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THEATERSTÜCKE

Aussprache-5 Punkte
Grammatik-5 Punkte
Skripts Kenntnis-5 Punkte
Stimmlage-5 Punkte
ROTKÄPPCHEN
1. Szene

Personen: Rotkäppchen, Mutter als Stimme aus dem Off


(Off= hinter der Bühne, die Person ist also unsichtbar)
Hintergrund: Wald
Rotkäppchen ist auf der Bühne zu sehen. Ihre Mutter ruft:

Mutter (aus dem Off):


Komm, Rotkäppchen, da hast du ein Stück Kuchen und eine Flasche Wein, ring
das der Großmutter hinaus; sie ist krank und schwach und wird sich daran laben.
Mach dich auf, bevor es heiß wird, und wenn du hinauskommst, lauf nicht vom
Wege ab, sonst fällst du und zerbrichst das Glas.

Rotkäppchen:
Ich will schon alles richtig machen.

2. Szene
Personen: Rotkäppchen, Wolf
Hintergrund: Wald
Rotkäppchen:
Pass auf, sieh dich vor ... (sie seufzt) als ob ich das nicht schon hundert Mal gehört
hätte. Aber einen Wolf oder eine andere Gefahr habe ich in diesem Wald noch nie
gesehen!

Der Wolf erscheint hinter ihr auf der Bühne.

Wolf:
Guten Tag, Rotkäppchen.
Rotkäppchen:
Guten Tag, Wolf.
Wolf:
Wo hinaus so früh, Rotkäppchen?
Rotkäppchen:
Zur Großmutter.
Wolf:
Was trägst du da unter der Schürze?
Rotkäppchen:
Kuchen und Wein. Gestern haben wir gebacken, da soll sich die kranke und
schwache Großmutter etwas gutes tun und sich stärken.
Wolf:
Rotkäppchen, wo wohnt denn deine Großmutter?
Rotkäppchen:
Noch eine gute Viertelstunde weiter im Wald, unter den drei großen Eichbäumen,
da steht ihr Haus, unten sind die Nusshecken, das wirst du ja wissen.
Wolf:
Rotkäppchen, sieh' einmal die schönen Blumen ringsumher. Willst du der
Großmutter nicht ein paar Blumen mitbringen? Sicher freut die Großmutter sich
über einen Strauß!
Rotkäppchen:
Oh, das ist eine gute Idee!
Wolf:
Ja, nicht wahr? Dann pflück' doch rasch ein paar Blumen.
Rotkäppchen:
Das tue ich. Vielen Dank. Auf Wiedersehen.

Rotkäppchen ab.

Wolf (singt, auf "Ein Männlein steht im Walde"):


Die Großmutter zu fressen, das ist nicht schwer.
Und Rotkäppchen als Nachtisch dann hinterher.
Heute muss mein Glückstag sein,
Rotkäppchen war ganz allein.
Frau Großmutter, ich komme, ach, lass mich hinein!

Wolf ab.

3. Szene
Personen: Wolf, Großmutter
Hintergrund: Vor/in Großmutters Haus
Der Wolf klopft an die Tür.

Großmutter:
Wer ist da draußen?
Wolf (mit verstellter Stimme):
Ich bin's. Rotkäppchen. Ich bringe dir Kuchen und Wein. Mach auf.
Großmutter:
Die Tür ist nicht abgeschlossen. Ich bin so schwach, dass ich im Bett liege und
nicht aufstehen kann.
Wolf (mit verstellter Stimme):
Dann komme ich jetzt rein.

Der Wolf verschwindet im Haus der Großmutter.

Großmutter:
Hilfe! Was willst du von mir?

Der Wolf geht dicht an ihr Bett heran und schiebt sie aus dem Bett. Beide
verschwinden bei den folgenden Worten des Wolfes von der Bühne.

Wolf (aus dem Off):


Na, was schon. Erst werde ich dich fressen und danach werde ich deine Kleider
anziehen und mich in dein Bett legen. Wenn dann das Rotkäppchen kommt, werde
ich auch dieses fressen! Und jetzt komm schon.

Man hört die Großmutter noch einmal schreien.

4. Szene
Personen: Rotkäppchen, Wolf als Großmutter
Hintergrund: In Großmutters Haus
Rotkäppchen:
Wie seltsam. Die Tür zu Großmutters Haus stand offen. Ich habe beim
Blumenpflücken ein wenig die Zeit vergessen. Großmutter? Ich bin's,
Rotkäppchen. Wo bist du? Hier ist heute alles so seltsam. Großmutter, liegst du im
Bett? Bist du krank?
Wolf (mit verstellter Stimme):
Aber nein, Kindchen.
Rotkäppchen:
Doch, du musst krank sein! Deine Stimme klingt ganz heiser und fremd. (Sie geht
näher an das Bett heran.) Bist du sicher, dass es dir gut geht?
Wolf (mit verstellter Stimme):
Aber ja, Kindchen!
Rotkäppchen (erschrocken):
Aber Großmutter! Deine Ohren! Was hast du für große Ohren?
Wolf (mit verstellter Stimme):
Dass ich dich besser hören kann, Kindchen.
Rotkäppchen (erschrocken):
Oh, Großmutter! Was hast du für große Augen?
Wolf (mit verstellter Stimme):
Dass ich dich besser sehen kann, Kindchen.
Rotkäppchen (erschrocken):
Oh, Großmutter! Was hast du für große Hände?
Wolf (mit verstellter Stimme):
Dass ich dich besser packen kann, Kindchen.
Rotkäppchen (immer noch erschrocken):
Und dein Mund, Großmutter! Was hast du für ein entsetzlich großes Maul?
Wolf (mit normaler Stimme):
Damit ich dich besser FRESSEN kann!

Rotkäppchen und der Wolf in wilder Hatz über die Bühne. Rotkäppchen ruft laut
um Hilfe. Der Wolf knurrt ihr zu, dass sie stehen bleiben soll, damit er sie auch
fressen kann. Schließlich macht der Wolf einen großen Satz und frisst
Rotkäppchen.

Wolf:
Ahhh, die Kleine war doch deutlich bekömmlicher als die Großmutter. (Er lacht
hässlich und geht wieder zu dem Bett.) So, nun kann ich mich gemütlich hinlegen
und einen Verdauungsschlaf machen. (Er "legt" sich hin, bald hört man ihn
schnarchen.)

5. Szene
Personen: Jäger, Wolf, Rotkäppchen, Großmutter
Hintergrund: In Großmutters Haus
Der Wolf schnarcht. Es klopft an der Tür. Dann kommt nach einigem Warten der
Jäger herein.

Jäger:
Hallo? Frau Großmutter? Hallo? Rotkäppchen? (Pause) Hmm, ich hab' das
Rotkäppchen doch vorhin zur Großmutter gehen sehen. Wo sind die beiden bloß?
Draußen sind sie nicht! Aber ... was ist denn das für ein Geräusch?

Er geht zum Bett.

Jäger:
Oh, mein Gott! Das ist der Wolf! Er liegt im Bett von der Frau Großmutter. Und wie
dick er ist! Und da ... da hängt ja ein Stück von Rotkäppchens Kappe zwischen
seinen schrecklichen Zähnen! Sicher hat er die beiden aufgefressen. Oh je, was tu
ich jetzt nur?

Er läuft aufgeregt im Zimmer herum.

Jäger:
Ich muss aufhören, so herumzurennen. Sonst wecke ich den Wolf noch. Also, es
muss wohl sein. Ich muss dem Biest den Bauch aufschlitzen und hoffen, dass er
die beiden im Ganzen verschluckt hat! Uuaah, aber gern tue ich das nicht.

Er beugt sich über den Wolf. Ein Schneidegeräusch ist zu hören. Großmutter und
Rotkäppchen springen aus dem Schatten des Jägers hervor.

Rotkäppchen:
Großmutter! Geht es dir gut?
Großmutter:
Aber ja, mein Kind. Ich bin nur etwas erschrocken.
Jäger:
Was für ein Glück, dass Sie beide gesund und munter seid!
Rotkäppchen:
Danke, dass Sie uns aus dem Bauch des Wolfs befreit haben.
Großmutter:
Ja, vielen Dank, Herr Jäger,
Jäger:
Aber was machen wir nun mit dem Wolf?
Großmutter (lachend):
Ich weiß schon was. Ihr holt große Steine. Die legen wir dem Wolf in den Bauch.
Ich nähe das Ganze zu. Und dann werden wir ja sehen, wer zuletzt lacht.

Rotkäppchen und der Jäger holen nacheinander einige Steine. Die Großmutter
beugt sich über den Wolf.

Großmutter:
So, das war der letzte Stich! Ich möchte wahrlich nicht in seiner Haut stecken.
Jäger:
Und was jetzt?
Rotkäppchen:
Jetzt hake ich die Großmutter unter und gehe mit ihr zur Mutter nach Hause. Hier
kann sie nicht bleiben und ich möchte nicht dabei sein, wenn der Wolf aufwacht!
Jäger:
Das ist eine gute Idee. Auf Wiedersehen, Rotkäppchen. Auf Wiedersehen, Frau
Großmutter!
Großmutter:
Aber geh' schön langsam! Ich bin doch recht schwach.
Rotkäppchen:
Natürlich, Großmutter. Komm!

Jäger, Großmutter und Rotkäppchen ab. (Erstes mögliches ENDE)

6. Szene
Personen: Wolf, Jäger
Hintergrund: In/vor Großmutters Haus
Nach einiger Zeit erwacht der Wolf.

Wolf:
Ihhrk! Jetzt hab' ich schon so lange geschlafen und mein Wanst ist immer noch so
voll. Irgendwie ist mir gar nicht gut. Vielleicht wird es ja an der frischen Luft besser.
Uuuhhh, was rumpelt denn da so in meinem Bauch? Aua! Oh, das fühlt sich ja
ganz komisch an. Aaah! Ich glaub' ich muss dringend mal nach draußen ...

Der Wolf verlässt langsam das Haus.

Wolf:
Aua, aua, aua. Was sind die beiden doch zäh und schwer verdaulich! Mir geht's
immer noch so schlecht. Ich glaub', ich trinke mal einen Schluck Wasser. Dann
geht es bestimmt bald besser.

Der Wolf will noch einmal ein paar Schritte gehen.

Wolf:
Oh, ich kann nicht laufen. Ich kann mich nicht auf den Beinen halten. Mein voller
Bauch zieht mich irgendwie zu Boden ... ich ... ahh ... oh ... da hat wohl mein
letztes Stündlein geschlagen. Aaahhh ...
Der Wolf fällt hin und bleibt liegen.

Jäger (erscheint):
Das geschieht dir recht! Nun haben wir in diesem Wald wieder Frieden. Dann kann
ich ja jetzt auch zu Rotkäppchens Mutter gehen, um ein Stück von ihrem leckeren
Kuchen zu essen.

Jäger ab. (Zweites mögliches Ende)

HÄNSEL UND GRETEL

1. Szene
Personen: Hänsel, Gretel
Hintergrund: die Bühne ist leer
Hänsel steht schon auf der Bühne. Gretel kommt hinzu.

Gretel:
Hänsel. Was tust du hier mitten in der Nacht? Ich kann vor lauter Hunger nicht
schlafen
Hänsel:
Ach, Gretel, von Hunger bekommt man schöne Augen, weißt du das nicht? Aber
ich habe auch Hunger und kann nicht schlafen.
Gretel:
Bist du schon lange hier?
Hänsel:
Lange genug. Die Eltern haben große Sorgen, Gretel. Ich habe gehört, wie sie
darüber gesprochen haben. Morgen werden sie mit uns in den Wald gehen.
Gretel:
In den Wald? Was sollen wir da?
Hänsel:
Der Vater will Holz schlagen. Aber die Stiefmutter will uns tief in den Wald führen
und uns dann dort lassen, weil sie uns nicht mehr ernähren kann.
Gretel:
Hänsel! Das kann nicht wahr sein Was sagt der Vater?
Hänsel:
Er hat gar nichts gesagt. Er weinte nur.
Gretel:
Oh, Hänsel, was soll aus uns nur werden, dort draußen im Wald?
Hänsel:
Mach dir keine Sorgen, Gretel. Ich habe Kieselsteine gesammelt. Die streue ich
auf den Weg. Und dann finden wir ganz leicht nach Hause.
Gretel:
Meinst du?
Hänsel:
Aber natürlich. Und nun geh' schlafen. Morgen haben wir einen anstrengenden Tag
vor uns.

2. Szene
Personen: Hänsel, Gretel
Hintergrund: Wald
Gretel:
Seit Stunden sitzen wir hier nun schon.
Hänsel:
Ich weiß. Ich habe schon wieder Hunger.
Gretel:
Du kannst immer nur ans Essen denken! Ich glaube nicht, dass die Eltern uns hier
lassen. Ich höre den armen Vater immer noch Holz schlagen.
Hänsel:
Ja, ich kann ihn auch hören. Aber wo ist die Stiefmutter?
Gretel:
Ich weiß es nicht. (Pause) Du, Hänsel, sollen wir den Vater fragen, wann wir
heimgehen können?
Hänsel:
Die Eltern haben uns doch gesagt, dass wir hier sitzen bleiben sollen.
Gretel:
Ich weiß, aber es wird langsam dunkel und ich fürchte mich.
Hänsel:
Na gut, lass uns den Vater suchen.

Sie bewegen sich auf der Bühne.

Hänsel:
Gretel, Sieh! Es ist nicht Vater, den wir hörten. Sondern dieser dicke Ast, den der
Vater an einen Baum gebunden hat und der sich im Wind bewegt.
Gretel:
Sie wollen uns also wirklich im Wald lassen. (Sie beginnt zu weinen.)
Hänsel:
Beruhige dich. Ich habe die Kieselsteine ausgestreut. Komm, wir gehen nach
Hause.

3. Szene
Personen: Hänsel, Gretel, Mutter und Vater
Hintergrund: leere Bühne
Der Vater ist auf der Bühne. Die Kinder kommen heran. Die Mutter tritt dazu.

Vater:
Sieh nur. Da kommen die Kinder.
Gretel:
Vater!
Hänsel:
Da sind wir wieder.
Mutter (kommt aus dem Haus):
Wie habt ihr den Weg gefunden? So tief waren wir noch nie mit euch im Wald.
Gretel:
Hänsel hatte Kieselsteine in seiner Tasche. Die hat er ausgestreut und so fanden
wir den Weg zurück.
Hänsel:
Mutter, du siehst nicht sehr glücklich aus. Freust du dich nicht, dass wir wieder da
sind?
Gretel:
Vater, ihr wolltet uns doch nicht wirklich im Wald verhungern lassen.
Vater:
Wir haben nichts zu beißen, Kinder. Und da meinte die Mutter ...
Mutter:
Ja, schieb' du nur die Schuld auf mich. Meine Bälger sind's ja nicht. (Sie geht
wieder ins Haus.)
Vater:
Ach, Kinder, was soll nur werden? Aber nun geht erst einmal hinein. Wir wollen
sehen, ob wir noch ein Stück Brot haben.

Alle ab. Man hört die Mutter im Off (Off = unsichtbar hinter der Bühne) sprechen.

Mutter:
Wir müssen sie loswerden. Wir haben nichts zu beißen. Morgen bringen wir sie
noch einmal in den Wald.
Vater:
Muss das wirklich sein?
Mutter:
Ja, sonst verhungern wir alle vier. Und pass auf, dass Hänsel morgen nicht wieder
Kieselsteine in den Taschen hat.
Vater:
Ich weiß nicht ...
Mutter:
Aber ich. Und so wird's gemacht. Basta!

4. Szene
Personen: Hänsel, Gretel
Hintergrund: Wald, ein Vogel auf einem Stein
Gretel:
Nun sitzen wir schon wieder in diesem Wald.
Hänsel:
Ja, und wir werden jetzt auch gleich wieder nach Hause gehen.
Gretel:
Hast du wieder Kieselsteine ausgestreut?
Hänsel:
Nein, das ging nicht. Der Vater hat in meinen Taschen nachgesehen. Aber das
Stück Brot, das wir zum Frühstück bekommen haben, dass habe ich zerkrümelt
und ausgestreut.
Gretel:
Oh, Hänsel, du bist großartig.
Hänsel:
Dann komm. (Pause) Aber, wo sind die Krümel nur? (Er sieht sich um.) Ich kann
gar nichts entdecken.
Gretel:
Ich kann auch nichts finden.
Hänsel:
Aber ich weiß ganz genau, dass ich ...
Gretel (unterbricht ihn):
Hänsel! Die Vögel werden die Krumen aufgepickt haben.

Sie zeigt auf den Vogel auf dem Stein.

Hänsel:
Oh, nein. Dann finden wir nie mehr nach Hause!
Gretel:
Was sollen wir tun?
Hänsel:
Wir gehen weiter und sehen, ob wir irgendjemanden finden, der uns helfen kann.

5. Szene
Personen: Hänsel, Gretel, Hexe
Hintergrund: Wald und Hexenhaus
Gretel:
Sieh nur Hänsel. Was ist das?
Hänsel (geht dichter heran):
Ein Haus aus ... Pfefferkuchen.
Gretel:
Wirklich? Und was ist das dort?
Hänsel:
Das ist eine Fensterscheibe aus Zucker.
Gretel:
Ich habe solchen Hunger!
Hänsel:
Ich auch. Pass auf, ich breche ein Stück von der Fensterbank ab. Hier, probier'
auch mal.
Gretel:
Hmmm, lecker!
Hexe (aus dem Off):
Knusper, knusper, knäuschen, wer knuspert an meinem Häuschen?
Gretel:
Hänsel! Was war das?
Hänsel:
Still. (Dann, nach einer Pause:) Der Wind, der Wind, das himmlische Kind ...

Beide warten, essen dann aber weiter. Die Hexe kommt aus dem Haus.
Hexe:
So, so. Das himmlische Kind. Was wollt ihr zwei denn hier?
Gretel:
Oh bitte, tu uns nichts. Unsere Eltern sind so arm, dass sie uns nicht mehr
ernähren konnten. Sie brachten uns in den Wald. Wir gingen fort und fanden dein
Häuschen. Wir sind so hungrig.
Hexe:
Das sehe ich. Und damit ihr mein Haus stehen lasst, kommt mit hinein und esst
euch einmal richtig satt.
Hänsel:
Wirklich? Du lädst uns ein?
Hexe:
Aber ja doch. Kommt schon, kommt schon.

Alle verschwinden im Hexenhaus.

6. Szene
Personen: Hänsel, Grete, Hexe
Hintergrund: Bäume, Hexenhaus, Ofen
Hexe:
So ihr Lieben. Dann kommt mal hierher.

Hänsel und Gretel kommen näher. Die Hexe packt Hänsel und stößt ihn in ins
Haus. Gretel schreit. Die Hexe und Hänsel verschwinden.

Hexe (aus dem Off):


Jetzt hab' ich euch. Ihr werdet einen guten Braten abgeben. Aber erst der Junge.
Das Mädchen kann mir noch im Haus zur Hand gehen.
Gretel (draußen, sichtbar):
Lass ihn frei.
Hexe (aus dem Off):
Ach, halt den Mund, du dumme Gans. Der wird jetzt gemästet, damit er nachher
schön fett ist, wenn ich ihn brate. Und du, kannst gleich anfangen, die Küche zu
schrubben.

7. Szene
Personen: Hänsel, Grete, Hexe
Hintergrund: Bäume, Hexenhaus, Ofen
Die Hexe kommt mit Hänsel und Gretel aus dem Hexenhaus.

Hexe:
So, Jungchen. Du bist zwar immer noch recht knochig, aber egal. Ich will jetzt
endlich meinen Braten. Du da, Mädchen, los, schür' das Feuer, damit wir bald
anfangen können.
Gretel:
Jawohl.
Gretel geht zum Ofen.

Hexe:
Und sieh' auch noch mal nach, ob das Bratrohr sauber ist.

Gretel macht sich am Ofen zu schaffen. Man hörte das Feuer knistern.

Gretel:
Das mit dem Bratenrohr kann ich nicht. Wie soll ich das anstellen?
Hexe (wütend):
Du bist wirklich zu dumm. Du musst nur rasch hinein steigen und es fegen. Aber
mach schnell, es wird schon heiß.
Gretel:
Das traue ich mich aber nicht.
Hexe:
Dann mache ich es eben selber, du dumme Gans. Ich will nicht, dass meine Braten
nachher staubig schmeckt.

Die Hexe klettert in den Ofen. Gretel schlägt die Ofentür zu und verriegelt sie. Man
hört die Hexe kurz aufheulen.

Hänsel:
Gut gemacht, Gretel. Jetzt muss das Hexenweib schmoren.
Gretel:
Komm, Hänsel, schnell fort von hier.
Hänsel:
Bevor wir gehen, holen wir aber die Edelsteine aus der großen Truhe. Mit denen
brauchen wir uns nie mehr um das liebe Brot zu sorgen.
Gretel:
Das machen wir und dann kehren wir nach Hause zurück!

8. Szene
Personen: Hänsel, Gretel, Vater
Hintergrund: leere Bühne
Der Vater ist schon auf der Bühne, als die Kinder heran kommen.

Gretel (ruft):
Vater! Vater! Wir sind wir da.
Vater:
Aber, was höre ich? Sind das die Kinder? Ja, tatsächlich. Meine liebe Gretel. Mein
lieber Hänsel. Ihr seid wieder da. Was bin ich froh, dass ihr noch am Leben seid.
Hänsel:
Es geht uns gut. Ein weißer Schwan hat uns über das große Wasser getragen und
uns den Weg nach Hause gezeigt.
Vater:
Wie ist es euch ergangen, nachdem ... nachdem ... wir euch ... im Wald zurück
gelassen haben? Es tut mir so leid, dass ich das getan habe. Könnt ihr mir
verzeihen?
Gretel:
Wir waren bei einer Hexe gefangen. Ich musste putzen und Hänsel sollte gebraten
werden.

Vater:
Wie furchtbar.
Hänsel:
Aber Gretel hat die alte Hexe in ihren eigenen Ofen hineingestoßen. Da muss sie
nun schmoren. Wir sind davon gelaufen.
Vater:
Das ich euch wieder hab', meine Kinder.
Gretel:
Wo ist die Stiefmutter?
Vater:
Die ist gestorben. Und ich war ganz allein.
Hänsel:
Das ist nun vorbei, Vater. Schau, wir haben die Taschen voll mit Edelsteinen. Die
gehörten der alten Hexe. Nun hat das Darben und Hungern ein Ende.
Vater:
Und wir sind wir zusammen.
Gretel:
Ja, das ist das Beste.

VON DEM FISCHER UND SEINE FRAU

1. Szene
Personen: Fischer, Fisch
Hintergrund: See, Weg, Hütte
Der Fischer steht an der See und angelt.

Fischer:
Wie schön klar das Wasser heute ist. Hoffentlich fange ich endlich einmal einen
großen Fisch, von dem wir richtig satt werden.

Die Angel bewegt sich.

Fischer:
Oh, oh, ich glaube, ich habe was an der Angel. Jetzt schön vorsichtig ...

Der Butt erscheint, als der Fischer an seiner Angel zieht.

Fischer:
Es ist ein riesiger Butt! So einen großen Fisch habe ich noch nie gefangen!
Butt:
Hör mal, Fischer, lass mich am Leben! Was würde es dir helfen, wenn du mich
tötest? Und schmecken würde ich bestimmt auch nicht! Lass mich einfach wieder
frei.
Fischer:
Schon gut. Du brauchst mich gar nicht mit so vielen Worten zu überzeugen. Einen
Butt der sprechen kann, hätte ich sowieso wieder frei gelassen.

Er löst die Angelschnur vom Fisch und geht. Der Butt schaut ihm eine Weile nach
und taucht dann unter.

2. Szene
Personen: Fischer, Frau
Hintergrund: Wie zuvor
Frau steht vor der Hütte.

Frau:
Meine Güte, Mann! Hast du heute etwa gar nichts gefangen?
Fischer:
Nein, das heißt, ich hatte einen Butt gefangen. Er war riesig! Er konnte sprechen
und da habe ich ihn wieder schwimmen lassen.
Frau:
Du hast ... was? Ihn einfach wieder ins Wasser geworfen? Und du hast dir nichts
gewünscht?
Fischer:
Was sollte ich mir schon wünschen?
Frau:
Ja, schau dich doch mal um! Wir wohnen in einer Hütte! Du hättest dir ein kleines
Haus für uns wünschen können! Das holst du jetzt sofort nach! Los. Geh zu dem
Butt und wünsch dir ein Haus!
Fischer:
Muss das sein?
Frau:
Du hattest ihn gefangen und hast ihn wieder frei gelassen. Er schuldet uns etwas!
Fischer:
Na, wenn du meinst...

Er macht sich auf den Weg und kommt an der See an.

Fischer:
Ich soll mir wünschen. Was für ein Einfall. Aber wie sieht das Wasser aus? Das ist
ja ganz grün und gelb? Ach, egal. Nun schnell die Wünscherei hinter mich
gebracht.
Manntje, Manntje, Timpe Te,
Buttje, Buttje in der See.
Myne Fru de Ilsebill
will nicht so, as ik wol will.
Der Butt taucht auf.

Butt:
Na, was will denn deine Frau?
Fischer:
Ach, sie will nicht mehr in der Hütte wohnen. Und weil ich dich wieder frei gelassen
habe, meint sie, dass ich mir etwas wünschen darf und du musst den Wunsch
erfüllen. Sie möchte gern in einem kleinen Haus wohnen und nicht mehr in der
Hütte.
Butt:
Geh nur heim, sie wohnt schon in einem Haus.

Der Fischer geht. Der Butt schaut ihm eine Weile nach und taucht dann unter.

3. Szene
Personen: Fischer, Frau
Hintergrund: Wie zuvor, aber aus der Hütte ist ein Haus geworden.
Die Frau steht vor dem Haus.

Frau:
Schau nur, wir haben ein Haus. Nun ist es doch noch viel besser. Wir haben
mehrere Zimmer, Geschirr, Besteck und Leinenzeug, einen großen Garten, Kühe,
Schafe und Hühner, einen eigenen Brunnen ...
Fischer:
Nun ist es aber wie das Paradies auf Erden, nicht wahr, Ilsebill? Wir wollen uns
daran freuen und zufrieden sein.
Frau:
Ach, weißt du, Mann, wenn der Butt ein solches Haus bauen kann, dann kann er
doch sicher auch ein Schloss bauen. Ich möchte sofort ein Schloss haben. Ich
kann dieses kleine Haus aus Stein nicht mehr aushalten!
Fischer:
Aber gerade hast du noch gesagt ...
Frau (unterbricht ihn):
Ach, was weißt du schon. Los, geh' und sag' deinem Butt, dass ich mir ein Schloss
wünsche. Geh' sofort.
Fischer:
Aber, Ilsebill ...
Frau:
Ich will nichts mehr hören! Fort mit dir!

Der Fischer seufzt und geht. An der See:

Fischer:
Das Haus war doch wirklich traumhaft! Was hat sie nur? Und ich stehe vor dem
Butt ziemlich dumm da! Er muss denken, dass ich sehr undankbar bin. Und die
See sieht so unheimlich und schwarz aus. Aber, nun Mut gefasst:
Manntje, Manntje, Timpe Te,
Buttje, Buttje in der See.
Myne Fru de Ilsebill
will nicht so, as ik wol will.

Der Butt taucht auf.

Butt:
Na, was will denn deine Frau?
Fischer:
Ach, sie will nicht mehr in dem Haus wohnen. Sie sagt, wenn du ein Haus bauen
kannst, dann kannst du auch ein Schloss bauen. Sie will in einem Schloss wohnen.
Butt:
Geh nur heim, sie hat schon eins.

Der Fischer geht. Der Butt schaut ihm eine Weile nach und taucht dann unter.

4. Szene
Personen: Fischer, Frau
Hintergrund: Wie zuvor, aber aus dem Haus ist ein Schloss geworden.
Die Frau steht vor dem Schloss.

Frau:
Schau nur, wir haben ein Schloss. Nun wird das Leben richtig schön. Wir haben
einen Fußboden aus Marmor und an den Wänden die feinsten Tapeten. In den
Zimmern stehen goldene Stühle und Tische und von den Decken hängen die
Kristallleuchter herab. Hinter dem Schloss haben wir einen großen Pferde- und
Kuhstall. Dort schlafen auch unsere Diener. Ach, was wird das für ein Leben!
Fischer:
Nun sei es zufrieden, Ilsebill. Ein Schloss ist unendlich viel mehr, als wir in
unserem Leben erwarten durften.
Frau:
Das finde ich auch. Lass uns zum Nachtmahl hineingehen und dann in unseren
seidenen Betten schlafen.

Beide in das Schloss. Am nächsten Morgen tritt die Frau vor das Schloss. Der
Fischer folgt
ihr.

Frau:
Ach, weißt du, Mann, eigentlich wäre ich jetzt gern die Königin von diesem Land.
Fischer:
Bist du verrückt geworden? Ich will nicht König sein. Das kann ich doch gar nicht.
Frau:
Du bleibst eben immer der kleine Fischer. Ich aber will Königin sein. Geh' und sag
das dem Butt.
Fischer:
Ilsebill ...
Frau:
Keine Widerrede!

Der Fischer seufzt und geht. An der See:

Fischer:
Königin. Was für ein Hirngespinst! Der Butt wird mich auslachen. Oder schlimmer
noch, er wird mich vielleicht fressen. Oh, buahh, wie riecht das denn hier? Ist es
das Wasser? Das riecht ja ganz faulig. Jetzt also schnell:
Manntje, Manntje, Timpe Te,
Buttje, Buttje in der See.
Myne Fru de Ilsebill
will nicht so, as ik wol will.

Der Butt taucht auf.

Butt:
Na, was will denn deine Frau?
Fischer:
Ich weiß, es klingt lächerlich ... aber ... sie will Königin werden.
Butt:
Geh nur heim, sie ist bereits Königin.

Der Fischer geht. Der Butt schaut ihm eine Weile nach und taucht dann unter.

5. Szene
Personen: Fischer, Frau
Hintergrund: Wie zuvor
Die Frau steht vor dem Schloss.

Frau:
Ach, die schmucken Soldaten! Und die Pauken und Trompeten. Königin zu sein, ist
wahrlich wunderbar. Und unser Hofstaat erst. Du musst den Ballsaal ansehen
und ...

Fischer (unterbricht sie):


Nun, wo du Königin bist, ist alles gut, oder? Nun brauchen wir uns nichts mehr zu
wünschen.
Frau:
Ach, weißt du, Königin zu sein ist zwar fein, aber noch lieber wäre ich Kaiserin.
Geh' und sag das deinem Butt.

Fischer:
Nein, das kann ich dem Butt nicht sagen. Einen Kaiser gibt es nur einmal im Reich.
Nicht einmal der Butt kann einen Kaiser machen. Nicht einmal er.
Frau (böse):
Ich bin die Königin und du bist mein Mann. Wirst du wohl gleich hingehen und dem
Butt sagen, dass ich Kaiserin sein will?
Fischer:
Das muss ich dann wohl.

Der Fischer seufzt und geht. An der See:

Fischer:
Kaiserin. Das geht nicht gut! Das ist wirklich zu unverschämt. Der Butt wird
bestimmt ärgerlich sein. Und seht nur das Wasser an. Es ist ganz dick und
schwarz, es blubbert und gärt. Mir stehen die Haare zu Berge, solche Angst habe
ich. Also Butt:
Manntje, Manntje, Timpe Te,
Buttje, Buttje in der See.
Myne Fru de Ilsebill
will nicht so, as ik wol will.

Der Butt taucht auf.

Butt:
Na, was will denn deine Frau?
Fischer:
Sei mir nicht böse ... aber ... meine Frau will Kaiserin werden.
Butt:
Geh nur heim, sie ist bereits Kaiserin.

Der Fischer geht. Der Butt schaut ihm eine Weile nach und taucht dann unter.

6. Szene
Personen: Fischer, Frau
Hintergrund: Wie zuvor
Die Frau steht vor dem Schloss.

Frau:
Jetzt bin ich Kaiserin. Endlich! Davon habe ich mein Leben lang geträumt. Grafen
und Barone gehen bei mir ein und aus. Meine Türen sind aus purem Gold. An
jedem Finger habe ich einen goldenen Ring. Kaiserin zu sein wahrlich großartig ...
Fischer (unterbricht sie):
Nun, wo du Kaiserin bist, ist aber wirklich alles gut, oder? Nun brauchen wir uns
nichts mehr zu wünschen.
Frau:
Ach, weißt du, Kaiserin zu sein ist zwar fein, aber noch lieber wäre ich Papst. Geh'
und sag das deinem Butt.
Fischer:
Nein, das kann ich dem Butt nicht sagen. Er kann dich nicht zum Papst machen.
Das ist nun wirklich zu unverschämt.
Frau (böse):
Steh hier nicht rum und schnack dummes Zeug. Geh' zu deinem Butt. Ich befehle
es dir!
Fischer:
Dann muss es wohl so sein. Aber ich weiß, dass das nicht gut geht!

Er geht zur See.

Fischer:
Ein scharfer Wind kommt auf. Er kommt von der See her. Und die schwarzen
Wolken, die über den Himmel jagen, machen mir Angst. Sicher wird der Butt sehr
böse sein, wenn ich sage, dass sie Papst werden will.
Manntje, Manntje, Timpe Te,
Buttje, Buttje in der See.
Myne Fru de Ilsebill
will nicht so, as ik wol will.

Der Butt taucht auf.

Butt:
Na, was will denn deine Frau?
Fischer:
Lieber Butt, ich kann es selber kaum glauben, aber nun will sie auch noch Pabst
werden.
Butt:
Geh nur heim, sie ist bereits Papst.

Der Fischer geht. Der Butt schaut ihm eine Weile nach und taucht dann unter.

7. Szene
Personen: Fischer, Frau
Hintergrund: Wie zuvor, aber aus dem Schloss ist eine große Kirche geworden.
Die Frau steht vor der Kirche.

Frau:
Papst zu sein ist noch viel besser als Königin oder Kaiserin. Alle Könige und Kaiser
liegen mir zu Füßen. Und schau, ich bin in lauter Gold gekleidet.
Fischer (unterbricht sie):
Nun, wo du Papst bist, sind wir wohl endlich wunschlos glücklich, oder?
Frau:
Ach, wenn ich's recht bedenke, kann ich statt Papst doch gleich der liebe Gott
werden.
Fischer:
Bist du denn völlig verrückt, Weib? Gott willst du werden? Das kann der Butt nicht!
Er kann dich vielleicht zum Papst machen, aber nicht zum lieben Gott.
Frau (schreit):
Ich kann es aber nicht aushalten, bloß Papst zu sein! Ich will der liebe Gott
werden. Geh' und sag das deinem Butt!
Fischer:
Beruhige dich. Ich geh' ja schon.

Er seufzt und geht zur See.

Fischer:
Was für ein Wetter. Ich kann mich in diesem Sturm kaum aufrecht halten. Und seht
nur, was die See für Wellen schlägt. Aber es muss sein:
Manntje, Manntje, Timpe Te,
Buttje, Buttje in der See.
Myne Fru de Ilsebill
will nicht so, as ik wol will.

Der Butt taucht auf.

Butt:
Na, was will denn deine Frau?
Fischer:
Ach, Butt. Sie ist verrückt geworden. Sie will der liebe Gott werden.
Butt:
Geh nur heim, sie sitzt schon wieder in ihrer Hütte.

Der Butt taucht unter. Die Kirche versinkt und die Hütte taucht wieder auf. Der
Fischer geht langsam zurück zu seiner Frau, die vor der Hütte steht und weint.