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Kerstin Funk

Rentenpolitik

Mit Rente im Allgemeinen werden „durch Gesetz oder Vertrag begründete regelmäßig 
wiederkehrende Geldleistungen“1 bezeichnet. Der Großteil dieser regelmäßig 
wiederkehrenden Geldleistungen erwächst aus den Ansprüchen, die Versicherungspflichtige 
im Laufe ihres Erwerbslebens durch die Beitragszahlungen an die gesetzliche 
Rentenversicherung gebildet haben, die Teil des deutschen Sozialversicherungssystems ist. Im 
Rahmen des sogenannten Generationenvertrages wird die gesetzliche Rentenversicherung 

argumente
nach dem Umlageverfahren finanziert. Danach werden mit den Beiträgen der Versicherten die 
Renten der jeweils aktuellen Rentengeneration bezahlt. Die Beitragszahler erwerben im 
Gegenzug einen Anspruch auf ihre eigene Rente bei Renteneintritt. 

Der Zeitpunkt des Renteneintritts freilich ist politisch sehr umstritten. Nach der letzten 
Rentenreform, die von der Großen Koalition im Jahr 2007 verabschiedet wurde, wird im 
Zeitraum von 2012 bis 2029 die Altersgrenze für die Regelaltersrente stufenweise von 65 auf 
67 Lebensjahre verlängert. Insbesondere in der SPD wird nach dem Regierungswechsel nun 
eine Abkehr von dieser selbst zu verantwortenden Entscheidung diskutiert und eine Rückkehr 
zum Renteneintrittsalter von 65 Jahren gefordert. Wirtschaft und Sozialverbände beteiligen 
sich an der Diskussion ebenso lebhaft wie politische Parteien. 

Einige grundlegende Informationen über die Rente, ihre Geschichte, die Finanzierung, 
Probleme und Herausforderungen an die Rentenpolitik werden im Folgenden dargestellt. 
Darauf aufbauend wird dargestellt, wie eine nachhaltige Reform der Rente gestaltet werden 
kann, die dem Einzelnen möglichst viel Freiraum zur eigenverantwortlichen Gestaltung seiner 
Erwerbsbiographie lässt. 

                                                            
1
May, Hermann (Hrsg.): Lexikon der ökonomischen Bildung; Dritte Aufl., München Wien, Oldenbourg
2000, S. 415.

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Geschichte 

Das 19. Jahrhundert brachte mit der Industrialisierung nicht nur Wohlstand und Fortschritt mit 
sich. Folgen der Industrialisierung waren neben der Verstädterung auch ein Umbruch des 
Gesellschaftssystems. Nicht zuletzt diese Entwicklungen brachten gesellschaftspolitische 
Umbrüche mit sich, auf die der damalige Reichskanzler Otto von Bismarck in erster Linie 
politisch reagierte, um seine politische Macht zu sichern und oppositionellen Bewegungen – 
insbesondere der zunehmend sozialdemokratischen Bewegung – den Boden zu entziehen. Im 
Jahr 1889 führte er ein System sozialer Sicherung ein, zu dem ab 1891 auch die gesetzliche 
Rentenversicherung gehörte. Das Mindestalter für den Renteneintritt lag zu Zeiten Bismarcks 
bei 70 Jahren, es galt nur für Arbeiter. Der Beitragssatz betrug damals 1,7 Prozent und wurde 

argumente
je zu einem Drittel von Arbeitnehmern, Arbeitgebern und aus Steuergeldern finanziert. Eine 
erste Reform erfolgte 1911, als auch Angestellte in das System einbezogen wurden und die 
Altersrente um eine Hinterbliebenenrente erweitert wurde. Während des Ersten Weltkriegs 
wurde das Renteneintrittsalter im Jahr 1916 auf 65 Jahre gesenkt. 

Die Finanzierung der damaligen Rentenversicherung basierte auf einer Kapitaldeckung: Aus 
den Beiträgen der Versicherten bildete die damalige Deutsche Rentenbank Deckungskapital 
am Kapitalmarkt, aus dem bei Renteneintritt die zu zahlenden Leistungen abgedeckt wurden. 
Allerdings wurde das angesparte Vermögen im Zuge der Hyperinflation weitgehend entwertet, 
so dass der Staat mit Steuergeldern das Defizit ausgleichen musste. Zuletzt war der Anteil der 
Finanzierung aus Steuergeldern auf rund 50 Prozent angestiegen. 

Der Übergang zur heutigen Umlagefinanzierung erfolgte mit der Rentenreform im Jahr 1957, 
als die Höhe der Renten an die allgemeine Lohnentwicklung angepasst wurde. Der 
Beitragssatz, der jeweils zur Hälfte von den Arbeitgebern und den pflichtversicherten 
Arbeitnehmern gezahlt wurde, betrug 15 Prozent des Bruttolohns. 1972 erfolgte eine Senkung 
des Renteneintrittsalters für langjährig Versicherte auf 63 Jahre. Nachdem die sogenannten 
„geburtenschwachen Jahrgänge“ in das Erwerbsleben eingetreten waren und gleichzeitig die 

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Lebenserwartung immer weiter anstieg, begann sich das Verhältnis zwischen 
Rentenempfängern und Beitragszahlern massiv zu verschieben. Darauf reagierte die Politik mit 
weiteren Reformen. Ab 1992 orientierten sich die Rentenerhöhungen nicht mehr an der 
Entwicklung der Bruttolöhne, sondern nunmehr der Nettolöhne und das Renteneintrittsalter 
wurde wieder auf 65 Jahre angehoben. Später wurde ein „Nachhaltigkeitsfaktor“ eingeführt, 
der das Zahlenverhältnis von Beitragszahlern zu Rentenbeziehern berücksichtigt und den 
Rentenanstieg begrenzt. Die letzte große Rentenreform erfolgte 2006, als die Anhebung des 
Renteneintrittsalters auf 67 Jahre beschlossen wurde. 

Aktuelle Diskussion 

argumente
Wie bei anderen Sozialversicherungszweigen, so steht auch die Finanzierung der 
Rentenversicherung auf tönernen Füßen. Der Beitragssatz ist im Laufe der Jahre kontinuierlich 
gestiegen und liegt inzwischen bei 19,9 Prozent. Aber auch der Zuschuss aus Steuermitteln 
musste wiederholt erhöht werden und entspricht heute ungefähr einem Drittel der 
Gesamtleistungen. Die Ursache für die Finanzierungsschwierigkeiten liegt vor allem auch im 
Umlageverfahren. Denn der sogenannte „Generationenvertrag“ setzt voraus, dass die Zahl der 
Beitragszahler größer oder zumindest gleich der Zahl der Rentenempfänger ist. Durch den 
demographischen Wandel hat sich aber ein negatives Verhältnis von Beitragszahlern zu 
Rentenempfängern entwickelt, so dass immer weniger Beitragszahler für die Rente von immer 
mehr Rentenempfängern aufkommen müssen. Diese Entwicklung wird fortdauern, so dass 
grundsätzlich über die Höhe, die Dauer und die Art und Weise des Rentenbezugs in der 
Zukunft diskutiert werden muss. 

Ohnehin ist der „Generationenvertrag“ nur noch schwer einzuhalten. Ein solcher Vertrag setzt 
voraus, dass der Staat seiner Verpflichtung auf die Auszahlung einer Rente entsprechend den 
Beitragszahlungen auch nachkommen kann und wird. Tatsächlich aber ist die Rente bei weitem 
nicht so sicher, wie der damalige Arbeitsminister Norbert Blüm noch in den 90er Jahren des 
vergangenen Jahrhunderts behauptete. In der Realität müssen die heute erwerbstätigen und 

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damit beitragspflichtigen Generationen mit einer erheblichen Kürzung der Rente zum 
Zeitpunkt ihres eigenen Renteneintritts rechnen, da der demographische Wandel fortschreiten 
wird und die Rentenkassen bereits heute hohe Defizite aufweisen. 

Ebenso wie bei der Arbeitslosenversicherung ist auch bei der Rentenversicherung der Begriff 
der „Versicherung“ irreführend. Denn es wird nicht, wie bei einer Versicherung üblich, ein 
Risiko versichert – hier das Risiko des Alterns – und die Leistungen aus der Versicherung 
werden auch nicht aus selbst eingezahlten Beiträgen erbracht. Vielmehr bezahlt die 
erwerbstätige Bevölkerung die Rentenzahlungen der aktuellen Rentner. Im Gegenzug erwartet 
die erwerbstätige Generation, dass die künftige Generation auch ihre Renten zukünftig 
finanzieren wird. Die staatliche Rentenversicherung lebt also nicht von angespartem Kapital, 

argumente
sondern „von der Hand in den Mund“. Und es genügt nur ein einziger Blick auf die zu 
erwartende Bevölkerungsentwicklung, um zu prognostizieren, dass das System des 
Umlageverfahrens – und damit die Finanzierung der gesetzlichen Rentenversicherung ‐ bald an 
sein Ende gelangt sein wird.2 

Ein Blick über den deutschen Tellerrand hinaus zeigt aber auch, dass Deutschland nicht allein 
dem Problem des demographischen Wandels gegenübersteht, sondern dass eine Vielzahl 
anderer europäischer und außereuropäischer Länder ähnliche Herausforderungen zu bestehen 
hat. Dabei wird schnell deutlich, dass viele Länder infolge der demographischen Entwicklung 
ihre Rentensysteme reformieren. So haben zum Beispiel Österreich, die Schweiz, das 
Vereinigte Königreich oder die USA das Renteneintrittsalter erhöht.3 Andere Staaten haben die 
Rentenberechnung reformiert oder eine Rentenanpassung durchgeführt.4 Eine nachhaltige 

                                                            
2
Siehe zum Beispiel: Statistisches Bundesamt,
(www.destatis.de/jetspeed/portal/cms/Sites/destatis/Internet/DE/Navigation/Statistiken/Bevoelkerung/Bevoel
kerung.psml, abgerufen am 13.09.2010).
3
Raffelhüschen, Bernd; Moog, Stefan; Müller, Christoph: Ehrbare Staaten? Die deutsche
Generationenbilanz im internationalen Vergleich Wie gut ist Deutschland auf die demografische
Herausforderung vorbereitet?; Stiftung Marktwirtschaft, Argumente zu Marktwirtschaft und Politik, Nr. 110,
Mai 2010, S. 11.
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Raffelhüschen, Bernd; Moog, Stefan; Müller, Christoph: Ehrbare Staaten? Die deutsche
Generationenbilanz im internationalen Vergleich Wie gut ist Deutschland auf die demografische

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Finanzierung der gesetzlichen Rentenversicherung liegt nicht nur in Deutschland, sondern in 
anderen europäischen Ländern auch, in weiter Ferne.5 

Die aktuelle Debatte in Deutschland dreht sich aber nicht in erster Linie um die Frage der 
nachhaltigen Finanzierung der Rentenversicherung. Vielmehr wird von sozialdemokratischer 
Seite eine Rückkehr zum Renteneintrittsalter von 65 Jahren gefordert. Die SPD kehrt damit von 
ihrem eigenen Beschluss ab, den sie in der Zeit der Großen Koalition mit zu verantworten 
hatte. Führende Sozialdemokraten argumentieren, die Mehrkosten eines früheren 
Renteneintritts  seien für die deutsche Volkswirtschaft tragbar6. Zudem bekämen ältere 
Arbeitnehmer ohnehin keine Beschäftigung.7 Wirtschaftsinstitute dagegen plädieren gar für 
eine Anhebung des Renteneintrittsalters auf 70 Jahre.8 Angestoßen wurde die Diskussion um 

argumente
die Rente nach einer Äußerung des Bundeswirtschaftsministers, der konstatierte, es werde 
nicht dauerhaft funktionieren, die Rentenentwicklung von der Lohnentwicklung abzukoppeln 
und die Rentengarantie daher abgeschafft werden müsse.9 Die von der Großen Koalition 
eingeführte Rentenschutzklausel (sogenannte „Rentengarantie“) sorgt dafür, dass die Renten 
auch bei rückläufigen Löhnen mindestens stabil bleiben. Sie greift in diesem Jahr zum ersten 
Mal und verhindert Rentenkürzungen. Ohne diese Garantie hätten die Renten im Westen 2010 
um knapp ein Prozent gesenkt werden müssen. 

                                                                                                                                                                              
Herausforderung vorbereitet?; Stiftung Marktwirtschaft, Argumente zu Marktwirtschaft und Politik, Nr. 110,
Mai 2010, S. 11 f.
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Raffelhüschen, Bernd; Moog, Stefan; Müller, Christoph: Ehrbare Staaten? Die deutsche
Generationenbilanz im internationalen Vergleich Wie gut ist Deutschland auf die demografische
Herausforderung vorbereitet?; Stiftung Marktwirtschaft, Argumente zu Marktwirtschaft und Politik, Nr. 110,
Mai 2010.
6
www..nachrichten.t-online.de/kommentar-neue-rentendebatte-ist-schaedlich/id_42629468/index,
abgerufen am 12.09.2010
7
www.nachrichten.t-online.de/spd-rentenstreit-gabriel-weist-muentefering-in-die-
schranken/id_42595532/index, abgerufen am 13.09.2010.
8
www.stern.de/politik/deutschland/institut-der-deutschen-wirtschaft-rente-erst-ab-70-
1592219.html, abgerufen am 13.09.2010.
9
www.bmwi.de/BMWi/Navigation/Presse/reden-und-interviews,did=351850.html, abgerufen am
13.09.2010.

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Liberale Rentenpolitik 

Eine durchgreifende Reform der Rentenversicherung ist nötiger denn je. Diese Reform muss 
Tatsachen anerkennen und Lösungen erarbeiten, die flexibel und generationengerecht 
zugleich sind. Denn angesichts der steigenden Lebenserwartung wächst die Bezugsdauer der 
Rente und angesichts des demographischen Wandels schrumpft die Zahl der Beitragszahler. 
Ohne Reformen würde der Beitragssatz weiter steigen und damit die Volkswirtschaft erheblich 
belasten. Daher wird es nicht zu verhindern sein, dass das Rentenniveau sinken und die 
Lebensarbeitszeit steigen muss. Die Durchschnittsrente wird dann den bisherigen 
Lebensstandard nicht mehr abdecken können. Diese Lücke wird durch ergänzende 
Eigenvorsorge geschlossen werden müssen. Der Aufbau einer eigenen kapitalgedeckten 

argumente
Altersvorsorge schafft darüber hinaus aber auch Generationengerechtigkeit, denn er 
vermeidet einen übermäßigen Anstieg der Beiträge zur gesetzlichen Rentenversicherung für 
die erwerbstätige Generation. In diesem Zusammenhang ist es auch notwendig, die Förderung 
der betrieblichen und privaten Vorsorge weiter auszubauen und Anreize zu setzen, dass 
Menschen selbst vorsorgen. 

Zugleich sollen die Menschen aber die Dauer ihrer Arbeitszeit und ihren Lebensstandard nach 
dem Renteneintritt eigenverantwortlich gestalten können. Dazu gehört auch die Möglichkeit 
zur Aufnahme einer Erwerbstätigkeit nach dem Renteneintritt ohne Zuverdienstgrenzen. Ab 
dem 60. Lebensjahr sollten die Menschen selbstständig über den Zeitpunkt ihres 
Renteneintritts entscheiden. Dazu wird ein System von Zu‐ und Abschlägen eingeführt, das den 
Zusammenhang zwischen dem Zeitpunkt des Renteneintritts und der Rentenhöhe verdeutlicht. 
Voraussetzung für den Renteneintritt ist, dass die Rentenansprüche über einem 
Grundsicherungsniveau liegen, um Bedürftigkeit zu vermeiden. 

Über die Höhe eines eventuellen Hinzuverdienstes können die Rentner dann selbst 
entscheiden. So werden Anreize geschaffen, auch bei Rentenbezug weiter tätig zu sein. Da für 
den Hinzuverdienst Beiträge für die Rentenversicherung und die Kranken‐ und 

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Pflegeversicherung gezahlt werden, werden die Sozialversicherungen entlastet. Der Beitrag zur 
Arbeitslosenversicherung hingegen entfällt, da die Einkünfte der Rentner über dem 
Grundsicherungsniveau liegen. Dies bedeutet einen erheblichen Kostenvorteil für die 
Arbeitgeber und erhöht damit die Chancen älterer Arbeitnehmer am Arbeitsmarkt. 

Langfristig ist ein Übergang hin zu einem stärker kapitalgedeckten Vorsorgesystem notwendig. 
So wird zum einen die Nachhaltigkeit der Finanzierung gewährleistet, zum anderen ist ein 
kapitalgedecktes System auch aus intergenerationellen Gerechtigkeitsgründen dem heutigen 
Umlageverfahren vorzuziehen. Denn künftige Generationen stehen schon heute vor hohen 
Zahlungsverpflichtungen, die kaum noch zu überschauen sind. Diesem Problem kann nur 
begegnet werden, indem möglichst viele der künftigen Verpflichtungen auf den Prüfstand 

argumente
gestellt werden und vor allem die sozialen Sicherungssysteme grundlegend reformiert werden. 

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