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Jessica Nagel

Veganismus. Jugendkultur oder Wertewandel?

Studienarbeit

Geisteswissenschaft Jessica Nagel Veganismus. Jugendkultur oder Wertewandel? Studienarbeit

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Impressum:

Copyright © 2015 GRIN Verlag ISBN: 9783656955269

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Jessica Nagel

Veganismus. Jugendkultur oder Wertewandel?

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Veganismus - Jugendkultur oder Wertewandel der Gesellschaft?

Jessica Nagel

Studiengang: BA Erziehungswissenschaft

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

3

2. Veganismus

3

3. Jugendkultur

4

4. Auswertung der Umfrage

5

4.1. Die Teilnehmer

6

4.2. Allgemeine Angaben zum Veganismus

7

 

4.3. Gründe

8

4.4. Gewichtung

12

4.5. A.V.A.P. - as vegan as possible

14

 

4.6. Umfeld

16

4.7. Zukunft

17

5. Fazit

20

6. Literaturverzeichnis

22

7. Anhang

23

7.1.

Liste der Facebookgruppen

24

1. Einleitung

Seit einigen Jahren kann man seinen Kaffee auch mit Sojamilch bekommen, Tofuwürstchen gibt es in vielfacher Ausführung nicht länger nur im Biomarkt und immer mehr Cafés und Res- taurants mit extra gekennzeichneten rein pflanzlichen Gerichten eröffnen auch außerhalb Ber- lins. Das kommt daher, dass in den vergangenen Jahren ein Thema ins Licht gerückt ist, dass vorher nur als übertriebene Steigerung des Vegetarismus bekannt war: Veganismus. Wie bei allen Diskursen in der Gesellschaft, die einen schnellen Aufschwung erleben, wird es als Modeerscheinung betrachtet. In diesem Fall geht die vorherrschende Meinung einen Schritt weiter und betrachtet es als Jugendkultur. Die Jugendlichen, die sich mit ihrer Ernäh- rung gegen die Eltern auflehnen, aber wieder „normal“ essen, wenn sie erwachsen sind. In dieser Hausarbeit werde ich der Frage nachgehen, ob die Anhänger der veganen Szene tat- sächlich die Kriterien einer Jugendkultur erfüllen, welche Gründe sie zu dieser Lebensweise bewegt haben und schlussendlich, wie es gelingt in einer omnivoren Gesellschaft vegan zu sein. Diese Arbeit soll kein Plädoyer für den Veganismus sein oder diesen anhand von Zahlen der Massentierhaltung oder gesundheitlichen Aspekten rechtfertigen. Die dargestellten Meinun- gen entstammen den Teilnehmern der Umfrage und dienen dazu, einen Einblick in die Hinter- gründe eines veganen Lebens zu erhalten. Außerdem stehen sämtliche Begriffen wie „Teilnehmer“ und „Veganer“ im Folgenden für beide Geschlechter, selbstverständlich soll das kein Ausdruck von Diskriminierung sein.

2. Veganismus

Beim Veganismus handelt es sich um ein Lebensstilkonzept(Schwarz 2005, S.157), welches zum Ziel hat, Tieren durch seine Handlungsweisen so wenig wie möglich, bis bestenfalls gar nicht, zu schaden. In erster Linie wird dabei die Ernährung betrachtet. Veganer verzichten auf alle Lebensmittel, für die Tiere getötet oder ausgebeutet wurden. Dabei handelt es sich um Fleisch, Fisch, Gelatine, Eier, Milch und (wenn auch umstritten) Honig. Des Weiteren wird auf Nahrungszusätze verzichtet, deren Herkunft unklar ist, wie beispielsweise die E-Nummern auf Lebensmitteln. Vegane Ernährung geht oft, aber nicht immer, mit dem Konsum von biologi-

schen,

Eine vegane Lebensweise umfasst jedoch weit mehr, als nur die Ernährung. Gemieden wer- den alle Produkte tierischen Ursprungs, also auch Wolle, Seide, Leder und Pelz, aber auch Kosmetik, die an Tieren getestet wurde, diverse Seifen und Waschmittel.

Mit dem Grundsatz, Tieren so wenig wie möglich zu schaden, geht ebenfalls die Ablehnung

von

regionalen

Produkten

einher.

Zoos,

Zirkussen

und

der

Jagd einher.

Ursprünglich wurden hauptsächlich ethisch-moralische Motive als Gründe für den veganen Lebensstil genannt: Mitleid, Respekt und Achtsamkeit im Umgang mit anderen fühlenden Le- bewesen und der Umwelt. Die vegane Lebensweise versucht unter anderem, gegen Massen- tierhaltung, das Welthungerproblem und den Klimawandel anzusteuern. Vermehrt rücken nun die gesundheitlichen Aspekte ins Zentrum der Aufmerksamkeit, sowohl bedingt durch die vie- len Skandale in der Lebensmittelbranche (Antibiotika, verunreinigtes Fleisch) als auch durch diverse Erkenntnisse der Wissenschaft, in welcher Form dem Menschen der Konsum von tie- rischen Lebensmitteln schadet. Der VeBu (Vegetarierbund Deutschland) schätzt die Zahl der vegan lebenden Menschen in Deutschland auf ca. 900.000, das entspricht 1,1% der Gesamtbevölkerung. Vegetarier gebe es inzwischen 7,8 Millionen, was 10% der Gesamtbevölkerung entspricht. 1983 waren es nur 0,6% Vegetarier und Veganer wurden noch gar nicht in gesonderten Studien erfasst (vgl. Ve- getarierbund 2015). Bis 1944 tauchte die vegane oder vegetarische Lebensweise in verschiedenen Epochen und Religionen immer wieder auf, ab 1789 begann das Konzept des Vegetarismus in seiner heu- tigen Form Gestalt anzunehmen (Schwarz 2005, S.98). Die Diskussionen um die Mensch-Tier Beziehung verstärkten sich, bis 1944 mit der Gründung der Vegan Society UK erstmals die Abgrenzung von Veganern zu Vegetariern vorgenommen wurde. Der Begriff „vegan“, einge- führt von Donald Watson, dem Gründer der Vegan Society UK, setzt sich aus den drei An- fangs- und den zwei Endbuchstaben des englischen Wortes „vegetarian“ zusammen (vgl. Schwarz 2005, S.75). Ein weiterer Begriff, der in die Diskussion eingebunden wird, ist der des Speziesismus (vgl. Chimaira Arbeitskreis 2011, S.14). Eingeführt von Richard Ryder, 1983, bedeutet der Begriff analog zum Rassismus die Unterdrückung anderer empfindsamer Lebewesen aufgrund ihrer Zugehörigkeit zu einer als minderwertig angesehenen Spezies. Viele ethisch motivierte Vega- ner nennen besonders die Bekämpfung des Speziesismus als Hauptziel der veganen Lebens- weise. Insgesamt hat sich die Masse der vegan, vegetarisch oder einfach bewusst konsumierenden Menschen rasant vervielfacht, welches Thomas Schwarz als Ausdruck einer sozialen, psychi- schen und religiösen Unzufriedenheit sieht (vgl. Schwarz 2005, S.100). Die Frage ist jedoch, ob es sich um eine gesamtgesellschaftliche Entwicklung handelt oder wie so viele andere Dinge auch, als Jugendkultur beginnt und verschwindet, wenn man den Schritt ins Erwachse- nenleben tritt.

3. Jugendkultur

Heinzlmaier/ Ikrath 2013, S. 8-12), die sich oftmals als Gegenkultur zu vorherrschenden ge- sellschaftlichen Normen versteht. Jugendkulturen und -szenen bieten Jugendlichen die Mög- lichkeit, sich außerhalb der Wertung der erwachsenen Welt, auszudrücken und zu entwickeln. Jugendszenen setzen sich aus den verschiedensten Gründen zusammen, während im Ver- gleich Lebensstilgemeinschaften von Erwachsenen stark berufsorientiert sind (vgl. Heinzlmaier/ Ikrath 2013, S. 10). Trotz der Abgrenzung von der Gesellschaft, haben Jugendkulturen auch eine starke Bedeu- tung für sie. So bezeichnen Heinzlmaier und Ikrath sie als „kulturelle Meinungsführer“ (Heinzlmaier/ Ikrath 2013, S. 18) und als „sensible[n] Seismograph[en] für gesellschaftliche Missstände“ (Heinzlmaier 2013, S.7), der lange reagiert, bevor die Erwachsenen etwas von den Problemen mitbekommen. Besonders dieser gesellschaftskritische Aspekt daran ließe vermuten, dass Veganismus einer Jugendkultur zuzuordnen ist. In dem Buch „Eine Einführung in die Jugendkulturen: Veganismus und Tattoos“ definiert Schwarz Veganismus nicht als „Jugendkultur im klassischen Sinne“ (Schwarz 2005, S. 117), sondern ordnet diesen musikorientierten Szenen, wie Hardcore beziehungsweise Straight Edge zu. Da aber nicht jeder Veganer automatisch auch Hardcore hört oder Straight Edge Anhänger ist, erscheint es heutzutage doch eher als eigene Subkultur. So betrachtet es auch Ronald Hitzler in seiner Forschung zu verschiedenen Jugendszenen. Er beschreibt es als eine offene Szene, in die jeder ein- und austreten kann, wie er möchte und die sehr heterogen ist. Außerdem betont er, dass es keine einheitliche, übergeordnete Struktur gibt, sondern viele einzelne Organisationen die zum Teil auch in Konkurrenz handeln (vgl. Hitzler 2012). Besonders bedeutend für die Organisation und Kommunikation von Jugendszenen allgemein, als auch für die Anhänger des veganen Lebensstils sind soziale Netzwerke. Sie dienen der Vernetzung und Organisation, so dass man auch außerhalb des unmittelbaren Umfeldes in der Lage ist, mit Menschen mit ähnlichen Ansichten in Kontakt zu treten (vgl. Heinzlmaier 2013, S. 61). Sie stiften ein großes Gemeinschaftsgefühl und haben eine „Ventilfunktion“ (Heinzlmaier/ Ikrath 2013, S.175), das heißt, sie bieten die Möglichkeit sich über verschiedene, auch emotionsbeladene Themen zu äußern. Besonders in der veganen Gemeinschaft scheinen die Möglichkeiten, seiner eigenen Meinung Ausdruck zu verleihen, sehr geschätzt zu werden, so dass ich eine unglaubliche Resonanz und sowohl quantitativ als auch qualitativ hochwertige Antworten auf meine Umfrage erhalten habe.

4. Auswertung der Umfrage

18.02.2015 online zugänglich und wurde über insgesamt 20 Facebookgruppen der veganen Internetcommunity und die Seite eines bekannten deutschen veganen Supermarktes geteilt. Die Umfrage fragt sowohl nach persönlichen Merkmalen (Geschlecht, Alter, Bildungsab- schluss) als auch nach Daten im Zusammenhang mit der veganen Lebensweise und Einstel- lungen. Unter anderem erfragt sie, wie lange sich die Befragten bereits vegan ernähren, was die Gründe dafür sind und in welchen Lebensbereichen sie außerdem vegan leben. Die Fra- gen nach den Einstellungen habe ich bewusst offen gehalten, da ich die Personen hinter den ausgefüllten Bögen kennenlernen wollte, um sie nicht nur in ein Schema einzuordnen. Außer- dem decken vorgefertigte Antworten in diesem Bereich nicht alle Meinungen ab. Allumfassend kann die Umfrage demnach als eine Mischung aus quantitativer und qualitativer Forschung gesehen werden. Zu Beginn der Umfrage habe ich mich selbst in einem kurzen Text vorge- stellt, damit die Teilnehmer erfahren, wer ihre Antworten zu lesen bekommt. Außerdem wollte ich ein, sofern das über das Internet möglich ist, persönliches Verhältnis schaffen, weshalb ich es trotz Kritik nicht unangebracht finde, dass ich von Zeit zu Zeit Smileys verwendet habe. Mit der Auswahl der Teilnehmer ist es keine repräsentative Umfrage, daher war es nicht das Ziel sie als seriöse, repräsentative Forschung aufzuziehen, sondern ging viel mehr darum, mög- lichst genaue Vorstellungen über die Hintergründe einzelner Veganer zu erhalten. Da die (positive) Resonanz und Unterstützung, die ich erhalten habe, mich sehr überrascht hat, habe ich eine große Menge an Daten und Antworten erhalten, die ich im Folgenden zu- sammengefasst vorstellen werde.

4.1. Die Teilnehmer

Insgesamt haben 1.798 Menschen teilgenommen, von denen 1.463 die Umfrage bis zum Ende beantwortet haben. Um mögliche falsche oder nicht ernstgemeinte Antworten auszuschließen, werden nur die Daten derer ausgewertet, die die Umfrage abgeschlossen haben. Von diesen 1.463 Teilnehmern waren 74,9% (1.091 Personen) weiblich, 22,7% (331 Perso- nen) männlich, 2,8% (41 Personen) haben keine Angabe gemacht. Mir war es wichtig, das Feld ebenfalls anzubieten, da ich der Meinung bin, dass akzeptiert werden muss, wenn jemand möchte, dass seine Antworten nicht auf Basis seines Geschlechtes ausgewertet werden. Nachträglich betrachtet fehlte noch das Feld mit „anderes“, da heutzutage die starre Dichoto- mie zwischen den Geschlechtern nicht mehr unbedingt gegeben sein muss. Das Geschlechterverhältnis in der veganen Szene ist nahezu ausgeglichen (vgl. Hitzler 2012), so dass ich die Tatsache, dass fast dreiviertel der Teilnehmer weiblich waren, mit deren er- höhter Bereitschaft an Umfragen teilzunehmen erkläre. Da die Umfrage über Facebook verbreitet wurde, hatte ich mit einem altersmäßig eher homo- genen Feld gerechnet, wurde aber erneut eines besseren belehrt. Die jüngste Teilnehmerin

war 13 Jahre alt, der älteste 80. Die meisten kamen aus der Altersstufe zwischen 20 und 30, insgesamt waren ca. 63% zwischen 18 und 32, innerhalb dieser Altersgruppe aber gleichmä- ßig verteilt. Überraschenderweise waren nur 2,5% aller Teilnehmer minderjährig, dafür aber fast 25% über 40. Diese Tendenz ist der erste Anhaltspunkt, der dagegen spricht, den Vega- nismus als Jugendkultur zu bezeichnen. Von den über 40 Jährigen waren sogar 9% über 55. Dafür waren aber die Bildungsabschlüsse eindeutiger (vgl. Grafik 1). 28,6% der Teilnehmer haben einen Hochschulabschluss und 45,9% Abitur oder Fachabitur. Der Realschulabschluss ist mit 17,4% auch noch recht häufig vertreten, der Hauptschulabschluss mit 2,6% verschwindend gering. Abschlüsse, die unter „andere“ eingetragen wurden sind hauptsächlich das Staatsexamen,

Magister, Meister und Schüler, die ihr Abitur anstreben. Allgemein herrscht unter den Teilnehmern also ein hohes Bildungsniveau, wie auch Ronald Hitzler auf seiner Seite schreibt (vgl. Hitzler 2012). Knapp über die Hälfte aller Teilnehmer ist berufstätig, 31,3% studieren aktuell. Die Gruppen Schüler und Auszubildende bewegen sich beide bei ca. 5%. Die Bildungsabschlüsse der Berufstätigen sind auf die verschiedenen Bereiche verteilt, aber auch hier überwiegen eindeutig die sogenannten höheren

Abschlüsse (vgl. Grafik 2). Versucht man nun den „Standardteilnehmer“ zu typisieren, wäre dies eine Frau um die 30 Jahre, mit Abitur und berufstätig. Zusammenfassend unterstützen diese ersten Ergebnisse die gängige Annahme, dass man besonders im höheren Bildungsniveau auf Menschen mit veganer Lebensweise trifft. Betrach- tet man allerdings die Altersstufen der Teilnehmer, könnte man bereits jetzt eine reine Jugend- kultur ausschließen, da der Anteil der Nicht-Jugendlichen deutlich höher ist, als dies in einer Jugendkultur der Fall wäre. Im weiteren Verlauf werde ich nun versuchen, die unterschiedli- chen mir vorgestellten LebenGesusweisen zu charakterisieren, um eine Zuordnung zu Trend oder Protestkultur vornehmen zu können.

Zuordnung zu Trend oder Protestkultur vornehmen zu können. Grafik 1 Grafik 2 4.2. Allgemeine Angaben zum

Grafik 1

zu Trend oder Protestkultur vornehmen zu können. Grafik 1 Grafik 2 4.2. Allgemeine Angaben zum Veganismus

Grafik 2

4.2. Allgemeine Angaben zum Veganismus

Fast die Hälfte aller Teilnehmer haben angegeben, sich seit einem bis drei Jahren vegan zu ernähren, doch auch der Anteil derjenigen, die weniger als ein Jahr diesen Lebensstil verfolgen

Grafik 3
Grafik 3

beträgt ganze 32,9% (vgl. Grafik 3). Einige davon sind sicher erst durch den immer weiter aufkommenden Trend vegan geworden, wie allerdings an- hand der späteren Antworten erkennbar ist deswegen, weil dadurch die Möglichkeiten sich vegan zu ernähren enorm angestiegen sind und nicht, weil sie einem Trend folgen.

74,3% von ihnen waren allerdings schon zuvor Vegetarier und das zum Teil auch für beachtliche Zeiträume. Auch bei allen Teilnehmern zusammen ge- nommen ist es nur ein Viertel, die nicht von der vegetarischen zur veganen Lebensweise ge- wechselt haben, sondern direkt von omnivor auf vegan umgestiegen sind, was eine deutlich größere Umstellung ist und damit auch mehr Disziplin erfordert. Doch auch der Anteil der länger vegan lebenden Menschen ist erstaunlich hoch, nimmt aber weiter ab, je länger die Zeiträume werden. Das ist nachvollziehbar, da der Veganismus erst in den letzten Jahren an Popularität und damit auch an Konsummöglichkeiten zugenommen hat. Insgesamt haben also auch bezüglich der Dauer der veganen Lebensweise viele verschiedene Personen teilgenommen, allerdings mit dem Schwerpunkt auf den kürzeren Zeiträumen, was wie vorhin erwähnt, allein durch die Entwicklung der Konsummöglichkeiten zustande kommen könnte.

4.3. Gründe

Es gibt viele verschiedene Gründe dafür, sich für ein veganes Leben zu entscheiden. Direkt auf den ersten Blick fällt der Tierschutz auf. Dies reicht vom Boykott der Massentierhaltung bis hin zu dem gänzlichen in Frage stellen des Mensch-Tier Verhältnisses. Hier fallen Begriffe wie

der

Ein weiterer Aspekt, der bei näherer Betrachtung dazu kommt, ist der des Umweltschutzes. Zum einen hat die Fleischproduktion einen enorm hohen Wasserverbrauch und Schadstoff- ausstoß, es werden zum Beispiel Regenwälder abgeholzt um mehr Weideplätze für die Rinder zu schaffen. Zum anderen wird das Welthungerproblem durch Fleischkonsum erhöht, da dann Getreide, das ansonsten benachteiligten Menschen Nahrung bieten würde in Massen an Tiere verfüttert wird, die dann einen deutlich kleineren Anteil an Menschen versorgen können (vgl. Haferbeck 2014, S. 106). Besonders populär in den vergangenen Jahren ist der gesundheitliche Aspekt der veganen Ernährung geworden. Einerseits durch Bücher wie „Vegan for Fit“ von Attila Hildmann, der vegan als eine Möglichkeit zum Abnehmen propagiert und andererseits durch die verstärkte

Forschung an dem Nutzen tierischer Lebensmittel für Menschen und den damit einher gehen- den Erkenntnissen. Auf die werde ich hier nicht weiter eingehen, da es im Rahmen dieser

des

Speziesismus.

Arbeit unangebracht wäre. Von den vorgegebenen Antworten wurden am meisten „Massentierhaltung“ (77%) und „Aus- nutzung der Tiere“ (81%) angegeben, es handelt sich auch hier also größtenteils um ethisch motivierte Veganer, auch wenn der Anteil, der „Gesundheit“ angegeben hat auch bei 48,7% liegt. 41,4% geben als konkretes Ziel ihrer veganen Lebensweise an, auch andere davon über- zeugen zu wollen und dadurch die Gesellschaft zu verändern und 36% nennen ebenfalls ihr

eigens

Der Aspekt des Umweltschutzes fehlte bei meinen Antwortmöglichkeiten, diesen gaben 10% im Feld „andere“ an. Außerdem wurden politische Gründe genannt, wie eine antikonsumisti- sche und antikapitalistische Haltung, der Ekel gegenüber Fleisch, die Essensvielfalt, die ve- gane Ernährung bietet, religiöse Gründe oder auch der Wunsch ein gutes Vorbild für die eige- nen Kinder zu sein. Auch schlichte Vernunft und Logik wurde mehrfach als Grund aufgeführt. In der danach folgenden Frage konnten die Teilnehmer ihre Antworten ausführen, wenn sie wollten. Exemplarisch für die meist ausgeführten Bereiche habe ich drei Antworten ausgewählt. Die erste Antwort stammt von einer berufstätigen, 38 Jährigen Frau, die seit mehr als einem Jahr vegan lebt, sich zuvor jedoch nicht vegetarisch ernährt hat:

„Die ethischen Gründe habe ich lange gescheut bewusst anzugehen. Erst über die Krebser- krankung meiner Mutter bin ich vor 4 Jahren darauf aufmerksam geworden, welche Rolle die Ernährung für unser Immunsystem und den extremen Anstieg der Krankheiten in unserer westlichen Welt spielt. […] Im zweiten Schritt habe ich mich dann getraut, mich auch mit dem Wahnsinn der Massentierhaltung und der damit zusammenhängenden Schieflage weltweit zu befassen. Durch mein Konsumverhalten kann ich Einfluss nehmen auf das Geschehen in der Welt. Und wenn es nur kleine, aber wichtige Schritte sind. […]“ Neben den gesundheitlichen Aspekten, die zum einen durch den Gebrauch von Antibiotika und Pestiziden, zum anderen durch die allgemeine Ernährung der westlichen Welt (tierische Produkte, aber auch Weißmehl, Zucker,…) bedingt werden, führt sie einen anderen entschei- denden Punkt der veganen Ernährung an: es ist ein Prozess. An einem Punkt im Leben, in ihrem und anderen Fällen die Konfrontation mit der Krankheit Krebs, haben Veganer begon- nen, über ihr Konsumverhalten nachzudenken. Es folgen kleine Schritte der Umstellung und erst im Laufe der Zeit kommen mehr Aspekte dazu. Viele Teilnehmer der Umfrage wurden aus ethischen Gründen vegan und haben dann auch eine verbesserte Gesundheit gemerkt und begonnen, sich über die ökologischen Hintergründe zu informieren. Andere, wie diese Teil- nehmerin, sind über die Gesundheit dazu gekommen und dann erst kamen die ethischen Gründe dazu. Bemerkenswert an dieser Aussage ist außerdem, dass sie sich getraut habe, sich mit Massentierhaltung zu befassen. Sich über etwas zu informieren, wenn man im Voraus weiß, dass das was man lesen wird, einem nicht gefallen wird, erfordert Mut. Es ist einfacher,

verbessertes

Lebensgefühl.

in den Gewohnheiten zu bleiben und allzu oft hört man die Aussage „Das will ich gar nicht wissen.“ Verständlich, niemand möchte die Grausamkeiten dieser Welt sehen. Aber die meis- ten erlangen nur durch diese Informationen den Willen, sich dagegen zu stellen. Ebenfalls in ihrer Antwort spricht sie den Einfluss an, den einzelne Menschen auf die Gesamt- heit nehmen können. Einer alleine mache keinen Unterschied, aber hätten immer alle so ge- dacht, hätte es auf dieser Welt noch keine Veränderungen gegeben. Welche Erkenntnisse seiner Meinung nach zum Veganismus führen, hat ein 22 Jähriger Stu- dent dargelegt:

„Schlüssel zum Veganismus sind für mich zwei Erkenntnisse:

1. Die meisten Tiere die wir festhalten, ausnutzen und töten haben die gleichen Gefühle wie Menschen (Freude, Eifersucht, Angst, Schmerz u.v.a.).

2.

Erster Punkt macht es für mich unmöglich Tiere aus unserem Rechts- und Wertesystem aus- zuschließen. Gefühle begründen die Würde des Menschen, die Achtung voreinander, bei Tie- ren nicht. Das ist nicht nur asozial, sondern auch irrational, genau wie den Konsum von Tier- produkten mit "Natur" oder Tradition zu begründen. Punkt zwei macht es sehr leicht auf Tier- produkte zu verzichten und somit die Gefühle von Tieren zu achten. Das niedere, vielleicht gar

nicht existierende Bedürfnis Tierprodukte zu konsumieren steht angesichts der Leidensfähig- keit von Tieren in der Bedürfnishierarchie sehr weit unten, ist im Grunde nichts wert. Die ve- gane Lebensweise ist für mich moralisch und logisch.“ Grundsätzlich kritisiert er in seinem Statement zwei Sachverhalte: Erstens, die Rassentren- nung von Tier und Mensch trotz gleichwertiger Gefühle und zweitens die Bereitschaft für den

Genuss

Ersteres steht schon lange zur Diskussion. Wie schon zuvor genannt, haben sich viele der Umfrageteilnehmer vehement gegen den Speziesismus ausgesprochen, der noch weiter geht, in dem auch eine Unterteilung zwischen Haus- und Nutztieren vorgenommen wird. Im Buch „Tiere essen“ von Jonathan Safran Foer wird auf diesen Aspekt gesondert eingegangen. Wieso ist es barbarisch, einen Hund zu töten, während Schweine, die mindestens genauso intelligent sind, massenweise zur Schlachtbank geführt werden? Besonders die Erkenntnisse über die Gefühlswelt und Intelligenz der Tiere, als auch Erkenntnisse über die Bedürfnisse des menschlichen Körpers führen dazu, dass einige Teilnehmer sich selbst die Frage stellten: Ist es heutzutage überhaupt noch zeitgemäß Fleisch zu essen? Es gibt adäquate Alternativen und damit rückt der zweite Punkt dieser Aussage in den Mittelpunkt:

töten.

Menschen

benötigen keine Tierprodukte.

zu

Tiere für den Genuss zu töten, obwohl man weiß, dass diese Schmerzen empfinden und es nicht zum Überleben notwendig ist, ist für Veganer moralisch nicht vertretbar. Ein Teilnehmer der Umfrage schrieb: „Grundsatzfrage: Hat man überhaupt das Recht zu töten, wenn es nicht einmal zum Überleben notwendig ist? Meine Antwort: nein!“.

Außerdem wiesen mehrere Personen daraufhin, dass eine vegane Lebensweise weniger Ver- zicht als Bereicherung ist, da viele Lebensmittel der veganen Küche in einem omnivoren Spei- seplan gar nicht vorkommen. Zusätzlich gibt es auch einen kleinen Teil an Veganern, die schlichtweg den Geschmack von Fleisch nicht mögen. Auch die Begründung der Tradition des Konsums tierischer Lebensmittel steht in der Kritik. Ein Teilnehmer zieht den Vergleich: „Auch Sklavenhandel und Hexenverbrennung waren ein- mal Tradition.“ Dieser auf den ersten Blick drastische Vergleich erklärt jedoch aussagekräftig, dass Tradition keine Begründung dafür ist, keine Veränderung anzustreben.

Der dritte Aspekt, der in vielen Begründungen auftauchte, war die politische Sichtweise. Bei der Konzentration auf den Tierschutz, die eigene Gesundheit und verschiedene ökologische Verbesserungen, wird das politische Statement oft vernachlässigt. Ein berufstätiger, 28jähriger Mann, der bereits seit mehr als 4 Jahren vegan lebt, schrieb dazu:

„[…] Es ist eben nicht sooo cool Menschen indirekt dafür zu bezahlen, dass sie Tiere töten. Menschen die sich so eine "Arbeit" sicher auch nicht wirklich freiwillig ausgesucht haben son- dern eben ihre Arbeitskraft zum Markt tragen müssen und dort hart ausgebeutet werden. […] Kurzum: unpolitischer Veganismus ist quatsch - weil er verkürzt davon ausgeht, dass wenn alle Menschen keine tierischen Produkte mehr konsumieren würden die Erde ein Wunderland werden würde. Dabei wird aber häufig ignoriert, dass die "Vegane Bewegung" mittlerweile schon heftig marktwirtschaftlich ausgeschlachtet wird und sich auch durch den Verzicht von tierischen Produkte die weltweite Ungleichheit in der Verteilung der Produktionsmittel und des Kapitals - nicht ändern wird.“ Die Entscheidung vegan zu leben ist nicht alles, damit einher sollte eine nachhaltige, biologi- sche Ernährung gehen. Einige Teilnehmer schreiben, dass es ihnen weniger um den Vega- nismus an sich, als um den bewussten Konsum geht. Denn darüber nachzudenken, was da eigentlich auf dem Teller liegt, sollte keine Ausnahme sein. Gesundheitlich betrachtet sei ve- gan nicht der einzige Weg, betrachte man aber die ökologischen und ethischen Faktoren, sei es der richtige. Wegen dieses Gedankens befürchten einige Teilnehmer der Umfrage, dass die Menschen, die zum Abnehmen oder durch eine „Vegan for Fit“ Challenge von Attila Hild- mann nicht bei der veganen Ernährung bleiben werden, sobald der nächste Trend aufkommt. Andererseits haben mehrere Teilnehmer betont, dass die eigentliche Überzeugung zum Ve- ganismus erst nach einiger vegan verbrachter Zeit aufkam, eben immer dann, wenn man sich

mit

Ebenfalls in dieser Antwort erwähnt wird auch die Ausbeutung von Menschen durch Großkon- zerne. Das ist ein weiterer wichtiger Punkt, dem viele Veganer entgegenwirken wollen. Allge- mein sei der Einfluss, den Großkonzerne auf die Gesellschaft haben erschreckend und nicht tragbar. Ebenso, wie es in vielen Bereichen dieser Welt nur um Macht und Geld geht, weshalb

dem

Thema

eingehender

beschäftigt

hat.

eine biologische und regionale Küche bevorzugt werde. Alles in allem wurde eine Vielzahl von Gründen genannt. Der größte Anteil der Teilnehmer gaben den Tierschutz zumindest als Teilaspekt an, fast ebenso wichtig wird die eigene Ge- sundheit beurteilt. Besonders ausführlich wurden von einigen Teilnehmern die politischen As- pekte dargelegt, da diese in der aktuellen Debatte vernachlässigt werden.

Betrachtet man, wie tiefgehend diese Gründe sind und vor allem, welche Gesellschaftskritik in ihnen anklingt, erscheint der Begriff „Protestkultur“ deutlich angemessener, um dieses Phäno- men zu betiteln, da es sich bei einem Trend hauptsächlich darum handelt, das zu tun, was alle machen, weil es angesagt ist. Die hier genannten Gründe geben dem Thema jedoch eine viel tiefere Bedeutung.

4.4. Gewichtung

Die Frage, die sowohl innerhalb der veganen Szene, als auch durch Personen von außen häufig aufkommt, ist die Wichtigkeit und Konsequenz der veganen Lebensweise auf Basis der oben genannten Gründe. Allzu häufig trifft man auf Menschen, die einem erklären wollen: „Du bist ja gar kein echter Veganer, wenn du nicht…“. Jonathan Foer schreibt dazu, dass er für keine andere Einstellung härter überprüft werde. Nirgendwo gelte das Alles-oder-Nichts Prin- zip so ausschließlich, wie bei der Ernährung. Er vergleicht es mit der Einstellung zum Lügen:

es ist unmöglich nie oder aber auch unmöglich immer zu lügen. Dass besonders beim Vega- nismus/Vegetarismus andere Menschen mehr Interesse daran zeigen, ihm seine Fehler auf- zuzeigen, als er selbst, ist ihm unverständlich (vgl. Foer 2010, S. 43). Trotzdem habe ich in der Umfrage nach der Wichtigkeit der veganen Lebensweise gefragt, da diese unter der Prämisse, dass Veganismus nur ein Trend wäre, die höchste Aussagekraft hat. Auf die Frage, ob sie ihr Leben lang vegan bleiben wollen, haben fast 80% mit „ja“ geantwortet, 18,6% sagten „mal sehen“ und 1,4% lehnten dies ab. Der Großteil derer, die eine vegane Lebensweise nicht ihr Leben lang verfolgen wollen, lebt seit weniger als einem Jahr vegan und legen das Hauptaugenmerk auf die Ernährung, Bereiche wie Kosmetik, Kleidung und Reisen wurden niedriger bewertet. Allerdings passen auch diese Teilnehmer nicht in das Bild des „Trendveganers“, da sie ausnahmslos alle an einer anderen Stelle der Umfrage ausgeführt haben, dass ihnen der bewusste Konsum wichtiger ist und sie also auch mit biologischen, regionalen Produkten ihrer Einstellung entsprechen. Auch wenn sie damit keine rein vegane Lebensweise verfolgen, ist der Wunsch nach bewusstem Konsum doch mehr als nur einem

Trend

Die Meinungen spalten sich jedoch bezüglich des Aktivismus: 46,4% geben an, sich bereits

zuzuordnen.

aktiv für Veganismus einzusetzen. Während sich allerdings 19,2% vorgenommen haben, dies in Zukunft zu tun, geben 34,4% an, sich nicht für Veganismus einzusetzen und das auch nicht vorhaben. Ein Drittel von ihnen weiß auch noch nicht, ob sie ihr Leben lang vegan bleiben wollen und 84% von ihnen sind seit weniger als drei Jahren Veganer. Abgesehen von persön- lichen Gründen, sei es beispielsweise die Zeit, die zwischen Arbeit und Familie noch bleibt, gibt es dafür auch personenübergreifende Begründungen. So fällt häufig das Argument, dass bereits jede vegane Mahlzeit ein Schritt in die richtige Richtung ist. Außerdem lässt sich her- auslesen, dass viele der nicht-aktiven Veganer eine andere Intention hinter ihrer Ernährungs- weise haben. So schreibt ein Teilnehmer, er möchte andere Menschen nicht mit seiner per- sönlichen Entscheidung vegan zu leben belasten. Das zeigt, dass Veganismus für ihn eine Sache der persönlichen Entscheidung ist, nichts, wohin man durch Überzeugungsreden ge- bracht werden kann. Er fügt hinzu, dass er manchmal selbst kocht, um anderen zu zeigen, dass Veganismus keinem zwanghaften Verzicht gleichkommt. Auch viele andere berichten von ihren Erfahrungen, ihr Umfeld durch die bloße Tatsache, dass sie sich vegan ernähren zum Nachdenken angeregt zu haben. Dadurch werden Aufklärungs- kampagnen nicht weniger wichtig, da es immer noch Menschen gibt, die nicht einfach die Au- gen verschließen, sondern wirklich nicht wissen, was vor sich geht, aber es zeigt auch, dass man auch ohne missionarisch unterwegs zu sein, sein Umfeld positiv beeinflussen kann. Große Unterschiede gibt es bei den Antworten auf die Frage, wie wichtig Veganismus in den verschiedenen Lebensbereichen ist. Während 86% der Befragten eine vegane Ernährung als „sehr wichtig“ einstufen und weitere 9,9% als „wichtig“, verteilen die Befragten in den Berei- chen Kosmetik und Kleidung die Urteile „sehr wichtig“ und „wichtig“ beinahe gleich häufig, während bezüglich des veganen Lebens auf Reisen die Antworten „wichtig“ und „geht so“ überwiegen (vgl. Grafik 4).

und „geht so“ überwiegen (vgl. Grafik 4). Grafik 4 Auf die Frage, ob die Teilnehmer Ausnahmen

Grafik 4

Auf die Frage, ob die Teilnehmer Ausnahmen in der veganen Ernährung machen, antworten 36,7% mit „nie“ und 46,2% mit „selten“. Die Antwortmöglichkeit „manchmal“ brachte es aber auch auf 230 Befürworter, was 15,7% aller Befragten entspricht. Lediglich 20 Leute gaben an, „dauernd“ Ausnahmen zu machen. Im Zusammenhang mit den anderen Antworten, der Ge- wichtung der verschiedenen Lebensbereiche und besonders der Einstellung zur lebenslangen veganen Ernährungsweise, kann man jedoch kaum davon sprechen, dass diese Einstellungen zu Ausnahmen nun der entscheidende Faktor sind, ob oder dass Menschen nur aus einer

Modeerscheinung heraus vegan wurden. Denn dass man ein Lebensstilkonzept nicht hundert- prozentig befolgt, muss nicht immer für einen Mangel an Überzeugung sprechen, sondern kann in vielen Fällen auch Ausdruck davon sein, in wie weit es in der heutigen Gesellschaft möglich ist, vegan zu leben.

4.5. A.V.A.P. - as vegan as possible

Eine daher beliebte Umschreibung der Lebensweise ist „a.v.a.p. - as vegan as possible“ (so vegan wie möglich), die einen Großteil des zwanghaften Charakters, den eine rein vegane Ernährung zu haben scheint herausnimmt, da nicht der Anspruch gestellt wird, in allen Le- bensbereichen komplett vegan zu sein. Besonders von omnivoren Menschen, aber auch eini- gen Veganern wird dies jedoch häufig als Ausrede abgestempelt. In der Umfrage habe ich nach dieser Einstellung gefragt und direkt zwei Problematiken eines gewollt komplett veganen Lebens mit aufgeführt: die mangelhafte Deklarierungspflicht in Deutschland und Produkte, hauptsächlich Medikamente, die auf Tierversuchen basieren. Auch hier werden exemplarisch drei Antworten vorgestellt und durch die anderen ergänzt. Ein 21 Jähriger Student, der erst seit kurzem vegan, aber schon über 4 Jahre vegetarisch lebt, übt Gesellschaftskritik aus:

„Natürlich kann man in den momentanen Verhältnissen nicht vollständig vegan leben, weil tierische Produkte überall sind. Es kann jederzeit passieren und ist mir auch schon häufig passiert, dass ein tierisches Produkt nicht korrekt auf Verpackungen gekennzeichnet ist oder dass sich später herausstellt, dass ein Produkt, das eigentlich unbedenklich gewirkt hat, Milch- zucker enthalten hat. Das ist aber kein Argument gegen Veganismus, sondern gegen eine Gesellschaft, die Tiere als Verbrauchsgüter betrachtet. […].“ Tierische Bestandteile verstecken sich in mehr Dingen, als Lebensmitteln mit E-Nummern oder Säften, die mit Gelatine geklärt wurden. Seien es unbemerkte Leder- oder Pelzapplikationen an Kleidungsstücken oder aber Bestandteile aus Wandfarbe, Nagellacken, Tierhaare in Pin- seln, Bilder mit Bullenblut oder Kaseinhaltiger Kleber an Glasflaschen, die Gesellschaft ist durchzogen von Tierprodukten. Wie eine 47jährige Teilnehmerin auf den Punkt bringt: „Ich lebe in der Gesellschaft und nicht daneben.“ Es können und wollen nicht alle komplett autark leben. Die vegane Ernährung soll kein Verlust sein und einen des sozialen Lebens berauben. Außerdem kommt der finanzielle Aspekt hinzu: Vegane Lebensmittel und Fleisch aus biologi- scher Haltung kann sich nicht jeder leisten. Insgesamt ist es in dieser Gesellschaft eher schwierig, komplett vegan zu leben, so dass viele der Teilnehmer hoffen, dass durch die ak- tuellen Bewegungen beim Thema Ernährung auch neue Gesetze bezüglich der Deklarierungs- pflicht und der landwirtschaftlichen Subventionen angedacht werden. Dass die Tatsache, dass einem Steine in den Weg gelegt werden aber keine Ausrede sein

sollte, gar nichts zu tun, erklärt ein 23 Jähriger Student:

„Vegan leben bedeutet nicht, irgendetwas perfekt zu machen, sondern lediglich der beste, beziehungsweise am wenigsten schlechte Mensch zu sein, der man sein kann. Und das ist eine Definition, die eigentlich auf jede Form von Moral oder Ethik zutrifft, die sich Menschen ausgedacht haben. […] Abgesehen davon, was für Konsequenzen sollte ein hypothetischer Bruchteil, der nicht konsequent gelebt werden könnte, bedeuten? Dass man stattdessen Ve- ganismus ganz aufgibt? Verdammt, ich kann nur 99% Gutes tun und nicht 100%, also kann ich es gleich ganz lassen? Stell dir einen Arzt vor, der sagt: Hey, ich kann nicht jeden Men- schen der Welt retten, also kann ich es auch ganz lassen. Jeder tut was er kann, und wenn das passiert, haben wir eine gerechte Welt.“ Mit dem Argument, die Fleischindustrie sei zu mächtig und man könne diese eh nicht in die Knie zwingen, weisen viele Menschen den veganen Gedanken von sich. Dabei ist der Ver- gleich, der in dieser Antwort gezogen wird, sehr aussagekräftig. Es geht nicht darum, alleine die Welt zu retten, es geht darum, das für sich selbst möglichste zu tun. Der wichtigste Punkt daran ist, dass jeder für sich selbst definieren kann, was ihm möglich ist. Der Großteil der Teilnehmer hat diesen Gedanken gesondert hervorgehoben und weicht damit gänzlich vom Bild des missionarischen Hardcore-Veganers ab. Jeder solle für sich selbst entscheiden, ob und wie viel er geben kann und jeder Schritt davon sei ein Schritt in die richtige Richtung. Einige lassen auch ganz bewusst in manchen Aspekten ihre Überzeugung beiseite, beispiels- weise, wenn die eigene Gesundheit gefährdet ist. Sie betonen, dass sie auf eine Zukunft mit tierleidfreien Medikamenten hoffen, erkennen jedoch den Nutzen, den diese hatten. Eine Teil- nehmerin antwortete auf die Frage nach dem Gebrauch von Medikamenten: „Ich möchte mein Leben nicht über das eines Tieres stellen, aber ich werde auch nicht das Leben eines Tieres über meines stellen.“ Insgesamt betrachtet der Großteil der Teilnehmer eine Überzeugung, die zur Selbstschädigung führt, als Fanatismus. Knapp 5% der Befragten sehen das allerdings komplett anders. Eine 28jährige Teilnehmerin würde auch Medikamente abweisen: „Ich möchte nicht entscheiden müssen, wer stirbt: ich oder ein Tier.“ Allgemein ist dieser Anteil der Befragten der Meinung, dass es besonders im heutigen Informationszeitalter möglich ist, ein komplett veganes Leben zu führen, wenn man nur die Zeit für die Recherche aufbringt. Einige von ihnen befürchten, „a.v.a.p.“ werde nur als Ausrede genutzt und diene dazu, sein eigenes Gewissen mit halbherzigen Handlungen zu beruhigen. Egal, ob man der Meinung ist, dass es möglich ist, komplett ohne tierische Bestandteile zu leben oder nicht, erklärt ein weiterer Student, worum es beim Veganismus laut Definition über- haupt geht:

„[…] Ich habe oft das Gefühl, dass der Begriff "vegan" missverstanden wird als "völlig frei von tierlichen Inhalten" oder so ähnlich […].Deshalb möchte ich das mal kurz klären: […] In seiner

originalen Bedeutung zitier' ich mal die Definition von The Vegan Society: "Veganism is a way of living which seeks to exclude, as far as is possible and practicable, all forms of exploitation of, and cruelty to, animals for food, clothing or any other purpose." Die Worte "as far as possible and practicable" sind hier besonders hervorzuheben, denn genau das macht die Es- senz des Veganismus aus. Nämlich so gut und praktikabel es geht, Tierausbeutung zu mini- mieren. (So lebe ich auch, so gut es geht.) Die "Nicht-Ausschließlichkeit", vegan zu leben, ist also schon in der Definition mit impliziert. […]“ Zusammenfassend geht es also um die Intention hinter seiner Ernährungsweise, sei es mit dem hauptsächlichen Ziel vegan, bewusst oder biologisch zu konsumieren. Die meisten Be- fragten betonen immer wieder, dass eine vegane Lebensweise keinen Verzicht darstellen soll. Es geht nicht darum, sich selbst zu geißeln und unglücklich zu sein, sondern im Rahmen seiner Möglichkeiten etwas für seine Überzeugung zu tun. Für die einen ist das eine vegane Mahlzeit in der Woche, für die anderen der Einkauf beim Biobauern und für die meisten Teilnehmer dieser Umfrage ist es eben das Streben, in so vielen Bereichen wie möglich auf Tierprodukte zu verzichten. Dabei entscheidet jeder selbst, was ihm möglich ist.

4.6. Umfeld

Außerdem will man sich nicht völlig aus dem gesellschaftlichen Leben ausschließen und sei- nem Umfeld nicht vorleben, Veganismus sei schwierig und kompliziert. Denn obwohl es immer mehr Veganer in Deutschland gibt, haben die meisten wenige davon in ihrem direkten Umfeld. 19,2% der Befragten gaben an, keinen Veganer im Freundeskreis zu haben, knapp 35% ha- ben „sehr wenige“ und 32,8% „ein paar“. Immerhin 13% gaben an, viele Veganer in ihrem

Freundeskreis

haben.

Daraus resultieren auch die wenig ausschließlich positiven Reaktionen des Umfelds auf die Bekanntgebung der veganen Lebensweise. Über 50% gaben an, ihre Freunde hätten unter- schiedlich reagiert (vgl. Grafik 5), bei den Familienmitgliedern sind dies knapp 10% weniger (vgl. Grafik 6).

zu

reagiert (vgl. Grafik 5), bei den Familienmitgliedern sind dies knapp 10% weniger (vgl. Grafik 6). zu
reagiert (vgl. Grafik 5), bei den Familienmitgliedern sind dies knapp 10% weniger (vgl. Grafik 6). zu

Es gibt keine überwiegende Tendenz dazu, dass, wie man vermutet hätte, die Freunde positi- ver reagieren, als das familiäre Umfeld. Auffällig ist nur, dass die Meinungen der Familie in mehr Fällen einander ähneln, auch wenn 48% der Teilnehmer keine Veganer in ihrem direkten Familienumfeld haben. 28% der Befragten gaben jedoch an, Veganer in ihrem direkten Fami- lienumfeld zu haben. Diese Prozentzahl und die der Antwort „nein, aber interessiert“, welches 23,2% der Befragten wählten, deuten darauf hin, dass dieser Lebensstil nicht ausschließlich durch die Peergroup kennengelernt wird, sondern dass auch die Familie ein entscheidender Faktor sein kann. Auch diese Tatsache spricht dagegen, es als Jugendkultur zu bezeichnen, da diese sich häufig über die Abgrenzung zu ihren Familien definieren. Trotzdem wird das Thema Veganismus im Freundeskreis öfter angesprochen, als in der Familie, auch wenn die Unterschiede nicht signifikant sind.

Eine weitere Problematik dieser Lebenseinstellung ist der Widerstand, auf den man in der Gesellschaft trifft. Bei anderen Einstellungen, Religionen oder einfach Vorlieben wird immer wieder zur Toleranz und Akzeptanz ermahnt, bezüglich der veganen Lebensweise konnten aber nur 5% der Teilnehmer angeben, dafür noch nie beleidigt, gemobbt oder ausgeschlossen worden zu sein. 25,8% haben dies nur sehr selten erlebt, die meisten wählten die Antwort „manchmal“ (40,7%). Negativ fallen jedoch die 22,2% auf, die „häufig“ angaben und 6,2% ent- schieden sich sogar für „sehr häufig“. Auch wenn einige Veganer positive Reaktionen zu ihrer Einstellung erlebt haben und auch im Familien- und Freundeskreis häufig nicht allein dastehen, ist die grundlegende Akzeptanz die- ses Themas in dieser Gesellschaft noch erschreckend gering.

4.7. Zukunft

Wie in den oben stehenden Antworten gezeigt, ist es noch sehr schwer, sich heutzutage kom- plett vegan durch das Leben zu bewegen und vor allem damit akzeptiert zu werden. Noch vor 20 Jahren war es mit dem Vegetarismus aber ebenso, der heute ein verbreitetes und akzep- tiertes Phänomen ist. In der letzten Frage sollen die Teilnehmer ihre Einschätzung bezüglich der Entwicklung des Veganismus aufschreiben. Die fast einheitliche Meinung zu dem Thema war, dass der Veganismus seinen festen Platz in der Gesellschaft finden wird, ähnlich dem Vegetarismus. Nur wenige erwarten in naher Zukunft den Niedergang der Fleischindustrie, auch wenn viele dies dennoch hoffen. Anders sind die Meinungen, wenn es um eine weitreichende Zukunft geht. Dies begründet sich aber eher auf der Ressourcenknappheit, die früher oder später eintreten wird, als auf der Verbreitung der ethischen Aspekte. Dies sei mit dem Egoismus der Menschheit zu begründen, die ihren eige- nen Genuss über das Wohlergehen anderer Lebewesen stellt. Vielleicht sei aus diesem Grund

die vegane Lebensweise zum Hassobjekt der Gesellschaft geworden und der Teil, der sich vehement gegen sie stellt, werde nicht komplett verschwinden. Dennoch sind fast alle Teilnehmer der Überzeugung, dass die Menge der Veganer nicht sig- nifikant abnehmen wird, da sehr wenige Menschen von einer veganen zur omnivoren Lebens- weise zurückwechseln, da man sich durch die Beschäftigung mit dieser zumindest dauerhaft für bewussten Konsum entscheide. Einige der Befragten kritisieren jedoch die fehlenden poli- tischen und sozialkritischen Bezüge in der aktuellen Bewegung, die sich größtenteils um Tier- rechte dreht. Trotz allem hat sich das Bild des Veganers in den letzten Jahren gewandelt und es ist um einiges gesellschaftsfähiger geworden. Insgesamt haben nur 21 Teilnehmer der Studie geschrieben, dass sie nicht an eine Verfesti- gung der veganen Ernährung glauben, da die Gesellschaft zu sehr in ihren Gewohnheiten festhänge und die aktuelle Aufmerksamkeit nur einem Trend geschuldet sei. Die Betrachtung als Trend weisen die meisten jedoch von sich, beziehungsweise sehen die aktuellen Tenden- zen nicht negativ. Eine 22 Jährige Studentin schreibt:

„Es gibt immer Menschen, die bei etwas mitmachen, weil sie einfach nur dabei sein wollen, aber nicht für immer. Ich persönlich habe noch niemanden kennengelernt, der einfach nur mitmacht, weil es ein neuer Trend ist. […] Ich denke, dass es erst der Anfang ist und sich noch viele Menschen dafür entscheiden werden. […] hat jemand Interesse etwas darüber zu erfah- ren, erzähle ich auch gern, aber möchte niemanden zu irgendetwas überreden. Umgekehrt ist es leider anders. Man möchte mir erklären, dass der Körper Fleisch unbedingt braucht, das ich Mangelerscheinungen bekomme etc. […] Es ist ermüdend und ich finde es sehr schade, das viele Menschen, die sich nicht vegan ernähren, dafür kein Verständnis aufbringen können und sich immer wieder einmischen wollen. […] Jeder sollte leben wie er möchte und wie er am glücklichsten ist. Ich würde mich natürlich freuen, wenn viel mehr Menschen anfangen würden, sich damit zu beschäftigen. Nicht nur mit Massentierhaltung und der Gesundheit, auch die Umwelt und weitere Generationen profitieren davon, wenn sich etwas ändert. Kleine Dinge verändern auch, wenn sie alle tun. […]“ Auch sie betont, dass es mehr als nur mitmachen ist, sich für die vegane Lebensweise zu entscheiden. Dahinter steckt eine Überzeugung und selbst Menschen, die anfangen sich ve- gan zu ernähren, um abzunehmen, lesen sich in das Thema ein und viele entwickeln diese Überzeugung. Ein weiterer wichtiger Aspekt in ihrer Antwort ist der, dass jeder die freie Wahl hat. Dieser Punkt wurde auch schon in der „so vegan wie möglich“ Frage angesprochen. Die wenigsten Teilnehmer der Umfrage versuchen Menschen zu bekehren, während sie anders- rum häufig überzeugt werden sollen doch wieder Fleisch zu essen. Warum sich einige Omni- vore so von der veganen Lebensweise angegriffen fühlen, kann sich keiner richtig erklären. Dass sich der Veganismus zur Zeit ausbreitet, lässt sich nicht bestreiten. Warum dies nicht abwertend als Modebewegung gesehen werden muss, erklärt eine 32jährige berufstätige

Frau:

„[…] Ich beobachte seit Jahren, dass die Zahl der Vegetarier und Veganer ansteigt. Die letzte "Explosion" würde ich nicht einem Trend zuschreiben, sondern eher den Umständen, dass es bei exponentiell steigenden Zahlen halt irgendwann zu einem Punkt kommt, wo jeder irgend- wie mit dem Thema in Berührung kommt und man halt mittlerweile auch nicht mehr von einer Hand voll Spinnern spricht, sondern von einem nicht zu übersehenden Teil der Gesellschaft. Aufklärung durch Medien und den Freundeskreis tun ihren Teil dazu, ebenso, wie die moderne Forschung zur Krankheitsentstehung.“ Aus der „Hand voll Spinnern“ ist eine eigenständige Gruppierung geworden. Fast jeder kennt jemanden, der vegan lebt und auch in Restaurants und Supermärkten kommt man an dem Thema nur noch schwer vorbei. All das ist der aktuellen Bewegung geschuldet, so dass die meisten Teilnehmer diese positiv beurteilen. Selbst wenn das Thema irgendwann wieder aus der Aufmerksamkeit verschwindet, habe es doch viele Menschen erreicht und vor allem die Hürde für Neueinsteiger sei geschrumpft. Außerdem sei es dadurch allgemein leichter gewor- den, vegan zu leben. Aber mit dem Thema Veganismus in der Aufmerksamkeit der Marktwirtschaft sind auch ganz neue Probleme entstanden. Auch das geschäftliche Interesse an dem Thema ist eine Berei- cherung, da es viele neue Produkte gibt, allerdings sind auch diese mit Vorsicht zu betrachten. Eine 27jährige Studentin der Ökotrophologie warnt vor den Gefahren der Ersatzprodukte:

„Dieser Trend im Moment rückt Veganismus zwar mehr in das Rampenlicht der Öffentlichkeit und räumt mit vielen Vorurteilen auf, schafft aber auch neue. Ich stehe den neuen Ersatzpro- dukten sehr kritisch gegenüber, […] wenn sich die Menschen vorwiegend davon ernähren ist das zwar besser für die Tiere, aber nicht unbedingt besser für den eigenen Körper. Genau deshalb denke ich, dass sich der Trend nicht etablieren wird, es ist teuer und versorgt den Körper nicht ausreichend mit Vitaminen, wenn man nicht gleichzeig auf eine ausgewogene Ernährung achtet. Diese Produkte suggerieren, dass man nichts ändern muss und einfach alles ersetzen kann. Da bleibt eine ausgewogene Ernährung auf der Strecke“ Wenn eine vegane Ernährung unbedacht verfolgt wird, wird der Körper Mangelerscheinungen bekommen. Dass diese aber nicht dem Veganismus geschuldet sind, sondern der fehlenden Auseinandersetzung mit seiner Ernährung werde dabei vernachlässigt. Zusätzlich dazu ist die vegane Lebensweise immer noch eine Kostenfrage. Insgesamt wurde des Öfteren darauf hin- gewiesen, dass der Konsument allein nur der Anstoß sei, die grundlegenden Änderungen aber in der Politik stattfinden müssen. Zum einen müsse deutlich mehr Aufklärungsarbeit geleistet werden, da die Menschen sich heutzutage nicht mehr selbst informieren würden und zum an- deren müsse nachhaltige Landwirtschaft unterstützt werden. Eine 30jährige Teilnehmerin bringt ein paar dieser Forderungen auf den Punkt:

„[…] Warum erzählt uns jeder dritte Werbespot, wie extrem gesund und wichtig Milch und

Milchprodukte sind, obwohl dies sehr umstritten und auch zu Hauf widerlegt ist. Die meisten Menschen werden sich nicht aus eigenem Antrieb ändern und die Regierung schaut schlicht zu. Warum müssen Milliarden in die Behandlung von Folgeschäden aufgrund falscher Ernäh- rung gesteckt werden, wenn man das Übel auch einfach mal an der Wurzel anpacken könnte? Warum wird Massentierhaltung von der EU subventioniert statt dafür zu sorgen, dass die Bau- ern von Ihrer Arbeit leben und ihre Tiere trotzdem möglichst artgerecht leben können? Was spricht dagegen, wenn ein kg Rind, 8-10 EUR kostet? Die Milch statt 60 Cent/Liter 2 EUR/Li- ter? Wir sollten tierische Produkte wieder als Luxusgüter behandeln und nicht als etwas, dass wir unbedingt täglich zu uns nehmen müssen, obwohl wir es gar nicht brauchen, es uns sogar schadet. Das sind Dinge, denen seltsamerweise die Regierungen weltweit fast gar keine Be- achtung schenken, obwohl sie auf die gesamte Menschheit große Auswirkungen haben.“

5. Fazit

Das von so vielen gefürchtete Fleischverbot wurde unter allen 1.463 Teilnehmern nur ein ein- ziges Mal erwähnt, wenn es sich vermutlich auch mehrere im Stillen wünschen würden. In einem Großteil der Antworten fanden sich Sätze, wie „Jeder wie er will“, „Jeder soll das tun, wozu er bereit ist“ und „Ich will niemanden bekehren“. Die Teilnehmer der Umfrage haben ihre eigenen, persönlichen Gründe, ihr Leben in unterschiedlichem Ausmaß vegan zu gestalten. Und auch wenn es manchmal frustriert, dass andere seine Einstellung einfach nicht verstehen, obwohl sie einem selbst logisch und richtig erscheint, habe ich aus all diesen Antworten nicht einen Veganer herauslesen können, der ist, wie das negativ besetzte Bild in der Gesellschaft uns malt. Ich hoffe, dass meine Ausarbeitung wenigstens etwas dazu beitragen kann, dass der missionierende, Vorträge haltende, radikale Veganer aus den Köpfen der Menschen ver- schwindet und diese Gruppierung als das gesehen werden kann, was sie ist: Eine Gruppe von Menschen jeden Alters, Geschlechts und Berufs, die aus ökologischen, ethischen, gesund- heitlichen und so vielen anderen Gründen ihre eigene Ernährung und andere Bereiche des Lebens überdenkt und verändert. Denn das ist auch der Hauptaspekt, den ich aus dieser Um- frage für mich ziehen kann. Veganismus ist eine persönliche Entscheidung. Damit meine ich nicht, dass das ethische Konzept, was dahinter steht eine persönliche Nei- gung ist. Der Gedanke, die Ausbeutung von Tieren und Menschen zu verringern bis hin sie zu verhindern, bleibt ein Moralitätsanspruch, der durch Aufklärungsarbeit und politische Aktionen verbreitet wird und werden sollte. Fast alle Veganer haben den Anspruch, durch ihre persön- liche Entscheidung größeres zu bewirken. Wichtig dabei ist nur, dass es sich trotzdem um einen Lebensstil handelt, zu dem sich jeder selbst bekennen muss, der nicht aufgezwungen werden kann. Es spricht jedoch nichts dagegen, seinen Mitmenschen auf eine vernünftige, nicht dogmatische Weise zu dieser Entscheidung zu verhelfen.

Damit auch direkt zurück zur ursprünglichen Fragestellung: Ist Veganismus eine Jugendkul- tur? Nach der Auswertung dieser Umfrage, kann ich dies ganz klar mit nein beantworten. Selbst die aktuellen Entwicklungen der Gesellschaft finden nicht nur in der Jugendszene statt, sondern erreichen alle Altersstufen. Menschen, die vegan leben, wollen sich nicht von der Gesellschaft abgrenzen, sondern ein möglichst befriedigendes Leben führen, ohne dabei an- deren zu schaden. Natürlich kann es als Protestkultur gegen Wirtschaft, Speziesismus und fehlendes Konsumbewusstsein gesehen werden, aber besonders der Aspekt, dass nur sehr wenige wieder aussteigen, spricht deutlich gegen eine Jugendszene.

Abschließend möchte ich mich noch bei allen Teilnehmern der Umfrage bedanken. Ich hätte nie erwartet, dass so viele daran teilnehmen und sich dann auch noch so viel Mühe mit ihren Antworten machen. Ich selbst lebe erst seit 15 Monaten vegan und habe durch die Umfrage noch einige Dinge gelernt, denen ich mir gar nicht bewusst war. Ich bin noch mitten im Prozess zu einem veganen Leben und die Umfrage hat einen großen Teil dazu beigetragen, dass ich dieses Thema für mich selbst noch differenzierter betrachten kann. Außerdem bin ich haltlos begeistert von der offenen und toleranten Art, die die meisten der Teilnehmer beschreiben und damit ein ganz anderes Licht auf uns Veganer werfen. Ich kann mich den Befragten nur anschließen: ich bin gespannt, wohin diese Reise noch füh- ren wird.

6. Literaturverzeichnis

CHIMAIRA ARBEITSKREIS (2011): „Eine Einführung in Gesellschaftliche Mensch-Tier-Verhält- nisse und Human-Animal Studies“ In: Chimaira- Arbeitskreis für Human-Animal Studies (Hrsg.): „Über die gesellschaftliche Natur von Mensch-Tier-Verhältnissen“ Bielefeld: transcript Verlag. S.7-42. FOER, Jonathan Safran (2010): „Tiere Essen“. 4. Köln: Kiepenheuer & Witsch. HAFERBECK, Edmund (2014): „Radikal im Namen der Tiere“ In: Haiser, Marlene (Hrsg.): „Go Vegan! Warum wir ohne tierische Produkte glücklicher und besser leben.“ 2. München: riva Verlag. S. 103-112. HEINZLMAIER, Bernhard/ IKRATH, Philipp (2013): „Generation EGO. Die Werte der Jugend im 21. Jahrhundert“. Wien: Promedia Druck- und Verlagsgesellschaft m.B.H. HEINZLMAIER, Bernhard (2013): „Performer, Styler, Egoisten. Über eine Jugend, der die Alten die Ideale abgewöhnt haben.“ 2. Berlin: Archiv der Jugendkulturen Verlag KG. SCHWARZ, Thomas (2005): „Veganismus und das Recht der Tiere“ In Breyvogel, Wilfried (Hrsg.): „Eine Einführung in Jugendkulturen. Veganismus und Tattoos“ Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften. S.69-164. WIBBECKE, Anna-Lena (2013): „Tier-Mensch-Pädagogik. Analyse einer Integration von Tier- rechten in die Pädagogik“ Wiesbaden: Springer Fachmedien.

VEGETARIERBUND DEUTSCHLAND: https://vebu.de/themen/lifestyle/anzahl-der-vegetarierinnen (Abrufdatum: 16.3.2015)

http://wp1026128.server-he.de/wpsz/?portfolio=veganer

(Abrufdatum: 16.3.2015)

PROF.

DR.

RONALD

HITZLER:

7. Anhang

1. Liste der Facebookgruppen

7.1.

Liste der Facebookgruppen

Dass die Umfrage so viele Menschen erreicht hat, verdanke ich dem Engagement der folgen-

den Gruppen auf Facebook:

- Augsburg vegan

- Darmstadt Vegan

- Deutschland Vegan - Das Original

- Dortmund Vegan

- Dresden vegan

- Duisburg Vegan

- Hamburg Vegan

- Hannover vegan

- Mannheim-Vegan.de

- „Regensburg vegan“

- SIMPLY VEGAN - Fotos, Rezepte & Tipps

- „straight edge germany“

- Stuttgart Vegan

- TU Dortmund VEGAN

- Vegan in Berlin

- Vegan in Bielefeld

- Vegan in Erfurt

- Vegan in Heidelberg

- Vegan in Osnabrück

- Veganes Zeitalter

Ein besonderer Dank geht an die Seite des Veganz, die sich die Mühe gemacht haben, mei- nen Link zu posten! (https://www.facebook.com/veganz?fref=ts)