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ORGANISATIONSSTATUT

WAHLORDNUNG
SCHIEDSORDNUNG
FINANZORDNUNG
DER SOZIALDEMOKRATISCHEN PARTEI DEUTSCHLANDS

Stand: 09.12.2017

SPD.DE
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Inhalt

ORGANISATIONSSTATUT (OrgStatut)

Präambel 8
§ 1 Name, Sitz, Tätigkeitsgebiet 8
§ 2 Mitgliedschaft, Mindestalter 8
§ 3 Aufnahme 9
§ 4 Ende der Mitgliedschaft 10
§ 5 Rechte und Pflichten aus der Mitgliedschaft 11
§ 6 Unvereinbarkeit 12
§ 7 Wiederaufnahme 13
§ 8 Aufbau der Partei 13
§ 9 Aufgaben und Satzungsautonomie der Gliederungen 15
§ 10 Arbeitsgemeinschaften, Themenforen, Arbeitskreise 16
und Projektgruppen
§ 10a Öffnung für Gastmitglieder und Unterstützer  /  -innen 17
§ 11 Funktions- und Mandatsträger, Quotierung 18
§ 12 Aufstellung von Kandidaten  /  -innen 20
§ 13 Mitgliederentscheid 21
§ 14 Verfahren des Mitgliederentscheids 24
§ 15 Parteitag, Zusammensetzung 26
§ 16 Parteitag, Konstituierung, Protokoll 27
§ 17 Ordentlicher Parteitag, Turnus, Ort 27
§ 18 Einberufung des ordentlichen Parteitages 28
§ 19 Antragskommission 29
§ 20 Aufgaben des Parteitages 29
§ 21 Außerordentlicher Parteitag 29
§ 22 Fristen des außerordentlichen Parteitages 30

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§ 23 Parteivorstand 30 § 10 Nachwahlen 53
§ 24 Geschäftsführung der Partei 32 § 11 Wahlanfechtung 54
§ 25 Rechte des Parteivorstandes 33 § 12 Nichtigkeit von Wahlen 55
§ 26 Kontrollrechte des Parteivorstandes 34 § 13 Verfahren bei Anfechtung und Nichtigkeit 56
§ 27 Einsicht in Bücher 35
§ 28 Zusammensetzung und Einberufung des Parteikonvents 36
§ 29 Aufgaben des Parteikonvents 38 SCHIEDSORDNUNG (SCHO)
§ 30 Kommunalbeirat 38
§ 31 Kontrollkommission 38 § 1 I. Zuständigkeit 58
§ 32 Veröffentlichungen 39
§ 33 Untersuchungs- und Feststellungsverfahren 39 § 2 II. Bildung von Schiedskommissionen 60
§ 34 Schiedskommissionen 40
§ 35 Parteiordnungsverfahren 41 § 3 Verbot der Doppelbefassung 60
§ 36 Auflösung, Verschmelzung und Ausschluss 43 § 4 Besetzung des Spruchkörpers 60
§ 37 Abänderung des Statuts 43 § 5 Besorgnis der Befangenheit 61
§ 38 Schlussbestimmungen 44
III. Parteiordnungsverfahren 62

§ 6 Einleitung des Parteiordnungsverfahrens 62


WAHLORDNUNG (WO) § 7 Benachrichtigung über Einleitung 64
§ 8 Verhandlung, Protokoll, Ladung 64
§ 1 Geltungsbereich 45 § 9 Beteiligte, Beigetretene, Beigeladene 65
§ 2 Ankündigung der Wahl 45 § 10 Gütliche Streitbeilegung 66
§ 3 Allgemeine Grundsätze 46 § 11 Ablauf der Verhandlung, Beweisaufnahme 66
§ 4 Verfahren bei Kandidatenaufstellungen 48 § 12 Protokoll 67
§ 5 Vorschlagsliste 49 § 13 Verfahrensgrundsätze 68
§ 6 Getrennte Wahlgänge 49 § 14 Benachrichtigung über Entscheidungen 69
§ 7 Wahl eines Parteiamtes  /  Einzelwahl 50 § 15 Sanktionen 70
§ 8 Wahl gleichartiger Parteiämter  /  Listenwahl 51 § 16 Zuhörer, Parteiöffentlichkeit 71
§ 9 Abberufung aus wichtigem Grund 52 § 17 Verschwiegenheitspflicht 71

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IV. Sofortmaßnahmen 72 FINANZORDNUNG

§ 18 Verhängung von Sofortmaßnahmen 72 § 1 Mitgliedsbeiträge 82


§ 19 Parteiordnungsverfahren nach Sofortmaßnahme 72 § 2 Sonderbeiträge 85
§ 20 Abmahnung, Austrittsfiktion bei Unvereinbarkeit 74 § 2a Sonderumlagen 86
§ 3 Spenden 86
V. Statutenstreitigkeiten 75 § 4 Spendenbestätigungen 90
§ 4a Erbschaften und Vermächtnisse 90
§ 21 Verfahren bei Statutenstreitigkeiten 75 § 5 Kassenführung 91
§ 5a Mittelverwendung 92
VI. Untersuchungs- und Feststellungsverfahren 76 § 6 Revision 92
nach § 33 Organisationsstatut § 7 Wirtschaftsplan 93
§ 8 Kreditaufnahmen 95
§ 22 Ernennung von Untersuchungskommissionen 76 § 9 Kontoführung 96
§ 23 Auftrag und Untersuchungsgegenstand 76 § 10 Pflicht zur Buchführung 97
§ 24 Verfahren wie im Parteiordnungsverfahren 76 § 11 Jahresabschluss 98
§ 12 Rechenschaftsbericht 98
VII. Berufungsverfahren 77 § 13 Haftung bei Sanktionen 100
§ 14 Prüfung des Rechenschaftsberichts 101
§ 25 Berufungsverfahren 77 § 15 Schlussbestimmungen 101
§ 26 Berufung zur Bundesschiedskommission 78
§ 27 Verzicht auf mündliche Verhandlung 79
§ 28 Zurücknahme der Berufung 79

§ 29 VIII. Zustellung von Schriftstücken 80

§ 30 IX. Fristen 80

§ 31 X. Kosten 80

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ORGANISATIONSSTATUT (ORGSTATUT) § 3 Aufnahme

(1) Über die Aufnahme als Mitglied entscheidet der Vorstand


des zuständigen Ortsvereins. Über die Aufnahme neuer
Präambel Mitglieder muss der Ortsvereinsvorstand innerhalb eines
Monats entscheiden. Lehnt der Ortsvereinsvorstand den
Die SPD ist eine demokratische Volkspartei. Sie vereinigt Aufnahmeantrag nicht innerhalb eines Monats ab, so gilt
Menschen verschiedener Glaubens- und Denkrichtungen, dies als Annahme des Antrages.
die sich zu Frieden, Freiheit, Gerechtigkeit und Solidarität,
zur gesellschaftlichen Gleichheit von Mann und Frau und (2) Gegen die Ablehnung des Aufnahmeantrags kann der
zur Bewahrung der natürlichen Umwelt bekennen. Die SPD Bewerber oder die Bewerberin beim Unterbezirksvorstand
steht in der Gemeinschaft der Sozialistischen Internationale binnen eines Monats Einspruch erheben. Gegen dessen Ent-
und der Sozialdemokratischen Partei Europas. scheidung ist die Anrufung des Bezirksvorstandes gegeben.
Die Entscheidung des Bezirksvorstandes ist endgültig.
§ 1 Name, Sitz, Tätigkeitsgebiet
(3) Wird gegen die Mitgliedschaft innerhalb eines Jahres kein
(1) Die Partei führt den Namen Sozialdemokratische Partei Einspruch erhoben, so ist sie endgültig.
Deutschlands (SPD).
(4) Einspruchsrecht hat jedes Mitglied über seinen Ortsver-
(2) Ihr Tätigkeitsgebiet ist das Gebiet der Bundesrepublik einsvorstand. Der Einspruch ist zu begründen. Über den
Deutschland. Einspruch entscheidet der Unterbezirksvorstand. Gegen
dessen Entscheidung ist die Anrufung des Bezirksvor-
(3) Sitz der Partei ist Berlin. standes innerhalb eines Monats nach Bekanntgabe der
Entscheidung zulässig.
§ 2 Mitgliedschaft, Mindestalter
(5) Jedes Parteimitglied gehört grundsätzlich dem Ortsver-
Zur Sozialdemokratischen Partei Deutschlands gehört jede ein an, in dessen Zuständigkeitsgebiet es wohnt. Will ein
Person, die die Mitgliedschaft erworben hat. Es darf aufge- Mitglied oder ein Beitrittswilliger einem anderen Ortsverein
nommen werden, wer sich zu den Grundsätzen der Partei angehören, so hat er dies dem zuständigen Unterbezirksvor-
bekennt und das 14. Lebensjahr vollendet hat. stand mitzuteilen, der die (Neu-)Zuordnung vornimmt.

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Dem Antrag soll gefolgt werden, wenn das Mitglied und Projektgruppen mitarbeiten. Über Ausnahmen
nachvollziehbare Gründe vorträgt und überwiegende entscheidet der zuständige Gliederungsvorstand.
Organisa­tionsinteressen nicht entgegenstehen. Betrifft
die Ausnahme vom Wohnortprinzip zwei Unterbezirke, so
müssen beide eine Ausnahmegenehmigung erteilen. Für § 5 Rechte und Pflichten aus der Mitgliedschaft
die Erteilung der Ausnahmegenehmigung gilt Abs. 1 S. 3
entsprechend mit der Maßgabe, dass der Antrag nach zwei (1) Jedes Mitglied hat das Recht, sich im Rahmen der Statuten
Monaten als beschieden gilt. Ausnahmegenehmigungen an der politischen Willensbildung, den Wahlen und Abstim-
sind widerruflich. Doppelmitgliedschaften sind unzulässig. mungen zu beteiligen, und die Pflicht, die Ziele der Sozial-
demokratischen Partei zu unterstützen. Es hat Antrags- und
(6) Die Stellung von Parteimitgliedern und Beitrittswilligen, Stimmrecht in der Mitgliederversammlung des Ortsvereins.
die ihren Lebensmittelpunkt im Ausland haben, und die Die Mitgliederversammlung soll regelmäßig und mindes-
Bildung von Auslandsortsvereinen regelt der Parteivorstand tens halbjährlich stattfinden.
durch Richtlinie.
(2) Mitglieder werden für langjährige Mitgliedschaft geehrt.
Der Parteivorstand kann Richtlinien zur Anrechnung von
§ 4 Ende der Mitgliedschaft Mitgliedszeiten und zur Ehrung von Mitgliedern erlassen.

(1) Die Mitgliedschaft endet durch Tod, Austritt oder Aus- (3) Bei der Erhebung, Verarbeitung und Nutzung personenbe-
schluss. zogener Daten für die Parteiarbeit wird der Datenschutz
entsprechend den gesetzlichen Bestimmungen sowie der
(2) Der Austritt ist schriftlich zu erklären. Die Rückgabe des SPD-Datenschutzrichtlinie und den Vereinbarungen in der
Mitgliedsbuches gilt als Austrittserklärung. Partei gewährleistet. Die Erhebung, Verarbeitung und Nut-
zung der personenbezogenen Daten erfolgt unter Einsatz
(3) Mit Beendigung der Mitgliedschaft verliert das frühere von Datenverarbeitungsanlagen (EDV) durch hauptamtliche
Parteimitglied jedes Recht, das es etwa gegen die Partei, Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen. Insbesondere der/dem
gegen den Parteivorstand, gegen die Kontrollkommission Vorsitzenden, dem/der finanzverantwortlichen Kassier/in,
oder gegen einzelne Parteimitglieder aus seiner Parteimit- dem/der Schriftführer/in und dem/der Vorsitzenden der
gliedschaft erworben hat. Es darf nicht länger in Gliederun- Arbeitsgemeinschaften der jeweiligen Gliederungsebene
gen, Arbeitsgemeinschaften, Themenforen, Arbeitskreisen werden zur Erfüllung ihrer satzungsgemäßen Aufgaben

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Mitgliederlisten als Datei oder in gedruckter Form zur Verar- § 7 Wiederaufnahme
beitung und Nutzung in der Art und dem Umfang über-
lassen, soweit deren Funktion dies erfordert. Das Nähere (1) Der Antrag auf Wiederaufnahme einer aus der Partei
regelt eine von dem/der Generalsekretär/in zu erlassende ausgeschlossenen Person ist an den Vorstand des für ihren
Datenschutzrichtlinie. Wohnsitz zuständigen Bezirks zu richten. Vor der Entschei-
dung ist die Organisationsgliederung, die den Ausschluss
(4) Gremiensitzungen der SPD können parteiöffentlich tagen. beantragt hatte, zu hören. Gegen diese Entscheidung steht
sowohl dem Antragsteller oder der Antragstellerin als auch
(5) Jedes Mitglied hat satzungsgemäße Beiträge zu zahlen. Das der Organisationsgliederung, die den Ausschluss beantragt
Nähere regelt die Finanzordnung. hat, binnen sechs Wochen Berufung an den Parteivorstand
zu. Die Frist beginnt mit der Bekanntgabe der Entscheidung
zu laufen.
§ 6 Unvereinbarkeit
(2) Wird in einem Parteiordnungsverfahren auf Ausschluss
(1) Unvereinbar mit der Mitgliedschaft in der SPD ist die erkannt und tritt der Antragsgegner vor Rechtskraft dieser
a) gleichzeitige Mitgliedschaft in einer anderen konkurrieren- Entscheidung aus der Partei aus, so findet Abs. 1 sinngemäß
den politischen Partei oder Wählervereinigung, Anwendung.
b) Tätigkeit, Kandidatur oder Unterschriftsleistung für eine
andere konkurrierende politische Partei oder Wählerverei-
nigung, § 8 Aufbau der Partei
c) Kandidatur gegen die von der zuständigen Parteigliederung
bereits beschlossene Nominierung für ein öffentliches Amt (1) Die SPD gliedert sich in Ortsvereine, Unterbezirke und
oder Mandat. Bezirke. In dieser Gliederung vollzieht sich die politische Wil-
lensbildung der Partei von unten nach oben. Die Satzungen
(2) Entsprechendes gilt für Vereinigungen, die gegen die SPD der Bezirke können abweichende Bezeichnungen regeln.
wirken. Die Feststellung der Unvereinbarkeit trifft der
Parteivorstand. Er kann die Feststellung wieder aufheben. (2) Grundlage der Organisation ist der Bezirk, der vom Parteivor-
Diese Feststellung bindet auch die Schiedskommissionen. stand nach politischer und wirtschaftlicher Zweckmäßigkeit
abgegrenzt wird. Nach den gleichen Grundsätzen erfolgt die
(3) Das Verfahren richtet sich nach § 20 SchO. Abgrenzung der Unterbezirke durch die Bezirksvorstände

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und der Ortsvereine durch die Unterbezirksvorstände. Vor (6) Die Ortsvereine können freiwillig Gemeinde-, Samt-
Neuabgrenzungen ist den betroffenen Gliederungen Gele- gemeinde- oder Stadtverbände bilden und ihnen kommu-
genheit zur Äußerung zu geben. Der abgrenzende Vorstand nalpolitische und organisatorische Aufgaben übertragen.
regelt die unverzügliche Neukonstituierung der von der Sie haben Antragsrecht auf allen Gliederungsebenen der
Neuabgrenzung betroffenen Gliederungen. Partei. Bezirkssatzungen können bestimmen, dass die
Bildung dieser Zusammenschlüsse verpflichtend ist. Die
(3) In Ländern mit mehr als einem Bezirk können nach politi- Ortsvereine sind verpflichtet, ihnen die für die Erfüllung
scher Zweckmäßigkeit Landesverbände als regionale Zusam- der übertragenen Aufgaben erforderlichen finanziellen,
menschlüsse gebildet werden, wenn alle Bezirke des Landes organisatorischen und personellen Voraussetzungen zu
zustimmen. Durch die Bildung eines Landesverbandes wird verschaffen. Erfolgt der Zusammenschluss freiwillig, so
die Eigenschaft der Bezirke als Grundlage der Organisation muss der Fall des Austritts eines Ortsvereins satzungs-
nicht berührt. Diese Landesverbände haben die landespoli- mäßig geregelt werden.
tischen und die von allen Bezirken übertragenen Aufgaben
zu erfüllen. Die Bezirke sind verpflichtet, dem Landesver- (7) Ortsvereine können Distrikte bzw. Ortsabteilungen bilden.
band die für die Erfüllung seiner und der ihm übertragenen Die Mitwirkungsrechte der Mitglieder im Ortsverein und
Aufgaben erforderlichen finanziellen, organisatorischen und dessen statutengemäße Pflichten bleiben davon unberührt.
personellen Voraussetzungen zu verschaffen.

(4) Erfolgt die Bildung eines Landesverbandes nicht gem. § 9 Aufgaben und Satzungsautonomie der Gliederungen
Abs. 3, so kann der Parteivorstand die Bildung von Landes-
verbänden durch Richtlinien regeln. (1) Die Gliederungen sichern die Teilhabe ihrer Mitglieder an
der politischen Willensbildung. Sie eröffnen ihren Mitglie-
(5) In Ländern mit einem Bezirk (Landesbezirk) können durch dern Zugang zu politischen Informationen und Qualifizie-
Bezirkssatzung regionale Zusammenschlüsse von mehre- rungsmaßnahmen.
ren Unterbezirken gebildet werden.
Diesen regionalen Zusammenschlüssen kann durch die (2) Gliederungen und regionale Zusammenschlüsse regeln ihre
Bezirkssatzung die Wahl von Delegierten zum Parteitag und Angelegenheiten durch eigene Satzungen, soweit die Sat-
Parteikonvent übertragen werden; außerdem können sie zung der nächst höheren Gliederung hierüber keine Vor-
das Recht erhalten, Anträge an den Parteitag zu stellen. schriften enthält. Die Satzungen der Gliederungen dürfen
nicht im Widerspruch zu höherrangigen Satzungen stehen.

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§ 10 Arbeitsgemeinschaften, Themenforen, Arbeitskreise § 10a Öffnung für Gastmitglieder und Unterstützer  /  -innen
und Projektgruppen
(1) Wer die Grundwerte der SPD anerkennt, kann ohne Mit-
(1) Für besondere Aufgaben können auf Beschluss des glied der SPD zu werden, den Status eines Gastmitglieds
Parteivorstandes innerhalb der Partei Arbeitsgemeinschaf- erhalten. Gastmitglieder können an allen Mitglieder-
ten gebildet werden. Die Tätigkeit der Arbeitsgemein- versammlungen der Partei teilnehmen. Sie haben dort
schaften erfolgt nach vom Parteivorstand hierfür beschlos- Rede-, Antrags- und Personalvorschlagsrecht. Das Recht
senen Grundsätzen. Diese Arbeitsgemeinschaften haben an Wahlen und Abstimmungen teilzunehmen sowie ge-
das Antrags- und Rederecht für den Parteitag auf der wählten Gremien anzugehören ist für Gastmitglieder auf
jeweiligen Ebene. Die Mitarbeit von Personen, die nicht Projektgruppen beschränkt.
Mitglied der Partei sind, ist möglich.
(2) Der Antrag auf Gastmitgliedschaft ist schriftlich zu stellen
(2) Von den Vorständen der Partei können Arbeitskreise, und mit der Anerkennung der Schiedsgerichtsbarkeit der
Projektgruppen und Themenforen, in denen auch Nichtmit- Partei verbunden. Die Gastmitgliedschaft gilt für ein Jahr.
glieder mitarbeiten können, eingerichtet werden. Arbeits- Sie kann längstens um ein weiteres Jahr verlängert werden.
kreisen und Themenforen steht das Antrags- und Rederecht §§ 3 bis 7 Organisationsstatut gelten sinngemäß.
für den Parteitag auf der jeweiligen Ebene zu. Die Tätigkeit
der Themenforen und Arbeitskreise erfolgt nach vom (3) Interessierte können ohne Mitglied der SPD zu werden,
Parteivorstand hierfür beschlossenen Grundsätzen. den Status einer Unterstützerin oder eines Unterstützers
erhalten. Unterstützerinnen und Unterstützer können in
(3) Die Satzungen der Gliederungen können vorsehen, dass einer Arbeitsgemeinschaft oder einem Themenforum die
Arbeitsgemeinschaften, Arbeitskreise, Betriebsgruppen und vollen Mitgliedsrechte wahrnehmen. Vertreterinnen und
Themenforen stimmberechtigte Delegierte zu Parteitagen Vertreter dieser Arbeitsgemeinschaft in Gremien der
entsenden dürfen. Die Zahl der nicht von den Gebietsver- Partei müssen Parteimitglied sein. Der Unterstützerantrag
bänden gewählten Delegierten (Vorstandsmitglieder mit ist schriftlich zu stellen und mit der Anerkennung der
Stimmrecht, Delegierte von Arbeitsgemeinschaften, Schiedsgerichtsbarkeit der Partei verbunden.
Arbeitskreisen, Betriebsgruppen und Themenforen) darf
jedoch insgesamt nicht mehr als ein Fünftel der satzungs- (4) Der Parteivorstand erlässt Richtlinien zur Öffnung der
mäßigen Gesamtzahl der Versammlungsmitglieder mit Partei für Nichtmitglieder, Gastmitglieder und Unterstüt-
Stimmrecht ausmachen. zerinnen und Unterstützer.

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(5) Die Mitarbeit von Nichtmitgliedern ist ausdrücklich (3) Ein Funktionsträger oder eine Funktionsträgerin verliert
erwünscht. seine bzw. ihre Funktion durch
a) turnusmäßige Neuwahl, Erlöschen der Funktion oder
(6) Wer Mitglied ist oder war, kann kein Gastmitglied oder Ablauf der satzungsmäßigen Amtszeit,
Unterstützerin und Unterstützer werden. Ein Gastmitglied b) Niederlegung,
kann nicht gleichzeitig Unterstützer bzw. Unterstützerin c) Aberkennung der Fähigkeit, eine Funktion zu bekleiden,
sein und umgekehrt. d) Abberufung aus wichtigem Grund (§ 9 der Wahlordnung)
e) Verlust der Mitgliedschaft (§ 4),
f) durch Annahme einer anderen mit seiner bisherigen
§ 11 Funktions- und Mandatsträger, Quotierung Funktion satzungsmäßig unverträglichen Funktion,
g) Verlust der Mitgliedschaft in einem Parteiorgan, von dem
(1) Funktionsträgerin oder Funktionsträger im Sinne dieses die Funktion abhängig ist.
Statuts ist, wer von der zuständigen Parteikörperschaft für
eine bestimmte Funktion der Partei, ihrer Arbeitsgemein- (4) Gehören einem Vorstand nicht mindestens drei gewählte
schaften und Projektgruppen gewählt oder für ein Mandat Mitglieder an, so hat der Vorstand der nächst höheren
oder öffentliches Wahlamt nominiert worden ist. Mandats- Gliederung unverzüglich Neuwahlen anzukündigen. Er muss
trägerin oder Mandatsträger im Sinne dieses Statuts ist, wer die Rechte des handlungsunfähigen Vorstandes wahrnehmen
als Parteimitglied ein Mandat oder öffentliches Wahlamt oder Dritte mit der Wahrnehmung dieser Rechte kommissa-
inne hat. risch beauftragen. Kommt es nicht in angemessener Zeit,
spätestens aber binnen drei Monaten, zur Wahl eines
(2) In den Funktionen und Mandaten der Partei müssen nach handlungsfähigen Vorstandes, kann der Vorstand der
Maßgabe dieses Statuts und der Wahlordnung Frauen nächsthöheren Gliederung eine Neuabgrenzung nach § 8 Abs.
und Männer mindestens zu je 40 % vertreten sein. Die 2 vornehmen. Geschieht dies nicht in angemessener Zeit, so
Pflicht richtet sich an das wählende oder entsendende obliegt diese Pflicht wiederum der nächsthöheren Gliederung.
Gremium. Die Quotierung bezieht sich insbesondere auf Wurde der Vorstand nicht in jedem zweiten Kalenderjahr
Mehrpersonengremien wie Vorstände, geschäftsführende gewählt, so ist der Vorstand der nächsthöheren Gliederung
Vorstände, von Vorständen eingesetzte Gremien und berechtigt, unverzüglich Neuwahlen anzukündigen.
Delegationen.
(5) Als Vertreter oder Vertreterin der Partei gilt nur, wer durch
die Parteiorganisation dazu beauftragt wurde.

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§ 12 Aufstellung von Kandidaten  /  -innen (5) Landeswahlvorschläge für die Bundestagswahl werden von
den Bezirken des Landes oder dem Landesverband im
(1) Kandidaten und Kandidatinnen für Gemeindevertretun- Benehmen mit dem Parteivorstand aufgestellt.
gen und das Direktwahlamt der Bürgermeisterin oder des
Bürgermeisters werden von den Ortsvereinen aufgestellt. (6) Die Abstimmung über Wahlvorschläge für öffentliche
Bestehen in einer Gemeinde mehrere Ortsvereine, so Ämter und Mandate ist geheim. Das Nähere regelt die
werden die Kandidaten und Kandidatinnen durch Wahlordnung.
Delegierte der zur Gemeinde gehörenden Ortsvereine
aufgestellt. (7) Die jeweils zuständigen Vorstände können, soweit die
Wahlgesetze und Satzungen nicht entgegenstehen,
(2) Kandidaten und Kandidatinnen für die Kreistage oder das Richtlinien über das Verfahren zur Kandidatenaufstellung,
Direktwahlamt des Landrates oder der Landrätin oder das z.B. über Fristen, Delegiertenschlüssel oder die Anwendung
der Oberbürgermeisterin oder des Oberbürgermeisters des Vollversammlungsprinzips, erlassen. Können mehrere
werden durch Delegierte der zu der Gebietskörperschaft betroffene Gliederungen keine Einigung über das Verfahren
gehörenden Ortsvereine aufgestellt. Dazu können Bezirke der Kandidatenaufstellung erzielen, so entscheidet der
und Landesbezirke abweichende Regelungen in ihren nächst höhere Vorstand im Rahmen der Wahlgesetze und
Satzungen festlegen. des Satzungsrechts.

(3) Wahlkreisvorschläge für Bundestag und Landtage werden § 13 Mitgliederentscheid


durch die örtlich zuständigen Organisationsgliederungen
im Benehmen mit dem Bezirks- bzw. Parteivorstand (1) Ein Mitgliederentscheid kann den Beschluss eines Organs
beschlossen. ändern, aufheben oder einen solchen Beschluss anstelle
eines Organs fassen. Der Kanzlerkandidat oder die Kanzler-
(4) Soweit die Wahlgesetze und Satzungen nicht entgegenste- kandidatin der SPD kann durch Mitgliederentscheid
hen, können die zuständigen Vorstände beschließen, dass bestimmt werden.
Kandidatinnen und Kandidaten für Gemeindevertretungen,
ein Direktwahlamt oder Parlamente von Vollversammlun- (2) Gegenstand eines Entscheids können nur solche Beschlüsse
gen aufgestellt werden. sein, die nicht durch Parteigesetz oder durch andere Gesetze
ausschließlich einem Organ vorbehalten sind. Darüber
hinaus können nicht Gegenstand eines Entscheids sein:

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a) Fragen der Beitragsordnung, auch wenn sie in der Finanz- (6) Durch den Mitgliederentscheid wird eine verbindliche
ordnung der Partei bzw. den entsprechenden Statuten oder Entscheidung gegenüber dem Organ getroffen, an das der
Satzungen der Gliederungen nicht ausdrücklich und Mitgliederentscheid gerichtet ist. Der Entscheid ist wirksam,
ausschließlich einem Organ zugewiesen sind, wenn die Mehrheit der Abstimmenden zugestimmt und
b) die Beschlussfassung über die Wirtschaftspläne der Partei mindestens ein Fünftel der Stimmberechtigten sich an der
und ihrer Gliederungen, Abstimmung beteiligt haben. Innerhalb von zwei Jahren
c) die Beschlussfassung über Änderungen des Organisations- nach dem Mitgliederentscheid kann der Parteitag mit
statuts, der Wahl-, Schieds- und Finanzordnung sowie der 2/3-Mehrheit eine andere Entscheidung treffen, danach
entsprechenden Statuten, Satzungen oder Ordnungen der genügt die einfache Mehrheit.
Gliederungen.
(7) Der Parteivorstand beschließt eine Verfahrensrichtlinie zur
(3) Ein Mitgliederentscheid findet aufgrund eines Mitgliederbe- Durchführung des Begehrens und des Entscheids. Verant-
gehrens statt. Das Mitgliederbegehren muss einen konkreten wortlich für die Durchführung des Mitgliederbegehrens
Entscheidungsvorschlag enthalten und mit Gründen versehen sind die Initiatoren. Der Parteivorstand unterstützt die
sein. Es kommt zustande, wenn es binnen einer Frist von drei Durchführung gemäß der vom Parteivorstand beschlosse-
Monaten von 10 Prozent der Mitglieder unterstützt wird. nen Verfahrensrichtlinie und unter Einhaltung der Daten-
schutzrichtlinie der SPD.
(4) Ein Mitgliederentscheid findet ferner statt, wenn es
(8) Gegen den Beschluss des Vorstandes über das rechtswirksa-
a) der Parteitag mit einfacher Mehrheit oder me Zustandekommen des Mitgliederbegehrens können die
b) der Parteivorstand mit Dreiviertelmehrheit beschließt Initiatoren des Begehrens unmittelbar die zuständige
c) oder wenn es mindestens zwei Fünftel der Bezirksvorstände Schiedskommission anrufen. Die Vorschriften über
beantragen. Statutenstreitverfahren gelten sinngemäß.

Diese Beschlüsse oder Anträge müssen einen Entschei- (9) Ein Mitgliederentscheid kann auf allen Ebenen der Partei
dungsvorschlag enthalten und mit Gründen versehen sein. durchgeführt werden. Zur Durchführung einer Urwahl zur
Bestimmung einer Spitzenkandidatur in den Gliederun-
(5) In den Fällen des Mitgliederbegehrens und im Fall des gen, bedarf es einer Ermächtigungsgrundlage in der
Unterabsatzes 4 c) kann der Parteivorstand einen eigenen Satzung dieser Gliederung. Die Verfahrensrichtlinie der
Vorschlag zur Abstimmung vorlegen. jeweiligen Gliederungen darf zu den Satzungen und

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Richtlinien höherrangiger Gliederungen nicht im Wider- den Abstimmungsvorgang protokollieren und das Ergebnis
spruch stehen. mitsamt den Stimmzetteln und Abstimmungsprotokollen
unverzüglich an die Bezirke weiterleiten.
§ 14 Verfahren des Mitgliederentscheids
(6) Die Stimmabgabe ist auch durch Briefwahl möglich.
(1) Der Parteivorstand setzt Tag und Zeit der Abstimmung fest. Briefwahlunterlagen sind einem Mitglied, auf schriftliche
Die Abstimmung muss innerhalb von drei Monaten oder telefonische Anfrage hin, zuzusenden.
durchgeführt werden.
(7) Die Bezirke teilen das zusammengefasste Abstimmungser-
(2) Termin und Gegenstand sind spätestens zwei Wochen vor gebnis dem Parteivorstand mit. Stimmzettel und Abstim-
dem Abstimmungstag zu veröffentlichen. mungsprotokolle sind bei den Bezirken für die Dauer eines
Jahres aufzubewahren.
(3) Die Abstimmung wird innerhalb der Ortsvereine in
unmittelbarer und geheimer Form vorgenommen. Jedes (8) Der Parteivorstand fasst die Abstimmungsergebnisse der
Mitglied hat eine Stimme. Es finden einheitliche Stimmzet- Bezirke zusammen und veröffentlicht das Gesamtergebnis
tel Verwendung, die den Abstimmungsgegenstand so der Abstimmung.
darstellen, dass eine Beantwortung mit „Ja“ oder „Nein“
möglich ist. (9) Bei der Bestimmung des Kanzlerkandidaten oder der
Kanzlerkandidatin durch Mitgliederentscheid ist gewählt,
(4) Der Parteivorstand ist für die rechtzeitige Veröffentlichung wer mehr als die Hälfte der abgegebenen gültigen Stimmen
sowie für die Herstellung der Stimmzettel und deren erhalten hat. Hat kein Kandidat oder keine Kandidatin diese
Verteilung an die Bezirke verantwortlich. Die Bezirke leiten Mehrheit erhalten, so findet zwischen den beiden Bestplat-
die Stimmzettel an die Ortsvereinsvorstände weiter. zierten eine Stichwahl statt. Gewählt ist dann, wer die
meisten Stimmen auf sich vereinigt.
(5) Die Ortsvereinsvorstände sind für die Durchführung der
Abstimmung verantwortlich. Insbesondere müssen sie den (10) Im Vorfeld der Aufstellung von Kandidatinnen und
Mitgliedern Abstimmungszeit, Abstimmungslokal und Kandidaten und Spitzenkandidaturen zu öffentlichen
Gegenstand der Abstimmung in geeigneter Weise bekannt Wahlen können wie bisher auch Nichtmitglieder beteiligt
geben, für die geheime Abstimmung Vorkehrungen treffen, werden. Der Parteivorstand beschließt hierzu eine Verfah-
über die Gültigkeit der abgegebenen Stimmen entscheiden, rensrichtlinie.

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(11) Im Vorfeld von parteiinternen Vorstandswahlen können § 16 Parteitag, Konstituierung, Protokoll
Mitgliederbefragungen durchgeführt werden. Der Partei-
vorstand beschließt hierzu eine Verfahrensrichtlinie. (1) Der Parteitag prüft die Legitimation der Teilnehmer und
Teilnehmerinnen, wählt die Leitung und bestimmt die
§ 15 Parteitag, Zusammensetzung Geschäftsordnung. Der Parteitag ist beschlussfähig, wenn
mehr als die Hälfte der Stimmberechtigten anwesend sind.
(1) Der Parteitag ist das oberste Organ der Partei. Er setzt sich Die Beschlussunfähigkeit wird nur auf Antrag festgestellt.
zusammen: Solange die Beschlussunfähigkeit nicht festgestellt ist, gilt
1. Aus 600 von den Bezirksparteitagen in geheimer Abstim- der Parteitag als beschlussfähig.
mung gewählten Delegierten. Dabei erhält jeder Bezirk
vorab zwei Grundmandate. Die weiteren Delegierten- (2) Über die Verhandlungen des Parteitages wird ein Wort-
mandate werden nach dem Verhältnis der abgerechneten protokoll angefertigt. Das Protokoll ist vom Parteivorstand
Mitgliederzahlen des letzten Kalenderjahres vor Einberu- zu veröffentlichen und den Delegierten auf Anforderung
fung des Parteitags auf die Bezirke verteilt. Bezirkssatzun- zuzusenden. Beschlüsse sind durch zwei Mitglieder des
gen können bestimmen, dass die Wahl der auf den Bezirk Präsidiums des Parteitags zu beurkunden.
entfallenden Delegierten ganz oder teilweise durch die
Unterbezirksparteitage erfolgt; dabei ist sicherzustellen,
dass Frauen und Männer in der Delegation eines jeden § 17 Ordentlicher Parteitag, Turnus, Ort
Bezirkes mindestens zu je 40 % vertreten sind.
2. Aus den Mitgliedern des Parteivorstandes. Alle zwei Jahre findet ein Parteitag statt, der vom
Parteivorstand einzuberufen ist. Die Funktionsperiode
(2) Mit beratender Stimme nehmen am Parteitag teil: des Vorstandes kann aus sachlichen Gründen über oder
1. Die beratenden Mitglieder des Parteivorstandes; unterschritten werden. Der ordentliche Parteitag hat
2. die Mitglieder der Kontrollkommission und der; jedoch spätestens vor Ablauf des übernächsten Kalender-
Bundesschiedskommission; jahres, gerechnet vom vorangegangenen ordentlichen
3. ein Zehntel der Bundestagsfraktion; Parteitag, zu erfolgen.
4. ein Zehntel der Gruppe der SPD-Abgeordneten im
Europaparlament;
5. jeweils ein/e Delegierter/e der Arbeitsgemeinschaften,
Themenforen und Arbeitskreise auf Bundesebene.

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§ 18 Einberufung des ordentlichen Parteitages § 19 Antragskommission

(1) Die Einberufung des Parteitages soll spätestens drei Die Antragskommission besteht aus je einem oder einer
Monate vorher mit der vorläufigen Tagesordnung veröffent- Delegierten der Bezirke und acht vom Parteivorstand zu
licht werden. Die Veröffentlichung der Tagesordnung soll benennenden Mitgliedern. Sie ist durch den Parteivorstand
mindestens einmal in angemessener Zeit wiederholt einzuladen.
werden.

(2) Anträge von Organisationsgliederungen, Arbeitsgemein- § 20 Aufgaben des Parteitages


schaften, Arbeitskreisen und Themenforen auf Bundesebe-
ne und Wahlvorschläge für den Parteitag sind zwei Monate Zu den Aufgaben des Parteitages gehören:
vorher dem Parteivorstand einzureichen. Für Anträge des
Parteivorstandes gilt dieselbe Frist. Die Anträge sind den 1. Entgegennahme des Berichtes über die Tätigkeit des
Delegierten, Bezirken, Unterbezirken und den Antragstel- Parteivorstandes, der Kontrollkommission und der
lenden mit einer Stellungnahme der Antragskommission Bundestagsfraktion sowie des Rechenschaftsberichtes
zwei Wochen vor dem Parteitag zuzusenden. Ortsvereine, gem. § 23 PartG;
die keinen Antrag gestellt haben, ist auf Anforderung 2. die Wahl des Parteivorstandes, der Kontrollkommission,
ebenfalls ein Exemplar der Anträge zuzusenden. der Bundesschiedskommission und der Delegierten zum
alle 2 Jahre stattfindenden Kongress der SPE;
(3) Der Parteivorstand bittet nahe stehende Organisationen 3. die Beschlussfassung über die Berichte nach Ziffer 1, über
um Stellungnahmen und inhaltliche Anträge. Es gilt die die Parteiorganisation und alle das Parteileben berühren-
Antragsfrist des Abs. 2. den Fragen;
4. die Beschlussfassung über die eingegangenen Anträge.
(4) Anträge aus der Mitte des Parteitages (Initiativanträge)
werden behandelt, soweit der Parteitag dem zustimmt.
Änderungsanträge sind nach Ablauf der Antragsfrist des § 21 Außerordentlicher Parteitag
Abs. 2 nur zulässig, wenn sie von stimmberechtigten
Parteitagsdelegierten mündlich begründet werden und sich Ein außerordentlicher Parteitag ist einzuberufen:
auf den Text behandelter Anträge beziehen. Das Nähere
bestimmt die Geschäftsordnung. 1. auf Beschluss des Parteitages;

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OrgStatut

OrgStatut
2. auf mit Dreiviertelmehrheit gefassten Beschluss des a) dem oder der Vorsitzenden,
Parteivorstandes; b) sechs stellvertretenden Vorsitzenden,
3. auf einstimmigen Beschluss der Kontrollkommission; c) dem Generalsekretär oder der Generalsekretärin,
4. auf Antrag von mindestens zwei Fünfteln der Bezirks- d) dem Kassierer oder der Kassiererin (Schatzmeister bzw.
vorstände. Schatzmeisterin),
e) dem oder der Verantwortlichen des Parteivorstandes für die
Europäische Union und
§ 22 Fristen des außerordentlichen Parteitages f) einer vom Parteitag festzusetzenden Zahl weiterer
Mitglieder.
(1) Die Einberufung des außerordentlichen Parteitages muss Die Zahl der Mitglieder des Parteivorstandes darf insgesamt
spätestens einen Monat vorher veröffentlicht werden. nicht mehr als 45 betragen. Unter den in Einzelwahl zu
Mit der Einberufung setzt der Parteivorstand die Antrags- wählenden Mitgliedern sollen, unter den Mitgliedern des
frist fest. Parteivorstandes insgesamt müssen Männer und Frauen
mindestens zu 40 % vertreten sein. Die Geschlechterquote
(2) Die Anträge sind den Delegierten, Bezirken, Unterbezirken soll auch bei der Wahl der Stellvertreter / -innen Berücksich-
und Antragstellenden mit einer Stellungnahme der tigung finden.
Antragskommission unverzüglich zuzusenden.
(2) Zur Durchführung der Parteivorstandsbeschlüsse und zur
(3) Der Parteivorstand bittet nahestehende Organisationen um laufenden politischen und organisatorischen Geschäftsfüh-
Stellungnahmen und inhaltliche Anträge. Es gilt die rung der Partei wählt der Parteivorstand aus seiner Mitte
Antragsfrist des Abs. 1. den geschäftsführenden Vorstand (Parteipräsidium). Dem
Präsidium gehören die Parteivorstandsmitglieder nach Abs.
(4) Im Übrigen gelten für die außerordentlichen Parteitage die 1 lit. a-e sowie eine vom Parteivorstand festzulegende Zahl
§§ 15 und 16 entsprechend. weiterer Mitglieder an. Männer und Frauen müssen
paritätisch vertreten sein; bei einer ungeraden Anzahl darf
der Unterschied zwischen Männern und Frauen nicht mehr
§ 23 Parteivorstand als 1 betragen.

(1) Die Leitung der Partei obliegt dem Parteivorstand. (3) Die Wahl des Parteivorstandes erfolgt durch den Parteitag
Er besteht aus in getrennten Wahlgängen in der Reihenfolge der Nennung

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OrgStatut

OrgStatut
in Abs. 1. Die Wahlen zu a) bis e) erfolgen in Einzelwahl, zu der Vorsitzenden und dem Parteivorstand auf der Grund-
f) in Listenwahl. lage der Beschlüsse der Partei. Der Generalsekretär oder die
Generalsekretärin koordiniert die Parteiarbeit, leitet die
(4) Im ersten Wahlgang ist die absolute Mehrheit der Parteizentrale und ist für die Vorbereitung und Durchfüh-
abgegebenen gültigen Stimmen erforderlich. rung der Bundestagswahlkämpfe zuständig.

(5) Der amtierende Vorstand soll zwei Wochen vor dem Der Generalsekretär oder die Generalsekretärin bestellt im
Parteitag den Delegierten einen Vorschlag zur Wahl des Vor- Einvernehmen mit dem Parteivorstand den Bundesge-
standes unterbreiten. schäftsführer/die Bundesgeschäftsführerin.

(6) Aus den Reihen des Parteitages können zusätzliche (2) Dem Schatzmeister oder der Schatzmeisterin obliegt die
Vorschläge unterbreitet werden. Finanz- und Vermögensverwaltung und die Haushaltsbe-
wirtschaftung der Partei. Der Schatzmeister oder die
(7) Der ergänzte Wahlvorschlag soll die Namen der Kandidie- Schatzmeisterin ist verantwortlich für die öffentliche
renden in alphabetischer Folge aufführen und am Morgen Rechenschaftslegung nach § 23 des Parteiengesetzes.
des Wahltages den Delegierten vorliegen.
(3) Der Parteivorstand führt innerhalb der Gesamtpartei im
(8) Der Parteivorstand bleibt bis zur Konstituierung des neu Einvernehmen mit den Bezirken einen Finanzausgleich durch.
gewählten Parteivorstandes im Amt.

(9) Der oder die Vorsitzende der Kontrollkommission nimmt an § 25 Rechte des Parteivorstandes
den Sitzungen des Parteivorstandes mit beratender Stimme
teil. Beratende Vorstandsmitglieder sind nicht Parteivorstands- (1) Der jeweilige Parteivorstand ist Eigentümer aller vorhan-
mitglieder im Sinne des § 11 Abs. 2 des Parteiengesetzes. denen Gelder und sonstigen Vermögensstücke. Er ist
insbesondere berechtigt, in eigenem Namen und aus
eigenem Recht alle der Sozialdemokratischen Partei
§ 24 Geschäftsführung der Partei zustehenden Ansprüche gegen Schuldner und Schuldne-
rinnen geltend zu machen. Der Parteivorstand vertritt die
(1) Der Generalsekretär oder die Generalsekretärin führt die Partei gerichtlich und außergerichtlich. Gerichtsstand
politischen Geschäfte der Partei im Einvernehmen mit dem/ ist Berlin.

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OrgStatut

OrgStatut
(2) Dem für die Finanzangelegenheiten zuständigen Vorstands- schaften kontrollieren, Aufschlüsse anfordern und Abrech-
mitglied des Parteivorstandes (Schatzmeister/in) obliegt nungen verlangen. Er hat das Recht, an allen
des Weiteren die Wahrnehmung der dem Parteivorstand in Zusammenkünften aller Parteikörperschaften und
Abs. 1 übertragenen Rechte. Das Recht der/des Vorsitzen- Arbeitsgemeinschaften beratend teilzunehmen.
den, der stellvertretenden Vorsitzenden sowie der/des
Generalsekretärin/Generalsekretärs, die Partei gerichtlich (2) Der Parteivorstand hat darauf hinzuwirken, dass jeder
und außergerichtlich gemäß der hierfür vom Parteivorstand Vorstand einer Gliederung (Landesverband, Bezirk,
erteilten Vollmacht zu vertreten, bleibt davon unberührt. Unterbezirk, Ortsverein) die Pflicht zur öffentlichen
Rechenschaftslegung erfüllt. Für sonstige Organisationsfor-
(3) Er ist ermächtigt, die sonst nicht übertragbaren Persönlich- men der Partei mit eigenständiger Kassenführung gilt Satz
keitsrechte der Partei als einer Körperschaft, insbesondere 1 entsprechend.
das Namensrecht, in eigenem Namen geltend zu machen. .
(3) Jährlich, spätestens mit Ablauf des ersten Quartals des
(4) Der Parteivorstand erlässt Richtlinien über Abstimmungsver- neuen Jahres, erstatten die Bezirksvorstände Bericht an den
fahren, einschließlich der Willensbildung unter Abwesenden. Parteivorstand über ihre Tätigkeit, die politische und
wirtschaftliche Lage, über Einnahmen und Ausgaben im
(5) Die Delegierten zum alle 2 Jahre stattfindenden Kongress Bezirk und die Verwendung der vom Parteivorstand
der SPE werden auf dem Bundesparteitag gewählt. Der überwiesenen Materialien.
SPD-Parteivorstand hat bei seinem Vorschlag die Geschlech-
terquote zu berücksichtigen und auf die Berücksichtigung (4) Der Parteivorstand beschließt nähere Bestimmungen über
der Bezirke/Landesverbände zu achten. Die Bezirke/ die mit der Wahrnehmung von Funktionen und Mandaten
Landesverbände schlagen dafür dem Parteivorstand sowohl verbundenen Verpflichtungen (Verhaltensregeln).
Frauen als auch Männer in der gleichen Anzahl entspre-
chend ihrer Mitgliederstärke vor. (5) Die Bezirke können vorstehende Rechte in ihrem jeweiligen
Organisationsbereich entsprechend wahrnehmen.

§ 26 Kontrollrechte des Parteivorstandes


§ 27 Einsicht in Bücher
(1) Der Parteivorstand kann jederzeit die Organisationsgliede-
rungen und deren Unternehmungen sowie Arbeitsgemein- (1) Kein Parteimitglied hat ohne ausdrücklichen Beschluss des

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OrgStatut

OrgStatut
Parteitages das Recht, die Geschäftsbücher oder Papiere des und Ministerpräsidentinnen der Länder,
Parteivorstandes, der Kontrollkommission oder der Partei f) die sozialdemokratischen Mitglieder der Bundesregierung,
einzusehen oder sich aus ihnen Abschriften oder Auszüge an- g) der oder die Vorsitzende des Seniorenrats,
zufertigen oder eine Auskunft oder Übersicht über den Stand h) der oder die Vorsitzende des Gewerkschaftsrats,
des Parteivermögens zu verlangen. Hierdurch wird das Recht i) die Vorsitzenden der Arbeitsgemeinschaften auf Bundes-
der Delegierten, während der Tagung Einsicht ebene,
in die Bücher zu nehmen, nicht berührt. j) der oder die Vorsitzende der SJD – Die Falken und der AWO,
k) ein/e von den Betriebsräten der Landesverbände und
Bezirke zu benennende/r Arbeitnehmervertreter/in,
§ 28 Zusammensetzung und Einberufung des Parteikonvents l) der oder die Vorsitzende oder im Verhinderungsfalle einer/e
der Stellvertreter/innen der Bundesschiedskommission.
(1) Der Parteikonvent setzt sich zusammen:
(2) Der Parteikonvent wird durch den Parteivorstand zwei
1. Stimmberechtigte Mitglieder: Monate vorher unter Angabe der Tagesordnung einberufen.
a) 200 von den Parteitagen der Bezirke in geheimer Abstim- Findet in einem Kalenderjahr kein Parteitag statt, wird der
mung zu wählenden Delegierten. Dabei erhält jeder Bezirk Parteikonvent zweimal jährlich einberufen; in den übrigen
vorab ein Grundmandat. Die weiteren Mandate werden nach Jahren einmal jährlich.
dem Schlüssel für die Errechnung der Delegiertenzahlen auf
den Bundesparteitagen auf die Bezirke verteilt. (3) Mit der Einberufung setzt der Parteivorstand die Antrags-
b) Die stimmberechtigten Mitglieder des Parteivorstandes. frist fest. Es gelten die Antragsberechtigungen des Parteita-
ges entsprechend.
2. Beratende Mitglieder
a) der oder die Vorsitzende der Kontrollkommission, (4) Die Anträge sind den Delegierten, Bezirken, Unterbezirken
b) die Vorsitzenden der Landesverbände in den Ländern mit und den Antragstellern mit einer Stellungnahme der
mehr als einem Bezirk, Antragskommission unverzüglich zuzusenden.
c) der oder die Vorsitzende der Bundestagsfraktion,
d) der Vorsitzende oder die Vorsitzende der Gruppe der (5) Auf Antrag von eines Viertels seiner Mitglieder oder vier
SPD-Abgeordneten im Europaparlament, Bezirken aus drei Ländern ist durch den Parteivorstand eine
e) die sozialdemokratischen Ministerpräsidenten und Minister- außerordentliche Sitzung unverzüglich einzuberufen. In
präsidentinnen bzw. stellvertretenden Ministerpräsidenten dem Antrag sind die Tagesordnungspunkte zu nennen. Der

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OrgStatut
Parteivorstand besitzt ein eigenes Einberufungsrecht. sowie hauptamtlich tätige Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen
Absatz 4 gilt entsprechend. der Partei können der Kontrollkommission nicht angehören.
(6) Der Parteikonvent gibt sich eine Geschäftsordnung. Er kann (3) Zur Leitung ihrer Geschäfte wählt die Kontrollkommission
auf Antrag die nichtöffentliche Tagung beschließen. eine Vorsitzende oder einen Vorsitzenden aus ihrer Mitte.

(4) Die Kontrolle muss mindestens vierteljährlich einmal


§ 29 Aufgaben des Parteikonvents stattfinden.

(1) Der Parteikonvent ist zuständig für alle politischen und (5) Alle Einsendungen für die Kontrollkommission sind an den
organisatorischen Fragen und fasst Beschlüsse soweit sie Vorsitzenden oder die Vorsitzende derselben zu richten, der
nicht einem anderen Organ durch Gesetz oder Satzung oder die seine bzw. ihre Adresse in geeigneter Weise
vorbehalten sind. bekannt zu geben hat.

(2) Der Parteikonvent beschließt über die vom Bundesparteitag (6) Auf Antrag der Kontrollkommission oder des Parteivorstan-
überwiesenen Anträge. des finden gemeinsame Sitzungen statt.

(7) Die Mitglieder der Kontrollkommission erfüllen die


§ 30 Kommunalbeirat Aufgaben der Rechnungsprüfer oder Rechnungsprüferinnen
Der Parteivorstand beruft einen Kommunalbeirat ein. Dem gemäß § 9 Abs. 5 PartG.
Kommunalbeirat steht das Rede- und Antragsrecht zum
Bundesparteitag zu, er legt dem Parteitag einen Bericht vor.
§ 32 Veröffentlichungen

§ 31 Kontrollkommission Veröffentlichungen erfolgen in einem Medium, das die


Vorstände aller Gliederungen erreicht.
(1) Zur Kontrolle des Parteivorstandes sowie für die Behand-
lung von Beschwerden über den Parteivorstand wählt der
Parteitag eine Kontrollkommission von neun Mitgliedern. § 33 Untersuchungs- und Feststellungsverfahren

(2) Mitglieder des Parteivorstandes oder des Parteikonvents (1) Bei Streitigkeiten und Unstimmigkeiten können die

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OrgStatut

OrgStatut
Organisationsgliederungen (§ 8) Untersuchungskommissio- a) ein Vorsitzender oder eine Vorsitzende,
nen einsetzen, sofern Beweise im Parteiinteresse zu sichern b) zwei Stellvertreter oder Stellvertreterinnen sowie
sind oder ein Sachverhalt, der zu einem Parteiordnungsver- c) vier weitere Mitglieder gewählt.
fahren führen kann, aufzuklären ist. Die Untersuchungskom- Unter den Mitgliedern nach Buchstaben a) und b) müssen
missionen haben nur tatsächliche Feststellungen zu treffen. beide Geschlechter vertreten sein.
Sie haben der auftraggebenden Organisationsgliederung zu
berichten. (4) Die Schiedskommissionen entscheiden in der Besetzung mit
einem oder einer Vorsitzenden und zwei Beisitzerinnen oder
(2) Das Nähere regelt die Schiedsordnung. Beisitzern (§ 4 Schiedsordnung).

(5) Die Mitglieder der Schiedskommissionen werden von


§ 34 Schiedskommissionen Parteitagen gewählt.
§ 17 S. 2 des Organisationsstatuts gilt sinngemäß.
(1) Schiedskommissionen werden bei den Unterbezirken, den
Bezirken und dem Parteivorstand gebildet. Bei Bedarf (6) Die Mitglieder der Schiedskommissionen dürfen weder dem
können mehrere Kommissionen gebildet werden, deren Vorstand einer Gliederung oder eines regionalen Zusam-
Zuständigkeit durch den Satzungsgeber mindestens für die menschlusses der Partei (§ 8) noch dem Parteivorstand (§
Dauer ihrer Amtszeit im Voraus festzulegen ist. 23) angehören, noch in einem Dienstverhältnis zur Partei
stehen oder von ihr regelmäßige Einkünfte beziehen.
(2) Schiedskommissionen sind zuständig für Entscheidungen in:
1. Parteiordnungsverfahren, (7) Das Verfahren der Schiedskommissionen regelt die Schieds-
2. Streitigkeiten über die Anwendung und Auslegung des ordnung.
Organisationsstatuts und der Satzungen sowie der
Grundsätze (§ 10) und Arbeitsrichtlinien der Arbeits-
gemeinschaften, § 35 Parteiordnungsverfahren
3. Verfahren bei Wahlanfechtung oder Nichtigkeit von
Wahlen. (1) Gegen ein Mitglied, das gegen
1. die Statuten oder
(3) Für jede Schiedskommission werden 2. die Grundsätze oder
3. die Ordnung der Partei verstößt,

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OrgStatut

OrgStatut
kann ein Parteiordnungsverfahren durchgeführt werden. § 36 Auflösung, Verschmelzung und Ausschluss
Gegen die Grundsätze der SPD verstößt insbesondere, wer
das Gebot der innerparteilichen Solidarität außer Acht lässt (1) Hat der Parteitag die Auflösung der Partei oder ihre
oder sich einer ehrlosen Handlung schuldig macht. Gegen Verschmelzung mit einer oder mehreren anderen Parteien
die Ordnung der Partei verstößt insbesondere, wer beharrlich beschlossen, so findet eine Urabstimmung statt. Der
Beschlüssen des Parteitages oder der Parteiorganisation Beschluss des Parteitages wird durch das Ergebnis der
zuwider handelt. Urabstimmung bestätigt oder aufgehoben; er darf nicht vor
der Bestätigung durch die Urabstimmung ausgeführt
(2) In dem Parteiordnungsverfahren kann erkannt werden auf: werden. Für die Urabstimmung gelten die Vorschriften über
1. die Erteilung einer Rüge, den Mitgliederentscheid sinngemäß.
2. die zeitweilige Aberkennung des Rechts zur Bekleidung
einzelner oder aller Funktionen (§ 11 Abs. 1) bis zur Dauer (2) Die Auflösung oder der Ausschluss einer Gliederung ist nur
von drei Jahren, wegen anhaltender und schwerwiegender Verstöße gegen
3. das zeitweilige Ruhen einzelner oder aller Rechte aus der die Grundsätze oder die Ordnung der Partei zulässig. Sie
Mitgliedschaft bis zur Dauer von drei Jahren, kann nur vom Parteivorstand im Einvernehmen mit dem
4. den Ausschluss aus der Partei. Parteikonvent beschlossen werden.

(3) Auf Ausschluss kann nur erkannt werden, wenn das


Mitglied vorsätzlich gegen die Statuten oder erheblich § 37 Abänderung des Statuts
gegen die Grundsätze oder die Ordnung der Partei versto-
ßen hat und dadurch schwerer Schaden für die Partei (1) Das Statut der Partei kann nur von einem Parteitag mit
entstanden ist. Wer aus der Partei Zweidrittelmehrheit geändert werden. Wahl-, Finanz- und
ausgeschlossen wurde, darf nicht länger in Gliederungen Schiedsordnung sind Bestandteile dieses Statuts.
und Arbeitsgemeinschaften mitarbeiten.
(2) Anträge auf Abänderung des Statuts können nur beraten
(4) Der Antrag auf Durchführung eines Parteiordnungs- werden, wenn sie sechs Wochen vor Beginn des Parteitages
verfahrens kann von jeder Gliederung (§ 8 Abs. 1) und veröffentlicht worden sind. Abweichungen müssen
dem Parteivorstand bei der Schiedskommission des auf dem Parteitag mit Dreiviertelmehrheit beschlossen
Unterbezirks, dem das betroffene Mitglied angehört, werden.
gestellt werden.

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WAHLORDNUNG

WAHLORDNUNG
§ 38 Schlussbestimmungen WAHLORDNUNG (WO)

(1) Dieses Statut ist am 18. Dezember 1971 in Kraft getreten.


Änderungen und Neufassungen werden grundsätzlich mit § 1 Geltungsbereich
ihrer Beschlussfassung wirksam.
(1) Diese Wahlordnung gilt für alle Versammlungen (Parteitage
(2) Der Parteivorstand dokumentiert jede Änderung des und sonstige Versammlungen) der Sozialdemokratischen
Satzungsrechts der Bundespartei und deren Motive. Er Partei Deutschlands, ihrer Gliederungen und regionalen
gewährt jedem Parteimitglied auf Antrag Einblick in diese Zusammenschlüsse sowie ihrer Arbeitsgemeinschaften. Sie
Dokumentation. gilt, vorbehaltlich besonderer Bestimmungen der Wahlge-
setze, auch für Versammlungen zur Aufstellung von
(3) Im Rahmen eines Modellprojektes können für die Arbeitsge- Kandidatinnen und Kandidaten nach staatlichem Wahlrecht.
meinschaft der Jungsozialistinnen und Jungsozialisten
folgende Regelungen erprobt werden: (2) Die Wahlordnung gilt für Wahlen in Fraktionen der Partei
Unterschreitet bei Wahlen für den Bundesvorstand oder für nur, wenn diese ihre Anwendbarkeit beschlossen haben.
Delegationen zum Bundeskongress die Zahl der gewählten Satzungen von Gliederungen können vorsehen, dass die
Kandidatinnen einen Anteil von 40 %, so verringert sich die Wahlordnung auch auf Nominierungen Anwendung findet,
Größe des Bundesvorstandes bzw. der Delegation so weit, durch die bloße Personalvorschläge zur Besetzung von
dass die Zahl der weiblichen Mitglieder des Bundesvorstan- Parteiämtern und zur Aufstellung von Kandidatinnen und
des bzw. der Delegation einen Anteil von mindestens 40 % Kandidaten für öffentliche Ämter und Mandate gemacht
erreicht. Der Mann bzw. die Männer mit der niedrigsten werden.
Stimmenzahl gehört bzw. gehören in diesem Fall dem
Bundesvorstand bzw. der Delegation nicht an; bei Stimmen- (3) Versammlungen können nur ergänzende Bestimmungen zu
gleichheit entscheidet das Los. dieser Wahlordnung beschließen.

§ 2 Ankündigung der Wahl

(1) Wahlen können nur stattfinden, wenn sie in der vorläufigen


Tagesordnung angekündigt worden sind.

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WAHLORDNUNG

WAHLORDNUNG
Diese Tagesordnung muss den Mitgliedern bzw. c) Zählkommissionen,
Delegierten mindestens eine Woche vorher zugehen. d) Antragskommissionen,
Die Absendung gilt als rechtzeitig, wenn die Aufgabe zur e) Kontrollkommissionen,
Post so frühzeitig erfolgte, dass bei gewöhnlichen Postlauf- f) Revisorinnen und Revisoren.
zeiten mit dem rechtzeitigen Zugang gerechnet werden
konnte. Elektronische Zusendung ist zulässig. (3) Die für einen Wahlgang verwendeten Stimmzettel müssen
einheitlich sein, soweit die vorhandenen technischen
(2) Innerparteiliche Nominierungsverfahren von Kandidatinnen Möglichkeiten dies zulassen. Stimmzählgeräte sind zulässig.
und Kandidaten für die Wahlen zu kommunalen Vertre-
tungskörperschaften und Parlamenten sollen drei Monate (4) Ungültig sind Stimmzettel, die den Willen der oder des
vorher parteiöffentlich bekannt gegeben werden. Wählenden nicht zweifelsfrei erkennen lassen. Finden
Kontrollmarken Verwendung, so ist eine Stimme nur gültig,
wenn der Stimmzettel die zutreffende Kontrollmarke trägt.
§ 3 Allgemeine Grundsätze
(5) Wahlvorschläge müssen die satzungsmäßigen Vorausset-
(1) Wahlen sind geheim, soweit satzungsmäßig nicht offen zungen erfüllen. Die Personalvorschläge der Vorstände
gewählt werden kann. Geheim sind insbesondere die müssen Frauen und Männer mindestens
Wahl von zu je 40 % berücksichtigen, sie sollen Frauen und Männer zu
a) Vorständen, je 50 % berücksichtigen.
b) Parteiräten und Parteiausschüssen,
c) Parteitagsdelegationen, Delegationen zum Parteikonvent (6) Bei Kandidatenaufstellungen zu staatlichen Wahlen ist
und zum SPE-Kongress, jeder stimmberechtigte Teilnehmer und jede stimmberech-
d) Schiedskommissionen, tigte Teilnehmerin der Versammlung personalvorschlags-
e) Kandidatinnen und Kandidaten für öffentliche Wahlämter, berechtigt. Im Übrigen folgt das Personalvorschlagsrecht
f) Vertreterinnen und Vertreter zur Aufstellung von Kandida- dem Antragsrecht. Aus den Reihen der Versammlung
tinnen und Kandidaten für öffentliche Wahlämter. können zusätzliche Vorschläge unterbreitet werden.
Personalvorschläge von Ortsvereinen für das Amt des oder
(2) Offen gewählt werden können der Parteivorsitzenden und des Kanzlerkandidaten oder der
a) Versammlungsleitungen, Kanzlerkandidatin sind nur gültig, wenn sie von
b) Mandatsprüfungskommissionen, mindestens drei Ortsvereinen unterstützt werden.

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WAHLORDNUNG

WAHLORDNUNG
(7) Kandidaten und Kandidatinnen für ein öffentliches Amt Landeslisten zur Europawahl erfolgt alternierend;
haben dem für die Wahl zuständigen Parteiorgan die Art eine Frau, ein Mann, beginnend mit dem Spitzen
ihrer Einkünfte zu eröffnen und die Satzungsmäßigkeit kandidaten oder der Spitzenkandidatin.
ihrer Beitragszahlungen glaubhaft zu machen.

§ 5 Vorschlagsliste
§ 4 Verfahren bei Kandidatenaufstellungen
Sollen in einem Wahlgang mehrere Parteiämter (Funktio-
(1) Für die Aufstellung der Kandidaten und Kandidatinnen zu nen) besetzt werden (Listenwahl), sind die Kandidaten
Bundestags-, Landtags- und Kommunalwahlen gelten die und Kandidatinnen in alphabetischer Reihenfolge in die
Bestimmungen der Wahlgesetze und des Organisationssta- Vorschlagsliste aufzunehmen.
tuts. Um zu erreichen, dass Männer und Frauen zu mindes-
tens je 40 % in den Parlamenten und kommunalen Vertre-
tungskörperschaften vertreten sind, werden auf allen Orga- § 6 Getrennte Wahlgänge
nisationsebenen satzungsmäßige Vorkehrungen getroffen;
sind keine Vorkehrungen getroffen, gilt Abs. 2 entsprechend. (1) Vorstände oder andere Parteigremien werden entsprechend
Innerparteiliche Nominierungsverfahren von Kandidatinnen ihrer satzungsmäßigen Zusammensetzung in folgenden
und Kandidaten für die Wahlen zu kommunalen Vertre- Wahlgängen jeweils hintereinander und getrennt gewählt:
tungskörperschaften und Parlamenten sollen drei Monate a) der oder die Vorsitzende,
vorher parteiöffentlich bekannt gegeben werden. b) stellvertretende Vorsitzende,
c) weitere Mitglieder.
(2) Für die Wahl zum Deutschen Bundestag wird die angemes-
sene Vertretung von Frauen und Männern durch die (2) Die Satzungen können für die Wahlen der stellvertreten-
Aufstellung der Landeslisten gesichert. Die Aufstellung der den Vorsitzenden Einzelwahlen vorschreiben oder
Landeslisten erfolgt alternierend; eine Frau, ein Mann, zulassen. Dies gilt auch für die Wahl der weiteren
beginnend mit dem Spitzenkandidaten oder der Spitzen- Mitglieder, die eine besondere Aufgabe wahrnehmen
kandidatin. sollen. Ist die Zahl der weiteren Mitglieder nicht durch
Satzung bestimmt, so muss sie von der Versammlung vor
(3) Die Aufstellung der gemeinsamen Liste aller Bundesländer der Wahl beschlossen werden.
(Bundesliste) zur Europawahl oder die Aufstellung von

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WAHLORDNUNG

WAHLORDNUNG
§ 7 Wahl eines Parteiamtes/Einzelwahl § 8 Wahl gleichartiger Parteiämter/Listenwahl

(1) Ist ein Kandidat oder eine Kandidatin oder sind mehrere (1) In Wahlgängen, in denen gleichzeitig mehr als eine Person
Kandidaten und Kandidatinnen für eine Funktion aufge- zu wählen ist (Listenwahl), können auf einem Stimmzettel
stellt, so ist gewählt, wer die Mehrheit der gültigen höchstens so viele Kandidaten und Kandidatinnen gewählt
Stimmen erhalten hat. Stimmenthaltungen sind gültige werden, wie insgesamt zu wählen sind. Ein Stimmzettel ist
Stimmen. gültig, wenn mindestens die Hälfte der Zahl der zu
Wählenden aus der Vorschlagsliste gewählt ist.
(2) Erhält kein Kandidat oder keine Kandidatin die Mehrheit der
gültigen Stimmen, so findet ein weiterer Wahlgang statt, in (2) Bei einer Listenwahl sind die Kandidatinnen und Kandida-
dem die einfache Mehrheit entscheidet. Bei Einzelwahlen ten nur gewählt, soweit die Quotenvorgaben des § 11 Abs. 2
mit nur einem Bewerber oder einer Bewerberin sind des Organisationsstatuts erfüllt werden. Wird die Quote
Nein-Stimmen statthaft. Endgültig nicht gewählt ist, wer nicht erfüllt, so sind im ersten Wahlgang die Kandidatinnen
mehr Nein- als Ja-Stimmen auf sich vereinigt. Bei Einzel- bzw. Kandidaten des überrepräsentierten Geschlechts nur
wahlen mit mehreren Bewerbern bzw. Bewerberinnen sind bis zu ihrer Höchstquote von 60 % gewählt, die Kandidatin-
Nein-Stimmen unstatthaft. nen bzw. Kandidaten des unterrepräsentierten Geschlechts
nur, soweit sie mindestens die gleiche Stimmenzahl
(3) Bei Stimmengleichheit findet eine Stichwahl statt. Bei erreichen wie der oder die erste Nichtgewählte der anderen
erneuter Stimmengleichheit entscheidet das Los. Gruppe. In einem weiteren Wahlgang sind nur noch die
Kandidatinnen bzw. Kandidaten des unterrepräsentierten
(4) Die Listenaufstellung für Parlamente und kommunale Geschlechts wählbar.
Vertretungskörperschaften erfolgt in Einzelwahl beginnend
mit der Spitzenkandidatin oder dem Spitzenkandidaten, a) Im Übrigen entscheidet bei Listenwahlen grundsätzlich
für jeden Listenplatz gesondert. Mehrere Einzelwahlen die einfache Mehrheit. Dies gilt auch dann, wenn in
können in einem Urnengang verbunden werden (verbunde- weiteren Wahlgängen nur noch ein Vertreter oder eine
ne Einzelwahl), soweit für den Listenplatz nur ein Bewerber Vertreterin des unterrepräsentierten Geschlechts zur
oder eine Bewerberin kandidiert. Bewerberinnen und Wahl steht.
Bewerber für vordere Listenplätze sind zur Kandidatur auf b) Schreiben Satzungen oder Statuten vor, dass in einem
hinteren Listenplätzen zuzulassen, soweit die Vorgaben des ersten Wahlgang nur die Kandidaten und Kandidatinnen
§ 4 gewahrt sind. gewählt sind, die mehr als die Hälfte der gültigen Stimmen

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WAHLORDNUNG

WAHLORDNUNG
erreicht haben, und sind in einem ersten Wahlgang ist zu begründen. Ein wichtiger Grund liegt insbeson-
nicht alle Parteiämter besetzt worden, weil keine aus- dere vor, wenn
reichende Zahl von Kandidaten und Kandidatinnen mehr a) die Einleitung eines Parteiordnungsverfahrens
als die Hälfte der gültigen Stimmen erreicht hat, so findet begründet wäre,
ein zweiter Wahlgang statt, bei dem die Kandidaten und b) das Vertrauen der Versammlung in den Funktionsträger
Kandidatinnen mit der höchsten Stimmenzahl gewählt oder die Funktionsträgerin schwer und anhaltend
sind, soweit die Quotenvorgabe erfüllt wird. Die Sätze S. 1 geschädigt ist,
bis 3 gelten sinngemäß mit der Maßgabe, dass erforderli- c) der Funktionsträger oder die Funktionsträgerin auf unab-
chenfalls ein dritter Wahlgang stattzufinden hat. sehbare Zeit an der Ausübung der Funktion gehindert ist.

(3) Kandidieren Vertreterinnen oder Vertreter des unterre- (2) Die Abberufung von Funktionsträgern und Funktionsträge-
präsentierten Geschlechts nicht in ausreichender Zahl, rinnen muss auf die vorläufige Tagesordnung der Versamm-
so kommen Kandidaturen des überrepräsentierten lung gesetzt werden, auf der über den Abberufungsantrag
Geschlechts zum Zuge. abgestimmt werden soll. Diese Tagesordnung ist den
Mitgliedern bzw. Delegierten fristgemäß zuzusenden.
(4) Bei Stimmengleichheit gilt § 7 Abs. 3 entsprechend.
(3) Gegen die Abberufung können die Betroffenen unmittelbar
(5) Delegierte und Ersatzdelegierte dürfen nicht in getrennten die zuständige Schiedskommission anrufen. Die Vorschrif-
Wahlgängen gewählt werden. Ist ein Mitglied einer ten über die Anfechtung von Wahlen gelten sinngemäß.
Delegation verhindert, so rückt der Ersatzdelegierte bzw.
die Ersatzdelegierte mit der höchsten Stimmenzahl nach. § 10 Nachwahlen
Ersatzdelegierte, deren Nachrücken mit der Quotenvorgabe
des § 11 Abs. 2 des Organisationsstatuts unvereinbar wäre, (1) Für Nachwahlen gelten die gleichen Bestimmungen wie für
bleiben außer Betracht. Wahlen. Die Amtszeit eines nachgewählten Funktionärs
oder einer nachgewählten Funktionärin endet zum gleichen
§ 9 Abberufung aus wichtigem Grund Zeitpunkt, in dem die Amtszeit des oder der Ausgeschiede-
nen geendet hätte.
(1) Für die Abberufung von Funktionsträgern oder Funktions-
trägerinnen aus wichtigem Grund gelten die Bestimmun- (2) Die Nachwahl für Funktionäre oder Funktionärinnen, die
gen für ihre Wahl entsprechend. Der Antrag auf Abberufung aus wichtigem Grund abberufen worden sind,

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WAHLORDNUNG

WAHLORDNUNG
darf nicht auf der Versammlung erfolgen, auf der die (4) Eine Wahlanfechtung ist nur begründet, wenn und
Abberufung vorgenommen wurde. Sie ist auf die soweit der behauptete Mangel Einfluss auf das Ergebnis
Tagesordnung der nächsten Versammlung zu setzen. der Wahl gehabt haben kann.

§ 11 Wahlanfechtung
§ 12 Nichtigkeit von Wahlen
(1) Wahlen können angefochten werden, wenn die Verletzung
von Bestimmungen der Parteisatzung, des Parteiengesetzes, (1) Der nach § 13 Abs. 2 zuständige Vorstand muss Neuwahlen
der Wahlgesetze oder des Verfassungsrechts behauptet wird anordnen, wenn
und eine solche Rechtsverletzung zumindest möglich
erscheint. a) ein Nichtmitglied gewählt worden ist – satzungsmäßige
Ausnahmen bei Kommunal- und Landtagswahlen bleiben
(2) Anfechtungsberechtigt sind: unberührt,
b) jemand in eine Funktion gewählt wurde, obwohl eine
a) der zuständige Vorstand der betreffenden Gliederung, Schiedskommission unanfechtbar entschieden hat, dass er
b) die zuständigen Vorstände höherer Gliederungen, oder sie diese Funktion nicht bekleiden darf,
c) ein Zehntel der Stimmberechtigten der Versammlung, deren c) der oder die Gewählte einer anderen politischen Partei oder
Wahl angefochten wird, wobei auf diejenigen abzustellen ist, einer Vereinigung nach § 6 Abs. 2 des Organisationsstatuts
die in der Versammlung stimmberechtigt gewesen wären, angehört oder für sie kandidiert,
d) bei Arbeitsgemeinschaften auch der jeweils zuständige d) nicht geheim gewählt wurde, obwohl geheime Wahl
Vorstand der Partei, satzungsmäßig vorgeschrieben ist,
e) der oder die von einer Abberufung Betroffene. e) die Wahl unter Drohung mit Gewalt durchgeführt wurde.

(3) Eine Wahlanfechtung ist binnen zwei Wochen nach Ablauf (2) Die Feststellung der Nichtigkeit von Wahlen kann von
des Tages, an dem die Wahl stattfand, zulässig. Der nach § 13 jedem Parteimitglied der betreffenden Gliederung begehrt
Abs. 2 zuständige Vorstand kann binnen dieser Frist auch werden.
ohne Antrag Neuwahlen anordnen. Fechten andere über-
geordnete Vorstände die Wahl an, so beträgt die
Anfechtungsfrist einen Monat.

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WAHLORDNUNG

SCHIEDSORDNUNG
§ 13 Verfahren bei Anfechtung und Nichtigkeit (4) Die Schiedskommission entscheidet binnen zwei
Wochen nach ihrer Anrufung. Bezirksschiedskommis-
(1) Wahlanfechtungen und Anträge auf Nichtigkeitsfest- sionen können in Wahlanfechtungs- oder Nichtigkeits-
stellung müssen schriftlich und in dreifacher Ausfertigung festellungsverfahren die Berufung zur Bundesschiedskom-
gestellt werden. Sie haben die Gründe im Einzelnen zu mission zulassen, wenn die Sache grundsätzliche Bedeutung
nennen und die Beweise, insbesondere Zeugen oder hat oder eine Entscheidung der Bundesschiedskommission
Zeuginnen und Urkunden, aufzuführen. im Interesse der einheitlichen Auslegung der Wahlordnung
liegt. Ist die Berufung zugelassen worden, so kann sie binnen
(2) Die zuständige Schiedskommission kann erst angerufen einer Woche nach Zustellung der Entscheidung bei der
werden, wenn über die Wahlanfechtung oder die Nichtig- Bundesschiedskommission eingelegt werden; innerhalb
keit der Wahl zuvor von dem Vorstand der nächst höheren dieser Frist ist sie auch zu begründen. Im Übrigen gilt § 21
Organisationsgliederung – bei Arbeitsgemeinschaften dem Abs. 3 bis 5 der Schiedsordnung entsprechend.
jeweils zuständigen Vorstand der Partei – entschieden
worden ist. Der angerufene Vorstand muss innerhalb von (5) Wegen einer Wahlanfechtung oder der Feststellung der
zwei Wochen nach Eingang entscheiden. Nichtigkeit einer Wahl kann ein staatliches Gericht erst
angerufen werden, wenn die zuständige Schiedskommission
(3) Gegen die Entscheidung dieses Vorstandes können, entschieden hat.
a) wenn die Anfechtung zurückgewiesen wurde, die Antrag-
steller und Antragstellerinnen, (6) Anfechtungserklärungen und Anträge auf Nichtigkeitsfest-
b) die Neuwahl angeordnet wurde, die betroffenen Gewählten, stellung haben keine aufschiebende Wirkung. Der nach § 13
c) der Vorstand auf einen Antrag auf Feststellung der Abs. 2 zuständige Vorstand und die Schiedskommission
Nichtigkeit einer Wahl keine Neuwahlen angeordnet hat, können einstweilige Anordnungen treffen. Werden
jedes Parteimitglied der betreffenden Gliederung Neuwahlen angeordnet, so hat der nach § 13 Abs. 2
zuständige Vorstand unverzüglich die Versammlung
die nach § 21 Abs. 1 der Schiedsordnung zuständige einzuladen, auf der die Neuwahlen stattfinden.
Schiedskommission anrufen. Die Anrufungsfrist beträgt
eine Woche, beginnend mit der Bekanntgabe der Entschei- (7) Delegierte sind nicht abstimmungsberechtigt, wenn ihre Wahl
dung des Vorstandes. Hat die Wahl auf einem Bezirkspartei- a) nichtig ist oder
tag oder Landesparteitag stattgefunden, ist die Bundes- b) gegen staatliches Wahlrecht verstößt,
schiedskommission zuständig. c) erfolgreich angefochten wurde.

56 57
SCHIEDSORDNUNG

SCHIEDSORDNUNG
SCHIEDSORDNUNG (SCHO) c) als Eingangsinstanz in Statutenstreitverfahren,
die im Bereich eines Parteibezirks entstanden sind,
d) als Eingangsinstanz in Wahlanfechtungssachen, die
im Bereich eines Parteibezirks entstanden sind, soweit es
§ 1 I. Zuständigkeit sich nicht um Bezirks- oder Landesparteitage handelt.

(1) Die Schiedskommissionen sind gem. § 34 Abs. 2 (4) Die Bundesschiedskommission entscheidet
Organisationsstatut zuständig für die Entscheidung in a) als Berufungsinstanz in Parteiordnungsverfahren, die
a) Parteiordnungsverfahren, durch einen Sofortmaßnahmebeschluss eingeleitet
b) Streitigkeiten über die Anwendung und Auslegung des wurden,
Organisationsstatuts und der Satzungen sowie der b) als weitere Berufungsinstanz in Parteiordnungsverfahren,
Grundsätze (§ 10 Organisationsstatut) und Arbeitsrichtlinien die nicht durch einen Sofortmaßnahmebeschluss eingelei-
der Arbeitsgemeinschaften, tet wurden, bzw. in denen eine Verweisung an die
c) Verfahren bei Wahlanfechtung oder Nichtigkeit von Unterbezirksschiedskommission erfolgt ist,
Wahlen. c) als Eingangsinstanz in Statutenstreitverfahren, die nicht im
Bereich eines Parteibezirks entstanden sind,
(2) Die Schiedskommissionen des Unterbezirks entscheiden als d) als Berufungsinstanz in Statutenstreitverfahren, die im
Eingangsinstanz in Parteiordnungsverfahren gegen Bereich eines Parteibezirks entstanden sind,
Mitglieder ihres örtlichen Zuständigkeitsbereichs, die nicht e) als einzige Instanz in Wahlanfechtungssachen und
durch einen Sofortmaßnahmebeschluss eingeleitet Nichtigkeitsfeststellungsverfahren, die jenseits des
wurden. Bereichs eines Parteibezirks entstanden sind oder sich auf
Bezirks- oder Landesparteitage beziehen,
(3) Die Schiedskommissionen des Bezirks entscheiden f) als Berufungsinstanz in Wahlanfechtungssachen und
a) als Eingangsinstanz in Parteiordnungsverfahren, die durch Nichtigkeitsfeststellungsverfahren, wenn die Vorinstanz
einen Sofortmaßnahmebeschluss eingeleitet wurden, die Berufung zugelassen hat, weil der Sache grundsätzliche
b) als Berufungsinstanz in Parteiordnungsverfahren, die nicht Bedeutung zukommt oder eine Berufungsentscheidung im
durch einen Sofortmaßnahmebeschluss eingeleitet Interesse einer einheitlichen Auslegung der Wahlordnung
wurden, bzw. in denen eine Verweisung an die Unterbe- liegt.
zirksschiedskommission erfolgt ist,

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SCHIEDSORDNUNG

SCHIEDSORDNUNG
§ 2 II. Bildung von Schiedskommissionen (2) Im Fall der Verhinderung des oder der Vorsitzenden
wird dieses Amt von den Stellvertretern oder Stellver-
(1) Der oder die Vorsitzende, die beiden Stellvertreter oder treterinnen in der Reihenfolge der auf sie bei der Wahl
Stellvertreterinnen sowie die vier weiteren Mitglieder der entfallenen Stimmenzahl wahrgenommen. Die weiteren
Schiedskommission (§ 34 Abs. 3 Organisationsstatut) Mitglieder rücken in der Reihenfolge der auf sie bei der
werden in je einem Wahlgang nach den Grundsätzen Wahl entfallenen Stimmenzahl nach, wobei Beisitzerinnen
gewählt, die für die Wahl der Vorstandsmitglieder der und Beisitzer außer Betracht bleiben, deren Nachrücken
betreffenden Gliederung gelten. mit Abs. 1 S. 2 unvereinbar wäre. Stehen nicht genügend
Kandidatinnen bzw. Kandidaten eines Geschlechts zur
(2) Für die Wahl der Mitglieder der Bundesschiedskommission Wahl oder für ein Nachrücken zur Verfügung, so ist eine
gilt § 23 Abs. 4 bis 7 des Organisationsstatuts entsprechend. Verletzung von Abs. 1 S. 2 unschädlich.

(3) Wiederwahl ist zulässig. (3) Bei gleicher Stimmenzahl bestimmt sich die Reihenfolge
durch Losentscheid der Versammlungsleitung.
(4) Geschäftsstelle der Schiedskommission ist die Geschäfts-
stelle der jeweiligen Gliederung.
§ 5 Besorgnis der Befangenheit

§ 3 Verbot der Doppelbefassung (1) Die Mitglieder der Schiedskommissionen können von jedem
bzw. jeder Beteiligten wegen Besorgnis der Befangenheit
Niemand kann in demselben Verfahren in mehr als einer abgelehnt werden oder sich selbst für befangen erklären,
Instanz Mitglied der Schiedskommission sein. wenn ein Grund vorliegt, der geeignet ist, Misstrauen gegen
ihre Unparteilichkeit zu rechtfertigen.

§ 4 Besetzung des Spruchkörpers (2) Das Ablehnungsgesuch muss bei der Geschäftsstelle der
Schiedskommission, der das betreffende Mitglied angehört,
(1) Der Spruchkörper der Schiedskommission ist besetzt mit binnen einer Woche nach Zustellung der Ladung eingereicht
dem oder der Vorsitzenden und den beiden Stellvertretern und begründet werden. Soll die Entscheidung im schriftli-
oder Stellvertreterinnen als Beisitzerinnen bzw. Beisitzer. Im chen Verfahren ergehen, so beginnt die Frist mit Zustellung
Spruchkörper müssen beide Geschlechter vertreten sein. der diesbezüglichen Mitteilung. Mit der Ladung oder der

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SCHIEDSORDNUNG

SCHIEDSORDNUNG
Mitteilung, dass das schriftliche Verfahren angeordnet Antragsgegner bzw. die Antragsgegnerin zuständigen
ist, muss das Parteimitglied über sein Ablehnungsrecht Unterbezirks eingereicht werden. Aus ihm müssen die
belehrt werden. Vorwürfe und der ihnen zugrunde liegende Sachverhalt
im Einzelnen hervorgehen. Die Beweise, insbesondere
(3) Tritt während eines Parteiordnungsverfahrens ein Umstand etwaige Zeugen oder Zeuginnen, Urkunden usw. sind
ein, der die Besorgnis der Befangenheit rechtfertigen aufzuführen.
könnte, so ist das Ablehnungsgesuch unverzüglich und vor
weiteren Äußerungen zur Sache vorzubringen. (3) Genügt der Antrag den Anforderungen nach Absatz 2 Sätze
2 und 3 nicht, so weist die Schiedskommission den
(4) Über Ablehnungsgesuche entscheidet die Schiedskommission Antragsteller innerhalb einer Frist von zwei Wochen auf den
in der jeweiligen Besetzung ohne ihr abgelehntes Mitglied. Mangel hin und gibt ihm Gelegenheit zur Stellungnahme
Über jeden Fall einer Ablehnung wird gesondert entschieden. und Antragsergänzung. Wird der Mangel nicht innerhalb
Dem Ablehnungsgesuch ist stattzugeben, wenn ein Mitglied der gesetzten Frist behoben, so lehnt die Schiedskommissi-
der Schiedskommission es für begründet erachtet. on den Antrag im schriftlichen Verfahren durch Beschluss
ab. Der Beschluss ist unanfechtbar.
(5) Der Beschluss ist nicht anfechtbar.
(4) Das Parteiordnungsverfahren beginnt mit dem Eingang des
Antrags bei der Geschäftsstelle der zuständigen Schieds-
III. Parteiordnungsverfahren kommission. Der Antrag ist dem Antragsgegner bzw. der
Antragsgegnerin unverzüglich zuzustellen.
§ 6 Einleitung des Parteiordnungsverfahrens
(5) Zwischen dem Beginn des Parteiordnungsverfahrens und
(1) Der Antrag auf Durchführung eines Parteiordnungsverfah- der mündlichen Verhandlung dürfen nicht mehr als sechs
rens kann von jeder Gliederung (§ 8 Organisationsstatut) Monate liegen. Wird diese Frist überschritten, so können
gestellt werden, unabhängig davon, ob der Antragsgegner Antragsteller und Antragsgegner Säumnisbeschwerde zur
oder die Antragsgegnerin ihr angehört. Der Parteivorstand nächsthöheren Schiedskommission erheben. Hierfür
steht antragsberechtigten Gliederungen gleich. genügt eine schriftliche Mitteilung an beide Schiedskom-
missionen.
(2) Der Antrag soll schriftlich in fünffacher Fertigung bei der
Geschäftsstelle der Schiedskommission des für den

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SCHIEDSORDNUNG

SCHIEDSORDNUNG
§ 7 Benachrichtigung über Einleitung (4) Zwischen der Ladung der Beteiligten und der
mündlichen Verhandlung muss eine Frist von zwei
Die Geschäftsstelle der Schiedskommission informiert Wochen liegen. Die Frist kann im Einverständnis mit
den Parteivorstand sowie die für das Mitglied zuständigen dem Antragsteller und dem Antragsgegner bzw. der
Vorstände des Bezirks, Unterbezirks und Ortsvereins über Antragsgegnerin abgekürzt werden.
die Einleitung des Parteiordnungsverfahrens.
(5) Die Entscheidung kann im schriftlichen Verfahren ergehen,
wenn sich Antragsteller und Antragsgegner bzw. Antrags-
§ 8 Verhandlung, Protokoll, Ladung gegnerin schriftlich damit einverstanden erklärt haben.

(1) Grundlage der Entscheidung ist die mündliche Verhandlung.


§ 9 Beteiligte, Beigetretene, Beigeladene
(2) Der oder die Vorsitzende setzt Zeit und Ort der mündlichen
Verhandlung fest und veranlasst die Ladung der Beteiligten (1) Beteiligte in einem Parteiordnungsverfahren sind:
und der Zeugen und Zeuginnen. Er bzw. sie bestimmt den a) das Mitglied, gegen das der Antrag gerichtet ist (Antrags-
Protokollführer oder die Protokollführerin, der bzw. die gegner oder Antragsgegnerin),
Parteimitglied sein muss und nicht Beteiligter bzw. b) die Mitglieder des Vorstandes einer Antrag stellenden
Beteiligte (§ 9) sein darf. Wer das Protokoll führt, ist zur Gliederung (Antragsteller),
Verschwiegenheit verpflichtet. c) die Mitglieder des Vorstandes einer Gliederung, die erklärt
hat, dem Verfahren beizutreten (Abs. 2),
(3) Die Ladungen ergehen schriftlich und sind zuzustellen. d) die Beigeladenen (Abs. 3).
Sie müssen enthalten:
a) Ort und Zeit der Verhandlung, (2) Bis zum endgültigen Verfahrensabschluss ist jede Gliede-
b) die Besetzung der Schiedskommission, rung (§ 8 Abs. 1 Organisationsstatut) beitrittsberechtigt,
c) eine Belehrung nach § 5 Abs. 2 Satz 3, wenn ein Parteiordnungsverfahren gegen ein Mitglied
d) den Hinweis, dass sich die Beteiligten mit einer schriftlichen anhängig ist, das ihrem bzw. seinem Organisationsbereich
Entscheidung einverstanden erklären können, angehört.
e) den Hinweis, dass bei Fernbleiben der Antragsgegnerin oder
des Antragsgegners in ihrer bzw. seiner Abwesenheit (3) Der oder die Vorsitzende kann von sich aus einzelne
entschieden werden kann. Parteimitglieder oder Gliederungen beiladen.

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SCHIEDSORDNUNG

SCHIEDSORDNUNG
Entspricht der oder die Vorsitzende einem Antrag auf (4) Die Schiedskommission ermittelt den Sachverhalt, ohne
Beiladung nicht, so entscheidet die Schiedskommission dass sie an die Beweisantritte der Beteiligten gebunden
abschließend. ist. Der Antragsteller und der Antragsgegner sowie die
beigetretenen Organisationsgliederungen und die Beigelade-
(4) Ladungen und Zustellungen für beteiligte Gliederungen nen wirken an der Sachverhaltsaufklärung mit. Auf Verlangen
ergehen an den jeweiligen Vorsitzenden oder die jeweilige der Schiedskommission legen sie Akten und Unterlagen vor.
Vorsitzende, soweit kein anderer Vertreter bzw. keine
andere Vertreterin bestellt wurde. (5) Der oder die Vorsitzende leitet die Verhandlung. Werden
seine bzw. ihre Entscheidungen beanstandet, so entschei-
det die Schiedskommission abschließend.
§ 10 Gütliche Streitbeilegung
(6) Vor der Beweisaufnahme ist
Die Schiedskommission hat in geeigneten Fällen auf eine • dem Antragsteller,
gütliche Beilegung des Streites hinzuwirken. Der Vorsitzen- • dann dem Antragsgegner oder der Antragsgegnerin und
de kann hierzu einen Gütetermin anberaumen. ggf. seinem bzw. ihrem Beistand,
• und danach den anderen Beteiligten
Gelegenheit zur Äußerung über den Antrag zu geben.
§ 11 Ablauf der Verhandlung, Beweisaufnahme
(7) Nach Abschluss der Beweisaufnahme haben alle Beteiligten
(1) Die mündliche Verhandlung beginnt mit der Feststellung in derselben Reihenfolge das Recht zu Schlusserklärungen
der Anwesenheit der Beteiligten. und zu Anträgen. Der Antragsgegner oder die Antragsgegne-
rin hat außerdem das Recht auf das letzte Wort; neue Tat-
(2) Beteiligte Gliederungen können sich in der mündlichen sachen oder Anträge können nicht mehr vorgebracht werden.
Verhandlung durch höchstens zwei Sitzungsvertreter oder
-vertreterinnen vertreten lassen. § 12 Protokoll

(3) Die Schiedskommission lässt auf Antrag je ein Parteimit- (1) Über die mündliche Verhandlung ist ein Protokoll anzuferti-
glied als Beistand der Beteiligten zu. gen, das den wesentlichen Inhalt der Verhandlung wieder-
gibt. Anträge der Beteiligten und Beschlüsse der Schieds-
kommission sind im Wortlaut aufzunehmen oder dem

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SCHIEDSORDNUNG

SCHIEDSORDNUNG
Protokoll als Anlage beizufügen. Die Schiedskommission (4) Die abschließende Entscheidung der Schiedskommis-
kann verlangen, dass Anträge schriftlich gestellt werden. sion (§ 15 Abs. 1) ist von dem oder der Vorsitzenden zu
unterschreiben und den Beteiligten zuzustellen. Die
(2) Die Beteiligten können verlangen, dass einzelne Äußerun- Zustellung soll spätestens drei Wochen nach dem Ende der
gen wörtlich protokolliert werden. mündlichen Verhandlung erfolgen.

(3) Das Protokoll ist von dem oder der Vorsitzenden und von (5) Die Entscheidung muss mit Gründen versehen sein und
dem oder der Protokollführenden zu unterzeichnen. eine Rechtsmittelbelehrung enthalten.

(4) Die Beteiligten können die Protokolle über die mündliche (6) Der Parteivorstand, der zuständige Bezirksvorstand und
Verhandlung einsehen. Über einen Antrag auf Übersendung Unterbezirksvorstand sowie Antragsteller und Antragsgeg-
des Protokolls entscheidet der oder die Vorsitzende. ner bzw. Antragsgegnerin können die Entscheidung
veröffentlichen.
§ 13 Verfahrensgrundsätze
§ 14 Benachrichtigung über Entscheidungen
(1) Die Schiedskommission ist an Anträge der Beteiligten nicht
gebunden. Gegenstand der Entscheidungsfindung ist der in (1) Die Unterbezirksschiedskommissionen haben von ihren
dem Antrag nach § 6 bezeichnete Sachverhalt einschließlich endgültigen Entscheidungen den Bezirksschiedskommissio-
seiner Fortentwicklung, wie er sich nach dem Ergebnis der nen Kenntnis zu geben.
mündlichen Verhandlung darstellt. Die Entscheidung kann,
wenn ein antragsberechtigter Beteiligter die Einbeziehung (2) Die Bezirksschiedskommissionen haben von ihren endgülti-
eines neuen Sachverhalts beantragt, auf neue Vorwürfe gen Entscheidungen der Bundesschiedskommission und in
erstreckt werden. Berufungsfällen auch der zuständigen Unterbezirksschieds-
kommission Kenntnis zu geben.
(2) Die Schiedskommission bewertet die Beweisaufnahme
nach freier Überzeugung. (3) Die Bundesschiedskommission hat ihre abschließenden
Entscheidungen den Schiedskommissionen mitzuteilen,
(3) Bei der Beratung über Entscheidungen dürfen nur die vorher mit der Sache befasst waren.
Mitglieder des Spruchkörpers der Schiedskommission
anwesend sein.

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SCHIEDSORDNUNG

SCHIEDSORDNUNG
(4) Alle Schiedskommissionen haben von ihren endgültigen worden, so sind in dem Beschluss, der das Ruhen des
Entscheidungen den Vorständen der Gliederungen Verfahrens anordnet, Entscheidungen nach § 19 Abs. 3
(§ 8 Organisationsstatut) Kenntnis zu geben, die für den zu treffen.
Antragsgegner bzw. die Antragsgegnerin zuständig sind,
auch wenn sie im Verfahren nicht Beteiligte waren.
§ 16 Zuhörer, Parteiöffentlichkeit

§ 15 Sanktionen (1) Parteimitglieder können als Zuhörende an mündlichen


Verhandlungen teilnehmen. Die Schiedskommission kann
(1) Die Schiedskommission muss eine der folgenden abschlie- Nichtmitglieder als Zuhörende zulassen, falls der Antrags-
ßenden Entscheidungen treffen: gegner bzw. die Antragsgegnerin nicht widerspricht.
a) Maßnahmen nach § 35 Organisationsstatut,
b) Feststellung, dass sich der Antragsgegner bzw. die Antrags- (2) Die Zuhörenden können von der Verhandlung ganz oder
gegnerin eines Verstoßes gegen die Parteiordnung nicht zeitweilig ausgeschlossen werden, wenn es das Partei-
schuldig gemacht hat, bzw. ihm oder ihr ein derartiger interesse oder das Interesse der Beteiligten gebieten.
Verstoß nicht nachzuweisen ist,
c) Einstellung des Verfahrens. (3) Beteiligte, Beistände und Zuhörende können durch die
Schiedskommission von der weiteren Verhandlung ganz
(2) Das Verfahren ist einzustellen, wenn sich in seinem Verlauf oder zeitweilig ausgeschlossen werden, wenn sie Anord-
ergibt, dass die Schuld der Antragsgegnerin bzw. des nungen der bzw. des Vorsitzenden keine Folge leisten.
Antragsgegners gering und die Folgen ihres bzw. seines
Verhaltens unbedeutend sind oder der Antrag zurückge-
nommen wird. § 17 Verschwiegenheitspflicht

(3) Die Schiedskommission kann das Ruhen des Verfahrens (1) Bis zum endgültigen Abschluss des Verfahrens haben sich
anordnen, wenn eine wesentliche Frage des Streitfalls die Mitglieder der Schiedskommission, alle Beteiligten und
Gegenstand eines staatsanwaltschaftlichen Beistände sowie alle anderen in der mündlichen
Ermittlungsverfahrens ist oder wenn der Streitfall vor Verhandlung Anwesenden jeder Äußerung zur Sache
einem staatlichen Gericht oder einer staatlichen Schieds- außerhalb des Verfahrens zu enthalten.
stelle anhängig ist. Ist das Verfahren nach § 18 eingeleitet

70 71
SCHIEDSORDNUNG

SCHIEDSORDNUNG
(2) Wird über ein Parteiordnungsverfahren berichtet, so (2) Über den Antrag entscheidet die Bezirksschieds-
darf bei einem nicht abgeschlossenen Verfahren nur kommission. Dieser ist der Beschluss in doppelter
über den formellen Verfahrensstand berichtet werden. Fertigung zu übermitteln. Im Übrigen gelten § 6 Abs. 2
und Abs. 3 entsprechend.
(3) Die Schiedskommission kann die Beteiligten und deren
Beistände ganz oder teilweise von der Verschwiegenheits- (3) Die Bezirksschiedskommission hat in jeder Lage des
pflicht entbinden. Verfahrens zu prüfen, ob die Fortdauer und der Umfang der
Sofortmaßnahme noch erforderlich sind. Wird die Sofort-
maßnahme nicht innerhalb von drei Monaten durch
IV. Sofortmaßnahmen zuzustellenden Beschluss aufrechterhalten, so tritt sie mit
Ablauf dieser Frist außer Kraft. Über die weitere Fortdauer
§ 18 Verhängung von Sofortmaßnahmen der Sofortmaßnahme ist jeweils innerhalb von sechs
Monaten zu entscheiden.
(1) In Fällen, in denen eine schwere Schädigung der Partei
eingetreten oder mit großer Wahrscheinlichkeit zu (4) Die Bezirksschiedskommission kann die Sache an die
erwarten ist und das Parteiinteresse ein schnelles Eingreifen Unterbezirksschiedskommission verweisen,
erfordert, können sowohl der zuständige Bezirksvorstand a) wenn sie innerhalb eines Monats nach Eingang des Antrags
als auch der Parteivorstand das Ruhen aller oder einzelner anordnet, dass die Sofortmaßnahme in vollem Umfang
Rechte aus der Mitgliedschaft für längstens drei Monate außer Kraft tritt,
anordnen. b) der dem Beschluss zu Grunde liegende Sachverhalt
zweifelhaft ist. In diesem Fall gilt Absatz 3 entsprechend für
(2) Der Beschluss über die Anordnung ist mit einer Begründung die Unterbezirksschiedskommission.
zu versehen und dem oder der Betroffenen zuzustellen.
(5) Soll eine Sofortmaßnahme über die abschließende
Entscheidung einer Instanz hinaus wirksam bleiben,
§ 19 Parteiordnungsverfahren nach Sofortmaßnahme so ist sie in dieser Entscheidung erneut anzuordnen,
sonst tritt sie mit deren Zustellung außer Kraft.
(1) Die Anordnung gilt gleichzeitig als Antrag auf Durch-
führung eines Parteiordnungsverfahrens. § 7 gilt ent-
sprechend.

72 73
SCHIEDSORDNUNG

SCHIEDSORDNUNG
§ 20 Abmahnung, Austrittsfiktion bei Unvereinbarkeit V. Statutenstreitigkeiten

(1) Wer als Mitglied der SPD gleichzeitig einer der in § 21 Verfahren bei Statutenstreitigkeiten
§ 6 Abs. 1 lit. a) Organisationsstatut genannten Organisatio-
nen angehört oder für sie kandidiert, ist von dem oder der (1) Bei Streitigkeiten über die Auslegung und Anwendung des
zuständigen Bezirksvorsitzenden oder durch ein von ihm Organisationsstatuts und der Satzungen sowie der
bzw. ihr beauftragtes Parteimitglied schriftlich aufzufor- Grundsätze (§ 10 Organisationsstatut) und Arbeitsrichtlini-
dern, binnen einer Woche den Austritt aus der betreffenden en der Arbeitsgemeinschaften entscheidet, soweit sie im
Organisation zu erklären bzw. die Kandidatur aufzugeben. Bereich eines Parteibezirkes entstanden sind, in erster
Instanz die Bezirksschiedskommission, sonst die Bundes-
(2) Die Aufforderung ist zuzustellen. Kann die Kandidatur aus schiedskommission.
wahlrechtlichen Gründen nicht mehr zurück genommen
werden, so gilt die öffentliche Erklärung eine etwaige Wahl (2) Der Antrag kann von jeder Gliederung im Geltungsbereich
nicht anzunehmen als Aufgabe der Kandidatur. Die Frist des betreffenden Statuts gestellt werden. Antragsberech-
beginnt mit der Zustellung der Aufforderung. Erklärt das tigt sind darüber hinaus auch Arbeitsgemeinschaften und
Mitglied, in der betreffenden Organisation verbleiben bzw. regionale Zusammenschlüsse von Gliederungen, soweit sie
weiter für sie kandidieren zu wollen oder liegt bei Ablauf geltend machen, in eigenen Rechten verletzt zu sein und
der Frist eine Erklärung nicht vor, so gilt dies als Austritt aus dies möglich erscheint.
der SPD.
(3) Der Antrag ist bei der Geschäftsstelle der Bezirks bzw.
(3) Setzt sich ein Mitglied der SPD ohne Zustimmung der Bundesschiedskommission schriftlich einzureichen und zu
zuständigen Gliederung für eine der in § 6 Organisations- begründen. Die für die Entscheidung erheblichen Urkun-
statut genannten Organisationen ein oder wird es für sie den (Satzungen, Protokolle usw.) sind beizufügen.
tätig oder liegt eine unsolidarische Kandidatur als Einzel-
bewerberin und Einzelbewerber nach § 6 Abs. 1 lit. c) des (4) Das Verfahren ist in der Regel schriftlich. Mündliche
Organisationsstatuts vor oder besteht eine Verhandlung ist zulässig.
Unvereinbarkeit nach § 6 Abs. 2 des Organisations-
statuts, so gelten die Bestimmungen der §§ 6, 18 ff. (5) Die Vorschriften des Parteiordnungsverfahrens finden
dieser Schiedsordnung. mit Ausnahme des § 17 der Schiedsordnung entsprechen-
de Anwendung.

74 75
SCHIEDSORDNUNG

SCHIEDSORDNUNG
VI. Untersuchungs- und Feststellungsverfahren VII. Berufungsverfahren
nach § 33 Organisationsstatut
§ 25 Berufungsverfahren
§ 22 Ernennung von Untersuchungskommissionen
(1) Gegen die abschließende Entscheidung der Unterbezirksschieds-
Die auftraggebende Organisationsgliederung ernennt die kommission können der Antragsgegner bzw. die Antragsgegne-
Mitglieder der Untersuchungskommission. rin, der Antragsteller oder eine beigetretene Organisationsgliede-
rung Berufung an die Bezirksschiedskommission einlegen.

§ 23 Auftrag und Untersuchungsgegenstand (2) Die Berufung muss bei der Bezirksschiedskommission inner-
halb von zwei Wochen schriftlich eingelegt und binnen
(1) Der Auftrag ist schriftlich zu erteilen; allen Mitgliedern der eines Monats schriftlich begründet werden. Beide Fristen
Kommission ist eine Abschrift auszuhändigen. beginnen mit Zustellung der abschließenden Entscheidung
zu laufen. Legt der Antragsgegner bzw. die Antragsgegnerin
(2) Wird ein Streitfall bei einer Schiedskommission anhängig, so Berufung ein, so muss sein bzw. ihr Mitgliedsbuch bis zum
kann er nicht mehr Gegenstand eines Untersuchungs- und Ablauf der Begründungsfrist bei der Bezirksschiedskommis-
Feststellungsverfahrens sein. sion eingegangen sein.

(3) Die Untersuchungskommission ist an das im Auftrag (3) Die Unterbezirksschiedskommission leitet auf Anforderung
bezeichnete Untersuchungsthema gebunden. die vollständigen Verfahrensakten unverzüglich der
Bezirksschiedskommission zu.

§ 24 Verfahren wie im Parteiordnungsverfahren (4) Liegen die in den Abs. 1 und 2 genannten Voraussetzungen
nicht vor, so entscheidet die Bezirksschiedskommission
Auf das Verfahren finden die Vorschriften des III. Abschnitts ohne mündliche Verhandlung durch Beschluss, dass die
entsprechende Anwendung. Im Übrigen entscheidet die Berufung unzulässig ist. § 13 Abs. 4 und 5 gilt entsprechend.
Untersuchungskommission über das Verfahren in eigener
Zuständigkeit. (5) Die Berufung hat aufschiebende Wirkung gegenüber der
angefochtenen Entscheidung. Für Sofortmaßnahmen gilt
§ 19 Abs. 3 und 5.

76 77
SCHIEDSORDNUNG

SCHIEDSORDNUNG
§ 26 Berufung zur Bundesschiedskommission § 27 Verzicht auf mündliche Verhandlung

(1) Gegen die abschließende Entscheidung der Bezirks- (1) Die Berufungskommissionen können eine Sache ohne
schiedskommission können der Antragsgegner bzw. die mündliche Verhandlung an die Vorinstanz zurückverweisen,
Antragsgegnerin, der Antragsteller oder eine beigetretene wenn deren Entscheidung auf einer mangelhaften
Organisationsgliederung Berufung an die Bundesschieds- Aufklärung des Tatbestandes beruht oder wenn dem
kommission einlegen. Antragsgegner bzw. der Antragsgegnerin das rechtliche
Gehör nicht gewährt worden ist.
(2) Gegen die Berufungsentscheidung der Bezirksschiedskom-
mission ist die Berufung des Antragsgegners bzw. der (3) Die Bundesschiedskommission kann eine offensichtlich
Antragsgegnerin zur Bundesschiedskommission nur unbegründete Berufung ohne mündliche Verhandlung nach
zulässig, wenn auf Ausschluss aus der Partei, auf zeitweili- Lage der Akten zurückweisen. Sie kann auch ohne Einver-
ges Ruhen aller Rechte aus der Mitgliedschaft oder auf ständnis der Beteiligten das schriftliche Verfahren anordnen.
zeitweilige Aberkennung des Rechts zur Bekleidung aller
Funktionen erkannt worden oder ein Beschluss nach § 25
Abs. 4 ergangen ist. Die Berufung der Antrag stellenden § 28 Zurücknahme der Berufung
Gliederung ist dann zulässig, wenn im ersten Rechtszug auf
eine Maßnahme nach Satz 1 erkannt worden ist und die Die Zurücknahme der Berufung ist zulässig. Sie muss
Bezirksschiedskommission eine mildere Maßnahme schriftlich oder zu Protokoll der Schiedskommission, die über
gewählt hat. die Berufung zu entscheiden hätte, erklärt werden. Im Falle
der Berufungsrücknahme ergeht ein Einstellungsbeschluss.
(3) Die Berufung muss bei der Bundesschiedskommission
eingelegt werden. § 25 Abs. 2, 3 und 5 gilt entsprechend.

(4) Liegen die Voraussetzungen der Berufung nicht vor, so


entscheidet die Bundesschiedskommission ohne mündliche
Verhandlung durch Beschluss, dass die Berufung unzulässig
ist.

78 79
SCHIEDSORDNUNG

FINANZORDNUNG
§ 29 VIII. Zustellung von Schriftstücken (3) Mitgliedern der Schiedskommission, den von ihr
geladenen Zeugen und Zeuginnen sowie den
(1) Zustellungen erfolgen durch Übergabeeinschreiben Beigeladenen sind auf Antrag die notwendigen
mit Rückschein oder gegen Empfangsbekenntnis. Auslagen zu erstatten.

(2) Eine Sendung gilt auch dann als zugestellt, wenn der (4) Die Antrag stellende und die beigetretene Gliederung
Adressat oder die Adressatin ihre Annahme verweigert tragen die Kosten ihrer Vertreter und Vertreterinnen.
oder wenn sie einem oder einer Angehörigen seines bzw.
ihres Haushalts übergeben worden ist. (5) Dem Antragsgegner oder der Antragsgegnerin werden die
notwendigen Auslagen erstattet, wenn die Schiedskommis-
(3) Kann der oder die Betreffende unter der Anschrift, die er sion die Feststellung getroffen hat, dass er bzw. sie sich
bzw. sie zuletzt gegenüber der zuständigen Parteistelle eines Verstoßes gegen die Parteiordnung nicht schuldig
angegeben hatte, nicht erreicht werden, so gilt die gemacht hat (§ 15 Abs. 1).
Zustellung als bewirkt, wenn die Sendung für die Dauer
einer Woche beim zuständigen Postamt niedergelegt war. (6) Die Schiedskommission kann auf Antrag die Erstattung von
Auslagen ganz oder teilweise anordnen, wenn in dem
Verfahren nicht auf Ausschluss erkannt wird und eine
§ 30 IX. Fristen Erstattung wegen der besonderen Umstände des Falles
oder der sozialen Lage der Antragsgegnerin oder des
Auf die Fristberechnung finden die Vorschriften des Antragsgegners angemessen erscheint.
Bürgerlichen Gesetzbuches (§§ 187 – 193) Anwendung.

§ 31 X. Kosten

(1) Das Verfahren vor den Schiedskommissionen ist kostenfrei.

(2) Jede Gliederung hat für die bei ihr bestehenden


Schiedskommissionen die erforderlichen Einrichtungen
bereitzustellen.

80 81
FINANZORDNUNG

FINANZORDNUNG
FINANZORDNUNG 50,00 € 100,00 € 150,00 € 200,00 € 250,00 €
A15 und A16 B1 und B2 B3 bis B6 B7 bis B9 B10 bis B11

§ 1 Mitgliedsbeiträge (5) Für Mitglieder ohne Erwerbseinkommen, ohne Pensionen,


ohne Renteneinkünfte oder ohne vergleichbare Einkommen
(1) Der monatliche Mitgliedsbeitrag für Mitglieder mit steuer- beträgt der monatliche Mitgliedsbeitrag 2,50 Euro. Für
pflichtigem Einkommen beträgt mindestens 5,00 Euro. Mitglieder, die zugleich einer anderen Partei angehören, die
Mitglied der Sozialdemokratischen Partei Europas (SPE) ist,
Jedes Mitglied wählt im Rahmen seines Einkommens eine beträgt der monatliche Beitrag 2,50 Euro, wenn sie ihre
Beitragsstufe: Beitragsverpflichtungen gegenüber dieser Schwesterpartei
erfüllen.
Monatsnetto- bis bis bis bis ab
einkommen 1.000 € 2.000 € 3.000 € 4.000 € 4.000 € (6) Der Jahresbeitrag für Gastmitglieder und Unterstützerinnen
und Unterstützer beträgt 30 Euro, für Nur-Juso-Mitglieder
Monats- 5,00 € 7,50 € 25,00 € 45,00 € 100,00 € 12 Euro.
beitrag 15,00 € 30,00 € 60,00 € 150,00 €
20,00 € 35,00 € 75,00 € 250,00 € (7) Ab 2003 erfolgt eine jährliche Anpassung. Diese orientiert
und mehr sich an der nominalen Steigerung des durchschnittlichen
Nettoeinkommens, ermittelt durch das Bundesamt für
(2) Der monatliche Mitgliedsbeitrag, der von Bundestags- und Statistik. Dies bedarf jeweils der Festlegung durch den
Europaabgeordneten sowie von Regierungsmitgliedern Parteivorstand. Beiträge von Mitgliedern ohne Einnahmen
erwartet wird, beträgt mindestens 250 Euro. oder mit geringfügigem Einkommen sind von der jährlichen
Anpassung ausgenommen.
(3) Der monatliche Mitgliedsbeitrag, der von Abgeordneten der
Landtage oder der Bürgerschaften erwartet wird, wird von (8) In regelmäßigen Abständen, insbesondere vor Wahlen zu
den Landesverbänden festgelegt. Funktionen und Kandidaturen zu öffentlichen Ämtern, ist
die Erfüllung der satzungsgemäßen Beitragspflicht zu
(4) Der monatliche Mitgliedsbeitrag, der von kommunalen und überprüfen.
vergleichbaren Wahlbeamten erwartet wird, beträgt unter
Bezug auf die Besoldungsgruppe mindestens: (9) Die Festsetzung der Beiträge erfolgt durch den Parteitag.

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FINANZORDNUNG

FINANZORDNUNG
(10) Zahlt ein Mitglied trotz zweimaliger schriftlicher tags- und Kommunalwahlen können von den Landes-
Mahnung durch den Vorstand des Ortsvereins oder verbänden und Bezirken herausgegeben werden.
einer übergeordneten Gliederung länger als drei Mo-
nate keine Beiträge, so gilt nach Ablauf eines Monats (14) Alle regelmäßigen Zahlungen eines Mitglieds an die
nach Zustellung der zweiten Mahnung die Nichtzahlung Partei (monatlich, vierteljährlich, halbjährlich oder
des Beitrags als Erklärung des Austritts. In den Mahnungen jährlich) sind Mitgliedsbeiträge (nicht Spenden) und
muss auf die Folgen der Nichtzahlung hingewiesen werden. unterliegen der prozentualen Aufteilung auf die
Das Nähere bestimmen die Bezirke. verschiedenen Gliederungsebenen.

(11) Von jedem Mitgliedsbeitrag führen die Bezirke einen vom


Parteitag festgelegten Betrag vierteljährlich an die Kasse § 2 Sonderbeiträge
des Parteivorstands ab. Entsprechendes gilt für den
mindestens den Bezirken verbleibenden Anteil an den (1) Mitglieder der SPD, die öffentliche Wahlämter oder
Mitgliedsbeiträgen. Mandate innehaben, leisten neben ihren satzungsgemäßen
Mitgliedsbeiträgen (§ 1 Abs. 1) Sonderbeiträge (Mandats-
(12) Der Mitgliedsbeitrag wird von den Bezirken mittels EDV trägerbeiträge).
durch Banklastschrift vom Konto des Mitglieds abge-
bucht. Wenn ein Mitglied die dafür erforderliche Voll- (2) Mitglieder der SPD, die auf Vorschlag oder in Wahrnehmung
macht nicht erteilt, kann es seinen Beitrag auf andere von Funktionen für die Partei oder in Wahrnehmung
Weise an seinen Ortsverein entrichten. In einem solchen öffentlicher Ämter und Mandate als Mitglieder von Aufsichts-,
Fall wird der Beitrag des Mitglieds vom Konto des Verwaltungs- oder Beiräten oder vergleichbaren Gremien
Ortsvereins abgebucht. Die Bezirke können davon Aufwandsentschädigungen, Tantiemen oder ähnliche Bezüge
abweichende Regelungen treffen. Die Bestätigung der erhalten, haben von ihren Bezügen 30 Prozent an den
Beitragsleistung wird jeweils zum Jahresende von den Gebietsverband der entsprechenden Ebene abzuführen. Die
Bezirken erteilt. Abführung von derartigen Bezügen aufgrund anderer
bestehender Regelungen, wie sie z.B. für Gewerkschaftsmit-
(13) Die Herstellung von Beitragsmarken, Beitragsbestätigun- glieder in Aufsichtsräten gelten, ist dabei anzurechnen.
gen, Wahlfonds- und Sondermarken sowie Formularen
für die Zuwendungsbestätigungen ist ausschließlich dem (3) Mitglieder der SPD, die Regierungsämter innehaben, die
Parteivorstand vorbehalten. Wahlfondsmarken für Land- keine Wahlämter sind, leisten einen Sonderbeitrag, dessen

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FINANZORDNUNG

FINANZORDNUNG
Höhe vom jeweiligen Landes- oder Bezirksvorstand, auf (2) Bis zu einem Betrag von 1.000 Euro kann eine Spende
Bundesebene und für Mitglieder der Europäischen mittels Bargeld erfolgen.
Kommission vom Parteivorstand festgelegt wird. Die
Pflicht, Sonderbeiträge gemäß Abs. 1 und 2 zu leisten, (3) Parteimitglieder, die für die Partei bestimmte Spenden
bleibt hiervon unberührt. erhalten, haben diese unverzüglich an das für die
Finanzangelegenheiten zuständige Vorstandsmitglied
(4) Die Sonderbeiträge gemäß Abs. 1, 2 und 3 sind von der (§ 5) desjenigen Gebietsverbands weiterzuleiten, für den
Aufteilungsvorschrift des § 1 Abs. 14 ausgenommen. die Spende bestimmt ist. Das für die Finanzangelegenheiten
Über die Höhe der Sonderbeiträge gemäß Abs. 1 beschließt zuständige Vorstandsmitglied kann eine(n) haupt-
der Vorstand des entsendenden Gebietsverbands, soweit amtliche(n) Mitarbeiter(in) bevollmächtigen, Spenden in
der Parteivorstand bzw. die Landesverbände/Bezirke keine seinem Namen anzunehmen.
abweichenden Regelungen treffen.
(4) Das für die Finanzangelegenheiten zuständige Vorstands-
mitglied entscheidet über die Annahme einer Spende. Über
§ 2a Sonderumlagen die Annahme einer Spende, die im Einzelfall 2.000 Euro
übersteigt, beschließt in den den Bezirken nachgeordneten
Die Mitgliederversammlung oder die Vertreterversamm- Gebietsverbänden der Vorstand auf Vorschlag des für die
lung eines Gebietsverbandes kann zur Finanzierung der Finanzangelegenheiten zuständigen Vorstandsmitglieds.
politischen Arbeit eine Sonderumlage der unmittelbar Dieser Beschluss ist in einem Protokoll festzuhalten und bei
nachgeordneten Gebietsverbände für Teile der Sonderbei- den Kassenunterlagen aufzubewahren.
träge der Mandatsträger beschließen.
(5) Folgende Spenden dürfen nicht angenommen werden:

§ 3 Spenden 1. Spenden von öffentlich-rechtlichen Körperschaften,


Parlamentsfraktionen und -gruppen sowie von Fraktio-
(1) Die zur eigenständigen Kontoführung berechtigten nen und Gruppen von kommunalen Vertretungen;
Gebietsverbände der Partei (§ 9 Abs. 1) sind berechtigt,
Spenden anzunehmen. 2. Spenden von politischen Stiftungen, Körperschaften,
Personenvereinigungen und Vermögensmassen, die nach
der Satzung, dem Stiftungsgeschäft oder der sonstigen

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FINANZORDNUNG

FINANZORDNUNG
Verfassung und nach der tatsächlichen Geschäfts- 7. Spenden, die der Partei erkennbar in Erwartung oder
führung ausschließlich und unmittelbar gemein- als Gegenleistung eines bestimmten wirtschaftlichen
nützigen, mildtätigen oder kirchlichen Zwecken oder politischen Vorteils gewährt werden;
dienen (§§ 51 bis 68 der Abgabenordnung);
8. Spenden, die von einem Dritten gegen ein von
3. Spenden von außerhalb der Bundesrepublik der Partei zu zahlendes Entgelt eingeworben werden,
Deutschland, es sei denn, dass das 25 vom Hundert des Werts der eingeworbenen
a) diese Spenden aus dem Vermögen einer/eines Spende übersteigt.
Deutschen, einer/eines Bürgerin/Bürgers der Europäi-
schen Union oder eines Wirtschaftsunternehmens, (6) Spenden und Mandatsträgerbeiträge an die Partei oder
dessen Anteile sich zu mehr als 50 vom Hundert im einen oder mehrere Gebietsverbände, deren Gesamtwert in
Eigentum von Deutschen oder einer/eines Bürgerin/ einem Kalenderjahr (Rechnungsjahr) 10.000 Euro über-
Bürgers der Europäischen Union befinden oder dessen steigt, sind unter Angabe des Namens und der Anschrift
Hauptsitz in einem Mitgliedsstaat der Europäischen der/des Spenderin/Spenders sowie der Gesamthöhe der
Union ist, stammen oder Spende im Rechenschaftsbericht der Gesamtpartei zu
verzeichnen. Spenden, die im Einzelfall die Höhe von 50.000
b) es sich um eine Spende einer/eines Ausländerin/ Euro übersteigen, sind dem Parteivorstand zur Meldung an
Ausländers von nicht mehr als 1.000 Euro handelt; den Präsidenten des Deutschen Bundestages unverzüglich
anzuzeigen.
4. Spenden von Berufsverbänden, die diesen mit der Maß-
gabe zugewandt wurden, sie an die Partei weiterzuleiten; (7) Spenden, die ein(e) Kandidat(in) für eine Wahl zu einem
öffentlichen Wahlamt / Mandat oder ein(e) Inhaber(in)
5. Spenden von Unternehmen, die ganz oder teilweise im eines öffentlichen Amts/Mandats erhält, sind unverzüglich
Eigentum der öffentlichen Hand stehen oder die von ihr an das für die Finanzangelegenheiten zuständige Vor-
verwaltet oder betrieben werden, sofern die direkte Beteili- standsmitglied (§ 5) weiterzuleiten.
gung der öffentlichen Hand 25 vom Hundert übersteigt;
(8) Nach Absatz 5 unzulässige Spenden sind unverzüglich an
6. anonyme Spenden, soweit sie im Einzelfall mehr als den Parteivorstand zur sofortigen Weitergabe an den
500 Euro betragen; Präsidenten des Deutschen Bundestages weiterzuleiten.

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FINANZORDNUNG

FINANZORDNUNG
§ 4 Spendenbestätigungen soweit deren jeweiliger Gesamtwert 10.000 Euro über-
steigt.
(1) Die zur Kontoführung berechtigten Gebietsverbände der
Partei (§ 9 Abs. 1) sind berechtigt, den Empfang von § 5 Kassenführung
Spenden zu bestätigen. Näheres regeln die Bezirke.
Die Bestätigung von Spenden an Ortsvereine, (1) Jede Gliederung, jeder Gebietsverband und jede sonstige
Unterbezirke und regionale Zusammenschlüsse kann Organisationsform der Partei, soweit diese über eine
abweichend von Satz 1 durch Beschluss der Bezirksvor- eigenständige Kassenführung verfügen, wählt ein für die
stände gesondert geregelt werden. Finanzangelegenheiten zuständiges Vorstandsmitglied.
Ihm obliegt die Führung des Finanzwesens, insbesondere
(2) Für die Bestätigung dürfen nur die vom Parteivorstand • die Pflege der Mitgliederdatei,
herausgegebenen und fortlaufend nummerierten Formula- • die regelmäßige Prüfung der Beitragshöhe,
re verwendet werden. Eine Durchschrift verbleibt bei dem • die Überprüfung der Beitragsleistung,
ausstellenden Gebietsverband, eine Durchschrift ist dem • die Führung des Kassenbuchs,
Bezirk vorzulegen. Zur Ausstellung von Bestätigungen • die Aufstellung des Wirtschaftsplans,
über Spenden ab einem Betrag von 5.000,- Euro sind nur • die Erstellung des Rechenschaftsberichts gemäß
die jeweils zuständigen Parteigeschäftsführer(innen) oder Parteiengesetz.
hierzu beauftragte hauptamtliche Mitarbeiter(innen)
berechtigt. Achtung: Zu Kassenverantwortlichen können aus Haftungsgründen und
wegen der für den Bankverkehr notwendigen Unterschriftsberechtigung
nur volljährige (geschäftsfähige) Mitglieder gewählt werden.
§ 4a Erbschaften und Vermächtnisse
(2) Das für die Finanzangelegenheiten zuständige Vorstands-
(1) Gebietsverbände der Partei mit eigener Kontoführung (§ 9 mitglied erstattet der Jahreshauptversammlung (Parteitag)
Abs. 1) sind berechtigt, Erbschaften und Vermächtnisse im den Finanzbericht.
Einvernehmen mit dem Parteivorstand anzunehmen.
(3) Ortsvereine und sonstige Organisationsformen unterhalb
(2) Erbschaften und Vermächtnisse werden im Rechenschafts- der Unterbezirksebene, die in zwei aufeinander folgenden
bericht der Partei unter Angabe ihrer Höhe, des Namens Jahren nicht fristgerecht einen ordnungsgemäßen
und der letzten Anschrift des Erblassers veröffentlicht, Rechenschaftsbericht erstellt haben, verlieren das Recht

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FINANZORDNUNG

FINANZORDNUNG
zur Kassenführung. Der jeweilige Bezirksvorstand stellt (2) Sie berichten der Jahreshauptversammlung (Parteitag)
den Verlust des Rechtes zur Kassenführung fest und und stellen den Antrag auf Entlastung des Vorstands in
beschließt auf Antrag der jeweiligen Organisationsform, Finanzangelegenheiten.
dass die betroffene Gliederung bzw. Organisationsform das
Recht zur Kassenführung wiedererlangt. Das Nähere (3) Mitglieder des Vorstands oder Ausschusses desselben
regelt eine vom Parteivorstand zu erlassende Richtline. Gebietsverbands sowie hauptamtlich tätige Mitar-
beiter(innen) der Partei können nicht zu Revisor(inn)en
gewählt werden.
§ 5a Mittelverwendung
(4) Gliederungen und sonstige Organisationsformen, die über
Mittel der Partei dürfen nur für die den Parteien nach keine eigenständige Kassenführung verfügen, wählen keine
dem Grundgesetz und dem Parteiengesetz obliegenden Revisorinnen und Revisoren.
Aufgaben verwendet werden.
(5) Haben Ortsvereine und sonstige Organisationsformen
unterhalb der Unterbezirksebene mit eigenständiger
§ 6 Revision Kassenführung keine Revisorinnen und Revisoren gewählt
oder sind diese ausgeschieden, müssen die Revisorinnen
(1) Die von der Jahreshauptversammlung (Parteitag) gewähl- und Revisoren der nächsthöheren Gliederung diese Aufgabe
ten Revisorinnen und Revisoren prüfen, ob die Bestimmun- wahrnehmen. Das Nähere regelt eine Richtlinie des
gen der Finanzordnung eingehalten wurden, insbesondere Parteivorstandes.
prüfen sie regelmäßig,
• ob die Buchungen mit den Belegen übereinstimmen,
• ob die Ausgaben angemessen sind und den Beschlüssen § 7 Wirtschaftsplan
(Wirtschaftsplan) entsprechen,
• ob alle Konten und die Bargeldkasse im Rechenschaftsbe- (1) Der Parteivorstand, die Vorstände von Landesverbänden,
richt erfasst sind und Bezirken, regionalen Zusammenschlüssen, Unterbezirken
• ob die Beitragsleistungen satzungsgemäß sind (§ 1 Abs. 8). und Kreisverbänden beschließen bis spätestens 31. März
des betreffenden Kalenderjahres den Wirtschaftsplan auf
Achtung: Zu Revisoren können aus Haftungsgründen nur volljährige Vorschlag des für die Finanzangelegenheiten zuständigen
(geschäftsfähige) Mitglieder gewählt werden. Vorstandsmitglieds. Dem Wirtschaftsplan ist eine Übersicht

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FINANZORDNUNG

FINANZORDNUNG
über den Vermögensbestand und die Verbindlichkeiten § 8 Kreditaufnahmen
beizufügen.
(1) Kreditaufnahmen sind insoweit zulässig, wie die
(2) Der Parteivorstand, die Vorstände der Landesverbände vollständige Tilgung im folgenden Haushaltsjahr gesichert
und die Vorstände der Bezirke beschließen jährlich eine ist. Dem für die Finanzangelegenheiten zuständigen
mittelfristige Finanzplanung über die geplanten Einnahmen Vorstandsmitglied (Kassierer(in)/Schatzmeister(in)) steht
und Ausgaben und die sich hieraus ergebenden Vermögens- ein Widerspruchsrecht gegen Ausgaben zu, die nur durch
veränderungen. Die mittelfristige Finanzplanung umfasst Kreditaufnahmen zu finanzieren sind. Der Widerspruch der/
den Zeitraum von mindestens vier Jahren. Auf Beschluss des des Kassiererin/Kassierers (Schatzmeisterin/Schatzmeis-
jeweiligen Bezirksvorstands haben auch die nachgeordne- ters) kann durch einen erneuten Beschluss des Vorstands
ten Gebietsverbände (§ 9 Abs. 1) eine mittelfristige des betreffenden Gebietsverbands mit Zweidrittelmehrheit
Finanzplanung gemäß Satz 1 zu erstellen. zurückgewiesen werden.

(3) Für den Vollzug des Wirtschaftsplans ist das für die (2) Beabsichtigte Kreditaufnahmen, die über die in Abs. 1 Satz
Finanzangelegenheiten zuständige Vorstandsmitglied 1 gesetzten Grenzen hinausgehen, bedürfen:
verantwortlich. Im Wirtschaftsplan ist festzulegen, bis zu a) bei Ortsvereinen, Stadt- und Gemeindeverbänden der
welchem Betrag das für die Finanzangelegenheiten Zustimmung der Mitglieder- bzw. Delegiertenversammlung
zuständige Vorstandsmitglied allein verfügungsberechtigt sowie nach Stellungnahme des Unterbezirksvorstands der
ist und in welchen Fällen Einzelbeschlüsse des Vorstands Zustimmung des Bezirksvorstands,
erforderlich sind. b) bei Unterbezirken, Kreisverbänden und regionalen Zusam-
menschlüssen nach § 8 Abs. 5 Organisationsstatut der
(4) Sind im Vollzug negative Abweichungen vom Wirtschafts- Zustimmung des Bezirksvorstands,
plan (Mindereinnahmen oder Mehrausgaben) festzustellen, c) bei Bezirken der Zustimmung von zwei Dritteln der
die nicht durch Mehreinnahmen oder Minderausgaben an Mitglieder des Bezirksvorstands,
anderer Stelle gedeckt werden können, ist ein Vorstandsbe- d) bei Landesverbänden der Zustimmung von zwei Dritteln der
schluss über die Änderung des Wirtschaftsplans erforder- Mitglieder des Landesvorstands,
lich. Bei erheblichen Abweichungen vom Wirtschaftsplan ist e) beim Parteivorstand der Zustimmung von zwei Dritteln der
auch dann ein Vorstandsbeschluss herbeizuführen, wenn Mitglieder des Parteivorstands.
Deckung innerhalb des Gesamtplans möglich ist.

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FINANZORDNUNG

FINANZORDNUNG
(3) Beschlussfassungen nach Abs. 2, Buchstaben c und d, Zum Beispiel: SPD-Unterbezirk A Sonderkonto
müssen vor ihrem Vollzug dem Parteivorstand Oberbürgermeisterwahl B oder
vorgelegt werden, dem insoweit ein Vetorecht zusteht. Sonderkonto Landtagswahlkreis C oder
Sonderkonto Arbeitsgemeinschaft D)

§ 9 Kontoführung (4) Bei Kreditanträgen ist der Nachweis der Zulässigkeit gem.
§ 8 dieser Finanzordnung (Protokoll des Beschlussgremi-
(1) Zur Eröffnung von Konten bei Kreditinstituten sind ums) zu erbringen.
berechtigt, soweit sie über das Recht zur eigenständigen
Kassenführung verfügen:
• Ortsvereine; § 10 Pflicht zur Buchführung
• Regionale Zusammenschlüsse;
• Unterbezirke; (1) Das für die Finanzangelegenheiten zuständige Vorstands-
• Bezirke; mitglied oder die von ihm Beauftragten haben die vom
• Landesverbände; Parteivorstand herausgegebenen Kassenbücher
• Parteivorstand. bzw. den Kontenplan anzuwenden.

(2) Die Konten lauten auf den Namen „Sozialdemokratische (2) Die Rechnungsunterlagen, Bücher, Bilanzen und Rechen-
Partei Deutschland“ unter Zusatz der Organisationsstel- schaftsberichte sind zehn Jahre aufzubewahren. Die
lung. Zur Eröffnung und Erteilung von Verfügungsberechti- Aufbewahrungsfrist beginnt mit Ablauf des Rechnungsjah-
gungen sind das für die Finanzangelegenheiten zuständige res.
Vorstandsmitglied und die/der Vorsitzende gemeinsam
berechtigt. (3) Das für die Finanzangelegenheiten zuständige Vorstands-
mitglied hat die gemäß Absatz 2 aufzubewahrenden
(3) Soweit darüber hinaus weitere Organisationsformen mit Unterlagen bei Ausscheiden aus dieser Funktion unver-
eigenständiger Kassenführung bestehen (Wahlkreisorgani- züglich und geordnet seiner/seinem Nachfolger(in) in dieser
sationen, Arbeitsgemeinschaften etc.), können zur Kontoer- Funktion, hilfsweise der/dem Vorsitzenden zu übergeben.
öffnung und -führung berechtigte Gebietsverbände (Abs. 1)
auf ihren Namen Konten einrichten mit dem Zusatz und der
Anschrift der weiteren Organisationsform.

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FINANZORDNUNG

FINANZORDNUNG
§ 11 Jahresabschluss beiträge und andere Sonderbeiträge) je Zuwender(in)
mit Namen und Anschrift beizufügen. Ausgenommen
(1) Nach Beendigung des Kalenderjahres hat das für die davon sind Mitgliedsbeiträge, die im zentralen Last-
Finanzangelegenheiten zuständige Vorstandsmitglied schrifteinzugsverfahren erhoben werden. Erbschaften und
oder die/der von ihm Beauftragte zu den Positionen Vermächtnisse sind jeweils mit Namen und Anschrift der/
des Wirtschaftsplans die mit Wirkung zum 31. Dezember des Erblasserin/Erblassers oder Vermächtnisgeberin/
des abgelaufenen Jahres entstandenen tatsächlichen Vermächtnisgebers anzugeben. Die Landesverbände/
Einnahmen und Ausgaben festzustellen. Entsprechend ist Bezirke haben die Teilberichte der ihnen nachgeordneten
die Vermögensrechnung zum 31. Dezember fortzuschrei- Gebietsverbände gesammelt bei ihren Rechenschaftsunter-
ben. lagen aufzubewahren.

(2) Die Ermittlungen sind so rechtzeitig durchzuführen, dass (3) Die Rechenschaftsberichte sind jeweils von der/dem
die Vorstände der den Bezirken nachgeordneten Gebietsver- Vorsitzenden und dem für die Finanzangelegenheiten
bände oder sonstigen Organisationsformen zuständigen Vorstandsmitglied zu unterzeichnen.
mit eigenständiger Kassenführung spätestens bis zum 31.
Januar den Jahresabschluss förmlich beschließen können. (4) Die den Landesverbänden/Bezirken nachgeordneten Gebiets-
Die übrigen Vorstände beschließen über ihre jeweiligen verbände haben in Anlagen zum Rechenschaftsbericht
Jahresabschlüsse bis zum 31. März. Zuschüsse von Gliederungen, sonstige Einnahmen, Zuschüs-
se an Gliederungen, sonstige Ausgaben, Forderungen an
Gliederungen und Verbindlichkeiten gegenüber Gliederun-
§ 12 Rechenschaftsbericht gen im Einzelnen aufzuschlüsseln und zu erläutern.

(1) Der Rechenschaftsbericht besteht gemäß Parteiengesetz (5) Der vom Vorstand festgestellte Jahresabschluss ist die
aus einer Einnahmen- und Ausgabenrechnung, einer Grundlage des Rechenschaftsberichts. Dem Rechenschafts-
Vermögensbilanz sowie einem Erläuterungsteil. bericht können kurz gefasste Erläuterungen beigefügt
werden.
(2) Die Landesverbände und Bezirke sowie die ihnen nachge-
ordneten Gebietsverbände haben ihren Rechenschaftsbe- (6) Der Rechenschaftsbericht ist unverzüglich nach Feststellung
richten eine lückenlose Aufstellung aller Zuwendungen des Jahresabschlusses dem Bezirk vorzulegen, und zwar
(Spenden und Mitgliedsbeiträge sowie Mandatsträger- spätestens bis zum 15. Februar des nächsten Jahres.

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FINANZORDNUNG

FINANZORDNUNG
§ 13 Haftung bei Sanktionen § 14 Prüfung des Rechenschaftsberichts

(1) Wenn ein Gebietsverband oder eine sonstige Organi- Der Parteivorstand bestellt auf Vorschlag der/des
sationsform der Partei mit eigenständiger Kassenführung Schatzmeisterin/Schatzmeisters die Wirtschaftsprüfungs-
sanktionsbedrohte Verstöße gegen das Parteiengesetz gesellschaft, die den Rechenschaftsbericht nach den
verursacht, indem sie Vorschriften der §§ 29 bis 31 PartG zu prüfen hat.
a) rechtswidrig Spenden entgegennimmt,
b) Mittel nicht den Vorschriften des Parteiengesetzes
entsprechend verwendet, § 15 Schlussbestimmungen
c) ihrer Rechenschaftspflicht nicht genügt
oder (1) Diese Finanzordnung ist Bestandteil des Organisationssta-
d) auf sonstige Weise Sanktionen nach dem Parteiengesetz tuts der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands. Sie tritt
auslöst, so haftet sie für den daraus entstandenen Schaden. am 1. Januar 2014 in Kraft und ersetzt die Finanzordnung
vom 1. Januar 2012.
Erläuterung: Gliederungen im Sinne dieser Vorschrift ist jeder
Gebietsverband. (2) Satzungen dürfen dieser Finanzordnung nicht widerspre-
chen. Widersprechende Bestimmungen dürfen nicht mehr
(2) Der Parteivorstand kann Personen, die einen Verstoß gegen angewendet werden.
das Parteiengesetz zu verantworten haben, auf Ersatz des
entstandenen Schadens in Anspruch nehmen. Der Gebiets-
verband bzw. die sonstige Organisationsform der Partei mit
eigenständiger Kassenführung wird soweit von der Haftung
nach Absatz 1 frei, wie der Parteivorstand Befriedigung
durch den in Anspruch genommenen Dritten erlangt.

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NOTIZEN

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Herausgeber: SPD-Parteivorstand, Wilhelmstraße 141, 10963 Berlin.
Druck: Dräger+Wullenwever print+media Lübeck GmbH & Co. KG, Grapengießerstraße 30, 23556 Lübeck.
Vertrieb: IMAGE Ident Marketing GmbH, shop.spd.de. Auflage: 01/2018. Bestell.-Nr.: A100533.