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Mathematische Grundlagen der Vermessungskunde

Von

Achim Scholz
Vermessungsingenieur (Dipl.-Ing. FH)

Unterlagen zusammengetragen und bearbeitet von 2013 bis 2018, Nackenheim am Rhein.
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Vorwort
Die Geodäsie ist die Wissenschaft von der Ausmessung der Erdoberfläche und deren Abbildung.
Friedrich Robert Helmert (1843 – 1917)

Das Wort Geodäsie stammt aus dem Griechischen. Wörtlich übersetzt bedeutet es „Erdeintei-
lung“ und entspricht dem Begriff Vermessungskunde.

Die Geodäsie gliedert sich in die höhere Geodäsie und die einfache Geodäsie.
Die höhere Geodäsie befasst sich mit der Vermessung größerer Teile der Erde (Länder, Konti-
nente) und mit der Ermittlung der Erdfigur.
Die einfache Geodäsie bezieht sich auf Messungen in der Ebene der Erdoberfläche.

1. Erdmessung
Berechnung der Lotabweichungen;
Differenzen der astronomischen- und der geodätischen Vermessung;
Schweremessungen: Lagerstättenforschung (Erdöl etc.).
2. Landesvermessung
Die Vermessung der Erdoberfläche und die Vervollständigung des Kartenwerkes.
3. Kataster- und Liegenschaftsvermessung
Ordnung im Grundstückewesen;
Ausstellung von Unterlagen.
4. Ingenieurvermessung
Aufnahmevermessung,
Absteckungsvermessung,
und Überwachungsvermessung.

Eine Bemerkung vorweg:


Durch moderne Entwicklungen wie leistungsfähige Computer, Totalstationen, GPS, usw. hat
sich vieles im heutigen Vermessungswesen geändert. Manche eigentlich genialen Mess- und
Rechenverfahren sind daher heute nicht mehr vonnöten. Damit sie nicht ganz in Vergessenheit
geraten, soll im Folgenden eine Darstellung des Standes etwa um das Jahr 1974 gezeigt werden.
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Allgemeine Betrachtung über den Begriff: Messen


Messen heißt vergleichen. Um einen Vergleich zuführen bedarf es eines Maßstabes. Hierbei ist
es ohne Bedeutung welches Maßstabsverhältnis zum Vergleich vorliegt. Daher kann jede Dis-
tanz zwischen zwei gegebenen Punkten, einem Anfangs- und Endpunkt einer Strecke als Maß-
stabseinheit dienen. Aus diesem Grund sind die alten historischen Maßeinheiten aus den Ab-
messungen des menschlichen Körpers abgeleitet worden oder entsprechenden Naturmaßen.
Unter Körpermaßen ist der Fuß, die Elle, die Handbreite, das Klafter, unter Naturmaßen die
Rute und das Meter anzusehen. Eine Hauptaufgabe des Vermessungswesens ist die Herstellung
von maßstäblichen Karten, aus denen man die Entfernung der Erdoberfläche zwischen zwei
Punkten abgreift, die Flächen von Grundstücken berechnen, oder den Winkel ermitteln kann.
Daher muss die Karte, die auf der Erdoberfläche vorhanden Punkte, in ihrer richtigen Lage dar-
stellen. Die Feststellung der gegenseitigen Lage der einzelnen Punkte in der Örtlichkeit nennt
man „Lage“- oder „Stückvermessung“. Sieht man zunächst von der Verebnung des Erdkörpers
(Zylinderprojektion) ab, so erscheint uns die Erdoberfläche als Ebene. Die geneigten Flächen in
Hang- und Berglagen können ohne weiteres nicht vermessen werden bevor sie nicht in eine
Projektionsebene gebracht werden.
Das Meter
Nach der französischen Revolution von 1789 hatte die französische Nationalversammlung be-
schlossen, der Vielzahl der Maßverhältnisse ein Ende zu setzten. Am 10.12.1799 wurde von ihr,
angeregt durch Gradmessungen zur Bestimmung der Erdabplattung in den Jahren 1735 – 1744
im heutigen Ecuador, sowie 1736 – 1737 in Lappland, der 10.000.000ste Teil eines Erdmeridi-
anquadranten als die Länge „eines Meters“ definiert und als gesetzliche Längeneinheiten in
Frankreich eingeführt. Zur Sicherung der Längeneinheit wurde 1792 – 1798 eine Gradbogen-
messung zwischen Dünkirchen und Barcelona vorgenommen. Das Meter wurde in einem Platin-
stab von rechteckigem Querschnitt festgelegt und als Urmeter in der „Pariser Sternwarte“ auf-
bewahrt. Am 17.08.1868 wurde bereits im Bereich des Norddeutschen Bundes durch eine Maß-
und Gewichtsordnung das metrische Maßsystem eingeführt. Erst von 01.01.1870 führten Bera-
tungen einer Internationalen Generalkonferenz für Maße und Gewichte zu einer Meterkonven-
tion, der sich 27 Kulturstaaten anschlossen. Das „Urmeter“ wurde als internationaler Prototyp
anerkannt und beim „Internationalen Maß- und Gewichtsbüro“ niedergelegt. Als deutsches
„National-Meter“ galt der aus Platin-Iridium hergestellte und durch Los Nr.18 im September
1889 dem deutschen Reich überwiesene X-förmige Strichmaßstab und wurde von der normalen
Eichungskommision aufbewahrt. Heute ruht dieser Maßstab in der „Physikalisch-Technischen
Bundesanstalt“ in Braunschweig. Der Querschnitt hebt die Ungenauigkeiten auf die Länge bei
Durchbiegung auf. Man nennt daher den Teil des Maßstabes der die Unterteilung trägt, die
„neutrale Zone“.
Die Unterteilung des Meters (Meter = lateinisch → Metrum, griechisch → Metron) wurde mit
lateinischen Zahlwörtern bezeichnet, das Vielfache des Meters mit griechischen.
1/10 m = 1 Dezimeter, 1/100 m= 1 Zentimeter, 1/1000 m = 1 Millimeter, 1/1.000.000 m =
1Mikrometer,
10 m = Dekameter, 100 m = 1 Hektometer, 1000 m = 1 Kilometer, 10.000 m = 1 Myriameter.
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Inhalt

1. Das griechische Alphabet 13

2. Trigonometrie: 14

2.1 Sinusfunktion 14

2.2 Kosinusfunktion 16

2.3 Tangens und 18

2.4 Kotangensfunktion 20

2.5 Sinussatz 22

2.6 Kosinussatz 24

2.7 Tangenssatz 25

2.8 Halbwinkelsätze 25

2.9 Zusammenhang zwischen den trigonometrischen Funktionen 27

2.10 Komplementsätze 28

2.11 Sphärische Trigonometrie: 29

2.11.1 Allgemeines 29

2.11.2 Beweis von Euler 30

2.11.3 Der sphärische Exzess 32

2.11.4 Ableitung der Formel für das rechtwinklige sphärische Dreieck 33

2.11.5 Die Neper`sche Regel 36

2.11.6 Folgerungen aus der Neper`schen Regel 38

2.11.7 Sätze über das schiefwinklige sphärische Dreieck 41

2.11.8 Beziehung zwischen 2 Winkeln und 3 Seiten 43

3. Lehrsätze: 49

3.1 Lehrsatz des Euklid 49

3.2 Lehrsatz des Pythagoras 51

3.3 Strahlensätze 53
5

3.4 Höhensatz 55

4. Grundbegriffe des numerischen Rechnens: 57

4.1 Auf- und Abrunden von Zahlen 57

4.2 Dekadische Ergänzung 57

4.3 Umwandlung von GRAD in GON und Rückumwandlung 59

4.4 Maßstabsverhältnisse 60

4.5 Arkus = Bogenmaß 62

4.6 Gefälle 66

4.7 Logarithmen 67

5. Koordinatensysteme: 69

5.1 Geografische Koordinaten 69

5.2 Soldner Koordinaten 71

5.3 Gauß – Krüger Koordinaten 73

5.4 UTM – System = Universale Transversale Merkatorprojektion 75

5.5 Die Erde 79

5.6 Die drei Nordrichtungen 81

5.7 Korrektionen an gemessenen Strecken bei GK und UTM Abbildungen 83

5.7.1 Reduktion auf das Bezugsellipsoid 83

5,7.2 Reduktion wegen GK- u. UTM-Abbildung 84

6. Die Kleinpunktberechnung: 85

6.1 Der seitwärts gelegene Punkt 87

7. Die beiden vermessungstechnischen Hauptaufgaben: 88

7.1 Polare Übertragung 88

7.2 Berechnung von Richtungswinkel und Entfernung 90

8. Berechnung der Höhe und des Höhenfußpunktes: 92

8.1 Fehlerübertragung im rechtwinkligen Dreieck 94


6

9. Flächenberechnungsverfahren: 95

9.1 Flächenberechnung aus Feldmaßen 95

9.2 Flächenberechnung aus Koordinaten : 98

9.2.1 Gauß`sche Trapezformel 99

9.2.2 Gauß`sche Dreiecksformel 99

9.3 Flächenberechnung von Kreisteilen 100

9.4 Heron`sche Flächenformel 101

10. Flächenteilungen: 102

10.1 Teilung des Dreiecks 102

10.1.1 Parallelteilung 102

10.1.2 Teilung durch einen gegebenen Punkt 103

10.1.2.1Der gegebene Punkt ist die Dreiecksecke A 103

10.1.2.2Der gegebene Punkt liegt auf einer Seite 103

10.2 Teilung des Vierecks 105

10.2.1 Parallelteilung 105

10.2.2 Teilung senkrecht zur Grundlinie 105

11. Ähnlichkeits-Transformation ebener rechtwinkliger Koordinaten: 107

11.1 Einführung in die Matrizenrechnung 107

11.2 Grundlagen der ebenen Koordinatenumformung 110

11.3 Berechnung rechtwinkliger Absteckmaße 117

11.4 Umformung für kleine Drehungen und Dehnungen 118

11.5 Koordinatenumformung mit mehr als 2 gemeinsamen Punkten 119


(Helmert-Transformation)

12. Geradenschnitt: 124

12.1 Flächenlösung 126

12.2 Sonderfälle des Geradenschnittes 127


7

13. Schnitt zwischen Gerade und Kreis 129

14. Schnitt zweier Kreise 132

15. Vorwärtsschnitt: 134

15.1 Vorwärtsschnitt über Dreieckswinkel 134

15.2 Vorwärtsschnitt über Richtungswinkel 137

16. Rückwärtsschnitt: 139

16.1 Lösung von Collins mit einem Hilfspunkt H 140

16.2 Kästner-Delambre-Burckhardt mit Hilfe der Winkel 142

16.3 Cassini mit zwei Hilfspunkten C und D 144

16.4 Runge-Reutzel-Brunner aus Flächenbeziehungen 147

16.5 Gefährlicher Kreis 148

17 Polygonometrische Punktbestimmung: 149

17.1 Allgemeines 149

17.2 Beiderseits koordinaten- und richtungsmäßig angeschlossener Zug 150

17.3 Berechnung der Koordinatenunterschiede 151

17.4 Berechnung der Koordinaten 152

17.5 Die Genauigkeit der Polygonierung 153

17.6 Relativer Längs- und Querfehler 154

17.7 Auffinden grober Messungsfehler 154

17.7.1 Winkelfehler 154

17.7.2 Streckenfehler 156

17.8 Andere Zugformen 156

17.8.1 Berechnung von geschlossenen oder Ringpolygonzügen 156

17.8.2 Einseitig angeschlossener Polygonzug 156

17.8.3 Freier oder offener Polygonzug 156

17.8.4 Einrechnungszug 156


8

17.8.5 Anschluss an unzugängliche Punkte 158

17.8.6 Rechnerische Ausschaltung von Zugteilen 159

17.8.7 Fernorientierung von Nebenzügen 160

17.8.8 Polygonzugverknotung 161

18. Nivellement: 163

18.1 Allgemeines 163

18.2 Bezugsfläche 163

18.3 Übertragung nach Deutschland 163

Orthometrische Reduktion 163

18.4 Nivellierinstrumente 165

18.5 Messverfahren 166

18.6 Berechnung 167

18.7 Genauigkeitsbetrachtung 171

18.8 Höhennetzknoten 172

18.9 Stufenweiser Ausgleich eines Höhennetzes 174

18.10 Längs- und Querschnitte 182

18.11 Erdmassenberechnung 185

18.12 Nivellement über große Entfernungen ( Talübergang) 187

19. Zenitwinkelmessung: 188

19.1 Berechnung des Zenitwinkels und der Zeigerverbesserung 189

19.2 Turmhöhenbestimmung 191

19.2.1 Mit horizontalem Übertragungsdreieck 191

19.2.2 Mit vertikalem Übertragungsdreieck 193

19.3 Tachymetrisches Nivellement 195

19.4 Bestimmung einer Entfernung durch Messung von Zenitdistanzen 196

19.5 Trigonometrische Höhenbestimmung über große Entfernungen 197


9

20. Berechnung an Bögen: 199

20.1 Allgemein 199

20.2 Bestimmung von Tangentenwinkel 199

20.3 Kreisbogen 202

20.4 Unzugänglicher Tangentenschnitt 204

20.5 Absteckung von Einzelpunkten 206

20.5.1 Strenge Verfahren 206

20.5.1.1 Rechtw. Koord. v. d. Tangente mit gleichen Abszissenunterschieden 206

20.5.1.2 Rechtwinklige Koordinaten. v. d. Tangente mit gleicher Bogenlänge 207

20.5.1.3 Berechnung von Zwischenpunkten von der Sehne aus 207

20.5.1.4 Absteckung v. Polarkoordinaten von der Tangente aus 208

20.5.1.5 Sehnenwinkelverfahren 210

20.5.1.6 Absteckung eines Kreisbogens durch ein Tangentenpolygon 210

20.5.1.7 Absteckung durch ein Sehnenpolygon 211

20.5.2 Näherungsverfahren 211

20.5.2.1 Einrückverfahren 212

20.5.2.2 Ausrückverfahren 213

20.5.2.3 Viertelmethode 214

20.6 Absteckung von Kreisbögen mit Zwangspunkten 216

20.7 Querprofile am Kreis 219

20.8 Korbbogen 220

20.8.1 Zweiteiliger Korbbogen 220

20.8.2 Dreiteiliger Korbbogen 222

21. Übergangsbogen (Klothoide): 225

21.1 Anwendung der Klothoide im Straßenbau 228

21.1.1 Übergangsbogen 229


10

21.1.2 Wendeklothoide 229

21.1.3 Eilinie 229

21.1.4 Scheitelklothoide 229

21.1.5 Korbklothoide (Sonderfall der Eilinie) 229

22. Fehlerlehre: 243

22.1 Fehlerarten 244

22.1.1 Grobe Fehler 244

22.1.2 Systematische Fehler 244

22.1.3 Zufällige Fehler 244

22.2 Genauigkeitsmaße 246

22.2.1 Mittlerer Fehler 246

22.2.2 Durchschnittlicher Fehler 247

22.2.3 Wahrscheinlicher Fehler 247

22.2.4 Zusammenhang zwischen zufälligen, durchschnittlichen und wahr- 247


scheinlichen Fehlern

22.2.5 Maximalfehler oder Grenzfehler 248

22.2.6 Relativer Fehler 248

23. Fehlerfortpflanzungsgesetz: 250

23.1 Fehlerfortpflanzung von wahren Fehlern 250

23.2 Fehlerfortpflanzung mittlerer Fehler 250

24. Astronomische Ortsbestimmung: 252

24.1 Vorbemerkungen 252

24.2 Das Prinzip der astronomischen Ortsbestimmung 253

24.3 Die Koordinatensysteme der Himmelskugel 256

24.3.1 Das erdfeste Koordinatensystem 256

24.3.2 Das himmelsfeste Koordinatensystem 257


11

24.3.3 Das Horizontsystem 258

24.3.4 Scheinbare Bewegung der Gestirne 259

24.4 Der Zusammenhang zwischen den Koordinatensystemen 261

24.5 Sonnenzeit und Sternzeit 262

24.6 Zeitliche Änderungen von α und δ 266

24.6.1 Eigenbewegungen 266

24.6.2 Bewegungen der Erde 266

24.6.2.1 Aberration 266

24.6.2.2 Lageänderungen der Erdachse 268

24.7 Astronomische Jahrbücher 268

24.8 Astronomische Refraktion 269

24.9 Beobachtungsinstrumente 270

24.9.1 Zeitmessung und –registrierung 270

24.9.2 Beobachtungsinstrumente mit Kreisen (Universalinstrument) 270

24.9.2 Beobachtungsinstrumente ohne Kreis 270

25. Zentrierungsberechnungen: 272

25.1 Standpunktzentrierung 272

25.2 Doppelzentrierung 274

25.3 Zielpunktzentrierung 276

25.4 Standpunkt- und Zielpunktzentrierung 277

25.5 Der gebrochene Strahl 285

25.5.1 Mehrfach gebrochener Strahl 287

25.5.2 Gebrochener Strahl ohne Streckenmessung 288

26. Ausgleichungsrechnung: 292

26.1 Vorbemerkungen 292

26.2 Die vermittelnde Ausgleichung 292


12

26.2.1 Ausgleichung mit 2 Unbekannten 292

26.2.2 Ein Beispiel zur Ausgleichung mit 2 Unbekannten: Maßstabsvergleich 295

26.2.3 Nichtlineare Verbesserungsgleichung 298

26.2.4 Punktbestimmung durch Streckenmessung 298

26.2.5 Ungleichgewichtige Beobachtungen 305

26.2.6 Vermittelnde Ausgleichung mit mehr als zwei Unbekannten 307

26.2.7 Summenprobe bei der Aufstellung und Reduktion der Normalgleichung 309

26.2.8 Fehlerrechnung bei der Ausgleichung mit mehr als 2 Unbekannten 311

26.2.9 Trigonom. Punkteinschaltung durch Vorwärtseinschnitt 313

26.2.10 Die Orientierungsunbekannte beim Vorwärtseinschnitt 315

26.2.11 Trigonom. Punktbestimmung durch Rückwärtseinschnitt 316

26.2.12 Die Orientierungsunbekannte beim Rückwärtseinschnitt 317

26.2.13 Zusammenfassung der wichtigsten Rechenregeln bei trigonom. 318


Punkteinschaltungen

26.2.14 Die Fehlerellipse 319

26.2.15 Ein Beispiel zur trigonometr. Punkteinschaltung 321

27. Ingenieurvermessung: 335

27.1 Aufnahmevermessung 335

27.2 Absteckungsvermessung 336

27.3 Überwachungsvermessung 337

28. GPS –Globales Positionsbestimmungssystem: 340

28.1 Allgemeines zu GPS 340

28.2 Das Prinzip der Positionsbestimmung 341

28.3 GPS – Instrumentenausrüstung 343

28.4 GPS – Vermessung 343

29. Schrifttum 346


13

1. Das Griechische Alphabet

A ALPHA

 BETA

GAMMA

 DELTA

EPSILON



ETA



JOTA

 KAPPA

 LAMBDA

MY

 NY

 XI

 OMIKRON

 PI 

RHO

 SIGMA

 TAU

  YPSILON

  PHI

 CHI

 PSI

 OMEGA
14

2. Trigonometrie

2.1 Sinusfunktion

a1/c1 = a2/c2 = a3/c3

Bild 1

Der Verhältniswert (Gegenkathete zur Hypotenuse) ist nur vom Winkel ab-
hängig. Er hat also für den gleichen Winkel immer denselben Wert, ohne
Rücksicht auf die Größe des Dreiecks. Man bezeichnet in einem rechtwink-
ligen Dreieck das Verhältnis der Gegenkathete zur Hypotenuse als den Sinus des
Winkels. 
sin = a/c ; sin  b/c

Bild 2

Bild 3
15
16

2.2 Kosinusfunktion

b1/c1 = b2/c2 = b3/c3

Bild 4

Man bezeichnet in einem rechtwinkligen Dreieck das Verhältnis der An-


kathete zur Hypotenuse als den Kosinus des Winkels.

cos b/c ; cos = a/c

Auch die Kosinusfunktion ist nur vom Öffnungswinkel abhängig. Da die Ka-
thete immer kleiner ist als die Hypotenuse, so ist der Kosinus immer kleiner
als 1.

Bild 5

Bild 6
17
18

2.3 Tangensfunktion

a1/b1 = a2/b2

Bild 7
19

Man bezeichnet in einem rechtwinkligen Dreieck das Verhältnis der Gegenka-


thete zur Ankathete als den Tangens des Winkels.

tan tan b/a

Die Größe der Tangensfunktion ist nur vom Öffnungswinkel abhängig.

Bild 8

Bild 9
20

2.4 Kotangensfunktion

b1/a1 = b2/a2

Bild 10
21

Man bezeichnet in einem rechtwinkligen Dreieck das Verhältnis der Ankathe-


te zur Gegenkathete als den Kotangens des Winkels.

cot = b/a ; cot  = a/b

Bild 11

Bild 12
22

2.5 Sinussatz

Die Seiten eines Dreiecks verhalten sich zueinander, wie die Sinuswerte der
gegenüberliegenden Winkel.

a : b : c = sin : sin sin  ;

sina = sin / b = sin / c ;

a / sin b / sin = c / sin ;

Bild 13

Ableitung:

A B HA A C HA

sin = ha / c sin = ha / b

ha = c * sin ha = b * sin
Gleichsetzen
c *sin = b * sin

b : c = sin : sin

A B HB  B C HB

sin= hb / c sin = hb / a

hb = c * sin hb = a * sin
Gleichsetzen
c * sin = a * sin

a : c = sin : sin 

Beispiel :
In einem Dreieck sind gegeben die Seite a = 70,0 m, der Winkel = 59,0401g,
der Winkel 50,0000g;
Gesucht : b , c ;

= 200g -(+ )

= 200g - (59,0401g + 50,0000g)

= 90,9599g

b = (sin * a) / sin 50,0m


23

c = ( sin a ) / sin56,57m ;

Bild 14
24

2.6 Kosinussatz

Der Kosinus eines Winkels ist gleich der Summe der Quadrate der ihn ein-
schließenden Seiten, vermindert um das Quadrat der gegenüberliegenden
Seite, dividiert durch das doppelte Produkt derselben beiden Seiten.

Bild 15

Nach Pythagoras :

a2 = hc2 + p2

p=c–q

a2 = hc2 + (c – q)2

a2 = hc2 + c2 – 2cq + q2

b2 = hc2 + q2

hc2 = b2 – q2

a2 = b2 + c2 – 2cq –q2 + q2

cos = q / b

q = b x cos

a2 = b2 + c2 – (2bc x cos); cos = (-a2 + b2 + c2) / 2bc;

b2 = a2 + c2 – (2ac x cos); cos = (-b2 + a2 + c2) / 2ac;

c2 = b2 + a2 – (2ab x cos); cos = (-c2 + a2 + b2) / 2ab;

Beispiel:
Gegeben: a = 32,0 m, b = 26,0 m, c = 36,0 m
Gesucht: 

cos = (- a2 + b2 + c2 ) / 2bc = ( -32,02 + 26,02 +36,02 ) / 2 x ( 26,0 x 36,0 )

= 948 / 1872 = 0,5064 = 66,1945g

cos = 1644 / 2304 = 0,71354 = 49,4179g

cos = 404 / 1664 = 0,24279 = 84,3876g

Probe:  = 200g

66,1945 + 49,4179 + 84,3876 = 200,00002 ;


25

2.7 Tangenssatz

(a + b) / (a – b) = (tan[()/2)] / (tan[()/2])

a / sinb / sinc / sin = 2r

a = 2r x sin

b = 2r * sin -

(a + b) / (a - b) = [2r (sinsin][r (sinsin] Umkehrung der Addi-


tionstheoremen

= (2 sin[(2]cos[(2]) /(2cos[(]sin[(/2])

tan[(/2] cot[(/2]

(a+b) / (a-b) = (tan[/2]) / (tan[(/2])

(a+c) / (a-c) = (tan[(/2]) / (tan[(/2])

(b+c) / (b-c) = (tan([] / (tan[(/2])

2.8 Halbwinkelsätze

b+c–a = 2(s–a)

a + c – b = 2 (s – b )

a+b–c = 2(s–c)

a + b + c = 2s

1 + cos α = [2s * ( s – a ) / ( b * c )]

Behauptung ↑

1 + cos α = 2 cos2 α/2 ↗

← 1 – cos α = 2 sin2 α/2

↓ cos α = ( b2 + c2 – a2 ) / 2bc

↓ 1 + cos α = (2bc / 2bc) + [( b2 + c2 – a2) / 2bc]

= ( 2bc + b2 + c2 – a2 ) / ( 2bc )

1 + cos α = [( b + c )2 – a2] / 2bc → Substitution b + c = x

↓ Wert wird eingesetzt:


26

↓ 1 + cos α = [( a + b + c ) * ( b + c –a )] / 2bc

1 + cos α = [2s * 2( s – a )] / 2bc

1 – cos α = (2bc / 2bc) – [( b2 + c2 – a2 ) / 2bc]

↓ = ( 2bc – b2 – c2 + a2 ) / 2bc

= [ -( b – c )2 + a2 ] / 2bc

Substitution b – c = x

↓ = ( a2 – x2 ) / 2bc = ( a + x ) * ( a – x )

Wert für x einsetzen:

↓ 1 – cos α = [( a + b – c ) * ( a – b + c )] / 2bc

↘ = [ 2( s – c ) * 2( s – b )] / 2bc

1 – cos α =[2 ( s- b ) * ( s – c )] / bc

2cos2 α/2 = [2s * ( s – a )] / bc

2sin2 α/2 = [ 2* ( s – b ) * ( s – c )] / bc

cos α/2 = ([ s( s – a )] / bc )

cos β/2 = ([ s( s – b )] / ac )

cos γ/2 = ([ s( s – c )] / ab )

sin α/2 = [( s – b ) * ( s – c )] / bc

sin β/2 = [( s – a ) * ( s – c )] / ac

sin γ/2 = [( s – a ) * ( s – b )] / ab

tan α/2 = sin α/2 / cos α/2 = [( s - b ) * ( s – c ) * bc ] / [ bc * s( s – a )]

tan α/2 = [( s – b ) * ( s – c )] / s( s – a )

tan β/2 = [( s – a ) * ( s – c )] / s( s – b )

tan γ/2 = [( s – a ) * ( s – b )] / s( s – c )
27

2.9 Zusammenhang zwischen den trigonometrischen Funktionen

sincos tancot

sincos2tan/ 1+tan21/ 1+cot2

cos1-sin21/ 1+tan2a cot/ 1+cot2

tan sin/ 1-sin2 1-cos2/cos ------ 1/cot

cot1-sin2/sin cos/ 1-cos2tan -------


28

2.10 Komplementsätze

Bild 16

tan = a/b ,  = 100g - 

cot = a/b = cot (100g - )

tan= cot (100g - )

Im rechtwinkligen Dreieck entspricht die Funktion eines Winkels, der Kofunktion


seines Komplementwinkels.
29

2.11 Sphärische Trigonometrie

Dreiecksmessung auf der Kugel.

2.11.1Allgemeines über das sphärische Dreieck, insbesondere seinen Inhalt:

Jeder ebene Schnitt der Kugel liefert einen Kreis. Enthält die Schnittebene den Ku-
gelmittelpunkt, so erhalten wir einen Großkreis dessen Radius gleich dem Radius
der Kugel ist. Die übrigen Kreise heißen Kleinkreise.
Definition: Ein sphärisches Dreieck wird von Großkreisbögen begrenzt. Die kürzeste
Verbindung zweier Punkte auf der Kugel ist ein Großkreisbogen. Die Längen der
sphärischen Entfernungen der Eckpunkte eines Dreiecks werden grundsätzlich
durch die Zentriwinkel die zu diesem Kreisbogen gehören bestimmt. Die Winkel-
summe im sphärischen Dreieck ist immer größer als 180o.

Bild 140
30

2.11.2 Beweis von Euler über den Inhalt eines sphärischen Dreiecks.

Bild 141
31

Die 3 Ebenen die zu den Kugelkreisen gehören schneiden aus der Kugeloberfläche
8 sphärische Dreiecke heraus.

∆ ABC ∆1` A B` C`

∆` AB`C` ∆2` B A`C`

∆1 A`B C ∆3` C A`B`

∆2 B`A C

∆3 C`A B

∆ + ∆1 = Kugelzweieck (α * 4π * R2) /360o

∆ + ∆2 = Kugelzweieck (β * 4π * R2 ) / 360o

∆ + ∆3 = Kugelzweieck (γ * 4π * R2 ) / 360o

Fläche Kugelzweieck : α = Oberfläche Kugel : 360o

F =( α4π * R2) / 360o ; π / 180o = reziproker Wert von ƍ

① 3∆ + ∆1 + ∆2 + ∆3 = [(4π * R2) / 360o] * (α + β + γ)


[(2π * R2) / 180o]
-------------------------------------------------------------------
∆ + ∆`+ ∆1 + ∆2 + ∆3 + ∆1`+ ∆2`+ ∆3 `= 4πR2

2∆ + 2∆1 + 2∆2 + ∆3 = 4πR2 | : 2

② ∆ + ∆1 + ∆2 + ∆3 = 2πR2
------------------------------------

① - ② = 2∆ = (2πR2 / 180o) * (αo + βo + γo – 180o)


∆ πR2

∆ = (πR2 / 180o) * (α + β + γ – 180)


ε = sphärischer Exzess

π/180 = 1/ƍ ∆ = ( R2 * ε ) / ƍ
32

2.11.3 Der sphärische Exzess

ε = (∆ * ƍ) R2 ; R = 6370 km

Von besonderer Bedeutung ist die Berechnung des sphärischen Exzesses in der Lan-
desvermessung. Denn im Netz erster Ordnung (Seitenlänge 30 – 50 km) handelt es
sich um kleine sphärische Dreiecke, deren Winkelsumme größer als 180o ist. In unse-
rem Netz 1. Ordnung beträgt der sphärische Exzess ca. 10`` - 15``. Zur Auflösung die-
ser kleinen sphärischen Dreiecke bedient man sich des Satzes von Legendre.
„Ein kleines sphärisches Dreieck kann näherungsweise wie ein ebenes Dreieck be-
rechnet werden, wenn man als Winkel des ebenen Dreiecks die um je 1/3 des sphä-
rischen Exzesses verminderten Winkel des sphärischen Dreiecks nimmt“.
33

2.11.4 Ableitung der Formel für das rechtwinklige sphärische Dreieck.


Bild 142
34

C̅ sei ein beliebiger Punkt der Kante des β-Winkels. Die Katheten des bei C̅ rechtwink-
ligen Dreiecks A`B`C̅, dessen Ebene winkelrecht auf der Kante O͞ C steht werden be-
nutzt zur Konstruktion zweier ebenfalls bei C̅ rechtwinkliger Dreiecke C̅ A̅ B` und
A`B`C̅. Die Ebenen der beiden Dreiecke sind senkrecht zu O͞ A bez. O͞ B und schneiden
die Winkel α und β heraus.

∆ A̅ B̅ C̅ ∆ O B`C̅ ∆ O A̅ B`

sin α = B`C̅ / A̅ B` sin a = B`C̅ / O B` sin c = A̅ B´/ O B`

↖ ↖ B`C̅ = O B`* sin a

↖ ← ← ← ← A̅ B`= O B`* sin c

sin α = (O B` * sin a) / (O B`* sin c)

① sin α = sin a / sin c

cos α = A̅ C̅ / A̅ B` ∆ O A̅ C̅

↖ ↖ tan b = A̅ C̅ / O A̅ tan c = A̅ B`/ O A̅

↖ ↖ A̅ C̅ = O A̅ * tan b

↖ ← ← ← ← A̅ B`= O A̅ * tan c

cos α= (O A̅ * tan b) / (O A̅ * tan c)

② cos α = tan b / tan c

tan α = B`C̅ / A̅ C̅ tan a = B`C̅ / O C̅ sin b = A̅ C̅ / O C̅

↖ ↖ B`C̅ = O C̅ * tan a

↖ ← ← ← ← A̅ C̅ = O C̅ * sin b

tan α = (O C̅ * tan a) / (O C̅ * sin b)

③ tan α = tan a / tan b

1` sin β = sin b / sin c 2` cos β = tan a / tan c 3` tan β = tan b / sin a

∆ O A̅ B` ∆ = O A̅ C̅ ∆ O B`C`

cos c = O A̅ / O B` cos b = O A̅ / O C̅ cos a = O C̅ / O B`

↖ ↖ O A̅ = O C̅ * cos b

↖ ← ← ← ← ← O B`= O C̅/ cos a


35

cos c = (O C̅ * cos b * cos a) / O C̅

④ cos c = cos a * cos b

Die Ableitung der 5. Formel geht auf 3 und 3` zurück.

③ tan α = tan a / sin b , cot α = sin b / tan a , cot β = sin a / tan b

cot α * cot β = (sin b * sin a) / (tan a * tan b)

= (sin b * sin a) / [(sin a/cos a) * (sin b / cos b)] = cos a * cos b

nach Formel ④

⑤ cot α * cot β = cot c

Die 6. Formeln ergeben sich aus ① und ②.

cos α / sin β = (tan b * sin c) / tan c * sin b)

= [(sin b / cos b) * sin c] / [(sin c / cos c) * sin b] = cos c / cos b

nach Formel ④

⑥ cos α / sin β = cos a 6` cos β / sin α = cos b

Für alle abgeleiteten Formeln gibt es eine Merkregel mit deren Hilfe man die
Formel ohne weiteres ablesen kann.
36

2.11.5 Die Neper`sche Regel

In jedem rechtwinkligen sphärischen Dreieck ist der Cosinus eines Stückes 1. gleich
dem Produkt der Sinuswerte der nicht anliegenden Stücke, oder 2. gleich dem Pro-
dukt der Kotangenswerte der anliegenden Stücke. Wenn man bei dieser Betrach-
tung den rechten Winkel nicht mit zählt und die Katheten durch die Bögen ersetzt
die sich zu 90O ergänzen.
Bild 143 und 144
37

Aus dem 1. Teil der Regel folgt:

cos α = sin (90 – a) * sin β cos (90 – b) = sin c * sin β

cos α = cos a * sin β sin b = sin c * sin β

cos a = cos α / sin β ⑥ sin β = sin b / sin c 1´

cos (90 – a) = sin α * sin c cos β = sin α * sin (90 – b)

sin a = sin α * sin c cos β = sin α * cos b

sin α = sin a / sin c ① cos β / sin α = cos b 6`

cos c = sin (90 – a) * sin (90 – b)

cos c = cos a * cos b ④

Aus dem 2. Teil folgt:

cos α = cot (90 – b) * cot c

cos α = tan b * cot c

cos α = tan b / tan c ②

cos (90 – b) = cot (90 –a) * cot α

sin b = tan a * cot α

tan α = tan a / sin b ③

cos β = cot (90 – a) * cot c

cos β = tan a / tan c 2`

cos (90 – a) = cot (90 – b) * cot β

sin a = tan b * cot β

tan β = tan b / sin a 3`

cos c = cot (90 – b) * cot (90 – a)

cos c = tan b * tan a

cos c = cot α * cot β ⑤


38

2.11.6 Folgerungen aus der Neper` schen Regel

① cos c = cos a * cos b

Diese Lösung ist immer eindeutig.

Im rechtwinkligen sphärischen Dreieck liegt eine Seite immer im 1. Quadranten.


Die beiden anderen Seiten liegen zugleich entweder im 1. oder 2. Quadranten.

cos β = sin α * cos b cos α = sin β * cos a

② sin α = cos β / cos b ③ sinβ = cos α / cos a

Lösung nicht eindeutig

Die Gleichungen müssen immer + sein, das heißt Zähler und Nenner müssen gleiche
Vorzeichen haben.

Jeder von 90o verschiedene Winkel im rechtwinkligen sphärischen Dreieck muss im


gleichen Quadranten liegen wie ihre gegenüber liegende Seite.

Mit Hilfe der Neper`schen Regel und dieser beiden Sätze, kann man jedes beliebige
rechtwinklige sphärische Dreieck auflösen.
39

Beispiel 1:
Ein auf einem Großkreis fahrendes Schiff schneidet den Äquator unter dem Winkel
α = 31o20`. Unter welchem Winkel wird das Schiff den 20. Breitenkreis schneiden?
Ermittle den sphärischen Exzess sowie die Seite b und c des sphärischen Dreiecks.
Bild 145
40

cos α = sin (90 – a) * sin β

cos α = cos a * sin β

sin β = cos α / cos a = o,939693 / 0,854156 = 0,908974

β = 65o21`50``

ε = (αo + βo + γo) - 180o

= (65o21`50`` + 31o20`00`` + 90o00`00``) – 180o = 6o41`50``

cos (90 – a) = sin α * sin c

sin a = sin α * sin c

sin c = sin a / sin α = 0,342020 / 0,520016 = 0,657711

c = 41o 07`32``

cos β = sin α * sin (90 –b) = sin α * cos b

cos b = cos β / sin α = 0,416853 / 0,520016 = 0,801616

b = 36o 42`55``

Probe :

cos c = sin(90 – a) * sin(90 – b) = cos a * cos b = 0,939693 * 0,801616 = 0,753273

c = 41o 07`31``

Beispiel 2:

Auf einem Himmelsglobus mit R = 30 cm bilden drei Sterne ein Dreieck.


Berechne die Fläche des Dreiecks.

α = 88o 04`

β = 63o 16`

γ = 76o 22`

Δ = (R2 * ε) / ƍ

ε = (88o 04`+ 63o 16`+ 76o 22`) – 180o 00` = 47o42` 42 / 60 = 0,7
↘ = 47,7o

Δ = (900 cm2 * 47,7o) / 57,3o = 749,21 = 750 cm2


41

2.11.7 Sätze über das schiefwinklige sphärische Dreieck

Bild 153
42

Sinussatz

Nach Neper ist:

cos b = sin (90 – m) * sin (90 – p) Seitencosinussatz

cos a = sin (90 – n) * sin (90 – p)


--------------------------------------------------
cos (90 – p) = sin α * sin b

cos (90 – p) = sin β * sin a

sin α * sin p = sin β * sin a

sin a : sin b = sin α : sin β

Allgemein :

sin α : sin β : sin γ = sin a : sin b : sin c Sinussatz

cos a / cos b = (cos n * cos p) / (cos m * cos p)

cos a = (cos b * cos n) / cos m n=c–m

cos a = [cos b * cos (c – m )] / cos m → Additionstheoreme

cos a = ([(cos c * cos m) + (sin c * sin m)] / cos m) * cos b

cos a = (cos b * cos c) + (cos b * sin c * tan m)

Im linken Dreieck ist nach Neper ↑ 2. Teil:

cos α = cot b * cot (90 – m) ↑

tan m = cos α * tan b → → ↑

cos a = (cos b * cos c) + (cos b * [sin c * (sin b / cos b)] * cos α)

cos a = (cos b * cos c) + (sin b * sin c * cos α) Seitencosinussatz

cos b = (cos a * cos c) + (sin a * sin c * cos β)

cos c = (cos a * cos b) + (sin a * sin b * cos γ)

Winkelcosinussatz:

cos α = sin x * sin (90 – b)

cos β = sin y * sin (90 – b)


43

cos α / cos β = sin x / sin y

cos α = (cos β * sin x) / sin y x=γ–y

cos α = [cos β * sin (γ – y)] / sin y → Additionstheoreme

cos α = ([(sin γ * cos y) – (cos γ * sin y)] / sin y) * cos β

cos α = (sin γ * cos β * cot y) – (cos β * cos γ)

cos a = cot y * cot β ↑

cot y = cos a * tan β → ↑

cos α = [sin γ * cos β * cos a * (sin β / cos β)] – (cos β* sin γ)

cos α = (-cos β * cos γ) + (sin β * sin γ * cos a) Winkelcosinussatz

cos β = (-cos α * cos γ) + (sin α * sin γ * cos b)

cos γ = (-cos α * cos β) + (sin α * sin β * cos c)

2.11.8 Beziehung zwischen 2 Winkeln und 3 Seiten

sin a * cos β = (cos b * sin c) – (sin b * cos c * cos α)

sin a * cos γ = (cos c * sin b) – (sin c * cos b * cos α)

sin b * cos α = (cos a * sin c) – (sin a * cos c * cos β)

sin b * cos γ = (cos c * sin a) – (sin c * cos a * cos β)

sin c * cos α = (cos a * sin b) – (sin a * cos b * cos γ)

sin c * cos β = (cos b * sin a) – (sin b * cos a * cos γ)

Mit diesen Formeln kann man jedes beliebige sphärische Dreieck auflösen.

Beispiel 1: Gegeben: a, b und c

Seitencosinussatz

cos a = (cos b * cos c) + (sin b *sin c * cos α)

cos α = [cos a – (cos b * cos c)] / (sin b * sin c)

β und γ → Sinussatz und Seitencosinussatz

sin β = (sin α * sin b) / sin a

sin γ = (sin α * sin c) / sin a oder


44

cos β = [cos b – (cos a * cos c)] / (sin a * sin c)

cos γ = [cos c – (cos a * cos b)] / (sin a * sin b)

Beispiel 1`: Gegeben: α, β und γ

Winkelcosinussatz

cos α = (-cos β * cos γ) + (sin β * sin γ * cos a)

cos a = [cos α + (cos β * cos γ)] / (sin β * sin γ)

Sinussatz oder Winkelcosinussatz

cos b = [cos β + (cos α * cos γ)] / (sin α * sin γ)

Beispiel 2: Gegeben: b, c und α

Seitencosinussatz

cos a = (cos b * cos c) + (sin b * sin c * cos α)

β und γ → siehe unter Beispiel 1

Beispiel 2`: Gegeben: β, γ und a

Winkelcosinussatz

cos α = (-cos β * cos γ) + (sin β * sin γ * cos a)

b und c → siehe unter Beispiel 1`

Beispiel 3: Gegeben: a, b und α

β nach Sinussatz

sin β = (sin b * sin α) / sin a

γ aus der Beziehung 3 Seiten und 2 Winkel

(sin c * cos α) = (cos a * sin b) – (sin a * cos b * cos γ)

(sin c * cos β) = (cos b * sin a) – (sin b * cos a * cos γ)

[(cos a * sin b) – (sin a * cos b * cos γ)] / cos α =


[(cos b * sin a) – (sin b * cos a * cos γ)] / cos β

cos γ = [(cos b * sin a * cos α) – (cos a * sin b * cos β)] /


[(sin b * cos a * cos α) – (sin a * cos b * cos β)]

c nach Sinussatz
45

Bemerkung:

Nach dem Sinussatz ist der Winkel β zweideutig bestimmt. In der Regel kann man
aus der Aufgabenstellung ersehen ob β im 1. oder 2. Quadranten liegt, entsprech-
end der gegenüberliegenden Seite b.
Wenn die gegenüberliegende Seite b nahe 90o groß ist, kann man folgenden Satz zur
Entscheidung heranziehen:
In jedem sphärischen Dreieck ist die Summe zweier Seiten und die Summe ihrer Ge-
genwinkel zugleich entweder größer, gleich oder kleiner als 180o.

Beispiel 3`: Gegeben: α, β und a

B nach Sinussatz

sin b = (sin β * sin a) / sin α

c und γ → siehe unter Beispiel 3

-------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------
46

Aufgabe:
Berechne die Entfernung und die Flugzeit für ein Flugzeug das mit 400Km/Std von
Hamburg nach New York fliegt. Außerdem berechne den Anfangs- und den Endkurs.
New York = P1 ϕ1 = 40,7o λ1 = -74o
Hamburg = P2 ϕ2 = 53,6o λ2 = +10o
α1 = Endkurs
α2 = Anfangskurs
Bild 154
47

Δ λ = λ1 + λ2 = 74o + 10o = 84o

90o – 40,7o = 49,3o

Seitencosinussatz
cos x = [cos (90 – ϕ1) * cos (90 – ϕ2)] + [sin (90 – ϕ1) * sin (90 – ϕ2) * cos Δλ]

cos x = (sin ϕ1 * sin ϕ2) + (cos ϕ1 * cos ϕ2 * cos Δλ)

cos x = (sin 40o42`* sin 53o36`) + (cos 40o42` * cos 53o36`* cos 84o)

cos x =(0,652098 * 0,804894) + (0,758134 * 0,593419 * 0,104528)

cos x = 0,524870 + 0,047026 = 0,571896

x = 55o07`

1 Gradminute = 1 Seemeile = 1,852 Km

x = 55o07`= 3307`

Entfernung in Km = 3307` * 1,852 Km = 6124 Km

Flugzeit: v = 400 Km / 1Std = E / t

Zeit = 6124 / 400 = 15,31Std = 15 Std 18 Min 36 Sek

Endkurs α1:
Seitencosinussatz

cos α1 = (cos (90o – ϕ2) – [cos (90o – ϕ1) * cos x]) / [sin (90o – ϕ1) * sin x]

cos α1 = [0,80489 – (0,652098 * 0,571907)] / (0,758134 * 0,82032)

cos α1 = 0,431951 / 0,621912 = 0,69455

α1 = 46o 0`30``

Anfangskurs α2:

cos α2 = (cos (90o – ϕ1) –[cos (90o – ϕ2) * cos x]) / [sin (90o – ϕ2) * sin x]

= [0,652098 – (0,804894 * 0,571907)] / (0,593419 * 0,820318)

= 0,191774 / 0,48679 = 0,393956

α2 = 66o 47`56``
48

zur Probe Berechnung von Δλ:

cos Δλ = (cos x – [cos ( 90o – ϕ2) * cos (90o – ϕ1)]) / [sin (90o – ϕ2) * sin (90o – ϕ1)]

= [0,571901 – (0,804894 * 0,652098)] / (0,593419 * 0,758134)

= 0,047031 / 0,449891 = 0,104539

Δλ = 83o59`58``
49

3. Lehrsätze

3.1 Lehrsatz des Euklid

Im rechtwinkligen Dreieck ist das Quadrat über einer Kathete gleich dem Rechteck
aus der Hypotenuse und dem anliegenden Hypotenusenabschnitt.
Bild 17
50

Bild 17

 ABH = AFC

HA = AC

AB = AF

⦠ CAF = ⦠ HAB (100g + α)

∆ ABH = □ ACGH/2 } gleiche Grundlinie -

∆ AFC = □□ AFED/2 } und Höhe


-----------------------------
□ ACGH = □□ AFED

b2 = c * q

a2 = c * p
51

3.2 Lehrsatz des Pythagoras

Im rechtwinkligen Dreieck ist die Summe der Kathetenquadrate gleich dem Hy-
potenusenquadrat.

a2 + b2 = c2

a2 = c * p

b2 = c * q

a2 + b 2 = c * p + c * q

c x q + c * p = c2

a2 + b2 = c2

Bild 18
52
53

3.3 Strahlensätze

SA : SB = SD : SC Bild 19

SA : SD = SB : SC

SC : SB = SD : SA Bild 20
54

1. Strahlensatz :

Werden zwei von einem Punkt ausgehende Strahlen von Parallelen ge-
schnitten, so bestehen zwischen gleichliegenden Abschnitten der Strahlen
gleiche Verhältnisse.

AD : SD = BC : SC

SD : AD = SC : BC Bild 21

2. Strahlensatz :

Werden zwei von einem Punkt ausgehende Strahlen von Parallelen ge-
schnitten, so bilden die Abschnitte der Parallelen und die zugehörigen Strah-
lenabschnitte gleiche Verhältnisse.
55

3.4 Höhensatz

Bild 21.1
56

Bild 21.1

h2 = p * q

b2 + c2 = a2 , p+q=a

b2 + c2 = (p + q)2

↘ p2 + 2pq + q2

b2 + c2 = p2 + 2pq + q2 (I)

b2 – h2 = p2 → Pythagoras

c2 – h2 = q2 → Pythagoras

b2 + c2 -2h2 = p2 + q2

b2 + c2 – p2 – q2 = 2h2 ( II )

p2 + 2pq + q2 –p2 – q2 = 2h2

2pq = 2h2

P * q = h2

h = √ (p * q)

Höhensatz:

Im rechtwinkligen Dreieck ist das Höhenquadrat gleich dem Produkt, gebildet aus
den beiden Hypotenusenabschnitten.
57

4. Grundbegriffe des numerischen Rechnens

4.1 Auf- und Abrunden von Zahlen

83,134 → 83,13

12,827 → 12,83

75,365 → 75,36

75,375 → 75,38

75,3654 → 75,37

4.2 Dekadische Ergänzung

-3 = 7 – 10

= - 10 + 7

= X7

Das Kreuz bedeutet eine negative Einheit derjenigen Stelle an welcher es steht.
7 ist die Differenz von 3 zur nächsten Zehnerpotenz 10. Diese Differenz wird er-
halten, wenn von links beginnend, jede Ziffer der negativen Zahl auf neun und die
letzte, die verschieden von 0 ist auf 10 ergänzt wird.

-1,563 = - 10 + 8,437 = X8,437

-1420 = - 10000 + 8580 = X8580

-9852 = -10000 + 0148 = X0148

-37,46 = - 100 + 62,54 = X62,54

-26,27 = - 026,27 = - 00026,27

X73,73 = X973,73 = X99973,73

-0,04381 = X9,95619 = X,95619 = ,X5619


-------------------------------------------------------------------

-217,56 X782,44

+ 2,43 108,22

+108,22 2,43

- 89,40 X10,60
58

X803,69

--------------------------------------------------------------------

+ 110,65 - 196,31

- 306,96

- 196,31

------------------------------------------------------------------------

-428,26 X571,74

+639,81 639,81

- 6,05 X3,95

+ 71,69 71,69

- 7,69 X2,31

+ 269,50 + 269,50
59

4.3 Umwandlung von Grad (Altgrad) in Gon (Neugrad) und Rückumwandlung

Grad → sexagesimale Teilung ; Gon → zentesimale Teilung

1o = 400/360 = 10/9 = 1,1¯……..g

1`= 10/9 * 100/60 = 100/54 = 1,85185c = 2c

1`` = 10/9 * 100/60 * 100/60 = 1000/324 = 3,08641cc = 3cc

1g = 0,9o

1c = 0,54`

1cc = 0,324``

125o38`17`` → 125o38,2833`→ 125,63805¯o……….

17 : 60 = 0,2833

38,2833 : 60 = 0,63805

125,63805 : 9 = 13,959784g * 10

= 139g 59c 78cc

139,5978g

-13,95978

125,63802 : 2

+ 3,1901

382812 : 2

+1406

16872

125o 38`17``

(139,5978 * 9)/10 = 125,63802

125 + (0,63802 * 60) = 125 + 38 + (0,2812 * 60) = 125 + 38 + 17 = 125 o 38`17``


60

4.4 Maßstabsverhältnisse

M=1:m
↖ Maßstabszahl

S = Länge einer Feldstrecke

s = Länge der entsprechenden Strecke in der Karte

M=s/S =1/m

S=s*m , s=S/m , m=S/s , M=1/m


-----------------------------------------------------------------------
F = Feldfläche F = S1 *S2
f = Kartenfläche f = s1 * s2

F = s1m * s2m = s1s2m2

F = fm2 , F/f = m2 , f/F = 1/m2 , Kartenfläche/Feldfläche = 1/m2

1/m12 = f1 / F ; 1/m22 = f2 / F

F = f1* m12 = f2 * m22

f1 / f2 = m22 / m12

Die Kartenfläche zweier Zeichnungen (Karten, Pläne, Luftbilder usw.) verhalten


sich umgekehrt wie die Quadrate ihrer Maßstabszahl.
Bild 22
61

M b = 1 : mb = sb / S = f / h

Mk = 1 : mk = sk / S ; S = sb * mb = sk * mk ; sk / sb = mb / mk

Zeichnungen in verschiedenen Maßstäben verhalten sich umgekehrt wie ihre Maß-


stabszahlen.
62

4.5 Arkus ( latein.) = Bogen

= Bogenmaß

Bild 23
63

Die Kreisumfänge verhalten sich wie ihre Radien oder Durchmesser.


Es verhält sich also:

U:u=R:r (I)

Der Umfang eines Kreises ist 2 Pi mal so groß als der Radius.

U = 2π * r oder U = 2r * π ( II)

π = Pi von Richter bis auf 500 Stellen nach dem Komma ausgerechnet, ohne, dass
die Division aufhört.

π = 3,1415926 (22/7 = 3 1/7 rohe Form)


Einheitskreis Radius 1 Meter.

U = 2 * 1 *π oder U = 2π
↖der ganze Kreisumfang

die Hälfte = 2π / 2 = π

ein Viertel = 2π / 4 = π / 2

ein Sechstel = 2π / 6 = π / 3

π = 3,1415926

2π = 2 * 3,14……. = 6,2831852

π = = 3,1415926

π/2 = 3,1415926 / 2 = 1,5707963

Auf diese Weise kann man für jeden Kreisbogenteil mit dem Radius = 1 die Maß-
zahl des betroffenen Kreisbogenstücks berechnen.
Bei allen Kreisumfängen haben die Maßzahlen 2π, π, π/2. π/4 usw. die gleiche
Bedeutung. Die Größe der Kreise und Kreisumfänge hat auf die Maßzahlen keinen
Einfluss. Man hat diesen Zahlenwerten den Namen „ Arkus„ oder „arc„ gegeben
und kann deshalb sagen:

2π = Arkus von U

π = Arkus von U/2

π/2 = Arkus von U/4

π/4 = Arkus von U/8

Man kann auch für jeden anderen Kreisbogenteil in Grad, Minuten und Sekunden
ausgedrückt, den Arkus bestimmen.
64

Jedem Arkus entspricht ein Winkel von einer bestimmten Größe, wie jedem Win-
kel ein bestimmter Arkus angehört. Daraus ergibt sich, dass der Arkus für die Win-
kelgröße mitbestimmend ist.

Der Arkus wächst im I. Quadranten von 0 - π/2

II. Quadranten von π/2 - π

III. Quadranten von π - 3π/2

IV. Quadranten von 3π/2 - 2π .

400g = Arkus 2π

1g = Arkus 2π/400 = π/200

arc = ng = n* π/200 = 1/ƍ

1. Der Arkus eines Winkels von 80g ist zu berechnen.

80 * π / 200 = π / 2,5 = 3,1415926 / 2,5 = 1,256637

2. Winkel 92g . Wie groß ist der Arkus?

92*π/200 = 23 * π/50 = 23*3,1415926/50 = 1,4451325

3. Winkel 90,1420g. Arkus ?

90,1420 * π /200 = 45,0710 * π /100 = 1,4159472007460

Man kann auch den Arkus in Grade verwenden.

Arkus 2π = 400g

Arkus π = 200g

Arkus 1 = 400g/ 2π

Arkus X = 400g * X / 2π = 200g * X / π = 200g * X / 3,1415

Ein Winkel mit dem Arkus X ist ((200 * X) / π) Grad.

200/π = ƍ.

Beziehung Grad- und Bogenmaß

(R * π * α)/200 = b
͡ ( Kreisbogenstück )

Einheitskreis r = 1, (π *α)/200 = b → (b * 200)/π = α


65

Unter arc α versteht man also den zum Winkel α gehörenden Bogen oder das Bo-
genmaß des Einheitskreises mit 1 Meter Radius.

Gradmaß 1g 20g 40g 50g 100g

Bogenmaß π / 200 π / 10 π/5 π/4 π/2

= 0,015 = 0,314 =0,628 = 0,785 = 1,57

U = 2π * r

͡b / U = α / 400g

͡b = α * 2πr / 400g

r=1

͡b = α * 2π / 400g ; 2π / 400g = π / 200g = 1 / ƍ , 200 / π = ƍ = Radiant

ƍg = 63,6620g

ƍc = 6366,20c

ƍcc = 636620cc

Grad ( Altgrad )

ƍo = 180o/ 3,14 = 57,295779o

ƍ´ = 180 * 60 /3,14 = 3437,7467`

ƍ´´ = 180 * 60 * 60 / 3,14 = 206264,80``

arc α / 2π * 1 = α / 400 ; arc α =( π / 200) α ; arc α = α / ƍ ; α = arc α * ƍ

r * π *α /200 = b ; b / r = α * π / 200 ; π / 200 = 1 /ƍ ;

͡b / r = α / ƍ
g
1 auf 100 m = 1,57 m
c
1 auf 100 m = 1,57 cm
cc
1 auf 100 m = 0,16 mm
66

4.6 Gefälle

Bild 24

tanα = ( ∆h / s) * 100

α % =(∆h / s) * 100

Beispiel :

100% = 50g, ∆h = 5 m , s = 200 m, ⦠ α = ?


α % = (5/200) * 100 = 2,5% ; ⦠α = (5 * 64)/ 200 = 320 /200 = 1,6g ;
67

4.7 Logarithmen

Werden die natürlichen Zahlen als Potenzen der Zahl 10 gedacht, so bilden die ge-
meinen oder briggischen Logarithmen die Exponenten. Wenn A und B natürliche
Zahlen, a und b die zugehörenden Logarithmen sind, so ist:

10a = A , 10b = B

log A = a , log B = b

1. A * B = 10a * 10b = 10a+b

Log (A * B) = a + b = log A + log B

2. A/B = 10a / 10b = 10a-b

log A/B = a – b = log A – log B

3. An = (10a)n = 10an

log An = na = nlogA

4. n√A = n√10a = 10a/n

logn√A = a/n = logA/n

Nur die Logarithmen von 1, 10, 100, 1000. 10000, usw. sowie von 0,1, 0,01, 0,001,
0,0001 usw. sind ganze Zahlen, einschließlich null.
log 1 = 0

log 10 = +1 log 0,1 = -1

log 100 = +2 log 0,01 = -2

log 1000 = +3 log 0,001 = -3

log 10000 = +4 log 0,0001 =-4

In dem Logarithmus 2.53046 ist die ganze Zahl 2 die Kennziffer, der Bruch
53046/100000 die Mantisse, und in dem Logarithmus 0.92737-2 die ganze Zahl -2
die Kennziffer, der Bruch 92737/100000 die Mantisse.
Im Falle des Logarithmus 0.92737-2 pflegt man folgende Schreibweise 8.92737-10.
Statt 0.92737-13 schreibt man 7.92737-20.
Man vermehrt den Minuendus sowie den Subtrahendus des Logarithmus um die-
jenige Zahl, die den Subtrahendus zu 10 oder dem Vielfachen von 10 ergänzt.
68

Geschichte des logarithmischen Rechnens:

1484 der Franzose Nicolas Chuget hatte als erster den Gedanken, Rechengesetze
für Potenzen.

Weiter entwickelt von Michael Stifel (1486 – 1567)in seinem Hauptwerk „ Arithme-
tica integra“ um 1544 in Nürnberg. Grundstein des logarithmischen Rechnens.

Der Schweitzer Mathem. Jost Bürgi (1552 – 1632) berechnet die erste Logarith-
mentafel in den Jahren 1603 – 1611. 1620 wurde dies unter dem Titel „Arithmeti-
sche und geometrische Progresstabulen“ veröffentlicht.

Der Schotte Lord John Napier (1550 – 1617) veröffentlichte seine Logarithmen in
Edinburgh unter dem Titel „Mirifici logarithmorum canonis descriptio“. Nach sei-
nem Tode kam zu dieser „Descriptio“ eine „Constructio“ heraus, in der die Berech-
nungsmethoden eingegeben waren.

Der Oxforder Professor Henry Briggs (1556- 1630) brachte 1624 eine Tafel der Zah-
lenlogarithmen heraus. In dieser Tafel, die er „Arithmetica logarithmica“ nannte
nahm er als Basis seiner Logarithmen die Zahl 10. Wie Bürgi und Napier, berechne-
te auch Briggs die Logarithmen mühsam durch Potenzieren.

Der niederländische Verlagsbuchhändler und Mathematiker Adrian Vlacq (1600 -


1667) vervollständigte die Tafel und gab sie 1633 heraus. Außer den trigonometri-
schen Logarithmen enthielt sie sämtliche einstelligen Logarithmen der Zahlen von 1
bis 100.000.

Nikolaus Mercator (1620 -1687) entdeckte die Reihe für den natürlichen Logarith-
mus. 1668 veröffentlicht unter Logarithmo - technica.

Georg Freiherr von Vega (1754 – 1802) berechnete 7-stellige Logarithmentafeln die
er „Vega–Bremiker“ bezeichnete. Diese wurden 1794 in Leipzig unter dem Titel
„Thesaurus logarithmorum completus“ herausgegeben.
69

5. Koordinatensysteme

Die Erde auf der wir leben, hat die Gestalt einer Kugel, nach neueren Satellitenbe-
obachtungen, die einer Birne. Für geodätische Zwecke definiert man den Erdkörper
als Erdellipsoid, ein durch Drehungen an den Polen etwas abgeplattetes Rotations-
ellipsoid. Die Abplattung beträgt nach Bessel 1: 300. Neben der Erdabplattung nach
Bessel, gibt es noch andere (siehe unter Abschnitt Nr.5.5). Für die Lagevermessun-
gen wird die Erdfigur durch Ellipsoide angenähert. Die theoretische Erdoberfläche
ist das Geoid, worunter man sich die unter den Kontinenten weitergeführte, ru-
hende Meeresoberfläche vorstelle. Das Geoid wird für Höhenmessungen verwen-
det.
Infolge der Erdkrümmung lassen sich ebene Koordinaten nicht für Systeme beliebi-
ger Größe anwenden. Die Verzerrung der Längen lässt es nicht zu Teile der Erd-
oberfläche spannungsfrei in der Ebene auszubreiten. Jede Abbildungsart bringt
entweder Längen-, Flächen- oder Winkelverzerrung mit sich. Besteht eine beson-
dere Forderung, z.B. nach Flächen- oder Winkeltreue, so muss die entsprechende
Abbildungsart gewählt werden.

5.1 Geografische Koordinaten

Lambda λ = geografische Länge

Phi ϕ = geografische Breite

Beide Koordinaten (λ u. ϕ) sind Winkelwerte. Die Nulllinie für die Länge λ ist auf ei-
nen Strahl vom Mittelpunkt der Erde zum Nullmeridian bezogen. Längengrade zäh-
len rechtsläufig. Die Breitengrade zählen von einem Strahl zwischen dem Mittel-
punkt der Erde und dem Schnittpunkt des Äquators mit dem Mittelmeridian von
Süd nach Nord. Die Zählung der Meridiane erfolgt auf Grund internationaler Ver-
einbarung von 1911 mit dem Meridian der die Sternwarte von Greenwich schnei-
det.

Bild 25
70
71

5.2 Soldner Koordinaten

Das Soldner-Koordinatensystem wurde von dem bayrischen Astronomen,

Mathematiker, Physiker und Geodäten Johann Georg von Soldner (1776 – 18332)
um ca. 1810 entwickelt und angewendet.

Der Grundgedanke zu diesem System liegt in der Festlegung eines beliebigen Koor-
dinatenursprungs, der auf dem Grundmeridian liegt. Rechtwinklig zu ihm stehen
Großkreise während Kleinkreise parallel zum Grundmeridian verlaufen. Diese Ab-
bildungsart gewährt zwar Längentreue jedoch nicht Winkeltreue, das liegt daran,
dass alle vom Grundmeridian ausgehenden Ordinaten nach Ost und West konver-
gieren (einander nähern).

Das ebene rechtwinklige Soldnersche Koordinatensystem wurde nördlich und süd-


lich, ostwärts und westwärts vom Koordinatenursprung in vier Quadranten aufge-
teilt. Die Vorzeichen der Ordinaten und Abszissen bestimmen den Quadranten.

Bild 26
72
73

5.3 Gauß’sche Koordinaten

Das Verfahren der ebenen, konformen Abbildung (konform = winkeltreu in kleins-


ten Teilen) wurde von Carl Friedrich Gauß (1777 – 1855) rein mathematisch entwi-
ckelt und 1912 von Lothar Krüger (1885 – 1945) vervollständigt und zusammen-
hängend dargestellt. Um von der Vielzahl der Soldnerschen Systeme loszukommen,
wurden die deutschen Landesvermessungen seit dem Jahr 1927 allmählich auf
Gauß – Krüger umgestellt.

In Deutschland wendet man 3° breite Streifen mit den Hauptmeridianen 6°, 9°, 12°
östlicher Länge an. Jeder Streifen wird um ½° erweitert, so dass 2 Streifen einen 1°
breiten Überlappungsraum besitzen, damit ein müheloser Übergang von einem
System in das andere gewährleistet ist. Um negative Koordinaten zu vermeiden er-
halten die Hauptmeridiane den Wert Y = 500.000m, davor die durch 3 geteilte Zahl
des Hauptmeridians als Kennziffer (Baumgartsche Kennziffer 1/3n).

Beispiel (9.) 5.902.863,21 = Hoch = X , 3.593.571,20 = Rechts = Y

Die Hochwerte werden auf dem Hauptmeridian vom Äquator an gezählt.

Beispiel im System des 12. Längengrades

Hoch = 5.903.137,40 , Rechts = 4.393.360,64

Das Koordinatengitter der Gauß–Krüger-Abbildung findet Verwendung bei der


Deutschen Grundkarte 1 : 5000 und den Katasterrahmenkarten 1 : 2000, 1 : 1000,
1 : 500 und 1 : 250.

Y = Rechtswert = Ordinate , X = Hochwert = Abszisse .

Bild 27 Bild 28
74
75

5.4 UTM – System

Das „Universale Transversale Merkator – Abbildungssystem“ wird von einigen eu-


ropäischen Ländern (mit Deutschland) neu eingeführt. Hierbei bildet das Erdellip-
soid des Geodetic Reference System 1980 (GRS 80 Ellipsoid) den Bezugskörper.
Dieses global angepasste Ellipsoid entspricht dem Erdellipsoid des WGS 84. Frühere
UTM-Abbildungen beziehen sich noch auf das Ellipsoid von Hayford. Zur Darstel-
lung der Erdoberfläche werden Meridianstreifen in einer Ausdehnung von λ = 6o
auf einen Zylinder in transversaler Lage abgebildet. Konformität gilt auch bei dieser
Abbildung nur im differentiellen Bereich. Der Zylinder berührt nicht den Mittelme-
ridian wie bei Gauß-Krüger, sondern er schneidet das Ellipsoid östlich und westlich
des Meridians in zwei parallelen Kreisen. In der Ebene werden diese Schnittkurven
längentreu dargestellt, der Hauptmeridian wird verkürzt (m = 0,0006). Die Flächen
des Meridianstreifens innerhalb der Schnittlinien werden verkleinert, die außerhalb
liegenden vergrößert. Durch die Wahl des Schnittzylinders kann mit 6° breiten
Streifen gearbeitet werden, ohne allzu große Verzerrungen in Kauf nehmen zu
müssen. Da die Verzerrungen an den Polkappen zu groß werden, wird das UTM-
System nur zu einer geografischen Breite von 84o nördlich und 80° südlich ange-
wandt.

Bild 29 und Bild 30


76
77

Die Polkappen werden im Universalen Polaren Stereografischen System (UPS) ab-


gebildet. Es handelt sich um eine echte winkeltreue Projektion auf eine Berüh-
rungsebene (im Nordpol), das Projektionszentrum liegt im Südpol.

Ähnlich der Gauß-Krüger-Abbildung bestehen die UTM – Ordinaten aus einer


Grundzahl G und dem Abstand ( Y ) vom Mittelmeridian (Y = G + (Y)). Die Grundzahl
setzt sich aus der Kennziffer und einer Konstanten zusammen.

Kennziffer für Lw : Kw = 30 – 1/6 (Lm – 3°)

Kennziffer für Lo : Ko = 30 + 1/6 (Lm + 3°)

Grundzahl für Lw : Gw = 106 (Kw + ½) m

Grundzahl für Lo : Go = 106 (Ko + ½) m

Die Abbildung der Erde erfolgt durch insgesamt 60 Meridianstreifen = Zonen (360 o :
60 = 60). Die Zählweise beginnt mit der 1. Meridianzone zwischen 180o (Datums-
grenze) und 174o westl. Länge von Greenwich und erstreckt sich nach Osten bis zur
60. Zone zwischen 174o östl. Länge von Greenwich und 180o.

Die Abszissen werden wie bei Gauß-Krüger vom Bilde des Äquators aus gezählt.
Das UTM-Gitter, das aus Parallelen zum Äquator und zum jeweiligen Mittelmeridi-
an besteht, wird nicht nur als Koordinatengitter für vermessungstechnische Zwecke
verwandt, sondern auch als Meldegitter, um einen Ort auf der Karte möglichst
schnell auffinden zu können. Man teilt daher die 6° breiten Meridianstreifen (Zo-
nen), die durch die Kennziffern unterschieden werden, in 8° hohe Breitenbänder
(Ausnahme nördlichstes Band =12o) ein. Die entstehenden sogenannten Breiten-
bänder werden von Süden (ϕ = 80oS) nach Norden (ϕ = 84oN) durch Buchstaben C
bis X bezeichnet. Die Buchstaben I und O werden ausgelassen.

Daraus ergeben sich Bereiche von 6o x 8o, die Zonenfelder genannt werden. Die Be-
zeichnung erfolgt mit einer Zahl für die Zone und einem Buchstaben für das Brei-
tenband. Nackenheim liegt beispielsweise im Zonenfeld 32 U.

Bild 31
78
79

5.5 Die Erde

In erster Annäherung ist die Erde eine Kugel.

R ≈ 6370 Km

Feststellung des Erdradius:

Man bestimmt an zwei Punkten P1 und P2 eines Meridians die geografischen

Breiten ϕ1 und ϕ2 astronomisch und misst außerdem den Bogen B.

Es ergibt sich der zu B gehörende Mittelwinkel β aus ϕ2 – ϕ1.

Für den gesuchten Radius R hat man nach der Formel R = (B * ƍ): β

Bild 32

So kann man feststellen, dass die Erde nicht einer Kugel, sondern

einem an den Polen abgeplatteten Dreh-Ellipsoid ähnelt.

Bild 33

Zwei auf diese Weise festgelegte Ellipsoide hatten bis ca. 2008 Bedeutung. Es

ist das Bessel`sche Erdellipsoid (1844), das bis dahin in Deutschland galt, und

das internationale Ellipsoid (Hayford), von 1925.

Diese Ellipsoide haben folgende

Daten: Bessel Hayford

Große Halbachse a: 6377397,15500 m 6378388,0 m

Kleine Halbachse b: 6356078,96325 m 6356911,946128 m

Abplattung: 1 : 299,15281285 1 : 297,0

Solch ein Dreh-Ellipsoid deckt sich nicht mit der tatsächlichen Erdoberfläche

mit seinen Gebirgen und Tälern.

Den ausgeglichenen Meeresspiegel den man sich noch unter den Kontinenten

verlängert denkt, nennt man Geoid. Die Abweichungen zwischen Geoid und
80

Ellipsoid betragen bis zu 50 m, außerdem haben die in einem Punkt gefällten

Lote verschiedene Richtungen: Lotabweichung.

Mit der Umstellung auf UTM-Koordinaten (ca. 2010) wird das geometrische

Referenzellipsoid ETRS 89 angewendet. Entspricht dem WGS 84-Ellipsoid.

Große Halbachse a : 6378137,0 m

Kleine Halbachse b : 6356752,31424 m

Abplattung : 1 : 298,257223563
81

5.6 Die drei Nordrichtungen

Magnetischer Streichwinkel (magnetisch Nord), Azimut (geografisch Nord) und

Gitternord (Richtungswinkel).

Bild 167
82

Richtungswinkel t

Azimut α

Magnetischer Streichwinkel ω

Bild 168

Meridiankonvergenz = α–t

Missweisung = Deklination = ω – α

Nadelabweichung = ω–t

Nadelabweichung = Missweisung + Meridiankonvergenz

Meridiankonvergenz = Δλcc * sinϕ = ϱ* ( Y̅/R) * tanϕ = MKcc

↖ bezieht sich auf den Mittelmeridian

R = Erdradius

Δλ = Längendifferenz zum Mittelmeridian

ϕ = geogr. Breite

Y̅ = Abstand vom Mittelmeridian

R = 6370 Km

Die Magnetnadel eines Kompasses zeigt magnetisch Nord an.

Im geografischen Nordpol laufen die Meridiane zusammen.

Gitternord ist eine Parallele zu den Meridianen (Längenkreise).


83

5.7 Korrektionen an gemessenen Strecken bei GK.- u. UTM- Abbildungen

5.7.1 Reduktion auf das Bezugsellipsoid

Bild 193
84

S`/ S = ( R + H ) / R ; S´= S + ∆

(S*∆)*R=(R+H)*S

RS + ∆R = SR + SH

∆R = SR + SH – RS

∆ = SH / R

R50o = 6380 Km ; S = 100 m ; H = 100 m

∆ = - 1,57

∆mm = -1,57 * SHm * HHm ; Hm = Hektometer (100)

5.7.2 Reduktion wegen GK – Abbildung

∆scm = s – S = ( 106 / 8R2 ) * S10km * ( Y̅1 + Y̅2 )2km ; s = ebene Strecke

S = sphärische Seite

= 106 / ( 6,382*106 * 8 ) = 1/325 ≈ 0,00307

∆scm = 0,00307 * S10km * ( Y1 + Y2 )2Km

Beispiel: Wie groß ist die Gesamtreduktion einer Strecke von 200,00m in ei-

ner Höhe von 600 m.ü.NHN?

Der mittlere Rechtswert (Y) beträgt 33 80.000,00 m.

∆mm = -1,57 * SHm * HHm

∆mm = -1,57 * 2 * 6 = -18,8mm

------------------------------------------------------------------------

∆Scm = 0,00307 * S10km * ( Y1 + Y2 )2km

= 0,00307 * 0,02 * (80000+80000)2Km =0,00307 * 0,02 * 25600

= + 1,57 cm = +15,7 mm

200,000 m – 0,0188 (∆) + 0,0157 (∆S) = 199,9969 m


85

6. Die Kleinpunktberechnung

Gegeben sind die Koordinaten der Punkte Pa und Pe außerdem die Strecken

vom Anfangs- zum Endpunkt und zum Neupunkt Pn.

Zuerst ermittelt man die Koordinatenunterschiede.

∆y = Ye – Ya

∆x = Xe – Xa

Hierauf werden die Koordinatenunterschiede quadriert.

∆y2 + ∆x2 = S2 ; S = √ ∆y2 + ∆x2

↖Streckenkontrolle ± d = S - [ s ]

S = Sollwert ; [ s ] = Istwert

Berechnung von o und a.

o = ∆y / S ; a = ∆x / S

↖sin ↖cos

Kontrolle von o und a : o2 + a2 = 1

↖ ( sinα2 + cosα2 = 1 )

∆ya = Sa * o ; ∆xa = Sa * a

Kontrolle ∆yn = Sn * o ; ∆xn = Sn * a

↖ Sn = S – Sa

∆ya + ∆yn = ∆y ; ∆xa + ∆xn = ∆x

Die Koordinaten des Neupunktes ergeben sich aus:

Yn = Ya + ∆ya

Xn = Xa + ∆xa

Addiert man zu den ermittelten Koordinaten des Neupunktes ∆yn und ∆xn,
so muss man die Koordinaten des Endpunktes als Ergebnis haben.

Yn + ∆yn = Ye ; Xn + ∆yn = Ye
86

Bild 34
87

6.1 Der seitwärts gelegene Punkt.

Die Koordinaten des Punktes Pn, seitwärts der Festpunktlinie Pa – Pe mit sei-
nem rechtwinkligen Lot h werden wie folgt berechnet:
Zunächst werden in üblicher Weise die Koordinaten des Fußpunktes (Pf), des
Lotes h ermittelt. Bei seitwärts gelegenen Punkten die links der Festpunktlinie
(vom Anfangspunkt – zum Endpunkt gesehen) liegen wird das Lot mit – und
bei Punkten rechts der Festpunktlinie das Lot mit + in die Rechnung einge-
setzt.

Bild 35

∆yf = cosα * h = a* h

∆xf = sinα * h = -o * h

Für die Zugrichtung Pa – Pe mit dem Richtungswinkel α wurde zur Ermittlung


von ∆ya der Wert o für die Ermittlung von ∆xa der Wert a benutzt. Das nach
rechts abzweigende Lot h hat den Richtungswinkel 100g + α. Hieraus folgert,
dass sich zur Ermittlung von ∆yf für die rechtwinklige abzweigende Strecke h
der Wert (sin(α + 100g) = cosα) = a * h. Für die Berechnung von ∆xf = (cos(α +
100g )= sinα) = -o * h.
Wir erhalten damit folgende Regel:
Für senkrechte Abzweigungen bei seitwärts liegenden Punkten werden o und
a vertauscht wobei o das entgegengesetzte Vorzeichen erhält.

Yn = Ya + (o* sa) + (a *h)

Xn = Xa + (a * sa) – (o * h)
88

7. Die beiden vermessungstechnischen Hauptaufgaben

7.1 Polare Übertragung

Bild 36 tAB = tBA +- 200

Definition des Richtungswinkels:


Der ebene Richtungswinkel t einer durch 2 Punkte bestimmten Geraden ist der
Winkel, um den man die positive X-Achse, oder eine Parallele zur positiven X-
Achse im Uhrzeigersinn drehen muss, bis sie mit der Geraden zusammenfällt.
Die erste vermessungstechnische Hauptaufgabe die bei Berechnungen auf der
Ebene, auf der Kugel und auf dem Ellipsoid immer wieder auftritt, besteht da-
rin mit Hilfe der bekannten Seite s und des bekannten Richtungswinkels t die
Koordinaten vom Punkt 1 nach Punkt 2 zu übertragen.

sin t12 = ( Y2 – Y1 ) / s = ∆y / s

cos t12 = ( X2 - X1 ) / s = ∆x / s

Y2 = Y1 + ( s * sint12 )

X2 = X1 + ( s * cost12 )

Bild 37
89

Proben :

∆x + ∆y = √2 * s * sin ( t + 50g )

cost – sint = √2 * cos ( t + 50g ) → ( Richtungswinkel)

X1 + ( Y2 – Y1 ) + s * √2 * cos ( t + 50g ) = X2 → ( Koordinatenprobe )


90

7.2 Berechnung von Richtungswinkel und Entfernung


(2. geodätische Hauptaufgabe)

Definition:

Die 2. geodätische Hauptaufgabe besteht darin aus den gegebenen Koordi-


naten zweier Punkte deren kürzeste Entfernung und den Richtungswinkel ih-
rer Verbindungslinie zu bestimmen.
(Ermittlung von Polarkoordinaten aus rechtwinkligen Koordinaten.)

Bild 38
91

tant12 = ( Y2 –Y1 ) / ( X2 – X1 ) = ∆y / ∆x

s = ∆y * sint12 + ∆x * cost12

s = ∆y / sint12 wenn : ∆y > ∆x

s = ∆x / cost12 wenn : ∆x > ∆y

( Y2 + X2 ) – ( Y1 + X1 ) = ∆x + ∆y → Probe der Koordinatenunterschiede

( ∆x + ∆y ) / ( ∆x - ∆y ) = tan ( t + 50g ) → Probe der Funktionswerte

s = ∆y / sint : s = ∆x / cost

s = √ ( ∆x2 + ∆y2) Streckenprobe

tant = (Y2 – Y1) / ∆x : tanϕ = (X2 – X1) / ∆y Probe des Richtungswinkels

t + ϕ = 100g oder = 500g


92

8. Berechnung der Höhe und des Höhenfußpunktes

(Aus drei Seiten eines beliebigen Dreiecks.)

Bild 39

c2 – q2 = h2 → Pythagoras

b2 – p2 = h2 → Pythagoras ↓

b2 – p2 = c2 – q2 I. Wenn zwei Größen einer dritten gleich sind,


so sind sie unter einander gleich.

b2 – c2 = p2 – q2

↘ (p + q) * (p – q)
93

b2 – c2 = ( p + q ) * ( p – q )
↘a

b2 – c2 = a * ( p – q ) II.
↘=a-q

b2 – c2 = a * ( a – q – q )

b2 – c2 = a2 – aq – aq

b2 – c2 = a2 – 2aq

b2 – c2 – a2 = - 2aq → * -1

a2 + c2 – b2 = 2aq

( a2 + c2 – b2 ) / 2a = q rechter Höhenabschnitt

b2 – p2 = h2

c2 – q2 = h2

b2 – c2 = p2 – q2

b2 – c2 = ( p + q ) * ( p – q )

b2 – c2 = a ( p – ( a – p ) )

b2 – c2 = a ( p – a + p )

b2 – c2 = ap – a2 + ap

b2 – c2 = 2ap – a2

a2 + b2 – c2 = 2ap

( a2 + b2 – c2 ) / 2a = p linker Höhenabschnitt

( a2 + b2 – c2 ) / 2a + ( a2 – b2 + c2 ) / 2a = p + q = a

a2 + b2 – c2 + a2 – b2 + c2 = 2a ( p + q )
↘a

2a2 = 2a2

h = √ ( c2 –q2 ) = ( b2 – p2 ) / h → b>c

h = √ ( b2 – p2 ) = ( c2 – q2 ) / h → c>b
94

8.1 Fehlerübertragung im rechtwinkligen Dreieck

a, b und c = Seiten

fa, fb und fc = Fehlerbeträge

( a + fa )2 + ( b + fb )2 = ( c + fc )2 ; a2 + b2 = c2

a2 + 2afa + fa2 + b2 + 2bfb + fb2 = c2 + 2cfc + fc2

2afa + 2bfb = 2cfc

afa + bfb = cfc

Bild 39

pfp + hfh = afa oder qfq + hfh = gfb

fh = ( afa – pfp )/ h ; fh = ( bfb – qfq )/ h

fh = -p/h * fp ; fh = -q/h * fq
95

9. Flächenberechnungsverfahren

9.1 Flächenberechnung aus Feldmaßen

2F= ( X6 – X1 ) * Y6

+ ( X2 – X1 ) * Y2

+ ( X3 – Y2 ) * ( Y3 + Y2 )

+ ( X 4 – X3 ) * ( Y 3 + Y 4 )

+ ( X 5 – X6 ) * ( Y 5 + Y 6 )

+ ( X 5 – X4 ) * ( Y 4 – Y 5 ) → F = ½ ( X5 – X4 ) * ( Y4 – Y5 )

Bild 40
96
97

Beispiel:

Bild 41

2 F = ( 17 – 6 ) * ( 5 + 3 ) = 11 * 8 = 88

+ ( 22 – 17 ) * ( 4 + 5 ) = 5 * 9 = 45

+ ( 25 – 21 ) * ( 2 + 6 ) = 4 * 8 = 32

+ ( 25 – 22 ) * ( 4 – 2 ) = 3 * 2 = 6

+ ( 21 – 6 ) * ( 6 – 3 ) = 15 * 3 = 45

216
98

9.2 Flächenberechnung aus Koordinaten

Bild 42
99

F = 1` 1 2 3 4 4` 1` - 1`1 6 5 4 4`1`

2 F = ( X1 – X2 ) ( Y1 + Y2 ) = ( X 1 – X2 ) ( Y 1 + Y 2 )

+ (X2 – X3 ) ( Y2 + Y3 ) ( X 2 – X3 ) ( Y 2 + Y 3 )

+ ( X3 – X4 ) ( Y3 + Y4 ) ( X 3 – X4 ) ( Y 3 + Y 4 )

- ( X5 – X4 ) ( Y4 + Y5 ) ( X4 – X5 ) ( Y4 + Y5 )

- ( X6 – X5 ) ( Y6 + Y5 ) ( X5 – X6 ) (Y5 + Y6 )

- ( X1 – X6 ) ( Y1 + Y6 ) ( X6 – X1 ) ( Y6 + Y1 )

9.2.1 Gauß`sche Trapezformel

2 F = ∑n = n n = 1 ( Xn – Xn+1 ) ( Yn + Yn+1)

2F=∑ ( Yn+1 – Yn ) ( Xn + Xn+1 )

F = X1Y1 + X1Y2 – X2Y1 – X2Y2 = X 1 ( Y2 – Y6 )

+ X2Y2 + X2Y3 – X3Y2 – X3Y3 + X2 ( Y 3 – Y 1 )

+ X3Y3 + X3Y4 – X4Y3 – X4Y4 + X3 ( Y 4 – Y 2 )

+ X4Y4 + X4Y5 – X5Y4 – X5Y5 + X4 ( Y 5 – Y 3 )

+ X5Y5 + X5Y6 – X6Y5 – X6Y6 + X5 ( Y 6 – Y 4 )

+ X6Y6 + X6Y1 – X1Y6 – X1Y1 + X6 ( Y 1 – Y 5 )

9.2.2 Gauß`sche Dreiecksformel

2 F = ∑n1 Xn ( Yn + 1 – Yn – 1 )

2 F = ∑n1 Yn ( Xn – 1 – X n + 1 )
100

9.3 Flächenberechnung von Kreisteilen

b = d * π * ( α / 400g )

Bild 43

F → Kreisausschnitt ( Sektor )

F = [ ( d2 * α ) / 4 ] * ( α/ 400g ) oder F=(d*b)/4

Bild 44

F → Kreisabschnitt (Segment)

F = ([( d2 * π ) / 4 ] * [ α / 400g ] ) – [ ( s / 2 ) * ([d / 2] – h ) ]

F = [( d * ͡b ) / 4 ] – [(s / 2 ) * ( [d / 2] – h )]

F≈⅔*s*h
101

9.4 Heron`sche Flächenformel

F = √ (s * ( s – a ) * ( s – b ) * ( s – c ))

Beweis: F = a/2 * h
h = √ b2 – p2
h=√(b–p)*(b+p)
2 2 2
p = ( a + b – c ) / 2a

b + p = ( a2 + 2ab + b2 – c2 ) / 2a

b + p = [( a + b )2 – c2] / 2a

b + p = [( a + b + c ) * ( a + b – c )] / 2a ; a + b + c = 2s

b + p = 2/a * [( a+ b + c ) / 2 ] * [( a + b – c ) / 2 ] ; a + b – c = 2s – 2c = 2 ( s – c )

b + p = 2/a * s * ( s – c ) (I)

p = ( a2 + b2 – c2 ) / 2a * -1

-p = ( c2 – a2 – b2 ) / 2a

b - p = ( c2 – a2 – b2 + 2ab ) / 2a

- a2 – b2 + 2ab = ( a – b )2 entgegengesetztes Vorzeichen

a2 + b2 – 2ab

b –p = ( c2 – ( a – b )2 ) / 2a

b – p = ([ c + ( a – b )] * [ c – ( a – b )]) / 2a

b – p = 2/a * [( a – b + c ) / 2] * [( b + c – a ) / 2 ] : a + b + c = 2s

b – p = 2/a * ( s – b ) * ( s – a ) ( II )

( b + p ) * ( b – p ) = ( 2/a * [ s * ( s – c )]) * [ 2/a * ( s – b )] * ( s – a )

b2 – p2 = 4/a2 * (s * ( s a ) * ( s – b ) * ( s – c )) ( III )

h = √ b 2 – p2

√ b2 – p2 = 2/a * √ s * ( s – a ) * 8 s – b ) * ( s – c ) = h ( IV )
Da F = g/2 * h
↘ a/2
h * a/2 = a/2 * 2/a * √ s* ( s – a ) * ( s - b ) * ( s – c )

F = √ (s * ( s - a ) * ( s – b ) * ( s – c ))
102

10. Flächenteilung

10.1 Teilung des Dreiecks

10.1.1 Parallelteilung

Gegeben: F, f, h

Gesucht: h` oder hf

Bild 45

2f = g` * ( h – h`) f / F = [( h – h`) / h ] * ( g`/ g )

2F = g * h

h / g = ( h – h`) / g` oder g`= [( h- ´h`) * g] / h

f / F = [ ( h – h`) * ( h – h`) * g ] / ( h * h * g ) = ( h –h`)2 / h2

√ f / F = ( h – h`) / h

h – h` = h √ f / F = hf

h`= h – ( h √ f / F )

Gegeben: F, f, a, b, c

Gesucht: a`, b`, c`

Bild 46

a`/ a = b`/ b = c`/ c = ( h – h`) / h

( h – h`) / h = √ f / F

a`/ a = b`/ b = c`/ c = √ f / F oder a`= a √ f / F

b`= b √ f / F

c`= c √ f / F

Lehrsatz: In ähnlichen Dreiecken verhalten sich die Quadrate gleichwiegender


Seiten und Höhen wie die zugehörigen Flächeninhalte.
103

10.1.2 Teilung durch einen gegebenen Punkt

10.1.2.1 Der gegebene Punkt ist die Dreiecksecke A

Gegeben: F, f, a oder b, oder c

Gesucht: a` oder b` oder c

Bild 47

f = ( a`* h ) / 2

F=(a*h)/2

f / F = ( a`* h * 2 ) / ( a * h * 2 ) = a`/ a

a`= a* ( f / F ) ; b`= b * ( f / F ) ; c`= c * ( f / F )

Lehrsatz: Flächen von Dreiecken mit gemeinsamer Höhe verhalten sich wie
ihre Grundseiten.

10.1.2.2 Der gegebene Punkt liegt auf einer Seite

Gegeben: F, f, h`

Gesucht : a`

Bild 48

a`* h`= 2f

a`= 2f / h`

Gegeben : F, f, a, b, b`

Gesucht : a`

2f = a`* b` * sin γ /:

2F = a * b + sin γ /:

f / F = ( a`* b` ) / ( a * b )

a`= [( a * b ) / b`] * ( f / F )

Lehrsatz: In Dreiecken mit einem gemeinsamen Winkel verhalten sich die Flä-
chen wie die Produkte anliegender Seiten.
104
105

10.2 Teilung eines Vierecks

10.2.1 Parallelteilung

Aufgabe: Von einem Viereck ABCD mit der Fläche F ist eine Sollfläche f
so abzutrennen, dass die Teilungslinie (MN = x) parallel zur Grund-
linie AB verläuft.

Bild 49

Gegeben: c, F, f, hc, hD

Gesucht: x, yp

cotα = AG / hD : cotβ = BE / hC

f ( BMNA ) = ∆ ABP - ∆ MNP

2f = c2 / (cotα + cotβ) – x2 / (cotα + cotβ) → 2f =( c2 – x2) / (cotα + cotβ)

c2 – x2 = 2f (cotα + cotβ)

x = √ c2 – [2f ( cotα + cotβ)]

2f = ( c + x ) * y

Y = 2f / ( c + x )

10.2.2 Teilung senkrecht zur Grundlinie

Aufgabe: Von dem Viereck ABCD soll eine Fläche f durch eine senkrecht auf AB
stehenden Gerade GH abgetrennt werden. Das Viereck sei örtlich
orthogonal auf die Grundlinie AB aufgenommen.

Bild 50

F = f1 + f2 + f3 + f4 ; f = f1 + f2 ; NCD = α

f2 = f – f1 ANC = β

ANC = 100g

f2 = ∆ NCP - ∆ GHP

2f2 = [ hc2 / ( cotα + cotβ )] – [ y2 / ( cotα + cotβ )] = ( hc2 – y2 ) / (cotα + cotβ )

cotα = CE / ED , cotβ = 0

hC2 – y2 = 2f2 * cotα → y = √ (hC2 – 2f2 * cotα)


106

2f2 = ( hc + y) x

x = 2f2 / ( hC + y )
107

11. Ähnlichkeits-Transformation ebener rechtwinkliger Koordinaten

11.1 Einführung in die Matrizenrechnung

Definition einer Matrix:


Eine Matrix ist ein System von m*n Elementen, die in einem rechteckigen Schema
von m-Zeilen und n-Spalten angeordnet sind.

( a11 a12 a13 . . . . . . .a1n )


( a21 a22 a23 . . . . . . . a2n )
() = (aik) = 
( . ) (aki) = ` = T
( am1 am2 am3 . . . . . .amn ) Transponierte Matrix

mn – Matrix Typ mn

Zeilenmatrix Spaltenmatrix
↓ ↓
Zeilenvektor Spaltenvektor
 = ( x1 x2 x3. . . . xm )  = ( y1)
( y2)
( y3)
.
.
.
( yn)
m=n → quadratische Matrix → symmetrische Matrizen

Eine quadratische Matrix heißt symmetrisch, wenn sie gleich ihrer Transponier-
ten Matrix ist.
T

 ( d1 0 0 0 0 ) Diagonalmatrix
( 0 d2 0 0 0 )
( 0 0 d3 0 0 )
( .. . . . )
( 0 0 0 . . dn )

Einheitsmatrix
(10000)
 =(01000)
(00100)
(00010)
(00001)
108

Rechenregeln für Matrizen

K  = ( Ka11 Ka12 . . . Kan )


(. ) Jedes Element wird mit einem Faktor multipliziert.
(. )
(. )

Matrizenmultiplikation

( a11 a12 . . a1n ) ( b11 b12 . . b1p )


( a21 a22 . ) ( b21 b22 . . . )
(. . ) * ( . . . . )
(. . ) ( . . . . )
( am1 am2 . . amn ) ( bn1 bn2 . . bnp )

Falk`sches Schema

( b11 b12 b13 . b1p )


( b21 b22 )
( . . . )
( . . . )
( bn1 bn2 . bnp )

( a11 a12 . . a1n ) ( c11 c12 )


( a21 a22 . . . ) ( c21 )
( . . . ) ( )
( am1 am2 . . amn ) ( )

c11 = a11 * b11 + a12 * b21 + a13 * b31 . . . + a1n * bn1

= (1 2 )  = ( 5 0 -1 )
( -3 0 ) ( 0 -5 4 )
( 3 -2 )

 = ( 5 -10 7 )
( -15 0 3 )
( 15 10 -11)

Das Produkt  einer mn-Matrix  und einer np-Matrix  in der angegebe-
nen Reihenfolge, ist die mp-Matrix , deren Element cik man als Skalarprodukt
der i – Zeile von  mit der k – Spalte von  erhält. 


109

Beispiel :

1 2 5
2 1 0
4 1 0
4 2 1
1. ( 1 2 4 2 ) (125) 1 2 4 2 | 29 12 7
(0101) * (210) 0101| 6 3 1
(1310) (410) 1 3 1 0 | 11 6 5
(1350) (421) 1 3 5 0 | 27 10 5

1
1
2. ( 3 1 5 ) * ( 1 ) 315| 9
(001) (1) 001| 1
110

11.2 Grundlagen der ebenen Koordinatenumformung

 Koordinaten des gegebenen (alten) Systems

X,Y durch Umformung zu ermittelnde Koordinaten des neuen Systems

Bild 51
111

YP = YO + P

XP = XO + P 

Bild 52

XP = ( P * cosα ) – ( P * sinα )

YP = ( P * sinα ) + ( P * cosα )

 = ( Xp ) ̅ = ( p )

( Yp ) ( p )

= ( cosα – sinα ) → Drehmatrix

( sinα + cosα ) ↗

= ̅

( p )

( p )

(cosα -sinα ) ( pcosα -psinα ) =  = ( Xp )

( sinα cosα ) ( psinα + pcosα ) ( Yp )


˄
p = ξpcosβ – ηpsinβ 1 →  = ( ξp )
( ηp )
p = ξpsinβ + ηpcosβ 2 → ̅ = ˄
= ( cosβ -sinβ )
( sinβ cosβ ) 

 = ˄

( cosβ - sinβ )


( sinβ + cosβ )
( cosα -sinα ) cosα cosβ – sinα sinβ
sinα cosβ + cosα sinβ
( sinα cosα ) -cosα sinβ - sinα cosβ
-sinα sinβ + cosα cosβ

 = ( cos [ α + β ] - sin [ α + β ] ) = 


( sin [ α + β ] cos [ α + β ] )

˄ = ˄


112

Bild 52.1

Das Produkt zweier Drehmatrizen vermittelt die nacheinander Ausführung bei-


der linearer Transformationen. 
113

Bild 52.2

Xp = XO + Pcosα - psinα = ( xO )


Yp = YO + psinα + pcosα ( yO )

 =  + ˄

X, Y → System → S

,  → System → 

q = S / →Maßstabsfaktor

XP = XO + ( P * q * cosα ) – ( P * q * sinα )

YP = YO + ( P * q * sinα ) + ( P * q * cosα )

 = O + (q *  *̅)

o = q * sinα

a = q * cosα

XP = XO + ( a * P ) – ( o * P ) ④

YP = YO + ( o * P ) + ( a * P )

q = ( qcosα -qsinα )


( qsinα qcosα )

 = ( a -o )
(o a)

 = O +(̅)

YE = yO + ( o * E ) + ( a * E ) XE = xO + ( a * E ) – ( o * E )
YA = yO + ( o * A ) + ( a * A ) XA = xO + ( a * A ) – ( o * A )
YE – YA = a( E - A ) + o( E - A )
XE – XA = a( E - A ) + o( E - A )
a11x + a12y = K1
a21x + a22y = K2 ; x = Dx / D ; y = Dy / D

D = | a11 a12 | ; Dx = | K1 a12 | ; Dy = | a11 K1 |


| a21 a22 | | K2 a22 | | a21 K2 |

a = Da / D ; o = Do / D
114

| YE – YA E - A |
a = | XE – XA -(E - A)| = - (YE – YA) (E - A) – (E - A) (XE – XA)
| E - A E - A | - (E - A) ( E - A) – (E - A) (E - A)
| E - A -(E -A)|

| E - A YE – YA |
0 = | E - A XE – XA | = - (XE – XA) (E - A) + (YE – YA) (E - A)
| E - A E - A | (E - A)2 + (E - A)2
| E - A -(E - A)|

o = ([( YE – YA ) * ( E - A )] – [( XE – XA ) * ( E - A )]) / 2AE ②

a = ([(YE – YA ) * ( E - A )] + [( E - A ) * ( XE – XA )]) / 2AE

Yo = YA – (o * A) – (a * A)

Xo = XA + (o * A) – (a * A)

Probe für o und a:

Yo + (o * E) + (a * E) = YE

Xo – (o * E) + (a * E) = XE

fs = S - 

fs =n ½ * ( [S2 / ] -  )
----------------------------------------
S2 - 2 = ( S - ) * ( S +  )

S -  = ( S2 - 2 ) / (S +  ) =n ( S2 - 2 ) / 2

fs = S -  =n ½ * ( [S2 / ] -  )
---------------------------------------------
Yi = Yo + (o * I) + (a * I)

Xi = Xo + (a * i) – (o * i)
---------------------------------------------
[ Y ] = nyo + ( o * []) + ( a * [])

[ X ] = nxo + ( a * []) – ( o * [])

[ Y ] – nyo = ( o * []) + ( a * []) ↘

[ X ] – nxo = ( a * []) – ( o * []) → Schlussprobe


115

Berechnung von o und a durch q und α:

Bild 53
116

S= (( YE – YA )2 + ( XE – XA )2)

= (( E - A )2 + ( E - A )2) ①

q = S / 

tan t = ( YE – YA ) / ( XE – XA ) ; tan  = ( E - A ) – ( E - A )

α=t-

o = q * sinα

a = q * cosα

Ableitung der Ausdrücke für o und a über die Richtungswinkel:

o = q * sinα = ( S /  * sin ( t -  )

= ( S / * [( sint * cos ) – ( cost * sin )] → Additionstheoreme

= ( S / ) *[([( YE – YA ) / S ] * [( E - A ) /  ]) * ([( XE – XA ) / S ] * [( E - A ) /  ])]

o = ([( YE – YA ) * ( E - A )] – [( XE – XA ) * ( E - A )]) / 2

a = q * cosα = ( S /  * [ cos ( t -  )]

Umformung über Koordinatenunterschiede:

Yi = Yo + ( o * i ) + ( a* i )

Yi-1 = Yo + ( o * i-1 ) + ( a * i-1 )

Yi – Yi-1 = o ( I - i-1 ) + a ( I - i-1 )

∆ Y = ( o * ∆ ) + ( a * ∆ ) ③

∆ X = ( a * ∆ ) – ( o * ∆ )

Rechenprobe durch Abschluss auf YE und XE .

Yi = Yi - 1 + (o * Δ + ( a * Δi )

Xi = Xi – 1 + ( a * Δi ) – ( o * Δi )
117

11.3 Berechnung rechtwinkliger Absteckmaße

Bild 54

o = ([( YE – YA ) * ( E - A )] – [( XE – XA ) * ( E - A )]) / 2
↑ ↑ ↑
0 0 S
a = ([( YE – YA ) * ( E - A )] + [( XE – XA ) * ( E - A )]) / 2
↑ ↑ ↑
0 0 S

XE - XA = S =  ; XA = YA = YE = 0

o = - ( E - A ) /  ; a = ( E - A ) /  , q=S/

o = - [( E - A ) * S ] / 2

a = [( E - A ) * S ] / 2
118

11.4 Umformung für kleine Drehungen und Dehnungen

Siehe dazu Bild 52.1

o = q * sinα ; q=S/

a = q * cosα

Für kleine α ist sinα =

arc α͡

cosα = 1 q=1

-----------------------------------------------

o = α͡ = αg / ƍ

a=1

----------------------------------------------

Yp = Yo + [( α / ƍ) * p ] + p ; α =< 6,5g

Xp =Xo + p – [( α/ƍ ) * p ]

Yo = YA – [( α/ ƍ ) * A ] - A

Xo = XA - A + [(α/ ƍ) * A ]

Probe :

YE =soll Yo + [(α/ ƍ) * E] + E

XE =soll Xo + E – [(α/ ƍ) * E ]

Koordinatenunterschiede

Xi = Xi -1 + Δ - [( α/ ƍ) * Δ]

Yi = Yi – 1 + Δ + [( α/ ƍ) *Δ]
119

11.5 Koordinatenumformung mit mehr als 2 gemeinsamen Punkten.


Die Helmert-Transformation
Bild 190
120

X = Xo + ( q * cosα *  ) – ( q * sinα *  )

Y = Yo – ( q * cosα *  ) + ( q * sinα * )


-------------------------------------------------------
o = q * sinα

a = q * cosα
-------------------
X = Xo + ( a *  - ( o * 

Y = Yo + ( a *  ) + ( o *  )
------------------------------------
X + vx = X *

Y + vy = Y *
-------------------
-vx = X – X*

-vy = Y – Y*

und  → Koordinaten in alten System


X und Y → Ist-Koordinaten im neuen System
X* und Y* → Soll-Koordinaten im neuen System
--------------------------------------------------------------------------------

- vx = Xo + (  * a ) – (  * o ) – X* ↖ ①

- vy = Yo + (  * a ) + (  * o ) – Y* ← Fehlergleichungen

Es gilt die Bedingung → [ vx ] = [ vy ] = 0 ②

[ vx ] = -nXo – ([] * a) + ([] * o) + [ X*] = 0

[ vy ] = -nYo – ([] * a) + ([] * o) + [Y*] = 0 ③


---------------------------------------------------------------
0 = -Xo – ([]/n * a) + ([]/n * o) + [X*]/n

0 = -Yo – ([]/n * a) – ([]/n * o) + [*]/n ④


----------------------------------------------------------
-vx = [( - []/n) * a] – [( - []/n) * o] – ( X* - [X*]/n) ① und ④

-vy = [( - []/n) * a] + [(- []/n) * o] – (Y* - [Y*]/n) ⑤

[]/n = s ; [/n] = s ; [X*]/n = X*s ; [Y*]/n = Y*s ⑥

- s = ̅ ; - s = ̅ ; X* - X*s = X*̅ ; Y* - Y*s = Y*s ⑦


121

̅ =  - ([]/n) ; X̅ * = X* - ( [X*]/n )

̅ =  - []/n); Y̅* = Y* - ( [Y*]/n ) ⑧


---------------------------------------------------- ⑧ in ⑤
-vX = ( ̅ * a ) – ( ̅ * o ) - X̅ * ↘

-vY = ( ̅* a ) + ( ̅ * o ) - Y̅* → ⑨


--------------------------------------------------------------------------------------------------
vxvx = ( ̅̅a2 ) – ( 2̅̅o * a ) – ( 2̅X̅*a ) + (̅̅o2 ) + ( 2̅X̅*o ) + ( X̅ *X̅ * ) ⑩

vYvY = ( ̅̅a2 ) + ( 2̅̅o * a ) – ( 2̅Y̅*a ) + ( ̅̅o2 ) – ( 2̅Y̅*o ) + ( Y̅*Y̅* ) ⑪


---------------------------------------------------------------------------------------------------
[vXvX] = ([̅̅]a2) – (2[̅̅]o * a) – (2[̅X̅*]a) + ([̅̅]o2) + (2[̅X̅*]o) + [X̅* X̅ *] → ⑫

[vYvY] = ([̅̅]a2) + (2[̅̅]o * a) – (2[̅Y̅*]a) + ([̅̅]o2) – (2[̅Y̅*]o) + [Y̅*Y̅*] ↗


-----------------------------------------------------------------------------------------------------
(  [vXvX] /  a) = 0 ; (  [vXvX] /  o) = 0 ⑬
----------------------------------------------------------------------------------

 [vXvX]/  a = (2[̅̅]a) – (2[̅̅]o) – (2[̅X̅*]) = 0

 [vXvX]/  o = (2[̅̅]o) – (2[̅]a) + (2[̅X̅*]) = 0 ⑭


------------------------------------------------------------------
[̅̅]a + [̅̅]o - [̅Y̅*] = 0 ⑯

[̅̅]a + [̅̅]o - [̅Y̅*] = 0 ⑮ und ⑯


-------------------------------------------------------------------
[([̅2][̅2])a] - [̅X̅*] - [̅Y̅*] = 0 ↘

[([̅2]+[̅2])o] - [̅Y̅*] + [̅X̅*] = 0 → ⑰


---------------------------------------------------------------------
a = ([̅X̅*] + [̅Y̅*]) / ([̅2] + [̅2]) =B/A ↘

o = ([̅Y̅*] - [̅X̅*]) / ([̅2] + [̅2]) =C/A →⑱


---------------------------------------------------------------------
Xo = XS* - ( aS ) + ( oS )
Yo = YS* - ( aS ) – ( oS ) ⑲
----------------------------------------------------------------------
122

Proben:

a [ X̅ *] = [ Y̅*] = [ ̅ ] = [ ̅ ] = 0

b X̅ * + Y̅* + ̅ + ̅ = [ S ]

[ ̅X̅*] - [ ̅2 ] = D

[ ̅S ] - [ ̅S ] = E
------------------------------
A –B + c + 2D = E
------------------------------
c (a+o)*A=B+C

d Schlussprobe [ vX ] = [ vY ] = 0

Die aus dem Gleichungssystem ⑨ berechneten vX und vY, müssen mit den ein-
gangs berechneten vX = X* - X und vY = Y* - Y übereinstimmen.

Fehlerrechnung:

mNull = ± ([vX2 + vY2]/ (2n-4))

Mittlerer Fehler der Transformationskonstanten

mXo = mYo = mNull / n

ma = mo = mNull / [̅2 + ̅2]


123

Beispiel:
Gegeben sind die Punkte A,B und C im alten () und im neuen (X,Y)
Koordinatensystem. Die Punkte 1 und 2 sind nur im alten System bekannt und
sollen durch Umformung im neuen System ermittelt werden. Bild 192
124

12. Geradenschnitt
Bild 55
125

tan t1 = ( Y2 – Y1 ) / ( X2 – X1 ) tan t2 = ( Y4 – Y3) / ( X4 – X3 )

oder oder

tan t1 = ( Ys – Y1 ) / ( Xs – X1 ) tan t2 = ( Ys – Y3 ) / ( Xs – X3 )

Ys – Y1 = ( Xs – X1 ) * tan t1 Ys – Y3 = ( Xs _ X3 ) * tan t2

Ys = Y1 + ( Xs – X1 ) * tan t1 Ys = Y3 + ( Xs – X3 ) tan t2

Sind zwei Größen einer dritten gleich, so sind sie untereinander gleich!

Y1 + ( Xs – X1 ) = Y3 + ( Xs – X3 ) * tan t2

Y3 + ( Xs * tan t2 ) – ( X3 * tan t2 ) = Y1 + ( Xs * tan t1 ) - ( X1 * tan t1 )

( Xs * tan t2 ) – ( Xs * tan t1 ) = Y1 – Y3 + ( X3 * tan t2 ) – ( X1 * tan t1 )

Xs * ( tan t2 – tan t1 ) = Y1 – Y3 + ( X3 * tan t2 ) – ( X1 * tan t1 )

Xs = [ Y1 – Y3 +( X3 * tan t2 ) – ( X1 * tan t1 ) / ( tan t2 – tan t1 )]

Ys = Y3 + [( Xs – X3 ) * tan t2 ]

Ys = Y1 +[( Xs – X1 ) * tan t1 ] - → Kontrollformel

Ys = Y1 + [( X3 – X1 – [( Y3 – Y1 ) * cot t2 ] / ( cot t1 - cot t2 )]

Xs = X1 + [( Ys – Y1 ) * cot t1 ]
126

12.1 Geradenschnitt → Flächenlösung

Bild 56
127

( Y – Y2 ) / ( Y4 – Y2 ) = 2¯P / 2¯4 ; Y = Y2 + [( Y4 – Y2 ) * ( 2¯P / 2¯4 )]

( X2 – X ) / ( X2 – X4 ) = 2¯P / 2¯4 ; X = X2 + [( X4 – X2 ) * ( 2¯P / 2¯4 )]

2¯P / 2¯4 = h1 / ( h1 + h2 ) / * 1¯3

2¯P / 2¯4 = ( h1 * 1¯3 ) / ( h1 + h2 ) * 1¯3 = 2F∆ (1, 2, 3 ) / 2F□ ( 1, 2, 3, 4 ) = g

Y = Y2 + [( Y4 – Y2) * g ]

X = X2 + [( X4 – X2 ) * g ]

Probe : F∆ ( 1, P, 3 ) = 0

12.2 Sonderfälle des Geradenschnitts

12.2.1

tan t2 = ( X2 – X1 ) / ( Y2 – Y1 ) Bild 57

tan t2 = ( X28 – X29 ) / ( Y28 – Y29 ) Bild 58

12.2.2

tan t2 = - ( X92 – X42 ) / ( Y92 – Y42 ) Bild 59

12.2.3

tan t2 = (Yb – Ya ) / ( Xb – Xa ) Bild 60

tan t2 = - ( Xb – Xa / ( Yb – Ya ) Bild 61
128
129

13. Schnitt zwischen Gerade und Kreis

Bild 62
130

Gegeben: Die Koordinaten von PA, PE und M und der Radius R.

Lösung:

Bild 63

PA ͞ HF = [( PA ͞ PE )2 + ( PA ͞ M )2 – ( PE ͞ M )2 ] / 2 * ( PA ͞ PE )

HA ͞ PE = [( PA ͞ PE )2 + ( PE ͞ M )2 – ( PA ͞ M )2 ] / 2 * ( PA ͞ PE )

Höhe M = (( PA ͞ M )2 – ( PA ͞ HF )2) ; PE ͞ M ˃ PA ͞ M

Höhe M = (( PE ͞ M )2 – ( HF ͞ PE )2) ; PA ͞ M ˃ P E ͞ M

Bild 64

X1 = PA ͞ HF - √ R2 – HM2

X2 = PA ͞ HF + √ R2 – HM2

Bild 65

Die gesuchten Koordinaten von P1 und P2 werden dann durch eine Kleinpunkt-
berechnung ermittelt.

YP1 = YPA + ∆ yP1

XP1 = XPA + ∆ xP1

YP2 = YPA + ∆ yP2

XP2 = XPA + ∆ xP2

Zum Schnitt zwischen Gerade und Kreis ist die Lösung über Höhe- und Höhen-
fußpunkt möglich und über Transformation auf Messungslinie.
131
132

14. Schnitt zweier Kreise

Bild 66
133

Ermittlung von h1 und deren Fußpunkt durch Höhe- und Höhenfußpunktberech-


nung.

MA ͞ M B = S = (( YMB – YMA )2 + ( XMB – XMA )2)

X1 = ( S2 + RA2 – RB2 ) / 2S

X2 = ( S2 + RB2 – RA2 ) / 2S

h1 = (RA2 – X1) ; RB ˃ RA

h1 = (RB2 – X2) ; RA ˃ RB

Bild 67

Über Kleinpunktberechnung, mit MA ͞ MB als Kleinpunktlinie die Koordinaten von


P1 berechnen.

YP1 = YMA + ([( YMB – YMA ) / S ] * X1 ) + ([( XMB – XMA ) / S ] * h1 )

XP1 = XMA + ([( XMB – XMA ) / S ] * X1 ) – ([( YMB – YMA ) / S ] * h1 )


134

15. Vorwärtsschnitt

15.1 Vorwärtsschnitt über Dreieckswinkel

Bild 68
135

① ( YL - YF ) / ( XN – XF ) = ( XL – XF ) / ( YF – YN ) = F͞ L / F͞ N = cotα

② ( YF - YR ) / ( XN – XF ) = ( XF – XR ) / ( YF – YN ) = F͞ R / F͞ N = cotβ
--------------------------------------------------------------------------------------
∆x
③ YL – YF = ( XN – XF ) * cotα

∆x
④ YF – YR = ( XN – XF ) * cotβ

∆y
⑤ XL – XF = ( YF – YN ) * cotα

∆y
⑥ XF – XR = ( YF – YN ) * cotβ
--------------------------------------------------------------------------------------
Addition von ③ und ④ , ⑤ und ⑥

⑦ YL – YR = ( XN – XF ) * ( cotα + cotβ )

⑧ XL – XR = ( YF – YN ) * ( cotα + cotβ )
------------------------------------------------------
⑨ XN – XF = ( YL – YR ) / ( cotα + cotβ )

⑩ YF – YN = ( XL – XR ) / ( cotα + cotβ )

③ und ⑨
⑪ YL – YF = [( YL – YR ) / ( cotα + cotβ )] * cotα oder
YF = YL – ([( YL – YR ) / ( cotα + cotβ )] * cotα )

⑤ und ⑩
⑫ XL – XF = [( XL – XR ) / ( cotα + cotβ )] * cotα oder
XF = XL – ([( XL – XR ) / ( cotα + cotβ )] * cotα )
----------------------------------------------------------------------------------------------------------
XN = XL – ([( XL – XR ) / ( cotα + cotβ )] * cotα ) +[( YL – YR ) / ( cotα + cotβ )] ⑫ und ⑨

YN = YL – ([( YL – YR ) / ( cotα + cotβ )] * cotα ) – [( XL – XR ) / ( cotα + cotβ )] ⑪ und ⑩

XN = XL + [( YL – YR + [( XR – XL ) * cotα ]) / ( cotα + cotβ )]

YN = YL + [( XR – XL + [( YR – YL ) * cotα ]) / ( cotα + cotβ )]

↖ ⑬ und ↖⑭
136

( XN – XL ) * ( cotα + cotβ ) = YL – YR + [( XN – XL ) * cotα ]

( YN – YL ) * ( cotα + cotβ ) = XR – XL + [( YR – XL ) * cotα ]

YL = YR + [( XL – XR ) * cotα ] + [( XN – XL ) * ( cotα + cotβ )] ⑮

XR = XL + [( YL – YR ) * cotα ] + [( YN – YL ) * ( cotα + cotβ )] ⑯

XR = XL + [( YR – YL ) * cotβ ] * [( YN – YR ) * ( cotα + cotβ )] ⑰

YL = YR + [( XR – XL ) * cotβ ] * [( XN – XR ) * ( cotα + cotβ )] ⑱


137

15.2 Vorwärtsschnitt über Richtungswinkel

Bild 69
138

Definition des Vorwärtsschnitts:

Wenn zwei Punkte L und R durch die Koordinaten XL, YL und XR, YR gegeben und
in einem sich an L͞ R anschließenden Dreieck L R N die Winkel α, β und γ, oder
Wenigstens zwei dieser Winkel gemessen sind, so können die Koordinaten des
Punktes N berechnet werden. Wir bezeichnen dabei das Verfahren als Vorwärts-
schnitt oder Vorwärtseinschnitt.

R = rechter Punkt , L = linker Punkt


↖ vom Neupunkt aus gesehen.

Gegeben: α, β, γ

Gesucht: N ( XN, YN )

tan ( tLR ) = ( YR – YL ) / ( XR – XL ) ; tRL = tRL ± 200g

c = L͞ R = ( YR – YL ) / sin ( tLR ) = ( XR – XL ) / cos ( tLR )

b = c * ( sinβ / sinγ )

a = c * ( sinα / sinγ )

tLN = tLR + α ; tRN = tRL – β

∆ xL = b * cos ( tLN ) ; ∆ yL = b sin ( tLN )

∆ xR = a * cos ( tRN ) ; ∆ yR = a * sin ( tRN )

XN = XL + ∆ xL = XR + ∆ xR

YN = YL + ∆ yL = YR + ∆ yR
---------------------------------------------------------------------------------
YN – YL = tanLN * ( X – XL )

YN – YR = tanRN * ( X – XR )

XN – XL = ( YR – YL ) – [( XR - XL ) * tanRN ] / ( tanLN - tanRN )

YN – YL = ( XN – XL ) * tanLN

XN – XR = ( YR – YL) – [( XR – XL ) * tanLN ] / ( tanLN – tanRN )

YN – YR = ( XN – XR ) * tanLN
139

16. Rückwärtsschnitt

Definition des Rückwärtsschnitts:

Wenn drei Punkte A, M und B durch ihre Koordinaten XA, YA, XM, YM und XB, YB
gegeben und in einem vierten Punkt P die Richtungen nach den drei Festpunk-
ten A, B und M, oder die Winkel α und β, die diese Richtungen miteinander ein-
schließen, gemessen sind, so können die Koordinaten XP, YP des Punktes P be-
rechnet werden. Wir bezeichnen dabei das Verfahren als Rückwärtsschnitt.

Die erste trigonometrische Lösung des Rückwärtseinschneidens gab 1617


Willebord Snellius. Seither wurde eine ganze Reihe von Lösungen empfohlen,
die praktisch einander gleichwertig sind, so, dass es genügt einige besonders
charakteristische Lösungen zu behandeln.

P = Neupunkt }
A = rechter Punkt } Vom Neupunkt P
B = linker Punkt } aus gesehen.
M = in der Mitte gelegener Punkt }

Gegeben : B ( XB , YB ) ; Beobachtet : α , β ; Gesucht : P ( XP , YP )


M ( XM , Y M )
A ( XA , Y A )
140

16.1 Lösung von Collins mit einem Hilfspunkt H

Bild 70
141

Man denke sich über die beiden Festpunkte A und B und den Neupunkt P einen
Hifskreis gelegt, der die Gerade P͞ M oder ihre Verlängerung in dem
„Collinsschen Hilfspunkt Q“ schneidet, dann ist

⦠QBA =⦠QPA=α

⦠BAQ= ⦠BPQ=β. ← ↖ Peripheriewinkel über gleichen Sehnen

Die Koordinaten P des Hilfspunktes Q lassen sich sodann als Vorwärtsschnitt


über A͞ B bestimmen. Aus den Differenzen der Richtungswinkel von Q nach A, M
und B errechnet man δ und ε. Da diese Winkel auch bei B und A auftreten, kann
man den Neupunkt P von A und B aus vorwärts einschneiden. Damit ist der
Rückwärtseinschnitt auf zwei Vorwärtseinschnitte zurückgeführt.

① tan tAB = ( YB – YA ) / ( XB – XA ) ; ① A͞ B = (∆yAB2 + ∆xAB2)

② t A Q = t AB + β ; tBQ = tAB ± 200g ; γ = 200 – ( α + β ) , γ = ε + δ

③ A͞ Q = A͞ B * (sinα / sinγ ) ; B͞ Q = A͞ B * ( sinβ / sinγ )

④ Yq = Ya + ( A͞ Q * sin tAQ ) ; xq = Xa + ( A͞ Q * cos tAQ )

= Yb + ( B͞ Q * sin tAQ ) ; = Xb + ( B͞ Q * cos tBQ )

⑤ tan tMQ = ( Yq – Ym ) / ( Xp – Xm )

⑥ tAP = tMQ + ( α ± 200g ) ; δ = tMQ – tAQ = tBP - tBA

tBP = tMQ – ( β ± 200g ) ; ε = tBQ – tMQ = tAB - tAP

δ+ε=γ ; sin ( β + α ) = sin ( 200 – γ ) = sinγ


↖ ↗
In jedem Sehnenviereck beträgt die Summe der Gegenwinkel 200g.

⑦ A͞ P = A͞ B * ( sinδ / sinγ ) ; B͞ P = A͞ B * ( sinε / sinγ )

⑧ Y = Ya + ( A͞ P * sin tAP ) X = Xa + ( A͞ P * cos tAP )

= Yb + ( B͞ P * sin tBP ) X = Xb + ( B͞ P * cos tBP )


142

16.2 Lösung von Kästner – Delambre – Burckhardt mit Hilfe der Winkel ϕ und ψ

Bild 71
143

tan tML = ( YL – YM ) / ( XL – XM ) ; M͞ L = a = √ ∆yML2 + ∆xML2

tan tMR = ( YR – YM ) / ( XR – XM ) ; M͞ R = b = √ ∆yMR2 + ∆xMR2

① γ = tML - tMR

② ϕ + ψ = 400g – ( α + β + γ )

( ϕ + ψ ) / 2 = 200g - [ ½ * ( α + β + γ )]

③ s = a * ( sinϕ / sinα ) ; s = b * ( sinψ / sinβ )

④ sinϕ / sinψ = ( b * sinα ) / ( a * sinβ ) = 1 / tanλ = cotλ ← Hilfswinkel

⑤ ( sinϕ – sinψ ) / ( sinϕ + sinψ ) = ( 1- tanλ ) / (1 + tanλ ) = cot ( 50g + λ )

Umkehrung der Additionstheoremen

⑥ (2cos[(ϕ + ψ) / 2]) * ( sin[(ϕ – ψ) / 2]) / (2sin[(ϕ + ψ)/2]* cos[(ϕ – ψ)/2])

= cot ( 50g + λ )

⑦ tan [( ϕ – ψ ) / 2 ] = [ tan ( ϕ + ψ ) / 2 ] * [ cot ( 50g + λ )]

⑧ [( ϕ + ψ ) / 2] + [( ϕ – ψ ) / 2 ] = ϕ ; [(ϕ + ψ ) / 2 ] – [(ϕ – ψ ) / 2 ] = ψ

⑨ c1 = a * ( sinγ1 / sinα ) ; c2 = b * ( sinγ2 / sinβ )

c1 = a * [ sin( α + ϕ ) / sinα ] ; c2 = b *[ sin( β + ψ ) / sinβ ]

⑩ tLN = tLM + ϕ ; tRN = tRM – ψ

⑪ XN = XL + ( c1 * cos tLN ) = XR + ( c2 * cos tRN )

YN = YL + ( c1 * sin tLN ) = YR + ( c2 * sin tRN )

⑫ Probe: α + β + γ + ϕ + ψ = 400g
144

16.3 Lösung von Cassini mit zwei Hilfspunkten C und D

Bild 72
145

Geometrisch kann die Lage des Neupunktes P durch den Schnitt zweier Kreise
bestimmt werden, die jeweils eine der gegebenen Seiten als Sehne und den
zugehörigen gemessenen Gegenwinkel als Peripheriewinkel enthalten (Cassi-
nis geometrische Konstruktion). Die auf B͞ M und M͞ A errichteten Senkrechten
B͞ D bzw. A͞ C schneiden die Kreise in den Cassinischen Hilfspunkten D und C.
D͞ M und M͞ C werden zu Durchmessern der beiden Kreise.
Wegen MPD = MPC = 100g, ist dann der Neupunkt P der Fußpunkt des von M
auf C͞ D gefällten Lotes.

A͞ C = A͞ M * cotα ; tAC = tAM – 100g

YC – YA = A͞ C * sin tAC = - A͞ M * cos tAM * cotα = ( XA – XM ) * cotα

YC – YM = ( YA – YM ) + ( XA – XM ) * cotα

XC – XM = ( XA – XM ) – ( YA – YM ) * cotα

YD – YM = ( YB – YM ) + ( XB – XM ) * cotβ

XD – XM = ( XB – XM ) – ( YB – YM ) * cotβ

Daraus folgen wegen M͞ P Ʇ C͞ D die Richtungskoeffizienten:

tan tCD = (( YD - YM ) – ( YC – YM )) / (( XD – XM ) – ( XC – XM )) = m2

tan tMP = m1 = - ( 1 / m2 )

Wenn man betrachtet, dass 1: ( m1 – m2 ) = m1: (1 + m12) = - m2: (1 + m22)


ist, so erhält man mit den Koordinatenunterschieden und den Richtungskoeffi-
zienten:

YP – YM = (( YC – YM ) – [ m2 * ( XC – XM )]) / 1 + m22

XP – XM = -m2 * ( YP – YM )

XP – XM = (( XD – XM ) + [ m1 * ( YD – YM )]) / 1 + m12

YP – YM = m1 * ( XP – XM )
146

Beispiel: Y X

Gegeben: B = 19.808,13 27.520,69


A= 19.061,00 27.800,11
M= 19.306,95 27.007,95
α= 110,5495g 2π – β = 141,8102g

Gesucht: Die Koordinaten des Neupunktes P.

A͞ M = 19.306,13 -27.800,11 cot 2π – β = -0,770915


-19.061,00 27.007,95 cot β = +0,770915
+245,95 -792,16
= 829,46

A͞ C = 829,46 * ( -0,1672448 ) tan tAM = ± 0,310480


= -138,72 tAM = 180,8350g

t AC = tAM – 100g
= 180,8350g -100g
= 80,8350g

YC – YA = -138,72 * 0,955028 = -132,48


= 27.800,11
- 27.007,95
792,16 * ( -0,167245 ) = -132,48

YC – YM = ( -245,95 ) + ( -132,48 ) = -378,43


XC – XM = 792,16 – [ -245,95 * ( -0,167245 )] = +751,03
YD – YM = ( +501,18 ) + [ 512,74 * ( +0,770915 )] = +896,46
XD – XM = +512,74 – ( +386,37 ) = +126,37

tan tCD = [( 896,46 ) – ( -378,43 )] / ( 126,37 – 751,03 ) = +1274,89 / -624,66


= -2,040934
P
tan tM = m1 = 0,489972

YP = 19.306,95 + [([ -378,43] – [(-2,040934) * (+751,03)]) / (1 + 4,165412)]

= 19.306,95 + 223,48 = 19.530,43

XP = 27.007,95 – ( -456,11 ) = 27.464,06

XP = 27.007,95 + ([(+126,37) + ( 0,489972 * 896,46 )] / ( 1 + 0,2400726))

= 27.007,95 + 456,11 = 27.464,06

YP = 19.530,43
147

16.4 Lösung von Runge – Reutzel – Brunner aus Flächenbeziehungen


Bild 73
148

Die Methode von Runge fußt im Prinzip auf der Cassinischen Lösung. Die Ge-
brauchsformeln werden aus Kreisgleichungen über die Flächeninhaltsformeln
der beiden Dreiecke LMN und RNM hergeleitet. Reutzel, der über eine Koor-
dinatentransformation zu den gleichen Formeln gelangt, hat dieselben für
den Gebrauch der Berechnung umgeformt.
Brunner wiederum hat diese Formeln so umgebaut, dass sie beim Gebrauch
jeglicher Rechner optimal anzuwenden sind.

16.5 Gefährlicher Kreis

Nur in einem Falle versagt der Rückwärtsschnitt:

Liegt der Neupunkt N (P) auf dem selben Kreis wie L (A), M und R (B) so ist
eine Lösung nicht möglich: Gefährlicher Kreis !
Bei der Auswahl der Punkte verhütet man den gefährlichen Kreis, wenn man
entweder den Neupunkt N in die Mitte legt oder einen der drei Zielpunkte weit
in der Ferne wählt.

Bild 73.1

ϕ + Ψ = 200g

ϕ = 200 –Ψ

sinϕ = sinΨ

sinϕ / sinΨ = 1/tanλ = 1 ; λ = 50g

tan(ϕ –Ψ)/2 = tan(ϕ+Ψ)/2 * cot(λ+50g)

=∞*0
149

17. Polygonometrische Punktbestimmung

Stufen der allgemeinen Landesverordnung

1. Triangulation I. Ordnung bis 50 km

II. Ordnung bis 25 km

III. Ordnung bis 5 km

IV. Ordnung 1 – 2 km

2. Polygonierung

3. Einzelvermessung nach Lage und Höhe

4. Kartenherstellung

17.1 Allgemeines

Zugarten : 1. Gerüstpolygonzüge ( Feinpolygonzüge) Δ̶̶̶̶ ̶ ̶ ̶ ̶ ̶ Δ̶̶ ̶ ̶ ̶ ̶ ̶ Δ 600 – 2000 m

2. Hauptpolygonzüge Δ̶̶ ̶ ̶ ̶ ̶ ̶ ̶ ○̶ ̶ ̶ ̶ ̶ ̶ Δ 80 – 800 m

3. Nebenzüge ○̶ ̶ ̶ ̶ ̶ ○̶ ̶ ̶ ̶ ̶ ̶ ̶ ○ 40 – 300 m

Zugformen : 1. Der offene oder freie Polygonzug.

2. Der geschlossene oder Ringpolygonzug.

3. Der angeschlossene Polygonzug

(einseitig oder beidseitig)


150

17.2 Beiderseits koordinaten- und richtungsmäßig angeschlossener Zug

Bild 74
151

tA1 = tBA + βA ± 200

t12 = tA1 + β1 ± 200

t23 = t12 + β2 ± 200

t3E = t23 + β3 ± 200

tED = t3E + βE ± 200

t ED soll - ist

tED = tBA + βA ± 200 + β1 ± 200 + β2 ± 200 + β3 ± 200 + βE ± 200 ( ist )

tED = tBA + [ β ] ± ( n * 200 )


n = Anzahl der Brechungswinkel

vβi = fβ / n

fβ = (( n + 2 ) * 200g ) - [ β ] ; fβ nicht größer als 2c √ n

fβ = tED soll – tED ist ; fβ auf die kleinsten Brechungswinkel ver-


teilen

17.3 Berechnung der Koordinatenunterschiede

Bild 75

Y2 – Y1 = Δy = s2 * sin t12

X2 – X1 = Δx = s2 * cos t12
--------------------------------

Δy = s * sin t

Δx = s * cos t

Probe: Δx + Δy = ( s * √ 2 ) * sin ( t + 50 )

∑ Δyi = Δy ist Δy soll = YE - YA

∑ Δxi = Δx ist Δx soll = XE - XA


---------------------------------------------

fY = Δy soll – Δy ist

fx = Δx soll – Δx ist {Fehler proportional der Streckenlänge verteilen.

Fs = √ (fx2 + fy2)
152

Δyik = ( sik * sin tik ) + (( fy / [ s ] ) * sik )

Δxik = ( sik * cos tik ) + (( fx / [ s ] ) * sik )

i, k = zwei aufeinander folgende Punkte

17.4 Berechnung der Koordinaten

Y1 = YA + ΔyA1 X1 = XA + ΔxA1

Y2 = Y1 + Δy12 X2 = X1 + Δx12

Y3 = Y2 + Δy23 X3 = X2 + Δx23

YE = Y3 + Δy3E XE = X3 + Δx3E
153

17.5 Die Genauigkeit der Poligonierung

Bild 76

L = fL = ( fx * cos t ) + ( fy * sin t )

W = fq = ( fy * cos t ) – ( fx * sint t )
154

17.6 Relativer Längsfehler und Querfehler

s = s` + L | s / s`= q

s / s`= 1 + ( L / s`) |

q – 1 = L / s` → relativer Längsfehler

ϕ*s=W

ϕ * s`= W

ϕ = W / s` → relativer Querfehler pro Meter

Δ WGZ = ⅔ ((([s]*(1,85c /δc)) * ( √ (( n* ( n+1 )) / (12 * ( n – 1 ))))) + 0,05) [m]

Δ WHZ = (( [s] * ( 1,85c / δc )) *(√ ((n * ( n+1 )) / (12 * ( n – 1 )))) + 0,05 [m]

Δ WNZ = (( [s] * (( 2,04c / δc )) * (√ ((n * ( n+1 )) / (12 ) * ( n – 1))))) + 0,10 [m]

Δ LGZ = ⅔ * (( 0,002 * √ [ s ] ) + ( 0,00030 * [ s ] ) + 0,05 ) [m]

Δ LHZ = (( 0,002 * √ [ s ] ) + ( 0,00030 * [ s ] ) + 0,05 ) [m ]

Δ LNZ = (( 0,003 * √ [ s ] ) + ( 0,00035 * [ s ] ) + 0,05 ) [ m ]

17.7 Auffinden grober Messungsfehler

17.7.1 Winkelfehler

Wenn in einem Polygonzug ein grober Winkelfehler vorliegt, so zeigt sich dies in
fβ. Ein grober Winkelfehler kann dadurch aufgehoben werden, in dem man den
Zug vorwärts und rückwärts (ohne Fehlerverteilung) rechnet. In dem Punkt, in
dem die Koordinaten beim Hin- und Rückrechnen übereinstimmen, muss der
Fehler liegen.
155

Grafische Lösung: Bild 77

Der Punkt, durch den die Mittelsenkrechte von fs geht, ist der Punkt, in
dem der Winkelfehler gemacht wurde.

fβ G = 4/3c * √ n ; fβ H = 2c * √ n ; fβ N = ( 2c * √ n ) + 2c
156

17.7.2 Streckenfehler

Ein Streckenfehler kann erst in den Koordinatenunterschieden festgestellt wer-


den (fy und fx). Ein grober Streckenfehler hat zur Folge, dass der ganze Zug von
der Fehlerquelle an in die falsche Richtung verschoben ist. Man bildet dann
fs = √ (fy2 + fx2), dies ergibt den Streckenfehler. Um den Fehler aufzufinden bil-
det man tan α = fy / fx. Man sieht dann, ob einer der Richtungswinkel mit die-
sem gerechneten übereinstimmt. Dort liegt dann der Streckenfehler.
fs G = fs H = ( 0,004* √ s ) + ( 0,00030 * s ) + 0,02

fs N = ( 0,006 * √ s ) + ( 0,00035 * s ) + 0,02

17.8 Andere Zugformen

17.8.1 Berechnung von geschlossenen oder Ringpolygonzügen

Bild 78

∑βi = ( n + 2 ) * 200g

( n * 200g ) – 400g = ∑αi

( n – 2 ) * 200
------------------------------
( n * 400g ) – [( n- 2 ) * 200 ] = ∑βi

( n * 400g ) – n200 + 400 = ∑βi

n200 + 400 = ∑βi

200 * ( n + 2 ) = ∑βi

fβ = ( n + 2 ) * 200 - ∑β

Δ ySOLL – Δ xSOLL = 0

fy = 0 - ∑ ( s * sint )

fx = 0 - ∑ ( s * cost )

17.8.2 Einseitig angeschlossener Polygonzug

Achtung vor geodätischem Selbstmord ( Proben )

17.8.3 Freier oder offener Polygonzug

17.8.4 Einrechnungszug
157

Bild 79

Bild 79
158

tAE + α = fA1

α = 400 – tAE

tA1 = tAE - AE

17.8.5 Anschluss an unzugängliche Punkte

Bild 80

1. s1 = b* [ sinα / sin ( α + γ) ]

2. Bestimmung von sAB und tAB

3. sinε = ( s1 / sAB ) * sinδ

tA1 = tAB + 200 – ( δ + ε )


159

17.8.6 Rechnerische Ausschaltung von Zugteilen

Bild 81
160

Bild 81

Verteilen von fx und fy auf 1, 2, 3 , 4, 5, 6, 7 und 8.

Die Verbesserung fx und fy auf 4, proportional auf 4a, 4b und 4c verteilen.

fy = 24cm ; fx = 16cm

fy auf 4 = 3cm → 4a = 1cm, 4b = 1cm, 4c = 1cm

17.8.7 Fernorietierung von Nebenzügen

Bild 82

Zwischenorientierungen verschlechtern den Polygonzug.


161

17.8.8 Polygonzugverknotung

Bild 83
162

p=1/n ; n = Anzahl der Brechungswinkel eines Zuges

t89 = ( t1p1 + t2p2 + t3p3 ) / ( p1 + p2 + p3 )

X8 = [( X [1 ] * P [ 1 ] ) + ( X [ 2 ] * P [ 2 ] ) + ( X [ 3 ] * P [ 3 ] )] / [ P ]

Y8 = [( Y [ 1 ] * P [ 1 ] ) + ( Y [ 2 ] * P [ 2 ] ) + ( Y [ 3 ] * P [ 3 ] )] / [ P ]

P [ 1 ] = 1 / [ s1 ] ; s = Strecke des Zuges

Rechengang :

1 Nummerierung der Züge.

2 Berechnung der Richtungswinkel in Zug 1, Zug 2 und Zug 3.

3 Berechnung des RiWi einer ausgewählten Seite ( t89 ).

4 Berechnung des Mittelwertes von t89 als gehobenes arith. Mittel.

5 Winkelabgleichung auf Mittelwert.

6 Berechnung der Züge 1, 2 und 3.

7 Berechnung des Mittelwertes der Koordinaten von PP 8.

8 Abgleich des Zuges.

9 Berechnung von Längs- und Querfehler.


163

18. Nivellement

18.1 Allgemeines

Höhen werden hauptsächlich geometrisch, trigonometrisch oder barometrisch


bestimmt. Wir reden hier von der geometrischen Höhenmessung auch Nivelle-
ment oder Einwägung genannt.

18.2 Bezugsfläche

Die Höhen der Nivellementpunkte des DHHN beziehen sich auf die Niveauflä-
che, die durch den Normalnullpunkt des Amsterdamer Pegels geht. Der Magis-
trat von Amsterdam führte diesen standardisierten Pegel um etwa 1700 ein.
Diese Niveaufläche wird mit „Normalnullfläche (NN)“ bezeichnet und stimmt
mit der Oberfläche des Weltmeeres in einer von Gezeiten und Strömungen
usw. freien, mittleren Lage ruhend vor und denke sich mittels kommunizieren-
der Röhren diese Meeresoberfläche unter den Kontinenten fortgesetzt dar,
überein.
Diese auf der ganzen Erde eindeutig definierbaren Fläche wird in Anlehnung an
das griechische Wort für Erde als Geoid bezeichnet und als die eigentliche Figur
der Erde betrachtet.

18.3 Übertragung nach Deutschland

Um den Normalnullpunkt mit dem Binnenland zu verknüpfen, mussten umfang-


reiche Nivellementnetze angelegt werden. Durch besondere Messungen in den
Jahren 1875 und 1876 wurde an der ehemaligen Berliner Sternwarte der so ge-
nannte Normalhöhenpunkt (NH) angebracht. Dieser Punkt liegt 37,000 m über
dem Nullpunkt des Amsterdamer Pegels. Seit 1879 ist dieser Normal-Höhen-
punkt Ausgangspunkt für alle Höhenmessungen. In diesem Netz der NN-Höhen
wurde bis etwa 1925 gemessen; die NN-Höhen hatten noch keine Schwerere-
duktion, sie wurden später NN-Höhen im alten System genannt.
Als die Sternwarte im Jahre 1912 abgerissen wurde, war eine anderweitige Fest-
legung notwendig. Nach einem geologischen Gutachten wurde an der Straße
Berlin – Küstrin 40 km östlich von Berlin in einem besonders standsicheren Ge-
lände bei Hoppegarten der alte Normalhöhenpunkt ersetzt. Dieser ist durch ei-
nen Granitpfeiler (NHP 1912, liegt 54,638 m ü. NN) unterirdisch vermarkt und
durch 10 Kontrollmarken gesichert. Die Definition „Höhe über NN“ blieb unver-
ändert gültig. Danach wurde das gesamte Nivellementnetz (DHHN 12) mit An-
schluss an den NHP 1912 und unter Berücksichtigung der normalorthometri-
schen Reduktion (NOR) berechnet. Die Höhen heißen NN-Höhen in neuen Sys-
tem. Die normalorthometrischen NN-Höhen haben den Höhenstatus 100.
164

Als Höhe eines Punktes über NN ist sein längs der Lotlinie gemessener Abstand
von der Normal-Null-Fläche anzusehen.
Nach der politischen Vereinigung Deutschlands im Jahre 1990 wurde die Be-
rechnung eines neuen Haupthöhennetzes erforderlich: das Deutsche Haupthö-
hennetz 1992 (DHHN 92). Die Höhen über Normalhöhennull (NHN-Höhen) sind
durch den Höhenstatus 160 (mit Schwerewert) gekennzeichnet.
Normalhöhen nach der Theorie des russischen Geophysikers und Astronomen
Michail Sergejewitsch Molodenski (1909 - 1991).
Als Bezugsfläche schlug Molodenski, für die Höhenmessung statt des Geoids,
eine geometrisch definierte Fläche, das Quasigeoid vor.
Nullpunkt bleibt der Amsterdamer Pegel.
Schwerefestpunkte (SFP) dienen der Bestimmung der Erdfigur (Geoid).
Das Höhensystem NHN berücksichtigt das tatsächliche Schwerefeld der Erde.
Das Erdschwerefeld ermittelt sich aus der Gravitation der Erdmasse (= 9,81m/s2
, ~ 50. Breitengrad) und der Zentrifugalkraft ( Z = m * r * ω2 ), in der Gebrauchs-
einheit mGal (Gal nach Galilei).
Die Erdschwerebeschleunigung hängt von der geografischen Breite (9,78 m/s2
am Äquator, 9,83 m/s2 an den Polen) und zusätzlich von der Höhe über dem
Meeresspiegel ab.
Dieser Schwerewert wird bei der Berechnung der Normalhöhen im HFP-Feld
durch die Normalhöhen-Reduktion berücksichtigt.
Die Gesamtheit dieser Punkte bildet das Höhenfestpunktfeld.

Es gliedert sich in:


1. Haupthöhennetz Netz I. Ordnung
2. Landeshöhennetz, Netz II. Ordnung
3. Aufnahmehöhennetz, Netz III. Ordnung

Orthometrische Reduktion

Bei großen Höhenunterschieden und sehr genauen Messungen sind noch die
orthometrischen Verbesserungen anzubringen. Sie berücksichtigen, dass sich
die Niveauflächen (Gleichgewichtsflächen im Schwerefeld) zum Pol hin ein we-
nig nähern.
Die Verbesserungen heißen „Normale orthometrische Reduktionen“ oder kurz
NOR.
Die Formel hierzu lautet:

Sn 5,29
NOR (mm) = Σ - ̶ ̶ ̶ ̶ * sinϕ * Ms (km) * h (m)
S1 r (km)
165

Dabei bedeuten s1, s2 ….sn = Strecken ungefähr gleicher Höhe, in die die Nivel-
lementlinien eingeteilt sind;
r (km) = Meridiankrümmungsradius in km für die mittlere Breite Deutschlands;
ϕ = mittlere geografische Breite;
Ms (km) = Meridianbogen zu si;
h (m) = durchschnittliche Nivellierhöhe in m über NN der Strecke si.

18.4 Nivellierinstrumente

Früher habe ich die Kompensatornivelliere von Zeiss Ni 2 Nr. 26924 mit Planpa-
ralleler Platte und von Jenoptik das Koni oo7 Nr. 150141 verwendet. Kompensa-
tornivelliere kommen ohne Röhrenlibelle aus, die Horizontrierung erfolgt hier
durch ein zusätzliches Bauteil. Von der Funktion her handelt es sich um frei-
hängende Bauteile wie Linsen, Prismen und Spiegel, die sich durch die Erdan-
ziehungskraft selbstständig in die richtige Lage einpendeln und somit den Ziel-
strahl horizontrieren.
Die Nivelliergeräte müssen in regelmäßigen Abständen überprüft werden.
Später dann (ab 1994) habe ich das Digitalnivellier NA3000 von Leica ange-
wendet, ab 2005 die neueste Version von Digitalnivellieren das DNA03 auch
von der Firma Leica. Diese digitalen Weiterentwicklungen der Kompensatorni-
velliere, benötigen für die Werterfassung eine mit Strichcode versehene Nivel-
lierlatte. Als zusätzliche Vorteile sind die Distanzmessung in der Horizontalrich-
tung wie auch verschiedene Rechen- und Registrierfunktionen am Instrument
durchführbar.
166

18.5 Messverfahren

Die Wirkungsweise des Nivellements beruht darauf, dass man längs einer Waag-
rechten zwei senkrechte Latten R und V anzielt und somit den Höhenunter-
schied Δh, zweier Geländepunkte aus den Lattenablesungen R (Rückblick) und V
(Vorblick) ermitteln kann. Die Formel zur Ermittlung des Höhenunterschiedes
lautet Rückblick minus Vorblick. Δh = R – V
Sind zwei Höhenfestpunkte vorhanden, so kann auf dem Höhenunterschied
zwischen dem Anfangs- und dem Endpunkt die Höhenmessung ausgeglichen
werden. Die Differenz zwischen der Summe der Rückblicke und der Summe der
Vorblicke, soll dem Sollwert des Höhenunterschiedes zwischen An- und Ab-
schlusspunkt entsprechen. In den meisten Fällen geschieht das nicht.
Der Abschlussfehler lässt sich mit der Formel ± d = Soll – Ist ermitteln und wird
dann gleichmäßig auf die einzelnen Δh verteilt.

Beim Festpunktnivellement (geometrisches Liniennivelement) muss folgendes


beachtet werden:
Das Instrument muss besonders standsicher aufgestellt werden.
Beim Nivellieren muss darauf geachtet werden, dass vom Instrument aus die
gleiche Zielweite im Rückblick als auch im Vorblick eingehalten wird.
Der Grund ist folgender:
Obwohl die Horizontrierung mit Dosenlibelle und durch den Kompensator mit
größter Genauigkeit erfolgt ist, kann es durchaus möglich sein, dass das Instru-
ment einen dejustierten Zielstrahl hat. Dieser systematische Fehler ist propor-
tional zur Zielweite. Bei gleicher Zielweite im Rückblick als auch im Vorblick ist
die Abweichung gleich und hebt sich gegenseitig auf. Neben dieser Abweichung
werden auch die Einflüsse der Refraktion (Brechen und Ablenken des Licht-
strahls, der durch unterschiedlich dichte Luftschichten geht) aufgehoben.
Die einzelnen Zielweiten sollten maximal 40 m betragen.
Die Linien werden hin und zurück (Doppelmessung) beobachtet.
Die Ablesefolge ist R – V. Es ist darauf zu achten, dass bei Hin- und Rücknivelle-
ment derselben Strecke nachstehende Differenz nicht überschritten wird:
D1(1) = ± (2,0 * √SKm )mm (Genauigkeit 1. Ordnung)

Zur endgültigen Bestimmung der NN-Höhen wurden die Nivellementlinien aus-


geglichen. Die Widersprüche zwischen zwei Anschlusspunkten, so sie im Bereich
der Zulässigkeit liegen, werden proportional der Strecke verteilt. Hierbei wird
darauf geachtet, dass beim Anschluss eines Nivellements an zwei gegebene
Festpunkte folgende Widersprüche in keinem Fall überschritten werden:
D2(1) = ± (2,0 + (2,0 * √SKm ))mm ( Genauigkeit 1. Ordnung )
(S = Länge des einfachen Messweges der Niv.-Strecke )
167

18.6 Berechnung

Beispiel 1 Bild 84
168

Beispiel 1
h=R-V Höhe
Pkt. Z R V + - über NN
14 32 1,524 88,516
32 1,217 0,307 +0,307
W1 40 0,723 +1 88,823
40 1,894 1,171 -1,170
W2 34 1,234 87,653
34 0,654 0,580 +0,580
NP 38 2,421 +1 88,233
38 1,945 0,476 +0,477
W3 36 0,635 88710
36 0,513 0,122 +0,122
51 88,832
+1 +1
6,537 6,223 1,485 1,171 +0,316
↘ ↙ ↘ ↙
+2
+0,314 +0,314

Der Höhenunterschied zwischen dem Anfangs- und dem Endpunkt beträgt im Bei-
spiel 1 + 0,316 m (= Sollwert). Die Differenz zwischen der Summe der Rückblicke und
der Summe der Vorblicke beträgt + 0,314 m (= Istwert). Normalerweise sollte dieser
Wert dem Sollwert gleich sein.
Der Abschlussfehler beträgt (d = Soll – Ist) +0,316 - (+0,314) = + 2 mm.
Dieser Fehler wird im Verhältnis von der Gesamtlänge zu den einzelnen Strecken,
gleichmäßig auf die Δh verteilt.
Die verbesserten Höhenunterschiede werden dann zu dem Höhenwert des Anfangs-
punktes fortlaufend, entsprechend ihrem Vorzeichen addiert oder subtrahiert.
Bei korrekter Fehlerverteilung muss man dann, nach dem letzten Δh genau auf den
Höhenwert des Endpunktes kommen.

Die Berechnung der neuen Höhen im Beispiel 2 ist im Prinzip genau die gleiche wie
im Beispiel 1.
169

Beispiel 2 Berechnung eines Liniennivellements über ein von mir formatiertes Formular:
Bild 85
170

Beispiel 3 Berechnung einer Nivellementschleife über ein von mir formatiertes


Formular:
Bild 85.1
171

18.7 Genauigkeitsbetrachtung

Mittlerer Kilometerfehler einer einfach nivellierten Strecke:

mo = ± d/ s = ± d/√2S;

liegen n Doppelnivellements vor, so ist:

mo = ± 1/2n * [dd/S] = √1/n * [dd/s];

mittlerer Kilometerfehler des Mittels aus Hin- und Rücknivellement:

Mo = ± mo/ 2 = ± ½ √1/n * [dd/S] = ±√1/2n * [dd/s];

mittlerer Fehler der Doppelmessung für einzelne Strecken:

Mi = ± Mo * Si ;

mittlerer Fehler des Gesamthöhenunterschiedes zwischen Anfangs- und End-


Punkt:

Ms = ± Mo * [S] ;

n = Anzahl der Doppelnivelements (Δh)

d = Höhenfehler bei Hin- und Rücknivellement bzw. Schleifenfehler bzw.


Schlussfehler bei Nivellement zwischen zwei Festpunkten,

s = in km eine einmal nivellierte Zuglänge bzw. Schleifenlänge,

S = in km ( = ½s ) eine doppelt nivellierte Zuglänge bzw. Schleifenlänge.


172

18.8 Höhennetzknoten
173

Die Höhe eines Knotenpunktes ist von 3 bis 5 Höhenfestpunkten durch ein geo-
metrisches Nivellement zu bestimmen.
Mit diesen, für den gleichen Punkt, wahrscheinlich unterschiedlichen NN-
Höhen und den einzelnen Entfernungen (km), wird durch ein bestimmtes Be-
rechnungsverfahren (Höhennetzknoten) die genaue NN-Höhe des Neupunktes
ermittelt.

Berechnung :

Im formatierten Formular (Bild 86) steht in der 1. Spalte die lfd. Nr. (1, 2, 3, 4)
der verwendeten Punkte,

2. die Punktnummer des Festpunktes (z.B. 4737/003),

3. L = NN-Höhen des Knotenpunktes (131,6984) ermittelt von Pkt.1, 2 usw.,

4. Spalte e = Strecke in km (z.B. 0,28),

in Spalte 5 kommt Gewicht p = 1 / e = (z.B. 3,6),

in 6. ein Höhenwert (x˂) niedriger als der wahrscheinliche Höhenwert


(131,6900) und die ermittelte Verbesserung dieses niedrigeren Höhenwertes

xi = [pl] / [p = 1/e] = 8,3 mm,

sowie die neue Höhe des Knotenpunktes x = x˂ + xi ,

7. die Differenz zwischen den, von den Ausgangspunkten ermittelten NN-


Höhen und dem niedrigeren Höhenwert in l (mm) = (z.B. 8,4),

8. p * l = 30,0,

9. v (+ -) = (neuer Höhenwert minus Ausgangshöhe) mal 1000 = -0,1,

10. p * v (+ -) , 11. P * v * v, 12. P*l*l.

Fehlerbetrachtung :

m ( 1 km ) = √ ([pvv] / n -1) , M x = m / √ [p]

p = 1 / s ; s = Strecke in km ; n = Anzahl der Ausgangshöhenpunkte


174

18.9 Stufenweiser Ausgleich eines Höhennetzes nach Gauß - Vogler

Bisher wurden neue Höhenfestpunkte zwischen Altpunkten eingehängt.


Die Abschlussfehler wurden linear verteilt (siehe unter 18.5 und 18.6).
Darüber hinaus gibt es noch verschiedene Ausgleichsverfahren.
Zur Kontrolle meiner Messergebnisse habe ich einige Male, für bestimmte Be-
reiche im Stadtgebiet von Mainz, die stufenweise Ausgleichung (d.h. allmähliche
Annäherung) nach Vogler angewendet.
Die Praxis hat gezeigt, dass es mitunter gleichgültig ist, ob man die wenigen Mil-
limeter Abschlussfehler so oder so verteilt, wenn das Prinzip der Nachbarschaft
gewahrt bleibt.

Bild 90 und Bild 91


175

Bild 90
176

Bild 91
177

Bild 87
178

Bild 88
179

Bild 89
180

Ablauf der Ausgleichung (Methode der kleinsten Quadrate) :

1. Zusammenstellung der Schleifen und der Umringsschleife im Uhrzeigersinn.


Eintragen in Spalte a.

2. Die Höhenunterschiede (Δh) vorzeichengerecht eintragen (Spalte b).

3. In der Spalte c werden die Streckenlängen L (Km) eintragen.

4. Die Widersprüche (w = [Δh]) in jeder Schleife ermitteln und unterhalb der


Höhenunterschiede, in Spalte b eintragen.

5. Anfangen mit der Iteration = w2/[L] (w in 10/mm, L in Km). Genauso wird in


den übrigen Schleifen verfahren (Spalte d).

6. Bei der Schleife, mit dem größten Wert von w2/[L], wird mit der Ausgleichung
begonnen (Spalte d, Stufe 1). Die Teilverbesserungen (wi = [((w/[L])*Li)*(-1)])
für jeden einzelnen Höhenunterschied dieser Schleife werden ermittelt. Sind
einzelne Höhenunterschiede dieser Schleife, auch Teil von anderen Schleifen,
so müssen diese entsprechenden Teilverbesserungen übertragen werden
(Achtung Vorzeichen).

7. Von den Schleifen die noch keine Verbesserung erhalten haben, wird bei der
Schleife mit der Ausgleichung fortgefahren, die auch wieder den größten
Wert von w2/[L] nachweist. Eventuell wieder Teilverbesserungen in andere
Schleifen übertragen (Achtung Vorzeichen).

8. In dieser Weise fortfahren, so, dass alle Schleifen mindestens eine Verbesse-
rung erhalten haben.

9. Die neuen Widersprüche der Schleifen ermitteln durch vorhergehenden Wi-


derspruch plus die Summe der Verbesserungen aus dem letzten Ausglei-
chungsschritt und dann wieder w2/[L] berechnen.

10. Danach weiter ab Nr.4 bis w gleich 0 ist oder sehr nahe bei 0 liegt (Stufe 2,
Stufe 3, Stufe 4 usw.).

11. Die Addition der Teilverbesserungen ergibt die Gesamtverbesserung δ (in


Spalte e) des Höhenunterschiedes. Die Verbesserung der Höhenunterschiede
aus den verschiedenen Schleifen muss bis auf die Vorzeichen übereinstim-
men. Die Summe der Verbesserungen einer Schleife muss sich aufheben.

12. Δh (Spalte g) ermittelt man durch algebraisches hinzufügen der Verbesserun-


gen zu den gemessenen Höhenunterschieden.
181

13. Zur Probe bildet man in jeder Schleife die Summe des Widerspruchs (w) und
der Verbesserungen (δ) die 0 ergeben muss, auch die Summe der verbesser-
ten Höhenunterschiede (g) muss 0 sein.

14. Die Fehlerrechnung erfolgt über den Wert der Verbesserungen. Man be-
rechnet δ2/L (Spalte f) für jede notwendige Verbesserung und bildet die
Summe. Dieser Wert müsste gleich der Summe sein der jeweils größten
Werte (w2/L), die für den Beginn und der Fortführung der Ausgleichung not-
wendig waren. R bedeutet die Anzahl der notwendigen Bedingungen.

m = ± √(1/R[δδ/L])mm
182

18.10 Längs- und Querschnitte

Bei der Planung von Straßen, Kanälen, Eisenbahnen usw. legt man Längs- und
Querschnitte über das Gelände.
Einteilung der Trasse:
Vor der Höhenaufnahme wird die Längsachse (Trasse) des geplanten Bauwerkes
in 100m-Abschnitte unterteilt und durch einen Grundpfahl und einen dahinter
gesetzten Nummernpfahl markiert. Der Grundpfahl wird erdbodengleich einge-
schlagen und später eingewogen. Der Nummernpfahl gibt die Stationsnummer
an; dabei erhält der Trassenanfang die Nummer 0, jeder weitere Hundertmeter-
punkt die Nummer 1, 2, 3……usw. Zwischenpunkte werden auf den vorhergehen-
den Pfahl bezogen. So ist ein 2 + 15,5 bezeichneter Pfahl um 15,5m von der Stati-
on 2 und 215,5m vom Trassenanfang entfernt.
Die Grundpfähle und die Zwischenpunkte werden durch ein Nivellement mit
Zwischenpunkte eingewogen. Dabei können die Grundpfähle zugleich Wechsel-
punkte sein.
Querprofile:
In Anschluss an das Längsnivellement werden an den Stationspunkten, recht-
winklig zur Trasse, Querprofile gelegt. Ähnlich wie bei einem Längsnivellement
werden auch hier die Geländeknickpunkte usw. durch Pfähle markiert. Diese
Querprofile werden etwa 10 bis 40m links und rechts der Trasse ausgedehnt, je
nach der Breite des später entstehenden Bauwerkes. Dabei beziehen sich die Be-
griffe links und rechts auf die Laufrichtung des Längsnivellements.
Jeder Querschnitt wird für sich eingewogen. Dabei dient der naheliegende
Grundpfahl des Längsnivellements als Höhenpunkt.
Für die Bauplanung und Erdmassenberechnung wird der Längsschnitt gezeichnet.
Dabei wählt man für die Länge : Maßstäbe von 1 : 500 bis 1 : 1000
Höhen : Maßstäbe von 1 : 50 bis 1 : 100.
Die Höhen werden also im Verhältnis zu den Längen stark vergrößert (überhöht)
dargestellt. Bei der Darstellung kürzt man alle Höhen um einen runden Betrag,
schreibt aber trotzdem die volle Höhe heran.
183

Längsschnitt Bild 136


184

Querschnitt Bild 137

Querprofil bei Station 1+70 mit neuem Bauwerk.


185

Der Höhenunterschied ∆h zwischen dem Gelände und der Oberkante Bauwerk


lässt sich auf dem Längsschnitt ableiten.
Geländehöhe 157,70m, Sollhöhe 158,80m - ∆h = 158,80 – 157,70 = 1,10m.

18.11 Erdmassenberechnung

Längs- und Querprofile sind die Grundlage für die Ermittlung von Erdmassen.
Um Auf- und Abtragsmassen zu ermitteln nimmt man das arithmetische Mittel
aus den Querschnittsflächen zwei aufeinander folgender Profile, multipliziert mit
der Strecke (aus dem Längsprofil). Wenn zwischen zwei Querprofilen ein Über-
gang vom Auf- zum Abtrag stattfindet, so ist je die halbe Fläche des Auf- oder Ab-
tragsprofil mit dem entsprechenden Abstand vom Durchstoßungspunkt zu multi-
plizieren.

Bild 138 und 139


186

Auftrag A = ½a (f1 + f2) Auftrag A = ½a (f1 – f2)

Bild 138 Bild 139


187

18.12 Nivellement über große Entfernungen (Talübergang)


Bild 194

∆h1 = r1 – v1 ∆h2 = r2 – v2

v1 = v1` + E + R + i1 r 2 = r 2` + E + R + i 2

∆h1 = r1 – (v1`+ E + R + i1) ∆h2 = (r2`+ E + R + i2) – v2

∆h = (∆h + ∆h2) / 2

∆h = ½ [r1 – v1`- E – R – i1 + r2`+ E + R + i2 – v2]

∆h = ½ [(r1 – v1`) + (r2`- v2) + (i2 – i1)]


188

19. Zenitwinkelmessung
Bild 212 und Bild 213

α + γ = 100g α = 100 – γ

Hi = Ho + i + (s * tanα) – z Trigonometrische Höhenmessung


(s * cotξ)
Zeigerfehler - Höhenindexfehler
189

19.1 Berechnung des Zenitwinkels und der Zeigerverbesserung


Für Zeigerverbesserung wird auch der Begriff Indexverbesserung verwendet.
Bild 214 und Bild 215
190

I ξ = ξ` + Δ

II ξ = 400 – ξ`` - Δ

I + II 2ξ = ξ` + 400 – ξ`` ξ = ½ * ( ξ`+ 400 – ξ`` )

I – II 0 = ξ`+ Δ – 400 + ξ`` + Δ 400 = ξ`+ ξ`` + 2Δ → Standprobe

Zweitberechnung der Zenitdistanz ξ = ξ`+ Δ


---------------------------------------------------------------------------------------------------
Beispiel :

ξ` = 106,2383g ξ = ξ`+ Δ = 106,2383g – 0,0036g

ξ`` = 293,7689g = 106,2347g


400,0072g

2ξ = 212,4694g α = 100g - ξ

ξ = 106,2347g = 100g – 106,2347g = - 6,2347g


----------------------------------------------------------------------------------------------------
Beispiel :

ξ` = 98,4327g ξ = ξ`+ Δ = 98,4327g + 0,00045g

ξ`` = 301,5664g = 98,4332g


399,9991g

2ξ = 196,8663g α = 100g - ξ

ξ = 98,4332g = 100g – 98,4332g = 1,5668g


-----------------------------------------------------------------------------------------------------
191

19.2 Turmhöhenbestimmung

19.2.1 Mit horizontalem Übertragungsdreieck

Bild 92
192

Gesucht : Hi

Gegeben : HA , HB

Gemessen : c (mm) , α, β, iA , iB , ζA , ζB , ǁ γ = 200 – (α + β)

a = c * (sinα / sinγ) ; b = c * (sinβ / sinγ)

ΔhAT = b * cotζA ; ΔhBT = a * cotζB

Hi = HA + iA + ΔhAT = HB + iB + ΔhBT

Hi = HA + iA + [c * (sinβ / sinγ) * cotζA]

Hi = HB + iB + [c * (sinα / sinγ) * cotζB]


193

19.2.2 Mit vertikalem Übertragungsdreieck

Bild 93
194

Gesucht : HT

Gegeben : HA , HB

Gemessen : ζA , ζB , s , iA , iB

HT = HA + iA + (a * cotζA) = HB + iB + [(s + a) * cotζB]

HA + iA + (a * cotζA) = HB + iB + [(s + a) * cotζB]

a * (cotζA – cotζB) = (HB + iB) – (HA + iA) + (s * cotζB)

a = [(HB + iB ) – (HA + iA) + (s * cotζB)] / (cotζA – cotζB)


195

19.3 Tachymetrisches Nivellement


Bild 216
196

K = 100

Δl = lo – lu

SR = Δl * (K * sinξR)

Hi = H + lR – (SR*cotξR) + (SV * cotξV) - lV

In der Praxis lR = lV.

Hi = H – (SR * cotξR) + (SV * cotξV)


↓ ↓
ΔhR ΔhV

Hi = H – ΔhR + ΔhV

19.4 Bestimmung einer Entfernung durch Messung von Zenitdistanzen

Bild 217

Δl = lo - lu a = ΔhIU = (Δl * cotξU)/(cotξO – cotξU)

a = S * cotξu ①

a + Δl =S * cotξo ②

(S * cotξu) + Δl = S * cotξo

S = Δl / (cotξo – cotξu)
197

19.5 Trigonometrische Höhenbestimmung über große Entfernungen


Bild 218
198

Hi = H + i – z + (S * cotξ) + EK + ER

EK = Erdkrümmung , ER = Refraktion (Dichte der Luft)

Bild 219

b  S , R  R+H

EK = S * [sinγ/2 / sin(100 – γ)]

sinγ/2 = S/2R

sinγ = S/R

sin (100 – γ) = cosγ

R = Radius der Erde 6370 km , r = Radius der Lichtkurve ( ca. 8R )

cosγ = 1 – (γ2/2Ị ƍ2) + (γ4/4Ị ƍ4) + ……. da γ sehr klein ist → cosγ  1

EK = [S * (S/2R)] / 1 = S2/2R

EK und ER haben immer verschiedene Vorzeichen.

ER  S2/2r  (k*S2)/2R , k = Refraktionskoeffizient , k = R/r = R/8R = 0,13


199

20. Berechnungen an Bögen

20.1 Allgemein

Geraden : K=1/∞=0

Kreis : K=1/R → konstant

Übergangsbogen : K=b
͡ / c → proportional wachsend

20.2 Bestimmung von Tangentenwinkel

Bild 94
200

20.2.1 Winkelmessung mit Theodolit Bild 94


201

20.2.2 Durch Streckenmessung

Bild 95

sin α/2 = b /2a

Bild 96

b= (a2 – c2) ; tan α/2 = c / (a + b)


202

20.3 Kreisbogen

Gegeben: R, α ; Bild 97
203

Zentriwinkel : α

Haupttangente : T = R * tan α/2

Scheiteltangente : t = R * tan α/4

Bogenlänge : ͡b = R * ( α / ƍ )

Scheitelabstand : s = TS͞ M – R ; s = t * tan α/4

= (R / cos α/2) – R; s = R * tan α/2 * tan α/4

= R * [(1/cos α/2) – 1]

s = R * (sec α/2 – 1)

Sehne : S = 2R * sin α/4

Die Koordinaten des Scheitelpunktes SP bezogen auf die Sehne.

XSP (Pfeilhöhe) = ; YSP = S/2 = R * sin α/2

P = ( R * sin α/2 ) * tan α/4

P = R – (R * cos α/2)

P = R * (1 – cos α/2)

P = 2R * sin2 α/4
204

20.4 Unzugänglicher Tangentenschnitt

Bild 98
205

Δ A, B, TS ; Gemessen: β1, β2 und c

↓ Bild 98

200 = ϕ + 200 – β1 + 200 – β2

ϕ = β1 + β2 - 200

ϕ + α = 200

ϕ = 200 - α

200 – α = β1 + β2 – 200

α = 400 – (β1 + β2)

A͞ TS = (c / sin α) * sin β2

B͞ TS = (c / sin α) * sin β1

Gemessen : β1` , β2` , β3` und c1 , c2

Bild 99

γ1 + γ2 – ( γ1 – γ2 ) = 2γ2

↙ γ1 + γ2 + ( γ1 – γ2 ) = 2γ1

tan [(γ1 – γ2) / 2] = [(c1–c2) / (c1+c2)] * tan[(γ1+γ2) / 2] , γ1 + γ2 = 200 – β2

(γ1 + γ2) / 2 = 100 – (β2 /2)

β1 = β1´- γ1 ( γ1 –γ2 ) / 2 = …….

β2 = β3`- γ2 ( γ1 + γ2 ) / 2 = ……

c = c1 * (sin β2 / sin γ2) = c2 * (sin β1 / sin γ1) γ1 =

c = (c1 * cos γ1) + (c2 * cos γ2) γ2 =

Bild 100

Berechnung der Seite S aus einem örtlichen Polygonzug.


Berechnung der Winkel γ1 und γ2 aus Richtungswinkeldifferenzen des örtlichen
Polygonzuges.

600 = 200 – α + 200 – β1` + 400 – β2` + 400 – β3` + 200 – β4`

α = 800 – (β1` + β2` + β3` + β4`)


206

20.5 Absteckung von Einzelpunkten

20.5.1 Strenge Verfahren

20.5.1.1 Rechtwinklige Koord. v. d. Tangente mit gleichen Abszissenunterschieden


Bild 101
207

z= R2 – xi2

xi = bekannt durch Annahme z.B. 10m

yi = R - z

yi = R - √(R2 – xi2)

yi = R ( 1 – √[ 1 – (x12/R2) ]
↘f
f = 1+ ( u1 ) u + ( u2 ) u2 + ( u3 ) u3 + …….

f = 1 – (½ x2/1R2) + [[½ *(-½)/2]*(x2/R2)2] – ([(½)*(-½)*(-3/2)/(1*2*3)]*(x2/R2))

f = 1 – (x2/2R2) – (x4/8R4) – (x6/16R6) - …………….

f = R ( 1 – ( 1 – (xi2/2R2) – (xi4/8R4) – (xi6/16R6) - ……………

yi = (xi2/2R) + (xi4/8R3) + (xi6/16R5) + ………….

20.5.1.2 Rechtwinklige Koordinaten v. d. Tangente mit gleicher Bogenlänge


Bild 102

xn = R * sin ( nγ ) n = 1, 2, 3 ,4, …………

y = R – (R * cos γ) = R (1 – cos γ)

yn = 2R * sin2( nγ/2) n = 1, 2, 3, 4, ………..

͡b / R = γ / ƍ

γ = (͡ b * ƍ) / R

20.5.1.3 Berechnung von Zwischenpunkten von der Sehne


Bild 103

xi = s/2 – xi`

xi = wird angenommen → 20.5.1.2


li → 20.5.1.1

P = 2R * sin2 α/4

yi = P - yì`

yI` = Berechnung aus Verfahren 20.5.1.1 oder 20.5.1.2


20.5.1.1 → yi` = R - √ (R2 – x2 )

20.5.1.2 → yi` = 2r * sin2 (nγ/2)


208

20.5.1.4 Absteckung von Polarkoordinaten von der Tangente aus


Bild 104
209

sn = 2R * sin( nγ/2 ) n = 1, 2, 3,……….

βn = ( nγ/2 )

Zuerst aus der Bogenlänge den Winkel γ ausrechnen.

20.5.1.5 Sehnenwinkelverfahren (Sehnentangentenverfahren)

Bild 105

Berechnung der Absteckwinkel nach βn = nγ / 2

Achtung Restsehne: sRest nicht gleich s.

Daraus folgt, Anfangswinkel nicht gleich βn.

sn = s = 2R * sin(γ/2)
210

20.5.1.6 Absteckung eines Kreisbogens durch ein Tangentenpolygon


Bild 106
211

t` = R * tan (γ/2)

βi = 200 + γ

400 = 100 + 400 – β + 100 + γ → β = 200 + γ

Nur bei geringem Arbeitsraum ist die Fehlerfortpflanzung sehr ungünstig.

t` oder γ annehmen meistens γ = α : n.

20.5.1.7 Absteckung durch ein Sehnenpolygon

Bild 107

S = 2R * sin(γ/2)

βA = 200 + γ/2

βi+1 = 200 + γ

βE = 200 + γ/2
212

20.5.2. Näherungsverfahren

20.5.2.1 Einrückverfahren
Bild 108
213

x1 = R *sin γ

y1 = R * (1 – cos γ) = 2R * sin2 (γ/2)

y1 = 2R * sin2 (γ/2)

Kontrolle → s = 2R * sin(γ/2)

xi+1 = s * cos γ

yi+1 = s * sin γ

□ BA, M, K2 , S2

400 = (100 – γ/2) + 2γ + (100 – γ/2) + (100 – ε) + 100

→ γ=ε

20.5.2.2 Ausrückverfahren

Bild 109

x1 = R * sin γ s / z = cos γ

y1 = 2R * sin2 (γ/2)

s = zR * sin (γ/2)

zi+1 = s / cosγ

yi+1 = s * tanγ

□ Po , BA, M, P2 : ε + ( 100 + 100 – γ/2 ) + 2γ + (100 – γ/2) = 400

ε = 100 - γ
214

20.5.2.3 Viertelmethode
Bild 110
215

l2 = p * 2R

p = l2 / 2R

(s/2)2 = p (2R – p) = 2pR – p2

[(s/2)2 + p2] / 2p = R = (s2 / 8p) + p/2


↖ vernachlässigt

p = s2 / 8R

e = R – (R* cos α/4) = R * (1 – cos α/4)

= R * [1 - √ 1 – sin2 (α/4)]

sin α/4 = l / 2R

e = R [1 – √ 1 - (l2/4R2)] = R [1 - √ 1 + (l/2R)2]

e =R{(1–[1+[(l2/4R2)]*½] +[[l4/(2*16R4)]*(½)*(-½)]+[[[[l6/(6*256R6)]*(½)]*(-½)]*
(-3/2)]+………}

e = + (l2/8R) +( l4/128R3) +( l6/3072R5) + ……….


↖ vernachlässigen

e ≈ p/4 * (1 + p/8R + ……)


↖ vernachlässigen

e = p/4
216

20.6 Absteckung von Kreisbögen mit Zwangspunkten

20.6.1 Gegeben : Tangentenrichtung, R, P


Gesucht : BA
Bild 111
217

Nach der Aufmessung von P auf die Tangente, ist YP bekannt.

sin γ = XP / R

XP = √ (R2 – (R – YP )2)

XP = √ (2RYP – YP2)

20.6.2 Gegeben : Tangente, P, BA


Gesucht : R

Bild 112

Zuerst muss der Punkt P auf die Tangente auf gemessen werden.

R2 = XP2 + ( R – YP )2

= XP2 + R2 – 2RYP + YP2

R = (XP2 + YP2) / 2YP

R = YP/2 + (XP2 / 2YP)

-----------------------

tan γ/2 = YP / XP → γ

sin γ = XP / R

R = XP / sin γ

20.6.3 Gegeben : Tangentenrichtung, 2 Zwangspunkte P1 und P2, R, a1und a2


Gesucht : BA

Bild 113

t`2 = a1 * a2

Weiter rechnen nach 20.6.1 oder 20.6.2.


218

20.6.4 Gegeben : 3 Zwangspunkte P1, P2 u. P3, (δ1 ,δ3 u. s3 nicht messbar)


Gemessen : δ2 , s1 , s2
Gesucht : R
Bild 114
219

tan [(δ1 – δ3) / 2] = [(s2 –s1) / (s2 + s1)] * tan [(δ1 + δ3) / 2]

200 – δ2 = δ1 + δ3

s3 = s1* (sinδ2 / sinδ3) = s2 * (sinδ2 / sinδ1)

s3 = (s1 * cosδ1) + (s2 * cosδ3)

s3 = 2 * R *sin α/2

R = s3 / (2 * sin α/2)

α/2 = δ1 + δ3

α/2 = 200 – δ2

s1 / 2R = sinδ3

s2 / 2R = sinδ1

R = s1 / 2sinδ3 = s2 / 2sinδ1 = s3 / 2sinδ2

20.7 Querprofile am Kreis

Gegeben : P1, P2, Px

Bild 115

x12 + ( R – y1 )2 = R2

x12 + R2 – 2Ry1 + y12 = R2


↖vernachlässigen

Y1 ≈ x12 / 2R

Berechnung von y2 = x22 / 2R Kontrolle


220

20.8 Korbbogen

20.8.1 Zweiteiliger Korbbogen


Gegeben : t1, t2, α, und α2 Bild 116
221

200 = (200 – α) + α1 + α2

α1 = α – α2

Bild 117

2ƍ2 = t2 – t1 ; y/ƍ2 = cot α1/2

ƍ2 = ½ (t2 – t1) ; x/ƍ2 = cot α2/2

α` = 200 – α

α`/2 = 100 – α/2

tan α`/2 = ƍ1 / [t2 - ½(t –t1)]

ƍ1 = ½ (t + t1) * tan α`/2

R2 = ƍ1 + (ƍ2 * cot α2/2)

R1 = ƍ1 – (ƍ2 * cot α1/2)

A͞ E = (R1 * sinα) – (t1 * cosα)

M͞1 E = (t1 * sinα) + (R1 * cosα)


↖ Koordinatenumformung
= seitwärts gelegener Punkt
F͞ E = M͞1 E – R1

C͞ E = t2 – A͞ E

tanδ = F͞ E / C͞ E

δ = ½α2 hieraus α2

R2 – R1 = C͞ E / sinα2

R2 = R1 + (C͞ E / sinα2)

α1 = α – α2

B͞ H = D͞ H = R1 * tan(α1/2)

D͞ J = C͞ J = R2 * tan(α2/2)

Wenn der Punkt C nicht gegeben ist, dafür R2 =

(R2 – M͞1 E) / (R2 – R1) = cosα2 = cos2δ

C͞ E = M͞1 G = (R2 – R1)sin2δ


222

20.8.2 Dreiteiliger Korbbogen


Bild 118

Gegeben : die Koordinaten A1 und A2, tA1B (t1), R1, α1, R3, α3, R2
Gesucht : die Koordinaten der Absteckhauptpunkte
223

Die Koordinaten der Absteckhauptpunkte M1, M2, M3, BE1 (BA2) und BE2 (BA3)
werden über Polygonzugberechnung ermittelt.
Bild 119
224

t1 ist gegeben, t3 = t1 → da A1B II A2C,

1 Polygonzug ohne Abschluss von:

A1 → M1 → BE1

Richtungswinkel tA1M1 = tA1B (t1) + 100g

tM1BE1 = tA1M1 + 200g – α

2 Polygonzug ohne Abschluss von:

M1 → M2

Richtungwinkel tM1M2 = tM1BE1 – 200g

3 Polygonzug ohne Abschluss von:

A2 → M3 → BA3

Richtungswinkel tA2M3 = t3 (t1) + 100g = tA1M1

tM3BA3 = tA2M3 + α ± 200g


225

21. Übergangsbogen ( Klothoide )

A2 = L * R A = Parameter → Größe der Klothoide

L = Bogenlänge von R = ∞ - R
R = Radius der die Klothoide in einem bestimmten Punkt hat.

1 = L * r → Einheitsklothoide

A2 = (l * A) * (r * A)
↖= L ; ↖= R

A= L * R → Krümmungsgesetz der Klothoide


226

Klothoidenelemente
Bild 120
227

A = Parameter, M = Kreismittelpunkt, R = Kreisradius, KA = Klothoidenanfang,


KE = Klothoidenende, L = Bogenlänge, ∆R = Tangentenabrückung,
Xm = Abszisse für den Kreismittelpunkt, τ = Zentriwinkel, X = Abszisse für
KE, Y = Ordinate für KE, TK = kurze Tangente TL = lange Tangente, SL = Sehne KA
– KE, σ = Polarwinkel (Sehnen- Tangentenwinkel)

Gegeben : P (YP ; XP) = KE

M (YM ; XM)
KA (0 ; 0)

Xm = XP – (R * sinτ)

Ym = YP + (R * cosτ)

TL = XP – (YP * cotτ)

TK = YP / sinτ

SL = (XP2 + YP2)

tanσ = YP / XP

∆R = YM - R

= YP + (R * cosτ) – R

∆R = YP – R * (1 – cosτ)
228

21.1. Anwendung der Klothoide im Straßenbau


229

21.1.1 Übergangsbogen
Gerade – Klothoide - Kreis

Bild 121

21.1.2 Wendeklothoide
Kreis – Klothoide – Kreis

1/R1 → 0 → 1/R2

I← A1 →I← A2 →I

Bild 122

21.1.3 Eilinie
Kreis – Klothoide – Kreis

1/R1 → 1/R2

Bild 123

21.1.4 Scheitelklothoide

Gerade - Klothoide - Gerade

0 → 1/R → 0

Bild 124

21.1.5 Korbklothoide → Sonderfall der Eilinie

Bild 125
--------------------------------------------------------------------------------------------------------------------
Aufgabe:
1.1
Für den vorliegenden Vorentwurf soll nach jeweils 50,00m Bogenlänge ein
Achspunkt, bezogen auf die jeweilige Tangente berechnet werden.
1.2
Berechnen sie die Koordinaten der Hauptpunkte (KE1, KE2, KA2 sowie alle Tan-
gentenschnittpunkte und Kreismittelpunkt M) in einem örtlichen System, wobei
der Punkt KA1 die Koordinaten Y = 0,00m und X = 0,00m hat. Der Richtungswin-
kel der Tangente beträgt 0,0000g.
1.3
Berechnen sie die Koordinaten der Hauptpunkte im Landesnetz.
M → Y = 30 510,23 m X = 22 615,00 m
KE1 → Y = 30 343,96 m X = 23 601,08 m
230

Bild 126
231

1.1
L = 250 m
R = 1000 m

l = L/R = 250/1000 = 0,250 → Mit diesem Wert in die Tafel I des Klothoiden-
Taschenbuches von Krenz und Osterloh gehen.
Auf Seite 68 unter Nr.407 können wir die Werte
zur Ermittlung von A, ∆R, Xm, τg, X, Y, TK und TL ent-
nehmen.
A = 0,5000000 * 1000 m = 500 m
∆R = 0,002603 * 1000 m = 2,603 m
Xm = 0,124935 * 1000 m = 124,935 m
τg = 7,9578g
X = 0,249610 * 1000 m = 249,610 m
Y = 0,010405 * 1000 m = 10,405 m
TK = 0,083458 * 1000 m = 83,458 m
TL = 0,166804 * 1000 m = 166,804 m

Danach in Tafel III des Klothoiden-Taschenbuches. Auf Seite 263 (A = 500) können
wir die rechtwinkligen Koordinatenwerte, bei gleicher Bogenlänge, ablesen.
X Y
L = 50 50,000 0,083

100 99,996 0,667

150 149,970 2,250

200 199,872 5,331

250 249,610 10,405

Bild 127

zu 1.1

Klothoide L = 250 m

bo = L/2 = 125 m

b͡ / 2 = 100/2 = 50 m

͡ = bo + b͡/2
bGes

= 175 m
232

Bild 128
233

b͡ = 100m

αGes = (b͡ * ƍ) / R = (100 m * 63,6620g) / 1000 m = 6,3662g

͡ = 175 m auf Seite 263


In der Tafel IIb, der Bogentafeln mit R = 1000 m und bGes

XB = 174,108 , YB = 15,273 , αGes = 11,1408g entnehmen.

X = XB + Xm , Y = YB + ∆R

X = 174,108 + 124,935 = 298,043 m , Y = 15,273 * 2,603 = 17,876 m

zu 1.1 )

a = A/R = 400/1000 = 0,4

Tafeleingang in Tafel I (Seite 60, Nr. 351) der Klothoidentafeln

L = 0,16000000 * 1000 = 160 m

∆R = 0,001066 * 1000 = 1,066 m

Xm = 0,079983 * 1000 = 79,983 m

Τg = 5,0930

X = 0,159898 * 1000 = 159,898 m

Y = 0,004265 * 1000 = 4,265 m

TK = 0,053366 * 1000 = 53,366 m

TL = 0,106702 * 1000 = 106,702 m


234

Bild 129
235

Aus der Tafel III der Klothoidentafeln (Seite 60, Nr. 351) die X- und Y-
Werte.
X Y
L = 350 159,898 4,265

400 109,984 1,386

450 59,999 0,225

500 10,000 0,001

510 0,00 0,00

zu 1.1 )

Xm = 79,983

∆R = 1,066

b͡ = 50 m ( 350 – 300 = 50 → aus der Stationierung)

Bild 130

bo = L/2 = 160/2 = 80 m

bGes = bo + b͡ = 80 + 50 = 130 m

͡ = 130 m
Nach Tafel II b der Bogentafel, eingegangen mit R = 1000 m und bGes
kann man für YB den Wert 8,438 und für XB den Wert 129,635 und α = 8,2761g
entnehmen.

Y = YB + ∆R = 8,438 + 1,066 = 9,504 m

X = Xm + XB = 79,983 + 129,635 = 209,618 m

zu 1.2) Berechnung der Hauptpunkte im örtlichen Syste m


( KA1 Y= 0,00, X = 0,00 , tKA1TS 0,0000g )

γ = τ1 + τ2 + α = 5,0930 + 7,9578 + 6,3662 = 19,4170g

γ/2 = 9,7085g
236

Bild 131
237

t1 = tanγ/2 * ( R + ∆R1 ) t2 = tanγ/2 * ( R + ∆R2 )

= 0,153694 * (1000,00 + 2,603) = 0,153694 * (1000,00 * 1,066)

= 154,094 m = 153,858 m

d = (∆R2 - ∆R1 ) sinγ = (-2,603 + 1,066)/0,300295 = -1,537/0,300295 = -5,118 m

T1 = Xm1 + t1 + d T 2 = Xm2 + t2 -d

= 124,935 + 154,094 – 5,118 = 79,983 + 153,858 + 5,118

= 273,911 m = 238,959 m

KE1͞ C = R * tanα/2 = 1000 * 0,05004 = 50,04 m ( α/2 = 3,1831g )

zu 1.2

S = 2R * sinα/2 = 2000 * 0,04998 = 99,96 m

R = 1000 m

T1 = 273,91 ; τ1 = 7,9578g

T2 = 238,60 ; τ2 = 5,0930g

TL1 = 166,80 ; γ = 19,4170g

TK1 = 83,46 ; α/2 = 3,1831g


238

Bild 132
239

Bild 133
240

Bild 134
241

Koordinatenverzeichnis der Hauptpunkte im örtlichen System:

Punkte Bez. Y X

KA1 0,00 0,00

A 0,00 166,80

KE1 10,41 249,61

M 1002,61 124,93

KE2 27,81 348,04

B 39,72 400,06

KA2 71,76 501,84

TS 0,00 273,91

C 16,64 299,26
242

zu 1.3 ) Berechnung der Koordinaten der Hauptpunkte im Landesnetz.


Die Berechnung erfolgt über Koordinatenumformung.
Bild 135
243

22. Fehlerlehre

Führt man ein und dieselbe Messung unter gleichen Bedingungen mehrmals
aus, so wird man bei hinreichend weit getriebener Genauigkeit stets von einan-
der abweichende Ergebnisse erhalten. Es liegt nah, dass das arithmetische Mit-
tel aus allen Messungen, als den vermutlich richtigsten Wert anzusehen ist. Der
große Carl Friedrich Gauß (1777 - !855) konnte mit Hilfe seiner Fehlergesetze
nachweisen, dass unter der Voraussetzung die Messfehler sind ausschließlich zu-
fällig, bei vorliegen einer nicht zu kleinen Zahl von Beobachtungen, das arithme-
tische Mittel der wahrscheinlichste Wert für die gemessene Strecke ist. Gauß ist
in der Lage die Unsicherheit nicht aus der Einzelmessung, sondern auch des
arithmetischen Mittels aller Messungen auszugeben. Er tat das mit dem von ihm
eingeführten „Mittleren Fehler“. Der mittlere Fehler ist aber gar kein Fehler im
eigentlichen Sinne, sondern er gibt lediglich die Grenzen an, innerhalb der wahre
Wert, nach dem Gesetz der Wahrscheinlichkeit liegen könnte. Der mittlere Feh-
ler ist also ein Maß für die Unsicherheit oder Schwankung der Messungszahlen.
Mittlerer Fehler der Einzelmessung → mx = mL / √n = ± [vv]/ [n*(n-1)].
Mittlerer Fehler des Mittelwertes → mL = ± [vv]/ (n-1).
Neben dem mittleren Fehler spielt auch noch der „Maximalfehler“ (M) als Feh-
lergrenze eine Rolle. Man definiert diesen als den dreifachen, mittleren Fehler.

E v vv
187,15 -0,03 +0,0009
187,00 +0,12 +0,0144
187,20 -0,08 +0,0064
187,13 -0,01 +0,0001
48/4 ± 0,00 (±0,0000) 0,0218
[v] [vv]
arithm. Mittel = 187,12
mL = ± 0,0218/3 = ± 0,00726͞……. = ± 0,085 m
mX =± 0,0218/12 = ± 0,0425 = ML / √4 = ± 0,085 / 2 = ± 0,042 m
M = 3 m = ± 0,042 * 3 = 0,126 m

Was sagen uns die Ergebnisse?


Das Endmaß 187,12 m ist um ± 4 cm unsicher, das heißt der wahre Längenwert
liegt wahrscheinlich in den Grenzen zwischen 187,16 und 187,08, aber er kann
auch, zu einem gewissen Prozentsatz, außerhalb liegen. Er sagt uns außerdem
aus, wenn wir diesen Wert mit drei multiplizieren, dass wir den maximalen Feh-
ler dieser Strecke (= ± 12 cm) nicht überschreiten dürfen. Dieser Grenzfehler fin-
det seinen Wiederschlag in den Formeln der amtlichen Fehlergrenzen und ist mit
244

√s verbunden. In den gleichen amtlichen Fehlergrenzen ist außerdem der Wert


des systematischen Fehlers als Summand feststellbar. Er wächst mit der Stre-
ckenlänge proportional. Der letzte Summand drückt die Unsicherheit des Anle-
gens und des Ablesens aus.

22.1 Fehlerarten

22.1.1 Grobe Fehler

22.1.2 Systematische Fehler

Das Messergebnis wird einseitig beeinflusst. Die Fehler haben immer das glei-
che Vorzeichen.

Entstehung : vom Instrument, vom Mensch, durch äußerer Witterung;

Beseitigung : durch Eichung;

22.1.3 Zufällige Fehler

Differenzen die trotz größtmöglicher Sorgfalt bei Messungen auftreten sind


immer klein. Größere Fehler treten seltener auf als kleine Fehler.
Vorzeichenwechsel unregelmäßig. Genauso viel Vorzeichenwechsel wie Fol-
gen.
245

Gauß`sche Glockenkurve
Bild 146
246

Gauß`sche Fehlerverteilungsfunktion

-h2ε2
ϕ( e ) de = (h / π)  e h = Wert für die Wahrscheinlichkeit
ε = wahre Fehler
π = Ludolphsche Zahl

m=± [εε]/n ; ε = wahrer Fehler ; n = Anzahl der Beobachtungen


Mittlere Fehler bei wahren Werten. Diese lassen sich nicht ausschalten.
0 0
Innerhalb /0 außerhalb /0
±1m 68,3 31,7
±2m 95,44 4,56
±3m 99,7 0,27
±4m 99,994 0,006

22.2 Genauigkeitsmaße

22.2.1 Mittlerer Fehler

X=l+ε
↘ wahrer Fehler

Soll = Ist + Verbesserung ; ε=X – L


Soll - Ist

m=± [εε]/n

Mittlerer Fehler einer Einzelmessung

X = wahrer Wert ; x = wahrscheinlichster Wert

li = Beobachtung

vi = x – l1 x = [ li ] / n

mL = ± ([vv]/[n – 1])

Mittlerer Fehler des Mittelwertes

mx = ± ([vv] / [n*(n – 1)]) = mL / √n


247

Beispiel :
s = 128,14 m, [vv] = 15 cm, n = 5;

mx = ± [vv]/n(n-1) = ± 15/(5 * 4) = ± 0,9 cm

s = 128,14 m ± 0,9 cm

Mittlerer Fehler einer Summe

x = ( x1 + x2 + x3 + …….xn )

mx2 = m12 + m22 + m32 ……..mn2 ) wenn m1 = m2 = m3 = m

mx2 = n * m2

mx = m* n

Beispiel :
α = 20,1536g ± 5cc

β= 80,5432g ± 5cc

α + β = 100,6968g ± 7,1cc

mx = ± 5 * √2 = ± 5 * 1,4142 = ± 7,07cc

22.2.2 Durchschnittlicher Fehler

d = [lεl] / n ; lεl = absolut ; [ε]n →∞ = 0

22.2.3 Wahrscheinlicher Fehler

ω = ± ε ( [n + 1]/2 ) für gerades n;


↖ Index

ε n/2 < ± ω < ε ( n/2 + 1 ) für ungerades n.

22.2.4 Zusammenhang zwischen zufälligen, durchschnittlichen und wahrscheinlichen


Fehlern.
m=1/h 2 d=±1/h π ω = ± 0,4769 / h

m=±(d π) / 2 h=1/d π h = ± 0,4769 / ω

m=±(d π/ 2) = ω/( 2 * 0,4769 )

m = ± 1,25d = ± 1,485ω = 0,33M = 1/(h√2)

m ≈ ± 5/4d ≈ ± 1,485ω
248

22.2.5 Maximalfehler

M=3m =±( [εε]/n ) * 3

Beispiel : m = ± 2cc → M = ± 6cc

22.2.6 Relativer Fehler

r = εi / li

Beispiel :
Elektr. Entfernungsmessung bis = ± 1cm/2km ; r = 1/200000 = 1 : 200000

--------------------------------------------------------------------------------------------------------------------
Aufgabe 1 :
Mit einem Koordinatografen wird eine Fläche von genau 100,0cm2 aufgetragen.
Diese Fläche wird von 2 Bearbeitern mehrmals mit Zirkel und Transversalmaß-
stab bestimmt. Errechnen Sie die wahrscheinlichste Fläche, die die beiden Bear-
beiter erhalten haben, sowie den mittleren, durchschnittlichen und wahrschein-
lichen Fehler der Fläche.

mm2 * 10 = ε↘
Fläche ε εε Fläche ε εε

100,3 cm2 -3 9 100,0 0 0

99,5 +5 25 99,9 +1 1

99,8 +2 4 100,0 0 0

100,2 -2 4 100,7 -7 49

100,0 0 0 100,1 -1 1

99,9 +1 1 99,5 +5 25

99,8 +2 4 100,1 -1 1

100,3 -3 9 100,0 0 0

100,1 -1 1 99,6 +4 16

100,0 0 0 100,0 0 0

99,99 +1 57 99,99 +1 93

19 = absolut 19 = absolut
249

Die wahrscheinlichste Fläche beträgt: 999,9 cm2 / 10 = 99,99 cm2 = 100 cm2

Der mittlere Fehler : ↙( = 2,4 mm2 /10)


m=± [εε]/n = ± 57/10 = ± 0,24 cm2 ; m=± 93/10 = ± 0,30 cm2

Der durchschnittliche Fehler :


d = [IεI]/ n = ± 19/10 = ± 0,19 cm2 ; d = ± 19/10 = ± 0,19 cm2

Der wahrscheinliche Fehler :

ω = m/1,485 = ± 0,16 cm2 ; ω = ± 0,20 cm2

-----------------------------------------------------------------------------------------------------------------
Aufgabe 2 :
Berechnen Sie den wahrscheinlichsten Wert und den mittleren Fehler einer
Einzelmessung.
v vv
l1 = 128,15 -1 1
l2 = 128,13 +1 1
l3 = 128,14 0 0
l4 = 128,17 -3 9
l5 = 128,12 +2 4
-1 15

Der wahrscheinlichste Wert beträgt:


S = [ li]1n/n = (128,15 + 128,13 + 128,14 + 128,17 + 128,12) / 5 = 128,14 m

m=± [ vv ] / (n – 1) = ± 15/4 = ± 1,9 cm


--------------------------------------------------------------------------------------------------------------------
Aufgabe 3 :
Gemessen wurden die Winkel α und β mehrmals.
α : 11,373g β : 34,021g
11,370 34,012
11,378 34,016
11,364 34,014
11,360
Berechnen sie die wahrscheinlichsten Werte und ihre mittlere Unsicherheit.
Ermitteln sie die Summe der beiden Winkel und ihre mittlere Unsicherheit.
Winkel v (cc) vv Winkel v (cc) vv
11,373g -4 16 34,021g -5 25
11,370 -1 1 34,012 +4 16
11,378 -9 81 34,016 0 0
250

11,364 +5 25 34,014 +2 4
11,360 +9 81

0 204 +1 45

α = 11,369g β = 34,016g

mx(α) = ± [vv] / n(n – 1) mx(β) = ± [vv] / n(n – 1)

=± 204/ (5*4) = ± 0,3c =± 45/ (4*3) = ± 0,19c = ± 0,2c

α+β=γ

dγ = dα + dβ

m2γ = m2α + m2β

= 0,322 + 0,192 = 0,1024 + 0,0361 = 0,1385

mγ = ± 0,3721c = ± 0,4c

α + β = 45,385g ± 0,4c
---------------------------------------------------------------------------------------------------------------------

23. Fehlerfortpflanzungsgesetz

23.1 Fehlerfortpflanzung von wahren Fehlern

X = f ( l1 , l2 , l3 , …….ln )

X + εx = f ( l1 + ε1 , l2 + ε2 , l3 + ε3 …….ln + εn )

X + εx = f ( l1 , l2 ,...ln ) + 1/1!(  f/  l1* ε1 +  f/  l2*ε2 +  f/  l3*ε3 + …  f/  ln*εn)

Vernachläss. → + ½!(  2f/  l12*ε12 +  2f/  l22*ε22 + ……..  2f/  ln2*εn2)

aller Glieder → + ⅓!(  3f/  l13*ε13 + ……

< 1 → + ¼!(  4f/  l14*ε14 + …….

εx = (  f /  l1*ε1) + (  f/  l2*ε2) + ………..(  f/  ln*εn


↖ Fehlerfortpflanzung bei wahren Fehlern

23.2 Fehlerfortpflanzung mittlerer Fehler

 f/  li = αi

X = f ( l1 , l2 , ……….ln )
251

εx = α1ε1 + α2ε2 +…………αnεn

εx = α1ε1 ……….. ↘

. → n - mal

. →

. ↗

εxεx = α12ε12 + α22ε22 + ………..αn2εn2

n >> 0 + 2α1ε1 ( α2ε2 + α3ε3 + αnεn )

+ 2α2ε2 ( α3ε3 + αnεn )

+ 2αn-1εn-1 ( αnεn

[ εxεx ]/n = α12([ε1ε1]/n) + α22([ε2ε2]/n) + ….. αn2([εnεn]/n)

m12 = [ε1ε1]/n mx2 = [εxεx]/n

mx2 = α12m12 + α22m22 + …….. αn2mn2

mx = ± (  f/  li)2 *mi2 + (  f/  l2)2 * m22 + …………(  f/  ln)2 * mn2

Mittlerer Fehler des arithmetischen Mittels ( mx oder μ )

X = [ li ] / n = l1/n + l2/n + ……ln/n

mx2 = 1/n2 *m12 + 1/n2 * m22 + ….. 1/n2 * mn2

mx2 = 1/n2 ( m12 + m22 + m32 + …. mn2

mx2 = 1/n2 * m2* n = m2 / n

mx = ± m / n =± [vv]/n(n – 1)

Mittlerer Fehler einer Summe

X = ( x1 + x2 + x3 + ………. Xn)

mx2 = m12 + m22 + m32 + …… mn2) wenn m1 = m2 = m3 = m

mx2 = n * m2

mx = m n
252

24 Astronomische Ortbestimmung

Als astronomische Ortsbestimmung wird die Bestimmung der geografischen


Koordinaten (ϕ = geogr. Breite und λ = geogr. Länge) eines Punktes, mittels
astronomischer Winkel- und Zeitmessungen bezeichnet.

24.1 Vorbemerkung

Ort Zeit Sternkoord. Ort Sternkoord. Zeit


↘ ↙ ↘ ↙ ↘ ↙
Sternkoord. Zeit Ort
253

24.2 Das Prinzip der astronomischen Ortsbestimmung


254

ϕ = geogr. Breite
PNord = + 90o
Äquator = 0o
PSüd = - 90o

Bild 147

λ = geogr. Länge
λwestl. = 0o → + 180o
λöstl. = 0o → + 180o

Bild 148

PNord = + 90o
Äqu. = 0o
PSüd = - 90o
δ = Deklination
tGr = Greenwicher Stundenwinkel
Größe 0o →w 3600
255

Ortsbestimmung aus Zenit-Messungen Bild 149

Ortsbestimmung aus Azimut-Messungen Bild 150


256

24.3 Die Koordinatensysteme der Himmelskugel

24.3.1 Das erdfeste Koordinatensystem

Bild 151 und 152


257

tGr.

t → Stundenwinkel

0o →w 360o

t = tGr. + λE λW = 360o – λE

t = tGr. + 360o – λW

24.3.2 Das himmelsfeste Koordinatensystem

erdfest
Stern X, Y

δ tGr.

Dat. 0 Uhr 14o 211o

1 Uhr 14o 226o

2 Uhr 14o 241o

Bild 155

δ = Deklination → nördlich oder südlich des Himmelsäquators in 0o → 360o

α = Rektaszension → östlich oder westlich des Frühlingspunktes in 0h → 24h

ϒ = Widderpunkt = Frühlingspunkt
258

24.3.3 Das Horizontsystem


Bild 156

Z = Zenit ; Nr = Nadir ; N = Nordpunkt; PN = Nordpol; Z = Zenitdistanz ;


a = Azimut ( 0o (südl.) über W bis 360o), h = Höhenwinkel
259

24.3.4 Scheinbare Bewegung der Gestirne


Bild 157

ϕ 90o : ZPN 0ohPN = 90o

ϕ 0o : ZPN 90ohPN = 0o
260

G1 bleibt in Ruhe

G2 geht auf und unter

G3 immer sichtbar (Zirkumpolarstern) δ3 > 90 – ϕ

G4 nie sichtbar

Am Nordpol

Bild 158

Am Südpol

Bild 159
261

24.4 Der Zusammenhang zwischen den Koordinatensystemen


Bild 160

Astronomisches Grunddreieck → Nautisches Dreieck


Bild 161
262

24.5 Sonnenzeit und Sternzeit


Bild 162

1d* = 1 Sterntag
1d̅ = 1 Sonnentag
Nach 1 Jahr ≈ 365,2422d̅ wieder Stellung I
263

365,2422d̅ = 366,2422d*

1d* = ( 365,2422d̅ / 366,2422d* ) = 1d̅ - (1/ 366,2422)d̅

= 1d̅ - 0,0027304d̅ → [0,0027305 * (24 * 60min̅)] = 3,9319min̅ = 3min̅ (0,9319*60sek̅)

= 3min̅ 56sek̅

= 1d̅ - 3min̅ 56sek̅

1d* = 23h̅ 56m̅ 04s̅

Zeiten für Greenwich :


0 Uhr MGZ = untere Kulmination der mittleren Sonne in Greenwich

0 Uhr Greenw. Sternzeit = obere Kulmination des Widderpunktes.

GREENWICH
Datum Sonnenzeit (MGZ) Sternzeit

21.09.1973 6h̅ 36m̅ 35s̅ 6h* 36m* 35s*

22.09.1973 0h̅ 00m̅ 00s̅ 0h* 02m* 51s*

23.09.1973 0h̅ 00m̅ 00s̅ 0h* 06m* 48s*

-------------------------------------------------------------------------------------------------------------
264

Gegeben: α aus Sternverzeichnis


λE bekannter Ort
und MGZ der Beobachtung

Gesucht: Stundenwinkel t
Bild 163`
265

t = SGr + λE - α

t = SGr – λW – α
o h* o h*
→ 360o = 24h*

Beispiel 1:

Wie groß war der Stundenwinkel t des Gestirns α Aurigae (Capella, α = 5h 14m 46s)
am 22.09.1973, um 7.00h MEZ, bei einer Beobachtung auf der Sternwarte Bonn
λE = 7o 05`48`` ?

t = SGr + λE – α

MGZ (mittlere Greenwichzeit) = MEZ (Mitteleuropäische Zeit) – 1h̅

6h̅ MGZ = 7h̅ MEZ

SGr am 22.09.1973 0h : 0h* 02m* 51s*


Zuschlag für 6h̅ : 6h* 00m* 59s*
SGr am 22.09.1973 6h MGZ : 6h* 03m* 50s*
-α : - 5h* 14m* 46s*
SGr – α : 0h* 49m* 04s*

1h = 15o , 1m = 15`, 1s = 15``

Umwandlung von ( SGr – α ) ins Gradmaß.

0h* → 0o
49m* → 12o 15`
4s* → 1`
o
SGr - α = 12 16` 00``

SGr – α = 12o 16`00``


+ λE → 7o 05`48``
t = SGr + λE – α = 19o 21`48``
266

Beispiel 2:

01.12.1973
Mainz / λE = 8o 16,5`
α Ursae minoris / Polaris
α = 2h 0,80m

t = SGr – α + λE

MGZ = MEZ – 1h

Für obere Kulmination (t = 0)

SGr = α – λE

λE ins Zeitmaß 8o 0h* 32m*


16` 01m* 04s*
0,5` 02s*
- λE = - 0h* 33m* 06s*
+α = 2h* 08m* 00s*
SGr = α – λE = 1h* 34m* 54s*

nach Tabelle interpoliert 01.12. und 02.12.73

24.6 Zeitliche Änderungen von α und δ

24.6.1 Eigenbewegungen

Max. 3,7`` / Jahr

24.6.2 Bewegungen der Erde

24.6.2.1 Aberration (lat. aberratio = Abweichung)


Bild 164

a) Bewegung mit dem gesamten Sonnensystem


- säkulare Aberration max. 14`` -

b) Bewegung mit der Erde um die Sonne


- jährliche Aberration max. 21`` -

c) Bewegung mit der Erdrotation


- tägliche Aberration max. 3`` -
267

24.6.2.2 Lageänderungen der Erdachse


Präzession (lat. praecedere = voranschreiten) und Nutation
Bild 165

Ein voller Umlauf der Erdachse dauert ≈ 26000 Jahre.


≈ 1 Monat
268

24.7 Astronomische Jahrbücher

24.7.1 Astronomical Ephemeries

von Tag zu Tag → Koordinaten von Sonne, Mond und Planeten.

24.7.2 Apparent Places of Fundamental Stars


Scheinbare Örter der Fundamental-Sterne.

Inhalt :

a) Sterne von δ = - 81o bis δ = + 81o


von 10 zu 10 Tagen : α , δ
dα (4) dδ (4)
dα (ε) dδ (ε)

Δα = dα (4) * d4 + dα (ε) dε } Verbesserung wegen


Δδ = dδ (4) * d4 + dδ (ε) dε } kurzer periodischer Nutation

b) Sterne mit / δ / ˃ 81o


für jeden Tag obere Kulmination Gr. : α ,δ → nicht zu korrigieren
c) Kurze periodische Nutation
d (4) d (ε)

d) Greenwicher Sternzeit für 0 Uhr MGZ

e) Weitere Hilfstafeln
269

24.8 Astronomische Refraktion

Bild 166
270

Z` = scheinbare Zenitdistanz
R = Refraktions- Korrekturwert (immer zu addieren)

R = Ro * G * K Ro → abhängig von Z`
G → Luftdruck
K → Temperaturkorrektion
Zenitdistanz Ro mRo
o
0 0`` ± 0,1``
o
20 22`` ± 0,1 ``
o
40 50`` ± 0,2 ``
o
60 1,7` ± 0,4``
o
80 5,6` ± 2``
o
85 10` ± 8``
o
90 35` ± 2,5`
Ro ≈ 60`` * tan Z → gilt nicht für große Z

24.9 Beobachtungsinstrumente

24.9.1 Zeitmessung und -registrierung

Pendeluhren
Chronometer
Quarzuhren 10-8
Atomuhren 10-12

Zeitzeichenempfänger

Chronograph

24.9.2 Beobachtunginstrumente mit Kreisen (Universalinstrument)

Sextant
Theodolit T4

Zubehör :
Okularprisma oder gebrochenes Okular
Beleuchtungseinrichtungen : Kreise, Höhenindex, Fadenkreuz

24.9.3 Beobachtungsinstrumente ohne Kreis

Passage – Instrument
Im Meridian ausgerichtetes Messfernrohr.

t = SGr – α + λE

obere Kulmination : t = 0o SGr – α + λE = 0o


271

untere Kulmination : t = 180o SGr – α + λE = 180o

Horrebow – Libelle

Z1 - Z 2

Prismenastolabium
272

25. Zentrierungsberechnungen

25.1 Standpunktzentrierung
Bild 169
273

r = auf S gemessene, auf P2 bezogene Richtung


ε = auf S gemessene, auf Z bezogene Richtung
R = auf Z zentrierte, auf → bezogene Richtung

R1 = ε1 + δ1 ①

ε1 = r1 – r2 ② R.P. für ② : [ri] = [εi] + rZ * n

sinδ1 = (e/s1) * sinε1 ③


-------------------------------------------------------------------------------------------------------------

Rechenprobe :

sinδ1 = ( e/s1 ) * sinε1 = sin ( R1 – ε1 )

( e/s1 ) * sinε1 = ( sinR1 * cosε1 ) – ( cosR1 * sinε1 ) ④

f = ( sinR1 * cosε1 ) – ( cosR1 * sinε1 ) – ( [e/s1] * sinε1 )

f = -[( cosR1 + [e/s1] ) * sinε1] + ( sinR1 * cosε1 ) ⑤

|f| ≤ 0,000020
---------------------------------------------------------------------------------------------------------------

δ1cc = ( e* sinε1 / s1 ) * ρcc ⑦ → bei sehr kleinen Winkeln


Näherungsformel

sinδ – ( δ/ρ ) ≤ Δ/ρ ⑧

Δ/ρ ≤ (δ/ρ) – (δ3/[3! * ρ3]) + (δ5/[5! * ρ5]) - ……… - (δ/ρ) ≤ - (δ3/[3! * ρ3])

|Δ| ≥ δ3 / 6ρ2 ⑨ ; | δmax | ≤ 3 6ρ2 |Δ| ⑩

für |Δ| 0,5cc → |δmax| = 1,07g ⑪

für |Δ| 0,5`` → |δmax| = 1,,4o ⑪

⑫|δ| = (e/s) * ρ ; (e/s) * ρ = 1,07g ; e/s = 1,07/ 63,7 = 1/60 (Gon)

e/s = 1,4 / 57,3 = 1/41 (Grad)

Faustregel :
Wenn das Verhältnis der Entfernung des Exzentrums vom Zentrum zu sämtlichen
Entfernungen nach den Zielpunkten, kleiner als 1/60 (1/41) bleibt, dann wird der
Drehwinkel δ durch die einfache Formel mit der vorgeschriebenen Genauigkeit von
± 0,5cc ( ± 0,5``) erhalten.

Bild 170
274

s1` = ( s1 * cosδ1 ) + ( e * cosε1 )

R.P. : s1 / s1`= sinε1 / sinR1

s1` = s1 * ( sinR1 / sinε1 ) ⑭

25.2 Doppelzentrierung
Bild 171
275

Müssen Richtungen zwischen 2 Exzentren gemessen werden, wobei das eine Mal
vom exzentrischen Standpunkt zum exzentrischen Zielpunkt und zum anderen um-
gekehrt gemessen werden muss, so spricht man von einer Doppelzentrierung.

R1 = ε1 + δ ↖

R2 = ε2 + δ ← ⑮

ε 1 = r i - rZ R.P. nach ⑥
------------------------------------------
sinδ = [( e1*sinε1 ) + ( e2 * sinε2 )] / s ⑯

R.P. : aus ⑮ und ⑯

sinδ = [( e1 * sinε1 ) / s] + [( e2 * sinε2 ) / s] = sin( R1 – ε1 ) = sin( R2 – ε2 )

(e1/s * sinε1) + (e2/s * sinε2) = (sinR1 * cosε1) – (cosR1 * sinε1)

f1 = (sinR1 * cosε1) – ( cosR1 * sinε1) – ( [e1/s] * sinε1) – ( [e2/ s] * sinε1)

f1 = -[(cosR1 + [e1/s])*sinε1] + (sinR1* cosε1) – ([e2/s] * sinε2) ⑰

f2 = -[(cosR2 + [e2/s])*sinε2] + (sinR2* cosε2) – ([e1/s] * sinε1)

IfI ≤ 0,000025

S´= (S * cosδ) + e1 * cosε1) + ( e2 * cosε2 ) ⑱

R.P. : ein zweites Mal nach ⑱


276

25.3 Zielpunktzentrierung
Bild 172
277

tanδ = ( e * sinε ) / ( S – [e * cosε] )

R=ε+δ

S` = ( S * cosδ ) – ( e * cosR )

Probe : S`= S * ( sinε / sinR )

f = - [( cosR + [e/S`]) * sinε ] + ( sinR * cosε )

IfI ≤ 0,000020

25.4 Standpunkt- und Zielpunktzentrierung

Bild 173

tanδZ = ( eZ * sinεZ ) / ( S – [eZ * cosεZ] )

f = -[( cosRZ + [eZ / S`]) * sinεZ] + ( sinRZ * cosεZ )

S´= ( S * cosδZ ) – ( eZ * cosRZ )

S` = S * ( sinεZ / sinRZ )

sinδ = ( e/S`) * sinε

RZ = εZ + δ

RNZ = ε + δ

f = - [( cosRNZ + [e/S`]) * sinε] + ( sinRNZ * cosε )

R = RNZ + δZ
278

Aufgabe 1 :
Bild 174 Standpunktzentrierung
279

Die auf A EXZ gemessenen Richtungen sind auf das Zentrum A zu zentrieren.

Stand Ziel Richtungen Strecke

AEXZ 1 94,1090g 2353,2m

2 155,1759 1346,8

3 281,4529 1592,9

AZ 35,2520 e = 13,512m

ε1 = 94,1090 - 35,2520 = 58,8570g ; sinε1 = +0,798334

ε2 = 155,1759 – 35,2520 = 119,9239g ; sinε2 = +0,951425

ε3 = 281,4529 – 35,2520 = 246,2009g ; sinε3 = -0,663676

δ1cc = [(e * sinε1) / S1] * ƍ

=[ (13,512 * 0,79334) / 2353,2 ] * 636620 = 2918,3cc = 0,2918g

R1 = δ1 + ε1 = 0,2918g + 58,8570g = 59,1488g

δ2cc = [(13,512 * 0,951425)/ 1346,8 ] * 636620 = 6076,7cc = 0,6077g

R2 = δ2 + ε2 = 0,6077g + 119,9239g = 120,5316g

δ3 = [( 13,512 * -0,663676)/ 1592,9 ] * 636620 = - 3584cc = -0,3584g

R3 = δ3 + ε3 = -0,3584g + 246,2009g = 245,8425g

f1 = -[(cosR1 + [e/S1]) * sinε1 + (sinR1 * cosε1 )

= - [(0,598549 + [13,512/2353,2]) * 0,798334] + (0,801086 * 0,602215)

= -0,482426 + 0,482426 = 0,000000

Bild 175
Zusammenstellung der Richtungen :

Standpunkt Zielpunkt Richtung

A 1 59,1488g

2 120,5315g

3 245,8425g
280

Aufgabe 2:
Bild 176
281

Die auf BEXZ gemessenen Richtungen sind auf das Zentrum von B zu zentrieren.

Stand Ziel Richtung Strecke


BEXZ 1 0o 00` 00`` 1316,9m

2 90o 05`16`` 687,8

3 162o 46`47`` 652,1

4 292o 28`22`` 628,4

B 202o 44`15`` e = 6,459

Umwandlung der Richtungen von Grad in Gon.

Stand Ziel Richtung


BEXZ 1 0,0000g

2 90o 05`16``
16 / 60 = 0,2667
o
90 05,2667`
05,2667 / 60 = 0,087778
90,087778 / 9 = 10,009753 * 10 =
100,0975g

3 162o 46`47``
47 / 60 = 0,7833`
46,7833 / 60 = 0,472778
162,779722 / 9 = 18,08664 * 10 =
180,8664g

4 292o 28`22``
22 / 60 = 0,3667
28,3667 / 60 = 0,472778
292,472778 / 9 = 32,49698 * 10 =
324,9698g

B 202o 44`15``
15 / 60 = 0,25
44,25 / 60 = 0,7375
202,7375 / 9 = 22,52639 * 10 =
225,2639g
282

Bild 177

Zielpunktzentrierung

ε1 = 225,2639g
S1 = 1316,9m

tanδ = ( e * sinε ) / [S – ( e * cosε )]

= ( 6,459 * -0,386510 ) / [1316,9 – ( 6,459 * -0,922295)]

= -2,4965 / 1322,857

tanδ1 = ꞁ - ꞁ 0,001887

δ1 = - 0,1201

R1 = ε1 + δ1 = 225,2639 – 0,1201 = 225,1438g

Bild 178

ε2 = 225,2639 – 100,0975 = 125,1664g

tanδ2 = ( 6,459 * +0,922876) / [687,8 – ( 6,459 * -0,385097)]

= 5,9609 / 690,2873

= 0,008635

δ2 = 0,5491g

R2 = ε2 + δ2 = 125,16664 + 0,5491 = 125, 7155g

Bild 179

ε3 = 225,2639 – 180,8664 = 44,3975g

tanδ3 = (6,459 * +0,642223 ) / [652,1 – ( 6,459 * +0,766518 )]

= 4,1482 / 647,149

= 0,006410

δ3 = 0,4081g

R3 = ε3 + δ3 <= 44,3975 + 0,4081 = 44,8056

Bild 180

ε4 = 324,9698 – 225,2639 = 99,7059g


283

tanδ4 = (6,459 * +0,99999 ) / [( 628,4 – ( 6,459 * +0,004620 )]

= 6,459 / 628,37

= 0,010279

δ4 = 0,6543g

R4 = ε4 + δ4 = 99,7059 + 0,6543 = 100,3602g

Bild 181

R1 = 225,1438g

R2 = 125,7155g

R3 = 44,8056g

R4 = 100,3602g

Bild 182

Standpunkt Zielpunkt Richtung


B 1 0,0000g
2 99,4283
3 180,3382
4 325,5040

1 0o 00`00``
2 89o 29`08``
3 162o 18`16``
4 292o 57`13``

Umwandlung von Gon in Grad


99,4283 180,3382 325,5040
- 9,94283 - 18,03382 - 32,5504
89,48547 162,30438 292,9536
+2,42735 + 152190 + 47680
29,1282 182628 57216
+ 0,6410 + 13140 + 1080
07,692 15,768 12,96

= 89o 29`08`` = 162o 18`16`` = 292o 57`13``


284
285

25.5 Der gebrochene Strahl


Bild 183
286

γ = soll möglichst gestreckt sein

δ = δ1 + δ2

tan½ ( δ2 – δ1 ) = [( S1 – S2 ) / ( S1 + S2 )] * tan½ δ

Bei der Richtungsmessung ist auf ein max. Fehler von ± 15cc zu achten.

Beim gebrochenen Strahl muss δ1 und δ2 auf ± 5cc bestimmt werden.

S1 und S2 sollen etwa gleich lang sein.

3/2 ≥ S1/S2 ≥ 2/3 ← Bedingungen

δ ≤ 2,2g ; mδ = ± 7cc → bei Näherungsformel

( δ2 + δ1 ) – ( δ2 – δ1 ) = 2δ1 ; ( δ2 + δ1 ) + ( δ2 – δ1 ) = 2δ2

Die relativen Fehler der Streckenmessung dürfen nicht größer sein, als

mS = ± (2,5 * 10-4) * S

Bild 184

P ͞A =n S1 + S2 =n Näherungsweise

δ1 / ƍ = d / (S1 + S2 )

( δ1 + δ2 ) / ƍ = d / S2

d * ƍ =n ( δ1 + δ2 ) * S2 =n δ1 * ( S1 + S2 )

δ1 =n ( δ * S2 ) / ( S1 + S2 )

δ2 =n ( δ * S1 ) / ( S1 + S2 ) → wenn δ ≤ 2,2g

1 Die Seiten S1 und S2 müssen ungefähr gleich sein.


2 Zwangszentrierung → Drehgenauigkeit von ± 3mm.
3 Die Winkelmessung muss den Bedingungen im Trigonometrischen Netz ange-
messen sein (Satzzahl), der Brechungswinkel so gestreckt wie möglich.
4 Die Genauigkeit der Streckenmessung richtet sich nach der Größe des Bre-
chungswinkels.
Wenn S[cm] / δ[c] > 100 oder δ < 10c, dann abgreifen von S aus der Top-Karte
(f < 14m) ← Abgreifgenauigkeit.
Liegt δ zwischen 10c und 1g → flüchtige Streckenmessung ± 1m.
Liegt δ zwischen 1g und 10g, dann genaue Streckenmessung.
Wenn δ größer als 10g ist, dann ist der gebrochene Strahl unzulässig.
Ist δ kleiner als 4g, dann die Näherungsformel anwenden.
287

25.5.1 Mehrfach gebrochener Strahl


Bild 185
1) Toter Polygonzug mit P1͞A als X-Achse
2) δ1 = ( P1͞ A ) – ( P1͞ P2 )
3) δ2 = ( P2͞ P1 ) – ( P2͞ C )
288

25.5.2 Gebrochener Strahl ohne Streckenmessung


Bild 186

tanδ1 = [ Δy ] / [ Δx ]

Zug in einem örtlichen System mit beliebigem Maßstab und daraus dann δ1
berechnen.
1) S1 beliebig annehmen.
2) Dann mit Hilfe des Sinussatzes S2 und S3 berechnen.
3) Nun Polygonzug im örtlichen System rechnen, mit P ͞A als X-Achse.
4) Berechnung des Richtungswinkels ( δ1 ) im örtlichen System.
289

Aufgabe 3:

Strecke den gebrochenen Strahl und stelle den Abriss für Punkt 60 auf.
Bild 187
290

Stand Ziel Richtung Stand Ziel t


60 57 0,0000g 60 57 148,7233g
18 160,2988 18 309,0180
I 322,8031 56 128,7646

I 60 88,7988g
N 283,1725
----------------------------------------------------------------------------------------------------------------
Bild 188

γ = 283,1725 – 88,7988 = 194,3737g

δ = 200,0000 – 194,3737 = 5,6263g ; ½δ = 2,8132g

tan½ ( δ2 – δ1 ) = [( S1 – S2 ) / ( S1 + S2 )] * tan ½ δ

= (-22,41 / 610,61)* (+0,044218)

= -0,036701 * 0,044218

= -0,001623

½ ( δ2 – δ1 ) = -0,1033g

δ2 – δ1 = -0,2066g

2δ1 = ( δ2 + δ1 ) – ( δ2 – δ1 )

= 5,6263 – ( - 0,2066 )

2δ1 = 5,8329g

δ1 = 2,9164g

2δ2 = ( δ2 + δ1 ) + ( δ2 – δ1 )

= 5,6263 + ( -0,2066 )

= 5,4197g

δ2 = 2,7098g

RI = 322.8031g

RN = RI – δ1

= 322,8031 - 2,9164 = 319,8867g


291

Bild 189
292

26. Ausgleichungsrechnung

26.1 Vorbemerkungen

Carl Friedrich Gauß war richtungsweisend in der Ausgleichungsrechnung.


Gauß hat die Quadratsumme der Fehler zum Minimum gemacht.
Die Methode der kleinsten Quadrate liefert die wahrscheinlichsten Werte.

a ) Bestimmung des wahrscheinlichsten Wertes


Mittelung ohne Widersprüche. Man erhält eindeutige Werte.

b ) Fehlerabschätzung

l l` + ∆ l ∆ lmm/10 vmm/10 vv

1,7 1,685 1,6851 1,6850 +1 0 0 m=± 6/3

1,7 1,684 1,6850 1,6850 0 +1 1 = ± 1,4 mm/10

1,7 1,685 1,6850 1,6850 0 +1 1 mx = ± (6/ (3* 4))

1,7 1,686 1,6853 1,6850 +3 -2 4 = ± 0,7 mm/10

1,7 * 1,685 6,7404/4 ↘ +4/4↘ 0 6 = [ vv ]


1,6851 [v]

Arithmetisches Mittel
x=[l]/n ; m=± ( [vv] / (n -1)) ; m(x) = ± ([vv] / n(n – 1))

26.2 Die vermittelnde Ausgleichung

Es werden Beobachtungen gemacht um Unbekannte zu bestimmen. Es müssen


mehr Beobachtungen gemacht werden, als Unbekannte vorhanden sind.
Zwischen den Beobachteten und den Unbekannten muss man lineare Beziehungen
haben.

26.2.1 Ausgleichung mit 2 Unbekannten

l1 + v1 = x
l2 + v2 = x
l3 + v3 = x
. direkte Beobachtung
.
ln + vn = x
293

l1 + v1 = (a1 * x) + (b1 * y) v1 = (a1 * x) + (b1 * y) – l1

l2 + v2 = (a2 * x) + (b2 * y) (1) v2 = (a2 * x) + (b2 * y) – l2 (1a)


........... ..........
........... ...........
ln + vn = (an * x) + (bn * y) vn = (an * x) + (bn * Y) - ln

[ vv ] = Min. Verbesserungsgleichungen

[ vv ] = v12 + v22 + . . . .+ vn2 → Min. ; „ Fehlergleichungen“


soll sein

 [vv]/  x = 2v1(  v1/  x) + 2v2(  v2/  x) + . . . . .+ 2vn(  vn/  x) (2)

 [vv]/  y = 2v1(  v1/  y) + . . . . . . . . . . + 2vn(  vn/  y)

v1a1 + v2a2 + . . . . . + vnan = 0 (3) [av] = 0 (3a)

v1b1 + v2b2 + . . . . .+ vnbn = 0 [bv] = 0

a1( a1x + b1y – l1)

+a2(a2x + b2y – l2)


.
.
+an(anx + bny – ln) = 0

a 12x +a1b1y -a1l1

+a22x +a2b2y -a2l2 (3b)


.
.
+an2x +anbny -anln = 0 (3c)
2 2 2
(a1 +a2 + …+an )x + (a1b1+a2b2+ ...+anbn)y – (a1l1+a2l2+…anln) = 0

[aa]x + [ab]y - [al] = 0

[ab]x + [bb]y - [bl] = 0 (3d) Normalgleichungen

[aa]x + [ab]y - [al] = 0 | * -([ab]/[aa])

-[ab]x – ([ab]/[aa]y) + ([al][ab]/[aa]) = 0

[ab]x + [bb]y - [bl] = 0

([bb] – (([ab]2/[aa]))y – ([bl] – ([al][ab]/[aa])) = 0


294

[bb] – ([ab]2/[aa]) = [bb * 1] = „ bb einmal reduziert“ (4)

[bl] – ([al][ab]/[aa]) = [bl * 1] = „ bl einmal reduziert“

y = [bl * 1]/[bb * 1] (5) Bestimmung von y

x = ([al]/[aa]) – ([ab]/[aa])*y) = ([al]/[aa]) – (([ab]/[aa])*([bl *1]/[bb * 1])) (6)


Bestimmung von x

------------------------------------------------------------------------------------------------------------

xO + ∆x = x

yO + ∆y = y

vv + lv = av ( xO + ∆x ) + bv ( yO + ∆y ) (1)O

vv = av∆x + bv∆y – ( lv - avxO – bvyO )


↘ ∆lv

vv = av∆x + bv∆y - ∆lv (1a)O

Mittlerer Fehler einer Beobachtung l

m=± ([vv]2/(n – 2)) (7)

n = Anzahl der Beobachtungen

Mittlerer Fehler der Unbekannten y

my = m/ [bb*1] (8)

Mittlerer Fehler der Unbekannten x

mx = my ([bb]/[aa]) (9)

Bestimmung von [vv]

1. Weg
x und y aus (6) und (5) in (1a) → v

2. Weg
[vv] = [av]x + [bv]y - [lv] Aus (1a) alle Gleichungen mit vv multip. u. aufaddiert.

[lv] = [al]x + [bl]y - [ll]

[vv] = [ll] - [al]x - [bl]y Aus (1a) alle Gleichungen mit lv multip. u. aufaddiert.

x, y aus (6) und (5)


295

[vv] = [ll] – ([al](([al]/[aa]) – (([ab]/[aa])*([bl*1]/[bb*1]))) – ([bl]*([bl*1]/[bb*1]))

[vv] = [ll] – ([al]2/[aa]) – (([bl*1]/[bb*1]) * ([bl] – (([ab]/[aa])*[al]))


| = [bl * 1] |

[vv] = [ll] – ([al]2/[aa]) – ([bl*1]2/[bb*1])

26.2.2 Ein Beispiel zur Ausgleichung mit 2 Unbekannten : Maßstabsvergleich

X
0 1 2 3 4 5 6 cm
| | | | | | | . . .
ˡ ˡ ˡ
0 1 2 in
----- Y ------

Ablesung
0 in 1,5 cm = l1 ; Forderung : lv + vv = ax + by

1 in 4,05 cm = l2 l1 + v1 = x

2 in 6,65cm = l3 l2 + v2 = x + y

3 in 9,1 cm = l4 l3 + v3 = x + 2y (1)

4 in 11,7cm = l5 l4 + v4 = x + 3y

5 in 14,2cm = l6 l5 + v5 = x + 4y

L6 + v6 = x + 5y

v1 = x -1,5

v2 = x + y -4,05

v3 = x + 2y -6,65 (1a)

v4 = x + 3y -9,1

v5 = x + 4y -11,7

v6 = x + 5y -14,2
296

[aa]x + [ab]y - [al] = 0

[ab]x + [bb]y - [bl] = 0 (3d)

v a b +l aa ab bb al bl ll

1 1 0 1,5 1 0 0 1,5 0 2,25

2 1 1 4,05 1 1 1 4,05 4,05 16,4025

3 1 2 6,65 1 2 4 6,65 13,30 44,2225

4 1 3 9,1 1 3 9 9,1 27,3 82,81

5 1 4 11,7 1 4 16 11,7 46,8 136,89

6 1 5 14,2 1 5 25 14,2 71,0 201,64

[] 6 15 55 47,2 162,45 484,215

6x + 15y – 47,2 = 0

15x + 55y – 162,45 = 0 (3d)

[bb* 1] = [bb] – ([ab]2/[aa]) = 55 – ((15*15)/6) = 17,5

[bl * 1] = [bl] – (([ab]*[al])/[aa]) = 162,45 – ((15 * 47,2)/6) = 44,45

y = [bl*1]/[bb*1] = 44,45/17,5 = 2,540 (5)

x =([al]/[aa])–(([ab]/[aa])*([bl*1]/[bb*1])) = (47,2/6)–((15/6)*(44,45*17,5))=1,517 (6)

y = 2,540cm
x = 1,517cm
v a b a*v b*v
v1 = 1,517 – 1,5 = +0,017 1 0 +0,017 0

v2 = 1,517 +2,540 – 4,05 = +0,007 1 1 +0,007 +0,007

v3 = 1,517 + 5,080 – 6,65 = -0,053 1 2 -0,053 -0,106

v4 = 1,517 + 7,62 – 9,1 = +0,037 1 3 +0,037 +0,111

v5 = 1,517 + 10,16 – 11,7 = -0,023 1 4 -0,023 -0,092

v6 = 1,517 + 12,70 – 14,2 = +0,017 1 5 +0,017 +0,085


+0,002 +0,005
297

[av] = 0

[bv] = 0 (3a)

[av] = +0,002

[bv] = +0,005

Zweite Probe
[ vv ] = v12 + v22 + v32 + v42 + v52 + v62 = 0,005334

[ vv ] = [ll] – ([al]2/[aa])-([bl*1]2/[bb*1]) (11)

= 484,215 – (47,22/6) – (44,45/17,5) = 0,0053

m=± ([vv]/(n-2)) = ± (0,0053/(6-2)) = ± 0,036cm

my = m/ [bb*1] = ± 0,036/ 17,5 = ± 0,009cm

mx = m y ([bb]/[aa]) = ±0,009 55/6 = ±0,027cm

Endgültiges Ergebnis:

X = 1,517cm ± 0,03cm

Y = 2,540cm ± 0,01cm

x = xO + ∆x = 1,5 + ∆x

y = yO + ∆y = 2,5 + ∆y

v1 = 1,5 + ∆x -1,5 v1 = ∆x -0

v2 = 1,5 + ∆x + 2,5 + ∆y – 4,05 v2 = ∆x + ∆y – 0,05

v3 = 1,5 + ∆x + 5,0 + 2∆y – 6,65 v3 = ∆x + 2∆y – 0,15

v4 = 1,5 + ∆x + 7,5 + 3∆y – 9,1 v4 = ∆x + 3∆y - 0,1

v5 = 1,5 + ∆x + 10,0 + 4∆y – 11,7 v5 = ∆x + 4∆y - 0,2

v6 = 1,5 + ∆x + 12,5 + 5∆y – 14,2 v6 = ∆x + 5∆y – 0,2

(1a)O (1a)O
298

26.2.3 Nichtlineare Verbesserungsgleichung

x = xO + ∆x

y = yO + ∆y

lv + vv = f ( x, y )

lv + vv = f ( xO + ∆x , yO + ∆y )

lv + vv = fv(xO , yO) + (  fv/  x)∆x + (  fv/  y)∆y + (  2fv/  x2)*(∆x2/2!) +

2(  2fv/  x  y)*(∆x∆y/2!) + (  2fv/  y2)*(∆y/2!) + . . . . . . . . . .

Lv + vv = fv(xO , yO) + (  fv/  x)∆x + (  fv/  y)∆y

a = (  fv/  x )O b = (  fv/  y )O

Linearisierung der Verbesserungsgleichung

26.2.4 Punktbestimmung durch Streckenmessungen

Aufgabe: Der Punkt P wurde durch Messung der Strecken S1, S2, S3 und S4 von den
Punkten P1, P2, P3 und P4 aus bestimmt.

Gesucht sind die ausgeglichenen Koordinaten des Punktes P und ihre


mittleren Fehler.

Folgende Ausgangskoordinaten sind gegeben:


X Y
P1 18 271,31 3 855,72
P2 18 408,54 3 844,26
P3 18 445,05 3 957,26
P4 18 282,10 3 991,15
Folgende Strecken wurden gemessen:
S1 103,45m
S2 93,85m
S3 99,70m
S4 100,48m
Als Näherungskoordinaten sind zu verwenden:
Xo 18 352,65 Yo 3 919,65
299

1. Kartierung
Bild 195
300

2. Näherungskoordinaten

Xo = 18 352,65 Yo = 3 919,65

Wenn nicht wie hier gegeben, dann aus 2 Festpunkten und 2 Strecken durch Bo-
genschnitt ermitteln.

3. Nichtlineare Verbesserungsgleichung

Bild 196 , Abschnitt ②

lv + vv = fv ( x , y )

= fv ( xO + ∆x , yO + ∆y )

vv = (( xO + ∆x – xv )2 + ( yO + ∆y – yv )2) – lv

4. Linearisierung der Verbesserungsgleichung

lv + vv = fv ( xO , yO ) + ((  fv/  x )O * ∆x ) + ((  fv/  y )O * ∆y )

= (( xO – Xv )2 + ( yO – yv )2) + ((  fv/  x )O * ∆x ) + ((  fv/  y )O * ∆y)

 /  x = (1 * (2( xO + ∆x – xv )) * 1) / ( 2 * ((xO + ∆x - xv)2 + (yO + ∆y - yv)2)

a = ( /  x)O = ( xO – xv ) / ( (( xO – xv )2 + ( yO – yv )2)

a = (xO – xv ) / lvO

Ableitung analog für b. b = (yO – yv ) / lvO

VV = (((xO – xv) / lvO) * ∆x) + (((yO – yv) / lvO) * ∆y) – ( lv – lvO)

5. Berechnung der Verbesserungsgleichungskoeffizienten und der Normalgleichungs-


koeffizienten in tabellarischer Form

Bild 196, Abschnitt ⑤

6. Verbesserungsgleichungen

allgemeine Form:

l1 + v1 = a1∆x + b1∆y

l2 + v2 = a2∆x + b2∆y

l3 + v3 = a3∆x + b3∆y

l4 + v4 = a4∆x + b4∆y
301

v1 = a1∆x + b1∆y – l1

v2 = a2∆x + b2∆y – l2

v3 = a3∆x + b3∆y – l3

v4 = a4∆x + b4∆y – l4

v1 = 0,79∆x + 0,62∆y + 0,01

v2 = -0,60∆x + 0,80∆y ± 0,00

v3 = -0,93∆x – 0,38∆y + 0,06

v4 = 0,71∆x – 0,71∆y – 0,03

7. Normalgleichungen

[aa]∆x + [ab]∆y - [al] = 0

[ab]∆x + [bb]∆y - [bl] = 0

+2,32∆x – 0,14∆y – 0,073 = 0

-0,14∆x + 1,68∆y + 0,003 = 0

8. Reduktion der Normalgleichungen

Bild 196 , Abschnitt ⑧

1. Normalgleichung erweitert mit : -[ab]/[aa]

( -[ab]x) – (([ab]2/[aa])*y) + (([al]*[ab])/[aa]) = 0

[ab]x + ([bb]*y) - [bl] = 0

(([bb]–([ab]2/[aa]))*y) – ([bl]–(([al]*[ab])/[aa])) = 0

Abkürzung von Gauß:

Summe „bb einmal reduziert“ [bb*1] = [bb] – ([ab]2/[aa])

Summe „bl einmal reduziert“ [bl*1] = [bl] – (([al]*[ab])/[aa])

[bb*1] = +1,676 – (+0,020/+2,324) = +1,676 – 0,009 = +1,667

[bl*1] = -0,003 –(-0,011/+2,324) = -0,003 + 0,005 = +0,002


302

∆y = [bl* 1]/[bb*1] = +0,002/+1,667 = +0,001 m

∆x = ([al]/[aa]) – (([ab]/[aa])*([bl*1]/[bb*1]))

= (+0,073/+2,324) – ((-0,143/+2,324)*(+0,002/+1,667)) = + 0,031 m

9. Die ausgeglichenen Koordinaten

Bild 196 , Abschnitt ⑨

Y = yO + ∆y = 3.919,65 ± 0,00 = 3.919,65 m

X = xO + ∆x = 18.352,65 + 0,03 = 18.352,68 m

10. Kontrolle der Linearisierung

Bild 196 , Abschnitt ⑩

1 Berechnung der vv aus den linearen Verbesserungsgleichungen (siehe Nr.6).

∆x = + 0,032 , ∆y = + 0,001

v1 = (+0,786*(+0,032)) + (+0,618*(+0,001)) – (-0,006) = +0,032 m

v2 = (-0,596*(+0,032)) + (+0,803*(+0,001)) – (+0,003) = -0,020 m

v3 = (-0,926*(+0,032)) + (-0,377*(+0,001)) – (-0,061) = +0,031 m

v4 = (+0,702*(+0,032)) + (-0,712*(+0,001)) – (+0,033) = -0,012 m

2 vv aus den ursprünglichen Verbesserungsgleichungen.

vv = ((x –xv)2+(y – yv)2) - lv

v x – xv y – yv ((x-xv)2+(y-yv)2) lv vv

1 +81,37 +63,93 103,48 103,45 +0,03

2 -55,86 +75,39 93,83 93,85 -0,02

3 -92,37 -37,61 99,73 99,70 +0,03

4 +70,58 -71,50 100,47 100,48 -0,01


303

11. Kontrolle der Ausgleichung

Bild 196 , Abschnitt ⑪


304

1) von Nr. 7

(+2,324*(+0,032)) + (-0,143*(+0,001) – (+0,073) = sollte 0 sein

(-0,143*(+0,032)) + (+1,676*(+0,001)) – (-0,003) = sollte 0 sein

+0,074 – 0,000 - 0,073 0 = +0,001

-0,004 + 0,002 + 0,003 = +0,001

2) [av] = 0 ; [bv] = 0

V a b v av bv vv
1 +0,786 +0,618 +0,032 +0,025 +0,020 0,001

2 -0,596 +0,803 -0,020 +0,012 -0,016 0,000

3 -0,926 -0,377 +0,031 -0,029 -0,012 0,001

4 +0,702 -0,712 -0,012 -0,008 +0,009 0,000


[ ] 0,000 +0,001 0,002

3) [vv] = [ll] – ([al]2/[bb*1]) – ([bl*1]2/[bb*1])

[vv] = 0,005 – (0,005/+2,324) – (+0,002/+1,667)

[vv] = 0,005 – 0,002 – 0,000 = +0,003

12. Berechnung der mittleren Fehler m, my und mx


Bild 196 , Abschnitt ⑫
Zu bestimmen sind die mittleren Fehler der Koordinaten X und Y.

Um die Genauigkeit der Messung zu bestimmen, muss der mittlere Fehler der
Messwerte lv bestimmt werden. Hierzu verwendet man die Summe der quadrier-
ten Verbesserungen [vv] und die Anzahl der Strecken, die zur Bestimmung des
Neupunktes nicht notwendig sind (n – 2). Mit 2 Strecken und den dazu gehörigen
Punkten ist der Neupunkt bestimmt.

m=± ([vv]/(n-2)) = ± 0,003/2 = ± 0,039 m

my = m/ [bb*1] = ±0,039/1,295 = ± 0,030 m

mx = my* ([bb]/[aa]) = ± 0,030 * 1,676/2,324 = ± 0,025 m

13. Endgültiges Ergebnis

Y = 3.919,65 ± 0,03 m
X = 18.352,68 ± 0,02 m
305

26.2.5 Ungleichgewichtige Beobachtungen


Bild 197

l1 mit Gewicht P1
l2 mit Gewicht P2
.
.
ln mit Gewicht Pn

[vv] = min jetzt → [vvp] = min

[av] = 0 → [avp] = 0 = a1v1p1 + a2v2p2 + ……

[bv] = 0 → [bvp] = 0 (3a)

[aa]x + [ab]y - [al] = 0 → [aap]x + [abp]y - [alp] = 0

[ab]x + [bb]y - [bl] = 0 → [abp]x + [bbp]y - [blp] = 0 (3d)

vv = avx + bvy – lv Gew.1 → vv = avx + bvy – lv Gew.p (1a)

Aufsummieren der Normalgleichungskoeffizienten


1)
v1 = a1x + b1y – l1 p1 v1 p1 = (a1 p1)x + (b1 p1)y – (l1 p 1)
. p2 .
. . .
vn = anx + bny - ln pn vn pn = (an pn)x + bn pn)y – (ln pn)

2) Bei ganzzahligen Gewichten

v1 = a1x + b1y – l1 p1

v1p1 = a1p1x + b1p1y – l1p1

v2 = a2x + b2y – l2 p2

v2p2 = a2p2x + b2p2y – l2p2

Mittl. Fehler = [vvp]/(n -2) = mO = mittl. Fehler einer Messung mit Gewicht 1

(7) mO = Mittlerer Gewichtseinheitsfehler

m12 : mO2 = pO : p1

m12 : mO2 = 1 : p1

m12 = mO2 : p1 m1 = mO/ p1


306

my = mO/ [bbp*1] (8)

mx = m y ([bbp]/[aap]) = mO* (( [bbp]/ ([bbp*1]*[aap])) (9)

Bild 197 und 198


307

26.2.6 Vermittelnde Ausgleichung mit mehr als zwei Unbekannten


Beispiel : Einseitig angeschlossenes Höhennetz
Bild 198

l1 . . . . . . . l8 = Höhenunterschiede

s1 . . . . . . . s8 = Nivellementstrecken

Gew.
--------------------------------------------------------------------------------
v1 + l1 = x 1/s1

v2 + l2 = y 1/s2

v3 + l3 = z 1/s3
---------------------------------------------------------------------------------
v4 + l4 = - x + y .

v5 + l5 = -y+z .

v6 + l6 = - x +t .
--------------------------------------------------------------------------------
v7 + l7 = +y -t .

v8 + l8 = z-t .
-------------------------------------------------------------------------------

v1 = a1x + b1y + c1z+ d1t – l1 p1

v2 = a2x + b2y + c2z + d2t – l2 p2 (1a)


. .
. .
vn = anx + bny + cnz + dnt – ln pn

[avp] = 0 ; [bvp] = 0 ; [cvp] = 0 ; [dvp] = 0 (3a)

[aap]x + [abp]y + [acp]z + [adp]t - [alp] = 0 = ①

[abp]x + [bbp]y + [bcp]z + [bdp]t - [blp] = 0 = ②

[acp]x + [cbp]y + [ccp]z + [cdp]t - [clp] = 0 = ③

[adp]x + [dbp]y + [dcp]z + [ddp]t - [dlp] = 0 = ④

②-①
[abp]/[aap] = (([bbp]-(([abp]*[abp])/[aap]))*y) + (([bcp]-(([acp]*[abp])/[aap]))*z) +

(([bdp]-(([adp]*[adp])/[aap]))*t) – ([blp]-(([alp]*[abp])/[aap])) = 0
308

③-①
[acp]/[aap] = (([bcp]-(([abp]*[acp])/[aap]))*y) + (([ccp]-(([acp]*[acp])/[aap]))*z) +

(([cdp]-(([adp]*[acp])/[aap]))*t) – ([clp]-(([alp]*[acp])/[aap])) = 0

④-①
[adp]/[aap] = (([bdp]-(([abp]*[adp])/[aap]))*y) + (([cdp]-(([acp]*[adp])/[aap]))*z) +

(([ddp]-(([adp]*[adp])/[aap]))*t) – ([dlp]-(([alp]*[adp])/[aap])) = 0

[efp*1] = ([efpx] – (([aep]*[afp])/[aap]))

[bbp*1]y + [bcp*1]z + [bdp*1]t - [blp*1] = 0 ②`

[bcp*1]y + [ccp*1]z + [cdp*1]t - [clp*1] = 0 ③`

[bdp*1]y + [cdp*1]z + [ddp*1]t - [dlp*1] = 0 ④`


„Einmal reduzierte Normalgleichungen“

③`-[bcp*1]/[bbp*1] ②`= (([ccp*1]-(([bcp*1]*[bcp*1])/[bbp*1]))*z) +

(([cdp*1]-(([bdp*1]*[bcp*1])/[bbp*1]))*t) – ([clp*1]-(([blp*1]*[bcp*1])/[bbp*1])) =0

④`-[bdp*1]/[bbp*1]②`= (([cdp*1]-(([bcp*1]*[bdp*1])/[bbp*1]))*z) +

(([ddp*1]-(([bdp*1]*[bdp*1])/[bbp*1])*t) – ([dlp*1]-(([blp*1]*[bdp*1])/[bbp*1])) =0

[efd*2] = [efd*1] – (([bep*1]*[bfp*1])/[bbp*1]) = efp zweimal reduziert

[ccp*2]z + [cdp*2]t - [clp*2] = 0 ③``

[cdp*2]z + [ddp*2]t - [dlp*2] = 0 ④``


„Zweimal reduzierte Normalgleichungen“

④``-[cdp*2]/[ccp*2]③`` = (([ddp*2]-(([cdp*2]*[cdp*2])/[ccp*2]))*t) –

([dlp*2]-(([clp*2]*[cdp*2])/[ccp*2]) = 0

[efp*3] = ([efp*2]-(([cep*2]*[cfp*1])/[ccp*2]))

[ddp*3]t - [dlp*3] = 0 ④```


“Dreimal reduzierte Normalgleichungen

[aap]x + [abp]y + [acp]z + [adp]t - [alp] = 0 ①

[bbp*1]y + [bcp*1]z + [bdp*1]t - [blp*1] = 0 ②`

[ccp*2]z + [cdp*2]t - [clp*2] = 0 ③``

[ddp*3]t - [dlp*3] = 0 ④```


309

26.2.7 Summenproben bei der Aufstellung und Reduktion der Normalgleichungen

a1 b1 c1 d1 -l1 -s1

a2 b2 c2 d2 -l2 -s2
.
.
an bn cn dn -ln -sn

sv = av + bv + cv + dv -lv

[aap] + [abp] + [acp] + [adp] - [alp]

= a1( a1 + b1 + c1 + d1 – l1 )p1

+ a2( a2 + b2 + c2 + d2 – l2 )p2

+............

+ an( an + bn + cn + dn – ln ) pn

= [asp]

[aap] + [abp] + [acp] + [adp] - [alp] - [asp] =) 0

[abp] + [bbp] + [bcp] + [bdp] - [blp] - [bsp] = 0

[acp] + [bcp] + [ccp] + [cdp] - [clp] - [csp] = 0

[adp] + [bdp] + [cdp] + [ddp] - [dlp] - [dsp] = 0

[bbp*1] + [bcp*1] + [bdp*1] - [blp*1]

= [bbp] + [bcp] + [bdp] - [blp] – (([abp]/[aap])*([abp]+[acp]+[adp]-[alp]))

= [bsp]- (([abp]/[aap])[asp]) = [bsp*1]

[bbp*1] + [bcp*1] + [bdp*1] - [blp*1] - [bsp*1] = 0


310

1. Eintragen der Normalgleichungskoeffizienten

2. Summenproben für die Normalgleichungskoeffizienten

[aa] + [ab] + [ac] + [ad] - [al] - [as] = 0

[ab] + [bb] + [bc] + [bd] - [bl] - [bs] = 0


.
.
„ um die Ecke“

3. Erste Quotientenzeile Probe = +1

4. Einmal reduzierte Koeffizienten


[bb*1] = [bb] – ((-[ab]/[aa])[ab])

[bc*1] = [bc] – ((-[ab]/[aa])[ac]) Probe = 0

5. Zweite Quotientenzeile Probe = +1

6. Zweimal reduzierte Koeffizienten


[cc*2] = [cc] + ((-[bc*1]/[bb*1])[bc*1]) + ((-[ac]/[aa])[ac])

[cd*2] = [cd] + ((-[bc*1]/[bb*1])[bd*1]) + ((-[ac]/[aa])[ad])

7. Dritte Quotientenzeile Probe = +1

8. Dreimal reduzierte Koeffizienten (analog) Probe = 0

9. Vierte Quotientenzeile Probe = +1

10. Viermal reduzierte Koeffizienten

11. Letzte Unbekannte t = [dl*3]/[dd*3]

12. Die übrigen Unbekannten


z = ([cl*2]/[cc*2]) + t(-[cd*2]/[cc*2])

y = ([bl*2]/[bb*1]) + t(-[bd*1]/[bb*1]) + z(-[bc*1]/[bb*1])

x = ([al]/[aa]) + t(-[ad]/[aa]) + z(-[ac]/[aa]) + y(-[ab]/[aa])

13. Probe durch Einsetzen in die Normalgleichung


311

26.2.8 Fehlerrechnung bei der Ausgleichung mit mehr als 2 Unbekannten

Mittlerer Gewichtseinheitsfehler

mo = ([vvp]/(n – u)) n = Zahl der Beobachtungen

u = Zahl der Unbekannten

[vvp] = 1. Aus der Verbesserungsgl.

2. [vvp] = [ll*u]

Mittlerer Fehler einer einzelnen Beobachtung


m1 = mo/ p1 ; m2 = mo/ p2 . . . . mn = mo/ pn

Mittlere Fehler der Unbekannten


x = α1l1 + α2l2 + . . . . . . . . . + αnln

y = β1l1 + β2l2 + . . . . . . . . . + βnln

z = γ1l1 + γ2l2 + . . . . . . . . . .+ γnln

t = δ1l1 + δ2l2 + . . . . . . . . . .+ δnln

mx2 = α12m12 + α22m22 + . . . . . . . + αn2mn2

= α12(mo2/p1) + α22(mo2/p2) + . . . . . .+ αn2(mo2/pn) = mo2[αα/p]

mx2 = 1/px = [αα/p]mo2

my2 = 1/py = [ββ/p]mo2

mz2 = 1/pz = [γγ/p]mo2

mt2 = 1/pt = [δδ/p]mo2

Qxx = [αα/p]

Qxy = [αβ/p]

( [αα/p] [αβ/p] [αγ/p] [αδ/p] ) ( Qxx Qxy Qxz Qxt ) ↘

( [αβ/p] [ββ/p] [βγ/p] [βδ/p] ) = ( Qxy Qyy Qyz Qyt ) → “Gewichtsreziproken”

( [αγ/p] [βγ/p] [γγ/p] [γδ/p] ) = ( Qxz Qyz Qzz Qzt ) ↗

( [αδ/p] [βδ/p] [γδ/p] [δδ/p] ) ( Qxt Qyt Qzt Qtt ) ↗


312

1. Reduktion des gesamten Systems, wie bei bestimmter Auflösung.


Unterschied: zusätzliche Zeilen

Erster Wert jeder Quotientenzeile.

1/[aa] 1[bb*1] 1/[cc*2] . . . . .

Abgrenzung

2. Letzte Gewichtsreziproke.

Qtt = + 1/[dd*3]

3. Übrige Gewichtsreziproke der letzten Zeile.

Qzt = Qtt(-[cd*2]/[cc*2])

Qyt = Qtt(-[bd*1]/[bb*1]) + Qzt(-[bc*1]/[bb*1])

Qxt = Qtt(-[ad]/[aa]) + Qzt(-[ac]/[aa]) + Qyt(-[ab]/[aa])

4. Probe:
Letzte Normalgleichung.

[ad]Qxt + [bd]Qyt + [cd]Qzt + [dd]Qtt = 1

5. Übernahme der symmetrischen Gewichtsreziproken.

6. Gewichtsreziproke der vorletzten Zeile.

Qzz = Qzt(-[cd*2]/[cc*2]) + (1/[cc*2])

Qyz = Qzt(-[bd*1]/[bb*1]) + Qzz(-[bc*1]/[bb*1])

Qxz = Qzt(-[ad]/[aa]) + Qzz(-[ac]/[aa]) + Qyz(-[ab]/[aa])

7. Probe:
Vorletzte Normalgleichung.

[ac]Qxz + [bc]Qyz + [cc]Qzz + [cd]Qzt = 1

8. Übernahme

9. Gewichtsreziproke der drittletzten Zeile.

Qyy = Qyt(-[bd*1]/[bb*1]) + Qyz(-[bc*1]/[bb*1]) + (1/[bb*1])

Qxy = Qyt(-[ad]/[aa]) + Qyz(-[ac]/[aa]) + Qyy(-[ab]/[aa])

10. Probe mit der 2.Normalgleichung.


313

11. Übernahme

12. Gewichtsreziproke der ersten Zeile.

Qxx = Qxt(-[ad]/[aa]) + Qxz(-[ac]/[aa]) + Qxy(-[ab]/[aa])

13. Probe mit der 1. Normalgleichung.

26.2.9 Trigonometrische Punkteinschaltung durch Vorwärtsschnitt


Bild 199

tanϕ = Δy/Δx

ϕ1 + v1 = arc tan ((Y – Y1)/(X – X1))

ϕ2 + v2 = arc tan ((Y - Y2)/(X - X2))


.
.
ϕn + vn = arc tan ((Y – Yn)/(X – Xn))

Näherungswerte

X = Xo + Δx , Y = Yo + Δy

ϕv + v = arc tan ((Yo + Δy – Yv)/(Xo + Δx – Xv))

Linearisierung (Taylor-Reihe)
.. . . . .. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

Richtungskoeffizienten

vv = aΔx + bΔy – (ϕv – ϕvo)

[aa]Δx + [ab]Δy - [al] = 0

[ab]Δx + [bb]Δy - [bl] = 0


314
315

26.2.10 Die Orientierungsunbekannte beim Vorwärtseinschnitt


Bild 200
lv + vv = f ( ω, Xn, Yn )

lA + vA = arc tan ((YA – Y)/(XA – X)) – ω

lB + vB = arc tan ((YB – Y)/(XB – X)) – ω

lC + vC = arc tan ((YC – Y)/(XC – X)) - ω


.
lN + vN = arc tan ((YN – Y)/(XN – X)) - ω

+ aΔx + bΔy

XN = Xo + Δx , YN = Yo + Δy

ω = ωo + Δω

vA = -ωo – Δω + arctan((YA-Y)/(XA-X)) - lA

vB = -ωo – Δω + arctan((YB-Y)/(XB-X)) - lB
.
.
vN = -ωo – Δω + aΔx + bΔy + arctan((Yo – Y)/(Xo-X)) – lN

[v] = -Δω + + aΔx + bΔy + arctan((Yo –Y)/(Xo-X)) –ωo – lN

P = n/(n + 1) , n = Strahlen mit FP

vN = (a*Δx) + (b*Δy) – Δl

Δl = lN + ωo – (( arc tan(Yo-Y)/(Xo-X))

Normalgleichungen [aap]Δx + [abp]Δy - [alp] = 0

[abp]Δx + [bbp]Δy - [blp] = 0


316

26.2.11 Trigonometrische Punktbestimmung durch Rückwärtseinschneiden


Bild 201
317

lv + vv = -ω + arc tan((Yv – Y)/(Xv – X))

X = Xo + Δx

Y = Yo + Δy

ω = ωo + Δω

Linearisierung (Taylor - Reihe)

Rückwärtsstrahl(Stdpkt.→ Zielpkt.) : a = (+(Yv – Yo)/(Svo)2)*ƍ , b = (-(Xv – Xo)/(Svo)2)*ƍ


Vorwärtsstrahl(Stdpkt.→Zielpkt.) : a = (-(Yo-Yv)/(Svo)2)*ƍ , b = (+(Xo – Xv)/(Svo)2)*ƍ

Man rechnet stets den Strahl vom Neupunkt zum Festpunkt.

Rückwärtsstrahl (NP → FP) : a = + ((Yv-Yo)/(Svo)2)*ƍ ; b = - ((Xv-Xo)/(Svo)2)*ƍ


Vorwärtsstrahl ( NP → FP ) : a = + ((Yv-Yo)/(Svo)2)*ƍ ; b = - ((Xv-Xo)/(Svo)2)*ƍ

FP → NP = 250g NP → FP = 50g
v = +1g v = +1g
(FP → NP)Verb. = 251g (NP → FP)Verb. = 51g Bild 202

26.2.12 Die Orientierungsunbekannte beim Rückwärtseinschneiden


Bild 203
v1 = - Δω + a1Δx + b1Δy – Δl1

v2 = - Δω + a2Δx + b2Δy – Δl2


.
.
vn = -Δω + anΔx + bnΔy - Δln

[a] = a1 + a2 + . . . . . .an

[b] = b1 + b2 + . . . . . bn

[Δl] = Δl1 + Δl2 + . . . . .Δln

„Reduzierte Verbesserungsgleichungen“
Wenn [v] = 0 dann :
v1 = ( a1 – ([a]/n))Δx + (b1 – ([b]/n)Δy – (Δl1 – ([Δl]/n))

v2 = (a2 – ([a]/n))Δx + (b2 – ([b]/n)Δy – (Δl2 – ([Δl]/n))


.
.
vn = (an – ([a]/n))Δx + (bn – ([b]/n))Δy – (Δln – ([Δln]/n))
Probe [v] = ([a] – (n*([a]/n))Δx + ([b] – (n*([b]/n))Δy – ([Δl] – (n*([Δl]/n))
0 0 0
318

26.2.13 Zusammenfassung der wichtigsten Rechenregeln bei trigonometrischen Punktein-


schaltungen

1) Die Richtungskoeffizienten a und b bei Vorwärts- und Rückwärtsstrahlen stets so be-


rechnen, als handele es sich um Strahlen von NP → FP.
a = + ((Yv -Yo)/(Svo)2)*ƍ ; b = - ((Xv-Xo)/(Svo)2)*ƍ
2) Vorwärtsstrahlen von Festpunkten sind so zu orientieren, dass die Summe der Rich-
tungsverbesserungen nach den übrigen Festpunkjen zu 0 wird. Dann darf man die
Orientierungsunbekannte des Festpunktes vernachlässigen und es bleibt als einzige
Verbesserung von diesem Standpunkt: vv = avΔx + bvΔy – Δlv die mit dem Gewicht
p = n/(n+1) einzuführen ist. (n = Zahl der Strahlen und Festpunkte)
3) Die Orientierungsunbekannte auf dem NP ist durch die reduzierten Verbesserungs-
gleichungen vv = (av – ([a]/n))*Δx + (bv –([b]/n))*Δy – (Δlv – ([Δl]/n)) vorweg zu elimi-
nieren.
4) Treten bei einer Punktbestimmung Vorwärts- als auch Rückwärtsstrahlen auf, so
sind einfach sämtliche Verbesserungsgleichungen, wie oben angegeben, aufzustel-
len und daraus Normalgleichungen zu bilden.
319

26.2.14 Die Fehlerellipse

m,, mx, my mp = (mx2 + my2) Bild 204


320

Richtungswinkel ϕ von mmax :

tan 2ϕ = 2Qxy/(Qxx – Qyy)

Qxy + -
Qxx-Qyy
+ 0...50g 150...200g
- 50…100g 100…150g

Maximaler und minimaler mittlerer Fehler:


mmax = m Qmax ; mmin = m Qmin

Qmax = ((Qxx + Qyy)/2) + ½ ((Qxx – Qyy)2 + 4Qxy2)


min -
Berechnung von Qxx, Qyy und Qxy bei 2 Unbekannten :

Qyy = 1/[bbp*1] ; Qxx = ([bbp]/[aap])*Qyy ; Qxy = - ([abp]/[aap])*Qyy

Bei mehr als 2 Unbekannten Berechnung → Gauß`scher Algorithmus.


321

26.2.15 Ein Beispiel zur trigonometrischen Punkteinschaltung


Der Punkt 10`wurde durch eine trig. Punktbestimmung mit mehreren Vorwärts- und
Rückwärtsstrahlen bestimmt.
Folgende Koordinaten sind bekannt (die Koordinaten für Punkt 10`sind Näherungsko-
ordinaten): Punkt Nr. Y (m) x (m)
1` 49299,92 42586,38
2` 47961,83 42825,47
3` 47539,77 40618,84
4` 48193,06 40079,66
5` 48930,21 40298,13
6` 46610,21 40872,14
7` 46467,56 42609,40
8` 49765,06 40245,55
9` 49475,63 44661,73
10` 48439,70 41552,80

Folgende Beobachtungen liegen vor:


(g)
Standpunkt Zielpunkt Beob. Richtung

1` 10` 0,0000
9` 161,2003
8` 343,3355

2` 9` 0,0000
10` 133,2407
7` 246,9697

3` 10` 0,0000
5` 65,6035
4` 95,0998
6` 268,1134
7` 319,7180

5` 8` 0,0000
4` 177,6589
7` 243,9785
10` 272,2751

10` 7` 0,0000
1` 112,8630
8` 218,2504
3` 317,5139
322

Gesucht sind die ausgeglichenen Koordinaten des Punktes 10`und ihr mittlerer Fehler.
In die Netzskizze (1 : 25000) ist die Fehlerellipse in einem geeigneten Maßstab einzu-
tragen.
1. Kartierung Bild 205
323

2. Näherungskoordinaten

Yₒ = 48.439,70 Xₒ = 41.552,80

3. Abriss Bild 206 und 207


324
325

4. Berechnung der genäherten Richtungswinkel (Neupkt. → Festpkt.) und der Rich-


tungskoeffizienten. Bild 208
326

5. Berechnung der Verbesserungsgleichungen


Bild 209
327

6. Berechnung der Normalgleichungen


Bild 209

[aap]Δx + [abp]Δy - [alp] = 0

[abp]Δx + [bbp]Δy - [blp] = 0

(5246,90*Δx) – (2038,91*Δy) + 10.240,10 = 0

(-2028,91*Δx) + (7927,43*Δy) – 14170,07 = 0

7. Reduktion der Normalgleichungen


Bild 210

[bbp*1] = [bbp] – ([abp]2/[aap])

[blp*1] = [bbp] – (([abp]*[alp])/[aap])

Δy = [blp*1]/[bbp*1]

Δx = ([alp]/[aap]) – (([abp]/[aap] * ([blp*1]/[bbp*1]))

8. Ausgeglichene Koordinaten
Bild 210

Y = Yₒ + Δy

X = Xₒ + Δx

Y = 48.439,70 + 0,14m = 48.439,84m

X = 41.552,80 - 0,14m = 41.552,66m


328

9. Verprobung der Linearisierung


a) Berechnung der endgültigen Richtungswinkel ϕ
Bild 208A
329

b) Eintragen der endgültigen Richtungswinkel und Berechnung der Verbesserungen


(nicht linearisierte) im Abriss.
Bild 206A und 207A
330
331

c) Berechnung der Verbesserungen aus den linearisierten Verbesserungsgleichun-


gen und Gegenüberstellung mit den Werten aus dem Abriss.
v√p = (a√p * Δx) + (b√p * Δy) - l√p ; v = v√p / √p
Bild 210
332

10. Verprobung der Ausgleichung


a) Berechnung von [avp] und [bvp]
Bild 210

[avp] = 0,000

[bvp] = 0,000

b) Berechnung von [vvp]


Bild 210

1) aus [vv2]

[vvp] = 2042,14

2) aus [vvp] = [llp] – ([alp]2/[aap]) – ([blp*1]2/[bbp*1])

[vvp] = 2042,14

11. Berechnung der mittleren Fehler


Bild 210

m = √([vvp]/(n–u)) n = Ist die Anzahl der Vorwärts- und der


Rückwärtsrichtungen.
u = Ist die Anzahl der Unbekannten.

m = ± 20,21cc

my = m/√[bbp*1]

= ± 0,24 dm

mx = my*√([bbp]/[aap])

= ± 0,29 dm
333

12. Berechnung der Daten der Fehlerellipse


Bild 211
334

Qyy = 1/[bbp*1]

= 0,000140

Qxx = Qyy * ([bbp]/[aap])

= 0,000212

Qxy = - Qyy * ([abp]/[aap])

= 0,000054

Richtungswinkel ϕ von mmax

tan 2ϕ = 2Qxy / (Qxx – Qyy)

= 1,5138

2ϕ = 62,835g

ϕ = 31,418g

Qmaxmin = ( Qxx + Qyy ) / 2 ± ½ ((Qxx – Qyy)2 + 4Q2xy)

= 0,000176 ± 0,000065

Qmax = 0,000241

Qmin = 0,000111

mmax = m Qmax = ± 0,314 dm

mmin = m Qmin = ± 0,213 dm

13. Endgültiges Ergebnis


Bild 211

Y = 48.439,84 ± 2 cm

Y = 41.552,66 ± 3 cm
335

27. Ingenieurvermessung

Zu den unter Ingenieurvermessung durchzuführenden Vermessungsarbeiten, die


nachfolgend kurz beschrieben sind, ist zu sagen, dass unter Benutzung selbstregis-
trierender, elektrooptischer Tachymeter, GPS-Stationen und Digitalnivelliere mit
den entsprechenden EDV-Hard- bzw. Software, ein Datenfluss von den Felddaten bis
zur Darstellung im grafischen Informationssystem (GIS) gegeben sein sollte.
Grundlage des GIS sind Geobasisdaten des Liegenschaftskatasters, der Geotopogra-
fie und der allgemeinen Topografie.

27.1 Aufnahmevermessung
Bild 220

Erfassung der Oberflächengestalt, sowie Aufnahmen ober- und unterirdischer Ob-


jekte und Darstellung in einem grafischen Informationssystem (Stadtgrundkarte).
Ingenieurtechnische Dokumentation von Bauwerken oder Geländeformen außer-
halb der topografischen Aufnahmen für das Stadtgrundkartenwerk.
336

27.2 Absteckungsvermessung
Bild 221

Vermessungsarbeiten für den Hoch-, Tief- und Gartenbau.


Trassierungs- und Absteckungsberechnungen.
Absteckung nach Lage und Höhe, Fortführungskontrollen sowie vermessungs-
technische Bauwerksüberwachungen.
337

27.3 Überwachungsvermessung
Bild 222

Vermessungstechnische Bauwerksüberwachungen – Setzungs- und Neigungsmes-


sungen (z.B. Brücken, Gebäude, Stützmauern u.a.).
338

Bild 223

Höhenbestimmung von Grundwassermessstellen zur Beobachtung der Fließrichtung


und der Veränderung des Grundwasserspiegels.
339

Bild 224

Ermittlung von Flughöhen für die Erstellung von Gutachten.

Die Anforderungen an diese sogenannten „Technischen Vermessungen“ haben sich


in den letzten Jahren erheblich erweitert. Durch Erfahrungen mit neuen Technolo-
gien (z.B Anwendung und Auswertung von 3D-Laserscantechnologie) lassen sich
bestimmte Aufgaben einfacher durchführen. Verarbeitung von dreidimensionalen
Messdaten und Massendaten aus Punktwolken werden immer häufiger gefordert.
Mit den verknüpften Bestandsdaten aus der der Stadtgrundkarte und Messdaten
aus einem Scansystem kann die Wirkungsweise eines Neu- oder Anbaues in die Um-
gebung begutachtet werden. Bei Sanierungsmaßnahmen für komplexe Objekte kön-
nen Oberflächenstrukturen und Fassadenflächen detailliert erfasst und reproduziert
werden. Historische Gebäude können digital und dreidimensional konserviert wer-
den. 3D-Daten werden auch eingesetzt bei Lärm- und Schallschutzgutachten zur Be-
weissicherung.
340

28. GPS - Globales Positionsbestimmungssystem

28.1 Allgemein

GPS (Global Positioning System) ist ein globales Navigationssatellitensystem, das mit
Hilfe von Satelliten im Orbit und Empfängergeräten auf der Erde, die genaue Lage
eines bestimmten Punktes auf der Erde berechnen kann.
Es gibt weltweit 4 Navigationssatellitensysteme:
GPS → USA (26 bis 30 Satelliten, in einer Höhe von 20.200 km)
GLONASS → Russland (24 bis 30 Satelliten, in einer Höhe von 19.100 km)
Galileo → Europa (18 bis 30 Satelliten, in einer Höhe von 23.000 km)
BeiDou → China ( 4 bis 35 Satelliten, in einer Höhe von 22.000 km)

Bild 225
341

28.2 Das Prinzip der Positionsbestimmung

Der Ursprung des GPS-Systems liegt in der militärischen Strategie der USA, möglichst
schnell, mit Hilfe der Satellitennavigation, weltweit die genaue Position von Fahr-
zeugen, Flugzeugen und Schiffen zu wissen. Der Aufbau dieses GPS-Systems begann
in den 1980er Jahren, ebenso wie das russische Navigationssystem GLONASS (Glo-
balnaja nawigazionnaja sputnikowaja sistema).
Das amerikanische GPS-System durfte ab 1995 für zivile Zwecke genutzt werden und
das russische GLONASS-System ist seit 2012 zivil zugänglich.
GPS ist ein weltweites Positionsbestimmungssystem via Satellit. Mindestens 24 Sa-
telliten müssen in der Erdumlaufbahn sein. 6 bis 12 Satelliten müssen sichtbar sein,
mindestens 4 Satelliten braucht man um einen Standpunkt zu bestimmen. Alle Satel-
liten senden die aktuelle Uhrzeit über Radiowellen aus, die sich mit 300.000 km/s
ausbreiten. Die Signale der Satelliten brauchen je nach ihrer Position, längere Zeit,
oder kürzere Zeit bis zum Navigationsgerät. Zur Uhrzeit senden die Satelliten auch
ihre eigenen Bahnparameter mit. Mit Hilfe des Bahnparameters eines jeden Satelli-
ten und der Sendezeit kann für jede Sendezeit der Satellitenort berechnet werden.
Die GPS-Zeit stimmt nicht genau mit der UTC-Zeit (Coordinated Universal Time, Ko-
ordinierte Weltzeit, seit 1972, MEZ = UTC + 1) überein. Mit den Bahnparametern
werden auch die Differenzen der GPS-Zeit und der UTC- Zeit (GPS-Zeit = UTC-Zeit +
18s, = TAI-Zeit -19s, 01.01.2017) übermittelt. TAI steht für internationale Atom-
zeit. Das Navigationsgerät empfängt diese Signale und berechnet dann aus den Zeit-
unterschieden und der Bahnparameter, die genaue dreidimensionale Lage des
Standpunktes. Diese 24 Satelliten umkreisen die Erde in einer Höhe von ca. 20.200
km alle 12 Stunden und bewegen sich mit einer Geschwindigkeit von 3,9 km/s. Jeder
GPS-Satellit ist mit einigen hochgenauen Atomuhren ausgestattet. Über unter-
schiedliche Kodierungen, die auch mitempfangen werden, werden die Satelliten un-
terschieden. Zur Kontrolle der GPS-Satelliten wurde ein Kontrollsystem (US-Armee)
eingerichtet, das die Satelliten verfolgt und ständig die Umlaufposition sowie die
Uhrzeit korrigiert. Das Kontrollsystem besteht aus Bodenstationen die über 5 Orte
verteilt, nahe dem Äquator positioniert sind. Eine Hauptkontrollstation, 5 GPS- Emp-
fänger und 4 Bodenantennen.
Bild 226
342
343

28.3 GPS - Instrumentenausrüstung

Unter Beachtung der Nutzung des SAPOS-Dienstes (siehe 28.4) wäre z.B. folgende
Ausrüstung möglich:
Antenne: Z.B. Leica ATX1230 GPS/Glonass.
Bedienung mit RX1250 Feldcontroller, Feldsoftware „SmartWorx“
von Leica.
Die Korrekturdaten des Sapos-Dienstes werden über ein Nokia-
Handy an den Controller übermittelt.
Mit Leica Infinity erfolgt die Bearbeitung im Büro.
Die Stromversorgung erfolgt mit Lithium-Ionen-Batterien, diese wer-
den z.B. mit der Ladestation Leica GKL341 geladen.
Lotstab: GPS-Antennenstab (Einrastfunktion bei 1,80 m und 2,00 m).
Speicherplatz: Interner Speicher im Controller.

28.4 GPS – Vermessung

Die Antenne des Referenzempfängers wird über einen eingemessenen (koordinier -


ten) Punkt aufgebaut. Das ist dann die Basisstation. Mit Hilfe des Empfängers wer-
den Satelliten geortet und die Entfernungen zwischen den Satelliten und dem Emp-
fänger werden gemessen. Der Referenzempfänger kann jetzt die Differenz zwischen
den berechneten und den gemessenen Entfernungen ermitteln. Diese nun bekann-
ten Korrekturwerte werden über Funk an den Rover-Empfänger gesendet. Der Ro-
ver-Empfänger berechnet auch die Entfernungen zu den Satelliten und wendet die
empfangenen Korrekturwerte an. Mit den korrigierten Entfernungen lässt sich die
genaue Lage des Punktes durch mehrfachen Bogenschlag bestimmen.
Bild 227
Die Fehlereinflüsse bei der Entfernungsbestimmung (atmosphärische Fehler, Satelli-
tenfehler, Uhrenfehler u.a.) können durch differentielle Messmethoden erheblich
(DGPS, Differential Global Positioning System) reduziert werden. Da mittlerweile
auch Signale von anderen Satellitennavigationssystemen in diesem Verfahren be-
nutzt werden, ist die Bezeichnung DGNSS (Differential Global Navigation Satelliten
System) richtiger. Das DGNSS zeichnet sich durch eine höhere Positionierungsgenau-
igkeit als dem GPS-System aus.
Die Berechnungen erfolgen im Bezugssystem des WGS 84 (World Geodetic System)
und im ETRS 89 (European Terrestrial Reference System 1989). ETRS 89 ist ein drei-
dimensionales geozentrisches Referenzsystem.
Ab ca. 1996 hat die Arbeitsgemeinschaft der Vermessungsverwaltungen der Länder
der Bundesrepublik Deutschland (AdV) den Aufbau eines Satellitenpositionierungs-
dienstes (SAPOS) beschlossen. Grundlage dieses Systems ist ein Netz von permanent
betriebenen GNSS-Referrenzstationen. Mehr als 270 solcher Stationen sind über das
344

Gebiet von Deutschland verteilt. Die Lage der Referenzstationen sind im ETRS 89
zentimetergenau festgelegt. SAPOS stellt Korrekturdaten (= ermittelt aus den Sig-
nalen der Satelliten, die ständig empfangen werden) für Positionierung und Naviga-
tion mit den Satelliten des GPS und des GLONASS bereit. Diese Referenzstationen
ersetzen bei differentiellen GPS-Messungen den sonst notwendigen zweiten Emp-
fänger, man benötigt nur noch einen Empfänger. Die Daten der Referenzstationen
werden dem Nutzer zugeführt und ermöglicht eine enorme Steigerung der Positi-
onsgenauigkeit. Die SAPOS-Referenzstationen ergänzen die vermarkten Festpunkte
der Landesvermessung und bilden die Grundlage für zahlreiche Vermessungen im
Bezugssystem ETRS 89. Über Transformationen gelangt man von diesem Bezugssys-
tem in klassische Landesbezugssysteme.
Ein eigenes „Europäisches Satellitennavigationssystem (Galileo)“ wird ungefähr seit
dem Jahr 2000 aufgebaut und sollte bis 2016 an den Start gehen.
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29. Schrifttum

Alle Texte, Berechnungen, Formulare, Aufgaben und die Zeichnungen wurden


meinen geschriebenen Konzepten der Vorlesungen an der FH-Mainz I (März 1971
bis Januar 1974) entnommen.
Ergänzt wurde das Niedergeschriebene durch einige Unterlagen (Leica „Einführung
in die GPS-Vermessung“ [Sept.2000] und SAPOS „Satellitenpositionierungsdienst
der deutschen Landesvermessung“ [AdV Mai 2000]u.a.) aus meiner Dienstzeit von
1974 bis 2013, bei der Stadtverwaltung Mainz, 62-Vermessungsamt.
Danken möchte ich den Herren Thomas Werner (Dipl.Ing.(FH)) für einige Hilfe,
bei der Formatierung von Exel–Formularen und Tobias Schröder (Dipl.Ing.(FH)) da-
für, dass er mir einige Hinweise gab, bezüglich der heutigen Satelliten gestützten
Vermessungen und der daraus resultierenden Ergebnismöglichkeiten.

An der FH-Mainz I besuchte ich Vorlesungen der Herren: „Professor Rudolf Schei-
cher (Dekan), Prof. Dr. Franz Hilger, Prof. Dr. Wolfgang Böhler, Prof. Dr. Willy Ri-
chels (Dekan), Prof. Dr. Günther Markowski, Prof. Dr. Rainer Ewald, Prof. Dr. Sepp
Lauer, Prof. Dr. Hans Klennert und Prof. Dr. Jürgen Hothmer.“

Nachwort
Mein Gedanke war der, eine Zusammenfassung zu erstellen, aus der ein wichtiger
Teil dessen, was „Vermessung“ bedeutet, zu erlesen ist.
Dieses Niedergeschriebene bildet ein Selbststudium und soll zur Einführung in die
Vermessungskunde dienen.
Ich versichere, dass diese „Arbeit“ von mir alleine und ohne fremde Hilfe ausgeführt
wurde.

Nackenheim, Oktober 2018

Achim Scholz