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Ludwig-Maximilian-Universität München

Mündliche Abschlussprüfung im Fach Philosophie, am 30.06.2010


Thema: Selbstreferenz in der Moderne
Prüfer: Prof. Dr. Axel Hutter
Prüfling: Franz Lukas Hell

Selbstreferenz in der Moderne

Gliederung:

1. Einleitung
2. Selbstreferenz in semantischen, mengentheoretischen und formalen Systemen
2.1 Selbstreferenz in semantischen Systemen
2.2 Selbstreferenz in der Mengenlehre
2.3 Selbstreferenz in formalen Systemen
2.4 Fazit
3. Weitere Formen von Selbstreferenz
3.1 Variationen des Themas
3.2 Selbstreferenz in der Philosophie
3.3 Selbstreferenz und Autopoiesis
3.4 Fazit
1. Einleitung

Selbstreferenz (von lat. se: sich und referre: sich auf etwas beziehen) bedeutet wörtlich: Sich auf sich
selbst beziehen. Selbstreferenz scheint ein ganz alltägliches Phänomen zu sein. Schon wenn man das
Personalpronomen „Ich“ benutzt und sich damit auf sich selbst bezieht, taucht es auf.

In der Moderne1 tritt das Phänomen der Selbstreferenz in den verschiedensten Wissenschaften und
anderen Kontexten zutage. Am Anfang des 20. Jahrhunderts wird Selbstreferenz vor allem als
semantische, mengentheoretische und formallogische Beziehung betrachtet und im Zusammenhang
mit dem Problem der Antinomien diskutiert. Im Laufe der zweiten Hälfte des Jahrhunderts tritt dann
der Begriff der Selbstreferenz vermehrt in unterschiedlichen Kontexten auf.

Dieser Beobachtung wird hier damit Rechnung getragen, indem zuerst die semantische und
formallogische Diskussion der Selbstreferenz dargestellt werden soll und danach versucht wird, das
mutmaßliche Auftreten des Phänomens in anderen Bereichen zu skizzieren.

2. Selbstreferenz in semantisch, mengentheoretischen und formalen Systemen

Dieser Abschnitt gliedert sich in 3 Teilabschnitte. Die Betrachtung der semantischen Selbstreferenz,
der Selbstreferenz in der Mengenlehre und der dabei entstehenden Antinomien und Selbstreferenz
in formalen Systemen.

2.1 Selbstreferenz in semantischen Systemen

Von Selbstreferenz im semantischen Sinn spricht man dann, wenn ein Ausdruck A einen Ausdruck B
bezeichnet, von dem A ein referierender Teilausdruck ist.2 Dieser Aufsatz ist etwa aufgrund der
Verwendung der Kennzeichnung „dieser Aufsatz“ selbstreferentiell, da der Ausdruck „dieser Aufsatz“
im vorliegenden Schriftstück als ein auf diesen Aufsatz referierender Teilausdruck vorkommt. In
diesem Aufsatz wird daher nun behauptet, dass das Phänomen der Selbstreferenz auf den ersten
Blick nicht weiter kompliziert zu sein scheint. Man nehme etwa folgende Beispiele:

(1) Dieser Satz enthält 5 Wörter.

1
Ich beziehe mich hier weitgehend auf das 20. Jahrhundert und blende die Diskussion über den Epochenbegriff
der Moderne völlig aus.
2
vgl. HWPh Bd. 9, S. 515
(2) Dieser Satz enthält 8 Wörter.

Der erste Satz ist offensichtlich wahr, der zweite falsch. Die Selbstreferenz wird hier mittels der
Wendung „dieser Satz“ erreicht.

Auf den zweiten Blick ergeben sich aber Probleme. Versucht man das Demonstrativpronomen zu
eliminieren und es durch seinen Bezug zu ersetzen, erhalten wir:

(1*) „Dieser Satz enthält 5 Wörter“ enthält 5 Wörter.

(2*) „Dieser Satz enthält 8 Wörter“ enthält 8 Wörter.

Offensichtlich ist der erste Satz wieder richtig, der zweite falsch. Die Wahrheitswerte der Sätze
verändern sich also nicht. Ein Problem scheint sich nicht zu ergeben. Wenn man nun aber wiederrum
versucht, den Bezug des Satzes in Anführungszeichen klar zu machen, enthält man:

(1**) „„Dieser Satz enthält 5 Wörter“ enthält 5 Wörter“ enthält 5 Wörter.

(2**) „„Dieser Satz enthält 8 Wörter“ enthält 8 Wörter“ enthält 8 Wörter.

Dies könnte man bis ins Unendliche fortsetzen. Im Gegensatz zu (1*) scheint nun aber der Satz (2**)
wahr zu sein, denn der in den Anführungszeichen erwähnte Satz enthält tatsächlich 8 Wörter, was
(2**) im Gegensatz zu (1**) ja gerade behauptet. Der Wahrheitswert scheint zu wechseln, wenn man
diese Prozedur mehr als einmal ausführt. Bei der nächsten Elimination der Indexikalia würden dann
beide Sätze falsch werden und im unendlichen Fortgang auch bleiben.

Fraglich bleibt allerdings, ob man überhaupt über Stufe (1*) bzw. (2*) hinausgehen sollte, da ja die
Indexikalia auf dieser Stufe nicht mehr gebraucht, sondern lediglich erwähnt werden, und so
eigentlich ihre Bedeutung einbüßen müssten.

Der scheinbar drohende unendliche Regress ist nun nicht da einzige Problem das in Beziehung mit
der Selbstreferenz auftaucht. Die Möglichkeit zur semantischen Selbstreferenz kann man auch zur
Konstruktion der Lügner-Paradoxie nutzen. Die Lügner-Paradoxie lässt sich an einem
selbstbezüglichen Satz demonstrieren, in dem das Wahrheitsprädikat vorkommt.

(3) Dieser Satz ist falsch.

Angenommen, Satz (3) ist falsch. Dies aber behauptet der Satz gerade. So sollte er also wahr sein, im
Widerspruch zur Annahme. Nimmt man daher an, dass der Satz wahr ist, dann müsste seine
Behauptung gelten, und er, im Widerspruch zur zweiten Annahme, falsch sein. Zur
Veranschaulichung setzen wir (3) in die Konvention T3 ein und erhalten:

(4) „Dieser Satz ist falsch“ ist wahr, dann und nur dann, wenn dieser Satz falsch ist.

Dies ist offensichtlich eine Paradoxie, denn in der klassischen Logik gilt das Prinzip der
Zweiwertigkeit, das besagt, dass ein Satz entweder wahr oder falsch ist. Den Lügner kann man aber
nicht so einfach auf eine dieser Möglichkeiten festnageln, wie wir gesehen haben.

Eine Möglichkeit zur Auflösung der semantischen Antinomie besteht nun in der Aufgabe der
semantischen Geschlossenheit der formalen Sprache, wie etwa in der Sprachstufentheorie von
Tarski. Aufgabe der semantischen Geschlossenheit bedeutet dabei aber die Aufgabe der Möglichkeit
der Selbstreferenz in dieser Sprache. Folglich kann die Lügner-Paradoxie erst gar nicht mehr gebildet
werden.
Eine weitere Möglichkeit wäre die Aufgabe der Zweiwertigkeit und die Einführung eines dritten
Wahrheitswertes, den man etwa als „undefiniert“ bezeichnen könnte.4 Der Lügner könnte demnach
einfach als einen Satz auffassen, dessen Wahrheitswert nicht definiert ist. Somit müsste die
Möglichkeit der Selbstreferenz nicht aufgegeben werden, welche ja in der natürlichen Sprache oft
vorkommt und nicht unbedingt zu Widersprüchen führen muss. Allerdings ließe sich bei dieser
Lösungsvariante wieder ein neuer Lügnersatz bilden, wie etwa der folgende:

(5) Der Wahrheitswert dieses Satzes ist undefiniert.

Wenn der Wahrheitswert von (5) nun wirklich nicht definiert wäre, dann müsste man diesen Satz als
wahr bezeichnen, weil er ja gerade dies behauptet. Nimmt man allerdings an, dass der Satz wahr
wäre, dann widerspricht dies natürlich gerade wiederum der Behauptung des Satzes. Das gleiche Bild
zeigt sich bei Satz (3). Nimmt man an, der Wahrheitswert dieses Satzes sei undefiniert, dann
entspricht dies ja gerade der Behauptung von Satz 3. Der Satz müsste wahr sein. Dies widerspricht
aber wieder seinem Inhalt. Wie man es auch dreht oder wendet, die Einführung von
Wahrheitswertlücken scheint die Möglichkeit zur Bildung von Antinomien nicht auszuschließen.

Dies scheint auch Kripke zu sehen, der, unter anderen, einen solchen Ansatz zur Sprache gebracht
hatte. Er schreibt:

3
Alfred Tarski: Der Wahrheitsbegriff in den formalisierten Sprachen.
4
Vgl. http://plato.stanford.edu/entries/self-reference/#Solv-krip; vgl. HWPh Bd. 9, S. 515.
“It seems likely that many who have worked on the truth-gap approach to the semantic
paradoxes have hoped for a universal language, one in which everything that can be stated at
all can be expressed.[…] Nevertheless the present approach certainly does not claim to give a
universal language, and I doubt that such a goal can be achieved.”5

2.2 Selbstreferenz in der Mengenlehre

Das Auftreten des Phänomens der Selbstreferenz und der damit verbundenen Paradoxien beschränkt
sich nun nicht nur auf semantische Systeme. Es lässt sich auch für Mengen darstellen. Die
Entdeckung dieser Antinomie geht auf eine Auseinandersetzung von Bertrand Russel mit einer
Forderung von Gottlob Frege zurück, die dieser in seinen Grundgesetzen der Arithmetik formulierte
und die unter dem Namen „Grundgesetz der Werthverläufe“ oder als „Grundgesetz V“ bekannt
wurde. Frege forderte:
„Der ungesättigte Teil eines Satzes, dessen Bedeutung wir Begriff genannt haben, muß die
Eigenschaft haben, durch jeden bedeutungsvollen Eigennamen gesättigt, einen eigentlichen
Satz ergeben; das heißt, den Eigennamen eines Wahrheitswertes zu ergeben. Dies ist die
Forderung der scharfen Begrenzung des Begriffs. Jeder Gegenstand muß unter einen
gegebenen Begriff entweder fallen oder nicht fallen, tertium non datur.“6

Die Forderung Freges, wonach jeder Gegenstand unter einen gegebenen Begriff entweder fallen oder
nicht fallen muss, führt für manchen Begriff zu einer Paradoxie, welche auch unter dem Namen der
Russell’schen Antinomie bekannt wurde. Genau genommen formuliert Russel sein Paradox aber für
Klassen (oder Mengen). Das Problem kann man hier bei der Selbstanwendung einer Menge (oder
Klasse) betrachten, wobei dies nicht in allen Fällen zu Paradoxien führen muss. So enthält die Klasse
„Die Klasse aller grünen Gegenstände“ sich nicht selbst. „Die Klasse aller Dinge außer Bertrand
Russel“ hingegen sollte sich selbst enthalten. Dies scheint also prima facie, wie bei der semantischen
Selbstreferenz, kein Problem darzustellen. Wie sieht es aber mit dem Klasse „die Klasse aller Klassen,
die sich nicht selbst als Element enthält“, im Folgenden R genannt, aus?7 Formal schreibt man:

5
S. 714, in: Kripke, Saul 1975. Outline a Theory of Truth. Journal of Philosophy 72, 690-716.
6
Vgl. Frege 2001: Schriften zur Logik und Sprachphilosophie, S. 88.
7
Russel, Bertrand 1937: The principles of mathematics, §101
Nehmen wir einmal an, dass R sich selbst enthält. Dann gilt aufgrund der Eigenschaft der Klasse, mit
der sie definiert wurde, dass R sich nicht selbst enthält, was der eben getroffenen Annahme
widerspricht. Nehmen wir aber an, es gilt das Gegenteil und R enthält sich nicht selbst, dann erfüllt R
die Eigenschaft der Klasse, so dass R sich eigentlich doch selbst enthalten müsste, entgegen der
Annahme. Formal kann man diese widersprüchliche Äquivalenz so ausdrücken:

R ist also genau dann Element seiner selbst, wenn es nicht Element seiner selbst ist. Ein
offensichtlicher Widerspruch.

Zur Lösung dieser Antinomie entwickelte Russel seine Typentheorie, indem er gerade diese
Selbstanwendung ausschloss.8 Nach dieser Idee hat eine Klasse stets einen höheren Typ als ihre
Elemente, und Aussagen wie „eine Klasse enthält sich selbst“ können dann gar nicht mehr formuliert
werden.9 Dies erinnert an die Sprachstufenhierarchie, die Tarski eingeführt hatte, um das Problem
der semantischen Antinomien zu umgehen. Beide Lösungsvorschläge eliminieren die Möglichkeit zur
Selbstreferenz.

2.3 Selbstreferenz in formalen Systemen

Das Phänomen der Selbstreferenz beschränkt sich nun nicht nur auf semantische oder
mengentheoretische Systeme, sondern tritt auch in formalen Systemen, wie der Mathematik, auf.
Selbstreferenz zeigt sich in der Mathematik beispielsweise als Rekursion. Unter Rekursion versteht
man dabei eine Funktion, die durch sich selbst definiert wird, bzw. deren Output selbst wieder als
Input der Funktion dient.10 Dies kann man sich an einer Zahlenfolge klar machen, die als Fibonacci-
Zahlen bekannt geworden sind:
1, 1, 2, 3, 5, 8, 13, 21, 34, 55, 89, 144, 233,…

Diese Zahlenreihe ist durch folgendes Formelpaar definiert:


FIBO(1) = FIBO(2) = 1
FIBO(n) = FIBO(n-1) + FIBO(n-2) für n > 2

8
Russels Lösung hat sich nicht durchgesetzt; In der erweiterten Zermelo-Fraenkel-Mengenlehre (ZF) stellt das
Fundierungsaxiom sicher, dass keine Menge sich selbst enthalten kann; vgl. Ernst Zermelo: Untersuchungen
über die Grundlagen der Mengenlehre, Mathematische Annalen 65 (1908), S. 261-281.
9
Russel, Bertrand 1937: The principles of mathematics, §497-500.
10
Vgl. GEB, S. 137ff.
Wie man sehen kann, werden die beiden Anfangswerte der Reihe vorgegeben und bilden damit,
bildlich gesprochen, den Samen oder das Fundament der Funktion. Verändert man diese Werte, so
verändert sich die ganze Reihe. Ausgehend von diesen beiden Werten, kann man dann FIBO(3) = 2
bilden. Dieser Wert und sein Vorgänger, einer der „Samen“, gehen dann in die Berechnung von
FIBO(4) ein, und so weiter und so fort.

Die Möglichkeit zur Selbstreferenz in einem formalen System spielt nun eine bedeutende Rolle in den
berühmt gewordenen Gödelschen Unvollständigkeitssätzen.11 Unter einem formalen System versteht
man dabei grob gesagt eine Menge an Axiomen zusammen mit einer Menge von Schlussregeln, die
es einem erlauben, die Axiome zu manipulieren.12 Dabei besteht ein formales System in der Regel aus
4 Komponenten. (1) Einem grundlegenden Alphabet, d.h. eine Menge beliebiger Symbole. (2) Ein
Kriterium, das bestimmt, welche Symbolketten wohlgeformt sind. (3) Eine Menge an wohlgeformten
Symbolketten, die als Axiome des Systems dienen. (4) Eine Menge an Ableitungs- oder Schlussregeln,
die es einem erlauben, die Axiome zu manipulieren, d.h. neue Sätze aus den bereits gegebenen
Axiomen abzuleiten.
Dabei gelten Gödels Ergebnisse für alle formalen Systeme T, die folgende Eigenschaften aufweisen:
(1) T ist endlich beschreibbar, (2) T ist widerspruchsfrei und (3) T ist so stark (mächtig) wie die Peano-
Arithmetik.
Der erste Gödelsche Unvollständigkeitssatz besagt nun, dass ein solches formales System
unvollständig ist, d.h. dass es mindestens eine Aussage über natürliche Zahlen gibt, die in T weder
bewiesen noch widerlegt werden kann. Der zweite Gödelsche Unvollständigkeitssatz besagt, dass es
unmöglich ist in T die Widerspruchsfreiheit von T zu beweisen, d.h. dass es nicht möglich ist, zu
beweisen, dass kein Widerspruch aus T abgeleitet werden kann.13

Der erste Gödelsche Unvollständigkeitssatz wird nun dadurch bewiesen, dass man einen in T
formulierbaren Satz G konstruiert, der etwa folgendermaßen lautet: „G ist in T nicht beweisbar“.14
Dies könnte man umgangssprachlich als einen selbstbezüglichen Satz beschreiben, der von sich selbst
aussagt, dass er im formalen System T nicht beweisbar (ableitbar) ist.

11
Vgl. Kurt Gödel: Über formal unentscheidbare Sätze der Principia Mathematica und verwandter Systeme, in:
Monatshefte für Mathematik und Physik/38. 1931.
12
Ein einfaches formales System: Hofstadter, Douglas: Gödel, Escher, Bach; S.37ff.; Darstellung eines
mächtigeren formales System: Das formale System P (der Peano Arithmetik), vgl.: Rucker, Rudy: Die Ufer der
Unendlichkeit, S 361ff.
13
Ein approximativer Konsistenzbeweis lässt sich etwa in: Hilbert, David 1905: „Über die Grundlagen der Logik und
der Arithmetik“, finden: S beweist die approximative Konsistenz von T, gdw. ∀nS ⊢ ¬ProofT(n,⊥)

14
Vgl. Rudy Rucker: Die Ufer der Unendlichkeit, S 378ff.
Dabei müssen zwei Schwierigkeiten überwunden werden, da man sich ja nur der Mittel des formalen
Systems bedienen darf um einen solchen Satz zu bilden. Erstens muss man den Begriff „beweisbar in
T“ mit Hilfe der Mittel des formalen Systems ausdrücken und zweitens muss man eine Möglichkeit
finden, wie man Sätze in T selbstbezüglich machen kann. Zur Lösung der ersten Schwierigkeit kann
man einen Trick benutzen, den man Gödelisierung nennt. Dabei ordnet man jedem Satz aus T eine
Codezahl zu (indem man jedem Symbol des Satzes eindeutig eine bestimmte Zahl zuordnet). Dadurch
kann man erreichen, dass sich die Eigenschaft „n ist die Gödelzahl eines in T beweisbaren Satzes“ in T
selbst darstellen lässt. Zur Konstruktion der Selbstreferenz in T benutzte Gödel dann eine Methode,
die auf Georg Cantor zurückgeht und als Diagonalisierung bekannt geworden ist.

Von der technischen Konstruktion einmal abgesehen, kann man den „Gödelschen Satz“ G
umgangssprachlich etwa folgendermaßen ausdrücken: „Dieser Satz ist in T nicht beweisbar“. Wenn G
nun im System T ableitbar wäre, dann würde man in T einen Satz beweisen, der von sich selbst
behauptet, dass er nicht beweisbar ist. Folglich wäre das System widersprüchlich. Da wir aber
angenommen haben, dass T widerspruchsfrei ist, kann G in T nicht bewiesen werden. Dies ist aber
gerade der Inhalt von G. Der Satz behauptet nämlich gerade, dass er nicht beweisbar ist. Da er nicht
beweisbar ist und dies behauptet, kann man nur schließen, dass der Satz wahr ist.
Wenn man also von einem widerspruchfreien System T ausgeht, kann man nur folgern, dass dieses
System T unvollständig sein muss, da es für ein jedes solches System T einen Satz gibt der wahr und
mit den Mitteln von T ausdrückbar ist, aber den man mit den Mitteln von T nicht beweisen kann.
Gerade deswegen ist er ja wahr.

2.4. Fazit

Selbstreferenz ist ein ganz alltägliches Phänomen und scheint auf den ersten Blick ganz unkompliziert
zu sein. Dies konnte man vor allem an selbstbezüglichen Sätzen und Mengen sehen, die
„normalerweise“ zu keinen Problemen führen. Bei genauerer Analyse scheint sich Selbstreferenz in
einen unendlichen Regress zu verstricken und zu unlösbaren Widersprüchen zu führen. Die
Auseinandersetzung mit den semantischen und mengentheoretischen Antinomien führte, historisch
gesehen, zu einer Modifikation der naiven Systeme, in denen diese selbstbezüglichen Paradoxien
auftauchten. Die anfänglichen Versuche die Antinomien aufzulösen waren dann meistens mit einem
Verbot der Möglichkeit von Selbstreferenz gekoppelt.
Im Rahmen der Gödelschen Unvollständigkeitssätze spielt die Möglichkeit von Selbstreferenz eine
entscheidende Rolle bei dem Beweis, dass endliche formale Systeme, wenn sie denn mächtig genug
sind, dann auch prinzipiell unvollständig (oder widersprüchlich) sind.
3. Weitere Formen von Selbstreferenz

Der Fokus der Betrachtung des Phänomens lag in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts vor allem
15
auf der Analyse formallogischer Selbstreferenz, wie wir das oben dargestellt haben. Dabei sollte
die obige Auswahl natürlich nur einen Überblick geben16, wie auch die folgenden Beispiele nur eine
Auswahl darstellen werden.

3.1 Variationen des Themas

Steven J. Bartlett versucht in ein seinem Aufsatz „Varieties of Self-Reference“17 den Begriff der
Selbstreferenz auszudehnen. Neben dem bereits thematisierten Kontext weist er auf die
pragmatische oder performative Selbstreferenz hin, die entsteht, wenn man behauptet „Es gibt keine
Wahrheit“ oder wenn man zu der Erzählung vom Ende aller großen Erzählungen anhebt18. In einer
solchen Rede steckt ja selbst wieder ein Anspruch auf Wahrheit oder eine Erzählung und die
Behauptung verfängt sich somit im Selbstwiderspruch.
Des Weiteren entdeckt er, wie schon Douglas Hofstadter19, Selbstreferenz in der Welt der Künste. In
selbstreflexiver oder selbstbeschreibender Literatur, in der Musik von J.S. Bach, in dessen Musik20
immer wiederkehrende Strukturen auftreten und in selbstbezüglichen Bildern von M.C. Escher oder
René Magritte, dessen berühmtes Bild „La trahison des images“ eine Pfeife zeigt unter der zu lesen
ist: „Ceci n’est pas une pipe.“

15
Vgl. S. 6, in: Bartlett, Steven J.: Varieties of Self-Reference. In: Bartlett, Steven J. (Hrsg.);Suber, Peter (Hrsg.): Self-
Reference. Reflections on Reflexivity. Dordrecht, Boston, Lancaster :Martinus Nijho Publishers, 1987, S. 6-28.
16
Weitere Paradoxa, in denen Selbstreferenz eine Rolle spielt, wären: Das Burali-Forti-Paradox, Cantors
Paradox, Grellings Paradox, Currys Paradoxon, usw.
17
Vgl. Bartlett 1987
18
Lyotard, Jean-Francois: Das postmoderne Wissen; diese Erzählung mag man vielleicht nicht groß nennen? Ein
Sprachspiel unter Sprachspielen? Vgl. ebd. S. xxiv-xxv.
19
Vgl. auch: Douglas Hofstadter: „Gödel, Escher, Bach“
20
Vgl. dazu: Das Musikalische Opfer von J.S. Bach
21

Natürlich ist das Bild keine Pfeife, sondern nur ein Abbild oder Symbol einer Pfeife. Wenn einem das
nicht aufgefallen sein sollte, erinnert einen der Schriftzug unter der Pfeife daran.22

Das Phänomen der Selbstreferenz tritt nicht nur in der Kunst auf. So zeigt sich das Phänomen für
Bartlett auch in der Physik. Dabei beruft er sich auf den französischen Physiker Alain Aspect, der eine
Reihe von Experimenten durchgeführt hat, die zu zeigen scheinen, dass das Ergebnis der Messung
oder Beobachtung von quantenmechanischen Phänomenen oft durch die Messung selbst
determiniert wird.23
Ein weiterer Fall, bei dem das Ergebnis der Messung vom Beobachter abhängig ist, scheint die
Bestimmung der Gleichzeitigkeit eines Ereignisses sein. Dieses Phänomen ist als die „Relativität der
Gleichzeitigkeit“24 bekannt geworden und besagt folgendes: Verschiedene in Bewegung befindliche
Beobachter werden zu der Frage, ob mehrere Ereignisse zur gleichen Zeit stattfinden, zu
unterschiedlichen Ergebnissen kommen.

3.2 Selbstreferenz in der Philosophie

Für Bartlett, wie auch Frederic B. Fitch25 spielt Selbstreferenz auch in der Philosophie eine Rolle.
Bartlett führt dazu das Beispiel von Husserls Phänomenologie in Feld.26 Husserls Phänomenologie sei
eine Wissenschaft der Wissenschaften, eine Theorie der Theorien, welche, da sie selbst eine
Wissenschaft oder Theorie ist, auch sich selbst zum Gegenstand hat. Fitch unterscheidet nun
zwischen Theorien, die sich selbst nicht zum Gegenstand haben, wie Theorien aus den empirischen
Wissenschaften und Theorien über Theorien. Bei zweitem unterscheidet er wiederum zwischen

21
Abbildung: La trahison des images; René Magritte, 1929; Öl auf Leinwand, 59 cm × 65 cm; County Museum, Los Angeles.
22
Aber wo liegt der Unterschied? Die Pfeife auf dem Bild kann man nicht von der Seite her anschauen.
23
Unfertige Assoziationen: Heisenbergsche Unschärferelation, EPR-Effekt, Schrödingers Katze…
24
Vgl. Rudy Rucker: Die Wunderwelt der vierten Dimension, S. 193ff.
25
Fitch, Frederic B.: Self-Reference in Philosophy. In: Reflexivity. A Source-Book in Self-Reference S. 221-230
26
Husserl und Whitehead stehen hier nur Pate, auf exegetische Korrektheit wurde nicht geachtet.
Theorien über Theorien, die sich selbst nicht zum Gegenstand haben und Theorien die sich selbst
zum Gegenstand haben, also selbstreferentielle Theorien. In der Philosophie, so Fitch, kann man
Theorien über das allgemeine Wesen von Theorien antreffen. Da diese selbst als Theorie gelten
müssten, müssten sie auch selbstreferentiell sein. Als Beispiel27 führt Fitch Whitehead‘s
philosophisches System aus „Prozess und Realität“ an, zu dessen Gegenstandsbereich neben
Ereignissen, Mannigfaltigkeiten und anderen Dingen auch Theorien zählen. Da „Prozess und Realität“
selbst als Theorie gilt, gehört es auch zu seinem eigenen Gegenstandsbereich und ist folglich
selbstreferentiell.

Exkurs:

Nehmen wir einmal an, jemand möchte, inspiriert von diesen gerade skizzierten Ansätzen, eine
Theorie von Allem28 aufstellen. Wenn diese Theorie wirklich alles erklären können soll, so muss sie
auch sich selbst zum Gegenstand haben. Es wäre also eine selbstreferentielle Theorie.
Ist es überhaupt möglich, eine Theorie von Allem (kurz: TOE, Theorie of Everything) aufzustellen oder
ist dies prinzipiell unmöglich?
In Anlehnung an Gödels Ergebnisse, müsste man eigentlich für eine jede TOE einen Satz G*
konstruieren können, der etwa folgendes behauptet: „Dieser Satz kann von der TOE nicht erklärt
werden“. Kann der Satz G* nun von der TOE erklärt werden, dann steht die Behauptung von G* in
Widerspruch mit der Fähigkeit der TOE. Folglich müsste die Theorie widersprüchlich sein. Nehmen
wir aber an, dass die TOE nicht widersprüchlich ist, dann kann dieser Satz von der TOE auch nicht
erklärt werden und dann stellt G* eine Wahrheit dar, die von der TOE nicht erklärt werden kann.
Folglich müsste die TOE unvollständig sein, was aber ihrer Definition widerspricht, da sie ja den
Anspruch hegt, eine Theorie von Allem zu sein. Eine TOE müsste, wenn möglich, widersprüchlich
sein.29

3.3 Selbstreferenz und Autopoiesis

Zum Abschluss soll die Parallele zwischen dem Phänomen der Selbstreferenz und der Autopoiesis
betrachtet werden. Autopoiesis (altgriech. αὐτός „selbst“ und ποιέιν „schaffen, bauen, machen“)
bedeutet dabei so viel wie sich selbst machen. Für die chilenischen Biologen Humberto Maturana

27
Ein weitere selbstreferentielle Theorie wäre etwa Richard Dawkins Mem-Hypothese; Meme sind, in Analogie
zum biologischen Gen, selbstreplikative Gedankeneinheiten. Die Theorie selbst ist auch ein Mem (/Memplex);
vgl.: Richard Dawkins: „Egoistische Gene und egoistische Meme“ in: D. Hofstadter; D. Dennet: Einsicht ins Ich.
28
das fordert doch Hegel in seiner Differenzschrift von der Philosophie: das Absolute zu denken, mit dem
Handwerkszeug der jeweiligen Zeit.
29
So ähnlich argumentiert Rudy Rucker in seinem Buch „Die Ufer der Unendlichkeit“, S. 206ff.
und Francisco Varela ist Autopoiesis das charakteristische Organisationsmerkmal von lebenden
Systemen.30 Der Begriff der Autopoiesis findet dann im Anschluss an Maturana und Varela auch in
weiteren Gebieten der Wissenschaft Anwendung.31
Die Selbstreferenz in der Autopoiesis besteht dabei in der Selbsterschaffung und –erhaltung des
Systems. Die autopoietischen Systeme sind dabei rekursiv organisiert, das heißt das Produkt des
funktionalen Zusammenwirkens ihrer Bestandteile ist genau jene Organisation, die die Bestandteile
produziert. Maturana und Varela beschreiben dies so:
[D]as Produkt ihrer Organisation [sind] sie selbst, das heißt, es gibt keine Trennung zwischen
Erzeuger und Erzeugnis. Das Sein und das Tun einer autopoietischen Einheit sind untrennbar,
und dies bildet ihre spezifische Art von Organisation.“32
Die autopoietische Organisation kann dabei durch viele verschiedene Bestandteile verwirklicht
werden, wenn auch das Leben auf der Erde vor allem auf der Basis von organischen Molekülen fußt.
Diesen Gedanken verdeutlichen Maturana und Varela an einem Beispiel: Die Organisation zur
Steuerung des Wasserpegels in einem Spülkasten eines WCs besteht aus bestimmten Bestandteilen
und deren Relationen. Aus einem Gerät, das fähig ist, den Wasserspiegel einzuschätzen und einem
Gerät, das fähig ist, den Wasserzufluß zu unterbinden. Die konkrete Struktur kann nun aus einem
metallischen Schwimmer und einem Durchflußventil bestehen. Diese spezifische Struktur, die die
Organisation verwirklicht, kann nun natürlich dadurch verändert werden, indem man den
metallischen Schwimmer durch einen aus Holz oder Kunststoff ersetzt. Damit ändert sich an der
Organisation nichts, sondern nur an der Struktur.33

Das Konzept der Autopoiesis wenden die Autoren nicht nur als eine Definition des Lebens an,
sondern benutzen es auch als integraler Bestandteil ihrer „biologischen“ Theorie der Kognition, die
die beiden Autoren in „Der Baum der Erkenntnis“ dargestellt haben. Dabei verabschieden sie sich
von der Auffassung der Welt als einer Ansammlung von zu erkennenden beobachterunabhängigen
Objekten „da draußen, die man nur aufzugreifen und in den Kopf hineinzutun hat“. Ein wesentliches
Merkmal von autopoietischen Systemen ist nämlich deren operationale Geschlossenheit.34 Die
Umwelt stellt für das System nur eine Art Quelle für Pertubationen35 (was man etwa mit Verstörung
übersetzen könnte) dar, die Zustandsveränderungen des Systems nur auslösen aber nicht

30
Humberto R. Maturana, Francisco J. Varela: Der Baum der Erkenntnis. Die biologischen Wurzeln des
Erkennens. Goldmann, München 1987, S. 55.
31
U.a. bei der Anwendung auf soziale Systeme wie bei Niklas Luhmann: Soziale Systeme. Grundriss einer
allgemeinen Theorie; diese Anwendung des Begriffs findet sich aber auch schon bei Maturana und Varela: Der
Baum der Erkenntnis; Kapitel 8: Die sozialen Phänomene.
32
Ebd. S. 56.
33
Vgl. ebd. S. 54.
34
Ebd. S. 14.
35
Vgl. ebd. S. 26
verursachen können. Stattdessen erklären die Autoren jedes Erkennen zu einem ständigen Akt der
Erzeugung einer Welt unter Aufrechterhaltung der Autopoiesis des erkennenden Systems.36

Diese Anschauung versuchen die Autoren anhand einer Reihe von Beispielen zu illustrieren. Das erste
Beispiel das sie aufführen ist das Phänomen des blinden Flecks. Hält man ein Blatt mit 2 mittelgroßen
Objekten37, die etwa 10 cm voneinander entfernt sind, in ca. 40 cm Entfernung vor sein Gesicht,
verschließt ein Auge, fixiert einen der beiden Punkte und bewegt das Blatt hin und her, so
verschwindet auf einmal einer der beiden Punkte aus der subjektiven Wahrnehmung. Die normale
Erklärung dieses Phänomens ist, dass in dieser spezifischen Position die Abbildung des Objektes auf
den Bereich der Netzhaut fällt, der für das Licht unempfindlich ist, da dort der Sehnerv aus dem Auge
austritt und daher keine Photozellen zur Verfügung stehen, die affiziert werden können.38 Diese
Erklärung, so die Autoren, gibt aber keine Antwort auf die Frage, warum wir dann nicht ständig ein
Loch in der Größe des blinden Flecks in unserer Wahrnehmung haben. Unsere visuelle
Wahrnehmung ist vielmehr die von einem kontinuierlichen Raum, solange wir keine Experimente
machen. Wir sehen quasi nicht dass wir nicht sehen. Diesen spezifischen Punkt in unserer
Wahrnehmung müssen wir daher selbst hervorbringen, sonst hätte unsere Wahrnehmung ja ein
Loch.
Als weiteres Beispiel zeigen die Autoren ein Bild von einem grauen Kreis, der einmal auf einer weißen
und einmal auf einer grünen Hintergrundfläche abgebildet ist. Nun unterscheidet sich die subjektive
Wahrnehmung der grauen Farbe des Kreises auf dem weißen Hintergrund von der Farbe des grauen
Kreises auf der grünen Hintergrundfläche, obwohl in beiden Abbildungen dasselbe Grau verwendet
wurde. Die Autoren schließen daraus, dass die Farbe, die wir sehen, keine Eigenschaft der Dinge ist
und dass die Wahrnehmung der Farbe durch die Beschaffenheit des Wahrnehmenden
(mit?)bestimmt ist.39

Man könnte diese Beispielreihe um eine Vielzahl an visuellen Täuschungen40 ergänzen oder Illusionen
aus anderen Wahrnehmungsmodalitäten heranziehen, wie etwa der akustischen Täuschung41, der
wir unterliegen, wenn wir die Tonleiter unendlich ansteigend oder abfallend hören, die nach dem
Psychologen Roger Shepard benannt ist. Klar scheint aber zu werden, dass wir manchmal keinen

36
Vgl. ebd. S. 31.
37
Funktioniert auch mit beiden Daumen.
38
Vgl. ebd. S. 23.
39
Vgl. ebd. S. 24.
40
Eine Auswahl an bekannten optischen Täuschungen findet sich unter:
http://de.wikipedia.org/wiki/Optische_T%C3%A4uschung; http://www.michaelbach.de/ot/.
41
Weitere Beispiele unter: http://de.wikipedia.org/wiki/Akustische_T%C3%A4uschung .
Unterschied machen, wo unser Verstand eigentlich einen erwarten würde und auch dass wir dort
einen Unterschied wahrnehmen wo eigentlich keiner ist.

Exkurs: Wenden wir diese These einmal auf sich selbst an.

Laut der Theorie der Kognition von Maturana und Varela besteht das Erkennen also in einem
Hervorbringen der Welt. Da diese Theorie selbst ein Erkennen oder eine Erkenntnis ist, muss sie also
auch selbst ein Hervorbringen einer Welt sein unter der Bedingung der Aufrechterhaltung der
Autopoiesis des sie Hervorbringenden Systems. Dies fassen sie in dem folgenden Aphorismus
zusammen: „Jedes Tun ist Erkennen, und jedes Erkennen ist Tun.“42
Angesprochen auf dieses Dilemma würden die Autoren vielleicht sagen, dass wir nicht umhin
können, selbst eine Welt hervorzubringen, wenn wir eben gerade dieses Hervorbringen der Welt, das
Erkennen selbst, untersuchen wollen.43 Vielleicht würden sie auch mit dem zweiten Kernaphorismus
ihres Buches „Der Baum der Erkenntnis“ antworten, der da lautet: „Alles Gesagte ist von jemanden
gesagt.“44

3.4 Fazit

Das Phänomen der Selbstreferenz scheint sich nicht nur auf formallogische Systeme zu beschränken,
sondern tritt in unserer Welt in so unterschiedlichen Bereichen, wie der Welt der Kunst und der Welt
der Physik auf. Des Weiteren scheint sie auch in der Philosophie von Bedeutung zu sein, v.a. wenn
Philosophie den Anspruch hegt, das Absolute zu denken. Ausgehend von der These der
autopoetistischen Organisation des Lebens drängt sich der Gedanke auf, dass wir selbst
selbstbezügliche Systemen sind, deren Wahrnehmen und Erkennen nicht von ihrem Sein zu trennen
sind.

42
Maturana, Varela: Der Baum der Erkenntnis; S. 31.
43
Vgl. ebd. S. 30.
44
Vgl. ebd. S. 32.