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BEITRÄGE ZUR SOZIOLOGIE ABENDLÄNDISCHE

UND SOZIALPHILOSOPHIE ESCHATOLOGIE

herausgegeben von

von
Dr. Rene König
Titular-Professor an der Universität Zürich Jakob Taubes

Band 3

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A. FRANCKE AG. VERLAG BERN A. FRANCKE AG. VERLAG BERN 1947 ';:,
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Meinen Ellern

Printed in Switzerland

Gedruckt bei Rösch, Vogt&. Oo., Bern 19-17


Inhaltsverzeichnis
I. Buch: Vom Wesen der Eschatologie
Elemente . . . . . . . . . . . • . . . . . . . . • . . . . . . . . . . . . . . . 3
·Freiheit und Revolution . . . • . . . • . . . . . . . . . . . . • . 9
Geist und Geschichte ..• , . , ...• , . . . . . . . . . . . . . . 11
Israel als Ort der Revolution .. , . . . . . . . • . . . . • . . 15
Weltkreis der Apokalyptik . . . . . . . • . • . . • . . . • . . . 21
Urworte der Apokalyptik •... , . . . . . . . . . . . . . . . . 25
Geschichtsschau der Apokalyptik . . . . . . • . . . . . . . 31

11. Buch:" Die Geschichte der Apokalyptik


Von Daniel bis Johannes •••• , . . . . . . . . . . . . . . . . 43
Das Lehen Jesu •• , •••••• , . • • • • . . . . . . . . . . . . . . . 46
Paulus und die Auflösung der antiken Welt .. , . 57
Geschichte des Urchristentums . . . . . . . . . . . . . . . . 65
Von Augustin zu Joachim . . . . . . . . . . . . . • . . . . . . 77

111. Buch: Die theologische Eschatologie Europas


Das Gesetz der Neuzeit • . . . . . . . . . . . • . . . . . . . . . . 85
Joachimitische Prophetie und Regelsehe Philoso~
phie • • • . . . . . • • • . . . . • . • . . • . . . . • . . . • . • • • . . • . . . 90
Die Spiritualen als Nachfolge Joachims . . . . . . . . 98
Thomas Münzer, Theologie der Revolution • . . . . 106
Zusammenbruch der christlichen Eschatologie 118

I V. Buch: Die philosophische Eschatologie Europas


Der Aufbau der philosophischen Eschatologie 125
Lessing ................... , ....... , . . . . . . . . . 130
Kants Religionsphilosophie . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 136
Hegels Dialektik ........ , . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 149
Marx und Kierkegaard . • . . . . . . . . . . . . . . .. . . . . . 163
a. Die Nachfolge Hegels . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 163
h. Marx und Kierkegaard . . . . . . . . . . .. . . . . . . . . 168
c. Die Selbstentfremdung • . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 17 5
d. Eschatologie . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 184
Epilog . . . . . . . . . . . . • . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 191

Schlüssel zu den Anmerkungen ..... , , ........... , • . . . 196


Analytisches Inhaltsverzeichnis als Register . . . . . . . . . . . . 200

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!I Erstes Buch
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!I VOM WESEN DER ESCHATOLOGIE


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Elemente

Nach dem Wesen der Geschichte ist gefragt. Die Frage nach dem
Wesen der Geschichte kümmert sich nicht um einzelne Ereignisse in der
Geschichte, um Schlachten, Siege, Niederlagen, Verträge, um Geschehnisse
in der Politik, um Verflechtungen in der Wirtschaft, um Gestaltungen
~ :
in Kunst und Religion, ·um Ergebnisse wissenschaftlicher Erkenntnis.
Von all dem sieht die Frage nach dem Wesen ab und blickt nur auf das
Eine hinaus: wie ist überhaupt Geschichte möglich, welches ist der zu-
'i
reichende Grund, darauf Geschichte als Möglichkelt ruht?
In der Verwirrung um den Sinn der Geschichte kann nicht in den
einzelnen Ereignissen das Maß gefunden werden, vielmehr muß vön allen
Geschehnissen abgesehen und gefragt werden: was macht ein Geschehen
zur Geschicl)te? was ist die Geschichte selbst? Maß und Stand läßt
sieh in der Frage nach dem Wesen der Geschichte nur gewinnen, wenn i
vom Eschaton her gefragt wird. Denn im Escbaton übersteigt die Ge-
schichte ihre Grenze und wird sieb selbst sichtbar.
I
Der Weg der Geschichte verläuft in der Zeit. Die Zeit ist das Leben
des Innen. Um nach Außen zu kommen, braucht das Licht des Innen:
Zeit. Die Zeit ist die Ordnung der Welt, die zerrissen ist in Innen und Au-
ßen. Die Zeit ist das Maß, das den Abstand von Innen und Außen mißt.
Das Wesen der Zeit liegt in ihrer Einsinnigkeit beschlossen'· Geo-
metrisch betrachtet, verliiuft die Gerade der Zeit einsinnig. Die Hieh-
tung der Zeitgeraden ist unumkehrbar. Diese Einsinnigkeit teilt die Zeit
mit dem Leben. In der Einsinnigkeit und Nichtumkehrbarkelt gründet
:der Sinn der Zeit wie der Sinn des Lebens. Der Sinn der Einsinnigkeit
liegt in der Richtung. Die Richtung ist immer auf ein Ende gerichtet,
sonst wäre sie richtungslos. Das Ende aber ist wesentlich Eschaton. So
erhellt der Zusammenhang zwischen der Ordnung der Zeit und der
eschatologischen Ordnung der Welt. Die Einsinnigkeit der Zeit ist im
Willen begründet. Das Ich als Wille ist die Zeit des Ich. Der Wille ist
gerichtet und bestimmt in seiner Richtung den Sinn der Zeit. Weil die
Zeit ihre Richtung mit dem Willen gemein hat, ist die erste Dimension
der Zeit: die Zukunft. Indem der Wille das Nichtgewollte abscheidet,
vergeht es. So scheidet auch die Zeit das Vergehende als Vergangenheit
ab. Die zweita Dimension der Zeit ist die Vergangenheit. Die Ordnung
der Zeit ist begründet in der Unterscheidung von und in der Entscheidung
zwis~ben Vergangenheit und Zukunft. Diese Unterscheidung und Ent-
scheidung kann nur in der Tat vollzogen werden. Die Tat geschieht in
-4-
-5-
w•ld•• cias.l\fedium d~r Interferenz zwische V
ist. ~ n ergangen- zurichten? Aber mein Herz ist andern Sinnes, meine Barmherzigkeit
Geschichte verläuft in der Zeit erb llt . . ist zu brünstig, daß ich nicht tun will nach meinem grimmigen Zorn,
.
der ZWISchen • e nur eme Se1te noch mich kehren, Ephraim gar ~u verderben; denn ich bin Gott und
Zeit und Geschieht b . .
setzen sich wechselseiti e esteht. Zeit nicht ein Mensch, und ich bin der Heilige unter dir 2". Die Grschichte
ihrem Wesen erst in der G~s:~:~~:· ~e~m ;u~1 di~ Zeit beinhaltet die Tragödie zwischen Gott und Welt im Menschen. Nur des-
Voraussetzung ist nur möglich a. f ds er ältms der halb geschieht Geschichte, erläutert Nicolai Berdjajew, bei dem sich die
Der Ur u em Grund emes Unien des Ostens und Westens bedeutsam kreuzen, weil "Gott Freiheit
. G -sprung von Zeit und Geschichte ist die
dIC eschichte jenes zw · h wollte. weil das Urmysterium der Welt, das Urdrama der Welt auch
ist, so ist, wenn es nicht v . !SC en von Ewigkeit zu das Mysterium und Drama der Freiheit ... ist ... Jene uranfängliche ...
der Ewigkeit die 'enem zw· ermessen Ist z~ sagen, die Zeit eine auf nichts zurückführbare Freiheit gibt auch die Enträtselung der Welt-
Zeit entsteht, wenn'die Elwigkeit d Js~en der Geschichte entspricht. Die geschichte. In jener Freiheit geschieht nicht nur die Offenbarung Gottes
der Welt dem Tode verfallen ist es rspru?gs verloren und die Ordnung vor dem Menschen, sondern auch die erwidernde Offenbarung des
der Welt. Die Zeit ist der FOrst. ~as/·~tl!tz des _Todes ist das Zeichen . ·Menschen vor Gott, weil ja die Freiheit der Entstehungsquell der Be-
des Lebens ist. Das Ineinander un~ ::. es, Wie die Ewigkeit der FOrst wegung ist, des Prozesses, des inneren Konfliktes, des innerlich erlebten
vollzieht sich in der Geschichte D' ~se~nan.der von Tod und Leben Widerspruches. Darum ist der Zusammenhang zwischen . . . Freiheit
besiegen, auf den zeitlichen Ort de 1
~ ';,Ig~elt muß, um die Zeit zu und . . . Geschichte unzerreißbar 3 ".
ist der Ort, darauf die Substanz de/z .:sc ~e d~e ~reten. Die Geschichte Das Wesen der Geschichte ist die Freiheit. Damit ist die Geschichte
Tod und Leben sich kreuzen. eJ un le Substanz der Ewigkeit, nicht in die Willkür gestellt, denn kein Belieben verfügt über die Frei-
Apokalypse ist, dem Wort und d s· heit, vielmehr besitzt die Freiheit als Grund alles sich darauf Gründende.
Apokalypse sagt vom Sie der E . _em '. mn nach, Enthüllung. Alle Die Freiheit erst hebt ein Menschentum aus dem Kreise der Natur
der Winke der Ewigkeit. I~ deu e w~gke~t .. ~eses _Sagen ist ein Auffangen in das Reich der Geschichte. Nur der in der Freiheit seiende Mensch
erblickt und kühn das Ers ha t rs. en .;Je en Wird schon das Vollendete ist geschichtlich. Die Natur und ein in sie eingebettetes Menschentum
Erfüllte voraus zu winken ~ u ~ ms ort _gestellt, um das noch nicht hat keine Geschichte. Die Freiheit aber kann sich nur enthOllen als
Schauplatz der Geschieht~ ..::/ Steg. d~ Ew1gkeit vollzieht sich auf dem Ab-Fall. Denn so lange die Freiheit sich in den Bahnen des göttlich-
Fürst des Todes, unterworlen e~n am ':'-de ~er Gesch.ichte die Zeit, der natürlichen Kreislaufes bewegt, steht sie unter der Notwendigkeit Gottes
das Ende der Zeit. Das Ende i8~\~ ~~~t d1e Endzell ein. Endzeit ist
0
und der Natur. Ein non posse peecare unterscheidet sich nicht von einem
Zeit aufgehoben ist. Vom We Je 0 .I-endung, da die Ordnung der
e~n zeitliches Ende. Von de: ~'::; ~esclnchte her gesellen, ist das Ende
1
dieses zeitliebe Ende Ewigkeit In d ~rd Voll-endung her gesehen, ist
Zwang zum Guten. Erst die Ant-Wort des Menschen auf das Wort Gottes,
welche wesentlich ein Nein ist, bezeugt die menschliehe Freiheit. Darum
als Zeit aufgehoben Die E ·. k .:r. r nung der Ewigkeit ist das Sein
die endlose Unendlichkeit der~',;lt e~. Ist d~ie Vollendung und beendet
ist die Freiheit zur Negation der Grund der Geschichte.
Ebenso wie das Wesen der Geschichte ist das Wesen der Wahrheit
t
net das gleich-gültige Gesch h" · 1 en ose Unendlichkeit kennzeich-
Von diesem gleichgültigen ~:c~ ~e ches ~u keiner Entscheidung ruft.
in der Freiheit begründet •. Die Freiheit ist der Vollzug der Enthüllung
des Geheimnisses. Weil jedoch die Wahrheit im Wesen der Freiheit
gründet, is.t auch Verhüllung und Verbergung möglich. Das Geheimnis
durch, daß sie in die Ente h .d e en sch':Jdet sich die Geschichte da- vergessend wird die Welt aus den je neuesten Planungen errichtet. Die
Der Zusammenhang vonc Gei ~':'-g um die Wahrheit stellt.
Gernächte der Welt verstellen den Weg zum Geheimnis, so daß im
Ursprung aus dem Wesen der F":e~h:~hte u'::d Wahrheit ist im identischen Labyrinth der gemachten Straßen kein Aus-weg ist. Das Labyrinth der

Jetzt ruft, so wenden sie sich d


.
?ie . Ges<;hichte als Tragödie der F~~~heg~t.mdet. Schon ~osea beschreibt
~eh Ihn !leb und rief ihn, meinen Sohn =~ "Da Israel Jung war, hatte
' 5 ;\gypte~. Aber wenn man sie
Welt ist die Stätte der Irre. Man geht nicht erst in die Irre, sondern
immer nur in der Irre, weil man je schon in der Irre ist'· Die Irre ist
kein abgeschlossener Bezirk am Rande, sondern sie gehört zur inneren
zu kehren; und wenn man ihavon ... ~fem Vol~ Ist müde sich zu mir Verfassung der Welt. Wird aber die Irre, die die Welt durchherrscht,
Was soll ich aus dir machen Enen ~redJgt, s? rw~tet sich keiner auf. als Irre erfahren, so ist der '.Veg freigelegt, sich nicht beirren zulassen'.
Soll ich !lieht billig ein Ad ' phnum_? Soll ICh d1ch schützen, Israel? Das Wissen um die Irre als Irre ist der Weg hinaus aus der Irre auf den
ama aus d!r machen und dich wie Zeboim
Weg zur Offenbarung der Wahrheit.
t
-6- -7-

Das Verhältnis ?er ':echselseitigen Voraussetzung von Zeit und G Die Offenbarung ist das Subjekt der Geschichte, die Geschichte ist
schichte, als deren Identischer Ursprung die Ewigkeit b t' t e- das Prädikat der Offenbarung 10 • Die Offenbarung Ist das Feuer, welches
ist, läßt sich jetzt gänzlich entsiegeln. Dieses Verl·"ltes .lmm word.en die Lichtung zwischen Gott und Welt erhellt. Das Feuer brennt bis
'h · s . "' ms wurzelt 1m mitten an den Himmel, und in der Welt ist Dunkel und Finsternis. Im
Wesen er F re1 e1t. o erg1bt sich: die Ew1'gke't 1 · t d
'h 'td F · · h · lS as E lement der Feuer der Offenbarung ist die Stimme Gottes hörbar aber keine Gestalt
F re1· r··e1 . · hrei·sem
· · e1ßt zunächst frei " für 81',h"
' v ·
sem. All es was mcht·
f re1 ur ·s1c 1st, tw wird" von. der Freiheit begründ et · F rel·Sem · · ' herßt · aber sichtbar. Die Offenbarung ist nichts außer der Stimme Gottes. Die
Stimme Gottelf aber sprüht Feuerflammen. Nicht kann der Mensch ::
auc h .f re1k 't"von
D' e F as'h ·sem. · . Alles' was frei ist' gr ü n de·t so auf der Not- durchbrechen zu Gott, ihn zu sehen, sonst wird er versengt. Nur hinten· ''
wen d1g er
" d t1 E f . Ie re1. he1t . also endlich uni"osb ar b egründend
1st · und be- nach kann der Mensch Gott sehen, nicht aber von Angesicht zu Ange-
grun e . s rägt Sie :wie verhält sich die endliehe Fre'h 1 't.1 EI
der Zeit zur absoluten Freiheit im Element de E . k . ei? ~ ement sicht. Denn kein Mensch kann leben, der das Angesicht Gottes schaut.
· ka th · · r w•g e1t Dieses Ver Angesicht zu Angesichtist Gott im !<icht der paradiesischen Schöp·
hältms nn eiStisch-transzendent pantl . t' J • -
atheistisch-materialistisch bestimmt w~rden leiS !SC Hmmanent und fung, u wo in ewiger und ursprünglicher Vereinigung gleichsam in11einer
Die theistisch-transzendente Metaphysik ~er! gt d' b . . Flamme brennt, was in der Natur und Geschichte gesondert ist" und
der Ewigkeit jenseits der weehselseiti e le a solute Fre~he1t im Aeon der Sünde, zwischen Schöpfung und Erlösung sich ewig fliehen
II.iodifikationen der Freiheit. Die pau~ehne,·svt?rahu:setzung der endlichen muß. Die Sonderung von Natur und Geschichte kennzeichnet den Stand
.. 'k 1se -Immanente Schau d
spatanti en und deutschen Idealismus setzt das Verhältni 8 es/ der Sünde, da die Einung von Gott und Welt zerrissen ist und das
seitigen Voraussetzung als das Absolute'· Die atheistisch v:ec~sel"
de: Antlitz des Todes über der Welt lastet. Das Angesicht des Adam kadmon
Ideologie zersprengt das pantheistische Ineins d Id -:natenalistJsc~e ist zerstört. Und Adam fürchtet sich, da er sich nackt weiß und bloß
heitlicher Vernunft und notwendiger Wirklichk -~s D' e~smus von 1!rei· vor dem göttlichen Antlitz entdeckt. Erst nach der Sünde, da die Glut
versteht die Wirklichkeit als unterlogisch und v:~l~<>t,~ie ~~sche}" kn~e des paradiesischen Urstands kühl geworden, hört Adam die Stimme
der· Wirklichkeit E . unter . die wech•elsei'ti'ge
' Vorausse weu IgF e!t
" tz ung• beider · Gottes'"· Gott steht am Tore der Welt und spricht fragend hinein in
heiten der ndhchkeit. Die notwendige Wirkli hk 't 11 • ret· die Welt. Die himmlische Stimme ruft in die Welt hinein"'· Das Wort
freiheitlichen Vernunft angleichen. c ei so s1ch erst der Gottes ist der Ruf, der im Aeon der Nacht aus dem Schlaf erweckt,
denn die himmlische Stimme erinnert an den Ursprung des Adam, an
ast~~~c~!~:e i~~i:a~~~~·;=d I~~al~~~~t s~~U:~~t Gott un.d Welt das Vor der Geschichte und verheißt Erlösung, das Nach der Geschichte.
Vertauschbarkeit von "möglich" nnd wirklich" dl e~ merkwurdrgen Im Stand der Sünde, im Zwischen von Schöpfung und Erlösung kann
Fichte und Hege! kennzeichnet •. Das'~Iögliebe ist ~e~e~~~s~fr~:i~;~et Adam den Ruf Gottes nur "hören" und "glauben""· Die Offenbarung
ist die Helle im Aeon der Sünde, da Adam nur stückweis erkennt,
geworden,
· . . t'1sch·transzendeutIe Cld
wenn .auch , ' im Begriff"· DI'e tlIeJS 15
athe!stlsch-matenalistische Philosophie sind a o-k 1 , . e un. denn er sieht jetzt durcb einen Spiegel in einem dunklen Wort • Im
stehen noch im Vollzug der Enthüllung Th ,Pti 1a JitptJsch, denu sie Licht der Erlösung erkeunt Adam, gleich wie er selber erkannt worden
· hd E · ets sc 1· ranszendent ent
hjjllt sie as sehaton, die Mitte von Gott d W I . . ist: von Angesicht zu Angesichtl5 •
isch-materialistiseh enthüllt sieb die Mitte v~~ unt::' ~on ob;m, atheist- Der Weg des Menschen in die Zeit ist die Geschichte als Offenbarung
muß de~ Sprung getan werden, von oben: ins Absu d. .on betden Orten des Menschen 16 • Im Aeon der Sünde beginnt das Sein als Zeit, aus·
vom Reich der Notwendigkeit in das Reich der Frre.,heehi·tmha.b, vofnSunten: gerichtet auf den Tod. Die Zeit trägt in sich das todbringende Prinzip. 17
' h d" s·t· . mau ' 0 eilt· In Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft ist die Zeit zerschlagen •
sPrechen sw Ie r uatwnen von Marx und K' 1
~m die ka~sale Notwendigkeit und der Glaubel~n<eJ~ar:;e~::t ;'issen Gespenstisch erheben sieb die einzelnen Teile gegeneinanderund verzehren
s1ch sich gegenseitig. Die Gegenwart wird zur unwirklichen Grenze zwischen
. kunverembar
d II z gegenüber
. und dennoch "m"ussen " Slc . hm . emem. tehen
Augen dem Nicht-Mehr der Vergangenheit und dem Noch-Nicht der Zuktmft.
bl lC ' er a ern d'eJt Fenthoben
'h . ist ' Notwendigkeit u n d F 'h . . . .
re1 e1t vermrngen
Ir gen d wo mu,., Ie rm eJt den geschlosseuen K . d W I . Die Zeit ist nicht der Ort des Lebens, sondern tragt in sich den Pesthauch
Allein in den beiden Modifikationen erhält d•s ,, ßrel~ er e t sp_rengen. des Todes und stößt das Leben in die Scheol der Vergangenheit hinab.
. " . "II « mu emen JC verschiedenen
Erst in der Endzeit, am Ende der Zeit, da die Vergänglichkeit selbst
Smn. marx WI aus dem kreatürlich-gebrechlichen M l
Absolute schaffen, wahreud Kierkegaard sich auf e· ensc Ien se.lbst da~ vergeht, besiegt die Ewigkeit das tödliche Prinzip der Zeit. Den ewigen
dem kein Ding unmöglich ist'· men Gott stutzt, be1 Augenblick in der zeitlichen Gegenwart zu binden, ist das Werk der
t
-8- -9-
· Magie.~ deren 1etzter Ausläufer die Kunst ist D , , .
der Sunde vorgezaubert u d d' . as ParadJes WJrd Jm Aeon sie es gar nicht gegeben" um innerlich "gleichzeitig" zu werden mit
mißachtet. In der Sch;u ~ird ~~~m\i~~~· ~~henden Cherubim werden Christus 21• Für Marx ist der Sprung: ein Sprung aus dem Reich der
das Gewicht der Wirklichkeit wird in e Je ei~ übersehen, aber auch
kann alles innerlich geschlichtet
den Bannkreis der Innerlichkeit ;;:,hwe
s. d r ~cta~ ube.rsehen. In der Schau
eme Tat gefordert ist, die
Notwendigkeit in das Reich der Freiheit.

Ind K"' ce.


er ntlk der "Welt" kreuz · · ·
theistische und atheistisch-materi .•n. swh WJ~der di.e transzendent-.
?nd Marx. Am Begriff der Wirklic~~:~l:ch~ Phdosophie, Kierkegaard
ihre Kritik ein und trifft die Welt d b .. ' Wl~ Ihn Hege! gepr'<!gt, setzt : Freiheit und Revolution
wendet sich Kierke aard er urgerlwhen Gesellschaft. Ständig
sophie, die Wirklic:keit iuergehnVden Aufspruch der idealistischen Phi!o-
phJ.losophen von der Wirklichkeit
c ernun t zu begreife . w . Die Frage nach der Freiheit ist das Urthema der Apokalyptik und
d .. . n. " enn man die
f~hrend, wie wenn mau im Sc re en. hort, ~o Jst das ebenso irre- alle ihre Motive weisen auf die Wende hin, in der das Gefüge des \Volt-
<lJe Worte liest; ,Hier wird h:~!~~~~te~emes Trodlers. auf ~inem Schild kerkers sich sprengt. Diese Wende aher bezieht sich nicht zunächst oder
kommen, um sie rollen zu lasgse . ollte man mJt semer Wäsche nur auf die gegebene gesellschaftliche Ordnung. Denn die Apokalyptik
hängt nur zum Verkauf da" 18 Kn, so k wäre mau.. angef"h u rc., D /
as Schild ist zuerst nicht interessiert, den sozialen Aufbau der Gesellschaft zu
n.ur ein Thema, die Wirkliclll~eit ~~ß~gaa~ -:ame~ g~gen Hege! immer
1
ändern, vielmehr wendet sie den Blick von der Welt ab. Heißt Revolu-
em Paragraph, der von der . . . ~Je mcht m em System fassen, tion nur.: eine bestehende gesellschaftliehe Ordnung durch eine bessere
ist widersinnig. Eben an de~~~~~~chk~t Innerhalb eines Systems handelt, ersetzen, dann ist der Zusammenhang von Apokalyptik und Revolution
an Hege! ein. Seine Pfeile richter1 ? uukt se~zt Marx mit seiner Kritik
8
nicht offenbar. Heißt aber Revolution: der Totalität der Welt eine neue
Vernunft und Wirklichk .t ~eh gegen die behauptete Einheit von Totalität entgegensetzen, die ebenso umfassend, nämlich in den Grund-
Idee und Wirklichkeit a~ ' von , 'esen und Existenz. Hege! versöhnt . lagen, neu stiftet wie sie verneint, dann ist die Apokalyptik wesentlich
zur Idee mystifiziert ' ;r ~ur :m B.eg:iff. Damit wird die Existenz revolutionär.
waudein sich in kras'se's'tn dM!et"l·de?hsttschen" Ausführungen Hegels Die Apokalyptik verneint die Welt in ihrer Fülle. Das Gesamt der
. . ;, en a er1ahsmus» 19 I d d' .
a Is Wdle Sich gegen die ersehe'
zu einer abstrakten Totalität ~:n be
d W
e1
• " n em 1e Philosophie
t herau~k<;hrt, ist das System
samkeit ist gebrochen, Was innerl::n ge~tzt ... dte .mnere Selbstgenüg-
Welt umklammert die Apokalyptik negativ. Gesetz und Schicksal sind
die Grundfesten des Kosmos. Kosmos aber bedeutet seit der Antike
immer harmonisches Gefüge 22• Weil aber im Kosmos Ordnung und
FJamme, die sieh nach o n es cht war, WJrd zur verzehrenden Gesetz herrscht, weil das Schicksal oberste Macht im Kosmos ist, deshalb,
a.Uuen wendet 20" · -
Wenn Marx ohne Gott hil . ' . so schließt die Apokalyptik in ungeheuerer Umkehrung, ist der Kosmos
ist ihnen gemeinsame Vo p osoph~ert und Kwrkegaard vor Gott so die Fülle des Schlechten. Die Weltisteine Totalität, welche sich abgrenzt
Die Welt-Geschichte, welc~:u~:tz~ng: der Zerfall von Gott und Welt. gegen das Göttliche, eine Selbst-ständigkeit Gott gegenüber. Die Welt
fen Marx und Rierkegaard al G g\ :'~eh als Theo-dicee versteht, begrei- hat darum ihren eigenen Geist, ihren Gott. Wie die Welt ihre Potenz ·
sinkt vor dem kairos zur "vo;sc tc. te der "Welt". Die Weltgeschichte nicht in sieh trägt, sondern vom Gegenpol bestimmt ist, so wird auch
kreuzen sich im kairos Weil di ~esc~tc~te herab. Endzeit und Urzeit . Gott von der Welt her in Spannung gehalten. Dieses Verhältnis der
ist, glaubt Kierkegaard an die eU ""\!c e der. ch;ist!ichen Welt zu Ende Spannung ist gegenseitig nnd bestimmt beide Pole. Die Welt ist das
zu können. Erst post Ch , t rzeJ des chnsthchen Aeons anknüpfen Gegengöttliche und Gott ist das Gegenweltliche 23• Gott ist in der Welt
alters, ist die Nach-folge C~~~~m; .nach de,m. Ende des christlichen Zeit- fremd und unbekannt. Indem Gott in der Welt erscheint, ist er für die
verwirldicht sich für Ma di !/le~er mogbc~. Im "Reich der Freiheit" Welt neu. Der "neue Gott" ist der unbekannte, der der \Velt fremde
Reich der Freiheit ergibtr~ch e bur ?mmumstlsche Gemeinschaft". Das Gott. In der Welt ist Gott nicht-seiend. Der "neue Gott" ist nach Basi-
Notwendigkeit Fü K' k a er mcht "natiirlich" aus dem Reich der lides der "nicht-seiende Gott". Damit verflüchtigt sich Gott nicht in die
.. . · r 1er egaard und M ·t d
notig. Für Kierkegaard ist der S ~rx.Js as .wun~er des Sprunges . leere Abstraktion, denn der "nicht-seiende. Gott" ist eine ungeheure
Graben der We!taeschicbte d" ~~~g ·J ehm Zuriicksprmgen über den Mächtigkeit. Der "nicht-seiende Gott" ist ein nichtender Gott "'• welcher
o ' u Ie a re wegzuschaffen, als habe die Welt umklammert und ver-nichtet. Der nicht-seiende Gott stellt
2
-10- 11-

das W~sen der Welt .in Frage, indem er alle Gültigkeit und Endgültigkeit
des Seienden bestreitet. Darum kann das Evangelium vom fernen und Geist und Geschichte
unbekannten ja vom nicht-seienden Gott, welches die Gnosis kündet,
das allgemein zündende Losungswort für die nihilistisch-revolutionäre
Sehnsucht sein 25 • Der gegenweltliche, in der Welt "nicht seiende" Gott Es ist eine entscheidende Wende, wenn sich die geschichtliche w.elt
sanktioniert die nihilistische Haltung des Menschen der Welt gegenüber. Israels vom mythischen Lebenskreis des alten Orien~s und der Antike
Der "nicht-seiende" Gott und das heißt der "noch nicht-seiende" Gott abhebt. Durch allen Mythos klingt das Gesetz des Kreislaufs von Gebu~t
ist die gewaltige Verheißung einer Wende. Der "nicht-seiende" Gott und Tod. Das Leben verläuft zwischen Geburt u~d Tod, .und schon. m
nichtet die Welt und erscheint dann in seiner Macht. d Geburt ist der Tod mitgesetzt: "Woher aber Ihnen die Gebu:t' 1st,
Die Apokalyptik ist revolutionär, denn sie schaut die Wende nicht d:~in geht auch ihr Sterben nach der Notwendigkeit""· Im Kreis des
in unbestimmter Zukunft, sondern ganz nahe. Darum ist apokalyptische Lebens entfaltet sich nur, was aus dem Ursprung kommt und zum Ur-
Prophetie zukünftig und doch ganz gegenwärtig. Das tclos der Revolu" sprung zurückkehrt. Der Mythos ist die "Erzählung" des Urspru~gs.
tion b.indet die chaotischen Gewalten, die sonst alle Formen sprengen Der Mythos antwortet auf die Frage nach dem Woher 30 • In der ewigen
und d1e gesetzten Grenzen überschreiten würden. Auch Revolution hat Wiederkehr des Gleichen fällt das Wohin mit dem. ": oher. zus~mmen.
ihre Formen und ist "in Form", gerade wenn sie erstarrte Formen die Der Ursprung als das Irreins von Woher und Wohm 1st .diC ~fitte der
!'osi~ivit~ten der Welt, erschüttert. Das apokalyptische Prinzip enthält mythischen Welt. Die umfassende Mach~ des Urspru~gs 1st die Natur,
m Sich em~ ges~alt-zerstörende und eine gestaltende Macht vereinigt. denn sie bannt alles Geschehen in den Kreislauf von Bluhen und Welken.
Je nach ~1tuatwn und Aufgabe tritt eine der beiden Komponenten Die Götter der Natur sind die Baale, und der heiligste der Baals-Gatter
hervor, keme aber darf fehlen. Fehlt das dämonisch zerstörende Element ist Dionysos. · . h L b
so kann die erstarrte Ordnung, die jeweilige Positivität der Welt nicht Dem vegetativen Grund des Ursprungs ruht das ~mma 1!SC e e en
überwunden werden. Wenn aber im zerstörenden Element nicht der auf. Auch das animalische Leben schließt sich im.Krels .von Gebu_rt ~nd
"neue Bund" 26 durchscheint, so sinkt die Revolution unvermeidlich Tod Auch der Mensch ist ein zoon politikon, undsemesoziale Orgamsatwn
ins leere Nichts. rü~det in Blut und Boden. Blut und Boden sin~ aber Elemente der
Sinkt das telos der Revolution aber ab, so daß die Revolution nicht ~atur. Der Kreislauf der Natur erfährt seine Mächtigung v_om Ursprung
~ehr Mittel, sondern zum einzig schaffenden Prinzip wird, dann wird her.. Der Kreis kann enger oder weiter gespa?nt s~in, er bleibt Kreislauf.
die Lust des Zerstörens zur schaffenden Lust. Weist die Revolution Damit aber steht in der mythischen Welt die Zeit nnter ~er 1-Ierrsc~aft
nirgends über sich hinaus, so endet sie in einer formal-dynamischen des Ranmes. Wenn aber die Ze.it als Kreislauf oder als Kre~s von Kreisen
Bewegung, die ins leere Nichts verläuft. Eine "Revolution des Nihilis- angeschaut wird, ist ihr Wesen nicht offenbar. Denn es IS~ das Wesen
;nus". strebt keinem telos zu, sondern findet in der "Bewegung" selbst der Zeit, vorwärts zu gehen, unumkehrbar auf das Neue h~nzustrebe~,
Ihr Ziel und nähert sich damit der Satanie ". nach dem Wozu zu fragen"· Mit der Frage nach dem Wozu IS~ der .Kreis
Es enthüllt sich aber auch das tragische Wesen der echten Revo- der Natur grundsätzlich gebrochen und das Gefüge des ewig Wieder-
lution. Indem sie zum absol)lten telos hinstrebt, muß sie über jede kehrenden gesprengt. . . . d
G~stalt hi~austreiben. Und doch kann die U-topie nur in einer Topie Das Wozu ist die Frage des Geistes, der mcht m die Grenze~ es
Wirkhebkelt werden. Rastlos treibt das revolutionäre Prinzip von Ge- Ursprungs eingeschlossen ist. In der ewigen Wiederkehr des Gleiche.n
stalt zu Gestalt. Jede Verwirklichung gefährdet den absoluten Anspruch herrscht der Eros, der oben und unten einander nähert .und den KreiS
des telos. So ist auch von der Absolutheit des Anspruchs her die Situation der Natur rundet. In der einsinnig nnu.mkehrbar~n Zelt herrscht der
d.er "p~rmanenten" Revolution erreicht. Die Unruhe des Prinzips teilt Geist der vorwärts strebt. So ist der Geist der Zelt streng zuge_ordn~t.
siCh semen Trägern mit. Es treibt die Propheten und Apokalyptiker · Es erhellt, daß Geist-Zeit (Joachim und Spi~itualen). und Zelt-Ge.Ist
von Ort zu ?r~. D!e vielen Wanderungen Jesu machen den Exegeten (Hege! und Linkshegelianer) im Wesen der Geschichte grunden. So e:g1bt
großte Schwierigkeiten 28• Es wäre auch nicht tief gesehen, die ewigen sich daß die Geschichte das Element des Geistes ist. Wie die Geschichte
Wande~un.gen moderner Revolutionäre allein auf die Ausweisungsbefehle ·das 'Element des Geistes ist, so ist auch der Geist das E.lemen~ der ~e­
der Pohze1 zurückzuführen. Hinter den rationalen Vordergründen und schichte. Die Geschichte kommt zu ihrem Wesen erst 1m Geist .. Geist
momentanen Zweckmäßigkeilen verbirgt sich ein Schicksal. · und Geschichte setzen sich wechselseitig voraus. Das VerhältDIS der
-12-
-13-
wechselseitigen Voraussetzung ist nu ·· r h . . .
in der Zeit durchscheint.. r mog Je ' weil Im Gmst die Ewigkeit . Axiologie 11nd Teleologie ist apokalyptische Ontologie möglich. Ein Ge-
. Die Geworfenheit des Ursprungs te'lt d M . schehen läßt immer das Einst der Schöpfung durchscheinen: axiologlsches
kreisenden Natur. Der Geworfenheit' d er ensch mit der notwendig Verhältnis. Weil das Einst der Schöpfung im Gesthehen durchscheint,
Mensch den Ent-wurf des Geistes " ..•s Ursprungs aber stellt der weist es auch hin auf das Einst der Erlösung: teleologlsches Verhältnis.
·. ist die Freiheit des Menschen. G:i:~·~s~b~. Der .Entwurf des Geistes So ist die Geschichte Mitte zwischen Schöpfung und Erlösung. Die Ge-
Freiheit. Der Entwurf des Geistes ist die Gesc~~e~tl!ch Im Element der schichte enthüllt ihr Wesen nur als Eschatologie. Im Einst der Schöpfung
der Natur übersteigt Die Macht d U Je te, welche die Grenzen hat die Geschichte ihren Anfang, und im Einst der Erlösung kommt sie
Raum zerbricht in I;rael. So kann •:sra!?:un?s und ~ie Wurzelung im · zu ihrem Ende. Das Zwischen von Schöpfung und Erlösung ist der Weg
werden, ohne unterzugehen denn es weißu :I~emtv~k ohne Raum" der Geschichte. Das procedere von Schöpfung zu Erlösung ist das Heil.
welches der Wurzelung im R' U'Ime t . . lC a s " olk der Zeit", So ist die Geschichte notwendig Heilsgeschichte.
·
zu Ihrem Wesen und wird über' de enR rissen Ist"· D'Ie .ze1't k ommt hier ·
gerichtet, sie geht auf etwas zu d: ~u:; erhoben. Die Zeit wird aus- Der Grund der Geschichte ist das Gedächtnis. Denn ohne Gedächtnis
das, wenn es erreicht nicht ~: d s mcl war, sondern sein wird und wären Gegenwart, Vergangenheit und Znkunft endgültig abgeschnitten.
geht auf einen "neuen' Himmel ~:der .ver oren /leht;, Die Welt als Zeit Das geschichtliche Wissen ist ein Sich-erinnern. Das äußere objektive
über den Kreis des Urs run s . eme neue rde zu. Das Neue geht Geschehen wird durch das Gedächtnis verinnerlicht: der Mensch er-
Geschichte. Von der Ges~lrich~e lrinau~. Das Neue ist im Element der innert in sich die Tiefe der Zeiten. Wie eine Schallplatte fängt der Mensch
den sich Mitte und Ende reiht 32 ~~: ~Ird l~e~ Urspnm~ zun: Anfang, an. alle Höhen und Tiefen, jedes forte und piano der. Weltgeschichte ein.
Schö~fung und Erlösung. · esc 110 te selbst 1st Mitte zwischen Denn die Geschichte geschieht nicht nur objektiv, makrokosmisch, son-
D1e Welt als Geschichte hat ihren S h . dern vollzieht sich auch mikrokosmisch im Menschen. In der Gesclrichte
Gegenwart der Natur sondern . c Werpunkt mcht in der ewigen ereignet sich die Identität von Objekt und Subjekt"'· Alle Revolten,
fung und ist ausgeri~htet auf :;de~~{·älrt ~us. der anfängli~hen Schöp- Kriege, Siege und Niederlagen, alle Stürme, Brände und Beben sind
seheheu dient dem Gang von S h.. f lC e rlösung. Das emzelne Ge- nur die aufgeschlagene Bühne des Menschen, instrumentieren die Genesis
Sinn nicht in sieh selbst sondern ~ä~~ ~.ng z~ Erlösun_g. Es trägt seinen
blicken und weist hi'n a' uf di d 0
Je r nung der Schöpfung durch-
des Menschen. Das Gedächtnis ist das Organ des Menschen, das ihn in
die Geschichte einsenkt. Im Gedächtnis spiegelt sich die Auseinander-
. 0
mimerauf das Eschaton bezo e r nung der Erlös . nng. E'm E re1gms
, . Ist
.
setzung von Zeit und Ewigkeit auf dem Schlachtfeld der Geschichte
ten Sinn: das Einst der Schö~~~~.a~ E.s~ha:on 1st das Einst im doppel- und der endliche Sieg der Ewigkeit. Darum ist das Gedächtnis eine
sung: Teleologie. · XIO OgJe, und das Einst der Erlö- eschatologische Größe, eine Potenz im Drama der Eschatologie.
Ein Geschehen ist nie nur axi 1 ". h d Im Neujahrsfest Israels, darin das alte Fest von der Thronbesteigung
Eschaton hin, sondern in unlösbarero~~~\ ~ .':[ te~ologisc~ zu •.einem Jwhs nachhallt, wird Gott als König der Welt gefeiert. Das Drama der
Verhältnis von Axiolo ie und T . ei eJ es. Iesem dialektischen Thronbesteigung Gottes vollzieht sich in drei Akten: Königung - Erin-
eschatologischen Ellip! sind, dr~~~l~gle, wel?he die Bre~np~nkte der nerung - Erlösung. Der zweite Akt im Drama der Thronhesteigung
P?le. Ei.ners_eits kann der altiologische ~~f'd~r ~~h:~rselb~tä~d•gu~g der Gottes ist das "Gedächtnis", danach der Tag seinen Namen erhalt: Tag
WerteWigkelt entspannt werden" D' Gl . hs p ung In die Objektive des Gedächtnisses. Gott, der zum König ausgerufen wird, gedenkt seines
Wert kennzeichnet den HistOJis . Je ~Je . etzuug von Altiologie und Bundes mit den Menschen und erlöst sie. Gott ist das absolute Gedächtnis,
logisch verbrämt: alle Epoche:u.s, ddeglr s;c~ Im Rankespruch nur theo- und für ihn gibt es kein Vergessen. Das Gedächtnis ist das positive
abstürzt in die Aussa"e. alles sm ew . nah ~u Gott, und immer Prinzip, ihm steht das Vergessen als negatives Prinzip gegenüber. Das
gleiehgilltig. Die gleichgQltige N~~chch~ Ist_gle!c.h gültig und somit Gedächtnis ist in Israel dem männlichen Pol zngeordnet, wahrend das
Gesclrichte als We. zur ErJ·· e ~u ott n?ersJeht das Wesen der Vergessen dem weiblichen Pole entspricht. Sikaron, Gedächtnis, ist mit
einzelt dagegen de~J teleolo;~u~g. D~el Ideologie. de.s Fortschritts ver- sakar = männlich, und nakab, durchlöchern, sieben, ist mit nkeba =
Gesehichte zn G . c en °' wenn SJe Jeden Moment der
statt im Ewi' ~~ste~ mnes Id':'als entwertet, das im Unendlichen lie t
weiblich verwandt.
Das Gedächtnis sprengt die Grenzen der Natur, die dem Tod ver-
der Geschichf::,; ~~eg I::~~~~~e Sd~· Pfortschritts .übersieht das Wes!~ fallen ist. "Zum Gedächtnis" baut der Mensch über die Sterblichkeit
'e op ung. Nur m der Dialektik von hinaus. Der Trieb zur Unsterblichkeit hängt eng mit dem Gedächtnis
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. . Gott und Welt noch nicht unter- ·
zusammen. Der Trieb zur Unsterblichkeit schafft die Furcht vor dem reiheit. Die Thesis ist ~a~ All,, da nnuu von Gott unq Welt: die
Tode. Das Gedächtnis entwindet ein Ereignis dem Strom der Zeit. Ein debr'Fden sind. Die Antithesis Jst dJe T~e Weltgdurch den Menschen, auf
Ereignis ist so dem Zeitelement entwunden, weil es gesetzt ist und nicht sc Je . . t d'e Einung von Gott un
· thesJs JS 1
Syn • I!
mit dem Zeitstrom verschwindet. Durch das Gedächtnis werden wir t . Freiheit sei alles m a en.
daß Got m ·
dessen gewahr, daß es einen Ablauf der Zeit gibt, und dies ist nur möglich,
weil im Gedächtnis die Zeit überwunden ist. Weil das Gedächtnis außer-
halb der Zeit steht, kann es die Zeit in ihrer Vergänglichkeit erkennen.
Gäbe es keine Ewigkeit, so gäbe es keine Anschauung der Zeit.
In der Eschatologie stellt das Gedächtnis jenes Prinzip dar, das den Israel als Ort der Revolution
Kampf gegen die Zeit im Namen der Ewigkeit führt. Vergessen heißt
in Israel: Abfall und Tod. Die deuteronornisehe Predigt kreist um das
Thema des Vergessens: "so hüte dich, daß du nicht des Herrn vergessest, . ären Apokalyptik ist Israel.
der dich aus Ägypterland, aus dem Diensthaus geführt hat" 36• "Gedenke Der geschichtliche Ort der revo~u~~~ Die Umkehr des Innen wirkt
und vergiß nicht" ist das Leitmotiv der Moserede im Deuteronomium Israel erstrebt und versucht~ie ','.~:n~li~h~ Verhalten Israels zum ~ebel~
und aller prophetischen Rede. mkehrend auf das Außen. as . bestimmt 41. Die Hoffnung. ~rae
u . durch das Pathos der Revolutwn er Einleitung zur Komgung
Die Geschichte ist die Ebene, auf der sich Gott und Welt kreuzen. ,~,r~lt in der Alleinherrschaft Gottes. i~l~ß eines jeden Gottesdienstes
Die Geschichte ist der Weg Gottes, und sein Wirken offenbart sich iu ~~ttes am Anfang des J ~hres und. amof~n daß wir die Welt verändern
ihr. Geschichte aber ist auch Welt-Geschichte. Der Mensch als Mitte t t d'e jüdische Gememde: "Wir h . ht' "'" Die Stimme Gottes
~::den
1
von Gott und Welt ist so Träger der Geschichte. Offenbarung der Welt durch die Herrsc~~ft~~::el~:ä~e~~~~r d~s Reich zu b;rei~e~:~
und Offenbarung Gottes ist in ihrer strengen Zuordnung nur eine Ge- erschallt als Ruf zur Tat, d ~~ .. eu" besiegeln die Stämme am mal
schichte, als Funkensprung von Pol zu Pol: die Enthüllung des Menschen 31• Ml' t wir wollen tun un or 11 . ht
Die Geschichte zielt auf Einung in Gott. Die Welt als Einschränkung Bund" mit -Gott 44 . I " enannt wird, so läßt SJC
· h vie e1c
Gottes kann erst das Prinzip der Freiheit offenbar machen. Um der Wenn Hellas das "Auge der Wet d~r Welt" ist •'. In der Offenbarung
Enthüllung der Freiheit willen ist die Welt geschaffen. Das All Gottes vou Israel sagen, daß es das "Ge~~ höre Israel" wendet sich. Mose dan
soll sich in Welt wandeln, auf daß in Freiheit Gott sei alles in allen. Der hört Israel die Stimme <;>ottes. h J "im Rufen des Höre", ~Jmmt D~r
Mensch soll die Welt Gott überantworten, da er alle Herrschaft und alle . Stämme. In der kenath sc. n:a,
dJe "d Himmels" auf SICh ••. Je
Obrigkeit und Gewalt der Welt aufhebt. Wenn aber alles dem Menschen Jude täglich das " oc
J h d s Komgtums es
~ . hen Gehor-sam und nge -
u hor sam
untertan sein wird, alsdann wird auch er untertan sein dem, der ihm w· klichkeit Israels schwmgt ZW!SC
alles untergetan hat, auf daß Gott sei alles in allen 38• Denn Gott wird e;en Gott. . in der w eltgeschichte, der Gärungs-
erst in der Erlösung das, was menschliches Trachten von je überall ge- g Israel ist das unruhige Element h fft Es löst sich zuerst vom
sucht und behauptet und doch nirgends erweisen konnte, weil es eben toff der erst eigentlich Geschich~e sc t:ns . Die Kulturen am Nil und
noch nirgends zu finden war, denn es war noch nicht: All und Eins 39• s uh~nden Grund Babylonie:r:s und ~gy?n fü; alle Mal entstanden .. Das
Dialektik ist das wegweisende Zeichen auf dem Weg der Geschichte r . n den Strömen schemen wie. eJ M uer die immer wieder
~~~s:eeustromland gleic~t e~.erh s~:~:;:=~ert Ägyp~eu.
von Schöpfung zu Erlösung. Die innere Möglichkeit der Dialektik ergibt
sich aus dem Wesen der Freiheit. Freiheit ist nur, wenn sie auch Freiheit
zur Negation ist. Die Geschichte ist dialektisch, weil sich in ihr die
ableibt.
ausgebessert wird, aber eigen JC t rrt Nicht daß es an Ereigmssen
zn einer steinernen Hieroglyp~e ~rs aflutet über diese Länder: abe~ e~
r-
scheint

"ungeheure Macht des Negativen" enthüllt ••. Die Macht des Negativen fehlt hätt~. ?rausam~; Ge~~uedi:e Schicksale h~rbeiführe~, JSt~e~c~:~.
se~i~~~:~t~~~:~~lz~;ht sich in der ~wi~i~ ~~~fs~~~~~:p~~alyptische
zwingt zur Annahme der Antithesis und erklärt, warum das Reich Gottes
nicht auf der Stufe der Thesis verwirklicht ist. Der Unterschied zwischen
der Thesis des All Gottes: deus sive natura und der Synthesis: auf daß i"s:::,stanz
Ende der Geschichte Europass ab I der ewigen Wiederkehr des
aufgezehrt ist, taucht das ym 0
Gott sei alles in allen, ist das Prinzip der Freiheit. Das Zwischen von
Thesis und Synthesis, die Antithesis, enthüllt als Geschichte das Prinzip Gleichen wieder auf.
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-16-
k nicht mehr in der Menschheit über-
Den Lebenskreis der ewigen Wiederkehr des Gleichen durchbricht Die Offe;tbarung Got~es .a~~ls solche zerrissen und zerstreut, auch
Israel und erschließt so erst die Welt als Geschichte. Die Geschichte wird baupt stattfmden, denn d!esel:s ' Volk heißt ist schon den Göttern
ihm zur Mitte, um die sich alles bewegt. Die Feste, die Israel aus dem nicht bel einem Volk, denr: 3 . es, "~eschlecht das nicht den Weg der
ägyptischen, babylonischen und kanaanäischen Umkreis übernimmt, verfallen, sondern nur be: emem an den Gott der Urzeit gebunden
erhalten durch die geschichtliche Grundlegung einen völlig neuen Sinn47. Völker beschritten und SIC:l noch . ßt das Geschlecht Abrahams aus
Orientalische Mythik, die den ewig wiederkehrenden Kreis der Natur weiß"· Die Offenbarung Gott~s ;e~ -Haus heraus und verheißt ein
beschreibt, wird in das historische Geschick Israels eingezeichnet. Ein- ·Heimat-Land, G_ebu~ts-Ortill~~•• A~ e:ham ist ein Fremdling auf Erden,
zelne Motive aus den Mythen werden zum Aufriß einer Geschichte der Land, "das ich d!r zeigen w . r b e net Das Geschlecht Abra-
Menschheit verwendet. Die Weltzeitalter im kosmischen Weltenjahr, die Länderu und Völkern fremd, denen er"l~~~.: ehöria sondern als Nicht-
aus dem Bereich der astralen Mythik stammen, werden zu Aeonen einer harns betrachtet sieh nicht als zu den Vo H gb ä "' Abraham der Ibri
einmaligen Geschichte umgezeichnet 48• Die Aeonen der Apokalyptik sind Volk. Und eben dies sagt auch der ~~::nd~nr :·k~inen festen Wolln-
Stufen im Drama der Geschichte, das ganz auf das Ende ausgerichtet heißt also: Abraham, der zu den Durc ehärt wie der Erzvater in
ist. Auch die Entsprechung von Urzeit und Endzeit stammt ans den sitz Gebundenen, nomadisch .Leb:~~~~ d~nn d:r nirgends Weilende ist
orientalischen Mythen vom ewigen Kreislauf. In den Sehnsüchten und Kanaan auch stets der Frerndh~g Wand~rer" ... Diese Entgegeusetzung
Hoffnungen der Apokalyptik klingen viele mythologische Motive auf. überall nur ein Frem~lmg, ei. I N'chts allein gründen, so mußte
. Welt,· sollte sJe mcht liD eeren' I .
gegen d1e
Die mythologischen Motive aber zieren nur den einen zielstrebigen Weg
der Geschichte, sie sind nur funktionale Teile des weltgeschichtlichen
Dramas. Die Apokalyptik verwendet die gesamte orientalische Märchen-
sie von dem der Welt frem1end t G tt t agen sem 56
~:/wüste statt.' In der Wüste wird
Die Offenbarung Gottes m e ~n. h ein Schicksal und das Wüsten-
welt, um ihrer Idee Körper zu verleihen. Zerrissene Motivfragmeute, Israel zum Volk Gotte~. Hier for;n ..;;eg
s;c
8
in der Ges~hichte zum Reicl1
selbstständige Erzählungen, einzelne Stücke aus Mythen strafft die geschlechtwird wegwetsend fü': srae • gelobtes Land_ eine Verheißung.
Apokalyptik zu einer Tragödie des Weltgeschicks, die das All: Gott, Gottes", Kana:mistfürlsraeiJmmeretn d Völkern umgeben und
. d' Stä in Kanaan von an ern
Mensch und Welt umfallt. Dauernd Sind 1e mm~ p d' t erhält das nomadische Ideal
durchsetzt. Die prophetische re lg. rt daß es nicht "Herr" des
lebendig. Immer ;vird Israel daran ~n~n~~~ Wort Israel mit dem Exil.
Heidentum ist Völkerturn, mehr will das hebräische und griechische Landes ist ..st:'nd1~ bed;,oht ~as ~~&e~ sdarin Israel bis ans Ende d~r
Wort, das mit Heidentum übersetzt wird, nicht aussagen. Völker- Das Exll 1st d1e Wt;ste . ': h lt t~tsäehlich die Wüste, denn die
entstehung, Sprachverwirrung und Gehurt der Götter entsprechen ein- Tage wandert. Das Extl wre t~ o . t ehe die Stämme landsässig ge-
ander 49• Die Genesis •• verknüpft die Entstehung der Völker mit der Verbände der Geschlechter,"''? Cl~ ~ts·~ren treten wieder hervor. Und
Entstehung der Sprachen. Die Verwirrung der Sprache wird als Ursache, worden, der Grund der Gemernse a . "Blick auf das gelobte Land hin
die Entstehung der Völker als Wirkung bestimmt. Die Menschheit ahnt wie sich das Wüstengeschlecht ~u\lm r möglich in der Hoffnung auf
die Scheidung: "Laßt uns eine Stadt und einen Turm bauen, daß die verstand, so ist das ~eben I!U Xl e~'krde herausgerissen und iu Um-
Spitze bis an den Himmel reiche, daß wir uns einen Namen machen I Erlösung "· Im Exil ISt Isr~el aus ~hstum die Wurzeln nach oben ein-
denn wir werden sonst zerstreut in alle Länder." Sieh "einen Namen kehrung gegen alles naturhebe yva. E 'I aus dem Erdboden heraus-
machen", heißt aber nichts anderes als "ein Volk werden""· Doch das gepflanzt. Auch Israels Gott Wlrd lm 'ttXln die ihn mit der kanaanäisch-
Schicksal ist nicht abzuwenden: die Sprache der Menschheit wird ver- gerissen, und alle Bande we;r~en ze~~h~~n ez;hllosen Ortsgöttern, Ahuen-
wirrt, und die Völker zerstreuen sich in alle Länder. "Nicht ein äußerer palästinensischen Volk~rehgron,_ ml d Im Exil wird der unsichtbare
Stachel, der Stachel innerer Unruhe, das Gefühl, nicht mehr die ganze kult und heiliger ProstJ;utwn v~ba~. enGeschichte der Welt lenkt. Daß
Menschheit, sondern nur ein Theil derselben zu seyn, und nicht mehr Gott der Wüste zum WelltgoGtt,tt ':rei~~ gibt der jüdischen Apokalyptik
dem schlechthin Einen anzugehören, sondern einem besondern Gott oder der Welt-Gott auch Israe s o •
besondern Göttern anheimgefallen zu sein; dieses Gefühl ist es, was sie eschatologischen Auftrieb.. k , tik und Gesetz laufen in Ezechiel,
von Land zu Land, von Küste zu Küste trieb, bis jedes mit sich allein, Die Linien von Prop~etle, Apo a1y p Das Werk Ezechiels setzt Esra
und von allen fremdartigem sieb geschieden sah, und den ihm bestimm· dem Propheten des Exils zusdan;meu. Mose mißt. Esra war würdig,
ten, ihm angemessenen Ort gefunden hatte" 52 • fort, den die talmudische Tra lt!on an ' ' "
-19-
-18- . . bis zu den Puritanern läßt
t ent Von den Tabonten . . ., Seit der Emanzi-
als da~ Neu~. ~~s f~~da; Alte Testament naeh:elsä~:n Bewegung bestim-
daß die Thora durch ihn gegeben werde, wäre ihm Mose nicht zuvor-
gekommen" "· Die moderne literarische Kritik will denn auch Esra als
Schreiber der Thora erweisen ••. Gleich Mose formt Esra Israel. Die
sici: die. Vo~ le Anteil der Juden in der revolu ;:u Karl Marx, Ferdinaud
patlodn lS!s :l~ein schon die Namen vodlu Mo~to B~uer, Eduard Bernstein
Thora wird zur Grundlage der jüdischen Gemeinde. Die Juden sind J:Uen ' w L emburg Max A er,
seither, wie es Mohammed zuerst sagt, das Volk des Buches, ein Volk, Lassalle, Rosa ux '
Trotzki bezeugen.
das im Logos-Wort wurzelt. Philo preist das Gesetz Mosis, weil es Gesetz und Leo h . der Mitte zwischen
der Wüste ist, entrissen allen natürlichen Maßen. Das Maß des Ge- W lt als Geschichte steht .der Mense d~tt hin und mit Gott
setzes, das in der Wüste offenbart wurde, ist der Wille Gottes und nicht In der"' elt Mit der Welt ist er JC ganz zuh bestimmt sieh durch
die Elle menschlicher Vermessung. Gott und "e · • . Wesen des Mensc en öttlieh,
Da Josephus 61 das Gesetz Israels von Staat und Gesellschaft be- . ganz zur Welt hm. Da~ 't Gott ist der Mensch ga;1Z gM·t der
JC Fl t n in lhm: ml . h n be!de. '
dieses doppelte u ~ltlich in die Mitte gestellt ~';;sc r~nupft mit Gott
schreibt, schafft er ein neu es Wort, das die politische Idee Israels treffend
umreißt: Theokratie. Gott beansprucht in Israel die Herrschaft über
das ganze Leben und gibt seinen Willen in einem Gesetz kund, das ebenso
mit d~r WeltMgan:c: durch,die "natürlich:n Ban.
Welt 1St der en Bund. In die Mitte ZWlSC
eh:: natürli~he Baude
wie es Kult und Sitte regelt, auch Staat und Gesellschaft bestimmt"· schließt d:'r Men;ch :ei~t der Mensch hineiugcstell~ rwählt Jwb nicht
Mit der Idee der Theokratie steht Israel im arabischen Raume, dem und göttlich~n m u;;nai ist ein Königsbund "· ls~:rn ezu!ll König. Gott
jener Zug der Auflehnung gegen alle Menschengewalt eignet. Die Auf- Der Bun a der Genossenschaft, son We e mit dem
lehnung gegen alle menschliche Ordnung bestimmt insbesondere das allein z~m. Sehutz~~~!ehende Gott, der Füh~er auf de~inde~. 'Während
Beduinentum, den Adel der Wüste. Die Organisation des Beduinenturns als Kömg •st der :"'Vorstellung an das Kömgtum vedert Jwh mit den
ist ein "Gemeinwesen ohne Obrigkeit" '"• das der theokratischen Ge- sich im Orier:t die nd Inhaber eines Ortes ist, Hwan baren" führt die
B al Bes>tzer u Herr der eersc
meinde Israels verwandt ist. Ein beduinischer Häuptling nennt sich nie der a . . der Wüste umher. Der " ., nd ist keinem Orte ver-
König, er kann höchstens Sayid al Arab, Fursprech der Araber sein. ~t~mmen m d himmlischen Scharen .an , .. u nzeit, als Jwh selbst als
Die Herrschaft über Menschen gebührt, nacl> frühislamischer Auffassung, ndlscb~: ~~e Prophetie erinnert an d>e \>i us~nd Israel sich nicht auf
Gott allein 64• Ein menschliches mulk, ein Königtum, wäre widergöttlich. haftet . . el'f chen Scharen voranzog 1 . Gemeinwesen ohne
Noch in der Abbassidenzeit müssen die Juristen des Khalifatz zu Rechts- König de~ ~:~ v~:~eß. Die Wüstenzeit, d~ ls;aed:;nAuseinandersetzung
fiktionen Zuflucht nehmen, um die Tatsache des erblichen Fürstentums Roß und el e . t die Norm der Prophetie.. n hetische Formel vom
mit den im Volksbewußtsein eingewurzelten Gefühlen zu versöhnen. Obrigkei~ w~r, lS Königtum schließt schon die prop " den Anspruch in
Daß die aus Ägypten wandernden halbnomadischen Stämme Israels mit dem ndischen " Herr der Heerscba_re~ 1 ist"· Jwh
nicht ihren menschlichen Fuhrer zum König erheben, erklärt sich aus "König Jwh Zebaoth ' v':ei~ der legitime Kömg m lsrae zum König
ihrer beduinischen Anlage. Die Theokratie ist auf dem anarchischen ~a~ ei;~~;;~~l ~:~t
sich, sich, ohneent;n~~~~:~t::~~~ttlosen ~t W
Seelengrund Israels errichtet 63• In der Theokratie äußert sich der Trieb als Komg vD Widerspruch zv.1schen der lr • der Welt gebiert dle
des Menschen, von aller menschlich irdischen Bindung frei zu sein und der Welt. er Königtum Gottes 1n
im Bund mit Gott zu stehen. In der Auseinandersetzung zwischen gött· und der Vorstellung vom . Israels
• 72 d Gemetn-wesen '
lieber und irdischer Herrschaft werden die ersten Schauer der Eschato- Eschatologle . des Bundes bestimmt as 'bt Die Verbände
logie verspürt"· Die Idee der Theokratie kann sich zur Leidenschaft Die Ver!ass;t~~r,. als Eidgeuossenschaf~ bescbr:an;,;n der Bundes-
der Tat erheben. So ist von der Seite der Immanenz her gesehen die welches Max ;;" echen Stämme zersplittern lelch! ~:r die politische und
Theokratie eine Utopie der Gemeinschaft. Weil sich die transzendent· der halbnoma ":.eh als tragiähiges Fundamen d Gemeinschaft ver-
politische Idee Israels so zwangsläufig auf das Weltleben umschaltet, schluß erweiS~ Sl. ,. In der Gestalt der Bun e~- ter!lchen und tal-
ist Israel in der revolutionären Bewegung führend beteiligt. Denn es soziale Or~am~atlOn Ethos der Freiheit, das der pnes rapi " bestimmt:
besitzt die religiösen Voraussetzungen des revolutionären Pathos. Zur wirklieht slc~ Jenes bnn eignet. Der Kodex Hammu b ehauen werden.
Zeit des Ghettos, als die Juden vom geistigen Leben Europas abge- mudischen Gesetzge ngtiaufen versucht, soll das Oh_r a ~'ti'scher Sklave,
. Skl en der zu e d et. ein 1sracu .
schnitten waren, ist es das Alte Testament, das bis zur Emanzipation emem av ' bun" der Thora veror n . will denn: "Ich
allen religiös-revolutionären Strömungen Fundament ist. Den revolu- Die Sklavengesetzge ...." . Herrn nicht verlassen '
der nach sechs Jahren semen
tionären Sekten des Spätmittelalters steht das Alte Testament näher
-20- :_ 21-

habe meinen Herrn lieb und mein Weib und Kind, ich will nicht frei . ··rti eWesendieser Welt wenden,
. . wieder gegen das eitle, ho.ffa ~ . en denselben Grund wie
. werden", diesen soll sein Herr an "Tür und Pfoste" halten und "mit sich 'mJ"re:mia ledig bleibt, so hat die~ b~l ~h~as des Kaisers ist, oder
einem Pfriemen das Ohr durchbohren und er sei sein Knecht ewig" 7•.
77
Der Talmud erläutert dieses Gesetz: "Womit ist das Ohr anders, als ;.:n~a~nung bei Jesus:
1 . M h ungen des Pan us.
Ge~et. ~~ ei:'j:der in seinem
.
Ber~f bl~i~~·
.. ge wie man se!, un !e
alle anderen Glieder des Körpers? Der Allheilige sprach: das Ohr hat
arn Sinai meine Stimme gehört, als ich sagte: ,denn mir sollen die Kinder
wi~ ~=ß ~a~ ledig oder verhe~rat~\~le~~: ~~se 'Dinge der Gegenwbart
Weib~r ha e, a~en leichgültig, denn da~
un b l hätte man Sie mc . d teht unmittelbar e-
Israels Knechte sein' 78, nicht aber Sklaven von Sklaven; daher soll r:n e s Form der Prophetie
das Ohr dessen durchbohrt werden, der hinging und einen Herrn über sin~. l! ~;~k~~wartu;g d!~ ':~~hl
des Endes prägt z~gert,
das Heil
sich kaufte ... Womit sind Tür und Pfosten anders als alle anderen
Gegenstände im Hause? Der Allheilige sprach: Tür und Pfosten waren :~ glbt ihrer Verküudig~n~ ~~~~t~t ~~n gleichen Jeidensc~a~h~h~~
in Ägypten Zeugen, wie ich die Oberschwelle und beide Pfosten über- . findet jeder, der d~s nahe e:use und Ba~ Kochba bis Sabbatal t~'· Im
sprang und ich sagte: ,denn mir sollen die Kinder Israels Knechte sein'", . Glauben, von Dan~elv~~n Jbefindet sich die W"i:' de\~:o!:i~he I~rael
nicht aber Sklaven von Sklaven. Ich führte sie aus der Sklaverei zur. der Spannung nac d' leidenschaftlichsten ensc '
steten Harren leben" lese
Freiheit, dieser aber ging hin und kaufte einen Herrn über sich, daher
soll er vor ihnen angebohrt werden." hervorgebr<Icht hat .
Der Bund zwischen Gott und Israel besteht auch, wenn ein Unheil··
das Vertrauen zu erschüttern droht, denn alles Unheil entstammt dem
Willen Gottes. Jwh benützt auch die Gegner Israels als Werkzeug, so
daß die Erniedrigung oder gar der Zusammenbruch Israels keineswegs
mit einer Niederlage Jwhs identisch ist. So einfach dieser Schluß scheint, Weltkreis der Apokalyptik
er ist keineswegs
71
selbstverständlich, im Gegenteil: er ist umstürzend
und neu • Allgernein verständlich wäre die Antwort: die fremden Götter
sind stärker, oder: Jwh kann seinem Volk nicht mehr helfen. . . an.. der Geist
. h ein neues PnnZ!p
I der Prophetie Israels meldet S!C . ht sich in den apokalyptischen

~~:if!e:~~d~~~ ~!~~~~s~~:: ~~~~~::~~\!i~~:p;~~~~~~~r~~~


0
Die Prophetie läßt diese volkstümliche Meinung hinter sich und be-
hauptet, daß Jwh selbst mit Absicht das Unheil über sein Volk bringt.
Die Theodicee des Unheils der Prophetie setzt die Vorstellung vorn
Bund und vorn Abfall voraus. Die Vorstellung vom Abfall kehrt in der
vorderasiatischen Welt nicht wieder 80 • Bund-Abfall-Unheil sind Syllo-
gismen der prophetischen Predigt. Aber nie bedeutet Unheil das Ende,
~~~~~~I~:~~! ;;i~:~~;:~A;~~~:~~~
Prinzip rmgt~ac
!~~ ~:::~::~f~in
~~
1~ki~f~r~;~
t daß es in seinen westheben a m neuen Erleben
nie verzichtet die Prophetie auf Weissagung des Heils, auch wenn das Umstand bestimm ' - ss Darum bleibt es lese . t lten.
Heil in die Ferne rückt und nur für einen Rest kommt"· Die volkstüm- feld des Hellenismus gerath t. seine Symhole selbstä.ndig zu gbe~.~ mit
. Strecken verwe r ' . ß seme Sym o 1
liche Eschatologie Israels, welche um den Tag Jwhs kreist, in dem viel- auf weiten I tik und der Gnosis mu lä st ausge-
leicht die Erinnerung an den Sinai nachhallt, ist vornehmlich Erwartung Der Geist der Ap~~~ Yllernenten aufbauen, die au:, d~':, h~renistische
des Heils. Die dunkle Seite des Unheils fehlt nicht, ist aber auf die bereits v~rge~~~~~eis des Hellenismus entstam~~nt gefährdet die Ent-
Völker abgeschoben. Erst die Prophetie zerbricht die ursprüngliche
Gleichung: Israel• Heil, Völker• Unheil, und gestaltet die Eschatologi~
fFo.rm.tßende~g~'ber die aramäische Weltd gels~!Cg~r d~:~m auch lange ünicht
1rm , . h Logos, er d' e ber-
zu einem Aufriß der Geschichte um, indem sie Unheil und Heil aufein- faltung des apoka~{~~~d:~. kann. Noch heut~ ersc~::;i~ch:~ Geistes,
seiner sel~st ?~:~tige Erkenntnis des apo_J<alypt!sch-Zhischen Alphabets.
68
ander folgen läßt • Von der vagen Unbestimmtheit der volkstümlichen
Eschatologie, die das alltägliche Leben nicht aufrührt, unterscheidet
sich die prophetische Eschatologie durch ihre bestimmte Nähe 82• Das
lagderung d~:;';orscher Suggest!O~ de~:~::etica
erliegt der und neuplato-
un manc . . h . echische Gruppe er G der außer-
geweissagte Unheil steht vor der Tür, und im Glauben, daß die Welt Über d~e hm~ms"",~;~ber die christlich-griechisch~ tr:~~:streitenden
vor dem Ende 83
steht, entwertet die Prophetie das Leben und Treiben uischen. Phh!loso~e~iestamentlichen Schriften, Ade~kal~;sen weitet sich
dieser Welt • "Wenn sie von allen Bündnissen ab mahnen, wenn sie synopt!sc en, h' dener apokrypher p
Kirchenväter und versc !C
-22- -23- 1
das Gebiet der Apokalyptik und Gnosis nach Osten. Im tieferregten in der antik-klassischen Welt. Der Vergleich läßt sich noch weiterführen
Osten entsteht in den Jahrhunderten um die Wende der Zeiten die und vertiefen: Die Juden sind die "Griechen", die Perser die "Römer"
mandäische und manichäische Literatur. Diese Literatur gehört in den des aramäisch-apokalyptischen Raumes. In Juden und Persern offenbart
· Kreis der aramäischen Idiome. Doch haben manichäische Fragmente sich der Geist der Apokalyptik, der die Welt als Geschichte auslegt,
im Gang der manichäischen Mission, den Weg nach der Mitte Asiens' in der sich das Prinzip des Guten und Bösen begegnen. In diesen Nationen
ja bis China gefunden. Diese östliche Literatur ist bedeutsam weil si; löst sich der Geist vom vegetativen Grund der asiatischen Kulturen ab.
eine apokalyptisch-gnostische Schicht bezeugt, die nicht der ' Pseudo- Der Geist, der im Natürlichen verhaftet ist, sucht sich zu befreien und
:norpho~e" unterworfen war. Mit dem Hinweis auf die "Pseudom~rphoseH versteht sich als Geschichte. Wenn auch Juden und Perser auf dem-
Ist zugleich an Oswald Spenglers "Probleme der arabischen Kultur"., erin- selben metaphysischen Grund ruhen, so unterscheiden sie sich doch
nert. Der "Streit um Spengler", der sich meist auf seine These vom" Unter- wesentlich in ihrem Verhältnis zur weltlichen Wirklichkeit.
gang des Abendlandes" bezog, hat seine tiefe Einsicht in den Zusamm _ Die Perser sind die Herren des aramäischen Umkreises, während die
bang der apokalyptisch-gnostischen Welt überschattet. Ein so bedeuten~n Juden am westlichen Rande dieser Welt und in der Zerstreuung ein
Forscher wie Hans Jonas meint mit Recht, daß Spenglers Versuch "'b er politisch unbedeutendes Dasein fristen. Dieser Um~tand bleibt in_ der
~ie apokalypti~ch-gnostis~he Welt "das beste und schlagendste ist,~=: Folge nicht gleichgültig für den Sitz des apokalyptischen Welt~efuhl~.
uberhaupt daruber geschrieben worden ist""· Während die fachwiss _ Zwar bestimmen die Perser das äußere Gerüst der Apokalyptik. D1e
schaftliehe Forschung im orientalisch-hellenistischen Synkretismus":n Symbole vom Menschensohn, vom Satan und den En~eln, .:on den
das Auslaufen alter Traditionen, sterile Mischung und gesamthaft: Au~~ Büchern Gottes und dem göttlichen Hofstaat, vom Gencht uber den
klang sah, hat Spengler unte~ all ?ies~m die Geburt eines geschlossenen Einzelnen nach dem Tode und dem Weltgericht sind persische Fassungen
n~uen.Erlebensentde~kt und dieses m semer ganzen Universalität erkannt. apokalyptischer Symbolik 89• Aber indem die Perse_r die ~a~hfolge
~ICht~g hat Spengler Im. eschatologischen Mythos vom "erlösten Erlöser" Assurs und Babyions antreten, tritt das gegenwelthebe PrmZip der
die Mitte des apokaly~;Isch-gnostischen Prinzips erf.aßt. Mit dem Begriff Apokalyptik zurück, während Not und Verfolgung der Juden den apo-
der "Pseudomorphose hat Spengler das Verhältms des neuen Seelen- kalyptischen Keim in ihnen treiben läßt.
turns zum hellenistischen Universalmilieu treffend bestimmt. Daß die Die Lage der Juden ist das geeignete Klima für das. Seelenturn d~r
~nregungen Speng!ers an ?er Fachwissenschaft spurlos vorübergegangen Apokalyptik. In den bis zum Zerreißen gespannten Zmten _werden d1e
S!~d, verwundert ~1cht welt~r, sondern erhellt grell die Grenze der Fach- Apokalypsen und die messianischen Erwartungen geb~ren. D1e Drangsal
wissenschafthchkmt. Es bleibt das Verdienst von Hans J onas, den An- des Antiochus Epiphanes treibt die Apokalypse Damels hervor. Unter
regungen. Spengler_s, dem er "fü~, das geistesgeschichtliche Verständnis dem Joch der Römerherrschaft entstehen die Apokalypsen des Baruch
der Gnosis am meisten verdankt 86, in der Wissenschaft Eingang ver- und des vierten Esra. Die J ohanneische Apokalypse ist von einem
schafft zu haben: Di~ Pseudomorphose hat Spengler noch als Unglück Märtyrer für Märtyrer geschrieben. Die christliche. Kirche ha~ in;mer
verstanden. Allem diesem Faktum verdankt die abendländische G den Zusammenhang zwischen dem Kommen Jesu mit sub Pont10 P1lato
schichte ihre Kontinuität, an der trotz Spenglers sehr ernst zu nehmend e- bewahrt. Die messianischen Fluten in Israel von Jesus, Menahem, Bar
Einwänden und gegen die weniger ernst zu nehmenden Epigonen u:~ Kochba bis zu Molcho, Sabbatai Zwi und Franck hängen innerlich zu-
Nachbeter Spenglers festzuhalten ist. sammen mit den ,, Greueln der Verwüstung".
~m Umkreis _de; Apokalyptik liegen selbstverständlich mehrere Im Umkreis der aramäischen Idiome taucht eine neue Idee der Nation
Nationen. Aber wie m der antiken Kultur Griechen und Römer h _ auf in der das Band zwischen Volk und Boden gelöst ist. Eben dieser
t re t en, we1"I Sie
· hm· 1"h nen d"1e Merkmale der klassischen Welt am reiervor
t nede Begriff von Nation macht modernen Forschern noch Schwierig-
darstellen, so sind es auch im aramäischen Sprachraum nur ~s _en keiten und trägt dazu bei, das jüdische Volk als "Ausnahme" hinzu-
Nt . · d "hd S · eimge
a 10nen, m enen Sie as eelentum der aramäischen Welt am tief t stellen. In Wahrheit aber liegt, wie noch näher zu zeigen sein wird, dem
offenbart. In den "Spitzenvölkern" spricht sich die Verfassung ~ en jüdischen Volk die allgemein aramäische Idee der Nation zu Grunde.
· am deutI"1ch sten aus, denn in ihnen sind die Element d"emes
L eb enskre1ses Noch vor dem Fall Samarias siedelten Israeliten außerhalb der Grenzen
·
Weltk re1ses · h b e 1eses
Sie t ar zusammengefaßt. Es ist viel für das Verst h d ihres Landes. In den vielen Kriegen wurden Israeliten als Gefangene
-·h kl "h W
arama1sc -apo a yptlsc en elt gewonnen, wenn man einsieht daß h"1 eener weggeschleppt, und oft wird auch die in Revolten unterlegene Gruppe
Juden und Persern dieselbe Rolle zukommt wie Griechen und Röme:: den Weg ins Exil angetreten haben"· Schon im siebenten Jahrhundert
-24- -25-
gab es nach dem Zeugnis der Pap ri vo EI . . stimmten Heimat entscheidet im aramäischen Kreis das Bekenntnis.
Iungen in Ägypten " Die h Syt n ephantme Israelitische Sied-
. . . . ze n ärnme wurden beim U t Aus kleinen Stammesverbänden mehren sich Juden und Perser während
NOrdreiChs m die Verbannung geführt. Die .. b . . n ergang des der Exilszeit ins Ungeheure und zwar durch Bekehrung und Übertritt.
aber konnten die zehn Stämme n· ht u ng gebhebenen Judäer
Exil vereinigten sich Teile der zer~c rttv~ges~en, u.nd Im babylonischen Die Mission ist die einzige Form der Eroberung für eine Nation ohne
bannten Judäern ••. • P 1 e en sraehten mit den neuver- Land 93. Unter den Juden wird die Mission von den Kreisen apokalyp-
tischen Seelenturns getragen. Während die Priester und Schriftgelehrten
Wie zur Zeit der Wanderung dur h d" Ii .. .
~tatu nascendi. Das Exil ist die Wü~te ~:r ~uste Ist Isra~J im Exil in immer neue Zäune um die Thora errichten, gewinnen die apokalyptischen
Keime des Judentums im ganzen syrisch-aramäischen Orient an Boden
Im Boden und die staatliche Bind f olker, wo dte Wurzelung
sich erst entfalten, weil die Insti"tut?ng ehltd. GSo aber kann die Prophetie und verwandeln den Umkreis der aramäischen Nationen in einen fiebern-
. . wnen un ewalte d" "h . . den Organismus. Die Apokalyptik ist volkstümlich und wird in vielen
L an de hmderhch gewesen im E .1 f hl n, 1e' nm etgenen
Volkes knetet die Prophetie . Ex\ e en. Den zerfallenden Ton des Zügen seelisches Gemeingut des ganzen aramäischen Orients 25 • Apo-
des Exils, wird es gewiß daß~~ "'v~ neu um. Ezechiel, dem Propheten kalyptische Literatur ist geschrieben, um schrankenlos alle Gemüter zu
war, und so reißt er den Baum dJe V ~~zelung in Staat und Erde verfehlt wecken. Während die kanonischen Schriften der einzelnen Kirchen-
und pflanzt ihn in ungeheurer J's k oh es vollends aus dem alten Erdreich Nationen national sind, sind die apokalyptischen Schriften international
turn die Wurzeln nach Oben wied~r e. rung gegen. al!~s natürliche Wachs- im wörtlichen Sinne. In ihnen ist alles aufgenommen, was die Gemüter
Israels. Ezechiel ist in gleicher ..;~~. I~ ];;zechte! gipfelt die Geschichte zutiefst bewegte.
~elehrter und Apokalyptiker. In ihu:''~:rbnester. und Prophet, Schrift- :I'j
heber und vorwärts drängende h t· mdet SICh bewahrend priester-
und in seinem Ritual bestim r t~P ~.'scher Geist. In seinen Gesetzen 1
i
Ordnungen, die für die esr .mhzGec tel genau die Institutionen und j
aJsc e ernemde m ß b d . !
SteleI des gesprochenen leide h . a ge en smd. An die
das durchdachte Syste~ des ;~ afthchen Wortes der Prophetie tritt Urworte der Apokalyptik
der in der Fülle der Visionen u ~~;.~d unJ ebenderselbe Ezechiel ist es,
Symbolik und Motivik legt. n 1 er en Grund zur apokalyptischen
Die Elemente der apokalyptisch-gnostischen Motivik lassen sich aus
zu stempeln. Wohl sind ,die Juden
und das ist entscheidend in .
d:
Es 1st aber verfehlt die jüdisch N .
a~wn. des Exils als Ausnahmefall
~Exils eme Natwn ohne Land, aber
der Fülle der verworrenen und dunklen Visionen und Spekulationen
herausheben, wenn man auf die sprachlichen Urelernente achtet, aus
Art. Denn das Exil ist nicht eme~ reise von lauter Nationen gleiche; denen sie sich gleicherweise aufbauen. Denn die Urwortedes apokalyp-
ganzen aramäischen Welt D"nur a~ Schicksal der Juden, sondern der - tischen Seelenturns erhellen viel deutlicher seinen zentralen Sinn, als
das Mittel der Verschle~p le assynsche. Herrschaft hat wohl als erste die dunklen Visionen der Apokalypsen und die verstiegenen Spekulationen
Völker und Stämme zu enutng sylstemahsch verwendet, um besieate der Gnosis. Unverstellter als die durchformten Erzeugnisse gibt der reine
. wurze n. Wenn b d . " Spiegel der Sprache Aufschluß über die Art und Weise eines Seelentums,.
Anhke das Volkstum stärker mit d man e. enkt, daß m der
da auch die religiöse Wurzelun in ~: Lande. verknupft war als heute, welches sich ihrer bedient und aus den Urworten unabsichtlich sich seine
man, daß die Entwurzelung de~ V lk ~rde emgesenkt war, so erkennt Symbole erschafft ••. Die Urworte eines Weltkreises enthalten den Vor-
Grund tief in die Eigenart der o st.umer aus threm bodenständigen griff auf alle späteren, ausgebildeten und durchformten Systeme. Am
mäischen Nationen konnten nich~~~'~!umer emgreifen mußte. Die ara- unmittelbarsten spricht sich der Logos der Apokalyptik und Gnosis in
mußten versuchen im GeJ"st A k r Erde Wurzel schlagen, sondern der mandäischen Literatur des Ostens aus, denn sie ist am weitesten
. , n er zu werfe D" s vom Kraftfeld des Hellenismus entfernt.
Ist nur eine der National-K" h n: le ynagoge der Juden
· trc en, welche 1m ä. h Die allgemeine Einleitung nahezu aller mandäischen Schriften lautet:
H Cirnat der Völker sind. D" K" h . aram Jsc en Umkreis
sind geeinigt durch den Gla~~ ~;; ~n-Natwnen der aramäischen Welt "Im Namen des großen, ersten, fremden Lebens aus den erhabenen
Ortes verehrt, sondern überal~nw~ G~t.t ":Ird ~icht mehr als Baal eines Lichtwelten, das über allen Werken steht" 95 • In dieser Einleitung ist
Versammlung treffen ist H . , Ü aubtge stch zur "synagoge", zur bereits der Leitfaden für das Verständnis des apokalyptisch-gnostischen
, eimat. her dte Zugehörigkeit zu einer be- Lebensgefühls enthalten. Im Umkreis der Apokalyptik ertönt zum ersten

'
-26- -27-
Mal das Thema von der Selbstentfremdung·. Die Fremde ist das erste des lichtverbannten Lichtes, des lebensverbannten Lebens .in de~ Welt,
große Urwdrt der Apokalyptik und es ist völlig neu in der Geschichte des fremden Lebens in der Fremde des Hier. Die Gesch~chte 1st der
menschlicher Rede überhaupt 96 • Das Urwort von der Fremde und das Weg " des Lichtes hinein in die Welt, hindurch durch d1e Welt und
Thema der Selbstentfremdung durchzieht die ganze apokalyptisch- heraus aus der Welt. Im Urwort von der Fremde liegen alle Sinneleme~te
gnostische Literatur. Dem "fremden Mann" der Mandäer entspricht der verborgen, welche die Apokalyptik und Gnosis in zeitlicher Folge 1m
"fremde GottH Marcions, der ,.unbekannte Gott" der Gnosis, der "Ver- Drama der Geschichte enthüllt. Die Aussage von der Selbstentfremdung
hüllte" der Apokalypsen und schließlich auch das panton epekeina, das ist der Grund, welCher ermöglicht, daß die Geschichte als Weg verstanden
"Jenseits von Allem" der neuplatonischen Philosophie. Als Schlüssel wird. Aus dem Urwort der Fremde und dem darin enthaltenen. Thema
zur apokalyptisch-gnostischen Wesensart läßt sich folgende Formel der Selbstentfremdung folgen alle weiteren Worte und · Motive der
angeben: der Gott der Mandäer, Mareions und Plotins ist einer"· Der
Apokalyptik. . .
gemeinsame Grund ist die Entfremdung von Gott und Welt und damit Das Leben ist in der Welt fremd, die Heimat des Lebens ist Jensei~S
die Selbstentfremdung des Menschen.
der Welt. Das Jenseits ist jenseits von aller Welt. M1t ~er Apokalyptik
Fremd-sein 96 heißt: von wo Anders her stammen, im Hier nicht. beginnt das dualistische Gefühl einer Welt Gottes, dJe rr:1t d~r Welt
daheim sein. Dieses Hier ist das Fremde und Un-heimliche. Das Leben, des Hier nicht identisch ist. Immer strenger. unt~rsche1det sJCh d1e Welt
welches in diesem Hier weilt, befindet sich so in der Fremde und erleidet Gottes von der Welt des Hier, immer mehr tntt dJC Welt Gottes m Geg~n­
das Schicksal des Fremdlings. Das "fremde Leben", das sich in diesem· satz zu dieser Welt. Indem die Welt Gottes als da~ absolute Jenseits
Hier nicht auskennt, verirrt sich in der Fremde, es irrt in ihr umher. außerhalb der Welt bestimmt ist, wird die Welt zu emem geschlossen~n
Doch kann es dazu kommen, daß sich das "fremde Leben" in diesem System begrenzt, welches zwar schwindelerregend alles um:aßt, was m
Hier nur allzugut auskennt, dann vergißt das fremde Leben wiederum ihm beschlossen und verloren ist, das aber doch als. endheb .entlarvt
seine eigentliche Fremdheit: es verirrt sich in der Fremde, indem es ihr ist. Die Welt ist ein Machtsystem, welches vom Jenseits her seme Aus-
verfällt. Dann wird das "fremde Leben" in diesem Hier, das ihm eigent- schließlichkeit einbüßt. So lange die Welt alles ganz umfaßt, d~s All m
lich fremd ist, heimisch und entfremdet sich seinem eigenen Ursprung. sich beschließt, gibt es nur die Welt schlechthin. Eine nähere. Bestimmung
Zur Fremdheit als Leiden kommt die Entfremdung als Schuld, beides der Welt durch eine Zahl oder durch ein Fürwort wäre smnlos. We~n
als Einheit beschlossen im doppelten Sinn von: sich verirren. In der
aber die Welt nicht mehr das All erschöpft, wenn d1e Welt durch .em
Entfremdung von seinem Ursprung, durch die Ver-irrung in der um- Anderes begrenzt wird, so entsteht das einsc.hränken.de Ze1chen: d1ese
gebenden Fremde des Hier, hat die Selbstentfremdung des Lebens ihren
Welt. "Diese" Welt begreift in sich das ko~m1sch~ Sem: 1h~ ab~; steht
Gipfel erstiegen. Mit der Wiedererinnerung des "Lebens", daß es in
das "ganz Andere" gegenüber, welches .seme" Heimat :n "J~ner .Welt
dem Hier eigentlich fremd ist, mit der Erkenntnis des Fremden als
hat. Die Urworte von "dieser" und "Jener Welt smd em weiteres
Fremden beginnt der Weg zurück. Das erwachende Heimweh zeiat die
Symbol der Apokalyptik und hängen eng mi~ dem Thema der ~.elbst­
beginnende Heimkehr an. Indem das "fremde Leben" wahrnimmt, daß
entfremdung zusammen ••. In der Untersche\dung von "~Jeser u~d
es in der Fremde in die Irre gegangen ist, ist es ihm möglich, sich nicht
"jener" Welt ist bereits eine Wertung mitgesetzt. w.enn Sl?h auch. m
beirren zu lassen. Das fremde Leben erkennt, daß die Welt eine ständige den frühesten Aussagen der Apokalyptik die Welt noch 1m Kre1s der gott-
~ende ~es Hin und Her in die Not ist, daß die Welt .die Wendung in liehen Allmacht befindet ••, so schreitet die Entfremdung von Gott und
d1e Not 1st und von der Notwendigkeit beherrscht wird. So sichtet das Welt fort, bis die Welt identisch wird mit der "Fülle des S~hlechten", der
fremde Leben den Abstand zwischen sich und dem Hier der Welt, es
Gott als die "Fülle des Guten" entgegeusteht 100 • In de~. GleiChung: kosmos
erkennt auch seine Überlegenheit in der ursprünglichen Heimat. Das
~ skotos, Welt~ Finsternis spricht sich das Lebensgefuhl der Gnos1s au~.
Unnahbare der Fremdheit kann Majestät bedeuten. Das Fremde schlecht-
Es fügt sich in diese Entwicklung, daß m der apokalyptisch-gnosti-
hil!, welches allem sonst Vertrauten entrückt ist, ist das Jenseitige oder
das Jenseits selbst"· schen Literatur von der Welt auch in der Mehrzahl gesprochen ';erden
kann. Mit den "Welten" ist der Weg durch die Welt als ,;~velt un.d
. Das Leben, das sich vollgültig als das "große, erste Leben in den endlos" 101 gezeichnet. In der Mehrzahlaussage ist das Labynnth, d1e
~whtwelten" darstellt, ist in die Fremde der Welt geworfen, wo es unübersehbare und verwirrende Vielfalt der Welt gememt. In den
SICh selbst entfremdet. Die Heimkehr in dramatischer Folge, welche
"Welten" kann man sich verirren, und auf der Such~ nach d~m To.r,
durch das Motiv des Heils bestimmt ist, ist die metaphysische Geschichte
das aus dieser Welt hinausführen soll, gelangt man 1mmer w1eder m

' ·~
-28- -29-

Bei Mareion ist der Gott der Sc]'!öpfung vom Sein dieser Welt nicht
F"elten,
M h hlin andere,
W I die aber doch . immer
. " Welt" sind . D'Jeser s·mn der abtrennbar. Von einem vorweltlichen Sein des Schöpfergottes ist allem
· e rza von e t, welcher die dämonischen Machtsyst · d'
· L eb en gebann t IS
· t , verv1e
· lfä.1ttgt
·
und verstärkt ' st · eme,
't m te das Anschein nach bei Mareion nicht weiter die Rede. Dem Gott der Schöp-
· d A ' 1 em we1 eres Motiv
m en pokalypsen und gnostischen Spekulationen " fung, der eigentlich der Geist dieser Welt ist, steht der Gott jener Welt
108
. Dem räumlichen Bild: Welt entspricht der zeitlich~ B ·rr· A gegenüber, welcher der Gott der Erlösung ist •
Zeit und Raum stellen die Grade der Entfernung v L' e:;' · eon. Die Mischung dieser Welt ermöglicht das Drama der Erlösung. Denn
das Leben überwinden muß damit es zu sei' Zo'ml IC e dar, dte die Mischung entsteht durch den Fall, der mit der Selbstentfremdung
. h t h K' d . ' nem Je e gelange. D identisch ist. Der Fall ist einerseits verschuldet durch ein freiwilliges
Sie s , o m , durch wieviele Körpe · · 1 K . · " u
wieviel Verkettung und Läufe von ~· ;wvie e . reise von Dämonen, Sich-neigen der Seele zur Finsternis, darin die Seele sich dann ver-
um zu dem einen und einzigen Gott es Irnen wir durcheilen müssen, strickt 1 09• Vornehmlich aber erscheint der Fall als Schicksal: "Warum
durch "Welten und Generationen" zu gelan~en" 102, Der Erlöser muß habt ihr mich von meinem Orte weg in die Gefangenschaft gebracht
gelangt los. Die Wendung vo d ;ndern, bis er zum Tore Jerusalems und in den stinkenden Körper geworfen?" 110 Das Geworfensein ist
in der mandäisch~n Literat~r ~~~fig.elten und Generationen" begegnet eines der eindringlichsten Symbole der Apokalyptik und Gnosis und
Der Raum zwischen Himmel und E d . . . bedeutet, daß der Mensch in eine ihm wahlentzogene Situation gestellt
schem Einfluß mit dämonisch Mä h r e Wird, vielleiCht unter irani- ist m. Nicht durch ein Gesetz entsteht diese Welt, vielmehr trifft es
der Kampfplatz zwischen Go:~ un~ ten erfüllt .. D~mit wird die Welt das Leben wie ein Verhängnis, welches dann den Schöpfer reut: "Wer
Literatur sind auch bei Paulus die d" Te~fel. Wie. m de; gnostischen hat mich betört, so daß ich ein Tor wurde und die Seele in den Körper
dieser Welt" und der Sata d F~mom~chen Mächte d1e "Herrscher warf?" 112 In die Welt geworfen, fürchtet sich der Urmensch, allein in
nicht nur einzelne Größen~ er " urst dieser Welt". Dämonisch sind dieser Welt des Bösen "zurückgelassen" zu sein 11'. Es befällt ihn
in ihrer Substanz dämonis~~ ~aume der Welt, vielmehr ist die Welt Schrecken und Angst, im Hier der Fremde von der entfernten Heimat
sich aufhält, ist als solcher ein."dä er ~aum der Welt, darin das Leben vergessen zu sein: "Und ich schrie um Hilfe und nieht ist meine Stimme
sind dämonisierte Zeitalter momsche Macht. Apokalyptische Zeiten aus der Finsternis gedrungen und ich blickte in die Höhe, damit mir
undLicht und Finsternis
J. ene" Welt· fb si~d die su bstanzen,
. aus denen sich diese"
das Licht, an welches ich geglaubt hatte, zu Hilfe käme. Jetzt bin ich
" au auen Jene W lt . t . " bedrängt in der Finsternis des Chaos ... rette mich aus der Materie
des Lichtes ohne Finstern·; . e IS "eme Welt des Glanzes und dieser .Finsternis, damit ich nicht in ihr untergetaucht werde ... meine
eine Welt der Rechtlichk~it e~~e W~t der Sanftheit ohne Auflehnung, Kraft blickte heraus aus der Mitte des Chaos und der Mitte der Finster-
Lebens in Ewigkeit ohne ne ursal und Trubel, eine Welt des nisse, und ich wartete auf meinen Gepaarten, daß er käme und für mich
Schlechtigkeit ... eine rei::ergehe~ und Tod, eine Welt der Güte ohne
gegenüber steht die Welt de W ;It Ist e~ oh~e schlechte Mischung". Ihr
voll ist. . . . voll Lug und Trur ms~erms, die gan~ "von Schlechtigkeit
kämpfte, und nicht ist er gekommen. . . und als ich das Licht suchte,
gaben sie mir Finsternis, als ich meine Kraft suchte, gaben sie mir
ohne Festigkeit eine Welt
der die guten Din e ve
J'. ;/'~e Welt des Wtrrsal und des Trubels
es o ~s ohne Leben in Ewigkeit. . . in
Materie'' 114 •
Die Mächte der Welt überlisten 11 ' den Menschen: "Sie mischten
mir Trank mit ihren Listen und gaben mir zu kosten ihre Speise; ich
Welt ist eine Misc1ung r~~he~.u~~ die PI~ne sic.h nicht erfüllen. Diese vergaß, daß ich ein Königsohn war und diente ihrem König. Ich vergaß
die Finsternis denn die · n . 1c und Fmsterms" • Doch überwiegt
104
die Perle, nach der mich meine Eltern geschickt hatten. Durch die
und das Licht ist nur d:;~;:!'~h~~ub~anz dieser Welt ist die Finsternis, Schwere ihrer Nahrung sank ich in tiefen Schlaf" 116 , Die Mächte der
ist Mischung doch der GI . e msc uß: "an dem Glanze dieser Welt Welt kämpfen mit allen Mitteln gegen den Fremden, indem sie ihn
Der König der F'' t .anz !euer Welt ist Helligkeit ohne Trübung"''' trunken machen durch den "Wein der Unwissenheit" 117• Die Geister
. ms erms wird in der t' h . ·
semem vorweltlichem Sein als .. . ~nos tsc en Literatur schon in und Planeten dieser Welt wollen "Adam einfangen und packen und
1
gekennzeichnet obwohl d' ·:7~~ g dieser Welt" und dieser Aeonen ihn in der Tibil zurückhalten. Wenn er ißt und trinkt, wollen wir die
stanzen des Li~htes und"d Ies~. elt erst der Mischung beider Sub-
Substanz der Finsternis d:r I~st.erm~ entstammt 106, So sehr ist die
Finsternis ist die symbolischse P~I.nZid ld:eser Welt. Die Aussage Welt~
Welt einfangen. Umarmung wollen wir in der Welt üben und eine
Gemeinde in der Welt gründen. Wir wollen ihn einfangen durch Hörner
und Flöten, damit er sich von uns nicht losmache" 118 • Die Mächte der
sten führt Mareion die ap k
1
~? gh eiChu~g der Gnosis. Am radikal- Welt "wollen eine Feier veranstalten. Auf, wir wollen ein Trinkgelage
o a1yp !Sc -gnostische Entzweiung durch'"·

i
i!

11
~
\1
-30- -31-

veranstalten,
.. wir wollen Mysterien der L're be t re1'b en und die · g harte""'· Der fremde Mann muß eine Bresche in die Umzirkung der
· W. elt. verfuhren. Den .Ruf des Lebens wollen wir ..
. b eseJt1gen St 't anze
ll sonst uneinnehmbaren Welt schlagen, um Bahn zu schaffen für den
wir m das Haus werfen, der in aller Ewigkeit nich '. rei wo en Aufstieg der Seele 129 ,
Den Fremden (Erlöser) wollen wir töten. Wir woll t geschlichtet werde. Der in die Welt kommende "fremde Mann" ist aber mit demjenigen,
Anhang machen und sehen, wer ihm d en Adam zu ~nserem zu welchem er kommt, im Letzten identisch. Nicht nur der Erlöser wird
Hörner und Flöten sind der Lärm der Welt a;n zum. Befreier wird" 119. in der mandäischen Literatur als der fremde Mann bezeichnet, sondern
ist der Mensch geworfen, damit er den Ort v. n "schreiende Fmsternis"''• auch der zu Erlösende. Dem in der Welt Gefangenen kommt auch der
Doch der Lärm der Welt erweckt den Me er~esse,aus~emergekommen. · Titel fremder Mann zu 13°, Adam und der Erlöser sind gleicherweise der
"Als ihr Laut in Adams Ohr fiel wachtnsc en aus semer Trunkenheit. fremde Mann. Der herabkommende Fremde erlöst letztlich sich selbst,
erhob sein Antlitz zum Orte des Li~hts" 121e ~r .~s dem Schlafe auf und seine vormals im Hier der Welt, unten in der Fremde zurückgelassene
den Menschen zu verwirren, schreckt ihn ·au:' ärm der. Welt, bestimmt Seele 13<, Darum muß der fremde Mann noch einmal in die Fremde der
Menschen einschüchtern soll,. scheucht ihn ~,J.a; Getose, welches ct.en Welt wandern, um den Funken seines Selbsts aus dem Kerker der
erwacht der Mensch und hört gegen den W'll 1 ,:U Lärm und Getose Fremde zu lösen. Der fremde Mann ist als Adam und Erlöser: der erlöste
den "Ruf des Lebens". en er Mächte der Welt
Erlöser.
Der Erlöser ,.ruft von außen her" 122 D ..
der Welt nicht beheimatet ist, wird in d ~ iensmhge, das im Hier
Der Ruf wird im Lärm der Welt als er e t als Ruf vernehmbar.
rief mit himmlischer Stimme in die J'tw~ g~nz ;dere~ hörbar: "Er
Ruf ist als Symbol fundamental für dennru ~ I er . elt hme!n. '"" Der
kreis. Die mandäische und manichäische a};\a.ypt;sch-gn~shsch~n Um- Geschichtsschau der Apokalyptik
1 10
die jüdische als Religionen des Rufes k e g. ; assen SICh gleiCh wie
des Neuen Testaments hängt Hören und ~~nz~c n~. In den Schriften
wie in der mandäischen Literatur Dem R ~u en e. enso eng zusammen Der Weg durch die "Generationen und Welten" enthüllt sich für
Titel des maniehilisehen Missiona~s ist. Ruf en~spncht das Hören. Der die Apokalyptik im Geschehen der Geschichte. Die umfassende Über-
Islam heißt Missionsverkündigung· R~f ud er Mes Rufs. Und auch im sicht über den Gang der Weltgeschichte gehört insbesondere zum Wesen
.. d .. h · • er ISswnar · Rufer 124 S0
ge horen man ä1sc e und manieMische ... d' h . ·. · der jüdischen Apokalyptik. In den christlichen Apokalypsen und
mische Religion zusammen. Gemeinsa~ J~t ~~~ e, christhebe und isla- gnostischen Systemen tritt das Interesse am Lauf der Geschichte zurück,
Grund. Konstitutive Elemente des apok 1 ~·n~n der apokalyptische 132
weil die Gestalt des Erlösers und seine Wiederkunft in die Mitte rückt •
Symbole des Rufens und des Hörens. a YP Isc en Grundes sind die Die Forschung über die Apokalyptik und Gnosis ist zum größten Teil
. Im Ruf verwirklicht sich das Nicht-W ltl' · noch nicht über die Stufe der Inventarisierung gediehen, darum entsteht
Wird hörbar im Hier der Welt freilich ab e /c~e. Das ganz Andere der Eindruck vom krausen Gewirr in den apokalyptischen Mythen und
Ruf wird ausgestoßen vom "fr~mden Man~;,~,,' as ga~z And~re. Der . gnostischen Systemen. Die Fülle des Inventars wird meist gespürlos
der Welt fremd fühlen und die lVIächte d' "W 1lle, die sich Im Hier gleichgesetzt mit dem wesentlichen Inhalt. Das Thema von der Selbst-
genjubelnd seinen Ruf: "Adam faßt"d::s~ebe e t verachten, empfan- entfremdung schließt bereits alle Elemente der apokylyptischen Ge-
dessen Rede :remd, der Welt entfremdet ist"'" ~.m fr~mden Manne, schichtsschau in sich. Die Geschichte als Sündenfall und Weg zur
smd beunruhigt: "Was hat der Fremd . _ · Ie Mächte der Welt Erlösung wird in der apokalyptischen und gnostischen Literatur mit
darin eine Partei gründen konnte" 127 e ~m I~ause _getan, daß er sich Motiven überfüllt, daß oft das Urthema nicht mehr hörbar ist. Und
dringling und wollen das Kommend ' unh dwe ren SICh gegen den Ein- doch instrumentiert das gesamte Inventar der Apokalyptik und Gnosis
. .. e ver m ern · De F d
wir toten. . . wir wollen seine Partei i V . . " n . rem en wollen nur die Thematik der Selbstentfremdung: den Fall in die Fremde und
keinen Anteil an der Welt habe. Das gan~e ~rwirrun~ bn~gen, damit er
Das ganze Haus der Welt d' S h ausgehortVIelmehr uns""'· den Weg zur Erlösung.
• re c a1en der Welt m ß d f In der Apokalyptik wird Geschichte nicht als Chronik ,berichtet,
durchbrechen: "Im Namen jenes fremd M u er remde Mann sondern versucht, aus Vergangenheit und Gegenwart die Zukunft zu
drang und kam der das Fi en annes, der durch die Welten
' rmament spaltete und sich der Welt offen- erfahren. Die Zukunft wird aber nicht nur breit geschildert, sondern
-32- -33-

entscheidend ist die Frage. wann k Literatur durchzieht. Die vier Weltreiche umspannen bei Daniel nur
Apokalyptik ist das Wann."' DI'e Fommt das Ende? Die Urfrage der
· 'rage nach dem W den Zeitraum vom babylonischen Exil bis zum Eude dieses Aeons,
dem brennenden Harren nach Erlösu . ann entstammt damit ist aber für die Schau der jüdischen Apokalyptik die wesentliche
wart lautet: bald. Das Bald ehö~g, und die selbstverständliche Ant-
Geschichte bestimmt. Im Henoch 140 wird ein ähnlicher Zeitraum auf
Glaubens "'· Die allgemeine A~ssa t. z~r Nat~r des apokalyptischen die siebzig Hirten verteilt, womit die dämonischen Fürsten der siebzig
aber nicht denen die Zeit und St ~e · . as Heil kommt bald, genügt
auf Grund von Berechnun en e' un e WISsen wollen. So wird versucht, Völker gemeint sind, welche die Anzahl der Völker der Welt reprasen-
geben oder die Vorzeicheng zu ~ne zahl~~mäßig bestimmte Antwort zu tieren. In der Zehnwochenapokalypse 141 wird die Geschichte in zehn
In dem ewigen Fragen nach deme~nen, Ie das .nahende Ende künden. Perioden eingeteilt, und in der Abrahamapokalypse 142 wird die Zeit
noch wird die Nacht dieser Welt ;y:nn ra~nt die Klage mit: wie lange dieses Aeon auf "zwölf Jahre" berechnet.
Die eschatologische Chronologie setzt voraus, daß die Zeit, in der
ersehnt, man weiß daß es im K auern · Das Ende wird nicht bloß
alles sich abspielt, kein bloßes Nacheinander ist, sondern auf ein Ende
der Apokalypse, d;ß sie gewiß s~,:m~n i~. Es bezeichnet al~e Verfasser
hinsteuert. "Dies Ziel ist gleichermaßen für den Einzelnen wie für das
der Apokalyptik sind, so lautet die' al:s nde zu ~rieben. Die Schriften All, soweit es Gott geschaffen hat, das letzte Heil und alles Geschehen
geschrieben, von Adam Heuach Ab gememe Memnng,. von alters her
ist Heilsgeschichte" 139 • Nicht im Kreislauf vollzieht sich die Geschichte,
Schriften sind bis jetzt' geheim , eh ;tham, Mose,. Dame!, Esra. Diese
"sondern da ist ein Bogen gespannt, der von einem Anfang aufsteigt,
aber, da die Endzeit im Kommeng a en und. versi~gelt gewesen. Nun
und sich über die Zeit hin wölbt, bis er, zu einem Ende sich niedersenkt,
und die Schriften entsiegelt N I~t, wer~en di~ Weissagungen offenbar
wo der Stillstand eintritt und kein Geschehen sich mehr vollzieht. Ohne
nach dem Wann gefra t we~de~r a;u:n ann :n ~er Ap_okalyptik aber
Geschehen ist aber keine Geschichte mehr und ohne Verlauf keine
sein Maß hat. Gott hatgdie Welt' ~~~I~der gottheben Okonomie alles
mit dem Maß gemessen un au er aage gewogen und die Stunden Zeit'' 143. Die Zahl Zwölf, die Zahl der Millenien in der persischen Eschato-
Schicksal der Welt ist in hid na.ch der Z~hl die Zeiten abgezählt. Das logie, hängt mit den zwölf Tierkreisbildern zusammen. So ist die gesamte
die Tafeln des Himmels seitmUmhscthen _Buchern aufgezeichnet und auf Zeit als ein gewaltiges Weltjahr aufgefaßt'""· Die Einteilung in Perioden
rze1 en mngetragen 135 ist in der Apokalyptik immer auf das Ende ausgerichtet. In der eschato-
Das genaue zahlenmäß' E · logischen Chronologie der Apokalyptik wird vorausgesetzt, daß dieser
schaft der Apokai tik Ige. rrechnen des Endes läßt sich als Wissen- 145
will den Glauben ~~d d~e~Ic~nen. Die Wissenschaft der Apokalyptik Aeon dem Ende zueilt: "Es eilt mit Macht die Welt zu Ende" • Und
der Apokalyptik welch d oWnung absolut Sichern. Die Wissenschaft am Ende, "da eilen rascher hin die Zeiten, als wie die früheren, die
ruht auf dem GI b ~ as ~nn des Endes zahlenmäßig errechnet, Jahreszeiten laufen rascher als wie in der Vergangenheit, die Jahre
erfüllen""'· Aufg:~e e~~s"~u~ m~erer Notwendigkeit muß alles sich schwinden schneller als wie die jetztigen" 145 • So enthüllt sich in der
hüllen. Um das E d d eGers I.st es, diese Notwendigkeit zu ent- Apokalyptik ein Wissen urn das Krisenhafte der Zeit. Die Zeit erscheint
.. n e er eschiChte darstell d b als Strom, der aus der Ewigkeit der Schöpfung entspringt und sich mit
konnen, wird ein Ahriß d W lt . en un erechnen zu wechselndem Gefälle am Ende in das Meer der Ewigkeit der Erlösung
Allmächtige in seiner We~~ d' e fe.schiChte entworfen: "Es hat dir der
genen und die noch ko Ie eiten kund getan, die schon vergan- ergießt.
Ende""'· mmenden von Anfang seiner Schöpfung bis zum Die Wissenschaft der Apokalyptik bedingt eine passive Einstellung
zum Geschehen der Geschichte. Alles aktive Handeln tritt zurück. Das
Auf dem Zifferblatt der "ttl' h Schicksal der Weltgeschichte ist vorausbestimmt, und sinnlos ist es, ihm
Welt angeschrieben und g~ IC en Uhr stehen die Ereignisse der
z.u verfolgen und dle Stun~e g;est 1arum, den Gang der Weltgeschichte wehren zu wollen. Der apokalyptische Stil verwendet vorwiegend das
der Apokalyptik wird U . eon~ zu bestimmen. Auf dem Grund Passiv. In den Apokalypsen "handelt" niemand, vielmehr "geschieht"
gisehe Chronolo ie de G mv~rsalgeschiC~te möglich I3S, Die eschatolo- alles. Es heißt nicht: Gott hört das Schreien, vielmehr: das Schreien
der späten Kab~al r d esch~eh~e setzt SICh fort bis in die Zahlenmystik kommt vor Gott; nicht: der Messias entscheidet über die Völker, son-
. . a un ermoghcht daß die w It h' · . dern: es kommt das Gericht über die Völker. Der passive Stil der Apo-
emgeteilt wird In d A k ' e gesc Ichte m PeriOden
· er po alypse Da · 1 · d kalyptik, der auch noch bei Kar! Marx begegnet, ist in dem mangelndem
persischen Eschatologie "' d A . me s Wir nach dem Vorbild der
theorieeingeteilt Daneb ker :~~ dieser Welt durch die Jahrwachen- Zutrauen zum Menschen begründet. Die lange Leidenszeit, die wieder-
der Geschichte i; die vie e~ ~~n. hie Apokaly~se Daniels die Einteilung holten Enttäuschungen, die erdrückende Macht des Bösen, der ungeheure
r e reiC e, welche die gesamte apokalyptische Koloß des dämonischen Weltreichs ließen die Apokalyptik an der Er-
-34- -35-
Iösung verzweifeln, wäre diese in den Willen und das Belieben des Diese Darstellung,., der Denkstruktur der. Apo k a1yhptik
"d und
d ei·nGnosis
Ver-
Menschen gestellt. Von hier allein läßt sich der meist unverstandene t · h dam1t entsc e1 en
geht nur darin fehl, und verspe~r Sic. ·e Struktur dieser Ge-
"Determinismus" in das Sinngefüge der marxistischen Apokalyptik ein-
ordnen; Auch Marx sieht in der Geschichte höhere, vom Individuum
nicht beeinflußbare Mächte am Werke und kleidet sie als "Produktiv- ~~ä:~e~~e~~~e~r:;a~~~i:i~~~:t=~:~:~~~~'l&~;j~~~i::~:n ie~::;~~:
kräfte" in das mythologische Gewand seiner Zeit. Das Reich Gottes logie .. De!'~ ~~~e~;~:n~~g a:C~d~ckt von der aristotelischen undscholad
soll verwirklicht werden, ohne daß die Schwelle des menschlichen, der
Sünde verhafteten, willkürlichen Willens passiert werden müßte. Das
!~~c~=nSJ~ogik
f
bis in die' Gegenwf art terhalrtdeen h~:e u~a~e~~it~~~:! e~~n
men und ausge orm wu · . "
Böse ist nicht allein eine menschliehe Regung. Das Böse als menschliche Marx au genom . . . h" Die ei entümliche Denktechm' 1
Regung ist nur eine, und dabei die oberflächlichste Weise des Bösen. "dualistisch und n;omstlsch zkulgle1Cbe.gri"ff':'de~ Apokalyptik und Gnosis
d ·g artlae EntWJC ungs . Th .
Das Böse ist vielmehr das Wesen der Welt, eine kosmische Potenz. und er "e~ en. " . M thode welche den Gegensatz von esis
Wenn daher am Ende das Wesen der Welt vergeht, so vergeht auch ist eben _dw ?Ialekt~ch~e d:r Ge~chichte in der Synthesis versöhnt.
das Böse als menschliche Regung. und An~Ithes~s Im au . Irrtum Leisegangs auf, der sich in seinen
Die Struktur der Apokalyptik und der Gnosis "kann nicht ohne Allein hier tntt der zweite h .. ber die Denkformen störend be-
weiteres als dualistisch oder monistisch bezeichnet werden, da sich die sonst so wertvolle~ U nt~~s~~r ~fa~:k~ik, sei es in der Apokalyptik ~nd
Struktur dieser Gedankengebilde der modernen philosophischen Termi- / merkbar macht. Die Logi . . . r· mi " sondern eher spira-
nologie nicht fügt. Man müßte sagen: sie ist dualistisch und monistisch Gnosis, sei es bei. Hege! Is_t m;ht t~:eiszo:rüclbiegung"'" führt nicht I
zugleich. Nicht die Zerspaltung der Welt in zwei sich bekämpfende, un- !isch"s. Die der Dml~ktJk ~~gken um;c ;:,eitet sich spira!isch zur Syn-
kreisförmig zur Thesis zuruc ' son ern
I
versöhnliche Kräfte, sondern die Überwindung der Gegensätze, die j!
coinci_dentia oppositorum, durch das Mittel einer eigentümlichen Denk- thesis. . . . . esentlich geschichtlich und steht im I
tech~Ik nnd eines eigenartigen Entwicklungsbegriffs ist Ursprung und Die dialektische Logik Ist w d" V bild und Grund aller rational- I
Gegensalz zur Logik des Aris:ote~~ ::; ~ ist. Nicht ohne Sinn greifen
0
z~gleich I_etztes Ziel gnostischen Denkens. Dadurch unterscheidet sich
die gnostische Weltanschauung von dem Dualismus der Platoniker, statischen Weltauslegungen Im L e~ t·~nimmer auf Aristote!es zurück. I~
Scholastik, Rational_isn;us .undL .tsd~r Geschichte und liegt der escha-
0 .,
aber ebenso von allen orientalischen dualistischen Religionssystemen,
insbesondere vom Parsismus mit seinen von Anbeginn vorhandenen Die dialektische Logik Ist eme ogid D" Logik bestimmt sich von
Gegensätzen. Was die gnostischen Systeme fast durchweg kennzeichnet, tologischen Weltauslegung zugr~n \· ::sewie sie in der Apokalyptik
ist die kreisförmige Führung der Grundgedanken. Es gilt zu zeigen, der Frage nach der. Macht des ~~:llv til;_ und Gnosis liegt der Grund
und Gnosis gestellt Ist. In der Ap YP d Logik Hegels. Der
Wie aus dem Unsichtbaren das Sichtbare, aus dem Sichtbaren wieder . her selten verstau enen .
das Unsichtbare wird, wie aus dem guten Gott die böse Welt mit dem zur vielbesprochenen, a okal tisch-gnostischer Ontologie und
bösen Schöpfer entsteht und wie sie zum guten Gott zurückkehrt, wie Zusammenhang zwisc~en ap li{t und nachträglich hergestellt. A~
aus Licht Finsternis und aus dieser wieder Licht wird, aus Geist Seele Hegelscher Logik Ist mch~ kun~iheologe Hege! seine Denkform erarbei-
und Kör~er, aus dem Körper wieder Seele und Geist, aus dem Ewigen Neuen Testament hat der Junge . H el sind eng an den Text
d~s Zeitliche, und aus dem Zeitlichen wieder das Ewige, aus Einem tet. Die ersten tiefen Versuche I~~~ Js~~tf":eob:~hten, wie hier das neue
VIeles und aus Vielem Eines. Die Übergänge von einem Gegensatz zum der Evangelien angelehnt. Es a ht d wie er an Sätzen der Evangelien,
andern werden dabei immer feiner ausgestaltet; zwischen dem guten dialektische Denken Hegel\e~wtcch-;:tionalen Logik sprengen, in die
Gott und der bösen Welt werden immer zahlreichere Zwischenstufen die das Schema der _ans_o ~ IS . rbeiten des jungen Hege!
der Entwicklung und ihnen entsprechende Mittelwesen eingeschoben. Denkform der. Di~lektik h~~:~~~c~e~· ~:~g~n" und über den "Geist
So entsteht die Reihe der Aionen, von denen der erste unmittelbar über die "PositlvJtät d~r . !" leiten direkt über zur "Phänome-
aus Gott hervorgeht, der letzte in die Materie versinkt, sie beseelt, des Christentu~s u?.d sem Schif<sa"k" in welcher Hege! die eschatolo-
formt: _gestaltet, aber zugleich unter ihr leidet, bis die Erlösung die nologie des Geistes . und _zur " ~g~ lt Vor mehr als hundert Jahren
Befremng aus der Materie in die Rückkehr des gefallenen Aions (der gisehe Schau der D•a!ekt~ en;::;I~e~ .engen Zusammenhang zwischen
Weltseele, Sophia) zu Gott bringt, wodurch der Ring der Entwicklung hat Ferdinand ChnstJ~n am~.ieta h sik aufgewiesen, ohne daß die
geschlossen ist." Regelscher und gnostischer p y I t t h .. tte
Regelforschung seine Arbeit genügend beac I e a .
-36- -37-

In den Urworten und Symbolen der Apokalyptik und Gnosis, welche Die Wir-form der Fragen in dieser ontologischen Spekulation erhellt
sich. im fundamentalen Symbol der Selbstentfremdung verdichten, ist den wesentlich anthropologischen Ansatz der Thematik 151 • Schon in
bereits das Wesen der Geschichte miteinbeschlossen. Wenn das Hier der iranischen und jüdischen Apokalyptik "geben die Entwicklungs-
der Welt, darin das Ich weilt, die Fremde ist, wird ein Geschehen voraus- stufen im Weltgeschehen den Rahmen ab für die Schicksalsstufen,
gesetzt, das diesen fragwürdigen Zustand begründet. Daß Gott und welche die menschliche Seele zu durchlaufen hat. Daher werden die
Welt einander entfremdet sind, daß die Substanz des Menschen in Ich großen Weltereignisse zumeist mit dem gleichlaufend sieh abspielenden
und Nicht-Ich zerrissen ist, daß das Ich im Kerker der Welt schmachtet Schicksal der Menschen erwähnt" 152•
all dies wird erst unter der Voraus-setzung sinnvoll, daß die Geschieht~ Die eschatologische Struktur der Gnosis ist bis in ihre weitesten
m1t dem. Aeon ~er Sünde i.dentiseh ist, welcher zwischen Schöpfung Ausläufer hinein spürbar. Noch bei Platin, wo die Gnosis bereits reine
und .Edosung emgebettet hegt. Die Struktur der Apokalyptik und Metaphysik geworden und die mytholog.isch-dramatisehe Motivik der
Gnosis 1st daher wesentlieh geschichtlich. Die verschiedenen Erscheinun- Eschatologie fortgefallen ist, bedeuten dte "ontologtschen Hypostasen
gen und ~estalten stellen in einer solchen Auslegung nur Durchgangs- nichts anderes als die Bewegungsstufen eines Seins, das sich aus innerer
punkte emer Bewegung dar, die von einem bestimmten Anfang her- Dynamik zum universalen Prozeß vo~ Selbstentf_ernung u.nd .Rü?k~,~~,"
kommend, auf ein bestimmtes Ende hin-steuert. Die geschichtliche zeitigt und nur im Durchlaufen dteses mneren Schicksals wtrkhch 1st .
Struktur der Apok~lypt~k und Gnosis ist daher, wesentlich eschatologisch. Das plotinsehe "Sein ist nichts anderes als seine eigene eschatologtsche
Wesen und Smn emer Jeden Gestalt und Ordnung ist bestimmt durch Geschichte (an jedem Punkte seinem Begriffe nach Gewordensem und
den Ort auf der Ekliptik: vom Brennpunkt der Schöpfung zum Brenn- Weiterwerden, bis zur unteren Grenze, und wieder Durchgangsstufe
punkt der Erlösung. eines Rückweges) und die Lehre von ihm ist Ontologie der Erlösung""'·
Das Antlitz der Apokalyptik und Gnosis ist wesentlich von der Erlösung aber heißt gnostisch: Aufhebung der Entfernung vom. Anfang.
Esc~ato~ogie h~r gepr~gt. Auch da, wo die "mythologischen" Apokalyp- Entfernung aber ist Entfremdung. So quillt aus apokalypttsc~-gno­
sen m dte ... phtlosophtschen" Systeme der Gnosis übergehen, bleibt der stischer Quelle die Lehre vom sich selbst bewegenden, dtalekhsch~n
eschatologische Akzent erhalten. Die Gnosis ist Geist vom Geiste der Sein hervor. Die Dialektik ist die ontologische Form der Apokalyptik
Apokalyptik. Die apokalyptischen Mythen erzählen die Geschichte der und Gnosis bis zu Hege! und Marx.
Welt ~nter dem dr~matischen Leitmotiv der Selbstentfremdung, und Die Dialektik gründet in der Entfremdung von Gott und Welt, welche
eben dte~es Thema hegt auch den mehr theoretischen, seinsbegriffliehen mit der Entzweiung des Menschen in psyche und pneuma zusammenfällt.
~pekulatwnen. de~ Gnosis zugrunde. Die Übergänge zwischen Apokalyp- Der Prozeß der Erlösung vollzieht sich ontologisch als Aufhebung der
tik und Gnosis smd selbstverständlich fließend. Welt durch Gott, anthropologisch als Aufhebung der psyche durch
Ein wichtiges gnostisches Zeugnisgibt das eschatologisch-dramatische pneuma. So entsprechen sich in der apokalyptisch-gnostischen Dial~ktik
Sch~ma der Ap~kal~ptik in Form einer programmatischen Fragethe- kosmos: Gott",: psyche: pneuma. Die psyche ist das an~h~opol?gtsche
matik .aller Gnosis Wieder: Erlösend sei die Erkenntnis, "wer wir waren, Korrelat des Kosmos. Aus der paulinischen Anthropologie 1st dte Ent-
w~s ':"Ir wurden; w? wir waren, wo hinein wir geworfen wurden; wohin zweiung des Menschen in psychisch und pneumatisch geläufig 157 • Der
Wir ~Ilen, woraus Wir erlöst werden; was Geburt ist, was Wiedergeb1:1rt". psychische Mensch ist der weltliche Mensch, der mit dem Wesen der
I.n dteser Formel der Excerpta ex Theodoto 78, einem Zeugnis der öst- Welt vergeht. Dem pneuma entspricht in der manichäischen Literatur
h.chen Schule de~ Valentianer,. wird das ganze Schema der apokalyp- Ostturkestans den Begriff: grev, den Reizenstein mit "Selbst", Wald-
tischen Mythologte umgesetzt m die Ontologie der Gnosis. Die beiden schmidt und Lenz mit "Ich" übersetzen 158• Dieses Ich als Selbst ent-
ersten Themenpaare kreisen um den Anfang der Schöpfung, die beiden deckt die Gnosis im Bruch mit der Welt. Das Ich als Selbst ist nicht
l~tzten um das End~ der Edösung, und durch ihre Entsprechung ergibt identisch mit dem Menschen. Der Schnitt von Gott und Welt, von
siCh der eschatologtsche "Schluß" des Ganzen. Die einzelne der vier Ich und Nicht-Ich geht mitten durch das Individuum hindurch. Das
Fragen ist jew~ils paarweise gestellt und so jeweils die Scheidung der pneuma als Selbst ist jener nicht-weltliche Funke, der das antike Ver-
Stufen ;on Schopfung-Welt-Erlösung bestimmt. In den ersten Themen- hältnis von Welt und Mensch als "Ganzes" und "Teil" sprengt. Im
paaren 1st nach dem Verhältnis von Schöpfung und Welt gefragt, in Gerrensatz zur Notwendigkeit deskosmosund der psyche, ist das pueuma
d_en letzten na.ch dem Verhältnis von Welt und Erlösung. In der Auf- Träger des "Funkens" der Freiheit, an dem sich der Prozeß der Erlösung
emanderfolge 1st schon das ganze Schema der Eschatologie mitgesetzt. entzünden kann.
' "'/'·. ·."1

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Der Kosmos ist für die Gnosis eine sinnen I . Fragen und Nöte, die von der Ordnung dieser Welt "links" liegen
Ordnung sinnentleerte Ordnung. Gerade die Ge ~~erte W~It und s_eme gelassen werden, stehen diese Strömungen anf der Seite der Geächteten
Kosmos wird in der Gnosis als Grenze d sc ossen~elt des antiken
verzweifelt angerannt wird Die Ges hl un ~~uer begnffen, gegen die und Verachteten.
Die Negation des Kosmos wird erst in dieser Schärfe möglich, weil
erst die Aussage vom Jens~its wel hc ossen elt als G;enze ermöglicht
Schale meint die de K ' c e genau das Jenseits der äußersten dieser vom Gegenpol Gott in Spannung gehalten wird. Gott und Welt
' n osmos umschließt m D K . . sind nicht entfernt, sondern entfremdet und entzweit und so gegenseitig
Gnosis nicht entleert im Sinne e· · er osmos 1st m der
als die Fülle des Schlechten ~:;r ~hnmac?t, vrelmehr ist er mächtig
aufeinander zugespannt. Wie im Kosmos nichts von Gott ist, so ist
Gott das Nichts der Welt. In der Welt ist Gott der "Unbekannte",
Substanz der Finsternis er hat s . os~os Jst durchherrscht von der
sogar seinen Gott I d'. emen eJgenen Geist und bei Mareion "Verborgene", HNamenlose" und "Andere". Diese Verhüllung Gottes
. n Ieser unaeheuren Mä ht' d wird meist so erklärt, daß im Umkreis der Apokalyptik und Gnosis
zum Wagnis eines eigenen Mo o th . " c . Jgung es Kosmos bis die Kraft der Anschauung geschwunden sei. Aber in den negativen
daß in der Gnosis die Entz~;ei no eismus bei Marcwn rsa zeigt sich,
Aussagen über Gott spricht sich eine neue und revolutionäre Gesinnung
entfremdung des Menschen bisungf ~~n Go.tt und elt und die Selbst-
':V
1 aus. Der apokalyptisch-gnostische Gott ist nicht überweltlich, sondern
Spitze überschlägt die gnostisc~~ M ethSkJtz_e getneben ist. Auf dieser wesentlich gegenweltlich. Der "unbekannte Gott" erscheint bei Marcion,
den Ursprung; aus dem ihr das revoluho~äres~\~elbst undrast gegen wo die Gnosis ihren Höhepunkt erreicht, als der "neue Gott" 159 • "Un-
Jhw, der Gott des Alten ·r ta t a os zugestromt. Indem bekannt" meint genauer: "bisher unbekannt". Und hierin liegt die Ent-
es men s von der G · 1 G .
Welt durch sein Schöpfun s-Wort ana .nosJs a s. arant dJeser gegensetzung gegen jeden bisher bekannten und verehrten Gott. Die
Iyptisch-revolutionäre Halgege d' ~s~he.n Wlrd, _schlagt der apoka- Aussage vom unbekannten Gott schließt in sich eine Absage der Welt
gegen jenen Gott und sein Prin .n Je e.t m gnostl~ches Empörerturn
ein und ist sich dieser Absage voll bewußt. Der Gott der Schöpfung
des vom Schöpfer-Gott Ve fi z~~ um. Kam, das UrbJ!d des Geächteten,
wandern muß wird r uc en, der unstet und flüchtig auf Erden ist bei Mareion nicht nur zufällig, sondern wesentlich bekannt. Der Gott
werden auch die aude~~mGGegenstand gnostischen Kultes. Mit Kain der Schöpfung ist ablesbar in den Werken der Welt und als Geist der
Welt mit dieser identisch. So aber ist auch der jenseitige, gegenweltliehe
J::
etwa die Schlau e d' . eachteten des Alten Testaments erhöht und
kultisch verehrt.gMar~~o~n d?ee';:'s als Ver~ü~rerin zum Bösen gilt,
verfolgt, interpretiert de~ We d bgeru~g, Wle Immer, bis ins Extrem
Gott wesentlich unbekannt 16°, Die negativen Aussagen von Gott: un-
erkennbar, unnennbar, unsagbar, unbegreifbar, gestaltlos, grenzenlos und
sogar nicht-seiend instrumentieren alle nur die apokalyptisch-gnostische
und Neuen Testaments rebellfscher es?hJChte am Leitfaden des Alten
Aussage, daß Gott wesentlich gegenweltlich ist. In den negativen Aus-
die Hölle gestiegen, um Kain und ~m, hmdem er lehrt, ?aß Christus in
alle Völker, die sich e en .ora ' Datan und AbJram, Esau und sagen spricht sieh, gleich wie in der Aussage vom neuen Gott das revo-
Gott des Alten Testa~e~ts i~:~ti~~~~pfergott., der für Mardon mit dem
lutionäre Pathos der Apokalyptik und Gnosis aus. Mit den negativen
Aussagen über Gott wird alle Gültigkeit und Anspruch der Welt bestritten.
Abel, Henoch Noa!J dJ'e Er ··t sdt,Memporten, zum Helle zu berufen.
' ' zva er un 1 ose ab d' ll . Der "neue Gott" (Marcion) ist der "fremde Gott", der in der Welt
des Weltgottes wandelten d d . er, ~~ a emden Wegen nicht-seiende Gott. Der "nicht-seiende Gott" (Basilides) aber ist eine
Erlösung mißachteten bleib~~ . ;7'~1 ~ach Marcwn, den Gott der ungeheure Mächtigkeit, der die Welt umklammert, nichtet und ver-
sich dabei nicht um ei~e V t' lm u er Unterwelt zurück. Daß es
fundamentales Element er\;egenheit de;. Gnosis handelt, sondern ein nichtet. Der in der Welt fremde und nicht-seiende Gott erlöst das Selbst,
das pneuma des Menschen, welches sich in der Welt fremd fühlt, indem
radikalen Pathos der Rev~7~:. !sehen E:npore;tums, wie überhaupt des
er das Wesen der Welt vergehen läßt und ihren Bann nichtet. Der jen-
gegenwärtigen Strömungen d~ 0 ~.bes?h{Jeben 1 ~t, lehrt der Vergleich mit
. nehmen, obwohl oder eben • Je ur s;c das Zeichen "links" in Anspruch seitige Gott der Apokalyptik und der Gnosis ist wesentlieh eschatologisch,
weil er an sich die Welt bestreitet und das Neue verheißt. Der ursprüng-
ein ominöser, negativer Kl!~rade well dem Worte links in allen Sprachen
nicht äußere, zufällige Grü J an~aftet. Denn ~s smd selbstverständlich
lamente maßgebend daf" n de,ßWle etw? die Sitzordnung in einem Par-
liche Sinu der Rede vom jenseitigen Gott versteht sich aus der apoka-
lyptisch-gnostischen Eschatologie und nicht aus der statischen Ontologie
sich das Siegel links e~~n a gewaltl~e St:ömungen der Gegenwart hellenisch-hellenistischer Philosophie.
dessen, was von der w!It I. I~o:dern. m beJ.ahender Aufnahme alles
der diesem Worte anhaftet ~ m hs,. mit e~en !enen: ominösem Klange,
• ersc neen Wlrd, Im Emtreten für all jene
-40-

Literatur h i n weise :
1 Weininger 101. a 11/Hh 14 , s 91/92, ~ Heidegger 13. 5 a. a. 0. 23. 1 Balthasar I/175 f.
a A. Fanst 1/342. 'Balthasar Ill/406. H) Barth Kar! Ij;~., 64. H Schellhag IIlj628.
1
1: Gens... :;. Jonas 126.
14
a. a. 0. 120, 137. :a I. Kol'. 13 1 ~. u Reisne:r 1929, 66. 17 Berd..
jajew 107. u I/7.9. n HM 1/79. ;;o a. a. 0. 17. ~ 1 Löwith 493. M Jonas 146 f . .e'$ a. a. 0._
149. \14 a. a. 0. 150:. 1H Otto 5. lHI Jereroia 3l:n. :;-r Tillich 1926, a. u Schweitzer 1926,
!53 vgl. a. a. 0. 397 f. 11• Anaximandros~ Simplicius :zu Aristoteles Physik 24, 13 f. ·
Diels = 12 A 9. lls 'l'illieh 1933, 28 f. " 1 a. a. 0. 32. ;: a. a. 0. 36. ;1.1 Balthasar I/13.
34 Tiliich 1926, 22. es Berdjajew 46.
36
61 "* 37 Baltha$~u· I/5. •n 1. Kor 15 2 ~, aiJ Rosen..
:<~weig II/194. 4 (1 Hegel II/13. 41 Webe:r 6. 42 Baeck362. u Jesaja4011• 44 Ex.od 247 • 45 Kühn
12. d~ Talmud hab. Bel'achoth 13a. 47 Baron IJ5. ta Weiser 22 f. 4t Sehelling XI/109.
Zweites Buch
~o 11 4 f. u Gen 12t. ~ 9 Sehelling XI/111. 53 a. a. 0. 155. tJ Gen 121 , 55 SeheHing XI/
157 f. 66 Regel Jugendsdlr. 247. ~;Weher 299. ss Baron I/85 f, .,, T.alm.ud hab. San~
hedrin 21 b, 60 Weilhausen 1895, 392. e1 eontr, Ap. 2u. $1: Buher 106. "~ Wellhausen
1900, 2 f. u4 Weilhausen 1901. 14. &s Buher 142. 66 a. a. 0. 143. er Kantsky II/52~
es Buher 111 f. 6 ~ Hehn 256. a Weber 121. 11 a, a. 0. 299, 7 «Buher 31+ vgl. 92. t3c 3 f~
Müller 11. 76 Exod 21~~· 11 hab. Kidduschin 22h,, '1$ Lev. 25 5 ~. 79 "\\-""eher
1 10
"' a.a. 0. 81.
325. sc a. a. 0. 121. u a. a. 0. 338. t~ a. a. 0. 339. n a. a, 0. 342. u Otto 4. 36 ,Reit..
zenstcin 937. 84 Jonas 74. 87 II/225~399• .u Jonas 73. n Meyel' II/95 n. a. 'r, Baron
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I/76. n Meyer 1;'23. Spengler II/242. &a Meyer Ilf12. •• Jonas 92:. ss LidzbarskiJ I.
0. 247. ta a. a. 0. 98. ~ 9 Otto ~9. lil<t Corpus Hermetieum VI/4~
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Jonas 96. a. a.
1111
Lidzhmski G 433. a 2 Corpus Hermeticum IV j8. m Lidzharski J 243. liH Lidzhar--
ski G 10 :f. ~v;; a. a. 0.13. Hia Lidzbarski J 35. l07 Harnack 1921, 136. wsa. a. 0.139~
DIE GESCHICHTE DER APOKALYPTIK
Jflt Jonas 105. m· Lidzbarski G 338. w Jonas 106 f. ll<l Lidzharski G 398. u; a. a. 0~
261. m Pistis Sophia z!t. Jonas 112. tH Lid2:harski G 393 f. m Seelenhymnus der
Thnmasakten zit. Jonas 114. u 1 Corpus Hermeticum VII/1. us Lidzharski G 113.
a. a. 0. 120 f. uo Lidzbarski J 62. Ul Lidzha:rski G 126. 13 ~ a. a. 0. 337. U4 Lidz..
1111

b.arski J 58. m Jonas 12(). ut. Lidzbare:ki G 258. ua a. a. 0. 244. 1H a. a. 0. 122*


H$ a. a. 0. 197. us Jonas 124. m• Lidzbars.ki J 67. 111 1 Lidzbatski G 273. u~ Hilgen~
13
feld 12. .n Volz 6, ut a. a. 0.135. t 3 l a. a. 0. 11. u.a Sibyll 571. 1 117 Ba:ruch 56*.
m VoJz 141. t.;.a Lommell30. -'44 89", 111 Henoch 93. ua 19. H 3 Lonunel 133. w a. a. 0.
147. w IV. Esra 4~w U<l Baruch 20t• 147 Leisegang RGG~ II/1273. HB Koepgen 150~
tu Leisegang 1926, 60 f. tu 1835, 668 f. m Jtlnas 261. m Lomroel 143. tlHl JonUs 260.
154
a. a. 0. 148. tts a. a. 0, 164. H<l a. a. 0. 260. u 1 Röm 7. us Jonaa 211. tu Ha:ruack
1921, !58 f. '"' a. a. 0. 139.

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'
Von Daniel bis Johannes

Apokalyptik und Antike gründen auf einander widersprechenden


Axiomen. Was Wirklichkeit des einen Lebenskreises ist, gilt im anderen
als eitler Schein. In den Gebieten um das östliche Mittelmeer begegnen
sich Antike und Apokalyptik. Zur Auseinandersetzung kommt es in
J udäa. Das seleukidische Diadochenreich wurde nach der Niederlage
bei Magnesia hinter den Tarsus zurückgedrängt. Das Eingreifen der
römischen Macht im Juli 168 stellte die Selenkidische Herrschaft im
Süden in Frage und zwang Antiochus Epiphanes, das buntscheckige
Reich straffer zusammenzufassen 1 . Das Mittel der Straffung konnte nur
eine durchgreifende Hellenisierung sein. Eben dieser Versuch führte gegen
Ende des Jahres 167 zum Aufstand in Judäa. Der Aufstand richtete
sich gegen die syrische Herrschaft 2, aber auch gegen jene hellenistisch
jüdischen Familien, die den Plänen des Antiochus willig Vorschub lei-
steten 3 • In dieser Verfolgungszeit wird die erste uns selbstständig er-
haltene Apokalypse entsiegelt, die Apokalypse des Daniel. Diese Apo-
kalypse weist bereits alle Merkmale auf, die der apokalyptischen Lite-
ratur eignen. Die Danielapokalypse hat allen späteren Apokalypsen
als Richtschnur gedient 4 • Der Glaube an die Vorsehung, der Abriß der
Weltgeschichte, der weltgeschichtliche und kosmische Horizont, der Um-
fang und die Phantastik der Visionen, die Verhüllung des Verfassers,
die eschatologische Siede und die endzeitliche Berechnung, die apokalyp-
tische Wissenschaft, Zahlensymbolik und Geheimsprache, die Engellehre
und Jenseitshoffnung sind die Elemente, die den Aufbau der Apokalypse
bestimmen.
Den Zusammenhang der Apokalypse Daniels mit den Ereignissen der
Makkabäerzeit hat zuerst der Neuplatoniker Porphyr aufgewiesen, und
die moderne Forschung hat diese zugeschüttete Erkenntnis wieder aus-
gegraben und die Zeit der Abfassung fast bis auf das Jahr genau zu
bestimmen gesucht. Der literarische Aufbau der Apokalypse bleibt aber
schwierig, denn der erzählende (c. 1-6) und der weissagende (c. 7-12)
Teil wird durch den Wechsel der Sprachen, hebräisch (c. 1, 8-12) und
aramäisch (c. 2-7) gekreuzt. Hälseher nimmt an, daß ein makkabäischer
Verfasser die ältere Sammlung von fünf Erzählungen (c. 2-6) mit ihrer
Einleitung (c. 1) sowie die Weissagung (c. 7) aufgenommen und leicht
überarbeitet den von ihm selber verfaßten Weissagungen (c. 8-12) vor-
angestellt hat. Es wäre so nicht notwendig, in Nebukadnezar, Belsazar
und Darins nur Verhüllungen für Antiochus zu suchen, was doch
nie recht gelingen wollte. Selbstverständlich sollten die Erzählungen
-44- -45-

von früheren Herrschern, von ihrer Überhebung und ihrem Sturz, an- von der transzendenten Apokalyptik in der Eschatologie Jesu zu
deuten, was Antiochus bevorstand und den Glauben der Verfolgten scheiden, sind gescheitert 12 •
stärken •. · Schon die Auseinandersetzung der Makkabäer mit den Seleukiden
Die Nachtvision des Daniel, welche die Mitte der Apokalypse dar- wird bereits vom Aufstieg des römischen Imperiums beschattet. Von
stellt, verwendet babylonische Astralmythik als Elemente des eschato- dem Moment an, da Pompeins sich in die Thronstreitigkeiten der letzten
logischen Dramas. Franz Bol! 7 und Gunkel 8 haben für die Offenbarung Hasmonäer mischt und J udäa iu den Bereich römischer Macht einbe-
Johannis diesen Grund sichergestellt, für die Apokalypse Daniel ist zieht, entbrennt der Kampf zwischen Rom und Judäa. Nietzsche meint13 :
er durch Jeremias 9 und Eis! er 10 aufgewiesen worden. Es gab bisher kein größeres Ereignis als diesen Kampf, diese Fragest~llung,
Der Seher der Apokalypse sieht in der Nacht der Schicksalsbestim- diesen todfeindliehen Widerspruch. Die Auseinandersetzung zw1schen
mung und des großen Gerichts, da die Schriften des Himmels eröffnet den römischen Legionen und den jüdischen Zeloten bewegte sich nicht
werden und die Sternbilder der großen Weltreiche nacheinander aus dem allein auf der Ebene des Widerstandes, wie ihn auch andere Völker in
Meere auftauchen: zuerst den "Löwen", den "Bären'', den "Panther'' und blindem Trotz und mit besserem Erfolg leisteten. Die Zeloten wollten
schließlich den "Adler", der das syrische Reich der Seleukiden versinn- mehr denn sie machten dem imperium Romanum die Weltherrschaft
bildet. Die Untaten dieser fressenden und den "Rest" unter die Füße streitlg. Und dies hebt diesen Kampf hinaus über die Kriege zwischen
tretenden Ungeheuer sieht der Seher an seinem Auge vorbeiziehen. dem Römerreich uud den Barbaren, die zugleich und nachher an den
Die Sternengel der heidnischen Weltreiche sind die Empörer gegen Gott. Grenzen des Rheins und der Donau, am Euphrat und in Britannien aus-
Am Himmel wiederholen sich so die Ereignisse des Draufstandes gegen gefochten wurden. In diesem zähen, ja verzweifelten Ringen zwischen
Gott, die Empörung des Chaos gegen die Schöpfung. Wie einst vor der Zeloten und Römern stoßen zwei Weltprinzipien aneinander. Es kämpfen
Besiegung des Chaos erscheint der "Uralte der Tage", der "Greis", der vielleicht nicht zum ersten Mal, aber sicher zum ersten Mal mit zuläng-
"Herr der Entscheidung" und bestimmt den Weltherrscher. Das eben lichem Wissen um den Gegensatz, das Weltreich der Herren mit der
herrschende Weltreich des Adlers wird vernichtet und im Feuer des Weltrevolution der Unterdrückten 14•
Himmelsstroms verbrannt. An Stelle der vergänglichen Reiche der Tiere, Die Apokalyptik wird von der zelotischen Be':'egung getr~gen ..
die im Wechsel der Zeiten untergehen wie ihre Sternengel, soll mm das Apokalyptische Literatur ist Literatur der Zeloten. D1e ap?kalypbsche
ewige Reich treten, dessen Stern nie untergeht. Sein Schutzherr ist der Weissagung nährt und schürt die zelotische Flamme". ~~~ apok~lyp­
höchste Sohn des Himmels, das Sternbild des Menschen. Aussehend tische Literatur fügt sich in den Zusammenhang des ge1sbgen Wider-
"wie ein Mensch" steht er auf dem besiegten Poldrachen und geht nie standes gegen Rom, als deren letzte Reste die sibyllinischen Orakel
unter. Der Mensch oder die menschenähnliche Gestalt des Drachen- erhalten sind 1•. Das fore ut valesceret Oriens 17 war ein Gespenst, das
besiegers auf dem Himmelspol, die der Seher in den Wolken des Himmels über der antiken Welt lastete, und so erklärt sich der Jubel der römischen
sieht, deutet er auf den Wolkensohn, den "Anani ". Anani aber ist der Welt, als Augustus von Rom aus die Welt befriedete. In dieser Welt
Name des letzten Sprosses aus davidischem Hause, welchen die genealo- der pax Romana sticht die Flamme des jüdischen Aufstandes empor.
gische Liste des ersten Chronikbuches u überliefert. Der Targum fügt Unter der Asche glimmt seit Herades das Feuer. Nach seinem Tod
erläuternd zu dieser Liste der Chronik bei: Anani, das ist der Messias- empört sich das Volk, aufrührerisch Gesinnte scharen sich zusamßlen
könig, der sich offenbaren wird. Es ist also wohl der in der Zeit der und verlangen neben Erleichterung der Abgaben, Aufhebung der Zolle
Seleukiden lebende Davidide, der, nach Meinung des Sehers, das Unge- und Freilassung von Gefangenen 18, die Absetzung des Hohepriesters.
heuer besiegen wird und damit die Weltherrschaft im fünften Weltreich Mit dieser letzten Forderung ist aber das Zeichen der Empörung gegeben,
auf ewige Zeiten antreten wird. So schaut der Seher kosmische und und Archelaus bietet seine ganze Streitmacht "gegen die Empörer" auf:
nationale Eschatologie ineins, wenn er den Menschensohn in den dreitausend der Empörer werden im Tempel zu Jerusalem niedergemacht,
Wolken, "Anani", der das fünfte Weltreich beherrschen soll, auf den die übrigen ziehen sich in die nahe gelegenen Berge zurück 19 • Diese
Anani, den Sproß aus dem davidischen Hause hindeutet. Schon in der "Empörer" aber sind jene "Stürmer", v-on denen Jesus sagt: "von ~en
Apokalypse Daniel sind transzendente Eschatologie und nationaler Messia- Tagen des Johannes des Täufers bis hierher leidet das HimmelreiCh
nismus unentwirrbar verknüpft. Der "Sohn Davids" und der "Menschen- Gewalt und die Gewalt tun, die reißen es an sich" 20 •
sohn" sind identisch. Diese Identität ist für den Messianismus der Zeit In diesem Spruch Jesu ist der Zusammenhang zwische~ den Stü~mern
und Umgebung Jesu bestimmend. Alle Versuche, die politische Messianik und Johannes deutlich bewahrt. Auch Josephus 21 we1ß von d1esem
-46- 47-

Bezug. Denn trotz einiger geringfügiger Interpolationen scheint der ihre Geschichte. In langen Wehen hat sich die Anschauung durchgesetzt,
J ohannesbericht des J osephus echt zu sein. Mit den Evangelien über- daß auch das Leben Jesu nnd seine Geschichte der Methode historischer
einstimmend weiß Josephus von der "wunderbaren Anziehungskraft" Analyse unterworfen ist. Mit einem Fragment des Wolfe:müttelschen
der Rede des J ohannes, so daß "gewaltige Menschenmengen" zu ihm Ungenannten, welches Lessing 1778 herausgegeben, setzt d1e Forschung
strömten. Der Tetrarch Herodesfürchtete, daß ,1das Ansehen des Mannes, ein. In dem knappen Fragment: Vom Zwecke Jesn und seiner Jünger,
dessen Rat allgemein befolgt zu werden schien, das Volk zum Aufruhr wird zum ersten Mal die Welt Jesu historisch erlaßt und seine An·
treiben möchte, und hielt es daher für besser, ihn rechtzeitig aus dem schauung als eschatologisch bestimmt. . . .
Wege zu räumen". Lukanische"' und talmudische"' Tradition stimmen Den Weg von Reimarus zu Wrede hat Albert Schweltzer m all semen
darin überein, daß Johannes verborgen gelebt hat. Denn alles spricht Windungen und Strömungen nachgezekhnet. Der Weg ist dornenreich,
dafür, daß "Hamm der Verborgene" der talmndischcn Tradition mit und mehr als einmal sind falsche Pfade beschritten worden. So ver-
Johannes dem Täufer identisch ist; auch das Lukaswort scheint den wundert es nicht, daß Martin Kähler 35 die gesamte Lehen-Jesn-Forschung
Namen "Johannes der Verborgene" erklären zu wollen. als einen Holzweg" bezeichnete. In seiner antithetischen Gegenüber·
Übereinstimmend berichtet die synoptische Tradition, daß Johannes stellung v~rwirft Martin Kähler den "sogenannten historischen Jesus"
"in der Wüste des jüdischen Landes""" gepredigt hat. Weitab von den und entscheidet sich für den "geschichtlich biblischen Christus". Mit
Städten und Orten aber konnte seine Botschaft: tut Buße, das Himmel- der Behauptung, daß "wir keine Quellen für das Leben Jesu besitzen,
reich ist nahe herbeigekommen, nur dann gehört werden, wenn "die welche ein Geschichtsforscher als zuverlässige und ansreichende gelten
Stadt Jerusalem und das ganze jüdische Land und alle Länder um den lassen kann" ••, verbindet sich eine Anerkennung des dogmatischen
Jordan zu ihm hinausgingen" 25 • Die Bußpredigt des Jobannes breitete Christus. Weil der historische J esus nicht erkannt werden kann, ist der
sich wie eine mächtige Epidemie weithin unter Hoch und Niedrig aus". Weg für den geschichtlichen Christus offen. ~ieser Schluß vo~ M~rtin
Alle, die kamen, "liessen sich taufen von ihm und bekannten ihre Kähler der heute viele Anhänger bat, schemt uns aber trugensch.
Sünden" 27• Schon Albert Schweitzer" hat die Taufe des Johannes als Selbst~erständlich bleibt alles 'V>1ssenschaftliche Forschen hypothetisch.
"eschatologisches Sakrament" bezeichnet, welches im Gericht erretten Aber sein Wert bemißt sich danach, wie weit die erhaltenen Bericht~
soll. Das Weltgericht wird in der Henochapokalypse '' als Wiederholung in ein inneres Verhältnis gebracht werden können. Die Quellen über
der noachischen Sintflut dargestellt. Die Taufe errettet aus dem Welt- Jesus sind nicht schlechter als über irgend eine andere Gestalt des Alter-
gericht der Sintflut. "Gleich wie die Tage Noas waren, werden die Tage tums.· Vielleicht sogar noch ausgiebiger. Es scheint aber ausge~chlossen,
des Menschensohns sein. 39" Wie Johannes mit Wasser gegen das Gericht daß etwa in der klassischen Philologie je der Schluß von Martm Kähler
der Sintflut, so wird der Kommende mit Wind (pneuma) und Feuer anf Sokrates angewendet wird. Mit der Behauptung, daß wir keine
taufen"· Nicht eine Taufe mit dem heiligen Geist (pneuma hagion) Quellen für das Leben des Sokrates besitzen, die als zuverlässig und aus-
kann Johannes geweissagt haben", denn die Jünger des Johannes reichend gelten können, läßt sich keineswegs der ~chl~ß verbmden, daß
"haben auch nie gehört, ob ein heiliger Geist sei""'· Die Taufe mit Wind der Sokrates der platonischen Dialoge der geschichtliche Sokrates set.
(pneuma) und Feuer soll ebenso wie die Taufe mit Wasser als eschatolo- Die Antithese: der sogenannte historische Sokrates und der geschichtlich
gisches Sakrament vor dem Weltgericht erretten. Wie sich im Welt- platonische Sokrates ist unmöglich. Die.ser Vergleich set~t aber ':oraus,
gericht die Sintflut der Noazeit wiederbolt, so v.1ederholt sich auch die daß die Art und Methode wissenschaftlicher Forschung 1mmer d1eselbe
Feuerflut von Sodom und die Windflut des Geschlechts des Turmbaus"'. bleiben muß, ob es sich um Texte des Alten oder Neuen Te.staments oder
um die der Veden, des Avestas, des Korans oder der D1aloge Platons
handelt. Es ist schon bewundernswerte Gelehrsamkeit an den Tag
gelegt worden, um über elementare Erkenntnisse hinw~utäus~hen, die
an den Texten des Alten wie des Neuen Testaments m gewaltiger An-
strengung erarbeitet worden sind. Allein solche Geleh:tenarbeit ist um-
Das Leben Jesu sonst, sie dient nicht der Wissenschaft, aber noch wemger dem Glauben.
Denn werden die Texte des Alten Testaments von jüdischer und christ-
Seit dem Ende des achtzehnten Jahrhunderts wird die Geschichte licher Dogmatik, ,die Texte des Neuen Testaments von christlicher
des Lebens Jesu erforscht. Die Lehen-Jesn-Forschung hat bereits selbst Dogmatik als Offenbarung ausgelegt, so kann und darf von einer elgent-
-48- -49-

Iichen Wissenschaft nnd wissenschaftlicher Arbeit keine Rede sein. Das von dem er predigte: es kommt einer nach mir. Während im Westen
hat Karl Barth im Römerbriefkommentar richtig gesehen. Denn wie der Unterschied von Johannesjüngern und christlicher Gemeinde über-
sollte der Eindruck des "ganz Andern" mit wissenschaftlichen Mitteln brückt wird "• vertieft sich der Graben im Osten. Die mandäische Tra-
erfaßt werden? Das Übergeschichtliche läßt sich vom Geschichtlichen dition, die ein Gespräch zwischen Johannes und Jesus dichtet, gibt
nicht in der Weise trennen, daß man den historischen Grund verfälscht. gut wieder, was östliche Johannesjünger in Jesus sahen: "Belogen hast
Auch der Weltgeist hat die Geduld gehabt, die Gestaltungen der Ge- Du die Juden und betrogen die Priester. Den Samen hast Du den Männern
schichte zu formen. Das Übergeschichtliche ist die Essenz des Geschicht- abgeschnitten und Gebären und Schwangerschaft den Frauen. Den
lichen, die zuinnerst mit dem historischen Grund verwoben ist. Sabbath, den Mose gebunden, hast Du in J erusalem frei gegeben.
Die Lehen-Jesn-Forschung hat einen vollen Kreis der Entwicklung Belogen hast Du sie durch Hörner und Schmachvolles hast Du durch
durchlaufen und ist zur zentralen These des Reimarus zurückgekehrt. den Schofar verbreitet" 49 •
An der elementaren Erkenntnis des Reimarus gemessen ist die neutesta- Auch J esus schneidet mit scharfem Schnitt zwischen sich und
mentliche Wissenschaft rückschrittlich gewesen, als sie seine wichtigste Johannes. Zwar: "unter allen, die von Weibern geboren sind, ist nicht
These verdunkelte: daß Jesus nicht als Anfänger eines Neuen, sondern aufgekommen einer, der größer sei, denn Johannes der Täufer; der aber
als eine Erscheinung der apokalyptischen Welle in Israel zu betrachten der kleinste ist im Himmelreich, ist größer denn er" 50 • Gesetz und
sei. Jesus fügt 3 ' sich noch weiter in die Reihe jener eschatologischen Proph.eten gehen bis auf Johannes 51 • So gehört Johannes mit zu den
Wanderprediger, von denen Celsus berichtet, daß sie von sich sagen: Alten: ..: ihnen steht gegenüber das "Ich aber sage euch""·
"Ich bin Gott oder Gottes Sohn oder göttlicher Geist. Ich bin aber ge- Und doch zerreißt Jesus nie das Band zwischen sich und Johannes,
kommen, denn schon bald geht die Welt zugrunde und ihr o Menschen denn das Messiasbewußtsein Jesu gründet auf der Weissagung des
fahrt wegen eurer Ungerechtigkeiten dahin. Ich aber will euch retten Johannes. Weil das Messiasbewußtsein Jesu auf der Weissagung des
und ihr werdet mich mit himmlischer Macht wiederkommen sehen" 37. Johannes gründet, muß Johaunes als Vorläufer, als Elia erhal~en bl~iben.
Der jüdische Messianismus ist nur ein Teil der apokalyptischen Er- In einem Wort, das in der Szene der Verklärung aufbewahrt 1st, w1rd es
regung, die allgemeiner die gesamte aramäisch-syrische Welt ergriffen deutlich, daß das Schicksal Jesu mit dem Schicksal Johannes eng ver-
hatte 36 • knüpft ist: "es ist Elia schon gekommen und sie haben ihn uicht erkannt,
"Nachdem aber Johannes überantwortet war, kam Jesus nach Galiläa sondern haben getan, was sie wollten. Also wird auch des Menschen
und predigte das Evangelium vom Reich Gottes und sprach: die Zeit Sohn leiden müssen von ihnen" 53 • ·
ist erfüllt und das Reich Gottes ist herbei gekommen. Tut Buße und Wenn Jesus predigt: das Reich Gottes ist herbei gekommen, so
glaubet an das Evangelium" 38 • In diesem Summarium faßt Markus die muß seine Aussage vom Reich, wie schon Reimarus 54 meint, ,,nach
Botschaft Jesu in ihrem Unterschied zu der Predigt des Johannes zu- jüdischer Redensart" verstanden werden. Denn nirgends erläutert ~esu_s,
sammen. J ohannes predigt "von der Taufe der Buße zur Vergebung was das Reich Gottes ist, und somit will er seine Aussage vom Re1ch 1.n
der Sünden" 39, Jesus predigt "das Evangelium vom Reich Gottes" ••. der bekannten und üblichen Art verstanden wissen. Jesus setzt d1e
Auch in der Predigt Jesu ist das "Tut Buße" des Johannes enthalten, Erwartungen, die das Volk an das Reich Gottes knüpft, voraus, ohne
auch die Botschaft des Johannes 41 ist bestimmt vom Glauben, daß sie zu verändern. Was alles mit dern Reich Gottes kommt, das we~ß
"das Himmelreich nahe herbeigekommen ist" 42• Allein die Akzente ver- man im Volke. Daß es kommt, vielleicht morgen schon kommt, ja daß
schieben sich merkbar. Johannes predigt: das Himmelreich ist nahe es bereits herbeigekommen ist und man sich darum beeilen ~uß, u.m-
herbeigekommen, als Gericht; Jesus predigt: das Reich Gottes ist herbei- zukehren, um in das Reich hineinzukommen, das 1st das e~genthch
gekommen, als Verheißung. Johannes dräut in erster Linie gegen das Erregende der Rede Jesu "· Der Terminus Reich Gottes deckt e~ne
"Volk" als "Otterngezüchte" 43, Jesus sorgt sich zuerst "um die ver- Reihe von Assoziationen. Auf nicht entwirrbare We1se m1schen siCh
lorenen Schafe aus dem Hause Israel" 44• Die Einleitung des Markus: nationale Eschatologie, davidischer Messianismus mit kosmisch-t~anszen­
"Nachdem aber Johannes überantwortet war, kam Jesus nach Galiläa"" denter Eschatologie eines wesentlich jenseitigen gedacht~n Hl~mels­
weist deutlich darauf, daß Jesus als Schüler und Jünger Johanni; reiches. Der Menschensohn ist seit der Apokalypse Damels mrt dem
vor seinem Auftreten in Galiläa gewirkt und vielleicht auch das Taufen davidischen Messiaskönig identisch. Die politischen Erwartungen zeich~en
geübt hat 46 • Doch es kommt zur Trennung. Johannes "nimmt Ärgernis" sich in die transzendente Vorstellungswelt ein. Es wäre zu eng, das Re1ch
an J esus, wohl weil J ohannes merkt, daß J esus sich für den hält., Gottes als polis oder politeuma zu verstehen, denn es meint mehr die
'
-50- -51-
Königsherrschaft. Eher müßte .. . Isaak und Jakob zu Tische liegen. Es gleicht einem Netze, das vielerlei
Himmel und Erde sind der He man sagen: Komgsherrschaftsbereich "·
Arten von Fischen umfangen, umfassen, zusammenbringen kann. Es
sind das Reich, auf das Got:r:~:::ftst.e:eich Gott~s. Himmel und Erde
gleicht einem Baume, in dessen Zweigen die Vögel des Himmels nisten
Gottes ist jenes Königreich h Komgtum bezwht. Das Königtum
Lehen gibt, damit es die K'.. ":e1c es Gott dem Hause Davids wie ein können""· Das Reich Gottes ist ein Haus, das man "erben" kann.
Prophetie wird das T?·· • omgherrschaft vertretend ausübe" In der Man kann es erben, wie man das Land erben kann. Man zieht in das
. n.omgtum Gottes · · . · . Reich ein, wie einst Israel in das gelobte Land eingezogen ist. Weil das
D1e apokalyptische Scheidun . zu ~mer eschatologischen Größe.
Reich Gottes das Himmelsreich ist, ist es mit himmlischem Inventar
"gegenwärtigen'' und zukü rrvon .:'dieser und Hjener" Welt, von dem
näher"· Das Reich 'Gott n . Igen Aeon, bestimmt den Ort des Reiches ausgestattet: der himmlische Menschensohn, sein Thron und der Heilige
es 1st das Himmel · h D . Geist, die Engel, die Gestalten der Vorzeit, Abraham und der Schoß
durc hwandern die apok 1 t'1 h
sichten. Sie steigen von H~ YP r . s~eJC · as Himmelsreich
en Seher m Ihren Visionen und Ge-
auf die Erde zurück Das ;me zu Himmel und kehren von den Himmeln
Abrahams, das himmlische Festmahl, im Reich Gottes gibt es Rang-
stufen und Unterschiede, es gibt Kleine und Große"·
"Dein Reich ko~me D ~mmelsreich kommt, heißt: es kommt herab" Besonders für die Armen aber ist die Botschaft vom Reich Gottes
Auf Erden soll es werd em.WillegescheheaufErdenwieimHimmel"'; eine gute Nachricht 64 • Denn mit dem Reich Gottes kommt die Umkehr
en, Wie es im Himmel s h . t D . . und Umkehrung. In Rom wurde jährlich am Feste der Saturnalien den
geschehen, wenn das Reich k . c on 1s . as kann nur
solche Vorstellung ist Je ommt. Nicht Jesus bringt das Reich. Eine armen Teufeln die "verkehrte Welt" vorgespielt 66 • Die verkehrte Welt
aber ist auch die Hoffnung derer, die predigen: "aber viele, die da sind
I'h n mit.
. Jesus sieht densus S tganz fremd ". · V'IeImeh r das ReiCh
. bringt
Dieser Sturz des Sat~ns bez:uana.s vom Himmel fallen wie ein Blitz" ••. die Ersten werden die Letzten, und die Letzten werden die Ersten
gesiegt hat, daß ein neue H' gt Ihm, daß das .Reich Gottes im Himmel sein" ••. Die verkehrte Welt ist in der apokalyptischen Schau 61 die
Reich Gottes wirklich we rd ImfmEel geworden 1st. Es gilt jetzt, daß .das "geklärte" und die "berichtigte" Welt. Diese Verheißung von der Nähe
r e au rde · · H' des Reich Gottes ist didrohe Botschaft. Mit der Verheißung: das Reich
daß das Reich nun auch auf E d n Wie 1'n. m;mel. Die Verheißung,
Evangeliums. r en kommt, Ist die gute Nachricht des ist herbeigekommen, ist auch das Ende des Weltreichs gekündet. Das
Weltreich aber ist das römische Reich. Und so versteht es sich, daß,
Das Reich versteht Jesus al . . wenn einer kam, der die Massen mit einer solchen Botschaft erregte,
Satans weichen muß "· Als E s ~me .dynamis, V?,r der das Reich des
er von der römischen Obrigkeit ans Kreuz geschlagen werden mußte.
zeugt den Sieg des Reich Go~:'cz~t Wirkt Jesus fur das Reich und be-
Jesus tritt in der Zeit des Pontius Pilatus anf, der durch sein unvor-
aber durch Gottes Finger die Tes uber das.Reich des Satans. "So ich
Gottes zu euch" " W ·r d . eufel austreibe, so kommt ja das Reich sichtiges Verhalten die jüdischen Gemüter erhitzt. Denn wenn Pontius
· und nur hier auf
1st · eJE d as ReiCh des . Sa t ans Im
· H'Imme! schon gestürzt Pilatus, entgegen der bisher schonenden Übung seiner Vorgänger, die
ist es möglich, die vo~ e; ~och mit den Resten seiner Macht wütet, römische Kohorte mit dem Kaiserbild im Feldzeichen auf die Tempel-
entreißen 6a. Das Zeitalt Ja an noch "Besessenen" seinen Klauen zu burg marschieren läßt, so beschwört er, ohne als Römer die Folgen nur
Besessene gibt es überaller esu ahnen zu können, die danielsche Weissagung vom "Greuel der Verwü-
d ist besess en von d er Macht des Satans
sind dämonisierte Zeitalte u~. zu. allen Zeiten, aber nicht alle Zeitalte; stung" herauf 68 • Die Greuel der Verwüstung gehen dem Kommen des
durch und beherrscht . r. Je eme Epidemie bricht oft das Dämonische Reich Gottes voraus, das jetzt seine Schatten vorauswirft. In kürzester
sich eine dämonische ~:~en .. i;eltkreJs. Es besteht kein Zweifel daß Frist muß sich der Menschensohn, der davidische Messias offenbaren.
~u Jesu Zeiten ergossen he tu ;r ?en östlichen Raum des Mittel~eers Das Reich Gottes ist ganz nahe, so nahe, daß man schon sagen kann:
es ist da. Man verspürt bereits den Luftdruck des Kommenden. Das
Im Iresondern Sinne ei a . o Ist d!e Botschaft vom Reich Gottes
Reich Gottes kommt d'n Hev~ngelion, eine Heils-botschaft"· Mit dem Reich ist in spürbarer Nähe 60•
In dieses Kommen sieht sich J esns als Messias hineingestellt. Über
drohten, geplagten undIeb ellung der vom T eu fe1 und von Teufeln be-
rettende dynamis aus . esGessenen Welt. Das Reich Gottes strahlt eine dieses Bewußtsein J esu ist viel gerätselt worden. Vielleicht hat es sich
· ' eme ewalt die au s den Klauendes Satans erlöst. im Anschluß an die Taufe entzündet, die sein Wesen zutiefst erschüttert
Weil das Reich Gottes . kl' ' . hat, vielleicht aber hat sich dieses Wissen bei Jesus auch geformt durch
in das Reich Irineinkorn Wir zch em Reich ist, darum kann man auch
wie eine Burg die Tor mhent. "Man kann es aufschließen und zuschließen die ständige eindringliche Predigt und Weissagung des Johannes, von
dem, der da kommt. Gegründet ist aber das Messiasbewußtsein Jesu
·
emzuge '
1len. Man kanne i a ·'hMan kann
. Me nsch en h'm dern, m
· seine Tore
n 1 m sem. Man kann in ihm mit Abraham, wohl auf seinem Glauben, aus davidischem Geschlechte zu stammen.
-52- ..,-- 53 -

Allgemein wird angenommen, daß erst die Gemeinde Jesus zum David- Davids, von dem das Gerücht redet''· Es wird auch wohl den Tatsachen
sohn :rhob, weil ".ie ihn für d~n Messias hielt. Es ist aber auch möglich, entsprechen, daß Besessene zuerst Jesus als den Sohn Davids ansprechen.
daß SICh Jesus fur den Mess1as hält, weil er glaubt, aus davidiscbem Der bestimmte Artikel, der diese Aussage vom Sohn Davids begleitet
Hause zu stammen. Paulus, der sonst fast nichts vom Leben Jesu berichtet und sich darin von allen andern, die Schweltzer 78 erwähnt, unterscheidet,
erwähnt 70 die Herkunft Jesu vom alten Königshause. Kaum hätte die~ hat einen messianischen Klang. Jesus aber verhüllt vorerst, daß er sich
Paulus ~wei oder drei ,J~hrzehn~e nach dem Tode .Jesu behaupten für den Messias hält, und ,.bedroht" die Besessenen, nicht zu reden,
konnen, ln Ansehen der Vwlen, d1e noch über die Familienverhältnisse denn er hält die Stunde noch nicht f!lr gekommen, sich öffentlich als
Jesu Bescheid gewußt· haben. Messias zu verkündigen. Erst in Cäsarea Philippi enthüllt er sich seinen
In der Vexierfrage 71, die meist heraugezogen wird, um eine davidische Jüngern, und auch da verbot er seinen Jüngern, daß sie niemand sagen
Abstammung Jesu zn verneinen, erhärtet Jesus in Wirklichkeit seinen sollten, daß er, "Jesus, der Christus wäre" 7•. Aus den Evangelien ist
Anspruch gegenüber anderen Angehörigen des da vidischen Geschlechts. ersichtlich, daß Cäsarea Philippi eine Scheide ist zwischen einer Zeit,
Jesus ~ehört wohl zu einer verarmten Sippe des Geschlechts, die sich wo Jesus auch zu seinen Jüngern nicht über sich als Messias gesprochen
unter ~~~fahrenden .L~uta gemischt hat. In Jerusalem aber gibt es noch
Angeho;1ge des dav1d1schen G<lschlechts, die sich als Gutsbesitzer wie .I hat, und einer andern, wo er es tat und tun mußte 80• Die Anrede des
Petrus unterscheidet sich für J esus von der der Besessenen dadurch:
der tilmge Adel der römischen Herrschaft beugen. Es ist auch nichts .,Fleisch und Blut hat Dir das nicht offenbart, sondern mein Vater im
davon bekannt, daß die reichen Davididen je in Opposition gegen die Himmel""'· Erst als Jesus vom Vater im Himmel als Messias sich offen·
H?smonäer standen oder an Aufständen gegen das herodianische Haus hart glaubt, enthüllt er den Jüngern sein Geheimnis. Die Besessenen
te1lgenomm:n hättan. Diese Kreise leben in Frieden mit dieser Welt, haben nach der Meinung Jesu aus der Macht des Satans geredet.
und kaum Jemand erwartet, daß aus ihnen der Messias komme. Nicht Die Lebensweise Jesu wird erst verständlich, wenn sie in einen größern
"von den großen Söhnen Jakobs" wird der Messias kommen, sondern Zusammenhang hineingestellt wird und man allgemein auf die Lebensart
von semen '?heruntergekommenen KindernH 72, Jesus gehört zu einer der fahrenden Handwerker in der Wüste achtet. Werner Pieper hat
verarmten Sippe des davidischen Geschlechts, und es ist nicht verwun- ausführlich über den Sieb berichtet, und die Parallelen zur Lebensweise
derlich, daß bei Heruntergekommenen die Erinnerung an die Abstam- Jesu sind in der Tat auffallend"· Der Sieb ist das fahrende Volk der
mung bewahrt bleibt und daß der Glaube von der kommenden Herr- Wüste. In der Wüste ist die Armut der sicherste Schutz, so daß der
schaft Davlds in diesen Kreisen genährt wird. Die Araber bezeichnen Sieb auch gar nicht den Ehrgeiz hat, reich zu werden, da er mit seinem
oft fahx:endes Volk spöttisch als Sassaniden"· Dies beweist, wie häufig Beruf in Arabien fast ohne Wettbewerb steht. Bei der außerordentlichen
unter z1geunerhaften Handwerkern und Gauklern der echte oder vor- Friedfertigkeit der Sieb kann ihnen auch der Reichtum nichts nützen.
getäu.schte Glaube herrscht, von alten Königsgeschlechtern abzustammen. Das Lehen der Sieb ist verhältnismäßig sorgenfrei, während ein Beduinen-
D1e Wa~derhand:verker üben im Orient seit uralten Zeiten zugleich stamm immer fürchten muß, daß ihn der Raubzug eines mächtigeren
Wahrsagere1 und Hellkunst berufsmäßig aus. Umherziehend behandeln Nachbarstammes um seinen Besitz bringt. Dem Sieb eignet sorglos naive
s1e J\Ienschen und Vieh und genießen darum beim niederen Volk allge- Heiterkeit, die ihn von den ewig mißtrauischen Beduinen unterscheidet••.
mem~s Ansehen. Kommt einer dieser fahrenden Leute noch in den Ruf An den allgemeinen Fehden der Wüstenstämme nehmen die Sieb nicht
aus em~m Königshaus zu stammen, so wächst sein Zulauf. Denn mit teil"'· Während der Kämpfe sind sie auf dem Kampfplats als unbeteiligte
dem. Wissen des "Kurschmieds" verbindet sich dann noch das Heil- Zuschauer zugegen und nehmen sich nach dem Gefecht als Ärzte der
.chansma großer Könige, denen nicht nur Menschen, sondern auch Tiere Verwundeten beider Parteien in gleicher Weise au. Verfolgte und Ver-
und Dämonen gehorchen "· Gerade Menschen, die gebrechlich sind und folger nehmen sie mit gleicher Gastlichkelt bei sich auf. Robert Eisler••
von Dämonen bös geplagt werden, reden Jesus als Sobn Davids an versucht .,die eigentünliche, sowohl kindliche als erhabene Ethik der
weil e; Herr über die Dämonen ist. Aber es wäre doch voreilig zu meinen: unbedingten .Friedfertigkeit, der Gewaltlosigkeit und des Nichtwider·
d~ß ern ':"~ndertätJger Handwerker und prophetischer Wahrsager, der strebens, die· der wandernde Zimmerer Jesus predigt, auf die besondern
se.me 15davidlsche Abstammung kundgibt, sofort als Messias angesprochen Erfahrungen dieser Handwerkemamaden zurückzuführen, die sich seit
Wird •
eh und je durch eine solche jederzeit friedliche und dienstwillige Haltung
Wenn aber nach der Heilung von Blinden und Stummen das Volk gegen jedermann mitten im Daseinskampf der wehrhaften Stämme unter-
"ganz außer sich gerät" 76, dann ahnt es in dem Wundertäter den Sohn einander mit Erfolg durchs Leben schlagen und denen daher der Gedanke
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nah~ liegen mußte, auch diese andern Stamme könnten - wenn sie nur dienen. Ein neuer Auszug in die Wüste kann Israel die Freiheit bringen,
endheb lernen wollten, nach rekhabitischer Art zu leben_ sofort E 1.. Israel vorbereiten und würdig machen, das Land der Verheißung wieder
von der Qual gegenseitiger Bedrückung und Beraubun" finden ru~~~g zu empfangen ••. Immer wieder haben einzelne Zeloten sich in die Wüste
das ersehnte Reich ewigen weltumfassenden Friedens elntreten." In zurückgezogen. Die Wüste ist der Weg sich der Herrschaft dieser Welt
zu entziehen.
Sobald si?h um Jesus eine kleine Schar Getreuer gesammelt hat Sinnbildlich wiederholt Jesus die beiden großen Wunder, die Moses
begm.nt er.. lllit der Verwaltung des Reiches. Zwölf •• sollen ausziehen: in der Wüste geta)l: die Speisung des Volkes mit dem Manna und die
un: die zwolf S~m:ne Israels filr das Reich aufzurufen; darnach sondert Wasserspende aus dem Felsen 100• Das Volk folgt Jesns in die Wüste
Jesus andere s1ebzrg au~ "• die er als eine Art Synhedrion des neuen riach. Ais J esus den J tingern befiehlt, dem Volk zu essen zu gehen, ant-
Israels bestellt, das best1mmt ist, über die siebzig Völker der Welt zu worten diese: "woher nehmen wir Brot hier in der Wüste, daß wir sie
herrschen .. Paulus 88 nhnmt später diese Einteilung Jesu im Amt der sättigen?" 1o1 Die Frage der Jünger aber ist nicht nur für die augen-
Apostel Wieder auf. Die Erwählung der siebzig und die Aus "hl blickliche Situation gestellt, sondern hängt mit der Forderung Jesu
d .. lf J" · wa ung
~r zwo unger sm.d messianische Akte Jesu. Die metauoia, welche zusammen, daß das Volk ihm in die Wüste nachfolgen soll. Auf solche
d1e. Boten J-;su predtgen sollen, ist keine Buße, die allein eine innere, Fragen und ähnliche Zweifel antwortet Jesus mit dem: Sorget nicht"'"·
remge Zerkrnrs;:h?ng hervorrufen soll. Die Junger durchziehen das Land Das "Sorget nicht" Jesu wird erst sinnvoll, wenn man die Fragen der
und fordern m1t 1hrem schuwu, mit ihrem "kehret um", eine Tat, die Jünger und der Kleingläubigen als Zweifel und Ausweichen vor seiner
das Leb_en ~;s l\~ensch~n grundlegend umstürzt. Allem absagen, was Forderung ernst nimmt. Wie spätere Messiasse will auch J esus das Volk
man hes1~!t '.heiß~: seme Habe verkaufen und sie an die armen Brüder in die Wüste führen. Selbstverständlich hofft Jesus, das Volk bald wieder
verte.llen , heißt: Sich selbst verleugnen .,, das Kainszeichen des Kreuzes aus der Wüste iiher den Jordan in das Land der Verheißung zurück-
auf SIC~ nehmen, unstet und heimatlos umherirren und Jesum als Herrn zuführen. Inzwischen gehen in den Drangsalen der Endzeit die Völker
und F.uhre~ nac~folgen "· "Wer diese meine Rede hört und tut sie, den der Welt und die auf e·wig verlorenen Kinder aus Israel in den letzten
vergle,~c~e l~h eme~ klugen Mann, der sein Hans auf einem Felsen messianischen Kriegen zugrunde 1oo. Das Einziehen in das Reich und seine
b~ute · Mit d~r 1at abet kann Jesus wohl nicht eine kleine adventi- Landnahme schildert Jesus in denselben Worten wie das Deuteronomium
stlsch~ Betg:memde meinen, in der Art wie sie die Jünger nach der vom Einzug der Israeliten in Kanaan und dessen Landnahme redet"''·
K_re~zrgun.g 1m Schatten des Tempels bilden. Er kann aber auch keine Weil der Auszug in die Wüste auch die Parole späterer 1\fessiasse war,
EmsJCdelel na.eh der Art der Essener und Therapeuten meinen, denn welche die ehristliehe Urgemeinde als Anti-christen ansah, wurde diese
Vemal~ kann m.Judäa und Galiläa eine solche Predigt zündend wirken. Forderung soweit als möglich iu den Berichten der Evangelien getilgt 105 •
her ~Je Lehre Jesu aber "entsetzte sich das Volk ... denn er predigte Diese Forderung Jesu von der Umkehr scheitert und erklärt den
gewaltig" ... bezeugten geringen Erfolg der Junger mit der Predigt für das Reich.
. Die Pred~t J esu ist. umstilrzend, weil er vom Volke, nicht nur vom Weder die Reichen und Begüterten wollen alles aufgehen, noch die
Emzelnen, ,eme .entscheidende Tat für das Reich Gottes fordert. Das Armen und die Ärmsten wollen ihr weniges lassen, "denn es wäre uns
Land der \ erhe1ßung 1st unter der Herrschaft der Römer in ein Haus ja besser 'den Ägyptern dienen, als in der Wüste zu sterben"""· Dieser
de.r Knechtschaft verwandelt worden. In dieser Meinung weiß sich Jesus Anwurf des Wüstengeschlechts an Mose, der sie aus dem Haus der
mrt Joliannes und den Zeloten einig"· Entgegen den Zeloten aber lehrt Knechtschaft in das Land der Verheißung führen will, ist ein ewigerund
Jesus, ':'an solle dem Bösen nicht widerstehen ••. Darum kann Jesu wird jedem entgegengehalten, der dasselbe wilL Aber noch mehr:· deut-
auch kernen Au~stand gegen Rom fordern und planen ·wie die Zeloten. lich kündet Jesus seinen Jüngern: "wenn sie euch aber in einer Stadt
J~sus ~ord~~t h;ngegen die secessio plehis, den Auszug des Volkes in verfolgen, so fliehet in eine andere. Wahrlich ich sage euch: ihr werdet
d1e Wus~e · D1e ganze Ökumene ist dem Reich der Römer untertan mit den Städten Israels nicht zu Ende kommen, bis des Menschen Sohn
und som1t de:n ".Herrn dieser Welt" verfallen. Dem freien Volk Israel, kommt" 1°7 • Diese Worte Jesu sind klar und wollen nicht abschwächend
da? Gott .?li~m d1~nen .will, bleibt nur der Auszug in die Wüste, in die und ausweichend gedeutet werden. Ebenso klar ist es aber, und zwar
amketos ~bng. Die ~eit der Wüste ist die Brautzeit Israels, da Israel schon für Jesus selbst, daß sich diese Wejssagung nicht erfüllt hat:
~ls Braut~hrem göttlichen Bräutigam folgte "· Die Stämme Israels sind die Jünger kehrten zn Jesus zurück, und der Menschen Sohn erschien
m die Wuste gezogen aus dem Hause der Knechtschaft, um Gott zu nicht.
. 1"'1

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Diese Enttäuschung ist die Mitte des Lebens Jesu die sein Tun bis Sterben für Viele eignet dem jesaianischen Gottesknecht: "infolge der
hierher abschließt und sein Leben von daher neu bestimmt. Wenn die Mühsal seiner Seele wird er den Vielen Gerechtigkeit verschaffen und
ganze Geschichte des Christentums auf der Verzögerung der Parusie ihre Verschuldungen auf sich Jaden; . . darum will ich ihm unter den
beruht, so kann als das erste Datum der Geschichte des Christentums Vielen seinen Anteil geben, er hat die Sünden der Vielen getragen" 115•
das Nichteintreffen der Weissagung Jesu festgehalten werden. Dies sich Das Reich Gottes kann nicht kommen, ehe die auf der Welt lastende
nicbt ereignende Ereignis gibt dem Wirken J esu die entscheidende, Schuld getilgt ist. Wie der jesaianische Gottesknecht will Jesus selbst
sonst une~k~ärlich_e Wendung 108 • Von dem Momente an, da die Jünger das "Sühnopfer" sein und durch seinen Tod für die Vielen das Reich
wieder bei Ihm smd, trachtet Jesus nur auf eins: vom Volke los zu herbeizwingen.
kommen 109 • Während die Jünger durch die Städte Israels wandern, Die Predigt Jesu ist bis zur Aussendung nach außen gerichtet. Mit
redet Jesus fast offen vor der Menge, er belehrt sie über den Täufer der Rückkehr der Jünger tritt die Umkehr in Jesus ein: "Denn auch des
über das, was mit dem Reich Gottes geschieht und über das Gericht' Menschen Sohn ist nicht gekommen, daß er sich dienen lasse, sondern
das diejenigen trifft, die nicht umkehren llo. Jesus frohlockt vor de~ daß er diene und gebe sein Leben zur Bezahlung (lytron = kofer) für
Augen der Menge über alle, die Gott erleuchtet, daß sie merken was Viele""'· Gegen Ostern bricht Jesus nach Jerusalem auf, einzig um dort
vorgeht m. Im Momente aber, da die Jünger zurückkehren flieht Jesus zu sterben. Seit Cäsarea Philippi treibt Jesus alles auf seinen Tod hin'"·
vor dem Volke und meidet die Menge, die sich an seine s'ohlen heftet Die Passion beginnt in Cäsarea, und damit hebt das Stück des christ-
um mit ihm auf das Kommen des Reich Gottes und die Erseheinuncr de~ lichen Mysteriums an, welches den Kyrios-Christos-Kult von den vielen
Menschensohnes zu warten. "' Kulten der Spätantike abhebt. "Es gibt in all den großen Schöpfungen
Bis zur Rückkehr der Jünger wendet sich Jesus an die Vielen um jener Jahre nichts, was sich ihr zur Seite stellen ließe. Wer damals seine
das Reich herbeizuzwingen, seit der Enttäuschung will Jesus das Reich Leidensgeschichte Jas und härte, wie sie sich kurz vorher begeben hatte:
zwingen durch sein. Leia,en und Sterben für die Vielen. In Cäsarea Philippi, den letzten Zug nach Jerusalem, das letzte bange Abendmahl, die Stunde
wo Petrus den zwolf Jungern J esus als Messias offenbart kündet J esus der Verzweiflung in Gethsemane und den Tod am Kreuz, dem mußten
den Jüngern sein Leiden an: "und er hob an sie zu lehren; des Menschen alle Legenden und heiligen Abenteuer von Mithras, Attis und Osiris
Sohn muß viel leiden" 112 • In der Verkündigung des Leidens zu Cäsarea flach und leer erscheinen" ns. Im Kyrios-Christos-Kult wird das Schicksal
Philippi spricht Jesus. nicht mehr von den Drangsalen der Endzeit. eines Menschen Sinnbild und metaphysischer Mittelpunkt der Schöpfung.
Das Leiden der. VIele~ IS~ aufgehoben und ~uf ihn allein zugespitzt. Der
Messias m?ß leiden fu~ vrele: damit da~ ReiCh komme. Jesus sagt nicht:
ich muß leiden; auch mchtemeallgeme~ne Lehre: wer leidet, wird erhöht,
sondern: des Menschen Sohn muß leiden. Das Leiden des Menschen-
sohnes ist für J esus ein messianisc~er Akt und hat nichts mit persönlicher
Selbstbewährung zu tun. Das Lei?en .des !"'essias ist eingebettet in das
eschatologische Geschehen des kairos. es Ist ein rettendes Leiden. Das Paulus und die Auflösung der antiken Welt
Muß des Leidens geschieht aus göttlichem Beilsratschluß "'· Die. Aus-
sagen Jesu über den !eidenden ~enschensohn sind nicht gelegentlich
hingeworfene Worte, VIelmehr begmnt Jesus darüber "zu lehren". Eben Im ecce homo wird das Geheimnis der Spätantike entsiegelt, denn
dieserneuen Lehre .Jesu tritt Petrus entgegen. Denn für die Jünger ist in der Spätantike wird das Selbstbewußtsei'}. des Menschen geboren.
eine I:ehre vo~ Leiden. u.nd Sterben des Messias ärgerlich. Die Jünger Das christliche Symbol ist der Inbegriff der Angste des Menschen vor
sehen Im Messms den Komg, der kommt, um zu richten und zu herrschen, der Größe dieses Geschehens ns. Weltgeschichte ist die Geschichte des
nicht aber um zu leiden. Der König geht die via crloriae und nicht die via Geistes, darin der Mensch seiner selbst bewußt wird. Der vorbewußte
crucis. Es ist möglich, daß Judas an der neuen Lehre J esu vom Leiden und Zustand der menschlichen Existenz entspricht der mythischen Welt und
Sterben des Messias irre wird .und er darum Jesum der Obrigkeit ausliefert, ist im genauen Sinne: Vorgeschichte. In jenen vorgeschicht!ichen Epoch~n
weil sich ihm Jesus durch die neue Lehre als falscher Messias erweist 114• der mythischen Welt verläuft das Leben des Menschen m Formen, dJC
Die Lehre Jesu vom Menschensohn als leidendem Messias lehnt sich noch völlig in die Gemeinschaft getaucht sind und keine Individualität
eng an die Gestalt des jesaianischen Gottesknechtes an. Das Leiden und kennen. In der Welt des Mythos ereignet sich alles mit jener merk-
5
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würdigen
.
Y
n ersönlichkeit und Indifferenz des Traumes. Der Einz~lne
pklang eines Gesamt und getrennt von den Gliedern semer
I Aurel predigen die seelische Autarkie des Individuums. Die Massen aber
verstehen erst diesen neuen Geist, wenn er herausbricht aus den subtilen
ist nur ~~derGrnppe ist er nichts. Die Macht, die die Seele des Menschen J Meditationen intellektueller Einzelinge und sich übersetzt in die Sprache
Sippe, seme~. hen Welt der Vorgeschichte beherrscht, ist die Natur. der Autorität: Ihr habt gehört, daß zu den Alten gesagt ist. .. ICH aber
in der mYt ;.schtliche Mensch der mythischen Welt ist nur Widerklang sage euch 52 •
Der vorges.c e~c sieht sich selbst nur als ein Stück Natur und bemerkt 1 Die epochale Einkehr in sich selbst, die das antike Menschentum voll-
der Natur 'nicht abgesehen von ih: na. . . . . zieht, indem es sich vom Staat und dessen Ordnungen abwendet, weil
s1ch ~och t ist der alleinige Honzont b1s etwa m d1e Zeit der ersten

I
diese ihm innerlich nichts bieten, schafft das Verlangen nach etwas
D1~ Na urPhilosophen. Auch in der ältesten jonischen Philosophie Unzweifelhaftem, das den Zusammenbruch des Alten überdauert"'· In
griec?Ische~ noch das Prinzip der Welt. Mit den Sophisten beginnt der Zeit des antiken Imperialismus, von der Epoche der hellenistischen
ist die Na. ur die Abwendung von der Natur und das Denken über sie. Diadochen bis in die ersten beiden Jahrhunderte der römischen Kaiser,
die re-flect~~stimmt sich selbständig und erweist sich unverträglich mit fallen die Schranken der Gesellschaft endgültig. Aus den zersprengten
Der Geist den Ordnungen. Wenn der Mensch das Maß aller Dinge politischen Ordnungen wird der Schatz der seelisch-geistigen Güter
den besteh~n alle Satzungen irgendwie fragwürdig. Es macht dabei gehoben 126 • Das herabgekommene Volk der Kaiserzeit ist die Masse,
ist, so wer enhied ob wie die Sophisten meinen, der subjektive Mensch, daraus sich die Gestalt der geistigen Gemeinschaft, wie die Stoa sie will,
wenig Unt~rs~s beso;deres Individuum, das Maß aller Dinge ist, oder kneten läßt. Nicht allein das Kaisertum versucht der Welt des imperium
der M_enscei ~okrates, der Mensch als allgemeines Wesen, das Subjekt
ob, wie b ß und Richte ist. Schon Aristophanes erkennt in Sokrates
.Mensch, .Ma n der Sophisten. Im platonischen Sokrates 120 sieht sich
einen Genosse m ersten Mal und beispielhaft im bewußten Gegensatz zu
I
I
Roman um eine Mitte zu geben, vielmehr suchen alle jene, die sich vom
Staate abwenden, nach einem neuen Herrn, der mächtiger ist, als der
ausgetriebene, der zuverlässiger ist, als der Gebieter auf dem Thron -
einen Herrn, dessen Macht bis ins Innerste der Seele reicht und alle
z:
der .Men:.c~. n Ordnungen der Gemeinschaft, zum Gemeingeist der
den natur ~c eFrage des Sokrates, ob man seinem daimonion mehr
Seiten des Lebens mit seinen Geboten umfaßt "'·
In diese Leere der römischen Welt ertönt die jüdisch-christliche
polis. In e~l als den Satzungen der Menschen, werden die natürlichen
gehOrchen s~ ; Gesellschaft stillschweigend aus ihrer bisher geglaubten
1 Predigt. Das Judentum trägt seine Substanz im Gesetz "'· Die theo-
kratische Ordnung des Gesetzes überläßt nichts, auch das Unbedeu-

I
Ordn_ungen A:kunft herabgeholt in die bloß menschlich beliebige Will- tendste nicht, der Willkür des Einzelnen. Das Gesetz macht den jen-
göttliche~ Thema, das Sokrates anschlägt, wird von nun an in immer seitigen Gott zur Seele des ganzen Lebens. Der Monotheismus, zu welchem
.. "'· D1eses
kur · der s·1eg d es I ch d'1e nat··ur1·ICh gewach-
. ti' nen formuliert, b1s sich auch seit dem Sterben der antiken Götter die philosophischen Kreise
neuen Vana d ogender Gemeinschaft, das Volkstum, den Staat, d1eMyt · hen des Imperiums in unklarer Form bekennen, ist die absolute Mitte des
senen ~r ~'::'nst auflöst. Um das Recht dieses Individuums, um die Gesetzes 128• Die hellenistische Lebensweisheit erhält durch die Idee des
und die •t des menschlichen Selbstbewußtseins geht es in der ganzen göttlichen Gesetzes einen Sammelpunkt. Auch ein neurömischer Jude wie
Möglichkei Philosophie. Von diesem Thema her gesehen, sind alle J osephus, der das Römerturn verehrt und nicht an seinem Sieg über
späta~tike~ hulgegensätze der spätantiken Philosophie nebensächlich'"· Palästina und die jüdische Nation zweifelt, hegt den Glauben, daß die
sonstigen ··~fgkeiten der mythischen Welt werden zweifelhaft und zer- Katastrophe in Jerusalem dem Judentum die Welt als Schauplatz
G: .
Alle
1
dem ersten festen Griff dieses neuen Menschen. Mit der seiner größeren Siege anweist und eröffnet 129 • Josephus ist überzeugt,
bröckeln e~ lbstbewußtseins des Menschen werden dem Menschen aber daß sein Gott, der aus dem Heiligtum Jerusalems gewichen, die Welt
Geburt de: echätze genommen, und dieser, von allem bisherigen Gehalt einnehmen und daß sich das Gesetz dieses Gottes das imperium Roma-
uralte Se~ en: e bloß menschliche Zukunft geworfen. Eine solche Masse
entleert, ß1 ~ emtleerter Individuen bewohnt in der endenden Antike die
1! n um unterwerfen wird. Die Schrift des Josephus gegen Apion bezeugt
seinen Glauben an die Universalität des Gesetzes. Dieser jüdische Neu-
gleiC
·hmäigen ·
M'ttelmeeres. Daß der Mensch allen Ordnungen und Instltu-
. '
II
.
römer hofft, daß das göttliche Gesetz der Juden die Herrschaft über
Länder d~ ~esitzverhältnissen, Ehren und Berufen überlegen ist, daß ! die Welt antreten wird, daß sich die Theokratie des jüdischen Staates
tionen, a e~1 Menschsein allein liegt, ist der Kernsatz der gesamten
sein Wert mtur die die Geschichte der spätantiken Völker begleitet"'· j in eine Theokratie der Welt weiten wird. Josephus stellt auch öfters die
Pharisäer, Sadduzäer und Essener als "philosophische Schulen" der
Spru chliterap inzip

wird in der Stoa zum System 124 • Seneca und Mare Juden dar. Das Judentum ist nach Ansicht der alexandrinischen Pro-
Dies neue r
-60- -61-

pagandisten die wahre Philosophie selbst, von der all~.Philosoph~n, Pyth~­ Die Synagoge zieht die römischen Kreise durch den Monotheismus
goras Sokrates und Plato gelernt haben. In der JUd!schen 1 heokratJe und die Idee des Gesetzes an. Doch der hellenistische Römer, dem die
verwlrkliche sich das Ideal des besten Staates Platons und aller grie- Idee des göttlichen Gesetzes den Weg in die Synagoge weist, ist nicht
chischen Utopisten. Die alexandrinisch-jüdische Propaganda bearbeitet bereit, auch die Praxis des jüdischen Gesetzes auf sich zu nehmen. Die-
das römische Imperium wie ein Ackerfeld und macht es reif für die jenigen, die durch ihren Eintritt in die Gemeinde die letzten nationalen
orientalisch-christliche Aussaat. und völkischen Gemeinsamkeiten lösen, wollen kaum in die nationale I
Die jüdische Gemeinde der Diaspora, welche sich aus dem Mensch- Volksgemeinde der Juden eintreten, um so die römische Nationalität Ii
heitsbrei des Imperiums heraushebt, wird die Zufluchtsstätte vieler mit einer orientalischen zu vertauschen 134• Auch in jüdischen Kreisen
hellenistischer Römer 130 • In der Gemeinde der Juden bekräftigt der
hellenistische Römer seine seelische Auswanderung aus allen Ordnungen
und Gebundenheiten der antiken Welt. Eben deshalb fluktuiert später
der Diaspora erlahmt die Kraft der einzelnen Satzung. Es gibt in
Alexandrien viele, die sich vom Wortlaut der Satzung befreien und um
den innern Sinn des Gesetzes ringen. Wenn Philo auch vor dieser nur
I
die Seele des hellenistischen Christen zwischen dem Eintritt in die Ge- innerlichen Erfassung des Gesetzes warnt, so bereitet er in Wahrheit
meinde oder der letzten Konsequenz, die sich aus der Atomisierung jene auflösende Entschränkung des Judentums vor, die von Johannes
des Menschen ergibt: dem Einzelgängertum. Die jüdisch-christliche dem Täufer und von seinen Jüngern herbeigeführt wird. Denn dieTaufe
Gemeinde wird dem spätantiken Heidentum zum dauernd wirkenden des Johannes besagt auch, daß die Juden dem Heidentum verfallen sind.
Gift welches die letzten Reste seiner völkischen, staatlichen und reli- Erst durch die Taufe, die auch bekehrte Heiden empfangen, kehrt der
giös~n Sonderheilen zerstört 131 • Das Ich des Menschen, das seines Gehaltes Jude wieder in die Gemeinschaft Israels zurück. Johannes sieht ein
beraubt ist, strebt danach, noch die letzte Last, die es trägt, loszuwerden: neues Volk an die Stelle des alten treten, eine neue Synagoge, die mit
sich selbst. Schon die Intellektuellen stoischer und. verwandter Art dem Heere der Streiter für das Reich Gottes identisch ist 135 • Die Taufe
zeichnen ihre eigenen Lebensideale in einen geschichtlichen oder mythi- als Sakrament ist eine neue Zeugung des Menschen 136 • Die Predigt des
schen Weisen ein, den sie göttergleich verehren. In diesem Ideal ist die Johannes wühlt die ganze aramäische Welt auf, und in Transjordanien
eigene Unzulänglichkeit aufgehoben und damit der erste Schritt zur und weiter ostwärts wird J ohannes selbst als der Menschensohn verehrt,
metaphysischen Selbstentlastung des Menschen getan. Seneca entwirft während Jesus als Betrüger verworfen wird 49 • Im Westen dagegen
einmal das stoische Idealbild eines Menschen: "Ein Mensch unerschrocken scheinen sich die alexandrinischen Jünger des Täufers, namentlich die
in Gefahren, unberührt von Lüsten, im Unglück selig, mitten im Sturm Gruppe des Apollos, dem Kyrios-Christos-Kult der paulinischen Gemein-
gefaßt, erhaben über die Menschen, auf gleicher Geisteshöhe mit den den anzuschließen "'.
Göttern: erfüllt er dich nicht mit Ehrfurcht? sagst du da nicht: hier Die Jünger des Johannes sind Paulus in der universalen und über-
ist etwas zu Erhabenes, als daß es zu dem schwachen Körper, in dem völkischen Auffassung der Heilsbotschaft verwandt. Für Paulus gibt es
es lebt, gehörte? Da ist eine göttliche Kraft hernieder gestiegen, einen keinen Unterschied mehr zwischen Juden und Griechen, Sklaven und
solchen Geist, der alles Kleinliche, das wir wünschen oder fürchten, Freien, denn alle sind durch die Taufe in die ecclesia des Messias auf-
belächelt, muß eine himmlische Macht beleben. Wie die Strahlen der genommen und alle haben die Rechte von Abrahams Samen. "Denn
Sonne zwar die Erde berühren, aber doch bleiben, woher sie kommen, gleich wie ein Leib ist und hat doch viele Glieder, alle Glieder aber des
so verkehrt zwar der große und heilige Mensch, der zu uns gesandt Leibes, wiewohl ihrer viel sind, doch ein Leib sind: also auch Christus.
wurde, mit uns, damit wir das Göttliche kennen lernen, bleibt aber seiner Denn wir sind durch einen Geist alle zu einem Leibe getauft, wir seien
Heimat getreu. Dahin blickt er, dahin strebt er zurück" 132 • Doch schon Juden oder Griechen, Knechte oder Freie, und sind alle zu einem Geist
vor Seneca hat Lucrez seinen Lehrer Epikur in Tönen gepriesen, die getränkt""'· Völker, Stände und Geschlechter sind nur die Glieder eines
Meilensteine sind auf dem Weg, welchen der spätantike Geist bei seiner Leibes. Der Leib ist der Messias, durch dessen Leiden sich die Menschen
Wanderung ins Christentum zurücklegt: "der Mann, der uns den Weg in einer von aller Geschiedenheit erlösten Menschheit finden. Mit jenem
zum höchsten Gute zeigte, die Angst der Seelen löste und die Herzen Leib-Glieder-Gleichnis greift Paulus auf die platonische Idee zurück, p;
reinigte, war nicht ans sterblichem Leibe gewachsen. Ein Gott war er, die ein Gemeinplatz der hellenistischen Staatslehren ist: daß der Staat ';1i

der durch seine Kunst das Leben aus der Finsternis befreite und in "der Mensch im Großen" sei 139 • Der Leib des Messias ist die Menschheit. ~~
ij
diese Ruhe, dieses Licht versetzte""'· So ist die Seele des hellenistischen Die Menschheit ist identisch mit Adam. Weil es im Griechischen kein
Menschen aufgebrochen für den jenseitigen Heiland. Wort für Menschheit gibt, braucht Paulus dafür: Adam. ~
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-62- -63-

Als Mitte der paulinischen Lehre wird meist die "Christusmystik"1<o bei Paulus wesentlich eschatologisch. Adam und Christus, protos Adam
bestimmt, genauer aber kreist die paulinische Theodicee um die Brenn- und eschatos Adam sind Momente, Fixpunkte der Geschichte, welche
punkte: Adam und Christus, oder protos Adam und eschatos Adam. für Paulus wesentlich Eschatologie ist. Eschatologie aber ist Heils-
Das Geschick der Menschheit ist zwischen diese beiden Pole gespannt: geschichte.
"derhalben, wie durch einen Menschen die Sünde ist gekommen in die Die Dialektik der paulinischen Heilsgeschichte ist sowohl quantitativ
Welt und der Tod durch die Sünde, und ist also der Tod zu allen Menschen weltgeschichtlich (Hege!) als auch qualitativ existenziell (Kierkegaard). Das
durchgedrungen, dieweil sie gesündigt haben ... Wie nun durch eines objektive Geschehen der Geschichte "im Großen" ist nicht wie bei
Sünde die Verdammnis über alle Menschen gekommen ist, also ist auch Hege! für die Privatexistenz des Einzelnen gleichgültig, sondern ent-
durch eines Gerechtigkeit die Rechtfertigung des Leben über alle Menschen scheidet über Heil und Verwerfung des einzelnen Menschen. Das Geschick
gekommen. Denn gleich wie durch eines Menschen Ungehorsam viele des Einzelnen aber ist nicht, wie bei Kierkegaard, unabhängig vom Lauf
Sünder geworden sind, also auch durch eines Gehorsam werden viele der Geschichte, sondern mitten hinein gestellt in den heilsgeschichtlichen
Gerechte" 141 . Adam ist der Vorschatten Christi, typos tou mellontos, Prozeß der Geschichte. In der Einheit von Mensch und Menschheit, im
des: his anthropos Jesus Christos 142 • Im Gegensatz von protos Adam Adam ist das Ineins der allgemeinen Geschichte und der ethischen
und eschatos Adam ist geschichtlich der Gegensatz von psyche und Existenz des Einzelnen beschlossen.
pneuma dargestellt: "ist ein natürlicher Leib (soma psychikon), so ist Wie der jesaianische Gottesknecht 1" identisch ist mit dem leidenden
auch ein geistlicher (pneumatikon) Leib. Wie es geschrieben steht: der Israel, so setzt Paulus den leidenden Messias identisch mit der leidenden
erste Mensch Adam , ward zu einer lebendigen Seele'; und der letzte Men.schheit. Das Leiden des Messias beschließt in sich das Leiden der
Adam zum Geist, der da lebendig macht. Aber der geistliche (pneumati- Menschheit und ist Sühne für den Sündenfall Adams. Der Sündenfall
kon) Leib ist nicht der erste, sondern der natürliche (psychikon), danach Adams aber ist identisch mit der Sündhaftigkeit der Menschheit. Die
der geistliche. Der erste Mensch ist von der Erde und irdisch, der andere Nation des Kyrios Christos ist identisch mit der Menschheit. Das Sakra-
Mensch ist der Herr vom Himmel. Welcherlei der irdische ist, solcherlei ment der Taufe, welches Johannes von den Juden fordert und durch
sind auch die irdischen, und welcherlei der himmlische ist, solcherlei das er eine neue Gemeinde Israel stiftet, weitet Paulus auf die ganze
sind auch die himmlischen. Und wie wir getragen das Bild des irdischen, Menschheit. Der einzelne Mensch wiederholt in der Taufe das Sterben
also werden wir auch tragen das Bild des himmlischen""'· In targu- des leidenden Messias, und durch die Taufe wird auch die Auferstehung
mischer Erweiterung der Übersetzung der Septuaginta zur Genesis ent- des gestorbenen Messias wiederholt: "wisset ihr nicht, daß alle, die wir
steht der entscheidende Satz: egeneto ho (pro tos) anthropos (Adam) eis in Jesum Christum getauft sind, die sind in seinen Tod getauft? So sind
psychen zosan. Der protos Adam ist der Adam rischon der rabbinischen wir ja mit ihm begraben durch die Taufe in den Tod, auf daß, gleichwie
Theologie, die auch die Vorstellung vom eschatos Adam hat, freilich Christus ist auferweckt von den Toten durch die Herrlichkeit des Vaters,
ohne diese kennzeichnende typologische Prägung des Paulus 144. also sollen auch wir in einem neuen Leben wandeln" 149 • So laufen alle
Den zweifachen Bericht der Genesis von der Erschaffung des Menschen Linien der paulinischen Geschichtsschau in der Lehre von der Auf- !!i

hat schon Philo so aufgeteilt, daß sich der erste 1•• auf die Erschaffung erstehung zusammen: "denn so die Toten nicht auferstehen, so ist
des Urmenschen bezieht, der nach dem "Ebenbild Gottes" geschaffen Christus auch nicht auferstanden. Ist Christus aber nicht auferstanden,
und mit dem Logos identisch ist, während der zweite 1<6 Bericht allein so ist euer Glaube eitel, so seid ihr noch in euren Sünden. So sind auch
die Erschaffung des Adam "aus einem Erdenkloß" erzählt. Ganz ähnlich die, so in Christo entschlafen sind, verloren. Hoffen wir allein in diesem
bezieht Paulus den ersten Bericht von der Erschaffung des Menschen Leben auf Christum, so sind wir die elendesten unter allen Menschen" 150 •
auf Christus, "welcher ist das Ebenbild des unsichtbaren Gottes, der Die Auferstehung Christi erscheint aber PanJus durch den Tod Adams
Erstgeborene von allen Kreaturen" 147. Erst der zweite Bericht von der notwendig gemacht. "Nun aber ist Christus auferstanden von den Toten
Erschaffung des Menschen bezieht sich auf die Schöpfung des Adam. und d~r Erstling geworden unter denen, die schlafen. Sintemal dnrch
Christus ist identisch mit dem Adam kadmon, der König der Endzeit einen Menschen der Tod, und durch einen Menschen die Auferstehung
ist der Urkönig des Paradieses. Der Gesalbte des Herrn ist identisch mit der Toten kommt. Denn gleichwie sie in Adam alle sterben, also werden
dem Urvater und Urkönig Adam, der die ganze Menschheit: Mann und sie in Christo alle lebendig gemacht werden""'· Der paulinischen Lehre
Weib, Völker und Stände noch ungeteilt in sich enthält. Über Philo vom protos und eschatos Adam liegt die Vorstellung vom Urmenschen
hinaus ist die Rolle des erstgeschaffenen Adams, des Adam kadmon zugrunde, dessen Schicksal das Geschick der Menschheit versinnbildet.
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Indem Paulus dieses Symbol, durch Taufe und Mahl der Gemeinschaft, Die Erfüllung der Hoffnungen, welche die Massen hegen, wird in
in die Mitte des Kultes rückt, legt er den Grund zur Kultkirche der die jenseitige Welt verlegt. Denn niemand will auf die Dauer seiue eigene
christlichen Nation als neugestifteter Gemeinde der Menschheit. Substanz zu Gunsten eines ebenso substanzlosen Sammel-Ichs loswerden,
In den theologischen Arbeiten über Paulus wird meist seine Theologie dessen Speisungen und Zirkusfeste den Einzelnen nicht weniger ent-
scharfsinnig untersucht und dogmatisch zergliedert. Über diese geschicht- würdigen als seine Brutalitäten 158 • So wird der wahrhafte Gott-König
lich zweitrangige Frage wird die allerwichtigste geschichtliche Frage zum Protest gegen diese Welt, gegen die Welt des Imperiums und dessen
verdrängt und verdunkelt: welcher seelische Zustand eines beträchtlichen Kaiser-Retter. Wenn die Massen einmal alles von Einem erwarten, der
und schließlich des überwiegenden Teilesdesimperium Roman um bezeugt die kranke Welt heilen soll, so irrt das Träumen des Menschen, der sich
sich in der Geburt dieser Literatur? 15' selbst damit aufgibt, fortan ruhelos umher und endet schließlich, da
In der paulinischen Gemeinde schließen sich Menschen zusammen, seine Phantasien, die sich auf den "politischen" Heiland richten, unerfüllt
die sich von allen natürlich organischen Gebundenheiten, von Natur, bleiben, bei dem Glauben auf den "wahren" Heiland aus dem Jenseits'"·
Kunst, Kult und Staat gelöst haben und bei denen entsprechend die
Leerheit und Entfremdung von der Welt und die Entzweiung mit der
Weltlichkeit einen hohen Grad erreicht hat. Die hellenistischen Einzelnen,
unter denen sich sicher zahlreiche hellenistische Juden von der Art
Philos befinden, schließen sich zu den mystischen Gemeinden der christ-
lichen Kirche zusammen. Im Gegensatz zu den alten, gewachsenen Ge-
Geschichte des Urchristentums
bundenheiten ist die christliche Gemeinde ein unorganisches, nach-
trägliches, "pneumatisches" Zusammensein 1 53 lauter Einzelner. In der Die innersie Geschichte des Christentums ergibt sich aus dem sich
christlichen Gemeinde löscht der spätantike Mensch sein Ich zu Gunsten nicht ereignenden Ereignis der Parusie und beinhaltet die Versuche, dieses
jenes Über-Ieb aus, das vom Jenseits kommend sich auf den Menschen Nicht-eintreffen doch in eine christliche Auslegung zu fassen. Die erste
herabsenkt. In allen Gliedern der Gemeinde ist jenes Über-Ich ein und Verzögerung der Parusie ereignet sich noch zur Zeit Jesu, da Jesus seine
dasselbe, so daß die Gemeinde das pneumatische Wir darstellt. Der Jünger im Sturm in die Städte Israels aussendet: "ihr werdet mit den
geistige Mittelpunkt des Menschen ist das jenseitige Über-Ich: "Nicht ich Städten Israels nicht zu Ende kommen, bis des Menschen Sohn kommt" 107 •
lebe, sondern Christus in mir" 1M. Weil aber die Erscheinung des Menschensohns ausbleibt, glaubt J esus,
Von den Massen wird das Über-Ich des Christus als Anti-Cäsar ge- daß er allein als Gottesknecht durch sein Leiden für Viele die Schuld
staltet. Das Über-Ich des Christus überstrahlt und entwertet das cäsa- der Vielen sühnen müsse und daß damit das letzte Hindernis für das
rische Über-Ich 155 • Indem sich das spätantike Menschentum zu einem Heranbrechen des Reich .Gottes beseitigt sei 159•
farblosen Massendasein entleert, beginnt es vorerst im Gott-Kaiser sein Die innere Einheit des Urchristentums, wie auch der Gegensatz von
eigenes verloren gegangenes Selbst zu verehren 1 56. Aber die Cäsaren Urgemeinde und paulinischer Kirche bestimmt sich vom Tode Jesu her.
sind nicht weniger Massenmenschen als ihre Untertanen. In seinem Ekel Tod und Auferstehung Jesu sind für die Urgemeinde, wie für Jesus
über Welt und Menschen ist Nero dem Christentum verwandt. Diesem selbst, Stufen der messianischen Ereignisse. Die Urgemeinde schart sich
Ekel verleihtNero in Taten Ausdruck, die oftgrotesk-schauerlich scheinen, um die Sippe J esu und harrt in unablässigem Gebet der Parusie. In
deren tragischer Untergrund aber nicht zu übersehen ist. Nichts wäre Visionen redet der Auferstandene mit den Jüngern "vom Reich Gottes" 160 •
diesem Herrscher lieber, als den Brand der verderbten Welt mit eigenen Die Urgemeinde malt das Reich und die Hoffnungen auf das Reich mit
Augen sehen zu können. Auch der christlichen Phantasie ist diese Vision den Farben der volkstümlichen Apokalyptik, die Jesus weit weniger
nicht fremd 157 • Die Verachtung, die der Cäsar den Massen gegenüber gebraucht hat. Die kleine Gemeinde, kaum größer als ein Konventikel,
empfindet, und der Haß der Massen gegen den cäsarischen Gottkaiser, schließt sich zu einem gemeinwirtschaftliehen Verband zusammen. Die
der in sich allein noch Volk, Staat, Religion und Kunst repräsentiert, ge- Besitzenden unterwerfen sich der neuen Ordnung, und streng gehen
hören zusammen und sind im Grunde nur Einzelzüge der Verachtung und die Ältesten gegen Unterschlagungen aus Kleingläubigkeit vor. Wenn
des Hasses, die jene Zeit gegen sich selbst in sich trägt m. Diese Ver- die Glieder der Urgemeinde Äcker, Häuser und jeden Besitz aufgeben,
achtung bereitet im imperium Roman um den Weg zur christlichen Welt- so geschieht dies in der sicheren Hoffnung, daß sie bald "hundertfältig
verachtung, zur Einsetzung des Herrschers, der nicht von dieser Welt ist. empfangen werden Häuser, Äcker und das ewige Leben" 161 •
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Der Kommunismus der Urgemeinde wurzelt zunächst in der Stammes- die Ersten sein, und sind Erste, die werden die Letzten sein" 167. Davon
verfassung der Sippe J esu, die wie andere Wander- und Störhandwerker- aber schweigen die Priester des Zeus und Jupiters, des Osiris und Serapis.
familien familienweise gemeinwirtschaftlich leben. Dabei dient sicher Die Urgemeinde wartet auf das Hereinbrechen des Reichs, und ihre
auch das Evangelium, die Frohbotschaft als Einnahmequelle. Celsus 37 Lage wird, je länger sich dieses Ereignis nicht ereignet, immer verzwei-
berichtet von syrischen Propheten, die den Weltuntergang als unmittel- felter. Pau/us überwindet die Sackgasse der Urgemeinde, indem er lehrt,
bar bevorstehend weissagen. Dabei geben sich diese Propheten selbst daßtrotzder Verzögerung der Parusie der neue Aeon bereits angebrochen
als die kommenden Weltrichter aus, die an der Spitze der himmlischen ist. Aber das andauernde Nichteintreffen beunruhigt auch die paulini-
Scharen wiederkommen werden und denjenigen, die ihnen jetzt Gutes schen Gemeinden. Die Todesfälle in der Gemeinde setzen dem Glauben
erweisen, ihre Dörfer und Städte beschützen und retten, die andern aber hart zu. Denn der letzten Generation sind die Herrlichkeiten der messia-
mit ewigem Feuer und schwerem Gericht heimsuchen werden. In diese nischen Zeit vorbehalten, die nun für die Verstorbenen wegfallen, obwohl
Schilderung des Celsus fügt sich auch Jesus und seine Jünger wie die diese durch die Taufe bereits im neuen Aeon waren. Paulus beschwichtigt
erste Christengemeinde: "Und wo ihr in eine Stadt kommt, und sie euch diese Zweifel, indem er eine "Ordnung" der Auferstehung zusagt: auch
aufnehmen, da esset, was euch wird vorgetragen; und heilet die Kranken, die verstorbenen Christen werden bei der Parusie auferstehen, und nur
die daselbst sind und saget ihnen: das Reich Gottes ist nahe zu euch sie, denn alle anderen Toten müssen bis zu dem letzten tagma der Auf-
gekommen. Wo ihr aber in eine Stadt kommt, da sie euch nicht auf- erstehung warten. Die endzeitliche Auferstehung erfolgt so in Etappen"'·
nehmen, da geht heraus auf ihre Gassen und sprecht: auch den Staub, Im Kult des Kyrios-Christos tritt der Herrschafts-bereich des Königs
der sich an uns gehängt hat vor eurer Stadt, laden wir ab auf euch; doch zurück und der König selbst tritt in die Mitte. Die politischen und sozialen
sollt ihr wissen, daß euch das Reich Gottes nahe gewesen ist. Ich sage Hoffnungen, welche die jüdische Apokalyptik mit dem Erscheinen des
euch: es wird Sodom erträglicher gehen an jenem Tage, denn solcher Messias verknüpft, werden von der mystisch-symbolischen Einung der
Stadt" 162 • In den Familienkommunismus der Sippe Jesu fügt sich die Menschheit als Leib Christi überschattet. Wenn Philippus noch "von
Gemeinschaft der Jünger ein und weitet sich zur Gemeinwirtschaft der dem Reich Gottes und von dem Namen Jesu Christi" 169 predigt, so ver-
Urgemeinde. Es läßt sich der Zusammenhang von Reichsenthusiasmus sichert schon Paulus, nichts zu wissen als Jesus Christus 170 • Damit ver-
und Kommunismus nicht übersehen. schiebt sich der Akzent und eröffnet sich der Weg von der Apokalyptik
Im Kommunismus will die urchristliche Gemeinde die Ökonomie des zur Gnosis.
Gottesreiches vorwegnehmen. Welche Meinung darüber in der urchrist- Paulus bezeichnet genau den Ort der Wende von der christlichen
lichen Gemeinde herrscht - und es besteht kein Grund, warum auch Apokalyptik zur christlichen Gnosis. Eschatologie und Mystik kreuzen
Jesus nicht geteilt haben soll - bezeugt der Jakobusbrief. Der Jakobus- sich bei Paulus "'· Im Gegensatz zur griechischen und mittelalterlieben
brief ist die älteste erhaltene christliche Schrift. Nichts spricht gegen Mystik vollzieht sich die Einung von Irdischem und Überirdischem nicht
die Abfassung dieses Schreibens durch Jakobus, den Bruder von Jesus, im im Herzen des Einzelnen, sondern "diese" und "jene" Welt schieben
Gegenteil: nur die Annahme, daß diese Schrift vor dem Apostelkonzil sich als geschlossene Macbtsysteme, als "Reiche" ineinander. Der Augen-
abgefaßt ist, ermöglicht es, diese ohne Gewaltsamkeiten zu erklären 163 • blick, da sich "diese" und "jene" Welt berühren und ineinander schieben,
Die Urgemeinde weiß noch, daß Freundschaft mit der Welt Feind- ist der kairos. Paulus bestimmt die Zeit zwischen dem Tod J esu und
schaft wider Gott ist"'· Arm und Reich sind in der Urgemeinde Aussagen, der Parusie Christi als den kairos, der durch das Ineinander des noch
die sich mit Gut und Böse decken "'· In der Hoffnung auf das Reich natürlichen und des schon übernatürlichen Weltzustandes bezeichnet
klingt die prophetische Weissagung und die apokalyptische Ausmalung ist. Mit Tod und Auferstehung Jesu ist die Wende eingetreten: das Wesen
des Reichs mit. Man weist immer wieder darauf hin, daß in den Lehren dieser Welt vergeht. Das Wesen dieser Welt aber ist das Gesetz. Darum
Jesu "jedes Programm der sozialen Erneuerung fehlt" 166 • Es ist aber sollen die Heiden, die sich zu Christus bekennen, das Gesetz nicht auf
selbstverständlich, daß derjenige der sich berufen fühlt, Gesetz und sich nehmen. Nicht daß die Heiden das Gesetz nicht zu halten brauchen,
Propheten zu erfüllen, auch das soziale Programm der Prophetie voll- sie dürfen es nicht beim Verlust der Seligkeit. Aus denselben Voraus-
strecken will. Die frohe Botschaft, die die Apostel bringen, übt jene setzungen aber ergibt sich, daß die Christen aus Israel das Gesetz weiter
werbende Kraft bei den unteren Schichten im imperium Romanum aus, zu üben haben. Denn das Werk des wiederkehrenden Christus ist es, die
weil das Evangelium eine unmittelbar bevorstehende Umwälzung an- Welt, deren Wesen bereits vergeht, endgültig zu beseitigen, und der
kündigt, da nichts bleibt wie es ist: "und siehe, es sind Letzte, die werden Gläubige soll dem eschatologischen Vollzug nicht eigenmächtig vorgreifen
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un.d nicht vo~ sich aus die alten Ordnungen aufheben, in denen er sich Der Ausstand zwischen Auferstehung und Parusie wird so groß, daß
ber. ser~em Eintritt in die Gemeinde Christi vorfindet 172 : "ein jeglicher die Situation des steten Barrens, wie sie der jüdischen Apokalyptik
blerbe m dem Beruf, darin er berufen ist" 173• eignet, in der Christenheit wieder hergestellt wird. Zeugnis von diesem
D~ch e~enso rasch wie Paulus über die jerusalemisch-urchristliche Wandel ist die Offenbarung Johannis. Die Offenbarung Johannis ist schon
Gem~me. hinweggeht, wird das Gleichgewicht seiner eschatologischen in der alten Kirche als "jüdisch" verdächtigt worden, und Luther stellte
Mystik uberholt. Daß das Weltende nahe sei, diese Botschaft Jesu, die sie auf eine Ebene mit dem vierten Esra. Eberhard Vischer hat in seiner
m Marku~ und PanJus noch nachzittert, liegt bereits hinter Johannes Jugendarbeit, von Harnack unterstützt, glänzend die These verfochten,
und M~rc~on weit zurück. Das Weltende ist in die Ferne gerückt und daß "die Offenbarung Johannis eine jüdische Apokalypse in christlicher
das "Sem m Christo" der Grund, darauf der Aufriß der christlichen Welt Bearbeitung" sei. Die These Vischers scheint wirklich, wie Harnack meint,
entworfen .wird. Nicht die Eschatologie Jesu, anch nicht die paulinisch- das "Ei des Columbus" 176 zu sein. Mit einem Schlag lösen sich Schwierig-
eschatologische Mystik von der Wende des kairos, sondern das Geheimnis keiten, die Jahrzehnte, ja Jahrhunderte die Forschung in die Sackgasse
des ~eltalls, darin Christus als Wasserzeichen unauslöschlich eingegraben getrieben haben. Die neueren Versuche um die Offenbarung von Charles,
Ist, Ist. der .Inhalt des Johannes. Die altchristliche Kunst stellt Jesum Loisy und Lohmeyer gründen auf der Entdeckung Vischers.
und ser~e J.~nger im tribonmit dem Stab der kynischen Wanderprediger Die Offenbarung Johannis fügt sich so in die Reihe der anderen nicht-
dar. J:?re Junger sind jetzt vornehmlich Philosophenschüler, mathetai, kanonischen Apokalypsen, die alle um einen jüdischen Kern christliche
und mcht mehr Königsboten, apostoloi "'· Interpolationen enthalten. Der Grund ist einleuchtend: Apokalypsen
~e me~r Leute aus den oberen Ständen in die Kultvereine der entstehen in Zeiten der Verfolgung, da man nach den Vorzeichen des
Chrrsten eintreten und je mehr die reichen Leute sich zu Patronen von göttlichen Gerichts späht und die Frommen zum Ausharren anfeuert.
Klie~telgem~inden entwickeln, desto mehr verschwimmt die eindeutige Wenn Apokalypsen aber als Offenbarungen in der Gemeinde weiter
P~yswg.nomre der christlichen Gemeinde. Wenn die Heilssuchenden die Geltung behalten sollen, so müssen sie auf die neue Situation gemünzt
orrentahsch-hellenistischen Mysterienkulte verlassen und in die Kata- werden, und dies führt notwendig zu Interpolationen. Es ist unbestritten,
ko~ben der Christen hinuntersteigen, um dort die Agapen mitzufeiern, daß etwa die Apokalypse: die Testamente der zwölf Patriarchen eine
so Ist es selbstverständlich, daß die christliche Gemeinde immer mehr jüdische Schrift ist, die später von christlicher Hand bearbeitet worden
:'on der ~rt der Mysterienkulte annimmt. In der Zeit der Severer stehen ist. Überhaupt ist diese Methode für fast alle Apokalypsen anerkannt;
Im Laranum des Kaisers und vieler Vornehmer die Bildsäulen Abrahams, wahrscheinlich hindert die Stellung der Offenbarung Johannis im neu-
Moses und J~su neben denen des Orpheus, Pythagoras und Platon auf- testamentlichen Kanon, die naheliegende Folgerung auch für sie zu
gestellt. und Sind alle Gegenstand eines Heroenkultes "'· Im christlichen vollziehen.
:Wystermm aber tritt an die Stelle der Natur das Logos-Wort. Diese Die jüdische Apokalypse, welche den Grundstock der Offenbarung
m.nere Überwmdung der Naturreligion, in deren Bann auch die helleni- Johannis bildet, wird umrahmt von den christlichen Sendschreiben
stischen ~ysterienkulte stehen, zeigt, daß der Sieg des Kyrios-Christos- (e. 1--4) und einer letzten Ermahnung (e. 226f), in der die Worte des
Ku.ltes k~m Zufall ist, sondern sich notwendig in die Bewegung des Sehers und die Worte Jesu aneinandergereiht sind. In die Apokalypse
~erstes fugt, der sich aus den Ketten der Natur zu befreien sucht. In selbst ist neben "dem jüdischen Messias der Grundschrift, von dem nur
dreser neuen Entwicklung wird selbstverständlich auch der aufrührerische die Geburt und das Erscheinen zur Vernichtung der Weltmacht erzählt
Klang der alten Verheißung gedämpft und den neuen Hörern angepaßt. wird, und der lediglich das Werkzeug Gottes ist, durch welches Gottes
Der Mahns?ruch des Paulus: ein jeder verharre in dem Stand, in dem Zorneskelter in Function gesetzt wird" m, die Vision vom christliehen
~r g~bore~ IS~, erleichtert diese Wandlung. Wenn Vornehme und Reiche Messias unter dem Symbol des Lammes eingefügt. So kreuzen sieh in
m dre chnsthche Kirche eintreten, wird die Frage: quis dives salvetur? der Apokalypse zwei Messiasvorstellungen: der streibare, zum Gericht
(Ciemens A!exandrinus), kann auch der Reiche errettet werden? be- über die Weltmacht kommende Messias des jüdischen Volkes, dessen
deutsai!l. J?re !!"rage wird dahin beantwortet, daß bei der Allmacht Gottes Geburt noch erwartet wird, und der Messias in der Gestalt des Lammes,
alles moghch .rst .. Es werden auch Mahnungen gegen die überhebliehen welches bereits erschienen ist 17•.
Armen la~t, d~e ~Ich als die alleinigen Erben des Himmelsreiches glauben: Das Herzstück der Apokalypse ist die Weissagung von der Geburt
"den~ es rst toneht, die Armen schlechthin selig zu preisen, da so viele des Messias (c. 11 15 -12 17 ). Israel ist das "Weib, mit der Sonne bekleidet,
von Ihnen lasterhaft leben" m. · · und der Mond unter ihren Füßeu und auf ihrem Haupt eine Krone von
1
-71-
-70- . . die Enttäuschung. Der
rfol en. Groß ist Imme; mit den Worten:
zwölf Sternen. Und sie ward schwanger und schrie in Kindesnöten und beinahe als Räub~r ;e tu;hekräftigtseineWmss:g:ngso o\aubet fortan
hatte große Qual zur Geburt" 179. Es ist ausgeschlossen, daß es sich hier Kirchenvorsteher m ho~ n wird wie ich gesagt a e, h .;ie er will""'.
um eine Erzählung der Geburt Jesu handelt, da diese für den christlichen Wenn es nicht gesc e e ndern 'tut ein jeder von euc 's zweiten Thes-
Seher in der Vergangenheit liegen müßte. Im Kampf mit dem Drachen ~uch der Schrift ~icht,gs~inein schreibt der v.erfas~r ~rüder, "daß ihr
hätte eine christliche Apokalypse die Kreuzigung erwähnt. Übereinstim- In diese Verwirrun ahnt zur Ruhe und bittet ~erschrecken, weder
mend mit der Vision der Apokalypse überliefert eine jüdische Tradition"•, salonicherbriefes. Er m lasset von eurem Sinn: ~oc l von uns gesandt,
welche der jerusalemische Talmud aufbewahrt: der Messias sei am euch nicht bald b:~~~~~ Wort noch durch B~~ ;:raussetzung für die
Tage, da der Tempel zerstört wurde, in Bethlehem geboren, einige Zeit durch Geist noc. . vorhanden sei""'· Denn Ie s Herrn kann nicht
darauf aber sei er seiner Mutter durch einen Sturmwind entführt worden. daß der Tag Chnst1 nicht gegeben. Der Tag de nd offenbart werde
"Wie die Apokalypse Johannis erwartet, daß der Messias unmittelbar Parusie sei noc~ dgar daß zuvor der Abfall kommed u da ist der Wider-
nach der Zerstörung Jerusalems zu der Zeit, wo die heilige Stadt und . es se1 enn, d Verderbens, er . ßt"1ss
kommen. " S .. ude das Kind es d Gottesdiensthel ..
der Tempelvorhof von den Heiden zertreten wird, also bei Beginn der der Mensch der u ' über alles, was Gott o e; en die Leute, die
Drangsal geboren werde, so setzt diese Talmudstelle voraus, daß der sacherund sich überh~:r:s wendet sich ausdrückl~ch g~;ter euch wandeln
Messias gerade in dem Augenblick, wo die Macht der Heiden scheinbar Der Verfasser des Bn n wir hören, daß etliche 'tz" "' Zuerst
auf die Spitze getrieben ist und in der Zerstörung des Heiligtbums den ihr Geschäft auf~ebe~~lt~:nnichts, sondern trei~en ~~~~~ des si~h nicht
Gipfel der Ruchlosigkeit erklommen hat, zur Welt gebracht worden " unordentlich .unh i~nischen Gegner auf den wu\ enPetrusbrief berichtet,
ist" 181 . Aus den christlichen Interpolationen läßt sich deutlich derzeit- haben wohl die .e isses hingewiesen. Der zwei e·tter die nach eigenen
geschichtliche Hintergrund ablesen. Ist die jüdische Grundschrift der ereignenden Ereign T gen kommen werden Spo . 'er Zukunft? Denn
Apokalypse aus der Judenverfolgung unter Titus entstanden, so sind daß in den letzten a . wo ist die Verheißung s~In n Anfang der
die christlichen Interpolationen der Apokalypse "ein greller Wiederschein Lüsten wa;de~ä~:rde:~~~iafen sind: blei~t al~~~l~~~;ss~~ auch in. die
der blutigen Verfolgung, die die Existenz des Christuskultes zur Zeit nachdem Ie . t" "., Der Zweifel a er . f wettert gegen Je~e
Domitians in Kleinasien zu vernichten drohte" 1". Das zwanzigste Kapitel Kreatur gewesen :s de 191, Der erste .cleme.ns?fl\ er Seele zwiespältig
der Apokalypse, das abgesehen von zwei Interpolationen 183 zur jüdischen :Reihen der Gem.emich die Zweifler, Jene die In. I ~en Tagen der Väter
Grundschrift gehört, ist die Magna Carta des Chiliasmus. Alle chilia- Zweifler: "Ungluck: d' haben wir auch schon. m n all dem ist uns
stische Rebellion und Sehnsucht nährt sich von diesem Kapitel 1M der sind und sprechen.. ~~~d alt geworden und nichts vo
Johanneischen Apokalypse. In der Offenbarung Johannis flammt noch gehört und siehe, wir SI
" 192 1
einmal der ganze apokalyptische Haß gegen das imperium Romanum widerfahren . blassen die eschato o-
auf, gegen "die große Babylon, die Mutter der Hurerei und aller Greuel 'ten bis zum vierten Jal!rlluQnde~;e:~~ßt sich dieser Vorganf;
auf Erden""'· Vom zwei . er mehr. In den ue . erät in das Kra -
Das Brüllen der Apokalypse verhallt nicht ohne Echo in der christ- giscllen Hoffnungenf!mm "' Die christliche Theologh!e ·gtentuin im Klima
tarisch assen . . das U rc ns J' l e
lichen Gemeinde. Schon die Evangelien " 6 bezeugen, daß andere Mes- nur fragmen . Gnosis. Ganz so, wie 1 t sich die ehrist !C 1
siasse aufgetreten sind. Die montanistischen Propheten begnügen sich feld der .spekulatiVe~ 1 ptik aufwächst, . entfa te Nähe des kommenden
nicht damit, das nahende Ende zu künden, sondern sie veranlassen die der jüd:schen ApoU~~ebung der Gnosis. Die den Erlösers. Erlösung
Gläubigen, sich in Pepuza zu sammeln. In Pepuza soll das himmlische Theologie m der . h in die Nähe des anwesen d Materie. Den Weg
Jerusalem herabkommen. Immer wenn die Parusie als nahe bevorstehend Christus wan.delt Sl~es pneuma aus dem R;erkereih:~iten. An die Stelle
angekündigt wird, kommt es zu Erschütterungen in den Gemeinden und heißt jetzt Losu~g d' Mysterien und die .w d S hicksal der Seele.
zu öffentlichem Aufruhr. Hippolyt' 87 berichtet über solche Vorkomm- ·zur Erlös~ng we!S~~off:ung auf das Reich ~ntt l;;~hn~sse, die den W~g
nisse in seinem Danielkommentar. Es handelt sich nicht um dubiose der urcllnsthchen E dzeit lösen sich auf m G . st ganz zukünftig
Wanderprediger, die schwärmerisch wirken, vielmehr sind es die Vor- Die Ereignisse de~ n Die Himmelfahrt, welche e:n Aeonen ,..,
steher der Kirche, die die ganze Gemeinde oder ihren größten Teil mit- der Seele besch.r~b::~ Aufstieg der Seele dur~n~~~en Theologie, die
reißen 187. Die Leute lassen Ackerbau und Gewerbe liegen, lassen ihr gedacht wa:, Wl\ das Leitwort der Clem.en . ntalische Magie und
Vermögen fahren und ziehen in die Wüste hinaus und irren iu den Bergen Gnosis ISt sc on . t' li-griechische Mystik, one
. tümlich synkretiS !SC
mgen
die Parusie erwartend umher. In Syrien läßt der Strategos solche Leute

~------------------------..l---=_;..;_;_ ____. ;. . ________________ ·i)


.....,jcl
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evangelische Tradition zu verknüpfen sucht 195 • An die Stelle der pau- wird infolgedessen der Seele, die auf diesen Sprossen zu Gott aufsteigt,
Jinischen pistis tritt die erkennende gnosis. und damit verbindet sich eine zur lebendigen Himmelsleiter, zum kosmischen wahren Weg 201, Die
Entwertung der Eschatologie. Der Stürmerspruch Jesu wird zum Aufruf Seele aber ist weder Geist noch Leib, sondern die übergäugliche Mitte
gedeutet, durch ein beständiges Leben der Tat und des Gebets sich das zwischen beiden. Als Mitte ist sie auch der Ort der Wahl, ob der Mensch
Reich zn erobern 1w. Das biblische Leben deckt sich für Clemens durchaus fleischlich oder geistig sein will. Wählt die Seele das Geistige als Lebens-
mit dem platonischen, und seine Vorstellung vom Reich ist ebenso vom fonn, so wandelt sie im "Geist", wählt sie das Stoffliche als Lebensform,
Nenen Testament wie von der griechischen Staatstheorie bestimmt. Das so wandelt sie im "Fleisch" 802 • Die Seele ist in sich unvollkommen, und
himmlische Mahl wird nicht etwa mit den Farben der neutestamentlichen nur im Geist ist sie, was sie sein soll. Im Geist nimmt die Seele teil an
Gleichnisse ausgemalt, sondern gleicht eher einem griechischen symposion. Gott, und so bestimmt sich ihr letztes Wesen eben aus dieser Teilnahme.
Das himmlische .Jerusalem fließt mit dem elysischen Gefilde und dem Nur die vernunfthafte Seele nimmt teil am Leben Gottes, und darum ist
platonischen Staat zusammen"'· So ist der Boden für Origines bereitet, der Mensch zugleich als Geist-Seele. als "innerer Mensch" teilnehmend
dessen Bedeutung für die Geschichte der christlichen Metaphysik nicht an Gott und zugleich als Leib-Seele, als "äußerer Mensch" von Gott
überschätzt werden kann. geschaffen. Das Leben im Geiste vollzieht sich als Aufstieg der Seele, die
Origenes ist die Weichenstellung der christlichen Theologie. Die ge- in ihrem Steigen nach oben das urzeitliehe Fallen nach unten aufhebt.
samte altchristliche Theologie ist seinem Bann veriallen. Das kappa- Die Materie entstehtinfolge des Fallens "'·Der Leib wird zum Zuchthaus
dozisehe Schrifttum vermittelt ihn an Ambrosius, und mit Augustin der Seele, aber doch ist es nicht so, daß sich in Geist und Materie das
ergießt sieb das Urigenistische Erbe bereits anonym ins Mittelalter. In Prinzip des Guten und Bösen gegenüber stehen 205 • Auch die Materie
den Mystikern des Mittelalters, bei Eckehart und Joachim leuchtet in ist Schöpfung Gottes. Die Welt als Ort der Strafe und Folge der Sünde
verschiedener Weise origenistisches Gut wieder auf. Im Zeitalter des und die Welt als Schöpfung Gottes, die auf Gott hin angelegt ist, ver-
Pietismus und der Aufklärung ist die Grenzsituation des Origenes wieder bindet das origenistische Verständnis der Strafe als paideusis.
hergestellt, da antik-statisches und christlich-apokalyptisches Erbe aus- Die Säulen der origenistischen Geschichtstheodicee sind pronoia und
einanderfallend einander gegenüberstehen. Da taucht auch die origeni- paideusis, Vorsehung und Erziehung"'· Durch die Vorstellung von der
stische Idee von der apokatastasis auf, und in Lessing ersteht neu die Ge- erziehenden Vorsehung kann das Ziel Gottes erreicht werden, ohne die
schichtstheodicee des Origenes. So ist Origenes im ehristliehen Raum un· Freiheit des Menschen zu kränken. Die Strafe reinigt und ist darum nur
sichtbar allgegenwärtig, obwohl ihn die orthodoxe Kirche verketzert hat. Episode in der göttlichen Heilsökonomie, die darauf angelegt ist, den
Das Grundmotiv von Origenes herauszustellen, ist nicht leicht, weil Logos zu offenbaren ao1. Alle Strafe ist nnr begrenzt, nur Durchgang,
seine Schriften noch ein Tummelplatz philologischer Streitigkeiten sind nichts Geschaffenes geht verloren, alles Gewordene kehrt schließlieh zu
und weil es noch nicht gelungen ist, die gnostisch-philosophische und die seinem Ursprung zurück. Das Leitmotiv von der apokatastasis beherrscht
religiös-asketische Seite des Origenes in einen inneren Zusammenhang die Eschatologie des Origenes: "Wenn der Wille Gattes wie im Himmel
zu bringen. Während Koch us in der Nachfolge von de Faye das intellek- so auch auf Erden geschehen soll, so wird auch die Erde nicht Erde
tuell-philosophische Moment einseitig als Grundmotiv hervorhebt und bleiben, so werden wir alle Himmel werden""'· Das paulinische: aus
so eher das Zentrale Lessings als dasJenige des Origenes trifft, stellt ihm und durch ihn und in ihm ist alles, erklärt Origenes: "aus ihm"
Völker 199 das asketisch-mönchische Ideal in den Vordergrund und besagt, daß die erste Schöpfung und alles, was ist, aus Gott seinen
unterschätzt das rational-dialektische Moment in Origenes. Ursprung nahm; "durch ihn", daß, was erst geschaffen wurde, von ihm
Als Mitte der origenistischen Thematik ist die Logosmystik zu be- gelenkt und geführt wird, von dem her es den Ursprung des Daseins
zeichnen. Gott ist reiner Geist. Aber Geist ist nicht ruhend, sondern genomm-en; "in ihm''. daß die, die schon erzogen und gebessert sind in
ewig schaffend und ruhelos tätig. Der Geist offenbart sich nicht in der seiner Vollkommenheit gegründet sind.... Am Ende durchherrseht
Welt, sondern im Mysterium des überweltlichen Logos. Der Logos erfüllt Gott durch den Logos alles. Die Logosmystik des Origenes ist eschato-
den Erdkreis, um ihn selbst mit seinem Feuer zu taufen, zu versengen logischer Pan-theismus.
und in Geist zu verwandeln " 0• Die Seele ist nur Bild und Gleichnis In diesen Linien ist die ganze Eigenart des origenistischen Christau-
des Logos, nur das offene Fenster, durch das die erleuchtenden Strahlen turns angedeutet. Es ist keine Gabe, sondern eine Aufgabe, es bezeichnet
des Logos eindringen. Der Logos inkarniert sich auf allen Stufen und keine Erlösung, sondern einen Weg aufwärts. Deshalb kann auch die
Sprossen der Welt, er ist den Menschen Mensch, den Engeln Engel und Inkarnation nicht im Zentrum stehen. Der Ausgangspunkt ist Gott, der
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wie ein Lehrer und Erzieher ist. Origenes verwendet fortwährend das Neuen Testament selbst als prophetische Schrift anerkannt und wird im
Bild des Lehrers und Vaters, der sein Kind züchtigt und erzieht. Die ·Judasbrief "" als Autorität zitiert. Filr Barnabas, der noch keinen neue
Erziehung Gottes beginnt gleich nach dem Fall, um sich bis zum Ende testamentliehen Kanon kennt, sind Henoeh und der vierte Esra heilige
fortzusetzen. Das Kommen Christi als Logos ist nur eine unter den Schriften. Noch Tertullian will die Henochapokalypse als kanonische
vielen anderen Maßregeln seitens der Vorsehung 210• "Es bezeichnet ~ Schrift anerka11nt wissen. Die altertümliche abessinische Kirche hat bis
wie alles, was Gott sonst um der Erziehung der Menschen Willen tut - heute die Henochapokalypse in ihrem Bibelkanon bewahrt, was beweist,
einen Schritt vorwärts, vielleicht einen sehr wichtigen Schritt, aber doch wie diese ursprünglich gewertet wurde.
nur einen unter vielen. Gott ist wie der gute Haushälter, der weiß, was Später aber werden die Apokalypsen verd~ch~g und als hä:etische
das Geschöpf bedarf und der seine Handlungen nach den Bedürfnissen Literatur ausgeschieden. Der Kanon Muratorr w!ll nur noch dre Apo-
der einzelnen zu akkomodieren versteht. Er kennt Zeiten und Zeitpunkte kalypse des Johannes und des Petrus anerkannt wissen. Doch sollen
und führt die Entwicklung Schritt für Schritt zum Ziele vorwärts. Die auch diese Apokalypsen nicht öffentlich vorgetragen werden. Aber auch
Pädagogie hat, wie gesagt, gleich nach dem Fall begonnen und sie soll die beiden im Kanon Muratori zugelassenen Apokalypsen bleiben um·
durch eine Reihe Welten fortgesetzt werden. Das Ziel liegt vorne und stritten. Die Petrusapokalypse gerät allmählich in Vergessenheit, und
was Gott will, ist das ewige Streben der Menschen. Der menschgewordene heute sind von ihr nur noch Bruchstücke erhalten. Um die Jobannoische
Logos versteht in besonderer Weise zu helfen, aber auch sein Auftreten Apokalypse entbrennt ein heftiger Kampf, und sie kann si~h i~1 neutesta·
repräsentiert nicht ein endgültiges Stadium. Die Erlösung besteht in mentlichen Kanon schließlich nur darum behaupten, werl s1e von dem
einer allmählichen Erziehung des Menschengeschlechts" zu. DieErziehung Namen des Lieblingsjüngers Jesu gedeckt ist. Ein Mißtrauen gegen sie
Gottes vollzieht sich durch die Schöpfung, durch die Philosophie, durch bleibt immer zurück, und in der syrischen Kirche wird die J obann:ische
das jüdische Volk, durch Christus, durch das Leben der Kirche und durch Apokalypse nicht als kanonisches Buch anerkannt m. Der Strert um
die künftige Entwicklung""· Unddoehisteszueng, die Gesamtanschauung die Offenbarung Johannis beweist, dafl die christliche Kirche sieh von
des Origenes als nPädagogischen Idealismus" 2.t? zu zeichnen, denn der der Apokalyptik gelöst hat. Damit geht auch die Einsicht in den Zu·
"innere Aufstieg" der Seele 2 " ist kein intellektueller Vorgang, sondern sammenhang zwischen der Predigt Jesu, der paulinischen Theologie mit
greift tief in die Leiblichkeit und in das persönliche Leben des Menschen der Apokalyptik verloren, damit aber auch der Schlüssel zum Ver·
ein. Origenes ist auch Vorbote des östlichen Mönchstums m. ständnis des Urchristentums 220 •
Mit Origenes erreicht die eschatologische Mystik ihren Höhepunkt. Aus dem älteren christlichen Schrifttum werden chiliastische Ab·
Die Eschatologie wendet sich vom weltlichen Endspektakel ab und ist schnitte ausgemerzt. Wenn der Chiliasmus aucb in der christlichen Kirche
ganz nach innen verlegt als ein großes Drama der Seele. Wie Plotin der eine Reihe von Verteidigern findet, wie Cerinth, Papias, Irenaeus,
heidnische Ausläufer der Gnosis ist, so ist Origenes christlicher Aus- Hippolyt, Lactanz, Tertullian, Meth.odius von Olymp, Apollonarius von
läufer der Gnosis, die zur reinen Metaphysik geworden. Die dramatisch- Laodicea, so muß er doch immer mehr ein unterirdisches Dasein führen.
mythologischen Motive der Eschatologie fallen fort, und in den ontolo· Der Chiliasmus wird mehr von den unteren Volksschichten getragen.
gischen Hypostasen stellt sich das Sein als eine Bewegung dar, das sich In der ägyptischen Kirche, in der die christliche Gemeinde sich haupt·
aus innerer Dynamik zum universalen Prozeß von Selbstentfernung und sächlich auf die nicht hellenisierten, untersten Fellachenschichten der
Rückkehr zeitigt und nur im Durchlaufen dieses Schicksals wirklich ist. Kopten stützt, die auch ein besonderes Schrifttum in der Volkssprache
Das Sein ist seine eigene eschatologische Geschichte, und die Lehre hervorgebracht haben, erheht sieh heftiger Widerstand gegen die gnosti-
von ibm ist Ontologie der Erlösung :n•. sierenden Versuche der alexandrinischen Theologie. Unter der Führung
von Nepos wehren sich die ägyptischen Christengemeinden dagegen, daß
Von dieser großen Wandlung, welche Origenes bezeichnet, werden die Verheißungen in der Art des Origenes umgedeutet werden und s1e
zuerst die Apokalypsen betroffen. Überhaupt ist die Wertung der Apo· wollen diese mehr nach "jüdischer Art" auslegen 221 • Dennoch aber setzt
kalypsen ein vorzüglicher Gradmesser für die Stärke und Breite der sich der Geist des Origenes durch, der durch seine pneumatische Exegese
apokalyptischen Hoffnungen"'· Noch über die Zeit der urchristlichen der blblischen Schriften die apokalyptische Eschatologie des Neuen
Gemeinden hinans erlangen die jüdischen Apokalypsen ungeheure Ver· Testaments aufhebt: "Die, welche das Evangelium in tieferer Weise
breitung. Henoeh, der vierte Esra und Baruch werden als das Klima verstehen ... , kümmern sich nicht viel um das allgemeine Weitende, ob
der christlichen Gemeinde empfunden. Die Henochapokalypse ist· im es plötzlich und auf einmal oder nach und nach kommen wird, sondern
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sie denken nur an das eine, daß das Ende eines jeden Einzelnen ohne
~ei~ ,;;issen .k~mmt, da ihm Tag un? Stunde seines Todes verborgen Von Augustin zu Joachi'm
1st " . Dam1t 1st das Mot1v der mdw•duellen Eschatologie angeschlagen
welches seit Augustin die christliche Kirche beherrscht. '
Den Chiliasmus bezeichnet Origenes als "den Geist derer, die sieh Im dritten nachchristlichen Jahrhundert ist das Weltende in die
zwar Christen nennen, aber in ziemlich jüdischem Sinn die Schrift Ferne gerückt, und die christliche Gemeinde hat sich endgültig in eine
erklären, und nichts, was göttlicher Offenbarung würdtg wäre, darin Kirche verwandelt. Die großen Systeme der Theologie fügen sich zu
· finden"""'· Euseb von Cäsarea zieht eigentlich nur das Fazit, wenn er einer Dogmatik zusammen, welche das neue Prinzip der Ausleg;mg der
in seiner Kirchengeschichte immer wieder versucht, den Chiliasmus als Welt ist. Die theologische Spekulation aber hat zur Voraussetzung, daß
eine "jüdische Irrleh~e" zu bra;tdmarken, nnd seine Anhänger als Ketzer man an die Dauer der zu begründenden Lehren glaubt m. Die Wendung
a;tschwärz~.. Euseb g:bt nm· .dte ~llgemeine Ansicht der Kircl,le wieder, von der Gemeinde zur Kirche vollzieht sich nicht nur innerhalb der
dle un Chiliasmus eme "fle~schhche Lehre" sieht, die ins Judentum christlichen Gemeinschaft. Im dritten Jahrhundert fügen sich auch die
gehöre. Schließlich bezeichnet das Konzil von Ephesus im Jahre 431 heidnischen Kulte des 'Westens zu einer Kirche zusammen. Es entste)lt
den Chiliasmus als eine "Entgleisung und Fabelei"""· ein neues Griechentum als kirchliche Nation, nach der Art der jüdischen
Gelegentlich wird in der Kirche auch die Bitte um das Reich im Synagoge und der christlichen Kirche. Der Einbruch der aramäischen
Unser Vater verändert: Dein Reich komme, wird ersetzt durch: Dein Kirchenidee nach Rom wird mit Decius bezeichnet, der im Anschluß
Gei:t komme. D~r ~::st ~enügt der Kirc~e, und damit wird die Apo- an die Jahrtausendfeier Roms seine Untertanen von ihrem Glauben
kalyptik entbehrheb . Dte Paruste "~rd mcht nur entbehrlich sondern Zeugnis ablegen läßt •29• Die Zugehörigkeit zum römischen Imperium
schließlich beten Christen um den Verzug des Endes, "denn wir ,;,ünschen wird jetzt gleichwie bei de.n aramäischen Nationen durch ein Bekenntnis
es nicht zu .erl~ben, und indem wir um Aufschub dieser Dinge beten, bestimmt. Der Gegner der christlichen Kirche ist nicht eigentlich die
befördern W!r d1e Fortdauer Roms" 226 • Schon der erste Timetheusbrief antike Religion, die das Christentum kaum noch zu Gesicht bekommt,
zeigt deutlich diesen Wandel. Nicht wird das Gebet um den Anbruch sondern ihr Gegner ist ein Heidentum, das eine neue und kraftvolle
des Reich Gottes empfohlen, sondern das ganz andere Gebet für die Kirche ist und die aus demselben Geist entstanden ist wie die christliche
Könige und fiir alle Obrigkeit, auf daß wir ein ruhiges und still~; Leben Kultkirche ' lO.
führen mögen in aller Gottseligkeit und Ehrbarkeit" 127. Weit davon Im dritten Jahrhundert gibt es zwei Kultkirchen: die eine besteht
entfernt, ein revolutionäres Element darzustellen, wird die christliche aus den christlichen Gemeinden und die andere setzt sich aus den vielen
Rirche noch vor ihrer Anerkennung durch das Imperium entschieden heidnischen Gemeinden zusammen, in deuen unter tausend Namen ein
reichsfreundlich. Die Kirche fühlt sich fortan nicht mehr als die Gemeinde und dasselbe göttliche Prinzip verehrt wird. Die heidnische Kultkirehe
in der Fremde, und für Euseb sind Reich und Ökumene identisch. Mit ist es, welche die christliehe Kirche angreift. Alle großen Christenver-
d~r Erhebung des Christe.ntums zur Reichsreligion erlischt endgültig folgungen, denen später die Heidenverfolgungen genau entsprechen, gehen
dw Hoffnung auf das Re1ch Gottes. Seit Konstantin wird auch das von der heidnischen Kultkirche aus. Der römische Staat ist daran nur
imperium. Romanum "h~i!ig" gesprochen. Dieser Zustand gilt seit insofern beteiligt, als auch die heidnische Kultkirche zugleich Nation
Konstantins Tagen und wtrd durch Augustins Gottesstaat ideell durch und Vaterland ist 231. Der Heiland der heidnischen Kultkirche ist der
Karls ~oli~ prakti~~h befesti~ und endet im christlichen Eu;opa im Kaiser. Der Kaiser ist der Messias aller Synkretisten 2". Der römische
abendlandtschen He1hgen Rom1schen Reich. Staat wandelt sich in eine Kirche und der Herrscher in einen Khalifen,
der nicht ein Gebiet regiert, sondern vor allem Gläubige beherrscht "'0 •
Auch im römischen Staat wird im dritten Jahrhundert die Rechtgläubig-
keit Voraussetzung wirklicher Staatszugehörigkeit.
Gegen Ende des dritteu Jahrhunderts erhebt Diocletian den Mitbras
zum henotheistiscl!en Reichsgott 233• Die Priester der synkretistischen
Kultkirche unterscheiden sich, seelisch wenigstens, um nichts von den
christlichen. Seit dem Kommentar des Poseidonios zum platonischen
Timaios ist diese platonische Schrift die Bibel der Synkretisten ZM. Nume-
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nios überträgt auf Plato einfach das Amt des christlichen Gottessohnes. es ist nur ein Gott und Julian ist sein Prophet 246• Nur darum kann die
Die Göttergestalten des platonischen Timaios verwandeln sich zu gno- römisch-katholische Kirche in den Organismus des römischen Reiches
stisch phantastischen Wesen. Die okzidentale Spekulation ist eingetaucht hineinwachsen, weil das heidnisch römische Reich im dritten Jahr-
in die dunklen Fluten orientalischer Mystik 235 • Mit der kabbalistischen hundert selbst eine Kirche ist.
Ausdeutung des Timaios bereitet Numenios den Neuplatonismus vor, Der Staat ist seit dem dritten Jahrhundert ganz in die Gemeinschaft
der mehr als eine Philosophenschule sein will. Proklos ist ein echter der Gläubigen, in die Kirche völlig eingebettet. Die christliche Gemein-
Kirchenvater, der in Träumen Erleuchtungen über eine schwierige Text- schaft umfaßt. das Diesseits ·wie das Jenseits, die Rechtgläubigen wie
stelle empfängt und der, außer den chaldäischen Orakeln und Platons die guten Engel und Geister. In dieser Gemeinschaft bildet der Staat
Timaios, die für ihn kanonisch sind, alle Schriften vernichtet sehen nur eine kleinere Einheit der sichtbaren Seite des corpus mysticum.
will 236 • Seine Hymnen sind Zeugnisse der Zerknirschung eines echten Die civitas Dei ist weder eine antikepolisnoch ein neuzeitlicher Staat'.,·
Eremiten. Die Angst vor der Sünde, das Ringen mit der Versuchung, die Denn die polis und der Staat haben ihren Schwerpunkt im Diesseits,
tiefe Zerknirschung über die eigene Schlechtigkeit erinnern aufs leb- in einem bestimmten geographischen Ort. Die civitas Dei aber ist weder
hafteste an den Seelenzustand manches christlichen Eremiten 236. an einen Raum, noch an die Menschen eines Gebietes gebunden; sie
Hierokles vergleicht den neuen pythagoräischen Magier Apollonios von läßt sich am ehesten mit der islamischen Gemeinschaft vergleichen. "Die
Tyana mit Christus 237, und sein Moralbrevier für Gläubige der neuen mystische Gemeinde des Islam erstreckt sich vom Diesseits in das Jen-
pythagoräischen Gemeinschaft läßt sich nur schwer von einem christ- seits, sie reicht über das Grab hinaus, indem sie verstorbene Muslime
lichen unterscheiden 238 • Bischof Synesios wird von einem neuplato- früherer Generationen, ja sogar die vorislamischen Gerechten umfaßt.
nischen zu einem christlichen Kirchenfürsten, ohne daß eigentlich eine Mit ihnen allen fühlt sich der Muslim zu einer Einheit verbunden, sie
Bekehrung stattfindet, er behält auch seine Theologie bei und verändert helfen ihm und auch er kann ihre Seligkeit noch durch Zuwendung
nur die Namen 239 • Asklepiades schreibt ein umfassendes Werk über die eigener Verdienste steigern""'· Dies ist der Grund, darauf der augusti-
Gleichheit sämtlicher Theo!ogien 240 • Es gibt heidnische so gut wie nische Gottesstaat errichtet ist.
christliche Evangelien und Heiligenleben. Zwischen diesen Schriften,
die mit einem Gebet anfangen und schließen, besteht eigentlich gar kein In den zweiundzwanzig Büchern des Gottesstaates legt Augustin das
Unterschied 241 • Ähnlich wie PanJus bezeichnet Porphyrlos als die vier geistige Fundament für das Heilige Römische Reich' des Mittelalters,
göttlichen Elemente: Glaube, Wahrheit, Liebe und Hoffnung " 2 • Was das von Konstantin bis in die deutsche Kaiserzeit reicht. Die eschatolo-
Origenes für die christliche Kirche bedeutet, ist Plotin für die heidnische gische Hoffnung auf das Reich, die sich in der Christenheit seit der
Kirche. Koch 243 hat es wahrscheinlich gemacht, daß Origenes und Johanneischen Apokalypse nur als Chiliasmus äußern kann, verliert ihre
Plotin Schüler von Ammonios Sakkas sind. In Plotin laufen die Linien letzte Stoßkraft und wird von Augustin in das System der Kirche
griechischer Philosophie und gnostischer Spekulation zusammen, die von gebannt 249 • Denn im Gegensatz zu deh älteren Kirchenvätern bekämpft
da an geeint im Neuplatonismus weiterfließen. Augustin den Chiliasmus nicht, sondern er deutet den Chiliasmus so um,
Der größte Nachfolger Plotins, Jamblich, entwirft um 300 für die daß er seine eschatologische Spannkraft verliert. Der augustinische
heidnische Kultkirche das System einer orthodoxen Theologie und einer Chiliasmus trägt das Antlitz der Kirche, und dies ist nur möglich, weil
priesterlichen Hierarchie mit strengem Ritual. Das persönliche, religiöse Augustin die Grundrichtung des Chiliasmus umkehrt. Das chiliastische
Erlebnis tritt zurück zu Gunsten einer mystischen Kirche mit Weihungen, Reich wird allgemein als zukünftig gedacht. Aber eben diese Zukünftig-
peinlicher Kulterfüllung, mit einem der magischen Handlung verwandten kelt des tausendjährigenReiches kehrtAugustin um: nach seiner Meinung
Ritus, mit einem Klerus 244• Ein orthodoxer Fanatismus durchweht dieses verfehlt der zukünftige Chiliasmus den Sinn der Johanneischen Offen-
System, und es kündigt sich darin schon die neue Zeit an, die durch barung. Denn "jetzt schon ist die Kirche das Reich Christi und das
den Versuch Julians charakterisiert ist. J ulian will die heidnische Kirche Himmelsreich" 250• Das tausendjährige Reich der Apokalypse ist die
für alle Ewigkeit aufrichten. Es ist falsch, den Versuch Julians als ein Zeit der Herrschaft der Kirche. Das Reich Gottes ist in der Kirche vor-
vereinzeltes Unternehmen darzustellen. Julian hat nur das Programm gezeichnet und verwirklicht: "Unterdessen da der Teufel tausend Jahre
Jamblichs durchgeführt 244• Jamblich wird von Julian unmittelbar in gebunden ist, herrschen die Heiligen mit Christus auch tausend Jahre,
die Nähe Platons gerückt und so als kanonisch erklärt 245, Viele der eben diese tausend Jahre ohne Zweifel, die auch ebenso zu verstehen
Inschriften zu Ehren Julians lassen sich kaum anders übersetzen als: sind, nämlich von der gegenwärtigen Zeit der ersten Ankunft Christi" 250 •
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Damit ist die Hoffnung auf das tausendjährige Reich endgültig aus der
Kirche verdrängt und wird fortan die Sache von Sekten. Au die Stelle aber ein Element, das über das mittelalterliche System hinansweist und
der allgemeinen Eschatologie tritt die individuelle Eschatologie. In der eine neue Weise der Weltauslegung in sich verhüllt. Denn in einer summa
Mitte steht jetzt das Schicksal der Seele, und die Endzeit ist verdrängt theologica hat eine richtungshafte, zielstrebige Betrachtung der Geschichte
vom letzten Tag des menschlichen Lebens. Die individuelle Eschatologie keinen Platz. Otto von Freisings Historie mündet in eine Eschatologie,
beherrscht von Augustirr an die christliche Religion der katholischen und die im ganzen Werke schon latent zu spüren ist: das Greisenalter der
protestantischen Konfession. Die allgemeine Eschatologie, die in sich Menschheit ist gekommen, die müde Zeit, welche durch die tönernen
die Hoffnung auf das Reich trägt, tritt im christlichen Raum von nun Füße des Kolosses Daniels versinnbildet wird. Auch die verstärkte Span-
an als Häresie auf 251. nung der Gegensätze weist nach Otto von Freising auf das nahe Ende 256 •
Auf dem Grmid der augustinischen civitas Dei ist der mittelalterliche Die Diehtnng vermittelt zwischen Geschichtsschreibung und Volks-
Staat errichtet. Im christlichen Zeitalter gibt es nicht Staat und Kirche, sage. Die anfänglich gelehrte Anticbris~liter~tur, von. Adsos. libellus
sondern im corpus christianum ist der Staat jederzeit im Schoß ·der de antichristo ausgehend, wird durch dJe Spiele und Im drmzehnten
Kirche eingebettet. Der Staat istwesentlich auf Gott gerichtet: theonom "'· Jahrhundert durch die Dichtung der Fahrenden populär. "Durch
Ein Weltstaat aber, der nicht Gott zugewandt ist, verfällt den Dämonen. Walther Reimar von Zweter, Konrad von Würzburg, durch die großen
Der Gegensatz von göttlicher und dämonischer Wirklichkeit ist das Dichtun~en Frau Avas und Heinrichs von Neustadt dringt weitere
innerste Motiv des augustinischen de civitate Dei. Der civitas Dei steht eschatologische Mythik aus der Kirche in !Cunst und Volk hin.aus" 256 •
die civitas terrena gegenüber, die identisch ist mit der civitas diaboli'"· Alles politische und religiöse Geschehen wird sofort apokalyptisch ge-
Augustirr vermeidet meist den Ausdruck civitas diaboli, weil er zu stark spiegelt: als chiliastischer Endreichstraum, der sich an Kar! de~ G~oßen,
an den manieMischen Dualismus von Gott und Teufel erinnert. Barbarossa oder Friedrieh dem Zweiten entzündet, oder als cbihastlsches
Der Gegensatz von Gottesreich und Weltreich wird für Augustirr Papsttum in den Engelpapstsagen. All dies unklare Gären klärt sich
und die mittelalterliche Geschichtsphilosophie 2 " zum Prinzip der Ge- auf in Joachim von Floris 257 •
schichte. Auch Augustirr blickt über das imperium Romanum hinaus. Wohl ist in der Theologie J oachims alles geformt an christlich~n Ver-
Auf Rom folgt keine neue Welt, sondern das Ende. In diesen Aufriß heißungen und Erwartungen, aber übertragen auf ei.ne neue Zeit, v:r-
spannt sich die ganze Geschichtssystematik des Mittelalters. Alle Heim- kündigt mit einem neuen Gescbichtsanspr.ueh, der siCh nebe~. u~d Im
suchungen durch die Germanen werden nur als Strafe Gottes angesehen, Laufe der Entwicklung gegen den geschichtlichen Anspr?ch der romis.chen
die das Reich reinigen und bessern soll. Rom steht so lange wie die Welt Kirche stellt 256, Denn in der joachimitischen Theologie der Geschichte
254
steht • Hungersnöte, Seuchen, Erdbeben, Kometen und Finsternisse, folgt auf den status der Kirche ein neuer v~:ändert~r status der mens~h­
noch mehr aber: soziale und politische Wirren werden im Westen immer lichen Gemeinschaft: das Zeitalter des Heiligen Geistes. Wenn Joachim
apokalyptisch gedeutet. Die verheerenden Züge der Völkerwanderung mit dem Jahre 1200 das neue Weltalter des Heiligen Geistes beginnen
und der Normannen, der Einsturz des alten Römerreichs, die drohende läßt, so spricht sich darin der Versuch aus, gegenüber dem corp~s chri-
Herrschaft der Sarazenen werden leicht als jene "Kriege und Empörun- stianum des Mittelalters Selbstständigkeit zu gewinnen. Joachim zer-
gen" gedeutet, die die Evangelien als Vorzeichen des Endes kündigen. trümmert das duale Geschichtsbild Augustins, welches die mittelalter-
Um das Jahr 1000 steigert sich die allgemeine Erregtheit so, daß der liche Metaphysik bestimmt, und stellt die ecclesia spiritualis als etwas
Puls des mittelalterlichen Lebens stockt"'· Dennoch kennen die apo- Drittes der Religion des Alten und Neuen Testaments entgegen.
kalyptischen Stöße der Völkerwanderung um das Jahr 1000 die Hoff- Damit bekommt Joachim das Wesen der Neuzeit in den Blick und
nung auf das Reich, Gottes nicht 255 und fügen sich darum noch in das tauft sie zum Jahrtausend der Revolution. Denn die neue Zeitrechnung
Schema des mittelalterlichen Systems. In diesem hat auch die bunte Joachims nnd seine Periodisierung der Geschichte muß im Zusammen-
Fülle von apokalyptischem, mystischem und apokryphem Legenden- und hang mit allen folgenden apokalyptischen Wellen der N~uzeit erkannt
Erzählungsgut Platz, darin das Ende in erwünschte Greifnähe rückt. werden. Notwendig setzt Joachim dabei die erste Welle mit dem ganzen
"Antichristsagen, Umstände der letzten Ankunft und Zustände des Jahrtausend apokalyptischer Flut gleich, aber er erfaßt am ersten Auf-
Jenseits werden in den Summen erörtert und nicht minder dringt bis bruch das Gesetz der Neuzeit 259 • Neben dieser Tat Joachims verblaßt
ins Einzelne ausgeformtes Mythengut in die universale Geschichts- der leidige Streit um den Beginn der Neuzeit. Ist doch d~s Schema:
schreibung" 256• In den Periodisierungen der Weltgeschichte meldet sich Altertum-Mittelalter-Neuzeit nichts anderes als ein verweltlichter Aus-
läufer der joachimitischen Prophetie von den drei Zeitaltern: des Vaters,
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des Sohnes und des Heiligen Geistes. Jede revolutionäre Eschatologie


ist seit Joachim der Meinung, daß mit ihr, jenseits von Altertum und
Mittelalter, die nnr Vorgeschichte gewesen sind, etwas Endgültiges
beginne: das dritte Reich, das Zeitalter des Heiligen Geistes, in welchem
die Erfüllung liegt.
Literat ur hinweise
1 Meyer II 139 f. a. a. 0. 156 f. * Bieke:rmann 18. 4 Volz lL 5 Baurugartuer 69·
2

fJ a. a. 0. 'lO f. 1 1 f. $1903, 20 f. 9 712. H1 660 f. u 3 2 ~~ u v. GaU 165. u VII,235~ Drittes Buch


H Eisler 6&0. •5 Herfo:rd 224. ~a Fuclls 5 f. u Tacitus bist. VJI3. 16 Josephus hell. I/1 2 •
l& Josephus antiq. XVII/9 3 • *" Matth, llH• :a antltr. XVI!I/St- 22 Luk 114• 28 Taanit
hab. 23 h. M Matth~ 31, Mark lh Luk 3;. Jj Matth. 3s. u Otto 58.- :H Matth sil. llG 1926~
424~ ~o 91 6 --t<)• 30 Matth 2~ 1 • t<t Matth 311 • 3 ~ Dihelius 56. 11" Apg 19 .. :>t. Eisler 107.
3 ~ Kähler 32. 8 ~ Otto 5. ~ 1 Origenes c. Celsum VI![9. as Mark lth lli· ~t Mark 1~. 4 >l Mark

11,. H gegen Otto 52. u Matth 3!. 4 " Luk 31 • ·U Matth lOG. 't Mark lw 46 Gognell65~
Otto 60. 41 Matth 11 2 • 111 Apg 191 f. "0 Lidzbarski J 104. M Matth llw tH Matth 1113 •
UMatthS2HU• ~ 3 Matth17u. uschWeitzer 1926~ 16. uotto 34. 46 a.a.0.24f.
M' a. a. 0. 41. r;s Matth 6:(1• 6 ~ Otto 80. eo Lnk 10111• u Otto 32. ~z Luk 11 211 • u Otttl 78.
114 Matth 11 • ~ll Eisler 208. ,." Mattb 19:w. 111 Talmud hab. Baha Batra 10 b. 41 Eisler
6
163 f. u Otto 46. 10 Röm 13 • 71 Mark 123 ~ f. "* Eisler 180. 1" Littmann 27, 11 EisJer 190~
16 Schweitzer 1926~ 395. ~~Mark 1$'1. 77 Matth ll.t-s• 1 *1926, 394. 711 Matth 16!1\1. ao Ot.to DIE THEOLOGISCHE ESCHATOLOGIE
IS4. 81 Matth 1~,. il Eisle:r 216. 63 Pieper 34. a; a. a. 0. 10. Be 217 f. ae Luk 91 • a? Luk
101• es Gal 2h. es Luk 14e:a• flu Mark 10u. n Mark 9"'. 62 Matth 1~e· 93 Matth 7u· tH. Matth
7::a"~ ,. . .~>s Matth llu. 96 Matth 5z.~. 31 Eisler 243. "8 Jerem 2~. H Hosea 12;.(1• tl>~> Eisler
EUROPAS
248, H>l Mark 8 1 ~ 102 Matth 6::s~n· 103 Mark 131 , 1 M Windisch 177. 1 M Matth 24:~· Ht., Exo~
dus 14u- 1111 Matth 1023 • 1 1)11 Sehweitzer -1926~ 406 f. 1 'n Mark 6M~es• n!l ::M:atth llw~u~
lH Matth 11ts~:w·~H Mark alll. m Otto 207. ).l4 a . .a. 0. 212. Uli Jesaja 53u~ w (Über·
s.etztmg Otto 2ll). 11>l Mark 10-u. 111 Schweitzer 1926, 437. us Spengler ti/256,
tn Petras 23 f. u~> Baur 1837, 21 f. m a. a. 0. 30 f. 1 : 2 Petras 25. us a. a. Ö. 26.
m Bauer 11 f. l:!f. a~ a. 0. 221. wt a. a. 0. 4 f. H 1 a, a. 0. 221 f. 123 a. a. 0. 302.
n 9 a. a. 0. 219 f. tao a. a. 0. 327. U!l Petras 29 f. us Epistel41. l n de rerum nat. Y/18.
t:u Bauer 222. 134 Eisler 735. ut Kuloss 2u. u 7 Apg 1824 f. us I. Kor 121:;, 13 • 133 Poehl-
mann I/527. ua Scbweitze:r 1930, 102 f. 141 Röm Su. th tt•· 1 u Röm 5u. n· t;:s I. Kor
15«ß»4&• u$ ThooL Wörterbuch Art. Adam. m Gen Ir.• HG Gen 2,.. H 1 Koloss l 1,5~
us Jesaja 53. tH Röm 61, ,. u& I. Kor 1516-u. 161 J, Kor 15u44, m Petras 42. u:; I. Kor
12~:t· n 4 Gal 2u1• m Petras 44 f. lto Bauer 111 f. 15·1 a. a. 0. 58. ua Petras 34, llll Otto
203. uQ Apg 13. Hll\lark 10~ 11 • u:: Luk 10&--n- m Kittel 71. lH Jakh:r 4~. H$ Jakhr 51 _3 •
tD<l Tr-oeltseh 43. m Lu,k 13~19 • m I. Kor 15~ f. 1 "' 3 Apg 8u. m I. Kor 23 • m S-chwt:~itzer
1930, 113. 11il \'V,.eruer 200. 113 I. Kor 7w m Eisler 751 f. m Origenes e. Cclsum YJ16~
17t Viseher 126. l?'f a.- a, 0. 71. ns a. a. 0. 132 (Harnaek). 11 !1 12-r,~· 130 Schürer II/448.
1111 Vischer 27. u'Ol Lohmeye:r 1919 33. 183 20~;" und 20 • llH 20-21 .. 1115 17s. 130 Mark
1 11 5
13 22• on Werner 107. Hit 21 f. 1111 3w m 3.e f. m Werner 111. u~: 233 , m. Harnack 1909,
IJIS8. tu ~1erner 698. m Fcick 82. ~.~ 6 Quis dives salvetu:r 213 • 191 Strorn IV/26m vgt
Friek 90. 1118 329 f. H<t 14. ::~(J.; Origenes~Balthasar 117 f. ZH a. a. 0. 69 f. tt1 2 a. a. 0. 74 f.
&rr 3 a. a. 0~ 86 t. *114 Koch 36 f. tli 5 a. a. 0. 38, 2fHI a. a. 0. 28. to? a. a. 0. 120. ~M pexi
euehes 26 Koetscbau Il/363. ,~> 3 Röm Com 3, 10. Ho Koeb. 31. tn a. a. 0. 31/32.
~u a. a. 0. 77. 213 a. a. 0. 32, u 4 Völker 62 f. m a, a. 0. 234. n$ s.o. 37~ Jonas 260.
217 Wemer 149. *18 14. litt Köhler 258 f. u.~> Weruer 151. n> Elsler 761. a:~ Ser 56.

KJQS.tetmann-Benz ll 1aa. tt; de princ. IVw nt Nigg 75. m Werne:r 112. ~ 20 Tertullian
Apo1ogie 39. "''" 7 2, f. lln Geffeken 31. ,::a a. a. 0. 19. 2s3 a. a. 0. 11+ Spengler II/243 f.
231 Spengler .II/243 f. 2"'1 Geff'eken 16. U3 a. a: 0. 29. za' a. a. 0. 35~ ~n.s a. a. 0. 36*
226
a. a. Ö. 204, Spengler II/243 f. 237 Spengler II/310. m Geffeken 202. zu a. a. 0.
214. u:o a. a. 0. 200. m a. a. 0. 226 f. u: a. a. 0. 74. 114<' 300. z~~ Geffeken 113. m a. a.
0.134. 24'> Spengle:r II/311, Geffcken 140. 1141 Salin 47. tH Horten XII. ~ 49 Friek
138 f. ~sn XX/9. ~s~ Eger 47. ~u Tillich 1930. 238. 25; vgl. Eidren 1 f. 2 ~; 4 Ttoeltsch 112.
m Nigg 142 f. ua Balthasar I/24. m Balthasar I/25. ::ss Benz 3. 253 Rosenstock 20.
Das Gesetz der Neuzeit

Die Geschichte der neuzeitlichen Eschatologie läßt, wenn der Blick


auf das wesentliche Geschehen geheftet bleibt, eine gesetzmäßige Rhyth-
mik erkennen. Die Summe der Eschatologie läßt sich in der alten apo-
kalyptischen Formel: Reich Gottes auf Erden zusammenfassen. Die For-
mel vom Reich Gottes auf Erden ist zweisinnig, und der Akzent liegt je-
weils entweder auf dem Beginn oder auf dem Ende. Es ist zunächst die
Vorstellung vom kommenden, zukünftigen Reich Gottes, die den gül-
tigen Horizont eines Lebenskreises sprengt. Ein geschlossenes, gereiftes
System das in sich selbst den ruhenden Pol gefunden, sich selbst absolut
gesetzt und alle sprengenden Gewalten eingedämmt hat, wird zunächst
durch die Prophetie vom Reich Gottes als ecclesia spiritualis aufgebrochen.
Das innerliche Licht einer ecclesia spiritualis aber brennt die Mauern
der äußeren Institutionen nieder. Das innerliche Licht wird zur ver-
zehrenden Flamme und wandelt sich in ein Feuer auf Erden. Damit
rückt das Ende der apokalyptischen Formel in die Mitte. Die Verkündi-
gung des Reich Gottes drängt zur Verwirklichung. Dieser Rhythmus
von Verkündigung und Verwirklichung, von "ecclesia spiritualis" und
"auf Erden" durchzieht das eschatologische Geschehen.
Eine jede der apokalyptischen Wellen der Neuzeit variiert dieses
The!Ila und hebt eine Seite hervor. Jede neue Eschatologie sprengt
einen gültigen Horizont und wird deutlich, wenn sie als neue Stimmlage I
überlaut wird, denn die Sprache der revolutionären Eschatologie wendet
einen Ton der Beweisführung an, der dem vorrevolutionären Menschen-
l
'~
l
tum fremd ist. Mit jeder neuen apokalyptischen Welle wird eine neue ij
Syntax geschaffen, und der Sinnbruch in der Sprache läßt den alten und '
neuen Menschen einander wahnsinnig erscheinen. "Den Alten ist gesagt,
ich aber sage euch ... ", das ist die ewig wiederkehrende Situation apo-
kalyptischer Zeiten, die wahrhaft aus den Fugen sind. Denn der alte
Mensch ist dem neuen ein Leichnam, ein gewesener Mensch, wie die Rus-
sen die Emigranten bezeichnen, der neue Mensch ist dem alten ein Wahn-
sinniger: als solche sah der Aquinate Joachim und seine Jünger an 1 .
Die joachimitische Theologie der Geschichte sprengt das System
des mittelalterlichen Gottesstaates. Die Parole der Ecclesia spiritualis,
zerstört die seit Augustirr gültige Gleichung: Kirche = Reich Gottes,
darauf der mittelalterliche Gottesstaat gründet. Joachim und die Spiri-
tualen künden das Reich Gottes als ecclesia spiritualis, als ein geistiges
Reich. Zu Ende geführt wird die joachimitisehe Geschichtstheologie
durch die Theologie der Revolution Themas Münzers. Denn Münzer
-86- -87-

und ?ie ':fäufer wollen das Reich Gottes, die eeclesia spiritualis auf Erden Gewaltrecht der Revolution. Die Philosophie der Revolution ist die
verwuklichen. Notwendig taucht darum bei Thomas Münzer das Pro- Philosophie der Gewalt (Sore!). Die Gezeiten im Ablaufe der Revolution
blem der Ge~alt auf, u?d seine Theologie rechtfertigt das Gewaltrecht sind nicht belanglos und zufällig, sondern rhythmisch und notwendig.
des Guten. D1e Theologie. der .Revolution ist die Theologie der Gewalt. Ideen und Ereignisse, die das Wesen des Menschen und das Antlitz eines
Der Zusammenbruch m Munster beschließt das Kapitel der täuferi- Menschentums verändern, lassen sich nicht in Momenten zusammen-
schen Revolution, die sich im Schatten des mittelalterlichen Gottes- drängen, sondern wollen lange durchlitten werden: sie vollziehen sich
staates vollzie~t. Inzwischen zerbröckeln qie christlichen Fundamente innerhalb einer gescbichtiichen Ökonomie, die scheinbar ge~ren~te Jahr-
der rmt~elalte:hchen _Welt. Erst d~e Aufklärung schafft ein neues System, hunderte in sich begreift'. Weil der Geist der Eschatologie SICh selbst
das gl':'chgew1chtet IS~ und das m der ratio eine neue Mitte findet. In von Mal zu Mal deutlicher erkennt, beschleunigen sich die Gezeiten des
de~ Zßlt des Hat~onal!smus setzt sieb die "Kirche der Vernunft" dem Ablaufs. Der zeitliche Ablauf der philosophischen Eschatologie ist
Rmch Gottes glmch. Daß die Göttin der Vernunft und ihre Kirche im rascher als der der theologischen Eschatologie.
katho~sche~ Fran.kreich Triumphe feiert, ist nicht zufällig, und schon Daß es sich bei dem gesetzmäßigen Rhythmus der Eschatologie nicht
Do.stojewskl ~at 1_n smnen politischen Schriften den Zusammenhang nur um eine einmalige spezielle Entwicklung des christlichen Europas
ZWISchen Hatwnahsmus und Katholizismus aufgedeckt. Das Zeitalter handelt lehrt der Vergleich mit der Entwicklung der jüdischen Escha-
~er Aufklärung er~orgt sich seinen Geschichtssanspruch von der katho- tologie lm seihen Zeitraum. Der Sohar, das Grundbuch j~discb~~~cha­
lischen Kh·eh?. Mlttelal.ter und Aufklärung sind die beiden statischen tologiscber Mystik ist um die Zeit entsiegelt wor?en, da d1e ~tromung
L_ehen.skrßlse 1m europäischen Raume. Die Kirche des Mittelalters und der Spiritualen in Petrus Olivi ihrem Höbepunkt s1ch nähert. D1e Escha-
d1e _K1rche d~r A~fklän;ng setzen sich beide absolut und ruhen auf der tologie des Sohars wie überhaupt de~ spanischen K~~bala bewegt SICh
Gleichung: d1e K1rche ul das Heich Gottes. in Bahnen, die isotop zu denen Joach1ms und der Spmtualen verlaufen.
Die. kul!urselige Zeitewigkeit der Aufklärung wird durch das Erd- Es sind wohl auch geschiehtliebe Zusammenhänge n1cht von der Hand
beben ~n f:issab~n erschüttert. Es tauchen Tiefen auf, die das System zu weisen. Wie die Eschatologie Joachims und der Spiritualen durch
d~r r~tio n:eht emfangen kann. Am Problem des Bösen entzündet sich Münzer und die Täufer radikalisiert wird, so wird auch die Eschatologie
d;e pmlekt;k des d:utschen Idealismus, die über das Zeitalter des Ratio- des Sollars und der spanischen Kabbala in der Luria.nischen Kabb~la
nalismus. hm~ustre.<bt. Lessmg eröffnet die Reihe derer, die das Reich radikalisiert. Wie die Täufer und Münzer wollen auch dlß Adepten Lunas
Gottes ?'cht.m der Wel~ des Rationalismus verwirklicht sehen, sondern mit. Gewalt, freilich du~ch die magische Gewalt des Gebetes das Reich
das ~elCh. Go~tes als em zukünftiges prophezeien. Die Konstellation Gottes auf Erden sichtbar herbeizwingen. Die messianische Welle Sab-
J~a.clums 1st Wiederhergestellt. Lessing greift auch zurück auf die joachi- batai Zwis hängt innerliehst mit dem Lurianlschen Stürmen des Endes
mltiscbe Prophe~!e. vom ewigen Evangelium. Die "Erziehung des Men- zusammen. Und auch Münster, dieses konzentrierteste Geschehen des
schen~eschlechts ~st das erste Manifest des philosophischen Chiliasmus,
~~
Täuferturns hat in Safed, der Kabbalistenstadt, sein Gleichnis. In Safed li
d~r d1e Eschatolog1~ des d;utschen Idealismus von Kant bis Hegel be- sollte dieje~ige heilige Gemeinde entstehen, an die der Sohar wie die
stimmt. In ~er "Ph!l?soph!e der Weltgeschichte" bewegt sich Hege! in mittelalterlich jüdische Eschatologie die Erlösung knüpfte.
de: B,annme~l~ Jo~ch~ms. Das "Reich Gottes" der Hegeischen Pbiloso- Ist die Geschichte der europäischen Eschatologie das innerste Ge-
ph.le aer. Rebg1on 1st Identisch mit dem "intellectuellen Reich" (ecclesia schehen der Geschichte, so wird sie instrumentiert durch die Geschichte
s~mtu~l!S) der Hegeischen Ges_chichte der Philosophie. Zu Ende geführt der europäischen Revolutionen, welche das Außen dieses ln.nen ist: Eine
Wird d1e He.gelsche Plnlosoph1e der Geschichte durch die Philosophie Geschichte der europäischen Revolutionen aber 1st !dentlsch mit der
der Revolution des Jl.farxismus. Die Linkshegelianer wollen das Reich Geschichte des Verlustes der christlich-katholischen Substanz Europas.
Gottes, ,.ctas .Heg~lsche "int~llectuelle Reich" auf Erden verwirklichen. Um 1800 will Novalis in seiner Schrift: Christenheit uud Europa die
~arx will die Welt am Leitfaden der Hegeischen Vernunft revolutio- Menschheitskreise Christenheit und Europa gleichsetzen. Solehe Bestre-
mere~. D1e Arbeiterklasse weiß sich, nach Engels, als Erbin des deutschen bungen sind um 1800 nur noch Romantik, .abe': am _Drsprung Europas
ldeahsmus. · im vorjoachimitischen Abendland besteht Emhe1t zw1schen kathohscher
. Mit de~ Marx.isu:us verhinden sich Gruppen utopischer Sozialisten, Christenheit und europäischem Menschen turn. ,
d1e noc~ d!rekt an d1e Täufer anknüpfen (Weitling). Notwendig taucht Das ptolemäische Weltbild bestimmt die mittelalterliche. Kirc~e. D1e
auch bei Kar! Marx das Problem der Gewalt auf und er rechtfertigt das Welt ist so, wie sie ist, ein Abbild ihres Urbildes, und durch d1e Ste1gerung
-88-
-89-
ihrer eigenen Eigentlichkeit nähert sich das weltr h
Abbild seinem Urbild. Die ptolemäische Erde hat d~n e, .unvoll~omm.ene eine innergeschichtliche Potenzreihe: das jenseitige Reich des Himmels
und alles, was auf ihr geschieht ist Abbiid d U b'IHimmel uber Sich, wird zum Endreich des Geistes 4• In der joachimitischen Theologie der
ptolemäische Menschentum des~en Welt si h es : I des: Symbol. Das Geschichte wird Christus, der ruhende Pol des Christentums, in den
eigenen Urbildes weiß, sucht die Erfüllun . c d no~ .als das Abbild ihres trinitarischen Geschichtsprozeß hineingerissen. Während Christus für .
hin. Die Kirche als Leib Christi ist Mitt·~ m. ~ teigerung auf die Idee die mittelalterlich-katholische wie für jede christliche Kirche die absolute
Die mittelalterliche Kirche ist charisma~i er~n ess~n, was Christus tut. Mitte ist, die aucb die Zeit in ein Vor und Nach spaltet, wird Christus
der mittelalterlichen, christlichen Relig' sc ~st ~hnstentum: Die Mitte in der joachimitischen und dann in der neuzeitlichen Theologie der
Himmel und Erde vereinigen '· Die Gesc~~hi; Ie Messe•. m der sich Geschichte zu einer Potenz im Prozeß der Geschichte. Wenn schließlich
lutionen ist die Geschichte der Abwendun voe der europ.iüschen Revo- Hussiten und Reformierte das Papsttum und die charismatische Kirche
Christos-Kult, vom charismatischen Ch . ~ t m ptolemäischen Kyrios- , ablehnen, so fällt der letzte Wert und Bezugspunkt der katholischen
Wort Revolution findet sich bei den v·r~s en dum des Mittelalters. Das · Kirche: die Einheit der Christenheit. Und doch ist noch das lutherische
bei Kopernikus und Galilei. Durch sie e~e~:d es mod':r~en Weltbildes, Christentum stark mit dem Katholizismus verbunden, denn auch seine
tum sein geschichtliches Dasein als R l t'as neuzeitliche Menschen- Grundlage ist Paulus. Darum kann es noch eine reformierte Kirche geben,

Umdrehung der Himmelskörper und H.


g
Kopernikus von 1543, aber auch schon ~~f zon. Im. Hauptwerke des .
~nte, heißt Revolution die
weil das paulinische Erbe der Reformation die Gleichung von Kirche
und Christus enthält. Wenn Luther noch im "Wort Gottes" die neue
Geschlecht nach Dante wendet die V ~~re swelten. Schon das erste .. Mitte schafft, um die sich die reformierte Gemeinde sammeln kann, so
die Ereignisse in den kleinen italienis~~:: s~:~tvom Gestirnu':'lauf auf bedeutet das für Luther noch geheiligte, charismatische Wort Gottes für
Verfassungsänderungen in diesen Kl . staaten an. Die ewigen Münzer in joachimitischer Nachfolge nur einen Fetzen Papier. Damit
Schauspiel. Seitdem Galilei und seineei~st:aten erscheinen wie ein Welt- sind die letzten Bindungen der christlichen Gemeinsamkeit gefallen, und
den Menschen als Staubkorn auf dem ~1 gen~ssen, R_ohan und Hobbes, der Weg steht offen für eine spirituelle Religion Sebastian Francks und
der Mitte des Kosmos geworfen hab ane en bestimmt und ihn aus Jakob Böhmes. Im Schatten Christi kommt Prometheus auf. Der mytho-
Umwälzungen der großen Reiche als eRn, wlagtt man es, die verhängten logische Punkt, an dem Prometheus auftritt, ist im deutschen Idealismus
. evo u wnen zu be · h a
. Im kopernzkanischen Weltbild ist die Welt . E zerc n~n . immer gegenwärtig und zu einer belebten Fixidee geworden 5• Schelling
Dre Erde spiegelt keinen Himmel wiede ~me. rde ohn~ Himmel'. ruft Prometheus ausdrücklich als das Symbol der Philosophie an. "Ist
erreicht das kopernikanische Mensch \und d~e Erg':nthchkeit der Welt es nicht offenbar, daß die Neigung, das Unendliche in dem Endlichen
einem oberen Urbild annähert sond en .u~ mcht, Indem es die Welt und ·hinwiederum dieses in jenem zu setzen, in allen philosophischen
Ideal, das in der Zukunft lie t ~evolue;n ~n em es dre Welt nach einem Reden und Untersuchungen herrschend ist? Diese Form des Denkens
herrscht der platonische Er~; der o~romer~. In der ptolemäischen Welt ist ewig ... eine Gabe der Götter an die Menschen, die zugleich mit dem
der kopernikanischen Welt h~rrscht d:~ ~~ist u~ten emander nähert, in . reinsten Feuer des Himmels Prometheus auf die Erde brachte" 6 • Marx
Ethos des kopernikanischen Menschentum . 't er v~rwarts strebt. Das feiert Prometheus als "Heiligen des philosophischen Kalenders" 7•
~eil der Himmel, das Oben seinen Wert" rs em ~hos. der Zuku?ft. Im Reiche des Prometheus aber wird Antichrist zum Ehrentitel. In
srch der Wertwille auf die Zul<unft W 'I . ghehalt verliert, konzentnert den letzten Sätzen von "Glauben und Wissen" formt Hege! den Tod
· · er src der kope 'k · h
semes Sinnes entleert, liegt die Erfüllun d . r?r amsc e Raum Gottes in einen "spekulativen Karfreitag" um. Das Gefühl, daß Gott
tums in der Zeit und damit in der G g he~ khopermkamschen Menschen- selber tot ist, dieser unendliche Schmerz, worauf die Religion der neuen
D· esc rc te . Zeit beruht, versteht Hege! noch als ein Moment der höchsten Idee,
.Ie Wendung vom ptolemäischen Weltb'ld. 1 . .
vollzreht sich nicht plötzlich und tri.tt . ht zum_ kopermkamschen nämlich als ein Moment der absoluten Freiheit 8 • Mit Recht bemerkt
D'Ie An fänge des kopernikanischen Weltb mc'Jd erst . mrt Ko perm'k us em.
· Feuerbach: "die bisherige Philosophie fällt in die Periode des Unterganges
Joachim von Floris. Denn Joachim . I ~s reiCh~n zurück bis auf des Christentums, der Negation desselben, die aber noch zugleich die
Irdischem und Himmlischem nied . ';;'rßt dre. Seilerdewand zwischen Position desselben sein sollte. Die Hegeische Philosophie verdeckte die
datierbare, nahe Zukunft pflanzt ;';'; m I e;n ':r ~re Erfüllung in eine fest Negation des Christentums unter dem Widerspruch zwischen Vorstellung
und Urbild, welches Ori enes nnd A s P a om~c e Verhältnis von Abbild und Gedanken" 2 • Feuerbach aber versteht sich weiter noch von Luther
und himmlischer Lenk~ng aufstellugustm ZWischen ~rdischer Geschichte her. In einer hesondern Abhandlung über das "Wesen des Glaubens
en, verwandelt srch für J oachim in im Sinne Luthers" weist Feuerbach die Identität des subjektiven
7
-90-
Glaubensbegriff -91-
auflo. Endlich ~e~~\ Luther und seinem "Wesen des Christentums"
He~el Atheist Und ls .Bru.no Bauer seinen Zeitgenossen, daß schon Heilszeiten sind gegeneinander abgegrenzt und doch aufeinander bezogen
. ~reJen ist Antichrist ~tlC~~st g~wesen sein. Im Kreise der Berliner wie das Alte und Neue Testament. Ablauf, Ziel und Vollendung der
~uno Bauer entd ~ rentJtel, den sich auch Kar! Marx zule Heilsgeschichte läßt sich am Verlauf der vergangeneu Perioden der
m1~ ~einer These, ~~=td?Je wahre Genealogie des Christentums und wefst Heilsgeschichte ablesen: an der Zeit des Alten Testaments, von Abraham
pohtJschen Freiheit in ~ Ge~urt des Christentums aus dem Zerfall der bis Christus, und an der Zeit des Neuen Testaments, welche in sich die
Hege! zurück Und vora er romJ?chen Welt behauptet, auf den jun"en Geschichte der christlichen Kirche bis auf die Epoche Joachims begreift.
~eutschland ist d' K .u~ auf N!etzsches Genealogie der Moral" F" In den Heilszeiten entsprechen sich alle wichtigen Ereignisse in ihrer
d1e Kritik der R;~ .:~tl~ de~ Religion im wesentlichen beendigt, "un~ Bolle und Folge. Damit ergibt sich ein System von Gleichzeitigkeiten16,
~arl ~arx seine Kritfk Ist dJe Voraussetzung aller Kritik": so leitet denn bestimmte Personen und Ereignisse spielen innerhalb der zeitlich
:eht. Sich vor dem abflder Hegeischen Rechtsphilosophie ein"· Nietzsche durch Jahrtausende getrennten Heilszeiten die gleiche Bolle und besitzen
. oghchkeiten des ehr' ~~e~den Gewässer der christlichen Religion Alle dieselbe geschichtliche Stellung 17 • Die Theologie Joachims überzieht
~n~ durchprobiert ~s .IC en .Lebens, die ernstesten und die lässigstim das Alte und Neue Testament mit einem Netz von Beziehungspunkten,
eme die Taufe _,;.t· ~ Ist Zelt zur Geburt von etwas Neuem. Wen~ innerhalb deren eine bestimmte Ordnung und Abstufung herrscht.
herabdrückt, so sc~ .ze nd zu.m ~ntreebillet in die europäische Kultur Das trinitarische Wesen Gottes deutet die joachimitische Theologie
letzte christliche H"J~ttelt smt. ~Jetzsche der gute Europäer auch d' wesentlich geschichtlich, so daß in den drei Zeiten jeweils eine der drei
~pokalyptik zu En~ee ~b. Damit ISt auch die Geschichte der europäisch:: , göttlichen Personen hervortritt. Wie Hege! versteht Joachim die drei
rotestantismus in s/ h enhn das .corpus chlistianum, das auch noch den Personen der Trinität als die drei Weltperioden der Geschichte. In dem
c sc loß, 1st aufgelöst. Zusammenhang der drei Weltperioden tritt die Einheit der drei gött-
lichen Personen in der Trinität hervor. Die erste Weltperiode ist die
Zeit des Vaters, die zweite die Zeit des Sohnes, die dritte die Zeit des
Heiligen Geistes. Wie die Personen der Trinität, so stehen auch die Welt-
perioden zueinander im Verhältnis der Steigerung 17 • Aus der trinitari-
Joachimitisch p . schen Schau der Geschichte, die Joachim entwirft, ergibt sich das Wesen
e rophetze und Regelsehe Philosophie der Dialektik. Der Hegeische Dreitakt von These-Antithese-Synthese
versteht sich nur vom joachimitischen Rhythmus des Zeitalters des
Di~ Theologie Joach' , Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes. Darum besteht Hege! auch
GeschiChte der Spiritu Jms, d!e Ern?t Benz im Zusammenhang mit der in der Philosophie der Weltgeschichte 1 8 auf dem inneren Zusammenhang
kalypse !ohannis. Seit ~en v~rtreffh?h erörtert, gründet auf der Apo- zwischen Trinität und dialektischem Verständnis der Geschichte. In
iohann~Jsche Apokai yco?ms 14• emem Vorläufer Augustins, hat die rein joachimitischen Sätzen erläutert Hege! das Wesen seiner Philosophie
J heol?gle gestanden, YJs~ mcht me~r in . der Mitte der christlichen der Geschichte. Wesen und Verlauf der Geschichte sind im Wesen des
D?achJms das augustini~ch schon darm zmgt sich, daß die Theologie dreieinigen Gottes begründet. "Gott wird nur so als Geist erkannt,
Je ~pokalypse enthüllt ~ Sy~tem der Geschichte hinter sich läßt indem er als der Dreieinige gewußt wird. Dieses ... Prinzip ist die Angel,
?esc~JChte, darin diese Sich fur J oachim als die Schrift der Heils~ um welche sich die Weltgeschichte dreht. Bis hierher und von daher geht
m Rat~eln, Bildern un~;~ ;\nfang der Welt bis zu ihrem Ende, verhüllt die Geschichte. In dieser Religion sind alle Rätsel gelöst, alle Mysterien
~n~. Figuren, die Verschi !~Ionen dargestellt ist. Die einzelnen Personen offenbart geworden; die Christen wissen von Gott, was er ist, insofern
es Jmmte Personen G e enen Symbole der Apokalypse weisen auf sie wissen, daß er dreieinig ist. .. Wer von Gott nicht weiß, daß er
~uJgabe des Exegete~ 15 ~~fpen und. Er~ignisse der Heilgeschichte hin. dreieinig ist, der weiß nichts vom Christentum" 1 8.
n . Symbolen zu find es, den ~chtJgen Schlüssel zu diesen Figuren Die Idee der christlichen Brautmystik, welche in der Vereinigung von
e~tsJegeln Und so die He':n, um. damit das Geheimnis dieser Schrift zu Christus und seiner Braut, der Kirche, das metaphysische Urbild der
D!e Theologie J oachims l~sgeschJCht~ enträtseln und enthüllen zu können. geschlechtlichen Vereinigung sieht, deutet die joachimitische Theologie
tet, und an seine Spek~:!tesentli.ch auf die Heilsgeschichte ausgerich- dialektisch. Die charismatische Kirche der zweiten Zeit verlangt nach
JOnen smd grundlegend geschichtliche. Die einem Sohn, der Träger ihrer Verheißungen sein soll: "Die Mutter
Kirche, schreiend in ihren Wehen, sagt beständig in ihren Gebeten das
-92- -93-
Wort, das ihr Urbild Rahe! zu ihrem Manne sagte: Gib mir Kinder, sonst d' . . gültige Gestalt des christlichen Geistes meint"'·
muß ich sterben" 19 • Die zweite Zeit trägt also ihren Sinn nicht in sich Weitend: al~ te em~; sttums unterliegt in der Entwicklung der G~­
selbst, sondern drängt nach Erfüllung in einer neuen Zeit. Die Idee der Die
h. Instltuft'?hn
hte au ' r dz:s,
te ht'np demselben Gesetz der Aufhebung (Hege!), wte
Entwicklung bestimmt den Verlauf, die Aufhebung (Hege!) und Folge sc IC h' chtlichen Ordnungen. .
der einzelnen Weltepochen und Heilszeiten: "Auf drei Weltordnungen alle a.ndere~ gesc ~ p tkirche durch die ecclesia spiritualis schildert
(status) weisen uns die Geheimnisse der Heiligen Schrift: auf die erste, Dte Ablosu~g er aps Oft bezeichnet Joachim die Ablösung der
in der wir unter dem Gesetz waren, auf die zweite, in der wir unter der Joachim als em t~~te~~ntk'rche18 1
als ein Übergehen, als ein transire "·
Gnade sind, auf die dritte, welche wir schoi} aus der Nähe erwarten, in Papstkirche durc Ie ." d kt . h mit dem Hegeischen Begriff der
der wir unter einer reicheren Gnade sein werden, weil Gott, wie Johannes Dastransire von .Joach~m au~~ebe~"sind. doppelsinnig, je nachdem sie
sagt, uns Gnade für Gnade gab, nämlich den Glauben für die Liebe und Aufhebung. ;rra~stre un h' htliche Seinsform oder ein Hinübergehen
beide gleicherweise. Der erste status also steht in der Wissenschaft, der den Eintritt m e.me ne~e g.es~~~ente umfassen also transire (Joachim)
zweite in der teilweise vollendeten Weisheit, der dritte in der Fülle der
Erkenntnis. Der erste in der Knechtschaft der Sklaven, der zweite in der ~ndd:~f~::en(~~~~i). ;;:~al .die ':erän~::::n d:i~r!:~~~e d~~t~:)e!!:
Knechtschaft der Söhne, der dritte in der Freiheit. Der erste in der schaft (daher kann transtre ~d~~;~~h bereits mitgesetzt, daß der neue
Furcht, der zweite im Glauben, der dritte in der Liebe. Der erste ist der zweitens ist in der Art der Ver n g. höhere creisticrere und reinere
ordo gegenüber dem vorangegangenen eine 'o o
status der Knechte, der zweite der Freien, der dritte der Freunde. Der 26
erste der Knaben, der zweite der Männer, der dritte der Alten. Der Stufe darstellt • • " • • der Theologie Joachims, oder besser: I!
erste im Licht der Gestirne, der zweite im Licht der Morgenröte, der Ebenso "~egeh~c~ . Ist. m . er Philoso hie Hegels die Ineinsset- 1I:
dritte in der Helle des Tages ... Der erste status bezieht sich auf den entscheidend JOachtmttlsch tst .'~ d 't dem ~ang der Weltgeschichte.
zung der Geschichte des Get~_es ~l t' die Einsicht in die menschli-
!j
Vater, der zweite auf den Sohn, der dritte auf den Heiligen Geist" 20 • Il'
Aus denselben Prinzipien der Liebe und Freiheit konstruiert Hege! Während der erste status ~ur ~e sc~e~e~a~weite status schon die sapien- tl
die Weltgeschichte im Hinblick auf ein Ende der Erfüllung. Hege! zeigt, chen Lebensordnungen besitzt, ~nn das göttliche Geheimnis, und lj
"daß die Weltgeschichte nichts ist, als die Verwirklichung des Geistes tia ex parte, ein besch~~nk;es -i;;~~e~n~~ectus, die Fülle der geistigen .
der dritt~ status ~at te p em. d alle Geheimnisse offenbar, und man
·.'l·

und damit die Entwicklung des Begriffs der Freiheit" 21 • In dem Gang
der Geschichte entwickelt sich der Geist aus der Knechtschaft zur Frei-
heit. Der Orient weiß nur, daß einer frei ist, die griechische und römische
Welt, daß einige frei sind, die germanische Welt weiß, daß alle frei sind.
Erkenntms. Im dntten s~atus s.m
schaut die göttlichen DmWge rtmcht
Spiegel in einem du~klen o • son e
::n
h . Rätseln und durch einen
rw~: sie an sich selbst sind, von
Die Geschichte des Orients ist das Kindesalter der Weltgeschichte, die Angesicht zu AngesiCht. . d G . t s" beschreibt Hege! die Ent-
Zeit der Griechen und Römer das Jünglings- und Mannesalter und die In der "Phänomenologie _es ets ~eistes In den Stufen des Wis-
germanische Welt, vornehmlich seine Epoche weiß Hege! als das "Grei- wicklungsgeschichte des. erschet~e~de~ nschritte und die historischen
senalter des Geistes" 22. sens sind die system~tt~ch~n ; a:ur:hdringen "·Diese Ineinssetzung
Bezüge untrennbar, wet~ ste eman der Gang-der Weltgeschichte, welche
Der Übergang vom alten zum neuen statusvollzieht sich in der Weise
der Aufhebung, deren Wesen Hege! bestimmt hat. Der neue status
wächst aus dem alten, im Schoß und Schutz des alten so lange heran,
der Geschichte des Getst~s mtt. :m
ird durch ihre identische Idee des
Joachim und Hege! gememsamh~s ' w d Hege! sehen im Geist nicht das
bis er die Schale des alten sprengt und eine besondere Gestalt d.arstellen Geistes ermöglicht. Denn Joac tmF un lt sondern das Prinzip der
. 0 d ·nzip einer ormenwe , . .
kann. "Soll der ordo, der sieht, daß eine solche Frucht aus ihm hervor- logtsehe r nungspn . h' ht D' intelligentia spiritua!IS memt
geht, Schmerz darüber empfinden, daß in ihm die teilweise Vollendung Verwirklichung der Hellsgesc ~~ e. ' \ Gott wie ihn die Mystik in
nicht einen zeitlosen Akt der m~ng m~ 'st bei Joachim und Hege!,
aufhört zu sein, wo die universelle Vollendung nachfolgt?. . . niemals,
niemals, niemals geschehe das der Nachfolge Petri, daß sie verfaule vor
Neid über die Vollendung des ordo spiritualis" 23• Das Ziel der Geschichte
einem Augen-Blick v.ollzi_eht,
auf Grund der geschtchtltchefnt d
"::s:::
Sl~e; Idee des Geistes, als das
g künftige Erfüllung also escha-
geschichtliche Ziel der Zukun un a1s zu '
ist das Reich des Geistes, und die Kirche des Geistes ist die zukünftige,
vollkommene uud reife Ordnung der Gemeinschaft. 'Damit hebt die tologisch gedacht. . . t f" Hege! das Innerste der Welt-
. G h' hte des Getstes IS ur h
Theologie J oachims den Anspruch der Papstkirche auf, die sich bis zum Dte esc
geschichte. Zum Wesen des Getstes geh"ort die Beweguno" und also auc
IC .
- 94 -'--
die Geschichte. Hegels W k -95-
Geschichte und eine Geschi;~te enthäl~ nicht. nur eine Philoso hie de
grundlegend geschichtli"ch . der Philosophie, sondern das Gap . t r die Versöhnung der Wirklichkeit überhaupt mit dem Geiste des Staates
"t . Wie kei Ph"l . nze IS so mit dem religiösen Gewissen, desgleichen mit dem philosophischen Wissen
n~r mi. deqoachimitischen G . ne I osoplne zuvor und läßt s"
dial~khschen Bewegung des e~hiChtst?eologie vergleichen. Das Ziel ~~h sich vollbringt" "·
P!emtudo intellectus. Das ab ~Istes I~t das "absolute Wissen" dr Die Exegese Joachims deutet das metaphysische Geschick Christi,
di_e "Ennnerung" aller sch~~ dso ute Wissen" wird auf dem Weg ' .. b Ie zu dem auch die Auferstehung gehört, als die Geschichte der Welt. Das
Dieser Weg über das agewesenen Formen des G . t u er ganze Leben Christi, sein menschliches und göttliches Dasein, ist Urbild
des Geistes, ist kein u!::~ses:::esen des Geistes, über ~;: ~e:~~~~c:tt. des Schicksals der Welt. Leiden, Tod und Auferstehung Christi vollziehen
?un~ des Wissens. Die Ge~chic ern. der ei~zig mögliche Weg zur Volle ~ sich auch an seinem Leib, am corpus christianum. Die Papstkirche der
'!!

i 'i: Ist fur den Geist nichts äußerlic~te Ist Heilsgeschichte. Die Geschich~ zweiten Zeit wird heimgesucht und stirbt ab, aber aus dem verfallenden
i !' als _eme Bewegung des Sich- e~, sondern der Geist ist zuinnerst corpus christianum entsteht der ordo spiritualis, in dem das corpus
v~rlauft mcht ins Endlose entwi?kelns. Die Dialektik des W nur christianum zu einer neuen geistigen Form in der ecclesia spiritualis der
die Erfüllung liegt. Inde~ sondern_sie strebt auf das Eschaton hi erde?s dritten Zeit aufersteht. Verfall und Reformation versteht Joachim ge-
volle Gestalt offenbart I"st dd~r GGeist das Ende erreicht dari·n en, da_rm schichtsdialektisch aufeinander bezogen 32 • Die Idee der Reformation,
I d ' 1e esch · h ' r se1ne das redire ad formam illam, will nicht die urchristlichen Formen direkt
. n en Vorlesungen zur G . Ic te des Geistes voll-endet "
die Ko_nstruktion der Phäuom:sc~Ic~te der Philosophie erläutert He el auf die gegenwärtige Kirche übertragen. Denn das redire ad formam illam
des Geistes reicht von Thales b"nopogie des Geistes"· Die erste E 1 ist nur eine similitudo. Es handelt sich um die Analogie eines früheren
punkt ?ei Proklus geschieht d" Is ~ok]us. Auf ihrem vollendeten ~0.~ e geschichtlichenstatusauf einer höheren geschichtlichen Ebene. Die Erfül-
U?endhchem, der irdischen ~~~ntike :Versöhnung von Endlichem ~n~­ lung liegt in der Zukunft und nicht in der Vergangenheit. Die evangelische
reicht. vom Beginn der christlic gottl~chen Welt. Die zweite E oche Urform ist nur ein Ansatz und unvollkommenes Gleichnis der kommen-
Neuzeit. In ihr geschieht auf ?en Zeitrechnung bis zum Begi/ d den Verwirklichung in der Herrlichkeit des Geistes 32 •
l~h~stlichen Kirche dieselbe Ve~~~~ höheren Stufe, auf der Stuf:
~c en, um in der dritten E o nung des Irdischen und des ..
d:; Ebenso beginnt für Hege! mit der Reformation die "Periode des
Geistes" 33 • Auch für Hege! sind Verfall und Reformation geschichts-
liehen Philosophie, von De;c:~: d~ plenitudo intellectus, in der c~r~!:= dialektisch aufeinander bezogen. Die Reformation ist aus dem Verderben
en_det zu _werden. Die Systeme ~e IS ~egel, z_uletzt durch diesen voll- ' der Kirche hervorgegangen. Ganz joachimitisch zeichnet Hege! das Ver-
~mfen die ~unächst nur geglaubt" Philosophie dieser letzten Epoche :, hältnis der katholischen Kirche des Mittelalters zur reformierten Kirche
en en begreifend, hervor" A gewesene Versöhnung wissend . i der Neuzeit. Das Prinzip der geistigen Freiheit entfaltet sich in der
i,
! Hegels, darin die wirkliche Welt~Volle_n ~nde steht das absolute Sy~t:: ,'• Kirche der Neuzeit. "Die einfache Lehre Luthers ist die Lehre der
Ist. Hegels Geschichte des Geistes _chn~thchen Sinne "geistig" geworden : Freiheit ... der Prozeß des Heils geht nur im Herzen und im Geiste vor.
~tel~e g:schlossen, sondern definit~st niCdht vorläufig an einer beliebiaen ,, In dieser Lehre werden so alle Äußerlichkeiten, die mannigfaltigen
Ier er Ist nun der Welt eist v un bewußt "beschlossen". " . ' Formen und Zweige der Knechtschaft des Geistes abgetan. . . Indem
Resu:tat~ller früheren; ni~hts i!e-!':rfmen. Die letzte Philosophie ist'~:: das Individuum nun weiß, daß es mit dem göttlichen Geiste erfüllt ist,
so fallen damit alle Verhältnisse der Äußerlichkeit weg. Es gibt jetzt
" Die fur Hege! in der Menschwerdoren, alle Prinzipien sind erhalten" " . ·.,
ßotthchen und menschlichen Natu ~ng Gottes beglaubigte Einheit de; . keinen Unterschied mehr zwischen Priester und Laien, es ist nicht eine
Klasse ausschließlich im Besitz des Inhalts der Wahrheit wie aller
~~n :ne;t.ufen des Geistes sind n~/~~ ~ Thema seiner Philosophie. geistigen und zeitlichen Schätze der Kirche; sondern es ist das Herz,
\~Ir . m eich Gottes sind das Ir . Ie eisen, wie Gott ewig Mensch
sohnt. Das Reich Gottes ist eine dis_che und _Himmlische endgültig ver- das innerste Bewußtsein, Gewissen, die empfindende Geistigkeit des
und absolute Geist herrscht D Wirklichkeit, darin Gott als der . Menschen, was zum Bewußtsein der Wahrheit kommen kann und kom-
Ph~e· Is · t I"d entisch
. mit dem · . as
t ;· R CIC
· h Gottes"
. · Religionsphil eme
der men soll, und diese Subjektivität ist die aller Menschen" 33 •••• "Das
1
Ph~losophie und mit dem "~ .e ect~ellen Reich" der Geschichte o~o­ Mittelalter war das Reich des Sohnes. Im Sohne ist Gott noch nicht
ReiCh des ~eistes ist die abso7~~terre~ch" der Phänomenologie"·
macht, Religion und die p . . .e Moghchkeit gegeben daß St
r: vollendet, sondern erst im Geiste; denn als Sohn hat er slch außer sich
gesetzt, und es ist also ein Anderssein da, das erst im Geiste, in der
I," rmzipien der Ph "I h" ' " aats- Rückkehr Gottes zu sich selber, muß aufgehoben werden. Wie das Ver-
' osop Ie Zusammenfall en,
hältnis des Sohnes ein Äußerliches an sich hat, so galt auch im Mittel-
-96-
-97-
alter die Äußerlichkeit. Mit der Reformation aber beginnt nun das
. ft verwirklicht, in einer kommenden
·m sieht seine Idee m derZu~un
Joachn~
Reich des Geistes, wo Gott als Geist wirklich erkannt wird. Hiermit ist . ·n Schwärmer, denn er erkennt
das neue, das letzte Panier aufgetan, um das die Völker sich sammeln,
wJsse~ Pha~e
Joach\ Vielleicht aber ist gar ke: d eröffnet und die Hege!

d~s G~se~~schließt. begm~\~~ keutsc~en


die Fahne des freien Geistes, der hei sich selbst, uud zwar in der Wahrheit WeltzeJ . der neuen Weltzeit, dJe e: essin die letzte
ist, und nur in ihr bei sich selbst ist. Dies ist die Fahne, unter der wir In Wahrhei: Idealismus bJs
dienen und die wir tragen. Die Zeit von da bis zu uns hat kein anderes wJssen. t" n Christentums. Es kundJgt sJc L nd der Ausbruch aus
des geJs Jge B h mit dem christlichen ogos u
~i~z~~~~u~e~hr;s~fanum der ~urof~:~~:h~=~~c~:~ Weltzei~ weiß, so
Werk zu tun gehabt und zu tun, als dieses Prinzip in die Welt hinein
zu bilden, mußte"
aber so,34daß dies noch die Form der Freiheit, Allgemeinheit

e Wi~ H~~~c~~~ : :d;:~nfae~g ~ieser _weJ~zei~;e~;:n~:n~:~:s~:~~~


gewinnen •

s~~~t i~c~ie Wende gestellt. -~ o~chi~s ::t~st~~~i~ zu entfalten be~n.nt


In der Dämmerung beginnt die Eule der Minerva ihren Flug. Hege!
meint in seinem berühmten Satz die Dämmerung des Abends, aber er

an dd die alte noch in ihrem v~Je; ge~~h zwei Weltzeiten inein~n~er,


trifft auch zu von der Dämmerung des Morgens. Am Anfang der Neuzeit SI er sich die neue WeltzeJ ere hichtlichem Anspruch un Jm .
und am Ende der Neuzeit, am Anfang und Ende der letzten Epoche der
Ausmaß besteht. So sc. Je ~n .. oachim grundlegend fur as
:~~e~iese Situation ?er coa~a~~o :.~~d ci:~n~ seiner Generationel~doe~~
christlich-europäischen Kirche, in der sich der christliche Logos in der un
Gestalt des Geistes offenbart, entstehteben dieselbe Schau der Geschichte.
Freilich am Anfang ist diese Schau vor-schauende Prophetie, am Ende t- dnis seiner eJgenen eJ . d ß um das Jahr
zurück-schauende Prophetie, nämlich Geschichts-philosophie.
E~d~t
Ve;s an ommt Joacbim zu dem Resultat, :ht und die ecclesia spiri-

f:~~~;f:c;;:~ 1~~:~~r;~~~-~~:~hp~esie~t ~~c: ~~i~:~b~;~~i:~:.~:i~,d~:


Hege! schreibt der Philosophie die Aufgabe zu, daß sie die Ereignisse latwn nk der katholischen Kirche zu. gder Hauptwerke Joacbim&
und Wirklichkeiten nach-denken müsse, die Prophetie aber muß die
Ereignisse und Wirklichkeiten vor-denken. Darum kann manchem
Joachim als Schwärmer erscheinen. Vielleicht, so meint Lessing in der
"Erziehung des Menschengeschlechts", daß selbst "gewisse Schwärmer
~~~~sten heilsge~c~ichWtlic~e\S~::~~f'u~d
dem die neue geJstJge e ~el .
er selbst aufgeru~e?r t~:
Durchbruch zu ver ~ en. .
ist,
des 13. und 14. Jahrhunderts einen Strahl dieses neuen ewigen Evan- euen Zeit der eccles~a spm~uahs ~~eltzeiten miteinander rmgen, Jst
~
~:r ~:s ~::t~~:~e mittelalterliche~~ ch:~~~­
geliums aufgefangen hatten und nur darin irrten, daß sie den Ausbruch . kenntnis, daß in semer Zelt zwei J oachims ". .
desselben so nahe verkündigten. Vielleicht war ihr dreifaches Alter der
eigentliche Impu}s für der
Welt keine so leere Grille; und gewiß hatten sie keine schlimmen Absich- Joachim steht beJ Lebze~ en ~ t m der bürgerlichen Gese sc. a h.
Iichen Kirch~, wie Hege!r J:::Je Ie~n: Schriften den;t Urt?il ~:r:U.~r~n~
ten, wenn sie lehrten, daß der Neue Bund ebenso wohl antiquieret werden
müsse, als es der Alte geworden. Es blieb auch bei ihnen immer die
Joachim versiChert, da . Korrekturen der Kucbe Jm K. he
nämliche Öconomie des nämlichen Gottes. Immer - sie meine Sprache . d immt etwmge h .. ·g von der 1rc ,
sprechen zu lassen - der nämliche Plan der allgemeinen Erziehung des unterwirft,_ un. nd. Wahrheit und zugleich ab angJ H ael vereini-

~oachi~e~ol~s~~,:~~:.~·z:e:::~ ::d ~:::t~o~~~i~e~~~


F i zu sem fur Je . b Ebenso kann es e" . .
Menschengeschlechts. Nur daß sie ihn übereilten; nur daß sie ihre Zeit-
genossen, die noch kaum der Kindheit entwachsen waren, ohne Auf- .:;eint .zugleich
gen, "Pnester " Das Schema der GeschiChte, we ltenden Ordnung

:~,fo.~~~~~~!:~::~:;~~~;l;l~~1~:::E;
klärung, ohne Vorbereitung, mit eins zu Männern machen zu können
glaubten, die ihres dritten Zeitalter würdig waren. Und eben das machte
sie zu Schwärmern. Der Schwärmer tut oft sehr richtige Blicke in die

~~~onärer Char~~teru~~ek~::~~~~s ~~:: .FJ:i~~~~~!10~~


Zukunft: aber er kann diese Zukunft nicht erwarten. Er wünscht diese
Zukunft beschleuniget und wünscht, daß sie durch ihn beschleuniget
werde. Wozu sich die Natur Jahrtausende Zeit nimmt, soll in dem B:wegung d(Fes
Augenblicke seines Daseins reifen""· verstehen Joac Im . · des Bestehenden ne . . · h
somit als eine beständige N';fa.t:~n Jen und Linkshegelianer, dJe m SJC d
Will man Joachim einen Schwärmer nennen, so muß man bedenken, Die junge Generation der h~m ua m ordo spiritualis erfüllt sehen dun
s:lbs~~i~~~~~:~iß~~ t'e~~r::: v~er hegelsc~e:us~:~n~:!~h~~t~~c;:~
daß er weder für ein himmlisches Jenseits schwärmt, wie so viele be-

!~nen,J~iehen die revolu~io?ären ~~~:;,;~~~z~er Spiritualen und Links-


geisterte Menschen der katholischen Kirche, noch für eine selbsterfahrene
neue Lebensform, wie viele Menschen der häretischen Bewegung, sondern
Joachims und Hegels. Die JUnge .
-98-
-99-
hegelianer ist bereits mit d S
. ~:r~~~r~~~l~~ra~~rJZ~ic3::a~s~h:~~;ftd::rf:~:et~~~~e~i~~~n~c~~i~:; Tv·po:togie der Geschichte, wie sie Joachim entwickelt, will nichts anderes
den Nachweis erbringen, daß jede Form und Äußerung des geistigen
folgt si~ mit der ihr selbstverstän~ .mittelalterlichen Welt aus und ver-
aueh dJe bürgerliche Gesellschaft d~JC~:" kGrausamkeit als Ketzer, wie
Christentums erfüllt und vollendet, was in den Anfängen der christlichen
stoßt. Feuerbach muß . Je m shegelianer aus sich h Religion als Offenbarung und Verheißung gegeben ist 39 • Das geistige
blich~eit" seine Erlang::g;~i~:~~er. "Gedanken über Tod und un:~:~~ Christentum ist für J oachim wie für Hegel die wahre Explikation der
in der urchristlichen Verheißung implizierten Idee.
auf emem Dorf dozie ozentur aufgeben und höch .
beständigen Streit mi~eri d.em selbst die Kirche fehlt. Ruge ves~prtn:at Wenn Joachim das Bild der ecclesia spiritualis zeichnet, in der alle
und . V e@erung und Pali . . r Jer liD Äußerlichkeit der Institution, des Sakramentes, der Schrift und des
U s~m e;such, in Dresden eine fr . Ak zeJ s~me Hallische Dozentur Amtes aufgehoben ist, legt er die Axt an die Wurzel der mittelalterlichen
p m. mcht em zweites Mal ins Gefä:Je . adernie zu gründen, mißlingt' . Kirche. Denn die ecc!esia spiritualis ist keine transzendente civitas
B:~~~ ~:~:r :~~ ~=r Sch~eiz und ~~~~i:~li~~~~e:~t f~~c~et er nacl; platonica, sondern J oachim verheißt die Geistkirche als geschichtliche
g;.~entur. enthoben, ~~~ s~:er~:~ik~!en ;e~logischen Ansicht~:~~~~! Größe der nahen Zukunft. Damit lenkt aber Joachim die junge Genera-
tion darauf, nicht mehr eine innere Reform der Papstkirche zu erstreben,
K l ~.sophJe zu habilitieren scheitert Vn f tr Marx, sich in Bonn für sondern die Aufhebung der Papstkirche durch die Geistkirche zu ver-
. to~ ments, flüchtet Kar! 'Marx vo~ Ler ~ gt von den Regierungen des wirkiichen 39 • Indem Joachim auf Grund der Generationenspekulation
Js ngland "· an zu Land, sein letztes Exil
die Zeit der ecclesia spiritualis für die nächsten Generationen berechnet,
gibt er einer Gruppe dieser kommenden Generation die Möglichkeit,
sich als Bringerirr der Geistkirche zu deuten und ihr Geschichtsbewußt-
sein an dem Schema der von Joachim vorgezeichneten Geistkirche zu
formen; noch mehr: er gibt einer künftigen Gruppe die Möglichkeit, den
Anspruch der Papstkirche zu ersetzen, den Selbstanspruch theologisch
und geschichtslogisch zu begründen, und nennt ihr die Gründe, um der
Papstkirche das Recht der geschichtlichen Existenz abzusprechen. So
schmiedet Joachim den zukünftigen Spiritualen die Waffen, mit denen
sie die Papstkirche bekämpfen 39 •
Joachim sieht die große Auseinandersetzung des ordo spiritualis
gegen die bestehenden Mächte in der Endzeit des zweiten Reiches, da
sich die Zeit des dritten Reiches vorbereitet, unter dem Motto von
Christ und Antichrist. So gibt Joachim einer zukünftigen Gruppe, die
sich selbst als Bringerirr der Geistkirche versteht, die Möglichkeit, die
Kirche, die sich gegen diesen Anspruch wehrt, als Antichrist" zu deuten-
flammendes Kennwort, das von den Spiritualen ohne Unterbruch an
Darrte, von den Hussiten an Luther und Münzer weitergegeben wird.

Geschichtlich wirksam wird die joaehimitische Theologie durch die


Spiritualen der Franziskaner, die in Ernst Benz 40 ihren bedeutenden
Historiographen gefunden haben. Das Werk des Stifters und der Selbst-
anspruch des Ordens, die geschichtliche Begründung seiner reformatori-
schen Wirksamkeit in der allgemeinen Kirche, setzt eine latente Spannung
und Hoffnung auf das Ende voraus. In das latente eschatologische Klima
der Franziskaner schlagt die joachimitische Prophetie blitzhaft ein und
formt die Vorstellungen der. Spiritualen vom Geist-Reich, von der Geist-
Zeit, und der Geist-Kirche 4°, Der Einbruch der joachimitisehen Prophetie
-100-
-101-
in. die franziskanische Frömmi . ..
~Je Spiritualen werden dadu gk;It schaff~ die Revolutionäre des Ordens
~~~;~o~en Ereignisse ihrer z:~t :~v~li~tJ~~ä:; daß sie ~ich selbst und
1
Geschichte zusammen. Das ewige Evangelium "ist das Evangelium, das
aus dem Evangelium Christi hervorgeht; denn der Buchstabe tötet,
Du h~ Je deuten, in ihrem Sinne wirke r du ung der Joachimitischen der Geist aber macht lebendig" 47 • Das ewige Evangelium ist also nicht
rc. ruch verhelfen... n un . so dem Kommenden zum
Die Gruppe d Fr . das Evangelium Christi, das identisch ist mit dem von der Kirche kano-
12 er anziskaner v p·
41 gebracht werden, wird on. I~a, wohin die Schriften Joachims nisierten Neuen Testament, sondern ein Neues. Joachim meinte wohl
;;~f,~f)tide. Ü~erall verbreiten s~:rh~~~:~ruppe d~r J?achimitischen mit dem ewigen Evangelium kein geschriebenes. Die Zeit des Ewigen
Evangeliums berechnet Joachim für die nächsten Generationen voraus.
m en SICh schon S . en JoachimitJschen Sa
Verbreitung unter Laien J;:;-en Joac~imitischer Ideen unter Laien rr;;?· Von dieser Zeit der Vollendung weiß sich Gerard nur noch durch wenige
~::ö~lic?t, und es ist wahrsc~~;:~c~Ie Ja~t~~rieWro.rden der Franzisl;an~: Jahre getrennt. Der zentrale Inhalt der neuen Zeit aber ist die Verkündi-
gung des Ewigen Evangeliums. So kommt Gerard zu folgender Gleichung:
. . rmse derfranziskanischen T . '. Ie Iedertäufer direkt aus
mitJsc~e Laien und Mönche bil~;haner hervorgegangen sind ••. Joachi- das Schrifttum J oachims selbst ist das Ewige Evangelium. Damit wird
von .Pisa aus über ganz Italien n reg_elrechte Konventikel, die sich aber auch die intelligentia spiritualis identisch mit der geschichtlichen
;s s~n;} meist Intellektuelle, die 'si~a;:ri)ICh u.nd. ~atalanien ausbreiten.
typologischen Exegese, wie sie Joachim betreibt"· Die intelligeutia
spiritualis ist also jener historisehe Sinn, mit Hilfe dessen noch Hege!
R~s~t eßen. ~_rgendwo in Südfrankre? ~oachimibschen Gemeinschaften es unternommen hat, die Göttlichkeit des Daseins zu beweisen.
H c er und Arzte und andere G b'l~c •:kommen viele Notare und
. ugo. z.u~ammen, um von der e ' ete m der Kammer des Frate,: Erst die zweite Generation der Spiritualen formt die Geschichts-
)oa~himitJsche Propaganda d SL_e?re des Joachim zu hören" <s D' theologie der Geistkirehe. Olivi Peter legt diese in einem Schreiben an
s.chJChten des Bürgertums r:r PI~Itual~n dringt aber auch in br;ite:: die Königssöhne von Anjou in nuce nieder und formuliert das Gesetz
die Anfänge. des Beginent~ms den. Jo.achii1_1it!s~hen Konventikeln lie en der Dialektik für Geschichte und Natur: "Wer die Ordnung des Uni-
Ist der geistige Grund des B ..Die Joachimitische Geschichtstheologg· versums bedenkt, dem tritt auf vielfache und überaus wunderbare Weise
gemeßt die A k 1 egmentums « In d B . 1e das hierarchische Gesetz Christi entgegen, das er selbst feierlich vor aller
Kreise de S r~ a Ypsenpostille Olivis die j, k ~n egmengemeinden Welt bekannt gegeben hat: wenn das Saatkorn in die Erde fällt und
w d . r pmtualen, kanonisches A ' e ann este Schrift aus dem stirbt, dann bleibt es selbst allein; wenn es aber stirbt, bringt es vielfache
erDen m die Volkssprachen übersetzt nse:en .. Auszüge aus dieser Schrift
Frucht" 49 • Die Dialektik vollzieht sich als Leiden, Tod und Auferstehung.
d er Wettstreit zwischen Do . 'k un gleich den Evangelien verehrt .
em Boden der joa h' . . mmi anern und Franziskane . . "Denn darin ist der universelle Lauf und Fluß aller natürlichen Ver-
die endzeitliche Füh~e::~tJ~~h_en Geschichtstheologie zum ~0":;1 auf änderung und Bewegung gegründet, daß der Untergang des einen die
tualen noch die Führerscha~t .m der ~irche. Vorerst suchen die S ~~ Zeugung des anderen ist und daß die stoffliche Größe durch das Formlose
m. Gefolgschaft des Papstes di~n de~ ~Irche selber und verteidigen a~ch zur Form hindurchgeht, und was noch wunderbarer ist, daß seine U n-
~:~le~i~~~he Iddee. d~s Reiches t~~~~~:;! :;re~ir~h~rg~n die Staufer•'. ·
förmigkeit zugleich der Ursprung und das Fundament der Formen ist."
Die geschichtliche Verwirklichung Gottes vollzieht sich durch den Gegen-
. . en Zeitheben Ans h nc . mit emem messia
:::~e:::;ll~~ in ~ine revolutio~~~cSit::fti;:;,od:J~:n das ::apsttum gege;
satz und die Negation, durch die corruptio, durch das Leiden und die
Formlosigkeit.
bleibt g .. n emer "Papstrevolution" gh gt Wird. Kaum kann Die Dialektik der Verwirklichung aus dem Gegensatz und der Nega-
trauisch ~~e~uber dem "linken Flügel" i:p~e~ en, Gdenn d~s Papsttum tion bestimmt das Wirken Gottes bei der Schöpfung. "Denn die Schöp-
W . er Tod des Staufe k . emem efolge Immer miß
f endung der Spiritual~n, den: j a~s~rs ermögli~ht erst die entscheidend~
fung erfordert es als ihr Fundament und ihr Vorspiel, daß Gott aus dem
re';, u;:' Sic~ endgültig init der ka:h~li w~rden die Kräfte der Spiritualen
Nichts sein Werk schaffe und daß die bereits geschaffenen Werke so
S . c on die erste Schrift aus d sc .en Kirche auseinanderzusetzen dem Machtwort des höchsten Gottes gehorsamlieh sich fügen, daß sie
S~~t~:t gegen den mittelalterliche:~~~eise der Spiritualen ist mit eine; sich, wie er will, auf seinen einfachen Wink aus jedem Ding in jedes
beliebige verwandeln" 49•
u / ' e~ J oachims unter dem Tit I· o essta~t verfaßt. Gerard faßt die
g~iu~er;~~~t ~ie mit ei~er Einleitu:g: ~:ss ~~'te Evtngelium. zusammen . Das Gesetz der Dialektik, der Verwirklichung Gottes aus der Gegen-
wart gilt nicht nur für den Bereich der Natur, sondern offenbart sich
m Sich die Leitmotive d . c. w.o; vom ewigen Evan- besonders deutlich im Heilswerk Gottes: in der Geschichte. "Daher kommt
er JoachimitJschen Theologie der
es auch, daß die Wurzel aller Gnade und der himmlischen und über-
-102-
-103-
himmlischen Kirche im Zentrum der humilitas und sozusagen im zen-
tralen Nichts ihr Fundament und ihren Zuwachs hat" ••. Die göttliche . himmlischen Dinge zu betrachten" "· Die
Kirche zu Ienk:n u_nd d:eneuen Zeit keine Geistmacht und kein Herr-
Papstkirche besitz~ '';;~e b'
Dialektik der Geschichte stellt sich dar durch den Tod und die Auf-
ehr Die Personalsukzession der Päpste
erstehung Christi. Das Gesetz, daß sich alles Lehen durch den Tod,
durch die Austreibung der alten Form vollzieht, gilt auch für das mensch-
schaftsrecht über ~e.b ';.';'r:::;::'ur den ordo spiritualis ... "Der R_uhm,
ist aufgehoben un u e d ihren Priestern bereitet war, wenn Sie an
liche Lehen. "Wir bestätigen es in unserem ganzen Leben und Ster- welcher der Synago?e un d f die Urldrche übertragen und auf
ben auf vielfache Art, insofern, als die Samen und Früchte, von denen Christus geglaub~ hatte~ dwu~ eh';;: welcher der Endkirche des fünft~n
wir leben, nicht Leben empfangen, es sei denn, daß sie zuerst sterben. ihre Hirten. So Wird auc .. e: h~n Papstkirche) bereitet war, auf _die
Vollzieht sich nicht auch unser erster Ausgang aus dem Mutterschoß so, status (wül sagen der romisc . a en die franziskanische Gelst-
daß wir in ihm ein gefängnisartiges Grab erhalten, aus dem wir dann Erwählten des sechsten statns (wü;hr~sg Ehebruches""· Weil sich die
endlich ins Licht heraustreten, als stünden wir vom Grabe auf und kirche) übertragen :verd~n, wegen heit ihrer Aufhebung in die Geist-
aus einem 50engen Kerker und düsteren Zuchthaus der Freiheit ge- Papstkirehe aus fle~schlicherh Trag Geistzeit widersetzt, ist sie jetzt d!e
schenkt? " Zuletzt wendet Olivi die Dialektik der Geschichte auf die k . he J. etzt in der angebroc enen
Heilsgeschichte der christlichen Kirche an, welche er nach dem Vorbild
m . . • .
Kirche des Antlchnst. . d' d' Iektische Geschichtstheologie auf d!e
Joachims in sieben Epochen sich verwirklichen sieht. Schon die Ur- In den Sekten wud Je ~a A t'christ zusammengestrichen''·
geschichte der christlichen Kirche bestätigt die Universalität der Dia-. einfache Gleic~ung von P.~~~;~;'~~~~~Do~c;'no die wichtigsten Gedanken
lektik der Geschichte. Denn "nach diesem wunderbaren Gesetz wurde· In seinem "Bnef an alle falls als Interpretation der Apoka-
die Kirche Christi im Schoß der Synagoge empfangen und brach in seiner Geschichtsanschauung, eben b t' mt Die Epocheneinteilung
bitterer Geburt durch und ging aus ihr hervor... Nach diesem Gesetz
und Plan ging auch das Volk Israel aus dem Feuerofen und der harten
lypse, ganz von i.oachimitischen Id:e:
v::r~r;;s ,;_ Die Institution ein:'r
Dolcinos dnrchzJCht das Thema He 'I dnung bestimmt sich jeweils
ägyptischen Knechtschaft hervor und teilte das rote Meer durch die . . 't . er neuen el sor . h .
neuen Heilszelt m1 em w· . t die Franziskaner SIC m
starke Hand Gottes und ging trockenen Fußes hindurch. So steigt auch durch den Verfall des alten status. ~~. eJ';;rneuerer des evangelischen
beschwingt das ganze Heer der Erwählten aus dem Exil dieser Welt und einer Zeit des allgeme~nen V~r;a~~ ~s o::elbrüder als die Erneuerer in
der tyrannischen Macht des Satans auf dem Weg des irdischen Todes Lebens ansahen, so WISsen SIC ~~ f h dem Verfall der Franzis-
wie durch die Mitte des Roten Meeres zu den himmlischen Reichen der letzten Epoche der Heilsgesch~c~ e ~a~ n Orden der Franziskaner
auf" • Die eigen.~ Gegenwart deutet Olivi, ganz von Joachim inspiriert,
50
kaner. Die Theorie des Verfallshwd~r auze Ge eschichte der Kirche steht.
als die Zeit der Offnung des sechsten Siegels und der Ausgießung der . t elchem auc Je gan b d
Schale des sechsten Engels "· angewendet, n_n er :" . h die Zulassung von Erwer un
Deutlich ist d!e Zelt R~nstantms ~~ur~ t ls der Termin für den großen
In nuce nimmt dieser Brief Olivis, der sich völlig im Banne Joachims Besitz, von Geld und EI~entum. ~·er r:ic~e und geehrte Kirche" der
bewegt, die Hauptbilder und Hauptfiguren der Apokalypsenpostille vor- Abfall der Kirche bezeiChnet. Je " . h ""
zweiten Zelt Ist von n ang a~ D I •: die Theologie der GeschiChte mit
weg, denn
52 diese nennt nur die Figuren der Endzeit mit konkreten . . A f die böse R1rc e · . .
Namen • Das Hauptproblem der Apokalypsenpostille Olivis ist die Auf- Sichtbar verbindet sich b~l ~.cm1 ostelbrüder verlassen den Weg
hebung der Papstkirche der zweiten Zeit durch die Geistkirche der dritten einer Utopie der Gesellscha t. Je h ~ten zur bewaffneten Empörung.
Zeit, die sich jetzt vollziehen soll. Was in der joachimitischen Prophetie der mönchischen .Propaganda. un: us:d rD~Icino in den Bauern ihre _Stüt~e
zukünftiger Anspruch des ordo spiritualis ist, wird in der konkreten Darum müssen dw Apostelbrude d t d . Mittelalters mehren sich d!e
Situation der Spiritualen kirchenpolitisches Programm "· Die franzis- suchen. In den letzten Jahrhun. er enDi:s Ideen Dolcinos bereiten die
kanische Geist-Kirche verlangt für die ihr zugeordnete Weltzeit dieselbe Bauernaufstände und Bauer.nknege. en Ende des vierzehnten Jahr-
Macht, wie sie die Papst-Rirehe in der zweiten Zeit für sich beansprucht 53• Bauernerhebung des Val ~s~~ vorfr~~~sischen Jacquerie, die ebenso
Die Männer des Geistes, "welche die klare Erkenntnis der Schriften hunderts folgt d_er ~ufru r er wird endlich aber schäumt Deutsch-
haben, sind würdig über den Prinzipat der Kirche erhöht zu werden rasch und gründheb medergemac~th d' t hindurch von Bauernunruhen
und die gerade und unbeugsame und unüberwindliche Macht als eine land auf, das ganze fünfzehnte Ja r un er
eiserne Rute zu empfangen, mit der sie die irdischen Laster der Völker
erfüllt •o. . Bauernaufstände des Mittelalters
zerbrechen und die Fülle der himmlischen Weisheit empfangen, um die Legitimiert werden d!e gr~ß:n N turrechts welches sich mit der
durch die Vorstellung des abso u en a '
-104-
-105-
christlichen Freiheit und Gleichheit, sowie mit dem Urstandsgesetz
bindet"· Das christliche Naturrecht wird meist egalitär und kommun;. ' .·· . Ii ion Jesu zu erneuern, und
stisch gefaßt, und sofern auch die Gewalt legitimiert werden soll, wird . Ordens das echte .christent~m, 1~~t~~o~sen verstanden ,., In de~
immer auf das Alte Testament und die Apokalypse zurückgegriffen. wird auch seine AbsJ~~~;o~er e~bstand zwischen ~ö~~;s;:~i~:n
Darum wollen die Mächte der Ordnung die zehn Gebote nur als "der ·• h des Lebens un d .
Juden Sachsenspiegel" gelten lassen, t!nd die Apokalypse erscheint verwischt, "Vereinfac ung . d wörtliches Verstän ms
Orgams~~gen' Befolgun~
••..• . ion Leidenschaft für die Urkirche unWortes und der Lehren
ihnen "als aller Rottenmeister Gaukelsack", während der bäuerliche Schrift, genaue des he Wiederholung des ap?·
Chiliasmus sich zugleich nach Moses und Johannes richtet 64• DasBündnis
vo~~~ens ~das U:.t~gru di~
der H_ei I -ndi e und gleichsam mec amsc nd auf den sich die
von Bauerntum und Chiliasmus kennzeichnet das ganze Spätmittelalter
stolls~~e~enen U~ter~c k~eene%ischen
Chr!sti, ist der gemeinsame außerordentlich
und wird besonders im Hussitismus deutlich. Eindeutig verlagert sich Sekten erheben,_ :Uit sich religiöse
die Idee des Reich Gottes auf die Utopie eines Reich Gottes auf Erden:
s~:~le ~~m~nte.'jene u~s~~te:i~h Joachimitisch~s
versc Je k" nen" n In den ZIC!en er e ßt diese meist unsiCher
"eine neue ideale Welt nimmt genauere Umrisse an und erleuchtet sie"".
groß ausdrücklich Gut,
Die Sekte versteht sich als Nachfolge der Urgemeinde (sequor), erst
~~~ ;~:r fD~:ini~~~ a~t~lawtsechen Gewohnhe~en ;~~
und so h"llt Im taboritischen Sturm m d d' italienischen Chihasten
durch das Ketzerrecht der Kirche wird die Sekte abgetrennt von der
allgemeinen christlichen Gesellschaft (secare). Wahrend die Kirche über- udie. Begharden, 1
wiegend konservativ und relativ weltbejahend ist und darauf ausgeht, de~ w:~m:~~is~:s~e~an ; de~tli~h ~i:f1r:~~::Jt~~~ ;~an:is-
w~rd
':'erd;i:
die Massen zu beherrschen und die ,Gesellschaft universal zu umfassen, K:Iegs. Täufertum, denn in diesem welche Troeltsch zwischen
sind die Sekten verhältnismäßig kleine Gruppen, welche darauf aus sind,
~~~~:r~~~ :~d vo~~o~~~:inv;;ä~fertum, nich~
flusse Im b I bt " Darum ist die Scheidung, f hlt und zerreißt alle
die Intensität des christlichen Lebens zu verwirklichen 66• Während sich
die Kirche den Staat und die herrschenden Schichten dienstbar macht · Mystik legt, das sieh..
geschichtlicl:~~kZs~~~~~D~~~~fieist e! bei d~n Tä: ~er;~~~.'~ue~~t h~::O
B chstaben das Gewicht g 1 g .
und so selber in die allgemeine Ordnung einbezogen wird, verhalten sich
die Sekten gegen Welt, Staat und Gesellschaft indifferent, duldend oder auf eme My Täuferturn

: !~.~:::':::'t:;";:.~·:::l?i~h;:;~·.;;;,";,~:·~:~;:;:~:
feindlich, und stützen sich daher auf die Unterschichten oder auf Ele- d n im Gegensatz zum u . D k und Franck, die am
mente, die sich im Gegensatz zu Staat und Gesellschaft befinden ''·
Und dennoch verbirgt die irdische Partikularität der Sekte ihre absolute
Universalität. Denn die Auflösung der Christenheit in solche kleinen, fühlt"· Die These von Albre d ß d' Wiedertäufer dJrect aus dem -
die entartete Massenkirche verlassende Gemeinden ist den Sekten selbst
mit der Vorstellung einer Herrschaft Christi über die Welt nur unter der r;~e:;:~~i~~~n~~~~~.u~:~~~;;~::~:~~~:n~:;~r!:~i~:s~~~::;:nm~~~~
Voraussetzung vereinbar, daß der große, von der Apokalypse geweissagte gegangen sind" 42, SICher esT~ufertum, emporschießen. Aber, unekten-
Massenabfall und 67 der Rückzug der Christenheit auf wenige Getreue jetzt S~~~ni-I~~~~so~~e~e~::mation ist nur k~t:!y~:~I7t a~sd":hr:stliche
i:E~~~; ~~~e~';r:~~hb~:;Ii~t·rg~~~~~~:~r:~~~~c~:~~o~~~g;:~~~h~ü~~i
die
eingetreten sei • Dieses Grundmotiv der Sekte wird allerdings nur in
den ekstatischen Höhepunkten der Häresie, etwa im Täufertum, offen-
bar "· Die Sekten sind kein Orden mehr, man haßt die Orden und will
keine Häupter; man will die Freiheit und Gleichheit der Urzeit , Die
Intensität des christlichen Lebens begrenzt die Kirche, welche die 69
all-
rechtlic ..end' r
schaft fur Je
Führ~ng
h 0 dnuna des Staa es
. ·
" Das Täuferturn WI
des christlichen Lebens . die den Absichten
Weise umformen, z· 1
gemeine Christenheit umfaßt, auf das Mönchstum. Das Mönchstum birgt
die Tendenzen im Raume der Kirche, die sich sonst nur in der Sekte
aber das c
Luthers un
~
h 'stliche Leben m emer
Zwinglis gerade entgegengesetz
R ein des Täuferturns ve
'~."tehen
t . t Motive und Je e,
sich sämtlich
. T f der Er-
Mittel und einzelne eg Vollkommenheit. Die au e .. . h
~d~al ~;meinde ~n~ s~ fufg!n~i~-
verwirklichen. An der Grenze zwischen Orden und Sekte steht die fran-
ziskanische Stiftung. Als Stifter eines neuen Ordens scheint sich Pranz . vom mittelalterlichen der Heiligen:
freilich nur in die Reihe seiner Vorgänger zu fügen. Die Entfremdung der wachsenen ist das Ban er uenz in die ReligwsJtat es r
Ordensbrüder von der Welt durch die völlige Armut scheint sich nur dem diese einzige Neuerung a;: Ko,~s:!d die Reformation in kemer. V~~
Grade nach von den· Intentionen früherer Ordensstiftungen zu unter- kanischen Chri~te~tu~ stlkWs~~ht, findet die mystische ~~~~~!~~
die
scheiden. Jedoch ist bei Pranz die Absicht unverkennbar, in der Form wandtschaft.
Täuferturn
mJtHe~~at
:>;",, Die Wiedertäufer sta:n~en ~::telorden
sind.
bereits seit eme
dreihundert J. a h r en der WirkungskreiS er
8
-106-
Die Sitten und Absichten der w· .- -107-
franziskanischen Tertiader und Ied~tau.fer stimmen mit der Regel d
~on Assisi derart überein daß d auc ffii~ der ersten Regel des F er und Ekstasen erfahren im täuferischen Chiliasmus eine Welt-
ubersehen ist. In alle '. . er genetische Zusammenh . ranz Gebundenheit: der über die Welt hinausdrängende Mut wird zum
mit dem Frau . k m spn?gt die Identität der täuf . h ang mcht zu
!~r:;:~;!~:~i,;iJn~ ~d~~e~re Welt, das Unmögliche gebiert Mögliches, das Unbe-
b I ZIS anertum m die Aug " N
a so uten Lebens vom Mönch t
ensc en Revolutio
en . ur weitet sich die Id d n
das Täuferturn ebend" . . s um auf die Gesamtheit ee es
/: 1 · Geschehen ... Überall, wo die schwärmerisch-mystische
··~~·"."t,onbew·e~zun~ emporzischt, ist Münzer dabei 85 • Hussitische Einflüsse
~nerlösten Katholizit~:.s ;~c~t v;rwi~klichen kann, verha~~~· e~ni~ ~eil unterwühlten Textilstadt Zwickau lebendig,
rneuerung des Sturmes der frau::ska!~fehrtum n!c.hts anderes als d~; wo Münzer im Niklas Storch begegnet. Seine chiliastisch- 'i
Isc en Spmtualen , •. uiboritischen Parolen und die Lehre vom inneren Wort wirken unaus-
Jöschlich auf Münzer. In Prag, wo Münzer den hussitischen Einschlag I
stark glaubt, ist sein Maueranschlag, den er deutsch, tschechisch und
lateinisch anbringen läßt, denkwürdig. Der Aufruf verrät, was auch
erhaltene Bücherrechnungen bestätigen, daß sich Münzer in jenen Jahren
mit Euseb, Hieronymus, Augustin beschäftigt. Unter seinen nachge-
Thomas M·· lassenen Schriften finden sich Taulers Sermones, die er zusammen mit
unzer, Theologie der Revolution der Theologia Deutsch besonders verehrt. Selbstverständlich sind ihm
die Schriften Joachims bekannt: "bei mir ist das Zeugnis Abbatis
Was _in der spiritualen M · . . Joachim groW' 86 •

g~we.sehn Ist, wird in der Theol/g~etikM_des Mittelalters innerliches Licht


d Ie. SIC nach au ß en wendet" S unzers
. . zur " verzeh renden Flam Münzers Theologie ist zuletzt ein einziges Aug in Aug mit Luther.
Geist-werden d W I
die Verwirklich~~ d:: . o ergibt Sich als K
zu!Jieich ein Weltlich-werde~ns:!uenz: daß das
me, Indem beide sich messen, vollzieht sich über sie hinweg die Entscheidung
zweier Prinzipien: der Reformation und der Revolution 74•
Bi~her nur innerli~h geh~;~:t~ ~~gleich sein Verlust an dieG;:~~sls~~~ Es wird meist übersehen, daß sich Luthers Reformation auf die
~e e~rt und erfüllen mit einero b~ung;n werden plötzlich nach auße~ Kirche bezieht und nicht hinaus will auf eine kirchenfreie Mystik und
w:i~c e~en. Das Urteil über Münzer :~tn eren. Wucht das geschichtliche Laienreligion. Die Kirche ist der Ort, wo der Mensch als Sünder der
Thom:e:~ü~:~~:tanmocmhtgefürchtet ist. o~~;!~:~h:~tstdna.tstenB, vtielleicht Offenbarung Gottes begegnet. Weil die ptolemäische Erde den Himmel
über sich hat als Wohnung Gottes, gewinnt alles, was auf ihr geschieht,
"t·· von Ern t BI es e übe
;oh~:nd~~t~:~~~:!~:: ~~t!~~:;rHserlfla~~~'.d:Ir:~s ~~~:~e~!~n:::~ AJ!'n·~
ne men als o gezwungen M··
symbolische Bedeutung. Die Gemeinde weiß sich als "Leib Christi", als
Mittäterin dessen, was Christus tut. Die Kirche der ptolemäischen Zeit
' ". es sonst in der Rirc . , unzer "ernster" zu ist die charismatische Kirche, die die Gleichzeitigkeit des Himmlischen
. Wenn Sich auch unreif z- hengeschiChte üblich ist" 74 und Irdischen in sich schließt. Die Gleichordnung vom Wort der Schrift
fmden, so ist sein Wollene d ulf,e unfd mono!Uanische Pathetik beiM .. und der Kirche setzt eben diese Gleichzeitigkeit voraus, die besagt, daß
Münzer auch Außerordentr ~ au das Absolute ausgerichtet •• ~nzer Unten und Oben Blick in Blick zueinander stehen 2 • Die Wendung vom
Illusi?nen. Wenn er auch ni~~tesbverlan~t, so zerschellt er nicht. bloßenn ptolemäischen zum kopernikanischem Weltbild vollzieht sich nicht
;~::~s~~ä~':r, ergrei~en und tat~r~~:~ v~~ ~:::: ~at, /ie Wirklichkeit:~
1 plötzlich und setzt sicher nicht erst mit Kopernikus ein, sondern sie
reicht weit bis ins Mittelalter zurück. Denn'och klammert sich im all-
so liegt d" den un geschickt ist, in den T" f d' a s er hochfliegt in
Ies aran daß Ie en es Volkes .. h gemeinen das Mittelalter noch an die Voraussetzung, daß der sichtbare
Entscheidend ist daß Me;: nur vo.n gärenden Halbheiten umgzub wu. Jen, Himmel über der Erde die Wohnung Gottes sei, während die Neuzeit
G . d ' unzer seme w· k e en ISt 83
re~~~~~o:är:~eE;echtgläub!ge Sekte b~:c~~~~eit ~c~t auf .eine klein~ diese zu Illusion gewordene Voraussetzung fallen läßt und bekennt, daß
die Aussicht nach drüben verrannt ist. Während im massigen, romanischen
Fürsten auf M.. erneute seme Zeit wendet Nicht g. n delrn siCh an alle
Turm die Einheit von Himmel und Erde gesichert erscheint, zuckt im
R evolution undunzers
Chili
Ausliefern
.
d . run os bestehen d"
ng, enn in seinem Wirk . d . Ie nervös aufwärts hastenden Turm der Gotik bereits die Angst um den
asmus m gewaltiger W . en sm soziale
eise verbunden. Orgiastische bevorstehenden Verlust des Himmels 88 • In der Zeit des Überganges
vom ptolemäischen zum kopernikanischen Weltbild wird das Abendland
-108-
-109-
von dämonischem Fieber geschüttelt, denn das Wissen um den Verlust
des Himmels, welches damals unmittelbar gegeben ist, wird zur ständigen ·• mi*l~~~r~~~h~uh~c ni~
in einer Weise, wie es. dihe
. K he die auf den Vor-
getan und löst
Versuchung, von sich aus die Brücken nach drüben zu bauen und magisch ~ .
chriS~~~h~? ;~~tud!
. des ptolemä1sc en . n und jedem über-
die Verbindung von Himmel und Erde wieder herzustellen, die meta- . . das Leben von jede; Menschen los"·
physisch zerbrochen war.
möglichen Bezug au_f die F{e? e~ ~~Ierr ist, lehret er nicht wie
Das kopernikanische Christentum, welches die Lage einer himmellosen I seinem Reich, darin Christus Komg un h ushalten Geld sammeln,
Erde anerkennt, greift darum das Sakrament der charismatisch-ptole-
mäischen Kirche an, welches die Einheit von Oben und Unten voraussetzt
"-~ sollen ackern, pflügen, säen, e_rnten,
WI. führen, Land und Leute regieren.
rn:' weltlich~nReich macht
J{neg . "II" " ft
der Kaiser Wie er ~~
und immer wieder in der Messe stiftet. Die Messe ist auf der koper-
nikanischen Erde Magie und Werk des Satans "· Innerhalb der pto- .1 h der Katholizismus übereinander stu '
Natur und Gna e, we e e ·r . he Erde keinen Himmel mehr
lemäischen Welt ist die natürliche Sittlichkeit das Werk des Menschen, "nd im Luthertum, da die kopernhi mm~ch ls fortlaufend alternierende
s1 . t t und verste en s1c a . . d"
über sich hat, ge r~nn o elte Moral verlegt Luther schließlich m Ie
durchstrahlt von der Nähe des Himmels, und sie versteht sich als
Gesichtspunkte. D~e d. PP . ehen den beiden Testamenten auf, so. daß
Antwort auf das Gebot des Himmels. Unter einem leeren Himmel aber
ist das Werk des Menschen gänzlich bedeutungslos für die Erlösung:
Bibel selber und teilt Sie ZWIS d G de zwischen Gesetz und Evangelium,
Auf der kopernikanischen Erde kann die Erlösung allein das Werk der sich der Riß zwischen Natur un na ' . Gott nicht schließen will "•
Gnade sein, zu der der Mensch nicht das mindeste beizutragen vermag. wischen Amt und Christ, zulet~t sog~ m Welt ermöglicht schließlich
Alle menschliche Erfüllung des Gesetzes wird gegenstandslos, ja wandelf ~ie völlige Emanzipation ~er preisg~g~ tene~rlos der Macht unterordnet.
sich unfehlbar in Werkgerechtigkeit und Werkmagie, sobald sich irgend die weltliche Welt, in der sich aller e~s h:: Kreuzestheologie und einer
ein Anspruch des Verdienstes mit dem Werk verbindet"· Während bei Der Protestantismus. schwankt so ~wiscWeltfreudigkeit. Er ist pessimi-
beinahe spießbürgerhc~ ~u nen~~l ee~ in der himmellosen, kopernika-
Platon, dessen Philosophie des Eros eben jene ptolemäische Einheit von
J;Iimmel und Erde voraussetzt, die Gerechtigkeit im öffentlichen, poli- stiseher als der KathollZlsmus: d f" die Seligkeit relevanten Werkes
nischenWeltdie Unmöglichk:I:st C:oe~r auch optimistischer, weil _er sich
tischen Lehen sich darstellt, ist bei Kant, dem Philosophen der koper-
nikanischen Erde, die Gerechtigkeit eine Angelegenheit des mit prak-
des Menschen erkennt, aber e d . d" ehe Leben seinem Urbild .an-
tischer Vernunft begabten Subjekts 00• So wirkt sieh im ptolemäischen befreit weiß von der Ford_erung, has ~~ ~~ie theologische Variante von
Katholizismus die "Wiedergeburt" auch als Heiligung des äußeren zunähern ••. So enthüllt SICh Lut ~r a s lb n Maße mächtig, wie sein
Machiavelli, und d_er s:aat wgl~::ns!o: aller tätigen Verpflichtung
Lebens aus, als wahrnehmbare Annäherung des empirischen Lebens an ,j
das Gott gemäße Gesetz. Dagegen kommt im Protestantismus, im koper- theologischer Machiavelh den
nikanischem Christentum, der Wiedergeburt kein irdisch positiver Sinn innerhalb der Sozietat e?thebt.". h re Reduktion des Dogmas, II
Die Reformatio? bnn~t emeH~~~er"~nd Erde darstellt, mit sich",
zu, der das Leben gestalten würde. Der Wiedergeborene, der Auserwählte.
bleibt immer, so lange er lebt, gerecht und Sünder zugleich. Und zwar welches die Stufenleiter zw1sch~n

lI
f d r Subjektivität des .Glaubens "j
Sünder seiner Sichtbarkeit, gerecht seiner Unsichtbarkeit nach. Wenn Das Dogma wird im Pr~te~tantJsmu~ aunm:nschen, das pro me Luthers, ·j···

neu begründet. Die Freiheit des C~nst:lehes konstitutiv den Grund der
auch Gerechtigkeit und Sünderturn in einem einzigen Ich beisammen f
sind, so sind sie ebenso scharf voneinander geschieden, wie der Himmel fügt sich in das Erwachen des Ic ' ~ G ade ist nicht mehr eine Sub-
von der Erde und wie die Erlösung von der Versöhnung. Zwischen menschliehen Struktur ve.ränd~rt. ~~~st nsondern der freie Lieb_eswille
stanz, die sakramental emzugie~e t" 'Damit entfällt jede Vermittlung
Gerechtigkeit und Sünderturn steht das Kreuz 89• Der Widerspruch der
R;formation gilt der Voraussetzung der ptolemäisch-charismatischen Gottes der sich im Glauben offenS a~ . t und hierin begegnet Luther !
Kirche des Katholizismus, daß der Mensch die Macht habe, aus einem
Sünder ein Gerechter zu werden, aus der menschlichen Sphäre in die
der Gn~de
durch Hierarchie und .a ram~~' Aber im Luthertum entfällt
l
den Tendenzen der spiritualen LatielnmVys 'm,··ttlung und um so stärker :1
göttliche hinein zu wirken. Deshalb lehnt die Reformation die theologia • 1"ICh-sakramen .a ed" M"tte
er ' freien Lie
. b eswi"11en
einzig die pnester das den
rückt das Sakrament des Wortes ',~ ': b~zi;ht sich im Luthertum aller
naturaUs der Scholastik wie auch die katholische Ethik ab, die dem sitt-
il:.'I

Gottes überhaupt erst offen~ar~ "ft Sdas allein den Willen Gottes ver-
lichen Werk des Menschen einen religiös-relevanten Wert zuerkennen 90• j
So verachtet der Protestantismus, insbesondere das Luthertum, das
Glauben auf das Wort der e n ' t d lutherischen Kirche, durch l
mittelt. Das Wort ist d~s ~a~~a~e;J.ekt~~ität und die Unabhängigkeit
werktätige Leben, die ganze arge, gänzlich vom Himmel abgeschnittene l
welches die luthensche Kirc e Ie
!..~;.·
1 '!!
Is:
I~

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-110-
-111-
der Anstalt vom Sub'ekt .
ei?e neue Kirche auf ~er h7:!":;l~erstellt. ••. Das Luthertum enicttbt
Kirche kann auch das Luth t se.n kopermkanischen Erde Ab ;;,nhe·ten die Weise zu reden: dies sagt der Herr. Sie sprechen nicht:
auf den p~~~.;:~;:;;:~o;·~~~:~~e,~rh~;;
der Herr gesagt, - als ob es vergangen wäre, sondern sie sagens
Zwang verzichten d . er um_ mchtChtrü;tenheÜit
k ' er eme äußerliche gegenwärtiger Zeit" 103 •
T~:d:z:~,z~~ela:,~s~irchlichen Organisation, die die erhält. Wird in der "Protestation" und im "Gedichteten Glauben" Luthers
I · . . Jungen Luther nicht f d N~tm<m noch nicht genannt, obwohl die Wendung gegen ihn deutlich
nqm~Ibon unterdrückt und die do . rem gewesen sind, durcll
verweisung, ewiaem Gef" . gmatischen Häresien mit L d ist, so enthüllt die "Ausgedrückte Entblößung des falschen
Die Freiheit" des Ch ~ngms und Tod bestraft "· an es- /hiaubeits" den Abgrund zwischen Lutber und Münzer. Darin predigt
F 1 nstenmenschen entb. d "mit dem. Hammer" 104. Denn die Schrift gibt Zeugnis, qie
esse n und begleitet die Geburt d I~ et die Seele aus ihre
s:chJrift:ge:lehrt€m aber sagen, sie gibt den Glauben. Viel verkehrter als die
l
m{~nshchen. aber besitzt das Zeichen :s I~h. MDie Freiheit des Christen~
Ire e, die das objekt' S ' m Ie acht und den Z Schriftgelehrten zu Christi Zeiten machen die neuen Schriftgelehrten
ständlich, daß unter d~;;:' Aakhrament vermittelt, zu brechen E:~ntg der einen Spottvogel aus dem Geist Christi und sind also kühn, daß sie
den · n auch der Refor t' · IS ver- "
·wagen,. schreien und schreiben: Geist hin, Geist her, ich lob mein
emporschießen, die mit der F . . ma IOn viele Christgemein Schreiben, ich habs getan" 105. So "werden denn die armen dürftigen
:.achGen w?llen, frei vom staatlichen r~~~eiht. des C?ristenmenschen erns; Leut also hoch betrogen, daß es keine Zung genug erzählen kann. Mit
Ie ememschaft der Christ Ierarchischen Zwang und d'
Ein äuß r h enmenschen auf F 'h . ' Ie allen Worten und Werken machen sie es ja also, daß der arme Mann
1 .. er ~c erkennbares Zeichen d' G ;ei eit gründen wollen. nicht lesen lerne vor Bekümmernis der Nahrung. Und sie predigen un-
we_ ehe m Sich die Forderun nach . Ieser ell_lemden ist die Spättaufe
~~eien Christenmenschen bir~t. Die e~~~tGe~e~nde von wiedergeborene~ verschämt, der arme Mann solle sich von den Tyrannen lassen schinden
und schaben. Wann wird er denn lernen die Schrift lesen, ja, lieber
deser. Gruppen, der Inhalt ihres S h au e Jedoch ist nur das Zeichen Thoma, du schwärmest .. Die Schriftgelehrten sollen schöne Bücher lesen,
eme~nde roo. So kann es nicht ausble' e nens aber ist die apostolische
und der Bauer soll ihnen zuhören, denn der Glaub kommt durchs Gehör"1os.
Ge~emde ausgerichtete Menschentu Ibe~, daß dieses auf die apostolische In der rasenden, "hochverursachten Schutzrede und Antwort wider das
gerät. m mit dem Luthertum in Gegensatz
All es gärende Sehn geistlose, sanftlebende Fleisch zu Wittenberg, welches mit verkehrter
d ..
Münzer,. der Aug in Au;nmi:sL~:h~ertums spitzt sich zu in Thonias
Weise durch den Diebstahl der heiligen Schrift die erbärmliche Christen-
das meme ernstliche M . r redet und bekennt· End!' h . heit also ganz jämmerlich besudelt""', faßt Münzer sein Urteil über
1 b emung· Ich d' . · " IC Ist die Lutherische Wort-Kirche zusammen: "Man wird euch fortan mit
g au en, der mit dem Luthers ni.t übe ~re .Ige emen .solchen Christen- einerneuen Logik bescheißen, mit der Täuschereides Wortes Gottes" 108 •
f{erzen der Auserwählten auf Erd re;n.stnn_mt,. sondern der da in allen
Die jetzigen Schriftgelehrten, und Luther ist nur der allerehrgeizigste
~f geborener Türk da wäre so hä~~ g ei~hformig ist. Und wenngleich Schriftgelehrte, tun nichts anderes als vor Zeiten die Pharisäer, "rfihmen
aubens, das ist die Bew~ un e er . _och den Anfang desselbi en
Prager Aufruf rückt Luth .g d!' des heihgen Geistes" 101 Scho 15. sich der heiligen Schrift, schreiben und klecken alle Bücher voll und
T er m Ie bed kl' h · n Im schwatzen immer je länger: glaube, glaube- und verleugnen doch clie
~e;n homas Münzer erzählt daß en IC e Nähe der Ablaßkrämer Ankunft des Glaubens, verspotten den Geist Gottes und glauben gar
r nung _Gottes, so in alle Rreatu~:r von gar keinem Gelehrten di~
überall nichtsH 109 •
wohl ?ehort von ihnen die bloß S h ~ ges~tzt, vernommen.' Ich hab
der Bibel als Mörder und D' b e c nft, die sie gestohlen habe Den Vorwurf Luthers, daß Münzer "wolle Aufruhr machen" no, wie
~u~de keinmal gehört habe~~.,~; ';;~~~e ~i~f:elber von Gott aus s~n~: es der Sendbrief an die Berggesellen beweist, nimmt Münzer auf und
begründet die Theologie der Revolution. Denn eines sagt Luther, "und
uc staben im Maul und das He;z . c n gelehrten haben den armen
davon. Ist aber das Wort . d Ist wohl über hunderttausend M '] das allerbescheidenste verschweiget er, wie ich klärlich vor den Ffirsten
ihr Geh . . Wie as Sakrament .t CI en ausarbeitete, daß eine ganze Gemeind Gewalt des Schwertes hab, wie
b . eimms wohnt nicht in ihr selbst ' so IS die Seele arm und auch den Schlüssel der Auflösung, daß die Fürsten keine Herren, sondern
~o~~ :?td ".die Herzen der Menschen d:~n~ern_ außer ihr. In Wahrheit Diener des Schwerts seien; die solltens nit machen, wie es ihnen wohl
I semem Finger . apwr oder Pergarn d
mit Tinte einschrei~~I~~e~~:er;~~k~are.n ~illen und eis~ gefällt, sie sollen recht tun. Darum muß auch aus altem guten Brauch
:eit ewig:i, das Volk daneben sein, wenn einer recht gerichtet wird nach dem Gesetz
ann, so er anders aufgetane V fn t em Jeglicher Mensch lesen
ernun t hat" 102 D h Gottes, ei warum? So die Obrigkeit das Urteil wollte verkehren, so sollen
. " arum aben alle die umstehenden Christen das verneinen und nit leiden, denn Gott
-112-
-113-
will Rechenschaft hahen vom unschuldigen Blut. Es ist der allergrößte
In der Sc~u~r~ 1't~ ~ng über Luther, der zuerst die Hilfe aller
Greuel auf Erden, daß niemand der Dürftigen Not sich will annehmen; d nd Antwort wider Luther rast tiefste Ent-
die Großen machens, wie sie wollen" llo. Luther will sich "mit Christo
in erdichteter Gütigkelt decken und saget im Buch von Kaufshandelung, .täuschung un r e . Elemente angenommen uud ihnen Hoff-

nungen machte und ~~= ~tärkere Seite des Fürstentums schlug. Da zu


daß dle Fürsten sollen getrost unter die Diebe und Räuber streichen. . t als es nicht mehr anging, auf beiden Achseln
Im selbigen verschwelget er aber den Ursprung aller Dieberei. Sieht zu,
zu tragen, swh auf . d' Aufständischen sich an Luther wenden,
die Grundsuppe des Wuchers, der Dieberei und Räuberei sind unsere
.Anfang des Baucrnknege~ IC d gibt beiden Parteien unrecht, schiebt
führt er gewürfelte S:pra~ e u~ristliche Leiden zu u•. Die Bauern aber
Herren und Fürsten, nehmen alle Kreaturen zum Eigentum, die Fisch
aber den Bauern a::ßln ·~·d:r Faust drein, so wird es für Luther deut-
im Wasser, die Vögel in der Luft, das Gewächs auf Erden muß alles ihnen
sein. Darüber lassen sie dann Gottes Gebot ausgehen unter die Armen
und sprechen; Gott hat geboten, du sollst nit stehlen; er dienet aber
fahren fort und grm en n;;. . d gewesen was sie unter dem Namen
lieh, "daß e~tel er!ogen m,~ sm rtikeln h;ben fürgewendet" 117,
des Evangehums m ~en zd\\'olf Ab . hen und mörderischen Rotten der
ihnen nit, so sie nun allen Menschen verursachen, den armen Ackermann,
Handwerksmann und alles, das da lebet, zu schinden und schaben. So Luthers Schrift: Wtder Je räu. ensc Erzteufel der zu Mübl-
er sich dann vergreift am allergeringsten, so muß er ~ilngen. Da sagt Bauern, richtet sie~ in ~onde~heit 'Ki~~~n B~:vergjeßen ~usrlchtet" m.
der Doktor Lügner Amen. Die Herren machen das selber, daß ihnen der bauseuregiert und mchts enn au Mün~ers Schutzrede. Auf Münzers
f
arme Mann Feind wird. Die Ursach des Aufruhrs wollen sie nit weg tun. Luthers Schrift ist d!e Antw?rt. a~ e·n wohlan!" us antwortet Luther,
Wie kann es die Länge gut werden? So ich das sage, muß ich aufrührisch
sein, wohlan t" 110 · "so ich das sage mu_ß I~h a~fruh~s~e: :U~n dessen bezeugen kann, schon
daß "ein aufrührensc er ense '. er am ersten kann und mag,
in Gottes und kaiserlicher A~bt ~{ td~ß ;;,nn über einen öffentlich auf-
Mit dem Riß zwischen den Testamenten, zwischen Gesetz und Evan- 1
gelium legt Luther den Schnitt mitten durch Christ.us hindurch. Der denselben erwürge_n, :ec~t uu wo hu b. des Oberrichter und Scharf-
Grund des Glaubens ist aber nicht der "halbe" Christus, sondern der rührerischen ist em Jegh~her ~~:·~ ' :~chter Mord, sondern wie ein
"ganze". "Wer .den bitteren Christum nicht will haben, wird sich am richter ... denn Aufruhr tst mc emu~ verwüstet ... ·das allergrößte
Honig totfressen" m. Mit schmeichelnder Gütigkelt verteidigt Luther Großfeuer, das ein Land anzunde~ ·ür en und stechen, helmlieh
die Gottlosen mit den Worten Christi. Luther "verachtet das Gesetz Unglück. Darum soll hier zus~h{;~ße~, nwda~ Giftigeres, Schädlicheres,
des Vaters und heuchelt durch den allerteuersten Schata der Gütigkelt oder öffentlich, wer da kann un e e~ e a~frührerischer Mensch" u•.
Christi und machet den Vater mit seinem Ernst des Gesetzes zuschanden Teuflischeres nicht sei_n kann, d:mn etn uf daß er das Gesetz des Vaters
durch die Geduld des Sohnes und verachtet also den Unterschied des Luther greift den Vorwurf Mü~zers aE 'nst des Gesetzes zuschanden
heiligen Geistes und verderbet eins mit dem andern, allsolange, daß d d Vater mlt semem r · ht
verachtet un en S h . Es hilft die Bauern auch mc ,
schier kein Urteil auf Erden bleibt und daß Christus allein geduldig sei, macht durch die Gedul~ des o nes. ~en alle Dinge frei und gemeine
auf daß die gottlosen Christen ihre Brüder wohl peinigten" ua. Zuletzt daß sie vorgeben Gen~Sis 1 und. 2, e:tauft sind. Denn im Neuen Testa-
weist Münzer Lnther auf sein Bündnis mit dem Fürstentum bin: "Du geschaffen und daß vm all~ glm~h gd steht unser Meister Christus
ment hält und giit M~ses n~c~~t ~~t:~nd:n Kaiser und weltlich Recht,
nimmt und stichlest den Namen Gottes Sohn und willst vou deinen 8
Fürsten Dank verdienen ... Du weist aber wohl, wen du sollst lästern I
und wirft uns mlt Leih un . ' . des Kaisers ist. So spricht auch
Die armen Möncb und Pfaffen und Kaufleut können sieb nit wellren. da er spricht: gebt dem Km~er, 'Was rmann sei der Gewalt untertan.
Paulus zu allen !'eta~ften Chn~en:;een~~hlichen Ordnung. Diese Lehre
Darum hast du sie wohl zu schelten. Aber dle gottlosen Regenten soll
niemand richten, ob sle schon Christum mit Füßen treten? m. . . daß Und Petrus: seid Untertan a er . ' vom Himmel geheut ...
du zu Worms vorm Reich gestanden bist, Dank hab dafür der deutsche Christi sind wir schuldig zu le~~b Wle dde~,;.a:;;i sondern die Seele""'"·
Adel, dem du das Maul also wohl bestrichen hast und Honig gegeben. Denn denn die Taufe macht mcht e~ ~.n ß ~uth~r die weltliche Obrig-
er wäbnete nit anders, du würdest mit deinen Predigen böhmische Ge- ·weil die Bauern "in:me~lort. to. en ·:'uutem Gew'lssen fahren soll""'·
schenk geben, Klöster und Stift, welche du jetzt den Fürsten verheißest. keit unterrichten, Wle S!e h!erm. llll J 'nschlagen Es gilt auch nicht
Die Obrigkeit soll mit g.ute"? G~::~~e~esr~~hwertes ~~d Zornes Zeit hier
So du zu Worms hättest gewankt, wärest du eh erstochen vom Adel
worden, denn losgegeben 114 ••• Mönch, willst du tanzen, so hofieren dir
die Gottlosen alle" ns. Geduld oder Barmherzigkeit. S I h underliche Zeiten sind jetzt, daß
und nicht der
ein Fürst den Gn.adeulZeltt
Hlmme m• 'inu ~ ~er~ienen kann, besser denn andere
-114-
-115-
mit Beten 122 ••• Darum liebe H
Erbarmet euch der arrr:en Leut err~n, laufet hier, rettet hier helft h.
die aus der Tiefe wirbeln, um das Ich zu überfluten. "Wenn ein Mensch
kann. Bleibst du darüber tot wo~i dtecShe,. schlage, würge hier, wer Ier
mehr erleiden H'1 ' Ir. ehgeren Tod kan t d . c s<ein•es Ursprungs gewahr wird im wilden Meer seiner Bewegung, wenn
Gebet ist recht ~nd e;usf~~~eg:~~ J:d~r fromme Christ A:::en. ~~:~~-
1
· er nun mitten im Schwang ist, so muß er tun, wie ein Fisch, der dem
. ott wohl, das weiß ich" 122 s faulen Wasser von oben hernieder nachgegangen ist, kehrt wieder um,
schwimmet, klimmet das Wasser wieder hinauf, auf daß er in seinen
I!! Münzers Theologie entbind . . · ersten Ursprung könne kommen. Das heiß ich die Langweil""', und
der Außerlichkeit und über t et SI~h d1e Seele von allen Schi k
sakramentalen Instanzen un renn ~lle Irdischen Mächte entwert ac en dieses Stadium der Langeweile muß der Mensch, der Einzelne und die
A1'run?: als Ankunft des GJ:ut:~:~~~ ~ef~nade als ihren'eigenen t7etfs~!~
Gemeinde durchschreiten, so sie erneut werden sollen. "Auch muß zuvor
das Volk ganz hart gestraft werden, der unordentlichen Lüste wegen,
~~it:.i:~~c~~!:h~~is~:so. ein~ringiichere s~!~~~ ~~~~ ~~n;;a~: Inst~nzen die also üppig die Zeit verkurzweilen, ohn allen bleibenden Mut zu
?~e ~eele Gottes "objek~l;~.n;:~:ßv~n ~akrament und Schrift. ~~~ k!: ernsten Betrachtung des Glaubens. Darum wissen gar wenig Menschen
IS ' as ~urch Sakrament oder Sch
Merkliche große Torh 't .
% en, w_o doch Gott kein "Objekt"
n vermittelt wird? .
von der anfänglichen Bewegung des Geistes zu sagen. Ja, drum ists
ihnen also spöttisch; daß sie die Langweil nit gekostet haben, durch
d ß . CI Ist es s I 't welche Gottes Werk allein gefunden wird" 128.
" a Jed~rmann meinet, Gott soll '.h o eJ et N!ünzer einen Brief ein Doch die Ankunft des Glaubens begleiten noch die schwersten Wehen:
so doch memand eilet zu leiden D I m gesc?wmd zu Hülfe. komm ' der tiefste Unglaube: "Moses wollte der lebendigen Zusage Gottes nicht
da kann auch d R . enn wo keme A t d ßn,
Glaube in die Se~~ ei:~;:::,ent C~risti nit aufgehe~r;'·~. ~u7e~st~s ~st, glauben. Denn in ihm mußte der Unglaube ganz hoch zuvor erkannt
Getön der Sorgen und L" et, mDu "das Ohr zu hören gefegt .a er werden, sollte er anders ungedichtet sich auf Gott verlassen, daß er
Pfl h us e. enn so . . sein vom sicherlich wüßte, daß der Teufel ihm keinen Hund vorm Lerben schlüg.
. ugsc ar vermag, mannigfaltigen W . wemg Wie der Acker ohne die Hätte doch Moses Gott für einen Teufel halten können, wenn er der
emer sagen, daß er ein Ch . . eizen zu tragen so we . k
e7~~än~lich wird, Gottes W~~~tu~d ;_,o ~r durch sein K;euz nic~~g zu:~~ Kreatur Hinterlist und Gottes Einfalt nicht erkannt hätte an der Ord-
nung, die in Gott und Kreaturen gesetzt ist" 129. Wenn sich ein Mensch
er CI et der Mensch das Wort or. zu erwarten". In der "Erharru
in die Schrift vertieft, "so wird er finden, daß alle Väter, die Patriarchen,
Gottes" Worten viel pochen .,;il~nd :•edm ?nversuchter Mensch, der m~f Propheten und sonderlich die Apostel, ganz schwer zum Glauben
fangen 12•. ' Wir mchts ausriebt d .
S . en, enn Wmd kommen sind 129 ••• Drum ists ein unaussprechlicher Jammer und gar
o 1st die Entgröbung d verdrießlicher Greuel, daß die ungläubigen Menschen wollen den Christen-
Glauben, was er will D as erst~ ~eichen: "Es schwatze ein .
nichts zu glauben, den~ si:n rwo!lustJgen Ehrgeizigen ist ganle~:r vom glauben den Leuten vorpredigen, den sie doch selber nicht haben erfunden
und vergiften dem heiligenp ;~~~e~,· whas _s!e selber nicht versucht h~b~ar
und erfahren, wissen auch nicht wie einem Gläubigen zumut ist. Sie
dazu kommt daß de M . Je eilige Schrift" 125 Eh n, wähnen oder lassen sich bedünken, der Glaub sei also leichtlieh zu be-
viele Wasser;tröme u:d densc~ semer Seligkeit gewiß wi;d" ko e es aber kommen, wie sie alle fast ruhmredig davon schwatzen. . . Mit solch
vergehet die Lust ~u lebe':s~ en~.ausamesBrausen,daßd~m:~e~ so leichtfertiger Zusag dichtet die trunkne Welt einen vergifteten Glauben,
schlingen manchen, der da 'me~:~ e~\Bbulgen dieses wilden Meeres'~e~~
der da viel ärger ist, denn der Türken, Heiden und Juden Glauben" "o.
man diese Bulge nicht fl' ' a e schon gewonnen D Denn jeder kann klärlich finden, wie der Unglaub entdeckt wird in allen
lehrten Schiffleut, denn ~~;::fi sonde.rn n:eisterlich .breche~ wia:~~ soll Auserwählten. Die Väter haben sich in der Furcht Gottes verteidigt,
geben, er habe sich d err Will memandem sein h . . e ge- "bis daß der Glaub des Senfkorns den Unglauben überwunden hat,
rung" 123 Die s h h Venn zuvor durchgearbeitet mit . eilig Zeugnis welches mit großen Zittern und Bekümmernis gefunden wird" " 0 •
. . o o e erwunde . semer Verwund
Im Abgrund der Seele W ;ung _gebiert und schafft den Durch e-
weito':~t G~~uben ga~; u:~ ~a~r n~~~:s~' P,~rchgang nicht gehabt,g~~;
Die Ankunft des Glaubens, wie sie Thomas ·Münzer schildert, läßt
nicht zufällig an jene Analysen denken, die Kierkegaard von der religiösen
d a mm der Verwunderun "b . Existenz gibt. Alle Analysen Kierkegaards zielen auf das Eine: den
urchdenDurchgangind'1 L . g u er den Glauben führt d
Diese Fahrt durch die Qu : 1 d:~g~':" ~Ile, d!e Qual der inneren Öde de~rS
1 1
o e g eicht den andrängenden W ee e.
Wtg Menschen aus allen Objektivitäten heraus zu sprengen und ihn ganz
auf sich selbst zu stellen. So ist der Mensch vor das Nichts gestellt, und
assern, damit überhaupt erst gestellt, nämlich vor die Entscheidung: entweder
-116- -117-

zu verzweifeln oder den Sprung in den Glauben zu · . scheidende, nicht ihr Inhalt, denn ihr Inhalt ist gerade sie selbst. Also
des christlichen Glaubens vollzieht sich als w· d hwtgen. Die Aneignung
sind das subjektive Wie und die Subjektivität die Wahrheit. Die Wahrheit
Kritik an der katholischen Objektivität ~-er ~-ng der .Iuthenschen
0

Christlichen weg, was ist dann Luth r v' ". Imm Je AneJgnung vom ist innerlich und nicht äußerlich, ein Wie und kein Was 1" .
und fühle in jeder Zeile den starken ~~lss~~~Ienst? Abe: schlage ihn auf
Weil aber die Wahrheit auf die Subjektivität gestellt ist, so ist in
das Papsttum nicht Objektivität und objekt~g ~r A.neignung · · · Hatte
der Aneigung des Glaubens der leidenschaftlichen Innerlichkeit auch das
Objektive, das Objektive das Ob'ekf . Ive estJmmungen und das Moment der objektiven Ungewißheit festgehalten. Das Stadium der
Aneignung, Innerlichkeit:' m LuA Ive Im Ü~erfluß? Was fehlte ihm? "objektiven Ungewißheit" ist identisch mit dem Stadium des "Unglau-
über Luther hinausgehend, der n~~~ P~~e m;b~bketr~etzt si?h Kierk.egaard bens" von Thomas Münzer. Objektiv hat der Mensch nur die Ungewiß-
wahrt mit A · " je IVItät Im Schnftwort heit, aber gerade dies spannt die unendliche Leidenschaft der Innerlich-
' " neignung und "Subjektivität"m G tt k . keit an, und die Wahrheit ist gerade dieses Wagestück, mit der Leiden-
nur offenbar werden durch die A . · o. ann Im Menschen
Innerlichkeit. Gott ist die Wah h n~gn~ng von Sei~e~ der s~bjektiven schaft der Unendlichkeit das objektiv Ungewisse zu wählen. Der Glaube
WemLein Mensch "niCht den Gl:u~' ' ~ ~r W~hrheit Ist Subjektivität. ist eine Kategorie der Verzweiflung. Der Widerspruch bringt die Leiden-
ist Gott da unera ht . en a ' so Ist weder Gott noch auch schaft zur Verzweiflung. Glaube ist gerade der Widerspruch zwischen
nur in der Subjekt~vi~t. Gott ewig verstanden, ewig ist""'· Gott ist der unendlichen Leidenschaft der Innerlichkeit und der objektiven Un-
Mit dem Maßstab der I r hk · . . gewißheit 136 •
tivität des geschichtlichenn~~r:~ten~~ zerbncht l_(Ierk~ga.ard ~ieObjek• Das Christentum, welches nach Kierkegaard die ewige wesentliche
Staat einerseits und in Theol . ms ~nd mi~t die m Kirche und Wahrheit verkündigen will, verkündigt sich gerade als das Paradox.
i
lichte Christenheit am Maßst O~Ied und Philosophie anderseits verwelt- Stärker kann es nicht ausgedrückt werden, daß die Subjektivität die
lichen Christlichkeit"'· Das re~ ... er E~tfremdung von der ursprüng- Wahrheit ist, daß die Objektivität nur abstößt. "Die Mitteilung des I
Leidenschajt, welche die 1800 J~~~:e:efu~l (Feuerbach) st.eigert sich zur Christlichen muß doch zuletzt mit dem Zeugen enden, denn christlich
I
gegeben und innerlich Je' . . . eg~chafft, als habe Sie es gar nicht verstanden liegt die Wahrheit doch nicht im Subjekt (wie Sokrates es I
keit. ·Das Höchste derg I~~~;~~t~1fr ":~r~ mi.t der ur~pr.ünglichen Christlich- verstand), sondern ist eine Offenbarung, die verkündigt werden muß" 137 •
die Leidenschaft. Der Leide~sch~ftm e;ne~ exiS~Ierenden Subjekt ist Aber eben Kierkegaard tritt nicht als Wahrheitszeuge auf, denn dies ist
nur einem Apostel erlaubt, nicht aber einem Genie 138 • Zeugen für die
l
,,
:l
Paradox. Daß die Wahrheit zum p den s?ncht d~e Wahrheit als ein
in ihrem Verhältnis zu ei'nem e .atr.a oxdwird, das hegt gerade begründet
XIS 1eren en Subjekt 132
Wahrheit kann der Apostel aber nur in der Gemeinde. Die Innerlichkeit
Kierkegaards aber bleibt immer auf die einzelne Existenz beschränkt. l
Notwendig stellt sich auf dem G
nach dem Kriterium der
·
. rund. der Innerlichkeit die Frage In seiner eigenen christlichen Kategorie als religiöser Schriftsteller wird I
,,
Problem im Text seiner Sch~~h~hezth ~nd ~Ierkegaard hebt selbst dieses Kierkegaards religiöse Existenz immer von der ästhetischen eingeholt,
nach der Wahrheit gefraat wir~rc wi!:rerrb:uc~ hervor: :·•Wenn objektiv. umklammert und entwertet. Darum wird Kierkegaards Glaube, weil er
einen Gegenstand reflekti~rt zu 'd d kektJv auf d1~ Wahrheit als letztlich Leistung seiner eigenen, individuellen Existenz als Genie ist,
0

wird nicht auf das Verhält~is ref:~f e~ rkennende sich verhält. Es zweideutig als persönliche Hygiene, die in der Überlegung endet, ob der
Wahrheit ist das Wah d e Ier ' sondern darauf, daß es die Mens.ch, wenn er leidet: "Tropfen nehmen" soll o·der "glauben" 13 9 • I
sich verhält, 'nur die W:~r~~it i:~ ~s s~ :erhält: Wenn dies, wozu es Auf dem Grund der Innerlichkeit bleibt ein Abstand zwischen Kier-
:Wahrheit. Wenn subjektiv nach ' as a re:. so Ist das Subje~t in der
jektiv auf das Verhältnis des I ~~\iVahrheit gefr~gt Wird, Wird sub-
kegaard und Münzer: Kierkegaard schließt sich auf dem Grund der
Innerlichkeit in seine eigene Subjektivität ein, während Münzer die Inner- I
~
Wie dieses Verhältnisses in Wahr~ ·'t turn~ reflektJe~t;. wenn. nur das
heit, selbst wenn es so zur Unw ~ ~s.t s~ Ihst das !ndi~Iduum m Wahr-
lichkeit als Grund des Glaubens für die ganze Gemeinde Gottes legt und
so die religiöse Existenz des Einzelnen (Kierkegaard) in die soziale
kommen daß der . b . a r ei S!c verhielte 134. So kann es Existenz der Masse (Marx) aufhebt. Die religiöse Wirklichkeit der Leiden- .l
Götzen ~nbetet; de~~~~de~:e~;t'; ~ahg'eit" zu ?~tt, obwohl er eine~ schaft des inneren Handeins (Kierkegaard) ist bei Münzer mit hinein-
und betet darum ,·n W h h 't" "~n nwahrheit zum wahren Gott, verwoben in die soziale Existenz der gesellschaftliehen Praxis (Marx).
. " a r e1 emen Götz D . Während am Ende der bürgerlichen Welt die Kritik zerfällt in eine Kritik
Subjektivität ist Entsche' d en an. enn nur m der
die Unwahrheit ist Die ~ ~~g, whogfegen das Wollen der Objektivität des bürgerlichen Christentums (Kierkegaard) und in eine Kritik des bürger-
. . ei ensc a t der Unendlichkeit ist das Ent- lichen Kapitalismus (Marx) 140, ist in Münzers Kritik an der Christenheit
-118- -119-

gleichzeitig und gleichwertig ihre religiöse und weltliche Existenz _ dem himmlischen Jerusalem. Doch das himmlische Jerusalem geht
troffen: Man kann ~uch: s~h~dbt Münzer an die Bergknappen, "v~~ und erleidet das Schicksal des echten, von Titus belagerten Jeru-
Gott mchts sagen, dieweil sie. uber euch regieren" 141. "Mit der Ankunft l ms. Damit verschwindet die kriegerische Richtung des Täufertums,
des Glaubens muß allen widerfahren, daß wir fleischliche irdis h saä~rend die friedlich abwartende, aber doch chiliastisch durchsetzte
Menschen sollen Götter werden. . . auf daß sich das irdische Le~ e w ter David Joris noch kurze Zeit lebendig bleibt. Schließlich aber endet
schwinge in den H~mmel" 142, eu
~~s Täuferturn in der "Ern~uerung" durch ll_feno Sin:ons 145. Die tä~fe­
rische Revolution macht "Ihren .schalen Fned~n mit der Welt, mc~t
ders wie im größeren Ausmaß emst das Urchnstentum, und sogar diC
a~ zeinen Weisen des protestantischen oder katholischen Ausgleichs
em . . I " 147
finden sich überraschend wwderho t . . ...
Die letzten Wellen des Täuferturns schlagen an die Kuste Englands
Zusammenbruch der christlichen Eschatologie und strömen in den calvinischen Protestantismus ~in 145. Das :uri~aner­
tum ist schon bei Cromwell und viel stärker noch m den amenkamsehen
Kolonialstaaten täuferisch durchsetzt. Denn vermög.e der gefor~erte~
Mit der Schlacht bei Frankenhausen ist das Wirken Thomas Münze Selbstzucht und dekalogischer Kontrolle ist das Puntanertum taufen-
nicht zu Ende, vielmehr erst in Münster, "im nachgespielten geistigst rs eben Einflüssen offen. So kann gerade auch die Proklamation der
· "143 1. t • en
Akt d.~s Bauern k r1egs , .äu e~ .zus?mmen, was Münzer gepredigt hat. ~enschenrechte und sogar die der Gewissensfrei.hei~ ~iner konfessio.n~losen
In Mrr.nster erst :lam~t .d1~ chiliastische Revolution blitzartig empor. Spiritualität im Schutz und Verlauf eines ra.dikahsierbaren Calvnusmus
Das Ta uferturn bncht 1~ Zur~ch hervor, wo die Reformation Zwinglis rasch geschehen, während das Luthertum a limine beiden Grun?prinzipie~
verzwergt, und verbreitet SICh ungeheuer rasch überall hin da es all der bürgerlich-demokratischen Verfassung fern steht 148 • Harnsous Regi-
um sich schart, was von der Reformation nicht befriedigt und enttäus ~: menter sind im Cromwellschen Heer der Sammelpunkt des Täufertums 149•
ist. Das sich von Zürich als Mittelpunkt fortpflanzende Täuferturn kre~ t Im Parlament der Heiligen suchen die Anhänger Harrisons Gesetz und
Münzer in Süddeutschland, und es ist wohl auf dessen starken Im ~ Gerichtshof zu beseitigen, um für die Wiederkunft Christi ein von aller
zurückzuführen, daß sich Waidshut und die mährischen Brüder auf e~u s Weltlichkeit befreites Volk zu bereiten. Darüber hinaus soll das Privat-
:um
b.~sc hl 'gt eren, ?h'l'
11ast'~~c h gravitierenden
. Kurve bewegen-142, mer
Die eigentum und alle irdische Autorität angesichts des k~~mend~n Reich
t~u!ensch~n. Ge~emd.en uberdecken ganz Mitteleuropa 145, und sinn- Gottesl4• zertrümmert werden. Das Parlament der He1hgen bricht aus-
fällig verCimgen Sich uberall katholische und protestantische Gewalt einander in eine gemäßigte Cromwellsche Majorität und in eine chilia-
um das Täufertum, das die Grundlagen der sich bereits selbst zers:~~ . stisch-radikale Minorität, an deren Spitze Harrison steht 149 • Während
zenden feudalen Gesellschaft erschüttert, mit Feuer und Schwert aus- die Führer der Leveller " 0 und der Digger m, deren Ideen noch auf
zurotten. Die habsburgerische Inquisition zerbricht die böhmische Resi- Robert Owen 152 wirken, so daß in England unmittelbare Fäden zum
denz des Täufertums. Reste des. böhU:ische~ Täuferturns werden nach modernen Sozialismus hinüberlaufen, schließlich bei den Quäkern
Unga.rn versp~engt: Von dort ve~Jagt Ziehen Ihre Nachkommen nach der Anschluß finden, stirbt Harrison, der Gründer der Sekte der Millenarier
Ukra:ne, wo die mähnsche Gem.emde Fäden zu russischen Sekten spinnt, oder Quintomonarchisten, nach blutig niedergeschlagenem Aufstand. i~
bis sie das Gesetz der allg.ememen Wehrpflicht im neunzehnten Jahr- festen Glauben, daß er bald wiederkommen werde zur Rechten Chnst1,
·hundert nach den Vere1mgten Staaten treibt, wo 1·etzt noch da· aufgerichtet wird das Reich Gottes. Damit verschwindet das revo-
.
MIssouri . 'h
1 re B ru derhöfe blühen, ihre weltabgeschiedenen
"
Koloni am lutionäre Täuferturn in England und terminologisch auch in Europa
abgesprengt und fast museal, ein wahres Ikarien des christlichen Soz~; aus den Wirksamkeiten und äußern Wirklichkeit der Geschichte. Die
Iismus" 146 •
Stunde des homo spiritualis hat geschlagen, und der homo oeconomicus
. Andere 'J'eile des T~ufert~ms fi~den Zuflucht in den Niederlanden. tritt in der bürgerlichen Gesellschaft sein Regiment an.
Diese .täufenschen
•t Splitter. fugen
. sich rasch zu einer neuen Sekte der In der lutherischen Reformation liegt aller Ton auf der Individual-
MI e chIOnen zusammen, die SICh für den Weg der Gewalt entsche'd t1" eschatalogie, denn die Sozietät ist der Welt anheimgestellt. Mit deutlicher
V?n dort schlägt der täuferische Blitz in Münster ein. Aufge~ü~lte; Spitze gegen den täuferischen Chiliasmus, der in der Augshurger Ko~­
Ta uferturn aus Holland, bald auch aus weiten Teilen des Reiches strömt fession ausdrücklich, wie einst der frühchristliche Chiliasmus vom Konz1l
- 120-
-121-
zu Ephesus, als jüdische Lehre verworfen wird, wird das Reich
als eiu rein innerliches gelehrt 153• . . S er verzichtet auf die Hoff-
'"el;iSDlU> vorsichtig nüchtern ble~en .. p;:hwager Horb zum Glaubens-
Erst im Pietismus meldet sich zunächst ganz schwach und ''' "üngsten Tag zu erleben, Ie sem
wieder die Hoffnung auf das Reich. Im Pietismus meldet sich das den} t 160 . h
der Sekte im protestantischen Kirchenraume. Freilich fehlt dem erhoben ha . . . . mus dem württembergensc en,
anderu großen Zweig des Pietis. ' seneinflußreichster Wort-
mus jene welthistorische Aufgipfelung mittelalterlich-täuferischer •.. Im di"e reichsgeschichtliche Theologie,Bdes I ,·eht die biblischen
tualität, die den Abbruch des weltlichen Regiments und die Stunde des B z ist161 enge s "
J ohann Albrecht enge . m elbüchlein an, nicht als ver-
Reich Gottes bläst. Der Pietismus erschöpft sich, vor allem in Deutsch.
Altert~r_n~r d::a~:c~richt
nicht als bloße Spruch- und Exe p ichts Ganzes herauszu-
land, in einer winkelhaften, nur kirchliche und theologische Kreise an. >:E_iüzc.enl''"te Überbleibsel des von der göttlichen
~~nge~i:o:~e~:~~~:~~~h~~~~; ~~sc~~echte vo':' ~~~~';!:~nzdu~e!~~~
154
gehenden Existenz • Wenn die protestantische Kirche auf der Offen-
barung des Wortes Gottes gründet, das sie mit dem Text der Schrift
ineins setzt, ist chiliastischen Strömungen neuer Antrieb gegeben. Die
~~~:;;inge durch alle Welt:;:~t~c~~n~~~~~c~lsj::::s biblische Buch ein
zusamme.nhän;e.n~e:nsJj~~er eige~e Ma~•e,; 1~1at,D~~
Schrift wird dann nicht nur als eine Summe der Weisheit Gottes ver-
standen, sondern auch als Theologie der Geschichte, und damit wird ganzes fur sie !S ' Schriftsteller seine
II E" Idee durchdrmgt a e .
die geschichtsimmanente Deutung der Apokalypse gefördert. Coccejus . ht doch Ein Geist durch a e, mDe k al . einmal die Erkenntnis
begründet in seinem Panergyens de regno dei diese biblische Theologie we . "bt · doppeltes en m , h
155 Heilige Schnft gi "em .. .. r von den Engeln, von Mensc en,
in den Niederlanden , mitten unter den Erneuerungsversuchen der von Gott, dem Schöpfer, Erloser, Troste 'd diese Erkenntnis ist die not-
von der Sünde, von der ~~~d1 ~s;;d ~eise der göttlichen Haushaltung
protestantischen Geistigkeit durch Gisbert Voet, Brakel, Witzins "'·
Das Reich Christi ist nicht mehr mit lutherischer Innerlichkeit identisch,
Menschengeschle~~\~~ d~rgRegierung
endigste. Dann aber auc w r . den e ·ebenen, erfüllten oder
sondern wird als göttliche Bewegung im Zeitlauf der Welt verstanden. ;: Erziehung des in des Volkes
zu erfüllenden Ver_heißungen ~~: let~ten:' 162. Das in Gott gegründete,
''ir Aus den biblischen Urkunden wird eine Geschichte des Reich Gottes
I' herausgelesen als Geschichte des in Stufen sich vollziehenden Gnaden-
I' von den ersten Zelten. bis zu lt und viele Ewigkeiten umfassende
die sichtbare und u~Sichtbare W~ler Werke, Taten und Offenbarung~n
1 bildes Gottes. Das Reich Gottes ist aber auch inwendig, und sein eigent-
111
i.l
Reich Gottes ist das mnere Ban~ doxen Luthertum versteht Bengel d:e
licher Sitz ist der menschliche Geist 157• So verbinden sich bei Coccejus
zwei Motive, das biblizistische, wonach schon im Alten Testament der
Gottes. Im Gegensat~ zum o.:t ~rkunde vom Reich Gottes. "So ':'e!t
Gnadenbund Gottes mit dem Menschen besteht, und das rationale, Offenbarung Johan_ms als d! . ht d" Buch mit seinem unvergle!Ch-
wonach das Verhältnis zwischen Gott und Mensch von Anfang an natür- das Reich Gottes reiChet, so weit ge lies_ blich nervosen Kürze. In der
lich auf das Reich Gottes angelegt ist 158. Im Pietismus kommt mehr I h lt nd in seiner unverg e!C
lieh reichen n a ~ . . 11 wichtigsten Geheimnis.se u~ spe
d ziell
das erste Motiv 158
zur Geltung, das zweite aber besonders in der Theologie -
der Aufklärung • Tat hält dies Buch m s1:h die a er d der Widerwärtigkeiten, durch
!
'il
sten Umstände des ReiChes Gott~~ 1~,n . .
welche es sich durchschl~~en ~~ift ~ischen sich bei Bengel m emer
Der "vergeistigte Chiliasmus" des Coccejus, der sich zaghaft darauf
beschränkt, die Erfüllung der Weissagungen in Vergangenheit und Gegen- Mathematik und Heilige c p . Johann Sebastian Bachs
wart nachzuweisen, aber immer furchtsam bleibt, für die Zukunft zu d . K taten und asswnen . der Musik
Weise die an Ie an .sehen Barocks mit
prophezeihen, weicht bald Unbedingteren Gestalten. "Als nach Brakel erinn;rt, der die Sehnsucht des prot~st::t~pokalyptischenSchriften 163.
ähnlich erfüllt, wie Benge_I mit se!~ocks zweideutig, denn ein großer
und Labadie der Chiliasmus unter Theodor Undereyck nach Deutschland
Freilich ist die Eschatologie de~tBa
verpflanzt wird, tritt neben die kirchlich gemäßigte Richtung, die von
sind persönliche Konfessionen
Campegins Vitringa und Friedrich Adolf Lampe fortgeführt wird, eine Teil seiner eschatologischen. Die ungen h te Ewigkeit in den Formen
radikalere. Der unruhige Agitator Heinrich Horche verkündet auf Grund
eines Menschen t ums, das die vage, 167 nIn Moscheraschs Saf Ire " Das
d kterse
eines ihm verdorrten Glauben~ en S h:.Vank die Situation des Welt-
von Visionen das nahe Gericht und findet in Samuel König, dem Haupt
des Berner Pietismus, einen Gesinnungsgenossen""'· J. W. Petersen jüngste Gericht" nützt der bittere carteter psychologischer Brauch-
und seine Frau machen 1685 die "Entdec]rung des Chiliasmus" und
gerichts als komische Lage _von u;~;, Beng~l ist unterirdisch m~t der
barkeit. Aber auch der Ch~hasmu d h sein mathematisches Mmstern
verbreiten ihn mit viel Lärm in zahllosen Schriften. Selbst Francke
wendet sich der Lehre zeitenweise zu, während Spener und der Hallische Aufklärung verbunden, "mcht nur urc dern noch durch gewisse ge-
der Geschichte und der Offenbarung, son
9

_________;
-122-

meinsame Lehren, die sich aus der pietistischen Gnosis Jakob Böhmes
und Weigels herleiten lassen" 159• Die Vorstellung vom "Säkulum des
Geistes" läßt sich sowohl als aufklärerisches "Vernuuftreich" wie als
chiliastisches "tausendjähriges Reich" deuten. Der Adam Kadmon der
Kabbala, welcher als kosmischer gesetzhafter Urmensch bei Jakob
Böhme wieder aufsteht, wird in der pietistisch-aufklärerischen Mystik
verweltlicht, indem aus der naturhaften Einwohnung dieses göttlichen
Gesetzes als "Christus" oder als "Jungfrau Sophia" in der Einzelseele
die innere Gleichheit aller Menschen und so die Gleichgültigkeit aller
äußeren Konfession gefolgert wird 159• Schou Peter Poiret zieht diesen Viertes Buch
Schluß, und die gegenkirchliche Polemik Dippels und Gottfried Arnolds
baut auf ihm auf. Johann Christian Edelmann vollzieht in den" Unschul-
digen Wahrheiten" endlich die ausdrückliche Gleichsetzung der Sophia-
Einwohnung mit den "eingeborenen Ideen" des Rationalismus 16s.

Literat ur hin weise


1 Rosenstock 23.
2
Reisner 1935, 99 f. 3 Rosenstock 3 f. 4 Balthasar I/25. 5 a. a. 0. DIE PHILOSOPHISCHE ESCHATOLOGIE
I/145. 'IV/342. 'Marx HM I/26. 'XII/235. 'Briefe I/408. "Löwith 464. u a. a. 0.
472. 12 a. a.180. 475. 13 HM 1{263. 14 Frick 136. 15 Grundmann 19 f. 1n a. a. 0. 43.
11 Benz 6.
22 Löwith 49.
Hegel~Lasson
23
II/722. u Benz 10. 20 a. a. 0. 9. 21 Hegel~Lasson 11/937.
Benz 21. 24 Grundmann llS. 25 Benz 23. 20 Grundmann 117. 21 Lö..
EUROPAS
with 47. a. a. 0. 56 f. u XV/689. 30 Löwith 68. 31 Enz § 552. 32 Benz 26 f. as Hegel~
28

Lasson·
9
11/87740f. a.s. a. a.410. 881. 36 § 86 f. 36 Benz 24. 37 a. a. 0. 33. sa Löwith 94 f.
a Benz 46 f. 46 175 f. a. a. 0.177. 42 Ritschl 1/30. 43 Benz 179. 44 a. a. 0.180.
~s a. a. 0. 181. Rosenstock 107 f. 47 Benz 245. 48 a. a. 0. 248. 4 & a. a. 0. 259. eo a. a.
o: 6
260. n a. a. 570. 262. 62 a. a. 0. 263. 53 a. a. 0. 291. 54 a. a. 0. 292. 55 a. a. 0. 293.
5 a. a. 0. 312.
63
a. a. 0. 357. 68 a. a. 0. 358. 59 a. a. 0. 361. sn BloCh 71. 6 1 a. a. 0. 69.
6z a. a. 0. 70. Troeltsch
68
4ll. 64 Bloch 52. 65 Volpe zit. Troeltsch 387 f. 66 a. a. 0.
362. 6?12 a. a. 0. 808. Bloch 241. 60 Troeltsch 391. 70 Ritschl I/13. 71 Volpe zit. Troeltsch.
391. Troeltsch 711
407. 73 Holl 42_4. 14 425. 16 Ritschl I/23. 16 a. a. 0. 31. 11 a. a. 0. 29.
1a a. a. 0. 32.
84
a. a. 0. 35. 80 Marx HM I/17. 81 Mannheim 192. 82 Bloch 134. 83 a. a.
86
0. 136. Mannheim 193. Freund 9. 86 Brandt 132. 87 a. a. 0. 65, 76, 77. ss Reisner
1935, 105. "a. a. 0. 95 132. "a. a. 0. 133. "Bloch 186. "E. A. II/199. "Bloch 181.
H Reisner 1935, 139.
100
Troeltsch 439. 96 Bloch 198 f. 97 Troeltsch 447. 98 a. a. 0. 453.
99 470. Bloch10679 f. 101 Brandt 71. 102 a. a. 0. 59 f. 103 a. a. 0. 61. 104 a. a. 0. 164.
m a. a. 0.169. a. a. 0. 168. 107 a. a. 0. 187. 108 a. a. 0.195. 10 9 a. a. 0. 189. uo a.
191 f. m a. a. 0. 129. 112 a. a. 0. 193. 113 a. a. 0. 197. 114 a. a. 0. 200.' m a. a. 0.
a. 0. 116
198.
1
Bloch 145. 122
m Freund 112. 118 Brandt 192. m Freund 113. 120 a. a. 0. 114.
12 a. a. 0. ll5.
121
a. a. 0. 116 f. 123 Brandt 62. tH a. a. 0. 126. 125 a. a. 0. 180. tu a.
a. 0. 167. a. a.1330. 146. 128 a. a. 0. 178. 129 a. a. 0. 127. 130 a. a. 0. 166. m VII/61 f.
1sz Löwith 490 f. Tagebücher I/284. 134 Vl/274. 136 Löwith 495. t3e VI/279. t3? Tage~
bücher I/407. 143Löwith 499. 1311 Tage~ücher I/400. uo Löwith 203. w Brandt 75.
138

uz a. a. 0, 170. Bloch 112. tH a. a. 0. 64. 146 Troeltsch 813 f. H 6 Bloch 117. w a. a.


149
0. 125.163us a. a. 0. 166. 154
Troeltsch 818. 150 a. a. 0. 821. m a. a. 0. 823. Hz a. a. 0.-
824 f. Nigg 214.159 Troeltsch 828. m Ritschl I/130. 156 Balthasar I/37. m Weiß
42. Hs a. a. 0.1643. Balthasar I/38. 160 Ritschl II/122. 161 Weiß 52. m. a. a, 0. 53.
us Nigg 283. 4 Balthasar I/33. 165 a. a. 0. I/39.

.
',,,,
~:!
Der Aufbau der philosophischen Eschatologie

Die kopernikanische Erde, üher die sich kein göttlicher Himmel


mehr breitet, istder Umkreis, in den die Geschichte seit dem Zusammen- i
bruch des mittelalterlichen Gottesstaates, seit Renaissance und Refor-
mation tritt 1 • Auf dieser himmellosen Erde ist auch das täuferischeReich I
Gottes errichtet. Weil der Glaube an das Drüben erschüttert ist, breitet
sich in diesem Umkreis auch die Alchemie aus. Zwar fällt die Analogie
des katholischen officium divinum mit dem chemischen magisterium ins
Auge, doch bleibt auch der Abstand sichtbar. Denn in der christlichen
Welt geschieht das eigentliche Werk der Erlösung durch den jenseitigen
Gott oder dessen Mittler. In der Alchemie aber, wo die Briicken nach
drüben bereits abgebrochen sind, muß der Mensch selbst das erlösende
Werk ausführen und schreibt darum den leidenden und folglich auch den
der Erlösung bedürftigen Zustand der im Stoffe gebundenen anima
mundi, der in die Materie eingehauchten Weltseele zu 3 • Das katholische
Werk des Menschen geschieht zu Ehren des erlösenden Gottes als Ant-
wort auf das Wort der Erlösung. Der protestantische Mensch verzichtet
auf jedes Werk zu Ehren Gottes, da er die ptolemäische Voraussetzung
der Einheit von Himmel und Erde nicht mehr hat, und stellt die Erlösung
der reinen Gnade anheim. Das alchemistischeWerk gründet positiv auf
der himmellosen kopernikanischen Erde und stellt die Bemühung des
Menschen als Erlösers dar, der die im Stoffe schlafende und der Erlösung I
harrende Weltseele erlöst. Der katholische Christ verdient sich ex opere
operato die Früchte der Gnade, der protestantische Christ, da er auf der
I
,,

kopernikanischen Erde steht und keinen Himmel mehr iiber sich sieht,
dem er sein Werk opfern könnte, läßt sich die Gnade frei schenken, als
reine Gnade. Der Alchemist hingegen erschafft sich ex opere operantis
ein Heilmittel des Lebens, das ihm die Gnadenmittel der Kirche ersetzt
oder das von Gott gewirkte Werk der Erlösung ergänzt.
So faßt Paracelsus, an der Wende zwischen dem ptolemäischen
Mittelalter und der kopernikanischen Neuzeit stehend, den Menschen als
Operator auf, der die unvollkommene Welt im "Auftrage Gottes" der
Vollendung entgegenführt. Doch "nur allzuleicht geht die alchemi-
stische Formel des deo concendente in ein deo accendente über. Die
transzendente Bindung löst sich in eine akzidentielle, wesenlose Bezie-
hung auf, die der werktätigen Selbsterlösung schließlich gestattet, sich
völlig autonom zu gebärden 4," was auch die Nachfolger des Paracelsus
tun. Die paracelsische Weltschau ruht auf dem Grund der joachimi-
tischen Eschatologie. Paracelsus erwartet die Wiederkunft der aposto-
-126- -127-

, lischen Gemeinde: ein neucs Volk ein neue fern er vom Subjekt selbst erzeugt worden ist 8• "Und die Methoden der
- Paracelsus glaubt an eine kosmisch~ w· d ~ Gese:z soll entstehen. Mathematik und der Geometrie, die Methode der Konstruktion, der Er-
ein vollkommen Neues umgewandelt Ie. e~~e urt ?ei der alles Alte in
zeugung des Gegenstandes aus den formellen Voraussetzungen eine_r
paracelsischen Heilserwartungen an die G::~hi~h:";;'Ifello~ knüpfen die Gegenständlichkeit überhaupt, später die Methoden der mathematischen
denn an mehreren Stellen spricht Paracelsu st eoi~S:Ie Jo~chims an,
Weltaltern, vom Zeitalter des Vaters, des So~ von den drei JOach~mitischen
Physik werden damit zum Wegweiser und Maßstab der Philosophie, der
Erkenntnis der Welt als Totalität 9 ." So erklärt es sich, daß die ganze
des Heiligen Geistes im Sinne der s irit l-f nes.und ':'om kunftigen Reich
- Paracelsus weissagt auch das Erschei ua d ranz:skamsche~ Eschatologie. philosophische Entwicklung der Neuzeit in stetiger Wechselwirkung mit
identifizieren ihn sogar selbst mit d r;;n t ~s Ehas, und seme Nachfolger der Entwicklung der Naturwissenschaften vonstatten geht, deren Ent-
Reparator omnium ist der große E ~ es a tEiiae. Elias, der Artist oder wicklung wiederum mit der sich ständig rationalisierenden Technik in
tion, der die verbo~genen Geh . r. e undd Kunder alchemistischer Tradi- Wechselwirkung steht.
. . eJmmsse es Kosmos d T . Der mos geometricus ist die Forderung der vollen Verstehtbarkeit
wird 5• Iu diesem Sinne rede . an en ag brmgen
Elias als dem Vorboten des~:~~~ ~~~t~osenkreuzer. vo~ d:'r Gestalt des
der Welt bis zum Ideal einer mathesis universalis, die etwa von der Astro-
zehnten und achtzehnten Jahrhundert a ters, u~d die Pietisten im sieb- nomie als "Weltformel" geboten wird 10• Das "Wissen" bildet selbständig
gleichen Quelle. Die pietistische L h nähren Ihr~ Hoffnungen aus der neue Kategorien des Seins aus: die Weltgesetze, nach denen die Wissen-
sich mit paracelsischem Gedank e r~ v~n der Wie.dergeburt verbindet schaft die Erscheinungen zu durchklären trachtet, sind ewig-zeitlos "in
-beleuchtet diese Zusammenhä en~~ . er Titel emer Schrift Dippels mcnte divina". Es entspricht einem "mechanismus metaphysicus", daß I
fene Schanze."
:c
Orthodoxie hinter eine von e~~eg ~~~rt.ig: "Retirade der lutherischen
n ei niZischen Ingenieurs aufgewor-
Gott die beste Welt gewählt hat 10. Die zeitliche Welt entfaltet die in ihr
präformierten Ideen bis sie sich mit den Ideen Gottes decken. So wird das
"Gesetz" des Fortschritts den übrigen naturwissenschaftlichen zugesellt
Leibniz steht an der Wende zwische I . . ohne daß fürs erste sein postulativer Charakter erkannt wird 10 • Das Ge-
naturwissenschaftlicher Welt h n a ~hemi~bscher Weltschau und
seinen Studienjahren in Nür a~sc ":ung. Eme.rs~Its bleibt Leibniz "seit setz des Fortschritts aber wird durch die Haltung der Zuversicht getragen.
Tradition in viel höherem G a~ erg e~ alchemisbsch-rosenkreuzerischen Das Einzelne muß seine Schranken überwinden. Weil sich der Einzelne j

geschichtlichen Darstellung;n ~e~~rpfh~h~.e;, als das a.us den philosophie-


mit das Zeitalter der modern N o;ge ~ . Anderseits eröffnet Leibniz
vollenden muß, dieses Leben aber dazu nicht ausreicht, wird die Annahme
der Unsterblichkeit "notwendig". Sowohl der lutherisch heilsgewisse,
l'
nikanischen Wendung" grün;~ a du~':nssenschaft, ?ie auf der "koper- wie der leibnizsche entwicklungsgewisse Mensch spricht überlegen: Tod
Kritik der reinen Vernunft gü~ti unb Je ~ant m. semer Einleitung zur wo ist dein Stachel 11 • Die Haltung der Zuversicht bezieht sich auch auf
alter die Erkenntnis nach den G g eschreJbt: Wahrend Sich im Mittel- das moralische Schicksal der Seele, das in den Theodiceen verhandelt
neuzeitlich-wissenschaftlichen ~~~:s~n~~n nchtet: ist e~ das Axiom der wird. Die Theodiceen, welche die Bestrebungen des Jahrhunderts von
nach der Erkenntnis des Subjekt ·1/si ' .. daß sich die Gegenstände Leibniz bis Nicolai in Theologie und Philosophie, in Pietismus und Dich-
Menschentum versteht die W lt s :'~t en mussen '· Das kopernikanische tung am besten wiedergeben, versuchen die "Ehrenrettung" des Guten
neuden Subjekt entstanden e~wamc mehr als unabhängig vom erken- und die "Widerlegung" des Bösen 12 ,
die Welt vielmehr als eigedes Pro;o~t ~oggeschaffen, sondern begreift In der leibnizschen Theodicee aber deutet sich tiefer eine neue Ge-
er~t von Kant, sondern gründet auf d. Iese Wendung stammt nicht schichtsphilosophie 13 an, in deren Mitte das Reich Gottes steht und die
mittelalterlichen Weltbild zum k u 'ker ,Wendung vom ptolemäisch- über Lessing an den deutschen Idealismus weitergegeben wird. Noch
nur die Folgen dieser Wendung f" o~~r~ amsch-neuzeitlichen. Kaut hat Hege! versteht seine "Philosophie der Weltgeschichte" als "die wahr-
eben jener Wendung entsteht ur Je .etaphysik ~lar bes.chrieben. Aus hafte Theodicee, die Rechtfertigung Gottes in der Geschichte" 14 • Leihniz
meint, daß die Menschen eschich:uch VICos Geschichtsphilosophie, der und der deutsche Idealismus fassen im Gegensatz zum dogmatischen
unterscheidet, daß wir di; . e sich d~durch von der Naturgeschichte Rationalismus die Irrationalität des Gegebenen als Aufgabe 15 • In der
Vom cogito ergo sum des e~=s~:~:~hft: ~~: a?dere nicht gemacht haben'· Weise der Mathematik, deren Aufgabe es ist, den zunächst als gegeben
über Hobbes, Spinoza zu Lei . u r em gra~er Entwicklungsweg erscheinenden Inhalt als erzeugt zu erweisen, wird auch in der Meta-
variiertes Motiv das Axiom i~tmzd dessen entscheidendes, mannigfach physik der Theodicee die Faktizität in Notwendigkeit aufgelöst. Diese
deshalb und insofern vom S b. kt akß der Gegenstand der Erkenntnis Grundtendenz der leibnizschen Philosophie wird in der Philosophie
u Je er annt werden kann, weil und in wie- Maimons als Auflösung des Problems vom Ding an sich und von der
-128- -129-
"intelli~blen Zuf_älligkeit" wied~r aufgenommen. Von Maimon aus gehen Schema der .aufklärerischen Kulturgeschichte ist die einfach auf-
entscheidende Wirkungen auf Fichte und durch ihn auf die spätere Ent- . Dt as·gende Linie nach den drei· Seelenkräten
f d es "a II gememen
. "Mensc hen
wicklung des deutseben Idealismus 10.
sb.ei teilt· Sinnlichkeit Einbildungskraft und Vernunft. Die Vernunft
In der Theodicee wird die Vorsehung mit "Entwicklung nach dem a · ged als ·Überwindung' der Vorstufen zum endgültigen · Gesch'Je ht szw
· I,
Gesetz d~r. Ver~unft:' und diese _mit der •;,Erziehung des Menschenge- Wir . .
das mit der Epoche der Aufklärung Identisch ~eset~ wir . t 'd12
.
~chlecht~ _Ide~tisch, m wel?her dte "Strafe nur als Durchgang sinnvoll Die unvermittelte Einheit eines extrem-geschtchthchen (t~leologts~h~n)
1st. Dam~t Ist.dte _Konstella_tw? der origenistischen Theologie wieder herge- d extrem-ungeschichtlichen (axiologischen) Moments btldet, wie tm
s~ellt. Wte bei Orzgenes Chnsthches und Antikes sich begegnen, so wird im 'l:lwelalter, das eigentliche Kennzeichen des _syster;ts de_r 1ufklär~ng.
stebzehn~en Jahrhund_ert die christlich apokalyptische Eschatologie mit E'ne absolute Ferne zu den letzten Dingen verbmdet steh mit emen natven
d~m stat~schen Weltb_IId der Wissenschaft in eins gesetzt, das sich über ~- hten von ihnen her, das auch den Chiliasmus trifft. Semlers Spott
dte Rena~ssance auf dte _Tr~dition der Antike beruft. Aus der Begegnung .. ~~r die J ohanneische Offenbarung mündet in Corrodis "Kritischer Ge-
von AntJk~m u~d Chnsthchem wird die origenistische apokatastasis ~chichte des Chiliasmus", die eine "Krankheitsgeschichte der Seele"
geboren, dte ZWischen der antiken ewigen Wiederkunft und der christ- beschreibt"· Die kritische Geschichte des Chiliasmus ist vom St~ndort
lichen Ausgespanntheit auf das Eschaton vermittelt. Die Lehre von der
· kulturselig deistischer Zeitewigkeit der Aufklärung geschneben. Retmar.us
"Wied_erb?-ng_unß ~II er Dinge" begeistert ebenso den mystischen Pietis- endlich zerstört die letzten Reste der christlich biblischen Eschatologte,
mus wi_e dte pietistische Aufklärung. Der Pietismus teilt mit der Aufklä- indem er das "Wunder" der Auferstehung textkritisch als "Betrug" der
rung dte Z~~ersicht bezüglich der endgültigen Aufhebung des Bösen 1s.
Jünger versteht. . .
Boh~e-Schul~r, _Petersen und Arnold und die meisten Anhänger des Indem der Rationalismus, wie die Scholastik des Mttte!alters, mtt
mystis~hen Pietismus verbreiten die Lehre von der Wiederbringung dem Anspruch auftritt, die universale Methode zur Er~enntnis des ~e­
all_e: D~nge, welche die Geister so ganz fesselt, daß sie allmählich die samten Seins vorzustellen, wird die Frage nach der BeZiehung des ratJ~­
Chihastischen Naherwartungen verdrängt und zum eigentlichen Mittel- nalen Systems zu den irrationalen Gegebenheiten des. Lebe~s entschei-
p~nk;, des ~schat~logisch~n Fragekreises in der pietistischen Aufklärung dend 1•. Denn ein jedes rationales System stößt notwendtg an dte Schranke
Wird. · Oetzng~r mmmt dte Lehre von der "Wiederbringung aller Dinge" der Irrationalität,._ So wird etwa die Vorstellung der Aufkläru~g _vom .,
m semen Schnften rückhaltslos an, will diese Lehre aber esoterisch he- gradlinigen Fortschritt der Geschichte durch die Tatsache moghcher ~
hande~t wissen~'· VonOetinger übernimmt sie Philipp M. Hahn, und so
geht sie auf weite Kretse des württemhergischen Pietismus über. Oetin-
gers nähere Erklärung v_on der Selbstverzehrung des Bösen weist deut-
Rückläufe und Entartung erschüttert. Als Symptom kann das Erdbeben
von Lissabon gewertet werden, das die ganze Welt der Aufklärung aufs i
heb a~f die Eschatologie des deutschen Idealismus, vornehmlich auf
tiefste erschüttert: denn mit einem Schlage wird es klar, was sonst v_er-
hüllt und verdeckt blieb, daß das System des Rationalismus a_uf et~e
I
Schelhng voraus. In seiner Sokrates-Apologie wird Eberhard zum Wort-
unüberwindliche, nicht erwartete Schranke gestoßen ist. Soll mcht d~e
fuh~er der apokatastasis-Lehre, und über Gottsched und Klopstock Grundlage der neueu Weltsicht selbst ins Wanken geraten, so m~ß em
sc?heßt steh der Kreis zur Aufklärung 12. Durch die Lehre der Wieder- neu es Schema der Entwicklung, das Fortschritt und Entartung verbmdet,
bn~gu~g aller ~inge wird aber die Idee von der ewigen Hölle wider- gefunden werden'"· Damit eröffnet s_ich ein~. ne~e Weise der Eschatolo-
spru?hhch und Immer mehr aufklärerisch-optimistisch verneint. Erst gie: die Geschichtsdialektik des Ideahsmus k_undtgt steh ~n.
Li:sszng. mmmt auf Leibniz zurückgreifend die Frage in ihrer ganzen Für die Geschichte des deutschen Idealismus aber tst es ausschlag-
Tiefe Wieder auf: an dieser Stelle zerbricht das Schema der Aufklärung.
gebend, daß die altschristliche Eschatologie, gleichsam unterirdisch und
Das Ge~etz des ~ortschritts, welches von der Haltung der Zuversicht apokryph, neben der Aufklärung im Pietismus sich f?rtsetzt, _und _steh so
getragen wird, betnfft vor allem auch die Geschichte, in der ja die Idee das Wissen vom radikal Bösen erhält. Wo das Gewtcht der IrratiOnalen
~es Fortsch:rtts n~he liegt. Aus dieser Haltung erwächst auch die eigent- Seite des Seins nicht gesehen wird, herrscht, nacb Meinung des deutsche_n
liche GeschiChtswissenschaft 12, die ein ungeheures Material erschließt
Idealismus, der philosophische "Dogmatismus" der Auf~lär~ng, ~er d;e
nud so d~m. aufklärerischen Menschentum eine Lebensgeschichte der Formen seiner Begrifflichkelt mit den Strukturen der Wt:khchkett natv
Menschhmt liefert, an deren Ende dieses sich selbst setzen kann. Voltaire gleichsetzt 21. Indem die Philosophi~ des deutschen Ideahsmu~ dte Illu-
ordnet als erster den Stoff der Geschichte nach dem Prinzip des immanen-
sionen des philosophischen Dogmatzsmus der Aufklärung zerretßt, stoßt
ten Vernunftgehaltes und schafft damit den Begriff der Kulturgeschichte. sie bald auf die Schranke der Gegebenheit, und wenn der deutsche
-130-
-131-
Idealismus die Welt in ihrer Ganzheit um .
nach Innen" gehen"· Vielleicht kl fas.sen Will, muß er den "Weg die Fragmente des Wolfenbüttler Ungenannten. In diesen Fragmenten
. enthüllt Schiller diesen Grund des da:~~s~hs die philosophischen Systeme · zertrümmert Reimarus endgültig die Grundfesten der altchristlichen
"denn, um es endlich auf einmal h . en Ideahsmus, wenn er meint: Eschatologie, indem er den historischen Jesus von der Idee des Christus
wo er in voller Bedeutung des W ·teraMuszusag~n, der Mensch spielt nur isoliert und die historische Gestalt Jesu in die Geschichte einordnet. Die
Mensch, wo er spielt" 2a. So wird or es ensch 1st
im de
·d ·
' u~ er 1st nur da ganz
' Auferstehung, die das Geheimnis des Christentums in sich beschließt,
Prinzip weit über die Ästhet'k h' utschen Ideahsmus das ästhetische wird als Betrug der Jünger dargestellt. Mit Semler und Reimarus weiß
Lebens gemacht"· In der Wel~ d l~us gespannt und zum Grund des Lessing sich in seinem Urteil über die Apokalypse Johannis einig.
in der Idee, kann alles innerlich ;:sch~~~~~ll~ng_ ab~r, in d~r Kunst oder Und doch, schon Hege! weist darauf hin, lebt Lessing in ganz anderen
fordert, die den Bann der Innerlichkeit e. sem, en? keme Tat ist ge. Tiefen des Geistes als seine Freunde und die Welt im allgemeinen es
gegnen sich die transzendent-theistische bTic~t. An diesem Punkte be- ahnen. Vielleicht verdeckt Lessings literaturgeschiehtliebe Stellung die
hstlsch-atheistische (Marx) S h (J_üerkegaard) und materia- Tiefen seiner Existenz, die sich in den theologischen Schriften, abseits von
1
der Philosophie. Ihre Kritik c ~uta s re~olutwnäre Kritik der Kunst und aller literarischen Tätigkeit, aussprechen. Allen objektiven Aussagen des
keit ein. Ununterbrochen wen~:tz . am . egelscheu Begriff der Wirklich- Glaubens hält Lessing sein Credo entgegen: "Womit sich die geoffenbarte
keit durch Vernunft zu begreifen ~eh KI~r~egaar~ dagegen, die Wirklich- Religion am meisten weiß, macht mir sie gerade am verdächtigsten".
keit fassen. Die Erhebun des f 't enn me ann em System die Wirklich- Denn "warum kann man ein künftiges Leben nicht ebenso rnhig abwar-
im System des deutschen~deali:~ um b;~tum der <;>egebenheit selbst, das ten als einen künftigen Tag? Dieser Grund gegen die Astrologie ist ein
allein entscheidenden Wirkli hk 'tus m~. er Negatwn identisch ist, zu der Grund gegen alle geoffenbarte Religion. Wenn es auch wahr wäre, daß es
hegelianern und Marx 2o Dc Cl vehr mdet K~erkegaard mit den Links- eine Kunst gäbe, das Zukünftige zu wissen, so sollten wir diese Kunst
. · enn auc d1e K 't'k
Tichtet sich gegen die von He el TI. 1 ~on Marx an Hege! lieber nicht lernen. Wenn es auch wahr wäre, daß es eine Religion gäbe,
Wirklichkeit, die Hege! nur i~ Bbeh;~p,~ete E~nhelt von Vernunft und die uns von jenem Leben ganz ungezweifelt unterrichtet, so sollten wir
zur Idee mystifiziert wird Idde Hegnl ~- versoh?t, womit die Existenz lieber dieser Religion kein Gehör geben" 28 •
Inhalt seiner idealistisch;n Ph'~ e~~ Ie Empme mystifiziert, wird der Mit einem Schlag stellt sich Lessing über beide Fronten: über die
das Hegeische System das f kt'l ohsoBp Ie "krassester Materialismus" weil Mathematik der Heilsökomanie Bengels, über die Phänomenologie des
· . a 1sc estehende ph'l h' h '
" di e Philosophen haben die Welt . I osop !Sc rechtfertigt: Jenseits Oetingers, die himmlische Topographie Swedenborgs, den ge-
darauf an, sie zu verändern'' 26 nur verschieden Interpretiert; es kommt sicherten dogmatischen Besitz der Wahrheit eines Goetze, aber ebenso
über Eberhards rationalistische Gegenbeweise und aufklärerischer Auf-
hebung der Hölle 29 • Der grundsätzliche Einwand Lessings geht über das
Daß der einzelnen Aussage hinweg und stellt ihr Wie in Frage. Es geht
gegen eine objektiv-gegenständliche Eschatologie, die sich als Wissen-
schaft gebärdet, für eine subjektive Innerlichkeit des Eschatons. Mit
Reimarus bricht eben jede metaphysisch-christliche Eschatologie zu-
Lessing sammen, und die Möglichkeit einer kantisch~transzendentalen Eschatolo-
gie taucht auf. Diese stützt sich nicht mehr auf die längst fragwürdig
i i gewordenen Krücken der Schrift und weiß sich auch nicht im sicheren
Inmitten des Kampfgewühls der W 1
listischer Aufklärung aufgeklä t ;. ta_nschauungen zwischen rationa- Besitz der aufgeklärten Wahrheit des Rationalismus, sondern die trans-
doxie nnd den ersten,Ansät rdemd Ietlsmus, protestantischer Ortha- zendentale Eschatologie setzt allem die Subjektivität als Grund voraus und
In Lessing wird die Frage :enh ~s eutschen Idealismus steht Lessing macht diese zur Bedingung aller Möglichkeit der Erkenntnis: als Selbst-
stellt: Wieverhält sichdasgeach. ~ Wesen der Geschichte bewußt ge~
1
8
erkenntnis, Selbst-apokalypse 30• Die Transzendentalphilosophie wird im
rischen Entwicklung des Ch ~\ IC 1 s ose Vernunftchristentum zur histo- deutschen Idealismus "geradezu Methodik der inneren Apokalypse" 30 •
hältnis besteht zwischen de~~~ entu~~ oder allgemeiner: welches Ver- Alle Apokalypse der Natur und Geschichte, alle Posaunen und Zorn-
Geschichte? 27 In der Ri ,pTion . es Systems zum Aposteriori der schalen, alle Weltbrände und neuen Paradiese sind nur die aufgeschla-
Zuflüsse ins Becken Natha::&ara~elr 1 ~1t~t Lessing alle geschichtlichen gene Bühne und Gleichnis, instrumentieren nur die eine wirkliche Apoka-
er e Igwsltät. Lessing veröfentlicht auch lypse, die des Menschen 31 •
L
'!
-132- -133-

Unter dieser Voraussetzung der transzendentalen Eschatologie kann Gute ist: so müssen die Polgen des Bös~n jenem auch in den Himmel
Lessing ,auf die exoterischen Gleichnisse der metaphysisch-christlichen achziehen und die Folgen des Guten diesen auch bis in die Hölle be-
Eschatologie zurückgreifen. Lessing beruft ,sich hiefür auf Leibniz, der :leiten; ein jeder muß seine Hölle n?ch im Hi~mel ~nd .seinen Himmel
"damit nichts mehr und nichts weniger tat, als was alle alten Philosophen och in der Hölle finden" 34, Erst Jetzt läßt swh d1e T1efe der letzten
in ihrem exoterischen Vortrage zu tun pflegten. Er beobachtete eine ~chrift Lessings ausloten, welche die magna charta des phil?,sophischen
Klugheit, für die freilich unsere Philosophen (der Aufklärung) viel zu Chiliasmus ist. In der "Erziehung des Menschengeschle.chts re1ht s1ch
weise geworden sind. Er setzte willig sein System beiseite und suchte Lessing zu den Größten der christlichen Theolog1e: Ongenes und Joa-
jeden auf demjenigen Wege zur Wahrheit zu führen, auf welchem er ihn him. Origenes ist der tragende Grund cler Erziehung des Menschen-
fand" 32• In diesem Aufsatz verteidigt Lessing die Ewigkeit der Hölle ~eschlechts. Denn die Leitmotive der origenistischen. Theol~gie: pronoia
in Form einer Verteidigung der Meinung Leibnizens. "Will ich Leibnizen und paideusis 36, durchziehen auch die Eschatologie Lessmgs. In der
in noch größern Verdacht bringen, daß er den Orthodoxen nur geheu- origenistischen Heilsökonomie gibt es nur den Weg der Erzieh~ng 31 •
chelt habe? oder will ich ihn in allem Ernste bis zum Ärgernis unserer Denn, wenn die Vorsehung Gottes darauf ausgeht, d1e Seele~ zuruckzu-
Philosophen orthodox machen? Keines von bei den." Jenseits von beiden führen, wobei aber auch die Freiheit des Menschen gewahrt bleJben soll, so
exoterischen Fronten der altchristlichen Orthodoxie und der rationali- gibt es nur den Weg der Erziehung 38 • Allein auf diesem :Veg k.an~ das
stischen Aufklärung stellt Lessing die Meinung Leibnizens. "Ich gebe es Ziel der Vollkommenheit aller erreicht werden, ohne daß dJe FreJhe1t ge-
zu, daß Leibniz die Lehre von der ewigen Verdammung sehr exoterisch kränkt wird. Deshalb wird bei Origenes wie bei Lessing Vorsehung,
behandelt hat und daß er sich esoterisch ganz anders darüber ausgedrückt pronoia, mit paideusis, Erziehung identisch. Die Erziehung der freien
haben würde""· Aber eben jener aufklärerischen Esoterik, die sich im Vernunftwesen durch die Vorsehung ist für Origenes das "Zentrale des
Besitz der Wahrheit weiß, zieht Lessing mit Leibniz die altchristliche Christentums", das "in jedem einzelnen Teile seiner Theologie zum Aus-
Eschatologie vor." Vielmehr bin ich überzeugt, daß sich Leibniz nur dar- druck kommt" 39 • Origenes denkt sich die Erziehung verwirklicht "durch
um die gemeine Lehre von der Verdammung nach allen ihren exoteri- die Schöpfung der sichtbaren Welt, durch die Philosophie, durch das Ju-
schen Gründen gefallen lassen, ja, gar sie lieber noch mit neuen bestärkt dentum durch den Logos, durch das Leben in der Kirche und durch die
hätte: weil er erkannte, daß sie mit einer großen Wahrheit seiner künftig; Entwicklung" 39 • Auf alle Probleme der Theodic~e gibt die Idee
esoterischen Philosophie mehr übereinstimme, als die gegenseitige Lehre. der Entwicklung Antwort. Die eigentliche Tat des Ongenes 1st "das
Er fand, daß selbst in diesem rohen und wüsten Begriffe noch mehr Christentum zum pädagogischen. . Ideahsmus umgef ormt zu ha ben" 40 .
Wahres liege, als in den ebenso rohen und wüsten Begriffen der schwär- Dieses "Resümee" des Systems des Origenes paßt vielleicht eher auf
merischen Verteidiger der Wiederbringung: und nur das bewog ihn, mit Lessing, denn sicher läßt sich die Eschatologie Lessings als pädago-
den Orthodoxen lieber der Sache ein wenig zu viel zu tun, als mit den gischer IQealismus kennzeichnen. In der "Erziehung des Menschenge-
Ietztern z.uwenig" 33• Mit Leibniz versteht Lessing unter den ewigen schlechts" entfaltet Lessing den päclagogischen Ideahsmus: "Erziehung
Strafen "Jene unzertrennte Fortschreitung, welche beide Stände, Him- ist Offenbarung, die dem einzeln Menschen geschieht: und . Offen-
mel und Hölle durch unendliche Stufen verbindet, ohne daß jemals barung ist Erziehung, die dem Menschengeschlechte geschehen 1st und
wede~ der eine, noch der andere seine relative Benennung verlieret" a4. noch geschieht" 41. "Was die Erziehung bei dem einzeln Menschen 1st,
DamJt steht Lessing schon in der Eschatologie des deutschen Idealismus, ist die Offenbarung bei dem ganzen Menschengeschlechte "". L essmg .
darin "die Hölle das Fundament der Natur, wie die Natur das Funda- stellt sich die Offenbarung als eine Erziehung des Menschengeschlechts
ment, di~ Basis .des Himmels ist" 35 • Denn "die gäugliche Scheidung, vor. Die Erziehung gewährleistet die Freiheit des Menschen, welche auch
welche d1e gememe Denkungsart zwischen Himmel und Hölle macht" die Offenbarung nicht kränken will. "Erziehung gibt dem Mensch_en
widerstreitet "mit dem Wesen der Seele, weil clie Seele keiner lauter~ nichts, was er nicht auch aus sich selbst haben könnte; ... nur geschwm-
E.mPfi?dung. fähig ist; das ist keiner solchen Empfindung fähig, die der und leichter, also gibt auch die Offenbarung dem Menschengeschle~hte
b1s m 1hr klemstes Moment nichts als angenehm oder nichts als unange- nichts, worauf die menschliche Vernunft, sich selbst überlassen mcht
nehm wäre: geschweige, daß 'sie eines Zustandes fähig sein sollte, in auch kommen würde" 43•
welc~em sie nichts als dergleichen lautere Empfindungen, entweder von Aus der Idee der Erziehung ergibt sich, daß die göttlich~ V~;s~h~ng
der emen oder von der anderen Art, hätte ... Wenn es wahr ist, daß der ihr Ziel in Stufen erklimmt. "Wie es der Erziehung nicht glC~ch.gul~lg )st,
beste Mensch noch viel Böses hat, und der schlimmste nicht ohne alles in welcher Ordnung sie die Kräfte des Menschen entwickelt; w1e s1e dem
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M:nschen nicht alles ~uf ein':'al beibringen kann, ebenso hat auch Gott (Joachim und Spiritualen) einen Strahl dieses neuen, ewigen Evange-
· bei der Offenbarung eme gewisse Ordnung, ein gewisses Maß halten müs- liums aufgefangen hatten, und nur darin irrten, daß sie den Ausbruch
sen" ''· Die Stufen der Offenbarung führen nach dem Sündenfall •• desselben so nahe verkündigten. Vielleicht war ihr dreifaches Alter der
w:Icher ~esagt, _daß der Mensch sich nicht auf der von Gott bestimmte~ Welt keine so leere Grille; uud gewiß hatten sie keine schlimmen Ab-
Hohe gle1ch alle.m halten konnte, zunächst über Israel Gott wählte s· 1 sichten, wenn sie lehrten, daß der neue Bund ebenso wohl antiquieret
. . l V I . . " lC l
em ~mze nes o k zu. semer besonderen Erziehung; und eben das unge- werden müsse, als der Alte gewor((en. Es blieb auch bei ihnen immer die
schliffenste, das verwi!dertste, um mit ihm ganz von vorne anfangen z nämliche Oeconomie des nämlichen Gottes. Immer - sie meine Sprache
k''
onnen H 46 : · . " D'.Iesem rohen Volke also ließ sich Gott anfangs bloß als
u sprechen zu Jassen - der nämliche Plan der allgemeinen Erziehung des
?en Gott semer Väter ankündigen, um es nur erst mit der Idee eines auch Menschengeschlechts" 54 •
Ihm zu~tehend:n Gotte_s bekannt und vertraut zu machen""· "Allein
wozu diese Erziehung emes so rohen Volkes, eines Volkes, mit welchem Die joachimitische ecclesia spiritualis ist keine civitas platonica,
Gott so gan~ vo_n vorne anfangen mußte? Ich antwortete: um in der sondern wird als eine kommende verstanden. Ebenso ist auch bei Lessing
Folge. de; Ze1t :mzelne Glieder desselben so viel sicherer zu Erziehern die Zeit eines neuen, ewigen Evangeliums nicht eine Utopie, sondern als
alle; ubngen Volker brauchen zu können. Er zog in ihm die künftigen eine kommende gedacht. Überhaupt ist das Wesen der Utopie vom
Erzieher des Menschengeschlechtes. Das wurden Juden, das konnten nur Chiliasmus zu scheiden, denn die Utopie gehört zu einem wesentlich
J_uden we~den, nur Männer aus einem so erzogenen Volke 4s. So weist
11
politischen Menschentum und entspringt dem politischen Geiste "· Der
die Geschlc_hte Israels auf Christus. "Ein bessrer Pädagog muß kommen Staat ist das Gefäß, darin sich der Sinn ((ieses Menschentums erfüllt. N ~r
und dem Kmde das erschöpfte Elementarbuch aus den Händen zu reißen daß in der Utopie die idealen Bedingungen, die, wie Plato sagt, allem
- Christus kam""· Inzwischen war aber auch der andere Teil de~ im Gedanken" möglich sind, künstlich erzeugt sind. So allein ist die
Menschengesch!echts, Griechen und Römer, "in der Ausübung seiner 'Gegenwart des Staates von seiner Idealität geschieden. Auch in der Idea-
Vernunft soweit gekommen, daß er zu seinen moralischen Handlungen lität der Utopie bleibt der wirkliche Staat Orientierungspunkt 55 • So
edlere B~":egungsgrunde bedurfte, als zeitliche Belohnung und Strafen wird es verständlich, daß das Griechentum und die Renaissance die
waren, dw Ihn b~sher geleitet hatten" ••. "Es war die Zeit, ((aß ein andres, beiden Höhepunkte in der Geschichte der Utopie sind. Morus nimmt in
wahres, nach <IIesem Leben zu gewärtigendes Leben Einfluß auf seine seiner "Utopie" wirklich antike Tradition auf. Im Chiliasmus dagegen
f!andlungen gewönne. Und so war Christus der erste, zuverlässige, prak- sind .nie die politischen oder der Politik ähnlichen Kräfte am Werke,
tische Lehrer der Unsterblichkeit der Seele" '' vielmehr die anarchischen. Freilich auch das chiliastische Reich ist "auf
_Die I_dee der E~ziehung bestimmt auch die künftige Entwicklung. Erden", und sogar sein geographischer Ort kann als irdisches Jerusalem
.._Die Erziehung hat1hr Ziel bei dem Geschlechte nicht weniger als bei dem angegeben sein. Trotz dieser "Ortsbestimmung" aber ist das chiliastische
emzeln. Was erzogen wird, wird zu etwas erzogen" 52. Mit noch grö- Reich kein irdisches Land mehr, und das scheidet grundsätzlich den
ß~rem Rech_t als von Origenes, der noch ganz andere Schichten in sich Chiliasmus von der Utopie ••. Ein Vergleich einzelner Ordnungen in der
b~rgt, läßt SI~h von Lessing sagen, daß er das Christentum zum pädago- Utopia mit den Ereignissen in Münster beleuchtet schlagartig ?ie V~r­
g!schell: Idealismus umformt. Ist die Idee des pädagogischen Idealismus schiedenheit von Utopie und Chiliasmus. Das tausendjährige ReiCh wird
von Onge~es h:r b~stimmt, so ist das Ziel der Lessingschen Eschatologie nicht gegründet, sondern es kommt, es liegt nicht irgeudwo, sondern es
durch die JoachimitJsche Prophetie geformt. Das Alte Testament und das ereignet sich, es wird nicht entdeckt, sondern es wird erwartet.. ,
Neue Testamen~ sind die Elementarbücher der Menschheit. "Aber jedes Der philosophische Chiliasmus ist anarchisch, und von Lessmg wird
Elementarb~ch Ist nur für ein gewisses Alter, das ihm entwachsene Kind der lebhafteste Widerwille gegen "das Lächerliche und Unseligmachende
lä~ger als die Meinung gewesen, dabei zu verweilen ist schädlich""· Wie aller moralischen und politischen Maschinerien" berichtet. In einer Unter-
Wir zur Lehre von der Einheit Gottes nunmehr des Alten Testaments redung kommt Lessing einmal so sehr in Eifer, daß er behauptet die ge-
entbehren können, können wir allmählich zur Lehre von der Unsterblich- samte "bürgerliche Gesellschaft müsse noch ganz aufgehoben werden,
keit der Se.ele a_uch des Neuen Testaments entbehren. "Sie wird gewiß und so toll wie es klingt, so nah ist es dennoch der Wahrheit. Die Menschen
kommen, d1: Zeit emes neuen, ewigen Evangeliums, die uns selbst in den werden erst dann gut regiert wer<len, wenn sie keiner Regierung mehr be-
Elementarbuchern des neuen Bundes versprochen wird. Vielleicht, daß dürfen""· Diese "innere Umwandlung" soll der freie Bund "der Edelsten
selbst gewisse Schwärmer des dreizehnten und vierzehnten Jahrhunderts und Weisen" herbeiführen, die sich über alle nationalen, religiösen und
)

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bürgerlichen Schranke.n hinweg im idealen Bund der Freimaurer die tionieren, das als Postulat nur im Laufe der Zeit v~rwirklicht ;;erden
Hände reichen. kann. Das Ideal ist nicht mehr die platonische Idee, die oben beheimatet
So klingt auch im philosophischen Chiliasmus das Motiv vom Reich ·st sondern liegt in· der Zukunft. In der ptolemäischen Welt, da die Erde
Gottes, das auf Erden ist, leise an. Dies Motiv des "auf Erden" wird im ~b~r sich einen Himmel hat, herrscht der platonische Eros, der oben und
Laufe der Geschichte des philosophischen Chiliasmus immer stärker. Bei unten einander nähert. In der kopernikanischen Welt, da oben und unten
Kaut laufen "die Ideen zu einer allgemeinen Geschichte in weltbürger- sinnlos werden, herrscht der Geist, der dialektisch vorwärtstreibt 1 • Die
licher Absicht" auf den "ewigen Frieden" hinaus, der gesichert wird Philosophie des kopernikanischen Menschentums ist die Philosophie
"durch den wechselseitigen Eigennutz ... es ist der Handelsgeist, der mit des Geistes, und schon im Ansatz erweist sich Kant als der 'Philosoph des
dem Kriege nicht bestehen kann, und der früher oder später sich jedes Geistes.
Volkes bemächtigt" 57 • Ist bei Hege] Welt und Geist im Welt-geist noch Während sich die Welt des ptolemäischen Menschentums im Dialog
im Gleichgewicht, so überwiegt bei den Linkshegelianern das Moment von Ich und Du vollzieht, Gott und Mensch in Rede und Gegenrede
der "Welt": der Geist der Zeit wird zum Zeitgeist (Ruge) und der Welt- stehen, Himmel und Erde Partner eines Zwiegespräches sind, ist alles
geist zur Ideologie der Welt (Marx). . Wort im kopernikanischen Menschentum ohne Ant-wort: Monolog'·
Fritz Gerlieh hat als erster das marxistische System unter dem Prin- Weil der Raum unendlich und leer wird, bewegen sich darin nur tote
~ip d".s .Chi!iasmu~ du.rchleuchtet. "Für den Nachweis des Ursprungs aber Körper nach unabänderlichen Gesetzen, die nur die G~setze .der a~to­
Ist notJg, daß wir die Verbmdungsstücke zwischen Lessing und Marx nomen Vernunft des kopernikanischen Menschentums s1nd. Em Objekt
aufzuzeigen vermögen. Sie sind bezeichnet mit den Namen Kant, Fichte, kann vom kopernikanischen Menschentum nur insofern erkannt werden,
Hege! und Weitling. Mit Hege! als dem Lehrer von Marx sind wir dann am als es von ihm selbst erzeugt worden ist. Dem kopernikanischen Men-
Ziele, nämlich dem Marxismus, angelangt. Läßt sich diese Brücke von schentum, Baco von Verulam, Galilei, Torricelli wie später allen Natur-
Marx zu Lessing schlagen, so ist damit auch die Verbindung zum Chilias- forschern "ging ein Licht auf". "Sie begriffen, daß die Vernunft nur das
mus gegeben, auf dem Lessing fußt. Dann ist der Marxismus nicht nur einsieht was sie selbst nach ihrem Entwurfe hervorbringt, daß sie mit
dogmatisch, sondern auch historisch als ein Kind des neueren Chiliasmus Prinzipi~n ihrer Urteile nach beständigen Gesetzen vorangehen und die
erwiesen 58 • Freilich bezeichnet Gerlieh einseitig und sehr stark verein- Natur nötigen(!) müsse, auf ihre Fragen zu antworten, nicht aber sich
fa?hend die "Stationen", da er, wie seine Nachschreiber, das chilia- von ihr allein am Leitbande gängeln lassen müsse; denn sonst hän-
stische Moment am Rande der philosophischen Arbeit aufzeigt, anstatt gen zufällige, nach keinem vorher entworfenen Plane gemachten Beob-
das Eschaton, das im Herzen des deutschen Idealismus schlägt, aufzu- achtungen gar nicht in einem notwendigen Gesetze zusammen, welches
weisen. doch die Vernunft sucht und bedarf". Nicht frei antwortet die Natur
dem Wort des Menschen, sondern "die Vernunft muß mit ihren Prin-
·zipien, nach denen allein übereinkommende Erscheinungen für Gesetze
gelten können, in einer Hand, und mit dem Experiment, das sie n~ch
jenen ausdachte, in der anderen, an dk Natur gehen, zwar um von Ihr
belehrt zu werden, aber nicht in der Qualität eines Schülers, der sich alles
Kants Religionsphilosophie vorsagen läßt, was der Lehrer will, sondern eines bestallten Richters, der
die Zeugen nötigt(!), auf die Fragen zu antworten, die er ihnen vorlegt" 60 •
Ebendasselbe will Kant für die Metaphysik leisten, der "das Schick-
Mit Recht setzt Kant den ersten Gedanken des Kopernikus an die sal bisher noch· nicht günstig gewesen ist, daß sie den sicheren Gang
Sp~tze der. Kritik der re~nen _Yernunft, denn das kantische System ist die einer Wissenschaft einzuschlagen vermocht hätte" 60 • Kant hält dafür,
Philosophie des kopermkamschen Menschentums. Die kopernikanische daß die Beispiele der Mathematik und Naturwissenschaft. . . wären
Welt ist eine Erde, über die sich kein Himmel mehr wölbt, der das Urbild merk.;"ürdig genug, um dem wesentlichen Stücke der Umänderung der
der Erde ist. Das kopernikanische Menschentum nähert sich darum Denkart, die ihnen so vorteilhaft geworden ist, nachzusinnen, und ihnen,
sei~em Wesen nicht, wenn es die Welt einem oberen Urbild annähert. so viel ihre Analogie, als Vernunfterkenntnisse, mit der Metaphysik ver-
Weil d~r R~um zwischen Himmel nnd Erde sinn-los geworden, sucht das staUet, hierin wenigstens zum Versuch~ nachzuahmen""· Während man
kopermkamsche Menschentum die Welt nach einem Ideal zu revolu- bisher angenommen hat, daß sich alle unsere Erkenntnis nach den Ge-
10
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genständen richten müsse, unter dieser Voraussetzung aber alle Versuche, Philosophie erst deutlich im kantischen System. Geist ist das Kennwort
. über sie etwas durch Begriffe a priori auszumachen, gescheitert sind, 'aller Joachimiten: von den Spiritualen, Münzer und Sebastian Frank
will Kant den umgekehrten Weg gehen. "Man versuche es daher einmal, über Böhme und Lessing zum deutschen Idealismus. Mit dem "Geist"
ob wir nicht in den Aufgaben der Metaphysik damit besser fortkommen, wird das Sakrament der katholischen Kirche, das Wort der lutherischen
daß wir annehmen, die Gegenstände müssen sich nach unserem Erkenntnis Kirche, das Dogma der Orthodoxie, der Dogmatismus in der Philosophie,
richten, welches so schon besser mit der verlangten Möglichkeit einer · das System der bürgerlichen Gesellschaft bekämpft.
Erkenntnis derselben a priori zusammenstimmt, die über Gegenstände, Während sich aber der Heilige Geist Joachims und der Spiritualen
·ehe sie uns gegeben werden, etwas festsetzen soll. Es ist hiermit ebenso, noch als Offenbarung, freilich mehr in der Art einer Erleuchtung ver-
als mit dem ersten Gedanken des Kopernikus bewandt, der, nachdem es steht, bekommt der vernünftige Geist im Akt der re-flectio, der Selbst-
mit der Erklärung der Himmelsbewegungen nicht gut fortwollte, wenn er bespiegelung, sich selbst in seiner Grenze als die Wurzel seiner eigenen
annahm, das ganze Sternenheer drehe sich um den Zuschauer, versuchte, Möglichkeit in den Blick. Denn das Sein des Geistes hat sein Wesen aus
ob es nicht gelingen möchte, wenn er den Zuschauer sieh drehen, und da- sich heraus und setzt sich so auch selbst seine Grenze. Der nomosist der
gegen die Sterne in Ruhe ließ. In der Metaphysik kann man nun, was die wahre autos. So enthüllt sich die letzte Eschatologie des Geistes als
Anschauung der Gegenstände betrifft, es auf ähnliche Weise versuchen" 82• Identität vonnomosund autos. Dernomos ist in der Autonomie mit dem
Weil der Himmel nicht mehr auf die menschliche Rede antwortet, autos identisch. Die letzten Dinge sind nicht mehr der heteros nomos,
will man ihn zur Aussage nötigen, wie ein bestallter Richter den Zengen Gott und die Weltdinge, sondern die Voraussetzung des eigenen Geist-
nötigt. Freilich hüllt der genötigte Himmel sich immer mehr in Schweigen, seins. An die Stelle der metaphysischen Eschatologie tritt die transzen-
und das menschliche Wort sagt jetzt die Zeichen der re-flektierenden, dentale Eschatologie. In der Enthüllung der Vernunft wird der Schleier
sich selbst bespiegelnden Vernunft aus und dringt nur in den leeren des Heiligtums zu Sars gelüftet, auf daß die Vernunft sich selbst in der
Raum und nicht zu Gott. Darum wird das Gebet als innerer, förmlicher Enthüllung begreife"· Die Enthüllung der Vernunft ist nicht den andern
Gottesdienst "ein abergläubischer Wahn" 63 • Allein der" Geist des Gebets" Entdeckungen gleicbgeordnet, sondern lagert sich vielmehr den übrigen
ist noch zugelassen, der ohne Unterlaß im Menschen stattfinden kann. vor: denn nur durch die Enthüllung der Vernunft werden alle anderen
Denn "in jenem Wunsch, als dem Geiste des Gebets sucht der Mensch nur Eschata überhaupt legitimitiert. "So wird die Transzendentalphilosophie
auf sich selbst (zu Belebung seiner Gesinnungen vermittelst der Idee von geradezu Methodik der inneren Apokalypse" 65 •
Gott), in diesem aber, da er sieh durch Worte, mithin äußerlich erklärt Ist aber die transzendentale Eschatologie nicht nur wie bei Lessing
auf Gott zu wirken. Im ersteren Sinn kann ein Gebet mit voller Aufrich- geahnt, sondern wirklich durchgeführt, so kann Kant noch mit mehr
tigkeit stattfinden, wenngleich der Mensch sich nicht anmaßt, selbst das Recht als Lessing auf die exoterischen Gleichnisse der metaphysischen
Dasein Gottes als völlig gewiß beteuern zu können. In der zweiten Form Eschatologie zurückgreifen. Damit beobachtet Karrt "jene Klugheit,
als Anrede nimmt er diesen höchsten Gegenstand als persönlich gegen- für die freilich unsere neuesten Philosophen viel zu weise geworden sind " 66,
wärtig an ... Daß ein Mensch mit sich selbst laut redend betroffen wird, die aber Lessing bei Leibniz anzutreffen meint. Auch Kant setzte "willig
bringt ihn vor der Hand in den Verdacht, daß er eine kleine Anwandlung sein System beiseite und suchte die exoterischen Gleichnisse" der meta-
von Wahnsinn habe; und ebenso beurteilt man ihn (nicht ganz mit Un- physischen Eschatologie auf, weil er erkannte, daß sie "mit einer großen
recht), wenn man ihn, da er allein ist, auf eine Beschäftigung oder Ge- Wahrheit seiner esoterischen Philosophie mehr übereinstimme" als das
behrdung betrifft, die der nur haben kann, welcher Jemand außer sich System des Rationalismus. "Freilich nahm er sie nicht in dem rohen und
vor Augen hat" 64 • wüsten Begriffe, in dem sie so mancher Theologe nimmt. Aber er fand,
Die Wendung vom ptolemäischen zum kopernikanischen Menschen- daß selbst in diesem rohen und wüsten Begriffe noch mehr Wahres liege,
tum vollzieht sich nicht plötzlich. Sie beginnt nicht erst mit Kopernikus, als in den ebenso rohen und wüsten Begriffen" der Aufklärt~ng: "Und
sondern die Anfänge der Wendung reichen bis zu Joachim zurück, der nur das bewog ihn, mit den Orthodoxen lieber der Sache ein wenig zu
das Gleichnis von Abbild und Urbild im Zeitalter des Heiligen Geistes viel zu tun, als mit den letzteren zu wenig." 67 •
als überwunden erklärt. An die Stelle der Einung von Himmel und Erde, In einem fast verschollenen Aufsatz über "Das Ende aller Dinge",
welche sich für die katholische Kirche im Mysterium der Messe vollzieht, der in seiner Tendenz und Motivation ganz dem Leibnizaufsatz Lessings
tritt das Erdreich des Geistes. Die "kopernikanische Wendung", welche entspricht, werden die metaphysischen Aussagen der ehristliehen Escha-
die Wendnng vom Eros zum Geist beinhaltet, vollzieht sich in der tologie zum als ob der transzendentalen Eschatologie. Der Gedanke an
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ein "Ende aller Zeit" hat "etwas Grausendes in sieh, weil er gleichsam derung (und mit ihr die Zeit selbst aufhört), ist eine die Einbildungskraft
an den Rand eines Abgrunds führt"": an den Abgrund der Vernunft, empörende Vorstellung. Alsdann wird nämiich die ganze Natur starr und
und doch auch etwas Anziehendes: denn man kann nicht aufhören, sein gleichsam versteinert" "· Und doch "ist diese' Idee, so sehr sie auch
zurückgeschrecktes Auge immer wiederum darauf zu wen den '' . D enn
n unsere Fassungskraft übersteigt, mit der Vernunft in praktischer Be-
dieser Gedanke beschreibt gültig das Wesen der "Vernunft in moralischer ziehung nahe verwandt. Wenn wir den moralisch-physischen Zustand des
Rücksicht" ••. "Im Übergang aus der Zeit in die Ewigkeit ... stoßen wir Menschen hier im Lehen auch auf dem besten Fuß annehmen, nämiich
auf das Ende aller Dinge, als Zeitwesen und als Gegenstände möglicher eines beständigen Fortschreitens und Annäherns zum höchsten (ihm zum
Erfahrung; welches Ende aber in der moralischen Ordnung der Zwecke Ziel ausgesteckten) Gut; so kann er doch (selbst im Bewußtsein der Un-
zugleich den Anfang einer Fortdauer eben dieser als übersinnlicher, folg- veränderlichkeit seiner Gesinnung) mit der Aussicht in eine ewig dau-
lich nicht unter Zeitbedingungen stehender Wesen ist, die also, und deren ernde Veränderung seines Zustandes (des sittlichen sowohl, als physi-
Zustand keiner anderen, als moralischer Bestimmung ihrer Beschaffen- schen), die Zufriedenheit nicht verbinden. Denn der Zustand, in welchem
heit fähig sein wird" 68•.Die transzendentale Eschatologie fragt über alle er jetzt ist, bleibt immer doch ein (lhel, vergleichungsweise gegen den
objektiven Aussagen der christlichen Eschatologie hinaus: "Warum er- besseren, in den zu treten er in Bereitschaft steht; und die Vorstellung
warten aber die Menschen überhaupt ein Ende der Welt? und wenn dieses eines unendlichen Fortsehreltens zum Endzweck ist doch zugleich ein
ihnen auch eingeräumt wird, v.'l!rum eben ein Ende mit Schrecken (für Prospekt in eine unendliche Reihe von Übeln; die, ob sie zwar von den
. den "rößten Teil des menschlichen Geschlechts)? ... Der Grund des größeren Guten überwogen werden, doch die Zufriedenheit nicht statt-
Erst.;;.en scheint darin zu liegen, weil die Vernunft ihnen sagt, daß die finden lassen, die er sich dadurch, daß der Endzweck endlieh einmal er-
Dauer der Welt nur sofern einen Wert hat, als die vernünftigen Wesen reicht wird, denken kann" "·
in ihr dem Endzweck ihres Daseins gemäß sind, wenn dieser aber nicht Darüber gerät Kant "in die Mystik (denn die Vernunft, weil sie sieh
erreicht werden sollte, die Schöpfung ihnen zwecklos zu sein scheint: wie nicht leicht mit ihren immanenten d. i. praktischen Gebrauch begnügt,
ein Schauspiel, das gar keinen Ausgang hat und keine vernilnftige Ab- sondern gern im Transzendenten etwas wagt, hat auch ihre Geheimnisse),
sicht zu erkennen gibt. Das Letztere gründet sich auf der Meinung von wo eine Vernunft sich selbst, und was sie will, nicht versteht, sondern
der verderbten Beschaffenheit des menschlichen Geschlechts, die bis zur lieber schwärmt" 7'. Dies lediglich darum, "damit die Menschen sich
Hoffnunuslosigkeit groß sei; welchem ein Ende und zwar ein schreck- endlich doch einer ewigen Ruhe zu erfreuen haben mochten, welches denn
liches E;de zu machen, die einzige der höchsten Weisheit und Gerechtig- ihr. vermeintes seliges Ende aller Dinge ausmacht, eigentlich ein Begriff
keit (dem größten Teil der Menschen nach) anständige Maßregel sei"'"· mit dem ihnen zugleich der Verstand ausgeht und alles Denken selbst ein
Die objektiven Aussagen der Eschatologie haben den Wert eines Ende hat" "'·
Mythos. "Da wir es hier bloß mit Ideen zu tun haben (oder damit spie- So endet die transzendentale Eschatologie im Geheimnis der Vernunft
len), die die Vernunft sich seihst schafft, wovon die Gegenstände (wenn und enthüllt den tragisehen Dualismus des kopernikanischen Menschen-
sfe deren haben), ganz über unseren Gesichtskreis hinausliegen, die indeß, tums. Dieser tragische Zwiespalt hat seinen Mythus im Prometheus ge-
obzwar für das spekulative Erkennen überschwängiich, darum noch nicht funden. "Prometheus ist kein Gedanke, deu ein Mensch erfunden, er ist
in aller Beziehung für leer zu halten sind, sondern in praktischer Absicht einer der Urgedanken, die sich selbst ins Daseyn drängen und folgerecht
uns von der gesetzgehenden Vernunft selbst an die Hand gegeben werden, entwickeln, wenn sie, wie Prometheus in Äschylos, in einem tiefsinnigen
nicht ehva um über ihre Gegenstände, was sie an sich und ihrer Natur Geist die Stätte dazu finden, Prometheus ist der Gedanke, in dem das
nach sind, nachzugrübeln, sondern wie wir sie zum Behuf der moralischen, Menschengeschlecht, nachdem es die ganze Götterwelt aus seinem
anf den Endzweckaller Dinge gerichteten Grundsätze zu denken haben"'"· Innern hervorgebracht, auf sich selbst zmiickkehrend, seiner selbst und
So schreitet Kant zur Erläuterung der Weissagung der Johanneischen des eigenen Schicksals bewußt wurde. Prometheus ist jenes Prinzip der
Apokalypse fort, "daß hinfort keine Zeit mehr sein soll", die "nichts Menschheit, das wir den Geist genannt haben; den zuvor Geistesschwa-
. weiter sagen will, als: wir müssen unsere Maxime so nehmen, als ob bei chen gab er Verstand und Bewußtsein in die Seele. Er büßt für die ganze
allen ins Unendliche gehenden Veränderungen vom Guten zum Besseren Menschheit, und ist in seinem Leiden nur das erhabene Vorbild des
unser moralischer Zustand, der Gesinnung nach (der homo Noumenon, Menschen-Ichs, das, aus der stillen Gemeinschaft mit Gott sich setzend,
dessen Wandel im Himmel ist), gar keinem Zeitwechsel unterworfen dasselbe Schicksal erduldet, mit Klammern eiserner Notwendigkeit an
wäre" 71 • Aber daß "einmal ein Zeitpunkt eintreten wird, da alle Verän- den starren Felsen einer zufälligen aber unentfliehbaren Wirklichkeit an·
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geschmiedet, und hoffnungslos den unheilbaren, unmittelbar wenigstens ~hält, das Ich als Subjekt und das Ich als Objekt. Es wird dadurch aber
nicht aufzuhebenden Riß betrachtet, welcher durch die dem gegen- nicht eine doppelte Persönlichkeit gemeint, sondern nur Ich der ich
wärtigen Daseyn vorausgegangene, darum nimmer zurückzunehmende, d~nke und anscha?e, i~t die ~prson, das Ich aber des Objekts,' was von
unwiderrufliche Tat entstanden ist" 7•. Mit Recht erinnert Schelling in m1r angeschaut wird.. 1st, gle1ch andern Gegenständen außer mir die
dieser grandiosen Erörterung über Prometheus an Kaut. Denn die kau- Sache. Die Spaltung von Erscheinung und Wesen, die sich in der 'kan-
tisehe Philosophie ist die Philosophie des prometheischen Menschentums. tischen Philosophie mit der von Notwendigkeit und Freiheit deckt
Die prometheische Philosophie des kopernikanischen Menschentums trägt ~ant in das Subjekt selbst hinein "· Das Subjekt selbst spaltet
ist die kantische Philosophie des Ich 75 • "Gehen wir von hier nicht hin- Kant 1n Phänomenon und Noumenon, und der unaufcrelöste unlösbare
weg, ohne Kants Andenken zu feiern, dem wir es verdanken mit solcher als unlösbar verewigte Zwiespalt von Freiheit und N~otwendigkeit ragt
Bestimmtheit zu sprechen von einer nicht in das gegenwärtige Bewußt- in di: i?nerste .~tru~tur des Me:"~ehen hinein. Während das empirische
seyn hereinfallenden, ihm vorausgehenden, noch der Ideenwelt ange- Ich völbg nnfreJJSt, 1st das 1ntelbg:tble Ich völllg frei; "denn die Vernunft
hörigen Handlung, ohne welche es keine Persönlichkeit, nichts ewiges im wird in ihrer Re.inheit durch alle Sinnlichkeit gar nicht affiziert" '"·
Menschen, sondern nur zufällige, in ihm selbst Zllilammenhanglose Hando Naturkausalität uud Freiheit können beidevoneinander unabhängig und
Iungen geben würde. Diese Lehre Kants war selbst eine Tat seines Geistes, durcheinander ungestört in einem Ich stattfinden, denn die Freiheit ist
durch die er ebensowohl die Schärfe seines Erkennens, als den moralischen k;ine psychologische Eigenschaft, sondern ein transzendentales Prädikat.
Mut einer durch nichts zu erschreckenden Aufrichtigkeit an den Tag l:nd doch laßt sich das intellegible Ich nicht als Ding an sich (Hermann
gelegt hat" 76• ~ohe.n) v~rstehen, d~s nu~ Norm wäre. Denn die empirische Handlung
Das Rätselhafteste und zugleich "Bedenklichste" 76 der kantischen 1st d1e Wirkung des mtelhg1blen Ich. Hier hricht bei Kaut die Dialektik
Philosophie wie des kopernikanischen Menschentums ist das prome- auf"· Die Tat wird durch eine empirische Kausalität und durch eine
theische Verhältnis zum Göttlichen. "Wenn die Welt his zu Zens fort- intelligible: die Freiheit bestimmt: "Was aber sehr merkwürdig ist, so
geschritten, entsteht auch für das unabhängig von ihm vorhandene, also findet sich sogar eine Vernunftsidee (die an sich keiner Darstellung in der
ursprünglich einer andern Weltordnung angehörige Menschengeschlecht Anscha~un.g, mithin auch keines theoretischen Beweises ihrer Möglich-
eine neue Möglichkeit, die durch den vorausschauenden Prometheus zur kelt fäh1g 1st), unter den Tatsachen; und das ist die Idee der Freiheil
Wirklichkeit Vlird. Zeus selbst hatte darauf gedacht, an die Stelle des deren Realität, als einer besonderen Art von Kausalität (von welcher de;
vorhandenen Menschengeschlechts ein Neues zu setzen. Es war also doch Begriff in theoretischem Betracht überschwenglich sein würde), sich durch
etwas in Zetis, wonach er, was Prometheus getan, nicht schlechterdings praktische Gesetze der reinen Vernunft, und diesen gemäß in wirklichen
nicht wollen konnte. Über die blinden kosmischen Machte hat er selbst Handlungen, mithin in der Erfahrung dartun läßt" so.
nur durch die Macht des Geistes gesiegt, mit Hülfe des Prometheus das Um die Dialektik der Freiheit, die vom Menschen her Wahl, von Gott
neue Reich sich eingerichtet. Und dennoch straft er so gewaltig, und ist her Gnade ist, kreist Kaut in der "Religion innerhalb der Grenzen der
sein Zorn so groß" 76• Prometheus ist also in seinem Recht, und doch bloße.n Vernunft". In drei Stufen entfaltet sich das eschatologische Drama
wird er von Zens für seine Tat durch unsägliche Qualen, auf unabsehliche des Einzelnen wie der Gesamtheit. Das "erste Stück" handelt "von der
Zeit verhängt, heimgesucht. Aber auch Zens ist in seinem Recht, denn Einwohnung des bösen Prinzips neben dem Guten; oder über das radieale
nur um solchen Preis erkauft sich die Freiheit und Unabhängigkeit von Böse in der menschlichen Natur". Das "zweite Stück" handelt ,.von dem
Gott. Es ist nicht anders: "es ist ein Widerspruch, den wir nicht aufzu- Kampfe des guten Prinzips mit dem Bösen um die Herrschaft ·über den
heben, den wir im Gegenteil zu erkennen haben. Denn das Loos der Welt Menschen". Das "dritte Stück" handelt endlich "vom Sieg des guten
und der Menschheit ist von Natur ein tragisches" ' 6 • Prinzips übe.r das Böse und die Gründung eines Reiches Gottes auf Erden".
Neben der ursprünglichen Anlage zum Guten findet sich in der mensch-
Die transzendentale Philosophie stellt Kaut auf den Grund der Sub- lichen Natur auch der Hang zum Bösen, so daß der Mensch von Natur
jektivität. Alle objeki:iven Aussagen der alten Metaphysik entlarvt Kant böse ist. Weil der natürliche Hang zum Bösen "am Ende doch in einer
als dialektischen Schein und entleert die Welt, die nur den Naturgesetzen freien Willkür gesucht werden muß, mithin zugerechnet werden kann, ist
unterworfen ist, ihres Sinnes, indem er ihre intelligible Zufälligkeit dieser Hang selber moralisch böse. Dieses Böse ist radical, weil es den
steigert. Subjekt und Objekt setzt Kaut in das eine Ich: ich bin mir Grnnd aller Maximen verdirbt; zugleich auch als natürlicher Hang durch
meiner Selbst bewußt, ist ein Gedanke, der schon ein zweifaches Ich ent- menschliche Kräfte nicht zu vertilgen, weil dieses nur durch gute Maxi·
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men geschehen könnte, welches, wenn der oberste subjective Grund aller dieser, eine göttliche Abkunft verkündigende Anlage, muß auf das Gernfit
Maximen als verderbt vorausgesetzt wird, nicht Statt finden kann; gleich- bis zur Begeisterung wirken und es zu den Aufopferungen stärken, welche
wohl aber muß er zu überwiegen möglich sein, weil er in dem Menschen ihm die Achtung für seine Pflicht nur auferlegen mag" ss.
als freihandelndem Wesen angetroffen wird""· Das radiltal Böse aber So mündet die kantische Anthropologie ins Aporetische, das sich
ist nicht identisch mit "Bosheit". Denn in der Bosheit wird das Böse als immer deutlicher als Gnade enthüllt, die sich die Vernunft nicht "als
Böses zur Triebfeder der Maxime und dies ist teuflisch. Vielmehr ist das einen erweiterten Besitz" •• aneignen kann. "Denn als Benutzung würde
radikal Böse" Verkehrtheit des Herzens", die "mit einem im allgemeinen sie eine Regel von dem voraussetzen, was wir (in gewisser Absicht) Gutes
guten Willen zusammen bestehen (kann) und aus der Gebrechlichkeit selbst zu tun haben, um etwas zu erlangen. Eine Gnadenwirkung aber zu
der menschlichen Natur" entspringt 81 • Es läßt sich "kein begreiflicher erwarten bedeutet gerade das Gegenteil, nämlich, daß das Gute (das
Grund" angeben, woher das moralische Böse in uns zuerst gekommen sein moralische) nicht unsere, sondern die Tat eines anderen Wesens sein
könne"""· Darum kann man nur sagen, der Mensch sei "durch Verfüh- werde" 81 • Die Möglichkeit der Umkehr gründet in der Gnade. Denn "das
rung ins Böse gefallen, also nicht von Grund aus verderbt" so daß die Sittlich-Gute ist vom Sittlich-Bösen nicht wie der Himmel von der Erde,
"Hoffnung einer Wiederkehr zu dem Guten" übrig gelassen wird 82• sondern wieder Himmel von der Hölle unterschleden" 88• So kann .,das Gute
Diese Hoffnung aber "übersteigt alle unsere Begriffe, denn wie kann und Böse, das Reich des Lichts und das Reich der Finsternis, nicht als an-
ein böser Baum gute Früchte bringen? Da aber doch nach dem vorher einander grenzend und durch allmähliche Stufen (der größeren und min-
abgelegten Geständnisse ein ursprünglich (der Anlage nach) guter Baum deren Helligkeit) sich ineinander verlierend gedacht, sondern durch eine
arge Früchte hervorgebracht hat, und der Verfall vom Guten ins Böse unermeßliche Kraft voneinander getrennt vorgestellt werden" 88• Die Ent-
(wenn man wohl bedenkt, daß dieses aus der Freiheit entspringt) nicht fernung "des Guten, was wir in uns bewirken sollen, von dem Bösen, wo-
begreiflicher ist, als das Wiederaufstehen aus dem Bösen zum Guten; so . von wir ausgehen, ist unendlich, und sofern, was die Tat, d. i. die Ange-
kann die Möglichkeit des letzteren nicht bestritten werden. Denn un- roessenheit des Lebenswandels zur Heiligkeit des Gesetzes, betrifft, in
geachtet jenes Abfalls erschallt doch das Gebot: wir sollen bessere Men- keiner Zeit erreichbar. Gleichwohl soll die sittliche. Beschaffenheit des
schen werden, unvermindert in unserer Seele; folglich müssen wir es auch Menschen mit ihr übereinstimmen" 89• Diese Antinomie löst sich so, daß
können, sollte auch das, was wir tun können, für sich allein unzureichend zwar vom Standort des Menschen aus der kontinuierliche Fortschritt
sein, und wir uns dadurch eines für uns unerforschlichen höheren Bei- vom mangelhaften Guten zum Bessern "immer mangelhalt bleibt", so
standes empfänglich machen" 82• daß das Gute, der Tat nach, "jederzeit als unzulänglich für ein heiliges
Ein allgemeines Training dem Gesetze gemäßer Handlungen erzeugt Gesetz" erscheint; von Gott aber in seiner reinen, intellektuellen An-
eine empirische Tugend, virtus phaenomenon. Auch die historische Ent- schauung, wird wegen der Gesinnung des Menschen sein Fortschritt zum
wicklung der Menschheit verbürgt nur den kulturellen Fortschritt, d~r heiligen Gesetz "als ein vollendetes Ganzes, an eh der Tat nach beurteilt".
identisch ist mit einer "Änderung der Sitten", auf das Prinzip der Glück- So kann der Mensch erwarten, "unerachtet seiner beständigen Mangel-
seligkeit hin, nicht aber den moralischen Fortschritt, der auf dem Prinzip haftigkeit doch üherhaupt Gott wohlgefällig zu sein" 89 •
der Heiligkeit gründet. Die intelligible Tugend, virtus noumenon, "kann Ist schon die Maxime der Heiligkeit, die an sich uncinholb.ar ist, nur
nicht durch allmähliche Reform, so lauge die Grundlage der Maximen un- von Gott her ineins gesetzt mit dem Streben des Menschen, so steigert
lauter bleibt, sondern muß durch eine Revolution in der Gesinnung im sich die Gnade noch im zweiten Aspcl<te selbst: denn der Mensch "fing
Menschen (einen Übergang zur Maxime der HeiUgkeit derselben) bewirkt doch vom Bösen an, und diese Verschuldung ist ihm nie auszulöschen mög-
werden." Durch die Revolution in der Gesinnung entsteht "ein neuer lich" ••. Nie kann der Mensch einen "Überschuß über das, was er jedes·
Mensch" durch "eine Art Wiedergeburt" gleich wie durch eine neue mal an sich zu tun schuldig ist, herausbringen" 90, womit er seine Schuld
Schöpfung und Änderung des Herzens"'· Der moralische Fortschritt abzahlen könnte. "So würde jeder Mensch sich einer unendlichen Strafe
gründet nicht in der Besserung der Sitten, sondern in der Umwandlung und Verstoßung aus dem Reiche Gottes zu gewärtigen haben" 90• Durch
der Denkungsart; und hier muß angefangen werden, "ob man zwar ge- die "Revolution in der Gesinnung" stirbt aber das "Subjekt der Sünde"
wöhnlicherweise anders verfährt" 84 und etwa vom gesellschaftUchen ab. Obgleich also der Mensch "physisch eben dersclbe strafbare Mensch
Unterbau die Revolution beginnen läßt. Daß die Revolution stattfinden ist ... so ist er doch in seinerneuen Gesinnung als intelligibles Wesen, vor
kann, wird durch das göttliche Fünklein im Seelengrund ermöglicht, einem göttlichen Richter, vor welchem dieses die Tat vertritt, moralisch
wclches das radikal Böse nicht zerstören kann. "Die Unbegreiflichkelt ein anderer" 01• So erst ergibt sich "derjenige Überschuß über das Ver·
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dienst der Werke, der oben vermißt wurde, und ein Verdienst, das uus . Der Wunsch afler Wohlgesinnten ist, "daß das Reich Gottes komme
aus Gnaden zugerechnet wird. Denn damit das, was bei uns im Erden- daß sein Wille auf Erden geschehe" - "aber was haben sie nun zu ver:
leben immer nur im bloßen Werden ist, uns gleich, als ob wir schon hier anstalten, damit dieses mit ihnen geschehe?" ".,_ In seiner Antwort ent-
im vollen Besitz desselben wären, zugerechnet werde, dazu haben wir doch hüllt Kant den joachimitischen Kern seiner "Religionslehre": "Eiu
wohl keinen Rechtsanspruch, so weit wir uns selbst kennen, so daß der ethisches gemeines Wesen unter der göttlichen moralischen Gesetzgebung
Ankläger in uns eher noch auf ein Verdammungsurteil anfragen v.1irde. Es ist eine Kirche, welche, sofern sie ke.in Gegenstand möglicher Erfahrunrr
ist also immer nur ein Urteilsspruch aus Gnade" 112• Die kantische Philo- ist, die unsichtbare Kirehe heißt. Die sichtbare (Kirche) ist die wirklich:
sophie ist ebenso wie die Theologie Luthers umklammert von der Aporie Vereinigung der Menschen zu einem Ganzen, das mit jenem Ideal zu-
der Gnade, die erst den "Sieg des guten Prinzips über das böse nnd die sammenstimmt ... Die wahre (sichtbare) Kirche ist diejenige, welche
Gründung eines Reiches Gottes auf Erden" ermöglicht. das moralische Reich Gottes auf Erden, so viel es durch Menschen ge-
Unentwirrbar verknüpft ist bei Kant die Eschatologie des Indivi- schehen kann, darstellt."
duums und die Eschatologie der Gemeinschaft. Denn die Gefahren kom· Die Kennzeichen der wahren Kirche sind erstens: die Allgemeinheit,
men für den Einze1nen "nicht sowohl von seiner eigenen rohen Natur, "daß nämlich, ob sie zwar in zufälligen Meinungen geteilt und uneins,
sofern er abgesondert da ist, sondern von Menschen, mit denen er in Ver- doch in Ansehung der wesentlichen Absicht auf solche Grundsätze er-
hältnis oder Verbindung steht" ••. Wenn es nicht möglich wäre, eine "auf richtet ist, welche sie notwendig zur allgemeinen Vereinigung in eine
die Erhaltung der Moralität augelegte Gesellschaft zu errichten, welchemit einzige Kirehe führen müssen, also keine Sekteuspaltung" "; zweitens:
vereinigten Kräften dem Bösen entgegenwirkte, so würde dieses, soviel "die Lauterkeit, die Vereinigung unter keinen anderen als moralischen
der einzelne Mensch auch getan haben möchte, um sich der Herrschaft Triebfedern"; drittens: "das Verhältnis unter dem Prinzip der Freiheit,
desselben zu entziehen, ihn doch unahläßlieh in der Gefahr des Rückfalls sowohl das innere Verhältnis ihrer Glieder untereinander als auch das
, II
unter dieselbe erhalten""· Weil aber "die Tugendpflichten das ganze äußere der Kirche zur politischen Macht, beides in einem Freistaat";
menschliche Geschlecht angehen, so ist der Begriff eines ethischen ge-
meinen Wesen immer auf das Ideal eines Ganzen aller Menschen bezogen
viertens: "die Unveränderlichkeit ihrer Konstitution nach" "· Das
ethische gemeine Wesen hat als Kirche "eigentlich keine ihren Grund·
.':!
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und darin unterscheidet es sich von dem eines politischen" ""·Das ethische sätzen nach der politischen ähnliche Verfassung". Sie läßt sich am
gemeine Wesen ist eine Pflicht von eig.;ner Art, "nicht der Menschen ge- hesten mit einer Hausgenossenschaft vergleichen, "unter einem gemein-
gen Menschen, sondern des menschlichen Geschlechts gegen sich selbst" ••. schaftlichen, obzwar unsichtbaren, moralischen Vater" "· So herrseht
· Das juridische gemeine Wesen, insbesondere der Staat, geht darauf zuletzt reine Vernuuftsreligion über alles, "damit Gott seiAlles in Allem".
aus, "die Freiheit eines Jeden auf die Bedingungen einzuschränken, ~ Die Hüllen, unter welchen der Embrvo sich zuerst zum Menschen
unter denen sie mit jedes Anderen Freiheit nach einem allgemeinen Ge- bildete, müssen abgelegt werden, wenn e; nun an das Tageslicht treten
setze zusammen bestehen kann". Deshalb schaut das juridische gemeine soll. Das Leithand der heiligen Überlieferung mit seinen Anhängseln, den
Wesen nur auf die "Legalität der Handlungen". In einem ethischen ge- Statuten und Observanzen, welches zu seiner Zeit gute Dienste tat, wird
meinen Wesen aber muß ani die "innere Moralität" der Handlung ge- nach und nach entbehrlich, ja endlieb zur Fessel, wenn er in das Jüng-
achtet werden. So muß der oberste Gesetzgeber "auch ein Herzenskun- .lingsalter eintritt. So lange er (die Menschengattung) "ein Kind war, war !
~
diger sein, um auch das Innerste der Gesinnungen eines Jeden zu durch· er klug als ein Kind" und wußte mit Satzungen, die ihm ohne sein Zutun
schauen und wie es in jedem gemejnen Wesen sein muß, Jedem, was seine auferlegt worden, auch wohl Gelehrsamkeit, ja sogar eine der Kirche
Taten wert sind, zukommen zu lassen. Dieses ist aber der Begriff von Gott dienstbare Philosophie zu verbinden; "nun er aber ein Mann wird, legt er I
als eines moralischen Weltherrschers. Also ist ein ethisches gemeines ab, was kindisch ist". "Der erniedrigende Unterschied zwischen Laien und I
Wesen nur als ein Volk unter göttlichen Geboten, d. i. als ein Volk Gottes, Klerikern hört auf, und Gleichheit entspringt aus der wahren Freiheit, je- j
und zwar nach Tugendgesetzen, zu denken mögLich" 97 • Ein moralisches doch ohne Anarchie, weil ein Jeder zwar dem (nicht statutarischen} Ge- I
I;,!
Volk Gottes stiften kann nur Gott. "Deswegen ist aber doch dem Menschen setz gehorcht, das er sich selbst vorschreibt, das er aber auch zugleich als I •

nicht erlaubt, in Ansehung dieses Geschäfts untätig zu sein .•. Er muß den ibm durch die Vernunft geoffenharten Willen des Weltherrschers an-
vielmehr so verfahren, als ob alles auf ihn ankomme, und nur unter dieser sehen muß, der alle unter einer gemeinschaftlichen Regierung unsicht-
Bedingung darf er hoffen, daß höhere Weisheit seiner wohlgemeinten barer Weise in einem Staate verbindet, welcher durch die siehtbare Kirche
Bemühung die Vollendung werde angedeihen lassen" "· vorher dürftig vorgestellt und vorbereitet war"""'· Doch nicht" von einer
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. äulle!'en Revolution ist das alles zu erwarten, die stürmisch und gewalt-
sam ihre von Glücksumständen sehr abhängige Wirkung tut", Im Prinzip
Hegels Dialektik
der reinen Vernunftreligion selbst "muß der Grund zu jenem Überschritt, ·
zu jenerneuen Ordnung der Dinge liegen, welcher einmal aus reifer Über- Kanl ist das Alte Testament, Hege/ das Neue Testament des deut-
legung gefallt, durch allmählig fortgehendere Form zur Ausübung ge- schen Idealismus. So hat der junge Hege! selbst sein Verhältnis zu Kant
bracht wird, sofern sie ein menschliches Werk sein soll; denn was Revo- begriffen, dessen Gesetz der Pflicht er mit dem Gesetz des Alten Testa-
lutionen betrifft, die diesen Fortschr.itt abkürzen können, so bleiben sie ments in eins setzt. Sein eigenes System sucht Hege! streng aus dem '
der Vorsehung überlassen und lassen sich nicht planmäßig, der Freiheit Neuen Testament, insbesondere aus den Sprüchen Jesu in der Berg-
unbeschadet, einleiten" 100• predigt und dem Evangelium Johannis abzuleiten. In den Fragmenten ·
Die Geschichte des Christentums versteht Kaut als Abfall vom Reich der Jugendschriften, die Hermann Nohl, veranlaßt durch die Arbeit
Gottes, "Diese Geschichte des Christentums (welche, sofern es auf einen Diltheys über den jungen Hege!, herausgegeben hat, liegen die Funda-
Geschichtsglauben errichtet werden sollte, auch nicht anders ausfallen mente des Hegeischen Systems noch offen dar, Theodor Haering hat in
konnte), wenu man sie als ein Gemälde unter einen Blick faßt, könnte seinem minutiösen Werk versucht, den Takt des Hegeischen Gedanken-
wohl den Ausruf rechtfertigen: tantum religio potuit suadere malorum !"'"1 schritts zu erlauschen. Die Strukturen des Systems s.ind in den Jugend-
Sieh selbst weill Kant in den kairos gestellt. "Fragt man nun: welche seh:iften noch i!l ~iner Weise kenntlich, wie dies später, da eine allseitig
Zeit der ganzen bisher bekannten Kirchengeschichte die beste sei, so gesicherte Begnffl!chke1t den Atem des Gedankens einfängt, kaum mehr
trage ich kein Bedenken, zu sagen: es ist die jetzige, und zwar so, daß man möglich ist. Darum sind die theologischen Jugendschriften für das Ver-
den Keim des wahren Religionsglauhens, so wie er jetzt in der Christen- ständnis aller weiteren 'Werke Flegels, wie auch seines fundamentalen
heit zwar nur von einigen, aber doch äffentlieh gelegt worden, nun unge- Themas der Dialektik grundlegend und sollen hier ausführlich erörtert
hindert sich mehr und mehr darf entwickeln lassen, um davon eine kon· werden.
timtierliehe Annäherung zu derjenigen alle Menschen auf immer ver- Wenn auch Kaut das Soll des Gesetzes nicht als "Befehl einer fremden
einigenden Kirche zu erwarten, die die sichtbare Vorstellung (das Schema) Macht", sondern als "Folge des eigenen Begriffs", als "Achtung für die
eines unsichtbaren Reichs Gottes auf Erden ausmacht" 100. Zuletzt sucht Pflicht" versteht, so ist damit die Positivität des Gesetzes nicht aufge-
Kant noch die apokalyptischen Symbole in die reine Vernunftreligion hoben. Wenn sidt Kant gegen die blolle Legalität wendet, indem er zeigt,
einzniügen. "Die Erscheinung des Antiehrists, der Chiliasmus, die Ankün- . "das Gesetzliche sei ein allgemeines, und seine ganze Verbindlichkeit
digung der Nahheit des Weltendes können von der Vernunft ihre gute liege iu seiner Allgemeinheit" ' 05, so ist damit die Positivität nur zum Teil
symbolische Bedeutung annehmen, und die letztere, als ein nicht vorher weggenommen, denn das Pflichtgebot ist eine Allgemeinheit, die dem
zu sehendes Ereignis vorgestellt, drückt sehr gut die Notwendigkeit aus, Besonderen entgegengesetzt bleibt, und dieses ist das Unterdrlickte,
'jederzeit darauf in Bereitschaft zu stehen, in der Tat aber, uns jederzeit wenn sie herrscht. "Zwischen dem tungusischen Sch.amanen mit dem
wirklich als berufene Bürger eines göttlichen Staats anzusehen" lllll. "Die Kirehe und Staat regierenden europäischen Prälaten, oder dem Mogu-
Scheidung der Guten von den Bösen, die wahrend der Fortschritte der litzen mit dem Puritaner, und zwischen dem seinen Pflichtgebot Gehor-
Kirche zu ihrer Vollkommenheit diesem Zwec.ke nicht zuträglieh gew~sen chenden ist nicht der Unterschied, daß jene sie zu Knechten machten,
sein würde, wird nach vollendeter Erric.htung des göttlichen Staats als dieser frei wäre; sondern daß jener den Herren außer sich, dieser aber den
die letzte Folge derselben vorgestellt; wo noch der letzte Beweis seiner Herren .in s)dt trägt, zugleich aber sein eigener Knechtjst" 10s. Der Mensch
Festigkeit, als Macht betrachtet, sein Sieg iiber alle äußeren Feinde, die des Befehls und der Mensch der Pflicht sind beide Knechte, nur daß
ebensowohl auch als in einem Staate' (dem Höllenstaat) betrachtet wer- jener den Herrn außer sich, dieser aber seineu Herrn in sich trägt. Kants
den, hinzugefügt wird, womit dann alles Erdenieben ein Ende hat, indem Moralitiil ist selbst noch Legalität, denn das kantisehe Soll ist nicht im
der letzte Feind (der guten Menschen), der Tod, aufgehoben wird, und Sein aufgehoben.
an beiden Teilen, dem einen zum Heil, dem anderen zum Verderben, Un· Jesus aber, der das Gesetz durch dje Liebe überwindet, schreitet auch
sterbliehkeit anhebt, die Form einer Kirehe selbst aufgelöst wird, der über die kantische Moralität hinweg. "Der völligen Knechtsclulft unter
Statthafter auf Erden mit denen zu ihm, als Himmelsbiirger, erhobenen dem Gesetze eines fremden Herrn setzte Jesus nicht eine teilweise
Menschen in eine Klasse tritt und so Gott Alles in Allem ist 104." Knechtschaft unter einem eigenen Gesetze, den Selbstzwang der kau-
tisehen Tugend entgegen, sondern Tugenden ohne Herrschaft und ohne

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v?n Neigung und Gese~z ist "das pleroma des Gesetzes", ein Sein, das
Unterwerfung, Modifikationen der Liebe'' 106. Wenn Jesus "den Men- d1e. Sy':these des SubJekts und Objekts ist, in welcher Subjekt und
schen in seiner Ganzheit wiederherstellen wollte, konnte (er) einen solchen Objekt 1hre Entgegensetzung verloren haben. "Eine Synthese, in der das
Weg unmöglich einschlagen, der der Zerrissenheit des Menschen nur ei_nen
Gesetz (das Kant da~um immer ein objektives nennt) seine Allgemeinheit
hartsinnigen Dünkel zugesellt. Im Ge1ste der Gesetze handeln konnte 1hm
und eben~o d~~ Sub]:kt seine Besonderheit, - beide ihre Entgegenset-
nicht heißen, aus Achtung für die Pflicht mit Widerspruch der Neigungen
~ung verher~n 109 • D1e Entgegensetzung der Pflicht und der Neigung hat
handeln; denn beide Teile des Geistes (man kann bei diesem Zerrissen-
m den Modifikationen der Liebe ihre Vereinigung gefunden. "Da das
sein des Gemüts nicht anders sprechen) befänden sich ja eben dadurch
Gesetz mcht semem Inhalt, s?ndern seiner Form nach der Liebe entgegen-
gar nicht im Geiste, sondern gegen den Geist der Gesetze, der eine, weil '
gesetzt war, so konnte es m s1e aufgenommen werden, in dieser Aufnahme
er ein Ausschließendes, also von sich selbst Beschränktes, der andere, aber verlor es seine Gestalt" no.
weil er ein Unterdrücktes ist"107. Dieser über die Moralität erhabene Geist
Während die kantische Ethik vom alles leitenden Prinzip der Achtung
weht in der Bergpredigt, wo an mehreren Beispielen der Versuch durch-
durchherrscht w1rd und die Wahrheit zwischen Mensch und Mensch
geführt ist, "den Gesetzen das Gesetzliche, die Form von Gesetzen zu gerade durch die. Achtung als Prinzip der Unterscheidung gesichert
benehmen, der nicht Achtung für dieselben predigt, sondern dasjenige
wahnt, hebt der Junge Hegel in der Metaphysik det Liebe eben diese
aufzeigt, was sie erfüllt, aber als Gesetze aufhebt, und also etwas Höheres
Grenz_e der Unterscheidung im wahren Sein auf, das die Modifikationen
ist als der Gehorsam gegen sie selber und sie entbehrlich macht. Da die
der ~lebe entfaltet. Im Sein der Liebe sind alle Trennungen, alle be-
Pflichtgebote eine Trennung voraussetzen, und die Herrschaft des Be-
schrankten Verhältmsse verschwunden. In der Liebe allein ist wahres
griffs in einem Sollen sich ankündigt, so ist dagegen dasjenige, was über
107 Sein, denn "Vereinigung und Sein sind gleichhedeutend" m. Kaut aber
diese Trennung erhaben ist, ein Sein, eine Modifikation des Lebens" . würde die Grundlegung des Seins in der Liebe als eine windige, über-
Wenn auch das, was Jesus den Gesetzen entgegengesetzt und über sie
fhegende, phantastische Denkungsart ablehnen; denn die Liebe ist eine
stellt, als "Gebot" ausgedrückt ist, "so ist diese Wendung in einem ganz
pathologi~~he Neigung und ~em Menschen nicht als Substanz angemes-
andern Sinne Gebot als das Sollen des Pflichtgebots; sie ist nur die Folge
sen_. "Fre~hch k~nn Liebe mcht geboten werden, freilich ist sie patho-
davon, daß das Lebendige gedacht, ausgesprochen, in der ihm fremden
logisch, eme Ne1gung, - aber damit ist ihr von ihrer Größe nichts be-
Form des Begriffs gegeben wird; da hingegen das Pflichtgebot seinem
nommen, sie ist damit garnicht herabgesetzt, daß ihr Wesen keine Herr-
Wesen nach als ein Allgemeines ein Begriff ist. Und wenn so das Leben- schaft über ein ihr Fremdes ist; sie ist aber dadurch so wenig unter Pflicht
dige in der Form eines Reflektierten, Gesagten, gegen Menschen erscheint,
und Recht, daß es vielmehr ihr Triumph ist, über nichts zu herrschen
so hatte Kant sehr Unrecht, diese zum Lebendigen nicht gehörige Art des
':nd ohn: fei':dliche Macht gegen ein anderes zu sein: Die Liebe hat ge:
Ausdrucks: Liebe Gott über alles und deinen Nächsten als dich selbst,
~1egt, hmßt mcht, w1e d1e Pfhcht hat gesiegt, sie hat die Feinde unter-
als ein Gebot anzusehen, welches Achtung für ein Gesetz fordert, das JOCht, sondern sie hat die Feindschaft überwunden" 112. Während die
Liebe befiehlt. Und aus dieser Verwechslung des Pflichtgebots, das in der
Pflicht durch ihre Grenzsetzung außerhalb ihrer selbst immer noch ein
Entgegensetzung des Begriffs und des Wirklichen besteht, und der ganz
objektives Gesetz beläßt, wird durch die Liebe die Macht des Objek-
außerwesentlichen Art das Lebendige auszusprechen, beruht seine tief-
tJ~en gebrochen, den.n d1e L1:be hat keine Grenze. Die Liebe ist "Einig-
sinnige Zurückführung dessen, was er ein Gebot nennt: Liebe Gott über kelt des Ge1stes, GotthchkeJt; Gott lieben ist sich im All des Lebens
alles und den Nächsten als dich selbst- auf sein Pflichtgebot. Und seine
schrankenlos im Unendlichen fühlen"'"· Unendlichkeit aber versteht
Bemerkung, daß Liebe, oder in der Bedeutung, die er dieser Liebe geben
Hege~ nicht. als das Gr~nzenlose, sondern als Voll-endung. Sie ist nicht
zu müssen meint- alle Pflichten gerne ausüben- nicht geboten werden
1dentJsch mJt der negativen schlechten Unendlichkeit, die nicht, wie die
könne, fällt von selbst hinweg; weil in der Liebe aller Gedanke von
wahre eine Rückkehr in sich selbst hat.
Pflichten wegfällt" 108• Die Liebe als das von keinem Geschöpf erreich-
bare Ideal anzusehen, ist verkehrt, "denn ein solches Ideal, in dem die
. In dem F~agme?t über die Liebe, das Hermann Nohl im Anhang
Pflichten als gerne getan vorgestellt würden, ist in sich selbst wider-
bnngt, erschemt d1e Hegeische Dialektik im statu nascendi. Dieses
sprechend, weil Pflichten eine Entgegensetzung und das Gernetun keine Fragment stammt aus der Frankfurter Periode, von der Haering meint,
Entgegensetzung forderten". daß s1e "für Hege! die wichtigste und epochemachendste seines Lebens
In der Liebe besteht "Einigkeit der Neigung mit dem Gesetze, wo- gewesen ist'~ na. ·
durch dieses seine Form als Gesetz verliert" 109 • Die Übereinstimmung
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Wenn Vereinigung und Sein gleichbedeutend sind, so findet "wahre: Wendung ins Universale und Abstrakt-Logische geht die Fülle des K •
Vereinigung, eigentliche Liebe nur untc: Lebendigen statt".U4, In ~er kre~en i~ejns, d~nn das eine Prinzip der D.ialektik beherrscht das All~~­
Liebe findet sich das Leben selbst, als ~me Verdoppelung semer Selnst ~eme Wie d~s Emzelne. Daru'? ist auch in Hegels Sprache das lyrisch-poe-
und El,nigkeit desselben; das Leben hat von der unentwickelten ~ini~­ ttsche :"nd ':'swnlire Element mnerlichst verschmolzen mit konkreter An-
keit aus durch die Bindung den Kreis zu emer vollendeten Emigkett sch,anlw~keJt un~ zu~htvoller Begrlfflichkeit. Diese Einheit im Stil Hegels
durchlaufen" n•. Zwiefach erläutert Hege! seine erste Aussage über die grundet m der Emheit des Allgemeinen und Einzelnen der Dialektik.
Dialektik: "Diese Einigkeit ist darum vollendetes Leben, weil in ihr auch . _Das Pri~zip d~r Unter~cheidung, welches den Weg zur Einung hemmt,
der Reflexion Genüge geleistet worden ist; der unentwickelten Einigkeit 1st m der Dialektik der Liebe: das Sterbliche, "Weil die Liebe ein Gefühl
stand die Möglichkeit der Reflexion, der Trennung gegenüber; in dieser des Lebendigen ist, so können Liebende sieh nur insofern unterscheiden
ist die Einigkeit und Trennung vereinigt, ein Lebendiges, das sich selbst ab si<; sterblich sind ... Liebende haben Selbständigkeit, eigenes Lebens:
entgegengesetzt worden war (und sich selbst izt fühlt), aber diese Ent- p~mzip he.Jßt nur: si<; können sterben" 114• Das Selbst-ständige, das der
gegensetzung nicht absolut machte. Das Lebendige fühlt in der Liebe das Emung wider-steht, 1st der Wider-stand. "Die Liebe strebt aber auch
Lebendige. In der Liebe also sind alle Aufgaben, die sich selbst zerstö- diese Unterscheidung, diese Möglichkeit als bloße Möglichkeit auiznhe-
rende Einseitigkeit der Reflexion, und die unendliche Entgegensetzung ben, und selbst das Sterbliche zu vereinigen, es unsterblich znmacheu"m.
des bewußtlosen, unentwickelten Einigen gelöst" 111 • Die Möglichkeit der D~r ;-ve~ zur Einung geht im Sein der Liebe über die Scham, die Hege!
Reflexion ist als Trennung die Negation, durch die das Leben hindurch femsmmg und überraschend deutet: "Das Trennbare, so lange es vor
muß, nm sich in der Liebe voll-endet als das Lebendige zu fühlen: "Der der vollständigen Vereinigung noch ein eigenes ist, macht den Liebenden
unentwickelten Einigkeit stand die Möglichkeit der Trennung und die Verlegenheit: Es ist_ei~e Art von .Widerstreit zwischen der völligen Hin-
Welt geaenilber; in der Entwicklung produzierte die Reflexion immer gebung der emZJg moghchen Vermchtuug, der Vernichtung des Entgegen-
mehr E;tgegengesetztes, das im befriedigten Triebe vereinigt wurde, bis y
ge~etz.ten in der ereinigung- und der noch vorhandenen Selbständig-
sie das Ganze des Menschen selbst ihm entgegensetzte, bis die Liebe die kelt; Jene fühlt sich durch diese gehindert- die Liebe jst unwillig über
Reflexion in völliger Objektlosigkeit auihebt, dem Entgegengesetzten das noch Getrennte, über ein Eigentum; dieses Zürnen der L.iebe über die
allen Charakter eines Fremden raubt, und das Leben sich selbst ohne wei- Individualität ist die Scham" m, Die Scham ist nicht ein Zucken des
teren Mangel findet. In der Liebe ist das Getrennte noch, aber nicht mebr s:erblichen, nicht eine Potenz der Selbständigkeit, die der Einung
als Getrenntes- als Einiges und das Lebendige fühlt das Lebendige"'"· Wldersteht, sondern "eine Wirkung der Liebe, die nur darüber daß etwas
In diesem Abschnitt fällt bei Hege! erstmals das Stichwort, das Feindseliges ist, die Gestalt des Unwillens hat ... ein rei~es Gemüt
sein ganzes Werk durchzieht: Entwicklung"'· In der Entwicklung pro- schämt sieh der Liebe nicht, es schämt sich aber, daß diese nicht voll-
duziert die Reflexion immer mehr Entgegengesetztes. Alles, worauf der kommen ist, sie wirft es sich vor, daß noch eine Macht, ein Feindliches ist,
Geist reflektiert, setzt er sieh als Gegen-stand, als Objel<t, das von ihm d.'l.s der Vollendung Hindernisse macht" ua. Deutlich zeigen sieh die Um-
getrennt jst, gegen-über. Diese Entwicklung erreicht ihren Höhepunkt, wo nsse de: Hegelsche? ~ialektik, .die auf die Vernichtung des Entgegenge-
das Ganze des Menschen vom Geist sich entgegengesetzt wird - wo die setzte? m de.r ':ere~mgung hmZJelt, was allein in der völligen Hingebung
Liebe die Reflexion in völliger Objektlosigkeit aufhebt, wo also das Ob- der Liebe moghch 1st. Der Rhythmus der Dialektik, der dem Leben ab-
jekt zum Subjekt wird. In dem Fragment über d.ie Liebe ist nicht nur das gelauscht ist, ist in das Geheimnis der L.iebe eingetaucht: "diesen Reich-
Schema der Dialektik entwickelt, sondern sogar die Stadien in ihrer tum d_esLe?ens_erwirbtdieLiebein der Auswechslung aller Gedanken, aller
Folge beginnen sich abzuzeichnen, wie sie in der "Phänomenologie des Manmgfaltigketten der Seele, indem sie unendliche Unterschiede sucht und
Geistes" ansgebreitet sind. In statu nascendi sind "logischer" und unendliche _Yereinigungen sich ausfindet, an die ganze Mannigfaltigkeit
"realer" Schritt unentwirrbar, und alle Versuche, die Hegeische Dialek- der Natur steh wendet, um aus jedem ihrer Leben die Liebe zu trinken" u•.
tik entweder als logischen oder als realen Prozeß zu verstehen, mißver- . Ist die s:rnthesis er~cicht, so trennt sich das Vereinigte nicht wieder:
stehen gerade die Einheit von logischem und realem Prozeß. Hegels "d1e Gottheit hat gewirkt, erschaffen". Im Symbol des Kindes stellt
bedeutsamste Elemente der Entgegensetzung und der Vereinigung sind Hege! die Idee der Synthese dar: "das Kind ist die Eltern selbst". Die
doppelsinnig konkrete Aussagen über eine Gestalt, zugleich aber uni- Eltern, "die Vereinigten, trennen sich wieder, aber im Kind ist die Ver-
versale Kategorien, Das empirische Material bildet den Grund, darauf einigung selbst ungetrennt worden" ll7. Auch in den spätern Schriften
die so abstrakt scheinenden Schemata der Logik auigcbaut sind. Mit der Hegels begegnet das Symbol des Kindes für die Synthesis, Die Synthesis
11
-154- -155-
· t k · e Starre sondern aus ihr wächst wieder Fülle. Das Kind, "dieses mit der Liebe. Der. Geliebte ist uns nicht entgegengesetzt, er ist eins mit
V em
· !S · ·gte aber' ist nur ein Punkt, der Ke1m,
· d1e · L'1eb en den k..onne~ 1'hm
u?seren; Wese.n; w1r sehen nur uns in ihm- und dann ist er doch wieder
ni~;~n;uteilen, daß in ihm ein Mannigfaltiges sich befände; denn I~ ~er mcht w1r- em Wunder, das wir nicht zu fassen vermögen" 121. Ist aber
Vere1m · ·gung 1·st nicht ein .Entgegengesetztes behandelt worden, s1e 1st die Sub~tanz der Liebe Gott, so ist die Substanz des Menschen Liebe: "In
· · · 1· · ·
re1n von aller Trennung·' alles ' wodurch es em Manmgfa
· . · tlges sem, mn t alten Zelten wa~delten dte Götter unter den Menschen; je mehr die Tren-
D asem · haben kann muß das Neugezeugte selbst m siCh gezogen, en - nung zunahm, d1e Entfernung, desto mehr lösten sich auch die Götter von
• . 'h' h
gegengesetzt und vereinigt haben. Der Ke1m wen~et s1c m;mer me. r den Menschen ab, sie gewannen dafür an Opfern, Weihrauch und Dienst
zur Entgegensetzung los und beginnt, jede ~tufe semer Entwicklung 1st -:- wurd~~ mehr gefürchtet, bis die Trennung so weit vor sich ging, daß
eine Trennung, um wieder den ganzen !l-eJChtum des Lebens selbst zu dte V~rmmgung nur durch Gewalt geschehen kann. Die Liehe kann nur
gewinnen. Und so ist nun: das Einige, d1e Getrennten und das W1eder-. stattfmden gegen das Gleiche, gegen den Spiegel, gegen das Echo unseres
vereinigte" 117 • •
121
Wesens" • So mischen s.ich in Hege! auf eigentümliche Weise Mystik
In diesem Fragment wird zwar nirgends d1rekt auf das Neue !esta- und Feuerbach, und diese gleitende Mitte durchherrscht das ganze Werk
ment Bezug genommen, und in der Erörterung über das Verhältms von Hegels: "Got~ is~ die Liebe, die Liebe ist Gott, es gibt ke.ine andere
L · b und Scham die Geschlechtlichkeit zugrunde gelegt. Doch macht es Gottheit als dte Ltebe- nur was nicht göttlich ist, was nicht liebt muß
d:~ ~usammenhang dieses Fragmentes mit den übrigen gan~ klar, daß die Gottheit in der Idee haben, außer sich""'· In dieser Weise voi!zieht
die Titel "Liebe" und "Leben" vom Johanneischen her ~estlm.mt sm?· sich in der Liebe die Offenbarung des Lebens und je voraus die Offen-
Der johanneische Liebesgedanke ist "in Wahrheit sogar mgenthch allem barung Gottes, die Hege! in allen Modifikationen in seinen Werken be-
derjenige, der der besonderen dialektischen Stru~tur de~ Hegels?h~n schreibt. Das ganze Hegeische System ist grundlegend Religionsphilo-
Liebesgedankens, als eines rein g~istigen ~erh.ältnJsses, w1e es allem m sophie, Darstellung der Selbstoffenbarung Gottes.
seine ganze Entwicklungslinie herempaßt, w~rklJCh ?er~cht w1rd ~nd ~.u~~ Die Dialektik, welche das Siegel der Liebe im Sein des Lebens auf-
seinen obigen Analysen des Liebesverhältnisses w~rkhch entspnc?t · deckt, ~rägt, als unauslöschliches Wasserzeichen eingeprägt, das Zeichen
Im zwölften Fragment, welches das Grund~onzept zum "Ge1st des des Getstes. "Das unendliche Leben kann man einen Geist nennen im
Christentums und sein Schicksal" bildet, entw1ckelt Hege! am ~ohan­ Gegensatz zu der abstrakten Vielheit des Toten, denn Geist ist d.ie leben-
neischen Evangelium und an Sätzen der Bergpredigt _das Pnn~1p der dige Einigkeit des Mannigfaltigen. . . der Geist ist belebendes Gesetz
Dialektik: das Objekt nicht vernichten, sondern versohnen. D~e. Ve;- in Vere.inigung mit dem Mannigfaltigen, das alsdann ein belebtes .ist" 12a.
söhnung des Schicksals durch die Liebe aber ist das Thema de.r Arb~1t, d1e Darum i~t das Gesetz. d.er Dialektik in der Phänomenologie des Geistes
Hege! im Entwurf kurz zusammendrängt:" Vergebung der Sunden 1s~ da- ausgebreitet und allsmtlg durchgeführt. Wenn Heae] in der Phänome-
h er n1'cht Aufhebung der Strafen (denn jede Strafe.
ist etwas Positives,
ufh eb ung d es b"osen nologie des Geistes "diese belebte Mannigfaltigkeit als eine Menge von
Objektives, das nicht vernichtet werden kann), mchtA vielen zu?'Jeich .setzt und doch in Verbindung mit dem Belebenden, so
Gewissens, denn keine Tat kann zur Nicht-Tat werden, so~dern durch werden d1ese Emzelleben Organe, das unendliche Ganze ein unendliches
Liebe versöhntes Schicksal""'· Der Liebe Hegels steht dte Moral:tät All des Lebens; wenn er das unendliche Leben als Geist des Ganzen zu-
Kants gegenüber: "Rückkehr zur Moralität hebt. die Sünden un.d Ihre gleich außer sich, weil er selbst ein Beschränkter ist, setzt, sich s~Jbst
Strafen, das Schicksal nicht auf; die Handlung ble1bt. Im Gegent~!l wtrd zugleich außer sich, .dem Besch~ä~kten setzt, und sich zum Lebendigen
sie nur um so peinigender; je größer die Moralität, ~m so tiefer :v1rd das emporhebt, aufs Inmgste stch m.lt 1hm vereinigt, so betet er Gott an""'·
Unmoralische derselben gefühlt, die Strafe, das .Schicksal wtrd ~1cht auf- Als Gebet, als Lobpreis Gottes ist die Phänomenologie des Geistes zu
gehoben, weil die Moralität noch i~me~.eine objektive Ma~ht stch gegen= · verstehen. Gott aber ist identisch mit dem Logos-Geist. "Daß das Wahre
überstehen hat" n•. Die L1ebe 1st d1e Blute des Lebens und 1m ~mfassen~ ~ur als System wirklich, oder daß die Substanz wesentlich Subjekt ist,
sten Sinne: "Reich Gottes der ganze Baum mit aller.' notwendigen Modi- 1st m der Vorstellung ausgedrückt, welche das Absolute als Geist aus-
fikationen Stufen der Entwicklung""'· So drängt stch Hegels Welt rest- spricht, - der erhabenste Begriff, und der der neueren Zeit und ihrer
los in das Geheimnis der L.iebe zusammen und die Dialektik des gesamten Religion angehört. Das Geistige alle.in ist das Wirkliche" 124,
Geschehens faßt sich in der Wahrheit der Liebe zusammen: .. Ve~gleicht man die Jugendschriften Hegels mit der "Phänomenologie
Die Substanz der Liebe aber ist Gott, und so kann dte. Rehgwn ~ls des Getstes", so fällt zuerst die Verschiedenheit des innern Tempos auf:
das Selbstbewußtsein Gottes beschrieben werden: "Die Rehgwn 1st ems. "denn die Sache ist nicht in ihrem Zwecke erschöpft, sondern in ihrer
-157-
-156-
ebenso die durchsichtige und einfache Ruhe" 130 , Bacchantischer Taumel
Ausführung, noch ist das Resultat das wirk}ich~ G~nze, sondern es .zu- und emfache Ruhe, .das Ineinander von Dionysos und Apoll bestimmtdas
sammen mit seinem Werden; der Zweck fur S)Ch 1st das Unlebend1ge, Wesen der Wahrheit. Das Zusammenwachsen, con-crevisse, von Subjekt
Allgemeine, wie die Tendenz das bloße _Treiben, .das seiner W!rklichkeit und Substanz läßt das Wahre entstehen. Es kommt darauf an d
noch entbehrt, und das nackte Resultat 1st der Leichnam, der d1e Tendenz Wahre nicht (nur) als Substanz, sondern ebensosehr als Subjekt ~~fz~~
hinter sich gelassen""'· Denn "das Wah:e ist das Ganze. Das Ga':ze fassen und auszudrücken" m. Getrennt sind Subjekt und Substanz ab-
aber ist nur das durch seine Entwicklung siCh vollendende Wesen. Es 1st strakt ..und s? entweder Eitelkeit der Subjektivität oder Empirismus.
von dem Absoluten zu sagen, daß es wesentlich Resultat, daß es erst am Gegenuber ~1esem z:rfall in zwei Abstrakta mischt Hege! das Endl.iche
126
Ende das ist, was es in Wahrheit ist" • und U?endbche zu .emer .Ganzheit zusammen. Die lebendige Substanz ist
Allein "die Ungeduld verlangt das Unmögliche, namUch die Errei- das Sem, "welches m Wahrheit Subjekt, oder was dasselbe heißt welches
chung des Ziels ohne die Mittel. Einesteils ist die Lange .die.ses "W_eges zu in Wahrheit ":irklich .ist, nur insofern sie die Bewegung des ·Si~hselbst­
ertragen, denn jedes Moment ist notwendig;- andernteils 1st be1 Jede~ setzens, oder d1e Vermittlung des Sichanderswerdens mitsich selbst ist"'"
sich zu verweilen, denn jedes ist selbst eine individuelle Gestalt ... Weil Die Sub.stanz ist ~Is Subjekt die reine einfache Negativitat und eben da~
sogar der Weltgeist die Geduld gehabt ha~, diese Formen in. der langen durch d1e ~nt~wemng des Einfachen. Nicht die ursprüngliche Einheit,
Ausdehnung der Zeit zu durchgehen und d1e ungeheure Arbeit der Welt- sondern d~e wiederherstellende Gleichheit ist das Wahre. "Es ist das
geschichte ... zu übernehmen, und weil er durch keine geringere das Be- Werden semer selbst, der Kreis, der sein Ende als seinen Zweck voraus-
wußtsein über sich erreichen konnte, so kann zwar der Sache nach das setzt und zum Anfange hat und nur durch die Ausführung und sein Ende
Individuum nicht mit weniger seine Substanz begreifen; inzwischen hat wirklich ist" •••. .
es zugleich geringere Mühe, weil an sich dies vollbracht"'": . · Der Ausstand und "die Ungleichheit, die im Bewußtsein zwischen dem
Das Tempo ist in der Phänomenologie verlangsamt, weil der Wider- Ich. und der Substanz, die sein Gegenstand ist, stattfindet, ist der Unter-
stand der Welt gewachsen ist, weil Hege! die ungeheure Macht des Nega- schied, das Negative überhaupt. Es kann als der Mangel beider angesehen
. tiven erkannt hat und dieser Macht nun ins Angesicht schaut. Eingehend ":e':den, ist aber ihre Seele oder aber das Bewegende derselben; weswegen
verweilt Hege! in der Phänomenologie bei' der Negation. Während der e~mge Alte das Leere als das Bewegende begriffen"'"· So wird die Nega-
junge Hege! in den Taumel der Liebe eingetauch~ ist u~d da~ Zürn~n der twn, der so~st :m deutsch~n Idealismus immer der Titel des Geringeren
Liebe über.die Individualität in den Jugendschnften ubenVIegt, d1e un- anhaftet, well s1e den Abstieg zur Welt darstellt, ins Innerste des Seins
willig ist über alle Trennung, erkennt Hege! in der Phäuomeuologi~: verlegt. Die ungeheure Macht des Negativen offenbart aber erst der Tod
Das Leben Gottes und das aöttliche Erkennen mag also wohl als em Denn der Tod "ist das Furchtbarste, und das Tote festzuhalten das.
'spielen der Liebe mit sich ;elbst ausgesprochen werden. Diese Idee :vas die größt.e Kraft erfordert" 133 • Im Tode aber erreicht die Ne~atio~
sinkt zur Erbaulichkeit und selbst zur Fadheit herab, wenn der Ernst, Ihre tlefs~e T1efe .und schlägt um in die Vollendung. Denn der Tod ist
der Schmerz, die Geduld und die Arbeit des Negativen darin fehlt""'· bere1ts die Negatwn der Negation. "Im Tode ist das Endliche als auf-
Die Trennung und "die Tätigkeit des Scheidens ist die Kr~ft und g.ehobenes ~esetzt. Aber der Tod ist nur die abstrakte Negation des an
Arbeit des Verstandes, der verwundersamsten und größten oder vielmehr s1ch N~gatlven; er 1st selbst ein Nichtiges, die offenbare Nichtigkeit.
der absoluten Macht" ' 29 • Die Negation ist das konstitutive Element der Aber d1e gesetzte Nichtigkeit ist zugleich die aufgehobene und die Rück-
Dialektik. Die Dialektik gewinnt ihre endgültige Gestalt durch die un-. kehr zum Positiven. Hier tritt das Aufhören, das Loskommen von der
geheure Macht des Negativen. Dialektisch "ist der Prozeß, der sich seine Endlichkeit ein. Dies Loskommen von der Endlichkeit ist im Bewußtsein
Momente erzeugt und durchlauft, und diese ganze Bewegung macht das n:cht das, was der Tod ist, sondern dies Höhere ist im Denken""., Aber
Positive und seine Wahrheit aus. Diese schließt also ebensosehr das d1e tiefste Negation des Todes muß durchlitten werden und darf nicht
Negative in sich, dasjenige, was das Falsche genannt werden würde, umgangen sein. "Aber nicht das Leben, das sich vor dem Tode scheut
wenn es als ein solches betrachtet werden könnte, von dem zu abstra- ~nd :on der_ Ve.rwüstung rein bewahrt, sondern das ihn erträgt und in
hieren sei ... Die Erscheinung ist das Entstehen und Vergehen, das selbst :hm S)ch e:halt, 1st das Leben des Geistes. Er gewinnt seine Wahrheit nur,
nicht entsteht und vergeht, sondern an sich ist, und die Wirklichkeit und mdem er m der absoluten Zerrissenheit sich selbst findet. Diese Macht
Bewegung des Lebens der Wahrheit ausmacht. Das Wahr_e ist so de.r ist er nicht, als das Positive, welches von dem Negativen wegsieht, wie
bacchantische Taumel, an dem kein Glied nicht trunken 1st und weil wenn w1r von etwas sagen, dies ist nichts oder falsch und nun, damit
jedes, indem es sich absondert, ebenso unmittelbar sich auflöst -ist er
-159-
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"die Finten der Vergessenheit, aus denen Ps eh .
fertig, da:von weg zn irgend etwas anderem übergehen; sondern er is<t Schmerz versenkt" strömen in diese R"''. yd e tr~nkt, worin sie allen
0 t d 11 R- ' , r ""Ion es Geistes'" H' . t d
diese Macht nur, indem er dem Negativen ins Angesicht schaut, bei ihm r ' " a a e atsel der Welt gelöst alle w· d .. . I er JS er
verweilt. Dieses Verweilen ist die Zauberkraft, die es jn das Sein um- den Gedankens enthüllt sind all 's I l ersdpruche des tiefer sinnen-
. R . ' e c 1merzen es Gefühl
kehrt" "''· Es ist die Mächtigkeit des Geistes, den Tod selbst in der Macht d Ie egwnderewigenWahrheit derewig R h d . s ve:stummen,
zu haben, denn dem Geiste ist solche "Macht des Vergehens" inne, daß Vom Menschen als homo s~iritualis e~s ~ \ esewigenFnedens"<41.
selbst "das Vergehen vergeht" •
135 fachen Gebilde der Wissenschafte K"' I e!s wesen, g:hen die "viel-
Lebens, Verhältnisse die sich ,.:; s/ns~, .~t~ressen s:mes politischen
Die Genesis des Geistes ist die Logik, die gleichzeitig eine Genesis des ziehen, aus" '"· Abe; a!l dies '.ne rei elt, a~f s~men Willen be-
Selbstbewußtseins ist. Schon im Worte Selbstbewußtsein, das eine Mitte letzten Mittelpunkt in der Id:em~nt~Igfac~end Verhal.t~1sse finden ihren
im Hegeischen System ist, klingt der dreifache Takt der Dialektik mit. Mensch im Verhältnis zn dieser M'~t es. " ~ er Rehgwn setzt sich der
hältnisse zusammen ehen I e, In v:e
ehe a~le semesonstigen Ver-
Denn das Selbst ist mit dem Sein durch das Bewußt verknüpft. Die Ge-
setze der Logik gründen in der dialektischen Struktur des Selbstbewußt- des Bewußtseins" "f und er erhebt siCh damit auf die höchste Stufe
seins: der Entzweiung und Versöhnung der Momente im Gauzen .des Wie in allem muß der Geist anch i d, R r , .
Selbst. Das Selbstbewußtsein ist ein Werden, und darum ist es zugleich ein laufen, denn dies liegt notwendig . ~ e~ e IgJ.on seme Bahn durch-
Sein und ein Nicht-Sein. Das Selbstbewußtsein könnte als Ich-Ich gar Denn der Geist "ist nur dadurch GI~ er egels~he.n Idee des Geistes.
nicht entzweit sein, wenn es nicht je zuvor in Einheit wäre, es könnte sich tion aller endliehenFormen als d' eis~ daß er fur .sich 1St als die Nega-
aber nicht als das Eine wissen, wenn es nicht je zuvor in sich entzweit nicht zweierlei Geist eben'kann les.e a s?lute I~e~tät" "'·Doch weil es
und unterschieden ware .. Weil das Selbstbewußtsein dialektisch, ein menschlichen, die sc~lechthin ~e~~~Je~~nen gotthchen. Geist und einen
Werden ist, ist es das Sein und das Nichts zugleich. So folgt daraus jener Geistes auch das Lehen Gotte n wären, s.o Ist der Weg des
Geistes, der Weg desselben ent~;- ~er ~roz~? des steh produzierenden
berühmte Satz Hegels, der die Grundlage seiner Logik ausmacht: "das
6
reine Sein und das reine Nichts ist also dasselbe" "' •
1
Weg ist noch nicht das Ziel un~ dun er~c :ede~e Momente. Aber der
Aber das Nichts ist keine harmlose Nicht-anwesenheit von Etwas, Weg durchlaufen zu habe ' er. Gmst Ist mcht am Ziel ohne den
sondern die nichtende Macht des Todes, durch den die Endlichkeit ver- noch nicht vollkommen s~i~~~=:e~t~~IOn~nhsemes Prozesses ist der Geist
endet. Die Endlichkeit ist, aher die Wahrheit des endlichen Seins ist das hafte, er ist sich noch ~icht selbst o~f=~~~~,!elt~~n~c~n.ic~ tdasWahr­
1
Ende: "Das Endliche verändert sich nicht nur wie Etwas überhaupt, son-
dern es vergeht. . . Das Sein der endlichen Dinge als solcher ist, den
wtrd durch dieselbe logische Notwe d'
Universums ist 145 Das E dl' h
endlichen in der N;tur
t . · n WIC ung Gottes
I~keit beherrscht, welche die des
Gottn IC eda sokist wesentliches Moment des Un-
Keim des Vergehens als ihr Insichsein zu haben, die Stunde ihrer Geburt . es, nn so ann man sag . G tt . t
ist die Stunde ihres Todes" 137 • Aber es darf nicht beim Sein der Endlich- der sich verendlicht" He Da E dl' 11 • . en. o Js es selbst,
keit verharrt werden, so daß die Vergangenheit bestehen bleibt, sondern Lebens und Gott dies · s n ;c~ Ist em Moment des göttlichen
es fragt sich tiefer, "ob die Verganglichkeit und das Vergehen vergeht? lebendiger Gott. 'Aber ~i!e~:g:~g m dslch selb~t un~ nur dadurch allein
Daß dies aber nicht geschieht, ist das Faktum eben in derjenigen Ansicht halten, sondern aufgehoben w:r~e~~ G~"tt~n:~chkBelt muß nicht festge-
s 10 ewegung zum Endli-
133
des Endlichen, welche das Vergehen zum Letzten des Endlichen macht" • chen und dad 1 1 A h ·
Eben diese Ansicht taucht auch wieder nach dem Zerfall der Hegeischen sich als endlic~Ir~~~!be~~e~~:t~e~~~~en z~ ~eh seihst; im Ich, als dem
Dialektik bei Heidegger auf, der, in der Nachfolge Kierkegaards, in der als diese Rückkehr. Ohne W~lt ist Gott n~~h~cGo~~;,uck, und 1st nur Gott
Endlichkeit verharrt und so das Nichts absolut setzt. Der absolute Geist In drei Stufen der Dialekt'k 1· · . ·
aber hat die Macht über den Tod, so daß nicht nur das Endliche "ver- ist die göttliche Geschieht ; "exp !Ziert sich die göttliche Idee. Geist
gänglich ist und vergeht, sondern daß das Vergehen, das Nichts nicht das rens und dies in sich z .. e, er Prozeß ~es Swhnnterschmdens, Dirimi-
Letzte ist, sond.ern vergeht" ms. Schon der unvergleichl~:~~~e~':'en~ ;';" l~t die göttliche Geschichte",.,,
In der Religion entlädt sich der Mensch aller Endlichkeit und ge- scher Ga h . . . er Inan hr!stlan Baur, der noch in Hegel-
winnt die Freiheit, denn in dieser Region verhält sich der Geist nicht zu nalle Ver~~t't ~hilo~ophie und Theologie beherrscht hat, weist auf das
etwas Beschränktem, sondern zum Unendlichen, und das ist ein Ver- großen Abst~ISd dege szz~r Gnosis hin, "ein weit näheres, als man bei dem
ps~udoc;e!~~~~~i:~~:
n er elten... vermuten sollte" 14& All .
hältnis der Freiheit und nicht mehr der Abhängigkeit. Alle beschrankten Systeme, vornehmlieh aber die valentianische und
Interessen sind auf der "Sandbank der Endlichkeit" zurückgelassen, nnd
-160- -161-

Gnosis; "tragen im Allgemeinen denselben Charakter an sich, ihr Prinzip gnostischen s.ystemen' ist derselbe Wendepunkt dadurch bestimmt, daß
ist dasselbe und die Momente, durch die sie sich in ih1·er Entwicklung der Mensch mcht bloß als psyche betrachtet wird, sondern das Fünklein
hindurchbewegen, sind dieselben",.., des pne~ma in si~h erkennt. Der Unterschied zwischen psyche und
An der Spitze steht der absolute Geist. Die Äonen der valentiani- pneuma 1st, daß s1eh das pneuma semer Identität mit dem absoluten
schen Gnosis, durch welche sich der Uräon selbst reflektiert, sind die Geist bewußt ist. Dieses Wissen, welches das entscheidende Wissen der
reinen Wesenheiten, in denen der Geist sein eigenes Wesen denkt, die Gnosis ist, muß verhelfen, das natürliche Bewußtsein der Endlichkeit zu
Selbstbewegung des an sich seienden Geistes. In den Äonen manifestiert überwinden und. aufzuheben. Im pneumatischen "Ich, als dem sich als end-
sich in der Einheit auch schon die Verschiedenheit, der Unterschied des lkh aufh<;benden, kehrt Gott zu sich zurück und ist - flir Hege! wie für
Geistes von sich, als Weg zum Anderssein und zur Verendlichung ,.•• d1e Gnos1s - nur Gott als diese Rückkehr" lli6 , Ganz unmittelbar be-
Weil Gott Geist ist, so tritt keine Dunkelheit, keine Färbung oder Mi- stätigt dies Tertullian für die valentlanische Gnosis, dafl Gott nur in
schung in dies reine Licht'' l. 50, gleichwie in das gnostische Licht des dieser Rückkehr zu sich Gott ist:" Gott ist nur dadurch Gott daß er das
Vaters, in das Iumen pateruum. w?s er _in der E~thymesis und dem Ektroma (der Achamoth) in seine;
Gott ist zwar Prozeß, aber als Bewegung zu sich selbst ewige Identi- D1.remtwn von s1ch unterschieden hat, in sich zurücknimmt durch die
tät. Denn "der heilige Geist ist die ewige Liebe" 151 • Die Liebe aber ist Negati~n der Ne~ation,_ sich mit sich selbst vermittelt""'· Die Erhebung.
wie die gnostischen Syzygien ein Unterscheiden Zweier, die doch fürein- ?es. Ge1ste_s v?l!ZJeht SJC~ dmch. das pneuma. Die pneumata sind die-
ander schlechthin nicht unterschieden sind. Das Gefühl und das Bewußt- Jemgen, d1e sJCh durch d1e Gnosis der Idee des Absoluten bewußt sind.
sein dieser Identität ist die Liebe. Auch das gnostische pleroma, das ~iepn?umatikoisind die Gemeinde der Auserwählten, diedie Sophiaihrem
Reich der Äonen (welche, obgleich unterschieden, doch zugleich sind) 152, hn~mhsche~ Bräutigam zur Vereinigung mit dem pleroma zuführt, dem
ist zwar durch den Unterschied zerspalten, aber dieser Unterschied Ist Re1ch der Äonen, mit welchem die ecclesia, als einer der Xonen: an sich
unmittelbar aufgehoben in der Identität des absoluten Ge.istes mit sich identisch ist. Die Ger;>einde des Geistes vollzieht "den Übergang vom
selbst. In der ersten Form des gnostischen pleroma, im Reiche des Vaters, bloßen Menschen zu emem Gottmenschen" und ist "die Explication der
wie auch Hegel diese Sphäre nennt, wird die Unterscheidung noch nicht Versöhnung, daß Gott versöhnt ist mit der Welt" 1sa.
wirklich. "Die absolute, ewige Idee ist (vorerst) an und für sieh Gott in Die Systeme der Gnosis und dasjenige Hegcls gründen also in der
seiner Ewigkeit, vor Erschaffung der Welt, außerhalb der Welt" 1"'. Erst Voraussetzung, daß sich die göttliche Idee in den drei Stufen der Dialek-
in der zweiten Form, dem Reiche des Sohnes der Welt, wird die Spaltung tik expliz~ert und vollzieht. "Geist ist die göttliche Geschichte, der Pro-
offenbar. Die Welt, dies Anderssein Gottes, "spaltet sich an ihm selbst in zeß des S1chunterscheidens, Dirimirens und des in sich Zurucknehmens,
diese zwei Seiten, die physische Natur und den endlichen Geist" 1"'. Auf er ist die göttliche Geschichte" m,
dieselbe Weise spaltet sich in den gnostischen Systemen die Lichtwelt des
pleroma zur geschaffenen, wirklich-endlichen Welt: durch den Abfall der , In de~ Erörterungen über joachimitische Prophetie und Hegeische
Sophia-Achamoth, die eben darum als die untere Sophla von ihrer Mutter, Ph1losoph1.e 1st der Zusammenhang zwischen joachilnitischer Theologie
der oberen Sophia, unterschieden wird. Der endliche Geist Hegels ist mit der GeschiChte und Begelseher Philosophie der Geschichte aufgedeckt
der gnostischen psyche identisch. "Der Demiurg, das Prinzip des Psy- worden. Die christliche Trinität wird wesentlich geschichtlich verstanden
chischen ist mit den Menschen, welche, soweit sie von ihm geschaffen und ineins gesetzt mit dem dialektischen Prinzip der Geschichte. Aus
sind, au~h um psychischer Natur sind, nichts anders, als der endliche dem Prinzip der Liebe und der Freiheit, die beide im Wesen des Geistes
Geist, da er von nichts anderem weiß, als von der äußern Natur, in deren id~ntisch s!nd, konstruieren J oachfm und Hege/ die Weltgeschichte im Hin-
Sphäre er sich bewegt und welcher er als ihr Beherrscher gegenü?er- blick auf em Ende der Erfüllung. Gemeinsam ist beiden die Ineinssetzung
steht" '"·In der dritten Form vollzieht sich die Aufhebung der Negatwn, der Geschichte des Geistes mit dem Gang der Weltgeschichte. Wie die
die Negation der Negation. "Das ist der Weg, der Prozell der Versöhnung, Exegese. Joachims das metaphysische Geschick Christi, zn dem auch die
wodurch der Geist, was er von sich unterschieden in seiner Diremtion, Auferstehung gehört, geschichtsdialektisch deutet, legt auch Hegel in der
seinem Urteil, mit sich geeinigt hat und so der heilige Geist ist, der Geist Religionsphilosophie Tod und Auferstehung seiner geschichtsdialek-
iSt in seiner Gemeinde" 165 •
tischen Spekulation zugrunde.
Durch die Verendlichung hindurch wird der absolute Geist um sich In Tod und Auferstehung ist das Prinzip der Dialektik wirksam. Zu-
selbst wissend als absoluter Geist in der Negation der Endlichkeit. In den nächst führt Hege! das Schicksal Christi beispielhaft an. "Es ist das Los
-163-
-162 ~
in der römischen Kaiserzeit die all emei e . .
der menschlichen Endlichkeit, zu sterben; der Tod ist so der höchste Be- schwnnden war, das Göttliche pr f g . t n Emhe)t der Religion ver-
rat- und tatlos und ohne Zut o amer wurde, das poHtische Leben
weis der Menschlichkeit, der absoluten Endlichkeit: und zwar ist Christus
gestorben den gesteigerten Tod des Missetäters; nicht nur den natürli- Form des Privatrechts flücht::uen :":J•
die Vernunft sieb allein in die
chen Tod, sondern sogar den Tod der Schande und Schmach am Kreuze: 160 die erhoben wurde, so ist auch 'etzt e u~ as besonde:e Wohl zum Zwecke
die selbst eigene Meinund O~nt Hege!, "da die moralische Ansicht
d
Menschlichkeit ist an ihm bis an den äußersten Punkt erschienen" •
Jedoch bis in das Innerste Gottes ist das Prinzip des Todes wirksam: sich zum Geltenden gemac~~ hat ~.ze~gu~g
ohne objektive Wahrheit
"Gott ist gestorben, Gott ist tot -dieses ist der fürchterlichste Gedanke, nusses an der Tagesordnun "166 'D.'e "uc t des Pr)v.atrechts und Ge-
daß alles Ewige, alles Wahre nicht ist, die Negation selbst iu Gott ist; der nung ist zerstört, und die M:cht des Ie Emhe)t des . Geis_tes, die Versüb-
denn "dazu hat der Verfall t' f ?taates kann hier mchts ausrichten
höchste Schmerz, das Gefühl der vollkommenen Rettungslosigkeit, das
Aufgeben alles Höheren ist damit verbunden.- Der Verlauf bleibt aber mehr das Evangelium gepr zd~
Ie ~mgegriffen.
Wenn den Armen nicht
nicht hier stehen, sondern es tritt nun die Umkehrung ein; Gott nämlich und alle Grundfesten stillsc~~~g:~~dh.wenn das Salz d~mm geworden
erhält sich in diesem Prozeß und dieser ist nur der Tod des Todes. Gott das Volk, für dessen ed . . mweggenommen smd, dann weiß
der Vorstellung sein gka~~ngen bleibende V~rnunft die Wahrheit nur in
steht wieder auf zum Leben; es wendet sich somit zum Gegenteil. Es ist
helfen" 166, Diesen Mißto, .,cte: Dr~nge semes Innern nicht mehr zu
kenntnis auflösen ~nd de: z a e~ Wl~l Hege! in der philosophischen Er-
1
dies die Auferstehung" " .
Tod und Auferstehung aber sind nicht "Wunder", einmaliges Ereignis 162
nunft mit der Rell ion _ i wec s.e'?'er V~rlesun~en ist eben die Ver-
im Geschick Christi, sondern: "Einer ist so Alle; Einmal ist Allemal" •
Die Auferstehung, "die Überwindung des Negativen ist nicht ein Aus- in der Staatsphilos~phie; m~t ~":r ~ehgwnsphllos?phle; mit dem Staat _
ziehen der menschlichen Natur, sondern ihre höchste Bewährung selbst "zu versöhnen, diese in ihren m es~llsc~aft- m der Rechtsphilosophie
im Tode und in der höchsten Liebe. Der Geist ist nur Geist als dies Nega- dig zu erkennen und in R r . a!lmgfaltlgen Gestaltungen als notwen-
tive des Negativen, welches also dasNegative selbst in sich enthält. Wenn und die Idee wiederzufindee ,',g;~n, Staat und Gesellschaft die Wahrheit
daher der Menschensohn zur Rechten des Vaters sitzt, so ist in dieser Er-
A n .
" ber diese
gemeinheit" Versöhnung
167 Da 't hl .ist selb st nur eme
. partielle ohne äußere All-
höhung der menschlichen Natur die Ehre derselben und ihre Identität
s . a~ . ema an, das die ganze
6 . ml sc ägt Hege! selb t d Th
mit der göttlichen aufs höchste vor das geistige Auge getreten" 1 1. Die Kritik von Marx beherrscht. Di .
absolute Geschichte der göttlichen Idee ist kein einmaliges Geschehen, abgesondertes Heiligtum un·d•.h e ~~llosop?Ie )St !n dieser Beziehung eiu
163
stand; der mit der Welt n'ch: re Iener bilden einen isolierten Priester-
sondern das, was an sich geschehen ist, und was ewig geschieht • Die
·dritte Stufe, die Entstehung der Gemeinde ist mit dem Ausgießen des der Wahrheit zu hüten hat' w· zu~amn:eng~h~n darf und das Besitztum
Heiligen Geistes identisch. "Das Bestehen der Gemeinde ist ihr fort- aus ihrem Zwiespalt hera~sfi '~ Sich die. ze)~hche, empirische Gegenwart
dauerndes ewiges Werden, welches darin begründet ist, daß der Geist dies lassen, und ist nicht die unmit~e~aWie Sie. SICh gestalte, ist ihr zu über-
der Philosophie" 167, r praktische Sache und Angelegenheit
ist sich ewig zu erkennen" 164. Die Erkenntnis in der Gemeinde entwickelt·
sich stufenweise, und so sind im Reich des Geistes drei Stufen oder
Stände: der erste Stand der unmittelbaren, unbefangenen Religion und
des Glaubens, der zweite der Stand des Verstandes, der sogenannten Ge-
bildeten, der Reflexion und Aufklärung, und endlich der dritte Stand
die Stufe der Philosophie" •
165 Marx und Kierkegaard
Allein gerade am Schluß der Religionsphilosophie, die nicht ein be-
sonderer Teil des ganzen Systems ist, sondern seine Mitte und sein
Schwerpunkt, endigt Hege! "mit einem Mißton", der das ganze System Die NachfolgeHegels
zersprengt und aufsprengt in dieneue Stellung, dievonMarxundKierke-
gaard eingenommen wird: die Frage nach der Wirklichkeit. Denn wenn
der Ort erreicht, wo sich der ganz~~ os_o~ Ie, da der Mißton auftritt, ist
Mit dem Ende der Religions h'l h'
das Entstehen und Bestehen der Gemeinde im Reiche des Geistes be-
schrieben wird, so muß auch das Vergehen in Betracht gezogen werden. sachlicher wie historischer K reis es Hegeischen Systems in ebenso
"Vom Vergehen sprechen hieße also mit einem Mißton endigen.165Allein, stoff ist im Prinzip Hegels ;:s~iu~nz selber aufsprengt. Der Spreng-
rel s atent. Wenn auch im Hegeischen
was hilft es? Dieser Mißton ist in der Wirklichkeit vorhanden" • Wie
.:.._ 164 - -165-

ist allen die Auflösung der bürgerlich-christr h


·System die Macht des Staates, das Ahnen der Religion und die Prinzipien Hegels philosophischer Theo!oaie des Pr t I~ en_Welt amLeitfaden von
der Philosophie zusammenfallen, wenn Hege! die Versöhnung der Wirk- Kritik, die Schärfe der Ausein:nderset o es antlsmus. Das Ätzende der
lichkeit mit dem Geiste, des Staates mit dem religiösen Gewissen, des keit kann nur am Maßstab der Entsch~udng te en hvo~
Cit Vernunft
von Heg 1und
V Wirklich-
..
religiösen Gewissens mit dem philosophischen Wissen vollbringt, so ist ermessen werden. Letztlich gründet He els Vers· e s ersohnung
die Versöhnung vom Hauch des Todes berührt. Denn die Philosophie ist Mensch, von Vernunft und Wirklt"chk .t ~ d ohnung von Gott und
die "Versöhnung des Verderbens" " 8 • · · ei m er Menschw d G
W as In Chnstus geschehen ist ist ewiges G h h er ung ottes .
Die Philosophie tritt erst da auf, "wo ein Volk aus seinem konkreten .t All . . ' esc e en des Mensch . E.
IS so e, Emmal Ist Allemal""' D" E" h . en." mer
Leben überhaupt heraus ist, Trennung nnd Unterschied der Stände ent- menschlicher Natur ist für Marx : /·ese . m ett vun göttlicher und
standen ist, und das Volk sich seinem Untergange nähert, wo ein Bruch zweit. Während für Hege! Christl7~~ke~~ ~Ierkegaa~d schlechthin ent-
zwischen dem innern Streben und der äußern Wirklichkeit eingetreten gehen, verstehen Marx und K nd Welthchkett zusammen-
ist, die bisherige Gestalt der Religion usw. nicht mehr genügt, wo der Weit". Die Wirklichkeit die Ife~~e~:;r~ das ;~7stentum als "verkehrte
Geist Gleichgültigkeit an seiner lebendigen Existenz kund gibt oder un" scheint Marx und Kierkegaard im S h ettnocd mmat der Vernunft ist,
befriedigt in derselben weilt, und ein sittliches Leben sich auflöst". D~e Ineinssetzung von Vernunftc ua en,. er -~elbstentfremd~ng.
"Wenn die Philosophie mit ihren Abstraktionen Grau in Grau malt, so ist ~lasstsch in der Vorrede zur Rechts hifd ";.r~tchkCit for~uh~rt. Hege!
die Frische und Lebendigkeit der Jugend schon fort; und es ist ihre Ver- Ist wirklich; und das was wirk!" h~ t odsop .te. "Was vernunfüg Ist, das
söhnung eine Versöhnung nicht in der Wirklichkeit, sondern in der . ' IC 1s , as 1st vernünftig" 1ssa D ·
ga b e der Philosophie ist es, die Wirklichk "t "t V . Ie Auf-
ideellen Welt" ' 68• Diese Erscheinung bewährt sich durch die ganze Ge- ken. Die Übereinstimmun v . ei. m~ ernunft nach-zu-den-
schichte der Philosophie. Erst mit dem Untergang der jonischen Staaten stab der Wahrheit. Aber !ch~~~~ee und _'I'Irkhchkeit ist sogar der Maß-
in Kleinasien geht die jonische Philosophie auf, Sokrates und Plato sind Weise und im seihen Maß Wirk~~~h~a\ub;rhaupt da ~st, ist in gleicher
dem athenischen Staatswesen entfremdet, in Rom breitet sich die Philo- scheidet Hege! die nur vorübergehendeet . n.n ~er Wzrkllchkezt unter-
sophie erst mit dem Untergange der römischen Republik unter der despo~ tungslose Existenz. Eine solche bloß zufä~~~!";~~~~\~n? darun: bede~­
tischenHerrschaftdes Cäsarismus aus. Mit dem Untergang des römischen dem "emphatischen" Namen: Wirklichkeit b Ir IC eit dad mcht mtt
Kaisertums geht irreins der Aufstieg der neuplatonischen Philosophie. setzung von Vernunft und Wirk!" hl . elegt werden. Dtese Ineins-
Ebenso im fünfzehnten und sechszehnten Jahrhundert, wo das Gefüge würdig. Die bei Hege! in einem p'~n~ett abe; _vmd später höchst frag-
des Mittelalters zerbricht, beginnt die Philosophie der neuern Zeit. So ni.mft der Wirklichkeit und der Wirklit~;e;etmgten Sätze von der Ver-
ergibt sich nutwendig, daß auch Hegels Versöhnung eine Versöhnung des "rechts" oder "links" konservat· dc. eit der _Ye:nunft _werden nach
Verderbens der bürgerlich-christlichen Welt ist. nächst im Element der Reli i IV o ~I revolutiOnar veremzelt - zn-
Mit unerhörter Anstrengung ist in Hege! die Situation der Weltmitte Zerfällung der Einheit entfp~~· ~a~n ImhElement der Gesellschaft. Die
erreicht. Die Vermittlung von bürgerlicher Gesellschaft, christlicher Reli- Hegels konkreter (con-creviss': - ~~ a strakt~n Vereinseitigung von
gion und den Prinzipien der Philosophie wird von den Nachfolgern Hegels Rechte mystifiziert die Wirklichkei;als üs:mlme_nfugen) Philosophie. Die
als Harmonisierung, ja als "krassester Mater~aHsmus" ~erworfen. Die der Verstand der überlogischen w·1 kl" h~ ?gtsch und verlangt, daß sich
mystische, spitzenhafte Ineinssetzung von Vernunft und Wirklichkeit, die dagegen entwertet die Wirklichkeit ~ IC eit ~npassen solle. Die Linke
Hege! vollzieht, wird von Marx und Kierkegaard in die Enden der Äußer- unterlogische Wirklichkeit sich de ~s unte;logtsch und verlangt, daß die
lichkeit und Innerlichkeit auseinander gesetzt. Hegels Anstrengung, die aber ist das konservative und rev:lut~rn~n tMder Idee anpasse. In Hege!
Enden zu vereinen, war eine "Anstrengung des Begriffs". Gegenüber Gleich wie sich Joachim von ;on re o~ent gleich gültig.
Hegels Allseitigkelt im einseitigen Element des Begriffs, vertreten Marx logie und revolutionären Proph!i~ns, tro~z se~ner umstürzenden Theo-
und Kierkegaard die entschiedene Einseitigkeit des Interesses im all- Mittelalters einfügen kann kan . h ~eh m dte geltende Ordnung des
seitigen Element der Wirklichkeit. ßischen Staates unterurdn~n n st_c . egel willig dem System des preu-
Um 1840 ist die Versöhnung Hegels zu ihrem Ende gekommen. Im ordnen und so den Ausbruch ~nd siCh m ?te bürgerliche Gesellschaft ein-
Jahre 1843 erschienen folgende Schriften, die umstürzend wirken sollten: phie verhindern. Allein· der k er revol:'twnären Tendenz seiner Philoso-
Feuerbachs "Grundsätze der Philosophie der Zukunft", "Das entdeckte sophie ist relativ ihr revoluti::~erv~~ve Aspekt der Hegeischen Philo-
Christentum" von Bruno Bauer, Kierkegaards "Entweder-Oder" und die wie Joachim ver~teht Hege! d a~r arakter aber absolut. Denn gleich
"Kritik der Hegeischen Rechtsphilosophie" von Kar! Marx. Gemeinsam en ang der Weltgeschichte als einen Pro-

• ·1.

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il,.
·]
-166- -167-
zeß des Fortschritts und 'somit als eine ständige Negation des bestehenden schieneneu "Posaune des jüngsten Gerichts ..
Systems. Ebenso wie die junge Generation der Spiritualen in sich selbst nnd Antichristen" beweist Bruno Bau d :e~ Hege! den Atheisten
die Verheißung vom ordo spiritualis erfüllt sieht, wollen die Linkshege- erst die schlimmen Linkshe elianer er en " o lgesmnten ", daß nicht
lianer die Wirklichkeit am Leitfaden der Hegeischen Vernunft verändern. "Atheist" und "Antichrist" g~wesen ist".on~r~. schon Hege! selbst ein
Gemeinsam ist den Spiritualen und Linkshegelianern, daß sie die revolu- seligen ... , die es gern hörten daß R I' : " ' dle Armen und Unglüek-
tionären Konsequenzen aus der joachimitischen Theologie und Hege!· • .
f aUen, d1e • . e 1g1on un Philoso h'
1hren Gott noch zu behalt . t . P re zusammen-
sehen Philosophie der Geschichte ziehen. Wie die katholische Kirche die nahmen, die Religion sei das en mem. en, wenn Sle hörten und an-
Spiritualen aus dem System der mittelalterlichen Welt ausschließt und In Wahrheit bedeute aber ~:~:~~~w:l~tsem des ahsolu!'en ~eistes" m.
als Ketzer verfolgt, so stößt auch die hürger!iche Gesellschaft die Links- rung "'· Deshalb warnt Bauer v~r r arung der RehgJon Ihre Zerstö-
Viele hat das Zauberwort Versöhn~:~ Zauber~o~Hegels: Versöhnung.
hegelianer aus sich heraus, ••. Feuerbach muß seine Erlanger Dozentur
aufgeben, Ruge verliert seine Hallesche Dozentur. Um nicht ins Gefäng-
nis zu kommen, flüchtet Ruge aus Deutschland nach Paris. Auch in Paris
u~d dem Atheismus entgegengeführt. r:: : :~ hf~en Gott abgezogen
dre Versöhnung der Vernunft mit d R . ~ r ert eißt aber nach Hege!
wird er verfolgt und flüchtet von dort in die Schweiz, von der Schweiz keinen Gott, und das Ieh habe es in~ ~~~n, daß man einsieht, es gebe
schließlich nach England. Stirner, der zuerst Lehrer an einer Schule ist, zu tun, während es meint es hab er. .rgwnrmmer.nurmitsichselber
verk!lmmt im kleinbürgerlichen Elend in Berlin und muß seine Existenz Gott zu tun. Das Selbstb~wußtse' e ~~t. e.me~ lebend•!ien, persönlichen
als Milchhändler fristen. Bruno Bauer wird wegen seiner radikalen For· Ich sich einerseits wie .in einem S ~~ ~s I Jenes aubennrttel, womit "das
schungen zu den Evangelien der Dozentur enthoben und lebt lange Jahre wenn es sein Spiegelbild Jab.rtau;e e"e verdo~pelt und endlieh nachher,
in einem von ihm selbst gezimmerten Stall in der Nähe von Berlin. Der hinterkommt, daß jenes Bild im ~de lang fur Gott gehalten hat, da- '
Plan von Kar! Marx, sich in Bonn zu habilitieren, scheitert. Verfolgt von strafende Gerechtigkeit Gottes is~~=!~a~s selber seJ. Der Zorn und die !
den Polizeiregierungen des Kontinents, flüchtet Marx von Land zu Land Ich selbst die Faust ballt und im S ie el . h ~rchts anderes: als daß das J
und findet sein letztes Exil in England. Kierkegaard kann sich nicht ent~ das Erbarmen Gottes ist wied p :g srch selber droht; d!e Gnade und
schließen, nach dem theologischen Examen eine Pfarrstelle anzutreten,
und lebt in Dänemark als Sonderling verlacht, zerfallen mit Kirche und
Spiegelbilde die Hand ibt ~rum ': 1 ~hts anderes, als daß das Ich seinem
die Philosophie hebt di: 111 ' ~•e Re;lgJOn hält jenes Spiegelbild für Gott,
I
Staat. Hinter den Linkshegelianern lauert Seilopenhauer mit seinem dem Spiegel niemand steck~s on au und zeJgt dem Menschen, daß hinter
höhnenden Sputt über die Professorenphilosophie der Phllosophiepro- mit welchem bis dahin da l,hdaß esh also nur der Widerschein des Ich sei
sse e ver andelthabe"m I d' K '
fessoren, Von Schopenhauer, der sich selbst aus dem akademischen Leben Hegels Religionsphilosophie wird v B · n Iesern ampf um
zurückzieht, führt der Weg zu Nietzsche, der "6000 Fuß jenseits von die Krise der christlichen R r1 . on . runo Bauer und von Kierkegaard
Mensch und Zeit" die Maße einerneuen Welt entwirft. sophie enthüllt Ruge d' ~ ~10 n radrkal enthüllt. Um die Rechtsphila-
der Hegeischen Rechtsp~los: ~: und l~arl Marx treibt sle in der Kritik ·
1
Die Verwirrung um Hege! wird sachlich ermöglicht durch die grund-
sätzliche Zweideutigkeit der Aufhebung. Die Zweideutigkeit hat die Zielren die äußersten Konse p re auf dJe Spitze. Marx und Kierkegaard
Aufhebung Hegels mit dem Iransire Joachims gemein. Es ist schwer, sich sophie: Marx zerstört dieb:fru:n.z~m aus dem. Z~rfall der Hege!Bchen Philo-
heute den ganzen Ernst des Streites zu vergegenwärtigen . .,Diese Zeit bürgerlich-christliche Welt. g Jllch-kaprtallsttsche Welt, Kierkegaal'd die
muß man sich zurilckru!en, um zu wissen, was es mit der wirkliehen Herr- Wie einst die Spiritualen durch di . . . ,
schaft und Geltung eines philosophischen Systems auf sich hat. Jenes die Linkshegelianer durch die H ·~ )oaehu~utiseh~ Theologie werden
Pathos und jene Überzeugtheit der Hegelianer vom Jahre 1830 muß man nicht mehr eine innere Reform d ege sehe Phrlosoph~e darauf gelenkt,
sieh vergegenwärtigen, wclche im vollen, bittern Ernst die Frage venti- sondern die Veränderung zu pro:f be.stehenden Gesellschaft zu erstreben,
lierten, was wohl den ferneren Inhalt der "Weltgeschichte bilden werde, um das volle Ende der christlich:::ueren. Im Wiss_en un: die Vollendung,
nachdem doch in der Hegelschen Philosophie der Weltgeist an sein Ziel, proklamieren seine Erben F - b v;,elt durch dre Philosophie Hegels,
an das Wissen seiner Selbst hindurch gedrungen sei""'· Während an- Kierkegaard und Marx di~ V euerd ac und Ruge, Stirner und Bauer,
fänglich die konservativen Philosophen versuchen, Hege! ganz in das Staates und der Gesellschaft :~~~d:~ung: Indem ~Iegel _das Wesen des
System der protestantischen Christlichkeit einzufügen, müssen sie doch Spiritualen einer znkii fti G t, g•bt er, gleich WJe Joach.im den
Position um Position preisgeben und endlich, wie es der christli~he der bürgeriichen Gesel~ch~~~ ruppe d!e Möglichkeit, den Anspruch
Philosoph Pranz von Baader tut, Hege! verwerfen. In der anonym er- philosophisch und geschichtslo .zuh bestbreJt~~ und den Selbstanspruch
grsc zu egrunden. Hege! liefert der j un-
-168-
-169-
gen Generation die Argumente, der bürgerlichen Gesellschaft das Recht sei~e Kritik auf die Selbstentfremdun . d" ..
der geschichtlichen Existenz abzusprechen. Hege! ermöglicht es dieser tahsmus ist, und Kierkegaard richtet g,_ Ie fu.r _den Menschen der Kapi-
neuen Gruppe, sich als die Bringerio des wahren Wesens auszugeben und dung, die für den Christen die Chri"st· shmr:e _Kntik auf die Selbstentfrem-
die bestehenden Verhältnisse am Leitfaden der Hegeischen Idee zu revo~ · ·t h en eitistl"
. MI a~ tzehn Jahren steht Marx an d • .
Jutionieren. So schmiedet, wie Joachim den Spiritualen, Hege! den Links- emem Bnef an seinen Vater der zu d ~'" e~tschmdenden Wende. In
hegelianern die Waffen, mit denen sie die bürgerliche Gesellschaft bec gehört, gibt er Auskunft vo~ der entse~ ':'~chtigsten Schriften von Marx
kämpfen. "Es gibt Lebensmomente die wi·e Ge ei enden Wende se.ines Geistes.
Z CI•t SIC
· h stellen, aber zugleich
' auf . renzmarke . n vor eine . abgelaufene·
Marx und Kierkegaard
hinweisen. In solch einem Übergan;~~~~~~;ü~;chtu?g mit Bestimmtheit
Gleich wie das innerliche Licht der spiritualen Mystik in Münzers dem Adlerauge des Gedankens das Ver an en Wir uns gedrungen, mit
Theologie der Revolution zur verzehrenden Flamme wird, so schlägt der betrachten, um so zum Bewußts . g gene und Gegenwärtige zu
1 . em unserer wirk!" h
Funke von Hegels Philosophie zum Feuer der revolutionären Lohe von ~ngen: Ja die Weltgeschichte selbst liebt solch Ie_en Stellung zu ge-
Marx um. "Die innere Selbstgenügsamkeit und Abrundung ist gebrochen. Sieht sich, was ihr dann oft den Schein .. es Ruckschauen und be-
Was innerliches Licht war, wird zur verzehrenden Flamme, die sich nach· aufdrückt, während sie doch nur i d desLRuckgehens und Stillstandes
außen wendet. So ergibt sich die Konsequenz, daß das Philosophisch~ b~gre!fen, ihre eigene, des Geiste~ T=~ e_hnstuhl sich wirft, sich zu
Werden der Welt zugleich ein Weltlich-Werden der Philosophie, daß ihre Mit diesem weltgeschichtlichen V I . h geistig zu durchdringen""'·
Verwirklichung zugleich ihr Verlust" 174 ist. Bisher frei schwebende Hoff- reiches Arbeitsjahr in Berlin ergd eic d~nkt Marx nicht nur an sein
nungen werden plötzlich diesseitig weltlich, innerlich gehegte Träume wird beschrieben, in der sich 'di:ong ?r~ diWe welth_istorische Situation
werden nach außen gekehrt und erfüllen mit besonderer Wucht das Ge- befindet. . eis Ige elt seit dem Tode Hegels
schehen der Geschichte. Mit einer Arbeitskraft, die alles be . . .. .
Während jedoch Thomas Münzer in seiner Kritik der mittelalter- ~arx auf die verschiedensten Gebietfeg~ch~~ß uberst~"gt, wirft sich
eben Welt beide Elemente, das religiöse und soziale, vereinigt, wird am . dieren mußte, fühlte er vor allem d . D wo ~rx Junsprudenz stu-
Ende der bürgerlichen Welt die Kritik getrennt von Marx und Kierke- ringen". Beides wurde s~' verbunden ~n ß rang, mit der ~hilosophie zu
gaard geführt. Am Ende der bürgerlichen Welt verkünden Marx nnd Studien "eine Rechtsphilosophie du;ch ad er;e;:.en den rem juristischen
Kierkegaard, knrz vor 1848, den endgültigen Bruch der bürgerlichen fuhren suchte. Als Einleitun sch· I . as .e.Iet des Rechts durchzu-
Gesellschaft: Marx im Kommunistischen Manifest (1847), Kierkegaard in voran und führte dieses ungiJckl" ~ '~ ICh ~IUige metaphysische Sätze
der Literarischen Anmeldung (1846). So fern Marx und Kierkegaard eine Arbeit von beinahe dreihnn~~rte B pus ~Is179zum öffentlichen Rechte,
einander scheinen, so nahe sind sie miteinander im gemeinsamen radl- beit war es Marx klar d ogen • Am Schlusse dieser Ar-
. " gewor en ohne Ph "I h. . .
kalen Angriff gegen die bürgerliche Gesellschaft und im Entspringen aus dnngen. So durfte ich mit gutem 'G . I ~sop Ie sei mcht durchzu-
Hege! verwandt. Es ist das Verdienst von Kar! Löwith, als erster den werfen und schrieb ein nenes metae~Iss.en hmiCh abermals in ihre Arme
geschichtlichen Zusammenhang von Marx und Kierkegaard in seiner Schlusse ich abermals seine und ~ ysisc es Grundsystem, an dessen
ganzen Tragweite erkannt zu haben, und dankbar wird hier von seiner Verkehrtheit einzusehen gezwungmemerdg.~nzen früheren Bestrebungen
en wur e 1n
ausgezeichneten Analyse Gebrauch gemacht. Der Gegensatz von Marx Im Laufe des Jahres 1837 gewinnt d . .
und Kierkegaard stellt, wie Löwith erweist, nur zwei Seiten einer iden- magnetischen Mittelpunkt. H as Studium von Marx einen
tischen Kritik und gemeinsamen Zerstörung der bürgerlich-christlichen Philosophie gelesen, deren ~ro:~:t;~cii hatte F~agmente der Hegeischen
Welt dar. Zur Revolution der bürgerlich kapitalistischen Welt stürzt sich Marx unternimmt einen V h d e senmelodiemir mcht behagte" m.
ersnc ' en Hegelsch B k .
Marx auf die Masse des Proletariats, auf die wirtschaftliche Existenz der und schreibt einen Dialog über. KI th d en ann rms zu brechen
Masse, während Kierkegaard in seinem Kampf gegen die bürgerlich- notwendigen Fortgang der Phil~so e~? e~? er vo;n An~gangspunkt und
christliche Welt alles auf den Einzelnen setzt. Dem entspricht, daß für Kunst und Wissen die g . p .Ie. " Ier veremte SICh eimgermaßen
' anz ansemander gega , .
Marx die bürgerliche Gesellschaft eine Masse von" vereinzelten Einzelnen" ger Wanderer schritt ich ans W k . ngen "aren, und em rüsti-
ist, in welcher der Mensch seinem Gattungswesen entfremdet ist, während ·· Entwicklung der Gottheit . ~r ' an em~ philosophisch dialektische
1
für Kierkegaard die Christenheit ein massenhaft verbreitetes Christen- Natur, als Gesch.ichte sich ;~~i~~est s tB~r~ff an sich, als Religion, als
tum ist, in dem niemand die Nachfolge Christi ernst nimmt. Marx richtet fang des Hegeischen Systems d ~; . em Ietzter Satz war der An-
un Iese Arbeit, wozu ich mit Natur-
12
-170- -171-

. . .
Geschichte elmgerma ß en mich bekannt ge- sp~echende ..Die objekt!ve ;\llgemeinheit der voll-endeten Weltphiloso-
wissenschaft, Schell~~g,h s Kopfzerbrechen verursacht und so komßm.u~ phie kehrt s!Ch so um m d1e bloß subjektiven Bewußtseinsformen ver-
macht, die mir nnen IC. e . . e Logik sein sollte), da IC . schiedener Privatphilosophien. "Man darf sich aber durch diesen Sturm
geschrieben ist (da sie elg~nthc\~:~n:::ken kann, dies mein liebstes nicht irren .lassen, d?r einer großen, e!ner Weltphilosophie folgt" 183.
jetzt selbst mich kau~ w~de; t ägt mich wie eine falsche Sirene dem "Wer d1ese gescluchthche Notwendigkeit nicht einsieht der muß
Knd beim Mondschem ge eg ' r
1
· d. A m
konsequenterweise leugnen, daß überhaupt nach einer total~n Philoso-
Feind in den Arm " 1so. .
'
n Hege! treibt Marx m le r e phie noch Menschen leben können", oder er muß die Mittelmäßigkeit als
Der unbestimmte Widerstand gege U wohlseins hatte ich Hege! von die normale Erscheinung des absoluten Geistes ansehen. "Ohne diese
der Ju~ghegelianer. "Während.meme~ nSchüler kennen gelernt. Durch Notwendigkeit ist es nicht zu begreifen, wie nach Aristoteles ein Zeno
. E n d e, sarot den meisten semer . IC. h m
. em. en
Anfang bis .
k .. nfte mlt Frenn en m
d . Stralow genet
. . h ein Epikur, selbst ein Sextus Empiricus, wie nach Hege! die meistenteil~
mehrere Zusammen u . . h Klima des junghegehamsc en bodenlos dürftigen Versuche neuerer Philosophen ans Tageslicht treten
Doktorklub" '~·· ~om enthusl~s~: B~~ef Zeugnis, den der ältere, dall_lals 184
konnten" • Es kann sich nicht Qarum handeln, das System Hegels
Doktorklubs gibt em Satz aus em d B nno Bauer an Marx schreibt: wie es die Junghegelianer vom Schlage Ruges tun, der Wirklichkeit an~
im Mittelpunkt des Doktorklubs stehen e d ~uß eine große werden, und zupassen. "Auch in betreff Hegels ist es bloße Ignoranz seiner Schüler,
die Katastrophe wird furchtbar s~~:ru~nd ungeheurer werden, als die- wenn sie diese oder jene Bestimmung seines Systems aus Akkommoda-
l~h möchte fast sagen, sie wird. gro . die Welt getreten ist""'· tion" erklären 185 • Es ist zwar denkbar, daß Hege! diese oder jene schein-
jenige war, mit der. das ~hr~stentumdi~njetzige Weltphilosophie" der bare Inkonsequenz aus dieser oder jener Akkommodation begangen hat.
Während sich Marx Immer es. er an ." wahre Ironiewut, wie es wohl Er mag selbst darum gewußt haben. Allein was Hege! nicht wissen
Junghegelianer kettet, befällt Ihn "eme k te" ,.. Immer deutlicher konnte, ist, daß die Möglichkeit dieser scheinbaren Akkommodation in
. I N . tem geschehen onn . h. d
leicht nach so V!C eg~er . d chaft zu Hege! und der Untersc ~e einer Unzulänglichkeit seines Prinzips selber wurzelt. Von einer Akkom-
wird ihm der Grund semer Fem s d D ktorklubs Die DissertatiOn modation Hegels gegen Religion nnd Staat kann keine Rede sein, da
zwischen ihm und den Ju~g~egel~:.~;nei~: ;useinande~setzung mit d~r "diese Lüge die Lüge seines Prinzips ist'~ 1se.
über Epikur und De~o n en k •t werden im Zusammenhang rnlt Die halben Gemüter, wie Ruge und die übrigen Junghegelianer,
Nachfolge Hege!s. Eplkur und ~e~t:t:~es als die materialistischen und haben in solchen Zeiten "die umgekehrte Ansicht ganzer Feldherrn.
dem vollendeten System von ns D Vergleich des vollendeten Sie glauben durch Verminderung der Streitkräfte den Schaden wieder
atheistischen Epigonen v~rstan~~:~iali:schen und atheistischen Epi- herstellen zu können, durch Zersplitterung, durch einen Friedenstraktat
Systems von He?el ~nd semers~ei entlieh dasselbe Thema, das Marx mit den realen Bedürfnissen, während 'Themistokles, als Athen Ver-
gonen ist offens1chthch. Es g d Ausgangspunkt und not- wüstung drohte, die Athener bewog, es vollends zu verlassen und zur
. D. log. Kleanthes o er vom
schon früher liD Ia . " . . " beschäftigt hat. See, auf einemandem Elemente, ein neuesAthen zugründen""4• Marx~
wendigen Fortgang der Phll~sophlet kte gibt die sie in sich selbst Themistokles will, da der Philosophie~ Athen Verwüstung droht, die
Wie es in der Philosoph!e Kno enpun p . l·pl:en in eine Totalität
"· b d · abstrakten rmz · Athen er bewegen, es vollends zn verlassen und auf einem andern Elemente
zur Konkretion erhe en, le d n Linie abbrechen, so gibt es ein neues Athen zu gründen. Dies andere Element ist die Wirklichkeit.
. befassen und so den Fortgang der. gera h~e die Augen in die Außen':'elt "Es ist ein psychologisches Gesetz, daß der in sich frei gewordene theore-
auch Momente, in welchen die Phllosopl . e praktische Person gleiCh- tische Geist zur praktischen Energie wird, als Wille aus dem Schatten-
kehrt nicht mehr begreifend, s?ndern a sdem durchsichtigen Reiche des reiche des Amenthes hervortretend, sich gegen die weltliche, ohne ihn
· '
sam Intriguen rn1•t d er Welt. spmnt' aus dem weltlichen Sirene w1r . ft""' ·
vorhandene Wirklichkeit kehrt" 187 • Indem die Philosophie sich als Wille
Amenthes heraustritt und sich an~ Herz h:' fen sich in einer Totalität gegen die erscheinende Welt herauskehrt, ist sie zu einer Seite der Welt
Indem die Philosophie ihren Kre:s du;:' ~ur g~adlinigen Fortsetzung. geworden, der eine andere gegenübersteht, begeistert mit dem Trieb
befaßt, besteht keine Möglichkel~ me .; ta~itiiten gegenüber: die Tota- sich zu verwirklichen, tritt die Philosophie in Spannung gegen die Welt.
Es stehen sich zwei ganz unverbun e;e To talität der unphilosophischen "Das innerliche Licht wird znr verzehrenden Flamme, die sich nach
Jität der weltlosen Philosophie und ~e 0 t . b n Die Welt ist also außen wendet. So ergibt sich als Konsequenz, daß das Philosophisch-
Welt Die Diremption ist auf die Sp!tZI e gePhr~eloseop·h;~ gegenübertritt."
· . . · · h tota en 1 ·d Werden der Welt zugleich ein Weltlich-Werden der Philosophie, daß
eine zerrissen:, die ~Iner n~ sie dadurch eine zerrissene und Wl er- ihre Verwirklichung zugleich ihr Verlust ist""'·
Aber. auch diese Phllosoph!e ist
-173-
-172-
während
verklärend dieundReligion
daraufihren
zum Auf angl
'f.r ,
vohn oben herleitend, das Irdische
So vertieft Marx entscheidend das Wesen der Hegeischen Aufhebung,
Und doch b t h . . JmJne er eben W!ll" '"·
indem selbst Vernunft und Wirklichkeit in den Prozeß der Aufhebung es e t em Zusammenhang · h . ,
und Kierkegaard zielt im m d zwlsc en Pohtlk und Reliffion
hinein gezogen werden: Ihr könnt die Philosophie nicht aufheben, ohne . 'k . .vesen asselbe Verhält · R " ". •
sie zu verwirklichen, aber auch nicht die Philosophie verwirklichen, ohne Po l itl an wie Marx, freilich wertet er ms von el!gwn und
~1ker kann erkennen, "daß das Reli ... nn:geke:rL Den": auch ein Poil·
Ist, was ein Politiker, sofern er _g;.ose die ve.klärte ~lde;gabe dessen
sie aufzuheben 1"'. Am Ende seiner Ausführungen zur Kritik der Hege!·
sehen Rechtsphilosophie postuliert Marx die Emanzipation des Menschen.
Menschen liebt in seinem gl" kl~lhrklleh das Menschsem hebt und d'e
"Der Kopf dieser Emanzipation ist die Pllilosophie, ihr Herz das Prole- · ... ' uc 1c sten Augenblick d h •
tariat. Die Philosophie kann sich nicht verwirklichen, ohne die Aufhebung er d as R ebgwse auch unpraktisch f d , ge ac t hat, wenn
In Wahrheit aber verma k . !n en Wlrd, als zu hoch und zu ideal"""'
'des Proletariats, das Proletariat kann sich nicht aufheben ohne die Menschen-Gleichheit um gd. eme Polbitik, keine Weltlichkeit die Idee de;
189 ' re es ms esondere K 1 u
Verwirklichung der Philosophie" •
Die Kritik der Begelseheu Rechtsphilosophie setzt aber die Kritik der 1e t zten Konsequenz durchzude k d ar marx gebt, bis zur
Religion voraus. Denn "die Kritik der Religion ist die Voraussetzung Gleichheit im Medium der Wenlll~chn ~r zn verwirklichen. Vollkommene
?
" d' 1 ~<eli zu verw' kr h · .
aller Kritik" 1 90 , Über die intellektuelle Kritik der Religion, die Marx "'e mm, dessen Wesen Verschiede , , Jr, IC, en, heißt, s!e im
doch in sich selbst widers , , ~hell 1St, verwJrkhchen wollen, was
durch die Schriften Feuerbachs und Bruno Bauers für Deutschland als
im wesentlichen beendigt ansieht 101 , wird bei Marx der Kampf gegen Weltlichkeit auf, und es 1::~~~:: Ist. Vollkomme~e GJ~ichheit hebt die
weltlich verwirklichen zu wollen sen', durch Welthchkelt die Gleichheit
die Religion mittelbar zum Kampf gegen "jene Welt, deren geistiges
Aroma die Religion ist" m, "Die Religion ist der Seufzer der bedrängten der Ewigkeit bis zum Letzte M"Nur das ~elig•öse kann mit Hilfe
Kreatur, das Gemüt einer herzlosen Welt, wie sie der Geist geistloser gottesfürchtige, die wesentll'chen d' en~clhten·Gl~!Chheit durchfiihren, die
" l' h ' le mc 1 -weltliche d' h . .
zustände ist. Sie ist das Opium des Volkes. Die Aufhebung der Religion mog lC e Menschen-Gleichheit· u d d . ' Je wa re, dle emzig
als des jllusorischeu Glücks des Volkes ist die Forderung seines wirklichen seiner Verherrlichung - das R' . ~.. ar~m 1St auch - das sei gesagt zu
Was die Zeit fordert d' elFiglOse die wahre Menschlichkeit" m
Glücks. Die Forderung, die Illusionen über seinen Zustand aufzugeben, , - 1e ordernng d z · , . '
ist die Forderung, einenZustand aufzugeben, der der Illusionen bedarf"IW. L .mkshegelianer, insbesondere von Ru er eit Ist die Parole der
Mit der Kritik der Religion v.ird der enttäuschte Mensch zu Verstand mcht aufzählen seitdem d h . g.e und Marx - das kann man gar
gebracht. "Es ist also die Aufgabe der Geschichte, nachdem das Jenseits und Anlaß der \ve!tlichk;lt ~~ltl~~~e ~el.~stentzündung, deren Ursache
der Wahrheit verschwunden ist, die Wahrheit des Diesseits zu etablieren. Feuer ausgebrochen ist in der Wel~i0 h~ .ung ~n der Weltlichkeit war,
Es ist zunächst die Aufgabe der Philosophie, die im Dienste der Geschichte tiefsten Sinn braucht _ das läßt . h e!t. Vi as dagegen die Zeit im
steht, nachdem die Heiligengestalt der menschliehen Selbstentfremdung Wort sagen: sie braucht Ewigke~~c Dgan~ un~ gar mit einem einzigen
entlarvt ist, die Selbstentfremdung in ihrer unheiligen Gestalt zu ent- daß sie nur "die Zeit" allein e~o~ as. ngl~ck unserer Zeit ist jnst,
larven. Die Kritik des Himmels verwandelt sich damit in die Kritik der nichts hören will von der Ewl'ggk 't d:,n ISt, Zelthchkeit, die ungeduldig
. e1 , atsdann wohlm · d
Erde, die Kritik der Religion in die Kritik des Rechts, die Kritik der sogar d ureh em erkünsteltes N h h ' ,emen oder rasend,
machen will, was doch in alle Ewa~J'gkm~tc ~nhdas Ev.~ge ganz überflüssig
Theologie in die Kritik der Politik" ""· So endet die Entscheidung von , 1
e1 mc tgückt·d ·
, • enn JC mehr man
·
das E w1ge entbehren zu kö ,
Marx gegen die Religion im Element der Gesellschaft. zu können, desto mehr beda::~ ~e''g· o~er Slch darin verhärtet, es
Kierkegaards Entscheidung im Entweder-Oderist eine Entscheidungfür Zeit auf der Sandbank der z , ,n Im. run e nur seiner","., Weil seine
gaard sie als eine Zeit der A~~:chkeJt gestrandet ist, erkennt Kierke-
die Ewigkeit gegen die Zeit, insbesondere aber gegen seine Zeit. So fügt
sich Kierkegaard in die Reihe von Feuerbach, Bauer, Stirnerund Marx. o·!C Vn.fl't'k
1 der Zeit geht aber a
QSUng,
h , ,
Mit Marx hat Kierkegaard die Strenge und Stoßkraft, die Eindringlich· KritiJ,c Hegels. Gegenüber dem H uc b~I K!erkegaard ineins mit einer
im Begriff der Ironie die absolute ,"fe s~ ~n Sys.terr; seut Kierkegaard
1
keit der kritischen Analyse gemein. Aher noch mehr: eigentlich kreuzt der
Einzelne Kierkegaards die Waffen mit dem Gattungswesen vou Kar! Marx. aufhehen läßt. In der quantitativ~egativltä::, d!e siCh mcht dialektisch
"In diesen Zelten ist alles Polrtlk", beginnt Kierkegaard das Vorwort die absolute ethische Unterscheidu n Dlalektik der Weltgeschichte wird
dung neutralisiert. Vom S stem ng und die da':"us folgende Entschei-
zu seinen Bemerkungen über den Einzelnen"'· Allein die Religion ist
von der Politik durch Ansgangspunkt und Endziel himmelweit ver· es ein absolutes System ?t d ~eg~ls s~ellt K1erkegaard fest"', daß
1 ' as tertlg sei, ohne eine Ethik zu haben.
schieden. Denn die Politik beginnt auf Erden, um auf Erden zu bleiben, .
-174-
-175-
Der quanliiatiuen Dialektik der Weltgeschichte steht die qualitative
Dialektik des Einzelnen gegenüber, die eine unendliche Knnzentrat.ion Die Selbstentfremdung
des Subjekts fordert m. Wenn Subjekt zu werden nicht die höchste In der Entscheidung gegeu Heacl V ..
Aufgabe wäre, müßte die Ethik verzweifeln, "aber was kfimmert sich Wirklichkeit entscheiden sieh M "' s e_~sohnung von Vernunft und
das System darum, das ist ja so konsequent, sie nicht mit ins System keit und kehren die Versöhnu a~x ~d .Iüerkegaard fiir die Wirklich-
kommen zu lassen""'· Aber die ethische Qualität verachtet die erstaun· richtet sich gegen Hegels Re;~ "~ . flil~. um. Die Kritik von Marx
liebste Quantität und erkennt in der quantitativen Dialektik des ge· 1
bürgerlichen Kapitalismus, die Kri~ ~ osop:;le und zugleich gegen den
schichtliehen Urteil "eine demoralisierende ästhetische Zerstreuung""'· Hegels Religionsphilosophie und zu . on Klerkegaard nehtet sich gegen
1
Die Kritik Hegels ist aber auch eine Kritik der Zeit. "Denn zu unserer keif. Ihr gemeinsamer Grund ist dg ~~c~ ~egen d1e burgerliehe Christlich-
Zeit ist ja nicht die Rede davon, daß sich ein einzelner Gelehrter oder Welt und ihr gemeinsames Prinzip.~· Wrttlk ~n der bürgerlich-christlichen
Denker mit der Weltgeschichte beschäftige, sondern die ganz Zeit schreit . le zrklzchkeii wirklich zu machen"'.
ja nach Weltgeschichte." Eine Zeit aber ist unsittlich, die zuviel mit der Marx bestreitet nicht die Hegelsch A
Weltgeschichte umgeht. "Durch den fortwährenden Umgang mit dem Einheit von Wesen und Existen b e us~egung der Wirklichkeit als '

Weltgeschichtlichen verwöhnt, will man einzig und allein das Bedeut· rialismus vor, weil Hege! die E~ air~;: Wlrlt .Hege! krassesten Mate- I
same, bekümmert man sich allein um das Zufällige, den weltgeschicht· Hegelsehen Staatsphilosophie geht ~vrarx ;:~flzlert. ~n der Kritik der
Iichen Ausfall, anstatt um das Wesentliche, das Innerste, die Freiheit, "pantheistischen Mystizismus" H l h suaph fur Paragraph dem
das Ethische" m. Das Ethische aber ist das Absolute, das seineu unend· Produzierende als das Produk't seJ' egeps ndae . 'heran setzt Hege! das /1

I
Iichen Wert in sich trägt und "keiner Staffage bedarf, um sich besser . hk .
l1c nes ro ukts 200 Di . • h ",.
e1t erscheint in Hegels Rechts h'l h' : . e ~mpmsc e nlrk·
auszunehmen. Aber diese bedenkliche Staffage ist gerade das Welf:.. als vernünftig angesprochen, aber ~i~::o! Je, vne Sle J_st, sie wird .auch
geschichtliche" '"· Bedenklich ist die weltgeschichtliche Staffage, weH sondern weil der empirischen Tatsa h . egen lhrer elgenen Vernunft,
sich dahinter Verzweiflung verbirgt. "Mitten in allem Jubel über unsere n D1e
e em neuer Grund t 1
. T atsache, von der ausgeganoenc wird w· .
·
un er egt Wird. I
Zeit und das neunzehnte Jahrhundert klingt der Ton einer heimlichen als m;:stisches Resultat gefaßt. "Das Wi~kl~rd mcht als solche, sondern
Verachtung des Menschseins hinein: mitten in der Wichtigkeit der aber d!e Idee hat keinen andern Inhalt alslc~,e wzrd z:um Ph~~omen,
Generation herrscht eine Verzweiflung über das Menschsein. Alles, alles "1st das ganze Mysterium der Recht . , l?ses. Phanomen. Darin
will mit dabei sein, man wtll sich weltgeschichtlich in dem Totalen Heg~lschen Philosophie überhaupt" ,Jlhl~•ophze mede;gelegt und der
betrügen, keiner will ein einzelner existierender Mensch sein. Daher viel· zum Subjekt und das ei entliehe :. .egel ma~ht uberall die Idee
leicht auch die vielen Versuche, an Hege! festzuhalten, selbst von Leuten, Hegels "Versöhnung" trägtzwar ni~h;"•khche. SubJekt zum Prädikat.
die das Mißliche an seiner Philosophie gesehen haben. Man fürchtet, bei, wohl aber stellt er sie nocll kl. s "zhur Losung der Scl!wierigkeiten
•~t Ki
wenn man ein einzelner existierender Mensch wird, spurlos zu verschv.'in- se~ erkegaard mit seiner Kritik arer eraus" 200. , Eh .
~ enso Wie Marx
den, so daß nicht einmal Tagesblätter, geschweige denn kritische Journale, der Wirklichkeit e.in. "Wenn man d' a~h~egels philosophischem Begriff
geschweige denn weltgeschichtliche Spekulanten einen Blick auf einen reden hört, so ist das oft ebenso ir ::::ilh 1 o~ophen von der Wirklichkeit
werfen. Man fürchtet, wenn man ein einzelner existierender Mensch wird, fenstereines Trödlers auf einem sc:'ld d:e;v' WJe .wenn man im Schau. ·'
mehr vergessen und verlassen leben :zu müssen, als ein Mann auf dem Wollte man mit seiner Wäsche kom~ le ~rte liest: hier wird gerollt. i
Lande, und lassen wir' Hege! fahren, so bleibt wohl nicht einmal die man angeführt. Der Schild hä gt en,. um s;e rollen zu lassen, so wäre
Möglichkeit, daß man einen Brief an uns adressiere. Und es ist unleugbar: lichkeit läßt sich nicht als einn !\b~~ ~~": verkauf da" 200. Die Wirk- I
Logik kann die Wirklichkeit ni~ht c n; .f.n der Lo.gik. behandeln, die

I
wenn man keine ethische und religiöse Begeisterung hat, so muß man
darüber, daß man ein einzelner Mensch ist, verzweifeln- sonst nicht""'· der Wirklichkeit nicht passieren 1 assJlllJ leren, wezl Sle das Zufällige
Mitten Im Mut der Generation läßt sich die Angst und Verzweiflung des lallt sich in der Sprache der Abst a~~n ka~n. "Was Wirklichkeit ist,
Individuums entdecken . .,Wie man in der Wüste aus Furcht vor Räubern lichk~it ist ein inter-esse zwische:: de~\mcht au.sdrücken. Die Wirk-
und wilden Tieren in großen Karawanen reisen muß, so haben die emheJt von Denlten und Sein"""' D' }~~thetischen. Abstraktzons-
Individuen jetzt ein Grauen vor der Existenz, weil sie gottverlassen ist, Element, darauf J\farx und K' k. Je W1Fkbche WJrkliehkeit ist das
nur in großen Betrieben wagen sie zu leben und klammern sich en masse · . 1er egaard stehen D'
gründet lm Interesse das sich in de L 'd h . zese
w·lrkhehkelt
. .
aneinander, um doch etwas zu sein"ttlll, Leidenschaft treibt'_ im Unterse{ de! ensc a{t zur Tat vollzieht. Die
Ie zum geschlossenen Kreis, zum

;j
.1
:i

'!
-176-
-177-
Schluß des Hegeischen Systems- zum Ent-schluß, der eine Entscheidung: . rein individuell ist" '"'· Der wirkl· h M .
entweder so oder so mit sieh bringt'"· Eine Entscheidung im ausge- jetzigen Staatsverfassung. !C e ensch Ist der Privatmensch der
zeichneten Sinn aber ist der Sprung: bei Marx vom Reich der Note
wendigkeit in das Reich der Freiheit, bei Kierkegaard von der Welt zu' . In ?er Erklärung der Menschenrechte durch d' . .
twn Wlrd die Trennung von M·en h" d te französtsche Revo!u.
Gott. Das revolutionäre Menschentum ist eine Existenz im Sprung, eine · de l'homme die Rechte".des M
d rOits sc un
l " Burger " f estgelegt. Die
zer-sprungene Existenz, die sich nach Einung sehnt. schieden von den droits du citoy en~ Ien, werden als solche unter-
Der Unterschied von Marx und Kierkegaard bestimmt sich von der Der vom cit{}yen unterschiedene ;;;:;"von. en Rec?te~ des Staatsbül·gers.
Position des Innen und des Außen. Die proletarische Revolution des Gesellschaft. Daß das Mit lie me~st da_s llibtghed der h!irgerlichen
bürgerlichen Kapitalismus stützt Marx auf die wjrtsehaftliclte Existenz schlechthin und seine Rechgt Md derhbnrgerhchen Gesellschaft Mensch
der Masse, die religiöse Revoluti<m der bürgerlichen Christenheit stützt · h e ensc enrechte
S!C aus dem Wesen der po!iti h E . ;
genan t d .
~ wer en, erklärt
Kierkegaard auf den Einzelnen. Diesem Gegensatz entspricht der Unter- bürgerliches Menschenrecht a:l: en f"UZ!patwn. Dte Freiheit ist, als
schied in der Auslegung der Selbstentfremdung ""': Marx erkennt in audern schadet. Die Grenze ln w~:u u.n u.nd zu treiben, was keinem
der bürgerlichen Gesellschaft eine Gesellschaft von vereinzelten Einzel- lieh bewegen kann, ist durch das Ge~:tzSie~ Jeder der;' Mderen nnschäd-
nen, in weicher der Mensch seinem Gattungswesen entfremdet ist; Kierke- Felder durch den Zaunpfahl b t• t . be timmt, Wie d!e Grenze zwei er
gaard sieht in der bürgerlichen Christenheit ein Christentum der Menge, heit des Menschen als isolier::r lmm J_st. Es handelt sich um die Frei-
in welcher der Mensch seiner Einzelheit entfremdet ist. In der Ent- Menschenrecht der Freiheit grün~~~ SI~\ gezogener Mona~e" 20s. Das
scheidung der Hegeischen Versöhnung von bürgerlicher Gesellschaft, cornmunio des Menschen mit dem !\> nJc t auf der Verbmdung, der
Staat und Christentum richtet Marx seine Kritik auf die Selbstent- rung des l>fenschen von dem Mensc~ensch<;n, sond;trn auf der Ahsonde-
.fremdung des Menschen im bürgerlichen Kapitslismus, während Kierke- schenrechts der Freiheit ist d - M en. Die praktische Folge des Men-
gaard seine Kritik richtet auf die Selbstentfremdung des Menschen in Menschenrecht des Privateige~~un':n~c;~nre~ht des Privateigentums. Das
der bürgerlichen Christenheit 205 • Gegründet ist die Kritik von Marx und ohne Beziehung auf andere M~nsch:U" as . echt Willkürlich (I! son gre),
Kierkegaard im Zerfall von Gott und Welt, der urtümlichen Voraus- Das Menschenrecht des Privatei t übe~ Beln Vermogen zu disponieren.
setzung der Selbstentfremdung, wie es in den Studien zur Apokalyptik Das Menschenrecht der Freiheif:~ ums Ist das R;cht des Eigennutzes.
und Gnosis gezeigt worden ist. Grundlage der burgerliehen Gesellsch~f~e~ ~Iv~t~Jgentums ~her ist die
Der Leitfaden der Kritik an der bürgerlichen Gesellschaft ist für
Menschen nicht die Verwirklichu
erkennt.
. d m der Je er Mensch !rn anderen
ng, son ern te Schranke seiner Freiheit
Marx die Selbstentfremdung des Menschen. Marx analysiert das Wesen
Die Weisen der Selbstentfremd · E
der Selbstentfremdung im Element des Staates, der Wirtschaft und der Gesellschaft und der Re!iaio . ung Im !erneut des Staates, der
Gesellschaft. Im Element des Steates und der Gesellschaft ist die Selbst- fundamentalen Selbstentfr:m:u~~n~.ab~r n~rb das Resultat der einen
entfremdung bestimmt durch die Trennung von bürgerlicher Gesellschaft herrscht. Das Leben des Men h ' . Je as e en des Menschen durch-
und politischem Staat. Einst waren die Stände der bürgerlichen Gesell- tums vollzieht sich in der .:.:be~~ ~ der G~sell.schaft des Privateigen-
schaft und die politischen Stände identisch, weil die bürgerliche Gesell-
schaft die politische Gesellschaft war. Diese Identität ist verschwunden.
eigentums, das Privateigentum als P as :ubJ~kt)ve Wesen des Privat-
Adam Smith nach einem Wort E erson 1St d!e Arbelt. Marx bezeichnet
Hege! setzt sie als verschwunden voraus. Nur die Trennung der bürger- Luther. Wie Luther die äußere r:'e~· ~ge!s als den nat:onalökonomischen
lichen und politischen Stände drückt neuerdings das wahre Verhältnis aufgehoben hat, indem er die Re!icri~~~~ds:tät d~s katho!J~chen Heidentums
der politischen Gesellschaft aus"'· Das allgemeine Gesetz der Trennung gemacht hat, so auch Smitlt· d;o .zummne:en Wesen des Menschen
von bürgerlicher Gesellschaft und politischem Staat geht mitten durch gedankenlose Gegenständlichke ~: ~lass~c~e Natwnalök?nomie hebt die
das Mitglied dieser Verbände. Als wirklicher Bürger findet er sich in Privateigentum inkorporiert im! M es h eJchtums auf, :ndem sich das
der bürokratischen und sozialen Organisation, als Privatmann steht selbst als sein Wesen erken~t So e~~cden seilist und swh der Mensch
der bürgerliche Mensch außer dem Staate. Um sieh also als wirklicher den Index des Privateigentm,;s !r aher. der ~ensch selbst unter
Staatsbürger zn verhalten, muß der Mensc.h aus seiner bürgerlichen den Index der Relimosität set tgesetzt, ähnlich W!e Lnther ihn unter
Wirklichkeit heraustreten. "Seine Existenz als Staatsbürger ist eine "' ,ze.
" U nter dem Schein einer A k
Existenz, die außer seinen gemeinschaftlichen Existenzen liegt, die also Nationalökonomie, deren Prinzipn~. enAnubn?'. ?es Menschen ist also die
le r e1t 1st, VIelmehr nur die kon-
-179-
·.- 178-
209 Menschen, als Resultat seine . .
sequente Durchführung der Verleugnung des Menschen" • Der Mensch tätige Verhalten des Mens : eJgenen. Arbeit begreift. Das wirkliche,
steht nicht mehr in einer äußerlichen Spannung zu dem äußerlichen möglich dadurch, daß er wi c ~n zu SJ?h als Gattungswesen ist nur
Wesen des Privateigentums, sondern der Mensch selbst ist das gespannte tat der Geschichte _ heraus~~:~f:n~ ~me Gattungskräfte - als Resul-
Wesen des Privateigentums. "Was früher Sich-Äußerlichsein, reale Ent- hält, was zunächst wieder . ,dsJc zu Ihnen als Gegenständen ver-
ist" 212. nur m er Form der Entfremdung möglich
äußerung des Menschen war, ist nun zur Tat der Entäußerung, zur Ver-
äußerung geworden" 209• Wenn also die klassische Nationalökonomie Aber gleichzeitig wird di E" . . . .
unter dem Schein der Anerkennung des Menschen, seiner Selbstständig- Denn in der Philosophie ge;t m~eltlgkelt und die Grenze Hegels klar.
keit und seiner Selbsttätigkeit, beginnt und in das Wesen des Menschen seins zu überwinden Die G es :rum: den Gegenstand des Bewußt-
fremdnng vom Mens~hen d eger;;' ~ndl!chkeit ~ls solche ist die Ent-
selbst das Privateigentum verlegt, "so muß sie bei weiterer Entwicklung
diese Scheinheiligkeit abwerfen, in ihrem ganzen Zynismus hervortreten
1
entsprechend. Die Wiedera'nei~~n ~illst~ew~ßtsem des Menschen nicht
und sie tut das, indem sie ... viel einseitige, und darum schärfer und kon- das unter dem Index der S g a so mcht das Wesen des Menschen,
Entfremdung soll aufgehobe:l!st~ntfremdung s:eht, aufheben. Nicht die
209
sequenter die Arbeit als das einzige Wesen des Reichtums entwickelt" •
Nicht darum wächst der Zynismus der Nationalökonomie von Smith aussetzung der Hegeischen Dia~r k~~k ~on~ern dw Gegenständlichkeit. Vor-
über Say bis zu Ricardo, weil die Konsequenzen der Industrie den letzte- ständliches, spiritualistisches W :se~ ~:t ~r Men~ch ~ls ein nicht-gegen-
ren deutlicher und entwickelter vor die Augen treten, sondern vor allem Selbstbewußtsein ident.isch All E t( e~sch Jst fur Hege! mit seinem
auch darum, weil sie auch immer und mit Bewußtsein in der Entfrem- nichts als die Entfremdun d e n rem ung des Menschen ist so
dung gegen den Menschen weiterschreiten. Die Selbstentfremdung des ~elbstbewußtseins spiegelt ni~~:~~i~s~~;~~~tseins. Die Entfremdung des
Menschen wird immer offenbarer, weil sich die Wissenschaft der National- hchen Wesens. Die wirkliche Entfremd' lC .e E~tfremdung des mensch-
ökonomie konsequenter und wahrer entwickelt. Die zerrissene Wirklich- als "Erscheinung" der Entfremd d ~ng Jst fur Hege! nichts anderes
keit des industriellen Kapitalismus bestätigt in der Nationalökonomie des Selbstbewußtseins. ung es mnersten Wesens des Menschen,
ihr in sich zerrissenes Prinzip. In der Gesellschaft des industriellen
gestellt. "Die Phänomenolo ie i te~ hroze~ der Selbstentfremdung dar-
In der Phänomenologie ist d p
Kapitalismus ist aller Reichtum znm Reichtum der Arbeit geworden, und
die Industrie ist die vollendete Arbeit, wie das industrielle Kapital die unklare und mystifizierend~ Kr~tik~ e~ dJe verborg~ne, .sich selbst noch
vollendete Gestalt des Privateigentums ist'"· Nun erst vollendet das des Menschen - wenn auch der Me~~her ms?fern Sie die Entfremdung
Privateigentum seine Herrschaft über den Menschen und210kann in all- erscheint- festhält, liegen in ihr alle EI nur m der ~e~talt des Geistes
gemeinster Form zur weltgeschichtlichen Macht werden • oft schon in einer weit den He elschen ~mente der K:ltJk verborgen und
Ineins mit der Kritik der klassischen Nationalökonomie, die schon vorbereitet und ausgearbeitet'?'" D" .tantpnnkt uberragenden Weise
implizit die Kritik der bürgerlich-kapitalistischen Gesellschaft enthält, menologie Hegels enthalten die k ·~~ e~nze nen Abschnitte der Phäno-
geht die Kritik an Hege!. Denn "Hege! steht auf dem Standpunkt der wie der Religion des Staat n .. !SC e.n Elemente ganzer Sphären,
modernen Nationalökonomie" •n, indem er die Arbeit als das Wesen einer entfremde;den Form sD~:~ ~urge~lwhen Lebens, aber freilich in
des Menschen faßt. Aber weil Hege! in der Arbeit das sich bewährende wird nur als Erscheinun des p er Wirkhelle Prozeß der Geschichte
Wesen des Menschen erkennt, sieht er nur ihre positive Seite, nicht ihre bewußtsein vollzieht Sogist di r~zess:s :arg~stellt, der sich im Selbst-
negative. Hege! kennt und anerkennt allein die abstrakt geistige Arbeit. Idee, nicht aber der. Wirklich~ "t e~sc e Dialektik eine Dialektik der
Das Sich-Zurückgewinnen des arbeitenden Menschen im Element der der Idee verbrennt ist nicht d" el : k/~ Heg~l _im dialektischen Feuer
Entäußerung vollzieht sich für Hege! in der Philosophie. In der Philo- die wirkliche Gesellschaft und ~~:~~r JC edRehgl?n, de_r :Virkliche Staat,
sophie entäußert sich der sich wissende Mensch und diese Entäußerung als ein Gegenstand des Wis I' son ern .die Rehpan selbst schon
erlaßt Hege! als das Wesen der Philosophie. "Das Große an der Hegei- Staat und Gesellschaft verfa:l::s,d:/A~~~~logle und Dogmat!k. Nicht
schen Phänomenologie und ihrem Endresultate - der Dialektik, der und Staatswissenschaft, nicht dieN t . b~ng, sondern Junsprudenz
Negativität als dem bewegenden und erzeugenden Prinzip - ist also, aufgehoben, sondern die Naturw· a ur Whirfd J,n Ihrer Gegenständlichkeit
· . ISSensc a t 1< Heg 1 f ßt d" .
einmal daß Hege! die Selbsterzeugung des Menschen als einen Prozeß als den Selbsterzeugungsakt des Men h . . e a Je Arbeit
faßt, d.ie Vergegenständlichung als Entgegenständlichung, alsEntänßerung formeller, weil das menschliche sc en. Aber dwser Akt ist nur ein
und als Aufhebung dieser Entäußerung; daß er also das Wesen der als Selbstbewußtsein gilt Der ;'~s~~· sehlbst nur als abstrakter Geist,
. Ja e !SC e Prozeß muß einen Träger
Arbeit faßt und deu gegenständlichen Menschen, wahren, weil wirklichen
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-180-
in ~er ~rsten Analyse der Selbstentfrem . .
ch;Ist!Iche Welt. Das Geld ist in der bgnng ~Ielt Marx auf dre bürger!ich-
haben. Das Subjekt kann Gott als absoluter Geist sein, während der gnff des Wertes, der alle Dinge rger!Ichen Gesellschaft der Irrbe-
wirkliche Mensch und die wirkliche Natur zu Prädikaten und Symbolen Geld
. " d.Ie a llgemeine Verwechslung und V und ver t·aaseht. So ist das
verwechselt
dieses Verborgenen herabgedrückt werden. Subjekt uud Prädikat sind dre verkehrte Welt, die Verwechslun unertauschung aller Dinge, also
in der Hegeischen Dialektik verkehrt. Die absolute Idee hebt sich selbst liehen ~nd menschlichen Qualitäten}," d Vertauschung aller natür-
wieder auf und muß sich als Abstraktion wieder aufgeben, so kommt
So 1st es keineswegs zufällig daß M. .
die absolute Idee "bei einem Wesen an, welches gerade ihr Gegenteil · Ökonomie mit dem Titel· Das Ka 't 1' ba~x die Kritik der politischen
ist, bei der Natur" 215 • Die Logik Hegels kommt eigentlich zum Schluß, 215
Analyse der Ware begin.nt Den p!da ~egt und dieses Werk mit der
"daß die absolute Idee für sich nichts ist, daß erst die Natur etwas ist" • problern der ökonom!'scben.W. n has arenproblern ist kein Einzel
Aber Hege! meint die Natur noch abstrakt. "Die Natur als Natur, d. h.
insofern sie sich sinnlich noch unterscheidet von jenem geheimen in
.
bl 1ssensc aft so d
em der bürgerlichen Gesellschaft des K' ·t
d
/rn as strukturelle Pro-
verkehr hat es immer gegeben ab . api_ a IS"?us überhaupt. Waren-
-

ihr verborgenen Sinn, die Natur getrennt, unterschieden von diesen d~s ganze äußere wie innere Leb~n d:r ~m ~r1erhchen Kapitalismus ist
Abstraktionen ist nichts, ein sich als Nichts bewährendes Nichts, ist Die Ware ist die konstitutive Fo r ~se sc alt durch Ware bestimmt.
sinnlos oder hat nur den Sinn einer Äußerlichkeit, die aufgehoben worden kategorie des gesamten gesellschaf~~che~ ~~~:~;~chaft, die Universal-
ist""'· Die Äußerlichkeit der Natur ist ihr Mangel, denn das Absolute
. Auf ~en ersten Blick erscheint die W ..
ist Der
der Hegeischen
Geist. ?rng. Die Analyse aber ergibt daß die Ware als. em selbstverständliches
Dialektik des Geistes stellt Marx die materialistische ISt, voll metaphysischer Spitzf d' k . are "em sehr vertracktes Ding
Dialektik der Natur entgegen. Das Subjekt der dialektischen Prozesse218 "Die Form des Holzes z B _Ind Ig ~It und theologischer Mucken"
ist nun der "alle Naturkräfte aus- und einatmende Mensch" • Das T' h . . wrr verändert w .
!SC macht. Nichtsdestoweniuer bl . ' . enn man aus ihr einen
gegenständliche Wesen des Menschen schafft Gegenstände, weil es durch s~nnl~che~ Ding. Aber sobald e; als ;,rbt der -r:Isch Holz, ein ordinäres
die Gegenstände gesetzt ist, weil es von Haus aus Natur ist. Der Mensch em smnhch übersinnliches D' E are au~tntt, verwandelt er sich in
ist unmittelbar Naturwesen. Als ein gegenständliches, sinnliches Wesen auf dem Boden, sondern er ~~~jlt r. steht mcht nur mit seinen Füssen
ist der Mensch "daher ein leidendes und weil sein Leiden empfindendes ~uf den Kopf und entwickelt aus se~~c!,a~en andren _Waren gegenüber
Wesen, ein leidenschaftliches Wesen""'· Die Leidenschaft ist die ener- !Jeher, als wenn er aus freien Stü k olzkopf Gnllen, vrel wnnder-
gisch strebende Wesenskraft des Menschen. Der Mensch aber ist nicht . · "mystische Charakter der Wa " ~ e~ zu tanzen begänne""'· Der
nur Naturwesen, sondern menschliches Naturwesen und das heißt: "Das Geheimnisvolle der War:~fo;:;. ;;:mgt aus de_r Warenform selbst.
Gattungswesen, als welches es sich sowohl in seinem Sein, als in seinem .· den Menschen die gesellschaftliche Ch steht als~ emfa~h darin, daß sie
Wissen bestätigen und betätigen muß. Alles Natürliche muß entstehen, gegenständliche Charaktere der A ~ 't araktere Ihrer eignen Arbeit als
darum hat auch der Mensch seinen Entstehungsakt: die Geschichte. 219 liehe Natureigenschaften dieser ~i:I sprod.ukte _selbst, als gesellschaft-
"Die Geschichte ist die wahre Naturgeschichte des Menschen" • Als gesellschaftliche Verhältnis d p Je zuruckspwgelt, daher auch das
Grund der Geschichte enthüllt sich Marx die Ökonomie. "Wie überhaupt außer ihnen existierendes gesel~~ch:~/~en~n zur <;iesamtarbeit als ein
bei jeder historischen, sozialen Wissenschaft, ist bei dem Gange der Durch dies qui pro. quo werden A b Ict es erhältms von Gegenständen.
ökonomischen Kategorien immer festzuhalten, daß. . . die Ökonomie sinnliche oder gesellschaftlich D. r er ri:'ro_dukte Waren, sinnlich über-
wissenschaftlich keineswegs da erst anfängt, wo nun von ihr als solcher schaftliehe Verhältnis der Me I~ge. s Ist nur das bestimmt gesell-
die Die ist" 120.
RedeSelbstentfremdung gaukelspielerische Form eines e~:c h~~ s_elbst, welches hier für sie die
des Menschen erscheint nun nicht als ein daher ein Gleichnis zu finden m .. r ~~~ses von Dmgen annimmt. Um
logischer, sondern als ein ökonomischer Prozeß. Als Grund der Selbst- Welt flüchten. Hier scheinen di~s~en ;~In die Nebelregion der religiösen
entfremdung bestimmt Marx zuerst das Geld. Das Geld ist der wirkliche eignem Leben begabte u t . dro u te des menschlichen Kopfes mit
Geist aller Dinge •01 • "Das Geld erniedrigt alle Götter des Menschen und . ' n ereman er und mit d M . h .
ms stehende selbstständige Ge t lt S en ensc en m Verhält-
verwandelt sie in eine Ware. Das Geld ist der allgemeine, für sich selbst dukte der menschlichen Hands ~. en. o in _der wahren Welt die Pro-
konstituierte Wert aller Dinge. Es hat daher die ganze Welt, die Menschen- den Arbeitsprodukten anklebt .s ;e:d n~nne rch den Fetischismus, der
welt wie die Natur, ihres eigentümlichen Wertes beraubt. Das Geld ist nnd daher von der Warenprod~k~·wn sre als W ~ren_ st"
a unzertrennhch produziert werden,
22s. Der Fetisch-
das dem Menschen entfremdete Wesen seiner Arbeit und seines222Daseins, 1

und dies fremde .Wesen beherrscht ihn und er betet es an" • Gleich
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charakter der Warenwelt entspringt aus dem eigentümlichen Charakter ~nd K,ommunismus sind das wirkliche Werd . . .
der Arbeit, die Waren produziert. hch fur den Menschen gewo d V . en der Gescluehte, "die wirk-
Die Aufhebung der Selbstentfremdung geht denselben Weg wie d.ie seines Wesens als eJnes wirk~ic~~e ,, 2~~Wirk1ichung seines Wesens- und
Selbstentfremdung "'· Der Kommunismus ist der positive Ausdruck des . So meint 211ar:x daß nur der ~ . .
aufgehobenen Privateigentums. In seiner ersten Gestalt ist der Kommu- Weltgeschichte zu begrelfen" '" ~aatu~ahsmus fähig ist, den Akt der
nismus "nur eine Verallgemeinerung und Vollendung des Privateigen· Mar:x den vollendeten Kommu~is nz ~~. Hegeischen Farben schildert
tums". "Der physische unmittelbare Besitz gilt ihm als einziger Zweck '~ahrhafte Auflösung des Widerstr:~Js. Ieser Kommunismus "ist die
des Lebens und Daseins; die Bestimmung des Arbeiters wird nicht auf- Natur, und mit dem Mensch d' s ZWischen dem Menschen mit der
gehoben, sondern auf alle Menschen ausgedehnt" 227• Das Verhältnis des zwisehen Entstehung und W en, Je .wahrhafte Auslösung des Streits
Privateigentums bleibt das Verhältnis zur Gemeinschaft, zur Sachen- Selbstbestätigung zwischen Fesehn, .zwischen Vergegenständlichung und
welt. "Dieser Kommunismus-i11dem er die Persönlichkeit des Menschen V.'·a uum und Gattung.
' ' Erst dasrmaufett'elöund ,Not. wen· a· ·k · .
!g eJt, ZWischen Indi·
überall negiert - ist aber nur der konsequente Ausdruck des Privat- .slch als diese Lösuna" ''" U t g ste Rätsel der Geschichte erweist
eigentums, welche diese Negation ist. Der allgemeine und als Macht sich ,
llO>.>enen o • n er der Vorau t d ·
Privateigentums produziert d sse zung es positiv aufge-
konstituierende Neid ist nur die versteckte Form, in welcher die Habsucht selbst und den anderen Mensche e.r M~nsch den Menschen, sich
sich herstellt und nur auf eine andere Weise sich befriedigt""''· In dieser Menschen als Menschen produziert n; WJe. dJe Ge~ellschaft selbst den
ersten Gestalt ist der Kommunismus "nur eine Erscheinungsform von menschliche Wesen der Nat . ' so JSt S!e durch lhn produziert Da•
der Niedertracht des Privateigentums, das sich als das positive Gemein- Menschen' denn erst hier ist sie ur rJst .herst d a f"ur d en gesellschaftlichen· " ''
wesen setzen will" "'· In seiner zweiten Gestalt als politischer Kommunis- als Dasein filr die anderu und de;:~d~rda alsBand mit dem Menschen,
mus, der die Aufhebung des Staats vollzieht, hat der Kommunismus Grundlage seines menschli'che D . n für lhn; erst h!er ist sie da als
. . n asems Ersth' . t'h .
zwar seinen Begriff erfaßt, aber noch nicht sein Wesen. Der politische
Kommunismus weiJJ sich schon als Reintegration oder Rückkehr des
D asem, seJn menschliches Dasein nnd d' Jer Js.. '. m semnatürliches
geworden. Also die Gesellschaft . . Je Natur fur lhn zum Menschen
Menschen in sieh, als Aufhebung der menschlichen Selbstentfremdung, Menschen mit der Natur die h JstRdie vollendete Wesenseinheit des
aber indem er das positive Wesen des Privateigentums noch nicht erfaßt geführte Naturalismus des M;va ~e esurrektion der Natur, der durch-
hat und ebensowenig die menschliehe,Natur des Bedürfnisses verstanden mus der Natur"''"· nsc en und der durchgeführte Humanis-
hat, ist er aucb noch von demselben befangen und infiziert. Erst in seiner
dritten Gestalt versteht sieh der Kommunismus "als positive Aufhebung Aucb in Kierkegaards Kritik der v .
des Privateigentums, als menschliche Selbstentfremdung und darum um die Selbstentfremdung d 'f ~~welthchten Christenheit geht es
als wirkliche Aneignung des menschlichen Wesens durch und für den .
"phantastJschen es "d'ens"''en
Theorien über · Gegensatz zu den .
G . •i\.ber llll
Menschen; darum als vollständige, bewußte und innerhalb des ganzen Man entwickelt, will Kierke aard,~i esellschaft", wie sie etwa Karl
Reichtums der bisherigen Entwicklunggewordene Rückkehr des Menschen duellen, humanen E:xistenzve:Mlt . e..verblaßte "Urschrift der indi\1.
für sich als eines gesellschaftlichen, d. h. menschlichen Menschen. Dieser Rede davon sein, daß dle Idee de~~~~e. e~tziffe;n. ,,Denn es kann keine
Kommunismus ist als vollendeter Naturalismus~ Humanismus als voll- Rettung der Zeit werden wird " D ~~~hs:nus lii der Gemeinschaft die
endeter Humanismus- Naturalismus" " 8 • Der kommunistische Natura- Assoziation, "das höchstens seine ;~t· rw~~~ der Gemeinschaft und der
lismus oder Humanismus unterscheidet sich sowohl vom Idealismus wie . riellen Interessen haben kann l 't. •gkert ':U Verhältnis zu den mate-
vom Materialismus und ist zugleich ihre beide vereinigende Wahrheit"'· negativ, eine Ausflucht . ' s zm unserer Zelt nicht affirmativ- sondern
"Wie der Atheismus als Aufhebung Gottes das Werden des theore· DJa. j . • > CJne erstreuung . S' b '
ektrk Ist: indem es die I d. .d ' em lllnes etrug, dessen
tischen Humanismus ist, so ist der Kommunismus als Aufhebung des es stärkt durch das Numeri: ;v'. uu~ stärkt, enerviert es dieselben.
Privateigentums die Vindikation des v,1rklichen menschlichen Lebens ethis?h, eine Schwächung"""'· c e Jm usammenschlu!J, aber das ist:
als seines Eigentums. Der Atheismus ist der durch Aufhebung der Reli· Dre Menschengleichheit die der S . .
gion, der Kommunismus der durch Aufhebung des Privateigentum sich Element der Wirklichkeit ,;;cht zu ver o~JaJ;smus erreichen will, ist im
vermittelnde Humanismus." "Erst durch die Aufhebung dieser Ver" der Menschengleichheit läßt sich welt'~~rkhc.hen. Nicht einmal die Idee
mittlung- die aber eine notwendige Voraussetzung ist- wird der positiv durchdenken, denn das Weseu der l eh bJs z~r letzten Konsequenz
von sich selbst beginnende, der positive Humanismus"""'· Atheismus der Welt sind die Menschen ungl . ::elthchkert Jst Verschiedenheit. In
erc ' vor Gott aber gleicl!. In der Welt
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sind die Menschen eine Menge, vor Gott aber steht der Mensch als Ein- TSchonM''in der
. Kritik· der H ege1sch en Rechtsph 1'I h. .
P_GSI Ive oghchkeit einer universalen E . ~sop Je Sieht Marx die
zerner. Als Einzelner ist der Mensch in Verwandtschaft mit der Gottheit. emer Klasse mit radikalen Kett . manzJpatwn: "In der Bildung
Weltlich, zeitlich, gesellschaftlich scheint es ungereimt, daß nur der Ein- schaft, welche keine Klasse der ~i ei~~rhKlasse der bürgerlichen Gesell-
zelne das Menschsein erreicht, denn wahrscheinlicher ist es, daß erst
mehrere vereint dieses Ziel erreichen. So verhält es sich bei allen irdischen
de~, welcher die Auflösung aller ~~~d~~ . en ~esellschaft ist, eines Stan-
umversellen Charakter durch 'h . Ist, mner Sphäre, welche einen
und sinnlichen Zwecken. Überwiegt die Weltlichkeit, dann schafft die besonderes Recht in Anspruc~ :~:;erseHen Leiden besitzt und kein
weltliche Ideologie "sowohl Gott ab, als auch die Ewigkeit und die Ver- sondern das Unrecht schlechth· .h' weil kem besonderes Unrecht
wandschalt des Menschen mit der Gottheit, schafft das ab, oder ver-
en dl'ICh ' welche sich nicht emanz·m .an I r verübt wu . d .... einer Sphäre'
Sphären der Gesellschaft und ~;:~~na~aun., o?ne sich von allen übrigen
wandelt es in eine Fabel und setzt das Moderne an die Stelle, daß das
Menschsein heiße als Exemplar einem mit Verstand begabten Geschlecht schaft zu emanzipieren welche m't . Je ubngen Sphären der Gesell-
angehören, so daß das Geschlecht, die Art höher ist, als das Individuum,
. vo"11'Ige v erlust des
Me 1
oder so, daß es n~r exemplarisch ist, keine Individuen" 233 • Im Element . nsch en Ist,
· also nur durch
' die völliememe w· Wort der
swh selbst gewinnen kann Diese A g_ Iedergewmnung des Menschen
der Ewigkeit aber "erreicht nur einer das Ziel; das will sagen, jeder kann
es, und jeder sollte dieser Eine werden, aber nur einer erreicht das Ziel".
s~nderer Stand ist das P;oletariat'~;~s~g der Gesel!schaft als ein be-
die Rolle Christi. Auch in Christ . t d · as Proletanat übernimmt so
Gerade der Imperativ zur Einzelheit richtet sich an alle gleichmäßig, sten Punkt erschienen 16o. us Is as Menschenlos bis auf den äußer-
macht keinen Unterschied, nicht mit einem einzigen. Niemand ist von
diesem Anruf zur Einzelheit ausgeschlossen 234• In der Heiligen Familie erläutert M . ..
sammenhang des sozialökonomische arx. d~n hellsokonomischen Zu-
- Es ist der Sündenfall der Christenheit '"5, daß vergessen wurde, daß Proletariat näher DI'e b 't d n Verhaltmsses von Bourgeoisie und
die Sache des Christentums mit dem Einzelnen steht und fällt. Die . ." esizeneKia d.
tanats stellen dieselbe menschliche S Isse un d)e Klasse des Prole-
Einzelheit ist "der Engpaß, durch den die Zeit, die Geschichte, das
Geschlecht hindurch muß" 236 • Die Meinung, daß sich das Absolute in
ers~e Klasse fühlt sich in dieser Selbst:nbstentfremd ung dar. Aber die
weiß die Entfremdung alsihre e· tfremdung wohl und bestätigt
der Gesellschaft verwirklichen könne, hat zuletzt ihren "Rückhalt im einer menschlichen Existenz. ;!e~e ~acht: und _besitzt in ihr den Schei~
Sinnesbetrug der Zeitlichkeit, daß man so einige rechte Kerls, oder so vernichtet, erblickt in ihr ihr Ohweite fuhlt sich in der Entfremdung
die ganze Menschheit sei, die so zuletzt Gott imponieren, selbst Christus
sein könne" 237 • Wenn Marx die Gesellschaft ohne Gott aufbaut, Kierke-
7
unmenschlichen Existenz. Sie t nm~cht und die Wirklichkeit einer
b;auchen, in der Verworfenheit ~ie ~mCI~en A~sdruck von Hege! zu ge-
gaard aber nur den Einzelneu vor Gott stellt, so ist die gemeinsame Vor- eme Empörung, zu der sie not d porung uber dwse Verworfenheit
aussetzung der Zerfall von Gott und Welt, die Entzweiung des Göttlichen menschlichen Natur mit ihrer L ~en I_g durch den Widerspruch ihre;
und Weltlichen. entschiedene umfassende V . e enssituation, welche die offenherzige
Während di~ besitzende Kelrnemung dieser Natur ist, getrieben wird .. ,.;
'h asse gezwung · t . ·
I re~ Gegensatz, das Proletariat, zu erb en ~~ ' Sich selbst und damit
letanat gezwungen, sich selbst und d al~en, ).st das Proletariat als Pro-
Eschatologie von Marx und Kierkegaard sat~, der es zum Proletariat macht da amit seu:en bedingenden Gegen-
bes)tzende Klasse ist die positiv s' 't sdPnvateJgentum aufzuheben. Die
Ist die Selbstentfremdung als das Leitmotiv der Analyse von Marx Partei das in sich selbst befried~ t:I ;r. es G_egeusatzes, die konservative
und Kierkegaard aufgedeckt, so ergeben sich notwendig die Elemente,
die ~egative Seite des Gegensat~es d ~vate)gent~m:. Das Proletariat ist
die das eschatologische Drama der Geschichte in der Sicht des einen und auflosende Privateigentum. ' Je revolutwnare Partei das sich
des andern bestimmen. Das gesamte sozialökonomische Inventar der
Analysen von Kar! Marx instrumentiert nur das Thema der Selbst- .. "Das Privateigentum treibt allerdirr . .
okonomjschen Bewegung zu s . . gs sich selbst In seiner national-
entfremdung 23•, den Fall in die Fremde und den Weg zur Erlösung. . emer eigenen A fl"
eme von ihm unabhängige, bewußtlo ~ osung fort, aber nur durch
Sozialökonomie ist für Marx Heilsökonomie. Kierkegaard aber will die
dende, durch die Natur der Sache be ~e, Wider s~men Willen stattfin-
achtzehn Jahrhunderte wegschaffen, als habe es sie gar nicht gegeben, das Proletariat als Proletariat erz d ngte E?tWicklung, nur indem es
und gleichzeitig werden mit Christus. So wird in Kierkegaard urchrist- sehen Elends bewußte Elend d. 'h eugt, das semes geistigen und physi-
liche Apokalyptik wieder Wirklichkeit. 13 ' Ie I rer Entmenschung bewußte und darum
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kraft sich selbst als War uf . . .
sieh selbst au!hebendeEntmenschung. Das Proletariat vollzieht das Urteil, Mit diesem Verkauf tritteda, g;n Markt und verkauft sich d K .
unhei~·
Austausch von W as setz auf den Pla d em apltal.
welches das Privateigentum durch die Erzeugung des Proletariats über Automatismus d arepn resultiert und eine ahs allgemein aus dem
slch selbst verhängt" ""· Das Proletariat kann darum Erlöser sein, ,;weil St er roduktion b · gt IC e Beweguncr · d
dia Abstraktion von aller :Menschlichkeit, selbst von dem Schein der
ruktur der bürgerlieb G rm • die zur Auflö
~ung . "m en
bl:~e sein~ Arbei~~~:r::s
Das Proletariat ist e . en esellsclli\ft treibt. das G der ganzen
:Menschlichkeit im ausgebildeten Proletariat praktisch vollendet ist, weil
~mmer w~eder
he_rzustellen, als da:u verdammt, Mehru:erts.
in den Lebensbedingungen des Proletariats alle Lebensbedingungen der seme eigene Folter im s nstrumeot der Akkumulati
heutigen Gesellschaft in ibrer uumenscbllcben Spitze zusammengelaßt zu Produkt' mer von neuem zu erzen on es Kapltals,
sind, weil der :Mensch in ibm sieb selbst verloren, aber zugleich zur Em· und jede A~~~e~es :Mehl'werts sind zugleich Me~:~ .,A:er alle Methoden
pöruug gegen diese Uumenscblicbkeit gezwungen ist"""· Es ist klar, ::r~'J!o~er A~k.mnulution nmg::eh~~~~ulmulation,
~
wicklung jener wird
daß mit dem "Proletariat" nicht die konkrete Masse der Proletarier akkumuliert, die La en. s .folgt daraus, daß .im lV ' zur Ent-
allein gemeint ist, soudem eine geschichtsdialektische Größe. "Es handelt verschlechtert. DasgeGdes Arbeiters, welches immer sei {aBße wie Kapital
sieb nicht darum, daß dieser oder jener Proletarier, oder selbst das ganze esetz endlich l h ne ezahlun<>' sich
Proletariat als Ziel sieb einstweilen vorstellt. Es handelt sieb darum, was rung oder .industrielle R • we c es die relative Üb "'

~~\!:,pnigttal ;:~n~:;;;~~st ~~~~e~~:~eisedHet Ar~eitern;:;~:rd:~


Akkumulation im GI . ;ser':earmee stets mit Umfang u d E erte;ölke-
es ist, was es in diesem Sein gemäß geschiehtlieb zu tun gezwungen
?ls dden dhen
seinInwird.
jeder politischen Unruhe hat Marx das Wetterleuchten der beran·
nabenden Katastrophe erblickt. Stets beobachtete er intensiv die Vor- :~io?a so
eme er Akk
von Elend. Die
zuglmcb Akkum
A~~:;:~~~i:~~;aRpital
1 · ep ästos an d F
entsprechende e~kk~:~~
gänge jn allen Ländern und sucht ganz apokalyptisch ihre Potenz im wissenbeit V u a wn von Elend Arb 't auf
l t' n e1Chtum I d em emen
. Pol
weltgeschiehtlieben Drama festsuste!len. Zunächst glaubt :Marx im
Jahre 1848 die entscheidende weltgeschichtliche Stunde zu erkennen.
.1 ' ergewaltigung und mo a1i h •
po •. d. h. auf seiten der Klasse d' r 'hsc
uz!ert" "''·
~r eJ squa ' Sklaverei U
Erniedrigung auf dem Geg n·
• Je ' r mgnes Produkt a1 K . en-
1852 zeichnet Man< den ,.Achtzehnten Brumaire des Louis Napoleon" d Die Akkumulation des :M . s apltal pro-
in die sozialökonomische Heilsgeschichte. Noch im Lärm der Pariser

~;:s~~n~~~z~:~;~~~~0~er kda~~:~f:~!~~~~~r:~~~~~tu sic~adudr~h BHd::e~~f~


Kommune glaubt Marl< das Ende der bürgcrlich-cbristlichen Welt läuten der .Konzenlral.ion. Diese ehrwertsbringt das Kapital in die

v.~rd
zu bören. Der lähmende Gang der Revolution in Europa erweckt in Man<
keine Zweifel an seiner Prophetie, soudem immer tiefer sein Groll · o er der Ent · ·" n m and mit
gegen die tatsächliche Unvernunft und Eigemnäehtigkeit des Menschen. wentge, entwickelt sich die ko ~lgnung vieler Kapitalisten d h
stets
w· wachs end er Stufenleiter operative
die b . ßForm d es n.r
, b eltsprozesses
. urc
auf
Immer mebr zieht sich Marx zurück, immer tiefer gräbt er sich ein, um
das Gesetz, den Weg zu entdecken, der von der bürgerlich-christlichen
V~rwandlung Arb~:mi~~:l ~emeinsame
1ssenschaft, die pla äß' ' ewu te technische A ,. d
~;;nE:! ~~r
~:~el :~~~g~einsa':l Arbeit:~
Welt zur klassenlosen Gesellschaft fübrt. "Der letzte Endzweck" seines der Ausbeutung
Werks ist "das Bewegungsgesetz der modernen Gesellschaft zu ent· und die Ökonomisiernngn verwendbare
hüllen". Wie die alten Apokalyptiker, glaubt :Marx. daß man die Phasen lieh rauch als gemeinsame Produktions .rodnkt!onsmittel durch ihren
der Endgeschichte "weder überspringen noch wegdekretieren" kann, er Arbeit. lltiit der beständ' b mittel verbundener gesellschalt

::ngopdolisJ·Eere~, die!e:;:,~~::u:;uudgsprodzesses usurpier~:';;'nad


aber gle\ch den Apokalyptikern will :Marx "die Geburtsweben abkürzen ten, welche alle Vorteile d' !g a nehmenden Zahl der Kapital -
und mildern" l>ll, Dieser letzten Dinge Enthüllung, diese sozia!ökono· wächst
mische Apokalypse ist "Das Kapital". Durch das Inventar der sozial·
anschwellendenn~~d e~nA~b;utung,
• er rmedngu d
E~p~~uKne~h·
en s, es Drucks d

~n kapitali•t~g
ökonomischen Analysen tönt das dumpfe Grollen einer unausbleib· stets aber auch die
Iichen Katastrophe. Von Kapitel zu Kapitel steigert sieb die dramatische Produktionsprozesses selbst rc Mechanismus des her

s~baftlichen P~odu:~o!onri'ol u~ess~{gd~isierten


Arbeiterklasse " D i'i geschulten, vereinten d • !SC en

Ver~esellschaftlichu~g d~~ A~;z.~tratiou Produktionsmi~t~~~~


Spannung. :.es Kapitals wird zur
Das Subjekt dieses Dramas ist, wie der Titel schon sagt, das Kapi-
tal. In einer gewaltigen Apokalypse schildert :Marx den Zusammenbruch d!e. der
der kapitalistischen Gesellschalt und den Anbruch der klassenlosen
Gesellschaft: Kapital und Arbeit sind die beiden entgegengesetzten Pole
~~:trs~~c.!'e ~~:d~;~iv~:er kapit:~is::;;~:~e~~~ens~~<td wo sie un-
a Ischen Privateigentums s~blägt" :... gesprengt.
1S
der bürgerlieben Gesellschaft. Das Proletariat bringt mit seiner Arbeits-
-189-
...:.. 188-
. . . Marx die geschichtliche Tendenz der lösen wollen in dem Medium Weltlichkeit, d. h. in dem Medium, dessen
Am Ende dieses KapJtels, m ~em t llt greift er zurück auf das Kom- Wesen Verschiedenheit ist, .... kommt man wesentlich nicht einen
kapitalistischen -:"-kkumul~~~; D~:sz~a~zig Jahre intensivsten .Studium~ 1'\chritt wejter; es ist ewig ein Hindernis davor gesetzt und die Grenze der
unistische Mamfest von .. . Marx nur seine Prophetie und er Ewigkeit spottet aller menschlichen Anstrengung, spottet der Vermessen-
~er Wirtschaft in. EJ1gland ?est~:~~~Hsökonomie. "Der Fortsc~ritt der heit wider ihre allerhöchsten, herrlichen Rechte, daß die Zeitlichkeit
weisen seine SozJalok;n~:~r aund widerstandsloser Träger ~e ~o~~~ zeitlich und weltlich erklären will, was in der Zeitlichkeit ein Rätsel sein
Industrie, dessen Wl .en . Vereinzelung der Arbeiter urc . soll, nnd was nnr die Ewigkeit erklären kann und erklären wird" 245 • I
.geoisie jst, setzt an d1e Stel:e d~ . · igund durch die Assoziation. M1t Worum es eigentlich geht, ist Ewigkeit, "die Anssicht auf sie in jedem I
Konkurrenz ihre revolutJ~nar~ d:::~~~e w\;d also unter den Fü~en de~ Augenblick, ihren Ernst und ihre Seligkeit, ihre Linderung". Erst wenn Ii
der Entwicklung der gro en n o en worauf sie produziert un erkannt, "worum die Frage geht, erst dann beginnt die neue Zeit- '
Bourgeoisie die Grundl~ge selbst w~~~:i:rt 'also vor allem ihre eig~en rechnung'' 245 •
die Produkte sich aneignet. SJed pder Sieg des Proletariats sind gleJ?h Freilich eine Zeitlang ffi\lß noch "anf das bloß Konvulsivische darauf-
Totengräber, ihr Unt.ergang un h der klassenlosen Gesellschaft ~~t gehen", denn tief sitzt der "Aberglauben" an die rettende und glück-
unvermeidlich""''· MJt de:r A~~;;~ndigkeit" in das "Reich der Freie selig machende Macht weltlicher Verständigkeit im menschlichen Ge-
der Sprung vom "ReJch schlecht. Die quantitative Dialektik der Weltgeschichte, die endliche
~·~w. . Dialektik des Verstandes wird in jedem Fall imstande sein, "eine nu-
. 1848 bestätigen Kierkegaa.rd die glaubliche Menge Kombinationen zu bilden""'· Aber alle weltlichen
Die Weltumwälzungen Jm Ja~e hl cht ist krank und, geistig Ver- Apokalypsen nnd Versuche müssen scheitern, denn Welt!ichkeit ist
Richtigkeit seiner Diagnose: ~.a"o· e~at:strophen und Revolutio.nen des wesentlich Verschiedenheit, Relativität. Im Element der Verschieden-
standen, kr&nk biS zum To.d~ .t· gJe gehören "in die Kladde, mcht ms heit nnd der Gebrochenheit läßt sich Menschengleichheit nicht verwirk-
Jahrhunderts sind nur Em eJ un ' .. lichen. Aber die weltlichen Theoretiker werden kanm merken, "daß das
Hauptbuch"""'· . . D' e Schuld an dem ganzen tragt Unglück nicht in den zufälligen Fehlern und Mängeln dieser Kombina-
Mit Marx ist Kierkegaa;d em1. ~h JPresseschmeichelejen demorall- tion lag, sondern darin, daß wesentlich etwas ganz anderes not tat,
die eingebildete, halb studJ;rt~l'k: meinte regieren zu sollen. Ab~r Religiosität nämlich 248 ". So wird das Geschlecht "verwirrter und ver-
sierte Bourgeoisie, die als u I . e esehe~ worden, daß die Nemes~s wjrrter, wie ein betrunkener Mann, je unruhiger er umherstürmt, um so
vielleicht ist es in de; Geschichte ~ gauf denselben Glockenschlag •. Wie berauschter wird, selbst wenn ·er nicht mehr zu trinken bekommt""'·
so hurtig kam; denn m ~emselben h uder Macht griff, erhob ~er vJerte Wenn wohl das Geschlecht von Leiden nnd Blutverlust ermattet sein
die Bourgeoisie entscheidend nacßen daß er der Schuldige seJ, aber das wird, erst dann wird es merken, dann kommt es znm Umschlag. Der Um-
Stand sich. Nun wird es gewJß he;d. ; Opfer, über das es hergehen. Wl~d, schlag bringt eine Wende in der Tragweite, wie sie sich im koperni-
·.st unwahr: er ist nur das unschu .Jg d das soll Notwehr seJn, Jst kanischen Zeitalter vollzogen hat, aber in entgegengesetzter Richtung:
~as niedergeschossen, ;erfluc~t ~Jrd .st ~notwehr' weil die Bourgeoisie "was aussah wie Politik und sich einbildete es zu sein, wird als religiöse
es auch in einem gewJssen Sm~. e~ I vierten Standes in dJe Ge- Bewegung sich erweisen" 249 • Von dem Moment an, "da der vierte Stand
den Staat umstieß" • Der ~mt:ltt ~:~ das entscheidendste Ereign~s
246
eingesetzt wird, wird es sich zeigen, daß selbst wenn die Krisis über-
schichte ist für Ki~rke~aard wie ~.:;. ~eschichte selbst. Aug in Aug ;mt . standen ist, da weltlich nicht regiert werden kann" 249 • Kaiser, Könige,
des Jahrhunderts, Ja die We_nd~ cheidun des Augenblicks. Das ~me, Päpste, Jesuiten, Generäle, Diplomaten "haben bisher in einem ent-
Marx erkennt KJerkega.ard die E_n;~ h Ma~fest Kierkegaards, won_n er scheidenden Augenblick die Welt regieren und lenken können. Aber von
was nottut, ist das AntJkomn;ums~sc ? darum weil sich dieses Manifest der Zeit an, da der vierte Stand eingesetzt wird, wird es sich zeigen, daß
sich Aug in Aug mit Marx mJßt. . ~e~e~eitschrift abgedruckt findet, aus- nur Märtyrer in dem entscheidenden Augenblick die Welt regieren
an einer verlorenen Stelle, nur m eJ . können" 241 • Der Siegesherr der neuen Zeit ist der Märtyrer. Der Märtyrer
führlieh behandelt. ich Europa "mit steigender LeJd:n- ist der Herrscher des kommenden Geschlechts. "Es wird, um die Ewigkeit
Kierkegaard stellt fest, daß ~ p bl me verirrt die sich nur gott- wieder zu bekommen, Blut gefordert werden, aber Blut von einer andern
schaftsgeschw\ndigkeit" wel:h~::: E;:sa:z: daß der' vierte Stand, d. h. Art, nicht jenes der tausendweis totgeschlagenen Schlachtopfer, nein,
lieh beantworten lassen. "MJt ~1 . hheit zwischen Mensch und Mensch das kostbare Blut der einzelnen - der Märtyrer, dieser mächtigen Ver-
alle Menschen, das Problem der eJc
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storbenen, die vermögen, was kein Lebender, der Menschen tausendweis
niederhauen läßt, vermag, was diese mächtigen Verstorbenen selbst nicht ~ein werden~ Erfinder einer neue . .
vermochten als Lebende, sondern nur vermögen als Verstorbene: eine ~~~ä~;;. vh'letlt .znfriedenstellen soll~ ~~~~~Z:c::~ tganz anders die Zeit
raSßnde Menge in Gehorsam zu zwingen, just weil diese rasende Menge . lc s e 1St wenn die Dä . ; IS entums Askese" D
in Ungehorsam die Märtyrer totschlagen durfte"'""· fäbr wie .wenn die Diebe sich~~~'•rh:n selbst Aposteln werden- ~n :~
Indem es offenbar wird, daß sich die sozialpolitische Revolution in shftter,h die entsetzliclien Rückhalt ~;"nld!zei ausgdehen -, selbst Religio~s-
mer ze1t
eine religiöse Revolution verwandelt, wird auch offenbar, daß das, was
kn 1sc wird daß
· •
.
· es, ew1g verstand
en wer en an e' . die sö
Ist: es ist Religiosität , en, von der Zeit gesagt ~
not tut, Geistliche sind. Denn wenn die Schlacht geschlagen und wesent- dä . h . ' was not tut wah Rer ' ewig wahr
lich gesiegt werden soll, so "muß es durch Geistliche geschehen; weder
Soldaten noch Polizisten noch Diplomaten, noch politische Projekten- ~;~~igi::;:::.n!:~· u::~~~r::!~n
es ~~er si~~~:~~~~ ;:~~~~ir~:
Zeit
macher verstehen das"""· Es sind Geistliche nötig, welche die Menge "Das Eme, was not tut" ist da A n~:lJch dämonische Religiosität''';
trennen können und sie zu Einzelnen machen. Geistliche, die nicht zu gaards•. darin er mit Mar~ die V:au:' omrr;unistische Manifest Kierke:
große Ansprüche machten an das Studieren, und nichts weniger wünsch- ~uft:/Jerhkegaards Prophetie über die rel~gr~u.ze~,~ zur Entscheidung auf-
ten als zu herrsehen; Geistliche, die, womöglich, gewaltig beredsam, nicht Je rop etJe von Marx üb . Iose m.artyrer-Revolutio
minder gewaltig wären im Schweigen und Erdulden; Geistliche, die, über. Innerlichkeit. und Au':: ~;eh1r~let~rische Welt-Revolution ~:eht
womöglich Herzenskenner, nicht minder gelehrt wären in Enthaltsam- ~·~fallen: i':_ ':'eltliche Umke!~;~~ :~tn1· i.~ Marx und Kierkega:;:;
keit von Urteilen und Verurteilen; Geistliche, die Autorität zu brauchen a es endgultJg klargemacht daß eh . ~e Ig!Ose Umkehr. Kierkegaard
wüßten, mit Hilfe der Kunst Aufopferungen zu machen; Geistliche, die :.~t ':;rum akos~isch und g;genweltri';:••~e Existenz Innerlichkeit ist
vorbereitet, erzogen, gebildet wären zu gehorchen und zu leiden, so daß ' s er Wahrheit durch die W l . sem muJl. Marx hat das Jen
sie mildern, ermahnen, erbauen, rühren, aber auch zwingen könnten - ath~istjsehe Wurzel des Komm ~ Irheit des Diesseits ersetzt und d'-
nicht durch Macht, nichts weniger, nein, durch den eigenen Gehorsam !nruns von Innen und Außen k umsmus al~ konstitutiv aufgedeckt D Je
zwingen, und vor allem alle Unarten des Kranken geduldig leiden, ohne IS~ d: Gebiet vollends zu ver~~~e~urderreieht werden, wenn man bere~:
gestört zu werden, so wenig wie der Arzt gestört wird von dem Schelten sa z, arx und Kierkegaard geban;t s~~~~ noch, auch in ihrem Gegen-
und Stoßen des Patienten während der Operation. Denn das Geschlecht
ist krank und, geistig verstanden, krank bis zum Tode. Aber wie so
oft, wenn der Kranke die Stelle angeben soll, wo er leidet, er auf die
verkehrte zeigt - so mit dem gegenwärtigen Geschlecht. Es meint, daß
eine politische oder soziale Revolution helfen werde. "Aber wahrlich,
es ist die Ewigkeit, die not tut, - wird ein stärkerer Beweis gefordert als Epilog
dieser, daß er vom Sozjalismus ist gehört worden, dieser furchtbare
Seufzer (aus der Hölle): Gott ist das Böse, befreie uns bloß von ihm, . Mit Hege! einerseits, Marx und Ki
so hekämeu wir Linderung. So sagt er ja selbst, was es ist, das ihm not ~leser .Studien nicht zufällig geschl erkegaard andererseits ist der Kreis
tut; denn das Dämonische enthält das Wahre immer umgekehrt" 244• enn Im Widerstreit von Oben ~ssen, sondern im Wesen beschlossen
Wenn die Katastrophe ausschlägt und sich in eine religiöse Bewegung ~~ard), im Rill zwischen Innen ( (~f:;~ und Unten (Marx und Kierke~
verwandelt, dann sind auch "hinsichtliclt der größten aller Gefahren, ichganze Spannweite beschrieben i d' eg~ard) und Außen (Marx) ist
de nt. ' n Ie sich abendl~ndische E . t
die doch weit näher liegt, als man möglicherweise glaubt", Geistliche E · xts enz
nötig. Denn "die Stärke im Kommunismus ist offenbar, das in demselben . ~!Stenz sagt einerseits dasselbe .
dämonisch enthaltene Ingredienz von Religiosität, sogar christlicher ~atelmseh. Existenz sagt aber auch . W>e Ekstase, dieses griechisch jenes
Religiosität" 246• So versteigt sich Kierkegaard zur Prophetie des Anti· es Vegetierens aus z . h 'm"nackter Existenz" d•s M' '.
k . · Wlsc en Maxi " ~ mzmum
christs: wie die Pilze nach einem Regen werden dann dämonisch infi~ nac te Exlstenz, liegt der Intervall mu~, Ekstase und Minimum
zierte Gestalten auftreten, "die bald vermessentlich sich selbst zu Apo- ~kstase Hegels ist gedemütigt in d:le~s~hhchen Lebens. Das Oben de;
steln machen, auf gleicher Linie mit den Aposteln, einige auch mit der arx und Kierkegaard. Die Eksta s n e~ der nackten Existenz von
Aufgabe das Christentum zu vollenden, bald sogar selbst Religionsstifter ~ure: ~e Not der Existe~z - dnre~ 1:r ~ebe HegeJs ist verscheucht
urc unger und Elend (Marx) du ~sVnnd Schuld (Kierkegaard)
' rc erzwelfJung und Tod . D as'
-193-
-192-
gangeneu ·und als Noch-Nicht des Ko ·
Zeit allen schwachen Geistern • di'e s·1chmmenhden.
nac GehäDürftig erscheint . diese
Maximum und das Minimum sind absolute Maße und als solche das se nen. D.em Kommenden aber d'Ient man mcht . indusen und Sicherungen
Ende. Aufgerissen in die Gegensätze von Oben und Unten, von Innen
und Außen endet Hegels Philosophie und die Prophetie von Marx und
:verte~felt
h
oder neu belebt, sondern allein da ' em man das Gewesene
1m Nicht-Mehr und Noch-Nicht . N' h durch, daß man standhält
Kierkegaard. Die Geschichte der Zeit wird von ihnen gelebt als Spannung d 't ff • Im IC ts der Nacht d ·
aml o en hält für die ersten Zeiche d k ' un siCh eben
für das Kommende aufgesprengt sin: ~s orr:menden Tags. Wie viele
zu diesem Ende hin. zu der Marx und Kierkegaard aufrufen, vertieft
Die Ent-scheidung, entscheidet
· über ihren Standort• d enn ' zahlt ~ICht.es Wer
s1e Sllld d' jene
d' sind, das
die Scheid11ng, setzt diese absolut. Darum beginnt mit diesem Ruf zur ems vermessen, indem sie die w· k d
Entsc~eidung die Krisis, die noch die Gegenwart erzittern läßt. Denn ·
S Als Erbe nnd Aufgabe als Ni h:n e es Kommenden deuten.
• Ie Ie Maße des
Krisis ist Scheidung aus dem Ruf zur Entscheidung. Wie die Krisis von Geschlechte am Ende d~s abe:dl;~~hr:nd roch-Nicht ist dem neuen
Renaissance und Reformation das Gefüge des Mittelalters zerbricht, so . Oben und Unten, der Riß zwis h ~ ISC en ons. der Widerstreit von
zerbricht die Krisis, bezeichnet durch den Ruf zur Entscheidung von Seins übergeben. Das Siegel umc edn nznen und Außen als Grundriß des
Marx und Kierkegaard, das Gefüge der Neuzeit. Indem aber das Gefüge · 'd . ' as ernssene zu e· b . .
?ozncz entza oppositorum. Die Gegensätz b men, a er Ist die
der Neuzeit zerbricht, ist der Äon abgeschlossen, der durch die Mark- zn Gott, der je höher ist als das Obe e a e; fa~len zusammen: vor und
steine: Altertum-Mittelalter-Neuzeit bezeichnet ist. Schon Hege! hat steigend und aufsteigend, so daß er ~ und Je tiefer als das Unten, ab-
seine Philosophie als das volle Ende des abendländischen Geistes ver- spannt Gott, der ist sowohl der . a es er.fullt. In~en nnd Außen um-
standen. Die Philosophie aber ist das "Innerste der Weltgeschichte". alles, wie der je Äußere 'edem J~ Inner~ Jede.m Dmg,251weil in Ihm ist
Die "letzte Philosophie" ist das Resultat aller früheren: "Nichts ist Gott ist, ist alles ek-sist~nt hat ~~f' we~ E~:st alles • WeH alles in
verloren, alle Prinzipien sind erhalten" •50 • Hegels Vollendung aber ist ?o~t. Allein der Mensch ka~n sich a~wsel~e Jtte außer. sich selbst: in
eine Versöhnung des Verderbens, denn sie ist der letzte Akt vor einer mststent sein. Der Mensch verst 'ft .en en von der Mitte Gottes und
großen Umkehr und vor dem absoluten Bruch mit der antik-christlichen, selbst zur Mitte. Das göttlich M e~ steh gegen Gott und nimmt sich
abendländischen Tradition. Dieses endgeschichtliche Wissen bestimmt immer mehr und nimmt . eh \bvergesseud, vermißt sich der Mensch
nicht nur Hege! und seine Nachfolge, auch die Gegner Hegels stehen Maß aller Dinge. Indem si~~ se st zum Maß: der Mensch ist das
in diesem Kreis. Wenn Burckhardt auch an der vernünftigen Konstruk- aller Dinge macht, verdeckt e~e~e~ee~~h selbst als Subjekt zum ~aß
tion Hegels zweifelt, bestätigt er doch dessen endgeschichtliche Situation. und erstellt Gemächte, füllt die Welt mitt~n Zusammen~ang der Dmge
Denn das letzte Motiv von Burckhardt ist die Erkenntnis, daß es mit rundet sich die Welt zum G h" weck~n und Sicherungen aus,
Alteuropa zu in
Ende Gernächte verdecken dl'e Zu e auseh, mauert sich selbst ein 252. Diese
War aber der geht.
Krisis von Reformation und Renaissance die Ent- sammen äuge d D'
und stoßen Gott in das G h . . ..
. .
.er . mge mit und m Gott
scheidung der Elemente eindeutig als "re", als Zurück: entweder zum flechtung der Dinge zu~ c?e:':nm~ ..Damit wtrd aber auch die Ver-
rein Christlichen oder zum rein Antiken, so ist am Ende der Neuzeit habung, durch die Technik de~l:llls, Je n:ehr .diese durch die Hand-
Antikes und Christliches untrennbar verwirrf und damit beides ins Ende gezwängt werden. enschen m em neues, unechtes Maß
gestellt. Sicher will auch Kierkegaard das ursprüngliche Christentum
und Marx die griechische polis auf allgemeinem Grund erneuern. Allein, Es -fragt
sehen sich.
dieser warumd d u rdc hh errscht dieser
I;rtum . Irrtum gerade den Men-
Kierkegaards Einzelner, ist er nicht jenes Ich, das die Renaissance ent- schleudert? In diesem' Ir::n e~ dMenschen in die weiteste Gott-ferne
deckt hat? das Proletariat von Marx, ist es nicht jene messianische Ge- Gottes enthüllt Gerad .~~~ das Wesen des Menschen als Schatten
meinde der Apokalyptik? So kreuzen sich Antikes und Christliches und darauf verfallen.- und ~a:~ t er ~ensc~ Schalten Gottes ist, kann er
verschwimmen im Abendländischen zur Identität, und damit ist Antikes selbst als Maß zu setzen. Der~ s~h~~de~d ISt, kann es ihr:' gelingen, sich
und Christliches in die Vollendung gestellt: als volles Ende. verführt, sich selbst wissend wi~ ~ot~n Ist ct.'e Schlange, die den Menschen
Indem Hege! die antik-christliche Welt, e)ne Epoche von zweiein- Gott zu dünken_ und Got · zu dunken. · · am Ende: sich selbst
halb Jahrtausenden abschließt, beendet er in der Tat die Geschichte Mensch sich zum Maß setz~ n:t~l~ Schatten sei~er ~elbst. Indem der
des abendländischen Geistes. Eine neue Epoche beginnt, die einen neuen Zusammenhang der Di .' ~r Schatten m die Mitte, und der
Äon einleitet, der in einem tieferen Sinne als dem des Kalenders post nis und Umnachtung ~~: ~!~~ott wird verdunkelt. Das ist die Finster-
Christum ist. Diese Epoche, in der die Schwelle der abendländischen
Geschichte überschritten ist, weiß sich zuerst als Nicht-Mehr des Ver-
r---
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-'- 194-

Wenn sich der Mensch aber nicht in die Schönheit der Nacht ver-
guckt, sondern sie als Finsternis erschaut, wenn der Mensch seine Gehäuse
als Verstellungen erkennt, wenn er seine Insistenz als Versteifung ver-
spürt, sein.eigen Maß als Luge und Irrtum entlarvt, tagt's auch in der
Menschen-Welt, vollziehtsich die Wendungvon der Insistenz zur Existenz.
Indem es tagt kehren sich alle Maße um. Der Mensch ist dann heim-
geholt von Gott und ek-sistiert, da er seine Mitte findet: in Gott. Denn
der Mensch ist in sich nichts, so er nicht teilnimmt an Gott. Damit
hebt sich der Schleier, der über der Welt lagert, die Nebel zerreißen,
die vermessenen Maße des Menschen fallen und das Maß Gottes wird
offenbar. Das Maß Gottes ist das Heilige. Das Heilige ist zunächst Aus-
sonderung und Absonderung. Heilig-Sein heißt zuerst abgesondert sein.
Das Heilige ist die Schrecknis, die das Gefüge der Welt erschüttert.
I
Die Erschütterung durch das Heilige sprengt das Gefüge der Welt für
das Heil. Im Gericht der Geschichte richtet das Heilige. Geschichte ist
nur dann, wenn Wahrheit aus der Irre ausgesondert, wenn Wahrheit
aus dem Geheimnis erhellt wird. Die Geschichte hellt sich auf ·vom
Geheimnis der Irre zur Offenbarung der Wahrheit.
I
l
'i
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-201-

II
- 2{)0-
Frenlde.: Motiv der Se1bstentfremdung. Irre. Weg aus der Irre. Das lieht~
verbannte Lieht. nDieseu und ~~jene~" Welt. Das Jenseits. kosmos~skotos.
Welten. Welt und Äon.. Apokalyptische Zeiten: dämonWerte Zeitalter.
Substanz der Finsternis. Mischung. Geworfeneein als Sebicksal. Vergessen.
Analytisches Inhaltsverzeichnis als Register Schlaf. Feier der Welt.. Lärm der Welt. Erwachen. Ruf. Rufals Ursy.mhol
der Apokalyptik. Der fremde Mann. Der erlöste Erlöser.
Geschichtssckau der Apf>kalypttk: Urfrage ~er ApokalyPtik: Wann? Göttlicher

l
I. Buch: Vom Wesen der Eschatologie er Geschichte. Geschichte als Mög- Weltplan.. Zahlenmäßige Berechnung des Endes. Wissenschaft det Apoka~
Elemente: Die Frage ~ach dem Wes~ Jescltichte? Das Eschaton als ~:re~z: lyptil>:~ Ah;riß der Weltgeschichte. Eschatologische Chronologie. Einteilung

~~t#~~'!:~:id:~~:;~~~~~te1~ ~!;r;hi~~~~~·~:h!~e: t~s~h~t;. ~::ä


in Perioden. Passiver Stil der Apt>kalyptik. Sinngeh'ung des Deternrlnismus.
Struktur der Apokalyptik und Gnosie:. Dualismus und Monismus. Dialektik
•nnigkeit und Rtchtung der Zett. d ." 't und Vollendung. Gßschichte.un dualistisch uud monistisch zugleich. Wesen der dialektischen Methode. Kreis~
Ewigkeit zu Ew?-gkeit.a!ApTokalypdl~.· : : .p;:iheit, Hosea. Bet:~~~jewsW~bl~uh::r; ft:lrmig und spiralistisch. Dialektische Logik: Geschichtlich. Hegeische Logik.
'h · Gesclrlchte s rago G d d Gesehlc.nte. a '" " Hegel und Gnosis. Entwicklung Hegels. Ferdinand Christlau Baur.
=~ e~~eiheit als Abfall und Negation. d l~~: E:Jliehe und absolute FDei~ Apokalyptik und Gnosis wesendich geschichtlich-und eschatologisch. Mytho-
unlFreiheit. Wahrheit als Ve~berj~;J!gaari. Möglich und Wirklich. as logische Apokalyp_tik und philosophhohe Gnosis. Exee:rpta e:x Theodoto 78.
heit Plo-tin und Hege!. Marx un G Welt und Mensch, Plotin und die Gnosis. Ontologie der Erlösung. Dialektik,
M ß Sprung. b .,. als Lichtung. Stiunne. cttes. ontologische Form der Apokalyptik. Entsprechung von Kosmos: Gott,
G:sehichte als Offenbarung. OffT az~"" Gewicht de:r: \Virkliehk-ett. Marx psyche: pneuma. Kosmos in Antike und Gnosis. Geschlossenheit des Kos~
Hören und Glauben. Zerspaltung er el . mos als Grenze. Psyche und pneuma. Das Ich als Selbst. Pneuma uls nieht-
und Kierkegaard. Sprung. d ~ okalvptik. Totalität als weltlieher Funke. Der Funke der Freiheit. Kosmo5 und Gt>tt. Die Verhül-
Freiheit und Revolu~on: Freihei: F~~~!,eSchle:h:ct Goit: Fülle
Prinzip der Revoluuon. Ko<;Jmos.
des Guten.
.
lung Gottes. Der ,,unhekannteH Gott ist der ,~neue.. Gott. Absage an die
Welt. Die negativen Aussagen von Gott gegenweltlich. Mareion und Bnsi~
Der ni:cht~seiendc und neue RGot\ t' on. Telos der Revolution. Da;; t:agtschd lides. Der "niehtseiende~' Gott. Eschatologie.
Ji'onn und Kom:ponenten der evo u 1R volution. Unruhe des Prmztps un
Wesen der Revolution. Permanente e 11. Buck: Die Geschichte der Apokalyptik
seine Träger. . s VQn Woher und Wohin. Von Danitd bis Johanruu:: Apokalyptik und Antike. Ausein».nderaetzung in
r_,-,,.. und Geschichte: Mythos wtd Raum. 1uelu dF . Judä~ Hellenisierung durch Antiochus, Makahäis-cher Aufstand. Daniel.
~·o• G . G • tun ret..
Diouysos. F d Gi!istes. Wozu? Eros und erst. els Merkmale der Danielapokalypse, Aufbau der Apokalypse, Zeit der Abfas-
z 't und Geist. rage es (;. · Das Neue.
he\ Geschichte als Entwurf des el:te~. Einst. Axiologie und Teleologte.
· sung. Literarische Probleme. Die Nachtvision des Daniel. Anani der Wolken-
sohn und Messiaskönig. Transzendente und nationale Eschatologie.
s~Öpfung und Erlösung.J?as dGopphi~~~}s Mitte von Schöpfung und Er"' Kampf zwischen Rom und Judäa. Nietzsche. Weltreich de:r Herren und Welt..
H' ·t rismus und Fortwh:ntt. esc .J'evolntion der Unt-erdr-ückten. Apokalyptik und zelotische Bewegung. Apo-
l"ts o . . G dä htnis und G-eschichte. 'Fag kalypsen = Zelotenliteutur. Empörer und Stütme:r. Johannes. Johannes-
G:d~~htnis als eschato~~gisc~es ~CV:f~sse~. Gedächtnis und Unsterbhch,. berieht des Josephus. Hanan der Verborgene. Johannes in der Wüste. Taufe
d G dächtnisses. Gedachtms un g bfall des Johannes: e.!}ehatologisehes Sa.krament. Taufe mit Wasser. Taufe mit
~it Öedächtnis und Zeit. VFergih~~ ;lls fe:r Ge~chichte. Gott alles in h~Uhn.
Ein~ng: Gottes. ~rinzip der lre et ~:er Macht des Negativ~n. Gesc. lC
All und Eins. Dtalektik aus uTte~. A.uf daß Gott sei alles lll allem. Syn
.t: Wind und Feuer~
Jesus: Lehen Jesu~Forschung: Von Reimarus zu Wrede. Martin Kähler:
dialektisch. Deus sive natu:ra: csis. ~ , historischer Jesus und dogmatischer Christus. Sokrates und Jesus. Axiom
der Wissenschaft. Offenbarung und Wissenschaft. Knrl Barth. Wissenschaft;..
thesis. Freiheit. d U k hruug. Alleinherrschaft Got~ liehe Theologie. Ühe:rgeachichtliches und Gesebichtlithes.
[$rael als Ort der Revli!utWn: Umkehr A eder Welt Israel: GehÖJ" der~ elt. Jesus in der apokalyptischen Welle. Celsus, Erregung der -aramäisch~s:yrischen
tes. W..lf ~"ollen
,v
tun und hören.
h 1 Hellas:
1 als das ug unruh't'll'"'
"" E'lement der Gesch1chte. Welt. Summarium der Botschaft. Predigt des J ohannes und Predigt J esu.
Königtum Gottes als Joc . srM . • Verhältnis zwischen Johanlles und Jesu~ Ostliehe Johannesjünger. Messias..
x _ ten und Zweistroroland. chi hte }1ythos und Geschichte. he'ß-'1.1ßtsein J esu auf' J oh.annes begründet. ,
]f>XPe Wiederkehr des Gleichen und Ges ~tte~ an Abrahams Geschlecht.
Hcifentum und Völkertu.:tn. o.g_:~dae~~ Reich Go-ttes nach "jüdischeY Redensart"'~ Das Eigentliche der Predigt Jesu~
Nationale Eschatologie und jenseitiges Him:m.elsteich. Transzendente und
Israel als Nicht~Volk. Ib:n der , · p . i Apokalyptische und politische Erwartungen. Kö~he:rrschaftshereich. Königtum Gottes. Him~
Weltkreis der Apokalyptik: Apokh'lypns;:~:lerr~~d_Pjon.as~ Aramäische l!a" melreich kommt herab. Reich kommt auf Erden. Zeichen des Reichil. Dyna~
ffo~:!se~;i~:!:Vö\k~r~j:JeAo~;!~ {!;;D~p~~:::f::e~: W!if~~Ig~\tr;;l d;; mis~ Jesus als Exorcist. Evangelium als Heilsbotschaft. Hineinkommen in
d-aa Reich, Evangelium gute Nachricht für die Arm-en. Die verkehrte W'elt,
mäisehe Idee der Nation .. ss~;;sche 15 Nation. Heimat und Bek-enntms.
aramäischen WeiL Ezeeh1cl. n..;rc e
Apokalyptische. Literatur Gememgut er ara
d
~ mäischen Welt. Wesen der apo ..
Jesus zur Zeit Pontius Pilatus. Messiasbewußtsein in Jesus. JesuS aus davi-
dischem Geschlecht. Eine vetarmte Sip.Pe des Geschlechts~ Die herunterge-
kommenen Kinder. Wauderhandwerker uu Orient. Der Wundertäter. Euthül..
kalyptisehen Ltte:ratm. d L ben Das Urwort von der lung. 'Der Sieb in der Wü$te. Eislers These vom Zusammenhang der Ethik
Urworte der Apokalyptik:a!UrS''l:l~~~aa::e:okai;ptis.ch ~gnostischen Welt. Jesu w.it dem Sieb. .
Fremde. Entfremdung 5 c 14
I
I

-202-
'- 203-
Die metanoift als Tat. Die Secessio plehis. die Wunderhandlungen Jesu. Das
Sorget nicht. Das Scheitettt Jesn. Enttäuschung-Wendung. Das Leiden Offenbarung und Wü.ste- Kana .
des Messias~ der leidende Menschensohn, der jesajanische Gottesknecht. E:xil als Wü.ste der VOlk;r Da a;;~ em gJiob~s-Land. Das nomadische Ideal
Lytron~kofer. Passion. Spätantike Kulte und Christuskult. ohne .Obrigkeit. Anarchischer Seei:'::~ d
I üsy~· TAlheokratie. Gemeinwes~
Paulus und die Auflösung ikr antiken Welt; Eece horoo als· christliches Symh9I. I vointwu. Mo~erne Revolutionäre..
:Mensch als lfttte, zwischen Gott und W
n s:rae s. tes Testament und Re~
.. .
V orgeschiehte der mythischen Welt. Sophisten -und Sokrates. Das Recht
des Individuums. Die entleerten Massen. Stoa. Die epochale Einkehr der
Antike. Antiker Imperialismus. Abwendung von der Politik, Jüdisch-christ..
I BGund. Sinai ein Gottesbund, Gott als e~ö:!'~t:glchfl Band und göttlicher
eburt der Eschatologie. Iarae1itische E'd
und Ethos der Freiheit Slda 1
'-Uf5• er -err der Heerscharen,
genossenschaft. Idee d~s Bundes

I
liehe Substanz. Monotheismus. Josephus. Uni'versalitlit des Gesetzes. Ale:x.an~
drinische Propaganda. Die jüdische Gemeinde als Zuflucht hellenistisehe:t der. Gesehi~te. Abfall .. Volks~~i~bt;·E~~dt a 1s ~eitp·prinzip.der Theodieee
log.w. Das stete Harten. a 01ogle, rophetisehe Esehato..
Römer. 'Metaphysische Selhsteutlastung. Senecas ldealhild. Lucrez über
Epikur.
Idee und Last des Gesetzes. Entsehr~nkung des Judentums. Johannes und I I I. Buch: Die theologische Eschatalogie Europas
Paulus. Gleichheit aller in der paulinischen Gemeinde. Der Leib des Messias. Das Gesetz der Neuzeit• Eschatolo 'e d N .
Adam. Chdstusmystik. Adam und Christus. Protos Adam und eschatosAdam. ~äischen Revolutionen'. Gesetzm}i'bige eRh ~h:=i uGd. Geschichte der ew:o-
Adam kadmon. f ynta;c der Revolution. Der alte und n y M l . h elst der EsehatQlogie.
Doppelbericht der Genesis. Phüo und Paulus. Paulinische" Heilsgeschichte. Joachun. und Spiritualen Thoma M" eue ensc .
Dialektik, Hegel und Kie::rkegaard. Adam und die Menschheit, Paulinisehe Go!tes auf Erden, Müns~r. Zus:a s bzerh: TdheolQg~e ~er Gewalt. Reich
Theodicee und Lehre von der Auferstehung. Die Gemeinde der Menschheit. nalismus. mmen ruc er chin>thchen Welt. Ratio~
Seelischer Zustand der paulinischen Gemeinde. Christus als Über~Ic.h. Das
eä.sarische Über~ Ich. Nero. Verachtung und Haß. Weltverachtung. Der poli~
tische Heiland und der jenseitige Heiland.
Geschichte des Urchristentums: Das sich nkht ereignende Ereignis. Die innere
~ufklärung und deutscher Idea1istn
hasmus. Von Kant his Hege] Link hs. t . .
J?Ssmg und der philosophische Chi~
Eschato!og:ie. Parallele der jÜdische~ ifsclt~:i u~d SKa:rl .lfarx, Ge~eiten deJ;
K abhala. ' «g!{h pamsche und lujanische
;I
.' iI
Einheit des Urchristentums. t:rgemeinde. Kommunismus der Urgemeinde. Christenheit und Europa Ptolemäis h 5 W 1 b.
Celsus. J akohushrief. Die so2ia.le Botschaft des Evangeliums. V erzögernn.g Das kopernikanische w;ltbild und c :ft e t. ild und mittelalterliche Kirche
Zukunft. Anfänge des ko ernik , evo1ution .. Eros ux;-d Geist. Ethos de;
der Parusie~ Paulinische Theologie. Kult des Ky::rios~Christos. Apokalyptik
und Gnosis. Kair<Js. Eschatologische Mystik. J ohannes und Marcion. Die
oberen Stfinde. Christliche Gemeinde als Mysterienkult. Quis dives salvetur.
~,..nd ~ndreieh. Christm iuf trinih:ri~~! ~eltf:jldbes het Joachim. Jenseits
.uusstten und Refol,'mierte Ret . . esc c tsprtJzeß~
Apokalypse .Johannis. Fnrsehung. These Vischers. Offenbarung Johannes in Wort. F:ranck und Böhm·e. p;:=~~e Kirc~e. Das Wor~ Gottes. Geist und
de:r Reihe dex uiehtkanonisehen· Apokalypsen. Christliche lnterpolationen. Prome!heus und Antichrist. Der TJ G~t~~e :ytholngte der Philosophie.
Doppeltes Messiashild. Hinterß::nnd. Die magna chru:ta des Chiliasmus. Mon~ und N1etzsehe. Ende der europäischen A k·1 e~~! und Feuerhach. Bauer
tanism.us. Enttäuschung und Verwirrung. . J h'.. pouypt~.
oac rmttucke Prophetie und llegels h Phüo h, .
V erbla$Sen der Apokalyptik, Clemens Alexandrinus. Gnosis. Pistis und gnosis. kaJ~pse.als Schrift der Heilsgesehich~ee H "ls 80.P w: DuJJohan.neischc Apo~
Origenes. Origenes und christliche TbeolQgie. Grundmotiv des Orlgenes.
LQgosmystik. pronoia und paideusis. Eschatologie des Orlgenes. Erziehung
.fn~gkelten. Der tdnitarische Geschic.htsex z:tenJ. 0 :h· ysttml von Gleich-
ektik. Joaehimitische B:rautm stik Id proz · oa 1m und Heiifcl. Dia~
des .Menschengesehleehts. Origenes und Plotin.
Apokalypsen in der Kirche. Henc;chapokalypse. Kampf um die Apokalypse
Gesehichtsschau bei Joa.ehim un~ He. 1 T de: Entwicklung. Trimtarlsche
der .Aufhebung. Geist und Geschieh ge . ra~stre, und aufheben. Das Gea:etz
Johannis. Chiliasmus. Nepos und die alexandrinische Theologie. Origenes nr.:dung+ Das Reich Gottes als "int:U~c~~:U~se\ih·'1~• Idee des Geistes. Voll-
und Euseh. Kirche und Imperium. Konstantin. Augustin. Das Heilige R&.
mische Reich.
Je Exegese Joachims. Refo-rmation B · J
1
• h•
_!lUd ~hilQsoph~e. Lessings Urteil übe-r.Jo:clu oawuna:nd lieg~. Prophetie
Von Augustin zu Joaehim: Die theologischen Systeme des 3. Jahrhunderts. nn nuttelalterlichen Raum He 1 . d h m. en und .ka1ro:L J oaehim
V(111 der Gemeinde zur Kir ehe. Die ehristliehe Kirche und die heidnische va.tismus und revolutionär; Ele~e~~ i). ~g!!~lichen Gesellschaft. Konser.-
Kirche. Mithras als Reichsgott. 'l'imaios als Bibel der Synkretisten. Nume· D. S . . I I e. Je plrttualen und Linkshegelianer.
re '.Pt.rltua en a s Nachfolge Jaachi , V .
nios und der Neuplatonismus. Proklos als Kirchenvater. Hierokles' :M:oral.. t!onäre Deutung. Das Gesetz der ms. erwrrru~g u~ Joachim. Revolu~
hrevier. Synesios. Asklepiades. Heidnische und christliche Evangelien. Por· h~he Größe. Papstkirche als Antie~:{hehung. GeJst~.Kirehe als geschieht..
phytios und Paulus. Orlgenes und Plotin als Schüler von Arnmonios Saceas. Ptsaner Franziskaner-. Joachimitisch! Ide n .
Die Theologie Jamhlichs. Jamhlieh und Jullim. tum. Franziskaner als linker Flügel d e Kiunter den Ltttan, Das Beginen~
Staat und Kirche. Civitas Dei als mystische Gemeinde. Der augustiiill!che Bruch mit der Kirche _ Or . p er tc e. Das ewige Evangelium
Gottesstaat. Umdeutung des Chiliasmus. Reich Gottes-Kirche. Individuelle Gesetz der Dialektik. ioaebi!ut~~h~ ;esc~~tstheol?gie der Geistlcirche:
Eschatologie verdrängt aUgem.eine. Reichshoffnung als Häresie. Augustin gramm. Papsttum wird zum Anti hrl5 t rop ette- als krrchenpo1itisches Pro~
und der mittelalterliehe Staat, Weltstaat und Gotteii;~~~taat. Augustin und Sekten, Dolcino. Theolo.,.ie und Üt • • B
das imperi.um Romanum. Geschichtssystematik des Mittelalters. Utopie. Sekte und Mas~nk.irehe :MPl~: auernaufstände. NatU:ttecht und
Das Jahx 1000. Apokalyptisches Erzählungsgut. Antichristsagen. Periodi~
sierung der Weltgeschichte. Otto von Fxcising. Antichristliteratur. Esehato..
}tfystik.Intutn von Troeltsch Die T'ts lSc.iii
Bhewlegllngen. Täufertum und
Unerlöstc Katholizität. • ese tsc 8 • Täufer und Spiritualen.
logisehe Mystik. Jo.aehim von Floris. Neuer Geschiehtsanspruch Joachims~
Zertrümmerung der mittelalterlichen Metaphysik. Ecclesia spiritualis als das Thomas Jl.:lüme:r~ Tlwologie der R 1 · G •
ewige Evangelium. Neuzeit das- Jahrtausend der Revolution. Gesetz der liehwerden des Geistes Urteil evo M,~.on. eE:;;erden der Welt und Wclt~
Neuzeit. Beginn der Neuzeit. Die Erfüllung. Absoluten. Anfange vo~ 'lu'u""''""'u~~ .. unzer,d J st Bloch. Das WoUen des
M"' dL -UA """"._• ..tn.unzer un oach ·
unzer un uther. Reformation und Revolution L~~:~r• R ' , d
• uc "' e.wr:matwn er
-205-
-204-
Ji
Lessings Leihnizaufsatz. Exoterische Gleichnisse und exoterische Wahrheiten.
• 1 .. . h Kopernikanische Wendung. Erde Unzertrennte Fortsehreitung von Himmel zur Hölle. Schellings Hölle als
Klcche. KathOlisch~ ~eh~ pt9 em~J:ro'n.iseher zur kopernikanischen Welt. Fundament der .Natur. H_ölle im Himmel und Himmel in Hölle.
ohne Bim:rnel. Gotik. en e vo~ p Eros und Geist. Gesetz und Gnade.
Magie und :Messe. P~ato u~d K.Kn~ lisebe Ethik. N atlll' und Gnade •bei Erziehung des Mensebengeschle<:hts als Magna charta des philosophischen
hGott Chiliasmus. Odgenes und J oachim als Exponenten. Pronoia und paideusis
Widerspruch der R~:to~ation.
tivitä.t des Glaubens. an~ma.,..sc
Luthe'r und Machiavelli. SubJek,.
l,uthe:t zerrissen. RlßCllllh t~en d,!!rehes Scbriftwart. Reformationeldrche. Kir..
ehe und apostolische Gemeint· h b der Schrift. Zeugnis und Glaub~n.
Münzer gegen Ln~er. Der ue. sta eRevolution Der •lbittreH und "honJg~
1! bei Odgenes und Lessing~ Erziehung als das Zentrale des Christentums.
Pädagogisc~er Idealismus. Der Weu der Erziehung als Offenbarung. Erzie~
hung und Vorsehung. Stufen der ofreJ;tbarun_g. Ziel der Lessingschen Escha~
tologie von Joachim her geformt.
Lutherische W ortkihehe. ~dolof~ d:Xntum Luth~r und die Bauern. Luthers
Verhältnis von Utopie und Chiliasmus. Utopie im politischen Aiene:ehentum.
süßeH Christns. !_,ut er un as u.rs e uf M"m:en Schutzrede. Der auf:rüh..
Schrift wider dle ~auCbri ais An~~I; dem K~iser untertan. Steche~ schlage,.
I Plato und Morus. Chiliasmus im anarchischen :Menschentum. Utopia und
Mü~s.ter. Philosophischer ~hiliasmus _anarchi~ch. Lessings Wide:rwi1le gegen
redsehe Mensch. Ther 1 ;s en1e u leiden Erharrung, Entgröbu-ng. Ver..
'Wiirge! Münzers h eo og!e: ~lf...en z d der S~ele Langweil. Unglaube. An·
wunderong. Dure gang un .tUJgrun
kunft des Gla1.iliens.
·
. hk . I 1· d sehaft Kriterium der Wahr~
Münzer und ~ie:keg~d. Inner}tc Wett. i'e :s der Wahrheit. Zweideutig~
·l I
Pohuk. Der Bund der Frmmau:rer. Von Lesstng zu Marx.
Kants ReUgitmsphüosophic: Kant und Kopern.ikus, K-antsehes System ist
Philosophie des kopernikanischen Menschentums. Kant als Philosoph des
Geistes. Eros und Geist. Ptolemäisches Menschentum dialogisch. Kopernika~
nisches Menschentum monologisch. Naturwiss-enschaft als Nötigung der Natur.
helt. Wahzhelt emd WS 'eb.ukn~ ~te~nt
k 't Kierkegaar a. u Je UVl tt. ,.._
"nd· G:!~inde. Kierkegaard und Marx.
J~nzer vereinigt den Aspekt von Kie:rkegaard un ~ ~:"·
d 1\ri
Z" , h und
I Ka-nts analoge Methode fii:r die Metaphysik. Nötigung de3 Himmels. Sehwei..
gen des Himmels. Das Gebet als abergläubischer Wahn. Geist des Gebets.
Kopernikanische Wendung als Wendung vom Eros zum Geist. Geist als
J._. f h Es hatologie• Das Täwertuxn. urlc

I!
Zusmnmenbruc-h der Clu-tst u en c • . . ' Tilufertum in Holland. :Mün~ Kennwort aller Joacbimiten. Der Heilige Geist al$ Offenbarung, der -vernünf~
Stiddeutschland. Habs~urgischTe._~_:xqlJlSltl,OU'En"'land. Barrison. }iillenarier. tige Geist als Reflexion. Identität von nomos und autos in der Autonomie.
ster. Joris und }feno Slntons. äl.Uertum m ~r Kants exoterische Gleichnisse. Kants Aufsatz über das Ende aller Dinge dem
Das Ende des T~ufertums. , . Chiliasmus. Pietistischer Chiliasmus. Leibnizaufs:ntz Le>;;sings verwandt. W a:rum wird das Ende e:wartet '? Objek~
Pietismus. CocceJUSßDer ter~tnßu~e Zwischen Chiliasmus und AufkU\nmg. tive Eschatologie als Mythos. Das Ende der!Zeit. Kants Aporie in die lfystik.
~~~S1;k~ful::de~ Gei:'J:. J~kobaBöhnte. Rationalismus.
5 Das Geheimnis der Vernunft. '
Tragisch-er Dualismus des kopernikanischen Menschentums im Mythos des
Prometheus. Prometheus als Prinzip des Geistes. Schellings Erörterung über
IV. B~•ch. Die philosophische Eschatologie Ettropas h 116 .. ....- Prometheus und Ka.nt. Prometheus und das Göttliche~ Das Los d.cr Mensch~
"" · - lo ·
Der Aufbau der philosophischen Esc~a~ 4h: E.nt J:fr!k.atholi<Othe
ung von .. .,
;.uun~
officlum heit ist von Natur tragisch.

l
Theologie-~ Wiedertäuf:e; uhnd Par.actl~lsc. eAlehe:T~ u:d Erlösungssehnsueht. Subjektivität als Grund der transzendentalen Philosophie. Spaltung von
divinum und das eheuusc e magtstet"tum.. e Erseheinung und Wesen deckt sich mit Spaltung von Notwendigkeit und
Ex ope:re -opetato und ex opere dpdrantls~::::te'. Joach:inlltiseher Gr~d Freiheit. Kants Dialektik, Idee der Freiheit. Freiheit vom Menschen her
ParaCelsus. Deo couceudente un eo ac h . des Elias Elias der ArtiSt ,Wahl, von Gott her Gtutde.
von Paracelsus. H~serwartungen. Das !':dc pf:J~en. Leibniz an der '\VeD;de Kants Esehatologi~ in de:r Religion innerhalb der Grenzen der bloßen Ver"
nunft. Das eschatologische Drama. Das radikal Böse als Verkehrtheit des
oder :reparat;n: omruu:n- Ro:bnFe~rer "tlleh..wissenschaftliehe }letaphystk: Herzens. Mensch durch V erführnng ins Böse gefallen, Hoffnung einer W~ieder~
von Alehenne zur WtkssenWs Ia t:, puä_l kt Methode der Mathematik. Mos:
Subjekt im Mittelpun t. e t ms ro u • ~ kehr zum Guten. Unj;eaehtet des Abfalls erschallt das Gebot. Reform und
geometricus. w;tfohe\
Das Gesetz des orUc rt ts. a
H ltung der Zuversicht. Theodieeen. VQ:rsehung
d V unft Erziehung des Menschen~
Revolution.
Kantische Anthropologie mündet in Gnade+ Möglichkeit de.r Umkehr gründet
als Entwicklung naeh de:ro ~e~etz . ;: h!rß:.onsteUation. Oetingers apoka.. in der Gnade. Menschlicher Fortschritt immer roaUgelhaft~ so daß für die
15
geschlechts (ap~k.ata~~asts~ ngems b ~ch de-r Aufklärung in Lessing., Maxime der Heiligkeit unzulänglich. Verschuldung :nie au$zulösehen möga
lieh. Urteilsspruch auf Gnade. Kants Philosophie und Luthers Theologie.
tastnsis und ew1ge ~llf'V us~m(rn J:.chtsstufen Eschatolo~ie des Mtttel·
1
Geschlehtswissensch t. o tKaulrre. ..els. 1 deistische 'zeitewigke:tt. Conodi und Eschatologie des I~fdividutu:ns und Eschatologie der Gemeinschaft. Da<S
alters und der Aufklärung. turse tge ethische gemeine Wesen als Volk Gottes. Der joachimitische Kern in der
Reirnarus. . . d ~ h ke der Irrationalität. Erdheben Religionslehre Kants. Das ethische gemeine Wesen als Kirche. Unsichtbare
Scheitern des Rationa Ihmus :n
3
Eert ""7cJrl~~g Geschichtsdialektik des Idea,.
'\o"onLissabon. Neues c .er:ta er n \\'1 d"kal Böse Ideaüsnms geht den Weg
K-il'Che. Geschichte des Christentums als Abfall vom Reich Gottes. Apokalyp ..
tische Symbole und V crnunftreligion.
lismus. Nachlehen d~s Piettsn;us: Djs ra 11' hk 't Kritik von Mar:x und Kle:r,. Hegels DialektiT~: Kaut das: Alte Testament, Hcgel das Neue Testament dea
n.aeh Innßn, Aesthetis;fes_ Eru;Zl)l n~ff~~ !Jege~l~ krassester MatecialismusH.
1
deutschen Idealismus. Hegels Jugendschriften als Auseinandersetzung mit
kegaard. Versöhnung neg~ Huu .: egr • ~" Kant. Kauts Moralität ist noch Legalität. Jesus sehrcitet über Kautische
Weltinterpretation und Weltverande:rung. , cl1 d Moralität hinweg. Liehe als Einigkeit der Neigung mit dem Gesetz, als ple~
. . h Aufklä ng und OrthodoXIe. Frage na • em
Lessing:· Lessmg Z:WISC Aen. . d rg t ms und Aposterlori der Geschichte.
Wes~n der Gesc~chte. _ pnozv. es a_s eOffenbarungsreligion. Der .Ei~wa?-d
:roma des Ge$et2es. Kantische Ethik voxn Pril)$ip der Achtung beherrscht.
Hegels Metaphysik der Liebe. Liebe bricht die Macht des Objektiven.
Le-ssmg und Reunarus. Das xssen e; . Zusammenbruch der ohJekbv.. Hegels Fragment über die Liehe als Ursprung der Dialektik. Unentwickelte
gegen Astrologie und Offen~arunfdelig.1td~ :metnphysisch~chri-stlkhen Es-- Einigkeit und vollendete Einigkeit. R-eflexion nnd Trennung. Logischer und
gegenstä::'"dlic~en ~;c~atol~gle .un Ka~.seh-tratlszendentalen Eschatologie realer Schritt in der Dialektik vereint. Das Prinzip der Unterscheidung. Das
chatolo_gte. Dte MoghcJ:kel: ~tuerAn•nAl kalvnsen Gleichnis des Menschen. Sterbliche. Hegels Analyse der Scham. Rhythmus der Dialektik im G-eheimnis
auf dem Grund det Subjektiv:ttlit. e po : ~:
-206-
r·~-· ... -207
, d es.
der Liebe. Synthesis :im Syro.bol des K m H L'1eb o". und. ~' Lehen" S~-
Go d' Hc•cli;
I der Weltlichk-eit nicht zu vcrwi:rkliehcn. Was die' Zeit fordert 1 was ilie Zeit
;t~r:zJd!:M::!h:nhLiei~:t~~:i ~~e ~d~!~dez t~1~; :~s~~en ~iYstik und
1
braucht. Kritik der Zeit als Kritik Hegels. Hegeb System -ohne Ethik. Quan-
titative Dialektik der W eltgeschicbte und qualitative Dialektik des Einzel-
r~~rh~.Geist Phänome~ologie des Geistes. Untersehied zwischen Ju~eGd.. nen. Das Weltgesclllchtliche als ästhetische Zer~>t:reuung. Weltgeschichtliche
Staffage aus Ver:tweiflung.
hr·ftun und Phänomenologie. Das Wahre ist das Ganze. Ungeduld un . e~
1

~~d u:geheure 1f.aeht des Negativen. Das Wahre als S~~_;ams;nd ~UhJek~
U egahl
1
N •tion in das Innere des Seins verlegt. Der Tod a s tietste egatlon un
Tod und Geist. Mächtigkeit des Geistes. Das Vergehen vergeht.
Die SeTbstentfremdung: Entscheidung gegen Hegels Versöhnung. Ge-
meinsamer Grund von Marx und Kie:rkegaard: die Wirklichkeit wirklich .zu
m•c ag. B ..•. o s · D s machen. Marx gegen den Hegeischen mystischen Pantheismus Hegels. Kier-
als Genesis deS- Geistes. Die Stufen des Selbst- ewu.w-t~ er~s. a
0 _".ik kegaard für die Wirklichkeit gegen das System. Wirklichkeit als Interesse
~idtts als :Mächtigkeit. Die Vergä~glich,keit vergeht.
Hege! und Hetdegger. und Entscheidung. Entscheidung als Sprung. Unterschied von Marx und
Heideggers Verharren in der Endlichkeit. h D L b Kierkegaard im Innen und Außen. Ge-gensatz in der Auslegung de:r Selbst~
entfremdung~ gemeinsamer Angriff gegen hürgerlich~cllristliche \Velt.
-g.'f: ~ ~~!g~:.ffi~:~J:~~m~~~s~;.'!;':hö'ial~kil~~;li~i~~:ctiltt!i~he Id:';
1

Geis: ~s göttliche Geschichte. Regel und _di~ Gnosis. Gn;os!jsc e ~yttclog~e


I) Marx analysiert das W"esen der Selbstentfremdung im Element des.
Staates, der Wirtschaft und der Gesellschaft. Trennung von hürgerlleher
und Regelsehe Dialektik. Ferdiuand Chnst!an Baut'. D1e .<~<tnen er nos1s Gesel!sehaft und politischem Staat. Trennung von homme und citoyen in
d d · Stufen der Dialektik. Das pneumattsehe Ich. . . h
H~wel~~he Philosophie und joachim.itische Prophe~ie. Gesehi.ch~sdt:Ue~tJ.se e der Erklärung der Menschenrechte. Menschenrecht der Freiheit und des
Privateigentums. Mensch dem Menschen als Schranke seiner Freiheit. Fun~
Sp;kulation über Tod und Auferstehung. Das Sehleksal Chr1~tl bel'!f.glelhTf~ damentale Sclhstentfrem.dung in der Arbeit. Verleugnu:ng des Menschen in
Am Kteuz: Men-schliehkeit his an den ä.uhßerstenT ~nk~ eA~:::~h~n:rnicht der klassiscl:um Nationalökouoxnie. Zerrissene Wirklichkeit des industriellen
Gottes Der Tod des Todes als Auferste ung. o un . . All al ,. Kapitalismus als Prinzip der Nationalökonomie. Kritik der klassischen
Wund~r sondern ewiges Geschehen . .,Einer ist sHo AJ!il'e, E1G:.~tst em · Nationalökonomie und Kritik Hegels. l-Iegel auf dem Standpunkt der Natio..
E t h' n der Gemeinde als Ausgießung des e 1gen 1$ s. de
M~ß:o~ :~Ende EndtsteJ:~!::~e~e~:fs:!zeit~
nalökonomie. Größe und Einseitigkeit Hegels. Phänomenologie Hegcls. ent-
der Religionsphilos:ophll'y;.hAus. hält bereits die kritischen Elemente, Hcgcls absolute Idee landet bei der
Gemeinde folgt auch V ergehen. Verg etc mtt er ro • H l Natur. Hegds Dialektik des Geistes, Manens materialistische Dialektik der
Mißton in der Wirklichkeit vo-rhanden, die ~ersöhnung lst ~erllst~~~ liue&:r! Natur. Selbstentfremdung nicht logischer, sondern ökonomischer Prozeß.
Ph '1 hi ·u ~fißton auflösen Hegels Versohnung nur pal'tle <uu~
Ai~~~~nheh~ DM Tbema von M~n. I)hilosophle als abgesondertes Heiligtum. Ma:r:x,ens Analyse der Ware. Ware als Universalkai<:lg<trie, Fetischismus der
Warenweit. Aufhebung der Selbstentfremdung im Kommunismus. Stufen
Marx und Kicrkegaard: uf des Kommunismus. Der positive Humanismus. Atheismus und Kommunis..
mus. Naturalismus des Mens:ehen und Humanismus der Natur,
Die Nachfolge Hegels: Hegels System sprengt si~~ am Ende sel3stha ·
Hegels Prinzip als Spreng~toff. :t:hllosophie als Versohnung des Ver er ens. 2) Kierkegaards Kritik der verweltlichten Christenheit. Gegenüber phan~
Das Gran in Grau der Phllosöph1e. l V · 1 a tnstischen Theorien iiher die Gesellschaft will Kierkcgaard die U.rschrift der
Hegels Situation der Weltmitte von seinen Na~hfolgdrn E~ h ~~!g~j; individuellen Existenzverhältnisse entziffern. SoziaHstttus ist nicht die Ret..
verworfen. Hegels Naehfo~e um 1843. ~ntz_wem~g . er 1n eJ tiv und t1,1ng der Zeit. Das Numerische als ethische Schwächung. Menschengleich-
Hegels Ineinssetzung von Vernunft un~ WÄskli~kHt ~~dr k~tiS:d::t revo" heit nicht weltlich, sandem religiös zu venvirklichen. Jeder ist als Einzelner
revolutionär vereinzelt. Der konservative s:pe t
lutionäre absolut He<•d und Joachim als Vorläufer . er P1 •
egd S ,
rliualen und
V
von Gott angesprochen. Die Einzelheit als notwendiger Engpaß zu Gott.

Linkshegelianer. Das SchickshaJ. dedr Spind'tualBeng:.ff d~~~e~~:;.r.He::i Eschatologie: Selb$tt:ntfremdung als Leitmotiv von }Iarx und Kierke~
wirrung um Regel und Jüac 1.m urch en e J ~ d M gaard, SozialOkonomie als Heilsökoncmie bei Marx. Urchristliche Apoka~
als Atheist und Antiehrbt. Bruno Bauer und Kierkegan:rd, ~u~c ~-~ arx. lyptik bei Kierkegaa.rd~
Zerstörung der hürgerlieh..christlichcn Welt. Versöhnung un era erung. 1) Man: versteht Proletariat als m.essia~lische Klasse. Proletariat über..
Mar~ ttnd Kierlregaard: Hegels i.nne:diehes LichtzurverMhrended
Thomas Münzer vereint die kritischen Elemente von - ar~ nn
FIJGmke:
dex 0
nimmt die Rolle Christi. Heilsöbnomiseher Zusammenhang der so2iialöko-
nomiseheu Verhältnisse. Proletariat als Erlöser nicht identisch mit Masse
aard G~ehichtlicher ZusallU'Ilenhang zwischen, Marx un~ K:erkegaar. v~n der Proletarier, sondern geschlchtsdialektisehe Größe. Das Kapital als sozial·
[öwith aufgedeckt. Mar:s: als Kritik des bürgerhchen Kap1tahsmus, K1erke .. ökonomische Apokalypse. Die Gesetze des Mehrwerts und de:r Konzentra-
gaard ais Kritik des bürgerlichen Christentums. tion. Das kommunistische Manifest und die ökouQt:nischen Analysen des
Kapitals.
1) Ent'Wieklung von Mar)r. M<1rx und. Heget ~as DRinkgen 0 ~~r~~
d Fort an der Regelsehen Philos()ph:te. Man. llli o tor "! · 18 . h
Jh 2) Kie:rkegaards Diagt:tose ühe:r sein Geschlecht, Die Revolutionen des:
ti:~ übergEpkur und Dcmokrit al$ Naehfolge von A:dstoteles un ,Ve:rgle~c Jahrhunderts als E.inleitung. Bourgeoisie trägt Schuld. Nemesis der Ge-
zu den ~aterialistischen und atheistischen Epif?one:!- H~cls:Pr~~hr~mPt:{).n schichte. Eintritt des vierten Standes als Wende der Geschichte. Das Pro-,
der Totalitäten. Akkomodationen Hegels. und d1e ~uge ~s IUZips. 1; blem der Gleiehheit läßt sich weltlich nicht lösen. Es geht um Ewigkeit.
halben Gemüterund Mar:x: als ganzer Feldherr. ~as ?hilo$<tphisch-Werden de Die neue Ze-itrechnung. Verirrung des Geschlechts in eine unglauh1iche Menge
Welt als Weltlich~ Werden der Philosophie. Verwtrkllchunghuntt_ufhe~n~ von Kombinationen, Umschlag der Politik in religiöse Bewegung. Seit dem
d
Philosophie. Philosophie und Proletariat. Kl'itik der Rwe\_:if. 50)y e 'ts
Kritik der Religion voraus. Jenseits der Wahrheit zur amo .elt :s . 1esset: •
Eintritt des vierten Standes kann nicht mehr weltlich regiert werden. Sieges-
herr der neuen Zeit ist der Märtyrer. Geistliche tun not. Verin·ung del!l
2) Kierkegaards Entscheidung fiir die Ewigkeit gegen. dh~h ~e~~,
dere gegen seine Zeit. Politik und Religion. Menscheng1e1c e1t t:m e um
lMhdion. Gesehlechts in sozialpoliti-sche Revolution, wo aUein Ewigkeit ilot tut. Der
furchtbare Seufzer des SQziaHsmus: Gott ist das Bösel stammt aus der Hölle.
Stärke des Kommunismus :ist das. in demseihen dämonisch enthaltene lngre~
i

l
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-208-

dienz von Religiosität. Kierkegaards Prophetie des Antichrists. Neue Apostel


. und Religionsstifter.. Das antikommunistische Manifest Kierkegaards. Kier~
kegaatds Prophetie ·v~.m der Märtyrerrevolution, Marxens Prophetie von der
W eltrevolution.
Zerfall von Innerlichkeit Und Äußerlichkeit kann nur aufgehoben werden
in anderem Elemente, jenseits .ihres Geg';!nsatzes.
Epilog: Regel, Marx und Kierkegaard als Schluß. Widerstreit von Oben und
Unten, Riß zwischen Innen und Außen als Spannweite abendländischer
Existenz. I
Existenz und Ekstase als Minimum und Maximum. Ekstase und nackte
Existenz.
Entscheidung von Marx und Kierkegaard als Grund der Krise. Krisis als
j
Scheidung aus dem Ruf zur Entscheidung. In der Krisis von Marx und
l(jerkegaard das Gefüge der Neuzeit zerbrochen. Schluß des Äons: Altertum,
Mittelalter, Neuzeit. Hegels Philosophie als Ende des abendländischen Geiw
stes. Das endgeschichtliche Wissen Hegels und seiner Nachfolger. Burck~
hardt.
Die Ent-scheidung von Marx und Kierkegaard mehrdeutig. Abschluß der
antik~christlichen Welt. Neue Epoche als Post-Christum. Zwischen Nicht-
mehr und Noch-nicht. Das Dürftige des Zwischen. Standhalten im Nicht-
mehr und Noch-nicht. Die Gegensätze als Erbe und Aufgabe. Coincidentia
oppositorum vor und in Gott. Gott als Mitte. Ahwendung des Menschen als
Insistenz. Vermessung des Menschen. Der Mensch ist das Maß aller Dinge.
Gott in~ das Geheimnis verstoßen. Damit auch Verflechtung der Dinge zum
Geheimnis.
Irrtum des Menschen möglich, weil er Schatten Gottes. Der Schatten als
Schlange und Verführung des Menschen. Wenn Mensch als Maß gesetzt, so
tritt Schatten in die Mitte. Finsternis und Umnachtung der Welt.
Wendung von der Insistenz zur Existenz. Umkehrung aller Maße. Heim~
holung des Menschen. Das Maß Gottes.
Das Maß Gottes ist das Heilige. Das Heilige und das Heil. Das Heilige
als Richte der Geschichte. Vom Geheimnis der Irre zur Offenbarung der
Wahrheit.

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