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Carl-Engler-Schule Karlsruhe

Thermoelement

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Temperaturmessung mit Thermoelementen

Besonders bei der Messung hoher Temperaturen ist das Thermoelement (TC: Thermo Couple) der am häufigsten eingesetzte Temperatur-Sensor. Es lässt sich in vielen Bauformen preiswert und robust herstellen und erfordert (bei hohen Temperaturen) nur einen geringen messtechnischen Aufwand.

1. Seebeck-Effekt

Effekt:

Erwärmt

man

die

Verbindungsstelle

zweier

verschiedener

Metalle,

dann

entsteht

eine

messbare,

temperaturabhängige Spannung.

Thomas Johann Seebeck (1770 - 1831) war Physiker (und Arzt) in Berlin.

Erklärung:

Die Beweglichkeit der Elektronen in metallischen Leitern ist sowohl vom Material als auch von der Temperatur abhängig. Sind zwei Metalle leitend verbunden, dann treten von jedem Metall Elektronen in das andere über. Wegen der unterschiedlichen Beweglichkeit der Elektronen sind die Übergänge nicht gleichhäufig. Es entsteht auf der einen Seite Elektronenüberschuss und auf der anderen Seite Elektronenmangel. Die Grösse der so entstehenden Spannung ist von den beiden beteiligten Metallen und von der Temperatur abhängig (Thermospannung). Bezieht man die Thermospannungen verschiedener Metalle jeweils auf Platin, dann erhält man die thermoelektrische Spannungsreihe mit Spannungswerten in µV bezogen auf 1K Temperaturdifferenz:

Silizium +448

Nickelchrom + 22

Eisen + 18.8

Kupfer + 7.5

Silber + 7.3

Platin +/- 0

Nickel - 15

Kobalt - 17

Konstantan - 32

+/- 0  Nickel - 15  Kobalt - 17  Konstantan - 32 Dass die

Dass die Werte in der Literatur etwas voneinander abweichen, liegt daran, dass oft nicht die gleichen Reinheiten der Metalle vorausgesetzt werden und daran, dass die Werte vom Temperaturbereich abhängen.

Es ist zu beachten, dass in jedem Stromkreis mit Thermoelementen mindestens zwei Kontaktstellen verschiedener Metalle vorhanden sind, z.B. an den Anschlussstellen des Messgerätes. Auch an Relais- Kontakten oder Steckverbindern können Thermospannungen auftreten.

oder Steckverbindern können Thermospannungen auftreten. Hinweis: Die Umkehrung des Seebeck-Effekts wird

Hinweis:

Die Umkehrung des Seebeck-Effekts wird Peltier-Effekt genannt. Beim Durchgang eines elektrischen Stromes durch die Verbindungsstelle zweier verschiedener Metalle steigt bzw. fällt dort die Temperatur.

2. Linearisierung

Die Thermospannung ist in erster Näherung proportional zur Differenz der Temperaturen der beiden Verbindungsstellen der Thermodrähte. Bei Messungen über einen großen Temperaturbereich oder bei besonderen Genauigkeitsanforderungen gibt es Abweichungen von der Proportionalität, die durch besondere Rechenfunktionen (Linearisierungspolynom) korrigiert werden müssen.

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3. Aufbau

Die Thermospannung ist nicht von der Dicke oder Länge der Drähte oder der Art und Grösse der Kontaktstelle abhängig.

Die Kontaktstelle wird normalerweise hartgelötet. Ausser der mechanischen Stabilität verleiht die Lötstelle den Drahtenden auch Schutz vor Korrossion.

Bei Verwendung in agressiven Medien oder bei elektrisch leitender Umgebung muss das Thermoelement mit einer entsprechenden Hülle versehen sein.

Die Empfindlichkeit eines Thermoelements gibt an, wieviel Mikrovolt an Thermospannung pro Kelvin Temperaturänderung entstehen.

4. Vergleichsstelle

Um genaue Messwerte zu erhalten, muss die Temperatur der Vergleichsstelle genau bekannt sein. Ausserdem dürfen sich nicht an anderen Stellen durch Kontakte verschiedener Metalle neue Thermoelemente bilden. Zur Vermeidung dieser Fehler gibt es in der Praxis verschiedene Verfahren:

Temperatur-Fixpunkt Man verwendet zwei gleichartige Thermoelemente, die gegeneinander in Reihe geschaltet sind. Dadurch bestehen beide Enden aus dem gleichen Metall und bei gleicher Temperatur heben sich alle Thermospannungen auf. Hält man ein Thermoelement auf einem Temperaturfixpunkt (Eis-Wasser), dann hängt die Thermo- Spannung nur vom Temperaturunterschied zwischen beiden Thermoelementen ab. Die Temperatur des Anschlussblocks spielt keine Rolle, falls sie für beide Anschlussdrähte gleich ist.

Rolle, falls sie für beide Anschlussdrähte gleich ist. Isothermalblock Man verwendet nur ein
Rolle, falls sie für beide Anschlussdrähte gleich ist. Isothermalblock Man verwendet nur ein

Isothermalblock Man verwendet nur ein Thermoelement-Drahtpaar und misst zusätzlich die Temperatur des Anschlussblocks (Isothemalblock) mit einem Widerstandsthermometer wie z.B. Pt-100. Die Thermospannung hängt von der Differenz der Temperatur der Verbindungsstelle der beiden Metalle und der Temperatur des Anschlussblocks ab. Beim Isothermalblock besteht eine gute Wärmeleitung, aber keine elektrische Leitung, zwischen den beiden Anschlussklemmen. Der Aufwand lohnt sich, wenn grosse Abstände zum Messort zu überbrücken sind, oder bei einer gemeinsamen Anschluss-Stelle für mehrere Thermoelemente.

Geregelter Isothermalblock

Man hält die Anschlussstelle des Thermopaares auf einer bekannten, konstanten Temperatur und bezieht diese Temperatur in die Rechnung mit ein. Die Temperaturstabilisierung kann mit einer Regelschaltung beim Anschlussblock erfolgen (Isothermalblock mit geregelter Heizung) oder auch durch die Klimaanlage des Raumes garantiert sein (z.B. in einer Schaltwarte).

durch die Klimaanlage des Raumes garantiert sein (z.B. in einer Schaltwarte). thermoelement.odt © W. Müller Mrz.2009

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5. Ausgleichsleitung

Um bei Verlängerung der Anschlussleitungen nicht neue Thermoelemente zu erzeugen, werden sog. Ausgleichsleitungen verwendet. Diese bestehen aus den gleichen Materialien wie die zugehörigen Thermoelemente oder aus Metall-Legierungen mit vergleichbaren Thermospannungen (billiger, leichter formbar). Um Verpolungsfehler zu vermeiden, werden oft spezielle Steckverbinder verwendet. Die unterschiedliche Bauform der Anschlussstifte verhindert sowohl ein Verpolen, als auch die falsche Kombination von Thermoelement und Ausgleichsleitung.

6. Standardisierung

von Thermoelement und Ausgleichsleitung. 6. Standardisierung Thermoelemente sind standardisiert (DIN 43710 - 43714, IEC

Thermoelemente sind standardisiert (DIN 43710 - 43714, IEC 584 Teil 1). Die Temperaturkoeffizienten sind selbst keine Konstanten, sondern von der Temperatur abhängig und gelten somit nur für kleinere Temperaturbereiche. Der genaue Verlauf der Empfindlichkeitskennlinie wird durch die Norm in den sog. Grundwertetabellen angegeben. Gebräuchlich sind folgende Thermoelement-Typen:

Typ T Kupfer / Kupfer-Nickel (+ braun, - weiss) [406 µV/K] (-200°C bis +600°C)

Typ J Eisen / Kupfer-Nickel (+ schwarz, - weiss) [51 µV/K] (-200°C bis +800°C)

Typ K Nickel-Chrom / Nickel (+ grün, - weiss) [40 µV/K] (0°C bis 1200°C)

Typ S Platin10-Rhodium / Platin (+ orange, - weiss) [7 µV/K] (0°C bis 1600°C)

Typ E Nickel-Chrom / Kupfer-Nickel (+ violett, - weiss) [62 µV/K] (-200°C bis +800°C) Daneben gibt es weitere Thermoelemente, die nach DIN 43760 genormt sind:

Nickel-Chrom / Nickel-Aluminium (Chromel/Alumel) fast identisch mit Typ K

Typ U Kupfer / Kupfer-Nickel

Typ L Eisen / Kupfer-Nickel

7. Vor- und Nachteile

Vorteile:

einfache Herstellung

weiter Temperaturbereich

keine Selbstheizung (aktiver Sensor)

unabhängig von der Drahtgeometrie

dünne Drähte besitzen kleine Trägheit ohne Verlust an Empfindlichkeit

Leitungswiderstände spielen kaum eine Rolle Nachteile:

kleine Spannungen

Leitungen sind Brumm-Empfänger

nichtlineare Kennlinie

aufwendige Kompensation

Ausgleichsleitungen erforderlich

manche Drähte sind schlecht löt- und verarbeitbar oder spröde

8. Sonstiges

Rechnerisch kann die nichtlineare Kennlinie durch Polynome approximiert werden, so dass auch über weite Bereiche genaue Temperaturmessungen möglich sind.

Für präzise Temperaturmessungen müssen auch hohe Anforderungen an die Reinheit und Homogenität der beiden Thermodrähte gestellt werden. An Inhomogenitäten entstehen ebenfalls Thermospannungen, wenn sich die Temperatur längs der Leitung ändert.