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W Ü STE N R OT STI FTU N G

Wüstenrot Stiftung (Hrsg.)

RAUMPILOT
A R BE I T E N

Markus Gasser
Carolin zur Brügge
Mario Tvrtković

kraemerverlag

1
Die Publikationsreihe „Raumpilot“ besteht aus insgesamt vier Bänden:

Raumpilot Grundlagen Thomas Jocher, Sigrid Loch


Institut Wohnen und Entwerfen, Universität Stuttgart
ISBN 978-3-7828-1551-2 (PDF)
ISBN 978-3-7828-1556-7 (ePub fixed layout)
Raumpilot Arbeiten Markus Gasser, Carolin zur Brügge, Mario Tvrtković
Professur Entwerfen und Siedlungsentwicklung, Technische Universität Darmstadt
ISBN 978-3-7828-1552-9 (PDF)
ISBN 978-3-7828-1557-4 (ePub fixed layout)
Raumpilot Lernen Arno Lederer, Barbara Pampe
Institut für Öffentliche Bauten und Entwerfen, Universität Stuttgart
ISBN 978-3-7828-1553-6 (PDF)
ISBN 978-3-7828-1558-1 (ePub fixed layout)
Raumpilot Wohnen Walter Stamm-Teske, Katja Fischer, Tobias Haag
Professur Entwerfen und Wohnungsbau, Bauhaus-Universität Weimar
ISBN 978-3-7828-1554-3 (PDF)
ISBN 978-3-7828-1559-8 (ePub fixed layout)

Herausgeber
Wüstenrot Stiftung, Ludwigsburg

Redaktion, Konzept und Gestaltung Band Arbeiten


Markus Gasser, Carolin zur Brügge, Mario Tvrtković

Gesamtlayout Buchreihe „Raumpilot“


Sigrid Loch, Tobias Haag

Das Werk einschließlich aller seiner Teile ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung außerhalb der engen Grenzen des Urheberrechts­
gesetzes ist ohne Zustimmung der Wüstenrot Stiftung und des Karl Krämer Verlags unzulässig und strafbar. Dies gilt insbesondere für Verviel-
fältigungen, Nachdruck, Übersetzungen, elektronische Speicherung (auch durch Scannen) in digitalen Netzen oder die Mikroverfilmung.

© 2012 Wüstenrot Stiftung, Ludwigsburg, und Karl Krämer Verlag Stuttgart + Zürich


Alle Rechte vorbehalten. All rights reserved.
ISBN 978-3-7828-1552-9

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Inhaltsverzeichnis

Vorwort 5
Position 7

Anleitung 9
Überblick 11
Entwerfen 13

Arbeit verstehen 17
Arbeit heute 19
Arten der Arbeit 24
Historische Entwicklung 29
Ökonomie 51
Stadt, Quartier, Haus 67
Typologische Konzepte 97

Arbeit und... 109


Gebrauchsanleitung 111
Sich verorten 113
Typologie 127
Rohbau, Ausbau,
Gebäudetechnologie 143
Verbinden, Trennen 159
Kommunizieren 173
Gestalten, Designen 187
Periphere Dienste &
technische Peripherie 203

Projekte – Arbeiten 219


Projektauswahl 221
0 bis 19 Arbeitsplätze 222
19 bis 49 Arbeitsplätze 230
50 bis 249 Arbeitsplätze 238
über 250 Arbeitsplätze 246

Anhang
Vorwort der Wüstenrot Stiftung

Die Arbeits-, Lebens-, Organisations- und Angesichts signifikant wachsender interna-


Wirtschaftsformen haben sich in den letzten tionaler Einflüsse und Marktorientierungen
Jahrzehnten nicht nur in Deutschland greifen eine klassische Gebäudelehre und
erheblich verändert. Kulturelle, technische damit auch die herkömmliche Vermittlung
und wirtschaftliche Entwicklungen und von Raum- und Organisationskonzepten nur
Globalisierungsprozesse sowie gewandelte noch begrenzt. Parallel zu einer gebäude­
Anforderungen, Präferenzen und Werthal- typologischen Betrachtung treten die
tungen gehören zu den wichtigsten Ursa- aus­geübten Tätigkeiten und die mit ihnen
chen für diese Veränderungen. Inzwischen verbundenen Anforderungen stärker in den
werden dadurch auch neue Orientierungen Vordergrund. Die Gebäudelehre muss, um
in der räumlich-baulichen Konzeption und in auf diese Veränderungen adäquat reagieren
der Organisation der Gebäude erforderlich, zu können, intensiver als bisher auf die
um den damit verbundenen Auswirkungen grundlegenden Anforderungen ausgerichtet
auf die vorherrschenden Nutzungsformen werden, die sich aus den verschiedenen
entsprechen zu können. Tätigkeiten ergeben. Neue Schwerpunkte in
der Vermittlung der Grundlagen von Archi-
Zu beobachten ist dieser Prozess in nahezu tektur und Gestaltung sind ergänzend hierzu
allen Lebensbereichen; deutlich wird er bei- unverzichtbar.
spielsweise in einer gewandelten Nachfrage
nach differenzierten Wohnungen und Wohn- Die Wüstenrot Stiftung hat auf eine Initiative
gebäuden, in modifizierten Anforderungen von Prof. Dr. Thomas Jocher hin gemeinsam
an die Gestaltung von Kindergärten, Schulen mit einem Kreis von engagierten Hoch-
und anderen Bildungseinrichtungen, in schullehrern verschiedener Universitäten
Industrie- und Gewerbebauten, die unter in einem Forschungsprojekt die Frage aufge-
den Bedingungen eines verschärften ökono- griffen, mit welchen neuen Impulsen und
mischen Wettbewerbs einem besonderen Strukturen in der Ausbildung der Architekten
Anpassungsdruck unterliegen, oder in den auf diese Veränderungen reagiert werden
Wirkungen neuer Konsum- und Freizeit- kann. Ziel dabei ist es, die Studierenden
muster sowohl auf Gebäude als auch auf besser auf sich wandelnde Anforderungen
öffentliche Räume. Besonders auffällig wer- an ihre Berufsgruppe vorzubereiten und
den die Veränderungen an neuen Kombinati- zugleich das kreative Entwerfen auch ange-
onen unterschiedlicher Gebäudenutzungen, sichts neuer Herausforderungen und Leis­
an veränderten Nutzungszyklen und an den tungsprofile weiterhin in den Mittelpunkt
Verbindungen des Wohnens mit modernen, der Ausbildung stellen zu können. Zentrales
leicht integrierbaren Dienstleistungen. Kriterium für eine erfolgreiche, zukunftsge-

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richtete Ausrichtung ist in diesem Sinne die Das Forschungsprojekt „Raumpilot“ der und wechselnde Anforderungen strukturiert
Fähigkeit, in einen kreativen, künstlerischen Wüstenrot Stiftung konzentriert sich und in einem kreativen Prozess bewältigt
Entwurfsvorgang eine wachsende Zahl an auf eine anschauliche, die wesentlichen werden können.
zu beachtenden Rahmenbedingungen zu in- Nutzungen fokussierende Darstellung der
tegrieren und dabei zugleich die Qualität der Gebäudelehre. Die daraus entstandene Die anderen beiden Vertiefungsbände be-
einzelnen Komponenten aufrecht erhalten Publikation ist in vier Bände unterteilt. Der handeln die Themen Lernen und Wohnen.
zu können. Band Grundlagen schafft die gemeinsame Die Wüstenrot Stiftung dankt allen „Raum-
Basis für drei ergänzende Vertiefungsbände piloten“ – Autoren, Hochschullehrern,
Entstehen sollen funktional und ökonomisch und führt in die wichtigsten Aufgaben und Studierenden – für die engagierte, intensive
nachhaltige Gebäude, deren Eignung und Themen ein. Zusammenarbeit bei der Erstellung und
Qualität vor allem in der Fähigkeit bestehen, Umsetzung des Konzeptes. Sie hofft damit
auch weiterhin sich kontinuierlich verän- Der Band Arbeiten ist einer von drei wichtige Impulse für den kontinuierlichen
dernden Bedingungen und Einflussfaktoren Vertiefungsbänden, die ergänzend zum Prozess der Anpassung von Form und
entsprechen zu können. Dieser Anspruch Grundlagenband wichtige Bereiche der Ge- Inhalten der Ausbildung im Fachbereich
kann in einer kreativen Entwurfsleistung nur bäudelehre aufgreifen. Er konzentriert sich Architektur an die veränderten Rahmenbe-
dann eingelöst werden, wenn als Grund- auf das Entwerfen von Gebäuden mit Büro- dingungen in Wirtschaft und Gesellschaft
lage der Kreativität ein klares Konzept der Arbeitsplätzen in den Sektoren Verwaltung geben zu können.
wichtigsten Elemente einer Bauaufgabe ver- und Dienstleistungen. Aufgrund der viel-
fügbar ist – im technischen und wirtschaft- fältigen und wachsenden Einflüsse auf die
lichen sowie in wachsendem Maße auch im Arbeitsorganisation ist dies ein Spektrum,
gesetzlichen Bereich. das dynamischen Veränderungen unter-
worfen ist. Anstelle fest gefügter, isolierter
Es war ein Anliegen der Wüstenrot Stiftung, Arbeitsplätze stehen heute und vor allem in
mit ihren Möglichkeiten einen Beitrag dafür Zukunft eher Systeme im Vordergrund. Die
zu leisten, dass in dieser Hinsicht für einige damit verbundene Komplexität fordert die
ausgewählte Bereiche der Gebäudelehre Architektur auch unter dem Gesichtspunkt
ein erster Schritt getan werden konnte, der Nachhaltigkeit in besonderer Weise.
und zwar in Form einer Aufbereitung von Die Darstellung der wichtigsten Parameter
Aufgaben und Lösungsvorschlägen, die den dazu und Beispiele zu einer räumlichen
genannten Kriterien folgen kann. Sie hat sinnvollen Anordnung von Arbeit in den Mo-
hierzu ein Forschungsprojekt initiiert, das bilitätssystemen einer Region sind wichtige
auf Wunsch der beteiligten Hochschullehrer Bausteine für eine Auseinandersetzung mit
den programmatischen Titel „Raumpilot“ dieser Aufgabe. Übergeordnetes Ziel ist
erhalten hat. – wie in allen Bänden der Reihe – Entwurfs­
instrumente zu erläutern, mit denen neue

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Position

Für die Niederschrift aber auch für das verändert: Mit Notebooks wird hochmobil
Verständnis des vorliegenden Bands an und in verschiedenen räumlichen Situa-
„Arbeiten“ der Reihe Raumpilot mussten tionen gearbeitet. In diesem Sinne können
vorweg Positionen geklärt werden. Zum wir uns nicht auf reine Verwaltungsarbeit
einen haben wir als architektonische Aufga- eingrenzen, sondern beschreiben relevante
be vor uns eine große Masse an konven- und vielfältige Systeme – und diese sind
tionellen Büro-Arbeitsplätzen im Bereich wieder etwas heterogener, vielfältiger und
Verwaltung und Dienstleistung und zum spannender geworden.
anderen zahlreiche damit verwandte, aber
doch neuartige Arbeitsorganisationen – in Öfters wird diskutiert, „welche Ökonomie“
speziellen Konfigurationen, unter speziellen als Umfeld für eine Arbeit gültig sei. Auch
ökonomischen Bedingungen, unter neuen dazu werden wir zahlreiche Querverweise
Zeitrhythmen und auch mit relativierten geben müssen – denn auch die Gesetz-
Arbeitsbedingungen. Gerade weil sich Wan- mäßigkeiten und Randbedingungen der
del bemerkbar macht, gewichten wir neue freien Marktwirtschaft wechseln schneller
Systeme leicht überproportional. und tiefgreifender als erwartet. Die globale
Wirtschaftskrise ab 2008 zeigt dies auf
Dazu einige zusammenfassende Hinweise: beeindruckende Weise und wird Einfluss auf
Grundsätzlich geht es in „Raumpilot Ar- Architektur und Entwurfsstrategien haben.
beiten“ um Verwaltungsarbeit, also um die Jedenfalls wollen wir uns auch hier nicht
eigentliche Büroarbeit. Wir haben aber meh- auf den Normalfall beschränken, der bei
rere Abgrenzungsprobleme: Ehemalige rei- Büroarbeit von einer durchschnittlichen
ne Handwerksbetriebe weisen heute einen Wertschöpfung und von Arbeitsplatzrichtli-
hohen Dienstleistungs- und Verwaltungsan- nien definiert ist. Dieses Fundament ist uns
teil auf, zahlreiche ursprüngliche Handar- längst unter den Füßen weggebrochen. Wir
beiten wie beispielsweise Lagerbedienung, stehen hier mit einem Unterrichtsbuch vor
Produktion, Veredelung, Verpackung werden einer anderen Verantwortung: Zum einen
heute am Computer gesteuert und sind von muss vermittelt werden, dass auch an Ar-
den Arbeitsplatzbedingungen als Computer- beitsplatzqualitäten nicht alles weggespart
arbeitsplätze einzuschätzen – und umge- werden darf (zu Ungunsten des Arbeitneh-
kehrt kennen wir viele Kleinbetriebe, in wel- mers), zum anderen muss es möglich sein,
chen neben den eigentlichen Büroarbeiten bei einer niedrigen Wertschöpfung doch
alle zusätzlichen Tätigkeiten auch selbst noch überhaupt einen Arbeitsplatz zu schaf-
erledigt werden. Letztlich hat sich auch die fen, und diesen in architektonischer Qualität
reine Verwaltungsarbeit am Bürotisch stark zu organisieren (zu Gunsten des Arbeiten-

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den). Dieser minimale Arbeitsplatz kann Letztlich zum Grundthema Entwerfen: Die
aber nicht Standard sein – er ist eventuell Serie Raumpilot sollte konzeptionell ein Bei-
selbstverantwortete Überlebensstrategie. trag zu einer neuen Gebäudelehre werden.
Genau diesen Fragen wollen wir uns nicht Wir verstehen dies so, dass den Studieren-
verschließen. den Entwurfsinstrumente gegeben werden,
mit welchen sie neue Anforderungen
Arbeit als eine Ebene der Identifikation strukturieren können und sich selbst Grund-
Viele Menschen definieren sich vorwie- lagen zum Entwurfsakt erarbeiten können
gend über ihre Arbeit. Die Möglichkeit, an – und auch müssen. Unser Verständnis von
einer sinnvollen Arbeit teilzunehmen, ist Entwerfen ist hier am Thema „Architekturen
dabei zentral. Eine hochwertige Architek- für Arbeit“ dargestellt – die systemische
tur respektive Arbeitsplatzqualität stützt Komponente gilt selbstverständlich für jede
Identifizierung mit Sicherheit – aber sie andere Entwurfsaufgabe auch.
garantiert diese nicht. Es gibt genügend
Beispiele von sinnvollen und befriedigenden Diese Schrift ist eine grundlegende An-
Arbeiten, welche nicht in „großer Archi- regung und eine erste Anleitung für das
tektur“ gemacht werden. In diesem Sinn Entwerfen von Arbeitsarchitekturen. Als Stu-
soll dieses Buch auch einen Anstoß geben, dierende müssen Sie sich zwangsläufig mit
nach Arbeitsarchitekturen zu suchen, die anderen wertvollen Publikationen beschäfti-
„wirkliche Qualitäten“ eröffnen, und dies ist gen und wir empfehlen als weiterführende
mehr als nur Office-styling. Publikationen den „BürobauAtlas“ von Jo
Eisele und Bettina Staniek sowie den „Ent-
Die Produktion von Architektur ist ein wurfsatlas Bürobau“ von Hascher/Jeska/
wesentlicher Baustein hin zur Nachhaltig- Klauck. Zahlreiche Publikationen behandeln
keit. Wir versuchen, dazu die wichtigsten Bürobau als Design- und Marketingaufgabe
Planungsparameter zu erklären. Wie bei – dies gehört sicher auch dazu, deckt aber
allen anderen architektonischen Aufgaben die tiefgreifende Problematik mitnichten ab.
wird Nachhaltigkeit nur in Abstimmung vie-
ler Ebenen wegweisend wirksam. Obwohl
es nicht direkt Thema von „Raumpilot Ar-
beiten“ sein müsste, wollen wir dazu auch
städtebauliche Anregungen geben – zum Markus Gasser
Beispiel zur räumlich sinnvollen Anordnung Mario Tvrtković
von Arbeit in den Mobilitätssystemen einer Carolin zur Brügge
Region. Technische Universität Darmstadt, 2010

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Anleitung

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Überblick

Zur Gliederung aufzeigt. Dieser erste Teil endet mit Wir versuchen, Strategien zu vermitteln –
Dieses Buch gliedert sich in drei Hauptka- Vorstellungen und Diskussionen über die und nicht Rezepte. Es müssen Denkmodelle
pitel – sie können der Reihe nach gelesen Zukunft der Arbeit. angeregt werden, welche es den schnell
oder intuitiv durchgestöbert werden. • Unter „Prinzip Ökonomie“ erklären wir tradierenden Arbeitswelten ermöglichen, in
die wichtigsten ökonomischen Bestim- den zwangsläufig „trägen Architekturen“ zu
mungsfaktoren und deren Auswirkungen überleben. Eine stetige Neuanpassung des
I Arbeit verstehen auf die Arbeitsarchitekturen. Es werden Bauwerks an den vibrierenden Markt steht
Der erste Teil gibt einen Überblick zu den Strategien erklärt, wie Entwurfskonzepte ja aus Gründen der Nachhaltigkeit und der
wichtigsten Grundkenntnissen über die aus ökonomischen Bedingungen abge- Ökonomie nicht zur Diskussion. Ob Neubau
Architektur der Arbeit. leitet werden können. Eine Besonderheit oder Transformation – wir sollten intelligent
ist, dass bewusst auch Arbeiten mit langlebige Grundstrukturen realisieren,
• Zu Beginn findet sich eine Gebrauchsan- niedriger Wertschöpfung konzeptionell welche wir in ihrer Flexibilität mit minimalen
leitung, die Entwerfen allgemein erklärt integriert werden. Mitteln à jour halten.
und im Besonderen dem Verständnis der • Der Teil „Stadt, Quartier, Haus“ zeigt
Entwurfsschemas in Kapitel 2 dient. zuerst relevante Aspekte des Systems
Entwerfen ist ein strukturierbarer und „Arbeit in der Stadt“; hier werden vor II Arbeit und...
damit teilweise analytischer Prozess – es allem die Nutzungsverteilungsproblematik Das Kapitel „Arbeit und...“ vermittelt Ent-
ist aber auch ein intuitiver und improvisie- und Mobilitätsfragen behandelt. Es folgen werfen innerhalb fundamentaler Themen-
render Akt. Gerade im Zusammenspiel ausgewählte Aspekte zu Gestaltung und bereiche. „Fundamental“ benennen wir
dieser beiden Komponenten – dem wichtigen Themenfeldern, wie etwa Flexi- diese deshalb, weil sie bei allen Bauwerken
Systemischen und dem Intuitiven – kann bilität, Nutzungsmix und Transformation. zur Diskussion stehen und deswegen auch
zukunftsfähige Architektur entwickelt • Abschließend wird eine Serie „Typolo- in allen Raumpilot-Bänden thematisiert
werden. gische Konzepte“ vorgestellt. Dies halten werden. Die sieben Unterkapitel werden
• Nach der Einleitung über das Entwer- wir für eine besondere Anregung zum jeweils mit einem Superschema eingeleitet.
fen haben wir unter „Arbeit heute“ die konzeptionellen Entwerfen. In den Schemas zeigen wir ein mögliches
wichtigsten Daten zur aktuellen Situation sinnvolles Durcharbeiten auf. Zu architekto-
zusammengestellt. Ein kleines Kompen- Im gesamten ersten Kapitel geht es einer- nischen Grundthemen werden anregende
dium über aktuelle Arbeitsformen zeigt seits um Aspekte des Entwerfens, anderer- Fragenkataloge aufgelistet.
die vielfältigen und teilweise problema- seits um den „systemischen Wandel“ – es
tischen Organisationsmöglichkeiten. zeigt auf, wie sich neben der Masse konven-
• Es folgt ein ausgedehnter historischer tioneller Büro- und Verwaltungsarbeit eine
Überblick, der die langsame Entwicklung relevante Menge von „anderer Arbeit“, von
der Arbeitsarchitekturen bis zur Industria- „neuem Produktionsverständnis“ oder von
lisierung und die folgende beschleunigte „innovativen Raum-Zeit-Modellen“ etabliert
Ausdifferenzierung im 20. Jahrhundert hat und weiterentwickeln wird.

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III Projekte Kompendium-Charakter Zusammenfassung
Die gebauten Beispiele sind primär nach Architektur definiert sich auch über eine Dieses Lehrbuch versucht zu vermitteln,
Größen sortiert – seitlich am Textrand finden eigene Begrifflichkeit. Oft wird diese als dass beim Entwerfen mehrere Handlungs-
sich Referenzhinweise, mit denen sich zu selbstverständlich vorausgesetzt – sie ist es ebenen aktiviert werden müssen:
verwandten Themen in anderen Kapiteln na- aber nicht. Das Besondere an einer Sprache
vigieren lässt. Insofern sind die Projektbei- zur Architektur ist, dass sie mit Bildern, • Erstens benötigen wir für ein Entwurfs-
spiele ein „Einstiegs-Portal“ – sie beleben Skizzen, Schemas und Plänen unterstützt thema (hier die Arbeitsarchitekturen)
die Entwurfsthemen des zweiten Kapitels. werden kann, da es thematisch um Struktur, Basiswissen zu Geschichte, Theorie und
Form und Raum geht. zu den interdisziplinären Zusammenhän-
Die Serie von Projekten übernimmt in die- gen (Soziologie, Ökonomie, Nachhaltig-
sem Buch mehrere Funktionen: Auf mehreren Doppelseiten – verteilt über keit...).
das ganze Buch – wollen wir eine begrenzte • Zweitens stehen wir beim Entwerfen
• Reale Bauwerke zeigen die Bandbreite Anzahl von Themen und Begriffen kurz und immer im Dialog mit dem Vorhandenen,
der Lösungen in der Arbeitsarchitektur: prägnant beschreiben, damit der Haupttext welches wir qualitativ allgemein aber
vom allgemeingültigen Klassiker über von zusätzlich notwendigen Erläuterungen auch spezifisch für unsere Aufgabe
innovative Neupositionierung bis hin zu etwas befreit werden kann. werten. Wir sollten das „Reservoir“, die
Spezialitäten. Vorbilder kennen, um einen weiteren
• Mit der Projektauswahl können weitere Analog zur Projektsammlung haben auch Beitrag in diesem Dialog entwerfen und
Ebenen der „Entwurfsstrategie“ kommu- die kompendiumartigen Übersichten ihre bauen zu können.
niziert werden: die mögliche Vielfalt, The- Metafunktionen: • Drittens benötigen wir einen klaren Kopf
menstrategien, typologische Prägnanz, für die Struktur und die Strategie des
Corporate Identity – und vor allem: gute • Die Sammlungen zeigen eine weitere Entwurfsprozesses. Wir haben dazu ein
Architekur! Ebene der Vielfalt – und auch der zu Schema entwickelt, welches einen mög-
• Die Auswahl zeigt, welche Architek- berücksichtigenden Kriterien. lichen Entwurfsprozess darstellt (siehe
turen wir für interessant, qualifiziert • Einzelne Begriffe oder Begriffsgruppen folgende Seiten). Das „Schlaufenmodell“
und hochwertig halten. Für uns liegt ein selbst können zu wichtigen Themen eines macht den komplexen Entwurfsprozess
Schwerpunkt bei den aktuellen Projekten, Bauwerks werden. gut zugänglich, weil die Komplexität eines
wobei wir auch einige Klassiker ins Boot • Sie zeigen auf, wie zu einem Thema Teilbereichs immer wieder verlassen
genommen haben. Die Auswahl ist breit, Sammlungen über Subthemen aufgebaut werden kann, um auf den Entwurfs-
aber doch subjektiv. werden können. Hauptstrang zu gelangen.

Hier regen wir zudem an, dass Studierende Letztlich ist das „Händchen“ und das „Näs-
ihre eigene erweiterte Projektsammlung chen“ gefragt – die Kunst des Entwerfens
aufbauen und vielleicht sogar mit Themenre- will geübt sein!
ferenzen versehen.

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Entwerfen

Anleitung zum Entwerfen

Das Darstellen von Entwerfen Entwerfen lernen (sich entwickelnde) Entwurfsidee unterstüt-
Die finale Komplexität des Entwerfens ist Zwei Eckpfeiler des Entwerfens sind: Zum zen. Finden wir zu wenig Unterstützung,
als allgemeingültiger Prozess schwer dar- ersten benötigen wir Kenntnisse über alle haben wir nach neuen Ideen zu suchen.
stellbar. Schematisch lassen sich die wich- am Bauwerk relevanten Faktoren und wir Erfahrung heißt, dass dieser Prozess mit
tigesten Entwurfsprozesse abbilden – aber müssen fähig sein, diese als System zu wenig Irrläufern zum Werk führt.
jede spezifische Entwurfsaufgabe entwi- steuern. Ohne große Datenkapazität und
ckelt darüber hinaus eine komplexe Eigen- ohne radikales Systematisierungsvermögen In den folgenden Schemas zeigen wir spezi-
dynamik. Die Vielfalt möglicher Antworten, können Entwerfende keine komplexen Bau- elle und interessante Entwurfssysteme:
Erfindungen und Innovationen, die Vielfalt werke entwickeln. Zum zweiten benötigen • wenn einzelne Themen stark bewertet
der Strategien, Prozesse und Gewichtungen wir langjährige Erfahrung und Inspiration werden und damit zu Hauptthemen des
widersetzen sich dem Abstraktionsversuch. dafür, wie sich ein Entwurf zu einem Entwurfs werden,
Etwas einfacher ist das nachträgliche beachteten Werk entfalten lässt oder ließe – • wenn das entstehende Projekt selbst
Erklären eines abgeschlossenen Entwurfs: denn es gibt mehrere Möglichkeiten. Diese klare Signale aussendet, welches seine
Dazu lassen sich selektiv die wichtigsten beiden Komponenten, das Systemische und Eigenlogik ist (wie „es sein will“),
Entscheide und Entwurfsmomente auf- das Kreative, sind in den Schemas unten • wenn ein Architekturbüro mit einer „Idée
arbeiten. Alle Entwerfenden wissen aber dargestellt: Aus einer großen Menge von fixe“ arbeitet und alle anderen Kriterien
auch, dass solche Erklärungen meist weit Daten, welche in zahlreichen Bewegungen sich dem unterzuordnen haben.
weg vom tatsächlich Prozess liegen, der durchzuarbeiten sind, destillieren wir die-
stattgefunden hat. jenigen Komponenten heraus, welche die

Entwurfsablauf durch mehrere Themenphasen, die einzel- Beim Entwerfen werden wir aber immer gewichten: Das Dieses Schema zeigt nochmals ein anderes System von
nen Themen sind in hoher Gleichwertigkeit dargestellt. In zeigt eine Entwurfsstrategie, welche ausgewählte Themen Gewichtung: Es sind nicht nur einzelne Themen, die prio-
den Kapiteln haben wir uns für eine Reihenfolge entschie- sehr intensiv berücksichtigt und das Projekt (bewusst) risiert werden, es ist nun das entstehende Projekt selbst,
den; beginnend mit Verortung, nach passenden Typologien stark beeinflusst. Dennoch müssen alle Ebenen einbezo- welches starke Signale in die Rückkopplung der Prozess-
suchend et cetera. gen werden . schlaufen abgibt. Das Projekt „macht sich stark“!

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Zuoberst steht das imaginäre Projekt. Ziel Hier für die Raumpilot-Reihe haben wir überblick zurückzukehren. Entwerfen ist
ist es, ein Werk zu entwickeln, welches möglichst allgemeingültige Kapitel gewählt. somit ein ständiges Pendeln von Thema zu
die gesamte Problematik und Komplexität Es sind dies die wichtigsten Grundlagen­ Thema, von Maßstab zu Maßstab und von
vergessen lässt – in seiner Klarheit und themen. Selbstverständlich könnten weitere Sackgasse zu Durchbruch.
Schlüssigkeit, in seiner eleganten Präzision Themen eingeflochten werden.
oder seiner archaischen Ruppigkeit, in sei- Zudem werden von uns, zu den erwähnten
ner wegweisenden Innovation oder seiner Entscheidend ist der Überblick beim Ent- zwei Eckpfeilern des Entwurfs – das
Modernität im Dauerhaften... Die somit an- werfen. Sehr schnell verlieren wir uns in der Systemische und das Kreative – weitere
gedeutete Vielfalt möglicher Kriterien zeigt, Komplexität einer einzelnen Schlaufe. Man Fähigkeiten verlangt, beispielsweise die
dass wir beim Entwerfen immer Positionen braucht ein gutes Gespür dafür, wann die sogenannten „Soft Skills“: Team- und
beziehen müssen. Wir haben zu entschei- Arbeit in einer Schlaufe vorläufig ausgesetzt Kommunikationsfähigkeit, Verlässlichkeit,
den, wohin das Projekt gehen soll. werden soll, um wieder in den Gesamt- Verhandlungsfähigkeit...

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Entwerfen

Was leistet dieses System – und wo sind anpassen – oder, falls notwendig, eine Momenten der Kreation hängt viel ab. Diese
seine Grenzen? erfolgsträchtigere Methode entwickeln. haben wir sehr sorgfältig zu pflegen. Dazu
Grundsätzlich ist auch die Entwurfsmethode müssen wir uns selbst gut kennen – ohne
Gegenstand des Entwurfs. Wenn wir hier Identität, Kreation und Strategie eigene Identität können wir nicht entwerfen.
eine Methode vorschlagen, dann tun wir Wichtig ist es beim Entwerfen, dass wir uns
dies, um didaktische Ordnung herzustellen. mit Systemen, Prozessen und Strategien Aber ohne harte Systematik sind Entwürfe
Wir sind auch sicher, dass dies hier ein auseinandersetzen: Es ist doch eher sus­ anderen Beteiligten nicht zu vermitteln.
allgemeingültiges und potentes Modell ist. pekt, den Entwurf als die „Eingebung vom Teamarbeit und Kommunikation mit den
Tatsächlich müssten wir uns aber für jedes Entwurfsengel“ zu sehen. Natürlich gibt es Auftraggebern verlangen ausgehandelte
Projekt überlegen, wie wir unsere „ge- Momente der Kreation, über die man selber Arbeitsweisen und Vereinbarungen über den
wohnte Methode“ dem Problem sinnvoll überrascht ist – und gerade von diesen Entwurfsprozess.

Bei Beginn eines Projekts sind meistens einige Faktoren Üblicher Prozess ist es, dass sich Projekte nach und Unüblich und unklug ist es, mit einer „Idée fixe“, also mit
schon „da“ oder wurden vor dem architektonischen nach konkretisieren. Wir haben die folgenden Kapitel in einer „gemachten Vorstellung“ ans Projektieren zu gehen.
Entwurf festgelegt: Oft das Grundstück und damit eine eine sinnvolle Reihenfolge gesetzt: Entwurf beginnt bei Wir zwängen dann sämtliche Teilebenen in diese formale
Umgebung mit Geschichte, oft ein Programm oder eine der Verankerung vor Ort, geht oft weiter über die Suche Vorgabe. Man ist doch immer wieder erstaunt, mit welcher
erste Programmvorstellung. Es kann aber alles offen sein. nach entsprechenden Typologien, dann hat man dessen formalen Fixiertheit Projekte entwickelt werden, obwohl es
Baustruktur zu definieren... Bei den folgenden Kapiteln an Ecken und Kanten knirscht!
Zentral unter dem Projekt liegt die eigentliche Projekt- ist eine Reihenfolge weniger zwingend – tatsächlich sind
matrix, welche letztlich den Entwurf integral beschreibt immer alle Ebenen gleichzeitig wirksam und wir haben sie
in Rückkopplungsschleifen aufeinander abzustimmen. Aber: Grundsätzlich muss es möglich sein, dass sich eine
(Pläne, Erläuterungstext, Verträge, Modelle, etc.).
Teilebene der Formvision unterordnen muss. Es können
Seitlich liegen thematische Teilraster. In den Kapiteln
nicht alle Projekte in allen Ebenen gleichwertig perfekt in
arbeiten wir mit diesen Themenrastern, weil sie Übersicht
Die Projektvision hat Eigendynamik, dessen Form steuert Abstimmung gebracht werden. Es darf eine Entwurfs-
erlauben. Jedes Thema hat seine eigenen Entwurfsgesetz-
alle Ebenen mit. Der Entwurf steht über allen Teilabklä- strategie sein, selektiv bestimmte Ebenen stärker zu
mäßigkeiten.
rungen, er wird deshalb nicht als Teilmatrix ausgewiesen. gewichten, damit eine Vision umsetzbar wird.

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Komplexität erfassen die Geschichte der Verwaltungsarbeit, über heiten, Qualitäten oder Unzulänglichkeiten
Der gesamte Entwurfsprozess ist jedoch die Ökonomie, über urbane Mechanismen, bringen uns beim Entwerfen schnell und
noch komplexer: Tatsächlich entwerfen Nutzungen, Flexibilität, et cetera. Ohne das entscheidend weiter. Es setzt voraus, dass
wir ja nicht nur mit den aktuell bei einem breite Verständnis von Beruf und Aufgabe, wir diese Architekturen verstanden haben,
Projekt relevanten Daten, sondern mit einer ohne Vorstellung über eine mögliche Zu- also nicht nur deren Abbilder verwalten.
großen Menge an allgemeinem Wissen und kunft können wir nicht sinnvoll entwerfen.
mit Erfahrungen aus anderen Projekten. Der „Saturnring“ mit unzähligen Projekten So stellen wir einen Teil des komplexen Ent-
Das hier gezeigte Schema zeigt unter dem stellt ein weiteres Referenzsystem dar; es wurfsgefüges dar: Die Projektvision, welche
„aktuellen Entwurfsprozess“ einen Sockel ist dies die gebaute Welt mit abertausenden schlaufenartig in Themen entwickelt wird,
von allgemeinem Wissen über die Aufgabe. von Architekturen, Räumen, Strukturen – das allgemeine Wissen als Sockel und ein
Dies entspricht inhaltlich dem ersten Kapitel auch mit ungebauten „wegweisenden“ umfassender Ring mit Referenzprojekten.
„Arbeit verstehen“ – es ist das Wissen über Projekten. Die Kenntnisse über deren Eigen-

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Arbeit verstehen

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Arbeit heute

Zahlen, Daten, Facts, Statistiken – eine • Flächenverbrauch von Teilnutzungen


Welt, in die wir uns etwas einleben • Größenordnung von Realisierungskosten
müssen. Ohne Kenntnisse über gesamt- • Kenndaten für Gebäudebewirtschaftung,
wirtschaftliche Rahmenbedingungen sind Betrieb und Unterhalt.
wir als Entwerfende lahmgelegt: Erstens,
weil wir dann höchstwahrscheinlich nicht Den kurzen Überblick zu „Arbeit heute“
für die ­relevanten Zustände entwerfen stellen wir hier auf den drei Maßstabs­
und zweitens weil wir gegenüber unseren ebenen Deutschland, EU und global dar.
Auftraggebern nicht glaubwürdig argumen- Daten sind schnell veraltet – man wird diese
tieren können. jeweils neu im Internet abrufen müssen.

Ein Projekt ist immer über die regionalen


Verhältnisse und über globale Systeme be-
einflusst. Unternehmer und Investoren sind
über die Tendenzen informiert; sie werden
ihre Projekte abgestimmt mit der generel-
len Situation aktivieren oder sistieren. Auf
gleicher Ebene haben die Entwerfenden
über die Rahmenbedingungen Bescheid zu
wissen. Deshalb interessieren uns allgemei-
ne statistische Informationen: zur Beschäfti-
gung, zur Flächenbelegung, zum Mobilitäts-
verhalten, zur Wertschöpfung bestimmter
Arbeiten, et cetera – diese im regionalen,
nationalen und internationalen Vergleich.

Für die konkrete Entwurfsarbeit wollen wir


die Kenndaten des Bürobaus erfassen. Dies
insbesondere über die jeweils minimalen,
maximalen und die durchschnittlichen Kenn-
werte, weil wir so eine Vorstellung über
die „Manövrierfähigkeit“ eines Projekts
erhalten:

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Bodenflächen nach Nutzarten in der BRD Bürobestand und Beschäftigte
Bei 82,2 Mio. Einwohnern und einer Fläche Mit circa 400 Mio. m2 Büroflächenbestand,
von 357 104 km2 nehmen die Siedlungs- einer Fläche, die größer ist als das Bun-
und Verkehrsflächen mit insgesamt desland Bremen, hat der Bürobestand in
46 438 km2 circa 12,8% der Bodenfläche Deutschland einen Wert von circa 600 Mrd.
der Bundesrepublik Deutschland ein. Somit Euro.3 Das sind etwa 10% des gesamten
belegen diese nach Landwirschafts- und Immobillienvermögens der Bundesrepublik.
Waldfläche den drittgrößten Flächenan- Die Zahl der Erwerbstätigen liegt bei circa
teil. Mehr als die Hälfte davon wird direkt 40 Mio., wovon 4 Mio. selbstständig sind.
Gebäuden und angrenzenden Freiflächen In den Großstädten Berlin, Hamburg, Köln,
zugeordnet.1 Wenn wir uns die Entwicklung München, Düsseldorf, Frankfurt am Main
der Bodennutzung ansehen, stellen wir fest, und Stuttgart arbeiten circa 19,4% von
Zum Vergleich: Die Siedlungs- und Verkehrsflächen in dass bei den Siedlungs- und Verkehrsflä- insgesamt 12,5 Mio. Bürobeschäftigten.4
Deutschland sind so groß wie Niedersachsen, der Büro­
flächenbestand so groß wie Bremen
chen im Zeitraum zwischen 1992 und 2004 Der Leerstand aller Büroflächen beläuft sich
mit 13,2% die größte Zunahme zu verzeich- auf 27 Mio. m2, wovon sich 33,4% in den
nen ist. Hintergrund der stetigen Zunahme sieben genannten Großstädten befinden.
10 Mio. dieser Freiflächen ist die Ausdehnung der Mit im Durchschnitt 430 €/m2 im Jahr sind
Städte in das Umland, teilweise bedingt die Büroflächen in Frankfurt am Main am
durch die umstrittene funktionale, räumliche teuersten. Die Stadt weißt aber auch den
Die Zahl der Erwerbstätigen in Deutschland im Verhältnis Trennung von Arbeiten, Wohnen, Erholung, größten Leerstand mit 12,9% oder 1,5 Mio.
zur Gesamteinwohnerzahl
Versorgung und Kultur, aber auch durch die m2 Fläche auf.5
wachsende Mobilität der Bevölkerung.
Beide Entwicklungen, der Flächenverbrauch Im ersten Quartal 2009 hatten die Büroan-
und die steigende private Mobilität, sind kri- gestellten im Durchschnitt circa 33,2 m2
IV tisch zu hinterfragen, da sowohl die Fläche Fläche zur Verfügung. Die reine Büroarbeits-
Information
50%
II
als auch die Energie knappe Güter sind. fläche (früher HNF) liegt bei circa 14 m2.
Produktion
Die Büros in teureren Lagen und Einzel-
40%
Sektoren der Arbeit büros bieten mehr Fläche pro Mitarbeiter.
30% Das „Vier-Sektoren-Modell“ der Beschäft­ Handelsunternehmen und Berater haben
20% III igung nach M. Porat erweitert das Drei-Sek­ die höchsten Büroflächenkennziffern.6 Die
Dienstleistungen
to­ren-Modell aus Landwirtschaft, Pro­­­duktion Hälfte der Bürobeschäftigten und des
10% I
Landwirtschaft
und Dienstleistungen um einen neuen Be- Baubestands befinden sich in 12 000 Städ-
0% reich „Information“. Laut W. Dostal liegt der ten und Gemeinden, die weniger als 80 000
1882 1895 1907 1925 1939 1950 1961 1970 1980 1991 2000 2010
Prozentsatz der informationsverarbeitenden Einwohner haben (siehe S. 71 „Qualitäten
Das „Vier-Sektoren-Modell“ nach Dostal Bürobeschäftigten im Jahr 2010 bei 55%.2 der kleinen Orte“).

20
Arbeit heute

Arbeiten in der EU Die kleinen und mittleren Unternehmen 10 Mio.

Die zur Europäischen Union (EU-27) zusam- (siehe S. 55) bestreiten einen Anteil von
mengeschlossenen Mitgliedstaaten mit 99,8% aller Unternehmungen in der EU.
knapp 500 Mio. Einwohnern und 220 Mio. Sie stellen auch 67% der Arbeitsplätze der
Erwerbstätigen erwirtschafteten im Jahr gesamten Privatwirtschaft in der EU zur
2006 insgesamt 11 583,403 Mrd. €. Die Be- Verfügung.11 Im September 2007 waren
schäftigungsquote der Bevölkerung im Alter 13% aller Büroflächen der EU von Banken Die Zahl der Erwerbstätigen in den EU-Ländern im Ver-
gleich zur Gesamteinwohnerzahl
zwischen 15 und 64 Jahren in der EU-27 lag gemietet. Sie stellen somit die größte Mie-
2006 bei 64,4%.7 tergruppe am Büroimmobilienmarkt dar.12
Den größten Flächenumsatz hatte im Jahr
In Spanien hatten 2006 etwas mehr als ein 2008 Paris, gefolgt von Central-London. Dort 150

Drittel (34%) der Beschäftigten Zeitverträ- sind die Mietpreise mit circa 1000 €/m2 im
ge. Der europäische Durchschnitt liegt bei Jahr am höchsten, wobei die Veränderung
100
14%, somit hat Spanien bei weitem die aufgrund der globalen Wirtschaftkrise zu
höchste Quote der befristet Beschäftigten 2008 circa minus 30% betrug.13 Prozentual
50
aller Mitgliedstaaten der EU. Der Anteil der gesehen sind auch EU-weit die meisten frei-
Teilzeitbeschäftigten lag im Jahr 2006 bei en Flächen in Frankfurt am Main zu finden,
18,1%. Die Niederlande mit 46,2% verzeich- gefolgt von Thames Valley und Düsseldorf.

Düsseldorf
nen den größten Prozentsatz, gefolgt von Die durchschnittlich genutzte Bürofläche

München

Hamburg
Frankfurt
Mailand
London

Madrid

Berlin
Paris

Köln
Deutschland, dem Vereinigten Königreich pro Beschäftigtem (früher HNF) ist im Jahr
und Schweden; relativ unüblich ist die 2009 in Europa von 12,8 m2 auf 12,4 m2 Mieten in €/m2 und Monat im Vergleich der europäischen
Städte (Stand 04/2008)
Teilzeitbeschäftigung in Bulgarien (2%), der zurückgegangen.14 Die Bürobeschäftigten in
Slowakei (2,8%) und Ungarn (4%).8 Das Westeuropa belegen mit 13,7 m2 wesent-
Durchschnittsalter beim Ausscheiden aus lich mehr Arbeitsfläche als die Mitteleuropä- 15

dem Arbeitsleben der EU-25 Länder belief er, die circa 10,9 m2 Fläche pro Büroarbeits-
sich im Jahr 2005 auf 60,9 Jahre. Bei Män- platz belegen. 10

nern ist es um ein Jahr höher als bei Frauen,


in Rumänien (mit 64,7 Jahren) am höchsten Die am meisten verbreitete Büroform ist 5
und in Frankreich (mit 58,5 Jahren) am nied- das Kombibüro; 45% aller EU-Büroarbeits-
rigsten.9 Die Bruttowertschöpfung der drei flächen funktionieren in dieser Form. In
Dienstleistungsbranchen – unternehmens- Deutschland sind es 30%. EU-weit gibt
GB und Irland

Mitteleuropa

Durchschnitt
Westeuropa

Südeuropa

bezogene und Finanzdienstleistungen, Ver- es 11% Einzelbüros, davon circa 30% in


kehr, Handel und Nachrichten­übermittlung, Deutschland, der Anteil an Großraumbüros
und sonstige Dienstleistungen – beträgt mit Desk-Sharing liegt bei 15% davon 6% in Durchschnittliche Büroarbeitsfläche in Europa in m2/
Mitarbeiter
71,5% der gesamten Summe.10 Deutschland.15

21
Die Megamaschine*

Wenn sich die ganze Welt an den Arbeitsrhythmus von neun Uhr Sieben Stunden später, wenn die Arbeitskräfte von Afrika und dem
morgens bis fünf Uhr nachmittags hält, dann generiert diese Abendland zur Spätschicht erscheinen, sind mehr als drei Viertel
globale Arbeitsmaschine einen Tag-Nacht-Rhythmus, der mit der Weltbevölkerung am Werk. Und wenn die meisten Arbeitskräfte
dem einer Großstadt übereinstimmt. „Eurafrikas“ Feierabend machen und höchstwahrscheinlich vor dem
Ein globaler Arbeitstag läuft somit wie folgt ab: „Während über drei Fernseher sitzen, trotten die Amerikaner erneut in die Nachtschicht.“
Viertel der Weltbevölkerung schläft, arbeiten die Amerikaner bereits Nord­
Bislang wirkt diesem unrunden Zyklus die enorme Produktivität Nord-
eifrigst und Hollywood macht seinem Namen als Traumfabrik alle amerikas und Europas entgegen. Jedoch mit steigender Effizienz
Ehre. Zu dem Zeitpunkt aber, an dem sich die meisten Amerikaner und Gleichschaltung von arbeitskräftereichen Ländern wie Indien und
zur Ruhe begeben, erwacht das Morgenland und die Arbeiter Asiens China wird dieser Tag-Nacht-Rhythmus auf Erden bald Realität.
marschieren zu ihren Betriebsstätten. *Der Begriff der Megamaschine wurde von Lewis Mumford in „Mythos der Maschine“
geprägt: Mythos der Maschine. Kultur, Technik und Macht. Europaverlag, Wien 1974

22
Arbeit heute

23
Arbeit Fronarbeit Arbeitslos
Überbegriff für alle Formen der Produktion, Weltweit, vor allem auch in Mitteleuropa, Menschen definieren sich zurecht über die
ob bezahlt, unbezahlt, freiwilllig, ehrenamt- werden gewaltige Arbeitsleistungen in Arbeit – wenn auch manchmal etwas zu
lich, für die Familie... Fronarbeit beigetragen – ohne welche die absolut. Die volkswirtschaftliche Rechnung
Gesellschaft eigentlich zusammenbrechen ist einfach: Jedes Prozent Arbeitslosigkeit
Verwaltung des eigenen Alltags würde. Die Milliardenbeiträge mit Frei- muss von der arbeitenden Gesellschaft
Alle mündigen Personen müssen sich selbst willigenarbeit müssen dringendst besser „heraus-gearbeitet“ werden – wahrlich ein
verwalten. Diese Grundleistung ist viel geschützt werden – mit Altersvorsorge, Teufelskreis! Der Arbeitende verdient zwar
umfassender als oft wahrgenommen wird: Versicherungen etc.. Fronarbeit wird mehr- mehr als der Arbeitslose, dessen Arbeitslo-
Planung des Alltags, Rechnungswesen, heitlich von Frauen geleistet! sengeld muss aber dennoch erwirtschaftet
Umgang mit Behörden, Steuererklärung... werden.
Es ist heute selbstverständlich, dass jede Kinder und Job
Person einen Computer bedienen kann. ...immer noch ein schwieriges Thema. Lebensarbeitszeit
Sorgsame Erziehung benötigt großen Zeit- Konzept, nach welchem die durchschnitt-
Dienstleistungs- und Verwaltungsarbeit aufwand, benötigt mehr Geld und hervorra- liche Lebensarbeitszeit selbstverantwortlich
In der Wirtschaftsgeschichte wird zwischen gende Organisation in der Familie und bei im Leben verteilt werden kann. Problema-
den Sektoren Primär = Urproduktion, Sekun- den Jobs. Oft helfen Leute in Fronarbeit mit tisch, da ein Herausschieben der Leistung
där = industriell, Tertiär = Dienstleistungen – die Eltern, die Schwiegereltern... Es ist ins Alter nicht verantwortlich ist.
unterschieden. Die weitergehenden Defi- klar, dass Familien mit Kindern auf verschie-
nitionen zu Quartär- und Quintärsektoren denen Ebenen unterstützt werden müssen. Unbezahlte Arbeit
sind unscharf, weshalb wir diese hier nicht Das sind die alltäglichen Arbeiten, die eben
anwenden (siehe Wikipedia „Wirtschafts- Teilzeit nicht entlohnt werden – meistens deshalb,
sektor“). Wie unter Jobsharing erwähnt: Zahlreiche weil sie eigentlich von allen gleichermaßen
Jobs können im Bereich +/- 80% geleistet geleistet werden müssen. Hausarbeit, Kin-
Klassische Büroarbeit werden. Studien gehen davon aus, dass bei dererziehung, die pflegebedürfige Familie...
Es ist die Frage, ob es solche überhaupt 80%-Jobs die höchste Zeitleistung erarbei- Frauen leisten wiederum den großen Anteil
noch gibt. Verwaltungsorganisationen haben tet wird. Der 60-bis-80%-Job erfordert hohe der unbezahlten Arbeit.
sich nach und nach ständig verändert, so Organisation und Konzentration – anschei-
dass heute dieser „klassische Büroarbeits- nend werden dann in 80% Arbeitszeit bei- Mini-Jobs
platz = Telefon, Schreibarbeit, Aktenablage, nahe 100% Leistung erbracht. Wenn dem Seien es 1000- oder nur 600-Euro-Jobs... es
Sitzungen“ immer weniger anzutreffen ist. so ist: Entweder ist dies Selbstausbeutung bleibt bei solcher Entlohnung kaum etwas
oder man hat die 100% abzuschaffen... zum Leben. Ein historischer Notfall, der
langfristig vermieden werden soll.

24
Arten der Arbeit

Jobsharing Arbeits-Tauschbörse Prekäre Arbeit/Prekariat


Jobsharing meint, dass zwei Personen sich Eine „raffinierte“ Idee, dem Staat die Immer mehr Arbeitende werden aus den
einen Funktionsarbeitsplatz teilen. Darin lag Steuern wegzunehmen; Arbeiten werden gewohnten Sicherheiten entlassen – die
eine Weile eine große Hoffnung, auch weil gegenseitig geleistet und ohne (oder mit Jobs werden nur noch temporär angebo-
man glaubte, dass damit die Frauenarbeit minimalem) Geld abgeglichen. Prinzipiell ten. Die eingeforderte Flexibilität hat sicher
unterstützt werden könne. Das Konzept eine schöne Vorstellung, sich mit Arbeiten positive Seiten, dennoch muss langsam
geht auch davon aus, dass ein Job immer gegenseitig zu helfen – aber unverantwort- erkannt werden, dass die Unsicherheiten
100% Leistung sein müsse. Heute werden lich, wenn gesellschaftlich hochorganisiert im Prekariat sehr oder gar zu groß sind.
zahlreiche Jobs im Bereich von 60 bis 80% angeboten. Prekäre Verhältnisse müssten eigentlich
angeboten, ohne dass sie „geshared“ sind. neu definiert werden. Zur prekären Arbeit
Praktikum gehören auch die Arbeiten ohne Vertrag, die
Anstellung auf Zeit Die Praktika waren normalerweise ein von Schwarzarbeit. In Mitteleuropa sind circa
Wir verstehen darunter eine Anstellung we- der Studienordnung definierter Ausbildungs- 10% aller Arbeitsverhältnisse prekär.16
gen zwingender zeitlicher Limitierung, und bestandteil. In den meisten Dienstleistungs-
nicht wegen der Dauer eines Projekts (dies betrieben waren denn auch immer Studie- „Neue Arbeit“
wäre dann der Projektjob): Beispielsweise rende anzutreffen. Die Praktikumsarbeit Seit vielen Jahren werden zum üblichen Er-
als Ersatz für eine Person, die in Elternzeit war in gewissem Sinn auch Bestandteil der werbsleben alternative Systeme der Arbeits-
ist, oder wegen der zyklischen Struktur des Betriebsrechnung. Im Zuge der Studienzeit- teilung gesucht. Fritjof Bergmann nennt
Jobs, wie etwa politische Arbeit („gewählt verkürzung sind zahlreiche obligatorische seinen Vorschlag „Neue Arbeit“: Die 100 %
für ein Jahr“). Praktikas leider abgeschafft worden. Erwerbsarbeit wird aufgeteilt in je ein Drittel
„Hightech-Eigenproduktion“, „Wirklich wol-
„Wir nennen es Arbeit“ Dauerpraktikum len“ und nach wie vor „Erwerbsarbeit“.17
Analog zur „prekären Arbeit“, nur ganz Eine bedenkliche Tendenz, die Ausbildungs-
positiv gesehen: Ich bin frei, ich arbeite, situation und die niedrigen Praktikumslöhne Kurzarbeit
wann ich will, ich bin selbstbestimmt, ich zu perpetuieren. So wird mehrere Jahre Bei schwieriger Wirtschaftslage haben
brauche keine Knebelverträge... Tatsache ist, lang nach Studienabschluss zu Minimalst- Unternehmen die Möglichkeit, reduzierte
dass viele der „neuen Arbeiter/-innen“ unter löhnen gearbeitet – der normale Branchen­ Regelarbeitszeit als Ausnahmezustand ein-
prekären Systemen und unter schwierigen lohn hart gedrückt. Das verlängerte Prak-­ zuführen, wobei ein Teil des Verdienstaus-
Lebensbedingungen zu leiden haben. Es ti­kum hätte im Sinne einer qualifizierten falls vom Staat getragen wird, wenn mit der
handelt sich eben teilweise um „schön Weiterbildung durchaus seine Berechtigung; Kurzarbeit Kündigungen vermieden werden
geredete Selbstständigkeit“. wenn dann zum kleinen Lohn tatsächliche können.
Ausbildung angeboten würde.

25
Telearbeit Schichtbetrieb Optimierung der Verwaltung
Arbeit, welche mit Hilfe von Telekommuni- Ursprünglich in Fabriken verbreitet – nämlich Alle Länder Mitteleuropas leiden unter dem
kation an einem anderen Ort als im Büro um die teuren Maschinen und Fließbänder aufgeblasenen Apparat der Bürokratie. Die
gemacht werden kann. In diesem Sinn Tag und Nacht in Betrieb halten zu können Optimierung der Verwaltung ist ein zentrales
Arbeit zu Hause, auf Reise – überall. Tele­ (Früh-, Spät- und Nachtschicht), hat man Thema in den Diskussionen um eine
arbeit wird zum einen begrüßt, weil sie eine diese familienfeindliche Arbeitsorganisation „zukunftsfähige“ Gesellschaftsorganisation.
flexiblere Tagesorganisation ermöglicht, langsam aufgegeben. Heute wird aber wie- Was kaum mehr zu verantworten ist, ist die
zum anderen kritisiert, weil sie eben gerade der im einen und anderen Büro in Doppel- Selbst-Beauftragung der Verwaltung und da-
eine problematische Dauerpräsenz der schicht gearbeitet. Zudem ist eine 7 x 24- mit ein stetiges Wachstum der Bürokratie.
Arbeitsatmosphäre auch im Alltag zulässt. Stunden-Dienstleistungsszene entstanden,
In Deutschland ist das Misstrauen gegen­ die per weltweiten Beratungszentren rund Projektjobs
über dem Missbrauch (Angestellte könnten um die Uhr Dienste anbieten kann. Die projektbezogene Anstellung hat sich
zuviele Stunden aufschreiben) groß. Dies bei vielen Unternehmen, vor allem bei den
könnte dazu führen, dass Telearbeit nur als Mobil und hochflexibel kleineren, sehr stark durchgesetzt. Es ist
Pauschalvertag vergeben wird. In bestimmten Berufen ist diese Form von vorbei mit der wohlbehüteten Firmenstelle
„Wanderarbeit“ natürlich möglich: Bei- – leider, denn diese hat auch zur positiven
7 x 24 h spielsweise könnte ich als Journalist meine Folge, dass die Arbeitenden sich in hohem
Betrieb und Dienstleistungen, welche rund Recherchen jeweils frei auf dem Markt Maße mit der Unternehmung solidarisieren.
um die Uhr Service bieten. Beispiele: Ame- anbieten. Letztlich geht aber doch nichts Mit dem Projektjob minimieren die Firmen
rikanische Delis, die als Fami­lienbetriebe ohne die persönlichen Beziehungen, eine eine langfristige Verantwortung für ihre
auch die ganze Nacht take-away verkaufen; Form der Bekanntheit. Eine andere Sache Angestellten. Meist wird mit einem „Sockel
Callcenter und Hotlines, die Auskünfte sind Jobs, bei welchen Mobilität gefordert von Festangestellten“ und einem flexiblen
anbieten. ist – neue Formen des Produktvertreters, Band von projektbezogenen Angestellten
des Handelsreisenden. Für diese Berufe hat gearbeitet, was innerhalb eines Teams zu
„Ohne Stechuhr“ - System Rowe sich mit den neuen Technologien einiges Friktionen führen kann.
Im System Rowe werden die Selbstverant- geändert.
wortlichkeiten und die Wunschbedingungen Freelancer – freie Mitarbeit
der Arbeitnehmer sehr hoch gehalten; man Ich-AG Freie Mitarbeiter sind gewöhnlich hochqua-
kann viele Bedingungen wählen – demge- Die Autoren des Hartz-Konzepts prägten lifizierte und spezialisierte freie Angestellte,
genüber hat aber auch der Arbeitgeber hohe den Begriff für ein Einzelunternehmen, das welche sich ihre Arbeitsweisen und -zeiten
Forderungsrechte. Das System geht davon von einem Arbeitslosen gegründet worden persönlich frei einteilen wollen und können.
aus, dass sich die Wünsche und Anforde- ist, der für diese Existenzgründung einen Sie führen dabei für Unternehmungen Auf-
rungen gegenseitig eher optimieren. Dieser Existenzgründungszuschuss erhält. träge frei aus, ohne im Betrieb eingegliedert
Effekt ist noch nicht gesichert. zu sein.

26
Arten der Arbeit

Leiharbeit Zukunft ohne Arbeit „Freiwilligen-Job“/Sozialarbeit


Echte Leiharbeit liegt vor, wenn ein Arbeit- Eine Zukunft ohne Arbeit wurde schon 1960 Freiwillige, zeitlich begrenzte Arbeit von
nehmer, der seinen Arbeitsplatz im Betrieb proklamiert; Computer, intelligente Maschi- wenigen Stunden pro Woche als gesell-
des Arbeitgebers hat, vorübergehend in nen, Roboter... würden die gesamte Arbeit schaftlicher Beitrag für Mitmenschen und
einen anderen Betrieb abgeordnet wird für den Menschen übernehmen. Mit der Umwelt. Sie soll bezahlte Arbeit unterstüt-
(zum Beispiel um dort eine neue Datenver- heute fortgeschrittenen Automatisierung zen, ihr aber keine Konkurrenz machen.
waltung einzuführen). In diesem Fall ändert könnte Zukunft sein, dass nur noch hoch- Beispielsweise kann dies sein: Ehrenamt-
sich an den Arbeitsbedingungen im Übrigen qualifizierte Dienstleistungs-, Forschungs- liche Verwaltung, Schulbegleitung, Organsia-
nichts, das heißt Lohn, Urlaub et cetera und Kommunikationsarbeiten unersetzlich tionshilfen, Hilfe bei Umgang mit einfachen
bleiben wie gehabt. (Quelle: Internetratge- sind. In diesem Zusammenhang wird ein rechtlichen Fragen... Ehrenamtliche Arbeit
ber-Recht) staatlicher Mindestlohn auch für Nicht- („Freiwilligen-Job“) wird in der Schweiz
Arbeitende vorgeschlagen. offiziell vom Roten Kreuz unterstützt.
Schwarzarbeit
Schwarzarbeit ist ungemeldete Arbeit, die Selbstverwaltung Workfare
bewusst und oft unter prekären Bedin- Selbstverwaltung meint, dass eine Gruppe Workfare meint Sozialfürsorge, die mit einer
gungen (weil es anders nicht geht) geleistet oder eine Organisation bestimmte Ent- Pflicht zu gemeinnütziger Arbeit verbunden
wird; sie verstößt gegen das Steuer- und scheide selbst fällen kann. Dies kann sehr ist, und zwar verbindlicher als im Hartz-
Sozialversicherungsrecht. Schwarzarbeit unterschiedlich (mit Satzungen) definiert Konzept vorgegeben. Sie ist eher im Bereich
muss bei den Auftraggebern bekämpft sein; das wesentliche Element ist aber, niedrig bezahlter Arbeiten vorgesehen, und
werden. Der Anteil beträgt 5 bis 20% in den dass die gesamte Gruppe über Entscheide eine Frage ist, ob ein arbeitsloser hochquali-
europäischen Staaten. diskutieren und abstimmen kann. Siehe Bei- fizierter Dienstleister der Idee enstprechend
spielsweise „Hochschulselbstverwaltung“ qualifizierte Workfare-Arbeiten leisten
Zweimal-x-Tage-Woche oder „Arbeiterselbstverwaltung“. könnte (zum Beispiel Verwaltungsunterstüt-
Schon von Napoleon erdachtes System, zung für eine Senioren-Organisation).
Leute in zwei Schichten arbeiten zu lassen: Studentenjob
Entweder die halbe Woche oder den halben Wer auf den einschlägigen Internetseiten Cashworker
Tag. Interessante Modelle gehen von der nachsieht, erkennt sofort, dass Studen- Cashworker sind in der Regel Tagelöhner,
Zweimal-x-Tage-Woche aus. Jedenfalls tenjobs teilweise für qualifizierte Dienstlei- meist auch ungelernte Kräfte, die Arbeiten
ließen sich so die Arbeitsplätze doppelt stungen angeboten werden. Im Gegensatz erledigen, welche keine besonderen Kennt-
belegen und wären dabei rentabler, und zum (mehr oder weniger) definierten Prakti- nisse oder eine Konzession erfordern (Trans-
zudem hätte man nach ein paar Tagen Arbeit kum sind diese Jobs offen von einmaligem port, Entsorgung, Garten...). Sie werden bar
ebenso viele Tage frei – ein verlockender Kurzeinsatz bis zur studienbegleitenden auf die Hand bezahlt. Bei Dienstleis­tern gibt
Gedanke! Ausbildung. es kaum Cashworker

27
Historische Entwicklung

29
Arbeit verstehen

Einleitung 31
-8000 bis -1000 32
+600 bis +300 34
+400 bis +1100 36
+1200 bis +1400 38
+1400 bis +1650 40
+1700 bis +1900 42
+1900 bis +1940 44
+1945 bis +1990 46
+2000 und Ausblick 48

30
Historische Entwicklung

Einleitung

Die folgenden Seiten zeigen eine kompakte Die Geschichte zeigt, dass der monofunk­ • Und was anderes als ein multifunktionaler
Übersicht zur Entwicklungsgeschichte tionale Bürobau erst in jüngster Zeit mit der Komplex ist ein großes mittelalterliches
der Verwaltungsarbeit. Es wird jeweils die Verwaltungs- und Dienstleistungsgesell- Rathaus mit integrierten städtischen
his­torische Innovation aufgezeigt – und schaft große Verbreitung gefunden hat, nun- Funktionen wie Verwaltung, Handel,
nicht der Zustand der größten Verbreitung mehr aber schon wieder zu komplexeren Verpflegung?
einer Arbeitskultur. Man muss sich dessen Nutzungsverbänden weitertradiert wird.
bewusst sein, dass die Mehrheit der Men- Beinahe alle historischen Beispiele zeigen Mit dieser Sicht sind die Entwicklungen
schen ihr Lebens­um­feld unter einfacheren einen Nutzungsverband mit öffentlicher neuer Büroorganisationen im 20. Jahr-
oder prekäreren Verhältnissen zu organisie- Verflechtung und ergänzende Funktionen. hundert etwas weniger bedeutend, als
ren hatte beziehungsweise hat. Die Über- sie normalerweise dargestellt werden.
sicht nimmt starke Vereinfachungen in Kauf, Die meisten historischen Beispiele sind kei- Entscheidend sind im 20. Jahrhundert vor
denn sie ist nur exemplarisch aufgebaut: In ne reinen Verwaltungstypologien, sondern allem die Masse der Verwaltungsarchitek-
allen Phasen der geschichtlichen Entwick- nutzungsneutrale und/oder multifunktionale turen – wobei man hier auf die Menge an
lung sind die regional ausdifferenzierten Gebäude. Bürokratie war wohl nie eine Monotonie auch nicht besonders stolz sein
Mechanismen und die vielschichtigen Pro- berauschende Sache und ist oft mit attrak- kann – und der enorme technische Wandel:
zesse in der entsprechenden Fachliteratur tiveren Nutzungen angereichert worden. Licht, Lüftung, Ergonometrie einerseits und
nachzuvollziehen. Deshalb sind die historischen Bilder auch Digitalisierung mit Miniaturisierung ande-
heute sehr aktuell. Mit dem offenen Blick rerseits ermöglichen zeit- und ortsunabhän-
Sämtliche Verwaltung vor der Neuzeit ist stellen wir fest, dass mit großen Entwick- giges Arbeiten.
exklusiv, elitär und staatstragend. Beson- lungssprüngen wesentliche Anordnungen
ders interessant ist, dass große Reiche schon sehr früh entwickelt worden sind: Die alten Pole Arbeitsplatzqualität versus
(Rom, Alexander der Große, Byzanz, die Arbeitsplatzeffizienz (viel Raum = gut,
Mauren) mit bescheidenen Heeren riesige • Was anderes als ein Kombibüro ist eine wenig Platz = schlecht) müssen heute auf-
Gebiete einnehmen und diese durch Verwal- griechische Stoa oder eine römische grund neuer Anforderungen hin zu besserer
tung stabilisieren. So erscheint Verwaltung Verwaltungs-Basilika? Es finden sich eine Nachhaltigkeit neu verstanden werden. Eine
einerseits als Herrschaftsinstrument (was Säulenhalle, welche als Skelettbau wie kompakte Organisation ist effizient und
sie auch heute noch sein kann) und auch als ein Großraumbüro zu nutzen war, und nachhaltig, solange sie elementare Bedürf-
Kommunikationsprinzip; durch ihre rationale daran angelagert einzelne Zellen. nisse wir Konzentration und partiellen Rück-
Technik macht sie sich zur interkulturellen zug erlaubt. Denn der Mensch mit seinen
Sprache und zieht gleich mit den Prinzipien • Was anderes als ein funktionaler Typen- physisch-räumlichen und sozialen Bedürf-
des Handels. Verwaltung und Handel ver- plan ist eine Klosteranlage wie diejenige nissen bleibt ein Maßstab. Wir wissen, dass
breiten seit Urzeiten einen Geschmack von von St. Gallen? Wir finden dort unter- Wohlbefinden zu mehr Leistung führt.
Globalisierung – vermutlich mit vergleich- schiedliche Gebäude für die Funktionen
baren Vor- und Nachteilen wie sie heute Arbeit, Wohnen, Bildung und Kult.
diskutiert werden.

31
Zeit -8000 -6000 -4000

Epoche Jungsteinzeit Kupferzeit


Siedlung mit urbanen Aspekten Erste Städte & städtische Zivilisation Frühe Hochkulturen
Technik
Wissen Haus und Behälter, Domestizierung Schriftähnliche Zeichen, Boote, Rad, Wagen, Wege bei der Siedlung
Schafe, Werkzeuge und Waffen einfachste Infrastrukturen,
Befestigungen

Funktionen Übergang zu Siedlung und Sesshaftigkeit, Kollektives Wissen wird abgelöst von
Berufe Spezialisierungen Wissensspezialisten.

Einfache Funktionen der Stadtverwaltung

Ökonomie Tauschhandel Mit Wagen wird Transportleistung erhöht,


Märkte Naturalgeld
Mobilität = Karawane
neue Intensität von Handel.

Typologie
Morphologie

Hütten und größere Hütte für Versammlung, für Nachbau Steinzeit-Langhaus. Einfachste Beispiel Hafaga: Verwaltung in den Räumen
die Wichtigeren = „Verwaltung“ Variationsmöglichkeiten im gebauten des Palastes. Funktionalitäten sind in der
Raum definieren alltägliche und spezielle Raumtypologie erkennbar oder erahnbar.
Funktionen.

Essenzen Interpretation: Planung und Verwaltung Die Herstellung eines Gegenstands basiert auf Die damaligen Situationen sind ohne
funktioniert im archaischen Sinn. Es gilt das Erfahrung (sich an Geschichte erinnern können) schriftliche Quellen kaum nachvollziehbar,
Wort – die Abmachung und eine Vorstufe des und verlangt Planung (für die Zukunft) – dies wir haben aber eine Vorstellung, wie es
mündlichen Vertrags. Man wüsste gerne, ob bedeutet: Es gibt eine Vorstellung über ein Ziel. gewesen sein könnte: Verwaltet wird in
es schon so etwas wie Verbindlichkeit gab? Verwalten ist dazu ein formalisierter Prozess. und bei den Räumen der Macht.

32
Historische Entwicklung

-2000 -1000 -/+0

Bronzezeit Eisenzeit Ägypter Epoche


Frühe Hochkulturen Ende der Reiche Mesopotamien
und Altägypten
Technik
Schrift, Zahlen, Einheiten, Buchhaltung auf Schriftliche Gesetze, Erstes Landstraßensystem in Wissen
Tonplatten, größere Infrastrukturen wie Assyrien
Erstes Alphabet (Syrien)
Straßen, Kanäle, Zisternen, Lager

Schreiber Schreiber, Buchhalter, Archivare sind Funktionen


höchstgestellte Persönlichkeiten, beraten
Verwalter
die Herrschenden
Berufe
Händler Aufbau der internationalen Handelsstrukturen
zwischen den frühen Hochkulturen an Euphrat/
Tigris und im Niltal
Wachsende Wirtschaft erfordert Staatsverwaltung und Staatswirtschaft = Ökonomie
Buchhaltung, Schrift und Münzgeld Bürokratie
Märkte

Typologie
Morphologie

1400 v. Chr.: Tel Al-Amarna unter Echnaton, mit Ägypten 950 v. Chr.: Schlacht zwischen Seevölkern und der Flotte des
Archiven und Räumen für Schreiber (Schraffur-Rahmen Ramses III. Die militärische Aktion als größter Gegensatz zwischen
im Bild). perfekter Planung und absoluter Überraschung.

Bürger sind Analphabeten. Wenige Es gibt eine Bürokratie – wo diese Mit den wenigen erhaltenen Quellen entsteht ein Essenzen
Gelehrte beherrschen die Schrift. stattgefunden hat, ist nicht gesichert. puzzleartiges Bild über die Verwaltung der ersten Hoch-
Schrift ist Materialisierung von Den- Wir kennen nur die wenigen Archive. kulturen. Immer noch müssen wir Aspekte analytisch
ken, von Strukturen, von Mengen. rekonstruieren – die historische Realität bleibt unscharf.

33
Zeit -600 -400 -200 +/-0

Epoche Griechen/Phönizier/Etrusker Weltreich Persien Griechische und Römische Antike Mitteleuropa: Kelten und Germanen
Demokratie in der Polis
Technik
Wissen Wachstum neuer Verkehrsgemein- Landvermessung und Kolonisierung durch Große Infrastrukturen, Verwaltung einer Millionenstadt
schaften von regional bis international Römer, Grundbücher
Cato 154 v. Chr.: „Zur Einrichtung eines Ölguts mit 240
Morgen Land benötigst du: 1 Verwalter, 1 Wirtschafterin,
5 Arbeiter, 3 Ochsenknechte, 1 Eseltreiber, 1 Schweinehir-
Funktionen Gewaltentrennung: ... und Gutsverwalter, Geschäftsführer, ten, 1 Schafhirten, im ganzen 13 Leute (...)“
Berufe Politiker, Volksvertreter, Richter ... Wirtschafter
Die Organisation der Steuer war einer der
aufwändigsten Verwaltungsakte, da ja das Steuer-
Die neuen demokratischen Funktionen Das römische Reich bietet keine kon-
Einziehen den Besteuerten als Gegenkontrolle hat;
werden teilweise mit eigenen Gebäu- stante Wirtschaftspolitik und Gesetz-
internationaler Handel, Bauindustrie
detypen repräsentiert – so zum Beispiel gebung – aber Handelssicherheit, gute
Ökonomie das Bouleuterium (Ratsversammlung), Infrastrukturen (Straßen, Kanäle, Häfen)
Prytaneion (Regierungssitz), Strategion und das Recht, Sklaven arbeiten zu
Märkte (Militärverwaltung) – weniger aber das lassen –„freundliche“ Bedingungen für Privatwirtschaft; Land- und Immobilienbesitz, Händler,
eigentliche Verwalten des Staats. Privatwirtschaft. Makler, Kaufleutegruppen

Typologie
Morphologie BASILICA AEMI
LIA
3

1
2

BASILICA JULIA

Athen 2. Jh. v. Chr.: Stoa des Attalos (Rekonstruktion): Die multifunktionalen Rom 2. Jh. v. Chr.: Basilica Aemilia (1), Basilica Julia (2) und Basilica
Säulenhallen sind Versammlungsort an der Agora, dienen teilweise auch der Ulpia (3) waren als Multifunktionsbasiliken wichtige Verwaltungshal-
Verwaltung (zum Beispiel des Markts). Die Agora als Marktplatz und Ort der len. Der Apparat: Eine kleine Kernverwaltung von circa 200 Beamten
Volksversammlung ist das Zentrum der Bürgerverwaltung. organisierte das Weltreich – jedem diente ein Stab von mehreren
Hunderten, welche „irgendwo“ verteilt in der Stadt arbeiteten.

Essenzen Die demokratischen Funktionen werden Demokratie bedeutet für die Stadtbür- Nach Persern und Griechen betreiben auch Römer Globalisie-
in eigenen Typologien zelebriert – weniger ger wöchentlich mehrmals aktives Mit- rung. Obwohl die Verwaltungen dafür groß sind, werden sie in
das eigentliche Verwalten des Staats. Entscheiden, Mit-Verwalten, Mit-Richten der Stadt nicht in gebauten Verwaltungsvierteln lesbar. Provinzen
„Arbeit“ hat einen niedrigen Stellenwert – ein sehr großer Aufwand. sind dem Senat unterstellt und steuerpflichtig, funktionieren aber
– man lässt Arbeiten. als autonome Verwaltungseinheiten.

34
Historische Entwicklung

+100 +300 -/+0

Das Römische Reich Nördliches Mitteleuropa: Goten und Alemannen Ost- und Westrom Epoche
Gründung Neupersisches Reich
Technik
Die internationale Logistik des römischen Reichs: Millionenstädte der Antike: Rom und Kon- Byzanz: Machtpol von 300 bis 1400 n. Chr. Wissen
100 000 km Reichsstraßen, Flotten, Kommunikati- stantinopel (im 8. Jh. auch Bagdad)
on (Post), unabhängige Militärverwaltung
Handwerker produzieren in eher kleinen, Grenzen des städtischen Wachstums: Geringe
dezentralen Betrieben. Sie sind ständisch Lebensqualität, Sicherheitsprobleme, kurzsichtige,
Logistiker ohne moderne Kommunuikationsmit-
oder sogar „gewerkschaftlich“ organisiert, schnellwechselnde und korrupte Machteliten; lang-
Funktionen
tel. Läden, Angebote, Dienstleistungen, Freizeit
und Vergnügen: Bäder, Bars, Restaurants...
beschäftigen aber auch Sklaven. samer Zerfall der Strukturen; Stadtflucht Berufe
Horrende Renditen auf Land und Geldverleih sowie
unermessliche Bereicherungen im privaten Handel.
Aspekte von Industriestädten,
Die staatliche Wirtschaft und Organisation wird von
Freizeit und Vergnügen. Abhängigkeit und
Konkurrenz von Produkten aus Kolonien.
Privaten konkurrenziert und ausgehöhlt. Ökonomie
Das römische Reich als Freihandelszone Märkte

Typologie
Morphologie

Horrea Galbana, Rom: In den multi­ Visualisierung Hafen Karthago: Villa dei Sette Bassi 2. Jh. Villa Nennig (Saar) 3. Jh.
funktionalen Markthallen am Tiber Antike Häfen und ihre Verwaltung –
„Staaten im Staat“ – die oberen Klassen ließen ihre privaten „Güter-
werden auch Marktverwaltung und Ostia, Alexandria, Delos, Ravenna,
netze“ verwalten: Eigentümer von Latifundien, Villen mit hunderten von
Dienstleistungen angeboten. Karthago ...
Hektaren, Handelsunternehmungen, Bergwerke, Ziegeleien, Marmorbrü-
che, Wohnungen in den Städten...
Labile Stabilität zwischen Frieden In der gesamten Antike manifestiert sich Verwal- Mit dem Wachstum beginnt auch die Dezentralisierung in Essenzen
und Disziplinierung sowie Handel tung nicht in spezifischen Bautypen, sie findet Verwaltung und Wirtschaft. Umfassende Reformen der
und Ausbeutung. In der Größe einfach Raum in multifunktionalen Gebäuden. Machtstruktur und des Verwaltungsapparats im 3. Jh.: Aus
ist das Reich zunehmend schwer Sie erscheint also – wie heute auch – als Verwal- 50 wurden 100 Provinzen, die in 12 Diözesen und nur mehr
kontrollierbar. tungsanteil in allen Funktionen. 4 Präfekturen organisiert waren.

35
Zeit +400 +600 +800

Epoche Spätantike (bis ca. 500 n.Chr.) Frühmittelalter


4. und 5. Jh.: Zerfall des Römischen Reichs Zeit der Reiche: Franken, Ost- und Westgoten, Herrschaft der Franken/Karolinger
Technik Klostergründungen ab 4. Jh.
Alemannen, Thüringer, Wandalen, Oströmisches Reich...

Wissen Ausbreitung des Islam... ... in 100 Jahren zum Weltreich von Indien bis Spanien:
Islamischer Glaube und islamische Konzeption von
Es entstehen keine neuen Mission der Christen
Wissenschaft, Verwaltung und urbaner Organisation
Berufe, aber ein neues Berufs-
Roms Verwaltung und Wirtschaftsinfrastruktur kann
verständnis, da selbstständige
Funktionen Arbeit vermehrt möglich ist.
nicht gehalten werden. Handel für spezifische Güter
(Produkte, welche nicht selbst hergestellt werden
Iroschottische und angelsächsische Mission,
Der Rechtsstatus vieler Arbei-
Berufe tenden ändert sich.
können) findet reduziert statt. Starke Tendenz zu
Klostergründungen, Verwaltungseinheiten
„geschlossener Wirtschaft“ (Eigenwirtschaft = alles
wird vor Ort hergestellt). Der Lebensstandard sinkt Vor 720: Bau der ersten Moscheen in
unter denjenigen der römischen Zeiten. spanischen Städten Zaragoza, Elvira

Ökonomie Regional kleinere Einheiten Nach und neben den christlichen Lebensvorbildern der
Märkte werden autonomer.
Die neuen Herrschaftsstrukturen basieren auf der
Nächstenliebe, der Genügsamkeit und des Teilens –
stellvertretend dazu Missionare, Mönche und Eremiten
germanischen Tradition der Personenverbände: Es
– etabliert sich langsam die christliche Hierarchie: Äbte,
bilden sich Adelsschicht und Grundherrschaft.
Bischöfe, Kardinäle, Päpste. Damit beginnt der inner-
kirchliche Disput, ob die Kirche reich sein darf.

Typologie
Morphologie

529: Monte Cassino gegründet 6. Jh.: Burg von Hornberg: Neue kleinere 612: Gründung Kloster St. Gallen, Klosterplan von 823. Klösterliche Zi-
von Benedikt von Nursia, Benedik- teilautonome Einheiten – Motten (Befe- tadelle als interdisziplinäre Mini-Stadt. Außer familiäres Leben findet in
tinerregel stigter Hügel), Burgen und Höfe (Corte, ihr alles statt: Schule, Forschung (zum Beispiel Pflanz- und Viehzucht),
Cour, Manor), die oft verwaltet wurden. Archiv, Bibliothek, Medizin im Hospital, Entwicklung Material/Hand-
werk. Verwandte Typologie: Baptisterien, Stifte, Abteien...

Essenzen Christen – die verbotene Sekte – bisher als 5.- 6. Jh.: Teilweise Übertragung von Das frühe Mittelalter kann heute zum einen als
„geheime Netzwerker“ tätig, werden durch Verwaltung an Bischöfe, grundsätzlich bleibt Regenerations- und Aufbauphase verstanden werden,
Kaiser Galerius und Konstantin legalisiert. Territorialverwaltung aber unabhängig. Sie in welcher für zahlreiche Lebensaspekte ein neues
Damit etabliert sich auch eine andere, löst sich vom alten römischen System und Verständnis reifen konnte, zum anderen widersetzt sich
vorerst dezentralere Verwaltungskultur und generiert in Variationen neue Konzeptionen. die Kirche einem offenen, wissensbasierten Diskurs
ein ethisch-religiöses Wirtschaften. und entwickelt damit zu wenig Dynamik.

36
Historische Entwicklung

+1000 +1100

Beginn Hochmittelalter Epoche


Herrschaft der Ottonen Morgenländisches Schisma (Rom - Byzanz)
Herzogtümer und Grafschaften
Technik
7. bis 10. Jh.: Araber, Sarazenen, Normannen und Ungarn erobern Weitere Verbreitung des Islamischen Gebiets von 600 bis 1500 in Wissen
Randprovinzen oder brechen teilweise in Mitteleuropa ein. die Sahara und die (heutigen) südrussischen Gebiete.

Zunehmende „Verschanzung“ in Europa: Bestehende Siedlungen Wie jedes eroberte Gebiet wird auch Andalusien von wenigen Vertretern Funktionen
werden mit Wällen geschützt, Neugründungen immer öfters der „Eindringenden“ regiert, und es ist einmal mehr entscheidend, dass
mit Wehrmauern. Die zunehmende fortifikatorische Sicherung diese auch eine vorteilbringende Verwaltung anbieten können. Die Kalifen
Berufe
der Strukturen wird als ein Faktor für den wirtschaftlichen gehen einen Sonderweg und leiten die Region über Jahrhunderte. Die
Aufschwung im 10. und 11. Jh.n.Chr gesehen. Weitere Faktoren damalige sehr hierarchische Gesellschaft wird durch einen technischen
sind Verbesserung im Ackerbau (Dreifelderwirtschaft) und ein und sozialen Islam umfassend reformiert und insbesondere durchlässiger;
langsames Wiederaufblühen des Handels (Mercatores = Händler, untere Schichten erhalten neue Rechte, vor allem Juden, aber auch Ökonomie
Kaufmannszüge von einer Messe zur nächsten Burg). Christen werden mit ihrer Religion toleriert.
Märkte

Typologie
Morphologie

8. Jh.: Pfalz in Aachen und Hofkanzlei, 5. bis 10. Jh.: Der Große Palast auf dem Goldenen 9. bis 15. Jh.: Die Alhambra in Granada, Palast der
unter Karl dem Großen. Die Pfalzen waren Horn, Konstantinopel. das Macht- und Verwaltungs- maurischen Kalifen, ist seit 1984 ein UNESCO-
Stützpunkte für Könige (oder Herzöge, zentrum des Oströmischen Reichs. Ein riesiger Kom- Weltkulturerbe. Die einzelne Anlagen (Alcazaba,
Bischöfe), welche das Reich „vor Ort“ zu plex über 10 ha mit Plätzen, Kirchen, Wohnbauten, Nasridenpaläste, Generalife-Gärten) stammen aus
regieren und verwalten hatten. Kasernen, Palästen und Gärten. verschiedenen Epochen.

Königliche Verwaltung und Rechtspre- Byzanz kann bis ins 11. Jh. seine Ein weiterer Schwerpunkt liegt in (Süd-)Spanien unter der Herr- Essenzen
chung prägt die frühmittelalterliche volle Macht entfalten und fällt erst schaft der islamischen Kalifen: Die Zeit der Mauren vom 8. bis 15.
Organisation: Oberste Verwaltung war Ende des 12. Jh. Die strategische Jh. Die Epoche zeichnet sich durch zahlreiche Kulturleistungen aus:
die Hofkanzlei (Erzkaplan), ausführende „eurasische Position“ ist entschei- Durch die heute weltbekannte Maurische Architektur, die gegen-
regionale Verwalter waren die Grafen. dend: Istanbul ist eine der wenigen seitige Toleranz und Akzeptanz von Muslimen, Juden und Christen
Es gibt demnach auch im Frühmittel- Millionenstädte (mit Bagdad) – ein – und durch rational-wissenschaftliche Bildungseliten, welche in
alter keine expliziten Verwaltungsty- Knotenpunkt für Handel und gewissem Sinn die europäische Renaissance vorwegnehmen.
pologien. Kulturtausch.

37
Zeit +1100 +1200 +1250

Epoche Hochmittelalter Frühgotik


9. bis 13. Jh.: Islamische Renaissance/Wissenschaft Kreuzzüge
Technik Mercatores (unter Gefahr Arabische Werke über Rechentechnik, Algebra und Trigonometrie 12. bis 15. Jh.: Übergang von Kloster- und Kathe-
Wissen Reisende) tätigen Handel
zwischen Norditalien und
spielen beim Aufbau der europäischen Wissenschaften des Mittel-
alters eine bedeutende Rolle. Die „islamische Renaissance“ vom 9.
dralschulen zu Universitätsgründungen, welche
eigene Verwaltungs- und Gerichtsbarkeit bezüglich
Nordeuropa. bis 13. Jh. ist Vorbereiter der abendländischen Renaissance. Forschung und Lehre erhielten.
Größere Ausdifferenzierung und Spe- Rathäuser, Gerichtsstuben, Schöffengericht, Gerichtskotter, Gefängnis und Folter, Kanzleien, Notariate,
Funktionen zialisierung der Berufe und Funktionen
ermöglichen einerseits große multifunkti-
Schreibstuben, Übersetzer, Archive und Bibliotheken, Platzmeister, Königsstube, Kämmereien, Rats-,
Empfangs-, Festsäle, Gastgemächer, Markt- und Tuchhallen, Kauf- und Waaghaus, Fleischsaal (Metzgerei),
Berufe onale Baukomplexe oder eine baulich- Weinkeller und Weinstube, Brot- und Suppenbank, Esswirtschaft, Handwerk und Gewerbe, Krambuden,
typologische Vielfalt: Trödler, Korn- & Salzhäuser, Magazine, Lager, Rüstkammern, Arsenale, Tanz- und Hochzeitshäuser...

9. bis 14. Jh.: Das Bevölkerungswachstum in Europa von Faktoren für die bauliche Institutionalisierung sind: Mit dem Wachstum ein ge-
Ökonomie circa 20 auf 50 Millionen erfordert Ausdehnung des Land-
wirtschaftslands (Rodungen), unterstützt die Stadtgrün-
steigerter Bedarf an Administration, das Entlasten der Bürgerversammlung durch
authorisierte Gremien, die zunehmende Komplexität der Stadtagenden und die
Märkte dungen und setzt Migrationen in Richtung dünnbesiedelte ständische Ausdifferenzierung der Gesellschaft.
Gebiete in Gang.

Die drei Fotos zeigen nicht den baulichen Zustand der jeweiligen Gründung.
Typologie
Morphologie

Köln 1130 Münster 1170 Ypern 12. bis 16. Jh.: Tuchhalle Thorn 13.Jh.
Mit den Stadtgründungen des Hochmittelalters werden wesentliche Merkmale der großen und multifunktionalen Das Angebot öffentlicher Funktionen
Zentrumsbauwerke vorgelegt: Repräsentation der säkulären Verwaltung, Nutzungsprogramm von Kleinraum- wird erweitert: Apotheken, Stadtwaagen,
serien und großen Räumen (Kabinette, Säle, Hallen) und öffentlichem Erdgeschoss mit Läden und Handwerk. Schulen, Festhäuser, Infrastrukturbauten.

Essenzen Vom 11. bis zum 15. Jh. werden 3000 Städte in Europa gegründet. Zu 95% Die kleinen Rathäuser im 11. Jh. sind noch wahrlich Bürgerstuben, also
waren dies Kleinstädte – nur wenige hatten mehr als 10 000 Einwohner. Gemeinschaftshäuser – und die ersten Großbauten waren oft Markt- und
Die Stärke der Städte lag in ihrer Verwaltung und den netzwerkartigen Tuchhallen. Die Rathäuser des 12. Jh. integrieren den gesamten Bedarf
Bündnissen, welche ihnen zu wirtschaftlicher Stärke, politischem Einfluss an öffentlichen Funktionen, wie sie oben aufgelistet sind. In der weiteren
und zu Freiheiten verhalf. Man geht davon aus, dass die neu entwickelten Entwicklung sondern sich zahlreiche Funktionen ab und werden als eigene
Verwaltungsstrategien der Städte zum Vorbild für die eigentliche Territorial- Typologien gebaut – womit das Rathaus im engeren Sinn zum Beamtenhaus
verwaltung der Länder wurden. mit der Kernfunktion „Stadt-Verwaltung“ wird.

38
Historische Entwicklung

+1300 +1350 +1400

Gotik Spätmittelalter Epoche


Ablösung Byzanz durch Osmanisches Reich Große Pest Abendländisches Schisma (Rom - Avignon)
14. bis 16. Jh.: Verdopplung der europäischen Bevölkerung von circa 75 auf 150 Mio. Technik
Aufstieg der Seemächte Italiens im 12. bis 14. Jh.: Pisa, Venedig, Geschichte der großen Handelsfamilien: Beginn 14. Jh. – in Italien die Medici, Wissen
Genua – parallel dazu die Gründung der gesamtdeutschen Hanse. Bardi und Peruzzi, ab Mitte 14. Jh. in Deutschland die Fugger und Welser

Wirtschaftsrevolution im 13. Jh.: Aufstieg Beruf des schreibkundigen Fernkaufmanns Mit der städtischen Gesellschaft und Wirtschaft des
der Kaufleute und Handelsgesellschaften mit im 13. und 14. Jh. Mittelalters erfahren Handwerker und vor allem Kauf-
Niederlassungen, welche selbst nicht reisen, leute höhere gesellschaftliche Wertschätzung.
Funktionen
sondern Handel verwalten. Berufe

Mit dem Aufstieg der Kaufleute entstehen neue Handels- und Verwaltungstypologien. 1330 bis 1350 legt ein Zusammenbruch der großen
Funktionen, welche vorerst in Rathäusern integriert waren, werden vermehrt in Eigen- Handelshäuser Europa lahm, es folgt die große Pest,
initiative erstellt: Kaufhäuser, Tuchhallen, Manufakturen. Insbesondere wird es den Ge- an welcher ein Drittel der Bevölkerung zu Grunde
Ökonomie
werbebetrieben möglich, eigene Stadthäuser mit integrierter Produktion zu gründen. geht. Progrome an der jüdischen Bevölkerung. Märkte

Typologie
Morphologie

0 90

Fondaco dei Tedeschi, Venedig 1228/1508 Compagnia dei Bardi (120 Angestellte) Palazzo Vecchio, Florenz 1299 Kaufhaus, Mainz,
Rekonstr. von Moller,
Ab 1300: Große italienische Gesellschaften Norditalien: Das Rathaus zeigt kastellartiges und repräsentatives Palast-
1316
mit über 100 Angestellten, Private und Wohnen (signoraler Aspekt, Wohnen fehlt in Nordeuropa), Funktionen
Staaten betreiben Handelsniederlassungen beschränken sich auf Gerichts- und Regierungsbehörde. Es fehlt also die
im Ausland. Öffentlichkeit der Erdgeschosshallen.
Ein besonderer Aspekt ist, dass trotz Stadtverwaltung teil- Obwohl die hier gezeigten Gebäude und ihre Funktionen nicht explizit Essenzen
weise wieder Herrschaft entstanden ist. Besonders in Italien als Verwaltungsfunktionen zu bezeichnen sind, zeigen sie die Vorläufer
betreiben Oligarchen die Refeudalisierung; mit extremer öko- zu sehr wichtigen Verwaltungszweigen: zum Beispiel die Organisa-
nomischer Potenz und unkontrollierten Privattruppen setzen tion und Kontrolle der Logistik und des Gesundheitswesens – heute
diese ihre Ansprüche gegen den Staat durch. absolute Großverwaltungen.

39
Zeit +1400 +1450 +1500

Epoche Osmanisches Reich und Mittel- Humanismus Reconquista: Rückeroberung Spani- Renaissance = Beginn der Neuzeit
europa im Ringen um den Balkan ens und des nasridischen Granada
Columbus in Amerika / Komplettierung der
Weltkarte innerhalb weniger Jahrzehnte
Technik Ein Jahrhundert Stillstand im Städtewachstum Gutenberg – und die Ausbreitung des
Wissen Buchdrucks über das Verlagswesen
Doppelte Buchführung
Erste öffentliche Bank in Spanien Erster bebilderter Buchdruck Druckereien werden Verlagshäuser
Die Ausdehnung und Verlagerung der großen Messen im Französische Post befördert private Briefe
14. bis 16. Jh. belegt die handelswirtschaftliche Ausdeh-
Funktionen nung auch in neue Räume: Frankfurt am Main, Brügge,
Im 15. Jh. wird ein wesentlicher Teil der neuen Strukturen
Europas geschaffen: Eine komplizierte organisatorische
Berufe Antwerpen, Hamburg, Emden, Leipzig, Linz, Genf, Lyon ...
Ordnung, der Wille, die Konkurrenzen und Differenzen nicht mit
Krieg, sondern mit Verträgen zu lösen.
Über den Hansebund in Mittel- und Bergbau und internationaler Handel werden Mit Beginn der islamischen Bewegung, aber vor allem vom
Ökonomie Nordeuropa sowie über die italienischen
Seemächte im Mittelmeerraum werden
treibende Wirtschaft des ausgedehnten
Mittelalters. Aus diesen Gewinnen werden
9. bis ins 16. Jh. finden Stadtgründungen und Stadtzentren-
bildung statt. Stellvertretend dazu der Plan von Aleppo mit
Märkte Europas Handelsnetze bis weit an seine Europas Städte und Architekturen zu einem Moscheen (Religionsschulen), Karawansereien (Herbergen) und
Ränder zunehmend stabilisiert. großen Teil ausgebaut. Lagerhöfen.

Typologie
Morphologie

Stadtwaage Ratsapotheke Fuggers Buchhalter Aleppo im 16. Jh.


Bremen 1330 Lüneburg 1330 Matthäus Schwarz

Essenzen Neben den Rathäusern entsteht ab Mit den Wachstumsschüben der europä- Aufgrund starker Trennung von Privatraum und öffentlichen Funkti-
dem Hochmittelalter vom 13. bis ischen Wirtschaft werden neue buchhalte- onen werden islamische Zentren als durchgehend polyfunktionale
zum 15. Jh. eine große Anzahl neuer rische Methoden entwickelt. Buchhaltung Verwaltungs- und Handelskonglomerate mit Universitäten (Med-
Bautypen für neue Funktionen. garantiert nicht nur Rechenschaft, sondern ressen), Großmärkten und Regierungspalästen gebildet.
erlaubt auch Planung.

40
Historische Entwicklung

+1550 +1600 +1650

Reformation... ... und Gegenreformation Zeitalter der Glaubensspaltung Beginn des Barock Beginn des Absolutismus in Frankreich Epoche
Holland wird Kolonial-Weltmacht Dreißigjähriger Krieg
Eroberung der Kolonien 1550: Rechenbuch „Practica“ Stenographie Entwicklung des Völkerrechts (Grotius) Technik
1522: Erste Weltumsegelung von Adam Riese
Francis Bacon beschreibt in „Nova Atlantis“ die Royal Society Wissen
Utopie eines vollkommen organisierten Staats

Neben dem wirtschaftlichen Netz der Städte (auch Die Fürsten des Reichs festi- Ausübung von Handwerkerberufen wird durch Zünfte bestimmt,
der kleinen zu den großen) scheint auch das Hinter- gen ihre Landesherrschaften
land über die landwirtschaftliche Produktion hinaus mit dem Ausbau von
Frauen sind ausgeschlossen. Hingegen können Frauen in Land-
wirtschaft, Handel und Verlagswesen eigenständige Positionen
Funktionen
langsam an der „urban geprägten Produktion“ und Polizeiordnungen und neuen einnehmen – was aber seltene Ausnahme ist. Berufe
den typischen „Gütern der Stadt“ teilzuhaben. Verwaltungsbehörden. Neue Berufe entstehen: Volkswirtschaftler, Staatsrechtler

Die Konzeption des italienischen Ökonomische Änderungen im 16. Jh.: Gründungen von Aktien-Handelskompanien: Merkantilismus,
Rathauses als Wohn-, Regierungs- und Wachsender Zustrom von Edelmetallen 1554 Moskovy Company Nationalwirtschaft,
Gerichtspalast sowie die Verwaltungs- aus den amerikanischen Kolonien, Geld- 1581 Levante Company Monopole, Schutz-
Ökonomie
vorbilder der Handelsgesellschaften entwertung, sinkende Kaufkraft sowie 1599 Britische East-India Company zölle, Festpreise, Märkte
machen diese Entwicklung überfällig. eine Krise in der Agrarproduktion 1602 Niederländische East-India Company Subventionen...

1531: Erstes Börsengebäude in Antwerpen 1571: Eröffnung der Londoner Börse

Typologie
Morphologie

Uffizien, Florenz 1559 Ostersches (Hansekontor-)Haus, Antwerpen 1568 Rathaus Augsburg, E. Holl
Von den Medicis als Verwaltungs-Erweiterungsbau Der Zusammenschluss norddeutscher Kaufleute 1618
neben dem Palazzo Vecchio erstellt. im Hansebund (12. bis 17. Jh.) manifestiert sich in
Dies ist der erste reine Verwaltungsbau. großartigen Verwaltungs- und Lagerhäusern.

Mehrere Faktoren führen zur spezifischen Situation Hauptmotor für eine rationellere Obwohl es zahlreiche Vorläufer von AG-artigen Essenzen
der Renaissance. Die Stärke des osmanischen Reichs Verwaltung sind zum einen die Beteiligungsgesellschaften gibt, wird die moderne
(Handelskontrolle gegen Asien) sowie die rückeroberten enormen Handelsmengen mit den Aktiengesellschaft erst zu Beginn des 17. Jh.
Gebiete Iberiens unterstützen Expansionsversuche nach neu eroberten Kolonien, aber auch mit der „Niederländischen Ostindien Company“
Ostafrika und „Westindien“. Wissenschaft, Kartographie, die Kontrolle der teilweise äußerst gegründet. Eine Gründung ist in der Folge nur mit
Buchdruck – das sind nur drei Beispiele, welche unter wertvollen Güter (Edelmetalle, einer staatlichen Konzession möglich. Die Gesell-
anderem Verwaltungsreformen auslösen. Gewürze). schaften sind über das Aktienrecht reguliert.

41
Zeit +1700 +1750 +1800

Epoche Barock Aufklärung Rokoko Zeitalter der Vernunft Ende des Absolutismus: 1789 Franz. Revolution
Merkantilismus Frühindustrialisierung: Zunahme von Erfindungen Verfassung der U.S.A. Zeit der großen Revolutionen
Technik Erste Dampfmaschinen (mit kontinuierlicher Büro-Kleinteile: Füllfederhalter, Radiergummi Papiergeld in Frankreich
Wissen Weiterentwicklung bis heute)
Explosives Bevölkerungswachstum aufgrund Erkenntnisfort- Argand-Lampe (verstellbarer Docht unter Glas)
schritten in Medizin, Hygiene, Landwirtschaftsproduktion.
Vollmechanisierter Webstuhl
Der expandierende Beamtenstaat des 17. und des 18. Jh. schafft Mit der Frühindustrialisierung beginnt die größte Wachstumsphase der Mensch-
Funktionen eine Reihe von neuen Berufen und Tätigkeiten: Räte, Sekretäre,
Fürsorge, Inspektionen, Kontrollen, Statistiken, Gesetzgebungen,
heit. Die Entwicklungen in den Bereichen Technik, Mechanik, Energie, Maschine,
Material basieren auf den Erfolgen des wissenschaftlichen Forschens und
Berufe Ordnungen, Rechtsinstanzen... Aufgrund des eintretenden Wachs- Entwickelns und führen zum wirtschaftlichen Fortschritt. Es handelt sich demnach
tums wandelt sich der Verwaltungsapparat fortlaufend. nicht nur um neue Material- und Energiewelten, sondern ganz wesentlich um neue
Theorie-Strukturen.
Mit den gewaltigen gesellschaftlichen und ökonomischen In diesem Zusammenhang sind folgende Diskurse zu verstehen: Politische Ökono-
Ökonomie Entwicklungen des 18. Jh. geht bisweilen das Augenmerk
auf die Bedeutung der Verwaltung in dieser Zeit abhanden:
mie, Nationalökonomie, Wohlstand der Nationen, Arbeitsteilung und Spezialisie-
rung, der Freie Markt, Wettbewerb, Monopol-frei, Liberalismus...
Märkte Die Verdopplung des Handelsvolumens, die Steigerung der Mit der beginnenden Industrialisierung muss eine differenzierte Verwaltung – und
Produktion und das Bevölkerungswachstum verursachen den wenn man so will – eine neue Personalführung entwickelt und aufgebaut werden.
Bau zahlreicher Verwaltungsgebäude.

Typologie
Morphologie

Dikasterium (Verwaltungsbau), Koblenz, Palais du Gouvernement, Nancy, E. Héré 1755 Bank of England, London, Sir J. Soane 1788
B. Neumann 1739 (siehe z. B. auch Der Verwaltungsbau mit außerordentlicher Inszenierung: (siehe auch 1780: Bank of New York)
„Königshof“ Offenburg, Verwaltungs­ Das „Hémicycle“ umfasst den öffentlichen Raum.
gebäude 1714-1717)

Essenzen Mit dem Merkantilismus des 17. Jh. werden für die Der aufgeklärte Absolutismus entschärft Die Französische Revolution ändert viel,
moderne Verwaltung und die gelenkte Nationalwirt- die Spannungen zwischen den Klassen – aber nicht alles: Es werden die Menschen-
schaft bestehende Errungenschaften der privaten einerseits dem Adel und andererseits den rechte eingeführt, das freie Individuum,
Verwaltungs- und Handelsgesellschaften (wie etwa Bürgern und Bauern. Alle Stände haben dem die Mitwirkung der Bürger in Rechten und
die Buchhaltung) mit ausdifferenzierten Methoden Staat zu dienen, was mit dem absoluti- Pflichten (damit auch die Eigenverwaltung),
angereichert: Die Volkswirtschaftslehre, Statistik als stischen Wohlfahrts- und Obrigkeitsstaat alte Feudalprivilegien werden abgeschafft –
Planungsbasis, Haushaltsplanung, Bilanzen... mit moderner Bürokratie und geordnetem ökonomischen Ungleichheiten bleiben aber
Rechtswesen erreicht werden soll. unangetastet.

42
Historische Entwicklung

+1850 +1900

1815 Wiener Kongress Biedermeier Sozialismus, Kommunismus Imperialismus Relativismus, Materialismus Arts and Crafts Epoche
Kommunistisches Manifest Darwins Evolutionslehre Erste Weltwirtschaftskrise Taylor: Arbeitsrationalisierung Freud: Psychoanalyse
Elektrischer Telegraph Telegraphenbüro Atlantikkabel Suezkanal Telefon Fahrstuhl Schreibmaschine Farbfotografie Gas- & elektr. Beleuchtung Technik
Schneller Buchdruck Erster Dampfzug Elektromotor Glühbirne Gasmotor Automobil Eisenbeton Tram in Berlin Film & Projektor Bildempfänger Wissen

Die konkurrierenden europäischen Staaten Der unerschütterliche Glaube an den Mit den Gründungen der Nationalstaaten werden zahl-
bewältigen die Zeit nach den Revolutionen Fortschritt wird mit den Forderungen der reiche Organisationen ausgebaut oder neu geschaffen, die
unterschiedlich: Großbritannien versucht, sozialen Bewegung konfrontiert; Fortschritt einen Verwaltungsanteil aufweisen (Gesundheitswesen,
Funktionen
seine Kolonialmacht neu als Weltmacht beruhe zwar auf Genialität in Forschung Schulwesen, Bauverwaltung, etc.) Für Rechtssicherheit Berufe
zu festigen. Deutschland regeneriert sich und Unternehmertum und könne so allen und als Rechenschaft gibt es Berichte und Protokolle.
mit zahlreichen Verwaltungsreformen. dienen, aber er setze sich auch mit bedenk-
Napoleon gestaltet mit seinem auch lichen Methoden durch: Bei den frühen Bürobauten des 19. Jh. werden nur wenige
militärisch erzwungenen „Empire“ große • Arbeiterausbeutung, Sklavenarbeit Standardgrundrisse angewendet; dies sind vor allem Zwei-
Teile Europas um, scheitert aber letztlich • Plünderung der Ressourcen in Kolonien bünder mit unterschiedlich großen Einzelbüros (Ausdruck
Ökonomie
an Großbritannien, Russland und weiteren • Zerstörung der natürlichen Umwelt. der Hierarchiestufe) und Bürosäle unterschiedlicher Größe Märkte
sich befreienden Staaten. Die neue, offene Systemkritiker erkennen, dass echter (basierend auf Skelettkonstruktion).
Situation mündet in den Wiener Kongress Fortschritt an breiteren Kriterien gemessen
und die Neuordnung Europas. werden muss als an Kapitalzuwachs.

Typologie
Morphologie

Finanzministerium, Karlsruhe Harpers Verlagshaus, New Leiter Bldg., Chicago, Reliance Bldg., Chicago Kontorhaus Dovenhof, Hamburg
H. Hübsch 1826 – Verwaltungsgebäude, York, J. Bogardus 1854 LeBaron Jenney 1879 Burnham & Root 1895 M. Haller 1886
sachlicher, materialgerechter Stil
In wenigen Beispielen der US-Architektur wird Technologie direkt thematisiert – die meisten Gebäude bleiben dem
historisierenden Stil verhaftet (siehe nächste Seite). Aufgrund der Baugesetze fehlen Hochhäuser vorerst in Europa.

Mit dem Wachstum der Städte Die Konfrontation von Kapitalismus Die Verfügbarkeit von Material Ende des 19. Jh kommt der Mehrwert bei Essenzen
werden die Stadtbefestigungen ge- und Sozialismus führt zu potentierten und Energie setzt neue Maß- der Mittelschicht an. Einfache Haustech-
schleift – mobile Heere verteidigen Organisationsanforderungen: Produk- stäbe in der Güterproduktion: nik, Urlaub, Freizeit, die konsumierende
als Organisations- und Improvisa- tivität, Akkord, niedrige Preise – aber So entstehen die neuen Kleinfamilie – dies bereitet die Dienstleis­
tionseinheiten den Raum vor der auch Anrecht auf fairen Lohn. Jede Bürobauten vor allem für tungsgesellschaft des 20. Jh. vor. Die
Stadt. Militärische Organisation Gelegenheit zur Produktionsopti- Unternehmungsverwaltungen Psychologie widmet sich der Seele des
nimmt komplexe Verwaltung und mierungen und Leistungssteigerung und wenige Dienstleister Individuums und wird Konkurrentin der
Logistik der Neuzeit vorweg. muss wahrgenommen werden. (Banken und Versicherungen). Religion, die für Gemeinsinn steht.

43
Zeit +1900 +1910 +1920

Epoche Imperialismus (19. Jh bis 1914) Erster Weltkrieg (1914-1917) Friedensvertrag Versailles Moderne (ca. 1910-1930)
Jugendstil (1895-1906) Deutscher Werkbund 1907 Funktionalismus De Stijl (1917-1931) Bauhaus (1919-1933) Art Déco (ca. 1920-1940)
Technik Motorflug Gebr. Wright Panamakanal Lichtpause Per Luftschiff über den Atlantik Atlantiküberflug von Lindbergh
Wissen Drahtlose Telegrahie Massenproduktion Einsteins Relativitätstheorie Rundfunksender Erster Tonfilm Übersee-Funk
Rechenmaschinen
Husserl: Phänomenologie Max Weber: Wirtschaft und Gesellschaft

Funktionen
Berufe

Ökonomie
Märkte

Typologie Larkin Building, New York, Woolworth Bldg., New


Morphologie F. L. Wright 1904 York, C. Gilbert 1913

Bürosäle um Lichthof. Das Neue Hochhaus­di­ Europäische, nicht realisierte Hochhausprojekte: a) Hochhaus Breslau, M. Berg 1920
Larkin-Gebäude gehört zu men­sion – neogotisch b) La Ville Contemporaine, Le Corbusier 1922 c) Entwurf Hochhaus, M. v. d. Rohe 1922
den wichtigsten Beiträgen verpackt d) WB-Entwurf Chicago Tribunes, A. Loos 1922 e) WSNCh in Moskau, W. Lawrow 1925

Europa
Themenvielfalt

Börse Amsterdam, 1903 Looshaus, Wien Büro-/Fabrikgebäude, Werk- Verwaltung Stumm, Düs- Chile-Haus Ham- Geschäftshaus Dierig,
H.P. Berlage A. Loos 1911 bund Köln, W. Gropius 1914 seldorf, P. Bonatz 1924 burg, F. Höger 1924 Berlin, Salvisberg 1928

Essenzen Die erste Hälfte des 20. Jh. ist Vorstellungen und Rahmenbedingungen für Verwaltungsarbeit Aufgrund der historisch gewachsenen Stadt wird
durch den extremen Wechsel sind in Europa und Amerika (und weiteren Regionen) recht un- in Europa die Hochhausthematik nur bei den Ar-
von innovativ-konstruktiven und terschiedlich. Diese Differenz ist im Übrigen bis heute relevant. chitekten der Moderne verfolgt – allerdings oft als
lähmend-destruktiven Phasen In Europa: Beamtenstaatlich und gewerkschaftlich reguliert, na- unrealisierte Projekte (Loos, Mies, LC, Hilbershei-
gekennzeichnet: Neu aufgebaute tionale und epochale Differenzierung, vorwiegend Zellenbüros. mer). Beinahe die gesamte Garde emigriert wegen
materielle Felder werden zerstört – In Nordamerika: tayloristische Grundstimmung, hohe Präsenz, der Naziherrschaft der 1930er Jahren aus Europa.
neu eroberte intellektuelle Freiheiten wenig Urlaub, große Gebäudetiefe, Bürosäle und Einzelbüros In Realisierungen wird Skelettbau bevorzugt – die
per Diktatur gelöscht. nach Hierarchie, vorwiegend Stahlskelettbau. Fassade öffnet sich in Bändern und Vollverglasung.

44
Historische Entwicklung

+1930 +1940

Weltwirtschaftskrise Zweiter Weltkrieg Atombombe Epoche


Sozialistische Planwirtschaft Dachau: Erstes Konzentrationslager Kernspaltung Atomreaktor
Experiment Farbfernseher Autobahn UKW-Sender Künstliche Radioaktivität DDT Düsenflugzeug Unbemannte Rakete Technik
Ortega y Gasset: Nylon- und Perlonfaser Picasso: „Guernica“ Farbfilm Programmierbare Rechenanlage Wissen
„Der Aufstand der Massen“

Funktionen
Berufe
Verwaltungsdiktatur, Tyrannei der Parteibeam-
ten, Blockwart, Funktionäre, Denunzianten,
Geheimdienste...
Die Organisatoren der Kriegswirtschaft Ökonomie
Märkte
Die Deutsche Wirtschaft erholt sich vorerst von
der Weltwirtschaftskrise, wird aber ab Mitte
des Jahrzehnts entgegen den Vorstellungen
der alten Wirtschaftseliten und entgegen
wirtschaftlicher Notwendigkeiten als national
Chrysler Bldg., Empire State Bldg., Philadelphia Saving Found, Rockefeller Center,
abgeschottete Planwirtschaft betrieben.
Typologie
New York, New York, Shreve, New York, Howe & Lescaze Hochhaus-Viertel New
W. van Alen 1930 Lamb Harmon 1931 1932 York, R. Hood 1939
Morphologie

Ende der 1930er Jahre wird in In der Auseinandersetzung zwischen Classicismo und Der Verwaltungsbau der Regime (Hitler und Stalin) zeichnet
Deutschland umfänglich und bei Razionalismo kann sich die italienischen Moderne sich vorerst durch Monumentalität, Kitsch und stereotype
den Nachbarn partiell „Revision mit dem problematischen Motiv einer „angeblichen Details aus – in den strukturellen Konzeptionen wird wenig
der Moderne“ betrieben. Mediterraneität“ zumindest teilweise behaupten. erfunden, es wird zunehmend mit kalter Effizienz geplant.
Europa

Palast der Presse, Z-Haus, Zürich, Casa del fascio, Como, Reichsluftfahrtsministerium Volkskommissariat für Verteidigung
Baku, S. Pen 1931 Hubacher Steiger 1932 G.Terragni 1936 Berlin, O. Hagemann 1936 Arbatplatz Moskau, L. Rudnev 1938

In der Moderne werden zahlreiche Grundlagen für ein neues Die bestehenden Reichsverwaltungen werden durch Während der Kriegsjahre mu- Essenzen
Verständnis der Gesellschaft und speziell des Verwaltungsbaus das Naziregime kontinuierlich entmachtet. Die Verwal- tieren sämtliche Verwaltungen
entwickelt, die in Europa jedoch erst nach dem Zweiten Welt- tung der nationalsozialistischen Diktatur beruht ab 1934 zu Notstandsbetrieben unter
krieg Ausbreitung finden: Funktionalismus, International Style, auf der Machtfülle der SS und zahlreichen Sonderbe- kriegswirtschaftlichen Rah-
Vorfabrikation, Technologie im Bauwerk („Das Haus als Maschi- hörden und auf einer Schwächung der bestehenden menbedingungen. Es ist falsch,
ne“) sind hier nur einige Stichworte zum potenziellen Einfluss Verwaltungen durch inszenierte Konkurrenzen. aus den Erfahrungen dieser
der damaligen Architektur auf neue Gesellschaftskonzeptionen Alleine die Deutsche Arbeitsfront (DAF) hatte 1939 speziellen Notverwaltungen
– zum Beispiel hin zu einer Dienstleistungsgesellschaft. 25 Mio. (Zwangs-)Mitglieder und 45 000 Funktionäre. Erkenntnisse ableiten zu wollen.

45
Zeit +1945 +1950 +1960

Epoche Enttrümmerung/Wiederaufbau Wirtschaftswunder Der Kalte Krieg The Fifties Sexuelle Revolution 1968-Unruhen
Gründung UNO Marshall-Plan Währungsreform Brutalismus Unbemannte Raumfahrt Bau der Mauer Mondlandung
Technik Röhrenrechner ENIAC Bauen im historischen Kontext Atomkraftwerk Subzentren-Agglo Elektronische Rechenmaschinen
Wissen Überschallflug Farbfernsehen Nachrichtensatellit Die Pille IBM Kugelkopf

Europa ist unterschiedlich vom Krieg be- Marshallplan 1947-1952: Die USA Das Thyssenhochhaus In Anlehnung an den amerikanischen Bürosaal
Funktionen troffen. Deutschland liegt in Trümmern,
Produktion und Nahrungsversorgung ge-
unterstützt die Entwicklung West-
europas. Erstens als Hilfe gegen die
ist ein Meilenstein: Es
„meldet Deutschland
werden in Europa das Großraumbüro und
Bürolandschaften proklamiert, allerdings nach
Berufe nügen knapp für das Existenzminimum. desolaten Nachkriegszustände, zwei- zurück“ (siehe auch vielfältigen Kriterien konzipiert (Teamwork,
Industrie und Verwaltung Deutschlands tens als Stärkung des europäischen „Pirellihochhaus“, Mai- Arbeitsabläufe, etc). In seiner optimierten An-
funktionieren rudimentär. Westens gegen den Ostblock. land, 1956-58, G. Ponti) wendung bleibt das Großraumbüro unbeliebt.

Ökonomie
Märkte

Typologie
Morphologie
The Pentagon, Washington, „Glaspalast“ UNO, NY, Lever House, NY, Seagram Bldg, NY, Expansion vor die Stadt, Hamburg City-
G. E. Bergstrom 1941-43 nach Skizzen von LC 1950 SOM 1952 M.v.d. Rohe 1958 Nord 1960 (siehe auch Frankfurt-Niederrad)

Europa
Themen

„Nissen-Hütten“, Notunterkünfte, Geschäftshaus Erste große Neubauten: Fernmelde- Thyssenhochhaus, Großraumbüro


Aufräumen während der ersten Frankfurt am Main, zentrum Frankfurt am Main, 1950 Düsseldorf, HPP 1960
Nachkriegsjahre... G. Scotti 1949

Essenzen Mit der Aufteilung in Besatzungszo- Der Wiederaufbau der notwendigsten Ab den 1960er Jahren werden Die Industrienationen vollziehen
nen werden drei unterschiedliche Substanz bindet alle Kräfte. Erst in den verschiedene Büroorganisationen den Wandel zur Dienstleistungs-
Verwaltungskulturen überlagert: Die 1950er Jahren wird es möglich, neue untersucht, geplant und realisiert. gesellschaft. Der Anteil der darin
alte des Reichs und der Weimarer Verwaltungsgebäude zu realisieren. Ein Teil der ausgeprägten Model- Beschäftigten steigt von 30%
Republik (die es kaum mehr gibt), Neubauten aus dieser Epoche sind funk- le, zum Beispiel das Großraum- (1960) kontinuierlich auf circa 65%
die nationalsozialistische und je nach tional und zurückhaltend. Auch aufgrund büro, zeigt langfristig zu wenig (2007). Darin liegt der Grund für das
Besatzungszone die angelsächsische, der zerstörten historischen Stadt wird Akzeptanz und deshalb auch enorme Neubauvolumen im Verwal-
die russische oder die französische. „Bauen in die Höhe“ nun zum Thema. mangelnde Nachhaltigkeit. tungsbau der Nachkriegszeit.

46
Historische Entwicklung

+1970 +1980 +1990

Technologische Architektur Energiekrise Postmoderne Architektur Analoge Architektur Dekonstruktivismus Gründung Europäische Union Epoche
Vollständige Automatisierung Punk „No future!“ Atomreaktorunfall Tschernobyl Fall der Mauer Krieg in Jugoslawien
Telefonischer Inlandverkehr
Speicherchip Analoge Mobiltelefone Generation X Digitale Mobiltelefone EZB Technik
Erste bemannte Raumstation Apple II = erster PC Glasfaserkabel Notebook Kommerzielle Digitalkameras Supraleitung Wissen
Fax aktuelle Generation Nadeldrucker Laserdrucker

Funktionen
Berufe

Klassischer Büro-
Dampfer, Chandigarh
Le Corbusier
Ökonomie
Märkte

Das Objekt – hier der Seestern,


Brüssel Berlaymont, L. de Vattel

Typologie
Morphologie

Strukturalismus
Apeldoorn
H. Hertzberger

Europa
Themenvielfalt
Technologische Linie
Ipswich
N. Foster

Bedeutende Veränderungen in der gesellschaftlichen Der Paradigmenwechsel zeichnet sich auch in der Themen des auslaufenden Jahrhunderts Essenzen
Wahrnehmung, aber auch vertiefte interdisziplinäre Parallelität unterschiedlicher Architekturkonzeptionen, sind: Globalisierung, Dominanz der
Erkenntnisse über vernetzte Systeme werden zu -stilen, -schulen und -theorien ab. Ab 1970 kann keine Konzerne über die Politik, Auslagerung
neuen Grundlagen für die gesamte Architektur und so allgemeingültige Richtung aufgezeigt werden – dies ist von Dienstleistung in kostengünstige
zu relevanten Faktoren für den Bürobau. Es sind dies auch bei den Bürobaukonzeptionen der Fall; zahlreiche Regionen, unberechenbare Märkte (Asi-
insbesondere: die Mahnungen des Club of Rome, die verschiedene Modelle werden erfunden und realisiert. enkrise 1987, Weltwirtschaftskrise 2008),
Zeit 1968, die Kritik an der „Unwirtlichkeit der Städte“ Man könnte auch sagen: Europa hat sein Potenzial für Ressourcenproblematik, Fundamentalis-
(Mitscherlich) und die Energiekrise 1973. Themenvielfalt wieder zurückerorbert. men, Arbeitslosigkeit...

47
Zeit +2000 und die Themen der Zukunft...

Wahrnehmung von Arbeit in der Gesellschaft Lebenslanges Lernen Bezahlte und unbezahlte Dienstleistung
Arbeit wird in jeder Epoche wieder anders definiert. Sie Die notwendige Qualifizierung der Gesellschaft ist abhän- Bezahlte Arbeit ist nicht unbeschränkt verfügbar – sie ist
wird auch individuell unterschiedlich wahrgenommen. gig von mehreren Faktoren; beispielsweise die Bevölke- längst zu einem umkämpften Gut geworden. Arbeit gäbe
Arbeits-Prototypen sind: Malocher (jiddisch „Schwere rungsentwicklung, die Zunahme qualifizierter Einwanderer, es genug, entscheidend ist nur, ob und wie sie bezahlt
Arbeit“), Stachanov (Held der Arbeit), Maniac (Wahnsin- die Integration bildungsferner Schichten oder die Erhöhung wird. Die Gesellschaft könnte hier die Prioritäten anders
niger), Workaholic (Arbeitssüchtiger), CEO (Boni-Sucht?). der Quote der Studierenden. Lebenslange Qualifizierung legen, was zur Zeit sehr schwierig ist, da sie zuerst exzes-
Neue Vorbilder werden sich nicht mehr auf Arbeit alleine müsste auch zu hoher Verantwortlichkeit und Beteiligung sive Bürokratie abbauen müsste, bevor sie neue, sinnvolle
abstützen können, sondern auf ein komplexes Gefüge am Unternehmenserfolg führen. Diese Entwicklung wird Leistungen entlohnen kann.
zwischen Arbeit + Familie + Freizeit + X. Einfluss auf neue Arbeitsarchitekturen haben.
Organisatorische Revolution
Ressourcenproblematik Wettbewerbsorientiertes und nachhaltiges Wachstum Der kleine und genau definierte Verantwortungsbereich
Aufgrund der internationalen Vereinbarungen zum Die EU konzentriert sich auf die Lösung der wichtigsten eines Büroangestellten des 20. Jh. wird abgelöst durch
Klimaschutz müssen heute baurechtlich verbindlich hohe sozio-ökonomischen Probleme Europas: „Europa muss das mitverantwortliche Teamwork. Die ausdifferenzierte,
Nachhaltigkeitsstandards eingehalten werden. Dies betrifft sich für wettbewerbsfähige und nachhaltige Entwicklung kundennahe und schnell-zyklische Produktion und
nicht nur die Energie- und Haustechnik eines Gebäudes, einsetzen, wenn es gleichzeitig Wohlstand und Beschäf- Dienstleistung machen dies erforderlich. Problematisch
sondern richtigerweise seine gesamte Systembilanz tigung schaffen, den Lebensstandard seiner Bürger verbes- kann dabei sein, dass aus höheren Verantwortlichkeiten
– inklusive der verursachten Mobilität, aller Materialener- sern und Umwelt und natürliche Ressourcen schützen Zielvorgaben an selbstverantwortliche Teams in Unkenntnis
giewerte et cetera. Dies hat erhebliche Konsequenzen auf will.“ Das nachhaltige Wachstum ist zu einem Standard ge- ihrer Basisproduktion gemacht werden. Mitverantwortung,
den Entwurf. worden und muss in jeder Architektur umgesetzt werden. Teamarbeit, Hierarchie – die Inhalte und der Stellenwert
von Arbeitsorganisationen wandeln sich und haben somit
Arbeitsplatzqualität unter „erschwerten Bedingungen“ Wettbewerb – Effizienz – Arbeitslosigkeit einen konkreten Einfluss auf den Entwurf neuer Büroor-
Nach Jahrzehnten wachstumsorientierter Entwicklung Die Grundmechanik des Wettbewerbs gibt vor, schneller ganisationen.
und der komfortablen „Beinahe-Vollbeschäftigung“, scheint und effizienter als die Konkurrenz zu sein. Dies führt zu
nun die Situation einzutreten, dass überall der Gürtel mehr Output – oder bei mangelnder Arbeit zu weniger Gleichheit und Privileg
enger geschnallt werden muss. Deshalb muss es ein Arbeitsplätzen. Man hat sich in Mitteleuropa auf eine In der sozialen Marktwirtschaft ist Chancengleichheit ein
besonderes Ziel von Planern und Investoren sein, unter Arbeitslosigkeit von 10 bis 20% eingestellt. Wir haben wichtiges Kriterium für Stabilität (sozialer Frieden). Eine
diesen „erschwerten Bedingungen“ immer noch gute oder ein Problem, wenn es auf Mangel an Arbeit keine gesell- verträgliche Balance von Möglichkeiten und Verteilungen
zumindest akzeptable Arbeitssituationen zu schaffen schaftlichen Antworten gibt. Deshalb werden heute neue ist dabei entscheidend. Dies gilt nicht nur für den klas-
Modelle wie „Gesicherter Grundlohn“ oder „Neue Arbeit“ sischen Arbeiter, sondern auch für die neuen Dienstleister.
Zukunft Kommunikationstechnologie diskutiert. Menschen dürfen nicht an ihrer Entfaltung gehindert
In Kenntnis der bisherigen Entwicklung ist mit weiteren werden, noch dürfen sie Privilegien für sich beanspruchen.
Quantensprüngen zu rechnen. Ob sich der Mensch weiter Selbstmanagement Mechanismen, welche die Balance gefährden, breiten
auf die Fusion von Körper und Technologie einlässt, wird Mit der steigenden Eigenverantwortung haben wir uns sich aus: Kontinuierliches Lohngefälle, Korruption, Clans,
sich zeigen (Neuroimplantate, Gentechnologie, Biorobotik). stärker zu exponieren. Die Anforderungen an die „Selbst- welche Geldflüsse nur gegen innen steuern. Architektur
Mit einer Lebensdauer von 40 bis 80 Jahren wird jedes steuerung“ steigen schnell: Emotionsmanagement, kann für solche Balancen einen bescheidenen Beitrag
neu erstellte Bürogebäude diesem allfälligen Wandel Umgang mit eigenen Kräften, zeitliche Limitierung von leisten – zum Beispiel in einer mitarbeiterfreundlichen
ausgesetzt sein. Die Technologie ändert sich, während Belastungszuständen – dies sind Kompetenzen, welche Büroorgansiation.
soziale und räumliche und physiologische Bedürfnisse eher zunehmend als Qualifikation erkannt werden.
konstant bleiben.

48
Ausblick

Kybernetische Bürowelten Flexible Bürostrukturen Automatisierung von Dienstleistungen


Es scheint, dass das interdisziplinäre, vernetzte, kyberne- Der stetige Wandel macht klar, dass es den definitiv-opti­mier­ Der Zwang zur Effizienz, aber auch das technisch-organisa-
tische Denken beim Entwerfen nun zu neuen Lösungen ten Arbeitsplatz nicht gibt, sondern allenfalls Arbeitsplatzorga- tive Interesse des Menschen führen uns in diese Richtung.
in der gegenseitigen und gesamthaften Wirksamkeit des nisationen, die Wandel aufnehmen können – je nach Vorgaben Seit Beginn der Industrialisierung wird dem Traum der
Zusammenspiels von Material, Konstruktion, Technik aus einer Epoche, je nach Wertschöpfung, nach Technologi­ umfassenden Bedienung des Menschen durch Maschinen
und Entwerfen führt – zumindest zeigen dies erste sierungsgrad. Dies ist mit ein Grund, weshalb heute flexible nachgeträumt.
Pioniergebäude­­. Es werden in den nächsten Jahrzehnten Kombibürostrukturen gegenüber starren Zellenbüros bevor­
zahlreiche neue Erkenntnisse auf uns zukommen, so dass zugt werden. Piraterie, Plagiate, Kopien, Spionage
wir als Architekten immer wieder mit neuen Systemen Es betrifft vor allem Forschung und Entwicklung sowie die
und Konstellationen konfrontiert sein werden. Die Kritik Flexibilität und Sicherheit („Flexicurity“) Güterproduktion. Aber auch das Dienstleistungs-Know-how
an einer totalitären Kybernetik (Tiqqun) wird erkannt – sie Flexibilität und Mobilität wird auf mehreren Ebenen ein- wird mit harten Bandagen umkämpft. Angriffe auf schlecht
betrifft aber die Architektur weniger (siehe S. 133). gefordert: Durchlässigkeit der sozialen Schichten und der gesicherte Netze und Datensätze geben Strategien, Ange-
Bildungssysteme erlaubt soziale Mobilität, schnelle Berufs- bote, Firmenschwächen etc. preis.
Konversion, Transformation wechsel und dichte Verkehrssysteme erfordern, respektive
Beide Themen gehören zusammen und haben große ermöglichen räumliche Flexibilität. Die Problematik des Datenmengen, Datenspeicherung, Datensicherheit
Bedeutung: Der verantwortliche Umgang mit historischer flexiblen Menschen (R. Sennett) besteht auch darin, dass die Wir stehen vor mehreren Problemen: Die Datenmengen
Substanz qualifiziert die gesamte Siedlungssubstanz und andauernden Flexibilitätsforderungen verlässliche Werte ero- an und für sich, die Relevanz der Daten respektive die
ist aus Gründen der Nachhaltigkeit erwünscht (Material- dieren und damit destabilisierend wirken. Zu einer positiven hohe Verunreinigung mit Banalitäten und Halbwahrheiten
Energiebilanzen). Das Transformieren zeigt auch, dass sich Flexibilität gehören deshalb auch verbindliche Sicherheiten – (was die Welt der Dienstleistung etwas weniger betrifft),
Bürowelten in bestehende räumliche Systeme einfügen die beiden Pole bedingen sich. die Datensicherung und letztlich die gesicherte Lesbarkeit
können; damit verliert die Vision des „optimierten Neu- über lange Zeit (aufgrund neuer Programmversionen). Es
baus“ auch an Bedeutung. Es lässt sich eben so oder so Mobilitätseinbindung der Arbeitsplätze ist mit einer Auftrennung der Datennetze zu rechnen – in
sinnvoll und effizient produzieren. Aufgrund der anstehenden Umorganisation der Mobilität (von „Trash“ und in „Security“.
MIV zu ÖPNV, von schweren und schnellen Fahrzeugen hin
Zuviele Büroflächen zu leichten, mittelschnellen Automobilen) wird die gelenkte Leistungsdruck und Psychopharmaka
Obwohl der Anteil der im Dienstleistungssektor Tätigen Positionierung von Arbeitsflächen im Gefüge der Stadt immer Mit dem zunehmenden Druck auf schulische und beruf-
noch steigen wird, stehen einem weiteren Flächenwachs- entscheidender. Arbeitsplätze müssen an ÖPNV-Verkehrs- liche Leistungen nimmt der Missbrauch von Medikamen-
tum einige Argumente entgegen: Die Bevölkerungspro- linien und -Knotenpunkten angelagert werden. ten und Drogen massiv zu. Ein zunehmender Teil der Bevöl-
gnosen gehen für Mitteleuropa von einer schrumpfenden kerung schafft seinen Alltag nicht mehr ohne Chemie. Die
Gesellschaft aus, der relativ komfortable Büroflächen- Mehrere Arbeitsplätze – Dauerpräsenz der Arbeit Gesellschaft muss sich eingestehen, dass Leistung alleine
konsum scheint zu sinken. Der Stamm-Arbeitsplatz wird Der zweite und dritte Arbeitsplatz – nämlich zu Hause und kein Lebensziel sein kann, sondern vielfältige und breitere
kleiner, und letztlich erfordert nachhaltiges Bewirtschaften unterwegs – wird beinahe zum Standard. Der große Vorteil, Werte geschaffen und lebbar gemacht werden müssen.
den sorgsamen Umgang mit Flächen (Energieeffizienz). dass ohne Reiseverlust hier oder da gearbeitet werden kann,
birgt auch einen eklatanten Nachteil: dass nämlich potenziell
jeder Ort mit Arbeitsatmosphäre belastet wird.

49
Bio-Gen-Digital-Revolution?
Arbeitsorgansiation Zweite digitale Revolution: Forschungsgesellschaften
Erste digitale Revolution: Wissensgesellschaften
Dienstleistungsgesellschaft
Zweite Industrierevolution: Automatisierung
Erste industrielle Revolution: Mechanisierung Durchbruch erneuerbarer Energien?
Frühindustrialisierung Nanobiologie/Biorobotik
Urproduktion: Agrar/Handwerk/Handel Mikro- & Nanobereich, Gentechnologie
Nanowerkzeuge, Mechatronic, GPS-Mobilität
Material- und Werkstoffrevolution/Recycling
Technik / Material Miniaturisierung, Präzision, Geschwindigkeit, Atom, Solar
Roboter, Produktionsstraßen, Automaten, Fernsteuerung, Massenmobilität
Maschine & Mechanik: Dampf, Kohle, Öl, Gas und Elektrik, Mobilität
Verbesserung der Werkzeuge, Schwer- und Feinmechanik Gleichzeitigkeit aller Information?
Werkzeuge und einfache Mechanik Open-mind/Closed-mind
Speicher-Revolution, Notebook, W-Lan, Web 2.0, kulturelle Differenz
PC, Internet, Handy, private Peripherie, digitale Fotografie
Satelliten, Video, Kassette, CD-Rom, Mini-Disc
Kommunikation Telefonie, Telefax, Funk, Film, TV, Vorläufer des Computers Neue Arbeit?
Telegrafie, Fotografie, Vervielfältigung Minimal-Arbeit für alle?
Buch und Bilderdruck Internationale Wanderungen zur Arbeit
Polarisierte Gesellschaften, Arm – Reich
Bote mit Brief
Sprache Schrift Globalisierung, Liberalisierung,
Konkurrenz, Billiglohn, Ich-AG

Internationalisierung, Urlaub, Alter,


sexuelle Revolution, Nord-Süd-Gefälle

Soziale und politische Strukturen Reduktion Arbeitszeit, Freizeit,


Selbstbestimmung, Frauen im Job

Moderne Demokratie, Weltkriege,


Arbeiterbewegung, Arbeiterrechte

Erste weltweite Gesellschaften


Arbeits- und Handelsbündnisse (Zünfte, Hanse)
Güter- und Wissenstausch
Art, Gruppe, Stamm

50
Ökonomie

51
Ökonomie 53
Wertschöpfung und Standard 56
Elastizität 60
Funktionsvielfalt 62
Der gute Arbeitsplatz 64

52
Ökonomie

Eine „ökonomische Situation“ wird von Die Konsequenzen einer „kritischen Konzep- Gedankenübung sein, sich seinen Entwurf
unterschiedlichsten Bestimmungsfaktoren tion“ (zu hoher Standard, zu große Arbeits- in einem wesentlich anderen wirtschaft-
beeinflusst oder bestimmt: plätze, zu viele spezifische Nebenräume) lichen Umfeld vorzustellen; zum Beispiel
• den allgemeinen Wirtschaftsdaten und sind verheerend; sie führen im schlimmsten in einer lang andauernden Krise. Man wird
den speziellen Kenndaten im Immobilien- Fall zum Konkurs eines Unternehmens und sich dabei etwas mehr Gefühl für Fragen
sektor; zur Vernichtung der Arbeitsplätze. Demge- nach Dauerhaftigkeit, Kosten-Nutzen,
• statistischen Daten zum Wirtschaftssek- genüber steht der Anspruch auf „den guten Betriebskosten und allgemein zur System-
tor, zur Beschäftigung, zum Länderver- Arbeitsplatz“, gerade weil wir so viel Lebens- stabilität zulegen.
gleich, zum Flächenverbrauch et cetera; zeit am Arbeitsplatz verbringen.
• Kosten im Zusammenhang mit dem Bau- Solche Kriterien führen direkt zum Thema
werk: Mengenpreisen für Quadratmeter, Wir versuchen mit Modellen aufzuzeigen, der Autarkie, der Lebensdauerbilanz und
für Stückzahlen, für Elemente et cetera; welche Konsequenzen sich für die Ent- letztlich zur Nachhaltigkeit. Hier interes-
• spezifischen Daten aus dem Bürobau wurfsstrategie abzeichnen können: siert uns die Frage nach Unabhängigkeit
wie etwa prozentualen Flächenanteilen von Teilsystemen (zum Beispiel Autarkie
von Nutzungen, Erfahrungswerten zu • Die Wertschöpfung spielt zuerst eine im Energiehaushalt) oder die Frage der
bestimmten Organsiationen et cetera; zentrale Rolle; sie ermöglicht hohe oder „notwendigen Größe autarker Systeme“
• den ökonomischen Verhältnissen beim beschränkt auf tiefe Standards. (wahrscheinlich die Größe einer Region);
Auftraggeber, möglichen Standards et • Die Sortierung in unveränderbare Not- und hier wiederum interessieren besonders
cetera. wendigkeiten und veränderbare Systeme die Konsequenzen auf das Entwerfen.
muss erkannt werden. Das Verhältnis
Für ein konkretes Projekt können und darin kann eine Entwurfsstrategie sein. Für das technische Wissen um die Fragen
müssen wir nicht sämtliche dieser Daten • Grundsätzlich sind Standards zu hinterfra- der Gebäudebewirtschaftung und diejeni-
abrufen – wir haben uns auf einige wichtige gen. Es gibt dabei gesetzlich Geregeltes, gen der Gesamtbilanzen von Bauwerken
Eckdaten zu konzentrieren. Es sind dies mit aber auch zahlreiche Konventionen, die muss man sich zwangsläufig mit weiterer
Sicherheit die Investitionsobergrenze (das man innovativ umintepretieren kann. Fachliteratur auseinandersetzen.
„Kostendach“) und eine vereinbarte Stra- • Projektökonomie und Entwurf sind eine
tegie der Verteilungsprioritäten. So ist das Einheit, die zusammen mit der Bauträ-
Verständnis der ökonomischen Prinzipien gerschaft strategisch und transparent
für das Entwerfen von Bürobauten von zen- diskutiert werden soll.
traler Bedeutung. Es gibt – im Gegensatz
zu Wohnungsbauten – eine größere Anzahl Ökonomische Verhältnisse sind auf lange
von möglichen Teilfunktionen und bezüglich Zeit nur bedingt stabil. Man kann behaup-
der peripheren Dienste eine komplexere ten, dass jedes Bauwerk innerhalb seiner
Vernetzung mit dem Umfeld. Lebenszeit eine mittelschwere Wirtschafts-
krise durchmachen wird. Dazu kann es eine

53
40 Jahre für... sind durchschnittlich über 40 m2 pro Person kann, sondern auch als Systembelastung
Mit circa 40 Jahren Arbeit haben wir unser für Wohnen und 30 m2 für Arbeiten), letzt- (im Übrigen auch im Sinne der Nachhaltig-
„ganzes Leben“ zu bezahlen: das unserer lich dann unseren Ruhestand.1 Diese Optik keit). Dabei stellt sich auch immer die Frage,
eigenen Kindheit (respektive dasjenige macht klar, dass jeglicher Aufwand am an wen die Einsparungen eines minimierten
unserer Kinder), das unserer Ausbildung, die Arbeitsplatz nicht nur als Qualitätsverbesse- Arbeitsplatzes gehen; an den Unternehmer
gesamten Wohn- und Arbeitsflächen (das rung der Arbeitsbedingung gesehen werden oder an die Arbeitenden?

Lebensabschitte Flächenverbrauch und Ökonomie

Durchschnittliche Lebenszeitverwendung in Jahren.2

54
Ökonomie

KMU & Konzerne Unternehmensgröße und andere Unterschiedliche Verhältnisse


Kleinstunternehmen, Kleinunternehmen und Kriterien Die ökonomische Belastung einer Arbeits-
mittlere Unternehmen werden im Begriff Die Unternehmensgröße wird nach der stelle durch Architektur ist in Deutschland
KMU zusammengefasst. Unter kleinen KMU-Definition der EU folgendermaßen und der Schweiz unterschiedlich groß. In
und mittleren Unternehmen versteht die definiert: Deutschland werden durchschnittlich 30 m2
EU nach der offiziellen Definition Betriebe Kleinstunternehmen: pro Mitarbeiter belegt, die durchschnitt-
mit weniger als 250 Mitarbeitern, die von 0 bis 9 Personen lichen Baukosten liegen bei 1 900 Euro. Es
größeren Unternehmen unabhängig sind. ergibt sich eine durchschnittliche Belastung
Ihr Jahresumsatz darf außerdem nicht mehr Kleinunternehmen: des Arbeitsplatzes von circa 15%. Unter
als 50 Mio. Euro betragen, ihre Jahresbi- 10 bis 46 Personen anderem liegt diese tiefe Zahl auch daran,
lanzsumme nicht mehr als 43 Mio. Euro.3 dass in Deutschland die Lohnnebenkosten
In Deutschland wurde der Begriff „kleine mittlere Unternehmen: hoch sind.
und mittelständische Unternehmen“ vom 50 bis 250 Personen
Institut für Mittelstandsforschung in Bonn In der Schweiz sehen die Verhältnisse etwas
geprägt, das ihm eine etwas andere Bedeu- große Unternehmen anders aus: Es werden durchschnittlich
tung gibt. Diese definiert Unternehmen mit = Konzerne: über 250 Personen beinahe 40 m2 pro Person belegt, die durch-
bis zu neun Beschäftigten respektive weni- schnittlichen Baukosten liegen mit circa
ger als 1 Mio. Euro Jahresumsatz als kleine Demnach sind von den 20,5 Mio. Unterneh- 2 200 Euro etwas höher, dafür die Lohnne-
und solche mit zehn bis 499 Beschäftigten men mit über 122 Mio. Beschäftigten im benkosten um einiges tiefer. Dies führt ins-
beziehungsweise einem Jahresumsatz Europäischen Wirtschaftsraum (EWR) und gesamt zur Situation, dass ein Arbeitsplatz
von 1 Mio. Euro bis unter 50 Mio. Euro als in der Schweiz 93% Kleinst-, durchschnittlich mit 20 bis 30% belastet ist.
mittlere Unternehmen.4 6% kleine, weniger als 1% mittlere und nur Das Sparpotenzial bei den Büroflächen ist
0,2% große Unternehmen.5 demnach wesentlich höher.
Zwei Drittel aller Mitarbeiter/-innen arbeiten
in KMUs, nur ein Drittel in den Konzernen. Die Unternehmensgröße ist allerdings nur In Schwellenländern ist die Situation anders:
Dieses Lehrbuch hat seinen Schwerpunkt ein Kriterium für die „Charts“ – entschei- Die Einkommen sind gegenüber den Bauko-
deshalb auch beim Entwurf der KMU-Archi- dend sind vor allem Umsatz und Gewinn, sten niedrig – die Belastung des Arbeits-
tektur – behandelt die Konzernarchitektur zudem auch Internationalität, Speziali- platzes durch Baukosten dementsprechend
aber selbstverständlich auch als besondere sierung, die Position als Marktführer und hoch. Oft sind allerdings Verwaltungen
Aufgabe. letztlich die Verflechtungen in die Politik. aufgeblasen und ineffizient, was zu überpro-
portionaler Staatsbelastung führt...

55
Wertschöpfung der Arbeit Im untersten Bereich finden wir einfachste ...zur „Anwaltsklasse“
Neben einem durchschnittlichen Lohnband, Dienstleistungen, welche unter hartem Und natürlich in den obersten Einkommens-
welches mit Verwaltungsarbeit erreicht Konkurrenzdruck stehen und auch wenig klassen, für welche eine Entwurfsarbeit
werden kann (Annahme: 1 000 bis 4 000 Wertschöpfung haben – Musterbeispiel ist dann auch einmalige Spezialarbeit sein darf.
Euro), gibt es im unteren und im obersten das „Support- und Call-Center“, ausgelagert Ob internationale Beratungsfirmen oder An-
Bereich Wertschöpfungssituationen, die nach Indien. Auf engstem Raum arbeiten waltskanzleien; in einem kleinen Segment
erhebliche Konsequenzen für den Entwurf Niedriglöhner rund um die Uhr. werden Wertschöpfungen erreicht, bei
eines Bürohauses oder von Arbeitsplätzen welchen Flächen, Ausstattung, technischer
haben. Die Reduktion auf eine minimalste Vom „Küchentisch-Büro“... Standard, Materialeinsatz und Styling nicht
Büroorganisation kann nur von Selbststän- Interessante und problematische Beispiele an der Geldmenge gemessen werden, son-
digen verantwortet werden – für Angestellte finden wir auch in der Start-up-Bewegung, dern an exklusiver Einmaligkeit – bisweilen
gilt zurecht ein minimaler Qualitätsstandard, bei selbstständig Erwerbenden, welche auch an kitschiger Repräsentation. Über
welcher durch die AP-Verordnung geregelt oft unter prekären Arbeits- und Lohnbedin- dieses oberste Segment wird in diesem
ist. Ob dieser zu hoch oder zu niedrig ist, gungen ihre Leistung anbieten. Sie sind Lehrbuch wenig vermittelt, weil dies eine
müssen Sozialpartner, Politik und Unterneh- angewiesen auf günstigste Räume: peripher Sonderklasse ist und weil wir der Meinung
mer aushandeln. gelegen, am eigenen Küchentisch, nied- sind, dass die „Alltagsaufgaben“ Priorität
rigster Baustandard, Altbau... haben.

Spitzenein-
kommen Ziel
Segment Durchschnittliche Gutverdiener
hoher
- „Küchentisch-Büro“ Bedingungen
Hohe Ein- Gewinn
- Prekariat
kommen - Selbstausbeutung

Durchschnitts-
einkommen

Mindesteinkommen

Prinzip Belastungsverteilung Wertschöpfungsklassen

56
Wertschöpfung und Standard

Belegung und Standard Mitteln zu arbeiten und ist auf dichte Differenz von Faktor 15 – und dies ohne
Lage und Standard eines Verwaltungsgebäu- Belegung angewiesen. Die Faktoren sind die Verzinsung der Kosten des Landanteils.
des sowie seine Belegungsdichte sind die ziemlich groß: Von kleinstem Büroflächen- Die Baukosten pro Quadratmeter Haupt-
Hauptkennwerte, welche zur „Raumbelas­ anspruch bei wenigen Quadratmetern bis nutzfläche liegen bei üblichen Büroklassen
tung“ führen. Die Spielmasse im unteren zu großen Chefbüros (circa mal fünf), und minimal bei 1 000 Euro und maximal bei
6
Lohnbereich bei wenig wertschöpfender vom niedrigsten Altbaustandard zu aufwän- 3 000 Euro. Teurer geht es immer – aber
Arbeit ist klein: Man hat mit einfachsten digstem Neubau (mal drei) entsteht eine dies sind seltene und exklusive Spezialfälle.

Kosten und Standard

Durchschnitt

Fläche/Person Belegung

Verhältnis von Belegung, Kosten und Standard

57
Wertschöpfung bestimmt Maximalstandard Projektstrategie Ökonomie
Was ein Unternehmen über Aufträge einnehmen kann (und zwar in Für ein Projekt lässt sich demnach eine Strategie der Positionierung
„schlechten Zeiten“), bestimmt letztlich die Maximalgröße und den fahren: Auf welche Art wird Effizienz, Kostengünstigkeit oder Auf-
Maximalstandard der Räume, welche es mieten oder besitzen kann. wand (im Sinne von Standard, Komfort oder Repräsentation) erreicht
Der Standard kann bescheidener sein, aber nicht größer, weil das und betrieben, welches sind die möglichen architektonischen
Unternehmen sonst Konkurs anmelden muss. In der Grafik wird dar- Umsetzungen dazu? Im folgenden Schema sind typische Arbeits-
gestellt, wie sich die Faktoren Flächen-Menge und Flächen-Standard platzstandards dargestellt – vom „Küchentisch-Büro“ bis zum Büro
zu den Raumkosten addieren. für den Konzernchef.

Wertschöpfung Wertschöpfung
der Arbeit der Arbeit
AP-Fläche AP-Fläche

Position „Küchentisch”:
Hohe Wertschöpfung
minimale und günstigste Fläche
erlaubt größeren Flächenkonsum

Position „Bijouterie”:
klein und superedel Position „altes Loft”:
Niedrige Wertschöpfung lieber niedriger Standard, dafür viel Fläche
verlangt Flächen-Einschränkung
Anzahl Quadratmeter/AP
Anzahl Quadratmeter/AP
Kosten der
Kosten der AP-Fläche
AP-Fläche Position „Konzernchef”:
groß, Hightech, repräsentierend

In diesem Sinne sind Architekt/-innen in hohem Maße verantwortlich Für ein KMU sind solche Entscheidungen meist schwierig, weil
für das Abstimmen der Kostenfaktoren eines Bauwerks (Raumpro- diese Auseinandersetzung „Neuland“ ist – zumindest was den Zu-
gramm, Gebäudestandard...). Es ist sinnvoll, mit den Auftraggebern zu sammenhang von Gestaltungsfragen und Ökonomie betrifft.
Beginn der Planungen die möglichen Positionierungen zu diskutieren
und die ökonomischen Randbedingungen als strikte Vorgaben zu Ein Projekt wird auch durch „nicht-architektonische“ Kosten wie
verstehen. Dies wird von professionellen Investoren sowieso verlangt Grundstücks- oder Erschließungspreise bestimmt. Zudem muss
– bei privaten und „kleineren“ Aufträgen muss das Architekturbüro sich ein Projekt im laufenden Betrieb rechnen, was Abwägungen
kontinuierlich zur Klärung beitragen. Der bewusste Umgang mit Stan- zwischen Investitions- und Betriebskosten verlangt. Konkrete
dards ist aber nicht nur eine Frage der Firmensicherung, sondern eine Handlungsanleitungen machen an dieser Stelle wenig Sinn. Es geht
der allgemeinen Lebensqualität: Wollen wir sehr qualifizierte Arbeits- vielmehr darum, die ökonomischen Prinzipien grundsätzlich zu ver-
plätze – oder höhere Gewinne respektive höhere Löhne? stehen und zur Basis für ein sicher positioniertes Projekt zu machen.

58
Wertschöpfung und Standard

Differenzierte Raumstandards Hohe Anforderungen – andauernde Optimierung


Was als ökonomische Gesamtbedingung für ein Projekt gilt, kann Die wirtschaftlichen Bedingungen für den Arbeitsplatz verschärfen
nun für die einzelnen Räume ausdifferenziert werden; die einen sich. Die Lohnnebenkosten steigen, konkurrenzierende Niedriglohn-
Räume könnten absolut minimal konzipiert werden, damit in anderen länder setzen manchen Dienstleister unter Druck, aktuell lähmt uns
Räumen ein höherer Standard realisiert werden kann. Mit dieser eine Weltwirtschaftskrise. Andererseits versuchen wir, den Bürobau
gezielten Verteilstrategie können prägnante und spezielle Konzepte auf sinnvollen Ebenen – zum Beispiel im Bereich Nachhaltigkeit
entworfen werden: und Gebäudetechnologie – zu qualifizieren. Das System steht unter
Druck:

Wertschöpfung Wertschöpfung
der Arbeit der Arbeit
AP-Fläche AP-Fläche

Kompression,
„Arbeitsplatz unter ökonomischem Druck”:
z.B. im Bereich ohne Personen,
Der AP muss klein und günstig sein
also Lager, Druck
Wenig repräsentierende ...dafür große AP mit
Flächen, die aufwendig geringem Standard
gestaltet sind, z.B.
Empfangsbereiche
Anzahl Quadratmeter/AP Anzahl Quadratmeter/AP
Kosten der Kosten der
AP-Fläche AP-Fläche

Ein Projekt kann ganz wesentlich von dieser .…es sind nur sehr wenige
„Verteilungs-Strategie” geprägt werden. Spezialitäten realisierbar

Im Bürobau zur Miete (Investitionsprojekte) besteht dazu wenig Dies ist auch bei den Baustandards zu beobachten: Konstruktionen
Spielraum, weil sich Planer zur Risikovermeidung an gegebene Stan- sind komplexer geworden (Mehrschichtigkeit), der Technologie­anteil
dards halten. Eine „Prägungstaktik“ ist denn auch mehr geeignet ist gestiegen, die Standards im Sanitärbereich sind höher – trotzdem
für ein KMU, in dem die Geschäftsführung mit den Mitarbeitenden sind die Baupreise für den Quadratmeter Bürofläche nicht gestie-
eine spezielle Positionierung suchen kann. Die beiden folgenden gen. Das bedeutet, dass die Bauindustrie rationalisiert wurde. Es ist
Beispiele verdeutlichen, was gemeint ist: nicht klar, wie weit sich diese Optimierung weiter betreiben lässt.
• Eine Firma nimmt in Kauf, dass die individuellen Arbeitsplätze auf Letztlich verfügt ganz Mitteleuropa über zu viel Büroflächen. Es wer-
ein Minimum optimiert werden (auch kompakte AP können gut den demnach in den nächsten Jahren nur sehr wenige Neubauten
sein), sie will dafür einen spannenden Teamwork-, Sitzungs- und realisiert werden und wenn, dann nur in hervorragenden oder zwin-
Entwicklungsbereich und einen trendigen Empfang... gend vorgegebenen Lagen. Die Transformationsaufgaben werden
• Eine andere Firma minimiert die repräsentativen und kollektiven vorrangig sein. Planende müssen sich im Klaren sein, dass sie auf
Flächen und will mehr Fläche beim individuellen AP anbieten. der Ebene der Standardstrategien sehr innovativ vorzugehen haben.

59
Unregelmäßiger Arbeitseingang Elastische Belegung
Viele Unternehmen müssen mit einem unregelmäßigen Auftrags­ Räumlich kann ein Unternehmen (auf der eigenen Fläche) mit „innerer
eingang und Auftragsvolumen umgehen können. Der optimale Zu- Verdichtung“ oder mit „Entdichtung“ reagieren, aber nicht beliebig.
stand regelmäßiger 100%-Auslastung ist gerade bei den KMU nicht So ist von allen KMU immer wieder zu hören, dass sie „etwas mehr
voraussetzbar. Größere Schwankungen führen entweder zu Verlust Platz“ gebrauchen könnten, oder dass sie ein bis zwei Plätze unter-
oder Gewinn – und bei den Mitarbeitern zu Unterlastung oder Über- vermieten wollen. 91,5% aller Unternehmen im EWR sind Mikro- und
7
arbeitungsstress. Die Anzahl Mitarbeitende hängt so relativ direkt Kleinunternehmungen, welche unter 10 Personen beschäftigen. Die
vom Auftragseingang ab. meisten Bürobauten beherbergen deshalb mehrere Firmen. Dass eine
Firma ihr eigenes „Haus“ baut, ist eher die Ausnahme.
Auslastung/AP-Größe/Anzahl Angestellte
Auslastung und Einstellung
130 % = konstante Überlast..
Radikal einfacher, hoch-flexib-
= Wachstum = Anstellungen
ler Bürotyp
120 % Definitiv feste Neuanstellungen
120 % = temporäre Überlast
Temporäre Anstellungen
100 % = Optimale Auslastung Unabhängige Büros in Klein-
100 % einheiten, nebeneinander und
Festangestellte durchschn. 100%
separat erschlossen
80 % = Minimale Auslastung
Festangestellte mit Flexibilität zu
080 % Teilzeitarbeit (z.B. 70 - 80%)
70% = temporäres Auftrags- Ebenfalls von mehreren Bü-
loch = Verlust ros belegt - aber als „open-
060 % > 70% = Auftragsschwund = space“, mit geschlossenen
= Schrumpfung = Entlassungen Boxen.
Entlassungen wegen
Auftragsmangel

Eine Firma versucht deshalb, eine gleichmäßige Auslastung zu errei- Der gezeigte „hochflexible Bürobau“ erlaubt unterschiedliche Aus­
chen – damit ihre Angestellten geregelt produzieren können. Gehen bauten. Der gegenseitige Tausch von Räumen hängt von komplemen-
die Aufträge doch unregelmäßig ein, werden verschiedene Szena- tären Bedürfnissen der benachbarten Mieter ab – und diese Konstel-
rien wirksam: Von Teilzeit- über Kurzzeitarbeit, von Entlassungen lation ist wohl eher selten. Denn oft wachsen oder schrumpfen die
über temporäre Anstellungen und definitive Neuanstellungen – die Firmen gleichzeitig – weil die Region boomt oder stagniert. Deswegen
entsprechenden Maßnahmen hängen davon ab, ob Abweichungen ist eine der wichtigsten Flexibilitätseigenschaften eines Bürobaus,
als kurzfristig oder als eher langfristig erkannt werden. dass er eine sozusagen stufenlose innere Ver- und Entdichtung sowie
die Erschließung über mehrere Flächenkombinationen zulässt. Es ist
Dies ist die einfache Mechanik, welche vorerst zu einer Neubele- leider so, dass der millionenfach gebaute Achsenarbeitsplatz (zum
gung (dichter oder weniger dicht) der Büroflächen führt und letztlich Beispiel 2,5 m x 3,85 m) sich dafür nicht optimal eignet (siehe S. 88
zu einem definitiv veränderten Flächenbedarf (siehe Seite 86). „Strukturelle Vorbereitung von Flexibilität“).

60
Elastizität

Flexibilitätsgrad Flexibilität in unterschiedlichen Maßstäben


Wir können uns als Extrempositionen vorstellen, dass wir nur das Gesucht sind auf unterschiedlichen Maßstabsebenen diejenigen
eine oder nur das andere entwickeln: Eine komplett auf spezielle Räume, Systeme und Strukturen, welche zum einen räumliche Qua-
Funktionen und Bilder ausgestaltete Architektur, welche dann lität und Flexibilität ermöglichen.
(vermutlich) nur minimal flexibel sein wird – oder eine hochflexible
Maschine, die nur noch in funktionsirrelevanten Ebenen speziell 1. Großmaßstäbliche Ebene – Gesamtsystem
ausgestaltet werden kann und deren Bild eben das der „Flexibilität“ Solche Systeme sind im Kapitel Nutzungsmischungen sowohl für
sein muss. Um solche Fragen zu entscheiden, haben wir uns mit der die Stadt- und Quartiersstruktur wie auch für das einzelne Gebäude
Spezifizierung einer Architektur für Arbeit und mit der Lebensdauer schematisch dargelegt. (siehe Seite 80 ff.)
von Funktionen zu beschäftigen.
2. Auf der Gebäudeebene
Die generelle Frage ist: Habe ich es mit einem allgemeingültigen Die Frage, ob der eine oder andere Gebäudetyp flexibler oder weni-
oder einem speziellen Programm – oder mit einem Mix davon – zu ger flexibel ist, kann nur generell beantwortet werden: Bestimmte
tun? Und die spezifischen Fragen sind: Erschließungsanordnungen (zum Beispiel dichtere innere Erschlie-
• Ist zu erwarten, dass Räume für Arbeitsprozesse entworfen wer- ßung als minimal notwendig), Gebäudedimensionen (zum Beispiel
den müssen, welche funktional konstant sein werden, oder um keine extrem schlanken) und Gebäudestrukturen (Skelette geeig-
solche, welche sich schnell verändern werden? neter als Schotten) haben tatsächlich eine bessere Eignung für eine
• Handelt es sich um allgemeingültige, konventionelle Arbeits- flexible Nutzung. Nur sind hier auch andere Faktoren (Ort, Grund-
platzorganisationen – oder handelt es sich um Arbeitsweisen von stückszuschnitt, Programm) gleichwertig zu berücksichtigen. Wir
hohem Spezialisierungsgrad mit spezifischen Anforderungen? wollen nicht den „höchstflexiblen Bürotyp“ vorschlagen, damit die-
ser als Normlösung ohne Entwurfsauseinandersetzung reproduziert
Innerhalb dieser Fragestellungen sind alle Kombinationen mög­lich: wird. Deshalb zeigen wir auf den nächsten Seiten nur die Prinzipien
Das Spezifische kann lang- oder kurzfristig angelegt sein, das Allge- der Flexibilität. Dazu gehören auch Überlegungen, wie ein Unterneh-
meine kann dauerhaft oder temporär sein. Ein konventionelles Pro- men in einem Gebäude expandieren oder schrumpfen kann.
gramm lässt sich selbstverständlich sehr speziell interpretieren und
umsetzen. Auch auf dieser Ebene führt die Strategie zum „Brand“ 3. Innere Struktur und Arbeitsplatz
einer Firma. Grundsätzlich unterscheiden sich hier auch Bürogebäu- Auf der Ebene des Arbeitsplatzes haben wir das Problem erwähnt,
de zur Miete und spezifische Firmenarchitekturen. Wobei für alle das dass der Standardarbeitsplatz (zum Beispiel 2,5 m x 3,85 m) zwar für
Kriterium Flexibilität eine große Priorität hat. sich optimiert ist, dafür aber weniger unterschiedliche Gruppenzu-
sammenstellungen, insbesondere eine innere Ver- oder Entdichtung,
Das Thema Flexibilität wird vertiefend auf den Seiten 86 ff. behan- zulässt. Deswegen macht es Sinn, in Teilbereichen einer Bürostruk-
delt. tur auch unterschiedlich belegbare Zonen anzubieten. Diese Balance
zwischen fest strukturierten und dafür optimierten und offenen
Zonen gilt es beim Entwurf zu finden.

61
Kleine und große Firmen Schließlich trägt die Qualität des Arbeitsum- Für kleine Firmen lassen sich solch mannig-
Je höher die Wertschöpfung einer Arbeit felds zu einer „positiven Leistungsatmo- faltige Angebote nicht finanzieren, sie haben
und je größer die Firma, desto mehr spezi- sphäre“ bei. Solche Nutzungsangebote sind aber die Chance, sich im (urbanen) Umfeld
fische Nutzungen kann ein Unternehmen an sicher begrüßenswert – aber sie gehören in Netzwerken zu organisieren. Im schlech-
seinem Firmensitz anbieten. So finden sich nicht zum notwendigen Standard. Andere ten Fall fehlt es an passenden Angeboten
schon bei mittelgroßen Betrieben eigene Werte wie Arbeitsplatzsicherheit und Ver- und im günstigen Fall bietet das Umfeld
Cafés und Sitzungszimmer; bei großen sorgungssicherheit bei Krankheit und Alter qualifiziertere und vielfältigere Leistungs­
Unternehmen sind eine eigene Reprogra- gehen dem vor. Auch hier ist vom Archi- angebote als ein firmeninternes Angebot.
fie, ein Ver­­samm­lungsraum, eine Kantine, tekten verantwortlich abzuklären, wieviel (siehe Seite 77)
teilweise sogar Fitnessräume Standard. „Spezialprogramme“ er einplanen kann.

Mini-Format Midi-Format Maxi-Format


Beim Mini-Format teilen sich die wenigen Angestellten Mittelgroße Betriebe können sich einige Funktionen lei- Hier sind die Unterschiede sehr groß, da per Definition
alle Funktionen. Möglich ist auch, dass Kleinstfirmen sich sten: eine gewisse Größe beim Empfang, ein Sitzungszim- ab 250 Angestellten von Großbetrieben die Rede ist. Die
in Clustern zusammenschließen und gewisse Dienste mer und allenfalls eine kleine Mittagsküche. Konzerne beschäftigen bis zu mehrere tausend Angestellte
gemeinsam betreiben. an einem Ort.

AP = Sekretariat, Sekretariat,
Post, Print EG
Empfang, Post, Café
AP Bar
AP, Sitzung Firmen- Konferenz Sitzung
gelände Empfang
Eingang Restaurant
Eingang,
Halle Sitzung

Lounge Küche
Service Empfang, kleine Tech
Bibliothek, Lager Küche Vorfahrt
Sitzung

Andere Fachleute Einzel-AP


OG
Informell
Netzwerke Imbiss
Sitzungszimmer
Lager
Kleinstunternehmungen und urbane zumietbar
Netzwerke funktionieren in Symbio- Saal Sitzung
se; sie stützen sich gegenseitig Luftraum
Büro Sitzung
Bar Service
Stadt
Repro, Print Essen Großraum
Post Saal zumietbar

62
Funktionsvielfalt

Systembilder
Metron AG, Standort Brugg kempertrautmann.haus, Hamburg
Die Planungsfirma Metron besteht seit 1965 aus mehreren Be- Das Kempertrautmann.haus wird im Erdgeschoss und ersten Ober-
trieben, die in einer Muttergesellschaft zusammengeschlossen geschoss durch eine Ladennutzung belegt. Die restlichen sieben
sind. Mit 140 Mitarbeiter/-innen und mehr als 30 unterschiedlichen Obergeschosse werden von einer Werbeagentur genutzt, die stark
Berufen ist Metron eine der interdisziplinärsten Planungsfirmen; auf periphere Dienste im Quartier angewiesen ist. Im Gebäude gibt
Architekt/-innen, Landschafts-, Verkehrs- und Raumplaner/-innen, es keine Küchen, der Serviceanteil ist auf ein Minimum reduziert.
Geograf/-innen, Ingenieure, Jurist/-innen et cetera arbeiten hier Hand Trotz eigener Besprechungsräume werden die Arbeitsgespräche oft
in Hand. Als Selbstverwaltung wurde beim eigenen Hauptsitz auf in benachbarte Cafés verlegt; Freizeitaktivitäten, Essen und Versor-
das reichhaltige Angebot an gemeinsamen Räumen und auf kosten- gung können im Quartier abgerufen werden. Mehrere Druckereien
günstige aber qualitätsvolle Arbeitsplätze geachtet. Das Gebäude und eine Reprografie sind fußläufig zu erreichen, ein Hotel und
erhielt 1994 den Schweizer und Europäischen Solarpreis. Theater runden das Serviceangebot ab.

Eigene Reprografie
Dachcafé Außenbereich, teilweise gedeckt Freizeit/Freiraum
Sitzungszimmer pro Geschoss
Saal „Dachcafé“
Küche (Kapazität für Mitarbeiter)
Dachsaal - eher repräsentativ Peripherie im Haus
Theater/Kultur
Kleines Sitzungszimmer im Sockelgeschoss
Saal im Sockelgeschoss (Sitzungen, Versammlungen, Kulturbetrieb) - mit Außenraum Hotel Essen im Quartier
Eingang/Empfang

63
„Der gute Arbeitsplatz“ – für wen? Beide Kriterien – die Effizienz und einen hat dazu die lesenswerte Broschüre „Gute
9
Die Balance zwischen qualitätsvollem oder guten Arbeitsplatz – zu erfüllen, daran wird Arbeit im Büro“ veröffentlicht.
unangenehmem und zwischen aufwän- seit Jahrzehnten geforscht. Wir wollen mit
digem oder effizientem Arbeitsplatz wird diesem Grundlagenwerk die richtigen und Large and representative?
über verschiedene Faktoren definiert: auch kritischen Fragen stellen, welche beim Small and beautiful!
Zunächst über die urbane Lage und deren Entwerfen in die Zukunft führen werden. So alt die Devise „small is beautyfull“ nun
Erschließung, dann über die gesamte Qua­ Wir können keine Rezepte anbieten – zum ist, sie hat mehr denn je ihre Berechtigung.
lität des Hauses (Gestaltung, Raumklima), Beispiel über die richtige Größe eines Denn über belegte durchschnittliche Büro-
weiter über die Flächenverteilungen (zum Arbeitsplatzes, da es immer um Entscheide flächen verbrauchen wir auch Material und
Beispiel Fläche und Lage im Gebäude), auch innerhalb eines Entwurfskontextes mit spe- Energie. Nach Kriterien der Nachhaltigkeit
über Teamorganisation und -leitung, ganz zifischen Randbedingungen geht, welche macht es Sinn, einen kleinen Arbeitsplatz
wesentlich über die Gebäudetechnologie sich nur bedingt systematisieren lassen. zu betreiben. Dieser kleine Arbeitsplatz soll
(Lüftung, Belichtung, Schallschutz), und „Der gute Arbeitsplatz“ ist auch über einen dann aber von hoher Raumqualität sein (und
letztlich über eine Reihe weicher Faktoren kulturellen, sozialen und ökonomischen das hat wenig mit teuren Möbeln zu tun), da
wie Unternehmenskultur, Identifikation, Konsens definiert. Das Selbstverständnis, wir ja acht Stunden pro Tag hier verbingen.
Transparenz (für die Nachvollziehbarkeit der wieviel Raum persönlich oder öffentlich Arbeitsplatzqualität ist Lebensqualität.
Entscheide). benötigt wird, ist in Kulturen recht unter-
schiedlich. Das Interesse an Optimierung
Man kann in dieser Diskussion nicht Die bekannte Beratungsgruppe „Quickbor-
ausblenden, dass es immer eine Bandbrei- Kritische Fragen ner Team“ untersucht und plant Bürobe-
te gibt, in welcher die Angestellten vom Mit 36 Millionen Angestellten und über legungen und -organisationen seit den
Unternehmen entweder großzügig mit vier Millionen Selbstständigen verbraucht 1950er Jahren und hat sich unter anderem
Arbeitsplatzqualitäten versehen werden Deutschland eine riesige Menge an Res- einen Namen mit Großraumorganisationen
8
können oder eben brutal enge Situati- sourcen. Immobilienerstellung, -bewirt- gemacht, welche nach breiten Systemkrite-
onen angeboten werden müssen. Man schaftung und -sanierung, Ausstattung mit rien entwickelt worden sind (Teamprozesse,
wünschte sich dazu jeweils Transparenz, da Ausbau und Peripherie (Möbel, Technik), Kommunikation, Flexibilität, Wohlbefin-
10
die geschilderten Situationen auf Gewin- Betriebskosten für Kommunikation und den).
noptimierung oder Notwendigkeiten des Energie, Gewährleistung von Sicherheit
Unternehmens beruhen können. Nach- – die Liste macht deutlich, dass wir über Im Jahr 2008 untersuchte der australische
vollziehbar schwierige Situationen werden einen Milliardenmarkt reden. Eine Frage Forscher Vinsh Oommen international die
normalerweise von den Mitarbeitenden ist deshalb, ob und welche Elemente wir Arbeitsbedingungen in Großraumbüros und
auch mitgetragen. Bei mangelnder Transpa- tatsächlich für gute Arbeitsplatzqualität und deren Auswirkungen auf die Angestellten.
renz bleibt aber die Frage, wem denn eine für ein nachhaltiges Gebäude benötigen. Die zahlreichen negativen Wertungen und
größere Effizienz zu Gute kommt. Des Weiteren kann die Berechtigung indivi- Effekte (Stress, mehr Krankheit, Unzufrie-
11
dueller Ansprüche hinterfragt werden. IGM denheit etc.) sind beachtet worden. Das

64
Der gute Arbeitsplatz

Kombibüro wird, nicht nur deswegen, dem Entropie und Autarkie Ziele und Probleme der Umsetzung
reinen Großraumbüro vorgezogen. Die Das Entropiegesetz gibt für das Entwerfen Der große Flächenüberschuss bei Büro- und
Hochschule Luzern untersucht mit diversen eine bedeutende Rahmenbedingung vor: Verwaltungsbauten stellt uns vor schwierige
Partnern die Optimierung von effizienter „Jedesmal, wenn verfügbare Energie im Situationen:
Büroraumbelegung und Arbeitsplatzqualität. Rahmen einer Anordnung eine Verwen- • Bestehende Belegungen werden aus
Dabei sind verlässliche Aussagen deshalb dung findet, wird die Unordnung in dessen Kostenüberlegungen optimiert, womit
schwierig, weil zahlreiche subjektive Fak- Umgebung größer. Jede Technologie ist weitere Flächen auf den Markt kommen.
12
toren mitentscheidend sind. eine Insel der Ordnung, sie lebt auf Kosten • Es wird eine Konzentration bei bestehen-
größerer Unordnung in ihrer Umgebung. den Flächen und guten Lagen stattfinden.
Für großzügige Büroräume benötigen wir Alle Formationen büßen ihre Ordnung ein, • Ineffiziente Gebäude an schlechter Lage
keine Untersuchungen – sie sind selbstver- sofern nicht ständig für die Wiederherstel- werden unter hohen Druck geraten.
ständlich angenehm. Aber für Komprimie- lung ihrer Ordnung Arbeit geleistet wird.“13
rungen und Einsparungen benötigen wir Wir haben uns demnach zu überlegen, mit Für eine nachhaltige Planung könnten
wissenschaftliche Untersuchungen, wie welcher Technologiedichte wir die Bau- Instrumente geschaffen werden, um von
dabei dennoch eine verträgliche Arbeits- aufgabe (partiell) autark machen können. der isolierten Flächenbewirtschaftung hin
platzqualität zu erreichen ist. Vor dem Hin- Beim Aufbau stören wir andere Systeme zu einer (informellen) Gesamtbewirtschaf-
tergrund der zunehmenden Belastungen der – wir erzeugen Unordnung (zum Beispiel tung zu gelangen. Dass bei derart großem
Dienstleistungangestellten und im Wissen Energieverbrauch und Umweltzerstörung Lehrstand noch weitere, konkurrenzierende
des hohen Pharmazeutikakonsums stehen für Rohstoffgewinnung, Materialherstellung Gebäude erstellt werden, widerspricht dem
wir vor einer großen Herausforderung. und Transport) – und mit autarkem Betrieb prioritären Ziel Nachhaltigkeit. Unter diesem
(Solarenergie etc.) verschonen wir unsere Aspekt nimmt das Thema Konversion eine
Kriterien der Nachhaltigkeit Umwelt. wichtige Bedeutung ein.
Organisation von Arbeitsplätzen kann heute
nicht nur aus der Logik der einzelnen Unter- Um wirklich nachhaltige Gebäude zu Der gute Arbeitsplatz – nach breiten
nehmen gelöst werden, es sind zahlreiche entwerfen, müssen wir zwangsläufig das Kriterien
Verflechtungen zu anderen Kriterien rele- gesamte System und seine Lebensdauer Diese Aspekte zeigen, dass „der gute
vant, welche ohne internationale Regulie- verstehen, welches durch das Bauwerk ak- Arbeitsplatz“ nicht mehr nur im Gebäude
rung voraussichtlich zu Fehlentwicklungen tiviert, belastet und entlastet wird. Da diese direkt um die arbeitende Person stattfindet,
führen würden: komplexe Aufrechnung nicht mit jeder Ent- sondern ein System weiträumiger Verant-
• nachhaltige Arbeitsplätze wurfsskizze zu erstellen ist, braucht es eine wortlichkeit sein muss: Wir müssen uns als
• kompakte, qualitätsvolle Arbeitsplätze neue Tradition des nachhaltigen Entwerfens Arbeitende und als Unternehmer bewusst
• die Mobilitätsbindung (Erreichbarkeit ÖV) – neue Bilder, neue Leitsätze. Ein Beispiel werden, dass wir mit unserem Arbeits-
• Verteilung der Arbeit in der Stadt. dazu: „Versuche mit möglichst wenig Mate- platz in Systeme eingreifen – und letztlich
Viele solcher Kriterien sind auch ein Beitrag rial möglichst viel Raum zu erschaffen und wünschen wir uns ja ein Gesamtsystem mit
zum „guten Arbeitsplatz“. diesen dann intensiv zu nutzen.“ hoher Lebensqualität.

65
Stadt, Quartier, Haus

67
Standort 69
Kontext und Mobilität 72
Reichweiten Netzwerke 76
Nutzungsmischung 78
Hybride 84
Flexibilität 86
Qualität und lieblose
Bürolandschaften... 90
Stil und Funktion 92
Transformation und
Konversion 94

68
Standort

In der umfassenden Aufgabenstellung ist Zudem lässt sich das Thema „Arbeit und Interessant ist für die Entwerfenden, den
die Standortsuche und -wahl eine ent- Stadt“ unterschiedlich strukturieren, bei- Spielraum zwischen ortsunabhängigen und
scheidende Aktion. Auch wenn bei einem spielsweise über ortsgebundenen Faktoren zu erkennen; ich
Architekturauftrag das Grundstück oder die • die Position im Terrain: Arbeiten in der muss also wissen, was ein Bürogebäude
Situation für die Bauaufgabe oft schon vor- Region, am Stadtrand, im Zentrum; überhaupt sein kann – und was es in einer
gegeben ist, so sind Kenntnisse über den • die Gewichtung der Adresse: 1A- speziellen Lage werden kann.
Prozess zur Standortwahl von Vorteil. Wir Standorte in Metropolen, gute Adressen
verstehen dann neben der städtebaulich-ar- in Regionalstädten, Verwaltung in der Sicher hat man den Anspruch, dass der
chitektonischen Analyse auch das Geflecht Kleinstadt...; Dialog zwischen Gebäude und Umfeld
von weiteren entscheidenden Kriterien; • die ökonomische Kategorie des Umfelds kultiviert wird. Aber auch das muss nicht
die Lageklasse, die Erschließungsanforde- oder des Tätigkeitsfelds: von Headquar- zwingend sein; ein Gebäude darf radikal
rungen, das vorhandene Nutzungsgeflecht ters international tätiger Konzerne bis zu nur aus inneren Faktoren entwickelt sein –
– Faktoren, welche den Entwurf wesentlich quartiergebundenen Dienstleistungen; solange es sein Umfeld damit nicht stört.
beeinflussen können. • Firmenkulturen: urbane Dienstleistungs­ Dies ist wohl ein schwieriger Diskurs:
angebote..., Verwaltung einer Versandka- Wann wird das vollständig Andere und
Im Kapitel „Stadt und Quartier“ werden talogfirma mit Billigstangeboten...; Neue zu einer Bereicherung, wann zu einer
diejenigen Ebenen dargelegt, auf denen die • Wertschöpfung: Call- und Supportcenter, anregenden Irritation und wann zu einer
„Architektur für Arbeit“ auf Stadt reagiert professionelle höchstwertige persönliche offensichtlichen Störung. Für das Studium
(– da Stadt vorteilhafterweise alle Funkti- Beratung...; empfehlen wir hier die breite Recherche.
onen beherbergen sollte, reden wir nicht • oder ganz einfach über die Umfeldqualität Gerade diese Spannweite lässt sich nämlich
von „Stadt für Arbeit“). Damit finden sich der gebauten Nachbarschaft: edles Villen- zu Beginn in Varianten gut untersuchen und
hier auch Hinweise für den Städtebau. Ge- viertel, reizende Altstadtecke, liebloses die Fragestellung ist dann: Wie entwerfe ich
bäude und Quartier sind sowieso im Dialog; Büroviertel, attraktive Industriebrache ein Gebäude, welches die Eigenlogik des
„wir können nicht nicht-kommunizieren“. in Umnutzung, Insider-Ort in problema- Umfelds aufnimmt und eigenständig neu
Gebäude und Quartier sind ein System, tischer Lage... interpretiert – und auf welche Weise kann
dessen unterschiedliche Ebenen, die des ich den Ort mit Ergänzungen, mit Opposi­
Raums, der Funktionen, der Atmosphären, Meistens spielen mehrere solcher Ord- tionsdialog bereichern. Und noch einmal:
der Erreichbarkeit, sich untersuchen und nungen zusammen, insbesondere hier Wie sieht es aus, wenn ich nur aus inneren
entwerfen lassen. Uns interessiert hier also spüren wir die Vernetzung mit den anderen und programmatischen Faktoren entwerfe
die Frage, wie diese Beziehung strukturiert Kapiteln (Ökonomie, Wandel, Arbeit und...). und dann erst in Dialog trete?
ist, wie sie sich im Laufe der Zeit verändern Wir erkennen typische „Positionsbilder“ –
kann und natürlich welches die Konse- und können hierfür die Bedingungen an die
quenzen auf den Entwurf sein können. Architektur formulieren.

69
Dichte ist Bedingung Qualität der Lage/Standortfaktoren
Arbeit ist auf Dichte angewiesen: wegen den Verkehrsanbindungen, Viele Firmen sind durch ihre Kundenbindung standortgebunden – sie
wegen Kundschaftspotenzial, wegen Optimierung der Arbeitsfläche können nur innerhalb der Region ihren Sitz verschieben. Ein Stand-
(viel Bürofläche auf wenig Grundstücksfläche). Die meisten kleinen ortwechsel ist meist mit großen Aufwendungen verbunden. Bei der
Firmen (KMU) können im regionalen Umfeld bestehen – größere Wahl des Standorts sind zahlreiche Faktoren relevant – einige davon
Unternehmen benötigen entsprechende Verkehrsanschlüsse; ihr werden mit einer Standortanalyse gewertet:
Kundenkreis ist international oder überregional, die Anbindung an • Die Bedingungen des Projekts (räumliche Anforderungen, kritische
unterschiedliche Verkehrssysteme zwingend. Für Großkonzerne ist ökonomische Belastungsgrenze, Lagewünsche).
die Nähe zu Airport-HUBs und internationalen Bahnkreuzpunkten • Die harten Faktoren: Größe und Kosten des Grundstücks, Infra-
zwingend. Mit der Globalisierung des 20. Jahrhunderts sind die strukturqualitäten (zum Beispiel Verkehr, Dienstleistungsumfeld),
Standortqualitäten allerdings gesplittet worden: Einerseits werden allgemeine Strukturdaten, Wirtschaftsstruktur, Steuerbelastung,
für Headquarters und den Bereich Entwicklung ausgezeichnete Wachstumserwartungen, Vernetzungspotenziale...).
Lagen gesucht, andererseits wurden die Bereiche Produktion und • Weiche Faktoren: Attraktivität, gesellschaftliches Klima, sozioöko-
Verwaltung vermehrt an günstigere Standorte ausgelagert. nomische Situation, Vorlieben...

70
Standort

Integrale Standortqualitäten Qualitäten der kleinen Orte


Bei der Standortwahl spielt die integrale Standortqualität eine große Die vorangehende Auflistung von Topqualitäten verdeckt aber den
Rolle. Es geht eben nicht nur um die Lagequalität des Grundstücks Blick auf die Attraktivität von kleinen Ortschaften, von Insider-Orten.
und von dessen Umfeld (Mikrostandort), sondern um die integrale Wer nicht das „Dauerbrummen“ der Großstadt sucht, der findet in
Qualität des Einzugsbereichs (Makrostandort), weil in ihm nicht der Region spezifische Bedingungen für sehr hohe Umfeldqualitäten
nur gewirtschaftet, sondern auch gelebt wird. Die Mitarbeitenden und für besondere Positionierung:
wünschen für sich und ihre Familien gute Lebensqualität – finden • Stammkundschaften, lange Beziehungen und Verbindlichkeiten,
sie diese, trägt dies zur Stabilität bei. Zur integralen Standortqualität • überschaubare und deshalb stabile soziale Netze,
gehören auch hochwertige urbane Freiräume. Die Vernetzung von • persönliche Wirksamkeit bei Engagement,
kleinen Quartiersplätzen, von Parks und von verbindenden Korridoren • weniger hektisches Umfeld, Nähe zu Natur.
bilden dabei ein tagtäglich von vielen benutztes Raumsystem. Es
ist eine Verpflichtung der Politik, und insbesondere der Raum- und Die Hälfte aller Bürobeschäftigten arbeitet in eher kleineren Städten
Stadtplanung, mit integraler Standortqualität für eine nachhaltige mit unter 80 000 Einwohnern (siehe Seite 20).
Entwicklung zu sorgen.

71
Kontext

Mit der Wirtschaftskrise 2008 wird aber auch klar, dass sich Arbeit
mit ganz anderen Zuständen organisieren muss: Unter schwierigen
ökonomischen Bedingungen, unter prekären Verhältnissen, mit
neuen Strategien.

Immer mehr macht sich die Erkenntnis breit, dass gerade auch
die weichen Faktoren bei der Standortwahl mitentscheidend sind,
welche direkt oder indirekt ein Resultat einer langfristig um integrale
Lebensqualität bemühten Stadtplanung sind. Dazu braucht es in der
Stadtplanung allerdings Visionen und Leitbilder sowie harte kontinu-
ierliche Arbeit für deren Umsetzung über Jahrzehnte hinweg. Politik
handelt sinnvoll, wenn sie neben der Wirtschaftsförderung auch
eine starke Stadtplanung einrichtet und unterstützt. Das Angebot
und die Qualität aller Nutzungen (Arbeiten, Wohnen, Freizeit und
Der Arbeitsraum besteht aus einem Gemenge von Funktionsorten. Eine kontinuierliche Kultur) bildet deshalb den Nährboden für jede einzelne Nutzung. In
Optimierung der Beziehungen ist nicht möglich, da es bei allen Beteiligten auch positive
Verortungen gibt: „Hier habe ich mein Zuhause“ – „In dieser Firma arbeite ich“!
diesem Sinne ist es unmöglich sich vorzustellen, dass ein sehr gutes
Gebäude für eine Nutzung sich selbst genügen kann. Der Kontext
ermöglicht Lebens- und Arbeitsqualität – das versteht man als Stadt.
Wir sind sicher, dass hier auf unterschiedlichen Ebenen viel Nach-
Siedlung braucht Arbeit – Arbeit braucht Siedlungsqualität holbedarf ansteht, und dass gerade im Bereich Transformation das
Aus Sicht der Stadtplanung ist die räumliche Organisation von Zusammenspiel der Entwicklungen in Stadt-, Wohn- und Arbeits-
Arbeitsorten ein schwieriges Unterfangen. Auf dem öffentlichen welten weiter qualifiziert werden kann. Dazu bedarf es auch nicht
Sektor (Verwaltung, Schule, öffentliche Dienste) kann Politik und einer Hochkonjunktur, sondern einer Rückbesinnung auf wesentliche
Stadtplanung direkten Einfluss nehmen – aber sie macht sich nicht Kriterien.
beliebt, wenn sie diesen Sektor unnötig aufbläst. Auf alle anderen,
wirtschaftlichen Arbeitsplätze hat sie nur einen indirekten, unterstüt- Mobilität
zenden Einfluss, der aber entscheidend sein kann. Ein ganz entscheidender Faktor ist der Aufbau eines qualifizierten
Es sind die oben genannten Standortfaktoren Dichte, Lageklasse und leistungsfähigen öffentlichen Personennahverkehrs – dies aus
und integrale Standortqualitäten, welche das Umfeld eines Unter- mehreren Gründen: ÖPNV bietet günstigen Transport, schafft Sied-
nehmens definieren. Darunter einige Beispiele für harte Faktoren: lungskonzentration, ist nachhaltig und ermöglicht während der Reise
• der räumliche Standort: gute Adresse, gut erschlossene Gebiete; zahlreiche Nutzungen (Arbeit, Lesen, Kommunizieren). Wir verste-
• funktionierender Markt, Kaufkraft, Konsumenten, Dynamik; hen deshalb den ÖPNV als eine wesentliche strukturelle Ergänzung
• arbeitsfreundliches Umfeld (Arbeitgeber und -nehmer): geringe zu den Arbeitswelten. Deshalb wollen wir hier die wichtigsten Prin-
Lohnnebenkosten, wenig Vorschriften, unbürokratische Abläufe. zipien der Mobilitätsorganisation für Arbeitswelten kurz erklären.

72
Kontext und Mobilität

Mobilitätsstruktur zwischen Wohnen und Arbeiten


Aus Sicht der einzelnen Wohnung oder des einzelnen Wohnenden ist
die Beziehung einfach – nämlich vor allem ein-, manchmal zweidi-
mensional: Hier wohne ich, dort arbeite ich – und eventuell gibt es
noch einen Arbeitseinsatzort. Diese immobile Verortung hat den
Vorteil, dass Menschen an Orten verankert leben können und damit
„Verantwortung für den Raum“ übernehmen.

Der räumliche enge Bezug von Wohnort zu Arbeitsort wird bei sta-
bilen Verhältnissen als Lebensqualität empfunden. Das System der
kurzen Wege ist im übrigen auch nachhaltig.

Angenehm:
Wohnen beim Arbeitsplatz
Unangenehm:
Auseinanderdriften von Wohnen und diversen Arbeitsplätzen

Für die meisten Dienstleistungsarbeiten gibt es neben dem Wohnort und dem Arbeits-
ort auch die „Einsatzorte“; dies bedeutet Fahrten zu Projekten und zu Kunden.
Einigermaßen überschaubar sind Konstellationen wie „Singles in
Einzelhaushalten” in der urbanen Zone. Als Alleinstehende haben
auch sie die traditionellen „Vaterrechte“ – sie können sich räumlich
positionieren, wie es ihnen passt. Etwas komplexer sind Paare mit
zwei Wohnungen ohne Kinder. Diese haben zwei Wohnorte und zwei
Arbeitsorte mit Mobilität zu organisieren.

Das Schema oben rechts zeigt Wohn-Arbeitsort-Veränderung bei


einem jungen Paar, welches die Wohnung zusammenlegt, dann mit
zwei Kindern in eine größere Wohnung wechseln will und deren
Arbeitsorte im Laufe der Jahre sich ändern. Schon richtig schwierig
zu organsieren ist eine Familie mit zwei Kindern, in welcher beide
Elternteile arbeiten und erziehen wollen. Dementsprechend kann
es heute für eine Patchwork-Familie zu einem ihrer Hauptprobleme
Für die traditionelle Familie traf ein überschaubares Schema zu, in welchem der werden, dass damit mehrere Wohn- und Arbeitsstandorte ein an-
Vater seinen Lebensjob hatte und damit das ganze räumliche Gefüge geprägt hat.
strengendes Mobilitätsverhalten einfordern.

73
Aus der Sicht des Betriebs Ökonomie zwischen „kurze Wege“ und „mobil-flexibel“
Eine Firma dagegen ist in ein vielschichtiges Netz von Personen Der bewährte Standard – „allen Mitarbeitenden einen persönlichen
und Mobilitätsansprüchen eingebunden. Es sind nicht nur eine Arbeitsplatz“ – bietet große Qualität, muss aber für bestimmte
bestimmte Anzahl von Mitarbeiter/-innen, welche vernünftig zum Arbeiten hinterfragt werden. Will man beispielsweise dem Teilzeit-
Firmenstandort anreisen können müssen, es sind dies auch eine be- Homeworking eine Chance geben, kann im Büro nicht ein Dauer­
stimmte Anzahl von Kunden und von Zusammenarbeitsbeziehungen platz beansprucht werden. Was früher schon mit gnadenloser
sowie von sogenannten „Einsatzorten“. Schichtarbeit optimiert wurde, steht unter anderen Prämissen
wieder zur Diskussion: Teilzeitarbeit, hohe Mobilität, 24h-worldwide-
Diese Mobilitätsanforderungen sind je nach Arbeitsart sehr verschie- working...
den. Es gibt Arbeiten, die nur stationär-immobil geleistet werden
können; zum Beispiel die Arbeit des Archivars. Demgegenüber Es ist Aufgabe der Planenden, Organisationsmöglichkeiten und
steht das Modell „Mit der Arbeit zum Kunden“, welches deshalb deren räumliche Konsequenzen zu erkennen, um mit innovativen
den mobilen Arbeitsplatz benötigt – zum Beispiel den des fahrenden Lösungen gute und effiziente Arbeitsplätze zu ermöglichen.
Dienstleisters.

Absolut stationär im Archiv Partiell mobil mit Notebook Mit der Arbeit zu den Kunden (Bangkok Din Daeng)

74
Kontext und Mobilität

Unterschiedliche Anforderungen für Wohnen und Arbeiten Arbeitsorte an die Knotenpunkte des öffentlichen Verkehrs!
Die Mobilität zwischen Wohnort und Arbeitsplatz muss in den näch- Es ist allen klar, dass das Dogma der „funktionsgetrennten Stadt“
sten Jahrzehnten grundlegend geändert werden: Wir werden uns nur noch für nicht-verträgliche Nutzungen (wie zum Beispiel Indus-
auf intensiveren Gebrauch von öffentlichen Verkehrsmitteln einstel- trie und Wohnen) gilt. Zukunftsweisend ist eine intensive Verschrän-
len müssen. Die Standortanforderungen für Arbeiten sind bezüglich kung von möglichst vielen Nutzungen, denn dies erlaubt die „Stadt
Mobilität viel höher als diejenigen für den Wohnort: Beim Wohnort der kurzen Wege“ – und damit eine Entlastung sämtlichen Verkehrs.
ist pro Person nur eine direkte ÖPNV-Verbindung zum Arbeitsplatz Für Arbeitsorte gilt der Grundsatz, dass sie an Orten mit guter
notwendig, für eine Firma ist die ÖPNV-Anbindung viel essenzieller, ÖPNV-­Vernetzung in mindestens zwei Richtungen und mit ho-
da zahlreiche Mitarbeiter/-innen, Kunden und Einsatzorte in allen hem Takt positioniert werden sollten. Arbeitsstandorte und ÖPNV
Richtungen vorhanden sein müssen. Diese Anforderung ist mit unterstützen sich gegenseitig. Ein Netz von peripheren Diensten im
sinnvoller Stadtplanung zu unterstützen. Umfeld dieser Knotenpunkte ist wünschenswert (siehe Seite 205,
Peripherie).

Allein die Mobilitätsbeziehungen der Mitarbeiter zum Betrieb bilden ein Netz, welches alle Mindestens eine ÖPNV-Anbindung in zwei Richtungen ist notwendig. Eine ÖPNV-Anbin-
Richtungen und alle Verkehrsmittel beansprucht. dung ist ein Standortvorteil und gewinnt zunehmend an Bedeutung.

Die gesamten Verkehrsbeziehungen zu Kunden und Arbeitseinsatzorten verlangen nach Das gewachsene Mobilitätsnetz wird durch einen Umzug der Firma empfindlich gestört.
einer öffentlich sehr gut erschlossenen Lage.

75
Reichweite der Dienstleistung Weg-/Zeitkosten
Erwünscht ist eine hohe Konzentration der Kunden im näheren Je größer die räumliche Verteilung der Kundschaft ist, desto aufwän-
Umfeld. Diesbezüglich lassen sich unterschieden: diger wird deren Betreuung. Hier eine unscharfe Zusammenstellung
• von sehr vielen Quartierbewohnern benötigte Arbeiten (wie etwa der Fahr- inklusive Zeitkosten (Lohn während der Fahrzeit):
Post und Bank) und
• hochspezialisierte Arbeiten, welche große räumliche Netze und 0,5 km Quartier, zu Fuß, per Fahrrad
weite Wege voraussetzen (zum Beispiel internationale Beratungs- 10 bis 15 Minuten = 20 bis 40 Euro
tätigkeit). 5 km Stadtfahrt = 2 x 30 Minuten = 1 Stunde
inklusive Ticket = 30 bis 50 Euro
Diese Reichweiten lassen sich in Schemas und Tabellen gut 30 bis 50 km Region = Auto oder ÖPNV
veranschaulichen: Das Nahumfeld soll über das Fuß- und Fahrrad­ 1 bis 2 Stunden = 100 bis 200 Euro (kritisch)
wegenetz sowie mit den Nahverkehrsmitteln erreicht werden über 500 Land = 1 Tag = 500 bis 1 000 Euro
können („Stadt der kurzen Wege“). Für weitere Distanzen stehen = absolut spezialisierter Einsatz.
unterschiedliche Verkehrsmittel zur Verfügung.
Damit wird deutlich, dass
9h • die teure Lage am Verkehrsknotenpunkt die Zugänglichkeit zwi-
schen Kunde und Betreuer erhöht;
8h
• schon mittlere Distanzen nicht mehr verrechnet werden können;
7h • Geschäftsreisen zu weiter entfernten Kunden nur möglich sind,
wenn während des Reisens gearbeitet werden kann;
6h • das mobile Büro (Notebook) eine Strukturänderung in der räum-
en

i lichen Sortierung zwischen Anbietern und Kunden ermöglicht.


eg

5h Fl

4h

3h
-Rail
e rcity
2h Int

1h
45
30
15
10
05

0,5 1 5 10 15 20 50 100 200 500 1000 km

76
Reichweiten / Netzwerke

Kernkompetenz und Auslagerung Personifizierte, physische und informelle Netzwerke


Jede Arbeit im Dienstleistungsbereich setzt sich aus allgemeinen Wenn wir von Netzwerken sprechen, müssen wir unterschieden:
und spezifischen Komponenten zusammen. Spezifische oder spezia- • Personifizierte Netzwerke sind – positiv ausgedrückt – persön-
lisierte Leistungskomponenten sind diejenigen Arbeiten, welche zur liche Bindungen, mit Hilfe derer man eine Aufgabe effizient und
Kernkompetenz eines Unternehmens gehören und nicht ausgelagert qualitätsvoll lösen kann. Negative Aspekte wären die sogenannten
werden können. Demgegenüber stehen allgemeine Komponenten, „Seilschaften“, bei denen persönliche Beziehungen zum Vorteil
wie zum Beispiel Rechnungswesen oder Serverbetrieb, welche der Seilschaft und zum Nachteil der Sache eingesetzt werden.
ausgelagert oder „out-ge-sourct“ werden können. Extreme Formen nachteiliger Personen-Netze sind Clans und die
Mafia.
Bedeutung der Netzwerke • Physische Netzwerke bestehen aus Orten, Firmen, deren Ange-
Netzwerke im Quartier optimieren und stabilisieren die Leistungs- bote, Dienstleistungen, Maschinen und Materialien. Im Einzelfall
fähigkeit von Unternehmen ganz erheblich. In Quartier-Netzwerken können sie weit verzweigt sein, sinnvoll ist es aber, die physischen
können im nahen Umfeld einfache bis hochspezialisierte Leistungen Netze als Quartierorganisationen zu verstehen. Wenn immer mög-
abgerufen werden. Dies kann im „Hinterland“ ein Problem sein – es lich, wählen wir nahe gelegene und qualifizierte Partner aus.
kann dauern, bis ein spezialisierter Service in Aktion tritt. Dieser • Informelle Netzwerke sind heute absolut ortsungebunden. Ich
Versorgungsengpass wird mit dem Web 2.0 allerdings entschärft. erreiche alle Personen zu jeder Zeit überall. Mit dem Web 2.0
weiten sich diese Tätigkeiten rasant aus.

77
Die Nutzungsmischung in der Stadt Umfeld unterschiedlichste Funktionen ab- sind. Es ist also eine Frage der Konzeption,
Das Konzept der nutzungsgetrennten Stadt rufbar oder belegbar sind und dass sie diese in welcher Körnigkeit Nutzungen einheitlich
aus den 1930er Jahren wurde zu Recht kri- nicht über weite Wege aufsuchen müssen. gehalten oder gemischt werden sollen.
tisiert. Heute gelten Nutzungsmischungen Nutzungs-Monokulturen ermöglichen aller- Quartiere mit vorhandener Vielfalt sollten
als ein Indikator für urbane Qualität – dings prägnante Identitäten, die mit extre- auch per Flächennutzungsplan unterstützt
Bewohner/-innen schätzen es, dass in ihrem mer Nutzungsmischung so nicht erreichbar werden (Schutz schwacher Nutzungen).

Reines Wohnviertel: Westhausen. F. Kramer, Frankfurt a. M.

Reiner Business District: Lower Manhattan, New York

Viele bestehende monofunktionale Strukturen lassen sich


zusätzlich mit neuen Funktionen anreichern. Die Beispiele
links weisen allerdings eine hohe Nutzungspersistenz auf –
Reines Einkaufs- & Vergnügungsviertel: Edmonton Hall es ist nicht einfach, andere Nutzungen zu implementieren.

78
Nutzungsmischung

Wandel im Funktionsverständnis Aufgrund dieses Wandels wird Nutzungs- Beispiele von Nutzungsmix
Veränderungen in der Gesellschaft und mischung in den aktuellen städtebaulichen Aufgrund der unterschiedlichen Maßstäb-
ihrem Verständnis von Arbeit und Zeitorga- Planungszielen und Leitbilder aufgegriffen lichkeiten (von der Stadt bis zum Einzel-
nisation fordern von uns Architekten eine und angeregt. Quartiere haben dabei unter- haus), den vielfältigen möglichen Gemen-
neue Sichtweise auf die Arbeitswelten – schiedliche Eignungen – so können in inner- gelagen (Arbeiten mit Wohnen, Freizeit,
und damit eine andere Vision von Architek- städtischen Zentren Nutzungsmischungen Kultur...) sowie aufgrund der unterschied-
tur der Arbeit. Folgende Veränderungen sind besser eingelagert werden als in monofunk- lichen Gewohnheiten, Vorstellungen und
zu beobachten: Unterstützt durch die neuen tionalen Einfamilienhaus-Außenquartieren. Verordnungen könnte die Thematik des
Informations- und Kommunikationstechno- Auf der architektonischen Ebene interessie- Nutzungsmix mit sehr vielen Beispielen
logien ist in den Arbeitswelten die zeitliche ren deshalb neben den reinen Bürobauten erläutert werden.
wie räumliche Flexibilisierung der Arbeit immer mehr auch diejenigen Typologien,
zu beobachten. Wer wann wie wo und mit die mehrere unterschiedliche Nutzungen Wir beschränken uns auf exemplarische
wem arbeitet, ist dabei zunehmend offen. aufnehmen können. Beispiele und zeigen deshalb auf den
Persönliche und professionelle Kommu- folgenden Doppelseiten Beispiele für
nikation vermischen sich teilweise. Der Ordnungskriterien bei Nutzungsmix Nutzungsmischungen, welche das Prinzip
Veränderungsprozess zeigt sich in neuen • Nach räumlicher Differenzierung (siehe deutlich machen:
Arbeitsorganisationen (Netzwerken), neuen Schema links) auf folgenden Ebenen • Arbeiten und Produktion
Arbeitsorten (Café, Bahn, Flugzeug), neuen sinnvoll: • Arbeiten und Freizeit
Raumkonzepten (Business-Club, Desk-Sha- Funktionsmischung in Stadtteilen, • Arbeiten und Wohnen.
ring, Nachbarschaftsbüro...) und in neuen Quartieren und Nutzungsmischung in
Arbeitsmodellen. Die Distanzen zwischen Blöcken, Gebäuden, Geschossen – sogar Eine Serie von Schemas soll die Verteilung
Wohnen, Arbeiten und Freizeit werden in einzelnen Räumen. der unterschiedlichen Nutzungen und deren
zum Hindernis; viel angenehmer scheinen • Nach zeitlichen Kriterien: Parallelitäten, Erschließung im Gebäude verdeutlichen.
Arbeitsorte, die durch ihr urbanes Umfeld sequenzielle Nutzungen, zyklische und Daran anschließend folgt eine Doppelseite
die Attraktivität des Arbeitsplatzes steigern frei belegbare (kurz- und langfristig/Tag- zu typologischen Fragen sowie Anmer-
und Erholungsaspekte integrieren. Dem- Nacht/Jahreszeiten). kungen zum Phänomen der Hybride.
gegenüber steht eine zwangsläufig hohe • Nach ökonomischen Sortierungen:
Bereitschaft, mit „mobiler Einstellung“ und Orte für hochwertige Nutzungen mit
mit Flexibilität den Arbeitsort nach Bedarf hoher Wertschöpfung verdrängen die
schnell zu wechseln. Die Problematik des schwachen Nutzungen oder lassen diese
„flexiblen Menschen“ wurde von Richard gerade zu (Quersubventionierung).
1
Sennett beschrieben.

79
Arbeiten und Produktion Arbeiten und Wohnen Arbeiten und Freizeit
Nicht alle produzierenden Gewerbe eignen Nicht mehr zwangsläufig muss der Wohnort Durch die Tendenz, die Büroarbeit überall
sich zur Nutzungsmischung. Nur solche, zum Arbeiten verlassen werden. Immer und immer länger zu verrichten, muss das
die einen erheblichen Anteil an Büro- und häufiger ist es möglich, in der Nähe oder am Arbeitsumfeld ein breiteres Angebot an
Lagerflächen aufweisen und emissions- Wohnort zu arbeiten. Ausgehend von einer Nutzungen bieten. Hierbei spielt die Attrak-
arm arbeiten, sind dazu geeignet. Hierbei Nutzungsmischung sind folgende Ausprä- tivitätssteigerung (Fitness, Essen, soziale
handelt es sich vornehmlich um techno­ gungen denkbar: Kontakte, Habitus „Arbeitsnomade“) eine
logiegeprägte Nutzungen (Labore), han- Rolle wie auch die Integration von Funkti-
delsgeprägte Nutzungen und Räume des • Wohnen und Arbeiten im gleichen Quar- onen, die zur Erleichterung des Alltags die-
Handwerks (Werkstätten). tier (Stadt der kurzen Wege, Fahrrad) nen (Supermarkt, Kindergarten... ). Kritisch
• Wohnen und Arbeiten im gleichen ist die neue Verfügbarkeit der Mitarbeiter in
Beispiele: Gebäude in unterschiedlichen Raum­ ihrer Freizeit und selbst im Urlaub.
• Grüne Wiese, Gewerbegebiete, Gewerbe- einheiten (Business- oder Arbeits-
kisten, alle Nutzungen unter einem Dach. hotel, Erdgeschosszone = Arbeiten, Kritik
• In den Höfen des 19. Jahrhunderts: Obergeschoss = Wohnen) Neben der hohen Attraktivität dieser flexi­
Vorderhaus (Arbeiten) und Hinterhaus • In einer Raumeinheit in getrennten Räu- blen Zeitorganisation ist nicht zu übersehen,
(Produzieren) men (Wohnzimmer + Arbeitszimmer) und dass das andauernde Vermengen aller Nut­
• Durchgestecktes Erdgeschoss mit dar- Arbeiten mitten drin (kombinierter Wohn-/ zun­gen zu eine Deprofilierung der Zeit führt.
überliegenden Büros für die Verwaltung Arbeitsbereich).

BMW-Werk Leipzig Arbeiten und Wohnen Arbeiten im Café

80
Nutzungsmischung

Arbeit als Verdichtungs-Chance Arbeiten und Wohnen im gleichen Haus: EG = Arbeiten, OG = Wohnen
Mit Arbeitsnutzung (Verkauf, nicht-stö- Problem der Adresse plus Häuser mit 100 % Arbeit
rendem Gewerbe, Dienstleistung, Ver- Bei Häusern, in welchen das erste oder Ein interessantes und effizientes Nutzungs-
waltung) im Erdgeschoss und den ersten die ersten beiden Geschosse mit Arbeiten gemisch ist:
Obergeschossen kann die Stadt wesentlich belegt sind, haben wir das Problem der Erdgeschosse werden, wenn möglich,
verdichtet werden. Wohnen in den obersten Adresse zu lösen. Die Adresse (und damit immer mit der Nutzung „Arbeiten“ belegt
drei bis fünf Geschossen behält seine das Treppenhaus) einer hochkarätigen Bera- (Dienstleistung, Verkauf, stilles Gewerbe);
Qualität. Das Gemenge ist unterschiedlich tungsfirma kann nicht gleichzeitig von Fami- Obergeschosse werden entweder mit
organisierbar – von der Belegung eines lienwohnen belegt werden. Dies bedeutet, „Wohnen“ oder mit „Arbeiten“ belegt. Da-
Stadthauses mit ein bis zwei Geschossen dass bei einer funktionalen Doppelbelegung mit erreichen wir eine sinnvolle Nutzungs-
mit eigener Erschließung über ein kom- mit Wohnen und mit Arbeiten eventuell durchmischung in der Stadt und auch eine
plexes Nutzungsgemenge, zwei Erschließungssysteme geplant werden sinnvolle Erschließungsstruktur im einzelnen
müssen. Das ist aufwändig. Stadthaus.

Mögliche Erdgeschoss-Nutzungsvarianz Adressbildung und Erschließungssysteme Mischung zwischen Wohnen und Arbeiten

81
Nutzungsmix hat Geschichte Selbstverständlich gibt es bei den Mi- aber sehr klar: Entscheidend ist, dass sich
Leider haben viele Investoren ein klares Nut- schungen einige Hindernisse; zum Beispiel höhere Dichten realisieren lassen, was auf
zungsziel, seien es Firmen, die für sich die die Frage der Erschließung und der Adres- urbane Qualitäten positiven Einfluss hat. Die
eigenen Arbeitsräume bauen wollen, seien sen (eine Geschäftsadresse hat andere Versorgungslage wird besser, das ÖPNV-
es Wohnungsbaugesellschaften, welche Anforderungen als eine Wohnadresse), die Angebot wird dichter, die Nutzungsvielfalt
ausschließlich in Wohnungen investieren Frage der Verträglichkeit der Nutzungen steigt – es entsteht erst richtig Urbanität.
wollen... – es fehlt an Immobilienträgern, (Image, Lärm, Sicherheit) und allenfalls auch
die die Vorteile der Nutzungsmischungen technisch unterschiedliche Anforderungen.
erkennen und realisieren. Die Vorteile des Nutzungsmix überwiegen

Zwei Projekte – 100 Jahre Differenz, aber die selben


Strategien: unten Arbeiten – oben Wohnen

Haus „Zur Trülle“, Bahnhofstraße, Zürich „Puls 5“ in Zürich-West, mit integrierter Produktionshalle

82
Nutzungsmischung

Mix als typologische Thema Mit den drei gebauten Beispielen zeigen Weitere bekannte Typen für Nutzungsmi-
Neben den reinen prototypischen Verwal- wir, wie sich solch rationale und bewährte schung sind (siehe Schemas):
tungsgebäuden kennen wir eine ganze An- Grundkonstellationen über ein Jahrhun- • Flanke mit Normalgeschosshöhe für Woh-
zahl von Sondertypen, welche spezifische dert immer wieder neu ausformulieren nen, Flanke hohe Geschosse für Arbeiten
Anforderungen erfüllen. können. Die Anforderung lässt sich auch • Zentrale Halle (Kino, Saal, Markt) mit
verallgemeinern: Ein Gebäude mit einigen Kranz von anderen Nutzungen
Als Beispiel haben wir die Konstellation wenigen größeren Räumen mit Zugang vom • Erdgeschoss-Grundplatte (Verkauf, Aus-
ausgewählt, bei welcher im Sockelbereich Erdgeschoss hat perfekte Eignung für den stellung) plus Obergeschoss-Einzel-
über dem Erdgeschoss oder über zwei Nutzungsmix. volumen (Wohnen oder Arbeiten)
Geschosse (EG und 1. OG) eine große Tiefe
gefordert ist (beispielsweise für Verkauf
oder für eine größere Halle) und in den
Obergeschossen „normale“ Wohn- oder
Bürogebäudetiefen konzipiert werden.

Tiefer Sockel + x Normal- Flanken mit unterschied- Große Halle mit Kranz Sockelplatte mit Krone
geschosse (zu den Fotos) lichen Geschosshöhen

Wohn- und Geschäftshaus am Paradeplatz... ...an der Badenerstraße... ...und an der Limmatstraße – alle drei Beispiele in Zürich

83
Alles ist möglich... Historischer Nutzungsmix Asia multiuse
Unter gewissen Voraussetzungen kann ein Gebäude mit reichhaltigem Nutzungsmix In Asiens Städten sind Hybride eine
Gebäude sehr unterschiedliche Funktionen finden wir in jeder Stadt: die Insulae des Selbst­verständlichkeit. Mehrere Gründe
aufnehmen: Die Nutzungen haben minimal- antiken Roms, die mittelalterlichen Rat- haben wohl zu diesem üblichen Prototypen
kompatibel zu sein, der Flächennutzungs- häuser, die Wohn- und Verwaltungspaläste geführt: Der Mangel an gebautem Raum,
plan (Zonenplan) muss den Mix zulassen des Barock. Ein großer Unterschied ist das diskrete Betreiben der Nutzungen
und das Gebäude sollte die entsprechenden jeweils, ob die verschiedenen Nutzungen und die starken sozialen Regelungen und
technischen Voraussetzungen erfüllen. von derselben Gruppe betrieben werden Bindungen, welche eine dichtere Belegung
Da­bei ist Wohnen eine empfindliche Nut­ (zum Beispiel von der Stadtverwaltung), als im individualistischen Europa zulas-
z­ung – es benötigt eine emissionsarme oder ob unterschiedliche Eigentümer wenig sen.Gebäude dieser Art sind jedenfalls
Umgebung, eben etwas Ruhe und vor allem kompatible Nutzungen in einem Gebäude weltberühmt: das Chungking House in
genügend Licht. Gewisse Arbeiten weisen betreiben – dann erst brechen die Nut- Hongkong – mit Geschäften, Verwaltungen,
ähnliche Empfindlichkeiten auf; eine Rechts- zungskonflikte auf; Eigentümer, die eher Arztpraxen, mehreren Guesthouses... – ist
anwaltskanzlei lässt sich wohl kaum über Ruhe wollen, streiten sich mit Eigentümern, im Film „Chungking Express“ um die Welt
einer Karaoke-Bar führen... die ihre Liegenschaft hart bewirtschaften. gegangen.

Glasgow – oder ein anderer europäischer Bahnhof. Das Nutzungspaket:


Bahnhof, Hotel, Bars, Shopping, Verwaltung, Kapelle, Restaurants, Apothe-
ke, Ärzte, Reisebüros, Frisör, Bahnhofseelsorge, Take-away, Clubs...

City of Darkness: alle erdenklichen Nutzungen Chungking House, Hongkong

84
Hybride

New Hybride Funktionslage flexibel oder definiert? al, ohne dass wir uns die Finger schmutzig
Mit dem weiteren Aufbruch in Asiens Me- Es ist ein grundsätzlicher Unterschied, ob machen. Dies ist die letzte Konsequenz der
tropolen entsteht ein moderner Bautyp, der die spezifischen Funktionen eine definierte Tertialisierung. Die Gegentendenzen dazu
den Nutzungsmix auf allen Ebenen themati- oder eine flexible Position im Gebäude sind formuliert: Richard Sennett publiziert
siert: Als nutzungsneutrale Trägerarchitektur, haben. Bei definierter Position kann das die Schrift „Handwerk“, in welcher das
als Crossover-Image (Ist es Wohnen? Ist es Gebäude auf die Funktion hin gestaltet wer- Arbeiten am Material mit neuer Bedeutung
ein Konzern? Ist es ein Krankenhaus?), als den: Balkonloggien für Wohnen, Skylobby und Werten besetzt wird. Fritjof Bergmann
Megamaschine und Zentrumsbau. Struktur­ für Büros, Cafeteria eines Guesthouses. schlägt die „Neue Arbeit“ vor, bei der das
besonderheiten dürften sein: eine sehr „wirklich, wirklich, wirklich Wollen“ mit
neu­trale und offene Baustruktur (vorwie- Einheitstätigkeit und neue Vielfalt? hohem Stellenwert für die persönliche
gend Skelettbau), speziell ausdifferenzierte Das Hybrid-Konzept wird begünstigt, weil Erfüllung steht.
und leistungsfähige Erschließungen und die meisten Tätigkeiten sich angeglichen Bei dieser Diskussion bleibt die Frage, wel-
Fassaden, welche entweder alle Funktionen haben; digitalisiert, minimalisiert, emissions- che Nutzungsvielfalt ein Hybrid tatsächlich
bedienen können oder für spezifische Funk- frei – ein Problem wird am Computer gelöst, ertragen kann: stilles Gewerbe, Manufak-
tionen entwickelt werden. eine Maschine bearbeitet allfälliges Materi- turen, Schulen...?

Industrie
Büros
Sozialer Wohnungsbau
Einkaufen
Lofts
Studentenwohnheim
Büros
Internationales Jugendzentrum
Sport, Erholung, Konzert

Sozialer Wohnungsbau,
Einkaufen im EG

Projektschema Tour de la Chapelle, Paris. Ábalos + Sentkiewicz Modell Tour de la Chapelle (Projekt) Museum Plaza, Louisville. REX (Projekt)

85
Viele Situationen benötigen Flexibilität Umfang und Intensität der Veränderung Lebensdauer von Gebäudekomponenten
Zahlreiche Situationen in Belegung und Je nach Umfang und Intensität der Veränder- Verständnis von Primär-, Sekundär- und
Nutzung erfordern flexible Strukturen oder ung muss unterschiedlich reagiert werden: Tertiärsystemen und deren unterschiedli-
sogar bauliche Anpassungen: • Wegen geringer Änderungsanspüche chen Flexibilitätsgraden und Eignungen für
• Aufgabe/Verlagerung von Standorten, wird man auf Baumaßnahmen verzichten. unterschiedliche Nutzungszyklen:
• Flächenbedarf sinkt/steigt aufgrund verän- Mit vertretbarer innerer Verdichtung kann
derter Mitarbeiterzahl oder Arbeitsplatz- kleines Wachstum abgefangen werden. Primärsystem: kaum veränderbar
bedürfnissen, • Eine starke Flächenzu- oder -abnahme Lange Lebensdauer (50 bis 100 Jahre)
• Umgestaltung interner Arbeitsorgani- bedeutet: Das Problem muss mit Zukauf/ Erschließung, Tragstruktur, (Hülle)
sation (zum Beispiel Gruppengrößen, Verkauf, Zumiete/Vermietung oder mit
Konstellationen), Anbau, Aufstockung etc. gelöst werden! Sekundärsystem: anpassbar
• Zeitbelegung (Teilzeit, Desk-Sharing), • Bei essenziellen Veränderungen (zum Mittlere Lebensdauer (15 bis 50 Jahre)
• technologische Entwicklung (Flachbild- Beispiel Schrumpfung wegen Outsourcing Innenwände, Decken, Böden, (Hülle), feste
schirm = 30 cm kleinere Büroachse!), oder Wachstum wegen Fusion) müs­sen Installationen, (Ausbau)
• Sicherheitsbedingungen (Fluchtwege), tiefgreifende Maßnahmen evaluiert und
• bei Miete können unter Umständen realisiert werden: Verkauf, neuer Standort, Tertiärsystem: auswechselbar
Teilflächen nicht wei­terhin gemietet oder Abriss und Neubau (zum Beispiel ein neun- Kurze Lebensdauer (5 bis 15 Jahre)
zu- und vermietet werden (zum Beispiel statt fünfgeschossiges Haus). Apparate, Einrichtungen, Mobiliar
wegen Eigengebrauch des Eigentümers). (Siehe auch Kapitel 1 Ökonomie/Flexibilität).

Erweiterung/Schrumpfung und Expansion/Rückbau (externe Flexibilität)

Zu- und Vermietung Aufstockung (aufwändig)


kleiner Flächen

Neubau – zusätzlicher
Vermietung großer Baukörper (meist nur bei
Flächen großem Gelände)

Anbau (eventuell schon Verkauf von Immobilien


Zumietung großer Flächen mitgedacht als 2. Bau-
(extern) abschnitt), vorgesehene
Komposition, Struktu-
rierung Abbruch von Strukturen
Eventuell Neubau an
anderen Standorten

86
Flexibilität

Transfunktionale Gebäude Konzept, Prioritäten, Strategie Wir haben uns demnach im Laufe der
Neben den bekannten Begriffen Flexibilität, Beim Entwerfen ist es vorerst offen, mit Auseinandersetzung mit der Aufgabe, den
Nutzungsneutralität und Multifunktionalität welcher Taktik wir das Zusammenspiel von Bedürfnissen der Auftraggeber oder der
verwenden wir „transfunktional” für Ge- allgemeinen und spezifischen Elementen Nutzenden, nach Diskussionen und Klärung
bäude und auch für urbane Situationen, angehen. Mögliche Taktiken können sein: der langfristigen Ansprüche hierzu auf eine
welche hohe Eignung für verschiedene vereinbarte Strategie mit entsprechenden
Nutzungen und für unterschiedliche zeitliche • Entwicklung eines sehr unspezifischen Prioritäten zu einigen.
Belegungen haben, auch eine komplexe und hochflexiblen Grundrisssystems
Nutzungstransformation hinter sich haben • Flexibles Primärsystem mit aufregend Als Entwerfende haben wir das Bauwerk zu
oder konzeptionell zulassen. Typisch trans- eigenwilligem Ausbau gestalten; deswegen suchen und entwick-
funktionale Gebäude sind die einfachen Be- • Konzentration auf wenige prägnant ge- len wir spezielle Bilder, Räume und Stim-
tonskelettbauten der Entwicklungsländer, in staltete Komponenten: mungen, welche den eigenen Charakter
welchen Shops, Wohnungen, Lodges, Ärzte Treppenhaus = speziell des Gebäudes stärken. Es ist eine spezielle
und eben auch Dienstleister – teilweise Fassade = Identitätsbild Herausforderung, möglichst viele allge-
mit hoher Fluktuation – eingenistet sind. Sitzungszimmer = Coolspace meine und spezifische Elemente in Einklang
Trotz rudimentärem technischem Ausbau • Umfassend durchgehende plastische und zu bringen.
sind solche Gebäude bezüglich Flexibilität kompositorische Gestaltung in und über
leistungsfähig, was auch an den Nutzungs- alle Komponenten inklusive Möbel... (Siehe auch „Flexibilitätsgrad”, Seite 61, und
konventionen liegt. Kapitel „Rohbau-Ausbau”, Seite 142 ff.)

Unterschiedliche Flexibilitätsgrade

„Transfunktionale Kiste“ = Skelettbau beliebig abgefüllt, Sehr spezifischer, unflexibler Arbeitsplatz („Totalmöbel“); Hochflexible Anordnung: Langtische, Kabel von oben,
Kerala, Thiravanandapuram, Indien Verdichtung nicht möglich, fixierte und umständliche Wege freies „Platznehmen“ nach Situation – weit oder eng...

87
Strukturelle Vorbereitung von Flexibilität

Ebenen der Flexibilität (wie rechts dargestellt) 1. Raumbildung und Flexibilität

Zu 1. Raumbildung Der Flexibilitätsgrad wird letztlich durch die


• Größe real gebauten Räume definiert.
Der Zuschnitt der Räume erlaubt mehr oder weniger flexiblen Ge-
brauch. Tendenziell lassen kleine Räume (Zellen) jeweils nur eine Unspezifischer Grundriss mit Serie von
Funktion zu, große Räume können meist unterschiedlich belegt Zellenbüros: Gewisse Flexibilität ist
werden. durch nutzungsneutrale
• Form Räume gegeben.
Formen können aus Funktionen abgeleitet werden (zum Beispiel
schlankes Sitzungszimmer mit langem Tisch), sie können auch aus
der architektonischen Gesamtkonzeption entwickelt werden (zum
Beispiel zweigeschossige Mall). Meist haben spezifische Formen
eine optimierte Funktionalität und eine eingeschränkte Flexibilität Sehr spezifische Raumformen und Formate,
(zum Beispiel Treppenhaus). die bewusst auf bestimmte Funktionen
• Material-Dichte zugeschnitten sind. In diesem Sinne
Die Anzahl (Dichte) der Wände und Stützen ergibt die Raumdefini- wenig flexibel.
tion (intensiv oder schwach) und bestimmt so den Flexibilitätsgrad
mit.

Zu 2. Baustruktur und Flexibilität


Die verschiedenen Baustrukturen bilden eine irreversible Grundstruk-
tur, welche mehr oder weniger Flexibilität zulässt. Der Skelettbau
bietet mit seiner Offenheit dafür die höchste Flexibilität.
Wenige definierte Räume, wenig
Zu 3. Strategie für Flexibilität Trennwände, offene Flächen...
Mit Kenntnis über die beiden Systeme „Raumbildung“ und „Bau­
struktur“ kann eine Strategie entwickelt werden, welche Räume
spezifisch-unflexibel und welche unspezifisch-flexibel konzipiert
werden. Diese Strategie interessiert uns deshalb besonders, weil
wir ja nicht alle Gebäude „formneutral-hochflexibel” entwerfen,
sondern mit bestimmten Elementen eine architektonische Prägung
entwickeln wollen.

88
Flexibilität

2. Baustruktur und Flexibilität 3. Strategie für gezielte Flexibilität

Zunahme der Flexibilität


Bei der Schottenbauweise ist jede Wand Das gesamte Raumprogramm wird fest
statisch wirksam. Der Grundriss ist spezi- gebaut, so wie das früher bei Zellenbüros
fisch, die Nutzung der einzelnen gemacht wurde – dies ist heute
Räume für sich flexibel. un­üblich, da wenig flexibel.

Optimierung von Raumausprägung


und sinnvoller Flexibilität
Bei teilreversiblen Mischsystemen können Langfristig spezielle Flächen, große Teile
nur Teilflächen umgebaut werden. Durch und Sondernutzungen wie Treppenhaus,
unterteilbare Einheiten (Schotten dritteln, Empfang, Kantine, Schulung werden räum-
halbieren) können Räume leicht lich spezifisch kultiviert, die restlichen
zusammengeschaltet oder Trennungen flexibel gehalten.
unterteilt werden.
Teilflexibilität

Vollreversibel ist beispielsweise eine Außer Treppenhaus und Toiletten wird der
Skelettbauweise mit Stützenraster gesamte Raum nur mit flexiblen Trennwän-
(freie Grundrissgestaltung – „plan libre“) den organisiert. Besondere räumliche
hohe Flexibilität Ausprägungen müssen mit dem
Ausbau entwickelt werden.

89
Architektur der Verwaltung – die Bilder „Wasteland Officeland...“
Die Frage nach den Bildern zur Arbeit, zum Bürobau, zur Verwaltung Die millionenfache Repetition banalster
und Dienstleistung sind vorerst einfach zu beantworten. Der Büro- Verwaltungsbauten hat verständlicherweise
bau wird als solcher sofort erkannt – er spricht eine klare Sprache eine Aversion gegen den 08/15-Bürobau
durch: entfacht. Unterstützt wurden dies durch
• die Reihung der Fenster für Arbeitsplätze, monotone Büroarbeiten der 1960er bis
• das Fehlen von individuellen Außenräumen (wenig Balkone, Terras- 1980er Jahre. Wegen der massenhaften
sen, Loggien, Vorgärten), Produktion von langweiligen und lieblosen
• Images wie technische Perfektion, organisatorische Brillanz, ge- Bürobauten ist im allgemeinen Urteil nicht
wagte Ingenieurarchitektur et cetera; solche Chiffren dominieren mehr gesehen worden, dass längst neue,
die Architektur der Arbeit. alternative, höchst interessante Verwal-
tungsbauten entwickelt worden sind.

Chrysler Building, NY 1930 Daily Express, London 1932. O. Williams UNO, NY 1951. Skizzen Le Corbusier Monotone 08/15-Bürokisten

90
Qualität und lieblose Bürolandschaften...

Die Giganten: Einzelteile und Quartiere Büroquartier und Bürostadt


Die historischen Kolonialmächte Grossbritannien und Holland, Ausgehend von den planerischen Vor-
folgend die alten Supermächte USA und UdSSR sowie neu die stellungen Le Corbusiers wurde 1933 in
Anwärter China, Europa und Indien bringen unter verschiedenen der „Charta von Athen“ die funktionelle
Bedingungen Superstrukturen – eben auch bauliche – hervor: Groß- Zonenteilung (nutzungsgetrennte Stadt)
verwaltungen von Staaten und von international agierende Konzer- proklamiert. In der Nachkriegszeit bis in
nen. Immerhin besteht für die Giganten einen besonderen Anspruch die 1970er Jahre wurden so zahlreiche
– aber das Größte ist nicht immer das Beste. Bürostädte angelegt, die heute wegen ihrer
monofunktionalen Struktur mit ergänzenden
Nutzungen attraktiver gestaltet werden.

The Pentagon, Arlington bei Washington 1941-43


350 000 m2 Bürofläche, US-Verteidigungsministerium

Colonia Versicherung, Hauptverwaltung, Köln. BM+P

General Motors, Detroit, 400 000 m2 Bürofläche CCTV, 400 000 m2, Peking, OMA, 2008. Gerling Quartier, Köln, G. Müller, N. Foster und andere

91
Stilbild ist oft stärker als Funktionsbild Sixties... Bandfassaden!
Stile haben eine formale Stärke, die sich oft gegen die Funktions- Mit oder ohne Balkon- oder Erschließungsfunktion ist die Bandfassa-
bilder „durchsetzt“. So sehen sich beispielsweise ein klassizistisches de der Moderne ein Klassiker schlechthin. Die Gleichwertigkeit der
Wohnpalais und ein klassizistischer Verwaltungsbau oder ein Wohn- Räume auf einem und jedem Geschoss ist ein zentrales Thema.
bau und ein Bürobau der 1920er-Moderne ähnlicher als die beiden Der Öffnungsgrad mit 30 bis 50% ist zudem für die damalige Glas-
Wohn- oder die beiden Bürobauten. technologie vernünftig.

Ende 19. Jahrhundert 1960er Jahre

Columbia University, New York 1880, Bibliothek Universität von Havanna, Kuba

Western Union, New York 1873

Hotels auf Mallorca

Luxusappartements am Central Park, New York 19. Jahrhundert 1960er-Wohnbau, Zürich

92
Stil und Funktion

Vollverglasung – volle Transparenz Eine neue Tradition?


Mit der Revolution der Glastechnologie werden in den 1990er Jahren Mit der notwendigen Verschärfung der Vorgaben für die Energiebi-
viele Architekturen auf 80 bis 90% Öffnungsgrade gesetzt. Resultat lanz, aber auch aus gestalterischen Gründen, sind zahlreiche Bau-
ist eine transparente Architektur (Mies van der Rohe), welche sich werke errichtet worden, die sich den räumlichen und energetischen
für besondere Situationen bewährt, aber auch Nachteile wie unein- Anforderungen differenziert annähern. Es ist offen, ob sich damit
geschränkte Einsicht und suboptimales Energieverhalten aufweist. eine „neue Tradition“ von Architekturbildern etablieren wird.

Ende 20. Jahrhundert 2010

Themse Flats, London. N. Foster Bürohaus Expo 2020, Biel Seniorenwohnen, Zürich. Miller & Maranta

Wohnhaus Bäckerstraße, Zürich. Th. Hotz Wohn- und Geschäftshaus, Zürich. B. Gysin Produktion und Verwaltung, Creuzburg. Seelinger + Vogels

93
Die wichtigste Daueraufgabe! Begriffe
• Konversion: meint eigentlich „Umwand-
Die Hälfte aller Bauaufgaben findet heute Wir kennen mehrere Begriffe, die den
lung“ und ist damit der umfassendste Be-
am Bestand statt, darüber hinaus zahlreiche Umgang mit bestehenden Gebäuden
griff. Kann die Umwandlung von Räumen,
Neubauten in einem relevanten Kontext beschreiben:
Strukturen und Nutzungen sein.
zum Bestand. In jedem Neubau steckt als • Denkmalpflege: Schutz von besonders
• An-, Ein-, Um- und Überbauten: be-
Zukunftsthema auch seine Transformation. bedeutenden Bauwerken.
schreibt die Positionierung von Neu-
Damit nimmt die Aufgabe einen sehr hohen • Sanierung: bauliche und technische Nach-
bauten gegenüber dem Bestand.
Stellenwert ein. Gerade in der Situation besserung/Erneuerung eines Gebäudes.
• Bauen (oder „Aufgaben“) im Bestand:
großen Leerstands müsste auch jeglicher • Umbau: neben der Sanierung auch eine
Damit ist jegliches Bauen in vorhandenen
Neubau kritisch hinterfragt werden. strukturelle oder räumliche Veränderung;
Baustrukturen gemeint. Insbesondere
Sämtliche Bautypen, Funktionen und Maß- dies ist eigentlich die häufigste Aufgabe
werden alle Aufgaben angesprochen, wo-
stäblichkeiten stehen zur Disposition. An im Bestand.
mit es zu einem städtebaulichen Begriff
„Transformation – Konversion“ können und • Umnutzung: die Nutzung wird geändert.
wird.
müssen alle relevanten Themen mit einem • Umwidmung: Zuteilung an einen neuen
Generell geht es um eine Haltung des
spezifischen Blick und mit teilweise spe- Eigentümer oder zu einer neuen Nutzung.
„Hegens und Pflegens“. Man hat einen Sinn
zialisiertem Wissen abgehandelt werden. • Transformation: Der Begriff macht deut-
darin zu entdecken, dass Geschichte von
Insofern ist es ein Thema für eine eigenstän- lich, dass es um Veränderung wesent-
Ort und Bauwerk eine große Qualität ist.
dige Publikation. licher Strukturelemente geht .

Großgarage zu multifunktionalem Haus Postscheckamt zu Bundespresseamt Lagerhaus im Hinterhof zu Verwaltung

Umnutzung Garage Schlotterbeck, Basel, 1927/1990 Bundespresseamt, Berlin 2000. KSP Engel + Zimmermann Bürohaus WWF Schweiz, Zürich, 1994. HZDS Architekten
Die ursprüngliche Großgarage wurde in mehreren Bau- Beispiel kontinuierlicher Konversion: Anstelle der Markt- Transformation des schützenswerten Lagergebäudes in
phasen transformiert. Neben Büroräumen stehen heute halle aus dem 19. Jahrhundert wurde 1913 bis 1917 das Büros für den WWF Schweiz. Ein zentraler, überdachter
Räume für Kulturbetriebe, Manufakturen, Wissenschaft Postscheckamt errichtet, das von 1997 bis 2000 zum Hof bringt Licht in das tiefe Gebäude. Ausgeführt gemäß
und Schule zur Verfügung. Bundespresseamt umgebaut und erweitert wurde. den hohen ökologischen Anforderungen der Bauherrschaft.

94
Transformation und Konversion

Vielfalt an Themen und problematischer Transformation der konstruktive Kultur auf. Eigentlich gilt es, als
In der Bestandsarbeit wird für den histo- bestehenden Strukturen zu entscheiden. Basis für das Entwerfen zu allen histo-
rischen Kontext und mit dem Bestand eine Ein sinnvolles Umbau-Programm ist nie ein rischen Standardkonstruktionen mögliche
Architektur des Dialogs gesucht. Lagequa- Neubau-Programm – Offenheit ist gefragt! technische Strategien zu kennen. Hier be-
lität und Atmosphäre sind meist unersetz- steht allgemein ein großer Nachholbedarf.
liche Qualitäten. In Übereinstimmung oder Nachhaltigkeit im Umbauen
in Konfrontation mit dem neuen Programm Themen sind der Erhalt der vorhande- Botschaft auf Meta-Ebene
kann sich die Situation „gutmütig“ bis nen Materialenergie, das Entwickeln von Wenn das Stilbild stärker sein kann als das
„widerspenstig“ zeigen, der Entwurf kann angepassten Energiekonzepten. Auch hier Funktionsbild (siehe S. 92), und wenn sich
„integrativ“ oder „oppositionell“ positioniert wird das kybernetische Entwerfen die neue Büronutzungen auch hervorragend in
werden – auch dies ist Dialog. Zukunft sein, weil es davon ausgehen kann, bestehende Substanz integrieren lassen, so
bestehende Teile integrativ zu aktivieren. müssen die heute standardisierten Einheits-
Programm und Eingriffstiefe Ein intelligent-einfacher Umbau mit wenig bilder des Bürobaus wahrlich hinterfragt
Die schärfste Konfrontation ist, wenn man Material ist immer nachhaltiger. werden. Es muss möglich sein, eine neue,
Fassaden stehen lässt und alle Innereien vielfältige Arbeitswelt zu entwerfen, die
ausweidet – man nennt dies „Entkernung“. Konstruktionstypologien nicht alle Komponenten gleichwertig erfüllt,
Mit Baukultur hat das wenig zu tun. Norma- Wer sich intensiv mit dem Bestand sondern neue Themen zum Aufblühen
lerweise gilt es aber, zwischen sinnvoller auseinandersetzt, baut sich eine eigene bringt.

Kranspur ergänzt mit Büroschlitten Industriehalle zu Großraumbüro Trafogebäude zu Bürobau

„Kraanspoor“, Amsterdam 2007. OTH architects H2e Werbeagentur, Ludwigsburg 2003. Bottega + Erhardt 25kV-Gebäude, Rotterdam 2000. mei architecten
Das Beispiel ist natürlich eine Besonderheit, weil ein Die grandiose „Zollingerhalle“ (benannt nach der Holz- Das bunkerartige Transformatorengebäude wird längsseitig
ausrangierter Infrastrukturträger mit einem Bürobau belegt baustatik des Hallendachs) wird richtigerweise komplett aufgeschnitten und mit einer transparenten Erschließungs-
wird und es damit eine formidable Landmarke setzt. Kühn offen gelassen. Äußerst repräsentativer Raum. Herausfor- schicht für die Büronutzung brauchbar gemacht.
aber selbstverständlich wird Neu auf Alt gelegt... derung bezüglich Energietechnik.

95
Typologische Konzepte

97
98
Typologische Konzepte

Typo-Icons

Auf den folgenden Seiten zeigen wir 48 Skalierung


Typenbilder und -konzepte. Neben den Ein wichtiges Prinzip kann mit dieser Samm-
typologischen Eigenschaften beschreiben lung nicht aufgezeigt werden – nämlich das
wir Standardlösungen auch unter dem der Skalierung. Die meisten vorgestellten
Aspekt der Bildkonnotation, weil wir Büro- Typo-Icons haben eine spezifische Eignung
oder Firmenhäuser als formatierte Objekte von Maßstäblichkeit; sie können eine be-
erkennen. Ikonographie bei Bürohäusern ist stimmte Minimalgröße nicht unter- und eine
ein Standardthema – es geht um Images, Maximalgröße nicht überschreiten.
Corporated Design, Marken.

Nun interessiert uns nicht nur die Prägnanz


dieser Bilder, sondern auch die dahinterlie-
gende Struktur – und hier wird die Analyse
spannend. Deshalb gibt es zu allen Icons
eine kompakte Architektur-Prosa, welche
die wichtigsten Eignungen und Vorbehalte
erörtert. Zudem werden die stellvertretend
gewählten Projekte mit kleinen „Büro-
Comics“ in ihrer Systematik und als Icon
erläutert. In den Skizzen sind jeweils Anrei-
cherungen dargestellt – wie man beispiels- Hohes Haus, Hochhaus, Box, Kiste, Halle
Skyscraper
weise Projekte mit Sonderformen ergänzen
kann, oder wie ein Projekt auf Umgebung
reagieren kann. Anmerkung zur Auswahl
Diese Sammlung von typologischen Strate-
Es sind hier Beispiele mit großen Baumas- gien bezieht sich vorwiegend auf mögliche,
sen dargestellt. Viele dieser Konzepte sind sinnvolle und reproduzierbare Projekte.
aber auch im Kleinformat realisierbar – und Darüber hinaus gibt es eine große Anzahl
müssen dabei nicht an Prägnanz verlieren. von äußerst spannenden Konzepten, die
wir hier nicht berücksichtigt haben, weil sie
Die Serie ist in sich nicht gleichwertig sor­ absolute Einzelfälle sind; ein Beispiel dazu
tiert, ein Icon wird eben erst in seiner spezi- ist das nebenan gezeigte Ministerium für
fischen Kombination von Themen trag­fähig Transportwesen. Es muss klar sein, dass „Lego Stapeln“ – Ministerium
für Transportwesen, Tiflis.
– das kann Struktur, Form, Transformation die 48 dargestellten Typo Icons auch anders G. Chakhava
oder sein Bild sein. hätten sortiert werden können.

99
„Krone“– City Hall Den Haag. OMA (Projekt) „Blitz“ – SVA, Zürich. Stürm & Wolf
Für solche Kompositionen gäbe es mehrere Titel: Krone, mini-skyline, growing group... Ent- Komplexe lange Grundstücksformen lassen sich so gut bebauen – durch die freie Faltungs-
scheidend ist: Aus einem Grundkörper (Platte, Sockel) wachsen sich auflösende Strukturen Mechanik kann auf unterschiedliche stadträumliche Situationen reagiert werden. Die Form
gen Himmel. Die Strategie ist hart; anstelle von einzelnen Häusern sagt der Architekt, dass selbst ist Inbegriff von Schnelligkeit, Energiegeladenheit. Sie schafft interessante Binnen-
dies ein Gebäude ist, dass er alleine bauen will... Thema Skalierung: Es geht auch kleiner. räume – z. B. für den Eingangsbereich. Die Objekt-Qualität erlaubt keine Erweiterbarkeit.

Verschränkter Doppelmäander Animal-Machine – Verwaltung Marseille.


– Hamburg. ASTOC Architects & Planners Alsop & Störmer

Das Reizvolle bei diesem Konzept ist, dass sich sein kompositorisches Prinzip der Es gibt sehr alte und urtümliche „animalische“ Projekte, die in ihrer Abstraktion überzeugen
„Verschränkung zweier Mäander“ kaum vom subtraktiven Prinzip (Körper, bei denen Teile (z. B. Chehel Sotun, Isfahan). Wir reden hier von Tier und Maschine gleichzeitig, weil die
weggeschnitten werden) unterscheidet. Wichtiger ist, dass hier enorme Gebäudetiefen Metaphern heute oft kombiniert werden. „Smart & Strange“. Solche Projekte machen nur in
bewältigt werden – dies erlaubt erst die Analogie zum Speicherhaus und den Ortsbezug. speziellen Situationen, bei einmaligen Programmen, bei angemessener Bedeutung Sinn.

„Hochhaus“– Empire
State Building, New
York, Shreve, Lamb &
Harmon Associates

„Compact Composition“ –
EnBW-Verwaltung in Stuttgart.
Lederer + Ragnarsdóttir + Oei

Der kraftstrotzende Bau simuliert totalen „Überdruck“, indem die Seitenflanken unabhängig Türme bauen! Neben den nicht mehr existierenden WTC-Zwillingstürmen ist das Empire
gehalten werden – flach abgerundet, sich teilweise herausschiebend. Die „Compact Compo- State das Hochhaus schlechthin. Hochhaus = verlängerter Körper, Macht, Dominanz, Fort-
sition“ hat monolithisches Format und kann mit beschränkter Anzahl von Elementen angerei- schritt, Technologie, Wagemut, Hochkultur... aber leider rechnet sich ein Hochhaus in den
chert werden. Belichtung wird über einen oder mehrere offene oder gedeckte Höfe gelöst. meisten Fällen nicht. In der Superlative-Dimension ist dies das Bürohaus par excellence.

100
Typologische Konzepte

Der Block – IBM Headquarter, Zürich. Raumlandschaft – Villa VPRO, Hilversum.


M. Campi MVRDV

Das große Bürohaus mit eigenem Hof kann wie jeder Blockrand in unterschiedlichen Was Hertzberger mit seiner strukturalistischen Binnenwelt in Appeldorn/Central Beheer
Dimensionen angewendet werden – wobei bei sehr großer Dimension die Dichte zu gering, schon vorweggenommen hat, das wird von MVRDV als kompositorische Binnenwelt
die Querbeziehungen zu langwegig werden. Der Innenhof kann mit Hallen/Hörsälen belegt weitergeführt. Die strategische Durchlöcherung erlaubt es, kleinere Raumeinheiten gut zu
werden. Das System erlaubt Dominanz – das Bürohaus erscheint als „fetter Brummer“. belüften (und teilwiese gut zu belichten) und/oder auch große Binnenflächen anzubieten.

Bürodampfer – 1920er-Moderne, Big Pizza – Faber and Dumas,


Chandigarh. Le Corbusier Norwich. N. Foster

Der Dampfer als Zweibünder ist ein Klassiker. Klassisch ist hier auch seine Ordnung: Sockel Neben dem Kingsize-Format geht es auch ganz klein – das System, seine Vor- und Nachteile
– Körper – Dach... die Dreiteilung des Bauwerks in moderner Form. Was er nicht kann: Säle bleiben gleich: Geboten wird zusammenhängende Fläche, Großraumorganisation, Netz-
und Hallen finden kaum Platz (sie müssen „angehängt“ werden), und in Repetition entste- werkstruktur. Falls notwendig, bringe ich das Licht über Atrien und Höfe hinein. Wie aber
hen Zeilenbaustrukturen, die unter Umständen ungeeignet für Verwaltungskomplexe sind. schaffe ich Ordnung und Hierarchie im Kuchen? Mit zusätzlichen, wertenden Strukturen.

Classical 19th – Chicago. Warren and


Wetmore Architects, 1913
Seestern – Berlaymont, Brüssel.
L. de Vattel

Mit drei, mit vier, mit fünf Armen... der weiche Stern schafft unterschiedliche Außenräu- Beginnend bei der „klassischen Kiste“ über Anreicherungen mit Eck- und Mittelrisaliten bis
me, einer davon für Vorfahrt und Eingang, einer vielleicht für Anlieferung, sicher einer als zur „klassischen Anlage“ – ein absolut tragfähiges System, das auch heute genutzt, trans-
Mittags-Park. Die zentrale Empfangs- und Verteilerhalle führt zu allen Flügeln und den exklu- formiert und neukonzipiert werden kann; mit anderem Habitus, mit anderen Geometrien.
siven Dachräumen, Firmenkantine oder Chefetage. Das sind Konzernsitze, Headquarters! Die Werke des 19. Jh. – Universitäten, Banken, Spitäler – sie stehen meist noch gut da.

101
Kamm – Allianzquai, Frankfurt. Doppelkamm – Technopark, Zürich,
HPP & Partner F. Romero

Rücken und Kamm. Je nach städtebaulicher Lage befindet sich der Haupteingang in der Solche Systeme lassen sich typologisch unterschiedlich ausformulieren; als Doppelkamm,
Mitte des Rückens (der dann die Eingangsfront bildet) oder in einem Ende (welches als bei dem der Kamm-Rücken zum mittig-liegenden Kamm-Rückgrat wird. Oder zum System
Kopf einen Akzent bilden kann). Über die langen Gänge des Haupttrakts zweigen wir ab in „verbundener Zeilen“, wobei die verbindenden Bauvolumen ganz unterschiedlichen Charak-
die einzelnen Flügel des Kamms – in Abteilungen mit ausdifferenzierten Eigenschaften. ter haben können; Quertrakte, Passerelle, Hallen... Ein dichtes und potentes System.

Pavillon + Höfe – Verwaltung, Freiburg i. Br. Flache Kiste – Pollmeier Massivholz, Creuz-
Humpert, Reinelt, Zängele, 1967 burg, Seelinger + Vogels

Ein Provisorium, vielleicht elementiert, Statik nur für‘s Dach. Schöne begrünte Atrien, viel Zwei bis drei Geschosse – wir haben es mit flachen Formaten zu tun. Die Ausdehung ver-
Licht, nur Gänge, keine Treppenhäuser. Das benötigt Fläche und kann in urbanen Situati- langt Belichtungshöfe. Wir befinden uns konzeptionell zwischen Pavillon, Raumlandschaft
onen auf hochwertigem Land kaum mehr realisiert werden. So hat der Pavillon immer noch und Blockrand. Zahlreiche Ausformulierungen sind hier denkbar: zum Beispiel ein durchge-
ein „tropisches Flair“; die Forschungsstation im Busch, die Schule in der Savanne... hendes, hohes EG (für Produktion, Ausstellung) und ein mit Höfen perforiertes OG.

Schlanke Kiste – Stadtverwaltung Middelburg.


P. de Ruiter
Alles zur Halle – British Airways,
Harmondsworth. N. Torp

Das Bürohaus! Als Zeile verwandt mit dem „Bürodampfer“. Die Kiste qualifiziert sich durch Für Großkonzerne – oder als Büropark (zur Miete)! Die riesige Glashalle dient dem Empfangs-
das Innenleben; räumlich spannende Erschließung... scharfes Interieur... trendy styling... „Image“, sie muss als Treibhaus Bestandteil des Energiekonzepts sein. Die Halle kann mit
Oder: knochentrockener Habitus, minimalistisches Auftreten, Understatement pur. speziellen Nutzungen bespielt sein. Mehrere gleiche oder unterschiedliche Flügel docken an.
Das Konzept der Kiste lässt eben sehr viel zu – vor allem auch ein nachhaltiges Gebäude. Das Erscheinungsbild, der „Auftritt“, nach außen ist aber eine Herausforderung!

102
Typologische Konzepte

Umnutzung – alte Fabrik als Industriehalle – H2e Werbeagentur,


Büro, Sihltal. Anonym Ludwigsburg. Bottega + Erhardt

Dazu kennen wir zahlreiche Konzepte. Für den Umbau zu Wohnungen kann die große Tiefe Die Spezialvariante des Großraumbüros. Grundthemen sind räumlicher und technisch-
alter Fabriken ein Problem werden – für Büronutzung nicht. Hohe Räume, sichtbare Kon- energetischer Art: Wie erhalte ich den phantastischen Hallenraum, wenn ich spezielle
struktion und Materialpatina bieten das besondere Flair. Vor 30 Jahren wurden Fabriken von Nutzungen wie Sitzungszimmer oder Nebenräume einbauen muss? Mit welchem Energie-
Pionierszenen günstig umgebaut... heute sind sie begehrt und dementsprechend teuer. konzept bewältige ich das riesige Heizvolumen und die meist schlechte Wärmedämmung?

Mäander – Verwaltung einer Bank. Bürodorf/Bürofarm – SEI Investment, Rock-


Mönchengladbach. HPP castle Pennsylvania. Meyer und Scherer

Mäander und Schlange als selten angewendete Verwaltungstypologien. Sie haben Potenzial Mögliche Konzeptionen sind: Ein Umfeld, in welchem nur radikal einfach konstruiert werden
für Raumbildung (Kopf, Schwanz, unterschiedliche Seitenhöfe), mit ihnen lassen sich kann (Entwicklungsgebiete); Dorfstrukturen, in welche man sich einfügen will – oder die
schwierige Grundstücksformate bespielen – aber sie haben auch Nachteile: etwa die Länge Vorstellung, dass Verwaltungsgruppen mit speziellen Bedürfnissen sich in kleinkörnigen
– was im gezeigten Beispiel durch zusätzliche Kurzschluss-Passerellen entschärft wurde... Strukturen manifestieren sollen. Nachteile: Umständliche Wege, mangelnde Flexibilität.

Im Punkthaus – Das gelbe


Haus, Flims. V. Olgiati
Große Struktur – Verwaltung Aargau,
Baden. BMS

Wie bei jeder Struktur ist die besondere Herausforderung, zusätzlich spezifische Sonderpro- Kompakte Einheiten wie Kleinunternehmen oder Bürogemeinschaften belegen diesen Typ:
gramme und -nutzungen unterzubringen und auszuprägen, z. B. einen Eingang oder einen Dorfverwaltung – Institute von Universitäten – städtische Dienste im Quartier – (exklusive)
Saal. Deshalb gehört zu den primären Entwurfsüberlegungen, was die Struktur können Symbiosen wie Ärztehäuser/Gemeinschaftskanzleien von Rechtsanwälten – Konzernleitung
muss und was sie nicht leisten kann. Erweiterung ist einfach, Orientierung aber schwierig. in der Fabrikantenvilla. Häufig eine Umbauaufgabe, seltener als Neubauprogramm.

103
Zeilen oder Scheiben in Serie – Alles unter einem Dach – TBWA/Chiat/Day,
Telekom Center. Kiessler + Partner Los Angeles. C. Wilkinson

Die Entscheidung für Bürozeilen kann programmatisch (Unabhängigkeit von Teilverwaltungen) Das Konzept „Haus im Haus“ oder „Dorf unterm Dach“ wirkt attraktiv, da Volumen, Technik
oder auch städtebaulich begründet sein (z. B. Wunsch nach Transparenz zu einem speziellen und Transparenz potent in Erscheinung treten. Grundvoraussetzung ist das Bedürfnis nach
Stadtraum wie etwa ein Flussraum). Die Verbindung kann nur (ohne die Typologie zu ändern) gedeckten Außenbereichen – ansonsten scheitert man am Widerspruch: Aus ökono-
im Erdgeschoss oder mit Passarelle gelöst werden. „Zwischen den Zeilen“ ist Spezialraum! mischen Gründen will die Halle gefüllt, aus räumlichen Gründen nur partiell belegt werden.

Neues an/auf Altes – Pionierpark Winterthur. Erschließungsrückgrat –


N. Hürzeler DB Cargo Center, Duisburg. RKW

Umnutzung, Transformation und Nachverdichtung alter Substanz. Die Gründe: Ganz einfach, Es ist evident – dies ist eine der effektivsten Strukturen. Mit ihrem Rückgrat erschließt und
weil eine höhere Ausnutzung zugelassen ist oder weil spezielle Funktionen sich nicht in der bedient sie alle Seitenflügel. Die Struktur ist ausdifferenzierbar, transformierbar, erweiterbar
alten Struktur integrieren lassen. In der behutsamen Annäherung oder im spektakulären und auch teilbar; ganze Teile können untervermietet werden, da jeder Hof ein Zugangshof
Gegensatz finden wir viele unterschiedliche Konzepte. sein kann. Allerdings kann die Maschine nur eine Eingangsfront bilden – mit dem Kopfbau.

Twin-Towers
– Wettbewerbs-
entwurf Ground
Zero, New York, Mobile Offices – IVCHGC Bombay/
N. Foster California

Beim ehemaligen WTC in New York als unabhängige Doppeltürme – oder als verlinkte Hoch­ ...mit den Produkten zu den Kunden – wie auf dem Markt, wie der Minimarket-Bus, der
häuser (Petronas-Towers, Wettbewerbsbeitrag von N. Foster für „Ground Zero“). Dazu gehört durch die Dörfer fährt, so ist Arbeit auch in mobilen Büros organisierbar – vor allem deshalb,
eine Serie skulpturaler Spezialfälle wie etwa CCTV (OMA) oder die konzeptionellen Studien weil vor Ort mit Kunden Aufgaben gelöst werden müssen. In gewissem Sinn gehören dazu:
„Kissing Towers“ (MVRDV). Auch im Kleinen bei 6-9 Geschossen ein spannendes Konzept. mobile Ausstellungen, Bibliotheken, Infozüge, Air Force One, Gesundheitstrupps...

104
Typologische Konzepte

Fette Maschine – National Docklands,


Melbourne. J. Grose
...ein Geschoss irgendwo gemietet
Wahrscheinlich die häufigste Firmenlage: Irgendwo in einem mehr oder weniger qualitäts- Bei großer Höhe, Breite, Tiefe wären komplett ausdifferenzierte Raumfolgen (siehe icon
vollen Bürohaus installiert sich die Firma und schafft sich ihre Raumqualität in den eigenen „Raumlandschaft“) sehr aufwändig. Sinnvoll ist ein hybrides Konzept, aufbauend auf Stan-
Räumen. Im häufigen Fall der Miete kann dies nur über Mobiliar und Einrichtung erreicht dardstrukturen wie Loggia, Atrium, Hof und Zeilen-Zwischenraum, welches kompositorisch
werden, da bauliche Investitionen bei Umzug mehrheitlich verloren gehen. weiter modelliert wird – das Bauwerk kann so als Kiste oder als Skulpur erscheinen.

Rundhaus – Suhr. Calatrava & Frei Ring – UFO Lofthouse, Frankfurt. Dietz Joppien
Der kompakte Rundbau zeigt das selbstständige Bürohaus, welches am Ort wie ein UFO Der Ring ist Hof- oder Blockrand. Die Eigenständigkeit kann sich aus städtebaulicher Lage
gelandet ist. Der formale Anspruch an allseitiger Gleichförmigkeit widerspricht den Ansprü- ableiten; auf dem Campus, auf der verkehrsumspülten Insel. Treppenhäuser erschließen die
chen auf Reaktion gegenüber Orientierungen; unterschiedliche Ausformulierung der Seiten Brandabschnitte, Laubengänge bedienen Segmente. Die formalen Analogien zu Drehung
für eine städtebauliche Reaktion, für eine energetische Optimierung – das birgt Konflikte. und Zentrifugalkraft erlauben dynamische Raumkonfigurationen und Bilder.

Galerie und Passage – The Mall – Glashalle als Zentrum –


Cleveland Arcades. J. Eisenman Züblin AG Stuttgart. G. Böhm

Der Typ Passage wurde vorwiegend durch den luxuriösen Einzelhandel belegt – nur selten Wir finden Vorläufer bei den Eisenkonstruktionen des 19. Jahrhunderts (siehe links): Gale­rien,
durch Wohnen oder Dienstleistung – erstens weil Wohnen am überdachten Hof problema- Märkte. Mit der technologischen Architektur (leichtere Tragwerke, Seilstatik, neue Glas­
tisch ist, zweitens, weil es zu Ende des 19. Jahrhunderts kaum Dienstleistungen gibt. Den- technologie und komplexe Energiesteuerung) werden große Hallen zum sinnvollen Standard-
noch ist die Passage ein wichtiger konzeptioneller Vorläufer für moderne Bürobaukonzepte. baustein. Glashallen sind heute Bestandteile des Energiekonzepts („Energie-Gärten“).

105
U-Hof – Schiffahrtskontor Elbe, Berlin, Doppelzeile als Langhof –
Grüntuch Ernst Darmstadt, Eisele & Fritz

Dieses überzeugend einfache Prinzip mit einer quergestellten Erschließung bildet eingangs- Die Doppelzeile – oder der lange U-Hof – bildet das große Schiff mit einem intimen Hof­­raum
und straßenseitig die Hauptfront und öffnet sich mit den zwei einen Halbhof bildenden (oder urbanen Platz-Hof). Die beiden Zeilen können mit Passerellen verbunden werden. Die
Flügeln als gerichtete Architektur – gegen das Wasser oder Parkraum. Dieses Prinzip kann Außenseite kann schroff abweisend sein – oder wie hier einladend mit einem Arkadentrich-
auch als Lärmschutzkonzept angewendet werden. ter. Speziell an diesem Konzept ist die Erweiterbarkeit in Mäanderform zur 3er-Zeile.

Gequetschter Blockrand = Doppelzeile – Nabe als zentrale Glashalle –


Umweltbundesamt Dessau, Sauerbruch Hutton Hauptverwaltung LVA Lübeck, G. Behnisch

Grundprinzip ist der Blockrand, welcher in eine eigenständige Großform transformiert wird Die Verwandtschaft zum „Seestern“ ist evident; während der Seestern als ein integrales
– beispielsweise in eine „Amöbe“. Wie bei der Doppelzeile werden die langen Flügel mit Objekt erscheint, konstituiert sich die Nabe als Ansammlung unterschiedlicher Körper um
Passerellen kurzgeschlossen. Der gedeckte Innenhof macht dies zum Totalobjekt – das ist eine zentrale Verteilerhalle – die Nabe (oder das Prinzip „Schlüsselring“). Schwierig umzu­
aber nicht zwingend notwendig. Großes Potenzial für lange, schwierige Grundstücke. gehen ist mit den unterschiedlichen Dichten im Zentrum und an der Peripherie.

Raumgitter –
Treptower, Berlin, G. Spangenberg (Foto)
Gründungssitz – Hauptsitz = Ikone –
Berliner Volksbank, A. Isozaki (Skizze)
Bank of England (Foto) & Chicago Times (Skizze)

Der Gründungssitz steht für Tradition und wird nur im Notfall aufgegeben. Architektur und Das System erlaubt höchste Dichte. Organisiert als Zeilen mit Quertrakten oder als
Firmennamen sind hier eins. Berühmte „Sitz-Aufgabe“: Als Pan Am das Gropius-Hochhaus richtungsloses Gitter. Quertrakte können „fliegen“ und erlauben so erdgeschossig durchge-
in New York verließ. Berühmteste (nicht realisierte) Neupositionierung mit Architektur: Das hende Höfe. Der Komplex ist in seiner Orientierung und Atmosphäre schwer zu kontrollie-
Loos‘ Hochhaus für die Chicago-Times. Recherchiere: BMW, Olivetti, Nestle, CCTV ... ren. Man wünscht sich dabei einen öffentlichen Raum mit viel Publikumsverkehr.

106
Typologische Konzepte

Atelierhaus für Arbeiten und Wohnen –


Kölner Brett, Brandlhuber & Kniess
Adresse Hinterhof – anonym
Das Beispiel zeigt eine konzeptionelle Architektur, welche Wohnen und Arbeiten nicht mehr Die sogenannten minderwertigen Adressen werden als Insider-Orte kultiviert. „Standing,
als getrennte Funktionen versteht, sondern mit intelligent verschränkten und flexibel kom- Repräsentation, Top-Adresse“ – ça ne m‘interesse pas! Basierend auf niedrigen Mieten und
binierbaren Grundrissen Wohnen und Arbeiten als ein System versteht. Mit einem neuen szenösen Orten wird Position bezogen. Man hat dann aber innovative Qualität zu liefern –
Verständnis für Nutzungsmischungen erkennen wir darin den gefragten Quartierbaustein. auch als Architekt, der für Newcomer baut. Ansonsten ist man „weg vom Fenster“.

Wohnen und Arbeiten im urbanen Quartier Kristallin – Menzis, Groningen, de Architekten Cie.
Arbeiten und Wohnen – die Kombinationen werden diskutiert. Die Raumnutzungs-Gesetze Kristalline Körper haben eine lange Tradition: Pyramiden, Tauts Kristalle, Hochhäuser in New
in einigen Ländern lassen den Mix nicht zu und sollten revidiert werden; denn in den meis­ York... Sie haben eine spezielle Eignung für Raumprogramme mir großen Räumen wie Säle,
ten Wohnungen finden wir heute einen vollwertigen Arbeitsplatz – immer öfter für kommer- Megaloggien, da diese in Korrespondenz zum Körper gebracht werden können. Im Bürobau
zielle Arbeit; Start-ups, Einpersonenbetriebe, Beratung, Nebenverdienste, Telearbeit... sind sie deshalb seltener zu finden und in ihrer Ausformung zurückhaltender.

Büro-Komplex – Centrosoyus, Struktur – Central Beheer, Apeldoorn,


Le Corbusier H. Hertzberger

Das Bürogeviert – nicht als Struktur, sondern als durchkomponierter Komplex. Ein solcher Der Normalfall wird mit einer ausgeklügelten Struktur gelöst – die räumlich-funktional-
Entwurf macht sich zu eigen, dass sich große Verwaltungen (Konzerne, Staat) auch in reich- konstruktiv möglichst viele Ansprüche erfüllt. Dann aber ist ein weiterer Schritt notwendig:
haltigen Programmen manifestieren können; Empfangshalle, Aula, Säle, Sitzungszimmer, Wie implementiere ich spezielle Funktionen, Einzelteile, Sondersituationen, Eingänge... und
Kantine, Café, Lounge, Ruheraum... dieses Programm wird zur Skulptur modelliert. auch: Wie reagiere ich mit der Struktur auf die umliegende Stadt? Genial, wer das alles löst!

107
Arbeit und ...

109
Gebrauchsanleitung 111
Sich verorten 115
Typologie 129
Rohbau, Ausbau, Technologie 147
Verbinden, Trennen 161
Kommunizieren 175
Gestalten, Designen 189
Peripherie 205

110
Gebrauchsanleitung

Struktur

Die folgenden sieben Kapitel unter der Überschrift „Arbeit und...“ Themen. Danach werden die wichtigsten Aspekte der Themen in
sind alle nach einem ähnlichen Prinzip aufgebaut: Nach einer Einfüh- Texten erläutert (ein bis zwei Doppelseiten mit vereinzelten Bildern
rungsseite mit kleinen Piktogrammen folgen die zweiseitigen „Ent- und Grafiken). Jedes Kapitel wird mit einem „Struktur-Vorhang“ und
wurfsschemas“ als umfangreiche Fragensammlungen zu den sieben zwei zum Thema besonders passenden Beispielen abgeschlossen.

Einleitung
Zusammenfassender Text, einige exemplarische Piktogramme zum
Thema.

Entwurfsschema
Wir durchstreifen sechs allgemeine Aspekte (Maßstab, Lage, Öko-
nomie, Funktionalität, Zeit, Identität) und stoßen auf zahlreiche of-
fene Fragen. Übergreifende Pfeile schlagen jeweils einen logischen
Denk-, respektive (Teil-)Entwurfsprozess vor.
Alle sieben Schemas sind im Gesamtentwurf (siehe Seite 13, „Anlei-
tung zum Entwerfen“) über Schlaufen zusammengebunden.

Texte zu den wichtigsten Aspekten


Ein bis zwei Doppelseiten mit erläuternden Texten und wenigen
Schemas, Piktogrammen, Bildern. Es muss bewusst sein, dass in
diesem Buch vor allem Aspekte des Entwerfens behandelt werden.
Ein weiteres Verständnis für bautechnisch-konstruktive Aspekte ist
zwingend mit anderen weiterführenden Publikationen zu erarbeiten!

Struktur-Vorhang
Auf jeweils einer Doppelseite wird eine für das Thema zentrale Struk-
turfrage graphisch geklärt. Dies soll auch dazu anregen, sich selbst
zur weiteren Strukturklärung solche Übersichten zu erarbeiten.

Zwei Projektbeispiele
Die jeweils ausgewählten beiden Projekte dokumentieren in ganz
besonderer Weise einen architektonischen Schwerpunkt zum The-
ma. Sie folgen deshalb teilweise einer anderen Sortierung als die auf
Seite 99 dargestellten „Typologischen Konzepte“ (Typo-Icons).

111
Arbeit und...

112
Sich verorten

113
114
Sich verorten

Die Verortung der Arbeitswelten ist von


Aufgabe zu Aufgabe und von Lage zu Lage
sehr unterschiedlich. Die hier gezeigten
typischen Beispiele sind nur einige aus der
möglichen Palette. Wichtig ist, dass sich
Entwerfende ein Repertoire für die Analyse
und ein Repertoire für Projektantworten
aneignen.
Die Klarheit, mit welcher ein Projekt in
einem System verankert wird, trägt zur
rationalen und damit zur rationellen Bearbei-
tung bei – man hat sich Kriterien erarbeitet
und sich auf solche geeinigt. Dies ist ganz
besonders bei Verwaltungsbauten eine
empfehlenswerte Strategie.
Heutzutage muss sich die Arbeit im
Spannungsfeld zwischen lokalen und Global, UNO Hauptsitz, New York Hochhausstadt, Bürodistikt Manhattan, New York
globalen Anforderungen positionieren. Viele
Unternehmen sind international vertreten,
haben zahlreiche Firmensitze und somit
unterschiedlichste Umgebungen innerhalb
derer es gilt, qualitätvolle Arbeitsorte zu
entwickeln. Auf der einen Ebene muss die Lokal, Rathaus, Camarasa Solitär, Torre Agbar, Barcelona
Erreichbarkeit der Einzelstandorte gewähr-
leistet sein, das heißt die optimale Verkehrs-
anbindung wird angestrebt, auf der anderen
Seite spielen die allgemeine Lebensqualität,
das spezielle Umfeld, die besondere Stim-
mung eines Orts eine immer größere Rolle. Zentral, Gerling, Köln Eingebunden in Umgebung, Central Versicherung, Köln
Sowohl für die Qualität der Arbeitsplät-
ze als auch für die Arbeitsorte wäre es
wünschenswert, die Arbeit könnte sich
immer mehr in zentralen Lagen verorten, in
Umfelder einbinden und mit ihnen in Dialog
treten. Peripher, Bürostadt, Frankfurt-Niederrad Neubau, Sparkassen-Carré, Tübingen

115
Sich verorten beruht auf Kontexterkenntnis

MASSSTAB LAGE ÖKONOMIE

„Standort muss etwa Blockgröße haben“ „Sieht mein Haus aus wie das von nebenan?“ „Toplage, dafür extrem optimiertes Projekt!“

Besondere Qualitäten /
Probleme des Orts
2 Identität am Ort umsetzen
und ausprägen Image der Umgebung
Wie sind Abhängigkeiten zwischen Lage / Wertschöpfigkeit?
Wie ist das Gebiet strukturiert und welche Entwick-
lungen sind zu erwarten? Relevanz und Gewichtung einzelner Lagekrite- Kann ich an der gewünschten Lage überhaupt bauen?
rien? (z. B. lieber Stadtrand dafür sehr ruhig – Oder muss gemietet werden? Das heißt: Projekt wird
oder: lieber zentral, dafür ein hektischer Ort...) zur Innenarchitekturaufgabe.
Welche Größe hat das Kundengebiet heute, und wie
groß könnte es werden (regional, national)? Wird eher ein monofunktionales (Büroviertel) oder
eher gemischt genutztes Quartier bevorzugt? Was bedeutet „ökonomische Verortung“?

Welche Größe hat das Projekt? Zwingende Lagewahlkriterien (z. B. öffentliche Welche Auswirkung hat die Lagewahl für das Unter-
Verwaltung im Quartierzentrum) nehmen? (Hohe Lagekosten = hohe Lohnnebenkosten,
Sind (langfristige) Bauabschnitte oder
aber: Gute Lage = mehr Aufträge?)
Erweiterungen vorgesehen?
Für wen und für was wird welche Art von Ver-
kehrsanbindung benötigt? (Mitarbeitende, Kunden,
Welche Auswirkungen hat die Lageklasse auf das Archi-
Arbeitsorte, eventuell Logistik Produkte)
tekturprojekt (Repräsentation, Understatement)?
Welchen Maßstab haben die umliegenden Struk-
turen? Integriert sich unser Projekt oder sprengt es
Wie unterstütze ich den Ort Welche Erwartungen haben die Mitarbeitenden an das Umfeld?
vorhandene Maßstäbe?
mit meinem Projekt?

Welche Netzwerke und welche Dienstleistungsange-


bote sind vorhanden, was fehlt (Verpflegung, Freizeit,
Mögliche Anbindung an urbane
Printservice, Spezialberatungen, ...)?
Freiräume

Struktur des Orts Standortfaktoren – harte/weiche Lageklassen


Stadtgrundriss Sonstige Standortbedingungen Bedingungen für das Unternehmen
Maßstabsebenen (Städtebau bis Ausführung) Der Ort, Topographie, historische Schichten Möglichkeiten des Unternehmens
Virtuelle und räumliche Netze Morphologie und Typologie Netzwerke und mögliche Synergien im Umfeld
Verschiedene Behörden für unterschiedliche Struktur von Siedlung und Natur Standortwahl bezüglich Region und Struktur?
Maßstäbe Erschließung (MIV, ÖPNV)

1a Qualitäten des Orts sammeln

116
Sich verorten

3 Idee von Verortung

FUNKTIONALITÄT ZEIT IDENTITÄT

„Standort mit optimaler Erreichbarkeit gesucht!“ „Standort mit Erweiterungsmöglichkeiten“ „Besonderer Ort = besondere Architektur!“

Ist die Funktion an dem Ort not- Wie lange wird das Programm am Ort bestehen? Gibt es eine klare, bestehende Firmenidentität –
wendig und ist sie integrierbar? oder kann/muss diese mit dem Projekt neu definiert
Wann wird was genutzt und mit welcher Frequenz?
und positioniert werden?
Werden zum Beispiel aufgrund eines Ab- Sind unübliche Nutzungszeiten (Nacht- und Wo-
bruchs andere Nutzungen verdrängt? chenendarbeit) zu erwarten?
Gilt diese Identität für nur dieses Projekt oder exis-
tieren Vertretungen an anderen Orten? (Hauptsitz
und Filialen)
Wie wirkt sich die spezifische Funktionalität
auf die Typologie aus – und was bedeutet
Ist es ein Projekt, das sich im Laufe der Zeit transfor- Handelt es sich um ein Mietobjekt und kann deshalb
dies in Bezug auf Umgebungstypologien?
mieren muss. Sind Umbauten zu erwarten? nicht für ein Firmen-Corporate-Identity entworfen
werden?
Wird eine besondere Positionierung durch Kann sich die Funktion nur anpassen, wenn sie sich Mit welchen Elementen soll die Identität vermittelt
die besondere Funktion notwendig? dauernd verändert? werden?

1c Eigene Identität herausarbeiten


Mit welchem Projekt, mit welcher Architektur kann
die Identität an diesem Ort umgesetzt werden?
Wie ist das Gebäude frequentiert und was
sind die Folgen daraus (z. B. Großprojekte:
Dichtere Busfrequenz bei Stadt beantragen)?
Ist es eine Funktion, welche zu bestimmten Zeiten
Verkehrsspitzenlasten auslöst (z. B. Großverwaltung)?
Mit welcher Stärke will aufgetreten werden: „Schrill
repräsentierend – oder edles Understatement“?

Wie öffentlich/wie privat ist das Programm und Wie lange arbeiten die Leute dort? (Langjährige Mitar-
was sind die Konsequenzen daraus (Störungen beiter = bekannte Gesichter oder ständiger Wechsel)
durch Nachbarn, Sicherheitsaspekte)?

Abhängigkeit Verortung – Raumprogramm Arbeitszeiten Firmenidentität


Funktionale Anforderungen Frequenzen, Lasten, Mengen Intensität des Firmenauftritts
Neuer Baustein im Quartier Nutzungsintervalle Räumliche Umsetzung
Strukturelle Konsequenzen im Umfeld Reaktion auf den Ort: Dialog/Stärkung/Opposition
Positionierung, auch gegenüber Konkurrenz

1b Mit Programm abgleichen

117
Standortanalyse

Für jede Architektur und für jegliche Art Ar- gesucht werden. Im Idealdenken jedes
beit ist Verortung ein zentrales Thema. Ganz Stadtplaners wäre diese Vorgehenswei-
ursprünglich geht es darum, wie Architektur se wünschenswert. Für hervorragende
mit dem Ort in einen Dialog tritt und diesen Lagen finden sich meistens sinnvolle Pro-
in seinen Qualitäten unterstützen kann. Um gramme und Investoren. Problematische
hier Potenziale abholen zu können, müssen Lageklassen können manchmal jahrelang
wir uns – dies ist eine sehr langfristige Aus- nicht aktiviert werden.
einandersetzung – mit allen Orten beschäf- • Intelligente Investoren lassen einen
tigen, um das Spezielle eines Orts erkennen Abstimmungsprozess zwischen geplanter
und kultivieren zu können. Nutzung und anvisiertem Standort zu. In
der Flexibilität zu intelligenten Weiter-
Den Unternehmen geht es um gute Auffind- entwicklungen des Nutzungsprogramms
barkeit, Erreichbarkeit und eine attraktive liegt ein beachtliches Potenzial.
Lage – die „gute Adresse“ ist gesucht. Ihre
Prägnanz muss und kann vom Architekten Für diese ersten Schritte der Planung und
qualifiziert und gestärkt werden. des Entwerfens benötigen wir uneinge-
schränkte Offenheit für mögliche Lösungen
Wir stehen vor unterschiedlichen Aufgaben und ein andauerndes Abtasten der Konstel-
mit bekannten und unbekannten Faktoren: lation mit innovativen Lösungsansätzen,
• Gegebener Standort und bekanntes Pro- Strukturen, Projektbildern, Strategien... Es
gramm (zum Beispiel Familienunterneh- ist vorerst nicht klar, auf was und wie die
men mit Traditionsstandort). In diesem Konstellation „vor Ort“ reagiert, aber wenn
Fall müssen wir herausfinden, welches sie reagiert, dann sollten wir dies sofort
die Qualitäten/Defizite des Orts sind erkennen und die Projektchance wahrneh-
und mit welchen Mitteln diese optimiert men!
werden können.
• Nutzung ist gegeben, Standort muss Entwurfsarbeit wird zudem mit rationalen
Kernstadt gesucht werden: Die Standortsuche ist Faktoren gestützt und gesteuert. Daten,
zentrumsnah seltene Aufgabe der Architekten – aber Analyseerkenntnisse, vereinbarte Kriterien
die Bewertung unterschiedlicher Stand- und Prioritäten, funktionale und ökono-
Vorstadt orte ist eine wichtige Aufgabe für uns, mische Prämissen sind Entscheidungshil-
Agglomeration
da es dazu die Gabe „schneller Visionen“ fen für eine integrale Projektarbeit, aber
braucht. auch für zahlreiche Teilebenen. Konkret
• Standort ist gegeben und es soll eine heißt dies, dass für ein Unternehmen die
Arbeitsorte und Lage geeignete und tragfähige Nutzung Liste der Kriterien und ihre Priorität geklärt

118
Sich verorten

werden muss. Langsam kristallisiert sich Standortqualitäten. Demgegenüber stehen Was ist planerisch erstrebenswert?
so eine Strategie für den Entwurf an einem integrale Standortvorteile; die allgemein Verlagerung der Arbeitsorte in Zentren, in
Ort heraus – wir können uns bestimmten gute Lebensqualität eines Ortes, welche Brachen (anstelle schlechter Wohnlagen),
Lösungen zuwenden. für qualifizierte Mitarbeiter/-innen und ihre Einbindung und Dialog mit Umfeld, Nut-
Familien immer entscheidender wird. zungsvielfalt: EG öffentlich/Adressenkon-
Aspekte flikte intelligent lösen für Nutzungsmix...
Verkehrsanbindung Stimmung des Umfelds
Lage kostet. Grundsätzlich ist jede bezahl- Wahrscheinlich öfter als erwartet, entschei- Problem: Alle wünschen sich ein urbanes
bare Erschließungsqualität willkommen den sich Investoren und Mieter für oder Umfeld und urbane Räume, doch nur weni-
(ÖPNV, Auto, Bahn und Flugzeug). Je nach gegen den Charakter eines Umfelds. Sie ge tragen etwas dazu bei.
Nutzung werden bestimmte Verkehrsträger entscheiden sich für den Standort, weil sie
favorisiert. Das Spektrum reicht von Top- sich hier nicht nur Arbeitsplatz-, sondern Themen/Begriffe
Lagen bis hin zur städtischen Randlage oder allgemein Lebensqualität vorstellen können. Harte Standortfaktoren: Preise, Dimen­
Hinterland. Besondere Lagen entstehen sionen, Lohnnebenkosten, Erschließung,...
explizit an den Knoten des Verkehrsnetzes. Beispiele für spezifische Kriterien:
Bevorzugt sind Knotenpunkte, bevorzugt Sicherheit, absolute Ruhe, historische Weiche Standortfaktoren: Charakter des
wird immer mehr der ÖPNV. Adresse, Laufkundschaft, Nähe zum Wohn- Orts, Vorlieben, Lebensqualität, Netzquali-
ort des Chefs, Zufallsangebot, Anonymität... täten, Human capital...
Magnetismus und/oder Mix
Für einige Unternehmen kommen nur Hinweise zum Entwurf Mikrostandort = nähere Umgebung des
Standorte in Frage, an denen weitere Fir- Wie verhalte ich mich am Standort? Standorts – Stadtteil, Straßenzug...
men aus der gleichen Branche angesiedelt Topographie, Morphologie und Typologie:
sind. Sie sind angewiesen auf Synergieef- Historische Schichten, Stimmung Quartier Makrostandort = Großräumiges Verflech-
fekte, auf den Markt von Spezialisten oder Stadtmorphologie – typologische Antwort tungsgebiet – Region, Stadt, Gemeinde...
die Präsenz von Subunternehmern/Dienst- Neubau/Bestand (Einbindung, Solitär)
leistern. Andere suchen den klassischen Körnigkeit, Maßstäblichkeit Benchmarking: Für einen Vergleich verschie-
Innenstadtmix – dort wo sich alles trifft und Adressenbildung, Aufwertung des Umfelds dener Standorte haben wir diese Kriterien
mischt. Sind Standortdefizite auszugleichen? zu listen und zu werten.
Magnetismus: Silicon Valley (mangelnde Quartierangebote, Lärm, pro-
Mix: SoHo (Small Office/Home Office) blematisches Image, Monokulturen,…) Spezielle Entwicklungs- und Bewertungs­
sys­teme: Aufgrund der komplexen Realisie-
Unternehmensfreundlichkeit Tendenzen/Aussichten rungsabläufe und der ökonomischen Brisanz
Wirtschaftsstruktur, Investitionsklima, Steu- Was ist zurzeit planerisch problematisch? haben sich professionelle Instrumente ent-
ervorteile, Start-up-Förderung, tiefe Lohn- Isolierte Standorte – Bürostädte, Grüne- wickelt, die man sich gerade bei größeren
nebenkosten – das sind im engeren Sinn Wiese-Planungen – reine Bürosolitäre. Projekten aneignen sollte oder muss.

119
Das Zentrum 1-A-Lage Lage an Verkehrsknotenpunkt

1 bis 2 km

5 km

Lagen Historisches Zentrum Ausgewählte, exklusive Lagen Optimaler verkehrstechnischer


Kernstadt – Innenstadt innerhalb eines Stadtgebiets, die Anschluss durch Kreuzungspunkt
Handelszentrum City, Topadressen einer Stadt, hier von mehreren Verkehrsmitteln
Arbeiten ab dem 2. OG werden Spitzenmieten erzielt, (U-Bahn + Straßenbahn + Bus)
EG öffentliche Nutzung wie Arbeiten ab dem 2. OG
Geschäfte, Gastronomie öffentliche EG-Nutzung

Arbeitende Finanzen/Banken Anwälte Firmen mit großer Belegschaft


Verwaltungen Beratungsunternehmen

Bauliche Eingriffe Nachverdichtung


Durch Aufstockungen von Einzelgebäuden – Sonderprojekte – sinnvoll bei sehr repräsentativen
Orten oder wenn Bestandsgebäude identitätsstiftend, signifikant sind oder Denkmalwert besit-
zen – Gewinn zusätzlicher Bruttogeschossfläche – mehr Signifikanz – städtebauliche Präsenz
– in Innenhöfen des 19. Jahrhunderts – analog: Gewerbebetriebe
Adressenproblematik – Kopplung mit vorhandener Schicht oder unabhängige Schicht legen

Bestandsaufwertung
- Qualifizierung erhaltenswerter Substanz, Gebäude mit Denkmalschutz
- Alte Verwaltungsgebäude Firmengebäude mit Erinnerungswert, Gründungs-
strukturen, die erweitert werden sollen
- Sensibler Umgang erforderlich

Ersatzbebauung
- Abriss und Neubebauung einzelner Gebäude oder ganzer Stadtblöcke; so entstehen
exklusive Neubauten mit besserer Ausnutzung der Bebauungsmöglichkeiten
- Ziel Maximierung der Bruttogeschossfläche und Requalifizierung der Standorte
- Öffentliche Nutzung im Erdgeschoss sinnvoll

Löcher Baulücken – unbebaute Parzellen


- schwer verwertbare Grundstücke mit Besonderheiten (minimale Breiten, Spezialzuschnitt..)
- Typologie im starken Dialog mit Substanz
- im Umgang mit den Besonderheiten entstehen Speziallösungen
- Beitrag zu Urbanität durch Nachverdichtung

120
Sich verorten
Zentrums–Randlage Nebenlagen Periphere Lagen
Stadtteile Stadtränder Endstation S–Bahn
Stadtquartiere Subzentren

10 km 20 km

Stadtgrenze
Am Rande des inneren Stadtgebiets Dezentrale, vorwiegend im Stadtge- Gewerbegebiete – Bürostädte
Arbeiten meist in den beiden un- biet befindliche Lagen Optimaler verkehrstechnischer Anschluss
teren Etagen, sonst Wohnnutzung „Grüne Wiese“ (Autobahn, Flughafen...)
Sammlung reiner Solitärbauten
Keine Qualität der öffentlichen Räume
Individuelle Gebäudegestaltung
Monofunktionale Nutzungsstruktur
„Newcomer“ Mischung aus Handel, Produktion
und geringem Anteil an Büroflächen Reine Büronutzungen – kein Nutzungsmix
Funktional geprägt, großflächig IT-Branche, Dienstleister, Call-Center
Große Firmensitze
Seltene Insider-Standorte in abgeschiedenen
Lagen, spezielle Nutzungen mit geringer
Nachverdichten von lose bebautem Vorort-Standort, Wertschöpfung, Pionier-Belegungen....
wenn möglich Anreicherungen mit zusätzlichen
Nutzungen und Anbindung an ÖPNV.
Spezialfälle

Einzelfall Einzelfall

Konversion ehemaliger Gewerbe- und Indus-


triefelder zu neuen Produktionsstandorten
Konversion von ehemaligen Gewerbeinseln zu oder zu Freizeitparks. Bei guter Erschlie-
gemischt-genutzten Stadtbausteinen mit hohem ßung Ansiedeln von Dienstleistungen
Anteil an Büros, eingestreuter Versorgung, Freizeit eventuell möglich.
und speziellen Wohnformen...

Brachen - Fragen nach Typologie und Nutzung offen


- bisher unbeplante Gebiete - Ist die Vorstellung „Entwicklungsgebiet“ tragfähig?
- Lücken aus Kriegszerstörung, bisher nicht wieder gefüllt - Lage Endstation: eventuell kombiniert mit Autobahnanschluss
- aufgegebene Standorte - Relevanz der Nutzungen im Umfeld (zum Beispiel Baumarkt, Frei-
- obsolete Infrastrukturen, alte Güterbahnhöfe, Hafenanlagen, zeit und Sport)
Flugplätze
- ehemalige Kasernenstandorte
- ehemalige Industriestandorte

121
kempertrautmann.haus

kempertrautmann.haus Das neungeschossige Büro und Geschäfts- den, markiert den Eingang und maximiert
Große Bleichen 10 haus befindet sich in der Innenstadt von die Schaufensterfläche im Ergeschoss.
Hamburg (DE) Hamburg, unweit des Jungfernstiegs und In den Obergeschossen wird durch die
der Binnenalster. Im Kontext der historisch Rundung der Ausblick auf den umgebenden
André Poitiers gewachsenen Stadtstruktur schließt das Stadtraum inszeniert. Auf der Rückseite
Hamburg Gebäude eine jahrelang unbebaute Baulü- ist ein schmaler Lichthof entstanden, der
cke in Innenstadtlage. Der Anschluss an die die Belichtung der straßenabgewandten
Fertigstellung vorhandene Blockrandbebauung wird durch Räume ermöglicht und somit die Büronut-
2006 einen Rahmen aus weißen Brandwänden zung über die ganze Gebäudetiefe zulässt.
hergestellt, die zugleich dem Bau eine klare Die Fassade nimmt die architektonischen
Büroarbeitsplätze Ausrichtung zur Straße hin verleihen. Auf ei- Elemente, horizontale Gesimse und Erker,
ca. 100 nen Rücksprung des Blockrands reagiert der der Nachbarbebauung auf, reflektiert und
Entwurf mit einer Rundung und vermittelt transformiert diese und trägt damit zu einer
somit zwischen den angrenzenden Gebäu- starken Verortung des Projekts bei.

Lage M 1:10 000

122
Sich verorten

relevante Themen

LAGEN
Zentrum
1A-Lage
Zentrumsrandlage
Nebenlage
periphere Lage

EINGRIFFE
Nachverdichtung
Bestandsaufwertung
Ersatzbebauung

LÖCHER
Baulücken
Brachen

MASSSTAB
Einzelgebäude
Block
Quartier

Grundriss EG M 1:500
Grundriss RG M 1:500
Schnitt M 1:500

123
Domquartier Magdeburg

Domquartier Magdeburg Einst „schmückten“ Plattenbauten den metrien verankert ist: querliegende alte
Breiter Weg 7 Domplatz – sie wurden in den späten Wegeführungen und Sichtverbindungen,
Magdeburg (DE) 1990er Jahren abgerissen, um diesen be- Gassen, Dachlandschaften und verformte
deutenden Ort über ein Wettbewerbsverfah- Innenhöfe. Die freien Geometrien sind
Bolles & Wilson ren mit Neubauten aufwerten zu können. ambivalent; sie können als mittelalterliche
Münster oder als zeitgenössische Systeme gelesen
Das Projekt von Bolles & Wilson kombiniert und verstanden werden.
Fertigstellung und tradiert historische mit zeitgenös-
2002 sischen Morphologien für diesen Ort: Ein Der vielfältige innerstädtische Nutzungsmix
erstes Prinzip erinnert an die orthogonale gehört zur Lage und stärkt den Ort. So ist
Büroarbeitsplätze Gründungsstadt; es sind dies Blöcke, Höfe das Domquartier Magdeburg kein Projekt
ca. 600 und Platzfronten, welche morphologisch der Anbiederung an Geschichte, sondern
in der Bebauungsschicht begründet sind. eines der vielschichtigen Anreicherung und
Dieses erste Prinzip wird mit einer Dynamik deshalb exemplarisch für Verortung im histo-
durch- und überspült, die in alten Raumgeo­ rischen Kontext.

Lage M 1:20 000

124
Sich verorten

relevante Themen

LAGEN
Zentrum
1A-Lage
Zentrumsrandlage
Nebenlage
periphere Lage

EINGRIFFE
Nachverdichtung
Bestandsaufwertung
Ersatzbebauung

LÖCHER
Baulücken
Brachen

MASSSTAB
Einzelgebäude
Block
Quartier

Schnitt M 1:1500
Grundriss RG M 1:1500

125
Arbeit und...

126
Typologie

127
128
Typologie

Wie im Kapitel „Typologische Konzepte“


(siehe Seite 99) skizziert, können Typologien
auf unterschiedlichste Art und Weise ver-
standen werden. Gebäude können aufgrund
ihrer Struktur, Form, Erschließung, Größe,
Arbeitsorganisationsform oder auch durch
regionale Unterschiede typologisiert wer-
den. So unterscheiden sich die Bürobauten
in Deutschland und Schweden stark von
den Bürobauten im Amerika und England.1
Der eine Typ ist durch einen langen Abstim-
mungsprozess zwischen Gewerkschaften,
Arbeitgebern und -nehmern in gesetzliche
Vorgaben überführt worden. Er zeichnet
sich durch geringe Gebäudetiefe (15 bis
18 m), eine bestimmte, vorgegebene
Arbeitplatzgröße, natürliche Belichtung und Scheibenhochhaus, KHD , Köln Basic Typologie, Bacardi-Bürohaus, Santiago de Cuba
Schallschutzvorgaben aus. Der andere, rein
auf die Flächeneinsparung optimierte Büro-
typus, zeichnet sich durch eine große Tiefe
aus, die durch Klimatisierung, Technik und
künstliche Belichtung beliebig groß entwor-
fen und gebaut werden kann. Innerhalb der USA/GB Großraumbüro, Citibank, London Europäisches Büro, Gruner + Jahr, Hamburg
Gebäude variieren die Standards sehr stark.
Die besseren, meist den Führungsetagen
vorbehaltenen Arbeitsplätze sind natürlich
belichtet und haben Ausblick ins Freie, die
anderen lassen diese Qualitäten vermissen.
Ziel des Entwerfens, wie wir es verstehen, Spezialtypologie, CCTV, Beijing Hochhaus im Grünen, Olivetti, Frankfurt am Main
sollte das Entwickeln eines Bürotyps sein,
der sowohl den ökonomischen und nach-
haltigen, aber auch den arbeitsorganisato-
rischen und gesundheitlichen Aspekten der
Arbeit gerecht werden kann.
Kleine Typen, Brückenverwaltung, Rotterdam Großstrukturen, Verwaltungsstadt, Brasilia

129
Typologiewahl beruht auf Abgrenzungs- und Einbindungsabsichten

MASSSTAB LAGE ÖKONOMIE

„Internationales Image der Firma und kleinstädtisches „Die Lage wäre geeignet für eine „Ich habe ein sehr enges Budget vorgegeben – ich

2
Umfeld sind eine typologische Herausforderung“. Hoftypologie – aber kann ich die muss deshalb radikal einfache Typen entwerfen“.
Aufgabe damit lösen?“
Abstimmung & Abwägung zwischen
Befinden wir uns in einer kleinmaßstäblichen Situation,
in einem großflächigen System oder in einem hetero- Funktionalität und Typologie
Handelt es sich um einen historischen Kontext, in
genen Umfeld?
welchem gegebene Typen zu tradieren sind? Ist die gewählte Typologie grundsätzlich kompatibel mit
der „Ökonomie der Aufgabe“ – oder habe ich falsch
Befindet sich das Grundstück in einer morpholo- Wie passe ich bekannte und geeignete Typologien an gewählt (z. B. Flachbau bei teurem Grundstück)?
gischen „Standard-Situation“ (z. B. Blockrandviertel), die spezielle Lage an?
auf die wir typologisch antworten sollten?
Ist Ökonomie eventuell das zentrale Kriterium (z. B. bei
Betrieb mit sehr niedriger Wertschöpfung) – und habe
Kann ich mein Projekt als klärenden Beitrag zum Wie modifiziert sich die gewählte Typologie in der ich dafür eine besondere Typologie zu entwerfen?
Thema Maßstäblichkeit verstehen (z. B. Klärung einer vorhandenen Topographie?
Maßstäblichkeitsgrenze)?
Welche Ausprägung der Typologie kann ich mir unter
Welche Typologien passen zur Topographie und welche den gegebenen ökonomischen Vorgaben erlauben?
Kann mein Projekt aus unterschiedlichen Maßstäb-
passen zur gestellten Aufgabe, zum Programm?
lichkeiten bestehen – zum Beispiel im Gesamten sehr
groß (Typ „Campus“) und auf Teilebene kleinmaßstäb- Sehen wir typologische Vorgaben, die den ökon-
lich (Typ „Dienstleistungsbox“)? Will ich mich eventuell vom Kontext loslösen und mischen widersprechen?
vom „Dialog mit der Lage“ verabschieden – und
Siehe Kapitel „Verorten“; morphologische und typolo- entwerfe einen Solitär? (z. B. aufgrund problematischer Mit welchen Typen erreiche ich Flexibilität und Anpas-
gische Auseinandersetzung hat mit Verortung zu tun. Umgebung) sungsfähigkeit an andere ökonomische Zustände?

Haben geeignete Typologien das Potential, auf den Gibt es Typologien, welche höhere Investitionen erfor-
Charakter und die Stimmung der Lage zu reagieren? dern, dafür im Betrieb langfristig effizienter sind?

Region (z. B. Sparkassenfilialen) Typologische Aspekte: Ökonomische Kriterien für Typenwahl?


Stadt (z. B. Quartiersbüro) - bezüglich Topographie Ökonomische Auswirkungen (A/V-Verhältnis,...)
Quartier - im Kontext der umgebenden Strukturen Grad an Flexibilität
Block - Einpassungs- oder Abgrenzungsthema Übliche und spezielle Standards
Gebäude - Ziel typenbildender Beitrag, Typenentwicklung
Geschoss - Spezialfall
Raum

1 Sammeln der vorhandenen Strukturen

130
Typologie

3 Idee von Typologie

FUNKTIONALITÄT ZEIT IDENTITÄT

„Mit dieser Typologie funktioniert das nicht! Kann ich „Diese Aufgabe transformiert sich alle Jahre; dafür „Ich sehe die Chance, aus dieser Aufgabe einen neuen
eventuell einen geeigneten Typen dafür entwerfen? habe ich eine spezifische Typologie zu entwerfen.“ Typen zu entwickeln, der Firmenimage wird!“

Habe ich die Funktionalität wirklich verstanden? Wel- Wie wird auf die Identitäten des Umfelds reagiert?
Wie verhält sich die gewählte Typologie über lange
ches sind zwingende Anforderungen, wo ist Flexibilität Zeit? Gibt sie harte Abläufe vor oder ist sie flexibel?
erwünscht? Kann ich eine Typologie neu entwickeln? Mit welchen Elementen soll die Identität vermittelt
werden?
Sind Typologien im Umfeld im Laufe der Zeit schon
Ist es eine Umbauaufgabe? Habe ich Schwierigkeiten Ist Typologie gleich Identität oder lässt die Typologie
tradiert worden – oder zeigen diese eine große
mit der Funktionseignung der vorhandenen Typologie? in einer weiteren Ebene Identität zu?
Resistenz? Was schließen wir daraus?
Oder kann ich im besonderen Fall Identität nur mit
Sind typologische Vorbilder stark „zeitprägend“,
Sind die Funktionen überhaupt definiert – oder habe einem Sonderfall, mit einem Solitär darstellen?
oder sind sie „zeitneutral“?
ich Räume und Typologien für unterschiedliche, sich
Gibt es ortsübliche „typische Nutzungsabläufe“?
wandelnde Funktionen zu entwerfen?
Gibt es „Zeit-Traditionen“, welche das Bauwerk
Kann eine spezifisch gesuchte Identität mit einer
prägen könnten ( z. B. „Siesta“)?
speziellen Typologie unterstützt werden?

Wird sich Funktionalität im Laufe der Zeit ändern?


Erfordert die Identität eine Typologie oder gibt es
Wie schnell, wie umfassend?
Typologien, die aus Identitätsgründen auszuschlie-
ßen sind?
Wie frequentieren Mitarbeitende und Kunden das
Kann ich das gegebene Funktionsschema umdenken? Gebäude? Gibt es dazu typologische Konsequenzen?
Würde dies eine geeignetere Typologie ermöglichen? Soll Identität mit einem eigenem Bauwerk manifes­
Wird das Gebäude vorhersehbar oder nicht vorher­ tiert werden?
Gibt es bei den Auftraggebern widersprüchliche Vor- sehbar regelmäßig oder unregelmäßig genutzt?
stellungen zum Thema Funktionalität und Typologie? Im Fall von Miete: Wie kann sich dann Identität
Gibt es einen markanten Unterschied in der Winter- architektonisch manifestieren?
und der Sommernutzung?

Funktionale Anforderungen – räumliche Folgen Typologische Aspekte zu den Themen Typologie und Identität
Spezielle Anforderungen (Laborbau, Sicherheit...) - kurzfristige und langzeitige Transformation - als Spannungsfeld, als Widerspruch
Arbeitsorganisation - Tag/Nacht- und Wochenabläufe - Identität unabhängig von Typologie
Nutzungsintervalle - Jahreszeiten - Typologie als Identität
Tradieren – Uminterpretieren - Belegung, Frequenzen

1 Sammeln der Faktoren aus dem Programm

131
Morphologie und Typologie • organisatorisch (Zellen-, Kombi-, Grup-
Einige morphologische Aspekte zum Thema pen-, Großraumbüro)
Arbeit werden im ersten Kapitel „Arbeit • Erschließung (Ein-, Zwei-, Dreibünder...)
verstehen“ erläutert. Unter dem Thema • technisch-konstruktive Aspekte
„Arbeit und Typologie“ erklären wir hier die Klar lesbare Grundtypologie mit Erdgeschoss und Eingang,
Hauptkörper und Attika – eine klassische Bürozeile...
wichtigsten Themen und Begriffe. Für eine einfache Begrifflichkeit wird eben
nur eine der Hauptcharakteristika zur Gliede-
Unter Typen verstehen wir nicht nur allge- rung benutzt.
mein die architektonischen Typologien (zum
Beispiel Punkthaus, Zeile, Blockrand), son- Auf einer folgenden Doppelseite zeigen wir
dern auch spezifisch die Typen räumlicher in einem Typologievorhang, wie Verwandt-
Arbeitsorganisationen, die in ihrer struktu- schaften bestehen und wie Typen erwei- Angereicherte, aber gut lesbare Grundtypologie mit Ein-
gangsvorhalle, Akzent im Hauptkörper, Dachlandschaft...
rellen Essenz erkennbar sind (Verwaltungs- tert, transformiert und kombiniert werden
bau, Atelierbau, Campus, Arbeitsloft...), so können. Die Kombinatorik ist eines unserer
wie wir sie mit Skizzen als „typologische Hauptanliegen für das Entwerfen – wobei
Konzepte“ dargestellt haben. auch die Sensibilität für die Form, für Größe,
Proportion und Struktur entscheidend ist.
Typologisches Entwerfen meint somit, dass Dieser Typologievorhang und die in Kapi-
wir, ausgehend von den allgemeinen Typo- tel 1dargestellten Typologiekonzepte zeigen Die Grundtypologie ist gerade noch lesbar – das Projekt
zeigt starke Plastizität und wirkt im Kontext als Solitär.
logien, spezifische Arbeitstypologien ent- zahlreiche Möglichkeiten beim Entwerfen
werfen können, oder umgekehrt, dass wir von Architektur für Arbeit.
ein sehr spezifisches Programm bewusst
wieder auf eine allgemein typologische
Ebene zurückkonzentrieren können. Typologie und Identität Typologie und Technik
Die allgemeinen und die spezifischen Typo- Im produktiven Spannungsfeld zwischen Technologie ist im Verwaltungsbau eine
logien stehen so gewissermaßen in einem Typologie und Identität liegt Entwurfspo- wesentliche Komponente, die entweder
Dialog. tenzial: Typologien haben immer einen weitgehend in den Hintergrund gebracht
verallgemeinernden Aspekt; Identitäten oder offensiv als Gestaltungs- oder Stilmittel
Ein besonderes Problem der Systematik ist, basieren dagegen auf dem Spezifischen. thematisiert werden kann.
dass sich typologische Reihen aus den un- Beides ist interessant; beim Entwerfen das
terschiedlichsten Charakteristika ergeben: Typologische herauszudestillieren, oder dem Es gibt wohl zwei Haltungen, die zum Ver-
• formal (Punkt, Zeile, Block, Hof, Kamm, Typologischen eine sehr spezifische Identi- bergen der Technik führen: Man findet Tech-
Atrium, Hochhaus, Mäander...) tät abzuringen. Die folgenden drei Skizzen nik a priori störend (im Sinne von zu kalt,
• funktional (Dienstleistung, Bank, Start-up, illustrieren diese Spannweite: unromantisch...). Mit dieser Haltung baut
Verwaltung, Beratung, Entwicklung...) man eine moderne Küche als Holzstuberl.

132
Typologie

Im zweiten Fall geht es nicht um Aversio­ Kybernetik – neue typologische Prägung Um die Bedeutung des nachhaltigen
nen gegen Technologie, sondern darum, Seit Beginn des 21. Jahrhunderts unterliegt Bauens, insbesondere die Ansätze des
dass Raumgestaltung sich unabhängig von die umfassende Interaktion aller architek- „kybernetischen Bauens“ oder einer
technischen Elementen zeigen will. Viele ak- tonischen Aspekte inklusive Technik einer „integralen Architektur“ zu unterstreichen,
tuelle Bürolandschaften manifestieren, dass neuen Vorstellung. Vorbereitet wurde dieses müssen die spezifischen Typen räumlicher
ein Büro nicht wie ein Büro aussehen muss, neue Verständnis mit den Debatten um Arbeitsorganisationen mit dem Verständnis
sondern beispielsweise wie ein Café. Nachhaltigkeit sowie Netzwerk-/Steuerungs- vom nachhaltigen Bauen eine besondere
Wird Technik als Stilmittel eingesetzt, fallen theorie in den 1970er Jahren und folgend Prägung erhalten. Dies führt zu einer neuen
die erwähnten Widersprüche vorerst weg. durch zahlreiche Verständnisschritte weiter- Sortierung in den Typologien – und es hat
Wir gelangen per Verkehrstechnologie zum entwickelt. Dazu einige Stichwörter: Materi- besondere Brisanz, wenn gewisse Typo-
Arbeitsplatz, wir telefonieren mobil, wir alkreislaufuntersuchungen, Green Buildings, logien damit an Bedeutung oder sogar an
benutzen den maschinenbesetzten Arbeits- Büro als Lebensort, Wohlbefinden... Sinnhaftigkeit verlieren.
platz – und dies selbstverständlich in sicht-
barer Gebäudetechnologie. Dennoch bleibt Basis dieses Verständnisses sind im üb- Nach wie vor werden wir uns mit den
der Anspruch, dass Technik nicht wertfrei rigen auch alle Bauwerke der Geschichte, historischen und allen neuen Typologien
eingesetzt wird, sondern mit Sexappeal insbesondere die autochthone Architektur, auseinandersetzen, aber wir werden diese
gestaltet sein soll. Dies ist gerade in der welche zwangsläufig ressourcenschonend nach neuen Kriterien und Erkenntnissen
technologischen Architektur gut nachzuvoll- war. Dies ist mitunter ein Grund, weshalb transformieren. Hier liegen die spannends-
ziehen. Beide hier beschriebenen Haltungen die historischen Typologien zu Beginn aus- ten städtebaulichen und architektonischen
sind gewissermaßen veraltet. führlich dargestellt werden. Entwicklungsfelder vor uns.

Technologische Architektur „Grüne Bilder“, problematische Typologien... Tokio 1994 Integrale Architektur, Innovationszentrum Ingolstadt. Fink + Jocher
Lloyds of London, R. Rogers 1986 Ökologische Stadterneuerung – ist es das wirklich?

133
Typologie als Architektursprache Standard- und Spezialtypologie Qualität der Standard-Bürotypen
Das typologische Arbeiten hat einen hohen Typologien weisen nicht alle dieselbe Klar- Auf einer ersten Ebene ist die Produktion
Stellenwert. Typologie und Morphologie als heit und Prägnanz auf – es ist vielmehr so, von Verwaltungsbauten sehr strukturiert.
Ordnungsprinzipien haben die Struktur einer dass neben den einfachen Grundtypologien Man hat zuweilen den Eindruck, der Ver-
Sprache, weshalb wir mit ihrer Hilfe einen eine ganze Serie Typen aus unterschied- waltungsbau sei „festgefahren“. Dem ist
Diskurs über Architektur führen können, lichen Gründen komplex sind. Mit einem aber nicht so – im Gegenteil werden heute
der über persönliche Vorlieben hinausgeht. gewissen Komplexitätsgrad geht der typo- immer vielfältigere Konzeptionen realisiert.
Der Begriff „Typus“ geht davon aus, dass logische Charakter eigentlich verloren. Mit Die Bedeutung der Arbeitsplatzqualität wird
Substanz oder Essenz vorhanden ist. In der einer Serie von drei Schemata versuchen hochgehalten, die Arbeitswelten werden
Recherche über Typen finden wir inhaltliche wir dies unter „Typologie und Identität“ sinnlicher, Technologien werden subtiler
und strukturelle Essenzen bei Bauwerken. darzustellen (siehe Seite 132 sowie „Typolo- eingesetzt und dem Raumklima wird hohe
gische Konzepte“ Seite 100ff). Bedeutung zugemessen (im Vergleich
Typologie ist noch nicht Architektur dazu die hart-klimatisierten Bürokisten der
Die präzise Arbeit an einer Gebäudetypolo- Manövrieren im typologischen Vorhang 1960er Jahre). Der qualifizierte Arbeitsplatz
gie ist ein Qualitätsfundament. Wir können Der folgende Vorhang von möglichen Typo- wird laufend weiterentwickelt – dies ist ein
aber einen raffinierten Gebäudetypus ent- logien zeigt, dass zahlreiche Übergangs- Produktionsvorteil.
werten, indem wir ihn absolut unsensibel, formen von der einen zur anderen Grund-
kitschig und geschmacklos umsetzen. Mit typologie möglich sind – und sich diese Einschätzung typologischer Entwicklung
anderen Worten: Ausgehend von quali- bewusst als Transformationen entwerfen Zusammenfassend blicken wir auf eine
tätsvollen Typologien braucht es weitere lassen. Eine gute Fingerübung für Entwer- Vielfalt von unterschiedlichen Büroorgani­
Schritte für eine hochwertige Architektur. fende ist es, beispielsweise aus einem sationen und entsprechenden Typologien zu-
Punkthaus einen Blockrand zu entwickeln – rück: Das Zellenbüro, Großraumbüro, Kom-
Ordnungen/Abgrenzungen und dies mit allen typologischen Zwischen- bibüro... In der typologischen Entwicklung
Aufgrund der differenzierten Ordnungs­ schritten. scheint sich eine offene Linie durchzuset-
kriterien (Funktion, Form, Lage) und der zen; es werden zur Zeit vor allem Strukturen
mannigfaltigen Kombinationsmöglichkeiten Maßstäblichkeit von Typologie realisiert, die an bestimmten Stellen sehr
sind unterschiedliche typologische Sortie- Alle Typen lassen sich dehnen, stauchen, prägnant ausformuliert, im Gesamten aber
rungen möglich. So finden wir in Publika- verzerren und biegen. Unterschiedliche offen und flexibel handzuhaben sind. Man
tionen immer wieder andere Sortierungen Körnigkeit hat allerdings seine Grenzen dort, will also beide Qualitäten: Gebaute Bilder
– und wir haben virtuos mit dieser Vielfalt wo ein Raumsystem wegen seiner Dimen­ – Images, Corporate Identities, Charakter –
umzugehen. sionen nicht mehr sinnvoll zu nutzen ist. und hohe Flexibilität.

134
Typologie

Typologie und Nachhaltigkeit In anderen Disziplinen Typologische Konzepte


In beinahe allen Ländern werden restriktive Architektur ist nur ein Teil der gebauten Um- Wir verweisen auf die Prägung im Sinne
Gesetze zum nachhaltigen Bauen erlassen. welt. Urbane Landschaften (Stadtnatur, Gär- typologischer Konzepte (siehe Seite 99):
Bei den Vorprüfungen von Wettbewerben ten, Parks, Gewässer) und Infrastrukturen Blitz
wird das Kriterium Energieeffizienz unter- (Verkehrssysteme, Ver- und Entsorgung) Animal-Machine
sucht und mitgewertet. Der Anspruch auf haben auch typologischen Charakter und Hochhaus und Twin Towers
Nachhaltigkeit wird zu einem Wertungskri- unterliegen ebenfalls einem langfristigen Block und Zeile
terium bei der Typologiewahl. Äußerst auf- Transformationsprozess. Mit dem Ziel einer Bürodampfer, „fette Maschine“
gelöste räumliche Strukturen (zum Beispiel ganzheitlichen und nachhaltigen Planung Seestern
eingeschossige Pavillon-Hof-Verwaltungen) über alle urbanen Phänomene hinaus haben Raumlandschaft
werden eigentlich nicht mehr gebaut. wir uns der Steuerung eines außerordent- Big Pizza
Ebenso sehen wir bei materialintensiven lich komplexen Phänomens zugewandt. Classical 19th
Strukturen ein ernsthaftes Problem: Ist die Kamm und Doppelkamm
Grauenergie unangemessen hoch, kann das ...Low standard/basic Pavillon
Gebäude schon wegen seiner typologischen Nur ein Drittel der Welt kann sich Arbeits- Schlanke Kiste und flache Kiste
Struktur nicht mehr verantwortet werden. welten in dieser Qualität und mit diesem Zentrale Halle
Anspruch aufbauen. In einem weiteren Transformation einer alten Fabrik
Es zeichnen sich neue Wege ab: Eine neue Drittel können Verwaltungsbauten nur als Industriehalle
städtebauliche Organisation, ein neues rigoros einfache Typologien erstellt werden Mäander und Doppelmäander
Verständnis über nachhaltige Morphologie – vorwiegend einfache Zeilenbauten mit Bürodorf
und Typologie, ein integrales Verständnis Betonskelettstrukturen und Backsteinausfa- Punkthaus
über die Nutzung von Stadt und Architektur chung. Im letzten Drittel fehlt es an Arbeit Große Struktur und Bürogitter
– dies wird die langsame und sukzessive und Verwaltungsstrukturen. Diese sind Scheiben in Serie
Transformation der gebauten Strukturen allenfalls minimal in Adobe-Hütten (Adobe = Alles unter einem Dach
prägen. Baustoff aus Lehm und Häcksel) unterge- Neu auf/an Alt
bracht. Die Diskussionen um Qualifizierung Mobile Office
Zur Zeit macht es den Eindruck, als würde solch rudimentärer und prekärer Strukturen Ein Geschoss irgendwo
die Politik die Kriterien der Nachhaltigkeit bedarf ganz anderer Strategien, als sie hier Rundhaus und Ring
ernsthafter berücksichtigen. Nach jahrzehn- für Mitteleuropa vorgeschlagen werden. Galerie und Passage
telangen Blockaden scheint es möglich, kristallin
dass internationale Vereinbarungen für nach- Bürokomplex
haltige Entwicklung getroffen werden. Dies Krone
ist eine neue Situation für die Architektur! Gründungssitz

135
Punkt/Atrium Block/Hof Lineare Typen

12 x 12 m - 19. Jh. Villa Üblicher Blockrand mit


Bürotiefe 15 m
Zweigeschossig – Dorfzentrum
Kleines Turmhäuschen 15 x 15 m Verwaltung mit Portikushalle (Historische Stoa)
+ 9 Geschosse
Normale Bürozeile
Ein- oder Zweispänner
20 x 20 m Scheibe mit freiem EG
Stadthaus

Stadthaus mit Lichhof -


30 x 30 m Übergang zum Atrium
Würfel
Blockformat mit einem
Lichthof
Zwei Zeilen mit Atrium

Atrium geschlossen

Zeile mit Verbindungs-


brücke

Platte mit Lichthöfen

Zeile mit Lang-Atrium


Hochhaus klein + Erweiterung

Lange Zeile
Block mit Türmchen

Mehrere Atrien

Atriumhochhaus Drei Scheiben

136
Typologie

Kamm Netz/Pavillion freie Form

Kleine Gruppe Eigenform: Prisma, Blob, Stern ...

Halber Kamm/U-Hof Aufgrund von Parzellierung

Viertel Kamm Vierergruppe mit Hof


Funktion

Kamm pur

Zweiergruppe

Hof mit Spezialgeometrie

Kamm Kopf

Mehrere kleine Höfe mit


Spezialgeometrie
Kamm mit Spezialteilen
Kamm losgelöst

Netz/Raumgitter

Serie von Formen

Welle

Kamm mit langen


Flügeltrakten Blitz

Dreieck

Bumerang
Doppelkamm Bürodorf

137
Michaelis-Quartier
Taktik für die Anreicherung des städtischen
Michaelisquartier In Zentrumsnähe bei der Michaeliskirche
Lebens.
Gerstäckerstraße steht dieser Büro-Wohn-Kamm, welcher
Hamburg-Neustadt (DE) sich gegen Süden in drei Punkthäuser
Mit einer vertikalen Schichtung der Nutzung
auflöst. Die Nutzungen Arbeiten und
ließe sich zwar eine noch höhere Dichte
Steidle & Partner Wohnen werden hier klar getrennt und sind
erreichen, weil die unteren Geschosse
Berlin dementsprechend gut in den Fassaden
mit lichtunempfindlichem Arbeiten belegt
der einzelnen Gebäudeteile ablesbar. Der
werden können. Aufgrund der fehlenden
Fertigstellung Ansatz der Kammstruktur wird noch mit
Wohnnutzung im Erdgeschoss fehlt dann
2002 Büronutzung belegt, so dass der Beginn der
aber die Wohnstimmung in den Höfen.
Höfe als Büroaußenräume genutzt und ein
Büroarbeitsplätze problematischer Nutzungswechsel in der
> 250 Ecke vermieden werden kann. Dann folgt
reine Wohnnutzung. Die dichte Mischung
im Nebeneinander ist eine erfolgreiche

Lageplan M 1:10 000

138
Typologie

relevante Themen

NUTZUNGSMISCHUNG
Produktion
Handel
Dienstleistung
Gastronomie
Wohnen
Freizeit

TYPOLOGISCHE REIHE
Punkt
Block, Hof
linearer Typ
Kamm
Netz
freie Form

Schnitt M 1:1000
Grundriss OG M 1:1500

139
Zett-Haus

Zett - Haus Das Zett-Haus gilt als eine Ikone des Neuen Elegante Klarheit wird souverän durch
Badenerstraße 16 Bauens. Ganz entgegen der Doktrin der wenige Akzente und Detaillierungen
Zürich (CH) nutzungsgetrennten Stadt aus den 1930er angereichert: die laufende Stützenstellung,
Jahren (CIAM-Kongress) beherbergt das deren erstes Paar selbstverständlich das
Hubacher & Steiger multifunktionale Haus ein vielfältiges Kinoportal bildet, die seitlich überkragenden
Zürich Nutzungsprogramm, welches weit über halben Rasterfelder, der Auftakt mit einem
einen Normalmix geht: Wohnen, Arbeiten, Vollgeschoss, das sich über die ersten drei
Fertigstellung Konsumieren sowie Freizeitvergnügen in Geschosse verdichtende Fensterraster.
1932 einem Restaurant und einem großen Kino.
Auf dem Dach befand sich bis in die 1960er Bei der Denkmalpflege gilt das Zett-Haus als
Büroarbeitsplätze Jahre ein rege benutztes Schwimmbecken. „einzigartiges Gebäude und Gesamtkunst-
50-249 Es ist klar, dass ein solches Programm auch werk“. Die damaligen Leitsätze „Licht, Luft,
nur an relativ zentralen Orten in der Stadt Sonne“ werden hier exemplarisch zelebriert.
positioniert werden kann – in diesem Fall Eine denkmalpflegerische Sanierung steht an.
der Stauffacherplatz, einer der wichtigsten
Verkehrsknotenpunkte der Stadt Zürich.

Lageplan M 1:10 000

140
Typologie

relevante Themen

NUTZUNGSMISCHUNG
Produktion
Handel
Dienstleistung
Gastronomie
Wohnen
Freizeit (Kino)

TYPOLOGISCHE REIHE
Punkt
Block, Hof
linearer Typ
Kamm
Netz
freie Form

Schnitt M 1:750
Grundriss OG M 1:750

141
Arbeit und...

142
Rohbau, Ausbau, Gebäudetechnologie

143
144
Rohbau, Ausbau, Gebäudetechnologie

In Anbetracht der Komplexität des Kapitels


war es unsere Absicht, das Augenmerk auf
ein Grundverständnis im Umgang mit der
Thematik des Rohbaus, des Ausbaus und
der Gebäudetechnologie zu legen. Ein sin-
guläres Betrachten des Bauprozesses reicht
schon lange nicht mehr aus. Das Denken
der Bauenden muss in Zukunft verstärkt auf
das Gesamtsystem gelenkt und um Materi-
al-, Betriebs-, Transformations- und Rückbau-
prozesse erweitert werden. Die Tendenz hin
zu intelligenten Steuerungen ist ein weiterer
Beitrag zur nachhaltigen Baukultur. Auf der Die Hülle, Fassade und Dach Aspekte der Fassade, Wärmeschutz, Öffnungsgrad, Lüftung
baukonstruktiv-technischen Ebene ist es
unerlässlich, sich in weitere Standardwerke
zu vertiefen.

In den nächsten Jahren wird angesichts


des erschöpften Büroflächenmarkts die Technologisch, Lloyds, London Integrativ, Simultaneous Engineering, Ingolstadt
intelligente Transformation, das Umbauen
an Bedeutung gewinnen. In der Auseinan-
dersetzung mit Bestandsstrukturen setzt
das Thema des Kapitels an einem anderen
Punkt an. Grundsätzlich erstrebenswert sind
Gebäude, die durch ihre flexible Gebäude- Technische Kommunikation Systemrelevant und Zusatzsysteme
struktur anpassungsfähig für unterschied-
liche Nutzungen beziehungsweise Nachnut-
zungen sind. Trotz der Anpassungfähigkeit
sollten sie jedoch keine 08/15-Architektur
darstellen, sondern auf eigene Weise Iden-
tität stiften. Skelettbau, Harenberg-Haus, Dortmund Ausformuliert, EnBW-Verwaltung, Stuttgart

145
Rohbau, Ausbau, Gebäudetechnologie – beruht auf Konkretisierung

MASSSTAB LAGE ÖKONOMIE

„Eigenartige Aufträge: Ein Minihaus mitten in Berlin „Die Auftraggeber sind bereit, ein Minimalenergie- „Das Baugrundstück ist sehr kompliziert; es braucht
und eine Großverwaltung in Brandenburg...!“ gebäude zu erstellen – u. a. wegen der Förderung.“ viel Geld für Gründung, Statik, Zufahrt....!“

Maßstäblichkeit des Projekts als mögliche Vorgabe Gibt es typische technische Bilder in der Region, Strategie zu Standards der Projektebenen:
Bau- und Gebäudetechnologie (kleines Atelier – eventuell Material und Konstruktionsbilder vor Ort? - Standard Flächen (eher knapp, eher großzügig)
Großbau). - Standard Rohbau (einfacher/komplexer Entwurf)
Allgemein: Technologischer Standard der Region? - Standrad Ausbau („roh“, rudimentär, luxuriös)
- Standard Gebäudetechnologie
Sprengt der Maßstab des Projekts die ortsansäs- In welcher Region wird das Projekt realisiert – gibt es
sigen Kapazitäten? Technologien, Bauweisen, die schwer zu realisieren
Sinnvoller Einsatz von Hightech und Lowtech?
sind? Gibt es traditionelle Betriebe (z. B. Holzbau-
Hat das Projekt aufgrund der Größe und/oder der Region), deren Berücksichtigung spannend wäre? Gesamtkonzept Bewirtschaftung: Höhere Vorinvesti­
Komplexität einen Pionieraspekt? tionen, dafür geringere Betriebskosten und Unterhalt?
Sind Synergien mit Umgebung, im Bestand zu unter-
Dazu Wirtschaftlichkeitsberechnung!
suchen (z. B. gemeinsames Holzschnitzelkraftwerk)?

Infrastruktur: Technische Schichten und ihre Lebensdauer, Kosten,


Erschließung – Verkehr (ÖPNV, Anzahl der Parkplätze) konstruktive Trennung solcher Schichten.
Produktionsmengen: Anzahl Gebäude und Gebäude-
Erschließung – Medien (Wärmeverbund?)
teile – von gleicher oder unterschiedlicher Herstellung.
Entsorgung (Land: z. B. Schilfwasserreinigung?) Notwendiger/erwünschter Grad an räumlicher und
Besteht Möglichkeit auf Autarkie?
technischer Flexibilität? Erforderliche Vorinvestitionen?
Kann ein Bausystem oder Vorfabrikation ein Lösungsan- Gesamte Anschluss-/Versorgungsproblematik:
satz sein (z. B. 500 Notunterkünfte in Erdbebengebiet)? Wie liegen die Erschließungsstraßen? Konzeptionen in Varianten – Wirtschaftlichkeit der
Wer erteilt welche Bewilligungen? Varianten?
Wie sind die Abgaben auf Medien?
Zusammenarbeit mit Spezialisten
„Kartierung der Herkunft“: Welches Material kommt Äußere Einflüsse (Lärm, Luft...)
aus welcher Region? Umgang mit Bestand?
Zwänge des Orts (steiler Hang, Gründungsarten...)
Substanzerhalt zu welchem Preis?
Ungewohnte klimatische Verhältnisse (z. B. Südchina,
Dubai, Island...)?

Projektgröße Regionale Technologien Ausstattungsstandard


Gebäude – Abschnitte/Abteilungen – Raumzonen Vernetzung mit Umgebung Wirtschaftliches Gebäuderaster/Bauweise?
Arbeitsplatz (siehe auch Peripherie) Lagebedingungen Nachhaltigkeit, Amortisation, Lebenszyklus
Bestand (Integrieren, Abreißen)

1Anreichern/Filtern der funktionalen Aspekte


146
Rohbau, Ausbau, Gebäudetechnologie

3 Idee von Rohbau


FUNKTIONALITÄT ZEIT IDENTITÄT

2 Konkretisierung im Bauwerk
„Schwierig zu entwerfen, weil die Baukommission die „Wir werden vorerst minimal ausbauen – falls die Firma „Wir schaffen Identität im Zusammenspiel bestimmter
Performance des Gesamtsystems nicht würdigt !“ sich etabliert, den Ausbau später anreichern.“ Elemente des Roh- und des Ausbaus“

Integrale Strategie und umfassende Konzeption für


Nachhaltigkeit in Zusammenarbeit mit allen Fachleuten.
Halbwertszeiten: Rohbau steht 80 Jahre, Ausbau circa Welches ist die Firmenidentität und wie könnte sie
40 Jahre, Möblierung 20 Jahre – wie gehe ich damit diesbezüglich umgesetzt werden?
Ist ein integrales Image „Rohbau + Ausbau“ möglich
um?
oder müssen diverse Ausbauten möglich sein?
Braucht es einen solchen direkten „Link“ –
oder braucht es nicht einfach gute Architektur... ?
Hat die Bauträgerschaft für sich geklärt, welche Funktio- Mieter auf Zeit oder Eigentümer langfristig? Unter-
nalitäten sie benötigen – oder ist noch manches offen? schied in Konzepten Ausbau und Technologie?

Anforderungen an Rohbau? (Mischnutzung - Flexibilität)


Anforderungen an Ausbau? (Ausbauraster, Qualität)
Identitätspotential liegt auch bei der Fassade – sie ist
Sonderthema Flexibilität und Technologie: zonengenaue weder Rohbau- noch Ausbau; sie ist Spezialbauteil!
oder raumgenaue Steuerung, Abrechnung Medien...
Intensive Flexibilität, die mit aufwändigen Ausbau- und Rohbau – Ausbau – Technologie; das riecht nach Ausfüh-
Technologiekonzepten ermöglicht wird? rung: Aber hier wird ganz wesentlich Entwurf gemacht!
Anforderungen an Gebäudetechnologie?
(Licht, Luftbehandlung, Medienführung, Sicherheit...) Kurz-, mittel und langfristige Flexibilität?
Technologische Architektur: Technologiebilder als
Vor allem: Moderne Klimatechnik und Wohlbefinden. Mitarbeiterwechsel: Summe kleiner Änderungen an Identität.

Raumlisten mit Anforderungen an technische Ausstat- den Arbeitsplätzen?


Umbau bestehender Gebäude: Bei guter Vorlage muss
tung: Standardräume Büros, Konferenzzone, Cafeteria... Arbeitsintervalle – wechselnde Ansprüche diese übernommen werden.
(Eingänge, Zonierung...)
Arbeitsphysiologie Kann eine hochqualifizierte Firma in ein abscheuliches
(Behaglichkeit, Ergonomie, Materialität, Licht...) Energieverhalten: Tages- und Jahreszeiten Bauwerk ziehen? Ja – aber es braucht eine Strategie!

Raumklima, Bauchemie, Materialchemie, Baubiologie Lebenszyklus und Nachnutzungsmöglichkeit


(Baugifte, Elektrosmog, Allergien durch Baustoffe...) Nachrüstung, Umbau – in welchen Intervallen kann/
wird sich das ändern?

Funktions- und Raumdiagramme = Entwurfs- Sämtliche Aspekte auf Zeit berechnet Sämtliche Aspekte auf Zeit berechnet
grundlagen Langzeitbilanzen Langzeitbilanzen
Balance zwischen Energieeffizienz und Raum- Ausbau als Verschleißmaterial Ausbau als Verschleißmaterial
klima
Technische Flexibilität Funktionalität von Gebäudeteilen nach Zeitaspekten Funktionaliät von Gebäudeteilen nach Zeitaspekten
Horizontale Entwicklung, Nachrüstung

147
Positionierung Transformations- und Rückbauprozess zu Eine ähnliche Einschätzung gilt für den
Der vorliegende Band „Raumpilot Arbeiten“ steuern. Ein solcher Ansatz führt zu einem zeitlichen Bauablauf: Auch zu Beginn der
will das Entwerfen von Verwaltungsbauten neuen Berufsverständnis. In diesem Kapitel Rohbauphase werden zahlreiche feinstruktu-
erklären. Wenn in diesem Kapitel von greift die Zielsetzung „Nachhaltiges Bauen“ rierte Bauelemente ins System eingebracht
Rohbau, Ausbau und Gebäudetechnolo- ganz besonders. Wir listen dazu die wich- (gerade bei Technologie: Leitungen, Kommu-
gie die Rede ist, dann auf sehr verkürzte tigsten Subkriterien noch einmal auf: nikation). Damit zitieren wir nochmals das
und komprimierte Art. Man würde diesen • Es geht darum, mit möglichst wenig kybernetische Entwerfen: Hier geht es da-
Themen sinnvollerweise weitere 100 Seiten Material möglichst viel Raum zu schaffen. rum, ein Bauwerk als System zu begreifen,
zur Verfügung stellen müssen – dies ist aber • Wir suchen Systeme, welche dichte bei welchem Bauteile in ihrer Vernetzung
in unserer Konzeption nicht vorgesehen. Nutzung zulassen (m2/Person = Energie). bestimmte Leistungen (zum Beispiel einen
Wir empfehlen hier mit Nachdruck, dass • Wir entwickeln intelligente, gesteuerte hervorragenden Energiehaushalt) erbringen.
zusätzlich andere Standardwerke studiert Gesamtsysteme, welche sich im Jahres-
werden müssen („BürobauAtlas“, „Atlas zyklus und in der Lebensdauer bewähren. Unter solchen Aspekten verliert die tradi-
Gebäudegrundrisse Band 3“, „Bürogebäude • Wir denken in Gesamtsystemen über das tionelle Aufteilung in „Rohbau, Ausbau,
mit Zukunft“). Das Wissen aus diesen Publi- Bauwerk hinaus (Materialflüsse, Mobili- Gebäudetechnologie“ an Bedeutung, und
kationen ist unverzichtbar für ein integrales tät). eine neue Sortierung in „systemrelevant“
Verständnis. • Entwerfe nach diesen Kriterien Baukultur! und „Zusatzsysteme“ wird entscheidend
(Zusatzsysteme wären beispielsweise: eine
Primär-, Sekundär- und Tertiärsystem Von „Rohbau, Ausbau, Gebäudetech- nachträgliche Trennwand, ein potenteres
Diese bewährte Sortierung des Bauwerks in nologie“ zu „systemrelevant – Zusatz­ Funknetz, ein anderes Schließsystem).
eine primäre Schicht von dauerhaften Roh- systeme“
bauelementen (50 bis 100 Jahre), einem se- In einer weiterführenden Konzeption ver- Damit wird das traditionelle Ausbauelement
kundären Ausbau mit mittlerer Lebensdauer stehen wir die Elemente „Rohbau, Ausbau, „Bodenbelag“ wahrscheinlich zum system-
(25 bis 50 Jahre) und einem kurzlebigen Gebäudetechnologie“ nicht als unabhängige relevanten Bestandteil: Seine Materialität,
tertiären System von beweglichen Teilen konstruktiv-technologische Schichten, son- seine Speicherfähigkeit, seine Farbe, seine
(Möbel, Leuchten, Geräte...) ermöglicht ein dern als ein Gesamtsystem. Bei Transforma- Dauerhaftigkeit sind entscheidend für das
praktisches Verhältnis zum Bauwerk: tionen ist der Rohbau allerdings gegeben Gesamtsystem (zum Beispiel für den Ener-
Es gibt Schichten, welche langfristig ange- – der Ausbau kommt später dazu. Aber auch giehaushalt). Dieser Boden lässt sich nicht
legt werden und es gibt auswechselbare dann muss sich der nachfolgende Aus- und als „Ausbauwunsch“ entweder als Spann-
Komponenten. Mit diesen Zyklen haben wir Umbau auf die Rohbaueignungen einlassen teppich oder als Parkettlaminat einbauen.
intelligent umzugehen. – er sollte nicht „aufgeklebt“ werden. Es
ist deshalb wichtig zu verstehen, dass auch Die Hülle – Fassade und Dach
Nachhaltiges Bauen und Baukultur kleine Ausbauteile eines Bauwerks eventuell Das Dach ist die „fünfte Fassade“ und
Über das Kriterium Nachhaltigkeit haben wir die Essenz eines Systems bilden. gehört zur Hülle. Beim Begriff Fassade liegt
den gesamten Entwurfs-, Bau-, Betriebs-, das Augenmerk auf dem Erscheinungsbild;

148
Rohbau, Ausbau, Gebäudetechnologie

beim Begriff Hülle spüren wir die Bedeu- Aspekte der Fassade und außen definiert – je nach Nutzungen
tung „Schutz“. Obwohl wir mit Architektur Die folgenden technisch-konzeptionellen gibt es dazu spezielle Eignungen.
primär Raum zur Verfügung stellen, ist unter und gestalterischen Kriterien sind für die
den aktuellen Problemen des klimaneutralen Fassadenentwicklung von Bedeutung: • Lüftung und Luftströme
Bauens die Hülle das wichtigste Bauteil der In jedem Gebäude muss Luft bewegt
Architektur. Sie hat die meisten (auch wider- • Wärmeschutz ist vorerst ein zentrales werden. Wir benötigen für unser Wohl-
sprüchlichen) Funktionen zu übernehmen: Kriterium, weshalb seit Mitte des letzten befinden einen bestimmten Luftwechsel
• Thermische Grenze: Tageszyklen, Jah- Jahrhunderts die Dämmstärke kontinu- (0,5/h und höher). Bei energieoptimierten
reszeiten, Klimazonen, Abwärme von ierlich gestiegen ist. Die durchgehende Gebäuden ist die kontrollierte Lüftung
innen...; Wärmeschutzhülle ist heute aber um- Standard; in der Heizperiode wird der
• Schutz vor Wasser, Hagel, Wind...; stritten und wird bei neuen Prototypen „verbrauchten“ Luft in Wärmetauschern
• Ein- und Aussichten, meist als wähl- und durch einen komplexen und gesteuerten die Wärme entzogen und diese der
steuerbare Transparenz; Konstruktions- und Bauteilorganismus kühlen Frischluft zugeführt (im Sommer
• Folgendes ist damit verwandt: Lichtfüh- ersetzt, welcher unterschiedliche Wär- geschieht dies je nach Technologie umge-
rung und Sonneneinstrahlung (klimadiffe- megewinne einsammelt und -verluste kehrt zur Kühlung). Die natürliche Lüftung
renziert); vermeidet. Das Entwerfen und Entwi- ist dann nur in den „gemäßigten“ Über-
• Sicherheit: vor allem erdgeschossig, je ckeln einer leistungsfähigen Fassade ist gangszeiten sinnvoll. Zudem können Teile
nach Nutzung sogar allseitig; außerordentlich komplex; im Normalfall der Fassade als Luftkollektoren zu einer
• Anschlussstelle zu Innenwänden; sind wir in Teilbereichen auf Standards verbesserten Energiebilanz eingesetzt
• und letzlich: Bild der Architektur zu sein! angewiesen. werden. Erdkollektoren mit Jahresspei-
chervermögen unterstützen die Effizienz.
Die Bilder der Architektur waren und sind • Öffnungsgrad nach Orientierung
ein brennendes Thema. Bilder sehen alle, Es stehen uns unterschiedliche Konzep­ Dies sind einige wenige Beispiele für
die Strukturen werden nicht von allen er- tionen zur Verfügung: Loch- und zahlreiche innovative Konzepte, die in an-
kannt. Bilder erlauben einen leichten Zugriff. Band­fassaden, kompositorische und deren Publikationen ausführlich dargestellt
Deshalb ist die Abstimmung von Bildvor- maßstabslose Strukturfassaden sowie werden. Wichtig ist die Bereitschaft, sich
stellungen mit integralen und komplexen Vollverglasung... Man könnte vereinfa- dazu ständig neues Wissen anzueignen,
Anforderungen eine der spannendsten chend von einem sinnvollen Öffnungs- um die Einzelkriterien zu Energie, Lüftung,
Entwicklungsarbeiten. grad (der gegen die Sonne orientierten Bauphysik, Behaglichkeit, zu Wirtschaftlich-
Fassaden) sprechen, welcher etwa keit und zur Gestaltung in ein kohärentes
Innere Grünkammern zwischen 50 und 70% liegt. Diese re- System und qualitätsvolle Architektur zu
Die bioklimatisch aktive innere Begrünung zeptartige Empfehlung wird allerdings mit bringen. Die planersiche Umsetzung ist nur
gewinnt immer höhere Bedeutung für das zahlreichen speziellen Energiekonzepten im Team mit unterschiedlichen Fachleuten
Raumklima und für die Gestaltung von widerlegt. Mit dem Öffnungsgrad werden zu erreichen.
Ruhezonen. auch die räumlichen Bezüge von innen

149
Innere Bauteile Wand, Decken- und Bodensysteme nur um die ansehnliche Verbindung unter-
Wir können die inneren Bauteile (Stützen, Die Anwendung von funktionalen Ausbau- schiedlicher Konstruktionen, sondern auch
Wände, Decken, Böden) mit unterschied- elementen wird durch mehrere konzeptio- um die Erfüllung von Schall- und Brand-
lichem konzeptionellem Verständnis nelle Ebenen definiert: schutz. Zwischen dem hohen Standard von
entwerfen: • Durch die tatsächlich notwendigen maximal installierten und vollausgebauten
• Mit der Sortierung in Primärstruktur Elemente für Medienführung, Belichtung Büroflächen und einem minimalen tech-
(Statik, Rohbau) und Sekundärstruktur Schall- und Brandschutz et cetera zum nischen Standard liegen große Preisunter-
(Ausbau) mit jeweils unterschiedlicher Beispiel im Sinne der Arbeitsplatzverord- schiede.
Lebensdauer. Es gibt bedeutende nung (für die gesetzlich vorgeschriebene
Unterschiede in der Massenverteilung Arebeitsplatzqualität). Wände
in diesen Strukturen: Minimalisierter • Durch eine Vorstellung von Standard, der • Wände mit hohen Anforderungen an
Rohbau (Treppenhaus und Stützen) mit privat minimal sein kann oder in einer Schall- und Brandschutz
exzessivem Ausbau oder raumprägender Chefetage extrem aufwändig. • Leichte Bürotrennwände
Rohbau, welcher mit wenig Ausbau • Durch technologische Entwicklungen: • Glastrennwände
genutzt werden kann. Beispielsweise als sich in den 1990er • Besondere Systeme (installationsfüh-
• Mit der Sortierung nach „Grauenergie­ Jahren die kontrollierten Lüftungen durch- rend, für überhohe Räume, Sicherheits­
gehalt“ (Erstellungsenergie) und nach gesetzt haben oder heute die Funknetze; aspekte...)
Speicherfähigkeit und Dämmeigen- beide Beispiele haben zu einem anderen
schaften. Ausbauverständnis geführt. Decken und Böden
• Nach den Kriterien „Systemrelevanz“ Der Einsatz von abgehängten Decken und
und „Zusatzsystem“, womit erklärt wird, Die meisten Einbausysteme werden sinn- aufgedoppelten Böden wird beispielsweise
welche Komponenten unverzichtbar sind. vollerweise in Trockenbauweise und Leicht- dann sinnvoll, wenn in den Geschossdecken
• Nach Kriterien der Raumgestaltung, was bauweise montiert, da heute diese Systeme keine klare Verteilung von Medien (elek-
selbstverständlich eine hohe Priorität hat. beinahe alle Kriterien erfüllen können. trisch, Zu- und Abluft) definiert und einge-
legt werden kann. Bei hohen Flexibilitätsan-
Ausbausysteme Viele Anwendungen basieren auf einem forderungen und auch bei unterschiedlichen
Aufgrund der komplexen Ansprüche wie Ras­ter. Sie sind oder werden elementiert möglichen Nutzungsverteilungen machen
zum Beispiel Behaglichkeit, Belichtung, und weisen damit Eigengesetzmäßigkeiten diese Zusatzschichten Sinn. Gerade mit
Raumakustik, Medienführung, Brandschutz, auf. den neuen Funknetzen wird das Problem
Sicht- und Schallschutz zwischen unter- des „Kabelsalats“ etwas entschärft. Die
schiedlichen Räumen werden zahlreiche Ein Hauptaugenmerk gilt den Anschlüssen Leitungsführung in Decken wird meist fa-
Ausbausys­teme angewendet. und Verbindungen von Wand und Decke zu vorisiert. Decken übernehmen oft auch die
Fassade, von Wand zu Decke und Boden, Funktion der Schallabsorption. Eine spezielle
weil in diesen Anschlussbereichen die mei- Problematik finden wir bei der Transformati-
sten Probleme auftreten. Es geht nicht on alter Bürogebäude.

150
Rohbau, Ausbau, Gebäudetechnologie

Problem der Raumgestaltung Licht, Beleuchtung und Farbe ßungssystem. Das Studium weiterführen-
Der Entscheid für aufgedoppelte Böden Ziel ist es, über einen sinnvollen Fassaden- der Publikationen ist zwingend notwendig.
und/oder abgehängte Decken muss meist öffnungsgrad optimal Tageslicht herein-
relativ früh gefällt werden, da der räumliche zulassen, ohne dass solare Überhitzung Die wichtigsten Vorgaben (in Deutschland)
Zusammenhang zwischen der Fensterlage stattfindet. Da heute die meisten Arbeiten sind:
und der inneren Raumdefinition präzise am Computer gemacht werden und die • Brandrisiken von Bauteilen und Anlagen
gestaltet werden muss. Will man beispiels- Lichttechnologie enorme Fortschritte macht • Vorgaben nach diversen Nutzungen
weise einen bündigen Übergang von Unter- (Lichtqualität und Energieverbrauch), stellen • Konzeption von Brandabschnitten, Fluren
kante Decke in die Fassadenverglasung, so immer weniger Planer den Anspruch auf und Rettungswegen
geht dies nur mit oder nur ohne Einbaude- „unverfälschtes und intensives Tageslicht“, • Laufweglängen vom Treppenhaus in die
cke. Im Schnitt werden so die gesamten welches man früher bei graphischen Ar- Räume bei zwei Rettungswegen (25 bis
Höhenlagen definiert. Sind wir auf präzise beiten dringend benötigte. So waren früher 35 m)
Höhenlagen für die Fassadenproportion an- auch intensive Farbgestaltungen weniger • Länge des Stichflurgangs (10 bis 15 m)
gewiesen, so benötigen wir den Entscheid sinnvoll, weil sie Licht absorbieren und den • unterschiedliche Vorgaben für Nutzein-
ebenfalls in der Entwurfsphase und nicht Farbraum auf dem Arbeitstisch verschieben. heiten unter und über 400 m2
erst in der Ausführungsplanung. Heute, mit dem Bildschirmeigenlicht, haben • spezielle Anforderungen für Umbauten
wir bezüglich Tageslicht und Farbumgebung
Dies ist eines der besten Beispiele dafür, einen großen Gestaltungsspielraum. Integrale und intelligente Konzepte
dass man zwar von „Ausbau“ redet, dass Zur Zeit verfügen wir über zuviel Büroflä-
dieser aber später nicht frei gewählt werden Flexibilität che. Dies bedeutet, dass kaum mehr neue
kann, ohne wesentliche Raumeigenschaften Flexibilität wird sehr stark durch räumliche Flächen erstellt werden, und wenn, dann
zu stören. Zahlreiche „professionelle“ Strukturen und durch das Verhältnis Rohbau an außerordentlich bevorzugten Lagen. Ziel
Büro­baurealisierer gehen dann auch den und Ausbau definiert. Sie ist als Gebäudeei- der nächsten Jahre wird die intelligente
­widerstandslosen Weg: Es wird allseitig genschaft von höchster Bedeutung. Dieses Transformation, das Umbauen sein.
etwas Raum belassen, um solche Entschei- Thema wird in Kapitel 1 ausführlich erklärt. Dennoch beobachten wir zur Zeit einen
dungen noch spät fällen zu können oder Paradigmenwechsel hin zu komplexen
um etagenweise individuelle Lösungen Brandschutz Gesamtsystemen und intelligenten
realisieren zu können. Das Resultat ist eine Brandschutzverordnungen sind absolut Steuerungen. Zusammen mit veränderten
beliebige, unpräzise 08/15--Gestaltung, in entwurfsrelevant. Sie sind national unter- Arbeitsplatzvorstellungen und neuen Kom-
welcher es keine exakt definierten und gut schiedlich geregelt. Unter Nachweis eines munikationstechnologien wird eine weitere
proportionierten Räume gibt. Ganz befremd- leistungsfähigen Konzepts sind Speziallö- Revolution der Arbeitswelt in Gang gesetzt
lich wird es, wenn dieser Mangel mit edlen sungen verhandelbar. Brandschutzrege- (siehe Kapitel 1).
Materialien und teuren Möbeln kaschiert lungen sind komplex; sie sind abhängig von
wird. der Nutzung, den Bauweisen, der Größe
(insbesondere Höhe) und dem Erschlie-

151
Ableitungen Konstruktions- Mögliche räumliche Materialisierung
prinzip Ausformulierung
Mauerwerk
Gewählte Vorgaben Massiv Kiste Stein
des Orts: Schotte Blob Holz
Grundstück, Um- Komposition/Mix Skulptur Stahl
gebung, regionale Skelett Kristall Konstruktions-
Baukultur Material-Mix

152
Rohbau, Ausbau, Gebäudetechnologie

Ausbau – Schichten Technologie Besondere Systeme Bewegliche Komponenten

Wände Klima Information Lampen


Decken Wasser Leitsysteme Möbel
Böden Lüftung Steuerungen Peripherie
Weitere Elemente Medien Akten

153
UFO Lofthaus

UFO Lofthaus Frankfurt Das Loft- und Gewerbehaus UFO befindet Adressenbildung und Interaktion mit der
Carl-Benz-Straße 21 sich im industriell geprägten Frankfurter sich im Wandel befindlichen städtischen
Frankfurt am Main (DE) Osten. Der kompakte Bau in Form eines Situation waren gewünscht. Die Antwort
gleichschenkligen Dreiecks, eine Antwort ist ein Maximum an Unbestimmtheit und
Dietz & Joppien auf das von drei Verkehrsräumen tangierte räumlicher Freiheit. Sämtliche Geschoss­
Frankfurt am Main dreieckige Grundstück, bildet eine markante decken sind durch hohe Nutzlastauslegung,
„Landmarke“ in dieser sehr heterogenen große Deckenhöhen und weite Stützab-
Fertigstellung Umgebung. An der Kreuzung der beiden stände gekennzeichnet. Die Räume sind
2004 gebäudebegleitenden Straßen wird die durch einen dichten Rhythmus an größzügig
Massivität des Baukörpers aufgebrochen, dimensionierten Installationsschächten
Büroarbeitsplätze um einen Dialog zwischen dem Hofraum angereichert. Die hofseitige Laubengang­
variabel und dem Außenraum herzustellen. Die erschließung ermöglicht zudem unter-
Anforderungen waren sehr hoch; es galt, schiedlich große mietbare Einheiten. Die
eine effiziente, anpassungsfähige Struktur sich im Erdgeschoss befindende Nutzung
für ein breites Nutzerspektrum aus den Be- einer Diskothek zeigt auf besondere Weise
reichen Gewerbe, Handwerk und Dienstleis­ das Zusammenspiel von Gebäudestruktur
tung bereitzustellen. Aber auch Prägnanz, und avantgardistischem Innenausbau.

Lage M 1:10 000

154
Rohbau, Ausbau, Gebäudetechnologie

relevante Themen

EINHEITEN
von 87-1200 qm

NUTZUNGSMISCHUNG
Quartiersebene
Blockebene
Grundstücksebene
Gebäudeebene
Etagenebene

NUTZUNGEN
Wohnen
Büros
Produktion/Handwerk
Einzelhandel
Gastronomie
Freizeit

STRUKTUREN
EG-Zone
nutzungneutrale Strukturen
spezialisierte Strukturen

Schnitt M 1:750
Grundriss OG M 1:750

155
Institut für Umweltmedizin

Institut für Umweltmedizin Das Institut für Umweltmedizin und die Geschosse hinweg. Durch die Tiefe der
Breisacher Straße 115 Krankenhaushygiene ist Teil eines neu- Belichtung werden auch die Laboratorien
Freiburg im Breisgau (DE) en Gesamtkomplexes in Freiburg. Das mit Südlicht versorgt.
Laborgebäude ist mit wesentlich gün-
pfeifer. kuhn. architekten stigeren Energiekenndaten als vergleich- Die Konstruktion des Gebäudes folgt der
(bis 30.06.2005: bare Bauten geplant. Die Gebäudestruktur Zonierungsstruktur. Die Stahlbetonkonstruk-
pfeifer roser kuhn architekten) ist in verschiedene Zonen gegliedert: die tion verzichtet grundsätzlich auf Unter- oder
Freiburg Versorgungsstruktur an der Nord-Ost- Überzüge. Die Decken bestehen aus 40 cm
Fassade, die Laboratorien, offene Verteil- starkem, unverkleidetem Stahlbeton und
Fertigstellung erzone mit Nebenräumen, Bürozonen und beinhalten alle wichtigen Installations­
2006 Energie­gärten. Die Lage der Laboratorien elemente und die Bauteilaktivierung. Die
ermöglicht eine flexible Aufteilung. In der Decken wurden ohne Trittschalldämmung
Büroarbeitsplätze Verteilerzone befinden sich die Erschließung ausgeführt. Die Außenwände auf der
> 49 und die Kommunikationszone. Die Bürozo- Südwestseite und auf den Giebelseiten
ne ist durch die Energiegärten gegliedert. sind mit 24 cm starken Brettstapelwänden
Diese sind wesentlicher Bestandteil des als nichttragende, wärmedämmende und
Energiekonzepts. Sie liegen direkt am speicherfähige Elemente ausgeführt. Sie
Erdreich, so dass ein Pflanzenwuchs mit na- sind nach außen sichtbar und bilden mit der
türlichem Gehölz möglich ist. Sie bewirken Verglasung des Luftkollektors das architek-
eine kommunikative Bürozonierung über tonische Erscheinungsbild.

Lage M 1:10 000

156
Rohbau, Ausbau, Gebäudetechnologie

relevante Themen

NUTZUNGSMISCHUNG
Quartiersebene
Blockebene
Grundstücksebene
Gebäudeebene
Etagenebene

NUTZUNGEN
Wohnen
Büros
Forschung /Labore
Einzelhandel
Gastronomie
Freizeit

STRUKTUREN
EG-Zone
nutzungneutrale Strukturen
spezialisierte Strukturen

Schnitt M 1:750
Grundriss EG M 1:750

157
Arbeit und...

158
Verbinden, Trennen

159
160
Verbinden,Trennen

Die Frage, wie Raum definiert, struktu-


riert, getrennt und verbunden wird, führt
direkt ins Zentrum des Entwerfens. Im
Entwurfsprozess sind klare Entscheidungen
gefordert, welche Bereiche mit welchen
verbunden werden sollen, wer wo hinein
kann und wer somit Zugriff auf welche In-
formation hat. Zwei gegenläufige Tendenzen
sind zur Zeit erkennbar:

Da gibt es auf der einen Seite das Bedürf-


nis nach Sicherheit, Abgeschiedenheit, Geschützt – Pentagon, Washington Ein Konzern im Gebäude – Commerzbank, Frankfurt a. M.
Schutz vor Über- oder Angriffen. Hierbei
wird das Klären von Grenzen, bewusstes
Trennen, Auseinanderdividieren, Sortieren
und Hierarchisieren von immer größerer
Bedeutung. Diese Thematik hat in wenigen
Jahren an Bedeutung gewonnen und sie hat Schwellen im Haus Großraumbüro – S. C. J. Administration Building, Racine
politische, ökonomische und soziale Brisanz.

Auf der anderen Seite gibt es die Tendenz


des Zusammenrückens, sowohl räumlich als
auch arbeitsorganisatorisch. Die Hierarchien
werden flacher, es wird international ver- Geschosskammern Haus mit öffentlichem Erdgeschoss in der Stadt, Passage
netzt gearbeitet und die unterschiedlichen
Funktionen rücken verstärkt zusammen.
Das Miteinander der Bereiche Wohnen und
Arbeiten sowie Arbeiten und Freizeit führt
zu neuen räumlichen Ausprägungen und
Verschränkungen. „Plug-in“ Netzwerke: mehrere Firmen im Gebäude – IP Two, Wien

161
Trennen beruht auf Spezialisierung und Sicherheit
Verbinden beruht auf Zusammenarbeit und Leistungsübergabe

MASSSTAB LAGE ÖKONOMIE

„Wir werden versuchen, diese städtische Nutzung „Die Hinterhoflage ist problematisch – wir fragen uns, „Welcher räumliche und mediale Aufwand lohnt sich
präsent im öffentlichen Raum zu positionieren.“ wie wir schon am Hofportal einladen können!“ langfristig für meinen Auftraggeber?“

Welche Konzeption von Adresse ist gewünscht und Wieviel Verbindungen/Trennungen führen zu guter
Vor allem Kopplung an öffentliche Strukturen, wie wird sie in der spezifischen Lage entwickelt? Funktionalität? (Kosten Bau/Kosten Betrieb)
insbesondere an den öffentlichen Verkehr.

2
Wie können allfällige Grenzen abgebaut werden? Anzahl und Dichte der notwendigen Grenzen?

Unterschiedliche Qualitäten von Lagen: Umsetzen mit verbindenden und


Auf welchen räumlichen Ebenen soll Distanz oder - Erschließung ÖPNV
- Nahversorgung
trennenden Strukturen
Anschluss geschaffen werden?
- Öffentlicher Raum/Areal/Grundstück - Quartiersimage (Nobel-, Familien-, Rotlichtviertel) Welcher Aufwand muss für Sicherheit betrieben
- Außenraum/Innenraum - Diverse Rankings (z. B. durchschnittliche werden?
Grundstücks­preise) Schleusen, Sicherheitszonen, Abhörsicherheit,
- Öffentliche/halböffentliche/private Bereiche
- Umfeld: Aussichten, Naherholung... Badges, Codes...
- Zwischen verschiedenen Arbeitsgebieten - Sonderlagen: Lage am See, Wasser, Südhang – und
- Am Arbeitsplatz selbst Aufwand für unterschiedliche Trennungen, Verbin-
mögliche Reaktionen mit Bebauung und Nutzung?
dungen (z. B. sichtbar aber unzugänglich – Glaswand)
Was muss auf welcher Maßstabsebene verbunden Mögliche Ankopplung zu Qualitäten der Lage:
werden? Zugänglichkeit, qualitätsvolle Räume, Aussichten...? Gibt es verschiedene ökonomische Raumklassen, die
- Verkehrsanbindung Notwendiges Abschotten von Problemen voneinander getrennt werden sollen?
- Anspruch Publikumsverkehr/Zugänglichkeit Emissionen, Sicherheitsfragen, hässliche Räume...? Foyer repräsentativ – Büros low budget – Chefbüro –
- Räumliche Verbindungen/Bezüge Mitarbeiter
- Informations- und Leitsysteme Welche Vorgaben für Verbindungen und Trennungen Welcher Aufwand muss für die Sicherung digitaler Da-
ergeben sich aus dem Ort? ten und des Internets betrieben werden – und welches
Was muss auf welcher Maßstabsebene getrennt Wegeführung, - beziehung, Zugänge, Orientierung, sind die baulichen Maßnahmen dazu?
werden? Sicherheitsaspekte, Sichtbeziehungen, Ausschilde-
- Sicherheitszonen, Sperrgebiete rung,... Kann ich Grenzen auch ohne Materialaufwand
- Schwierige Flanke im Quartier – Desinteresse, Welche rechtlichen Regelungen muss ich klären: sichern (Zutrittsverbote, psychologische Grenzen...)?
Abschottung... Zufahrts- und Wegerechte, Verbote, Ausschilderung,... Sind besondere, extreme Sicherheitszonen notwendig?
Forschung, Personensicherheit, gefährdete Kunden...

Entscheidung über Anbindungsinteressen Wie positioniert sich die Arbeit? Sicherheitsstandards


Mögliche Systeme, Prinzipien der Anbindung Ist Speziallage möglich? (Insiderlage, Hinterhof...) Kosten-Nutzen-Überlegungen zu Verbindungen und
Bauliche und informelle Möglichkeiten Inwieweit ist öffentliche Lage zwingend? Trennungen
Räumliche Verbindungen und Trennungen Mögliche Erst- und Folgeinvestitionen
Rechtliche Verbindungen und Trennungen
Informelle Verbindungen und Trennungen

1 Klärung in allen Themen

162
Verbinden,Trennen

3 Idee von Raumkontinuum und Raumgrenzen


Kann „Verbinden, Trennen“ zum tragenden Entwurfsthema werden?

FUNKTIONALITÄT ZEIT IDENTITÄT

„In dieser Firma sind sämtliche Arbeitsplätze in inten- „Es müssen hier zwei Tagesschichten mit unterschied- „Diese Firma pflegt ein offenes Image, obwohl sie
siver Kommunikation miteinander verbunden!“ lichen Bedürfnissen organisiert werden...“ sehr strenge Sicherheitskonzepte eingebaut hat.“
Sind wechselnde Ansprüche in der Belegungszeit
Welche Funktionen sind zu trennen? Wie weit kann das Image „offenes Haus“ gelebt
vorgegeben? Sind Zyklen oder Rhythmen bekannt?
Chef von Mitarbeitern, Buchhaltung von Kunden... werden; wo benötigt es dennoch Grenzen?
- Sicherheit, bestimmte Zonen, Häufigkeit
Welche Abteilungen sind zu verbinden oder zu Kurzfristige/langfristige Aspekte und Anfoderungen Erfordert die Identiät das Trennen (z. B. Sicherheits­
trennen? Produktion, Entwicklung, Logistik, Buch- - Möglichkeit zur Umorganisation firma, Personenschutzdienste, Bankschalterhalle)?
haltung, IT-Dienste, Verkauf, Kundendienst... - Benötigt es in späterer Phase andere Grenzen?
Oder gibt es Trennungen, die aus Identitätsgründen
Sind aus der Funktionalität räumlich und zeitlich auszuschließen sind oder diskret gehalten werden?
flexible Trennungen/Verbindungen gegeben? - Kunde ist König
- Chef und Mitarbeitende zusammen
Welche funktionalen Vor- und Nachteile ergeben sich
Welche Konsequenzen ergeben sich aus den Ist Trennen und Verbinden ein Bestandteil der Identität?
aus dem Trennen oder Verbinden?
Nutzungsintervallen?
- Ablaufoptimierung Unterschied in der Identität für den Kunden, für die
- Arbeiter/Besucher Wechselt der Zustand am Ort (verbunden – getrennt) Mitarbeitenden?
- Kommunikation und Konzentration oder verschieben sich die Sperren im Gebäude?
Was bedeutet das Thema im übertragenen Sinn: Wie
Welche sind die funktionalen Anforderungen erleichtere ich mit Architektur das „Verbundensein“ mit
Handelt es sich um Nutzungen, die oft ihre Grenzen
dem Unternehmen?
für Verbindungen (Kooperation und Kommunikation) verlagern (z. B. Forschung an geheimen Projekten)?
und welche für Trennungen (Konzentration)? Da es ein kontroverses Thema ist, wird eine solche
- Verschiedene Arbeitsarten, -zonen, -zeiten Ist das Gebäude prinzipiell am Tag offen und in der thematische Identität von unterschiedlichen Gruppen
- Ruhe, gedämpftes Licht, Jalousien, Rafflamellen Nacht geschlossen – oder ist es auch am Tag ge- auch differenziert wahrgenommen?
- Sicherheit, Spionage, Kopie neuer Entwicklungen schlossen (Klingel, Gegensprechanlage, Video...)?
Benötigt es für bestimmte Anlässe einen besonde- Wie sind Identitätskombinationen mit anderen Inhalten
Wo liegen logische und wo liegen unerwartete Gren- möglich (z. B. „Verbinden für...“)?
zen? (z. B. öffenliche EG-Zone + Sperre nach Foyer) ren Zustand von Offenheit oder Geschlossenheit?
Wie hat sich das Thema in der Gesellschaft verändert Bilder: zum Beispiel „extreme Abschottung“ –
Können die Anforderungen kategorisiert werten? Firmensitz, hinter Mauern, ohne Anschrift, Video,
und welche Entwicklungen sind zu erwarten?
- Erforderlich, erwünscht, unnötig, zu vermeiden Gegensprechanlage, Termin nur nach Anmeldung...
Funktionsschema Anforderungen Funktionsschema Zeit Identitätsbestandteil oder nicht
Widersprüchliche Anforderungen Normal- und Sonderzustände Neutrale, positive und negative Belegungen
Kategorien, Abstufungen Funktion – Zeit – Flexibilität Identitätskombinationen
Funktion – Zeit – Flexibilität
Von außen eingeforderte Sicherheit

Aspekt: Sicherheit (Grenzen), Funktionen (unterschiedliche An-


forderungen), Arbeitsorganisation (Großraum, Einzelbüro),
Räume (kleinkammerig, Raumfolgen, Hallen,...), Nutzer

163
Architektonische Relevanz Kommunikation versus Konzentration Sicherheit und Spezialisierung
Offenheit, Verbindungen, Kommunikation, Offene und größere Räume erlauben Team- ... sind Aspekte, die einen Trennungsan-
Kooperationswille, Transparenz, Übersicht- arbeit und ermöglichen direkte Kommu- spruch begründen. Zu schützende Räume
lichkeit… – das sind alles Begriffe, die in nikation. Zuviel Kommunikation in großen und Nutzungen müssen vor ungewolltem
der aktuellen Bürowelt einen sehr hohen Teams oder mehreren Gruppen nebenei- Zugang, Diebstahl, Informationsverlust ge-
Stellenwert haben. Dem widersprechen nander stört aber die Einzelnen. Oft geht schützt werden. Ebenso können die Sonder-
Tendenzen zu erhöhter Sicherheit, Schutz es deshalb ganz einfach um die räumliche ausstattung eines Raums, ein besonderer
der Arbeitsplätze, Wirtschaftsspionage... Trennung von zu großen Gruppen in kleinere Arbeitsrhythmus oder spezielle Technik-
Es ist deshalb wichtig, dass bei Räumen Teams – zugunsten weniger Störungen anforderungen Abgrenzungen notwendig
für Arbeit beide Anforderungen potenziell und besserer Konzentrationsmöglichkeiten. machen. Themenbereiche sind etwa:
erfüllt werden: Die Möglichkeit, Räume und Innerhalb eines Teams stören Gespräche • Forschung, Entwicklung, Patente
Raumsysteme offen zu benutzen, aber auch weniger, weil die Themen bekannt sind. Da • Finanzen, Datenschutz, wichtige Akten
Möglichkeiten der Trennung vorzusehen. in verschiedenen Arbeiten und Arbeitspha- • IT-Sicherheit, Datensicherheit, Abwehr
Der Entwicklung eines offenen Systems mit sen unterschiedlich kommuniziert werden • Spionage, abhörsichere Räume.
vielfältigen Trennungsmöglichkeiten muss muss, können wir hier nur allgemeine
große Aufmerksamkeit geschenkt werden. Empfehlungen für Raum- oder Gruppen- Leider ist es heute so, dass Büroräume
In diesem Sinn ist auf dem Weg von der größen vorgeben. Je nach Raumgröße ist kaum mehr unbeaufsichtigt gelassen
Öffentlichkeit bis zum Arbeitsplatz eine auch ein anderes Kommunikationsverhalten werden können. Wertvolle Gegenstände
Folge (Kaskade, Netz, Serie) von Schleu- erforderlich. Ein Bauleiter kann beispiels­ wie beispielsweise Notebooks oder externe
sen, Schwellen und Verbindungsräumen weise in seinem Einzelbüro den ganzen Tag Harddiscs können sonst schnell verschwin-
erwünscht. laut telefonieren – sitzt er im Gruppenbüro, den. Die Zahl der Regionen nimmt zu, in
hat er seine Lautstärke anzupassen. denen aufgrund hoher Arbeitslosigkeit
Die Elemente für das Trennen und Verbinden der Konkurrenzkampf unter den Firmen
sind: Material oder kein Material, Wand, Welche Angebote und Konstellationen die gefährliche Ausmaße angenommen hat.
Öffnung, Tür, Fenster, Schleuse... Wir unter- Produktivität unterstützen, ist bei den Pro- Es kommt vor, dass Büroräume mutwillig
scheiden zwischen einfachen Trennwänden gramm-Entwicklungen zu evaluieren. zerstört werden. Wirtschaftsspionage und
und Trennwänden mit hohen spezifischen Korruption sind nicht Alltag; sie breiten sich
Anforderungen. Ganz besondere Anforde- Das am dichtesten belegte Büro muss aber zunehmend aus.
rungen (zum Beispiel Tresorraum) müssen nicht das effizienteste sein. Als Architekten
unter Umständen in der Primärstruktur haben wir zu klären, was ein funktionaler Ar- Solche Themen haben innerhalb weniger
angelegt sein. beitsplatz ermöglichen muss und wie dieser Jahre an Bedeutung gewonnen und sind
qualitätsvoll konzipiert werden kann. inzwischen von politischer, ökonomischer
Die Frage, wie Raum definiert, strukturiert, und sozialer Brisanz.
getrennt und verbunden wird, führt eben
direkt ins Zentrum des Entwerfens.

164
Verbinden,Trennen

Zusammenarbeit und Leistungsübergabe Elemente Lage der Schleusen


...sind Aspekte, die die Wichtigkeit des Ver­ Trennen und Verbinden kann vielfältig aus- An den Schnittstellen von Funktionsflächen
bindens betonen. Über die allgemeine und gestaltet werden. Mit der Ausformulierung und zwischen verschiedenen Bereichen
einfache Teamarbeit hinaus etablieren sich und den maßstabsgerechten räumlichen liegen Schleusen. Sie können eine ganze
neue, komplexere Formen der Zusammenar- Elementen wird das Maß der Zugänglichkeit Kette bilden oder nur einmalig auftreten
beit. Dies lässt sich in neuen Arbeitsweisen, beeinflusst. Verbindendes im gesamten zum Beispiel an der Grundstücksgrenze, im
in neuen arbeitsrechtlichen Konstruktionen, Arbeitsgeflecht: Hauptgebäude, in jedem Gebäude, vor jeder
in neuen Begriffen, vor allem aber in den • Im urbanen Maßstab ist die Kommune für Einheit (Mietbüros), vor jeder Abteilung, vor
Möglichkeiten neuer Kommunikationstech- „gute Erreichbarkeit“ verantwortlich; vor dem Büro (Sekretariat).
nologien nachvollziehen (siehe Kapitel 1). allem der Ausbau des ÖPNV ist stand-
ortfördernd, dazu gehören angenehme Was wird getrennt / verbunden?
Die Frage nach den räumlichen Folgen ist Wege für Fußgänger und Fahrräder. • Sichtkontakt – Blickbeziehung, Materiali-
wiederum nur in Tendenzen zu beschreiben: • Verbindende Räume in der Stadt sind tät, Raumteiler, Wände, Möbel...
Zusammenarbeit ist weitgehend räumlich auch Naturkorridore: Langgezogene Park- • Akustische Trennung: Akustikdecken,
unabhängig organisierbar. Eine Mehrzahl streifen, Alleen, „grüne Schleichwege“... Schallentkopplung...
der Büroarbeiter verfügt über zwei bis drei • Bevorzugt werden Orte mit Lebensquali- • Zugänglichkeit: Gelände, Grundstück,
Arbeitsplätze; einen im Büro, einen mobilen tät, Nutzungsgemenge, spannende aber Gebäudeteil, Etage, Raum, Arbeitsplatz
und ein Home Office. Arbeitsräume wer­ sichere Orte. Die Firmen selbst können • Funktionen: Produktionsflächen, Kunden-
den so netzartig ausgelegt. Gerade weil in dazu etwas beitragen. bereiche, Repräsentation...
Teilbereichen die Verortung diffuser (oder • Vom öffentlichen Raum auf das Grund- • Technik: Klimatisierung, Belichtung
komplexer) wird, erhalten bestimmte Orte stück: Hier präsentiert sich die Firma. Die • Arbeitsorganisation: Arbeitsabläufe, Pro-
eine hochwertige Bedeutung. Dies ist eben Qualität der Zugänge und Eingangssitua­ jektgruppen, Hierarchien...
kein Widerspruch: Auf die Auffindbarkeit, tion, der Außenraumgestaltung und die • Trennung nach Nutzern: Kunden, Gäste,
auf die Adresse sowie auf eine Verortung im Qualität des Lichts, der Beleuchtung, der Mitarbeiter...
Umfeld und eine bestmögliche Erreichbar- Leitinformation – hier wird im halböf- • Besitzverhältnisse: öffentlich – privat.
und Zugänglichkeit wird dementsprechend fentlichen Raum der erste Eindruck von
hoher Wert gelegt. An Bedeutung gewinnen Einladung geboten. Unterschiedliche Wahrnehmung
vor allem die Orte der Leistungsübergabe; • Am Arbeitsort, im Gebäude und in Im Zusammenhang mit persönlicher Hal-
jene, an denen die Mitarbeitenden auf die den Räumen sind es die Eingangsbe- tung und Wahrnehmung werden Grenzen
Kunden treffen, und jene, an denen Verkauf, reiche, die vertikalen Erschließungen, und Verbindungen unterschiedlich gewertet.
Übergabe, Sitzungen stattfinden. Außer- die horizontalen Verteilbereiche und die
dem gewinnen Orte mit Atmosphäre, mit Arbeitsplätze, welche eine verbindende
Charakter wesentlich an Bedeutung – sie oder trennende Funktion übernehmen
repräsentieren Stil, Qualität, Identität und müssen.
Innovation.

165
Arbeitsgebiet/-quartier Grundstück

Stadt und Arbeitsgebiet/-quartier Stadt und Grundstück


Geschlossen - Zugängliche Gebiete: z. B. Büroviertel in der Stadt, - Geschlossene Areale:
Offen einzelne Gebäude gesichert Hauptportal = Grenze

- Geschlossene Areale: z. B. private Forschung oder - Offenes Grundstück:


staatliches Sicherheitsgebiet, Hightech-Forschung Eventuell Teilbereiche des Gebäudes zugänglich
Eventuell Teilbereiche kontrolliert
- Sehr beschränkter Zugang zum Empfang

- Areal absolut unzugänglich

Positionierung der
Schleusen und
Schwellen

Headquarter Administration
Kundensitzung
Hauptportal Forschung Produktion Logistik

Szenarien und Schwelle bei Nacht Schwelle „nur mit Begleitung“ Sperrgebiet Grenze für alle Externen
Raum-Zeit- Vorfeld -– offener Zugang
Modelle Zugang nach Anmeldung: Fuhrungen
„Gläserne Produktion“

166
Verbinden,Trennen

Gebäude

FLUGHAFEN FRONT: Zugänglich im Mall-Bereich SCHNITT KOMPLEXE ZONIERUNG, Zugänglichkeit, Sichtbezie-


TRENNUNG: Ankunft und Abflug, Schengen- und Nicht- Flughafen Verwaltung sowie Ticket und hungen, aber unzugänglich, abgeschottet
Schengen-Passagiere und Nicht-Passagiere... Passkontrolle, Immigration und Zollkon-
trolle

MALL = Shopping, Tourismus

EG: Im Erdgeschoss sind mehrere Schwellen OG: Mehrere Unternehmen auf einer Etage – Empfang
unterschiedlicher „Härte“ denkbar. Über sehr weich pro Etage, Zugang zum Arbeitsplatz möglich – strengste
getrenntes Foyer, Bar, Restaurant zu Vortragssälen und Zugangskontrolle zum Beispiel innerhalb der Forschung Öffentliche Terrasse/
schließlich zu den Arbeitsplätzen Restaurant

Fluchtweg

Anlieferung, Post Konzern


„Sky-Loggia“ – nur für
Mieter

Mehrere Firmen Einkaufen,


Dienstleis­tung
Bürohaus mit mehreren Zugängen und
Bürohaus mit innerer Straße/Foyer und Treppenhäusern
einem Eingang

TAG-NACHT-VARIANTEN

Innere Verteilung mit


unterschiedlichen
Schleusenpositionen Unterschiedliche
Schleusenpositionen

Gute Adresse quer zur


Straße Gute Adresse entlang
der Straße

167
Industrie- und Handelskammer

Industrie- und Handel- Die Industrie und Handelskammer befindet Klassenzimmer und Galerie aufnimmt,
kammer
sich am nördlichen Stadtrand Ljubljanas, der und dem Bürotrakt wird hierdurch erheb-
Dimiceva 13 durch großvolumige Baukörper mit wenig lich gestärkt. Durch eine alle Geschosse
Ljubljana (SI) Identität dominiert wird. Die funktionale verbindende Vertikalhalle wird dies weiter
Identität klassischer Verwaltungsbautypen unterstützt. Zudem bietet diese Lösung die
Sadar Vuga mit einem öffentlich zugänglichen Sockel- Möglichkeit, zur Straße eine weitere Raum-
Ljubljana geschoss und den darüberliegenden, nicht schicht auszubilden, die sich zum Platz hin
zugänglichen Bürogeschossen heben die öffnet.
Fertigstellung Architekten auf. Das Sockelgeschoss wird
1999 virtuell unter dem Bürotrakt herausgezo- Die zum Platz gerichtete Südfassade ist ein
gen, umgeklappt und vor diesen gestellt. teils mit Boxen gefülltes Stahlskelett, das
Büroarbeitsplätze Die dadurch entstehende Zwischenzone zwischen Gebäude und Außenraum ver-
> 250 beherbergt die Erschließung und die Neben- mittelt. Die Schwellen und Raumschichten
räume. Die Kommunikation und Interaktion werden somit konsequent vom Straßen-
zwischen der halböffentlichen Raumschicht, raum über die Fassade bis hin zum Arbeits-
die unter anderem Restaurant, Bibliothek, platz gestaffelt, ohne trennend zu wirken.

Lage M 1:10 000

168
Verbinden,Trennen

relevante Themen

EBENEN
Arbeitsgebiet/-quartier
Grundstück
Gebäude

ZONIERUNG
horizontal
vertikal
Raum/Zeit

SCHWELLEN
Grundstück
Gebäude
Etage
Räume

SYSTEM
offen
geschlossen

Schnitt M 1:750
Grundriss OG M 1:750

169
Ordnungsamt

Ordnungsamt Das Ordnungsamt der Stadt Frankfurt am und die Überspielung der Geschosshöhen
Kleyerstraße 86 Main ist als „offenes Amt“ konzipiert. Mit wahrnehm- und erlebbar.
Frankfurt am Main (DE) einem linearen Typ, einer Spiral-Bandstruk-
tur, die ihre geometrische Inspiration in In der flexiblen Bürostruktur sind sowohl
Meixner Schlüter Wendt den nahe gelegenen Bahnschienen findet, Zellen- als auch Großraumbüros möglich.
Architekten reagiert der Entwurf auf das dreieckige Die zwei separaten Eingangsbereiche und
Frankfurt am Main Gründstück. Das Raumprogramm des Amts die Möglichkeit der Belegung von circa
erfordert eine geschossweise Gliederung 400 m2 großen Bürobereichen mit Drittnut-
Fertigstellung der Nutzungen und Abteilungen. Demnach zungen spiegelt die Flexibilität des Baus
2009 werden die unterschiedlichen Funktionsein- wider. Eine besondere Schicht stellen das
heiten und zusammengehörigen Nutzungen Erdgeschoss sowie das erste Oberge-
Büroarbeitsplätze horizontal geschichtet und aufeinander schoss dar. Hier sind publikumsintensive
circa 600 gestapelt. Die Fassaden- und Gebäudestruk- und öffentliche Raumbereiche (zum Beispiel
tur geht auf diese Anforderungen ein und Eingangshallen und Servicebereiche) im
thematisiert die Schichtung der einzelnen Sinne eines offenen Amts „herausgeschält“
Geschosse. Die horizontale Trennung wird und die Schwellen auf ein Minimum redu-
durch die Ausdifferenzierung der Fassaden ziert.

Lage M 1:20 000

170
Verbinden,Trennen

relevante Themen

EBENEN
Arbeitsgebiet/-quartier
Grundstück
Gebäude

ZONIERUNG
horizontal
vertikal
Raum/Zeit

SCHWELLEN
Grundstück
Gebäude
Etage
Räume

SYSTEM
offen
geschlossen (etagenweise)

Ausschnitt Fassade M 1:1000


Grundriss RG M 1:1500

171
Arbeit und...

172
Kommunizieren

173
174
Kommunizieren

Durch die rasante Entwicklung im Bereich


der Kommunikation und der neuen Medien
haben sich zahlreiche innovative Arbeitskon-
zeptionen, -systeme und -organisationen
entwickelt. Dieser Entwicklungsprozess
wird weitergehen und die Architektur vor
neue Herausforderungen stellen. Wichtig
erscheint uns das Verständnis der Abhän-
gigkeiten bestimmter Kommunikations-
formen (formelle und informelle) in Bezug
auf räumliche Konstellationen. Die gute
interne Kommunikation trägt wesentlich
zum Arbeitsklima bei und führt dazu, dass
sich die Arbeitenden mit dem Unternehmen
identifizieren.

Trotz einer gewissen Unabhängigkeit


der Kommunikation von der Architektur
nimmt doch die Bedeutung qualitätsvoller
Arbeitsumgebungen zu. Durch vermehrte
Mobilität und Flexibilität werden diejenigen
Räume immer wichtiger, die für Kommuni-
kation gute Voraussetzungen schaffen, die
Pflege persönlicher Kontakte ermöglichen,
dem Arbeitenden ein angenehmes Umfeld
schaffen und das Wohlfühlen kultivieren.
Kommunizieren und sich zurückziehen Kommunikation intern und extern Gestaltung als Kommunikation
bedingen einander. Deshalb ist bei jedem
Projekt darauf zu achten, dass Zonen mit
unterschiedlichen Kommunikationsintensi-
täten verträglich nebeneinander positioniert
und auch Ruhebereiche mit eingeplant
werden. Formelle Kommunikationsräume Informelle Kommunikationsräume – Google, Zürich

175
Kommunizieren beruht auf Identität

MASSSTAB LAGE ÖKONOMIE

„Mein Auftraggeber hat Kundenpotenzial bei Trendset- „Wir haben keine optimale Lage für das Projekt – aber „Wie sieht unser Auftraggeber sein Firmengebäude
tern in ganz Europa – dafür entwickle ich ein Projekt.“ wir werden es positionieren können.“ positioniert: eher minimalistisch, eher laut...?“

Was heißt es, wenn ein architektonisches Projekt über Ist die Kundschaft ortsgebunden, die Kommunikation
seinen Ort kommunizieren soll? quartiergebunden?

Welche Kommunikationsmittel stehen mir zur Verfü- Kommunikationsstrategie für Low-Budget- und
gung? Innerhalb der Architekturszene – und bei der High-Standard-Architekturen
Kundschaft des Auftraggebers?

Ist die Lage vorgegeben (optimal-eingebunden oder pro- Welche Anforderungen werden an welche Flächen
In welchen Maßstäben agiert die Firma: lokal, regional,
blematisch-abgeschottet) oder haben wir einen neuen bezüglich Kommunikation gestellt (hohe – mittlere –
national oder international?
passenden Standort zu evaluieren? dynamische)?
Wie wird in den unterschiedlichen Maßstäben kom- Welche Kommunikationsmöglichkeiten sehen wir in der Können spezielle Mittel „für Kommunikation“ freige-
muniziert, welche Kommunikation ist notwendig? spezifischen Lage? setzt werden?
Kommuniziert das Projekt in den unterschiedlichen Welche Kommunikationsdefizite oder -barrieren könnten
Maßstäben (Verortung, Sichtbarkeit, Identifikation, Welche Komponenten für Kommunikation benötigen
wir mit dem Projekt eventuell ausgleichen?
Bekanntheitsgrad...)? wir zwingend, welche wären Supplement (z. B. Leit­
sys­teme, Beschriftungen, spezielle Infopanele, Logo)?
Mit welchen Nutzungen im Umfeld wird
Folgt die Kommunikation einem einheitlichen Konzept Mit welchen zusätzlichen Mitteln wird neben den
kommuniziert?
oder bedarf jeder Maßstab anderer Kommunikations- baulichen kommuniziert (Internet, Printwerbung) und
- Partner, Konkurrenten
strategien? wie werden diese mit Architektur koordiniert?
- Netzwerke, interdisziplinäre Teams
- weitgehend unabhängige Arbeit Kommunikationsfunktion des Bauwerks und weitere
Ebenen: Außenraum, Vorfahrt, Empfang, Möblierung.

Global Lagequalität bezüglich Kommunikation: Architekturstandards und Kommunikation


Virtuell - Bedeutung des Orts Architektur und zusätzliche Ebenen
Regional - Frequenz Passanten Abstimmung mit Medienauftritt
Lokal - Sichtbarkeit, räumliche Konstellation
Frage nach professioneller Unterstützung
Reichweite Kunden Spezifische Lage: Kommunikationsstrategie (Kommunikationsstratege, Werber)
Reichweite Realisierungen/Produktion

1b Unterstützende Potenziale für Kommunikation suchen

176
Kommunizieren

3 Kann das Prinzip der Kommunikation zu


einer tragenden Entwurfsidee werden?

FUNKTIONALITÄT ZEIT IDENTITÄT

„Soll ich für diese Art von Auftraggeber Understate-


„Mit einem Funktions-Zeit-Raumplan kann ich alle Kom- „Der Auftritt der Firma ist unprofessionell – die Identität
ment zeigen oder laute Architektur entwerfen?“
munikationsbedürfnisse mit weniger m2 erfüllen.“ ist diffus. Wie gehe ich vor beim Entwurf?“
Ist es ein Investorenprojekt, welches vermietet wird?
Wenn ja, so gelten allgemeine Standards. Welche Konsequenzen ergeben sich aus den Nut- Verlangt das Entwurfsthema einen spezifischen
zungsintervallen? Umgang mit Kommunikation und Identität?
Welche Kommunikationskultur ist aufgrund der Welche Identität kann vermittelt werden?
Aufgabe gegeben (Kommunikation einer Verwaltung, Mit welcher Intensität tritt die Firma/Arbeit auf?
eines Konzerns, einer Kultureinrichtung)
Ist eine Identität in der Firmengeschichte aufgebaut

2
Für welche Räume und welche Funktionen ist spezi- worden - oder haben wir diese neu zu entwerfen?
fische Kommunikation vorgegeben?
Umsetzen in kommunikationsunterstützende
Wie unterstützt Kommunikation Betriebsprozesse?
Räume, Strukturen und Systeme
Welches sind die kommunikations-relevanten Ebe-
Muss ich mit dem Raumprogramm baulich reagieren, Muss eine bestehende Identität kultiviert werden,
nen im Raumprogramm?
oder ist das Raumprogramm noch zu hinterfragen? muss sie neu erfunden, neu positioniert werden?
- Direkt-räumliche (Sitzungszimmer) und
- informelle Links (Balkon, Teeküche) Soll Identität mit dem Bauwerk manifestiert werden?
Welche Kommunikationsintervalle werden erwartet?
Welche sind die technischen Anforderungen - Einheitlich oder differenziert Wie breit wird die Aufgabe verstanden? Möglichst
an Kommunikation (Schall, Medien- und Kommunika- - andauernd in Gruppen integral (Corporate Identity als Kommunikation) oder
tionstechnologie)? - konzentriert in Sitzungen spezifisch?
- vor allem intern – extern Haben wir es ganz speziell mit einer Arbeit in der
Wie kann Arbeitsphysiologie die Kommunikation - alle gleichzeitig Kommunikationsbranche zu tun?
unterstützen? Wer sind Konkurrenten und wie wird eine
- Anregendes/ermüdendes Design einmalige Position entworfen?
Kommunikationstechnologie ist im ständigen Wandel.
- Behaglichkeit, Lüftung, Geräusche
Was muss das Gebäude in einem Jahrzehnt leisten? Mit welchen Spezialisten wird Identität geklärt?
- Materialität, Haptik

Funktionsdiagramm für Kommunikation Frequenzdiagramm für Kommunikation Miete oder Firma?


Bauliche Konsequenzen Belegungszeiten Räume/Funktionen Welche Identitäten bestehen?
Konsequenzen in Kommunikationstechnologie Zeiten intern und extern („slots“) Innovationsanspruch
Mietobjekt oder eigenes Firmengebäude Vergleichbare Bauaufgaben

1a Innere Anforderungen an Kommunikation erkennen

177
Kommunikation und Entwerfen Konzentration auf die Message Dies ist allerdings eine sehr positive Vorstel-
„Man kann nicht nicht kommunizieren.“1 In diesem Sinne sehen wir bei der Projektie- lung vom Einfluss guter Architektur auf die
Dieser weltberühmte Satz von Paul Watzla- rung einen operativen und einen strate- Lebens- und Arbeitsqualität. Denn präzise
wick macht uns klar, dass jede Architektur, gischen Schwerpunkt: Kommuikation hat eine gewisse Unabhän-
jedes Auftreten einer Firma, jede Beleg- • Operativ, beim Programm: Da Arbeitsab- gigkeit von Architektur.
schaft und alle Produkte eine Botschaft läufe nur über Kommunikation koordiniert
senden, ob man will oder nicht. Auch werden können, haben wir beim Entwurf Kommunizieren und Störungen
wenn wir genug haben von all den lauten die Aufgabe, diese mit räumlichen und Kommunikation wird in allen Situationen
Projekten, den medialen Auftritten und den strukturellen Mitteln zu unterstützen. eingefordert, sie stört aber immer auch
Architektur-Rankings – ein Desinteresse • Strategisch, im Kern des Entwurfs: Hier diejenigen, die nicht am kommunikativen
an Kommunikation wäre in unserem Beruf ist entscheidend, mit welcher Konsistenz Prozess beteiligt sind. Störquellen können
dennoch ziemlich töricht. wir die vom Auftraggeber gestellte Aufga- zum Beispiel Diskussionen am Nebentisch,
be (sie ist nicht nur gestellt, sie lässt sich lautes Telefonieren, aber auch eine Zone
Wir entwickeln im Dialog mit Kollegen auch diskursiv entwickeln) mit sinnvollen mit viel Bewegung und Maschinen (Drucker
oder Kunden zahlreiche Ideen und können Entwurfskonzeptionen stärken können. oder Kopierer) sein. Bei der Planung geht
Sachverhalte klären. Dies tun wir auch, es deshalb darum, Kommunikation und
wenn wir Sprechen („Sprechdenken“, H. v. Potenziale der Kommunikation Störung verträglich nebeneinander zu posi-
Kleist2). Zudem benötigen wir Rückzugszeit Von Architektur wird eine „positive Rück- tionieren.
und Entwicklungszeit – das gilt auch für das kopplung“ auf Kommunikation und letztlich
Entwerfen: Der diskursive Dialog ist wichtig, auf den Unternehmenserfolg erwartet:
aber auch der Rückzugstag, an welchem wir • Gute räumliche Voraussetzungen fördern
Büro
die Sache selbst erforschen und ausreizen Kommunikation; Formell
(„wie mach ich das nur, wieso geht das so • der unternehmerische Erfolg wird da-
nicht...?!“). durch unterstützt;
• das „erfolgreiche Umfeld“ wirkt motivie-
Nach dem Rückzugstag, nach einem Denk­ rend und stärkt die Identifikation mit dem
Privat
abend weiß ich, was ich kommunizieren will Unternehmen...
(eine Frage, einen Entschluss, Varianten...). • ...womit das Wohlbefinden der Mitarbei-
Ich habe Kommunikation vorzubereiten, tenden zunimmt und... Informell Stadt und Quartier
damit ein beteiligtes Team seine Fähig- • ... die Kommunikation erleichtert wird.
keiten effizient einbringen kann. Tue ich das
nicht, verbraucht das Team unnötige Zeit.
Kommunizieren setzt voraus, dass wir un-
sere Positionen entwickelt, überdacht und
entschieden haben. Kommunikationsarten und räumliche Verteilung

178
Kommunizieren

Die hohe Relevanz dieser Thematik führte Gebäudestrukturen und Räume, die Kom- ierliche Ablösung von analogen Strukturen
zur gesetzlichen Regelung: So soll nach der munikation unterstützen (Bibliotheken, Archive) findet statt. Gearbei-
Arbeitsstättenverordnung der Lärmpegel Klar ist, dass für formelle Kommunikation tet werden kann überall: in der Bahn, am
am Arbeitsplatz bei überwiegend geistigen hochwertige Räume entworfen werden Flughafen, im Büro oder zu Hause („Home-
Tätigkeiten den Wert von 55 dB(A) nicht müssen. Auch Orte für den informellen Aus- working“, Telearbeit). Trotz aller Mobilität
überschreiten, wobei die empfohlenen tausch (im positiven Sinn) können gepflegt und Flexibilität sind persönliche Kontakte
Werte bei 35 bis 45 dB(A) liegen.3 werden: Durchgangs-, Verbindungs- und für die fachliche Abstimmung wichtig und
Zwischenräume (Flure, Foyer, Innenhöfe, gewinnen mit wachsender Mobilität sogar
Formelle und informelle Kommunikation Fahrstuhlbereiche, Balkone, Vorzonen...). noch an Bedeutung.
Wir unterscheiden zwischen formellen und Identität der Arbeit ist durch Raumkultur
informellen Kommunikationsstrukturen: sowie durch Arbeits- und Kommunikations- Spezialitäten und Zukunft
Formell sind die offiziell in der Verwaltungs- kultur geprägt. Die Arbeitsprozesse haben sich für alle
organisation geregelten Kommunikationen, grundlegend verändert, wobei vor allem
deren Diskussions- und Entscheidungs­ Neue Medien ersetzen nicht persönliche im Bereich der Kommunikation der Wandel
inhalte bekannt werden müssen (Proto- Kommunikation tiefgreifend ist. Hier haben sich zahlreiche
kolle). Informelle Strukturen sind dagegen Fortschritte in der Kommunikationstech- neue Arbeitskonzeptionen, -systeme und
ungeregelt und finden laufend statt. Sie sind nologie ermöglichen die Entkopplung der -organsiationen entwickelt:
sehr wichtig („Öl im Getriebe“), aber auch Arbeit vom Unternehmen und führen zu • Netzwerke über räumliche Distanzen
gefährlich, da sie die formelle Kommunikati- neuen Formen der Arbeitsorganisation. Die • synchronisierte PC/Teamsoftware
on „unterwandern“ können (Geheimabspra- meis­ten Informationen, die zum Arbeiten • 7 x 24h-Bearbeitung/Dienstleistung
chen). Dazu die Beispiele: benötigt werden, sind heute unabhängig • Bearbeitung über Distanz
von Ort und Zeit verfügbar. Eine kontinu- • hochmobile Dienstleister
• Formell räumlich: Besprechungstisch, • „Informations-Scouts“
Sitzungszimmer, Konferenzsaal...
Kommunikationskultur
• Formelle Organisation: Brainstorming, Demenstprechend ist auch eine neue Kate-
Aus- und Weiterbildung, Schulung... Arbeitskultur gorie von Arbeitsräumen entstanden:
Offene Beratungsräume – Hallen mit Bera-
Identität
• Informell räumlich: beim Fahrstuhl, im tungsstationen – Reisebüro mit Beratungs-
Café, im Bus zum Büro... stationen – Bank für Normalkundschaft – ex-
• Informell („organisiert“): regelmäßiger klusive Beratung – Bank für Spezialkunden
Privattreff, Zugehörigkeit zu einer Organi- – spezifische Kundenberatung auf Luxus­
sation... insel – Forschung, basierend auf Kommuni-
Raumkultur
kations- oder Denkräumen – spionagefreie
Räume...
Identitätsebenen

179
Arbeit und...

Informationsaustausch Ideenentwicklung Aus- und Weiterbildung

Koordinieren Workshop Schulung


Dabei geht es um schnelle Besprechung Im Workshop werden Ideen entwickelt, Kenntnisvermittlung, Referieren, Motivieren,
von aktuellen Themen Konzepte erstellt und Zukunftsszenarien jedoch ohne Diskussionen
entworfen

Besprechen Projektarbeit
Informationsaustausch zwischen Konzentrierte Arbeit einer Gruppe an einer
Teammitgliedern definierten Aufgabe Seminar
Für aktives Lernen via Aktionen und
Übungen
<

>
> >>
Wissensvermittlung und
Kompetenzerweiterung
< <<

Konferieren Forum
Zusammenkunft der Führungskräfte. Bereiche zum Verweilen und für informelle
Strategische Arbeit Klein-Meetings. Teilabschirmungen für kurze
Gespräche Training
Einüben von Techniken und Kenntnissen
>
>

>>>
>
>>> Stark aktionsgeprägt

Tagen
Präsentation von Ergebnissen und
Entwicklungen
>>>>>
>>>>>
>>>>>
>>>>>
>>>>>
>>>>>
>>>>>
<

180
Kommunizieren

Informell Kommunikationsräume und -formen und strukturelle Umsetzung ist im Projekt


Innerhalb eines Unternehmens sind Kom- selber zu suchen. Wir kennen spezifische
munikationsprozesse wichtige Schritte für Räume wie Teeküche, Sitzungszimmer oder
Balkon Entwicklung, Forschung und Innovation. Konferenzraum – aber je nach den spezi-
Pausieren, zufälliger Informationsaustausch Laut Untersuchungen entstehen über 80 % ellen Anforderungen der Arbeitsprozesse ist
aller innovativen und kreativen Aktionen auf es notwendig, solche Raumtypen im neuen
der Ebene von Informations- und Ideenaus- Kontext zu entwickeln.
tausch.1
Im Zusammenhang mit den neuen Medien
Cafeteria Bei der Ausformulierung und Umsetzung sind völlig andere Kommunikationsräume zu
Pausieren, zum zwanglosen von Kommunikationsbedürfnissen geht es erwarten. Gegenüber der Geschwindigkeit
Informationsaustausch und für kurzfristig darum, Kommunikationsformen und deren solcher Entwicklungen bleibt Architektur
geplante Treffen Raumbedarf herauszufinden. Die räumliche eine langsame Kunst.

Informationsaustausch
Personen Raumbedarf/qm Räumliche Anforderungen

Koordination 2 bis 6 nach ASR integriert, offen

Besprechung 2 bis 8 3.0 getrennt, abgeschlossen


Konferenz 8 bis 20 3.0 getrennt, abgeschlossen
Lounge
Tagung > 20 0.9 getrennt, abgeschlossen
Rückzugs- und Begegnungsbereich
Arbeitsnischen zum temporären Arbeiten
Ideenentwicklung

Workshop 2 bis 16 3.5 nach Moderationsmethode

Projektarbeit 2 bis 8 8 bis 10 getrennt, abgeschlossen


Forum offen offen offen mit abgeschirmterZone
Aus-Weiterbildung

Schulung 6 bis 30 2.5 getrennt, abgeschlossen

Seminar 6 bis 16 3.8 getrennt, abgeschlossen,


Aktionszonen
Hof/Terrasse Training 2 bis 16 5.0 getrennt, abgeschlossen,
große Aktionszone
Pausieren – auch längere Pausen, z. B.
Mittagssnack, informeller Austausch Cafeteria offen 2.5 Freizeitcharakter

Businesslounge offen 4.0 Repräsentation,


Arbeitsnischen
(Dach-)Terrasse offen offen unterschiedliche Zonen
Hof offen offen unterschiedliche Zonen
Informell

Park offen offen unterschiedliche Zonen

2
Kommunikationsformen, Raumbedarf und Anforderungen

181
Landmark

Landmark Die Eigentümer zweier Firmen aus unter- Die Klimafassade liegt als vollständiger
Hasendorferstraße 96 schiedlichen Sparten mit unterschiedlichen Wintergarten rund um das Gebäude herum.
Leibnitz (AT) Visionen, Zielen, Strategien und Kunden Er beinhaltet Pausenräume, Besprechungs-
wollten ein gemeinsames Bürogebäude räume, Terrassen. Die Außenräume – Gar-
Love bauen, um das Wachsen ihrer Firmen ten, Dach, Terrasse – sind im Abstand von
Graz räum­lich aufzunehmen, nach außen hin maximal 25 m mit EDV-Anschlussbuchsen
darzustellen und die gemeinsamen Syner­ ausgestattet. Im Sommer wird dort ver­
Fertigstellung gieeffekte zu nutzen. Es wäre unsinnig stärkt gearbeitet.
1999 gewesen, diese Vielfalt bildlich im Gebäude In der Kernzone liegen das Chefbüro und
auszudrücken, ohne die dafür notwendigen der Besprechungsraum als abgeschlossene,
Büroarbeitsplätze Freiräume zu schaffen. In beiden Firmen private, vertrauliche Räume und trennen
9-49 sind die Mitarbeiter/-innen nicht direkt am gleichzeitig die rundumliegenden Arbeitsflä-
Unternehmen beteiligt. Demnach ist das chen in die entsprechenden Arbeitsbereiche
Gebäude nicht ihr Eigentum. Freibereiche mit jeweils sinnvollen Raumgrößen. Direkt
sind somit Bereiche, die eindeutig frei, also an die Kernzone sind die Supporting-Zonen
wie Eigentum benutzt werden können. Die angegliedert: Seminarraum am Dach, Hard-
Freiräume sind in zwei Schichten um die ware im Erdgeschoss, Café und frische Luft
Kernzone des Gebäudes gelegt. in der Mitte.

Lage M 1:10 000

182
Kommunizieren

relevante Themen

KOMMUNIZIEREN IN PROJEKTEN
2er-Gespräche
2-6 Personen
6-12 Personen

KOMMUNIKATIONSRÄUME
Tische
Büro
Besprechungsraum

FORMELLES KOMMUNIZIEREN
Informationsaustausch
Ideenentwicklung
Aus- und Weiterbildung

INFORMELLES KOMMUNIZIEREN
Balkon
Lichthof
Dachterrasse
Garten

KOMMUNIKATIONSHIERARCHIE
Chefbüro
keine

Schnitt M 1:500
Grundriss OG M 1:500

183
Villa VPRO

Villa VPRO Das Bürogebäude „Villa VPRO“, gebaut für kompakten Baukörper, den Bezügen zur
Sumatralaa 45 eine niederländische Fernseh- und Rund- umliegenden Landschaft, aber vor allem
Hilversum (NL) funkanstalt, stellt einen Prototyp der Bauten in der Ausdifferenzierung der Innenräume
für Kommunikation dar. Das liegt einerseits und der Erschließung. Sechs Geschoss-
MVRDV daran, dass die Arbeit, die dort verrichtet platten mit einer Grundfläche von circa 50
Rotterdam wird, selbst sehr kommunikativ ist, und an- x 50 m werden durch drei verschiedene
dererseits daran, dass das Endprodukt der Wegerouten im Inneren zu einem Raumkon-
Fertigstellung Arbeit Kommunikation und Unterhaltung ist. tinuum verbunden. Die daraus entstandene
1997 Die alten Büroräume der einzelnen Einrich- Bürolandschaft, verbunden durch Plateaus,
tungen waren in mehr als einem Dutzend Rampen, Treppen und Hügel, bietet eine
Büroarbeitsplätze freistehender Villen untergebracht. Diese Fülle an unterschiedlichen Räumen. So
ca. 350 räumliche Ausgangslage hat die Arbeitswelt, wechseln sich im Inneren größere offene
Organisationsstruktur und die Identität der Bereiche mit intimen Räumen und privaten
Arbeit einzelner Redaktionen nachhaltig Teilflächen ab. Entlang dieser Wege können
geprägt. In dem Entwurf ist es gelungen, die Räume nach Bedarf angeeignet und die
das Motiv der „Villa zum Arbeiten“ weiter- Arbeitsplatze frei und nach Belieben organi-
zudenken. Es spiegelt sich deutlich in dem siert werden.

Lage M 1:10 000

184
Kommunizieren

relevante Themen

KOMMUNIZIEREN IN PROJEKTEN
2er-Gespräche
2-6 Personen
6-12 Personen

KOMMUNIKATIONSRÄUME
Tische
Büro
Besprechungsraum

FORMELLES KOMMUNIZIEREN
Informationsaustausch
Ideenentwicklung
Aus- und Weiterbildung

INFORMELLES KOMMUNIZIEREN
Balkon
Lichthof
Dachterrasse
Garten

KOMMUNIKATIONSHIERARCHIE
Chefbüro
keine

Schnitt M 1:500
Grundriss OG M 1:500

185
Arbeit und...

186
Gestalten, Designen

187
188
Gestalten, Designen

Das Thema „Gestalten, Designen“ scheint Gestalten ist eine Teilhandlung des Entwer- Gerne würden wir den Begriff „Gestaltung“
ein reines „Bauchthema“ zu sein. Und doch fens – es zielt auf die formalen Aspekte für Prozesse vorbehalten, bei denen dem
ist die Durchdringung, die thematische des gesamten Prozesses. Wir führen beide Gegenstand nicht nur eine Form, sondern
Struk­turierung des Gestaltungsprozesses Begriffe auf – „Gestalten“ und „Designen“. auch eine Bedeutung oder gar ein Sinn
möglich und erweitert die Entwurfsstra- Im deutschen Sprachgebrauch kann „Desig- zugemessen werden kann. Es macht dann
tegie. So liegt im Erkennen der Zusam- nen“ leicht abwertend verstanden werden, einen wesentlichen Unterschied, ob ich
menhänge zwischen interdisziplinären im Englischen hat es die umfassende Be- eine Freiraumgestaltung eines Verwaltungs-
Anforder­ungen und deren zwingenden oder deutung von „Gestalten und Entwerfen“. Es gebäudes nur als „Bepflanzungsaufgabe“
mög­li­chen Auswirkungen auf die Architektur gibt jedenfalls die bekannte und in manchen sehe, oder ob ich einen wundervollen
ein erweitertes Potenzial für die Thematisie- Fällen durchaus auch berechtigte Kritik, Außenraum schaffen kann, der zum einen
rung und für Gestaltungsmöglichkeiten in dass ein Objekt nur „auf Design“ getrimmt einen hohen Erholungswert für die Beleg-
der Architektur. sei und funktional oder ökonomisch wenig schaft bietet und zum anderen die Corpo-
Substanz habe. rate Identity des Unternehmens unterstützt.
Durch das breite Aufzeichnen der Gestal-
tungsspielräume einer Aufgabe wird dem Alle vom Menschen geschaffenen Struk- Und so betrifft Gestaltung alle Ebenen: den
Entwerfenden ein Weiten des Blicks, ein turen und Objekte haben eine Form; sie Rohbau, den Ausbau, die Peripherie, die
Einsortieren und Einordnen abverlangt. Im sind erdacht, geplant, hergestellt, verpackt... Homepage, die tägliche Arbeit..., und damit
nächsten Schritt ist er gezwungen, sich zu – sie alle unterliegen formalen Prozessen, verstehen wir auch, dass Gestaltung primär
positionieren und bewusst auf vermittelbare aber deswegen haben sie noch nicht zwin- sogar den Entwurfsprozess beinhaltet.
Gestaltungselemente zu beschränken. gend eine Gestalt.
Im Gespräch mit den Kunden kann die
vorgeschlagene Architektur so argumentativ
besser vermittelt und mit einem „mehr“ an
Bedeutung versehen werden.

Der Weg führt weg von langweiligen,


lieblosen 08/15-Bürobauten, hin zu interes-
santen, Identität stiftenden Gebäuden.
Ob man dabei eher den Ansatz des integral seriell
Einzelbauwerks oder den des soliden
Standardtyps verfolgt, spielt keine Rolle.
Der Anspruch auf Baukunst oder Baukultur
bleibt bei allen Strategien bestehen.

Standardtyp „plus x“ Form und Fassade als Identifikationsträger

189
Gestalten, Designen beruht auf Strategie, Improvisation und Kreativität

2 Kontinuierliche
Rückkopplung

MASSSTAB LAGE ÖKONOMIE

„Die Nähe zum städtischen Freiraum- und Naherho- „Wir interpretieren Funktionen, damit wir optimal auf „Ziel meiner Entwürfe sind immer die Optimierung
lungsnetz hat Einfluss auf unser Projekt.“ die spezielle Aussichtslage reagieren können.“ von Materialaufwand und Raumertrag“

Haben großmaßstäbliche Planungs- und Gestal- Gibt es gestalterische Kriterien bei der Standortwahl?
Welchen Standard haben wir zu erfüllen:
tungsprozesse (z. B. Parklandschaften, Naherholung)
- Stadt mit qualitätsvollen Räumen (z. B. Flusslage) Low, basic, minimal – high-end, repräsentativ?
eine Bedeutung für unser Projekt?
- Quartier (z. B. Images, „angesagt“, In-Viertel...) Können oder sollten Standards hinterfragt werden?
Gibt es eventuell regionale/ortstypische Gestaltungs-
traditionen, die Einfluss auf den Entwurf haben?
Nachhaltige Gestaltung – Gestaltung für Nachhaltigkeit
Auf welchen Maßstab nehme ich Bezug; pflege ich Gestaltqualitäten der umgebenden Strukturen: Morpho-
ein regionales oder eher ein internationales Objekt? logie und Typologie, Bestand, Freiraum, Verkehrsräume... Gibt es unterschiedliche Standards für Rohbau,
Gebäudetechnologie, Ausbau, Möblierung?
Auf welchen Ebenen sind Gestaltungsrichtlinien Gestaltqualitäten des Orts: stadträumliche Situation,
vorhanden? Vegetation, Licht und Farbe, Geräusche, Materialität Will man einen Ausstattungsstandard erreichen oder
gibt es verschiedene?
Gestaltungskoordination mit Kommunen, Nachbarn
(Standortaufwertung, Beiträge öffentliche Räume...).
Wie reagiere ich im Entwurf auf Stimmung und Atmo- Welche Bereiche sollen besonders ausgestattet
sphäre des Orts, auf das Image der Umgebung? werden? (z. B. Chefbüros, Repräsentationsbereiche...
Integrale Gestaltung des Gesamtgrundstücks
oder Lounge, Café, Dachgarten...)
(Verkehr, Vorfahrt, Zugänge, Freiraumgestaltung,
Leitsysteme, Beleuchtungskonzepte...).
Gestalterische Antworten zu den anderen Themen- In welchem Verhältnis stehen Aufwand/Nutzen bzw.
feldern (Sich verorten, Kommunizieren, Trennen/ welcher Mehrwert entsteht (Kunden, Team...)?
Gestalten, Designen in unterschiedlichen Maß-
Verbinden)
stabsebenen

Gestaltungsstrategie für Mehraufwand: Wo will ich


bestimmte Qualitäten erreichen?

Integrale Gestaltung in allen Maßstabsebenen Gestaltungsqualitäten und -defizite in der Lage Klärung und Vereinbarung der Standards
Stadträumliche Vernetzung Bedeutung der Gestaltung in spezifischer Lage Optimierung Materialaufwand/Raumertrag
Grundstück Möglichkeiten der Mitgestaltung der Lage Strategie Gestaltungsaufwand für unterschied-
Gebäude Gestaltung der Architektur bezüglich Lage liche Ebenen
Bereiche, Räume, Arbeitsplatz, Möblierung

1 Abholen von Gestaltungspotenzialen

190
Gestalten, Designen

3 Wie entwickeln wir aus einzelnen Formvorstellungen für


die vielfältigen Ansprüche eine integrale Gestalt?

FUNKTIONALITÄT ZEIT IDENTITÄT

„Es geht nicht nur um gestalterische Umsetzung von „Ich stelle mir vor, wer wie lange in dieser Architektur „Faszinierend finde ich eine starke Identität, die aber
Funktion – Funktion kann selbst gestaltet werden.“ Zeit verbringt – dann lasse ich noch mehr weg.“ geheimnisvoll ist, die ich nicht sogleich verstehe.“

Wie weit macht das Credo „form follows function“ Ist es ein Projekt, das stark auf den Zeitgeist ein- Muss jedes Gebäude eigene Identität zeigen – oder
Sinn, wenn Funktionen sich stark verändern? gehen muss, oder kann es sich davon unabhängig genügt es, wenn eine Quartiersidentität da ist?
machen?
Wo liegen Gestaltungsebenen, die die Funktion nicht Wenn ich entwerfe, wird dann meine Identität gebaut
stören? oder wird es die Identität des Bauwerks?
Werden hier viele Leute kurz oder wenige lange Zeit
anwesend sein? Und wie gestalte ich dann?
Wer benötigt welche Identitäten: Welche die Entwer-
Welche Funktionen sind wirklich beständig ( Treppen- fenden? Welche die Benutzenden? Für wen baue ich?
haus, Service) und können definitiv gestaltet werden?
Funktionsdesign Transformiert sich die Identität von Architektur im Laufe
der Zeit, und wenn ja, wie? Wie gehe ich damit um?
Ungeklärte Funktionen können eventuell modifiziert Gestaltung und Erscheinung bei
werden und ermöglichen Gestaltungsspielräume. Tag/Nacht – Jahreszeiten/Wetter
Wie korrelieren Identität und Standards?
Ausstattungsniveau – Materialität – Design – Grad
Wo liegen eventuell Widersprüche zwischen ersten Können durch Arbeitsintervalle wechselnde Ansprüche
der Flexibilität – Arbeitsplatzqualitäten – technische
Entwurfsvorstellungen und Programmfunktionen? entstehen?
Details – Qualität
Tageszeiten – Teilbereiche des Gebäudes
Was soll wie gestaltet, „designt“ werden?
Welche Bauteile haben welche Lebensdauer? Und Ist die Gestaltung ein vom Corporate Identity
Bleibt dabei die Funktionalität gewährleistet?
wie gestalte ich diese aufgrund solcher Kenntnisse? unabhängiges „Image“ (geeignet für verschiedene
- Unbrauchbares Design Unternehmen) oder speziell zugeschnitten für nur
- chic aber unbequem Gestaltung und Design für limitierte Gebrauchspha- eine Firma?
- nur zum Angucken sen oder für gesamten Lebenszyklus?
Gibt es unterschiedliche Identitätsbilder nach sozialen,
ökonomischen, kulturellen und ethnischen Gruppen?
Finden Aspekte der Arbeitsphysiologie Beachtung? Welche Funktionskomponenten entwickeln sich,
- Anregendes/ermüdendes Design welche bleiben konstant? Konsequenzen für die
Sind Identitäten letztlich „käuflich“ – also per Auftrag
- Materialität, Haptik Gestaltung
„designbar“? Oder entlarvt sich gekaufte Identität?

Mehrfaches Abgleichen von Entwurf und Funktion Lebensdauer von Funktionen, Konstruktionen Lebensdauer von Funktionen, Konstruktionen
Gestaltung ist Form mit Bedeutung Funktions-Zeit-Diagramm Funktions-Zeit-Diagramm
Funktionen entwicklen und Funktionsdesign zeitgenössisch und zeitlos zeitgenössisch und zeitlos
Kulturelle und philosophische Fragen zur Identität

191
Gestalten und Designen als Prozess

Gestalt ist Form mit Bedeutung. Gestalten von Gestaltung zu schärfen – darin finden • Zeitabläufe, Zeitorganisation und räum-
meint die Suche nach Form (Struktur, Di- wir oft erst den grundlegenden Sinn oder liche „Verteilung“ der Mitarbeiter/-innen
mension, Proportion), Materialität (roh und zusätzliche Verankerungen für den formalen sowie deren Mobilitätsorganisation;
Verbund, Oberfläche, Haptik) und Farbigkeit. Gestaltungsprozess. Für unsere Kunden • die Frage nach der Belegschaft: Wie ist
Architektur verlangt eine sehr breite Aus- ist dieses breite Verständnis zentral; die diese konstituiert, welche Qualifikationen
einandersetzung mit Gestaltungsthemen vorgeschlagene Architektur wird an für sie wird sie haben, aus welchen Milieus wird
und -prozessen. Die Breite wird in verschie- wichtige Themen gebunden und erhält ein sie vorwiegend kommen, wird es Alters-
denen Ordnungssystemen wirksam: Wählen „Mehr“ an Bedeutung, vielleicht sogar an oder Geschlechtertrends geben?
wir beispielsweise die Begriffe „Mensch, Sinn. „Breite“ meint nicht zwingend die
Technik, Umwelt“, so wird eine eher fun- „gesamte mögliche Breite“, sondern eine Im Erkennen der Zusammenhänge inter-
damentale Auseinandersetzung impliziert. breite Recherche, dann aber durchaus auch disziplinärer Anforderungen und deren
Reden wir aber von „Entwurfs­phasen der selektive Auswahl und thematische Ein- zwingenden oder möglichen Auswirkungen
HOAI“, verstehen wir den Gestaltungspro- schränkung. Nur nach „breiter Sichtung des auf Architektur liegt erweitertes Potenzial
zess eher als professionell organisierten Problems“ sind Vereinfachungen zulässig. für Gestaltungsthemen und -strategien.
Arbeitsablauf im Architekturbüro. Allgemeine Überlegungen zur Gestalt, zur
Wir nehmen gestaltete Architektur wahr. Stilpersistenz, zu Funktion und Form sowie
Es ist immer anregend zu untersuchen, wie Die Gestaltung interessiert final – in ihr wird zu typologischen Formkonzepten finden sich
und ob ein eigenes Projekt auf unterschied- die gesamte Auseinandersetzung als Kunst auch im ersten Kapitel.
liche Themensetzungen reagiert, welche verselbstständigt. Die Probleme ursprüng-
Gestaltungsthemen dabei aktiviert werden licher Problemstellungen sind dann nicht Aspekte der Gestaltung
oder eher „stumm“ bleiben. Die thema- mehr sichtbar – es steht Baukultur da. Im Folgenden werden einige allgemeine
tische Strukturierung des Gestaltungspro- und spezifische Gestaltungsthemen für
zesses gehört zur Entwurfsstrategie. Ein Zudem beeinflussen zahlreiche weitere das Entwerfen von Verwaltungsbauten und
Beispiel: Habe ich einen kostengünstigen (disziplinäre) Themen den Entwurf: Architektur der Arbeit thematisiert.
Bürobau zu entwerfen und thematisiere • die Organisation von arbeitenden Per-
dann mein Projekt als „Bürobau, der sämt- sonen in Strukturen und Teams; Kriterien zur Formfindung:
liche Errungenschaften des 20. Jahrhun- • im Speziellen die Rechte, Pflichten, Trotz harter Vorgaben in Programm, Technik,
derts vereint“, so habe ich das Gestaltungs- Verantwortlichkeiten, die Hierarchien und Nachhaltigkeit, Ökonomie et cetera gibt
thema sicher falsch gesetzt. Wir werden Mitwirkungsmöglichkeiten im Betrieb; es dafür keine Rezepte – es gibt nur die
immer das Problem haben, zum einen mit • Kommunikationsprozesse, Informations- jahrelange Auseinandersetzung. Selbst die
der notwendigen Breite zu arbeiten, dann flüsse (ausdifferenzierte Anforderungen Titanen positionierten sich diametral: „form
aber mit „zulässigen Vereinfachungen“ den für Teams und einzelne Mitarbeitende); follows function“ (L. Sullivan), „form follows
Entwurf strukturierbar (und kommunizierbar) • Unternehmensgeschichte und -entwick- form“ (P. Johnson) und „form follows mind“
zu machen. Als Planende haben wir unser lung; Unternehmensstrategie, -positionie- (W. Jaray) ... wir haben für das Entwerfen
Verständnis für einen erweiterten Begriff rung, -neuprofilierung...; eben eine eigene Haltung zu entwickeln.

192
Gestalten, Designen

Baukultur und Baukunst: de­finiert sein, was mitunter zu Konflikten die Strukturen, Ressourcen und immateri-
Die Großartigkeit historischer Verwaltungs- mit dem Umfeld führen kann. Als Beispiele ellen Netze gemeint.
bauten (Stoa in Athen) und die eindrück- lassen sich hier technologische Betriebe
lichen Beispiele autochthonen Bauens wie Porsche und Olivetti nennen, deren Gestaltung des Umfelds
(ein „Kontorhaus“, ein „persischer Basar“) Unternehmensinhalte sich gut in Architektur Als erste Entwurfsaktion haben wir das
werden in der Neuzeit ergänzt durch eine abbilden lassen. „Verorten“ vorgeschlagen (siehe Seite 115);
Flut von Werk-Bildern. Beide Wege stehen wir versuchen zuerst, den Ort, den Kontext,
offen: Ob wir Architektur als Einzelikone po- Innovatives Innenleben die umgebenden Strukturen zu verstehen.
sitionieren wollen oder „aktuelle Allgemein- Andererseits gibt es viele Bürobauten, de- Mit jedem Architekturprojekt haben wir
gültigkeit“ entwickeln – der Anspruch auf ren gesamtes Erscheinungsbild keine Rück- den Dialog mit den urbanen Strukturen,
Baukultur muss bestehen bleiben. schlüsse auf Mieter und Arbeitsthemen dem Stadtraum zu eröffnen. Für den Dialog
zulassen, die also allgemein für das Arbeiten mit dem Kontext sind die Gestaltung der
Architektur-Bilder dastehen. Im Inneren finden wir vielleicht Erschließung und des Umfelds von hoher
In diesem Spannungsfeld hat das Erfinden eine spezielle Raumgestaltung, mit der sich Bedeutung. Insbesondere ist hier die
neuer Bilder unterschiedlichen Stellenwert; die Entwerfenden oder die Nutzer/-innen Zusammenarbeit mit anderen Fachleuten,
ob der Druck zu „neuen Bildern“ sinnvoll individuell und innovativ darstellen. den Verkehrsplanern und den Landschafts-
ist, darf hinterfragt werden. Innovative planern wichtig. Nur so kann die gesamte
Bil­­der sollen für innovative Firmen spre- Unterstützung der „Normalproduktion“ Aufgabe mit den Ansprüchen der jeweiligen
chen. Bildstärke ist keine Qualitätsgarantie: Dem größten Teil der Bauproduktion man- Disziplinen gestaltet werden.
McDonald‘s wird von allen erkannt, aber wir gelt es leider an Qualität. Es kann demnach
sind uns über dessen Lächerlichkeit einig. Ziel eines hochqualifizierten Büros sein,
Es ist weiterhin denkbar, dass die Architek- Architekturen zu realisieren, die in ihrer „ak-
tur aus dem Ort, dem Umfeld, der Topogra- tuellen Allgemeingültigkeit“ verstanden und
fie und der Geschichte völlig losgelöst von kopiert werden können. Architektur erhielte
den Arbeitsinhalten entwickelt wird – bis hin so mehr Relevanz und Nachhaltigkeit. In
zu einer gewissen Unabhängigkeit von der einer solchen allgemeingültigen Architektur
Funktion. Dies ist auch der Fall, wenn ein müssten vor allem die Kriterien für Zukunft
bestehendes Gebäude umgenutzt wird und exemplarisch erfüllt sein:
nur Räume angepasst werden. Ebenso kann • flexible Strukturen für lange Lebenszeit;
eine mögliche inhaltliche Verwandtschaft • ein nachhaltig intelligenter Umgang mit
zwischen der Tätigkeit oder der Produktion Ressourcen (Material, Raum, Energie...); MFO-Park in Zürich Oerlikon, Burckhardt + Partner und
einer Firma und der für sie zu konzipieren­ • und ein baukultureller Beitrag zur „Archi- Raderschall Architekten
Inmitten eines neuen Wohn- und Arbeitsquartiers nimmt
den Architektur hergestellt werden. So tektur in der Stadt“, also zum Bauwerk, dieser Park eine herausragende Funktion als Treffpunkt
kann mit der Architektur die Corporate das im Dialog mit dem Ort steht. Damit und Erholungsraum ein. Sein stetiges Wachstum und die
damit verbundene Bild-Transformation faszinieren von Jahr
Identity über den vorgegebenen Brand hart sind nicht nur der Raum, sondern auch zu Jahr neu.

193
Maximale
Regelmäßigkeit bei
„idealer“ Geome-
trie

Klarheit, Verständlichkeit, Über- Ordnung


Bedürfnis nach
schaubarkeit, Abgrenzung, Extrem: Monotonie „Gestaltreinheit“
Orientierung
Bekanntheit, Kontinuität...

Geordnete Vielfalt
Identifikation, Einverständnis, Be-
Bedürfnis nach Ausgewogene Span-
Übereinstimmung
haglichkeit, Schönheit, Bedeutung,
nung, Harmonie, Gestalt
Verbundenheit...
Komplexität

Neuheit, Anregung, Veränderung,


Bedürfnis nach Vielfalt
Interessantheit, Überraschung, „Gestalthöhe“
Abwechslung Extrem: Chaos
Besonderheit...

Maximales Produkt
aus Einheit und
Mannigfaltigkeit

VISUELLE BEDÜRF- (erwünschte) (empfundene) (vereinbarte)


NISSE ERLEBNISQUALITÄTEN ERSCHEINUNGS- GESTALTKRITERIEN
QUALITÄTEN

194
Gestalten, Designen

- Gleiche, geometrisch einfache Elemente und


Anordnungsbeziehungen
- regelmäßige Elementfolgen und -reihen
- strenge Ordnungs-, sinnfällige Bedeutungs-
struktur
- geringe Komplexität Eigenschaften von Architekturelementen
- Wiederholung gleicher Elemente und Typen - „Dimensionalität“ (lineare, körperliche,
- strenge Abgrenzung, deutliche Kontrastierung, flächige Bauelemente)
einfacher Rhytmus - Größe (absolute Maße L x B x H, relative
- lapidare Formen, einfache Zuordnung Maße, Proportionen...)
- Form (regulär, irregulär, gerade, gekrümmt,
geknickt, organisch...)
- Helligkeit (durch Licht erzeugt und verän-
dert, selbstleuchtend...)
- differenzierte, nach erkennbaren Regeln - Material (Oberflächenbeschaffenheit,
angeordnete Elemente Textur, Farbe, Image)
- ganzheitliche Ausformung der Gestalt
- sinnfällige Zuordnung verschiedenartiger Teile Beziehungen zwischen den Elementen
- Über- und Unterordnung komplexer Formen - topologische Beziehungen (Reihung,
und Elemente Gruppierung, Umschließung, Zuordnung,
- überraschende, aber nachvollziehbare for- Durchdringung, Heraushebung, Zentrali-
male Beziehungen sierung...)
- Verbindung sich ergänzender Gegensätzlich- - maßliche Beziehungen (Maße, Maßver-
keiten hältnisse, Moduli...)
- Rhythmus, Spannung, Harmonie, Einpräg- - geometrische Beziehungen (Orthogonali-
samkeit... tät, Raster, Achse, Symmetrie...)

Beziehungen zwischen den Elementen


und dem Standort des Betrachters
- Vielfalt und Regellosigkeit von Elementen - Standortbezug zum Betrachter (nah, fern,
- Mischungen verschiedenartiger Teile über, unter, neben, vor...)
- auffällige Elementeigenschaften und - Bezug zum Standortwechsel, Richtungs-
zufällige Elementbeziehungen wechsel: Wahrnehmungsfolge, geschwin-
- Unverträglichkeiten digkeitsabhängige visuelle „Sequenz“,
- widersprüchliche Bedeutungen Gehlinie...
- unklare Begrenzungen
- Unvollständigkeiten
- Konflikt von Erscheinung und Bedeutung... Gestaltungsaspekte frei nach Fuhrmann1

(angebotene) (mögliche)
GESTALTQUALITÄTEN GESTALTUNGSMITTEL

195
Alle Beteiligte Funktionen
Nutzer/-innen Allgemein
Spezifische Teilfunktionen

VORGABEN

Alle Beteiligte Je nach Arbeit ist eine unterschiedliche - Beteiligte als eine Nutzung verstehen.
Nutzer/-innen Anzahl von Nutzergruppen beteiligt. - Funktionsgerechte Gestaltung für Nutz-
Welche Bedürfnisse haben diese; sind diese ergruppen (zum Beispiel Front-Office und
ähnliche oder divergieren sie? Back-Office).
Wie gestalten wir Räume für sie? - Eine Funktion mit besonderer Bedeutung
und besonderem Gestaltungskonzept
besonders hervorheben (z. B. Lounge).
- Mögliche Leitideen (z. B. öffentliches und
sichtbares Arbeiten, gläserne Produktion)?

Verschiedene Nutzergruppen – unterschied-


liche Anforderungen und Bedürfnisse
Welche Anforderungen entstehen aus der
Funktionen Funktion? Lässt mir die Funktion einen
Allgemein Gestaltungsspielraum? Wie lange wird
Spezifische Teilfunktionen Funktion bestehen?
Wie gestalten wir Raum für Funktion?

XII

KRITERIUM B

Aspekt 1
Aspekt 2
Aspekt 3
Standards
Minimal Werkzeug: Beziehungsschema einer Verwaltung1
KRITERIUM A
Durchschnittlich – 08/15 Aspekt 1
De luxe Aspekt 2
Aspekt 3

Architektonische Komponenten
Außen = Grundstück, urbane Anbindung
Hülle = Fassade
Innen = Räume und Strukturen

Ja Nein Neutral Spezialität Überprüfen

Inneneinrichtung/Design Werkzeug: Funktionsschema, Programmierung und


Flächenbedarf
Bilder, Stile, Sprachen...
Innovation, Kohärenz, Brüche...
Charakter, Stimmung...

196
Gestalten, Designen
Standards Architektonische Komponenten Gestalt/Design
Minimal Außen = Grundstück, urbane Anbindung Bilder, Stile, Sprachen...
Durchschnittlich – 08/15 Hülle = Fassade Innovation, Kohärenz, Brüche...
De luxe Innen = Räume und Strukturen Charakter, Stimmung...

UMSETZUNG GESTALTUNG/ENTWURF

- Gibt es ein Hauptziel oder eine Nutzer- - Welche Komponenten können was leisten, - Bilder für bestimmte Adressaten: Ge-
gruppe mit spezifischen Standardvorstel- als Gesamtes oder als Einzelelemente? schmack, Stil, Zeitgeist, Styling, Experi-
lungen? - Gestalt des Gebäudes für: den urbanen ment
- Haben wir unterschiedliche Standardvor- Kontext und/oder für Kundschaft (Image)? - Soziologische Komponenten: Identifika­
stellungen zu erfüllen? - Raumgestaltung für den Kunden/Beleg- tion, Anregung, Identitätsbildung
- Um welche Art Arbeit geht es und wie schaft - Hinzuziehung weiterer professioneller Be-
ist deren Wertschöpfung (Anwaltskanzlei, - Sonderelemente für beide Gruppen: Emp- teiligter: Kommunikationsberater, Farbge-
Architekturbüro...)? fang, Sitzungszimmer, Café, Sanitärbereich stalter, Unternehmensberater, Corporate
- Ist die Wertschöpfung einheitlich oder - Welche Komponenten sind zur Gestaltung Identity, Entwurf, Kunst...
unterschiedlich? welcher Funktionen erforderlich?
- Themen: „belegschaftsfreundlich“, „super- - Mögliche Kombinationen zum Thema
clean“, „repräsentativ“, „Understatement“... „neutrale und spezifische Ausgestaltung“: - Thema abbildbar – Olivetti, IT, Porsche
- Werden Funktionen exzessiv baulich unter- außen neutral – innen spezifisch... - Funktion (Produkt) wird architektonisch
stützt? - Auflösung der Widersprüche zwischen umgesetzt und lesbar
- Welche zusätzlichen Funktionen wären Architekturkonzept und funktionalen Be- - losgelöst von der Funktion
wünschenswert, sind aber High-Standard? dürfnissen - Funktionalismus als Stilbild
- Reale Einschätzung des Standards und - Gibt es Gestaltkulturen (vorhandenes Cor-
folgerichtige Strategie für den Entwurf porate Identity, Brand), die übernommen
- Standard bezüglich welchen Faktoren: - Standard unterschreiten (= möglich), Stan- werden können?
Fläche, Ausstattung, Lage, Arbeitszeit...? dard überschreiten (= großes Problem!)
- Beziehen wir lieber mehr Lohn/Gewinn - Zum Beispiel Hülle: sehr aufwendige - Vorgegebene Standards für die Aufgabe:
als in höchstem Standard zu arbeiten? Fassade versus einfache Lochfassade „schlanke Verwaltung“, „Repräsentation
- „Einfache Kiste“ versus „Gestaltung von - Zum Beispiel Volumensprache: einfache einer Privatbank“, „Minimal Start-up“...
A bis Z“ Kiste versus komplexe Raumlandschaft - Bewusstsein über Kostenfolgen be-
stimmter Gestaltungsansprüche

Die Eigenlogik des Projekts: Wie entwerfe - Integrale Gestaltung über gesamtes Werk
ich rational eine kohärente Architektur? - „Trägerarchitektur“: Rohbau, Hülle, Er-
schließung unter Kontrolle – Ausbau bleibt
bei Mieter/Käufer
- Positionierung des Projekts, Projektstrate-
gie (Image, Habitus, Schwerpunkte...)?

- Wie setze ich Gestaltung sinnvoll ein?


- Welche Konzepte kommen in Frage?
- Gibt es „Geschmacksgrenzen“, welche ich
nicht mehr verantworten kann?

197
Südwestmetall

Südwestmetall Das Projekt befindet sich im Altstadtzen- der drei Einzelbaukörper verdichten sich die
Schulstraße 23 trum Reutlingens, dessen Bebauungs- Baumassen auf dem Grundstück und es
Reutlingen (DE) struktur durch eine Vielzahl von Gründer- entstehen vielschichtige Zwischenräume,
zeitbauten geprägt ist. Der Entwurf vereint die mit spezifischen Nutzungen belegt wer-
Allmann Sattler Wappner in einfacher Form, jedoch mit komplexer den. Ornamentplatten aus Metall werden
Architekten Umsetzung, die städtebaulichen Vorgaben ebenerdig auf die gesamte Grundstücks-
München des Orts mit dem Wunsch nach Eigendar- fläche gelegt sowie als Sockelgeschoss-
stellung von Südwestmetall als Verband der verkleidung drei Meter an den Häusern
Fertigstellung Metall- und Elektroindustrie. Die Assoziation hochgeführt. Diese lichtdurchlässigen Plat-
2002 „Stadtvilla mit Garten” wird durch die Eigen- ten definieren an der Fassade die Begren-
art des ungewohnten Oberflächenmaterials zungen zwischen öffentlichem Raum und
Büroarbeitsplätze verfremdet. Die Funktion der Geschäftsstel- den privaten Bereichen von Südwestmetall.
9-49 le des Arbeitgeberverbands der Metallindus­ Die Außenoberflächen der Fassaden über
trie wird mit dem verwendeten Material dem Sockelgeschoss bestehen aus einer
repräsentiert. Durch additive Anordnung durchgehenden satinierten Edelstahlhaut.

Lage M 1:10 000

198
Gestalten, Designen

relevante Themen

FUNKTIONEN
allgemein
spezifisch
Geschäftsstelle

STANDARDS
minimal
08/15
de luxe

KOMPONENTEN
außen
Hülle
innen

GESTALT/DESIGN
Oberfläche Fassade

Schnitt M 1:750
Grundriss OG M 1:750

199
Hürlimann Areal, Zürich

Hürlimann Areal In Zusammenhang mit der Revitalisierung Gesamttakt führen würde, keine eigene Sta-
Brandschenkestraße 70-152 einer größeren Industriebrache (ehema- tion durchgesetzt werden. Teile der neuen
Zürich (CH) liges Brauereigebäude Hürlimann) mitten Strukturen sind als Verwaltungsbauten ange-
in der Stadt wurde in Workshops mit der legt. Diese sind in einer Serie von Standard-
Metron Stadt und den Investoren ein dem industri- typologien mit großer Zurückhaltung aber
Zürich ellen Charakter verwandtes Raumkonzept auch mit Präzision, quasi mit industriellem
erarbeitet. Dieses sollte mit unterschied- Understatement, ausgestaltet. In einer Flan-
Fertigstellung lichsten Nutzungen belegt werden können. ke ist das Unternehmen Google einquar-
2005 Einige der attraktiven historischen Gebäude tiert; es zeichnet sich durch einen verspielt
konnten so erhalten werden. Trotz optimaler witzigen Innenausbau aus, der das äußere
Büroarbeitsplätze Lage an einer S-Bahn-Linie, konnte, mit der Erscheinungsbild beinahe konterkariert.
> 250 Begründung, dass dies zu Engpässen im

Lage M 1:10 000

200
Gestalten, Designen

relevante Themen

FUNKTIONEN
allgemein
spezifisch

STANDARDS
minimal
08/15
de luxe

KOMPONENTEN
außen
Hülle
innen (Mieter)

GESTALT / DESIGN
Innenausbau

Schnitt M 1:1500
Grundriss RG M 1:1500

201
Arbeit und...

202
Periphere Dienste und technische Peripherie

203
204
Periphere Dienste und technische Peripherie

Im weiten Netz der Bedürfnisse geht es 10 Kantine


07 Konferenz
um die Abgrenzung von eingelagerten und
externen, peripheren Diensten (auch „out- -02 Server

sourcing“). Beim Entwerfen muss abgeklärt


werden, wie und in welchen Dienstnetzen EG Empfang

das Projekt organisiert wird. „Peripherie“


ist keine feste Größe – ihre Verteilung hängt Server, Storage – Leibniz Rechenzentrum Alles in einem Gebäude, Konzern – Commerzbank, Frankfurt a.M.
von zahlreichen vorausgegangenen Ent-
scheidungen und externen Faktoren ab.

Im Zentrum unserer Betrachtung steht der


einzelne Arbeitsplatz, in dessen Umfeld
sich in unterschiedlichen Distanzen sowohl
die technische Peripherie (Technik, Möbel, Post selber verteilen, minimal Büro als Raum auf Zeit, Zwischennutzung, Tagung
Maschinen) als auch die peripheren Dienste
befinden. Diese Distanzen ergeben sich
aus den räumlichen Zonierungen des
Entwurfs. In-house kann die „Peripherie“
beliebig platziert werden. Unternehmen,
die diese Synergien sinnvoll zu nutzen
wissen, sind stärker verortet und vernetzt.
Sie leisten zudem einen wichtigen Beitrag Minimalstandard, Küchentisch Konferenzhotel – Park Hyatt beim Kongresshaus Zürich
zur Standortqualität und zur Attraktivität des Postfiliale
Arbeitsumfelds. Mittagessen

Büroraum gemietet
Zur Peripherie gehören auch die urbanen Besprechung im Cafe
Freiraum
Freiräume und die Verkehrsräume. Deren Repro

Gestaltung hat für die Verortung eine beson-


dere Bedeutung. Poststelle im Haus, größere Firmen Quartiersperipherie – kempertrautmann.haus, Hamburg

205
Peripherie beruht auf Erleichterung

MASSSTAB LAGE ÖKONOMIE

„Die Auftraggeber wollen sich klar positionieren in der „Wir rufen hier viele qualifizierte periphere Dienstleister „Als graphischer Betrieb benötigt die Firma High-end
Angebotsvielfalt und -konkurrenz dieses Stadtteils.“ ab und entlasten so unser Raumprogramm.“ Peripherie – das muss woanders eingespart werden.“

2
Karte mit Peripherie-Angeboten: Wo können Leistungen Für die Arbeit notwendige Funktionen – und Entschei-
extern bezogen werden und wie sind diese erreichbar? dung für interne oder externe Lösung: Konzeption Peripherie in Nutzung
- Netz peripherer Dienste (Plandruck, Modellbau...)
- Netz von Spezialisten (Ingenieure, Grünplaner, EDV)
und Raumdiagramm abgleichen
In welchem Umfeld sind die nächsten Konkurrenten?
Und wie positionieren sich diese? Will man einen Ausstattungsstandard erreichen oder
gibt es verschiedene (z. B. Drucker in jedem Büro
Die Arbeit unterstützende Angebote:
oder zentral für alle Abteilungen gleich)?
Kita, Boardinghouse, Restaurant, After-Work...
Welches sind die Prioritäten? Und hat dies Auswir-
Ist das Angebot des Kunden quartier- oder stadtteil­ Andere Angebote – als allgemeine Umfeldqualitäten: kungen auf das Raumprogramm?
gebunden? - gute Wohnlagen für Nähe Wohnen-Arbeiten Kann man sich die gemäß Raumprogramm vorgese-
- vielfältige Einkaufsmöglichkeiten henen Flächen und Räume leisten?
Welche peripheren Funktionen will man sich leisten
Potenzialanalyse: Zielen wir auf die richtige Betriebsgrö- Welche Angebote fehlen tatsächlich und können
(z. B. Café, großer Empfang, repräsentative Bibliothek)?
ße in diesem Umfeld ab? Gehen wir von den richtigen auch selbst nicht organisiert werden?
Größen und Parametern aus? Wer bietet welche Dienstleistungen extern zu welchen
Besteht bei den direkten Nachbarn eventuell Interes-
Preisen und Bedingungen an?
Unterschiedliche Anknüpfungspunkte an städtische se an einer Kooperation, an gemeinsamem Betrieb
Strukturen: Beispielsweise Anbindung an Freiraum- eines Dienstes (z. B. kleine Reprografie)? Können eventuell eigene Dienste nach außen angebo-
netzte und -korridore. ten werden?
„Inside-Outside“
Netzwerke & Eigenleistung In welchem Verhältnis stehen Aufwand/Nutzen und
welcher Mehrwert entsteht?
Ein- und Anbindung an urbane Freiräume und Für Kunden, fürs Team, in der Effizienz...?
Verkehrsstrukturen.

Frage nach extern und intern Angebote und Nachfragen im Quartier Notwendige und erwünschte Peripherie
Mengen, Abholdistanzen, Preise Notwendige, erwünschte, zusätzliche, fehlende Kostenvergleiche intern/extern
Entwicklung des Quartiers Konsequenzen auf das eigene Programm Qualitäts- und Komfortvergleiche
Verhandlungen im Quartier-Netzwerk

206
Periphere Dienste und technische Peripherie

3 Idee vom gesamten „System Peripherie“

FUNKTIONALITÄT ZEIT IDENTITÄT

„Der Erwerb dieser Mini-Fabrik wäre genial... aber wir „Die Beratertruppe der Firma ist zu 50% international „Dieses Hightech-Unternehmen wünscht sich eine
müssten dann einige eigene Dienste outsourcen!“ unterwegs – wir planen hier einen Stützpunkt!“ witzige, verkitschte Requisitenlandschaft als Interieur!“

Raumprogramm über alle peripheren Funktionen und Welcher Lebenszyklus wird angestrebt?
Räume zur Gewährleistung der Arbeitsabläufe - Kurze Zyklen (1 bis 2 Jahre)
gs- Welche Ansprüche bestehen bezüglich Mobilität und
- Normale Zyklen, bis amortisiert (3 bis 4 Jahre)
- „Freak“: immer „up to date“ Welche Identität soll vermittelt werden?
Homeworking (z.B. Notebooks, Accounts zuhause)?
Design Architekturbüro – Tragwerksplaner – Steuer-
Welche Entwicklungen sind zu erwarten und wann beratung – öffentlicher Dienst, Behörde...
Wie ist der Background organisiert, was wird aufge- sollen technische Geräte ersetzt werden?
teilt? Erfordert die Identität gewisse Standards?
Welche Öffnungszeiten und Lieferzeiten haben die
Ausstattungsniveau, Materialität, Design, Arbeits-
externen peripheren Dienstleister?
Welche Raumanordnungen stehen zur Disposition? platzqualitäten, technische Qualität der Maschinen...
Habe ich eventuell eine innovative Lösung übersehen? Welche Performance (Qualität, Preise, Lieferzeiten,
Termintreue) bietet die externe/hauseigene Logistik? Apple Macintosh oder Windows-PC?
Bei welcher Firma kann ich meinen Auftraggebern eine
vergleichbare Lösung zeigen?
Ist die Peripherie ein zentraler Bestandteil der Identi-
Gibt es Hauptnutzungszeiten und wenn ja, wann? tät oder „ist sie einfach da“?
(z. B. die meisten drucken um 17 Uhr)
Gelingt schonungslose Wertung der Funktionalität? Wird die Peripherie möglichst in den Hintergrund
Unbrauchbares Design – chic aber unbequem – nur Welche Konsequenzen ergeben die zeitlich regelmä- gebracht (eigene Kojen, Schränke, unter Tisch) oder
zum Angucken – viel da, aber nie gebraucht... ßigen/unregelmäßigen Belastungen? wird sie offen inszeniert?
Und: Bei diesem System stimmen Kosten/Nutzen (z. B. Gruppierungen, teilen, schieben, leihen)

Worauf muss Peripherie ausgelegt sein? Welches technische Standing wirkt gegenüber den
Finden Aspekte der Arbeitsphysiologie Beachtung?
- Grundlasten und Stoßzeiten Kunden als professionell und wann kippt ein Standing
bequem/unbequem, kurze/weite Wege, Druckerge-
- Was läuft immer, was wird dazugeschaltet? ins Bemühende?
räusche, Kaffeemaschinenlärm, Geruchsbelastung...

Funktionalität im Abgleich mit Kriterien: Langfristige Strategie Kohärenz zwischen Arbeitsinhalten und Technik
- Preis – Leistung kurzfristig operative Umsetzung Gefühl für sinnvollen Standard
- Mobilität interne und externe Rhythmen Abstimmung mit umfassender Identität
- Einzellösungen – Systemlösungen Zeit-Traditionen der Mitarbeiter/-innen

1 Potenziale im Umfeld abklären –


oder Anforderungen an Umfeld definieren

207
Verständnis von „Peripherie“ Handys und Notebooks, kleine Drucker und In der Abbildung auf Seite 77 und im
Peripherie ist dazu da, Bedürfnisse der Ar- Digicam sind typische Beispiele, die in Ver- Schema auf Seite 212 stellen wir mögliche
beitenden zu befriedigen und ihnen bei der flechtung von Arbeitsraum und Privatraum Beziehungen dar.
Bewältigung des Alltags hilfreich zu sein. angewendet werden. Deshalb wird hier das
Wir haben Bedürfnisse beim unmittelbaren Thema mehrerer Arbeitsplätze beschrieben. Beim Entwerfen können wir – falls das Nut-
Arbeiten, aber auch an der Schnittstelle von zungsprogramm nicht klar ist – eine solche
Arbeiten zu anderen Funktionen (Freizeit, Die peripheren Dienste Übersicht aufzeichnen. Wir untersuchen,
Einkaufen, Wohnen) – mehrmals im gesam- Darunter verstehen wir ergänzende Nut- welche Nutzungen schon da sind oder
ten Tagesablauf. Im klassischen Verständnis zungsangebote im näheren und weiteren fehlen und entscheiden, ob wir diese im
von „Peripherie“ geht es meist nur um die Umfeld mit unterschiedlichen „Bindungs- Projekt implantieren wollen und können.
optimale Gestaltung von Arbeitsplätzen in stärken“ in folgenden Kategorien: Eine Frage ist, ob zusätzliche Nutzungen
Bezug auf die technische Peripherie. Wir • Direkt auf die Arbeit bezogen und in der zumindest selbsttragend oder sogar ren-
erweitern dieses Verständnis um das der näheren Umgebung: Printshop, Restau- tabel sind, oder ob sie quersubventioniert
peripheren Dienste, womit wir ein erwei- rants, Sandwichbar, Schreibwarenladen... werden müssen. Unrentable oder sehr
tertes Spektrum an Funktionen einbeziehen. • Regelmäßig beanspruchte Dienste wie unberechenbar benutzte Peripherie müsste
EDV-Service, Reinigungsdienste, Haus- ausgelagert werden (Outsourcing). Damit
Die technische Peripherie lieferdienste... Die räumliche Nähe ist können Belastungen abgebaut werden. Es
Sie beinhaltet sämtliche Technik: Maschi- sinnvoll aber nicht zwingend. besteht dann allerdings das Risiko, dass der
nen, die für das unmittelbare Arbeiten zur • Im Geflecht (auf den Wegen) zwischen ausgelagerte Dienst definitiv „verschwin-
Verfügung stehen. Diese haben aufgrund Arbeiten und Wohnen könnten es sein: det“. Eine Besonderheit ist, dass bestimmte
der technologischen Entwicklung eine im- Kinderkrippe, Fitnesscenter, Einkaufs- zusätzliche Nutzungen das Gesamtprojekt
mer kürzere Lebensdauer, was zu höheren möglichkeiten, Lebensmittelladen, ökonomisch aufwerten können, obwohl sie
laufenden Kosten führt. Ein Teil der tech- Waschsalon, Frisör, Afterwork-Club, selbst nicht rentabel sind.
nischen Peripherie ist heute zwischen Fir- Biergarten...
men- und Privateigentum unklar zugeordnet.

Notebook, Mobile, Organizer, USB-Stick, Portable Printer... Zentrale (interne oder externe) Server Periphere Dienste im Quartier

208
Periphere Dienste und technische Peripherie

Die große Vielfalt und die daraus entstehen- Autarke Inseln – symbiotische Netze Mobile Peripherie
den Kombinationsmöglichkeiten erfordern Wie in Kapitel Ökonomie dargestellt (siehe Der mobile Arbeitsplatz hat sich weitest-
von uns ein komplexes Verständnis von Nut- Seite 53), bestehen bei großen Verwal- gehend als Standard durchsetzen können:
zungsgeflechten des Projekts in der Stadt. tungseinheiten (Konzerne oder Zusammen- Notebook, externe Festplatte, Organizer,
Die Geflechte sind in Zentren, Ballungsräu- schlüsse vieler KMU) die Möglichkeit der leistungsfähige Funknetze, Zugriff auf exter-
men und im Hinterland verständlicherweise internen Angebote, das heißt, ein wichtiger ne Server, Digicam (als Scannerersatz) und
sehr unterschiedlich. Nutzungsvielfalt ist ein Anteil der peripheren Dienste kann in-house selbstverständlich das Mobiltelefon bilden
Faktor der Standortqualität. betrieben werden. Dies ist in gewissem die „portable unity“.
Sinn komfortabel – es ist aber auch weniger
„Peripherie“ ist keine feste Größe. Es gibt urban. Mobile periphere Dienste
wohl eine minimal notwendige Peripherie, Die Formen mobiler Peripherie gewinnen
dann aber zahlreiche Standards. Dies und die Fragen der Sicherheit sind wieder etwas an Bedeutung. Mit ihr können
Gründe, weshalb um Konzernarchitektur wenig dichte Nutzungssysteme oder
Die peripheren Dienste selbst funktionieren und auf Arealen großer Firmen oft eine unle- Nutzungsinseln angedient werden (zum
(oder überleben) demnach unmittelbar über bendige Athmosphäre herrscht, während Beispiel Pizzakurier zum Uni-Campus).
ihre Verortung und Vernetzung. Nahe Kund- im Umfeld vieler KMUs und den sich dazu Mobile Peripherie ist sehr intensiv in
schaften, Laufkundschaften, Stammkund- symbiotisch positionierten peripheren Dien- asiatischen Städten bekannt (Garküchen,
schaften – aufgrund dieses Regulativs sind ste ein recht urbanes Gefühl einstellt. Die telefonisch abrufbare Dienstleistung). Ein
sie in der Stadt nach Dichte der Nachfrager Vielfalt ist unter Umständen nicht einmal extremes Beispiel ist das indische Essens-
verteilt. Eine Besonderheit sind Dienstlei- größer, aber die Bewegungen verlagern sich versorgungssystem, bei dem hundertausen-
stungsinseln: Orte, an welchen bestimmte in den öffentlichen Raum, und die diversen de Werktätige das Essen in Alu-Proviantbo-
Anbieter konzentriert sind. Dabei handelt es Nutzungen sind zugänglich. Unterschied- xen („Dabbas“) von ihren Familien aus den
sich eher um Angebote, welche unregelmä- liche Nutzergruppen treffen aufeinander. Vororten zugeliefert werden.
ßig und selten benötigt werden.

Weltkonzern in dörflichem Umfeld Quartier mit weltweit tätigen Büros + periphere Dienste Mobiles Büro im ICE Dabbas und deren Lieferanten („Dabbawallas“)

209
Mehrere Arbeitsorte Verteilung der Standardgeräte Arbeitsprodukte als Peripherie
Es gibt Arbeiten, die mit einem Hauptar- Die Verteilung der Peripherie wird durch Entgegen den Manufakturen, wo konkrete
beitsplatz auskommen, andere jedoch – und unterschiedliche Faktoren bestimmt. Produkte auf den Arbeitsbänken liegen
dieser Fall wird immer häufiger – verteilen Normalerweise versucht man Geräte gut (Uhren, Zigarren, Pianos, Teddybären...),
sich auf mehrere Standorte (siehe Kapitel auszulasten. Gerade weil die Halbwerts- sind es bei Dienstleistungsunternehmen
„Stadt, Quartier, Haus – Kontext und Mobi- zeiten der technischen Peripherie relativ Abstraktionen der Arbeit: Korrespondenz,
lität“, Seite 72 ff.). Im klassischen Fall fahren klein sind, wird sich ein Unternehmen eher Pläne, Ordner und seit 20 Jahren nur noch
die Arbeitenden morgens zu ihren Arbeits- keine überflüssigen Geräte leisten wollen. Abbilder auf den Screens. Da das Arbeits-
plätzen und verlassen diese nach geleisteter produkt am PC nicht mehr sichtbar ist, wird
Arbeitszeit wieder. Früher wurde die mögliche Anordnung stellvertretend der Arbeitsplatz intensiver
wesentlich durch das System der Zuleitung gestaltet. Deshalb haben die wenigen noch
Doch mehr und mehr Arbeitende sind teils bestimmt; dieses Kriterium wird mit den existierenden Arbeitsprodukte einen sehr
zu Hause, teils in ihren Büroflächen, teils Funknetzen beinahe irrelevant. Die Frequenz hohen Stellenwert: Modelle in Architek-
unterwegs oder beim Kunden tätig. Für der Zugriffe, die Zuordnungen und Zugriffs- turbüros und bei Produktedesignern,
sie stellt sich schnell die Frage, welche rechte bestimmen Anzahl und Verteilung der Vorabdrucke, Fotos, Plakate bei Grafikern,
Elemente an welchem Ort platziert sind, Geräte. Die Hierarchie kann eine Spezial- Flipcharts mit Handskizzen bei Beratern.
welche zwangsläufig doppelt vorhanden verteilung auslösen (Chefbüro mit eigenen
sein müssen und wer die Mehrkosten für Geräten). Insgesamt wird das Bürobild von der Archi-
eine doppelte Peripherie übernimmt. Mit tektur, der Ausstattung und den Produkten
hochwertigen und preiswerten Notebooks Ein ganz wesentliches Kriterium ist letztlich bestimmt. Wir sollten deshalb Vorstellungen
sowie leistungsfähigen Netzwerken ist die Frage oder der Anspruch, ob und wie wir über diese Konstellation entwickeln.
diese Problematik allerdings inzwischen Geräte und Technik sichtbar machen wollen.
wesentlich entschärft.

„Hightech-Hotel“: Installierter Arbeitsplatz im Zimmer Sichtbare Peripherie – why not? Von Peripherie absolut befreit... Komfortabel in der Villa zu Hause...

210
Periphere Dienste und technische Peripherie

Persönliche Peripherie/Officestyle Peripherie-Bilder Urbane Freiräume


Abgesehen von den lustigen Accessoires ei- Bilder publizierter Bürointerieurs sind Die Gestaltung der Freiräume
niger Angestellter (Plüschschweinchen und „Hochglanz-Inszenierungen“ und haben des Grundstücks ist Aufgabe von
anderes), besteht vielleicht ein berechtigter nicht zwingend mit dem realen Büroalltag Landschaftsarchitekt/-innen oder
Anspruch auf persönliche Gegenstände: zu tun. Von Interesse sind deshalb auch die Freiraumplaner/-innen.
Fotos der Liebsten (heute als Bildschirm- „realen Bilder“. Diese überraschen nämlich
schoner), Kunst, die persönlich gefällt. Bei oft durch einen unterschiedlichen Charakter. Verkehrsräume/Erschließung
Desk-sharing sind wir mit diesen Fragen Logisch erscheint vorerst, ein Büro passend Die Gestaltung der Verkehrsräume
ernsthaft konfrontiert – weil dann der auf sein Produkt zu gestalten. Wir stellen des Grundstücks ist Aufgabe von
Arbeitsplatz nicht mehr persönlich gestaltet aber fest, dass Büro- und Produktstimmung Verkehrsplaner/-innen.
werden kann. nicht korrelieren müssen.
Interdisziplinäre Zusammenarbeit
Wir Entwerfenden tun uns schwer mit den Flächen- und Standortermittlung Im Prozess der Planung, des Entwurfs,
unberechenbaren „Privat-Schichten“ – wir Für Raum- und Nutzungsprogramme der Gestaltung haben die Fachleute aller
würden den Officestyle gerne entwer- müssen technische Konzepte der Peripherie Disziplinen ihre Strategie und ihre inhalt-
fen und kontrollieren können. Büros sind sowie Nutzungsbedingungen geklärt sein. lichen Anliegen miteinander zu koordinieren.
aber Lebensorte von Individuen. Vielleicht Kenngrößen wie Flächenbedarf, Sicher- Nur in dieser offenen Zusammenarbeit kann
sollten nur bestimmte, gemeinsame Zonen heitsanforderungen, Primär- und Sekundär- eine integrale Gestaltung und ein wegwei-
komplett und kompromisslos durchgestylt flächen, getrennte Zonen et cetera werden sendes Projekt entworfen werden. Ein dazu
werden. Vielleicht wird erwartet, dass die definiert. unfähiges Team wird nie ein beachtetes
Mitarbeiter/-innen den Officestyle persön- Werk erstellen können.
lich aber innovativ mitgestalten.

Aufdringliche persönliche Belegung Modellregal bei MVRDV Einsteins Arbeitsplatz Bürohof als periphere Umgebung

211
Arbeiten Abstellen
Parkplätze/Parkhäuser
Meeting Fahrrad
Konferenzhotel
Abfall Abstellen
Mülllager Parkplätze/Tiefgarage
Meeting
Konferenzetage, Konferenzcenter Fahrrad

Meeting
Abfall
Sitzungszimmer auf der Etage
im Zimmer
Archiv
Archiv
Zentral Meeting
Nahes Archiv
Sitzgruppe im
Handablage
technische Ausstattung technische Ausstattung Zimmer
technische Ausstattung
Druckerei, Callcenter Serverraum, Plotterraum, in der Kombizone, auf der technische Ausstattung
Sekretariat, Empfang Etage PC, Telefon, Fax, Drucker
Material
auf dem Tisch
Material Materialausgabe
Materiallager - Sekretariat Information
Information
PC, E-Mail-Programm
Postfächer
Information physische Bedürfnisse
Information Pinnwände Toilette, Garderobe
Bibliothek
Information Ernährung
Internet Mikrowelle,
Intranet physiche Bedürfnisse
Teeküche
Umkleiden, Toilettenanlagen
Einkaufen/ Ernährung
Cafeteria, Kantine, Kiosk
Supermarkt im Haus

Einkaufen / Ernährung
Geschäfte, Restaurants
außer Haus, im Quartier

212
Periphere Dienste und technische Peripherie

QUARTIER Freizeit
UMGEBUNG Natur
GEBÄUDE Park/Platz in der
GELÄNDE Nähe, Wald und
Sport Wiese
ETAGE
Entspannung Fitnessclub auswärts
EINHEIT
Ruheräume, Sport
Schlafkojen IN DER NÄHE betriebseigenes Angebot
Sport
Entspannung Tischkicker Natur
Einzelbüro mit Innenhof, Garten
Tür

Möbel Natur
Tische, Stuhl, Arbeitsplatz Balkon, Dachterrasse
Lampe
Party
Wohnen Bar, Clubs im Haus
Arbeiten im Wohnraum, Party
in der Wohnung im Umfeld, Quartiersangebot

Wohnen
Wohnen - temporär in der Nähe,
kurzer Arbeitsweg Wohnen
Appartements im Haus Wohnen
in der Stadt
Pendlerstandort
Kinder Wohnen - temporär
Kindergarten, Hort im Haus Angegliedertes Hotel
oder auf dem Gelände

Kinder Kinder
Betreuungsmöglich- Wohnen - temporär
Betreuungsmöglichkeit in der Nähe
keit in der Nähe zum Angemietete Wohnung
zur Arbeitsstätte
Wohnort Wohnen

213
Lufthansa Aviation Center

Lufthansa Aviation Center Das neue Verwaltungsgebäude der Lufthan- Meeting-Points, Versorgungs- und Aufent-
Gebäude 366 sa AG liegt am Frankfurter Großflughafen haltsbereiche zum Ausruhen und Kommuni-
Airportring und würde sich bei Bedarf mit weiteren zieren sind daran angelagert.
Frankfurt am Main (DE) Bauabschnitten erweitern lassen.
Durch abwechslungsreiche Raumbezie-
Ingenhoven Architekten Neben der besonderen Gebäudestruktur, ist hungen entsteht ein Lebensraum, der eine
Düsseldorf das Gebäude wegen seiner inneren Arbeits- effiziente Bürostruktur mit kommunikativen,
welt von Interesse. Durch das Einführen öffentlichen Bereichen verbindet. Im Erdge-
Fertigstellung von Desksharing konnte schon früh die schoss steht den Besuchern eine Büro- und
2005 Anzahl der Arbeitsplätze reduziert werden. Kommunikationszone mit Internetzugang
In den sogenannten „Heimatbereichen“ und Laptop-Arbeitsplätzen zur Verfügung.
Büroarbeitsplätze steht alles zur Verfügung, was zum Arbeiten In diesen Businessbereichen sind auch
ca. 1800 und zum Wohlfühlen während des Arbeits- Drucker und Faxgeräte vorhanden.
tags benötigt wird. Eine Passage verbindet
vertikale und horizontale Wege im Haus.

Lage M 1:10 000

214
Periphere Dienste und technische Peripherie

relevante Themen

NUTZUNGEN
Arbeit
Wohnen
Erholung

PERIPHERIE
technische Ausstattung
Information
Ernährung/Einkaufen
Kinder
Wohnen
Natur
Sport
Party
Entspannung
Möbel
Meeting
Material
Abfall
Archiv
Server/Daten

Schnitt M 1:1500
Grundriss EG M 1: 1500

215
Leibniz Rechenzentrum

Rechenzentrum Leibniz Rechnerzentren sind meistens von außen und dem würfelartigen Rechnergebäude
Boltzmannstraße 1 unsichtbar und befinden sich in den Unter- im Westen flankiert. Die Hauptnutzung des
Garching (DE) geschossen der Bürobauten. Anders ist der dreiteiligen Baus markiert als signifikanter
Entwurf für das Leibniz Rechenzentrum. „Rechnerwürfel“ den Eingang für den
Herzog + Partner Dieser manifestiert auch baulich den hohen Wissenschaftsstandort Garching. Er nimmt
München Stellenwert der Informationstechnologie für die wichtigste technische Peripherie, den
die Arbeit der Wissensgesellschaft. Hochleistungsrechner, die Netzwerkserver
Fertigstellung und die umfangreichen Datenarchive auf,
2006 Das kompositorisch zusammengesetzte die wiederum nach ihren klimatischen Erfor-
Bauensemble wird durch die drei Funk- dernissen übereinandergestapelt sind. Ein
Büroarbeitsplätze tionen bestimmt und in selbstständige vorgehängter Schleier aus Edelstahlnetzen
> 250 Gebäudeteile gegliedert. Die Strukturen der in der äußersten Fassadenschicht reduziert
einzelnen Gebäudeteile entsprechen ihrer durch Reflexion die Aufheizung des Gebäu-
Nutzung. Der entlang der Straße gelegene des und schirmt die im Inneren des Baus
viergeschossige lineare Bau für die Institute befindlichen Rechner elektromagnetisch ab.
wird von dem Hörsaalgebäude im Osten

Lage M 1:20 000

216
Periphere Dienste und technische Peripherie

relevante Themen

NUTZUNGEN
Arbeit
Wohnen
Erholung

PERIPHERIE
technische Ausstattung
Information
Ernährung/Einkaufen
Kinder
Wohnen
Natur
Sport
Party
Entspannung
Möbel
Meeting
Material
Abfall
Archiv
Server/Daten

Schnitt M 1:1500
Grundriss OG M 1:1500

217
218
Projekte

219
Projektauswahl 221

0-19 Arbeitsplätze 50-249 Arbeitsplätze

b&k+ 222 marte.marte 238


Kölner Brett Bürogebäude SIE

Daniel Fügenschuh 224 Burkard Meyer 240


Büro unterm Garten Wohn- und Geschäftshaus
Falken
Schilling Architekten 226
Am Gereonswall henke und schreieck 242
Büro- und Geschäftshaus
Oliva-Remolà 228
Estudio d‘arquitectura SANAA 244
Novartis Campus

20-49 Arbeitsplätze > 250 Arbeitsplätze

augustinundfrankarchitekten 230 BKK-3 246


Remise Schlesische Straße Impulszentrum IP-Two

Oskar Leo Kaufmann + 232 Sauerbruch Hutton 248


Albert Rüf Umweltbundesamt
DMG Headquarters
Rüdiger Lainer 250
GRAFT 234 Wirtschaftskammer
Neue Sentimental Film
Josep Lluís Mateo 252
EM2N 236 Multifunktionale Bebauung
Staatsarchiv Liestal

220
Projektauswahl

Die gebauten Beispiele in diesem Buchteil gebauter Lösungen, die unterschiedlichen


sind nach Anzahl der Arbeitsplätze sortiert. Themenstrategien, ausdifferenzierte Corpo-
Dieses Kriterium schien uns geeignet, weil rate Identities...
es keine räumliche Einheit darstellt und
somit auch innerhalb der Kategorien die Wir raten zum Nachschlagen, Nachlesen
räumlichen Bandbreiten aufgezeigt werden und Nachschauen detaillierter Projektin-
können. halte, weiterer Grundrisse und Bilder in
Fachzeitschriften und Publikationen. Die
Über die linke Marginalspalte können komplexen Inhalte der einzelnen Projekte
Verfasser, Standort, Fertigstellung und die entfalten sich erst dann in Gänze.
Zahl der Arbeitsplätze entnommen werden.
In der rechten Spalte sind thematische Letztlich zeigt die Auswahl, welche Archi-
Querbeziehung zu relevanten Kapitelinhal- tekturen wir für interessant, qualifiziert
ten aufgezeigt. Diese Anregungen erlauben und hochwertig halten. Für uns liegt ein
ein Navigieren zu anderen Kapiteln. Insofern Schwerpunkt bei den aktuellen Projekten,
sind die Projektbeispiele das „Einstiegs- wobei wir auch einige Klassiker ins Boot
Portal“ – und hauchen den Themen des genommen haben.
ersten Buchteils und den Entwurfsthemen
des zweiten Buchteils Leben ein. Hier regen wir zudem nochmal an, dass
Studierende ihre eigene erweiterte Projekt-
Die folgende Projektserie hat mehrere sammlung aufbauen und vielleicht sogar mit
Funktionen und bildet zusammen mit den Themenreferenzen versehen.
Projekten aus dem zweiten Buchteil eine
Einheit. In ihr zeigen die realen Bauwerke
auf anschauliche, einheitliche Weise die
Spannweite von Ausformulierungen in
der Arbeitsarchitektur: vom allgemeingül-
tigen Klassiker, über innovative Neupositio-
nierung bis hin zum speziellen Sonderling.
Mit der Projektauswahl möchten wir integral
alle Ebenen und Aspekte des Entwurfs
unterstützend und exemplarisch dokumen-
tieren: Größe und Maßstäblichkeit, also
Skalierung, Verortung, generell die Vielfalt

221
Kölner Brett

Kölner Brett Das Atelierhaus, gebaut für eine Kombinati- tements zu. Das Konzept, die Einheiten als
Am Kölner Brett 2 on aus Wohnen und Arbeiten, liegt in einem reine Lofts, das heißt ohne Bad, Küche und
50852 Köln heterogenen Gebiet am Rande der Kölner Böden zu planen, ließ den Nutzern zusätz-
Innenstadt. Zielgruppe waren Freischaffen- lichen Gestaltungsspielraum.
Bk+ de aus den Bereichen Medien, Kunst und
Köln Werbung. Rückseitig befindet sich eine Anlage mit
Balkonen und Treppen, damit durch die
Fertigstellung Der kompakte Baukörper mit zwölf Ein­ Erschließung die Schaltbarkeit der Module
heiten setzt sich aus L -förmigen Raum- nicht eingeschränkt wird. Ausgeführt ist der
modulen zusammen, die aus einem Bau in Massivbauweise mit großzügigen
Arbeitsplätze ein­geschossigen Teil über zwei Drittel des Glaselementen an den Hauptfassaden. Die
<9 Volumens und einem zweigeschossigen Fassade besteht aus einer gelbgrünen, als
Teil bestehen. Diese Elemente können auf transluzente Wärmedämmung dienenden
vielfältige Weise kombiniert werden und Skobalitschicht.
lassen individuelle Wohn- und Arbeitsappar-

Lage M 1:10 000

222
0-19 Arbeitsplätze

relevante Themen

Nutzungsmischung
Flexibilität
Typologie

Schnitt M 1:500
Grundriss OG M 1:500

223
Büro unterm Garten

Büro unterm Garten Das alte, zu klein gewordene Büro in einer schräge folgt der Hangneigung, wodurch im
Höttinger Auffahrt 11 Stadtvilla am Sonnenberg in Innsbruck Inneren des Gebäudes bis zu 6 m hohe Räu-
Innsbruck (AT) war Anlass, nach einem Alternativstandort me entstehen konnten. Von oben erscheint
zu suchen. Um den Hausbewohnern des die Wiese unberührt, denn nur ein Lichtband
Daniel Fügenschuh Bestandsgebäudes weder die Aussicht und eine schmale Treppe sind sichtbar. Auf
Innsbruck noch den Grünraum zu nehmen, wurde der Südseite tritt der Baukörper mit einer
der Neubau im Garten eingegraben. Die großen Glasfront in Erscheinung und lässt
Fertigstellung topographische Situation des Grundstücks Einblicke in den Großraum zu.
2008 in Hanglage mit Hangkante ermöglichte ein
großzügiges Einraumbüro mit Galerie. Sogar Die Konstruktion mit Hohldielen aus Beton
Arbeitsplätze eine Garage fand Platz unter dem Gebäude. überspannt 10 m stützenfrei und nimmt
10 zusätzlich alle notwendigen Leitungen und
Der Bau schließt fast nahtlos an die Stütz- Rohre auf. Der Passivhausstandard wird
mauer der Hangkante an und entwickelt erfüllt.
sich nach hinten in den Hang. Die Dach-

Lage M 1:10 000

224
0-19 Arbeitsplätze

relevante Themen

Sich verorten
Gestalten, Designen

Schnitt M 1:333
Grundriss EG M 1:333

225
Am Gereonswall

Am Gereonswall Auf einem Grundstück, das zuvor als Obergeschossdecken ausgespart. Somit
Gereonswall 75 unbefestigter Parkplatz genutzt worden war, ergeben sich zwischen den Etagen und zum
50670 Köln steht jetzt ein langgestreckter, einladender Außenraum hin vielfältige Ein-, Durch- und
Baukörper aus Glas, Stahl und Beton. Ausblicke. Eine gänzlich fehlende horizon-
Schilling Architekten Das neue Bürohaus kümmert sich nicht tale und vertikale Abtrennung und ein mini-
Köln um seine Umgebung mit Nachkriegs- mierter Kern unterstützen den fließenden
bauten, Verkehrsschneisen und Resten der Gesamteindruck des Hauses.
Fertigstellung Stadtmauer. Es ist aus einer eigenen Logik
2000 heraus entwickelt und wirkt als Solitär. Durch die Offenheit im Inneren ist für das
Arbeiten eine landschaftsartige Situation
Arbeitsplätze In den Obergeschossen befinden sich die entstanden. Es ergeben sich vielfältig
10 Büroflächen; das Erdgeschoss mit seinen nutzbare Raumzonen, in denen sich je nach
großen verglasten Flächen ist für eine öf- Arbeitssituation Projektgruppenarbeits-
fentliche Nutzung geplant. In dem geome- plätze, Besprechungs- oder Chefzimmer
trischen Konstruktionsraster sind Teile der einrichten lassen.

Lage M 1:10 000

226
0-19 Arbeitsplätze

relevante Themen

sich verorten
Typologie
kommunizieren
Rohbau Ausbau ,
Gebäudetechnologie

Schnitt M 1:333
Grundriss RG M 1:333

227
Estudio d‘arquitectura

Oliva Remola Auf einem Bauplatz im heruntergekom-


Cementiri Vell 56 menen Industrievorort von Barcelona ist ein
E - 08221 Terrassa äußerst schmales Bürohaus entstanden.
(Barcelona)
Das Gebäude ist nur 3,90 m breit, bei 24 m
Höhe. Es liegt im stark bevölkerten Terrassa-
Oliva Remola Bezirk, umgeben von mittelmäßigen Wohn-
Barcelona gebäuden.

Fertigstellung Wegen eines Höhenunterschieds auf dem


1995 Grundstück von ungefähr 5 m hat das
schlanke Haus fünf Geschosse auf der
Arbeitsplätze Vorder- und drei auf der Rückseite. Im Erd-
<9 geschoss befindet sich eine Galerie, in den
Obergeschossen Großraumbüros. Von der
Dachterrasse hat man einen weiten Blick
über die Stadt.

Durch die Lage des Lifts und des Treppen-


hauses wird der schlanke Grundriss zoniert.
Die Rückfassade zeigt sich eher geschlos-
sen, die Front sehr offen mit großen Glas-
elementen. Beim Bau wurden vorwiegend
einfache Materialien wie Beton, Glas, Holz
und Metall verwendet.

Lage M 1:10 000

228
0-19 Arbeitsplätze

relevante Themen

Nutzungsmischung
sich verorten
Typologie

Schnitt M 1:333
Grundriss RG M 1:333
Grundriss EG M 1:333

229
Remise Schlesische Straße
Zwischen Spree und Schlesischer Straße in der Dachaufsicht, um die Aussicht aus den
Remise Schlesische Str.
Berlin-Kreuzberg liegt ein Gewerbehof mit umliegenden höheren Stockwerksfabriken
Schlesische Straße 28
sehr lebendiger, bunt gemischter Nutzer- zu verbessern.
Berlin (DE)
struktur. Die vorhandenen 30 000 m2
sind vollständig vermietet und die vermiet- Das 1. Obergeschoss wurde entkernt und
augustinundfrank
bare Fläche sollte vergrößert werden. über die gesamte Länge eine neue Galerie
Berlin
eingestellt. Ein hölzerner Dachaufbau mit
Inmitten des denkmalgeschützten Ensem- fünf Kuben trägt dazu bei, dass sich die bis-
Fertigstellung
bles aus fünfgeschossigen Fabrikhallen bot her für Büronutzung ungeeignete Tageslicht-
2003
sich dazu eine zweigeschossige Remise mit situation erheblich verbessert hat.
Notdach an. Sie wurde durch Aufstockung Das Dach ist als fünfte Fassade gestaltet
Mitarbeiter
und Umbau in ein attraktives Bürogebäude und durch geschickte Details tritt seine
10-49
verwandelt. Gewünscht waren neben der Funktion als Entwässerungsebene nicht in
Vergrößerung der vermietbaren Fläche eine Erscheinung .
bessere Belichtung sowie die Qualifizierung

Lage M 1:10 000

230
20 - 49 Arbeitsplätze

relevante Themen

Umbau, Bauen im
Bestand

Nutzungsmischung
Sich verorten
Rohbau, Ausbau,
Gebäudetechnologie

Schnitt M 1:500
Grundriss RG M 1:500

231
DMG Headquarters

DMG Headquarters Der neue Hauptsitz von DMG Europe und Obergeschoss ist von der Ausstellungshalle
Oberes Ried 11 DMG Austria, einem weltweit führenden aus sichtbar. Die einzelnen Abteilungen und
Klaus (AT) Werkzeugmaschinenhersteller, vereint der zentrale Kern mit Nebenräumen liegen
repräsentative Ausstellungsflächen mit rund herum.
Oskar Leo Kaufmann + einem Ausbildungszentrum und Büroflä-
Albert Rüf
chen. Interessant ist der räumliche „Dialog“
Dornbirn zwischen dem Raum für das Produkt, der
Im Gewerbegebiet von Klaus liegt der Ausstellungshalle und den Räumen für die
Fertigstellung Baukörper mit einer dreigeschossigen, von Arbeitenden (Büro, Werkstatt und Ausbil-
2005 außen einsehbaren Ausstellungshalle. Zu dungszentrum). Ein dazwischenliegender
ihr orientieren sich im Inneren Lager und Erschließungsweg markiert auf besondere
Mitarbeiter Schulungsräume. Über einen Empfangsbe- Weise die Schnittstelle. Für natürliche Licht-
10-49 reich erreicht der Besucher die Cafeteria, verhältnisse sorgt ein sich zwischen den
den Besprechungsraum sowie die Aus- Geschossen aufspannender Lichthof.
stellungshalle. Der Besprechungsraum im

Lage M 1:10 000

232
20-49 Arbeitsplätze

relevante Themen

Nutzungsmischung
Typologie
Kommunizieren
Trennen, Verbinden
Peripherie

Schnitt M 1:500
Grundriss OG M 1:500

233
Neue Sentimental Film

Neue Sentimental Fillm Bei dem Projekt galt es einen neuen Stand- Fünf Bürotürme, von denen drei dauer-
4114 Glencoe Avenue, ort für die Firma „Neue Sentimental Film“ in haft belegt sind und zwei für temporäre
Los Angeles (US) Los Angeles zu schaffen. Die Besonderheit Nutzungen zur Verfügung stehen, sind in die
des weltweit agierenden Unternehmens leere Hülle einer Lagerhalle mit 1 200 m2
GRAFT mit zahlreichen Aufgabenbereichen vom eingestellt. Zur Unterstützung der Atmo-
Berlin Filmkonzept bis zur Filmproduktion ist der sphäre des Temporären sind Übersee-Con-
stark variierende Raumbedarf. tainer (Eingangsbereich, Konferenzraum) mit
Fertigstellung eingebaut worden.
2001 Um auf die wechselnde Anzahl der Mitarbei-
ter reagieren zu können, wurde ein Konzept An zentraler Stelle des Grundrisses liegt der
Mitarbeiter des „Office Sharing“ mit einer Kombination „Marktplatz“, ein Kommunikationsort für alle
10-49 aus dauerhaft genutzten Gemeinschaftsein- Mitarbeiter. Der Fußboden in Form eines
richtungen und temporär erweiterbaren blauen Sportaußenraumbelags erweckt den
Büroflächen umgesetzt. Eindruck eines städtischen Freiraums.

Lage M 1:10 000

234
20-49 Arbeitsplätze

relevante Themen

Umbau, Bauen im
Bestand

Zeit
Arbeitsorganisation
Sich verorten
Kommunizieren
Gestalten, Designen

Schnitt M 1:500
Grundriss EG M 1:500

235
Staatsarchiv Liestal

Staatsarchiv Liestal Der öffentliche Charakter des Staatsarchivs, geschoss entstand ein öffentlicher Bereich,
Wiedenhubstraße 35 E verstanden als das kollektive Gedächtnis der, aus der Enge der Lage herausgehoben,
Liestal (CH) eines Kantons, kam am bestehenden Stand- das Staatsarchiv als öffentliches Gebäude
ort nicht zum Ausdruck. Umgeben von Woh- kennzeichnet. Das kompakte Volumen des
EM2N nungsbauten und durch eine Bahntrasse neuen Komplexes ist mit einer Schicht aus
Zürich von der Stadtmitte abgeschnitten, konnte Pflanzen umgeben, die an der Fassade
die Institution keine Strahlkraft entfalten. emporwachsen. Der gläserne Aufbau ruht
Fertigstellung Durch die Umgestaltung (zusammen mit somit auf einem Sockelgeschoss, welches
2000 einer Verdoppelung des Raumprogramms) je nach Jahreszeit ein anderes Fassadenbild
sollte dem Bestand mehr Ausdruck verlie- aufweist und sich mit der Umgebung ver-
Mitarbeiter hen werden. bindet. Die Fassadenbegrünung hat darüber
10-49 hinaus noch baupysikalischen Nutzen.
Der Archivtrakt wurde aufgestockt und da-
mit das Raumprogramm nicht mehr horizon-
tal, sondern vertikal organisiert. Im 2. Ober-

Lage M 1:10 000

236
20-49 Arbeitsplätze

relevante Themen

Umbau, Bauen im
Bestand

Nutzungsmischung
Sich verorten
Gestalten, Designen

Schnitt M 1:500
Grundriss OG M 1:500

237
Bürogebäude SIE

Bürogebäude SIE Das würfelförmige Volumen zeichnet sich reiche. Im Zentrum der Produktion liegt
Millennium Park 12 nicht, wie herkömmliche Typologien, durch eine Cafeteria, ein Treffpunkt und Ort, um
Lustenau (AT) voneinander getrennte Trakte für Büro und gemeinsam kreativ zu sein.
Werkstätten aus, sondern besteht aus
marte.marte aufeinandergestapelten, nutzungsneutralen Die Arbeitsplätze sind entlang der Fassade
Weiler Ebenen. Die Besonderheit ist die dadurch platziert und bieten Bezug zur umliegenden
entstehende Nähe zwischen den Abtei- Landschaft. Als Rückzugsmöglichkeit aus
Fertigstellung lungen, den Planenden und Ausführenden, dem geschäftigen Treiben sowie als Ruhe-
2002 sowie die exquisite Umgebung für den raum wurde ein „Brainroom“ geschaffen.
Produktionsbereich. Parallel zur Haupterschließung befinden sich
Mitarbeiter zwischen den Ebenen einige Treppen. Diese
50-249 Im Eingangsgeschoss befinden sich der Wa- stärken die vertikale Verbindung und ermög-
reneingang und der Versand, im geschlos- lichen ein unkompliziertes kommunikatives
sen gehaltenen 1. Obergeschoss sind die Arbeiten. Auf dem Dach wurde für alle
Lagerebenen und in den darüberliegenden Mitarbeiter eine Sonnenterrasse angelegt.
Etagen Produktions- und Entwicklungsbe-

Lage M 1:10 000

238
50-249 Arbeitsplätze

relevante Themen

Nutzungsmischung
Sich verorten
Typologie
Kommunizieren
Trennen, Verbinden
Gestalten, Designen

Schnitt M 1:500
Grundriss RG M 1:500

239
Wohn- und Geschäftshaus Falken

Wohn- und Geschäftshaus Falken Das mehrgeschossiges Wohn- und Ge- den gesamten Baukörper und bildet das ei-
Mellingerstraße 2 schäftshaus liegt zwischen der Altstadt und gentliche Skelett des Gebäudes. Um einen
Baden (CH) unterschiedlichen Stadterweiterungsstruk- zentralen Innenhof gruppieren sich die frei
turen. Auf den städtebaulich anspruchs- möblierbaren Räume.
Burkard Meyer Architekten vollen Ort antwortet der Entwurf mit einem
Baden ausdrucksstarken Solitär. Seine Volumetrie In der Doppelfassade aus Glas und Beton
reagiert auf die Umgebung und setzt am sind im Zwischenbereich wellenförmig
Fertigstellung südlichen Eingang der Stadt einen städte- geschosshohe Textilien angebracht. Ihre Far-
2006 baulichen Akzent. bigkeit schafft einen Bezug zur Umgebung.
Um die horizontale Gliederung zu betonen,
Mitarbeiter Das Einknicken von Teilbereichen belebt das gibt es zwischen den verschiedenen Mate­
50-249 sonst einheitliche Erscheinungsbild. Durch rialien große optische Fugen.
die Rücksprünge kragen die Deckenplat-
ten der darüberliegenden Geschosse aus
und bilden überdachte Außenbereiche.
Eine vorgespannte Stahlbetonstruktur aus
mehrgeschossigen Scheiben durchdringt

Lage M 1:10 000

240
50-249 Arbeitsplätze

relevante Themen

Sich verorten
Rohbau, Ausbau,
Gebäudetechnologie

Gestalten, Designen

Schnitt M 1:500
Grundriss OG M 1:500

241
Büro- und Geschäftshaus k47

Büro- und Geschäftshaus k47 Der Wiener „Kaipalast“, ein innerstädtisches blicke zu. Der Kern besteht aus Treppenhaus
Franz-Josefs-Kai 47 Bürohaus, bietet offene Geschosse, in de- und Servicezonen und liegt neben einem
Wien (AT) nen Kleinbüros mit bis zu wenigen Lamellen verglasten Innenhof, durch dessen Decke
Breite abteilbar sind. Um auf dem ungefähr die „Skybox“, eine halböffentliche Fläche, zu
henke und schreieck 800 m2 kleinen Grundstück optimal belichte- sehen ist. Die Konstruktion unterstützt die
Wien te Büroräume schaffen zu können, musste freie Unterteilbarkeit in kleinste Einheiten,
auf vermietbare Flächen verzichtet werden. indem sonst im Raum stehende tragende
Fertigstellung Elemente wie Stützen und Träger in der Fas-
2003 Innerhalb des kompakten Baukörpers sind sade verschwinden. Aufgrund von Klimage-
ab dem 1. Obergeschoss große Volumina räten und um 360 Grad drehbaren Glasla-
Mitarbeiter herausgeschnitten; diese Einschnitte schaf- mellen ist die Licht- und Klimasituation bei
50-249 fen attraktive Tageslicht- und Freiraumsitua­ jeder Bürogröße individuell regelbar.
tionen und lassen zudem vielfältige Aus-

Lage M 1:10 000

242
50-249 Arbeitsplätze

relevante Themen

Typologie
Kommunizieren
Rohbau, Ausbau,
Gebäudetechnologie

Gestalten, Designen

Schnitt M 1:500
Grundriss OG M 1:500

243
Novartis Campus

Novartis Campus Das „Sanaa Building“ steht am Eingang gleich, lediglich der Eingang und die Treppe
Fabrikstraße 4 zum Campus-Areal und doch verhält es sich sind besonders. Der langgestreckte Hof im
Basel (CH) reaktionslos gegenüber dem Masterplan. Gebäude hat ungefähr die gleichen Proporti-
Der schlanke, sechsgeschossige Bau zeich- onen wie der öffentliche Straßenraum.
SANAA net sich durch seine extreme Transparenz
Tokio und seinen hierarchielosen Aufbau aus. Zwischen Straße und Hof liegen die Büros.
Räumlich gibt es kaum einen Unterschied
Fertigstellung Das Gebäude ist ein Gestell aus Beton und zwischen öffentlich und privat, zwischen
2006 Glas: Jedes Geschoss ist gleich hoch, auch innen und außen. In der hierarchielosen,
das Eingangsgeschoss und das Dachge- transparenten Struktur ist der Blick immer
Mitarbeiter schoss – alle Fassaden sind gleich, es gibt frei: von innen nach außen, von einem Büro
50-249 keine Hauptseite mit wahrnehmbarem zum anderen.
Eingang, sämtliche Fensterscheiben sind
gleich groß, Boden- und Dachstärken sind

Lage M 1:10 000

244
50-249 Arbeitsplätze

relevante Themen

Sich verorten
Kommunizieren
Trennen, Verbinden
Gestalten, Designen

Schnitt M 1:1000
Grundriss RG M 1:1000

245
Impulszentrum IP-Two

Impuslzentrum IP-Two Das Impulszentrum ist bereits das zweite öffentlicher, hausgemeinschaftlicher und in-
Lerchenfelder Gürtel 43 Gebäude seiner Art in Wien und liegt auf dividueller Bereiche angelegt. Stadt- und Ar-
Wien (AT) einem Restgrundstück am Lerchenfelder beitsraum durchdringen sich, das Foyer ist
Gürtel. Es zeichnet sich durch ein Konzept als Erweiterung des Stadtraums konzipiert.
BKK-3 aus, das neben flexiblen Grundrissen zusätz- Über eine ansteigende Ebene erreicht man
Wien lich hochprofessionelle Infrastruktur bereit- ein Café und eine Musiklounge. Das zentra-
stellt. Ziel ist es, damit „Synergieeffekte“ zu len Sitzungszimmer wird gemeinschaftlich
Fertigstellung erzeugen und Qualitäten wie angenehmes genutzt. Die großzügige Erschließungs- und
2003 Arbeitsumfeld und Identifikation mit dem Aufenthaltszone im Inneren fördert die
Arbeitsort in den Vordergrund zu rücken. Kommunikation unter den Mietern.
Mitarbeiter Die Gebäudestruktur ist aus diesem Grund
> 250 einerseits funktional anpassungsfähig,
andererseits auf ein Ineinandergreifen

Lage M 1:10 000

246
> 250 Arbeitsplätze

relevante Themen

Flexibilität
Sich verorten
Typologie
Kommunizieren
Trennen, Verbinden
Peripherie

Schnitt M 1:500
Grundriss OG M 1:500

247
Umweltbundesamt

Umweltbundesamt Der schlangenförmige, viergeschossige das Atrium. Immer sind Menschen zu


Wörlitzer Platz 1 Büroriegel steht in Dessau auf dem Areal sehen, unterwegs oder bei der Arbeit. Eine
Dessau-Roßlau (DE) eines ehemaligen Gaswerks. Der Baukörper Hightech-Konstruktion aus Glas und Stahl
gibt einer neuen Grünverbindung zwischen markiert den Eingangsbereich, in dem ein
Sauerbruch Hutton Innenstadt und nahe gelegener Parkland- Forum mit Hörsaal und Lobby liegt.
Berlin schaft Raum. Im Nordosten greift er aus
und schließt gründerzeitliche Strukturen Das Projekt steht für Ressourcen scho-
Fertigstellung städtebaulich ab. Zusammen mit zwei nendes, nachhaltiges und energieopti-
2005 Altbauten (jetzt Informationszentrum und miertes Bauen. An der Fassade wurde
Forschungsbibliothek) und einem Richtung Lärchenholz, auf den Böden Kautschuk
Mitarbeiter Bahnhof ausgelagerten Gebäude für die verwendet. Darüber hinaus werden Erd-
> 250 Cafeteria bildet der Neubau eine „Stadt in wärmetauscher, Photovoltaikanlagen und
der Landschaft“. Solarkollektoren als Energiequellen genutzt.
Die kompakte Gebäudeform sowie das
Der Büroriegel besteht aus aufgereihten Atrium und der hohe Grad an Wärmedäm-
Zellenbüros, zwischen denen die langen mung tragen dazu bei, dass Werte zwischen
Flure durch das Schwingen der Grundform Niedrigenergie- und Passivhausstandard
nicht monoton wirken. Der sich weitende erreicht werden konnten.
und verengende Innenhof ist überdacht und
dient als thermischer Puffer und Kommu-
nikationsbereich. Stege schaffen Verbin-
dungen und Querbeziehungen und beleben

Lage M 1:20 000

248
> 250 Arbeitsplätze

relevante Themen

Sich verorten
Typologie
Kommunizieren
Rohbau Ausbau
Gebäudetechnologie

Trennen, Verbinden
Gestalten, Designen

Schnitt M 1:1000
Grundriss RG M 1:1500

249
Wirtschaftskammer

Wirtschaftskammer Im Süden St. Pöltens ist ein langer, frei ge- kation, Orientierung und Identifikation dar.
Niederösterreich formter Baukörper entstanden. Angedockt Meh­re­re Lounges schaffen einen Übergang
Landsbergerstraße 1 an das bestehende WIFI (eine Serviceein- von einem Gebäudeteil zum anderen. Die
St. Pölten (AT) richtung der Wirtschaftskammer), bildet er grünen Zimmer beziehungsweise Loggien
den Abschluss eines großen Wirtschafts- sind Entspannungsräume und Orte für
Rüdiger Lainer komplexes. Der farbige Solitär strahlt in sei- informelle Kommunikation. Alle Arbeits-
Wien nem heterogenen städtebaulichen Umfeld, flächen sind flexibel gestaltet und bieten
bestehend aus freistehenden Objekten und Möglichkeiten, unterschiedliche Büroformen
Fertigstellung dem flachen Bau des WIFI, Ruhe aus. unterzubringen.
2005
In die Außenfassade sind zahlreiche Loggien Ein Luftraum über alle Geschosse verschafft
Mitarbeiter eingeschnitten. Sie ermöglichen, dass im Gebäude Überblick und dient ebenfalls
> 250 möglichst viele Büros am Tageslicht liegen. der Kommunikation. Weiterhin trägt er – mit
Im Innern gibt es ein Zusammenspiel Wasser und Pflanzen aufgewertet – zur Ver­
architektonischer Elemente. Das Atrium besserung des Mikroklimas bei.
stellt einen Ort der Begegnung, Kommuni-

Lage M 1:10 000

250
> 250 Arbeitsplätze

relevante Themen

Sich verorten
Typologie
Kommunizieren
Gestalten, Designen

Schnitt M 1:1000
Grundriss RG M 1:1000

251
Multifunktionale Bebauung

Multlifunktionale Bebauung Bei diesem Projekt gibt die unterirdische Als massive Prismen gedacht, setzen sich
Joan Güell Parkgarage des Komplexes die geome- die Gebäude aus großen Steinblöcken mit
Carrer de Joan Güell trische Ordnung für die aufsteigenden leicht unterschiedlichen Texturen zusam-
Barcelona (ES) Gebäude vor. Das Stützenraster kommt men. Je nach Sonneneinfall wird das
aus der Logik der Fahrspuren und zieht sich Fassadenbild belebt; dann werden auf den
Josep Lluís Mateo vom untersten bis zum obersten Geschoss Mauerflächen hieroglyphenartige Inschri-
Barcelona durch. Oberhalb des Geländes stehen zwei fen sichtbar. Auch die innere Struktur zeigt
parallel zueinander verschobene Riegel. sich an den Fassaden. Sämtliche Volumen
Fertigstellung Sie beinhalten einen multifunktionalen Mix sind gleichmäßig – bezugnehmend auf den
1993 aus Hotel, Wohnungen und Büros. Diese Grundriss – von Öffnungen durchbrochen.
Nutzungsvielfalt zeigt sich im Inneren nicht Um die wechselnde Nutzung des Gebäu-
Mitarbeiter in unterschiedlichen Grundrissen, sondern deinneren nach außen zu vermitteln, wur-
> 250 findet hier in einem einzigen Grundriss­typ den als Gestaltungsmittel die Öffnungen
Platz. Ein geschlossener Kubus, in dem sich herangezogen. An ihnen lassen sich die
ein Einkaufszentrum befindet, stellt die Ver- Fensterrahmen austauschen.
bindung zwischen den beiden Riegeln her.

Lage M 1:10 000

252
> 250 Arbeitsplätze

relevante Themen

Nutzungsmischung
Flexibilität
Typologie
Rohbau, Ausbau,
Gebäudetechnologie

Trennen, Verbinden
Gestalten, Designen

Hotel
Wohnen
Arbeiten

Schnitt M 1:1500
Grundriss RG M 1:1500

253
254
Anhang
Stichwortverzeichnis 257
Architektenregister 259
Quellennachweis und 260
Literaturverzeichnis
Bildnachweis 263
Autoren 265
Stichwortverzeichnis

08/15-Büro......................................... 90, 145, 151, 189, 196 Flexibilität............... 11, 16, 25, 49, 60 ff., 79, 86 ff, 134, 146, Lohnnebenkosten.......................................... 55, 59, 72, 119
Adresse, Die gute................................................ 69, 72, 118 Form, Formen..................................................................195 Lüftung, Belüftung....................................... 31, 64, 149, 153
Adresskonflikte............................................................82, 84 Formneutral-hochflexibel.............................................61, 88 Manövrierfähigkeit.............................................................19
Airport HUB.......................................................................70 Freelancer..........................................................................26 Marketing............................................................................8
Alltag................................................ 24, 26, 49, 80, 208, 211 Freiräume, urbane....................... 71, 116, 189, 205, 211, 213 Marktleader.......................................................................55
Alltagsaufgabe...................................................................56 Fronarbeit...........................................................................24 Maßstab, Maßstäblichkeit.......14, 61, 79, 99, 116, 130, 134,
Arbeit, Wohnen und Freizeit..............................................80 Funktionsdesign...............................................................190 ................................................................ 146, 162, 176, 190
Arbeitnehmer............................................................. 7, 26 ff. Gesamtbilanzen, Lebensdauer.......................53, 61, 65, 86, Materialenergie, Grauenergie...................... 48, 95, 135, 150
arbeitslos.......................................................24, 26, 48, 165 ........................................................................ 148, 191, 208 Megamaschine..................................................................22
Arbeitsweg............................................................72 ff., 213 Gestalten................................................ 87, 189 ff., 195, 211 Mehrere Arbeitsorte.................................................. 73, 210
Archiv.........................................................................33, 212 Giganten............................................................................90 Mini-Job.............................................................................24
Asia multi-use....................................................................84 Global, Globalisierung. 7, 19, 21, 22, 31, 34, 50, 70, 115, 176 Mitarbeiter................................ 20, 26, 48, 55, 60, 74 f., 119
Ausbau...................................60, 64, 86 ff., 145 ff., 190, 197 Großraumbüro.........................................46, 64, 89, 95, 134 Mobilität, -systeme............ 8, 11, 20, 26, 48, 72 ff., 179, 210
Auslagerung – Outsourcing.................... 47, 77, 86, 205, 208 Grünkammern, innere......................................................149 Mobilitätsanbindung ÖPNV.........................................48, 65
Ausstattung................................. 56, 64, 146, 190, 210, 212 Handwerk..................................................... 6, 35 ff., 80, 85 Mobilitätsverhalten.................................................... 19, 192
autarke Inseln..................................................................209 Hierarchie.......................................................... 49, 161, 210 Moderne................................................ 42, 44, 92, 101, 132
autochthone Architektur..................................................133 Hybride...................................................................... 84, 105 Monokulturen....................................................................78
Baukosten....................................................................55, 57 Ich-AG..........................................................................26, 50 Nachhaltigkeit............................ 8, 11 f., 48, 53 f, 59, 65, 95,
Bedeutung................................133, 145, 176, 189, 192, 194 Identifikation.......................................... 8, 64, 178, 194, 197 ............................................................ 133 ff., 148, 190, 193
Belegung, Belegungsdichte.....................................19, 57 ff. Identität.....15, 87, 111, 117, 131, 147, 163, 177, 179, 191, 207 Nachnutzung....................................................................145
Belichtung......................................................64, 129, 150 ff. Identität und Typologie.....................................................132 Nachverdichtung................................................ 95, 104, 120
Bilder, Architektur-, Fassaden-, System-... 31, 61, 63, 65, 87, Infrastruktur................................... 32, 70, 94, 120, 135, 146 Neuzeit................................................................31, 40, 193
................................................ 90 ff., 99, 134, 149, 193, 197 intelligent….......................................... 11, 95, 118, 148, 151 Nutzung...........................................31, 72, 120, 162, 206 ff.
Bürofläche............................. 20, 49, 55 ff., 70, 90, 150, 210 interdisziplinär.........................12, 48, 63, 176, 189, 192, 211 Nutzungsgetrennte Stadt....................................78, 91, 140
Büroquartier, -viertel, -stadt......................... 69, 91, 116, 166 Investitionen, Folgeinvestitionen..........53, 58, 119, 146, 163 Nutzungsintervalle.....................................117, 131, 162, 177
Corporated Design, Brand...........................................61, 99 Jobsharing.........................................................................25 Nutzungsmischung, -mix, -verteilung....... 11, 16, 19, 20, 61,
Crossover-Image................................................................85 Kinder..............................................24, 54, 73, 80, 208, 212 ........................................................ 78 ff., 80, 118, 139, 154
Dachcafé............................................................................63 KMU......................................................... 55, 58 ff., 70, 209 Nutzungsneutral....................................................31, 86, 88
Deprofilierung durch Nutzungsmix....................................80 Kombibüro...............................................21, 49, 65, 89, 134 Nutzungsverband, komplexer; Nutzungsgeflecht.......31, 62,
Der gute Arbeitsplatz.........................................................64 Kombinatorik....................................................................132 ......................................................................69, 72, 84, 208
Design..............................................................8, 177, 189 ff. Kommunikation............... 14 f., 48, 50, 162, 164, 175 ff., 192 Officestyle....................................................................... 211
Dialog, mit Vorhandenem, mit dem Ort........ 12, 69, 95, 115, Kommunikationsberater..................................................197 Öffnungsgrad, Orientierung.............................................149
.................................................................118, 120, 132, 193 Kommunikationstechnologie................ 48, 79, 151, 177, 179 Optimierung...........................................................26, 59, 64
einfach, rudimentär, basic..............................31, 55, 56, 135 Kompendiumcharakter......................................................12 Ordnungen.......................................................................195
einfache... (Form, Fassade, Architektur)........ 57, 87, 95, 130, Komplexität...................................... 12 ff., 38, 134, 145, 194 Organisatorische Revolution..............................................48
......................................................... 134, 195, 197, 198, 228 Kontext................................... 46, 72 ff., 94 f., 116, 130, 197 Ort, der....................61, 69, 70, 77, 94, 115 ff., 118, 192, 266
Elastizität...........................................................................61 Konversion, Transformation..................................... 49, 94 ff. ÖV, öffentlicher Verkehr................................. 72 ff., 119, 162
Entkernung........................................................................95 Konzentration.................................................24, 31, 72, 164 Parkierung, Tiefgarage............................................. 146, 212
Entropie und Autarkie........................................................65 Konzept.......26, 59, 78, 85, 99, 134, 149, 163, 176, 190, 206 Parks, kleine Quartierplätze...............................................71
Entspannen, Schlafen........................................................22 Konzern.............................. 47, 55, 58, 62, 69 ff., 85, 91, 167 Peripherie, technische/periphere Dienste.................... 63 ff.,
Entwurf, Entwerfen........12 ff., 53, 69, 111, 178, 189 ff., 197 Körnigkeit........................................................... 78, 119, 134 ............................................................................153, 205 ff.
Entwurfsengel...................................................................14 Kostendach........................................................................53 Persönliche Peripherie..................................................... 211
Entwurfsinstrumente...........................................................8 Kurzarbeit...........................................................................25 Postmoderne.....................................................................47
Entwurfsschema, Themen........................................... 11, 12 Kybernetik, totalitäre..................................................49, 133 Praktikum, Dauerpraktikum...............................................25
Entwurfstrategie, - konzept, -prozess, -methode...........7, 10, Kybernetische Architektur........................... 48, 95, 133, 148 Prekariat, prekäre Arbeit................................25, 31, 56, 135
................................................................................12 ff., 53 Landschaftsplaner...........................................................193 Projektjob...........................................................................26
Erholungswert.................................................................189 Lebensarbeitszeit..............................................................24 Qualität architektonische, räumliche...........7, 16, 60, 64, 91,
Erschließung, Gestaltung der..........................................193 Lebensdauer..........................48, 53, 61, 65, 86, 147 ff., 208 ....................................................................... 149, 162, 190,
exklusive Spezialfälle.........................................................57 lebenslanges Lernen.........................................................48 Qualität der kleinen Orte...................................................71
Fassade, Fassadentechnologie...........85, 87, 95, 148 ff., 156 Lebensqualität....................................58, 65, 71 ff., 115, 119 Qualitäten, wirkliche............................................................8
Fassade, Öffnungsgrad.....................................................93 Lehrstand...........................................................................65 Raumgestaltung.............................................. 133, 150, 197
Firmensitz, Gründungssitz..................62, 106, 115, 121, 163 Leiharbeit...........................................................................26 Region................ 8, 19, 31, 53, 60, 69 ff., 116, 119, 131, 147

257
Ressourcen, Verbrauch von...............................................64
Rhythmus.......................................................... 22, 164, 195
Schichtarbeit, Schichtbetrieb.......................................26, 74
Schwarzarbeit..............................................................25, 26
Seilschaften, Clans, Mafia.................................................77
Sektoren der Arbeit (primär bis tertiär) .....20, 24, 49, 53, 72
Selbstmanagement...........................................................48
Selbstverwaltung......................................................... 27, 63
Skalierung..........................................................................99
Small is beautiful...............................................................64
Sozialarbeit........................................................................27
Stabilität.............................................................................71
Stadt der kurzen Wege................................................74, 76
Städtebau...........................8, 69, 79, 94, 116, 120, 133, 135
Standard................................ 8, 48, 53, 56 ff., 134, 146, 196
Standortanalyse......................................................... 70, 118
Standortqualität, Lagequalität, Umfeldqualitäten........70, 72,
...................................................94, 118, 162, 176, 205, 209
Statistik, statistische Daten...............................19 ff., 42, 53
Stress..........................................................................60, 64
symbiotische Netze..........................71, 77, 78, 85, 209, 213
Systemischer Wandel........................................................ 11
Team, fähig und unfähig.................................................. 211
Technik.......................................31, 42 ff., 50, 132, 192, 208
Technologie........................................48, 59, 65, 132, 145 ff.
Teilzeit........................................................21, 24, 60, 74, 86
Telearbeit............................................................ 25, 107, 179
Tradition, neue...................................................................93
transfunktional...................................................................87
Typo-Icons....................................................................100 ff.
Typologie........... 15, 31 ff., 95, 116, 119 f., 129 ff.,132, 132 ff.
Typologische Konzepte................................................. 99 ff.
Umfeld.............7, 31, 53, 62, 69 ff., 78, 115 ff., 131, 207, 213
Umnutzung........................................................................94
Unbezahlte Arbeit........................................................24, 48
Unflexibel...................................................................... 87 ff.
Unternehmensgröße.........................................................55
Verantwortung für den Raum............................................73
Verdichtung................................................................81, 120
Verdichtung, innere......................................................60, 86
Vereinfachungen, „zulässige“..........................................192
Verkehrsplaner.................................................................193
Verkehrsräume........................................................ 205, 211
Wasteland – Officeland.....................................................90
Web.........................................................................2, 50, 77
Wertschöpfung...................... 19, 21, 49, 53, 56 ff., 116, 121
Wettbewerb (ökonomischer).......................................42, 48
wirklich, wirklich, wirklich Wollen......................................85
Wirtschaftskrise.......................................... 7, 45, 53, 59, 72
Workfare............................................................................27
Zeitbelegung......................................................................86
Zellenbüro..............................................44, 49, 89, 134, 248

258
Architektenregister

Ábalos + Sentkiewicz arquitectos.....................................85 Holl, Elias...........................................................................41 Scotti, Georg......................................................................46


Allmann Sattler Wappner Architekten..............................198 Hood, Raymond.................................................................45 Seelinger + Vogels..................................................... 93, 102
Alsop & Störmer.............................................................. 100 Hotz, Theo..........................................................................93 Shreve, Lamb & Harmon Associates......................... 45, 100
augustinundfrankarchitekten...........................................230 Howe, Georg.....................................................................45 Soane, John.......................................................................42
Bogardus, James...............................................................43 HPP Hentrich-Petschnigg & Partner.................. 46, 102, 103 SOM – Skidmore, Owing and Merrill.................................46
b&k+.........................................................................107, 222 Hubacher & Steiger...........................................................45 Spangenberg, Gerhard.................................................... 106
Behnisch, Günter............................................................. 106 Hübsch, Heinrich...............................................................43 Steidle & Partner.............................................................138
Berg, Max..........................................................................44 Ingenhoven Architekten...................................................214 Stürm & Wolf................................................................... 100
Bergstrom, George Edwin...........................................46, 90 Kaufmann, Oskar Leo......................................................232 Terragni, Guiseppe.............................................................45
Berlage, H.P. .....................................................................44 Kees Christiaanse & Astoc ............................................. 100 Torp, Niels........................................................................ 102
BKK-3...............................................................................246 KSP Engel + Zimmermann................................................94 van Alen, William.........................................................45, 90
Blume Brauser Architekten............................................. 104 Kyncl Gasche Partner.........................................................82 van der Rohe, Mies.....................................................44, 46
BM+P................................................................................91 Lainer, Rüdiger.................................................................250 Williams, Owen.................................................................90
BMS................................................................................. 103 Lawrow, W. .......................................................................44 Wright, Frank Lloyd............................................................44
Böhm, Gottfried............................................................... 105 Le Baron Jenney, William..................................................43
Bolles & Wilson...............................................................124 Le Cobursier............................................. 44, 46, 47, 90, 101
Bonatz, Paul.......................................................................44 Lederer + Ragnarsdóttir + Oei......................................... 100
Bottega + Erhardt ..................................................... 95, 103 Lescaze, William................................................................45
Burckhardt + Partner.......................................................193 Loos, Adolf.........................................................................44
Burkard Meyer Architekten ............................................240 Love.................................................................................182
Burnham, Daniel Hudson...................................................43 marte.marte.....................................................................238
Clive Wilkinson Architects............................................... 104 Mateo, Josep Lluís .........................................................252
Calatrava & Frei................................................................ 105 May, Ernst.........................................................................77
Campi, Mario................................................................... 101 Mei Architecten.................................................................95
Chakhava, G. .....................................................................99 Meixner Schlüter Wendt Architekten.............................. 170
de Architekten Cie........................................................... 107 Metron.......................................................................63, 200
de Ruiter, Paul.................................................................. 102 Meyer & Scherer............................................................. 103
de Vattel, Lucien......................................................... 47, 101 Miller & Maranta................................................................93
Dietz & Joppien....................................................... 105, 153 Müller, G. .........................................................................91
Eisele & Fritz.................................................................... 106 MVRDV.................................................................... 101, 184
Eisenman, John.............................................................. 105 Neumann, Balthasar..........................................................42
EM2N..............................................................................236 Nil Hürzeler...................................................................... 104
Fink + Jocher...................................................................133 Olgiati, Valerio.................................................................. 103
Foster, Norman....................................... 47, 91, 93, 101, 104 Oliva-Remolà arquitectos.................................................228
Fügenschuh, Daniel.........................................................224 OMA.......................................................................... 91, 100
Gilbert, Cass......................................................................44 OTH architects...................................................................95
GRAFT.............................................................................234 Pen, S................................................................................45
Gropius, Walter..................................................................44 pfeifer. roser. kuhn. architekten.......................................156
Grose J. .......................................................................... 105 Pfleghardt & Häfeli............................................................82
Grüntuch Ernst Architekten............................................. 106 Poitiers, André...........................................................63, 122
Gsell-Heldt, Robert............................................................94 Raderschall Architekten...................................................193
Gysin, Bob.........................................................................93 REX....................................................................................85
Hadid, Zaha........................................................................80 RKW Architekten............................................................. 104
Hagemann, Otto................................................................45 Rogers, Richard...............................................................133
Haller, Martin.....................................................................43 Romero, Franz ................................................................ 102
Harrison, Wallace K. . ........................................................90 Rudnev, L. . .......................................................................45
HZDS Architekten..............................................................94 SADAR VUGA ARHITEKTI................................................168
henke und schreieck........................................................242 Sagebiel, Ernst...................................................................44
Héré, Emmanuel................................................................42 Salvisberg, Otto.................................................................44
Hertzberger, Herman..................................................47, 107 SANAA.............................................................................244
Herzog + Partner.............................................................216 Sauerbruch Hutton.................................................. 106, 248
Höger, Fritz........................................................................44 Schilling Architekten........................................................226

259
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Büromöbel - Büro-Arbeitstische - Teil 1: Maße; Deutsche
Fassung EN 527-1: 2008

Europäische Richtlinien:
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Arbeitsstättenrichtlinie 89/654/EWG
Bildschirmrichtlinie 90/270/EWG

Gesetze und nationale Richtlinien:


Arbeitsstättenrichtlinien (ASR)

Verordnungen:
Arbeitsstättenverordnung (ArbStättV) 1975/2004
Bildschirmarbeitsverordnung (BildscharbV)
Betriebssicherheitsverordnung (BetrSichV)

http://www.buero_forum.de/

262
Bildnachweis

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34 links unten: John Allan Cash Breslau, Berlin 1921 91 links oben: DoD photo by Master Sgt. Ken
(www.allancashpicturelibrary.com) 44 oben Mitte rechts: Nachlass Le Corbusier Hammond, U.S. Air Force
35 Mitte links: ZDF Enterprises, Mainz 44 oben 3. v. rechts: Nachlass Mies van der Rohe 91 links unten: U.S. Department of the Interior,
35 Mitte rechts: aus Benevolo, Leonardo: 44 oben 2. v. rechts: Nachlass Adolf Loos National Park Service, Historic American Buildings
Die Geschichte der Stadt, Campus Verlag 44 oben rechts: Atelier N. Ladowski, Moskau Survey. Survey number HABS MICH, 82-DETRO,
36 links: unbekannt 44 unten links: unbekannt 22-/U.S. Library of Congress, Prints and Photo-
36 Mitte links: unbekannt 44 unten 3. v. links: Busch-Reisinger Museum und graphs Division, „Built in America“ Collection
36 Mitte rechts: Stiftsbibliothek St. Gallen Bauhaus-Archiv, Berlin 91 Mitte: Courtesy of the Office for Metropolitan
37 Mitte links: Archiv Foto Marburg, aus Koch, Wilfried: 44 rechts: gta Archiv/ETH Zürich, Foto: Otto Salvisberg Architecture (OMA)
Baukunst – Von den Anfängen bis zur modernen 45 oben Mitte rechts: Philadelphia Saving Fund Society 91 rechts oben: Google Earth, AEROWEST GmbH,
Architektur, Bertelsmann, Gütersloh, 1967 45 oben rechts: Samuel Gottscho Dortmund
38 rechts: aus privater Postkartensammlung von 45 unten links: unbekannt 91 rechts unten: Google Earth, AEROWEST GmbH,
Markus Gasser 45 unten 2. v. links: BAZ Baugeschichtliches Archiv Dortmund
38 Mitte links: Florian Adler, Lizenziert unter GNU- Zürich, Foto: Wolf Bender 92 links oben: Adolph Wittmann
Lizenz für freie Dokumentation 45 unten 2. v. rechts: Deutsches Bundesarchiv Berlin 92 Mitte: Adolph Wittmann
38 Mitte rechts: Rechtsarchäologische Sammlung Karl 45 unten rechts: aus den Beständen des GMA – Staat- 93 unten rechts: Simone Rosenberg, München
von Amira (1848-1930)/ Leopold-Wenger-Institut und liches Museum für Architektur, Privatsammlung, 94 links: Madleina Bundi, aus „Erhalten und Gestalten
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40 links: Stephan Eigendorf, Bremen gemeinschaft City Nord GmbH, Hamburg OTH, Foto: Christiaan de Bruijne
40 Mitte links: Rechtsarchäologische Sammlung Karl 46 unten links: www.profilm.de 95 Mitte: David Franck, Ostfildern
von Amira (1848-1930)/ Leopold-Wenger-Institut und 46 unten 2. v. links: G. Schmidter 95 rechts: Luuk Kramer, Amsterdam
digitale Bibliothek der Bayerischen Staatsbibliothek 46 unten Mitte: Deutsche Post AG 99 unten: Geert Goiris
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40 rechts: aus Benevolo, Leonardo: 57 oben links: Deutsche Bank AG www.teleatlas.com
Die Geschichte der Stadt, Campus Verlag 57 oben Mitte links: David Franck, Ostfildern 100 Mitte links: H.G. Esch, Hennef
41 links: unbekannt 57 oben Mitte rechts: DEGW, www.degw.de 100 Mitte rechts: unbekannt
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41 rechts: Archiv Foto Marburg, aus Koch, Wilfried: 57 unten, 2. v. rechts: Hendrik Blaukat 101 oben rechts: unbekannt
Baukunst – Von den Anfängen bis zur modernen 57 unten rechts: ERCO GmbH, Lüdenscheid 101 Mitte rechts: Ken Kirkwood
Architektur, Bertelsmann, Gütersloh, 1967 63 rechts: unbekannt 101 unten links: unbekannt
42 links: Jaime Silva 74 links: unbekannt 101 unten rechts: Camilo José Vergara, aus „The New
42 Mitte: unbekannt 74 Mitte: unbekannt American Ghetto“
42 rechts: unbekannt 78 links oben: unbekannt 102 oben links: H.G. Esch, Hennef
43 links: aus: Wolfgang Hermann, Deutsche Baukunst 80 links: Bene AG 102 oben rechts: unbekannt
19. und 20. Jahrhundert, GTA Verlag/Birkhäuser, 80 Mitte: Peter Baldes 102 Mitte rechts: Simone Rosenberg, München
1977 80 rechts: Esther Kluth 102 unten links: Rob ‘t Hart, Rotterdam
43 Mitte links: Nathan Silver 84 unten links: Ian Lambot/ 102 unten rechts: Google Earth, Zusammensetzung &
43 Mitte: Chigaco Historical Society aus der Publikation „City of Darkness – Life in Überarbeitung TU Darmstadt
43 Mitte rechts: Chicago Architectural Photographic Kowloon Walled City“, Berlin 1993 103 oben rechts: David Franck, Ostfildern
Company 85 Mitte: Abalos + Sentiewicz 103 Mitte links: Santander Consumer Bank
43 rechts: Staatsarchiv Hamburg 85 rechts: Abalos + Sentiewicz 103 Mitte rechts: Timothy Hursley

263
Bildnachweis

103 unten links: Google Earth, www.teleatlas.com 222 Stefan Schneider, Düsseldorf
103 unten rechts: Archive Olgiati 224 Christian Flatscher, Innsbruck
104 oben links: Stefan Müller-Naumann, München 226 Jens Willebrand, Köln
104 oben rechts: Benny Chan 228 Duccio Malagamba, Barcelona
104 Mitte rechts: unbekannt 230 Stefan Krämer
104 unten links: Foster + Partners 232 Adolf Bereuter, Lauterach
104 unten rechts: Stuart Hopps 234 Ricardo Ridecous
105 oben links: VIEW Pictures, London 236 Hannes Henz, Zürich
105 oben rechts: John Gollings 238 Bruno Klomfar, Wien
105 Mitte rechts: Robert Metsch Fotografie, Offenbach 240 Roger Frei, Zürich
105 unten links: Library of Congress, Prints and Photo 242 Margherita Spiluttini, Wien
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Martin Linsey, Photographer, HABS OHIO, 246 Hertha Hurnaus, Wien
18-CLEV, 6-4 248 Michael Erxleben
105 unten rechts: Züblin AG 250 Wirtschaftskammer Niederösterreich
106 oben links: Werner Huthmacher, Berlin 252 Jordi Bernardó
106 oben rechts: WISTA Management GmbH, Berlin
106 Mitte links: Leprowski Studios
106 Mitte rechts: unbekannt Alle anderen Bilder bei Markus Gasser, Mario Tvrtković,
106 unten links: unbekannt Carolin zur Brügge.
106 unten rechts: Google Earth, Zusammensetzung &
Überarbeitung TU Darmstadt Alle Grafiken und Zeichnungen bei Markus Gasser,
107 oben links: Stefan Schneider, Düsseldorf MarioTvrtković, Carolin zur Brügge.
107 Mitte rechts: Luuk Kramer, Amsterdam
107 unten rechts: Aerophoto, Schiphol außer
122 Klaus Frahm, Hamburg
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133 Mitte: Yuichiro Kodama, Building Research Institute Theo Deutinger, Romuald Dehio, http://td-architects.eu/
133 rechts: Michael Heinrich, München
138 Reinhard Görner, Berlin
140 unbekannt
154 Robert Metsch Fotografie, Offenbach
156 Ruedi Walti, Basel
168 Hisao Suzuki
170 Christoph Kraneburg, Köln
182 Love architecture and urbanism, Graz
184 unbekannt
198 Jens Passoth, Berlin
200 Google Inc./Foto: Peter Würmli
208 links: Courtesy of Apple
208 Mitte: Silicon Graphics International/Helmut Payer,
produced by gsiCom
208 rechts: Markus Gasser und Roland Wick
210 Mitte rechts: unbekannt
210 rechts: Grey Crawford
211 links: unbekannt
211 Mitte rechts: Ralph Morse
214 Deutsche Lufthansa AG
216 Christoph Rehbach, Fuchstal

264
Autoren

Markus Gasser (Zürich, 1959)


Architekt, Prof. Dipl. Arch. ETH, Inhaber der Professur Entwerfen und Siedlungsentwicklung
Fachbereich Architektur, Technische Universität Darmstadt, freier Architekt
gasser@upspace.com

Carolin zur Brügge (Düsseldorf, 1977)


Dipl.-Ing., Wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Professur Entwerfen und Siedlungsent-
wicklung, Fachbereich Architektur, Technische Universität Darmstadt

Mario Tvrtković (Zenica, 1976)


Dipl.-Ing., Wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Professur Entwerfen und Siedlungsent-
wicklung, Fachbereich Architektur, Technische Universität Darmstadt
mtv@urbanorbit.net

Im Rahmen der Entwicklung des Buches wurden von uns mehrere Seminare an der
TU Darmstadt veranstaltet, die sich in verschiedener Form mit den betrachteten Inhalten
auseinandersetzten. Den Seminarteilnehmern sei an dieser Stelle ausdrücklich für ihre
wertvolle Arbeit gedankt. Zusätzlich zu den Seminarteilnehmern haben uns mehrere
wissenschaftliche Hilfskräfte bei dem Projekt unterstützt. Insbesondere bei Friederike Diehl
und Philippa Glaser möchten wir uns für ihre professionelle Mitarbeit bedanken.

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