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Belichtung von Wohn- und Arbeitsräumen im Dachgeschoß

Vorwort
Dieser Beitrag basiert auf der Schriften-
reihe des Informationsdienstes für
neuzeitliches Bauen e.V., Bonn
d-extrakt Arbeitsheft 11
„Belichtung von Wohn- und
Arbeitsräumen im Dachgeschoß“.
Diese Veröffentlichung berücksichtigt
die nicht unerheblichen Veränderungen
auf Grund der Neuausgabe DIN 5034
Teil 1, Okt. 99; Teil 3 und 4, Sept. 94;
Teil 5, Jan. 93.
Das Thema gliedert sich in mehrere Ab-
schnitte, wobei in den ersten elf Kapi-
teln die Unterschiede zwischen den
Landesbauordnungen und der
DIN 5034 Tageslicht in Innenräumen
aufgezeigt sind. Ferner werden ein-
fache Regeln und Empfehlungen zum
Erzielen einer psychisch und physio-
logisch richtigen Belichtung gegeben.
Siehe Bild 1 „Dachflächenfenster brin-
gen eine großzügige Belichtung“.
Im Anhang findet sich ein ausführliches
Berechnungsbeispiel, in dem mit Hilfe
des Tageslichtquotienten die richtige
Belichtung und damit Fenstergröße
bestimmt wird.

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Inhaltsverzeichnis

Einleitung

01. Mindestbelichtung: Vorschriften der Landes- 12.1.6 Tageslichtquotient D: Ergebnis ermittelt mit
bauordnungen graphischen Hilfsmitteln
01.1 Was will die Landesbauordnung? 12.2 Ausführliches Berechnungsbeispiel mit
01.2 Notwendige Fenster Formeln der Integralrechnung
12.3 Warum ist eine psychisch richtige Belich-
02. Belichtung nach DIN 5034 Tageslicht in tung erforderlich?
lnnenräumen 12.4 Sonderfall – Geneigtes Dach
02.1 Was will DIN 5034 Tageslicht in Innenräumen? 12.5 Himmelslichtdiagramm und Himmelslicht-
02.2 Wie wird die Belichtung von Aufenthaltsräumen anteil
gemessen? 12.5.1 Außenreflexionsanteil und Verbauung
02.2.1 Was ist ein Tageslichtquotient? 12.5.2 Innenreflexionsanteil und Reflexionsgrade
02.2.2 Wo sind Meßpunkte für die Belichtungs- 12.6 Minderungsfaktoren
messung? 12.6.1 Minderungsfaktor t für Transmissionsgrad
02.3 Welche Helligkeit in Aufenthaltsräumen? 12.6.2 Minderungsfaktor k1 für Konstruktionsteile
02.3.1 Wohnräume 12.6.3 Minderungsfaktor k2 für Verschmutzung
02.3.2 Arbeitsräume 12.6.4 Korrekturfaktor k3 für nicht senkrechten Licht-
02.4 Besonnung für Aufenthaltsräume? einfall
02.5 Sichtverbindung nach außen 12.7 Sonnenschutz und Blendung
12.8 Fenstersysteme im Belichtungsvergleich
03. Die Fensteroberkante ist entscheidend für
die Lichtmenge 13. Stichwortverzeichnis

04. Die Fensterunterkante Ist entscheidend für


den Ausblickkomfort

05. Die Fensterlänge ist abhängig von der Dach-


neigung

06. Die Fensteranordnung ist wichtig für aus-


geglichene Helligkeit

07. Planungsempfehlungen für Fenster in


Senkrechträumen

08. Planungsempfehlungen für Fenster im


Dachgeschoß

09. Drei Fenstersysteme – Ihre Vor- und Nach-


teile

10. Fensterinnenfutter und Lichteinfall

11. Farbe von Fensterinnenfutter und Raum-


ausstattung

12. Anhang
12.1 Ausführliches Berechnungsbeispiel mit
graphischen Hilfsmitteln
12.1.1 Situationsbeschreibung des Berechnungs-
beispiels
12.1.2 Errechnung der Höhen- und Breitenwinkel
12.1.3 Errechnung des Himmelslichtanteils DHr
12.1.4 Errechnung des Außenreflexionsanteils DVr
12.1.5 Ermittlung des Innenreflexionsanteils DRr

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Einleitung Diejenigen, die sich eingehender mit 1. Mindestbelichtung:
der Belichtung befassen wollen, finden Vorschriften der Landesbau-
Die Belichtung von Aufenthaltsräumen im Anhang ein ausführliches Berech- ordnungen
wird in den jeweiligen Landesbauord- nungsbeispiel und nähere Erläuterun-
nungen durch Mindestforderungen als gen. 1.1 Was will die Landesbauord-
notwendige Fenster definiert und bein- nung?
haltet keine Unterschiede für Dachflä- DIN 5034, Teil 4, bietet vereinfachte Die Landesbauordnung sorgt für eine
chenfenster und senkrecht stehende Bestimmungen von Mindestfenster-
Fenster. Auch wird nicht unterschieden größen für Wohnräume, die aber für ■ Mindestbelichtung von Aufent-
nach freiliegenden oder verschatteten Aufenthaltsräume unter dem geneigten haltsräumen.
Häusern. (Siehe Punkt 1 Mindest- Dach nur bedingt anzuwenden sind,
belichtung: Vorschriften der Landesbau- weil darin nur Tabellen für Raumhöhen 1.2 Notwendige Fenster
ordnungen) ab 2,40 m enthalten sind. Die Gesetzestexte der Bauordnungen
Anforderungen wie das psychische (Siehe Punkte 7 und 8: Planungsemp- der Länder sind inhaltlich ähnlich,
Wohlbefinden der Bewohner oder fehlungen für Fenster in Senkrechträu- werden aber unter verschiedenen
deren Wunsch nach mehr Helligkeit für men für Fenster im Dachgeschoß) Paragraphen aufgeführt.
höhere Sehaufgaben überlassen die Auch weicht das lichte Maß der Fen-
Landesbauordnungen weiterführenden steröffnung in den einzelnen Ländern
oder ergänzenden Maßnahmen bzw. teilweise voneinander ab.
technischen Richtlinien.
(Siehe Tabelle „Notwendige Fenster”)
Die wichtigste Richtlinie ist die
DIN 5034 Tageslicht in Innen-
räumen.

DIN 5034 „Tageslicht in Innenräumen” Tabelle:


besteht aus 6 Teilen: Notwendige Fenster – Lichtes Maß der Fensteröffnung
(nach Landesbauordnung)
Teil 1: Allgemeine Anforderungen Stellvertretend für alle anderen Landesbauordnungen wird hier als Gesetzestext die Brandenburgische
Bauordnung (BbgBO) zitiert.
Teil 2: Grundlagen
Teil 3: Berechnung Lichtes Maß der Fensteröffnung
Teil 4: Vereinfachte Bestimmung von Bundesland mindestens mindestens Fenstermaß als
Mindestfenstergrößen für ..... Anteil ...... %
Wohnräume der Raum- der Raum-
Teil 5: Messung grundfläche grundfläche
Teil 6: Vereinfachte Bestimmung Baden-Württemberg 1/10 10,0 % Rohbaumaß
zweckmäßiger Abmessungen Bayern 1/8 12,5 % Rohbaumaß
von Oberlichtöffnungen in
Dachflächen Berlin ausreichend ausreichend –
Brandenburg 1/8 12,5 % Rohbaumaß

Mit ihrer Hilfe lassen sich ausführliche Bremen 1/10 10,0 % Rohbaumaß
Lichtberechnungen für Wohn- und Hamburg 1/8 12,5 % Rohbaumaß
Arbeitsräume durchführen. Dabei Hessen 1/10 10,0 % Rohbaumaß
können Aufenthaltsräume senkrechte
Wände haben, oder, wie Wohnungen Mecklenburg-Vorp. 1/8 12,5 % Rohbaumaß
unter dem geneigten Dach, schräge Niedersachsen 1/8 12,5 % Rohbaumaß
Wände. Auch werden Licht abhaltende
Nordrhein-Westfalen 1/8 12,5 % Rohbaumaß
oder Licht verschluckende natürliche
Hindernisse wie Bäume oder Sträu- Rheinland-Pfalz 1/10 10,0 % Rohbaumaß
cher, Berge und die freie Sicht versper- Saarland 1/10 10,0 % Rohbaumaß
rende Gebäude berücksichtigt.
Sachsen 1/8 12,5 % Rohbaumaß

Wenn umfangreiche Berechnungen Sachsen-Anhalt 1/8 12,5 % Rohbaumaß


vermieden werden sollen, kann mit Schlesw.-Holst. 1/8 12,5 % Rohbaumaß
Hilfe einfacher Planungsempfehlungen Thüringen 1/8 12,5 % Rohbaumaß
die Belichtung festgelegt werden.

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Die Brandenburgische Bauordnung legt müssen größer sein, wenn das wegen lichtung ein und desselben Raumes
in § 48 Abs. 2 „Aufenthaltsräume“ fest: der Art der Benutzung des Aufenthalts- durch Dachflächenfenster, Dachgauben
2) Aufenthaltsräume müssen unmittel- raums oder wegen der Licht- oder Giebelfenster nach DIN 5034
bar ins Freie führende und senkrecht verhältnisse erforderlich ist. Kleinere miteinander verglichen.
stehende Fenster von solcher Zahl und Fenster-öffnungen sind zugelassen,
Beschaffenheit haben, dass die Räume wenn wegen der Lichtverhältnisse 2.1 Was will DIN 5034 Tageslicht in
ausreichend mit Tageslicht beleuchtet keine Bedenken bestehen. lnnenräumen?
und belüftet werden können (notwen- DIN 5034 will
dige Fenster). Da die Landesbauordnungen lediglich
statische Werte für Fensteröffnungen ■ für alle Bewohner eine psychisch
vorschreiben, sollte der Planer eine für und physiologisch richtige Innen-
Das Rohbaumaß der Fensteröffnungen raumbeleuchtung schaffen,
muss mindestens ein Achtel der den Bewohner günstigere Ermittlungs-
art anwenden. ■ nicht nur den direkten Lichteinfall
Grundfläche des Raumes betragen; ein in Aufenthaltsräume, sondern auch
geringeres Maß kann gestattet werden, Lichtminderungen durch Licht-
wenn wegen der Lichtverhältnisse hindernisse berücksichtigen wie
Bedenken nicht bestehen. Geneigte 2. Belichtung nach DIN 5034
Tageslicht in Innenräumen ■ Verbauungen,
Fenster sowie Oberlichte anstelle von ■ Lichtdurchlässigkeit von Glas-
Fenstern können gestattet werden, Wenn Fenstergrößen nach den Vor- scheiben und deren Ver-
wenn keine Bedenken wegen des schriften der Landesbauordnung ge- schmutzung,
Brandschutzes bestehen. wählt werden, ist für die Mindest- ■ dunkle oder helle lnnenwände,
belichtung gesorgt. ■ Decken, Böden wie auch
Im Gegensatz zu Räumen mit senk- ■ Raumausstattung und deren
rechten Wänden ist die Nutzfläche (sie Berücksichtigt aber werden weder Lichtsteigerungen durch Refle-
ist ein Teil der Raumgrundfläche) bei schlechte Lichtverhältnisse, wie sie xion, oder deren Lichtminde-
Räumen im Dachgeschoß kleiner. Das durch gegenüberliegende Häuser, rung durch Absorption.
wird von den Landesbauordnungen Bäume oder andere Lichthindernisse
auch berücksichtigt. Siehe Bild 2 „Zur entstehen, noch die unterschiedlichen
2.2 Wie wird die Belichtung von
Berechnung der Fenstergröße maßge- Lichtmengen verschiedener Fenster-
Aufenthaltsräumen
bende Raumgrundfläche“. systeme, noch die berechtigten
gemessen?
DIN 5034 bedient sich dazu einer
vergleichenden Messung mit Hilfe eines
Quotienten, dem Tageslichtquotienten.

2.2.1 Was ist ein Tageslicht-


quotient?
Der Tageslichtquotient D (Daylight
Factor) wird in DIN 5034 Teil 1, Absatz
3.12 erläutert:
Der Tageslichtquotient ist das Ver-
hältnis der Beleuchtungsstärke Ep in
einem Punkt einer gegebenen Ebene,
Bild 2: = Zur Berechnung der Fenstergröße maßgebende Raumgrundfläche (Nutzfläche) die durch direktes und/oder indirektes
Himmelslicht bei angenommener oder
So bestimmt z. B. Art. 45 Abs. 4 Bay- Wünsche der Bewohner nach mehr bekannter Leuchtdichteverteilung des
BO (Bayerische Bauordnung) „Auf- Licht. Himmels erzeugt wird, zur gleichzeitig
enthaltsräume“: vorhandenen Horizontalbeleuchtungs-
So stellt diese Aktualisierung des d- stärke Ea im Freien bei unverbauter
(4) Das lichte Maß der Fensteröffnun- extrakt Arbeitsheftes 11 „Belichtung Himmelshalbkugel.
gen von Aufenthaltsräumen muss von Wohn- und Arbeitsräumen im
mindestens ein Achtel der Nutzfläche Dachgeschoß“ Vergleiche an.
des Raums betragen; hierbei sind die Unter Ziffer 9 „Drei Fenstersysteme – EP
Rohbaumaße zugrundezulegen. Ihre Vor- und Nachteile“ sind für Dach- Tageslichtquotient D = x 100 in %
EA
flächenfenster, Dachgaube und Giebel-
Für Aufenthaltsräume im Dachraum
fenster die Vor- und Nachteile auf-
ist von der Nutzfläche auszugehen, die
geschlüsselt.
sich bei einer angenommenen allseitig Die durch direktes Sonnenlicht bewirk-
senkrechten Umschließung von 1,50 m Unter Ziffer 12.8 „Fenstersysteme im ten Anteile beider Beleuchtungsstärken
Höhe ergibt. Die Fensteröffnungen Belichtungsvergleich“ wird die Be- bleiben unberücksichtigt.

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ANMERKUNG: in halber Raumtiefe und in 1 m ihrer psychischen Bedeutung aus-
Entfernung von den Seitenwänden, reichend, wenn der Tageslichtquotient
Einflüsse der Verglasung, der Ver- ■ bei Arbeitsäumen, nicht mit Wohn-
schmutzung und der Versprossung ■ auf einer horizontalen Bezugsebe-
räumen vergleichbar,
sind eingeschlossen. Für den An- ne, gemessen in einer Höhe von
in 1 m Abstand vor der Rückwand
wendungsbereich nach dieser Norm 0,85 m über dem Fußboden in
und
gilt der Tageslichtquotient für die halber Raumtiefe und in 1 m Ab-
in 1 m Entfernung von den Seiten
Beleuchtung durch den bedeckten stand von den beiden Seiten-
wänden.
Himmel [ll. In diesem Fall ist der Ta- wänden
geslichtquotient für jeden Raumpunkt im Mittel wenigstens 0,9 % und
Auch wenn über Ort, Art und Ausfüh-
eine konstante Größe. rung einer Helligkeitsmessung Unklar- ■ am ungünstigsten dieser Punkte
heiten nicht bestehen, hilft diese Mes- wenigstens 0,75 % beträgt.
sung im Planungsstadium wenig, da
2.2.2 Wo sind Meßpunkte für die sie zu diesem Zeitpunkt schlichtweg In Wohnräumen mit Fenstern in zwei
Belichtungsmessung? nicht möglich ist. aneinander grenzenden Wänden muss
der Tageslichtquotient am ungünsti-
Gemessen und berechnet wird jeweils geren Bezugspunkt mindestens 1 %
So kommt nur
an in DIN 5034 Teil 5, Absatz 5.2 defi- betragen.
nierten Meßpunkten. ■ eine ausführliche Lichtberechnung
in Frage,
Dabei ist es gleichgültig, ob der Raum
■ oder die Ermittlung der in Teil 4 2.3.2 Arbeitsräume
Senkrechtwände oder Dachschrägen
aufgeführten Mindestfenstergrößen Für Arbeitsräume, die in ihren Abmes-
hat.
für Räume mit senkrecht stehenden sungen Wohnräumen entsprechen,
Bild 3 zeigt, wo Meßpunkte innerhalb Fenstern, müssen wenigstens die in 2.4.1 fest-
eines Aufenthaltsraumes liegen und wo ■ oder die Anwendung von Planungs- gelegten Tageslichtquotienten ein-
gemessen wird. empfehlungen, bzw. einfacher Ein- gehalten werden.
Die Meßebene, DIN 5034 sagt Bezugs- bauregeln.
Arbeitsräume sind in ihren Abmes-
ebene, liegt bei Wohnräumen immer
sungen Wohnräumen vergleichbar,
85 cm über Oberkante fertigem Fuß-
2.3 Welche Helligkeit in Aufent- wenn die folgenden Abmessungen
boden.
haltsräumen? nicht wesentlich überschritten werden:
Gleiches gilt auch für Arbeitsräume,
sofern nicht ausdrücklich eine andere DIN 5034 unterteilt Aufenthaltsräume ■ Raumhöhe 3,5 m;
Vereinbarung zwischen Auftraggeber in Wohn- und Arbeitsräume. Sie be- ■ Raumtiefe 6,0 m;
und -nehmer vereinbart wurde. schreibt im Teil 1 unter Punkt 4.3.1.1 ■ Raumfläche 50 m².
Die Meßpunkte im Raum liegen immer Wohn- und unter Punkt 4.3.1.2 Ar- Für andere, mit Fenstern versehene
beitsräume. Arbeitsräume gibt es bisher keine
■ bei Wohnräumen in halber Raum- Anforderungen in Bezug auf aus-
tiefe und reichende Helligkeit. Arbeitsräume mit
2.3.1 Wohnräume
in 1 m Entfernung von den Seiten- Oberlichtern müssen auf der Nutz-
wänden, Die Helligkeit in Wohnräumen, die von
dem durch die Fenster eindringenden ebene einen mittleren Tageslicht-
■ bei Arbeitsäumen, mit Wohnräumen quotienten von D. > 4 % aufweisen;
vergleichbar, Tageslicht erzeugt wird, ist im Rahmen
dieser ergibt sich...
Fenster in Arbeitsräumen und deren
Größe werden durch die Arbeits-
stättenverordnung (ArbStättV) sowie
durch die Arbeitsstättenrichtlinie ASR
7/1 geregelt.
Auch wenn die absolute Zahl des
Prozentsatzes für Wohnräume mit
0,9 % klein erscheint, ist die im Raum
real vorhandene Lichtmenge, vergli-
chen mit dem insgesamt vorhandenen
Licht des gesamten Himmels, groß.

2.4 Besonnung für Aufenthalts-


räume?
Hier schreibt DIN 5034 Teil 1, Absatz
Bild 3: Meßpunkte in Senkrechträumen und in Räumen unter dem geneigten Dach 4.4 Besonnung:

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Ob die Möglichkeit einer Besonnung Die Lage der Fensteroberkante beein- Bei Fenstern im Dach kommt es hier
eines Aufenthaltsraumes erwünscht flußt wesentlich den Wert des Tages- besonders auf einen guten Ausblick
oder unerwünscht ist, hängt in der lichtquotienten. Werden gleiche Fen- nach unten an, weil nur dadurch der
Regel von dessen Verwendungszweck sterflächen vorausgesetzt, ist der Kontakt zur Umwelt entsteht. Siehe
ab. Vor allem für Wohnräume ist ein Tageslichtquotient um so größer, je Bild 4 „Ausblick“.
Mindestmaß an Besonnung ein wichti- höher die Fensteroberkante über dem
ges Qualitätsmerkmal. Fußboden liegt. Fensterflächen unter- 5. Die Fensterlänge ist ab-
Ein Raum gilt als besonnt, wenn Son- halb der Bezugsebene haben nur ge- hängig von der Dachneigung
nenstrahlen bei einer Sonnenhöhe von ringen Einfluß auf den Tageslichtquo-
tienten. Da die Höhe der Fensteroberkante
mindestens 6° in den Raum einfallen (Außenkante Markisenkasten) bei
können. Als Nachweisort gilt die Fen- Bauteile im Fensterbereich (z. B. Son- 2,00 m und die Fensterunterkante bei
stermitte in Brüstungshöhe und Fassa- nenschutzvorrichtungen, Balkone, 0,90 m bzw. 1,10 m festliegt, ist die be-
denebene. Die Besonnung eines Ge- Lichtenksysteme) beeinflussen ebenfall nötigte Fensterlänge abhängig von der
bäudevorbaus, z. B. eines Erkers, gilt den Wert des Tageslichtquotienten und Dachneigung. Sie ist bei flachen Dach-
nicht als Besonnung des Raumes. die Lichtverteilung im Innenraum. neigungen größer als bei steilen.
Ein Wohnraum gilt als ausreichend be- Empfehlung: Die nebenstehende Tabelle „Dach-
sonnt, wenn seine Besonnungsdauer Je höher die Fensteroberkante, flächenfenster ohne Aufkeilrahmen“,
am 17. Januar mindestens 1 h beträgt. desto mehr Licht zeigt, dass sich bei obenbedienten
Eine Wohnung gilt als ausreichend Fenstern unterhalb von 39°, bei unten-
besonnt, wenn in ihr mindestens ein Zu berücksichtigen ist aber, dass die bedienten Fenstern 30°, längenrichtige
Wohnraum ausreichend besonnt wird. bei Dachflächenfenstern bevorzugte Fenster nicht mehr einbauen lassen,
Obenbedienung bei Höhen über weil es Dachflächenfenster über 1,60 m
2,00 m nur schwer zu erreichen ist. Länge konstruktionsbedingt nicht gibt.
2.5 Sichtverbindung nach außen
DIN 5034 Teil 1 Absatz 4.2.1 be- 4. Die Fensterunterkante ist ent-
schreibt: scheidend für den Ausblick- Regel:
komfort ■ Steilere Dächer erfordern kürzere
Entwicklungsgeschichtlich ist der Fenster
Mensch hauptsächlich auf visuelle DIN 5034 Teil 1, Absatz 4 weist zu ■ Flachere Dächer erfordern länge-
Wahrnehmungen bei Tageslicht an- Recht darauf hin, dass die Funktion re Fenster
gepaßt. Die Wahrnehmung des mit von Fenstern nicht nur in der Belich-
Tages- und Jahreszeit veränderlichen tung und Belüftung von Räumen liegt,
Abhilfe kann geschaffen werden durch
Hell-Dunkel-Wechsels, der wechseln- sondern auch in der Schaffung des
die bekannten Aufkeilrahmen, durch
den Lichtfarben und der Wettererschei- Sichtkontaktes zur Umwelt.
die Fenster 10° steiler als die Dach-
nungen ist für sein Wohlbefinden för- Für einen zufriedestellenden Sichtkontakt neigung eingebaut werden.
derlich. Deswegen ist es notwendig, zwischen Innen- und Außenraum müs-
Aufenthaltsräume mit durchsichtig, Die Tabelle „Dachflächenfenster mit
sen die Fenster genügend groß sein.
verzerrungsfrei und möglichst farb- Aufkeilrahmen“ zeigt, dass längenrichti-
neutral verglasten Fenstern in Augen- ge Fenster mit Aufkeilrahmen noch bei
höhe der im Raum sitzenden bzw. Es gilt die Regel: Dachneigungen bis 29° (Obenbedie-
stehenden Personen auszustatten. Je niedriger die Fensterunterkante, nung), bzw. 20° (Untenbedienung),
desto besser der Ausblickkomfort. eingebaut werden können.
Oberlichter erlauben zwar eine Orien-
tierung hinsichtlich Wetter und Tages-
zeit, tragen aber zur Sichtverbindung
nach außen im allgemeinen nicht bei.
Oberlichter können daher Fenster im
Hinblick auf deren psychische Bedeu-
tung nicht ersetzen, bewirken aber bei
zweckmäßiger Anordnung eine gleich-
mäßigere Beleuchtung als Fenster.
Damit Wohnräume eine ausreichende
Sichtverbindung nach außen besitzen,
sollten Fenster in Wohnräumen be-
stimmte Anforderungen erfüllen.

3. Die Fensteroberkante ist ent-


scheidend für die Lichtmenge
DIN 5034, Teil 1, erklärt in Absatz 5.1
Räume mit Fenstern: Bild 4: Ausblick

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Dachflächenfenster ohne Aufkeilrahmen

Dachflächenfenster mit Aufkeilrahmen

43
Eine Erhöhung des Ausblickkomforts Fenster in der Mitte der Außenwand 7. Planungsempfehlungen für
nach unten kann geschaffen werden angeordnet wird. In Räumen mit größe- Fenster in Senkrechträumen
durch Elemente, die das Fenster nach rer Raumtiefe kann die Gleichmäßigkeit DIN 5034 Teil 1 schreibt unter 4.1
unten verlängern. gegebenenfalls durch Anordnung von Allgemeines:
Hier bietet die Industrie Lösungen mit Fenstern in einander gegenüberliegen-
den Wänden verbessert werden. Siehe Fenster haben zwei Hauptaufgaben,
fest angebauten Elementen und woraus unterschiedliche Anforde-
Zusatzelementen, die unterhalb des Bild 5 „Anordnung der Fenster im
Raum“. rungen resultieren. Sie ermöglichen
Fensters montiert werden. einen Sichtkontakt zwischen Innen-
Solche Zusatzelemente gibt es sowohl Neben der Größe der Fenster für die und Außenraum und erzeugen bei Tage
zur Verlängerung der Fenster in der Ausleuchtung ist aber auch ihre Anord- ein angenehmes Helligkeitsniveau im
Dachschräge als auch in einer senk- nung im Raum für die architek- Innenraum. Für beide Zwecke müssen
rechten Wand (Drempel/Kniestock). tonischen Belange von größter Wichtig- die Fenster genügend groß sein. Un-
keit; exakt genau in der Mitte und berührt davon bleibt die Innenraum-
symmetrisch ist oft langweilig. beleuchtung mit Tageslicht für bestim-
6. Die Fensteranordnung ist Wenn DIN 5034 (2,00 m, 0,90 m und mte Sehaufgaben.
wichtig für ausgeglichene 55 %) beachtet wird, erbringen Dach- Während DIN 5034 Teil 3 sich mit der
Helligkeit flächenfenster so viel Licht, dass eine ausführlichen Lichtberechnung befaßt,
DIN 5034 Teil 1, Absatz 5.1 erläutert symmetrische Anordnung meist nicht lassen sich in Teil 1, Absatz 4.2.2 ver-
zur Anordnung der Fenster in der erforderlich ist. einfachte Empfehlungen für die richtige
senkrechten Wand: Bemessung von Fenstergrößen für
Durch eine gleichmäßige Verteilung der Fenster in Räumen mit senkrechten
Fenster in der Außenwand ergibt sich Wänden ablesen, die nach aller Erfah-
Empfehlung: rung den geforderten Tageslichtquo-
eine größere Gleichmäßigkeit der Be- Dachflächenfenster können und
leuchtung als bei Anordnung der Fen- tienten sicherstellen:
sollten aufgrund ihrer günstigen Licht-
ster am Rand der Fensterwand. In werte so eingebaut werden, wie es ■ Die Oberkante der durchsichtigen
Räumen mit nur einem Fenster wird die architektonisch gewünscht wird. Fläche des Fensters (bzw. der
Gleichmäßigkeit am größten, wenn das Fenster) sollte mindestens 2,20 m
über dem Fußboden liegen.
■ Die Oberkante der Fenster-
brüstung sollte höchstens 0,90 m,
die Unterkante der durchsichti-
gen Fensterteile höchstens 0,95 m
über dem Fußboden liegen.
■ Die Breite des durchsichtigen Teils
des Fensters (bzw. die Summe
der Breiten aller vorhandenen
Fenster) muss mindestens 55 % der
Breite des Wohnraumes betragen.“

Empfohlene Fenstermaße nach


DIN 5034 für Fenster in Räumen mit
senkrechten Wänden:
■ durchsichtige Fensteroberkante
mindestens 2,20 m über dem
Fußboden,
■ durchsichtige Fensterunterkante
höchstens 0,95 m über dem Fuß-
boden,
■ Durchsichtige Fensterbreite
mindestens 55 % der Raumbreite.

Die nebenstehende Tabelle schlüsselt


die Anforderungen an Fenster in Auf-
enthaltsräumen und Arbeitsräumen
Bild 5: Anordnung der Fenster im Raum  50 m² aus lichttechnischer Sicht auf.

44
45
8. Planungsempfehlungen für
Fenster im Dachgeschoß
Die Empfehlung für Aufenthaltsräume
mit senkrechten Wänden kann sinn-
gemäß für die Belichtung von Aufent-
haltsräumen unter dem geneigten Dach
übertragen werden, wobei jedoch die
Oberkante der Fenster nicht 2,20 m
betragen muss, sondern 2,00 m zu
empfehlen ist, weil
■ Dachräume in der Regel niedrigere
Raumhöhen haben (2,20 bis 2,30 m,
statt 2,40 bis 2,50 m),
■ ein ausreichender Ausblick nach
oben in den Himmel wegen der
schrägen Lage der Fenster auch bei Bild 6: Fenstermaße nach DIN 5034 (für Dachgeschoß abgeleitet)
Sturzhöhe von 2,00 m gesichert ist,
Die Empfehlung, Fensterunterkante Zu der Gruppe der liegenden Fenster
■ die bei Dachflächenfenstern bevor-
von 1,10 m für Fenster mit Unten- werden Fenster gerechnet, deren Ein-
zugte Obenbedienung bei einer zu
bedienung, ist ein Kompromiß zwi- baulage von der Senkrechten abweicht.
hohen Oberkante nur schwer zu
schen dem Wunsch nach gutem Aus- Alle in der geneigten Dach-fläche ein-
erreichen ist.
blick nach unten und einer bequemen gebauten Fenster werden folgerichtig
Bild 6 „Fenstermaße nach DIN 5034 Bedienung. als liegende Fenster bezeichnet; wie
(für Dachgeschoß abgeleitet)“ zeigt die Wird bei Fenstern mit Untenbedienung z. B. Dachflächenfenster oder Oberlich-
Fenstermaße nach DIN 5034 für Wohn- trotzdem der volle Ausblickkomfort te in Flachdächern, Sheddächern oder
räume mit senkrechten Wänden, sowie gewünscht, empfiehlt sich die Verlän- Pultdächern.
die hiervon für Wohnräume unter dem gerung der Fenster nach unten durch Stehende und liegende Fenster haben
geneigten Dach abgeleiteten Fenster- Zusatzelemente. eines gemeinsam: Sie belichten und
maße für Dachflächenfenster. belüften Wohn- und Arbeitsräume.
Damit erschöpfen sich aber auch die
Empfohlene Fenstermaße für Auf- 9. Drei Fenstersysteme – Ihre Vor-
Gemeinsamkeiten, denn bei dem Wie
enthaltsräume im Dachgeschoß und Nachteile:
gibt es große Unterschiede.
abgeleitet von DIN 5034 für Fenster in Dachflächenfenster, Dachgaube
Räumen mit senkrechten Wänden: oder Giebelfenster? Für Dachwohnräume kommen alle drei
■ Fensteroberkante In den Landesbauordnungen und der Fenstertypen zum Einsatz:
2,00 m über dem Fußboden, Literatur wird zwischen stehenden und ■ Dachflächenfenster,
■ Fensterunterkante liegenden Fenstern unterschieden. ■ Dachgauben,
0,90 m über dem Fußboden*, Zu der Gruppe der stehenden Fenster ■ Giebelfenster.
■ Durchsichtige Fensterbreite zählen Fenster, die senkrecht einge-
55% der Raumbreite. baut sind, wie z. B. Fenster in senk- Siehe Bild 7 „Lichteinfall bei Dach-
*) Die nach DIN 5034 empfohlene durchsichtige flächenfenster, Dachgaube und Giebel-
Fensterunterkante von 0,95 m sollte bei Dachflächen-
rechten Wänden, Giebelfenster oder
fenstern mit Untenbedienung auf ca. 1,10 m korrigiert auch Fenster in Gauben. fenster“.
werden, weil die Bedienung von Fenstern mit Unten-
bedienung bei einer zu niedrigen Fensterunterkante
unbequem ist

Bild 7: Lichteinfall bei Dachflächenfenster, Dachgaube und Giebelfenster

46
Vor- und Nachteile der drei Fenster-
systeme
Die Vor- und Nachteile dieser drei
Fenstersysteme werden aufgeschlüs-
selt nach Lichtmenge, Lichteinfall,
Anordnung im Gebäude, Anschaf-
fungskosten, Einbau und Einbau-
kosten, Wärmedämmung, Wärme-
gewinn durch Sonneneinstrahlung,
sommerlicher Wärmeschutz, Bau-
genehmigung und Stellmöglichkeit der
Möbel. Sie sind in der obenstehenden
Tabelle aufgeführt und zusammen-
gefaßt.

Bild 8 „Lichtmenge durch direkte Son-


nenstrahlen“ zeigt den Lichteinfall für
liegende und stehende Fenster, für
Dachflächenfenster und Dachgauben in
Abhängigkeit vom Einfallswinkel:
■ bei auf- und untergehender Mor-
gen- und Abendsonne:
beide Fenstersysteme bringen
gleich viel Licht;
■ bei geneigter Vor- und Nachmittags-
sonne:
das liegende Fenster bringt mehr
Licht;
■ bei steilstehender Mittagssonne:
das liegende Fenster bringt viel Bild 8: Lichtmenge durch direkte Sonnenstrahlen

47
Empfehlung: Empfehlung: nungs- und Tageslichtplanung,
■ Wo der Stil des Hauses es er- Statt kastenförmiger Fensterinnen- -1, Verlag Karl Hoffmann,
fordert, sollten Dachgauben futter Schorndorf, 1954;
eingebaut werden. Dachgauben ■ das lnnenfutterteil über dem ■ der sogenannte Daylight Protractor:
vergrößern die nutzbare Wohn- Fenster waagerecht und Langmore, J., The BRS Day-
fläche. ■ das Teil unter dem Fenster senk- light Protractor, H.M.S.O.,
■ Giebelfenster sollten nur dann recht konstruieren. London 1986.
zum Einsatz gelangen, wenn Achtung: Dafür ist ein ausreichend
ausreichend Senkrechtwände großer Wechselabstand erforderlich. Zunächst wird in diesem Anhang die
für hohe Möbel vorhanden sind. Berechnung mit den für alle einfach
■ Dachflächenfenster ergeben die anzuwendenden graphischen Hilfs-
11. Farbe von Fensterinnenfutter mitteln, dem Himmelslichtdiagramm,
besten Lichtwerte und sind
und Raumausstattung Raumwirkungsgraddiagramm und
darüberhinaus auch noch die
kostengünstigste Lösung. Licht wird an helleren Flächen stärker einem Nomogramm durchgeführt,
reflektiert als an dunklen Flächen. danach erfolgt die Berechnung mit Hilfe
So erhellen lnnenfutter mit weißer von Integralen. Anschließend werden
10. Fensterinnenfutter und Licht- Oberfläche den Innenraum zusätzlich die Punkte 12.3 bis 12.8 behandelt.
einfall und erbringen gleichmäßigere Aus-
leuchtung der Wohnräume. Gleiches Das Berechnungsbeispiel ist gedacht
Der Lichteintritt und die Lichtmenge für
gilt auch für lnnenwände, Decken, für diejenigen, die sich eingehender mit
Aufenthaltsräume im Dachgeschoß ist
Fußböden, Innenausstattung, Gardinen dem Thema Lichtberechnung befassen
abhängig von der Konstruktion des
und Möbel und Lichtberechnungen selbst durch-
Fensterinnenfutters.
führen wollen.
■ Kastenfutter engen den Lichteinfall Empfehlung:
ein. ■ Innenfutter mit weißer Oberfläche Die Belichtung eines Aufenthaltsraums
■ Oben waagerechte und unten und wird nach DIN 5034, Teil 3 mit Hilfe des
senkrechte Fensterinnenfutter ■ helle Raumaustattung bringen Tageslichtquotienten D an Hand der
vergrößern den Lichteinfall. mehr Licht. Rohbaumaße und der lichten Fenster-
■ Eine hochgezogene obere Kante maße (Index r für Rohbau) ermittelt
vergrößert den Lichteinfall um vieles nach der Formel:
mehr als eine vergleichsweise 12 Anhang
gleichgroße Verbreiterung des D = (DHr + DVr + DRr ) ● D65 ● k1 ● k2 ● k3
Fensters. Siehe Bild 9: „Fenster- 12.1 Ausführliches Berechnungs-
innenfutter, Lichteinfall“. beispiel wobei
D der Tageslichtquotient des
DIN 5034, Teil 3, Berechnung, Ausgabe fertigen, möblierten Aufenthalts-
September 1994 errechnet den Tages- raumes ist,
lichtquotienten mit Hilfe von Inte- DHr der Himmelslichtanteil für Rohbau-
gralen. Das setzt die Beherrschung maße,
der Integralrechnung voraus und ist DVr der Außenreflexionsanteil für Roh-
nicht jedermanns Sache. baumaße,
DRr der Innenreflexionsanteil für Roh-
So hat die neue Ausgabe denn auch baumaße,
die Ermittlung des Tageslichtquotienten D65 der Transmissionsgrad der
weiterhin nach alter Verfahrensweise Scheibe,
zugelassen. k1 ein Faktor für Konstruktionsteile,
k2 Faktor für Scheibenverschmut-
Auf Seite 5 wird angemerkt: DHr und zung und
DVr (r für Rohbau) kann auch mit gra- k3 ein Korrekturfaktor für nicht senk-
phischen Hilfsmitteln bestimmt rechten Lichteinfall.
werden. Verwendet werden vor allem
das Himmelslichtdiagramm.

Anwendungsbeispiel siehe:
■ Fischer, U., Tageslichttechnik, Ver-
lagsgesellschaft Rudolf Müller, Köln,
1982;
■ die stereographische Projektion
nach Tonne:
Bild 9: Fensterinnenfutter, Lichteinfall Tonne, F., Besser bauen mit Beson-

48
flächenfenster, Maße – Berechnungs-
werte“ zeigt neben den Maßen der
Bauzeichnung die bereits errechneten
Winkel-Werte bezogen auf den linken
Bezugspunkt P. In der Praxis wird nach
Bauplan, Skizze, Vorlage oder EDV-
Programm berechnet.
Weil das Fenster mittig in der Dach-
fläche liegt, erhält jeder Bezugspunkt
die gleiche Lichtmenge. Daher hätte
auch der rechte Bezugspunkt gewählt
werden können.
Der Fensterhöhenwinkel liegt zwischen
oberer Fensterbegrenzung und Be-
zugsebene.
Der Verbauungshöhenwinkel liegt
zwischen Bezugsebene und Oberkante
der Verbauung.
Der Verbauungswinkel (Verbauungs-
Abstandswinkel) wird gemessen von
der Außenscheibe des Fensters und
einer durch die Fenstermitte verlau-
fenden, waagerechten Bezugsebene
sowie der Oberkante der Verbauung.
Da der Bezugspunkt – rechtwinklig
zum Fenster gesehen – zur Fenster-
Bild 10: Dachwohnraum mit Dachflächenfenster, Maße – Berechnungswerte öffnung asymmetrisch liegt, ergeben
sich unterschiedliche linke und rechte
12.1.1 Situationsbeschreibung des ■ waagerechte Abstandstiefe* Fenster- und Verbauungsbreitenwinkel.
Berechnungsbeispiels OK-Fenster im Schnittpunkt
mit OK-Dacheindeckung bis Bei der Errechnung der Verbauungs-
Gegeben: breitenwinkel ist zu beachten, dass
Innenkante Außenwand 53,7 cm,
Dachwohnraum mit Dachflächen- vom Bezugspunkt die Enden der (in
■ Fensterabstand links bis Innen-
fenster diesem Beispiel) durchgehenden,
wand 81 cm (Draufsicht).
Raummaße (Rohbau): gleichhohen Verbauung nicht gesehen
Fenstermaße: (lichte Maße)
werden können.
Breite 400 cm, Tiefe 400 cm, Höhe Breite 238 cm, Länge 127 cm,
220 cm, Wanddicke 25 cm, Dach- Da das Fenster den Ausblick rechts
Dicke der Fensterrahmen umlau-
dicke 30 cm, innere Abseitenhöhe und links begrenzt, nehmen die Ver-
fend 9 cm, Rohbau-Fensterfläche
14 cm. bauungsbreitenwinkel folgerichtig die
3,02 m², Lichtfläche 2,40 m².
Werte der Fensterbreitenwinkel an.
Dachneigung: Verbauung:
geneigtes Dach mit Dachschräge In diesem Fallbeispiel sind also Fen-
gegenüberliegende, durchgehende,
65°. ster- und Verbauungsbreitenwinkel
geschlossene, gleichhohe Parallel-
gleich.
Dachöffnung (Rohbau): bebauung:
Wäre die Verbauung kleiner und/oder
Gesamt-Breite 238 cm*, Höhe 1100 cm, Abstand 2750 cm.
läge sie innerhalb des Fensteraus-
Gesamt-Länge 127 cm*, * Die Fenstermaße sind nach DIN 5034- blicks, ergäben sich andere Verbau-
Fensterfläche (Rohbaumaß) 3,02 m². Empfehlung festgelegt:
ungsbreitenwinkel und die Berechnung
■ Fensteroberkante 200 cm,
Fenster: Fensterunterkante 85 cm
müßte mit diesen Verbauungsbreiten-
ein Dachflächenfenster mit Norm- (hier identisch mit Höhe Bezugsebene), winkeln durchgeführt werden.
Isolierglasscheibe, ■ Durchsichtige Fensterbreite mindestens
55 % der Raumbreite,
■ Dachneigung = Fenster- ■ Durchsichtige Fensterbreite / Raum- 12.1.3 Errechnung des Himmels-
neigung = 65°, breite = (238 - (2 ● 9)) / 400) ● 100 % lichtanteils DHr
■ Fensterscheibe = Außenseite = 55 %. Zur Ermittlung des Himmelslichtanteils
Dacheindeckung, wird das Himmelslichtdiagramm benö-
■ senkrechter Höhenabstand 12.1.2 Errechnung der Höhen- und tigt, das ausführlich unter Punkt 12.5
OK-Fenster bis OK fertiger Breitenwinkel „Himmelslichtdiagramm und Himmels-
Fußboden 200 cm, Bild 10 „Dachwohnraum mit Dach- lichtanteil“ erläutert wird.

49
Lichtmenge mit 80 Netzeinheiten.
Der Himmelslichtanteil des nicht ver-
bauten Raumes ergibt sich unter Be-
rücksichtigung des für dieses Himmels-
lichtdiagramm zu verwendenden
Umrechnungsfaktors
M = 0,05 % (siehe 12.5):
DHFr = FF ● M = 80 ● 0,05 = 4,0 %.
Dieser Wert DHFr (r für Rohbau) vermindert
sich aber durch den Verbauungsanteil.
Die in die Ermittlung einzusetzenden
Verbauungsbreitenwinkel sind die
gleichen wie die Fensterbreitenwinkel
(siehe 12.1.2). Zu markieren sind:
■ links der Verbauungsbreitenwinkel
links Vl mit 6,3°. Die von hier zu
ziehende senkrechte Linie existiert
bereits.
■ rechts der Verbauungsbreiten-
winkel rechts Vr mit 51,7°. Auch
diese von hier zu ziehende senk-
rechte Linie existiert bereits.
■ Der Verbauungshöhenwinkel
beträgt 20,3°. Dieser Wert wird
ebenfalls auf der senkrechten Mittel-
linie markiert und parallel zu den
vorhandenen Kurven die Höhenlinie
für die Verbauung gezogen.
Innerhalb dieser drei Linienbegren-
zungen und der Grundlinie werden die
Kästchen bzw. die Netzeinheiten aus-
gezählt. Es sind 19 NE.

Bild 11: Himmelslichtanteil, Flächen im Himmelslichtdiagramm Die vom Bezugspunkt P aus sichtbare
Verbauung entspricht im Himmels-
In Bild 11 „Himmelslichtanteil, Flächen eine Linie senkrecht nach oben lichtdiagramm also der durch die Flä-
im Himmelslichtdiagramm“ sind die gezogen. che der Verbauung FV verminderten
Netzeinheiten und das Ergebnis des ■ rechts der Fensterbreitenwinkel Lichtmenge mit 19 Netzeinheiten.
Himmelslichtanteils zusammengestellt. rechts Fr mit 51,7° und von hier
ebenfalls eine Linie senkrecht nach Der Himmelslichtanteil DHVr (r für Roh-
Für die Ermittlung des Himmelslichtan-
oben gezogen. bau), der durch die Verbauung ab-
teils DHr werden zunächst die errechne-
ten Höhen- und Breitenwinkel in das ■ Der Fensterhöhenwinkel F beträgt geschirmt wird, ergibt sich aus der
38,2°. Er wird auf der senkrechten Formel:
Himmelslichtdiagramm übertragen:
Mittellinie markiert und die Höhen-
Breitenwinkel: DHVr = FV ● M = 19 ● 0,05 = 0,95 %.
linie für das Fenster parallel zu den
Fensterbreitenwinkel links Fl 6,3° vorhandenen, durchgehenden Kur- Der reine Himmelslichtanteil DHr, der im
Fensterbreitenwinkel rechts Fr 51,7° ven bis zu den bereits eingezeich- Bezugspunkt P zu sehen ist, errechnet
neten Senkrechten der Fenster- sich:
Verbauungsbreitenwinkel links Vl 6,3°
breitenwinkel gezogen.
Verbauungsbreitenwinkel rechts Vr 51,7° DHr = (FF - FV) ● M
Höhenwinkel: Innerhalb der drei Linienbegrenzungen
und der Grundlinie werden die Käst- = (80 - 19) ● 0,05 = 3,05 %
Fensterhöhenwinkel F 38,2° chen, das heißt die Netzeinheiten oder aus der Differenz beider Himmels-
Verbauungshöhenwinkel V 20,3° ausgezählt. Es sind 80 NE. lichtanteile:
Im Himmelslichtdiagramm werden nun Der vom Bezugspunkt P aus sichtbare
diese Winkel markiert: DHr = DHFr - DHVr
Himmelsausschnitt entspricht im Him-
■ links der Fensterbreitenwinkel links melslichtdiagramm also der durch die = 4,0 % - 0,95 % = 3,05 %
Fl mit 6,3° und von diesem Punkt Fläche des Fensters FF einfallenden DHr = 3,05 %

50
12.1.4 Errechnung des Außen- 0,5751 Quotient FW / FR punkt mit der mittleren Skala mit 3
reflexionsanteils DVr Wandfläche zu Raumober- bedacht.
Der Außenreflexionsanteil DVr (r für Roh- fläche Wenn keine Verbauung vorhanden
bau) errechnet sich nach der Formel: Für diesen Wohnraum wurden mittel- wäre, würde hier der lnnenreflexions-
DVr = FV ● M ● LD / 100 in % helle Wände, dunkler Boden und Mö- anteil ohne Verbauung mit 0,9 % abge-
blierung sowie helle Decke mit einem lesen.
wobei durchschnittlichen Reflexionsgrad von Es gibt aber eine Verbauung; des-
FV die Fläche der Verbauung im W = 0,3 festgestellt. wegen muss der wirkliche lnnenrefle-
Himmelslichtdiagramm in NE, Zur Ermittlung des Raumwirkungs- xionsanteil, der lnnenreflexionsanteil mit
M der Umrechnungsfakor in % grades dient das Diagramm in Bild 12 Verbauung, noch ermittelt werden.
für dieses Himmelslichtdiagramm „Raumwirkungsgrad, für Verhältnis
und Dabei hilft der in Bild 10 „Dachwohn-
Wandfläche zu Raumoberfläche“. raum mit Dachflächenfenster, Maße -
LD die Leuchtdichte der Verbauung
mit 15% ist. Berechnungswerte“ errechnete Ver-
bauungswinkel:
DVr = 19 ● 0,05 ● 15 / 100 ⬇ 0,14 %
Verbauungsabstandswinkel  = 20,4°.
Der Außenreflexionsanteil ist der Anteil
der Beleuchtung, der als Reflexion von Er wird auf der Skala „Verbauungs-
der Verbauung in den Aufenthaltsraum abstandswinkel '“ markiert und mit 4
strahlt. bezeichnet.
Von diesem Punkt 4 wird durch
12.1.5 Ermittlung des Innen- Punkt 3 dem Schnittpunkt auf der
reflexionsanteils DRr mittleren Skala eine Verlängerung zur
Der Innenreflexionsanteil DRr wird an linken Skala „lnnenreflexionsanteil mit
Hand eines Diagramms und Nomo- Verbauung“ gezogen, die diese im
gramms ermittelt, wobei Fensterfläche Punkt 5 trifft.
FF, Wandfläche FW, Raumoberfläche FR Hier wird der gesuchte Innenreflexions-
sowie die Quotienten Fensterfläche zu Anteil mit Verbauung (r für Rohbau)
Raumoberfläche und Wandfläche zu abgelesen.
Raumoberfläche zu errechnen sind. DRr = 0,76 %
Zur Wandfläche zählen lnnenflächen
von Rückwand, beide Seitenwände 12.1.6 Tageslichtquotient D
und Vorderwand, also alle Seiten- Ergebnis ermittelt mit
wände, wobei die Fensterfläche mitge- Bild 12: Raumwirkungsgrad, für Verhältnis graphischen Hilfsmitteln
rechnet wird. Wandfläche zur Raumoberfläche
Zur Raumoberfläche werden Wandflä- Nun bleibt noch die Einzelergebnisse
chen plus Innenflächen von Decke und Der Quotient Wandfläche zu Raum- zu addieren und mit Minderungs- bzw.
Boden gerechnet. oberfläche mit 0,5751 wird auf der Schwächungsfaktoren zu korrigieren,
Abszisse des Diagramms in Bild 12 weil das Licht im bewohnten Raum
Errechnete Flächen (Rohbaumaße):
markiert und eine Senkrechte nach nicht durch die Rohbauöffnung, son-
13,02 m² Fenster oben gezogen, bis sie die Parameter- dern durch die kleinere Lichtfläche des
19,64 m² Rückwand (Abseite und kurve Wandreflexionsgrad W = 0,3 (für Fensters dringt und verschmutzte
Schräge) dunkle Flächen) trifft. Scheiben Licht schlucken.
19,64 m² Vorderwand (Abseite und
Der Raumwirkungsgrad R wird mit Diese Faktoren sind:
Schräge)
0,39 interpolierend abgelesen. D65 Transmissionsgrad der Scheibe,
13,64 m² beide Seitenwände
16,00 m² Boden In Bild 13 „Innenreflexionsanteil für ein- für Norm-Isolierglasscheibe:
18,32 m² Decke seitig befensterte Aufenthaltsräume“ 0,8. Infolge der Anforderungen
(siehe Seite 20) wird in dem Nomo- der WSV werden heute nur
32,92 m² Wandfläche gramm der Raumwirkungsgrad R mit beschichtete Glasscheiben für
(Rück-,Vorder- u. Seiten- 0,39 auf der Skala „Raumwirkungs- Aufenthaltsräume eingesetzt,
wände) grad“ markiert und mit 1 bezeichnet. deren Transmissionsgrad
57,24 m² Raumoberfläche Auf der Skala „Fensteröffnung zu niedriger (z. B. 0,76) liegt.
(Wandflächen, Boden und Raumoberfläche“ wird der Quotient k1 Verminderungsfaktor für Rahmen
Decke) Fensteröffnung zu Raumoberfläche und Sprossenwerk: 0,79;
Daraus Quotienten: FF/FR mit 0,0528 markiert und mit 2 siehe Bild 14 „Schwächungsfaktor
0,0528 Quotient FF / FR bezeichnet. k1“
Fensteröffnung zu Raum- Beide Markierungspunkte werden mit- k2 Verminderungsfaktor für Schei-
oberfläche einander verbunden und der Schnitt- benverschmutzung 0,9;

51
Bild 13: Innenreflexionsanteil für einseitig befensterte Aufenthaltsräume

aus DIN 5034-3, Seite 4, Tabelle 1: Im nächsten Kapitel 12.2 wird der Ta-
Abhängigkeit des Verminderungs- geslichtquotient mit Formeln der Inte-
faktors k2 vom Maß der Ver- gralrechnung ermittelt.
schmutzung,
Nach Bewertung beider Methoden und
k3 Korrekturfaktor für nicht senk- nach Abwägung aller Vor- und Nachtei-
rechten Lichteinfall. Für die übliche le kann sich jeder für die für ihn günsti-
Doppelverglasung pauschal 0,85. gere Methode der Ermittlung entschei-
In der früher geltenden Norm 5034 gab den.
es diesen Korrekturfaktor k3 für nicht
senkrechten Lichteinfall noch nicht.
Daher differieren alle früher errechneten 12.2 Ausführliches Berechnungs-
Tageslichtquotienten auch um diesen beispiel mit Formeln der Inte-
Anteil. gralrechnung
In den Kapiteln 12.1 bis 12.1.6 wurde
Frühere Ergebnisse sind also nicht die Ermittlung des Tageslichtquotienten
direkt mit den heute ermittelten zu ver- mit graphischen Hilfsmitteln aufgezeigt.
gleichen, es sei denn, sie werden um Bild 14: Schwächungsfaktor k1 In diesem Kapitel soll, entsprechend
diesen k3-Wert angepaßt. DIN 5034, Teil 3 vom September 1994,
Der Tageslichtquotient D wird errech- und an einem der Bezugspunkte min- der Tageslichtquotient mit Hilfe von
net: destens 0,75 % betragen soll (in die- Integralen für ein und denselben Wohn-
D = (DHr+DVr+DRr) ● D65 ● k1 ● k2 ● sem Raum erhalten beide Bezugs- raum errechnet werden.
D = k3 punkte die gleiche Lichtmenge), ist die In Punkt 12.1.1 „Situationsbeschrei-
vom Tageslicht in diesem Wohnraum bung des Berechnungsbeispiels“ und
D = (3,05 + 0,14 + 0,76) ● 0,76 ● erzeugte Helligkeit im Rahmen ihrer in Bild 10 „Dachwohnraum mit Dachflä-
D = 0,79 ● 0,9 ● 0,85 psychischen Bedeutung ausreichend chenfenster, Maße – Berechnungswer-
und das Rauminnere gut beleuchtet. te“ wird der Dachwohnraum mit einem
D = 1,81 %
Da sowohl die gesetzlichen Vorschrif- Dachflächenfenster und einer gegen-
Da der Tageslichtquotient im vorgege- ten, wie auch die Vorgaben der DIN überliegenden, durchgehenden Ver-
benen Bezugspunkt im Mittel der bei- 5034 erfüllt sind, ist dieser Raum vor- bauung zeichnerisch dargestellt und
den Bezugspunkte mindesten 0,9 % bildlich ausgestattet. verbal beschrieben.

52
Bild 15: Maßbezeichnungen für Berechnung nach DIN 5034-3, Stand Sept. 1994
Der Tageslichtquotient D setzt sich, wie Diese Vorgaben stammen zum Teil aus DH = 3,05 %
früher schon erwähnt, aus drei Anteilen der Rohbauzeichnung siehe Bild 10
Beide Ergebnisse unterscheiden sich,
zusammen: „Dachwohnraum mit Dachflächenfen-
aber erst auf der zweiten Stelle hinter
■ dem Himmelslichtanteil DH, ster, Maße – Berechnungswerte“, zum
dem Komma.
■ dem Außenreflexionsanteil DV und Teil aus Bild 15 „Maßbezeichnungen für
Berechnung nach DIN 5034-3, Stand Die Unterschiede ergeben sich durch
■ dem Innenreflexionsanteil DR, Rechengenauigkeit, die im Mathcad-
Sept. 1994“. Der Aufbau eines Arbeits-
wobei nach heute gültiger Norm diese blattes ist immer gleich: Vorgaben, programm mit dessen vollständiger
Anteile mit Indizes versehen sind, da Berechnung, Ergebnis. Eine Eigenart Genauigkeit (bis zu 15 Ziffern), bei der
sie zunächst im Rahmen der Baupla- des eingesetzten Programms ist zu Ermittlung mit graphischen Hilfsmitteln
nung mit den Rohbaumaßen (daher beachten: Statt z. B. sin3 schreibt mit meist nur einer Stelle hinter dem
Index r) ermittelt werden: Mathcad sin()3. Komma erfolgt.
Dr = DHr + DVr + DRr Die Übereinstimmung der Ergebnisse
ist daher mit gut zu bezeichnen.
Die abschließende Errechnung des Himmelslichtanteil DHr
Tageslichtquotienten D für den fertigen,
In den auf den Seiten 22 und 23 abge-
möblierten Wohnraum berücksichtigt Außenreflexionsanteil DVr
druckten Mathcad Arbeitsblättern wer-
die Lichtreduktion durch Verglasung, Der Außenreflexionsanteil DVr wird bei
den für den linken Bezugspunkt P er-
Konstruktionsteile des Fensters und die bedecktem Himmel für eine vom Be-
rechnet:
Verschmutzung der Scheiben durch zugspunkt P
Multiplikation mit Minderungsfaktoren. ■ alle Zwischenmaße,
■ Höhen- sowie linke und rechte ■ unter den Winkeln V, Vl und Vr
Nach heute gültiger DIN kommt zusätz-
Breitenwinkel gesehene Verbauung
lich ein Korrekturfaktor k3 für nicht
senkrechten Lichteinfall hinzu, der für ■ der Fenster F, Fl und Fr auf den abgedruckten Mathcad-Arbeits-
Doppelverglasungen gilt und pauschal ■ der Verbauung V, Vl und Vr blättern, berechnet (Seite 57 und 58).
mit 0,85 angenommen wird. ■ der Himmelslichtanteil DHr bei Außenreflexionsanteil DVr (r für Rohbau)
Alle Berechnungen wurden mit Hilfe bedecktem Himmel. für die beschriebene Rohbauwohnung
des EDV-Mathematik-Programms Das Ergebnis der Berechnung lautet: errechnet sich zu
Mathcad 2000 durchgeführt. Mathcad DVr = 0,14 %,
DHr = 3,00 %
führt Berechnungen in einem Arbeits- Ergebnis wie mit graphischen Hilfs-
blatt durch. Darin werden zunächst alle Das Ergebnis des mit graphischen
mitteln.
benötigten Vorgaben aufgeführt. Hilfsmitteln erzielten Wertes lautet:

53
Innenreflexionsanteil DRr und differiert damit zu dem Ergebnis
Für die Berechnung des Innenrefle- durch graphische Hilfsmittel von D =
xionsanteils werden Wand-, Boden- 1,81 % um 0,01 %, eine kaum meßbare
und Deckenoberflächen sowie die Differenz.
Raumbegrenzungsfläche benötigt. Die Ergebnisse stimmen nicht nur
Weiter gehen die Reflexionsgrade für hinreichend genau überein, sondern
mittelhelle Wände, dunklem Boden und sind fast gleich.
heller Decke in die Rechnung ein. So kann sowohl die Methode
Ein Wohnraum unter dem geneigten ■ Ermittlung des Tageslichtquotienten
Dach unterscheidet sich aber grund- mit graphischen Hilfsmitteln,
sätzlich von Senkrechträumen. Wäh- ■ als auch die Errechnung mit Hilfe
rend die Raumober- und Raumbegren- von Integralen
zungsflächen von Senkrechträumen auf
Grund ihrer Winkligkeit schnell und bedenkenlos eingesetzt werden.
einfach errechnet sind, müssen diejeni-
gen von Dachwohnungen mit schrägen
Wänden erst durch Rechenfunktionen
ermittelt werden. Außerdem ist die
Deckenfläche kleiner als die des Bo-
dens.
Der Innenreflexionsanteil (siehe Math-
cad-Berechnungsblätter auf den Seiten
59, 60 und 61) – beträgt:
DRr = 0,76 %,
Ergebnis wie mit graphischen Hilfs-
mitteln
Tageslichtquotient D
Der Tageslichtquotient D wird zunächst
als Tageslichtquotient für den Rohbau
Dr errechnet.
Dr = DHr + DVr + DRr
Ein bewohnter Aufenthaltsraum hat
Fenster, deren Scheiben einen Teil des
Lichtes schlucken D65, Doppelvergla-
sungen (Klarglas) lassen nur 80 % des
Lichtes herein. Scheiben können zu-
sätzlich verschmutzt sein k2 und das
Fenster selbst verkleinert die Rohbau-
öffnung durch Rahmen und Sprossen
k1.
DIN 5034, Teil 3, Stand September
1994 gibt noch einen weiteren Faktor
vor: k3, Korrekturfaktor für nicht senk-
recht einfallendes Licht.
Der Tageslichtquotient Dr (r für den
Rohbau) wird mit diesen vier Faktoren
multipliziert und dadurch reduziert.
So errechnet sich der endgültige Ta-
geslichtquotient für den fertigen, mö-
blierten Aufenthaltsraum, separat
aufzurufen unter „Tageslichtquo-
tient.mcd“ nach der Formel:
D = Dr ● D65 ● k1 ● k2 ● k3D
D = 1,80 %D

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12.3 Warum ist eine psychisch textlich noch beispielhaft behandelt, flächenfensters wird größer, und die
richtige Belichtung obwohl die Ermittlung des Tageslicht- Winkelberechnung hat sich an der Nei-
erforderlich? quotienten in Räumen mit Oberlichtern gung zu orientieren.
Jeder Mensch braucht den Wechsel wie Lichtkuppeln in Flachdächern oder
Jeder, der einmal unter einem Dach-
von Tag und Nacht, damit sein Fenster in Sheddächern beschrieben
flächenfenster saß, stellte fest, dass
Biorhythmus, seine innere Uhr nicht wird. Man könnte so veranlaßt sein, die
das Fenster im oberen Teil sichtbar
durcheinandergeraten. Daher müssen Berechnung entsprechend Räumen mit
breiter ist als unten. Das aber kann
Aufenthaltsräume, wie Wohnräume, Oberlichtern DIN 5034, Teil 1, Abs. 5.2
wegen der Rechtwinkligkeit des Fen-
Schlafräume oder Arbeitsräume stets oder Teil 3, Absatz 3.7 durchzuführen.
sters nicht sein. Dennoch täuscht das
mit Tageslicht beleuchtet sein. Doch die Wohnraumhöhen unter ge-
Auge nicht! Es ist die Perspektive, die
neigten Dächern sind niedrig und
Fenster trennen Aufenthaltsräume von räumliche Geometrie, die oben einen
haben nur in Ausnahmefällen Über-
der Außenwelt. Sie schützen den größeren Winkel ergibt. Dieser Breiten-
kopfverglasungen. Außerdem kommen
Menschen aber auch vor den Unbilden winkel wird zunehmend kleiner, je wei-
der Witterung, vor Eis und Schnee, in der Berechnung nach der Methode
ter er nach unten wandert. So ist der
Hagel und Regen, Wind und Sturm. der Oberlichter die unterschiedlichen
Lichteinfalt in der oberen Fensterhälfte
und keineswegs zu vernachlässigen-
Fenster sollen ein angenehmes Heilig- auch größer als in der unteren.
den Lichtminderungen durch Verbau-
keitsniveau in Innenräumen erzeugen ungen nicht vor. Die Berücksichtigung Ein hinreichend genauer Mittelwert
und die Voraussetzung für die unter- aber der unterschiedlichen Verbau- ergibt sich durch den mittleren Breiten-
schiedlichen Sehaufgaben schaffen (ein ungen und der Raumgeometrie ins- winkel oder den Winkel, der sich in
Uhrmacher braucht mehr Licht als ein besondere für Wohnräume unter dem halber Höhe des Fensters ergibt. Durch
Grobschmied; zum Lesen von Kleinge- geneigten Dach ist unverzichtbar. Nur die Aufteilung der Netzeinheiten im
drucktem wird mehr Licht benötigt, als so wird der Tageslichtquotient mit Himmelslichtdiagramm liegt man bei
zum Lesen großer Überschriften). Je seinen Anteilen Himmelslicht, Außen- dieser Festlegung in der Berechnung
heller das Licht, desto besser die Stim- reflexion und lnnenreflexion ermittelt auf der sicheren Seite.
mung, das Wohlbefinden, die Anre-
und die verschiedenen Gegebenheiten
gung. Dämmriges Licht deprimiert, in Für Aufenthaltsräume unter dem ge-
der Verbauung und der Raumgeome-
Ausnahmefällen kann es entspannen. neigten Dach wird daher als maß-
trie berücksichtigt.
Dunkelheit erzeugt Unsicherheit und gebender Breitenwinkel des Fensters
Angst. Gefühlsbetonte, labile Men- In Senkrechträumen ist wegen der der mittlere Breitenwinkel ßF zu-
schen werden durch schwächeres Rechtwinkligkeit der Raumbegrenzung grunde gelegt, der sich bei halber
Licht angeregt, wirklichkeitsnahe Prag- in alle drei Richtungen eine Berechnung Fensterlänge ergibt und vom Bezugs-
matiker entfalten ihre Leistungsfähigkeit der Höhen- und Breitenwinkel einfach. punkt aus zu ermitteln ist. Alle weiteren
eher bei großen Lichtstärken. Bei Räumen unter dem geneigten für Senkrechtfenster gültigen Definitio-
Dach kommt jedoch die Neigung des nen der DIN 5034 bleiben bestehen.
Das Sonnenlicht beeinflußt auch das
natürliche Weiß, das unser Farbsehen Daches und Fensters als Variable hin-
zu. Siehe Bild 15 „Sonderfall geneigtes Der obere Ausschnitt im Dach be-
bestimmt. Direktes Sonnenlicht erzeugt grenzt den Fensterhöhenwinkel, der
auch Schatten, erhöht den Kontrast Dach“.
bis zur Waagerechten gemessen wird.
und die Farbwirkung. Lichtarme, son- Die Rechtwinkligkeit in einer Richtung
nenlose Wohnungen wirken trostlos geht verloren! Die Länge des Dach- Fo = oberer Fensterhöhenwinkel
und fördern den Trübsinn. Sonnen-
durchflutete Wohnungen stimmen
fröhlich.
Der freie Ausblick läßt uns Menschen
den Wechsel von Tag und Nacht, der
für unseren Kräftehaushalt und unser
Regenerationsvermögen verantwortlich
ist, miterleben und läßt uns am Um-
weltgeschehen teilnehmen.
Die Besonnung, auf deren psychische
und physiologische Auswirkungen wir
in unseren Breiten viel zu oft verzichten
müssen, ist in Innenräumen nur durch
große Fenster in ausreichender Menge
zu gewährleisten.

12.4 Sonderfall geneigtes Dach


Aufenthaltsräume unter dem geneigten
Dach werden von DIN 5034 weder Bild 15: Sonderfall geneigtes Dach

63
Während die Fensteroberkante bei durch gegenüberliegende, hohe, durch-
Senkrechtfenstern senkrecht über der gehende Gebäude überhaupt keinen
Fensterunterkante in der Außenwand Himmelslichtanteil mehr. Dies alles wird
plaziert ist, liegt die Fensteroberkante in der Berechnung berücksichtigt.
bei Dachflächenfenstern im Dach-
In der Praxis wird die Berechnung mit
geschoß nicht mehr über der Fenster-
Hilfe des Himmelslichtdiagramms
unterkante, sondern versetzt zum
durchgeführt.
Rauminneren, versetzt um die Ab-
standstiefe zum Bezugspunkt hin. In Bild 17 ist das Himmelslichtdia-
gramm dargestellt. Die Gesamtfläche
Die Oberkante liegt umso näher am
des Himmelslichtdiagramms ist in 1000
Bezugspunkt, je flacher das Dach und
Kästchen, die als Netzeinheiten (NE)
je länger das Fenster ist.
bezeichnet werden, eingeteilt (36 waa-
Dadurch wird der Lichteinfall bei Dach- gerecht und 27,77 (Periode) senkrecht).
flächenfenstern auch günstiger als bei Die Gesamtfläche entspricht dem
senkrecht stehenden Fenstern wie halben Himmelsgewölbe und damit
Gauben oder Giebelfenster und der 50 % des Himmelslichtanteils DH.
Himmelslichtanteil steigt stark an. Das ist
die Ursache für die Aussage des Volks- Hieraus ergibt sich für die Umrechnung
munds: „Velux Fenster sind heller“. von Flächen des Diagramms auf Him- Bild 16: Himmelslichtanteil
melslichtanteilswerte DH ein Umrech-
Wird ein Dachflächenfenster oder oben die Höhenwinkel für das Fenster
nungsfaktor M.
eine Dachgaube zu hoch oder zu F, für die Verbauung V aufgetragen
tief eingebaut, liegt die Fenster- M = (50 % /1000 NE) = 0,05 % je (ungleichförmige Teilung).
unterkante nicht mehr auf der Höhe der Netzeinheit
Bezugsebene von 85 cm. Es entsteht Die ausgezogenen Kurven a entspre-
Für ein Ergebnis werden die Netzeinhei- chen horizontalen Kanten der Fenster
ein unterer Höhenwinkel. ten ausgezählt und ihre Summe mit oder der Verbauung, die parallel zur
Fu = unterer Fensterhöhenwinkel 0,05 multipliziert. Fensterebene verlaufen. Die gestri-
Liegt die Fensterunterkante höher als 85 Von der Mittellinie des Himmelslichtdia- chelten Kurven b entsprechen horizon-
cm, gelangt weniger Licht in den gramms ausgehend, sind nach links talen Kanten, die senkrecht zur Fen-
Raum, was in der Berechnung durch ei- und rechts die Breitenwinkel ßl bzw. ßr sterebene verlaufen.
nen unteren Höhenwinkel und die da- zu erkennen (gleichförmige Teilung). Für
durch fehlenden Lichtanteile zu be- Im Kapitel 12.1.3 „Errechnung des
das/die Fenster werden daraus ßFl bzw.
rücksichtigen ist. Liegt die Fensterunter- Himmelslichtanteils Dhr“ wird gezeigt,
ßFr und für die Verbauung ßVl bzw. ßVr.
kante niedriger als 85 cm, gelangt zwar wie mit dem Himmelslichtdiagramm
Auf der Mittellinie sind von unten nach gearbeitet wird.
mehr Licht in den unteren Teil des
Raums, verändert aber die wirksame
Lichtmenge im oberen Teil nicht. So bleibt
dieser Lichtanteil unberücksichtigt.

12.5 Himmelslichtdiagramm und


Himmelslichtanteil
Vom Bezugspunkt ist der Himmel nur
teilweise zu sehen, weil er durch Fen-
sterrahmen, Zimmerwände und -dek-
ken oder die freie Sicht behindernde
Berge, Gebäude oder Bäume ab-
gedeckt ist. Nur dieser übrigbleibende,
sichtbare Himmelsabschnitt beleuchtet
den Aufenthaltsraum. Siehe Bild 16
„Himmelslichtanteil“.
Der Himmelslichtanteil DH wird ermittelt
durch die Beleuchtungsstärke, die der
vom Bezugspunkt P aus sichtbare
Himmelsabschnitt erzeugt.
Bei unverbauter Hanglage ist der Him-
melslichtanteil am größten, im Gebirge
wird er durch hohe Berge und Gelände-
erhebungen eingeschränkt, und in städ-
tischen Bebauungsgebieten gibt es oft Bild 17: Himmelslichtdiagramm

64
deshalb die vom Bezugspunkt P aus
sichtbaren Kanten dieser Licht-
hindernisse maßgebend. Auch eine
Verbauung durch Bodenerhebungen,
vorhandenen oder zu erwartenden
Baumbestand ist zu berücksichtigen.
Bei dichter Bebauung kann sich der
Verlust an direktem Himmelslicht durch
helle Oberflächen im Raum und be-
sonders an den gegenüberliegenden
Gebäuden etwas ausgleichen; grell-
weiße, bzw. zu helle Außenflächen
blenden bei Besonnung, so dass
Blendschutzvorrichtungen erforderlich
werden können.

Bild 18: Außenreflexionsanteil Die Leuchtdichte der Verbauung ist


Bild 19: Innenreflexionsanteil
vom Reflexionsgrad der Verbauung
12.5.1 Außenreflexionsanteil abhängig. So hat eine Backsteinwand
und Verbauung z. B. eine Leuchtdichte von 15 %. Reflexionsgrad  einer hellen Decke,
eines dunklen Bodens und der der
Licht, das auf Gebäudeflächen oder Fensterfläche mit 0,15 angenommen
sonstige Sichthindernisse trifft, wird 12.5.2 lnnenreflexionsanteil und wird, ergibt sich für den Raumwir-
reflektiert. Siehe Bild 18 „Außenrefle- Reflexionsgrade kungsgrad R der Wert nach Bild 12
xionsanteil“. „Raumwirkungsgrad, für Verhältnis
Licht, das in einen Raum fällt, wird an
Der Reflexionsgrad ist abhängig von Wandfläche zu Raumoberfläche“.
Wänden, Boden, Decke und Innen-
der Helligkeit der Reflexionsflächen. einrichtung reflektiert. Siehe Bild 19 „In- Zur Ermittlung des Raumwirkungs-
Der Außenreflexionsanteil DV wird nenreflexionsanteil“. grades ist die Festlegung des Wand-
ermittelt durch die Beleuchtungsstärke, reflexionsgrades W erforderlich, wobei
Der Innenreflexionsanteil DR wird er-
die durch reflektiertes Tageslicht er- der Unerfahrene leicht zu hohe Werte
mittelt durch die Beleuchtungsstärke,
zeugt wird, das zu Flächen von Ver- ansetzt. Im Zweifel sollten daher besser
die das reflektierte Tageslicht an Innen-
bauungen wie Häusern, Bäumen, niedrigere W-Werte gewählt werden,
raumflächen erzeugt und das am Be-
Sträuchern oder Bergen gehört, die um auf der sicheren Seite zu liegen. Für
zugspunkt P zu sehen ist.
vom Bezugspunkt P aus zu sehen sind. Wohnräume empfiehlt sich wegen der
Helle Decken und Seitenwände tragen nicht einkalkulierbaren Ausstattungs-
Bei der Planung der Innenraum- zur Aufhellung des Raumes bei, verbes- vielfalt der Inneneinrichtung W = 0,3
beleuchtung mit Tageslicht müssen die sern die Gleichmäßigkeit der Tagesbe- (dunkel).
lichtmindernden Einflüsse der vor- leuchtung bei Räumen mit Fenstern
handenen oder baurechtlich mög- und verringern die Leuchtdichtekontras-
lichen und evtl. noch zu erwarten- te zwischen den Wand- sowie den 12.6 Minderungsfaktoren
den Verbauungen berücksichtigt Deckenflächen und dem sichtbaren In DIN 5034 Teil 3, Absatz 3.2 werden
werden; der lichttechnisch ungün- Himmelsausschnitt. Minderungsfaktoren behandelt.
stigere Fall ist einzusetzen.
Der Einfluß des Reflexionsgrades des Bei der Berechnung des Tageslicht-
Berge, Geländeerhöhungen und dich-
Fußbodens auf die Raumhelligkeit ist quotienten D wird die Lichtminderung
ter Baumwuchs gehören ebenso dazu
meist bedeutend, und zwar umso mehr, durch Verglasung, Konstruktionsteile
wie Einzelhäuser oder die mit ihren
je größer der Raum ist. Auch ist der und Verschmutzung berücksichtigt. Im
Höhenanteilen die gesamte Sicht ver-
Einfluß des Reflexionsgrades der Ein- Rahmen der Bauplanung werden je-
sperrenden Reihenhäuser. Auch wenn
richtungsgegenstände zu berück- doch zunächst die Rohbaumaße zu-
Verbauungen im Augenblick noch nicht
sichtigen. grunde gelegt und deswegen zunächst
vorhanden sind, muss die Bemessung
der Tageslichtquotient Dr (Index r für
der Fenster so ausgelegt werden, dass Die Tageslichtverhältnisse werden durch
„Rohbau“) aus den entsprechenden
die Belichtung dem Endzustand des Vorhänge, Gardinen oder Sonnen-
Komponenten DHr, DVr, und DRr für die
vollendeten Ausbaus des Bebauungs- schutzeinrichtungen, auch in geöffne-
Rohbauöffnungen ermittelt.
planes gerecht wird. tem Zustand, beeinflußt. Oft wird eine
Fensterfläche zusätzlich durch seitlich Dr = DHr + DVr + DRr
Vorbauten an Fenstern (z. B. Bal-
kone, Loggien, feststehende Sonnen- die freie Sicht stark einengende Vorhän-
Die Lichtminderung wird durch an-
schutzblenden) schränken ebenfalls die ge oder Stores verkleinert.
schließende Multiplikation mit entspre-
für die Raumbeleuchtung wirksame Vom Reflexionsgrad der Wände und chenden Korrekturfaktoren (Minde-
Himmelsfläche ein; für die Fenster- den Raumproportionen ist der Raum- rungsfaktoren), siehe 12.6.1 bis 12.6.4,
höhen- und Fensterbreitenwinkel sind wirkungsgrad R abhängig. Wenn der berücksichtigt:

65
D = (DHr + DVr + Drr) ● D65 ● k1 ● k2 ● 12.6.3 Minderungsfaktor k2 für Feststehender Sonnenschutz – auch
k3 Verschmutzung der bewegliche bei maximaler Öffnung
Der Minderungsfaktor k2 berücksichtigt – und Tageslichtlenksysteme dürfen
Der Tageslichtquotient D gilt dann für
die Lichtreduktion, die durch Ver- das Blickfeld der Sichtverbindung nach
den fertig ausgebauten und möblierten
schmutzung der Fensterscheiben außen und den Tageslichteinfall nicht
Raum.
entsteht. Je größer die Verschmutzung, zu stark einschränken.
Wird der Tageslichtquotient durch umso größer die Lichtverluste. Räume sind gegen Sonnenstrahlungs-
Messung bestimmt, wird die Licht- DIN 5034 Teil 3, Absatz 3.2 stellt eine wärme im Sommer möglichst durch
schwächung durch Verglasung, Kon- Tabelle mit Verminderungsfaktoren k2 außen vor der Verglasung liegende,ab-
struktionsteile und Verschmutzung bereit. schirmende Vorrichtungen zu schützen.
automatisch durch die Meßgeräte
Die Aufheizung der Innenräume resul-
berücksichtigt.
tiert aus der Absorption der Global-
Wird der Tageslichtquotient D durch strahlung an den Gegenständen in den
Berechnung ermittelt, müssen Minde- Räumen und den Begrenzungsflächen
rungsfaktoren – auch Schwächungs- der Räume. Die absorbierte Strahlung
faktoren genannt – für Verglasung, wird in langwellige lnfrarot-Strahlung
Konstruktionsteile, Verschmutzung und umgewandelt, für die alle Verglasungs-
nicht senkrechten Lichteinfall berück- materialien nahezu undurchlässig sind;
sichtigt werden, weil infolge des Ein- das führt zu der im Sommer in der
baus der Fenster Lichtverluste durch Regel unerwünschten Erwärmung des
die Lichtdurchlässigkeit der Fenster- Raumes.
scheiben, durch Konstruktionsteile wie Als abschirmende Vorrichtungen geeig-
Fensterrrahmen, Pfosten, Kämpfer, net sind Vorsprünge über den Fenstern
Sprossen, Zwischenbauteile, durch (z. B. Dächer oder Balkone) sowie
Verschmutzung der Fensterscheiben waagerecht ausladende Raster oder
von außen und innen sowie durch tafelförmige Blenden über oder vor den
schrägen Lichteinfall entstehen Fenstern sowie bewegliche Lamellen,
Rollos oder Markisen.
Sonnenschutzverglasungen können
12.6.1 Minderungsfaktor D65 für ebenfalls den Eintritt der Strahlungs-
Transmissionsgrad leistung in den Raum vermindern, ver-
Der Transmissionsgrad D65, in der ringern jedoch den Tageslichteinfall und
Glasindustrie auch mit Lichtdurch- damit die Nutzungszeit; sie bedürfen im
lässigkeit  bezeichnet und in % ange- allgemeinen der Ergänzung durch einen
Für Wohnräume ist im allgemeinen die beweglichen Sonnenschutz.
geben, hängt von der Durchlässigkeit,
Verschmutzung innen und außen sehr
Beschichtung und der Anzahl der Schei-
gering, so dass k2 mit 0,9 bzw. 0,95 12.8 Fenstersysteme im
ben, nicht aber von deren Dicke ab.
angesetzt werden kann. Belichtungsvergleich:
Jeder namhafte Glashersteller gibt ein Dachflächenfenster, Dach-
Glashandbuch heraus, in dem diese gaube, Giebelfenster
12.6.4 Korrekturfaktor k3 für nicht
Werte für Norm- und Sonderscheiben
senkrechten Lichteinfall Für diesen Vergleich werden gleiche
zusammengestellt sind.
Der Korrekturfaktor k3 berücksichtigt Rahmenbedingungen zugrunde gelegt:
den nicht senkrechten Lichteinfall. Für Siehe Werte in der nebenstehenden
12.6.2 Minderungsfaktor k1 für übliche Doppelverglasungen wird er Tabelle.
Konstruktionsteile pauschal mit 0,85 angenommen. Je nach Fenstersystem und -anord-
nung ist die Lichtausbeute unterschied-
Der Minderungsfaktor k1 für Konstruk- 12.7 Sonnenschutz und Blendung lich. Die dem Vergleich zugrunde lie-
tionsteile wie Fensterrahmen, Pfosten,
DIN 5034, Teil 1, Abs. 4.5 Sonnen- genden Daten sind aus der folgen-
Kämpfer, Sprossen, Zwischenbauteile
schutz erläutert: denTabelle zu entnehmen: Alle Berech-
ergibt sich aus dem Verhältnis der
Gegen störende Einflüsse der Sonne, nungen wurden mit EDV-Programmen
lichtdurchlässigen Teile der Fenster-
wie Erwärmung zur unerwünschten durchgeführt. Aus Platzgründen wer-
öffnung (Lichtfläche) zur Gesamtfläche
Zeit oder Blendung ist in der Regel ein den jedoch weder Ausdrucke noch
(Rohbaumaß der Fensteröffnung).
baulich vorzusehender Schutz not- Rechenoperationen, sondern lediglich
wendig. Durch individuell einstellbaren die Ergebnisse aufgeführt.
Sonnenschutz kann zeitweise die Ausgang des Vergleichs ist das Giebel-
grundsätzlich geforderte Sichtver- fenster, das als 100 % gesetzt wird.
Ergebnisse, siehe nebenstehende Ta-
k1 = lichtdurchlässige Fläche bindung nach außen eingeschränkt
Fläche der Rohbauöffnung sein. belle.

66
Giebelfenster belichten Aufenthalts-
Raum- u. Dachmaße
räume ausreichend.
4,00 m Raumbreite
Dachgauben bringen etwas weniger
4,00 m Raumtiefe
Licht als Giebelfenster. Dachgauben
2,20 m Raumhöhe
sind durch ihren Licht einengenden
0,25 m Wanddicke
Aufbau benachteiligt. Die sich bei
0,30 m Dachdicke
Dachgauben ergebenden Begren-
65° Dachneigung
zungen des Lichteinfalls sind um so
größer, je weiter die Seitenwangen in Fenstermaße, Bezugspunkt und Verbauung
den Raum reichen und je weiter sie 2,00 m Oberkante des Fensters im Raum
vom Bezugspunkt entfernt sind. 0,85 m Unterkante des Fensters im Raum
Dachflächenfenster machen Räume = Höhe Bezugsebene
in Abhängigkeit von der Dachneigung 1,15 m Giebelfenster- u. Dachgaubenlänge
etwa doppelt so hell wie andere Fen- auch mit Höhe bezeichnet
stersysteme. 1,27 m Dachflächenfensterlänge
(wegen Dachneigung = Projektion)
2,20 m Durchsichtige Fensterbreite gesamt
= 55% der Raumbreite
1,00 m Entfernung Bezugspunkt
von Seitenwand
2,00 m Entfernung Bezugspunkt
in halber Raumtiefe von Vorderwand
11,00 m Verbauungshöhe
27,50 m Verbauungsabstand
Dachflächenfenster und Dachgaube liegen mittig in der Dachfläche, das Giebel-
fenster mittig in der senkrechten Stirnfläche des Hauses, alle Fenster haben
eine umlaufende Rahmenholzdicke von 9 cm, die Verbauung ist gegenüberlie-
gend, durchgehend, geschlossen, gleichhoch und parallel.

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13. Stichwortverzeichnis 13. Stichwortverzeichnis
Begriff Kapitel Begriff Kapitel
Arbeitsräume 2.3.2 Lichtmenge Bild 8
Aufenthaltsräume 2.3.1 Maßbezeichnungen 12.2
Ausblick 4 Meßpunkte 2.2.2
Außenreflexionsanteil 12.1.4 und 12.5.1 Minderungsfaktor k1 12.1.6 und 12.6.2
Belichtung Bild 1 Minderungsfaktor k2 12.6.3
Belichtungsmessung 2.2 Minderungsfaktor tD65 12.6.1
Belichtungsvergleich 12.8 Minderungsfaktoren 12.6
Berechnungsbeispiel 12.1 und 12.2 Mindestbelichtung 1
Besonnung 2.4 Netzeinheiten 12.5
Blendung 12.7 Nutzfläche 1.2
Dachneigung 5 Planungsempfehlungen
Dachwohnraum 12.1 für Dachflächenfenster 8

Daylight Factor 2.2.1 Planungsempfehlungen


für Senkrechtfenster 7
DIN 5034 Einleitung
psychisch richtige Belichtung 12.3
DIN 5034 2.1
Raumgrundfläche 1.5
Fenster, lichttechnische Anforderungen 7 und 8
Raumwirkungsgrad 12.1.5
Fenster, notwendige 1.2
Sichtverbindung 2.5
Fensteranordnung 6
Sonderfall – Geneigtes Dach 12.4
Fensterbreite 7
Sonnenschutz 12.7
Fensterbreitenwinkel 12.1.2 und 12.1.3
Tageslicht in Innenräumen 2
Fensterhöhenwinkel 12.1.2 und 12.1.3
Tageslichtquotient 2.2.1 und 12.1.6
Fensterlänge mit Aufkeilrahmen 5
Umrechnungsfaktor M 12.5
Fensterlänge ohne Aufkeilrahmen 5
Verbauung 12.1.2
Fenstermaße nach DIN 7 und 8
Verbauungsabstandswinkel 12.1.2
Fensteroberkante 3
Verbauungsbreitenwinkel 12.1.2 und 12.1.3
Fenstersysteme 9 und 12.8
Verbauungshöhenwinkel 12.1.2 und 12.1.3
Fensterunterkante 4
Wohnräume 2.3.1
Geneigtes Dach – Sonderfall 12.4
graphische Hilfsmittel 12.1
Helligkeit 2.3
Himmelslichtanteil 12.5
Himmelslichtanteil – Errechnung 12.1.3
Himmelslichtdiagramm 12.5
Innenfutter Farbe 11
Innenfutter für Fenster 10
Innenreflexionsanteil-Nomogramm 12.1.5
Innenreflexionsanteil-Reflexionsgr. 12.5.2
Integralrechnung 12.2
Korrekturfaktor k3 12.6.4
Landesbauordnungen 1
Lichteinfall Bild 7
Lichteinfall – Innenfutter Bild 9

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