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Versäumnisurteil

I. Allgemeines

1. „echtes“ VU:
- ergeht gg die säumige Partei aufgrd ihrer Säumnis

2. „unechtes“ VU:
- ergeht gg die erschienenen Partei nach § 331 II aE ZPO
- oder gg die säumige Partei ohne Rücksicht auf ihre Säumnis (zB Klageabweisung
nicht aufgrd von § 330 ZPO, sondern weil die Klage bereits unzulässig ist)
 Entscheidung eig nicht aufgrd v Säumnis

II. Besonderheiten des (echten) VUs

- Überschrift: § 313b I 2 ZPO  wenn falsch bezeichnet (gilt auch, wenn zB „Urteil“
statt „Beschluss“): Meistbegünstigungsgrundsatz  beide RMittel können
eingelegt werden: das RMittel, das formal nach der (Falsch-)Bezeichnung und
das, das prozessual eigentlich einschlägig wäre
- VV: § 708 Nr. 2  ohne Sicherheitsleistg
- ohne TB und Entscheidungsgrde, § 313b I 1 ZPO (daher wird in Klausuren nie ein
VU geschrieben). Ausnahme: Auslandsvollstreckung, § 313b III (Exkurs: bei VS
ausländischer Urteile stets Überbeglaubigung)
- Gebühren: eine Gerichtsgebühr; RA erhält ½ Verhandlungsgebühr nach VV-Nr.
3105
- Wichtig und klausurrelevant! Kann bereits im schriftl. Vorverfahren ergehen, §
331 III ZPO  ganze Reihe von Klausurproblemen dazu:
o Fehler im Erlass des VU (form. Fehler) wirken sich auf den Bestand des
VUs nicht aus (kommt id Klausur eher nicht vor)
o Auswirkungen auf Kostenentscheidungen
- Durch Einspruch: Prozess wird in die Lage vor der Säumnis versetzt, § 342 ZPO
 kein Devolutiveffekt wie bei Berufung und Revision
- Keine Berufung oder Revision, § 514 I ZPO

III. Voren des echten VUs gg d Beklagten

1. Säumnis, §§ 331 I (III), 333 ZPO


- um Verspätungsvorschriften zu vermeiden, Flucht in die Säumnis mgl bei
Hinweis nach § 139, dass Vortrag nicht ausreicht

2. Kein Einlassungshindernis, §§ 335 Nr. 2- 4, 337


- Nr. 2: ordnungsgemäße Ladung, §§ 214 ff. ZPO
- Nr. 2: Ladungsfristen eingehalten, §§ 274 III, 217
- Nr. 3: Mitteilung des Antrags, §§ 132, 274 III, 282 ZPO
- Nr. 4: Mitteilung der Frist des § 276 und Belehrung (inkl. zur
Kostenentscheidung)  kommt oft id Klausur vor
sonst: Zurückweisung des VU-Antrags nach § 335 oder Vertagung nach § 337.
Zurückweisung nach § 335 sehr selten id Praxis, weil in diesen Fällen stattdessen neuer
Termin bestimmt wird. Vertagung (§ 337) kommt dagegen schon mal vor.

3. Antrag des Klägers:


- im schriftlichen VorVf: § 331 III 2
- sonst im Termin: Sachantrag und Antrag auf VU (kommt idR immer schon id
Klageschrift! Auch id Klausur)

4. Vorliegen der Prozessvoraussetzungen


 wie in normalen Klausuren zu prüfen
- Kläger trägt Darlegungslast
- dh er muss ZulässigkeitsVoren notfalls beweisen, § 331 I 2 ZPO. Aber freie
Beweiswürdigg, § 286.
o andernfalls: unechtes, klageabweisendes VU

5. Schlüssigkeit
 im Grunde materiell-rechtl.: volle Klägerstation
- Sachvortrag des Klägers gilt als zugestanden
- sonst: Sachurteil nach §§ 331 II ZPO als unechtes VU

IV. VU gegen den Kläger

- keine Schlüssigkeitsprüfung
- im schriftlichen VorVf nach hM nicht mgl, wenn Klage unschlüssig
o entweder KAbweisung durch unechtes VU oder Urteil  geht nur im
Termin
o Ausnahme: Nebenforderungen (Inkassokosten, Zinsen), § 331 III 3
(Hinweis ad Kläger nötig)
- Einlassungsfrist, § 274 III, braucht nicht eingehalten werden (schützt nur den
Beklagten)  dh § 335 I Nr. 3 nicht anwendbar
- aber: Einhaltung der Ladungsfrist, § 217, erforderlich  § 335 I Nr. 2 anwendbar

V. Ablauf der mündlichen Verhandlung

- Aufruf der Sache


- Feststellung der Erschienenen
- Zuwarten auf säumige Partei: mind. 15 min, es sei denn Säumnis ist angekündigt
oder Partei ist erschienen  praktische Handhabg, nicht gesetzl.
- Aufnahme des Sachantrages und des Antrages auf Erlass eines VU
- Feststellung der ordnungsgemäßen Ladung des Beklagten im Protokoll
- Erlass des VU

Einspruch gegen das VU

- RBehelf (nicht RMittel), da kein Devolutiveffekt  Vf wird id Lage vd Säumnis


zurückversetzt, § 342 ZPO
- Berufung und Rev grds unzulssg, §§ 514 I, 565
1. Zulässigkeit

a.) Voren: § 341 I 1 (alle Voren zu prüfen und auswendig lernen!)


- Statthaftigkeit, §§ 338, 345 ZPO, nur gg „echtes“, erstes VU  id Klausur meist
unprobl
- Einspruchsfrist: § 339 I
o id Klausur rglmäßig nicht eingehalten (v.a. wenn id AufgStellg Kalender
angehängt. Häufig: 1. Feiertage bei Berechnung d Frist zu berücksichtigen;
2. P mit Anlaufen d Frist  ordngsgem Zustellg)
o Notfrist  Wiedereinsetzg mgl, § 233
- Einspruchsform: § 340

b.) bei Unzulässigkeit ( vorher Hinweis nach § 139 nötig):


- Verwerfung durch Urteil, § 341 II (auch ohne mündl Vhdlg)
- nach mündl Vhdlg: durch Urteil

2. Sachl Wirkung, § 342 ZPO

- bei weiterer str. Vhdlg VU nur noch f Kosten relevant, § 344  einer d wenigen
Fällige id keine einheitl Kostenentscheidung ergeht (ebenfalls uneinheitl
Kostenentschdg: § 281 III)
- ansonsten normales Vf

a.) Aufhebung des VU


- (Mischformen mgl: teilweise Aufhebung  warum nicht ganz Aufhebung und
gleich neues Urteil?  Zur Wahrung des Vollstreckungsranges: dann würde
nämlich der frühere Titel vernichtet und Kläger erhält eine schlechtere VS-
Position, wenn er schon aus dem VU vollstreckt hat)
- bei sachl. Unrichtigkeit: Aufhebg d VU und KAbweisung
- Kosten nach § 344 ausgewiesen
- VU normale Regeln
- Tenor (Bsp: B war säumig und VU ist über 1500€ ergangen): „Das VU vom XX
wird aufgehoben. Die Klage wird abgewiesen. Der Beklagte trägt die Kosten
seiner Säumnis. Die übrigen Kosten des RStreits werden dem Kläger auferlegt.
Das Urteil ist vorläufig vollstreckbar.“

b.) Aufrechterhaltung
- bei inhaltlicher Bestätigung des VU: Aufrechterhaltung
- die weiteren VfKosten werden Unterlegenem auferlegt, § 344
- „normale“ vorl VSbarkeit, nicht § 708 Nr. 2
- Tenor bei vollstdg Obsiegen: „Das VU vom XX wird aufrechterhalten. Dem
Beklagten werden die weiteren Kosten des RStreits auferlegt.“
- Tenor bei teilweisem Obsiegen:
o „Das VU vom XX wird iHv xx€ aufrechterhalten. Im Übrigen wird es
aufgehoben und die Klage abgewiesen.“
o Oder: „Das VU vom XX wird teilweise aufgehoben und insgesamt wie folgt
neu gefasst: ..“  manchmal sinnvoller, wenn ansonsten Tenor sprachlich
zu kompliziert wird. In der Klausur aber eig nie nötig.
Zweites VU

- Säumnis im Termin, der auf den Einspruch dieser Partei hin bestimmt wird
- nur im nächste, Termin, dh kein zweites VU, wenn zwischenzeitl. mündl vhdlt
wurde
- hM: keine zweite Schlüssigkeitsprüfung
- nur Berufung oder Revision zulässig; kein Einspruch, §§ 514 II, 565
o kann nur darauf gestützt werden, dass unverschuldete Säumnis vorlag

Besonderheiten im Gutachten

- Zulässigkeit des Einspruchs kurz ansprechen


- Prfgsreihenfolge:
o Zlssgkeit des Einspruchs
o Zlssgkeit der Klage
o Begrdtheit der Klage

Besonderheiten im Urteil

- im TB: alle Umstände, die zur Prüfg des Einspruchs nötig sind, sind id ProzGesch
mitzuteilen und wg Vstdlkeit der Anträge vor diesen darzustellen: „Auf Antrag
des Klägers ist am .. ein VU gg d Beklagten ergangen, durch das dieser verurteilt
worden ist, .... . Gegen dieses VU hat der Beklagte durch einen am ...
eingegangenen Schriftsatz seines Bevollmächtigten Einspruch eingelegt und
diesen begründet.“
 Prozessgeschichte zum VU:
o 1. Ursprlg KAntrag (inhaltl.)
o zwischen 1. und 2. : Probleme im schriftl. VorVf bei Termin/Ladung
o 2. Erlass des VU (Datum)
o 3. Zustellung des VU  Zustellprobleme: zB auch fehlende RMB
o 4. Eingang des Einspruchs
 dann: Anträge Parteien:
o Kl: Aufrechterhaltung VU
o Beklg: Aufhebg und KAbweisung
- Entscheidungsgründe: „Die Klage ist bgrdt/unbgrdt. Aufgrund des Einspruchs ist
der Prozess id Lage vd Säumnis zurückversetzt. Der Einspruch ist zulässig, insb.
auch form- und fristgerecht eingelegt.“

Entscheidung nach Lage der Akten

§ 251a oder § 331a


 normales SU (nur im Rubrum Änderung)

Siehe auch Schema Mitschrift 22.02.19

Vorteil f Kläger, wenn Aktenstand f ihn vorteilhaft: normales SU  nur Berufung mgl.
Fristen

1. Zustellung
2. Fristprobleme
- ordnungsgem Berechnung
- bei Einspruch id Klausur eig immer P: Zustellungsprobleme
- Fristvorschriften auswendig lernen (§§ 222 ZPO, 187 I, 188 II BGB)
- (wenn eine Frist am Dienstag beginnt, muss d Einspruch an einem Dienstag da
sein)
3. § 310 III ZPO: Besonderheit: Verkündung erst, wenn Zustellung an beiden Parteien
4. Wiedereinsetzung:

Wiedereinsetzung, §§ 233 ff. ZPO

1. Allgemeines
- Versäumung einer Notfrist oder Frist zur Begründung eines RMittels oder d
Wiedereinsetzungsfrist selbst nach § 234 ZPO
o Notfrist: § 224 I  zB §§ 276 I 2, 339 I 2
- enge Auslegg, keine Analogie

2. Voraussetzungen:
 Voren auswendig lernen
- Statthaftigkeit: Versäumung einer Frist nach § 233
- Antrag nach § 236 ad zstdge Gericht: § 237
- Frist § 234: 2 Wochen nachdem das Hindernis behoben ist, ansonsten jednfalls
nach Ablauf eines Jahres nach Ablauf der Frist
- Form, § 236: entspr. Prozesshdlg u. Angabe des Wiedereinsetzungsgrundes und
Glaubhaftmachung und Nachholung der Prozesshandlung
o Glaubhaftmachung: § 294

3. Begründetheit
- verhinderte Fristwahrung
- ohne Verschulden (Vorsatz und FLK) der Partei, ihres gesetzl. Vertreters und des
Bevollmächtigten nach § 85. Verschulden Dritter (zB Personal des RAs) nicht
zurechenbar
- Fallgruppen bei Thomas/Putzo § 233 Rn 15 f.