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1.

Einführung
Zehn Monate ist es her, dass SUSE mit openSuse 10.2
eine neue Version der Distribution herausbrachte. Nun
liefert der Distributor eine aktualisierte Version seines
Produktes aus. Nach Aussagen des Herstellers bietet
die neue openSuse 10.3 alles, was zeitgemäße Linux-
Benutzer benötigen. Das System beinhaltet demnach
»alles für den effektiven Einsatz des Rechners zu
Hause und unterwegs«. Pro-Linux schaute sich die
Boxversion der Distribution eine Zeit lang an und
testete sie in einer produktiven Umgebung.

2. Lieferung
Novell liefert openSuse 10.3 mit dem gewohnten
Maximalumfang. Das Paket kommt in der
openSuse 10.3
Verkaufsversion mit insgesamt zwei Dual-Layer-DVDs.
Seit der 9er-Reihe unterstützt Suse/openSuse neben
der x86- auch die x86_64-Architektur. Die gedruckte Dokumentation des
Produktes schrumpfte allerdings auf ein knapp 270-seitiges
Installationshandbuch. Vorbei scheinen die Zeiten zu sein, als die Distribution mit
einer tausend Seiten starken Dokumentation den Käufer verwöhnte.
Neu bei openSuse 10.3 sind die neuesten Versionen der Desktop-Umgebungen
Gnome (2.20) und KDE (3.5.7), inklusive einer Vorschau auf KDE 4. Die Basis der
Distribution bilden der Kernel 2.6.22.5, GCC 4.2.1, Glibc 2.6.1 und RPM 4.4.2.
Darüber hinaus liefert Novell das aktuelle Produkt mit Libzypp 3.24.2 aus.
Ein Schmankerl für alle Suse-Nutzer dürfte die
Beigabe weiterer kommerzieller Software sein.
Exklusiv in openSuse 10.3 lizenzierte der
Distributor auch diesmal das einfach zu
bedienende Homebanking-Programm
Moneyplex von Matrica. Ferner enthält
openSuse eine kostenlose Version der
Textverarbeitung Textmaker sowie eine Version
von Planmaker, einer Tabellenkalkulation aus
dem Hause Softmaker. Zu den weiteren
Beigaben der Distribution zählen die Backup-
Ganz in grün - Der neue
Startbildschirm Lösung SEP sesam, Opera sowie die Antivirus-
Lösung »antivir«. Die Käufer der Box erhalten
zudem einen 90tägigen Support bei der Installation des Systems.
Neben Anwendungen, die eher Testcharakter haben, hat Novell auch dieses Mal
an die Heimbenutzer gedacht und fügte der Distribution auch Multimedia-
Anwendungen hinzu. Neben RealPlayer findet sich im Lieferumfang des
Produktes auch der Flashplayer sowie Adobe Reader. Darüber hinaus kommt
openSuse 10.3 mit einer Reihe von Firmware-Images für einige gängige WLAN-
Chips. Die fglx- sowie nvidia-Treiber fehlen dagegen sowohl in der kostenlosen als
auch in der kostenpflichtigen Box-Version. Dafür ist im Lieferumfang der neue
Nouveau-Treiber für Nvidia-Karten enthalten.
Zum weiteren Lieferumfang des Produktes gehören ebenfalls zahlreiche Server-
Anwendungen. So enthält openSuse 10.3 auch dieses Mal aktuelle Versionen von
Apache, Samba und MySQL. Auch die gängigen Tools zur Erstellung und
Entwicklung von Applikationen sind in der neuen Distribution enthalten. Neben
GCC 4.2 liefert Novell auch Sun Java 5 samt geeigneter Plugins für den Browser,
Python 2.5.1, PHP 5.2.4 und Mono 1.2.5 mit.

3. Installation
3.1. Allgemein
War die Installation einer Linux-Distribution
noch vor ein paar Jahren etwas für Spezialisten,
so hat Linux diesbezüglich in den letzten Jahren
neue Standards gesetzt. Alle großen Linux-
Distributionen haben viel Entwicklungszeit in
die Verbesserung des Installationsprozesses
gesteckt, so dass eine Linux-Installation
mittlerweile weniger Probleme bereiten sollte
als die der Konkurrenz aus Redmond oder
Cupertino. Fast alle Anbieter konzentrieren sich
mittlerweile auf die Pflege der Tools.
Das Verschieben von Partitionen ist
So war es kaum verwunderlich, dass die neue für openSuse 10.3 kein Problem
Suse kaum Probleme bei der Installation
verursachte. Eine Installation sowohl auf einem Xeon-Server, Dual-Core-System
oder aber auch in einer virtuellen Maschine oder auf einem Laptop konnte das
neue openSuse-System nicht aus dem Tritt bringen. Die komplette Hardware
wurde einwandfrei erkannt und sinnvoll konfiguriert. Es sollte allerdings erwähnt
werden, dass unsere Tests keinesfalls eine Referenz darstellen und lediglich einen
Ausschnitt wiedergeben - je nach Hardware und Peripherie kann sich die
Installation natürlich unterschiedlich verhalten.
3.2. Beam be up Scotty - Installation
Fast schon obligatorisch änderte der Hersteller auch in der neuen Version des
Aussehen des Boot-Screens. Das Blaue musste wieder dem Grünen weichen.
Funktionell gesehen unterlag die Auswahl der möglichen Installationsmethoden
keinerlei Änderung. So bietet Suse immer noch eine automatische Installation
wahlweise mit deaktiviertem ACPI oder in einer sicheren Umgebung, eine
manuelle Installation, Rettungssystem oder Speicher- oder Firmwaretest zur
Auswahl an. Einzig die Struktur der Boot-Auswahl wurde gegenüber dem
Vorgänger ein wenig angepasst. Neu hinzugekommen ist nun auch eine grafische
Anzeige des Ladefortschritts, wie sie schon in Suse Linux Enterprise Desktop 10
(SLED) oder Suse Linux Enterprise Server 10 (SLES) eingeführt wurde.
Was danach kommt, gehört zum Standard.
Nach der Auswahl der Sprache schlägt
openSuse alle nötigen Schritte vor und spart
vor allem Anfängern lange
Handbuchkonsultationen. Neu in openSuse 10.3
ist die Eingabe von zusätzlichen Online-
Repositorien, die bereits bei der Auswahl
hinzugefügt werden können. Darüber hinaus
lassen sich auch Add-On-Produkte auf
separaten Medien bereits beim ersten Start
einbinden. Wird ein Online-Medium
Eingabe von zusätzlichen Online-
Repositorien vor der Installation hinzugefügt, beginnt die Distribution mit der
Einrichtung von Netzwerkeinstellungen, so dass
noch vor der eigentlichen Installation die Informationen aus dem Internet
geladen werden können. Je nach Verbindung kann diese Prozedur allerdings eine
Weile dauern. Ein Vorteil dieser Vorgehensweise ist, dass funktionelle Fehler in
der Installation vom Distributor noch vor der eigentlichen Installation durch das
Hinzufügen eines Patches beseitigt werden können.
Die anfängliche Konfiguration des Systems besteht aus der Auswahl des
Installationsmodus, der Tastaturbelegung, der Maus und der Festlegung der
Partitionierung, der zu installierenden Pakete, der Sprache, der Wahl des
Bootloaders und der Zeitzone sowie des Default-Runlevels. Systemprofis und
Linux-Kenner dürfen weiterhin ihre Einstellungen manuell tätigen - in dieser
Hinsicht bevormundet der Distributor die Anwender nicht. Erfreulich ist ebenfalls
die zu jedem Punkt der Installation in deutscher Sprache verfügbare Hilfe, die
bequem zu Rate gezogen werden kann.
Am Verlauf der Installation hat der Hersteller nur wenige Änderungen
durchgeführt. Neu hinzugekommen ist die Möglichkeit, iSCSI-Geräte bereits bei
der Partitionierung zu konfigurieren. Wurde die grobe Konfiguration durchgeführt,
installiert openSuse 10.3 nach einer Klickorgie, während der diverse Lizenzen
akzeptiert werden müssen, das System auf der Festplatte.

3.3. Wie darf es sein - Konfiguration


Direkt nach der Installation startet die
eigentliche Konfiguration. Ist das Passwort für
»root« eingegeben, kann das System den
Wünschen entsprechend eingestellt werden. Ein
nützliches Feature bei der Eingabe des
Passworts ist ein Fenster, das die
Tastaturbelegung anzeigt. Falsche
Tastatureinstellungen oder zufällig aktivierte
Tasten, die die Eingabe eines falschen
Passworts zur Folge hatten, sollten damit auf
ein Minimum reduziert werden.
Der Login-Bildschirm
Die Erkennung der installierten Geräte und
Karten beherrscht das Produkt gewohnt souverän. Alle der bei unseren
Testsystemen eingesetzten Hardware-Komponenten wurden erkannt und korrekt
in das System eingebunden.
Ein Novum der aktuellen openSuse stellt der Verzicht auf ZENWorks dar. Anstelle
dieses Dienstes, der in den letzten Version für massive Probleme sorgte, setzt
Novell bei openSuse 10.3 komplett auf Libzypp. Dementsprechend fällt vor der
Konfiguration eine Synchronisierung mit ZENWorks weg, die unter Umständen
lange dauern konnte. Aus unserer Sicht eine durchaus vertretbare Entscheidung,
spielt ZENWorks seine Stärken wohl eher in
einer Unternehmensumgebung aus und
weniger auf einem Heim-System.
Die Netzwerkeinrichtung wurde gegenüber der
letzten Version erheblich aufgeräumt. Der
Anwender hat weiterhin die Wahl zwischen
einem klassischen Netzwerkaufbau mittels
NetControl oder einer Konfiguration des
Netzwerks mittels des Network Managers. Die
dafür verwendeten Masken wurden aber radikal
openSuse 10.3 bringt eine
veränderte Maske für die
Netzwerkkonfiguration
umgebaut. Informationen zum Routing oder übergeordneten Servern lassen sich
in der neuen openSuse erheblich leichter und logischer eintragen. Die Wahl des
zu verwendeten Kernelmoduls wurde jedoch durch einen Wegfall der Liste mit
allen unterstützten Adaptern schwerer. Dafür bietet die Konfiguration nun
erheblich mehr Einstellmöglichkeiten. So lassen sich bereits bei der Installation
die Zugriffsrechte auf die Netzwerkschnittstelle regeln oder erweiterte
Netzwerkparameter einstellen. Im Großen und Ganzen eine durchaus gelungene
Überarbeitung, die sicherlich die Einrichtung des Netzwerks leichter machen
wird.
Neben Änderungen an der Netzwerkkonfiguration wurde auch die Verwaltung der
Benutzer überarbeitet. Unter anderem erlaubt Yast ab sofort bereits bei der
Installation, die Heim-Verzeichnisse der Nutzer zu verschlüsseln und dabei auch
die maximale Größe des Verzeichnisses anzugeben. Eine weitere Neuerung der
Verwaltung stellt die Möglichkeit dar, dem Nutzer Kontingente zuzuweisen, die
allerdings bereits bei der Partitionierung berücksichtigt werden sollten.

4. GNOME und KDE


4.1. GNOME
Der Desktop der GNOME-Umgebung gestaltet
sich aufgeräumt und übersichtlich. Ein Klick auf
das Startmenü verrät die Änderungen - wer
bereits SLED oder SLES einsetzt, wird über das
neue Menü kaum verwundert sein. openSuse
10.3 kommt mit demselben Aussehen und
derselben Struktur wie das erste Update der
Premiumprodukte. Die Struktur des Menüs
wurde übernommen und unterscheidet sich
kaum von der in SLED oder SLES. Folglich
dürften auch jene, die bereits das Menü in
GNOME unter openSuse 10.3 mit
openSuse 10.2 eingesetzt haben, recht schnell neuem Startmenü
auch mit der Neuentwicklung zurecht kommen.
Anwender, die das Menü auch in openSuse 10.2 nicht mochten, werden auch mit
der Neuentwicklung wenig Freude haben.
Die wohl größte Änderung unter GNOME stellt allerdings eine GTK+-Portierung
von Yast dar. Das Tool verhält sich unter GNOME wie eine native Applikation und
ist von anderen GNOME-typischen Anwendungen nicht zu unterscheiden. Dazu
haben die Programmierer Yast nicht nur in zwei separate Frontends zerlegt,
sondern dem Konfigurationstool unter GNOME auch gleich zusätzliche
Funktionalität spendiert. Die augenscheinlichste Änderung erfuhr dabei das
Softwaremanagement-Modul, das komplett überarbeitet wurde und unter GNOME
nicht nur ein frischeres Look & Feel mit sich bringt, sondern sich auch intuitiver
und leichter bedienen lässt. Ferner sieht Yast
unter GNOME wie das typische
Konfigurationstool aus, mit dem die Umgebung
angepasst werden kann.
Die Wiedergabe von MP3-Musikstücken unter
GNOME klappt dank RealPlayer und Plugins von
Fluendo tadellos. Auch das Abspielen einer
Vielzahl von Videos funktioniert ohne Probleme.
Wird ein Codec nicht gefunden, bietet der

GTK+- und Qt-Anwendung unter


GNOME
Player dem Anwender die Möglichkeit an, das entsprechende Zusatzcodec vom
Netz zu laden und zu installieren. Darüber hinaus informiert eine Seite von Novell
über mögliche lizenztechnische Probleme.
Negativ unter GNOME fällt dagegen die Integration von Qt- oder KDE-
Anwendungen ins Auge. Während Novell in der Vergangenheit versuchte, die
beiden Umgebungen durch die Installation von gleichen Farbschemen wenigstens
äußerlich zu integrieren, fällt diese Maßnahme in der aktuellen Suse flach.
Installiert der Anwender erst ein GNOME-Desktop und dann eine einzelne KDE-
Anwendung, wirkt sie durch ein komplett anderes Schema sowie andere
Schriftgrößen wie ein Fremdkörper. Hier wäre es auf jeden Fall wünschenswert,
dass der Distributor zu seinen Wurzeln zurückfindet und die Integration der
beiden Umgebungen wieder verbessert, denn es gibt durchaus Gründe, unter
GNOME auch KDE-Anwendungen zu nutzen.

4.2. KDE
»KDE ist perfekt«, zu diesem Schluss könnte ein
Nutzer von openSuse 10.2 und openSuse 10.3
kommen, denn die Umgebung wirkt in beiden
Distributionen fast identisch. Während GNOME
in vielen Punkten verbessert wurde und vor
allem von der gelungenen Yast-Integration
profitiert, müssen KDE-Nutzer unter openSuse
10.3 nach Neuerungen förmlich suchen. Hinzu
kommt noch, dass das bereits in der letzten
Version teils umständlich zu bedienende Menü
nur in der Anordnung der Reiter verändert
KDE unter openSuse 10.3
wurde. In der Struktur des Menüs hat sich
dagegen wenig getan.
Ganz ohne Änderungen kommt allerdings auch openSuse 10.3 nicht aus. Die
Desktop-Umgebung wurde auf die Version 3.5.7 aktualisiert und enthält
vereinzelte Anwendungen aus KDE4. Zu den weiteren Neuerungen unter
openSuse 10.3 gehört die Möglichkeit, die neuen Oxygen-Icons zu installieren. Im
Gegensatz zu GNOME werden unter KDE alle GTK+-Anwendungen korrekt
angezeigt und verwenden im Aussehen ein ähnliches Thema. Auch die Änderung
der Schriftgrößen überträgt sich auf GTK+-Applikationen.
Der Yast-Frontend unter KDE nutzt die alte Qt-Oberfläche mit einem an GNOME
angelehnten Icon-Satz. Wer die alten Crystal-Icons unter KDE nutzen möchte,
dem bietet der Hersteller diese in einem speziellen Paket zur Installation an. Im
direkten Vergleich mit der Vorgängerversion kommt Yast mit weniger Modulen.
Unter anderem bietet die Distribution keine separaten Module für Disk- und IDE-
Einstellungen sowie zur Energieverwaltung mehr an. Neu hinzugekommen ist
dagegen ein Modul zur Installation von Fingerabdruck-Lesern.
Probleme konnten wir mit der Softwareverwaltung unter KDE beobachten. Aus
uns nicht erklärlichen Gründen konnte die Qt-Variante von Yast manche
Applikationen nicht finden, während sie unter der GTK+-Oberfläche angezeigt
wurden. Auch die teils unübersichtliche Struktur der Qt-Version von Yast verwirrt
manchmal. Hier wäre auf jeden Fall eine Aufräumaktion wünschenswert.

5. Die Highlights
5.1. Compiz Fusion
Wurde bei der Installation der Grafikkarte die
3D-Funktionalität eingeschaltet, bietet Novell
allen Anwendern alternativ auch Xgl an.Die
Erweiterung gehört sicherlich zu den Highlights
der Distribution, auch wenn sie für viele
Anwender keinen sonderlichen Nutzen bringt.
OpenSuse 10.3 kommt mit einer Reihe von
Plugins für den Compositing-Manager Compiz.
Neben reinen Hinguckern bietet die neue
Leichte Einrichtung von weiteren
Installationsquellen unter openSuse Funktionalität allerdings auch durchaus
10.3 sinnvolle Möglichkeiten. Zu den interessanten
gehören eine Expose-ähnliche Funktionalität,
die alle angezeigten Fenster fein säuberlich auf dem Bildschirm darstellt, sowie
der Fensterumschalter. Auch die Möglichkeit, einzelnen Fenstern Transparenz zu
verleihen, erschließt neue Horizonte.
Die Konfiguration von Compiz gestaltet sich mittlerweile recht einfach. Sowohl
GNOME als auch KDE bringen separate Konfigurationstools mit sich, die eine
Einstellung diverser Funktionen der Erweiterung ermöglichen.

5.2. One-Click Installation


Zu den weiteren Neuerungen von openSuse 10.3 gehört eine »1-Klick-
Installations-Option«, mit der sich leichter zusätzliche Pakete installieren lassen
sollen. Prinzipiell handelt es sich bei der Neuerung um ein Online-Verzeichnis, das
eine Fülle an weiteren Paketen bereithält, die allesamt mit einem Klick installiert
werden können.
Die Suchfunktion des Dienstes stellt sich bei
der täglichen Arbeit informativer dar. So findet
das Archiv bei der Suche nach GIMP gleich
mehrere verschiedene Versionen der
Applikation. Will der Anwender eine Testversion
der Grafikanwendung installieren, wird er ohne
das Wissen, welche im Moment die aktuelle ist,
unter Umständen verzweifeln. Das Archiv bietet
gleich mehrere Testversionen der Applikation
zur Auswahl an, ohne allerdings das Datum
anzuzeigen, wann sie abgelegt wurden.
Installation von weiteren
Darüber hinaus ist der Dienst im Moment nur in Anwendungen mittels 1-Click-Install
englischer Sprache verfügbar.
Ein weiteres Problem konnten wir unter KDE beobachten. Während unter GNOME
es keine Probleme mit der Installation neuer Software gab, weigerte sich Yast
unter Qt manchmal, eine neue Applikation zu installieren, mit dem Hinweis, dass
eine Instanz der Applikation bereits läuft.
Bei der täglichen Arbeit stellt sich der neue Dienst als recht nützlich dar. Neue
Applikationen können mühelos auch von ungeübten Anwendern installiert
werden. Die »1-Click Installation« konnte alle Abhängigkeiten auflösen und
problemlos die gewünschten Applikationen installieren.
5.3. KDE4
Experimentierfreudige Anwender finden in der neuen openSuse neben einer
stabilen Version von KDE auch die künftige Generation der Desktop-Umgebung.
Wer allerdings eine arbeitsfähige Variante erwartet, dürfte enttäuscht sein. Die
Umgebung wirkt nicht nur unfertig, sondern ist es auch. Hinzu kommt noch, dass
Novell diverse Pakete von KDE nicht passend eingebunden hat, so dass unter
anderem die Icons nicht sichtbar sind. Ein produktives Arbeiten ist mit der
mitgelieferten Version nicht wirklich möglich.
5.4. Virtualisierung
Ein weiteres Highlight von openSuse 10.3 stellt
die vollwertige Implementierung der
Virtualisierungslösung Xen 3.1 dar. Die
Distribution kommt gleich mit mehreren Yast-
Modulen für Xen und ermöglicht auch
ungeübten Nutzern die Installation der
Software. Ein eigens von Novell geschriebenes
Tool unter dem Namen »Virtual Machine
Manager« ermöglicht beim Betrieb, das
Verhalten der Maschinen zu überwachen und zu
steuern. Das Tool verrichtete seinen Dienst
openSuse 10.3-Installation in
VirtualBox unter openSuse problemlos, auch wenn es sich manchmal nicht
direkt aus dem Yast-Menü starten ließ. Ein
weiteres Schmankerl für die Nutzer von virtuellen Maschinen stellt ein eigens für
den paravirtualisierten Betrieb vorbereiteter Kernel dar.
Neben Xen liefert der Hersteller auch weitere Virtualisierer wie VirtualBox 1.5. Im
Gegensatz zu Xen wurde die Einbindung der Lösung allerdings nur halbherzig
durchgeführt. Startet der Nutzer VirtualBox direkt nach der Installation, weigert
sich die Applikation, ein anderes System zu booten. Der Grund dafür ist, dass
Novell das in der Anleitung erwähnte Init-Skript nicht installiert und dem
Virtualisierer schlicht ein Kernel-Modul fehlt.

5.5. Geschwindigkeit
Positiv fällt in der neuen openSuse 10.3 die gesteigerte Geschwindigkeit auf. Das
System startet in der Standardeinstellung erheblich flotter, als dies noch in der
letzten Version der Fall war. Rechnet man noch hinzu, dass durch den Wegfall von
ZENWorks auch der Update-Vorgang erheblich beschleunigt wurde, erspart
openSuse 10.3 dem Anwender eine Menge Warten.

6. Fazit
Es ist kein Geheimnis, dass openSuse eine einsteigerfreundliche Distribution ist.
Diesem Anspruch wird das Produkt auch in der aktuellen Version gerecht. Der
Distributor unterzog das Produkt zum wiederholten Male einem Facelifting und
verbesserte manch einen Dialog und die
Konfiguration des Systems. Vor allem die
massive Verbesserung der GNOME-Umgebung
wird alle GNOME-Nutzer erfreuen.
Die Integration von Yast unter GNOME kann
durchaus überzeugen. Das neue Yast-
Kontrollzentrum und das GNOME-
Kontrollzentrum sind einheitlich kreiert, was
einen sehr soliden Eindruck vermittelt. Die

Das Konfigurationstool Yast in der


GTK+-Variante
Umgebung wirkt rund und Novells Zusatzapplikationen unter GNOME fallen in
keiner Weise negativ auf. Das neue Menü mag anfänglich gewöhnungsbedürftig
erscheinen, nach einer kurzer Einarbeitungszeit und diversen Einstellungen der
Favoriten ist es aber durchaus funktionell und leichter zu handhaben als das
Originalmenü. Einzig die schlechte Integration von Qt- und KDE-Applikationen
unter GNOME fiel negativ auf.
KDE wirkt unter openSuse 10.3 verstaubt und alt. Einerseits liegt das sicherlich
an der Tatsache, dass sich das Team von KDE um die kommende Version von KDE
4 kümmert und keine Neuentwicklungen zu vermelden hat, anderseits ist es aber
sicher, dass die Entwickler auf eine Vielzahl von GNOME-Verbesserungen von
SLED oder SLES zurückgreifen können. Doch auch ohne Zutun von KDE wirkt
GNOME in der aktuellen Version runder und polierter. Die Novell-Tools fügen sich
nahtlos in die bestehende Umgebung, während sie unter KDE teils wie ein
Fremdkörper wirken.
Unangenehm fallen auch kleinere Ungereimtheiten auf. Während die
Schlüsselfunktionen der Distribution teils bis zur Perfektion eingebunden wurden,
sind vor allem Technologien, die nicht in den Lieferumfang von SLED oder SLES
fallen, oftmals nur halbherzig implementiert.
In unserer täglichen Arbeit konnten wir allerdings keine größeren Probleme in
openSuse 10.3 feststellen. Die Verwaltung der Software erfolgte durchgehend
flott und der Verzicht auf ZENWorks ist in der neuen openSuse 10.3
begrüßenswert. Das System wirkte sehr solide. Mit einem sehr gut
eingebundenen 3D-Desktop und aktuellen aktuellen Anwendungen präsentiert
sich das Produkt darüber hinaus auf dem neuesten Stand der Technik.
Experimentierfreudige Anwender werden durch die Integration einer Testversion
von KDE 4 oder GIMP auf ihre Kosten kommen, auch wenn beim Erstgenannten
die Funktionalität noch nicht wirklich sichtbar ist.
OpenSuse 10.3 ist durchaus eine sehr gute Distribution nicht nur für Einsteiger.
Die freie Verfügbarkeit ermöglicht einen problemlosen Test. Wer auf eine
gedruckte Dokumentation Wert legt und kommerzielle Beigaben gleich vom
Distributor geliefert haben möchte, kann getrost zur Box greifen.

7. Referenzen
openSuse http://www.opensuse.org/
Homepage:
openSuse Download: http://software.opensuse.org/
openSuse http://www.shopnovell.com/
Kaufversion:
Offizielle http://de.opensuse.org/Dokum
Dokumentation: entation/
Support Datenbank: http://de.opensuse.org/SDB:SD
B
8. Fakten
Titel: openSuse 10.3
Hersteller: Novell
Preis: 59,95 EUR

Copyright (C) Mirko Lindner (demon)


Erschienen auf Pro-Linux, letzte Änderung 2007-10-14