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Claude Cuenis Biografie beeindruckt durch zahlreiche

Berufe, die er, nicht nur, aber auch auch zwecks


Recherche ausgeübt hat, etwa Zeitungsträger und
Verkäufer in einem Waffengeschäft. Die Liste seiner
Buchveröffentlichungen, Hörspiele, Theaterstücke und
Drehbücher ist lang. Trotz gesundheitlicher
Einschränkung produziert er Geschichten am Laufmeter.
In einem Dokumentarfilm des Schweizer Fernsehens sagt
er: »Selbstmitleid ist Zeitverschwendung«. Claude Cueni
ist in zweiter Ehe verheiratet.
Claude Cueni, warum lacht man, wenn es längst nichts
mehr zu lachen gibt?
Einige haben den Rhythmus im Blut, ich vielleicht den
Humor. Mir fällt einfach immer ein ironischer Aspekt ein,
eine Pointe, ein Wortspiel, in zahlreichen
Alltagssituationen steckt eine Menge Komik. Mir fällt das
sofort auf und ich speichere ab.

Worüber können Sie lachen?


Über mich. Ich gehöre nicht zu den Autoren, die sich
furchtbar ernst oder gar zu ernst nehmen.

Lebt es sich besser mit dem Tod vor Augen?


Besser sicher nicht. Aber anders. Man ist auf den
Augenblick fokussiert. Es ist ein eigenartiges Gefühl, wenn
die Zukunft abhandenkommt. Es ist ein Wechsel zwischen
Gelassenheit und Gleichgültigkeit.

Würden Sie es als Wunder bezeichnen, dass wir uns


überhaupt unterhalten können?
Nein, ich glaube nicht an Wunder. Dass ich wider Erwarten
noch am Leben bin, verdanke ich nicht einem unsichtbaren
Freund, sondern der modernen Medizin, der
hämatologischen Abteilung des Basler Uni-Spitals und
einem anonymen Knochenmarkspender.

Wie würden Sie es dann bezeichnen, dass Sie nach dem


vermeintlichen Schlusspfiff eine Verlängerung geschenkt
bekommen haben? Glück, Schicksal?
Der Glauben an ein Schicksal mag tröstlich sein, weil er
uns von jeder Schuld freispricht, aber es ist auch die
Weigerung, Verantwortung zu übernehmen. Ich weiß nicht,
wieso ich noch am Leben bin. Nennen wir es also einen
glücklichen Zufall.
Und dank dieses glücklichen Zufalls können Sie nun
weiter Verantwortung übernehmen. Wofür?
Als Vater tragen Sie lebenslänglich Verantwortung. Das
bedeutet nicht, dass sie ihren Kindern reinreden, das
bedeutet, dass Sie immer für sie da sind. Ich bin auch dafür
verantwortlich, dass es meiner Frau nach meinem Tod
weiterhin gut geht. Auch ohne mich.

Glauben Sie, dass Ihre Geschichten, die Sie in die Welt


hinausschicken, auch ein Hilfsangebot sind?
Einige Leserinnen und Leser sehen das tatsächlich so. Seit
meinem autobiografischen Roman Script Avenue, schreiben
mir viele Leute, die schwer erkrankt sind oder andere
schwerwiegende Schicksalsschläge zu meistern haben, zum
Teil viel schwierigere als meine. Für diese Menschen ist es
schön, mit jemandem in Kontakt zu treten, der Ähnliches
durchstehen muss und nicht aufgibt. Wenn es geht, besuche
ich sie auch im Spital, falls es mit dem Taxi erreichbar ist.
Aus Brasilien erhielt ich einmal eine Mail von einem
Spastiker, der mir dankte, weil die Figur des jungen,
spastischen Kelten in Cäsars Druide/Gold der Kelten ihn
motiviert hatte, sich aufzuraffen und wieder Arbeit zu
finden. Nach Das Grosse Spiel schrieben mir auffallend
viele gescheiterte Unternehmer, dass sie dank meinem
Protagonisten (?) John Law ihre Firmenpleite überwunden
und wieder Mut gefasst haben.

Ein detailreiches Buch über den Begründer der modernen


Finanzwirtschaft, das jetzt auch als Serie in Deutschland
verfilmt wird. War Ihnen eigentlich bewusst, dass, wie
John Law, Ihre Figuren eine derart starke Wirkung auf
andere haben können?
Nein, sicher nicht. Ich habe keine Botschaft. Aber
ironischerweise schöpfe ich heute Kraft aus
Romanfiguren, die ich selbst erschaffen habe.

Welche Romanfigur aus Ihrem Universum bringt Sie zum


Lachen?
Wenn Onkel Arthur in der Pacific Avenue den Ich-
Erzähler anschreit: »Hat dir jemals eine Romanfigur die
Fresse poliert?«, kann ich immer noch darüber lachen.
Eigentlich erheitern mich alle meine Figuren immer
wieder, im Alltag liegt ja eine Menge Situationskomik,
man muss nur beobachten, genau zuhören und später die
schrägen Szenen mit einer gewissen Ernsthaftigkeit
beschreiben, lachen sollen die Leser.

Bei Ihnen klingt es so, als sei gutes Schreiben ein


Kinderspiel.
Meine Produktivität ist keine besondere Leistung. Es ist
vielleicht ein Akt der Verzweiflung, vielleicht eine
bestehende Zwangserkrankung. Wahrscheinlich beides.
Als ich die Script Avenue schrieb, träumte ich oft Pulp-
fiction-mäßige Szenen oder Slapstick-Dialoge und lachte
im Schlaf. Dann wachte ich abrupt auf und setzte mich an
den Computer. Das ist völlig normal, wenn man sich rund
um die Uhr in seiner eigenen fiktiven Welt bewegt. Meine
Frau imitiert mich dann beim Frühstück und wir blödeln
herum. Aber ich rechne es ihr hoch an, dass sie mich
nachts nie aufweckt. Denn Sie weiß: Ich arbeite.

Woher nehmen Sie die Kraft, trotz Zerfall und


Schmerzen großartige Bücher zu schreiben?
Ich wuchs in einem religiösen und gewalttätigen Irrenhaus
auf und flüchtete in eine Phantasiewelt, in die Script
Avenue. Ich musste enorm viel Kraft und Mut aufbringen,
um dieser finsteren Welt zu entfliehen und in eine neue
Welt einzutreten, die mir kaum bekannt war. Ich habe
mein Leben von da an stets als sportliche
Herausforderung gesehen. Never give up. Mein
Freiheitsdrang war enorm. Jedes erfolgreich gemeisterte
Hindernis gab mir Mut, auch höhere Herausforderungen
durchzustehen.

Sie scheinen sehr leidensfähig zu sein.


Ja. Kommt hinzu, dass ich mich fast ein Leben lang mit dem
Alltag in den verschiedenen Epochen beschäftigt habe, um
meine historischen Romane möglichst authentisch
niederzuschreiben. Hunger, Krieg, Armut, Krankheit und
Tod waren alltäglich. Ich habe von den damaligen
Zeitgenossen viel gelernt.

Zum Beispiel?
Verglichen mit früher sind wir heute eine wehleidige,
selbstverliebte Schneeflöckchen-Gesellschaft, die nichts
mehr aushält, schnell aufgibt und nach immer mehr
staatlicher Bemutterung ruft.

Schlechte Aussichten für uns.


Nun, der Mensch ist stärker als er meint, sonst wäre
unsere Spezies längst ausgestorben. Man muss
akzeptieren, dass das Leben nie gerecht ist, weder im
Guten noch im Bösen.

Ich persönlich finde es eine schöne Vorstellung, dass es


im Leben gerecht zugeht.
Wieso sollte es gerecht sein? Es gibt keine höhere Instanz,
die für Recht und Ordnung sorgt. Nach dem großen
Erdbeben 1755 in Lissabon fragten sich die Leute: Wenn
es einen allmächtigen Gott gibt, der eingreifen möchte,
aber nicht kann, dann ist er impotent. Könnte er
eingreifen, tut es aber nicht, dann ist er bösartig.

Ist man ehrlicher, wenn man dauernd an seine


Endlichkeit erinnert wird?
Ja, natürlich. Das ist auch befreiend. Ich bin sicher
direkter geworden, aber versuche stets dabei freundlich zu
bleiben. Es ist der Ton, der die Musik ausmacht.

Ihre beiden autobiografischen Romane sind, um bei der


Musik zu bleiben, vielschichtige Symphonien. Darin
entsteht ein irres Universum, brüllend komisch, höchst
tragisch. Am Schluss der Script Avenue schreiben Sie:
»Da es mein letztes Buch sein wird, soll es mein bestes
werden. Es soll ein ehrliches Buch werden. Authentisch.
Nicht alle werden es mögen.« Es wurde trotzdem ein
Bestseller.
Gute Geschichten entstehen nun mal nicht im
Schlaraffenland. Je beschissener die Biografie, desto
besser das Buch. Das ist ein Glück für die Leser, aber
Pech für den Autor.

Sie könnten wohl auch das Sterben zur Komödie


machen.
Als mir der Arzt anhand einer Grafikkurve zeigte, wie
meine Lunge kontinuierlich von den fremden
Blutstammzellen abgestoßen wird, dachte ich mir: »Wenn
das jetzt eine Aktienkurve wäre, ich müsste die Aktie sofort
verkaufen.« Mir fallen auch in solchen Situationen stets
heitere Dinge ein, sofern es mich alleine betrifft. Ich kann
nichts dagegen tun, ich bin mein eigener Hofnarr
geworden.

Und dieser Hofnarr hilft Ihnen zu überleben?


Zum Überleben hilft eher der Rückzug in die eigene
Phantasiewelt. Bei mir war es eben diese fiktive Script
Avenue meiner Kindheit. Sie war die einzige Möglichkeit
einer bedrohlichen Umgebung zu entkommen. Aber auch
ich erreiche manchmal meine rote Linie. Wenn man
plötzlich in der Nacht Atemnot kriegt, Muskelkrämpfe oder
Nervenschmerzen hat, völlig übermüdet ist, dann braucht
es viel Disziplin, um das durchzustehen. Es gibt Autoren,
die behaupten, sie bräuchten ideale Bedingungen zum
Schreiben. Ich kann darüber nur lachen.

In Pacific Avenue sagen Sie: »Gesunde legen die Latte


zum Suizid manchmal ziemlich tief. Wird man ernsthaft
krank, verschiebt man sie etwas nach oben und noch
etwas nach oben, denn man begreift, dass das Leben
einmalig ist, dass es keine zweite Chance gibt und dass
eine Existenz voller Schmerzen und Einschränkungen
immer noch besser ist als keine. Tote trinken im Sommer
keine eisgekühlte Cola mehr.« Sie waren schon
mehrmals auf der Kippe zum Tod. Kann man nachher
einfach normal weiter machen?
Nein, man verliert das Urvertrauen in das Leben. Ein Alltag
unter dem Damokles-Schwert ist zermürbend, aber ich habe
eine großartige Frau an meiner Seite, die mich mit ihrer
Lebensfreude und Zuneigung wieder auf andere Ideen
bringt. Ich fokussiere auf das Jetzt. Seneca sagte, das Leben
ist lang genug, wenn man es richtig nutzt. Ich versuche es,
das Leben ist einmalig und äußerst interessant. Man muss
nicht hadern, sondern schätzen, was immer noch möglich
ist. Lesen und Schreiben und am Wochenende ein Glas
Bordeaux und die Frühlingsrollen meiner Frau.

Sind Sie nie neidisch auf andere gleichaltrige oder gar


ältere Männer, die bei bester Gesundheit sind?
Nein, Neid war mir schon als Kind absolut fremd. Der
Erfolg der andern hat mich stets angespornt. Ich freue
mich, wenn andere in meinem Alter noch topfit sind. Was
hätte ich davon, wenn sie genauso krank wären wie ich?
Nichts. Und Neid auf Materielles ist etwas für faule
Menschen. In Asien werden erfolgreiche Menschen
bewundert, sie spornen an, in unserer Neidkultur kommt
gleich der Rasenmäher.

Was ist schöner: Liebe zu geben oder geliebt zu werden?


Als Kind will man geliebt werden, als verliebter Teenager
schenkt man Liebe, entzieht sie aber auch wieder, als Vater
stellt man sich zurück und schenkt bedingungslose Liebe
und im reiferen Alter gelangt man zur Erkenntnis, dass
Schenken mehr Freude bereitet als Beschenktwerden.
Sofern man ein bisschen Weisheit erlangt hat.

Ihre erste Frau ist 2008 an Krebs verstorben, nachdem Sie


sie viele Monate zu Hause gepflegt hatten.
Es war eine unmenschliche Aufgabe, 24 Stunden am Tag,
aber meine Frau bestand darauf, dass nur ich sie pflege.
Ich weiß nicht, ob ich es heute wieder tun würde. Aber
wahrscheinlich schon. Nach ihrem Tod war ich am Boden
zerstört, mein Immunsystem im Eimer, ich hatte ständig
Entzündungen und ein Jahr später Leukämie. Für meinen
Sohn war es besonders schwierig, weil er innert kurzer
Zeit auch noch seine beiden Großeltern verloren hatte.
Und der Hund war ebenfalls gestorben. Ich nahm einen
Tag nach dem andern und vermied, in die Zukunft zu
schauen. Ich habe nicht damit gerechnet, mich erneut zu
verlieben. Ich las das Herbstgedicht von Rilke: »Wer jetzt
kein Haus hat, baut sich keines mehr. Wer jetzt allein ist,
wird es lange bleiben.« Ich dachte, so wird es wohl sein.
Aber so war es natürlich nicht, wenn man die Script
Avenue gelesen hat.
Ich zog mit meinem Sohn nach Hongkong. Er traf eine
junge Chinesin, seine jetzige Frau, und ich lernte eine
Philippinerin kennen, meine heutige Ehefrau Dina. Als sie
ein Jahr später erstmals in die Schweiz flog, lag ich
bereits in einem Isolierzimmer der Hämatolgie mit
tellergroßen blauen Flecken am Körper. Ich sagte Dina,
ich würde die nächsten Wochen nicht überleben, es sei
besser, zurückzufliegen, ich bot ihr eine hohe Summe an,
damit sie auf den Philippinen ein Business eröffnen
konnte. Doch sie sagte, in ihrer Kultur würden die Frauen
nicht davonlaufen, das täten nur ihre Männer. Und im
Augenblick würde ich ja noch leben und für sie zähle nur
das Jetzt. Wir haben heute eine tiefe und sehr harmonische
Beziehung und nehmen es mit Humor, dass sich einige
Leute wegen des Altersunterschieds den Hals verrenken.
Je kleiner die Stadt, desto grösser die Verrenkung.

Was liebt Ihre Frau an Ihnen?


Sie bringen mich in Verlegenheit, ich frage gescheiter
meine Frau. (…) Also, sie sagt, ich sei ein einfacher
Mensch, sehr lieb, unkompliziert und nie böse, selbst wenn
ich große Schmerzen habe. Und sie liebe meinen Humor.
Sie nennt mich abwechselnd Honey Bunny oder Warren
Buffett.

Ihre beiden Kosenamen machen mich neugierig.


Wir hatten uns in Hongkong zusammen Pulp Fiction
angeschaut. In der Eröffnungsszene sagt die Figur Honey
Bunny »I love you, Pumpkin«, und Pumpkin antwortet: »I
love you Honey Bonny.« Und dann springt er auf den
Tisch und schreit: »Everybody be cool this is a robbery!«
War ein kleiner Scherz, den wir uns nicht mehr
abgewöhnen konnten. Den Namen »Warren Buffett«
erhielt ich, weil ich mit Börsengeschäften Geld verdiene.

Was lieben Sie an Ihrer Frau?


Ihre Lebensfreude, ihre Herzenswärme, ihre mentale
Stärke, ihren Wissensdurst, ihre Geduld, ihre Cleverness,
ihre Lebensphilosophie und natürlich, dass das Leben mit
ihr so unkompliziert und harmonisch ist. Beinahe hätte ich
ihre außerordentlichen Kochkünste vergessen.

Ihre Spezialität?
Es gibt Leute, die stundenlange Fahrten in Kauf nehmen,
um bei ihr zu essen. Ihre Spezialitäten sind Teriyaki Beef,
Adobong Manok, Pankit, scharfe Springrolls und ihr
Cassava Cake, ein Dessertkuchen aus der Wurzelknolle
der Maniokpflanze und Macapuno, einem weichen
Kokosfleisch. Nicht zu verachten sind auch ihre Karaoke-
Einlagen während des Kochens.

Hitverdächtig.
Es ist kein Zufall, dass überall auf der Welt zierliche
Philippinerinnen mit Reibeisenstimmen Musik-Casting-
Shows gewinnen. Sie singen mit soviel Herzblut, als ginge
es um Leben und Tod.

Macht Ihre Frau aus Ihnen einen besseren Menschen?


Meine erste Frau, die ich als Teenager kennenlernte, hat
mich ohne Zweifel sozialisiert, später auch domestiziert
und während ihrer langjährigen Krebserkrankung
tyrannisiert. Ich verdanke ihr viel. Dina bringt enorm viel
Lebensfreude in meinem Alltag, sie macht mich glücklich
und glückliche Menschen sind oft auch bessere Menschen,
weil sie zufrieden sind. Auch Dina verdanke ich sehr viel.
Wie unterscheiden sich Frauen von Männern?
Ich bin nicht Experte. Man sollte auch nicht
verallgemeinern. Ich erzähle deshalb nur über meine
Erfahrungen nach dem Tod meiner ersten Frau und den
sechs Monaten auf der Isolationsstation: Die meisten
Kollegen hatten nicht wirklich Eier. Wenn sie einen
Schnupfen haben, rufen sie den Notarzt und wenn ein
Kollege schwer erkrankt, machen sie sich aus dem Staub,
schämen sich später und getrauen sich deshalb nicht mehr
Kontakt aufzunehmen, wenn man wider Erwarten überlebt
hat. Frauen sind anders. Nicht alle, aber generell sind sie
mental stärker, treuer, sie laufen nicht davon.

Was ist Liebe?


Bedingungsloses Vertrauen und Vertrautheit, Heimat.

Haben Sie auch Ihrer Frau wegen überlebt?


Das hat mir der Oberarzt der Hämatologie schon
mehrmals gesagt, aber ich dachte stets, weder ich noch
Dina haben Einfluss auf den Bürgerkrieg in meinem
Körper und wir könnten lediglich die Art und Weise
beeinflussen, wie wir damit umgehen. Aber mittlerweile
muss ich meinem Arzt recht geben, ich denke nicht, dass
ich ohne Dina so lange überlebt hätte.

Welche Figur in Ihrer Script Avenue macht Ihnen etwas


vor in Sachen Liebe?
Maricel. Maricel ist Dina. Und ich verliebe mich als
Romanfigur in Maricel. Die Szenen habe ich besonders
gerne geschrieben und dabei ein paar Tränen vergossen.
Tja, ein Autor, der von seiner eigenen Geschichte
überwältigt wird und die Tastatur wässert, ist natürlich
auch Stoff für eine Komödie. Im neuen Roman Der Mann,
der Glück brachte verliebt sich der Ich-Erzähler in eine
Elsässerin, doch es ist natürlich immer Dina, in die ich
mich erneut verliebe. Aber ich muss an die Leserinnen und
Leser denken und auch andere Nationalitäten
berücksichtigen.

Worauf kommt es an im Leben?


Zu Lebzeiten ist das individuell verschieden. Wenn das
Ende naht, bedauert man, dass man soviel Lebenszeit mit
idiotischen Dingen verbracht hat, dass man zu viel
gearbeitet und den Freundeskreis zu wenig gepflegt hat.
Es stirbt sich leichter, wenn man mit einer gewissen
Befriedigung auf sein Leben zurückschauen kann, wenn
man weiß, dass man schwierige, aber lösbare Aufgaben
gemeistert hat, wenn man einige Träume realisiert und
wenn man das Leben anderer Menschen signifikant
verbessert hat. Denn nach dem Tod heißt es schon bald
»aus den Augen, aus dem Sinn«, man wird schnell
vergessen, sofern man keine Schulden hinterlassen hat.
Überleben tut man nur im Gedächtnis der Menschen, die
man geliebt hat oder denen man Gutes getan hat. Aber
auch das erlischt mit der Zeit wie alles im Leben. Und am
Ende spielt eh alles keine Rolle, weil Tote keine
Erinnerung haben.

Was soll auf Ihrem Grabstein stehen?


Ich will keinen Grabstein. Ich will auch kein Land zum
Vermodern beanspruchen. Ich will kremiert werden.
Meine Frau und mein Sohn werden sich die Asche teilen,
wobei sie sich noch nicht im Klaren sind, wer die Arme
und wer die Beine kriegt.