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Maschinenelemente I

2 Grundlagen der Berechnung Maschinenelemente I


Kapitel 2: Grundlagen der Berechnung

Kapitel Inhalt : Inhalte

1 Einführung - Einführung u. Übersicht Maschinenelemente


- Ziele u. Übersicht der Lehrveranstaltung

2 Grundlagen der Berechnung - Technische Modellbildung


- Belastungsarten (äußere Lasten) und auftretende Spannungen
- Werkstoffkennwerte
- Statischer/Dynamischer Sicherheitsnachweis
- Schweißnahtberechnung

3 Welle-Nabe-Verbindungen - Formschlüssigen Verbindungen (Passfeder)


- Reibschlüssige Verbindungen (Pressverbindung)
- Mischformen
- Stoffschlüssige Verbindungen (Schweißen)
4 Schraubenverbindungen - Gewindearten
- Schraubenverbindungen
- Kräfte- und Verformungsverhältnisse
- Berechnung
- Konstruktion
5 Elastische Verbindungen (Federn) - Wirkprinzip
- Anwendungen
- Berechnung
- Konstruktion
Ausschließlich für den Gebrauch in Vorlesungen und Übungen! Für sonstigen Gebrauch sind die angegebenen Quellen heranzuziehen.

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Maschinenelemente I 2 Grundlagen der Berechnung
2 Grundlagen der Berechnung 2.1 Technische Modellbildung
2.2 Belastungsarten (äußere Lasten) und auftretende Spannungen
2.2.1 Belastungsanalyse
2.2.2 Betriebs- / Anwendungsfaktoren
2.2.3 Spezielle Druckbelastungen
2.2.3.1 Flächenpressung
2.2.3.2 Hertzsche Pressung
2.2.3.3 Knickbeanspruchung
2.2.3.3.1 Elastische Knickung nach EULER ( > grenz)
2.2.3.3.2 Unelastische Knickung nach TETMAJER ( < grenz)
2.2.4 Festigkeitshypothesen und Vergleichsspannungen
2.3 Beanspruchbarkeit
2.3.1 Werkstoffkennwerte
2.3.1.1 Werkstoffkennwerte bei statischer Belastung
2.3.1.2 Werkstoffkennwerte bei dynamischer Belastung
2.3.2 Plastische Reserve
2.3.3 Konstruktionskennwerte
2.3.3.1 Kerbwirkung
2.3.3.2 Oberflächengüte
2.3.3.3 Bauteilgröße
2.3.3.4 Oberflächenverfestigung
2.3.3.5 Weitere Einflüsse
2.3.3.6 Berechnung des Gesamteinflussfaktors
2.3.4 Ermittlung der Gestaltausschlagfestigkeit (Bauteilausschlagfestigkeit)
2.4 Sicherheitsnachweise
2.4.1 Statischer Sicherheitsnachweis (vereinfacht)
2.4.2 Dynamischer Sicherheitsnachweis
2.4.3 Betriebsfestigkeitsnachweis
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Maschinenelemente I
2 Grundlagen der Berechnung

Im Verlauf einer Konstruktion ist zwischen


der Dimensionierung in der Entwurfsphase und
dem Festigkeitsnachweis in der Ausarbeitungsphase zu unterscheiden.

Die Dimensionierung ermittelt in der Entwurfsphase grob die Abmessungen von Bauteilen
(Maschinenelementen). Die zeitlich wirkenden Lasten bzw. die maximal zulässigen Verformungen
(Betriebsbedingungen) sind dem Konstrukteur aus der Aufgabenstellung heraus bekannt.
Gegebenenfalls wurden sie aus Versuchen abgeleitet. Die Entwurfsabmessungen werden stark vom
Werkstoff beeinflusst, der für die Berechnung gewählt wurde. Die so ermittelten Bauteilmaße sind
Grundlage für die weitere Konstruktion.

In der abschließenden Ausarbeitungsphase einer Konstruktion ist die Bauteilgestaltung abgeschlossen;


alle Fertigungszeichnungen liegen vor und ein Festigkeits- (oder Sicherheitsnachweis) für die
gefährdeten Bauteile ist durchzuführen. Er belegt, dass das Bauteil / die Konstruktion unter Einbeziehung
aller Einflussgrößen, der Abmessungen, der Werkstoffe, der notwendigen Sicherheiten
ausreichende Lebensdauer bzw.
ausreichende Festigkeit (Fließen, Bruch) usw.
besitzt.

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Maschinenelemente I
2 Grundlagen der Berechnung

Allgemeiner Ablauf einer Bauteilauslegung:

Pos. Aufgabe Lösung

Funktion : Torsionsmoment Mt
leiten
1

2 Lösungsprinzip :
Technisches Modell/Technische Mechanik

3 Entwurf:
Nach Werkstoffwahl wird der Wellendurchmesser
dmin überschlägig berechnet und ausgewählt

4 Gestaltung :
Momenteneinleitung über Paßfederverbindung
Übergangsradien
Weiterleitung über Keilwellenverbindung
Maschinenelemente
DIN-Normen , VDI-Richtlinien

5 Festigkeitsrechnung : Nachweis positiv : Nachweis negativ :


Für die Querschnitte A, B, C, D und E eine Festig- Vollständige Gestaltung Geometrie bzw. Werk-
keitsberechnung durchführen (statische bzw. als technische stoff ändern und erneut
dynamische Beanspruchung). Zeichnung. Rechnen.

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Maschinenelemente I
2 Grundlagen der Berechnung

Einfaches Ablaufschema eines Sicherheitsnachweises

5
Festigkeitsrechnung
2.1 Technische Modellbildung

Technische Modellbildung

Technische Gebilde sind häufig komplexer Natur und können


nur analysiert werden, indem man sie in einfache Strukturen fasst.
Ziel der Abstraktion ist es zu erklären,
wie die äußeren Lasten wirken
welche Funktionen die Bauteile ausüben.

Dazu werden Technische Modelle genutzt:


Beispiel: Mech. Ersatzschaubild einer Kartoffelpresse

Technisches Modell:
Informationen für den Aufbau ( Dimensionierung, Entwurf) bzw. dem Nachrechnen ( Nachweis)
Die auftretenden Lasten sind Kräfte und Momente (Biege-, Drehmomente).
Punktlasten, (Zahnrad-, Lagerkräfte ) Linienlasten (Walzen von Materialien), Flächenlasten (Gas oder Fluide in
Behältern) und Massenkräfte (Beschleunigen von Teilen )
Äußere Lasten sind zu jedem Zeitpunkt der Belastung im Gleichgewicht mit den inneren Lasten bzw. mit den sich
daraus ergebenden Spannungen im Gleichgewicht (actio = reactio).

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Festigkeitsrechnung
2.2 Belastungsarten (äußere Lasten) und auftretende Spannungen

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Festigkeitsrechnung
2.2 Belastungsarten (äußere Lasten) und auftretende Spannungen

Einzelbeanspruchungen

Normalspannungen Schubspannungen

Zug z Druck d Biegung b Schub/Scherung s Torsion t

Fz Fd Mb Fs T
Spannungen z = d = b ,max = s ,m = t ,max =
[N/mm ] A A Wb As Wt

z =E d =E Durchbiegung f t ,max =G
Verformungen =G
[mm] oder [°] s,m R
=E =E =G

Fz Fd Mb T
Fs Radius R
Prinzipskizze Widerstandsmoment Länge
Querschnitt A gegen Biegung Wb
Länge Fs Widerstandsmoment
Stiftquerschnitt As
gegen Torsion Wt

Mb T
Fz Fd

Zug/Druck Konstante Normalspannung über dem belasteten Querschnitt


Biegung Höchste Biegenormalspannungen an der am weitest entfernten Randfaser; neutrale Faser: b = 0
Querkraftbiegung: Biegung durch "Kräfte" führt zusätzlich zur Schubbeanspruchung des Bauteils
Tabelle für Wb
Schub/Scherung Formel beschreibt nur die mittlere Schubspannung; real: Größte Spannung in der Mitte des Querschnitts
Erläuterungen
wird häufig bei der Berechnung vernachlässigt; Ausnahme: Kurze Träger (Achszapfen), bei denen der
Abstand der Krafteinleitung von der Einspannung unterhalb der Trägerabmessung bleibt, und damit
der Einfluss der Schubspannung gegenüber den Biegespannung bei der Bauteilauslegung überwiegt.
Torsion Größte Torsionsschubspannung am Außendurchmesser R, "Achse" spannungsfrei
Tabelle für Wt inklusive Näherung für nicht rotationssymmetrische Querschnitte

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Belastungsarten Zug/Druck Schub Biegung Torsion Mod. Druckbeanspr.

Fs real
z
Zug (Druck) Schub (Scherung)
Konstante Normal- Fz Fz Parabolischer Verlauf der Schub-
spannung über spannungen größte s, max

dem Querschnitt
+ Beanspruchung in der Mitte. +
Jedes Werkstoffteil- Am "Rand" keine Belastung (Vor- Fs
chen erfährt die "gleiche Beanspruchung" Werkstoff vereinfacht
teil bei zusammengesetzter Bean-
kann über den gesamten Querschnitt gleichmäßig bis Fs
s
spruchung mit Torsion / Biegung!)
hin zur Versagensgrenze ausgenutzt werden beste schlechte Werkstoffausnutzung
Werkstoffausnutzung Querschnitt "mittenbetont" gestalten
Druck ("negativer Zug") Gefahr der Knickung I. d. R. vereinfachte Berechnung mit
+ mittlerer Schubspannung
Fs

Biegung bmax Torsion t,max

Größte Biegenormal- My My Größte Torsionsschub-


Druck spannung am
spannung in der am T T
weitest entfernten Außendurchmesser
Zug
Randfaser (Zug und + größte Beanspruchung
Druck) Werkstoffteilchen +
des Teilchenverbunds
bmax
erfahren hier die größte Beanspruchung. Keine Belastung auf Werkstoff- t,max

Keine Beanspruchung des Teilchenverbundes in der teilchen in der "Wellen„-achse (Durchmesser Null)
neutralen Faser schlechte Werkstoffausnutzung schlechte Werkstoffausnutzung
Querschnitt so gestalten, dass Teilchen im beanspruchten Teil Querschnitt so gestalten, dass Teilchen auf entfernten
liegen und nicht "in der Mitte" Durchmessern liegen

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Belastungsarten Zug/Druck Schub Biegung Torsion Mod. Druckbeanspr.

Zugbeanspruchung : Eine im Querschnittsschwerpunkt


angreifende Normalkraft F verur-
sacht eine in allen Punkten des
Querschnitts wirkende konstante
Normalspannung Z bzw. D.

es gilt :

Z = F / A in [N/mm2]
Druckbeanspruchung :
D = F / A in [N/mm2]
D D

mit :
A : Querschnittsfläche [mm2]

F : Normalkraft [N]

Konstante Normalspannung über dem Querschnitt


Jedes Werkstoffteilchen erfährt die "gleiche Beanspruchung" Werkstoff kann über den
gesamten Querschnitt gleichmäßig bis hin zur Versagensgrenze ausgenutzt werden beste
Werkstoffausnutzung
Druck ("negativer Zug") Gefahr der Knickung

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Belastungsarten Zug/Druck Schub Biegung Torsion Mod. Druckbeanspr.

Normalspannungen und -dehnungen durch Zug

Äußere Belastung F bewirkt innere Spannung

F N
=
A mm 2
Linear-elastisches Werkstoffverhalten:
Der Zugstab erfährt Längenänderung l
bzw. eine auf die Ausgangslänge l bezogene Dehnung

l1 l l
= = =
l l E
Hookesches Gesetz
(Zusammenhang zwischen Spannung und Dehnung)

= E Proportionalitätskonstante E in N/mm : Elastizitätsmodul


Werkstoffkennwert

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Belastungsarten Zug/Druck Schub Biegung Torsion Mod. Druckbeanspr.

Querkontraktion

Gleichzeitig verringert sich der Durchmesser d.


Bezogene Querdehnung (proportional zur Längsdehnung)
d1 d
q = = : Poissonzahl bzw. Querdehn- /Querkontraktionszahl
d

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Belastungsarten Zug/Druck Schub Biegung Torsion Mod. Druckbeanspr.

Zulässige Spannung zul :

Plastischer Bereich
wird in der Umformtechnik genutzt
(z.B. Biegen)

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Belastungsarten Zug/Druck Schub Biegung Torsion Mod. Druckbeanspr.

Zulässige Spannung zul :

Zugversuch zur Ermittlung des Spannungsdehnungsdiagramm

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Belastungsarten Zug/Druck Schub Biegung Torsion Mod. Druckbeanspr.

Gewaltbruch (Sprödbruch, Trennbruch)

Zugbeanspruchte Schraube:

Kerbwirkung im Gewinde Bruchfläche senkrecht zu


Hauptnormalspannungen

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Belastungsarten Zug/Druck Schub Biegung Torsion Mod. Druckbeanspr.

Dauerbruch (Ermüdungsbruch)

A: Anriss
D: Dauerbruch
R: Rastlinien
G: Gewaltbruch

Belastungsspitzen führen (häufig zusammen mit Oberflächenfehlern) zum Anriss.


Weitere Belastungsspitzen lassen den Riss fortschreiten (Kerbwirkung),
der wirksame Querschnitt verringert sich.
Beim Erreichen der kritischen Querschnittsfläche erfolgt Gewaltbruch.
Das Verhältnis der Bruchflächen ist Hinweis auf die Größe der Überbelastung:
Je größer die Belastungsspitze desto kleiner ist der Anteil des Anrisses und der Rastlinien gegenüber dem Anteil des
Gewaltbruches

Quelle: www.bs-wiki.de

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Belastungsarten Zug/Druck Schub Biegung Torsion Mod. Druckbeanspr.

Übung 1.1: Gewicht/Zugspannung

Stahl Alu
10x1000 20x1000
a) Was wiegen die beiden Stäbe?
1kN 1kN
b) Welcher Stab hat die absolut größere Verlängerung (ohne
Eigengewicht)

1kN 1kN

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Belastungsarten Zug/Druck Schub Biegung Torsion Mod. Druckbeanspr.

Übung 1.2: Gewicht/Zugspannung (Studenten)

Sie lassen Draht (Alu und Stahl) von einer Rolle aus einem
Hubschrauber hängen.
Bei welcher Länge (ohne Dehnung) reißen die Drähte
aufgrund ihres Eigengewichts ab? (g=konst.)

S235: Rm = 500 N/mm (Rm entspricht max. ertragbare Spannung )


Alu: Rm = 250 N/mm

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Belastungsarten Zug/Druck Schub Biegung Torsion Mod. Druckbeanspr.

Fs real
z
Zug (Druck) Schub (Scherung)
Konstante Normal- Fz Fz Parabolischer Verlauf der Schub-
spannung über spannungen größte s, max

dem Querschnitt
+ Beanspruchung in der Mitte. +
Jedes Werkstoffteil- Am "Rand" keine Belastung (Vor- Fs
chen erfährt die "gleiche Beanspruchung" Werkstoff vereinfacht
teil bei zusammengesetzter Bean-
kann über den gesamten Querschnitt gleichmäßig bis Fs
s
spruchung mit Torsion / Biegung!)
hin zur Versagensgrenze ausgenutzt werden beste schlechte Werkstoffausnutzung
Werkstoffausnutzung Querschnitt "mittenbetont" gestalten
Druck ("negativer Zug") Gefahr der Knickung I. d. R. vereinfachte Berechnung mit
+ mittlerer Schubspannung
Fs

Biegung bmax Torsion t,max

Größte Biegenormal- My My Größte Torsionsschub-


Druck spannung am
spannung in der am T T
weitest entfernten Außendurchmesser
Zug
Randfaser (Zug und + größte Beanspruchung
Druck) Werkstoffteilchen +
des Teilchenverbunds
bmax
erfahren hier die größte Beanspruchung. Keine Belastung auf Werkstoff- t,max

Keine Beanspruchung des Teilchenverbundes in der teilchen in der "Wellen„-achse (Durchmesser Null)
neutralen Faser schlechte Werkstoffausnutzung schlechte Werkstoffausnutzung
Querschnitt so gestalten, dass Teilchen im beanspruchten Teil Querschnitt so gestalten, dass Teilchen auf entfernten
liegen und nicht "in der Mitte" Durchmessern liegen

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Belastungsarten Zug/Druck Schub Biegung Torsion Mod. Druckbeanspr.

Schub/Scherung
s

s
Schubspannungen:
Schub (Scherung) Die auftretenden Spannungen stehen
s

nicht senkrecht auf der Fläche, sondern


s
"liegen" auf der Fläche des
Volumenelements.
s FS
=
s
Anwendungsbeispiele A

Beispiel:
Schere

Beispiel:
F Blechstanzen

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Belastungsarten Zug/Druck Schub Biegung Torsion Mod. Druckbeanspr.

Schub (Scherung)

Versagensarten

Wanderung von Versetzungen

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Belastungsarten Zug/Druck Schub Biegung Torsion Mod. Druckbeanspr.

Fs real
z
Zug (Druck) Schub (Scherung)
Konstante Normal- Fz Fz Parabolischer Verlauf der Schub-
spannung über spannungen größte s, max

dem Querschnitt
+ Beanspruchung in der Mitte. +
Jedes Werkstoffteil- Am "Rand" keine Belastung (Vor- Fs
chen erfährt die "gleiche Beanspruchung" Werkstoff vereinfacht
teil bei zusammengesetzter Bean-
kann über den gesamten Querschnitt gleichmäßig bis Fs
s
spruchung mit Torsion / Biegung!)
hin zur Versagensgrenze ausgenutzt werden beste schlechte Werkstoffausnutzung
Werkstoffausnutzung Querschnitt "mittenbetont" gestalten
Druck ("negativer Zug") Gefahr der Knickung I. d. R. vereinfachte Berechnung mit
+ mittlerer Schubspannung
Fs

Biegung bmax Torsion t,max

Größte Biegenormal- My My Größte Torsionsschub-


Druck spannung am
spannung in der am T T
weitest entfernten Außendurchmesser
Zug
Randfaser (Zug und + größte Beanspruchung
Druck) Werkstoffteilchen +
des Teilchenverbunds
bmax
erfahren hier die größte Beanspruchung. Keine Belastung auf Werkstoff- t,max

Keine Beanspruchung des Teilchenverbundes in der teilchen in der "Wellen„-achse (Durchmesser Null)
neutralen Faser schlechte Werkstoffausnutzung schlechte Werkstoffausnutzung
Querschnitt so gestalten, dass Teilchen im beanspruchten Teil Querschnitt so gestalten, dass Teilchen auf entfernten
liegen und nicht "in der Mitte" Durchmessern liegen

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Belastungsarten Zug/Druck Schub Biegung Torsion Mod. Druckbeanspr.

Biegung

bmax

My My
Druck

Zug
+
+ bmax

Größte Biegenormalspannung in der am weitest entfernten Randfaser (Zug und


Druck) Werkstoffteilchen erfahren hier die größte Beanspruchung.
Keine Beanspruchung des Teilchenverbundes in der neutralen Faser schlechte
Werkstoffausnutzung
Querschnitt so gestalten, dass Teilchen im beanspruchten Teil liegen und nicht "in der Mitte"

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Belastungsarten Zug/Druck Schub Biegung Torsion Mod. Druckbeanspr.

Biegung

Anwendungsbeispiele Biegung

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Belastungsarten Zug/Druck Schub Biegung Torsion Mod. Druckbeanspr.

Biegung

Biegebeanspruchung : Das Biegemoment Mb ruft in dem


Balken eine über den Querschnitt
- z linear verteilte Biegespannung b(z)
b max
hervor. Dabei sind drei Bereiche zu
unterscheiden:
x
Mb Mb
z<0: b(z) > 0 , Zugspannungen

z=0: b(z) = 0 , neutrale Faser

+ Z > 0: b(z) < 0 , Druckspannungen


b max

es gilt : mit :
Iy : Flächenträgheitsmoment [mm4]
Mb . z
b (z) =
in [N/mm2] Mb : Biegemoment [Nmm]
Iy
z : Randfaserabstand [mm]

Mby Iy 2 Iy
bx ,max = Wby = = Wby Widerstandsmoment gegen Biegung
Wby zmax h

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Belastungsarten Zug/Druck Schub Biegung Torsion Mod. Druckbeanspr.

Biegung
Maximale Biegespannung

Zur Berechnung der max. Biegespannung an den Rändern wird das


Widerstandsmoment Wby gegen Biegung verwendet

Iy 2 Iy Mby
Wby = = bx ,max =
zmax h Wby

Je nach Vorzeichen (Mby!) liegt eine Druck- bzw. Zugspannung vor. Die
Schnittmomenten- verläufe sind daher sorgfältig über den Biegeträger (Welle, Achse
o. ä.) zu bestimmen.

linkes Schnittufer rechtes Schnittufer

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Belastungsarten Zug/Druck Schub Biegung Torsion Mod. Druckbeanspr.

Biegung

Biegung bei unsymmetrischem Querschnitt:

Aufgabe : Skizzieren Sie qualitativ den Verlauf der Biegespannungen


über den gegebenen Balken mit unsymmetrischem Profil.

z2
z1
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Belastungsarten Zug/Druck Schub Biegung Torsion Mod. Druckbeanspr.

Wichtige Folgerungen zur Biegung

Die maximale Biegespannung findet sich in der weitest entfernten Randfaser


(von der Hauptträgheitsachse). In der neutralen Faser des Biegeträgers sind die
Biegespannungen Null.
Zur Berechnung der Biegespannungen werden axiale Flächenträgheitsmomente und
Widerstandsmomente gegen Biegung verwendet, die von der Form des Biegequerschnitts
abhängen.
Zur korrekten Bestimmung der maximalen Biegemomente sind die Schnittmomentenverläufe
über den Biegeträger zu ermitteln.
Je größer das Widerstandsmoment gegen Biegung, um so kleiner ist die maximale
Biegespannung.

Mbx

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Belastungsarten Zug/Druck Schub Biegung Torsion Mod. Druckbeanspr.

Tabellen für gängige Rund-Querschnitte Biegung

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Belastungsarten Zug/Druck Schub Biegung Torsion Mod. Druckbeanspr.

Tabellen für gängige Rechteck-Querschnitte Biegung

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Belastungsarten Zug/Druck Schub Biegung Torsion Mod. Druckbeanspr.

Axiale Flächenträgheitsmomente - Berechnung

Die neutrale Faser (Nulllinie) geht bei der geraden Biegung (konstantes Biegemoment über dem Träger) stets durch
den Flächenschwerpunkt des Profils.

Bei zusammengesetzten Profilen ist das Trägheitsmoment der Einzelprofile gemäß Satz von STEINER auf den
Gesamtschwerpunkt umzurechnen, i. d. R. aber für gängige Trägerprofile aus Tabellen zu entnehmen!

Satz von STEINER

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Belastungsarten Zug/Druck Schub Biegung Torsion Mod. Druckbeanspr.

Relative Flächenträgheitsmomente gegen Biegung:

Relative Flächenträgheitsmomente gegen Biegung


(relative Biegesteife) für Querschnittsformen mit
gleicher Fläche.

Quelle: Müller, D.H.; Vorlesungsmanuskript - Festigkeitslehre, Uni Bremen

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Belastungsarten Zug/Druck Schub Biegung Torsion Mod. Druckbeanspr.

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Belastungsarten Zug/Druck Schub Biegung Torsion Mod. Druckbeanspr.

Übung 1.6: Gewicht/Biegespannung (a+b Studierende)


10kN

a) Welche Masse hat ein 1m langes 35x35mm Stahlprofil?

- Dichte aus Aufg. 1.1 1m


10kN
b) Welche Masse hat ein 1m langes I100 Profil?

- Dichte aus Aufg. 1.1

1m

c) Wie groß sind die max. Spannungen bei dem


belasteten quadratischen Profil mit 35 mm Kantenlänge
und 1 m Länge (Eigengewicht vernachlässigen)?

d) Wie groß sind die max. Spannungen bei dem


belasteten I100 Träger und 1 m Länge (Eigengewicht
vernachlässigen)?

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Belastungsarten Zug/Druck Schub Biegung Torsion Mod. Druckbeanspr.

Fs real
z
Zug (Druck) Schub (Scherung)
Konstante Normal- Fz Fz Parabolischer Verlauf der Schub-
spannung über spannungen größte s, max

dem Querschnitt
+ Beanspruchung in der Mitte. +
Jedes Werkstoffteil- Am "Rand" keine Belastung (Vor- Fs
chen erfährt die "gleiche Beanspruchung" Werkstoff vereinfacht
teil bei zusammengesetzter Bean-
kann über den gesamten Querschnitt gleichmäßig bis Fs
s
spruchung mit Torsion / Biegung!)
hin zur Versagensgrenze ausgenutzt werden beste schlechte Werkstoffausnutzung
Werkstoffausnutzung Querschnitt "mittenbetont" gestalten
Druck ("negativer Zug") Gefahr der Knickung I. d. R. vereinfachte Berechnung mit
+ mittlerer Schubspannung
Fs

Biegung bmax Torsion t,max

Größte Biegenormal- My My Größte Torsionsschub-


Druck spannung am
spannung in der am T T
weitest entfernten Außendurchmesser
Zug
Randfaser (Zug und + größte Beanspruchung
Druck) Werkstoffteilchen +
des Teilchenverbunds
bmax
erfahren hier die größte Beanspruchung. Keine Belastung auf Werkstoff- t,max

Keine Beanspruchung des Teilchenverbundes in der teilchen in der "Wellen„-achse (Durchmesser Null)
neutralen Faser schlechte Werkstoffausnutzung schlechte Werkstoffausnutzung
Querschnitt so gestalten, dass Teilchen im beanspruchten Teil Querschnitt so gestalten, dass Teilchen auf entfernten
liegen und nicht "in der Mitte" Durchmessern liegen

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Belastungsarten Zug/Druck Schub Biegung Torsion Mod. Druckbeanspr.

Torsion

t,max

T T

t,max

Größte Torsionsschubspannung am Außendurchmesser


größte Beanspruchung des Teilchenverbunds
Keine Belastung auf Werkstoffteilchen in der "Wellen„-achse
(Durchmesser Null)
schlechte Werkstoffausnutzung
Querschnitt so gestalten, dass Teilchen auf entfernten
Durchmessern liegen

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Belastungsarten Zug/Druck Schub Biegung Torsion Mod. Druckbeanspr.

Torsion

Anwendungsbeispiele Torsion

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Belastungsarten Zug/Druck Schub Biegung Torsion Mod. Druckbeanspr.

Torsion

Torsionsbeanspruchung:

Ein Torsionsmoment Mt, dessen Vektor in die Balkenachse fällt, verursacht im


beanspruchten Querschnitt Schubspannungen. In kreisförmigen Querschnitten
hat die Torsionsspannung t einen linearen Verlauf.
es gilt :

Mt . z T
in [N/mm2] =
t (z) =
t ,max
It Wt

mit :
It : polares Trägheitsmoment [mm4]

Mt : Torsionsmoment [Nmm]
z : Randfaserabstand [mm]
Wt : Polares Widerstandsmoment

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Belastungsarten Zug/Druck Schub Biegung Torsion Mod. Druckbeanspr.

Widerstandsmomente

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Belastungsarten Zug/Druck Schub Biegung Torsion Mod. Druckbeanspr.

Betriebs- / Anwendungsfaktoren bei dynamischer Belastung


Die auf die Bauteile wirkenden Lasten können unregelmäßig schwanken und sind völlig unterschiedlich zu werten:
Ein Elektromotor treibt ein Förderband für Autobatterien an.
Ein Verbrennungsmotor treibt einen Schredder für Äste bis Ø 6,5 cm.

Höhere Schwankungen der Antriebsmomente (Verbrennungsmotor) oder der aufzubringenden Lasten (Stöße, Lastspitzen
beim Schreddern) führen zu einer deutlich höheren Belastung der Antriebswelle (und anderer Elemente des Antriebsstrangs)
als die angegebenen Nennlasten.

Die tatsächliche Belastung wird durch auf Erfahrung beruhende Betriebs- oder Anwendungsfaktoren KA
berücksichtigt: Dazu wird das Nenndrehmoment Tn mit diesem Faktor KA multipliziert und ein äquivalentes Drehmoment Teq
bzw. eine äquivalente Kraft Feq ermittelt. Sie ist Grundlage für die Auslegung (Dimensionierung) der Bauteile.

=> Die Antriebswelle des Elektromotors für das Förderband erhält somit einen kleineren Querschnitt als die Antriebswelle des
Verbrennungsmotors für den Schredder .

T = Teq = K A Tn F = Feq = K A Fn

Do M2G
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Belastungsarten Zug/Druck Schub Biegung Torsion Mod. Druckbeanspr.

Anhaltswerte nach DIN 3990 T1

Arbeitsweise Antriebsmaschine

leichte Stöße
gleichmäßig mäßige Stöße starke
wie
Elektromotor Mehrzylinder- Stöße
gleichm. ,aber
Getriebene Maschine Dampf- Verbren- Einzylinder-
größere, häufig
turbine, nungsmotor motor
Anfahr-
Gasturbine
momente

gleichmäßig z. B. Stromerzeuger, Gurtförderer, Plattenbänder.


Förderschnecken, leichte Aufzüge, Elektrozüge, Vorschubantriebe von
Werkzeugmaschinen, Lüfter, Turbogebläse, Turboverdichter, Rührer 1,0 1,1 1,25 1,5
und Mischer für Stoffe mit gleich-mäßiger Dichte, Scheren, Pressen.
Stanzen bei Auslegung nach max. Schnittmoment

mäßige Stöße z. B. ungleichmäßig beschickte Gurtförderer,


Hauptantrieb von Werkzeug-maschinen, schwere Aufzüge, Drehwerke
von Kränen, Industrie- und Grubenlüfter, Kreiselpumpen. Rührer und 1,25 1,35 1,5 1,75
Mischer für Stoffe mit unregelmäßiger Dichte, Kolbenpumpen mit
mehreren Zylindern, Zuteilpumpen

mittlere Stöße z. B. Extruder für Gummi, Mischer mit unterbrochenem


2,0
Betrieb (Gummi, Kunststoffe), Holzbearbeitung, Hubwerke, 1.5 1,6 1,75
oder höher
Einzylinder-Kolbenpumpen, Kugelmühlen

starke Stöße z. B. Bagger, schwere Kugelmühlen, Gummikneter,


2,25
Brecher (Stein, Erz), Hüttenmaschinen, Ziegelpressen, Brikettpres- 1,75 1,85 2,0
oder höher
sen, Schälmaschinen, Rotary-Bohranlagen, Kaltbandwalzwerke

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Belastungsarten Zug/Druck Schub Biegung Torsion Mod. Druckbeanspr.

Belastungsanalyse

Um Maschinenelemente und Bauteile korrekt auf ihre Sicherheit gegen Versagen berechnen zu können, müssen
technische Modelle, technische Zeichnungen oder auch reale Bauteile daraufhin analysiert werden,
welche Belastungsarten in welchem Querschnitt des Bauteils auftreten
in welchem Belastungsfall die jeweilige Belastungsart (dyn., stat.) auftritt.
Ohne die korrekte Analyse der Belastungsarten und Belastungsfälle ist eine fehlerlose Dimensionierung eines
Maschinenelements oder Bauteils nicht möglich! Sie muss daher mit größter Sorgfalt erfolgen!

Einige wesentliche Formeln zu Bestimmung von Momenten und Kräften sind aus der Physik heranzuziehen:
(1) P = T Drehbewegung Zusammenhang zwischen Leistung P, Drehmoment T und Winkelge-
schwindigkeit Beispiel: Antriebsstrang Torsionsbelastung einer Antriebswelle
(2) = 2 n Drehbewegung Ermittlung der Winkelgeschwindigkeit aus der Drehzahl eines Antriebs
(3) v = d Drehbewegung Ermittlung der Umfangsgeschwindigkeit v aus der Winkelgeschwindig-
2 keit und dem "Hebelarm" (Durchmesser) der Kreisbewegung
Beispiel: Zahnrad Umfangsgeschwindigkeit einer Zahnflanke bei gegebener Drehzahl
(4) P = F v Linearbewegung Zusammenhang zwischen Leistung, Kraft F und Geschwindigkeit
Beispiel: Presse Notwendige Presskraft und Stempelgeschwindigkeit führt zur
erforderlichen Leistung der Presse
(5) M (T ) = F d Torsions- oder Biegemoment Kraft x Hebelarm d/2 (je nach Wirkung M oder T)
2
Beispiel: Zahnrad Radialkräfte führen zu "Durchbiegung" der Welle (M)
Umfangskräfte führen zur Übertragung eines Drehmoments (T)
(6) F d1 = F d2 Hebelgesetze (Momentengleichgewicht) Umrechnen von Kräften bei unterschiedlichen
1 2 2 2 Hebelarmen (Durchmessern)
(M1 = M2 )
Beispiel: "Gar mächtig ist des Schlossers Kraft, wenn er mit dem Hebel schafft"

55
Belastungsarten Zug/Druck Schub Biegung Torsion Mod. Druckbeanspr.

Wesentliche Fragestellungen der (mechanischen) Belastungsanalyse


(1) Wo werden Kräfte und Momente (Dreh- und Biegemomente) in das Bauteil eingeleitet?
(2) Welche Belastungsarten verursachen diese äußeren Lasten im Bauteil? Welche Belastungsfälle treten
auf?
(3) Darf der Schub bei Querkraftbiegung oder Scherung (wie i. d. R.) vernachlässigt werden?
Wie unterscheidet sich Fall (a) und (b) im Biegemomenten-
Beispiel:
verlauf und Querkraftverlauf?
F l
5 F Wo ist der gefährdete Querschnitt?
Warum führt eine Vernachlässigung des Querkraftschubs in
(a) (b) Fall (b) zu einer falschen Auslegung des Bauteils?
Der Einfluss der Schubspannung nimmt für kürzere "Träger" gegenüber den Biegespannungen zu (kleine
Hebelarme!). Beispiele im Allgemeinen Maschinen sind querbelastete Wellen- oder Achszapfen!
(4) Entstehen ebene oder räumliche Belastungsfälle (insbesondere Wirkung der Momente)? Beachte, dass
"antreibende Umfangskräfte" nicht nur Torsionsmomente (Drehmomente!), sondern auch Biegemomente
hervorrufen!
(5) Wo sind Auflagerpunkte? Welchen Freiheitsgrad haben sie?
(6) Wie sind die Schnittmomentverläufe des Biegemoments, der Querkraft und der Torsion über dem Bauteil?
(7) Wo sind gefährdete Querschnitte (Kerben)?
(8) Welcher Punkt eines gefährdeten Querschnitts muss die größte Spannung ertragen (kritische Punkte)?
(9) Tritt die Biegung als Querkraftbiegung auf (s.o.)?
(10) Sind Durchbiegungen, Stauchungen, Dehnungen oder Verdrillungen für die Bauteilfunktion gefährdend?

56
Belastungsarten Zug/Druck Schub Biegung Torsion Mod. Druckbeanspr.

Belastungsarten (äußere Lasten) und auftretende Spannungen

57
Belastungsarten Zug/Druck Schub Biegung Torsion Mod. Druckbeanspr.

Flächenpressung Hertzsche Pressung Knickung


Knickung

Spezielle Druckbelastungen

Flächenpressung p Hertzsche Pressung p Knickung Beulen


Prinzipskizze Fd Fd Fd Fd
Fd

Fd
Fd Fd Fd
Fd
Spannungen
[N/mm ]
Fd Berechnung nach
p = Berechnung nach
folgt Blatt 2.16 ff "Schalentheorie"
Ap Blatt 2.18
folgtff

Erläuterungen bei der Berührung von Bauteilen Stabilitätsprobleme

Flächige Berührungen Punkt- oder Linienberührung Unzulässige Verformungen führen


zum Funktionsverlust (Versagen)
Projizierte Fläche Ap in Elast. Verformung
Lastrichtung Abplattung Berührfläche Knickung elastisch wird nicht in der
oder unelastisch Vorlesung be-
siehe auch Blatt 2.14 ff abhängig vom handelt
Schlankheitsgrad

58
Belastungsarten Zug/Druck Schub Biegung Torsion Mod. Druckbeanspr.

Flächenpressung Hertzsche Pressung Knickung


Knickung

Berechnungsgrundlagen Flächenpressung
Treten Bauteile (Maschinenelemente) miteinander in Kontakt, treten an den Berührflächen Spannungen auf,
die zum Versagen führen können. Berühren sich die Bauteile flächig, darf die auftretende Flächenpressung
pvorh einen zulässigen Wert pzul nicht überschreiten. Vereinfacht wird von einer gleichmäßigen
Lastverteilung ausgegangen, was sich in der Praxis bei der Anwendung tabellierter zulässiger
Flächenpressungen pzul bewährt hat.
Fd
Fd Fd Druckkraft = Presskraft
pvorh = < pzul AP
Ap Ap (in Lastrichtung projizierte)
Querschnittsfläche pvorh

Zu beachten ist, dass zur Berechnung der Flächenpressung nur die in Lastrichtung projizierte Fläche Ap
anzusetzen ist. Diese kann deutlich kleiner als die Berührfläche werden ( hohe Flächenpressung)!
Im links dargestellten Beispiel steigt die Flächenpressung mit wachsendem
Schiene Winkel an, da die projizierte "Berührbreite b" deutlich kleiner wird!
(Länge > ) Fd

Wagen
(Länge ) Fd
Ap = 2 b pvorh = < p zul
b b
2 b

59
Belastungsarten Zug/Druck Schub Biegung Torsion Mod. Druckbeanspr.

Flächenpressung Hertzsche Pressung Knickung


Knickung

Berechnungsgrundlagen Flächenpressung

Beispiel entspricht der Berechnungsgrund-


lage für Bolzenverbindungen und Gleitlager:

Fd
Rolle (Länge )

Zylindr. Halbschale Fd
(Länge > ) Ap = d pvorh = < pzul
d

pvorh
d

Weitere Beispiele sind Nietverbindungen, Passfederverbindungen oder


Kupplungs- oder Bremsbeläge usw.

60
Belastungsarten Zug/Druck Schub Biegung Torsion Mod. Druckbeanspr.

Flächenpressung Hertzsche Pressung Knickung


Knickung

Berechnungsgrundlagen Flächenpressung: Zulässige Flächenpressung pzul

Die zulässige Flächenpressung ist kein Werkstoffkennwert, sondern beruht auf Erfahrungswerten (je nach Einsatzfall).
Werden die zulässigen Werte überschritten, können die Flächen
durch örtliche Überbeanspruchung (Kantenpressung) duktile Werkstoffe deformieren (Wulstbildung)
bzw. bei spröden Werkstoffen Stücke abplatzen,
verschleißen,
bei einigen Werkstoffkombinationen verschweißen.

Die zulässige Flächenpressung pzul ist abhängig von


der Werkstoffpaarung
dem Belastungsfall.

Der Belastungsfall unterscheidet nicht nur statisch und dynamisch, sondern auch Festsitz und Gleitsitz:
Festsitz Gleitsitz
- Mit Welle verstifteter Flansch - Gelenke (Bolzen verbindet Zugstange mit Gabel)
- Unterlegscheibe bei einer Schraube - Lagerung von Rollen (Walzen)
- Flächenpressung beim Gewinde einer Schraube - Gleitlager (Scharniere)

Festsitze erlauben höhere Flächenpressungen als Gleitsitze. Für die Bemessung ist stets der zulässige Wert des
schwächeren Bauteils heranzuziehen. Des weiteren wirken Temperaturen, Gleitgeschwindigkeiten etc. verändernd auf die
zulässigen Werte.

61
Belastungsarten Zug/Druck Schub Biegung Torsion Mod. Druckbeanspr.

Flächenpressung Hertzsche Pressung Knickung


Knickung

Berechnungsgrundlagen Flächenpressung: Zulässige Flächenpressung pzul

Für die häufig zu bemessenden Bolzenverbindungen gilt


a)für nicht gleitende Flächen: pzul = 0,35 Rm (konstante Last)
pzul = 0,25 Rm (schwellende Last)

b) Gleitsitze mit niedrigen Gleitgeschwindigkeiten je nach Schmierung und Werkstoffkombination:

Richtwerte für die zulässige mittlere Flächenpressung (Lagerdruck) pzul


bei niedrigen Gleitgeschwindigkeiten (z. B. Gelenke, Drehpunkte). pzul wird durch die Verschleißrate des Lagerwerkstoffes bestimmt.
( )-Werte gelten für kurzzeitige Lastspitzen. Bei Schwellbelastung gelten die 0,7-fachen Werte.
Gleitpartner (Lager-Bolzenwerkstoff)1
Erläuterungen:
bei Trockenlauf (wartungsfrei) pzul [N/mm2] bei Fremdschmierung pzul [N/mm2] 1) Harte, geschliffene Bolzenoberfläche
- Bifo-Lager2 / St 150 (600) - Tokatbronze5 / St 100 (Ra ca. 0,4 m) günstig
2) Kunststoffbeschichtetes Stahlfolienlager
- iglidur X3 / St gehärtet 150 - St gehärtet / St gehärtet 25
(SKF, Schweinfurt)
- iglidur G13 / St gehärtet 80 - Cu-Sn-Pb-Legierung / St gehärtet 40 (100) 3) Thermoplastische Legierung mit Fasern und
- DU-Lager / St
4 60 (140) - Cu-Sn-Pb-Legierung / St 20 Festschmierstoffen
(igus GmbH, Bergisch Gladbach)
- Sinterbronze mit Festschmierstoff / St 80 - GG / St 5
4) Auf Stahlrücken (Buchse, Band) aufgesin-
- Verbundlager (Laufschicht PTFE) / St 30 (150) - Pb-Sn-Legierung / St 3 (20) terte Zinnbronzeschicht; Hohlräume mit
- PA oder POM / St 20 PTFE und Pb gefüllt
- PE / St 10 (Karl Schmidt GmbH, Neckarsulm)
5) Mit Bleibronze beschichteter Stahl
- Sintereisen, ölgetränkt (Sint-B20) / St 8 (Kugler Bimetal, Le Lignon/Genf)

Für andere Einsatzfälle sind die Erfahrungswerte der Hersteller oder die der Fachliteratur heranzuziehen.

aus Roloff/Matek: Maschinenelemente - Tabellen, 18. Aufl., Vieweg S. 108

62
Belastungsarten Zug/Druck Schub Biegung Torsion Mod. Druckbeanspr.

Berechnungsbeispiel Flächenpressung Hertzsche Pressung Knickung


Knickung

Weitere Anwendungsfälle: Schraubenverbindungen( Fläche unter Schraubenkopf u. Mutter)

63
Belastungsarten Zug/Druck Schub Biegung Torsion Mod. Druckbeanspr.

Flächenpressung Hertzsche Pressung Knickung


Knickung

Spezielle Druckbelastungen

Flächenpressung p Hertzsche Pressung p Knickung Beulen


Prinzipskizze Fd Fd Fd Fd
Fd

Fd
Fd Fd Fd
Fd
Spannungen
[N/mm ]
Fd Berechnung nach
p = Berechnung nach
folgt Blatt 2.16 ff "Schalentheorie"
Ap Blatt 2.18
folgtff

Erläuterungen bei der Berührung von Bauteilen Stabilitätsprobleme

Flächige Berührungen Punkt- oder Linienberührung Unzulässige Verformungen führen


zum Funktionsverlust (Versagen)
Projizierte Fläche Ap in Elast. Verformung
Lastrichtung Abplattung Berührfläche Knickung elastisch wird nicht in der
oder unelastisch Vorlesung be-
siehe auch Blatt 2.14 ff abhängig vom handelt
Schlankheitsgrad

64
Belastungsarten Zug/Druck Schub Biegung Torsion Mod. Druckbeanspr.

Berechnungsgrundlagen Flächenpressung Hertzsche Pressung Knickung


Knickung

Berühren sich i. d. R. gekrümmte Bauteile (Maschinenelemente) nicht flächig,


so tritt eine Punkt- oder Linienberührung auf. Theoretisch ist die
Berührfläche Null und die Pressung damit unendlich groß. Real findet auf
Grund der elastischen Eigenschaften der Werkstoffe eine Abplattung
statt, die zu einer kreis- oder rechteckförmigen Kontaktfläche führt.

Der Physiker Heinrich Hertz berechnete aus dem dreidimensionalen Spannungszustand, wie weit die Ober-
flächen abplatten. Wesentliche Voraussetzungen sind homogene, isotrope Körper und dass die
Belastungen nur elastische Verformungen bewirken.

Die größte Druckbeanspruchung tritt in der Mitte der Kontaktfläche auf; die größte Beanspruchung im
Material aber unterhalb dieses Punktes. Von dort geht das Versagen aus: Material bricht aus der
Oberfläche heraus („Pittings , Grübchen).

Die zulässige Flächenpressung ist je nach Einsatzfall über Versuche (Erfahrungswerte) ermittelt.

Beispiele: Zahnradflanken, Wälzlager (Kugeln, Rollen), Kette mit Kettenrad, Rad-Schiene-Systeme

65
Belastungsarten Zug/Druck Schub Biegung Torsion Mod. Druckbeanspr.

Vorgehensweise Flächenpressung Hertzsche Pressung Knickung


Knickung

66
Belastungsarten Zug/Druck Schub Biegung Torsion Mod. Druckbeanspr.

Berechnungsbeispiel Flächenpressung Hertzsche Pressung Knickung


Knickung

(Tutorium)

67
Belastungsarten Zug/Druck Schub Biegung Torsion Mod. Druckbeanspr.

Berechnungsbeispiel Flächenpressung Hertzsche Pressung Knickung


Knickung

69
Belastungsarten Zug/Druck Schub Biegung Torsion Mod. Druckbeanspr.

Flächenpressung Hertzsche Pressung Knickung


Knickung

Spezielle Druckbelastungen

Flächenpressung p Hertzsche Pressung p Knickung Beulen


Prinzipskizze Fd Fd Fd Fd
Fd

Fd
Fd Fd Fd
Fd
Spannungen
[N/mm ]
Fd Berechnung nach
p = Berechnung nach
folgt Blatt 2.16 ff "Schalentheorie"
Ap Blatt 2.18
folgtff

Erläuterungen bei der Berührung von Bauteilen Stabilitätsprobleme

Flächige Berührungen Punkt- oder Linienberührung Unzulässige Verformungen führen


zum Funktionsverlust (Versagen)
Projizierte Fläche Ap in Elast. Verformung
Lastrichtung Abplattung Berührfläche Knickung elastisch wird nicht in der
oder unelastisch Vorlesung be-
siehe auch Blatt 2.14 ff abhängig vom handelt
Schlankheitsgrad

71
Belastungsarten Zug/Druck Schub Biegung Torsion Mod. Druckbeanspr.

Flächenpressung Hertzsche Pressung Knickung


Knickung

Anwendungsbeispiele Knicken

72
Belastungsarten Zug/Druck Schub Biegung Torsion Mod. Druckbeanspr.

Flächenpressung Hertzsche Pressung Knickung


Knickung

Wann tritt Knicken auf?

74
Belastungsarten Zug/Druck Schub Biegung Torsion Mod. Druckbeanspr.

Flächenpressung Hertzsche Pressung Knickung


Knickung

75
Belastungsarten Zug/Druck Schub Biegung Torsion Mod. Druckbeanspr.

Flächenpressung Hertzsche Pressung Knickung


Knickung

76
Belastungsarten Zug/Druck Schub Biegung Torsion Mod. Druckbeanspr.

Flächenpressung Hertzsche Pressung Knickung


Knickung

Es gilt:
2
EI
FK = 2
LK

= LK
i
Ib,min
i=
A

77
Belastungsarten Zug/Druck Schub Biegung Torsion Mod. Druckbeanspr.

Freie Knicklänge LK Flächenpressung Hertzsche Pressung Knickung


Knickung

Die freie Knicklänge LK wird abhängig von der Lagerung und Einspannung des
Druckstabes ( Knickfälle nach Euler) aus der Bauteillänge berechnet.

Knickfälle
nach
EULER

2
EI
FK = 2
LK

Freie Knicklänge LK = 2 LK = LK = 2 LK =
2 2 2 22
EI EI 2 2
EI
FK = FK = 4 EI
Eulersche Knickkraft 4 l2 l 2 FK = 2 FK =
l l 2

Bei gleicher Bauteillänge ist die erforderliche Druckkraft zum Knicken im Fall I am kleinsten (größte Knickgefahr) und im
Fall IV am größten (kleinste Knickgefahr)! nach Steinhilper, Sauer: Konstruktionselemente des Maschinenbaus. 6. Aufl. Springer

78
Belastungsarten Zug/Druck Schub Biegung Torsion Mod. Druckbeanspr.

Unelastische Knickung Flächenpressung Hertzsche Pressung Knickung


Knickung
nach TETMAJER ( < grenz)
Die Knickspannung wird nach der TETMAJER-Gerade bestimmt: K =a b
Die Werte a, b, c wurde für die unterschiedlichen Werkstoffe aus Versuchen ermittelt (siehe Tabelle unten).
Eine Ausnahme ist Grauguss, bei dem der Knickspannungsverlauf annähernd durch eine Parabel statt einer
Geraden beschrieben wird (siehe Tabelle unten).
Knickspannungen im unelastischen Bereich:
Grenzschlank- Gleichungen der Tetmajer-
Werkstoff E-Modul [N/mm ]
heitsgrad grenz Geraden K [N/mm ]

Gusseisen 100000 80 K= 776 12 0,053 2

S235JR 210000 105 K= 310 1,14

E295 und E335 210000 89 K= 335 0,62

02.10.15

79
Belastungsarten Zug/Druck Schub Biegung Torsion Mod. Druckbeanspr.

Unelastische Knickung Flächenpressung Hertzsche Pressung Knickung


Knickung
nach TETMAJER ( < grenz)

81
Belastungsarten Zug/Druck Schub Biegung Torsion Mod. Druckbeanspr.

Berechnungsbeispiel Flächenpressung Hertzsche Pressung Knickung


Knickung

(Vorlesung)

(Tutorium) Es gilt:

Ib,min
= LK i=
i A
2
EI
FK = 2
LK
K =a b

85
Maschinenelemente I 2 Grundlagen der Berechnung
Festigkeitsberechnung 2.1 Technische Modellbildung
2.2 Belastungsarten (äußere Lasten) und auftretende Spannungen
2.2.1 Belastungsanalyse
2.2.2 Betriebs- / Anwendungsfaktoren
2.2.3 Spezielle Druckbelastungen
2.2.3.1 Flächenpressung
2.2.3.2 Hertzsche Pressung
2.2.3.3 Knickbeanspruchung
2.2.3.3.1 Elastische Knickung nach EULER ( > grenz)
2.2.3.3.2 Unelastische Knickung nach TETMAJER ( < grenz)
2.2.4 Festigkeitshypothesen und Vergleichsspannungen
2.3 Beanspruchbarkeit
2.3.1 Werkstoffkennwerte
2.3.1.1 Werkstoffkennwerte bei statischer Belastung
2.3.1.2 Werkstoffkennwerte bei dynamischer Belastung
2.3.2 Plastische Reserve
2.3.3 Konstruktionskennwerte
2.3.3.1 Kerbwirkung
2.3.3.2 Oberflächengüte
2.3.3.3 Bauteilgröße
2.3.3.4 Oberflächenverfestigung
2.3.3.5 Weitere Einflüsse
2.3.3.6 Berechnung des Gesamteinflussfaktors
2.3.4 Ermittlung der Gestaltausschlagfestigkeit (Bauteilausschlagfestigkeit)
2.4 Sicherheitsnachweise
2.4.1 Statischer Sicherheitsnachweis (vereinfacht)
2.4.2 Dynamischer Sicherheitsnachweis
2.4.3 Betriebsfestigkeitsnachweis
89
Festigkeitsrechnung
2.2 Belastungsarten (äußere Lasten) und auftretende Spannungen

90
Festigkeitsrechnung
2.2.4 Festigkeitshypothesen und Vergleichsspannungen

Zusammengesetzte Spannungen in der Praxis :

Vergleichsspannungen

Mehrachsiger Einachsiger
Spannungszustand Spannungszustand
(Realität) (Vergleichsspannung zur Berechnung)

91
Festigkeitsrechnung
2.2.4 Festigkeitshypothesen und Vergleichsspannungen

Festigkeitshypothesen und Vergleichsspannungen

Treten mehrere Beanspruchungen in einem Bauteil gleichzeitig auf, so


überlagern sich die Spannungen.
Im Inneren des Bauteils baut sich ein mehrachsiger Spannungszustand auf.
An einem Volumenelement des Bauteils können wirken:
Normalspannungen (senkrecht zur Schnittfläche) durch Druck-, Zug- oder
Biegebeanspruchung.
Schubspannungen ( auf der Schnittfläche ) durch Scher- und
Torsionsbeanspruchung bzw. durch das Auftreten von Querkräften bei der
Biegung

Schubspannungen und Normalspannungen sind aufgrund ihrer Wirkungen im


Innern des Bauteils unbedingt auseinander zuhalten.
Es dürfen aber Schubspannungen mit Schubspannungen und
Normalspannungen mit Normalspannungen vektoriell addiert werden.

92
Festigkeitsrechnung
2.2.4 Festigkeitshypothesen und Vergleichsspannungen

Zusammengesetzte Normalspannungen:

Supperpositionsprinzip :

A
F Gleichartige Spannungen addieren sich!
Mb

N - b max - res max

+ =

+ b max + res max

N =F/A b = Mb / W res = N + b

93
Festigkeitsrechnung
2.2.4 Festigkeitshypothesen und Vergleichsspannungen

Zusammengesetzte Schubspannungen:

Supperpositionsprinzip :

A
Mt
Gleichartige Spannungen addieren sich!
Q

s - t max - res max

+ =

+ t max + res max

s =Q/A t = Mt / Wt res = s + t

94
Festigkeitsrechnung
2.2.4 Festigkeitshypothesen und Vergleichsspannungen

Zusammengesetzte Spannungen in der Praxis :

Vergleichsspannungen

Mehrachsiger
b N
Spannungszustand t s

Vergleichsspannung

Einachsiger
Spannungszustand v

95
Festigkeitsrechnung
2.2.4 Festigkeitshypothesen und Vergleichsspannungen

Überlagerung von Spannungen

Festigkeitshypothesen dienen dazu, die mehrachsigen Bauteilbeanspruchungen auf einen einachsigen


Spannungszustand zurückzuführen, und so die Vergleichbarkeit zu Werkstoffkennwerten zu
gewährleisten.
Die auf die einachsige Beanspruchung zurückgerechnete Spannung heißt VERGLEICHSSPANNUNG
Das Bauteil versagt, wenn die (statische oder dynamische) Vergleichsspannung oberhalb der
Bemessungsgrenze liegt.

Die Anwendung der Festigkeitshypothesen zur Berechnung der Vergleichsspannung erfolgt nach dem
voraussichtlichen Versagen des Bauteils, das vom Werkstoffverhalten (auch bei unterschiedlichen
Temperaturen) und der Beanspruchungsart abhängt:
- (Haupt-)Normalspannungshypothese (NH): William Rankine (1861)

- (Haupt-)Schubspannungshypothese (SH): Henri Tresca (1868)

- Gestaltänderungsenergiehypothese (GEH): Richard Edler von Mises (1913),


Maxymilian Tytus Huber (1904)

96
Festigkeitsrechnung
2.2.4 Festigkeitshypothesen und Vergleichsspannungen

Festigkeitshypothesen

Je nach Werkstoff, Wärmebehandlung, Art der Beanspruchung werden angepasste Hypothesen verwendet.
Die drei im Maschinenbau gebräuchlichen Festigkeitshypothesen sind:

Festigkeitshypothese Versagen unter Werkstoffe Vergleichsspannung

Für spröde Werkstoffe


1
(Haupt-) Normal-
spannungshypothese der größten Haupt-
Normalspannung
(Trennbruch), bei tiefen
Temperaturen durch v ( NH ) =
2
( + 2
+4 2
)
(NH) Versprödung auch duktile
Werkstoffe

(Haupt-)Schub- Für duktile Werkstoffe oder


spannungshypothese 2 2
nach TRESCA
der größten Haupt- spröde Werkstoffe unter
v (SH ) = x +4 xy
Schubspannung Druckbeanspruchung
(SH) (Auftreten von Gleitbrüchen)

Die GE-Hypothese ist für die meisten praktischen Fälle anwendbar.

Gestaltänderungs Beste Hypothese für zähe


energiehypothese durch unzulässig
(fließfähige) Werkstoffe 2 2
nach v. MISES
hohe plastische
(Baustähle, Vergütungsstähle) v (GEH ) = +3
Verformungen
(GE) und für Dauerbeanspruchung

97
Festigkeitsrechnung
2.2.4 Festigkeitshypothesen und Vergleichsspannungen

Festigkeitshypothesen

Brucharten und -verläufe

Die Berechnung der Vergleichsspannung


hängt vom zu erwartenden Bruchverhalten ab.

Beispiel : Bruchfläche

Quelle: nach Müller, D.H.; Vorlesungsmanuskript - Festigkeitslehre, Uni Bremen

98
Festigkeitsrechnung
2.2.4 Festigkeitshypothesen und Vergleichsspannungen

Schema zur Berechnung von Vergleichsspannungen

99
Festigkeitsrechnung
2.2.4 Festigkeitshypothesen und Vergleichsspannungen

Beanspruchungsbeispiele mit der GE-Hypothese:

100
Festigkeitsrechnung
2.2.4 Festigkeitshypothesen und Vergleichsspannungen

Übung: Vergleichsspannung

(nach GEH)

Hinweis:

2 2
v (GEH ) = +3

102
Maschinenelemente I 2 Grundlagen der Berechnung
Festigkeitsberechnung 2.1 Technische Modellbildung
2.2 Belastungsarten (äußere Lasten) und auftretende Spannungen
2.2.1 Belastungsanalyse
2.2.2 Betriebs- / Anwendungsfaktoren
2.2.3 Spezielle Druckbelastungen
2.2.3.1 Flächenpressung
2.2.3.2 Hertzsche Pressung
2.2.3.3 Knickbeanspruchung
2.2.3.3.1 Elastische Knickung nach EULER ( > grenz)
2.2.3.3.2 Unelastische Knickung nach TETMAJER ( < grenz)
2.2.4 Festigkeitshypothesen und Vergleichsspannungen
2.3 Beanspruchbarkeit
2.3.1 Werkstoffkennwerte
2.3.1.1 Werkstoffkennwerte bei statischer Belastung
2.3.1.2 Werkstoffkennwerte bei dynamischer Belastung
2.3.2 Plastische Reserve
2.3.3 Konstruktionskennwerte
2.3.3.1 Kerbwirkung
2.3.3.2 Oberflächengüte
2.3.3.3 Bauteilgröße
2.3.3.4 Oberflächenverfestigung
2.3.3.5 Weitere Einflüsse
2.3.3.6 Berechnung des Gesamteinflussfaktors
2.3.4 Ermittlung der Gestaltausschlagfestigkeit (Bauteilausschlagfestigkeit)
2.4 Sicherheitsnachweise
2.4.1 Statischer Sicherheitsnachweis (vereinfacht)
2.4.2 Dynamischer Sicherheitsnachweis
2.4.3 Betriebsfestigkeitsnachweis
103
Festigkeitsrechnung
Beanspruchbarkeit

2.3 Beanspruchbarkeit
2.3.1. Werkstoffkennwerte
Werkstoffe sind mechanisch nur bis zu bestimmten inneren Spannungen belastbar. Ab diesen Werkstoff-
grenzen tritt ein Versagen durch Bruch ein oder der Werkstoff verformt sich plastisch (Fließen), was zu einem
Funktionsversagen führen kann. Im Allgemeinen Maschinenbau sind i. d. R. bereits plastische Ver-
formungen zu vermeiden, sodass die Belastungen nur zu reversiblen Verformungen im elastischen
Bereich ("Hookescher Bereich") führen dürfen (vgl. auch Abschnitt 2.3.2).
Kräfte und Momente ziehen stets Verformungen nach sich! Die Größe der Verformungen werden durch die
Werkstoffkennwerte Elastizitätsmodul und Schubmodul bestimmt.

Die Einordnung des Werkstoffverhaltens erfolgt in


zäh oder duktil, wenn erhebliche plastische (irreversible) Verformungen möglich sind.
Der Werkstoff besitzt als Werkstoffkennwerte eine Fließ- oder Streckgrenze (Elastizitäts-
grenze) und eine Bruchfestigkeit. Man spricht von „gutmütigem" Werkstoffverhalten, da
Schutzmaßnahmen möglich sind (Inspektion auf Verformungen)!)
spröde, wenn nach keiner oder nur geringer plastischer Verformung ein sofortiger Bruch eintritt.
Der Werkstoff hat keine Elastizitätsgrenze, sondern nur Bruchfestigkeiten. Im Versagens-
fall ist ein katastrophaler Schaden möglich; die Bauteile werden "mit höheren Sicherheiten"
ausgelegt, um im Betrieb die inneren Spannungen möglichst fern von den Versagensspan-
nungen zu halten.

104
Festigkeitsrechnung
Beanspruchbarkeit

2.3.1 Werkstoffkennwerte

Zu allen Belastungsarten werden zur Ermittlung von Werkstoffkennwerten Normversuche durchgeführt (


vgl. Vorlesung Werkstoffkunde). Je nach Belastungsfall werden für
eine zeitlich konstante Belastung (statische Last) Fließgrenzen (Index "F")
und Bruchfestigkeiten (Index "m")
für eine periodisch schwingende Last (dynamische Last) Ausschlagsfestigkeiten (Index "A",
Darstellung in speziellen Diagrammen z. B. Smith- oder Haigh-Diagramm)
ermittelt.

2.3.1.1 Werkstoffkennwerte bei statischer Belastung


Der "klassische" Versuch der Werkstoffprüfung ist der Zugversuch nach DIN EN 10002. Die einachsige Be-
anspruchung kann nur quasistatisch aufgebracht werden, d. h. die Belastung wird sehr langsam "hochgefah-
ren" (max. 10 N/mm s), um keine Effekte,w ie Verfestigung, während des Versuchs zu erhalten.
Der Zugversuch liefert die "bekanntesten" Werkstoffkennwerte Zugfestigkeit Rm und Streckgrenze Re (bzw.
Dehngrenze Rp0,2, die für ruhende Belastungen als Grundlage der Bemessungswerte von Bauteilen dienen.
Zu anderen Belastungsarten werden die in der Tabelle (nächste Seite) aufgeführten statischen Werkstoffkenn-
werte ermittelt. Sind Werkstoffkennwerte nicht bekannt, so können zur Berechnung bei Stählen Ersatzwerte
herangezogen werden.

105
Festigkeitsrechnung
Beanspruchbarkeit

Zugversuch

Ermittlung von
Werkstoffkennwerten
bei statischer Belastung

http://video.tu-clausthal.de/kurzfilme_lehre/imab/zugversuche/

106
Festigkeitsrechnung
Beanspruchbarkeit

Spannungs-Dehnungs-Diagramme verschiedener Werkstoffe

108
Festigkeitsrechnung
Beanspruchbarkeit

Werkstoffkennwerte für Beanspruchungen

Ersatzwert bei Verwendung bei


Belastungsart Bezeichnung Kennwert
Stählen Versagen bei
Streckgrenze Re - Verformung
Zug 0,2% Dehngrenze Rp0,2 - Verformung
Zugfestigkeit Rm - Bruch
Druckfließgrenze Red Re Verformung
Druck 0,2% Stauchgrenze Rp0,2d Rp0,2 Verformung
Druckfestigkeit Rm d Rm Bruch
Biegefließgrenze bF Re Verformung
Biegung 0,2% Biegedehngrenze b0,2 Rp0,2 Verformung
Biegefestigkeit bB Rm Bruch

Hypothese1
GEH-
Nach der
Torsionsfließgrenze tF Verformung
Torsion Torsionsdehngrenze t0,4 Verformung
Torsionsfestigkeit tB Bruch
Scherfließgrenze sF Verformung
Schub
Scherfestigkeit sB Bruch
Rp0,2
1) z. B. Torsionsfließgrenze Rp0,2 = 3 tF tF =
3

109
110
Festigkeitsrechnung
Beanspruchbarkeit
Werkstoffkennwerte von Baustählen

Quelle: Niemann, Winter, Höhn: Maschinenelemente. Bd. 1., 3.Aufl. Springer Berlin 2005, S. 203.

111
Festigkeitsrechnung
Beanspruchbarkeit Werkstoffkennwerte von Vergütungsstählen

Quelle: Niemann, Winter, Höhn: Maschinenelemente. Bd. 1., 3.Aufl. Springer Berlin 2005, S. 205.

112
Festigkeitsrechnung
Dynamische Belastung

2.3.1.2 Werkstoffkennwerte bei dynamischer Belastung


Bauteile in Maschinen und Anlagen unterliegen üblicherweise zeitlich veränderlichen Beanspruchungen, die
sich aus einem statischen und dynamischen Anteil zusammensetzen. In der Realität sind diese zeitlichen
Veränderungen der Beanspruchung zufällig und nicht periodisch wiederkehrend (harmonisch). Dennoch
werden Werkstoffkennwerte mittels periodischem Verlauf der Beanspruchung ermittelt, da der Aufwand
zu groß ist, den realen Belastungsverlauf auf einer Werkstoffprüfmaschine zu erzeugen. Grundsätzlich ist
dies heute aber mit servohydraulischen Prüfeinrichtungen möglich.
Grundbegriffe einer periodischen Schwingbeanspruchung

o Oberspannung u Unterspannung
m Mittelspannung ( statischer Anteil)
o + u
m =
2
a Spannungsausschlag oder –amplitude
( dynamischer Anteil)
o u
a = o m = m u =
2

2 a Schwingbreite
= u
Spannungsverhältnis
o
N Schwing- oder Lastspiel

Quelle: Roloff / Matek, Maschinenelemente, 18. Aufl. Vieweg , S. 40

113
Festigkeitsrechnung
Dynamische Belastung

Rissausbreitung unter Dauerbeanspruchung

REM-Aufnahme eines Risses :

o = 2 a
m = 1/2 o
=0 =2 a =0 =2 a =0 = 0
u
Lastspiel N Lastspiel N+1
5 m

5 m

Mögliche Ursachen für die Rissinitiierung sind


Spannungsspitzen verursacht z.B. durch:

Kerben in der Bauteilgeometrie (z.B. Nuten) Schwellende


Fertigungsfehler (z.B. Lunker in Gussteilen) Beanspruchung
Oberflächeneinflüsse (z.B. Rauheiten)

114
Festigkeitsrechnung
Dynamische Belastung

Dauer- bzw. Ermüdungsbruch:

Bruchflächenstruktur eines Ermüdungsbruches :

Rastlinien Restbruchläche 1.Ausgangs-


geometrie

2.Rissini-
tiierung

3.Risswachs-
tum

4.Instabiler
Dauerbruchfläche Bruch

116
Festigkeitsrechnung
Dynamische Belastung

Dauerbruchflächenbilder

Quelle: aus Vorlesungsmanuskript, Werkstoffe Iia, IFU, Uni Stuttgart

117
Festigkeitsrechnung
Dynamische Belastung

Dauerbruchflächenbilder

Rasterelektronenmikroskopische Aufnahme
des Dauerschwingbruchs einer Ventilfeder ausgehend von einem
oxidischen Einschluss E [1]

118
Festigkeitsrechnung
Dynamische Belastung

Dauerbruchflächenbilder

Das Bruchbild eines Dauerbruchs unterscheidet sich gravierend von Gleit- und Trennbrüchen bei
statischer Last (siehe rechts). Die Schadenskunde kann anhand des Bruchaussehens Ursachen
des Versagens ermitteln.

Trennbruch (Gewalt-) einer Keilwelle


Dauerbruch einer Ritzelwelle (Passfeder)
Quelle: Roloff / Matek, Maschinenelemente, 18. Aufl. Vieweg , S. 43 und S. 46

119
Festigkeitsrechnung
Dynamische Belastung
Beanspruchungsbereiche
Ein Lastspiel von N = entspricht quasi einer Belastung auf einen statischen Wert (vgl. Zugversuch). Die
Zahl der Lastspiele, die ein Bauteil in Laufe seines Lebens im Betrieb erfährt, ist eine entscheidende Größe
bei der Bemessung.
Mit Hilfe des Spannungsverhältnisses lassen sich unterschiedliche Belastungsfälle unterscheiden: = u
o

Beanspruchungsart Zug, Druck, Biegung, Torsion, Scherung

Statische Beanspruchung Schwellbeanspruchung Reine Schwell- Wechselbeanspruchung Reine Wechsel-


beanspruchung beanspruchung

A. 2.47

Quelle: Roloff / Matek, Maschinenelemente, 18. Aufl. Vieweg , S. 41 A. 2.48

120
Festigkeitsrechnung
Dynamische Belastung

Übung: Dynamische Belastung

Hinweis:
Beanspruchungsart Zug, Druck, Biegung, Torsion, Scherung
Statische Schwellbeanspruchu Reine Schwell- Wechselbeanspruchu Reine Wechsel-
Beanspruchung ng beanspruchung ng beanspruchung

A. 2.47

121
Festigkeitsrechnung
Dynamische Belastung

Übung: Dynamische Belastung

Hinweis:
Beanspruchungsart Zug, Druck, Biegung, Torsion, Scherung
Statische Schwellbeanspruchu Reine Schwell- Wechselbeanspruchu Reine Wechsel-
Beanspruchung ng beanspruchung ng beanspruchung

= u
o

A. 2.48

122
Festigkeitsrechnung
Dynamische Belastung Wöhler-Diagramm

Bei dynamischer Beanspruchung haben die statischen Werkstoffkennwerte keine Bedeutung mehr. Der
Werkstoff ermüdet unter den durch schwingende Momente oder Kräfte hervorgerufenen gleichermaßen
schwingenden Spannungen (Schub- oder Normalspannungen).
Dynamische Werkstoffkennwerte werden aus Dauerschwingversuchen (DIN 50100) ermittelt. Die Fragestellung
lautet: Wieviele Lastspiele erträgt die genormte Werkstoffprobe bei einer festgelegten statischen (Mit-
tellast, -spannung) und einer festgelegten dynamischen (Lastausschlag, Ausschlagsspannung) Last?
Bei einer Vielzahl von Versuchen lässt sich daraus für eine Mittelspannung die Wöhlerkurve1 ableiten.
Allerdings sind Wöhlerkurven für m 0 seltener.
Statische Festigkeit
Neue Begriffe: A
Zeitfestigkeit Dauerfestigkeit
-N Lastspielzahl (logarithmisch)
Rm
- A Ausschlagsfestigkeit Wöhlerdiagramm für Stahl
- D Dauerfestigkeit: Sie ist die Grenzspan-
nung, die gerade noch beliebig lange Rp0,2

ohne Bruch ertragen werden kann.


- Ngr Grenzspielzahl: Lastspielzahl, bei
der die Dauerfestigkeit auftritt.
Stähle Ngr = 2 106 bis 1 107
Leichtmetalle Ngr = 5 107 bis 108
D
Im Falle m = 0 nennt sich die Dauerfestigkeit D Bereiche der Zeitfestigkeit

Wechselfestigkeit W, im Falle m = A ( u = 0)
Low Cycle Fatigue (LCF) 101 102 bis 103 104
High Cycle Fatigue( HCF) 103 104 bis 106
DFS
Schwellfestigkeit Sch. Diese beiden Werte sind
100 101 102 103 104 105 106 107
log N
häufig tabelliert (vgl. Tabellenbuch Roloff/Matek). Ngr

123
Festigkeitsrechnung
Dynamische Belastung

Dauerschwingversuchsmaschine August Wöhler

Dauerversuchsmaschine von
1860, Standort ist das Deutsche
Museum, München.

Quelle: aus Geschichte der Technikwissenschaften, Birkhäuser Verlag

124
Festigkeitsrechnung
Dynamische Belastung

Dauer- Hochfrequenz-Resonanzpulsmaschine
zur Durchführung von axialen Schwingversuchen:

Neuheit im Böllhoff Prüflabor: Dauerschwingprüfung


Im physikalisch-technischen Prüflabor wurde in eine moderne dynamische Prüfmaschine
investiert, um Dauerschwing- bzw. Ermüdungsprüfungen selbst durchführen zu können.
Es handelt sich um eine 150 kN-Hochfrequenz-Resonanzprüfmaschine der Fa. RUMUL mit
der die langen Prüfzeiten der Wöhlerversuche in überschaubarem Rahmen gehalten werden
können. So kann ein Punkt der Wöhlerkurve im Dauerfestigkeitsgebiet mit 10 Millionen
Lastwechseln bereits nach ca. 24 Stunden geprüft sein. Klassische servohdraulische
Maschinen brauchen dazu mehrere Tage.

125
Festigkeitsrechnung
Dynamische Belastung

Ermüdungsprüfung an Kurbelwelle und Pleuel

Kurbelwelle Pleuel

126
Festigkeitsrechnung
Dynamische Belastung

Dauerfestigkeitsdiagramm nach Smith:

Dauerfestigkeitsschaubild (DFS) :

Im Dauerfestigkeitsschaubild
nach Smith werden die ertrag- D o
baren Spannungsausschläge
der Dauerfestigkeit, A von der m
unter 45° verlaufenden m-Linie
aus nach oben und nach unten
abgetragen.
D= m+ A
u
45°

Im Falle m = 0 nennt sich die Dauerfestigkeit D Wechselfestigkeit W,


im Falle m = A ( u = 0) Schwellfestigkeit Sch.
Diese beiden Werte sind häufig tabelliert (vgl. Tabellenbuch Roloff/Matek).

128
Festigkeitsrechnung
Dynamische Belastung

Dauerfestigkeitsdiagramm nach Smith:

Wechselbereich Schwellbereich

129
Festigkeitsrechnung
Dynamische Belastung

Dauerfestigkeitsdiagramm nach Smith:

Werkstoffdatenblätter :
Die wesentlichen Werkstoffkennwerte
und die Dauerfestigkeitsschaubilder für
Biege, Zug-Druck- und Torsionsbean-
spruchung sind in sog. Werkstoffdaten-
blättern zusammengefasst.

Für jeden Werkstoff gilt jeweils ein eige-


nes Datenblatt.

Im Beispiel ist das Datenblatt für einen


Baustahl St 60-2 dargestellt.

Hinweis : Größere Darstellung siehe nächste Seite

131
Werkstoffdatenblatt
für St 60-2

Biege-
Dauerfestigkeit

Zug-Druck-
Dauerfestigkeit

Torsions-
Dauerfestigkeit

132
Werkstoffdatenblatt
Ablesebeispiel

Gegeben ist eine Zugdauerbean-


spruchung um eine Mittelspannung
von m = 200 N/mm2.

Die Dauerfestigkeit ergibt sich in die-


sem Fall mit D = 335 N/mm2 bei einer
max. zulässigen Ausschlagspannung
von a zul = 135 N/mm2.

133
Vergleich DFS
verschiedener Werkstoffe

134
Festigkeitsrechnung
Dynamische Belastung Dauerfestigkeitsschaubild nach SMITH

Das Diagramm stellt zu jeder Mittelspannungen mi die


Dauerfestigkeit dar. Aus der Streckendifferenz ( Di
smi) lässt sich die Ausschlagsspannung zu dieser
Mittelspannung bestimmen.
Merke: Die Angabe einer Dauerfestigkeit ist stets mit
der Angabe der zugehörigen Mittelspannung
verbunden.
Vereinbarung: = +
z. B. = (50 + 120) N/mm bedeutet, dass der Werkstoff
unter Biegung bei einer Mittelspannung von 50 N/mm
eine Ausschlagsfestigkeit (gerade noch ertragbarer Aus-
schlag) von 120 N/mm besitzt. Wird ein Bauteil mit einem
statischen Anteil von 50 N/mm belastet, so muss der
Spannungsausschlag im Bauteil in jedem Fall unterhalb
der Ausschlagsfestigkeit von 120 N/mm bleiben, da sonst
ein Dauerbruch entsteht.
Um so größer die Mittelspannung , umso kleiner ist der
Quelle: nach Schlecht, Maschinenelemente 1:
1. Aufl. München, Pearson Studium, S. 98 ertragbare Ausschlag ( Mittelspannungsempfind-
lichkeit der Ausschlagsfestigkeit )
Die Oberspannung der dynamischen Last sollte die Streckgrenze (Dehn-) Rp0,2 nicht überschreiten.
Die Ausschlagsfestigkeit von Stählen kann für eine gegebene Mittelspannungen über
Formeln aus der Wechselfestigkeit W ( m=0) ermittelt werden (siehe Abschnitt 2.3.4).

136
Festigkeitsrechnung
Dynamische Belastung

Dauerfestigkeitsschaubilder von Baustählen

= u
o

Quelle: Roloff / Matek, Tabellenbuch, S.44 nach DIN EN10025

137
Festigkeitsrechnung
Dynamische Belastung Dauerfestigkeitsschaubilder von Baustählen

Quelle: Roloff / Matek, Tabellenbuch, S.44 nach DIN EN10025

138
Festigkeitsrechnung
Dynamische Belastung 2.3.2 Plastische Reserve

Zähe (duktile) Werkstoffe können oberhalb der Elastizitätsgrenze Rp0,2 (Re) belastet werden, ohne dass sie durch
Bruch versagen. Sie verformen sich plastisch ("Fließen"). Diese Belastungsreserven können bewusst ausgenutzt
werden.

Wichtigste Voraussetzungen für das Nutzen dieser plastischen Reserve sind, dass
- gute (bewährte) Berechnungsgrundlagen vorliegen
- kein Funktionsversagen des Bauteils durch die plastische Deformation auftritt
- gesetzliche Auflagen dies nicht verbieten
- das daraus resultierende Versagen verantwortbar ist.

bF
bB
Die Überbeanspruchung über den Hookeschen Bereich hinaus plastisch
erfolgt i. d. R. nur in Teilen des Querschnitts und daher bei Be- My My
Druck
anspruchungsarten mit nicht konstantem Spannungsverlauf,
wie Biegung, Torsion oder Schub. So findet bei Biegung elastisch
das Fließen nur in den Randbereichen statt und der Bereich Zug
"um die neutrale Faser herum" wird elastisch beansprucht
(siehe rechts). Die "überbeanspruchten Bereiche" fließen + plastisch
und nehmen maximal Spannungen im Bereich der Fließgrenze

bB
bF
an (vgl. Spannungs-Dehnungsdiagramm). Der Restquerschnitt
muss den "nicht abgedeckten Teil der Last des Randbereiches"
mit übernehmen, was die Spannung dort erhöht.

Plastische Reserven werden ebenfalls bei zylindrischen Pressverbänden oder bei gekerbten Bauteilen genutzt, um
Material sparend dimensionieren zu können.

139
Festigkeitsrechnung
Konstruktionskennwerte

2.3.3 Konstruktionskennwerte
Problem :

Die in den Dauerfestigkeitsschaubildern angegebenen Werte gelten für glatte polierte


Probestäbe mit 10mm Durchmesser!

D = 10 mm
?

Lösung:
Eine davon abweichende Bauteilgestalt, Oberflächenbeschaffenheit oder auch Umge-
bungseinflüsse vermindern die Dauerfestigkeit zum Teil erheblich; z.B.:

Bauteilgestalt, Kerbwirkungen Weitere:

Oberflächenqualität, -rauheiten - Temperatureinflüsse

Bauteilgröße - Schadenskollektive, Vorbelastungen

Oberflächenverfestigung - Umgebungseinflüsse, Korrosion

=> Gesamteinflussfaktor berechnen! - etc.

Die statischen und dynamischen Werkstoffkennwerte werden in Norm-Versuchen mit genormten Proben ermittelt, die keinerlei Bauteilcharakter besitzen.
So weichen die Bauteile in der Form, Größe, Oberfläche, Art der Herstellung usw. von den Proben ab. Des Weiteren ist realitätsfremd, dass die Proben
keine technische Kerben aufweisen. Die Probe im Dauerschwingversuch ist glatt, poliert und meist 7,5 oder 10 mm im Durchmesser.
Die Abweichung der "Realität" von der "Norm" ist mittels Konstruktionskennwerte zu berücksichtigen, d. h. die Werkstoffkennwerte sind auf tatsächliche,
vom Bauteil ertragbare Größen umzurechnen. Diese Bauteil- oder Gestaltfestigkeiten sind für die Bemessung und den Sicherheitsnachweis zu verwenden.

143
Festigkeitsrechnung
Konstruktionskennwerte

2.3.3 Konstruktionskennwerte

Definition :
Das Gestaltfestigkeitsschaubild (GFS) ergibt sich, indem die
Konstruktionskennwerte im Dauerfestigkeitsschaubild (DFS)
berücksichtigt werden.

Aus der Dauerwechselfestigkeit bW

wird die:

Gestaltwechselfestigkeit bGW

bWN tWN
bGW = Kt bzw. tGW = Kt
K Db K Dt

mit dem Gesamteinflussfaktor :

kb 1 1
K Db = + 1
Kg KO KV

144
Festigkeitsrechnung
Konstruktionskennwerte

2.3.3 Konstruktionskennwerte
Problem :

Die in den Dauerfestigkeitsschaubildern angegebenen Werte gelten für glatte polierte


Probestäbe mit 10mm Durchmesser!

D = 10 mm
?

Lösung:
Eine davon abweichende Bauteilgestalt, Oberflächenbeschaffenheit oder auch Umge-
bungseinflüsse vermindern die Dauerfestigkeit zum Teil erheblich; z.B.:

Bauteilgestalt, Kerbwirkungen Weitere:

Oberflächenqualität, -rauheiten - Temperatureinflüsse

Bauteilgröße - Schadenskollektive, Vorbelastungen

Oberflächenverfestigung - Umgebungseinflüsse, Korrosion

=> Gesamteinflussfaktor berechnen! - etc.

Die statischen und dynamischen Werkstoffkennwerte werden in Norm-Versuchen mit genormten Proben ermittelt, die keinerlei Bauteilcharakter besitzen.
So weichen die Bauteile in der Form, Größe, Oberfläche, Art der Herstellung usw. von den Proben ab. Des Weiteren ist realitätsfremd, dass die Proben
keine technische Kerben aufweisen. Die Probe im Dauerschwingversuch ist glatt, poliert und meist 7,5 oder 10 mm im Durchmesser.
Die Abweichung der "Realität" von der "Norm" ist mittels Konstruktionskennwerte zu berücksichtigen, d. h. die Werkstoffkennwerte sind auf tatsächliche,
vom Bauteil ertragbare Größen umzurechnen. Diese Bauteil- oder Gestaltfestigkeiten sind für die Bemessung und den Sicherheitsnachweis zu verwenden.

145
Festigkeitsrechnung
Konstruktionskennwerte

2.3.3.1 Kerbwirkung
Häufig auftretende technische Kerben von Bauteilen sind
- Übergänge z. B. von einem Wellendurchmesser auf einen anderen (Wellenschulter),
- Einstiche z. B. für Sicherungsringe auf Wellen,
- Bohrungen z. B. für Stifte,
- Nuten z. B. für Passfedern auf einer Welle.

Äußere konstruktive Kerben führen ebenso wie innere Kerben (Lunker,


Schlackeneinschlüsse etc.) zu einer geringeren Beanspruchbarkeit des Bauteils.
Durch sie wird der bisher störungsfreie (gleichmäßige) Kraftflussverlauf verändert. Die
Kraftflusslinien verdichten sich an den „kritischen Stellen; Spannungsüberhöhungen im
Kerbgrund sind die Folge.
Um einen Kennwert für diese Höherbelastung zu ermitteln, wird die Maximalspannung im Kerbgrund max (bzw. max) ins
Verhältnis zur Nennspannung n (bzw. n) gesetzt. Je größer diese Kerbformzahl k (kurz: Formzahl), umso gefährdeter ist der
Querschnitt:

Maximale Spannung im Kerbgrund max max


k = = bzw. =
Nennspannung im Kerbgrund n n

Die Kerbformzahl wird im Versuch (Spannungsoptik, Dehnungsmessung) oder über rechnerische Methoden (FEM) ermittelt; für
typische Kerbgeometrien sind Diagramme (siehe folgendes Blatt) erstellt. Die Kerbformzahl wird für Bauteile unter statischer
Last angewendet.

Quelle: Roloff / Matek, Maschinenelemente, 18. Aufl. Vieweg , S. 52

146
Festigkeitsrechnung
Konstruktionskennwerte

Photo: TU Chemnitz

147
Festigkeitsrechnung
Konstruktionskennwerte

Definition der Formzahl k:

Formzahl k = max / n

Quelle: aus Müller, D.H.; Vorlesungsmanuskript - Festigkeitslehre, Uni Bremen

148
Festigkeitsrechnung
Konstruktionskennwerte

Einflussfaktoren auf die Kerbwirkung

(1) Kerbform: Die Kerbformzahl k ist umso größer,


- je scharfkantiger eine Kerbe ist (Ausrundungsradius, siehe rechts),
- je tiefer eine Kerbe ist (Kerbtiefe t),
- je größer der Kerbwinkel ist ("harter" Übergang).

(2) Spannungsgefälle:
- abhängig von der Belastungsart Biegung mit sehr hohem Spannungs-
gefälle, Zug ohne Spannungsgefälle Folge
k ,z > k ,b > k ,t ZUG

Zug Biegung Torsion

Größte Gefährdung durch Zugbeanspruchung (keine plastischen Reserven!)


- Realer Schub ohne Spannung im Kerbgrund! BIEGUNG

3) Kerbempfindlichkeit
- Kerben führen in spröden Werkstoffen (Bruchdehnung < 10%, Brucheinschnürung < 30%) aufgrund
fehlender plastischer Reserven bei Überschreiten der "Dehngrenze" zum Bruch. Bei duktilen
Werkstoffen werden die Spannungsspitzen im Kerbgrund durch plastisches Fließen abgebaut; der
Restquerschnitt übernimmt "die Last" ( Stützwirkung). Ein geringes Überschreiten der
Elastizitätsgrenze ist für zähe Werkstoff daher unproblematisch.
Quelle: Roloff / Matek, Maschinen-elemente, 18. Aufl. Vieweg , S. 52

149
Festigkeitsrechnung
Konstruktionskennwerte
Formzahl k für Rundstäbe mit Umlaufkerben

Zug Biegung Torsion

Quelle: Niemann, Winter, Höhn: Maschinenelemente. Bd. 1., 3.Aufl. Springer Berlin 2005, S. 108.

150
Übung: Formzahl k für Rundstäbe

Hinweis: Tabelle Roloff-Matek 3.6

A. 2.49

151
Festigkeitsrechnung
Konstruktionskennwerte
Formzahl k für Rundstäbe mit Absätzen
Zug Biegung Torsion

Beispiel:
D=50 mm; d=40 mm;
k ,z = 1,7 > k ,b = 1,6 > k ,t = 1,3
t=5 mm; r=5 mm

Quelle: Niemann, Winter, Höhn: Maschinenelemente. Bd. 1., 3.Aufl. Springer Berlin 2005, S. 109.

155
Festigkeitsrechnung
Konstruktionskennwerte

Dynamische Belastung – Kerbwirkungszahl k

Die Verfestigung beim Be- und Entlasten beim dynamischen Belastungsvorgang führt dazu, dass
von einem duktilen Bauteil größere Spannungsüberhöhungen ertragen werden können als bei
statischer Last. Je größer das plastische Verformungsvermögen ist, umso mehr "Verfestigung" kann noch
stattfinden. D. b., dass Stähle mit niedriger Zugfestigkeit kerbunempfindlicher sind. Die Kerbwirkung bleibt
hinter der Kerbwirkung statischer Last und ebenso hinter der Kerbwirkung höherfester Stähle zurück.
Dies führt zur Einführung einer Kerbwirkungszahl k, die sich versuchstechnisch aus dem Verhältnis der
Wechselfestigkeiten einer glatten ( W) zu einer gekerbten ( Wk) Werkstoffprobe im
Dauerschwingversuch bestimmt:
1 k = W
k
Wk

Sie ist stets größer als Eins (Spannungsüberhöhung)


und im Falle (kerbempfindlicher) spröder Werkstoffe gleich der Kerbformzahl k (keine Verfestigung!).
Die Kerbwirkungszahlen sind ebenfalls für typische Kerbgeometrien des allgemeinen Maschinenbaus
bestimmt und in Diagrammen abzulesen (siehe Beispiel auf der nächsten Seite) oder aus
Formzahl und Stützzahl zu berechnen.

- Bei dynamischer Belastung (von Stählen) sind Verfestigungsvorgänge zu berücksichtigen. Ist noch ein hohes plastisches
Verformungsvermögen vorhanden (i. A. bei geringeren Zugfestigkeiten von Stählen), verfestigen diese in den Überlastbereichen und sind daher
gegenüber höherfesten Stählen weniger kerbempfindlich (kleinere Kerbwirkung).
Die Kerbempfindlichkeit von Werkstoffen mit hohem plastischen Verformungsvermögen ist daher deutlich geringer.

156
157
Kerbwirkungszahlen

158
Festigkeitsrechnung
Konstruktionskennwerte

Kerbwirkungszahlen

159
Festigkeitsrechnung
Konstruktionskennwerte

Kerbwirkungszahlen für
abgesetzte Rundstäbe:

Beispiel:
D = 50 mm
d = 40 mm
R = 5 mm 0,125
Rm= 800 N/mm2

kb = 1 + cb ( k ( 2, 0 ) 1)
kb = 1 + 0,55 (1,6 1) = 1,33

kt = 1 + ct ( k (1, 4 ) 1)
kt = 1 + 0,85 (1,95 1) = 1,81

1,25
Quelle: Roloff / Matek, Maschinenelemente – Tabellenbuch, 18. Aufl. Vieweg, S. 54

161
Festigkeitsrechnung
Konstruktionskennwerte
Mehrfachkerben

Enthält ein Bauteil mehrere technische Kerben (z. B. Passfeder und Absatz), so muss der Konstrukteur darauf
achten, dass sich die Kerbwirkungen nicht überlagern. Für diese Durchdringungskerben ist die Bestimmung
der Kerbformzahl nicht eindeutig.
Konstruktiv können über Kerben "sanfte Übergänge" im Kraftfluss geschaffen werden. Nachfolgend einige
Beispiele mit positiven Auswirkungen auf die Lebensdauer eines Bauteils:

Rechtecknut Wälzlagersitz (Ausrunden durch axialen Einstich, mittels Distanzring, Entlastungskerben)


(Ausrunden oder Entlastungskerbe)

Presssitz
Zahnrad (Ritzel)
(große Übergangsradien, Nabe am
Querbohrung (Entlastungskerbe)
Sitz breiter, kegelige Nabe)
(Entlastungskerben, verdickte Welle, große Übergangsradien)

Quelle: Schlecht, Maschinenelemente 1: 1. Aufl. München, Pearson Studium, S. 171

162
Festigkeitsrechnung
Konstruktionskennwerte

2.3.3 Konstruktionskennwerte

Problem :

Die in den Dauerfestigkeitsschaubildern angegebenen Werte gelten für glatte polierte


Probestäbe mit 10mm Durchmesser!

D = 10 mm
?

Praxis:
Eine davon abweichende Bauteilgestalt, Oberflächenbeschaffenheit oder auch Umge-
bungseinflüsse vermindern die Dauerfestigkeit zum Teil erheblich; z.B.:

Bauteilgestalt, Kerbwirkungen Weitere:

Oberflächenqualität, -rauheiten - Temperatureinflüsse

Bauteilgröße - Schadenskollektive, Vorbelastungen

Oberflächenverfestigung - Umgebungseinflüsse, Korrosion


- etc.

=> Gesamteinflussfaktor berechnen!

kb 1 1
K Db = + 1
Kg KO KV

163
Festigkeitsrechnung
Konstruktionskennwerte
2.3.3.2 Oberflächengüte
Die Maximalspannung ist bei allen Belastungsarten mit Kerbwirkung i. d. R. an der Bauteiloberfläche zu finden. Der Dauerbruch
startet mit einem anfänglichen Riss, der bei einer schlechten Oberflächenqualität leichter ein-geleitet wird. Die Wechselfestigkeit
(und damit auch Dauerfestigkeiten) des Werkstoffs ist daher für das reale Bauteil gegenüber der polierten Normprobe mittels eines
Einflussfaktors der Oberflächenrauheit KO zu bewerten.

Beispiel:
Rm=700 N/mm2 mit Rz =50 m: KO = 0,8

Quelle: Roloff / Matek, Maschinenelemente – Tabellenbuch, 18. Aufl. Vieweg, S. 56

164
Festigkeitsrechnung
Konstruktionskennwerte

2.3.3 Konstruktionskennwerte

Problem :

Die in den Dauerfestigkeitsschaubildern angegebenen Werte gelten für glatte polierte


Probestäbe mit 10mm Durchmesser!

D = 10 mm
?

Praxis:
Eine davon abweichende Bauteilgestalt, Oberflächenbeschaffenheit oder auch Umge-
bungseinflüsse vermindern die Dauerfestigkeit zum Teil erheblich; z.B.:

Bauteilgestalt, Kerbwirkungen Weitere:

Oberflächenqualität, -rauheiten - Temperatureinflüsse

Bauteilgröße - Schadenskollektive, Vorbelastungen

Oberflächenverfestigung - Umgebungseinflüsse, Korrosion


- etc.

=> Gesamteinflussfaktor berechnen!

165
Festigkeitsrechnung
Konstruktionskennwerte
2.3.3.3 Bauteilgröße
Ist das Bauteil größer als die meist kleinen Probendurchmesser des Normversuchs, ist ein Festigkeitsabfall zu
berücksichtigen. Näherungsweise wird dies mit drei Faktoren erreicht:
- Technologischer Größeneinflussfaktor Kt (siehe nächstes Blatt)
Wärmebehandlungen beeinflussen größenabhängig die Festigkeit von Kern und Rand
- Geometrischer Größeneinflussfaktor Kg
Die Bauteilgröße beeinflusst (bei gleicher Randspannung) das Spannungsgefälle (Biegung, Torsion) und
damit die plastischen Reserven (Stützwirkung)

Quelle: Roloff / Matek, Maschinenelemente –


Tabellenbuch, 18. Aufl. Vieweg, S. 57
TB 3-11

- Formzahlabhängiger Größeneinflussfaktor K
Die Kerbwirkung ist abhängig vom Bauteildurchmesser (nicht werkstoffabhängig). Für die Übungs-
aufgaben wird dieser Einfluss vernachlässigt (K = 1).

166
Festigkeitsrechnung
Konstruktionskennwerte

Technologischer Größeneinflussfaktor Kt

Quelle: Roloff / Matek, Maschinenelemente - Tabellenbuch, 18. Aufl. Vieweg, S. 56/57

167
Festigkeitsrechnung
Konstruktionskennwerte

168
Festigkeitsrechnung
Konstruktionskennwerte

2.3.3 Konstruktionskennwerte

Problem :

Die in den Dauerfestigkeitsschaubildern angegebenen Werte gelten für glatte polierte


Probestäbe mit 10mm Durchmesser!

D = 10 mm
?

Praxis:
Eine davon abweichende Bauteilgestalt, Oberflächenbeschaffenheit oder auch Umge-
bungseinflüsse vermindern die Dauerfestigkeit zum Teil erheblich; z.B.:

Bauteilgestalt, Kerbwirkungen Weitere:

Oberflächenqualität, -rauheiten - Temperatureinflüsse

Bauteilgröße - Schadenskollektive, Vorbelastungen

Oberflächenverfestigung - Umgebungseinflüsse, Korrosion


- etc.

=> Gesamteinflussfaktor berechnen!

169
Festigkeitsrechnung
Konstruktionskennwerte
2.3.3.4 Oberflächenverfestigung

Maßnahmen wie Härten, Rollen, Strahlen führen zu Druckeigenspannungen in der Bauteiloberfläche, die die
Dauerfestigkeit erhöhen. Ein Oberflächenverfestigungsfaktor KV rechnet ggf. die Wechselfestigkeit auf den
höheren Wert um. Auch dieser Einfluss wird in den Übungsfaktoren vernachlässigt.

170
Festigkeitsrechnung
Konstruktionskennwerte

2.3.3.5 Weitere Einflüsse


Je nach Bauteilform sind zur Bestimmung von Kt und Kg gleichwertige Durchmesser zu verwenden:

Weitere Einflüsse:
Temperatur, Belastungsfrequenz, Korrosion

Quelle: Roloff / Matek, Maschinenelemente - Tabellenbuch, 18. Aufl. Vieweg, S. 58

171
Festigkeitsrechnung
Konstruktionskennwerte

2.3.3 Konstruktionskennwerte

Problem :

Die in den Dauerfestigkeitsschaubildern angegebenen Werte gelten für glatte polierte


Probestäbe mit 10mm Durchmesser!

D = 10 mm
?

Praxis:
Eine davon abweichende Bauteilgestalt, Oberflächenbeschaffenheit oder auch Umge-
bungseinflüsse vermindern die Dauerfestigkeit zum Teil erheblich; z.B.:

Bauteilgestalt, Kerbwirkungen Weitere:

Oberflächenqualität, -rauheiten - Temperatureinflüsse

Bauteilgröße - Schadenskollektive, Vorbelastungen

Oberflächenverfestigung - Umgebungseinflüsse, Korrosion


- etc.

=> Gesamteinfluss(faktor) berechnen! => Festigkeitsnachweis => Statisch - Um Konstruktionskennwerte


korrigierte Fließgrenze
=> Dynamisch - Gestaltwechselfestigkeit bGW
- Gestaltausschlagfestigkeit GA

172
Festigkeitsrechnung
Konstruktionskennwerte

2.3.3.6 Berechnung des Gesamteinflussfaktors


Der Gesamteinflussfaktoren KD (für Normal- bzw. Schubspannungen) ergeben sich zu

kb 1 1 kt 1 1
K Db = + 1 und K Dt = + 1
Kg KO KV Kg KO KV

Der technologische Größeneinflussfaktor Kt wird auch auf statische Werkstoffkennwerte angewendet und
wird aus diesem Grund nicht im (dynamischen) Gesamteinflussfaktor erfasst. Auf der übernächsten Seite fließt
der technologische Größeneinflussfaktor Kt in die Dauerwechselfestigkeit ein.

173
Festigkeitsrechnung
Konstruktionskennwerte Vorgehensweise zur vereinfachten Berechnung des
Konstruktionsfaktors (nur in der Vorlesung)
Start
Der Konstruktionsfaktor wird für Biegung und Torsion
Erfassung der vorliegenden getrennt berechnet (Index "b" bzw. "t") KDb, KDt
Kerbgeometrie
1 1 Die Kerbwirkungszahl kb Probe ist experimentell
Berechnung mit Formzahl k bekannt (Diagramme, siehe 2.3.3.1 ff.).
k Probe
und Stützzahl (wird nicht in N
bekannt? 2 Eine Abhängigkeit der Kerbwirkung von der
der Vorlesung behandelt!)

J Größe des Bauteils wird vernachlässigt. Der


Größeneinflussfaktor K für Probe und Bauteil wird
k aus Diagrammen, Tabellen
(Blatt 2.43 ff.)
Kap.2.3.3.1 ff vereinfachend als gleich groß betrachtet. Tatsächlich
kann die Kerbwirkungszahl k mit größer werdendem
2 Bauteil bis zu 10 % ansteigen (für Formzahlen bis 3)
K Probe
k = k Probe
K
k Probe Vorhandene Sicherheit wird größer als "real".
3 Der Einfluss der Oberflächenverfestigung KV wird
Kg aus Blatt 2.46
Kap.2.3.3.3 vernachlässigt. Real liegt der Wert zwischen 1 und
KO , KO aus Blatt 2.42
Kap.2.3.3.2 1,5, d. h. der Gesamtkonstruktionsfaktor wird ent-
KV (=1, Vereinfachung) sprechend bis zu 67% kleiner. Ein kleineres KDb er-
gibt eine größere Gestaltdauerwechselfestigkeit GW
3
1 1 Vorhandene Sicherheit wird kleiner als "real".
KD = k bzw. t .
+ 1 Legende zu Einflussfaktoren
Kg KO bzw. O KV
K Formzahlabhängiger Größeneinflussfaktor
kb, kt Kerbwirkungszahl Biegung oder Torsion
K o , KO Einflussfaktor Oberflächenrauheit
Ende
Kg Geometrischer Größeneinflussfaktor
Quelle: nach Roloff / Matek, Maschinenelemente - Formelsammlung, 8. Aufl. Vieweg, S. 21 KV Einflussfaktor für Oberflächenverfestigung

174
Festigkeitsrechnung
Gestaltfestigkeit
2.3.4 Gestaltfestigkeit (Bauteilfestigkeit)

Bei einem Bauteil beliebiger Gestalt ist nicht mehr die Dauerfestigkeit des „idealen Probestabes, sondern die
um alle Einflussgrößen verminderte Dauerfestigkeit, die Gestaltdauerfestigkeit (Bauteildauerfestigkeit)
G ( G) für die Festigkeitsberechnung bei dynamischer Beanspruchung maßgebend.
Die dynamischen Werkstoffkennwerte sind in Gestalt- oder Bauteilausschlagfestigkeiten GA ( GA)
umzurechnen. Dies erfolgt in zwei Schritten:
1. Berechnung der Gestaltwechselfestigkeiten bGW ( bGW)
2. Ermittlung der Gestaltausschlagsfestigkeit (Gestaltdauerfestigkeit) GA ( GA)

1. Gestaltwechselfestigkeit bGW des gekerbten Bauteils bei Biegung bzw. Torsion:


bW tW
bGW = bzw. tGW =
K Db K Dt bW
Kt bWN

mit Dauerwechselfestigkeiten bW und tW

bW = Kt bWN bzw. tW = Kt tWN

und mit den Wechselfestigkeiten bWN und tWN aus Tabellenbuch


(TB1-1 bis TB1-2, Roloff/Matek) und technologischen Größeneinflussfaktor Kt

bWN tWN
bGW = Kt bzw. tGW = Kt
K Db K Dt

175
Festigkeitsrechnung
Gestaltfestigkeit
2.3.4 Gestaltfestigkeit (Bauteilfestigkeit)

2. Gestaltausschlagsfestigkeit (Gestaltdauerfestigkeit =Bauteildauerfestigkeit)


Für den Festigkeitsnachweis gegen Dauerbruch muss die jeweilige Gestaltausschlagfestigkeit ( GA;
GA) ermittelt werden. Zu klären ist dabei, welche Gestaltausschlagfestigkeit GA; GA (maximal ertragbare
Amplitude der Bauteildauerfestigkeit ohne Schwingbruch) der auftretenden Ausschlagspannung a; a
(vorhandene Amplitude) zuzuordnen ist. Berücksichtigt werden muss die Größe der vorhandenen
Vergleichsmittelspannung und die Art der betrieblichen Überbeanspruchung bei
Belastungserhöhung bis zur Versagensgrenze (Überbelastungsfall).
Das Smith-Diagramm zeigt, dass im Falle statischer Anteile m ( m) bei einer dynamischen Belastung die
Ausschlagsfestigkeit A ( A) gegenüber der Wechselfestigkeit abnimmt. Gleiches gilt für die über
Konstruktionskennwerte korrigierten Gestaltausschlagsfestigkeiten GA ( GA). Im Falle zusammen-
gesetzter Beanspruchung muss zur Berechnung bzw. zum "Ablesen aus dem Diagramm" eine
Vergleichsmittelspannung mv mit einer geeigneten Festigkeitshypothese bestimmt werden.

176
Festigkeitsrechnung
Gestaltfestigkeit
Überlastungsfälle 1+2

Es sind drei Überlastungsfälle aufgrund der betrieblichen


Belastungsart zu unterscheiden, die zu unterschiedlichen
Gestaltausschlagsfestigkeiten GA führen.

Überlastfall 1: Bei steigenden Belastungen (Momente, Kräfte) auf das


Bauteil bleibt die Mittelspannung konstant, aber der Spannungs-
ausschlag erhöht sich.
Beispiel: Seiltrieb bei feststehender Achse "Seillast" definiert
konstante (statische) Mittellast (Vorspannung)

bGA = bGW mV tGA = tGW mV

Überlastfall 2: Bei steigenden Belastungen (Momente, Kräfte)


auf das Bauteil erhöhen sich Mittelspannung und
Spannungsausschlag und damit Ober- und Unterspannung
in gleichem Maße. Dieser Fall führt i. d. R. zur sichersten
Ausführung des Bauteils (Anwendung auch bei
Schweißnahtberechnungen).
Beispiel: Getriebewelle Zahnkräfte am Zahnrad steigen
bGW tGW
Mittelspannung
bGA = und Spannungsausschlag
tGA = für die Biegung
steigt. 1 + mv 1 + mv
ba ta

180
Festigkeitsrechnung
Gestaltfestigkeit
Überlastungsfall 3

Überlastfall 3: Die Unterspannung bleibt konstant, während


die Oberspannung anwächst. Die Mittel- und Ausschlags-
spannung steigen gleichmäßig an.

= bGW ( mV ba ) = tGW ( mV ba )
bGA tGA
1+ 1+

Beispiel: Verwendung bei Federberechnungen!

Die in den Formeln verwendeten Faktoren zur


Berücksichtigung der Mittelspannungsempfindlichkeit
und ergeben sich aus

= aM Rm + bM =f

aM, bM sind Faktoren zur Berechnung der


Mittelspannungs-
empfindlichkeit, siehe Tabelle 3-13 nächste Seite

f ist ein Faktor zur Berechnung der Schubfestigkeit, siehe


Tabelle 3-2 nächste Seite

181
Festigkeitsrechnung
Gestaltfestigkeit Herleitung Gestaltausschlagsfestigkeit des Überlastfalles 2
GA
Lastkennlinie
ÜL2: = const. Ausgangspunkt: Lastfall mv und ba
= bu/ bo = const.
X Ein Lastanstieg auf der Lastkennlinie führt zum Überschreiten
der Dauerfestigkeit im Punkt X. Nach Strahlensatz gilt
bW bGA
mv
= mx
mv ( mx + bGA )= mx ( mv + ba )
mv + ba mx + bGA

mx (1) mx = mv
bGA
ba ba
GW

Für den Gestaltdauerfestigkeitsverlauf gilt die Formel für die


Mittelspannungsempfindlichkeit:
mv
bGA = bGW m
mv
mv
mx Mit (1) folgt: bGA = bGW bGA
m ba

bGW
bGA =
1+ mv

ba

Zur Prüfung des Überlastfalls ist gedanklich zu überprüfen, welche Auswirkungen eine Last-
steigerung auf die Lastgrößen Mittel-, Ausschlags-, Unter- und Oberspannung haben. In den
Übungsaufgaben wird nur mit dem Überlastfall 2 gerechnet!

182
Festigkeitsrechnung
Gestaltfestigkeit

Quelle: Roloff / Matek, Maschinenelemente - Tabellenbuch,

183
2.4 Sicherheitsnachweise
Beim statischen und dynamischen Festigkeitsnachweis sind für Bauteile die auftretenden mit den ertragbaren
Spannungen zu vergleichen. Über daraus abgeleitete, dimensionslose Sicherheiten können Aussagen getroffen
werden, ob Mindest- oder erforderliche Sicherheiten1 eingehalten werden.
Typische Mindestsicherheiten im Allgemeinen Maschinenbau sind
- SF,erf = 1,5 statisch: gegen Fließen, zähe (duktile) Werkstoffe
- SB,erf = 2,0 statisch: gegen Bruch, spröde Werkstoffe
- SD,erf = 1,5 dynamisch: gegen Dauerbruch

2.4.1 Statischer Sicherheitsnachweis (vereinfacht) „Sicherheit gegen Fließen/Gewaltbruch


Für duktile Rundstäbe kann der Sicherheitsnachweis entsprechend dem Fließdiagramm durchgeführt werden.
Für Gusseisen (GJL, GT) sind die statischen Bauteil-Bruchfestigkeiten anstatt der Fließfestigkeiten zu verwen-
den. Ihre Bestimmung ist etwas "mühsamer"2; für diese Vorlesung werden sie wie folgt ermittelt:

Kt Kt
Rm = ( bB )= RmN tB =f RmN RmN Norm-Zugfestigkeitswerte
kb kt Kt Technologischer Größeneinflussfaktor
k Kerbformzahl (statisch),
f Umrechnungsfaktor Normal- Schubspannung, s. Blatt 2.55
2.4.2 Dynamischer Sicherheitsnachweis
Der Ablauf des dynamischen Sicherheitsnachweises ist für den Überlastfall 2 dargestellt. Bei spröden
Werkstoffen ist die vorhandene Sicherheit mit der Normalspannungshypothese zu ermitteln.
„Sicherheit gegen Dauerbruch
1) siehe z. B. Roloff / Matek, Maschinenelemente - Tabellenbuch, 18. Aufl. Vieweg, S. 59
2) siehe FKM (Forschungskuratorium Maschinenbau): Rechnerischer Festigkeitsnachweis für Maschinenbauteile. 5. Aufl., VDMA Verlag
Frankfurt a. M. 2003, S. 89 ff.) Berechnung mit örtlichen Spannungen statt Nennspannungskonzept (Vorlesungsinhalt)

184
„Sicherheit gegen Fließen/Gewaltbruch

Ablaufplan – Vereinfachter statischer Festigkeitsnachweis


Start
(nur duktile Rundstäbe)

1 Mmax 1 Zunächst sind aus den äußeren Lasten und der Geometrie des
b max =
Wb Bauteils (Widerstandsmomente) für den untersuchenden Punkt des
T Bauteilquerschnitts die Einzelspannungen für Torsion und Bie-
t max = max
Wt gung zu ermitteln. Dabei werden die für jede Belastungsart maximal
auftretenden Lasten herangezogen! Hier werden gegebenenfalls die
2 Rp0,2 N (Re) Maximalbelastungsfaktoren berücksichtigt.
Die Streckgrenze (aus Normversuchen, Index "N") für Zug wird aus
3
2
Kt Tabellen ermittelt (ggf. Rm bei spröden Werkstoffen).

3 Der technologische Größeneinflussfaktor Kt muss aus den


4
bF = 1,2 Rp 0,2 N Kt Formeln der Diagramme berechnet bzw. aus den Diagrammen
tF = 1,2 Rp 0,2 N Kt 3 (siehe Blatt 2/75) abgelesen werden. Er berücksichtigt die Abnahme
der Festigkeitswerte mit wachsender Bauteilgröße.
5 4 Die Fließgrenze für Torsion und Biegung wird "bauteilgrößen-
1
SF ,vorh = korrigiert" (spröde Werkstoffe: siehe Hinweise)
2 2
b max t max
+ 5 Berechnung der Gesamtsicherheit SF,vorh("vorhandene Sicherheit")
bF tF
6 Vergleich mit der erforderlicheren Sicherheit (Mindestsicherheit)
SF,min oder SF,erf ( bzw. SB min oder SB,erf)
6
SF ,vorh > SF ,erf (SF ,min ) ?

185
„Sicherheit gegen Dauerbruch

186
187
Übung: Statischer/Dynamische Festigkeitsnachweis

„Sicherheit gegen Fließen/Gewaltbruch

„Sicherheit gegen Dauerbruch

188
2.4.3 Betriebsfestigkeitsnachweis
Die vorgestellten Sicherheitsnachweise berechnen ihre Be-
anspruchbarkeit aus dynamischen Werkstoffkennwerten, die
in Dauerschwingversuchen mittels harmonischer
Schwingungen ( Wöhlerkurven, Dauerfestigkeitsschau-
bild nach Smith) bestimmt werden. In der Realität sind
Lastschwingungen aber nicht periodisch, sondern
stochastische (zufällige) Beanspruchungs-Zeit-Verläufe.
Im Betriebsfestigkeitsnachweis werden die Last-Zeit-
Funktion auf ein Bauteil analysiert, Lastkollektive abgeleitet
und letztlich eine Lebensdauer des Bauteils abgeschätzt.
Experimentelle Erprobungen verifizieren die rechnerischen
Ergebnisse.
Durch Betriebsfestigkeiten werden Bemessungen im Bereich
der Zeitfestigkeit möglich (nicht dauerfest!), sodass Bauteile
leichter, kostengünstiger und dennoch sicher gefertigt
werden können (z.B. im Fahrzeug- und Flugzeugbau).

Quelle: Schlecht, Maschinenelemente 1: 1. Aufl. München, Pearson Studium, S. 185

200
Ende
Grundlagen der Festigkeitsberechnung

201