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Das

kleine Kakteenhandbuch
mit Bildern und Texten

geschrieben von Alexander Neusius, im Feb. 2010

Die Aufzucht und Pflege von Kakteen ist zwar etwas anspruchsvoller als allgemein
angenommen, aber mit einigen Kniffen kann jeder, der sich für diese schönen Pflanzen
interessiert, beste Ergebnisse erzielen. Geprägt von vielen Vorurteilen wie "...Kakteen
brauchen kaum Wasser...im Winter am besten direkt über die Heizung, sie mögen es
warm...usw.", habe ich anfänglich sehr viele unnötige Fehlschläge bei der Aufzucht
hinnehmen müssen. Diese dem Anfänger zu ersparen, ist das Ziel dieses Ratgebers.

Viel Spaß!

www.lophophora-williamsii.de

© by Alexander Neusius, Feb, 2010


Inhalt:

1. Zucht aus Samen a) Samen kaufen b) Samen selbst ernten


2. Aussaat a) Jahreszeit der Aussaat b)Anzuchterde c)Anzuchtgefäß d)Wasser e)Standort
f)Nachgießen g)Düngen h) Zeitpunkt, den Deckel zu öffnen/die Folie zu entfernen i) Wasser
nach dem Öffnen
3. Umtopfen und finaler Standort a) endgültiger Standort b) Wasser c) Gießen c) Düngen
4. Der Winter oder das Geheimnis der Blüte a) Ort b) Temperatur c)Feuchtigkeit d)Ruhe
5. Der richtige Dünger
6. Substrat
7. Der Pflegekalender
8. Pfropfen
9. Neubewurzelung
10. Schädlinge a) Insekten b) Pilzerkrankungen

1. Zucht aus Samen

a) Samen kaufen

Kakteensamen gibt es bei vielen, spezialisierten Kakteengärtnereien und sind für wenige Euro
zu haben. Wer Samen bei einer der alteingesessenen,
Bild 1: Stempel (Mitte der Blüte) mit Pollensäckchen darum liegend. Eine bestäubte, geschlossene Blüte ist
unterhalb der neuen zu erkennen

Bild 2: Lophophora williamsii mit Früchten, darin liegen die Samen.

Zu dem Zeitpunkt an dem die Frucht leicht anzutrocknen beginnt, zupfe ich diese vorsichtig
ab und schäle die Samen heraus. Wichtig - die Samen müssen vollständig vom Fruchtfleisch
gereinigt werden. Reste können später in der Anzuchtschale Schimmel verursachen und die
Jungpflanzen töten. Wer sich 100% sicher sein will, besorgt sich ein Beizmittel in einer
Gärtnerei oder im Gartenmarkt. Ich hatte in der Praxis allerdings noch nie Probleme mit
Schimmel- oder Vermehrungspilzen. Gut reinigen, d.h., erst mit einer Pinzette das
Fruchtfleisch vollständig entfernen (ist fummelig, die Samen sind ja i.d.R. nur ganz klein),
dann ohne Wasser die Samen zwischen den trockenen Handflächen abribbeln, um den nicht
sichtbaren Rest des Fruchtfleisches zu entfernen, reicht nach meiner Erfahrung vollkommen
aus. Wer 100 % sicher sein will, setzt etwas Chinosol zum Gießwasser zu. 1g Chinosol auf
einen Liter Wasser ist genug. Die meisten Samen wie z.B, Lophophora-Samen keimt am
besten recht frisch. Von der Pflanze entnommen und gesäubert direkt in (richtiger auf) die
Erde, ist also überhaupt kein Problem. Die Anzuchterde kann vorher in einem
Dampfdruckkochtopf sicherheitshalber keimfrei gemacht werden. Dies geschieht bei 130 °C,
mindestens 1,5 Stunden lang.
© by Alexander Neusius, Feb, 2010

2. Die Aussaat

a) Jahreszeit der Aussaat: Die Jahreszeit spielt (geheizte Wohnung vorausgesetzt) fast keine
Rolle, einzig die Keimtemperatur. Meiner Erfahrung nach, ist die Keimquote im Winter aber
etwas geringer. Die Temperatur sollte zwischen 20 und 30 °C betragen, nachts etwas kühler
ist in Ordnung.

b)Anzuchterde (Substrat): Tipps zu diesem Thema gibt es bis zur totalen Verwirrung. Beste
Erfahrungen habe ich gemacht mit:

I. Kokohum (Gartenmarkt, gepresster Ballen aus Kokosfaser, funktioniert und ist günstig)
II. Gemisch aus 1/3 feinem Vogel- oder Aquariensand und 2/3 Aussaat-Blumenerde
III. mineralischer Kakteenerde (Kakteenhandel), gemischt mit 1/3 Kokohum zur
Auflockerung (Favorit!)

Die Anschaffung rein mineralischer Kakteenerde vom Fachhandel lohnt sich immer.
Spätestens beim ersten Umtopfen braucht man sie (z.B. bei Lophophora) auf jedem Fall.
Anteile von Blumenerde verträgt der Kaktus wegen dem Humusanteil nur zeitlich sehr
begrenzt bei der Anzucht. Die meisten Kakteen brauchen vor allem Mineralien und bis auf
wenige Ausnahmen ganz wenig Humus! Nehme ich also als Anfangssubstrat mineralische
Erde (lehmig, viele kleine Steinchen, kein/kaum Humusanteil) kann ich die Baby-Kakteen
sehr lange in diesem Substrat stehen lassen, ohne zwangsweise früh umtopfen zu müssen.
(ausführlichere Info zum Thema Erde - siehe Punkt 6. Substrat)

Bild 1: Gemisch für die Anzuchterde, Hintergrund: Trichocereus Pachanoi

Bild 2: Kakteenerde mineralisch und Pressballen aus Kokohum

© by Alexander Neusius, Feb, 2010


c)Anzuchtgefäß: Als Anzuchtgefäß eignet sich vieles, was bereits im Haushalt vorhanden ist.
Durchsichtige Tupperdosen, halb flache Schalen aller Art mit Klarsichtfolie überzogen, kleine
Anzuchtgewächshäuser mit Blumentöpfchen usw...ist alles sehr gut geeignet. Worauf es
ankommt, ist eine konstant hohe Luftfeuchtigkeit und genügend Licht im Aufzuchtgefäß.
Kleine Löcher im Deckel oder Folie beugen durch schwache Belüftung Pilzbefall und
Algenbildung vor.

d)Wasser: Das einzige Wasser, welches für die meisten Kakteen in Frage kommt, ist reines
Regenwasser. Hier mache ich keine Kompromisse. Kakteen vertragen im Allgemeinen keinen
Kalk. Wenn sie ausdauernd mit kalkhaltigem Wasser gegossen werden, leiden sie mit der
Zeit an einer hässlich braunen Ablagerung direkt über der Erde. Das Substrat wird immer
alkalischer, und der Kaktus kann sich nicht mehr vernünftig entwickeln oder stirbt sogar ab.

Ist die Erde, das Anzuchtgefäß und das Regenwasser beisammen, kann es losgehen!

Das Substrat fülle ich in mein Anzuchtgefäß, drücke es leicht an, so dass es eine ebene Fläche
bildet. 2,5 bis 3 cm Substrathöhe reicht bei flachen Schalen völlig aus. Blumentöpfchen für
das Gewächshaus sollten bis knapp unter den Rand mit Erde gefüllt sein. Anschließend
befeuchte ich das Substrat vollständig. Bei geschlossenen Gefäßen benutze ich dazu eine
Sprühflasche mit Regenwasser. Kleine Töpfchen taucht man am besten in Wasser, bis sie
vollgesogen sind. Wichtig bei beiden Verfahren - es darf keinerlei Staunässe entstehen!
Blumentöpfchen gut abtropfen lassen, überschüssiges Wasser aus geschlossenen
Schalen unbedingt entfernen. Kakteen gedeihen nicht im Morast - handfeucht ist ideal.

Die Samen lege ich nun auf die geglättete Oberfläche des Substrates und drücke nur leicht an.
Nicht mit Erde überdecken, die meisten Kakteen sind Lichtkeimer, bitte immer die Art
beachten! . Ein guter Bodenkontakt sollte bestehen, welcher durch zartes andrücken
gewährleistet wird. Eine leichte Schicht Vogelsand verhindert Pilzbildung und sorgt dafür,
dass die Wurzeln in die richtige Richtung, nämlich nach unten, wachsen. Die Schicht darf
aber wirklich nur so leicht beschaffen sein, dass noch Licht durchdringt. Dann verschließe ich
das Behältnis.

e)Standort: Das Gefäß stelle ich nun an einen sehr hellen Ort, zum Beispiel eine Fensterbank
in Richtung Südost bis Südwest. Vorsicht! - die direkte Sonneneinstrahlung der Mittagssonne
kann im Sommer zumindest im Keimstadium und den ersten Monaten zu stark sein.
Wassertropfen, die sich an den Innenseiten des Minigewächshauses bilden, wirken dann wie
kleine Lupen, die die Keimlinge verbrennen. Im Zweifel schattiere ich etwas mit einem sehr
leichten, durchsichtigen Tuch.

Jetzt heißt es, Ruhe bewahren und abwarten. Die ersten Samen laufen je nach Art nach ca. 7-
30 Tagen auf. Ich gönne den Keimlingen nach dem Auflaufen möglichst viel Ruhe. Das
Wuchstempo der ersten Zeit ist im Vergleich zum späteren Wachstum sehr schnell. Man
sollte sich also keine Gedanken machen, wenn das Ganze nach einiger Zeit ins stocken zu
geraten scheint.

© by Alexander Neusius, Feb, 2010


f)Nachgießen: Solange Tröpfchen an Decke und Seiten unseres Mini-Gewächshauses oder
Gefäßes zeigen, ist genug Wasser vorhanden, und ich sprühe nicht nach. Das erste Mal ist oft
erst nach Wochen nötig, nämlich dann, wenn das Schwitzwasser beinahe verschwunden ist.
Die Gefäße sind ja bis auf einige kleine Löcher völlig geschlossen und halten das Wasser sehr
lange. Beim "nachgießen" verwende ich, um die frischen Keimlinge nicht auszuwaschen, eine
Sprühflasche die fein vernebelt, und sprühe nur solange, bis das Substrat gut durchfeuchtet
aber nicht völlig nass ist.

Verschiedene Aufzuchtgefäße. Im Hintergrund frisch ausgesät, vorne Lophophora williamsii, ca. 6 Monate nach
der Keimung.

Aufzuchtbehälter mit Samen (die schwarzen Pünktchen), Erde besteht aus 1/3 Kokohum und 2/3 mineralischer
Kakteenerde.

© by Alexander Neusius, Feb, 2010


g)Düngen: Dünger ist in der ersten Zeit absolut nicht zu empfehlen. Nach meiner Erfahrung
erhält man bei zu früher Düngung nur "vergeilte" Pflänzchen, die sich oftmals nicht mehr
richtig erholen. Vergeilen ist ein unnatürliches, zu schnelles Längenwachstum, welches ich
sowohl bei zu hohen Düngergaben als auch unzureichenden Lichtverhältnissen beobachtet
habe. Das erste Mal dünge ich leicht nach dem ersten Mal umtopfen, dazu später mehr.

h)richtiger Zeitpunkt, den Deckel zu öffnen/die Folie zu entfernen: Ich lasse den Deckel im
Allgemeinen ca. 5-6 Monate geschlossen. Stundenweises öffnen zwischendurch ist, nach
meiner Erfahrung, allerdings absolut in Ordnung und förderlich. Danach vergrößere ich bei
Folienabdeckung langsam, wochenweise die Löcher, bis ich diese zuletzt ganz abnehme.
Einen Deckelverschluss löse ich zuerst nur und vergrößere den Spalt der Öffnung ebenfalls
wochenweise bis dieser ganz geöffnet ist.

i) Wasser nach dem Öffnen: Wenn der Deckel/die Folie vollständig geöffnet sind, sprühe ich
mit Regenwasser immer erst dann nach, wenn die Erde vollständig durchtrocknet ist. Hier
achte ich besonders darauf, Staunässe im Gefäß zu verhindern. Zu reichliches Gießen erzeugt
Wurzelfäule und zerstört die Keimlinge mit Sicherheit.

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3. Umtopfen und finaler Standort

Das erste Mal Umtopfen geschieht am besten immer im Frühjahr, wenn die kleinen Kakteen
ein robustes Stadium erreicht haben. Bei geeignetem Substrat (mineralisch, humusarm) kann
dies durchaus 1-2 Jahre auf sich warten lassen. Früher pikieren ist möglich, die Gefahr
allerdings, die feinen Wurzeln ernsthaft zu beschädigen, ist dann sehr groß. Pikiert wird
immer bei trockener Erde. Dazu nehme ich eine Gabel und lockere den angrenzenden Boden
um die Kakteenbabys leicht auf. Dann greife ich mit einem Kaffeelöffel unter die Kakteen,
um sie vorsichtig aus der Erde zu heben. Diese setze ich, in kleinen Gruppen oder bei sehr
kräftigen Gesellen auch einzeln, in vorher mit rein mineralischer Kakteenerde gefüllten,
kleinen Töpfen. Die Töpfe sollten im unteren Viertel mit Tonscherben oder groben
Aquarienkies gefüllt sein, um Staunässe zu verhindern. Dann fülle ich vorsichtig mit grobem,
weißen Aqarienkies auf. Anfänglich ist der Kies oftmals genau so hoch, wie die Kakteen
selbst - das ist in Ordnung, sie wachsen recht schnell darüber hinaus, nur überdecken sollte
der Kies die Kleinen natürlich nicht. Der weiße Kies hat die Aufgabe, später das Substrat
gleichmäßig und lange feucht (nicht nass) zu halten. Er sorgt für das perfekte Erdklima.
Wichtig! - Direkt nach dem Umtopfen wird niemals gegossen. Ich warte mindestens 10 Tage
mit dem Befeuchten der Erde, nur auf diese Weise haben verletzte Wurzeln die Chance zu
verheilen und die Wunden zu schließen.

Lophophora williamsii nach dem ersten Umtopfen in den für ihre Art typischen Rübentöpfen

So kann man sie mit Sicherheit weitere 1-2 Jahre gedeihen lassen. Der richtige Zeitpunkt ein
zweites Mal umzutopfen ist dann gekommen, wenn sie sich gegenseitig beginnen im Weg zu
stehen.

© by Alexander Neusius, Feb, 2010


a) endgültiger Standort: Für mich ist der beste Standort im Frühjahr bis Herbst auf dem
Balkon, Terrasse oder auf der äußeren Fensterbank. Einzige Voraussetzung dafür, ist die
Möglichkeit vor Regen zu schützen. Ständig feuchtes Erdreich ist, besonders direkt am
Übergang von Wurzel zum Kakteenkörper, immer gefährlich. Südost bis Südwestseite mit
Dach oder Überstand ist also Ideal.
Reine Ost oder Westseite geht mal eine Zeit lang zur Überbrückung gut, ist aber kein
Dauerzustand. Nordseite geht gar nicht.
Kann ich meinen Kakteen keinen Freiluftstandort bieten, ist die innere Fensterbank eine gute
Wahl. Hier ist allerdings zu beachten, dass an besonders heißen Sommertagen ohne ein
Wölkchen schon mal Verbrennungen auf der Haut des Kaktus entstehen können. Hinter einer
Scheibe sollte im Hochsommer leicht mit diffusem Licht schattiert werden. Dies erreiche ich
sehr gut, indem ich einige Zweige mit Blättern hochkant in die Erde stecke und so den Kaktus
mit durchlässigem Halbschatten schütze. Im Frühjahr kommt es sehr häufig vor, dass die
Kakteen einen leicht rötlichen Sonnenbrand von den ersten kräftigen Strahlen bekommen.
Dies legt sich nach einigen Wochen und ist kein Grund zur Sorge. Ab Nachttemperaturen
unter 10 °C sollte man die Kakteen ins Haus (Ideal: heller Keller) holen - Frost vertragen sie
nicht.

© by Alexander Neusius, Feb, 2010


b) Wasser: Kakteen sollten immer von unten gegossen werden, d.h., der Topf wird in Wasser
getaucht, bis er sich vollgesogen hat. Danach überschüssiges Wasser unbedingt gut abtropfen
lassen. Dies ist die beste Methode:
- Da nur bei vollständig abgetrocknetem Substrat gegossen wird, nimmt die Erde kaum
Wasser von oben auf, es läuft einfach an den Innenrändern des Topfes am Substrat vorbei.
Was oben eingeschenkt wird, läuft so, in beinahe gleicher Menge unten wieder heraus.
Das Wasser sollte reines Regenwasser sein, wie es vom Himmel fällt. Da Fluss-, Bach oder
Leitungswasser je nach Gegend immer mehr oder weniger Kalk enthält, mache ich davon nur
im Notfall einmal Gebrauch.

c) Gießen: Eine der häufigsten Fragen in verschiedenen Foren zum Thema lautet: Wann gieße
ich meinen Kaktus? Hier habe ich einen einfachen, wie guten Tipp: Wenn ich unsicher bin, ob
mein Kaktus Wasser braucht, stelle ich den Topf über Nacht auf eine Glas- oder Metallplatte.
Hat sich morgens unter den Löchern im Boden des Blumentopfes eine feuchte Stelle gebildet,
warte ich noch ab, es ist also noch Feuchtigkeit in der Erde, die ausdünstet. Ist unter dem Topf
alles staubtrocken, braucht der Kaktus definitiv Wasser.

c) Düngen: Leichte Düngergaben sind nach dem pikieren ok. Die ersten 1-2 Jahre verdünne
ich den Flüssigdünger um die Hälfte höher, als die Empfehlung auf der Verpackung angibt.
Danach vertragen die Kakteen gut die normale Menge.

© by Alexander Neusius, Feb, 2010


4. Der Winter oder das Geheimnis der Blüte

Ich bin immer wieder erstaunt, wie viele Kakteenbesitzer ihre Schätze zwar jahrelang auf der
Fensterbank pflegen, sie mit bestem Spezialdünger versorgen, regelmäßig abstauben und die
Mexiko-Blumenpötte sogar selbst getöpfert haben, aber sie noch nie in voller Blüte bestaunen
konnten. Viele Leute wissen gar nicht, dass ihre Kakteen überhaupt blühen können. Schade,
man bringt sich dadurch um eine Belohnung für seine Bemühungen und um die Chance, die
Prachtexemplare durch Samen zu vermehren. Man muss sich allerdings einige Zeit von ihnen
trennen...

Blüten erhalte ich, wenn ich meine Kakteen von Anfang/Mitte Oktober bis Anfang März ins
Winterquartier räume und dort, ohne einen Tropfen Wasser zu geben, überwintere.

a) Ort: Das perfekte Winterquartier ist bei mir der Wintergarten. Dort stehen sie platzbedingt
in einer Ecke mit sehr wenig Licht, verursacht durch milchige Scheiben, was aber überhaupt
kein Problem ist. Licht ist in dieser Zeit nicht so wichtig, nur ganz dunkel geht natürlich nicht.
Weitere, sehr gute Orte sind ungeheizte Hausflure und Treppenhäuser, kalte Vorratsräume mit
Fenster, helle Keller, und Dachböden. Sehr alte Häuser besitzen oftmals statt der heutigen,
üblichen Doppelverglasung zwei Fester mit einem Zwischenraum, dieser ist ebenfalls ideal,
solange die Stelle nicht der direkten Sonneneinstrahlung ausgesetzt ist, da es sonst zu warm
werden könnte.

b) Temperatur: Wenn die Temperatur zwischen 8-15 °C im Winterquartier liegt wird der
Kaktus zuverlässig zwischen Frühjahr und nächstem Herbst Blüten bilden. Höhere
Temperaturen werden den Kaktus unter dem unbedingt zur Blütenbildung wichtigen totalen
Wasserentzug zu sehr zusetzen. Ich habe schon einmal versucht einen Peyote in der warmen
Wohnung zu "überwintern" - das Resultat war eine Notwässerung Mitte Januar, er wäre mir
sonst glatt verdurstet. Blüten bildeten sich natürlich nicht. Grundsätzlich muss man aber
sagen: Die Blüten bilden sich nicht trotz der niedrigen Temperatur und dem Wasserentzug,
sondern genau und nur deswegen!

c)Feuchtigkeit: Das letzte Mal gieße ich, wie gewohnt reichlich und von unten, bevor ich ins
Winterquartier umräume, Anfang bis Mitte Oktober. Der Kies, der das Substrat abdeckt, und
die niedrige Temperatur hält die Feuchtigkeit noch recht lange in der Erde. Langsam trocknet
die Erde dann ganz aus und der Kaktus schrumpelt sichtlich zusammen und wird faltig. Er
zieht sich sozusagen nach innen zurück, um die Blüten für das Frühjahr anzulegen.

d)Ruhe: Selbstverständlich gönne ich den Kakteen im Winterquartier so viel Ruhe wie
möglich. Sie sollen sich auf die Blüte vorbereiten; ständiger Platzwechsel und wechselnde
Lichtverhältnisse sind dafür eher ungeeignet.

© by Alexander Neusius, Feb, 2010


5. Der richtige Dünger

Der perfekte Kakteen-Dünger für Kakteen fast aller Art besteht aus Kali, Phosphor und
Stickstoff. Dazu kommen noch einige weitere Stoffe, die der Kaktus zu seinem Wohlbefinden
braucht: Magnesium, Schwefel, Eisen, Zink und einige andere Stoffe, die in Kleinstmengen
benötigt werden. Im Prinzip die gleichen Stoffe, die in handelsüblichem Blumendünger
ebenfalls vorhanden sind; allerdings gibt es eine wichtige Unterscheidung: Die
Zusammensetzung. Spezieller Kakteendünger (und nur dieser ist zu empfehlen) besitzt einen
sehr geringen Stickstoffanteil, was auch logisch ist, wenn man sich das langsame, gedrungene
Wachstum der meisten Kakteen Kaktus ansieht. Da Stickstoff ein massives Höhen- und
Längenwachstum fördert, ist er in hohen Dosierungen der sichere Tod der meisten Kakteen.
Ich benutze einen Dünger "NPK 6-12-6", das bedeutet 6 % Stickstoff (N), 12 % Phosphor (P)
und 6 % Kalium. Leichte Abwandlungen in der Zusammensetzung kommen wohl bei den
verschiedenen Herstellern vor, da sich aber alle mir bekannten Qualitätsprodukte etwa in
diesem Verhältnis bewegen, kann man mit gekauftem Kakteen-Dünger nichts falsch machen.
Ich dünge maximal 3-mal im Jahr (1x im Frühjahr, ca. 2 Wochen nach dem Winterquartier
und 2x im Sommer), wenn frisch umgetopft wurde überhaupt nicht.

• Tipp 1: Lieber um einiges sparsamer düngen als angegeben. Wer regelmäßig ein Mal
im Jahr umtopft, kann auf Dünger sogar völlig verzichten.
• Tipp 2: Ich verzichte gänzlich auf organischen Dünger (Kompost etc.), da erstens die
Nährstoffverhältnisse nicht einschätzbar sind, und zweitens, wie schon erwähnt,
Humus und die meisten Kakteen einfach nicht zusammenpassen.

6. Substrat

Beim Substrat sollte, wenn man dauerhaft gesunde Pflanzen haben möchte, kein Experiment
gestartet werden. Nur rein mineralisches Substrat (bei Lophophora, Astrophytum) kommt in
Frage. Dieses besteht mit kleinen Abweichungen aus: Lehmerde (kein Ton), Quarzsand,
Lava-, Ziegelgrus und Bimskies oft unter Zuschlag von Vermiculit, Blähschiefer,
gebrochenem Blähton und Bentonit. Ich mische mein Substrat gerne selbst. Am besten für
den Anfänger ist es allerdings fertiges Substrat zu erwerben. Es gibt natürlich auch einige
Kakteensorten, die am besten in handelsüblicher Kakteenerde gedeihen, dazu bitte die
Bedürfnisse der einzelnen Kakteen beachten. Blumenerde verträgt fast keine Gattung!

© by Alexander Neusius, Feb, 2010


7. Der Pflegekalender

• Januar: Die Kakteen stehen im Winterquartier. Kontrolle der Temperatur (nicht


kälter als 8-10°C), ansonsten viel Ruhe gönnen. Nicht gießen. Saatgut für das nächste
Frühjahr bestellen.
• Februar: Winterruhe
• März: Die neue Wachstumsperiode beginnt. Jetzt hole ich meine Kakteen aus dem
Winterquartier an ihren Sommerstandort. Wenn Nachttemperaturen unter 8 °C zu
erwarten sind, stelle ich sie aber noch nicht ins Freie. Ich gieße nun moderat von unten
an. Die Wurzeln haben ihre volle Kraft eingebüßt, also durchnässe ich noch nicht
völlig. Der Auszug vom Winterquartier ist auch die beste Gelegenheit zum umtopfen.
Beim Umtopfen auf Schädlingsbefall an den Wurzeln achten. Wenn ich umtopfe,
geschieht das natürlich aus trockenem Substrat in trockenes Substrat. Gießen nach
dem Umtopfen ist erst nach 10-14 Tagen angesagt, sonst drohen Wurzelschäden. Bei
sehr sonnigem März ein paar Tage leicht schattieren.
• April: Anfang April dünge ich beim Gießen einmal leicht. Die Hauptwachstumszeit
beginnt.
• Mai: Das Wachstum ist in vollem Gange. Wenn ich in diesem Monat aussähe, stelle
ich die Gefäße gleich nach draußen. Ideale Tagestemperatur, bei förderlicher
Absenkung in der Nacht.
• Juni: Jetzt dünge ich ein zweites Mal - diesmal etwas kräftiger. Die Kakteen befinden
sich nun in ihrer Hauptwachstumsphase und strotzen vor Kraft. Erste Blüten haben
sich bereits gebildet, die ich nach andächtiger Betrachtung und Fotographie, mit dem
Pinsel bestäube. Ende Mai bis Anfang Juli ist auch die Zeit in der ich, wenn nötig,
Pfropfungen vornehme.
• Juli: Schauen und staunen - an der Blütenpracht erfreuen ist jetzt die Hauptaufgabe -
wie schön! Blüten bestäuben.
• August: Das dritte und letzte Mal wird Anfang August gedüngt. Der Kaktus bekommt
noch einmal alle wichtigen Nährstoffe mit auf den Weg. Die ersten fertigen Früchte
können nun geerntet, und die Samen entnommen und gesäubert werden. Weiter Blüten
bestäuben.
• September: Blüten bestäuben und Samen ernten.
• Oktober: Ein letztes Mal gieße ich reichlich im Oktober. Je nach Witterung und
letztem Wässern kann das Anfang/Mitte, aber in einem warmen Monat auch Ende
Oktober sein. Die letzte ausgebildeten Früchte werden geerntet und die Samen
entweder gelagert oder in der Wohnung direkt ausgesät.
• November: Jetzt geht es ab ins Winterquartier. Ein relativ heller, trockener Platz
Temperatur mit 10 °C (+/- 2-3 °C ist ok), ist ideal. Wassergabe komplett einstellen -
keine Angst, auch kleine, zweijährige Kakteen überstehen das schadlos.
• Dezember: Ruhe, Kontrolle der Temperatur und Geduld sind angesagt. Ohne
Winterruhe keine Blüten!

© by Alexander Neusius, Feb, 2010


8. Pfropfen

Um es gleich vorweg zu nehmen: Ich bin absolut kein Fan von Totaloperationen, die alleine
den Zweck haben, einen unnatürlich schnellen Wuchs zu erreichen - genau das kann man
nämlich mit einer Pfropfung erreichen. Meine Kakteen wachsen allesamt Wurzelecht.
Pfropfungen können allerdings manchmal (Wurzelfäule durch zu häufiges Gießen) eine
lebensrettende Maßnahme darstellen. Ob Pfropfungen als Lebensretter oder aus "Spaß an der
Freude" eingesetzt werden, sollte jeder für sich selbst entscheiden, wie es geht, verrate ich
hier...

• Zum Pfropfen von Kakteen allgemein braucht man folgende Dinge: eine Unterlage
(der Kaktus auf den gepfropft wird), den Pfröpfling, Rasierklinge oder sehr scharfes
Messer, Desinfektionsmittel, Feuerzeug, Gummibänder oder Streifen von
Klarsichtfolie.

Zuerst wird die Unterlage vorbereitet. Als sehr gute Unterlage für die meisten Kakteen hat
sich der Trichocereus Pachanoi (San Pedro) herausgestellt. Aber auch andere, schnell
wachsende Arten wie Selenicereus Grandiflorus oder Opuntien sind gut geeignet. Ich
nehme Trichocereus (Echinopsis) pachanoi und bin bisher immer sehr gut gefahren.
Pereskiopsis spathulata ist wohl ebenfalls bestens geeignet, ich persönlich habe diese
allerdings noch nicht benutzt. Die Unterlage wird mit einer vorher desinfizierten und mit
Feuerzeug stark erhitzten Klinge glatt abgeschnitten. (Klinge etwas abkühlen lassen).
Anschließend werden die Rippen in schwachem Winkel zum Rand hin abfallend weiter
abgeschnitten. So entsteht in der Mitte eine Erhöhung, in der mittig das Leitbündel gut zu
sehen ist. Nun wird der Pfröpfling vorbereitet, indem er ebenfalls, sauber und glatt, über der
Wurzel oder der schadhaften Stelle abgeschnitten wird. Natürlich wird hier ebenfalls die
Klinge vorher mit Desinfektionslösung abgerieben und abgeflammt. Nun werden die
Unterlage und der Pfröpfling genau Leitbündel auf Leitbündel verbunden, das heißt der
Pfröpfling vorsichtig aufgelegt. Mit elastischen Gummibändern oder Klarsichtfolie wird der
Pfröpfling vorsichtig fixiert. Ich achte sehr darauf, keine Quetschungen zu verursachen. Der
gepfropfte Kaktus braucht nun vor allem Ruhe, und einen leicht Schattigen Standort. Volle
Sonneneinstrahlung ist in diesem Stadium Stress pur. Förderlich (aber nicht zwingend) ist
auch über eine über 2 Wochen gehaltene höhere Luftfeuchtigkeit. Ich stelle den Kaktus zu
diesem Zweck in ein kleines Minigewächshaus, dessen Boden mit feuchtem Blähton
ausgelegt ist. Nach ca. 2-3 Wochen können die Gummibänder entfernt werden, der Pfröpfling
ist nun angewachsen und kann an seinen gewohnten Standort zurück.

Zeichnung:Alexander Neusius

© by Alexander Neusius, Feb, 2010


Frisch gepfropft (Bild 1 und 2), die Folie fixiert den Pfröpfling auf der Unterlage.
Nach einigen Wochen ist alles verwachsen

9. Neubewurzelung

Neubewurzelung kann manchmal der einzige Weg sein, den geliebten Kaktus
bei Schädlingsbefall der Wurzel oder Wurzelfäule zu retten. Erst fülle ich ein sauberes Gefäß
mit ca. 5 cm absolut trockenem Quarz- oder Vogelsand (einfach den, der in jedem Geschäft
liegt) und glätte die Oberfläche. Dann wird die Wurzel mit einer möglichst sterilen Klinge
(siehe Pfropfung) knapp unter dem Körper ganz glatt gekappt und der Kopf des Kaktus
sanft mit der Schnittstelle auf den Sand gesetzt. Wenn durch Wurzelfäule oder Schädlinge die
Schädigung tiefer in den Kaktus hineingeht, muss ich natürlich so hoch schneiden, bis ich nur
noch gesundes, festes Gewebe vorfinde. Nach dem Aufsetzen schütte ich noch etwas Sand
an, so dass der Kaktus satt steht und nicht mehr umfallen kann (bei Säulen). Nun stelle ich
den Kaktus an einen vollschattigen Platz und gönne meinem Patienten volle 14 Tage Ruhe.
Nach 2 Wochen befeuchte ich nur leicht mit der Sprühflasche, etwa alle 3 Tage; je nach
Witterung etwas mehr oder weniger, so dass die Feuchtigkeit nur ein wenig in die Erde dringt.
Ab der 4 Woche befeuchte ich stärker, das Substrat kann jetzt ruhig einmal ganz durch
sprühen durchfeuchtet werden, und der Standort kann ins Halbschattige verlegt werden. Ab
der Woche 5 stelle ich die Kakteen dann an den gewohnten Ort und durchfeuchte noch einmal
ganz (jetzt tauche ich das Gefäß zu 3/4 in Wasser und lasse gut abtropfen). Ab 6-7 Wochen
kann man den neu bewurzelten Kaktus vorsichtig aus der trockenen Erde nehmen und in
frische, trockene und rein mineralische Erde (je nach Art auch handelsübliche Kakteenerde)
umtopfen. Wie immer beim Umtopfen warte ich vorsichtshalber wieder 10 Tage vor dem
ersten gießen. Das Wachstum wird jetzt nach meiner Erfahrung einige Zeit stagnieren, das ist
normal weil der Kaktus nach der Neubewurzelung natürlich mit der weiteren Ausbildung
seiner Wurzel beschäftigt ist.

© by Alexander Neusius, Feb, 2010


10. Schädlinge

a) Insekten

Es gibt eine Vielzahl von Schädlingen die dem Kaktus in irgendeiner Form angreifen können.
Allerdings will ich mich hier eingehend nur auf diejenigen Schädlinge konzentrieren, die
einigermaßen häufig sind.

• Blattläuse Es gibt es wirksame Mittel in Flüssiger Form im Gartenmarkt.


Früher benutzte man bei Blattläusen gerne Kernseifelösung (sollte nicht in die Erde
gelangen, nur aufpinseln)
• Asseln, eher selten. Sie verstecken sich bei Tage gerne in dunklen Nischen (evtl. unter
dem Blumentopf) und verursachen Fraßschäden auf den Kakteen. Falls Befall
vermutet wird, am besten kleine Haufen von Kartoffelschalen ganz in die Nähe der
Kakteen legen, sie verstecken sich Tagsüber darunter und können dann gefangen
werden.

Assel
Zeichnung:Lukas Ratius

• Schnecken haben die gleichen Fraßspuren wie Asseln, nur schleimiger und viel größer.
Je nach Standort und Umgebung des Kaktus kann ein eine Gefahr durch Schnecken
sehr massiv und gefährlich oder gar nicht vorhanden sein. Gegenmaßnahmen sind
Schneckenkorn (sehr brutal), in die Erde eingelassene Gläser mit Bier (sie kriechen
rein und ertrinken), Absammeln (mühselig und oft zu spät) und - das ist die beste
Möglichkeit - ein Standort, der vor Schnecken sicher ist.
• Ameisen fressen nicht an den Kakteen rum, bauen aber ihre Nester in der Erde
zwischen den Wurzeln und können so schädigend wirken. Da die Gefahr nur in großen
Kübeln besteht, sind die Gefahr durch Ameisen Schädigungen zu erlangen sehr
gering. Gegenmaßnahmen sind Ameisenköderboxen, Gießmittel oder kompletter
Austausch der Erde.
• Schildläuse sind recht häufig, wenn die Kakteen im Winter über der Heizung und
nicht im Winterquartier beherbergt werden. Es gibt im Gartenmarkt einige sehr gute
Mittel auf Ölbasis, mit denen man diesen, auf dem Rücken einen
Panzer tragenden Gesellen (deshalb Schildläuse), beikommen kann. Nach zwei bis
drei Behandlungen ist das Problem gelöst. Mehr als eine Behandlung ist wegen der
noch nicht geschlüpften Nachzügler nötig. Bei geringem Befall habe ich Schildläuse
auch schon erfolgreich mit einer Pinzette und scharfem Wasserstrahl entfernt.

© by Alexander Neusius, Feb, 2010


• Trauermücken kennt wohl jeder, der schon einmal Pflanzen besessen hat. Sie krabbeln
gut zu sehen auf dem Substrat herum und legen ihre Larven in organischer,
humushaltiger Erde ab. Deshalb sind sie für viele Kakteen in späterem Stadium kaum
gefährlich (rein mineralische Erde). Falls sie einmal in benachbarten Kakteen
auftauchen, helfen verschiedene Spritzmittel aus dem Gartenmarkt sowie
Gelbtafeln. Früher benutzte man Nikotinbrühe, die allerdings nicht mehr verwendet
werden darf, auch möglich ist eine dicke Schicht Vogelsand, die auf das Substrat
aufgetragen wird.
• Spinnmilben kommen bei stark bedornten Kakteen vor. Sie entwickeln sich am besten
in trockener Wärme. Man kommt ihnen sehr gut mit entsprechenden Spritzmitteln aus
dem Gartenmarkt bei. Wie bei den Schildläusen, muss mindestens zwei Mal behandelt
werden um auch die aus den Eiern nachschlüpfenden Milben zu töten.
• Woll- /Schmierläuse und Wurzelläuse Die Woll- und Schmierläuse erkennt man
an ihrem wolligem, wachsartigen Gespinst, das in der Regel in Erdnähe am Stamm
und am Kakteenscheitel zu sehen ist. Beim Umtopfen erkennt man bei starkem Befall
einen schmierigen Film an der Topfwand. Diese Burschen sind durch ihre
Wachsausscheidungen recht zäh, was eine mehrmalige Behandlung in Abständen von
etwa 14 Tagen nötig macht. Geeignete Spritzmittel bekommt man in jedem
Gartencenter. Ihre Verwandten, die Wurzelläuse sitzen ist weißen Nestern an den
Wurzeln fest. Gründliche Reinigung der Wurzeln und anschließendes einsetzten in
neues, trockenes Substrat sollte das Problem beheben. Nach 14 Tagen vorsichtshalber
mit einem Mittel aus dem Fachhandel gießen.

Wollaus Zeichnung:Lukas Ratius

• Wurzelälchen, Nematoden Sie sind an den Wurzeln durch unnatürliche Verdickungen


zu erkennen. Die Wurzeln sind oft wie verkümmert und nicht mehr fein behaart.
Wurzelälchen und Nematoden sind sehr radikal. Zu spät erkannt führt er zum sicheren
Tod des Kaktus. Die Pflanzen fallen durch gelblich bis rot gefleckte Erscheinung
und schwächlichem Gesamtbild auf. Da ich solche Schädlinge noch nicht zu beklagen
hatte, kann ich nur allgemein bekannte Tipps weitergeben. Wurzel vom Substrat
vollständig entfernen und in ein Wasserbad von ziemlich exakt 45 °C über 30 Minuten
baden. Diese Schädlinge sind wärmeempfindlich, und sollen nach dieser Prozedur
abgestorben sein. Wenn diese sanfte Kur nicht greift, hilft nur eine radikale Lösung,
die in der Abtrennung der kranken Wurzel und Neubewurzelung besteht. (siehe
Neubewurzelung unter Punkt 9)

© by Alexander Neusius, Feb, 2010


Wurzel mit Zysten Zeichnung.:Lukas Ratius

b) Pilzerkrankungen

Bei den Pilzerkrankungen gibt es verschiedene Schadformen, die wichtigsten und häufigsten
sollen hier kurz beschrieben werden. Allgemein gesagt, sind Pilzerkrankungen für alle Arten
von Fäulnis an Kakteen verantwortlich. Oftmals kommen sie von falscher Pflege oder
ungünstigem Standort (z.B. übergießen oder zu feuchter Stand im Winter). Zu retten sind
befallene Pflanzen, wenn früh genug bemerkt, oftmals durch großzügiges Ausschneiden der
befallenen Stelle, oder wenn das nicht mehr möglich ist, hilft eine Rettung durch
Kopfstecklinge. (Punkt 9 Neubewurzelung) Bei der Neubewurzelung kranker Kakteen muss
unbedingt darauf geachtet werden, dass absolut kein befallenes Gewebe am Kopfsteckling
übrig bleibt. Nur festes, unverfärbtes und gesundes Kakteenfleisch kann bewurzelt werden.
Ich achte auch besonders auf das Leitbündel, welche bei Befall oftmals eine unnatürlich rot
bis rotbraune Verfärbung zeigt. Beim Kopfsteckling lieber etwas mehr wegschneiden als zu
wenig. Wichtig- beim Arbeiten mit verpilzten Kakteen benutze ich immer Desinfektionsmittel
an Geräten und Umgebung, dass die Pilze nicht weiterverbreitet werden können.

• Vermehrungspilz Dieser Pilz entsteht in Aussaatschalen bei hoher Luftfeuchtigkeit


und warmer Umgebung. Tritt er auf, hat man keine Chance und die betreffende Schale
ist verloren. Binnen 1-2 Tagen werden die Keimlinge glasig und sterben ab. Die Erde
darf, wie bei allen Pilzerkrankungen, nicht mehr verwendet werden. Die einzig
wirksame Vorsorge gegen diesen Pilz ist sterilisierte Aussaaterde, gebeizte Samen
ohne Fruchtfleischreste (siehe 1b Samen selbst ernten), und ein Mittel Namens
Chinosol, dass man verdünnt 1g auf 1l Gießwasser geben kann. Erde sterilisiert man
im Dampfkochtopf mindestens 1,5 Stunde lang bei 130 °C.
• Wurzelfäule Kakteen werden weich, fallen zusammen. Rettung nur über
Kopfstecklinge möglich, wenn früh genug erkannt. Übergießen der Kakteen ist die
häufigste Ursache der Wurzelfäule. Die oben erwähnten verfärbten Leitbündel sind
beim Schneiden des Stecklings oft gut zu erkennen und der Steckling muss über die
Verfärbung hinaus gekürzt werden. Wurzelfäule ist eine recht häufig
vorkommende Pilzerkrankung.
• Mehltau Wie der Name schon sagt, ist diese Pilzerkrankung an ihrem weißen,
mehligen Belag an der Oberfläche gut zu erkennen. Die betroffenen Teile sterben,
einhergehend mit einer bräunlichen Verfärbung ab. Dieser Pilz ist relativ leicht zu
bekämpfen. Sehr gute Abhilfe schaffen viele Mittel Spritzmittel aus dem Gartenmarkt
und ein Gemisch aus 1/4 Milch und 3/4 Wasser.

© by Alexander Neusius, Feb, 2010


• Brennfleckenkrankheit Weit verbreitet bei allem, was Blätter hat. Für Lophophora
nach meiner Erfahrung kein Problem. Beobachtet habe ich diesen Pilz allerdings
schon bei Yucca. Da diese Pilzart unter vielen Pflanzen sehr verbreitet ist und auf
Kakteen übergreifen kann ist er allerdings zu beobachten. Es entstehen kreisrunde,
vertrocknete Flecken, die in der Mitte hell- bis mittelbraun, an den Rändern
dunkelbraun bis rotbraun gefärbt sind. Befallene Stellen werden großzügig
abgeschnitten und entsorgt - in den Müll nicht auf den Kompost! Weiterhin spritze
ich mit systemischen Fungiziden, wie sie im Gartenmarkt erhältlich sind. Die
Brennfleckenkrankheit ist recht gut in den Griff zu bekommen.

Ich wünsche viel Spaß beim Gärtnern!

Alexander Neusius

www.lophophora-williamsii.de
Anmerkung: Die Anleitung bezieht sich auf einen Großteil der handelsüblichen Kakteen. Da es aber je nach Art
natürliche Unterschiede in der Pflege gibt, empfehle ich in einschlägiger Kakteenliteratur oder im Internet die
speziellen Bedürfnisse der betreffenden Pflanze nachzulesen und ggf. anzupassen.

Einige Zeichnungen sind von dem jungen, saarländischen Künstler Lukas Ratius. Wer Kontakt mit ihm
aufnehmen möchte, kann sich gerne im Kontaktformular unter www.lophophora-williamsii.de an mich
wenden.

Die kostenlose Nutzung( drucken, auf Medien speichern usw.) und Weitergabe an andere
zu nicht kommerziellen Zwecken ist ausdrücklich erlaubt!

© by Alexander Neusius, Feb, 2010