b). Weiterhin stehen spezielle Sparrendächer mit Kehlbalken
Stahlverbindungsmittel wie Sparrenschuhver- Bei größeren Gebäudetiefen, d. h. bei Sparrenlän-
binder und auch Flachstahlverbinder zur Verfü- gen über etwa 5,00 m, sind die Sparren gegen
gung (Bild 1.22.c und d). Durchbiegen zu sichern. Das geschieht durch Ein-
Traufenüberstände mittels überkragender De- fügen eines Kehlbalkens der je zwei Sparren ge-
ckenbalken sind bei Sparrendächern in Verbin- geneinander abstützt. Der Kehlbalken läge sta-
dung mit Holzbalkendecken statisch ungünstig, tisch am günstigsten in der Mitte des Sparrens,
weil in den Deckenbalken bei einem größeren wo die Durchbiegung am größten ist (Bild 1.24a).
Überstand zusätzliche Biegemomente entstehen Bei ausgebautem Dachgeschoss wird die Lage
(Bild 1.23b). Wenn aus bautechnischen Gründen der Kehlbalken aber durch die Höhe der Dachge-
überstehende Traufengesimse vorgesehen wer- schossräume bestimmt. Das über dem Kehlbal-
den sollen, sind bei der traditionellen Konstruk- ken liegende Sparrenende kann bis etwa 3,50 m

1.24a 1.24b 1.24c


1.24 Kehlbalken-Dachtragwerke
a) Sparrendach mit Kehlbalken etwa in Sparrenmitte
b) Sparrendach mit 2 Kehlbalken (oberster Kehlbalken = „Hahnenbalken“), Abstützung des unteren
Kehlbalkens durch Schwelle auf Stielen mit Kopfbändern (vgl. Bild 1.33)
c) dreifach ausgesteiftes holzsparendes Kehlbalkendach (vgl. Bild 1.27) mit Stielen unter jedem Sparren
22 1 Geneigte Dächer

lang werden, da die gegenüberliegenden Spar-


ren sich im First gegenseitig stützen.
1 Wenn das obere Sparrenende zu lang ist oder bei
großen Dächern kann eine zweite Kehlbalkenlage
mit „Hahnenbalken“ in Frage kommen (Bild 1.24b
und 1.16).
Unbelastete Kehlbalken erhalten nur Druck in der
Faserrichtung. Wird das Dachgeschoss ausge-
baut und der Raum über den Kehlbalken als
Dachbodenraum ausgenutzt, wird der Kehlbal-
ken durch Deckengewicht und Nutzlast auch auf
Biegung beansprucht.
Durch Aussteifungselemente in der Kehlbalken-
ebene (Diagonalaussteifung oder Schalung mit
Scheibenwirkung) und Verankerung an die Gie-
bel- oder Zwischenwände kann eine unver-
schiebliche, ausgesteifte Kehlbalkenebene her-
gestellt werden.
Müssen deshalb belastete, lange Kehlbalken
durch Stiele gegen Durchhängen gesichert wer-
den, entstehen statisch unklare Verhältnisse, weil
die durch die Stiele auf die Geschossdecke mit
übertragenen Dach- und Windlasten schlecht er-
fassbar sind (Bild 1.24b).
Ein Sparrendach mit freiem, für den Ausbau ge-
eignetem Dachraum über einer Massivdecke ist
in Bild 1.25 dargestellt. Der stützen- und streben-
lose Verband besteht aus Hölzern mit verhältnis-
mäßig schmalem, hohem Querschnitt. Die Ver-
bindungen sind genagelt. Die Sparren stehen auf
einer Fußschwelle, die auf der Aufkantung der
Stahlbetondecke verankert ist. Der Sparrenfuß ist
gegen Abheben durch Nagelung gesichert (vgl.
Bild 1.22).
Der Diagonalverband zur Längsaussteifung ist in
diesem Beispiel oberhalb der Kehlbalkenlage und
durch eine Windrispe hergestellt.
Kehlbalkenanschlüsse wurden früher mit Versatz
und Zapfen ausgeführt. Diese Verbindung ist
nicht nur handwerklich aufwändig herzustellen,
sie ist auch statisch betrachtet falsch, weil sie den
Sparren an der am stärksten beanspruchten Stel-
1.25 Sparrendach mit Kehlbalken bei ausgebautem
le schwächt. Kehlbalkenanschlüsse werden da- Dachgeschoss auf Massivdecke. Dachneigung 50°.
her heute mit Hilfe von Knaggen hergestellt, die a) Querschnitt, b) Längsschnitt
an die Sparren genagelt werden und so eine Ver- 1 Firstbohle 3/14
satzfläche bilden; seitlich werden Brettlaschen 2 Windrispe 3/14
angenagelt (Bild 1.26a). Bei größeren Spann- 3 Längsverband (Diagonalverband) oder
weiten der Kehlbalken, bei Belastung durch Aus- Schalung mit Scheibenwirkung
bau oder Nutzung des Dachraumes oberhalb 4 Kehlbalken aus 2 × 3,5/21 (Zange)
des Kehlbalkens wird die Kehlbalkenkonstrukti- 5 Futterholz zu Verbindung der Kehlzangen
6 Grenze des Dachausbaues
on vielfach durch zwei zangenartige, gegen- 7 Sparren 7/21
einander mit Futterklötzen ausgesteifte Holz- 8 Giebelanker
bretter oder -bohlen gebildet, die mit dem Spar- 9 Ringbalken/Ringanker
1.2 Dachtragwerke aus Holz 23

1.26 Kehlbalkenanschlüsse
a) Kehlbalkenanschluss mit genagelter Knagge und Laschen
b) Kehlbalkenkonstruktion für große Spannweiten und Belastungen (Kehlzange)

1.27 Dreifach ausgesteiftes Kehlbalkendach1)

1) Die im Bild angegebenen Holzdimensionen sollen als Anhalt dienen.


Sie sind in jedem Fall durch Standsicherheitsnachweis zu ermitteln.
24 1 Geneigte Dächer

ren durch Nagelung oder Dübelung verbunden


werden (Bild 1.26b).
1 In Bild 1.27 ist eine Sonderform für Kehlbalkendä-
cher mit großen Spannweiten in konventioneller
Ausführungstechnik gezeigt. Die unteren langen
Sparrenabschnitte sind hier durch kurze Stiele
unterstützt, die zugfest an die Decke angeschlos-
sen werden.
Die Holzquerschnitte derartiger Konstruktionen
können relativ klein sein. Von Nachteil jedoch ist
die zusätzliche Belastung der Decken durch die
Stiele. Ggf. müssen die Decken entsprechend
stärker dimensioniert werden.

1.28 Ausgangsform des Pfettendaches:


Pfettendächer
Pultdach mit Sparren, die mit Lagerhölzern auf
Mauern aufliegen (kleinformatige Dachdeckung)
Allgemeines
Anders als beim Sparrendach entstehen bei der
Pfettendachkonstruktion durch die Eigenlasten
lediglich vertikale Auflagerkräfte. Die konstruktiv
einfachste Form eines Daches ergibt sich, wenn
die die Dachdeckung tragenden Sparren auf La-
gerhölzern (Pfetten) aufliegen, welche unmittel-
bar auf tragenden Wänden ruhen. Abstand und
Lage der Sparren sind dann allein von der Art
bzw. dem Gewicht der Dachdeckung und der
hierfür erforderlichen Tragkonstruktion und dem
Gebäudegrundriss bestimmt. Lediglich die
Durchbiegung der Sparren begrenzt hinsichtlich
der Spannweiten die Ausführungsmöglichkeiten
(Bild 1.28).
In der Regel werden die Sparrenauflager durch
tragende „Pfetten“ gebildet. Sie können bei klei-
1.29 Pfettendach mit Pfetten auf ausgesteiften
neren Gebäuden mit einfachen Grundrissformen Giebelwänden in Verbindung mit großformatiger
frei zwischen ausgesteifte Giebelwände oder Eindeckung ohne Lattung (z. B. Faserzement-
sonstige hochgeführte Querwände gespannt Wellplatten)
werden (Bild 1.29).
Dachdeckungen aus großformatigen Beda-
chungsmaterialien (z. B. Faserzement-Wellplat- fer usw.) bilden die Pfetten (Hauptträger) in der
ten) können direkt auf Pfetten aufliegen, wenn Regel das Tragwerk für die erforderlichen Sparren
diese im erforderlichen Abstand frei zwischen (Nebenträger). Bei Bauwerksbreiten ab etwa 8,00
ausgesteifte Giebelscheiben gespannt (Bild 1.29) m ergeben sich je nach Dachneigung Sparren-
sind. Mit derartigen Pfettendachkonstruktionen spannweiten von über 4,50 m. Die Durchbiegung
können jedoch nur einfache Satteldächer über von Sparren aus üblichem Bauholz muss dann
kleineren Rechteckgrundrissen gebildet werden. durch zusätzliche Zwischenauflagerung auf „Mit-
Pfetten können auch als sog. „Koppelpfetten“ telpfetten“ begrenzt werden (Bild 1.31).
oder „Sparrenpfetten“ verlegt sein, die auf ande- Bei der herkömmlichen handwerklichen Ausfüh-
ren Unterkonstruktionen wie z. B. unverschiebli- rung von Pfettendächern werden die Sparrenauf-
chen Dreiecksverbänden oder Dachbindern (Bild lager durch den „Dachstuhl“ gebildet. Die ein-
1.118) über größeren rechteckigen Grundrissfor- fachste Form eines Dachstuhles für geringe Ge-
men aufgelagert sind (Bild 1.30). bäudebreiten stellt der auf einer Firstpfette
Bei den meisten Dachdeckungen aus kleinforma- aufliegende „einfach stehende Stuhl“ dar (Bild
tigen Materialien (Dachziegel, Dachsteine, Schie- 1.32). Standardausführung ist der auf zwei Mittel-
1.2 Dachtragwerke aus Holz 25

1.30 „Koppelpfetten“ (Sparrenpfetten) auf Unterzügen, 1.31 Pfetten auf ausgesteiften Giebelwänden.
Bindern o. Ä. in Verbindung mit großformatiger Sparrenlage für kleinformatige Deckungen
Deckung 1 Mittelpfette
2 Sparren

pfetten aufliegende „zweifach stehende Stuhl“ Wenn Decken die durch Pfosten übertragenen
(Bild 1.33). Dachlasten nicht aufnehmen können, werden mit
Im Laufe der historischen Entwicklung sind zahl- Hilfe von Streben Sprengwerke gebildet (Bild
reiche weitere Formen von Dachkonstruktio- 1.34 e, f, g).
nen nach dem Pfettendachprinzip entstanden, In Bild 1.34 h und i schließlich sind Pfettendächer
die ergänzt werden durch Sprengwerke und mit „Liegendem Stuhl“ gezeigt. In ihnen überneh-
Hängewerke zur Überbrückung größerer Spann- men schräg, in Sparrenebene liegende Stuhlsäu-
weiten. len (Pfosten) – mit schräg liegenden Kopfbändern
Ein schematischer Überblick ist in Bild 1.34 gege- – gleichzeitig die Aufgaben der Streben. Dadurch
ben. Übliche einfache Konstruktionen mit abge- werden stützenfreie Dachräume bzw. unbelaste-
stützten Pfetten zeigt Bild 1.34 a und b. In der te Decken vergleichbar der Ausführung von Spar-
zweiten Gruppe (Bild 1.34 c bis e) sind Pfetten- rendächern ermöglicht.
dächer mit Dachneigungen > 40° oder Sparren- Aus wirtschaftlichen und konstruktiven Gründen
längen > 7 m schematisch dargestellt. Sie sind mit muss immer angestrebt werden, die erheblich
Streben gegen Windkräfte gesichert. belasteten Stuhlsäulen eines Pfettendaches mög-

1.32 Pfettendach mit einfach stehendem Stuhl 1.33 Pfettendach mit zweifach (doppelt) stehendem
1 Firstpfette 5 Bindersparren Stuhl, schematische Übersicht
2 Pfosten (Stiel) 6 Feldsparren (Leergebinde) 1 Mittelpfette 5 Bindersparren
3 Kopfbänder 7 Fußpfette (Schwelle) 2 Pfosten (Stiel) 6 Feldsparren (Leergebinde)
4 Laschen 3 Kopfbänder 7 Fußpfette (Schwelle)
4 Zangen
26 1 Geneigte Dächer

1.34a 1.34d 1.34g

1.34b 1.34e 1.34h

1.34c 1.34f 1.34i

1.34 Herkömmliche Pfettendachformen


a) Einfach stehender Stuhl, Stiel unter Firstpfette. Bei Neigung > 25° Zange erforderlich
b) Doppelt stehender Dachstuhl. Zange erforderlich bei Neigungen > 25°
c) Einfaches Sprengwerk. Hängesäule mit Schwebezapfen
d) Doppelt stehender Stuhl mit Windstreben auf Massivdecke
e) Dreifach stehender Stuhl mit First- und Mittelpfetten und Windstreben auf Massivdecke
f) Doppeltes Sprengwerk (Decke wird nicht belastet). Bei steilen Dächern zusätzlich Zange unter den
Mittelpfetten erforderlich.
g) Sprengwerk mit Mittel- und Firstpfette
h) Sprengwerk, bei dem die Stiele unter den Mittelpfetten gleichzeitig die Sprengwerkstreben sind.
(„Liegende“ Kopfbänder)
i) Liegende Stuhlsäulen (Streben) kreuzen sich im First

lichst auf tragende Wände oder Wandpfeiler ab- von quadratischem Querschnitt und den Pfetten,
zusetzen. die auf die Stiele aufgelagert und lagegesichert
Bei Holzbalkendecken werden für den Binderbal- (aufgezapft) sind (Bild 1.33).
ken unter den Stuhlsäulen u. U. so große Quer- In jeweils ca. 4,50 m Abstand bildet ein in der glei-
schnitte nötig, sodass 2 bis 3 Balken unmittelbar chen senkrechten Ebene liegendes Sparrenpaar
nebeneinander verlegt werden müssten. Es muss mit seinen Doppelzangen, Firstlaschen und den
daher die Stiellast über kräftige Schwellen auf Stielen (ggf. auch mit den Streben, vgl. Bild 1.34 d
mehrere Balken verteilt oder durch Streben ganz und 1.38) einen Binder. Die Binder bewirken als
oder teilweise auf das Balkenende übertragen Dreieckverbände die Queraussteifung der Dach-
werden. konstruktion. Die Längsaussteifung der Pfetten-
Bei Stahlbeton-Massivdecken ist eine Lastquer- dachkonstruktion wird von den Kopfbändern
verteilung möglich. Die Stützen können somit übernommen.
ohne Bindung an Zwischenwände auf die De- Quer zur Firstlinie werden je zwei Stiele unterhalb
ckenplatte gestellt werden, wenn der entspre- der Pfetten durch Doppelzangen miteinander ver-
chende statische Nachweis geführt wird. bunden. Die Doppelzangen fassen außer den
Bei den Grundformen des Pfettendaches besteht Stielen und den „aufgekämmten“ Pfetten jeweils
der Dachstuhl aus den Stuhlsäulen oder Stielen ein Sparrenpaar.
1.2 Dachtragwerke aus Holz 27

Alle Zangen liegen so unter den Pfetten, dass die Ein Deckenbalken gehört beim Pfettendach über
Oberkante der Zange um 2 cm höher als die Un- Holzbalkendecken nur dann zum Binder, wenn
terkante der Pfette liegt (Aufkämmung). Das Maß der Balken als Zugstab für ein Sprengwerk (Bild 1
zwischen Unterkante Zange und Decke richtet 1.38) dienen muss.
sich bei ausgebauten Dachgeschossen nach der Die zwischen den Bindern liegenden Sparren-
Mindestgeschosshöhe, soll jedoch möglichst 2 m paare werden als Leergebinde bezeichnet.
betragen (Durchgangshöhe). Die Zangen werden Die Sparren der Leergebinde brauchen – anders
ohne Anblattung neben die Bindersparren gelegt als beim Sparrendach – nicht paarweise aneinan-
und durch Schraubenbolzen oder Holzverbinder der gegenüberzuliegen, auch nicht von der Fuß-
verbunden (Bild 1.35 f). pfette bis zum First in einem Stück durchzulau-
Im Giebelbinder werden statt der Doppelzangen fen, vorausgesetzt, dass außer der Mittelpfette
einfache Zangen verwendet. eine Firstpfette oder Firstbohle vorhanden ist.

1.35 Pfettendach mit doppelt stehendem Stuhl, Dachneigung < 35°1) / Fortsetzung s. nächste Seite
a) Querschnitt
b) Aufsicht
c) Längsschnitt
d) Aussteifung Mittelpfette
e) Querschnitt „Zange“
f) Querschnitt Mittelpfette
g) Sparrenauflager auf Fußpfette

1) Die im Bild angegebenen Holzdimensionen sollen als Anhalt dienen. Sie sind in jedem Fall durch Standsicherheitsnachweis
zu ermitteln.
28 1 Geneigte Dächer

1.35 Fortsetzung

1.35g

1.36
Sparrenbefestigung auf der Mittelpfette
bei auskragendem, oberem Sparrenende
(ohne Querschnittsminderung des
Sparrens)
a) für Neigungen > 25°
b) für Neigungen < 25°
1.2 Dachtragwerke aus Holz 29

Ebenso ist das Leergebinde unabhängig von Bal- länger als ca. 4,50 m, werden sie durch eine Mittel-
kenlagen in Geschossdecken. Die Leergebinde pfette unterstützt (doppelt stehender Stuhl, Bild
sind je nach Art der Dachdeckung und nach Lat- 1.33). Auch die Sparrenlänge vom Fußpunkt bis 1
tendicke 65 bis 100 cm voneinander entfernt zur Mittelpfette soll nicht größer sein als ca. 4,50 m.
(Sparrenabstand). Ist die Länge von der Mittelpfette bis zum First
Jeder Sparren ist auf die Pfetten gegen Ab- d 0,45 l u (untere Sparrenlänge zwischen Fuß-
rutschen aufgeklaut und durch Sparrennägel ge- pfette und Mittelpfette), so stützen sich die Spar-
gen Abheben gesichert. Über einer Firstpfette ren auf die Fuß- und Mittelpfette und kragen bis
werden die Sparren stumpf gestoßen. zum First frei aus. Dabei ist, um die Sparren an der
Sind die Sparren nicht länger als ca. 4,50 m, genü- Mittelpfette nicht zu schwächen, ein Sparrenauf-
gen Fußpfette und Firstpfette (Pfettendach mit lager nach Bild 1.36 der Aufklauung (unterseitige
einfach stehendem Stuhl, Bild 1.32), werden sie Einkerbung) vorzuziehen.

1.37a 1.37b 1.37c

1.37d 1.37e 1.37f


1.37 Verankerung von Fußpfetten
a) Anker in Stahlbetondecke. Anker müssen Bewehrungsstab der Decke umfassen (Probleme für genauen
Einbau!)
b) Nachträglicher Einbau von Ankerschrauben (schlechte Lösung: Selbst, wenn die Ankerlöcher konisch ausge
führt sind, ist das spätere ordnungsgemäße Einbetonieren kaum zu gewährleisten!)
c) Verankerung durch Schwerlastdübel in Durchsteckmontage
d) Lochband einbetoniert; nach Pfettenmontage umgeschlagen und vernagelt
e) Befestigung mit Hilfe kurzer längs oder besser quer zur Fußpfette einbetonierter Ankerschienenstücke (teure,
aber einwandfreie Lösung)
f) tief heruntergeführte eingemauerte Anker bei Mauerwerk ohne Ringanker
30 1 Geneigte Dächer

Die nach oben auskragenden Sparren bedürfen Wenn die die oberste Pfette überragenden Spar-
aus statischen Gründen keiner Verbindung im renenden • 0,45 l u sind, müssen sie miteinander
1 First. Um jedoch Schäden in der Dachdeckung zu verbunden werden.
vermeiden, die durch ungleichmäßige Bewe- Die Traufen können von überhängenden Sparren
gung in den oben auskragenden Sparrenenden gebildet werden.
auftreten können, und als Montagehilfe ist eine Die Pfetten können aus einfachen Balken bestehen,
Verbindung durch Anlehnen an eine Firstbohle bei größeren Spannweiten sind aber andere Trä-
(insbesondere bei nicht gegenüberliegenden gerarten (z. B. Brettschichtträger, Wellstegträger,
Sparren) zweckmäßig (vgl. Bild 1.20b). Gitterträger usw., s. Abschn. 1.2.4) wirtschaftlicher.

1.38 Pfettendach mit doppelt stehendem Stuhl und Windstreben (Dachneigung > 35°1)
1 Streben zur Queraussteifung

1) Die im Bild angegebenen Holzdimensionen sollen als Anhalt dienen. Sie sind in jedem Fall durch Standsicherheitsnachweis
zu ermitteln.
1.2 Dachtragwerke aus Holz 31

Größere Spannweiten mit weitgespannten, frei- tiger Kopfbänder, die den Endstiel auf Biegung
tragenden Pfetten führen meistens zu unwirt- beanspruchen würden, Streben unter jede Pfette
schaftlichen Dimensionierungen. Längere Pfetten gesetzt (Bild 1.35 c und d). Die Fußschwelle bzw. 1
und „Pfettenstränge“, die aus statischen Gründen der Pfosten sind in der Decke zu verankern.
auch mit Gelenken („Gerberpfetten“) ausgeführt Heutzutage üblicher ist die Auflagerung der Pfet-
werden können (s. Abschn. 1.2.4 und Bild 1.76), ten auf die Giebelwände. In Mauerwerkswänden
müssen daher Zwischenauflager erhalten. Sie ist am Pfettenauflager häufig ein Betonposter
können aus Stützreihen gebildet werden, die auf zur Verteilung der punktuell einwirkenden Lasten
der obersten tragenden Geschossdecke stehen. erforderlich. Bei Brandwänden können die Pfet-
Fußpfetten liegen mit ihrer Breitseite auf der Un- tenauflager durch eingemauerte, vor die Wand-
terkonstruktion. Eine Trennschicht aus Bitumen- oberfläche auskragende Betonkonsolen oder
bahnen schützt am Stahlbeton- oder Mauer- Stahl- Auflagerkonsolen gebildet werden. Bei Auf-
werksauflager vor Feuchtigkeitseinwirkungen. lagerung innerhalb des Wandquerschnittes ist da-
Auf Balkenlagen sind die Fußpfetten durch Na- rauf zu achten, dass die verbleibende Dicke der
geln zu verankern. Wand den Anforderungen an eine Brandwand
Verschiedene Möglichkeiten für Auflagerung und entspricht.
Verankerung von Fußpfetten auf Mauerwerk und Streben dienen der Queraussteifung, wenn diese
Massivdecken zeigt Bild 1.37. bei großen Pfettendächern mit über 35° Dachnei-
Zwischen Pfetten und Stielen werden Kopfbänder gung nicht von den Binderzangen und Sparren
(Büge) angeordnet. Sie dienen der Längsausstei- übernommen werden kann. Die Streben werden
fung und verkürzen die Feldweite der Pfette. An auf der vom Wind abgekehrten Dachseite auch
Stiel und Pfette werden die Kopfbänder tradi- von Zugkräften beansprucht; ihre Endpunkte
tionell entweder durch Versatz mit Schrauben- sind daher gegen Zug zu sichern (Bild 1.38).
bolzen oder zangenartig durch Nagelung (Bilder
1.35e und 1.74) angeschlossen. Wegen des Rich- Pfettendächer mit Sprengwerk
tens liegen Pfettenstöße besser neben der Stuhl- Ist eine Sparrenlänge von mehr als ca. 7 m erforder-
säule. An der Giebelwand wurden anstatt einsei- lich, ist außer den beiden Mittelpfetten noch eine

1.39 Pfettendach mit dreifach stehendem Stuhl. 1.40 Pfettendach mit dreifach stehendem Stuhl.
Streben und ausgesteifte Zangen bilden ein Mittlere Stuhlsäule abgestrebt.1)
Sprengwerk zur Entlastung des Binderbalkens.
Mittlere Stuhlsäule durchlaufend.1)

1) Die im Bild angegebenen Holzdimensionen sollen als Anhalt dienen. Sie sind in jedem Fall durch Standsicherheitsnachweis
zu ermitteln.
32 1 Geneigte Dächer

1.41 Strebenanschluss an ausgesteifte Doppelzange, 1.42 Aufsetzen eines einfachen Sprengwerks für die
die als Spannriegel benutzt wird Firstpfette auf ein doppeltes Sprengwerk für die
Mittelpfetten. Ausgesteifte Doppelzangen dienen
als Spannriegel

tragende Firstpfette anzuordnen. Es ergibt sich ein große freie Dachräume benötigt wurden. Bei
Pfettendach mit dreifach stehendem Stuhl. landwirtschaftlichen Gebäuden musste vielfach
Die mittlere Stuhlsäule kann entweder bis auf die das Aufhängen von Greiferaufzügen und deren
Geschossdecke geführt werden (Bild 1.39) oder freie Bewegung in Firstnähe ermöglicht werden.
endigt unter den Zangen und wird gegen die bei- Einen dafür geeigneten Binder zeigt Bild 1.43 in
den Seitenstiele durch Streben abgestützt (Bild Verbindung mit einem Drempel oder Kniestock.
1.40). Streben und Zangen bilden dann ein Die Höhe eines solchen Drempels1) kann von ge-
Sprengwerk, das in statischer Hinsicht mit dem ringen Höhen bis zu fast voller Geschosshöhe
Gespärre eines Sparrendaches verglichen werden reichen. Ein Drempel lässt es zu, den Fußpunkt
kann (Bilder 1.3c und 1.13), und entlasten so die von Streben selbst sehr flacher Dächer in nächs-
Decke bzw. den Binderbalken. ter Nähe der unterstützenden Außenwand auf
Die Streben sind mit doppeltem Versatz dicht un- den Dachbalken aufzusetzen. Die Drempelwand
ter den Zangen an die Stiele und dicht am Aufla- kann als massive Wand unmittelbar die Drempel-
ger an den Balken angeschlossen. Die Stiele ste- pfette tragen, aber auch als Holzkonstruktion
hen mit 3 cm Zwischenraum über dem Balken ausgebildet werden.
und erhalten kurzen Führungszapfen (Schwebe- Drempelpfette, Sparren, Strebe und gegebenen-
zapfen). Die Doppelzangen sind im gezeigten falls Stiel einer Fachwerkwand werden in der Re-
Beispiel durch 12 u 14 cm dicke Futterhölzer aus- gel durch Doppelzangen miteinander verbun-
gesteift und so gegen Ausknicken gesichert. Mit den. In einem liegenden Stuhl liegen die Kopf-
den Stielen sind die Doppelzangen durch 2 Ein- bänder geneigt und werden mit den Pfetten
pressdübel (s. Abschn. 1.2.4) mit Bolzen M16 ver- durch schräge Zapfen, mit den liegenden Stuhl-
bunden (Bilder 1.41 und 1.42). säulen durch Anblattung verbunden. Die Stuhl-
Pfettendächer mit liegendem Stuhl. Dächer mit 1)
„liegendem Stuhl“ (Bild 1.34h und i) wurden frü- Als Kniestock- bzw. Drempelhöhe gilt in der Regel der
senkrechte Abstand zwischen Oberkante Sparren (bzw.
her verwendet, wenn die senkrechten Stiele zu Dachkonstruktion und Oberkante Fußboden), gemessen
große Abstände von den Unterstützungspunkten in der Ebene der Außenwandfläche. Die Regelungen sind
der Dachbalkenlage erhalten hätten oder wo jedoch nicht einheitlich.
1.2 Dachtragwerke aus Holz 33

1.43 Pfettendach mit Drempel (Kniestock) und liegendem Stuhl (oberes Sparrenfeld durch Dübelung für Anbringen
schwerer Einzellast verstärkt).1)

säulen sind im gezeigten Beispiel mit durch Bol- bei ist es möglich, Zwischendecken oder Einzel-
zen gesichertem Versatz über eine Schwelle mit lasten an der Dachkonstruktion aufzuhängen.
der Massivdecke verbunden. Derartige Dachtragwerke sind statisch mit dem
Sparrendachprinzip vergleichbar (s. Bilder 1.3c
Hängewerkdächer und 1.44).
Stützenfreie Dachkonstruktionen über großen Sie übertragen ähnlich wie Sprengwerke die
Räumen wurden früher mit teilweise recht gro- Dachlasten auf die Auflager. Hängewerke können
ßen Spannweiten als „Hängewerke“ errichtet. Da- als reine Holzkonstruktionen, ingenieurmäßig in

1.44 Hängewerk-Prinzip
a) Einfaches Hängewerk mit unterem Zuggurt
b) Einfaches Hänge-Sprengwerk mit festen Widerlagern
c) Doppeltes Hängewerk

1) Die im Bild angegebenen Holzdimensionen sollen als Anhalt dienen. Sie sind in jedem Fall durch Standsicherheitsnachweis
zu ermitteln.
34 1 Geneigte Dächer

1.45 Einfaches Hängewerk, herkömmliche Ausführung1)

1) Die im Bild angegebenen Holzdimensionen sollen als Anhalt dienen. Sie sind in jedem Fall durch Standsicherheitsnachweis
zu ermitteln.
1.2 Dachtragwerke aus Holz 35

Kombinationen von Holz- und zugbeanspruch- kömmlicher Zimmermannstechnik ausgeführten


ten Stahlbauteilen (z. B. Stahlseilen) oder als Hängewerkkonstruktionen erläutert werden.
Stahlkonstruktionen ausgeführt werden (vgl. Bil- Hängewerke bestehen im einfachsten Fall aus 1
der 1.47 bis 1.49). einem Zugstab oder -seil, aufgehängt im Knoten-
Das Prinzip derartiger Dachtragwerke kann gut punkt zweier Druckstäbe, die sich auf unver-
an den nachstehend beschriebenen, in her- schiebliche Auflager abstützen oder durch einen

1.46 Doppeltes Hängewerk, herkömmliche Ausführung1)


Die Holzquerschnitte, Versatze und Stahlquerschnitte für das dargestellte doppelte Hängewerk sind für ein Dach
von 12 m Spannweite und 4 m Binderentfernung ermittelt worden. Dachlast einschließlich Pfetten und Binder
3,0 kN/m2 Grundfläche; Dachboden 1,0 kN/m2 Eigengewicht und 2,0 kN/m2 Verkehrslast.

1) Die im Bild angegebenen Holzdimensionen sollen als Anhalt dienen. Sie sind in jedem Fall durch Standsicherheitsnachweis
zu ermitteln.
36 1 Geneigte Dächer

1.47 Moderne Hängewerkkonstruktion (Architekt: H. Caspari)


1 Obergurt 4 Hängesäule (Stahl-Rundprofil)
2 Untergurt (Doppelprofil, Anschlüsse mit 5 Pfetten auf Stahlguss-Konsolen
Bolzenverbindungen) 6 Gelenk
3 Strebe (Anschluss mit Versatz)

1.48 Hängewerk mit untergespanntem Obergurt (Architekten: J. und M. Schürmann)


a) Detail Aufhängungspunkt
b) Detail Unterspannung
1 Stahlrohr Ø 26 5 Obergurt Brettschichtholz
2 Stahlrohr Ø 30 6 Gelenk
3 Stahlrohr Ø 26 7 verglaste Dachfläche auf Stahlpfetten
4 Aufhängung Galerie
1.2 Dachtragwerke aus Holz 37

zugbeanspruchten Bauteil (Massivdecke, Balken, Die unteren bogenförmig ausgeschmiedeten


Stahlprofil oder -seil) zusammengehalten werden Flachstahlenden werden durch eine Unterleg-
(Bild 1.44). Die einzelnen Hänge- oder Spreng- platte oder einen kurzen [-Stahl und Schrauben- 1
werke bilden dabei Binder mit Abständen von muttern verbunden, damit ein Nachziehen der
ca. 5 m, abhängig von der Dimensionierung der Verbindung möglich bleibt. Die Hängesäule darf
Pfetten. nicht auf dem Hängebalken stehen; es muss ein
Die durchlaufenden Gurtbalken unter den Hän- Zwischenraum von 3 bis 4 cm verbleiben. Zur
gesäulen in den Bildern 1.45 und 1.46 dienen der Führung ist ein Zapfen mit 3 bis 4 cm Spielraum
Auflagerung von Holzbalkendecken in den Fel- anzuordnen (Schwebezapfen). Überzüge liegen
dern zwischen den als Bindern angeordneten neben der Hängesäule auf dem Hängebalken
Hängewerken. und sind mit diesem durch Schraubenbolzen ver-
bunden. Unterzüge liegen unter den Hängesäu-
Hängewerkdächer werden als Pfettendächer nicht len und dem Hängebalken. Sie werden durch
flacher als 30° ausgebildet. Die Pfetten werden im Hängeeisen am Hängebalken befestigt.
Allgemeinen von den Hängesäulen getragen.
Doppelte Hängewerke bestehen aus dem Hän-
Nach der Anzahl der Hängesäulen unterscheidet gebalken, 2 Hängesäulen, 2 Streben und dem
man: Spannriegel. Die Knotenpunkte A und C werden
Ɣ einfache Hängewerke, für Spannweiten bis 8 m wie beim einfachen Hängewerk ausgeführt. Im
Ɣ doppelte Hängewerke, für Spannweiten bis 12 m Punkt A schließt die Strebe mit einfachem oder
Ɣ dreifache Hängewerke, für Spannweiten über doppeltem Versatz an die Hängesäule an; der
12 m. Spannriegel erhält einfachen Versatz. Die drei Höl-
zer werden durch dreiteilige Flachstahllaschen
Einfache Hängewerke (Bild 1.45) haben nur eine und Bolzen miteinander verbunden (Bild 1.46).
Hängesäule. Die Knotenpunkte an den Streben- Dachtragwerke nach dem Hängewerksprinzip
enden sind bei allen Hängewerken auf das sorg- kommen in vielfach abgewandelten modernen
fältigste auszuführen; die Verbindungen sind Formen vor. Dabei sind die früher reinen Holz-
durch Bolzen, Stahllaschen usw. zu sichern. In den konstruktionen oft durch Stahlseile oder -profile
Knotenpunkten sind die Hölzer so anzuordnen, ergänzt. Insbesondere aber werden die Knoten-
dass sich die Stabachsen (Schwerelinien) in ei- punkte mit Hilfe moderner Verbindungsmittel
nem Punkt schneiden. Der Schnittpunkt der Stre- wie z. B. Stahlblech- oder Stahlgussteilen, Stabdü-
ben- und Balkenschwerelinien muss über dem beln mit Stahl-Knotenplatten usw. gebildet.
Auflagerschwerpunkt liegen, wenn der Balken Der Versuch, einen Überblick über die Fülle der
auf Biegung nicht beansprucht werden soll. Dazu konstruktiven Gestaltungsmöglichkeiten zu ge-
sind Auflagerplatten aus Hartholz einzubauen, ben, würde den Rahmen dieses Werkes sprengen.
die einige Zentimeter gegen die Bauwerksvor- Die Bilder 1.47 und 1.48 können daher lediglich
derkante zurückliegen. Unter der Hartholzplatte als Anregungen auch für viele auch ganz anders-
ist ein Ringanker auszuführen. artige Möglichkeiten dienen.
Die Strebe ist mit dem Hängebalken durch einfa- Moderne Hängewerkskonstruktionen können in
chen oder doppelten Versatz verbunden. Die Höl- mehreren Ebenen kombiniert werden und Be-
zer werden durch Schraubenbolzen in Verbin- standteil von räumlichen Tragwerken werden
dung mit Dübeln zusammengehalten. In Bild 1.45 (Bild 1.49).
ist ein einfacher Versatz und alternativ ein dop-
pelter Versatz mit Bolzensicherung dargestellt. Besondere Ausführungsformen
Der Bolzen soll rechtwinklig zur langen Versatz-
fläche stehen. Der doppelte Versatz muss sehr Walmdächer
genau gearbeitet werden, damit die volle Ver- Walmdächer (Bild 1.1e) können für freistehende,
satzfläche belastet wird. niedrige Gebäude in Frage kommen, wenn die
Die Vorholzlänge (lv) ist wie beim Strebenfuß zu Traufe um alle Gebäudeseiten herumgeführt wer-
berechnen. den soll.
Die Hängesäule ist mit dem Hängebalken durch Der Material- und Arbeitsaufwand ist jedoch
Hängeeisen verbunden (Flachstähle von 40 mm x deutlich höher als bei vergleichbaren Satteldä-
10 mm Querschnitt, die an der Hängesäule durch chern. Der Dachraum lässt sich schlechter nutzen.
Bolzen befestigt werden). Die Anzahl und der Für die Ausführung von Walmdächern sind Pfet-
Durchmesser der Bolzen sind zu berechnen. tenkonstruktionen in der Regel am besten geeig-
38 1 Geneigte Dächer

1.49 Räumliche Hängewerkskonstruktion (Architekten: Prof. H. und C. Nickl)


a) Schnittskizze
b) Innenraum
1 Hängesäule 3 Rahmen (Anschlüsse mit verschweißten Knotenblechen)
2 Obergurt 4 Zugbänder (Rundstahl)

net. Die Lage der Binder ist vom Grundriss (Ge- Gegen dieses Anfallsgebinde legen sich die Grat-
bäudetiefe, unterstützende Wände) und der sparren mit ihren Schmiegen stumpf an (Bild 1.52
Dachneigung (Sparrenlänge) bzw. der Binder- Punkt C, Verbindung durch Sparrennägel). Ist
form (Anzahl und Lage der Pfetten) abhängig. Die eine Firstpfette vorhanden, so werden die Grat-
Binderstiele sollten bei Holzbalkendecken auf sparren auf diese Pfette aufgeklaut. Durch den
tragenden Wänden stehen. Wird eine Firstpfette Anfallspunkt braucht dann kein Sparrengebinde
im Anfallspunkt von einem Binder unterstützt zu gehen. Die Gratsparren haben einen fünfecki-
(Bild 1.50a und e), entfällt dort das einseitige gen, der Dachneigung entsprechend oberseitig
Kopfband (Längsaussteifung durch Walmfläche). abgedachten Querschnitt. Die Gratsparren sind
Wirtschaftlicher ist es oft, den Binder so aufzustel- im Allgemeinen 2 bis 4 cm breiter als die übrigen
len, dass das auskragende Pfettenende vom Sparren. Die Höhe soll so bemessen werden, dass
Kopfband unterstützt wird (Bild 1.50b, c, d). Dabei die Schiftsparren (das sind die Sparren, die am
wird eine etwaige Walmpfette auf das Kragende Gratsparren enden) sich mit ihrer vollen oberen
aufgeblattet (Bild 1.50d) oder aufgekämmt. Wird Endfläche, der Schmiege, an die Seitenflächen
der auskragende Teil der Mittelpfette zu lang, des Gratsparrens anlegen können. Gratsparren
muss er durch Eckstiele unterstützt werden (Bild dürfen nicht ausgewechselt werden.
1.50e). Guter Eckverband entsteht durch auf den Kehlbalkenkonstruktionen können für Walmdä-
Pfettenkranz aufgebolzte oder mit Versatz einge- cher über Massivdecken eine konstruktiv einfa-
setzte Diagonalhölzer, die Längs- und Walmpfet- che Lösung darstellen. Über Holzbalkendecken
ten horizontal miteinander verbinden (Bild 1.51 ergeben sich jedoch bei traditioneller Technik
Punkt A). aufwändige Zimmerarbeiten. Nach der Walmsei-
Die Hauptkonstruktionshölzer der beiden Seiten- te wird ein Stichgebälk angeordnet, das die hori-
teile sind die Gratsparren, die im Anfallspunkt zontalen Kräfte der in der Walmfläche liegenden
stumpf zusammentreffen. Ist keine Firstpfette Sparren auf einen verstärkten Randbalken der
vorhanden, so muss im Anfallspunkt ein Sparren- Decke überträgt. Die Stichbalken werden mit
gebinde (Anfallsgebinde) angeordnet werden. dem letzten durchgehenden Balken der Decke
1.2 Dachtragwerke aus Holz 39

1.50 Walmdächer, Ausführung nach dem Pfettendach-Prinzip


40 1 Geneigte Dächer

1.51 Pfetten-Walmdach mit dreifach stehendem Stuhl (Firstsäule steht auf Tragwand, Stiele der Mittelpfetten abgestrebt)

durch schwalbenschwanzförmiges Blatt verbun- derlichen Fallrohre sind jedoch formal schwierig
den (Bild 1.52 Punkt A). einzuordnen. Schräg entlang dem Ortgang ge-
Beim Krüppelwalmdach (Bild 1.53), einer beson- führte Ableitungen dürften wohl immer die ge-
ders im norddeutschen Küstengebiet verbreite- stalterisch und auch technisch schlechteste Lö-
ten Dachform, wird nur der obere Teil des Giebels sung darstellen. Meistens wird daher das Rinnen-
abgewalmt. Bei Kehlbalkendächern liegt die wasser über gebogene Rohrstutzen auf die
Traufe der Walmfläche dann meist in Höhe der Hauptdachfläche geleitet.
Kehlbalkenlage.
Dächer über zusammengesetztem Grundriss
Kleine Krüppelwalmflächen werden meistens
ohne Entwässerung ausgeführt. Bei größeren Flä- Treffen zwei gleich breite Gebäudeteile mit glei-
chen sind Dachrinnen unvermeidlich. Die erfor- cher Dachneigung zusammen, so schneiden sich
1.2 Dachtragwerke aus Holz 41

1.52 Kehlbalken-Walmdach1)

1.53 Traufe am Krüppelwalm eines Pfettendaches

1) Die im Bild angegebenen Holzdimensionen sollen als Anhalt dienen. Sie sind in jedem Fall durch Standsicherheitsnachweis
zu ermitteln.
42 1 Geneigte Dächer

1.54 Dächer über zusammengesetztem Grundriss


a) Pfettendach über abgewinkeltem Grundriss. Die Pfetten a liegen auf den Pfetten b.
Beide Gebäudeteile sind gleich tief.
b) Anschluss der Schifter an den Kehlsparren

die beiden äußeren Dachflächen in einer Gratli- Die Mittelpfetten werden entweder in gleicher
nie, die beiden inneren Dachflächen in einer Kehl- Höhe herumgeführt oder besser dort, wo sie
linie, die beide bis zum First durchgehen. zusammentreffen, übereinandergelegt. Die
Wenn keine Firstpfette vorhanden ist, werden Pfette des einen Daches kann als Spannriegel
Grat- und Kehlsparren durch Scherzapfen mitein- für den Binder des anderen Daches benutzt
ander verbunden. Kehlsparren sind etwa 14/20 werden. Die Gebäudeteile werden auf diese
bis 16/22 cm dick; sie werden oberseitig der Nei- Weise fest miteinander verbunden. Sind die
gung der beiden Dachflächen entsprechend aus- Gebäudeteile ungleich breit, so kann man ver-
gekehlt (Bild 1.54b Punkt A) oder behalten recht- suchen, die Binder so anzuordnen, dass die
eckigen Querschnitt (Bild 1.54b Punkt B). Im ers- Verlängerung der Walmpfette des großen Da-
teren Falle legen sich die Schiftsparren seitlich an ches die Firstpfette für das kleine Dach ergibt
den Kehlsparren und werden durch Nagelung (Bild 1.55).
befestigt; im zweiten Falle stützen sich die Schift- Geneigte Dächer lassen sich auch über kompli-
sparren mit einer Klaue auf den Kehlsparren. Die zierten, auch nicht rechtwinklig orientierten
letztere Ausführung ist umständlicher, aber fes- Grundrissen – u. U. mit verschieden geneigten
ter. Der Kehlsparren wird durch die Schifter belas- Teilflächen – errichten. In jedem Fall aber müs-
tet und muss daher bei größerer Länge durch sen alle dabei entstehenden Anschnitte an Trau-
eine Strebe unterstützt werden. fen, Ortgänge, aufgehende Bauteile sowie alle
1.2 Dachtragwerke aus Holz 43

1.55 Pfettendach über zusammengesetztem Grundriss. Die Gebäudeteile sind verschieden breit, Pfetten a liegen
auf Pfetten b

Kehlen, Grate und Verfallungen für die Planung ner Materialien (Folien, Dichtungsmassen usw.)
geometrisch genau erfasst werden. für manche Problempunkte hilfreich sein kann,
Die sich daraus ergebenden Dachkonstruktionen sollten immer konstruktive Lösungen vorgezo-
sind immer im Zusammenhang mit der Dachde- gen werden.
ckung zu entwerfen. Nur mit kleinformatigen De- Bei der Planung der Kehlen in zusammenge-
ckungsarten (Schiefer, Biberschwänze u. Ä.) kön- setzten Dachformen muss auf die einwandfreie
nen die sich oft ergebenden komplizierten An- Ableitung von Niederschlagwasser besonders
schlüsse und Übergänge befriedigend gelöst geachtet werden. Vor allem, wenn Niederschlag-
werden. wasser aus verschiedenen höher gelegenen
Die Lösung aller entstehenden Detailfragen, ins- Dachflächenteilen anfällt, müssen die Quer-
besondere alle Übergänge zwischen Ort- und schnitte erforderlicher Kehlrinnen (s. Abschn.
Traufgängen, Anschlüsse von Graten und Kehlen 1.7.2) bereits bei der Dimensionierung der Kehl-
– ggf. auch an aufgehenden Bauteilen – sollte kei- sparren und bei der Planung der Schifteran-
nesfalls der Improvisation auf der Baustelle über- schlüsse (Bild 1.54b Punkte A und B) berücksich-
lassen werden. Obwohl die Verwendung moder- tigt werden.
44 1 Geneigte Dächer

Zeltdächer einen Stiel (Kaiserstiel), der meistens nicht bis zur


Zeltdächer können als Walmdächer ohne Firstli- Dachbalkenlage heruntergeführt wird, sondern
1 nie betrachtet werden. Die Gratlinien treffen sich unter den mittleren Querzangen endet.
in der Spitze des Daches. Zeltdächer über regel- Doppelzangen am Kaiserstiel ordnet man überei-
mäßig vieleckigem Grundriss haben gleich ge- nander an. Bild 1.56 zeigt ein Zeltdach über qua-
neigte Dachflächen; bei rechteckigem oder unre- dratischem Grundriss mit Kniestock und diagonal
gelmäßigem Grundriss ergeben sich verschieden liegenden Bindern.
geneigte Dachflächen. Die Binder können in den Zeltdächer mit sehr steilen Dachflächen werden
Diagonalen des Grundrisses liegen; die Gratspar- als Turmdächer bezeichnet. Bei alten Turmdä-
ren sind dann Bindersparren, alle anderen Spar- chern standen die Gratsparren mit Zapfen auf ei-
ren Schiftsparren. Die Gratsparren legen sich in ner Balkenlage und legten sich oben gegen den
diesem Falle oben mit Zapfen und Versatz gegen Kaiserstiel, mit dem sie durch Stahlringe und Bol-

1.56 Zeltdach mit Kaiserstiel und Kniestock über quadratischem Grundriss1)

1) Die im Bild angegebenen Holzdimensionen sollen als Anhalt dienen. Sie sind in jedem Fall durch Standsicherheitsnachweis
zu ermitteln.
1.2 Dachtragwerke aus Holz 45

1.57 Mollersche Konstruktion 1.58 Pyramidenförmiges 1.59 Turmdachschale aus


(schematisch)1) Raumfachwerk geleimten Holztafeln1)
a) Kaiserstiel 20/20 (schematische Darstellung)1) a) Brettschale (5 cm dick)
b) Gratsparren 20/24 a) Gratsparren 16/26 b) Aussteifungsringe
c) Wechsel b) Streben 21/14 (5 bis 13 cm dick)
d) Balkenlage 16/20 c) ausgesteifter c) Befestigung der Holz-
e) Balkenlage 18/22 Pfettenkranz 14/16 schale am Beton des
f) Balkenlage 24/30 d) Kaiserstiel 20/20 Turmschaftes durch
g) liegende Stuhlwände e) Schwellenkranz Geka- Dübel Ø 115 mm
(Strebenquerschnitt 16/18) (Eiche 10/14)
h) Aussteifungslage mit Veran- f) Zuganker M 24 (1,50 m
kerung des Kaiserstieles tief im Mauerwerk)

1) Die im Bild angegebenen Holzdimensionen sollen als Anhalt dienen. Sie sind in jedem Fall durch Standsicherheitsnachweis
zu ermitteln.
46 1 Geneigte Dächer

zen fest verbunden waren. Alle 4 bis 5 m wurden Faustregel zur überschlägigen Ermittlung der
die Gratsparren durch Zangen zusammengehal- Holzdicken in cm:
1 ten und ebenso wie die Zwischensparren durch Sparrenhöhe =5+2L
liegende Stühle aus Schwelle, Rähm und gekreuz- Stiel =7+2L
ten Streben unterstützt, denn Zugkräfte konnten Pfettenhöhe =9+2L
vom Turmmauerwerk kaum übernommen wer- Breite : Höhe =5:7
den. Das Eigengewicht der sogenannten „Moller- L = freie Länge des Holzes in m
schen Konstruktion“ war jedoch so groß, dass der (bei Pfetten und Sparren)
Turmhelm dem Winddruck ohne zu kippen wi-
derstehen konnte (Bild 1.57). Ausgebaute Dachräume
Neuere Turmdachkonstruktionen bestehen nur Bei ausgebauten Dachräumen sind nach den An-
aus den Hölzern, die als Traggerüst für die Dach- forderungen der Energieeinsparverordnung er-
haut dienen. Die Standfestigkeit der Konstruktion hebliche Dämmstoffdicken zu berücksichtigen.
wird dadurch gewährleistet, dass die bei Wind Die Höhendimensionierung der Sparren wird
anfallenden Zugkräfte über Zugstöße der Hölzer häufig nicht allein durch die Bemessung hinsicht-
und Stahlanker auf die Wände des Turmschaftes lich der Tragfähigkeit sondern durch die erforder-
übertragen werden. Den Turmhelm bildet ein py- lichen Dämmstoffdicken bestimmt. Wenn die
ramidenförmiges Raumfachwerk mit den Grat- Wärmedämmung unbelüftet ganz oder teilweise
sparren als Tragpfosten, die unten von einem zwischen den Sparren eingebaut wird, ergibt sich
Schwellenkranz zusammengefasst werden. Un- meistens ein erforderliches Höhenmaß der Spar-
tereinander sind die Gratsparren durch Streben ren von ca. 20 bis 26 cm. Bei hinterlüfteten Wär-
zu steifen Flächen verbunden. Der horizontalen medämmungen sind evtl. noch höhere Sparren
Aussteifung dienen Pfettenkränze, die durch Zan- nötig (vgl. Abschn. 1.9.2).
gen gegen Verschieben gesichert sind (Bild 1.58).
Das Zurichten der Grat-, Kehl- und
Sehr vereinfachte Turmdachkonstruktionen wer- Schiftsparren (Schiftungen)
den durch Verwendung von geleimten Holzscha-
Die Abmessungen, Querschnittsformen, Schmie-
len möglich, die durch mehrschichtige, geleimte,
geflächen und Klauen können bei Grat- und Kehl-
horizontal liegende Rahmen ausgesteift werden.
sparren und z. T. auch bei den Schiftsparren nicht
Diese Turmhelme sind so leicht, dass sie auch auf
unmittelbar aus den Querschnittszeichnungen
dem Werkplatz fertig montiert, teilweise gedeckt
des Daches entnommen werden.
und dann mit Kränen auf den massiven Turm-
schaft gehoben werden können (Bild 1.59). Mit Schiftapparaten werden die Sparrenlängen
sowie Lage und Größe von Klauen und Schmie-
gen mechanisch an verschieblichen rechtwinkli-
Handwerkliche Ausführung
gen Dreiecken zusammengesetzten Metallmaß-
Abmessungen stäben ermittelt und auf den Hölzern angerissen
Auch bei einfachen Kehlbalken- und Pfettendä- („ausgetragen“).
chern in zimmermannsmäßiger Konstruktion Insbesondere für das Zurichten großer Holzquer-
sind in der Regel alle Hölzer statisch zu berech- schnitte, z. B. aus Brettschichtträgern, werden
nen. Für Dächer mittlerer Spannweite ergeben rechnergestützte Zuschnittmaschinen einge-
sich aus statischer Sicht etwa folgende Holzab- setzt, mit denen die erforderlichen Abmessungen
messungen: der Hölzer und die Schnittwinkel direkt aus Zeich-
nungen ermittelt werden können.
Sparren 8/12 bis 10/16 cm
Kehlbalken 8/14 bis 10/20 cm Bohlenschiftung
Zangen 6/14 bis 8/16 cm Kleine Satteldächer, deren Dachraum nicht ge-
Rähme 14/18 bis 14/22 cm nutzt wird, können an größere Dachflächen auch
Mittelpfetten 12/20 bis 14/20 cm ohne Kehlsparren angeschlossen werden. Die
Firstpfetten 14/16 bis 14/18 cm Schiftsparren des Nebendaches setzen sich mit
Kniestockpfetten 12/14 bis12/16 cm ihren Schmiegeflächen auf entsprechend zuge-
Kniestockstiele 12/12 cm richtete Bohlen, die auf die durchgehenden Spar-
Stiele unter den ren des Hauptdaches aufgelegt und durch Nägel
Rähmen und Pfetten 12/12 bis 14/14 cm befestigt werden. Die Bohlen sind 6 bis 8 cm dick
Streben 14/16 cm und müssen so breit sein, dass sich die Schiftspar-
Kopfbänder 10/10 bis 10/12 cm ren der Gaube voll auflegen lassen (Bild 1.60).
1.2 Dachtragwerke aus Holz 47

1.60 Bohlenschiftung, Austragung eines Schiftsparrens und einer Schiftbohle


48 1 Geneigte Dächer

1.2.4 Ingenieurmäßige Brettschichtholz, vorgefertigte Träger und mo-


Holzdachkonstruktionen derne Holzwerkstoffe ermöglichen sehr große
1 Allgemeines
Spannweiten bei ingenieurmäßigen Dachkonst-
ruktionen. Bei der Überdachung großflächiger
Die in Abschn. 1.2.3 behandelten Konstruktionen Gebäude tragen sie z. B. als lange auf Dachbin-
aus Kanthölzern mit einfachen handwerklich her- dern oder Zwischenwänden aufgelegte Pfetten-
gestellten Verbindungen erlauben bei noch wirt- stränge („Sparrenpfetten“ oder „ Koppelpfetten“)
schaftlichen Holzdimensionen freie Einzellängen die Dachhaut.
bis etwa 7,00 m. Damit ist es möglich, Stützweiten Einfeld- oder Durchlaufpfetten (bzw. -träger) sind
bis etwa 12,00 m zu überspannen. bei großen Spannweiten durch Lieferlängen und
Dachtragwerke aus Holz können jedoch auch für Transportmöglichkeiten begrenzt und statisch
wesentlich größere Spannweiten und über grö- unwirtschaftlich. Für große Spannweiten bzw.
ßere Flächen sehr wirtschaftlich und vor allem Bauteillängen können tragende Pfetten mit bie-
auch gestalterisch anspruchsvoll gestaltet wer- gesteifen Stoßverbindungen durch Nagelung oder
den. Dübelverbindungen gekoppelt werden.
Begrenzungen ergeben sich dabei meistens nur Statisch günstiger sind Gelenkträger (bzw. „Ger-
aus Brandschutzforderungen (s. Abschn. 17.7 in berträger“), die als Mehrfeldträger aus anei-
Teil 1 des Werkes). Holzkonstruktionen sind je- nander gereihten gelenkig verbundenen Krag-
doch – ausreichende Dimensionierungen dafür trägern und Einhängträgern bestehen. In den
vorausgesetzt – im Allgemeinen wesentlich weni- Gelenken werden lediglich Querkräfte und keine
ger empfindlich gegen Brandeinwirkung als un- Biegemomente übertragen. Dadurch ergeben
geschützte Stahlkonstruktionen. sich Vorteile bei der statischen Dimensionierung
(Bild 1.76).
Neuzeitliche Holzkonstruktionen sind gekenn-
zeichnet durch: In modernen Holzkonstruktionen werden mit
dem Ziel der Reduzierung der Bauteildimensio-
Ɣ Einsatz vorgefertigter, hochbelasteter Tragele- nen zunehmend für zugbeanspruchte Bauteile
mente anstelle oder in Ergänzung von Vollholz- wie Untergurte von unterspannten Trägern und
querschnitten, Dachbindern, für Windverbände und ähnlichem
Ɣ spezielle Verbindungstechniken, die hoch be- Drahtseile und Rundstahlstäbe mit justierbaren
lastbare Anschlüsse – auch in mehreren Ebe- Anschlussflanschen und mit Verbindungsteilen
nen – ermöglichen, in vielfältigen Ausführungen verwendet (vgl. Bil-
Ɣ Kombination von Holz- und Stahlbauteilen der 1.113 bis 1.116 und 1.131).
(s. a. Bilder 1.47 und 1.48),
Ɣ hochentwickelte, auch räumliche Tragwerks-
systeme (Bild 1.120–1.125).

1.61 Ingenieurmäßige Holzkonstruktionen


a) Stabanschlüsse mit verschweißten Knotenblechen und Stabdübeln
b) genagelter Gitterträger
c) Zugbeanspruchte Bauteile aus Stahlstäben oder -seilen: Anschluss an Vollholzstab
d) räumliches Tragwerk
1.2 Dachtragwerke aus Holz 49

Konstruktionselemente tigte Tragelemente wie Binder lassen sich auch


für große Spannweiten sehr kostengünstig her-
Träger aus Holzwerkstoffen, stellen. 1
Brettschichtträger
Kastenträger
Erheblich größere Spannweiten als mit Vollhöl-
Für Konstruktionen mit geringeren Belastungen
zern lassen sich in Konstruktionen des Ingenieur-
können leichtere zusammengesetzte Kastenträ-
Holzbaues mit Trägern aus zusammengesetzten
ger aus Bausperrholzplatten und Ober- bzw. Un-
Querschnitten aus Holzwerkstoffen und mit
tergurten aus Brettschichtholz in Frage kommen
Brettschichtträgern erreichen.
(Bild 1.63).
Brettschichtträger (Bild 1.62) können mit unter-
Kastenträger können auch als weitgehend vorge-
schiedlichen Höhen und Querschnittsformen, in
fertigte weitgespannte Dach- oder Flachdachele-
gebogenen und auch in räumlich gekrümmten
mente hergestellt werden (Bild 1.64).
Formen hergestellt werden (vgl. Bild 1.125). Für
hallenartige Bauwerke können biegesteife Rah- Vollwandträger
menteile aus gebogen ausgeführten Brett- Vollwandträger (Träger mit Stegplatten) beste-
schichtträgern und durch Keilzink- bzw. Stabdü- hen aus einer Kombination von Sperrholz-
belverbindung gebildet werden. platten als Stege und Ober- bzw. Untergurten
Zusammengesetzte Querschnitte werden zur Ma- aus verleimten Brettern (Bild 1.65). Mit wenig
terial- und Gewichtsersparnis bei gleichzeitig ho- Materialeinsatz wird eine hohe Tragfestigkeit er-
her Tragfähigkeit eingesetzt. Industriell vorgefer- zielt.

1.62 Brettschichtträger
a) Rechteckprofil
b) mögliche Trägerformen
c) Eckausbildungen für Hallenbinder (biegesteife Rahmenecken):
Gebogen geleimter Binder; Eckverbindung durch Keilzinkung;
Träger zwischen Doppelstützen; Anschluss durch Stabdübelkreis
50 1 Geneigte Dächer

1.63 Kastenträger 1.64 Vorgefertigtes Dach- bzw. Flachdachelement


1 Brettschichtträger
2 Holzwerkstoffplatte (Sperrholz)
3 Wärmedämmung auf Dampfsperre

1.65 Geleimter Vollwandbinder mit Sperrholz-Steg-


trägern
1 Stege aus Sperrholzplatten (mehrlagig)
2 verleimte Bretter/Bohlen

Wellstegträger
Als Leichtausführung der Vollwandträger sind die
Wellstegträger zu betrachten (Bild 1.66).
1.66 Wellstegträger (Stegdicke 4 bis 7 mm)
Bei ihnen wird der aus 4 bis 7 mm dickem, ver-
leimtem Sperrholz oder Stahl-Wellblech herge-
stellte Steg maschinell in die sinuswellenförmig simse u. Ä. werden in Form von Zangen ange-
ausgefrästen Nuten der Gurthölzer eingepresst bracht, die sich unter Verwendung von Füllhöl-
und verleimt. Ziel der wellenförmigen Stegform zern an beide Seiten des Wellstegs anlegen.
ist eine Verbesserung der Festigkeit gegen Aus- DSB-Träger sind als Sparren und Pfetten bis zu
beulen. Wellstegträger werden in Dachtragwer- Längen bzw. Stützweiten von 12 und 15 m zuge-
ken ähnlich wie übliche Vollholzquerschnitte ein- lassen. Die Gitterstreben sind hier mit Zinken in
gebaut. An Knotenpunkten, in denen Druckkräfte die parallel oder geneigt zueinander verlaufen-
zu übertragen sind, werden Pfetten oder entspre- den Gurte geleimt. Mit verschieden breiten Ober-
chende Anschlussteile so ausgeschnitten, dass und Untergurten werden je nach Beanspru-
die Krafteinleitung über die Gurte der Wellsteg- chungsmöglichkeit Träger mit Doppel-, Dreifach-
träger möglich ist (s. Bild 1.67). Auskragende Ge- und Vierfachstreben hergestellt (Bild 1.68).
1.2 Dachtragwerke aus Holz 51

1.67 Wellstegträger in Sparrendach


a) Querschnitt durch Sparren, b) Schnitt
1 Wellstegträger 5 Windverband
2 Laschen 6 Schwelle
3 Firstprofil („Gelenkpfette“) 7 Traufschalung
4 Zangen für Gesims auf Füllhölzern

1.68 Dreieckstrebenbau (DSB), Isometrie


Strebentypen
a) 2-Zinker
b) 3-Zinker
c) 2 × 2-Zinker
52 1 Geneigte Dächer

Trigonit-Träger sind in drei Ebenen angeordnete Vorgefertigte Gitterträger


leichte Trägersysteme, bei denen die mittig ange- Der den Fachwerken zugrunde liegende Gedan-
1 ordneten Diagonalstäbe durch Keilzinkung mitei- ke, durch Aneinanderreihen einer Vielzahl von
nander verleimt sind. Ober- und Untergurt wer- aus Stäben gebildeten Dreiecken sehr leistungs-
den durch angenagelte Doppelprofile gebildet. fähige und materialsparende ebene Tragwerke
Es können Einfach- oder Mehrfachgitterstäbe zu konstruieren, führte zum vorgefertigten Gitter-
hergestellt werden, die Gurte können parallel, stegträger. Träger dieser Art werden maschinell
dreiecksförmig oder pultartig verlaufen. als leichte Bauelemente vorgefertigt.
Als Beispiel für das Konstruieren mit Gitterträgern
ist in Bild 1.70 der Schnitt durch ein Kehlbalken-
dach dargestellt. Gitterträger werden auch im
Schalungsbau und für Holzbaukonstruktionen
mit großen Spannweiten eingesetzt, wenn Voll-
holzprofile wegen ihres Eigengewichtes unwirt-
schaftlich sind.

Holzverbindungen
Bei ingenieurmäßig konstruierten Holzbauwer-
ken werden die herkömmlichen handwerklichen
Holzverbindungen hinsichtlich einfacherer und
maschineller Herstellungsmöglichkeiten sowie
höherer Belastbarkeit durch ähnliche, jedoch ver-

1.69 Trigonit-Träger, Isometrie

1.70 Sparrendach aus Gitterträgern (diagonale Windverbände nicht eingezeichnet), Schnitt


1 Gitterträger 4 Verbindungslaschen
2 Sattelschwelle auf Trennlage, verankert 5 Kehlriegel
3 Knagge 6 Firstprofil, nicht tragend
1.2 Dachtragwerke aus Holz 53

einfachte Anschlüsse ersetzt. In der Regel wird Zur einfacheren Herstellung der Knotenpunkte
die Tragfähigkeit derartiger Versatzanschlüsse werden Versätze auch durch aufgenagelte oder
durch Nagelungen, Dübel und Bolzenverbindun- aufgedübelte Laschen oder Knaggen ersetzt, 1
gen verbessert. kombiniert mit Bolzenverbindungen oder gena-
Außerdem werden moderne Verbindungstechni- gelten Verbindungslaschen (Bild 1.72).
ken (z. B. Verleimungen) und Verbindungsele- Vielfach werden die Anschlussknoten für Druck-
mente wie Stahlbleche und spezielle Knotenver- und Zugstäbe durch Doppelprofile in Verbin-
bindungen eingesetzt. dung mit verbolzten Dübeln vereinfacht (Bild
1.73).
Weiterentwickelte
Zimmermannsverbindungen Anschlüsse von Zugstäben sind in der gleichen
Beim Anschluss von Druckstäben durch Versatz Weise oder mit Stabdübeln möglich (Bild 1.74a
wird die Tragfähigkeit durch Verbreiterungen der und b) oder werden bei Verbindung von Einfach-
anzuschließenden Hölzer und zusätzlichen Ein- profilen mit Nagellaschen ausgeführt (Bild 1.74c).
satz von Dübeln (Bild 1.71a) verbessert oder die Stoßverbindungen werden mit Hilfe genagelter
herkömmlichen Versätze werden durch aufgedü- oder verbolzter Laschen hergestellt oder durch
belte Laschen gebildet (Bild 1.71b; Dübel, Bolzen- Stabdübel in Verbindung mit Knotenblechen aus
und Nagelverbindungen s. S. Bilder 1.71 ff. Stahl (Bild 1.75).

1.71 Druckstabanschlüsse mit Versatz


a) Versatzflächen vergrößert durch angedübelte Verbreiterungslaschen
b) Versatz gebildet durch aufgedübelte Lasche (vgl. „Vorholz“), Druckstab durch Bolzen gesichert

1.72 Druckstabanschlüsse („Kopfbänder“ zur Verminderung der Stützweiten der Pfetten)


a) Anschluss mit Stirnversatz, gebildet durch genagelte Knagge, Bolzensicherung
b) Anschluss eines Kopfbandes mit zusammengesetztem I-Querschnitt aus Einzelbrettern
1 Knagge
2 Nagelung
3 Brettlasche
54 1 Geneigte Dächer

1.73 Knotenpunkte durch Doppelprofile gebildet (Verbindung durch Bolzen in Verbindung mit Dübeln,
s. Bilder 1.80 bis 1.85)
a) Zugstab als Doppelprofil, b) Druckstab als Doppelprofil

1.74
Anschlussmöglichkeiten von Zugstäben
Z = Zugstab, G = Gurtstab, D = Druckstab
a) Anschluss von zweiteiligem Zugstab mit Dübeln
b) Anschluss eines zweiteiligen Zugstabes mit
Stabdübeln
c) Anschluss eines einteiligen Zugstabes durch
genagelte Laschen aus Baufurnierplatten (BFU)

1.75
Stoßverbindungen
a) genagelter Zugstoß mit
außen liegenden Laschen
b) Zugstoß mit Dübeln und
außen liegenden Laschen
c) Zugstoß mit Stabdübeln
(s. Bild 1.93f.) und innen-
liegendem Stahlblech
1 Nägel
2 Dübel
3 Stabdübel
4 innenliegendes Stahlblech
1.2 Dachtragwerke aus Holz 55

1.76 Gelenkträger („Gerberträger1)“)


a) Prinzipskizze 1 Auflager (Innenstütze)
b) untergehängte Einhängträger mit Bolzenverbindung 2 Kragträger
c) aufgelegter Einhängträger mit Risssicherung 3 Einhängträger, gelenkig eingehängt
d) Gelenkausbildung mit Stahlschuh 4 Zugbolzen
e) Gelenkausbildung mit eingeschlitztem Stahlblech 5 Klemmbolzen
6 nicht tragender Verbindungsbolzen
7 Stahlblech mit Stabdübeln

1) „Gerberträger“ ist ein 1866 patentierter Gelenkträger aus dem Brückenbau, benannt nach dem Deutschen Ingenieur Heinrich
Gottfried Gerber (1832–1912)

Gelenke durchlaufender Pfettenstränge (Gelenk- Spitzwinklig zusammenlaufende Gurthölzer


träger) werden mit Stahlblechformteilen oder werden durch beidseitig aufgenagelte Platten
durch Überplattungen mit Bolzenverbindungen aus Baufurnierplatten verbunden (Bild 1.77).
gebildet. Die Stöße sind so auszuführen, dass die
Bolzen auf Zug beansprucht werden, oder die
Hölzer müssen durch Klemmbolzen gegen Auf-
reißen gesichert werden (Bild 1.76).
Gelenkträger („Gerberpfetten“ – Namensgeber ist
der dt. Ingenieur H. G. Gerber, 1832–1912) haben
in Pfettensträngen über die Stützen hinauskra-
gende Pfettenenden als Auflager für gelenkig
eingehängte zwischengehängte Pfettenab-
schnitte. In den Gelenken werden nur die Aufla-
gerkräfte des eingehängten Trägers, jedoch keine
Biegemomente übertragen. Dadurch sind erheb- 1.77 Verbindung von flachgeneigtem Obergurt
lich günstigere statische Dimensionierungen mit Untergurt durch beidseitig genagelte
möglich. Sperrholzplatten
56 1 Geneigte Dächer

Dübelverbindungen 1.79). Die Bolzen sind so anzuziehen, dass die


Dübelverbindungen ermöglichen das Übertra- Unterlegscheiben geringfügig, jedoch höchstens
1 gen großer Kräfte bei kleinen Anschlussflächen. 1 mm tief in das Holz eingedrückt werden.
Unter die Festlegungen für Dübelverbindungen Die Abstände von Dübeln untereinander und
fallen alle überwiegend auf Druck und Abscheren vom Rand sind – wegen der großen Tragfähigkeit
beanspruchten Verbindungsmittel, wie – entsprechend groß, so dass Anschlüsse mit
Ɣ rechteckige Dübel aus Hartholz (Bild 1.78) mehreren Dübeln hintereinander eine große Län-
ge erfordern.
Ɣ Dübel aus Stahl („Dübel besonderer Bauart“),
Bild 1.79 und Bilder 1.80 bis 1.85 Rechteckige Dübel nach Bild 1.78 dürfen nur aus
Ɣ Stabdübel (Bilder 1.92 und 1.93). trockenem Hartholz oder aus Metall hergestellt
Dübel dürfen nur in Holz mindestens der Sortier- werden. Ihre zulässige Belastung ist rechnerisch
klasse S10 nach DIN 4074-1, Einpressdübel nur in zu ermitteln.
Nadelholz verwendet werden. Die Grundplatten Es dürfen in einem Anschluss höchstens 4 hinter-
von Einpressdübeln müssen, wenn sie mehr als einanderliegende Rechteck- oder Flachstahl-
2 mm dick sind, eingelassen werden. dübel in Rechnung gestellt werden (das gilt nicht
Alle Dübelverbindungen müssen durch in der für Rechteckdübel in verdübelten Balken).
Regel nachspannbare Schraubenbolzen zusam- Rechteckige Holzdübel sind so einzulegen, dass
mengehalten werden, wobei jeder Dübel durch ihre Fasern und die der zu verbindenden Hölzer
einen Bolzen gesichert sein muss. Bei Verbindun- gleichgerichtet sind. (Gerade, aufrechtstehende
gen mit Dübeldurchmessern bzw. -seitenlängen Dübel aus Flachstahl dürfen zur Kraftübertragung
• 120 mm sind an den Enden der Außenhölzer nicht verwendet werden.)
oder -laschen Klemmbolzen anzuordnen (Bild
Dübel besonderer Bauart. Man unterscheidet
Einlassdübel, die in vorbereitete passende Vertie-
fungen des Holzes eingelegt, und Einpressdübel,
die ohne Benutzung von Bohr-, Nut- oder Fräs-
werkzeugen in das Holz eingepresst werden, fer-
ner Dübel, die teils eingelassen, teils eingepresst
werden (Einlass-/Einpressdübel).
Sie werden hergestellt als
Ɣ Ringdübel aus Metall (Dübeltyp A) (Bild 1.80)
Ɣ Scheibendübel aus Metall (Dübeltyp B) (Bild 1.81)
Ɣ Scheiben mit Zähnen (Dübeltyp C) (Bild 1.82
bis 1.84).
Ɣ Sonstige Dübel besonderer Bauart aus Eichen-
1.78 Verdübelter Balken. Rechteckdübel aus Hartholz; holz (Bild 1.85)
Faserrichtung in Dübeln und Balken muss überein-
stimmen Die nach Form, Durchmesser und Materialdicke
in DIN EN 912 festgelegten Dübel (keine Stabdü-
bel) können große Kräfte übertragen. Die Metall-
dübel werden in zweiseitiger und einseitiger
Form hergestellt; dabei dienen die zweiseitigen
Dübel zum Verbinden von Holz mit Holz, die ein-
seitigen zum Verbinden von Holz mit Stahlteilen
(Bild 1.86).
Der Dübeltyp A (Ringdübel) darf auch zur Kraft-
übertragung in der Hirnholzfläche bei Brett-
schichtträgern herangezogen werden (Bild 1.87).
Damit ist es möglich, den Anschluss von Neben-
an Hauptträger mit nicht sichtbaren Verbin-
dungsmitteln herzustellen.
1.79 Bolzenanordnung bei Dübelverbindungen (links
und rechts außen zusätzliche Klemmbolzen (K) bei Einpressdübel sind so einzubauen, dass die Höl-
großen Dübeln) zer außerhalb der eigentlichen Dübelfläche nicht
1.2 Dachtragwerke aus Holz 57

1.80 Dübeltyp A4 (Ringdübel) 1.81 Dübeltyp B1 (Scheibendübel) 1.82 Dübeltyp C1


zweiseitiger (Einlassdübel) zweiseitiger, runder (Scheibendübel mit Zähnen)
z. B. System Appel Einpressdübel zweiseitiger Einpressdübel
z. B. System Bulldog

1.83 Dübeltyp C8 1.84 Dübeltyp C11


(Scheibendübel mit Zähnen) (Scheibendübel mit Zähnen)
zweiseitiger quadratischer einseitiger Einpressdübel
Einpressdübel) z. B. System GEKA 1.85 Dübel besonderer Bauart
(Einlassdübel)
Scheiben-Hartholzdübel
z. B. System Kübler

1.86
Fachwerkknoten mit außen liegenden
Stahllaschen und einseitigen Dübeln
58 1 Geneigte Dächer

1.87 Hirnholzanschlüsse bei Brettschichtholz mit Dübeln Typ A


a) Schnitt
b) Draufsicht
1 Hauptträger 4 Bolzen M 12
2 Nebenträger 5 Dübel Typ A
3 Stabanker 30 mm mit Quergewinde

1.88 Schraubenbolzen

beschädigt oder überbeansprucht werden. Im


Allgemeinen sind daher besondere Vorrichtun-
gen (Pressen, Schraubenspindeln oder dgl.) zum 1.89 Stützenanschluss durch Bolzen
Einpressen der Einpressdübel zu verwenden.
1 eingespannte und ausgesteifte Doppelstütze
Dübel aus Metall müssen ausreichend korrosions- 2 Brettschichtträger
beständig sein.

Bolzen sind lange Stahlschrauben mit Schaft und


Gewinde zum Zusammenspannen von Holzteilen
(Bild 1.88). Da die Bohrlöcher ca. 1 mm größer
hergestellt werden müssen als der Bolzendurch-
messer, sind Bolzen allein zur Übertragung von
Kräften senkrecht zur Bolzenachse nicht geeig-
net. Der Schlupf von ca. 1 mm bedeutet für Dauer-
bauwerke und hochbelastete Bauteile eine zu 1.90
große Anfangsverschiebung. Anschluss von Kopf-
bändern mit Stirnversatz
Bolzen dürfen für tragende Verbindungen nur an einen Pfosten mit
dann eingesetzt werden, wenn durch besondere Sicherung durch einen
Maßnahmen ein Schlupf verhindert wird (Einbau Bolzen
1.2 Dachtragwerke aus Holz 59

Tabelle 1.91 Maße der gebräuchlichsten Sechskantschrauben und Scheiben (für den Holzbau) in mm

nur trockener Hölzer und in Verbindung mit Dü-


beln). Im Übrigen sind Bolzenverbindungen nur
für untergeordnete bzw. nicht ständige Bauten
mit geringen Belastungen möglich. Bolzen sind
außerdem ein hervorragendes Verbindungsmit-
tel zur Montage (Bild 1.89), Verankerung, Bauteil- 1.92 Stabdübel mit angefasten Enden
sicherung (Bild 1.90) und für vorübergehende
Baumaßnahmen (Gerüste, Hilfsbauwerke, flie-
gende Bauten). Wegen des Austrocknens des
Holzes und des damit verbundenen Schwindens
sollen die Bolzen nach einiger Zeit nachgespannt
werden.
Die Mindestdicke von Bolzen beträgt 12 mm, der
größte Durchmesser 30 mm; die üblichen Abmes-
sungen und die jeweils dazugehörigen Unterleg-
scheiben sind in der Tabelle 1.91 aufgeführt.
Werden Bolzen durch Zugkraft beansprucht
(Zugstangen), so beträgt die zulässige Spannung
für den Kernquerschnitt 10 kN/cm2, wenn nicht
eine nachgewiesene höhere Stahlqualität ver-
wendet wird.

Stabdübel. Durch die Möglichkeit, Abbundarbei-


ten1 und damit auch die Herstellung von hochbe- 1.93 Verbindungsarten bei Stabdübeln
lastbaren Holzverbindungen mit Hilfe rechnerge-
stützter Maschinen außerordentlich präzise aus-
zuführen, haben im ingenieurmäßigen Holzbau Stahlsorten S 235, S 275 und S 355), die in Bohrlö-
Stabdübelanschlüsse eine große Verbreitung cher mit gleichem Durchmesser eingetrieben
gefunden. werden (Bild 1.92). Die Kraftübertragung erfolgt
Stabdübel sind glatte, zylindrische an den Enden stets rechtwinklig zur Stabachse (Scherkraftüber-
angefaste Stahlstäbe (6, 8, 10, 12, 16, 20, 24 mm, tragung) und wird durch Lochleibungspressung
auf die zu verbindenden Hölzer übertragen. Stab-
1) Abbund bzw. Abbinden ist das maßgerechte Anreißen,
dübel werden in den Durchmessern 8 bis 24 mm
Bearbeiten, Zusammenpassen und Kennzeichnen von verwendet.
Schnitt- und Rundholz für Tragwerke, Bauteile und Einbau- Stabdübelverbindungen können ein-, zwei- oder
teile. Man unterscheidet den traditionellen, den zeichne- mehrschnittig sein. Sie müssen mindestens
rischen, den rechnerischen und den computergestützten
Abbund. Alle Verfahren bauen aufeinander auf und werden
4 Scherflächen aufweisen (Bild 1.93).
in der Praxis oft kombiniert. Das Ausarbeiten der Hölzer Die Mindestabstände von Stabdübeln und Pass-
erfolgt mit Zimmererwerkzeug, großen Handmaschinen, bolzen sind DIN EN 1995-1-1, Abschn. 8.6 zu ent-
stationären Zimmereimaschinen oder CNC-gesteuerten nehmen (Tab. 1.95).
Abbundstraßen, meist auf einem Abbundplatz oder einer
Abbundhalle der Zimmerei, kann aber auch vor Ort auf der Soll bei Stabdübelverbindungen neben der
Baustelle erfolgen. Scherkraftübertragung eine Klemmwirkung auf
60 1 Geneigte Dächer

here Anforderungen an den Brandschutz erfüllen,


ist die Stabdübellänge kürzer als die Holzgesamt-
1 dicke zu wählen. Die verbleibenden Bohrlochen-
den werden mit Holzpfropfen verschlossen. Die
Dicken der außen liegenden Hölzer sind entspre-
chend größer auszuführen (Bild 1.96b).
Stabdübelanschlüsse werden in sehr vielen Fällen
mit Hilfe von ebenen oder räumlich zusammen-
geschweißten Knotenblechen aus Stahlblech
ausgeführt (Bild 1.97 und 1.120).
Mit Hilfe von speziell geformten Knotenblechen
werden auch Anschlüsse mit Stabdübeln zwi-
schen Holz- und Stahlstäben bzw. Gurten ermög-
licht (Bild 1.98).
Windverbandanschlüsse können insbesondere in
sichtbaren Bereichen mit eingeschlitzten Knoten-
blechen und Stabdübelanschluss hergestellt
werden. Sie werden durch Verschraubungen mit
gegenläufigen rechts/links-Gewinden gespannt
(Bild 1.99).

Dübel für räumliche Tragwerke. Stabverbin-


1.94 Abstände der Verbindungsmittel dungen der behandelten räumlichen Holztrag-
(Nagelverbindungen) werke werden bei größeren Kantholz- oder Brett-
a) Abstände in Faserrichtung innerhalb einer schichtholz-Profilen meistens mit Stabdübeln in
Reihe und rechtwinklig zur Faserrichtung Verbindung mit Stahlblechknoten ausgeführt. Für
zwischen den Reihen schlanke quadratische Holzquerschnitte sind je-
b) Abstände vom Hirnholzende und vom Rand
b1) beanspruchtes Hirnholzende
doch spezielle Dübelformen erforderlich.
b2) Unbeanspruchtes Hirnholzende Eine neue Entwicklung dafür stellen sehr hoch
b3) beanspruchter Rand belastbare Verpressdübel dar. Speziell geformte
b4) unbeanspruchter Rand
Ankerkörper aus Stahlguss werden dabei in
1 Verbindungsmittel entsprechende Bohrungen eingesetzt und mit
2 Faserrichtung des Holzes
Epoxidklebern verpresst. Die Kraftübertragung
übernehmen überkreuz eingebaute Stabdübel
die zu verbindenden Hölzer ausgeübt werden, (Bild 1.100).
können Stabdübel mit Kopf, Gewinde und Mutter Ebenfalls mit überkreuz eingebauten Stabdübeln
(Passbolzen) verwendet werden. Passbolzenver- werden die Lasten bei den in Bild 1.101 gezeigten
bindungen müssen mindestens 2 Scherflächen Verbindungen übertragen.
aufweisen. Die Knotenverbindungen werden lösbar über
In der Regel entsprechen die Stabdübellängen Verschraubungen mit Stahlkugeln oder unlösbar
der Gesamtdicke der gebildeten Holzverbindung durch Verschweißen mit Stahlhohlkugeln oder
(Bild 1.96a). Soll eine Stabdübelverbindung hö- Stahlringen gebildet (Bild 1.102, s. a. Bild 1.124).

Tabelle 1.95 Mindestabstände von Stabdübeln gem. DIN EN 1995-1-1 und DIN EN 1995-1-1/NA
1.2 Dachtragwerke aus Holz 61

1.96a Anordnung von Stabdübeln: Länge des 1.96b Anordnung von Stabdübeln: Länge des
Stabdübels wie die Gesamtdicke der Hölzer Stabdübels kleiner als die Gesamtdicke der Hölzer
(Brandschutz)
1 eingeleimte Holzscheiben

1.97 Stabdübelanschlüsse mit Knotenblechen


a) 2 innenliegende Knotenbleche, 4-schnittige Stabdübel
b) geschweißtes Knotenblech mit Bolzen am Durchlaufträger, Nebenträger mit Stabdübeln angeschlossen

1.98 Anschlüsse von Holz-Druckstäben an Stahl-Untergurte


a) Knotenblech mit Zugstab verschweißt, Stabdübelanschluss ggf. auch zur Aufnahme eines Versatzmomentes
b) Knotenblech mit Stabdübelanschluss für den Druckstab, Zugstäbe mit Bolzen angeschlossen
c) Zugstäbe mit Bolzen gelenkig an doppelten Knotenblechlaschen
62 1 Geneigte Dächer

1.99 Windverbandanschlüsse (BMF)


a) Anschluss eines Windrispenbandes
b) Doppelter Verbandanschluss aus justierbaren Rundstäben

1 Ankerkörper mit Gewinde


2 Stabdübel 14 mm
1.100 Verpressdübel 3 Vergussbohrung
a) isometrische Ansicht 4 Entlüftungsbohrung
b) Schnitt 5 Restvolumen, ausgefüllt mit Vergussmasse

Nagelverbindungen Holz-Gipswerkstoff- und bei Stahlblech-Holz-


Das Bestreben, aus wirtschaftlichen, baustoff- Nagelverbindungen sind festzulegen.
technischen und konstruktiven Gründen Vollhöl- Eine Nagelverbindung wird hergestellt durch Ein-
zer durch zusammengesetzte Querschnitte zu schlagen in das Holz (nicht vorgebohrt) oder in
ersetzen, hat zur Holznagelbauweise geführt. Na- vorgebohrte Nagellöcher. Das Vorbohren stellt
gelungen ergeben flächenhafte Verbindungen zwar einen Mehraufwand dar, bedeutet jedoch
von großer Steifigkeit. Die Tragkraft einer Nagel- für die Nagelverbindung eine erhebliche Quali-
verbindung hängt hauptsächlich von der Biege- tätsverbesserung hinsichtlich Tragfähigkeit, Na-
festigkeit des Nagels und der Druckfestigkeit gelabstand, Rissgefahr usw. und sollte überall
des Holzes ab. Erforderliche Anzahl der Nägel, dort zur Anwendung kommen, wo hochwertige
Nagelabstände und Mindestholzdicken werden Verbindungen geschaffen werden müssen (Bohr-
nach DIN EN 1995-1-1, Abschn. 8.3 errechnet. Die lochdurchmesser | 0,85 u dn , Bohrlochtiefe min-
Mindestmaterialdicken bei Holz-Holz- sowie destens gleich der Einschlagtiefe s).
1.2 Dachtragwerke aus Holz 63

1.101 Dübelverbindung System MERO (DBP) 1 MERO-Dübelstab mit Schraubanschluss


a) isometrische Ansicht (s. Bild 1.102a)
b) Schnitt 2 Stabdübel

1.102 Räumliche Knotenverbindungen


a) Schraubanschluss System MERO (max. 18 Stäbe), b) Schweißanschluss über Hohlkugel
c) Schweißanschluss über Stahlring

Verwendung finden Standardnägel nach DIN EN


10 230-1 und Sondernägel nach DIN EN 14 545
und DIN EN 14 592 (Bild 1.103). Schraubnägel
werden überwiegend dort verwendet, wo auch
Zugkräfte in Schaftrichtung zu übertragen sind,
Rillen- oder Ankernägel für die Befestigung von
Stahlblech-Formteilen an Holzträgern.
Unterschieden werden 1-, 2- und mehrschnittige
Nagelverbindungen (Bild 1.104).
Die Mindestholzdicken (a) sind materialabhängig
und unter Berücksichtigung der Nagelabstände
festzulegen.
1.103 Nagelformen Die kleinsten Nagelabstände sind in der DIN EN
a) Standardnagel 1995-1-1, Tab. 8.2 festgelegt (Bild 1.94 und 1.105).
b) Schraubnagel (Sondernagel mit spiralförmig
angerolltem Schaft) Rechtwinklig zur Kraftrichtung muss der Na-
c) Rillen- oder Ankernagel (Sondernagel mit gelabstand sowohl untereinander als auch vom
angerolltem Ringschaft) Rand mindestens 5 u dn bzw. 7 x dn bei nicht vor-
64 1 Geneigte Dächer

gebohrten und 3 u dn bei vorgebohrten Nagellö-


chern betragen.
1 Schalbretter sind mit mindestens 2 Nägeln an
jedem Sparren, Binder oder Stiel zu befesti-
gen. In Hirnholz eingeschlagene Nägel dürfen
auf Herausziehen nicht in Rechnung gestellt
werden.
Nagelverbindungen von Vollholz- mit Stahlblech-
teilen oder Baufurnierplatten ermöglichen eine
erhebliche Verminderung der Querschnittsmaße
an den Anschlusspunkten und damit oft über-
1.104 Holzdicken und Einschlagtiefen bei Nagelverbin- haupt erst eine Nagelkonstruktion. In DIN EN
dungen 1995-1-1 und DIN EN 1995-1-1/NA sind in Abhän-
a) einschnittig gigkeit von der Dicke der Stahlbleche Nagelart
b) zweischnittig und Nagelabstände festgelegt. Die Nagellöcher
c) dreischnittig sind in der Regel gleichzeitig in Holz- und Blech-

1.105 Mindestnagelabstände nicht vorgebohrter Nagelungen 1.106 Schnittigkeit von Nagel-


a) einschnittige Nagelung verbindungen mit Stahl-
b) zweischnittige Nagelung blechen
*) bei · < 30°: 5 dn (bzw. 7 dn) a) einschnittig
• Nagel Vorderseite b) zweischnittig
○ Nagel Rückseite c) vierschnittig
( ) Werte in Klammern gelten für Nageldurchmesser größer als 4,2 mm
1.2 Dachtragwerke aus Holz 65

1.107
Fachwerkträger in „Greim“-Bauweise:
eingeschlitzte dünne Stahl-Knotenbleche,
Anschluss mit Nägeln

1.108 Gang-Nail-System
a) Gang-Nail-Platte, b) Fachwerkbinder

teilen auf die erforderliche Nagellänge vorzu- derzulassungen geringere Nagelabstände sowie
bohren (Bohrlochdurchmesser = Nageldurch- höhere Scher- und Ausziehbeanspruchungen er-
messer). Es werden Verbindungen mit innen oder lauben.
außen liegenden dünnen (t 0,5 dN) bzw. dicken
(t 1,0 dN) Stahlblechen unterschieden. Stahlblech-Holz-(Lochplatten-)Verbindungen
Bei Blechdicken unter 5 mm ist Korrosionsschutz In Verbindung mit Lochplatten und den ver-
nach DIN EN ISO 12 994-2 und -5 stets erforder- schiedensten Spezial-Nagelverbindungen kann
lich. Bei druckbeanspruchten Blechen ist auf eine die Herstellung sowohl konstruktiver wie auch
ausreichende Beulsicherheit zu achten. statisch beanspruchter Holzverbindungen er-
Bei Verbindung von Furnierplatten mit Vollholz heblich rationalisiert werden. Spezielle Stahl-
haben in der Regel die Furnierplatten den Anfor- blech-Lochplatten werden verwendet in ge-
derungen nach DIN EN 315 – Sperrholz der DIN schlossenen Systemen wie z. B. bei den Knoten-
EN 14 374 – Furnierschichtholz und der DIN EN 13 blechen in Fachwerkbindern der „Greim“-Bau-
986 – Holzwerkstoffe zu entsprechen. weise1) (Bild 1.107). Hierbei handelt es sich
Die in diesem Abschnitt behandelten Möglichkei- um eine Stahlblech-Holz-Nagelverbindung für
ten für die Herstellung von Nagelverbindungen
mit glatten Nägeln gemäß DIN EN 10 230-1 wer- 1) Die Bauweise wurde von dem deutschen Ingenieur Walther
den erheblich erweitert, wenn Spezialnägel (Bild Greim entwickelt (patentiert 1959) und ist in fast allen
1.103) verwendet werden, die auf Grund von Son- Ländern Europas patentrechtlich geschützt.
66 1 Geneigte Dächer

1.109 Stahlblechwinkel, schwere Ausführung (BiLO® Euro-Winkel)


a) für Holz/Holz-Verbindungen
b) für Holz/Beton-Verbindung mit Verstärkungs-Fußplatte

1.110 Stahlblechformteile als Verbindungsmittel


a) Nagelplatten-Verbindung d) Balkenschuh
b) Sparren-Pfetten-Anker e) Pfettenanker für Stahlträger
c) Pfosten-Schwelle-Verbindung f) Konsolwinkel

Fachwerkträger, bei der mehrere Knotenbleche die beidseitig maschinell in die jeweils gleich di-
(1,0–1,75 mm) in Sägeschlitze, die in die Holz- cken Konstruktionshölzer eingepresst werden
querschnitte eingesägt sind eingelegt und mit („Gang-Nail“-System1), Bild 1.108). Die Konten-
Nägeln nicht vorgebohrt verbunden werden. punkte der Gurte und Streben werden hierbei
Auf Grund behördlicher Einzelzulassungen wer-
den leichte Fachwerkbinder (Nagelplatten- 1) Die Bauweise wurde von dem amerikanischen Ingenieur
binder) oder andere Tragwerksteile auch mit John Calvin Jureit (1918–2005) entwickelt (patentiert 1955)
Hilfe von besonderen Nagelplatten hergestellt, und ist in vielen Ländern patentrechtlich geschützt.
1.2 Dachtragwerke aus Holz 67

mittels verzinkten Stahlblechen außenseitig ver- Schließlich sind die vielfältigen konstruktiven
bunden. und gestalterischen Möglichkeiten zu erwähnen,
Im Übrigen werden im modernen Holzbau die die sich aus der Verwendung speziell hergestell- 1
traditionellen arbeits- und lohnaufwändig herzu- ter Stahlgussteile ergeben. Sie werden in zahlrei-
stellenden Zimmermannsverbindungen fast voll- chen Formen hergestellt.
ständig von Stahlblech-Holzverbindungen ver- Für hoch beanspruchte Anschlüsse von Zugstä-
drängt. Für praktisch alle vorkommenden Verbin- ben aus Rundstahl oder Stahlseilen an Holzbau-
dungspunkte zwischen Konstruktionshölzern teile gibt es zahlreiche serienmäßig oder speziell
und auch zwischen Holzbauteilen und Unterkon- gefertigte Knotenverbindungen (Bild 1.113). Das
struktionen, (z. B. für Anschlüsse an Ringanker, für in Bild 1.114 gezeigte Anschlusssystem ermög-
Pfettenauflager, Holz-Stahlverbindungen usw.) licht die Verbindung verschiedener in einer Ebe-
gibt es nagel- oder schraubbare verzinkte Stahl- ne liegender Zugstäbe z. B. im Kreuzungspunkt
blech-Formteile, von denen in den Bildern 1.109 von Aussteifungsdiagonalen.
und 1.110 im Rahmen dieses Abschnittes nur ei- Ein Ausführungsbeispiel für einen Dachbinder
nige Beispiele gezeigt werden können. aus einer Kombination von Holzsparren, An-
Zur Verbesserung der Kraftübertragung können schlüssen aus Profilstahl und zugbeanspruchten
bei Knotenanschlüssen Nagelplatten mit Bolzen- Stahlseilen ist in Bild 1.115 dargestellt.
verbindungen kombiniert werden (Bild 1.111). Aus der großen Anzahl von Ausführungsmöglich-
Für rechtwinklige Stabanschlüsse können spezi- keiten für räumliche Holz-Gussstahl-Kombinatio-
elle kaum sichtbare Hakenplatten-Verbindungen nen zeigt Bild 1.116 zwei Beispiele.
in Frage kommen (Bild 1.112).

1.111 Nagelbleche in Verbindung mit Gelenkbolzen 1.112 Anschlüsse mit Hakenplatten


(System Bulldog)

1.113 Anschluss von Zugstäben durch 1.114 Knotenring für Zugstabanschlüsse (Rodan®)
Gussformteil (Detec)
68 1 Geneigte Dächer

1.115 Dachtragwerk aus unterspannten Sparren (Architekt: Prof. L. Rongen, Erfurt)


a) Detail
b) Schnittskizze
c) Knoten-Detail A

1.116 Knotenbildung mit Hilfe von Stahlgussteilen


a) Stabanschluss mit sternförmigen Gussformteilen 1 Holz-Doppelprofile
b) Knoten mit gegossenen Pressdübelplatten 2 Stahlguss-Formteil
1.2 Dachtragwerke aus Holz 69

Leimverbindungen 15 mm. Die Tragfähigkeit wächst mit der Summe


Der Leimbau ermöglicht flächenhafte Verbindun- der Flächen der verleimten Zinkenflanken inner-
gen von einer Steifigkeit, wie sie bei Dübel- oder halb des gleichen Kantholzquerschnitts. Die Ver- 1
Nagelverbindungen nicht erreicht wird. Die Ent- leimung der Keilzinkenverbindungen muss unter
wicklung wasser- und schimmelfester, härtbarer Druck (in Längsrichtung 250 N/cm2, in Querrich-
Kunstharzleime lässt Leimverbindungen auch bei tung 80 bis 100 N/cm2) erhärten.
hochbelasteten Konstruktionen des Ingenieur-
holzbaues zu. Binderkonstruktionen
Die Ausführung geleimter Bauteile dürfen nur Be- Wenn keine besonderen gestalterischen Anfor-
triebe übernehmen, die über geeignete Fachleu- derungen bestehen, kommen für Bauwerke mit
te, erfahrene Handwerker und entsprechende einfachen Rechteckgrundrissen bei großen
Werkstatteinrichtungen verfügen. Hierzu zählen Spannweiten Fachwerkbinder in Frage, die nach
Vorrichtungen zur Erzeugung eines ausreichend den Methoden des Ingenieurholzbaues konstru-
großen, auch genügend lange wirkenden Press- iert sind (Bild 1.118 und 1.119).
druckes, Maschinen zur Bearbeitung der Leimflä- Die Möglichkeit, gleichartige Tragkonstruktionen
chen, zuverlässige Messgeräte zur Ermittlung der in größerer Zahl vorzufertigen, kann dabei in er-
Holzfeuchtigkeit, ferner eine Anlage zur künstli- heblicher Weise kostenmindernd sein.
chen Holztrocknung und überdachte, heizbare
Arbeitsräume. Die Leimbaubetriebe sind ver- Fachwerkbinder unterscheiden sich, abgesehen
pflichtet, den Nachweis zu erbringen, dass eine von Form und Spannweite durch die Art der Stab-
von der zuständigen obersten Bauaufsichtsbe- querschnitte und die Art der Verbindungsmittel.
hörde dazu anerkannte Stelle ihre Werkeinrich-
tung und ihr Fachpersonal überprüft und als ge- Im Allgemeinen werden Fachwerkbinder aus
eignet befunden hat. Jedes verleimte Bauteil ist Bauholz- oder Brettschicht-Vollprofilen herge-
vom Hersteller mit einer Kennzeichnung zu ver- stellt. Daneben können auch zusammengesetzte
sehen, aus der Herstellerwerk und Herstellungs- Profile in Frage kommen. Tragende einteilige Ein-
tag entnommen werden können. zelquerschnitte sollen eine Mindestdicke von
4 cm und mindestens 40 cm2 Querschnittsfläche
Für Leimverbindungen dürfen nur trockene Höl- haben. Bei genagelten, geschraubten oder ge-
zer (mit weniger als 15% Feuchtigkeit) verwendet leimten Bauteilen muss der Einzelquerschnitt
werden. Der Feuchtigkeitsgehalt ist in jedem Fal- mindestens 2,4 cm dick sein und 24 cm2 Quer-
le durch geeignete Feuchtigkeitsmesser zu ermit- schnittsfläche aufweisen.
teln. Die zu verleimenden Oberflächen müssen
vollständig trocken sein. Die Dimensionierung aller Fachwerkstäbe sowie
die Art und Anzahl der Verbindungsmittel sind
Leime für tragende Bauteile müssen DIN 68 141 nach statischer Berechnung unter Beachtung von
entsprechen. DIN EN 1995-1-1 und DIN EN 1995-1-2 festzu-
Der Pressdruck wird durch Spindelpressen, hyd- legen.
raulische Pressen o. Ä. erzeugt und muss gleich- Je nach ihrer Lage im Gesamtgefüge sind die
mäßig wirken. Die Pressdauer hängt von der Wahl Fachwerkstäbe entweder Zug- oder Druckstäbe.
des Leimes und der Temperatur ab. Die Lufttem- Sparrenpfetten (Koppelpfetten) als Nebenträger-
peratur beim Pressen darf nicht unter 18 bis 20 °C lagen für die Dachdeckung sollten möglichst in
liegen. den oberen Knotenpunkten der Binder aufliegen.
Leimfugen dürfen nicht durch wesentliche, quer Wenn das nicht möglich ist, werden die Obergur-
zu ihnen wirkende Zugkräfte beansprucht werden. te der Binder zusätzlich auf Biegung beansprucht.
Stöße für lange Bauteile und Brettstöße innerhalb Fachwerkbinder sind wie alle aus Einzelhölzern
von Brettschichtholz werden durch Keilzinkung zusammengesetzte Tragkonstruktionen wegen
hergestellt (DIN 68 140 und DIN EN 387, Bild
1.117).
Die Zinken werden mit beweglichen, auf Schlit-
ten aufgesetzten Fräsmaschinen hergestellt. Die
Zinkendicke an der Spitze beträgt 1 bis höchstens
2,7 mm, um die Fasern auf möglichst große Länge 1.117
in die Leimverbindung einzubeziehen; Zinken- Keilzinkenverbindung für
länge 40 bis 60 mm, Zinkenentfernung 9 bis Leimbinder und Einzelbauteile
70 1 Geneigte Dächer

des Schwindens des Bauholzes und für den Fall weitgespannte, ebene Tragwerke in Form von
der Nachgiebigkeit von Verbindungsmitteln bei Trägerrosten hergestellt werden, in denen sich
1 der Ausführung um etwa 1/200 der Spannweite die einzelnen Träger rechtwinklig oder sternför-
zu überhöhen. mig schneiden. Rosttragwerke können in Leim-
Als Verbindungsmittel kommen vor allem Bolzen bauweise dadurch hergestellt werden, dass die
mit Dübeln oder Nagelung in Frage. Brettlagen von Brettschichtträgern abwechselnd
überlappend an Kreuzungspunkten durchlaufen
Alle Verbindungsmittel sind möglichst symmet-
(Stapelbauweise). Bei einer derartigen Herstel-
risch zur Stabachse vorzusehen. Bolzenverbin-
lung sind wegen der Transportprobleme jedoch
dungen sollen so angeordnet sein, dass ein spä-
nur begrenzte Abmessungen der Gesamtelemen-
teres Nachziehen möglich ist.
te möglich.
In Bild 1.118 ist als Beispiel ein Fachwerkbinder in
In den meisten Fällen werden die Rostträger
Dübeltechnik gezeigt.
durch Knotenblech-Kreuze oder -Sterne so unter-
Genagelte Binder können bei Abständen von 4,00 einander verbunden, dass Rosttragwerke auf
bis 5,00 m als Pfettenauflager bzw. als Auflager Quadrat-, Rechteck- oder Vieleckrastern entste-
von Sparrenpfetten (Koppelpfetten) dienen. hen. Die Feldgrößen werden so bemessen, dass
Genagelte Bretterbinder – katalogmäßig verfüg- für die Ausfachung übliche Vollholzquerschnitte
bar oder speziell werksmäßig hergestellt – bieten bei Holzlängen von 4 bis 5 m verwendet werden.
u. U. aber auch wirtschaftliche Lösungen, wenn Diese Sekundärträger werden dabei meistens in
sie in leichter Ausführung in üblichen Sparrenab- wechselnden Spannrichtungen eingebaut, so
ständen von ca. 70 bis 80 cm direkt die Dachde- dass die Hauptträger jeweils nur einseitig belas-
ckungen tragen. Zu beachten ist die sorgfältige tet werden (Bild 1.120).
Längsaussteifung, wenn die Möglichkeit von
Windeinwirkung senkrecht zur Binderachse be- Räumliche Tragwerke
steht (Bild 1.119).
Als Weiterentwicklung der in den vorangegange-
Für die stützenlose Überspannung großer Räume nen Abschnitten dargestellten Tragwerksarten
werden Fachwerkbinder auch als Bestandteil von sind in Verbindung mit modernen Befestigungs-
Rahmenkonstruktionen eingesetzt. Hierfür muss mitteln gestalterisch sehr interessante Tragwerke
auf weiterführende Literatur verwiesen werden. für große Spannweiten entwickelt worden. Die
eindeutige Typisierung ist in den meisten Fällen
Rosttragwerke nicht möglich, weil es sich vielfach um Misch-
Aus Vollholzprofilen, Brettschichtträgern und formen statischer Systeme handelt. Aus der gro-
auch aus vorgefertigten Gitterträgern können ßen Fülle der nach den verschiedensten Bauprin-

1.118 Fachwerkbinder (Fortsetzung s. nächste Seite)1)


= Bolzen = Dübel = Dübel mit Bolzen

1) Die im Bild angegebenen Holzdimensionen sollen als Anhalt dienen. Sie sind in jedem Fall durch Standsicherheitsnachweis
zu ermitteln.
1.2 Dachtragwerke aus Holz 71

1.118 Fortsetzung
72 1 Geneigte Dächer

1.119
Genagelte Fachwerk-Brettbinder mit
Koppelpfetten für Wellplatten-Dachdeckung11)
Nadelholz Sortierklasse S 10
Nägel: 34 × 90 und 38 × 90
Binderabstand 1,00 m
(Umfassungswände: Stahl-
beton-Rahmenkonstruktion)

1) s. Fußnote auf S. 70
1.2 Dachtragwerke aus Holz 73

1.120
Rosttragwerke (Trägerroste) aus Holz
a) orthogonales System
b) Grundriss eines orthogonalen Systems
c) Stahlkreuz für biegesteife Knotenverbindung
d) Verschweißte Knotenbleche für sternförmige
Rosttragwerke
e) polygonales System

zipien ausgeführter Projekte können im Rahmen blechen und Stabdübeln ausgeführt. Trotz der
dieses Werkes nur einige typische Beispiele ge- Gesamt-Spannweite von über 27 m ist bei dem
zeigt werden. Hauptträger ein Brettschichtprofil von nur
Bei der in Bild 1.121 schematisch dargestellten 0,25/1,20 m ausreichend.
Tragwerkskonstruktion über einem Versamm- Um die für die stützenfreie Überspannung eines
lungsraum ist der Hauptträger durch ein pyrami- anderen weiträumigen Versammlungsgebäudes
denartiges Sprengwerk unterstützt. Die Widerla- in Betracht gekommenen großen Trägerquer-
ger werden von Bauteilen gebildet, die durch schnitte bei Spannweiten bis 34 m zu vermeiden,
benachbarte Flachdach- bzw. Deckenscheiben wurden die Hauptträger in räumliche Fachwerke
ausgesteift sind. aufgelöst (Bild 1.122). Bei den aus Einzelrahmen
Die Felder zwischen den Hauptträgern sind durch mit quadratischem Querschnitt gebildeten Fach-
geschiftete Zwischenträger überbrückt. Alle werkträgern werden die Zugkräfte durch para-
Stabanschlüsse sind mit eingeschlitzten Knoten- belförmig gespannte Untergurte aus Stahlrohren
74 1 Geneigte Dächer

1.121 Räumliches Tragwerk mit abgestütztem Hauptträger; schematische Darstellung des Tragwerkes und Innenansicht
(Architekt: Prof. D. Neumann, Erzhausen)
1 Durchlaufträger (ca. 27 m Spannweite), unterstützt durch Kehlträger
2 Nebenträger (im Schnittpunkt gestoßen)
3 Kehlträger als Druckstab, abgestützt auf unverschiebliche Auflager (angrenzende Bauteile)

1.122
Räumlicher Fachwerkträger mit Zugbändern aus Stahl,
Obergurte (Pfetten) aus Brettschichtholz (Architekten:
P. Faller und C. Muschalek, Stuttgart)
1 Obergurte
2 Fachwerkrahmen
3 Diagonalstiel
4 parabelförmig gespannter Stahl-Zugstab für seitliche
Untergurte (45 mm)
5 parabelförmig gespannter Stahl-Zugstab für mittl.
Untergurt (64 mm)
6 Diagonalverspannungen
7 Nagel- und Verbindungslaschen
1.2 Dachtragwerke aus Holz 75

1.123 Aus unterspannten Trägern zusammengesetztes räumliches Tragwerk (Architekt: E. Ritz, Viechtach)
a) Übersicht (vereinfacht), b) Knotenpunkt A
1 Untergurt 4 räumliche Knotenbleche
2 Druckstreben 5 Stabdübel
3 Diagonalstab 6 Nagelung

1.124 Räumliches Tragwerk mit Stabanschlüssen mit Schweißverbindung an Stahl-Hohlkugeln


(Architekten: W. Riehle, G. Loew, H. Goldbach, Reutlingen)
a) Innenraum (vereinfacht), b) Anschlusspunkte
76 1 Geneigte Dächer

1.125 Schalenartiges Tragwerk mit mehrfach gekrümmten Brettschichtträgern; Zentralstützen aus zusammengesetzten
Profilen (Entwurf und konstruktive Bearbeitung: Prof. F. Wenzel, B. Frese und R. Barthel, Karlsruhe; Architekten:
R. und I. Geier, Stuttgart)
a) Innenraum mit Stützenbündel
b) Prinzipskizze der Dachkonstruktion
c) Schnitt (Ausschnitt)

aufgenommen. Die Längsaussteifung bewirken se sind die parabelförmigen zugbeanspruchten


Diagonalverbände aus verspannten Stahlseilen. Träger der Hängeschalen angeschlossen. Ringför-
Ein räumliches stützenfreies Tragwerk über einem mige Pfettenkränze nehmen die Druckkräfte auf
quadratischen Grundriss mit ca. 17 m Seitenlänge und tragen die Dachhaut.
ist in Bild 1.123 schematisch dargestellt. Hier kön-
nen die auf die Dachspitze zulaufenden Verbän-
de als „unterspannte Träger“ (vgl. Bild 1.131) be-
trachtet werden, die durch quadratische Horizon- 1.3 Dachtragwerke aus Stahl
talrahmen und Diagonalstäbe ausgesteift sind.
Auch in diesem Beispiel werden die Staban- 1.3.1 Allgemeines
schlüsse mit Hilfe räumlich zusammengefügter,
eingeschlitzter Knotenbleche mit Stabdübeln Stahlkonstruktionen kommen besonders im Be-
bzw. Nagelung hergestellt. reich des Industriebaus überall dort vor, wo der
Ein ähnliches räumliches Tragwerk mit gitterarti- Einsatz von Holz zum Beispiel aus Gründen des
gen Strukturen zeigt Bild 1.124. Hier sind die Ein- Brandschutzes zunächst nicht möglich ist. Es soll-
zelstäbe in den Knotenpunkten jedoch mit Hilfe te allerdings beachtet werden, dass Stahlkonst-
von Verpressdübeln an Stahlhohlkugeln zusam- ruktionen zwar nicht brennbaren Bauteile dar-
mengeschweißt. stellen, in ihrem Brandverhalten aber vielfach
Aus der großen Zahl von räumlichen Tragwerks- kritischer beurteilt werden müssen als etwa Holz-
konstruktionen, die mit gekrümmten Brett- Leimbauteile. Sie erfordern in vielen Fällen auf-
schichthölzern ausgeführt sind, zeigt Bild 1.125 wändige Brandschutzmaßnahmen (s. Abschn.
eine Schwimmbadüberdachung. Die Hauptstüt- 17.7 in Teil 1 dieses Werkes) und Korrosions-
zen bestehen aus baumartig zusammengesetz- schutz.
ten räumlich gekrümmten Trägerbündeln, die Im Folgenden soll einen Überblick über die ver-
kreisförmige Auflagerrahmen abstützen. An die- wendeten Konstruktionselemente und -Systeme
1.3 Dachtragwerke aus Stahl 77

Tab. 1.126 Korrosionsschutz, Aufgaben und Schichtdicken je nach Beschichtungssystem und Schutzdauer gem. DIN EN ISO
12 944-5
Anzahl der Beschichtung Sollschichtdicke Aufgaben 1
Schichten Überzug je Schicht in μm
1 Fertigungsbeschichtung 15 bis 30 Schutz der Stahlbauteile während Lagerung
(FB) Fertigung und innerbetrieblichem Transport
1 bis 2 Grundbeschichtung 40 bis 400 Schutz der Stahloberfläche gegen Korrosion
(GB) je nach Korrosivitätskategorie (C2–C5)
1 bis 2 Deckbeschichtung 40 bis 500 Schutz der Grundbeschichtung bzw. in besonderen Fällen
(DB) der Feuerverzinkung vor aggressiven Stoffen je nach der
Korrosivitätskategorie (C2–C5)
1 Feuerverzinkung 50 bis 85 Schutz der Stahloberfläche vor Korrosion
(Stückverzinkung) (360 bis 610 g/m2)

aus Stahl gegeben werden. Für eine ausführliche Brandschutz


Darstellung muss jedoch auf Spezialliteratur ver- Stahlbauteile bzw. Bauwerke aus Stahl erfordern
wiesen werden. insbesondere bei Bauwerken über zwei Vollge-
schossen im Allgemeinen zusätzliche, in den Bau-
ordnungen bzw. in DIN 4102 festgelegte Brand-
1.3.2 Baustoff Stahl schutzmaßnahmen. Konstruktive Einzelheiten
sind in Abschn. 17.7 in Teil 1 des Werkes be-
Stahlbauwerke kommen Baustähle nach DIN EN handelt.
10 025 als Stabstahl, Flachstahl, Formstahl oder in
Hohlprofilen hauptsächlich in den Qualitäten
S235 oder S355 (frühere Bezeichnungen: St 37-2 1.3.4 Bauteile
oder St 52-3) in Frage (Streckgrenze 235 bzw. 355
N/mm2). Für Konstruktion und Standsicherheits- Profilträger
berechnungen ist die DIN EN 1993-1; Eurocode 3 Als Tragelemente bei flachen Dächern kommen
Grundlage. für Binder und Pfetten alle Walzprofile der ge-
normten Reihen (z. B. IPE, IPB = HE-B, IPBI = HE-A,
IPBv = HE-M) insbesondere überall dort in Frage,
1.3.3 Schutzmaßnahmen wo nur geringe Bauhöhen zur Verfügung stehen.
In vielen Fällen kann auch der Einsatz speziell an-
Korrosionsschutz1) gefertigter Träger wirtschaftlich sein, die als Kas-
Stahlbauteile, die einer Festigkeitsberechnung ten- oder als hohe I-Profile aus relativ dünnen
oder einer bauaufsichtlichen Zulassung bedürfen
(d. h. praktisch alle tragenden Bauteile), müssen
einen Korrosionsschutz gemäß DIN EN ISO 12
944-8 erhalten.
Er kann bestehen aus:
Ɣ Beschichtungen (Anstrichen), 1- bis 5-fach auf-
getragen,
Ɣ Überzügen aus metallischen Schichten (im
Stahlbau bevorzugt Feuerverzinkung),
Ɣ Korrosionsschutz-Systemen, die eine Kombina-
tion aus Beschichtungen und Überzügen bilden.
Einen Überblick gem. DIN EN ISO 12 944-5 über
Beschichtungsarten und erforderliche Schichtdi-
cken gibt Tabelle 1.126.

1) s. auch Abschn. 7.4.3 in Teil 1 des Werkes 1.127 Leichter, aus Blech verschweißter Träger
78 1 Geneigte Dächer

1.129 Forschungszentrum für Stahlanwendung in


Zelzate-Gent (Belgien); Arch.: Samyn und Partner,
Brüssel
1 Systemlinien HEB 200

Die Dach-Tragkonstruktionen der Versuchshallen


bilden jeweils Walzprofile HE-B 200, die zu einem
Paraboloidbogen geformt sind. Die Außenhülle
des Daches besteht aus kaltgewalzten, kunst-
stoffdichten Stahltrapezprofilen.
1.128 Wabenträger Bild 1.130 zeigt das Bogentragwerk der Bahn-
hofsüberdachung des Lehrter Bahnhofs in Berlin.
Das Bogentragwerk ermöglicht eine filigrane und
Blechen mit entsprechenden Beulsicherungen materialsparende Konstruktion. Die Form der Bin-
maschinell hergestellt werden können (Bild der entspricht annähernd dem Verlauf der Stütz-
1.127). linie. Dadurch werden die Eigenlasten überwie-
Eine Sonderform der Profilträger stellen die Wa- gend über Druckkräfte abgetragen.
benträger dar, die aus sägezahnförmig aufge-
schnittenen üblichen Walzprofilen lageversetzt Unterspannte Träger
verschweißt werden (Bild 1.128). Eine andere Möglichkeit, die Tragfähigkeit der
Bauteilverbindungen für Stahlkonstruktionen handelsüblichen Profile wesentlich zu erhöhen,
sind in Abschn. 7.4 in Teil 1 des Werkes näher be- besteht in der „Unterspannung“. Unterspannte
handelt. I-Profile werden vielfach dort verwendet, wo die
Heute ist es problemlos möglich, auch Walzprofi- zulässige Durchbiegung einzelner Tragprofile
le zu biegen. Dies hat zur Entwicklung bogenför- sonst überschritten würde (Bild 1.131).
miger Tragwerke beigetragen. In Bild. 1.129 ist Dabei werden die ermittelten Druckbeanspru-
schematisch das Forschungszentrum für Stahlan- chungen durch einen Profilstahl als „Obergurt“
wendung in Zelzate-Gent (Belgien) dargestellt. aufgenommen, der außerdem das seitliche Aus-

1.130 Bogentragwerk Lehrter Bahnhof Berlin; Arch. gmp-Architekten, Hamburg


Statik: Schlaich, Bergermann und Partner
1.3 Dachtragwerke aus Stahl 79

1.131b
1.131a

1.131
Unterspannter Profilträger
a) Unterspannung,
b) einfache und doppelte
Unterspannung
c) verglaste Dachfläche auf
unterspannten Pfetten
aus Vierkantstahlrohren
(Architekten:
Kammerer & Belz, Kucher
und Partner, Stuttgart) 1.131c
80 1 Geneigte Dächer

1.132a 1.132b

1.132c 1.132d
1.132 Leichte Stahlfachwerkträger
a) Stahlfachwerk aus T-Profilen und aus Winkeln
b) R-Träger aus gebogenen Rundstählen zwischen Gurten aus T-Profilen
c) Vollautomatisch hergestellte X-Träger aus kalt verformtem Stahlblech
d) Fachwerk aus Stahlrohren

knicken der Konstruktion zu verhindern hat. Die Ausschnitt und Details für eine weitgespannte
Zugkräfte nehmen leichte Profilstähle oder verglaste Dachfläche auf Pfetten aus Vierkant-
Spannseile auf. In Verbindung mit druckbean- stahlrohren dienen (Bild 1.131c).
spruchten Stäben kommen große, statisch güns-
tige „Profilhöhen“ der Gesamtkonstruktion des Fachwerkträger
unterspannten Trägers zustande. Anstelle von Profilträgern oder von unterspann-
Als Beispiel für die vielfachen konstruktiven und ten Trägern können leichte Stahl-Fachwerkträger
gestalterisch anspruchsvollen Möglichkeiten des bei größeren Spannweiten als Hauptträger oder
Bauens mit unterspannten Trägern sollen ein als Trägerpfetten sehr wirtschaftlich sein.

1.133 Trapezblechprofile (HOESCH)


1.3 Dachtragwerke aus Stahl 81

1
1.134
Trapezgroßprofile (HOESCH)
1 mehrlagige Abdichtung
2 Wärmedämmung
3 Dampfsperre
4 Trapezblech
5 Stützelemente
6 Unterkonstruktion

1.135 Formen von Gitterbindern (schematische Darstellung)

1.136 Dachtragwerk aus Flachstahlkombinationen (Architekt: J. P. Kleihues, Dülmen)


a) isometrische Darstellung (Ausschnitt)
b) Detail Auflager: Schnitt/Ansicht
c) Detail Auflager: Grundriss
82 1 Geneigte Dächer

Derartige Fachwerkträger können in vielfachen Trapezblechkonstruktionen sind ferner als vorge-


Dimensionierungen aus Winkel-, Vierkant- oder fertigter Dachelemente mit bereits aufgeschäum-
1 Rundstahlprofilen zusammengesetzt werden oder ter Wärmedämmung als Sandwichpaneele auf
als so genannte R-Träger (R = Rundstahl als Stab- dem Markt (s. hierzu auch Abschn. 2, Bild 2.43).
werk) oder X-Träger (kalt verformte Bleche) voll-
automatisch hergestellt werden (Bild 1.132).
1.3.5 Gittertragwerke
Profilblechkonstruktionen
Für große Spannweiten, verbunden mit schwe-
Wenig geneigte oder flache Dachflächen können ren Dachflächen, werden Gitterbinder als ingeni-
sehr wirtschaftlich durch trapezartig geformte eurmäßige Stahlkonstruktionen in den verschie-
Stahlblechelemente hergestellt werden. Trapez- densten Formen eingesetzt. Gittertragwerke sind
blechkonstruktionen stellen großflächige Leicht- sehr oft im Zusammenhang mit Sheddachkonst-
bauelemente dar, die sich durch ihre unterschied- ruktionen anzutreffen (Bild 1.135).
liche Querschnittsprofilierung und Materialdicke
den jeweiligen statischen Anforderungen opti- Gitterbinder aus Stahlprofilen sind konstruktiv
mal anpassen. Sie überbrücken je nach Höhe der ähnlich den in Abschn. 1.2.4, Bilder 1.118 und
Profilierung (Sickenhöhe = Vertiefungen zwi- 1.119, gezeigten Holzkonstruktionen. Sie werden
schen den oberen Kanten = Stegen der Bleche) meistens in ingenieurmäßig geplanten hallenar-
auch sehr große Spannweiten und sind unabhän- tigen Industriebauten oder als Dachtragwerke im
gig von der Art der Unterkonstruktion. Zusammenhang mit untergehängten Decken
ausgeführt.
Trapezbleche in der in Bild 1.133 als Beispiel ge-
zeigten Form können als 1 -, 2- oder 3-Feldträger Eine ausführliche Behandlung ist im Rahmen die-
mit Einzelspannweiten bis etwa 8 m eingesetzt ses Werkes nicht möglich, und es muss auf Spezi-
werden. alliteratur verwiesen werden.
Trapezblechelemente lassen sich ohne großen Als Hinweis dafür, welche auch gestalterisch au-
Montageaufwand auf praktisch allen Unterkonst- ßerordentlich interessanten Möglichkeiten das
ruktionen leicht auflegen und können kraft- Bauen mit Stahl bei Dachtragwerken bietet, zeigt
schlüssig so miteinander und der Unterkonstruk- ein aus Flachstahlprofilen zusammengesetzter,
tion verbunden werden, dass Windverbände und sichtig eingesetzter Dachbinder über einem his-
Aussteifungen überflüssig werden. torischen Bauwerk in Bild 1.136.
Die bis zu 18 m langen Elemente sind verzinkt
und können zusätzlich lackiert oder beschichtet 1.3.6 Raumtragwerke
werden. In den Hohlräumen der Platten können
Kabel verlegt werden. Jede Art von Abhängun- Die konsequente Weiterentwicklung der nur in
gen ist mit Hilfe von Kippdübeln oder seitlich auf- einer Ebene wirksamen, in den vorangegange-
genieteten Abhängern leicht herzustellen. Mit nen Abschnitten beschriebenen Tragsysteme
Systemen, die aus Spezial-Trapezelementen von stellen die Raumtragwerke dar. In ihrem räumli-
75 cm Breite bestehen, können Mehrfeldträger- chen Fachwerkgefüge entstehen in sich steife
spannweiten von etwa 10 m überbrückt werden Bauteilsysteme, die keiner horizontalen Wind-
(Bild 1.134). bzw. Stabilisierungsverbände bedürfen. Sie kön-

1.137 Raumtragwerk aus Stahlrohr-Stäben


a) Raumstruktur aus Oktaeder und Tetraeder (räumliche Darstellung, schematischer Grundriss mit Schnitt)
b) Raumstruktur aus Halboktaeder und Tetraeder (räumliche Darstellung, schematischer Grundriss mit Schnitt)
1.3 Dachtragwerke aus Stahl 83

1.138 Raumtragwerk aus Stahlrohr-Stäben System MERO


a) Untersicht einer Dachkonstruktion
b) Knoten eines Raumtragwerks MERO KK-Kugelknoten-System
c) Auflager z. B. für Dachtragwerke
d) Dachrand-Ausbildung
1 MERO- Kugelknoten 8 Stütze 15 Dampfdruckausgleichschicht
2 MERO- Stababschnitt 9 9 z. B. Porenbetonelemente 16 Dachabdichtung
3 MERO- Obergurtstab 10 Stützenverlängerung 17 Kiespressung
4 MERO- Diagonalstab 11 Unterzüge 18 Anflanschung der Dachabdichtung
5 Konsole 12 Trapezblech 19 Blechverwahrung
6 Fußplatte 13 Voranstrich und Dampfsperre 20 Abdeckprofil
7 einbetonierte Anschweißplatte 14 Wärmedämmung
mit Verankerung
84 1 Geneigte Dächer

nen auf Stützen aus Stahl oder Stahlbeton oder sern auf Spezialbefestigungen sind möglich. Einige
direkt auf Gründungspunkte aufgesetzt werden. Konstruktionsdetails sind in den Bildern 1.138a bis
1 Ebene räumliche Fachwerke aus Stahlstäben ba- d gezeigt.
sieren auf geometrischen Polyeder-Strukturen.
Sie werden vor allem aus Kombinationen von Ok-
taedern mit Tetraedern gebildet (Bild 1.137a und 1.4 Massivdachkonstruktionen
b). Durch Variationen der Stablängen lassen sich
auch gekrümmte, kuppelartige räumliche Trag- 1.4.1 Dachtragwerke aus Massivplatten
werke bilden.
Bei den verbreiteten MERO-TSK-Knotensystemen Die Tragwerke von geneigten Dächern oder
werden Stahlstäbe unterschiedlicher Querschnitte Flachdächern können durch Bauelemente aus
und Abmessungen je nach statischen und geome- Porenbeton- oder Leichtbetonmassivplatten, aus
trischen Erfordernissen mit Hilfe von Verbindungs- Lochziegeln und aus Stahlbeton-Platten bzw.
knoten zu Tragwerken geformt. Die Bedachungen -Fertigteilen in den verschiedensten Ausfüh-
werden bei ebenen Tragwerksoberflächen meis- rungsarten gebildet werden.
tens auf Trapezblechkonstruktionen ausgeführt. Bei Bauteilen aus Massivplatten sind hohe Feuer-
Für gekrümmte Oberflächen kommen als Unter- widerstandsfähigkeiten (Feuerwiderstandsklassen
konstruktion für die Dachabdichtung den Teilflä- bis F90 erreichbar, vgl. Abschn. 17.7 in Teil 1 des
chen entsprechend zugerichtete Verbundplatten Werkes). Die Verbesserung des Schutzes gegen
in Frage. Auch Verglasungen aus Sicherheitsglä- Luftschallübertragung (DIN 18 005 – Schallschutz

1.139
Massivdachkonstruktionen,
Konstruktionssysteme
a) Massivelemente traufenparallel
eingebaut
b) Massivelemente giebelparallel
eingebaut
c) Montageelemente, spezielle
Anfertigung
1.4 Massivdachkonstruktionen 85

1.140
Massivdachkonstruktionen
a) Massivdachkonstruktion im
Passivhausstandard [System
Hebel] (s. hierzu auch Teil 1,
Abschn. 16.3 dieses Werkes)
1 Mineraldämmplatte MD, 260 mm
2 Porenbeton, traufenparallel
liegend verlegt auf tragenden
Zwischenwänden, 250 mm
3 Innenputz, 10 mm
4–8 Porenbetonelemente

b) Ziegelelemente,
giebelparallel verlegt
(Sparrendachprinzip)
1 Dachplatten
2 Deckenplatten
3 Ringanker mit Wärmedämmung
4 Verblendstein
5 Betonanker (Firstbalken)

c) Stahlbeton-Montagedach
1 Betonschale mit Gitterträgern als
Halbfertigteil (Plattendecke o.
„Filigranplatte“)
2 Auflager-Formteile
3 Stahlbetondecke
4 Wärmedämmung
5 Sparren mit Unterspannbahn
und Lattung

d) Massivdach System
1 Stahlbeton-Element
2 Stahlbetonauflager mit
Ringbalken
3 Traufen-Formteil
4 Wärmedämmung
86 1 Geneigte Dächer

im Städtebau) durch die gegenüber anderen


Konstruktionen erhöhte Masse sind vielfach der
1 Grund, die i. d. R. noch höheren Kosten gegen-
über Holzkonstruktionen zu rechtfertigen.
Bei geneigten Dächern ist der Einbau derartiger
Elemente traufenparallel, giebelparallel (Binder-
abstände bzw. Spannweiten ca. 5 bis 6 m) oder
bei raumüberspannenden Fertigteilen in freitra-
gender Montage möglich (Bild 1.139).
Stahlbetonteile für Dächer können aus Standard- 1.141 Querschnitt durch Steildachelement
Hohlplatten aus Normal- oder Spannbeton, (System LIGNOTREND)
Leichtbeton-Vollmassivplatten, Ein- oder Dop- 1 Bedachung
pelschalenplatten mit Gitterarmierung sowie aus 2 Hinterlüftungsebene
3 Winddichtung/Unterdach
speziell hergestellten Normalbetonbauteilen be- 4 Wärmedämmung
stehen. Fertigteile aus Porenbeton oder Lochzie- 5 Luftdichtung und Dampfsperre
geln stellen begrenzt wärmedämmende Dach- 6 Einblasdämmung
elemente dar. 7 LIGNOTREND Block Q 3
Bei allen Massivdachkonstruktionen ist insbeson-
dere der Nachweis für die Lage der Taupunkt-
grenzen erforderlich (s. Abschn. 17.5.6 in Teil 1 te über einen ausgezeichneten Wärmeschutz
des Werkes). verfügt. Die Elemente werden bis 18 m Länge
Verschiedene Ausführungsmöglichkeiten mas- hergestellt.
siver Dachkonstruktionen sind in Bild 1.140 er-
läutert.
1.4.3 Dachtragwerke aus Stahlbeton

1.4.2 Steildachelemente aus Holz Betonkonstruktionen sind wenig empfindlich ge-


gen Feuchtigkeitseinflüsse und erfordern kaum
Unterhaltungskosten. Sie eignen sich auch als
Kreuzweise verleimte Brettlagen können form- Dachtragwerke. Für Flachdächer kommen dabei
stabile Dachelemente bilden. Sie zeichnen sich in entsprechend abgeänderter statischer Dimen-
einerseits durch flächige und rissfreie Unter- sionierung nahezu alle Stahlbeton-Deckensyste-
sichten aus. Andererseits wird durch die hinter- me in Frage (s. Abschn. 10.2 in Teil 1 dieses Wer-
lüftete Dachkonstruktion und die durchgängige kes). Im Folgenden soll daher nur ein Überblick
Luftdichtung, die ohne Unterbrechung auf die über spezielle Stahlbetonelemente für geneigte
Außenwände übergeht, ein bauphysikalisch si- Dachkonstruktionen gegeben werden.
cheres Dach erreicht (Bild 1.141).
Die tragenden Elemente liegen auf der Innenseite Stahlbetonträger
der Dachkonstruktion, dadurch kann auf chemi-
Stahlbetonträger werden in der Regel als Spann-
schen Holzschutz verzichtet werden.
beton-Fertigteile in Verbindung mit entspre-
Als weitere Systemvorteile können genannt chenden Stützen innerhalb geschlossener Hal-
werden: lenbausysteme eingesetzt oder als Dachbinder-
Ɣ guter sommerlicher Wärmeschutz, der durch elemente, wenn die Transportprobleme – auch
die Holzmasse bedingt ist an der Baustelle – lösbar sind. Für geringere
Ɣ guter Schallschutz Spannweiten sind Rechteck- oder Trapezprofile
Ɣ ebene Untersicht aus Beton C 35/45 oder C 45/55 üblich. Größere
Träger werden meist als T- oder I-Spannbetonträ-
Ɣ schnelle Montage
ger hergestellt. Sie können kombiniert werden
Ɣ Brandschutzklasse F30 mit Spannbeton-Pfetten als Unterkonstruktion
Ɣ Einsparung von Pfetten bei Verlegung längst für großformatige Dachelemente (Bild 1.142).
zur Traufe
Bild 1.141 zeigt einen Querschnitt durch ein Steil- Stahlbeton-Plattenkonstruktionen
dachelement, das für Spannweiten bis 8 m geeig- Für Spannweiten bis zu etwa 12 m werden – in
net ist und aufgrund der ausgedämmten Elemen- der Regel in Verbindung mit kompletten Stahlbe-
1.4 Massivdachkonstruktionen 87

1.142 Spannbetonträger
a) Querschnitte von Spannbetonträgern
b) Querschnitt von Spannbetonpfetten
c) Spannbeton-Binderträger mit eingehängten Spannbetonpfetten
d) Stützenanschluss

1.143 Stahlbeton-Plattentragwerke (Auflagerung und konstruktive Einzelheiten s. Abschn. 7.5 in Teil 1 dieses Werkes)
a) Trogplatte d = 35 cm, Stützweite ~ 7,50 m, d = 50 cm, Stützweite ~ 12,50 m,
b) TT-Platte
c) Auflagerung einer TT-Platte

ton-Hallenbausystemen – Stahlbeton- bzw. fung. Faltwerke sind räumliche Flächentragwerke,


Spannbetonbauteile mit verschiedenen Quer- die aus ebenen, kraftschlüssig miteinander ver-
schnittsformen eingesetzt (Bild 1.143). bundenen Scheiben bestehen (Bild 1.144).
Nur in Sonderfällen sind derartige individuelle
Faltwerke und Schalen Konstruktionen aus Ortbeton wegen des überaus
Theoretisch ist es möglich, Stahlbetonkonstruk- großen Arbeitsaufwandes für Schalungen und
tionen in jeder aus formalen Gründen gewünsch- Gerüste vertretbar. Dagegen lassen sich nach
ten und auf die gegebene Belastung abgestimm- dem Faltwerk- oder Schalen-Prinzip hergestellte
ten Form herzustellen. Mit dünnwandigen Scha- vorgefertigte Elemente mit Spannweiten bis zu
len- oder Faltwerkkonstruktionen sind Spann- 40,00 m wirtschaftlich einsetzen, insbesondere
weiten von 150 m erreicht worden. Schalen sind wenn die allgemeinen Vorteile von Stahlbeton-
einfach oder doppelt gekrümmte Flächentrag- konstruktionen gegenüber Witterungs- und
werke geringer Dicke mit oder ohne Randausstei- Feuchtigkeitseinflüssen sowie ihre relativ große
88 1 Geneigte Dächer

1.144 Formen von Faltwerken

1.145
Dachkonstruktionen aus vorgefertigten Stahlbetonelementen
a) Faltwerk, V-Element-Shed (System Züblin), b) HP-Schale (System HOCHTIEF)

Sicherheit gegen Feuer ins Gewicht fallen (Bilder


1.145 und 1.146).
Für eine ausführliche Darstellung der vielfachen
Konstruktionsmöglichkeiten mit Faltwerk- und
Schalenkonstruktionen muss auf Spezialliteratur
verwiesen werden.
Mischformen aus diesen Konstruktionssystemen
in Ortbetonausführung kommen in vielfältigsten
Formen vor. Einen Eindruck von den fast unbe-
grenzten Möglichkeiten, mit Hilfe moderner
Schalungssysteme auch komplizierteste räumli-
che Dachtragwerke aus Stahlbeton auszuführen,
kann die in Bild 1.146 gezeigte Bahnhofsüberda-
chung vermitteln.

1.146 Stahlbetonüberdachung Bahnhof Lyon


(Architekten: S. Calavatra, A. Rourrat, S. Memet)
1.5 Textile Flächentragwerke 89

1.5 Textile Flächentragwerke


1.5.1 Allgemeines 1
Textilbahnen können zugbeanspruchte Bestandtei-
le von Flächentragwerken sein. Das Besondere an
dieser Bauweise ist die nicht orthogonale, organisch
wirkende Formensprache. Großflächige Textilbah-
nen ermöglichen sehr großzügige, lichtdurchlässige
Überdachungen. Wegen ihres geringen Gewichtes
bieten Textilbahnen ein hohes Maß an Flexibilität
bei den mit ihnen überdeckten Bauwerken (je nach
Anforderung Verfahrbarkeit einzelner Segmente,
Errichtung temporärer Bauwerke mit einfacher
Montagemöglichkeit usw.).
Die Textilbahnen werden zwischen Haltepunkten
und Fixierungsrändern aufgespannt. Haltepunk-
te können z. B. fundamentartige Verankerungen
und Maste sein, wie aus dem Zeltbau bekannt.
1.147 Leichte Flächentragwerke
Textilien können nur gespannt als dauerhafte
a) Flachplane: Flattert leicht, ist mit geringer
Bauelemente eingesetzt werden. Ohne Span-
Kraft aus der Ebene auszulenken
nung sind sie lose und nicht standfest im Wind, b) und c) Mechanisch gespannte Konstruktion:
wodurch es zwangsweise zum Reißen des Mate- Ecke(n) angehoben, zweiachsig gegensinnig
rials kommen würde. Beim Spannen bilden sie gekrümmte Fläche, auch antiklastische
gegen- oder gleichseitig gekrümmte, flattersi- Flächen genannt
chere Flächen, in der jeder Punkt durch räumliche d) Pneumatisch gespannte Konstruktion:
Zweiachsig gleichsinnig gekrümmte Flächen,
Kraftvektoren gehalten ist. auch synklastische Flächen genannt
Die Geometrie der gespannten Fläche hängt von
der Lage und Form der Haltelinien und Halte-
punkte ab. Dabei ist entscheidend, wo Randseile Gewicht zwischen 500 bis 1000 g/qm und eine
und Haltelinien geführt werden, wo Randstützen Reißfestigkeit von 5 kN bis 10 kN/5 cm Material-
platziert sind, an welchen Stellen Maste und streifenbreite.
Stützbögen in das System eingefügt werden und Verwendete Materialien im textilen Bauen im
welche Krümmungen und Höhenverhältnisse das Außenbereich:
Gesamtbild beeinflussen. Eine erste Anschauung
Ɣ Einfache Membran:
der sich einstellenden Geometrie gewinnt man
am besten durch Modellstudien. Die weitere Pla- Polyestergewebe, PVC-beschichtet, Lackierung
nung erfolgt dann mit Hilfe von CAD-Program- zur Verbesserung der Langzeiteigenschaften,
men in Verbindung mit für die Ausführung spezi- wasserfest, durchscheinend, Lebensdauer ca.
alisierten Firmen. 15–20 Jahre
Bild 1.147 zeigt verschiedene grundsätzliche Ɣ Hochwertige Membran:
Möglichkeiten des textilen Bauens. Glasfasergewebe, PTFE-beschichtet, wasser-
fest, nimmt keinen Schmutz an, durchschei-
1.5.2 Werkstoffe und Materialien nend, Lebensdauer mind. 30 Jahre.
PTFE-Gewebe, UV-stabil, wird auch für Raum-
Werkstoffe für die textilen Bauteile bestehen aus anzüge von Astronauten verwendet, hohe
Kunststofffolien oder hochzugfesten Fasern, die Lichtqualität, Lebensdauer mind. 30 Jahre
zu Bahnen gewebt werden. Beschichtungen
schützen das Fasermaterial vor UV-Strahlung. Üb- Ɣ Neuere und besondere Membrankonstruk-
liche Werkstoffe sind polyvinylchlorid-beschich- tionen:
tete Gewebe aus Polyesterfasern und poly- Glasfasergewebe, Silikon beschichtet (z. B. Sika-
tetrafluorethylen-beschichtete (PTFE) Gewebe bran), wasserfest, durchscheinend, im Brandfall
aus Glasfasern sowie armierungsgewebefreie entstehen keine toxisch wirkenden Produkte,
Kunststoffmaterialien. Die Materialien haben ein Lebensdauer mind. 20–30 Jahre
90 1 Geneigte Dächer

1.148 Sportarena in Hamburg-Stellingen; Arch. Silcher, Werner + Redante, Hamburg

1.149 Stierkampfarena Vista Alegre, Madrid


(Arch.: J. P. Aciego de Mendoza, Madrid, E;
Entwurf Dach: Schlaich Bergermann und Partner,
Stuttgart)
a) Dachaufsicht
b) Schnitt A-A
c) Perspektive

Polyestergewebe, Silikon beschichtet, wasser- Ɣ Gittermembran:


fest, durchscheinend, Lebensdauer ca. 15–20 Feinmaschiges Polyestergittergewebe, mit
Jahre. PVC-Ummantelung der Fäden, geeignet für
Aramidgewebe, PVC beschichtet, Sonderanfer- Werbetransparente und Markisen
tigung, nicht transluzent grobes offenmaschiges Polyestergewebe mit
Ɣ Stark durchscheinendes Material: PVC-Ummantelung der Fäden, geeignet für
Glasfaser-Gittergewebe mit beidseitiger CTFE- sehr leichte Schattendächer oder Rankhilfen
Folie, wasserfest, nimmt keinen Schmutz an, Offenmaschiges Glasfasergewebe, geeignet
optischer Eindruck ähnlich Drahtgitterglas, Le- für mechanisch gespannte Schattendächer
bensdauer ca. 25 Jahre Ɣ Naturfasergewebe wie Baumwolle oder Leinen:
Ɣ Voll transparentes Material: Sind im textilen Bauen seit den sechziger Jah-
ETFE- Folie, ohne eingearbeitete Armierung, ren vollständig von PVC-Plane verdrängt wor-
bei Spannweiten ab ca. 1 m mit Seilnetz zur den. Nachteil ist die fehlende Wasserfestigkeit
Unterstützung, wasserfest, nimmt keinen (Wasseraufnahme bis zu 50% des Eigenge-
Schmutz an, optisch voll transparent, kann be- wichts) und die überaus hohe UV-Anfälligkeit
druckt werden um Verschattung mit optischen (Zerfall in ganzjähriger Freibewitterung in drei
Gittern zu erzeugen, Lebensdauer ca. 25 Jahre bis fünf Jahren).
1.6 Dachdeckungen 91

1.5.3 Ausführungsbeispiele Sie muss regensicher, wetterbeständig, feuerbe-


ständig und kostengünstig in Herstellung und
Als Beispiel für die vielen Möglichkeiten und For- Unterhaltung sein. 1
men des textilen Bauens ist in Bild 1.148 der Traditionelle Dachdeckungen erfüllten bei nicht
Querschnitt der Sportarena in Hamburg-Stellin- ausgebauten Dachräumen außerdem ohne be-
gen gezeigt. Sie wird von einer dünnen Zellmem- sondere Vorkehrungen die Forderung nach
bran aus transluzentem Polyestergewebe über- Durchlüftung und Ableitung von Wasserdampf.
spannt. Zum Rand hin ist die Zellmembran mit Da Dachräume heute sehr oft intensiv genutzt
Seilen über Zugpfähle im Boden verankert. werden und damit die Wärme- und Wasser-
Die Stierkampfarena Vista Alegre in Madrid ist dampfverhältnisse grundlegend verändert sind,
von einer großen, kreisrunden Stahlkonstruktion werden an die bauphysikalischen Eigenschaften
überdacht, in die ein rundes „Kissen“ mit einem geneigter Dächer zunehmend höhere Anforde-
Durchmesser von 50 m eingelassen ist. Dieses Kis- rungen gestellt (s. Abschn. 1.9 und auch Abschn.
sen besteht aus zwei Membranen, die in ihrer Mit- 17.5 in Teil 1 des Werkes).
te 12 m voneinander entfernt sind. Innerhalb von Wenn flachere Dachneigungen aus wirtschaftli-
fünf Minuten kann das „Kissen“ nach oben gefah- chen und gestalterischen Gründen bevorzugt
ren und dort „geparkt“ werden und das Dach ist werden, ergeben sich zusätzliche Forderungen
„geöffnet“. Das feste Ringdach hat einen Außen- an die Dichtigkeit der Eindeckungen, die vielfach
durchmesser von 100 m. Ein Druckring verstärkt nur durch Einführung einer weiteren wasserab-
den runden Ausschnitt für das Membrankissen leitenden Schicht unterhalb der Dachdeckung
und trägt gleichzeitig dessen Lasten ab (Bild (Unterspannbahnen, Unterdach, s. auch Abschn.
1.149). Beim geöffneten Dach werden die Hori- 1.6.2, Tab. 1.152 und Abschn. 1.9.3) erfüllt werden
zontallasten über Knaggen und Seile in die Pylo- können.
ne und dann weiter tangential zum Kissenrand in
das feste Dach abgeleitet (Bild 1.149c). Nach Werkstoff und Decktechnik unterscheidet
man:
Ɣ Ziegeldächer
Ɣ Betondachstein-Dächer
1.6 Dachdeckungen Ɣ Schieferdächer
Ɣ Schindeldächer
1.6.1 Allgemeines Ɣ Gründächer
Geneigte Dächer werden in der Regel mit Dach- Ɣ Stroh- und Rohr- (Reet-, Ried-)Dächer
deckungen ausgeführt. Unterschieden werden Ɣ Wellplattendächer
geneigte Flächen ab 5° Mindestdachneigung, die Ɣ Pappdächer
mit Dachdeckungen gedeckt werden und Flächen Ɣ Metalldächer
unterhalb von 5° Neigung, die mit Dachdichtun-
gen abgedichtet werden (s. Abschn. 2). Brandschutz: Gemäß DIN 4102-7 – (Brandverhal-
Das Erscheinungsbild eines Bauwerkes und be- ten von Baustoffen und Bauteilen – Bedachun-
sonders von ganzen Gebäudegruppen mit ge- gen) werden Dachdeckungen hinsichtlich ihrer
neigten Dächern wird weitgehend von der Widerstandsfähigkeit gegen Flugfeuer und strah-
Dachneigung und von den Baustoffen der Dach- lende Wärme unterschieden in
deckung bestimmt. Ɣ „harte“ Bedachungen – Dachabdichtung bezie-
Auch wenn keine Aspekte des Denkmal- oder En- hungsweise Konstruktionen, die nach Bauart und
sembleschutzes zu beachten sind, sollten bei der verwendeten Baustoffen widerstandsfähig ge-
Auswahl neben gestalterischen Überlegungen gen Flugfeuer und strahlender Wärme sind
die ortsüblichen Bauweisen in die Betrachtung (Dachdeckung/Bedachung aus Beton und Zie-
einbezogen werden, weil sie sehr oft Ausdruck geln sowie aus natürlichen oder künstlichen Stei-
langer Erfahrung mit Klima und Baustoffen sind. nen der Baustoffklasse A, Bedachungen mit einer
Die Dachdeckung hat bei Steildächern vor allem mindestens 0,5 mm dickem oberen Metallblech-
die Aufgabe, Niederschlagswasser sicher abzulei- lage, Bedachungen mit bestimmten, min. zweila-
ten und ausreichende Sicherheit gegen das Ein- gigen Bitumendachbahnen auf tragenden Unter-
dringen von Wasser durch Winddruck oder Flug- konstruktionen aller Art min. der Baustoffklasse
schnee zu gewährleisten. B2, sonstige Bedachungen mit mindestens 5 cm
92 1 Geneigte Dächer

dicker, vollständig bedeckender Kiesschüttung bezeichnet, bis zu der eine Deckung als regensi-
16/32 oder Bedeckung aus mindestens 4 cm di- cher gilt, d. h., bei der traufwärts fließendes Was-
1 cken Betonwerksteinplatten o. Ä. gem. DIN 4102- ser im Normalfall nicht eindringt. Es gelten fol-
4, Abschn. 8.7 sowie begrünte Dächer mit be- gende RDN (s. a. Tab. 1.151) für:
stimmten Eigenschaften) und
Ɣ „weiche“ Bedachungen, die die vorgenannte Schiefer
Widerstandsfähigkeit nicht besitzen (Bedachun- Ɣ Altdeutsche Doppeldeckung,
gen aus natürlichen Materialien wie z. B. Holz- Deutsche Schuppenschablonen,
schindeln, Stroh, Schilf, Reet sowie unbesandete Rechteckschablonendeckung t 22° (40%)
Pappen) bzw. die nicht in der Aufstellung gem. Ɣ Schablonendeckung
DIN 4102-7, Abschn. 8.7 aufgeführt sind. Weiche verschiedener Formen t 30° (58%)
Bedachungen sind nur bei Gebäuden der Gebäu-
deklassen 1–3 zulässig. Die Verwendung weicher
Bedachungen erfordert weiterhin die Berücksich- Dachplatten (Faserzementplatten)
tigung nach Gebäudeklasse unterschiedlicher, Ɣ deutsche Deckung, Doppel-
deutlich größerer Grenzabstände nach den je- deckung t 25° (47%)
weils gültigen Landesbauordnungen. Ɣ waagerechte Deckung t 30° (58%)
Für die Ausführung von Dachdeckerarbeiten gel-
ten die Vorschriften der Vergabe- und Vertrags- Wellplatten (Faserzement)
ordnung (VOB) Teil C: Allgemeine technische Ver-
Ɣ bei Plattenlängen von 1,25 bis 2,50 m
tragsbedingungen für Bauleistungen (ATV) –
Dachdeckungs- und Dachabdichtungsarbeiten je nach Dachtiefe (Entfernung
DIN 18 338 sowie die „Fachregeln des Zentralver- Traufe-First) t 7 bis 12° (12 bis 22%)
bandes des Deutschen Dachdeckerhandwerks Ɣ Kurzwellplatten
(ZVDH) für die verschiedenen Deckungswerkstof- (Gesamtlänge 62,5 cm) t 15° (27%)
fe und -arten.“ [8].
Dachdeckungen mit Dachziegeln, Betondach- Reet- und Strohdeckung
steinen u. Ä. werden auf Lattungen ausgeführt. Ɣ Mindestdeckung t 45° (100%)
Der Dachlattenquerschnitt hängt vom Gewicht Ɣ in windreichen Gegenden t 50° (119%)
der Ziegeldeckung und vom Sparrenabstand ab.
Bei einem Gewicht von z. B. 0,55 kN/m2 (Berech- Holzschindeln
nungsgewicht für Flachdachpfannen einschl. Lat- Ɣ je nach Deckungsart etwa t 30° (58%)
tung) werden empfohlen bis:
Ɣ 70 cm Sparrenabstand 24/48 mm Lattenquer- Metalldeckungen (Zink, Kupfer)
schnitt, S13, nur bei Dachlattungsabständen Ɣ Bei Dachneigungen < 5° (12 %)
d 17 cm zulässig, sind Längsfälze zusätzlich
80 cm Sparrenabstand 24/60 mm Lattenquer- abzudichten t 3° (5%)
schnitt, S13
Ɣ 80 cm Sparrenabstand 30/50 mm Lattenquer-
schnitt, S10
Ɣ 100 cm Sparrenabstand 40/60 mm Lattenquer- 1.6.2 Dachdeckungen mit Dachziegeln
schnitt, S10. und Dachsteinen
Eindeckungen mit Schiefer, Blechbahnen oder Material
Dichtungsbahnen erfordern in der Regel eine Dachziegel stellen eine der ältesten und bewähr-
mindestens 24 mm dicke Vollschalung als flächig testen Dachdeckungen dar. Wenn bei der Her-
tragende Unterkonstruktion. Großformatige Well- stellung gute Tonerden richtig verarbeitet wer-
platten können ohne weitere Unterkonstruktio- den, können Dachziegel mehrere hundert Jahre
nen auch direkt auf Pfetten verlegt werden. überdauern. Als kleinformatiges Deckungsmate-
rial ermöglichen sie die Anpassung an praktisch
Regeldachneigungen alle Dachformen. Durch die Porosität des Ziegel-
für Dachdeckungsmaterialien: materials wird unter normalen Umständen die
Als Regendachneigung (RDN) – auch Mindest- Gefahr der Tauwasserbildung an der Unterseite
dachneigung genannt – wird eine Dachneigung der Dachhaut erheblich herabgesetzt.
1.6 Dachdeckungen 93

Bei engobierten Ziegeln1) wird häufig nicht be- Planung


rücksichtigt, dass die Engobe auch Auswirkungen Bei der Planung von Dächern, die mit Dachzie-
auf den Feuchtehaushalt der Ziegel haben kann. geln oder Dachsteinen eingedeckt werden sollen, 1
Unter ungünstigen Bedingungen können Frost- sind zunächst die Regeldachneigungen zu beach-
schäden die Folge sein. Bei einem engobierten ten. Die Regeldachneigung bezeichnet die unte-
Ziegel ist die Saugfähigkeit der Oberseite deut- re Dachneigungsgrenze, bei der sich in Abhän-
lich geringer als die der Unterseite. Dagegen tre- gigkeit vom Dachdeckungsart und -material die
ten beim unbehandelten Ziegel nur geringe Un- Regensicherheit erwiesen hat.
terschiede bezüglich der Wasseraufnahmekoeffi- Regeldachneigungen (RDN) für die verschiede-
zienten der Ober- und Unterseite auf. Nur nen Deckungsarten sind in der „Fachregel für
Engoben, die gleich oder weniger dicht als der Dachdeckungen mit Dachziegeln und Dachstei-
Untergrund sind, sind in dieser Hinsicht unprob- nen“ [8] festgelegt. Bei Unterschreitung der Re-
lematisch. Bei dichteren Schichten, insbesondere geldachneigung sowie bei einer oder mehreren
bei Glasuren2), sollte die Möglichkeit einer Schä- erhöhten Anforderungen sind Zusatzmaßnah-
digung durch die Unsymmetrie der Wasserauf- men erforderlich (s. Tab. 1.152).
nahmefähigkeit der Ober- und Unterseite nicht
außer Acht gelassen werden. Nach Möglichkeit sind möglichst glattflächige,
klare Dachformen zu wählen. Bei sorgfältiger Pla-
Dachziegel aus gebranntem Ton sollen keine die nung lassen sich alle bei der Eindeckung vorkom-
Verwendbarkeit einschränkenden Risse aufwei- menden Problemstellungen z. B. für Dachränder
sen, im Rahmen der Normen eben und maßhal- und für Anschlüsse an andere Bauteile (Schorn-
tig, wasserundurchlässig und frostbeständig sein. steine, Dachgauben und -fenster, usw.) lösen. Es
DIN EN 1304 legt Anforderungen an Dachziegel sollte jedoch beachtet werden, dass die Einde-
und Formziegel für Dacheindeckungen geneigter ckung von Kehlen gestalterisch am besten und
Dächer und für Außen- und Innenwandbeklei- vor allem materialgerecht nur mit Kleinformaten
dungen fest. zu lösen ist. Anderenfalls sind blechverwahrte
Nach der Art der Herstellung unterscheidet man Kehleindeckungen unvermeidlich.
Press- und Strangdachziegel. Bei großformatigem Dachdeckungsmaterial, ins-
Strangdachziegel werden aus dem Mundstück ei- besondere bei allen Dachziegeln oder Dachstei-
ner Schneckenpresse (als Strang) gepresst. Rillen, nen mit Falzen, sind die je nach Form und Anwen-
Falze usw. sind nur parallel zur Längsrichtung dungsart unterschiedlichen Decklängen (bzw.
möglich. Lattenabstände) für die normalen Deckungsrei-
Pressdachziegel werden einzeln aus Ton gepresst, hen in der Dachfläche und für First- und Traufen-
daher sind Längs- und Querfalze möglich. abschlüsse anhand der Herstellerunterlagen pla-
nerisch zu berücksichtigen. Zur Vermeidung von
Strangdachziegel sind:
Zuschnitten sind die erforderlichen Sparrenlän-
Ɣ Biberschwanzziegel, Strangfalzziegel, Hohl- gen nötigenfalls durch geringfügige Änderungen
pfannen. der Dachneigung oder der Dachüberstände her-
Pressdachziegel sind: zustellen.
Ɣ Falzziegel und Reformpfannen, Falz- und Flach- Die Breite und die Lage für alle größeren Dach-
dachpfannen, Krempziegel. aufbauten oder Dachdurchbrüche ist im Grund-
riss, insbesondere für evtl. nebeneinander liegen-
Eine Zusammenstellung über Abmessungen de Dachflächenfenster oder Gauben auf die
und Deckmaße von Dachziegeln enthält Tabelle Deckbreite der verwendeten Dachziegel oder
1.150. Dachsteine abzustimmen, damit volle Formate
oder Formsteine verwendet werden können.
Alle etwa erforderlichen Trennschnitte bilden
1) Als Engobe bezeichnet man eine mit Mineralien versetzte Schwachstellen der Eindeckung.
Tonschlämme, die nach dem Brand auf den heißen Ziegel
unter Druck aufgebracht wird. Engoben sind begrenzt Zusatzmaßnahmen zur Regensicherheit
farbig herstellbar. Sie verringern die Wasseraufnahmefä-
higkeit an der Oberseite der Dachziegel.
Dachdeckungen müssen im Grundsatz regen-
2) Glasuren werden mittels farbigem Quarzsand vor dem
sicher sein. Dies wird üblicherweise dadurch
Brand auf den Ziegel aufgebracht. Es sind vielfältige, erreicht, dass die werkstoffabhängigen Regel-
auch kräftige Farbgebungen möglich. Der Haftverbund dachneigungen und -überdeckungen geschupp-
zwischen Ziegel und Glasur ist jedoch begrenzt. ter Dachdeckungen eingehalten werden. Werden
94 1 Geneigte Dächer

Tabelle 1.150 Angaben über die wichtigsten Dachziegelarten

1
1.6 Dachdeckungen 95

Tabelle 1.151 Regeldachneigung für Dachdeckungen mit Dachziegeln und Dachsteinen [8]

Tabelle 1.152 Zuordnung von Zusatzmaßnahmen [8]


96 1 Geneigte Dächer

Regeldachneigungen unterschritten, müssen Klasse 1: Wasserdichtes Unterdach mit Überde-


zusätzliche Maßnahmen wie Unterdächer, Unter- ckung/Eindichtung der Konterlattung, Nähte und
1 deckungen oder Unterspannungen vorgesehen Stöße verklebt
werden. Klasse 2: Regensicheres Unterdach ohne Überde-
Bei erhöhten Anforderungen wie besonderen ckung/Eindichtung der Konterlattung, Nähte und
geometrischen, konstruktiven oder Witterungs- Stöße verklebt, naht- und perforationsgesichert1)
verhältnissen ist jedoch auch bei Einhaltung der mit Nageldichtband
RDN der Eintritt von Treibregen und Flugschnee Klasse 3: Unterspannung oder Unterdeckung,
sowie Vereisungen nicht auszuschließen. Aus die- naht- und perforationsgesichert mit Nageldicht-
sem Grund sollte i. d. R. auf die Ausführung von band
Dachkonstruktionen mit Unterspannung, Unter- Klasse 4: Unterdeckung, verklebt oder ver-
deckung oder Unterdach als zweite Wasser füh- schweißt oder Unterspannung, nahtgesichert,
rende Schicht nicht verzichtet werden (s. a. Ab- ohne Nageldichtband
schn. 1.9.3). Dies trifft insbesondere auf zu Wohn-
zwecken ausgebaute Dachbereiche zu. Klasse 5: Unterdeckung, überlappend oder ver-
falzt verlegt
Zusatzmaßnahmen bilden diese zweite Wasser
führende Schicht unter der Dachdeckung zum Klasse 6: Unterspannung, gespannte oder frei
Schutz der Dachkonstruktion vor Feuchteeinwir- hängend, lose überlappend verlegt
kungen von außen. Sie dient zur Ableitung von
Regeneintritt bei fehlerhafter Dacheindeckung, Unterspannungen2) aus diffusionsoffenen Un-
Treibregen, Flugschnee, Vereisungen sowie ab- terspannbahnen können bei zu Wohnzwecken
tropfendem Kondensat von der Unterseite der ausgebauten Dachräumen verwendet werden,
Dachdeckung bei sommerlicher Nachtabkühlung. wenn bei einfachen Dachformen die Regeldach-
Zusätzliche Maßnahmen sind bei der Planung neigung eingehalten wird. Im Übrigen können sie
und Ausführung immer dann vorzusehen, wenn bei Unterschreitung der Regeldachneigung um
die Regeldachneigung unterschritten wird, das bis zu 6° verwendet werden, wenn keine beson-
Dachgeschoss zu Wohnzwecken oder vergleich- deren Anforderungen an die Dachdeckung ge-
bar hochwertigen Nutzungen genutzt wird oder stellt werden.
wenn konstruktive Besonderheiten (z. B. beson-
ders steile und flache Dächer, lange Sparren, Unterdeckungen3) sind anzuwenden bei Unter-
Dachverschneidungen, stark gegliederte Dach- schreitung der Regeldachneigung bis zu 6°. Un-
flächen), klimatische Verhältnisse oder besonde- terdeckbahnen können geeignete Schalungs-
re örtliche Gegebenheiten dies erfordern (Tab. bahnen oder diffusionsoffene Unterspannbah-
1.152). nen sein. Für wasserdichte Unterdächer (bei
Im Fachregelwerk des Deutschen Dachdecker- Unterschreitung der Regeldachneigung von
handwerkes werden die erforderlichen Maßnah- mehr als 10°) kommen Bitumen-Schweißbahnen
men unterschieden für Unterschreitungen der oder Bitumenbahnen mit Glasvlieseinlage in Fra-
Regeldachneigung um bis zu 6° oder über 6° bzw. ge. Unterdeckungen müssen auf druckbelastba-
um bis zu 10° oder über 10°. ren, vollflächigen Unterlagen (z. B. Schalungen)
aufliegen. Zusatzmaßnahmen können in allen
Als Zusatzmaßnahmen kommen je nach De-
ckungsart und Werkstoff in Frage: 1) Nahtgesichert = in Nähten und Stößen regensicher ver-
Ɣ Vermörtelung bzw. Innenverstrich klebt; Perforationsgesichert = Maßnahmen unterhalb
der Konterlattung gegen Wassereintritt mit z. B. Nagel-
Ɣ Unterspannung,
dichtmaterial.
Ɣ Unterdeckung, 2) Eine Unterspannung ist eine Zusatzmaßnahme aus

Ɣ Unterdach wasserundurchlässigen Bahnen ohne flächige Unterlage,


gespannt oder mit planmäßigem Durchgang verlegt. Wird
eine Unterspannbahn auf einer Wärmedämmung verlegt
Zusatzmaßnahmen werden gemäß ZVDH [8] in 6 (z. B. bei Vollsparrendämmungen), wird diese als Unter-
Klassen eingeteilt, wobei die Klasse 1 der höchs- deckbahn bezeichnet. Sie bildet hierbei gleichzeitig eine
ten Schutzanforderung und die Klasse 6 der ge- windabweisende Schutzschicht für die Wärmedämmung
ringsten Schutzanforderung entspricht. und verbessert damit die Dämmwirkung.
3) Eine Unterdeckung ist eine Zusatzmaßnahme aus
Es werden folgende Klassen gemäß des Regel- wasserundurchlässigen Bahnen auf einer ausreichend
werkes des Deutschen Dachdeckerhandwerks tragfähigen Unterlage (Unterdeckplatten, Schalungen;
unterschieden: Wärmedämmungen).
1.6 Dachdeckungen 97

Fällen auch für den Bereich flacher Kehleinde- Sicherung gegen Flugschnee
ckungen in Frage kommen (s. auch Abschn. 1.9.3). Zwar sind einige Lösungen für Lüftungssteine,
Firstentlüftungen usw. auf dem Markt, doch ist 1
Unterdächer1) werden entweder als wasserdich- bei ungünstigen Verhältnissen der Eintrieb von
tes Unterdach (Klasse 1) oder als regensicheres Flugschnee nicht mit absoluter Sicherheit zu ver-
Unterdach (Klasse 2) mit verschweißten Bitumen- hindern.
oder verklebten Kunststoffbahnen hergestellt
und führen somit über die Funktion einer zwei- Zusatzmaßnahmen zur Windsogsicherung
ten, lediglich Wasser führenden Schicht hinaus. Bei exponierter Lage, Höhe, ungünstigen Dach-
Sie erfüllen den Zweck einer nahezu voll funk- formen und bestimmten Ausführungsarten der
tionsfähigen Dachabdichtung vergleichbar mit Dachdeckung sowie im Zusammenhang mit ge-
Flachdachabdichtungen. Dachziegel oder -steine schlossenen Deckunterlagen unterhalb der Dach-
haben hierbei eher dekorativen Charakter. Unter- deckung reicht das Eigengewicht der Dachde-
dachbahnen sind dampfdicht mit der Folge, dass, ckung vielfach nicht als Windsogsicherung aus.
sofern keine zweite Lüftungsebene oberhalb der Besonders an Dachecken und -rändern, Firsten
Wärmedämmung vorgesehen wird, die Innen- und Dachdurchdringungen (z. B. Gauben, Schorn-
ausbauschichten (Dampfsperren) absolut luft- steine) sind Zusatzmaßnahmen zur Windsog-
und dampfdicht auszuführen sind – in der Praxis sicherung erforderlich.
eine nur schwer erfüllbare Anforderung – und Bei Dachneigungen über 65° muss jeder Dachzie-
dass keine nennenswerte Baufeuchte in der Kon- gel bzw. Dachstein durch korrosionsgeschützte
struktion eingeschlossen ist. Zudem ist der Auf- Klammern, Schrauben oder Nägel befestigt wer-
wand zur Herstellung einer zweien Wasser ablei- den. Für alle anderen Dachdeckungen sind teil-
tenden Ebene (Unterdach zzgl. Dachdeckung) weise in den Landesbauordnungen und in den
hoch. Fachregeln des Dachdeckerhandwerkes die er-
Wasserdichte Unterdächer werden in ihrer Ge- forderlichen Zusatzmaßnahmen in Abhängigkeit
samtheit an allen Naht- und Stoßverbindungen von der Höhenlage und Abmessung der Gebäude
über die ganze Fläche einschl. Überdeckung der festgelegt.
Konterlattung werkstoffgerecht wasserdicht ver- Es werden 4 Windzonen nach DIN 1991-1-4/NA unter-
klebt oder verschweißt. Durchdringungen, Ein- schieden:
fassungen und Einbauteile sind regensicher aus- Windzone WZ1 (Höhe bis 800 m ü. NN; Hessen, Südwest-
zuführen. Thüringen, Rheinland-Pfalz, Bayern teilw.,
Regensichere Unterdächer werden wie vor ausge- Baden-Württemberg teilw.)
führt, jedoch wird die Konterlattung hierbei von Windzone WZ2 Höhe über 800 m ü. NN; Niedersachsen,
Sachsen-Anhalt, Brandenburg, Sachsen,
der Unterdachbahn nicht überdeckt. Verklebun- Bayern teilw., Baden-Württemberg teilw.
gen vertikaler Bahnstöße sind unterhalb einer Windzone WZ3 Norddeutsche Küstengebiete, Gebiete um
Konterlatte anzuordnen. Um zu verhindern, dass Rügen und Fehmarn
Wasser kapillar unter die Konterlattung eingezo- Windzone WZ4 Norddeutsche Inseln und Küstengebiete
gen werden und durch die Nagellöcher eindrin-
gen kann, muss die Konterlatte auf ein spezielles Weitere Einflüsse ergeben sich aus unterschiedli-
Nageldichtband (Butylkautschukband) gelegt chen Geländekategorien2) hinsichtlich Gelände-
werden.
2) Geländekategorie I = Offene See, Seen mit min. 5 km
freier Fläche in Windrichtung, glattes, flaches Land ohne
Vordeckungen (Behelfsdeckungen) werden häu- Hindernisse.
fig als Witterungsschutz für die Konstruktion vor Mischprofil Küste als Übergangsbereich zwischen Gelän-
freier Bewitterung während der Bauzeit vorge- dekategorie I und II
sehen. Geländekategorie II = Gelände mit Hecken, einzelnen
Gehöften, Häusern oder Bäumen, z. B. landwirtschaftliches
Gebiet
Mischprofil Binnenland als Übergangsbereich zwischen
1) Ein Unterdach ist eine Zusatzmaßnahme aus wasser- Geländekategorie II und III
dichten Werkstoffen auf einer ausreichend tragfähigen Geländekategorie III = Vorstädte, Industrie- und Gewerbe-
Unterlage. Unterdachbahnen werden mit verschweißten gebiete, Wälder
oder verklebten Naht- und Stoßausbildungen auf Voll- Geländekategorie VI = Stadtgebiete, bei denen min. 15%
holzschahlungen, Holzwerkstoffplatten oder formstabilen der Fläche mit Gebäuden bebaut ist, deren mittlere Höhe
Wärmedämmstoffen verlegt. 15 m überschreitet.
98 1 Geneigte Dächer

1.153 Randbereiche
1 Flächenbereich
2 Randbereich
3 Eckbereich

rauhigkeit, Topographie und davon abhängigen schen Einflüssen (z. B. saurer Regen), Abgasen,
vorübergehenden Windzuständen (Böenge- UV-Strahlung und Pflanzenwuchs (Moose und
schwindigkeitsdruck) sowie Schwingungsanfäl- Flechten) ausgesetzt.
ligkeiten von Bauwerken, Bauteilen, Vordächern Sie bedürfen daher der regelmäßigen Kontrolle
und Brücken. und Wartung durch den Fachmann, um die fort-
Art und Anzahl der erforderlichen Befestigungs- dauernde Funktionstüchtigkeit und die Sicher-
mittel sind für die Windzonen WZ1 bis WZ3 zu heit bei den für die Begehung und Reinigung
entnehmen. Einzelfallberechnungen sind erfor- vorhandenen Einrichtungen (Schornsteinreini-
derlich für die Windzone WZ4, für offene Gebäu- gung u. Ä. s. Abschn. 1.8.2) zu erhalten.
de mit offener Deckunterlage, Gebäude in beson-
ders exponierter Lage und bei Firsthöhen über Biberschwanzdeckung (Flachziegeldeckung)
30 m.
Biberschwanzziegel nach DIN 1304 sind recht-
In allen Fällen sind bei den Dachflächen unter- eckige Tafeln ohne Falz, deren untere Seite ge-
schiedliche Anforderungen an Eck-, Rand- und rundet, geradlinig, auch mit gestutzten Ecken
Flächenbereich zu berücksichtigen (Bild 1.153). oder halbkreisförmig ist (Bild 1.154). Am oberen
An Dachkanten (First, Ortgang, Grat, Pult) ist jeder Ende des Ziegels sitzt auf der Unterseite eine
Dachziegel bzw. Dachstein zu befestigen. Die Lat- „Nase“ zum Aufhängen auf die Dachlatten. Biber-
ten sind auf der tragenden Unterkonstruktion so schwänze werden im Format 18/38 cm herge-
zu befestigen, dass sie eine Zugkraft von mindes- stellt mit mindestens 10 mm Dicke.
tens 0,60 kN/m lotrecht zur Befestigungsebene Kleinformatige Bedachungselemente wie auch
aufnehmen können. Biberschwanzziegel haben insbesondere in der
Denkmalpflege eine Bedeutung und sind auch
Wärmedämmung
Die Ausführung der nachfolgend behandelten
Dachdeckungen ist für Dächer mit nicht ausge-
bauten Dachgeschossen vorgesehen. Bei nach-
träglich eingebrachten Wärmedämmungen ist in
jedem Fall eine Taupunktberechnung durchzu-
führen (s. Abschn. 1.9.2 und 17.5.6 in Teil 1 dieses
Werkes).

Wartung und Pflege


Dachdeckungen sind neben der natürlichen Alte-
rung ihrer Baustoffe vielfachen mechanischen
Beanspruchungen (z. B. Bewegungen der Dach- 1.154 Biberschwanzformen
konstruktion infolge von Wind- oder Schneelas- a) Rundschnitt c) Geradschnitt
ten) sowie Temperaturschwankungen, chemi- b) Segmentschnitt d) gestutzte Ecken
1.6 Dachdeckungen 99

1.155
Biberschwanz-Doppeldach [8]
(Ort mit Abschluss-Formsteinen)

1.156
Biberschwanz-Kronendach [8]

bei der Eindeckung von komplizierten Dachfor- Doppelreihen, oder es werden Schlussplatten
men von Vorteil. Mit Biberschwänzen lassen sich bzw. Traufplatten verwendet (Bild 1.155).
nach alten Handwerksregeln insbesondere Keh-
len, Wand- und Gaubenanschlüsse gut lösen. Bi- Kronendachdeckung
berschwänze sind auch für komplizierte Einde- Beim Kronendach liegen die Dachziegel in allen
ckungen von Turmdächern u. Ä. gut geeignet. Bei Deckreihen doppelt (Bild 1.156). Der Dachziegel-
stark gewölbten Dachflächen werden dafür ent- bedarf ist annähernd der gleiche, das Kronen-
sprechend gekrümmte Formziegel hergestellt dach erfordert jedoch weniger Latten.
(Bild 1.158).
Das Spließdach ist eine meist noch in Baudenk-
Mit Biberschwänzen werden hauptsächlich zwei
mälern anzutreffende alte Deckungsform, bei der
Deckungsarten ausgeführt: Doppeldach (Bild
auf jede Latte nur eine Ziegelreihe Fuge über
1.155) und Kronendach (Bild 1.156).
Fuge hängt. Unter die Fugen wurden „Spließe“
(5 cm breite Kiefer- oder Eichenholzspäne, Blech-
Doppeldachdeckung oder Kunststoffstreifen) geschoben.
Auf jeder Latte hängt eine Reihe Dachziegel in
Verbanddeckung; nur die oberste Reihe am First Firste, Grate, Kehlen werden mit konischen oder
und die unterste Reihe an der Traufe liegen als zylindrischen Firstziegeln eingedeckt (Bild 1.157).

1.157
First- oder Gratziegel für Ziegeldächer
(nicht genormt)
100 1 Geneigte Dächer

1.158 Gleichhüftig eingebundene Biberkehle bei 1.159 Gleichhüftig eingebundene Biberkehle bei
Doppeldeckung (beide Dachflächen sind in Kronendeckung
der Darstellung in eine Ebene geklappt)

Sie werden insbesondere im Denkmalbereich breite begrenzenden Kehlfluchtlinien festzustel-


noch in Mörtel verlegt oder auf Firstbohlen mit len und je 2 der entstehenden Zwischenräume in
Drahtklammern gesichert als „Trockenfirste“ 3 gleiche Teile zu teilen.
(„Trockenfirste“ s. Bild. 1.172a) ausgeführt. Die Bild 1.159 zeigt den Anfang einer „gleichhüftig
Stöße liegen von der Wetterseite abgekehrt. eingebundenen Kehle“ im Kronendach. Die Kehl-
Für die Deckung der Grate werden Grat- bzw. schichten werden wie beim Doppeldach aufge-
Firstziegel verwendet. Sie greifen seitlich über die teilt, jedoch ist jeder Zwischenraum, der sich aus
entsprechend schräg zugehauenen Dachziegel. dem Anschnitt der Deckschichtunterkanten an
Die Gratziegel werden durch Bindedraht auf dem die Kehlfluchtlinien ergibt, in 3 gleiche Teile zu
Gratbrett, das hochkant auf dem Gratsparren ge- teilen.
nagelt ist, befestigt und in Mörtel verlegt bzw. mit Kehlen aus gewöhnlichen Biberschwänzen kön-
Klammern gesichert. nen auch als „Untergelegte Kehlen“ ausgeführt
Kehlen der Biberschwanzdächer sollten ohne werden. Auf dem Kehlsparren liegen in einer mul-
sichtbaren Blechstreifen, sondern mit gewöhn- denförmigen mindestens 40 cm breiten Unter-
lichen Biberschwänzen oder mit keilförmigen schalung keilförmig zugeschnittene Biber-
Kehlsteinen gedeckt werden. Diese Ausführung schwänze („Schwenksteinkehle“).
bezeichnet man als „Deutsch eingebundene Keh-
le“. Die Kehle wird beim Kronendach als Doppel- Hohlziegeldeckungen
dach gedeckt, wobei der infolge der geringeren
Bei allen Hohlziegeldächern überdecken sich die
Neigung des Kehlsparrens entstehende Unter-
einzelnen Dachziegel nicht nur oben und unten,
schied in den Schichtenbreiten regelmäßig wech-
sondern auch seitlich.
selnd durch An- und Unterlaufen der Kehlschich-
ten an und unter die Schichten der Dachfläche
ausgeglichen wird. Geringste Kehlsparrennei- Mönch- und Nonnen-Dachdeckung (Bild 1.160)
gung 22°. Diese aus römischer Antike überlieferte Dachde-
Bild 1.158 zeigt den Anfang einer „gleichhüftig ckungsart wurde häufig bei mittelalterlichen Bau-
eingebundenen Kehle“ im Doppeldach. Das min- ten verwendet. Sie ist wegen des gleichmäßigen
destens 25 cm breite Kehlbrett beginnt über dem Wechsels von Licht und Schatten von guter archi-
Zusammenstoß der Deckschicht des Traufgebin- tektonischer Wirkung.
des. Die Aufteilung der Kehlschichten ergibt sich Der Mönch ist ein konisch geformter, 40 bis 42 cm
aus der Kehlbreite, die 2 oder 3 Ziegelbreiten ent- langer Hohlziegel, dessen oberes schmales Ende
spricht. Es sind die Schnittpunkte der Fluchtlinien geschlossen ist. Die Nonne hat ähnliche Form, ist
der Deckschichtunterkanten mit den die Kehl- jedoch breiter und auf der Unterseite mit einer
1.6 Dachdeckungen 101

1.160 Mönch- und Nonnenziegeldeckung (Schnitt: links durch Mönchziegelreihe; rechts durch Nonnenziegelreihe) [8]

und großes handwerkliches Geschick erfordern-


den Verlegungsarbeiten sehr kostenaufwändig.
Wenn keine Forderungen des Denkmalschutzes
erfüllt werden müssen, werden stattdessen viel-
fach Deckungen mit Krempziegeln (Bild 1.161)
oder mit „Romano-Krempern“ (Bild 1.162), einer
Sonderform von Falzziegeln verwendet, die ein
ähnliches Dachbild ergeben wie Mönch- und
1.161 Krempziegel 1.162 Romano-Kremper Nonnenziegeldeckungen.

Hohlpfannendeckung
Hohlpfannen sind Dachziegel, die in „S“-Form ge-
Nase zum Aufhängen auf die Dachlatten verse- wölbt sind und weder eine Längs- noch eine
hen. Die Längskanten sind an der Breitseite ge- Querverfalzung aufweisen (Bild 1.163 und 1.164)
kerbt. (DIN EN 1304). Es werden nur noch rechtsdecken-
Die Nonnenziegel müssen mit Mörtelquerschlag de Pfannen und für den linken Ortgang Doppel-
über der Nase, die Mönchziegel mit zwei Mörtel- wulstziegel (Doppelkremper) hergestellt (Bild
längsschlägen und Mörtelfüllung des Kopfes ver- 1.165).
legt werden. Zwei gegenüber liegende Ecken der Pfannen sind
Diese Deckungsart ergibt ein Dach mit hohem abgeschrägt, um die doppelte Überdeckung (in
Eigengewicht und ist wegen der zeitraubenden der Quer- und Längsrichtung) zu ermöglichen.

1.163 Hohlpfanne 1.164 Hohlpfanne 1.165 Hohlpfanne


(Langschnittpfanne) (Kurzschnittpfanne) („Doppelkremper“)
102 1 Geneigte Dächer

1.166
Hohlpfannen-Vorschnittdeckung [8]

Hohlpfannen werden in Vorschnitt- oder in Auf- Die Pfannen können entweder trocken einge-
schnittdeckung verlegt. deckt werden oder trocken mit Innenverstrich
Bei der Vorschnittdeckung (Bild 1.166) liegt Ziegel oder mit Querschlag und Innenverstrich. An der
C vor Ziegel B, bei der Aufschnittdeckung (Bild Traufe, am First und an den Stellen, wo kein In-
1.168) liegt Ziegel C auf Ziegel B. Für Vorschnitt- nenverstrich möglich ist, werden die Pfannen in
deckung wird die Langschnittpfanne, für Auf- Kalkmörtel gelegt. Ohne Innenverstrich oder
schnittdeckung die Kurzschnittpfanne verwendet Querschlag verlegte Hohlpfannen sollen mit
(Bild 1.163 und 1.164). Sturmklammern gesichert werden.
Bei Sparrenlängen • 6 m (starker Wasseranfall in Flache Pfannendächer werden auch auf Unterde-
den unteren Schichten) wird die Aufschnittde- ckungen ausgeführt. Auf der Dachschalung lie-
ckung bevorzugt. gen in der Richtung der Sparren erst Streck- oder
Konterlatten (2/8 cm) und darauf parallel zur
Traufe die eigentlichen Dachlatten (3/5 cm). An
der Traufe wird eine so genannte Bundlatte ange-
ordnet, die mit Ausschnitten zur Lüftung der
Hohlräume versehen ist. Die Pfannen werden bei
dieser Ausführung nicht verstrichen.
First und Grate werden wie bei den Flachziegel-
1.167 First- und Gratziegel dächern mit vermörtelten Gratziegeln gedeckt.

1.168
Hohlpfannendach in Aufschnittdeckung [8]
1.6 Dachdeckungen 103

1.169 Flachdachpfanne
a) Längsschnitt mit Sturmklammer
b) Schnitt A–B (vergrößert)
c) Einzelheiten
1 Kopffalzteil 6 Fußfalzrippen 11 Deckfalzrippen
2 Kopffalzrippen 7 Seitenfalzteil 12 Deckfalznute
3 Kopffalznut 8 Seitenfalzrippen 13 Aufhängenase
4 Fußfalzteil 9 Seitenfalznut
5 Fußfalze 10 Deckfalzteil

Der Gratziegel für Pfannendächer ist 400 mm Falzziegeldeckung


lang, hat flachbogigen Querschnitt und ist etwas Falzziegel, Falzpfannen und Flachdachpfannen
breiter als der Gratziegel für Strangdachziegel sind Pressdachziegel mit mehrfacher Ringverfal-
(Bild 1.157). Die übrigen Abmessungen sind aus zung, mit unterbrochener Ringverfalzung, mit
Bild 1.167 ersichtlich. Verschiebefalz oder mit Seitenverfalzung. Sie
Die Kehlen werden als untergelegte Kehlen mit werden in den verschiedensten Formen herge-
Zinkblech- oder als Ziegelkehlen („Herzkehlen“) stellt (s. auch Bild 1.162 Romano-Kremper).
aus Biberschwänzen mit mindestens 4 Ziegelbrei-
ten hergestellt.

1.170
Flachdachpfannendeckung [8]
104 1 Geneigte Dächer

Die Verfalzungen greifen allseitig bzw. teilweise te 200 mm (± 6 mm). Damit ergibt sich ein Ziegel-
in- oder übereinander ein, so dass sich eine sehr bedarf von 15 Stück für 1 m2 Dachfläche. Inner-
1 regensichere dichte Deckung ergibt. halb der Lieferung für ein Bauwerk dürfen sich die
Falzziegel werden trocken (ohne Vermörtelung) Deckmaße der größten und der kleinsten Ziegel
verlegt. höchstens um 2%, bezogen auf die Maße des
Pressdachziegel sind im Gegensatz zu Strang- kleinsten Ziegels, unterscheiden.
dachziegeln nicht in ihren Außenmaßen, sondern Falzpfannen können sowohl in der Decklänge als
in ihrem Deckmaß genormt. Die Decklänge be- auch in der Deckbreite gegeneinander nur inner-
trägt einheitlich 333 mm (± 10 mm), die Deckbrei- halb geringer Toleranzen verschoben werden.

1.171 Firstziegel
a) konischer First- und Gratziegel c) Lüfter-Firstziegel
b) Firstziegel mit Überfalzung d) Gratkappe

1.172 Firstentlüftung
a) Lüfter-Firstziegel (vgl. Bild 1.171c)
b) Entlüftung mit Lüfter-Formsteinen (vgl. Bild 1.180e)
1 Unterspannbahn (z. B. DELTA-Folie) 3 Dachlatte
2 Konterlattung, die die unterseitige 4 Lüftungspfanne
Belüftung der Dachziegel ermöglicht 5 Firstziegel

1.173
Pultdachfirst
1 Sparren, Sparrenende gehobelt
2 Deckenschalung
3 Wärmedämmung
4 Pfette (verankert)
5 Schalung
6 Unterdeckung (Sicherung gegen
Sprühwasser und Flugschnee)
7 Dachlattung
8 Konterlattung
9 Pultdachziegel
(Schenkel 70° bis 90° lieferbar)
10 Luftdichtheitsebene
11 Füllung zwischen den Sparren als
Schattenfuge mit Holzbrett oder
gekantetem Blech
1.6 Dachdeckungen 105

Deshalb ist bei der Planung des Daches je nach Firste und Grate werden mit besonderen First-
Fabrikat der verwendeten Falzpfannen die Dach- und Gratziegeln gedeckt. Sie können in Mörtel –
länge (Sparrenlänge) und Dachbreite unter Be-
rücksichtigung der Anschlüsse an Dachrinnen
der Dachfarbe entsprechend eingefärbt – verlegt 1
werden (Bild 1.171a und b). Firstziegel werden
und First (Maße a und b in Bild 1.170) genau zu heute jedoch meistens mörtelfrei mit Klammern
ermitteln. Nötigenfalls müssen die erforderlichen an den Sparrenspitzen (Bild 1.170, 1.171c und
Maße durch Änderungen der Dachüberstände 1.172) oder an Firstbohlen befestigt. Am Zusam-
oder der Dachneigung erreicht werden. menstoß verschiedener Grate bzw. von Graten
Die in Bild 1.169 dargestellte weit verbreitete und First müssen die Firstziegel passend ge-
Flachdachpfanne, die die wirtschaftlichen und schnitten werden, oder es werden Gratkappen
konstruktiven Vorteile der Falzpfanne mit dem Aus- verwendet (Bild 1.171d). Zur Entlüftung des
sehen der Hohlpfanne vereint, kann u. U. für Nei- Dachraumes oder der Dachkonstruktion werden
gungen ab 22° verwendet werden (Bild 1.170). Lüfter-Firstziegel verwendet (Bild 1.171c und
1.172a), Lüfter-Formsteine in Firstnähe eingebaut

1.174
Knickdachziegel (positiv),
s. auch Bild 1.180i

1.175
Kehldeckung eines
Flachdachpfannendaches
mit Formziegeln
1 Dachpfanne
2 Rinnenkehlziegel
3 Rinnenkehlziegel, Traufanhänger
4 Traufziegel
106 1 Geneigte Dächer

(Bild 1.172b) oder bei Pultdächern Abluftöffnun- chert. Der Abschluss zum Giebelmauerwerk kann
gen im Gesims eingeplant (Bild 1.173). durch den Außenputz gebildet werden. Ein Putz-
1 Übergänge zwischen verschieden geneigten
anschluss ist jedoch kaum einwandfrei herzustel-
len. Auch wegen der Rissgefahr werden besser
Dachflächen können mit Formsteinen ausgeführt Zahnleiste und Windbrett als Übergang vorgese-
werden. Dafür stehen bei den gebräuchlichen hen (Bild 1.176b). Bei Hohlpfannen, Krempzie-
Dachziegel- bzw. Dachsteinserien „positive“ (Bild geln, Falzpfannen, Beton-Dachsteinen u. Ä. bil-
1.174) oder „negative“ Knickdachziegel ein- den „Doppelkremper“ die Abschlussreihe, oder es
schließlich der erforderlichen Ortgangsteine zur werden spezielle Ortgang-Formstücke verwen-
Verfügung. det (Bild 1.176c und d). Sie bilden den Übergang
Auf diese Weise eröffnen sich Ausführungsmög- zum Giebel oder dem Ortganggesims. Weiterhin
lichkeiten für zusammengesetzte Dachflächen kann mit Profilbrettern, evtl. in Verbindung mit
mit wechselnden Neigungen, und es können da- einer Ortgangrinne ausgeführt (Bild 1.176e) oder
bei komplizierte und schadensanfällige Hilfskon- auch mit vorgefertigten Elementen gestaltet wer-
struktionen mit Blechen vermieden werden. den (Bild 1.176f).
Kehlen werden als untergelegte Kehlen ausgebil- Werden aus gestalterischen Gründen keine Form-
det, wobei die Kehle mit 40 bis 50 cm breiten ge- stücke am Dachrand gewünscht, kann der Über-
falzten Blechen, die auf Kehlbrettern aufliegen, gang zwischen Ortganggesimsen und Dachflä-
oder seltener mit Formziegeln (Bild 1.175) ge- che durch Ortgangrinnen gebildet werden, die
deckt wird. Die Anschlusspfannen werden mit der mit Überhangstreifen an der Gesimsoberkante
Trennscheibe fluchtgerecht abgeschrägt und auf anschließen. Wenn bei trapezförmigen Dachflä-
die Deckung der Kehle aufgelegt. chen die letzten Deckreihen am Ortgang schräg
anschließen, sind Ortgangrinnen unvermeidlich,
Ortgang. An den Ortgängen, den seitlichen um das anfallende Niederschlagwasser vom Ge-
Dachabschlüssen, können die letzten Deckreihen sims fernzuhalten und in die Dachrinnen abzulei-
in ungedämmten Konstruktionen in Mörtel auf ten (vgl. Bild 1.176e).
dem Giebelmauerwerk verlegt werden (vgl. Bild
1.176a). Üblicherweise werden heute auch die Wandanschluss. Schließen Dachflächen seitlich
letzten Deckreihen auf Lattungen verlegt und an Wände an, wird der Übergang durch Über-
durch Klammern, Haken o. Ä. gegen Sturm gesi- hangstreifen aus Blech- oder auch Walzbleiver-

1.176 Ortgänge
a) Biberschwanz-Kronendach: eingemörtelte Ortgangziegel
b) Krempziegel: Ortgang mit Zahnleiste
c) Dachsteine: Doppelkremper mit Zahnleiste und Windbrett
d) Falzziegel: Ortgang-Formziegel
e) Ortgangrinne
f) Ortgangabschluss mit Formteil („Herforder Dachkante“) und Ortgangrinne
1.6 Dachdeckungen 107

1.177 1
Wandanschluss seitlich
a) mit Walzblei, Kappleiste und
Putzabschlussprofil
b) Kehlrinne mit eingedichteter
Kappleiste am Sichtmauerwerk

1.179 Dachgraben mit Laufrost


1 Insektenschutzgitter

werksfugen gerechnet werden. Gestalterisch


scheint die Ausführung mit Kehlrinnen zufrieden
1.178 Traufe Wandanschluss
stellender, doch sind durch Verschmutzung
1 Trauflochleiste mit Insektenschutz (Laub) oder Eisbildung im Winter Undichtigkeit
2 Kappleiste
durch Rückstaubildung nur durch eine angemes-
sene Breite der Rinne zu vermeiden (Bild 1.177b).
wahrungen gebildet. Die Verwahrungen können
auf den Dachziegeln oder -steinen aufliegend Traufseitige Wandanschlüsse sollten beim Ent-
(Bild 1.177a) oder – gestalterisch befriedigender wurf eines Bauwerkes schon aus formalen Grün-
– jeweils in einzeln Stücken (Nockenbleche) unter den immer die Ausnahme darstellen. Konstruktiv
den einzelnen Deckungsreihen verdeckt einge- ist nur bei kurzen Anschlussstellen mit ausrei-
bracht werden. Die Wandanschlussbleche werden chendem Gefälle und einwandfreier Wasserablei-
mit Kappleisten abgedeckt und befestigt. Die tung eine solche Lösung überhaupt vertretbar,
Kappleisten wurden früher bei Sichtmauerwerk in weil immer mit der Gefahr von Rückstau insbe-
handwerklich aufwendiger Arbeit abgetreppt sondere bei winterlichen Verhältnissen durch
ausgeführt, dabei in die Mauerwerksfugen abge- Schneesackbildung zu rechnen ist. Eine Lösungs-
winkelt und sorgfältig eingemörtelt bzw. einge- möglichkeit zeigt Bild 1.178.
dichtet. Heute werden meistens vorgefertigte
Kappleistenprofile der Dachneigung folgend an Dachgräben können sich bei großflächigen, zu-
die Wand angedübelt und dauerelastisch (War- sammengesetzten Satteldächern ergeben. Die
tungsfuge1)!) eingedichtet. Bei dieser Ausführung Schalungsflächen des kehlenartigen Dachgra-
muss jedoch fast immer mit einer Hinterwande- bens sind ähnlich wie bei Flachdächern abzudich-
rung durch Schlagregenwasser über die Mauer- ten (vgl. Abschnitt 2). Am Auflager von Laufrosten
muss durch elastische Zwischenschichten (z. B.
1) Gemäß DIN 52 460 werden als Wartungsfugen die Fugen Gummigranulatmattenstreifen) einer Beschädi-
bezeichnet, die einem starken chemischen und/oder gung der Abdichtung vorgebeugt werden. So-
mechanischen Einfluss ausgesetzt sind und deren Dicht- fern Hölzer als Auflagerung zur Anwendung kom-
stoff in regelmäßigen Zeitabständen überprüft und ggf. men, die vorübergehend Nässe ausgesetzt sein
erneuert werden müssen, um Folgeschäden zu vermeiden.
Sie unterliegen nicht der Gewährleitung üblicher Verfu-
können, sind diese durch hochwertige Impräg-
gungsarbeiten. Deshalb ist die Festlegung zwischen den nierungen zu schützen. Durch Gitter ist das Ein-
am Bau Beteiligten über Wartungsfugen vor Ausführung dringen von Vögeln und Ungeziefer in die Belüf-
in den Leistungsbeschreibungen erforderlich. tungsschlitze zu verhindern (Bild 1.179).
108 1 Geneigte Dächer

1.180 Formziegel und Formsteine


a) Ortgangziegel (links) c) Firstziegel
b) Firstziegel d) Lüfterziegel

Formziegel (Zubehörziegel) Gegenüber einer Eindeckung mit Normalziegeln


Formziegel sind Zubehörziegel, die in Ergänzung ergibt sich eine Gewichtseinsparung, so dass die
zu den Dachziegeln eine konstruktive Funktion Konstruktion des Dachstuhls statisch einfacher
erfüllen. ausfallen kann.
Die DIN EN 1304 unterscheidet dabei in koordi-
nierte Formziegel und unkoordinierte Formzie-
gel. Koordinierte Formziegel sind an Dachziegel, 1.6.3 Betondachstein-Deckung
mit denen sie verlegt werden, unmittelbar ausge-
richtet oder mit diesen verfalzt (z. B. Ortgangzie- Ähnlich den in Abschn. 1.6.2 erwähnten Strang-
gel mit Falz, Lüfterziegel mit Falz usw.). ziegeln werden aus hochwertigem Beton Beton-
dachsteine in verschiedenen Profilierungen (Bei-
Unkoordinierte Formziegel sind nicht an Dachzie- spiele in Bild 1.181) oder als plattenförmige, ebe-
gel, mit denen sie verlegt werden, unmittelbar ne Dachsteine (Bild 1.182) mit allen für die
ausgerichtet oder mit diesen verfalzt (Firstziegel, Eindeckung erforderlichen Formsteinen herge-
Gratziegel, Kehlziegel, Ortgangziegel, Winkel- stellt (DIN EN 490).
ziegel).
Betondachsteine erhalten in der Regel durch Auf-
Zu den geläufigsten Dachziegelformen werden bringen gebrannter Farbgranulate eine dauer-
Formziegel angeboten, die nicht nur den Arbeits- hafte Farboberfläche in ähnlichen Farbtönen wie
vorgang beim Dachdecken wesentlich vereinfa- engobierte Dachziegel.
chen und beschleunigen, sondern bei Dachan-
schlüssen aller Art auch in Form und Farbe besser Wegen der guten Maßhaltigkeit der Betondach-
wirken als Blechverwahrungen, Deckleisten usw. steine gewähren einfache Längsfalze in Verbin-
So gibt es neben rechten und linken Ortgang- dung mit aerodynamisch wirksamen Rippen an
und Winkelziegeln beispielsweise Kehlziegel, den Querstößen eine gute Dichtigkeit von Beton-
Firstziegel usw. steindeckungen, die durch Einlegen von Dich-
tungsstreifen noch verbessert werden kann.
Einige Beispiele sind in Bild 1.180 gezeigt. Selbstverständlich erfordern auch Betondach-
Für die Eindeckung gerundeter Dachflächen (z. B. steine bei der Planung die genaue Berücksichti-
kegelförmige Turmhelme, Fledermausgauben gung der gegebenen Deckbreiten und der Lat-
o. Ä.) werden auch keilförmige Dachziegel in Aus- tenabstände, doch können wegen der fehlenden
gleichsätzen in Sonderanfertigung hergestellt. Querfalzung u. U. größere Toleranzen in der
Großflächenziegel in den Abmessungen bis ca. 59 Längsüberdeckung in Anspruch genommen wer-
cm × 37 cm eignen sich besonders für die Einde- den. Im Übrigen sind die handwerklichen Verle-
ckung großer homogener Dachflächen wie z. B. geregeln sowie die zu beachtenden Details de-
Industriehallen. Sie haben eine Decklänge zwi- nen für Falzziegel-Deckungen (s. Abschn. 1.6.2.)
schen 54 und 44 cm. Für die Eindeckung einer vergleichbar.
1 qm großen Dachfläche benötigt man 6 Stück Auch für Betondachsteine ist für alle Typen eine
solcher Großflächenziegel (Gewicht ca. 5 kg/ große Zahl von Sonderformsteinen verfügbar
Stck.). Durch die Verschiebbarkeit von etwa 7 cm (vgl. Bild 1.180). Dach- und Formsteine aus Beton
im Höhenüberdeckungsbereich werden ohne können eine Oberflächenbeschichtung aufwei-
Schnitt größere Masstoleranzen durch Verschie- sen und aus zusammen geklebten Betondach-
ben dieser Großflächenziegel ausgeglichen. steinen bestehen.
1.6 Dachdeckungen 109

1.181 Betondachsteine mit Mittelwulst


a) Frankfurter Pfanne
b) Römerpfanne (ähnlich Zamis-, Tessinerpfanne)
c) Doppel-S-Pfanne

1.182
Plattenförmiger Beton-Dachstein (BRAAS)
a) Biberstein
b) Tegalit

1.183 Eindeckung mit Beton-Dachsteinen (Trockenfirst)


1 Halteklammer für Firststein 4 Ortgang mit Zinkblech-Abdeckung
2 Flugschneedichtung 5 Konterlattung
3 Firstbohle 6 Unterspannbahn
110 1 Geneigte Dächer

Dachsteine aus Beton werden auch in Biberform Die Schalung muss vollkommen trocken sein, da
mit verschiedenen Rund-, Segment- oder Ecken- nasse Schalung beim „Zusammentrocknen“ der
1 schnitten hergestellt. Für die Verlegung gelten Bretter zum Zerspringen einzelner Schiefer füh-
die gleichen Regeln wie für Tonziegelbiber (s. Ab- ren kann. Die Schalung darf nicht federn; die
schn. 1.6.2). Herzseite der Bretter liegt nach unten, dem Dach-
raum zu.
1.6.4 Schieferdeckung Großflächige Schieferplatten (z. B. bei der Engli-
schen Deckung) werden auf Latten genagelt.
Auch für regional noch übliche Dachdeckungen Zum Schutze gegen Staub und Flugschnee wird
mit Schiefer nach DIN EN 12 326 ist das Regelwerk die Schalung in der Regel mit einer leichten Dach-
des Deutschen Dachdeckerhandwerks (ZVDH) zu pappe (Überdeckung 6 cm) abgedeckt.
beachten [8]. Die Regeldachneigungen betragen
je nach Denkungsart 22–30°, die Mindestdach- Altdeutsche Deckung
neigungen bei Ausführung eines wasserdichten Die Regeldachneigung beträgt 25°, die Mindest-
Unterdaches betragen zwischen 12–20°. dachneigung 15°. Die Decksteine für Altdeutsche
Dachschiefer sollen fluchtrechte Flächen haben, Deckung sind trapezförmig mit gerundetem Rü-
wetterbeständig und weder porig noch bitumi- cken zugehauen und nach der Höhe sortiert.
nös sein und dürfen keine Beimischungen von Nach ihrer Größe werden sie als Ganze, Halbe,
Schwefel oder Kupferkies, Eisenoxyd und Kalk- Viertel, Achtel, Zwölftel, Sechzehntel und Zwei-
erde enthalten. Sie sollen gleichmäßige Farbe unddreißigstel bezeichnet. Für Dachflächen mit
und beim Anschlagen mit einem Hammer hellen mittlerer Größe werden hauptsächlich Achtel (ca.
Klang haben. 30 cm × 23 cm) und Zwölftel (ca. 26 cm × 21 cm),
für Dächer, die steiler als 45° sind, auch Sechzehn-
Schieferplatten werden in verschiedenen Formen
tel (ca. 22 cm × 19 cm) verwendet.
und Größen verwendet. Je größer die Platten,
desto flacher kann die Dachneigung gewählt Je nach Überdeckung im „Rücken“ der Steine
werden, desto härter muss aber auch der Schiefer wird „normaler“ und „scharfer Hieb“ unterschie-
sein, um der länger andauernden Durchfeuch- den (Bild 1.184).
tung Widerstand zu leisten. Nach der Schiefer- Bild 1.185 stellt die Deckung einer rechteckigen
form werden u. A. folgende Deckungsarten unter- Dachfläche dar. Die Decksteine werden, je nach
schieden: der Windrichtung, in von links nach rechts oder
Ɣ Altdeutsche Deckung, altdeutsche Doppelde-
umgekehrt ansteigenden Reihen (Deckgebinden)
ckung angeordnet. Je steiler das Dach ist, desto flacher
kann die Steigung der Gebinde werden; sie be-
Ɣ Deckung mit deutschen Schuppenschablonen trägt bei 45° Dachneigung ca. 30 cm auf 1 m, bei
(einfache oder Doppeldeckung) 60° Dachneigung ca. 14 cm auf 1 m.
Ɣ Deckung mit Rechteckschablonen Die Gebindehöhen nehmen nach dem First zu
Ɣ Deckung mit Fischschuppen- oder Spitzwinkel- allmählich ab. Die einzelnen Gebinde enthalten
schablonen Steine gleicher Höhe, aber verschiedener Breite,
Die Schieferplatten werden in der Regel auf eine wodurch die Dachfläche wirkungsvoll belebt wird.
Schalung aus 24 mm dicken und bis 20 cm brei- Die Steine desselben Gebindes überdecken sich
ten Brettern genagelt, die auf jedem Sparren mit um 6 bis 7 cm. Die Überdeckung der aufeinander
mindestens 3 Nägeln befestigt werden. folgenden Gebinde beträgt 7 bis 8 cm.

1.184
Schiefer-Decksteine (breit)
a) normaler Hieb
b) scharfer Hieb
1.6 Dachdeckungen 111

1.185 Altdeutsches Schieferdach


a) Deckstein d) Anfangortstein g) Firststein
b) Anfangfußstein e) Anfangortstichstein h) Schlussstein
c) Fußstein f) Endortstein

Jeder Deckstein wird mit 2 bis 4 Nägeln auf der Am Anfangort werden besonders geformte An-
Schalung befestigt. Jeder Stein darf nur auf einem fangortsteine mit untergelegten Stichsteinen an-
Brett genagelt werden, damit die Platten beim geordnet, damit das Wasser möglichst von der
Werfen des Holzes nicht springen. Die Nagel- Ortlinie abgelenkt wird. Die Anfangortsteine kön-
löcher werden beim Decken mit der Spitze des nen geschwungenen oder runden Rücken erhal-
Schieferhammers eingeschlagen. Die breitköpfi- ten. Am Endort endet jedes Deckgebinde mit
gen Schiefernägel sind 4 cm lang und müssen aus zwei übereinanderliegenden Endortsteinen, die
verzinktem Schmiedeeisen bestehen. mit mindestens 4 Nägeln befestigt werden (Bild
Bei allen Schieferdächern sind für die Ausführung 1.185).
von Ausbesserungsarbeiten Leiterhaken in ca.
2,50 m Entfernung anzubringen, die mind. dop- Deckung des Firstes. Das 30 bis 40 cm hohe
pelt zu befestigen sind. Unter den aus verzinktem Firstgebinde greift etwa 10 cm über die letzten
Stahl bestehenden Haken werden die Schiefer- Steine der Deckgebinde. Die Firststeine erhalten
platten durch Beiplatten ersetzt. runden oder geraden Rücken. Das der Wettersei-
te zugekehrte Firstgebinde ragt 5 bis 7 cm über
Deckung der Traufe. Das Fußgebinde wird aus die andere Dachfläche hinaus (Bild 1.186). Der
verschieden hohen Steinen, wie es der Anschluss dabei entstehende Winkel wird mit Schieferkitt
an die Deckgebinde erfordert, gebildet. Die Fuß- (Asphalt und Kreide) ausgefüllt.
steine erhalten runden (Bild 1.185) oder geraden
Rücken (Bild 1.190). Deckung der Grate. Alle Grate sind einzubinden.
Strackorte sind zu vermeiden.
Deckung der Orte. Bei der Altdeutschen De- Der Anfangort am Grat wird als Stichort mit ge-
ckung müssen alle Orte eingebunden werden. schwungenem oder rundem Rücken gebildet
Aufgelegte Orte (Strackorte) sind zu vermeiden. (Bild 1.187). Der Endort am Grat erhält auf jedes
112 1 Geneigte Dächer

Gebinde zwei übereinanderliegende Endortstei- pappe ausgefüttert und mit schmalen, 14 cm


ne (wie im Bild 1.185, rechts). breiten Schieferplatten (Kehlsteinen) als Herzkeh-
1 Deckung der Kehlen. Alle Kehlen sind einheit-
len oder in Rechts- bzw. Linksdeckung gedeckt.
Bei der Herzkehle (Bild 1.189) wird von dem in der
lich mit Schiefer zu decken (kein Blech!). Die Keh- Mitte der Kehle liegenden Herzwasserstein nach
len werden muldenförmig ausgeschalt, mit Dach- beiden Dachflächen gedeckt (mindestens 4 Kehl-
steine auf jeder Seite). Die Kehlgebinde über-
decken sich um 8 bis 10 cm und schließen mit
Wasserstein bzw. „Schwärmer“ an die Deckgebin-
de an. Bei der rechts oder links gedeckten Kehle
(Bild 1.190) erfolgt die Deckung vom Wasserstein
aus. Die Breite der Kehle muss mindestens 7 Kehl-
steine betragen.

Deckung der Dachfenster- und Maueran-


schlüsse. Da die Altdeutsche Deckung mit Hilfe
eingehender und ausgehender Kehlen eine De-
1.186 Deckung des Firstes ckung von der Dachfläche zur senkrechten Wand

1.187 Eingebundener Grat als Stichort mit rundem 1.188 Gratdeckung mit Strackort (Deckung mit
Rücken (Altdeutsche Deckung) deutschem Schablonenschiefer)

1.189 Herzkehle 1.190 Rechts gedeckte Kehle


1.6 Dachdeckungen 113

1.191 Doppeldach mit rechteckigem Schiefer (Englisches Schieferdach)

1.192 Deckung flacher Kehlen beim Englischen Schieferdach

oder umgekehrt ermöglicht, sollen alle Anschlüs- jedes dritte Gebinde das erste noch um 3 cm
se an Dachfenster, Schornsteine und Mauern überdeckt.
ohne Verwendung von Metallblechen einheitlich
in Schiefer gedeckt werden. Deckung mit Rechteckschablonen
Die Regeldachneigung beträgt 22°, die Mindest-
Altdeutsche Doppeldeckung. Das Altdeutsche
dachneigung 12°. Die Schiefer werden in waage-
Schieferdach kann auch als Doppeldach ausge-
rechten Reihen als Doppeldach im Verband ge-
führt werden. Dabei greifen die Gebinde so weit
deckt. Die Reihen greifen so weit übereinander,
übereinander, dass jedes dritte Gebinde das erste
dass jede dritte Reihe die erste noch um 6 bis
noch um 3 cm überdeckt.
8 cm überdeckt. Je flacher das Dach, desto größer
müssen die Schiefer gewählt werden. Das Firstge-
Deckung mit deutschen
binde besteht aus Firststeinen mit geradem Rü-
Schuppenschablonen
cken. Die Orte können als Strackorte oder Ausläu-
Sparrenneigung nicht unter 25°. Die Deckung ferorte gedeckt werden (wasserableitender Hieb
entspricht der Altdeutschen Deckung; es werden bei Ausläuferorten).
jedoch Decksteine gleicher Größe verwendet. Alle
Große Rechteckschiefer können auch auf Lat-
Gebinde sind also gleich hoch, alle Schuppen
ten 40/60 gedeckt werden (Englisches Schiefer-
gleich breit. Dadurch wirkt die Deckung ruhiger
dach; Bild 1.191). Lattenweite = Schieferlänge
als bei der Altdeutschen Deckung.
minus 8 cm, geteilt durch 2. Die Schiefer liegen
Die Deckung der Traufe, des Firstes, der Orte und dann überall doppelt, auf 8 cm sogar dreifach.
der Kehlen geschieht genau wie bei der Altdeut- Die nebeneinanderliegenden Platten der ein-
schen Deckung. Die Grate können entweder ein- zelnen Reihen stoßen stumpf zusammen (vgl.
gebunden oder als aufgelegte Orte (Strackorte) Flachziegel-Doppeldach). Jede Platte wird in
gedeckt werden (Bild 1.188). der Mitte durch 2 Nägel auf der Latte befes-
Das deutsche Schuppenschablonendach kann tigt. Die Nagelstellen werden durch die fol-
auch als Doppeldach ausgeführt werden. Dabei gende Reihe überdeckt. Die unterste Reihe an
greifen die Gebinde so weit übereinander, dass der Traufe besteht aus Steinen halber Länge, die
114 1 Geneigte Dächer

1.193 Deckung mit Sechseckschablonen 1.194 Deckung mit Halbkreisschablonen


(Spitzwinkelschablonen) (Fischschuppenschablonen)

1.195 Faserzement-Dachplatten in waagerechter Deckung auf Latten

im unteren Teil auf die erste Latte genagelt Halbkreisschablonen (Fischschuppenschablo-


werden. nen) werden in waagerechten Reihen so gedeckt
Die Kehlen müssen hier auf flach geneigten Dä- dass sich das in Bild 1.194 dargestellte Schuppen-
chern untergelegt, d. h. geschalt und mit Zink- muster ergibt. Deckung der Traufe und des Firs-
oder Bleiblech ausgekleidet werden. Die der tes wie vor. Die Ortsteine der geraden Ortkante
Kehllinie entsprechend zugehauenen Platten können eingebunden werden, die Grate werden
überdecken den gefalzten Blechrand um 8 bis als Strackorte gedeckt.
10 cm (Bild 1.192).
Deckung mit Faserzement-Dachplatten
Deckung mit Sechseck-, Achteck- In ähnlicher Weise wie mit Naturschiefer können
oder Halbkreisschablonen Dächer (Mindestneigung 25°) und senkrechte Flä-
chen mit Faserzement-Dachplatten nach den
Sechseckschablonen (Spitzwinkelschablonen, Fachregeln des Deutschen Dachdeckerhand-
Sparrenneigung nicht unter 35°) werden in waa- werks (ZVDH) [8] gedeckt werden (Faserzement s.
gerechten Reihen so gedeckt, dass sich ein rhom- Abschn. 1.6.5). Die Platten werden nach DIN EN
bisches Schuppenmuster ergibt (Bild 1.193). An 492 witterungs-, volumen-, korrosions- sowie
der Traufe ist ein Fußgebinde aus Fußsteinen frost- und hitzebeständig hergestellt und sind
gleicher Höhe, am First ein Firstgebinde anzuord- unbrennbar (DIN 4102, Baustoffklasse A2). Es wer-
nen. Die Orte werden als Strackorte gedeckt. den verschiedene Quadrat- und Rechteckformate
(Vorzugsgrößen 60/30, 40/40, 40/20 cm) – auch
mit gestutzten Ecken – sowie Schablonen für
1.6 Dachdeckungen 115

1.196
Faserzement-Dachplatten in Doppeldeckung auf Latten
a) Doppeldeckung mit Quadraten
b) Ortgang schematisch
1 Sparren
2 Lattung
3 Faserzement-Dachplatten
4 Keil-Leiste
5 Zinkblech-Einfassung

Deutsche Deckung gefertigt in den Farben, Rost- Die Deckung von Firsten, Graten, Kehlen und
braun und Rot sowie verschiedenen Grautönen. Traufen ähnelt der Naturschieferdeckung.
Die Deckung erfolgt je nach Deckungsart, Plat-
tengröße, Neigung und Witterungsbeanspru-
chung der gedeckten Flächen auf Lattung oder 1.6.5 Faserzement-Wellplattendeckung1)
Vollschalung, wobei geschalte Flächen eine Un-
terdeckung mit 333er Dachpappenbahnen erhal- Faserzement-Wellplatten nach DIN EN 494 müs-
ten (Bild 1.195 und 1.196). sen im Wesentlichen aus Zement oder Calcium-
Die Platten werden mit je 2 verzinkten oder kup- silikat bestehen, das durch chemische Reaktion
fernen Schiefernägeln (Breitkopfnägel) genagelt von silicium- und kalkhaltigen, mit Fasern be-
und in verzinkte, kupferne oder aus rostfreiem wehrten Materialien gebildet wird. Dabei muss
Stahl hergestellte Sturmhaken eingehängt. der Zement DIN EN 197-1 oder techn. Spezifika-

1) Die Verwendung von Asbestfasern für zementgebundene Untersuchungen von Wissenschaftlern geringer als die
Bauplatten ist wegen ihrer gesundheitsschädigenden Gefährdung durch Tabakrauchen eingeschätzt.
Wirkung eingestellt worden. Die Richtlinie 76/796/GWB Bei funktionstüchtigen, eingebauten Asbestzement-
verbietet seit dem 1.1.2005 auch die Einführung neuer Produkten, die für Dachdeckungen oder Fassaden-
asbestzementhaltiger Stoffe. Es werden stattdessen verkleidungen verwendet wurden, ergeben sich nach
Kunststoff-Fasern verwendet. Für alle Erzeugnisse ist daher heutigen Erkenntnissen kein Sanierungsbedarf und keine
die Bezeichnung „Faserzement“ eingeführt. Notwendigkeit, diese Produkte aus Gründen der Asbest-
Bei Dachdeckungsarbeiten mit Asbestzementerzeugnissen fasernbindung zu beschichten oder gar auszutauschen.
sind Gesundheitsschäden vor allem dann beobachtet Dies gilt auch, wenn die Oberflächen durch Verwitterung
worden, wenn durch sorglosen Umgang mit Trennschlei- beansprucht sind.
fern o. Ä. Asbestfasern freigesetzt wurden. Die Gefahren,
die von eingebautem Material ausgehen, werden nach Fortsetzung, s. nächste Seite
116 1 Geneigte Dächer

tionen entsprechen, die in dem Land angewen- Folgende meist voneinander abhängige Rah-
det werden, in dem der Zement eingesetzt wird. menbedingungen sowie die Fachregeln des
1 Die einer feuchten Pappe ähnliche Rohmasse Deutschen Dachdeckerhandwerks (ZVDH) [8]
kann praktisch in alle Formen gepresst werden, sind bei Faserzement-Wellplattendächern zu be-
so dass neben Standarderzeugnissen (Wellplat- achten:
ten, ebene Platten und Rohre) alle dazugehöri- Ɣ Dachtiefe
gen Formteile auch in Sonderanfertigungen Ɣ Dachneigung
leicht hergestellt werden können. Ɣ Plattenprofil
Der Mischung können auch Farbstoffe zugesetzt Ɣ Plattengröße
werden. Auch farbige oder farblose Oberflächen- Ɣ Pfettenabstand
beschichtungen dürfen aufgebracht werden. Ɣ Zahl der Befestigungspunkte
Als kurze Wellplatten werden Wellplatten bis ein- Ɣ Höhenüberdeckung
schließlich 900 mm Länge bezeichnet; lange Well- Ɣ Auflagerbreite
platten weisen eine Länge von > 900 mm auf. Ɣ Lochabstand vom Plattenrand

Faserzement-Wellplatten bieten infolge ihres Die Standardplatte mit 5 Wellen für Dachdeckun-
großen Formates die Möglichkeit, große Sattel- gen wird entsprechend den Hauptabmessungen
und Pultdächer (Mindestneigung 7°) insbeson- mit 177/51 gekennzeichnet („Profil 5“, von einzel-
dere in Verbindung mit Pfettenkonstruktionen nen Werken auch mit 6 Wellen als „Profil 6“ her-
gemäß Bild 1.29 und 1.30 sehr wirtschaftlich zu gestellt). Für kleinere Dachflächen, besonders
decken. aber für Wandbekleidungen, gibt es außerdem

1) Fortsetzung
Das für bauaufsichtliche Fragen bundesweit zuständige In- Innenräumen müssen die Arbeitsbereiche staubdicht
stitut für Bautechnik stellt hierzu im Jahresbericht 1989 (2) abgeschottet werden. In allen Fällen ist bei den Arbeiten
fest: „nach heutiger Auffassungen gehen von genormten Atemschutz zu tragen.
oder allgemeinen bauaufsichtlich zugelassenen Asbestze- Asbesthaltige Abfälle sind in geschlossenen Behältern
mentprodukten für Dach ein Deckungen und Fassaden- zusammen und nach besonderen Vorschriften der Länder
verkleidungen im eingebauten Zustand keine konkreten zu entsorgen.
Gesundheitsgefahren im Sinne der Landesbauordnung Alle farbigen oder beschichteten Asbestzementflächen
aus, wenn die Produkte bestimmungsgemäß hergestellt, dürfen mit drucklosem Wasserstrahl und Seifenlauge mit
gearbeitet und verwendet worden sind. Somit ist ein ge- weichen Bürsten o. Ä. gereinigt werden. Das anfallende
nerelles bauaufsichtliches Sanierungsgebot – vergleichbar Wasser ist aufzufangen und wie Abwasser zu entsorgen.
mit dem für schwach gebundene Asbestprodukte – nicht
Bei unbeschichteten, naturgrauen Asbestzementplatten
erforderlich“. (Die vorstehenden Aussagen gelten auch für
ist die dafür in der Regel erforderliche Reinigung mit me-
Asbestzement-Produkte, die in der früheren DDR gefertigt
chanischen Arbeitsgeräten, mit Hochdruck-Strahlgeräten
und verwendet wurden, da diese Erzeugnisse ebenfalls
und Kaltwasser-Druckstrahlgeräten aber auch druckloses
nach der nicht mehr gültigen Baustoffnorm DIN 274 bzw.
Abwaschen wegen der unvermeidlichen Freisetzung von
der entsprechenden TGL hergestellt worden sind.)
Asbestfasern grundsätzlich untersagt.
Bei allen Arbeiten und Veränderungen an Asbestzement-
Nach den bisherigen Erkenntnissen ist eine Sanierung für
produkten und schwach gebundenen Asbestprodukten
Bauteile innerhalb von Gebäuden dann erforderlich, wenn
sind die technischen Regeln für Gefahrenstoffe (TRGS 517
festgestellt wird, dass Asbestfasern nur noch „schwach
und 519-Asbest) der Bundesanstalt für Arbeitsschutz zu
gebundenen“ sind und z. B. aus Asbestzement-Lüftungs-
beachten [2].
kanälen, asbesthaltigen Dichtungen, Brandschutzbe-
Es wird unterschieden zwischen Abbruch-, Sanierungs- und schichtungen o. Ä. freigesetzt werden.
Instandsetzungsarbeiten, d. h. für den Ausbau einzelner
Bei alterungsbedingten Erneuerungen müssen alte Asbest-
Bauteile gelten erleichterte Bedingungen.
zementbauteile wegen der vorhandenen baulichen Gege-
Bei den Asbestzementprodukten gelten unterschiedliche benheiten vielfach durch gleichgeformte neue Erzeugnisse
Vorschriften für unbeschichtet Produkte mit zement- ersetzt werden. Dabei und bei vorsichtshalber geforder-
grauer Oberfläche und beschichtete Produkte, sofern die tem Austausch sind strenge bauaufsichtliche Auflagen
Beschichtung nicht großflächig abgewittert ist. zu beachten. Die daraus resultierenden Kosten für den
Abbruch- und Sanierungsarbeiten dürfen nur von Ausbau und die Entsorgung der asbesthaltigen Bauteile
be sonders zugelassenen Unternehmen durchgeführt übersteigen in der Regel die Kosten einer Neueindeckung
werden und sind anzeigepflichtig. Für das eingesetzte mit asbestfreiem Material.
Fachpersonal und für den Schutz sind dabei besondere, im Eine neue Beschichtung von Außenbauteilen aus Asbest-
Einzelnen festgelegte sicherheitstechnische Maßnahmen zementerzeugnissen ist allenfalls als optische Oberflächen-
einzuhalten. verbesserung zu betrachten.
Asbestzement Produkte sind möglichst zerstörungsfrei
auszubauen um Faserfreisetzungen zu vermeiden. In
1.6 Dachdeckungen 117

1.197
Dünnwandige Wellplatten
a) Faserzement-Wellplatten
Profil 5 (6)
b) Faserzement-Wellplatten
Profil 8

dünnwandige Wellplatten mit der Bezeichnung Tabelle 1.198 Plattengrößen


130/30 – Profil 8 – (Bild 1.197).
Die Wellplatten sind durchgefärbt oder mit ver-
schiedenen Standard-Farbbeschichtungen liefer-
bar.
Die gängigen Plattengrößen sind Tabelle 1.198
zu entnehmen.
Für Eindeckung auf Dachlatten werden Wellplat-
ten Profil 5 auch in Längen von 625 und 800 mm
als Kurzwellplatten (auch als „Berliner Welle“ be-
zeichnet) mit werkseitiger Lochung hergestellt.
Für alle üblichen Anschlusspunkte usw. steht eine
große Zahl von Standardformteilen zur Verfügung.
Für spezielle Probleme oder besondere gestalteri-
sche Absichten ist die Anfertigung von Sonder-
formteilen bei Faserzementplatten leicht möglich.
Für Belichtungsfelder in einfachen Dächern sind
den Wellplattenprofilen entsprechende Welldraht- Tabelle 1.199 Neigungen Profil 5, 6 und 8
glas- und Wellacrylplatten im Handel. Dachtiefe Regel- MIndest-
Bogendächer können in Radien ab i. d. R. 7 m bis in m dachneigung dachneigung
15 m als bombierte1) Wellplatten als Profil 5 in in Grad in % in Grad in %
Plattenlängen von 2500 mm projektbezogen her-
gestellt werden.  10 9 16 7 12
 20 10 18 8 14
 30 12 22 10 18
 30 14 25 12 22
Eindeckung
Bei der Eindeckung ist zunächst die Deckrichtung
so festzulegen, dass die Überdeckungen der Well-
plattenlängsstöße von der Hauptwindrichtung
Die Seitenüberdeckung muss bei
abgewendet liegen.
Die Höhenüberdeckung beträgt generell 200 mm, Profil 5 und 6 177/51 mindestens 47 mm =
bei der Kurzwellplatten („Berliner Welle“) 125 mm. 1/4 Welle
Bei Neigungen < 10° sind die Fugen zu dichten. und bei Profil 8 130/30 mindestens 90 mm =
2/3 Welle
1) Als Bombierung wird allgemein eine wölbende Verfor-
mung mit Innenwölbung und Außenrundung bezeichnet. betragen (s. Bild 1.200).
118 1 Geneigte Dächer

1.201 Plattenstoß auf Stahlpfette


1 Pfette
2 Sparrenoberkante
3 Stahlhaken mit Kunststoff-Pilz-Dichtung und
Korrosionsschutzhut
d Höhenüberdeckung
D Dachneigung
1.200 Eckenschnitt von Wellplatten

Am Kreuzungspunkt von vier Wellplatten ist ein


Eckenschnitt an den sich diagonal gegenüber lie-
genden Wellenbergen erforderlich (Bild 1.200).
Standard-Wellplatten werden mit werkseitigem
Eckenschnitt geliefert. Lediglich bei Passplatten
1.202 Dichtung der Längsüberdeckung
muss er an der Baustelle vorgenommen werden.
1 selbstklebendes umgeschlagenes
Der Abstand zwischen den Eckenschnitten soll
Dichtungsprofil
5 bis 10 mm betragen.
Wellplatteneindeckungen sind am wirtschaft-
lichsten, wenn die Unterkonstruktion lediglich
aus durchlaufenden Pfetten besteht (vgl. Bild
1.29). Auf Bindern – mit möglichst weitem Ab-
stand – dienen kleine Sparrenpfetten als Träger-
lage für die Wellplatten (vgl. Bild 1.30).
Die Auflagerbreite für Wellplatten soll bei Holz-
pfetten t 60 mm und bei Stahlpfetten t 40 mm
betragen (ausgenommen bei Stahlrohrpfetten
o. Ä. mit Durchmessern t 40 mm).
1.203 Plattenstoß auf Holzpfette
Bei Befestigung der Wellplatten ist zu beachten: 1 Holzpfette (45 mm Mindestabstand zwischen
Lochmitte und Plattenrand zulässig)
Ɣ Jede Wellplatte ist in 4 Verankerungspunkten 2 Sparrenoberkante
zu befestigen. Bei Dachneigung < 35° sind 3 Holzschraube nach DIN 571 Ø = 7 mm
Wellplatten der Profile 177/51 und 130/30, die (mit Pilzdichtung und kleinem Korrosions-
auf 3 Pfetten aufliegen, an den Dachrändern im schutzhut); s. Tab. 1.199
Bereich von 2 m auf der mittleren Pfette zusätz-    D Dachneigung
lich an 2 Punkten zu befestigen.
Ɣ Wellplatten des Profils 5 (177/51) werden stets
auf dem 2. und 5. Wellenberg (Bild 1.197), die Bei sehr geringen Dachneigungen, bei beson-
des Profils 6 auf dem 2. und 6. Wellenberg und deren Beanspruchungen durch Winddruck oder
die des Profils 8 (130/30) auf dem 2. und 7. Wel- bei komplizierten Anschlüssen sind die Platten-
lenberg befestigt. Der Abstand der Befestigung stöße mit selbstklebenden Dichtungsbändern zu
vom unteren bzw. oberen Plattenrand muss sichern.
mindestens 50 mm betragen (Bild 1.201), Aus- Ebenso können die Regeldachneigungen um 2° (5°
nahme s. Bild 1.203. bei Kurzwellplatten) unterschritten werden, wenn in
1.6 Dachdeckungen 119

Tabelle 1.204 Höchstzulässige Pfettenabstände Befestigungsmittel


Als Befestigungsmittel dienen je nach Unterkon-
struktion feuerverzinkte Sechskant-Holzschrau- 1
ben Ø 7 (Einschraubtiefe > 36 mm) oder feuerver-
zinkte Hakenschrauben in verschiedenen Ausfüh-
rungen für Befestigungen auf Profilstahlpfetten.
Für Fälle, in denen mit stärkeren Bewegungen in
Unterkonstruktionen (z. B. durch Windbeanspru-
chung) zu rechnen ist, gibt es verschiedene Ge-
lenkschrauben. Durch Kunststoff-Quetschdich-
tungen sind die Befestigungspunkte gesichert,
und alle Schraubenköpfe werden mit Kunststoff-
den Höhenüberdeckungen Dichtungsschnüre ein- kappen als Korrosionsschutz abgedeckt (Bild
gelegt werden. Sie werden bei den Querstößen 1.205).
unterhalb der Befestigungsstellen in die Wellen
eingelegt. Die Längsüberdeckungen werden mit Löcher für Befestigungsschrauben müssen vor-
selbstklebenden Spezial-Dichtungsbändern ab- gebohrt werden. Die Schrauben dürfen keines-
gedichtet (Bild 1.202). falls durch die Platten geschlagen werden!
Wellplattendeckungen auf Satteldächern können Kurzwellplatten sind werkseitig vorgebohrt und
– auch mit Dichtungsbändern – wegen der erfor- werden mit so genannten Glockennägeln (mit
derlichen Abluftöffnungen an den Firsten ein- angeformten Kunststoffdichtungen) unter Be-
wandfrei sprühwasser- und flugschneesicher nur achtung besonderer Verlegevorschriften der Her-
in Verbindung mit einer zweiten Entwässerungs- steller auf die Dachlatten genagelt.
ebene (Spannbahnen, Unterdach, vgl. Abschn. Bei allen Verlegearbeiten ist darauf zu achten,
1.6.2 und 1.9.3) ausgeführt werden. Auch durch dass Wellplattenflächen nur auf Laufbohlen be-
schroffe Außentemperaturveränderungen be- treten werden dürfen, die über eine fest installier-
dingtes, von den Wellplatten nicht aufsaugbares te Leiter oder andere sichere Zugänge zu errei-
Kondenswasser, sowie rückstauendes Schmelz- chen sind.
wasser in Folge von „Eisschanzen“ im überste-
henden Taufbereich kann nur auf diese Weise Firste
abgeleitet werden. Firste werden mit Wellfirsthauben eingedeckt.
Höchstzulässige Pfettenabstände (bzw. Abstände Sie werden als einteilige Wellfirsthauben für die
der Unterstützungen der Wellplatten für selbst- wichtigsten Dachneigungen in Abstufungen von
tragende Dachkonstruktionen) s. Tabelle 1.204. 5° hergestellt. Eine Entlüftung Luft führender

1.205 Befestigungsmittel für Wellplatten


a) Holzschraube Ø 7/110
b) Gelenkschraube für Holzpfetten,
c) Spezialschraube für Stahlpfetten
d) Hakenschraube für Stahlpfetten
e) Gelenkschraube für Stahlpfetten
f) Kunststoffdichtung für Holzschrauben (Deckkappe anhängend, über Schraubenkopf gestülpt)
g) Kunststoffdichtung für Metallschrauben mit großer Deckkappe
120 1 Geneigte Dächer

1.206 Wellfirsthaube
a) einteilig; b) zweiteilig
1 Dichtungsband

1.207 Traufen-Formteile für Wellplattendächer


a) Zahnleisten
b) Traufenfußstück, dicht schließend
c) Traufenfußstück mit flachen Wellenbergen (Lüftung, vgl. e))
d) Lüftungsgitter für Traufenabschluss
e) Traufenausbildung mit angehängter Dachrinne (mit Traufenfußstück, vgl. c))
f) Traufenausbildung bei Sparrenüberstand (Belüftung durch die Gesimsschalung)
1.6 Dachdeckungen 121

Bauteilschichten ist nur mittels firstnah angeord- Dichte Abschlüsse gewähren Traufenfußstücke
neter Lüfterhauben möglich. Es dürfen sich bei und -zahnleisten (Bild 1.207a und b), wenn Zuluft-
der Verlegung an der Überdeckung außen keine öffnungen anderweitig vorgesehen werden kön- 1
klaffenden Fugen ergeben. Daher ist immer die nen (Bild 1.207f). Sonst sind Traufenlüftungsgit-
der nächsten Dachneigung entsprechende Well- ter oder -fußstücke mit flachen Wellenbergen
firsthaube zu wählen. Die gegenüberliegenden vorzuziehen (Bild 1.207c, d und e).
Dachflächen müssen mit genau auf der Gegensei- Dachrinnen können bei einfachen Dächern mit
te fluchtenden Stößen und absolut winkelgerecht geringerem gestalterischen Anspruch wie in Bild
verlegt sein. Die Längsüberdeckungen liegen in 1.207e gezeigt mit Hilfe spezieller Rinnenträger
diesem Fall auf beiden Seiten von der Wetterseite an Wellplattenüberstände angeschlossen wer-
abgewendet, d. h. auf der einen Seite „rechtsde- den. Bei Traufen mit Sparren ist die Ausführung
ckend“ und auf der anderen Seite „linksdeckend“. nach Bild 1.207f in Verbindung mit Traufenfuß-
Die Gestaltung mit einteiligen Wellfirsthauben stücken oder Traufenzahnleisten möglich wie bei
setzt also eine sehr genaue Verlegung auf genau anderen Dachdeckungen. Besteht das Tragwerk
hergestellter Unterkonstruktion voraus. jedoch lediglich aus Pfetten (vgl. Bild 1.29 und
Bei zweiteiligen Firsthauben sind die Ansprüche 1.30), können die Rinnenhalter auf der Fußpfette
an die Unterkonstruktion weniger hoch, auch befestigt werden (Bild 1.208a). Traufengesimse
können die Deckrichtungen auf gegenüberlie- können ggf. bei kleineren Dachflächen auch
genden Dachseiten wechseln. Die Muffenstöße durch Verwendung von einteiligen Traufenfuß-
liegen von der Hauptwindrichtung abgewendet stücken oder speziellen allerdings sehr auffälli-
(Bild 1.206). gen Traufenformteilen wie Wellfirsthauben gebil-
Bei der Ausführung als „Kaltdachfirst“ kann zu- det werden (1.208b).
dem die Entlüftung Luft führender Bauteilschich-
ten ohne zusätzliche Lüfterhauben sichergestellt Grate und Kehlen
werden. Eindeckungen für komplizierte Dachformen mit
Graten und Kehlen sind für Wellplatten nicht ma-
Traufen terialgerecht. So wirken die erforderlichen Grat-
Traufen von Wellplattendächern sind so zu pla- Formteile bei kleineren Dachflächen sehr klobig.
nen, dass Vögel, Marder usw. nicht unter den Wel- Insbesondere Kehlen sind nur mit recht großem
lenbergen in den Dachraum kommen können. handwerklichem Aufwand einwandfrei herzustel-

1.208 Traufen bei Tragwerken mit Pfettenkonstruktionen


a) vorgehängte Rinne mit Traufenfußstück
b) untergehängte Rinne, Gesimsbildung durch einteilige Wellfirsthaube oder Wellübergangsstück
1 einteilige Wellfirsthaube
2 Traufenzahnleiste (Bild 1.207a oder d)
3 Dachrinne mit Einlaufblech
122 1 Geneigte Dächer

1.209 Grate 1 Sparren


a) Schnitt, senkrecht zum Gratsparren 2 Wellplatte, Schräganschnitt
b) Grat, isometrische Darstellung 3 Gratkappe
c) Gratanschluss an First mit Walzbleiüberdeckung 4 Dichtung durch Mörtel auf verz. Drahtgewebe

len. Grate und Kehlen sollten daher in der Pla- Baustelle mit Walzblei-Übergängen improvisiert
nung vermieden werden. Ausführungsmöglich- werden.
keiten sind in Bild 1.209 und 1.210 gezeigt. Faserzementplatten können werkseitig nahezu
Am Anschluss zwischen Graten und First (Bild beliebig zu Sonderformteilen verarbeitet werden,
1.209c) muss meistens ebenso wie bei Anschlüs- wenn entsprechende genaue zeichnerische Fest-
sen an Dachaufbauten, Schornsteine u. Ä. an der legungen vorliegen. Die Herstellung ist jedoch

1.210 Kehlen
5 Wellplatte mit Schräganschnitt
a) Dachgraben (gefällelose Kehle) 6 Haarkalkmörtel auf verz. Drahtgewebe
b) Kehle, Mindestgefälle 17° 7 Traufenzahnleiste (Bild 1.207a oder d)
1 OK Binder 8 Zinkblechrinne auf Trennlage und
2 Pfette Laufbohlen in Hängeeisen
3 Auflagerbohlen auf Futterhölzern, 9 Sicherheitsrinne (z. B. Kunststoff-Dichtungsbahn
Pfette ausgeklinkt auf Schalung)
4 Wellplatte, gerader Abschluss 10 Zinkblech-Kehlrinne auf Trennlage
1.6 Dachdeckungen 123

Für Pultdachabschlüsse, seitliche und obere


Wandanschlüsse, Sanitärentlüftungen, Dachfens-
ter usw. steht eine große Zahl von gestalterisch 1
wenig zufrieden stellenden Sonderformteilen zur
Verfügung (Bild 1.212).

1.6.6 Schindeldeckung

Holzschindeldeckungen finden gelegentlich


noch regionale Anwendungen insbesondere in
der denkmalpflegegerechten Sanierung. Schin-
deln sind handgespaltene Brettchen aus Tannen-,
1.211 Ortgänge Kiefern-, Lärchen- oder Eichenholz. Sie werden
a) Ortgang mit Well-Ortgang-Formteilen schuppenförmig nach den Fachregeln des Deut-
1 Formteil, senkrechte Flächen mit Muffen schen Dachdeckerhandwerks (ZVDH) [8] verlegt.
b) Ortgang mit konisch zugeschnittenen Ebenen Imprägniert haben sie eine Lebensdauer von vie-
2 Faserzementstreifen (Stöße unterlegt) len Jahrzehnten. Sie bilden eine leichte Dach-
haut. Gesägte Schindeln sind weniger dauerhaft.
Man unterscheidet Leg- und Scharschindeln.
meistens sehr aufwändig und nur bei größeren
Stückzahlen wirtschaftlich vertretbar. Legschindeln kommen praktisch nur noch im
Rahmen der Denkmalpflege in Frage. Sie sind 10
Ortgänge bis 20 cm breit, 80 bis 100 cm lang, 20 mm dick
Ortgänge von Wellplattendächern können mit und im Längsschnitt rechteckig oder schwach
häufig klobig wirkenden Formteilen (Bild 1.211a) keilförmig. Legschindeln werden auf flach ge-
oder ähnlich wie bei anderen Dachdeckungen neigten Dächern (15 bis 25°) so auf Latten aufge-
mit Ortganggesimsen oder -brettern (Bild legt, dass sie sich dreifach überdecken. Festgehal-
1.211b), Ortgangrinnen usw. ausgeführt werden. ten werden sie in der Hauptsache durch schwere

1.212 Formteile
a) Wellpulthaube 1 Firstanschlussstück mit Flugschneeabweiser
b) Wandanschluss 2 Firstkappe auf Stützschrauben
c) Belüftungshaube, in Wellplatte eingeformt
d) Lüftungsfirst (FULGURIT 400)
124 1 Geneigte Dächer

1.213
Legschindeln. Die Rundstangen sind mit
Holzpflöcken festgehalten, die lose aufge-
legten Schindeln mit Steinen beschwert.
Bei Dächern über 20° werden die Steine
durch vorgelegte Rundholzstangen, die
am Ortgang verkeilt sind, gesichert.

1.214 Schindelabmessungen
a) Spund- oder Nutschindel
b) Brettschindel
c) Rundschindel

1.215 Deckung mit Scharschindeln


1 Schalung
2 Bitumendachbahn (V13)
3 Konterlattung
4 Lattung
5 unbeh., gesägte WRC-Schindeln
(Western Red Cedar), 3-lagig, DIN 68 119

1.215), aber auch vier- und fünflagig. Die Nagellö-


cher werden vorgebohrt. Oft werden ungenutete
Langschindeln am unteren Ende mit Kupfernä-
1.216 Aufgelegter First geln sichtbar (blank) genagelt, um das Aufwerfen
zu verhindern. An der Traufe sind die einander
überdeckenden Schindeln verschieden lang.
Steine (Bild 1.213). Der First wird ähnlich wie beim
Schieferdach ausgebildet. Auf den flach geneig- Firste
ten Dächern alpenländischer Häuser werden Leg- Am First hat die der Wetterseite zugekehrte First-
schindeln heute noch verwendet. schar > 3 cm Überstand (vgl. Bild 1.186), oder es
wird ein „aufgelegter First“ ausgeführt (Bild 1.216).
Scharschindeln werden auf Lattung oder Scha-
lung genagelt. Sie haben, je nach Region, ver- Grate
schiedene Formen und Maße (Bild 1.214). Ge- Grate können ebenfalls „aufgelegt“ ausgeführt
deckt werden sie doppel- oder dreilagig (Bild werden. Aufwändiger, jedoch formal besser sind
1.6 Dachdeckungen 125

1.217 Grate
a) aufgelegter Grat
b) Schwenkgrat mit herangeführten Reihen
c) Schwenkgrat mit geraden Reihen

1.218 Kehlen
a) eingebundene Kehle, b) Schwenkkehle (mit längeren Schindeln im Kehlbereich)

Schwenkgrate mit gerade oder rund herange- 1.6.7 Bitumenschindeldeckung


führten Schindelreihen (Bild 1.217).
Bitumenschindeln (DIN EN 544) werden aus Bitu-
Kehlen menbahnen mit Glasvlies- oder Kunstfaservlies-
Kehlen werden auf untergelegter Kehlschalung einlagen gestanzt (Bild 1.219). Neben diesen
mit Kehlblechen als „eingebundene“ oder Normalschindeln werden auch verschiedene
Schwenkkehlen ausgeführt (Bild 1.218). Schablonenformen hergestellt (vgl. Bilder 1.193
126 1 Geneigte Dächer

1.219 Bitumenschindeln (Maße; Normalschindeln)


a) dreiblättrige Schindel b) vierblättrige Schindel
Befestigung: Befestigung:
< 60° 4 Nägel oder 6 Klammern < 60° 5 Nägel oder 8 Klammern
> 60° 6 Nägel oder 8 Klammern > 60° 7 Nägel oder 10 Klammern

1.220 Grateindeckung
a) fortlaufende Überdeckung bei flachen Gratwinkeln
b) aufgelegter Grat (Eindeckung mit Schablonenschindeln)

und 1.194). Die Oberflächen werden in verschie- Firste und Grate


denen Farben durch eingewalzte Bestreuungen Sofern Firste und Grate nicht fortlaufend mit Zu-
aus Schiefersplit oder anderen mineralischen schnittplatten überdeckt werden, sind sie auf
Granulaten gebildet. Mit Bitumenschindeln las- speziellen Grat- oder Firstschindeln „aufgelegt“
sen sich für Dachneigungen von 15° bis 85° auch einzudecken (Bild 1.220).
komplizierte Dachformen gut eindecken, weil Im Übrigen sind die Verlegeregeln für Standard-
sich die flexiblen Schindeln – ggf. bei entspre- Bitumenschindeln denen für Biberschwanz-
chendem Zuschnitt – Wölbungen und Krümmun- deckungen (s. Abschn. 1.6.2.2) und von Schab-
gen selbst über Kehlen und flache Grate hinweg lonenschindeln denen für Schiefer vergleichbar
gut anpassen. (s. Abschn. 1.6.4).
Bitumenschindeln werden in Doppeldeckung Bei nicht durch Beschieferung o. Ä. geschützten
(vgl. Bild 1.155) auf Nut-Feder-Vollschalung in der Bitumendachflächen bilden sich unter dem Ein-
Regel auf einer Unterdeckung aus einer Lage fluss der Bewitterung Carbonsäuren, die Metalle
Glasvlies-Bitumendachbahn V13 (DIN 52 143) mit angreifen und in relativ kurzer Zeit bis zur Zerstö-
verzinkten Breitkopfnägeln nach den Fachregeln rung korrodieren können („Bitumenkorrosion“).
des Deutschen Dachdeckerhandwerks (ZVDH) [8] Bei einwandfreiem Bedachungsmaterial sind die-
genagelt oder mit Breitklammern geheftet. se Schäden weniger zu befürchten. Im Zweifels-
fall sollten alle erforderlichen Metalleinfassun-
gen, -anschlüsse, -Dachrinnen usw. entweder
1.6 Dachdeckungen 127

bitumenkorrosionsfest ausgeführt (Kupfer oder drusch zerdrückt den Halm) oder – in der Nähe
V2A-Stahl), oder durch Bitumen- oder Kunst- von Gewässern – mit dünnhalmigem, mittellan-
stofflacke dauerhaft gegen Korrosion geschützt gem Rohr gedeckt. Diese so genannten Weichdä- 1
werden. cher bieten eine sehr gute Wärmedämmung und
sind dicht und sturmsicher, leicht, bei einfacher
Pflege dauerhaft (Lebensdauer bis 50 und mehr
1.6.8 Bitumen-Wellplattendeckung Jahre), jedoch nicht billig (importiertes Rohr,
hohe Lohnkosten, Brandversicherung). Mindest-
Für einfache Dächer stehen weiterhin die sehr dachneigung 45°. Nachteilig ist ihre Empfindlich-
leichten (nur ca. 3 kg pro/m2) und kostengünsti- keit gegenüber Feuer und Funkenflug (bauauf-
gen Bitumen-Wellplatten als Deckungsmaterial sichtlich geforderte Mindestabstände sind zu
zur Verfügung. Sie bestehen aus in Bitumen ge- beachten. Hauseingänge an Giebelseiten legen!).
tränkten, organischen Faserstoffen. Die Obersei- Abstände der Sparren (Rundholz) 1,00 bis 1,30 m.
ten der Platten können mit Kunstharzen verhärtet Abstand der Latten (Rundstangen 5 cm Ø) 25 cm
und mit Farben (schwarz, rot, braun, grün) durch- 2/
10 der Halmlänge. Dicke der Dachhaut 35 bis
tränkt oder beschichtet werden. Einer übermäßi- 40 cm. Die Eindecktechnik ist je nach Deckmate-
gen Aufheizung durch den dunkelfarbigen Werk- rial (Stroh oder Rohr) und je nach Region ver-
stoff ist durch eine gute Belüftung der darunter schieden. Für Reet-Dachdeckungen gelten die
liegenden Konstruktionen bzw. des Dachraumes Fachregeln des Deutschen Dachdeckerhand-
Sorge zu tragen. werks (ZVDH) [8].
Bitumen-Wellplatten sind nach DIN 4102 der Bau- Im Allgemeinen werden die Strohbunde oder
stoffklasse B2 (normal entflammbar) zugeordnet. Rohr- (Reet-, Ried-, Reith-) Schoofe, die Rispensei-
Sie sind für Dachneigungen ab 7° bis 85° geeig- te zum First, mit 1,5 mm dickem verzinktem Draht
net. Die Hersteller geben eine Garantie von 15 in mehreren 10 cm dicken Lagen unter Zuhilfe-
Jahren. nahme einer Rundnadel auf die Latten genäht,
Die Plattenabmessungen betragen ca. 2000/2100 nachdem mit dem Klopfbrett die Wurzelenden
x 900/950 mm bei 2,6 bis 3 mm Plattenstärke. Die schuppenartig hochgeklopft worden sind. Mit
Unterstützungsabstände, i. d. R. hergestellt durch einem Messer werden am Schluss die Wurzel-
Dachlatten, betragen je nach Dachneigung 33 bis enden in der Dachebene und an den Kanten ge-
50 cm. Die Platten werden mit feuerverzinkten radegeschnitten (Bild 1.221).
Drahtstiften mit Kunststoffköpfen durch Nage-
Eine andere Deckungsart ist das Binden. Dabei
lung auf den Wellenbergen befestigt. An First,
werden die Stroh- oder Rohrlagen mit „Bandstö-
Traufe, Ortgang sowie bei Höhenüberdeckungen
cken“ auf die Lattung gepresst, danach die Band-
werden die Wellplatten auf jedem Wellenberg
stöcke an den Latten festgebunden (Bild 1.222).
genagelt. Die Seitenüberdeckung sollte eine
Welle – bei Dachneigungen d 10° und in schnee- Die Firste – beim Weichdach besonders wetterge-
und windreichen Gebieten zwei Wellen betragen. fährdet – werden auf die verschiedenste Art ge-
Die Höhenüberdeckung richtet sich nach der deckt: Mit gedrehten, dicht an dicht nebeneinan-
Dachneigung (d 10° t 20 cm, t 10° t 16 cm, t 15° dergebundenen Strohseilen, die 70 bis 80 cm
t 14 cm). Im Übrigen gelten die Fachregeln des vom First abwärts reichen, mit aufgelegten Hei-
Deutschen Dachdeckerhandwerks (ZVDH) [8]. de- oder Rasensoden, die von kreuzweise zusam-
Die Wellplatten sind nicht direkt, sondern nur mit mengepflockten, über den First gespreizten
Gewicht verteilenden Laufbrettern begehbar. Knüppeln (Wahrhölzern) festgehalten werden,
oder mit quer über den First gebundenen Lang-
Für die Ausbildung von Firsten, Graten Kehlen strohbunden. Neuerdings werden auch vorge-
und Ortgängen stehen ähnlich wie für Faserze- formte Firsthauben aus Wellfaserzement verwen-
ment-Wellplatten besondere Formteile und Dich- det. Eine baustoffgerechte Eindeckung ist jedoch
tungsmaterialien zur Verfügung. vorzuziehen (s. auch DIN 18 338).
Die Schornsteine sind nur am First t 80 cm hoch
1.6.9 Stroh- und Rohr-(Reet-)Deckung aus der Dachfläche zu führen. Die Deckung greift
unter das 1/2 Stein auskragende, bis mindestens
In einigen Gegenden Europas werden Gebäude 50 cm unterhalb der Deckungszone 1 Stein dicke
landwirtschaftlicher Betriebe und frei in der Land- Schornsteinmauerwerk. Ähnlich werden die An-
schaft stehende Wohnhäuser noch mit handge- schlüsse an Gauben (Fledermausgauben) durch
droschenem Winterroggenstroh (Maschinen- Überkragen der Brüstungsbohle gebildet.
128 1 Geneigte Dächer

1.221 Das genähte Dach. Das Stroh wird an der Traufe 1.222 Das gebundene Dach. Schnitt durch die Traufe.
waagerecht geklopft und abgerundet. Auf der Lattenabstand 30 cm. Flache Bandstöcke drücken
ersten Latte wird zweimal genäht. Die Entfernung die Lagen fest. Latten 4 × 6 cm unten abgerundet,
der Dachlatten beträgt 27 cm, Dicke der Dachhaut damit der Bindedraht nicht bricht.
t 28, in den Kehlen t 42 cm.

Weichdächer mit erheblich verminderter Brand- Die Verlegetechnik aller Metalldeckungen ist
gefahr werden in Form so genannter Lehmschin- weitgehend bestimmt durch die Forderung nach
deldächer hergestellt. Dazu wird das Reet mit ver- ungehinderter Bewegungsmöglichkeit für die
zinktem Draht zu 8 bis 10 cm dicken, ca. 75 cm Bleche bei Temperaturänderungen. Außerdem
breiten und 1 m langen Matten zusammenge- müssen die Bleche gegen Berührung mit korrosi-
näht, mit dünnem Lehmbrei getränkt und wie onsfördernden Chemikalien in Putz, Beton, Holz-
oben geschildert auf die Dachlatten gebunden wolle-Leichtbauplatten oder Schalungsflächen
(Lehmbedarf 5 bis 6 kg/m2). Die Lehmschindeln gesichert werden.
überdecken sich dreifach. (Lattenentfernung 30 Für Metalldeckungen verwendet man Zink-, Kup-
bis 40 cm, Sparrenentfernung 1,20 bis 1,50 m. fer-, Stahl-, Blei- und Aluminiumbleche in Form
Dachneigung = 45°.) Über den First werden lehm- von ebenen Tafeln, ebenen und profilierten Bän-
getränkte Strohseile gelegt und festgepflockt. dern sowie in profilierten Sandwichelementen.

1.6.10 Metalldeckungen Metalldeckungen in handwerklicher


Ausführung
Allgemeines
Allgemeines
Dächer oder Dachteile mit sehr geringer Neigung
(> 3°) oder mit sehr komplizierten Formen sind in Metalldeckungen sind auf der Grundlage von DIN
den meisten Fällen mit Metalldeckungen am dau- 18 339 – Klempnerarbeiten – (VOB Teil C) sowie
erhaftesten. Blei- und Kupferdeckungen zählen den Fachregeln des Deutschen Dachdecker-
zu den ältesten und beständigsten Dachde- handwerks (ZVDH) [8] und des Zentralverbandes
ckungsmaterialien, die es gibt, und ihre Lebens- Sanitär Heizung Klima (ZVSHK) [59] auszuführen.
dauer auf historischen Gebäuden ist meist nur Bei Dachneigungen unter 3° (5,2%) sind die
durch die Lebensdauer der Unterkonstruktion Längsfalze zusätzlich abzudichten.
begrenzt. Metalldeckungen sind leicht, dicht und Die Mindestneigung für Metalldeckungen mit
nicht brennbar. Titanzink beträgt 3° bzw. 5,2%. Bei Dachneigun-
1.6 Dachdeckungen 129

gen bis 15° (26,8%) sind Trennlagen mit Dränage- Die gesamte Längenänderung kann somit also
funktion einzubauen. 8,5 mm betragen!
Metalldeckungen erfordern vollflächige, nagel- Sie muss durch entsprechende konstruktive Maß- 1
haftende Unterkonstruktionen, in der Regel nahmen so ausgeglichen werden, dass keine un-
24 mm dicke Holzschalungen (Spanplatten o. Ä. kontrollierten Verwerfungen oder Ausbeulungen
sind für die Unterkonstruktion nicht geeignet auftreten.
und kommen nur ausnahmsweise für kleinere Als Richtwerte für die Abstände von Dehnungs-
Flächen in Frage). Dachschalungen müssen glatt, ausgleichen (Dilatationsstücke) können ange-
eben und trocken, die Schalbretter (Sortierklasse nommen werden:
S7, besser jedoch S10) müssen mindestens Ɣ Bei eingeklebten Winkelanschlüssen,
24 mm (für Bleideckungen mindestens 20 mm) Dachrandeinfassungen, eingeklebten
dick sein und eine Breite von 140 mm haben. Bei innen liegenden Dachrinnen: 6m
gekrümmten Schalungsflächen können dünne
Sperrholztafeln zusätzlich zur Ausrundung aufge- Ɣ Bei Mauerabdeckungen;
bracht werden. Dachrandabschlüssen außerhalb
der Wasserebene; innen liegenden,
Auch moderne Holzwerkstoffe wie OSB-Platten, nicht eingeklebten Dachrinnen
Baufurniersperrholz und mineralfasergebundene
Platten kommen als Unterkonstruktion zur An- Zuschnitt größer 500 mm 8m
wendung. Ɣ Bei Scharen für Dachdeckungen und
Wandbekleidungen; innen liegenden,
Mineralisch gebundene Spanplatten (Baustoff-
nicht eingeklebten Dachrinnen
klasse A2 oder B1) können bei erhöhten Anforde-
Zuschnitt kleiner 500 mm 15 m
rungen an den Brandschutz verwendet werden,
wenn auch die Unterkonstruktionen entspre- Zuschnitt größer 500 mm 10 m
chend ausgeführt sind. Ɣ Hängedachrinnen
Befestigungsnägel sind sorgfältig zu senken. Zuschnitt bis 500 mm 15 m
Trotz aller kontroversen Diskussionen über Um-
Diese Richtwerte gelten für die gestreckte Länge;
weltverträglichkeit sind Holzschalungen nach
von Ecken oder Enden (Festpunkte) aus gemes-
DIN 68 800 gegen Insekten und Pilzbefall zu
sen sind die halben Richtwerte einzuhalten.
schützen (s. a. Abschn. 1.2.2).
Bei allen Metalldeckungen ist die temperaturab- Hinterlüftung
hängige Wärmedehnung in Länge und Breite der
Dachflächen bzw. der Bauteile zu berücksichti- Dächer mit Metalldeckungen werden in der Regel
gen. Sie ist abhängig vom Ausdehnungskoeffi- als hinterlüftete Konstruktionen ausgeführt. Be-
zienten der Materialien. Er beträgt z. B. für dingt sind jedoch auch nicht hinterlüftete Einde-
ckungen möglich.
Ɣ Zink 0,000036 K-1
Metalldeckungen ergeben konstruktiv und auch
Ɣ Zinklegierungen
unter bauphysikalischer Betrachtung sehr dichte
mit Kupfer und Titan 0,000022 K-1 Flächen. Sie müssen daher unter ganz besonde-
Ɣ Aluminium 0,000024 K-1 rer Berücksichtigung aller feuchteschutztechni-
Ɣ Beton (zum Vergleich) 0,000012 K-1 schen Problemfelder geplant und ausgeführt
werden.
Auf Dächern sind Temperaturdifferenzen von Die Hinterlüftung von Metalldeckungen ist durch
etwa –20 °C bis +80 °C möglich. Bei einer Verlege- Zustromöffnungen in Traufengesimsen (vgl. Bild
temperatur von z. B. 15 °C errechnet sich dann die 1.231) oder aufgesetzte kleine Zuluftgauben (Bild
Ausdehnung lA einer 5,00 m langen Kupferbahn 1.236) sowie durch Lüfterfirste (Bild 1.237) ausrei-
dann wie folgt: chend zu gewährleisten. Schließen Metalldach-
flächen an aufgehende Wände an, lässt sich die
lA = 5,00 × 0,000017 × (80 °C – 15 °C = 65 K) Abluftführung wie in Bild 1.237c, am besten aber
= 0,005525 m = 5,525 mm in Verbindung mit einer hinterlüfteten Fassaden-
Die Zusammenziehung lz beträgt dann: bekleidung lösen (Bild 1.238).
Wie auch bei anderen Dachdeckungen muss je-
lz = 5,00 × 0,000017 × (+ 15 °C – 20 °C = 35 K) des Eindringen von Feuchtigkeit in die Dachkon-
= 0,002975 m = 2,975 mm struktion auch während der Bauzeit, durch Sprüh-
130 1 Geneigte Dächer

wasser und Flugschnee, durch Wasserdampf- dämmung muss mindestens den gleichen Diffu-
diffusion, durch Luftaustausch über offene sionswiderstand wie die Metalleindeckung auf-
1 Fugen sowie durch Kondensatbildung infolge weisen.
von Wärmebrücken verhindert werden. Insbeson-
dere über offene Fugen kann derart viel Feuchtig- Material
keit eingetragen werden (Wärmekonvektion) Zink. Für die Herstellung von Dachdeckungen
und an kälteren Bauteilen oder in Bauteilschich- und Wandbekleidungen wird bandgewalztes Ti-
ten kondensieren, dass Schäden auch durch eine tanzink2) (eine Legierung aus Zink, Kupfer und
richtig ausgeführte Hinterlüftung nicht verhin- Titan, DIN EN 988) verwendet. Auf der zunächst
dert werden. walzblanken Oberfläche bilden sich an der Atmo-
Die einwandfreie Ausführung einer richtig di- sphäre Deckschichten aus Zinkoxid und basi-
mensionierten, vor allem aber luftdichten Dampf- schem Zinkcarbonat, die einen natürlichen Lang-
sperre mit sorgfältig gedichteten Materialstößen zeitschutz gegen Witterungseinflüsse bilden.
und dichten Anschlüssen an angrenzende oder Neben der walzblanken, glänzenden Normalaus-
durchdringende andere Bauteile ist daher bei führung kann für besondere Einsatzzwecke „vor-
Dachkonstruktionen mit Metalleindeckungen ab- bewittertes“, glanzlos stumpfes Material einge-
solute Voraussetzung (sd = μ × s > 10 m). Wärme- setzt werden.
brücken müssen in Planung und Bauausführung Nur in sehr aggressiver Industrieatmosphäre oder
ausgeschlossen werden (vgl. Abschn. 1.9.2 und in unmittelbarer Nähe von Abgasen mit hohem
17.5.7 in Teil 1 des Werkes). SO2-Gehalt bei gleichzeitiger hoher Luftfeuchtig-
Bei belüfteten Dachkonstruktionen mit Metall- keit können Beschichtungen (Anstriche) zur Erhö-
deckungen ist bei Dachneigungen von 7° bis 15° hung der Lebensdauer notwendig werden.
für den Belüftungsraum eine freie Höhe1) von Abbauprodukte des Bitumens können in Verbin-
> 8 cm erforderlich (Zuluftöffnungen im Traufen- dung mit UV-Strahlung und Feuchtigkeit aggres-
bereich > 4 cm/m). Bei Dachneigungen von mehr sive Säurekonzentrationen bilden (Bitumenkorro-
als 15° sind dafür ca. 5 cm ausreichend (Zuluftöff- sion). Wenn Bitumenbaustoffe (ausgenommen
nungen im Firstbereich > 3 cm/m). Bei flach ge- Dachabdichtungen mit ausreichender Kiesschüt-
neigten Dächern, Dächern mit Innengefälle sind tung/Begrünung) in Verbindung mit Zinkbautei-
diese Werte erheblich höher anzusetzen und in len kommen können, müssen besondere Schutz-
kritischen Fällen (Gaupen, Kehlen, Grate, Dachflä- maßnahmen getroffen werden.
chenfenster) muss sichergestellt werden, dass
Unterbrechungen des Luftstroms durch Umlen- Für Schutzanstriche haben sich Chlorkautschuk-
kungen vermieden werden. In jedem Fall muss farben bewährt, jedoch bedürfen die Flächen je
sichergestellt sein, dass der Belüftungsraum nicht nach Alterung laufender Unterhaltung.
durch Hindernisse oder auch durch aufquellende Anstriche mit Kaltbitumen können nur schwer
Wärmedämmungen eingeengt wird. Insbeson- wirklich vollflächig aufgebracht werden. Wenn
dere bei Durchdringungen mit größeren Dach- selbst geringe ungeschützte blanke Stellen auf
aufbauten, Dachflächenfenstern oder Gauben den Zinkblechen verbleiben, kann durch derartige
muss planerisch – z. B. durch zweilagige Unter- Anstriche die Korrosion eher gefördert werden.
konstruktionen – für durchgehende Lufträume Völlig ungeeignet als Korrosionsschutz sind Bitu-
gesorgt werden. men-Emulsionen wegen ihrer hohen Alkalität.
Die genannten Voraussetzungen gelten in be- Trennlagen. Gemäß DIN 18 339 sind bei Dach-
sonderem Maße für nicht hinterlüftete Konstruk- neigungen bis 15° (26,8%) Trennlagen mit Drä-
tionen. Sie sollten deshalb nur dann ausgeführt nagefunktion zur unterseitigen Wasserableitung
werden, wenn diese Bedingungen sowohl bau- (Verhinderung von Weißrostbildung) vorge-
physikalisch als auch ausführungstechnisch in schrieben. In Deutschland sind Metalle weiterhin
allen Bereichen voll erfüllt werden können. Die gegen schädigende Einflüsse angrenzender Stof-
Dampf- bzw. Windsperre unterhalb der Wärme- fe zu schützen, z. B. durch Trennschichten. Titan-
zink ist selbst unter sehr ungünstigen Einflüssen
1) Die Vorgaben des ZVSHK [59] empfehlen erheblich grö- gegen die gängigen Holzschutzmittel weitestge-
ßere Dimensionen der freien Lüftungsquerschnitte in hend unempfindlich.
Abhängigkeit von der Dachneigung (Dachneigung unter
5% (3°) t 20 cm, Dachneigung von 5% bis 36% (3° bis
20°) t 10 cm, Dachneigungen über 36% (20°) t 5 cm) bei 2) Die verbreitete Bezeichnung Rheinzink® ist ein geschützter
Lüftungswegelängen von bis zu 15 m. Markenname.
1.6 Dachdeckungen 131

Bei vollflächig aufliegenden Metalldeckungen amid- Monofilamente), die mit diffussionsoffener


aus Zinkblech ist der Einfluss von Trennlagen für Folienkaschierung zusätzlich ausgestattet sein
die Minderung von Regengeräuschen relativ ge- können. 1
ring. Lediglich mit Trennlagen aus Polyamid- In jedem Fall sollte der Einbau von Trenn-
Strukturmatten (ca. 18 mm dick, schwer ent- lagen differenziert betrachtet werden. Als Ent-
flammbar) kann der Schalldurchgang spürbar scheidungshilfe können die Tabellen 1.223 und
verhindert werden. 1.224 (Ausführung von Unterdächern, Trenn-
Neuere Untersuchungen und Erfahrungen im lagen und Dichtungsband bei belüfteten/nicht
Ausland haben ergeben, dass eine Trennlage belüfteten Konstruktionen in Abhängigkeit vom
nicht unbedingt erforderlich ist. So sind z. B. in Klima am Gebäudestandort) herangezogen
Frankreich Trennlagen seit jeher nicht üblich. Le- werden. Wenn ja, dann muss die Art der Trenn-
diglich zum Schutz der Unterkonstruktion wer- lage in Abhängigkeit vom Klima, von der Dach-
den dort armierte Folien verlegt, die entspre- neigung und von der Art der Metalldeckung
chend dem Montagefortschritt der Metallbeklei- (Leistensystem, Doppelstehfalz, Winkelstehfalz
dungen wieder abgenommen werden. usw.) sorgfältig ausgewählt werden. Insbeson-
Holzwerkstoffplatten und andere großflächige dere ist dabei zu differenzieren, ob es sich um
Unterkonstruktionen sowie Auf-Dach-Dämmsys- eine belüftete oder nicht belüftete Konstruk-
teme erfordern jedoch grundsätzlich strukturierte tion handelt. Besondere Dachformen, extreme
Trennlagen. Strukturierte Materialien sind mehr- Klimaverhältnisse, besondere Nutzungen (z. B.
lagig aufgebaut und bestehen aus dreidimensio- Schwimmbäder) usw. können zu Abweichungen
nal strukturierten, kompressiblen Gelegen (Poly- führen.

Tabelle 1.223 Ausführung von Unterdächern, Trennlagen und Dichtungsband bei belüfteten Konstruktionen in
Abhängigkeit vom Klima und Gebäudestandort [46]
132 1 Geneigte Dächer

Tabelle 1.224 Ausführung von Unterdächern, Trennlagen und Dichtungsband bei nicht belüfteten Konstruktionen in
Abhängigkeit vom Klima und Gebäudestandort [46]

In sehr regen- oder schneereichen Gebieten sind Außerdem werden vorgefertigte Profilstreifen
grundsätzlich strukturierte Trennlagen erforder- in Mindestdicken von 0,65 mm für Traufstrei-
lich; dabei soll die Höhe von Stehfalzen auf mind. fen, Kehlen, Kappleisten, Abdeckungen usw. ge-
35 mm angehoben werden. liefert.
Bei hochwertigen Zinkbahnen ist die Gefahr der Die Zinkbleche müssen nach DIN EN 988 gekenn-
„Kontaktkorrosion“ durch Berührung mit Bautei- zeichnet sein.
len aus Aluminium, Blei, verzinktem Stahl und
nichtrostendem Stahl durch elektrochemische Kupfer (DIN EN 504 bzw. DIN EN 506, DIN EN 1172
Prozesse geringer als bisher meistens angenom- und DIN EN 1652) ist noch immer das dauerhaf-
men, so dass der Zusammenbau mit diesen Mate- teste, aber auch teuerste Deckmaterial. Auf der
rialien problemlos ist. Kupferdeckung schlägt sich allmählich eine
Bauteile aus Titanzink sollen jedoch niemals in schützende, zunächst dunkelbraune und dann
Verbindung mit Bauteilen aus Kupfer oder Stahl meist grüne Oxydschicht (Patina1)) nieder, die
verlegt werden, insbesondere wenn von Kupfer-
oder Stahlteilen abfließendes Wasser auf Titan- 1) Kupferpatina sind Kupferhydroxid-Gemische oder Salze
Zinkflächen gelangen kann. anderer organischer Säuren (basische Kupferverbindun-
Titan-Zinkbleche werden in Blechdicken von gen) und bilden sich auf Kupferdächern, die der Witte-
0,65 bis 1,0 mm (auf Anfrage 1,5 mm) hergestellt. rung ausgesetzt sind (Korrosion). Entgegen landläufiger
Meinung ist diese meist grünliche Schicht jedoch kein
Die Fertigung erfolgt in Bändern (Coils) mit maxi- Grünspan (Kupferacetat). Kupferpatina kann auch künstlich
mal 1000 mm Breite sowie in Tafeln von 1000 × hergestellt werden (Patinieren, grün vorpatiniertes oder
2000 mm und 1000 × 3000 mm. brau voroxidiertes Kupferblech)
1.6 Dachdeckungen 133

den Dächern mit zunehmendem Alter ihr beson- 1500/3000 sowie bei verschiedenen Breiten in
deres Aussehen verleiht. Längen bis 6000 mm) oder in Bändern von 600,
Bei der Verwendung von Kupfer auf senkrechten 800 und 1000 mm Breite geliefert. Für Dacharbei- 1
Wandflächen und geneigten Dachflächen entste- ten in handwerklicher Ausführung kommen
hen aufgrund unterschiedlicher Witterungssein- hauptsächlich Dicken von 0,7 und 0,8 mm in
flüsse Unterschiede bei der Farbigkeit der Ober- Frage.
flächen. Walzblankes Aluminium bildet bei Bewitterung
Bei Eindeckungen mit Kupfer kann es insbeson- eine oberflächenschützende natürliche Korro-
dere in der Anfangsphase des Oxydationsprozes- sionsschicht. Sie bleibt unter dem Einfluss starker
ses durch Auswaschungen zu grünen Verfärbun- Luftverschmutzung jedoch nicht auf Dauer be-
gen an benachbarten Bauteilen kommen, die ständig. Einen verbesserten Oberflächenschutz
kaum beseitigt werden können. Durch sorgfälti- bietet die Eloxierung, doch werden heute auch
ge Planung muss daher sichergestellt werden, farblich beschichtete oder einbrennlackierte Alu-
dass Niederschlagswasser nicht unkontrolliert miniumbleche verwendet.
ablaufen kann.
Nichtrostender Stahl. Für hochwertige oder
Kupfertafeln oder -bahnen werden auch mit ver- durch eine aggressive, schadstoffbelastete Atmo-
zinnter Oberfläche geliefert, wenn die Oxydie- sphäre stark beanspruchte Eindeckungen wer-
rung und Grünverfärbung der Oberflächen aus- den zunehmend Bleche aus nichtrostendem
geschlossen bleiben soll, jedoch die hohe Korro- Stahl, DIN EN 10 088-2, verwendet. Das Material
sionsbeständigkeit von Kupfer als erforderlich wird in 0,4 mm dicken Blechen in Coils von
erachtet wird. 625 mm (auch 1250 mm) Breite mit blanker oder
Kupferblech muss mindestens 99% reines Kupfer mattierter Oberfläche geliefert. Es bedarf im
enthalten und sich falzen lassen, ohne Sprünge Allgemeinen keines besonderen Oberflächen-
und Risse zu bekommen. Es muss eine glatte, von schutzes.
Poren, Zunder und Asche vollkommen freie Ober- Die Verlegung erfolgt wie bei anderen Metall-
fläche haben. deckungen in Bahnen (Scharen), die mit Hilfe
Kupfer ist auch in Verbindung mit Feuchtigkeit spezieller Rollnaht-Schweißmaschinen absolut
unempfindlich gegen Holzinhaltsstoffe oder Im- wasserdicht verbunden werden können. Damit
prägnierungen. Deshalb kann auf Trennlagen können Deckflächen aller Art auch für Sanie-
zum Schutz der Kupferdeckung verzichtet wer- rungsaufgaben und sogar für gefällelose Dächer
den, wenn nicht andere Gründe für den Einsatz hergestellt werden.
einer Trennschicht sprechen (vorläufige Dach-
dichtung bis zur Fertigstellung der Deckung). Verzinkter Stahl. Bleche aus verzinktem Stahl
kommen für handwerklich ausgeführte Metall-
Aluminium. Aluminiumbleche (DIN 17 611 und deckungen weniger in Frage, weil bei der Bear-
DIN EN 485) werden in verschiedenen Legierun- beitung die korrosionsschützende Zinkschicht
gen in ebenen Tafeln (1000/2000, 1250/2500, fast zwangsläufig beschädigt wird.

1.225a 1.225b

1.225 Ausführung von Bleideckungen


a) Holzwulst
b) Hohlwulst
134 1 Geneigte Dächer

1.226 Ausführungsarten von Zink- und Kupfereindeckungen


a) Doppelstehfalzdeckung
b) Winkelstehfalz
c) Leistendeckung

Blei (DIN 17 640-1 und DIN 59 610) sollte auf-


grund seiner hohen Toxizität nur in Ausnahmefäl-
len verwendet werden. Vollständige Bleideckun-
gen werden außer in der Denkmalpflege wegen
der hohen Kosten selten ausgeführt. Sie eignen
sich wegen der leichten Verformbarkeit von
Walzbleitafeln oder -bändern aber ganz beson-
ders für komplizierte oder mehrfach gekrümmte
1.227 Hafte Dachflächen wie z. B. von Kuppeln u. Ä. Blei wird
daher auch für schwierige Anschlussstellen ande-
rer Deckungen verwendet.

Tabelle 1.228 Breite und Länge der Scharen, Mindestbanddicke sowie Anzahl und Abstand der Hafte
über 20 m
Gebäudehöhe bis 8 m über 8 m bis 20 m
bis 100 m
1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14
1 Scharenbreite 1) in mm 520 590 620 720 920 520 590 620 720 520 590 620
2 Werkstoff Scharenlänge m Mindestbanddicke
3 Aluminium 10 0,7 0,7 0,8 0,8 –2) 0,7 0,7 0,8 –2) 0,7 0,7 –2)
4 Kupfer 10 0,6 0,6 0,6 0,7 –2) 0,6 0,6 0,6 –2) 0,6 0,6 –2)
5 Titanzink 10 0,7 0,7 0,7 0,8 –2) 0,7 0,7 0,7 –2) 0,7 0,7 –2)
feuerverzinkter
6 14 0,6 0,6 0,6 0,6 0,7 0,6 0,6 0,6 0,6 0,6 0,6 0,6
Stahl
nichtrostender
7 14 0,4 0,5 0,5 –2) –2) 0,4 0,5 0,5 –2) 0,4 0,5 –2)
Stahl
8 Dachbereich Hafte: Anzahl und Abstand untereinander3)
mm 500 500 400 400 280 500 500 400 400 500 500 400
9 Mitte
Stck/m2 3,9 3,9 4,0 4,0 3,9 3,9 3,9 4,0 4,0 3,9 3,9 4,0
mm 500 500 400 400 280 350 350 300 300 250 200 200
10 Rand
Stck/m2 3,9 3,9 4,0 4,0 3,9 5,5 5,5 5,4 5,4 7,7 8,5 8,5
mm 300 300 250 250 150 200 200 150 150 150 150 150
11 Eck
Stck/m2 6,4 6,4 6,4 6,4 7,2 9,6 9,6 10,0 10,0 12,8 12,8 12,8
1) Die Scharenbreiten errechnen sich aus den Band- bzw. Blechbreiten von 600 mm, 670 mm, 700 mm, 800 mm und
1000 mm abzgl. |80 mm bei Falzdächern. Bei Einsatz einer Profiliermaschine ergeben sich |10 mm breitere Scharen.
Für Leistendächer ergibt sich eine geringere Scharenbreite in Abhängigkeit vom Leistenquerschnitt.
2) Unzulässig.
3) Der angegebene Haftabstand in mm ist als Mittelwert über einen Bereich von 3 m einzuhalten.
1.6 Dachdeckungen 135

Deckblei muss mindestens 2 mm dick sein. Es Doppelstehfalzdeckung


wird in Rollen von 1,00 m Breite und bis zu 10 m Bei dieser Deckungsart werden die einzelnen bis
Länge geliefert (DIN 59 610). Die erforderliche ca. 60 cm breiten (Achsmaß) Metallbahnen durch 1
Vollschalung muss mindestens 30 mm dick sein. Fest- oder Schiebehaften (Bild 1.227) gehalten.
Für Bleideckungen sind spezielle Hohlwulst- und Jeder Hafter wird mit 3 Breitkopfstiften auf der
Holzwulstdeckung (diese besonders für flach ge- Dachfläche befestigt.
neigte, begehbare Dächer) üblich (Bild 1.225).
Die Anzahl und der Abstand der Hafte ist abhän-
Verarbeitung gig von der Windbelastung der Eindeckung, d. h.
Metalldeckungen werden aus senkrecht zur Trau- der Einbauhöhe über Gelände (Gebäudehöhe),
fe verlegten Blechbahnen oder -tafeln („Schare“) dem Einbaubereich (Normalbereich bzw. Dach-
gebildet. Die Art der Längsstoßausbildung kenn- randbereich) und der Scharenbreite (Tab. 1.228).
zeichnet die Ausführungsarten. Metalldeckungen Die Hafter werden von Hand, mit der Falzzange
aus Zink- oder Kupferbahnen werden als Doppel- oder – bei großen Dachflächen – maschinell beim
stehfalzdeckung bei Dachdeckungen > 25° auch Verfalzen mit eingearbeitet (Bild 1.229).
als Winkelstehfalzdeckung oder als Leistende- Bei der maschinellen Deckung arbeitet man von
ckung ausgeführt (Bild 1.226). der Rolle und kann somit Deckbahnen großer

1.229 Doppelstehfalzdeckung [46]

1.230 Querfalze in Metalldeckungen (Stehfalze nicht eingezeichnet)


a) einfacher Querfalz, Dachneigung = 47% (25°)
b) einfacher Querfalz mit Zusatzfalz, Dachneigung = 18% (10°)
c) doppelter Querfalz, anwendbar bei Dachdurchbrüchen oder kleineren Dachflächen in Tafeldeckung = 13% (7°)
d) Schiebestoß gemäß Schnittskizze b)
e) Gefällestufe, Dachneigung = 5% (3°)
1 Normalhafter 4 umgelegter Doppelstehfalz
2 Wasserfalz 5 von oben kommendes Blechband
3 aufgenieteter Zusatzhaftstreifen
136 1 Geneigte Dächer

1.232 Abknickungen in Doppelstehfalzdeckungen [46]


a) Arbeitsablauf Quetschfalz
b) umgelegter Doppelstehfalz

oder mit umgelegtem Doppelstehfalz (Bild


1.232b) gebildet.

Winkelstehfalzdeckung
Der Winkelstehfalz ist eine Sonderform des
Doppelstehfalzes (Bild 1.226b). Hierbei wird der
Falzvorgang nicht um 180° sondern um 90° aus-
1.231 Traufenanschlüsse [46] geführt. Hierdurch entstehen eine breitere
1 Traufenstreifen („Vorstoß“) Ansichtsfläche des Falzes und eine stärker struk-
2 Doppelstehfalz turierte Dachfläche. Aufgrund des jedoch nicht
3 Falzlasche umgeschlagen
4 Zuluftschlitze mit Insektengitter
ganz geschlossenen Falzes ist diese Ausführung
nur für Dachneigungen von über 47% (25°), in
schneereichen Gebieten 70% (35°) und für
Länge ohne Querstöße aufbringen. Wegen der Außenwandbekleidung geeignet.
Wärmedehnung müssen jedoch mindestens alle
10 m Schiebestöße in den Scharen ausgebildet Wandanschlüsse und Anschlüsse an Dachdurch-
werden. Bei geringen Dachneigungen sollen die dringungen wie z. B. an Schornsteine sind bei
Scharen jedoch nur 5 m Länge haben. Die waage- Dachneigungen von d 5° mindestens 15 cm und
rechten Stöße werden bei Dächern mit Neigun- bei Dachneigungen t 5° mindestens 10 cm hoch-
gen > 7° mit liegenden einfachen oder doppelten zuführen. Sie werden am besten dadurch gebil-
Falzen ausgebildet (Bild 1.230a bis d). Bei flachen det, dass die Eindeckung hinter Bekleidungen
Dächern (3 bis 7°) müssen Gefällestufen gebildet oder unter Hinterschneidungen hochgeführt wer-
werden (Bild 1.230e). den (vgl. Abschn. 1.8.1).
An der Traufe werden die Schare um gerade oder Anschlüsse mit Kappleisten (vgl. Bild 1.233a
profilierte Vorstoß- bzw. Traufstreifen gefalzt und c) sollten möglichst vermieden werden. Zu
(Bild 1.231). bedenken ist, dass Fugendichtungsmassen nicht
Abknickungen für Aufkantungen in den Dachflä- auf lange Zeit alterungsbeständig sind (War-
chen werden durch Quetschfalz (Bild 1.232a) tungsfugen s. a. Abschn. 1.6.2). Nicht allein da-
1.6 Dachdeckungen 137

1.233 Wandanschluss
a) Kappleiste abgetreppt in Mauerfuge eingelassen, Sicherung durch verzinkte Mauerhaken, zusätzliche
Abdichtung mit Dichtungsmasse (bedenkliche Ausführung: Kappleiste in eingeschnittene Fuge eingelassen)
b) vorgefertigtes Putzanschlussprofil, Kappleiste nachträglich aufgeschraubt
c) Profil-Kappleiste mit Quetschdichtung und dauerelastischer Abdichtung (auf Stahlbeton oder Sichtmauerwerk)
d) einbetonierte Profilschiene; Kappleiste eingeschoben, mit Kunststoff-Klemmprofil gehalten

1.234a 1.234b
1.234 Wandanschluss mit Dehnungsausgleich
a) handwerklich hergestellter Dehnungsausgleich (Schiebekasten)
b) RHEINZINK-Kopf-Dehnungsausgleicher für Wandanschluss

sichere Anschlüsse an Betonbauteile gewährleis-


ten (Bild 1.233d).
Bei langen Wandanschlüssen muss der Deh-
nungsausgleich berücksichtigt werden. Hand-
werkliche Ausführung mit „Schiebekasten“ (Bild
1.234a) erfordern sehr sorgfältige, aufwändige
Arbeitsgänge. Vorgefertigte Dehnungsausglei-
1.235 Ortgangabschluss cher sind hier vielfach eine rationelle Alternative
(Bild 1.234b).
durch kommt es bei Kappleisten-Anschlüssen
insbesondere bei starker Schlagregenbeanspru- Ortgang. Eine übliche Ortgangausbildung zeigt
chung oft zur Hinterwanderung durch Nieder- Bild 1.235.
schlagswasser. Anschlüsse an aufgehende ge-
putzte Flächen können mit Hilfe von Putzschluss- First. Wird die Dachentlüftung nicht über einen
profilen ausgeführt werden (Bild 1.233b). Die „Lüfterfirst“ (Bild 1.237a) vorgesehen, sind Lüfter-
Verwendung von Spezial-Einbauprofilen ist zwar gauben je Schare unvermeidlich. Der Firstfalz
aufwendig bei den Schalungsarbeiten, kann aber wird dann ca. 40 mm hochgeführt.
138 1 Geneigte Dächer

1.236 Lüftungsgauben

1.237 Firstentlüftung [46] 1.238


a) Firstentlüftung für Satteldächer (mit Flugschneesicherung) Fassadenknickpunkt
b) Pultdachfirst mit Abluftschlitz mit Falzunterbrechung
c) Pultdachanschluss mit Entlüftung an aufgehender Wand [46]
(empfehlenswerte Ausführung: s. Bild 1.233a)

Gekrümmte Formen. Für Sonderformen können Querschnitte für die aufsteigenden Luftströme
Stehfalzeindeckungen auch mit gekrümmten der Hinterlüftung sicherzustellen. Bei kleineren
(bombierten, s. Abschn. 1.6.5) Scharen ausgeführt Flächen kann dabei eine entsprechend gestalte-
werden, die in diesen Fällen meistens bereits te mehrlagige Unterkonstruktion ausreichen,
werkseitig vorbereitet werden. und die Grate können mit Doppelwinkelfalz ein-
gedeckt werden (Bild 1.239a). Bei großen Dach-
Grate und Kehlen. Die Ausführung von Graten flächen kann die einwandfreie Entlüftung nur
und Kehlen hängt ab von der Größe und Nei- durch Grate mit Abluftschlitzen ähnlich wie bei
gung der angrenzenden Dachflächen. Bei der Firstentlüftungen gewährleistet werden (vgl.
Planung der Grate sind zunächst ausreichende Bild 1.237a).
1.6 Dachdeckungen 139

1.239 Grate und Kehlen


a) Gratausführung mit Doppelwinkelfalz
b) Kehlenanschlüsse mit einfachen Einhangfalzen
c) Kehlrinne

Kehlen mit einfachem Einhangfalz (Bild 1.239b) wie z. B. durch Auflagerung der Unterschalung
können bei steilen Neigungen ausreichen. Wenn mit Konterlattung oder auf doppelter Pfettenlage
größere Niederschlagmengen von großen Dach- sowie ggf. durch Ausschnitte an den Anschlüssen
flächen abgeführt werden müssen und bei gerin- zwischen Schiftersparren und Kehlsparren.
gen Neigungen, ist die Ausführung von Kehlgrä-
ben erforderlich (Bild 1.239c). Bei ihnen ist die Leistendeckung
Kombination mit Zuluftöffnungen nicht ratsam,
denn bei Verunreinigungen der Kehlgräben z. B. Leistendeckungen haben gegenüber den Steh-
durch Laub oder bei Vereisung von Schnee könn- falzdeckungen den Vorzug, dass sich die einzel-
te leicht durch Rückstau Wasser in die Dachkons- nen Blechbänder („Schare“), die durch Holzleisten
truktion eindringen. In jedem Fall ist die sichere getrennt sind, gänzlich unabhängig voneinander
Entwässerung von Kehlrinnen planerisch durch dehnen und zusammenziehen können.
entsprechende Dachrandgestaltung zu gewähr- Die Aufkantungen der Deckschare grenzen so an
leisten. die Deckleisten (mind. 40/40 mm) an, dass der
Bei großen Dachflächen können im Kehlenbe- Dehnungsausgleich in der Querrichtung prob-
reich Zustromöffnungen zur Hinterlüftung erfor- lemlos möglich ist. Die Stoßstelle wird durch die
derlich werden. Sie werden am besten durch Lüf- Deckkappen überbrückt. Unterschieden wird
tergauben gebildet (Bild 1.236). Die ausreichende Ɣ „Deutsche“ Leistendeckung als Regelausfüh-
Hinterlüftung muss auch in der Unterkonstruk- rung (Bild 1.240a) und
tion durch geeignete Maßnahmen gesichert sein Ɣ „Belgische“ Leistendeckung (Bild 1.240b).

1.240 Leistendeckung
a) „Deutsche“ Leistendeckung, b) „Belgische“ Leistendeckung
140 1 Geneigte Dächer

1.241
Sicherung der Schare gegen Abrutschen [46]
a) „Deutsche“ Leistendeckung
1.241a 1.241b b) „Belgische“ Leistendeckung

1.242 Traufenausbildung [46]

1.243 Ortgangausbildung
a) „Deutsche“ Deckung
b) „Belgische“ Deckung

Zu beachten ist, dass die „Belgische“ Leistende- Die Ausführung von Traufenkanten und Ort-
ckung wegen der hier fehlenden Verfalzung an gängen zeigen die Bilder 1.242 und 1.243. Firste,
den Leisten zwar einfacher herzustellen ist, je- Grate und Kehlen und insbesondere die erforder-
doch nicht schlagregen- und rückstausicher ist, lichen Hinterlüftungen sind wie bei Stehfalz-
wenn die Dachneigung geringer als 25° ist. deckungen auszuführen.
Bei beiden Deckarten werden die Schare durch
Hafte gehalten, müssen aber insbesondere bei Metalldachdeckungen mit
steilen Dächern gegen Abrutschen gesichert wer- vorgefertigten Elementen
den (Bild 1.241).
Aus gestalterischen Gründen können Leistende- Profilbleche aus verzinktem oder/und beschich-
ckungen mit Doppelstehfalzdeckungen kombi- tetem Stahlblech oder aus beschichtetem Alumi-
niert werden, so dass in den Dachflächen z. B. jede nium in verschiedenen Formen und mit Blechdi-
2. Stoßstelle in der jeweils anderen Deckart aus- cken von 0,35 bis 1,00 mm können für Eindeckun-
geführt wird. gen größerer Dachflächen von Hallen und
1.6 Dachdeckungen 141

1.244 Aluminium-Blechprofile

1.245a 1.245b
1.245 Formteile für Wellplatten aus Metall (Beispiele)
a) Firsthaube, b) Zahnblech-Anschlussstück

1.246a 1.246b
1.246 Profilblechkassetten 1 Profilblechkassette
a) Schematische Darstellung 2 Ankerclip (Gleitbügel)
b) Detail Längsverfalzung 3 Pfette

ähnlichen Bauwerken verwendet werden (Bild Profilblechkassetten aus verzinktem Stahlblech


1.244). Profilbleche können je nach Abstand, oder aus beschichtetem Aluminium werden in
Werkstoffdicken, Biegefestigkeit des Metalls, großen Längen hergestellt, so dass eine quer-
Form und Höhe des Profils auch als „selbst tragen- stoßfreie Verlegung möglich ist. Je nach Profilart
de Metalldecke“ ausgeführt werden. Sie werden und statischem System (1- oder 3- Feldverlegung)
mit Holz- bzw. Blechtreib- oder -bohrschrauben können Pfettenabstände bis ca. 3,00 m über-
mit Dichtungen direkt auf den tragenden Unter- brückt werden. Derartige Elemente haben je nach
konstruktionen befestigt. Für Firste, Wandan- Hersteller verschiedene Verfalzungsformen. Sie
schlüsse usw. stehen Formteile zur Verfügung werden auf Halteprofile aufgeklemmt bzw. inein-
(Bild 1.245). andergehängt (Bild 1.246). Für die Eindeckung
142 1 Geneigte Dächer

der Traufe über einen ca. 3,00 m breiten Streifen


eine wasserdichte, dampfdurchlässige Konden-
1 satschutzbahn mit einem sd-Wert von d 1,00 m
liegen. Es sind Bahnen auf dem Markt, die einen
sd-Wert von d 10 cm haben. Diese Bahnen lassen
von unten Wasserdampf durch, leiten die von der
Traufe eingedrungene und unter der Oberschale
kondensierte, abtropfende Feuchte ab und
schützen die Dämmung vor Flugschnee.
In jedem Fall ist neben einer vollflächigen Schutz-
bahn über der Dämmung eine Be- und Entlüf-
tungsebene zu empfehlen. Diese Ebene sollte in
der Lage sein, eingedrungenes Sprühwasser und
Flugschnee schadlos zu verdampfen oder abzu-
leiten. Auch die sorgfältigste Montage kann
schon allein aufgrund der Befestigung der Dis-
tanzkonstruktionen o. a. Unachtsamkeiten zu Un-
dichtigkeiten in der Dampf- oder Luftsperre füh-
ren, die dann besonders bei kritischem Klima er-
hebliche Bauschäden verursachen können.
Für Firste, Traufen, Ortgänge usw. werden zu den
Profilkassetten passende Formteile und Zahnleis-
1.247 Profilblechkassetten auf Schalung und ten geliefert (vgl. Bild 1.248c und d). Profilkasset-
Dampfsperre, befestigt mit Ankerclips ten können für Sonderformen von Dächern werk-
seitig auch gekrümmt hergestellt werden.

von Firsten, Pultdachabschlüssen usw. werden


alle erforderlichen Formteile hergestellt.
1.6.11 Dachpappedeckungen1)
Wärmegedämmte Dachflächen können mit Pro- Dachpappedeckungen sind nicht zu verwechseln
filkassetten in Verbindung mit Mineralwolleplat- mit Dachabdichtungen, die ebenfalls auf Holzscha-
ten eingedeckt werden. Sie werden bei hallen- lungen ausgeführt werden können. Sie kommen in
artigen Bauwerken mit Pfettentragwerken auf Frage für leichte, mit Holz geschalte, geneigte
Trapezprofile aufgelegt oder in tragende Profil- Dachflächen. Dachpappedeckungen erfordern je-
kassetten eingelegt. Dabei ist zur Vermeidung doch einen recht hohen Arbeitsaufwand bei der
von Wärmebrücken eine zweilagige Verlegung Herstellung und bei der Unterhaltung und sind da-
der Wärmedämmung zu bevorzugen. her heute weitgehend durch andere Konstruktio-
Die Profilkassetten der Dachdeckung werden in nen (z. B. Wellplatten u. Ä.) verdrängt worden.
die Befestigungsclips von durchlaufenden Halte- Verwendete Materialien:
profilen eingehängt (Bild 1.247). Die Halteprofile Ɣ Bitumen-Dachbahnen (DIN 52 128) 500 g/m2
verlaufen in der Regel quer zur Spannrichtung oder 333 g/m2.
der Unterkonstruktionen (Bild 1.248a). Wenn eine
Ɣ Glasvlies- Bitumen -Dachbahnen (DIN 13 707) – V13.
Verlegung parallel zur Spannrichtung der tragen-
den Profilbleche nötig ist, werden Halteprofile Benötigt werden ferner:
verwendet, die für die Montage im Winkel von 45° Ɣ Voranstrichmittel (kalt, vor punktförmiger oder
vorgerichtet sind (Bild 1.248b und c). vollflächiger Aufklebung der Dachhaut auf Be-
Die erforderliche raumseitige Dampfsperre kann ton anzuwenden)
bei Konstruktionen mit tragenden Profilkassetten Ɣ Bitumen-Klebemassen (für Kalt- bzw. Warm-
mit Hilfe von alukaschierten Bitumenbändern er- anstrich), z. B. geblasenes Bitumen 85/25
reicht werden. Bei Unterkonstruktionen aus Tra- Ɣ Bitumen-Anstrichmasse (auch farbig)
pezprofilen ist in der Regel eine durchlaufende
Ɣ Deckaufstrichmittel kalt bzw. heiß zu verarbeiten.
Dampfsperre aus Bitumen- oder Kunststoffbah-
nen erforderlich (Bild 1.247). 1) Die Bezeichnung „Dachpappe“ ist ersetzt durch die Be-
Wenn zwischen Dachdeckung und Dämmung ein nennung „Dachbahn“, findet sich aber immer noch im
Luftraum besteht, sollte mindestens im Bereich Sprachgebrauch.
1.6 Dachdeckungen 143

1.248a 1.248c

1.248b 1.248d

1.248 a) Deckung mit Profilblechkassetten auf Tragschale aus Profilblechkassetten, Tragschalen und Deckprofile
verlaufen in gleicher Richtung
b) Profilblechkassetten auf Tragschale aus Profilblechkassetten, Tragschalen und Deckprofile verlaufen quer
zueinander: Halteprofile unter 45° verlegt
c) Profilblechkassetten auf Tragschale aus Trapezblechen, Halteprofile unter 45° verlegt
d) Detail Firstausbildung
1 Profilblechkassette 6 Dampfsperre
2 Trapezblech 7 Firstprofil
3 Wärmedämmung 8 Unterbauprofil
4 Halteprofil 9 Zahnleiste
5 Dichtungsband 10 Falz-Umschlag
144 1 Geneigte Dächer

Allgemein gelten DIN 18 338 (VOB, Teil C) und fol- heißflüssiger Deckaufstrich aufgebracht. Als
gende Regeln: erste Lage ist eine einseitig grobbestreute
1 1. Die Mindestdachneigung nicht vollflächig auf- Dachbahn zu verwenden und mit der grobbe-
geklebter Dächer ist 5°. (Unter 5° geneigte streuten Seite nach unten zu verlegen, um ein
Flächen werden nicht gedeckt, sondern abge- Festkleben der ersten Lage auf der Schalung
dichtet, s. Abschn. 2) zu verhindern.
Bei Dachneigungen über 30° müssen für voll- 6. Klebe- und Deckaufstriche müssen überall satt
flächig aufgeklebte Dächer Klebemassen mit die Fläche bedecken. Loses Bestreuungsma-
hohem Erweichungspunkt verwendet wer- terial muss dort, wo geklebt wird, sauber ent-
den. Für nicht vollflächig aufgeklebte Dächer fernt werden.
ist die Dachneigung nach oben unbegrenzt. 7. Bei Verlegen mehrlagiger Deckungen mit ver-
2. Deckungen sind mindestens zweilagig auszu- schieden schweren Rohfilzpappeeinlagen
führen. wird in der Regel die Dachpappe mit der leich-
testen Rohfilzpappeeinlage als untere Lage
3. Die Überdeckung der Bahnen jeder Lage an verarbeitet.
den Nähten und Stößen muss versetzt ange-
8. Schutz von Sonnenbestrahlung der Dächer
ordnet werden und beträgt = 8 cm. Die Lagen
und damit höhere Lebensdauer bietet die Be-
sind versetzt bei zweilagiger Deckung 50 cm,
kiesung. Bei Dachneigungen bis zu 10° kann
dreilagiger Deckung 331/3 cm, vierlagiger De-
Perlkies (Ø 3 bis 5 mm) in Warm- oder Kalt-Kle-
ckung 25 cm.
beaufstriche, dicht und gleichmäßig deckend,
4. Holzschalung unter Pappdächern muss ge- auf die Dachflächen aufgewalzt werden. Bei
sund, trocken, trittfest, fugendicht und ohne steilen Dächern empfiehlt sich die Verwen-
vorstehende Fugenkanten sein. Gespundete dung von fabrikfertigen naturschieferplätt-
Schalung (mit Nut- und Spundverbindung) ist chen- oder granulatbestreuten Dachbahnen.
vorzuziehen. Kehlen sind durch Dreikantleis-
9. Auf der fertig gedeckten Dachfläche dürfen
ten auszufüllen.
keine schweren Lasten transportiert oder ge-
Betondielen müssen nach dem Verlegen eine lagert werden.
ebene Oberfläche ohne scharfe Kanten bil-
den, unterschiedliche Plattendicken sind mit In Bild 1.249 ist die Ausführung von Detailpunk-
Mörtel auszugleichen. Die Fugen zwischen ten schematisch dargestellt.
den Dielen müssen voll vermörtelt sein. Schwach geneigte oder flache Dächer brauchen
5. Die Nagelung der Bahnen muss folgenderma- 15 bis 20 Jahre lang keine besondere Pflege,
ßen vorgenommen werden: wenn sie als so genanntes Kiespressdach ausge-
Bei Deckung parallel zur Traufe (Dachneigung führt werden (d. h. mit dünner, aber dichtliegen-
< 8°) wird die erste Lage der Dachbahnen am der reiner Perlkiesschicht auf sattdeckend aufge-
oberen Rand nur geheftet, am unteren Rand brachter bituminöser Kieseinbettmasse).
mit Nagelabständen von 15 cm genagelt. Die Im Übrigen sind die Dächer je nach Lage und Be-
weiteren Lagen werden vollflächig geklebt anspruchung nach etwa 5 Jahren mit Anstrichen
und am oberen Rand alle 25 cm genagelt. auf Bitumenbasis nachzubehandeln.
Bei Deckung senkrecht zur Traufe (Dachnei-
gung > 8°) wird die erste Lage am oberen
Rand durch versetzte Nagelung mit etwa 1.6.12 Geneigte Dächer mit Begrünung
50 mm Nagelabstand gegen Abgleiten ge-
sichert. Begrünungen werden vor allem aus ökologi-
schen und aus gestalterischen Gründen auch bei
Die weiteren Lagen werden vollflächig ge-
geneigten Dächern ausgeführt. Mit einem inten-
klebt und am oberen Rand alle 10 cm, an der
siven Begrünungsaufbau gelten sie im Allgemei-
überdeckten Längskante alle 30 cm genagelt.
nen bauaufsichtlich zwar als „harte Bedachung“
Die Nagelabstände an Traufen und Giebelkan- im Sinne des Brandschutzes, doch müssen die
ten betragen in jedem Falle 4 cm. teilweise unterschiedlichen Vorschriften der je-
Beim Verlegen der Dachhaut auf Holzschalung weiligen Landesbauordnungen beachtet werden.
sind mindestens die ersten beiden Lagen un- Begrünte Dachflächen wirken als Regenwasser-
mittelbar nacheinander aufzubringen. Falls rückhalt und minimieren die Niederschlagsab-
das nicht möglich ist, wird auf die erste Lage ein flussspitzen. In vielen Gemeinden wird heute für
1.6 Dachdeckungen 145

1
1.249a
1.249b

1.249c

1.249 Pappdächer
a) First
b) Ortgangausführungen
c) Traufe

Gründächer schon eine Verminderung der Ab- Neigungen von etwa 30° nicht überschritten wer-
wassergebühren gewährt. Begrünte Dächer ha- den. Neben anderen Problemen ergibt sich bei
ben eine wesentlich größere Lebensdauer als frei größeren Dachneigungen eine zu schnelle Ab-
bewitterte Systeme. Dies liegt darin begründet, leitung von Oberflächenwasser und eine oft nicht
dass eine Werkstoffalterung der Abdichtung ausreichende Speicherung von Niederschlags-
durch UV-Strahlung und übermäßige Aufheizung wasser.
nicht gegeben ist. Die Dachabdichtung ist unter Die Begrünung mit dem gesamten dafür erfor-
der Dachbegrünung einer gleichmäßigeren Be- derlichen Schichtenaufbau bildet innerhalb der
lastung ausgesetzt. Schäden durch Krustenbil- gesamten Dachkonstruktion eine zusätzliche
dung und Rissschäden in Folge von Eisbewegun- Wärmedämmung. Bei einem Dachaufbau mit
gen können nicht auftreten. Auch Frost- und hinterlüfteter Wärmedämmung (Bild 1.250a) wird
Tauwechsel belasten die Abdichtung lange nicht dieser Effekt abgemindert. Für ein einwandfreies
so stark wie dies bei frei bewitterten Dächern der Funktionieren der Hinterlüftung ist außerdem ein
Fall ist. hoher konstruktiver Aufwand (Lüftungsfrist usw.)
Auf geneigten Dächern kommt allein wegen der erforderlich. So werden begrünte Dächer meis-
i. d. R. begrenzten Tragfähigkeit der oberen Scha- tens im Zusammenhang mit nicht hinterlüfteten
le nur ein relativ leichter Schichtenaufbau mit 5 Wärmedämmungen (s. auch Abschn. 1.9.2) aus-
bis 10 cm dicken Erdschichten in Frage. Als Be- geführt, wie in den Bildern 1.250b, 1.251 und
pflanzung geeignet sind dafür naturnahe Vegeta- 1.252 gezeigt.
tionen aus Gräsern, Moosen, Sedum-Arten (Dach- Bei nicht hinterlüfteten Wärmedämmungen ist
wurz) oder geeigneten flachwurzelnden Kräutern aber unbedingt darauf zu achten, dass oberhalb
(sog. „extensive Begrünungen“). Diese können der Dampfsperre keine Holzbauteile innerhalb
sich auch den extremen Standortbedingungen des Schichtenaufbaus eingebaut werden (s. hier-
auf geneigten Dächern anpassen und unter ei- zu auch Abschn. 2.4.4).
nem minimalen Pflegeaufwand gedeihen bzw. Dabei können sowohl mehrlagig geklebte kon-
sich regenerieren. ventionelle Abdichtungssysteme mit Dampfsper-
Begrünungen sind grundsätzlich für alle Dach- re (Bild 1.251) als auch Abdichtungen mit lose
formen (Bild 1.1) möglich. Es sind zwar schon verlegten Kunststoffdichtungsbahnen nach dem
Dächer bis zu 45° Neigung mit besonderen Siche- Prinzip des „Umkehrdaches“ wie bei Flachdä-
rungen gegen Abrutschen der Vegetationsschicht chern (s. a. Bild: 2.36 und 2.38) ausgeführt werden
begrünt worden, doch sollten im Allgemeinen (Bild 1.252).
146 1 Geneigte Dächer

1.250 Gründach, Abrutschsicherungen


a) mit Schubschwellen b) mit Krallenmatte
1 Dampfsperre 1 NF-Schalung
2 Wärmedämmung 2 Dampfsperre auf Trennlage
3 Hinterlüftung 3 Wärmedämmung
4 NF-Schalung 4 Dachabdichtung, wurzelfest
5 Kunststoffabdichtung (wurzelfest) auf 5 Filtermatte
Trennlage 6 geotextile Krallenmatte kombiniert mit Filtervlies
6 Schubschwelle 7 extensive Begrünung (zweischichtiger Aufbau)
7 extensive Begrünung (einschichtiger Aufbau) 8 Sparren
8 Sparren

Wärmedämmende Dachbegrünungssysteme dür- gleichzeitig ausreichend speichern und ggf. ab-


fen nur als Zusatzdämmung angerechnet werden; leiten kann (einschichtiger Aufbau, s. Bilder
weil das unter den Drainelementen abfließende 1.250a und 1.252). Wenn aus dem Nährbodenge-
Wasser temporär zu erheblichen Wärmeverlusten misch Feinstoffe ausgeschwemmt werden können,
unterhalb der Abdichtungsebenen führt. ist ein mehrschichtiger Aufbau erforderlich mit einer
Grundsätzlich sind Begrünungen nur auf wurzel- gesonderten Filterschicht (Bild 1.250b und 1.251).
fest abgedichteten Dachflächen möglich (Abdich- Für geneigte Dächer ist besonders zu beachten:
tung ähnlich wie bei Flachdächern nach Ab- Bei Dachneigungen bis ca. 20° sind bei geeigne-
schnitt 2, nicht zu verwechseln mit Dachdeckung ter Zusammensetzung der Vegetationsschicht
nach Abschn. 1.6.11!). und der übrigen Schichten keine besonderen
Für Begrünungen ist allgemein folgender Schich- Maßnahmen gegen Abrutschen der Schichten
tenaufbau (von unten nach oben) üblich: notwendig.
Ɣ Abdichtung (wurzelfeste Dach- und Dichtungs- Bei größeren Dachneigungen oder schweren Be-
bahnen, wasserundurchlässiger Beton) grünungsschichten müssen Stützschwellen oder
Ɣ Schutzlage (Schutzvliese, -platten und -bah- -profile ggf. mit besonderem statischen Nachweis
nen, ggf. auch Dränelemente) vorgesehen werden. Sie sind mit der Unterkonst-
ruktion kippsicher fest zu verankern und sehr
Ɣ Dränung (Schüttstoffe, Dränmatten und -platten)
sorgfältig einzudichten (Bild 1.250a). Einfacher ist
Ɣ Filterschicht (Vliese) die Anwendung von verrottungsfesten geotexti-
Ɣ Vegetationsschicht (Boden- und Schüttstoffge- len Krall-Vliesmatten, die entweder beiderseits
mische, Substratplatten) gleich weit über die Firste von Satteldächern hin-
weggeführt oder z. B. bei Pultdächern u. Ä. oben
Die Zusammensetzung der Vegetationsschicht auf der Dachhaut mit zusätzlichen Eindichtungen
ist abhängig von der gewählten Bepflanzung. Sie fixiert werden (Bild 1.250b).
kann aus einer Mischung von Nährboden mit An den Traufen wird Überschusswasser aus Nie-
Schüttstoffen bestehen, die Niederschlagswasser derschlägen in druckfesten Dränrohren gesam-
1.6 Dachdeckungen 147

1.251 Gründach, Aufbau nach dem Warmdachprinzip; 1.252 Gründach, Aufbau nach dem Umkehrdachprinzip
Traufe mit Entwässerung 1 Sparren
1 Sparren 2 NF-Schalung
2 Rand-(Abfang-)träger, gehalten durch 3 Kunststoffabdichtung (wurzelfest) auf
Stahlwinkel Trennlage
3 NF-Schalung 4 Wärmedämmung (extrud. PS-Hartschaum;
4 Dampfsperre auf Trennlage Roofmate o. Ä.)
5 Wärmedämmung 5 Filtervlies
6 Kunststoffabdichtung, wurzelfest 6 extensive Begrünung (einschichtiger Aufbau)
7 Filterschicht
8 Filtervlies
9 extensive Begrünung
10 Dränrohr Ø 50 in Kiesbett lien durch solarthermische oder auch Photovolta-
11 kunststoffbeschichtetes Abdeckblech, ikmodule zu ersetzen. Die gestalterisch befriedi-
Dachabdichtung aufgeschweißt gende Integration solarer Dachsysteme spielt
auch zunehmend in der Denkmalpflege eine ent-
scheidende Rolle.
melt und abgeleitet. Die Dränrohre werden in
Kiespackungen eingebettet, unter denen das Fil- Bedenkt man, dass mit einer richtig dimensionier-
tervlies bis zum Traufenabschluss hinweggeführt ten solarthermischen Anlage jährlich bis zu 65%
ist (Bild 1.251). des Warmwasserbedarfs gedeckt werden kann,
lässt sich leicht nachvollziehen, dass in Zukunft
Die sonstigen allgemeinen Anforderungen an
das Erscheinungsbild von Dachflächen immer
begrünte Dächer sind in Abschn. 2.4.4 näher be-
stärker von Solar- und auch Photovoltaik-Anla-
handelt.
gen geprägt sein wird.
Solartechnik nutzt direkt die Energie aus Sonnen-
strahlung. Es wird unterschieden in Solarthermie
1.6.13 Solardach-Systeme
und Photovoltaik:
Zunehmende Bedeutung erhalten Systeme zur Ɣ Solarthermie ist die Übertragung der Wärme
Energiegewinnung über solarthermische Kollek- aus der Sonnenenergie auf ein geschlossenes
toren zur Brauchwassererwärmung oder Hei- System (z. B. zur Warmwasserbereitung oder
zungsunterstützung und auch Photovoltaikanla- zur Heizungsunterstützung).
gen auf geneigten Dachflächen, die hierzu je Ɣ Photovoltaik1) ist die Umwandlung von Son-
nach Himmelsausrichtung und Neigungswinkel nenstrahlung in Elektrizität.
häufig sehr gut geeignet sind. Aktuelle Entwick-
lungen streben an, solare Dachsysteme gebäude- Solaranlagen müssen schon früh in der Planungs-
und konstruktionsintegriert vorzusehen und phase festgelegt werden.
über zurzeit vielfach noch vorzufindende additi-
ve Anwendungsmöglichkeiten (Aufdachsyste-
me) hinaus zum Bestandteil der Gestaltung und 1) Der Begriff leitet sich aus dem altgriechischen Wort phos,
Konstruktion von geneigten Dächern zu machen. im Genitiv photós für Licht sowie der physikalischen Einheit
Ziel hierbei ist es, übliche Dachdeckungsmateria- für elektrische Spannung Volt ab.
148 1 Geneigte Dächer

1.255 Solar-Dachziegel-Typ Rheinland


(System Laumanns)
Hinweis: Die genauen Mengen müssen an der
Baustelle nach dem Regelwerk des ZVDH ermittelt
werden.

1.253 Dacheindeckung teilweise mit Solar-Dachziegeln

1.256 Photovoltaik-Anlage in Doppelstehfalztechnik


integriert (System Rheinzink£)
1 Solarmodul vollflächig auf Metallscharen
aufgeklebt
2 Doppelstehfalz (Zink)
3 Unterkonstruktion imprägnierte
Rauhspundschalung
4 Sparrenaufdickung/Konterlattung
5 Diffusionsoffene Unterspannbahn
6 Wärmedämmung
7 Dampfbremse/Luftdichtheitsebene
8 Unterkonstruktion
9 Innere Dachbekleidung (Gipskartonbauplatte
o. a.)
1.254 Detail zu Bild 1.253 Verlegung des Kabelkanals
und Anschluss der Module an die Strangver-
kabelung

Energiegewinnungsflächen sollten sowohl von gebunden werden und die Ästhetik des Daches
der Himmelsrichtung (SSO bis SSW) als auch vom nicht übermäßig negativ beeinträchtigt wird. Für
Neigungswinkel her optimal zusammenstehen. den Einbau von Solaranlagen in das Dach und
Die Neigungswinkel können zwischen 20° und auch für die Verlegung von Leitungen durch den
60° betragen, wobei geringe Neigungswinkel die gesamten Dachaufbau ist der Dachdecker zu-
Energieausbeute im Sommer und steilere Winkel ständig.
die Solareinträge im Winter begünstigen. Ab- Die gebräuchliste dachintegrierte Lösung für So-
schattungen sind zu vermeiden. larthermie-Anlagen bilden Systeme mit Eindeck-
Die Hersteller von Bedachungselementen haben rahmen ähnlich wie bei Dachflächenfenstern.
eigene Solarsysteme entwickelt, die in die jewei- Diese Eindeckrahmen werden direkt auf die Spar-
ligen Dachdeckungssysteme integriert werden. ren oder die Dachlatten montiert. Die Solarkollek-
Dadurch soll gewährleistet werden, dass die So- toren oder Photovoltaik-Module liegen in diesen
larsysteme regensicher in die Dachdeckung ein- Rahmen, wodurch die Gesamtanlagen sehr flach
1.7 Dachrinnen und Regenfallrohre 149

bleiben. Innovative Lösungen für integrierte Pho- gefälle ergebenden Höhenunterschiede bei der
tovoltaikanlagen ersetzen die Dacheindeckung Gestaltung der Gesimse zu berücksichtigen. Eine
vollständig. Die Wirtschaftlichkeit wird durch die Aufteilung in kürzere Rinnenabschnitte zur Redu- 1
Einsparung der Dachdeckung deutlich verbes- zierung der Gefällehöhen bedingt eine entspre-
sert. Die PV-Module werden begehbar hergestellt chend größere Anzahl von stark ins Auge fallen-
und als Wasser ableitende Ebene über einem Un- den Regenfallrohren (s. Abschn. 1.7.6).
terdach geschuppt – vergleichbar einer Deckung Diese formale Problematik führt bei vielen Pla-
mit großformatigen Dachsteinen oder -ziegeln nungen zu Lösungen, bei denen die Dachrinnen
verlegt oder bei flachen Neigungen mit geschlos- verdeckt hinter Traufengesimsen eingebaut wer-
senen, versiegelten Fugen ausgeführt. den (Bilder 1.273 bis 1.275). Dabei ist aber zu be-
Für aufgeständerte Anlagen (Aufdachanlagen) denken, dass es – abgesehen vom i. d. R. höheren
sind verschiedene Systeme möglich, z. B. Schie- konstruktiven Aufwand – leicht zu folgenschwe-
nen- und Trägerelemente aus verschiedenen ren Bauschäden an Gesimsen und im Fassaden-
Werkstoffen, die mindestens aus Aluminium oder bereich kommen kann, wenn durch Verschmut-
feuerverzinkten Stahlprofilen sind. Die Verschrau- zungen (z. B. Laub) der Regenwasserablauf unter-
bungen sind mit nicht rostenden Metallen auszu- bunden wird. (Frei hängende Rinnen laufen in
führen. solchen Fällen einfach über. Dadurch können
Der Mindestabstand zwischen Oberkante Dach- Störungen viel schneller erkannt und beseitigt
deckung und Unterseite Element darf 60 mm werden!)
nicht unterschreiten.
An Dachrinnen zur Entwässerung von Dachflächen, die mit
Die Abbildungen zeigen verschiedene dachinte- Bitumenbaustoffen eingedeckt sind, wurden in den letzten
grierte Solar-Systeme. Kollektoren und Module Jahren oft starke Korrosionserscheinungen (Bitumenkorro-
einer Solaranlage müssen eine Bauartzulassung sion) beobachtet. Als Ursache wurden in der Hauptsache
besitzen. chemische Umwandlungen auf nicht oder nicht ausrei-
chend gegen Bewitterung geschützten Bitumenflächen
erkannt.
Bei nicht durch Beschieferung o. Ä. geschützten Bitumen-
1.7 Dachrinnen dachflächen bilden sich unter dem Einfluss der Bewitterung
in Verbindung mit der Luftverschmutzung insbesondere
und Regenfallrohre durch Schwefeldioxid Polycarbonsäuren, die Metalle an-
greifen und in relativ kurzer Zeit bis zur Zerstörung korro-
1.7.1 Allgemeines dieren können. Im Zweifelsfall sollten alle erforderlichen
Metalleinfassungen, -anschlüsse, -Dachrinnen usw. entwe-
An geneigten Dächern sind in aller Regel Dachrin- der bitumenkorrosionsfest ausgeführt (Kupfer oder V2A-
Stahl), oder durch Bitumen- oder Kunststofflacke dauerhaft
nen erforderlich. Nur bei sehr niedrigen Traufen gegen Korrosion geschützt werden.
und bei weiten Dachüberständen kann bei einfa-
chen Gebäuden auf Dachrinnen verzichtet wer-
den, wenn durch ablaufendes Niederschlagwas- 1.7.2 Bemessung
ser keine Schäden im Sockelbereich zu befürch-
ten sind. Die Dachrinnen und Regenfallrohre aller Art sind
Dachrinnen werden vielfach als vorgehängte Rin- in DIN EN 607 (Hängedachrinnen aus PVC-U) und
nen am Traufengesims ausgeführt (Bilder 1.271 DIN EN 612 (Hängedachrinnen aus Metall) in
und 1.272). Aus gestalterischen Gründen oder ihren Begriffen, Maßen und Eigenschaften ge-
immer dann, wenn ein Bauwerk direkt auf einer normt.
Grundstücksgrenze steht, darf eine erforderliche Dachrinnen sind als halbrunde und kastenförmi-
Dachrinne in der Regel nicht über die Außen- ge (Bild 1.262) Hängedachrinnen mit den dazu-
flucht hinwegreichen und muss dann als „Stand- gehörigen Rinnenhaltern genormt. Daneben gibt
rinne“ ausgeführt werden (Bild 1.276). es Sonderformen wie z. B. verdeckte Dachrinnen,
Dachrinnen und die erforderlichen Regenfallroh- auch als „Standrinnen“ bezeichnet (Bild 1.274
re beeinflussen die Gestaltqualität von Traufen und 1.275).
und Fassaden erheblich und wurden an histori- Regenfallrohre sind als kreisförmige und quadra-
schen Gebäuden daher vielfach bewusst auch als tische Regenfallrohre genormt (Tabelle 1.279 und
Gestaltungsmittel eingesetzt. 1.280).
Bei langen Traufen mit freihängenden Dachrin-
nen sind die sich aus dem erforderlichen Rinnen-
150 1 Geneigte Dächer

Berechnung des Regenwasserabflusses Tabelle 1.257 Berechnungsregenspende (DIN EN 12 056


Schwerkraftentwässerungsanlagen inner-
Die Bemessung der Dachentwässerung erfolgt halb von Gebäuden)
1 nach DIN EN 12 056 (Schwerkraftentwässerungs-
anlagen innerhalb von Gebäuden). Sie ist abhän-
gig von der Berechnungsregenspende r in Litern
je Sekunde und Quadratmeter [l/(s × m2)], der
wirksamen Dachfläche A in Quadratmeter (m2)
und dem Abflussbeiwert C (1,0 wenn nationale
und regionale Vorschriften und technische Re-
geln nichts anderes vorschreiben), dimensions-
los.
Der Regenwasserabfluss, der von einem Dach un-
ter stetigen Bedingungen abgeleitet werden
muss, wird durch folgende Gleichung bestimmt:
Q=r·A·C Tabelle 1.258 Sicherheitsfaktoren (DIN EN 12 056
Schwerkraftentwässerungsanlagen inner-
Dabei ist: halb von Gebäuden)
Q = der Regenwasserabfluss in Litern je Sekunde
(l/s)
r = die Berechnungsregenspende, in Litern je
Sekunde und Quadratmeter [l/(s · m2)]
A = die wirksame Dachfläche in Quadratmeter
(m2)
C = der Abflusskennzahl (1,0 in D; AU; CH; NL),
dimensionslos.
Sofern genaue Daten über die Häufigkeit des Auf-
tretens von Regenereignissen und deren genaue
Intensität und Dauer vorliegen, ist diese Berech-
nungsregenspende r in o. a. Gleichung, entspre-
chend dem vertretbaren Risiko und unter Beach-
tung der Art und der Nutzung des Gebäudes, zu
verwenden.
Wenn keine statistischen Daten über örtliche Re-
genspenden existieren, ist eine minimale Berech-
nungsregenspende als Basis für die Auslegung
aus Tabelle 1.257 zu wählen, die den klimatischen
Gegebenheiten und den nationalen und regiona-
len Vorschriften und den Technischen Regeln nationale und regionale Vorschriften und Techni-
entspricht. In Deutschland, der Schweiz und den sche Regeln nichts anderes vorschreiben.
Niederlanden liegt z. B. dieser Wert bei 300 l/s · ha Dort, wo keine Windeinwirkung besteht, wird die
= 0,03 l/s · m2. Die Berechnungsregenspende zur wirksame Dachfläche durch folgende Gleichung
Verwendung in o. a. Gleichung ergibt sich dann bestimmt:
aus der Multiplikation dieser minimalen Regen- A = LR · BR
spende mit einem zusätzlichen Sicherheitsfaktor Dabei ist:
aus Tabelle 1.258. Bei Vorliegen örtlicher statisti-
A = die wirksame Dachfäche in Quadratmeter
scher Daten ist der Regenwasserabfluss mindes-
(m2)
tens für die 5-Minuten-Regenspende zu bemes-
sen, die einmal in 2 Jahren (T5/2) erwartet werden LR = die Trauflänge (siehe Bild 1.259) in Meter (m)
kann (Berechnungsregen). Die Einbeziehung des BR = die horizontale Projektion der Dachtiefe
Zuschlagsfaktors entfällt bei dieser Berechnungs- von der Traufe bis zum First (siehe Bild
weise des Regenwasserabflusses. 1.259) in Meter (m)
Bei der Ermittlung der wirksamen Dachfläche In Deutschland ist die Berücksichtigung einer
wird der Windeinfluss nicht berücksichtigt, sofern möglichen Windeinwirkung nicht erforderlich.
1.7 Dachrinnen und Regenfallrohre 151

Tabelle 1.260 Wirksame Dachfläche (DIN EN 12 056


Schwerkraftentwässerungsanlagen inner-
halb von Gebäuden)
1

1.259 Dachabmessung
A = Dachfläche
LR = die Trauflänge (m)
BR = die horizontale Projektion der Dachtiefe von
der Traufe bis zum First (m)
HR = die vertikale Projektion der Dachfläche von
der Traufe bis zum First (m)
TR = die Ortganglänge (m)

Sofern andernorts die Windeinwirkung zu be- Ɣ Ermittlung des Einhangstutzens und der Fallleitung
rücksichtigen ist, muss die wirksame Dachfläche gem. den Tabellen 1.261b und 1.261c:
in Übereinstimmung mit Tabelle 1.260 berechnet Laut Tabelle 1.261b reicht ein Einlauftrichter mit Q = 14,5 l/s
aus.
werden.
Nach Tabelle 1.261c kann ein zum Einlauftrichter passen-
In Gebieten, in denen Wind in die Berechnung des Fallrohr mit ø 100 mm 10,7 l/s entwässern und reicht
des Regenwasserabflusses einzubeziehen ist und somit ebenfalls aus.
Regen durch den Wind gegen eine Wand getrie-
ben werden und auf das Dach abfließen kann,
müssen 50% der Wandfläche zur wirksamen 1.7.3 Werkstoffe
Dachfläche addiert werden.
Bei der Dimensionierung der Dachrinne ist zu be- DIN EN 612 legt Anforderungen für Dachrinnen
rücksichtigen, dass ihr Abflussvermögen durch und Fallrohre aus Metallblech fest.
Rinnenwinkel beeinflusst wird! Sofern die Rinne Danach bestehen für Dachrinnen und Fallrohre
einen oder mehrere Richtungsänderungen > 10° aus Metall folgende Werkstoffanforderungen:
erhält, ist ihr Abflussvermögen einmalig mit
Ɣ Titanzink nach DIN EN 988
einem Faktor 0,85 zu multiplizieren.
Ɣ Aluminium oder Aluminiumlegierungen der Serien
Bei Fallrohren ist zu berücksichtigen, dass der Ein- 1000, 3000, 5000 oder 6000 nach DIN EN 573-3 in Ble-
bau von Laubfangvorrichtungen das Ablaufver- chen nach DIN EN 485-1 (ausgenommen Legierungen
mögen um 50% reduziert. mit einem Magnesiumgehalt von mehr als 3% oder
einem Kupfergehalt von mehr als 0,3%.
Ɣ Kupferblech Cu- DHP (Werkstoffnummer CW024A) und
Berechnungsbeispiel für eine vorgehängte halbrunde
CuZn 0,5 (Werkstoffnummer CW) 119C nach DIN EN 1172
Dachrinne:
Ɣ Schmelztauchveredeltes Stahlblech (Stahlblech mit
Gegeben sei ein rechteckiges Gebäude in den Abmessun- Zinküberzug) DX51D+Z, DX51 + ZA, DX51D + AZ) nach
gen 18,00 · 12,00 m mit Satteldach. DIN EN 10 346
Wirksame Dachfläche (je Dachhälfte) Ɣ Schmelztauchveredeltes Stahlblech mit organischer Be-
A = 6,00 m · 18,00 m = 108,00 m2 schichtung (Trägermaterial Schmelztauchveredeltes Stahl-
blech wie vor) mit Mindest-Nenndicke von 25 μm bei Band-
C=1 beschichtung und 60 μm bei Stückbeschichtung
Q = 0,03 l/s · m2 · 1 · 108,00m2 = 3,24 l/s Ɣ Nichtrostendes Stahlblech X 3 CrTi 17 (Werkstoffnum-
Ɣ Ermittlung der Rinnengröße gem. Tabelle 1.261a: mer 1.4510), X 6 CrNi 19 10 (Werkstoffnummer 1.4301),
X CrNiMo 17 12 2 (Werkstoffnummer 1.4401).
Laut Tabelle 1.261a ist bei einer Länge von 18,00 m und
dem ermittelten Q-Wert von 3,24 l/s eine Rinne mit Nenn-
maß 400 mm ausreichend.
152 1 Geneigte Dächer

Tabelle 1.261a Abflussverhalten von Halbrunden Rinnen (und daran anschließbare Niederschlagsflächen in m2) bei
unterschiedlichen Regenspenden r in l (s · ha) und C = 1,0 [9]
1

Tabelle 1.261b Ablaufleistung Q ovaler Einhangstutzen halbrunden Rinnen [9]

Tabelle 1.261c Abflussvermögen senkrechter Regenwasser-


fallleitungen (DIN EN 12 056-3)
1.7 Dachrinnen und Regenfallrohre 153

1.7.4 Hängedachrinnen Die Verwendung von gebrauchten (wieder ver-


wendbaren) Werkstoffen für Hängedachrinnen
Hängedachrinnen mit halbrundem oder kasten- aus Kunststoff ist im Anhang A zu DIN EN 607 ge- 1
förmigem, rechteckigem Querschnitt (Bild 1.262a regelt.
und 1.262b) aus Metall sind hinsichtlich Abmes- Hängedachrinnen aus Metall oder Kunststoff ha-
sungen und Material gemäß DIN EN 607 und EN ben an der vorderen Längsseite einen Wulst, an
612 genormt. Anforderungen an Hängedachrin- der hinteren Längsseite eine nach innen gerichte-
nen und Zubehörteile aus weichmacherfreiem te Umkantung (Wasserfalz).
Polyvinylchlorid (PVC-U) sind in DIN EN 607 gere-
gelt. Die Abmessungen von Kunststoffdachrinnen Die an der Gesimsseite liegende Rinnenoberkan-
aus PVC-U entsprechen denen aus Metallblech. te liegt höher als die Oberkante des vorderen Rin-
nenwulstes, damit etwa überlaufendes Wasser
Hängedachrinnen und Zubehörteile sind mit
nicht an der Wandseite herabläuft. Der hintere
Ɣ einer Beschreibung des Produktes (Dachrinne, Rinnenrand kann auch mit einem auf der Dach-
Endstücke, Ablauf) schalung aufliegenden Vordeckstreifen (Rinnen-
Ɣ der entsprechenden Norm einhang) verfalzt werden. Die Dachhaut darf nur
Ɣ der Rinnenbreite bzw. im Fall eines Zubehörtei- so weit in die Rinne hineinragen (bis ca. 1/3 der
les der Breite der zugehörigen Rinne in Millime- Rinnenbreite), dass kein Wasser über den vorde-
ter ren Rinnenrand hinwegschießt. Dagegen soll bei
Ɣ dem Symbol für den Werkstoff (PVC-U) steilen Dächern abrutschender Schnee möglichst
zu bezeichnen. nicht in der Rinne hängen bleiben.
Beispiel für die Bezeichnung einer Hängedachrinne aus Die Rinnenlängen sind bei Zuschnitten < 500 mm
PVC-U (weichmacherfreies Polyvinylchlorid) mit auf höchstens 15 m, bei Zuschnitten > 500 mm
einer Breite von 150 mm: auf höchstens 10 m zu begrenzen. Für Abstände
Hängedachrinne EN 607-150-PVC-U zu Ecken oder Festpunkten gelten die halben

1.262 Hängedachrinnen
a) halbrund, b) kastenförmig

Tabelle 1.263 Dachrinnen, Wulstdurchmesser und Höhe der Rinnenvorderseite (DIN EN 612)
154 1 Geneigte Dächer

Tabelle 1.264a Halbrunde Dachrinne, Maße in mm [9]

Tabelle 1.264b Kastenförmige der Dachrinne, Maße in mm [9]

Längen. Sind größere Längen erforderlich, müs- Rinnenhalter richtet sich nach klimatischen und
sen die Rinnen in einzelne Abschnitte aufgeteilt örtlichen Anforderungen.
und mit Rinnenbewegungsausgleichern (Dilata- Die Rinnenhalter-Abstände sind nach Tabelle
tionsstücke) (Bild 1.265) ausgestattet werden. 1.268 zu wählen.
In DIN EN 12 056 werden für Rinnengefälle von
Abmessungen und die bei der Montage zu be-
0–10 mm/m Zuschlagsfaktoren für die Quer-
achtenden Bestimmungen gemäß DIN EN 612
schnittsbemessung benannt, also auch für gefäl-
sind aus den Tabellen 1.269 und 1.270 zu entneh-
lelose Rinnen. Es empfiehlt sich jedoch, die Rin-
men.
nen mit einem Gefälle von 3 mm/m zu verlegen
bzw. zumindest sicherzustellen, dass zur Vermei- Für die Werkstoffe der Rinnenhalter ist zu be-
dung von Pfützenbildungen kein Gegengefälle achten:
im Rinnenlängsschnitt entsteht. Für Dachrinnen aus legiertem Zink (Titanzink)
Hängedachrinnen werden von Rinnenhaltern und aus verzinktem Stahlblech sind Rinnenhalter
gem. DIN EN 1462 aus rostgeschütztem Material aus feuerverzinktem Bandstahl, für Dachrinnen
getragen. Sie werden (4 bis 8 mm dick und 25 bis aus Kupfer sind Rinnenhalter aus Flachkupfer
40 mm breit) in Abständen von 80 bis 90 cm auf oder aus kupferummanteltem Bandstahl (feuer-
die Konterlattung bzw. auf die Schalung ge- verzinkt), und für Dachrinnen aus Aluminium sind
schraubt. Die Rinne wird am Rinnenhalter durch Rinnenhalter aus Aluminiumband oder feuerver-
Federn (25 mm breite, über die Rinnenwülste ge- zinktem Bandstahl zu verwenden.
bogene Blechstreifen) befestigt, ohne in ihrer Mit den Regenfallrohren werden die Hängerin-
Längs- oder Querbewegung behindert zu wer- nen durch angelötete Blechstutzen verbunden,
den (s. Bild 1.266 und 1.267). Die Bemessung der die in das Fallrohr eingeschoben werden.
1.7 Dachrinnen und Regenfallrohre 155

1.265a 1.265b

1.265 Rinnenbewegungsausgleicher

1.266 Rinnenhalter für halbrunde Hängedachrinnen 1.267 Rinnenhalter für kastenförmige Hängedachrinnen
a) Form FFH mit zwei Federn a) Form FFH mit zwei Federn
b) Form NFH mit Nase und Feder (Maße wie bei a) b) Form NFH mit Nase und Federn (Maße wie
linkes Bild)

Tabelle 1.268 Zuordnung der Rinnenhalter-Querschnitte [9]

In Bild 1.271 sind die Rinnenhalter auf einer ab- 1) Die Ausführung der Wasserableitung über ein Einlaufblech/
schließenden Keilbohle befestigt. Traufblech/Traufstreifen ist zwingend vorgeschrieben, es
In diesem Beispiel ist die Unterspannbahn nicht sei denn, es kommen regensichere oder wasserdichte
hinterlüftet (Vollsparrendämmung s. Abschn. Unterdächer (s. Abschn. 1.6.2) mit UV- beständigen Dach-
1.9.2). Sprühwasser und Schmelzwasser von Flug- dichtungen zur Ausführung, die auch in frei bewitterten Be-
reichen anwendungsfähig sind. Übliche Unterspann- und
schnee wird mit in die Regenrinne abgeleitet. Der Unterdeckbahnen sind nicht dauerhaft UV- beständig und
Übergang zur Dachrinne wird durch ein Einlauf- dürfen daher für die direkte Einleitung der Entwässerung
blech (Traufblech/Tropfblech)1) gebildet. Die in die Dachrinnen im freibewitterten Bereich nicht einge-
Lufteintrittsöffnung für die Hinterlüftung der setzt werden. Ebenso ist nicht vollständig zu vermeiden,
Dachdeckung oberhalb der Unterspannbahn dass abtropfendes Wasser unvorhergesehen in darunter
liegende Gebäudeteile abtropft. Diese Ausführung stellt
werden vor der Konterlattung durch ein Gitter- somit einen fachtechnischen Mangel dar. Hinzu kommen
band oder durch Kunststoff-Stachelbänder gesi- ggf. ästhetische Mängel, wenn im Traufbereich die Bahnen
chert (Vögel, Marder!). teilweise sichtbar verbleibend angeordnet werden.
156 1 Geneigte Dächer

Tabelle 1.269 Rinnenhalter für halbrunde Dachrinne, Maße in mm [9]

Tabelle 1.270 Rinnenhalter für Kasten vermietet Dachrinnen, Maße in mm [9]


1.7 Dachrinnen und Regenfallrohre 157

1.271 Halbrunde Hängedachrinne an Sparrengesims 1.272 Halbrunde Hängedachrinne an Sparrengesims;


Traufenübergang mit Keilbohle Unterdeckung mit freiem Auslauf

Statt der zwar verbreiteten jedoch etwas aufwän- Gesimsen oder im Fassadenbereich die Folge sein
digen Ausführung mit Keilbohle wird heute viel- können.
fach bei Dachneigungen ab etwa 30° für Einde- Um die Risiken einer verdeckt eingebauten Rinne
ckungen mit Dachziegeln oder Dachsteinen am zu reduzieren ist es ratsam, unterhalb der Rinne
Traufenabschluss eine Lösung bevorzugt wie in eine zweite Wasser führende Schicht (Sicherheits-
Bild 1.272 gezeigt. rinne, Bild 1.273, 1.277 und 1.278) vorzusehen.
Den Abschluss der unteren Deckreihe, die Zuluft- Wenn die Sicherheitsrinne an ihren Enden freie
öffnungen und den erforderlichen Höhenaus- Ausläufe ggf. als Wasserspeier erhält, können zu-
gleich bilden spezielle gelochte Kunststoff- oder
Aluminiumprofile.
Die Hinterlüftung sowie die Ableitung von Sprüh-
und Flugschnee-Schmelzwasser können im Win-
ter durch Schnee- und Eisbarrieren behindert
werden, die sich bei schneereichen wechselnden
Wetterlagen an den Traufen bilden können. Grö-
ßere Sicherheit bietet für solche Fälle die in Bild
1.272 gezeigte Gesimsausbildung.
Die dort vorhandene Unterdeckung bzw. Unter-
spannbahn wird nicht über die Rinne entwässert.
Anfallendes Sprüh- oder Schmelzwasser tropft
frei über einen Blechstreifen hinter der Rinne ab.
Ggf. sind die Sparrenzwischenräume oberhalb der
Wärmedämmung über Zuströmgitter belüftet.

1.7.5 Dachrinnen – Sonderformen


Verdeckt eingebaute Traufenrinnen
Aus formalen Gründen werden Dachrinnen oft
verdeckt hinter Gesimsen eingebaut (s. Abschn.
1.7.1). Dies stellt immer eine sorgfältig zu planen-
de, kostenträchtige und schadensanfällige Lö-
sung dar, weil bei Verstopfung der Abläufe oder
der Rinnen durch Laub o. Ä. oder bei Undichtig- 1.273 Verdeckte Rinne als Kastenrinne
keiten der Rinnen beträchtliche Bauschäden an mit Sicherheitsrinne
158 1 Geneigte Dächer

1.275 Verdeckte Dachrinne aus abgekanteten


Blechprofilen

1.274 Verdeckte Dachrinne (Standrinne) det, dass gleichzeitig die Belüftung der Dachkon-
1 Faserzement-Platten struktion und die Hinterlüftung der Holzteile in-
2 Lasche nerhalb des Traufengesimses möglich sind.
3 Luftgitter
4 Bekleidungsbrett Eine Ausführung wie in Bild 1.275 mit einer spezi-
ell angefertigten kehlenförmigen Rinne ermög-
licht an den Traufenenden freie Ausläufe als Was-
dem frühzeitig mögliche Undichtigkeiten der serspeier, die im gezeigten Beispiel bei einem
Dachrinne erkannt und behoben werden. eingeschossigen Haus zur Einleitung des Regen-
Eine in dieser Hinsicht am ehesten vertretbare wassers in Gartenteiche dienen.
Lösung stellt die in Bild 1.273 gezeigte Ausfüh-
rung dar. Das Überlaufen der Rinne in Folge von Standrinnen
Verunreinigungen kann von außen erkannt wer- Standrinnen als „aufliegende“ Rinnen (Halbrund-
den, und es kann allenfalls zu Schäden am Gesims oder Kastenrinnen) werden bei Bauten ausge-
kommen. führt, bei denen die Rinne vor dem Hauptgesims
Bild 1.274 zeigt eine Kastenrinne in Verbindung nicht in Erscheinung treten soll bzw. bei
mit einer Faserzementplattendeckung und einem Grenzwänden nicht überstehen darf.
Traufengesims als Holzbekleidung auf einer Holz- Standrinnen erfordern eine zweite Entwässe-
unterkonstruktion. Die kastenartig geformte Rin- rungsebene – ähnlich einer Gesims- oder Fenster-
ne bildet gleichzeitig die obere Abdeckung des bankabdeckung – zum Schutz des Gebäuderan-
Traufengesimses. Die Rinnenoberkante unter der des und zur Ableitung von Regenwasser und
Dachhaut muss bei derartigen Rinnenkonstruk- Rinnenwasser, das aus möglichen – meistens
tionen immer höher liegen als die Vorderkante schwer zu beobachtenden – Undichtigkeiten her-
des Gesimses. Das Traufengesims ist so ausgebil- rührt (Bild 1.276).
1.7 Dachrinnen und Regenfallrohre 159

1.276a 1.276b

1.276 Standrinnen (Aufliegende Rinne)


a) auf Mauerwerk eines nicht beheizten Gebäudes
b) auf Rand eines Carports

Innen liegende Dachrinnen Undichtigkeiten werden bei innenliegenden Rin-


Bei Satteldachflächen zwischen giebelständigen nen meistens erst dann bemerkt, wenn bereits
Reihenhäusern, bei Grabendächern (Schmetter- Folgeschäden eintreten. Eine Ausführung mit „Si-
lingsdächer), Sheddächern (s. Bild. 1.1) und wenn cherheitsrinne“ (Bild 1.277) ermöglicht ein früh-
bei zusammengesetzten Dachflächen eine Aus- zeitiges Erkennen von Undichtigkeiten, wenn der
führung von Kehlrinnen nicht möglich ist, sind Auslauf der zusätzlichen unteren Wasserführung
innen liegende Dachrinnen nicht zu vermeiden. an einer Außenwand so angeordnet wird, dass er
Sie müssen in jedem Fall sehr reichlich dimensio- im Blickfeld liegt.
niert werden, allein um eine einwandfreie Aus- Die untere Abdichtungsebene kann auch über
führung nicht durch zu kleine Bewegungsmög- Wasserspeier oder zusätzliche Regenfallrohre
lichkeiten bereits bei der Herstellung zu gefähr- bzw. mit Hilfe von Etageneinläufen (vgl. Flach-
den. Die Funktion innenliegender Rinnen wird dachentwässerungen Abschn. 2.6.2) entwässert
außerdem durch Verschmutzung und hereinge- werden.
fallene Fremdkörper (Kinderbälle!) immer wieder Eine begehbare (Innenbreite > 25 cm) Rinne mit
gefährdet. Für jeden Entwässerungsabschnitt Sicherheitsrinne in wärmegedämmter Ausfüh-
sind daher zur Sicherheit mindestens zwei Fall-
rohre vorzusehen. In schneereichen Gegenden
sollte außerdem eine thermostatgesteuerte Rin-
nenheizung eingebaut werden. Im Übrigen ist
eine regelmäßige Wartung unbedingt erforder-
lich. Sie wird erleichtert, wenn die Rinnen begeh-
bar ausgeführt sind.
Das Gefälle sollte mindestens 5% betragen. Bei
innen liegenden Rinnen in großen Dachflächen
ist zu der darunter liegenden Wärmedämmung
ein Abstand von mindestens 30 cm einzuhalten,
damit die Hinterlüftung der Dachflächen gewähr- 1.277 Innenliegende Dachrinne,
leistet bleibt. halbrund mit Sicherheitsrinne
160 1 Geneigte Dächer

Bei der Herstellung werden Regenfallrohre gelö-


tet (L), geschweißt (S) oder gefalzt (F).
1 Für die Werkstoffe der Regenfallrohre gelten die
gleichen Bestimmungen wie für Dachrinnen.
Bezeichnung Dachrinnen und Fallrohre
Hängedachdinnen und Regenfallrohre aus Me-
tallblech sind mit folgenden Angaben zu be-
zeichnen:
a) Beschreibung von Querschnittsform und Art
des Erzeugnisses
b) Nummer der entsprechenden Norm (DIN EN 612)
c) Identifizierungsblock, bestehend aus
– der Zuschnittbreite der Dachrinne bzw.
dem Durchmesser des Fallrohrs in mm;
– der Art des Werkstoffs durch Angabe des
Kurzzeichens nach den Tabellen 3 und 4
der DIN EN 612 und Werkstoffklasse im Fall
1.278 Innenliegende Dachrinne zwischen verglasten des Werkstoffes S.S.B (nicht rostender Stahl,
Dachflächen; begehbar Klasse B);
– dem Buchstaben der Klasse für Wulstdurch-
messer nach Tabelle 1 bzw. Klasse der Naht-
rung zeigt Bild 1.278 in Verbindung mit verglas- überlappung nach Tabelle 2 der DIN EN 612
ten Dachflächen. Die auf einer Stahl-Unterkons- Beispiel Bezeichnung einer rechteckigen Hängedachrin-
truktion aufliegende Blechschale, in der die Si- ne mit einer Zuschnittbreite von 333 mm aus
cherheitsrinne mit der Wärmedämmung aufliegt, Kupfer (CU) mit einem Wulst der Klasse Y (Fall-
wirkt in diesem Falle als Dampfsperre. rohre werden nach dem Maß der Nahtüberlap-
pung in die Klassen X und Y eingeteilt (s. Tab. 2
Im Übrigen sollten besonders bei kleineren in- EN 612). Wenn ein Produkt als Klasse X ausgewie-
nenliegenden Rinnen Halbrund-Querschnitte be- sen ist, erfüllt es auch die Anforderungen der
vorzugt werden. Durch die Krümmung der Rin- Klasse Y)
nenfläche sind sie gegen Verformungen und da- Rechteckige Hängedachrinne DIN EN 612-333-
mit auch gegen Undichtigkeiten wesentlich CU-Y
stabiler. Bezeichnung eines Fallrohrs mit kreisförmigem
Querschnitt von 100 mm aus nicht rostendem
Stahl (S.S.) mit einer Dicke der Klasse B und einer
Nahtüberlappung der Klasse X (Die Werkstoff-
1.7.6 Regenfallrohre dicke in Abhängigkeit von der Breite und von den
Klassen A und B ist in Tab. 3 EN 612 angegeben).
Regenfallrohre sind je nach Dimension der Dach- Rundes Fallrohr DIN EN 612-100-S.S.B-X
rinnen in Abständen von höchstens 12 m, min-
destens aber für jeden einzelnen Rinnenabschnitt Für quadratische Fallrohre gilt Tabelle 1.280.
notwendig. Diese eigentlich selbstverständliche An den Verbindungsstellen müssen die Fallrohre
Forderung wird aber bei den heute weit ver- mind. 50 mm ineinander greifen.
breiteten komplizierten „Dachlandschaften“ viel- Regenfallrohre für außen liegende Rinnen wer-
fach schon bei der Entwurfsplanung nicht beach- den i. d. R. durch Rohrschellen an der Hauswand
tet, und es kommt dann später zu unbefriedigen- befestigt. Der Abstand der Fallrohre von der
den, oft abenteuerlichsten „Lösungen“ für die Wand soll dabei mind. 2 cm betragen, der Ab-
Anzahl, Anordnung und Ausführung der Regen- stand der Rohrschellen untereinander soll bei ei-
fallrohre. Die Lage und Anzahl der erforderlichen nem Rohrdurchmesser bis zu 100 mm nicht über
Regenfallrohre muss folglich bereits zu Beginn 3 m, bei größeren Rohrdurchmessern nicht über
jeder Dach- und Fassadenplanung berücksichtigt 2 m sein (Bild 1.281).
werden. Rohrnähte sollten an der Vorderseite oder seitlich
Regenfallrohre sind genormt nach DIN EN 612. liegen, damit bei nicht rechtzeitig erkannten
Die Abmessungen können der folgenden Tabelle Undichtigkeiten keine Schäden am Bauwerk ent-
1.279 entnommen werden. stehen.
1.7 Dachrinnen und Regenfallrohre 161

Tabelle 1.279 Regenfallrohre, Maße in mm [9]

Tabelle 1.280 Quadratische Regenfallrohre, Maße in mm [9]

Ausgerundete Dachrinnenauslässe oder koni-


sche Einlauftrichter erhöhen ebenfalls die Ab-
flussleistung. Sie sollten dem 1,5-fachen des
Durchmessers des Regenfallrohres entsprechen.
Ästhetisch befriedigender sind Verbindungsstü-
cke zwischen Rinne und Fallrohr ohne Änderung
der Durchmesser sowie Geometrie der Verbin-
1.281 dungsstücke (eckiger Dachrinnenauslass). Viel-
Befestigung des Fallrohrs an der fach reicht bei gleich gewählter Dimensionierung
Hauswand. Breite der Rohrschelle der Durchmesser von Rinne und Fallrohr der Fall-
30 mm; Länge des Dorns ohne
Gewinde mind. 140 mm [9] rohrquerschnitt bei üblich großen Dachflächen
am Einlauf aus, so dass sich die Erhöhung des Ab-
flussvermögens durch konische, trichter- oder
kastenförmig Querschnittserweiterungen erüb-
Zwischen Übergang von Rinne und Fallrohr kann rigt. Bei Standrinnen kann das Wasser auch un-
zur Verbesserung des Wasserabflusses entweder mittelbar senkrecht aus der Rinne über Fallrohre
ein Wassersammelkasten oder ggf. konisch ver- in Wandschlitzen abgeleitet werden.
laufender Einlauftrichter vorgesehen werden.
Insbesondere bei breiten Rinnenquerschnitten Laubfangkörbe reduzieren das Ablaufvermögen
erhöhen Wasserkästen die Abflussleistung. Bei um bis zu 50%!
Rinnengefällen t 2 cm/m müssen Wasserkästen Bei Dachüberständen und ausladenden Gesim-
vorgesehen werden, da anderenfalls das Wasser sen sind vielfach schräg verlaufende (Bild 1.282)
über den Ablauf hinwegschießen kann. oder durch Rohrbögen und Bogenrohre herge-
162 1 Geneigte Dächer

1.282
Verbindungsstück zwischen
Dachrinne und Fallrohr, lose in
das Fallrohr eingesteckt, das hier 1.283 Standrohrübergang
mit einem Rohrwulst auf der a) Einführung in Gussrohr mit Muffe
Rohrschelle hängt b) Einführung in Gussrohr ohne Muffe

stellte Verbindungsstücke (Schwanenhals) zwi- Die Fallrohre werden an Grundleitungen über


schen Rinne und an der Fassade befestigten Fall- dickwandige verzinkte Stahl- oder Kupferrohre
rohren herstellbar und lassen sich nur vermeiden, oder gusseiserne, „Standrohre“ mit den Abwas-
wenn die Lage der Rinne in der Dachebene nach serleitungen verbunden. Die Standrohre sollen
oben versetzt direkt über dem Fallrohr angeord- mechanische Beschädigungen der dünnwandi-
net wird. Der Dachüberstand wird dann frei ent- gen Regenfallrohre verhindern und werden da-
wässert (Bild 1.276b). her je nach der zu erwartenden Beanspruchung
Zubehörteile wie Rinnenablaufstutzen, Schräg- 30 bis 100 cm über den Geländeanschnitt hoch-
rohre für den Übergang von Dachrinnen und Fall- geführt. Die obere Abschlusshöhe wird ggf. mit
rohren sowie Rohrbögen sind so herzustellen, einem Gebäudesockel abgestimmt.
dass sie den Angaben der Hersteller entspre- Der Übergang zwischen Regenfallrohr und Stan-
chend zu den zugehörigen Erzeugnissen passen. drohr kann durch einen angelöteten Übergangs-
Bei gefällelosen Rinnen wird die Rinne am Über- ring gebildet werden (Bild 1.283a). Damit wird
gang zwischen Rinne und Fallrohr zu einem Rin- zwar der Austritt von Kanalgasen und die damit
nenkasten verbreitert, um das Überlaufen des aus meistens verbundene Verschmutzung der Über-
zwei entgegengesetzten Richtungen einfließen- gangsstelle unterbunden, doch ist diese Lösung
den Wassers bei Sturzregen zu vermeiden. Lage formal wenig befriedigend. Der in Bild 1.283b ge-
und Form des Rinnenkastens werden von der Ar- zeigte muffenlose Übergang, bei dem die An-
chitektur des Bauwerks bestimmt. schlussstelle lediglich mit einem aufgelöteten
Wulstring abgedeckt wird, ist deshalb besser in
Verbindung mit einem Regenrohrsand- und
Anschluss der Fallrohre Laubfang mit Geruchsverschluss auszuführen
In der Regel war bisher meistens in den Landes- (Bild 1.284).
bauordnungen oder Bausatzungen der Gemein-
den der Anschluss aller Regenfallrohre an das öf- Innen liegende Regenfallrohre
fentliche Abwassernetz vorgeschrieben. Innen liegende Dachgräben (s. Bild 1.278) und
Heute wird dagegen vielfach gefordert, das anfal- innen liegende Dachrinnen sollten am besten im-
lende Regenwasser in Grünflächen versickern zu mer über außen liegende Regenfallrohre an den
lassen oder es über Versickerungsschächte oder Gebäuderändern entwässert werden. Wo dies
Rigolen1) in das Grundwasser einzuleiten. Das Re- nicht möglich ist, müssen innen liegende Regen-
genwasser kann auch in Zisternen für die Garten- fallrohre vorgesehen werden, deren Lage natür-
bewässerung oder aber für die „Grauwasser“- lich die Grundrissplanung beeinflusst. Beim An-
Versorgung (z. B. Toilettenspülung) gesammelt schluss an das Kanalnetz sind besonders im Hin-
werden. blick auf Rückstaugefahren die Bestimmungen
von DIN 1986 in Verbindung mit DIN EN 752 –
Entwässerungssysteme außerhalb von Gebäu-
1) den – zu beachten.
Eine Rigole ist ein mit Kies aufgefülltes unterirdisches,
teilweise auch oberirdisches Auffangvolumen für Regen- Wegen der Gefahr der Kondensatbildung müssen
wasserrückhaltung und -versickerung. die Fallrohre bis mind. 1 m unterhalb des Regen-
1.8 Dachzubehör und Anschlüsse 163

folge von Verunreinigungen – z. B. durch Laub –


innerhalb der meistens völlig unbeaufsichtigten
Dachgräben wegen der oft beträchtlichen Folge- 1
schäden vorgebeugt werden.

1.8 Dachzubehör und Anschlüsse


an Dachdeckungen
1.8.1 Anschlüsse an Wände
und Abgasanlagen1)

DIN 18 160-5 – Einrichtungen für Schornstein-


fegerarbeiten ist zusammen mit den Unfallver-
hütungsvorschriften „Bauarbeiten“ (BGV C 22)
überarbeitet worden. Es wurden auch Arbeits-
schutzbestimmungen über Arbeitsplätze und
Verkehrswege für die Durchführung von Schorn-
1.284 Regenrohrablauf aus Betonfertigteilen steinfegerarbeiten aufgenommen. DIN 18 160-5
mit Geruchverschluss ist gleichzeitig Anwendungsnorm für die Baupro-
dukte der DIN EN 516 und der DIN EN 517.
Abgasanlagen müssen durch Zinkblech- oder
wasserzulaufes – besser vollständig – durch eine Bleikragen („Verwahrungen“) in die Dachhaut so
ausreichende Wärmedämmung mit äußerer Alu- eingebunden werden, dass Bewegungen zwi-
miniumfolienhülle als Dampfsperre geschützt schen Abgasanlage und Dach möglich sind. Eine
werden. Auch die Rinnen sind wenn nötig durch früher verbreitete Abgasanlagen-„Einfassung“ an
Wärmedämmungen gegen Kondensatbildung an einen Kaminkopf aus Mauerwerk zeigt Bild 1.285.
der Unterseite zu schützen (vgl. Bild 1.278). Ein Walzbleikragen stellt den beweglichen Über-
Vorhandene Sicherheitsrinnen oder -abdichtun- gang zwischen Dachhaut und Kaminkopf her. Der
gen müssen ggf. durch Etagenabläufe mit an die obere Anschluss wird durch einen Zinkblech-Über-
Regenfallrohre angeschlossen werden (vgl. Bild
2.72 in Abschn. 2.6.2). Wenn irgend möglich, soll- 1) Für den Begriff Schornstein wurde aufgrund des geänder-
te durch Notüberläufe einer Rückstaubildung in- ten Baurechts der Begriff „Abgasanlage“ eingeführt.

1.285 Einfassung eines mehrschaligen Montageschornsteines


1 Schamotte-Innenrohr 5 Schornsteinkopf, gemauert (oder Formsteine)
2 Wärmdämmung  25 mm 6 Kappleiste mit dauerelastischer Eindichtung
3 Ummantelung aus Formsteinen 7 Walzblei-Einfassung (dem Fugenschnitt folgend oder
4 Beton-Kragstein für Schornsteinkopf- in schräg eingeschnittenem Schlitz)
mauerwerk 8 hinterlüftete Bekleidung
164 1 Geneigte Dächer

hangstreifen („Kappleiste“, Bild 1.233) gebildet. Schiebestöße (s. Bild 1.234a) werden wegen des
Während früher die Einfassung oft stufenförmig in großen handwerklichen Arbeitsaufwandes heute
1 die Fugen der meistens verwendeten Kaminkopf- meistens durch spezielle eingelötete Schiebestü-
Verklinkerung eingelassen wurde, verwendet man cke (Dilatationsstücke) ersetzt (vgl. Bild 1.234b
heute meistens kostengünstigere gerade Kapp- und 1.265).
leisten, die mit Klebebändern und dauerelasti-
schem Fugenmaterial (Wartungsfuge!) gegen das
Mauerwerk abgedichtet werden. 1.8.2 Standflächen für Schornsteinfeger
Abgasanlagenköpfe wurden früher häufig mit an Abgasanlagen
Klinker-Sichtmauerwerk ausgeführt. Durch Verar-
beitungsfehler kam es in vielen Fällen zu Bauschä- An den erforderlichen Stellen der Abgasanlagen
den durch Schlagregenwasser, das hinter den sind Standflächen nach DIN 18 160-5 anzuord-
Einfassungen durch das Mauerwerk der Abgas- nen. Die Standflächen werden in die Klassen A–D
anlagen eindrang. Deshalb sind hinterlüftete klassifiziert. Dabei bedeuten
Bekleidungen der Abgasanlagenköpfe aus Faser- Ɣ Klasse A: Standfläche an der Mündung der Ab-
zementplatten, Schiefer, Metall oder durch vor- gasanlage
gefertigte Komplettelemente nahezu zur Stan- Ɣ Klasse B: Standfläche an einer Reinigungsöff-
dardausführung geworden. Hinterlüftete Kon- nung bis 5 m unterhalb der Mündung der Ab-
struktionen ermöglichen die wesentlich sicherere gasanlage
und gestalterisch bessere Ausführung der An-
schlüsse durch Hochführung der Verwahrung Ɣ Klasse C: Standfläche an einer Reinigungsöff-
unter und hinter das Bekleidungsmaterial (Hin- nung bis 15 m unterhalb der Mündung der Ab-
terschneidung). gasanlage
Dachanschlüsse an andere, senkrecht an die Ɣ Klasse D: Standfläche an der unteren Reini-
Dachfläche grenzende Wandflächen werden in gungsöffnung der Abgasanlage
gleicher Weise wie Abgasanlageneinfassungen
hergestellt (s. auch Bilder 1.177 und 1.178). Standfläche DIN 18 160-5
Bei größeren Längen von Dachrandanschlüssen Die Standflächen müssen über sichere Verkehrs-
müssen temperaturbedingte Längenänderun- wege (Treppen, Leitern, Laufstege, Trittflächen
gen berücksichtigt werden. Die früher üblichen oder Einzeltritte) erreichbar sein. Dabei müssen

1.286 Standfläche Klasse A mit Trittflächen gem. DIN 18 160-5


Maß x : Dachneigung d 45° ĺ d 0,75 m; Dachneigung > 45° ĺ l d 0,50 m
1.8 Dachzubehör und Anschlüsse 165

1.287 Standroste
a) auf verstellbaren Konsolen
b) Standroststein
c) Standon-Trittstein (Fa. Klöber)

die Bauteile der Einrichtungen aus Metall einen 1.8.3 Dachhaken, Schneefanggitter
ausreichenden Korrosionsschutz aufweisen. Bau- und Dachüberstand
teile aus Holz sind für Verkehrswege und Stand-
flächen im Freien unzulässig. Bei sehr glatten Dachdeckungen wie Schiefer-
Die Anordnung der Standflächen ist in DIN oder Faserzement-Platteneindeckungen und auf
18160-5, Abschn. 6.3 geregelt. Bild 1.286 zeigt steilen Dächern werden Dachhaken vorgesehen,
die Anordnung der Standfläche Klasse A mit Tritt- die das Einhängen von Dachdeckerleitern, leich-
flächen. ten Arbeitsgerüsten und Sicherheitsleinen für
Standroste bestehen aus feuerverzinkten Stahl- Reparaturarbeiten erleichtern, ohne dass teure
rosten. Standroste werden auf verstellbaren, in Gesamteinrüstungen des Bauwerkes nötig wer-
die Dachdeckung eingehängten Konsolen oder den (Bild 1.288a).
auf Formsteinen montiert (Bild 1.287). Wenn Dachflächen mit größerer Neigung als
Der Zugang zum Standrost am Schornstein führt etwa 30° Verkehrsflächen (Bürgersteige, Wege im
– in der Regel aus Dachausstiegfenstern neben Grundstück, Hauseingänge) zugewandt sind,
der Abgasanlage – direkt oder über treppenartig werden Sicherungen gegen das Herabfallen von
angeordnete kurze Standroste bzw. Trittkonsolen Schneemassen, Eis oder auch gelöstem Dach-
(Bild 1.287c). deckungsmaterial verlangt. Es müssen daher

1.288 Dachhaken und Schneefanggitter


a) Dachhacken auf Wellplatten-Eindeckung, b) Schneefanggitter auf Wellplatten-Eindeckung
166 1 Geneigte Dächer

1.289 Traufengesims (Dach mit Unterdach),


a) ohne Dachüberstand, Dachraum nicht ausgebaut
b) mit Dachüberstand, Dachraum ausgebaut

Schneefanggitter (Bild 1.288b) oder Schneefang- Gestalterisch werden Dachüberstände gern so


balken am Traufenrand vorgesehen werden (in schlank wie möglich ausgeführt. Die Dachüber-
sehr schneereichen Gegenden auch in mehreren stände liegen dabei außerhalb des thermisch ge-
Reihen hintereinander in der gesamten Dachflä- regelten Volumens, d. h. im nicht beheizten Be-
che), um das Abgleiten von „Dachlawinen“ zu reich. So sind sie i. d. R. auch nicht wärmege-
verhindern. dämmt bzw. nicht von der Wärmedämmung des
Insbesondere bei großen Traufenüberständen Daches überdeckt („überdämmt“) (Bild 1.289b).
kann an der Fassade aufsteigende Warmluft im Die Problematik derartiger Dachüberstände mit
Winter den Schnee am Dachrand vorzeitig zum Unterkonstruktionen aus Holzwerkstoffplatten
Schmelzen bringen. Die mit Schnee oder Eis ge- an Traufen und Ortgängen darf nicht unter-
füllte Dachrinne lässt das Schmelzwasser über- schätzt werden. Vielfach ist es zu Mängeln und
fließen, und es kann zur Bildung großer, beim auch zu gravierenden Schäden durch Schimmel-
Herabfallen sehr gefährlicher Eiszapfen kommen. und Bläuebefall gekommen. Dabei wird der Befall
Dazu kommt, dass die sich bildende Eisbarriere in aus der Außenluft eingetragen. Holzschädlinge
Verbindung mit verharschtem Schnee oberhalb benötigen für ihr Wachstum eine ausreichend
der Traufe zu Rückstau von Schmelzwasser führen feuchte Umgebung und ein entsprechendes
kann, das schließlich in den Dachraum überfließt. Nährstoffangebot. Als ausreichend feuchte Um-
Diesen Gefahren kann durch Wärmedämmung gebung reicht schon eine relative Luftfeuchte
der Gesimse begegnet werden. Rückstauwasser von mehr als 80%. Die starke Auskühlung der
kann über diffusionsoffene, gut hinterlüftete Holzwerkstoffplatten in klaren Nächten führt
Spannfolien abgeleitet werden. dazu, dass es an der Oberfläche der Platten zu
Luftfeuchten von bis zu 100%, kommt und damit
Dachüberstand. Hinsichtlich der Abstandsflä- entsteht Tauwasser. Dabei führt eine Metallde-
chen sind Dachüberstände genehmigungsrecht- ckung oder Folienabdichtung eher zu starken
lich i. d. R. dann nicht relevant, wenn sie nicht Unterkühlungen als eine Dacheindeckung aus
mehr als 1 m vor die Außenwand hervortreten. Dachziegeln oder Betondachsteinen. Insbeson-
In einzelnen Landesbauordnungen gelten hier- dere, wenn hygroskopische Plattenwerkstoffe
von teilw. abweichende Regelungen. Weiterhin eingesetzt werden, deren Verleimung Alkalisalze
wird die Größe des Dachüberstandes vielfach von enthalten, erhöht sich das feuchte Niveau be-
der Geometrie des gewählten Dachdeckungs- trächtlich. Deshalb sollten hygroskopische Plat-
materials bestimmt (begrenzte Verschiebbarkeit tenwerkstoffe vermieden werden. Es sollte an
der horizontalen Fugen von Dachziegeln und solchen Stellen auch kein Birken, Buchen- und
-steinen). Seekiefer-Sperrholz eingesetzt werden. Holzbau-
1.8 Dachzubehör und Anschlüsse 167

teile sollten durch Anstrich oder Grundierung 1.8.4 Sanitärentlüftungen


gegen Schimmel- und Bläuebefall besonders ge- und Antennendurchgänge
schützt werden. Platten sind vor der Verlegung
Für das Einbinden von Durchgängen von Sanitär-
1
mit einem geeigneten Kantenschutzmittel zu ver-
sehen. Für die Außenanwendung eignet sich Entlüftungen, Antennen und ähnlichen die Dach-
hierfür u. A. Acrylat oder Baumwachs, die einge- haut durchdringenden Bauteilen werden heute
spachtelt werden können. fast durchweg Kunststoff-Formteile – passend zu

1.290 a) Kunststoff-Entlüfter-Formteil für Falzpfannen und Betondachsteine


b) Sanitärentlüftung über Trockenfirst SITAsalü®
1 Sanitärleitung (Flexschlauch)
2 Spezial-Lüfterelement
3 Stömungsregulator
c) Sani-Lüfter (Braas)
1 Durchgangsplatte (Formstein oder Universalplatte für alle Deckungsarten)
2 Sani-Lüfter-Haube (auch mit zusätzl. Wetterkappe)

1.291a 1.291b

1.291 Sicherung Dachdurchbrüche


a) Kunststoffformteil für Antennendurchgang
b) Sicherung von Durchbrüchen in Unterspannbahnen durch „Ablaufschlaufe“ als Saumrinne
168 1 Geneigte Dächer

allen gängigen Dachdeckungsarten – verwendet, wasser- und winddicht. Insbesondere bei starker
deren schwenkbare Oberteile das Anpassen an Windbelastung kann Sprühwasser und Flug-
1 jede Dachneigung ermöglichen (Bild 1.290 und schnee durch die Deckfugen der Dachdeckung
1.298). eindringen (s. Abschn. 1.6.2) Auch durch Rück-
Außer den in Bild 1.290a gezeigten Lüfteraufsät- stau (z. B. durch Eisbarrieren im Traufenbereich)
zen können auch spezielle Lüfter-Formteile (vgl. muss unter extremen Witterungsbedingungen
Bild 1.180d) verwendet werden (Bild 1.290c). vorübergehend mit eindringendem Wasser ge-
Für Dacheindeckungen mit mörtelfrei verlegten rechnet werden.
Firststeinen sind Entlüftungssysteme auf dem Die Anforderungen an den Wärmeschutz von Ge-
Markt, bei denen der Druckausgleich für die Sani- bäuden sind zudem durch die Energieeinsparver-
tärleitungen durch spezielle Endstücke im Luft- ordnung (EnEV) erheblich gesteigert worden.
raum des Firstes erfolgt (Bild 1.290b). Die Sanitär- Die zwangsläufig immer dicker werdenden Wär-
leitungen werden mit Hilfe von flexiblen Über- medämmschichten erfordern neue bauphysikali-
gangsrohren (Flexrohre) angeschlossen. sche und konstruktive Überlegungen auch für
Für Antennendurchgänge und ähnliche Dach- Dächer über ausgebauten Dachräumen.
durchbrüche gibt es spezielle Formteile (Bild
1.291a).
1.9.2 Wärmeschutz
Beim Einbau aller Formteile sind oberhalb der er-
forderlichen Ausschnitte in die Unterspannbah-
Allgemeines. Die Wärmedämmung von ausge-
nen Ablaufschlaufen einzubauen, die das Eindrin-
bauten Dachgeschossen muss den gesamten ge-
gen von ablaufendem Sprüh- oder Kondenswas-
nutzten Dachquerschnitt lückenlos umschließen
ser verhindern (Bild 1.291b).
(Bild 1.292). Schließen die Wärmedämmungen
dabei an seitliche Abmauerungen von Dachzwi-
ckeln an, müssen auch die dahinter liegenden
1.9 Ausbau von Dachräumen Deckenflächen einen geeigneten ausreichenden
Wärmeschutz erhalten (Bild 1.292c).
1.9.1 Allgemeines Der erforderliche Wärmeschutz ist nach DIN 4108
in Verbindung mit der Energieeinsparverord-
Dachräume unter geneigten Dachflächen wer- nung (EnEV) zu dimensionieren (s. Abschnitt 17.5
den heute zur besseren wirtschaftlichen Ausnut- in Teil 1 dieses Werkes).
zung des umbauten Raumes, aber ggf. auch we- Je nach Wärmeleitfähigkeitsgruppe des Dämm-
gen der besonderen Eigenschaften der sich aus stoffes (WLG 020 bis 045) sind Dämmstoffdicken
der Dachform ergebenden Räume in der Regel von oft mehr als 220 mm erforderlich.
zum Wohnen genutzt. Die Dachflächen müssen Bei geneigten Dächern mit ausgebautem Dachge-
damit allen Anforderungen an Wärme-, Feuchtig- schoss hat sich die Dämmung ohne Hinterlüftung
keits-, Schall- und Brandschutz genügen. zwischen den Sparren als Vollsparrendämmung
Dachdeckungen geneigter Dächer sind in der Re- durchgesetzt (Bild 1.293, 1.295c und 1.296a). Hier-
gel ohne zusätzliche Maßnahmen nicht absolut durch wird erreicht, dass die gesamte Sparrenhö-

1.292a 1.292b 1.292c


1.292 Wärmedämmung von Dachräumen
a) Dachraum voll wärmegedämmt
b) Dachraum bis Kehlbalken- oder Zangenhöhe wärmegedämmt
c) Wärmedämmung bei seitlich offenen Dachräumen
1.9 Ausbau von Dachräumen 169

1.293 Wärmebrückenfreie Konstruktionen


nach DIN 4108 Bbl 2
a) Pfettendach-monolithisches Mauerwerk
b) Ortgang-monolithisches Mauerwerk
c) Dach-Innenwand-Anschluss
1 Wärmedämmung (Vollsparrendämmung)
2 Monolithisches Mauerwerk
3 Stahlbetondecke
4 Stahlbeton-Ringanker
5 Dampfsperre/Luftdichtheitsebene
6 Innenbekleidung (z. B. GK-Bauplatte)
7 Innenwand
8 Innenputz

he für das Einbringen von Dämmstoffen genutzt hen Anforderungen an die Wärmedämmung von
werden kann. Darüber hinaus wird der Wärme- Außenbauteilen erfordert gleichzeitig eine sorg-
schutz insgesamt verbessert, da eine zusätzliche fältige Planung und Ausführung, damit Wärme-
Auskühlung der Wärmedämmschicht durch eine brücken weitestgehend vermieden werden. Bild
Luftschicht zwischen Unterspannung, -dach bzw. 1.293 zeigt Beispiele aus DIN 4108 Bbl. 2, wie Wär-
-deckung und Wärmedämmung vermieden wird. mebrücken möglichst verhindert werden (vgl.
Die Ausführungen mit belüfteter Wärmedäm- hierzu Abschn. 17.5 in Teil 1 des Werkes).
mung (Bild 1.295a und b und 1.296b) kommen
heute nur noch bei sehr hohen Sparrenprofilen Luftwechsel. Auf ausreichenden Luftwechsel ist
oder besonderen bauphysikalischen Anforderun- aus Gründen der Hygiene, der Begrenzung der
gen an die Dachkonstruktion in Frage. Raumluftfeuchte sowie ggf. der Zuführung von
Überall da, wo der mittlere Wärmedämmwert ei- Verbrennungsluft nach bauaufsichtlichen Vor-
ner Fläche (Außenwand, Dachfläche usw.) unter- schriften (z. B. Feueranlagenverordnungen der
schritten wird, spricht man von einer Wärme- Bundesländer) zu achten. Dies ist in der Regel der
brücke. Fall, wenn während der Heizperiode ein auf das
Je besser eine Fläche gedämmt wird, desto grö- Luftvolumen innerhalb der Systemgrenze bezo-
ßer wird zwangsläufig auch die Gefahr, dass kon- gener durchschnittlicher Luftwechsel von 0,5 h–1
struktive Wärmebrücken entstehen. Die sehr ho- bei der Planung sichergestellt wird.
170 1 Geneigte Dächer

Tabelle 1.294 Wärmedämmstoffe Ɣ zwischen den Sparren ohne Hinterlüftung der


Unterspannbahn (Vollsparrendämmung, Bild
1 1.295c).
Ɣ über den Sparren (Bild 1.295d).
In der Vergangenheit wurden die lichten Sparren-
abstände oft auf die Standardbreiten der Dämm-
stoffe (z. B. 60 cm) festgelegt.
Heute ist es sinnvoller, möglichst hohe Sparren
mit folglich größeren Sparrenabständen zu ver-
wenden, damit die aufgrund der Energieeinspar-
verordnung (EnEV) erforderlichen dickeren
Dämmstoffschichten untergebracht werden kön-
nen. Schaumstoffe und faserförmige Wärme-
dämm-Materialien sind heute so aufbereitet, dass
sie sich gut zwischen die Sparren klemmen lassen
(sogen. „Klemmfilze“). Mineralwolleplatten lassen
sich auch bei unterschiedlichen Sparrenabstän-
den bei geringem Verschnitt leicht einbauen. Die
Zuschnittsbreite sollte dabei 1 cm breiter als der
lichte Sparrenabstand sein. Dadurch ist gewähr-
1)
leistet, dass die Wärmedämmungen zwischen
Mineralwolle wird aus Glasrohstoffen oder Gesteinen unter
Zusatz von Kunstharzen als Binder und Ölen hergestellt.
den Sparren absolut dicht eingebaut sind.
In letzter Zeit wurden Mineralfasererzeugnisse wegen Wegen der unvermeidlichen Rohbauungenauig-
möglicher gesundheitlicher Gefahren bei der Verarbei- keiten durch Verformung der Sparren u. A. ist dies
tung kritisch betrachtet. In Deutschland dürfen nur noch jedoch nur bei sehr sorgfältiger Ausführung zu
Mineralfaserdämmstoffe in den Verkehr gebracht werden, erreichen.
die die Freizeichnungskriterien der Gefahrenstoffordnung
erfüllen (Anhang IV, Nr. 22, Abs. 2). Diese Mineralfaserstoffe Wärmedämmung muss auch untereinander dicht
sind „frei von Krebsverdacht“. gestoßen eingebaut werden. Besser sollten Däm-
Der entstehende Staub kann dennoch bei der Verarbei- mungen zweilagig und fugenversetzt eingebaut
tung und dem Einbau zu starken Reizungen der Augen, werden, um eine nahezu vollständige Fugen-
der Atemwege und der Haut führen, die allerdings in der überdeckung durch eine zweite unterseitige
Regel rasch abklingen. Es sollte daher beim Arbeiten mit
Mineralwolle-Erzeugnissen, insbesondere beim Ausbau Dämmschicht zwischen der Unterkonstruktion
von alten Mineralfaserdämmungen, für gute Belüftung der Innenbekleidung zu erreichen (Bild 1.295b).
an den Arbeitsplätzen gesorgt werden. Sinnvoll sind Das gilt auch für Dämmlagen in den Sparrenzwi-
Feinstoff-Atemmasken, Schutzbrillen und eventuell das schenräumen.
Auftragen von Schutzcremes (s. Broschüre: Umgang mit
Mineralwolle-Dämmstoffen; Hrsg.: Fachvereinigung der Zellulosedämmung. Zunehmend kommt auch
Mineralfaserindustrie sowie Arbeitsgemeinschaft der Bau-
Zellulose-Dämmung zum Einsatz. Dieser Dämm-
Berufsgenossenschaften).
stoff bietet neben dem klassischen winterlichen
Wärmeschutz auch einen verbesserten Schutz
gegen sommerliche Hitze und gegen Außenlärm.
Wärmedämmstoffe. Es können alle Wärme- Die natürliche Sorptionsfähigkeit von Zellulose
dämmstoffe verwendet werden, die mindestens bewirkt außerdem, dass sich der Feuchtegehalt
die Brandschutz-Anforderungen der Baustoff- seiner Umgebung anpasst.
klasse B 2 (normal entflammbar) erfüllen. Zellulosefaserdämmstoffe werden aus unge-
Einen Überblick über die wichtigsten Dämmstof- bleichter, reiner Zellulose oder aus mechanisch
fe und ihre Wärmeleit- bzw. Dämmeigenschaften zerfasertem Zeitungspapier hergestellt. Das Ma-
gibt Tabelle 1.294). terial wird durch Zerfaserung und Mahlung zer-
kleinert und danach verdichtet. Es können durch-
Die Wärmedämmungen können eingebaut wer-
aus (je nach Inhaltsstoffen des Recyclingmateri-
den
als) Schadstoffe, z. B. Schwermetalle, in das
Ɣ zwischen den Sparren mit hinterlüfteter Unter- Dämmmaterial gelangen. Häufig wird Zellulose-
spannbahn (Bild 1.295a) faserdämmstoffen auch Borsalz beigemengt, um
Ɣ unter und zwischen den Sparren (Bild 1.295b) diese pilz- und schädlingsresistent zu machen.
1.9 Ausbau von Dachräumen 171

1.295
Einbau von Wärmedämmungen
1
a) zwischen den Sparren mit Luftraum
b) zwischen und unter den Sparren
mit Luftraum
c) Zwischen den Sparren, 1.295a 1.295b
Vollsparrendämmung
d) auf den Sparren aufliegend (auf
Vollschalung oder als freitragende
Dämmelemente)
1 Lattung
2 Konterlattung
3 Unterspannbahn (diffusionsoffen)
4 Wärmedämmung
5 Dampfsperre (luftdicht) 1.295c
1.295d

Außerdem kann dadurch die Brandschutzklasse Bei den wärmegedämmten Dächern werden un-
B2 erreicht werden. terschieden:
Zellulosefaserdämmstoffe werden i. d. R. mit Ma- Ɣ zweischalige, belüftete Konstruktionen (Bild
schinen in die Dachkonstruktion eingeblasen (Ein- 1.296a)
blasdämmung). Diese Arbeiten sollten nur durch Ɣ einschalige, nicht belüftete Konstruktionen (Bild
geschultes Personal von Fachfirmen erfolgen. Auch 1.296b).
dieses Material soll keiner Feuchtigkeit ausgesetzt
werden. Neben dem Verlust der Dämmwirkung Der belüftete Konstruktionsaufbau ist durch eine
könnte dies zu Pilz- und Schädlingsbefall führen, Belüftungsebene zwischen Wärmedämmung
weil die Borsalze ausgewaschen werden können. und Unterspannbahn gekennzeichnet.
Auch Schafwolle, Baumwolle, Baumwollvlies und Bei der Konstruktion ohne Hinterlüftung fehlt die-
Flachs können als Dämmstoffe verarbeitet wer- se zweie Belüftungsschicht oberhalb der Wärme-
den. Derartige Dämmstoffe sollten nicht in Berei- dämmung.
chen, in denen erhöhter Brandschutz erforderlich
ist, eingebaut werden. Hinterlüftung zwischen Dachdeckung und Un-
terspannung, Unterdeckung bzw. Unterdach. In
Als natürlicher Dämmstoff haben Holzfaser- beiden Konstruktionsarten ist eine Belüftungs-
dämmplatten bei relativ guten Dämmeigen- ebene zwischen der Dachdeckung und der Unter-
schaften, eine hohe Druckfestigkeit, ein geringes spannbahn erforderlich. Durch die damit mögli-
Gewicht, eine ausgezeichnete Wärmespeicherfä- che Luftströmung zwischen Trauflinie und First
higkeit und ein sehr gutes Sorptionsverhalten wird eine Wärmeableitung im Sommer erreicht.
(Feuchtetransport).
In dieser Ebene wird vor allem aber Sprühwasser,
Auch die oberen Abschlussflächen von Zwischen- geschmolzener Flugschnee, durch kleinere Schä-
oder Giebelwänden müssen zur Vermeidung von den oder Fehlen der Dachdeckung eingedrunge-
Wärmebrücken sorgfältig gedämmt werden. nes Regenwasser sowie Tauwasser, das durch
Fugen zwischen Streichsparren und Giebelwän- Reif- und Kondensatbildung innerhalb des Belüf-
den müssen sorgfältig ausgestopft werden. Der tungsraumes entstehen kann, auf einer zweiten
auch hier vielfach eingesetzte Bauschaum ist wasserführenden Schicht abgeleitet.
kaum in der Lage, Verformungen von Tragwerken Es muss in jedem Fall dafür gesorgt werden, dass
aus Holz aufgrund seiner starren Konsistenz aus- der Luftstrom innerhalb der Dachkonstruktion
zugleichen und ist deshalb ungeeignet. nicht durch Wechsel, Dachfenster, Dachgauben,
In allen Fällen ist die Wärmdämmung mindestens Schornsteine und ähnliche Hindernisse unterbro-
durch eine Unterspannbahn gegen Sprühwasser chen wird. Bei derartigen Durchdringungen der
und Flugschnee zu schützen (s. Abschn. 1.9.3). Lüftungsquerschnitte muss durch Konterlattun-
Raumseitig ist eine dicht schließende Dampfsper- gen oder vergleichbare Maßnahmen eine Umlen-
re oder Dampfbremse erforderlich (s. Abschn. kung der Luftströmung ermöglicht werden (Bild
1.9.4). 1.297).
172 1 Geneigte Dächer

1.296 Wärmegedämmte Dachkonstruktionen


a) Wärmedämmung ohne Hinterlüftung (Vollsparrendämmung)
b) Wärmedämmung mit Hinterlüftung
1 Unterspannbahn
2 Lüftung zwischen Unterspannbahn und Wärmedämmung
3 Lüftungsspalt am First
4 Hinterlüftung der Dachdeckung
5 Wärmedämmung
6 Luftdichtheitsschicht/Dampfsperre

Oberhalb von Dachfenstern, Schornsteinen oder Dächer als nahezu standardmäßige Ausführung
sonstigen Einbauteilen sind die Unterspann- vorgezogen. Es kommt bei ihnen jedoch immer
bahnen taschenförmig hochzuklappen (Ablauf- wieder zu erheblichen Schäden, die vor allem be-
schlaufe), damit etwa ablaufendes Wasser seitlich dingt sind durch ungenügend dimensionierte
an den Hindernissen vorbei geleitet wird (s. a. Bild oder durch aufgequollene Wärmedämmungen,
1.291b). eingeengte Lüftungsquerschnitte sowie durch
Vor oder hinter Hindernissen im Luftstrom kön-
nen auch zusätzliche Ab- bzw. Zuluftströmungen
– z. B. mit Hilfe von Lüftersteinen – eingebaut
werden. Der Anschluss an aufgehende Wände ist
wie z. B. in Bild 1.237c gezeigt auszuführen.
Besondere Aufmerksamkeit ist bei der Planung
zusammengesetzter Dächer erforderlich, damit
auch an Wandanschlüssen, Graten, Pulten usw.
ausreichende Abluftöffnungen und an Kehlen,
Dachgräben o. Ä. die erforderlichen Zuströmöff-
nungen vorhanden sind. Durch zweilagige Kons-
truktionen muss ggf. z. B. bei Schifteranschlüssen
(Bild 1.54) dafür gesorgt werden, dass keine Hin-
dernisse für den Luftstrom entstehen.
Eine Mittelstellung zwischen Unterspannbahnen
und den nachfolgend beschriebenen Unterdä-
chern nehmen speziell ausgerüstete Gipskarton-
platten mit einem sd-Wert von 0,1 m ein. Sie kön- 1.297 Umlenkung des Luftstromes an Hindernissen
nen als relativ windsichere Noteindeckung für 1 durchgehende Konterlatte
einen Zeitraum bis zu zwei Monaten dienen. 2 unterbrochene Konterlatte
3 Unterspannbahn, taschenartig umgelegt –
Ablaufschlaufe (Ablenkung von evtl. ablaufendem
Konstruktionskriterien. Lange Zeit wurden die Sprühwasser)
belüfteten Konstruktionen für wärmegedämmte 4 Belüfter oberhalb der Tasche
1.9 Ausbau von Dachräumen 173

1.299 Installationsebene als Schutzbereich gegenüber


der Luftdichtheitsebene
1 Dichtheitsebene
2 Installationsebene
3 Installationsleerdose
4 Raumseitige Bekleidung

Luftdichtheit. Es muss jedoch bei der unbelüfte-


ten Konstruktionsweise wesentlich mehr Auf-
merksamkeit auf die absolute Luftdichtigkeit ge-
genüber der Raumluft gerichtet werden. Dies
fand Niederschlag in der DIN 4108-7 (Wärme-
schutz- und Energieeinsparung in Gebäuden,
Luftdichtheit von Gebäuden, Anforderungen,
1.298 Luftdichte Dachdurchdringung mit einem Planungs- und Ausführungsempfehlungen sowie
Dunstrohr -beispiele).
1 Dacheindeckung Luftdichtheit ist auch bei allen Bauwerksan-
2 Konterlattung schlüssen und -durchdringungen zu gewährleis-
3 Diffusionsoffene Unterspannbahn
4 Wärmedämmung
ten (Bild 1.298).
5 Dampfbremse und Luftdichtheitsebene Die Dichtheit eines Gebäudes wird durch den
6 Dauerhaft luftdichter Anschluss Luftwechsel beschrieben und bei einer Druckdif-
ferenz von 50 Pa gemessen. Die Richtwerte für
den Luftwechsel sind in der DIN 4108, Teil 7, an-
fehlerhaft ausgeführte Dampfsperren oder
gegeben. Die Funktion der Luftdichtungen wird
Dampfbremsen.
mit Hilfe des so genannten Blower-Door-Tests
Die früher üblichen Unterspannbahnen behin- nachgewiesen. Dabei wird mit Hilfe eines Ventila-
dern außerdem trotz normalerweise ausreichen- tors ein Über- oder Unterdruck von 50 Pa in Ge-
der Dampfdurchlässigkeit bei extremen Feuch- bäuden erzeugt und durch den einzublasenden
tigkeitsverhältnissen das Austrocknen zu stark. oder abzusaugenden Luftstrom wird der Luft-
Auf Dauer kann dadurch die Wärmedämmung bis wechsel ermittelt.
zu weitgehendem Funktionsverlust durchnässt
werden, und es werden an den hölzernen Konst- Chemischer Holzschutz. In belüfteten, wärmege-
ruktionsteilen trotz Imprägnierung schwere dämmten Dachkonstruktionen ist eine Gefähr-
Schäden verursacht. dung der Sparren durch Schadinsekten nicht aus-
Die Bauindustrie hat daher für den Einsatz bei aus- zuschließen. Bei diffusionsäquivalenten Luft-
gebauten Dachgeschossen Unterspannmateriali- schichtdicken üblicher Unterspannbahnen von
en mit sehr geringem Diffusionswiderstand und sd > 1 m und damit einer relativ geringen Dampf-
sogar mit einer gewissen vorübergehenden Spei- durchlässigkeit ist infolge von Holzrestfeuchte,
cherungsfähigkeit für Feuchtigkeit auf den Markt durch Leckagen in der Dachhaut und durch Kon-
gebracht. Bedingt hierdurch kommen heute über- densatbildung eine Schädigung durch Pilzbefall
wiegend nicht belüftete Konstruktionen zur Aus- möglich. Es ist daher eine Holzschutzbehandlung
führung. Der hierbei nicht mehr erforderlich Belüf- entsprechend der Gebrauchsklasse GK2 gem.
tungsquerschnitt oberhalb der Wärmedämmung DIN EN 335-1 (s. Abschn. 1.22) erforderlich.
kommt der Unterbringung der heutzutage erheb- In nicht belüfteten Konstruktionen mit Vollspar-
lich größeren Dämmstoffdicken zugute. rendämmung kann dagegen die Gebrauchsklas-
174 1 Geneigte Dächer

se GK1 gem. DIN EN 335-1 (ehem. Gefährdungs- auch bei sachgemäßem leicht durchhängendem
klasse 0 gem. DIN 68800-3-alt) angenommen und Einbau (Bild 1.300a) später straff gespannt sind.
1 auf einen chemischen Holzschutz verzichtet wer- Wenn Sprüh- oder Schmelzwasser auf den Unter-
den (s. Abschn. 1.9.7). spannbahnen abläuft, staut es sich dann an den
Für alle wärmegedämmten Konstruktionen, ins- Dachlatten und insbesondere an den Befesti-
besondere jedoch bei Vollsparrendämmung, ist gungspunkten auf den Sparren. Es kommt zu
eine einwandfreie Luftdichtheit bzw. Dampfsper- Fäulnis an Dachlatten und Sparren. Eine derartige
re zwischen Innenraum und Wärmedämmung Ausführung ist daher bedenklich.
und gegenüber allen angrenzenden Bauteilen In Verbindung mit Unterspannbahnen oder Un-
unbedingte Voraussetzung (s. Abschn. 1.9.4). terdeckungen sollten deshalb Dachdeckungen
Auch auf Grund dieser Kriterien hat sich wie bei grundsätzlich auf Konterlattung ausgeführt wer-
der Entwicklung von Flachdächern (s. Abschn. 2) den (Bild 1.300b).
ein Trend zu nicht belüfteten wärmegedämmten Spezielle Unterdeck- und Schalungsbahnen kön-
Konstruktionen beim Ausbau von Dachräumen nen bis zu 60% der sommerlichen Wärmestrah-
ergeben. lung reflektieren. Außerdem bieten diese Materi-
alien eine hohe Abschirmung gegen elektromag-
1.9.3 Unterdeckungen netische Strahlung, z. B. bei Strahlungen aus dem
Mobilfunkverkehr. Diese Unterdeck- bzw. Scha-
Zusatzmaßnahmen zur Regensicherheit sind bei lungsbahnen bestehen i. d. R. aus einem speziell
Unterschreitung der Regeldachneigung (RDN) behandelten Polypropylenvlies mit hohem Re-
sowie besonderen witterungsabhängigen, klima- flektionsgrad, einer diffussionsoffenen Folie und
tischen, lageabhängigen sowie nutzungsbeding- einem Schutzvlies aus Polypropylen. Mit ihrem
ten (Dachausbau) Anforderungen gemäß dem sd- Wert von nur 0,02 m leiten sie bei vollge-
Regelwerk des Zentralverbandes des Deutschen dämmten Dächern die in den Dachraum eindrin-
Dachdeckerhandwerks (ZVDH) [8] in den Bean- gende Raumnutzungsfeuchte sicher nach außen
spruchungsklassen 1 bis 6 vorzusehen (s. a. Ab- ab. Die wasserdichte Bahn schützt die Wärme-
schn. 1.6.2). dämmung vor Flugschnee und Regen.
Unterspannbahnen. Unterspannbahnen sind
feinperforierte, wasserdampfdurchlässige, schwer Unterdach und Unterdeckung. Muss – insbe-
entflammbare Kunststoff-Gitterfolien oder diffu- sondere bei wenig geneigten Dächern – mit star-
sionsoffene sonstige Glasfasergewebebahnen. ken Beanspruchungen durch Sprühwasser oder
Unterspannbahnen („Flatterfolien“) werden mit Flugschnee gerechnet werden, ist ein Unterdach
10 cm Stoßüberdeckung schlaff quer zur Spar- bzw. auch Unterdeckung (früher auch als „Unter-
renrichtung gespannt und genagelt bzw. ge- dichtung“ bezeichnet) vorzusehen (Bild 1.301).
heftet. Dazu wird als Regelausführung auf einer 24 mm
Wenn ein späterer Dachausbau nicht in Frage dicken Nut-Feder Schalung oder einer anderen
kommt, dienen Unterspannbahnen bei Einde- festen Unterlage (z. B. Holzwerkstoffplatten oder
ckungen mit einfacher Lattung, d. h. ohne Konter- formstabile Wärmedämmstoffe) eine je nach
lattung, häufig bis zur Fertigstellung der Dachde- Ausführungsart regensichere oder wasserdichte
ckung als vorläufige Dachhaut. Sie werden dann Abdichtung aufgebracht (s. a. Abschn. 1.6.2), die
– entgegen den Verlegerichtlinien – oft straff bestehen kann aus
über die Sparren gespannt. Fast alle Unterspann- Ɣ 2 Lagen Bitumendachbahnen V13 (1. Lage ge-
bahnen schrumpfen aber mit der Zeit, so dass sie nagelt, 2. Lage vollflächig geklebt),

1.300a 1.300b
1.300 Einbau von Unterspannbahnen
a) Einbau über den Sparren, einfache Lattung (bedenkliche Lösung!)
b) Einbau mit Konterlattung
1.9 Ausbau von Dachräumen 175

Demnach ist Tauwasserbildung im Inneren von


Bauteilen, die durch Erhöhung der Stofffeuchte
von Bau- und Wärmedämmstoffen zu Material- 1
schädigungen oder zu Beeinträchtigungen der
1.301 Unterdach
Funktionssicherheit führt, zu vermeiden.
Zur Verhinderung von Wasserdampfdiffusion
und Kondensatbildung innerhalb der Dachkons-
truktion ist in der Regel nach DIN 4108-3 ein rech-
Ɣ 1 Lage Bitumenschweißbahn (Stöße verdeckt nerischer Tauwasser-Nachweis erforderlich.
genagelt),
Die DIN 4108-3 erhält Angaben zur Berechnung
Ɣ 1 Lage Kunststoff-Dichtungsbahn auf Trennla- der Tauwassermenge. In Abschnitt 4.3.3 sind die
ge (verdeckt genagelt bzw. auf aufgenagelte Dächer aufgeführt, für die kein rechnerischer
Folienbleche geschweißt. Tauwasser-Nachweis erforderlich ist. Danach
ist für die dort aufgeführten Bauteile dann kein
Im Prinzip stellen Unterdächer bzw. Unterde- rechnerischer Tauwasser-Nachweis erforderlich,
ckungen somit eine funktionsfähige Dachhaut wenn sie mit ausreichendem Wärmeschutz nach
dar. Die darüber liegende Dachdeckung gewähr- DIN 4108-2 und luftdichter Ausführung nach DIN
leistet also vor allem den Bewitterungsschutz für 4108-7 ausgeführt sind und wenn die in Anhang
die zweite wasserführende Schicht und schützt A der DIN 4108-3 genannten Klimabedingungen
zusätzlich gegen Wärmeeinstrahlung. gegeben sind. In diesen Fällen ist davon auszuge-
Bei Unterdächern muss durch ausreichende Hin- hen, dass kein Tauwasserrisiko besteht oder der
terlüftung sichergestellt sein, dass sie nicht inner- Feuchtetransport, z. B. bei kapillaraktiven Materi-
halb des gesamten Dachaufbaues wie falsch an- alien, wesentlich durch Kapillaritätseffekte beein-
geordnete Dampfsperren wirksam werden. flusst und nur z. T. durch Diffussionsvorgänge
Es sind daher unterhalb des Unterdaches ausrei- bestimmt wird.
chende Zu- und Abluftquerschnitte vorzusehen. Konvektion. Zu bedenken ist: Durch eine 1,00 m
Im Widerspruch hierzu steht die dann entstehen- lange und 1 mm breite Fuge kann bis zu 3.000
de Hinterlüftung der Wärmedämmung, die heute mal mehr Feuchtigkeit durch Konvektion in die
bei Vollsparrendämmung nicht mehr üblich ist. Konstruktion eindringen als über eine 1 qm große
Bei Satteldächern mit hinterlüfteter Wärmedäm- Fläche eindiffundieren kann. Jede Durchdrin-
mung (Bild 1.296a) ist am First ein ca. 10 cm brei- gung der Luftdichtheitsebene bleibt auch dann
ter Streifen als Abluftöffnung im Unterdach offen ein Schwachpunkt, wenn diese Stellen noch so
zu belassen. sorgfältig mit entsprechendem Klebeband abge-
Bei allen Konstruktionen ist grundsätzlich eine dichtet werden. Deswegen sollten möglichst alle
entsprechend der gewählten Unterdeckung bzw. Leitungen und Installationen vor der Luftdicht-
Unterdach berechnete und dimensionierte, über- heitsebene, also in der so genannten „Installa-
all dicht schließende Dampfsperre oder Dampf- tionsebene“ untergebracht werden (s. Bild 1.299)
bremse erforderlich. Dabei ist dafür Sorge zu (Vgl. Abschn. 1.9.2). Diese Installationsebene fällt
tragen, dass innenseitig angeordnete Dampf- vielfach zusammen mit sowieso notwendigen
sperren eine höhere wasserdampfdiffusionsäqui- Unterkonstruktionen für Innenbekleidungen. Das
valente Luftschichtdicke (sd-Wert) haben, als das zusätzliche Einbringen einer Wärmedämmung
Unterdach/Unterdeckung. in verbleibenden Hohlräumen der Installations-
ebene erhöht den Querschnitt der Wärme-
dämmung insgesamt und trägt zudem zur
1.9.4 Dampfsperren und Luftdichtheit Fugenüberdeckung von Dämmungen bei, die
zwischen Sparren verlegt sind.
Die immer höheren Anforderungen an die Wär-
medämmung der Außenbauteile erfordern auch Luftdichtheit kann z. B. durch eine 0,2 mm dicke
eine höhere Sensibilität bezogen auf die Feuch- PVC-Folie auf der Raumseite erfüllt werden.
tigkeitsschäden durch Wasserdampfdiffusion Luftdichte Bahnen können aus Kunststoff, Bitu-
und Kondensatbildung. So legt die DIN 4108-3 men, Elastomeren oder Papier bestehen. Sie dür-
Anforderungen, Berechnungsverfahren und Hin- fen nicht perforiert sein. Dies gilt nicht für „Perfo-
weise für die Planung und Ausführung zum klim- rierungen“ durch Befestigungsmittel wie z. B.
abedingten Feuchteschutz in Gebäuden fest. Klammern. Gipsfaser-, Gipskarton-, Faserzement-
176 1 Geneigte Dächer

1.302c

1.302d 1.302e 1.302f


1.302 Luftdichtheitsschicht: Anschlüsse, Überlappungen, Durchdringungen (in Anlehnung an DIN 4108-7 – Auszug)
a) Überlappung mit doppelseitigem Klebeband oder Klebemasse
b) Anschluss an geputztes Mauerwerk oder Beton durch Einputzen
c) Installation ohne Durchdringung der Luftdichtheitsschicht
d) Durchdringung unter Verwendung einer vorkonfektionierten Manschette oder eines Formteils
e) Anschluss der Luftdichtheitsschicht an einer Pfette
f) Ortganganschluss der Luftdichtsheitsschicht an verputzte Mauerkrone bei Aufsparrendämmung
1 Wärmedämmung 8 Innenputz
2 Sparren 9 Putzträger, z. B. Streckmetall
3 Luftdichtheitsschicht 10 einseitiges Klebeband
4 einseitiges Klebeband ggf. mit Anpressleiste/Latte 11 vorkonfektionierte Manschette, Formteil
5 alt. Doppelseitiges Klebeband (Klebemasse) 12 Luftdichte Steckdose (z. B. beim Passivhaus)
oder komprimierbares Butyl-Kautschukband 13 Installationsebene (z. B. beim Passivhaus)
6 Raumseitige Bekleidung 14 Kabel in der Installationsebene
7 Mauerwerk oder Beton 15 Bahnenstreifen (rutschsicher)

und Holzwerkstoffplatten sowie Bleche sind luft- 1.9.5 Schallschutz1)


dicht.
Stöße der Bahnen und Anschlüsse an andere Bau- Art und Umfang erforderlicher Schallschutzmaß-
teile müssen mit speziell zugelassenen Klebebän- nahmen für die Außenflächen ausgebauter Dach-
dern sehr sorgfältig absolut luftdicht verklebt geschosse richten sich nach dem zu erwartenden
und im Übergang zu anderen Bauteilen (z. B. An- Außenlärmpegel gemäß DIN 18 005 (z. B. ver-
schlüsse an Massivbauteile/Rohrdurchführun- kehrsreiche Straßen o. Ä.).
gen) bestenfalls zusätzlich mechanisch befestigt In der Umgebung von Flughäfen ist das Gesetz
werden. Die Klebebänder müssen ihre Funktion zum Schutz gegen Fluglärm (FluLärmG) in Ver-
über Jahre hinweg gewährleisten und auch ge- bindung mit der Verordnung über bauliche
wisse Bewegungen des Dachstuhls ohne Scha- Schallschutzanforderungen zu beachten. Darin
den überstehen. In DIN 4108-7 sind für Stöße sind je nach Art des Flughafens Schutzzonen fest-
bzw. Überlappungen der Folien und für Bauteil- gelegt (Tag – Schutzzone 1 und 2 und Nacht –
anschlüsse genaue Hinweise enthalten, die in Bild Schutzzone).
1.302 in einigen Beispielen auszugsweise wieder- Voraussetzungen für guten Luftschallschutz sind
gegeben werden. bei Dachkonstruktionen

1) s. a. Abschn. 17.6 in Teil 1 dieses Werkes


1.9 Ausbau von Dachräumen 177

Ɣ möglichst dichte, schwere Dachdeckungen Nachweis erreicht werden. Bei davon abweichen-
(z. B. Faserzementplatten auf Nut-Feder-Scha- den Konstruktionen ist – ebenso wie für Decken
lung, Falzziegel, Betondachsteine o. Ä.), unter nicht ausgebauten Dachgeschossen – ein 1
Ɣ die Verwendung weicher Dämmstoffe wie z. B. entsprechender Nachweis zu führen. Der Schall-
Mineralwolleerzeugnisse, schutz der Dachdeckung wird dabei mit 10 dB
angesetzt.
Ɣ dichte, mehrlagige Innenschalen z. B. aus Gips-
kartonplatten (Nut-Feder-Schalungen sind we-
sentlich weniger schallschützend), Wohnungstrennwände. Besondere Schallschutz-
maßnahmen sind bei ausgebauten Dachge-
Ɣ Vermeidung von Schallbrücken insbesondere
schossen an Wohnungstrennwänden notwen-
durch mangelhafte Fugendichtungen.
dig. Es besteht die Gefahr der flankierenden
Schallübertragung über Sparren und Wärme-
Dachfenster sollten annähernd die gleichen dämmung, wenn Bauteile über die Trennwände
Schalldämmwerte aufweisen wie die angrenzen- hinweggeführt werden. Dies gilt z. B. für die
den Dachflächen. Dachlattung oder steife, geschlossenporige Wär-
Mit den in Bild 1.303 (DIN 4109 Bbl.1) gezeigten medämmplatten. Auch innen sichtbar bleibende
Konstruktionen kann bei Außenlärmpegeln bis Sparren können zu Schallübertragungen bei-
etwa 75 dB der erforderliche Schallschutz ohne tragen.

1.303a 1.303b 1.303c

1.303 Luftschallschutz von Dachkonstruktionen (DIN 4109 Bbl. 1)


a) Dach mit üblicher Dachdeckung, R’w,R 35 dB
b) Dachdeckung auf üblicher Deckungsart für R’w,R 40 dB bzw. mit Anforderung an die Dichtheit für R’w,R 45 dB
c) Dachdeckung mit Anforderung an die Dichtheit, R’w,R 45 dB
1 Mineralwolle nach DIN EN 13162, längenbezogener Strömungswiderstand = 5 kPa · s/m2
2 Spanplatten oder Gipskartonplatten
2a Spanplatten oder Gipskartonplatten ohne/mit Zwischenlattung
2b Raumspundschalung mit Nut und Feder, 24 mm
3 Zusätzliche Bekleidung aus Holz, -Spanplatten oder Gipskartonplatten mit m’ = 6 kg/m2
4 Zwischenlattung
5 Dampfsperre, bei zweilagiger raumseitiger Bekleidung kann die Dampfsperre auch zwischen den
Bekleidungen angeordnet werden
6 Hohlraum belüftet/nicht belüftet
7 Unterspannbahn oder ähnliches, z. B. harte Holzfaserplatten nach DIN EN 622 mit d • 3 mm
8 Dachdeckung auf Querlattung und erforderlichenfalls Konterlattung
8a Wie 8, jedoch mit Anforderungen an die Dichtheit (z. B. Faserzementplatten auf Rauhspund = 20 mm,
Dachziegel nach DIN EN 1304 bzw. Betondachsteine nach DIN EN 490, nicht verfalzte Dachziegel bzw.
Dachsteine in Mörtelbettung)

1.304
Schallschutz an Wohnungstrennwänden
(Wandanschlüsse s. Bild 1.302)
1 Gipskartonplatte, mehrlagig
2 Dampfsperre
3 Faserdämmstoff
4 Hohlraum belüftet/nicht belüftet
5 Unterspannplatten o. Ä.
6 Dachdeckung
7 vorkomprimiertes Fugendichtungsband
178 1 Geneigte Dächer

Wärmedämmungen sollen zumindest in den ers- Brand- und Rauchausbreitung und erschweren
ten angrenzenden Sparrenfeldern aus Mineralwol- die Brandbekämpfung.
1 lematerial bestehen. Die Dachinnenschale ist mehr- In vielen Fällen sind die Rettungswege bei Dach-
schichtig auszuführen. Beidseitig der Trennwand geschossen unübersichtlicher als in Normalge-
sollten wenigstens zwei Sparrenfelder ein Unter- schossen, und die Rettung eingeschlossener Per-
dach (s. Abschn. 1.9.3) haben. Dachlatten sind über sonen ist über die geneigten Dachflächen schwie-
der Trennwand zu unterbrechen (Bild 1.304). riger.
Die Anforderungen an den baulichen Brand-
schutz bei ausgebauten Dachgeschossen sind in
1.9.6 Brandschutz den einzelnen Bundesländern unterschiedlich.
Allgemein gilt:
Für ausgebaute Dachgeschosse gelten grund-
sätzlich die gleichen Anforderungen wie für Woh- Ɣ Für Wärmedämmungen dürfen nur die Bau-
nungen in normalen Geschossen. Zu bedenken stoffe der Brennbarkeitsklasse B 2 (DIN 4102)
ist, dass sich durch nachträglichen Dachgeschoss- verwendet werden.
ausbau die Gebäudeklasse (s. Abschn. 4.1.2 und Ɣ Wohnungstrennwände innerhalb ausgebauter
Abschn. 17.7.2 in Teil 1 dieses Werkes) ändern Dachgeschosse müssen feuerbeständig (F 90,
kann und dadurch an das Gesamtgebäude höhe- Brennbarkeitsklasse A) hergestellt werden.
re brandschutztechnische Anforderungen ge- Ɣ Räume, ihre Zugänge und die dazugehörigen
stellt werden als vor dem Ausbau. Nebenräume müssen durch mindestens feu-
Unterschieden wird zwischen Brandbeanspru- erhemmende Bauteile (F30/T30) gegen nicht
chung von außen („harte“ oder „weiche“ Beda- ausgebaute Dachräume abgeschlossen sein.
chung, s. Abschn. 1.6.1) und Brandbeanspru-
chung von innen. In Dachgeschossen, in denen in Die darüber hinaus in den Bauordnungen einzel-
darüber liegenden Geschossen oder Ebenen ner Bundesländer enthaltenen Einzelvorschriften
keine Aufenthaltsräume möglich sind, sind die sind zu beachten. Vor allem jedoch sollten bei der
Brandschutzanforderungen gering (je nach GK Planung möglichst übersichtliche Rettungswege
bis F0). vorgesehen werden. Bei größeren Objekten ist
Bei traufseitig aneinander gebauten Gebäuden eine Abstimmung mit den Brandschutzbehörden
(Dachgraben) ist die Dachkonstruktionen für eine dringend anzuraten.
Brandbeanspruchung von innen nach außen ein-
schl. ihrer tragenden und aussteifenden Bauteile
feuerhemmend (F30) auszubilden. Öffnungen 1.9.7 Ausführungsarten
müssen lotrecht gemessen • 2 m von Brandwän-
den entfernt sein. Allgemeines
Brandwände sind entweder 30 cm über Dach zu
führen oder die Dachkonstruktion muss beider- Folgende Konstruktionsarten für Dächer werden
seitig der Brandwand jeweils mindestens 50 cm hinsichtlich ihrer Hinterlüftungskonzepte für die
horizontal feuerbeständig (F90) hergestellt wer- Wärmedämmung einerseits sowie die Dachde-
ckungen andererseits unterschieden.
den. Brennbare Bauteile (Dachlattungen) dürfen
über diesen Bereich nicht herübergeführt wer- Die Unterscheidung bezüglich einer Hinterlüf-
den. tung der Wärmedämmung erfolgt in:
Dächer von Anbauten an Wände mit Fenstern Ɣ nicht belüftete Dächer, bei denen oberhalb der
müssen in einem Abstand von • 5 m so feuerwi- Wärmedämmung keine belüftete Luftschicht
derstandsfähig sein, wie die Decke des anschlie- angeordnet ist. Hierzu gehören auch Dachkon-
ßenden Gebäudeteils. struktionen, die außenseitig im weiteren Dach-
aufbau angeordnete Lüftungsebenen oder
Es ist jedoch zu beachten, dass Dachgeschosse
Luftschichten (z. B. Hinterlüftung der Dachde-
bei Bränden Sonderfälle für die Brandbekämp- ckung) haben (Bild 1.296a).
fung bilden. So ist z. B. die Einwirkung von Lösch-
wasser begrenzt, weil die Dachflächen weitge- Ɣ belüftete Dächer, bei denen direkt oberhalb der
hend wasserdicht sind. Hohlräume innerhalb der Wärmedämmung eine belüftete Luftschicht
Konstruktion aber auch nicht ausgebaute Dach- angeordnet ist (Bild 1.296b).
raumteile in Dachschrägen u. Ä. begünstigen die
1.9 Ausbau von Dachräumen 179

Hinsichtlich der Belüftung der Dachdeckungen Tabelle 1.305 Zuordnung für Werte der wasserdampf-
werden belüftete Dachdeckungen auf linienförmi- diffusionsäquivalenten Luftschichtdicken
ger Unterlage (z. B. Konter- und Dachlattung) und der außen- und raumseitig zur
Wärmedämmschicht liegenden Schichten 1
nicht belüftete Dachdeckungen auf flächige Unter- (Tab. 1: DIN 4108-3)
lage (z. B. Metall- oder Schieferdeckungen auf
Schalung) unterschieden.

Nicht belüftete Dachkonstruktionen


Nicht hinterlüftete Wärmedämmungen mit Voll-
sparrendämmung (Bild 1.295c und 1.296a) sind
besonders dadurch wirtschaftlich, dass bei der
statischen Bemessung niedrigere, der heute
nötigen großen Dämmstoffdicke entsprechende
Sparrenquerschnitte gewählt werden können
und sind hierdurch bedingt heute die Regelaus-
führung.
Der Wärmedurchlasswiderstand von Bauteil-
schichten unterhalb der diffusionshemmenden
Schicht (Dampfsperre/Dampfbremse) darf ohne
rechnerischen Nachweis max. 20% des Gesamt-
wärmedurchlasswiderstandes betragen.
Nach DIN 4108-3 ist kein rechnerischer Tauwasser-
Nachweis erforderlich (s. hierzu auch Abschn.
17.5 in Teil 1 des Werkes) für:
Ɣ nicht belüftete Dächer (Vollsparrendämmung)
mit belüfteter Dachdeckung oder mit zusätzlich
belüfteter Luftschicht unter nicht belüfteter Holzschutz. Auf chemischen Holzschutz darf ver-
Dachdeckung und einer Wärmedämmung zwi- zichtet werden, denn nach DIN 68 800-2 dürfen
schen, unter und/oder über den Sparren und nicht belüftete Dachkonstruktionen in die Ge-
zusätzlicher regensichernder Schicht bei einer brauchsklasse GK1 gem. DIN EN 335-1 (ehem. Ge-
Zuordnung der Werte der wasserdampfdiffu- fährdungsklasse 0 nach DIN 68 800-3-alt) einge-
sionsäquivalenten Luftschichtdicken sd nach ordnet werden (s. Abschn. 1.2.2). Voraussetzun-
Tabelle 1.305; gen dafür sind u. A.:
Ɣ nicht belüftete Dächer (Vollsparrendämmung) Ɣ obere Abdeckung (Unterspannbahnen) mit
mit nicht belüfteter Dachdeckung und einer sd < 0,2 m
raumseitigen diffusionshemmenden Schicht mit
Ɣ obere Abdeckung mit offener Brettschalung,
sd, i t 100 m unterhalb der Wärmedämmschicht;
Brettbreite < 100 mm, Fugenbreite > 5 mm
Ɣ nicht belüftete Dächer (Vollsparrendämmung) und aufliegende wasserableitende Schicht mit
mit Dachabdichtung mit einer diffusionshem- sd < 0,02 m
menden Schicht mit sd, i t 100 unterhalb der
Ɣ obere Abdeckung mit sd < 0,2 m, Dachde-
Wärmedämmschicht;
ckung oberhalb der Konterlattung und des
Ɣ nicht belüftete Dächer aus Porenbeton-Fertig- belüfteten Hohlraumes: Brettschalung mit
teilen nach DIN 4223 ohne diffusionshemmen- Zwischenlage und Deckungen aus Blechen
de Schicht an der Unterseite und ohne zusätzli- oder Schiefer.
che Wärmedämmung;
Zu beachten ist jedoch ggf. der Holzschutz von
Anmerkung: Bei nicht belüfteten Dächern (Vollsparren- Dachsparren in überstehenden Traufgesimsen.
dämmung) mit belüfteter oder nicht belüfteter Dach-
deckung und äußeren diffusionshemmenden Schichten
mit sd, e t 2 m kann erhöhte Baufeuchte oder später Belüftete Dachkonstruktionen
z. B. durch Undichtheiten eingedrungene Feuchte nur
schlecht oder gar nicht austrocknen (s. hierzu auch Ab- Bei den belüfteten Konstruktionen (Bild 1.295a
schn. 2.4.4). und b und 1.296b) ist die Dachhaut durch eine
180 1 Geneigte Dächer

Luftschicht1) von den wärmegedämmten Raum- widerstand. Es können dann eventuell eingela-
abschlussteilen (oberste Raumdecke) getrennt. gerte Wasserdampfmengen auch auf die Innen-
1 Bei belüfteten Dachkonstruktionen gelten als seite entweichen. Feuchteadaptive Dampfbrem-
Vorteile: sen kommen auch bei Innendämmungen von
Außenwänden infrage3).
Ɣ Bessere Abschirmung gegen unerwünschte
Wärmeeinstrahlung mit guter Wärmeabfuhr Für belüftete Dächer mit einer Dachneigung t 5°
durch Ventilation; damit verbunden geringere erübrigt sich ein rechnerischer Tauwasser-
Temperaturbelastung der Dachhaut (insbeson- Nachweis unter folgenden Bedingungen:
dere bei metallischen Dachdeckungen zu emp- Ɣ Die Höhe des freien Lüftungsquerschnittes
fehlen!). innerhalb des Dachbereiches über der Wär-
Ɣ Verminderte Problematik hinsichtlich Wasser- medämmschicht muss mindestens 2 cm be-
dampfdiffusion. tragen.
Nachteilig hinsichtlich des winterlichen Wärme- Ɣ Der freie Lüftungsquerschnitt an den Traufen
schutzes wirkt sich die in die Konstruktion einge- bzw. an Traufe und Pultdachabschluss muss
leitete kalte Luft auf die Dämmfähigkeit und Luft- mindestens 2‰ der zugehörigen geneigten
dichtigkeit der Gesamtkonstruktion aus. Dachfläche betragen, mindestens jedoch 200
Voraussetzung für die Wirksamkeit sind ausrei- cm2/m.
chend bemessene Belüftungsquerschnitte mit Ɣ Bei Satteldächern sind an First und Grat Min-
hindernisfreien, möglichst glatten Belüftungswe- destlüftungsquerschnitte von 0,5‰ der zu-
gen. Der erforderliche Luftaustausch wird bewirkt gehörigen geneigten Dachfläche erforderlich,
durch Staudruck des Windes auf die Zuluftöff- mindestens jedoch 50 cm2/m.
nungen (an den Traufen), unterstützt durch Auf- Ɣ Belüftete Dächer mit einer Dachneigung < 5°
trieb und durch Sogwirkung an den Abluftöff- erfordern eine diffusionshemmende Schicht
nungen (am First). Dadurch wird Tauwasserbil- mit sd, i t 100 m unterhalb der Wärmedämm-
dung vermieden bzw. werden geringfügig schicht und Bauteilschichten unterhalb der dif-
Tauwassermengen abgetrocknet. fusionshemmenden Schicht dürfen höchstens
In jedem Fall ist durch eine richtig dimensio-
nierte und sehr sorgfältig ausgeführte Dampf-
3)
sperre oder Dampfbremse2) ein völlig dichter Dampfsperren bestehen meistens aus geschlossenen
Abschluss zwischen Innenraum und den Hinter- Kunststofffolien, die zur Verbesserung der Festigkeit mit
Vliesen kaschiert oder mit Kunststoffgittern armiert werden.
lüftungsräumen sicherzustellen. Andernfalls Neuere Entwicklungen von Dampfbremsen verfügen über
kommt es zu Feuchtigkeitseinträgen in die Kon- einen variablen Diffusionswiderstand. Man unterscheidet
struktion, die auf Dauer zu schweren Bauschäden hierbei zwei Funktionsweisen, die als kapillaraktive und
führen. feuchteadaptive Dampfbremsen bezeichnet werden.
Die feuchteadaptive Dampfbremse passt durch Feuch-
tigkeitsaufnahme (Feuchtespeichereffekt) ihren sd-Wert
Feuchteadaptive Dampfbremsen. Neuere Ma- der Umgebungsfeuchte an. Hierdurch steigt im Winter
terialentwicklungen sind feuchteadaptive bzw. der Sperrwert der Dampfbremse aufgrund der trockenen
kapillaraktive Dampfbremsmaterialien, bei de- Umgebungsfeuchte an und schützt die Konstruktion vor
nen eine Anpassung der Widerstandswirkung der Eintritt von feuchtwarmer Raumluft. Im Sommer wirkt sie
Dampfbremsbahnen gegen die anstehende Was- dem umgekehrten Effekt (Umkehrdiffusion durch um-
gekehrten Partialdampfdruck) entgegen. Hierbei dringt
serdampfmenge möglich ist. Bei erhöhter Was- an schwülen, warmen Sommertagen insbesondere bei
serdampfmenge insbesondere im Winter erhöht klimatisierten/gekühlten Räumen feuchtwarme Luft von
sich der Widerstand gegen Dampfdiffusion. Im außen bis zur Dampfsperre in die Konstruktion ein. Das
Sommer hingegen verringert sich der Diffusions- kann zur Folge haben, dass die Luftfeuchtigkeit unterhalb
der Dämmung bzw. oberhalb der Dampfsperre ansteigt
und es ggf. durch Unterschreitung der Taupunkttempera-
1) DIN 4108-3 bezeichnet eine belüftet Luftschicht als Kon- tur zu einem Kondensatsausfall kommt. Dieses wird durch
struktion, die zum Zwecke der konvektiven Feuchteabfuhr die gute Wasseraufnahmefähigkeit feuchteadaptiven
mit der Umgebungsluft in Verbindung steht. Kunststoffs aus Polyamid und die damit verbundene
2) Unterschieden werden diffusionsdichte Schichten (sd • Erhöhung der Permeabilität (Durchlässigkeit) für Was-
1500m), diffusionshemmende Schichten (sd < 1500 m) und serdampf verhindert.
diffusionsoffene Schichten (sd d 0,5 m). Bauteile mit einer Kapillaraktive Dampfbremsen aus ein- oder wechselseitig
wasserdampfdiffusionsäquivalenten Luftschichtdicke polymerbeschichteten, stark wassersaugenden Vliesen
sd • 10 m werden als Dampfbremsen und sd • 100 m als nehmen anfallende Feuchtigkeit auf und geben sie lang-
Dampfsperren bezeichnet. sam wieder an die Raumluft ab.
1.9 Ausbau von Dachräumen 181

1.306 Aufsparrendämmsystem zur direkten Aufnahme der Schieferdeckung (System ThermoSklent, Rathschek-
Schiefer)
1 Schiefereindeckung
2 Diffusionsoffene Vordeckung (nicht zwingend erforderlich)
3 Agepan DWD, 19 mm
4 EPS-Kern
5 Alternativer Dämmstoff (evtl. Dampfsperre erforderlich) Zwischensparrendämmung mit EPS
6 Luftdichtheitssperre (diffusionsoffen)
7 Innenbekleidung

20% des Gesamtwärmedurchlasswiderstandes lere Dachneigungen begünstigen die Luftströ-


aufweisen. mung innerhalb der Konstruktion, während kom-
plizierte Grundrissformen, Hindernisse im Luft-
Anmerkung 1: Bei klimatisch unterschiedlich beanspruch-
ten Flächen eines Daches (z. B. Nord/Süd-Dachflächen) ist
strom und insbesondere geringe Dachneigung in
eine Abschottung der Belüftungsschicht im Firstbereich Verbindung mit windgeschützter Lage eines Ge-
zweckmäßig. bäudes die Wirksamkeit einer Belüftung stark be-
Anmerkung 2: Bei Kehlen sind Lüftungsöffnungen im All- einträchtigen können (Bild 1.307).
gemeinen nicht möglich. Solche Dachkonstruktionen – Es muss auch beachtet werden, dass Wärmedäm-
auch solche Dachgauben – sind daher zweckmäßiger
ohne Belüftung auszuführen.
mungen aus Faserdämmstoffen nachträglich um
bis zu 30% aufquellen können und dadurch ggf.
Ɣ Der sd-Wert der unterhalb der Belüftungs- geplante Lüftungsquerschnitte eventuell kaum
schicht angeordneten Bauteilschichten muss noch vorhanden sind. Es sollten daher nur die An-
insgesamt mindestens 2 m betragen. wendungstypen W und WD eingeplant werden.
Dachneigung, Dachform und Querschnittsform Im Übrigen muss in jedem Fall dafür gesorgt wer-
des Bauwerkes können die Durchlüftung der den, dass der Luftstrom innerhalb der Dachkons-
Dachkonstruktion wesentlich beeinflussen. Stei- truktion nicht durch Wechsel, Dachfenster, Dach-
182 1 Geneigte Dächer

1.307 Einfluss der Windrichtung und der Dachform auf die Wirksamkeit von Belüftungen

gauben, Schornsteine und ähnliche Hindernisse Fußpfetten so festzulegen, dass keine Schwach-
unterbrochen wird. Bei derartigen Durchdringun- punkte entstehen.
gen der Lüftungsquerschnitte muss durch Kon- Auch beim nachträglichen Ausbau von Dachge-
terlattungen oder vergleichbare Maßnahmen schossen mit gleichzeitiger Sanierung der Dach-
eine Umlenkung der Luftströmung ermöglicht deckung können aufliegende Wärmedämmun-
werden (vgl. Bild 1.297). gen vor allem unter dem Aspekt möglichst kurzer
Ausführungszeiten günstig eingesetzt werden.
Aufliegende Wärmedämmung Inzwischen sind auch Aufsparrendämmsysteme
Aufliegende Wärmedämmung (Bild 1.295d) aus auf dem Markt, die neben Ziegel- und Dachstein-
großformatigen vorgefertigten Elementen (s. a. deckungen die direkte Aufnahme von Schiefer
Bild. 1.64) – auch in Verbindung mit tragenden und anderen Dachplatten ermöglichen. Dabei
Bauteilen (Sparren/Koppelpfetten) – werden können kostenintensive Unterkonstruktionen ent-
i. d. R. in Neubauten mit möglichst einfach gestal- fallen (Bild 1.306).
teten Satteldachflächen eingesetzt, und auch,
wenn die Sparren innen sichtbar bleiben sollen.
In solchen Fällen bestehen die Sparren und sons- 1.9.8 Innenflächen
tige Konstruktionsteile aus Holz, in der Regel aus
vollkantigen, gehobelten Vollhölzern oder aus Beim Ausbau von Dachgeschossen sind Raumbe-
Brettschichtholz. grenzungsflächen nötig, die zur Gewährleistung
Die nach der Energieeinsparverordnung gefor- eines angenehmen Wohnklimas vorübergehend
derten hohen Dämmwerte und der sich im- Feuchtigkeit speichern können. Dafür sind Beklei-
mer stärker durchsetzende Passivhaus-Standard dungen aus Gipskartonplatten sehr gut geeignet.
haben dazu geführt, dass häufig auch die auf- Es ist aber zu berücksichtigen, dass die Balken des
liegende Wärmedämmung in Kombination mit Dachstuhles durch das Schwinden des Holzes,
der Zwischensparrendämmung zur Ausführung durch Setzung, eventuell auch durch wechselnde
kommt. Auch bei energetischen Sanierungen von Belastung (Winddruck und sog. Schneelast) keine
Altbauten ist die Kombination von Aufsparren- starren Ebenen bilden. Es muss immer mit gering-
und Vollsparrendämmung häufig eine sinnvolle fügigen Bewegungen und Formänderungen ge-
Alternative. rechnet werden.
Alle größeren Durchdringungen durch Gauben Bei großflächigen Ausbauelementen (z. B. Gips-
usw. sollten möglichst vermieden werden. Zur kartonplatten) besteht daher besonders in Neu-
Vermeidung von Wärmebrücken an den Über- bauten immer – auch bei sorgfältigem und vor-
gängen sind für liegende Dachfenster spezielle schriftsmäßigem Einbau – die Gefahr der Rissbil-
PUR- Übergangsprofile auf dem Markt. dung an den Plattenstößen und insbesondere an
Besondere Aufmerksamkeit erfordert der Über- den Anschlüssen zu den Wandflächen.
gang zwischen der Dachdämmung und den Au- Dieser Nachteil besteht nicht, wenn Schalungen
ßenwänden. Die Details sind je nach Lage der aus Profilbrettern, Paneelen oder sonstigen klein-
1.10 Dachfenster und Dachgauben 183

formatigen Materialien verwendet oder GK-Plat- ren Ansprüche hinsichtlich Wärmeschutz gestellt
ten zweilagig eingebaut werden. Um unver- werden und die nicht für Lüftung oder Reinigung
meidliche Ungenauigkeiten gegenüber den Gie- geöffnet werden müssen, können mit fest ver- 1
bel- und sonstigen Umfassungswänden besser glasten Sprossensystemen ausgeführt werden
ausgleichen zu können, werden dabei Wandan- (Bild 1.308).
schlüsse am besten mit mindestens 2 cm breiten Derartige Glasbausysteme, die besonders auch
Schattenfugen ausgeführt. im Industriebau eingesetzt werden, bestehen aus
Auf die sorgfältige Ausführung aller Anschlüsse Sprossenprofilen (hergestellt aus verzinktem
der Luftdichtheits-Folien bzw. der Dampfsperre Stahlblech, Walzstahl oder Aluminium). Zwischen
ist besonders zu achten (s. Bild 1.302). Die dabei ihnen werden Sicherheits- oder Gussdrahtglas-
einsetzbaren Anpresslatten (Bild 1.302a) können scheiben in Einfach- oder Isolierverglasung mit
als Unterkonstruktion für Deckenbekleidungen Quetschdichtungen, ferner auch Stegdoppelplat-
verwendet werden. ten durch Verschraubung montiert (Bild 1.309). In
den Technischen Regeln für linienförmig gelager-
te Verglasungen (TRLV) ist für Oberlichtver-
1.10 Dachfenster glasungen („Überkopfverglasung“ bei > 10o Nei-
gung zur Vertikalen) raumseitig splitterbinden-
und Dachgauben des Glas (bzw. Drahtglas, Verbundsicherheitsglas
VSG) vorgeschrieben.
1.10.1 Flächenverglasungen
(verglaste Dachflächen)1) Mit Hilfe zusätzlicher Übergangsprofile aus abge-
kanteten Blechen sind Übergänge und der An-
Belichtungsflächen können in einfacher Weise schluss an alle anderen Bauteile möglich.
mit durchscheinendem Deckungsmaterial ge- Die Dachneigung verglaster Flächen sollte bei
schaffen werden wie Falzpfannen aus Glas oder Flächen ohne Querstöße mindestens 10° betra-
Acrylglas und Welldrahtglas oder Wellkunststoff- gen. Sind Querstöße mit Sprossenprofilen unver-
platten. Derartige Belichtungen kommen jedoch meidlich, sollte zur Vermeidung von Stauwas-
nur für nicht ausgebaute Dachräume oder unter- ser eine Mindestneigung von 30° vorgesehen
geordnete Räume in Frage, da die Gefahr der werden.
Kondenswasserbildung besonders groß ist. Übergänge zwischen verschiedenen Vergla-
Lichtbänder („Atelierfenster, Sheddachvergla- sungsflächen werden durch speziell geformte
sungen“) in Dachflächen, an die keine besonde- Dichtungsprofile, im Übrigen durch Kombinatio-
nen mit abgekanteten Blechwinkeln oder Mehr-
1) s. auch Abschn. 5.4.5 schichtplatten gebildet (Bild 1.310).

1.308 Verglasung von Fensterflächen einer Shedhalle


184 1 Geneigte Dächer

1.309 Industrieverglasungen (Eberspächer)


a) Einfachverglasung (Drahtglas oder Sicherheitsglas)
b) Verglasung mit Steg-Doppelplatte
c) Lichtstreuende Doppelverglasung, bestehend aus Gussglas, lichtstreuender Kapillarplatte und Drahtglas
(„Ovalux“)
d) Doppelverglasung
e) Wärmedämmende Doppelverglasung, bestehend aus Steg-Doppelplatte und Drahtglas
f) Isolierverglasung (raumseitig Sicherheitsverglasung)

1.310 Übergänge zwischen verschiedenen Verglasungsflächen


a) Übergang mit Spezial-Eckprofilen
b) Übergang mit abgewinkeltem Verbundelement

Neben standardisierten Belichtungselementen 1.10.2 Dachflächenfenster


wie z. B. Pyramidenkuppeln für verschiedene Grö-
ßen von Deckenöffnungen sind für Belüftungen, Dachflächenfenster (DFF) werden für ausgebaute
Rauchabzüge, Sonnenschutzeinrichtungen usw. Dachgeschosse verwendet, wenn Dachgauben
besondere Bauelemente auf dem Markt. oder Dachaufbauten durch Bausatzungen nicht
Für die Verglasung geneigter Dachflächen sind zulässig oder zu kostenaufwändig sind. Sie stel-
Isoliergläser mit Stufenfalz (Stufenglas) gut ge- len eine optische Unterbrechung der Dachde-
eignet, weil dadurch an erforderlichen Stößen ckung und deutliche Schwächung des wärmege-
Quersprossen vermieden werden können. dämmten Dachaufbaus dar. Der Einbau erfordert
hinsichtlich Planung und Ausführung der sehr
unterschiedlichen Bauteilschichten und kompli-
zierten Anschlüsse größte Sorgfalt.
1.10 Dachfenster und Dachgauben 185

1.311a 1.311b 1.311c 1.311d


1.311 Öffnungsarten von Dachflächenfenstern
a) Schwing-Fenster
b) Klapp-Schwing-Fenster
c) Schwing- und Klapp-Fenster
d) Klapp-Schiebe-Fenster

1.312 Dachflächenfenster (Schnitte und Eindeckrahmen System VELUX)

Dachflächenfenster werden in verschiedenen, Durchblick behindern. Dachflächenfenster wei-


auf die üblichen Sparrenabstände (vgl. Bild 1.316) sen daher heute meist eine Kombination von
und Dachneigungen von Holzdächern abge- Schwing- und Klappbeschlägen auf (1.311b).
stimmten Formaten und Öffnungsarten geliefert
Isolierverglasung, Dauerlüftungen, Sonnen-
(Bild 1.311). Zu praktisch allen Dachdeckungsar-
schutzjalousetten oder -markisen, Verdunklungs-
ten gibt es passende Eindeckrahmen, so dass
rollos und Insektengitter als Zusatzausstattung
Dachflächenfenster im Zuge der Dachdeckerar-
machen aus Dachflächenfenstern Bauelemente
beiten vom Dachdecker mit eingebaut werden
mit vielfältigen Zusatzfunktionen.
können (Bild 1.312). Fast alle Fabrikate bestehen
aus Kombinationen von Holz und Aluminiumpro- Bei der Planung von Dachflächenfenstern muss in
filen. Für die Reinigung der Dachflächenfenster der Regel der freie Zugang zum Fenster berück-
sind Schwingflügel am günstigsten, die jedoch sichtigt werden, d. h. dass die Oberkante des
geöffnet störend im Innenraum sind und den Fensters bei mindestens 2,00 m liegen muss.
186 1 Geneigte Dächer

spannbahnen sind oberhalb der Dachflächen-


fenster so umzuschlagen, dass ablaufendes
1 Wasser an den Öffnungen vorbeigeleitet wird
(Ablaufschlaufe) (vgl. Abschn. 1.9.2, Bild 1.291b
und 1.297). Die raumseitige Dampfsperre muss
sehr sorgfältig an die Fensterrahmen angeschlos-
sen werden, und alle Fugen in der Wärmedäm-
mung sind voll auszustopfen bzw. mit vorkompri-
mierten Fugendichtungsbändern zu verschießen.
1.313 Einbauhöhen von Dachflächenfenstern bei Der auch hier vielfach eingesetzte Bauschaum ist
unterschiedlicher Dachneigung
kaum in der Lage Verformungen von Tragwerken
aus Holz aufgrund seiner starren Konsistenz aus-
Wenn ein Ausblick auch im Sitzen gewünscht zugleichen und Fugen zwischen Holzdachstuhl
wird, ist eine Brüstungshöhe von etwa 85 cm er- und Fensterrahmen dauerhaft zu schließen.
forderlich. Je nach Dachneigung ergeben sich
daraus die Höhenmaße für die Dachflächenfens-
ter (Bild 1.313). Da aus technischen Gründen die 1.10.3 Dachgauben
Höhe von Dachfenstern auf etwa 1,60 m begrenzt
ist, kann eine Anordnung von zwei Dachflächen- Dachgauben (auch „Gaupen“) und Dachaufbau-
fenstern übereinander oder eine Kombination ten werden nicht nur zur Belichtung und Belüf-
mit senkrechten Fensterflächen in Frage kom- tung von Dachräumen eingesetzt, sondern sie
men (Bild 1.314). Mit Hilfe besonderer Kombina- gliedern darüber hinaus auch die Dachfläche und
tions-Eindeckrahmen können mehrere einzelne können gestalterische Akzente setzen. Deshalb
Dachflächenfenster auch ohne Auswechslung ist es wichtig, die Gaubenproportionen der Pro-
der Sparren nebeneinander eingebaut und zu portion der Dachfläche anzupassen und die
Fensterbändern kombiniert werden. Dachfläche weder mit überdimensionierten Gau-
Im Übrigen sind auch für den Einbau von Dachflä- ben noch mit einer zu hohen Anzahl von Gauben
chenfenstern die Vorschriften der Landesbauord- zu überladen.
nungen zu beachten. So muss die Fensterfläche Die Gaubenhöhe ist abhängig von
bei Wohnräumen mindestens 1/8 der Grund-
Ɣ der Höhe des Gaubenspiegels,
fläche betragen. Sie müssen von Brandwänden
einen Mindestabstand von 1,25 m haben. Bei gie- Ɣ der Neigung der Gaubendachfläche ,
belständigen Reihenhäusern muss der Abstand Ɣ der Konstruktionsdicke der Gaubendachfläche
von der Grenzlinie an der Traufe mindestens (s. a. Bild 1.318).
2,00 m betragen.
Vielfach wird versucht, durch übergroße Gauben
Einbau. Beim Einbau ist unbedingt darauf zu ach- Dachgeschosse unter Umgehung einschränken-
ten, dass die Belüftungsquerschnitte der Dach- der Bestimmungen fast wie Vollgeschosse zu
konstruktion nicht unterbrochen werden. Unter- nutzen. Oft sind daher in Bausatzungen bzw. Be-

1.314a 1.314b 1.314c

1.314 Dachflächenfenster mit niedrigem unterem Durchsichtpunkt


a) Einbau von 2 Dachflächenfenstern übereinander
b) Dachflächenfenster mit fest verglaster senkrechter Fläche
c) Dachflächenfenster mit senkrechtem Brüstungsanschluss (VELUX)
1.10 Dachfenster und Dachgauben 187

1.315a 1.315b

1.315c 1.315d

1.315e 1.315f

1.315g 1.315h
1.315 Gaubenformen
a) Giebelgaube, b) Schleppgaube, c) Walmgaube, d) Fenstererker, e) Gaube mit verglasten Wangen
f) Fledermausgaube (Ochsenauge), g) Dachreiter, h) Zwerchgiebel
188 1 Geneigte Dächer

1.316a 1.316b 1.316c


1.316 Einbau von Gauben
a) Zwischen den Sparren, Einzelgaube
b) Gaube in ausgewechseltem Sparrenfeld
c) Gaubenreihung bei durchlaufenden Sparren

bauungsplänen Verbote oder enge Bestimmun- In weiterem Sinn können auch Zwerchgiebel (Bild
gen für Gauben enthalten. 1.315h) und Dachreiter (Bild 1.315g) in diesem
Für die gestalterische und konstruktive Aus- Rahmen genannt werden. Zu diesen Grundtypen
führung von Gauben gibt es zahlreiche Möglich- sind vielfache Varianten möglich.
keiten: Während die Höhenlage der Gauben durch Brüs-
Ɣ Fledermausgauben, bei denen die Dachhaut tungsmaß und die mindestens nötige Innenhöhe
nur leicht angehoben erscheint, im Übrigen von ca. 2,00 m vorgegeben ist, richtet sich die
aber nicht unterbrochen wird, kommen für Breite technisch nach den Einbaumöglichkeiten
Reet-, Schindel-, Biberschwanz- und Schiefer- innerhalb der Dachkonstruktion.
deckung überwiegend in der Altbausanierung Kleinere Gauben können zwischen den Dachspar-
in Frage, Bild 1.315f. ren eingebaut werden (Bild 1.316a) und können
Ɣ Schleppdachgauben, über die das steilere somit etwa 70 bis 80 cm breit sein. Für breitere
Hauptdach mit geringerer Neigung „abge- Gauben müssen die Sparren „ausgewechselt“
schleppt“ wird. Die dreieckförmigen Seiten- werden (Bild 1.316b). Während dies bei Pfetten-
flächen (Gaubenbacken bzw. Gaubenwangen dachkonstruktionen in den Dachfeldern zwi-
können geschlossen (Bild 1.315b) oder zur Ver- schen den Bindern technisch problemlos ist, kann
besserung der Belichtung verglast werden (Bild bei Sparrendächern meistens nur ein Sparren aus-
1.315 e). Hierbei ist jedoch die Möglichkeit zur gewechselt werden. Es können in beiden Fällen
Außenreinigung der Verglasung der Gauben- aber auch durchlaufende Sparren als Gestal-
wangen zu berücksichtigen. tungselement des Innenraumes einbezogen wer-
Ɣ Dachhäuschen als Giebel- oder Walmgauben den (Bild 1.316c).
(Bild 1.315a, c und d). Schleppsparren von Schleppgauben liegen auf
den Hauptsparren bzw. auf Wechseln – eventuell
auch auf den Mittelpfetten – auf.
Die Vorderseite aller Dachfensteraufbauten bil-
det ein Kantholz- oder Bohlenrahmen (Gauben-
stock), der in Brüstungshöhe auf die Sparren oder
unmittelbar auf die Geschossdecke aufgesetzt
wird. Das obere Rahmenholz trägt die Gauben-
sparren oder das Gaubendach (Bild 1.317).
An den seitlichen Rahmenpfosten werden bei
Schleppgaube und Dachhäuschen die Gauben-
wangen befestigt.
Bei kleinformatigen Materialien wie Schiefer
oder Biberschwänzen können die Übergänge
zwischen Dach- und Gaubenflächen als gedeckte
1.317 Ständer- und Rahmenkonstruktion für Kehlen ausgeführt werden. Besser ist aber der
Gauben-Stirnseiten Anschluss mit Hilfe von unterlegten Blech-
1.10 Dachfenster und Dachgauben 189

1.318 Schleppdachgaube mit Hohlpfannendeckung


1 Gipskartonplatte 5 Außenschalung
2 Wärmedämmung mit raumseitiger 6 Eckleiste
Dampfsperre bzw. Luftdichtheitsebene 7 Schichtstück (Nockenblech)
3 Schalung 8 Hohlpfanne
4 Bitumen-Dachbahn V13
190 1 Geneigte Dächer

Bei Deckungen mit Dachziegeln oder Dachstei-


nen wird die Gaubenbreite von der Deckbreite
1 des verwendeten Dachdeckungsmaterials be-
stimmt.
Bei Dachhäuschen und bei kleinen oder kompli-
zierten Gaubendachflächen ist die Eindeckung –
auch der Wangen – meistens nur mit Metall aus-
führbar (s. Abschn. 1.6.9).
Für die Entwässerung von Gaubendächern insbe-
sondere von Schleppgauben müssen Vorkehrun-
gen getroffen werden, wenn oberhalb der Gau-
ben größere Dachflächen liegen. In diesem Fall
muss an der Stirnseite eine entsprechend dimen-
sionierte Regenrinne vorgesehen werden, deren
Ablauf meistens seitlich auf die Dachfläche ge-
führt wird. Um das zu vermeiden, kann das ober-
halb der Schleppgaube anfallendes Regenwasser
auf die seitlich angrenzenden Dachflächen abge-
leitet werden.
Bei den anderen Glaubenarten wird das Regen-
wasser seitlich an der Gaube vorbeigeleitet. Das
kann jedoch – besonders bei Vereisung im Winter
– leicht zu Rückstau in den Kehlanschlüssen füh-
ren. Diese müssen daher ausreichend unter die
angrenzenden Dachflächen geführt sein und die
erforderlichen Querschnitte haben (vgl. Bild 1.318).
Bild 1.318 zeigt eine kleine Schleppdachgaube,
die mit Hohlpfannen in Vorschnittdeckung ge-
deckt ist. Der linke Rand des Gaubendaches ist
mit Doppelkrempziegeln gedeckt. Die Gauben-
wangen sind doppelt geschalt. Die Kehle zwi-
schen Gaube und Dachflächen ist in alter Hand-
werkstechnik mit Nockenblechen (Schichtstü-
cken) ausgebildet, die schuppenartig in die
1.319 Gaube mit verglasten Wangen [Architekt: Rongen
Dachdeckung eingebunden und hinter die Scha-
Architekten, Wassenberg] lung der Gaubenwangen hochgeführt werden.
1 Verschalung auf Nut 11 L-Profil Eine Gaube mit verglasten Wangen und Metall-
und Feder 12 Deckleiste eindeckung zeigt Bild 1.319.
2 Stabsperrholz 13 Sechskantschraube Die Rahmenkonstruktion dieser Gaube ist aus
3 Sparren 14 Bauseitiges Vorlageband
4 Dampfsperre 15 Blendrahmen Stahl-Walzprofilen hergestellt, wodurch die Kon-
5 Wärmedämmung 16 Flügelrahmen struktion schlank wirkt. Die Stahlprofile sind
6 Konterlattung 17 Glashalteleiste durch eingebundene Hartholzeinlagen ther-
7 Lattung 18 Isolierglas misch getrennt.
8 Ziegel 19 Verklotzung
9 Bleianschlussband 20 Flachstahl
10 Hartholz 21 Luftdichtheitsebene Fledermausgauben mit ausladendem Übergang
zur Dachfläche sind verhältnismäßig breit und für
kleinere Dächer kaum verwendbar. Die maximale
Rahmenhöhe h ergibt sich aus der für die Deckung
streifen (vgl. Bild 1.177 und 1.192) oder – gestal- zulässigen Mindestneigung des Gaubendaches
terisch befriedigender – jeweils mit einzeln und der Gesamthöhe des Hauptdaches (zwischen
Blechstücken (Nockenbleche), die unter den ein- dem oberen Gaubenansatz und Hauptdachfirst
zelnen Deckungsreihen verdeckt eingebracht muss eine hinreichend breite Fläche verbleiben).
werden. Die halbe Gaubenbreite beträgt ca. 2,5 bis 3 h (Bild
1.10 Dachfenster und Dachgauben 191

1.320). Die Radien der seitlichen Bögen können


größer sein als der des mittleren Bogens (r). Der
kleinste Radius sollte bei Dachziegeldeckung min- 1
destens 5 Dachziegelbreiten betragen. Die Spur
des Gaubenkörpers auf der Hauptdachfläche ist
leicht zu ermitteln (Kurve ABC).
Die Stirnseite der Fledermausgaube wird am bes-
ten durch eine aus zwei Brettern zusammenge-
setzte Stirnbohle gebildet, damit ein doppelter
Anschlag für das Fenster entsteht.
Auf die Stirnbohle können Bohlensparren aufge-
klaut werden, die entweder auf den Hauptdach-
sparren bzw. Sparrenwechseln oder auf einer
Kehlbohle endigen (Bild 1.321). Die Dachlatten
1.320 Form der Stirnseite einer Fledermausgaube
werden dann bügelförmig über die Gaubenspar-
ren gebogen. Meist werden die Fledermausgau-
ben aber auch bei Ziegeldeckung ganz einge- zwei übereinander zu nagelnden Leisten 1,5/5 cm
schalt und die Latten auf die Schalung aufgena- gebildet. Die unterste Dachsteinschicht muss an
gelt. Die Dachlatten, die bei senkrecht stehender den Flanken der Gaube mit Nägeln befestigt wer-
Stirnbohle in zwei Ebenen gekrümmt sind (der den. Alle Vorderkanten der Dachsteine einer
Abstand der Gaubenlatten ist kleiner als der der Schicht liegen über Hauptdach und Gaube in
Hauptdachlatten), werden über der Gaube aus einer Ebene parallel zur Traufenwand.

1.321 Fledermausgaube mit Bohlensparren und Kehlbohle. Deckung: Biberschwanz-Doppeldach


1 Gaubensparren 4 Zinkblechstreifen
2 Hauptdachsparren 5 Bleistreifen
3 Stirnbohle 6 Schift- oder Kehlbohle
192 1 Geneigte Dächer

1
1.322
Vorgefertigte
Dachgauben (WANIT)

Fertigteilgaupen. Gauben erfordern in Planung nach individuellen Entwürfen wirtschaftlich her-


und Bauausführung die sorgfältige Abstimmung gestellt werden. Beispiele für vollständig vorge-
aufwändiger Arbeiten mehrerer Gewerke. Es liegt fertigte Gauben, die komplett mit allen An-
daher nahe, diesen komplizierten Bauteil indus- schlussteilen geliefert in die entsprechende Da-
triell vorgefertigt herzustellen. Die Gestaltung chaussparung eingesetzt werden, zeigt Bild
muss bei vorgefertigten Gauben nicht unbedingt 1.322.
zurückstehen, denn auch kleinere Serien können
1.11 Normen 193

1.11 Normen
1
Norm Ausgabedatum Titel
DIN EN ISO 140-18 02.2007 Akustik-Messung der Schalldämmung in Gebäuden und von Bauteilen-
Messung des durch Regenfall auf Bauteile verursachten Schalls im Prüfstand
DIN EN 300 09.2006 Platten aus langen, flachen, ausgerichteten Spänen (OSB); Definitionen und
Klassifizierung und Anforderungen
DIN EN 309 04.2005 Spanplatten; Definition und Klassifizierung
DIN EN 312 12.2010 Spanplatten; Anforderungen
DIN EN 315 10.2000 Sperrholz – Maßtoleranzen;
DIN EN 335-1 10.2006 Dauerhaftigkeit von Holz und Holzprodukten; Definition der Gebrauchs-
klassen; Allgemeines
DIN EN 335-2 10.2006 –; Anwendung bei Vollholz
DIN EN 335-3 09.1995 –; Definition der Gebrauchsklassen für den biologischen Befall; Anwendung
bei Holzwerkstoffen
DIN EN 336 09.2003 Bauholz für tragende Zwecke; Maße, zulässige Abweichungen
E DIN EN 336 04.2012 –; Maße, zulässige Abweichungen
DIN EN 338 02.2010 Bauholz für tragende Zwecke, Festigkeitsklassen
DIN EN 350-1 10.1994 Dauerhaftigkeit von Holz- und Holzprodukten – Natürliche Dauerhaftigkeit
von Vollholz – Grundsätze für die Prüfung und Klassifikation der natürlichen
Dauerhaftigkeit von Holz
DIN EN 350-2 10.1994 –; –; Leitfaden für die natürliche Dauerhaftigkeit und Tränkbarkeit von ausge-
wählten Holzarten von besonderer Bedeutung in Europa
DIN EN 351-1 10.2007 Dauerhaftigkeit von Holz und Holzprodukten – Mit Holzschutzmitteln behan-
deltes Vollholz; Klassifizierung der Schutzmitteleindringung und -aufnahme
DIN EN 383 03.2007 Holzbauwerke – Prüfverfahren – Bestimmung der Lochleibungsfestigkeit und
Bettungswerte für stiftförmige Verbindungsmittel
DIN EN 384 08.2010 Bauholz für tragende Zwecke – Bestimmung charakteristischer Werte für
mechanische Eigenschaften und Rohdichte
DIN EN 385 11.2007 Keilzinkenverbindungen im Bauholz; Leistungsanforderungen und Mindest-
anforderungen an die Herstellung
DIN EN 386 04.2002 Brettschichtholz; Leistungsanforderungen und Mindestanforderungen an die
Herstellung
DIN EN 387 04.2002 –; Universal-Keilzinkenverbindungen; Leistungsanforderungen und Mindest-
anforderungen an die Herstellung
DIN EN 390 03.1995 –; – Maße – Grenzabmaße
DIN EN 391 04.2002 –; Delaminierungsprüfung von Klebstofffugen
DIN EN 392 04.1996 –; Scherprüfung der Leimfugen
DIN EN 460 10.1994 Dauerhaftigkeit von Holz und Holzprodukten – Natürliche Dauerhaftigkeit
von Vollholz – Leitfaden für die Anforderungen an die Dauerhaftigkeit von
Holz für die Anwendung in den Gefährdungsklassen
DIN EN 485-1 02.2010 Aluminium und Aluminiumlegierungen; Bänder, Bleche und Platten;
Technische Lieferbedingungen
DIN EN 490 01.2012 Dach- und Formsteine aus Beton für Dächer und Wandbekleidungen;
Produktanforderungen
DIN EN 491 11.2011 –; Prüfverfahren
DIN EN 492 12.2006 Faserzement-Dachplatten und dazugehörige Formteile – Produktspezifikation
und Prüfverfahren
DIN EN 494 06.2007 Faserzement-Wellplatten und dazugehörige Formteile – Produktspezifikation
und Prüfverfahren
DIN EN 501 11.1994 Dacheindeckungsprodukte aus Metallblech – Festlegung für vollflächig unter-
stützte Bedachungselemente aus Zinkblech
Fortsetzung s. nächste Seite
194 1 Geneigte Dächer

Normen, Fortsetzung
Norm Ausgabedatum Titel
1 DIN EN 502 01.2000 –; Festlegung für vollflächig unterstützte Bedachungselemente aus
nichtrostendem Stahlblech
DIN EN 504 01.2000 –; Festlegung für vollflächig unterstützte Bedachungselemente aus
Kupferblech
DIN EN 505 12.1999 –; Festlegung für vollflächig unterstützte Bedachungselemente aus
Stahlblech
DIN EN 506 07.2009 –; Festlegung für vollflächig unterstützte Bedachungselemente aus
Kupfer- oder Zinkblech
DIN EN 507 01.2000 –; Festlegung für vollflächig unterstützte Bedachungselemente aus
Aluminiumblech
DIN EN 508-1 07.2009 Dacheindeckungsprodukte aus Metallblech; Festlegungen für selbsttragende
Bedachungselemente aus Stahlblech, Aluminiumblech oder nichtrostendem
Stahlblech – Teil 1: Stahl
DIN EN 508-1 Ber.1 11.2009 –; –; Teil 1: Stahl; Berichtigung 1
DIN EN 508-2 07.2009 –; –; Teil 2: Aluminium
DIN EN 508-3 07.2009 –; –; Teil 3: Nichtrostender Stahl
DIN EN 508-3 Ber.1 11.2009 –; –; Teil 1: Nichtrostender Stahl; Berichtigung 1
DIN EN 516 04.2006 Vorgefertigte Zubehörteile für Dacheindeckungen – Einrichtungen zum
Betreten des Daches – Laufstege, Trittflächen und Einzeltritt
DIN EN 517 05.2006 –; Sicherheitsdachhaken
DIN EN 538 11.1994 Tondachziegel für überlappende Verlegung; Prüfung der Biegetragfähigkeit
DIN EN 539-1 12.2005 Dachziegel für überlappende Verlegung; Bestimmung der physikalischen
Eigenschaften – Prüfung der Wasserundurchlässigkeit
DIN EN 539-2 10.2006 Tondachziegel für überdeckende Verlegung; Bestimmung der physikalischen
Eigenschaften – Prüfung der Frostwiderstandsfähigkeit
DIN EN 539-2 Ber.1 01.2009 –; –; Berichtigung 1
DIN EN 573-3 08.2009 Aluminium und Aluminiumlegierungen – Chemische Zusammensetzung
und Form von Halbzeug – Chemische Zusammensetzung und Erzeugnis-
formen
DIN EN 607 02.2005 Hängedachrinnen und Zubehörteile aus PVC-U – Begriffe, Anforderungen
und Prüfung
DIN EN 612 04.2005 Hängedachrinnen mit Aussteifung der Rinnenvorderseite und Regenrohre
aus Metallblech mit Nahtverbindungen
DIN EN 634-1 04.1995 Zementgebundene Spanplatten – Anforderungen –
Allgemeine Anforderungen
DIN EN 634-2 05.2007 –; Anforderungen an Portlandzement (PZ) gebundene Spanplatten zur
Verwendung im Trocken-, Feucht- und Außenbereich
DIN EN 635-1 01.1995 Sperrholz; Klassifizierung nach dem Aussehen der Oberfläche – Allgemeines
DIN EN 636 11.2003 –; Anforderungen
DIN EN 752 04.2008 Entwässerungssysteme außerhalb von Gebäuden
DIN EN 789 01.2005 Holzbauwerke – Prüfverfahren; Bestimmung der mechanischen Eigenschaften
von Holzwerkstoffen
DIN EN 795 08.1996 Schutz gegen Absturz – Anschlageinrichtungen – Anforderungen und
Prüfverfahren; (in Überarbeitung)
DIN EN 795/A1 01.2001 –; –; Änderung A1
DIN EN 844-3 04.1995 Rund- und Schnittholz – Terminologie – Allgemeine Begriffe über Schnittholz
DIN EN 988 08.1996 Zink und Zinklegierungen – Anforderungen an gewalzte Flacherzeugungen
für das Bauwesen
DIN EN 1013-1 bis 5 versch. Lichtdurchlässige profilierte Platten aus Kunststoff für einschalige Dach-
eindeckungen
DIN EN 1024 06.1997 Tondachziegel für überlappende Verlegung: Bestimmung der geometrischen
Kennwerte
1.11 Normen 195

Normen, Fortsetzung
Norm Ausgabedatum Titel
DIN EN 1058 04.2010 Holzwerkstoffe – Bestimmung der charakteristischen 5% Quantilwerte und
1
der charakteristischen Mittelwerte
DIN EN 1172 02.2012 Kupfer- und Kupferlegierungen – Bleche und Bänder für das Bauwesen
DIN EN 1253-1 09.2003 Abläufe für Gebäude – Anforderungen
DIN EN 1304 07.2008 Dachziegel und Formziegel – Begriffe und Produktanforderungen
DIN EN ISO 1461 10.2009 Durch Feuerverzinken auf Stahl aufgebrachte Zinküberzüge (Stückverzinken)
– Anforderungen und
DIN EN 1462 12.2004 Rinnenhalter für Hängedachrinnen – Anforderungen und Prüfung
DIN EN 1652 03.1998 Kupfer und Kupferlegierungen – Platten, Bleche, Bänder, Streifen und Ronden
zur allgemeinen Verwendung
DIN EN 1745 08.2002 Mauerwerk und Mauerwerksprodukte – Verfahren zur Ermittlung von
Wärmeschutzrechenwerten
DIN EN 1912 07.2010 Bauholz für tragende Zwecke – Festigkeitsklassen – Zuordnung von visuellen
Sortierklassen und Holzarten
DIN 1986-4 12.2011 Entwässerungsanlagen für Gebäude und Grundstücke – Verwendungs-
bereiche von Abwasserrohren und -formstücken verschiedener Werkstoffe
DIN 1986-100 05.2008 Entwässerungsanlagen für Gebäude und Grundstücke – Bestimmungen in
Verbindung mit DIN EN 752 und DIN EN 12 056
DIN EN 1991-1-1 12.2010 Eurocode 1: Einwirkungen auf Tragwerke – Teil 1-1: Allgemeine Einwirkungen
auf Tragwerke – Wichten, Eigengewicht und Nutzlasten im Hochbau
DIN EN 1991-1-1/NA 12.2010 Nationaler Anhang – National festgelegte Parameter – Eurocode 1:
Einwirkungen auf Tragwerke Teil 1-1
DIN EN 1991-1-3 12.2010 Eurocode 1: Einwirkungen auf Tragwerke – Teil 1–3: Allgemeine Einwirkun-
gen, Schneelasten
DIN EN 1991-1-3/NA 12.2010 Nationaler Anhang – National festgelegte Parameter – Eurocode 1:
Einwirkungen auf Tragwerke Teil 1–3
DIN EN 1991-1-4 12.2010 –; Teil 1–4: Allgemeine Einwirkungen, Windlasten
DIN EN 1991-1-4/NA 12.2010 Nationaler Anhang - National festgelegte Parameter – Eurocode 1:
Einwirkungen auf Tragwerke Teil 1–4
DIN EN 1991-1-7 12.2010 Eurocode 1: Einwirkungen auf Tragwerke – Teil 1–7: Allgemeine Einwirkungen
– Außergewöhnliche Einwirkungen
DIN EN 1991-1-7/NA 12.1010 Nationaler Anhang – National festgelegte Parameter – Eurocode 1:
Einwirkungen auf Tragwerke – Teil 1–7
DIN EN 1992-1-1 01.2011 Tragwerke aus Beton, Stahlbeton und Spannbeton – Allgemeine Bemessungs-
regeln und Regeln für den Hochbau
DIN EN 1992-1-1/NA 01.2011 Nationaler Anhang – National festgelegte Parameter – Eurocode 2:
Bemessung und Konstruktion von Stahlbeton- und Spannbetontragwerken
DIN EN 1993-1-1 12.2010 Eurocode 3: Bemessung und Konstruktion von Stahlbauten:
Allgemeine Bemessungsregeln und Regeln für den Hochbau
DIN EN 1993-1-1/NA1 12.2010 Nationaler Anhang – National festgelegte Parameter – Eurocode 3:
Bemessung und Konstruktion von Stahlbauten
DIN EN 1993-1-2 12.2010 Eurocode 3: Bemessung und Konstruktion von Stahlbauten:
Allgemeine Regeln – Tragwerksbemessung für den Brandfall
DIN EN 1993-1-2/NA1 12.2010 Nationaler Anhang – National festgelegte Parameter – Eurocode 3:
Bemessung und Konstruktion von Stahlbauten
DIN EN 1993-1-3 12.2010 Eurocode 3: Bemessung und Konstruktion von Stahlbauten – Teil 1–3:
Allgemeine Regeln – ergänzende Regeln für kaltgeformte Bauteile und Bleche
DIN EN 1993-1-3/NA 12.2010 Nationaler Anhang – National festgelegte Parameter – Eurocode 3:
Bemessung und Konstruktion von Stahlbauten – Teil 1–3

Fortsetzung s. nächste Seite


196 1 Geneigte Dächer

Normen, Fortsetzung
Norm Ausgabedatum Titel
1 DIN EN 1995-1-1 12.2010 Eurocode 5: Bemessung und Konstruktion von Holzbauten – Teil 1-1:
Allgemeines – Allgemeine Regeln und Regeln für den Hochbau
DIN EN 1995-1-1/NA 12.2010 Nationaler Anhang – National festgelegte Parameter – Eurocode 5:
Bemessung und Konstruktion von Holzbauten Teil 1-1
DIN EN 1995-1-2 12.2010 Eurocode 5: Bemessung und Konstruktion von Holzbauten – Teil 1-2:
Allgemeine Regeln – Tragwerksbemessung für den Brandfall
DIN EN 1995-1-2/NA 12.2010 Nationaler Anhang – National festgelegte Parameter – Eurocode 5:
Bemessung und Konstruktion von Holzbauten Teil 1–2
DIN 4070-1 01.1958 Nadelholz; Querschnittsmaße und statische Werte für Schnittholz, Vorrats-
kantholz und Dachlatten
DIN 4070-2 10.1963 –; Querschnittsmaße und statische Werte, Dimensions- und Listenware
DIN 4074-1 12.2008 Sortierung von Holz nach der Tragfähigkeit; Nadelschnittholz
E DIN 4074-1/A1 12.2011 –; Nadelschnittholz; Änderung A1
DIN 4074-2 12.1958 Bauholz für Holzbauteile; Gütebedingungen für Baurundholz (Nadelholz)
DIN 4102-2 09.1977 Brandverhalten von Baustoffen und Bauteilen; Bauteile, Begriffe,
Anforderungen und Prüfungen
DIN 4102-7 07.1998 Brandverhalten von Baustoffen und Bauteilen – Bedachungen; Begriffe,
Anforderungen und Prüfungen
DIN 4108 Bbl.2 03.2006 Wärmeschutz und Energie-Einsparung in Gebäuden;
Wärmebrücken – Planungs- und Ausführungsbeispiele
DIN 4108-2 07.2003 Wärmeschutz und Energie -Einsparung in Gebäuden; Mindestanforderungen
an den Wärmeschutz
E DIN 4108-2 10.2011 –; Mindestanforderungen an den Wärmeschutz
DIN 4108-3 07.2001 –; Klimabedingter Feuchteschutz; Anforderungen, Berechnungsverfahren und
Hinweise für Planung und Ausführung
DIN 4108-3 Ber.1 04.2002 Berichtigungen zu DIN 4108- 3: 2001-07
E DIN 4108-3 01.2012 –; Klimabedingter Feuchteschutz; Anforderungen, Berechnungsverfahren und
Hinweise für Planung und Ausführung
DIN V 4108-4 06.2007 –; Wärme- und feuchteschutztechnische Bemessungswerte
E DIN 4108-4 01.2012 –; Wärme- und feuchteschutztechnische Bemessungswerte
DIN V 4108-6 06.2003 –; Berechnung des Jahresheizwärme- und des Jahresheizenergiebedarfs
DIN V 4108-6 Ber. 1 03.2004 –; Berichtigungen zu DIN V 4108-6: 06.2003
DIN 4108-7 01.2011 –; Luftdichtheit von Gebäuden, Anforderungen, Planungs- und Ausführungs-
empfehlungen sowie -beispiele
DIN 4108-10 06.2008 –; Anwendungsbezogene Anforderungen an Wärmedämmstoffe –
Werkmäßig hergestellte Wärmedämmstoffe
DIN 4109 11.1989 Schallschutz im Hochbau: Anforderungen und Nachweise
DIN 4109 Ber. 1 08.1992 Berichtigungen zu DIN 4109/11.89, DIN 4109 Bbl 1/11.89 und
DIN 4109 Bbl 2/11.89
DIN 4109 Bbl 1 11.1989 Schallschutz im Hochbau; Ausführungsbeispiele und Rechenverfahren
DIN 4109 Bbl 1/A1 09.2003 –; Änderung A1
DIN 4109 Bbl 1/A2 02.2010 –; Änderung A2
DIN EN ISO 7345 01.1996 Wärmeschutz; Physikalische Größen und Definitionen
DIN EN 10 025-1 02.2005 Warmgewalzte Erzeugnisse aus Baustählen – Allgemeine technische
Lieferbedingungen
DIN EN 10 088-2 09.2005 Nichtrostende Stähle – Technische Lieferbedingungen für Blech und Band
aus korrosionsbeständigen Stählen für allgemeine Verwendung;
DIN EN 10 346 07.2009 Kontinuierlich schmelztauchveredelte Flacherzeugnisse aus Stahl –
Technische Lieferbedingungen
DIN EN 12 056-1 01.2001 Schwerkraftentwässerungsanlagen innerhalb von Gebäuden – Allgemeine
und Ausführungsanforderungen
1.11 Normen 197

Normen, Fortsetzung
Norm Ausgabedatum Titel
DIN EN 12 056-3 01.2001 –; Dachentwässerung, Planung und Bemessung
1
DIN EN 12 326-1 10.2004 Schiefer und andere Natursteinprodukte für überlappende Dachdeckungen
und Außenwandbekleidungen – Produktspezifikation
DIN EN ISO 12 944-1 07.1998 Beschichtungsstoffe – Korrosionsschutz von Stahlbauten durch
bis 12 944-8 und 01.2008 Beschichtungssysteme
DIN EN 12 951 02.2005 Vorgefertigte Zubehörteile für Dacheindeckungen – Fest installierte
Dachleitern – Produktanforderungen und Prüfverfahren
DIN EN 12 951 Ber.1 05.2007 –;–; Berichtigung 1
DIN EN 13 162 02.2009 Wärmedämmstoffe für Gebäude – Werkmäßig hergestellte Produkte aus
Mineralwolle (MW) – Spezifikation
DIN EN 13 167 02.2009 Werkmäßig hergestellte Produkte aus Schaumglas (CG) – Spezifikation
DIN EN 13 168 02.2009 Wärmedämmstoffe für Gebäude, Werkmäßig hergestellte Produkte aus
Holzwolle (WW) – Spezifikation
DIN EN 13 170 02.2009 Wärmedämmstoffe für Gebäude – Werkmäßig hergestellte Produkte aus
expandiertem Kork (ICB) – Spezifikation
DIN EN 13 171 02.2009 Wärmedämmstoffe für Gebäude – Werkmäßig hergestellte Produkte aus
Holzfasern (WF) – Spezifikation
DIN EN 13 271 02.2004 Holzverbindungsmittel – Charakteristische Tragfähigkeiten und
Verschiebungsmoduln für Verbindungen mit Dübeln besonderer Bauart
DIN EN 13 501-5 02.2010 Klassifizierung von Bauprodukten und Bauarten zu ihrem Brandverhalten –
Klassifizierung mit den Ergebnissen aus Prüfungen von Bedachungen bei
Beanspruchung durch Feuer von außen
DIN EN 13 599 07.2002 Kupfer und Kupferlegierungen – Platten, Bleche und Bänder aus Kupfer für
die Anwendung in der Elektrotechnik
DIN EN 13 693 10.2009 Betonfertigteile – Besondere Fertigteile für Dächer
DIN EN 13 707 10.2009 Abdichtungsbahnen – Bitumenbahnen mit Trägereinlage für Dachabdichtungen
– Definitionen und Eigenschaften
DIN EN ISO 13 788 11.2001 Wärme- und feuchtetechnisches Verhalten von Bauteilen und Bauelementen
– Raumseitige Oberflächentemperatur zur Vermeidung kritischer Oberflächen-
feuchte, (in Überarbeitung)
DIN EN 13 859-1 11.2010 Abdichtungsbahnen – Definitionen und Eigenschaften von Unterdeck- und
Unterspannbahnen – Unterdeck- und Unterspannbahnen für Dachdeckungen
DIN EN 13 986 03.2005 Holzwerkstoffe zur Verwendung im Bauwesen; Eigenschaften, Bewertung der
Konformität und Kennzeichnung, (in Überarbeitung)
DIN EN 14 080 09.2005 Holzbauwerke – Brettschichtholz; Anforderungen, (in Überarbeitung)
DIN EN 14 081-1 05.2011 Holzbauwerke – Nach Festigkeit sortiertes Bauholz für tragende Zwecke mit
rechteckigem Querschnitt; Allgemeine Anforderungen
DIN EN 14 081-2 11.2010 –; Maschinelle Sortierung – Zusätzliche Anforderungen an die Erstprüfung
DIN 14 094-2 05.2007 Feuerwehrwesen – Notleiteranlagen – Rettungswege auf flachen und
geneigten Dächern
DIN EN 14 250 05.2010 Holzbauwerke – Produktanforderungen an vorgefertigte tragende Bauteile
mit Nagelplattenverbindungen
DIN EN 14 374 02.2005 Holzbauwerke – Furnierschichtholz für tragende Zwecke; Anforderungen
DIN EN 14 509 02.2007 Selbsttragende Sandwich-Elemente mit beidseitigen Metalldeckschichten
– Werkmäßig hergestellte Produkte – Spezifikationen
DIN EN 14 509 Ber.1 04.2009 –;–; Berichtigung 1
DIN EN 14 545 02.2009 Holzbauwerke – Nicht stiftförmige Verbindungselemente – Anforderungen
DIN EN 14 592 02.2009 Holzbauwerke – Stiftförmige Verbindungsmittel – Anforderungen
DIN EN 14 782 03.2006 Selbsttragende Dachdeckungs- und Wandbekleidungselemente für die In-
nen- und Außenanwendung aus Metallblech – Produktspezifikation und
Anforderungen

Fortsetzung s. nächste Seite


198 1 Geneigte Dächer

Normen, Fortsetzung
Norm Ausgabedatum Titel
1 DIN EN 14 963 12.2006 Dachdeckungen – Dachlichtbänder aus Kunststoff mit oder ohne
Aufsetzkränzen – Klassifizierung, Anforderungen und Prüfverfahren
DIN EN 14 963 Ber.1 06.2007 Berichtigungen zu DIN EN 14963:2006-12
E DIN EN 15497 09.2011 Keilzinkenverbindungen im Bauholz – Leistungsanforderungen und
Mindestanforderungen an die Herstellung
DIN 17 611 11.2011 Anodisch oxidierte Erzeugnisse aus Aluminium und
Aluminium-Knetlegierungen; Technische Lieferbedingungen
DIN 17 640-1 02.2004 Bleilegierungen für allgemeine Verwendung
DIN 18 005-1 07.2002 Schallschutz im Städtebau – Grundlagen und Hinweise für die Planung
DIN 18 159-1 12.1991 Schaumkunststoffe als Ortschäume im Bauwesen, Polyurethan-Ortschaum für
die Wärme- und Kältedämmung; Anwendung, Eigenschaften, Ausführung,
Prüfung
DIN 18 160-5 05.2008 Abgasanlagen – Einrichtungen für Schornsteinfegerarbeiten; Anforderungen,
Planung und Ausführung
DIN 18 234-1 bis- 4 09.2003 Baulicher Brandschutz großflächiger Dächer – Brandbeanspruchung von
unten
DIN 18 334 04.2010 VOB Vergabe- und Vertragsordnung für Bauleistungen – Teil C: Allgemeine
technische Vertragsbedingungen für Bauleistungen (ATV); Zimmer- und
Holzbauarbeiten
DIN 18 338 04.2010 VOB Vergabe- und Vertragsordnung für Bauleistungen – Teil C: Allgemeine
technische Vertragsbedingungen für Bauleistungen (ATV); Dachdeckungs-
und Dachabdichtungsarbeiten
DIN 18 339 04.2010 VOB Vergabe- und Vertragsordnung für Bauleistungen – Teil C: Allgemeine
Technische Vertragsbedingungen für Bauleistungen (ATV); Klempnerarbeiten
DIN 18 384 04.2010 VOB Vergabe- und Vertragsordnung für Bauleistungen – Teil C: Allgemeine
Technische Vertragsbedingungen für Bauleistungen (ATV); Blitzschutzanlagen
DIN 18 530 03.1987 Massive Deckenkonstruktionen für Dächer; Planung und Ausführung
DIN 18 807-3 06.1987 Trapezprofile im Hochbau; Stahltrapezprofile; Festigkeitsnachweis und
konstruktive Ausbildung
DIN 18 807-3/A1 05.2001 –; –; Änderung A1
DIN EN 26 891 07.1991 Holzbauwerke; Verbindungen mit mechanischen Verbindungsmitteln;
Allgemeine Grundsätze für die Ermittlung der Tragfähigkeit und des
Verformungsverhaltens
DIN EN 50 164-1 03.2009 Blitzschutzbauteile¸ Anforderungen an Verbindungsbauteile
DIN EN 50 164-2 03.2009 Blitzschutzbauteile¸ Anforderungen an Leitungen und Erder
DIN 52 128 03.1977 Bitumendachbahnen mit Rohfilzeinlage; Begriff, Bezeichnung, Anforderungen
DIN 55 634 04.2010 Beschichtungsstoffe und Überzüge; Korrosionsschutz von tragenden
dünnwandigen Bauteilen aus Stahl
DIN 59 610 02.2004 Blei und Bleilegierungen – Gewalzte Bleche aus Blei zur allgemeinen
Verwendung
DIN EN 60 335-2-83 02.2009 Sicherheit elektrischer Geräte für den Hausgebrauch und ähnliche Zwecke
– Besondere Anforderungen für beheizbare Dachabläufe
DIN EN 62 305-1 bis 4 versch. Blitzschutz
DIN 68 119 09.1996 Holzschindeln
DIN 68 364 05.2003 Kennwerte von Holzarten; Rohdichte, Elastizitätsmodul und Festigkeiten
DIN 68 365 12.2008 Schnittholz für Zimmererarbeiten; Sortierung nach dem Aussehen; Nadelholz
DIN 68 705-2 10.2003 Sperrholz; Stab- und Stäbchensperrholz für allgemeine Zwecke
DIN 68 800-1 10.2011 Holzschutz; Allgemeines
DIN 68 800-2 02.2012 Holzschutz; Vorbeugende bauliche Maßnahmen im Hochbau
DIN 68 800-3 02.2012 Holzschutz; Vorbeugender Schutz von Holz mit Holzschutzmitteln
DIN 68 800-4 02.2012 Holzschutz; Bekämpfungs- und Sanierungsmaßnahmen gegen Holz
zerstörende Pilze und Insekten
1.12 Literatur 199

1.12 Literatur
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[7] DETAIL-Fachzeitschriften: Dächer: 07 und 08/2002; 07 und 08/2004; 07 und 08/2005; 01 und 02/2009; 10/2011
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–: Fachregel für Deckungen mit Schiefer, (09/1999)
–: Fachregel für Dachdeckungen mit Faserzementdach- (06/2001) und -wellplatten (03/2002)
–: Fachregel für Deckungen mit Holzschindeln (04/1986)
–: Fachregel für Deckungen mit Bitumenschindeln und -wellplatten (06/2001)
–: Fachregel für Deckungen mit Reet und Stroh (10/2008)
–: Fachregel für Metallarbeiten im Dachdeckerhandwerk(03/2011)
–: Blei im Bauwesen (01/2003)
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201

2 Flachdächer

2.1 Allgemeines 2.1.1 Nutzung


2
Dachflächen mit einer geringeren Neigung als 5° Bei Flachdächern werden unterschieden:
werden als Flachdächer bezeichnet und erhalten • Nicht genutzte Flachdachflächen (nur zu War-
anstelle einer Dachdeckung eine Dachabdich- tungsarbeiten begehbar);
tung. Abgedichtete Dächer sind in der Regel mit
• Genutzte Flachdachflächen (Aufenthalt von
Gefälle auszuführen, denn fast alle gefällelosen
Personen, Fahrzeugverkehr) (s. Abschn. 2.4);
Dächer haben sich als nicht dauerhaft haltbar er-
wiesen. Dachabdichtungen können auch für be- • Intensiv begrünte Flachdachflächen;
sonders beanspruchte Stellen flachgeneigter Dä-
cher mit Neigungen zwischen 5 und 25° in Frage Bei den Oberflächen ist wenigstens mit Bege-
kommen. Sie sind grundsätzlich für alle Dachfor- hung zu Wartungsarbeiten, in vielen Fällen aber
men möglich und werden so besonders auch für auch mit einer speziellen Nutzung zu rechnen.
Sonderformen wie Faltwerke, Hängedächer oder In der völlig neu überarbeiteten DIN 18 531 sind
kuppelartige Dächer eingesetzt. nun für die Ausführung von nicht genutzten
• Gegenüber geneigten Dächern mit Dachde- Flachdächern Qualitätsklassen, in der Norm An-
ckungen haben Flachdächer mit Abdichtun- wendungskategorien K 1 und K 2 genannt, festge-
gen eine Reihe von Vorteilen wie: legt. Im Industriebau kommen schon lange
wesentlich einfachere Abdichtungssysteme als
• Geringes Eigengewicht der Dachhaut, beispielsweise im Wohnungsbau zur Anwen-
• Erweiterte Nutzungsmöglichkeit (z. B. Dach- dung. Dem will die neue DIN 18 531 jetzt gerecht
terrassen, begrünte Flächen, Parkdecks, Auf- werden.
stellung und leichte Zugänglichkeit für techni-
sche Aggregate), Anwendungskategorie 1:
• Belichtungsmöglichkeit für innenliegende • Standardausführungen, an die übliche Anfor-
Räume, derungen gestellt werden
• Gestalterische Freiheit z. B. auch bei späterer • Mindestdachneigung der Abdichtungsebene 2%,
Erweiterung. ansonsten höherer Abdichtungsaufwand nach
Anwendungskategorie K 2 gem. DIN 18 531-3, Ab-
Stahlbetonmassivplatten, Profilbleche oder Stahl- schnitt 4
betontragwerke sind in vielen Fällen gleichzeitig
raumabschließende obere Decke und Bestandteil Anwendungskategorie 2:
einer Flachdachkonstruktion. Abgedichtete Flach- • Dachabdichtungen, an die durch Planer/Bau-
dachflächen können jedoch auch auf flachgeneig- herren erhöhte Anforderungen gestellt wer-
ten Holzdachkonstruktionen aufliegen. den (Hochhäuser, höherwertige Gebäudenut-
Wenn Flachdächer unmittelbar über Wohn- und zung, Dächer mit erschwertem Zugang)
Nutzräumen liegen, hängt es in erster Linie vom • Mindestdachneigung in der Abdichtungsebene
bauphysikalisch richtigen Aufbau des Flach- 2%, im Bereich von Kehlen 1%
daches ab, ob es auf die Dauer den erheblichen
Beanspruchungen durch verschiedene Außen- Damit sind mit der Einführung von Anwendungs-
und Innentemperaturen, sowie aus Niederschlä- kategorien der neuen DIN 18 531 Pfützen auf
gen und Wasserdampfdiffusion ausreichend Wi- dem Flachdach mindestens in der Anwendungs-
derstand leisten und im Zusammenhang mit den kategorie K 1 keine grundsätzlichen Mängel
übrigen Teilen des Bauwerkes das verlangte mehr.
Raumklima gewährleisten kann. Wegen ihrer Normalerweise ist die höherwertige Ausführung
engen gegenseitigen Abhängigkeit müssen da- K 2 ausdrücklich zu vereinbaren; sie kann aller-
her Dachtragwerk und Aufbau der Dachabdich- dings bei „höherwertiger“ Gebäudenutzung als
tung immer gemeinsam betrachtet werden. „von vornherein“ vereinbart gelten.

U. Hestermann, L. Rongen, Frick/Knöll Baukonstruktionslehre 2,


DOI 10.1007/978-3-8348-2140-9_2, © Springer Fachmedien Wiesbaden 2013
202 2 Flachdächer

2.1.2 Beanspruchungen – Arten und Stufe II – Mäßige mechanische Beanspruchung


Klassifizierungen Mäßige mechanische Beanspruchung liegt vor,
wenn die beschriebenen hohen mechanischen
Bei der Planung von Flachdächern sind die vielfa- Beanspruchungen nicht vorliegen oder durch ge-
chen besonderen Beanspruchungen zu berück- eignete Maßnahmen ausgeschlossen werden
sichtigen, denen die Oberfläche und die gesamte können.
Flachdachkonstruktion zusätzlich zu den übli-
2 chen Witterungsbeanspruchungen ausgesetzt Thermische Beanspruchung
sind:
Thermisch hoch beansprucht (Stufe A) sind
Dachabdichtungen, die der Witterungseinwir-
Feuchtigkeit kung unmittelbar ausgesetzt sind, also ohne oder
Feuchtigkeit in Folge von Niederschlägen sowie nur mit leichtem Oberflächenschutz verlegt sind.
Feuchtigkeit, die in Baustoffe der Unterkonstrukti-
Thermisch mäßig beansprucht (Stufe B) sind
on oder in die Schichten des Flachdachaufbaues,
Dachdichtungen, die durch Oberflächenschutz
z. B. während der Bauzeit eindringen kann oder die
(Kiesschüttung, Umkehrdächer, Extensivbegrü-
durch die Nutzung zu erwartende Feuchtigkeit,
nung) oder durch Nutzschichten keinen hohen
die in die Konstruktion eindringen kann.
Aufheizungen und keinen schnellen Temperatur-
veränderungen ausgesetzt sind.
Mechanische Beanspruchung
Dachabdichtungen müssen die auf sie einwirken- Temperaturbelastungen entstehen durch
den, planmäßig zu erwartenden Lasten auf die • Temperaturwechsel von –20 bis +80 °C zwi-
Tragkonstruktionen ableiten und dürfen dadurch schen Tag/Nacht bzw. Sommer/Winter,
nicht geschädigt werden. Sie müssen auch den • gleichzeitig mögliche Temperaturgegensätze
planmäßigen Formänderungen der Tragkonst- zwischen besonnten und verschatteten, evtl.
ruktionen und den Stoffen des Dachschichten- sogar vereisten Flächen,
aufbaus (Längenänderungen, Bewegungen im • Temperaturschocks z. B. bei Hagel nach starker
Bereich der Stoßfugen von Dämmplatten) stand- Sonneneinstrahlung,
halten.
• Hitzestau in ungeschützten Abdichtungsschich-
DIN 18 531-1 unterscheidet zwei Beanspru-
ten auf der darunter liegenden Wärmedäm-
chungsstufen:
mung (damit verbunden u. U. Materialschwund
bzw. Verwerfungen in Schaumstoff-Wärme-
Stufe I – Hohe mechanische Beanspruchung dämmungen).
Hohe mechanische Beanspruchung liegt vor bei • Temperaturbedingte Längenänderungen ins-
• Bewegungen der Trag- oder Unterkonstruk- besondere der Unterkonstruktion.
tionen, die sich auf die Dachabdichtung aus-
wirken können Beanspruchung durch Wurzelwachstum
• Tragkonstruktionen aus Stahlprofilen Bei extensiver Begrünung ungenutzter Flach-
• Schalungen aus Holz oder Holzwerkstoffen als dächer treten Beanspruchungen durch Wurzel-
Untergrund für die Abdichtung wachstum auf, die es auch bei der Planung zu
berücksichtigen gelten.
• weicher Unterlage (z. B. Mineralfaserdämm-
platten)
Umweltbelastungen
• Beanspruchungen durch die Art der Lagesiche- und sonstige Beanspruchungen
rung der Dachabdichtung (z. B. lose liegende
• Korrosionsgefährdung der Abdichtungen durch
Bahnen mit mechanischer Befestigung)
Schmutzablagerung infolge nicht ausreichen-
• Beanspruchungen durch Arbeiten auf der der Dachentwässerung (fehlendes Gefälle oder
Dachabdichtung (z. B. häufige Inspektionen falsche Anordnung der Dachabläufe), verbun-
oder Wartungen) den mit Mikroben-, Algen- und Pflanzenwuchs,
• Extensivbegrünung • Chemische Belastung (verwendete Lösungs-
• Beanspruchungen durch sonstige mechani- mittel, Weichmacher, Kleber, Farben, Lacke
sche Einwirkungen (z. B. in besonders Hagel- sowie chemisch verunreinigtes Niederschlags-
schlag gefährdeten Gebieten) wasser),
2.1 Allgemeines 203

• Biogene Beanspruchungen,
• Fotochemische Einflüsse in Verbindung mit Im-
missionen, UV-Einstrahlung und Ozonbildung.

Bei der Planung muss auch die spätere einwand-


freie Ausführung aller Arbeiten sowie regelmäßige
Instandhaltungsarbeiten unter Baustellenbedin-
gungen berücksichtigt werden. Kritische An-
2.1 Einschaliges, nicht belüftetes Flachdach,
schematische Darstellung 2
schlusspunkte müssen gut zugänglich sein. 1 Unterkonstruktion (Massivplatte)
2 Dampfsperre
Durch genügend Abstand an anderen Problem-
3 Wärmedämmung
punkten müssen die Voraussetzungen für ein- 4 Dachabdichtung
wandfreie Arbeit geschaffen sein (z. B. soll zwi- 5 Oberflächenschutz
schen Dachrändern bzw. Wandanschlüssen und
Durchdringungen für Regenabläufe, Sanitärent-
lüftungen u. Ä. ein Mindestabstand von 50 cm
eingeplant sein).

Beanspruchungsklassen
Durch die Kombination von mechanischen und
thermischen Beanspruchungsstufen werden vier
Beanspruchungsklassen gebildet, auf die die
Dachabdichtung jeweils abzustimmen ist (Tab. 2.3).
2.2 Zweischaliges, belüftetes Flachdach, schematische
Darstellung
2.1.3 Bauarten 1 Unterkonstruktion (Massivplatte) auch
Leichtplattenkonstruktionen
(Bauphysikalischer Aufbau) 2 leichte Dampfsperre (vgl. Abschn. 2.2.4 und 2.3.1)
3 Wärmedämmung
Flachdächer können nach zwei bauphysikalisch 4 Belüftungsraum
unterschiedlichen Konstruktionsarten ausgebil- 5 Dachschale auf Unterkonstruktion
det werden als: 6 Dachabdichtung
7 Oberflächenschutz
• einschaliges, nicht belüftetes Flachdach, früher
auch als „Warmdach“ bezeichnet (Bild 2.1),
• zweischaliges belüftetes Flachdach, früher Konstruktion mit der Dachabdichtung ein Ver-
auch als „Kaltdach“ bezeichnet (Bild 2.2). bundelement, das – je nach äußeren Verhält-
nissen und Schichtenaufbau – als Ganzes mehr
Die früheren, bauphysikalisch unkorrekten Be- oder weniger stark gemeinsam erwärmt wird.
zeichnungen „Warmdach“ bzw. „Kaltdach“ kenn- • Beim belüfteten Flachdach, früher „Kaltdach“,
zeichneten den Unterschied der bauphysikali- sind wärmegedämmter Raumabschluss und
schen Systeme nur unzureichend, sind jedoch die Dachhaut mit ihrer Tragkonstruktion durch
immer noch weit verbreitet. Sie können wie folgt einen („kalten“) Luftraum getrennt. Die Dach-
erklärt werden: schale mit der Dachabdichtung liegt also bei
• Beim nicht belüfteten Flachdach, früher „Warm- niedrigen Außentemperaturen im kalten Be-
dach“, bildet die wärmegedämmte, tragende reich.
204 2 Flachdächer

2.1.4 Dachneigung Werden abgehängte Decken unter einschaligen


Flachdächern vorgesehen, muss unbedingt dafür
Flachdachflächen mit Abdichtung müssen ein gesorgt werden, dass durch Hinterlüftung auch
Mindestgefälle von 2% haben. Dächer mit einer oberhalb der Abhängung die für die Dimensio-
Dachneigung < 2% sind Sonderkonstruktionen, nierung der Wärmedämmung zu Grunde geleg-
die besondere Maßnahmen erfordern. ten Raumtemperaturen herrschen. Eingeschlos-
Dies gilt gleichermaßen für beide Anwendungs- sene Luftschichten über abgehängten Decken
2 kategorien K 1 und K 2 (s. Abschn. 2.1.1). wirken sonst als zusätzliche Wärmedämmung.
Gefällelose Flachdächer (auch Teilbereiche von Dadurch kann in der Gesamtkonstruktion die
Flachdächern mit Gefälle) werden in den Flach- Taupunktgrenze so verlagert werden, dass es an
dachrichtlinien als „Sonderkonstruktionen“ für der Unterseite der Dachschale zur Kondensatbil-
Ausnahmefälle bezeichnet, bei denen besondere dung kommt.
Maßnahmen zur Verminderung der Risiken durch Auf keinen Fall darf ohne rechnerischen Nachweis
stehendes Wasser zu treffen sind (z. B. Erhöhung des ausreichenden Tauwasserschutzes ein wärme-
der Bahnendicke, schwerer Oberflächenschutz dämmendes Material vollflächig an der Deckenun-
durch Kies, s. Abschn. 2.2.1). terseite aufgebracht werden. Diese zusätzliche
Wärmedämmung kann die Lage der Taupunkt-
grenze so beeinflussen, dass Kondensatbildung
2.1.5 Wärmeschutz innerhalb der Konstruktion möglich wird, wenn
Wärmeschutzmaßnahmen bei Flachdächern nicht auch gleichzeitig die Wärmedämmung ober-
müssen umfassen: halb der Dampfsperre verstärkt wird.
• Ausreichende Wärmedämmung des Bauwerkes
zur Vermeidung von Transmissionswärmever-
lusten und zum Tauwasserschutz gem. DIN 2.1.6 Feuchtigkeitsschutz
4108 (mit Ergänzungen durch Energieeinspar- (Tauwasserschutz)
verordnung) mit rechnerischem Nachweis.
• Wärmeschutz der Konstruktion zur Vermeidung Richtig angeordnete und dimensionierte Dampf-
von schädlichen temperaturbedingten Span- sperren und bei zweischaligen, belüfteten Flach-
nungen und Bewegungen sowie von Wärme- dachkonstruktionen (Abschn. 2.5) ggf. ausrei-
brücken, chende Durchlüftung müssen die Wasserdampf-
diffusion so begrenzen, dass schädliche Tau-
• Berücksichtigung von Wärmespeicherung.
wasserbildung verhindert wird (s. Abschn. 2.2.4
Der erforderliche Wärmeschutz von Bauteilen ist in und 2.3.1).
DIN 4108-2 und in der Energieeinsparverordnung
festgelegt. Im Hinblick auf Energieeinsparung sind
die Anforderungen der Energieeinsparverordnung 2.1.7 Brandschutz
teilweise erheblich höher als in DIN 4108. Danach
muss bei Flachdächern von einer Dämmstoffdicke Flachdächer müssen den jeweiligen Brandschutz-
von 160 mm und mehr (Wärmeleitfähigkeit 0,04 W/ vorschriften für Bedachungen der Landesbauord-
(m K) ausgegangen werden. nungen entsprechen.
In jedem Falle ist jedoch der rechnerische Nach- Flachdächer müssen widerstandsfähig gegen
weis für ausreichenden Wärme- und Tauwasser- Flugfeuer sein. Sie müssen dazu den Bestimmun-
schutz zu führen (s. Abschn. 16.5.7 in Teil 1 dieses gen von DIN 4102-7 genügen bzw. entsprechend
Werkes). einer in DIN 4102-4 zugelassenen Bauart ausge-
Bei extremen Anforderungen, z. B. mehr als 75% führt sein. Die Forderung hinsichtlich Sicherheit
relativer Feuchtigkeit (und 20 °C Innentempera- gegen Flugfeuer gilt in jedem Fall als erbracht,
tur), sind besondere Lüftungs- und Heizungs- wenn die Dachhaut mit einer mindestens 5 cm
maßnahmen meist billiger und zuverlässiger als dicken Kiesschicht abgedeckt ist (Körnung 16/32).
die Verstärkung der Wärmedämmung. Besondere Brandschutzmaßnahmen sind für
Wärmedämmstoffe (s. Abschn. 2.2.2) müssen in großflächige Flachdächer auf Trapezblechkonst-
jedem Fall trocken eingebracht werden. Wenn sie ruktionen (s. Abschn. 2.3.3) erforderlich.
zwischen Dampfsperre und Dachhaut einge- Die jeweiligen Brandschutzanforderungen der
schlossen sind, können sie später kaum völlig Länder sind zu beachten.
austrocknen.
2.1 Allgemeines 205

2.1.8 Oberflächenschutz Als Schwerer Oberflächenschutz kommen wei-


terhin begehbare Beläge aus Beton-Gehwegplat-
Ständiger Wechsel von Feuchtigkeit und Tro- ten, Verbundsteinen u. ä., verlegt auf minerali-
ckenheit, Temperaturdifferenzen zwischen win- scher Feinschüttung, z. B. Splitt, i. M. 30 mm so-
terlichen Temperaturen von –20 °C bis zu etwa wie Bautenschutzmatten oder -platten und
80 °C bei Sonneneinstrahlung im Sommer, insbe- Terrassenbeläge, befahrbare Beläge (bei genutz-
sondere auch die Einwirkung des ultravioletten ten Flachdächern) und extensive Begrünungen in
Anteils der Sonneneinstrahlung beanspruchen Betracht. 2
ungeschützte Flachdachabdichtungen sehr stark. Die UV-Beständigkeit neu entwickelter Kunst-
Ein Oberflächenschutz ist daher immer vorzuse- stoff-Dachdichtungsbahnen ist in letzter Zeit so
hen. Bereits eine helle Einfärbung von Kunststoff- verbessert worden, dass bei leichten Dachkon-
Dachdichtungsbahnen, dauerhafter aber Be- struktionen auch eine Verlegung ohne zusätzli-
schichtungen mit Feinsplitt, Perlkies oder Alumi- che Schutzschichten möglich ist.
niumpulver bewirken eine erhebliche Reflexion
des Sonnenlichtes und setzen damit die Erwär-
mung der Dachhaut herab. Es können ferner zu- 2.1.9 Windbeanspruchung
sätzliche Schutzfolien auf die Dachhaut aufge-
bracht werden. Unterschieden wird: Der gesamte Flachdachaufbau muss gegen Ab-
heben durch Windbeanspruchung, dabei insbe-
Leichter Oberflächenschutz sondere durch Sogwirkung gesichert werden. Die
Art der Windsogsicherung ist abhängig von der
Dachabdichtungen aus Bitumen- oder Polymer-
Windzone, der Gebäudegeometrie, der Gebäude-
bitumenbahnen werden in der Regel mehrlagig
höhe und der Gebäudekategorie (in der Natur
ausgeführt. Leichter Oberflächenschutz erfolgt
vorkommende Bodenrauigkeiten).
bei Polymerbitumenbahnen durch werkseitige
Bestreuung mit Splitt oder Granulat. Streich-, roll- Die Sicherung kann erfolgen durch
oder spritzbare Beschichtungsstoffe müssen mit • Auflast
den Stoffen der Dachabdichtung verträglich sein • Verkleben
und dürfen das Brandverhalten des Daches nicht • mechanische Befestigung.
nachteilig verändern. Kieseinpressung, Besan-
dung oder Anstriche mit Heißbitumen sind unge- Unterschieden werden Sicherungen im Innen-,
eignet. Rand- und Eckbereich. Die Definition der Berei-
che für Bauwerke bis 30 m Höhe zeigt Bild 2.4.
Schwerer Oberflächenschutz Einen Überblick über handwerkliche Ausführun-
Er besteht in der Regel aus einer losen Kiesschüt- gen von Windsicherung bei geschlossenen Bau-
tung (Körnung 16 bis 32 mm, Mindest-Schütthöhe werken gibt Tabelle 2.5.
5 cm), unter der sich meistens nur wenig schwan-
kende Feuchtigkeitsverhältnisse einstellen. Sicherung durch Auflast. Lose verlegte Dachab-
dichtungen werden durch Auflast gesichert. Als
Kiesschüttungen müssen in windreichen Gegen-
Auflast zur Sicherung gegen abhebende Wind-
den und bei Gefahr von Wirbelbildung durch Da-
kräfte werden z. B. verwendet [11]:
chaufbauten (z. B. größere Schornsteine, Auf-
zugsschächte) gesichert werden. Da die Verwen- • Schüttungen aus Kies 16/32, Mindestdicke im
dung von Kieseinbettmassen nicht bei jeder Einbauzustand 50 mm; bei Dachhöhen über
Dachabdichtungsart möglich ist, kann die Schüt- 20 m müssen im Rand- und Eckenbereich Plat-
tung durch aufgesprühte Kunstharze befestigt ten, Pflaster o. Ä. die Kiesschüttung zusätzlich
werden, die die obere Kiesschicht binden. Die gegen Windeinwirkung schützen,
Ausbildung einer Dachrandaufkantung (Attika), • Plattenbeläge aus Betongehwegplatten oder
die die Dachoberfläche um mindestens 30 cm gleichwertigen Platten, mindestens 400/400/
überragt, ist bei höheren Gebäuden zweckmäßig 40 mm zur Abdeckung von Kies oder direkt auf
(s. jedoch Abschn. 2.1.11). einer Schutzlage verlegt,
Übernimmt der Oberflächenschutz gleichzeitig • Betonformsteine, auf Kies und/oder Schutzlage
die Sicherung gegen Wind- und Sogkräfte, ist die verlegt,
Dicke der Kiesschüttung entsprechend statisch • Betonplatten, an der Einbaustelle betoniert
nachzuweisen. oder vorgefertigt, Größe und Bewehrung nach
206 2 Flachdächer

2.4
Definition der Randbereiche
(vereinfachte Flächeneinteilung;
bis 30 m Gebäudehöhe)

statischen Erfordernissen bis maximal 2,50 u Spreizdübel, Holzschrauben oder selbstbohren-


2,50 m, auf Schutz- und zwei Gleitlagen verlegt, de Schrauben mit Haltetellern, auch mit Breit-
• Vegetationssubstrate mit entsprechendem kopfnägeln punktweise mit mindestens 2 Befes-
Nachweis. tigungen/m2 hergestellt werden. Auch Linienbe-
festigungen (im Überdeckungsbereich) mit
Eine Sicherung der Dachabdichtung durch Auf- durchlaufenden Metallbändern sind möglich.
last eignet sich in der Regel nur für Dächer bis 3° Auf Stahltrapezprofilen soll der Abstand der Be-
Dachneigung. Darüber hinaus besteht die Gefahr, festigungen auf gleichen Obergurten maximal
dass die Auflast abrutscht. 20 cm betragen.
Sicherung durch Verkleben. Für geschlossene Auf Holzwerkstoffen erfolgt die Befestigung von
Gebäude bis 20,00 m Höhe sind die nach Tabelle Bahnen mit Befestigungsmitteln, die für Holz-
2.5 aufgeführten Verklebungen ausreichend. Bei werkstoffe geeignet sind.
Kaltverklebung sind die entsprechenden Anga- Für die Befestigung von Bitumenbahnen auf
ben der Hersteller zu beachten. Die Abreißfestig- Holzschalung sind Stifte nach DIN EN 10 230 mit
keit jeder zu klebenden Lage oder Schicht und extra großem Flachkopf, Kopfdurchmesser
die Eigenfestigkeit der Klebstoffverbindungen t 9 mm, zu verwenden, die mindestens 25 mm
müssen so groß sein, dass die angesetzten Wind- lang, bei dickeren Bahnen oder Mehrfachüberde-
lasten lagesicher abgeleitet werden können. ckungen entsprechend länger sein müssen.
Wenn eine der zu klebenden Lagen oder Schich- Befestigungsmittel müssen über einen ausrei-
ten keine ausreichende Abreißfestigkeit aufweist, chenden Korrosionsschutz verfügen.
sind andere Maßnahmen, z. B. mechanische Be-
festigung, anzuwenden. Der Schaft von Befestigungen aus Kupfer oder
Edelstahl muss aufgeraut sein.
Sicherung durch mechanische Befestigung. Bei Die Anzahl der Befestigungselemente ist im Re-
geeignetem Untergrund (z. B. Profilblech, Holz) gelfall unabhängig von der errechneten Anzahl
darf die Lagersicherheit durch Tellerdübel, mit mindestens 2 Stück/qm zu bemessen.
2.1 Allgemeines 207

Schalung unter Dachabdichtungen. Fugen bei mindestens 22 mm betragen, bei Vollholzscha-


Schalungen aus Vollholz unter Dachabdichtun- lung mindestens 24 mm. Die Bretter sollten
gen sollen stets durch Nut und Feder oder gleich- höchstens 16 cm breit sein. Verwendete Holz-
wertige Maßnahmen miteinander verbunden schutzmittel dürfen die Dachabdichtungen nicht
sein. Bei der Bemessung der Dachschalung ein- schädigen, über Schalungen aus Holz ist eine
schl. Unterkonstruktion ist eine Wassersackbil- Trennschicht anzuordnen.
dung durch unvermeidbare Ausführungsmängel
zu berücksichtigen.
2.1.10 Entwässerung
In Tabelle 2.6 sind Verankerungsmittel und Befes-
tigungsabstände für Bohlen bei verschiedenen Flachdächer sind grundsätzlich mit mindestens
Untergründen und Gebäudehöhen angegeben. 2% Gefälle (s. Abschn. 2.1.4) und in der Regel mit
Bei mechanischer Befestigung der Dachabdich- innenliegender Entwässerung zu planen. Flach-
tung muss die Nenndicke von Holzwerkstoffen dächer mit einem geringeren Gefälle als 2% sind

2.7 Innenentwässerung von Flachdächern


a) mit Gefälle
b) gefällelos (Sonderkonstruktion!)
c) Grundrisse mit Lage der Entwässerungsstellen, N = Notüberlauf
208 2 Flachdächer

Sonderkonstruktionen. Innen liegende Entwässe- gungen, Fugen, Dachaufbauten oder zu aufge-


rungen erfordern eine sorgfältige Planung und henden Bauteilen zu planen, um einerseits eine
eine mindestens halbjährliche Reinigung und einwandfreie Ausführung der Eindichtung zu
Wartung. Die Entwässerung über außen liegende gewährleisten und andererseits zu Wartungs-
Dachrinnen sollte nur bei geneigten Dächern mit zwecken frei zugänglich zu sein.
Abdichtung und in Ausnahmefällen ausgeführt
werden. Bei Abdichtungen mit bitumenhaltigen
2 Baustoffen ist die besondere Korrosionsgefahr an 2.1.11 Anschlüsse an
den Dachrinnen zu beachten (s. Abschn. 1.7.1). aufgehende Bauteile
Eine gefällelose Flachdachausführung wäre nur dann prob- Für Anschlüsse an aufgehenden Bauteilen (auch
lemlos, wenn wirklich ebene und absolut horizontale Flä-
chen der Unterkonstruktion zur Verfügung stehen. Das ist an Fenster- und Terrassentüren und an Attika-
jedoch in der Praxis durch unvermeidliche Ungenauigkei- Anschlüsse) sind bei der Planung folgende Min-
ten bei der Ausführung und wegen des Durchhängens der desthöhen zu beachten:
Flächen nicht zu gewährleisten (Bild 2.7b). Sie gelten daher • Flachdachneigung bis 5° mindestens 15 cm
als „Sonderkonstruktionen“ und bedürfen besonderer
Sorgfalt bei der Ausführung. • Flachdachneigung über 5° mindestens 10 cm
über Oberkante Oberflächenschutz bzw. Kies-
Auf Massivplatten wird daher in der Regel ein Ge- schüttung oder von Nutzschichten.
fällebeton mit flachen Kehlen zu den Dachabläu- Diese Werte sind gegebenenfalls zu erhöhen
fen aufgebracht (Bild 2.7a und c). (schneereiche Gebiete, Sheddachrinnen).
Insbesondere bei Leichtkonstruktionen wird viel-
fach auf den Gefälleausgleich verzichtet und die Die Flächen, an denen die Abdichtungen hochzu-
gesamte Decke im Gefälle verlegt. Eine waage- führen sind, müssen eben und frei von Fugen,
rechte Untersicht wird dabei nötigenfalls durch Betonnestern u. Ä. sein. Falls erforderlich, ist ein
einwandfrei hinterlüftete, untergehängte Putz- Ausgleichsputz herzustellen.
decken o. Ä. erreicht (s. auch Abschn. 2.2.5).
Dachflächen mit nach innen abgeführter Entwäs- Wandanschlüsse. Anschlüsse können starr
serung müssen unabhängig von der Größe der (durch Klebung) oder beweglich (mit lose ver-
Dachfläche für jede Teildachfläche mindestens legten Kunststoff-Dichtungsbahnen) hergestellt
entweder zwei Dachabläufe (von denen ein Ab- werden. Anschlüsse mit eingeklebten Blechen in
lauf als Notablauf funktioniert) oder einen Bitumenbahnen dürfen nur bei Anwendungs-
Dachablauf und einen Notüberlauf erhalten (Bild kategorie K1 angewendet werden und sollten
2.7c). Abläufe und Notüberläufe müssen nach zu Wartungszwecken zugänglich sein. Starre
DIN 1986-100 geplant und nach DIN EN 1253-1 Anschlüsse mit Klemmschienen u. Ä. sollen nicht
sowie DIN EN 12 056-3 bemessen werden. über Bauteile hinweggehen, die statisch von-
einander – z. B. durch Bewegungsfugen – ge-
Die Notentwässerung muss mindestens die Diffe- trennt sind. Hier sind Fugenprofile zu verwenden,
renz zwischen Jahrhundertregen und Berech- die Bewegungen zulassen und an den Trennstel-
nungsregen entwässern können; dies wird i. d. R. len besonders abgedichtet sind.
erreicht durch:
Die hochgezogenen Abdichtungen einschließ-
• zusätzliche Dachabläufe mit Anstauelement und lich Trennlage und ggf. Dampfsperre werden mit
freier Entwässerung auf das Grundstück (Bild aufgedübelten Klemmschienen befestigt (Bild
2.71) oder 2.8). Kunststoff-Dichtungsbahnen können auch
• Entwässerung über Attikagullys jeweils unter auf Verbundbleche geschweißt oder geklebt wer-
Beachtung der angegebenen Ablaufleistung; den (2.9).
bzw. durch Die oberen Abschlüsse sollten vor allem durch
• partielles Absenken der Attika auf die Mindest- konstruktive Vorkehrungen geschützt werden.
stauhöhe (z. B. bei Ablauf NW 100 = 35 mm) Ausreichend tiefe Rücksprünge in den Anschluss-
• eines durch die Attika geführten Notüberlaufs wänden (Bild 2.8c) oder Überdeckungen durch
(Bild 2.70). Fassadenbekleidungen sind wesentlich sicherer
als Abschlüsse durch Fugendichtungsmassen
Dachabläufe sind grundsätzlich mit ihren Flan- (Bild 2.8c und d; vgl. auch Abschn. 10.7.3 in Teil 1
schenaußenkanten im Abstand von mindestens des Werkes). Lediglich mit Dichtstofffasern abge-
30 cm zu den Außenkanten sonstiger Durchdrin- dichtete Fugen sind nicht mehr grundsätzlich
2.1 Allgemeines 209

2.8
Wandanschluss
a) Schnitt
b) Detail oberer Abschluss
c) Klemmschiene (alwitra),
d) Anschlusssicherung bei genutzter
Oberfläche (alwitra)

2.9 Anschluss durch Schweißung auf beschichtetem 2.10 Flachdachanschluss an belüftetes Steildach
Anschlussblech
210 2 Flachdächer

abzulehnen. Nur durch Fugendichtungsmassen Stellen sehr sorgfältig gearbeitet werden. Die an-
gesicherte Anschlüsse sind allerdings der Anwen- stoßenden hochgezogenen Abdichtungsbahnen
dungskategorie K1 zuzuordnen. Die Dichtstoff- erhalten zunächst besonders zugeschnittene
fasern müssen regelmäßig gewartet werden. Überlappungen (Bild 2.11a). Zusätzlich werden
Bei genutzten Flächen sind die hochgezogenen die Eckpunkte mit herzförmig zugeschnittenen
Abdichtungen durch entsprechende konstruk- oder teilweise auch als Formteil lieferbaren Ab-
schlüssen überklebt (Bild 2.11b).
2 tive Maßnahmen gegen mechanische Beschädi-
gungen zu schützen (Bild 2.8d).
Anschlüsse an Türen. Besonders kritische An-
Anschlüsse an geneigte Dachflächen sind min- schlusspunkte stellen die Übergänge von Ab-
destens bis über die Höhen der Flachdachränder dichtungen zu Balkon- oder Terrassentüren dar.
zu führen, damit im Falle des Versagens der Dach- Nach DIN 18 195 Teil 5 muss die Abdichtung bei
entwässerung kein Stauwasser in die empfindli- waagerechten oder schwach geneigten Flächen
che Steildachkonstruktion eindringen kann und an anschließenden, höher führenden Bauteilen in
allenfalls nach außen überfließen kann. Die nöti- der Regel 15 cm über die Oberfläche der Schutz-
gen Belüftungsöffnungen (vgl. Abschn. 1.9.2) schicht, des Belages oder der Kieslage (Schutz-
sind zu berücksichtigen (Bild 2.10). schicht) hochgeführt werden. Besteht diese Mög-
lichkeit nicht, so sind besondere planerische Maß-
Anschlüsse an Durchdringungen z. B. von nahmen gegen das Eindringen von Wasser oder
Dachabläufen Sanitärrohren, Antennendurch- das Hinterlaufen der Abdichtung erforderlich.
gängen u. Ä. können zwar mit Hilfe von Klebe- Wenn die Abdichtungen den o. g. Forderungen
flanschen hergestellt werden, doch sind derarti- gemäß mindestens 15 cm über die Entwässe-
ge Eindichtungen auch bei sorgfältiger Ausfüh- rungsebene hochgezogen werden, ergeben sich
rung ziemlich schadensanfällig. Besser sind zwischen Außen- und Innenbodenflächen so
Anschlüsse mit Dichtungsmanschetten oder große Höhendifferenzen, dass entweder die Kon-
Klemmflanschen (s. Abschn. 2.6). struktionsflächen auf unterschiedlichen Höhen
Durchdringungen müssen untereinander und zu liegen müssen oder Stufen (Bild 2.14) unvermeid-
anderen Bauteilen im Regelfall einen Mindestab- lich sind (Bild 2.15).
stand von 30 cm aufweisen. Dies kann aber wegen der Nutzung der außen
liegenden Flächen (Kinderwagen, Rollstühle
Ausbildung von Ecken. Wenn Abdichtungen ge- usw.) oft nicht akzeptiert werden.
genüber angrenzenden Bauteilen hochgezogen Bei behindertengerechten Gebäuden sind nach
werden müssen, stellen die dabei entstehenden DIN 18 025 untere Türanschläge und -schwellen
unvermeidlichen Ecken besondere Schwach- grundsätzlich zu vermeiden bzw. dürfen eine
punkte dar. Bei der Ausführung muss an diesen Höhe von 2 cm nicht überschreiten. Nach den

2.11 Eckausbildung von Abdichtungen


a) Zuschnitt der Anschluss-Dachbahnen (Innen- bzw. Außenecke)
b) Abschluss der Eckpunkte mit vorgefertigten Abdeckstücken Innen- bzw. Außenecken (BRAAS-Rhenofol)
2.1 Allgemeines 211

2.12 Flächenbündiger Terrassenanschluss 2.13 Abdichtungsanschluss an Terrassentür


(SystemAcoProfiLine) (System AcoProfiLine)
1 Terrassenrinne 1 Anschlussblech
2 Terrassenrinne
3 Stichkanal
4 Aufsatz für Dachabläufe

Flachdachrichtlinien [11] darf die Türanschluss- Aachener Instituts für Bauforschung und ange-
höhe von Abdichtungen in Ausnahmefällen bis wandte Bauphysik konnte nachgewiesen wer-
auf 5 cm verringert werden. Damit können je- den, dass bei sorgfältiger Planung und Ausfüh-
doch die in DIN 18 195-5 getroffenen Festlegun- rung schadensfreie Bauwerksanschlüsse auch
gen für den Anschluss von Abdichtungen an Ter- ohne vollständige Erfüllung der Anforderungen
rassen- oder Balkontüren nicht erfüllt werden von DIN 18 195-5 ausführbar sind [1].
(Oberkante Abdichtung  15 cm über der Oberflä-
che des Belages. Durch ein Gutachten des

2.14 Abdichtungsanschluss an Terrassen- oder 2.15 Abdichtungsanschluss an Terrassen- oder Balkontür:


Balkontüren: Bei 15 cm Abdichtungsaufkantung Erforderliche Höhendifferenz des Abdichtungs-
Stufen innen unvermeidlich anschlusses durch vorgelagerten Gitterrost abge-
1 Abdeckblech mindert
1 großformatige Platten, lose in Kies verlegt
2 Gitterrost mit Aufständerung
3 L-Stahl als Abdichtungsauflage (Abdichtungs-
anschluss mit Lochband und Versiegelung)
212 2 Flachdächer

Die Industrie hat inzwischen flächenbündige An- gegen Wasser- und Eisdruck, gegen den Druck
schlüsse entwickelt, die „schwellenloses Bauen“ von Kiesschüttungen und gegen Beschädigun-
ohne Schaden ermöglichen. Sie entsprechen al- gen bei Bau- und Wartungsarbeiten geschützt
lerdings nicht den geltenden Vorschriften, d. h. sein. Außerdem muss ausreichender Schutz ge-
den Vorschriften der DIN. Es muss erneut darauf gen die Auswirkung von Windkräften gewähr-
hingewiesen werden, dass Normen und Richtlini- leistet sein.
en keine zwingenden gesetzlichen Forderungen • materialbedingte Beanspruchungen. Längen-
2 darstellen. Wenn von Ihnen abgewichen wird, änderungen der Randprofile müssen so aus-
muss jedoch die Tauglichkeit der gewählten Kon- gleichbar sein, dass weder am Übergang zur
struktion nachgewiesen und verantwortet wer- Abdichtung noch an Innen- oder Außenecken
den. Die Ausführung ist einschl. aller Vor- und des Dachrandes Undichtigkeiten oder Verfor-
Nachteile mit dem Bauherren zu besprechen. Der mungen entstehen. Gewisse Kunststoff-Dich-
Bauherr muss in schriftlicher Form auf die nicht tungsbahnen neigen bei der Alterung zum
normgerechte Ausführung hingewiesen werden, Schwinden. Die daraus entstehenden Zug-
will der Planer sich vor eventuellen Regressan- spannungen müssen von der Randkonstrukti-
sprüchen schützen. on aufgenommen werden können.
Bild 2.12 zeigt einen möglichen flächenbündi- • Bauwerkstoleranzen. Randkonstruktionen müs-
gen, nicht normgerechten Terrassenanschluss. sen die problemlose Anpassung an unver-
Bild 2.13 zeigt einen nach den Flachdachrichtlini- meidliche Bauwerksungenauigkeiten in der
en möglichen Anschluss, bei dem zu jeder Zeit Fluchtrichtung, in Höhen und ggf. auch Nei-
ein einwandfreier Wasserablauf im Türbereich gung ermöglichen.
gewährleistet ist. Die Dachdurchdringung ist • Belüftung. Flachdachränder von zweischaligen
vom Wand-/Türanschluss mindestens 50 cm ent- Dächern müssen ausreichende Belüftungs-
fernt. querschnitte haben, die genügend gegen
Vor den Türen ist durch ständig wirksame Ent- Schlagregen sowie gegen Kleintiere, Vögel und
wässerung der Außenflächen ein Wasserstau an Insekten gesichert sind.
den Abdichtungsanschlüssen – auch bei Schnee-
matsch – auszuschließen (vgl. auch Abschn.
10.7.3 in Teil 1 des Werkes). Dachüberstände. Ausladende Gesimse von mas-
siven Flachdächern erfordern zusätzliche Wärme-
Durch konstruktive Maßnahmen ist eine mecha- schutzmaßnahmen. Zur Vermeidung von Wär-
nische Beschädigung der hochgezogenen Ab- mebrücken müssen auskragende Stahlbeton-
dichtungen auszuschließen. Die Abdichtungen platten entweder vollständig mit zusätzlichen
müssen sorgfältig hinter etwa vorhandenen Rol- Wärmedämmungen umhüllt oder thermisch ge-
ladenschienen oder Deckleisten hochgeführt trennt werden (Bild 2.16). Dies führt häufig zu
werden und sind an den Türrahmen mit Klemm- gestalterisch unbefriedigenden Lösungen.
schienen o. Ä. mechanisch zu befestigen.
Bei allen Flachdachkonstruktionen bildet die
Trennlinie zwischen Dachplatte und Auflager
gleichzeitig eine Material- und Bewegungsfuge.
2.1.12 Flachdachränder Infolge Durchbiegung können sich außerdem die
Auflagerenden von weit gespannten Massivplat-
An den Rändern von Flachdächern enden außer
der Unterkonstruktion alle Schichten der Abdich-
tung und Wärmedämmung mit völlig verschie-
denartigen Materialien, die wiederum unter-
schiedlichen Beanspruchungen und Anforderun-
gen ausgesetzt sind:
• Temperatureinflüsse. Unterkonstruktion, Dach-
abdichtung und Randabschlussteile haben
verschiedene thermisch bedingte Form- und
Längenänderungen.
• mechanische Beanspruchungen. Von allen 2.16 Wärmeschutz von auskragenden Flachdächern
Schichten des Dachaufbaus muss insbeson- (Abdichtung usw. nicht eingezeichnet)
dere die Dachabdichtung am Rand zuverlässig Flachdachgesims mit Wärmeschutz außen
2.1 Allgemeines 213

ten insbesondere an den Ecken hochbiegen (Bild sind raumhohe Öffnungen in den Außenwänden
2.17). Das kann durch Aufkantung der Decken- möglich.
platten zu einer umlaufenden „Attika“ weitge- Vielfach werden Attika-Konstruktionen lediglich
hend verhindert werden (Bild 2.18). Wird die Atti- aus formalen Gründen gewählt, um dahinter lie-
ka als statisch wirksamer Überzug ausgebildet, gende Schräganschnitte von Gefälleschichten zu

2.17 Hochbiegen von Plattenecken infolge 2.18 Flachdach-Aufkantung („Attika“)


Durchbiegung

2.19a

2.19 Flachdachränder (schematisch)


a) Flachdach mit Randprofil
b) Flachdach mit Attika
c) Anschluss der Dichtungen mit Hinterschneidung
d) Attika-Anschluss mit IsoKorb® (SCHÖCK)
x = 10 cm bei Dachneigung d 5°
x = 5 cm bei Dachneigung > 5° 2.19d
214 2 Flachdächer

verbergen. Es ist aber zu bedenken, dass Aufkan- filkonstruktion ein möglichst einfaches Ausglei-
tungen von Flachdachrändern mit hochgezoge- chen von unvermeidlichen Rohbauungenauig-
nen Abdichtungen meistens recht schadensan- keiten in der Höhe, in der Neigung und in der
fällig sind. Insbesondere die an der Innenseite Fluchtrichtung erlaubt.
hochgezogenen Abdichtungen sind bei hohen Den Übergang zu bituminösen Dachabdichtun-
Attiken schwierig gegen UV-Strahlung und me- gen bilden Polymerbitumenbahnen oder Kunst-
chanische Beschädigungen zu schützen.
2 stoff-Anschlussbahnen, die je nach Profilsystem
auf unterschiedliche Weise zugfest eingeklemmt
Auflager. Damit durch material- und tempera- werden bzw. in die Abdichtungsränder einge-
turbedingte Längenänderungen oder lastabhän- klebt werden. Kunststoff-Dachabdichtungen
gige Formänderungen größerer Stahlbetonmas- können direkt an die meisten Profilsysteme an-
sivplatten keine Beanspruchungen von Flachdä- geschlossen werden. Die äußeren, den wechseln-
chern auf die Auflagerwände übertragen werden, den Temperatureinflüssen ausgesetzten Teile der
sind die Auflager mit Hilfe von Gleitlagern oder Dachrandabschlüsse müssen Längenänderun-
Gleit-Kipp-Lagern zu bilden (s. Abschn. 2.3.2). Je gen zulassen, ohne dass diese sich auf die An-
nach statischen Erfordernissen sind als Auflager schlussbahnen übertragen können. Für Innen-
Ringanker vorzusehen (vgl. Abschn. 6.2.1.1 in und Außenecken stehen bei allen Herstellern
Teil 1 dieses Werkes). In jedem Fall sind die Auf- entsprechende Formteile zur Verfügung. In Bild
lagerfugen vor allem in den Außenwänden kon- 2.11 sind 2 Beispiele für derartige Profile gezeigt.
struktiv und gestalterisch zu berücksichtigen. Sie
An- und Abschlüsse von Dachflächen der Anwen-
werden in der Regel durch entsprechende Ge-
dungskategorie K1, die nur unter hohem Monta-
sims- oder Fassadenverblendungen abgedeckt
geaufwand oder nur durch Zerstörung von ande-
(Bild 2.19).
ren Bauteilschichten zugänglich werden, sind
Dachrandabschlussprofile bilden den Über- nach Anwendungskategorie K2 auszuführen.
gang zwischen Dachabdichtungen und Dachrän-
dern. Dabei sind direkt eingeklebte Blechverwah-
rungen als Flachdachabschlüsse ungeeignet. Es 2.1.13 Arbeitsablauf an der Baustelle
steht für diese Aufgabe eine große Zahl von
Spezial-Profilsystemen aus Leichtmetall-Strang- Dachabdichtungen dürfen bei Witterungsver-
pressprofilen sowie aus Blech- und Faserzement- hältnissen, die sich nachteilig auf die zu erbrin-
Profilen in den verschiedensten Formen auf dem gende Leistung auswirken (z. B. Temperaturen
Markt zur Verfügung. unter +5 °C; Nässe, Schnee, Eis, starker Wind), nur
In den Flachdachrichtlinien ist für Dachrandab- ausgeführt werden, wenn besondere Maßnah-
schlussprofile vorgeschrieben: men ergriffen werden.
Bezüglich der Anforderungen an den Unter-
• Die Oberflächen der Abdichtungen bzw. der
grund von Dachabdichtungen ist DIN 18531-1,
Kiesschüttungen müssen bei Dachneigungen
Abschn. 7, zu beachten.
bis 5° mindestens 10 cm, bei größeren Dach-
neigungen um mindestens 5 cm überragt wer-
den (Bild 2.19).
2.1.14 Instandhaltung
• Die Überlappung der oberen Abschlüsse von
Putz oder Bekleidungen muss mindestens be- Das Vorurteil, Flachdächer seien gegenüber ge-
tragen: Bei Gebäudehöhen neigten Dächern auch bei einwandfreier Ausfüh-
– bis 8 m > 5 cm rung wesentlich schadensanfälliger, beruht fast
– über 8 bis 20 m > 8 cm immer auf Schäden, die durch jahrelange Ver-
– über 20 m > 10 cm. nachlässigung bedingt sind. Weil sich bei den oft
• Der Überstand der Tropfkanten vor den zu nicht einsehbaren Flachdachflächen Schäden
schützenden Bauteilen soll mindestens 2 cm erst wesentlich später und dann meistens folgen-
betragen. schwer zeigen, muss gegenüber den Auftragge-
bern klargestellt sein:
Die Halterungen der Abschlussprofile werden am Flachdächer erfordern zu ihrer Erhaltung und
besten auf aufgedübelten Randbohlen aus Holz zur Verlängerung ihrer Lebensdauer – wie jedes
montiert (Befestigung s. Abschn. 2.1.9, Tab. 2.6). andere Dach auch – regelmäßige Wartung und
Die Montage wird sehr erleichtert, wenn die Pro- Pflege.
2.1 Allgemeines 215

2.20d
2.20 Dachrandabschlussprofile und Einbaubeispiele c) Flachdachrand bei Abdichtung mit
a) In Fluchtrichtung und Höhe justierbar Bitumenbahnen (vgl. Bild 2.29a)
(ALWITRA) 1 Stahlbeton
1 Anschluss-Dichtungsbahn, zugfest einge- 2 Voranstrich
spannt 3 Glasvliesbitumenlochbahn
2 Halteprofil, auf Unterkonstruktion aufge- (unt. Dampfdruckausgleichsschicht)
schraubt, in Fluchtrichtung justierbar 4 Dampfsperre
3 Halteprofil, durch Zahnleiste mit Klemmring 5 Polystyrol-Hartschaum
werkzeugfrei justierbar 6 Glasvliesbitumenlochbahn (obere
4 Deckprofil, gleichzeitig Auflager für Dampfdruckausgleichsschicht)
Anschlussbahn, längs verschiebbar 7 3-lagige Bitumenbahnabdichtung
5 Oberes Deck- und Klemmprofil, längs ver- 8 Kiesschüttung
schiebbar 9 Abschlussprofil

b) In Fluchtrichtung, Höhe und Neigung justierbar d) Flachdachrand bei Umkehrdach


(JOBA) 1 Stahlbeton
2 Trennlage (geschäumtes Polyäthylen)
1 Anschluss-Dichtungsbahn, zugfest eingespannt 3 Flachdachfolie
2 Halteprofil, auf Unterkonstruktion aufge- 4 extrudierte Polystyrolplatten (z. B. Roofmate)
schraubt, in Fluchtrichtung justierbar 5 Filtervlies
3 Halteprofil, in Höhe und Neigung justierbar 6 Kiesschüttung
4 Auflagerprofil für Anschlussbahn
5 Deckprofil, aufgeklemmt; längs verschiebbar

Erstmals sind mit DIN 18531-4 in einer Norm Maß- einer Fachfirma abgeschlossen werden. War-
nahmen zur Instandhaltung von nicht genutzten tungsmaßnahmen schließen die Beseitigung von
Dächern geregelt (Tab. 2.21). Verschmutzungen und unerwünschtem Pflan-
Zur regelmäßigen Überprüfung der Dachflächen zenbewuchs, die Reinigung von Dachrinnen und
sollte ein Inspektions- und Wartungsvertrag mit -abläufen, die Beseitigung von Kiesverwehungen
216 2 Flachdächer

Tabelle 2.21 Beispiele für Maßnahmen der Instandhaltung der Dachabdichtung und der Dacherneuerung nach
DIN 18531-4
1 2
1 Inspektion Aufnahme des Zustandes der Dachabdichtung, der An- und Abschlüsse sowie der
Durchdringungen.
Die Ergebnisse der Inspektion können Basis für die Festlegung evtl. erforderlicher
2 Wartungs-, Instandsetzungs- oder Dacherneuerungsmaßnahmen sein.
2 Wartung z. B. Entfernen von unerwünschten Ablagerungen und Fremdbewuchs
Reinigen der Entwässerungsanlagen (siehe 4.2)
3 Instandsetzung a) Kleinere Instandsetzungsarbeiten, z. B.
Erneutes Absichern von Wandanschlussprofilen
Schutzanstriche auf korrosionsgefährdeten Metallteilen
Ausbessern kleinerer Schadstellen in der Abdichtung
b) Größere Instandsetzungsarbeiten sind nach genauer Voruntersuchung (siehe
5.3) festzulegen, z. B.
– Ausbessern größerer Schadstellen in der Abdichtung
– Regenerierung vorhandener Dachabdichtungen durch Aufbringen einer neuen
Abdichtungslage (siehe 5.4.3).
4 Erneuerung Maßnahmen zum Ersatz einer nicht mehr funktionstüchtigen Dachabdichtung und
der Dach- ihrer An- und Abschlüsse
abdichtung – bei Belassen der vorhandenen Dachabdichtung
– nach Entfernen der vorhandenen Dachabdichtung
– mit Zusatzdämmung
– mit Zusatzdämmung als Gefälledämmung
5 Erneuerung des Maßnahme zum kompletten Ersatz eines nicht funktionstüchtigen oder eines ver-
Dachaufbaus besserungsbedürftigen Dachschichtenaufbaus – einschließlich aller An- und Ab-
(Modernisierung) schlüsse.

und die Reinigung von Be- und Entlüftungsöff- 2.2 Baustoffe


nungen – soweit ohne Gerüst möglich – ein. War-
tungsarbeiten sollten ein- bis zweimal im Jahr
2.2.1 Abdichtungen
durchgeführt werden.
Inspektionen sollten alle 3–4 Jahre durch Fachfirmen Stoffe und Bauteile des Dachaufbaus, die unterei-
durchgeführt werden. Dabei wir der Zustand der nander in Berührung kommen, müssen miteinan-
Dachflächen sowie der An- und Abschlüsse insge- der verträglich sein. Bei Unverträglichkeiten sind
samt überprüft. Die Ergebnisse der Inspektion sind in geeignete Maßnahmen (z. B. Trennschichten/-la-
einem Protokoll schriftlich festzuhalten, ebenso wei- gen) vorzusehen.
tere notwendige Maßnahmen.
Die zur Dachabdichtung geeigneten Stoffe sind
Um Inspektions- und Wartungsarbeiten gründlich in DIN 18 531-2 genannt und nach DIN 18 531-3
durchführen zu können, müssen Dachflächen zu bemessen. Für andere Stoffe ist ein Eignungs-
ungehindert zugänglich sein. Dies ist häufig auf nachweis erforderlich.
Dachflächen, auf denen in größerem Umfang
Klimaaggregate installiert sind, nicht gegeben.
Eigenschaftsklassen
DIN 18 531 fordert zwischen den Aggregaten und
der Dachhaut einen Mindestabstand von 50 cm. Zu den Beanspruchungsklassen für Dachabdich-
tungen (s. Abschn. 2.1.2) werden in DIN 18 531-2
Eigenschaftsklassen der Abdichtungsbahnen defi-
niert (Tab. 2.22).

Bitumen- oder Polymerbitumenbahnen


Bitumen-Dachbahnen nach DIN 52 130 sind für
Dachabdichtungen mit verschiedenen Trägerein-
2.2 Baustoffe 217

Tabelle 2.22 Eigenschaftsklassen der Abdichtungsbahnen


Eigenschaftsklasse Hoher mechanischer Widerstand Mäßiger mechanischer Widerstand
Widerstand gegen hohe E1 E3
thermische Beanspruchung
Widerstand gegen mäßige E2 E4
thermische Beanspruchung
2
lagen (Polyestervlies 200T oder 250B DIN 18 192, Vorteile von Elastomerbitumenbahnen PYE sind:
Textilglasgewebe DIN 18 191, Jutegewebe mit • geringe Temperaturempfindlichkeit
flächenbezogener Masse von > 300 g/m2, Alu- • gute Standfestigkeit bei schroffen Temperatur-
miniumbänder DIN 1745-1 und Kupferbänder wechseln
DIN 17 670-1) genormt als
• hohe Rückstellkraft nach kurzzeitiger punktför-
• Bitumenbahnen (eine oder mehrere Träger- miger Belastung (auch bei niedrigen Tempera-
einlagen mit beidseitigen Deckschichten), turen)
• Polymerbitumenbahnen (Elastomer- PYE und • hohe Perforationssicherheit
Plastomerbitumenbahnen PYP).
• lange Lebensdauer und Witterungsbeständig-
Das Produktdatenblatt für Bitumenbahnen des keit
Deutschen Dachdeckerhandwerks-Regelwerk legt • gute Verklebbarkeit
für Bitumen- und Polymerbitumenbahnen an-
wendungsbezogene Anforderungen und Eigen- Vorteile von Plastomerbitumenbahnen PYP (in
schaften für die Verwendung in Abdichtungen der Regel als Schweißbahnen) sind:
nach der „Fachregel für Dächer mit Abdichtun-
gen“ und der „Fachregel für Bauwerksabdichtun- • hohe Temperaturbeständigkeit
gen“ fest [11]. Bitumenbahnen nach diesem Pro- • plastisches Verhalten mit hoher Flächenstabili-
duktenblatt müssen eine CE-Kennzeichnung tät
entsprechend den harmonisierten Normen (Bah- • Witterungsbeständigkeit in Verbindung mit
nen für Dachabdichtungen; Bahnen für Bau- Kälteflexibilität
werksabdichtung; Mauersperrbahnen) aufweisen.
Bahnen für Dachabdichtungen müssen darüber Die verschiedenen genormten Lieferformen zeigt
hinaus den Anforderungen der DIN V 20 000-201 Tabelle 2.23.
und für genutzte Dächer den Anforderungen der
In Bild 2.24 ist ein Beispiel für die Kennzeichnung
DIN V 20 000-202 entsprechen oder deren An-
einer Polymerbitumenschweißbahn von 5 mm
wendbarkeit muss durch ein allgemeines bauauf-
Dicke mit Polyestervlies-Trägereinlage gegeben.
sichtliches Prüfzeugnis (abP) nachgewiesen sein.
Bitumendichtungsbahnen werden meist mehrla-
Das Produktdatenblatt für Bitumenbahnen des
gig mit mindestens 8 cm Stoßüberdeckung in
Deutschen Dachdeckerhandwerks-Regelwerk-
parallelen Bahnen mit Versatz verlegt und vollflä-
03/2007 [11] gibt mit den nachfolgend aufge-
chig miteinander verklebt. Zur Verklebung sind
führten Tabellen wichtige Hinweise für die An-
zugelassen:
wendungen von Bitumenbahnen als Dachabdich-
tung: • Gießverfahren
• Schweißverfahren
• Tabelle 1 „Eigenschaftsklassen (Widerstand
gegen thermische Beanspruchung • Bürstenstreichverfahren
der Abdichtungsbahnen für Dach- • Kaltverklebung
abdichtungen)“
• Tabelle 2 „Anwendungstypen Dachabdichtung“ Eine hohlraumfreie Verklebung ist unter Baustel-
lenbedingungen am besten durch das Gieß- und
• Tabelle 4 „Kurzzeichen für Produktmerkmale“
Einrollverfahren erreichbar, bei dem die Dich-
• Tabelle 5 „Übersicht der Bitumen- und Poly- tungsbahn in vorher reichlich aufgegossene un-
merbitumenbahnen für Dachabdichtungen“ gefüllte Bitumenklebemasse so eingerollt wird,
• Tabelle 7 „Anforderungen an Bitumenbahnen dass in ganzer Bahnenbreite ein Klebemassen-
für Dachabdichtung“ wulst entsteht (Bild 2.25).
218 2 Flachdächer

Tabelle 2.23 Genormte Bitumenbahnen


Trägereinlage Glasvlies- Bitumen- Bitumen- Polymerbitumen- Polymer-Bitumen-
Dachbahnen Dachdichtungs- Schweißbahnen Dachdichtungs- Schweißbahnen
bahnen bahnen
DIN 52 143 DIN 52 130 DIN 52 131 DIN 52 132 DIN 52 133
Glasgewebe – G 200 DD G 200 S4 PYE-G 200 DD PYE-G 200 S4
2 G 200 S5 PYP-G 200 DD PYP-G 200 S4
PYE-G 200 S5
PYP-G 200 S5
Polyesterfaservlies – PV 200 DD PV 200 S5 PYE-PV 200 DD PYE-PV 200 S5
PYP-PV 200 DD PYP-PV 200 S5
Jutegewebe – J 300 DD J 300 S4 PY-J 300 DD PYE-J 300 S4
J 300 S5 PYP-J 300 S4
PYE-J 300 S5
PYP-J 300 S5
Glasvlies* V13* – V60 S4* – –
* Nur als zusätzliche Lagen, als Dachabdichtung nicht geeignet.

Hinweis
Zur Bildung der Normbezeichnung werden in Normen für Bitumen- bzw. Polymerbitumen-Dachbahnen, Dachdichtungsbahnen
oder Schweißbahnen folgende Kurzzeichen verwendet:
G Glasgewebe PYP Polymerbitumen, modifiziert mit
PV Polyestervlies thermoplastischen Kunststoffen
V Glasvlies 200 Flächengewicht der Trägereinlage, z. B. 200 g/m2
PYE Polymerbitumen, modifiziert mit (nicht V 13)
thermoplastischen Elastomeren DD Dachdichtungsbahn
J Jutegewebe S4 / S5 Schweißbahn mit 4 bzw. 5 mm Dicke

2.24 Beispiel: Kennzeichen einer Polymer-Bitumen- 2.25 Gieß- und Einrollverfahren


schweißbahn, 5 mm dick

Beim Schweißverfahren werden die Bitumen- bäuden entwickelt, weil der Einsatz von Schweiß-
Schweißbahnen an der Unterseite mit dem Flä- brennern hier ein zu großes Risiko bedeuten
chenbrenner erhitzt, die zu verklebenden Bitu- würde.
menschichten angeschmolzen und die Bahnen
unter leichtem Andruck eingerollt. Einlagige bituminöse Abdichtungen werden
von verschiedenen Herstellern angeboten. Nach
Kaltverklebung kommt für spezielle, werkseitig DIN 18 531 dürfen Dachabdichtungen einlagig
mit einer Kaltklebemasse versehene Bitumen- hergestellt werden, wenn das Gefälle der Unterla-
bahnen nach Vorschrift der Hersteller in Frage. ge mindestens 2% beträgt. An- und Abschlüsse
Die kaltselbstklebenden Bahnen wurden insbe- sind mehrlagig auszuführen. An Kehlen sollte die
sondere für den Einbau auf brandsensiblen Ge- Abdichtung verstärkt werden. Einlagige Abdich-
2.2 Baustoffe 219

tungen aus Polymerbitumenbahnen sind unter Kunststoff- oder Elastomerbahnen zur Anwen-
begrünten Dächern nicht zulässig. In den Flach- dung kommen, die dann auch voll- oder teilflä-
dachrichtlinien heißt es andererseits eindeutig: chig verklebt verlegt werden können.
„Dachabdichtungen mit Bitumenbahnen sind Eine Übersicht der Kunststoff- und Elastomerbah-
mindestens zweilagig auszuführen …“. Hier wi- nen gibt DIN V 20000-201, Tabelle 3.
dersprechen sich die DIN und die Flachdachricht- Die Bemessung von Dachabdichtungen aus
linien. Planer und Bauherr sollten sich für die Ver-
wendung einlagiger bituminöser Abdichtungen
Kunststoff- und Elastomerbahnen in Abhängig-
keit von der Anwendungskategorie (s. Abschn.
2
gemeinsam entscheiden und dies schriftlich fest- 2.1.1) ist DIN 18531, Tab. 2.26 „Bemessung von
halten. Dachabdichtungen aus Kunststoff- und Elasto-
Neben Polymerbitumenbahnen entwickeln sich merbahnen“ zu entnehmen.
auch so genannte „Sanierungsbahnen“ immer Aber auch die Fachregeln für Dächer mit Abdich-
mehr zu einem eigenständigen Produkt der Son- tungen – Flachdachrichtlinien geben Bemessun-
derbahnen. Diese sind so aufgebaut, dass die gen von Abdichtungen, die sich nicht unbedingt
alte Abdichtung (bei Bedarf auch mit einer zu- immer mit den Angaben der entsprechenden
sätzlichen Wärmedämmung) auf dem Dach ver- Norm decken, vor. Es ist Sache des jeweiligen Pla-
bleiben kann und die neue Abdichtung darüber ners, ob er der Empfehlung der Normen oder der
aufgebracht wird. Wegen der in den alten Bau- Fachregeln für Dächer mit Abdichtungen – Flach-
teilen meistens enthaltenen Restfeuchtigkeit dachrichtlinien folgen will. Er sollte die Entschei-
muss für guten Dampfdruckausgleich gesorgt dung in jedem Fall in Abstimmung mit seinem
werden. Deshalb sind die Sanierungsbahnen Auftraggeber treffen.
häufig unterseitig mit Hohlraumsystemen verse-
hen. Die erforderlichen Hohlräume können auch
durch punkt- und streifenweise Verklebung oder Flüssig aufzubringende Dachabdichtungen
mit speziellen Vliesen oder Noppen gebildet Flüssig aufzubringende Dachabdichtungen gel-
werden. ten als einlagige Abdichtungen. Sie bestehen aus
einer oder mehreren Komponenten, die vor Ort
Dachabdichtungen mit Dachneigung < 2% sind flüssig und nahtlos vollflächig unter Verwen-
Sonderkonstruktionen, die 2lagig mit Polymer- dung einer Einlage direkt auf Beton, Estrich, oder
bitumenbahnen nach DIN 52 132 der 52 133 oder einer bahnenförmigen Unterlage aufgetragen
3lagig auszubilden sind. Bei einer 3lagigen werden.
Dachabdichtung muss die Oberlage aus einer Die Werkstoffe müssen untereinander dauerhaft
Polymerbitumenbahn nach DIN 52 132 oder verträglich sein. Zur Vermeidung chemischer Un-
52 133 und einer weiteren Lage aus Bitumen- verträglichkeiten z. B. aus der Schalung oder un-
bahnen nach DIN 52 130 oder 52 131 mit Träger- kaschierten Wärmedämmstoffen werden zusätz-
einlage aus Polyestervlies oder Glasgewebe be- liche Trägerlagen, wie z. B. Bitumen- oder Kunst-
stehen. stoffbahnen, angeordnet.
Für die 3. Lage können auch Bahnen mit einer Für flüssig aufzubringende Dachabdichtungen
Glasvliesträgereinlage verwendet werden. Ein dürfen Stoffe nach DIN 18531-2 verwendet wer-
schwerer Oberflächenschutz (z. B. Kies, s. Abschn. den (Tabelle 2.27 „4“).
2.1.7) sollte vorgesehen werden. Für flüssig aufzubringende Dachabdichtungen
der Anwendungskategorien K1 und K2 sind die
Kunststoff- oder Elastomerbahnen Mindestschichtdicken und Leistungsstufen nach
Dachabdichtungen aus Kunststoff- oder Elasto- Tabelle 2.28 „3“ – Bemessung von flüssig aufzu-
merbahnen werden einlagig ausgeführt. Die La- bringenden Dachabdichtungen einzuhalten.
gesicherung erfolgt entweder durch lose Verle- Vorgaben zur Verarbeitung von flüssig aufzubrin-
gung mit Auflast, mechanische Befestigung oder gende Dachabdichtungen (z. B. Anforderungen
Verklebung. Je nach Untergrundbeschaffenheit an den Untergrund, Oberflächentemperatur des
sind Trenn- und/oder Brandschutzlagen unter Untergrundes während der Verarbeitung, konst-
der Abdichtung anzuordnen oder Abdichtungs- ruktive Vorgaben) sind in DIN 18531-3, Abs. 6.3
bahnen mit werkseitig aufgebrachten Kaschie- beschrieben. Außerdem gelten für die Verarbei-
rungen zu verwenden. tung von flüssig aufzubringenden Dachabdich-
Bei Verlegung ohne Trenn-/Kaschierlagen auf Bi- tungen die in der Zulassung (ETA) festgelegten
tumenbahnen dürfen nur bitumenverträgliche Verarbeitungsanweisungen.
220 2 Flachdächer

Tabelle 2.26 Bemessung von Dachabdichtungen aus Kunststoff- und Elastomerbahnen (DIN 18531-3, Tab. 2)

1 2 3

Stoff Anwendungs- Anwendungs-


Kategorie K1 Kategorie K2

Mindestnenndicke der Bahnen


2 der Eigenschaftsklasse E1, einlagige Verlegung
mm

1 ECB 2,0 2,3


Ethylencopolymerisat-Bitumen
nach DIN 18531-2: 2010-05, Tabelle 3, Nummern 1 und 2

2 EVA 1,2 1,5


Ethylen-Vinylacetat-Terpolymer
nach DIN 18531-2: 2010-05, Tabelle 3, Nummern 3 und 5

3 FPO 1,2 1,5


Flexibles Polyolefin
nach DIN 18531-2: 2010-05, Tabelle 3, Nummern 6 und 7

4 PE-C 1,2 1,5


Chloriertes Polyethylen
nach DIN 18531-2: 2010-05, Tabelle 3, Nummern 8 und 11

5 PIB 1,5 1,5a


Polyisobutylen
nach DIN 18531-2: 2010-05, Tabelle 3, Nummer 12

6 PVC-P 1,5 1,8


Polyvinylchlorid weich
nach DIN 18531-2: 2010-05, Tabelle 3, Nummer 13

7 PVC-P 1,2 1,5


Polyvinylchlorid weich
nach DIN 18531-2: 2010-05, Tabelle 3, Nummern 14 bis 23

8 TPE 1,2 1,5


Thermoplastisches Elastomer
nach DIN 18531-2: 2010-05, Tabelle 3, Nummern 24 bis 25

9 EPDM 1,3 1,6


Ethylen-Propylen-Dien-Terpolymer
nach DIN 18531-2: 2010-05, Tabelle 3, Nummern 26 bis 27

10 EPDM 1,3 1,6


Ethylen-Propylen-Dien-Terpolymer
nach DIN 18531-2: 2010-05, Tabelle 3, Nummern 28 bis 29

11 EPDM 1,1 1,3


Ethylen-Propylen-Dien-Terpolymer
nach DIN 18531-2: 2010-05, Tabelle 3, Nummern 30, 32 und 33

12 IIR 1,2 1,5


Isobutylen-Isopren-Copolymer
nach DIN 18531-2: 2010-05, Tabelle 3, Nummer 31
a Zusätzliche Bedingungen:
– Verhalten unter simuliertem Hagelschlag nach DIN EN 13583 auf hartem Untergrund: mindestens 25 m/s;
– Perforationsverhalten nach DIN EN 12691: dicht bei Fallhöhe 700 mm;
– Falzen in der Kälte nach DIN EN 495-5: keine Risse bei –40 °C.
2.2 Baustoffe 221

Tabelle 2.27 Flüssig aufzubringende Dachabdichtungen (DIN 18531-2, Tab. 4)


Stoffe Kurzbezeichnung Erforderliche Art der Einlage Mindestschicht-
Leistungsstufen nach dickenc
ETAG 005a, b
Flexibles,ungesättigtes UP Klimazonen: M, S
Polyesterharz Nutzungsdauer: W3
Flexibles Polyurethanharz PUR 1K Nutzlast: P3, P4
Einlage
2
PUR 2K Dachneigung: S1, S2, S3, S4
mindestens 1,8 mm
Temperaturbeständigkeit:
110 g/m2
TL3, TH3, TL4, TH34
Flexibles Polymethyl- PMMA
methacrylatharz
a Je nach Anwendungskategorie und Beanspruchungsklasse (siehe DIN 18531-3).
b Erläuterung der Leistungsstufen siehe Anhang A (informativ).
c Wenn die in der ETA angegebene Mindestschichtdicke höher ist, gilt der höhere Wert.

Tabelle 2.28 Bemessung von flüssig aufzubringenden Dachabdichtungen (DIN 18531-3, Tab. 3)
Stoffe Anwendungs- Mindestdickea Beanspruchungs- Leistungsstufen
kategorie mm klassen
Flexible ungesättigte K1 1,8 IA, IIA, IB, IIB Klimazone M
Polyesterharze (UP) Erwartete Nutzungsdauer W3
Dachneigungb S1, S2, S3, S4
Nutzlast P4
Tiefste Oberflächentemperatur TL3
Höchste Oberflächentemperatur TH3K
Flexible K1 1,8 IIA, IIB Klimazone M
Polyurethanharze Erwartete Nutzungsdauer W3
(PUR) 1K, 2K Dachneigungb S1, S2, S3, S4
Nutzlast P3
Tiefste Oberflächentemperatur TL3
Höchste Oberflächentemperatur TH3
Flexible reaktive K2 2,1 IA, IIA, IB, IIB Klimazone S
Polymethylmetha- Erwartete Nutzungsdauer W3
crylateharze (PMMA) Dachneigungb S1, S2, S3, S4
Nutzlast P4
Tiefste Oberflächentemperatur TL4
Höchste Oberflächentemperatur TH4
a Kein Einzelwert darf die Mindestschichtdicke um mehr als 5% unterschreiten. Wenn die in der Europäischen Techni-
schen Zulassung angegebene Mindestschichtdickte höher ist als die in dieser Norm geforderte Mindestschichtdicke, so
gilt der höhere Wert.
b Unabhängig von der tatsächlichen Dachneigung sind alle Neigungsstufen S1 bis S4 nachzuweisen.

Neben den Angaben aus der Zulassung (ETA Material (etwa 250 mm x 100 mm) mit einer witte-
„Europäische technische Zulassung“) ist das un- rungsbeständigen Aufschrift oder Aufprägung zu
verschlüsselte Haltbarkeitsdatum vom Hersteller versehen, die Mindestinformationen zu Kurzzei-
anzugeben. chen für Anwendungstyp, Eigenschaftsklasse und
Produktmerkmal nach DIN V 20000-201 für bah-
Kennzeichnung eingebauter nenförmige Dachabdichtungen bzw. nach DIN
Dachabdichtungswerkstoffe 18531-2 für flüssig aufzubringende Dachabdich-
Eingebaute Dachabdichtungsstoffe sind i. d. R. auf tungen, Herstellerangaben, Handelsnamen, Aus-
der Dachfläche eindeutig zu kennzeichnen. Dazu führungsjahr der Dachabdichtung und ausfüh-
ist z. B. ein Kennzeichnungschild aus beständigem rendem Unternehmen enthält.
222 2 Flachdächer

2.29 Beispiel für die Kennzeichnung eingebauter Dichtstoffe

Das Kennzeichnungschild ist an gut einsehbarer tungsbahnen als Sicherung gegen Windsog be-
Stelle, z. B. an der Aufkantung der Dachabdich- achtet werden. Außerdem bestehen Richtlinien
tung, fest anzubringen. Es sollte in max. 5 m für die Ausführung des Oberflächenschutzes ge-
Entfernung vom Hauptzugang der Dachfläche gen Windsog (lose Grobkiesschüttung, Kiesschüt-
oder an der zu dieser Zugangsstelle nächstgele- tung mit Verklebung, Beton-Plattenbelag), wobei
genen Aufkantung montiert werden. Bild 2.29 die Größe der Dachfläche und ihre Höhe über
zeigt ein Beispiel eines solchen Kennzeichnungs- Gelände zu berücksichtigen sind.
schildes. Bei modernen Kunststoff-Dichtungsbahnen ist
ein besonderer Oberflächenschutz nicht erfor-
Lose verlegte Dachbahnen können – auch mit derlich. Deshalb können lose verlegte Dach-
allen erforderlichen Randausbildungen – werk- bahnen auch bahnenweise an den Längsstößen
seitig in großen Planen vorgefertigt werden, so durch Tellerdübel oder durch streifenweise Ver-
dass in Verbindung mit geeigneten, geschlossen- klebung auf der Tragschale fixiert werden.
porigen Hartschaum-Dämmplatten (z. B. BASF-
Styrodur oder DOW-Roofmate) Verlegearbeiten Dachabdichtungen für genutzte Dachflächen
auf allen Unterkonstruktionen auch bei Witte- (s. Abschn. 2.4) müssen den erhöhten Anforde-
rungsverhältnissen erfolgen können, bei denen rungen entsprechen, die bei Nutzung durch Per-
das Herstellen heißgeklebter bituminöser Dach- sonen- oder Fahrverkehr oder durch Begrünung
dichtungen unmöglich wäre. entstehen.
Lose verlegte Dachbahnen werden vielfach nur Sie müssen mit mindestens 1,5% Gefälle unter
durch eine Kiesschüttung beschwert (Windsiche- Beachtung von DIN 18 195 (Bauwerksabdichtun-
rung s. Abschn. 2.1.9). Diese soll die Dachfolie ge- gen) ausgeführt werden und dauernd wirksame
gen Abheben durch Windsog sichern und bildet Schutzschichten gegen mechanische Beschädi-
gleichzeitig einen hervorragenden Schutz gegen gungen erhalten. Dachabdichtungen mit einer
ultraviolette Strahlung. Abdichtungssysteme, bei Neigung unter 2% sind Sonderkonstruktionen
denen die Abdichtungsfolie ohne Befestigung mit und sollen nur in Ausnahmefällen vorgesehen
der darunterliegenden Unterkonstruktion und nur werden (s. Abschn. 2.1.4). In diesen Fällen ist die
unter Berücksichtigung loser Kiesschüttung die Qualität der Dachabdichtung zu verbessern.
anzusetzenden Sogkräfte aufnehmen soll, sind in Dazu ist z. B. eine Erhöhung der Bahnendicke ge-
Richtlinien der Bauaufsichtsbehörden zugelas- eignet. Auch Teilbereiche mit Neigung unter 2%
sen, wenn besondere Bestimmungen für die (z. B. Rinnen) sind entsprechend auszubilden (vgl.
Randbefestigung der lose verlegten Abdich- Abschn. 10.7.5 in Teil 1 des Werkes).
2.2 Baustoffe 223

Wenn derartige Flächen horizontal sein müssen,


kommt z. B. eine Ausführung mit großformatigen
Platten auf Stelzlagern in Frage. Die darunter lie-
gende Abdichtung kann dann auch auf einem
entsprechenden Gefällebeton ausgeführt wer-
den (vgl. Bild 2.50a).
Beim statischen Nachweis ist sicherzustellen, dass
die Abdichtungen keine Kräfte parallel zur Ab-
2
dichtungsebene übertragen können.

2.30 Rollbahn aus kaschiertem PS-Schaum


2.2.2 Wärmedämmstoffe

Für Wärmedämmungen von Flachdächern kön- Stufenfalz (s. Bild 2.38 und 2.39) verlegt. Hart-
nen je nach Anwendungsart verschiedenste schaumplatten sollen bei verklebtem Schichten-
Werkstoffe verwendet werden. aufbau nicht größer als 0,625 u 1,200 m sein.
Eine Zusammenstellung der für die Wärmedäm- Die aus den sehr hohen Wärmeschutzanforde-
mung in Frage kommenden Baustoffe gibt Tabel- rungen an Flachdächer resultierenden großen
le 2.27 [11]. Dämmstoffdicken sind nicht für alle Materialarten
problemlos. Es wurden z. B. Schwindvorgänge
Für Umkehrdächer (s. Abschn. 2.3.2) dürfen nur
und Verwerfungen beobachtet, die bei fest auf-
geschlossenporige Polystyrol-Extruder-Hart-
geklebten Dachdichtungen zu schweren Schä-
schaumplatten verwendet werden (z. B. DOW-
den führten. Es empfiehlt sich daher, bei Schaum-
Roofmate und BASF-Styrodur).
stoffplatten eine 2lagige Verlegung, bei der die
Auch für Kunststoff- und Elastomerbahnen hat obere Schicht aus Rollbahnen besteht (Bild 2.30).
der Zentralverband des Deutschen Dachdecker-
Wärmedämmplatten aus PS-Schaum werden
handwerks im März 2007 ein Produktdatenblatt
auch als Gefälleplatten hergestellt und mit
herausgegeben (aktualisiert 2009), das mit
1- oder 2seitiger Kaschierung aus Bitumenbah-
• Tabelle 1 „Eigenschaften der Abdichtungs- nen (Bild 2.26). Wenn die Kaschierung aus min-
bahnen für Dachabdichtungen“ destens 3 m langen Dachdichtungsbahnen be-
• Tabelle 2 „Anwendungstypen Bauwerksab- steht, kann sie als 1. Lage einer mindestens
dichtungen“ 3-lagigen Abdichtung verwendet werden. Dabei
• Tabelle 3 „Kurzzeichen für Werkstoffbezeich- müssen die Nähte sorgfältig verklebt werden.
nungen“ Mittlerweile sind – insbesondere für Flachdächer,
• Tabelle 4 „Kurzzeichen für Produktmerkmale“ bei denen konstruktionsbedingt nur eine beson-
• Tabelle 5 „Übersicht der Kunststoff- und Elas- ders geringe Aufbauhöhe möglich ist – auch
tomerbahnen für Abdichtungen“ schon Wärmdammelemente mit Vakuum-Isolier-
• Tabelle 6 „Übersicht der Kunststoff- und Elas- Kern auf dem Markt. Um die Vakuumisolations-
tomerbahnen für Bauwerksabdichtungen“ paneele vor mechanischer Beschädigung zu
schützen, sind sie i. d. R. an der Ober- und Unter-
Hinweise für die Anwendung dieser Baustoffe seite durch andere Materialien (Gummigranulat-
gibt. matte, EPS-Hartschaumplatten o. a.) geschützt.
Wärmedämmplatten werden im Allgemeinen Mit einem nur 4 cm dicken Vakuum-Isolier-Kern
einlagig dicht gestoßen oder mit Haken- oder ist schon ein U-Wert von unter 0,2 W/m2 K erreich-

2.31 Kaschierte PS-Schaumplatten


(auch als Gefälleplatten)
a) oberseitig kaschiert
b) beidseitig kaschiert 2.31a 2.31b
224 2 Flachdächer

Tabelle 2.32 Anwendungsgebiete und Differenzierungen der Produkteigenschaften3) der Wärmedämmstoffe nach
DIN 4108-10
Dämmstoff 1)
MW EPS XPS PUR PF CG EPB ICB WF WW WW-C
Anwendung 2)
dka wk dg dk dk
2 DAD dg + + + + + + wf dm dh dm
dm ds
dm
+ dm dh dh dh ds ds + dh + dm
DAA
dh ds ds ds ds M.S.D.b, c ds
ds dx
dh
DUK – – ds – – – – – – – –
dx
Dach, Decke DZ +a + – + + – + + + + +
dk
dk dk dk
DI + + + + + + + dm
dh dm dm
dh
+ dm dm dg
DEO dg dh dh dh dh + + + dm dm dg
dm ds ds ds ds ds
dx
sh sh M.S.D.b, c
DES sm sm – – – – sh – sh – –
sgd sgd M.S.D.b, c sg
sg

1) genormte Wärmedämmstoffe
DIN EN 13 162 Mineralwolle MW
DIN EN 13 163 Polystyrol-Hartschaum EPS
DIN EN 13 164 Polystyrol-Extruderschaum XPS
DIN EN 13 165 Polyurethan-Hartschaum PUR
DIN EN 13 166 Phenolharz-Hartschaum PF
DIN EN 13 167 Schaumglas CG
DIN EN 13 168 Holzwolle WW
DIN EN 13 168 Holzwolle-Mehrschichtplatte WW-C
DIN EN 13 169 Expandiertes Perlite EPB
DIN EN 13 170 Expandiertes Kork ICB
DIN EN 13 171 Holzfaser WF
2.2 Baustoffe 225

2) Kurzzeichen und Anwendungsbeispiele nach DIN 4108-10


Kurzzeichen Anwendungsbeispiele
DAD Außendämmung von Dach oder Decke, vor Bewitterung geschützt, Dämmung unter Deckungen
DAA Außendämmung von Dach oder Decke, vor Bewitterung geschützt, Dämmung unter Abdichtungen
DUK 1 Außendämmung des Daches, der Bewitterung ausgesetzt (Umkehrdach)
DZ Zwischensparrendämmung, zweischaliges Dach, nicht begehbare, aber zugängliche 2
oberste Geschossdecken
DI Innendämmung der Decke (unterseitig) oder des Daches, Dämmung unter den Sparren/Trag-
konstruktion, abgehängte Decke usw.
DEO Innendämmung der Decke oder Bodenplatte (oberseitig) unter Estrich ohne
Schallschutzanforderungen
DES Innendämmung der Decke oder Bodenplatte (oberseitig) unter Estrich mit Schallschutzanforderungen

3) Produkteigenschaften und ihre Kurzzeichen nach DIN 4108-10

Produkt- Kurz- Beschreibung Beispiele


eigenschaft zeichen
dk keine Druckbelastbarkeit Hohlraumdämmung, Zwischensparrendämmung
dg geringe Druckbelastbarkeit Wohn- und Bürobereich unter Estrich

Druckbelast- dm mittlere Druckbelastbarkeit nicht genutztes Dach mit Abdichtung


barkeit dh hohe Druckbelastbarkeit genutzte Dachflächen, Terrassen
ds sehr hohe Druckbelastbarkeit Industrieböden, Parkdeck
dx extrem hohe Druckbelastbarkeit hoch belastete Industrieböden, Parkdeck
wk keine Anforderungen an die Innendämmung im Wohn- und Bürobereich
Wasseraufnahme

Wasser- wf Wasseraufnahme durch flüssiges Außendämmung von Außenwänden und


aufnahme Wasser Dächern
wd Wasseraufnahme durch flüssiges Perimeterdämmung
Wasser und/oder Diffusion Umkehrdach
sk keine Anforderung an schall- alle Anwendungen ohne schalltechnische
technische Eigenschaften Anforderungen
sh Trittschalldämmung, erhöhte Schwimmender Estrich, Haustrennwände
Schalltechnische Zusammendrückbarkeit
Eigenschaften
sm mittlere Zusammendrückbarkeit
sg Trittschalldämmung, geringe
Zusammendrückbarkeit

Legende:
+ Anwendung möglich, keine weiteren Differenzierungen der Produkteigenschaften des Wärmedämmstoffes
– keine genormte Anwendung
M.S.D. Mehrschichtdämmung
a Für diese Anwendung muss der ´D-Nennwert der Wärmeleitfähigkeit nach DIN EN 13 162 d 0,040 W/(m · K) betragen.
b Bei Mehrschichtplatten müssen die einzelnen Schichten die Mindestanforderungen nach DIN 4108-10 für die vorgesehene
Anwendung erfüllen. Sie müssen zusätzliche Mindestanforderungen an die Punktlast (für DAA), an die Grenzabmaße für die
Dicke (für DES), an die Zusammendrückbarkeit (für DES, WTH) und an die dynamische Steifigkeit (für DES, WTH) erfüllen.
Im Bezeichnungsschlüssel für Mehrschichtdämmungen sind die Bezeichnungsschlüssel für die einzelnen Schichten und für
die anwendungsbezogenen zusätzlichen Mindestanforderungen auszuweisen.
c Dämmplatten aus Schichten von Blähperlit und nach DIN EN 13 162.
d Bei Verkehrslasten > 5 kPa ist das Langzeitkriechverhalten cc (3/1,5/10) 10 nachzuweisen.
226 2 Flachdächer

bar. Noch sind Wärmdammelemente mit Vaku- verwendet werden, doch ist der jeweilige materi-
um-Isolier-Kern aber die Ausnahme für Teilberei- alspezifische Systemaufbau zu berücksichtigen.
che, die ansonsten die an deren Wärmedämm- Bei Schaumglas-Platten reicht im Allgemeinen
eigenschaften geforderten Anforderungen nicht allein die vollflächig aufgetretene Bitumenklebe-
erfüllen könnten (z. B. niveaugleicher Austritt auf masse in Verbindung mit sorgfältigem Bitumen-
Dachterrasse). Fugenverguss als Dampfsperre aus.
2 Der Sperrwert einer Dampfsperrschicht sd = μ · s
ergibt sich aus der werkstoffspezifischen Wasser-
2.2.3 Dampfdruckausgleichsschicht dampf-Diffusionswiderstandszahl μ mal der Di-
cke des Werkstoffes s (in m). An Ort und Stelle
Werden Flachdachabdichtungen auf Stahlbeton- aufgebrachte Klebeschichten bleiben bei der Be-
flächen fest aufgeklebt, muss Restfeuchtigkeit messung unberücksichtigt (s. DIN 4108-3 „Wär-
aus dem Beton in Dampfform abgeführt werden meschutz im Hochbau; Klimabedingter Feuchte-
können. Insbesondere, wenn bei unsicheren Wit- schutz; Anforderungen und Hinweise für Planung
terungsverhältnissen ein völlig trockener Einbau und Ausführung“).
der Wärmedämmungen nicht gewährleistet wer- Beim Einbau einer Dampfsperre mit einem Sperr-
den kann, ist auch eine obere Dampfdruckaus- wert („diffusionsäquivalente Luftschichtdicke“)
gleichsschicht unter vollflächig aufgeklebten von mindestens 100 m in Verbindung mit einer
Abdichtungsschichten vorzusehen. nach DIN 4108-3 ausreichend bemessenen
Als Regelausführung gilt dafür die streifen- oder Dämmschicht ist die Dachkonstruktion von nicht
punktförmige Verklebung der Abdichtungs- klimatisierten Wohn- und Bürogebäuden ohne
schichten bzw. der Dampfsperre. besonderen Nachweis ausreichend gegen Tau-
wasser geschützt.
Eine punktförmige Verklebung mit dem Unter-
grund kann erzielt werden, wenn eine Trennlage Bei raumklimatisch höher beanspruchten Räu-
aus einer an der Unterseite grob besandeten Bi- men (z. B. bei Schwimmbädern und bei klimati-
tumen-Lochbahn verwendet wird. Der Dampf- sierten Räumen besteht die Dampfsperre in der
druckausgleich erfolgt über die durch die Grob- Regel aus Dachdichtungsbahnen mit Metall-
besandung bewirkten Hohlschichten zwischen bandeinlagen und ist nach DIN 4108-3 bauphysi-
den Verklebungspunkten (s. auch Abschn. 2.3.1). kalisch zu dimensionieren.
Bei lose verlegten Dampfsperren oder Dichtungs-
bahnen sind Dampfdruckausgleichsschichten 2.2.5 Gefälleschichten
nicht erforderlich.
Gefälleschichten aus wärmedämmendem Mate-
rial, die unterhalb der Dampfsperre angeordnet
2.2.4 Dampfsperren werden, können die Taupunktgrenze innerhalb
der Gesamtkonstruktion erheblich beeinflussen.
Als Dampfsperren auf Bitumen-Basis sind ge- Für den Gefälleausgleich auf Massivdecken sind
eignet: daher Leichtbetone auch wegen ihres hohen
• Bitumenschweißbahnen mindestens 4 mm Wassergehalts (> 200 l/m3) und der langsamen
dick, mit Glasvlies- und Metallbandeinlage 0,1 Wasserabgabe ungeeignet. Außerdem bilden sie
Typenbezeichnung V 60 S 4 + AL 01 eine ungleichmäßig dicke, auf der warmen Seite
• Dampfsperrbahnen mit Metallbandeinlage, Ty- der Dampfsperre unerwünschte Wärmedäm-
penbezeichnung AL 01, CU 01 mung.
• Bitumenschweißbahn nach DIN 52 131, 5 oder Der Gefälleausgleich liegt bauphysikalisch richtig
4 mm dick, Typenbezeichnung G 200 S 5, G 200 unmittelbar über der Stahlbetonplatte.
S 4, J 300 S 5, J 300 S 4, V 60 S 4 Bewährt haben sich Gefälleausgleichsschichten
• Bitumendachdichtungsbahnen nach DIN 52 130, aus Normalbeton. In Frage kommen auch Gefäl-
Typenbezeichnung G 200 DD, J 300 DD leausgleiche aus Bitumensplitt (Steinsplitt mit
• Glasvlies-Bitumendachbahnen nach DIN 52 143 Bitumenemulsion), die nach Regenfällen wäh-
Typenbezeichnung V 13 rend der Bauausführung schnell austrocknen.
Den Porenverschluss dieser im Gefälle abgezoge-
Außerdem können als Dampfsperren fast alle nen und gewalzten Schicht bildet bituminierter
Kunststoff-Dichtungsbahnen (s. Abschn. 2.2.1) Sand.
2.3 Nicht belüftete Flachdächer 227

Auch keilförmige Wärme-Dämmplatten können Schichtaufbau, der die Wasserdampfdiffusion be-


den Gefälleausgleich bilden. Dabei muss die hindert. Wenn Wasserdampf bedingt durch das
dünnste Stelle vollen Wärmeschutz bieten. Dampfdruckgefälle zwischen erwärmter Innen-
und kühlerer Außenluft in die Konstruktion ein-
dringt, würde er bei Unterschreiten der Taupunkt-
2.2.6 Voranstrich grenze kondensieren. Die damit verbundene
Durchfeuchtung der Wärmedämmung setzt dann
Auf Stahlbeton- und Porenbetonflächen ist bei deren Dämmeigenschaft ständig herab und be- 2
geklebtem Dachabdichtungsaufbau zur Staub- schleunigt damit den Vorgang der Tauwasserbil-
bindung und zum Porenverschluss ein Voran- dung. Auf der – warmen – Innenseite der Konstruk-
strich auf Bitumenbasis erforderlich. Verzinkte tion muss daher eine Dampfsperre so angeordnet
Stahlprofilbleche benötigen einen Korrosions- werden, dass das Eindringen von Wasserdampf
schutzanstrich. Auf kunststoffbeschichteten Stahl- unterbunden wird. Die durch Berechnung be-
profilblechen ist nur bei Abdichtungen mit Bitu- stimmte Taupunktgrenze muss auf jeden Fall ober-
menschweißbahnen ein Voranstrich als Haftver- halb (bzw. auf der kalten Seite) der Dampfsperre
mittler erforderlich. liegen. Der Diffusionswiderstand ergibt sich aus
dem materialspezifischen Diffusionswiderstands-
faktor μ u Materialdicke d als „diffusionsäquivalente
Luftschichtdicke sd“, ausgedruckt in m.
2.3 Nicht belüftete Flachdächer
Für den erforderlichen Diffusionswiderstand
mit nicht genutzter (bzw. die diffusionsäquivalente Luftschichtdicke)
Oberfläche von Dampfsperren sind in DIN 4108-3 Ausfüh-
rungshinweise enthalten.
2.3.1 Allgemeines Ob ein Schichtenaufbau die Forderungen des
Feuchtigkeitsschutzes erfüllt, lässt sich durch eine
Wie aus der Prinzipskizze (Bild 2.1) zu erkennen, Tauwasserberechnung nach DIN 4108-3 über-
haben nicht belüftete Flachdächer („Warmdä- prüfen.
cher“) in der dort gezeigten, noch verbreiteten
herkömmlichen Bauart einen komplizierten, aus Keines rechnerischen Nachweises bedürfen nach-
vielen Schichten bestehenden Aufbau mit ent- folgend aufgeführte nicht belüftete Flachdächer:
sprechend bei der Herstellung genau abzustim- • Nicht belüftete Dächer mit Dachabdichtung
menden Arbeitsabläufen. Ungenügende Kennt- und einer diffusionshemmenden Schicht sd, i
nis der bauphysikalischen Zusammenhänge,  100 m unterhalb der Wärmedämmschicht,
häufige Verarbeitungsfehler und daraus resultie- wobei der Wärmedurchlasswiderstand der Bau-
rende Bauschäden haben lange Zeit Vorurteile teilschichten unterhalb der diffusionshemmen-
gegen den Einsatz einschaliger Flachdachkonst- den Schicht höchstens 20% des Gesamtwär-
ruktionen bewirkt. Die Weiterentwicklung von medurchlasswiderstandes betragen darf. Bei
Dichtungs- und Wärmedämmmaterial und neue diffusionsdichten Dämmstoffen (z. B.Schaum-
Verlegetechniken haben jedoch zu so zuverlässi- glas) auf starren Unterlagen kann auf eine zu-
gen Konstruktionen geführt, dass einschaligen sätzliche diffusionshemmende Schicht verzich-
Flachdächern in der Regel heute der Vorzug ge- tet werden;
geben wird.
• nicht belüftete Dächer aus Porenbeton nach
Für den Aufbau mehrschichtiger Bauteile, also
DIN 4223 mit Dachabdichtung und ohne diffu-
auch von Flachdachkonstruktionen, gilt als bau-
sionshemmende Schicht an der Unterseite und
physikalische Grundregel:
ohne zusätzliche Wärmedämmung;
• Der Wärmedurchlasswiderstand der Gesamt-
konstruktion soll von der warmen Seite zur kal- • nicht belüftete Dächer mit Dachabdichtung
ten Seite hin zunehmen. und Wärmedämmung oberhalb der Dachab-
dichtung (so genannte „Umkehrdächer“) und
• Der Wasserdampf-Diffusionswiderstand soll von dampfdurchlässiger Auflast auf der Wärme-
der warmen Seite zur kalten Seite hin abnehmen. dämmschicht (z. B. Grobkies).
Flachdachkonstruktionen, bei denen die abdich- In den „Umkehrdächern“ (s. Bilder 2.36c und d,
tende Dachhaut über der Wärmedämmung liegt, 2.38, 2.39) ist die Dachabdichtung gleichzeitig
haben prinzipiell einen bauphysikalisch kritischen auch Dampfsperre.
228 2 Flachdächer

2.33
Dampfdruckausgleichsschicht (schematisch)
1 Massivdecke (mit Voranstrich)
2 Dampfdruckausgleichsschicht, Glasvlieslochbahn, unterseitig
grob besandet
3 Bitumenklebemasse
2 4 Dampfsperre
5 Wärmedämmung
6 3lagige bituminöse Abdichtung (Klebeschichten nicht besonders
dargestellt) auf Glasvlieslochbahn (obere Dampfdruckausgleichs-
schicht, vgl. 2)
7 Kiesschüttung (Körnung 16/32)

Bei einem Dachaufbau aus miteinander dicht 2.3.2 Flachdachabdichtungen


verklebten Schichten besteht immer die Ge- auf Stahlbetonplatten
fahr, dass zwischen massiven tragenden Schalen
und Dampfsperre oder zwischen Dampfsperre Auflager. Besonders bei mehrgeschossigen Ge-
und Dachhaut Restfeuchtigkeit eingeschlossen bäuden bildet vielfach eine Stahlbetondecke
wird. über dem obersten Geschoss den Raumabschluss
Dampfdruck-Ausgleichsschichten sollen ein Ent- mit ebener Untersicht und gleichzeitig das Trag-
spannen entstehenden Dampfdruckes und lang- werk für ein Flachdach. Die gleiche stoffliche Be-
fristig auch ein Abführen von Restfeuchtigkeit schaffenheit über den gesamten Querschnitt hin-
ermöglichen. weg ermöglicht – besser als bei Decken z. B. mit
Sie werden bei geklebten Dachabdichtungen an- Hohlkörpern – die Übersicht über die Vorgänge,
geordnet als Ausgleichs- und Trennschicht zwi- die sich bei der Dampfdiffusion im Inneren der
schen Unterkonstruktion (z. B. Massivdecke) und Massivdachkonstruktion abspielen. Der bei Stahl-
Dampfsperre und ggf. als obere Dampfdruckaus- betonplatten unvermeidlichen Längenänderung
gleichsschicht zwischen Wärmedämmung und durch Kriechen und Schwinden sowie durch
Dachabdichtung (Bild 2.33). Temperatureinflüsse und die Biegeverformung
muss durch Ausbildung von Gleitlagern begegnet
Bei großflächigen Flachdächern kann die Funktion werden.
von Dampfdruckausgleichsschichten durch Flach-
dach-Entlüfter unterstützt werden. Die damit ver- Gemauerte Wände als Deckenplattenauflager
bundenen Unterbrechungen in der Dachhaut, müssen durch Ringanker gegen Abreißen der
auch Kondensatbildung an den Belüfterwandun- oberen Schichten bei Dehnungsbewegungen der
gen stellen jedoch oft Schadensquellen dar. Deckenplatte gesichert werden. Die Gleitschich-

2.34a 2.34b

2.34 Auflagerung von Stahlbeton-Dachplatten (schematisch)


a) Gleitlager, b) Gleit-Kipp-Lager
2.3 Nicht belüftete Flachdächer 229

ten sind so herzustellen, dass die Gleitflächen un- • schlaufenartige Anordnung geeigneter Ab-
ter Druck nicht miteinander verkleben. Geeignet dichtungsstoffe
sind doppelte Lagen kräftiger Kunststoff-Folien, • Anordnung von Fugenbändern mit Einklebe-
die lose auf die völlig eben hergestellte Oberflä- flansch
che der Ringanker aufgelegt werden. Eine Rand- • mit Hilfe vorgefertigter Fugenkonstruktionen
abklebung zwischen beiden Folien lässt Gleitbe- mit integrierten Kunststoff- bzw. Elastomer-
wegungen zu, verhindert aber das Eindringen
von Betonschlämme während des Betonierens,
Dichtungsprofilen 2
wodurch die Reibung zwischen beiden Folien er- • mit Hilfe von Los- und Festflanschkonstruktio-
höht werden würde (Bild 2.34a). nen und Einbau von Fugenbändern
Bei Biegeverformung der Deckenplatten können
durch die damit verbundene Verdrehung am Auf- Bei Fugen des Fugentyps II sollten die Abdichtun-
lager Zwängungen an den Wandkanten entste- gen aus der wasserführenden Schicht herausge-
hen. Sie lassen sich vermindern, wenn man als hoben werden (DIN 18 531-3). Durch Dämmstoff-
Auflager der Decke nur das mittlere Wanddrittel keile sind Hochpunkte zu bilden. Die auf diese
berücksichtigt und durch Schaumstoffstreifen an Weise durch die Bewegungsfugen gebildeten
den Rändern eine gewisse Verdrehbarkeit des Dachflächen sind unabhängig voneinander zu
Auflagers gewährleistet. Bei Spannweiten über entwässern.
etwa 6 m ist darüber hinaus die Auflagerung auf Die Ausbildung von Fugen des Fugentyps II zeigt
Butylkautschukstreifen ratsam („Gleit-Kipp-La- Bild 2.35.
ger“, Bild 2.34b). Die durch das Gleitlager gebilde-
te Fuge wird bei geputzten Bauteilen innen durch Abdichtung. Für die Abdichtung einschaliger
Einputzprofile ausgebildet. Die äußere Abde- Flachdächer auf Massivplatten haben sich als
ckung der Gleitfuge ist bei der Gesimsgestaltung Bauarten herausgebildet:
zu berücksichtigen. • Flachdächer mit geklebter Bitumenabdichtung
Wärmedämmmaßnahmen sind mit größter Sorg- (Bild 2.36a)
falt auszuführen, um Wärmebrücken in jeder • Flachdächer mit lose verlegten Kunststoffbah-
denkbaren Situation zu vermeiden. nen (Bild 2.36b)
• Umkehrdächer (Bild 2.36c) mit der Abwand-
Fugen. Wenn bei großen Bauteilen Bewegungs- lung zum „Duo-Dach“ (Bild 2.36d)
fugen erforderlich sind, müssen sie in allen Schich-
ten des Flachdachaufbaues berücksichtigt werden. Geklebte bituminöse Abdichtung (Bild 2.36a)
Die DIN 18 531-3 definiert für Bewegungsfugen haben sich bei einwandfreier Ausführung seit lan-
in Dachflächen ungenutzter Dächer zwei Fugen- gem bewährt und werden an vielen Stellen immer
typen: noch neueren Ausführungen vorgezogen. Der
wesentliche Vorteil besteht durch die bei mehr-
• Fugentyp I für langsam ablaufende und selten
lagiger Ausführung größerer Sicherheit gegen
wiederholte Bewegungen Die Abdichtungen
Undichtigkeiten und mechanische Beschädigun-
aus verklebten Bitumen-, Kunststoff- oder
gen vor allem während der Bauzeit. Andererseits
Elastomerbahnen sowie Flüssigabdichtungen
sind die zahlreichen, mit großer Sorgfalt und
können über Fugen mit Bewegungen bis
handwerklichem Können auszuführenden Ar-
5 mm eben durchgeführt werden; dabei sind
beitsgänge, die außerdem nur bei trockener Wit-
mindestens 20 cm breite Schleppstreifen
terung und bei Temperaturen über +4 °C ausge-
unter der Abdichtung anzuordnen. Bei lose
führt werden dürfen, von Nachteil. Eventuelle
verlegten Bahnen dürfen die Bewegungen
Schadensstellen lassen sich in mehrlagigen ver-
10 mm bzw. 5 mm bei Flüssigabdichtungen
klebten Abdichtungen fast unmöglich lokalisie-
nicht überschreiten. Bei Überschreitungen der
ren, weil eindringendes Wasser in den verschiede-
Bewegungsmaße sind die Fugen nach Fugen-
nen Schichten vielfältige Wege nehmen kann.
typ II auszuführen.
Eine Reparatur ist dann vielfach nur mit Abtragen
• Fugentyp II für schnell ablaufende und häufig des gesamten Abdichtungsaufbaues möglich,
wiederholte Bewegungen oder es muss über der schadhaften Abdichtung
Abdichtungen von Fugen des Fugentyps II sind je ein „Umkehrdach“ ausgeführt werden.
nach Einzelfall festzulegen, z. B. durch Unterbre-
chen der Flächenabdichtung und
230 2 Flachdächer

2.35a

2.35b

2.35c
2.35 Bewegungsfugen
a) mehrlagige Abdichtung aus Polymerbahnen, mit Schlaufe durchlaufend; schwerer Oberflächenschutz
(Kiesschüttung)
b) einlagige Abdichtung aus Kunststoff-Dichtungsbahn, mit Schlaufe durchlaufend
c) mehrlagige Abdichtung aus Polymerbahnen mit leichtem Oberflächenschutz (Besplittung)
1 Stahlbetondecke 7 Dehnungsschlaufe, Polymerbahnen mit hoher
2 Dampfdruckausgleichsschicht Reißfestigkeit, Flexibilität und Standfestigkeit
3 Dampfsperre 8 Schaumstoffwulst
4 Wärmedämmung 9 Kunststoff-Dachdichtungsbahn
5 mehrlagige Abdichtung 10 Fugenausfüllung
6 schwerer Oberflächenschutz 11 Fugenüberbrückung (Trennstreifen)
(Kiesschüttung 16/32)
2.3 Nicht belüftete Flachdächer 231

2.36a 2.36b

2.36c 2.36d
2.36 Bauarten für einschalige Flachdachabdichtungen
a) geklebte 3lagige Abdichtung mit Bitumendachbahnen
b) lose verlegte Kunststoff-Dachdichtungsbahnen
c) Umkehrdach, Abdichtung auf lose verlegter Kunststoff-Dachdichtungsbahn
d) DUO-Dach
1 Stahlbetonplatte 5 Flachdachabdichtung
2 Dampfdruckausgleichsschicht 6 Trennlage
3 Dampfsperre 7 Filtervlies
4 Wärmedämmung 8 Oberflächenschutz (Kiesschüttung)
4a Wärmedämmung aus geschlossenporigen 9 mechanische Fixierung
extrudierten PS-Hartschaumplatten

Lose verlegte Abdichtungen aus Kunststoff- Umkehrdächer (auch IRMA-Dach, aus „Insulated
bahnen können nahezu witterungsunabhängig Roof Membrane Assembly“ sinngemäß übersetzt:
verlegt werden, vor allem, wenn für kleinere Flä- „wärmegedämmte Dachhaut“, Bild 2.38) entstan-
chen komplett vorgefertigte Planen verwendet den aus der Überlegung, dass die Dampfsperre
werden. bereits eine hochwertige Dachabdichtung dar-
Die Dichtungsbahnen sind durch mechanische stellt und beim üblichen Warmdachaufbau die
Fixierung, durch streifenweise Verklebung oder obere Dichtungsschicht nur die Aufgabe hat, die
durch Auflasten (Kiesschüttung, Begrünung, Wärmedämmung zu schützen.
Nutzschichten usw.) zu sichern. Verschiedene Nachdem in Form von extrudiertem Polystyrol-
Ausführungsmöglichkeiten für die Fixierung in Hartschaum (z. B. DOW-Roofmate und BASF-Sty-
den Randbereichen (insbesondere für PVC-Dach- rodur) ein Dämmstoff mit gleichmäßigem, ge-
dichtungsbahnen wegen ihres alterungsbeding- schlossenem Porenaufbau zur Verfügung steht,
ten Schrumpfens) sind in Bild 2.37 dargestellt. der kein Wasser aufnimmt, nicht quillt und
Verschiedene Anwendungsformen für lose ver- schrumpft, ist es daher möglich, die Dachdich-
legte Dachdichtungsbahnen aus Kunststoffen zei- tung unter der Wärmedämmung unmittelbar auf
gen die Bilder 2.36b bis d. der Unterkonstruktion aufzubringen.
232 2 Flachdächer

2
2.37a 2.37b 2.37c 2.37d
2.37 Randfixierung von Kunststoff-Dachbahnen (Prinzipskizzen)
a) Fixierung einer Dampfsperre
b) Fixierung von Dampfsperre und Dachbahn an senkrechter Fläche
c) Fixierung von Dampfsperre und Dachbahn an waagerechter Fläche
d) Fixierung einer Dampfsperre auf einbetoniertem Kunststoffprofil
1 Beschichtetes Anschlussblech 5 Wärmedämmung
2 Dachbahn 6 extrudierter PS Hartschaum
3 Dampfsperre 7 Dampfdruckausgleichsschicht
4 Trennschicht

2.38 Umkehrdach 2.39 DUO-Dach (Fa. Reinhold & Mahla)


1 Stahlbeton 1 Stahlbeton
2 Trennlage (geschäumtes Polyäthylen) 2 PS-Hartschaum
3 Kunststoffdichtungsbahn, lose verlegt 3 Kunststoffdichtungsbahn, lose verlegt
4 extrudierter geschlossenporiger 4 extrudierter geschlossenporiger
PS-Hartschaum, Hakenfalzplatten PS-Hartschaum, Stufenfalzplatten
5 Dampfdruckausgleichsschicht 5 Dampfdruckausgleichsschicht
6 Kiesschüttung 6 Kiesschüttung

Die Abdichtung kann aus allen üblichen Dach- mebrücken unbedingt gesichert werden. Das ge-
bahnen hergestellt werden. Am vorteilhaftesten schieht am zuverlässigsten durch Verwendung
ist jedoch meistens die Ausführung mit lose ver- von Dämmplatten mit Stufenfalz, besser mit Ha-
legten Kunststoff-Dachdichtungsbahnen. Entwe- kenfalz (Bild 2.38 bzw. 2.39). Gegen UV-Strahlung,
der werden dabei Dichtungsbahnen mit aufka- mechanische Beschädigung und Aufschwimmen
schierter Schutz- und Trennlage verwendet, oder wird die Wärmedämmung durch eine Kiesschüt-
es ist als Schutz gegen mechanische Beschädi- tung geschützt, die etwa genauso dick sein sollte
gungen während der Verlegungsarbeiten eine wie die Dämmplatten.
Trennschicht vorzusehen (z. B. geschäumte PE- Bei Umkehrdächern wird angenommen, dass die
Folie o. Ä.). Wirkung der oberhalb der Abdichtung liegenden
Die dicht gestoßenen einlagig lose verlegten Wärmedämmung durch unterströmendes Nie-
Wärmedämmplatten müssen gegen Verschieben derschlagswasser beeinträchtigt werden kann.
noch während der Herstellungsarbeiten und der Bei einem Umkehrdach ist der errechnete Wärme-
damit verbundenen Gefahr der Bildung von Wär- durchgangskoeffizient U um einen Differenzbe-
2.3 Nicht belüftete Flachdächer 233

Tabelle 2.40 Zuschlagswerte für Umkehrdächer


Anteil des Wärmedurchlasswiderstandes Zuschlagswert, 'U
raumseitig der Abdichtung am
Gesamtwärmedurchlasswiderstand
% W/(m2 · K)
unter 10 0,05
von 10 bis 50 0,03 2
über 50 0

trag 'U in Abhängigkeit des prozentualen Anteils verfüllt sind. Die damit überall durchgehende
des Wärmedurchlasswiderstandes unterhalb der Bitumenschicht hat in diesem Falle ausreichende
Abdichtung am Gesamtwärmedurchlasswider- Dampfsperrenwirkung (Bild 2.41).
stand zu erhöhen (Tab. 2.40).
Zum Schutz gegen Windsog sind – abhängig von
der Gebäudehöhe – die in Abschn. 2.1.9 genann- 2.3.3 Flachdachabdichtungen
ten Auflasten gefordert. auf Trapezblechkonstruktionen

DUO-Dächer stellen eine Kombination von her- Flachdachkonstruktionen aus Trapezprofilen sind
kömmlichem und umgekehrtem Dachaufbau seit 1.1.1991 allgemein bauaufsichtlich einge-
dar. Dabei werden die Vorteile beider Systeme führt. Sie müssen nach DIN 18 807 und den
ausgenutzt. So liegt die Dachabdichtung wie „Richtlinien für die Montage von Stahlprofilble-
beim Umkehrdach im warmen Bereich unter der chen für Dach- und Deckenkonstruktionen“ des
Wärmedämmung, ist aber noch zusätzlich durch Industrieverbandes zur Förderung des Bauens
die Einbettung zwischen der unteren und oberen mit Stahlblech e.V. ausgeführt werden.
Dämmschicht vor mechanischen Beschädigun- Die Mindestdicke der Trapezbleche sollte 0,88 mm
gen geschützt. Bei vorübergehendem Unterströ- in der Anwendungskategorie K1 und in der An-
men der oberen Wärmedämmung durch Regen- wendungskategorie K2 1,0 mm betragen.
wasser bleibt der volle Dämmwert der unteren Die Trapezbleche müssen Korrosionsschutz min-
Dämmschicht erhalten. Dieser sollte einen An- destens nach DIN 17 162-2 haben. In DIN 18 807
haltswert von 20% der gesamten Wärmedäm- sind darüber hinaus entsprechend der zu erwar-
mung nicht überschreiten. tenden Beanspruchung besondere Korrosions-
schutzklassen mit zusätzlichen Maßnahmen fest-
Flachdächer mit Wärmedämmung aus Schaum- gelegt.
glasplatten. Wenn die Wärmedämmung aus
dampfdichten Schaumglasplatten nach EN 13167 Besonders zu beachten ist:
besteht, kann in der Regel auf eine besondere • Trapezblechdächer müssen im Gegensatz zu
Dampfsperre verzichtet werden. Bei der Verle- fast allen anderen Flachdachkonstruktionen als
gung werden die Schaumglasplatten in die Bitu- elastische Flächen betrachtet werden, die ins-
menheißklebemasse (4 kg/m2) „eingeschwom- besondere durch Winddruck oder -sog, durch
men“, so dass auch die Fugen mit Klebemasse voll Druckwellen vorbeifliegender Flugzeuge usw.

2.41 Flachdach mit Wärmedämmung aus Schaumglas


(Vedag Kompaktdach)
1 Stahlbetonplatte
2 Voranstrich und Heißbitumen-Klebemasse
3 Schaumglas
4 Elastomerbitumen-Unterlagsbahn (Vedastar® V3E)
in Heißbitumen-Klebemasse
5 Elastomerbitumen-Schweißbahn (Vedatop® S5)
6 Oberflächenschutz (Kiesschüttung)
234 2 Flachdächer

2
2.42a 2.42b 2.42c

2.42 Flachdachabdichtungen auf Trapezprofildächern (Ausführungsbeispiele)


a) konventioneller Aufbau
1 Trapezblech, korrosionsgeschützt 4 Wärmedämmung
2 Voranstrich auf den oberen Profilstegen 5 3-lagige Abdichtung mit Feinsplitt-Oberflächenschutz
3 Dampfsperre
b) Ausführung mit Elastomerbitumenbahnen (Vedag)
1 Trapezblech, korrosionsgeschützt 4 Elastomerbitumen-Schweißbahn mit Feinsplitt-
2 Elastomerbitumen-Dampfsperre, selbstklebend oberfläche (Vedatop® S5, vollflächig aufge-
(Vedagard® Al-V4e) schweißt) (DIN EN 13164 XPS)
3 Wärmedämmung, z. B. EPS-Hartschaum
DIN EN 13 163, (Vedapor® mit Elastomerbitumen-
bahn kaschiert (1. Abdichtungslage), mit Klebe-
streifen aufgeklebt (Vedatex® adhäsiv)
c) Ausführung mit lose verlegten Kunststoff-Dichtungsbahnen (Rhepanol®)
1 Trapezblech, korrosionsgeschützt 4 Abdichtungsbahn (Rhepanol® fk) auf Klebestreifen
2 Dampfsperre mit selbstklebenden Rändern
3 Klappdämmbahn EPS DAA mit großformatigen
Einzelsegmenten kaschiert mit Bitumenbahn
mechanisch befestigt mit Tellerdübeln

laufend wechselnden Biegebeanspruchungen Wenn es formal möglich ist (Untersichten, Dach-


ausgesetzt sind. Die Abdichtungen müssen randanschlüsse), wird jedoch die einfachste Lö-
diesen Beanspruchungen folgen können und sung des Gefälleproblems dadurch erreicht, dass
dürfen daher nur mit dafür geeigneten flexib- die gesamte Dachfläche in Teilflächen mit ent-
len Materialien ausgeführt werden. sprechendem Gefälle zu geeigneten Entwässe-
• Die Durchbiegung der Stahltrapezprofile sollte rungspunkten errichtet wird. Die besten Lösun-
1/500 der Einzelspannweiten nicht überschrei- gen müssen je nach Einzelfall gefunden werden,
ten. Kritisch sind Dachneigungen unter 2°, weil und es lassen sich hier keine allgemeinen Emp-
dann immer infolge von Durchbiegungen mit fehlungen geben.
Wassersackbildung gerechnet werden muss. Bei allen derartigen Elementen muss der sorgfäl-
Besondere Aufmerksamkeit ist der Planung der tigen Ausbildung von Längsstößen (Wärmebrü-
Entwässerung zu widmen. Bei Trapezblechdä- cken) und dem Anschluss von Zwischenwänden
chern sollten außen liegende Dachrinnen unbe- (Schallübertragung) besondere Aufmerksamkeit
dingt vermieden werden. Innenliegende Regen- gewidmet werden.
wasserabläufe müssen an den Tiefpunkten der
Soll bei Stahltrapezprofilen die Luftdichtheit
Dachflächen liegen, die sich infolge der unver-
durch eine Dampfsperre erreicht werden, müssen
meidlichen Durchbiegungen der Trapezblechflä-
besondere Voraussetzungen für die Fügung der
chen in der Regel in den Feldmitten ergeben.
Bahnennähte geschaffen werden (z. B. flächige
Dort sind jedoch die Abläufe wegen der unter-
Unterlage, Blechstreifen unter Quernähten).
halb der Dachflächen erforderlichen Regenwas-
serleitungen in hallenartigen Bauwerken vielfach Für die Dachhaut dürfen bei der Verklebung
sehr störend. Bei eben verlegten Trapezprofil- von Kunststoff- und Elastomerbahnen auf dem
flächen lässt sich ausreichendes Gefälle durch die Untergrund Selbstklebebahnen oder produkt-
Verwendung von Wärmedämmungen aus PS- bezogene Systemkleber verwendet werden (Bild
Hartschaum mit Gefälle-Elementen erzielen. 2.42a und b).
2.3 Nicht belüftete Flachdächer 235

2.43a

2.43b

2.43 Flachdachelemente aus Trapezblech


a) DLW-Dachelement, Dachabdichtung nachträglich aufzubringen
b) HOESCH-Isodach. Trapezprofilierte Oberfläche (Wasserablauf berücksichtigen!).
Keine weitere Flächenabdichtung erforderlich. Stöße mit Dichtungsbändern.

2.44 Mechanische Fixierung von Dachbahnen

Jedoch setzt sich auch hier die lose Verlegung Die Anzahl der Befestigungen muss für die ver-
von Folien immer mehr durch. Lose verlegte schiedenen Bereiche der Dachfläche mindestens
Kunststoffdichtungsbahnen werden auf Trapez- betragen:
blechen an den Längsstößen durch Tellerdübel
punktweise mit mindestens 2 Befestigungen/m • Innenbereich: 4 Stück/m2
(Bild 2.42c) durch aufgedübelte Fixierbänder • Randbereich: 6 Stück/m2
oder durch streifenförmig aufgebrachte Verkle-
• Eckbereich: 8 Stück/m2
bung fixiert.
Bei Kunststoff- und Elastomerbahnen beträgt die Ebenso können die Dichtungsbahnen linear mit
Überdeckung für Baustellennähte mindestens Metallprofilen oder -bändern befestigt werden.
40 mm. Bei mechanisch befestigten Bahnen mit Die jeweils nachfolgend aufgeschweißte bzw.
Saumbefestigung muss die Überdeckungsbreite aufgeklebte Dichtungsbahn überdeckt die Fixie-
erhöht werden. rungen.
236 2 Flachdächer

Tabelle 2.45 Empfohlene Mindestdicken auf Trapezprofilen (unabhängig vom erforderlichen Wärmeschutz)
Größe lichte Weite Wärmedämmstoff
zwischen den Obergurten Mindestdicke in mm
in mm
EPS PUR Mineralfaser Schaumglas
70 40 40 50 40

2 100 50 50 80 50
130 60 60 100 60
150 70 60 120 70
160 80 70 120 80
170 90 80 140 90
180 100 80 140 90

Ein Beispiel für die Ausführung mechanischer Be- 2.3.4 Flachdachabdichtung


festigungen bei lose verlegten Kunststoff-Dich- auf Poren- und Leichtbetonplatten
tungsbahnen zeigt Bild 2.44.
Im übrigen sind die Sicherungen gegen Windbe- Porenbetonplatten als Tragwerk einschaliger
anspruchung nach Abschnitt 2.1.9 auszuführen. Flachdachkonstruktionen sind hinsichtlich der
Die Wärmedämmung wird bei lose verlegten wärmetechnischen Bemessung ein Sonderfall.
Dachabdichtungen gemeinsam mit diesen durch Bei den aus statischen Gründen erforderlichen
die punkt- oder linienförmige Fixierung gegen Dimensionen stellen Porenbetonplatten eine ak-
Abheben gesichert. Zu den empfohlenen Min- zeptable Wärmedämmung dar. Würde man ähn-
destdicken unterschiedlicher Dämmstoffarten lich wie bei Stahlbetondecken eine obere Wär-
siehe Tab. 2.45. medämmung anordnen und so bemessen, dass
Für Verklebungen sind heiße Bitumenklebemas- der Taupunkt oberhalb der Dampfsperre liegt,
sen nur bedingt geeignet. In den Flachdachricht- müssten überdimensional dicke Wärmedämm-
linien [11] wird für Wärmedämmungen die Ver- schichten verwendet werden.
klebung mit Kaltklebemassen empfohlen, ggf. in Untersuchungen haben ergeben, dass bei ein-
Verbindung mit zusätzlichen mechanischen Be- schaligen Flachdachkonstruktionen mit Porenbe-
festigungen im Randbereich. tonplatten gemäß Bild 2.46 unter der Vorausset-
Am Dachrand und an Durchdringungen ist das zung mittlerer Raumtemperaturen von 20 °C bei
Einströmen von Außenluft durch Verschluss der 65% relativer Luftfeuchtigkeit zwar innerhalb der
Hohlräume mit Sickenfüllern zu verhindern, die Porenbetonplatten Wasserdampfkondensat auf-
für alle gängigen Trapezprofile lieferbar sind. tritt, sich jedoch im Jahresmittel durch kontinu-
ierliche Rücktrocknung zum Innenraum hin keine
Dächer aus Trapezprofilen sind relativ brandemp-
bedenklichen Feuchtigkeitskonzentrationen er-
findlich. Im Brandfall kommt es bei starker Erhit-
geben.
zung der Dachunterseite durch Hitzeübertra-
gung oft zu rascher Brandausweitung auf die Da diese Voraussetzungen jedoch nicht immer
Wärmedämmung und die Abdichtungen. Die gegeben sind und Porenbetonplatten allein die
Trapezbleche verlieren durch Verformungen ihre geforderten Mindestanforderungen an den Wär-
Tragfähigkeit, und es kann zu schlagartigem Ein- meschutz nicht erfüllen können, müssen ggf. mit
sturz kommen. Für Trapezdächer kann durch Be- bauphysikalischen auf den Einzelfall abgestimm-
kleidungen der Unterseiten mit Brandschutzplat- ten Berechnungen eine zusätzliche Wärmedäm-
ten eine verbesserte Feuerwiderstandsfähigkeit mung und die zweckmäßige Anordnung einer
erreicht werden (s. Abschn. 16.7 in Teil 1 des Wer- Dampfsperre bestimmt werden.
kes und DIN 4102). Außerdem kann durch spezi- Lose verlegte Kunststoffdichtungsbahnen wer-
elle Brandschutzeinlagen mit Kühleffekten in die den auf Porenbetonplatten mechanisch (ähnlich
Hohlräume der Trapezflächen eine Verbesserung wie in Bild 2.42c) oder durch Voranstrich und
des Brandverhaltens erreicht werden. streifenförmigen Kleberauftrag fixiert.
2.3 Nicht belüftete Flachdächer 237

2.46
Flachdachabdichtung auf
Porenbetonplatten
1 Glättputz und Anstrich
2 Porenbeton-Dachplatten
3 Bitumen-Voranstrich
4 Dampfdruck-Ausgleichsschicht:
Glasvlies-Lochpappe
5 Dachhaut mit Schutzschicht: 2
Kiesschüttung 15/30

2.3.5 Sperrbetondächer kes). Nach dem Erhärten und Austrocknen des


Betons kann die Oberfläche durch Beschichtun-
Bei dem heutigen Stand der Betontechnologie ist gen geschützt werden.
es ohne große Schwierigkeiten möglich, wasser- Vielfach werden nach diesem Prinzip heute Dach-
undurchlässige Stahlbetonplatten herzustellen. parkdecks gebaut. Als Fahrbelag kommen un-
Daher lag der Gedanke nahe, derartige „Sperr- bewehrte Ortbetonplatten mit Fugenraster sowie
beton“-Platten als Tragkonstruktion und zugleich bewehrte Großflächenplatten auf Stelzlagern
als Dachabdichtung auszubilden. oder Gummitellern, Großflächenplatten auf Kies-
Die erforderliche Wärmedämmung liegt bei oder Splittbettung, Pflaster auf Drainschicht und
Sperrbetondächern in der Regel an der Untersei- Splittbett in Frage. Die Fahrbeläge sind allen Wit-
te der Platten. Da demzufolge die tragende Platte terungseinflüssen und der Sonneneinstrahlung
großen Temperaturänderungen ausgesetzt ist unmittelbar ausgesetzt. Außerdem müssen sie
und deshalb verhältnismäßig großen Längenän- Verkehrslasten, Temperaturdifferenzen aus dem
derungen unterworfen wird, können Sperrbeton- Abfließen der Hydratationswärme sowie der Son-
dächer nur mit einwandfrei funktionierenden neneinstrahlung, Schwind- und Kriechverfor-
Gleitlagern (s. Abschn. 2.3.2) ausgeführt werden. mungen und mechanische Angriffe aus dem
Meistens werden die Temperatureinwirkungen Fahrbetrieb aufnehmen. Hellere Fahrbeläge ver-
auf die Sperrbeton-Platte durch eine Kiesschüt- halten sich durch ihren größeren Reflektionsan-
tung herabgesetzt. teil günstiger. Um die thermischen Längenände-
Eingehende Untersuchungen der Hersteller ver- rungen der Fahrbeläge auch bei größeren Ab-
weisen darauf, dass an Sperrbetondächern bei Ver- messungen aufnehmen zu können, sollen außer
wendung geeigneter Wärmedämm-Materialien 20 mm breiten Randfugen weitere Trenn- bzw.
(z. B. Styroporplatten, Hartschaumplatten) zwar Scheinfugen innerhalb der Fläche angeordnet
unter extremen Bedingungen besonders in der werden. In Tabelle 2.47 sind Abstände von Trenn-
Randzone zwischen Dämmmaterial und Stahlbe- fugen für unbewehrte Ortbetonplatten als Fahr-
tonplatte Kondensatbildung auftritt, bisher jedoch belag angegeben.
noch keine Bauschäden beobachtet worden seien. Trennfugen können als Scheinfugen durch nach-
Beim Betonieren sind alle Aufkantungen und Ein- trägliches Einschneiden in den erhärtenden Be-
bauteile (z. B. Dachgullys, Entlüftungen) direkt ton gebildet werden. Werden zur Nachbehand-
mit einzubetonieren. Die erforderliche weitge- lung des Betons Folien verwendet, dürfen sie erst
hend porenfreie Oberfläche von Sperrbeton- kurz vor dem Einschneiden des Betons entfernt
Dachflächen wird durch Bearbeitung mit Teller- werden; sie müssen ggf. sofort nach dem Schnei-
scheibe oder Flügelglätter erreicht. Äußerst wich- den wieder aufgebracht werden.
tig ist die sorgfältige Nachbehandlung der jungen Um die thermische Beanspruchung von Sperrbe-
Betonflächen (s. Abschn. 5.3.2 in Teil 1 des Wer- tondächern zu vermeiden, werden nach dem

Tabelle 2.47 Abstände der Scheinfugen für unbewehrte Ortbetonplatten als Fahrbelag
Seitenverhältnis Länge/Breite Maximaler Fugenabstand
bei l/b = 0,80 … 1,25 max l d 33 d1)
bei l/b < 0,80 und > 1,25 max l d 30 d1)
1) d = Plattendicke
238 2 Flachdächer

2.48
Oberseitig gedämmtes Dachparkdeck mit
Fahrbelag aus Ortbeton
1 Freie Gestaltungsmöglichkeit der Fassade
z. B. durch Putz, Verschalung
2 Blechabdeckung
3 Randaufkantung
4 Ortbeton (unbewehrt mit Scheinfugen)
5 PVC-Folie
6 Dampfdruckausgleichsschicht
7 Schaumglas
8 2 Lagen PE-Folie 0,2 mm
9 Stahlbetondecke (WU-Beton)
10 Putzfuge
11 Gleitlager in kaschierter Schaumstoffbahn
12 Ringbalken

Prinzip des Umkehrdaches (s. Abschn. 2.3.2) auch Schalungen aus Holzwerkstoffen
aufliegende Wärmedämmungen aus extrudier-
tem PS-Schaum mit Auflast durch Kiesschüttung • Spanplatten nach DIN EN 312, Typ P4
verwendet. Hierbei machen aber die nötigen • Sperrholz nach DIN EN 13 986.
konstruktiven Aufwendungen zur Vermeidung
von Wärmebrücken die konstruktiv sehr einfach Die Platten sollen eine max. Kantenlänge von
scheinenden Sperrbetondächer vielfach unwirt- 2,05 m haben. Die Platten werden im Verband
schaftlich (Bild 2.48). verlegt (keine Kreuzstöße; keine freie, nicht unter-
stützte Tragstöße). Längenänderungen sind
durch mindestens 2 mm breite Fugen (2 mm/lfd.
2.3.6 Nicht belüftete Flachdachabdich- m Plattenlänge) zu berücksichtigen, die durch
tungen auf Holzkonstruktionen Schleppstreifen oder Trennlagen abzudecken
sind. An freien, nicht unterstützten Plattenrän-
Flachdachabdichtungen können auch auf Unter- dern (Plattenränder quer zur Spannrichtung)
konstruktionen aus Holz oder Holzwerkstoffen müssen die Platten Nut-Feder-Verbindungen
ausgeführt werden. Für die Bemessung von haben.
Dachschalungen ist DIN 1052, Entwurf, Berech- Die Dachflächen müssen eine Mindestdachnei-
nung und Bemessung von Holzbauwerken, zu gung von 2% aufweisen, um Wassersackbildun-
beachten. Grundsätzlich sollen jedoch Holzunter- gen zu vermeiden.
konstruktionen eine Mindestdicke von 22 mm Falls schädigende Einflüsse von Holzschutzmit-
(bei Vollholz Nenndicke 24 mm) haben, wenn teln oder Bindemitteln der Holzwerkstoffe nicht
Nagelungen vorgesehen werden. mit Sicherheit ausgeschlossen werden können,
Als Unterkonstruktion kommen in Frage: sind Trennlagen vorzusehen.
Ein Ausführungsbeispiel mit lose verlegter Ab-
Schalungen aus gehobeltem Vollholz
dichtung aus Kunststoffbahnen zeigt Bild 2.49.
Sortierklasse S10 oder C 24M (DIN 4074-1), Brett-
Bei geklebten, mehrlagigen Abdichtungen be-
breiten ab 80 mm
steht die unterste Lage aus Bahnen mit hoher
mechanischer Festigkeit (s. Abschn. 2.2.1), die mit
2.4 Nicht belüftete Flachdächer 239

2.49 2
Flachdach mit lose verlegter Abdichtung
auf Holz-Unterkonstruktion
1 Spanplatte
2 Dampfbremse
3 Wärmedämmung
4 Kunststoff-Dachbahn
5 Kiesschüttung
6 Randbohle (auch Fixierung der
Dampfsperre)
7 Randkeil
8 Dachrandprofil mit Klemmprofil für
Dachbahn (schematisch)

verzinkten Breitkopfstiften auf die Unterlage ge- sche Beanspruchungen noch Spannungen aus
nagelt wird. thermischer Belastung der Nutzflächen auf die
Im Übrigen wird der Schichtenaufbau wie auf Abdichtungen übertragen können.
Massivplatten ausgeführt. Wärmedämmstoffe müssen erhöhte Druckbelast-
barkeit haben (Anwendungstyp1) WS-WDS, s.
Tab. 2.32).
Bei der Ausführung sind neben den Flachdach-
2.4 Nicht belüftete Flachdächer richtlinien und Normen für Flachdächer auch die
mit genutzter Oberfläche Normen über Bauwerksabdichtung (DIN 18 195-1
bis 18 195-10) zu beachten.
2.4.1 Allgemeines
2.4.2 Begehbare Flachdächer1)
Vielfach besteht die Notwendigkeit, Flachdach-
flächen von ganzen Bauwerken oder Bauwerks-
Bei Belägen von begehbaren Flachdächern muss
teilen nutzbar zu machen.
die kraftschlüssige Verbindung mit der Abdich-
Für die Abdichtungen ist dabei schwerer Oberflä- tung durch Trennlagen verhindert werden. Auf den
chenschutz (s. Abschn. 2.1.8) erforderlich. Man abgedichteten Flächen werden die Gehbeläge
unterscheidet: vielfach aus frostfesten keramischen Platten aus-
• begehbare Flachdächer geführt. Kleinformatige Platten werden in bewehr-
• befahrbare Flachdächer tem, mindestens 4 cm dickem Mörtelbett auf Nop-
penplatten oder auf einer wasserdurchlässigen
• begrünte Flachdächer Schicht aus Einkornbeton (s. Abschnitt 10.7.4 in
Teil 1 des Werkes) verlegt. Diese Dränschicht ist an
Flachdächer mit genutzten Oberflächen werden die Entwässerung anzuschließen. Zwischen Drän-
fast ausschließlich als einschalige Konstruktion schicht und Abdichtung sind zwei lose verlegte
ausgeführt. Ihr bauphysikalischer Aufbau gleicht PE-Folien o. Ä. als Trennschicht zu verlegen.
den Flachdächern mit nichtgenutzter Oberfläche,
Da in Plattenbelägen jedoch erhebliche tempera-
doch muss – je nach Beanspruchung – für die
turbedingte Längenänderungen vorkommen
Wärmedämmung entsprechend druckfestes Ma-
können, müssen in Abständen von höchstens
terial verwendet werden, und es müssen beson-
2 m Fugen angeordnet werden, die auch das Mör-
dere Vorkehrungen für den Schutz der Abdich-
tungen getroffen werden. Insbesondere muss
dafür gesorgt werden, dass sich weder mechani- 1) s. Abschnitt 10.7 in Teil 1 des Werkes.
240 2 Flachdächer

2
2.50c
2.50a 2.50b

2.50
a) Begehbares Flachdach, Belag aus
kleinformatigen frostfesten
keramischen Platten in Mörtelbett
1 Massivdecke mit Gefälle
2 Ausgleichsschicht (Lochbahn)
3 Dampfbremse b) Begehbares Flachdach, c) Begehbares Flachdach mit
4 Wärmedämmung Platten auf höhenverstellbaren lose verlegten Platten (Prinzip
5 3-lagige bituminöse Stelzlagern des „Umkehrdaches“)
Abdichtung 1 Massivdecke 1 Stahlbeton
6 Trennlage (PE-Folie, 2lagig) 2 Dampfbremse 2 Trennlage
7 Einkornbeton Wärmedämmung 3 Abdichtung
8 bewehrter Verlegemörtel d 4 cm 4 Abdichtung auf Dampfdruck- 4 extrudierter PS-Hartschaum
9 Spaltplatten ausgleichsschicht mit oberer 5 Filtervlies
10 Trennfuge, oben mit dauer- Schutzlage 6 Kiesschüttung, Körnung 6/9
elastischer Abdichtung 5 Stelzlager (ALWITRA) 7 Beton- oder Natursteinplatten
(e ca. 2 m/d 4 m2) 6 5 cm Betonplatten mit Fugenkreuzen

telbett durchschneiden und mit einem elasti- steinplatten lose mit punktförmiger Auflagerung
schen Material (z. B. Bitumenverguss) verfüllt wer- auf vorgefertigten „Stelzlagern“ verlegt werden.
den. Fugen müssen ebenso an allen Randan- Die aus Eigengewicht der Platten und Nutzlast
schlüssen vorhanden sein. Außerdem muss die (gem. DIN 1055-3 für Terrassen 4,0 kN/m2) be-
Abdichtung bereits das notwendige Gefälle auf- dingten Punktlasten von Stelzlagern müssen
weisen. Der Gefälleausgleich darf nicht durch das durch entsprechend große Auflagerflächen über-
Mörtelbett erfolgen. Zwischen Mörtelbett und tragen werden. Als Wärmedämmung ist ein nicht
Dachabdichtung ist eine Gleitschicht (z. B. PE-Fo- zusammendrückbares Material (Hartschaum, Fo-
lie) vorzusehen (Bild 2.50). amglas) zu verwenden. Sonst können die Stelzla-
Wenn bei kleineren Flachdachflächen eine Außen- ger die Abdichtung allmählich „durchstanzen“.
entwässerung mit vorgehängter Rinne nicht zu Stelzlager, die in der Höhe justierbar sind, erleich-
vermeiden ist, bergen solche Konstruktionen vie- tern die Verlegearbeiten und ermöglichen die bei
le Fehlerquellen. Einer Innenentwässerung ist der derartigen Ausführungen fast immer nötigen
Vorzug zu geben. Dabei muss darauf geachtet Nacharbeiten, wenn einzelne Platten sich senken
werden, dass die Wandabschlüsse der Dachab- (Bild 2.50b).
dichtung 15 cm, in jedem Falle aber so weit hoch- Aufstelzungen können auch erreicht werden,
gezogen werden, dass bei Rückstau infolge ver- wenn großformatige Platten auf Kunststoffsäck-
stopfter Abflüsse allenfalls ein Überfließen des chen, gefüllt mit feuchtem Zementmörtel, ver-
Wassers nach außen über einen Notüberlauf legt werden. Bei einem solchen Verlegeverfahren
(Wasserspeier) möglich ist. ist nachträgliches Ausrichten der Platten jedoch
Bei größeren begehbaren Flächen können die aufwendig.
Schwierigkeiten eines kompakten Gehbelages in Zu berücksichtigen ist, dass die Hohlräume unter
Mörtelbett vermieden werden, wenn mindestens den Platten mit der Zeit stark verschmutzen und
4 cm dicke großformatige Natur- oder Kunst- einen fast idealen Unterschlupf für allerlei Klein-
2.4 Nicht belüftete Flachdächer 241

2.51 2.52 2.53


Befahrbare Befahrbare Befahrbare Flachdachabdichtung, Fahrbahn aus
Flachdachabdichtung Flachdachabdichtung, Stahlbetonplatten; Abdichtung mit Kunststoff-
(Umkehrdach) für Fahrbahn aus bewehr- Dichtungsbahnen
leichte Fahrzeuge, ten Betonplatten auf
Verbundpflaster Filterschicht
1 Stahlbeton 7 doppellagige Trenn- bzw. Gleitschicht
2 Gefälleestrich 8 Fixierungswinkel
3 Dampfsperre auf Ausgleichsschicht bzw. Kunststoff- 9 Kies- bzw. Splittschüttung
Dachabdichtung auf Trennlage 10 Filtervlies
4 Wärmedämmung WD oder WDS 11 Stahlbeton-Fahrbahn bzw. Pflaster
5 Flachdachabdichtung (mehrlagige Bitumenabdichtung 12 Trenn- und Dehnungsfuge mit Dichtung
oder 1-lagige Kunststoff-Dichtungsbahn auf Trennlage) 13 Schrammbord
6 Anschlussbahn 14 Vormauerung

lebewesen bieten. Sie müssen daher immer wie- (meistens auch in Verbindung mit Auftausalzen)
der durch Aufnehmen einzelner Platten gereinigt zu schützen. Alle Oberflächen sollen ein Mindest-
werden. gefälle von 1% aufweisen. Die Fahrbahnbeläge
Bei der Verwendung steifer Wärmedämmplatten können z. B. aus großformatigen bewehrten
in Verbindung mit Stelzlagern sind ggf. besonde- Stahlbetonflächen von ca. 5 m2 Einzelfläche be-
re Maßnahmen zur Verhinderung von Trittschall- stehen. Die Abdichtungen müssen gegenüber
übertragung erforderlich. der Fahrbahnkonstruktion durch mehrlagige
Der wohl einfachste Terrassenaufbau ergibt sich, Gleit- bzw. Trennschichten geschützt werden.
wenn die Dachabdichtung nach dem Prinzip des Bei befahrbaren wärmegedämmten Flachdä-
„umgekehrten Flachdaches“ (vgl. Abschn. 2.3.2) chern dürfen nur druckfeste Wärmedämmstoffe
ausgeführt wird und schwere, großformatige der Anwendungstypen WD oder WDS (s. Tab.
Platten lose in mindestens 5 cm dicke Schüttun- 2.27) verwendet werden.
gen aus Splitt oder Perlkies verlegt werden (Bild Befahrbare Dächer nach dem Prinzip des Um-
2.50c). kehrdaches (s. Abschn. 2.3.2) können mit Fahr-
bahnbelägen aus Pflasterungen oder Verbund-
pflaster ausgeführt werden. Dabei sollten min-
2.4.3 Befahrbare Flachdächer destens 8 cm dicke Steine (bei Schwerverkehr
10 cm dick) verlegt werden (Bild 2.51). Durch
Auf befahrbaren Flachdachflächen ohne Wärme- ausreichende Filterschichten ist zu verhindern,
dämmung (z. B. in offenen Parkdecks) haben die dass der Verlegesand oder der Sand der Verfu-
Abdichtungen nur die Aufgabe, die tragende gungen in die Dränschicht des Umkehrdaches
Konstruktion gegen Regen und Schmelzwasser ausgewaschen werden kann. Sonst besteht die
242 2 Flachdächer

Gefahr, dass sich Pflasterungen infolge von Walk- • unmittelbar nach dem Auskühlen ist der Auf-
und Horizontalbeanspruchungen (durch Anfah- bau der weiteren Schichten möglich
ren oder Abbremsen) verschieben. • Beständigkeit gegen Düngemittel und Humus-
Befahrbare Flachdächer werden bei schwereren säure
Beanspruchungen durch spezielle Beläge und mit • Gussasphalt ist hohlraumfrei und wasserdicht,
oberer Abdichtung ausgeführt. dadurch keine Wasseraufnahme, kein Quellen
2 Die Fahrbahnen werden dabei aus Stahlbeton- und kein Schwinden
platten in Ortbeton mit Einzelfeldgrößen von • unempfindlich gegen Frost-Tau-Wechsel
etwa 0,80 u 0,80 m bis etwa 2,50 u 2,50 m gebil- • keine Pflanzen und umweltschädigenden Be-
det. Sie liegen auf Filterschichten aus Einkorn- standteile
beton oder Splitt- bzw. Kiesschichten (Bild 2.52) • Gussasphalt ist viskoelastisch und passt sich
oder mit doppelten Trennlagen unmittelbar auf langsamen Gebäudebewegungen rissefrei an
der Abdichtung (Bild 2.53). Die Fugen werden mit • Gussasphalt ist kapillarporenfrei, keine osmoti-
Spezialprofilen oder durch Vergussmassen ge- schen Vorgänge, keine Nährstoffe für Wurzeln
schlossen.
Bei schweren Belastungen durch Fahrzeuge bis Für begrünte Flachdächer wird Gussasphalt gem.
etwa 30 t Gesamtgewicht werden die Abdichtun- DIN 18 560-4 in der Regel in der Härteklasse IC 40
gen bzw. die Wärmedämmungen durch Stahlbe- verwendet.
ton-Druckverteilungsplatten geschützt. Wird eine Gussasphaltschicht im Verbund mit einer
Bitumen-Schweißbahn eingebaut, sind Bitumen-
Zu beachten ist, dass sich je nach Konstruktions-
Schweißbahnen mit hoch liegender Trägereinlage
art bzw. anzunehmender Belastung – erhebliche
aus Polyestervlies oder edelstahlkaschierte Bitu-
Aufbauhöhen bis insgesamt etwa 35 cm ergeben
men-Schweißbahnen zu verwenden.
können, zusätzlich erhöht durch die erforderli-
chen Gefälleschichten. Neben den einschlägigen DIN-Vorschriften und
den Flachdachrichtlinien sind auch die Richt-
In allen Fällen sind die Abdichtungen mindes-
linien für die Planung und Ausführung und Pflege
tens 15 cm an Wandanschlüssen o. Ä. hochzuzie-
von Dachbegrünungen (FLL) zu berücksichtigen.
hen und durch hochgezogene Schutzstreifen,
Schrammborde usw. zu schützen (vgl. Bild 2.53). Die Entwässerung von begrünten Dächern er-
fordert spezielle Einlaufbauteile. Durch sie muss
einerseits das aus Niederschlägen oder künstli-
2.4.4 Begrünte Flachdächer cher Bewässerung herrührende Wasser auf der
Abdichtungsebene abgeleitet werden, ohne dass
Begrünte Flachdächer gewinnen immer mehr an dabei Substrat ausgewaschen wird. Andererseits
Bedeutung. Sie können Staubpartikel binden, dürfen keine Überflutungen der Pflanzflächen
Feuchtigkeit speichern und den Schallschutz ver- durch starke Regenfälle möglich sein.
bessern. Bewegungsfugen in der Fläche des begrünten
Bei begrünten Flachdächern ist die Abdichtung Flachdachs dürfen durch den Begrünungsaufbau
keinen Temperaturschwankungen ausgesetzt und nicht überdeckt werden (Bild 2.60).
vor UV-Strahlung geschützt. Begrünte Flachdä- Unterbrechungen der Abdichtung durch schlecht
cher können deshalb eine wesentlich höhere Le- zu überwachende Durchführungen von Gelän-
bensdauer haben als frei bewitterte Systeme. derstützen, Installationsbelüftungen, Antennen
Bei begrünten Flachdächern wird auch Guss- o. Ä. sind möglichst zu vermeiden.
asphalt als Abdichtung angewendet. In DIN Man unterscheidet:
18 195-5 wird Gussasphalt im Verbund mit einer
Mehrschichtaufbau: Diese Bauart weist eine ge-
Dichtungsschicht aus speziellen Bitumen-
nau definierte wasserableitende Schicht auf, die
Schweißbahnen als Abdichtung genannt. Der
mit Hilfe von Kombinationen aus Schaumstoff-
Gussasphalt muss dabei eine Nenndicke von min-
elementen und Filterkies gebildet wird. Durch
destens 25 mm aufweisen. Vorteile des Guss-
Filtervlieslagen wird das Auswaschen von mine-
asphalts sind
ralischen Feinanteilen und organischen Substan-
• große mechanische Widerstandsfähigkeit ins- zen aus der Vegetationsschicht vermieden. Die-
besondere auch gegen Durchwurzelung ses System ermöglicht größere Aufbauhöhen,
• kurz nach dem Einbau ist die Endfestigkeit er- die für intensive Begrünungen erforderlich sein
reicht, Abbindezeiten sind nicht erforderlich können.
2.4 Nicht belüftete Flachdächer 243

ben eine natürliche Bestandsumbildung bei


minimalem Pflegeaufwand und erfordern nur
wenige Kontrollen innerhalb eines Jahres.
Hinsichtlich des Brandschutzes gelten intensiv
begrünte Flachdächer als „Harte Bedachung“, ex-
tensiv begrünte Flachdächer unter folgenden
Voraussetzungen: 2
• Mineralisch bestimmte Zusammensetzung der
2.54 Einschichtaufbau einer extensiven Dachbegrünung Vegetationstragschicht, mindestens 3 cm dick
1 Einschichtaufbau
2 Stahlbetondecke mit Flachdachaufbau • Vegetationsformen mit geringer Brandlast
• Vegetationsfreier Abstand gegenüber Dach-
durchdringungen und aufgehenden Bauteilen
Einschichtaufbau: Vegetationstragschicht (Subs- von i. d. R. t 50 cm.
trat) und Drainschicht werden zu einer Schicht
zusammengefasst. Das Substrat übernimmt die Die Einzelheiten sind dem entsprechenden bau-
vegetationstechnischen Funktionen wie Nähr- aufsichtlichen Erlass des jeweiligen Bundeslan-
stoff- und Sauerstoffversorgung, gleichzeitig die des zu entnehmen.
physikalischen Aufgaben wie ausreichende Die Vegetationsflächen können als „schwerer
Drainfähigkeit, Strukturstabilität, Frostsicherheit Oberflächenschutz“ üblicher Flachdachkonstruk-
und Windsogstabilität. Der Einschichtaufbau tionen betrachtet werden. Im Übrigen sind alle in
kommt vor allem in Frage für extensive Begrü- Abschn. 2.1 genannten Bedingungen für den Auf-
nungen (Bild 2.54). bau von Flachdächern zu beachten. Darüber-
Wenn auf künstlichen Vegetationsflächen Pflan- hinaus muss das Folgende berücksichtigt werden:
zen auf Dauer gedeihen sollen, müssen dazu je • Die verwendeten Dachabdichtungen müssen
nach Bepflanzungs- und Nutzungsart geeignete gegen mechanische Beschädigungen bei Pflanz-
Voraussetzungen geschaffen werden. und Pflegearbeiten und gegen Durchwurze-
Bei der Begrünung von Flachdächern wird unter- lung geschützt werden.
schieden: Dies wird bei Bitumenbahnen durch eine Me-
talleinlage (Kupferband) gewährleistet oder
• Intensive Begrünung die entsprechende Wurzelschutzbahn ist mit
in einfacher Form (einfache Intensivbegrü- biochemischen Zusätzen ausgerüstet und ver-
nungen) bestehend aus bodenbedeckenden hindert dadurch das Einwachsen von Wurzeln.
Gräsern, Stauden und Gehölzen, die geringe Sie dürfen nicht durch biologische Einwirkun-
Ansprüche an den Aufbau der Vegetations- gen, Mikroorganismen und im Wasser gelöste
schicht, die Wasser- und Nährstoffversorgung Stoffe geschädigt werden.
und an den Pflegeaufwand stellen,
• Da Beschädigungen der Abdichtungen niemals
in aufwendiger Form mit Bepflanzungen, die nur völlig ausgeschlossen werden können, sollte
durch ständige Pflege erhalten werden können, der Flachdachaufbau (Dampfsperre, Wärme-
aus Stauden, Gehölzen, einzelnen Bäumen und dämmung, Abdichtung) in voneinander abge-
Rasenflächen, eingebaut mit besonderer gärt- schotteten Teilabschnitten ausgeführt werden.
nerischer Gestaltung, z. B. mit Höhendifferen-
• Gegenüber Wandanschlüssen, Dachöffnungen
zierungen, Wasserbecken, Rankgerüsten usw.
und sonstigen Dachaufkantungen sind 0,50 m
Diese Begrünungsart erfordert eine intensive breite unbepflanzte Schutzstreifen zu belas-
Pflege sowie eine regelmäßige Wasser- und sen, die mit Kiesschüttungen oder Plattenbelä-
Nährstoffversorgung. gen abgedeckt werden.
• Extensive Begrünung • Für den gesamten Dachaufbau ist das für be-
in naturnah angelegten flächigen Begrünun- grünte Dächer spezielle Wasserdampfdiffu-
gen mit niedrigen Stauden und Gehölzen, sionsverhalten bauphysikalisch zu überprüfen
Pflanzungen aus Moosen, Flechten, Sukkulen- (s. Abschn. 16.5.6 in Teil 1 des Werkes).
ten, Gräsern, die für die extremen Standort- • Neben den Lasten des Dachaufbaues, von
bedingungen auf einer Dachfläche besonders schweren Einzelpflanzen, Wasserbecken usw.
geeignet sind. Extensiv begrünte Flächen ha- müssen ggf. die von hohen Pflanzen herrüh-
244 2 Flachdächer

renden besonderen Windlasten statisch erfasst Einen Anhalt für die jeweils erforderlichen
werden. Schichtdicken gibt Tabelle 2.61.
• Begehbare Dachflächen müssen Umwehrun- Damit begrünte Flachdächer lange Jahre scha-
gen für Besucher bzw. Absturzsicherungen für densfrei bleiben, sollte eine regelmäßige fachge-
Unterhaltungsarbeiten erhalten. rechte Pflege nach den FLL-Richtlinien und der
• Die Entwässerung von Vegetationsflächen (Ab- DIN 18 919 erfolgen. Auch begrünte Dächer soll-
2 leitung von Oberflächen- und Überschusswas-
ser in den Schichten) muss entsprechend DIN
ten nicht sich selbst überlassen werden.

1986 geplant werden. Dabei sind als Abfluss- Gründächer auf Holzkonstruktionen
beiwerte anzunehmen:
Durch die stetig steigenden Anforderungen an
– für Intensivbegrünungen und Extensivbegrü- die Energieeffizienz von Gebäuden werden die
nungen ab 10 cm Aufbauhöhe ȥ = 0,3, Dämmstoffstärken immer dicker. So werden heu-
– für Extensivbegrünungen unter 10 cm Auf- te Flachdächer meistens als unbelüftete Konst-
bauhöhe ȥ = 0,5 (vgl. Abschn. 1.6.12). ruktionen ausgeführt (s. Abschn. 2.3.6). Nach den
• Zuleitungen für die fast immer erforderliche Regelwerken sind Gründächer auch auf unbelüf-
ggf. automatische Zusatzbewässerung sind tenden Holzdächern möglich.
einzuplanen. Ein Gründachaufbau ist aber praktisch dampf-
• Wasserbecken innerhalb intensiver Begrünun- dicht. In der Drainschicht bildet sich i. d. R. ein
gen sind für sich gesondert abzudichten. Wasserfilm, durch den kein Wasserdampf aus-
diffundieren kann. Eine hundertprozentig funk-
Aufbauend auf den beschriebenen Grundsätzen tionierende Dampf- und insbesondere auch
für die Ausführung begrünter Dachflächen wur- Luftdichtheitsebene ist aber unter Baustellen-
den von darauf spezialisierten Fachunternehmen bedingungen praktisch nicht herstellbar. Bei
eine große Zahl von Sonderkonstruktionen für Holzkonstruktionen wird einerseits die Eigen-
Dächer aller Begrünungsarten entwickelt. Dabei feuchte des Holzes und andererseits die vom
werden fast immer speziell auf die verschiede- Holz beim Einbau aus der Luft aufgenommene
nen Bepflanzungsmöglichkeiten abgestimmte Feuchtigkeit in die Konstruktion eingetragen.
Bodensubstrate eingesetzt. Durch Kunststoff- Diese kann aber bei einem Gründach nach oben
Formteile werden Regenwasserspeicher gebil- praktisch nicht mehr ausdiffundieren. Mit zuneh-
det, der Abfluss von überschüssigem Nieder- mender Zeit nimmt also der Feuchtigkeitsgehalt
schlagswasser reguliert, die Verankerung der in der Konstruktion – auch bei noch so sorgfälti-
Pflanzenwurzeln in den der Vegetationsschicht ger Ausführung der Dampf- und Luftdichtheits-
verbessert, das Abrutschen der Begrünungen von ebene – unvermeidbar zu. Dieses Problem ist
geneigten Dachflächen verhindert usw. nicht durch Dampfsperren mit Metalleinlagen –
Aus der großen Zahl derartiger Begrünungssyste- wie es einige Gründachhersteller inzwischen
me werden nachfolgend einige Beispiele gezeigt empfehlen – zu lösen. Es ist also nur eine Frage
(Bilder 2.55 bis 2.59). der Zeit, wann Holzkonstruktionen in „dichten“

2.55
Flachdach mit Begrünung, Regelaufbau oberhalb der Abdichtung
1 Schutzschicht gegen mechanische Beschädigungen (Schutzvliese,
Schutzplatten- oder Bahnen, Dränschichten des Bodenaufbaues)
2 Schutzschicht gegen Durchwurzelungen (bei geeignetem Material durch
die Dachabdichtung selbst gebildet, sonst spezielle Wurzelschutzbahnen
oder Beschichtungen)
3 Entwässerungs- und Dränageschicht (Schüttstoffe aus Kies, Splitt, Lava,
Bims; Dränmatten und -platten aus Kunststoff- oder Schaumstofferzeugnissen;
Dränelemente aus Kunststoff, Drän- und Substratplatten)
4 Filterschicht (Vliese aus Geotextilien)
5 Vegetationsschicht (Zusammensetzung und Dicke abhängig von der Art
der Begrünung)
2.4 Nicht belüftete Flachdächer 245

2.56 Begrüntes Flachdach für extensive, nicht wartungs- 2.57 Begrüntes Flachdach für extensive Begrünung;
bedürftige Begrünung mit niedrigem Aufbau mit Kunststoff-Systemplatten (Novoflor X)
Schichtenaufbau; Dränschicht aus Kies oder 1 Stahlbeton mit Flachdachaufbau
Blähbeton (vgl. Abschn. 2.3.2)
1 Stahlbetonplatte mit Flachdachaufbau auf 2 Wurzelschutzbahn
Gefällebeton (vgl. Abschn. 2.3.2) 3 Sickerkanal
2 Wurzelschutzbahn (PVC weich) 4 Schaumstoff-Tragkörper mit Wasserspeicher
3 Schutzmatte (d = 10 mm) 5 Wurzelverankerungsgewebe
4 Dränschicht 6 Bodensubstrat
5 Filtervlies
6 Vegetationsschicht
(Humus oder Erdsubstrat)

2.58 Begrüntes Flachdach für intensive Begrünung, 2.59 Begrüntes Flachdach für intensive Begrünung,
Dränschicht aus Kies oder Blähton (ZinCo) Dränschicht aus Kies oder Blähton (Optima)
1 Stahlbetonplatte mit Flachdachaufbau 1 Stahlbetonplatte mit Flachdachaufbau
(vgl. Abschn. 2.3.2) (vgl. Abschn. 2.3.2)
2 Wurzelschutzmatte 2 Trennlage
3 Speichermatte 3 Wurzelschutzbahn
4 Schaumstoff-Dränkörper mit Filterschicht 4 Verwurzelungsgewebe
5 Filtervlies 5 Optima-Dränschicht mit Regenwasserspeicher
6 Vegetationsschicht (Gärtnererde) 6 Filtermatte
7 Dauererde
246 2 Flachdächer

Gründächern verrottet sind. Selbst dann, wenn


Blower-Door-Tests einwandfreie Ergebnisse zei-
gen, bedeutet dies noch lange nicht, dass über
partielle Luftundichtigkeiten keine nennenswer-
ten zusätzlichen Wasserdampfmengen in die
Konstruktion gelangen. Deshalb sollten auch die
durch Regelwerke (DIN, EnEV usw.,) „abgesicher-
2 ten“ Konstruktionen sowie herrschende Lehr-
meinungen nicht immer ohne kritisches Hinter-
fragen nachgeahmt werden. Im Falle der diffu-
2.60 Bewegungsfuge mit Hilfskonstruktion sionsdichten Gründachkonstruktionen sollte
1 Anpress- und Schutzprofil besser eine ausreichend dimensionierte Belüf-
2 Vegetationsschicht tungsebene eingesetzt werden.
3 Filterschicht
4 Dränschicht
5 Trennfolie
6 Gussasphalt
7 Dichtungsschicht
8 Dämmschicht
9 Dampfsperre

Tabelle 2.61 Regelschichtdicken bei verschiedenen Begrünungsarten


Begrünungsart Dicke der Gesamtdicke des Begrünungsaufbaus in cm
Vegetationsschicht
in cm bei 2 cm bei 4 cm
Dränmatte Schüttstoff*)
Extensivbegrünungen, geringer Pflegeaufwand, ohne zusätzliche Bewässerung
bei Flachdächern:
Moos-Sedum-Begrünung 2 bis 5 4 bis 7 6 bis 9
Sedum-Moos-Kraut-Begrünungen 5 bis 8 7 bis 10 9 bis 12
Sedum-Gras-Kraut-Begrünungen 8 bis 12 10 bis 14 12 bis 16
Gras-Kraut-Begrünungen (Trockenrasen)  15  17  19
Einfache Intensivbegrünungen, mittlerer Pflegeaufwand, periodische Bewässerung
bei Flachdächern:
Gras-Kraut-Begrünungen (Grasdach, Magerwiese)  8  10  12
Wildstauden-Gehölz-Begrünungen  8  10  12
Gehölz-Stauden-Begrünungen  10  12  14
Gehölz-Begrünungen  15  17  19
Begrünungsart Dicke der Dicke der Gesamtdicke des
Vegetationsschicht Dränschicht Begrünungsaufbaus
in cm in cm in cm
Aufwendige Intensivbegrünungen, hoher Pflegeaufwand, regelmäßige Bewässerung
Rasen  8  2  10
niedrige Stauden-Gehölz-Begrünungen  8  2  10
mittelhohe Stauden-Gehölz-Begrünungen  15  10  20
höhere Stauden-Gehölz-Begrünungen  25  10  35
Strauchpflanzungen  35  15  50
Baumpflanzungen  65  35  100
*) Bei 2 bis 3 % Dachgefälle; ab 3 % Dachgefälle kann die Schichtdicke auf 3 cm reduziert werden.
2.5 Flachdachkonstruktionen 247

2.5 Zweischalige, belüftete Überzügen oder Wechseln völlig unterbinden


(Bild 2.62c).
Flachdachkonstruk