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Lebensraum • Kulturlandschaft • Burghölzli

Vorkommen Grosser Leuchtkäfer (Lampyris noctiluca) 2012


Projektbericht

Fotos: A. Diethelm und Ch. Dobler Gross (Mitte rechts und unten rechts)

Oben: Top-Wohnlage für L. noctiuca, unterhalb EPI-Klinik. Blick nach N • und E. Mitte: Burghalde Blick nach SE,
EPI im Hintergrund • Larve. Unten: Paarungsbereites Weibchen • Männchenversammlung um Weibchenatrappe.

Andreas Diethelm, Zürich, 10. März 2013

era environment_risk_assessment
consulting Badenerstr. 18 │ 8004 Zürich │ Tel +41 43 317 19 68 │ Mobile +41 79 224 55 23
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Ausgangslage splendidula) ist mit den Auenwäldern aus


dem Schweizer Mittelland verschwunden,
Der Kultur- und Naturraum des oberen Ries- aber seit einigen Jahren dabei, vom Buch-
bach-Quartiers ist vom Bauboom der letzten eggplatz her den Käferberg zu besiedeln
dreissig Jahre nicht verschont geblieben. (Diethelm 2011, 2012). Nördlich des Rheins
Immerhin sind Burghalde, Burghölzli mit und in den grossen Flussebenen von Donau,
dessen Westflanke Weinegg und dem Bota- Elbe, Oder und Weichsel finden sich seine
nischen Garten zu ihren Füssen, bislang ausgedehnten Lebensräume, ebenso auf der
weitgehend als zusammenhängender Grün- Alpensüdseite und über den Balkan bis zum
raum erhalten geblieben. Vor bald fünfund- Kaukasus. Wie beim Italienischen Leuchtkä-
zwanzig Jahren hat der lokale Naturschutz- fer (Luciola italica), einem früheren Zuzüger
verein vor den Folgen weiterer baulicher (Neumeyer 1991), sind Weibchen und Männ-
Eingriffe gewarnt und der Öffentlichkeit mit chen geflügelt, bei der italienischen Art blin-
einer Broschüre (Müller et al., 1989) die kul- ken sich sogar beide Geschlechter zu. Ihr
turelle, landschaftliche und biologische Viel- Hochzeitstanz vor der Kreuzkirche in Hottin-
falt des Gebiets vor Augen geführt. Aller- gen weckt entsprechend mediterrane Emp-
dings hat die WWF Regionalgruppe der Stadt findungen. Bis zur Etablierung des alpenque-
Zürich nun festgestellt, dass seither viele renden Warenverkehrs bildete der Gebirgs-
Naturflächen in diesem Gebiet stark gelitten zug eine natürliche Barriere gegen eine Aus-
haben oder bereits verschwunden sind. dehnung der über dreissig südeuropäischen
Trotzdem ist die Biodiversität der verblei- Arten nach Norden. Das Verbreitungsgebiet
benden Lebensräume noch immer beeindru- des Grossen Leuchtkäfers (Lampyris noctilu-
ckend gross. Es ist aber fraglich, ob das ca), dem diese Untersuchung gilt, erstreckt
Bewusstsein für den Artenreichtum im unmit- sich vom Atlantik zum Nördlichen Eismeer
telbaren Wohnumfeld stark genug ist, um und zur Südchinesischen See über den ge-
ihn vor weiteren siedlungsplanerischen samten nördlichen und mittleren Eurasischen
Zugriffen zu schützen. Dazu ist man um so Kontinent, mit Ausnahme Ostsibiriens, je-
eher bereit, je besser man den Wert, der auf doch einschliesslich des Riesbach-Quartiers
dem Spiel steht, kennt und schätzt. Daher und den meisten Landesregionen, bis auf
ist uns die Mitwirkung der Quartierbevölke- 2000 m.ü.M. Dem vermutlich in ganz Süd-
rung bei dieser Bestandesaufnahme ein und Mitteleuropa vorkommenden Kurzflügel-
zentrales Anliegen. Wir sehen im Gebiet er- Leuchtkäfer (Phosphaenus hemipterus) - er
hebliches Potential zur Naturförderung, so- leuchtet bloss schwach und ist nicht flugfä-
wohl auf öffentlichem wie auch auf privatem hig - begegnet man am ehesten bei der Gar-
Grund. Das Projekt „Lebensraum Kulturland- tenarbeit, er lebt zeitweise unter dem Bo-
schaft Burghölzli“ möchte alle Akteure zu den.
einem eigenen Beitrag an die Naturförderung
im Quartier einladen. Im Auftrag des WWF Bioluminiszenz
beleuchtet das hier vorgestellte Teilprojekt
das Leuchtkäfervorkommen im Oberen Ries- Eine Vielfalt von Tieren, Einzellern bis zu
bachquartier und schlägt Massnahmen zur Fischen, aber auch Bakterien sind fähig, auf
Habitat-Aufwertung vor. biochemischem Weg Licht zu erzeugen. Die-
ses kalte „Glühen“ dient der intra- oder der
Familie Leuchtkäfer (Lampyridae) interspezischen Kommunikation und kann
Anlockung, Abschreckung, Ablenkung oder
Alle mitteleuropäischen Arten leben in der Tarnung bedeuten. In der Tiefsee ist Biolu-
Stadt Zürich miniszenz vorherrschendes Kommunikati-
onsmittel, zu Lande aber ist es die Ausnah-
Von den rund 2000 bekannten Arten der
me. Bei der Oxidation des Luciferinmoleküls
Leuchtkäfer-Familie (Lampyridae) leben mehr
wird nahezu 100% der eingesetzten Energie
als 90 Prozent in tropischen und subtrobi-
als Licht abgegeben, bei herkömmlichen
schen Gebieten und nur gerade vier in Mit-
Glühbirnen und Halogenlicht beträgt der
teleuropa, aber sie alle sind in der Stadt
Wirkungsgrad zwischen 5 und 10%, Leucht-
Zürich vertreten. Zwei unter ihnen sind aller-
dioden (LED) erreichen heute 30%.
dings entweder willentlich angesiedelt, oder
durch gärtnerische oder gartenbauliche Tä-
tigkeit zu uns gelangt: der Kleine oder Zent-
raleuropäische Leuchtkäfer (Lamprohiza

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Grosser Leuchtkäfer (L. noctiluca) chen haben einen leuchtenden Hinterleib um


Lebenszyklus und Biotopwechsel beim Einnachten – für unser Auge kaum
wahrnehmbar – die Freier herbeizuwinken.
Leuchtkäfer sind auf Wärme, Feuchtigkeit, Gefahr droht den männlichen Tieffliegern
und Dunkelheit angewiesen, in deren Schutz jetzt von Webspinnen. Das Risiko, dass ei-
sie grösstenteils leben. Die Larven beider nes ihrer Netze die Partnersuche vorzeitig
Geschlechter von L. noctiluca sind leuchtfä- beendet, ist beträchtlich.
hig. Sie verfolgen – vorwiegend nachts – die
Schleimspur von Nackt- und Häuschenschne- Habitatansprüche
cken, ihrer ausschliesslichen Nahrung. Hun-
dert Mal schwerere Beute überwältigt die Zufolge der begrenzten Energiereserven voll-
kaum mehr als 20 Millimeter lange Larve mit ziehen sich Verpuppung, Paarung und Eiab-
ihrem Biss, der ein Nervengift und ausser- lage auf eng begrenztem Raum, unweit des
dem ein Verdauungssekret enthält. Eigene einstigen Jagdgebietes. Das heisst, L. nocti-
Feinde scheint die Larve – neben dem Men- luca beansprucht kleinräumig strukturierte
schen – keine zu kennen, ihre bittere Ge- Lebensräume in vorwiegend gegen Süden
schmacksnote und ihr Leuchtsignal scheint ausgerichteter, aber nicht windexponierter
sie ausreichend zu schützen. Die Larven Lage: ungedüngte Wiesen, Waldsäume,
haben die Leuchtfähigkeit bereits im Embry- Wegböschungen, Hecken, oder naturnah
onalstadium und entwickeln ein situativ un- angelegte und bewirtschaftete Gärten, je
terschiedliches Blink- und Leuchtverhalten. nach Unterhaltspraxis auch alte Friedhof-
Die Entwicklungsdauer der Larve ist haupt- und Parkanlagen. Eine weitere Existenzbe-
sächlich vom Nahrungsangebot, und damit dingung: Je kleiner eine Population desto
von Klima und Witterung abhängig. Unter mehr ist ihre Entwicklung von benachbarten
günstigen Bedingungen beträgt der Lebens- Artgenossen abhängig, also auf einen Ver-
zyklus knapp zwei Jahre (die in drei Kalen- bindungskorridor. Für Fussgänger unter In-
derjahren liegen). Im zweiten Kalenderjahr – sekten stellt schon eine mässig befahrene
der eigentlichen Wachstumsphase – durch- Strasse eine schwer überwindbare Barriere
läuft die Larve sieben und mehr Larvensta- dar. Im Siedlungsraum wird sowohl die
dien/Häutungen (Wunsch 1995). Wanderung der Larven, als auch die Paarung
Im zweiten Frühling vollzieht sich der Habi- durch Kunstlicht beeinträchtigt. Zwar mögen
tatwechsel. In mehr oder weniger weiten die fliegenden Männchen auch im Streulicht
Wanderungen zur Verpuppungsstelle, die in von Strassen- und Hausbeleuchtungen auf
einem geeigneten Fluggebiet liegt, oder an Brautschau sein, doch in den meisten Fällen
dessen Rand, denn das Auffinden der Ge- wohl vergeblich. Denn genauso wie wir sie
schlechtspartnerin erfordert übersichtliche dann übersehen, werden die paarungsberei-
Verhältnisse. Im letzten Monat vor der Ver- ten Weibchen dann auch von ihren Artge-
puppung packt die Larve rege Wanderlust, nossen nicht entdeckt. Weitere Verbrei-
die rund um die Uhr andauern kann. Noch tungsbarrieren sind gepflegte Rasen, schne-
ist nicht geklärt, ob es dabei mehr um ver- ckenfrei gehaltene, gift- und kunstdüngerge-
stärkte Nahrungssuche, Terraingewinn oder stützte Gärten.
allein um das Aufsuchen des optimalen Ver-
puppungsorts geht (Tyler 2002). An diesem Kartierung
trifft man auch kleinere, anscheinend ge-
Ziele
mischtgeschlechtliche Wandergruppen. Bei
aller gebotenen Vorsicht, könnte man darin Lampyris noctiluca eignet sich vorzüglich als
eine effiziente Variante des Paarungsverhal- Zielart zur qualitativen Beurteilung der He-
tens erblicken: Wenn sich die Jugendlieben cken-, Saum- und Böschungsbiotope am
als frisch geschlüpfte Erwachsene begegnen, Burghölzli. Die Ermittlung der räumlichen
ist das unkomplizierter und erspart lange und zeitlichen Verteilung erlaubt es, konkre-
Fliegerei und Warterei (ibid.). ter Fördermassnahmen vorzuschlagen. Um
Wenn Ende Mai die Imago aus der Metamor- der Bevölkerung den Naturwert ihres Quar-
phose hervor geht, nimmt sie keine Nahrung tiers nahe zu bringen und ihren möglichen
mehr zu sich, die Energiereserve muss also Beitrag zum Naturschutz und zur Förderung
bis zum Paarungserfolg und zur Eiablage der Artenvielfalt aufzuzeigen, schlagen wir
reichen. Der adulte Lebensabschnitt ist da- einen neuen Weg ein: Wir führen die Kartie-
durch auf eine, zwei, selten drei Wochen rung der Leuchtkäfer in Zusammenarbeit mit
begrenzt. Beim Grossen Leuchtkäfer sind nur interessierten Quartierbewohner/innen durch.
die Männchen geflügelt, und nur die Weib- Ausserdem machen wir diese naheliegende

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Form der Forschungskooperation und den Auf nächtlichen Wegen


Verlauf dieses Pilotprojekts über die Mas-
In den folgenden sechs Wochen sind rund
senmedien bekannt, um so eine breite Öf-
25 Freiwillige im Gebiet zwischen Zolliker
fentlichkeit für die Erhaltung und die Förde-
Gemeindegrenze und Botanischem Garten
rung der verbliebenen Lebensräume vor der
auf unbeleuchteten Pfaden unterwegs, den
Haustüre zu sensibilisieren.
verwirrten Käfern über die Flügel zu gucken,
http://hofgesang.ch/links/kultur-und-natur/2012-04- sie zu zählen und zu protokollieren. Je nach
24-Quartiermagazin-Kreis-8.pdf
Standort und Zeit finden wir ein reges Ge-
http://hofgesang.ch/links/kultur-und-natur/2012-06- wusel um die Leuchtdiode herum, nur einen
28-Zuerichsee-Zeitung.pdf irritierten Besucher oder gar keinen.
http://www.zambo.ch/Start/Archiv/2012/07/15/Zambot
Material und Methoden hek/Auf-Kaeferfang
Zur Erfassung der räumlichen Verteilung wer-
den die fliegenden Männchen mit grünen Ergebnisse ( Anhänge „Kartierung“
Leuchtdioden (LED), welche paarungsbereite und „Koordinaten“)
Weibchen vortäuschen, angelockt, um sie zu Innerhalb des Perimeters wurden rund 100
zählen. Zwei ineinandergeschobene Basistei- verschiedene Beobachtungsstellen durch-
le von 1.5-l-PET-Flaschen (Ø 9 cm, h 6 cm). 1 schnittlich 2 Mal überprüft. Zwischen Null
grüne LED, 2,4 V durch ein Loch im Zentrum und 40 Leuchtkäfermännchen haben die
des oberen Becherbodens gesteckt, mit 1.2 LED-Leuchten zur Landung verführt, viele
kR Widerstand, gespeist von 9-V-Batterie im unter ihnen vermutlich wiederholt. Gesamt-
unteren Becher. haft haben wir rund 470 Männchen gezählt.
Unterwegs haben wir 55 Weibchen – viele
Forschungszusammenarbeit mit von ihnen vergeblich - leuchten gesehen.
Diese absoluten Zahlen sagen per se wenig
Quartierbewohner/innen aus, denn sie sind willkürlich zusammenge-
Exkursion und Einführungsabend kommen. Beispielsweise haben wir an dicht
beflogenen Stellen die Übung nach zweima-
25 Interessierte Bewohner/innen des Quar- ligem Zählen abgebrochen. Wir wissen ja
tiers Riesbach versammeln sich am 8. Juni ohnehin nicht in welchem räumlichen Ab-
2012 bei der Epilepsie-Klinik zur „Nacht der stand und in welchem Zeitintervall wir die
offenen Augen“. Nach einer Flurbegehung im Fallen aufstellen müssten, um die ganze
vermuteten Verbreitungsgebiet, möchten sie Population zu erfassen und dabei kein Tier
den Hochzeitsflug der Leuchtkäfer beobach- zweimal zu zählen. Dies war deshalb auch
ten. Bloss wie? Zwar leuchten beim Einnach- nicht unser Ziel. Die Methode hat sich je-
ten die paarungsbereiten Weibchen, um die doch bewährt, um zuverlässige Hinweise auf
fliegenden Männchen anzulocken. Zur Paa- ihre räumliche und zeitliche Verteilung der
rung kommt es aber meist sehr bald, dann Käfer zu liefern. Dem beherzten Einsatz der
ist der leuchtende Hinterleib verdeckt und Quartierbewohner/innen, verdanken wir ein
bleibt es lange Zeit, wenn das Paar nicht erstmaliges plastisches Bild der Riesbacher
gestört wird, also bleibt das Weibchen im Leuchtkäfervorkommen. An der An- und Ab-
Dunkel unauffindbar. Daher verpasst man wesenheit des Leuchtkäfers können mikro-
sein Leuchten in aller Regel, ausser man klimatische Unterschiede direkt abgelesen
steht zufälligerweise gleich daneben, oder werden. An erfreulich vielen leuchtkäfertaug-
man trifft auf Weibchen, die auf einem un- lichen Stellen des untersuchten Areals sind
günstigen, aus der Luft nicht einsehbaren wir den Gesuchten auch tatsächlich begeg-
Posten warten, oder im Bereich eines Licht- net: am warmen Südhang des Bughölzlihü-
kegels nicht entdeckt werden. Eine LED soll gels, so am Waldrandsaum, an Wegbö-
die suchenden Männchen zur Landung ver- schungen der Burghalde, in den Randberei-
leiten. Die Remise des Quartierhofs Weinegg chen der Schafweide, der Reben und der
wird vorübergehend zum Bastelraum - bis Obstgärten. Ebenso an den Flanken: der
zur Aufnahme des Flugbetriebs (kurz nach Weinegg, dem Areal der Epi-Klinik, in Park-
22 Uhr) sind die Lichtfallen gebaut! anlagen, vereinzelt in Privatgärten am Won-
http://de.scribd.com/doc/233724332/Licht-auf-eine- neberg und an der Lurei. Die grösste Dichte
verborgene-Welt-werfen-Zuriberg-120726 besteht unterhalb der Epi-Klinik vor, entlang
http://cms.webofsections.ch/index.php?id=7027 dem unbeleuchteten Fussweg. Weitere
http://www.3sat.de/mediathek/?display=1&mode=pl Hotspots befinden sich in der Parkanlage am
ay&obj=32438 Hambergersteig und im Botanischen Garten.

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Anderseits schliessen intensiver Gartenbau Gifte, Kunstdünger, Motorsensen, Laubsau-


und rigorose Gartenordnung die Leuchtkäfer ger und -bläser, Kirschlorbeer & Co sind
aus: So sucht man sie vergeblich in den tabu. Eine grössere offene, besonnte Fläche
Familiengartenarealen. (kann auch der Nachbar beisteuern) ist Vor-
aussetzung für die Fortpflanzung der Leucht-
Schlussfolgerungen käfer. Wichtig: Abschnittweise mähen, nicht
vor August und am besten mit der Sense.
Im untersuchten Gebiet bestehen gute Chan-
Jedenfalls in Randbereichen Altgrasstreifen
cen, den Austausch unter den Teilpopulatio-
stehen lassen. Vermeidung von unnötigem
nen durch stärkere Vernetzung der Lebens-
Streulicht bei Weg- und Gebäudebeleuchtun-
räume zu erleichtern oder erst zu ermögli-
gen: Juni und Juli bis Mitternacht abgeschal-
chen. Eine Schlüsselrolle kommt dabei den
tet lassen.
privaten Liegenschaftseigentümern zu. Die
All dies bringt aber keine Leuchtkäfer in den
notwendigen Anstrengungen zur Aufwertung
Garten, wenn keine Artgenossen in Reichwei-
der Grünräume zwischen den Häusern be-
te sind.
ginnen weniger mit hohen Investitionen, als
Weitere Informationen und Anregungen hier:
vielmehr mit einem gewissen Einfühlungs-
vermögen in die Lebensbedürfnisse der http://www.glühwürmchen.ch/infoblatt-
kartenset/infoblatt.htm
Wildtiere. Wo Käfer leuchten, schmatzen
auch Igel, ertönt auch der reizende Paa-
Im Quartier Riesbach verschwindet wie an-
rungsruf der Erdkröte.
derswo auch, ein alter Garten nach dem
http://de.scribd.com/doc/233728047/Lebensraum- andern. Zurück bleibt Facility Management
Kulturlandschaft-Burgholzli-Interview-P-S-130723 und dieses sieht keine Leuchtkäfer vor.
Nichts spricht aber dagegen, als betroffene
Mieter/innen mit Ideen zu Gestaltung und
Fördermassnahmen Unterhaltsmethoden an die Hausverwaltung
Öffentliches Grün zu gelangen und allenfalls eigene Mitarbeit
( Anhang „Massnahmen Leuchtkäfer“) anzubieten. Vielleicht kann der vorliegende
Bericht einen Impuls geben, den spärlichen
Das grösste ungenutzte Potenzial für die naturnah verbliebenen Lebensraum vor wei-
Insektenvielfalt liegt in Friedhöfen, so im terer Überbauung und Versiegelung zu schüt-
benachbarten Enzenbühl. Voraussetzung ist zen.
eine Abkehr von der Verschleisswirtschaft
mit standortfremdem Wechselflor, sowie eine Literatur
sachkundige und sorgsame Unterhaltspraxis.
Auf den noch belegten Grabfeldern soll an- (1) Diethelm, Andreas (2004): Bestandes-
stelle von importiertem Zwiebelgewächs und aufnahme des Leuchtkäfers Lampyris
krankheitsanfälligen Exoten wie z.B. Fuchsie, noctiluca in den Bord- und Heckenzo-
die beregnet und anschliessend mit Fungizi- nen zwischen Dübendorf und Gfenn.
den behandelt werden, standortgerechte Interner Bericht zH Glühwürmchen Pro-
jekt, Zürich
mehrjährige Stauden wachsen. Ausser einge-
(2) Diethelm, Andreas (2011/06/24): Die
spartem Gift, gesparter Energie, Arbeitszeit
splendide Leichtigkeit des Seins. NZZ,
und unterbliebener Umweltbelastung, ent- Zürich
stände ein Tummelplatz für Leuchtkäfer auf (3) Diethelm, Andreas (2012/08/04): Flie-
dem Friedhof. gende Lichtpunkte. NZZ, Zürich
(4) Neumeyer, Rainer (1991): Ein neuer
Leuchtkäfer im eigenen Garten? Fundort von Lucciola italica nördlich
Nicht jede aufwändig gehegte Anlage ist der Alpen. Mitt. Schweiz.Entom.Ges.)
auch ein Lebensraum für Kleintiere: Oft sind (5) Tyler, John (2002): The Glow-worm.
Lakeside Printing Ltd., Sevenoaks, 25
neben Blättern im Wind, Rasensprenger und
ff
Katzen das einzige, was sich im Garten regt.
(6) Wunsch, Elke (1995): Die Larvalent-
Leuchtkäferlarven brauchen beschattete Stel- wicklung von Lampyris noctiluca (l:) im
len, etwa eine Laubhecke (z.B. Buche oder Naturschutzgebiet Federsee (Coleopte-
Hasel) mit Stauden- und Krautsaum. Liegen- ra: Lampyridae). Mitteilungen des In-
bleibendes Laub bietet Schutz und verbes- ternationalen Entomologischen Ver-
sert das Nahrungsangebot, liegenbleibende eins: Bd.20, H.1/2, S.1-14
Häufchen von Rasen-Schnittgut bilden Wär- (7) www.glühwürmchen.ch
meinseln, ebenso der Komposthaufen. Ge-
müsebeete mit Schneckenzaun abtrennen.

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Anhang

Inhalt Anhang

1 Infoblatt
2 Anleitung Leuchtkäfererfassung
3 Protokollvorlage
4 Kartierung Leuchtkäfer
5 Medienecho
24.04.2012 KONTACHT http://hofgesang.ch/links/kultur-und-natur/2012-04-24-Quartiermagazin-Kreis-8.pdf
28.06.2012 ZÜRICHSEE-ZEITUNG http://hofgesang.ch/links/kultur-und-natur/2012-06-28-Zuerichsee-Zeitung.pdf
15.07.2012 SRF Zambo http://www.zambo.ch/Start/Archiv/2012/07/15/Zambothek/Auf-Kaeferfang
26.07.2012 Züriberg http://de.scribd.com/doc/233724332/Licht-auf-eine-verborgene-Welt-werfen-Zuriberg-120726
20.09.2012 3sat nano http://www.3sat.de/mediathek/?display=1&mode=play&obj=32438
23.05.2013 P.S. http://de.scribd.com/doc/233728047/Lebensraum-Kulturlandschaft-Burgholzli-Interview-P-S-130723

Lebensraum Kulturlandschaft Burghölzli L. noctiluca 2012 era__ A. Diethelm


Wanted:

Das Grosse Leuchtkäfer-Männchen (Lampyris noctiluca) Bild: Mark Telfer

Fliegendes Männchen (Länge: 10-12mm) Weibchen (15-20mm) fliegt nicht - leuchtet

Männchen Weibchen

Weiterführende Links:
www.glühwürmchen.ch
http://vimeo.com/31952006
www.cybervisuals.ch/work/biolumi/index.html

Larve
Abb.::Peregrine Prod.

Lebensraum Kulturlandschaft Burghölzli /A.Diethelm, era_consulting


Zürich, 12. Juni 2012

Liebe Freundinnen und Freunde der Leuchtkäfer und ihres Lebensraums

Sie haben Interesse gezeigt sich an einer kleinen Forschungsarbeit zu beteiligen, der
Beobachtung der Leuchtkäfer im Rahmen des laufenden Projekts zur Erhaltung
und Förderung des Lebensraums in der Kulturlandschaft Burghölzli und Um-
gebung. Die Weibchen der Grossen Leuchtkäfer leuchten und haben keine Flügel,
Männchen leuchten nicht und können dafür fliegen. Mit Leuchtdioden locken wir die
fliegenden Käfer an, um sie zu zählen und uns so ein Bild von ihrem Vorkommen in
diesem Gebiet machen zu können. Die Leuchtkäfermännchen starten beim Einnach-
ten zur Brautschau, also um ca. 22 Uhr. Dann sollten unsere Lockbecher in ihrem
Fluggebiet bereitstehen.

Anleitung:

1. Die Leuchten sollten im freien Gelände, möglichst im hohen Gras plaziert wer-
den, aber nicht weiter als 20m vom Lebensraum der Schnecken entfernt, von
denen sich die Käferlarven vor ihrer Verpuppung ernährt haben, z.B. Hecken,
Gebüsch, Wegböschungen, Waldränder, Minimalabstand bei mehreren Be-
chern (Beobachtungsstellen): 50m. Abstand von leuchtenden Weibchen – falls
vorhanden – : 20m.

2. Die brennenden Leuchten können wir natürlich bereits früher, bei Tageslicht,
aufstellen. Bei leichtem Regen fliegen die Männchen genauso. Bei starkem
Regen lassen wirs bleiben. Wir wollen die Käfer ja nicht im Becher errtränken
(vor dem Kurzschluss).

3. Um 22.30 sehen wir nach, wie viele Männchen im Becher um das irreführende
Licht herumkrabbeln. Nachdem wir ihre Anzahl notiert haben, löschen wir das
Licht und lassen die "Gefangenen" an Ort und Stelle frei damit sie sich noch
mit einem echten Weibchen paaren können,. Falls die Umstände es erfor-
dernn, kann das Ganze auch zwischen 22.30 und 23 Uhr geschehen. Später
nehmen die Fangchancen rasch ab.

4. Im Protokoll Datum, Uhrzeit, genauer Beobachtungs-Standort möglichst


genau mit der übereinstimmenden Nummer im Plan eintragen, Anzahl
Leuchtkäfer (wenn der Becher leer ist, bitte auch angeben). Und falls Sie „ech-
te“ Weibchen leuchten sehen, bitte die Anzahl Weibchen ebenfalls eintragen!

5. Für unser Ziel reicht es, eine bestimmte Stelle alle 3-4 Tage zu beobachten.
Falls nur 1 Leuchte zur Verfügung steht, kann diese im Turnus von 3-4Tagen
an verschiedenen Standorten eingesetzt werden. Mit 3 Leuchten können wir
uns dazwischen 3 Tage Pause gönnen. Jeder Standort erhält in jedem Fall
eine eigene Nummer, die wir im Plan eintragen.

6. Die Paarungszeit der Grossen Leuchtkäfer dauert von Ende Mai bis Anfang
August, mit, je nach Witterung, Verschiebungen um ca.10 Tage. Viel Betrieb-
samkkeit herrscht um den Johannistag (24.Juni) herum.

7. Dürfen wir um Retournierung von Protokollund zugehörigem Plan bis zum 15.
August bitten.

Herzlichen Dank für Ihre Mitarbeit!


Bei Fragen erreichen Sie mich ab Nachmittag unter 079 224 55 23.
Beschauliche und erkenntnisreiche Stunden in der Finsternis wünscht
Andreas Diethelm, lic.phil.II, Biologe, era_consulting, Badenerstr. 18, 80004 Zürich
Lebensraum Kulturlandschaft Burghölzli
Beobachtungsprotokoll Grosser Leuchtkäfer (Lampyris noctiluca) Erfassung der Vorkommen 2012
Anlockung der fliegenden Männchen mittels (Weibchen vortäuschender) Leuchtdioden LED
Anzahl 4/1
Legende
Sex m /f m = Männchen f = Weibchen
Anlockungsdauer Atmosphäre Mond
22:00 - 22:30 °C Himmel

Beobachtungs- Summe pro


stelle Nr.
>> 1 2 3 4 5 . . . Beob.tag
Datum B e i s p i e l z e i l e (Doppelzahlen ergeben sich, wenn der Leuchtbecher im Bereich leuchtender Weibchen aufgestellt wird.)
>>

19 klar halb 3 4 /1 0 0 /1 7 /2 14 / 4

Gesamtzahl
pro Beob.stelle
— — —

Beobachtungsstellen auf Karte "Projektperimeter" einzeichnen Total


Protokoll mit Plan bitte bis 15. Augustt an: Andreas Diethelm, era__consulting, Badenerstr. 18, 8004 Zürich
info@hofgesang.ch, Tel. 079 224 55 23
KSO Flächen und besondere Tiervorkommen
Lampyris noctiluca Weibchen
Lebensraum Kulturlandschaft Burghölzli
Lampyris noctiluca Männchen
Leuchtfallen 1
1
1 1
Kommunale Schutzobjekte 1

27 111
Gewässer 1 7 1
2
2
12 1 1
2 1
Wald 3 11 1
2 1 1 1
1 15 1
1 4 4
1 1
5
4 15 1

1
124 2
1 4
1 3 1
1 3
1 1

2 13
2 3 1
1 1 2

2
1
1

11 15
3 1
11 3
1 14
5
2 5
2 135 2
1
12 5
14 1
5 1
2 3

4
1

3 3

4
2
2

7
5
2

8
3
6
13 5
1

1
113
1
22
3 6
2 3

68
2
7
45
5

1636
Lebensraum Kulturlandschaft Burghölzli 28
2
ein Projekt der WWF Regionalgruppe Zürich
1
Kartierung Fauna 2012: 5
40
25
Leuchtkäfer 2
2
4 2

Plan Nr. 7 4.2.2013. André Rey Meters


0 50 100 200 300 400 500
Copyright: Amtliche Vermessung
Bewilligung Stadt Zürich, Geomatik und Vermessung vom 30.1.2012