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Markus Lanz - Körpersprache für taubblinde

Menschen
Eine ungewöhnliche Geschichte würden wir Ihnen jetzt gerne vorstellen. Die
Geschichte von Peter und Magherita Hepp. Er wurde taub geboren, erblindete
über dies im Alter von 29 Jahren. Sie ist Logopädin und verliebte sich in ihren
Patienten als sie ihm einst einen Kaffee ans Bett brachte. Doch wie sagt man
eigentlich: Ich liebe dich. Wenn ein der Andere weder hören noch sehen kann?

Ja, eine Geschichte die ganz viel über das Leben und die Möglichkeiten die das
Leben so bietet erzählt. Herzlich Willkommen Magherita und Peter Hepp, schön
das sie da sind.

Wir haben grade alle schon ganz fasziniert zugesehen. Das ist praktisch die
Übersetzung, die sie für ihren Mann leisten, auch während dieser Sendung,
damit er unserer Sendung folgen kann und sie tun das in einer
atemberaubenden Geschwindigkeit.

H: Ja, so ist es.

Ja so ist das. Und wenn sie dann da so drauf hauen ist das ne Pause, ist das
nächste Wort dann?

H: Dann ist es beendet ja.

Dann ist es beendet.

H: Genau.

So, Peter sie leiden am Usher-Syndrom, was bedeutet das genau?

H: Es gibt drei verschiedene Formen von so genannten Usher-Syndrom. Bei mir


liegt das so genannte Usher-Syndrom Typ 1 vor. Das bedeutet ich bin gehörlos
geboren und im laufe der Zeit kommt dann noch eine allmähliche Erblindung
dazu. Also man spürt das nicht, das ist schmerzlos, das geht fortschreitend über
viele Jahre. Ich bin also erst als Erwachsener erblindet. Ich habe gut gesehen
früher und erst später bin ich dann erblindet. Die Ursache für das Usher-
Syndrom, also laut aktueller Forschung, sagt man das es eine genetische
Ursache gibt für dieses Usher-Syndrom. Man sprach früher von dem Wort
Erbkrankheit, also heute spricht man eher vom genetischen Faktoren aber auch
Umweltfaktoren spielen eine Rolle.
Sie tragen eine Brille, können Sie noch irgendetwas sehen? Oder können Sie gar
nichts mehr sehen von dem was, hier in diesen Raum, vor sich geht?

H: Die Brille ist eigentlich nur so eine Art Sonnenbrille. Also eine Schutzbrille, sie
schützt vor UV-Strahlung. Die Augen sind ja lebendig so zu sagen und brauchen
diesen Schutz. Früher gab es ja diese schwarzen Brillen aber ich bin ein bischen
eitel also mir gefällt das eher so.

Jetzt haben sie ihm gesagt das hier Menschen lachen und applaudieren?

H: Genau. Ganz genau.

Wie machen sie das? Können Sie uns das einmal zeigen? Publikum lacht und
applaudiert. Wie geht das?

H: Das Publikum lacht und applaudiert.

Großartig. Diese Art der Kommunikation, darüber wollen wir heute ein bischen
reden, weil es unglaublich faszinierend ist Ihnen beiden dabei zu zu sehen wie
sie miteinander sprechen. Diese Sprache, diese Art zu sprechen, nennt sich
Lormen. Was bedeutet das? Was ist das?

H: Er sagte jetzt grade, Antworte du bitte.

Ja, das habe ich auch verstanden. Das hätte ich jetzt übersetzen können.

H: Haben sie auch verstanden? Sehr gut. Also das Lormen ist ein so genanntes
Tastalphabet für Taubblinde. Es ist ein System wo man über bestimmte
festgelegte Punkte auf der Hand, Punkte, Striche, die einen bestimmten
Buchstaben bedeuten, dann buchstabierend sich mitteilt. Man spricht quasi in die
Hand.

Man spricht in die Hand. Man schreibt gewissermaßen in die Hand rein.

H: Man schreibt, ja.

Und Peter hat uns dankenswerter Weise einen Handschuh mitgebracht. Und hat
mir erlaubt ihn sozusagen jetzt mal, ja wie nennt man das? Lormen? Lormen, in
Lormen-Sprache zu begrüßen. So, hier ist die Hand hier ist der Handschuh. So
und ich werde jetzt mal versuchen Peter etwas zu sagen, ja? Oh, man geht's
schon los. Okay. Ich such noch nen Buchstaben, tschuldigung ist gleich so weit.
Er hat mir prophezeit ich brauch drei Minuten. Ich fürchte er hat recht. Allmählich
geht's schneller. Hab das noch nie gemacht. Haben Sie mich verstanden?
H: Danke, gerne. Sie haben es prima geschafft.

Was habe ich gesagt? (Publikum will klatschen und wendet sich ans Publikum)
Moment, sie wissen gar nicht was ich gesagt habe.

H: Schön das sie da sind.

Richtig! Ja! Wir können uns das hier noch mal anschauen. Ich darf Ihnen den
Handschuh wieder ausziehen, ja? Es ist ja auch sehr warm, es ist Sommer hier
in Hamburg. Wir wissen ja jetzt wie das funktioniert. Wir haben hier ne kleine
Tafel. Vielleicht können Sie uns mal anhand dieser Tafel erklären, worauf es
ankommt? Also wo die verschiedenen Buchstaben versteckt sind, wie das ganze
aufgebaut ist.

H: Also an sich hat das Lormsystem jetzt keine richtige Systematik. Das einzige
was man erkennen kann ist das auf den Fingerspitzen, jeweils einmal Tippen die
Selbstlaute sind a, e, i, o, u.

Die Vokale sitzen oben auf den Spitzen.

H: Die Vokale, genau. Dann haben wir Striche auf den Fingern, da gibt es fünf
Striche die man nach unten führt. Heissen t, b, d, g, h, weiss auch nicht warum,
ist so. Dann haben wir Punkte auf der Handfläche. Dann kann man hier so
andeuten/kann man hier sehen nen Strich es gibt aber auch so kombinierte
Buchstaben wo man auf der Handfläche kreuzt, oder eben z.B. wie sie es beim
schön gemacht haben, die Finger so zusammen leicht drückt, nicht preßt, mit
zwei Fingern.

Ach, das heißt ich hab das falsch gemacht, hab das falsch interpretiert? Ich bin
einmal so rumherum gegangen. Okay.

H: Sie haben jetzt einmal drumherum,wird auch verstanden.

Also Buchstabenkombinationen. Seit wann machen Sie das?

H: Seit wir uns kennen.

Und wie schwer ist es Ihnen gefallen das zu lernen? Vor allem in dieser
Geschwindigkeit?

H: Also das Lormen zu erlernen geht nicht so lange. Das sieht man ja, Sie haben
ja jetzt auch mit dem Lormhandschuh schon ein bischen kommunizieren können.
Geht eigentlich relativ schnell. Jetzt die Geschwindigkeit das braucht ein bischen
Übung. Weiß nicht für die Geschwindigkeit, ich kann es gar nicht sagen.

So, jetzt haben wir erlebt wie sie beide miteinander kommunizieren. Wir würden
gerne ein bischen erfahren darüber wie Sie leben, was Alltag für Sie bedeutet.
Aber zunächst mal vorne beginnen, denn Ihre Geschichte ist auch eine sehr sehr
schöne und sehr berührende Liebesgeschichte. Wie haben Sie beide sich
kennen gelernt?

H: Da lasse ich gerne noch mal meine Frau erzählen, sie kann das so schön
erzählen.

Weil Sie eher der romantische Typ ist, wie Lothar Matthäus sagt.

H: Ja, vielleicht so.

Er hat nen ganz grossartigen Humor, das haben wir auch schon verstanden. Es
transportiert sich ganz viel ohne das irgendjemand etwas sagt. Ich hab auch
glaube ich in einem Fernsehstudio diese Art von Stille so noch nie erlebt, oder
gehört um es mal so auszudrücken. Also wie haben Sie sich beide
kennengelernt, was war das für eine Situation?

H: Es war eigentlich zunächst ne ganz normale Situation. Ich war in der


Ausbildung und mußte ein Praktikum machen. Das war in einem Krankenhaus
und wir haben uns so kennen gelernt wie man als Praktikantin jemanden kennen
lernt der im Krankenhaus ist. Also man stellt sich vor. Nur mit dem Unterschied
das mir gesagt wurde da ist einer der ist taub und blind bring ihm den Kaffee, wie
man es halt als Praktikant so machen muß, und ich hab nicht richtig zugehört.
Ich hab gesagt kein Problem, das mach ich. Und hab kurz vor der Türe bevor ich
reingekommen bin gesagt, ohje die hat gesagt der ist taub und blind, was mach
ich denn jetzt? So ging das los. Und bin dann rein und er hat dann aber sofort
mir klar gemacht es gibt ne besondere Form wie man kommunizieren muß.
Damals hat er noch gesehen, ich konnte also aufschreiben. So begann der
Erstkontakt.

Das heißt Ihr Mann weiß sehr genau wie gut sie aussehen?

H: Joar. Ich frag mal. Ja, ich hab sie ja vor 16 Jahren kennen gelernt und da
konnte ich Ihr Gesicht noch gut sehen. Das Gesichtsfeld war zwar stark
eingeschränkt aber ich konnte das noch erkennen. Also ich weiß wie sie
aussieht, also heute weiß ich es nicht mehr.

Also ich kann Ihnen sagen, sie sieht sehr gut aus, immer noch. Und die Frage ist
was mochten Sie damals an Ihrer Frau ganz besonders?

H: Bei dieser Geschichte im Krankenhaus da war das alles ziemlich unbewusst.


Es war eine Frau und sie zeigte auch Interesse. Das hatte ich ja früher schon
erlebt, ich hatte ja auch Beziehungen zu Frauen mal gehabt. Es kam aber zu
einer Situation wo ich stand und wo sie mich am Arm packte und mich in eine
andere Richtung zog und in dem Moment bei dieser Berührung hatte ich das
Gefühl da ist irgendwas anderes. Und ich dachte mal sehen was kommt, ich
blieb offen was kommt und ich merkte die Wege gehen zusammen. Ich hatte das
aber früher schon erlebt das Wege zusammengehen und sich aber nur kreuzen.
Bei uns blieb das aber zusammen, unser Leben blieb gemeinsam.

So und es begann eine sehr sehr schöne Geschichte zwischen Ihnen beiden die
aber begleitet wurde von großen Widerständen. Wie haben Ihre Freunde
reagiert? Vor allen Dingen auch Ihre Freunde reagiert als Sie denen sagten hör
mal zu ich hab mich grade in einen Mann verliebt, er ist gehörlos und er wird
sehr wahrscheinlich auch erblinden. Das heißt Ihnen war ja klar, als jemand der
auch im Krankenhaus arbeitet, was da auch an Pflege, an Aufmerksamkeit auf
Sie zukommen würde? Frage ging an Sie.

H: An mich? Ach so. Es ist schon eine schöne Liebesgeschichte, aber selbst
wenn große Wissenschaft und große Information über das Thema Behinderung
existiert, gibt es immer noch die Bedenken gegenüber behinderten Menschen.
Wenn Menschen behindert sind, ob sie dann nicht einfach leiden und ob das
alles ist. Und die Vorstellung das behinderte Menschen eben auch Gefühle
haben und schöne Gefühle haben das ist für viele eben nicht klar. Also viele
verstehen das behinderte Menschen klagen oder das Leben sehr schwer
empfinden und das ich Humor habe und lache das ist für viele sehr schwierig
und nun noch die Liebe das ist dann doppelt schwierig. Viele dachten es ist eben
so eine Art Leidenschaft, für kurze Zeit vielleicht, und dann wird es wieder
auseinander gehen. Mal sehen was kommt. Aber die Zeit hat gezeigt das es
eben anders war.

Sie beide?

H: Also es gab viele die anfangs skeptisch waren und danach aber eine andere
Meinung bekommen haben. Es gab aber auch andere die das nicht akzeptieren
konnten und sich entfernt haben. Aber es darf natürlich jeder so entscheiden wie
es sein Gefühl sagt.

Sie beide haben dann geheiratet, gegen all diese Widerstände, sie haben zwei
Kinder bekommen. Sie haben vorhin gesprochen von einer so genannten
Erbkrankheit, wie groß waren die Bedenken und vor allen Dingen auch die
Wahrscheinlichkeit das auch Ihre Kinder irgendwann ähnlich erkranken würden
wie Sie?

H: Es kommt drauf an. Also wenn beide Ehepartner eine Behinderung haben
dann ist die Gefahr natürlich größer. Aber Sie ist ja hörend/sehend und auch bei
Ihren Vorfahren gibt es niemanden der taubblind ist. So das man davon
ausgehen kann das es für die Kinder eigentlich keine Gefahr bestand. Es ist
möglich das sie aufpassen müssen wenn sie selber dann Kinder haben oder
eben Enkelkinder.

Wie gehen Ihre Kinder damit um? Sie haben noch relativ junge kleine Kinder im
welchem Alter?

H: Sind vier und sechs.

Vier und sechs Jahre alt. Wie gehen die mit ihrem Vater um? Also wie sprechen
die mit ihm? Wie treten die mit ihm in ein Gespräch ein?

H: Meine Kinder sind beide Buben, also sechs und vier Jahre alt. In den ersten
paar Jahren war es ihnen wirklich unbewusst das ich taubblind bin. Sie haben
sich ganz normal verhalten also das war überhaupt kein Thema. Erst als sie
anfingen zu sprechen kam allmählich das Bewusstsein das Papa anders reagiert
als Mama. Aber es ist nicht eine Form von Schicksalsschlag oder eine
Betroffenheit, sondern sie verstehen das als Unterschied. Papa ist so, Mama
anders, aber ohne eine negative Wertung, da spüre ich nichts. Also ich empfinde
ihr Verhalten mir gegenüber als normal ich erkenne ihre Wünsche und so weiter.

Wir sehen grade Bilder, wie es bei Ihnen zu Hause zu geht.

H: Das ist bei einem Spiel zu Hause. Wir haben also ein normales
Gesellschaftsspiel so ein bischen blindengerecht umgerüstet. Ich hab das mit
Blindenschrift ein bischen versehen und so können die Kinder also mitspielen mit
Papa.

Wie kommunizieren die Kinder mit dem Vater? Denn das Problem beim Lormen,
bei dem was Sie grade machen, ist natürlich das man ja auch in der Lage sein
muß richtig zu schreiben. Also ich sag mal es geht halt irgendwann auch ganz
handfest um Grammatik und um Orthografie, Rechtschreibung.

H: Die Kinder benutzen die so genannte Taktile-Gebärdensprache. Das heißt, sie


gebärden und zeigen mir mit Gebärdenzeichen was sie möchten. Sie möchten
etwas trinken z.B. sie zeigen mir das in Gebärden und ich erfühle das. Sie
Lormen noch nicht sie sind dann noch zu klein. Aber einige kleine Worte Mama,
Papa, das können sie Lormen, aber ganze Sätze so wie Mama das macht, das
können sie nicht, aber Gebärden das können sie. Da klappt die Kommunikation.

Ganz andere Frage, sie sind ein Paar das mit ganz massiven Schwierigkeiten,
also vor allen Dingen von Außen an sie herangetragen, auch zu kämpfen hat. Ich
könnte mir vorstellen das man sich wie in jeder guten Beziehung natürlich auch
mal streitet. Wie streiten sie beide sich? Wie merken Sie das Sie grade böse auf
Sie ist? Normalerweise wird einer laut aber Sie hören es ja nicht.

H: Ich höre durch meine Hände. Ich kann Ihre Körpersprache wahrnehmen und
Ihr Körper verrät immer wie sich fühlt, ob Sie froh, oder traurig, oder zornig ist.
Das ist wie eine Ausstrahlung, das ist bei jeden Menschen so. Es gibt so ne
Ausstrahlung, nenn ich's. Wenn wir bei uns zu Hause sind kann ich das sehr gut
spüren weil ich mich im Haus sehr gut auskenne, manchmal sogar ohne
Berührung, also so eine Art Stimmung wahr nehme. Und ich frage dann was ist
los, gibt es Probleme, oder ist das Kind verletzt, oder gibt es Ärger, gibt's grade
Streit. Wenn wir streiten streiten wir heftig.

Aber es wird nicht laut bei Ihnen. Oder schreien sie dann los?

H: Nein. Muß man die Nachbarn mal fragen. Wir benutzen beim Streiten die
Gebärdensprache, das ist einfach besser.

Das kennen wir auch aus dem Straßenverkehr. Da zeigt man dann manchmal so
Sachen die man, die wir jetzt lieber, aber das ist was anderes.

H: Genau ist leichter. Ja, das ist was anderes. Nein, die Gebärdensprache
ermöglicht es in'er größeren Geschwindigkeit zu zeigen. Und mit ner Heftigkeit
und das Gefühl kommt besser rüber als das Lormen. Also wenn ich per Lormen
streiten müßte wäre das als ob ich per Schreibmaschine streiten würde.

So, das ist jetzt interessant, was ich jetzt grade gesehen habe, Sie sind jetzt
umgeswitcht. Sie haben die ganze Zeit gelormt, also Buchstaben in seine
Handfläche geschrieben. Jetzt haben Sie eben was anderes gemacht. Wir haben
eben den Begriff schon gehört Taktile-Körpersprache. Wir kennen das aus dem
Fernsehen, Nachrichten beispielsweise bei Phoenix oder so, wenn da
Nachrichten übersetzt werden sitzt jemand da - Gebärdensprache übersetzt das
für Menschen die nicht hören können, zu Hause vorm Fernseher sitzen. Taktile-
Körpersprache ist wenn ich das richtig verstanden habe eine Stufe mehr, das
heißt sie berühren sich gleichzeitig. Warum ist dieses Berühren so wichtig?

H: Also Taktile-Gebärdensprache sagt man, es ist ja die gleiche


Gebärdensprache.
Auch das was Ihre Kinder machen?

H: Ja, es ist die gleiche Gebärdensprache die die gehörlosen Menschen, also die
noch sehen, benutzen. Es ist aber so da er nicht sehen kann was ich Gebärde
auf Abstand muß er es fühlen, muß er die Formen die Bewegungen erfühlen. Es
ist in sofern anders als die Gebärdensprache, weil es langsamer ist und die
Gebärden kleiner sein müssen und auch genau. Man muß also deutlicher
gebärden, sozusagen.

Was ist denn der Nachteil gegenüber dem Lormen? Denn Lormen ist ja nun noch
eine sehr sehr spezielle Form der Kommunikation also Menschen die in der Lage
sind Gebärdensprache zu sprechen könnten ja mit ihm kommunizieren, aber die
allerwenigsten können Lormen. Was ist also der Vorteil des Lormens?

H: Vorteil vom Lormen ist das es also für hörende Menschen die lesen,
schreiben, können viel schneller erlernbar ist als die Gebärdensprache mit vielen
komplexen Zeichen. Aber die Gebärdensprache wiederum hat den Vorteil das
man sehr schnell oder viel schneller Inhalte rüberbringen kann als es beim
Lormen der Fall ist.

Okay, verstanden. Jetzt würde man denken da ist jemand der mit so vielen
Widrigkeiten, also gesundheitlicher Natur, zu kämpfen hat, der ist natürlich im
wesentlichen zu Hause. Tatsächlich aber haben Sie einen Beruf erlernt, sie sind
Diakon. Der einzige taubblinde Diakon überhaupt in Deutschland. Warum dieser
Beruf? Warum ein spiritueller Beruf? Und wie üben Sie den aus? Nun sehen wir
übrigens grade Bilder.

H: Also die Frage warum ich Diakon geworden bin. Es war zunächst mal nicht
mein Traumberuf sozusagen. Also von der Schulzeit her irgendwie. Ich hab
Maschinenschlosser gelernt, das war mein erster Beruf. Ich wollte in diesem
Bereich Karriere machen zunächst. Aber mein Herz schlug nicht für die Technik.
Ich hatte ziemlich bald die Nase voll davon, von Maschinen, und ich hab mich
dem sozialen Bereich gewidmet. Ich hab mit Menschen gearbeitet und hab sehr
viel Freude dran gehabt und ich hab auch, es war auch sehr gut für mich, mich
sozial zu engagieren und den Menschen zu helfen das hat mir auch gut gefallen.
Und so habe ich den Maschinen den Rücken gekehrt. Und das hat sich sehr
vertieft, also ich hab auch versucht Kontakt aufzunehmen mit Gott sozusagen,
also ein Notschrei zu Gott zu senden für diese Menschen die bedürftig waren
und ich habe irgendwann den Zugang zur Kirche gefunden. Es gab natürlich sehr
viele Widerstände aus allen Richtungen und viele Krisen. Aber das Ergebnis
dieses Weges ist das der Weg zum Diakon frei wurde. Es war aber ein langer
Weg der 20 Jahre angedauert hat. Vor zwei Tagen war das Jubiläum, also seit
sieben Jahren bin ich Diakon. In meinem Buch erzähle ich darüber und das Buch
endet mit der Weihe, mit einem großen Fest, mit einem großen Fest mit viel
Freude und vielen Menschen die dabei waren. Das bedeutet aber nicht das seit
dieser Weihe bis heute diese sieben Jahre sozusagen sieben glorreiche Jahre
waren. Der Kampf und Streit usw. geht weiter. Nicht nur in der Familie auch
außerhalb gibt es Krisen, das hält bis heute an das ist so. Aber ich fühle das
doch der Beruf des Diakons meine Berufung ist.

Menschen klatschen. Eine allerletzte Frage habe ich noch. Ich weiß von der
Lektüre ihrer Biografie, Sie haben auch sehr sehr dunkle Stunden wirklich
durchlebt. Sie hatten zunächst zu kämpfen mit der Tatsache das Sie nicht hören
und demzufolge auch im Grunde nicht sprechen können. Sie haben dann
irgendwann gemerkt ich verliere langsam mein Augenlicht. Sie beschreiben das
sehr dramatisch und sagen ich hab dann irgendwann daran gedacht mir
tatsächlich auch das Leben zu nehmen, mich selbst zu töten. Sie beschreiben
die Situation das Sie in einen Wald gegangen sind und sich dort überlegt haben
ich werde mir jetzt meine Pulsadern öffnen um dann dort einfach zu sterben. Und
sagen dann gab es eine Art, na so interpretieren Sie's, eine Art Zeichen. Es war
sehr kalt an jenem Tag und dadurch hatten Sie die Sorge sie würden
möglicherweise, um's mal ganz dramatisch zu formulieren oder drastisch zu
formulieren, nicht ausbluten weil das Blut gerinnt, vorher. Und genau dieses
haben Sie als Anlaß genommen aus dieser tiefen Verzweiflung einen neuen
Schritt zu machen, ein neues Leben zu beginnen. Würden Sie heute sagen das
all das womit Sie zu kämpfen haben dennoch etwas ist aus dem Sie am Ende
sehr sehr viel Kraft gezogen haben?

H: Ja, ich habe den Sinn der Berufung voll und ganz begriffen. Das ist eine sehr
tiefe Sache, so das mich nichts mehr erschüttern kann. Ich bin so souverän. Es
gibt Feindschaften, feindschaftliches, mir gegenüber. Aber dem Gegenüber
stehe ich fest im Leben. Meine Frau sagt manchmal du bist wie eine Art Fels. Ich
nenne ein Beispiel: Es gibt Versuche wieder zu hören und wieder zu sehen. Aber
die Frage für mich besteht kann man denn Gott im lauten wahrnehmen? Gott
kann man doch nur in der Stille wahrnehmen. Und Gott liebt die Stille und dort
kann man sich ihm öffnen. Und das war damals wie ein Zeichen in dieser Stille
die gewirkt hat.

Also, Sie haben uns heute hier ein paar sehr magische Momente geschenkt, so
möchte ich das mal ausdrücken. Wir haben gelernt eine im Grunde ganz normale
Familie die einfach nur etwas anders miteinander spricht. Ganz ganz großartig,
herzlichen Dank für den Besuch bei uns in der Sendung. Danke schön.
Herzlichen Dank Peter und Magherita Hepp wenn Sie mögen sehen wir uns
bereits am Donnerstag wieder dann unter anderem mit dieser Geschichte ....