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8.

Behinderung, Psychische und Körperliche Erkrankung

Begriffliches

-WHO: Behinderung als Überbegriff für Beeinträchtigung, Aktivitätseinschränkungen und mangelnde


Teilhabe (am normalen Leben)

Mit der ICF (vgl. Abb. 8.1.) kann Behinderung erfasst und gemessen werden. Die ICF unterteilt
Probleme durch körperliche Einschränkungen in:

 Beeinträchtigungen (impairment): Probleme der Körperfunktionen, z.B. Lähmungen als Folge


eine Zerebralparese

 Aktivitätseinschränkungen (limitation of activities): Schwierigkeiten aktiv zu sein, z.B. beim


Gehen oder Essen

 Einschränkung der Teilhabe (limitation of participation): Schwierigkeiten am öffentlichen Leben


teilzuhaben, z.B. Diskriminierung am Arbeitsplatz oder im Nahverkehr
Keine Unterscheidung von Art (körperlich, geistig oder seelisch) oder Ursache der Behinderung,
entscheidend ist ein Problem in einem oder mehreren der drei Bereiche.

-Gesundheitszustand: Krankheiten, Verletzungen, andere körperliche Probleme

-Beeinträchtigungen: Folge, Symptome und Anzeichen des Gesundheitszustandes

-persönliche Faktoren: z.B. Selbstbewusstsein, Selbstwirksamkeit

-Umweltfaktoren: Teilhabe am öffentlichen Leben vs. Eingeschränktheit; Hilfe/Barrieren

Umweltfaktoren wirken auf Grad der Behinderung, Integration als Erleichterung

Soziales Modell der Behinderung

-Behinderung nicht durch biologische Gegebenheiten, sondern durch Mängel in Gesellschaft/


unzureichende politische Unterstützung

-Umweltfaktoren: auch Stereotype, Einstellung anderer gegenüber Menschen mit Behinderung

Bedeutung von Behinderung für die Betroffenen

Zusätzliche Belastung des Behinderten durch:

-Folgeerscheinungen z.B. Schmerzen durch den eingeschränkten Gesundheitszustand

-Komorbitäten: Begleiterkrankungen-> müssen nicht ursächlich mit der Grunderkrankung


zusammenhängen

-Multiorbidität: weitere Begleiterkrankungen

Verstärkt auf Gesundheitssystem angewiesen


Zugänglichkeit eingeschränkt durch:

-mangelnde Transportmöglichkeiten/Erreichbarkeit/Ausbildung von Fachärzten

-hohe Kosten, die die Betroffenen oft selbst übernehmen müssen

Schwierigkeiten bei der Eingliederung=Empfinden der schweren Behinderung

Prävention nach WHO

- Primäre Prävention: Anstrengungen die Ursache anzugehen, bevor Folgen auftreten,


individuell oder gesellschaftlich z.B. Rauchverbot

- Sekundäre Prävention: Früherkennung, Verbreitung stoppen, langfristige Schäden vermeiden


z.B. Brustkrebs-Screening

- Tertiäre Prävention: Behandlung eines bestehenden Problems, Komplikationen vermeiden,


z.B. Reha-Aufenthalte

Statistische Daten

WHO Schätzungen (2001):

-15% (1 Milliarde) der Weltbevölkerung hat eine Funktionseinschränkung

-150-190 Millionen der über 15-Jährigen haben beeinträchtigende Probleme

Risikofaktor Alter: Ältere häufiger betroffen als jüngere: Zusammenhang!

Risikofaktor Armut: häufigeres Vorkommen in Ländern mit geringem Einkommen

Risikofaktor chronische Erkrankung

Chronische körperliche und psychische Erkrankungen

Adipositas als Beispiel für eine körperliche Erkrankung (ab BMI 30)

Sozialpsychologische Aspekte nach Stroebe (2011):

-Positive Stereotype: humorvoll, freundlich, hilfsbereit

-Negative Stereotype: weniger attraktiv, strebsam, bliebt, charakterliche Schwäche

seltenere Heirat und in niedrigere soziale Klasse (Frauen), Diskriminierung in Beruf und Ausbildung,
Schlechtere Abschlüsse (unabhängig von IQ und Erziehung) >>>geringeres Selbstwertgefühl

Entwicklung einer Behinderung bei Grunderkrankung Adipositas durch Umweltfaktoren,


Bewegungseinschränkung und niedrigen Selbstwert

Schizophrenie als Beispiel für eine psychische Erkrankung

-psychische Störung mit Vorkommen bei ca. 0,5-1% der Menschen (konstante Verteilung)
-„Gespaltene Seele“ (Eugen Bleuler)

-Symptome ersten Ranges nach ICD-10:

- Schizophrene Ich-Störungen

- Wahn

- Leibliche Beeinflussungserlebnisse

- Gedankeneingebung, Gedankenentzug, Willensbeeinflussung

- Wahnwahrnehmung

Soziale Folgen der Stigmatisierung als zweite Krankheit, zus. Schuldzuweisung, Stigma Angehörige

Stereotype und Vorurteile über Behinderungen

Junge Forschung von Stereotypen der Behinderung

Nairo Redmond (2010) über Rolle von sozialer Benachteiligung und Stereotype:

-ähnliches Kompetenz-Wärme-Muster wie Frauenweniger stereotypisch männlich/weiblich

-über verschiedene Arten von Behinderung generalisierte Stereotype, global, stabil

-überwiegend negativ

Diskriminierung

-Wahrnehmung als essentielles Merkmal einer Person, relativ stabil/unkontrollierbar

-Spread effect: Schliessen von (sichtbarer) Behinderung auf andere Eigenschaften

undifferenzierte Urteile diskriminieren

-mit sensorischer oder körperlicher Behinderung: weniger intelligent, weniger aggressiv, mutiger

-Emotionalität, selbst-mitleidig und Kreativität wie ohne Behinderung

-Verzerrte Darstellung in Medien

-Antidiskriminierungsgesetz 1999-> davor nicht als Minderheitengruppe anerkannt, da als nur


gesundheitliches, nicht aber sozial-konstruiertes Problem angenommen

-Inklusion in der Schule als Beispiel für die junge politische Anstrengung

Political Correctness als möglicher Lösungsansatz zur Linderung der sprachlichen Diskriminierung

-Richtlinien und Gesetze zu Bezeichnungen

-Faustregel APA: Begriffe, mit denen man sich selbst auch beschreiben würde

-Person zuerst Prinzip (gefördert durch Verben:hatist) oder Verwendung von Adjektiven (vs. Labels)
Nomen als stabilere Merkmale der Person/höhere Attribution von weiteren
Persönlichkeitsmerkmalen, >>Kategorisierung

Verb: am wenigsten permanente Darstellung/Adjektiv: mittel

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