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Universität Bayreuth 28.10.

2010
Allgemeine Pädagogik
Dr. Phil. Habil. Thomas Schott
WS 2010/11

EWS 6 (II):
Themen- und Problemstellungen der allgemeinen
Didaktik aus erkenntnistheoretischer Sicht

„Lehren und Lernen“


(Steindorf)

Florian Bodenschatz
Sandra Ziewiecki
Katrin Zolleiß
I. Begriff Lehren

Warum lehrt man?


- Tradierung der Kultur
- Perpetuierung der Gesellschaft
- Lebenshilfe für Heranwachsende

Wer lehrt?
- Erfahrung, Schicksal: das Lehren erfolgt unbestimmt, unbeabsichtigt, beiläufig
- Christus, Kfz-Meister, Pfarrer: das Lehren erfolgt durch mehr oder weniger
absichtsvolle Einflussnahme
- Lehrer (Unterricht): reflektierte, methodisierte Einflussnahme auf das Lernen
- Dozent: verbale Darlegung eines Sachverhalts mit Lehrverfahren, das zum
größten Teil aus sprachlichen Äußerungen besteht; vor allem in der
akademischen Lehre

Was ist lehren?


- Mitteilen von Wissen/Vormachen einer Fertigkeit
- Gabe; ein Drang, sich anderen mitzuteilen
- Darstellen: ein eigenes Thema zum Thema eines anderen machen
- Nicht völlig planbar: Offenheit für Eingebungen, Unterbrechungen
- Angebot zum Lernen, Anregung des Lernprozesses

Wie lehrt man?


- Lehrstrategien stützen sich auf die Kognitionspsychologie (Kognition =
Informationsverarbeitung des Menschen durch z.B. Wahrnehmung,
Erkenntnis, Erinnerung, Kreativität, Denken,…)
- Fördern kognitiver Strukturen steht im Mittelpunkt:
• advance organizer-Strategie:
 operiert mit einem vorgegebenen Gerüst (= vorhandenes Wissen)
 advance organizer ermöglichen neue Lernerfahrung und ordnen neue
Inhalte
den bereits vorhandenen zu

• basic concept-Strategie:
 Lehren von oben nach unten
 allgemeine, umfassende Begriffe zuerst vermitteln, danach
ausdifferenzieren,
konkretisieren

• Die Ausbildung von Netzwerken:


 Einsatz von Begriffsnetzen
 von weitmaschigem Netz allgm. Begriffe zu engmaschigem Netz
spezifischer,
konkreter Begriffe (strebt nach Zusammenhängen)

• Vermittlung von Schemata:


 kürzen Sachverhalt auf das Notwendigste
 dienen zur Verallgemeinerung, Strukturierung
II. Begriff Lernen
1.1 Bedeutung des Lernens
- Aufgrund von unzureichender Instinktausstattung kann der Mensch ohne das Lernen
nicht überleben  Lernen als Notwendigkeit
- Mensch als lernbedürftiges und lernfähigstes Wesen

1.2 Umschreibung von Lernen


1.2.1 Lernen allgemein
- Lernen ist eine Handlungsweise aller Lebewesen, nicht nur der Menschen
- Forschung der letzten Jahrzehnte hat das Lernen bei Tieren untersucht und
Übereinstimmungen von Verhaltensweisen bei Mensch und Tier gezeigt
- Als Lernen werden alle dauerhaften Verhaltensänderungen bezeichnet, die aufgrund
von Erfahrungen zustande gekommen sind

1.2.2 Menschliches Lernen


- Vom menschlichen Lernen wird gesprochen, wenn ein Mensch aus eigenen und/oder
aus fremden Erfahrungen einen Gewinn für sein Leben zieht
- Guyer: „Lernen im weitesten Sinn des Wortes heißt: Bereitstellen von Erfahrungen für
das zukünftige Tun des Menschen“
- Lernen ist ein Erwerben, ein Hinzunehmen oder auch ein Aneignen
- Lernen als Steigerung des Leistungskönnens

1.2.3 Schulisches Lernen


- Schulisches Lernen war früher eine reine Aneignung von Wissensinhalten
- Heutzutage ist der Begriff weiter gefasst und beinhaltet neben verbalen und
kognitiven Lernen auch, dass die Schule motorisches, emotionales und soziales
Verhalten übermitteln sollte
- Lernen als individueller Prozess jedes Menschen
1.3 Aspekte des Lernprozesses
1.3.1 Akquisition
- Lernen als Aneignungsphänomen: Erwerb, Neulernen, Erstlernen
- „warming-up-Phase“, Lernvorbereitung sollte am Anfang jedes Lernprozesses stehen
- Je nach Aufgabenart wird ein Ganz- oder Teillernverfahren gewählt
- Lernen unmittelbar vor dem Schlafengehen zeigt höheren Behaltenswert
- Bedeutsam für den Lernerfolg ist was dem Lernen vorausgeht und was ihm folgt; es
kann zu Gedächtnishemmungen wie retroaktiven und proaktiven Hemmungen
kommen, aufgrund ähnlicher Lerninhalte  Bsp.: Vokabellernen in Französisch und
Englisch
- Weitere Gedächtnishemmungen: affektive-, assoziative-, Ähnlichkeitshemmung
Quelle: Hubert Rohracher: Einführung in die Psychologie. 13. Auflage. Psychologie-Verlags-Union, München 1988.

1.3.2 Retention
- Lernen als Behaltensphänomen:  Retention als ein Bewahren des Erlernten
- Maßnahmen um das Erlernte zu behalten sind Aufsagen, Abfragen; Üben
- Langzeitgedächtnis als Speicherplatz des Menschen: „Im Langzeitspeicher vollzieht
sich der psychische Vorgang des Behaltens“ (Antenbrink)
- Im Langzeitgedächtnis werden besonders Lerninhalte des Schulunterrichts behalten,
o die als sinnvoll vom Schüler erachtet werden
o die „Ich-nah“ sind und den Schüler betreffen
o die für den Schüler angenehm sind
- affektive Momente können das Behalten beeinflussen
- vorausgehende und nachfolgende Lerninhalte beinträchtigen ebenso das Behalten
(vgl. Akquisition)

1.3.3 Reproduktion
- Lernen als Aktualisierungsphänomen, d.h. der Mensch soll sein Lernpotenzial auch
einsetzen können, d.h.
o erlangtes Wissen soll präsent sein
o erworbene Fertigkeiten sollen gekonnt sein
o eine bestimmte Haltung soll sich bewähren
- Lernprozess ist dann erfolgsreich, wenn der Mensch Erlerntes reproduzieren kann
1.4 Lerntheorien
- „Lerntheorien sind Versuche, die Kenntnisse über menschliches Lernen zu
systematisieren und zusammenzufassen“ (Lefrancois)
- Zwei Lerntheorien stehen sich gegenüber: Behaviorismus und Kognitivismus
1) Behaviorismus
o wird auch Konnektionismus genannt oder als S-R Theorien bezeichnet
o Lernprozesses beruht auf der Bildung von Koppelungen zwischen bestimmten
Reizen (stimuli = S) und beobachtbaren Reaktionen (responses = R)
2) Kognitivismus
o beschäftigt sich mit der menschlichen Wahrnehmung, Bewusstsein und mit
Informationsverarbeitung
o basiert auf Gestaltpsychologischen Erkenntnissen (Begründer der
Gestaltpsychologie: Max Wertheimer, Wolfgang Köhler, Kurt Koffka)
Quelle: Volker Gerhardt et al.: Berliner Geist: eine Geschichte der Berliner Universitätsphilosophie bis 1946.
Akademie Verlag, Berlin 1999.

o Wichtige Vertreter: Robert Mills Gagné, Jean Piaget, Jérôme Seymour Bruner,
Hans Aebli, David Paul Ausubel

2 Lernen durch Einsicht


2.1 Auswendiglernen
- Wörtliches Reproduzieren  Negativ gesehen nur „Hersagen von Unverstandenem“
- „Lernen von Tatsachenwissen“ und „Verstehenlernen“ kann nicht getrennt werden
Gruppenarbeit:
1. „Erachtet ihr Auswendiglernen als sinnvoll?
2. „Kann das Auswendiglernen (Faktenlernen) mit dem denkenden Lernen (Verstehenlernen)
einhergehen? Falls ja, inwiefern?
3. Gibt es Inhalte, bei denen das Auswendiglernen sinnvoller ist als bei anderen?
4. In welchen Schulfächern bietet sich das Auswendiglernen/denkende Lernen an und ist sogar von
Nöten? Gibt es Überschneidungen?

2.2 Charakterisierung kognitiven Lernens


- Einsicht, Denken, Verstehen und Sprache als zentrale Punkte
- Einsichtiges Lernen wird auch als kognitives Lernen bezeichnet
- Menschliches Lernen als Strukturierung, Differenzierung und Beziehungserfassung
- Weiterhin stellt das Lernen ein „Einordnen“ zwischen Wissen und Nichtwissen dar
- Einsichtiges Lernen kann nicht mit Auswendiglernen erlangt werden
2.3 Die Phasen des Lernens durch Einsicht
1) Auftreten des Problems: Ein Problem entsteht durch ein Ziel, von dem man nicht
weiß, wie man es erreichen soll
2) Probierverhalten: Bekannte Verhaltensweisen werden an dem Problem ausprobiert
3) Umstrukturierung: Die Elemente werden so lange miteinander kombiniert und
auseinander gelegt, bis ein plötzlicher Einfall die Elemente zu einem sinnvollen
Ganzen zusammenfügt
4) Einsicht und Lösung: Das plötzliche Erkennen stellt zugleich die Lösung dar
5) Anwendung: Die Lösung wird sofort umgesetzt und führt diese Lösung zum Ziel, so
wird dieses „neue“ Verhalten beibehalten und kann beliebig oft wiederholt werden
6) Übertragung: Dieses Lösungsverhalten kann auf andere, ähnliche Probleme
übertragen werden, sobald es eingeübt ist. (=Transfer)
Quelle: Herann Hobmair: Pädagogik/Psychologie für die berufliche Oberstufe. Bildungsverlag Eins GmbH, Troisdorf 2010.

Formen einsichtigen Lernens:


- Begriffslernen oder Konzeptlernen: Konkrete Inhalte werden auf übergeordnete
Kategorien verallgemeinert  Beispiel: Krieg, Angriffskrieg, 2. Weltkrieg
- Regellernen: Kombination von Begriffen  Beispiel „Insekten machen eine
Metamorphose durch“
- Prinzipienlernen: „runde Dinge rollen“  Verständnis des Prinzips ist abhängig von
der Erfahrung der Schüler  z.B. Murmel
- Strukturlernen: erfordert mehr Wissen als Einzelfakten und umschließt strukturiertes
Wissen in dem Begriffe, Prinzipien und Regeln zusammenfinden

3 Lernen durch Entdecken


3.1 Entdeckendes Lernen (discovery learning)
- Hauptvertreter: Jérôme S. Bruner: „... gelenktes Entdeckungslernen im Mittelpunkt...“
- Lerninhalt nicht nur darbieten, sondern den Lernenden selbst entdecken lassen
- Entscheidend: Eigentätigkeit der Schüler, selbstständiges Nachforschen und
Auffinden von Lösungen
- Grund für die Wichtigkeit dieser Lernmethode ist das meist schnelle Veralten der
Erkenntnisse der Wissenschaft
- Vorteile:
o Entdecken führt zur Einsicht in Prinzipien und zum Verstehen struktureller
Beziehungen
o Entdeckendes Lernen führt zu einer hohen, intrinsischen Lernmotivation und
darüber hinaus zur Verbesserung aller anderen kognitiven Prozesse wie z.B.
Begriffslernen
- Kritikpunkte:
o Der Anspruch, dass Alles entdeckt werden müsse ist nicht zu verwirklichen, da
dies nicht immer die richtige Methode ist
 Entdeckendes Lernen ist eine Lernmethode neben anderen
o Hoher Zeitaufwand, der bei umfassenden Lehrgebieten zu Zeitproblemen führt
o Der Erwerb von Wissen darf nicht zum Nebenprodukt werden
o Entdeckendes Lernen ist für schwächere Schüler nicht so effektiv

3.2 Problemlösen
- Sonderfall des Lernens durch Entdecken
- Der Lernende muss wirklich Neuleistungen erbringen
z.B. Aufgaben für den Schüler:
o Zu einen abgehandelten Sachverhalt zusätzliche und neue Fragen stellen
o Konstruktive Kritik üben
o Hypothesen finden und aufstellen
o Entwurf eines eigenen Experiments
 Problemlernen liegt vor, wenn zur Bewältigung einer Situation kein
Lösungsalgorithmus zur Verfügung steht
 Lässt den Schüler erkennen, wie Wissen entwickelt wird
 Das Problem bzw. die Aufgabe muss grundsätzlich lösbar sein, damit es auf
den Lernenden keine frustrierende Wirkung hat
- Allgemein gibt es drei Formen von problemlösenden Verhalten:
1. Vorgehen nach Versuch und Irrtum:
Zufällige oder systematische Variation, Approximation und Korrektion der
Antworten, bis eine erfolgreiche Variante entsteht.
2. Das einsichtige Begreifen:
Lernen mit Hilfe der Ratio – vorhandene Regeln werden auf neuartige
Regeln selbstständig angewendet
3. Das Kreative Verhalten
Siehe Entfaltung von Kreativität

- Problemlösungsvorgehen ist darüber hinaus auch altersabhängig


- Problemlösung als Durchlaufen verschiedener geistiger Prozesstationen:

Problem Problem Durchspielen Entwurf des Entscheidung


taucht auf verstehen verschiedener Lösungs- für den
(Analyse) Möglichkeiten plans rechten Weg

Lösung
- Voraussetzung für Problemlösungen:
o Zeit
o Freiheit
- Kritik:
Unterricht kann nicht nur darauf basieren, Problemlösungsstrategien zu vermitteln

3.3 Entfaltung von Kreativität


- Kreativität bezeichnet die Fähigkeit, neue Beziehungen zwischen den Elementen
einer Situation zu sehen, ungewöhnliche Ideen und Einfälle zu produzieren und vom
gewohnten Denkschema abzuweichen
Kreative Lösungen sind in irgendeiner Weise originell und von der Norm
abweichend
- Einige Möglichkeiten (intellektuelle) Kreativität im Unterricht zu fördern:
o Schüler müssen wissen, dass auf Kreativität Wert gelegt wird
o Lehrer müssen Schüler zu Eigeninitiative, Neugier und Fragen ermutigen
o Schüler soll zu Imagination und Spiel angeregt werden
- Gruppenmethodische Form des Zugangs zur Kreativität stellt das Brainstorming dar
- Wichtig:
Es muss auf die Übernahme von „Bestehenden“ Wert gelegt werden, auf dessen
Basis Neues erarbeitet werden kann.

4. Lernübertragung
4.1 Der Begriff “Transfer”
- Lernübertragung ist für die Didaktik ein großes Problem
- Unter Transfer versteht man die Übertragung des in einer originären Lernsituation
Gelernten auf andere, mehr oder weniger ähnliche Situationen
- Übertragen werden können:
o Kenntnisse
o Allgemeine Prinzipien und Kategorien
o Denk – und Arbeitsmethoden
o Fertigkeiten
o Fähigkeiten
o Einstellungen und Vorurteile
- Großer Unterschied, ob nur auswendig gelernt oder auf Transfer hin gelernt wird
Wer nur auswendig lernt bzw. nachahmt ist für den Transfer nicht gewappnet
- Transfer kann nur gelingen, wenn die Problemstellungen in der Lernsituation und
dem Anwendungsfall nicht zu sehr voneinander abweichen
- Grenzen des Transfers:
„Wir wissen zwar, dass wir stets mehr lernen als wir lernen; wir wissen aber auch,
dass wir nicht alles durch alles lernen können. Mit anderen Worten: Die
Lernübertragung ist größer, als man bei reiner Inhaltsgeneralisation annehmen
könnte, aber geringer, als man aufgrund des Konzepts der Formalen der formalen
Bildung erwarten müsste“(Weinert 1973, S. 35)
- Transferleistungen sind sehr wichtig, da schon aus zeitlichen Gründen nicht das
gesamte Wissen und Können beigebracht werden kann, das im späteren
Erwachsenenleben wichtig wäre, bzw. kann man darüber im jungen Alter auch noch
keine genaue Aussage treffen.

4.2. Arten von Transfer


- Positiver Transfer
Das schon Gelernte erleichtert das Lernen eines neuen Themas
- Negativer Transfer
Etwas früher Gelerntes erschwert den späteren Neuerwerb
- Vertikaler Transfer
Untergeordnete Fähigkeiten haben eine Transferwirkung auf die Lernaufgaben
höherer Ordnung
- Horizontaler Transfer
Das Gelernte soll auf eine breitere Vielfalt von neuen Situationen angewendet
werden

4.3. Förderung von Transfer im Unterricht


- Um die Transferfähigkeit zu fördern, muss vor allem auf den Aufbau und die
Übertragung kognitiver Strukturen geachtet werden
Lehren als Organisation des Transfers
- Art und Ausmaß des Transfers sind von verschiedenen Faktoren abhängig:
o Kognitive Voraussetzungen des Lernenden
Umso intelligenter, umso besser die Möglichkeiten zum Transfer
o Ähnlichkeit zwischen der Lern- und Transferaufgabe
Je mehr Übereinstimmungen zwischen den beiden, umso vorteilhafter
o Auseinandersetzung mit der ursprünglichen Lernaufgabe
Je intensiver und variabler geübt und je nachdem wie selbstständig eine
Lösung gefunden wurde, umso leichter wird der Transfer
o Entwicklung allgemeiner und spezifischer transferfördernder Methoden
Die Schule sollte den Lernenden Methoden zum Transfer aufzeigen und
positiv verstärken
- Transfer kommt nicht von selbst
Transfer muss durch Anwendung auf konkrete Fälle ausdrücklich geübt werden
Schüler sollte bewusst auf die Möglichkeiten hingewiesen werden, in denen ein
Transfer erreichbar und wünschenswert ist. Darüber hinaus sollten die Schüler in
effektive Lernmethoden eingeführt werden.

5. Lernen-lernen
5.1 Ansätze des Lernen-lernens
- Idee der Formalen Bildung im 18. und 19. Jhdt.
„Es ist nicht notwendig, dass dem Menschen alles, was er wissen muss, in
besonderen Lektionen vorgetragen werde.“ (1879, S.51f.)
Mensch kann, wenn die Lust, Kraft und nötigen Hilfsquellen vorhanden ist, sich
vieles selbst und sogar besser beibringen
- Zur Zeit der Reformpädagogik
o Schüler soll primär das „Know-How“ beherrschen (John Dewey)
o „... der Schüler muss Methode haben.“ (Hugo Gaudig, 1922, S. 94)
o Ähnliche Ansichten vertraten: M. Montesori, G. Kerschensteiner und Peter
Petersen
- Nach dem zweiten Weltkrieg
o Neuaktivierung des Gedankens des Lernen-lernens
o Starke Orientierung an Erwägungen der Lernökonomie
- In der Gegenwart
o Wiederauftrieb durch die Diskussion um „Life-long-learning“
Dauernde Lernbereitschaft und flexible Anpassung an neue Situationen
 Wichtiger Bestandteil bei Fortbildungen und beruflichen Weiterbildungen
5.2. Gründe für die Notwendigkeit des Lernen-lernens

- Lernen-lernen als Antwort auf die rapide Veränderung der Lebensverhältnisse


o Es sollen nicht nur Kenntnisse und Fertigkeiten vermittel, sonder auch die
Fähigkeit, immer wieder neu zu lernen, vermittelt werden
o Explizite Erwähnung im Strukturplan, begründet durch die rasanten
gesellschaftlichen, wissenschaftlichen und wirtschaftlichen Entwicklungen
o Faktenwissen ist wichtig, aber nicht so bedeutend, wie das Wissen zur
grundsätzlichen Aufgabenbewältigung. Dies liegt an den sich schnell
ändernden Fakten, wohingegen die Methoden unverändert weiter erfolgreich
sein können.
- Methodenvermittlung als neue Aufgabe der Schule
o Schule ist nicht mehr der einzige Informationsträger , sondern nur einer von
vielen neben z.B. TV
 Schule ist nicht mehr die alleinige Lerninstanz
Weniger Aufgaben in der reinen Wissensvermittlung
 Mehr Aufgaben in der Vermittlung von Methoden des Lernens
 Moderner Unterricht soll dem Lernenden dabei helfen, sich in der Fülle von
Informationen zurechtzufinden und sich Inhalte selbst anzueignen
Lehren als Anleitung zur Übung im Lernen, nicht der fraglosen Mitteilung
fertiger Erkenntnisse

5.3. Zur Methodik des Lernen-lernens

Einübung in erfolgreiches Lernen kann auf zweierlei Weisen erfolgen:


 Als Prinzip, d.h. einzelne Lehrer geben bei geeigneten Anlass Hinweise zur effektiven
Selbstinstruktion
 Als Fach, d.h. ein eigens erstelltes Curriculum in Lernmethoden wird lehrgangsmäßig
durchlaufen
 Ein (fiktiver) Lehrplan für Lernen-lernen, hätte drei Teilaufgaben:
 Einweisung in Arbeitstechniken
 Vermittlung von Problemlösungsmethoden
 Vertraut machen mit Ergebnissen der Lernforschung