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Unterwegs zur Wahrheit mit Frege und Quine

Wissenschaftliche Arbeit zur Erlangung des Grades eines Magister Artium an


der Fakultät für Fakultät für Philosophie, Wissenschaftstheorie und Religionswissenschaft der
Ludwig-Maximilians-Universität München

Verfasser: Franz Lukas Hell

Erstgutachter: Prof. Dr. Axel Hutter

Zweitgutachter: Prof. Dr. Julian Nida-Rümelin

München, April 2010


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung ...............................................................................3
1.1 Die Überkomplexität der Wahrheitsfrage...................................................................... 3

1.2 Wahrheitsdefinition und Wahrheitskriterium ............................................................... 7

1.3 Aufbau der Arbeit.......................................................................................................... 8

2. Analyse des Wahrheitsbegriffs ............................................10


2.1 Analyse des Wahrheitsbegriffs bei Frege..................................................................... 11

2.1.1 Die Undefinierbarkeit der Wahrheit........................................................................... 13

2.1.2 Erläuterung des Wahrheitsbegriffs ............................................................................ 15

2.1.3 Die Objektivität der Wahrheit .................................................................................... 20

2.1.4 Die redundanztheoretische Analyse des Wahrheitsprädikats.................................... 22

2.1.5 Die Form des Behauptungssatzes als Wahrheitsoperator ......................................... 25

2.2 Der Wahrheitsbegriff bei Quine................................................................................... 27

2.2.1 Wahrheit als Zitattilgung ........................................................................................... 28

2.2.2 Wahrheit und Erfüllung .............................................................................................. 30

2.2.3 Einschränkungen des Wahrheitsprädikats................................................................. 32

2.2.4 Die Paradoxien der Wahrheit ..................................................................................... 33

2.3 Resümee...................................................................................................................... 38

3. Wahrheitsträger ..................................................................46
3.1 Wahrheitsträger bei Frege........................................................................................... 46

3.1.1 Erläuterung der Wahrheit von Bildern, Vorstellungen und Sätzen ............................ 48

3.1.2 Gedanken als grundlegende Wahrheitsträger ........................................................... 49

3.1.3 Analyse der beurteilbaren Inhalte .............................................................................. 51

3.2 Wahrheitsträger bei Quine .......................................................................................... 58

3.2.1 Quine über Satzbedeutungen als Wahrheitsträger.................................................... 58

3.2.2 Die These von der Unbestimmtheit der Übersetzung................................................. 63

3.2.3 Sätze als Wahrheitsträger .......................................................................................... 69

1
3.3 Resümee...................................................................................................................... 73

4. Wahrheitsbedingung und Wahrheitskriterium ....................74


4.1 Wahrheitsbedingung und Wahrheitskriterium bei Frege............................................. 74

4.2 Wahrheitsbedingung und Wahrheitskriterium bei Quine............................................ 80

4.3 Resümee...................................................................................................................... 89

5. Literaturverzeichnis .............................................................94

6. Abbildungsverzeichnis: ........................................................99
Lebenslauf ....................................................................................................................... 100

Eidesstattliche Erklärung ................................................................................................. 101

2
1. Einleitung

Täglich erheben wir Wahrheitsansprüche und glauben daran, dass wir das manchmal, wenn nicht
meist, zu Recht tun. Für Anton Friedrich Koch ist dies eine „grundlegende und unstrittige Tatsache“,
das Faktum der Wahrheit.1 So halten wir schlicht einzelne Meinungen für wahr oder falsch, etwa dass
ein Apfel, sollte er einmal seinen Halt am Baum verlieren, zu Boden fällt und nicht in den Himmel
fliegt, dass Aristoteles ein Philosoph war, oder dass 2 plus 1 gleich 3 ist. Man kann sehen, dass wir
Wahrheit in den verschiedensten Bereichen prädizieren, sowohl von Meinungen über die Welt und
deren Geschichte als auch von zahlentheoretischen Aussagen, um nur einige Beispiele zu nennen.
Dabei setzt man normalerweise und ohne groß nachzudenken voraus, dass es auch der Fall ist, was
man behauptet, unabhängig davon, ob man es gerade behauptet. Es sei denn, man irrt sich oder sagt
bewusst das Falsche. So kann man den Begriff der Wahrheit grob vom Begriff der Falschheit, des
Irrtums oder der Lüge abgrenzen. Wir halten aber nicht nur einzelne Meinungen für wahr oder
falsch, der Begriff der Wahrheit hat, darüber hinaus, in unserer alltäglichen Sprache verschiedenste
Anwendungsmöglichkeiten. So lassen sich etwa ein substantivischer Gebrauch des Wahrheitsbegriffs,
wie in „Ich sage die Wahrheit“, ein attributiver Gebrauch, wie in „wahrer Freund“, und ein
prädikativer Gebrauch, wie in „Es ist wahr, dass heute die Sonne scheint“, unterscheiden. Dabei
scheinen wir in unserem täglichen Umgang mit „der Wahrheit“ gut zurechtzukommen und lassen uns
auch durch gelegentliche Irrtümer oder Anomalitäten nicht aus der Ruhe bringen.

1.1 Die Überkomplexität der Wahrheitsfrage

Im philosophischen Diskurs spielt das Wahrheitsproblem nun eine zentrale Rolle2 und manchmal
kommen dadurch unsere naiven Auffassungen, wie sie auch immer aussehen mögen, ins Wanken.
Dabei ist die Pilatusfrage: Was ist Wahrheit? schon so alt wie die Philosophie selbst. Schon seit der
Antike verwenden Philosophen diesen Begriff.3 Das Verständnis und die Diskussionen über das
Wahrheitsproblem hängen hierbei stark von den jeweiligen philosophischen Positionen und
Hintergrundannahmen ab und wandeln sich teilweise im Laufe ihrer jeweiligen Geschichte. So lassen

1
Vgl. Koch 2006, S. 11.
2
Vgl. Skirbekk 1992, S. 3.
3
Vgl. Historisches Wörterbuch der Philosophie, 2007, Bd. 12, S. 60ff.

3
sich die verschiedensten Auffassungen in der Geschichte der Philosophie wiederfinden, die alle
versuchen eine Antwort auf diese Frage zu finden.

Hierbei ist schon strittig, was unter Wahrheit eigentlich zu verstehen sei, ob es so etwas wie das
Wesen der Wahrheit überhaupt gibt.4 So kann man die heutigen Wahrheitstheorien grob als
entweder substantialistisch oder deflationistisch klassifizieren. Wobei die Theorien, die sich unter
dem Etikett des Substantialismus sammeln lassen, mehr oder weniger davon ausgehen, dass der
Begriff der Wahrheit einen eigenen spezifischen Begriffsgehalt, ein Wesen oder eine bestimmte
Natur besitzt, die es aufzuklären gilt. Im Gegensatz dazu spielt der Wahrheitsbegriff bei den
Vertretern der Kategorie „Deflationismus“ meist eine lediglich expressive oder technische Rolle.5
Dies führt uns zur Frage nach der Bedeutung von Wahrheit und zur Frage der Definierbarkeit von
Wahrheit. Ist diese Frage einmal geklärt, so stellt sich, um es mit den Worten Freges zu sagen, die
Frage, bei welchen Dingen „das Wahrsein überhaupt in Frage kommen kann“,6 die Frage nach dem
Wahrheitsträger. Auf die Frage nach dem Wahrheitsträger gibt es nun auch eine Vielzahl an
Antworten, wie etwa Aussagen, Sätze, Urteile, Propositionen, Gedanken, Theorien, Systeme,
Überzeugungen, Behauptungen, kognitive Instanzen, um nur einige Schlagwörter zu nennen.7 Dabei
hängen die Antworten auf diese Fragen einerseits von den philosophischen Hintergrundannahmen
ab und andererseits hängen sie untereinander eng zusammen. Wie wir sehen werden, ergeben sich
aus der Analyse der Wahrheitsträger, einer Frage der Semantik, die Wahrheitsbedingungen. Für
Quine führt uns dies in die Ontologie und damit zur Frage, was man stillschweigend voraussetzt,
wenn man einen Wahrheitsanspruch erhebt oder, um es mit den Worten eines seiner berühmten
Aufsätze zu sagen: Was es gibt.8 Zu guter Letzt stellt sich dann noch die Frage: Wie entscheidet oder
erkennt man eigentlich, ob ein Satz, eine Aussage, eine Proposition, ein Gedanke oder was auch
immer wahr genannt werden kann? Traditionell eine Fragestellung der Erkenntnistheorie.

4
Vgl. Heidegger 1976, § 1: Die Fragwürdigkeit unserer „selbstverständlichen“ Vormeinungen über „Wesen“
und „Wahrheit“ .
5
Vgl. Puntel 1990, S. 31ff;
zur Adäquatheit dieser Klassifizierung, vgl.: Puntel 2006, S. 193ff.
6
Vgl. „Der Gedanke“, in Frege 2003, S. 35.
7
Vgl. Puntel 1990, S. 308 ff.; Puntel unterscheidet dabei drei relevante Wahrheitsträger: die Proposition, den
Satz und die kognitive Instanz.
8
Vgl. Quine 1979, S. 9-25.

4
Auf den ersten Blick scheint das Wahrheitsproblem überkomplex zu sein.9 So zeichnen sich in der
Geschichte der Philosophie auch mehrere verschiedene Versuche ab, auf die Frage nach der
Wahrheit eine Antwort zu finden.10 Hinter den Schlagworten wie Korrespondenz-, Kohärenz-,
Effizienz-, Evidenz-, Konsenstheorie verbergen sich Versuche, auf die Frage nach der Bedeutung von
Wahrheit eine Antwort zu finden. Darüber hinaus wäre etwa noch der Ansatz zu erwähnen, der das
Verhältnis von Wahrheit und Beweisbarkeit, Unvollständigkeit und Unentscheidbarkeit untersucht,
der sich in den Arbeiten Gödels finden lässt.11 In diesen Theorien wird nun der Wahrheitsbegriff auf
je eigene Weise untersucht und versucht zu bestimmen, wie an den zwei folgenden Beispielen
demonstriert werden soll. Dies ließe sich auch für die meisten der anderen Hauptantworten auf die
Frage nach der Wahrheit demonstrieren.

Die Korrespondenztheorie der Wahrheit ist eine der ältesten und auch eine der am meisten
diskutierten Wahrheitstheorien.12 Im Rahmen der Korrespondenztheorie wird der Begriff der
Wahrheit auf den Begriff der Übereinstimmung zwischen Wahrheitsträger und Wahrmacher
zurückgeführt. Ein Wahrheitsträger ist demnach genau dann wahr, wenn er mit dem Wahrmacher
korrespondiert. Wie diese beiden Relata, Wahrheitsträger und Wahrmacher, genau zu spezifizieren
sind, als Sprache und Wirklichkeit, Satz und Tatsache, und in welcher spezifischen Relation die beiden
Entitäten stehen, variiert von Autor zu Autor. So kann man eigentlich nicht von der
Korrespondenztheorie sprechen, obwohl sich die verschiedenen Theorien ähneln, die man unter
diesem Titel fasst, sondern eher von korrespondenztheoretischen Auffassungen der Wahrheit.13 Die
Wurzeln der Korrespondenztheorie liegen in der aristotelisch-scholastischen Denktradition.14
Aristoteles schreibt im Buch Metaphysik:

„Zu sagen nämlich, das Seiende sei nicht oder das Nicht-Seiende sei, ist falsch, dagegen zu
sagen, das Seiende sei und das Nichtseiende sei nicht, ist wahr. Wer also ein Sein oder Nicht-
Sein prädiziert, muss Wahres oder Falsches aussprechen.15[…] Nicht darum nämlich, weil

9
Vgl. Siegwart 1997, S. 4.
10
Diese Liste stellt keinen Anspruch auf Vollständigkeit; vgl. auch Siegwart 1997, S. 3.
11
Vgl. Kurt Gödel: Über formal unentscheidbare Sätze der Principia Mathematica und verwandter Systeme, in:
Monatshefte für Mathematik und Physik/38. 1931; vgl. auch Stegmüller 1973.
12
Vgl. Puntel 1983, S. 26.
13
Vgl. Puntel 1983, S. 26ff.
14
Vgl. Puntel 1983, S. 26.
15
Aristoteles, Metaphysik, 1011b.

5
unsere Meinung, du seiest weiß, wahr ist, bist du weiß, sondern darum, weil du weiß bist,
sagen wir die Wahrheit, indem wir dies behaupten.“16

In dieser Formulierung spricht Aristoteles nicht explizit von einer Korrespondenz zwischen Aussage
und Wirklichkeit. Er scheint aber den Aussagesatz (logos apophantikos, „sehenlassender“ Satz, wie
Heidegger übersetzt)17 als den Wahrheitsträger anzusehen18 und seine Wahrheitsbestimmung im
Sinne einer Entsprechung zu verstehen.19 Wie wir sehen werden, hat sich dann Frege der
Korrespondenztheorie sehr kritisch gegenüber geäußert. Quine verfolgt die Korrespondenztheorie
dann im Anschluss an Alfred Tarskis Untersuchung über den Wahrheitsbegriff in formalisierten
Sprachen mit seiner berühmt gewordenen Konvention W, der damit auch den Intuitionen der
klassischen aristotelischen Konzeption der Wahrheit gerecht werden wollte.20

Im Gegensatz zur Korrespondenztheorie führt die Kohärenztheorie Wahrheit nicht auf


Übereinstimmung zwischen zwei verschiedenen Entitäten zurück, sondern konzentriert sich ganz auf
die Sprache. Von der Wahrheit einer Aussage kann man nach dieser Theorie dann sprechen, wenn
die Aussage in einem kohärenten Verhältnis mit anderen Aussagen steht. Als Locus classicus wird
hierbei oft Otto Neurath zitiert, der klarmachen soll, was mit Kohärenz gemeint ist:

„Die Wissenschaft als ein System von Aussagen steht jeweils zur Diskussion. […] Jede neue
Aussage wird mit der Gesamtheit der vorhandenen, bereits miteinander in Einklang
gebrachten Aussagen konfrontiert. Richtig heißt eine Aussage dann, wenn man sie
eingliedern kann. Was man nicht eingliedern kann, wird als unrichtig abgelehnt. Statt die
neue Aussage abzulehnen, kann man auch, wozu man sich im allgemeinen schwer
entschließt, das ganze bisherige Aussagensystem abändern, bis sich die neue Aussage
eingliedern lässt […].“21

16
Aristoteles, Metaphysik, 1051b.
17
Vgl. Heidegger, Sein und Zeit, § 7b.
18
Vgl. Aristoteles, de interpretatione 4, 16b33-a3.
19
Vgl. Aristoteles, Metaphysik, 1051 b 1-5; vgl. Puntel 1983, S. 26f.
20
Vgl. Alfred Tarski: Die semantische Konzeption der Wahrheit und die Grundlagen der Semantik, in: Skirbekk
1992, S. 140ff; Alfred Tarski: Der Wahrheitsbegriff in den formalisierten Sprachen, in: Berka 1986.
21
Vgl. Otto Neurath: Soziologie im Physikalismus, in: Stöltzner, Uebel 2006.

6
Der Ansatz von Neurath wurde u.a. durch Nicholas Rescher weiter verfolgt, in dem er mitunter
versuchte den Begriff der Kohärenz näher zu bestimmen. Rescher verstand Kohärenz aber nur als
Wahrheitskriterium und zwar nicht als ein garantierendes, sondern lediglich als legitimierendes
Kriterium. In Definitionsfragen nimmt er die Position der Korrespondenztheorie ein.22

1.2 Wahrheitsdefinition und Wahrheitskriterium

Im Laufe der Diskussion des Wahrheitsproblems hat sich nun eine grundlegende Unterscheidung
herauskristallisiert: der Unterschied zwischen der Wahrheitsdefinition und dem
Wahrheitskriterium.23 Diese Unterscheidung kann man schon bei Kant finden. Kant hatte die
„Namenerklärung der Wahrheit, daß sie nämlich die Übereinstimmung der Erkenntnis mit ihrem
Gegenstande sei“, geschenkt und vorausgesetzt, um dann darauf hinzuweisen, dass man bei der
Suche nach der Wahrheit eigentlich zu wissen verlangt, „welches das allgemeine und sichere
Kriterium der Wahrheit sei.“24 Das soll die Frage: Was ist Wahrheit? nämlich eigentlich bedeuten.
Nun kann diese „Namenerklärung“ aber nicht als Kriterium herhalten, da man sich bei der
Überprüfung der Übereinstimmung von Erkenntnis und Gegenstand außerhalb aufstellen können
müsste, um festzustellen, ob der Gegenstand, der „an sich“, d.h. vor aller Erkenntnis, bestehen soll,
mit der Erkenntnis vom Gegenstand übereinstimmt. Ein solcher Vergleich von einem unabhängigen
Standpunkt sei aber nicht möglich. Laut Kant kann ich „das Objekt nur mit meiner Erkenntnis
vergleichen, dadurch, dass ich es erkenne.“ So liefe eine Prüfung der Übereinstimmung zwischen
Gegenstand und Erkenntnis auf die zirkuläre Frage hinaus, „ob meine Erkenntnis vom Objekt mit
meiner Erkenntnis vom Objekt übereinstimme.“25

Ohne weiter auf das Kantische Programm einzugehen,26 bleibt festzuhalten, dass sich diese
Unterscheidung erhalten hat und in der aktuellen Wahrheitsdiskussion weitgehend akzeptiert wird.27

22
Vgl. Nicolas Rescher: Die Kriterien der Wahrheit, in: Skirbekk 1992, S. 13 und S. 337ff.
23
Vgl. Siegwart 1997, S. 380ff.: Diskussion des Verhältnisses von Wahrheitsbedingung und Wahrheitskriterium.
24
Kant, KrV, B 82, in: Kant, Immanuel: Gesammelte Schriften.
25
Vgl. Kant, Logik. Ein Handbuch zu Vorlesungen, Bd. IX 50, in: Kant, Immanuel: Gesammelte Schriften;
vgl. Hutter 2003, S. 51.
26
Zum Wahrheitsproblem bei Kant vgl. Prauss 1969; Manfred Baum: Wahrheit bei Kant und Hegel, in: Henrich
1983.
27
Vgl. Siegwart 1997, S. 341.

7
So schlägt sich diese Differenzierung auch in Lehrbüchern der Philosophie und anderen
überblickartigen Darstellungen nieder. In ihrer „Einführung in die Philosophie der Logik“ weist Haack
auf diese übliche Unterscheidung hin:

„A distinction is commonly made […] between definitions of truth and criteria of truth; the
idea is, roughly, that whereas a definition gives the meaning of the word ‘true’, a criterion
gives a test by means of which to tell whether a sentence (or whatever) is true or false.“28

Eine Wahrheitsdefinition beantwortet daher die Frage, was es bedeutet, dass eine Aussage wahr ist.
Sie gibt dem Wahrheitsbegriff einen Inhalt. Ein Wahrheitskriterium hingegen beantwortet die Frage,
wie man wissen kann, ob eine Aussage wahr ist. Sie gibt eine Methode an, mit deren Hilfe festgestellt
werden kann, ob eine Aussage wahr ist.29

1.3 Aufbau der Arbeit

Dieser Problemexposition soll nun in dieser Ausarbeitung dadurch Rechnung getragen werden,
indem versucht wird, den aufgeworfenen Fragen im Rahmen der Arbeiten von Friedrich Ludwig
Gottlob Frege, dem Urgroßvater der analytischen Philosophie und Verfechter des Logizismus, und
Willard Van Orman Quine, einem der bedeutendsten analytischen Philosophen und Vertreter des
Naturalismus, nachzuspüren. Diese Abhandlung gliedert sich dabei in drei Teile. Im ersten Teil soll der
Wahrheitsbegriffs im Rahmen der Werke der beiden Autoren analysiert werden, um aufzuklären, was
eigentlich unter Wahrheit oder „wahr“ zu verstehen sei. Hier werden wir sehen, dass Frege Wahrheit
für undefinierbar hält und dass und wie er es stattdessen erläutert. Quine folgt bei seiner Explikation
des Wahrheitsprädikats weitgehend Alfred Tarskis Wahrheitskonvention und bettet diese in sein
naturalistisches Programm ein. Im zweiten Teil soll dann näher auf die Analyse der Wahrheitsträger
abgestellt werden, wobei als Erstes auf die Kritik und dann auf die jeweiligen eigenen Positionen
eingegangen werden soll. Hierbei sieht Frege den Wahrheitsträger im Gedanken, in dem Sinn eines
Satzes, während Quine die Sätze selbst, die gewissen Bedingungen genügen, als Wahrheitsträger
betrachtet. Im dritten und letzten Teil soll dann, daran anknüpfend, aufgeklärt werden, was wir dabei
voraussetzen, wenn wir einen Wahrheitsanspruch erheben, und wie wir hierbei über Wahrheit und
Falschheit entscheiden können. Dieser Teil zerfällt daher in eine Untersuchung über

28
Haack 1980, S. 88.
29
Vgl. Siegwart 1997, S. 342.

8
Wahrheitsbedingungen und Wahrheitskriterium. Hierbei werden wir sehen, dass sich Frege mehr mit
den Wahrheitsbedingungen beschäftigt hat, während Quine sowohl die Wahrheitsbedingungen als
auch die Wahrheitskriterien thematisiert.

Den einzelnen Teilen folgt ein zusammenfassendes Resümee, in dem auch versucht wird, auf
aufgeworfene Fragen, im Zusammenhang mit der Definierbarkeit der Wahrheit, der Konzeption der
Wahrheitsträger, den Wahrheitsbedingungen und dem Wahrheitskriterien, eine Antwort zu finden.

9
2. Analyse des Wahrheitsbegriffs

Zum Wesen der Philosophie gehört es, sich immer wieder um die Klärung der eigenen Grundlagen zu
bemühen. Die Klärung von Grundbegriffe spielt hierbei eine zentrale Rolle. Zu diesen zentralen
Begriffen gehört auch und in besonderer Weise der Wahrheitsbegriff.30 Allgemein gesprochen, ist das
Ziel einer Analyse eines Begriffs, den inhaltlichen Aufbau des Begriffs, metaphorisch gesprochen, –
seine Tiefenstruktur – zu explizieren. Quine schreibt:

„Die Begriffsuntersuchungen befassen sich mit der Bedeutung, die Geltungsanalysen mit der
Wahrheit. Mit den Begriffsuntersuchungen will man Begriffe durch Definitionen, zum Teil mit
Hilfe anderer Begriffe, klären. […] Im Idealfall würden die dunkleren Begriffe durch die
klareren definiert, um möglichst große Klarheit zu erreichen.“31

Eine solche Begriffsanalyse soll also die Bedeutung des Ausdrucks aufklären, etwa durch eine
Definition anhand einer Erklärung durch andere Begriffe.32 Doch, wie sieht eine solche Analyse aus
und wie geht sie vor? Bereits an den Termini, die in diesem Zusammenhang verwendet werden, wie
etwa „Analyse“, „Erläuterung“, „Explikation“, „Definition“ usw., die verschiedene Verfahren
anzeigen, sieht man, dass schon die Methode strittig ist, die allgemein zur Untersuchung von
Begriffen herangezogen wird.33 Frege verfolgt zunächst den Weg der Definition und kommt dabei zu
dem Ergebnis, dass Wahrheit undefinierbar ist. Darauf macht er sich daran den Begriff der Wahrheit
zu erläutern. Quine stellt grob drei Möglichkeiten der Definition dar:34 (1) die Definition eines Terms,
durch Paraphrasierung mit synonymen Termen eines vertrauten Vokabulars, (2) die Verbesserung
des vorgängigen Gebrauchs des Definiendums im Sinne einer Explikation35 und (3) die konventionelle
Einführung der Definition. Die Analyse des Wahrheitsbegriffs bei Quine kann man nun als künstlich
geschaffene Definition mittels einer konventionellen Festlegung beschreiben. Nicht umsonst gab

30
Vgl. Puntel 1987, S. 1.
31
Quine 1975, S. 99.
32
Vgl. Puntel 1987, S. 5.
33
Vgl. Puntel 1987, S. 5.
34
Vgl. Quine 1979, S. 33.
35
Zum Thema der Explikation vgl. Quine 1980, S. 450; Quine 1980, S. 446; Quine 1980, S. 448;
Carnap 1971, S. 7.

10
Tarski seinem Wahrheitsschema den Namen „Konvention T“.36 Man kann diese Erklärung der
Wahrheit aber auch als Explikation ansehen. Erstens wird der Term „ist wahr“, wenigstens im
Normalfall, eliminiert. Zweitens kann man das Explikat als eine Präzisierung der vagen
wissenschaftlichen Verwendungsweise der Korrespondenztheorie ansehen, was Quine in Anschluss
an Tarski ausführt.37 Ein weiteres Argument, den Quine’schen Versuch als Explikation des
Wahrheitsbegriffs zu sehen, liegt in der Verbesserung der Funktion des Wahrheitsprädikats. Wie wir
sehen werden, fordern Probleme mit dem Wahrheitsprädikat die Einschränkungen der
Anwendungsmöglichkeiten und des Anwendungsbereichs des Wahrheitsprädikats.

2.1 Analyse des Wahrheitsbegriffs bei Frege

In „Der Gedanke“ erläutert Frege sein Verständnis von Wahrheit, indem er zunächst die Umrisse
dessen zu zeichnen versucht, was er in diesem Zusammenhang wahr nennen will.38 Dabei geht er erst
auf einige Verwendungsweisen des Wortes „wahr“ in der Umgangssprache ein, die nicht dem Sinn
entsprechen, den er mit dem Wort verbunden haben will. So will er nicht den Sinn thematisieren, der
mit den Wörtern „wahrhaftig“ oder „wahrheitsliebend“ verbunden ist, noch will er es in dem Sinne
verstanden haben, wie es manchmal bei der Behandlung von Kunstfragen vorkommt, wenn etwa von
der Wahrheit als Ziel der Kunst die Rede ist oder von der Wahrheit eines Kunstwerks gesprochen
wird. Auch will er die adjektivistischen Verwendungsweisen wie in „wahres Kunstwerk“ oder „wahrer
Freund“ ausschließen, in denen das Wort „wahr“ einem anderen Worte vorgesetzt wird, um
auszudrücken, dass man dieses Wort in seinem eigentlichen Sinn verstanden wissen wolle. Mit dieser
Abgrenzung ist aber lediglich die Vorarbeit geleistet. Das eigentliche Problem bei der Klärung des
Wahrheitsbegriffs besteht nun in der Aufstellung einer exakten Definition.39

Das Wort „wahr“ erscheint sprachlich eigentlich als Eigenschaftswort, so Frege.40 Die
Auseinandersetzung mit der Frage, wann von einem Wahrheitsträger Wahrheit prädiziert werden
kann, etwa dann, wenn dieser in einer Art Korrespondenz oder Übereinstimmungsverhältnis mit

36
Vgl. A. Tarski: Die semantische Konzeption der Wahrheit und die Grundlagen der Semantik, in: Skirbekk 1992,
S. 140ff.
37
Vgl. Quine 1995, S. 113.
38
Vgl. „Der Gedanke“, in: Frege 2003, S. 36.
39
Vgl. Stegmüller 1977, S. 15.
40
Vgl. „Der Gedanke“, in: Frege 2003, S. 36.

11
einer wie auch immer gearteten Wirklichkeit steht, führt ihn aber dann zu der Auffassung, dass der
Inhalt des Wortes „wahr“ ganz einzigartig und undefinierbar ist.41 Diese Einstellung gewinnt er in der
Auseinandersetzung mit der Korrespondenztheorie der Wahrheit.

Gegen die Definition des Wahrheitsbegriffs als Übereinstimmung erhebt er in „Der Gedanke“ im
Wesentlichen folgende Bedenken:42 Erstens ist Übereinstimmung eine Beziehung. Das Wort „wahr“
erscheint hingegen als ein Eigenschaftswort und kann daher keine Beziehung ausdrücken.43 Zweitens
besteht eine Übereinstimmung zwischen zwei Entitäten. Eine Frage wie „Ist X wahr?“ enthält aber
nur einen Hinweis auf einen möglichen Träger von Wahrheit. Wenn drittens Wahrheit in
Übereinstimmung zwischen zwei Entitäten besteht, dann müsste sie vollkommene Übereinstimmung
sein und mithin Identität. Der Wahrheitsträger ist aber stets von dem ihm korrelierenden Stück
Wirklichkeit verschieden. Auch wenn Wahrheit nicht vollkommene Übereinstimmung ist, sondern
nur Übereinstimmung in bestimmter Hinsicht, stellt sich die Frage, was wir dann tun müssten, „um zu
entscheiden, ob etwas wahr wäre?“. „Wir müssten“, so Frege, „untersuchen, ob es wahr wäre, daß –
etwa eine Vorstellung und ein Wirkliches – in der festgesetzten Hinsicht übereinstimmten.“ Damit
stehen wir aber wieder „vor einer Frage derselben Art und das Spiel könnte von neuem beginnen.“44

Der Reduktion des Begriffs der Wahrheit auf eine wie auch immer näher bestimmte Korrespondenz
gibt er daher keine Chance. Dies gilt auch für alle anderen Versuche, den Wahrheitsbegriff auf
grundlegendere Begriffe zurückzuführen, da die Definition zu einem Zirkel führen müsste.45 Dieses
Argument lässt sich nun leicht für andere Definitionsvorschläge erweitern. Im Falle der oben kurz
angeschnittenen Kohärenztheorie müsste man, um zu entscheiden, ob eine Aussage wahr ist,
entscheiden, ob es wahr ist, dass die Aussage in einem kohärenten Verhältnis zu allen anderen
relevanten Aussagen steht. Analog könnte man dies auch bei anderen Antworten auf die Frage: Was
ist Wahrheit? skizzieren, die oben genannt wurden.

41
Vgl. „Der Gedanke“, in: Frege 2003, S. 36.
42
Vgl. „Der Gedanke“, in: Frege 2003, S. 37.
43
Vgl. auch Soames 1999, S. 24f.
44
Vgl. „Der Gedanke“, in: Frege 2003, S. 38.
45
Vgl. „Der Gedanke“, in: Frege 2003, S. 38.

12
2.1.1 Die Undefinierbarkeit der Wahrheit

So kommt Frege bei der Untersuchung über Versuche, die Wahrheit zu definieren, zum Ergebnis,
dass nicht nur der Versuch, die Wahrheit als eine Übereinstimmung zu erklären, sondern auch jeder
andere Versuch, das Wahrsein zu definieren, scheitert. Es sei vielmehr wahrscheinlich, dass der Inhalt
des Wortes „wahr“ ganz einzigartig und undefinierbar sei. In einer Definition gäbe man nämlich
immer gewisse Merkmale an, so Frege, und bei der Anwendung auf einen besonderen Fall käme es
dann immer darauf an, ob es wahr wäre, dass diese Merkmale zuträfen. In der Logik von 1897
präzisiert er sein Bedenken in einer anderen Form, welche als Grundlage der Rekonstruktion dienen
soll:

„Es wäre nun vergeblich, durch eine Definition deutlicher zu machen, was unter ‚wahr‘ zu
verstehen sei. Wollte man etwa sagen: ‚wahr ist eine Vorstellung, wenn sie mit der
Wirklichkeit übereinstimmt‘, so wäre damit nichts gewonnen, denn, um dies anzuwenden,
müsste man in einem gegebenen Falle entscheiden, ob eine Vorstellung mit der Wirklichkeit
übereinstimmte, mit anderen Worten: ob es wahr sei, dass die Vorstellung mit der
Wirklichkeit übereinstimme. Es müsste also das Definierte selbst vorausgesetzt werden.
Dasselbe gälte von jeder Erklärung der Form: ‚A ist wahr, wenn es die und die Eigenschaft
hat, oder zu dem und dem in der und der Beziehung steht‘. Immer käme es wieder im
gegebenen Fall darauf an, dass A die und die Eigenschaft habe, zu dem und dem in der und
der Beziehung stehe. Wahrheit ist offenbar etwas so Ursprüngliches und Einfaches, dass eine
Zurückführung auf noch Einfacheres nicht möglich ist.“46

Das Argument besteht in einer reductio ad absurdum, dessen Ziel es ist, zu zeigen, dass die
Annahme, dass Wahrheit definiert werden kann, zu einem Widerspruch führt.47 Das Argument lässt
sich auf verschiedene Weisen rekonstruieren.48 Dabei kann man den Widerspruch in zwei
verschiedenen Arten ableiten. In der ersten Version liegt der Widerspruch in der Zirkularität, in der
zweiten Version in einem Regress.49 Das Regressargument kann man etwa so darstellen: Um zu
entscheiden, ob A die Eigenschaften F1…Fn besitzt, muss man feststellen, ob es wahr ist, dass A die
Eigenschaften F1…Fn besitzt. Um festzustellen, ob es wahr ist, dass A die Eigenschaften F1…Fn

46
Frege 2001, S. 39.
47
Vgl. Greimann 2003a, S. 46.
48
Vgl. Moreno 1996.
49
Vgl. Greimann 2003a, S. 46.

13
besitzt, muss man dann wiederum entscheiden, ob es wahr ist, dass es wahr ist, dass A die
Eigenschaften F1…Fn besitzt, und so weiter und so weiter. Die Zirkelvariante des Arguments kann
man, etwas ausführlicher, etwa folgendermaßen rekonstruieren.50

(W) A ist wahr genau dann, wenn A die Eigenschaft F1…Fn hat.

(1) Angenommen W ist die vorgeschlagene Definition, die gewisse Eigenschaften F1…Fn angibt,
die A besitzen muss, um wahr zu sein.

(2) Um festzustellen, ob A wahr ist, muss man feststellen, ob A die Eigenschaften F1…Fn besitzt.

(3) Um festzustellen, ob A die Eigenschaften F1…Fn besitzt, muss man feststellen, ob es wahr ist,
dass A die Eigenschaften F1…Fn besitzt.

(4) Um anhand der Definition (W) zu beurteilen, ob A wahr ist, muss bereits bekannt sein, was
unter Wahrheit zu verstehen sei.

(5) (W) führt in einen Zirkel und ist daher keine angemessene Definition der Wahrheit.

(6) Wahrheit ist undefinierbar.

Das Argument wird in der Literatur erwartungsgemäß kontrovers diskutiert, wobei es sowohl
Autoren gibt, die es kritisch beleuchten und ablehnen, wie auch solche, die es überzeugend finden.51
Die Zirkelvariante scheint logisch keine Widersprüche zu enthalten und so scheint es prima facie
zumindest eine gewisse Überzeugungskraft zu haben. Der Knackpunkt des Arguments scheint nun in
der Interpretation des Argumentationsschritts (4) zu liegen.52 Erklärt man Wahrheit dadurch, dass
eine wahre Aussage gewisse Eigenschaften hat, etwa mit der Wirklichkeit übereinzustimmen, dann
setzt man in dieser Erklärung bereits voraus, dass bekannt ist, was es heißt, dass einem Gegenstand
eine Eigenschaft zukommt. Davon abgesehen, dass in der Definition selbst bereits ein
Wahrheitsanspruch liegt, stellt sich dann nämlich die Frage, ob einer spezifischen Aussage dann eben
diese in der Definition festgelegte Eigenschaft zukommt oder nicht. Die Behauptung: Die Aussage A
stimmt mit der Wirklichkeit überein bzw. hat die und die Eigenschaft kann dann wiederum wahr oder
falsch sein. Das Haben einer Eigenschaft oder, anders ausgedrückt, das Fallen eines Gegenstandes
unter einen Begriff, involviert nun aber schon den Wahrheitsbegriff. Frege schreibt:

50
Vgl. Greimann 2003a, S. 46; Greimann 2003b, S. 208; Soames 1999, S. 24ff.
51
Vgl. Greimann 2003b, S. 206ff.; Greimann 2003a, S. 45ff.; Sluga 1999, S. 25ff.
52
Vgl. Greimann 2003b, S. 207.

14
„Wir sagen, der Gegenstand Γ stehe zu dem Gegenstande Δ in der Beziehung Ψ(ξ, ζ), wenn
Ψ(Γ, Δ) das Wahre ist. Ebenso sagen wir, der Gegenstand Δ falle unter den Begriff Φ(ξ), wenn
Φ(Δ), das Wahre ist.“53
Das Verständnis der Prädikation im Sinne des Aussagens einer Eigenschaft von einem Gegenstand,
oder allgemeiner gesprochen: die Erfüllung einer Aussagefunktion durch Gegenstände, setzt also, so
gesehen, bereits die Kenntnis des Wahrheitsbegriffs voraus.54 Deswegen scheint Wahrheit nicht
definierbar und daher erklärt sie Frege für ursprünglich und einzigartig. Als Konsequenz der
undefinierbaren Einzigartigkeit kann „wahr“ nicht anhand einer Definition durch andere Begriffe
bestimmt werden. Begriffe, die nicht definierbar sind, scheint er als Urelemente anzusehen. Er
schreibt:
„Wir müssen logische Urelemente anerkennen, die nicht definierbar sind. Auch hierbei stellt
sich das Bedürfnis ein, sicherzustellen, dass man mit demselben Zeichen (Worte) dasselbe
bezeichnet. Wenn sich die Forscher über diese Urelemente und ihre Bezeichnungen
verständigt haben, ist das Einverständnis über das logisch Zusammengesetzte durch
Definition leicht erreichbar. Da bei den Urelementen diese nicht möglich sind, muß hier
etwas anderes eintreten; ich nenne es Erläuterung.“55

Der Wahrheitsbegriff würde dementsprechend nur erläutert werden können. Laut Frege sind wir
daher auch darauf angewiesen, „das Eigentümliche unseres Prädikats durch Vergleichung mit
anderen ins Licht zu setzen.“56

2.1.2 Erläuterung des Wahrheitsbegriffs

Das von ihm intendierte Verständnis erläutert Frege als die Wahrheit, deren Erkenntnis der
Wissenschaft als Ziel gesetzt ist.57 So haben zwar alle Wissenschaften Wahrheit als Ziel. Die Logik
aber beschäftigt sich besonders mit der Wahrheit. So wie das Wort „gut“ der Ethik oder das Wort
„schön“ der Ästhetik den Weg weist, beschäftigt sich die Logik mit dem Prädikat „wahr“, ähnlich wie

53
Frege 1962, § 4.
54
Vgl. Greimann 2003b, S. 213.
55
Frege 1967, S. 288.
56
Frege 2001, S. 39.
57
Vgl. „Der Gedanke“, in: Frege 2003, S. 35.

15
es die Physik mit den Prädikaten „schwer“ und „warm“ zu tun hat.58 Der Logik, so Frege in „Der
Gedanke“, „kommt es zu, die Gesetze des Wahrseins zu erkennen.“59 In den Gesetzen des Wahrseins
wird nach ihm die Bedeutung des Wortes „wahr“ entwickelt. Er zeichnet dabei eine Parallele
zwischen der Unabhängigkeit der Wahrheit, die wir gleich noch kennen lernen werden, und den
Gesetzen des Wahrseins. Hierbei legt er besonderen Wert darauf, dass Wahrsein etwas anderes ist
als Fürwahrgehaltenwerden.60

„Wenn es wahr ist, dass ich dies am 13. Juli 1893 in meiner Stube schreibe, während
draussen der Wind heult, so bleibt es wahr, auch wenn alle Menschen es später für falsch
halten sollten. Wenn so das Wahrsein unabhängig davon ist, dass es von irgendeinem
anerkannt wird, so sind auch die Gesetze des Wahrseins nicht psychologische Gesetze,
sondern Grenzsteine in einem ewigen Grunde befestigt, von unserm Denken überfluthbar
zwar, doch nicht verrückbar.“61

Man könnte nämlich zu der Meinung kommen, „es handle sich in der Logik um den seelischen
Vorgang des Denkens und um die psychologischen Gesetze, nach denen es geschieht.“62 Damit aber,
so Frege, wäre die Aufgabe der Logik verkannt:

„Der Irrtum, der Aberglaube hat ebenso seine Ursachen wie die richtige Erkenntnis. Das
Fürwahrhalten des Falschen und das Fürwahrhalten des Wahren kommen beide nach
psychologischen Gesetzen zustande. Eine Ableitung aus diesen und eine Erklärung eines
seelischen Vorganges, der in ein Fürwahrhalten ausläuft, kann nie einen Beweis dessen
ersetzen, auf das sich dieses Fürwahrhalten bezieht.“63

Frege tritt hier für eine strikte Trennung von Genese und Geltung von Wahrheitsansprüchen ein und
vertritt eine antireduktionistische Position. Ansprüche auf Geltung, d.h. Wahrheitsansprüche, lassen
sich nicht aus der Genese des Fürwahrhaltens ableiten. Bei der psychologischen Auffassung der Logik
fällt nämlich, so Frege, der Unterschied zwischen den Gründen, die eine Überzeugung rechtfertigen,

58
Vgl. „Der Gedanke“, in: Frege 2003, S. 35.
59
Vgl. „Der Gedanke“, in: Frege 2003, S. 35.
60
Vgl. Frege 1962, S. XV.
61
Frege 1962, S. XVI.
62
„Der Gedanke“, in: Frege 2003, S. 35
63
„Der Gedanke“, in: Frege 2003, S. 36.

16
und den Ursachen, die sie wirklich hervorbringen, weg. Eine eigentliche Rechtfertigung wäre dann
nicht mehr möglich.64

So müssen wir, um die Grenze zwischen Psychologie und Logik nicht verwischen zu lassen, „die
Regeln für unser Denken und Fürwahrhalten […] [als] bestimmt denken durch die Gesetze des
Wahrseins.“65 Dabei weist Frege der Logik die Aufgabe zu, „die Gesetze des Wahrseins zu finden,
nicht die des Fürwahrhaltens oder Denkens“66. Die Logik ist dieser Charakterisierung zufolge eine
normative Disziplin, die es nicht damit zu tun hat, wie faktisch gedacht wird, und sich daran
orientiert, sondern sich vielmehr mit den Vorschriften für das Urteilen beschäftigt, „denen dieses sich
fügen muß, wenn es die Wahrheit nicht verfehlen will“.67

Als ein solche Vorschrift könnte man mit Frege beispielsweise den Satz vom ausgeschlossenen
Dritten der traditionellen Logik anführen werden, der besagt, dass für eine beliebige Aussage p die
Aussage (p oder nicht-p) gilt, und der unmittelbar mit der Rede von der Zweiwertigkeit verbunden ist.
Ein Satz ist entweder wahr oder falsch. Darüber hinaus könnte es aber auch noch sein, dass er gar
keinen Wahrheitswert hat. Traditionell wurden Aussagen über die Zukunft als Kandidaten gehandelt,
die weder wahr noch falsch seien, sondern deren Wahrheitswert nicht bestimmt sei. In diesem
Zusammenhang wurden auch Aussagen wie „Der gegenwärtige König von Frankreich ist kahl“, die
einen referenzlosen singulären Terminus enthalten, diskutiert oder negative Existenzaussagen wie
„Pegasus existiert nicht“.68 Nach Frege gehören solche Kandidaten dann aber einfach dem Reich der
Dichtung an, da sie einen in Freg’scher Terminologie bedeutungslosen Ausdruck enthalten. Mehr
dazu im Kapitel über Wahrheitsbedingungen.

Unter Bedeutung versteht Frege allerdings nicht das, was man heute, etwa mit Quine, unter
Bedeutung verstehen mag. Mit Quine könnten wir das, was Frege unter Sinn versteht, als Bedeutung
oder Intension bezeichnen. Das, was Frege unter Bedeutung fasst, kann man mit Quine als Referenz
oder Extension verstehen.69 Davon können wir einstweilen absehen, wir werden Quines
Begrifflichkeiten noch kennen lernen. In „Über Sinn und Bedeutung“, Freges bekannter

64
Vgl. Frege 2001, S. 67.
65
Vgl. „Der Gedanke“, in: Frege 2003, S. 36.
66
Vgl. „Der Gedanke“, in: Frege 2003, S. 36.
67
Frege 2001, S. 64.
68
Vgl. Russell 2005; Strawson 1950; Quine 1979, S. 9-25; Quine 1995, S. 126ff.
69
Vgl. „Extension/Intension“, in: Historisches Wörterbuch der Philosophie, 2007, Bd. 2, S. 828ff;
„Begriffsinhalt/Begriffsumfang“, in: Historisches Wörterbuch der Philosophie, 2007, Bd. 1, S. 808ff.

17
Untersuchung über (informative) Identitätsaussagen, führt er die Unterscheidung zwischen Sinn und
Bedeutung ein. Der Anstoß für seine Überlegungen ist die Feststellung, dass a = a und a = b offenbar
Sätze von verschiedenem Erkenntniswert sind:

„a = a gilt a priori und ist nach Kant analytisch zu nennen, während Sätze von der Form a = b
oft sehr wertvolle Erweiterungen unserer Erkenntnis enthalten und a priori nicht immer zu
begründen sind.“70

Frege illustriert dies an einem Beispiel mit koreferentiellen Namen: „Morgenstern“ und
„Abendstern“ bezeichnen den gleichen Himmelskörper, nämlich die Venus. Daraus folgert er, dass
die Bedeutung eines Zeichens der Gegenstand sei, für den ein Ausdruck steht, denn beide Ausdrücke
bezeichnen die Venus, aber auf unterschiedliche Weise.

Die trivial wahre Identitätsaussage „Morgenstern = Morgenstern“ hat nun keinen Erkenntniswert, so
Frege. Man muss nicht erst durch ein Fernrohr sehen, um herauszufinden, ob die Aussage wahr ist.
Im Gegensatz zur Aussage „Morgenstern = Abendstern“, die eine Erkenntnis ausdrückt, etwa eine
astronomische Entdeckung. Um den Erkenntniswert von informativen Identitätsaussagen erklären zu
können, führt er neben der Kategorie der Bedeutung noch die des Sinns ein. „Es würde die
Bedeutung von ‚Abendstern‘ und ‚Morgenstern‘ dieselbe sein, aber nicht der Sinn.“71 Daher liegt es
für ihn nahe, mit einem Zeichen (Namen, Wortverbindung, Schriftzeichen) außer dem Bezeichneten,
was er die Bedeutung des Zeichens nennen möchte, noch das verbunden zu denken, was er den Sinn
des Zeichens nennen möchte, worin die Art des Gegebenseins enthalten ist.72

Will man dies noch etwas genauer herausarbeiten, so kann man, angewandt auf Eigennamen, auch
sagen: Der Sinn eines Namens besteht in dem mit dem Namen verknüpften Kriterium der
Identifikation des bezeichneten Gegenstandes. So sind mit den Namen Morgenstern und Abendstern
unterschiedliche Identifikationskriterien verknüpft73: Der erste Ausdruck verweist auf den
Himmelskörper, der am Morgen am Himmel zu sehen ist, der zweite auf den Himmelskörper, der am
Abend am Himmel steht. Diese Unterscheidung wendet Frege nun auch auf Prädikate und ganze
Sätze an. Dies hat er in einem Brief an Edmund Husserl in folgendem Schema veranschaulicht:

70
„Über Sinn und Bedeutung“, in: Frege, 2002, S. 23.
Die Unterscheidung zwischen analytischen und synthetischen Aussagen diskutiert und kritisiert Quine in
seinem Aufsatz „Zwei Dogmen des Empirismus“, vgl.: Quine 1979, S. 27-50; zur Diskussion, vgl. Stegmüller
1977, S. 291ff.
71
„Über Sinn und Bedeutung“, in: Frege, 2002, S. 24.
72
„Über Sinn und Bedeutung“, in: Frege, 2002, S. 24.
73
Vgl. Meixner 2001, S. 109.

18
Abbildung 1: Sinn und Bedeutung nach Frege

Die Bedeutung eines Prädikats bzw. Begriffswortes wäre dann etwa der Begriff, für den dieses steht,
sein Sinn etwa die Art und Weise, wie der Begriff gegeben ist. Im Falle des Satzes wäre die Bedeutung
ein Wahrheitswert und der Sinn der ausgedrückte Gedanke.74

Darauf werden wir noch eingehen, doch kehren wir nach diesem kurzen Exkurs wieder zum
eigentlichen Thema, der Zweiwertigkeit, zurück. „Wenn wir nun von Sage und Dichtung absehen und
nur solche Fälle in Betracht ziehen, in denen es sich um Wahrheit im wissenschaftlichen Sinne
handelt“, d.h. dass wir es nur mit bedeutungsvollen Ausdrücken zu tun haben, so können wir nach
Frege sagen, „dass jeder Gedanke entweder wahr oder falsch ist, tertium non datur.“75

Wie kommt es nun, dass Gedanken, sofern es sich um die Wahrheit in der Wissenschaft dreht,
zweiwertig sein müssten? Die Rede von der Zweiwertigkeit ist eng mit der Rede von der Objektivität
der Wahrheit verbunden. Diese Parallele machte schon Frege in seiner Auseinandersetzung mit dem
Wahrsein eines Gedankens und den Gesetzen des Wahrseins auf.76 So schreibt etwa Michael
Dummet, einer der führenden Interpreten Freges, in seiner Charakterisierung des Realismus:
„Realismus charakterisiere ich als die Überzeugung, dass Aussagen der diskutierten Klasse einen
objektiven Wahrheitswert besitzen. Unabhängig von unserer Fähigkeit, diese zu kennen: Sie sind
wahr oder falsch in Hinblick auf eine von uns unabhängig existierende Realität.“77

74
Vgl. „Über Sinn und Bedeutung“, in: Frege, 2002, S. 24; vgl. auch Rheinwald 1997.
75
Frege 2001, S. 75.
76
Vgl. Frege 1962, S. XVI.
77
Dummett 1978, S. 146.

19
2.1.3 Die Objektivität der Wahrheit

Wie wir in Freges Auseinandersetzung mit den Gesetzen des Wahrseins und mit dem Fürwahrhalten
von Meinungen schon erkannt haben, sieht er eins der Merkmale der Wahrheit in dem, was wir
heute vage als die Objektivität der Wahrheit beschreiben würden.78 Die Unabhängigkeit der
Wahrheit bzw. Falschheit eines Gedankens von unserer Anerkennung bzw. unseren Verifikations-
oder Falsifikationsmöglichkeiten sei, so Frege, mit dem Sinn von „wahr“ aufs Innigste verbunden. Um
dieser These Kontur zu verleihen, vergleicht er das Wahre mit dem Schönen:

„Beim Wahren ist ein Irrtum möglich, nicht aber beim Schönen. Eben dadurch, daß ich etwas
für schön halte, ist es für mich schön. Darum aber, dass ich etwas für wahr halte, braucht es
nicht wahr zu sein; und wenn es nicht an sich wahr ist, ist es auch nicht für mich wahr. An
sich ist nichts schön, sondern immer nur für ein empfindendes Wesen, und das muss bei
einem Schönheitsurteile immer hinzugedacht werden.“79

Über Geschmack lässt sich nicht streiten, so der Volksmund. So ist etwas schön dadurch, dass es für
schön gehalten wird, aber etwas wird nicht wahr, nur weil es für wahr gehalten wird. Umgekehrt
wird aus dieser Auffassung, die Donald Davidson eine Plattitüde nannte80, die Unabhängigkeit der
Wahrheit vom denkenden Subjekt: Was wahr ist, ist wahr unabhängig davon, dass es für wahr
gehalten wird, und ist in keiner Weise darauf zurückzuführen.81
Um der Vermengung bzw. Reduktion des Wahrseins auf das Fürwahrgehaltenwerden
entgegenzutreten, erinnert Frege daran, „dass ein Satz ebenso wenig aufhört wahr zu sein, wenn ich
nicht mehr an ihn denke, wie die Sonne vernichtet wird, wenn ich die Augen schließe.“82
Diese Einstellung gewinnt er in der Auseinandersetzung mit dem Psychologismus seiner Zeit, der die
Gleichsetzung von Wahrsein und Fürwahrgehaltenwerden propagiert. Dieses Thema kennen wir
bereits aus seiner Auseinandersetzung mit den Gesetzen des Wahrseins und so taucht es auch hier
wieder auf. Er fordert daher, dass das Psychologische von dem Logischen, „das Subjective von dem
Objectiven scharf zu trennen“83 ist. Denn wenn das Wahrsein eines Gedankens schon dadurch

78
Vgl. Greimann 2003b, S. 192.
79
Frege 2001, S. 44.
80
Vgl. Davidson 1990, S. 305.
81
Vgl. Frege 1962, S. XVf.
82
Frege 1962, S. VI.
83
Frege 1962, S. X.

20
konstituiert wird, dass er für wahr gehalten wird, dann wäre die Anerkennung der Wahrheit eines
Gedankens schon eine hinreichende Bedingung für seine Wahrheit.84

Um der psychologistischen Auffassung entgegenzutreten und um der These von der Unabhängigkeit
der Wahrheit eine gewisse Rechtfertigung zu verleihen, führt er außerdem noch folgende Argumente
an. Erstens ist es kein Widerspruch, dass etwas wahr ist, was von allen für falsch gehalten wird. Wenn
es wahr ist, so Frege, „dass ich dies am 13. Juli 1893 in meiner Stube schreibe, […] so bleibt es wahr,
auch wenn alle Menschen es später für falsch halten sollten.“85 Darüber hinaus wird in der
psychologischen Interpretation die Bedeutung von „wahr“ verfälscht, indem eine Bezugnahme auf
den Urteilenden miteingeschlossen wird.86

„Jemand, der behauptete, dass etwas nur durch unsere Anerkennung wahr ist, würde durch
die Tat seiner Behauptung ihrem Inhalte widersprechen. Er könnt in Wahrheit nichts
behaupten. Jede Meinung wäre dann unberechtigt; es gäbe keine Wissenschaft.“87

Die subjektive Interpretation der Wahrheit führt, so gesehen, zu einem performativen


Selbstwiderspruch und ist daher inkohärent.88 Wenn nämlich in der Behauptung der Anspruch
erhoben wird, dass das Behauptete unabhängig von unserer Anerkennung wahr ist, der Inhalt der
Behauptung aber der ist, dass das Behauptete nur durch unsere Anerkennung wahr ist, dann
widerspricht der Inhalt dem Anspruch, und einer von beiden müsste aufgegeben werden. „Wenn
jemand dem widersprechen wollte, dass das Wahre unabhängig von unserer Anerkennung wahr ist“,
so Frege, dann „würde er eben durch seine Behauptung dem was er behauptete widersprechen, in
ähnlicher Weise, wie ein Kreter, der sagte, dass alle Kreter lögen.“89

Wird nun der Anspruch auf die Unabhängigkeit der Wahrheit vom Fürwahrhalten des denkenden
Subjekts aufgegeben, dann gäbe es keinen Widerstreit der Meinung in der Wissenschaft mehr, denn
jede Meinung wäre dann gerechtfertigt. Jemand, der diese Meinung hätte, so Frege, dürfte also
folgerichtig gar nicht der entgegengesetzten widersprechen, er müsste dem Grundsatz huldigen: non
disputandum est. Dies liefe aber dann darauf hinaus, so Frege, „dass es keine Wissenschaft, keinen
Irrtum, keine Berichtigung des Urteils mehr gäbe. So gäbe es eigentlich nichts Wahres mehr, im

84
Vgl. Frege 1983, S. 138 und S. 144.
85
Frege 1962, S. XVI.
86
Vgl. Frege 2001, S. 36; Greimann 2003a, S. 4.
87
Frege 2001, S. 36.
88
Vgl. Greimann 2003a, S. 4.
89
Vgl. Frege 2001, S. 45.

21
gewöhnlichen Sinne des Wortes.“90 Diese antipsychologistische bzw. objektivistische Auffassung zieht
sich nun durch Freges Philosophie wie ein roter Faden und wird uns auch in seiner Analyse der
Wahrheitsträger und der Wahrheitsbedingungen wieder begegnen.

2.1.4 Die redundanztheoretische Analyse des Wahrheitsprädikats

Darüber, dass Frege die Unabhängigkeit der Wahrheit eines Gedankens mit dem gewöhnlichen Sinn
des Wortes verbindet, kann exegetisch kein Zweifel bestehen. Eine eher substantialistische These.
Dies scheint aber prima facie in Widerspruch mit seiner redundanztheoretischen Auffassung des
Wortes „wahr“ zu stehen. Eine eher deflationistische These. Man könnte nämlich meinen, so Frege,
dass das Wort „wahr“ überhaupt keinen Sinn habe.91 Dieser Widerspruch wird sich dann aber
auflösen, wenn wir mit Frege in der Form des Behauptungssatzes den eigentlichen
Wahrheitsoperator kennen lernen werden. Darin zeigt sich auch, was wir in der
Undefinierbarkeitsthese der Wahrheit bereits kennen gelernt haben: dass der Satz „es ist wahr, daß
p“ mit dem Satz „p“ äquivalent ist und dass es sich schon bei der Behauptung von „p“ um einen
Wahrheitsanspruch handelt.

Die Vertreter der Redundanztheorie hegen, pauschal geurteilt, eine deflationäre Auffassung von
Wahrheit. Das Wort „wahr“ erschöpft sich in seiner expressiven Rolle. Paradigmatische Verfechter
dieser Position, wie etwa A.J. Ayer oder F.P. Ramsey, behaupten grob gesagt, dass es ein Problem der
Wahrheit eigentlich gar nicht gibt. Der traditionelle Begriff der Wahrheit beruht, laut dieser
Auffassung, auf einer mangelhaften logischen Analyse der Sätze, in denen das Wort „wahr“
vorkommt.92 Ayer schreibt etwa:

„We conclude, then, that there is no problem of truth as it is ordinarily conceived. The
traditional conception of Truth as a ‘real quality’ or a ‘real relation’ is due, like most
philosophical mistakes, to a failure to analyze sentences correctly […] For our analysis has
shown that the word ‘truth’ does not stand for anything.“93

90
Frege 1976, S. 144.
91
Vgl. Frege 1976, S. 271; Schantz 1996, S. 5.
92
Vgl. Schantz 1996, S. 5.
93
Ayer 1936, S. 119.

22
Ayer erklärt hier das traditionelle Wahrheitsproblem zum Scheinproblem, das nur aufgrund
mangelhafter Analyse noch besteht. Denn „wahr“ und „falsch“ bezeichnen nichts und erschöpfen
sich in ihrer logischen Funktion der Bejahung und Verneinung von Sätzen. So schreibt auch Frege:

„Das Wort wahr liefert […] durch seinen Sinn keinen wesentlichen Beitrag zum Gedanken.
Wenn ich behaupte ‚es ist wahr, dass Meerwasser salzig ist‘, so behaupte ich dasselbe wie
wenn ich behaupte ‚das Meerwasser ist salzig‘. […] Danach könnte man meinen, das Wort
‚wahr‘ habe überhaupt keinen Sinn. Aber dann hätte auch ein Satz, in dem ‚wahr‘ als Prädikat
vorkäme, keinen Sinn. Man kann nur sagen: das Wort ‚wahr‘ hat einen Sinn, der zum Sinne
des ganzen Satzes, in dem es vorkommt, nichts beiträgt.“94

Die zentrale Idee der Redundanztheorie, die er hier formuliert, besagt, dass der Ausdruck „wahr“
inhaltlich überflüssig ist, da er nichts zum Sinn der Sätze oder Gedanken, in denen er vorkommt,
beiträgt, die diese Sätze ausdrücken. Abstrakt formuliert, scheint ein Satz der Form „Es ist wahr, daß
p“, nicht mehr zu besagen als die einfache Behauptung eines Satzes der Form „p“. Die Redundanz des
Wortes „wahr“ zeigt sich somit darin, dass die beiden Sätze

(1) Meerwasser ist salzig

(2) Es ist wahr, dass Meerwasser salzig ist

inhaltlich äquivalent sind. Sie haben dieselbe Bedeutung und damit auch dieselbe
Wahrheitsbedingung: Wer (2) behauptet, der behauptet das Gleiche wie derjenige, der (1)
behauptet. Man könnte vielleicht sagen: Das Wort „wahr“ macht explizit, was implizit immer schon in
der Behauptung mitausgesagt wird. Es hat einen Sinn, aber keine Bedeutung. Denn er will ja nicht
behaupten, dass das Wort „wahr“ überhaupt keinen Sinn hat, „wiewohl es inhaltsleer zu sein
scheint“.95 So trägt, laut Frege, der Sinn des Wortes „wahr“ nicht zum Sinn der Sätze bei, in denen es
vorkommt. 96 Für eine wahre Aussage brauchen wir folglich das Wort „wahr“ nicht. Welchen Sinn hat
es dann?

Frege äußert sich nun nicht immer eindeutig. In „Der Gedanke“ etwa vermutet er anfänglich, ob
Wahrheit nicht doch eine Eigenschaft ist, nämlich eine Eigenschaft eines Gedankens. Dass aber dem
Gedanken dabei nichts hinzugefügt wird, wenn man ihm die Eigenschaft der Wahrheit zuschreibt,
ergänzt er sogleich. Um dann die Frage zu stellen, ob es denn nicht ein großer Erfolg sei, „wenn nach

94
Frege 1976, S. 271.
95
Frege 1976, S. 272.
96
Vgl. Frege 1976, S. 271.

23
langem Schwanken und mühsamen Untersuchungen der Forscher schließlich sagen kann ‚was ich
vermutet habe, ist wahr‘.“97 So gerät er aber nur kurz ins Schwanken und fragt sich aufgrund der
schon bekannten Redundanz des Wortes „wahr“, ob „wahr“ nicht doch keine Eigenschaft ausdrückt
und ob uns die Sprache, die uns eine Subjekt-Prädikat-Analyse suggeriert,98 in die Irre führt: „Die
Bedeutung des Wortes ‚wahr‘ scheint ganz einzigartig zu sein. Sollten wir es hier mit etwas zu tun
haben, was in dem sonst üblichen Sinne gar nicht Eigenschaft genannt werden kann?“99

Trotz dieses Zweifels will sich Frege in „Der Gedanke“ zunächst noch dem Sprachgebrauch folgend so
ausdrücken, als ob Wahrheit eine Eigenschaft wäre, bis etwas Zutreffenderes gefunden sei. Dass uns
dabei aber die Sprache täuscht, wenn wir dem Gedanken die Eigenschaft der Wahrheit zuschreiben,
bemerkt er in einem Fragment aus dem Nachlass:

„Wenn wir sagen ‚der Gedanke ist wahr‘, scheinen wir die Wahrheit als Eigenschaft dem
Gedanken beizulegen. […] Hier täuscht uns aber die Sprache. Wir haben nicht das Verhältnis
des Gedankens zur Eigenschaft, sondern das des Sinnes eines Zeichens zu dessen
Bedeutung.“100

Dieses Verhältnis wird uns später noch in den Wahrheitsbedingungen begegnen. Auf den ersten Blick
scheint es nun so, als würden sich die verschiedenen Behauptungen Freges widersprechen. So
schreibt er einerseits von der Redundanz des Wortes „wahr“, andererseits scheint das Prädikat
„wahr“ aber auf Gedanken anwendbar. Um das Verhältnis Freges zur Redundanztheorie angemessen
zu bestimmten, so Andreas Kemmerling in „Frege und die Redundanztheorie der Wahrheit“, „muss
berücksichtigt werden, dass er zwischen verschiedenen Mitteln und Arten der Thematisierung
unterscheidet. Seine Redundanzthese bezieht sich ausschließlich auf das Wort ‚wahr‘. Was hingegen
die Thematisierung von Wahrheit durch die Form des Behauptungssatzes angeht, vertritt er dezidiert
keine solche These.“101

97
„Der Gedanke“, in Frege 2003, S. 39.
98
Vgl. Schantz 1996, S. 6.
99
„Der Gedanke“, in Frege 2003, S. 40.
100
Frege 2001, S. 88.
101
Andreas Kemmerling: Frege und die Redundanztheorie der Wahrheit, in: Greimann 2003a, S. 37.

24
2.1.5 Die Form des Behauptungssatzes als Wahrheitsoperator

So fasst Frege Wahrheit auch als omnipräsent auf. Das Wahrheitsprädikat unterscheidet sich dadurch
von allen anderen Prädikaten, „dass es immer mit ausgesagt wird“102, so Frege. Dies scheint
wiederum auf den ersten Blick nicht gut mit der These von der Redundanz des Wortes „wahr“
zusammenzupassen scheint. Fasst man allerdings die Form des Behauptungssatzes als primären
Wahrheitsoperator auf, so löst sich das Problem auf. „Um etwas als wahr hinzustellen“, so Frege,
„brauchen wir kein besonderes Prädikat, sondern nur die behauptende Kraft, mit der wir den Satz
aussprechen.“103 „[S]elbst da, wo wir die Ausdrucksweise ‚es ist wahr, daß …‘ anwenden, ist
eigentlich die Form des Behauptungssatzes wesentlich.“104

Der Behauptungssatz hat nach Freges Analyse zwei Funktionen: Er ist sowohl das Mittel zum
Ausdruck eines Gedankens als auch das Mittel, um einen Gedanken, d.h. den Sinn eines Satzes, als
Tatsache hinzustellen, d.h. ihn zu behaupten.105 Wo die behauptende Kraft fehlt, kann sie auch das
Wort „wahr“ nicht mehr wiederherstellen. So weist er des Öfteren darauf hin, dass in einer nicht im
Ernst geäußerte (Schein-)Behauptung oder in einem Satz eines Schauspielers der Form „Der
Gedanke, dass p, ist wahr“ nichts behauptet wird.106 So verweist uns das Wort „wahr“ auf den
Behauptungssatz. Unter einem Behauptungssatz versteht Frege den assertiven Modus, dem in der
natürlichen Sprache kein eigenes Zeichen entspricht und der etwa durch Modusindikatoren wie die
Verbstellung realisiert ist.107 Im logischen System der Begriffsschrift gibt es dafür einen speziellen
Urteilsstrich, der auf die behauptende Rolle hinweist.108

102
Frege 2001, S. 39.
103
Frege 2001, S. 139.
104
Frege 2001, S. 40.
105
Vgl. Greimann 2003b, S. 131.
106
Vgl. Frege 2001, S. 140.
107
Vgl. Greimann 2003a, S. 35.
108
Vgl. Frege 1879.

25
Dessen Funktionsweise erläutert er wie folgt:

„Um einen Inhalt als wahr hinzustellen, bediene ich mich eines kurzen senkrechten Strichs,
des Urteilsstriches, wie in

⊦ 3² = 9

wodurch die Richtigkeit der Gleichung 3² = 9 behauptet wird […].“109

Den Urteilsstrich, bestehend aus einem senkrechten Strich | und dem waagerechten Inhaltsstrich --,
der die darauf folgenden Zeichen zu einem Ganzen verbindet,110 kann man daher als einen
Wahrheitsoperator auffassen.111 Den Sinn des Urteilsstrichs erklärt er an einer anderen Stelle als ein
gemeinsames Prädikat aller Urteile, dessen Zweck dabei ist, den Inhalt der Behauptung als Urteil
hinzustellen.112 Es lässt sich, so Frege, eine Sprache denken, in welcher der Satz: „Archimedes kam
bei der Eroberung von Syrakus um“ in folgender Weise ausgedrückt würde: „Der gewaltsame Tod des
Archimedes bei der Eroberung von Syrakus ist eine Tatsache“. Unterschiede man hier zwischen
Subjekt und Prädikat, wird man feststellen, dass das Subjekt den ganzen Inhalt enthält.

„Eine solche Sprache würde ein einziges Prädicat für alle Urteile haben, nämlich ‚ist eine
Tatsache‘. Man sieht, dass im gewöhnlichen Sinn von Subject und Prädicat hier keine Rede

sein kann. Eine solche Sprache ist unsere Begriffsschrift und das Zeichen ⊦ ist ihr

gemeinsames Prädicat für alle Urtheile.“113


So gesehen erscheint der Urteilsstrich, der ja gerade dazu dient, zu sagen, dass der Wahrheitswert
einer Behauptung das Wahre sei,114 als ein nicht redundantes Mittel, um etwas als wahr zu
behaupten. Diese Interpretation scheint nun auch zu zeigen, was Frege mit dem eigentlichen Sinn
des Wortes „wahr“ verbindet. Dieser besteht darin, auszudrücken, dass der Inhalt eines Satzes der
Gedanke eine Tatsache sei.115 Gedanken werden uns aber im Kapitel über Wahrheitsträger wieder
begegnen. Dieses behauptungstheoretische Wahrheitsverständnis und die Auffassung von wahren

109
Frege 1976, S. 58.
110
Vgl. Frege 1879, § 2.
111
Vgl. Greimann 2003b, S. 164.
112
Vgl. Frege 1879, § 3.
113
Frege 1879: § 3
114
Vgl. Frege, 2002, S. XXVI.
115
Vgl. Greimann 2003a, S. 37.

26
Urteilen als Tatsachen scheinen nun auch keinen Widerspruch mit den anderen Thesen Freges zu
ergeben und zeigen auch, auf welchen Überlegungen die These von der Undefinierbarkeit der
Wahrheit baut: dass nämlich in jeder (wissenschaftlichen) Behauptung schon ein Wahrheitsanspruch
liegt.

2.2 Der Wahrheitsbegriff bei Quine

So kommen wir nun nach der Erläuterung des Wahrheitsbegriffs bei Frege zu Quines Behandlung. In
seiner Beschäftigung mit der Definition des Wahrheitsbegriffs stößt er, wie schon Frege vor ihm, bei
der Frage, worin eigentlich die Wahrheit oder Falschheit der Gegenstände, die überhaupt erst wahr
sein können, besteht, auf die klassische Antwort der Korrespondenztheorie: „Als wahr sind sie zu
klassifizieren, […] wenn sie mit der Wirklichkeit übereinstimmen.“116 Das Wahrheitsprädikat ist „wie
die Korrespondenztheorie bereits andeutet […] ein Bindeglied zwischen Wörtern und der Welt. Was
wahr ist, ist der Satz, aber seine Wahrheit besteht darin, dass die Welt so beschaffen ist, wie es
dieser Satz sagt“.117 In „Grundzüge der Logik“ schreibt Quine:

„Denn für gewöhnlich verknüpft sich Wahrheit mit Sätzen kraft der Verhältnisse in der Welt.
Es ist ein Gemeinplatz, ungenau, aber nicht unbegründet: Ein Satz ist wahr, wenn er der
Realität entspricht.“118

Diese vage Antwort stellt ihn aber dann nicht zufrieden. Eine Wort-für-Wort-Entsprechung von Satz
und Realität hält er für schlechterdings unmöglich, da dies „die Realität auf abstruse Weise mit
Myriaden der ungereimtesten Phantasmen“ übervölkern würde. Auch eine verfeinerte Version der
Korrespondenztheorie, bei der wahre Sätze den postulierten Tatsachen entsprechen sollen, wäre ihm
„beileibe noch zuviel des Guten.“119 Gemäß dem Grundsatz: Entia non sunt multiplicanda praeter
necessitatem120, wetzt er das ockhamsche Rasiermesser und führt so eine der fünf Tugenden vor, die
nach ihm bei einer Hypothese anzustreben sind: Konservatismus, Allgemeinheit, Einfachheit,

116
Quine 1995, S. 112.
117
Quine 1995, S. 115.
118
Quine 1969, S. 17.
119
Vgl. Quine 1995, S. 112f.
120
Vgl. „Ockham’s razor“, in: Historisches Wörterbuch der Philosophie, 2007, Bd. 6, S. 1094ff.

27
Falsifizierbarkeit und Bescheidung.121 Das Verlangen nach Einfachheit zeigt sich hier nun in der
Forderung nach ontologischer Sparsamkeit: Für eine Erklärung der Welt werden zwar Gegenstände in
Hülle und Fülle benötigt, und zwar abstrakte wie konkrete, Tatsachen aber, so Quine, tragen
höchstens zu einer Scheinfundierung der Korrespondenztheorie bei. Mit dieser Kritik im Hinterkopf
gewinnt er nun die Definition des Wahrheitsprädikats.122

In einem Satz wie

(1) „Schnee ist weiß“ ist dann und nur dann wahr, wenn es eine Tatsache ist, dass
Schnee weiß ist

kann man laut Quine den Ausdruck „es eine Tatsache ist, dass“ – und damit eben auch die Tatsachen
– schlicht und einfach streichen und erhält:

(2) „Schnee ist weiß“ ist dann und nur dann wahr, wenn Schnee weiß ist.

Somit läuft in diesem Fall die Prädikation der Wahrheit darauf hinaus, „vom Schnee zu sagen, dass er
weiß ist.“123

2.2.1 Wahrheit als Zitattilgung

Daraus folgert Quine, dass das Wahrheitsprädikat schlicht die Anführungszeichen aufhebt: „Wahrheit
ist Zitattilgung.“124 Man kann nun den obigen Satz auf folgende Weise schematisieren:125

(3) „---------“ ist wahr, dann und nur dann wenn ----------

wobei (3) gilt, wenn, wie in (2) in der ersten Leerstelle ein Satz S zitiert und derselbe beliebige Satz S
in der zweiten Lücke eingesetzt wird.126 Dieses Schema gleicht der Äquivalenz der Form (T), auch
Konvention W genannt. Tarski verwendet statt der Leerstellen den Schemabuchstaben „p“ für den

121
Vgl. Quine 1995, S. 27.
122
Vgl. Quine 1995, S. 113.
123
Quine 1995.
124
Quine 1995, S. 113.
125
Vgl. Quine 1995, S. 117.
126
Quine 1979, S. 128.

28
Satz S und „X“ für das Zitat dieses Satzes. Mit dem Schema (3) oder dem später folgenden Paradigma
(4) erhalten wir nun laut Quine aber keine Definition der Wahrheit im strikten Sinne.127

Gemäß dem Grundsatz „Explizieren heisst Eliminieren“128 forderte Quine selbst, dass eine Definition
im strikten Sinn stets angeben muss, wie wir den definierten Ausdruck aus jedem beliebigen Kontext
zugunsten einer vorher eingeführten Formulierung eliminieren können. Dies leistet aber diese
„Definition“ nicht. Zwar ist das Wahrheitsprädikat, prädiziert von einem wirklich vorliegenden Satz,
mithin redundant.129 Wenn wir aber einen komplexen Satz wie „Wenn die Zeit flieht, dann flieht die
Zeit“ verallgemeinern wollen, d.h. sagen wollen, dass dieser Satzkomplex auch dann nicht falsch
wird, wenn wir für den betreffenden Gliedsatz einen beliebigen anderen Satz einsetzen, dann
benötigen wir dazu das Wahrheitsprädikat. Durch den semantischen Aufstieg, den uns das
Wahrheitsprädikat gewährleistet, können wir dann ganz einfach über Sätze sprechen, wo wir sonst
über Gegenstände sprechen, so Quine. Die Verallgemeinerung des Beispielsatzes lautet dann: „Alle
Sätze der allgemeinen Form ‚Wenn p, dann p‘ sind wahr.“130 Hier kann das Wahrheitsprädikat nicht
eliminiert werden. Das Paradigma der Wahrheit als Zitattilgung erlaubt es uns nämlich nur, das
Wahrheitsprädikat aus den Positionen zu eliminieren, denen Zitate vorangehen, aber nicht aus
Positionen, denen etwa Pronomina oder quantifizierte Variablen vorangehen.131

In einem laxeren Sinn, so Quine, liefert die Erklärung der Wahrheit als Zitattilgung aber durchaus eine
Definition der Wahrheit. So gibt sie uns ja „für einen jeden beliebigen Satz Auskunft darüber, was es
heißt, dass dieser Satz wahr ist; und sie tut dies in einer Begrifflichkeit, die uns nicht minder
verständlich ist als der betreffende Satz selbst“. 132 Dies sah auch Tarski schon so: Nach ihm handelt
es sich bei seiner „Äquivalenz der Form (T)“ auch nicht um eine Definition der Wahrheit, sondern
lediglich um das Schema einer Aussage. Von dieser partiellen Definition aus lässt sich dann aber eine
allgemeine Definition gewinnen, so Tarski:

„Wir können nur sagen, daß jede Äquivalenz der Form (T), die wir nach Ersetzung von ‚p‘
durch eine partikuläre Aussage und von ‚X‘ durch den Namen dieser Aussage erhalten, als

127
Vgl. Quine 1995, S. 115.
128
Vgl. Quine 1980, S. 448.
129
Vgl. Quine 1995, S. 113.
130
Quine 1995, S. 114.
131
Vgl. Quine 1979, S. 130.
132
Quine 1995, S. 113ff.

29
eine partielle Definition der Wahrheit betrachtet werden kann, die erklärt, worin die
Wahrheit dieser einen individuellen Aussage besteht. Die allgemeine Definition muß in einem
gewissen Sinne die logische Konjunktion all dieser partiellen Definitionen sein. “133

Dieses Schema kann man sich nun an unserem Beispiel weiter klarmachen. Die Entscheidung
darüber, ob man „‚Schnee ist weiß‘ ist wahr“ behaupten kann, läuft somit auf die Entscheidung
darüber hinaus, ob man „Schnee ist weiß“ behaupten kann. Der Satz „Schnee ist weiß“ ließe sich nun
im Quine’schen Paradigma entweder holophrastisch, d.h. als unstrukturierte, uninterpretierte
Ganzheit, als Beobachtungssatz auffassen. Was es heißt, dass Schnee weiß ist, läuft in diesem Fall
dann darauf hinaus, zu wissen, wann man den Satz, gemäß den Bedingungen für Beobachtungssätze,
behaupten kann. Oder man fasst ihn aus retrospektiver Sicht der Theorie analytisch oder Wort für
Wort auf. Dann handelt es sich um eine Prädikation. Diese kann man dann, wie wir noch sehen
werden, anhand des von ihr implizierten zentrierten kategorischen Beobachtungssatzes prüfen.134
Einen kategorischen Beobachtungssatz kann man dann auch durch Beobachtung prüfen. So gesehen
führt Quine Wahrheit also auf Behauptbarkeit zurück. Die eingehende Behandlung von
Beobachtungssätzen und der Behauptbarkeit von Sätzen folgt im Kapitel über Wahrheitsträger bei
Quine. Die Wahrheit als die Menge aller wahren Sätze wird uns später bei Quine noch im Rahmen
seines Holismus begegnen.

2.2.2 Wahrheit und Erfüllung

Das Wahrheitsprädikat wird, so Quine, stets von abgeschlossenen Sätzen ausgesagt, d.h. von Sätzen,
in denen keine freien Variablen vorkommen. Das Pendant für offene Sätze ist das zweistellige
Erfüllungsprädikat.135 Dies kann man sich an einem Beispiel klar machen. Nehmen wir einen offenen
Satz wie „x ist identisch mit x“. Dieser Satz ist wahr, da er durch alle Objekte erfüllt wird, sowie „x ist
nicht identisch mit x“ immer falsch ist, da er durch keine Objekte erfüllt wird.136 Weitere Beispiele
sind etwa: „x geht spazieren“ oder „x > y“ oder die Relation „xRy“, die ein Schema eines Satzes wie „x

133
A. Tarski: Die semantische Konzeption der Wahrheit und die Grundlagen der Semantik, in: Skirbekk 1992, S.
145.
134
Quine 1995, S. 6.
135
Vgl. Quine 1995, S. 119.
136
Vgl. Koch 2006.

30
tötete y“ darstellt und in dem die Variablen „x“ und „y“ frei vorkommen. Diese offenen Sätze sind
weder wahr noch falsch, sondern sie werden von bestimmten Gegenständen bzw. Paaren, Tripeln
usw. von Gegenständen erfüllt.137 Den Zusammenhang zwischen Erfüllung und Wahrheit kann man
dann allgemein so beschreiben: „Eine Belegung von Variablen mit Objekten erfüllt einen offenen
Satz, wenn der Satz für diese Werte seiner Variablen wahr ist.“138

Unter einer Belegung von Variablen mit Objekten versteht man dabei „ganz einfach eine Funktion,
eine sogenannte ‚funktionale‘ oder ‚eindeutige‘ Relation, die jeder Variablen ein und nur ein Objekt
zuordnet – jedem Buchstaben ‘w’, ‘x’, ‘y’, ‘z’, ‘w´’“139, so Quine. Eine Relation ist „ihrerseits eine
Menge (oder Klasse) von geordneten Paaren“.140 Ein Beispiel für ein geordnetes Paar ist etwa 〈5,3〉

oder 〈Brutus, Ceasar〉.141 Das geordnete Paar 〈5,3〉 erfüllt den offenen atomaren Satz „x > y“, während

〈3,5〉 diesen Satz nicht erfüllt. 〈Brutus, Ceasar〉 erfüllt den offenen Satz „x tötete y“, 〈Caesar, Brutus〉

nicht.142 Hat man einmal Erfüllung für atomare Sätze definiert, so kann man dann mittelbar die
Erfüllung von Sätzen beliebiger höherer Stufe oder Komplexität mit Hilfe einer solchen Erfüllung ihrer
jeweiligen Komponenten erklären. So erhalten wir also eine rekursive Definition der Erfüllung.
Demnach erfüllt eine Variablenbelegung eine Alternation von Sätzen dann und nur dann, wenn sie
einen dieser Sätze oder beide erfüllt, eine Konjunktion dann und nur dann, wenn sie beide erfüllt,
eine Negation dann und nur dann, wenn sie den negierten Satz nicht erfüllt. „Und schliesslich erfüllt

eine Variablenbelegung eine Existenzquantifikation ‚ Ǝx (…x…)‘ dann und nur dann, wenn eine mit ihr

bis auf den Wert für ‚x‘ übereinstimmende Variablenbelegung ‚…x…‘ erfüllt.“143 Ist erst einmal die
Erfüllung definiert, so Quine, so ergibt sich Wahrheit dann mühelos. „Ein abgeschlossener Satz wird,
insofern er ja keine freien Variablen enthält, müßigerweise entweder von allen Variablenbelegungen

137
Quine 2005, S. 46
138
Quine 1995, S. 119.
139
Quine 1995, S. 120.
140
Quine 1980, S. 444; Quine 2005, S. 46. Für geordnete Paare gilt dabei nur die folgende Bedingung: Wenn
〈x,y〉 = 〈z,w〉 dann x = z und y = w.

141
Vgl. Quine 1995, S. 120. Die Schreibweise 〈x,y〉 der geordneten Paare kann man mit Mitteln des
mengetheoretischen Epsilon und der logischen Partikel kontextuell definieren.
142
Vgl. Quine 2005, S. 46.
143
Vgl. Quine 1995, S. 121.

31
erfüllt oder von keinen, je nachdem, ob es sich dabei um einen wahren Satz oder um einen falschen
handelt.“144 Die formale Definition lautet dann:

‘y ist wahr’ als ‘∀x(x ist eine Belegung · → · x erfüllt y)’“145

Die Erfüllung von atomaren Sätzen kann man nun auch empiristisch interpretieren.146 Dies kann man
sich etwa am Beispiel der Prädikation verdeutlichen. Die Prädikation, wie in einem atomaren Satz der
Form Fx, verlangt, dass die Merkmale der Beobachtungssätze „F“ und „x“ in einem Brennpunkt
zusammenfallen.147 Dies kann man am Beispiel des Satzes „Schnee ist weiß“ anschaulich machen. Die
beiden Beobachtungssätze „Dies ist Schnee“ und „Dies ist weiß“ müssen nun einfach in einem
Zentrum zusammenfallen, damit die Prädikation behauptet werden kann. Man sieht auch hier
wieder, wie Erfüllung und mit ihr Wahrheit durch Behauptbarkeit erklärt werden. Die Bedingungen
für Behauptbarkeit von Beobachtungssätzen werden wir im Kapitel über Wahrheitsträger bei Quine
noch genauer kennen lernen, um dann im Kapitel über Wahrheitsbedingungen und
Wahrheitskriterium auf die Rolle des Beobachtungssatzes im Rahmen des Quine’schen Holismus
einzugehen.

2.2.3 Einschränkungen des Wahrheitsprädikats

Bei diesem Definitionsversuch ergeben sich nun einige Probleme. Das erste Problem resultiert
aufgrund der Homonymität von Ausdrücken, das auch gerne das Problem der Äquivokation genannt
wird. Dies liegt daran, dass eine bestimmte Kette von Buchstaben oder Lauten sowohl eine Aussage
des Deutschen und zugleich eine Aussage einer anderen Sprache sein könnte. Dadurch könnte
natürlich die Bedeutung des Ausdrucks von einer Sprache zur anderen Sprache differieren. Womit es
auch möglich wäre, dass die eine Aussage in der einen Sprache wahr und in der anderen falsch sein
könnte.148 So sind die Kernbegriffe der Referenztheorie, wie auch die Begriffe der Bedeutungstheorie,
zu den ersteren, bei Quine, neben dem Begriff der Wahrheit auch die Begriffe der Bennennung,

144
Quine 1995, S. 120.
145
Quine 1995, S. 120.
146
Vgl. Quine 1995, S. 6.
147
Vgl. Quine 1995, S. 6.
148
Vgl. Quine 1979, S. 129.

32
Denotation (oder wahr-sein-von) und Extension etc. zählen149, genaugenommen immer relativ zu
einer Sprache. Die Sprache tritt, wenn auch nur stillschweigend, immer als Parameter mit auf. So ist
auch eine Aussage, die wir uns als eine Kette von Buchstaben oder Lauten denken, niemals einfach
wahr, sondern wahr in einer Sprache L für einen passenden Wert von L. Darüber hinaus ist es
vorstellbar, so Quine, dass sich die Semantik einer Sprache im Laufe ihrer Entwicklung einmal
ändert.150 Daher müsste das Schema (3), formal korrekt, folgendermaßen aussehen:

(4) „_____“ ist wahr-in-L zum Zeitpunkt t, dann und nur dann wenn ______

Dabei ist erforderlich, dass L dieselbe Sprache ist wie die, in der (4) abgefasst ist, oder zumindest,
dass beide Sprachen einander hinsichtlich der Ausdrücke, die wir in (4) in die Leerstellen einsetzen
wollen, überlappen. Sonst ist es möglich, dass wir falsche oder sinnlose Aussagen erhalten, wie:

(5) „Snow is white“ ist wahr-im-Englischen zum Zeitpunkt t, dann und nur dann, wenn
snow is white

Hierbei können wir zwar das Zitat am Anfang der Aussage als deutschen Namen für ein englische
Aussage nehmen, der Rest ist jedoch sinnloses Sprachgemisch.151

2.2.4 Die Paradoxien der Wahrheit

Wie wir schon gesehen haben, bedarf es gewisser Vorkehrungen, damit bei dieser Art der Definition
des Wahrheitsprädikats keine sinnlosen Sprachverwirrungen auftreten. Nun ist aber die
Einschränkung, die wir im Übergang von (3) zu (4) getroffen haben, nicht das einzige Hindernis, das
wir aus dem Weg räumen müssen.

„Es ist seit langem kein Geheimnis mehr“, schreibt Quine, „dass sich Wahrheit durch und durch ins
Paradoxe verstrickt, bis hin zu lupenreinen Antinomien.“152 Eine Form der Wahrheitsantinomie ist
etwa die Lügnerparadoxie „Ich lüge“ alias „Dieser Satz ist nicht wahr“. Eine andere wäre die

149
Vgl. Quine 1979, S. 125.
150
Vgl. Quine 1979, S. 129.
151
Vgl. Quine 1979, S. 129.
152
Quine 1995, S. 116.

33
Paradoxie von Epimenides dem Kreter, der sagte, dass alle Kreter lügen.153
Das Paradox des Epimenides lässt sich etwa so analysieren: Wenn wir annehmen, dass (a)
Epimenides ein Kreter war, und dass (b) Epimenides sagte, dass Kreter niemals die Wahrheit sagen
und (c) dass alle anderen Aussagen von Kretern tatsächlich immer falsch waren, dann entsteht ein
Paradox. Die Aussage des Epimenides wird falsch, wenn sie wahr ist, und wahr, wenn sie falsch ist.154
Die Lügnerparadoxie lässt sich an einem selbstbezüglichen Satz demonstrieren, in dem das
Wahrheitsprädikat vorkommt.

(6) (6) ist falsch

Anscheinend ist die Aussage (6) genau dann wahr, wenn sie falsch ist, und falsch, wenn sie wahr ist.
Zur Veranschaulichung setzen wir einmal die Aussage (6) in das obige Schema (4) ein:

„(6) ist falsch“ ist-wahr-in-L, dann und nur dann, wenn (6) ist falsch

Dies ist offensichtlich eine Paradoxie. Nach Quine könnte man versuchen, diesen Widerspruch
dadurch zu entgehen, indem man (6) einfach für sinnlos erklärt, da der Versuch, die Referenz „(6)“ in
(6) durch ein Zitat einer tatsächlichen Aussage zu ersetzen, zu einem infiniten Regress führt.155 Dies
kann man sich folgendermaßen klar machen: Da (6) in „(6) ist falsch“ selbstreferentiell ist, müsste
man (6) durch das Zitat des fraglichen Satzes ersetzen und man erhielte „‚(6) ist falsch‘ ist falsch“.
Nun taucht in dem Zitat (6) wieder auf und die Prozedur müsste von neuem beginnen. Führt man
diese Anweisung konsequent weiter, landet man in einem infiniten Regress.156

Mit Quine kann man dann aber eine etwas komplexere Version des Paradoxons anführen, welches
nicht, oder jedenfalls nicht offensichtlich, selbstbezüglich ist und daher nicht zu einem infiniten
Regress führt und den damit der Einwand der Sinnlosigkeit nicht treffen würde. Die Antinomie lässt
sich an einem sich selbst reproduzierenden Satz157 beobachten. So lässt sich zu jedem Satz p ein
längerer Satz „p“p bilden, indem wir p in Anführungsstriche setzen und p dahinterhängen. Lautet der
Satz etwa „ist ein Satzfragment“, so erhalten wir den wahren ‚Satz „‚ist ein Satzfragment‘ ist ein
Satzfragment“. Lautet der Satz „ist ein menschliches Wesen“, so erhalten wir den falschen Satz „‚ist

153
Vgl. Quine 1995, S. 116.
154
Vgl. Quine 1979, S. 127.
155
Quine 1979, S. 127.
156
Vgl. v. Rucker 1995, S. 145.
157
Vgl. Hofstadter 1985, S. 530.

34
ein menschliches Wesen‘ ist ein menschliches Wesen“. Die Paradoxie kann man nun bei einem Satz
beobachten, der dieses Konstruktionsschema schon implizit in sich trägt. Der Satz lautet: „ergibt
einen falschen Satz, sobald man es hinter das Zitat seiner selbst schreibt“. Wenn wir die Anweisung
befolgen und den aus dreizehn Wörtern bestehenden zitierten Ausdruck hinter sein eigenes Zitat
schreiben, so erhalten wir (7).

(7) „ergibt einen falschen Satz, sobald man es hinter das Zitat seiner selbst schreibt“, ergibt
einen falschen Satz, sobald man es hinter das Zitat seiner selbst schreibt.158

Der Satz impliziert seine eigene Falschheit. Dies ist aber widersprüchlich. Wenn der Satz nämlich
falsch ist, was ja der Satz besagt, dann müsste er wahr sein. Dies liegt, laut Quine, „an den beiden
harmlosen Operationen des Zitierens und des Hintereinanderschreibens in Verbindung mit dem
Begriff eines falschen Satzes, der sich seinerseits auf das unschuldige ‚nicht‘ in Verbindung mit wahr
zurückführen lässt.“159 Mit den Worten harmlos und unschuldig zeigt er schon an, dass er vermutet,
„dass das Wahrheitsprädikat der Störenfried sein muß.“160

So scheint die Antinomie zu zeigen, dass der für die Referenztheorie charakteristische Term „wahr“
wegen drohender Widersprüche als sinnlos aus der Sprache ausgeschlossen werden müsste.161 Diese
Konsequenz sei aber, so Quine, nur schwer zu akzeptieren, da die Gebrauchsweise des
Wahrheitsprädikats als Zitattilgung, eine „eigenartige Klarheit“ zu besitzen scheint, wie wir in
Anschluss an (3) gesehen haben.162 Um zu verhindern, dass es zu einer Antinomie kommt und sich
das Wahrheitsprädikat als inkohärent erweist, muss man daher seine Reichweite irgendwie
begrenzen.163 Dies kann man dadurch tun, so Quine, indem man gewisse Anwendungsfälle
ausschließt:

„Das Wahrheitsprädikat einer solchen Sprache […] darf keinesfalls auch die Zitate all jener
Sätze aufheben, in denen es selber vorkommt. […] Und natürlich darf es ebenso wenig die

158
Vgl. Quine 1995, S. 116.
159
Quine 1995, S. 116f.
160
Quine 1995, S. 116f.
161
Vgl. Quine 1979, S. 128.
162
Vgl. Quine 1979, S. 128.
163
Vgl. Quine 1995, S. 117.

35
Zitate aller Sätze aufheben, in denen Terme vorkommen, mit deren Hilfe sich dieses
Wahrheitsprädikat paraphrasieren ließe.“164

Um dann weiterhin am Wahrheitsprädikat festhalten zu können und die soeben ausgeschlossenen


Anwendungsfälle doch noch unter Dach und Fach zu bringen, muss man verhindern, dass Paradoxien
bzw. Antinomien auftreten können. Dafür schlägt Quine eine Hierarchie unterschiedlicher
Wahrheitsprädikate vor:

„Die Hierarchie hebt an mit einem Prädikat ‚wahr0‘, das Zitate aller Sätze aufhebt, in denen
keinerlei Wahrheitsprädikat oder äquivalente Mittel vorkommen. Als nächstes kommt dann
ein Prädikat ‚wahr1‘, das die Zitate aller Sätze aufhebt, in denen außer ‚wahr0‘ kein
Wahrheitsprädikat oder äquivalente begriffliche Mittel vorkommen. Und so weiter in
aufsteigender Anordnung.“165

Nach dieser Idee bekommen wir es mit einer hierarchischen Progression zunehmend vollkommener
Wahrheitsprädikate zu tun. Diese Idee geht, so Quine, auf eine frühe Phase der Typentheorie
Betrand Russells zurück, der damit auch die Lügnerparadoxie ausschalten wollte.166 Die Typentheorie
hatte Russel auch in Auseinandersetzung mit einem Widerspruch in Freges System entwickelt, dem
wir später noch begegnen werden.

Da das Wahrheitsprädikat in einer geschlossenen Sprache zu Antinomien führt und daher nicht in ihr
definiert werden kann, wird in Tarskis Theorem das Wahrheitsprädikat nun auch nicht in der Sprache
selbst definiert in der es gebraucht wird.167 Wenn wir nun das Wahrheitsprädikat, nicht wie in (3),
sondern wie in (4) definieren und zusätzlich den Term „wahr-in-L“ aus der Sprache L ausschließen,
dann kann man verhindern, dass sinnlose Sprachgemische wie in (5) und die Paradoxa aus (6) und (7)
formulierbar wären. Den Term „wahr-in-L“ definiert man dann einfach in einer umfassenderen
Sprache L’, die L als Teil enthält. So können wir die Definition von „wahr-in-L“ in L’ aufrechterhalten,
ohne dass Paradoxien auftreten, wenn die Terme, die die Leerstellen füllen, nicht nur in L’ sondern
auch in L enthalten sind.168 So bekommen wir es mit einer Hierarchie von Objekt- und Metasprachen
zu tun, wobei in der jeweiligen Objektsprache Aussagen über bestimmte Gegenstandsbereiche

164
Quine 1995, S. 119.
165
Quine 1995, S. 118.
166
Vgl. Quine 1995, S. 118.
167
Quine 1995, S. 118.
168
Vgl. Quine 1979, S. 130.

36
formuliert werden und in der jeweiligen Metasprache zusätzlich dazu noch Aussagen über die Sätze
der jeweiligen Objektsprache gemacht werden.169

Dies bleibt aber nicht die einzige Antinomie, der wir bei der Definition des Wahrheitsprädikats
begegnen. Da wir Erfüllung für eine Sprache innerhalb dieser Sprache selbst definiert haben und
darauf aufbauend auch Wahrheit für diese Sprache selbst definiert haben, stellt sich für Quine die
Frage, ob wir dadurch nicht wieder in einem Widerspruch enden.170

Um dies zu illustrieren, betrachten wir Grellings Paradox für offene Sätze mit einer Variablen. Alle
möglichen Gegenstände können solche Sätze erfüllen, Sätze erfüllen einige von ihnen und manche
Sätze erfüllen sich selbst. Nehmen wir ein Beispiel: Der offene Satz ‚x ist kurz‘ ist ein kurzer Satz171
und erfüllt sich damit selbst, der offene Satz ‚x erfüllt mindestens einen Satz‘ erfüllt mindestens einen
Satz und damit sich selbst. Andere offene Sätze erfüllen sich selbst nicht, wie etwa: ‚x ist lang‘; ‚x ist
englisch‘. Nehmen wir den offenen Satz: ‚x erfüllt sich selbst nicht‘. Erfüllt er sich oder erfüllt er sich
nicht? Es ist ganz klar, so Quine: „erfüllt er sich, so erfüllt er sich nicht, und erfüllt er sich nicht, so
erfüllt er sich.“172 Dies ist anscheinend wieder ein Widerspruch, dem man nicht entgehen kann, und
damit wiederum ein Grund, warum das Erfüllungsprädikat und mit ihm das Wahrheitsprädikat aus
der Sprache ausgeschlossen werden müssten.

Was den Status quo rettet, so Quine, ist der Umstand, dass die Definition der Erfüllung eben eine
induktive (alias rekursive) ist und keine direkte:

„Diese induktive Definition erklärt zwar die Erfüllung eines jeden jeweils bestimmten Satzes,
doch liefert sie mitnichten eine Übersetzung des Ausdrucks ‚x erfüllt y‘ für variable ‚y‘.
Folglich gelingt es ihr weder, das ‚nicht (x erfüllt x)‘ der Grelling’schen Paradoxie zu
übersetzen, noch ließe sich die Wahrheitsdefinition (2) für variable ‚y‘ auf sie gründen.“173

So ist es anhand dieser Definition nur möglich, die Wahrheit für jeden, je bestimmten
abgeschlossenen Satzes zu erklären, die Paradoxie scheint verhindert. Damit hinterlässt sie das
Wahrheitsprädikat genau so, so Quine, „wie es die Theorie der Zitattilgung zurückgelassen hatte: als

169
Vgl. Stegmüller 1977, S. 3; zur Unterscheidung von Objekt und Metasprache als Lösung der semantischen
Paradoxien vgl. S. 38ff.
170
Vgl. Quine 1995, S. 120.
171
Vorausgesetzt, dass man Sätze der Form ‚Fx‘ als kurze Sätze auffasst.
172
Quine 2005, S. 54.
173
Quine 1995, S. 122.

37
vollständig erklärt im Hinblick auf jeden besonderen Satz einer jeweiligen Sprache, doch keinesfalls
im Hinblick auf eine Variable.“174 Damit habe „Erfüllung – und mit ihr Wahrheit – […] auch weiterhin
den Status inne, dessen sie sich bereits unter der Zitattilgungstheorie erfreute: klar verständlich,
ohne vollständig eliminierbar zu sein.“175

2.3 Resümee

Wie wir gesehen haben, hält Frege Wahrheit für undefinierbar. Diese These steht dabei sowohl im
Einklang mit seiner redundanztheoretischen Analyse des Prädikats „wahr“ als auch mit seiner
Auffassung, dass schon im Behauptungssatz ein Anspruch auf Wahrheit liegt. Zusammen mit seiner
antipsychologistischen und objektivistischen Auffassung von Wahrheiten als Tatsachen bilden diese
Thesen das Fundament der Freg’schen Auffassung von Wahrheit.

Einer der wohl gravierendsten Unterschiede zwischen Frege und Quine liegt nun darin, dass dieser
Wahrheit als unabhängig vom denkenden Subjekt konzipiert, was man auch gleich noch in seiner
Auffassung der Wahrheitsträger sehen wird, während jener – im Gegensatz dazu – Wahrheit und
Erfüllung auf Behauptbarkeit zurückführt. Die Bedingungen für Behauptbarkeit sind, wie wir gleich
noch genauer kennen lernen werden, Intersubjektivität und die Korrelation mit Reizeinflüssen.176
Damit hängt die Wahrheit aber durchaus vom Subjekt ab, wenn auch von mehreren zusammen. Die
Bedingung der Intersubjektivität ist für Quine das Moment, wodurch Wissenschaft objektiv wird.177
Für Frege bedeutet diese „psychologistische Logik“ aber, dass eine jede Meinung gerechtfertigt wäre,
da der Anspruch auf Unabhängigkeit der Wahrheit vom Subjekt aufgegeben werden müsste. Diese
Behauptung sei inkonsistent und führt für Frege zum Zusammenbruch der wissenschaftlichen
Kommunikation. Dass dies nicht unbedingt so weit kommen muss, zeigt die Konzeption von Quine
selbst. Der Anspruch auf eine, wie auch immer geartete, absolute Wahrheit muss dann zwar
aufgegeben werden, aber deswegen nicht die Rechtfertigung von Hypothesen. Die Quine’sche
Auseinandersetzung mit Verifikation und Falsifikation im Rahmen des Holismus werden wir dann im
Kapitel über Wahrheitsbedingung und Wahrheitskriterium näher untersuchen.

174
Quine 1995, S. 122.
175
Quine 1995, S. 123.
176
Vgl. Quine 1995, S. 5f.
177
Vgl. Quine 1995, S. 6.

38
Bei der Frage: Was ist Wahrheit? gibt sich Quine, im Gegensatz zu Freges Erläuterungen des
Wahrheitsbegriffs, mit der Explikation des Wahrheitsprädikats zufrieden: Wahrheit ist Zitattilgung
und ermöglicht uns den semantischen Aufstieg. So können wir dann ganz einfach über Sätze
sprechen, wo wir sonst über „die Welt“ sprechen. Da das Wahrheitsprädikat nur für abgeschlossene
Sätze definiert ist, führt Quine ein zweistelliges Erfüllungsprädikat ein. So führt Quine die Prädikation
von Wahrheit auf die Erfüllung einer Aussagefunktion zurück. Das wirkt gerade so, als würde er die
gleiche Idee verfolgen, die Frege mit seiner These vom Behauptungssatz als dem eigentlichen Ort des
Anspruches auf Wahrheit hatte. Quine betrachtet das Wahrheitsprädikat ja genauso als redundant
wie Frege. Dabei sollte man aber nicht übersehen, dass man, um den Begriff der Erfüllung zu
erklären, laut Frege, bereits über den Wahrheitsbegriff verfügen muss.178 So setzt Frege die
Entscheidung darüber, ob eine Satzfunktion erfüllt ist, mit der Entscheidung darüber gleich, ob dieser
Satz wahr ist. Für Frege ist Wahrheit nämlich ursprünglich und undefinierbar, während es für Quine
kein Problem darstellt, das Wahrheitsprädikat durch das Erfüllungsprädikat zu explizieren. Quine
kann die Entscheidung, ob ein gewisser Satz wahr genannt werden kann, damit erklären, ob er
behauptet werden kann.179 Wie Quine Behauptbarkeit dann weiter verfolgt, werden wir im Rahmen
seiner Konzeption der Wahrheitsträger und des Holismus sehen. Damit scheint Quine zeigen zu
können, wie man dem unendlichen Regress oder dem Zirkel in der Definition begegnen kann, indem
man Wahrheit und Erfüllung durch Behauptbarkeit erklärt und dann Behauptbarkeit weiter
analysiert. So scheint der Explikationsvorschlag von Tarski bzw. Quine wirklich eine eigenartige
Klarheit zu besitzen. So möchte man meinen, lernt auch ein Kind den Gebrauch des
Wahrheitsprädikats, indem es lernt Wahrheit von einem Satz dann zu prädizieren, wenn es ihn
behaupten kann. Frege würde dann natürlich wieder einwerfen, dass man schon im Behauptungssatz
einen Wahrheitsanspruch erhebt. Das Kind muss davon aber nichts wissen. Es ahmt den Gebrauch
einfach nach.

So stellt sich hier nun die Frage: Ist Wahrheit definierbar oder nicht? Bei der Antwort auf diese Frage
kann man sich die Unterscheidung zwischen Sinn und Bedeutung bzw. zwischen Bedeutung und
Referenz zunutzemachen.180 Der Sinn bzw. die Bedeutung des Wahrheitsprädikats scheint sich nun
sowohl bei Frege als auch bei Quine finden zu lassen. So erläutert Frege den Sinn des

178
Vgl. Greimann 2003b, S. 213.
179
Wie sich dies im Rahmen des Holismus relativiert, siehe „Wahrheitsbedingungen und Wahrheitskriterium
bei Quine“.
180
Vgl. Joachim Brand: Frege, Die Paradoxien und die Undefinierbarkeit der Wahrheit, in: Greimann 2003a, S.
114ff.; Brand unterscheidet zwischen der Undefinierbarkeit der Wahrheit im extensionalen und intensionalen
Sinne, S. 127f.

39
Wahrheitsprädikats bzw. des äquivalenten Urteilsstrichs als „ist eine Tatsache“ und Quine führt die
Bedeutung des Wahrheitsprädikats auf die Erfüllung einer Aussagefunktion und dann weiter auf
Behauptbarkeit zurück. So könnte man meinen, ließe sich die Bedeutung des Wahrheitsprädikats
sehr wohl bestimmen und man möchte hinzufügen, dass eine gewisse Notwendigkeit besteht, die
Bedeutung eines Begriffs offenzulegen. Was würde man sonst darunter verstehen wollen? Laut dem
Programm des semantischen Inferentialismus, dessen Idee auf Rudolf Carnap zurückgeht und dem
sich auch Wilfrid Sellars und in den heutigen Tagen Robert Brandom gewidmet haben, ergibt sich die
Bedeutung eines Ausdrucks gerade aus den (logischen) Beziehungen zu anderen Ausdrücken.181
Grundsätzlich sollte eigentlich auch nichts dagegen sprechen, die Bedeutung von Prädikaten durch
inhaltliche Schlussregeln auszubuchstabieren. Wir gehen ja täglich mit inhaltlichen
Schlussbeziehungen zwischen Begriffen um, wenn wir etwa von „x ist grün“ auf „x ist farbig“ oder
von „x ist westlich von y“ auf „y ist östlich von x“ schließen. Daher sollte es auch möglich sein, den
Begriff der Wahrheit etwa durch den Begriff der Erfüllung zu bestimmen oder aber auch den Begriff
der Tatsache. Den Begriff der Tatsache kann man, wie Quine, mit dem Hinweis auf die Forderung
nach Einfachheit, kritisieren. Man könnte auch versuchen den Begriff zu konkretisieren, was nicht
heißen soll, dass er dann vor Kritik geschützt werden kann.182 Wird Wahrheit nun durch Erfüllung
definiert, so droht die Grelling’sche Antinomie. Daher können Erfüllung und mit ihr Wahrheit nur für
eine endliche Anzahl an atomaren Sätzen einer bestimmten Sprache zu einem bestimmten Zeitpunkt
definiert werden. So kann man in solchen sogenannten „Molekularsprachen“ zu einer allgemeinen
Definition des Wahrheitsbegriffs gelangen, indem man die Wahrheitsbedingungen für atomare Sätze
angibt und dann zu Sätzen von komplexerer Gestalt auf dem Wege der Rekursion fortschreitet.183 In
„reicheren Sprachsystemen, sogenannten ‚generalisierten Sprachen‘, d.h. Sprachen, welche
Variablen (Individuenvariable, Prädikatenvariable, Klassenvariable) enthalten“, so Wolfgang
Stegmüller, „ist ein derartiges Vorgehen nicht möglich“. Hier muss ein Umweg eingeschlagen
werden.184 So gesehen, ist es scheinbar möglich, Wahrheit, bei Beachtung der Schwierigkeiten und
mit den nötigen Einschränkungen, die wir im Kapitel über die Paradoxien der Wahrheit kennen
gelernt hatten, zu definieren.

181
Vgl. Carnap 1968; Sellars 1968, Kapitel III; Brandom 2000.
182
Zum Begriff der Tatsache, vgl. Historisches Wörterbuch der Philosophie, 2007, Bd. 10, S. 913ff; vgl. auch:
Franzen, 1982
183
Vgl. auch Stegmüller 1977, S. 22.
184
Stegmüller 1977, S. 22; Stegmüller 1977, S. 53. Tarski hat gezeigt, dass für eine umfassende Klasse von
generalisierten Sprache eine Definition der wahren Aussage möglich ist. Stegmüller 1977, S. 75ff.: Der
Wahrheitsbegriff in den Sprachen endlicher Ordnung und die Grenzen der Wahrheitsdefinition.
40
Nun kann man unter der Undefinierbarkeit der Wahrheit auch im Zusammenhang mit der
extensionalen Definition der Wahrheit nachspüren. So erläutert Frege Wahrheit im extensionalen
Sinne als „das Wahre“ und Quine könnte man unterstellen, dass er Wahrheit im extensionalen Sinne
als die Menge aller wahren Sätze, die aus dem Zitattilgungsschema folgen, ansieht.185 Dass Wahrheit
im extensionalen Sinne nicht definierbar ist, das hat Tarski, in seinem „Theorem der
Undefinierbarkeit der Wahrheit“, versucht zu beweisen186. Die Idee hinter seinem Beweis, die sich
auch im Unvollständigkeitstheorem von Gödel findet187, lässt sich intuitiv folgendermaßen plausibel
machen188: Nehmen wir an, Wahrheit sei als die Menge aller wahren Sätze bestimmt. Einer dieser
Sätze, S5402, würde dann etwa der berühmte Beispielsatz „Schnee ist weiß“ sein. Um zu symbolisieren,
dass S5402 ein wahrer Satz ist, können wir W(S5402) schreiben. Allgemein kann man formulieren: W(Sn)
gilt dann und nur dann, wenn S n ein wahrer Satz ist. Nun kann man beweisen, dass es keine endliche
Beschreibung des Prädikats W geben kann. Dies kann man sich anhand des Beispiels einer
„Wahrheitsmaschine“ überlegen, die für jeden Satz entscheiden muss, ob er wahr oder falsch ist.
Angenommen es gäbe ein endliche Konstruktionsbeschreibung bzw. ein endliches Programm für den
Bau einer Wahrheitsmaschine, kurz P(W). Nun kann man die Wahrheitsmaschine mit einzelnen
Sätzen füttern, wobei die Wahrheitsmaschine entscheiden muss, ob ein Satz Sn wahr oder falsch ist.
In dem einen Fall leuchtet das Lämpchen der Maschine grün, im anderen Falle rot. Nun füttern wir
die Maschine mit dem folgenden Satz G:

(G) „Die Maschine, deren Kern das Programm P(W) bildet, wird niemals feststellen, daß
dieser Satz wahr ist.“189

Die Maschine steht nun vor einem Problem: Sie kann nicht sagen, dass G falsch sei, weil G dann wahr
wäre, da G gerade ja behauptet, dass die Wahrheitsmaschine nicht sagen wird, dass G wahr ist. Die
Wahrheitsmaschine kann nun aber auch nicht antworten, dass G wahr sei. Wenn die Maschine

185
Wie sich dies im Rahmen des Holismus relativiert, siehe „Wahrheitsbedingungen und Wahrheitskriterium
bei Quine“.
186
Vgl. „Theorem der Undefinierbarkeit der Wahrheit“ in: Tarski 1939;
eine halbformale Darstellung des Theorems der Undefinierbarkeit der Wahrheit findet man etwa in v. Rucker
1989, S. 384; eine mehr formale Darstellung des Theorems der Undefinierbarkeit der Wahrheit ist in Stegmüller
1984; Stegmüller 1973.
187
Vgl. Kurt Gödel: Über formal unentscheidbare Sätze der Principia Mathematica und verwandter Systeme I in:
Monatshefte für Mathematik und Physik/38. 1931; zur Beziehung von Tarskis Satz zu Gödels Satz vgl.
Stegmüller 1984, S. 376.
188
Die Darstellung findet man exemplarisch bei v. Rucker 1989, S. 195ff.
189
V. Rucker 1989, S. 212.

41
nämlich sagt, dass G wahr sei, ist G falsch, insofern G ja gerade behauptet, dass die Maschine nicht
sagen wird, G sei wahr. Die Wahrheitsmaschine wird also niemals behaupten können, dass G wahr
ist, d.h., es wird nie ein grünes Lämpchen leuchten. Das ist aber gerade die Aussage von G. Von
außen betrachtet, kann man erkennen, dass G wahr ist, während die Wahrheitsmaschine unfähig ist,
dies zu entscheiden. Man könnte nun meinen, dass man einfach eine „bessere“ Version der
Wahrheitsmaschine S entwerfen müsste, die alles leisten kann, was S leistet, und darüber hinaus
noch die Wahrheit von Aussagen über S entscheiden könnte. Für diese neuartige Wahrheitsmaschine
S’ mit dem Programm P1(W) ließe sich dann aber wieder ein Satz G1 konstruieren, den diese
Maschine nicht entscheiden kann. Nun kann man wieder ein neues P2(W) konstruieren, und so
weiter und so weiter. Für jedes Pn(W) lässt sich dann aber wieder ein Satz Gn konstruieren, den die
jeweilige Wahrheitsmaschine Sn wieder nicht entscheiden kann, ad infinitum.190 In Analogie dazu
sollte man eigentlich, für jede finite Beschreibung oder Definition des Wahrheitsprädikats, einen Satz
konstruieren können, der wahr ist, aber auf den dennoch die Definition des Wahrheitsprädikats nicht
zutrifft.191 Folgt man dieser Argumentation, dann kann man wohl darauf schließen, dass es nicht
möglich ist, eine endliche Definition von Wahrheit anzugeben.192

Theoretisch betrachtet muss also Wahrheit bzw. das Wahrheitsprädikat als undefinierbar gelten,
zumindest ist es nicht in endlicher Weise streng definierbar.193 In formalen Sprachen lässt sich zwar
eine immer vollständigere Definition finden. Für eine jede solche Definition scheint sich dann aber
immer wieder ein Satz konstruieren zu lassen, der die Definition nicht erfüllt und trotzdem wahr ist.
Praktisch gesehen, scheint man Wahrheit bzw. das Wahrheitsprädikat zumindest erläutern bzw.
explizieren zu können.194 In einer Explikation will man ja nur an einen geläufigen Sprachausdruck
anknüpfen und ihn präzisieren.195 Dabei scheinen beide Vorschläge die alltäglichen Intuitionen zu
treffen, man könnte mit den Worten A. Tarskis auch sagen, dass sie „inhaltlich adäquat“ sind. Der

190
Vgl. v. Rucker 1995, S. 198; Hofstadter 1985, S. 501.
191
Zur Nachbildung von Prädikaten in Computerprogrammen vgl. Hofstadter 1985, S. 436ff.
192
Dies widerspricht der Freg’schen Forderung nach der scharfen Begrenzung eines Begriffs; d.h., von jedem
Gegenstande muss gelten, dass er entweder unter den Begriff fällt oder nicht; vgl. Frege 1983, S. 260. In diesem
Zusammenhang siehe auch Russels Paradox in 3.1.4. Analyse der beurteilbaren Inhalte.
193
Ob ein absoluter Begriff der Wahrheit etwa mit einer unendlichen Definitionsbeschreibung möglich ist bzw.
existiert, kann man natürlich bestreiten, so R. Rucker in: v. Rucker 1989, S. 198; vor einer „kurzsichtigen“ und
„unkritischen Ablehnung“ des Unendlichen warnte aber schon G. Cantor, in: Cantor, Zermelo 1962, S. 374.
194
Vgl. Stegmüller 1977, S. 15.
195
Vgl. Quine 1980, S. 450; Quine 1980, S. 446; Quine 1980, S. 448; Carnap 1971, S. 7.

42
Vorschlag Quines bzw. Tarskis empfiehlt sich dabei erstens dadurch, dass dieser ohne den Begriff der
Tatsache auskommt und die Welt damit nicht mit unnötigen Entitäten bevölkert. Darüber hinaus
lassen sich, durch geeignete Einschränkungen der Definierbarkeit, Paradoxien verhindern, so dass
sich dieser Versuch einer gewissen „formalen Korrektheit“ erfreut.196 So hat sich Quine, wie Tarski
und viele andere, sehr ausführlich mit den Paradoxien der Wahrheit beschäftigt, die sich im Rahmen
dieses Definitionsvorschlages ergeben. Frege hingegen scheint sich dem Problem der semantischen
Paradoxien nicht gestellt zu haben.197 Wie wir später sehen werden, ergibt sich im Zusammenhang
mit Freges These, dass es zu jedem Begriff eine dazugehörige Extension gibt, auch eine Paradoxie, die
unter dem Namen „Russels Paradox“ bekannt geworden ist. Während man das Wahrheitsparadox
mit Quine in einem Satz beobachten konnte, der selbstreferentiell ist oder sich doch zumindest selbst
produziert, werden wir sehen, dass sich das Russel’sche Paradox, im Rahmen des Freg’schen
Systems, bei der Anwendung eines Begriffs auf sich selbst ergibt. So scheinen die Probleme meist
eine Form von Selbstbezüglichkeit zu involvieren und so scheinen auch die Lösungsvorschläge für
jene Paradoxien eine ähnliche Form zu haben. So kann man, wie wir später noch sehen werden, auch
schon bei Frege eine Vorform der Typentheorie ausmachen, welche Russel als Lösung seines
Paradoxes vorlegte. Die Idee der Typentheorie wiederum scheint der Hierarchisierung der Sprache in
Objekt- und Metasprache analog zu sein. So lassen sich diese Paradoxien innerhalb einer künstlichen
Sprache, etwa durch die Aufgabe der semantischen Geschlossenheit und die Hierarchisierung der
Sprache in Objekt- und Metasprache, beheben.198 Durch diese ad hoc eingeführten Maßnahmen
verhindert man aber auch die Möglichkeit von selbstreferentiellen Strukturen in der Sprache, die in
den meisten Fällen ja keine Probleme bereiten. Dies werden wir später im Zusammenhang mit
Russels Paradox199 noch sehen.

Selbstreferentialität200 taucht nun nicht nur in den Paradoxien der Wahrheit und in anderen
Paradoxien wie etwa dem Burali-Forti-Paradox und Cantors Paradox201 sowie in der Gödel’schen

196
Vgl. A. Tarski: Die semantische Konzeption der Wahrheit und die Grundlagen der Semantik, in Skirbekk 1992,
S. 140ff.
197
Vgl. Joachim Brand: Frege, Die Paradoxien und die Undefinierbarkeit der Wahrheit, in Greimann 2003a, S.
117. In einem anderen Kontext erwähnt Frege die Lügnerparadoxie, vgl. Frege 1983, S. 144.
198
Vgl. Stegmüller 1977, S. 38ff.: III. Die Trennung von Objekt- und Metasprache als Weg zur Lösung und die
Idee der Semantik als exakter Wissenschaft.
199
Siehe 3.1.4 Analyse der beurteilbaren Inhalte eines Behauptungssatzes.
200
Zum Begriff der Selbstreferenz, vgl. Historisches Wörterbuch der Philosophie, 2007, Bd. 9, S. 515ff.
201
Vgl. Moore, Garciadiego 1981.

43
Unvollständigkeitshypothese202 auf. So gibt es auch mit dem Wort „ich“ ein zentrales
selbstreferentielles Element in unserer Sprache auf und im Begriff des Selbstbewusstseins tritt diese
Struktur schon im Namen hervor. Selbstreferentielle Strukturen lassen sich dabei, etwa in der
Sprache der Mengenlehre, ganz einfach beschreiben. So lässt sich eine Menge ausmachen, die
dadurch definiert ist, dass sie selbst ihr einziges Element ist: Die Einermenge-ihrer-selbst. Dies kann
man etwa mit M={M} symbolisieren.203 Versucht man den Zirkel in der Definition zu beseitigen,
landet man in einem unendlichen Definitionsregress und es blieben am Ende nur unendlich viele
geschweifte Klammern als Mengenbildungszeichen übrig:

M={M}={{M}}={{{M}}}= … = {{{{{…}}}}}

Daher wird die Einermenge-ihrer-selbst auch als unfundierte Menge bezeichnet. Die Existenz einer
solchen unfundierten Menge wird normalerweise durch das Fundierungsaxiom ausgeschlossen. Es
lässt sich jedoch auch zeigen, dass es zu keinem Widerspruch kommt, wenn das Fundierungsaxiom
durch ein geeignetes Antifundierungsaxiom ersetzt wird, das die Existenz der Menge M sichert.204

So scheint Selbstreferenz in unserer Welt eine große Rolle zu spielen. Wie Frederic B. Fitch etwa
ausführt, ist das Thema der Selbstreferenz auch in der Philosophie205 von Bedeutung, insofern diese
Theorien über das allgemeine Wesen von Theorien aufstellt und sich damit auch selbst zum
Gegenstand hat. Steven J. Bartlett etwa weist auf verschiedene Arten der Selbstreferenz auf anderen
Gebieten hin. Neben den genannten Fällen von Selbstreferenz führt Bartlett unter anderem Beispiele
aus der KI-Forschung auf. Dort spielt Selbstreferenz in selbstlernenden, selbstregulierenden,
selbstorganisierenden und selbstreproduzierenden Systemen eine Rolle.206 Für die Biologen
Humberto R. Maturana und Francisco J. Varela ist die autopoetistische (griech. autos = selbst; poiein
= machen) Organisation gar ein allen Lebewesen gemeinsames Charakteristikum.207

Diese Liste könnte man noch um einige Beispiele ergänzen, es scheint aber klar, dass
selbstreferentielle Systeme in unserer Welt in den verschiedensten Bereichen relevant sind. Dabei

202
Vgl. Kurt Gödel: Über formal unentscheidbare Sätze der Principia Mathematica und verwandter Systeme I,
in: Monatshefte für Mathematik und Physik/38. 1931.
203
Vgl. Aczel 1988, S. 6.
204
Vgl. Aczel 1988, S. 33ff.
205
Vgl. Fitch 1946.
206
Vgl. Bartlett, Steven J.: Varieties of Self-Reference, in Bartlett, Suber 1987, S. 6ff.
207
Vgl. Maturana, Varela 1990, S. 55.

44
zeigt sich einerseits, dass selbstreferentielle Strukturen zu Widersprüchen führen. Andererseits
lassen sie sich aber auch ganz einfach darstellen, wie man das bei der Einermenge-ihrer-selbst in der
Mengenlehre zeigen kann. Warum also sollte man sie, von den von ihnen verursachten Paradoxien
einmal abgesehen, in der Sprache generell verhindern?208

Kehren wir nach diesem kurzen Exkurs wieder zum Thema Wahrheit zurück. Anknüpfend an die Frage
nach der Definierbarkeit der Wahrheit, scheint sich das Problem zu ergeben, dass, wenn man sich
einmal auf eine Erklärung der Wahrheit eingelassen hat, man sich dieser Frage dann für den
jeweiligen Einzelfall nicht entledigt hat.209 So käme es bei der Frage nach der Wahrheit zu dem Punkt,
an dem man über die Wahrheit eines Satzes bzw. einer Satzmenge entscheiden müsste. Dieses
Problem stellt sich nun nicht nur für die für Paradoxien verantwortlichen Sätze oder die Sätze, die
Wahrheiten über das System ausdrücken, sondern für alle Sätze. Anhand welches Kriteriums kann
man entscheiden ob ein gewisser Satz (oder Gedanke), der Wahrheitsdefinition entsprechend, wahr
ist? Diese Frage führt uns zur Frage nach dem Wahrheitskriterium, die Kant schon aufgeworfen hatte
und die uns später bei Quine noch begegnen wird. Bevor wir allerdings dazu kommen, wollen wir
einer Empfehlung Quines folgen und uns über die Sätze Sorgen machen, denen man das
Wahrheitsprädikat zuschreibt.210 Ausgehend von der Analyse der Wahrheitsträger kommen wir dann
zu der Frage nach dem Wahrheitskriterium (und der Wahrheitsbedingung) zurück.

208
Varga von Kibéd entwickelte in seiner Habilitationsschrift einen Versuch, das Problem der
Selbstreferentialität und der Antinomien zu lösen, ohne die syntaktische Repräsentierbarkeit
selbstreferentieller Strukturen einzuschränken; vgl. Varga von Kibéd 1987.
209
Dies scheint auch Frege in seiner Formulierung der These von der Undefinierbarkeit der Wahrheit
anzusprechen: „Immer käme es wieder im gegebenen Fall darauf an, dass A die und die Eigenschaft habe, zu
dem und dem in der und der Beziehung stehe“. Frege 2001, S. 39; vgl. auch: 1.2 Wahrheitsdefinition und
Wahrheitskriterium.
210
Vgl. Quine 1995, S. 115.

45
3. Wahrheitsträger

In dem Kapitel über Wahrheitsträger in „Unterwegs zur Wahrheit“ konstatiert Quine, dass nach
erstaunlich einhelliger Auffassung eine Proposition dasjenige ist, was wahr ist oder falsch sein kann.
Die Einhelligkeit dieser Auffassung ist laut Quine eine Folge der Mehrdeutigkeit der Rede von
Propositionen.211

Quine unterscheidet hierbei zwei verschiedene Interpretationsansätze. Die eine philosophische


Schule versteht unter „Proposition“ lediglich Sätze, die gewissen Bedingungen genügen, und fasst
diese selbst als Wahrheitsträger auf, die andere Schule begreift die Bedeutungen solcher Sätze als
Wahrheitsträger. Nun könnte man Quine der ersten, Frege der zweiten Schule zuordnen, wenn wir
einmal das, was Frege Sinn nennt, als Bedeutung durchgehen lassen. So widmen wir uns nun erst der
Untersuchung der Wahrheitsträger bei Frege, um dann die Quine’sche Auffassung näher zu
beleuchten. Dabei soll als Erstes auf die Kritik eingegangen werden, die beide Autoren in diesem
Zusammenhang äußern, um dann weiter auf die jeweils eigene Konzeption abzustellen.

3.1 Wahrheitsträger bei Frege

Das Eigenartige seiner Auffassung von Logik kennzeichnet Frege nun dadurch, dass er den Inhalt des
Wortes „wahr“ an die Spitze stellt, um dann den Gedanken sogleich folgen zu lassen, als denjenigen,
bei dem „das Wahrsein überhaupt in Frage kommen kann“.212 So wollen auch wir hier weiter
machen. Die Bestimmung der Wahrheitsträger gewinnt er wiederum in der Auseinandersetzung mit
dem Psychologismus. Dieser Auffassung nach gehören die Wahrheitsträger, konzipiert etwa als
Vorstellungen, der psychologischen Innenwelt des Subjekts an.213 In der Gleichschaltung von
Vorstellung und Gedanken sieht er den Grundfehler des Psychologismus.214 Er schreibt dazu:

211
Vgl. Quine 1995, S. 109.
212
Vgl. Frege 1983, S. 273.
213
Vgl. Greimann 2003a, S. 4.
214
Vgl. Greimann 2003a, S. 5.

46
„Psychologische Behandlungen der Logik haben ihren Grund in dem Irrtume, dass der
Gedanke (das Urteil, wie man zu sagen pflegt) etwas Psychologisches sei gleich der
Vorstellung. Das führt dann notwendig zum erkenntnistheoretischen Idealismus; denn es
müssen dann auch die Teile, die man im Gedanken unterscheidet, wie Subjekt und Prädikat
ebenso der Psychologie angehören wie der Gedanke selbst. Da nun jede Erkenntnis sich in
Urteilen vollzieht, so ist nun jede Brücke zum Objektiven abgebrochen.“215

Frege argumentiert hier damit, dass die psychologische Auffassung von Wahrheitsträgern
unvereinbar mit der Objektivität der Wahrheit ist, d.h. der Unabhängigkeit der Wahrheit oder
Falschheit eines Gedankens von unserem Fürwahrhalten. Die psychologische Auffassung führt zum
Idealismus und „bei größter Folgerichtigkeit zum Solipsismus“.216 Daraus würde folgen, dass die
Wahrheitsbedingungen von Gedanken ausschließlich von der Beschaffenheit der psychologischen
Innenwelt des Subjekts abhängen und die Bedingungen der Möglichkeit von wissenschaftlicher
Kommunikation verletzt würden. Dies konnten wir so schon in den Argumenten für die
Unabhängigkeit der Wahrheit kennen lernen.

In der Auseinandersetzung mit dem Psychologismus entsteht bei Frege so der Wunsch, das Gebiet
enger abzugrenzen, auf dem die Wahrheit ausgesagt werden kann.217 Das Vorgehen der Eingrenzung
des Gebietes, wo überhaupt Wahrheit in Frage kommt, kennen wir in ähnlicher Weise schon aus der
Analyse des Wahrheitsbegriffs. Auch dort grenzt er erst Verwendungsweisen aus, um weiter zur
Analyse des eigentlichen Wahrheitsbegriffs fortzuschreiten. Auf diese Art und Weise kann man auch
sein Vorgehen bei den Wahrheitsträgern porträtieren.

In „Der Gedanke“ stellt Frege fest, dass Wahrheit von verschiedenen Dingen ausgesagt wird,
beispielsweise „von Bildern, Vorstellungen, Sätzen und Gedanken“. Daraus schließt er, dass
„Verschiebungen des Sinns vorgekommen“ sein müssen. Das Wort „wahr“, meint er, wird nicht nur
in seinem eigentlichen Sinn gebraucht, sondern ebenfalls in einem übertragenen Sinn. Es wird auch
von Dingen prädiziert, die nur in einem abgeleiteten Sinn als wahr oder falsch eingestuft werden
können.218 Um zu entscheiden, was im eigentlichen Sinn wahr oder falsch ist, untersucht er, was an
sich selbst wahr oder falsch ist, und was nur relativ zu etwas anderem wahr oder falsch ist.219 Das

215
Frege 1971, S. 62.
216
Frege 1962, S. XIX.
217
Vgl. „Der Gedanke“, in Frege 2003, S. 37.
218
Vgl. „Der Gedanke“, in Frege 2003, S. 37.
219
Vgl. Greimann 2003b, S. 186.
47
Ergebnis lautet: Bilder, Vorstellungen und Sätze sind nur in einem abgeleiteten Sinn wahr oder falsch.
Nur der Sinn eines Satzes, d.h. der Gedanke, den der Satz ausdrückt, kann laut ihm wahr oder falsch
sein. Bevor näher auf die primären Wahrheitsträger eingegangen wird, soll nun Freges kritische
Auseinandersetzung mit der Wahrheit von Bild, Vorstellung und Satz kurz erläutert werden.

3.1.1 Erläuterung der Wahrheit von Bildern, Vorstellungen und Sätzen

Vorstellungen und Bilder scheint er in einen Topf zu werden. Eine Vorstellung ist, so Frege, wie jedes
andere Bild, nicht an sich wahr, „sondern nur in Hinsicht auf etwas, dem es entsprechen soll“.220

„Wenn gesagt wird, ein Bild solle dem Kölner Dom darstellen, nun gut, dann kann man
fragen, ob diese Absicht erreicht ist; ohne Hinblick auf eine Absicht, etwas abzubilden, kann
von keiner Wahrheit des Bildes die Rede sein.221

So wird eigentlich nicht der Vorstellung selbst das Prädikat wahr zuerkannt, sondern es ist vielmehr
der Gedanke wahr oder falsch, dass zwischen Vorstellung bzw. Bild und Gegenstand ein gewisses
Abbildungsverhältnis besteht. Dieser Gedanke ist aber keine Vorstellung, noch ist er aus
Vorstellungen irgendwie zusammengesetzt. Denn Gedanken, so Frege, sind von Vorstellungen (im
psychologischen) Sinn grundverschieden:

„Die Vorstellung einer roten Rose ist etwas anderes als der Gedanke, daß diese Rose rot ist.
Wie man auch Vorstellungen assoziieren oder verschmelzen mag, man wird immer nur
wieder eine Vorstellung erhalten, aber nie etwas, was wahr sein könnte.“222

Dieser Erläuterung zufolge ist eine Vorstellung bzw. ein Bild höchstens in einem abgeleiteten Sinne
wahr oder falsch, wenn überhaupt. Das Eigentliche, das an sich wahr oder falsch sein kann, ist der
Gedanke, dass die Vorstellung etwas abbildet.

Nach dieser ersten negativen Bestimmung des Gebietes setzt sich Frege auch mit der Wahrheit von
Sätzen auseinander. In der Konzeption Quines sind, grob gesagt, die primären Wahrheitsträger.
Freges Diagnose bei der Erläuterung der Wahrheit von Sätzen ist der Erläuterung der Wahrheit einer

220
Vgl. Frege 2001, S. 42.
221
Frege 2001, S. 42.
222
Frege 2001, S. 43.

48
Vorstellung weitgehend analog. Sätze sind nämlich auch nur in einem abgeleiteten Sinne wahr oder
falsch:

„Was nennt man einen Satz? Eine Folge von Lauten; aber nur dann, wenn sie einen Sinn hat,
womit nicht gesagt sein soll, dass jede sinnvolle Folge von Lauten ein Satz sei. Und wenn wir
einen Satz wahr nennen, meinen wir eigentlich seinen Sinn.“223

Die Wahrheit oder Falschheit sieht man dem syntaktischen Gebilde nicht an. Erst nach einer
geeigneten Interpretation des Satzsinns können wir nach Wahrheit fragen. Das eigentliche
Ausdrucksmittel für den Gedanken ist aber der Satz.224 So führt Frege in „Der Gedanke“ fort:

„Demnach kann ich sagen: der Gedanke ist der Sinn eines Satzes, ohne damit behaupten zu
wollen, daß der Sinn jedes Satzes ein Gedanke sei. Der an sich unsinnliche Gedanke kleidet
sich in das sinnliche Gewand des Satzes und wird uns damit faßbarer. Wir sagen, der Satz
drücke einen Gedanken aus.“225

Ein Satz ist laut Frege, so gesehen, auch nicht im eigentliche Sinne wahr oder falsch, sondern nur
insofern wahr, als der durch den Satz ausgedrückte Sinn, der Gedanke, wahr oder falsch ist. In einem
übertragenen Sinn aber „spricht man auch von der Wahrheit eines Satzes“, so Frege in „17 Kernsätze
zur Logik“.226

3.1.2 Gedanken als grundlegende Wahrheitsträger

Nun stellt sich die Frage, was im eigentlichen Sinne wahr ist. Und so viel wurde schon deutlich: Der
Gedanke ist diejenige Entität, die eigentlich wahr oder falsch sein kann. „Ohne damit eine Definition
geben zu wollen“, bestimmt Frege den Gedanken als das, „bei dem überhaupt Wahrheit in Frage
kommen kann.“ Dabei rechnet er auch das, was falsch ist, ebenso zu den Gedanken, wie das, was
wahr ist.227 Unter einem Gedanken versteht er, wie wir schon gesehen haben, den Sinn eines Satzes,

223
„Der Gedanke“, in Frege 2001, S. 38.
224
Frege 1971, S. 35.
225
„Der Gedanke“, in Frege 2001, S. 39.
226
Frege 2001, S. 23.
227
„Der Gedanke“, in Frege 2003, S. 38.

49
aber nicht den eines jeden Satzes. Dies präzisiert er folgendermaßen und gibt dabei auch gleich
Beispiele für Gedanken:

„Ich nenne nun den Sinn eines Behauptungssatzes Gedanken. Gedanken sind z.B.
Naturgesetze, mathematische Gesetze, geschichtliche Tatsachen; alle diese finden ihren
Ausdruck in Behauptungssätzen. Nun kann ich genauer sagen: Das Prädikat ‚wahr‘ ist auf
Gedanken anwendbar.“228

Gedanken, Gesetze und geschichtliche Tatsachen werden im Gegensatz zu Vorstellungen entdeckt


und nicht geschaffen. Sie sind nicht subjektiv, so Frege, „sondern […] unabhängig vom Denken,
stehen jedem in gleicher Weise (objektiv) gegenüber; sie werden durch das Denken nicht gemacht,
sondern erfasst.“229 Dass 2 plus 2 5 ist oder dass Brutus Caesar tötete, sind keine Gedanken, deren
Wahrheit vom Fürwahrhalten eines Subjekts abhängen, sondern sind an sich wahr. So identifiziert er
wahre Gedanken auch mit Tatsachen.

„Was ist eine Tatsache? Eine Tatsache ist ein Gedanke, der wahr ist. Als sichere Grundlage
der Wissenschaft aber wird der Naturforscher sicher nicht etwas anerkennen, was von den
wechselnden Bewusstseinszuständen von Menschen abhängt. Die Arbeit der Wissenschaft
besteht nicht in einem Schaffen, sondern in einem Entdecken wahrer Gedanken.“230

Wahre Gedanken sind diesen Erläuterungen zufolge weltliche Entitäten, nämlich Tatsachen.231 Nicht
umsonst hatte Frege die Bedeutung des Urteilsstrichs als „ist eine Tatsache“ angegeben. Diese
Auffassung Freges, die sich schon in der antipsychologistischen Analyse des Wahrheitsbegriffs und
nun in der kritischen Behandlung der Wahrheitsträger finden lässt, erreicht ihren Höhepunkt in der
Anerkennung eines dritten Reichs. Das dritte Reich ist Teil der ontologischen Drei-Welten-Lehre, die
er in „Der Gedanke“ vorstellt. Dem ersten Reich, dem Reich der Dinge, gehören die „Dinge der
Außenwelt“232 an. Diese können sinnlich wahrgenommen werden, sie existieren selbstständig und
brauchen daher keinen Träger. Zum zweiten Reich gehören die psychischen Vorstellungen. Diese
werden gehabt, können aber nicht sinnlich wahrgenommen werden und bedürfen des Subjekts als
Träger. Gedanken gehören schließlich zum dritten Reich. Was zu diesem gehört, so Frege, kann, wie

228
Frege 2001, S. 42.
229
Frege 2001, S. 69.
230
„Der Gedanke“, in Frege 2003, S. 57.
231
Vgl. auch Greimann 2003b, S. 189.
232
„Der Gedanke“, in Frege 2003, S. 40.

50
etwa Vorstellungen, nicht mit den Sinnen wahrgenommen werden und bedarf keines Trägers, zu
dessen Bewusstseinsinhalten es gehört, ähnlich wie die Dinge, die wir uns als unabhängig existierend
vorstellen.233 Diese Gedanken, die er an einer anderen Stelle auch als zeitlos bezeichnet234, sind es
nun, kraft derer dann auch Sätze in einem abgeleiteten Sinne wahr genannt werden können.235

Um schärfer herauszuarbeiten, was er einen Gedanken nennen will, untersucht Frege in „Der
Gedanke“ den Satz näher. Denn er will ja nicht behaupten, dass der Sinn eines jeden Satzes ein
Gedanke sei. Würde doch so die Grenzlinie zwischen Wissenschaft und Dichtung verwischen. In
Betracht kommen nur Sätze, in denen wir etwas mitteilen oder behaupten, keine Befehls-, Wunsch-
oder Bittsätze, keine Wortfragen. Auch die Beleuchtung eines Gedankens, die dichterischen Mittel,
Worte wie „gottlob“ kommen hier nicht in Betracht.236 Zwar hat die Färbung eines Gedankens
natürlich oft auch ihren Sinn, doch wenn es um die Wahrheit eines Gedankens geht, spielen die
dichterischen Mittel keine Rolle. Frege weist des Weiteren darauf hin, dass bei der Verwendung von
indexikalischen Mitteln oder Indikatoren „[…] der bloße Wortlaut, welcher durch die Schrift oder den
Phonographen festgehalten werden kann, zum Ausdruck des Gedankens nicht hinreicht.“237 Dieses
Problem kann aber mehr oder weniger beseitigt werden, indem beispielsweise die indexikalischen
Mittel durch eindeutige Kennzeichnungen ersetzt werden. Denn „[e]rst der durch die
Zeitbestimmung ergänzte und in jeder Hinsicht vollständige Satz drückt einen Gedanken aus“, so
Frege.238 Das Wort „heute“ müsste dementsprechend mit einer Angabe des Datums ersetzt werden,
an dem etwa der Behauptungssatz geäußert wird.

3.1.3 Analyse der beurteilbaren Inhalte

Im Behauptungssatz unterscheidet Frege zweierlei: den Inhalt, den er mit der entsprechenden
Satzfrage gemein hat, und die Behauptung. „Jener ist der Gedanke oder enthält wenigstens den
Gedanken. […] In einem Behauptungssatze ist beides so verbunden, daß man die Zerlegbarkeit leicht

233
„Der Gedanke“, in Frege 2003, S. 50.
234
„Der Gedanke“, in Frege 2003, S. 50.
235
Vgl. Greimann 2003b, S. 189.
236
„Der Gedanke“, in Frege 2003, S. 42.
237
„Der Gedanke“, in Frege 2003, S. 43.
238
„Der Gedanke“, in Frege 2003, S. 60.

51
übersieht.“ Demnach unterscheidet er „1. das Fassen des Gedankens – das Denken, 2. die
Anerkennung der Wahrheit eines Gedankens – das Urteilen, 3. die Kundgebung dieses Urteils – das
Behaupten.“239 Ein Behauptungssatz besteht nach dieser Analyse aus zwei Komponenten:240 dem
propositionalen Gehalt „-- p“, dem Gedanken, und dem Urteil, ob „p“ wahr oder falsch ist. Der Inhalt

wird erfasst oder auch entdeckt und das Urteil, „⊦ p“ gefällt, was nichts anderes heißt als zu

behaupten, dass der von „p“ ausgedrückte Gedanke eine Tatsache ist. „Das Urtheilen im engeren
Sinne“, schreibt Frege in einem Brief an Edmund Husserl, „könnte man kennzeichnen als ein
Uebergehen vom Gedanken zum Wahrheitswerte“.241

Nun kann man den Inhalt des Gedankens selbst weiter analysieren. Das Vorgehen, das Frege bei der
Analyse des Gedankeninhalts anwendet, und das in der Literatur als Kontextprinzip242 bekannt ist,
erläutert er wie folgt: „Ich gehe also nicht von den Begriffen aus und setze aus ihnen den Gedanken
oder das Urteil zusammen, sondern ich gewinne die Gedankenteile durch Zerfällung des
Gedankens.“243 Für Sätze formuliert er dieses Prinzip in seiner Begriffsschrift und weist dabei auf zwei
unterschiedliche Rollen im Satz bzw. Gedankengefüge hin: „Nach der Bedeutung der Wörter muß im
Satzzusammenhange gefragt werden; der Unterschied zwischen Begriff und Gegenstand ist im Auge
zu behalten.“244

In dieser Formulierung tritt das Kontextprinzip explizit hervor, demzufolge der Satz und nicht das
Wort die kleinste semantische Einheit ist.245 Trotz dieser Vorrangstellung des Satzes weist Frege hier
dennoch auf eine grundsätzliche Differenz innerhalb eines Satzes hin, die zwischen den zwei
grundsätzlich verschiedenen semantischen Rollen, Begriff und Gegenstand. Diese Differenz
beschreibt er dann an einem Beispiel folgendermaßen:

„So haben wir in dem Satze ‚x ist eine Primzahl‘ zwar eine mögliche Aussage; solange aber
dem Buchstaben ‚x‘ keine Bedeutung gegeben ist, fehlt uns der Gegenstand, von dem etwas

239
„Der Gedanke“, in Frege 2003, S. 41.
240
Vgl. auch Greimann 2003b, S. 96.
241
Frege, 1980, S. 35.
242
Vgl. Greimann 2003a, S. 50; Quine 1985, S. 91.
243
Frege 1976, S. 273.
244
Frege, Thiel 1988, S. IX-XI.
245
Vgl. Blume, Demmerling 1998, S. 23.

52
ausgesagt wird. Wir können dafür auch sagen: wir haben einen Begriff, aber noch keinen
Gegenstand, der unter ihn subsumiert wird.“246

Dem Kontextprinzip nach kann der Inhalt eines Satzes auf mannigfache Weise zerfällt werden, „und
die Sprache versucht dem gerecht zu werden, indem sie für ihn mannigfache Ausdrücke bereit hält.
Die Unterscheidung der Form des Aktivs und des Passivs dient z.B. dem Zwecke, verschiedene Teile
des Inhalts als Subjekt erscheinen zu lassen“, so Frege.247 Dies könnte man, wie wir später sehen
werden, so weit treiben, dass es letztlich von der Art der Zerfällung abhängt, welcher Teil des
Gedankens die Rolle des Begriffs spielt und welcher Teil für den Gegenstand steht.

Ein weiteres Kennzeichen des Freg’schen Ansatzes ist die Verwendung mathematischer Mittel zur
Analyse des Satzes. Von der an der Grammatik orientierten Vorgehensweise, d.h. der Zerlegung eines
Satzes in Subjekt und Prädikat, distanziert er sich:

„In einer frühen Zeit der Sprachbildung fand, wie es erscheint, eine übermäßige Wucherung
der sprachlichen Formen statt. Eine spätere Zeit musste vieles wieder beseitigen und
vereinfachen. Die Hauptaufgabe des Logikers besteht in einer Befreiung von der Sprache und
in einer Vereinfachung. Die Logik soll Richterin sein über die Sprachen. Man sollte mit Subjekt
und Prädikat in der Logik aufräumen […].“248

Frege zerlegt die Inhalte daher nicht, der Grammatik der Sprache folgend, und wie in der
traditionellen Logik, in Subjekt und Prädikat. Dass die Subjekt-Prädikat-Unterscheidung für die Logik
nicht relevant ist, zeigt er an zwei Beispielen. Die beiden Sätze „bei Plataeae siegten die Griechen
über die Perser“ und „bei Plataeae wurden die Perser von den Griechen besiegt“ haben denselben
begrifflichen Inhalt, obwohl das Subjekt variiert. Außerdem lässt sich der Satz „Archimedes kam bei
der Eroberung von Syrakus um“ in den äquivalenten Satz „der gewaltsame Tod des Archimedes bei
der Eroberung von Syrakus ist eine Tatsache“ überführen, ohne dass das Prädikat „ist eine Tatsache“
etwas zum Inhalt beitragen würde.249 Die Unterscheidung von Subjekt und Objekt sei daher für
logische Belange überflüssig.250 Sein Gegenentwurf besteht darin, dass er die Begriffe Subjekt und
Prädikat quasi durch Argument und Funktion bzw. Gegenstand und Begriff ersetzt. Dabei analysiert

246
Frege 2001, S. 110.
247
Frege 1976, S. 117.
248
Frege, 1980, S. 41.
249
Vgl. Frege 1879, § 3, 3-4.
250
Vgl. Frege 1983, S. 153.

53
er den Begriff als Funktion, der für Argumente, d.h. Gegenstände, einen Wert ergibt.251 Anknüpfend
an das, was er in seinem Büchlein über Funktion und Begriff gesagt habe, schreibt er:
„Der Begriff ist danach eine Funktion eines Argumentes, deren Wert immer ein
Wahrheitswert ist. Ich entlehne dabei das Wort ‚Funktion‘ der Analysis und brauche es mit
Beibehaltung des Wesentlichen in etwas weiterer Bedeutung, wozu die Geschichte der
Analysis selbst die Anleitung gibt. Ein Funktionsname führt immer leere Stellen (mindestens
eine) für das Argument mit sich, das in der Analysis meist durch den Buchstaben ‚x‘
angedeutet wird, der jene leere Stelle ausfüllt. Aber das Argument ist nicht mit zur Funktion
zu rechnen.“252

Der Wahrheitswert als Wert einer Funktion wird uns später noch beschäftigen. Ein Satz einer Sprache
kann nun dementsprechend analog zur Form von mathematischen Angaben in Argument- und in
Funktionsausdruck zerlegt werden.253 Den mathematischen Ausdruck „2 · x³ + x“ kann man nun
beispielsweise, in Funktionsausdruck „2 · ( )³ + ( )“ und Argumentausdruck „x“, zerlegen. Die Funktion
ergibt für beliebige Argumente einen Wert. Man kann hierbei deutlich sehen, dass der
Funktionsausdruck auf gewisse Weise unvollständig ist, was durch die Klammer im Ausdruck
symbolisiert wird. Erst durch die Ergänzung des Funktionsausdrucks durch ein Argument entsteht ein
Ganzes.254 Frege nennt daher einen Funktionsausdruck bzw. die Funktion selbst „ungesättigt“ und
einen Argumentausdruck bzw. das Argument selbst bezeichnet er als „gesättigt“.255 Er schreibt:

„Demgemäß ist die Funktion selbst von mir ungesättigt oder ergänzungsbedürftig genannt,
weil ihr Name erst durch das Zeichen eines Arguments ergänzt werden muß, um eine
abgeschlossene Bedeutung zu erhalten. Eine solche nenne ich Gegenstand und in unserem
Falle Wert der Funktion für das Argument, dass die Ergänzung oder Sättigung bewirkt.“ 256

Betrachten wir im Folgenden eine mathematische Behauptung wie etwa „x² = 9“. „( )² = 9“ können
wir dabei, wie wir schon gesehen haben, als Funktionsausdruck auffassen und „x“ als den

251
Vgl. Frege 1879, S. XIIII.
252
Frege 2001, S. 26.
253
Vgl. auch Newen, Schrenk 2008.
254
Vgl. „Funktion und Begriff“ in Frege, 2002, S. 5.
255
Vgl. „Funktion und Begriff“ in Frege, 2002, S. 5.
256
Frege 2001, S. 26.

54
Argumentausdruck. Man kann dann Argumente wie etwa -3, 0, 1, 2, 3 verwenden.257 Bei der
Einsetzung in die Funktion ergeben sich dann folgende Gleichungen: (-3)² = 9; 0² = 9; 1² = 9; 2² = 9;
3² = 9. Wir sind dabei gewohnt jede dieser Gleichungen zu bewerten, Frege würde sagen: Wir ordnen
ihnen einen Wahrheitswert zu.258 Dies konnten wir auch schon in seiner Auffassung des Urteilens
erkennen.259 Wahrheitswerte fasst Frege dann als Gegenstände auf, was wir später in der
Untersuchung der Wahrheitsbedingungen noch genauer sehen werden. Die erste und die letzte
Gleichung sind demnach wahr bzw. bedeuten das Wahre, die anderen sind falsch. In Bezug auf
Begriff und Gegenstand fordert Frege:

„Der ungesättigte Teil eines Satzes, dessen Bedeutung wir Begriff genannt haben, muß die
Eigenschaft haben, durch jeden bedeutungsvollen Eigennamen gesättigt, einen eigentlichen
Satz ergeben; das heißt, den Eigennamen eines Wahrheitswertes zu ergeben. Dies ist die
Forderung der scharfen Begrenzung des Begriffs. Jeder Gegenstand muß unter einen
gegebenen Begriff entweder fallen oder nicht fallen, tertium non datur.“260

Die Behauptung FREGES, wonach der Wert einer Funktion für jedes Argument ein Wahrheitswert ist
oder dass jeder Gegenstand unter einen gegebenen Begriff entweder fallen oder nicht fallen muss,
führt für manchen Begriff zu einer Paradoxie, welche auch unter dem Namen der Russell’schen
Antinomie bekannt ist. Genau genommen formuliert Russel sein Paradox aber für Klassen. Man kann
es aber auch, wie im Falle FREGES, für Begriffe betrachten.261 Die Struktur des Problems kennen wir
bereits aus den Paradoxien der Wahrheit. So kann man das Problem hier bei der Selbstanwendung
eines Begriffs betrachten, wobei dies nicht in allen Fällen zu Paradoxien führen muss. So enthält der
Begriff „Die Klasse aller weißen Dinge“ sich nicht selbst. Ein Begriff mag etwa die Eigenschaft haben,
komplex zu sein, aber sicherlich hat kein Begriff die Eigenschaft, weiß zu sein. Als ein Beispiel für
einen Begriff, der sich selbst erfüllt, könnte man etwa den Begriff „Die Klasse aller Dinge außer
Gottlob Frege“ anführen. Prima facie scheint dies also kein Problem darzustellen. Wie sieht es aber
mit dem Begriff „die Klasse aller Klassen, die sich nicht selbst als Element enthält“, im Folgenden R
genannt, aus? Nehmen wir einmal an, dass R sich selbst enthält. Dann gilt aufgrund der Eigenschaft
der Klasse, mit der sie definiert wurde, dass R sich nicht selbst enthält, was der eben getroffenen

257
Vgl. „Funktion und Begriff“ in Frege, 2002, S. 9.
258
Vgl. Frege 2001, S. 88.
259
Frege, 1980, S. 35.
260
Frege 2001, S. 90.
261
Rheinwald 1997, S. 17.

55
Annahme widerspricht. Nehmen wir aber an, es gilt das Gegenteil und R enthält sich nicht selbst,
dann erfüllt R die Eigenschaft der Klasse, so dass R sich eigentlich doch selbst enthalten müsste,
entgegen der Annahme.262 Welchen Wahrheitswert ergibt nun dieser Begriff für das Argument seiner
selbst?

Als Frege mit diesem Widerspruch konfrontiert wurde, reagierte er bestürzt und sah die Grundlagen
seines Werks erschüttert.263 In dem, auf die Entdeckung der Widerspruchs, folgenden Briefwechsel
mit Russel diskutierten die beiden das Problem. Eine anfängliche Idee Freges war es, den spezifischen
Begriff R einfach als bedeutungslos zu behandeln.264 Man könnte außerdem argumentieren, dass ein
Begriff einfach nicht als Gegenstand auftreten darf, da es seine Natur ist, ungesättigt zu sein, und er
erst eines Arguments bedarf, um ein Ganzes zu ergeben. In einem Brief an Richard Hönigswald,
indem er auch auf Russels Paradox zu sprechen kommt, schreibt Frege daher: „Eine weithin sichtbare
Warnungstafel muss aufgerichtet werden: niemand lasse sich einfallen, einen Begriff in einen
Gegenstand zu verwandeln!“265

Dies scheint aber dann unnötig restriktiv zu sein, da die Anwendung eines Begriffs auf sich selbst
durchaus möglich zu sein scheint. Russel entwickelte zur Lösung der Antinomie seine Typentheorie,
indem er gerade diese Selbstanwendung ausschloss. Nach dieser Idee hat eine Klasse stets einen
höheren Typ als ihre Elemente, und Aussagen wie „eine Klasse enthält sich selbst“ können dann gar
nicht mehr formuliert werden.266 Eine Vorform der Typentheorie kann man schon bei Frege
beobachten, der Funktionen verschiedenster Stufen eingeführt hatte.267 Als ein Beispiel für eine
Funktion zweiter Stufe könnte man etwa den Allquantor auffassen. Dieser liefert beispielsweise den
Wert des Wahren, wenn man ihn auf eine Funktion anwendet, die ihrerseits für beliebige
Gegenstände als Argument das Wahre ergibt, ansonsten das Falsche.

Kehren wir nach diesem kleinen Exkurs wieder zur Analyse des Satzes zurück. Demnach ist ein Satz,
wenn er überhaupt bedeutungsvoll ist, zweiwertig. Es ist aber auch damit zu rechnen, dass der Satz
keine Bedeutung hat: „Ein Satz, der einen bedeutungslosen Eigennamen enthält, ist weder wahr noch

262
Russell, 1937, § 101.
263
Vgl. Frege, 1980, S. 61.
264
Frege, 1980, S. 65.
265
Frege, 1980, S. 251.
266
Russell, 1937, §§ 497-500.
267
Vgl. Frege, 2002, S. 20.

56
falsch“.268 Den Sinn einer solchen Scheinbehauptung erklärt Frege, wie wir schon bemerkt haben,
einfach für Dichtung.269 Es fehlt der Gegenstand, der den Eigennamen sättigt. Einen ungesättigten
Funktionsausdruck eines Behauptungssatzes nennt Frege auch „Begriffsnamen“ und einen
gesättigten Argumentausdruck „Eigennamen“:

„Wenn wir nämlich einen Begriffsnamen durch einen Eigennamen ergänzen, so erhalten wir
einen Satz, dessen Sinn ein Gedanke ist; und dazu gehört als Bedeutung ein Wahrheitswert.
Indem wir diesen als den des Wahren (als das Wahre) anerkennen, urteilen wir, dass der als
Argument genommene Gegenstand unter den Begriff falle.270

Betrachten wir nun den Beispielsatz „Brutus tötete Caesar“. In diesem Satz können wir, den
genannten Prinzipien zufolge, entweder „Brutus“ oder „Caesar“ als Argument nehmen, und als
Funktionsausdruck bzw. Begriffswort „( ) tötete Caesar“ oder „Brutus tötete ( )“. Eine weitere
Möglichkeit wäre es, den Satz als zweistellige Relation der Form „xRy“ zu zerlegen.271 Die Wahl der
Zerlegung kann dabei auf mannigfache Weise geschehen und ist abhängig von der Bestimmung des
gesättigten und ungesättigten Bestandteils des Satzes.

„Wenn in einem Satze mehrere Eigennamen vorkommen, so kann der zugehörige Gedanke in
verschiedener Weise in einen abgeschlossenen und einen ungesättigten Teil zerlegt werden.
Der Sinn jedes dieser Eigennamen kann als abgeschlossener Teil dem übrigen Teile des
Gedankens als dem ungesättigten gegenübergestellt werden. Auch die Sprache kann ja
denselben Gedanken in verschiedener Weise ausdrücken, indem sie bald diesen, bald jenen
Eigennamen zum grammatischen Subjekt macht. Man sagt wohl, dass diese verschiedenen
Ausdrucksweisen nicht gleichwertig seien. Das ist richtig. Es ist aber zu beachten, daß die
Sprache den Gedanken nicht nur ausdrückt, sondern ihm auch eine besondere Beleuchtung
oder Färbung gibt. Und diese kann verschieden sein, auch wenn der Gedanke derselbe ist.“272

Man kann nun in Analogie zur obigen Analyse von mathematischen Behauptungen den
Wahrheitswert eines Begriffswortes wie „Brutus tötete ( )“ bestimmen, wenn dieser durch ein

268
Frege 2001, S. 88.
269
Vgl. Frege 2001, S. 41.
270
Frege 2001, S. 27.
271
Vgl. Pfisterer 2009, S. 590f.
272
Frege 2001, S. 86.

57
Argument wie „Caesar“ gesättigt wird. Der Wahrheitswert ist in diesem Fall das Wahre. Für ein
Argument wie „Cicero“ wäre der Satz dementsprechend falsch.

In diesen Ausführungen kann man nun beide oben genannten Prinzipien erkennen: einerseits die
mathematische Analyse von Sprache in Funktion und Argument und andererseits die dem
Kontextprinzip gemäße mannigfaltige Zerfällungsmöglichkeit eines Gedankens bzw. Satzes. Dabei
konnten wir sehen, dass es von der Zerfällung des Gedankens abhängt, welcher Gedanke bzw.
Satzteil die Rolle des Gegenstands spielt, und welcher die eines Begriffs. Darüber hinaus konnten wir
erkennen, welche Probleme sich bei der Selbstanwendung eines Begriffs ergeben können und wie
sich diese lösen lassen.

3.2 Wahrheitsträger bei Quine

Laut Quine wurde in der der Semantik, durch die Kontextdefinitionen, eine Revolution ausgelöst,
indem als das Hauptvehikel der Bedeutung nicht mehr das Wort, sondern der Satz gesehen wird. Dies
stellt für ihn den zweiten der fünf Wendepunkte dar, durch den sich der Empirismus zum Besseren
gewandelt hat.273 So kommen wir nun zu Quine, der erst einmal Sätze als die primären
Wahrheitsträger fasst. Dass dies aber nicht das Ende der Fahnenstange sein wird, sagt uns schon der
dritte Markstein des Empirismus: der Wechsel der semantischen Zentralstellung von Sätzen zu
Satzsystemen. Dieses Thema wird uns dann in der Untersuchung über Wahrheitsbedingungen wieder
begegnen. Doch gehen wir erst einmal Schritt für Schritt vor und widmen uns der Quine’schen
Untersuchung.

3.2.1 Quine über Satzbedeutungen als Wahrheitsträger

Quines Vorgehen bei der Untersuchung von Wahrheitsträgern ist, wie seine gesamte Philosophie,
maßgeblich durch seinen naturalistischen Ansatz geprägt:

273
Vgl. Quine 1985, S. 86ff.

58
„Die Erkenntnistheorie oder etwas Ähnliches erhält ihren Platz innerhalb der Psychologie und
somit innerhalb der empirischen Wissenschaften. Sie studiert ein empirisches Phänomen,
nämlich ein physisches menschliches Subjekt.“274

Dass Quine dabei durchaus eine kritische Sicht auf den Empirismus hatte, ist bekannt. So will er in
„Unterwegs zur Wahrheit“ in dieser Untersuchung auch „kaum mehr als die Mittel der logischen
Analyse“ benötigen.275 In seiner Kritik am Reduktionismus und an der Unterscheidung von
analytischen und synthetischen Sätzen in „Zwei Dogmen des Empirismus“ fühlt er sich dann einem
strikten Pragmatismus verpflichtet:

„Jeder hat einerseits sein wissenschaftliches Erbe und ist andererseits einem unaufhörlichen
Sperrfeuer sinnlicher Reize ausgesetzt; und die Erwägungen, die ihn beim Anpassen seines
wissenschaftlichen Erbes an die fortwährende sinnliche Herausforderung leiten, sind, sofern
sie rational sind, pragmatisch.“276

Neben dieser pragmatischen Einstellung will Quine aber an zwei Hauptthesen des Empirismus
festhalten, was in der Rede der von der fortwährenden sinnlichen Herausforderung bereits anklingt:

„Zwei Hauptthesen des Empirismus blieben […] unangreifbar und sind es noch heute. Die
eine besagt, dass alles, was es für die Wissenschaften an Prüfinstanzen (evidence) gibt,
sensorische Prüfinstanzen (sensory evidence) sind. Die andere […] besagt, dass jegliche
Bedeutungsvermittlung für Wörter letztlich auf Sinneserfahrung beruhen muss.“277

Diese Einstellung bezieht Quine aber nicht dogmatisch, sondern nur insofern diese Auffassung
ihrerseits Teil der Wissenschaft ist. Es ist nämlich eine innerwissenschaftliche Lehre, dass unsere
Informationen über die Welt nur durch kausale Einwirkung auf unsere Sinnesrezeptoren in uns
hineingelangen, so Quine. Wissenschaft ist aber stets fallibel und korrigierbar und dies gilt dann
natürlich auch für die Lehre von der naturalisierten Erkenntnistheorie.278

Gemäß diesem Programm bleibt dem Sprachforscher nur die Beobachtung von verbalem Verhalten
und den Bedingungen, unter denen dieses stattfindet, um herauszufinden, welche Ausdrücke welche
Bedeutung haben mögen. Begriffe sind nämlich Teile der Sprache und deren Bedeutungen sind

274
Quine 1975, S. 115.
275
Quine 1995, S. 1.
276
Quine 1979, S. 50.
277
Quine 1975, S. 105.
278
Vgl. Quine 1995, S. 27ff.

59
zuerst und hauptsächlich sprachliche Bedeutungen. Sprache ist für Quine daher auch lediglich eine
soziale Kunstfertigkeit. Diese erwerben wir allein auf der Grundlage des beobachtbaren Verhaltens
anderer Menschen unter öffentlich erkennbaren Umständen. So ist Quine in Einklang mit John
Dewey der Meinung, dass „Bedeutung ... primär als eine Eigenschaft des Verhaltens aufzufassen
ist.“279 Die Untersuchungen über die Bedeutung eines Ausdrucks sollten dem Quine’schen Programm
zufolge naturalisiert werden, d.h. im Rahmen einer behavioristischen Psychologie empirisch
untersucht werden.

In „Zwei Dogmen des Empirismus“, im Rahmen seines Angriffs auf die Unterscheidung von
analytischen und synthetischen Sätzen, kritisiert Quine die gesamte intensionale Begriffsfamilie, zu
deren Kernbegriffen er etwa den Begriff der Bedeutung, der Synonymie (oder Bedeutungsgleichheit),
der Signifikanz (oder Vorhandensein von Bedeutung), der Analyzität (oder Wahrheit aufgrund von
Bedeutungen) und den Begriff der Folgerung zählt.280 Die Bedeutungstheorie kann ihre Grundbegriffe
nämlich immer nur in Zirkeln definieren, einen durch den anderen: Ein Satz ist dann analytisch wahr,
wenn er aufgrund der Bedeutung seiner Termini wahr ist. Termini haben dann dieselbe Bedeutung,
wenn sie bedeutungsgleich sind. Termini sind synonym, wenn durch die Ersetzung des einen durch
den anderen ein synonymer Satz entsteht. Zwei Sätze sind synonym, wenn ihr Bikonditional eine
notwendige Wahrheit ist. Ein Satz ist eine notwendige Wahrheit, wenn er analytisch wahr ist. Wir
sind im Kreis gegangen.281 Aufgrund dieser kritischen Haltung bietet Quine, gemäß seinem Programm
einer naturalisierten Erkenntnistheorie, sogleich eine „streng vegetarische Imitation“ für diese
Begrifflichkeiten an.282 Dies geschieht durch eine Ersetzung der Begriffe der Bedeutungstheorie durch
Begriffe, wie die der Reizbedeutung, der Reizsynonymität und der Reizanalyzität.

Einem weiteren Argument gegen die ursprünglichen Begriffe der Bedeutungstheorie und für deren
empirischen Ersatz werden wir gleich in dem Gedankenexperiment der Unbestimmtheit der
Übersetzung begegnen, für deren Verständnis der Begriff des Beobachtungssatzes wichtig sein wird.
Den empirischen Bedeutungsbegriff definiert Quine nun für Beobachtungssätze. Ein Satz kann dann
als Beobachtungssatz gelten, wenn er eine Reihe von Bedingungen erfüllt. Ein Beobachtungssatz
muss erstens direkt und stabil mit einem bestimmten Bereich aus dem Spektrum unserer
Sinnesreizungen entweder bejahend oder verneinend assoziiert sein. Sätze dieser Art hätten bei den
betreffenden Personen jeweils auf der Stelle, anlässlich eines tatsächlichen Reizeinflusses,

279
Quine 1975, S. 44
280
Vgl. Quine 1979, S. 125.
281
Vgl. „Zwei Dogmen des Empirismus“, in Quine 1979, S. 27-51.
282
Vgl. Quine 1980, S. 128.

60
Zustimmung oder Ablehnung auszulösen.283 Die zweite Bedingung für Beobachtungssätze ist die
Intersubjektivität:

„Im Unterschied zur Wiedergabe einer bloßen Gefühlsregung muß ein solcher Satz bei allen
sprachkompetenten Zeugen des betreffenden Anlasses ein und dieselbe Stellungnahme
hervorrufen.“284

Diese Erfordernisse, die Intersubjektivitätsbedingung und die Korrelation mit Reizeinflüssen,


garantieren uns, so Quine, dass jeder beliebige Beobachtungssatz auch auf unmittelbare Weise
gelernt werden könnte.

„Wir vernehmen jeweils, daß unsere Mitmenschen einem Satz bei genau den Anlässen
zustimmen oder ihn verneinen, bei denen wir gewisse typische Reize empfangen – und
schließen uns ihnen an.“285

Beispiele für Beobachtungssätze sind etwa: „Es regnet“ oder „Das ist ein Kaninchen“.
Beobachtungssätze kategorisiert Quine auch als Gelegenheitssätze, die bei manchen Anlässen wahr,
bei anderen falsch sind.286 Im Gegensatz dazu stehen die „bleibenden Sätze“. Ein bleibender Satz, wie
„Die Zeitung ist da“, ist dadurch gekennzeichnet, dass er unabhängig von zwischenzeitlich
auftretenden Sinnesreizungen eine längere Zeit Zustimmung finden kann.287 Innerhalb dieser
Kategorie gibt es dann auch noch die zeitlosen Sätze, denen wir später begegnen werden. Mittels des
Begriffs des Beobachtungssatzes lässt sich nun der Begriff der Reizbedeutung folgendermaßen
explizieren: Die affirmative oder negative Reizbedeutung eines Satzes für einen Sprecher entspricht
der jeweiligen Gesamtpalette der Reizeinflüsse, die mit einem Beobachtungssatz affirmativ oder
negativ verknüpft sind.288 So wie Quine den Begriff der Bedeutung durch den behavioristischen
Begriff der Reizbedeutung ersetzt, macht er dies auch bei den anderen Begriffen der
Bedeutungstheorie: Reizanalytisch ist demnach ein Satz für eine Person oder Gesellschaft, falls „sie
nach jedem Reiz […] ihm – oder gar nichts -- zustimmen würde(n).“289 Analog dazu sind zwei

283
Vgl. Quine 1995, S. 5.
284
Quine 1995, S. 5f.
285
Quine 1995, S. 8.
286
Vgl. Quine 1995, S. 3ff.
287
Vgl. Quine 1995, S. 111.
288
Vgl. Quine 1995, S. 5.
289
Quine 1980, S. 107.
61
Beobachtungssätze reizsynonym genau dann, wenn sie nach jedem Reiz entweder beide abgelehnt
oder wenn beiden zugestimmt wird.

Quine befasst sich dabei weitgehend kritisch mit der Auffassung, dass die Satzbedeutung, das, was
Frege den Sinn von Sätzen, den Gedanken nennt, als Wahrheitsträger in Frage kommt. Er erkennt
aber in „Unterwegs zur Wahrheit“ drei Motive dafür, zu den Satzbedeutungen als Wahrheitsträger zu
drängen.290 Ein Motiv dafür sieht er darin, dass Sätze innerhalb einer Sprache oder in verschiedenen
Sprachen gleichbedeutend und die Unterschiede zwischen ihnen als wahrheitsirrelevant empfunden
werden.291 Das zweite Motiv liegt darin, dass ein und derselbe Satz bei manchen Äußerungsanlässen
wahr und bei anderen falsch sein kann. So war etwa „Der Papst wird Boston besuchen“ ehedem ein
wahrer Satz, der nach seinem letzten Besuch dann jedoch zu einem falschen wurde. Und ob ein Satz
mit indexikalischen Ausdrücken, wie „Ich habe Kopfschmerzen“ ein wahrer oder falscher Satz ist,
hängt davon ab, wer ihn äußert und wann.292 Das dritte Motiv sieht Quine darin, dass die
Mehrdeutigkeit oder Vagheit mancher Terme dazu führen kann, dass der Wahrheitswert eines Satzes
teilweise von der Intention des Sprechers abhängt.293

Hierbei hätte es sich, durchaus um vortreffliche Motive gehandelt, wenn die Idee der Satzbedeutung
nicht so ungreifbar wäre.294 So können wir, laut Quine, einzig und allein im Rückgriff auf einen Satz
überhaupt erst angeben, welche Satzbedeutung wir im konkreten Fall im Sinn haben:

„Wenn wir versuchen, die Proposition anzugeben, die durch die Äußerung eines nicht-
zeitlosen Satzes (z.B. „Die Tür ist offen“) bei einer bestimmten Gelegenheit „ausgedrückt“
wird, so tun wir das dadurch, daß wir einen zeitlosen Satz, der diese Proposition bedeutet,
einklammern; 295

So müssen wir bei der Angabe der Proposition ohnehin einen (zeitlosen) Satz formulieren, „und bei
diesem können wir ebenso gut stehen bleiben.“296

290
Vgl. Quine 1995, S. 109.
291
Vgl. Quine 1995, S. 109.
292
Vgl. Quine 1995, S. 110.
293
Vgl. Quine 1995, S. 110.
294
Vgl. Quine 1995, S. 110.
295
Quine 1980, S. 359.
296
Quine 1980, S. 359.

62
3.2.2 Die These von der Unbestimmtheit der Übersetzung

Als eine weitere Schwäche dieser Position nennt Quine die Dürftigkeit der Vorstellung von einer
Satzbedeutung. Denn diese erreicht gerade ihre Sollbruchstelle, sobald man sich von seiner
Unbestimmtheitsthese der Übersetzung überzeugt hat.297 Er erwähnt sogar explizit, was er mit dieser
These im Sinn hat: Sein Ziel ist die Kritik von Freges Begriff des Gedankens.298

Der Begriff der Unbestimmtheit besagt, dass bei Übersetzung von sprachlichen Ausdrücken manche
Fragen, wie beispielsweise die Frage nach der Synonymität von zwei Begriffen, durch die empirischen
Daten nicht vollständig entscheidbar sind. Diese Fragen bleiben dann unentscheidbar oder
unerforschlich.299 Von einer akzeptablen Relation der Bedeutungsgleichheit wäre es, so Quine, nur
noch ein kleiner Schritt zu einer annehmbaren Definition von Bedeutungen. „Wären uns von
Anbeginn die Bedeutungen gegeben, würden uns diese Bedeutungen eben in Verbindung mit der
Identität Bedeutungsgleichheit liefern, da schließlich gilt, dass es ohne Identität keine Entität gibt.“300
So könnten wir dann nämlich die Bedeutung eines Ausdrucks als die Klasse aller mit diesem Ausdruck
bedeutungsgleichen Ausdrücke definieren.

Um der These von Unbestimmtheit der Übersetzung und damit der Unbestimmtheit der Bedeutung
Kontur zu verleihen, entwirft Quine in „Wort und Gegenstand“ das Gedankenexperiment einer
radikalen Urübersetzung. Ein Sprachforscher bekommt es mit einer unbekannten Dschungelsprache
zu tun und möchte ein Übersetzungshandbuch für diese Sprache anfertigen.301 Im Prinzip jedoch ist
dieses Gedankenexperiment selbst für jemandes eigene Muttersprache gültig, denn mehr kann auch
ein Kind nicht über Sprache und Bedeutung lernen.302 So schlüpfen wir auch Zeit unseres Lebens
immer wieder in die Rolle des Sprachschülers.

Die Unbestimmtheitsthese besagt nun, dass Sprachforscher jeweils verschiedene


Übersetzungshandbücher erstellen können, die den Anspruch erheben, in verträglicher Weise mit

297
Vgl. Quine 1995, S. 109.
298
Vgl. Barrett, Gibson 1993, S. 176 und S. 198f.
299
Vgl. Keil 2002, S. 75.
300
Quine 1995, S. 74.
301
Vgl. Quine 1995, S. 52.
302
Quine 1995, S. 69.

63
dem Verhalten aller Beteiligten zu korrelieren.303 Die Übersetzungshandbücher können nun aber
nicht zusammen benutzt werden, weil es möglich ist, dass sie für einen gegebenen Satz S der
Dschungelsprache je zwei verschiedene Übersetzungen anbieten, so Quine:

„Nach der These von der Unbestimmtheit der Übersetzung ist es möglich, daß diese beiden
Ansprüche von zwei Handbüchern gleichermaßen erfüllt, und doch die betreffenden
Übersetzungsrelationen nicht von einem Satz zum nächsten alternierend gebraucht werden
könnten, ohne unstimmige Sequenzen zu ergeben.“304

So kann es etwa passieren, dass die Sätze des Deutschen, die von den konkurrierenden Handbüchern
als die Übersetzung eines Dschungelsatzes vorgeschrieben werden, in deutschen Kontexten nicht
füreinander austauschbar sind.305

Wie kommt Quine dazu? Verfolgen wir einmal das Gedankenexperiment. Wie geht der
Sprachforscher nun vor, um ein Übersetzungshandbuch zu erstellen? Gemäß Quines naturalistischem
Programm muss sich alles, was für die Bedeutung von sprachlichen Ausdrücken von Belang ist,
empirisch erkunden lassen, um dann behavioristisch analysiert zu werden.306

Daher dient dem Sprachforscher das Verhalten der Ureinwohner als Leitfaden: Der Sprachforscher
kann zunächst Äußerungen der Eingeborenen und ihre Umstände passiv beobachten und dann
ausgewählte Eingeborenensätze unter variierenden Umständen auf Zustimmung und Ablehnung hin
in Frage stellen.307 Der Sprachforscher kennt natürlich weder Wahrheitsbedingungen noch die
Verifikationsbedingungen der fremdsprachigen Sätze bzw. Ausdrücke. Er kann nur die Äußerungen
und das Zustimmungsverhalten erforschen und die Umstände, d.h. die Reizsituationen, beobachten
und als Zustimmungsbedingungen interpretieren.

Die Analyse der Syntax bietet dem Forscher keine Schwierigkeiten, es ist allenfalls eine Frage der
Entscheidung für eine syntaktische Struktur anstelle einer anderen, so Quine, die beide
gleichermaßen ein und denselben Gesamtoutput an Phonemsequenzen der Dschungelsprache

303
Vgl. Quine 1995, S. 68.
304
Quine 1995, S. 68.
305
Vgl. Quine 1995, S. 68.
306
Vgl. Quine 1987, S. 5; Quine 1995, S. 51ff.
307
Vgl. Quine 1980, S. 129.

64
generieren.308 Den weiteren Ertrag dieser Methode beschreibt er in „Wort & Objekt“
folgendermaßen: (1) Beobachtungssätze lassen sich übersetzen, aufgrund der induktiven
Vorgehensweise aber nur mit „hereinspielender“ Ungewissheit; (2) Wahrheitsfunktionen lassen sich
übersetzen; (3) reizanalytische und reizkontradiktorische Sätze, d.h. Sätze, denen immer zugestimmt
wird bzw. die immer abgelehnt werden, lassen sich erkennen; (4) die intrasubjektive Reizsynonymie
von Gelegenheitssätzen der Eingeborenen lässt sich entscheiden, wenn auch nicht übersetzen.309

(1) Die Dschungelbewohner stimmen dem fiktiven Beispielsatz „Gavagai“ dann und nur dann zu,
wenn sich etwa ein Kaninchen in ihrem Wahrnehmungsfeld befindet. Der Sprachforscher, der sowohl
das Zustimmungsverhalten als auch die Zustimmungsbedingung beobachten kann, kann also den
Beobachtungssatz der Dschungelbewohner „Gavagai“ holophrastisch ins Deutsche mit „Da, ein
Kaninchen!“ oder „Da sind Kaninchenteile“ übersetzen.310 Denn immer dann, wenn ein Kaninchen zu
sehen ist, sind auch Kaninchenteile zu sehen. Diese Übersetzung betrachtet den Satz der
Eingeborenen als einen Satz, dessen Ergebnis die Ankündigung eines Hasen ist, und stellt so eine
Übereinstimmung zwischen der hypothetischen Reizbedeutung des Beobachtungssatzes der
Quellensprache und der Zielsprache her.311 „Soweit kann die Übersetzung objektiv sein […].“312 Die
Unbestimmtheit der Übersetzung hat, laut Quine, nämlich wenig Bedeutung für Beobachtungssätze:

„Bei der Gleichsetzung eines Beobachtungssatzes unserer Sprache mit einem


Beobachtungssatz einer anderen Sprache gilt es im wesentlichen, eine empirische
Generalisierung vorzunehmen; es gilt die Identität des Spielraums der Reizungen, die
Zustimmung zu dem einen Satz auslösen, mit dem Spielraum der Reizungen, die Zustimmung
zu dem anderen Satz auslösen, festzustellen.“313

Schematisiert könnten wir die Übersetzungshypothese in etwa so schreiben, wobei L für die
Quellensprache steht.

(1) „Gavagai“ ist wahr-in-L, dann und nur dann, wenn da ein Kaninchen ist.

308
Vgl. Quine 1995, S. 71.
309
Vgl. Quine 1980, S. 129.
310
Vgl. Quine 1975, S. 8.
311
Vgl. Quine 1975, S. 8; Quine 1995, S. 55.
312
Quine 1975, S. 8.
313
Quine 1975, S. 124.

65
Die Reizsynonymie der Gelegenheitssätze „Gavagai“ und „Kaninchen“ hingegen verbürgt nicht, dass
„Gavagai“ und „Kaninchen“ umfangsgleiche Termini sind, Termini, die auf dieselben Dinge zutreffen.
In den beiden obigen Fällen wären die Reizsituationen, die die Zustimmung zu „Gavagai“ veranlassen,
dieselben wie für „Kaninchen“ und „Teile von Kaninchen“.314„Wenn der Sprachforscher von der
Gleichheit der Reizbedeutung von ‚Gavagai‘ und ‚Kaninchen‘ unmittelbar darauf schließt, dass ein
Gavagai ein ganzes dauerhaftes Kaninchen ist“, so Quine, „setzt er dabei schlicht voraus, dass der
Eingeborene uns hinreichend ähnlich ist.“315 Denn indem der Linguist den Ausdruck der
Eingeborenen oder Teile davon mit dem Ausdruck „Kaninchen“ gleichsetzt, legt er, ohne besondere
Rechtfertigung, seine eigene vergegenständlichende Sprechweise an.316 So sind der Übersetzung
schon prinzipielle Grenzen gesetzt. Zwar kann der Forscher die Reizbedeutung von ganzen
Beobachtungssätzen und damit auch ihre Reizsynonymität feststellen. Die Synonymität der Termini
dieser Sätze kann er aber so nicht bestimmen.317 Dazu muss er sogenannte analytische Hypothesen
erstellen.

(2) Wie kann der Sprachforscher die Wahrheitsfunktionen erkennen und übersetzen? Hierzu braucht
der Sprachforscher lediglich das Zustimmungsverhalten der Sprecher zu beobachten. Wenn einem
Satz immer und nur dann zugestimmt wird, wenn ein etwas komplexerer Satz abgelehnt wird, dann
kann man den komplexeren Satz als die Negation des ersteren interpretieren. Wenn einem aus zwei
Sätzen gebildeten Satz immer und nur dann zustimmt wird, wenn jedem der beiden Teilsätze
zugestimmt wird, dann kann man den komplexeren Satz als die Konjunktion der beiden Teilsätze
interpretieren. Analoges gilt für die weiteren Wahrheitsfunktionen.318

Für (3) reicht auch die Beobachtung des Zustimmungsverhaltens aus, da reizanalytische bzw.
reizkontradiktorische Sätzen immer bejaht bzw. verneint werden müssten.

Für (4) muss der Forscher wie in (1) die Zustimmungsbedingungen beobachten. Denn er muss ja
entscheiden, wann ein Sprecher einen Satz faktisch reizsynonym verwendet, und dazu muss er die
Reizsituation mit berücksichtigen.

314
Vgl. Quine 1995, S. 101.
315
Quine 1995, S. 101.
316
Vgl. Quine 1975, S. 8.
317
Vgl. Quine 1980, S. 102.
318
Vgl. Quine 1995, S. 63.

66
So weit kommt der Sprachforscher aber nur mit der gewöhnlichen Unsicherheit bei induktiver
Vorgehensweise. Um die vielen Äußerungen der Fremden zu übersetzen, die nicht mit Reizungen
korrelieren, die mit ihnen zusammen auftreten, muss der Sprachforscher den fremdsprachigen
Wörtern, hypothetisch, Wörter der eigenen Sprache als Übersetzungen zuordnen. An diesem Punkt
wird dann eben schlicht geraten319, so Quine, wobei diese hypothetische Zuordnung in Einklang mit
den Ergebnissen aus (1) bis (4) gebracht werden soll.320

So kann der Sprachforscher dem Beispielwort „gavagai“ nun entweder das Wort „Kaninchen“,
„Kaninchenteile“ oder etwa „Kaninchenstadium“ oder etwas Ähnliches zuordnen. Diese Wort-Wort-
Zuordnungen sind keine Hypothesen, über die sich empirisch entscheiden ließe, sondern Hypothesen
einer anderen Art. Quine nennt sie analytische Hypothesen.321 An den analytischen Hypothesen zeigt
sich nun das Wesen der Unbestimmtheit der Übersetzung am deutlichsten. Dabei kann es Fälle
geben, in denen zwei konkurrierende Übersetzungshypothesen in ein logisches Patt zueinander
gebracht werden. Man stelle sich Folgendes vor:

Sprachforscher A übersetzt „gavagai“ mit „Kaninchen“, Sprachforscher B mit „unabgetrenntes


Kaninchenkörperteil“.322 Sprachforscher A übersetzt eine bestimmte Konstruktion der
Dschungelsprache als „dasselbe“. Nun kann er den Ureinwohner in seiner Sprache befragen,
während er zuerst auf das Bein und dann den Kopf des Kaninchens zeigt, ob dieses Gavagai dasselbe
wie jenes Gavagai sei.323 Der Gewährsmann stimmt zu, und Sprachforscher A sieht sich bestätigt:
Wenn „gavagai“ „unabgetrenntes Kaninchenkörperteil“ bedeuten würde, dann hätte der
Gewährsmann verneinen müssen.

Sprachforscher B kann nun aber die obige Konstruktion der Dschungelsprache seinerseits durch
„gehört zum selben Objekt“ übersetzen. So aufgefasst, wäre der Gewährsmann gefragt worden, ob
dieses Kaninchenkörperteil und jenes Kaninchenkörperteil, das mit Gavagai bezeichnet wird, zum
selben Objekt gehört. Kein Wunder, dass er die Frage bejaht hat.

319
Vgl. Quine 1995, S. 64.
320
Vgl. Quine 1980, S. 129.
321
Vgl. Quine 1995, S. 64.
322
Vgl. Quine 1980, S. 125; Quine 1975, S. 47ff.
323
Vgl. Newen, Schrenk 2008, S. 76.

67
So gesehen, ist die Bejahung der Frage kein Indiz für das eine oder andere Übersetzungsmanual.324
Die Möglichkeit, Abweichungen zweier Übersetzungen an einer Stelle durch Abweichungen an einer
anderen Stelle zu kompensieren, kann man systematisch verfolgen. So kann man zu einem
kompletten Übersetzungshandbuch für eine Sprache gelangen, das mit einem anderen
Übersetzungshandbuch einerseits unverträglich ist, weil es Übersetzungen vorschreibt, die dieses
verwirft, und das dennoch, so Quine, allen Sprachverhaltensdispositionen seitens aller Betroffnen
gerecht wird.325 Die Übersetzungsmanuale wären empirisch äquivalent, aber nicht zusammen
benutzbar. So gesehen, kann man empirisch nicht begründet entscheiden, welche von zwei
auffallend verschiedenen Übersetzungen einzelner Sätze die richtige ist.326

Die empirische Unbestimmtheit gilt nun nicht nur für den Sprachforscher. So lernt auch ein Kind
seine ersten Wörter und Sätze dadurch, dass es sie in der Gegenwart geeigneter Reize hört und
gebraucht. So ist also der radikal übersetzende Sprachforscher bezüglich der Bedeutungen der
Ausdrücke der fremden Sprache in keiner ungünstigeren Lage als die neugeborenen Mitglieder der
Sprachgemeinschaft selber.327 Das, was die Urwaldeinwohner über die Bedeutungen ihrer Ausdrücke
wissen, kann auch er erlernen. Die Unbestimmtheit der Übersetzung, d.h. die Möglichkeit von
verschiedenen, aber empirisch gleichwertigen Übersetzungsmanualen, zeigt daher eine
Unbestimmtheit an sich. Daher lässt sich die Bedeutung der Ausdrücke nicht eindeutig bestimmen als
das, was von einer richtigen Übersetzung konstant gehalten wird. Zwei gleichermaßen richtige
Übersetzungen können sich genau in dieser Frage unterscheiden. Nach dem Grundsatz: ohne
Identität keine Entität fordert Quine daher das Ende des Mythos vom Museum.328

Laut ihm sollten wir dagegen „die Verifikationstheorie der Bedeutung ernst nehmen“.329 Seine
Auseinandersetzung mit der Verifikationstheorie werden wir in Kapitel 3 eingehender behandeln.
Doch widmen wir uns vorerst weiterhin der Analyse der Wahrheitsträger und sehen uns an, was er
als Wahrheitsträger bestimmt.

324
Vgl. Quine 1975, S. 50.
325
Vgl. Quine 1975, S. 51.
326
Vgl. Quine 1975, S. 112.
327
Vgl. Quine 1975, S. 113.
328
Vgl. Quine 1975, S. 44.
329
Vgl. Quine 1979, S. 42.

68
3.2.3 Sätze als Wahrheitsträger

Dasjenige, was wahr oder falsch ist, die Wahrheitsträger, sind laut Quine, ganz bestimmte Sätze, die
einer Reihe von Bedingungen genügen.330 Diese Sätze kategorisiert er dabei als zeitlose Sätze. In
ihnen sieht er in „Unterwegs zur Wahrheit“ „in der Regel die Träger von Wahrheit oder Falschheit.“
Die zeitlosen Sätze sind Aussagesätze, die auf gewisse Weise optimiert wurden, die uns von unseren
Logikkursen her vertraut ist: Überführung der Satzbeispiele aus der Alltagssprache durch
Paraphrasierung in die kanonische Notation des Prädikatenkalküls bzw. der Quantorenlogik.331 Dabei
halten wir den Bezug von Indikatoren und Relativpronomina stets konstant und vermeiden
wahrheitsrelevante Mehrdeutigkeiten und Vagheiten:

„Dafür denke man sich lediglich in seinen Sätzen, wie man es gerade braucht, an die Stelle
von Wörtern wie ‚ich‘, ‚du‘, ‚er‘, ‚sie‘, ‚hier‘ oder ‚dort‘ jeweils Namen, Adressen und andere
identifizierende Details. Weiter denke man sich jegliches Tempus weg zugunsten eines
Prädikats wie ‚früher als‘ oder zugunsten von Zeitangaben und dergleichen, je nach Bedarf.
Und schließlich denke man sich sämtliche Mehrdeutigkeiten und Vagheiten beseitigt durch
eine entsprechende Paraphrase – nicht absolut beseitigt, aber insoweit, daß sich der
Wahrheitswert des betreffenden Satzes nicht mehr ändern kann.“332

Aussagesätze werden dadurch zu Sätzen, deren Wahrheitswert zu jeder Zeit und von Sprecher zu
Sprecher derselbe bleibt. Zeitlose Sätze bezeichnet Quine auch als bleibende Sätze extremer Art.333
Bleibender Satz ist für ihn der umfassendere Begriff von beiden. Der Satz „Die Zeitung ist da“ ist
beispielsweise ein bleibender Satz, wie wir oben schon gesehen haben, „weil er unabhängig von
zwischenzeitlich auftretenden Sinnesreizungen einen ganzen Tag lang Zustimmung finden kann“.334
Zeitlos ist dieser Satz aber keineswegs. Wenn wir nun mit Peirce, so Quine, Äußerungen und
Niederschriften Verwendungsfälle des Satzes oder Ausdrucks nennen und mit Frege Wahrheit und
Falschheit als die beiden Wahrheitswerte ansehen, so können wir die Rede von zeitlosen Sätzen so

330
Vgl. Quine 1995, S. 109.
331
Vgl. Quine 1980, S. 393.
332
Quine 1980, S. 111.
333
Vgl. Quine 1980, S. 335.
334
Quine 1980, S. 110f.

69
formulieren: „ein zeitloser Satz ist ein Satz, dessen sämtliche Verwendungsfälle den gleichen
Wahrheitswert haben.“335

Dabei ist es vorstellbar, dass durch einen merkwürdigen Zufall dieselben Laute oder Schriftzeichen in
einer Sprache ‚2 < 5‘ bedeuten und in einer andren ‚2 > 5‘ oder sich die Semantik einer Sprache im
Laufe ihrer Entwicklung einmal ändert. So kommt es, dass ein zeitloser Satz, der einst wahr war,
falsch wird. Aufgrund dies Relativität müssen wir die Rede von der Zeitlosigkeit eines Satzes auf eine
bestimmte Sprache zu einem bestimmten Zeitpunkt beschränken: „Wenn wir also einen Satz zeitlos
nennen, dann tun wir das nur in bezug auf eine bestimmte Sprache zu einer bestimmten Zeit.“336

Ein zeitloser Satz braucht aber keineswegs ohne Reizbedeutung zu sein. So kann es ohne weiteres
vorkommen, dass ein Sprecher durch eine Reizung dazu veranlasst wird, einem zeitlosen Satz
zuzustimmen, und durch eine andere, ihn zu verneinen. „Geschieht dies“, so Quine, „wird er sagen,
er habe sich geirrt und seine Meinung aufgrund neuer Belege geändert, und nicht, der Satz habe
seinen Wahrheitswert geändert, wie es bei ‚Die Zeitung ist da‘ gewöhnlich der Fall ist.“337

Zeitlose Sätze sind beispielsweise Sätze in der Mathematik und anderer Wissenschaften, auch
Berichte und Vorhersagen von spezifischen Einzelereignissen, wenn wie oben gefordert: Zeitpunkte,
Orte und Personen objektiv angegeben werden und nicht dem Wechsel der Bezugsgegenstände von
Vornamen, unvollständigen Kennzeichnungen und Indikatorwörtern unterliegen und die weiter
genannten Einschränkungen berücksichtigt werden.338 So kann man etwa aus der beiläufigen
Feststellung einen zeitlosen Satz machen: „Aus der Äußerung oder Niederschrift ‚Es Regnet‘ wird
dann der zeitlose Satz ‚Es regnet in Boston, Mass. am 15. Juli 1986‘.“339

Betrachten wir nun, wie bei Frege, den Satz „Brutus tötete Caesar“ und überführen ihn die
Schreibweise der Prädikatenlogik. Genau genommen müsste, nach obiger Anweisung, „tötete“ in
„tötete zu irgendeiner bestimmten Zeit“ umgeformt werden. Dies bedenken wir mit, notieren es
aber der Einfachheit halber nicht. Die Eigennamen behandeln wir der Einfachheit halber auch als
eindeutige Kennzeichnungen. Dieser Satz ergibt durch die Ersetzung der Namen durch Variablen
einen offenen Satz der Form: „x tötete y“ und damit eine zweistellige Relation der Form „xRy“.

335
Quine 2005, S. 23.
336
Quine 2005, S.23.
337
Quine 1980, S. 335.
338
Quine 1995, S. 335.
339
Quine 2005, S. 22.

70
Offene Sätze sind aber, wie wir oben gesehen haben, nicht einfach wahr oder falsch, sondern sie
werden von n-tupeln erfüllt. Geschlossene Sätze wie „Brutus tötete Caesar“ gibt es nicht, so Quine,
wir können den Satz „Brutus tötete Caesar“ aber als einen zusammengesetzten Satz nach obiger
Anweisung in die Schreibweise der Prädikatenlogik überführen und erhalten:

(Ǝx) (Ǝy) (x tötete y)340

Dieser wird dann von jedem n-tupel erfüllt, dessen erstes Element Brutus und dessen zweites
Element Caesar ist, wie wir das bereits in dem Kapitel über Wahrheit und Erfüllung gesehen haben.341

An dieser reifizierenden Schreibweise des Prädikaten-Funktoren-Kalküls, so Quine, kann man die


ontologischen Voraussetzungen eines Satzes, die dieser eingeht, erkennen. Sein heißt für Quine, der
Wert einer Variablen zu sein: „Oder genauer gesagt: Die Dinge, von denen man jeweils voraussetzt,
daß sie existieren, sind die und nur die Dinge, die man als Werte seiner gebundenen Variablen
zulässt.“342

So könnte man meinen, sei eine der Wahrheitsbedingungen eines solchen Satzes die Existenz von
durch Variablen gebundenen Gegenständen, gepaart mit den spezifischen Erfüllungsbedingungen
von solchen Sätzen. Für Quine aber spielen Gegenstände lediglich eine strukturierende Rolle
innerhalb eines Satzgewebes. Singuläre Termini können ohnehin eliminiert werden.343 Körper werden
nämlich, so Quine, erst dadurch konstituiert, dass sie die ideellen Knoten in den Zentren einander
überschneidender Beobachtungssätze bilden. Dies lässt sich anhand des Unterschieds bei der Bildung
von komplexen Beobachtungssätzen durch Konjunktion oder prädikative Verbindung von
Beobachtungssätzen demonstrieren.344 Die Prädikation verlangt dabei, dass die Merkmale der
Beobachtungssätze in einem Brennpunkt zusammenfallen, während bei der Konjunktion die beiden
Merkmale nicht zusammenfallen müssen. Bezug und Ontologie haben daher, im Gegensatz zu
Sätzen, nur den Stellenwert bloßer Werkzeuge. Wahre Sätze, Beobachtungssätze und andere Sätze,
sind, laut Quine, kraft ihrer Struktur miteinander verbunden und in diesem Zusammenhang spielen
die jeweils vorausgesetzten Gegenstände die strukturierende Rolle der unabdingbaren Knoten eines

340
Vgl. Quine 2005, S. 48.
341
Vgl. Quine 2005, S. 48f.
342
Quine 1995, S. 35f.
343
Vgl. Quine 1980, S. 314.
344
Vgl. Quine 1995, S. 6.

71
solchen Satzgewebes. Welche Einzeldinge es möglicherweise gibt, ist für ihn gleichgültig für die
Wahrheit von Beobachtungssätzen und damit auch gleichgültig für die Bestätigung, die sie
theoretischen Sätzen verleihen.345

Wie wir am Anfang dieser Untersuchungen schon bemerkt haben, bleibt Quine nicht bei den Sätzen
allein stehen. In dem Kapitel in „Unterwegs zur Wahrheit“, in dem er auf die Differenz zwischen
Wahrheit und gerechtfertigtem Fürwahrhalten eingeht, bemerkt er, dass uns holistische
Überlegungen unschlüssig werden lassen, welche Sätze überhaupt noch als Anwärter auf Wahrheit
oder Falschheit gelten sollen. Als sichere Kandidaten qualifiziert er hier lediglich noch die
(kategorischen) Beobachtungssätze. „Andere Sätze haben dann in unterschiedlichem Maße Anteil an
einem gemeinsamen empirischen Gehalt, sobald sie zusammen kategorische Beobachtungssätze
implizieren.“346 Quine spricht von Bestätigung und empirischem Gehalt und zeigt damit schon die
Richtung an: Theoretische Sätze sind nicht einfach wahr oder falsch, sondern ihre Wahrheit, oder
sollten wir es vorsichtiger formulieren: die Erkennbarkeit ihrer Wahrheit für uns oder unser
gerechtfertigtes Fürwahrhalten von ihnen, hängt von ihrer Bestätigung bzw. Wiederlegung ab.

So erkennt Quine einerseits sowohl zeitlos wahre Sätze mit Einschränkungen an und thematisiert
explizit die ontologischen Voraussetzungen eines Satzes, die dieser macht. Darüber hinaus weist er
auf die Differenz zwischen Wahrheit und gerechtfertigtem Fürwahrhalten hin: Wahrheit ist eben eine
Sache und berechtigter Glaube eine andere.347 Mit seiner Rede von Beobachtungssätzen und deren
Beitrag zur Prüfung von theoretischen Sätzen anderseits weist er aber auch und vor allem darauf hin,
dass wir nur aufgrund von Belegen einen Satz qualifiziert für wahr oder falsch halten können. Dieses
Verhältnis zwischen Sätzen und Satzsystemen, Wahrheit, Verifikation und Falsifikation, soll uns dann
im Kapitel über Wahrheitsbedingungen bei Quine weiter beschäftigen.

345
Vgl. Quine 1995, S. 42.
346
Quine 1995, S. 130.
347
Quine 1995, S. 131.

72
3.3 Resümee

Wie wir gesehen haben, fasst Frege den Sinn von Behauptungssätzen, den Gedanken, als primären
Wahrheitsträger auf, während Quine die Sätze selbst, die gewissen Bedingungen genügen, als
Wahrheitsträger konzipiert. Der wohl gravierendste Unterschied zwischen beiden Positionen ist
dabei, dass Frege die Wahrheitsträger als unabhängige, selbstständige Entitäten konzipiert, während
Quine mit seiner Rede von den Beobachtungssätzen und ihrem Beitrag zur Bewährung von
theoretischen Sätzen eine, aus der Sicht und mit den Worten Freges, eher psychologistische
Konzeption vorlegt. Hierbei äußern beide Autoren Kritik, die auf die jeweilig konträre Auffassung
zielt. Während Frege meint, dass man nach einer geeigneten Interpretation des Satzsinns überhaupt
erst sagen kann, welchen Gedanken dieser ausdrückt und erst dann darüber entscheiden kann, ob er
wahr oder falsch ist, merkt Quine an, dass man bei der Angabe des Sinns eines Satzes doch auch
wieder einen (zeitlosen) Satz äußert.348 Frege würde dann wohl wieder einwerfen, dass man den
Satz, der die Angabe des Sinns leisten soll, erst wieder interpretieren müsste. So könnte der Streit
wohl ewig weitergehen. Nun ist dies nicht Quines einziger Kritikpunkt. Neben seiner Geißelung des
Vokabulars einer Bedeutungstheorie, dessen Begriffe nur in einem Zirkel erklärbar seien, führt er
explizit seine These von der Unbestimmtheit der Übersetzung an, um Freges Auffassung zu
attackieren. Auf den ersten Blick überzeugen beide Autoren, die Argumente sprechen für sich. Es
scheint aber so, als ob man einen Gedanken durchaus in einem Satz zum Ausdruck bringen kann. Auf
den zweiten Blick überzeugt daher eher das Quine’sche Argument, dass man bei der Angabe der
Bedeutung einer Aussage wieder einen Satz angeben muss.

Neben diesen Unterschieden ähneln sich Frege und Quine aber in einem Punkt: in der logischen
Analyse der Sätze bzw. des Gedankens. So zerfällt Frege den Gedanken in Begriff und Argument und
Quine analysiert die Sätze in der Sprache der Prädikatenlogik. Dabei laufen beide Verfahren darauf
hinaus, die Wahrheitsbedingungen oder wie Quine sagen würde: die ontologischen Voraussetzungen
von Sätzen offenzulegen. So gesehen, ist es vielleicht auch nicht so wichtig, welche Entitäten man als
Wahrheitsträger konzipiert. Es scheint nämlich möglich zu sein, dass man sowohl den Satz als auch
den Gedanken einer logischen Analyse unterziehen kann. Die Ergebnisse hängen hierbei vielmehr
von der Art der Zerlegung ab, als von der Wahl der Wahrheitsträger. Dies führt uns somit zur
Untersuchung von Wahrheitsbedingung und Wahrheitskriterium.

348
Vgl. Quine 1980, S. 331ff.

73
4. Wahrheitsbedingung und Wahrheitskriterium

In diesem Kapitel lautet das Thema: Wahrheitsbedingung und Wahrheitskriterium. Im Anschluss an


die Analyse der Wahrheitsträger sollen dabei die Wahrheitsbedingungen von Sätzen näher
untersucht werden. Bei Frege bleibt dann auch nicht viel mehr zu sagen übrig, da er sich nicht
wirklich zum Wahrheitskriterium äußert. Im Gegensatz dazu steht dann Quine, bei dem die
Wahrheitsbedingungen als ontologische Voraussetzungen zwar auftauchen, diese aber eine lediglich
strukturierende Rolle innerhalb der Sprache spielen. Im Anschluss daran werden wir sehen, wie sich
Quine im Rahmen seines Holismus mit der Verifikation von Sätzen auseinandersetzt.

4.1 Wahrheitsbedingung und Wahrheitskriterium bei Frege

Wie wir schon gesehen haben, kann man einen Gedanken durch das Verfahren der Zerfällung in
verschiedene Bestandteile auftrennen: einen gesättigten Ausdruck, das Argument, und einen
ungesättigten Ausdruck, die Funktion. In unserem Beispiel war dies etwa der Eigenname Brutus, der
die Funktion bzw. den Begriff „( ) tötete Caesar“ sättigte. Für ein Argument wie „Cicero“ wäre der
Satz dementsprechend falsch. Das Argument wäre zwar gesättigt, da der vom Eigennamen „Cicero“
bezeichnete Gegenstand, nämlich Cicero selbst, existierte, was in jedem Fall eine Voraussetzung
dafür ist, dass ein Eigenname als Argument sinnvoll ist. Aber als Argument für das Begriffswort
„Brutus tötete ( )“ ergibt es den Wahrheitswert des Falschen. Der Gegenstand fällt nicht unter den
Begriff.

In seiner Schrift „Die Grundgesetze der Arithmetik“ schreibt Frege, dass der Sinn eines Satzes seine
Wahrheitsbedingungen festlegt. Die Wahrheitsbedingungen ergeben sich daher aus den von den
Sinnen der Satzteile geforderten Bedeutungen. Dies lässt sich wie folgt auf Namen und
Begriffswörter anwenden. Unser Beispielsatz ist genau dann wahr, wenn der durch den Sinn des
Eigennamens „Brutus“ bezeichnete Gegenstand unter den durch den Sinn des Begriffswortes „( )
tötete Caesar“ bestimmten Begriff fällt.

Seine Auffassung der Wahrheitsbedingungen von Gedanken bzw. im übertragenen Sinn auch von
Sätzen gewinnt Frege, wie etwa schon seine Konzeption der Wahrheitsträger, wiederum in der
Auseinandersetzung mit dem Psychologismus. Wenn jeder unter dem Sinn des Namens „Brutus“
etwas anderes verstehen würde oder, um eines seiner anderen Beispiele zu benutzen, mit dem

74
Namen „Mond“ etwas anderes bezeichnen würde, nämlich eine seiner Vorstellungen, so wäre zwar
die psychologische Betrachtungsweise gerechtfertigt, so Frege. Ein Streit über die Eigenschaften des
Mondes wäre dann aber gegenstandslos. So könnte der eine von seinem Monde ganz gut das
Gegenteil von dem behaupten, was der andere mit demselben Rechte von seinem sagte.349 Würde
sich also jeder nur auf seine Vorstellung beziehen, dann könnte jeder alles mit dem gleichen Recht
behaupten und keine wissenschaftliche Kommunikation wäre mehr möglich. Dieses und andere
Argumente konnten wir schon im Kapitel über die Objektivität der Wahrheit kennen lernen. Frege
fordert daher die Unabhängigkeit des Gegenstandsbereiches vom denkenden Subjekt.

„Jeder, der den Satz ausspricht ‚Der Ätna ist höher als der Vesuv‘, versteht ihn in dem Sinne,
daß darin etwas ausgesagt werden solle von einem Gegenstande, der ganz unabhängig vom
Sprechenden ist. Nun kann der Idealist sagen, es sei ein Irrtum, daß der Name ‚Ätna‘ etwas
bezeichne. Dann verlöre sich der Sprechende in das Gebiet der Sage und Dichtung, während
er glaubt, sich im Gebiet der Wahrheit zu bewegen. Aber der Idealist ist nicht berechtigt, den
Gedanken so umzudrehen, als wollte der Sprechende mit dem Namen ‚Ätna‘ eine seiner
Vorstellungen bezeichnen und von dieser etwas berichten.“350

Wenn die Idealisten nämlich folgerecht dächten, so Frege, dann müssten sie den Satz „Der Ätna ist
höher als der Vesuv“ oder den Satz „Karl der Große besiegte die Sachsen“ weder für wahr noch für
falsch halten, sondern ihn für Dichtung erklären, so wie wir gewohnt sind, etwa den Satz „Nessus
trug die Deianira über den Fluss Euenus“ als Dichtung aufzufassen. Ihm zufolge kann der Satz „Nessus
trug die Deianira über den Fluss Euenus“ nur dann wahr sein, wenn der Name „Nessus“ einen Träger
hätte.351 Zwar haben, so Frege, die Sätze „Nessus trug die Deianira über den Fluss Euenus“ oder
„Odysseus wurde tief schlafend in Ithaka an Land gesetzt“ offenbar einen Sinn. Es sei aber
zweifelhaft, ob die darin vorkommenden Eigenamen wie „Nesus“ oder „Odysseus“ eine Bedeutung
haben. So sei es damit auch zweifelhaft, ob der ganze Satz eine habe. Sicher ist jedoch, so Frege, dass
jemand, der im Ernst den Satz für wahr hält, dem Namen „Odysseus“ neben seinem Sinn auch eine
Bedeutung zuerkennen muss.

Der Satz „Odysseus wurde tief schlafend in Ithaka an Land gesetzt“ lässt sich in Analogie zu dem
Freg’schen Verfahren der Zerfällung, das wir bei der Analyse der beurteilbaren Inhalte bereits kennen
gelernt und auch schon in diesem Kapitel angewandt haben, etwa so analysieren: Der Satz besteht

349
Vgl. Frege 1962, S. XIX.
350
Frege 2001, S. 62.
351
Vgl. Frege 1962, S. XXI.

75
aus einem ungesättigten Teil, dem Begriff alias der Funktion, sprachlich vertreten durch das Prädikat
„wurde tief schlafend in Ithaka an Land gesetzt“. So lässt sich der Satz etwa auf die Form „( )wurde
tief schlafend in Ithaka an Land gesetzt“ bringen. Diese Funktion soll nun von dem Argument
„Odysseus“ gesättigt werden. „Odysseus“ bezeichnet nun aber lediglich eine Figur der Dichtung, der
Name hat einen Sinn, aber keine Bedeutung. Um dies zu demonstrieren, könnte man „Odysseus“ als
einstelliges Prädikat analysieren und erhielte dann etwa die Form „( )ist Odysseus“ und damit
wiederum einen ungesättigten Ausdruck, der nach einem gesättigten Bestandteil, dem Argument,
verlangte. Dies erinnert stark an das Verfahren der Eliminierung singulärer Termini, das zwar nicht
von Frege, sondern später, etwa von Russel und Quine, explizit thematisiert worden ist.352 Der
Gegenstand, der als Argument herhalten müsste, gehört aber dem Reich der Dichtung an.

Die Existenz eines Gegenstandes kann man daher als eine Bedingung der Möglichkeit der Wahrheit
bzw. Falschheit eines solchen Satzes auffassen. Wer eine Bedeutung nicht anerkennt, so Frege, „der
kann ihr ein Prädikat weder zu- noch absprechen.“353 Die Forderung, dass jeder Eigenname nicht nur
einen Sinn, sondern auch eine Bedeutung hat, stellen wir, weil und soweit es uns auf den
Wahrheitswert des Gedankens ankommt, so Frege: „Das Streben nach Wahrheit also ist es, was uns
überall vom Sinn zur Bedeutung vorzudringen treibt.“354

Nun wendet er aber die Unterscheidung zwischen Sinn und Bedeutung nicht nur bei Eigennamen an.
Auch bei Prädikaten und, auf was es uns jetzt ankommt, bei ganzen Sätzen fordert er neben dem
Sinn, dem Gedanken, auch eine Bedeutung. Dass wir uns überhaupt um die Bedeutung eines Satzteils
bemühen, so Frege, ist ein Zeichen dafür, dass wir auch für den Satz selbst eine Bedeutung im
Allgemeinen anerkennen und fordern:

„Wir verlangen von jedem in einem Satze vorkommenden Eigennamen, dass er eine
Bedeutung habe, wenn es uns um die Wahrheit zu tun ist, wenn wir uns wissenschaftlich
verhalten. Andererseits wissen wir, dass es für den Sinn des Satzes, den Gedanken,
gleichgültig ist, ob die Satzteile Bedeutung haben, oder nicht; folglich muß mit dem Satze
noch etwas verbunden sein, wofür es wesentlich ist, ob die Satzteile Bedeutung haben, und
dies wird die Bedeutung des Satzes zu nennen sein. Das einzige aber, wofür jenes wesentlich

352
Vgl. Quine 1980, S. 314ff. und S. 320.
353
„Über Sinn und Bedeutung“, in: Frege, 2002, S. 29.
354
„Über Sinn und Bedeutung“, in: Frege, 2002, S. 30.

76
ist, ist das, was ich den Wahrheitswert nenne, nämlich ob der Gedanke wahr oder falsch
ist.“355

Im Falle eines wahren bzw. falschen Gedankens bezeichnet er den Wahrheitswert als das Wahre bzw.
das Falsche.356 Diese beiden Gegenstände werden, so Frege, von jedem, wenn auch nur
stillschweigend, anerkannt, der überhaupt urteilt, der etwas für wahr hält, also auch vom Skeptiker.
Um dieser Vermutung, dass Wahrheitswerte die Referenten von Sätzen darstellen, Nachdruck zu
verleihen, führt Frege ein theoretisches Argument an, das, aufgrund seiner Einfachheit, unter dem
Namen „Slingshot“357 Eingang in die Literatur gefunden hat.358 Er schreibt:

„Wenn unsere Vermutung richtig ist, daß die Bedeutung eines Satzes sein Wahrheitswert ist,
so muß dieser unverändert bleiben, wenn ein Satzteil durch einen Ausdruck von derselben
Bedeutung, aber anderem Sinne ersetzt wird. Und das ist in der Tat der Fall. […] Was sonst als
der Wahrheitswert könnte auch gefunden werden, das ganz allgemein zu jedem Satze
gehört, bei dem überhaupt die Bedeutung der Bestandteile in Betracht kommt, was bei einer
Ersetzung der angegebenen Art unveränderlich bliebe?“359

Haben, so das Argument, zwei Ausdrücke dieselbe Bedeutung, dann haben auch alle Sätze, in denen
diese Ausdrücke füreinander ausgetauscht werden, dieselbe Bedeutung, d.h., sie sind entweder
beide wahr oder beide falsch. Eine der bekanntesten expliziten Fassungen dieses Arguments geht auf
Alonzo Church zurück. Sein Argument geht von zwei Voraussetzungen aus, von denen das erste
explizit in der obigen Formulierung zu finden ist, nämlich:

(1) Wenn in einem Satz ein Ausdruck durch einen anderen extensionsgleichen
(bedeutungsgleichen) Ausdruck ersetzt wird, dann ändert sich die Extension
(Bedeutung) des Satzes nicht.

(2) Syntaktische Umformungen ändern nichts an der Extension (der Bedeutung) eines
Satzes.

355
Frege 2001, S. 88.
356
Vgl. Frege 1962, § 4.
357
Vgl. Barwise, Perry 1981.
358
Vgl. John Perry: Evading the Slingshot, in International Colloquium on Cognitive Science et al. 1996, S. 95-
114; vgl. Davidson 1967.
359
„Über Sinn und Bedeutung“, in: Frege, 2002, S. 31f.

77
Um das Argument zu veranschaulichen, führt Church etwa die folgenden Beispielsätze an:

(3) Walter Scott ist der Autor von Waverley.

(4) Walter Scott ist der Verfasser von 29 Waverley-Romanen.

(5) 29 ist die Anzahl der von Walter Scott verfassten Waverley-Romane.

(6) 29 ist die Anzahl der Countys des Staates Utah.

Nun haben (3) und (4) dieselbe Bedeutung, da, nach Prinzip und Voraussetzung (1) nur
bedeutungsgleiche Ausdrücke füreinander ausgetauscht wurden. Die Sätze (4) und (5) haben
dieselbe Bedeutung, da, nach Voraussetzung (2) nur syntaktische Umformungen durchgeführt
worden sind. Die Sätze (5) und (6) haben dann wiederum nach Prinzip (1) dieselbe Bedeutung. Die
Sätze (3) und (6) drücken nun aber völlig verschiedene Gedanken aus und haben auch verschiedene
Wahrheitsbedingungen. Da sie aber nach Voraussetzung (1) und (2) dieselbe Extension haben und da
sie sich nur durch die Identität des Wahrheitswertes auszeichnen, müsste die Extension, bzw. in
Freg’scher Terminologie die Bedeutung eines Satzes, dessen Wahrheitswert sein, so die Konklusion.

Diese Konzeption mag etwas abenteuerlich anmuten, aber vor dem Hintergrund seiner Analyse der
beurteilbaren Inhalte in Argument und Funktion scheint sie sich innerhalb seines Systems motivieren
zu lassen. Wie wir dies bei der Analyse der beurteilbaren Inhalte gesehen haben, benötigt eine
ungesättigte Funktion immer ein Argument. Und die Argumente von Funktionen sind in Freges
System nun einmal Gegenstände. Damit nun auch Sätze als Argumente für Funktionen dienen
können, wie dies etwa in der Aussagenlogik bei Wahrheitsfunktionen der Fall ist, fasst man sie
einfach als Gegenstand auf.360

In diesem Gedankenexperiment zeigt sich nun nicht nur ein Argument für die Vermutung Freges,
dass die Wahrheitswerte die Bedeutungen der Sätze darstellen, sondern auch die Abhängigkeit der
Satzbedeutung, des Wahrheitswertes, von den Bedeutungen der Satzteile. Dies konnten wir ja auch
schon in der Forderung nach bedeutungsvollen Eigennamen sehen. Diese Feststellung wird in der
Literatur als Frege-Prinzip oder als Kompositionalitätsprinzip bezeichnet und lautet: Die Bedeutung
eines Satzes ist eine Funktion der Bedeutungen der Satzteile und der Art ihrer Zusammensetzung.361

360
Vgl. Schantz 1996, S. 162; Greimann 2003a, S. 55.
361
Vgl. Greimann 2003b, S. 249.

78
Die Wahrheitsbedingungen, d.h. ob der Satz wahr oder falsch ist, eines Satzes hängen somit von den
referentiellen Beziehungen zwischen den Teilen des Satzes bzw. Gedankens und Teilen der Realität,
ihren Bedeutungen, ab. Wir können daher sagen, dass die Wahrheit oder Falschheit eines solchen
Satzes dadurch bestimmt wird, ob die Dinge wirklich so sind, wie der Satz sagt, dass sie sind.362
Richard Schantz mutmaßt daher, dass Frege ein metaphysischer Realist war. Frege hegt nicht den
leisesten Zweifel daran, dass es eine objektive, bewusstseinsunabhängige Realität gibt – das Reich
der Referenz –, die unsere Gedanken wahr oder falsch macht, ganz unabhängig davon, ob wir Belege
für ihre Wahrheit oder Falschheit haben oder nicht.363 Nach diesen Ausführungen sollte, zumindest
exegetisch, kein Zweifel daran bestehen, dass Frege die Wahrheitsbedingung von Sätzen realistisch
fasst. Frege weist dabei allerdings darauf hin, dass man nicht sicher sein kann, ob etwa ein
Eigenname auch wirklich einen Träger hat:

„Wenn ein Mensch […] zum Gegenstand seines Denkens nicht etwas nehmen könnte, dessen
Träger er nicht ist, hätte er wohl eine Innenwelt, nicht eine Umwelt. Aber kann das nicht auf
einem Irrtume beruhen? Ich bin überzeugt, daß der Vorstellung, die ich mit den Worten
‚mein Bruder‘ verbinde, etwas entspricht, was nicht meine Vorstellung ist und wovon ich
etwas aussagen kann. Aber kann ich mich nicht darin irren? Solche Irrtümer kommen vor. Wir
verfallen dann wider unsere Absicht in Dichtung. In der Tat! Mit dem Schritte, mit dem ich
mir eine Umwelt erobere, setze ich mich der Gefahr des Irrtums aus.“364

In antirealistischen Auffassungen hängt nun der Wahrheitswert eines Satzes oder Gedankens nicht
von der transzendenten Wirklichkeit, der Umwelt, ab, wie in der Konzeption Freges, sondern nur von
der Innenwelt des Subjekts und dessen psychologischer Beschaffenheit. Dies lehnt Frege aber
entschieden ab.365 Vorsichtiger gesprochen könnte man auch sagen, dass die Erkennbarkeit des
Wahrheitswertes eines Satzes davon abhängt, was für oder gegen seine Wahrheit spricht. Damit
hängt die Bestimmung des Wahrheitswertes aber von den Evidenzen ab, die den Gedanken stützen
bzw. gegen ihn sprechen, und die dem Subjekt, etwa in Form von Sinneseindrücken, zuteilwerden. Es

362
Vgl. Greimann 2003a, S. 57.
363
Vgl. Greimann 2003a, S. 56.
364
„Der Gedanke“, in Frege 2003, S. 56.
365
Vgl. Frege 2001, S. 23f.

79
ist daher auch nicht weiter verwunderlich, dass man bei Frege keine wirklichen Auslassungen zu
Wahrheitskriterien findet.366 Ein Gedanke ist unabhängig vom denkenden Subjekt wahr oder falsch.

Als paradigmatischen Vertreter des antirealistischen Ansatzes könnte man nun Quine sehen, der die
empiristische Verifikationstheorie der Bedeutung kritisch analysiert und verfolgt hat.

4.2 Wahrheitsbedingung und Wahrheitskriterium bei Quine

Wie wir gesehen haben, legt der Sinn eines Satzes bei Frege den Gedanken fest, der entweder wahr
oder falsch oder auch sinnlos sein kann. Auf das Vorhandensein der Bedeutungen der Satzteile bzw.
der Gedankenteile kommt es dann an, ob der ganze Satz einen Wahrheitswert hat und ob er der
Wissenschaft oder der Dichtung angehört. Die Bedeutung eines Satzteils bzw. in Quine’scher
Terminologie: die Referenz eines Satzteils spielt im Quine’schen System eine eher untergeordnete
Rolle für die Wahrheit von Sätzen.

An der reifizierenden Schreibweise des Prädikaten-Funktoren-Kalküls, die wir in der Analyse der
Sätze bei Quine, kennen gelernt haben, kann man zwar die ontologischen Voraussetzungen eines
Satzes, die dieser eingeht, erkennen. Sein heißt für Quine daher, der Wert einer Variablen zu sein,
oder genauer gesagt: „Die Dinge, von denen man jeweils voraussetzt, daß sie existieren, sind die und
nur die Dinge, die man als Werte seiner gebundenen Variablen zulässt.“367 So könnte man meinen,
seien die Wahrheitsbedingungen eines solchen Satzes, die Existenz von durch Variablen gebundenen
Gegenständen, gepaart mit den spezifischen Erfüllungsbedingungen von solchen Sätzen bzw.
Satzteilen, so wie wir das in etwa bei Frege gesehen hatten. Für Quine aber spielen Gegenstände
lediglich eine strukturierende Rolle innerhalb eines Satzgewebes. Singuläre Termini können ohnehin
eliminiert werden.368 Körper werden nämlich, so Quine, erst dadurch konstituiert, dass sie die
ideellen Knoten in den Zentren einander überschneidender Beobachtungssätze bilden. Dies lässt sich
anhand des Unterschieds bei der Bildung von komplexen Beobachtungssätzen durch Konjunktion

366
M. Dummet schreibt dazu: „Frege does not himself employ the notion of what makes the thought expressed
by a sentence true, perhaps because he want to avoid the conception of a fact or a state of affairs as belonging
to the realm of reference“. Dummett 1987, S. 444.
367
Quine 1995, S. 35f.
368
Vgl. Quine 1980, S. 314.

80
oder prädikative Verbindung von Beobachtungssätzen demonstrieren.369 Wie wir im Kapitel über
Wahrheit und Erfüllung schon sehen konnten, verlangt die Prädikation, dass die Merkmale der
Beobachtungssätze in einem Brennpunkt zusammenfallen, während bei der Konjunktion die beiden
Merkmale nicht zusammenfallen müssen. Bezug und Ontologie haben daher, im Gegensatz zu
Sätzen, nur den Stellenwert bloßer Werkzeuge. Wahre Sätze, Beobachtungssätze und andere Sätze,
sind kraft ihrer Struktur miteinander verbunden und dabei spielen die jeweils vorausgesetzten
Gegenstände die strukturierende Rolle der unabdingbaren Knoten eines solchen Satzgewebes.
Welche Einzeldinge es möglicherweise gibt, so Quine, ist gleichgültig für die Wahrheit von
Beobachtungssätzen und damit auch gleichgültig für die Bestätigung, die sie theoretischen Sätzen
verleihen.370

Er widmet sich daher der Verifikationstheorie: „[S]o mag man fragen, wie steht es mit der
Verifikationstheorie der Bedeutung? Dieser Term hat sich so fest als Schlagwort des Empirismus
eingebürgert, daß es in der Tat sehr unwissenschaftlich wäre, hier nicht nach einer eventuellen
Lösung zum Bedeutungsproblem und den damit verbundenen Problemen zu suchen.“371 Dabei knüpft
Quine, wie schon vor ihm die Vertreter des logischen Positivismus372, an die Meinung des Empiristen
Peirce an, die besagt, dass die wirkliche Bedeutung einer Aussage in dem Unterschied besteht, den
ihre Wahrheit für mögliche Erfahrungen ausmachen würde.373 Quine formuliert es so: „Die
Verifikationstheorie der Bedeutung […] besagt, daß die Bedeutung einer Aussage die Methode ihrer
empirischen Bestätigung bzw. Schwächung ist.“374 Aussagen sind demnach nicht einfach wahr oder
falsch, sondern sie werden aufgrund von Belegen, die für oder gegen ihre Wahrheit sprechen, als
wahr oder falsch qualifiziert.

Wie wir gesehen haben, steht Quine einem dogmatischen Empirismus kritisch gegenüber, er selbst
will aber an einem Empirismus ohne Dogmen festhalten. Im Zuge seiner Kritik des Reduktionismus in
„Zwei Dogmen des Empirismus“ stellt er sich die Frage, welcher Art die Beziehung zwischen einer

369
Vgl. Quine 1995, S. 6.
370
Vgl. Quine 1995, S. 42.
371
Quine 1979, S. 42.
372
Vgl. Gochet 1984, S. 19.
373
Vgl. Quine 1975, S. 109.
374
Quine 1979, S. 42.

81
Aussage und den Erfahrungen ist, die zu ihrer Bestätigung beitragen bzw. ihr abträglich sind.375 Eine
erste Antwort erblickt er im radikalen Reduktionismus:

„Die naivste Auffassung dieser Beziehung ist die, daß es eine Beziehung des direkten Berichts
sei. Dies ist radikaler Reduktionismus. Von jeder sinnvollen Aussage wird angenommen, daß
sie in eine (wahre oder falsche) Aussage über direkte Erfahrung übersetzbar sei.“376

Da der radikale Reduktionismus laut Quine „für jeden einzelnen Term“ eine Rückführung auf
Sinnesdaten fordert377, kommt dieser in Konflikt mit der These der Unbestimmtheit der Übersetzung.
Diese besagt ja gerade, dass es unbestimmbar ist, wie sich einzelne Termini auf Erfahrung
zurückführen lassen. So können wir mit ihm vernünftigerweise höchstens „ganze Aussagen als unsere
signifikanten Einheiten nehmen und also verlangen, daß unsere Aussagen als ganze in eine Sprache
der Sinnesdaten übersetzbar sind“. 378 Eine Übersetzung für jeden einzelnen Term lehnt er aufgrund
der Unbestimmtheit der Übersetzung strikt ab. Wie sich so eine solche Übersetzung darstellen lässt,
kennen wir bereits aus dem Quine’schen Konzept der Beobachtungssätze. Diesem Minimalkonzept
zufolge scheinen die Beziehungen zwischen Aussage und Erfahrung, die zu ihrer Verifizierung bzw.
Falsifikation führen, darauf hinauszulaufen, unter welchen Bedingungen ein Satz behauptet werden
kann. Und die Bedingungen, die für die Behauptbarkeit eines Beobachtungssatzes gelten, sind
Intersubjektivität und die Korrelation mit Reizeinflüssen.379 Zu wissen, was es heißt, dass der Satz
„Schnee ist weiß“ wahr ist, läuft in diesem Fall dann darauf hinaus, zu wissen, unter welchen
Umständen man behaupten kann, dass Schnee weiß ist. Von einem wenig mehr theoretischen
Standpunkt aus verlangt ein solcher Beobachtungssatz aber dann schon die Kenntnis der
Erfüllungsbedingungen von Prädikationen: Die beiden Erfüllungen müssen in einem Brennpunkt
zusammenfallen. Das heißt, um bei dem Beispiel zu bleiben, dass die von dem Satz „Schnee ist weiß“
implizierten Beobachtungssätze aufgrund von Reizungen erfüllt werden, die in einem Zentrum
zusammenfallen.380 In dieser Sichtweise könnte man aber durchaus eine Art Reduktionismus sehen.
Der obigen Skizze zufolge scheinen ja gerade paradigmatische Reizsituationen und gesellschaftlich

375
Vgl. Quine 1979, S. 43.
376
Quine 1979, S. 43.
377
Vgl. Quine 1979, S. 43.
378
Quine 1979, S. 43ff.
379
Vgl. Quine 1995, S. 8.
380
Quine 1995, S. 6.
82
akzeptiere Behauptbarkeit zur Bestätigung von Aussagen oder Sätzen zu führen – selbst dann noch,
wenn wir aus einer mehr analytischen Sicht die Erfüllungsbedingungen von Sätzen betrachten.

In der Annahme aber, so Quine, dass jede Aussage unabhängig und isoliert von anderen Aussagen
bestätigt bzw. geschwächt werden kann, besteht das Dogma des Reduktionismus fort.381 Sein
Vorschlag in dieser Situation besteht in einem holistischen Gesamtentwurf: „Dieser besagt, daß
unsere Aussagen über die Außenwelt nicht als einzelne Individuen, sondern als ein Kollektiv vor das
Tribunal der sinnlichen Erfahrung treten.“382 Dies charakterisiert er auch als den dritten Markstein
des Empirismus. Dabei werden Sätze allmählich durch Satzsysteme aus dem Zentrum der
Betrachtung verdrängt.383

Von einem analytischen Standpunkt aus – d.h. Wort für Wort – betrachtet, stellt sich die Situation so
dar. „Soweit Beobachtungssätze etwas mit Wissenschaft zu schaffen haben, soweit sie Beglaubigung
und Überprüfung ermöglichen“, so Quine, „werden sie sich ihrer ursprünglichen holophrastischen
Theoriefreiheit schwerlich bewahren und sich retrospektiv gesehen mit Theorie aufladen müssen.“384

Aber, damit der Beobachtungssatz überhaupt seine Funktion als Vehikel jeglicher Belege, die für oder
gegen die Wissenschaft sprechen, erfüllen kann, muss er auf der anderen Seite frei von Theorie
sein.385 „[W]as uns zur Untersuchung der Beobachtungssätze gebracht hat“, so Quine, „war ja unsere
Suche nach einem Bindeglied zwischen Beobachtung und Theorie.“386 Die Annahme nämlich, dass
kein Einzelsatz seine abtrennbare empirische Bedeutung hat, wäre verfehlt.387

„Holophrastisch betrachtet – als Satz, der durch den Vorgang der Konditionierung auf
Reizsituationen als ein nahtloses Ganzes gelernt wird –, ist der [Beobachtungs-]Satz frei von
Theorie.“388

381
Vgl. Quine 1979, S. 45.
382
Quine 1979, S. 45.
383
Vgl. Quine 1985, S. 92.
384
Quine 1995, S. 11.
385
Vgl. Quine 1995, S. 6.
386
Quine 1995, S. 6.
387
Vgl. Quine 1985, S. 93.
388
Quine 1995, S. 11.

83
So analysiert, scheinen sich Sätze durchaus auf Erfahrung reduzieren zu lassen. Gleichgültig wie wir
thematisieren, wie sich die Wissenschaft auf Wahrnehmungsbelege gründet, wir werden, nach
Quine, in „dieser Fundierungsbeziehung jedenfalls eine eigentümliche Relation zu sehen haben, die
zwischen Nervenreizungen und wissenschaftlichen Theorien gegeben sein wird.“389 Theorien
bestehen in Sätzen, und die Logik ist es, die Sätze mit Sätzen verbindet. Sätze lassen sich aber nur mit
Sätzen verbinden oder durch Sätze überprüfen.

„Worauf wir als die Anfangsglieder solcher Ketten allemal angewiesen sind, die dergestalt
Sätze mit Sätzen verknüpfen, ist eine gewisse Anzahl besonderer Sätze, die direkt und stabil
mit unseren Sinnesreizungen assoziiert sind, und zwar ein jeder dieser Sätze mit einem
bestimmten Bereich aus dem Spektrum unserer Reizungen bejahend und mit einem anderen
Bereich verneinend.“390

Damit kann der Beobachtungssatz seinen Dienst, als „Verbalisierungsmittel der Voraussage, anhand
deren eine Theorie geprüft wird“, erfüllen. „Die Bedingung, auf der Stelle sofortige Zustimmung oder
Ablehnung erfahren zu können, ist das Moment, das ihn zur letzten Kontrollinstanz werden lässt. Und
die Intersubjektivitätsbedingung ist das Moment, wodurch Wissenschaft objektiv wird.“391

Nach dieser Skizze haben wir auf der einen Seite die Beobachtungssätze und auf der anderen Seite
die Theorie. Beide verpackt in Sätzen. Wobei es dann wohl auf den Standpunkt ankommt, welchen
Satz man gerade als theoretischen Satz und welchen als Beobachtungssatz nimmt. Nun stellt sich die
Frage, wie Quine nun das Verhältnis zwischen Theorie und Beobachtung genauer konzipiert? In „Zwei
Dogmen des Empirismus“ zeichnet er ein Bild der Wissenschaft als „geflochtenes Netz, das nur an
seinen Rändern mit Erfahrung in Berührung steht“, und vergleicht es mit einem Kraftfeld:

„[D]ie Gesamtwissenschaft ist ein Kraftfeld, dessen Randbedingungen Erfahrungen sind. Ein
Konflikt mit der Erfahrung an der Peripherie führt zu Anpassungen im Inneren des Feldes.
Wahrheitswerte müssen über einige unserer Aussagen neu verteilt werden. Die
Umbewertung einiger Aussagen zieht aufgrund ihrer logischen Zusammenhänge die
Umbewertung einiger Aussagen nach sich – die logischen Gesetzte wiederum sind nur
gewisse weitere Aussagen des Systems, gewisse weitere Elemente des Feldes. Wenn wir eine

389
Quine 1995, S. 3.
390
Quine 1995, S. 4.
391
Quine 1995, S. 6.

84
Aussage neu bewertet haben, müssen wir einige andere neu bewerten, die entweder logisch
mit der ersten verknüpft sind oder selbst Aussagen logischer Zusammenhänge sind.“392

Diese Beschreibung des Holismus ist als Bild sehr anschaulich. Wie genau aber konzipiert Quine den
Zusammenhang zwischen Erfahrung und Theorie? Bei Experimenten zeigt sich besonders deutlich, so
Quine, wie eine Theorie durch Beobachtung gestützt wird. Er demonstriert dies mit einem
Gedankenexperiment.393 Nehmen wir einmal in Gedanken an, ein Team von Mineralogen habe ein
bisher unbekanntes, rosafarbenes, kristallines Mineral entdeckt und es Litholit getauft. Nun stellen
sich die Wissenschaftler die Frage, welche chemische Zusammensetzung Litholit hat, und bilden eine
Hypothese aus. Dabei werden sich die Wissenschaftler auf ihren Vorrat an Theorie berufen müssen
und sollten laut Quine gewisse Tugenden anstreben: Konservatismus, Allgemeinheit, Einfachheit,
Falsifizierbarkeit und Bescheidung.394 Aus der bereits akzeptierten Theorie der Chemie und der
Hypothese leiten die Wissenschaftler dann ab, dass Litholit bei Erhitzen über 180 Grad Celsius
Schwefelwasserstoff freisetzen müsste, sofern die Hypothese über die chemische Zusammensetzung
wahr ist.395

Die Bewährung einer Hypothese hängt nun laut Quine von den logischen Implikationsbeziehungen
ab. Auf der Seite der Theorie haben wir den Vorrat an akzeptierter Theorie und die Hypothese. In
diesem Fall unser allgemeines und chemisches Wissen und die Vermutung über die chemische
Zusammensetzung des Litholits, die zusammen das Implikans bilden. Auf der anderen Seite haben wir
einen implizierten allgemeinen Satz, den ein Experimentator unmittelbar überprüfen kann. In diesem
Fall das Entweichen von Schwefelwasserstoff ab einer bestimmten Temperatur. Man könnte auch
sagen: Sobald unsere Vermutungen zutreffen, entweicht auch Schwefelwasserstoff ab 180 °C.396

Sätze dieser Form nennt Quine kategorische Beobachtungssätze. Diese sind aus Beobachtungssätzen
zusammengesetzte komplexe bleibende Sätze. Da solche Sätze von einer wissenschaftlichen Theorie
impliziert werden können, bietet der kategorische Beobachtungssatz die Möglichkeit eines
„logischen Bindemittels zwischen Theorie und Beobachtung“.397 Die Prüfung wissenschaftlicher

392
Quine 1979, S. 47.
393
Vgl. Quine 1995, S. 12.
394
Vgl. Quine 1995, S. 26.
395
Vgl. Quine 1995, S. 12.
396
Vgl. Quine 1995, S. 13.
397
Quine 1995, S. 14.

85
Hypothesen geschieht somit durch eine Prüfung der von ihnen implizierten kategorischen
Beobachtungssätze. Einen kategorischen Beobachtungssatz überprüft man dabei durch paarweises
Beobachten.398 Um ein weiteres Exempel zu geben: Den oft verwendeten Beispielsatz „Schnee ist
weiß“ kann man hiernach als „zentrierten kategorischen Beobachtungssatz“ analysieren, der aus
zwei Beobachtungssätzen wie „Da jetzt Schnee“ und „Da jetzt weiß“ zusammengesetzt ist, die in
einer logischen Implikationsbeziehung stehen. Ein zentrierter kategorischer Beobachtungssatz
verlangt, wie die Prädikation, im Unterschied zum freien kategorischen Beobachtungssatz, dass die
beiden Merkmale – hier „Schnee“ und „Weiß“ – in ein und demselben Szenarium miteinander
verschmolzen sind.399 Verallgemeinert ergibt sich dann etwa „Sobald da Schnee ist, dann ist dieser
weiß“.400

So gesehen, scheint sich ein Satz durch unmittelbare Beobachtungen verifizieren zu lassen. Quine
spricht aber vielmehr von der Stützung einer Theorie durch Beobachtung, der Bewährung einer
Hypothese oder deren Prüfbarkeit.401 Einen Satz oder eine Satzmenge nennt er dann prüfbar, wenn
sie einige kategorische Beobachtungssätze implizieren, die synthetisch sind. Eine Theorie bzw. ein
von ihr implizierter kategorischer Beobachtungssatz lässt sich, so Quine, aber nicht endgültig
verifizieren. Ein kategorischer Beobachtungssatz lässt sich lediglich anhand eines Paars von
Beobachtungen – die eine davon affirmativ, die andere negativ – falsifizieren.402 In unserer
Beispielsituation mit dem unbekannten Mineral kann man sich das etwa wie folgt zurechtlegen: Im
Falle des unbekannten Minerals wäre die Hypothese falsifiziert, wenn folgende Beobachtung
gemacht werden kann: Das Litholit hat jetzt 180 °C, doch kein Schwefelwasserstoff entweicht.403
Lässt sich der kategorische Beobachtungssatz falsifizieren, dann, so Quine, „sind damit auch jegliche
Sätze falsifiziert, die ihn implizierten.“404 Aus Falschem oder aus Widersprüchen folgt Beliebiges, so
ein Grundsatz der klassischen Logik.405 Welche der theoretischen Sätze, die zusammen den
kategorischen Beobachtungssatz implizierten, dann daran schuld sind, dass die Voraussage falsch

398
Vgl. Quine 1995, S. 16.
399
Vgl. Quine 1995, S. 32.
400
Vgl. Quine 1995, S. 16.
401
Vgl. Quine 1995, S. 12f.
402
Vgl. Quine 1995, S. 16.
403
Vgl. Quine 1995, S. 16ff.
404
Quine 1995, S. 17.
405
Vgl. Zoglauer 2005, S. 148f.

86
war, und welchen man daher aufgeben müsste, lässt sich aber auf den ersten Blick meist nicht
feststellen, so Quine.406 Im Extremfall könnte man auch das Nichtzutreffen der Vorhersage durch
einen Beobachtungsfehler erklären oder aufgrund von unerklärten Störungen entschuldigen.407
Darüber hinaus ließen sich auch die logischen Gesetze des Systems verändern.408

Nun könnte man aber dennoch meinen, dass sich Hypothesen, wie die über das unbekannte Mineral,
durch paarweises Beobachten, wie: Das Litholit hat jetzt 180 °C, und Schwefelwasserstoff entweicht,
wenn schon nicht bestätigen, so doch wenigstens bewähren409 lassen. Ob ein Schluss von
Einzelfällen, in diesem Fall einzelnen Beobachtungen, auf ein allgemeines Gesetz überhaupt zulässig
ist, das fragte sich schon David Hume.410 So ziehen wir bei der Prüfung von Hypothesen laut Quine
aber logische oder probabilistische Schlüsse durch Anwendung der Techniken der
Wahrscheinlichkeitstheorie und der mathematischen Statistik. So mögen zwar einige unserer
Überzeugungen, „auf die wir zur Untermauerung von Hypothesen zurückgreifen“, den Charakter von
Beobachtungen haben, „doch selbst dann leisten sie nur im Verband mit anderen Überzeugungen,
die theoretischer Natur sind, überhaupt einen Beitrag zur Stützung dieser Hypothesen.“411 Reine
Beobachtung, so Quine, „liefert uns ausschließlich negative Belege, und zwar indem sie die
kategorischen Beobachtungssätze falsifiziert, die von den jeweiligen Theorien impliziert werden.“412

Auch wenn es dem Wissenschaftler daher nie gelingen kann, eine Theorie zu verifizieren, bleibt es
die Aufgabe des Wissenschaftlers, herauszufinden, wie es sich mit der Realität verhält. Über die
Wahrheit eines Satzes entscheidet letztendlich die wissenschaftliche Methode, so Quine.413 Mit
„wissenschaftliche Methode“ meint er dabei, sich durch Sinnesreize leiten zu lassen, wie wir das
bereits kennen gelernt haben. Wissenschaftliche Methode heißt aber auch Einfachheit – in einem
bestimmten Sinne zu schätzen und eine Schwäche fürs Hergebrachte zu haben, so Quine.414 Dies

406
Vgl. Quine 1985, S. 93.
407
Quine 1980, S. 46.
408
Quine 1979, S. 47.
409
Zum Begriff der Bewährung: R. Carnap „Wahrheit und Bewährung“, in Skirbekk 1992, S. 89-95.
410
Hume, 1967. Das Problem der Induktion: Humes Herausforderung und moderne Antworten, in Stegmüller
1991.
411
Quine 1995, S. 17f.
412
Quine 1995, S. 18.
413
Vgl. Quine 1980, S. 54.
414
Vgl. Quine 1980, S. 54.
87
kennen wir schon aus den fünf Tugenden: Konservatismus, Allgemeinheit, Einfachheit,
Falsifizierbarkeit und Bescheidung, die er bei der Formulierung einer Hypothese fordert.415

„Wie auch immer die wissenschaftliche Methode im einzelnen aussehen mag, sie bringt
jedenfalls Theorien hervor, deren Verbindung mit allen möglichen Oberflächenreizungen
einzig und allein in der wissenschaftlichen Methode selbst besteht, ohne dass es
irgendwelche unabhängigen Prüfinstanzen gibt, durch die sie gestützt wird. In diesem Sinne
ist sie der letzte Schiedsrichter der Wahrheit.“416

An der Idee, die Wahrheit durch die wissenschaftliche Methode zu definieren, nämlich als ideale
Theorie, der man sich als einem Grenzwert annähert, stimmt nach Quine aber eine ganze Menge
nicht. Erstens ist der Begriff des Grenzwertes nicht für Theorien, sondern für Zahlen definiert.417 „In
der Rede von einem Grenzwert, dem sich Theorien annähern“, steckt „ein fehlerhafter Gebrauch der
Analogie mit Zahlen“. Der „Begriff des Grenzwerts ist nämlich vom Begriff ‚näher als‘ abhängig, und
dieser ist zwar für Zahlen, nicht aber für Theorien definiert.“418 Zweitens sagt uns die Wissenschaft
selbst, dass unsere Informationen über die Welt auf Erregungen unserer Oberflächen beschränkt
ist,419 und so haben wir einfach „keinen Grund zur Annahme, dass die Oberflächenreizungen des
Menschen – selbst wenn man sie bis in die Ewigkeit hinein berücksichtigt – eine bestimmte
Systematisierung zulassen, die, wissenschaftlich gesehen, besser oder einfacher ist als alle möglichen
Alternativen“.420

Daher ist es laut Quine „vielmehr wahrscheinlicher […] dass zahllose alternative Theorien den
Anspruch auf den ersten Platz haben würden.“421 Er spricht daher auch von der Undefinierbarkeit der
Wahrheit mit Bezug auf die wissenschaftliche Methode.422 So sei zwar „[d]ie wissenschaftliche
Methode […] der Weg zur Wahrheit, aber sie gewährt noch nicht einmal im Prinzip eine eindeutige

415
Vgl. Quine 1995, S. 27.
416
Quine 1980, S. 54.
417
Vgl. Quine 1980, S. 54.
418
Quine 1980, S. 54.
419
Vgl. Quine 1985, S. 95.
420
Quine 1980, S. 55.
421
Quine 1980, S. 141.
422
Vgl. Quine 1980, S. 141.
88
Definition der Wahrheit. Ebenso ist jede sogenannte pragmatische Wahrheitsdefinition zum
Scheitern verurteilt.“423

Dieses Resultat der Auseinandersetzung Quines mit dem Verifikationismus erinnert an die Freg’sche
Untersuchung über die Undefinierbarkeit der Wahrheit, in der dieser auch darauf hinwies, dass man,
selbst wenn man sich einmal auf eine Definition der Wahrheit eingelassen hätte, sich dieser Frage
dann für den jeweiligen Einzelfall nicht entledigt hat. So käme es bei der Frage nach der Wahrheit zu
dem Punkt, an dem man über die Wahrheit eines Satzes bzw. einer Satzmenge entscheiden müsste.
Wie wir sehen konnten, gibt Quine die Hoffnung auf endgültige Verifikation und damit auch die
Hoffnung auf ein garantierendes Wahrheitskriterium auf. Man besitzt einfach kein endgültiges
Entscheidungsverfahren424 über die Wahrheit eines Satzes.

4.3 Resümee

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Frege, ausgehend von seiner Analyse der Sprache, eine
realistische Explikation der Wahrheitsbedingungen wählt. In diesem Zusammenhang spricht Quine
von ontologischen Voraussetzungen. Die vorausgesetzten Gegenstände spielen aber in seinem
System lediglich die Rolle von sprachstrukturierenden Elementen und nehmen so eine eher
untergeordnete Rolle für die Bestimmung der Wahrheit von Sätzen ein. Während für Frege die vom
Subjekt unabhängige Existenz der vorausgesetzten Gegenstände eine Bedingung der Wahrheit eines
Gedankens ist, zeigt Quine, wie Gegenstände vom Subjekt erst konstituiert werden, wenn sie die
ideellen Knoten in den Zentren einander überschneidender Beobachtungssätze bilden. Dies konnten
wir auch am Beispiel der Prädikation sehen.425 Daher spricht er auch von „ontologischer Relativität“.
Das A und O zur Bestimmung der Wahrheit eines Satzes sind für ihn die Beobachtungssätze, anhand
derer theoretische Aussagen falsifiziert werden können. Bei der Bestimmung der Wahrheit von
einzelnen theoretischen Sätzen, oder besser gesagt, bei der Bewährung von Hypothesen, spielen
dann neben den Beobachtungssätzen auch alle Hintergrundannahmen, andere theoretische Sätze
und Gesetze der Logik eine gewichtige Rolle. Unsere Überzeugungen lassen sich nämlich nur im
Verbund beurteilen. So weit der Quine’sche Holismus. Nach ihm „behalten und verwenden wir –

423
Quine 1980, S. 55.
424
Diese empirische Art der Unentscheidbarkeit sollte nicht mit der theoretischen Unentscheidbarkeit in
formalen Systemen verwechselt werden; zur theoretischen Unentscheidbarkeit vgl. Stegmüller 1973.
425
Vgl. Quine 1995, S. 6.

89
anders als Descartes – unsere augenblicklichen Überzeugungen, bis wir sie hier und da aufgrund
dessen, was wir vage ‚wissenschaftliche Methode‘ genannt haben, verbessern. Innerhalb unserer
unaufhörlichen in Entwicklung begriffenen Gesamttheorie urteilen wir über Wahrheit so ernsthaft
und absolut, wie es nur immer möglich ist.“426 Dabei bleibt aber immer noch ein Spielraum für
Korrekturen.427 Um dies zu illustrieren, greifen wir mit Quine auf eine Metapher Otto Neuraths
zurück, die er seinem Buch „Über Wort und Gegenstand“ vorangestellt hat: „Wie Schiffer sind wir,
die ihr Schiff auf offener See umbauen müssen, ohne es jemals in einem Dock zerlegen und aus
besten Bestandteilen neu errichten können.“428

Nach dieser Kritik hat laut Quine ein Satz eigentlich stets nur relativ zu seiner eigenen Theorie
Bedeutung, sofern er nicht ziemlich sicher und unmittelbar auf einen Sinnesreiz konditioniert ist.
Vielmehr können wir einen Satz nur dann sinnvoll als wahr bezeichnen, wenn wir uns mitten in eine
tatsächlich vorhandene Theorie zurückbegeben, die zumindest hypothetisch akzeptiert ist. „Immer
da ist es sinnvoll, „wahr“ auf einen Satz anzuwenden, wo dieser in Begriffen einer gegebenen Theorie
gefasst ist und von dieser Theorie (zusammen mit der von ihr gesetzten Realität) aus betrachtet
wird.“429 Ein solch relativistisches Wahrheitsbild430 war für Frege unannehmbar, was man auch in
seiner Auseinandersetzung mit dem Psychologismus sieht, die sich wie ein roter Faden durch seine
Philosophie zieht. Für ihn ist ein Gedanke zeitlos und unabhängig davon wahr, ob irgend jemand ihn
für wahr hält. „Er ist wahr nicht erst, seitdem er entdeckt worden ist, wie ein Planet, schon bevor
jemand ihn gesehen hat, mit andern Planeten in Wechselwirkung gewesen ist.“431

Es scheint so, als ob sich Frege und Quine in gewisser Weise antithetisch gegenüber stehen. Die
jeweiligen Positionen könnte man grob als Realismus und Antirealismus charakterisieren.432 Die
Debatte der Realismusfrage ist, ähnlich wie die Frage nach der Wahrheit, schon so alt wie die
Philosophie selbst und es scheint so, als ob sie in der Geschichte der Philosophie in den

426
Quine 1980, S. 57.
427
Vgl. Quine 1980, S. 57.
428
Quine 1980, S. 5.
429
Vgl. Quine 1980, S. 57.
430
Vgl. Quine 1980, S. 51ff.
431
„Der Gedanke“, in Frege 2003, S. 50f.
432
Zum Gegensatz von Realismus und Antirealismus, vgl.: Dummett 1978.

90
verschiedensten Formen zu Tage tritt.433 Die Debatte der Frage scheint mittlerweilen ähnlich
überkomplex zu sein wie die Frage nach der Wahrheit. Man könnte sie bis zu Parmenides434 und
Protagoras zurückverfolgen. Während Parmenides hinter der trügerischen Erscheinungswelt das
eine, unentstandene und unvergängliche, bewegungslose und unveränderliche Sein vermutete, zeigt
sich die antirealistische Position des Protagoras in dem Satz: Der Mensch ist das Maß aller Dinge, der
Seienden, dass sie sind, und der Nichtseienden, dass sie nicht sind, auch bekannt als Homo-Mensura-
Satz.435 Die Welt, so könnte man Protagoras interpretieren, ist wie sie erscheint, oder, um es mit den
berühmten Worten von Bischof Berkeley zu sagen: Sein ist Wahrgenommenwerden.436

Ob man diesen Streit, wie Frege mit dem Hinweis auf die performative Inkonsistenz der
antirealistischen Position, einer falsifikationistisch-holistischen Kritik des Realismus a la Quine oder
mit jeweils anderen Argumenten, entscheiden kann, soll hier nicht weiter verfolgt werden. In Platons
Dialog Sophistes entwickeln und diskutieren Theaitetos und ein Fremder aus Elea diesen Gegensatz
und kommen dabei vorerst zu dem Ergebnis, dass es zwischen den beiden Positionen wohl nie zu
437
einer Entscheidung kommen wird. Der Fremde resümiert: „Zwischen diesen beiden aber, o
Theaitetos, ist hierüber ein unermeßliches Schlachtgetümmel immerwährend.“438 Wie wir nicht nur
in der Gegenüberstellung von Frege und Quine oder etwa in der Diskussion des
Universalienproblems439 sehen können, scheint diese Prognose gar nicht so falsch zu sein.

Davon abgesehen ist es vielleicht aber auch gleichgültig für die Wissenschaft, ob dieser Streit jemals
entschieden werden sollte. Nach einem Beispiel von Carnap sollten zwei Geographen, ein Realist und
ein Idealist, bei jeder Frage nach der Beschaffenheit eines Berges zu den gleichen Ergebnissen
kommen, egal welchen philosophischen Standpunkt sie vertreten. Ein Streit tritt erst dann auf, wenn
die übereinstimmend gefundenen, empirischen Ergebnisse philosophisch interpretiert werden. Der
Realist würde neben den festgestellten Eigenschaften vielleicht behaupten wollen, dass darüber
hinaus der Berg auch real existiert oder dass dem gefundenen Berg etwas Reales zugrunde liegt. Der

433
Vgl. Historisches Wörterbuch der Philosophie, 2007, Bd. 8, S. 149ff.
434
Zum Seinsbegriff bei Parmenides, vgl.: Historisches Wörterbuch der Philosophie, 2007, Bd. 9, S. 171ff.
435
Vgl. Historisches Wörterbuch der Philosophie, 2007, Bd. 3, S. 1176ff.
436
Berkeley, 1962, Teil I, § 4, S.66.
437
Vgl. Platon, Sophistes, 245a-246c.
438
Platon, Sophistes, 246a.
439
Vgl. die Diskussion des Univeralienproblems, in: Stegmüller 1978.

91
Antirealist wird dagegen darauf verweisen, dass nur die Wahrnehmungen des sogenannten Berges
real sind. Beide Thesen aber sind empirisch nicht nachprüfbar und daher laut Carnap nicht sachhaltig.
Infolge dessen könnte man die Frage nach dem Realismus auch als Scheinproblem abtun, mit dem
Hinweis darauf, dass sich weder die These von der Realität der Außenwelt, noch die These von der
Nichtrealität der Außenwelt empirisch entscheiden lassen und sie daher sinnlos sind.440 Nach Quine
lassen sich aber überhaupt keine Hypothesen empirisch endgültig entscheiden und eine Bewährung
ist nur im Verbunde mit anderen theoretischen Annahmen möglich. Prinzipiell hält Quine aber an der
Idee fest, dass einzelne Hypothesen durch die wissenschaftliche Methode bewährt werden müssen
und dazu gehört auch die empirische Prüfung der Hypothesen durch die von ihnen implizierten
Beobachtungssätze. Wahrheit ist eben eine Sache und gerechtfertigtes Fürwahrhalten eine andere.
Ob eine Hypothese wahr, falsch oder etwa empirisch adäquat ist, kann nun mal nur aufgrund von
Kriterien beurteilt werden, die dem Subjekt in der ein oder anderen Form zugänglich sind. Diese
Kritik sollte der Realist beherzigen, selbst wenn er auf einer realistischen Sicht der Dinge beharrt.

Vielleicht sollten wir uns aber auch nicht so sehr auf diesen Gegensatz konzentrieren und es damit
versuchen, die Perspektive zu ändern. Nach einer Idee von Maturana und Varela441 kann man ein
System einerseits in dem Bereich analysieren, in dem seine Bestandteile operieren, also im Bereich
seiner inneren Zustände und seiner Strukturveränderungen. „Für dieses Operieren – für die interne
Dynamik des Systems – existiert die Umgebung nicht, sie ist irrelevant.“442 Man kann eine Einheit
jedoch auch aus dem Blickwinkel betrachten, wie es mit seiner Umwelt interagiert und die
Geschichte ihrer Interaktion mit diesem Milieu beschreiben. „Für diese Perspektive, in der der
Beobachter Beziehungen zwischen bestimmten Eigenschaften des Milieus und dem Verhalten der
Einheit feststellen kann, ist die innere Dynamik der Einheit irrelevant.“443Auf diese Weise scheint
zwar der Streit nicht entschieden werden zu können, aber auf die ein oder andere Weise kann man
so vielleicht sowohl dem Antirealismus als auch dem Realismus Rechnung tragen.

440
Vgl. Carnap, 1928, S. 60ff.
441
Vgl. Maturana, Varela 1990, S. 145ff.
442
Maturana, Varela 1990, S. 148.
443
Maturana, Varela 1990, S. 148.

92
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98
6. Abbildungsverzeichnis:

Abbildung 1: Sinn und Bedeutung nach Frege, in: Frege, 1980, S. 35.

99
Lebenslauf

Angaben zur Person

Familienname Hell
Vorname Franz Lukas
Adresse Dachauer Straße 125, 80335 München, Deutschland
Telefon 0176 - 22 60 65 15
E-mail Adresse franzhell@hotmail.com
Staatsangehörigkeit deutsch
Geburtsdatum 07.12.1983
Geburtsort Prien am Chiemsee
Geschlecht männlich
Familienstand ledig

Schulbildung
Datum 1990 bis 1994
Name und Art der Bildungseinrichtung Grundschule Marquartstein
Datum 1994 bis 2004
Name und Art der Bildungseinrichtung Staatliches Landschulheim Marquartstein
Hauptfächer im Abitur Englisch, Wirtschaft & Recht, Chemie, Ethik
Bezeichnung der erworbenen Qualifikation Allgemeine Hochschulreife

Zivildienst
Datum 2004 bis 2005
Ort Heilpädagogisches Heim, Marquartstein

Studium
Datum 2005 bis 2010
Ort Ludwig-Maximilians-Universität München
Art des Studiums, Fächer Magister Artium; Hauptfach: Philosophie;
Nebenfächer: Psychologie, VWL

Datum Februar – Juli 2009


Ort Universität Wien

Berufliche Erfahrungen
Praktika (Dauer) LoeschHundLiepold - PR Agentur (3 Monate)

Sprachliche Kenntnisse
Sprache, Kenntnisstand Deutsch, Muttersprache
Englisch, sehr gut
Französisch, befriedigend
Latein

100
Eidesstattliche Erklärung

Hiermit erkläre ich, Franz Lukas Hell, geboren am 07.12.1983, in Prien am Chiemsee, dass die
vorgelegte Magisterarbeit mit dem Titel „Unterwegs zur Wahrheit mit Frege und Quine“ durch mich
selbstständig verfasst wurde. Ich habe keine anderen als die angegebenen Quellen sowie Hilfsmittel
benutzt und die Magisterarbeit nicht bereits in derselben oder einer ähnlichen Fassung an einer
anderen Fakultät oder einem anderen Fachbereich zur Erlangung eines akademischen Grades
eingereicht.

Ort, Datum Unterschrift

101