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U R B A N & FISC H E R

Heft 2
102. Jahrgang
März 2013

♦ www.joumals.elsevier.de/mikrokosmos
© Elsevier GmbH. Alle Rechte vorbehalten; http://www.elsevier.de/
Zeitschrift für M ik ro sk o p ie
Herausgegeben von Klaus H ausm ann (Berlin) v.i.S.d.P.
R edaktionsassistentin: R enate R adek (Berlin)

Mitteilungsorgan für den Arbeitskreis Mikroskopie im Freundeskreis Botanischer Garten Köln, Arbeitskreis
Mikroskopie im Naturwissenschaftlichen Verein zu Bremen, Arbeitskreis Rhein-M ain-Neckar, Berliner
Mikroskopische Gesellschaft e.V., Mikroskopie-Gruppe Bodensee, Mikroskopisches Kollegium Bonn
(M KB), Mikroskopischer Freundeskreis Göppingen im Naturkundeverein Göppingen e.V., M ikrobiologische
Vereinigung sowie AG M ikropaläontologie im Naturwissenschaftlichen Verein zu Hamburg, M ikrobiologi­
sche Vereinigung München, Mikroskopischer Arbeitskreis Ruhrgebiet, M ikroskopische Gesellschaft Wien,
Mikroskopische Arbeitsgemeinschaft der Naturwissenschaftlichen Vereinigung Hagen e.V., Mikroskopische
Arbeitsgemeinschaft Hannover, Mikroskopische Arbeitsgemeinschaft M ainfranken, Mikroskopische Arbeits­
gemeinschaft Stuttgart, M ikroskopische Gesellschaft Zürich, Tübinger M ikroskopische Gesellschaft e.V.

Artikel Rubriken
65 Alles Gute kom m t von oben: Luftkeim e 73
Teil 2: M ikroskopische U ntersuchungen - Prokaryoten Kurze M itteilung
Cordula Siering und Klaus Hausmann
77, 104, 126
74 Die sonderbare P rotozoologie des W ilhelm R eich ( 1 8 9 7 - 1 9 5 7 ) Aus den
Wilhelm Foissner Arbeitsgem einschaften

87 Euastrum
Die D esm idiaceen-G attung 78, 86, 115, 122
Rupert Lenzenweger und Wolfgang Bettigbofer N achrichten

91 A quatische Einzeller genauer unter die Lupe genom men 79


Teil 2: Radiolarien M ik ro -M ark t
Robert Sturm
80, 96
97 Die Schwestergruppe der Landpflanzen Buchbesprechungen
Wolfgang Bettigbofer
81
105 Stacking in der Lupenfotografie M ikro-G alerie
Teil 2 : Fokus-Stacking im Studioeinsatz
88
Gerhard Zimmert
D esm idiaceen-Steckbriefe
123 G eorg O berhäusers „G roßes M ik ro sk o p “ und O ku larm ikrom eter
120
Erich Steiner Form und Funktion im
M ik ro - und M akrobereich

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Abstracts/Excerpta Medica/Scopus/Zoological Records

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Umschlagabbildung: Ein von Bakterien tansformiertes Diapositiv. Siehe Artikel K. Hausmann, S. 8 1 -8 6 .
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MIKROKOSMOS 65

Alles Gute kom m t von oben: Luftkeime


Teil 2: Mikroskopische Untersuchungen - Prokaryoten
Cordula Siering und Klaus Hausmann

Im ersten Teil dieser Serie wurde die Vielfalt der aus der Luft aufgefangenen Keime
beschrieben. An den Kolonien, die besonders häufig auftraten, wurden nun weitere
Untersuchungen durchgeführt. Die licht- und rasterelektronenmikroskopischen Ana­
lysen sollen Aufschluss über die Form der Zellen sowie den Aufbau der Kolonien ge­
ben. Im vorliegenden Artikel werden zunächst die mikroskopischen Beobachtungen
an Prokaryoten und in einem weiteren Bericht dann die der Eukaryoten dargelegt.

ie Luftkeime wurden wie im ersten Teil Mal gewaschen. Dabei wurden die Kolonien

D dieser Artikelserie beschrieben angerei­ und Pilze mit einem Holzspatel beim Ein- und
chert (Siering und Hausmann, 2012). Auspipettieren der Flüssigkeit geschützt, damit
sie nicht zu starken Strömungen ausgesetzt
Für die lichtmikroskopischen Untersuchungen
wurde nach vier Tagen die Oberfläche der zu wurden (Abb. lb ). Nach der Entwässerung der
betrachtenden Kolonie abgetragen und mit ei­ Proben in einer aufsteigenden Alkoholreihe er­
nem Tropfen Wasser auf einem Objektträger folgte die Trocknung der Präparate. Da eine
verrührt. M ikroskopiert wurde dann im diffe­ Lufttrocknung hohe Oberflächenspannungen
rentiellen Interferenzkontrast. hervorruft und so Strukturen des Präparats zer­
stört, wurde eine Kritische-Punkt-Trocknung
Präparation für die durchgeführt. Danach wurden die Präparate
Rasterelektronenmikroskopie mit Gold besputtert.

Für die rasterelektronenmikroskopischen (REM)


Untersuchungen mussten die Kolonien fixiert,
Mycelartige Kolonien
entwässert, getrocknet und mit Gold besputtert Zuerst wurden die im vorangegangenen Artikel
(bestäubt) werden. Die ausgewählten Kolonien beschriebenen mycelartigen Kolonien, die man
wurden aus der Luftfangplatte ausgeschnitten zunächst für Pilze und somit für Eukaryoten
und in ein Blockschälchen gegeben (Abb. la). halten könnte, mikroskopisch untersucht. So­
Dann wurde die Fixierlösung in das Block­ wohl die lichtmikroskopischen als auch die
schälchen pipettiert. Es wurde die Parducz-Fi- REM-Aufnahmen belegten die prokaryotische
xierung (Osmiumsublimat) eingesetzt (Körner Natur dieser Aggregate. Lange, dicht aneinan­
und Hausmann, 2 012; Parducz, 1967). Nach der liegende Zellketten von Bakterien bildeten
45 Minuten wurden die Proben zwei bis drei die Kolonie (Abb. 2). Die einzelnen Zellen hat­

Abb. 1: Präparation der Proben für


die Rasterelektronenmikroskopie,
a Ausschneiden der Probe,
b Waschungen (zum Schutz der
Kolonien vor Strömungen wurde
die Flüssigkeit hinter einem Holz­
spatel (Sp) ein- und auspipettiert (P).
Mikrokosmos 102, Heft 2, 2013
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66 C. Siering und K. Hausmann
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ten eine Größe von circa 3 bis 4 pm und waren lagen, zeigten im Lichtmikroskop interne,
stäbchenförmig. Bakterien, die nur in kürzeren punktförmige Strukturen (Abb. 2c). Bei den in
Ketten (zum Beispiel nur zu zweit) zusammen­ längeren Ketten hintereinanderliegenden Zellen

Abb. 2: Mycelartige Kolonie. Makroskopische Aufnahme: a Mycelartige Ausläufer drehen sich in der Aufsicht
gegen den Uhrzeigersinn. Mikroskopische Aufnahmen: b Längere, in Ketten hintereinanderliegende Zellen,
c Kürzere Stäbchen mit Zellinhalten. REM-Aufnahmen: d und e Übersicht, f In langen Ketten hintereinander­
liegende Zellen, g Zellen umgeben von einem filamentösen Netzwerk in der Nähe des Kolonierands.
Alles Gute kommt von oben: Luftkeime - Teil 2
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waren keine weiteren Strukturen erkennbar. Im stäbchenförmigen Zellen circa 1,5 pm. Auch im
REM sah man jedoch, dass die Zellen in ihrer Rasterelektronenmikroskop fand man ver­
Größe zum Teil erhebliche Unterschiede auf­ schiedene Zelltypen (Abb. 4). Einige Zellen
wiesen. Einige waren fast 6 pm, andere hin­ hatten eine stark strukturierte Oberfläche und
gegen nur 2 pm lang. Am Kolonierand gab es waren der Ursprung vieler fädiger Gefüge
deutlich dichtere Bereiche, in denen die Zellen (Abb. 4e). Andere Zellen hatten eine durchgän­
von einem filamentösen Netzwerk umgeben gig glatte Oberfläche ohne jegliche zusätzliche
waren (Abb. 2g). In der Koloniemitte waren Struktur. Außerdem fand man einige Zellen,
nur wenige dieser fädigen Strukturen zu finden. die wie aufgebrochen aussahen (Abb. 4f). Tei­
Bei diesem Organismus handelt es sich zwei­ lungsprozesse waren in allen Koloniebereichen
felsfrei um Bacillus m ycoides. Nicht nur die in ersichtlich (Abb. 4g). Dieses Bakterium konnte
Ketten hintereinanderliegenden Stäbchen, son­ keiner Gattung zugeordnet werden. Die unter­
dern auch die charakteristischen, gegen den schiedlichen Zelltypen sprechen für verschie­
Uhrzeigersinn gerichteten, mycelartigen Aus­ dene Funktionen in der Kolonie. So scheinen
läufer sind eindeutige Merkmale dieses Bakteri­ die Zellen mit einer stark strukturierten Ober­
ums (Bayrhuber und Lucius, 1992). Die im fläche hauptsächlich die fädigen Gefüge zu pro­
Lichtmikroskop gefundenen unterschiedlichen duzieren, welche die Bakterien Zusammenhal­
Zellstrukturen könnten auf unterschiedliche ten. Die glatten Zellen hingegen wurden oft in
Zellstadien hinweisen. Auch die im REM ge­ einem Teilungsstadium beobachtet, so dass
messenen unterschiedlichen Zellgrößen könn­ diese augenscheinlich primär für die Vermeh­
ten dafür sprechen. rung zuständig sind. Zellen mit Spalt könnten
eventuell aufgebrochen sein, um Endosporen
freizusetzen.
Gelbe Kolonien
Die häufig angewachsenen gelben, runden Ko­
lonien zeigten in den mikroskopischen Untersu­
Reliefartige Kolonien
chungen kleine, kokkenförmige Zellen, die sich Die REM-Bilder der reliefartigen Kolonien wa­
meist zu Viererpaketen (Sarcinen) zusammen­ ren besonders imposant und vielfältig. Abbil­
bündelten (Abb. 3). Eine einzelne Zelle hatte dung 5 gibt einen Überblick über eine derartige
eine Größe von 1,1 bis 1,3 pm. Besonders gut Kolonie im Rasterelektronenmikroskop. Dabei
waren die Sarcinen im REM am Kolonierand sind die Bereiche markiert, aus denen die Fotos
auf dem Agar erkennbar, da diese hier verein­ der nachfolgenden Abbildung 6 stammen. Die
zelt Vorlagen (Abb. 3c). Die Oberfläche der ein­ Kolonie zeigte in verschiedenen Bereichen auch
zelnen Zellen war stark strukturiert. Fädige unterschiedliche Oberflächenstrukturen. So wa­
Gefüge hielten die Zellen in den Viererpaketen ren die stäbchenförmigen Zellen in den Windun­
zusammen. Diese Fäden waren aber auch zwi­ gen fast gänzlich mit einer teppichartigen
schen den Sarcinen zu finden (Abb. 3f). Ganz Schicht aus Sekundärprodukten überzogen
offensichtlich handelt es sich bei diesem Bakte­ (Abb. 6 f), während die Furchen sehr kompakt -
rium um M icrococcus luteus. Die geringe Kok­ fast wie Gestein - aufgebaut waren (Abb. 6b).
kengröße, die Koloniefarbe, das positive Gram- Die einzelnen Zellen in den Furchen waren mit
Verhalten (siehe unten) und die typischen einer Länge von 1,4 pm mehr als einen halben
Sarcinen sprechen eindeutig dafür (Bayrhuber Mikrometer kürzer als die Zellen in den Win­
und Lucius, 1992; Dawid, 1973a und b). M. dungen. Außerdem fand man auf den Windun­
luteus ist ein vorwiegend auf der menschlichen gen einige sich teilende Zellen. Im Querschnitt
Haut beheimatetes Bakterium. wurde das Netz, das die Zellen umgab und ver­
band, gut sichtbar (Abb. 6d). Um die Grenze
zwischen der Kolonie und dem Agar genauer zu
Gallertige Kolonien betrachten, wurde das Präparat im REM ge­
Bei den gallertartigen Kolonien entdeckte man kippt. Die Zellen in diesem Bereich hatten eine
im Lichtmikroskop Zellen mit unterschied­ Länge von etwa 2,5 pm (Abb. 5b, 6a), und viele
lichen Strukturen (Abb. 4b). Es gab einzelne, von ihnen befanden sich in einem Teilungs­
kurze, stäbchenförmige Zellen und lange, meist stadium. Der Randbereich der Kolonie war an
zu zweit hintereinanderliegende Zellen. Die einer Stelle eher zerklüftet, während er an allen
längeren Zellen waren fast 3,5 pm lang und die anderen Bereichen meist glatt war. In diesen
68 C. Siering und K. Hausmann
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glatten Randbereichen war das die Zellen umge­ bedeckt, in dem die Zellen zum Teil auch in kur­
bende Netz besonders ausgeprägt (Abb. 6c). Im zen Ketten hintereinanderlagen (Abb. 6e).
zerklüfteten Gebiet waren die Bakterien, wie im Die reliefartigen Kolonien konnten nicht ge­
Bereich der Windungen, eher von einem Teppich nauer bestimmt werden. Es könnte sich dabei

Abb. 3: Gelbe, runde Kolonie. Lichtmikroskopische Aufnahmen: a Zellgröße circa 1,3 |_im. b Nach Acridinorange­
färbung. REM-Aufnahmen: c und d Sarcinen am Kolonierand, e Fädige Strukturen, welche die Zellen Z u ­
sammenhalten. f Stark strukturierte Oberfläche der Zellen.
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um Bakterien der Gattung N ocardia handeln. Wachstum von Pilzen als auch von Bacillus my-
Dies ist aber nur eine rein auf Vergleichsbildern coides hemmt (Siering und Hausmann, 2012).
basierende Vermutung. Dafür spricht lediglich Die REM-Aufnahmen sprechen dafür, dass die
das positive Gram-Verhalten der Zellen. Be­ Wachstumszone der Kolonie speziell am Ko­
merkenswert sind allerdings die schon im ers­ lonierand lokalisiert ist, da sich hier besonders
ten Teil dieser Serie beschriebenen Hemmhöfe viele Zellen in Teilung befanden. Der Teppich,
um die Kolonien. Dieses Bakterium scheint so­ der insbesondere die Zellen der herausragen­
mit sowohl eine fungizide als auch eine antibio­ den Windungen umgab, dient möglicherweise
tische Wirkung zu haben, da es sowohl das dem Schutz vor Umwelteinflüssen. In den ge-

Abb. 4: Gallertartige Kolonie, a Makroskopische Aufnahme, b Lichtmikroskopische Aufnahme: Kurze, plumpe


Stäbchen und längere Zellen. REM-Aufnahmen: c Kolonieoberfläche, d Kolonieunterseite, e Strukturierte Zellen,
f Zellen mit Spalt, g Zellen in Teilung.
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Abb. 5: REM-Aufnahmen reliefartiger Kolonie (1). a Überblick über reliefartige Kolonie im REM mit Markierun­
gen, aus welchen Bereichen die Bilder der nachfolgenden Abbildungstafel stammen, b Koloniekante bei stark
gekipptem Präparat.

Abb. 6: REM-Aufnahmen reliefartiger Kolonie (2). a Zellen an der Koloniekante, b Struktur der Furchen,
c Struktur am glatten Kolonierand, d Querschnittfläche, e Kurze Zellketten im zerklüfteten Randbereich. ^
f Struktur der Windungen.
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schützten Furchen hingegen sind die Bakterien kann nur bei den gramnegativen wirken, da das
nicht so großen Belastungen ausgesetzt und Violett der grampositiven Zellen das Rot über­
können daher auch einzeln aufgefunden wer­ deckt (Fuchs und Schlegel, 2007). Da die
den. Der in den Furchen befindliche gesteinsar­ Gram-Färbung oft undeutlich ist, wurde des
tige Aufbau dient wahrscheinlich der Stabilität Weiteren ein so genannter KOH-Test (Kalium-
der Kolonie. Diese kompakten Strukturen sind hydroxid-Test) durchgeführt. Bei der Zugabe
bei dieser Bakterienart besonders wichtig, da von dreiprozentiger KOH-Lösung zu einem
sie weit nach oben wächst. Tropfen flüssiger Bakterienkultur tritt bei
Die Morphologie und die Ultrastruktur der gramnegativen Zellen die DNA aus. Wenn man
gallertigen sowie der reliefartigen Kolonien dann mit einer Impföse in die Kultur geht, zieht
beeindrucken in ganz besonderem Maße (vgl. der durch die austretende DNA entstandene
Abb. 2, 3 und 4 in Siering und Hausmann, Schleim Fäden. Grampositive Zellen hingegen
2012). Denn es ist jeweils nur eine einzige Bak­ bleiben ähnlich viskos wie zuvor und ziehen
terienart, welche offenbar über sehr komplexe, keine Fäden (Fuchs und Schlegel, 2007).
bislang kaum verstandene morphogenetische Beide Gram-Tests ergaben, dass die vier unter­
Fähigkeiten verfügt, die zu den mit dem bloßen suchten Bakterien grampositiv sind. Man
Auge sichtbaren Überstrukturen führen. könnte daher vermuten, dass eventuell alle
Luftbakterien grampositiv sind. Da nur gram­
Untersuchungen au f Gram-Verhalten positive Bakterien in der Lage sind, Endospo-
Um mehr Informationen über die einzelnen ren zu bilden (Madigan und Martinko, 2009),
Bakterienkolonien zu sammeln, wurden einige wäre diese Vermutung sogar nahe liegend. Das
hinsichtlich ihres Gram-Verhaltens untersucht. würde bedeuten, dass Bakterien in der Luft
Dafür mussten am Vortag Flüssigkulturen der hauptsächlich in Form von Endosporen Vor­
zu untersuchenden Bakterien hergestellt wer­ kommen, da diese besonders beständig gegen­
den. Für das dafür benötigte Flüssig-LB-Me- über Hitze und anderen Belastungen sind
dium [LB ist die Abkürzung für lysogeny broth (Madigan und M artinko, 2009) und so den
(Bertani, 2004)] wurden 10 g Bacto-Trypton, Bakterien das Überleben in der Atmosphäre am
5 g Bacto-Hefe-Extrakt und 10 g Natriumchlo­ besten ermöglicht wird.
rid mit Aqua bidest. zu einem Liter aufgegossen
und gründlich gemischt. Das Medium wurde Weitere Luftkeime
dann durch Autoklavieren bei 121 °C sterili­ Da hier nur einige der typischen Luftkeime be­
siert. Für die Flüssigkulturen wurden unter ste­ schrieben werden konnten, sollen an dieser
rilen Bedingungen, das heißt, in unmittelbarer Stelle noch weitere charakteristische Vertreter
Nähe der Bunsenbrennerflamme, je 5 ml Flüs- genannt werden. M an findet unter den Luft­
sig-LB-Medium in autoklavierte Reagenzgläser bakterien noch weitere Arten der Gattung Mi-
gefüllt. M it einer sterilisierten Impföse wurde crococcus (beispielsweise M icrococcus roseus ,
eine kleine Menge der Bakterienkolonie von der rosafarbene Kolonien bildet) und Bacillus.
den Luftfangplatten abgetragen und in das Das lateinische Wort Bacillus bedeutet im
Reagenzglas gegeben. Die Kulturen inkubierten Deutschen Stäbchen und weist somit auf stäb­
dann über Nacht bei 37 °C. Dabei wurden sie chenförmige Bakterienzellen hin. Ein weiterer
maschinell ständig rotierend geschüttelt. Vertreter lässt sich an seinem typisch erdigen
Der unterschiedliche Zellwandaufbau von Geruch erkennen - Streptomyces. Aber auch
grampositiven und gramnegativen Bakterien die Gattungen M ycobacterium , Corynebacte-
sorgt bei der Gram-Färbung für eine entspre­ rium, N ocardia und R hodococcus sind häu­
chend unterschiedliche Färbung. Bei der Be­ fig in der Luft nachzuweisen (Steinbüchel und
handlung der Probe mit Kristallviolett und Oppermann-Sanio, 2011).
LugoPscher Lösung (Jodlösung) kommt es zu Danksagung
einer Lackbildung. Dieser Lack ist wasserun­
Wir bedanken uns herzlich bei Herrn Eckhard Völ-
löslich und nur mäßig in Alkohol löslich.
cker, Berlin, für die Aufnahme der lichtmikroskopi­
Durch Spülen mit Äthanol werden die gramne­ schen Bilder, bei der Arbeitsgruppe von Frau Prof.
gativen Bakterien durch ihre dünne Zellwand Dr. Regine Hengge, Institut für Biologie/Mikrobiolo­
entfärbt. Die grampositiven halten durch ihre gie der Freien Universität Berlin, für die Bereitstel­
dicke Zellwand den Farbstoff-Jod-Komplex zu­ lung der Nährmedien und bei Dr. D. Serra für wert­
rück. Die anschließende Safraninfärbung (rot) volle Hilfestellungen bei der REM -Präparation.
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Literaturhinweise Parducz, B.: Ciliary movement and coordination in


ciliates. Int. Rev. Cytol. 21, 9 1 -1 2 8 (1967).
Bayrhuber, H ., Lucius, E. R. (Hrsg.): Handbuch der Siering, C., Hausmann, K.: Alles Gute kommt von
praktischen M ikrobiologie und Biotechnik. Band oben: Luftkeime. Teil 1: M akroskopische Untersu­
. 3. M ikroorganismen im Unterricht. Metzler Schul­ chungen. M ikrokosmos 101, 3 3 1 -3 3 9 (2012).
buchverlag GmbH, Hannover 1992. Steinbüchel, A., Oppermann-Sanio, F. B.: M ikrobio­
Dawid, W.: Farbstoffbildende Bakterien. Pigmentbil­ logisches Praktikum. Springer-Verlag, Berlin 2 0 0 3 ,
dung und Isolierung der Bakterien. Mikrokosmos Nachdruck 2 0 1 1 .
62, 7 8 -8 3 (1973a).
Dawid, W.: Gelbe Luftbakterien. M ikrokosm os 62,
2 7 1 -2 7 7 (1973b).
Fuchs, G., Schlegel, H .-G ., mit Beiträgen von Eitin-
ger, T., Fuchs, G., Heider, J., Kemper, B., Kothe,
E., Schink, B., Schneider, E., Un den, G.: Allge­
meine M ikrobiologie. Georg Thieme Verlag, Stutt­
gart 2007. Verfasser: B. Sc. Cordula Siering und
Körner, S.-J., Hausmann, K .: Das Periphyton im ras­ Prof. Dr. Klaus Hausmann,
terelektronenmikroskopischen Bild. Teil 1: Proka­ beide Freie Universität Berlin, Institut für Biologie/
ryoten. Mikrokosmos 101, 9 0 -9 5 (2012). Zoologie, Königin-Luise-Str. 1 -3 , 14195 Berlin;
Madigan, M . T., M artinko, J. M .: Brock M ikrobio­ E-M ails: cordula.siering@gmx.de und
logie. Pearson Studium, München 2 009. hausmann@zedat.fu-berlin.de

/IS a u s © W S G ü s B O ts m g j____________________

Fossile Glockentierchen aus der Trias


Das Verständnis der Evolution des Lebens auf schicht gekennzeichnet. In der inneren Wand
unserer Erde beruht in wesentlichen Teilen auf dieser Kokons wurden gut erhaltende Exem­
Fossilien, welche uns Aufschluss über Entwick­ plare von Peritrichen gefunden, die aufgrund
lungsprozesse im Verlaufe sehr großer Zeit­ ihrer Morphologie (helikal kontrahierter Stiel,
räume geben können. Fossilierbare Anteile von Scopula, Peristom, C-förmiger Makronucleus)
Organismen sind in der Regel Hartsubstanzen mit großer Sicherheit der Gattung Vorticella
wie Knochen, Schalen oder Gehölze. Wenn wir zuzuordnen sind. Es wird vermutet, dass sich
nach Einzeller-Fossilien suchen, gibt es aller­ diese Ciliaten mit ihrem Stiel auf einem Kokon
dings keine sehr großen Chancen auf Erfolg, befestigt haben, während die Wand gebildet
sieht man einmal beispielsweise von den exter­ wurde und aushärtete. Dadurch wurden sie so­
nen Schalen der Foraminiferen oder den intra­ zusagen in der Kokonhülle eingefangen und
zellulären Skeletten der Radiolarien ab. blieben dort fossil erhalten.
Die Chance, Fossilien von „normalen“ Protis­
ten wie beispielsweise gehäuselosen Flagellaten,
Amöben oder Ciliaten zu finden, ist kaum ge­
Literaturhinweise
geben, es sei denn, man trifft auf besondere Si­
tuationen. So gibt es beispielsweise eine Reihe Ascaso, C., Wierzchos, J., Speranza, M ., Gutierrez, J.
von Berichten über Amöben (A m oeba Umax), C., Gonzalez, A. M ., de los Rios, A., Alonso, J.:
Fossil protists and fungi in amber and rock sub-
Flagellaten (Astasia ), Ciliaren (Paramecium strates. Micropaleontology 51, 5 9 -7 2 (2005).
Pseudoplatyophrya) sowie Pilzen in baltischem Bomfleur, B., Kerp, H ., Taylor, T. N ., Moestrup, 0 . ,
Bernstein. Taylor, E. L.: Triassic leech cocoon from Antarc-
Kürzlich wurde von einer ganz anderen Fund­ tica contains fossil bell animal. PNAS 109,
2 0 9 7 1 -2 0 9 7 4 (2012).
stelle von fossilen Glockentierchen berichtet, Foissner, W.: Fossil ciliates and testate amoebae:
nämlich von Kokons antarktischer Clitellaten W hat do they teil us? Protist 156, 14—15 (2005).
aus der Trias. Diese Kokons vom Burejosper- Schönborn, W., Dörfelt, H., Foissner, W., Krienitz,
mum-Typ sind ganz ähnlich wie die des rezen­ L., Schäfer, U.: A fossilized microcenosis in Trias­
sic amber. J. Eukaryot. M icrobiol. 46 , 5 7 1 -5 8 4
ten Blutegels Hirudo medicinalis durch eine di­ (1999).
cke, solide innere Wand und eine aus einem
lockeren Filamentnetzwerk aufgebaute Außen­ Klaus Hausmann, Berlin
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MIKROKOSMOS

Die sonderbare Protozoologie des W ilhelm Reich


(1897-1957)
W ilhelm Foissner
Die Organisation der Protisten gab immer wieder Anlass zu Irrtümern, besonders am
Beginn ihrer wissenschaftlichen Erforschung. Erinnert sei an Christian Gottfried Ehren­
berg (1838), der in seinem Hauptwerk Die Infusionstierchen als vollkommene Or­
ganismen bei den Ciliaten Sexualdrüsen etc. erkannte. Er hat seinen Irrtum nie zu­
rückgenommen, im Gegensatz zu Friedrich Stein, der sich im Jahre 1867 von seiner
Akineten-Theorie distanzierte, nach der die Ciliaten aus Suktorien entstehen sollten.

ber auch in neuerer Zeit gibt es kapi­ flüchtete er vor den Nazis in die USA, wo er

A tale Irrtümer, beispielsweise jene von


Wilhelm Reich, über den ich hier kurz
berichten möchte.
1957, verfolgt wegen seiner unkonventionellen
Heilmethoden, in einem Gefängnis starb. Spä­
ter wurden seine Bücher in den USA sogar öf­
fentlich verbrannt.
Ich stieß auf Reich als Jugendlicher, weil um
Wilhelm Reichs Vita 1965 seine Theorien zur Sexualität und zum
Wilhelm Reich (Abb. 1) hatte jüdische Vorfah­ Orgasmus noch in aller Munde waren und von
ren und wurde 1897 geboren. Die erste Lebens­ der Neuen Linken aufgegriffen wurden. Reich
hälfte verbrachte er vorwiegend in Wien, wo er war einer der großen Wegbereiter der sexuellen
Schüler des damals schon sehr berühmten Sig­ Revolution. Darin liegt sein Verdienst.
mund Freud wurde. Nach Auseinandersetzun­
gen mit der Deutschen Kommunistischen Partei Wilhelm Reichs natürliche Organisation
auf der einen Seite und der Freud-Schule auf der der Protozoen
anderen wurde Reich 1934 aus der Kommunis­ Was aber hat der Psychotherapeut Reich mit
tischen Partei und der Internationalen Psycho­ den Protozoen zu schaffen? In dem 1948 in
analytischen Vereinigung ausgeschlossen. 1939 Amerika erschienenen Buch Die Entdeckung
des Orgons - Der Krebs gibt es eine 25 Seiten
starke Abhandlung über Die natürliche Orga­
nisation der Protozoen, aus der im Folgenden
häufig zitiert wird. Zentrale Bedeutung haben
dabei die angeblichen Entdeckungen der Bione
und des Orgons, eine geheimnisvolle, masselose
Strahlung, welche die ganze Welt erfüllt und
die man mit einfachen Mitteln konzentrieren
und zur Heilung von psychischen und physi­
schen Krankheiten verwenden kann. Die Bio-
nen sind wenige Mikrometer große, blau
schimmernde Bläschen, in denen die Orgon-
energie gespeichert ist. Aus den Bionen können
sich Bakterien und Protozoen entwickeln. Dazu
führte Reich viele Versuche durch, aus denen er
ein eindrucksvolles, aber ganz irreales Schema
entwickelte (Abb. 2), das er durch M ikrofoto­
grafien stützte (Abb. 3 -8 ). Diese Fotografien
entlarven allerdings noch heute die Bione und
Abb. 1: Portrait von Wilhelm Reich (aus dem Internet). damit auch das Orgon als kapitalen Irrtum, da

Mikrokosmos 102, Heft 2, 2013


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Die sonderbare Protozoologie des Wilhelm Reich (1 897-1 957)
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Abb. 2: Entwicklung verschiedener


Protozoen von denselben membra-
nösen Aggregaten (sich zersetzen­
des Gras oder Moos). 1-4 gemein­
same Entwicklungsstadien, 5-7
Differenzierung (aus Reich, 1974).

es sich dabei um bläschenför­


mig zersetzendes, organisches
und anorganisches Material
handelt. Details dazu finden
sich in den Erklärungen der
Abbildungen 3 bis 8.
Obwohl sich Reich nicht aus­
drücklich zur Urzeugung von
Bakterien und Protozoen be­
kennt (sie können sich auch
teilen ), verraten es seine Bü­
cher und Tagebucheintragun­
gen: Aus einer Mischung von
geglühtem Kohlenstaub,
Bouillon und 50% iger KCl
Lösung entstehen etw a
1 }4m große Bläschen, die sich
strecken, kontrahieren und
pulsieren. N iem and noch, der diese Präparate • Reich hat sich die heißesten Eisen zur For­
lange genug studiert hat, zweifelte am lebendi­ schung ausgesucht: Sexualität und Krebs.
gen Charakter dieser Bewegungen (Reich, Was immer man dazu schreibt, es wird eine
1974). Und in einem Brief an seine Frau Eva Anhängerschaft finden.
vom 7. August 1937 schreibt er: Ruß, Asche,
H olzkohle können also lebend werden!! Dies • Reich war mit der wissenschaftlichen M etho­
ist gelungen! dik vertraut und hat daher seine Thesen mit
Nicht weniger erstaunlich ist die Erklärung der Tabellen, Kurven und Fotos, die er mit einem
biologischen Komponente des Krebs (Reich, bis 5.000fach (!) (leer) vergrößernden M ikro­
1974; S. 73): Krebszellen sind nichts anderes skop machte, gestützt. Das mag damals
als Protozoen, die sich im tierischen Organismus Psychologen und gebildete Laien sehr beein­
aus Gewebebionen bilden. Die natürliche Orga­ druckt haben.
nisation der Protozoen in Gras- oder M oosauf­
güssen ist der Schlüssel zum Verständnis der • Reich hatte gute Kenntnisse in der Literatur
Krebszellorganisation im tierischen Gewebe. und flocht in seine Thesen geschickt große
Forscher ein wie beispielsweise Einstein und
Wilhelm Reich: Ein verkanntes Genie? Jakob von Uexküll. Damit kann man beein­
drucken.
Reichs Gegner erklärten ihn meist für verrückt
oder für einen Schwindler. Ich würde das zu­
sammenfassen in ein pathologisch übersteiger­ Reich war ein begnadeter Vielschreiber mit
tes Geltungsbedürfnis, das soweit ging, dass er einem lebhaften, auch dem gebildeten Laien
Fakten ausblenden oder umdeuten konnte. verständlichen Stil. Lassen wir ihn am Schluss
Dazu folgende Argumente: selbst sprechen (Tagebuch, 23. Mai 1939):
76 W . Foissner © Elsevier GmbH. Alle Rechte vorbehalten; http://www.elsevier.de/

Abb. 3-8: Bione und ihre Entwicklung (aus Wilhelm Reich, 1974). Größe der Bilder und Text wie im Original.
Meine Interpretationen sind eingeklammert und kursiv geschrieben.
Abb. 3: Kohlenbione (Pfeile), aus Kohlenstaub geglüht, dann in Bouillon und KCl-Lösung gequollen. (Vermutlich
winzige Fetttropfen von der Bouillon.) Abb. 4: Organisation eines Protozoons (Pfeil) am Rande eines bläschen­
-

förmig zerfallenden Grases. Vergr. ca. 700fach. (Sicher eine sich zersetzende Graszelle.) Abb. 5: Ein
-

organisierter Haufen von Bionbläschen. Vergr. ca. 1500fach. (Sichcr eine sich zersetzende Opercularia, siehe
Abb. 8.) - Abb. 6: Amöben am Rand von zerfallendem Gras. (Das stimmt.) Abb. 7: Eine frühe Phase in der
-

Entwicklung der Amoeba limax. Die Kugelformen oben links stammen aus gequollenem Gras. Sie entwickeln
sich zu Amöben. Unten rechts entsteht ein Protozoon (Pfeil). Vergr. ca. 1.OOOfach. (Vermutlich Ruhecysten von
Flagellaten oder kleinen Amöben, vergleiche Abb. 6. Das entstehende Protozoon ist wahrscheinlich flockiger
organischer Detritus.) - Abb. 8: Org-Protozoon. Ein vollständig organisiertes Protozoon, eine Vorticella,
im Zustand der Expansion, das sich aber noch nicht vom Grasblatt abgelöst hat. Beachte die bläschenförmige
Struktur des Protoplasmas. Vergr. ca. 3.OOOfach. (Aus einem Bion-Versuch mit stark zersetztem Gras. Reich
bildet ein peritriches Ciliat ab, vermutlich Opercularia asymmetrica, die in stark saprobem Milieu häufig ist
[Aescht und Foissner; 1992], Die bläschenförmige Struktur des Protoplasmas entsteht durch die zahlreichen
Nahrungsvakuolen. Reich nennt die Peritrichen Org-Protozoen wegen ihrer orgasmusartigen Kontraktion und
Expansion.)
Aus den Arbeitsgemeinschaften
© Elsevier GmbH. Alle Rechte vorbehalten; http://www.elsevier.de/ 77

Ich bin im Grunde ein ganz großer Mann, eine Higgins, M . B.: Wilhelm Reich. Jenseits der Psycho­
Seltenheit sozusagen. Was habe ich entdeckt! logie. Briefe und Tagebücher 1 9 3 4 -1 9 3 9 . Kiepen­
heuer und Witsch, Köln 1996.
1. Die Funktion des Orgasmus, 2. Die charak­ Reich, W.: Die Entdeckung des Orgons, Band I. Die
terliche Panzerung, 3. Die Lebensform el, 4. Die Funktion des Orgasmus. Kiepenheuer und Witsch,
Bione, 5. Die elektrische Funktion der Sexua­ Köln 1969. (Erstmals erschienen 1942 unter dem
lität, 6. Die Orgonstrahlung, 7. Die M echanis­ Titel The Function o ft h e Orgasm. The Discovery
o ft h e O rgone, Vol. I).
men der Krebsbildung, 8. Die Mechanismen Reich, W.: Die Entdeckung des Orgons, Band II. Der
des Rheuma, 9. Die M echanismen der Schi­ Krebs. Kiepenheuer und Witsch, Köln 1974. (Erst­
zophrenie samt organischem Fundament der mals erschienen 1948 unter dem Titel The Cancer
Neurosen, 10. Die Soziologie der Sexualver­ Biopathy.)
Stein, F.: Der Organismus der Infusionsthiere nach
drängung, 11. Die Dynamik des Faschismus, eigenen Forschungen in systematischer Reihen­
12. Die Kreiselwelle. Viel, gut erarbeitet, den­ folge bearbeitet. II Abtheilung. 1. Darstellung der
noch - ich kann es nicht genießen - ich bange neuesten Forschungsergebnisse über Bau, Fort­
um meine Zukunft! pflanzung und Entwickelung der Infusionsthiere.
2. Naturgeschichte der heterotrichen Infusorien.
Engelmann, Leipzig 1867.
Literaturhinweise
Aescht, E., Foissner, W.: Biology of a high-rate acti-
vated sludge plant of a pharmaceutical Company.
Arch. Hydrobiol. Suppl. 90, 2 0 7 -2 5 1 (1992). Verfasser: Univ.-Prof. Dr. Wilhelm Foissner,
Ehrenberg, Ch. G.: Die Infusionsthierchen als voll­ FB Organismische Biologie, Universität Salzburg,
kommene Organismen. Ein Blick in das tiefere or­ Hellbrunnerstrasse 34, 5 0 2 0 Salzburg, Österreich,
ganische Leben der Natur. L. Voss, Leipzig 1838. E-M ail: Wilhelm.Foissner@sbg.ac.at

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Programm Ulrich.Szewzyk@TU-Berlin.de
M ärz bis August 2013 1 7 .0 5 .: Dipl. Biol. Thom as Fromm, Berlin:
0 8 .0 3 .: Dr. Caspar Schöning, Berlin: Nordseeplankton (P)
Taxonomie und Arbeiterinnenpolymor­ 3 1 .0 5 .: Marion Schemann, D üsseldorf: Haare (P)
phismus der afrikanischen Treiberameisen (P) 0 7 .0 6 .: Martina und Günther Zahrt, Berlin:
1 5 .0 3 .: Martina und Günther Zahrt, Berlin: Kurs Praktische Mikroskopie
Kurs Praktische Mikroskopie So. 1 6 .0 6 .: Dr. Erika Hausmann, Berlin:
2 2 .0 3 .: PD Dr. Biicker und Frau Feldmann, M oose und Farne, 10:00 Uhr Exkursion
Bundesanstalt für M aterialforschung Treffpunkt wird noch bekannt gegeben.
(BAM), Berlin: 1 9 .6 .-0 2 .0 8 .: Sommerferien
Besichtigung des Analytischen Raster­ 0 9 .0 8 .: Dr. Erika Hausmann, Berlin:
elektronenmikroskops Mikroskopische Aspekte von Moosen und
Veranstaltungsort: BAM, Farnen (P)
Zweiggelände Adlershof, Volmerstraße 7 b,
1 6 .0 8 .: Martina und Günther Zahrt, Berlin:
Berlin; Uhrzeit: 1 7 .0 0 -1 9 :0 0 Uhr
Kurs Praktische Mikroskopie
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Wenn ein Sandkorn zum Findling wird - Evolutionsökologie bei Libellen (P)
Die Bodenwelt aus der Sicht von M ikro­
arthropoden (P) Die Übungsabende beginnen - sofern nicht anders
angegeben - jeweils um 19:00 Uhr im Institut für
1 2 .0 4 .: Martina und Günther Zahrt, Berlin: Biologie/Zoologie (Johannes-Müller-Saal, Parterre,
Kurs Praktische Mikroskopie oder Ehrenberg-Saal, 1. Obergeschoss) der FU Berlin,
1 9 .0 4 .: Prof. Dr. Carl Erb, Königin-Luise-Straße 1 -3 (Eingang Hadersiebener
Augenklinik am Wittenbergplatz, Berlin: Straße 1 -3 ), 14195 Berlin.
Erkrankung der Netzhaut des Auges Die mit P gekennzeichneten Termine beinhalten ei­
Veranstaltungsort: Kleiststr. 2 3 -2 6 , Berlin nen praktischen Teil.
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20 72; 76. Limnologischer Sommerworkshop


in der Krüseliner Mühle der Feldberger Seenlandschaft
Im Jahr 2 0 1 2 fanden drei Durchgänge des Sommer­ Natürlich gehörte auch wieder der immer noch als
workshops in der Krüseliner Mühle, Feldberger polytroph anzusprechende Feldberger Haussee als
Seenplatte, statt, wobei zwei für die Studierenden Untersuchungsobjekt dazu. Gerade an dessen Beob­
und einer für einen Biologieleistungskurs der Ar­ achtung und Gesundung - insbesondere nach einer
chenhold Oberschule, Berlin, vorbereitet wurden. im Jahr 2011 erfolgten Phosphatfällung mit Alumi­
Außerdem fand ein 3-Tageskurs für Schüler Berliner niumpolychlorid - besteht ja ein besonderes Interesse
Oberschulen und Gymnasien im Juni 2 0 1 2 am Wei­ der Wissenschaftler und nicht zuletzt wohl auch der
ßen See statt. An den Sommerkursen am Krüselinsee Feldberger und ihrer Feriengäste.
haben auch wieder Dr. Georg Kubsch und PD. Dr. Und es sollte hier noch einmal zur Situation anthro­
Wolfgang Frenzel, beide Technische Universität Ber­ pogen eutrophierter Gewässer - nicht nur zum Feld­
lin, Dr. Lothar Täuscher, Institut für angewandte Ge­ berger Haussee - deutlich gesagt werden: Ein stehen­
wässerökologie, Seddin, sowie Ingeborg und Dipl. des, relativ tiefes Gewässer, das einmal gründlich mit
Biol. Wolfgang M . Richter, BO N ITO e.V., aktiv mit­ Nähr- und Schadstoffen belastet wurde, kann trotz
gewirkt. Die Studentenkurse sind eine Gemein­ größter Anstrengung, also trotz Sanierungs- und Res­
schaftsveranstaltung der aufgeführten Institute und taurierungsmaßnahmen, durchaus viele Jahre benöti­
der Arbeitsgemeinschaft B O N ITO e.V. unter Feder­ gen, um sich wieder seinem Urzustand anzunähern.
führung der Humboldt Universität Berlin. In frucht­ Es ist ja nicht damit getan, dass die Klarheit des Was­
barer Zusammenarbeit bringt jeder Mitwirkende sers für viele M onate im Jahr wieder gewährleistet
seine Erfahrungen und Kompetenzen ein, so dass ein ist, dass also die Chemie des Wassers wieder stimmt.
anspruchsvolles Programm, das bei den Teilnehmern Es müssen sich auch die Wasserpflanzen (Hydrophy­
immer gut ankommt, geboten werden kann. ten), die einst den See besiedelten, regenerieren, mög­
Die Gewässer der Feldberger Seenlandschaft, die in licherweise sich überhaupt erst einmal wieder einstel­
einem der wohl besterhaltenen Endmoränengebiete len (Abb. 1). Und Gleiches gilt für das Phyto- und
Norddeutschlands liegen, eignen sich besonders gut, Zooplankton. N icht zuletzt muss schließlich auch
um Studierende und Schüler mit den Vorgängen in der Fischbesatz nach Art und Menge wieder den Ge­
geschichteten Süßwasserseen während der Sommer­ gebenheiten des Gewässers entsprechen.
stagnation vertraut zu machen. M ehrfach wurden in Erfreulicherweise konnte 2 0 1 2 erneut festgestellt
diesem Rahmen in Gruppen von drei bis fünf Teil­ werden, dass sich die Wasserflora im Haussee, einst
nehmern Seen wie der Schmale Luzin, der Krüselin, schon fast völlig vernichtet, weiter zu erholen
der Feldberger Haussee und der nunmehr schon seit scheint. Ja , es tauchten sogar Pflanzen wie das Große
über 50 Jahren zusätzlich von BO N ITO beobachtete N ixkraut (Najas marina) auf, ein Hydrophyt, der
Scharteisensee, akribisch untersucht und bewertet. relativ hohe Ansprüche an die Wasserqualität stellt.
Das dürfte besonders darum wichtig erscheinen, weil Diese Pflanze wurde unseres Wissens früher im Feld­
damit nahtlos die laufenden Langzeituntersuchungen berger Haussee nicht gefunden.
der BO N ITO zum Sauerstoffhaushalt der Gewässer Neben der Bestimmung wichtiger physikalischer und
weitergeführt werden konnten. chemischer Parameter wurden auch biologisch-öko­

Abb. 1: Aloeblättrige Krebsschere (Stratiotes aloides) und Abb. 2: Blaualge Nostoc linckia mit Dinoflagellaten
Großer Wasserschlauch (Utricularia vulgaris). (Ceratium hirundinella) aus dem Scharteisensee.
Mikrokosmos 102, Heft 2, 2013
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Nachricht / Mikromarkt
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logische Untersuchungen durchgeführt. Nach einem stoffhaushalt eines tiefen Gewässers an, wie es mit
einführenden Vortrag von Dr. Täuscher konnten vor­ den natürlich oder anthropogen eingebrachten Nähr-
kommende M akrophyten bestimmt und das jeweils und Schadstoffen fertig wird.
gewonnene Plankton unter Anleitung mit den Hell­ Die Wiederanwendung einer schon von Czensny
feld-Mikroskopen betrachtet werden (Abb. 2). N a­ (1924) beschriebenen quantitativen Methode der
türlich galt es zuerst die Frage zu klären, ob es sich Schwefelwasserstoffbestimmung durch Titration
im aktuell untersuchten Gewässer um ein Zoo- oder nach Geruch mit einer Kupfersulfatlösung gehörte
Phytoplanktonstadium handelte. Diese Frage konnte ebenfalls zu den einfachen Analysenmethoden, die
meist schon unter Verwendung einer von BO N ITO direkt auf dem See im Boot durchgeführt wurden.
genutzten Planktonküvette auf dem Boot beantwor­ Transportfehler vermeidend, erwies sich dieses Ver­
tet werden (Richter und Glatzer, 1996). M it Hilfe der fahren als ausreichend genau.
M ikroskope ging es dann darum, wenigstens einige Grundlegende Vorträge zur Instrumentellen Analytik
der für die Gewässerzuordnung wichtigen Leitorga­ und zur Seenkunde von Dr. Wolfgang Frenzel und
nismen zu finden (Abb. 3). Dr. Georg Kubsch sowie die praktische Arbeit auf
Der traditionelle Vortrag von Dipl. Biol. Richter den Seen und im Labor wurden wieder durch das
zeigte den Teilnehmern, wie auch mit ganz einfachen Zusammensein in der Gemeinschaft, in gemeinsamer
und/oder selbstgebauten Gerätschaften aussage­ Freizeitgestaltung bei Sport und Spiel, bei Wanderun­
fähige Ergebnisse bei Gewässeruntersuchungen gen, dem Grillen und am Lagerfeuer ergänzt.
möglich sind. So spielten für BO N ITO immer die In diesem Jahr berichtete der Nordkurier über diese
Sichttiefenmessungen mit weißen und farbigen Sec- Arbeit, und auch das Fernsehen, nämlich der ndr,
chischeiben (Lichtklima) sowie das Ermitteln der Schwerin, berichtete in Wort und Bild im Format
Wasserfarben nach Forel und Ule eine wichtige Land und Leute.
Rolle. Besonders wichtig aber waren für diese ehren­ Der Dank gilt allen Mitwirkenden, nicht zuletzt auch
amtlich arbeitenden Freizeitforscher die mit einem dem Team der Krüseliner Mühle, das Unterbringung
selbst konstruierten Kolorimeter vorgenommenen und Verpflegung für die Studierenden und Schüler
Langzeituntersuchungen des im Wasser molekular gut und preisgünstig bereitstellte und viele Extra­
gelösten Sauerstoffs. N ach wie vor zeigt ja der Sauer- wünsche erfüllte.

Literaturhinweise
Czensny, R.: Eine neue Methode zur Bestimmung
des Schwefelwasserstoffs im Wasser. Mitteilungen
für die Fischerei-Vereine für Brandenburg, O st­
preußen, Pommern und für die Grenzmark 16,
3 20 (1924).
Richter, W. M ., Glatzer, M .: Eine handliche Küvette
zur Beurteilung des (Zoo-) Planktons in Gewäs­
sern. M ikrokosmos 85, 5 1 -5 3 (1996).
Rothmaler, W.: Exkursionsflora von Deutschland -
Atlas der Gefäßpflanzen. Verlag Volk und Wissen,
Berlin 1959.

Verfasser: Dipl. Biol. Wolfgang M . Richter,


BO N ITO e.V., Fichtenweg 8, 2 1 7 0 9 Himmelpforten,
und Dr. Georg Kubsch,
Humboldt-Universität Berlin,
Institut für Analytik und Umweltchemie,
Brook-Taylor-Str. 2, 12489 Berlin
E-M ail: bonitorichter@web.de und
Abb. 3: Blattfußkrebs Diaphanosoma brachyurum. georg.kubsch@chemie.hu-berlin.de

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der Autoren geht, nichts Unge­


reimtes. Vielleicht braucht es
Slonczewski, J. L., Foster, J. W.: Joan L. Slonczewski John W. Foster
heute mehr als zwei Autoren, um
Mikrobiologie - die ganze M ikrobiologie in ei­
Eine Wissenschaft mit Zukunft. nem Lehrbuch abzuhandeln. Be­
Mikrobiologie merkenswert scheint mir, dass
(Übersetzung der Eine Wissenschaft mit Zukunft sich solche Fehlleistungen in der
2. amerikanischen Auflage zweiten Auflage eines Lehrbuchs
von Hilbig, J., Jarosch, B., finden, das vom Verlag mit der
Seidler, L., Werner, O.).
■ ■ ■ 2. Auflage ^
Aussage beworben wird, es sei in
Springer Spektrum Verlag, den USA binnen zwei Jahren zum
Standard-Lehrbuch geworden.
Heidelberg 2 0 1 2 ,
W issenschaft wird von M en­
1425 Seiten,
schen gemacht und da ist es eine
940 farbige Abbildungen, gute Idee, auch ihre Protagonis­
gebunden € 79,9 5 , ten zu portraitieren, wie das in
ISBN 9 7 8 -3 -8 2 7 4 -2 9 0 9 -4 . dem Buch anhand von etwa hun­
dert Fotos getan wird. Rund 25
dieser Abbildungen zeigen euro­
päische Forscher, von denen die
meisten ihre große Zeit vor 1 9 6 0
Das Lehrbuch M ikrobiolog ie - ten nach einer M eiose Sporen
hatten. K ontem poräre M ik ro ­
Eine W issenschaft m it Z ukunft (S. 8 7 5 ; schön w är’s, dann
biologen scheinen sich dagegen
von Joan L. Slonczewski und könnte man endlich anständige
fast exklusiv in den USA zu tum­
John W. Foster wiegt um die drei Genetik mit D ictyostelium m a­
meln, und man sieht sie, wie sie
Kilo, hat gerade noch unter chen). Auf Seite 9 0 0 werden wir
etwa eine Probe nehmen oder
1 .5 0 0 Seiten, und ich kann es dann übrigens mit erhobenem
von George W. Bush mit einem
nicht mit Begeisterung empfeh­ Zeigefinger belehrt (penetrant,
Preis geehrt werden. Aber H allo!
len. das ständige B eachten S ie...),
Es gibt auch nach Koch und Pas­
Beim ersten Durchblättern macht dass der Entwicklungszyklus teur gute M ikrobiologie und gute
das Buch einen guten Eindruck - asexuell ist. Das Kapitel über die M ikrobiologen etwa zwischen
es hat alles, was man von einem Evolution des Genoms wird mit Stockholm und Bordeaux. Irgend-
modernen Lehrbuch erw artet: Dobzhanskys berühmtem D ic­ wem im deutschen Verlag muss
Eine klare Gliederung, schöne tum N ichts in der B iolog ie... diese Ohio- und O klahom a-Las­
Abbildungen, ein dickes Glossar, eingeleitet. Klar, das muss man tigkeit aufgefallen sein, und man
Übungsaufgaben, Hinweise aufs machen, aber das ursprüngliche hat wohl deshalb den fast schon
Internet sowie eine hochwertige Z itat ist von 1 9 6 4 , nicht von pathetisch wirkenden Versuch
Aufmachung. Und es behandelt 19 7 2 (S. 38 9 ). Auch wenn die gem acht, sie durch (ganz un­
das ganze Gebiet vom Ursprung Autoren seine Arbeit Biology, terhaltsame) Interviews mit
des mikrobiellen Lebens bis hin M olecular an d Organism ic nicht fünf deutschen M ikrobiologen
zur Immunologie und medizini­ gelesen haben, hätte ein Blick in (Alexander Steinbüchel, Regine
schen M ikrobiologie. Ich habe Wikipedia genügt, um das k o r­ Hengge, Franz N arberhaus, Karl
auf gut Glück ein wenig darin rekt zu datieren. Oder das K api­ Stetter, Andreas Peschel) zu
herumgeschmökert, was ich viel­ tel über die adaptive Immun­ balancieren.
leicht besser nicht getan hätte. antw ort, das die Autoren mit der Ich bezweifle, dass sich Slon-
Denn es sind mir gleich eine erfolgreichen SCID-Stam m zell- czewski/Foster schnell gegen
Reihe von ärgerlichen Fehlern Gentherapie von Adrian J. Thra- die etablierten (auch deutschen)
und Ungenauigkeiten aufgefal­ sher 2 0 0 4 einführen (S. 1036). Platzhirsche auf dem M ark t der
len. Da wird zum Beispiel von Kein W ort über die Leukämie- m ikrobiologischen Lehrbücher
den zellulären Schleimpilzen Katastrophe, die durch die erste durchsetzen werden. W ir werden
schwadroniert; ihr Entw ick­ SCID-Gentherapie durch Alain sehen, ob dies ein Lehrbuch mit
lungszyklus ließe sich mit dem Fischer 1 9 9 9 ausgelöst wurde. Zukunft ist.
von Hum anparasiten vergleichen N atürlich gibt es in den Kapiteln,
(S. 165), und die Amöben bilde­ in denen es um die Spezialgebiete Rupert M utzel, Berlin
© Elsevier GmbH. Alle Rechte vorbehalten; http://www.elsevier.de/
MIKROKOSMOS 81

? f e :______________________________________________________________________

Durch m ikrobielle A ktivität


vom Diapositiv zum Kunstwerk
Zum Schaffen des Künstlers W olfgang Ganter aus Berlin
Klaus Hausmann
Sieht man sich die Titelseite und die Bilder auf den folgenden Seiten an, mag man sich
spontan fragen: Was ist das denn? Und was hat das mit Mikroskopie zu tun? Ohne
Erklärungen wird man wohl kaum eine plausible Antwort finden. Schließlich wird
man sich auch fragen: Wer macht denn so etwas?

L
etztere Frage ist nach einem informieren­ Mein erster Kontakt mit Wolfgang Ganter er­
den Blick ins Internet schnell beantwortet: folgte vor einigen Jahren über einen M ikro­
Wolfgang Ganter ist Schöpfer dieser freund aus der Berliner Mikroskopischen Ge­
Werke. Der 1978 in Stuttgart geborene Künst­ sellschaft. Er erzählte mir von einem jungen
Künstler, den er irgendwo in Berlin kennenge­
ler lebt und arbeitet seit 200 6 in Berlin. Er stu­
dierte an der Staatlichen Akademie der Bilden­ lernt hatte und der alte Diapositive sammle,
den Künste Karlsruhe und war Meisterschüler welche er künstlerisch verfremde. Da wir - wie
bei Prof. Andreas Slominski. Der Künstler ist das Schicksal so spielt - gerade zu dem Zeit­
kein unbeschriebenes Blatt, sondern wurde be­ punkt im Institut im Rahmen diverser Auf-
reits mehrfach durch Stipendien und Preise aus­ räumaktionen einige Kästen mit alten Dias aus­
gezeichnet: 2 0 0 4 , Stipendium der Heinrich sortiert hatten, lag nichts näher, als diese an be­
Herz Gesellschaft; 2 0 0 5 , Graduiertenstipen­ sagten Künstler weiterzugeben. Ich muss sagen,
dium des Landes Baden-Württemberg und dass ich mich damals nicht so sehr intensiv mit
Preis des Förderkreises Kunst und Kultur O f­ dem Schaffen von Wolfgang Ganter ausein­
fenburg; 2 009, Residenzstipendium Schöppin­ andergesetzt habe.
gen; 2 0 1 0, Residenzstipendium Silvia und Hel­ Von da an erhielt ich immer wieder Rund-
mut Wickeleder Stiftung, Schloss Leinzell; Mails von ihm, in denen er auf seine neuen
2010/11, Residenzstipendium Cite Internatio­ Ausstellungen oder besondere Aktionen und
nale des Arts, Paris; 2 0 1 2 , Residenzstipendium Installationen aufmerksam machte. Der zün­
Wochenaufenhalter 2 0 1 2 , Bureau d’Artist, Zü­ dende Funke ist dann übergesprungen, als er
rich; 2 0 12, Kunststiftung Baden-Württemberg; mir einen Link auf ein von der Deutschen Welle
2 0 1 2 , Stiftung Kunstfonds, Bonn. Er präsen­ produziertes Video zusandte, das ein Interview
tierte seine Werke bislang in zahlreichen natio­ mit ihm zu seiner aktuellen künstlerischen T ä­
nalen wie internationalen Ausstellungen, bei­ tigkeit zum Inhalt hatte. Es ging um seine Ar­
spielsweise in Baden-Baden, Berlin, Itatoi beit an den Dias, wobei er offenbar zur Trans­
(Japan), Karlsruhe, Kopenhagen (Dänemark), formation (im Grunde genommen Zerstörung)
Leinzell, Oaxaca (M exiko), San Francisco der Vorlagen sich die Tätigkeit von Bakterien
(USA), Stockholm (Schweden), Tokyo (Japan) zu Nutze macht.
und Vlissingen (Holland). Offenbar ist er in der
Kunstszene eine bekannte Erscheinung. Hinterarundinformationen zur Erstellung
der Bilder
Erste Kontakte Zu dem Zeitpunkt war mir allerdings immer
Wie kommt eine solche Persönlichkeit in den noch nicht so ganz klar, inwieweit bei seiner
M IK RO K O SM O S? Wo sind die Querverbin­ Arbeit das Mikroskop eine wesentliche Rolle
dungen? spielt, wie er sagte. Das wurde mir schlagartig

Mikrokosmos 102, Heft 2, 2013


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82 K. Hausmann © Elsevier GmbH. Alle Rechte vorbehalten; http://www.elsevier.de/

Abb. 1: Der Künstler in seinem Atelier mit einigen seiner großformatigen Kreationen

bei einem Besuch in seinem Atelier in Berlin Eine neue Kunstrichtung: Bakterialität
Wedding klar. Hier sah ich nämlich seine Kunst­ Weg von der handwerklichen, hin zur künstle­
werke in ihrer Originalgröße, in Meterdimen­ rischen Facette der Bildwerke: Welche Rolle
sionen (Abb. 1). Und das in einer unglaublichen spielen die Bakterien? Was geht wirklich an den
Auflösung, die mit keinem konventionellen Dias vor? Welche Rolle spielt der Künstler?
Dia-Scanner erzielen werden kann. Das lässt Dazu kann man eigentlich nur konstatieren,
sich nur über den Weg der mikroskopischen Fo­ dass alles recht mysteriös ist. Denn weder die
tografie verwirklichen. Das gesamte Dia wird eingesetzten Bakterienarten sind bekannt, noch
nämlich bei relativ schwacher Vergrößerung - das, was sie mit den Diaschichten im Detail an­
aber erheblich höherer Auflösung als beim Dia- stellen und erst recht nicht, welchen Einfluss
Scanner - in Hunderte von Einzelfotos zerlegt, der künstlerisch agierende Mensch Wolfgang
die anschließend per Computer unter Anwen­ Ganter bei diesem Prozess nimmt.
dung eines konventionellen Stitching-Pro- Diese Fragen kann ich in diesem Bericht nicht
gramms wieder zu einem Bild vereinigt werden. beantworten. So ist es wohl am besten, sich ein­
Das ermöglicht Wolfgang Ganter dann, mit fach ein paar der Kunstwerke, die kürzlich un­
Hilfe eines professionellen Pigmentdruckers ei­ ter dem Thema Bakterialität ausgestellt wur­
nige Quadratmeter große Bilder auszuplotten. den, anzuschauen und sie auf sich wirken zu
Im nächsten Schritt wird das Bild auf einen lassen.
Holzkasten aufgebracht und schließlich mittels Das Ergebnis der bakteriellen Veränderungen
eines vom Künstler entwickelten Verfahrens mit von Diapositiven ist derartig vielfältig und fa­
einer glasklaren Kunststoffoberfläche versiegelt. cettenreich, dass es mir nicht möglich ist, einen
Das Ergebnis ist einfach überwältigend. auch nur halbwegs repräsentativen Querschnitt
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Abb. 2: Oben: Eindrückliche Farbverfremdungen bei weitgehend erhaltener Bildaussage.


Unten: Bildtransformation in der Art, dass man den Eindruck hat, es sei eine neue Ebene ins Bild eingezogen
worden.
84 K. Hausmann © Elsevier GmbH. Alle Rechte vorbehalten; http://www.elsevier.de/

Abb. 3: Die Bakterienaktivität lässt ein neues, abstraktes Bild mit ausdrucksstarken Formen und Farben entstehen.

der Resultate des Ganter’schen mikrobiellen kennen lassen. Es ist ein neues, abstraktes Bild
Schaffens zusammenzustellen. Und so folgen ei­ mit ausdrucksvollen Farb- und Formkomposi­
nige wenige Bildbeispiele, die mich persönlich tionen entstanden (Abb. 3). Zwischen den hier
sehr beeindruckt haben. Interessierte können aufgezeigten Beispielen gibt es eine ungeheuer
auf seiner Homepage mehr seiner Kunstwerke große Vielfalt an Modifikationen und Alterna­
finden (www.wolfgangganter.de). tiven.
Zunächst gibt es bei weitgehendem Erhalt der Da bei der Entstehung dieser Kunstwerke das
Bildaussage starke Veränderungen in der Inten­ Wirken der Bakterien und das des Künstlers
sität der Farben (Abb. 2a). Das ist noch am weitgehend unklar oder unbekannt sind, dürfte
ehesten nachvollziehbar. Die verschiedenen, am eine Reproduzierbarkeit der Effekte ausge­
Aufbau eines Farbdiafilmes beteiligten jeweils schlossen sein. Jedes einzelne, bearbeitete Dia
monochromen Schichten bleiben in diesem Fall ist ein absolutes Unikat. Das von mir als Gale­
offenbar in ihrer Position unangetastet, werden rie-Bild ausgewählte Werk erhielt vom Künstler
nur in ihren Intensitäten verstärkt, so dass im den Titel ohne titel (Zeitenwende).
Extremfall sogar neue Farben entstehen. Dieses Es erinnert sehr an ein Gemälde von Turner
ist bei einem anderen Bild offenbar nicht ganz oder Monet.
so der Fall. Aber eine oder mehrere Schichten Eine Weiterentwicklung der künstlerischen
sind bei gleichzeitig farblicher M odifikation so Auseinandersetzung mit dem Ausgangsmaterial
in ihrer Struktur verändert, dass man den Ein­ liegt vor, wenn Ganter auf ein bakteriell verän­
druck hat, es sei in das Bild eine neue Ebene mit dertes Diapositiv beispielsweise reale Insekten­
neuen Strukturen eingezogen worden (Abb. flügel aufbringt und somit ein Wesen entstehen
2b). Schließlich gibt es als Resultat der Bakte­ lässt, das es auf dem Ursprungsdia nicht gibt
rienaktivität Darstellungen, die nichts mehr (Abb. 4). M an darf gespannt sein, wie sich die­
von der ehemaligen Bildaussage des Dias er­ ser Ansatz künftig weiterentwickelt.
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Galerie-Bild: ohne titel (Zeitenwende).


86 Nachricht © Elsevier GmbH. Alle Rechte vorbehalten; http://www.elsevier.de/

Abb. 4: Flugfleck nennt der Künst­


ler dieses Bild.

Wat den eenen sin Uhl,


is den annern sin Nachtigall
Dieser plattdeutsche Spruch
charakterisiert treffend die
Situation, in der wir uns bei
den Kunstwerken von Wolf­
gang Ganter befinden. Denn
auf der einen Seite gibt es
den von der analogen Foto­
grafie wohlbekannten und
gefürchteten Bakterienfraß.
Das ist die Erscheinung, dass
bei unsachgemäßer, bei­
spielsweise feuchter Lage­
rung vornehmlich die Gelatineschicht von Ne­ ten Wohnbereich irgendwo eine so große
gativen oder Positiven irreparabel zerstört Wand, um einen vollformatigen Ganter wir­
wird. Das möchte kein Fotoschaffender erleben kungsvoll zur Schau stellen zu können. Aber
müssen. Das ist ein Gräuel. leider verfüge ich in meiner Wohnung nicht
Genau das Gegenteil liegt bei Ganters Kreatio­ über eine derartige Halle.
nen vor. Er setzt den Bakterienfraß, also die
bakterielle Zerstörung, oder nennen wir es po­
sitiver, die bakterielle Transformation von Dia­ Verfasser:
positiven, zunehmend gezielt für sein künstleri­ Prof. Dr. Klaus Hausmann,
sches Schaffen ein. Das ist ein in meinen Augen Freie Universität Berlin,
Institut für Biologie/Zoologie,
innovativer Ansatz, den zu verfolgen es sich Königin-Luise-Straße 1 -3 ,
lohnt. Ich wünschte, ich hätte in meinem priva­ E-M ail: hausmann@zedat.fu-berlin.de

Ankündigung: Hiddensee-Exkursion 2013


Wolfgang Bettighofer konnte mit der Biologischen Anmeldungen können ab sofort Wolfgang Bettighofer
Station Hiddensee bereits einen neuen Besuchstermin zugesandt werden.
für 2013 ausmachen. Von Samstag, den 5. 10., bis E-M ail: wolfgang.bettighofer@gmx.de
Sonntag, den 13 .1 0 .2 0 1 3 , steht die Station mit ihrem Postadresse: Rutkamp 64, 24111 Kiel
Kursraum und den Übernachtungsbungalows wieder Gäste sind herzlich willkommen.
für eine Exkursion der Mikroskopiker zur Verfügung. Redaktion M IK R O K O SM O S
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MIKROKOSMOS 87

Die Desmidiaceen-Gattung Euastrum


Rupert Lenzenweger und W olfgang Bettighofer

Im zweiten Teil der Desmidiaceen-Reihe soll die Gattung Euastrum vorgestellt werden.
Die Abgrenzung dieser Gattung gegenüber den Gattungen Cosmarium und Micra­
sterias ist im Grunde genommen nicht immer klar und deutlich, denn morphologisch
bestehen durchaus fließende Übergänge zwischen diesen drei Gattungen.

ls mehr oder minder spezifische M erk­ nen Hochlagen. Die Arten sind somit dem

A male könnten sowohl die in breite


Lappen unterteilten Zellhälften als
auch ein jeweils unterschiedlich tiefer Ein­
schnitt in der Mitte der Endlappen angesehen
arktisch-alpinen Florenbereich zuzuordnen.
Die Gattung umfasst sehr viele Arten, so dass
wir uns bei diesen Zieralgen-Steckbriefen auf
die am häufigsten vorkommenden und auch
werden, wobei Letzterer vielfach aber auch nur am weitesten verbreiteten Vertreter beschrän­
als flache Einkerbung oder Einbuchtung ausge­ ken müssen.
prägt ist und daher auch wiederum nur bedingt
als Gattungsmerkmal zu beurteilen ist. Die
Gattungsabgrenzung erfolgt in gewisser Weise Literaturhinweise
recht willkürlich, und einige Euastrum -Arten Förster, K.: Das Phytoplankton des Süßwassers: Sys­
könnten zum Beispiel auch der Gattung Cos- tematik und Biologie. Conjugatophyceae, Zygne-
matales und Desmidiales. In: Huber-Pestalozzi,
marium zugeordnet werden. Diese Unklarheit G. (Hrsg.): Die Binnengewässer Bd. X V I, Teil 8,
führt auch dazu, dass eine spontane Gattungs­ 1. Hälfte. Schweizerbart’sche Verlangsbuchhand-
beurteilung eines Fundes zunächst einmal Pro­ lung, Stuttgart 1982.
bleme bereiten kann. Krieger, W.: Die Desmidiaceen Mitteleuropas mit
Berücksichtigung der außereuropäischen Arten.
Die Größen der Zellen bewegen sich in einem Dr. L. Rabenhorst’s Kryptogamenflora Deutsch­
Bereich zwischen 15 pm und 200 pm. Die Zell­ lands, Österreichs und der Schweiz. Akademische
wand ist zart porös, oftmals auch mit einer Verlagsgesellschaft, Leipzig 1933, 1935, 1937 und
1939.
oder mehreren größeren Mittelporen, und an Lenzenweger, R.: Desmidiaceenflora von Österreich,
der Zelloberfläche sind oft artspezifisch sym­ Teil 1, Bibliotheca Phycologica Bd. 101. J. Cramer,
metrisch angeordnete, wulstartige Erhebungen Berlin 1996.
Lenzenweger, R., Bettighofer, W.: Micrasterias - Die
vorhanden.
Stars unter den Zieralgen. Mikrokosmos 101,
Ihre ökologischen Ansprüche sind im Wesent­ 3 0 0 -3 0 1 (2012).
lichen wie die zur Gattung Micrasterias bereits Ralfs, J.: The British Desmidieae. Reeve, Benham
beschriebenen (Lenzenweger und Bettighofer, and Reeve, London 1848.
Ruzicka, J.: Die Desmidiaceen Mitteleuropas, Band
2012). Mehrere Arten sind typische Besiedler 1, 2. Lieferung. Schweizerbart’sche Verlagsbuch­
von Hochmoorschlenken (beispielsweise Eu- handlung, Stuttgart 1981.
astrum insigne ); andere wiederum sind in
unterschiedlichen Biotopen weit verbreitet
(zum Beispiel Euastrum oblongum ) und daher
auch häufiger zu finden. Es gibt aber auch aus­ Verfasser: Prof. Rupert Lenzenweger,
gesprochene Raritäten, von denen in M ittel­ Schloßberg 16, 4 9 1 0 Ried/Innkreis, Österreich
E-M ail: prof.r.lenzenweger@aon.at und
europa bisher nur ganz wenige Fundstellen Wolfgang Bettighofer,
bekannt sind. Diese liegen insbesondere in alpi­ Rutkamp 64, 241 1 1 Kiel

Mikrokosmos 102, Heft 2, 2013


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88 R. Lenzenweger und W. ©Bettighofer
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Doßa3oeJaocQ®m^80©3[ii[bD-mO _

Tafel 5: Gattung Euastrum (I)


Euastrum ansatum Ralfs Euastrum gemmatum (B reb .) B reb . e x Ralfs

Dimensionen: 7 5 -8 5 pm x 3 5 -4 5 pm. Dimensionen: 5 5 -6 0 pm x 4 5 -5 0 pm.


Vorkommen: In sauren und mäßig sauren Ge Vorkommen: Vereinzelt in schwach sauren
wässern aller Art weit verbreitet und häufig. Moorgewässern; wird als gefährdet eingestuft.

Euastrum crassum (B reb .) K ütz. Euastrum germanicum (S c h m ie d le ) K rieger

Dimensionen: 1 5 0 -1 9 0 pm x 7 5 -9 0 pm. Dimensionen: 5 5 -6 0 pm x 4 0 -5 0 pm.


Vorkommen: Diese Art ist weit verbreitet und Vorkommen: In unbelasteten Teichen und Au­
charakteristisch für saure Moorgewässer, mit­ gewässern, eher selten; gilt als stark gefährdet.
unter massenhaft. Vielen Dank an Angie Opitz
(St. Ulrich am Pillersee, Österreich) für das Foto.

Rupert Lenzenweger, Ried, und Wolfgang Bettighofer, Kiel


Desmidiaceen-Steckbrief
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IJ)®ßmjo(Llo3G®&m^0O&3[h[b[}m(J
Tafel 6: Gattung Euastrum (II)
Euastrum humerosum Ralfs Euastrum intermedium C leve

Dimensionen: 1 2 0 -1 4 0 pm x 6 5 -7 0 pm. Dimensionen: 7 0 -8 0 pm x 3 5 -4 5 pm.


Vorkommen: In Nieder- und Zwischenmooren Vorkommen: Als Säure liebende Art in Hoch­
häufig und weit verbreitet. mooren, wenig verbreitet, eher selten.

Euastrum insigne H a s s , e x Ralfs Euastrum oblongum (G rev .) Ralfs e x Ralfs

Dimensionen: 1 1 0 -1 3 0 pm x 5 0 -6 9 pm. Dimensionen: 1 5 0 -1 8 0 pm x 6 5 -8 5 pm.


Vorkommen: Allgemein verbreitete Charakter­ Vorkommen: In Mooren, Feuchtwiesen, Ver­
art für saure Hochmoorgewässer, meist zwi­ landungszonen von Seen und sonstigen unbela­
schen Torfmoosen. Vielen Dank an Angie steten Gewässern allgemein verbreitet; recht
Opitz (St. Ulrich am Pillersee, Österreich) für anpassungsfähige Art.
das Foto.

Rupert Lenzenweger, Ried, und Wolfgang Bettighofer, Kiel


90 R. Lenzenweger und W. ©Bettighofer
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ö@ SBJDG]a3G@ @ m °0ÖS3& £)ffö© i?

Tafel 7: Gattung Euastrum (III)


Euastrum sinuosum Le n o r m ex A rcher Euastrum ventricosum Lu n d ell

Dimensionen: 7 0 -8 0 pm x 3 5 -4 0 pm. Dimensionen: 1 0 0 -1 2 0 pm x 5 5 -7 0 pm.


Vorkommen: In unterschiedlichen, mäßig sau Vorkommen: In feuchten Hochmoorbereichen
ren Tümpeln von M ooren und Verlandungs- zwischen Torfmoosen, wenig verbreitet.
zonen verbreitet.

Euastrum turneri W est Euastrum verrucosum Eh r . ex Ralfs

Dimensionen: 3 5 -4 0 pm x 2 5 -3 0 pm. Dimensionen: 8 0 -1 1 0 pm x 7 0 -9 0 pm.


Vorkommen: Gelegentlich in mäßig sauren Vorkommen: Als azidophile Alge in Hochmoo­
Moorgewässern und Uferzonen von Moorseen, ren und sonstigen sauren Moorbereichen ver­
wenig verbreitet. Vielen Dank an Angie Opitz breitet.
(St. Ulrich am Pillersee, Österreich) für das Foto.

Rupert Lenzenweger, Ried, und Wolfgang Bettighofer, Kiel


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MIKROKOSMOS 91

Aquatische Einzeller genauer unter die Lupe


genommen
Teil 2: Radiolarien
Robert Sturm
Radiolarien sind ausschließlich im Meer lebende, einzellige Organismen, deren Be­
sonderheit in der Ausbildung eines internen Skeletts aus amorpher Kieselsäure
(H4Si04) besteht. Bereits der deutsche Naturforscher Ernst Haeckel (1834-1919)
setzte sich intensiv mit diesen Kunstformen der Natur auseinander und veröffentlichte
zwischen 1860 und 1887 mehrere Radiolarien-Monografien, in denen er Interessen­
ten einen detaillierten Einblick in den Mikrokosmos dieser Einzeller gewährte. Radio­
larien stellen aus paläontologischer Sicht bedeutende Fossilien dar, welche bis in das
Kambrium (570-505 Mio. Jahre) zurückdatieren. Im folgenden Beitrag soll ein kurzer
biologischer, ökologischer und mikroskopischer Abriss dieser faszinierenden Lebe­
wesen gegeben werden.

adiolarien, deren Bezeichnung erstmals planktische (Zeit ihres Lebens als Plankton

R von Joseph Meyer im frühen 19. Jah r­


hundert gebraucht wurde und übersetzt
Strahlentierchen bedeutet, sind marine, holo-
agierende) Protozoen, welche sich sowohl der
solitären Lebensweise (als einzelne Individuen)
als auch der Bildung von Kolonien angenom­

Abb. 1: a Gehäuseform und innerer Aufbau der Spumellaria. b Gehäuseform und Gehäusemorphologie der
Nassellaria.
Mikrokosmos 101, Heft 2, 2012
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men haben. Die Geschichte der Radiolarien- Obgleich es sich bei Radiolarien lediglich um
Forschung ist untrennbar mit dem Naturfor­ einzellige Organismen handelt, können sie als
scher Ernst Haeckel (1 8 3 4 -1 9 1 9 ) verbunden, ziemlich komplexe, für die Wissenschaft an­
der die Einzeller anhand zahlreicher selbstge­ spruchsvolle Lebewesen betrachtet werden. Ihr
fertigter Zeichnungen dokumentierte und der Zellkörper wird durch die so genannte Zentral­
Nachwelt ein an Detail kaum zu iibertreffen- kapselmembran, welche aus organischem M a­
des, systematisches Werk hinterließ. Das Pro­ terial besteht und zahllose Poren enthält, in
benmaterial für Haeckels Forschung stammte das innere Endoplasma und das äußere Ekto-
größtenteils von der zwischen 1873 und 1876 plasma gegliedert. Das Endoplasma erweist
unternommenen Challenger-Expedition zur Er­ sich als optisch dichtes Medium, das alle wich­
kundung der Weltmeere. Die damals einge­ tigen Zellorganellen enthält, wohingegen das
führte Systematik dieser Einzeller hat bis zum Ektoplasma ein weniger dichtes, blasiges M e­
heutigen Tage im Wesentlichen ihre Gültigkeit dium mit großen Vakuolen und strahlen­
behalten. Im 20. Jahrhundert erfuhr die wissen­ ähnlichen Axopodien beziehungsweise Rhizo-
schaftliche Auseinandersetzung mit Radiola- podien darstellt (Abb. 1; Lehmann und Hillmer,
rien vor allem durch das in den 70er Jahren 1988). Radiolarien ernähren sich hauptsächlich
eingeleitete „Deep Sea Drilling Program“ einen von anderen Vertretern des Zooplanktons, aber
ungeheuren Aufschwung, wurde man sich hier­ auch von Phytoplankton und feinen organi­
bei doch des riesigen Formenreichtums dieser schen, im Wasserkörper schwebenden Partikeln
Tiergruppe bewusst. Schon in den 1950er Jah ­ (Detritus). Zur Nahrungsaufnahme nutzen
ren war es dem Paläontologen William R. Rie­ sie ähnlich wie die Foraminiferen ihre pseudo-
del gelungen, die Evolution der Radiolarien podialen Fortsätze. Viele Arten beherbergen
und deren Wert für die Biostratigrafie hervor­ endosymbiontische Algen, wodurch sich ihr
zuheben (Riedel, 1953, 1957). Verbreitungsmaximum in der photischen Zone

Biologie und Ökologie der Radiolarien


Aus systematischer Sicht wurden Radiolarien in
der Unterklasse der Radiolaria zusammen­
gefasst, welche gemeinsam mit den Unterklas­
sen der Heliozoa (Sonnentierchen) und Acan-
tharia der Klasse der Actinopoda zugeordnet
wurde. Aktuelle molekular-phylogenetische Un­
tersuchungen weisen jedoch darauf hin, dass so­
wohl die Actinopoda als auch die Heliozoen
und die Radiolarien keine monophyletischen
Taxa sind (Adl et al., 2013). Innerhalb des
bisherigen Taxons Radiolaria sind zwei Ord­
nungen zu unterscheiden: Die Phaeodaria oder
Tripylea weisen dahingehend eine Besonderheit
auf, dass dem Skelettopal auch organische
Stoffe beigemengt sind und dieser sich zudem
durch hohle, im Meerwasser leichter lösliche
Elemente auszeichnet. Die Ordnung der Poly-
cystina enthält fast sämtliche fossilen Radio­
larien und ist durch massive Opalskelette
ohne organische Beimengungen charakterisiert,
was deren weit verbreitete Konservierung in Ge­
steinsschichten zur Folge hatte. Die Polycystina
lassen sich in die beiden rezenten Unterordnun­
gen der Spumellaria und Nasselaria sowie
die beiden bislang nur fossil bekannten Unter­ Abb. 2: Verschiedene planktische Radiolarien nach
ordnungen der Entactinaria und Albaillellaria den Beobachtungen des Naturforschers Ernst Haeckel
untergliedern (Lehmann und Hillmer, 1988). (aus Haeckel, 1889-1 904).
Aquatische©Einzeller genauer
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vorbehalten; Lupe genommen —Teil 2: Radiolarien 93

befindet. Sie werden aber grundsätzlich in allen produzieren sich durch asexuelle Teilungsvor­
Wassertiefen angetroffen, wobei für die einzel­ gänge, während die sexuelle Fortpflanzung bis­
nen Tiefen charakteristische Artengruppen an­ lang noch keine sichere Bestätigung gefunden
gegeben werden können. Das teils komplex hat. Man nimmt jedoch an, dass manche Arten
strukturierte Skelett der Radiolarien verfolgt zur Gametogenese befähigt sind, welche im
wohl im Wesentlichen den Zweck eines Auf­ zentralen Endoplasma stattfindet. Nach Frei­
triebskörpers, der es den Organismen gestattet, setzung von begeißelten Keimzellen (Gameten)
ihre Aufenthaltstiefe autonom zu regulieren. kommt es aller Wahrscheinlichkeit nach zu
Ob das Skelett auch als Schutz vor Fressfeinden einem Rekombinationsprozess, der in der Bil­
dient, lässt sich bislang nicht mit Sicherheit dung einer diploiden Zygote aus den haploiden
sagen. Einzelne Skelettelemente werden in einer Gameten und dem Heranwachsen eines Adult­
spezifischen Schicht des Cytoplasmas, der organismus resultiert. Interessante Aspekte las­
Cytokalyamma, gebildet. sen sich die Lebensdauer der Radiolarien be­
Der Lebenszyklus der Radiolarien erweist sich treffend vermerken: Diese beträgt im Mittel
als wesentlich unspektakulärer im Vergleich zu lediglich zwei Wochen und reicht dabei von we­
jenem der Foraminiferen. Die Organismen re­ nigen Tagen bis zu einigen Wochen.

Abb. 3: Wichtige planktische


Radiolarien.
1 Auxoprunum stauraxonium
(Länge 280 [jm),
2 Euchitonia furcata
(Länge 170 pm),
3 Lamprocyclas maritalis
(Länge ca. 200 |_im),
4 Lamprocyclas maritalis
(Länge 150 pm),
5 Pterocanium praetaxum
(Länge ca. 170 pm),
6 Actinomma sp. (Länge 190 pm).
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Paläontologische Bedeutung der Radiolarien und im darauffolgenden Mesozoikum in Er­


scheinung traten. Im späten Paläozoikum
Das erstmalige Auftreten der Radiolarien ist unterlag die Organismengruppe einer sukzessi­
für das späteste Präkambrium beziehungsweise ven Abnahme der Artenvielfalt und erst gegen
früheste Kambrium dokumentiert, wobei Ende der Jura (1 6 0 -1 2 0 M io. Jahre) erfolgte
diese frühen Vertreter der Einzeller wohl auf wiederum eine rasche Diversifikation, welche
seichte Gewässer beschränkt blieben. Im Silur im Zusammenhang mit der Artenvermehrung
(4 6 0 -4 1 0 M io. Jahre) kam es wahrscheinlich der Dinoflagellaten, der hauptsächlichen Nah­
zur Entwicklung von Tiefwasserformen. All rungsquelle der Radiolarien, zu sehen ist. Ab
diese frühen Radiolarien waren der Ordnung der Kreidezeit ist die Radiolarien-Evolution
der Spumellaria zugehörig, während die Nas­ durch einen Konkurrenzkampf mit den Diato­
sellaria erst im Karbon (3 6 0 -2 8 0 M io. Jahre) meen um die begehrte, Skelett erzeugende

Abb. 4: Wichtige planktische


Radiolarien.
1 Anthrocyrtidinium oriphense
(Länge 350 pm),
2 Alievium superbum
(Durchmesser 270 pm),
3 Lychnocaloma elongata
(Länge ca. 300 pm),
4 Halesium triacanthum
(Durchmesser 250 pm),
5 Pseudodictyomitra pseudo-
macrocephala
(Länge ca. 200 pm),
6 Ultronapora cretacea
(Länge 240 pm).
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Kieselsäure gekennzeichnet, welcher von dieser der Vergrößerung (1 0 0 -1 .OOOfach) mikrosko­


Zeit an zur Ausbildung feinerer und weniger piert.
robuster Skelette führte. Wesentlich bessere Ergebnisse lassen sich frei­
Die Zusammensetzung der Radiolarien-Ske- lich mit Hilfe der Rasterelektronenmikroskopie
lette aus Kieselsäure hat zur Folge, dass diese erzielen. Dabei werden ausgewählte Skelette
nach dem Absterben der Tiere unterhalb der der Einzeller zunächst einer ausgedehnten Rei­
Karbonatkompensationstiefe (ca. 4 .000 Meter) nigungsprozedur (z.B. in Alkohol) unterzogen
zur Deposition gelangen können, was noch und danach einzeln auf dem Objektträger fi­
heute in entsprechenden Breiten in der Bildung xiert. Nach der Bedampfung mit Kohlenstoff
von Radiolarien-Schlämmen resultiert. Die ge­ und Gold erfolgt die mikroskopische Arbeit
steinsbildende Bedeutung der Radiolarien unter Verwendung von Beschleunigungsspan­
zeigt sich vornehmlich im Auftreten so genann­ nungen des Elektronstrahls zwischen 15 und
ter Radiolarite, welche überwiegend aus Radio- 20 kV.
larien-Skeletten bestehen und teilweise mit ter-
rigenen Sedimenten vermischt sind, was in
Ausnahmefällen für ihre Entstehung im Seicht­ Beispiele w eit verbreiteter benthischer und
wasser spricht. planktischer Radiolarien
Unter jenen zur Gruppe der Spumellaria zäh­
Präparation und Mikroskopie von Radiolarien lenden Radiolarien sollen hier Auxoprunum
stauraxonium (Abb. 3/1), Actinomma sp.
Die mikroskopische Präparation von Gesteins­ (Abb. 3/6) und Alievium superbum (Abb. 4/2)
proben mit signifikantem Gehalt an Radio­ einer besonderen Erwähnung unterzogen wer­
larien darf als eine Wissenschaft für sich be­ den. Während die ersten beiden Arten aus pa-
zeichnet werden und entzieht sich dadurch den läontologischer Sicht dem Känozoikum zuzu­
Fähigkeiten der meisten Hobbymikroskopiker. ordnen sind, also als Leitfossilien jüngerer
Alle Aufbereitungsmethoden sind mit der Ver­ Sedimentschichten gelten, ist letztgenannte Art
wendung giftiger Substanzen und spezieller, das bereits in Gesteinen des Erdmittelalters anzu­
Normalbudget sprengender Ausrüstungsgegen­ treffen und weist demnach eine größere geolo­
stände verbunden. Zur Erzielung bestmöglicher gische Reichweite auf. Die hinsichtlich ihrer
Resultate bietet es sich an, das Probenmaterial triaxialen Form besonders ins Auge fallende
von unerwünschten Ingredienzien (z. B. Kalk­ Spezies Euchitonia furcata verfügt über jenes
schaler) zu befreien und demzufolge in schwa­ feinporöse Silikatgerüst, wie es für die Radiola­
cher (z.B. 10%iger) Flusssäure (HF) zu wa­ rien kennzeichnend ist (Abb. 3/2); ihr Auftreten
schen, wofür unbedingt die Verwendung von ist ebenfalls für die Erdneuzeit bezeugt. Als Bei­
Kunststoffgefäßen, eines Abzuges und entspre­ spiele von zur Gruppe der Nassellaria zählen­
chender Schutzkleidung angesagt sind. Alter­ den Arten seien hier stellvertretend die Spezies
nativ zur Behandlung der gesamten Probe mit Lam procyclas maritalis , Pterocanium praeta-
Flusssäure ist es auch möglich, einzelne Radio- xum, Anthrocyrtidinium oriphense, Lychnoca-
larien-Skelette mittels starker Säuren aus dem loma elongata, Pseudo dictyomitra pseudom a-
Gestein herauszuätzen. croce-phala und Ultranapora cretacea (Abb.
Da Radiolarien in der Regel wesentlich kleiner 3/3, 4, 3/5, 4/1, 4/3, 4/5, 4/6) genannt. All diese
als Foraminiferen sind, ist zu deren genauerer Arten zeichnen sich durch ihre glockenförmige
Beschreibung eine weit über das Hobbymikro­ Grundgestalt und die Fortsätze unterschied­
skop hinausreichende Gerätschaft notwendig. licher Länge aus. Lediglich die beiden letzt­
Für Untersuchungen unter dem Lichtmikro­ genannten Spezies können bis in die obere Krei­
skop empfiehlt sich die Herstellung von Streu­ dezeit zurückverfolgt werden und erlauben
präparaten, wie sie vom Autoren bereits mehr­ somit die Dokumentation einer etwa 75 M illio­
fach bei anderer Gelegenheit beschrieben nen Jahre langen geologischen Zeitspanne. Zu­
wurde (z.B. Sturm, 2 0 0 5 , 2006). Die vorsor­ letzt sei noch auf Halesium triacanthum hinge­
tierten Radiolarien-Skelette werden auf einen wiesen, die ähnlich wie Echitonia furcata über
mit hoch lichtbrechendem Medium (z. B. Ka­ eine trigonale Symmetrie verfügt (Abb. 4/4).
nada-Balsam) versehenem Glasobjektträger Auch diese Art tritt erstmals in geologischen
aufgestreut, eingedeckelt und bei entsprechen­ Schichten der oberen Kreidezeit auf.
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Literaturhinweise Lehmann, U., Hillmer, G.: Wirbellose Tiere der Vor­


zeit. Enke-Verlag, Stuttgart 1988.
Riedel, W. R.: Mesozoic and late tertiary Radiolaria
Adl, M . S., Simpson, A. G., Lane, Ch. E., Lukes, J., of Rotti. J. Palaeontol. 27, 8 0 5 -8 1 3 (1953).
Bass, D., Bowser, S. S., Brown, M ., Burki, E , Dun- Riedel, W. R.: Radiolaria: a preliminary stratigraphy.
thorn, M ., Hampl, V., Heiss, A., Hoppenrath, M ., In: Pettersson, H. (ed.): Reports of the Swedish
Lara, E., leGall, L., Lynn, D. H ., M cM anus, H., Deep-Sea Expedition 1 9 4 7 -4 8 , Vol. 6, 59 -9 6 (1957).
Mitchelll, E. A. D., Mozley-Stanridge, S. E., Par- Sturm, R.: Kombinierte Schnitttechniken zum mikro­
frey, L. W., Pawlowski, J ., Rueckert, S., Shadwick, skopischen Studium des Wachstums magmatischer
L., Schoch, C., Smirnov, A., Spiegel, E W.: The re- Kristalle. M ikrokosmos 94, 2 4 7 -2 5 3 (2005).
vised classification of eukaryotes. J. Euk. M icro- Sturm, R.: M ikroskopischer Einblick in die Formen­
biol. 59, 4 2 9 -4 9 3 (2012). vielfalt magmatischer Kristalle am Beispiel des ak­
Haeckel, E.: Kunstformen der Natur. Verlag des zessorischen Zirkons. Mikrokosmos 95, 2 1 3 -2 1 8
Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien (2006).
1 8 9 9 -1 9 0 4 .
Hausmann, K.: Verborgene Schönheiten der Welt­ Verfasser: M ag. mult. Dr. Robert Sturm,
meere - Radiolarien. M ikrokosmos 100, 2 3 2 -3 4 0 Brunnleitenweg 41 , 5061 Eisbethen, Österreich,
( 2011 ). E-Mail: Robert.Sturm @sbg.ac.at

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Bruno P. Krem er
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hin zur Stereolupe. Das Equip­ Kristalle, Körner), Kleintieren (in Was­ Objekte für eigene Etüden.
ment ist mithin kind- und an­ sertropfen und Laubstreu, an Bach M an sollte sich diesen reich
fängergerecht, die ausgewähl­ und Strand) sowie weiteren versteck­ bestückten Katalog mit seinen
ten Beispiele sind bildlich eine ten Welten (Moos und Farn, Blatt und naturkundlichen Hinguckern
Augenweide, aber sachlich al­ Blüte, Frucht und Same) bekannt. und (fast schon lehrbuchmäßi­
lerdings bisweilen kein Kinder­ Griffige Kapitelüberschriften und blit­ gen) Informationen nicht ent­
spiel! Auf seiner Reise in die zender Sprachwitz machen die Lektüre gehen lassen.
Welt zwischen realer Wahrneh­ auch in diesem BPK-Vademecum zum
mung und m ikroskopischer Vergnügen; in der Sache geht es immer Erich Lüthje, Kiel
MIKROKOSMOS © Elsevier GmbH. Alle Rechte vorbehalten; http://www.elsevier.de/
97

Die Schwestergruppe der Landpflanzen


W olfgang Bettighofer
ln der Biowissenschaft gibt es seit längerem Konsens darüber, dass sich die Land­
pflanzen aus Grünalgen entwickelt haben, und zwar aus jenem Teil, welcher als
Streptophyta bezeichnet wird. Die interessante Frage nach den nächsten Verwandten
der Landpflanzen innerhalb der Streptophyta wurde lange Zeit mit Charales beant­
wortet, der Linie, zu welcher die Armleuchteralgen gehören. Die Erkenntnisse der
letzten zehn Jahre brachten Bewegung in diese Angelegenheit. Die Charales sind nun
nicht mehr erste Kandidaten der Schwesternschaft zu den Embryophyten, wie die
Landpflanzen in der Botanik auch bezeichnet werden. Es ist eine andere Algen­
gruppe, die unter Mikroskopikern sehr viele Freunde hat.

evor dies näher betrachtet wird, soll ein (= Eukaryoten) geführt. Die phylogenetische

B Exkurs in die Stammbäume der Lebe­


wesen das Umfeld der Streptophyta be­
leuchten. Viele Jahrhunderte lang unterschied
die Biologie lediglich zwei Großgruppen: Pflan­
Systematik ist bestrebt, neue Großgruppen zu
definieren, die monophyletisch sind. Das be­
deutet: Alle enthaltenen Arten stammen jeweils
aus einer gemeinsamen Abstammungslinie.
zen und Tiere. Innerhalb dieser Systematik ge­ Koonin (2010) gibt den Kenntnisstand folgen­
hörten alle Algen und Bakterien zweifellos zu dermaßen wieder (Abb. 1):
den Pflanzen. Im Laufe des letzten Jahrhun­ Die Unikonta, zu welchen unter anderem die
derts hat sich diese Sichtweise stark gewandelt. lobosen Amöben (z. B. Gattungen wie A m oeba,
Man kam über die beiden Reiche Prokaryoten Arcella, Difflugia), die Pilze und die Tiere gehö­
(Lebewesen ohne Zellkerne: Bakterien im wei­ ren, beinhalten als einzige Hauptlinie keine Ar­
teren Sinne) und Eukaryoten (Lebewesen mit ten mit Chloroplasten. In den Excavata sam­
Zellkernen) zu einer Einteilung in fünf Reiche: melt man viele parasitische Krankheitserreger
Prokaryoten, Protisten, Pflanzen, Pilze und (z. B. Trypanosomen, Giardien, Trichomona-
Tiere. Nach weiteren Zwischenschritten ge­ den) sowie die Chloroplasten tragenden Eugle-
langte man zu einer sehr differenzierten Sicht, niden. Die Chromalveolata vereinigen in der
in welcher sich vor allem die Gruppierung der Untergruppe Chromista mit den Diatomeen,
Protisten (Einzeller mit Zellkern) als nicht Braunalgen, Cryptomonaden, Haptophyten so­
mehr haltbar erwies. Innerhalb der Prokaryo­ wie mit den zur Untergruppe Alveolata gehö­
ten und der einzelligen Eukaryoten wird seit renden Dinoflagellaten sehr viele Chloroplas­
den 1990er Jahren eine Reihe von Hauptlinien ten tragende Arten. Sie machen über 50 % aller
unterschieden. Ferner zeigte sich, dass die Pro­ beschriebenen Protisten aus. Weiter gehören
tisten im Hinblick auf ihre stammesgeschichtli­ auch die Ciliaten zu den Alveolaten. Die Rhiza-
che Entwicklung nicht einfach in autotrophe ria, in welchen unter anderen die Foramini­
(mittels Chlorophyll assimilierende) und feren und die filosen Amöben (z.B. die Eugly-
heterotrophe (organische Stoffe aufnehmende) phiden) zu finden sind, schließen einige wenige
Gruppen aufgeteilt werden konnten. Die Ver­ Amöbenarten mit Chloroplasten ein: Die
wandtschaftsverhältnisse und Entwicklungs­ Chlorarachniophyten sowie Paulinella chroma-
linien sind komplizierter. topbora. Die Trennung der Chromalveolata
und Rhizaria ist umstritten, ebenso die Zuge­
hörigkeit der Cryptomonaden und Haptophy­
Die Großgruppen der Eukaryoten ten zu den Chromalveolata (Burki et al., 2012).
Die Fortschritte der Molekularbiologie sowie Schließlich gibt es eine seit längerem stabile
das wachsende Verständnis über Schlüssel­ Großgruppe, die fast ausschließlich Arten mit
charakteristika der Zellen haben zu einer neu­ Chloroplasten beheimatet, nämlich die Plantae,
en Einteilung der Lebewesen mit Zellkernen auch Archaeplastida genannt.

Mikrokosmos 102, Heft 2, 2013


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Die grüne Linie weise die Chloroplasten der Diatomeen oder


auch der Braunalgen (zwei große Linien aus
In der Entwicklungsgeschichte der Lebewesen den Stramenopila oder Heterokonta innerhalb
sind mehrfach Chloropiasten entstanden. Als der Chromista) aus einer sekundären Endosym­
dies zum ersten M al geschah, entstanden die biose durch Aufnahme und Versklavung einer
Plantae. Dabei wurden Cyanobakterien in der Rotalge. Weitere Endosymbiose-Typen bleiben
Urzeit von einem heterotrophen Einzeller (ei­ der Übersichtlichkeit halber unerwähnt, Ge­
nem Urtierchen) aufgenommen, aber nicht ver­ naueres findet man bei Hausmann et al. (2003)
daut, sondern zu unselbständigen Organellen, und Keeling (2010). Abbildung 2 zeigt eine Zu­
den Chloropiasten, umgeformt. Diese primäre sammenstellung einer Reihe unterschiedlicher
Endosymbiose geschah, nach heutiger Sicht­ Chloroplasten-Arten, -Formen und -Farben.
weise als einmaliges Phänomen, vor mindestens Die Biowissenschaften gehen davon aus, dass
1.600 Millionen Jahren, also wahrscheinlich sich die Plantae sehr früh aufgeteilt haben in
noch im Paläo-Proterozoikum (Bhattacharya die Linien der Glaucoplantae, von welcher
und Medlin, 2004). Als sekundäre Endosym­ heute nur noch 14 Arten erhalten sind (alles
biose wird die Aufnahme und Inkorporierung einzellige Algen; Beispiel: Gattung Cyano-
einer eukaryotischen, einzelligen Alge aus der pbora), der vor allem in den Meeren verbreite­
Gruppe der Plantae durch einen heterotrophen ten Rhodoplantae (Rotalgen) und der Viridi-
Einzeller bezeichnet. So entstammen beispiels­ plantae, in welcher die grünen Algen und die

Naegleria gruberi

Abb. 1: Darstellung der großen


Entwicklungslinien der EuKaryo-
ten. Da die Verwandtschafts­
beziehungen zwischen den fünf
Supergruppen (Excavata,
Rhizaria, Unikonta, Chromal-
veolata, Plantae) unbekannt
sind, entspringen sie auf diesem
Schema alle zusammen vom
letzten gemeinsamen Vorfahren
(aus Koonin, 2010).
Die Schwestergruppe der Landpflanzen
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höheren Pflanzen zusammengefasst sind (Abb. mit zwei Flagellen. Die Gruppe besteht aktuell
3). Belege sprechen dafür, dass sich Rhodoplan- nur noch aus der einzigen Art Mesostigma
tae und Viridiplantae vor 1 ,5 -1 ,2 Milliarden viride. Auch von der Linie der Chlorokybales
Jahren getrennt haben (Bhattacharya und Med- kennt man nur noch eine Art, nämlich Chloro-
lin, 2004). Die grüne Linie, die Viridiplantae, kybus atmopbyticus. Sie ist eine typische Luft­
spaltete sich dann später in Chlorophyta und alge, kommt als vierzellige Kolonien in Gallert­
Streptophyta auf, die Schätzungen liegen bei hülle vor und lebt auf mäßig feuchten,
7 2 5 -1 .2 0 0 Millionen Jahren vor der Jetztzeit. kalkarmen und mehr oder weniger sauren Bö­
Seit einigen Jahrzehnten hat sich die Sicht eta­ den. Es gibt nur wenig Fundorte, alle in alpinen
bliert, dass die Landpflanzen ein Teil der Strep­ Hochlagen. Diese beiden Gruppen bilden ein
tophyta sind. Welche streptophyten Algen sind Schwesterkladon zu allen anderen Strepto­
nun am nächsten mit den Landpflanzen ver­ phyta.
wandt? Vor der Diskussion dieser Frage sollen In den Klebsormidiales sind 39 fädige Algenar­
die Verwandtschaftsbeziehungen innerhalb der ten in vier Gattungen zusammengefasst. Die
streptophyten Algen näher beleuchtet werden. unverzweigten, schwimmenden Fäden von
Zuvor jedoch noch einige Worte zur grafischen Klebsormidium findet man häufig in stehenden
Darstellung der Entwicklungslinien und der Gewässern. Einige Arten gedeihen auch an
Verwandtschaftsbeziehungen. Es handelt sich feuchten Mauern und auf Baumrinde.
um Kladogramme aus der phylogenetischen Die weiteren Mitglieder der Streptophyten sind
Systematik. Dieses taxonomische Konzept der - die Zygnematales, die Gruppe der Jochalgen,
Evolutionsbiologie verfolgt das Ziel, die Lebe­ zu welchen fädige Formen wie Spirogyra so­
wesen in monophyletische Gruppen zu ordnen, wie alle Zieralgen gehören, und die circa
also Gruppen, die sich jeweils auf einen ge­ 4 .0 0 0 Arten umfasst,
meinsamen Vorfahren zurückführen lassen. - die Coleochaetales, 18 verzweigt und auf
Der Begriff Kladogramm leitet sich von altgrie­ Substrat wachsende Algenarten, sowie
chisch klados (Ast, Verästelung) ab. Die Grafen - die Charales, eine mit 690 Arten ebenfalls
haben Baumstruktur, die Verzweigungen zeigen umfangreichen Gruppe, zu welchen die Arm­
die Verwandtschaftsbeziehungen auf, und an leuchteralgen gehören.
den Blättern werden die Organismengruppen
dargestellt. Eine Klade beziehungsweise ein
Kladon ist ein Ast mit all seinen Zweigen und
Charales als Favoriten
Blättern. Untersuchungen an Streptophyten aus den ers­
ten Jahren des 21. Jahrhunderts, basierend auf
vier Genen aus drei Genomen (Kern, Chloro-
Wer ist die Schwestergruppe plasten und Mitochondrien), zeichneten das
zu den Landpflanzen, den Embryophyten? Bild, dass sich die Zygnematales nach den M e­
Der Name Streptophyta (altgriechisch streptos sostigmatales, Chlorokybales und Klebsormidi­
= gewunden, gedreht) bezieht sich auf die ales, jedoch vor den Coleochaetales und Chara­
schraubig gedrehten Spermatozoiden. Die Al­ les von der zu den Landpflanzen führenden
gen innerhalb dieser Gruppe unterscheiden sich Linie abgespalten haben (Abb. 4). Sie wiesen die
von den anderen Grünalgen durch wichtige Charales als Schwestergruppe der Landpflanzen
zellbiologische Merkmale, wie beispielsweise aus (Karol et al., 2 0 01; Turmei et al., 2002;
Ansatzstellen und -richtungen der Geißeln, so McCourt et al., 2 0 0 4 ; Lewis und McCourt,
sie im Lebenszyklus auftreten, Querwandbil­ 2004). Dieses Ergebnis entsprach auch dem Er­
dung nach Kernteilung mittels Phragmoplast wartungswert, denn morphologisch, ultrastruk­
und rosettenförmige Multienzymkomplexe in turell und biochemisch haben Charales einiges
der Zellmembran, die Zellulosefibrillen synthe­ mit den Embryophyten gemein.
tisieren und nach außen als Zellwand abschei­
den. Dies sind wiederum Merkmale, welche die
streptophyten Algen mit den Landpflanzen ge­
Zygnematales als neue Favoriten
mein haben. In späteren Jahren und mit dem Anwachsen der
Man unterscheidet mittels zellulärer und mole­ Anzahl untersuchter Gene [76 Gene aus der
kularbiologischer Merkmale mehrere Teilgrup­ Chloroplasten-DNA bei Adam et al. (2007)
pen. Die Mesostigmatales sind coccoide Algen und Turmei et al. (2005, 2007); Gontcharov
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Abb. 2: Beispielorganismen unterschiedlicher Algengruppen und ihre Plastiden. a Die Cyanobakterie Chroo-
coccopsis chroococcoides hat i hre blaugrüne Färbung von den akzessorischen Pigmenten Phycocyanin und
Phycoerythrin in den Chloroplasten. b Die Grünalge Ulothrix carmichaelii hat primäre Plastiden; aas Grün der
Chlorophylle wird nicht durch andere Pigmente überdeckt, c Die Rotalge Polysiphonia fibrillosa besitzt ebenfalls
primäre Plastiden, gefärbt durch das - aus der primären Endosymbiose stammende - akzessorische Pigment
Phycoerythrin. Die Beispielorganismen in d bis i besitzen allesamt sekundäre Plastiden, die von einer Rotalge
Die Schwestergruppe der Landpflanzen
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Abb. 3: Plantae und Chromista. Erdzeitalter Mio. Jahre H auptereignisse/V erzw eigungen
Schematische Darstellung der
entwicklungsgeschichtlicnen Be­ K änozoikum E E
<o ro
ziehungen und Zeitpunkte der u w . w.
Teilung der Linien verschiedener M esozoikum
Algengruppen sowie der Land­ 248
—m- •u.«• a</
>--rp- —
pflanzen. Die Zeitpunkte der pri­ ><
mären Endosymbiose (Aufnahme Paläozoikum
einer Cyanobakterie und Ent­
stehen der Plantae) sowie einer 543

der sekundären Endosymbiosen </) o


(Aufnahme einer Rotalge und "Ir
Entstehung der Chromista) sind Neo

angezeigt
(nach Bhattacharya und Medlin,
900

2004, sowie Keeling, 2010). P roterozoikum


Streptophyta

i ista
Chromist.
I— Se
Sekundäre
1 1 Endosym .
m it einer Viridiplantae
dofftan
Rhodqnlantae
Rotalge

Plantae
P rim äre E ndosym biose
(A ufnahm e eines Cyanobakterium s)

3400 ältestes nachgewiesenes Schwefelbakterium

(2008)] sprachen die Ergebnisse jedoch eher für zeichnet, welcher nicht in Sprossachse, Wurzel
eine Schwesternschaft der Jochalgen mit den und Blatt unterteilt ist. Bei einigen Coleo-
Landpflanzen (Abb. 5). Dies steht nun konträr chaete -Arten gibt es ultrastrukturelle Befunde,
zur traditionellen Sichtweise, sind es doch die dass Plazentazellen (Transferzellen) zur Ernäh­
Coleochaetales und die Charales, deren Ge­ rung der Eizellen ausgebildet sind, wie man
webe-ähnliche Thalli für Algen-Verhältnisse das sonst nur bei den Embryophyten kennt
sehr komplex aufgebaut sind. Beide Gruppen (Graham et al., 2 0 0 0 ; Lewis und M cCourt,
besitzen eine echte multizelluläre Organisation 2 004). Zygnematales hingegen sind rein ein­
mit Plasmodesmen, den Plasmaverbindungen zellig organisiert, auch wenn sie teilweise fa­
der Zellen untereinander durch Perforationen denförmige Zellverbände bilden, jedenfalls die
der Zellwände, einem Wachstum an den Spit­ heutigen Arten. Sie haben eine ganz spezielle
zen der Triebe und Oogamie, die Vermehrung Art der Genmischung bei der Fortpflanzung
durch Ei- und Samenzellen. entwickelt, die Konjugation, die ohne bewegli­
Als Thallus wird der vielzellige Vegetations­ che Samenzellen auskommt. Es wird aller­
körper bei Algen und niederen Pflanzen be­ dings angenommen, dass sich diese Methode

stammen. Die braunen Linien sind charakterisiert durch das akzessorische Pigmenten Fucoxanthin: Der Hapto-
phyt Hymenomonas spec. (d), die Braunalge Ectocarpus conifervoides (e), die Goldalge Synura uvella (f) und
die Kieselalge Melosira moniliformis (g). Die Plastiden der Cryptophyten sind uneinheitlich gefärbt. Cryptomo-
nas spec. (h) hat durch Phycocyanin und Phycoerythrin eine blaugrüne Färbung. In den sekundären Plastiden
der Dinoflagellaten (hier Gymnodimium spec.) herrscht das Xanthophyll Perdinin vor (i). Die sekundären Plasti­
den der Eugleniden (hier Lepocynclis acus) stammen aus einer Grünalge (j). Die restlichen Algen gehören zu
den Streptophyta und besitzen demnach primäre Plastiden: Chlorokybus atmophyticus (k), Klebsormidium spec.
(I), Pleurotaenium tabecula (m), Coleochaete soluta (n) und Chara connivens, Wirtel einer männlichen Pflanze
mit Antheridien (o). (Vielen Dank an Pavel Skaloud, Prag, für das Chlorokybus-B\\6 und Klaus van de Weyer,
Nettetal, für die C/iara-Aufnahme.)
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Embryophyta 0 y f Embryophyta :

Charales Zygnematales
\....... ^

n
Coleochaetales Coleochaetales

Zygnematales Charales

Klebsormidiales Klebsormidiales

Chlorokybales $ Chlorokybales

r i Mesostigmatales Mesostigmatales 4?

Chlorophyta Chlorophyta fl)

* *

Abb. 4: Kladogramm, welches die Sicht der Evolutionsbiologie auf die verwandtschaftlichen Beziehungen
innerhalb der Streptophyten vor 2005 zeigt. Die gestrichelten Linien weisen auf die - damals - unsichere Daten­
lage hin (nach Lewis una McCourt, 2004). - Abb. 5: Aktuelles Kladogramm der Streptophyten. Charales und
Zygnematales haben die Plätze getauscht. Es gilt derzeit als sicher, dass sich die Charales-Linie vor den beiden
Linien der Coleochaetales und Zygnematales abgespalten hat (nach Gontcharov, 2008).

erst nach der Trennung von den Landpflanzen Charales inzwischen nicht mehr erster Kandi­
entwickelt hat und sie sich vorher ebenfalls dat für die Schwestergruppe der Landpflanzen
oogam fortgepflanzt haben (Gontcharov, sind.
2 0 08).
Der Landgang der Pflanzen
Die synonyme Verwendung Grundfrage: Wieso ist paläontologisch
von Streptophyta und Charophyta nur ein Landgang der Viridiplantae nach­
Wer in der zitierten Literatur liest, wundert vollziehbar?
sich vielleicht, dass er in manchen Publikatio­ Heutzutage gibt es durchaus an Land lebende
nen den Begriff Streptophyta nicht vorfindet. Mikroalgen aus der Gruppe der Cyanobakte-
In der Tat wurden Streptophyta und Charo­ rien, Diatomeen, Chlorophyceen, Trebouxio-
phyta eine Zeit lang synonym verwendet. D a­ phyceen und Chlorokybophyceen. Diese bilden
bei ist Streptophyta der ältere Begriff, er aber keine Thalli und können sich nicht we­
wurde 1967 von Jeffrey eingeführt. Allerdings sentlich über das Substrat erheben. Im Meer le­
umfasste dieses Phylum (Abteilung) in seiner ben Makroalgen mit zum Teil mächtigen Thalli
Definition nur die Charales (Armleuchteral­ (Ulvophyceen, eine Grünalgengruppe, zu wel­
gen) und die Landpflanzen. 1987 verwendeten cher der Meersalat zählt, sowie Rot- und
Bremer et al. Streptophyta als Name einer wei­ Braunalgen), aber für keine dieser Linien gibt
ter gefassten Abteilung, welche mehrere Grün- es Befunde, dass sie irgendwann einmal den
algen-Linien und die Landpflanzen beher­ Landgang geschafft hätten.
bergte. 1984 hatten M attox und Steward die
streptophyten Algen als Charophyceae be­ Wieso schafften es M itglieder
zeichnet. 2 0 0 4 verwarfen Lewis und M cCourt der Streptophyten ?
die Bezeichnung von Jeffrey und führten, be­ Die streptophyten Algen waren durch ihr Le­
zugnehmend auf M attox und Steward, die Be­ ben im Süßwasser physiologisch besser auf das
zeichnung Charophyta für die streptophyten Landleben vorbereitet als die im Meer lebenden
Algen inklusive der Landpflanzen ein. Dieser Arten. Verglichen mit ihrem Landgang wäre
Name war dann einige Jahre gebräuchlich. In der Schritt aus einem Salzwasserhabitat auf das
letzter Zeit hat der ältere Begriff Streptophyta Land viel schwieriger gewesen. Es gibt harsche
die Bezeichnung Charophyta wieder zurückge­ ökologische Unterschiede zwischen Meeres­
drängt, vielleicht auch deswegen, weil die und Landhabitaten zu verzeichnen, nämlich
Die Schwestergruppe der Landpflanzen
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• allen voran die Salinität, terrestrischen Lebensräumen gegenüber. So wäre


• die Möglichkeit hoher Temperaturschwan­ es nicht verwunderlich, wenn nur der erste Ver­
kungen, such erfolgreich geblieben sein sollte.
• die Möglichkeit starker Strahlungsintensität
(auch das Gen-verändernde UV),
Wann geschah der Landgang?
• die Möglichkeit länger anhaltender Trocken­
heit. Die Trennung der Linien der streptophyten Al­
gen und Embryophyten erfolgte der überwie­
Es gibt Anzeichen, dass streptophyte Algen genden Anzahl der wissenschaftlichen Erkennt­
stammesgeschichtlich zu den ersten Süßwasser­ nissen zufolge in der Zeit vom mittleren
algen gehören. Sie sind auch heute noch Süß­ Ordovizium bis zum frühen Silur (vor 4 7 0 bis
wasserspezialisten; nur wenige Charales wagen 430 Millionen Jahren; Wellman und Gray,
sich ins Brackwasser vor. Im Tierreich gibt es 2 000; Graham et al., 2000). Neuere paläonto­
Ähnlichkeiten: Gewichtige Gruppen wie die In­ logische Funde aus dem östlichen Gondwana­
sekten und Landwirbeltiere entstanden aus land (archaische Landmasse, die vom Ober­
Süßwasserhabitaten bewohnenden Vorfahren. kambrium bis einschließlich des mittleren Perm
Auch sie sind nicht (Insekten und Amphibien) bestand, und aus der sich später Südamerika,
oder fast nicht (Reptilien, Vögel, Säuger) im Afrika, Indien, Australien und die Antarktis
Meer heimisch geworden. Des Weiteren sind bildeten) in 473 bis 471 Millionen Jahre alten
Pflanzen, die sekundär zu Wasserpflanzen ge­ Formationen der nordwestlichen argentini­
worden sind, ebenso nahezu nur im Süßwasser schen Anden bestätigen, dass die Trennung be­
zu finden. Das einkeimblättrige Seegras bildet reits im Ordovizium vollzogen gewesen ist (Ru­
eine der wenigen Ausnahmen (Becker und M a­ binstein et al., 2010).
rin, 2009).

Die ersten Schritte


Freiräume
Die Anpassung von Dauersporen produzieren­
Als die Streptophyten den Landgang wagten, den Algen an Trockenheit ist höchstwahr­
so die derzeitige Vorstellung der Evolutionsbio­ scheinlich älter. Es gibt einen Reihe Funde bo­
logie, hatten sie ganz wenig Lebensraumkon­ tanischer Mikrofossilien aus dem Kambrium in
kurrenz. Gegebenenfalls gab es Cyanobakte- Nordamerika (Strother et al., 2 0 0 4 ; Taylor und
rien und Pilze, die noch früher an Land Strother, 2 0 0 8 ), so genannte Palynomorphe,
gegangen waren. In behutsamen Entwicklungs­ deren Hauptbestandteil das Sporopollenin ist.
schritten aus dem Wasser, höchstwahrschein­ Sporopollenin ist ein sehr resistentes Biopoly­
lich mit dem Zwischenschritt über dauer­ mer, welches Hauptbestandteil aller Sporen­
feuchte Landhabitate in Sümpfen und Fluss­ kapseln und Pollenhüllen der Landpflanzen ist,
deltagebieten, wurde das trockene Land er­ aber auch in Sporenkapseln der streptophyten
obert. Dies legen paläontologische Befunde Algen Verwendung findet (Becker und Marin,
nahe (Wellman und Gray, 2 0 0 0 ; Tailor und 2009). Im Elektronenmikroskop zeigten Dünn­
Strother, 2008; Rubinstein et al., 2010). Nach­ schliffe dieser Palynomorphe dicke, mehr­
dem die Abhängigkeit von Dauerfeuchte über­ schichtige Sporenkapseln, die viel komplexer
wunden war, kam es im Silur zu einer so ge­ aufgebaut waren, als man dies von Algen
nannten explosive radiation, einer von wenigen kennt. Einige Kapselwände erinnerten sehr an
Basisarten ausgehenden und sich über einen Sporenkapseln heute vorkommender Leber­
erdgeschichtlich kurzen Zeitraum entwickeln­ moose. Man nimmt an, dass diese Konstruk­
den, mannigfaltigen Auffächerung durch Her­ tion ein Schutz gegen Austrocknen war. Viel­
ausbildung spezifischer Anpassungen an die leicht stammten sie von Übergangsformen zu
vorhandenen Umweltverhältnisse in viele, stär­ den Landpflanzen, von Algen, deren Sporen
ker spezialisierte Arten. Damit verbunden war bereits fähig waren, Trockenperioden zu über­
die Ausnutzung der zahlreichen noch unbesetz­ dauern. Oder es waren Versuche des Land­
ten ökologischen Nischen. Linien, die später gangs von Algenlinien, die letztlich untergegan­
den Landgang versucht haben könnten, sahen gen sind oder welche die Wissenschaft heute
sich zu Beginn ihres schwierigen Experiments noch keinen weiterführenden Linien zuordnen
einer starken Konkurrenz in allen erdenklichen kann.
104 Aus den Arbeitsgemeinschaften
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Z tto s d J® m /M b ® d S 8 g j® [ io ® S m ^ [ h s ß } ® m ________________________________

Treffen der Mikroskopischen Arbeitsgemeinschaft Mainfranken


Die Mikroskopische Arbeitsgemeinschaft Mainfranken lädt ein zum Treffen im Bio-Zentrum der Universität
Würzburg. Gäste sind immer herzlich willkommen.

Termin: Samstag 13. April 2 0 1 3 , pünktlich um 10 Uhr


im Bio-Zentrum der Universität Würzburg, Gerbrunn-Hubland
Geplante Themen: Dr. Christian Rasp: Kristalline Chromadeph-Technik
Peter Höbel: UV-Mikroskopie
PD Dr. Rainer Wolf: Zaubereien
Treffpunkt-. Letzte Straße links am Ende der Gebäude, dann letzter Parkplatz an der Rückseite
des Gebäudekomplexes vom Bio-Zentrum
Anfragen an : Joachim Stanek, Am Moosrangen 13, 9 0 6 1 4 Ammerndorf, Tel.: 091 27/88 32,
E-Mail: sissi@stanek.name
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105

Stacking in der Lupenfotografie


Teil 2 : Fokus-Stocking im Studioeinsatz
Gerhard Zimmert

Im ersten Teil dieser Serie (Zimmert, 2013) habe ich mich mit den Grundlagen von
Fokus-Stacking und den Einsatzmöglichkeiten in der freien Natur beschäftigt. In die­
sem Beitrag liegt der Schwerpunkt nun auf der Arbeit im Studio, wobei ich hier unter
Studio einen Arbeitsplatz in geschlossenen Räumen (indoor) verstehe. Die Unter­
schiede sind größer, als Sie vielleicht vermuten würden. Es beginnt bei den Objekten
- outdoor überwiegend lebende (im Biotop), indoor meist leblose oder tote Objekte
oder solche, die der Natur entnommen wurden.

ei der Ausrüstung verwende ich outdoor 3. Focusrail von Cognisys (Stack Shot)

B vorrangig das Canon MP 65, im Studio


greife ich hingegen zu Leitz Photaren
oder Rodenstock APO Rodagon D Reproob­
jektiven und zum klassischen Balgengerät in
4. Schrittmotor mit Steuergerät, ebenfalls
Cognisys
5. ein Mikroskop-Tisch (Olympus BH) mit
drehbaren Wechseleinsätzen
mehreren Varianten. Auch die manuelle Ein­ 6. xy-Mikrojustiereinrichtung mit 2 M ikro­
stellung der Abstände zwischen den einzelnen meterstellschrauben (xy-Bewegung 90°
Aufnahmen entfällt im Studio in der Regel.
versetzt für Panorama-Feineinstellung)
Diese Aufgabe übernimmt ein Schrittmotor, der
7. diverse Verbindungsstücke von Really
über den Computer gesteuert wird. Gravie­
Right Stuff
rende Unterschiede finden sich auch bei der Be­
leuchtung. Anstelle der Sonne kommen Halo­ 8. Balgengeräte (Contax oder wahlweise Ma-
gen- und vor allem Blitzlicht zum Einsatz. miya, jeweils auf Canon EOS umgebaut)
Damit ist man vollkommen unabhängig vom 9. Adapterringe, um Lupenfoto- und Repro­
Wetter. Während es in der freien Natur auf objektive einsetzen zu können (Leitz Pho-
Schnelligkeit ankommt, ist das Studio eher die tare, Zeiss Luminare und Rodenstock APO
Domäne des Tüftlers. Die angeführten Unter­ Rodagon D Objektive)
schiede sind exemplarisch zu verstehen, Sie 10. Canon EOS Kameras (1 D Mark IV oder
werden im aktuellen Artikel an der jeweiligen ID X und teilweise 7D)
Stelle mehr darüber lesen. 11. ein M acBook Pro für die Steuerung des
Schrittmotors über die Stacking-Software
Die Aufnahmeausrüstung für den Studioeinsatz Zerene Stacker Pro (Hersteller: Zerene Sys­
tems)
Während, wie gesagt, draußen Schnelligkeit ge­
12. ein M acBook Pro für die Steuerung der
fragt ist, ist für mich im Studio das Hauptkrite­
Kamera, die Bilddatenübernahme und An­
rium die Automatisierung. Dazu habe ich mir
zeige der Vorschaubilder oder Bilddaten.
Gerhards Photom at (Eigenname meiner Lö­
11 und 12 können auch von einem M ac­
sung) zusammengebaut. Die Kernstücke dieser
Book Pro gesteuert werden, ich setzte dort
Ausrüstung sind:
aber lieber zwei ältere Modelle ein und
1. Basiseinheit (Eigenbau auf Basis eines Lin-
verwende die i7 Quad Core Modelle zur
hof Reprostativs oder z. B. eines Durst Ver­
Berechnung der RAW- und Stackingdaten.
größerers)
13. und einiges mehr, wie z.B. Kaltlichtleuch­
2. Grundgestell (ursprünglich die Basis eines
ten, Blitzgeräte, Lichtleiter.
Zeiss Messmikroskops, Eigenbau) oder op­
tional ein abgeschnittenes Olympus BH- Auf die hier angeführten Nummern wird im
Mikroskop Text verwiesen.

Mikrokosmos 102, Heft 2, 2013


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In meinem Fotostudio habe ich neben einem


Standardarbeitsplatz mit Hohlkehle für Table
Top beziehungsweise Nahbereich zwei Mikro-
Aufnahmeplätze. Letztere sind zur Erhöhung
der Stabilität fest mit der Wand verbunden und
auf Schwingungsdämpfern gelagert. Ihr Gewicht
liegt bei circa 100 kg. Meist bestücke ich jeweils
einen für die Lupen- und einen für die M ikro­
skop-Fotografie. Wenn ich mit der Stacking-
Ausrüstung auf Reisen gehe, das heißt, ich die
Möglichkeit habe, einen festen Arbeitsplatz auf­
bauen zu können, habe ich unterschiedlich um­
fangreiche Kombinationen zur Auswahl. Ab­
hängig von den zu erwartenden Motiven und
der zur Verfügung stehenden Transportkapa­
zität entscheide ich mich zwischen einer einfa­
chen, manuellen Lösung auf Basis eines Zeiss
Messmikroskops (Abb. 1), einer manuellen Lö­
sung auf Basis eines umgebauten Olympus
Mikroskop-Stativs, an dem ich einen M ikro­
skop-Tisch über den Feintrieb verstellen kann
(Abb. 2) und der Kombination mit dem höchs­
ten Bedienungskomfort, bei welcher die Bewe­
gung mittels Schrittmotor und Steuerung über
den Computer erfolgt (Abb. 3).
Im Studio habe ich die Möglichkeit, eine breitere
Palette an Spezialobjektiven einsetzen zu kön-
Abb. 2: Umgebautes Olympus BH-Mikroskopstativ,
das ich als Fokus-Stacking „light" bezeichne, da man
am Feintrieb eine Genauigkeit von circa 1jx erreichen
kann.

nen, vor allem bedingt durch die andere Art der


Motive. Diese Objektive haben eine deutlich
bessere Qualität als das in der Outdoor-Foto-
grafie eingesetzte Canon MP 65. Da es mir
indoor meist nicht auf Geschwindigkeit an­
kommt, kann ich die Lösung rund um die Bal­
gengeräte konfigurieren. Für Canon gibt es ak­
tuell nur Balgengeräte von Fremdherstellern zu
kaufen; die verbreitetsten sind jene aus der Pro­
duktpalette von Novoflex. Ich habe das Auto­
matikbalgengerät mit EOS-Anschluss, das aller­
dings für meine Arbeitsweise und in der
Handhabung auch nicht unbedingt optimal ist
(Abb. 4). Die vier gravierendsten Nachteile sind:
1. Die hintere Standarte ist feststehend mon­
tiert, und damit steht bei kurzen Auszügen
mit kurzen Brennweiten (z. B. Photare 25
mm und 12,5 mm) das Gestänge ins Motiv.
Abb. 1: Ausrüstung für mobile Lupenfotografie.
Einfache manuelle Lösung, bei der die Einstellung 2. Der Auszug ist mit 125 mm sehr kurz, und
über Grob-/Feintrieb eines umgebauten Zeiss Mess­ ich erreiche damit nicht die erforderliche
mikroskops erfolgt. Vergrößerung.
Stacking in der Lupenfotografie - Teil 2
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zum M otiv passt. Die Konfiguration be­


schränkt sich somit auf Reisen, bei denen ich
nicht viel an Lupenfotoausrüstung mithabe
und ich trotzdem nicht auf einen Balgen ver­
zichten möchte. Ihr Vorteil sind die kompakten
Abmessungen. Ich überlege seit Jahren, ob ich
nicht eine Drehvorrichtung für die Kamera an­
bauen soll. Das habe ich aber noch nicht reali­
siert, denn die Liste meiner angedachten Um­
bauten ist beträchtlich.
Es gibt von Novoflex drei weitere Balgen-
Modelle (BA LPR O l, CASTBAL T/S, BALPRO
T/S), die einige der Nachteile nicht haben. Ich
habe mich nach Tests aber trotzdem für den
Umbau von Balgengeräten anderer Hersteller
entschieden.
Da ist einmal das Contax Balgengerät (Abb. 5).
Beide Standarten sind am Rail beweglich. Die
vordere Standarte würde sogar zusätzlich eine
Verstellung nach Scheimpflug (Tilt & Shift) er­
lauben, allerdings leider nur eine seitliche Ver­
stellung und nicht einen von vorne nach hinten
verlaufenden Schärfenkeil. Letzteres ist für
mich der Grund, warum ich zwei unterschiedli­
che Balgengeräte umgebaut habe. Die Kamera
ist ins Hochformat drehbar, und mit den An­
schluss- und Objektivtuben komme ich auf Ab­
bildungsmaßstäbe bis über 2 0 :1 (Leitz Photar
Abb. 3: Gerhards Photomat, eine automatisierte Einheit 12,5 mm). Es stehen mir unterschiedliche Aus­
mit Schrittmotor und Steuerung über einen Computer. züge bis zu 300 mm zur Verfügung. Damit er­
reiche ich selbst mit dem Rodenstock APO R o­
3. Die Profigehäuse von Canon kollidieren mit dagon D 120 mm oder dem Leitz Photar 120
dem Unterbau des Balgengerätes und sind mm einen Abbildungsmaßstab von etwa 2,5 :1
daher nicht einsetzbar. Dort, wo der Akku mit dem zusätzlichen Vorteil, einen Arbeitsab­
in das Kameragehäuse eingeschoben wird, stand von mehr als 25 cm zu haben. Dieser
gibt es eine Auswölbung nach vorne. Seit 10 Umstand wirkt sich positiv auf das Fluchtver-
Jahren bietet Novoflex hierfür keine Abhilfe
an, das heißt, man kann leider nur Amateur­
modelle einsetzen.
4. Die Kamera kann nicht gedreht werden, das
Balgengerät ist für Aufnahmen im Querfor­
mat ausgelegt. Um Aufnahmen im Hochfor­
mat machen zu können, muss der gesamte
Aufbau mit Hilfe des Stativkopfes gedreht
werden. Dadurch wird die Ausrüstung aus
dem Schwerpunkt geschwenkt und der ge­
samte Aufbau verliert an Stabilität.

Balgengeräte
Die Konsequenz aus den geschilderten Proble­
men ist, dass ich diesen Balgen nur mit drei
Brennweiten (50 mm, 75 mm und 80 mm) ein­
setze und das auch nur, wenn das Querformat Abb. 4: Novoflex Balgengerät mit Canon EOS-Anschluss.
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halten lebender Tiere aus und schafft genügend


Raum für Beleuchtung.
Wegen der Beschränkung bei der Tilt-Funktion
auf eine Richtung (Contax) verwende ich noch
ein weiteres Balgengerät, den Mamiya
Tilt/Shift-Balgen, der eigentlich für die 4,5 x 6
Serie gebaut wurde und dessen vordere Stan­
darte voll verstellbar ist (Abb. 6). Sie ist wie die
Standarte einer Großformatkamera aufgebaut
und ermöglicht so traumhafte Arbeitsmöglich­
keiten. Der Nachteil ist seine Mächtigkeit und
das Gewicht. Ich setze ihn daher wirklich nur
dort ein, wo ich die Möglichkeit zur Verstel­
lung brauche, in einigen wenigen Fällen kommt
er sogar outdoor zum Einsatz, beispielsweise,
wenn ein Schmetterling mit geöffneten Flügel
abgelichtet werden soll.
Beide von mir modifizierte und beschriebene
Balgengeräte bauen übrigens auf demselben
Einstellschlitten auf; die Teile sind daher aus­ Abb. 6: Mamiya Tilt/Shift-Balgen. Gut zu sehen ist
tauschbar. Leider haben sie dadurch auch den­ die Verdoppelung der Einsteilböcke zur Erhöhung der
selben Nachteil: Sie tragen das Gewicht - wenn Stabilität und zwei Feststellschrauben.
sie horizontal montiert sind - nicht, sondern
rutschen durch. In Abbildung 6 können Sie
aber die Abhilfe erkennen. Ich habe zwei Ein­ Auf der Kameraseite habe ich mir für beide Bal­
steilblöcke kombiniert, habe damit auch zwei gengeräte Anschlusstuben mit unterschied­
Feststellschrauben und reduziere damit - als licher Länge gebaut, und für die Vorderseite
zusätzlichen positiven Nebeneffekt - die Vibra­ gab es zum Glück auf dem Gebrauchtmarkt ei­
tionen. nen Contax RM S Adapter (Abb. 5). Mit Hilfe
dieses Adapters können neben Mikroskop-
Objektiven einige Lupenfotoobjektive wie bei­
spielsweise von Canon, Leitz, Nikon, Olympus
und Zeiss angeschlossen werden (Vorausset­
zung ist ein RM S Gewinde). Es gibt aber auch
größere Gewinde bei den Lupenfoto-Objekti-
ven (z.B. Leitz Photare 2,8/50 mm, 4,5/80 mm,
5,6/80 mm, 5,6/120 mm und 5,6/135 mm
oder Repro- oder Vergrößerungsobjektive). So
kommt man leider um den Eigenbau von eini­
gen Gewindeadaptern nicht umhin.

Objektive
Die Vielzahl an Objektiven brauchen Sie natür­
lich nur, wenn Sie eine große Bandbreite an Ver­
größerungsmaßstäben und eine Variabilität bei
den Abständen zwischen Objektiv und Objekt
benötigen. In den Abbildungen 7a bis d möchte
ich ihnen vier Beispiele der jeweiligen Objektiv-
Charakteristik zeigen, die Gemeinsamkeit sind
die Ideale Blende und der Abbildungsmaßstab,
der natürlich zu unterschiedlichen Ausschnitten
Abb. 5: Contax Balgengerät (Umbau auf Canon) mit aus dem Testtarget führt. Ich habe dazu das
Contax RMS Adapter. gleiche Testtarget (USAF HI-RES der Firma
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Tabelle 1
Abbildungs- Leitz Leitz Leitz Leitz Rodenstock Canon
maßstaß Photar 2,4/ Photar 2,0/ Photar 4,0/ Photar 5,6/ APO MP 65 mm
12,5 mm 25 mm 50 mm 80 mm Rodagon D
75 mm II
2:1 -ka- -ka- 6,3 8,0 11,0 4,5
4:1 -ka- 4 5,6 6,3 -ka- 3,2
8:1 3,2 3,2 -ka- -ka- -ka- -ka-
16:1 2,8 -ka- -ka- -ka- -ka- -ka-
Die sechs von mir am häufigsten verwendeten Objektive und deren Ideale Blende. Ich greife nur vier Abbil­
dungsmaßstäbe heraus, die verwendete Abkürzung -ka- (keine Angabe) kann zwei Gründe haben. Entweder
ist der entsprechende Auszug mit meiner Ausrüstung nicht realisierbar oder das Objektiv ist vom Hersteller
für einen anderen Bereich optimiert.

Abb. 7: Testtarget-Aufnahmen (USAF HI-RES, Edmund Optics), die jeweils einen Abbildungsmaßstab mit zwei
unterschiedlichen Objektiven zeigen. Beim ersten Paar handelt es sich um den Abbildungsmaßstab von 4 : 1
beim zweiten um 2 : 1. a Leitz Photar 1 : 2,0/25 mm. b Leitz Photar 1 : 4,0/50 mm (annähernd im idealen Ver-
größerunasmaßstab). c Rodenstock APO Rodagon D 1 :4 ,5/7 5 mm II in Retrostellung (umgekehrte Montage).
Die Frontfinse zeigt in Richtung Sensor; dies führt zur Qualitätsverbesserung, da das Objektiv für Abbildungen
zwischen 0,5 : 1 und 2 : 1 optimiert ist. d Leitz Photar 5,6/80 mm.
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Edmund Optics) wie im ersten Teil dieser Serie


(Zimmert, 2013) eingesetzt. Damit haben Sie
die Möglichkeit, die in- und outdoor eingesetz­
ten Objektive zu vergleichen und verstehen da­
mit besser, warum ich ihre Qualität unter­
schiedlich bewerte. Die Ideale Blende der
Objektive ist in Tabelle 1 beim jeweiligen Abbil­
dungsmaßstab angeführt. Unter der Idealen
Blende versteht man jene Blende, bei der - aus
Sicht der Bildqualität - Auflösung und Kontrast
den bestmöglichen Kompromiss bilden. Beach­
ten Sie bitte, dass ein Abweichen von der Idea­
len Blende in Richtung Offenblende einen deut­
lichen Abfall des Kontrastes zur Folge hat.
Blendet man mehr ab (Schließen der Blende)
reduziert man hingegen die Auflösung. Abb. 8: xy-Mikrojustiereinrichtung.
Um einen Vergleich der Abbildungen 7 a bis d
mit dem Canon MP 65 mm zu ermöglichen
(Abb. 2 in Zimmert, 2013), habe ich zwei Ab­ zwei Mikrometerschrauben fixiert (Abb. 8). Die
bildungsmaßstäbe gewählt, die auch mit die­ Grobeinstellung bzw. die Positionierung auf
sem Objektiv gut realisierbar sind. einen ganzen Wert auf der Mikrometerschraube
erreiche ich über den Mikroskop-Tisch.
Nützliche Helferlein
Auch bei der Lupenfotografie leisten meine
Mikroskop-Tisch mit Wechseleinsätzen
„Helferlein“ gute Dienste. Im ersten Teil habe Der in Abbildung 9 gezeigte Mikroskop-Tisch
ich unter diesem Stichwort den Mikroeinsteil­ (5) wurde von mir ebenfalls umgebaut. Ich habe
schlitten beschrieben (Zimmert, 2013), für den die xy-Einstellmöglichkeit um die Möglichkeit
normalen fotografischen Einsatz finden Sie der Rotation ergänzt und eine Passung für
weitere im Buch Digitale N aturfotografie Wechseleinsätze montiert. Letztere gibt es in
(Zimmert und Stipanits, 2009), die folgenden unterschiedlicher Ausführung: Teller in verschie­
wurden für die speziellen Anforderungen der denen Farben (weiß, Grautöne, schwarz etc.)
Lupen- und Mikrofotografie entwickelt. oder transluzent, solche mit Klemmvorrichtun­
gen, eine Kaltlicht-Flächenleuchte oder die oben
xy-Mikrojustiereinrichtung beschriebene xy-Mikrojustiereinrichtung.

Als problematisch erweist sich bei steigendem


Abbildungsmaßstab die exakte und wiederhol­
bare Positionierung des Objekts oder der Auf­
nahmeeinheit. Dies ist eine Grundvorausset­
zung für die Erzeugung von PANO-Stacks. Man
unterscheidet zwischen einfachen Panoramen,
das heißt einzeiligen Lösungen entlang der x-
oder y-Achse, und Multi-Panoramen, die sich
entlang der x- und y-Achsen erstrecken. Die bei­
den Panorama-Typen werden durch die verti­
kale Positionierung (z-Achse) zum PANO-
Stack. Die Bewegung auf der z-Achse erfolgt -
je nach eingesetzter Lösung - über das Grund­
gestell (2), das Focusrail von Cognisys (3) oder
über den Mikroeinstellschlitten. Zur exakten Abb. 9: Mikroskop-Tisch (Olympus BH) mit der
xy-Verstellung habe ich mir ein Helferlein zu­ Möglichkeit, unterschiedliche, drehbare Wechselein­
sammengebaut, die Mikrojustiereinrichtung sätze zu verwenden. Abgebildet ist der neutralgraue
(6). Bei dieser wird die Position mit Hilfe von Einsatz.
Stacking in der Lupenfotografie - Teil 2
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Grundgestell für manuelles Fokus-Stacking


Da ich nicht immer die Ausrüstung für auto­
matisches Fokus-Stacking auf Reisen mitneh­
men kann, habe ich mir eine Light-Version
zusammengestellt. Es handelt sich um eine
umgewidmete Olympus BH-Säule, die ich auf
einem Sockel montiert habe, der wiederum auf
einer Grundplatte mit Schwingungsdämpfern
sitzt (Abb. 2). M anche von Ihnen werden es
als Frevel ansehen, wenn man ein funktions­
tüchtiges M ikroskop mit der Eisensäge zer­
schneidet. Ich betrachte es aber als W ertschät­
zung meinem ersten M ikroskop gegenüber,
wenn Teile daraus immer noch in Verwendung
sind. Diese Lösung kann zerlegt werden, ein
extremer Vorteil für den Transport. Am Fein­
trieb wird der Abstand der Fokusschichten
Abb. 10: Grundgestell in der Variante Zeiss Mess- eingestellt. Der kleinste bei mir mögliche
mikroskop mit Stack Shot Focusrail von Cognisys mit
eingebauter Schrittmotorsteuerung. Schritt ist eine M ittenposition zwischen zwei
Teilstrichen, also circa 1 jjl. Ein weiterer Vorteil
ist, dass der in der automatischen Lösung ein­
Stacking-Basis gesetzte M ikroskop-Tisch mit Wechseleinsät­
Die gezeigte Stacking-Basis (Abb. 10) besteht zen (5) vom gleichen M ikroskop stammt und
aus den Einzelkomponenten: Grundgestell (2) daher alle Zubehörteile kompatibel sind, und
und dem Stack Shot Focusrail (3) von Cognisys darüber hinaus über die vier Schwingungs­
mit eingebauter Schrittmotorsteuerung (4). Der
dämpfer die Grundplatte in der Waage ausge­
Mikroskop-Tisch (5) ist drehbar auf einer Pa-
richtet werden kann. Kontrolliert wird mittels
norama-Einrichtung montiert. Damit kann der
des so genannten Siemenssterns (ebenfalls ein
Tisch aus der Sensorebene gedreht werden, und
Testpräparat der Firma Edmund Optics).
so ist eine Verstellung nach Scheimpflug mög­
Weitere Helferlein werden Ihnen im Beitrag
lich. Das Besondere dieser Zeiss Messmikro­
über Beleuchtung in der Lupenfotografie be­
skopbasis sind die manuellen Verstellmöglich­
gegnen.
keiten in der z-Achse, um einen raschen
Überblick über ein Motiv zu erhalten, sowie die
Minderung der Vibration, weil das Focusrail in
unterschiedlichen Höhen fixiert werden kann.
Die meisten Eigenbauten bieten diese Vorteile
nicht.

Lineareinheit mit Wechseleinsätzen


In der Abbildung 11 sehen Sie ein Helferlein,
das zum Einsatz kommt, wenn keine Verstel­
lung in der Höhe notwendig ist (kein Fokus-
Stacking). Die Vorteile sind: Die rasche Verstel­
lung der y-Achse durch das Verstellrad und die
geringe Aufbauhöhe und damit verbunden die
ausgezeichnete Stabilität im Vergleich zu einem
Aufbau für Fokus-Stacking, der aus einer Kom­
bination von 3, 4 und 5 besteht. Die Serie der
Objektivtests mit dem Testtarget ist ein Anwen­
dungsfall, bei dem die xy-Mikrojustiereinrich-
tung mit eingesetzter Flächenleuchte zum Ein­ Abb. 11: Lineareinheit mit xy-Mikrojustiereinrichtung
satz gekommen ist. mit eingesetzter Flächenleuchte.
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Meine Arbeitsweise im Studio


Auch im Studio gilt es, sich auf das Motiv vor­
zubereiten. Die betreffenden Objekte müssen
natürlich gesucht, erworben, getauscht und be­
arbeitet werden. Die möglichen Objekte sind
Legion, um nur einige aufzuzählen: Insekten
(und ihre Körperteile wie Flügel, Beine, Au­
gen), Skelette von zum Beispiel Seeigeln, Schne­
ckenhäuser, Vogelfedern oder angeschliffene
Holz- oder Steinstückchen. Um beispielsweise
einen Fliegenflügel zu fotografieren, muss im
Vorfeld die Fliege seziert und der Flügel ent­
sprechend für die Aufnahme montiert werden.
Die Basis für die meisten Montagegestelle
(Abb. 12) bilden bei mir Beilagscheiben, die es
in unterschiedlichen Dicken gibt. Denken Sie
bei der Auswahl daran, dass diese ein gewisses Abb. 12: Montagegestell auf Beilagscheibe mit Oster­
Gewicht aufweisen sollten, um die notwendige luzeifalter.
Stabilität zu erreichen. Für die Montage
verwende ich Loctite Superkleber und für das Fostec Kaltlichtleuchten geliefert. Beiden Licht­
Gestell YE 1,5 mm2 Kupferelektroleitung in arten ist gemeinsam, dass das Licht via Lichtlei­
Schwarz. Kupfer ist leicht zu bearbeiten (bie­ ter dem O bjekt zugeführt wird, mit dem enor­
gen, feilen, kleben), die Farbe ist in der Natur men Vorteil, dass es zu keiner Erwärmung des
nicht häufig und gegebenenfalls auf einem Foto Objektes kommt. Das umfangreiche Thema Be­
sichtbare Stellen sind daher leicht zu retuschie­ leuchtung wird in einem weiteren Artikel be­
ren. handelt.
Die nächste Entscheidung, die es zu treffen gilt, Objektivseitig kommen bei mir am Balgengerät
ist, was wird beim Stacken bewegt? Es gibt unterschiedliche Leitz Photare, verschiedene
grundsätzlich zwei Möglichkeiten, nämlich ent­ APO Rodagon D Objektive oder Nikon CF
weder das Objekt oder die Aufnahmekombi­ Mikroskopobjektive zum Einsatz. Der erziel­
nation. Ich bewege im Fotostudio in den aller­ bare Abbildungsmaßstab liegt im Bereich von
meisten Fällen das Objekt und nicht die 1 :1 bis zu 20 :1 . Natürlich können auch an­
Aufnahmekombination bestehend aus Kamera dere Lupenfotoobjektive eingesetzt werden,
und Objektiv. Das steht in diametralem Gegen­ zum Beispiel von Canon, Nikon, Olympus oder
satz zur Arbeitsweise im Freiland, wo aufgrund Zeiss.
der lebenden Objekte immer die Kamera/Ob­
jektivkombination bewegt wird. Natürlich
könnte ich auch im Studio so verfahren. Aller­ Beispielfotos
dings spricht die Montage meiner Kamera/Ob­ In diesem Abschnitt zeige ich drei unterschied­
jektiv-Balgenkombination auf der Basis-Einheit liche Bildbeispiele und liefere Details über die
gegen diese Arbeitsweise. Die exakte Positio­ technische Ausführung.
nierung und das Gewicht sind hierfür die Ursa­
che. Durch die feste Position der Aufnahmeein­ Trivia multilirata (Abbildungsmaßstab circa 3:1)
heit erkaufe ich mir allerdings einen Nachteil. Die Aufnahme 13 entstand im Zuge eines Tref­
Denn die Objekte werden an der Beleuchtung fens mit einem anerkannten österreichischen
vorbeitransportiert, wodurch es leicht zu Ver­ Experten im Fotostudio der Prager Fotoschule.
änderungen in der Objektausleuchtung kommt. Das Ziel war, einen aus wissenschaftlicher Sicht
Für die Beleuchtung im Studio stehen zwei optimalen Aufnahmeaufbau zu finden, um die
unterschiedliche Lichtquellenarten zur Ver­ 6 mm große Schnecke so zu fotografieren, dass
fügung: Halogen- und Blitzlicht. Letzteres sie später auf bis zu 75 cm Seitenlänge in Aus­
entstammt entweder meiner stationären Stu­ stellungsqualität vergrößert werden könnte. Bei
dioblitzanlage oder meinen mobilen Kurzzeit­ dieser Aufnahme handelt es sich um eine von
blitzgeräten. Das Halogenlicht wird von Schott- drei Einzelaufnahmen (genormte Ansichten),
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Stacking in der Lupenfotografie - Teil 2 113

grafieren gründlich zu reinigen. Zur Reinigung


wurde Wasser und ein Marderhaarpinsel ver­
wendet. Bei der Reinigung gilt es, das Objekt
nicht zu verkratzen oder zu beschädigen. Je
gründlicher gereinigt wird, desto weniger Retu­
sche ist später notwendig.

Osterluzeifalter - Schmetterlings flügel (Unterseite)


(Abbildungsmaßstab circa 4 : 1)
In Wien findet einmal im Jahr eine Schmetter­
lingsbörse statt, eine willkommene Gelegenheit,
um sich mit Material für neue Fotothemen zu
versorgen. Der Osterluzeifalter ist ein guter Be­
kannter aus Bulgarien. Wir erleben ihn dort - ur­
laubsbedingt - allerdings nie als Falter, sondern
nur als Raupen und Puppen. Der Nachteil bei
präparierten Schmetterlingen sind die Beschädi­
gungen, die durch die Präparation (Nadeln) ent­
Abb. 13: Trivia multilirata. Stack aus 45 Einzelbildern.
Canon EOS 1 DX, Leitz Photar II 50 mm. stehen und die das fotografische Ergebnis schmä­
lern. Daher ist man entweder auf unbeschädigte
die für eine wissenschaftliche Dokumentation Stellen eingeschränkt oder man muss in der Bild­
notwendig sind. bearbeitung intensiv retuschieren.
Da bei dieser Aufnahme das Leitz Photar II
1 :4 /5 0 mm und die Vollformatkamera Canon
EOS 1 D X verwendet wurde, habe ich entschie­
den, nur Stacking einzusetzen und auf die M ög­
lichkeit eines PANO-Staclcs zu verzichten. Be­
leuchtet wurde mit einer Schott-Fostec
Kaltlichtleuchte, an der ein Lichtleiter mit zwei
Striplights angeschlossen wurde. Um optimales
Licht für das Stacking zu erhalten, wurde zwi­
schen Striplight und Schnecke jeweils ein trans­
luzentes Lichtsegel positioniert. Das Segel
wurde etwas gebogen und damit der Form der
Schnecke leicht angepasst. Die Lichtaufteilung
zwischen den beiden Lichtquellen wurde an­
hand des Kamerahistogramms bestimmt.
Als Standard für den Unter-/Hintergrund in der
wissenschaftlichen Fotografie haben sich Weiß,
Schwarz oder Grautöne etabliert, da sie die Ei­
genfarben der Objekte durch Reflexion nicht
verfälschen. Weil ich das Objekt nicht durch
Kleben auf ein Aufnahmegestell zerstören
durfte, musste ich mit dem Kompromiss leben,
zwischen dem eigentlichen Objekt und dem
Hintergrund keinen Abstand zu haben. Daher
konnte nur mit schwarzem Untergrund gearbei­
tet werden, im speziellen Samt, der verhindert,
dass sich das Objekt während der Stacking-Se- Abb. 14: Osterluzeifalter (Zerynthia polyxena) Flügel­
rie bewegt. Der schwarze Untergrund hat zu­
detail Unterseite. PANO-Stack bestehend aus 2 x5 6 0
Schichten. Vergleichen Sie in dieser Aufnahme die
sätzlich den Vorteil, dass man sich keine Gedan­ weißen Schuppen in der linken unteren Ecke (optimale
ken über den Schattenverlauf machen muss. Lichtführung) mit jenen in der rechten oberen Ecke
Da es sich um eine marine Schnecke handelt, (Verbesserungsbeaarf deutlich zu erkennen) - Canon
war es notwendig, das O bjekt vor dem Foto­ EOS 1 DX, Leitz Photar II 25 mm.
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Die für diese Aufnahme gewählte Perspektive


ist - aus fotografischer Sicht - nicht die ein­
fachste Lösung. Ich habe den Schmetterling,
wie weiter oben beschrieben (Abb. 12), auf ei­
nem Aufnahmegestell mit Draht fixiert. Der
Schmetterling wurde auf der Halterung in
Rückenlage schräg positioniert. Durch diese
Wahl entsteht eine Ansicht, welche die Unter­
seite des Flügels zeigt (Abb. 14). Diese Schräg­
lage hat den Nachteil, dass deutlich mehr Fo­
kusschichten benötigt werden.
Aus Sicht der Lichtführung ergibt sich durch
diese Position allerdings der Vorteil, dass die Abb. 16: Kupferglucke (Castropacha quercifolia ).
Schuppen plastischer hervortreten. Beachten Canon EOS 1 DS Mark III, EF 1:3 ,5 /180 mm L.
Sie, dass die Beleuchtung bei diesem Beispiel
noch nicht ideal gesetzt ist. Es handelt sich um
den zweiten Versuch des Beleuchtungsaufbaus.
Die unteren zwei Drittel passen, in der oberen erwachsenes Individuum der Kupferglucke fo­
rechten Bildecke gibt es noch Optimierungspo­ tografierte. Eigentlich wollte ich es anschlie­
tential. Sie erkennen dies, wenn Sie die weißen ßend in der Natur belassen, er jedoch meinte,
Schuppen vergleichen. Beleuchtet wurde dass er am nächsten Tag noch einmal am Motiv
mittels zweier Flächenleuchten und einem Weiterarbeiten wollte. Deshalb wanderte der
transluzenten, oben offenen Lichtkegel über Falter in eine Fangbox. Welche Überraschung
dem Objekt. Der Lichtkegel ist notwendig, um am nächsten Tag, der Falter hatte - nun wissen
das Licht der Flächenleuchten weicher zu ma­ wir, dass es ein Weibchen war - seine Eier an
chen (vgl. 12 Erfolgsfaktoren; Zimmert, beigefügten Blättern abgelegt. Daher konnte
2013). mein Freund noch einmal das Weibchen foto­
grafieren und ich beschäftigte mich mit den
Eier der Kupferglucke Eiern. Die geschlüpften Raupen wurden wieder
(Abbildungsmaßstab circa 6: 1) ins Biotop entlassen.
Bei der Aufnahme habe ich mich für einen
Ein glücklicher Zufall lieferte mir dieses Motiv, PANO-Stack entschieden, denn nur bei ent­
als ich mit einem befreundeten Fotografen ein sprechender Vergrößerung erkennt man die fei­
nen Strukturen auf den Eiern.
Zum Einsatz gekommen ist die Canon 7D , da
diese auf das kleine Sensor-Format 18 M ega­
pixel Auflösung bietet. Die Vollformatkamera
würde zwar auch 18 Megapixel liefern, aller­
dings auf die l,6 fa ch e Sensorfläche, und das
hätte für die Strukturen im Weiß nicht aus­
gereicht. Sie müssen bedenken, dass aufgrund
des Bayer-Chips und der Leistungen der Lu­
penfotoobjektive erfahrungsgemäß ein Q uali­
tätsfaktor von 2 (doppelte Auflösung) benö­
tigt wird. In Bezug auf die bestmögliche
Qualität ist es entscheidend mit der Idealen
Blende zu arbeiten. Durch den PANO-Stack
gibt es aber ausreichend Datenreserve, um die
Daten nach der vollständigen Bearbeitung
auf 50 % (Qualitätsfaktor 2) der ursprüng­
Abb. 15: Eier der Kupferglucke (Castropacha querci- lichen Größe herunterzurechnen. Die Beleuch­
folia). PANO-Stack bestehend aus 3 x 85 Schichten. tung wurde wie für die Schnecke (Abb. 13)
Canon 7D, Leitz Photar II 25 mm. gesetzt.
© Elsevier GmbH. Alle Rechte vorbehalten; http://www.elsevier.de/ Nachrichten 115

Ausarbeitung Arbeitsweise und Erzeugung der RAW-Daten.


M ikrokosmos 102, 5 4 -6 3 (2013).
Bei allen drei Bildbeispielen wurden RAW- Zimmert, G., Stipanits, B.: Digitale Naturfotografie.
Daten als Ausgangsmaterial produziert, mit Verlag MITP, Heidelberg 2 009.
Gapture One Pro wurden die Einzelbilder zum
TIFF entwickelt, anschließend mit Zerene Internet
Stacker Pro und PTGui die Einzelbilder zum Cognisys Inc.: www.cognisys-inc.com
Gesamtbild verrechnet und in Photoshop end­ Edmund Optics: www.edmundoptics.de
Lupenobjektive (Übersicht): www.macrolenses.de
bearbeitet. Novoflex: www.novoflex.com
Alle drei Motive stellen an die Beleuchtung und Really Right Stuff: www.reallyrightstuff.com
deren richtigen Aufbau eine besondere Heraus­ Schott-Fostec: www.us.schott.com
forderung. Mehr dazu im nächsten Teil der Zerene Systems LLC: www.zerenesystems.com
Serie.
Verfasser: Gerhard Zimmert,
Literaturhinweise Endresstraße 52 Haus 4/6, A -1230 Wien, Österreich,
Zimmert, G.: Stacking in der Lupenfotografie. Teil 1: E-M ail: gerhard@zimmert.eu,
Lupenfotografie in der freien Natur - Ausrüstung, Internet: www.naturfoto-zimmert.com

Biologisch-ökologische Kurse am Heiligen Meer - Programm 2013


Die Außenstelle Heiliges Meer ist eine Einrichtung Details zum Planktonkurs am Heiligen Meer vom
des LWL-Museums für Naturkunde (LWL: Land­ 4 - 7 .4 . 2013
schaftsverband Westfalen-Lippe). Hier werden unter Der Kurs bietet eine Einführung in den Fang und das
anderem biologisch-ökologische Kurse für alle Inter­ Mikroskopieren von Zoo- und Phytoplankton. Be­
essierten angeboten, die sich mit der heimischen handelt wird das Plankton der verschiedenen Gewäs­
Fauna, Flora und ihren Lebensräumen befassen. In ser des Naturschutzgebietes; das sind oligotrophe
20 1 3 sind vier neue Kurse im Programm: Süßwasser- und eutrophe Seen sowie dystrophe, zum Teil torf­
Molluskenkurs, Crustaceenkurs, Emskurs (Von der moosreiche Heideweiher und -tümpel. Gemeinsam
Quelle bis zur Mündung) und Pilzmikroskopierkurs. wird die Beziehung der Planktonarten zu den Um­
weltfaktoren in den Gewässern erarbeitet. Die De­
Offenes Kursprogramm 2013 monstration quantitativer Methoden zur Plankton­
untersuchung verweist auf gewässerökologische
Süßwasser-Molluskenkurs: 2 5 .-2 8 .3 . Fragestellungen. Eine Übersicht über die Planktonli­
Planktonkurs: 4 .-7 .4 . teratur wird gegeben. Leitung: W. Berlemann, Ibben­
Amphibien- und Reptilienkurs: 2 .-5 .5 . büren, und Dr. J. Pust, Recke
Avifaunistischer Kurs: 8 .-1 1 .5 . Vorankündigung
Gräserkurs: 1 4 .-1 6 .6 . Im Winter ist ein Kurs zum Thema Überwinterungs­
Libellenkurs: 2 8 .-3 0 .6 . gebiete von Vögeln geplant. Nähere Informationen
Emskurs: 1 2 .-1 6 .7 . werden ab Herbst auf der Homepage im Internet zu
finden sein.
Insektenkurs: 1 7 .-2 0 .7 .
Die Außenstelle liegt im Naturschutzgebiet Heiliges
Crustaceenkurs: 6 .-9 .8 . Meer im Kreis Steinfurt (Nordrhein-Westfalen) an
Moorgeschichte und Pollenanalyse: 9 .-1 1 .8 . der Landstraße 5 0 4 , circa 4,5 km südlich von H op­
Vegetation der Seen und Weiher sten. Die Unterbringung der Kursteilnehmer erfolgt
im NSG Heiliges Meer: 1 7 .-1 8 .8 . in der Außenstelle Heiliges Meer des LWL. Die Kurs­
gebühr (inkl. Unterbringung) beträgt 4 1 ,0 0 Euro be­
Spinnenkurs: 2 7 .-3 0 .8 . ziehungsweise ermäßigt 3 1,00 Euro.
Heuschreckenkurs: 3 0 .8 .-1 .9 . Die Kurse sind anerkannt nach dem Arbeitnehmer­
Säugetierkurs: 5 .-8 .9 . weiterbildungsgesetz und werden in Kooperation mit
Süßwasserfischkurs: 2 0 .-2 2 .9 . der SGV-Wanderakademie (Arnsberg) angeboten.
Pilzkurs: 1 1 .-1 4 .1 0 . Anmeldung und w eitere Inform ationen:
LWL-Museum für Naturkunde, Außenstelle Heiliges
Mooskurs: 2 4 .-2 7 .1 0 .
Meer, Bergstr. 1, 4 9 5 0 9 Recke, Tel.: 054 53/996 60,
Flechtenkurs: 3 1 .1 0 .-3 .1 1 . E-M ail: heiliges-meer@lwl.org, Internetseite:
Einführung in die Pilzmikroskopie: 2 2 .-2 4 .1 1 . www.lwl-heiliges-meer.de.
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Stürmische Tage auf Hiddensee:


7. Exkursion der Berliner Mikroskopischen Gesellschaft
im Oktober 2012
Endlich war es wieder soweit. Die Mikroskopier­ Am Sonntag holten wir zuerst unsere Fahrräder, die
woche auf Hiddensee sollte diesmal am Sonnabend, für fast alle Exkursionen unentbehrlich sind. Glück­
den 6 .1 0 .2 0 1 2 , losgehen. Da die Biologische Station licherweise konnten wir die von Wolfgang Bettig­
der Universität Greifswald, unser ständiges Quartier, hofer im Bodden am Hafen vor drei Wochen aus­
inzwischen neue Bungalows mit jeweils eigener gelegten Rähmchen mit diversen Objektträgern
Toilette und Dusche fertiggestellt hatte, konnten wir wohlbehalten bergen, um mit unserer Arbeit zu be­
auch unser prominentes Mitglied James Bond (er ginnen. Dank der diesmal frühen Auslage war das
heißt wirklich so) überzeugen, mit uns zu fahren. Ergebnis überwältigend. Flächendeckende Besied­
Leider musste er ganz kurzfristig wegen akuter lung mit Diatomeen, Rotunden von Grün- und Braun­
Rückenprobleme absagen. So konnten zum ersten algen, verschiedene Typen von Glockentierchen, K o­
Mal nur drei Berliner teilnehmen. lonien von Bacillaria paxillifer sowie diverse Ciliaten
Die Wetterlage war nicht so berauschend. Wir fuhren erfreuten uns den ganzen Nachmittag. Es gab ständig
bei Nieselregen los und kamen in Schaprode, dem neue Entdeckungen. Zum Abendessen ging es dann
Fährhafen nach Hiddensee, bei Nieselregen an. Dort zum Hitthim direkt hinter dem Hafen.
waren inzwischen nur vier weitere Teilnehmer einge­ Am M ontag fuhren wir mit den Fahrrädern über
troffen und so bestiegen sieben Leute die Fähre. Das Vitte zum Froschteich. Hier hatten wir in den ver­
Wetter besserte sich nicht wesentlich, aber beim Aus­ gangenen Jahren die besten Süßwasserproben be­
laden hörte der Regen auf. Wolfgang Bettighofer, un­ kommen. Leider waren diesmal alle Bemühungen
ser neuer Leiter seit 2 0 1 1 , hatte vorsorglich einen wenig erfolgreich. Durch die seit 2011 laufenden
Pferdewagen bestellt. So wurde unser riesiger Hau­ Landschaftspflegemaßnahmen, verbunden mit dem
fen Gepäck bis zur Station gefahren. Entfernen von Wurzeln und Rohrkolben, kam das
Der Anblick der neuen Bungalows war überwälti­ Gewässer kaum zur Ruhe. Wir hoffen auf das nächs­
gend. Wunderhübsche Häuschen in Rot und Blau te Jahr. Beim Rückweg trösteten wir uns im Lokal
machten einen hervorragenden Eindruck (Abb. 1). Heiderose mit köstlichen Sanddorneisbechern.
Nach der üblichen Einweisung und Schlüsselüber­ Am Nachmittag berichtete uns Jens Kroker von sei­
gabe durch Frau Zenke konnten wir unsere Quar­ ner Arbeit bei einem halbstaatlichen Institut in Sach­
tiere beziehen. Jeder Bungalow hat rechts und links sen. Als Biologe ist er dort unter anderem für die
ein Doppelzimmer. In der M itte zwischen beiden Beurteilung der Wasserqualität der Elbe nach EU-
Räumen ist ein kleines Bad mit Dusche und Toilette. Richtlinien zuständig. An ausgewählten Stellen wer­
Wegen der schwachen Besetzung der Station konnte den unter anderem Diatomeen entnommen, gezählt
jeder gegen einen geringen Aufpreis das Doppelzim­ und zugeordnet. M an kann sich fragen, ob der Aus­
mer als Einzelzimmer belegen. Zwei Teilnehmer be­ sagewert dieser Untersuchung ausreichend ist, da die
kamen Einzelzimmer im Doktorandenhaus. Die bei­ Entnahme nur einmal im Jahr erfolgt und in jedem
den Hamburger sollten am späten Abend mit der Jahr andere Bedingungen herrschen. Auf jeden Fall
Fähre von Stralsund eintreffen.
Beim Aufbau unserer Mikroskope im Kursraum
stellte Wolfgang Bettighofer fest, dass das wichtigste
Teil für die Fotografie nicht dabei war. So blieb ihm
nichts anderes übrig, als noch am gleichen Tag die
ganze Strecke nach Kiel zurückzufahren. Besprochen
wurden noch die weiteren Aufgaben. Wer kauft ein,
wer holt die Getränke, wer macht Frühstück und
kauft Brötchen? Da diesmal nur ein weibliches We­
sen dabei war, blieb doch sehr viel an ihr hängen.
Zum ersten Abendessen trafen wir uns traditionell
im Wieseneck. Gegen 21 Uhr trafen dann auch die
Hamburger ein. Leider fehlte jetzt noch unser armer
Wolfgang, den wir erst am Montagmittag zurück
erwarteten. Abb. 1: Die neuen Bungalows.

Mikrokosmos 102, Heft 2, 2013


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war uns Jens eine wertvolle Hilfe bei der Bestim­


mung der Diatomeen. Leider musste er uns schon am
Dienstag verlassen. Am Abend fuhren wir zum ersten
M al zur Buhne X I in Vitte. Ein nettes Lokal mit gu­
ten Angeboten, aber nur für kleine Gruppen geeig­
net. Am Abend wurde es immer windiger und in der
N acht recht stürmisch. In den neuen Bungalows hat­
ten wir damit keine Probleme.
Am nächsten M orgen hatte sich der Sturm zum O r­
kan entwickelt. Oben am Grillplatz mit freiem Blick
nach Westen auf die See wurde man fast weggebla­
sen. Die Wellen türmten sich immer höher und bra­ Abb. 3: Gruppenfoto mit Gegenwind.
chen sich am Steinwall des Ufers. Es war ein einmali­
ger Anblick (Abb. 2).
Der Mittwoch wurde wieder sehr spannend. Der
Wind war immer noch sehr frisch, und es begann
leicht zu nieseln. Das konnte uns aber nicht davon
abhalten, das neue Boot von Herrn Dr. Dahlke mit
Planktonnetzen und Eimern zu besteigen, um diver­
ses M aterial aus dem Bodden zu beschaffen. Zu­
nächst ging es mit Vollgas zu den Seegraswiesen.
Dredge und Planktonnetz wurden eifrig benutzt, die
Eimer füllten sich. An den Tonnen und Poller arbeite­
ten wir noch mit dem Pfahlkratzer, was bei der rauen
See gar nicht so einfach war. Nach etwa zwei Stun­
den fuhren wir zurück und betraten etwas durch­
nässt und ausgekühlt, aber glücklich wieder festen
Boden.
Bei der Sichtung der Proben waren wir alle begeis­
tert. Auf dem Seegras gab es großflächige Bryozoen-
und Polypenkolonien. Ich entdeckte unter der
Abb. 2: Sturmgepeitschte Ostsee. Stereolupe eine kleine Muschel mit Mimikri-Augen-
flecken. Sehr interessant waren die Rotalgenbüschel
mit diversen aufsitzenden Protisten (Abb. 4). Bis zum
Da M ikroskopiker keine Weicheier sind, wurde die Abend waren wir mit der Ausbeute voll beschäftigt
fällige Wanderung zum Leuchtturm und zum Dorn­ und verpassten fast das Abendessen.
busch nicht gestrichen. Richtig angezogen ging sie
kurz nach 10 Uhr los. Beim ersten Teil der Wande­ Am Donnerstag hatte sich der Sturm gelegt, und wir
rung durch den Wald waren wir noch ganz gut ge­ konnten unsere Fahrräder wieder benutzen. Über
schützt. Kurz vor dem Leuchtturm, der auf einem Vitte und Neuendorf ging es zum Süderleuchtturm
Hügel umgeben von großen Wiesenflächen liegt, ging und zu Fuß dann am Strand bis zur Kernzone des
es dann richtig los. Wir kamen nur mühsam voran, Nationalparks Gellen. Bernstein haben wir leider
und immer flog die eine oder andere Mütze weg. So nicht gefunden.
konnten wir den wunderbaren Ausblick vom Leucht­ Nach kurzer Rast mit Sanddorneisbecher in der Hei­
turm diesmal leider nicht genießen. Der Ausgang derose ging es wieder zurück. Da unser großes
oben war geschlossen. Das übliche Gruppenfoto auf Abendessen auf der Station bevorstand, waren noch
dem Lindwurm kurz dahinter war erst nach mehrfa­ diverse Einkäufe und Vorbereitungen erforderlich.
chen Versuchen möglich. Immer wieder wurde die Auch mussten die restlichen Objektträger vom H a­
Sitzposition verändert, um nicht durch den Sturm fen geholt werden. Zum M ikroskopieren blieb nicht
runterzurutschen (Abb. 3). mehr viel Zeit, da die Essensvorbereitungen doch
Eine weitere Überraschung kam kurz darauf. Wegen recht umfangreich waren. Das Abendessen war köst­
Abbruchgefahr war ein Teil des schönen Wanderwe­ lich: Als Vorspeise Antipasti von Wolfgang Bettig­
ges zum Enddorn, der Nordspitze der Insel, gesperrt. hofer, als Hauptgang Spaghetti bolognese und als
Erst nach einigen Umwegen konnten wir dann das Nachtisch Sanddorneisbecher, beides von Gisela
Ufer erreichen und unsere Brötchen verzehren. Beim Frohberg.
Rückweg entschieden wir uns dann im Gasthaus in Zu diesem Anlass hatten wir auch Frau Dr. Irmgard
Grieben statt zum obligatorischen Eisbecher lieber Blindow, die wissenschaftliche Leiterin der Station,
zu einem Sanddornpunsch. Bis zum Abend wurden eingeladen. Sie erzählte uns die spannende Ge­
diverse Proben untersucht, und schließlich ging es schichte von der Entstehung der neuen Bungalows,
dann zu Essen ins Gasthaus Inselblick. die beinahe gescheitert wäre, weil ein ganz kluger
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Abb. 4: a Moostierchen Plumatelia, b Grünalge Ulva, c Sauginfusor Tokophrya, d Kieselalge Cocconeis.

Kopf die alten Holzhütten unter Denkmalschutz stel­ 1968 bis 1971 vom Institut für den wissenschaft­
len wollte. Inzwischen hat die Station auch einen lichen Film in Göttingen produziert worden sind.
neuen Nachbarn, mit dem es Differenzen gibt. Bei Dann begann das große Einpacken und Sauberma­
der Vermessung wurde festgestellt, dass ein Teil der chen. Am Abend saßen wir wieder im Wieseneck. Die
Station auf seinem Grundstück liegt. Dazu gehört Gruppe schenkte mir das sehr interessante Büchlein
wohl auch der wunderschöne Grillplatz, der am Pflanzen a u f Hiddensee, das verlockt, die Insel auch
Steilhang des West-Ufers liegt. Hoffentlich einigt einmal im Frühjahr oder Frühsommer zu besuchen.
man sich gütlich. M it einem schönen Glas Rotwein
ging der Tag zu Ende. Für den nächsten Morgen hatten wir für zehn Uhr
ein Pferdefuhrwerk bestellt.
Freitagmorgen, herrlicher Sonnenschein und nur eine Die Hamburger waren schon seit 8 Uhr unterwegs.
leichte Brise, nun es war ja auch mein Geburtstag. Das Fuhrwerk kam jedoch nicht. Zum Glück hatten
Den ganzen Tag waren wir voll beschäftigt. Die wir genug Zeit, unser Expeditionsgepäck per Hand­
neuen Proben wurden untersucht, aber auch die Auf­ karren zum Hafen zu bringen. Pünktlich kamen wir
wuchsproben auf den Objektträgern, die am M ontag in Schaprode an und fuhren dann nach herzlicher
aus dem Bodden geholt worden waren, hatten sich Verabschiedung bei schönem Wetter nach Hause zu­
noch sehr schön entwickelt. Es scheint sich immer zu rück.
lohnen, Material auch nach einigen Tagen noch ein­ Dank der aufwändigen und intensiven Vorarbeit von
mal zu untersuchen. Die Entwicklung ist teilweise Wolfgang Bettighofer war diese Mikroskopierwoche
verblüffend. Ich selbst entdeckte etliche Suktorien, für mich und sicher auch die anderen Teilnehmer
die ich so gut noch nie gesehen hatte. Am Nachmit­ sehr erfolgreich. Ich möchte ihm für seine Mühe
tag erzählte Wolfgang Bettighofer etwas über die Art noch einmal ganz herzlich danken. Hoffentlich bin
und Weise, wie Suktorien ihre Nahrung aufnehmen. ich im nächsten Jahr wieder dabei.
Er zeigte uns auch drei Filme von Professor Karl Wolfgang Frohberg,
Grell über Lebensvorgänge bei Suktorien, die von Berliner M ikroskopische Gesellschaft, Berlin
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2. Festival der M ikrofotografie in Wiedenbrück

Impressionen vom Festival der Mikrofotografie 2011.

Am Wochenende 25. und 2 6 .5 .2 0 1 3 findet in Wie­ Profis als auch ausgezeichnete Amateurfotografen -
denbrück das 2. Festival der M akro- und M ikrofoto­ konnten wir für diese Veranstaltung gewinnen. Auch
grafie statt. Das Organisationsteam um den Fotogra­ die Industrie beteiligt sich in verschiedener Hinsicht
fenmeister und M ikroskopiker Peter Woitschikowski an dieser Veranstaltung.
aus Gütersloh hat mit Unterstützung der VHS- So ist das Treffen dieser M ikrofotografen eine her­
Reckenberg-Ems Wiedenbrück dazu viele namhafte vorragende Gelegenheit für alle Besucher, tiefge­
Referenten aus dem Bereich der M akro- und M ikro­ hende Informationen zu den Arbeitsweisen und
fotografie gewinnen können. Möglichkeiten der Nah-, M akro- und M ikrofotogra­
Bei diesem Festival steht - wie beim ersten Mal - die fie und den damit verbundenen Techniken und Gerä­
Vielfalt der technischen und kreativen Fotografie im ten zu erhalten. Natürlich werden auch einfache
Bereich der M ikro- und M akrowelten im Vorder­ M ittel zur Nahfotografie vorgestellt und die Referen­
grund. Die faszinierende Welt der kleinen und kleins­ ten geben Ihnen bereitwillig Rede und Antwort zu al­
ten Dinge aus der Natur, der Technik und Forschung len Bereichen der M ikrofotografie. Die Referenten
wird uns nur mit Hilfe der Fotografie offenbart. Dass veröffentlichen ihre Bilder in Ausstellungen und Spit­
die faszinierende Welt des Kleinsten sichtbar und er­ zenmagazinen und wir sind stolz darauf, sie für die­
klärbar für uns dargestellt werden kann, ist nur mit ses Fotofestival gewonnen zu haben.
Hilfe hervorragender Fotos möglich. Renommierte
Veranstaltungsort: VHS im Stadthaus, Kirchplatz 2,
Fotoprofis und anspruchsvollste Amateurfotografen
33378 Rheda-Wiedenbrück; Termin: Sa. 25. 5. 2013
entdecken und entwickeln immer wieder neue aufre­
und So. 26. 5. 2 0 1 3 , jeweils 1 1 - 1 8 Uhr. Die Gebühr
gende Techniken, um in diesem Bereich einmalige
für die gesamte Veranstaltung beträgt 3 0 ,- € . Freier
künstlerische und wissenschaftliche Bilder zu schaf­
Eintritt für Kinder bis zu 16 Jahren, Ermäßigung
fen. Einen faszinierenden Einblick in diese uns umge­
(2 0 ,- € ) für Schüler und Studenten. Der Besuch der
bende M ikrowelt zu geben, sowie die Informationen,
Ausstellung ist kostenfrei. Reservierung und Vorver­
wie man solche Bilder in Spitzenqualität erzeugt, da­
kauf bis zum 8. M ai 20 1 3 bei Helena Reimer, Tel.:
für steht dieses Fotofestival der M ikrofotografie.
052 42/903 01 15, E-Mail: helena.reimer@vhs-re.de.
Neben Vorträgen zu den verschiedensten Techniken
der aktuellen und historischen M ikrofotografie, wer­
den Workshops, Beamer-Shows sowie eine Ausstel­ Weitere Information sind zu erhalten von Peter Woit­
lung von Topfotos der Referenten geboten. Renom­ schikowski, Hüssengarten 6, 3 3 3 3 2 Gütersloh, Tel.:
mierte Spitzenfotografen - sowohl preisgekrönte 052 42/463 79, Handy: 0176/60 81 72 08.
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120

[ä s ü g d a xD d l B m ß & J s X ü
QOjJ / M lfiö -' UMlH ll^JMzIb^Ofsädßü
Ein Flohhupfer unter den Pflanzen:
Wie der Sauerklee seine Samen wegschießt
W erner Nachtigall und Alfred Wisser
Beim Flohhupfer-Spiel drückt man mit einem Scheibchen kräftig auf die Kante des
„Flohs", und er wird ein gutes Stück fortgeschnipst. Nach dem gleichen Prinzip
schießt der Sauerklee seine Samen an die zwei Meter weit weg.

Beim Flohspiel wirken zwei Kräfte auf den so rotbraune Schale ein, die aus der Anlage der in­
genannten Floh. Die Druckkraft der Scheibe neren Samenschale hervorgegangen ist. Sie ist
und die Gegenkraft des Tischs nehmen ihn so­ in Abbildung 3 als Hartschale bezeichnet. Die
zusagen in die Zange. Noch klarer wird das, äußere Samenschale dagegen besteht aus dünn­
wenn man versucht, eine leicht eingeölte Schus­ wandigen, zarten und großvolumigen Zellen.
serkugel zwischen Daumen und Zeigefinger zu­ Sie bilden insgesamt einen von einer derben
sammenzudrücken. Blitzschnell wird sie aus Epidermis (Außenhaut) umhüllten Schwellkör­
der Fingerzange herausgedrückt und wegge­ per, der den Samen handschuhartig umgreift
schnipst. Wie sieht das nun beim Sauerklee (Abb. 3c) und den wichtigsten Teil des Schnips­
aus? apparats darstellt.
Die häufigste Art dieser Gattung, der Wald- Dieser Schnipsmechanismus wurde bereits
Sauerklee Oxalis acetosella, ist ein Frühblüher 1923 von Overbeck beschrieben und 1928 von
des Laubwaldbodens. Noch im April, bevor die Ulbrich in Zeichnungen nach der Natur illus­
Buchen voll belaubt sind und damit das Son­ triert (Abb. 3a-d). Demnach wandeln die Zel­
nenlicht wegnehmen, sprießen kleine Horste len der Schwellschicht während der Fruchtreife
mit den kleeartig-dreizähligen Blättern, und gespeicherte Stärke in Zuckersubstanzen um,
bald öffnen sich bei Sonnenschein weiße oder die osmotisch Wasser ins Zellinnere nachzie­
leicht rosafarbene, rotgeäderte Blüten (Abb. hen, wodurch der osmotische Druck steigt.
la ). Bei der Fruchtreife wächst der ehemalige Deshalb dehnt sich die Schwellschicht eines
Blütenstiel mehrere Zentimeter weit aus. Man
spricht von einem postfloralen, das heißt nach
der Blüte einsetzendem Wachstum. Auf diese
Weise wird die reifende Kapselfrucht deutlich
aus dem Blätterwald herausgehoben (Abb. lb )
und hat damit freies Schussfeld. Nach dem Ab­
schießen der Samen welken die Fruchtstiele.
Das Besondere am Sauerklee ist nun der Fein­
bau der Samen innerhalb der Kapselfrucht.
Diese Frucht entwickelt sich ja aus dem Ver­
schmelzungsprodukt von fünf Fruchtblättern
zum Fruchtknoten und ist deshalb auch fünf-
zählig. In den inneren Zwickeln sitzen bis zu
drei Samenanlagen übereinander. Aus jeder ent­
wickelt sich ein Samen. Wie jeder Pflanzensa­ Abb.l: Wald-Sauerklee, Oxalis acetosella.
men enthält auch dieser mehrere Samenscha­ a Frisch ausgetriebener, blühender Horst,
len. Das Samenkorn selbst hüllt eine harte, b Fruchtend mit postfloralem Wachstum.
Mikrokosmos 102, Heft 2, 2013
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anlage opfert also sozusagen einen Teil ihrer


Substanz für das Ausschleudern ihres zum Sa­
menkorn umgewandelten Restes! Um im Bild
zu bleiben, müsste man das Modellbeispiel mit
der Schusserkugel etwas verändern. Man denke
sich die Kugel teilweise mit einer Quellschicht
umgeben, die sich bei Feuchtigkeit ausdehnt,
und zwischen den Backen einer leicht geöffne­
ten Rohrzange eingeklemmt. Die Zange selbst
bleibt fest eingestellt, drückt also nicht weiter.
Gießt man nun im Gedankenversuch Wasser
auf die Kugel, so dehnt sich die Quellschicht
aus, überwindet irgendwann den Zangendruck
und schleudert die eingeschlossene Kugel weg.
Ist dieser biologische Schnipsmechanismus aber
Abb. 2: Kapseln, a Fast reife Fruchtkapseln, an einer auch effektiv? Wird der Samen weit wegge­
Stelle aufgesprungen, b Entladene Fruchtkapsel mit schleudert?
Spalten, in denen einige Schwellgewebe-Polster nach
dem Abschuss ihrer Samenkörner hänqen qeblieben In der Literatur werden Schussweiten s bis smax
sind. = 2,4 m angegeben, was sehr hoch erscheint.
Um das zu testen, wurden gewässerte Pflanzen­
bündel mit fast reifen Kapseln in die Mitte
Samens aus, aber das geht nicht sehr weit, weil einer horizontalen Papierbahn von 4,5 x 0,5 m
die Schwellkörper benachbarter Samen gegen­ gestellt. Auf diese Bahn hatten sie mit starker
einander jeweils Widerlager bilden und das Streuung n = 56 Samenkörner abgesetzt, und
Ganze auch noch von einer kräftigen Frucht­ zwar mit einer mittleren Schussweite von 0,62 m.
hülle umgeben ist. Nachdem sich die Schwell­ Die fünf größten Schussweiten waren 2,15 -
körper nicht stärker ausdehnen können, steigt 2,08 - 1,97 - 1,81 und 1,72 m. Da die Ab­
in ihnen der Druck weiter an, bis er Werte deut­ schussrichtung sicher zufällig ist, wurde auf
lich über einem Dutzend bar erreicht. In einem
normalen Autoreifen herrscht ein Druck von
etwa 2 bar; an die 6fach höher ist der Druck in
dieser kleinen Pflanzenkapsel!
Kein Wunder, dass die Kapselwand das irgend­
wann nicht mehr aushält. Die Kapseln sind
leicht kantig ausgeformt (Abb. 2a). An diesen
etwas erhobenen Rändern reißen sie spaltför­
mig auf, wenn der Druck zu groß wird und die
Samen abgeschossen werden und dabei die
Spaltregion regelrecht durchschlagen. Das
Schwellgewebe um einen Samen hat sich dann
schlagartig bis auf etwa 130 % seines Reife­
volumens ausgedehnt und den umfangenen
Samen dadurch blitzschnell durch den Spalt
herausgeschnipst (Abb. 3a und b). Nachdem es
seine Aufgabe erfüllt hat, schrumpft es. Seine
Reste bleiben oft an den Spalträndern hängen,
wie die Abbildungen 2b und 3b zeigen, oder es
schießt sich selbst bis zu einigen Dezimetern
weit fort. Abb. 3: Klassische Zeichnungen, a und b Aufsprin­
Dieser Mechanismus ist deshalb so eigenartig,
gende Kapseln mit Samenausschleudern.
c Samenkorn mit handschuhartig umhüllendem
weil die Kraft zum Samenabschnellen nicht von Schwellgewebe, d Schnitt durch die Samenwände.
irgendeiner Kapselwand herrührt, sondern vom E Epidermis, H Hartschale, S Samenkorn,
Samen selbst, nämlich seiner zum Schwellkör­ Sch Schwellgewebe (a-c nach Ulbrich, 1928;
per umgewandelten Außenschale. Die Samen­ d nach Overbeck, 1923, aus Ulbrich, 1928).
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Kreisflächenverhältnisse umgerechnet. Die zen­ Literaturhinweise


trale Kreisfläche KF von 0,5 m Durchmesser
Overbeck, F.: Zur Kenntnis des Mechanismus der
wurde von vier jeweils 0,5 m breiten Kreis­ Samenausschleuderung von Oxalis. Jb. Wiss. Bot.
ringen KR I(innen) + KR IV (a u ß e n ) umgeben. Um- 62, 2 5 8 -2 8 2 (1923).
gerechnet auf eine Kreisfläche von 4,5/2 m R a­ Ulbrich, E.: Biologie der Früchte und Samen. Sprin­
dius wären insgesamt 252 Samenkörner ger, Berlin 1928.
gelandet, davon auf KF rund 8 % , auf KR I +
KR I V rund 37 - 22 - 15 - 17 % . Verfasser: Prof. em. Dr. rer. nat. Werner Nachtigall
Knapp ein Fünftel aller Samenkörner werden und Dr. rer. nat. Alfred Wisser,
also in der Tat rund 2 m weggeschossen und Außenstelle Technische Biologie und Bionik
der Akademie der Wissenschaften Mainz und FB 8,
sorgen so für die Fernverbreitung. Diese
Biowissenschaften, der Universität des Saarlands.
Schussweite entspricht immerhin dem Tausend­ Postanschrift: Postfach 1 5 1 1 5 0 , 66041 Saarbrücken,
fachen der Samenlänge. E-M ail: a.wisser@mx.uni-saarland.de

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MIKROKOSMOS © Elsevier GmbH. Alle Rechte vorbehalten; http://www.elsevier.de/
123

Georg Oberhäusers „Großes M ikroskop" und


O kularm ikrom eter
Erich Steiner
Georg Oberhäuser (1798-1868) wurde in Ansbach in Mittelfranken als Sohn eines
Drechslermeisters geboren. Er begann in Würzburg seine Lehre. Diese konnte er je­
doch wegen des Todes seines Lehrmeisters nicht beenden. Oberhäuser ging dann
nach Paris und eröffnete 1830 zunächst mit Trecourt und Bouguet eine optische und
feinmechanische Werkstätte, die er aber um 1835 alleine weiterführte.

berhäuser stellte zunächst Trommel­ Mikroskopbau durch Oberhäuser


O mikroskope her. Als aber immer deut­
licher wurde, dass bei diesem Stativtyp
die Verstellbarkeit des Spiegels beschränkt und
die Einstellung der schiefen Beleuchtung fast
und Hartnack
Oberhäusers Mikroskope waren sehr einfach,
praktisch gebaut und preiswert. Viele Wissen­
unmöglich war, konzentrierte er sich ab 1848 schaftler konnten sich daher ein solches Gerät
auf das Hufeisenstativ, das aber nicht von ihm, kaufen. Die Objektive waren von hervorragen­
sondern von Chevalier erfunden worden war. der Qualität. Oberhäuser war ein Meister des

Abb. 1: „Großes Mikroskop" mit


„Oberhäusers-Okularmikrometer"
- Abb. 2 und 3: Signatur 1 und 2
eines „Großen Mikroskops" von
Oberhäuser.
Mikrokosmos 1G2, Heft 2, 2013
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124 E. Steiner © Elsevier GmbH. Alle Rechte vorbehalten; http://www.elsevier.de/

Pröbelns. Daher haben auch Objektive mit der sches auf runde 11 cm hohe Säule wirkend, die
gleichen Nummer häufig verschiedene Vergrö­ auch mit dem plattenförmigen Tubusträger-
ßerungen. 1854 stellte Oberhäuser seinen Nef­ Arm verbunden ist.
fen Edmund Hartnack (1 8 2 6 -1 8 9 1 ) in seinen Tisch: Runder, zaponierter Messingtisch (9,5 cm
Betrieb ein. Hartnack stellte zunächst O bjek­ Durchmesser) mit schwarzer, runder Hartgum­
tive für Mikroskope und Fernrohre her, bevor miauflage (8,5 cm Durchmesser), der sich um
ihm bereits 1860 die technische Leitung über­ seine Achse drehen lässt. Der Rundtisch ist in
tragen wurde. 1864 erwarb er das Unterneh­ einer geschwärzten Messingplatte ( 9 x 9 cm)
men von Oberhäuser, der sich anschließend aus eingelassen und hat zwei Objektträgerklem­
dem Geschäftsleben zurückzog. men. In der Mitte des Tisches ist eine 3 cm
Hartnack führte die Werkstätte mit großem Er­ breite runde Öffnung zum Hineinlegen einer
folg weiter und konnte den guten Ruf, den sie Glasplatte.
schon hatte, noch weiter ausbauen. Dabei kon­
Beleuchtungsapparat: Hohl- und Planspiegel in
zentrierte er sich auf den Mikroskopbau. 1870
Kardanhalterung, in runder Hülse eingebaute
musste Hartnack wegen des Deutsch-Französi­
Irisblende
schen Krieges Paris verlassen. Er übersiedelte
nach Potsdam, firmierte unter „E. Hartnack & Optik: Fünf achromatische Objektive (Nr. 2,
Co., Paris und Potsdam“ und arbeitete dort er­ Nr. 4, Nr. 5a, Nr. 7, Nr. 8), vier Huygens-
folgreich bis zu seinem Tod. Hartnacks Objek­ Steckokulare (Nr. 1, Nr. 2, Nr. 3, Nr. 4; Nr. 2
tive wurden damals in Deutschland von vielen ist ein Okularmikrometer)
Fachleuten als die besten des Kontinents ange­ Signatur: Auf dem plattenförmigen Tubusträ­
sehen. ger-Arm mit „Trecourt &c Georges Oberhaeu-
ser, Place Dauphine 19, Paris“ bzw. „Micro-
„ Großes M ikroskop" und Okularmikrometer scope Platine ä Tourbillon, Brevet d’Invention“
signiert (Abb. 2 und 3). Baujahr um 1833.
Durch einen Bekannten war es mir möglich, ein
sehr gut erhaltenes, seltenes „Großes M ikro­ Zubehör: Ein versperrbarer Mikroskopkasten
skop“, das noch in der Zeit aus der Zu­ aus Holz (L x B x H; 16 x 12,5 x 34 cm; nicht
sammenarbeit von Oberhäuser mit Trecourt original), zwei belederte Objektiv-Etuis.
(um 1833) gebaut wurde, sowie ein ebenso
seltenes „Oberhäuser-Okularmikrometer“ zu M ethodik zur Bestimmung der Okular-
untersuchen (Abb. 1). Das Mikroskop besteht Vergrößerung
aus einem kippbaren Messingstativ mit Origi-
nal-Zaponierung, auf 6,1 cm hoher geschwärz­ Ein Objektmikrometer (2 mm geteilt in 200
ter prismatischer Säule und mit Blei ausgegos­ Teile) wurde mit Hilfe einer starken M ikrosko­
senem original zaponierten Hufeisenfuß aus pierleuchte und mit einem Objektiv zur Ei­
Messing. Das Stativ weist aber eine Besonder­ chung im bekannten Abbildungsmaßstab 10 :1
heit auf. Da Oberhäuser erst ab 1848 M ikro­ mit Hilfe des unbekannten Okulars auf eine
skope mit Hufeisenfuß baute, ist anzunehmen, Mattscheibe in 2 5 0 mm Entfernung projiziert,
dass dieses Gerät ursprünglich ein Trommel­ um die wahre Vergrößerung festzustellen.
mikroskop war. Der ehemalige Besitzer ließ Die Mikronieterwerte (Tabelle 1) wurden mit
dann sicher nach 1848 von Oberhäuser oder dem Oberhäuser-Okularmikrometer und einem
Hartnack (ab 1854) das Mikroskop fachmän­ Objektmikrometer (2 mm geteilt in 200 Teile)
nisch auf ein moderneres und praktischeres bestimmt. Die Objektiv-Vergrößerungen wur­
Gerät mit Hufeisenfuß umbauen. den mit Hilfe der bestimmten Objektiv-Mikro-
meterwerte im Vergleich mit einem Test-Mikro-
meterwert einer bekannten Objektivvergröße­
Die technischen Daten rung rückgerechnet.
G esam thöhe in Arbeitsstellung: 33 cm (mit O b­ Die Objektiv-Brennweiten (f in mm) wurden,
jektiv Nr. 4 und senkrecht gestelltem Tubus). nachdem die Vergrößerungen (V) der Objektive
Tubus: 18 cm, monokular, im unteren Teil ver­ bestimmt worden waren, für eine mechanische
jüngt. Tubuslänge von 180 mm berechnet.
Trieb: Grobtrieb mit Schiebevorrichtung; Fein­ f 180
trieb: Mikrometerschraube oberhalb des Ti­ V
Georg
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GmbH. Alle Rechte vorbehalten; Mikroskop" und Okularmikrometer 125

Tabelle 1: Objektiv-Parameter.
Objektiv-Nummer Vergrößerung Brennweite Mikrometerwert*) Arbeitsabstand
2 7x 25,7 mm 19,23 (xm 20,0 mm
4 17x 19,6 mm 7,86 |xm 3,0 mm
5a 4,7 mm 3,51 (im 1,3 mm

CO
00
X
7 55x 3,3 mm 2,40 |xm 1,0 mm
8 67x 2,7 mm 1,98 |xm 0,9 mm
*) in am (1 ixm = 1/1 000 mm) pro kleinstem Teilstrich auf der Mikrometerskala des Oberhäuser-Okularmikrometers
(Nr. 2).

O berhäuser-O kularm ikrom eter Bei kleinen Objekten wird das Objekt so lange
verschoben, bis es die Grundlinie und die Dia­
Es ist original zaponiert, 5 cm hoch, mit Nr. 2
gonale der besonderen Mikrometerskala be­
bezeichnet und vergrößert 4,5fach. Es hat eine
8 mm hohe Scheibe mit 57m m Durchmesser, in rührt (Abb. 6).
der sich in Blendenhöhe eine mit einer M ikro­ Formel für die Messung von kleinen Objekten:
meterschraube bewegliche, in Glas geritzte L = Länge des Objektes; p = Proportionalteil­
Mikrometerskala von 10 mm Länge befindet. stelle, an der das Objekt die Grundlinie und die
Jeder Millimeter ist noch in Zehntel-Millimeter Diagonale der besonderen Mikrometerskala
unterteilt. Durch die Mikrometerschraube ist es
daher leicht möglich, das Okular-Mikrometer-
plättchen auf eine gewisse Strecke quer durch
das Gesichtsfeld zu führen. Da sich das Okular­
mikrometer im Mikroskoptubus leicht drehen
lässt, kann man es so bequem in die zur Mes­
sung günstige Stellung gegen das Objekt brin­
gen. Zum Scharfstellen kann die Okularlinse in
einer senkrecht geschlitzten Hülse verschoben
werden. Eine Schraube, welche in die geschlitzte
Hülse eingreift, begrenzt die Bewegung. Eine
Besonderheit des Oberhäuser-Okularmikrome-
ters ist die Möglichkeit, kleine Objekte noch
zehnmal genauer ausmessen zu können, als mit
einem normalen Okularmikrometer.
Die Theorie ist folgende: Die Mikrometerskala
bildet ein Rechteck von 1 mm Breite und 10 mm
Länge und enthält 100 Intervalle, die von der
Diagonale des Rechteckes so durchschnitten
werden, dass die senkrechten Linien von der
Grundlinie zur Diagonale hundertstel Millime­
ter ergeben (Abb. 4 und 5).
Für eine Messung muss natürlich zuerst mit
Hilfe eines Objektmikrometers der M ikrome­ Abb. 4: Schematische Zeichnung zum besseren Ver­
terwert des verwendeten Objektives pro Teil­ ständnis der Mikrometerskala im Oberhäuser-Okular­
strich auf der normalen Mikrometerskala be­ mikrometer. Im dem hier beschriebenen Gerät ist das
stimmt werden. Bei größeren Objekten kann oben angeführte Rechteck und die Bezifferung nicht in
dann die Messung nach der Formel erfolgen:
die Mikrometerskala eingeritzt, sondern nur die
L = Länge des Objektes; k = Anzahl der Mikro-
Grundlinie und die Diagonale. - Abb. 5: Schematische
Zeichnung der Mikrometerskala im hier beschriebenen
meterskala-Skalenteile; M = Mikrometerwert Okularmikrometer. - Abb. 6: Ausschnitt der besonde­
des verwendeten Objektives ren Mikrometerskala zum Verständnis für das Aus­
L=kxM messen kleiner Objekte.
126 Aus den Arbeitsgemeinschaften
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berührt; M = Mikrometerwert des verwendeten Im Vergleich mit modernen Schraubenmikro­


Objektivs meter-Okularen war beim Oberhäuser-Okular-
mikrometer kein Unterschied in der Genauig­
keit feststellbar.
Das Oberhäuser-Okularmikrometer ist auf der
Beispiel (Abb. 6): Scheibe, in der sich die Mikrometerskala befin­
det mit „E. Hartnack suc. de G. Oberhaeuser a
Objektiv Nr. 4; p = 16; M = 7,86 Paris. bt6 s.g. d .g .“ signiert (Abb. 7). Es wurde
L = £ j j M = 1 6 x 7 ,8 g 76 zwischen 1860 und 1870 von Hartnack ge­
10 10 baut.
Abschließend kann nur gesagt werden, dass
Das Objekt ist rund 12,6 pm lang.
Oberhäusers beziehungsweise Hartnacks Er­
zeugnisse höchstes Lob verdienen.

Literaturhinweise
Dippel, L.: Das M ikroskop und seine Anwendung.
Erster Theil, Verlag von Friedrich Vieweg und
Sohn, Braunschweig 1872.
Frey, H.: Das M ikroskop und die Mikroskopische
Technik. Verlag von Wilhelm Engelmann, Leipzig
1881.
Gerlach, D.: Geschichte der Mikroskopie. Verlag
Harri Deutsch, Frankfurt am Main 2009.
Gloede, W.: Vom Lesestein zum Elektronenmikro­
skop. VEB Verlag Technik, Berlin 1986.
Harting, P.: Das M ikroskop. Band 3, Verlag von
Friedrich Vieweg und Sohn, Braunschweig 1866.
Kaiser, W.: Technik des modernen Mikroskopes. Ver­
lag von M oritz Perles, Wien 1906.
Kambeck, B. U.: Alphabetische Liste kontinentaler
iv u i wxck. Atu"' s Hersteller von Mikroskopen des 18. und 19. Jah r­
hunderts. Privatdruck, Hildesheim 6/2001.
Patzak, B. (Hrsg.), Steiner, E., Schulz, P.: Die M ikro­
skopesammlung des Pathologisch-Anatomischen
Bundesmuseums im Wiener Narrenturm. Patholo­
gisch-Anatomisches Bundesmuseum Wien, Wien
2008.
Verfasser: Prof. O StR Erich Steiner,
Triestinggasse 35,
Abb. 7: Okularmikrometer-Signatur. 1210 Wien, Österreich

Mikrobiologische Vereinigung München e. V. h \j h 100


Programm März und A pril 2013 Vortragsabende finden an den oben genannten
Terminen (jeweils mittwochs) um 1 9 :3 0 Uhr statt.
13. 03.: Dr. Martin Schubert:
Einbettung von Treffpunkt: Im Vereinslokal; Lothstraße 17,
Pflanzenmaterial in Ecke Dachauer Straße; Trambahnlinie 20; Zugang
Gummi arabicum von Dachauer oder Heßstraße zum Neubau der TU;
nach Hoyer Seminarraum 04 (Untergeschoss). Anfahrts­
2 7 .0 3 .: Tankred Fiedler: beschreibung: siehe mikroskopie-muenchen.de
„Landschaften“ und Organismen in
Inform ieren Sie gerne auch Freunde und Bekannte
der Tiefsee (Farbfilm) über unser Program m. Schnupperabende sind für
2 4 .0 4 .: Jahreshauptversammlung Gäste kostenlos.
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sätzlich ausgedruckt auf nummerierten DIN A4-Bögen Körner, S.-J., Hausmann, K.: Das Periphyton im ras­
mitschicken. Zugunsten der Themenvielfalt in einem terelektronenmikroskopischen Bild. Teil 3: Heliozoen
Heft können keine überlangen Artikel berücksichtigt und Flagellaten. Mikrokosmos 101, 207-212 (2012).
werden. Ein Manuskript darf bei l,5fachem Zeilen­ Boenigk, J., Ereshefsky, M ., Hoef-Emden, K., Mailet, J.,
abstand und einer 12-Punkt-Schriftgröße (Arial) ein­ Bass, D.: Concepts in protistology. Europ. J. Protistol.
schließlich der Literaturhinweise und Bildlegenden 4 8 ,9 6 -1 0 2 (2012).
nicht länger als 10 Seiten sein; der Abbildungsanteil darf
Buchzitate:
insgesamt vier Druckseiten nicht überschreiten (Platz­
bedarf der Abbildungen gemäß der vorgegebenen Bild­ Larink, O., Westheide, W.: Coastal plankton. Photo
größen berechnen). Der Text soll durch Zwischen­ guide for European seas, 2nd ed. Verlag Dr. Friedrich
überschriften untergliedert werden. Keine Fußnoten Pfeil, München 2011.
einfügen. Am Ende des Manuskriptes steht die voll­ Zitate von Buchbeiträgen:
ständige Autorenadresse. Hausmann, K., Hülsmann, N., Radek, R.: „Einzellige
Eukaryota“, Einzeller. In: Westheide, W., Rieger,
3. Tabellen und Bildlegenden (beide jeweils fortlaufend R. (Hrsg.): Einzeller und Wirbellose Tiere, 2. Auflage,
nummerieren) nicht in den Haupttext einbauen, sondern 5. 1 -6 5 . Elsevier Verlag, München 2007.
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