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Bestandesaufnahme von Lampyris noctiluca in den Bord- und Heckenzonen zwischen Dübendorf und Gfenn

Bestandesaufnahme des Grossen Leuchtkäfers


Lampyris noctiluca im Gebiet Gfenn-Dübendorf 2004
Erfassung der Männchen durch Anlocken mit Leuchtdioden

era__
consulting
Badenerstr. 18 CH-8004 Zürich Tel +41 079 224 55 23 era__@web.de

Andreas Diethelm, lic. phil.II, Biologe

Im Auftrag:
Glühwürmchen Projekt, Hallwylstrasse 29, 8004 Zürich
Zürich, 1. Oktober 2004

Ziele
1. Ermittlung der räumlichen und zeitlichen Verteilung von Lampy-
ris noctiluca im untersuchten Areal.

2. Methodenentwicklung für ein

3. Monitoring: Wie wirken sich die Aufwertungs- und Pflegemassnah-


men auf den ehemals landwirtschaftlich intensiv genutzten Flä-
chen auf die bestehenden und die neu geschaffenen Glühwürmchen-
Habitate aus?

4. Gelingt es, mit der Gestaltung von Vernetzungsstrukturen, ge-


trennt lebende Glühwürmchen-Populationen zusammen zu führen?

Untersuchungsperimeter
Das Areal mit den Koordinaten 690.400-691.500/250.000-249.000
erstreckt sich beidseits der Bahnlinie zwischen Dübendorf und dem Weiler
Gfenn, sowie dem südlich durch die Alte Schwerzenbachstrasse und östlich
durch die Hermikonstrasse begrenzten Gebiet, gesamthaft rund 0.5km2. Im
Nordosten grenzt das untersuchte Areal an das Chrutzelried, ein Natur-
schutzgebiet von nationaler Bedeutung. Ausserhalb des Perimeters lockt
im Südosten, ca. 1200m entfernt, das Suelenriet am Ausfluss des Greifen-
sees, ebenfalls ein nationales Schutzgebiet.

Habitate
Die landwirtschaftlich intensiv genutzte Fläche war vor wenigen Jahren
bis auf Reste topografisch ungünstigen Geländes, grösstenteils ausge-
räumt. Seither wird in und um den Weiler Gfenn, an der Grenze von Düben-
dorf zu Schwerzenbach und Volketswil, unter Leitung von Thomas Winter
von der Pflegeequippe SWO (Dübendorf) mit Unterstützung des Glühwürmchen
Projekts am Rückbau zu einem Netzwerk wertvoller Hecken-, Saum- und Bö-
schungslebensräume gearbeitet.

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Bestandesaufnahme von Lampyris noctiluca in den Bord- und Heckenzonen zwischen Dübendorf und Gfenn

Durch Saum- und Heckenpflege - schonende, abschnittweise Wiesenmahd


(stellenweise werden Altgrasbestände als Rückzugsbereiche für Wiesentie-
re stehen gelassen) - und der Anlage von Kleinstrukturen und Vernet-
zungselementen haben sich vielfältige und attraktive Biotope für Schne-
cken und für Glühwürmchenlarven auf deren Fährte gebildet. Mulch und
Schnittgut werden in den Hecken deponiert. Mit der Anlage von Ast- und
Steinhaufen, sowie Steinriegel als Vernetzungsstrukturen mit Sonnplät-
zen, Verstecken usf., begleitet von Brachen, Büschen oder Krautsäumen
wurde ein vielfältiger Lebensraum für Insekten, Reptilien, Vögel und
Kleinsäuger entwickelt.

Bei den aufgewerteten Lebensräumen handelt es im Wesentlichen sich um


"vergessene", landwirtschaftlich kaum interessante Flächen im Besitz der
Stadt Dübendorf, die in Absprache und unter Aufsicht des Naturschutzbe-
raters der Stadt Dübendorf, Dr. Klaus Mechsner, aufgewertet wurden. In
das Vernetzungsprojekt einbezogen sind neben städtischen Flächen auch
solche im Besitz der SBB, des Naturschutzvereins Dübendorf, sowie von
Privatpersonen und Firmen (Schwerzenbach).

Das Netzwerk des Projektes Dübendorf-Schwerzenbach ist nicht zuletzt


deshalb bedeutsam, weil es an das Chrutzelried grenzt, ein Naturschutz-
gebiet von nationaler Bedeutung, und mit der Bahnlinie über einen linea-
ren Vernetzungskorridor verfügt.

In einigen dieser Habitate bestehen kleinere Leuchtkäfer-Populationen,


für die südlich davon gelegenen Biotope besteht die Hoffnung, dass sich
Glühwürmchen im Verlauf der Aufwertung ansiedeln können.

Methode
Die Leuchtkäfermännchen wurden mit Leuchtfallen angelockt (zur Landung
verführt), 12-20 Becher mit je einer Leuchdiode wurden vor der Abenddäm-
merung, über das untersuchte Areal verteilt, aufgestellt. Die Leuchtfal-
len: 2 ineinandergeschobene Basisteile von 1.5 l PET-Flaschen Ø 9cm, h
6cm. 1 grüne LED 12V (Imitation eines paarungsbereiten Weibchens) von
unten durch eine 5mm-Bohrung im Zentrum des Becherbodens gesteckt, be-
trieben mit 9V-Batterie (im unteren Becher).

Vorgehen
An 17 im Untersuchungsareal ausgewählten Beobachtungsorten (Übersichts-
plan, Fotos) wurden vom 17. Juni bis zum 5. August 2004 vom Einnachten
bis spätestens 00:30 Uhr die in die LED-Fallen gelockten männlichen ge-
zählt, sowie die unterwegs beobachteten weiblichen Tiere.
Die Fundorte wurden fotografisch dokumentiert.

Auswertung
Die räumliche Verteilung der gezählten Tiere zeigt, dass sich die Such-
flüge der Männchen über den ganzen Beobachtungsperimeter erstrecken. Ak-
kumuliert wurden über die gesamte Beobachtungszeit und über das ganze
Areal 150 Männchen und 12 Weibchen erfasst, maximal 34 resp. 12 an einem
Fundort. Die Häufigkeit kulminierte in der Johannisnacht mit 47 männli-
chen und 4 weiblichen Tieren über das ganze Areal.

Leuchtende Weibchen wurden nur vereinzelt und lediglich an fünf Stellen


beobachtet, gegenüber den Aufzeichnungen aus den Jahren 2000-2003 also
deutlich weniger.

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Bestandesaufnahme von Lampyris noctiluca in den Bord- und Heckenzonen zwischen Dübendorf und Gfenn

Diskussion
Generell bewegen sich unsere Aussagen heute noch durchwegs im qualitati-
ven Bereich. Sowohl horizontale wie vertikale Vergleichbarkeit setzt ei-
ne Standardisierung der Zählmethode voraus. Ausgehend von einem unter
Laborbedingungen ermittelten Geschlechterverhältnis von rund 1:1, kann
im untersuchten Areal von einer minimalen Population von einigen Hundert
adulten Käfern ausgegangen werden, mit grosser Wahrscheinlichkeit sind
es aber, selbst unter Berücksichtigung von Doppelzählungen, weit mehr.

Die Interpretation der erstmaligen Zählung von L.noctiluca-Männchen


lässt breiten Raum für Spekulation. Immerhin bleibt der erfreuliche Be-
fund, dass in den gesamten durch Renaturierungsmassnahmen vernetzten Ha-
bitaten und über die gesamte Flugzeit Männchen beobachtet werden konn-
ten. Wie die Beobachtung nur vereinzelter leuchtender Weibchen im Bezug
auf die Population zu deuten ist, muss noch offen bleiben. Aussagen über
die vertikale Populationsdynamik sind aufgrund der bescheidenen Stich-
probengrösse nicht sinnvoll.

Die Anwesenheit von Weibchen am nördlichen Saum der Bahnlinie - im Be-


reich der im Vorjahr durch die Verlegung einer Erdgasleitung gestört
wurde - kann als erfreuliches Ergebnis gedeutet werden und die Annahme,
dass die Schutzvorkehrungen bei den Bauarbeiten zu diesem Erfolg beige-
tragen erscheint zulässig.

Es hat sich gezeigt, dass die verwendete Leuchtdiode einen übernormalen


Reiz darstellt (in 2 Meter Entfernung einer LED, die von 10 Männchen um-
schwärmt wurde, fand sich ein einsam leuchtendes Weibchen). Dadurch er-
gibt sich einerseits eine Verzerrung des Resultats und – schlimmer: die
Weibchen sehen sich einer unerwünschten Konkurrenz ausgesetzt. Künftige
Zählungen müssen darauf Rücksicht nehmen, die optimale Leuchtstärke muss
ermittelt und angepasst werden.

Inwieweit die vereinzelt beobachteten Männchen am südlichen Rand des un-


tersuchten Areals, einem vom übrigen Netzwerk isolierten (Entfernung ca
200 m) auf eine tagsächliche Neubesiedlung hinweist, bleibt abzuwarten.

Weiterführende Erkenntnisse zum Aktionsradius der Suchflüge wären wert-


voll. Mit welchem Faktor Mehrfachzählungen männlichen Tiere korrigiert
werden muss, müsste durch Markierungsversuche ermittelt werden.

Literatur
Winter, Thomas (2003): Leuchtkäfer, Lebensraumprojekt Glattal, Erhal-
tungs- und Förderpflege innerhalb Naturschutz- und ökologischer Aus-
gleichsflächen, SWO, Dübendorf
Tyler, John (2002): The Glow-worm. Lakeside Printing, Sevenoaks, 25 ff

Weiterführende Literatur:
www.gluehwuermchen.ch

Anhang
 Erhebung 2004 Tabelle Funddaten
 Erhebung 2004 Übersichtsplan Fundstellen
 Fotodokumentation:
- Luftaufnahme Untersuchungsgebiet (VBS)
- Habitate/Fundstellen

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Leuchtkäfer Lampyris noctiluca Bestandesaufnahme in den Bord- und Heckenzonen zwischen Dübendorf und Gfenn Zählung 2004

Anlockung der Männchen mittels Weibchen imitierender LED

Anz 11/1 2
Legende
Sex m/f m

Zählungen Atmosphäre
22-0:30 Uhr °C Himmel Mond

07.06.2004 16 klar kein 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0/0


15.06.2004 18 bew kein 2 2 0 0 0 1 0 0 0 1 0 2 0 1 1 0 7/3
21.06.2004 18 bed kein 2 1 3 0 2 2 0 2 0 2 0 0 0 1 2 3 0 1 21/0
24.06.2004 19 bew 1/2 3 11/1 10 7/3 2 0 0 1 1 0 0 1 1 2 3 3 2 47/4
28.06.2004 22 klar 3/4 1 1 4 10 0 0 2 2 2 2 2 2 1 2 29/2
05.07.2004 21 Regen _ 0 6 3 2 1 1 0 0 0 0 0 2 0 0 3 0 0 1 1 20/0
15.07.2004 21 bew 1/4 0 1 2 0 0 1 2 0 0 0 0 1 2 1 2 2 4 18/0
27.07.2004 17 klar kein 0 0 0 0 0 0 0 0 1 1/2 1 1 2 1 0 6/3
05.08.2004 22 bew kein 0 0 0 0 0 0 1 0 0 0 0 0 0 0 0 1 2/0

Fundstellen 1.0 1.1 2 3.0 3.1 4.0 4.1 4.2 4.3 5.0 5.1 6.0 6.1 7.0 7.1 7.2 8 9 10 10.1 10.2 11.0 11.1 12.0 12.1 13.0 13.1 13.2 14 15 16.0 16.1 17
Akkumm. pro Fundstelle 7 1 11/1 11 6 13/6 9 10 2 1 1 3 2 0 0 0 2 1 5/1 4/2 2 1 2 7 0 8 5 2 5 8 7/1 6 9 150/12

Fundorte 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17
Akkummuliert pro Fundort 8 11/1 17 34/6 2 5 0 2 1 11/3 2/1 7 15 5 8 13/1 9 150/12