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Vorkurs Mathematik des Fachbereichs Mathematik der Universit¨at Stuttgart

Norbert R¨ohrl

In Zusammenarbeit mit Mathematik Online (http://www.mathematik-online.org)

Inhaltsverzeichnis

Kapitel 1. Grundlagen

5

1. Aussagen

5

2. Mengen

7

3. Quantoren

10

4. Beweise

11

5. Vollst ¨andige Induktion

11

6. Teiler und Primzahlen

12

7. Abbildungen

14

8. Kombinatorik und Permutationen

18

9. Ebene Geometrie

21

10. Vektoren

29

Kapitel 2. Analysis

35

11. Reelle Funktionen

35

12. Monotonie

36

13. Gleichungen und Ungleichungen

36

14. Lineare Funktionen

38

15. Quadratische Funktionen, Gleichungen und Ungleichungen

38

16. Polynome h¨oherer Ordnung

39

17. Komplexe Zahlen

45

18. Reelle Zahlen

50

19. Folgen

51

20. Reihen

53

21. Stetigkeit

54

Kapitel 3. Differential- und Integralrechnung

57

22. Differentialrechnung

57

23. Kurvendiskussion

59

24. Integration

61

Kapitel 4. Lineare Algebra

67

25. Untervektorr ¨aume des R n

67

26. Lineare Gleichungssysteme

71

3

KAPITEL 1

Grundlagen

1. Aussagen

Definition 1.1 . Eine Aussage in der Mathematik ist ein sprachlicher Ausdruck, f ur¨ den eindeutig entschieden werden kann, ob er wahr ( w bzw. 1) oder falsch ( f bzw. 0) ist. Wir bezeichnen im Folgenden Aussagen mit Großbuchstaben, beispielsweise A oder B .

i) “Das Wetter ist sch¨on.”, “Es regnet.”, “Die Straße ist trocken.”,

“Der Boden ist naß.”, sind alles Aussagen. Mathematischer sind die Aussagen “5 ist

Beispiel 1.2 .

eine Primzahl.” und “56 ist durch 7 teilbar.”.

ii) “5 > 3” ist

(a)

(!1)

(b)

“5 teilt 37” ist (!2)

iii) “Dieser Satz ist falsch” (!3)

Definition 1.3 . Zwei Aussagen A und B k¨onnen mittels (“und”) und (“oder”)

verknupft¨

werden. Hierbei gilt:

A B A ∧ B A ∨ B 1 1 1 1 1 0 0
A
B A ∧ B A ∨ B
1
1
1
1
1
0
0
1
0
1
0
1
0
0
0
0

Beispiel 1.4 .

i)

(5 > 3) (7 > 9) ist (!4)

ii) (5 > 3) (7 > 9) ist (!5)

Definition 1.5 . Weitere wichtige Verknupfungen¨

sind

i) A B (“aus A folgt B ” bzw. “ A impliziert B ”),

ii) A B (“ A ¨aquivalent zu B ” bzw. “ A gilt genau dann, wenn B gilt”),

iii) ¬A (“nicht A”),

wobei

A B A ⇒ B A ⇔ B 1 1 1 1 A ¬A 1
A
B A ⇒ B A ⇔ B
1
1
1
1
A ¬A
1
0
0
0
1
0
0
1
1
0
0
1
0
0
1
1

5

6

1. GRUNDLAGEN

Beispiel 1.6 .

i) (0 = 1) (6 ist prim) ist (!6)

ii) Wenn der Sonntag auf den Dienstag f ¨allt, gewinnen alle im Lotto.

iii) ¬(5 > 3) ist (!7)

Bemerkung 1.7 . Eine Tautologie ist eine Aussage, die unabh¨angig davon, welche Wahrheitswerte man den in ihr vorkommenden atomaren Aussagen o der Aussagevariablen zuordnet, immer wahr ist. Zum Beispiel

Lemma 1.8 .

( A B ) (( A B ) ( B A))

Definition 1.9 (Aussageform) . Eine Aussage A( m), die von einer oder mehreren Varia- blen abh¨angt heißt Aussageform. Erst durch Belegung der Variablen kann der Aussageform ein Wahrheitswert zugeordnet werden.

Beweis. (!8)

Beispiel 1.10 .

i) ( x > 5) ist (!9)

ii) x 2

1 > 0 ist (!10)

iii) ( x > 5) ( x > 3) ist (!11) (!12)

iv) ( x < 7) (7 > x) ist (!13)

Definition 1.11 . Es gilt die folgende Reihenfolge bei der Bindung der Operatoren:

(i)

¬

(ii)

,

Beispiel 1.12 . Also ist z.B.

(iii)

(iv)

( A B ) ( B A) gleich (!14)

und

( ¬( A B )) (( ¬A) ( ¬B )) gleich (!15)

Theorem 1.13 (Regeln f ur¨ logische Verknupfungen)¨ folgende Regeln:

i) Assoziativgesetze

(a)

( A B ) C

A

( B

C )

(b)

( A B ) C

A

( B

C )

ii) Kommutativit¨atsgesetze

(a)

A B

B

A

(b)

A B

B

A

iii) De Morgansche Regeln

(a)

¬( A B ) ⇔ ¬A ∨ ¬B

(b)

¬( A B ) ⇔ ¬A ∧ ¬B

iv) Distributivgesetze

(a)

( A B ) C

( A

C ) ( B

C )

(b)

( A B ) C

( A

C ) ( B

C )

. F ¨ur Aussagen A, B und C gelten

Zus¨atzlich gilt ¬( ¬A) A und A A A A A.

 

¨

Beweis. Ubungen

 

Lemma 1.14 .

i) ( A B ) ⇔ ¬A B ( ¬B ⇒ ¬A) ( Kontraposition )

ii)

¬( A B ) ⇔ ¬( ¬A B ) A ∧ ¬B

Beweis. Wir f uhren¨

den Beweis mit Hilfe einer Wahrheitstafel. (!16)

Beispiel 1.15 (Schaltjahre) . (!17)

2. MENGEN

7

2. Mengen

Definition 2.1 . menten m 1 , m 2 , m 3 ,

i) Eine Menge M besteht entweder aus wohlverschiedenen Ele- und man schreibt

M = { m 1 , m 2 , m 3 ,

.} .

oder sie hat keine Elemente M = ( Leere Menge). Die Reihenfolge der Elemente ist hierbei unerheblich.

ii) Werden die Elemente m durch eine Aussageform A( m) charakterisiert, so schreibt man auch

M = { m| A( m) } .

iii) Werden durch A( m) Elemente einer Menge N ausgew¨ahlt schreibt man auch M = { m N | A( m) }

Beispiel 2.2 . (!18)

Definition 2.3 . Seien M und N Mengen.

i)

Ist m ein Element der Menge M schreiben wir kurz m M , andernfalls m / M .

ii)

Hat M nur endlich viele Elemente, so bezeichnet | M | ihre Anzahl. Andernfalls schreibt man | M | = .

iii)

N

heißt Teilmenge von M , wenn alle Elemente von N auch Elemente von M sind.

Als Formel geschrieben m N m M , oder kurz N M .

iv)

Zwei Mengen sind identisch ( M = N ), wenn m N m M gilt.

v)

N

heißt echte Teilmenge von M , kurz N M , wenn N M und zus¨atzlich

N

= M gilt.

vi)

Statt ¬( N M ) schreibt man oft N M .

Beispiel 2.4 .

i) 5 Z,

1

2

Z.

ii) |{ 0 , 1 }| = 2, | Z| = (Es gibt unendlich viele ganze Zahlen)

iii) Z Q und Z Q.

iv) Ist N M und | N | , | M |

v) Z N .

< , so gilt | N | ≤ | M | .

Lemma 2.5 . Seien M, N und O Mengen.

i) ∅ ⊆ M

ii) M M (Reflexivit¨at)

iii) (

M

N ) ( N

M ) ( M = N ) (Antisymmetrie)

iv) (

M

N ) ( N

O ) ( M O ) (Transitivit¨at)

Beweis. (!19)

Definition 2.6 . Seien M , N und G Mengen.

i) Der Schnitt von M und N ist die Schnittmenge

M
M
N M N
N
M
N

M N := { m| ( m M ) ( m N ) }

ii) Die Vereinigung von M und N ist die Vereinigungsmenge

M N := { m| ( m M ) ( m N ) }

Gilt M N = , so heißt die Vereinigung disjunkt und

˙

wir schreiben M N .

8

1. GRUNDLAGEN

iii) Die Differenz von M und N ist die Differenzmenge

M \ N := { m| ( m M ) ( m N ) } M

N := { m | ( m ∈ M ) ∧ ( m ∈ N )
N G M
N
G
M

Man bezeichnet diese Menge auch als “ M ohne N ”.

iv) W¨ahlen wir eine Grundmenge G so k¨onnen wir die Komplement¨armenge

M := { g G | g M } = G \ M

von M in G definieren.

Beispiel 2.7 .

i) Sind M = { 2 , 3 } , N = { 1 , 2 } , O = { 1 } , so ist

(a)

M N = (!20), M N = (!21), M O = (!22)

(b)

M

\ N = (!23), M \ O = (!24)

(c) | M | = | N | = 2, | M N | = 3, | M N | = 1, | M O | = 0

˙

ii) F ur¨ alle endlichen Mengen M und N gilt | M N | ≤ | M | + | N | und | M N | =

| M | + | N |

iii) Z \ N = (!25) , N \ Z = (!26)

Theorem 2.8 (Regeln f ur¨ die Mengenoperationen) . F ¨ur Mengen A, B und C gelten folgende Regeln:

i) Assoziativgesetze

(a)

( A B ) C

=

A ( B C )

(b)

( A B ) C = A ( B C )

ii) Kommutativit¨atsgesetze

(a)

A B

=

B A

(b)

A B = B

A

iii) De Morgansche Regeln

(a)

( A B ) =

A B

(b)

( A B ) = A B

iv) Distributivgesetze

(a)

( A B ) C

=

(

A

C ) ( B

C )

(b)

( A B ) C = ( A C ) ( B

C )

Zus¨atzlich gilt A = A und A A = A A = A. Die Bindungsregeln gelten analog zu denen f ¨ur Aussagen.

Beispiel 2.9 . Seien M, N G Mengen. Es gilt

M \ N = M N

(!27)

Beispiel 2.10 . Seien M, N Mengen. Es gilt

(!28)

M

= ( M \ N ) ( M N )

Definition 2.11 . Die Menge P ( M ) aller Teilmengen von M heißt Potenzmenge von M . Diese ist charakterisiert durch

P ( M ) := { T | T M }

Beispiel 2.12 .

i) P ( { 0 , 1 } ) = (!29)

ii) F ur¨ alle Mengen gilt ∅ ∈ P ( M ) und M ∈ P ( M ).

2. MENGEN

9

Zusammenfassend noch einmal alle Bezeichnungen:

Schreibweise Bedeutung m ∈ M m ∈/ M M ⊆ K M ⊂ K |
Schreibweise Bedeutung
m
∈ M
m
∈/ M
M
⊆ K
M
⊂ K
| M |
P ( M )
∅ , {}
m ist Element von M
m ist nicht Element von M
M ist Teilmenge von K
M ist echte Teilmenge von K
Anzahl der Elemente in M
Potenzmenge von M
leere Menge

Definition 2.13 .

i) Das kartesische Produkt zweier Mengen M und N ist de-

finiert als die Menge aller geordneten Paare von Elementen beider Mengen:

M × N := { ( m, n) | ( m M ) ( n N ) } .

ii) Zwei Elemente ( m, n) und ( m,˜ n˜ ) sind genau dann gleich, wenn beide Eintr ¨age ubereinstimmen,¨ das heißt wenn m = m˜ und n = n˜ gilt. Das bedeutet, dass im Gegensatz zu Mengen die Reihenfolge eine Rolle spielt.

iii) Analog zum zweifachen kartesischen Produkt definieren wir das n–fache kartesische Produkt

M 1 × M 2 × · · · × M n := { ( m 1 , m 2 ,

, m n ) | ( m 1 M 1 ) ( m 2 M 2 )

( m n M n ) } .

Sind alle Mengen M i gleich, dann schreibt man f ur¨ das n–fache kartesische Pro-

dukt

von M mit sich selbst M n .

Beispiel 2.14 . Die Eckpunkte eines Wurfels¨ lassen sich zum Beispiel als 3–faches kar- tesisches Produkt der Menge M = { 0 , 1 } mit sich selbst beschreiben, denn M × M × M = { ( m 1 , m 2 , m 3 ) | ( m 1 M ) ( m 2 M ) ( m 3 M ) }

 

(0,1,1)

 
  (1,1,1)
 
  (1,1,1)

(1,1,1)

(0,0,1)

   

(1,0,1)

(0,1,0)

(0,1,0)
(0,1,0) (1,1,0)

(1,1,0)

(0,0,0)

(1,0,0)

Beispiel 2.15 .

(!32).

ii) { 0 , 1 } 2 = (!33)

i) Sei M = { 0 , 1 } , N = { 2 , 3 } so sind M × N = (!31) und N × M =

iii) F ur¨ endliche Mengen gilt | M × N | = (!34)

10

1. GRUNDLAGEN

v) Die Menge R 2 = { ( x, y ) | x, y R } wird geometrisch oft als (unendliche) Ebene aufgefasst. Genauso sind die Punkte im 3 dimensionalen Raum Element e aus R 3 = { ( x, y, z ) | x, y, z R } .

y 2 1 x − 1 2 3 − 1 1
y
2
1
x
1
2
3
1 1

x

z

x, y, z ∈ R } . y 2 1 x − 1 2 3 −

y

Beispiel 2.16 . Seien M, N, UV Mengen. Es gilt

( M N ) × ( U V ) = M × U M × V N × U N × V

3. Quantoren

Definition 3.1 . Sei M eine Menge und A( m) eine Aussageform.

i) Ist die Menge { m M | A( m) }

= , so schreiben wir

m M : A( m)

und sagen, es existiert ein m aus M mit der Eigenschaft A( m).

ii) Ist die Menge { m M | A( m) }

= M , so schreiben wir

m M : A( m)

und sagen, f ur¨ alle m aus M gilt die Eigenschaft A( m). Die Zeichen und nennt man Existenzquantor bzw. Allquantor .

Beispiel 3.2 .

i) Die Aussage

x R y R : x = 2 y

ist (!35)

ii) Die Aussage

y R x R : x = 2 y

ist (!36) . (!37)

iii) Die Aussage

¬( Primzahl p : p teilt 1)

(!38)

iv) Genauso ist die Aussage

¬( x R y R : xy = 1)

¨aquivalent zu (!39) (!40)

Theorem 3.3 (Negation von Aussagen mit Quantoren) . m M : ¬A( m)

i) ¬( m M : A( m))

¨

5. VOLLST ANDIGE INDUKTION

Beweis. (!41)

Beispiel 3.4 .

ist (!42)

ii) Die Aussage

i) Die Aussage

x R : 1 /x R

n N m N : m + 1 = n

(!43)

Bemerkung 3.5 . F ur¨ eine endliche Menge M = { m 1 , folgenden Tautologien.

i) m

M : A( m)

A( m 1 )

A( m 2 ) ∧ · · · ∧

A(

m

ii) m

M : A( m)

A( m 1 )

A( m 2 ) ∨ · · · ∨

A(

m

n

n

).

).

11

, m n } gelten offensichtlich die

In diesem Fall k¨onnte man die Negationsregeln aus Satz 3.3 mit Hilfe der Regeln von de Morgan beweisen.

Definition 3.6 . Seien M und f ur¨ alle m M eine Menge A m gegeben.

i) A m := { a|∃m M : a A m } (Vereinigung aller A m )

mM

ii) A m := { a|∀m M : a A m } (Schnitt aller A m )

mM

Beispiel 3.7 .

i) Ist A m = { m} , m N , dann ist A m = (!44)

mN

ii) Ist A m = { n N | n m} , m N , dann ist A m = (!45)

Lemma 4.1 .

mN

4. Beweise

i) A ( A B ) B ( Abtrennungsregel )

ii) ( A B ) ( ¬B ⇒ ¬A) ( Kontrapositionsgesetz )

iii) ( A

iv) ¬B ( ¬A B ) A ( Widerspruchsregel )

B ) ( B C ) ( A C ) ( Syllogismus Regel )

(!46) (!47)

Lemma 4.2 . Ist a 2 gerade, so auch a

Beweis. (!48)

Lemma 4.3 . Es gibt unendlich viele nat¨urliche Zahlen.

Beweis. (!49)

5. Vollst¨andige Induktion

Definition 5.1 . i) Eine Menge M Z heißt nach oben beschr¨ankt , falls es

ein n Z mit m n m M gibt. Ein solches n heißt obere Schranke. Gilt zudem n M , so heißt n Maximum von M und man schreibt n = max M .

ii) Eine Menge M Z heißt nach unten beschr¨ankt , falls es ein n Z mit n m m M gibt. Ein solches n heißt untere Schranke. Gilt zudem n M , so heißt n Minimum von M und man schreibt n = min M .

12

1. GRUNDLAGEN

Bemerkung 5.2 . Das Maximum einer Menge ist eindeutig.

Beweis. (!50)

Beispiel 5.3 .

i) Die

Menge M = { 1 , 2 , 3 } hat z.B. die oberen Schranken (!51) und

das Maximum (!52) .

ii) Die Menge M = { x Z| x < 0 } hat das Maximum (!53) , untere Schranken(!54)

iii) Die Menge der geraden Zahlen { 2 k | k Z} hat (!55)

Bemerkung 5.4 . Die Nat urlichen¨ Zahlen werden in der Mathematik mittels Axiomen formal definiert. Ein gebr ¨auchliches System sind die Peano-Axiome, benannt nach dem ita- lienischen Mathematiker Guiseppe Peano (1858-1932). Wir wollen hier aber nur kurz eines der 5 Axiome ansprechen, das Induktionsaxiom:

Sei G N eine Teilmenge. Ist 1 G und gilt ( n G n + 1 G ) so ist G = N . Wir werden im Folgenden auch noch Eigenschaft verwenden, dass jede nichtleere Teil- menge = G N ein Minimum besitzt.

Korollar 5.5 . Jede nichtleere nach unten (bzw. oben) beschr¨ankte Menge M Z hat ein Minimum (bzw. Maximum)

Beweis. (!56)

Korollar 5.6 (Vollst ¨andige Induktion) . Ist A( n) eine von n N abh¨angige Aussage- form und G := { n| A( n) ist wahr } . Ist 1 G (Induktionsanfang) und gilt ( n G n + 1 G ) (Induktionsschluss), so ist G = N mit Bemerkung 5.4 und somit A( n) wahr f ¨ur alle n N .

Beispiel 5.7 . Beweis der Formel

A( n) =

n

k =1

1

k 2 = 1 2 + 2 2 + 3 2 + · · · + n 2 = 6 n( n + 1)(2 n + 1)

durch Induktion. (!57)

6. Teiler und Primzahlen

Definition 6.1 .

Seien a, b, p Z

i) a teilt b (in Zeichen a| b), wenn es ein n Z gibt mit an = b.

ii) p heißt Primzahl, falls p > 1 und ( a| p ) ( a ∈ { 1 , p } ) (in Worten: p und 1 sind die einzigen Teiler von p ).

iii) F ur¨ a Z ist der | a| = max{ a, a} der Betrag von a.

Beispiel 6.2 .

ii) (!59)

i) 3 | 12, da (!58)

iii) (!60)

iv) | − 5 | = 5, | 5 | = 5.

Lemma 6.3 . Sind a, b, c Z, dann gilt

i) a| b b| c a| c

ii) a| b ac | bc

iii) c | a c | b c | da + eb d, e Z

iv) a| b b = 0 ⇒ | a| ≤ | b|

v) a| b b| a a = b a = b

Beweis. (!61)

6. TEILER UND PRIMZAHLEN

13

Definition 6.4 . i) Der gr ¨oßte gemeinsame Teiler von a und b ist definiert durch ggT(0 , 0) = 0 und ggT( a, b) := max{ c Z ( c | a) ( c | b) } , falls nicht a = b = 0.

ii) F ur¨ x R ist die Gaußklammer xvon x die gr ¨oßte ganze Zahl kleiner oder gleich x.

x:= max{ b Z| b x}

Beispiel 6.5 .

i) ggT(12 , 8) = (!62) , ggT(36 , 14) = (!63)

ii) 0 .5 = (!64) , 3 .14 = (!65)

iii) F ur¨ n Z gilt n = x⌋ ⇔ x 1 < n x.

Theorem 6.6 . F ¨ur a, b Z, b > 0 gibt es eindeutig bestimmte q, r Z mit

und

Es ist q = a/bund r = a bq .

Theorem 6.7 . Sind a, b Z und nicht beide Null, dann gibt es einen gr¨oßten gemein- samen Teiler ggT( a, b) von a und b.

a = qb + r

0 r < b .

Beweis. (!66)

Beweis. (!67)

Theorem 6.8 . F ¨ur a, b Z gibt es x, y Z mit xa + yb = ggT( a, b) .

Beweis. (!68)

Theorem 6.9 . Sind a, b, p Z, p prim und p | ab, so gilt p | a oder p | b.

Beweis. (!69)

Korollar 6.10 . Sind p, p 1 , mit p = p k .

, p n Primzahlen mit p | p 1

p n , so existiert ein k ∈ { 1 ,

, n}

Beweis. (!70)

Theorem 6.11 . Jede Zahl a N , a > 1 l¨asst sich als Produkt von Primzahlen darstellen,

d.h. a ist eine Primzahl oder es gibt Primzahlen p 1 , p 2 , mit a = p 1 p 2 · · · p n .

Theorem 6.12 . Die Darstellung als Produkt von Primzahlen ist bis auf die Re ihenfolge eindeutig.

, p n (nicht notwendig verschieden)

Beweis. (!71)

Beweis. (!72)

Theorem 6.13 (Fundamentalsatz der Arithmetik) . Jede nat¨urliche Zahl gr¨oßer eins ist als (bis auf die Reihenfolge) eindeutiges Produkt von Primz ahlen darstellbar.

Theorem 6.14 (Euklid) . Es gibt unendlich viele Primzahlen

Beweis. (!73)

Theorem 6.15 . Es gibt keine nat¨urlichen Zahlen a, b mit

a

b

= 2 .

Die Zahl 2 ist also nicht als Bruch ganzer Zahlen darstellbar. Solche Z ahlen nennt man irrational.

Beweis. (!74)

14

1. GRUNDLAGEN

Definition 7.1 .

7. Abbildungen

i) Seien M, N Mengen. Eine Abbildung f : M N, m n ist

eine eine Vorschrift, die jedem m M genau ein n = f ( m) N zuordnet, d.h.

f ( m) = n f ( m) = n n = n .

n heißt Bild von m und m Urbild von n.

ii) Ist A M , so heißt f ( A) := { f ( m) | m A} ⊆ N das Bild von A und f ur¨ B N

M | f ( m) B } ⊆ M das Urbild von B unter der Abbildung

heißt f 1 ( B ) := { m f .

iii) Die Mengen

M ,N ,f ( M ) heißen Definitionsbereich, Wertemenge bzw. Werte-

bereich der Abbildung f .

iv) Die Menge G f := { ( x, y ) M × N | y = f ( x) } heißt der Graph von f .

Beispiel 7.2 .

a a ′
a
a ′

A

b = f(a)
b = f(a)

B

nicht alle Elemente aus B als Bild eines Ele-

mentes aus A auftreten und ein Element aus B darf auch Bild mehrerer Elemente aus A sein. Es muss allerdings f ur¨ jedes Element aus A ein eindeutiges Bild geben, das heißt von

jedem a muss genau ein Pfeil ausgehen. Man erkennt auch, dass ein Bild b mehrere Urbilder haben kann, hier beispielsweise a und a .

Wie aus dem Bild ersichtlich ist, mussen¨

7. ABBILDUNGEN

15

9 6 3 −3 0 3
9
6
3
−3 0
3

Wertebereich f ( R ) = (!75)

f 1 { 2 } = (!76)

G f = (!77)

ii) id M : M M, m m, die Identische Abbildung auf M. F ur¨ M = R erh¨alt man

folgenden Graphen:

3 −3
3
−3

3

3 Wertebereich f ( R ) = (!78) G id M = (!79)

iii) Sei f : R R , x x 2

d M = (!79) iii) Sei f : R → R , x → x 2

f ( { x R | x| ≥ 3 } ) = (!80)

2

Definition 7.4 . Eine Abbildung f : M N heißt

i) injektiv, falls f ur¨ alle m, m M mit m = m gilt f ( m) = f ( m ) oder ¨aquivalent f ( m) = f ( m ) m = m ii) surjektiv, falls es f ur¨ jedes n N ein m M gibt mit f ( m) = n, oder kurz f ( M ) = { f ( m) | m M } = N .

iii) bijektiv, falls f sowohl injektiv als auch surjektiv ist.

Beispiel 7.5 . Diese Begriffe lassen sich wie oben anhand von Mengendiagrammen illustrieren:

(!81) (!82)
(!81)
(!82)
oben anhand von Mengendiagrammen illustrieren: (!81) (!82) (!83) Beispiel 7.6 . Die Eigenschaften einer Funktion

(!83)

Beispiel 7.6 . Die Eigenschaften einer Funktion h¨angen nicht nur von der Abbildungs- vorschrift, sondern inbesondere auch von Definitons- und Wertebereich ab.

16

1. GRUNDLAGEN

i)

iii)

f : R → R , x → 9 6 3 3 −3 −3 (!84)
f : R → R , x →
9
6
3
3
−3 −3
(!84)

x 2

ii)

+ f : R → R , x → 0 9 6 3 0 3
+
f : R
→ R , x →
0
9
6
3
0
3
−3
(!85)

x

2

f : R R , x x 2 iv) f : R R , x x 2

0

0

0

+

+

+

9 6 3 −3 0 3
9
6
3
−3
0
3

(!86)

9 6 3 0 0 3
9
6
3
0
0
3

(!87)

Angegeben sind die Eigenschaften einiger Abbildungen f : R R .

y y f (x) = sin(x) f(x) = x(x 2 − 1) x x
y
y
f (x) = sin(x)
f(x) = x(x 2 − 1)
x
x

Wertebereich: (!88)

f 1 { 1 } = (!89)

Wertebereich: (!91)

f 1 { 0 } = (!92)

(!90) (!93) y y f(x) = e x f(x) = x 3 x x
(!90)
(!93)
y
y
f(x) = e x
f(x) = x 3
x
x

Wertebereich: (!94)

f 1 { r } = (!95)

(!96)

Wertebereich: (!97)

f 1 { r } = (!98)

(!99)

7. ABBILDUNGEN

17

Lemma 7.7 . Ist f : M N eine Abbildung, so gilt

M

˙

= N f 1 { n} =

n

n

˙

f

(M ) f 1 { n}

Insbesondere ist f 1 { n} ∩ f 1 { n } = f ¨ur n = n .

Beweis. (!100)

Theorem 7.8 . Seien M, N endliche Mengen und f : M N eine Abbildung, dann gilt

i) | M | = n N | f 1 { n}| = n f (M ) | f 1 { n}|

ii) | f ( M ) | ≤ | M |

iii) | f ( M ) | = | M | genau dann, wenn f injektiv.

(!101)

Definition 7.9 . Die Verknupfung¨ M und g : M O definiert durch

oder Komposition zweier Abbildungen f : N

 

g

f : N O, a

g f ( a) = g ( f ( a)) .

 

Bemerkung 7.10 .

i) Zur Veranschaulichung benutzt man folgendes Diagramm.

 

f

g

 

A

B

C

folgendes Diagramm.   f g   A B C ii) Die Verknupfung¨ g ◦ f ◦

ii) Die Verknupfung¨

g f

ist assoziativ, aber i.A. nicht kommutativ d.h.

( h g ) f = h ( g f ) , f g

= g f

(!102)

iii) Die n-fache Verknupfung¨

von f : M M wird kurz als

f n : M M, f ( m) f f · · · ◦ f ( m)

n -mal

geschrieben.

Definition 7.11 . F ur¨ bijektive Abbildungen f : M N ist die die inverse Abbildung

f 1 : N M, n f 1 ( n)

definiert.

f A B
f
A
B

f 1

Insbesondere ist m = f 1 ( f ( m)), d.h. f 1 f

Bemerkung 7.12 . Es gilt

= id M ist die identische Abbildung.

f f 1 ( n) = (!103)

f 1 f ( m) = (!104)

Wie man

sich leicht uberlegt,¨ hat bei einer bijektiven Abbildung das Urbild f 1 ( { b} ) der Menge { b}

von jedem b B genau ein Element, und zwar f 1 ( b)

Bemerkung 7.13 . Dies stimmt mit unserer Definition des Urbilds uberein.¨

18

1. GRUNDLAGEN

Beispiel 7.14 .

i)

f :

R

R

x x 3

ii) Sei R + := { x R | x > 0 }

f : R R +

x

e x

,

(!105)

 

,

(!106)

iii) Sei f : M M bijektiv, dann ist

f 1 f n = (!107)

8. Kombinatorik und Permutationen

Definition 8.1 . Eine bijektive Abbildung einer endlichen Menge M in sich selbst wird als Permutation bezeichnet. Die Menge der Permutationen auf n Elementen wird mit S n bezeichnet.

, n}

Als endliche Menge M mit | M | = n kann ohne Einschr ¨ankung die Menge { 1 , gew¨ahlt werden, was wir im Folgenden auch stillschweigend tun werden.

i) Die Funktion σ : { 1 , 2 , 3 } → { 1 , 2 , 3 } mit σ (1) = 2 , σ (2) =

Beispiel 8.2 .

1 , σ (3) = 3 ist (!108) .

ii) Die Funktion σ : { 1 , 2 , 3 } → { 1 , 2 , 3 } mit σ (1) = 3 , σ (2) = 1 , σ (3) = 3 ist (!109) .

Definition 8.3 . Die Zahl n! := 1 · 2 · 3 gilt 0! := 1.

n nennt man n Fakult¨at . Definitionsgem¨aß

Lemma 8.4 . Es gibt n! Permutationen auf n Elementen. Dies kann man auch kurz als |S n | = n! schreiben.

Beweis. (!110)

Beispiel 8.5 . Einf ¨arben eines Quadrats

A B C D
A
B
C
D

=

Einf ¨ a r b e n eines Quadrats A B C D = ⇒ (!111)

(!111)

Definition 8.6 . F ur¨ n, k Z mit n k 0 definiert man den Binomialkoeffizienten

n =

k

n! k )! k ! = n( n 1)( n 2) · · · ( n k + 1)

1 · · · ( k 2)( k 1) k

( n

Wegen 0! = 1 gilt insbesondere:

0 0 = 1 ,

n = n n

0

= 1 .

.

Unmittelbar klar ist auch die Symmetrie

n =

k

( n k )! k ! =