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Eine zusammenfassende Darstellung der Festigkeitssortierung von


Schnittholz

Thesis · January 2004

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1 author:

Manfred Augustin
Competence Centre for Timber Engineering and Wood Technology
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,EINE ZUSAMMENFASSENDE DARSTELLUNG DER
FESTIGKEITSSORTIERUNG VON SCHNITTHOLZ’

Diplomarbeit von

Manfred AUGUSTIN
aus Feldkirchen in Kärnten

Eingereicht am

Lehrstuhl für Holzbau


Institut für Stahlbau, Holzbau und Flächentragwerke
Technische Universität Graz

Begutachtung:

Univ.– Prof. Dipl. – Ing. Dr. techn. R. PISCHL

Betreuung:

Univ. – Ass. Dipl. – Ing. B. HASEWEND

Graz, Juni 2004


Meinen Eltern
Waltraude und Herbert
in Dankbarkeit gewidmet
Diplomarbeit
,Eine zusammenfassende Darstellung der Festigkeitssortierung von Schnittholz’

Erklärung

Ich erkläre an Eides statt, dass ich die vorliegende Arbeit selbstständig und ohne fremde
Hilfe verfasst, andere als die vorgegebenen Quellen nicht benutzt und die, den benutz-
ten Quellen entnommenen Stellen, als solche erkenntlich gemacht habe.

Manfred AUGUSTIN

Graz, am 14. Juni 2004

Manfred AUGUSTIN Seite I


Diplomarbeit
,Eine zusammenfassende Darstellung der Festigkeitssortierung von Schnittholz’

Danksagung

Bedanken möchte ich mich beim Begutachter dieser Diplomarbeit Herrn Univ. – Prof.
Dipl. – Ing. Dr. techn. Richard PISCHL für die herzliche Aufnahme am Institut, die vielen
wertvollen Gespräche, die geleistete Unterstützung und das gewährte Vertrauen wäh-
rend der Erstellung dieser Arbeit sowie bei Herrn Dipl.– Ing. Björn HASEWEND für die
Betreuung dieser Diplomarbeit und die gute und freundschaftliche Zusammenarbeit in
den letzten Jahren.

Zu ganz besonderem Dank bin ich Herrn Univ. – Prof. Dipl. – Ing. Dr. techn.
Gerhard SCHICKHOFER verpflichtet, der mir ein steter Förderer war, mir durch sein En-
gagement ein echtes Vorbild für die Zukunft ist und mir in den letzten sechs Jahren die
Möglichkeit gab, mich im behandelten Themenbereich wissenschaftlich betätigen zu
können.

Weiters danke ich meinen Arbeitskollegen Herrn Dipl. – Ing. Robert JÖBSTL und Herrn
Dipl. – Ing. Reinhard KATZENGRUBER, Herrn Dipl. – Ing. Thomas SCHNABL,
Frau Dipl. Forstwirtin Katja FRÜHWALD und Herrn ao. Univ. – Prof. Dipl. – Ing. Dr.
techn. Siegfried KOLLER sowie den Mitarbeitern am Institut für Stahlbau, Holzbau und
Flächentragwerke, bei LIGNUM RESEARCH und neuerdings der holz.bau.forschungs.
gmbh. für die wertvollen Gespräche und die kollegiale Zusammenarbeit.

Zu Dank verpflichtet bin ich auch meinen Kollegen aus dem Geotechnikzeichensaal,
insbesondere meinen Freunden Frau Dipl. – Ing. Alexandra THIEL und den Herren
Dipl. – Ing. Gernot VEIGL, Dipl. – Ing. Heinz NAGL, Dipl. – Ing. Karl AMPFERTHALER
und Dipl. – Ing. Günther MEINHARDT sowie all den anderen die mit mir die Zeit des
Studiums verbrachten und mir zu echten Freunden wurden.

Ein herzliches Dankeschön möchte ich auch meinen alten Freunden Herrn
Mag. Helmut DUHS, Herrn BM Ing. Reinhold DUHS, der mir die Möglichkeit gab mich
während des Studiums auch praktisch betätigen zu können und Herrn
Oliver PLIESCHNIG aussprechen.

Ganz besonders bedanken möchte ich mich bei meiner MUTTER, die mir durch ihren
unermüdlichen Fleiß, ihre Hartnäckigkeit und ihrer, trotz mancher schwierigen Situtation,
pragmatisch positiven Weltsicht zum Vorbild gereicht und mir auch sonst hilfreich und
unterstützend zur Seite stand.

Abschließend möchte ich mich ganz herzlich bei meiner Freundin SYLVANA bedanken,
die mir eine liebevolle und herzliche Partnerin ist und mich während der letzten Wochen
und Monate in vielerlei Bereichen unterstützte und begleitete.

Manfred AUGUSTIN Seite II


Diplomarbeit
,Eine zusammenfassende Darstellung der Festigkeitssortierung von Schnittholz’

Kurzfassung

Die physikalischen und mechanischen Eigenschaften des natürlich gewachsenen Bau-


stoffes Holz weisen eine stark streuende Charakteristik auf. Um es als lastabtragenden
Werkstoff im konstruktiven Holzbau sicher und zuverlässig einsetzen zu können, ist es da-
her vor seiner Verwendung festigkeitsmäßig zu sortieren. In dieser Diplomarbeit wird eine
zusammenfassende Darstellung des Sortiervorgangs nach der Festigkeit und Steifigkeit
gegeben. Diese beinhaltet einen Abriss der historischen Entwicklung, der grundlegenden
Zusammenhänge und Methoden, der für die Sortierung nutzbaren physikalischen Effekte
sowie deren industrieller Umsetzung und zeigt die Einflüsse der Sortierparameter auf die
mechanischen Eigenschaften. In einem abschließenden Teil werden die Ergebnisse einer
visuellen Sortierung an 120 Kanthölzern aus Fichtenholz analysiert und den Resultaten
der anschließend durchgeführten versuchstechnischen Evaluierung gegenübergestellt.
Es zeigte sich, dass die Sortierung in die höchste nationale Sortierklasse ,S 13’ mit aus-
reichender Zuverlässigkeit sichergestellt ist. Weiters wird vorgeschlagen, die Steifigkeits-
werte für diese Sortierklasse in der nationalen Bemessungsnorm um rund 15 % zu
erhöhen und damit an die Werte der entsprechenden europäischen Norm EN 338 an-
zupassen.

Abstract

The physical and mechanical properties of the natural grown construction material
,wood’ are strongly divergent. To use the material for load carrying structures in a relia-
ble way it has to be strength graded. This diploma thesis summarizes the grading process
regarding strength and stiffness. It contains a brief description of the historical develop-
ment, the fundamental rules and methods, the usable physical effects for grading and
their industrial utilisation and shows the influence of grading parameters on mechanical
properties. Finally, the results of visual grading of 120 spruce wood specimen tested on
bending are analysed and compared to the sample based evaluation on bending spe-
cimen. It has been proved that the grading results to the highest national grading class
,S 13’ can be reliably fulfilled. Further it is recommended that the stiffness value for this
grading class in the national construction standard should be increased by approx. 15%
to adjust the value to the appropriate class in the European Standard EN 338.

Manfred AUGUSTIN Seite III


Inhaltsverzeichnis

1 Einführung................................................................................ 1

2 Geschichtliche Entwicklung der Festigkeitssortierung


und Stand der Technik und des Wissens ...................................... 8

2.1 Vorbemerkungen................................................................................ 8
2.2 Überblick über die historische Entwicklung der Prüfung an
bauteilgroßen Holzproben und der Entwicklung von Sortier-
vorschriften (unter spezieller Betonung der Entwicklungen im
deutschen Sprachraum) ...................................................................... 9

2.3 Überblick über die historische Entwicklung der DIN 4074 und
der DIN 1052.................................................................................. 14

2.4 Überblick über die historische Entwicklung der österreichischen


Normung für eine Sortierung von Schnittholz nach der Festigkeit .......... 31

2.5 Überblick über die Entwicklung der europäischen


Normung für eine Sortierung nach der Festigkeit................................. 33

3 Grundlagen der Sortierung ...................................................... 39

3.1 Sortieren.......................................................................................... 39

3.2 Direkte und Indirekte Sortierung ........................................................ 41

3.3 Ein theoretischer Ansatz .................................................................... 44


3.4 Anzahl der Sortierklassen .................................................................. 49

Manfred AUGUSTIN Seite IV


Diplomarbeit
,Eine zusammenfassende Darstellung der Festigkeitssortierung von Schnittholz’

3.5 Sortiermethoden............................................................................... 51
3.5.1 Visuelle Sortierung .............................................................................................51
3.5.2 Maschinelle Sortierung.......................................................................................52

4 Für eine maschinelle Schnittholzsortierung nutzbare


physikalische Effekte ................................................................ 54

4.1 Mechanische Verfahren .................................................................... 56


4.1.1 (statische) Biegeverfahren ...................................................................................56
4.1.2 Prüflastverfahren (,proof – loading’) ....................................................................57
4.1.3 Schallemissionsanalyse.......................................................................................57

4.2 Schwingungsverfahren [60], [62], [69] 58


4.2.1 Ultraschalllaufzeitmessung..................................................................................58
4.2.2 Spannungswellen...............................................................................................69
4.2.3 Biegeschwingungen ...........................................................................................73

4.3 Durchstrahlungsverfahren ................................................................. 74


4.3.1 Röntgenverfahren ..............................................................................................74
4.3.2 Computer – Tomographen .................................................................................75
4.3.3 Mikrowellen (Hyperfrequenzradiometrie) ..............................................................76
4.3.4 Verfahren auf Basis von elektrischer Feldstärkemessung ........................................78

4.4 Optische Verfahren .......................................................................... 79


4.4.1 (digitale) Farb- und Monochromkameras .............................................................79
4.4.2 Verfahren, die den ,Tracheid Effekt’ nutzen ..........................................................80

4.5 Sonderverfahren............................................................................... 81
4.5.1 Penetrationsverfahren (,Pilodyn’ – Verfahren)........................................................81
4.5.2 Härteprüfung (,Equotip’).....................................................................................81
4.5.3 Thermographische Verfahren ..............................................................................81

5 Holztechnologische Aspekte der Schnittholzsortierung................. 82

5.1 Allgemeines ..................................................................................... 82

5.2 Der Aufbau des Holzes ..................................................................... 83


5.3 Sortierparameter .............................................................................. 88

5.4 Wuchseigenschaften......................................................................... 89
5.4.1 Rohdichte .........................................................................................................89

Manfred AUGUSTIN Seite V


Diplomarbeit
,Eine zusammenfassende Darstellung der Festigkeitssortierung von Schnittholz’

5.5 Strukturmerkmale ............................................................................. 92


5.5.1 Astigkeit............................................................................................................92
5.5.2 Faserneigung und Drehwuchs ...........................................................................103
5.5.3 Jahrringbreite bzw. Wachstum ..........................................................................109
5.5.4 Juveniles Holz .................................................................................................113
5.5.5 Reaktionsholz ..................................................................................................114
5.5.6 Schwindrisse....................................................................................................116

5.6 Wachstumsunregelmäßigkeiten ....................................................... 116


5.6.1 Abholzigkeit ....................................................................................................116
5.6.2 Krummschaftigkeit ...........................................................................................117
5.6.3 Unstetige Jahrringbreiten..................................................................................117

5.7 Holzschäden.................................................................................. 117


5.7.1 Biologische Schäden........................................................................................117
5.7.2 Mechanische Schädigungen .............................................................................119

5.8 Dimensionsveränderungen am Schnittholz ........................................ 121


5.8.1 Verformungen .................................................................................................121
5.8.2 Krümmungen ..................................................................................................122
5.8.3 Verdrehungen bzw. Verwindungen ....................................................................123

5.9 Verarbeitungsmerkmale .................................................................. 124


5.9.1 Jahrringstellung ...............................................................................................124
5.9.2 Baumkante .....................................................................................................124
5.9.3 Holzverfärbung................................................................................................125
5.9.4 Einschnitt ........................................................................................................126

5.10 Zustandsgrößen ............................................................................. 126


5.10.1 Holzfeuchte.....................................................................................................126

6 Statististische Grundlagen der Sortierung................................. 128

6.1 Allgemeines ................................................................................... 128

6.2 Stichprobenziehung ........................................................................ 128

6.3 Statistische Kennwerte..................................................................... 134


6.4 Modelle zur Erfassung der Verteilung eindimensionaler Zufallsgrößen . 139
6.4.1 ,Ausreißer’ ......................................................................................................139
6.4.2 Modellierung durch stetige statistische Verteilungen 140

Manfred AUGUSTIN Seite VI


Diplomarbeit
,Eine zusammenfassende Darstellung der Festigkeitssortierung von Schnittholz’

6.5 Verteilungsfunktionen zur Beschreibung eindimensionaler


Zufallsgrößen................................................................................. 142
6.5.1 Normalverteilung.............................................................................................142
6.5.2 Log – Normalverteilung....................................................................................152
6.5.3 Weibull – Verteilung.........................................................................................155
6.5.4 Zur Frage der Wahl der am besten geeigneten Verteilungsfunktion ......................159

6.6 Korrelations- und Regressionsanalyse............................................... 167


6.6.1 Allgemeines ....................................................................................................167
6.6.2 Lineare Regressionsanalyse...............................................................................167
6.6.3 Lineare Korrelationsanalyse ..............................................................................171

7 Forschungsprojekt
’Ermittlung der Auswirkungen der neu geregelten
Sortiervorschriften für Kantholzquerschnitte für
österreichische Sägebetriebe und Holzbauunternehmen’
kurz : ‚S13’........................................................................... 180

7.1 Einleitung ...................................................................................... 180

7.2 Projektablauf und durchgeführte Untersuchungen ............................. 181


7.2.1 Projektidee, Einreichung, Versuchsmaterial.........................................................181
7.2.2 Durchgeführte Untersuchungen – Rundholz........................................................182
7.2.3 Durchgeführte Arbeiten – Kantholz ....................................................................183

7.3 Versuchskonfiguration und -durchführung......................................... 185


7.3.1 Normative Grundlagen für die Durchführung der Versuche .................................185
7.3.2 Versuchstechnik ...............................................................................................187
7.3.3 Messtechnik ....................................................................................................188
7.3.4 Versuchsdurchführung......................................................................................190

7.4 Auswertung.................................................................................... 190

7.5 Ergebnisse ..................................................................................... 192


7.5.1 Ergebnisse Schnittholz – Biegeversuche nach EN 408 .........................................192
7.5.2 Interpretation der Ergebnisse am Kantholz .........................................................200
7.5.3 Ergebnisse – Ultraschallsortierung am Rundholz .................................................204
7.5.4 Visuelle Sortierung des Rundholzes....................................................................208
7.5.5 Visuelle Sortierung und Ultraschallsortierung am Rundholz ..................................209
7.5.6 Zusammenfassung und Schlussbetrachtung Ultraschall – Rundholz ......................210
7.5.7 Ergebnisse – Ultraschallsortierung am Kantholz ..................................................211
7.5.8 Visuelle kombiniert mit Ultraschallsortierung am Kantholz....................................216
7.5.9 Zusammenfassende Bemerkungen zur US – Sortierung .......................................219

Manfred AUGUSTIN Seite VII


Diplomarbeit
,Eine zusammenfassende Darstellung der Festigkeitssortierung von Schnittholz’

7.6 Bruchursachen- und Problembereiche .............................................. 220


7.6.1 Angeführte Sortiermerkmale .............................................................................220
7.6.2 Im Labor angetroffene Bruchursachen ...............................................................221

7.7 Zusammenfassung des Forschungsprojektes ,S 13’ ........................... 230

8 Literatur................................................................................ 231

8.1 Literatur zu Kapitel 1....................................................................... 231

8.2 Literatur zu Kapitel 2....................................................................... 232


8.3 Literatur zu Kapitel 3....................................................................... 235

8.4 Literatur zu Kapitel 4....................................................................... 237

8.5 Literatur zu Kapitel 5....................................................................... 242

8.6 Literatur zu Kapitel 6....................................................................... 246

8.7 Literatur zu Kapitel 7....................................................................... 247

9 Normen ............................................................................... 248

Manfred AUGUSTIN Seite VIII


Kapitel 1

1 Einführung
Holz ist ein natürlich gewachsener Baustoff. Neben den zahlreichen Vorteilen, die das
Holz auszeichnet, wie z.B. dem äusserst günstigen Gewichts- zu Festigkeitsverhalten, den
ästhetischen Qualitäten der Holzoberfläche, der regulierenden Wirkung auf das Raum-
klima, der ökologischen Verträglichkeit, der Bedeutung für die Volkswirtschaft uam. weist
der Baustoff Holz aber auch Nachteile im Sinne einer technischen Nutzung auf. Insbe-
sondere können die erheblichen Streuungen in den Materialkennwerten, die Nachteile
in Fragen der Dauerhaftigkeit bei unzureichendem Holzschutz, Probleme bei der Form-
stabilität bei Nichteinhaltung entsprechender holztechnologischer Randbedingungen so-
wie die Möglichkeit des Befalles durch Insekten und Pilze angeführt werden.

Wie bei allen Naturbaustoffen sind die Eigenschaften des Holzes für seine spätere Ver-
wendung als Baumaterial nur mehr bedingt technisch beeinflussbar, wie dies bei ande-
ren Baustoffen (Stahl und Beton) gegeben ist.

Ein Vergleich der Variationskoeffizienten typischer Kennzahlen der gebräuchlichsten


Baustoffe Stahl, Beton und Holz zeigt die nachfolgende Tabelle (Tab. 1.1).

Baustoff Bean- Mittelwert Standard- Variations-


spruchung abweichung koeffizient

[N/mm²] [N/mm²] [%]

Stahl (ST 360) Zug 280 18 6,4

Beton (B 225) Druck 320 40 12,5

Holz (Fichte – S10) Biegung 40,0 11,0 27,5

Tab. 1.1 Mittelwert, Standardabweichung und Variationskoeffizient typischer Kennzahlen für Stahl,
Beton und Holz

Manfred AUGUSTIN Seite 1


Diplomarbeit
,Eine zusammenfassende Darstellung der Festigkeitssortierung von Schnittholz’

Holz weist also im Verhältnis zum relativ hohen Mittelwert eine beträchtliche Streuung
der mechanischen Kennwerte auf.

Die Streuungen des Holzes lassen sich zum einen auf die Entstehung, d.h. die Funktionen
während des Wachstums, zum anderen auf den Einschnitt zurückführen.

Bekanntermaßen haben die Holzzellen im lebenden Baum vor allem den nachfolgenden
Aufgaben zu dienen, die in einem Zusammenhang mit existentiellen Grundbedürfnissen
des Lebewesens Baum stehen [2], [3].

Diese Hauptaufgaben sind:

- die Festigung des Stammes und das Tragen der Baumkrone

- die Leitung des Wassers und der Nährstoffe von den Wurzeln bis zur Krone

- die Speicherung der Nährstoffe

Zur Erfüllung dieser Hauptaufgaben bilden die Bäume unterschiedliche Zelltypen. Beim
relativ einfach und systematisch aufgebauten Nadelholz sind dies im überwiegenden
Maße (rund 95 %) längs der Stammachse orientierte sog. ‚Tracheidenzellen’. Innerhalb
eines Jahreszyklus werden dabei weitlumige, vor allem dem Wassertransport dienende
Frühholzzellbereiche und englumige, im wesentlichen der Festigkeit dienende Spätholz-
bereiche gebildet. Aus der erwähnten primären Orientierung der Tracheiden lässt sich
die für Holz typische Anisotropie erklären [1].

Der Grundstruktur überlagern sich natürliche Eigenschaften, wie [6]:

- Abweichungen der Fasern im Astbereich (lokale Faserneigung)

- Änderungen des Gewebes durch Wundholz- und Reaktionsholzbildung

- Unterschiede in den Eigenschaften zwischen:

- Splint- und Kernholz

- Jugend- (engl.: juvenile wood) und Altersholz (engl.: mature wood)

Aber auch innerhalb des Stammquerschnittes und in Stammlängsrichtung sind beträcht-


liche Unterschiede der mechanischen und physikalischen Kenngrößen feststellbar (Abb.
1.1).

Manfred AUGUSTIN Seite 2


Diplomarbeit
,Eine zusammenfassende Darstellung der Festigkeitssortierung von Schnittholz’

Abb. 1.1 Verteilung der Rohdichte über die Stammlängsrichtung (links), sowie des E – Moduls und der
Biegefestigkeit über den Querschnitt (rechts) (aus [4] bzw. [5])

Die mechanischen Kenngrößen sind auch von den Wuchs- und Umgebungsbedingun-
gen des Baumverbandes in einer Region während seiner Wachstumsphase abhängig,
wie der [6], [7]:

- genetischen Veranlagung

- Bodenbeschaffenheit

- Verfügbarkeit von Wasser und Mineralstoffen

- den klimatischen Gegebenheiten

- Dauer der Vegetationsperiode

- Dichte des Bestandes

- soziologischen Stellung des Baumes im Bestand

und weiteren Einflüssen.

Zusätzlich zu den wachstumsbedingten Streuungen wird beim Einschnitt von Schnittholz


die gewachsene, natürliche Faserstruktur des Rundholzes gestört. Im Bereich von Ästen,
durch die natürliche Krümmung und Durchmesserveränderung des Baumstammes sowie
durch Drehwüchsigkeit werden Holzfasern im Sägewerk angeschnitten. Diese Gefüge-
störung induziert beträchtliche zusätzliche Streuungen (Abb. 1.2, 1.3).

Manfred AUGUSTIN Seite 3


Diplomarbeit
,Eine zusammenfassende Darstellung der Festigkeitssortierung von Schnittholz’

Abb. 1.2 Drehwuchs im Querschnitt eines Fichtenholzstammes [8]

Abb. 1.3 einschnittbedingte Faserdurchtrennung [9]

Um diesen Sachverhalt quantitativ darzustellen: Bei gleicher Rohstoffqualität und ver-


gleichbaren geometrischen Randbedingungen weist ein Rundholzstamm im Vergleich zu
einem daraus gewonnenen Kantholz im Mittel rund die doppelte Tragfähigkeit auf.

Nimmt man nun die natürlichen und die einschnitttechnisch herbeigeführten Streuungen
zusammen, so können die mechanischen Kenngrößen so stark variieren, dass das Ver-
hältnis des stärksten zum schwächsten Schnittholz bis zum Zehnfachen betragen kann
[10] (siehe als Beispiel Abb. 1.4: ft,min = 17,38 N/mm², ft,max = 82,23 N/mm²;
ft, min : ft,max = 1 : 4,7; obwohl sortiert [9]).

Manfred AUGUSTIN Seite 4


Diplomarbeit
,Eine zusammenfassende Darstellung der Festigkeitssortierung von Schnittholz’

Holz ist ein sehr vielfältig einsetzbarer Roh- und Werkstoff. Eine herausragende Stellung
in seiner Nutzung nimmt die Anwendung als Baustoff für eine Verwendung als lastabtra-
gendes Element in Bauwerken des konstruktiven Ingenieurbaues ein.

Die wesentliche Anforderung an ein Tragwerk und seine Teile ist es, die auftretenden Be-
lastungen sicher und zuverlässig in den Untergrund abzutragen. Im Bemessungskonzept
mit Teilsicherheitsbeiwerten, wo nachzuweisen ist, dass Grenzzustände der Tragfähigkeit
nicht überschritten werden, lässt sich die oben angeführte Aussage in folgender Form
ausdrücken [1], [11]:

Sd ≤ Rd
Es bedeuten:

Sd ............ Bemessungswert der Beanspruchung (‚Einwirkungsseite’)

Rd ............ Bemessungswert der Beanspruchbarkeit (‚Widerstandsseite’)

Beide, sowohl Einwirkungen als auch Bauteilwiderstände unterliegen dabei statistischen


Streuungen. Beim Nachweis des Grenzzustandes der Tragfähigkeit (engl.: Ultimate Limit
State – ULS) sind ‚hohe’ Einwirkungen – unter Berücksichtigung der Wahrscheinlichkeit
des gleichzeitigen Auftretens mehrerer Einwirkungen mit den ‚niedrigen’ Bauteilwider-
ständen zu vergleichen. Letztere sind dabei unter Berücksichtigung der geometrischen
Abmessungen ad (Querschnittswerte, Schlankheiten etc.) mit dem Bemessungswert der
Baustoffeigenschaften Xd zu ermitteln. Dieser lässt sich für den konstruktiven Ingenieur-
bau mit Holz wie folgt darstellen:

X
X d = -----k ⋅ k mod
γM
Es bedeuten:

Xk ............ charakteristischer Wert der Baustoffeigenschaft

γM ............ Teilsicherheitsbeiwert auf der Materialseite

kmod......... Modifikationsfaktor zur Berücksichtigung von Holzfeuchte- und


Lastdauereinflüssen

Aus dem angeführten Bemessungskonzept geht hervor, dass für eine Bauteilbemessung
als Materialparameter jeweils ‚untere’ Materialkennwerte, die so genannten charakteris-
tischen Materialkennwerte der Grundgesamtheit, auch als 5 % – Fraktilwerte bezeichnet,
in die Berechnung einzuführen sind (Abb. 1.4).

Für den unsortierten Baustoff Holz mit den starken Streuungen würde das einen erhebli-
chen Wettbewerbsnachteil gegenüber anderen Baustoffen bedeuten, da man dessen
Einsatz in tragender Funktion an den Hölzern mit den geringsten mechanischen Kenn-
größen orientieren müsste.

Manfred AUGUSTIN Seite 5


Diplomarbeit
,Eine zusammenfassende Darstellung der Festigkeitssortierung von Schnittholz’

Cum ulativ frequency of the tensile s tre ngth


Norm al Dis tribution

99,0 %
95,0 %
90,0 %
80,0 %
70,0 %
60,0 %
50,0 %
40,0 %
30,0 %
20,0 %
10,0 %
5,0 %
1,0 %

10 16,91 20 30 40 50 60 70 80
N/ mm²
tens ile s tre ngth [N/m m ²]

Abb. 1.4 Beispiel für die Summenhäufigkeitsverteilung einer Holzprobe; entscheidend für die Bemes-
sung ist der 5 % – Fraktilwert der Probe bzw. der Grundgesamtheit [9]

Um diesen Umstand zu vermeiden muss Holz, welches für tragende Zwecke eingesetzt
werden soll, vorher sortiert werden. Durch einen solchen Sortiervorgang wird das
Schnittholz Sortierklassen zugeteilt. Diese Klassen weisen wesentlich homogenere Eigen-
schaftsprofile als die unsortierte Grundgesamtheit auf. Dadurch ist es möglich, differen-
zierte Materialkennwerte in die Berechnung einzuführen, welche einen wirtschaftlichen
und sicheren Umgang mit der Ressource Holz sicherstellen. Ein System mit derartigen
Sortierklassen und abgestuften Materialkennwerten ist in der EN 338, Ausgabe
1. Juli 2003 ‚Bauholz für tragende Zwecke – Festigkeitsklassen’ festgelegt [N1].

Manfred AUGUSTIN Seite 6


Pappelholz und Nadelholz Laubhölzer
C14 C16 C18 C20 C22 C24 C27 C30 C35 C40 C45 C50 D30 D35 D40 D50 D60 D70
Festigkeitseigenschaften [N/mm²]
Biegung fm,k 14 16 18 20 22 24 27 30 35 40 45 50 30 35 40 50 60 70
Zug parallel 8 10 11 12 13 14 16 18 21 24 27 30 18 21 24 30 36 42

Manfred AUGUSTIN
ft,0,k
Zug rechtwinklig ft,90,k 0,4 0,5 0,5 0,5 0,5 0,5 0,6 0,6 0,6 0,6 0,6 0,6 0,6 0,6 0,6 0,6 0,7 0,9
Druck parallel fc,0,k 16 17 18 19 20 21 22 23 25 26 27 29 23 25 26 29 32 34
Druck rechtwinklig fc,90,k 2,0 2,2 2,2 2,3 2,4 2,5 2,6 2,7 2,8 2,9 3,1 3,2 8,0 8,4 8,8 9,7 10,5 13,5
Schub fv,k 1,7 1,8 2,0 2,2 2,4 2,5 2,8 3,0 3,4 3,8 3,8 3,8 3,0 3,4 3,8 4,6 5,3 6,0
Steifigkeitseigenschaften [kN/mm²]
Mittelwert des E0,mean 7 8 9 9,5 10 11 12 12 13 14 15 16 10 10 11 14 17 20
Elastizitätsmodul parallel
5 % – Quantile des E0,05 4,7 5,4 6,0 6,4 6,7 7,4 8,0 8,0 8,7 9,4 10,0 10,7 8,0 8,7 9,4 11,8 14,3 16,8
Elastizitätsmoduls parallel
Mittelwert des E90,mean 0,23 0,27 0,30 0,32 0,33 0,37 0,38 0,40 0,43 0,47 0,50 0,53 0,64 0,69 0,75 0,93 1,13 1,33
Elastizitätsmodul rechtwinklig
Mittelwert des Schubmodul Gmean 0,44 0,50 0,56 0,59 0,63 0,69 0,72 0,75 0,81 0,88 0,91 1,00 0,60 0,65 0,70 0,88 1,06 1,25
Rohdichte [kg/m³]
Rohdichte ρk 290 310 320 330 340 350 370 380 400 420 440 460 530 560 590 650 700 900
Mittelwert der Rohdichte ρmean 350 370 380 390 410 420 450 460 480 500 520 550 640 670 700 780 840 1080
Anmerkungen:
1)
Die oben angegebenen Werte für die Zug-, Druck- und Schubfestigkeit, die 5 % – Quantile des Elastizitätsmoduls, den Mittelwert des Elastizitätsmoduls rechtwinklig zur Faserrichtung und den Mittelwert des
Schubmoduls wurden mit den in Anhang A angegebenen Gleichungen berechnet.
2) Die tabellierten Eigenschaften gelten für Holz mit einem bei 20° C und 65 % relativer Luftfeuchte üblichen Feuchtegehalt.
3) Es kann sein, dass Bauholz der Klasse C45 und C50 nicht immer zur Verfügung steht.

Tab. 1.2 Auszug aus EN 338, Ausgabe 1. Juli 2003, Bauholz für tragende Zwecke’ [N1]
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,Eine zusammenfassende Darstellung der Festigkeitssortierung von Schnittholz’
Kapitel 2

2 Geschichtliche Entwicklung der Festigkeits-


sortierung und Stand der Technik und des
Wissens
2. 1 Vorbemerkungen [3], [10], [13]

Durch Jahrhunderte wurden Holzkonstruktionen als traditionelle, zimmermannsmäßige


Holzbauten errichtet. Das zu deren Errichtung eingesetzte Bauholz wurde dabei in seiner
Verwendung seit jeher dem Verwendungszweck durch erfahrene Zimmermänner ange-
passt. Die für kleinere Bauvorhaben auch heute noch angewendete Vorgangsweise er-
folgt aber nicht nach einem normierten Verfahren, sondern vor der Errichtung des
Bauwerkes werden aus dem vorhandenen Schnittholzangebot jene Stücke nach Form
und Qualität ausgewählt, die nach Augenschein dem jeweils beabsichtigten Zweck am
besten entsprechen. Diese Sortierung beruht also auf der Erfahrung der jeweiligen Zim-
merleute und stellt als solche kein objektives und einheitliches Sortierverfahren dar. Die
Aufstellung eines solchen Verfahrens scheiterte sehr lange an der vielseitigen Anwen-
dung und den damit verbundenen stark unterschiedlichen Anforderungen an den Bau-
und Werkstoff Holz.

Eine erste Vereinheitlichung und somit Sortierregeln im heutigen Sinne entstand mit der
Industrialisierung der Holzbe- und –verarbeitung im 19. Jahrhundert. Diese gründete
sich auf den Anforderungen der Verbraucher und hatten eine Vereinheitlichung von Sor-
timenten für den Handel zum Ziel. Sie stellten und stellen als solche Handelsbräuche
(Usancen) dar und enthalten kein spezielles System von Parametern, das Aussagen über
die Festigkeit / Steifigkeit des Schnittholzes gestattet. Die sog. ,Österreichischen Holz-
handelsusancen’ (ÖHHU) in Österreich bzw. ,Tegernseer Gebräuche’ in Deutschland
sind ein System von derartigen Handelsbräuchen und stellen auch heute noch die wich-
tigsten Richtlinien im Warenverkehr mit Holz dar.

Mit der verstärkten Nutzung von Holz in ingenieurmäßig berechneten und dementspre-
chend hoch belasteten Konstruktionen wurde auch die Festlegung von definierten Bau-

Manfred AUGUSTIN Seite 8


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,Eine zusammenfassende Darstellung der Festigkeitssortierung von Schnittholz’

stoffeigenschaften für Holz notwendig. Im technischen Bereich erfolgt eine derartige


Definition oder Standardisierung in Normen. Diese vereinheitlichen Begriffe, Produkte,
Berechnungs- und Prüfverfahren und erscheinen i. Allg. in Normenpaketen, die aufein-
ander abgestimmt sind. In den Produktnormen werden Eigenschaften für Baustoffe defi-
niert, welche dann als Grundlage für die Bemessung von Holzkonstruktionen in den
Konstruktionsnormen dienen. Prüfnormen regeln die anzuwendenden Methoden bei der
Ermittlung der Baustoffkenngrößen. Der Geltungsbereich von Normen kann dabei nati-
onal (z.B. ÖNORM, DIN), europäisch (EN) oder international (ISO) sein.

2. 2 Überblick über die historische Entwicklung der Prüfung an


bauteilgroßen Holzproben und der Entwicklung von Sor-
tiervorschriften (unter spezieller Betonung der Entwicklun-
gen im deutschen Sprachraum) [13], [14], [15], [16], [17]

Erste dokumentierte Versuche an bauteilgroßen Schnittholzproben führte L. Tetmajer


1896 an der ETH Zürich durch [18]. Die Vorstellungen über die wesentlichen festigkeits-
beeinflussenden Parameter waren jedoch noch sehr unvollständig und somit konnten
auch nur qualitative Aussagen getroffen werden. Insbesondere wurde der Unterschied
von strukturgestörtem (‚Probekörper in Bauteilgröße’) und nicht strukturgestörtem Holz
(engl.: ‚clear wood’; fehlerfreie Kleinproben) noch nicht herausgearbeitet. In Deutsch-
land führte Bauschinger Versuche an Bauholz durch [19]. Erste ,zulässige Spannungen’
wurden von Winkler in seinem Buch ,Der hölzerne Brückenbau’, sowie von Lang in ,Das
Holz als Baustoff’ angegeben. Wie bei Tetmajer waren auch hier die Vorstellungen über
die beeinflussenden Parameter noch ziemlich unklar.

Weitere Versuche aus diesem Zeitraum wurden an der forstlichen Versuchsanstalt Maria
Brunn / Österreich von A. Hadek und G. Janka ab dem Jahre 1900 veröffentlicht [20].
In einer weitreichenden und umfassenden Untersuchung verteilt über die Kronländer der
k.u.k. – Monarchie untersuchte G. Janka neben anderen Parametern die Einflüsse von
Feuchte und Rohdichte auf die mechanischen Kenngrößen Druckelastizität und –festig-
keit, sowie die Biegeelastizität und -festigkeit für die Holzarten Fichte und Lärche. Die
Querschnittshöhe der Druckversuche betrug 2,5 cm für die Druckfestigkeit bzw. 50 cm
für die Bestimmung der Druckelastizität. Die Stützweite der Biegeversuche betrug 150 cm
bei einem Querschnittsmaß von 10 / 10 cm. In diesem Sinne kann von bauteilgroßen
Proben gesprochen werden. Unter anderem untersuchte er auch die Einflüsse der Astig-
keit auf die Druckfestigkeit und wies auf äußerlich wahrnehmbare Kennzeichen zur Be-
urteilung der Holzqualität wie Jahrringbau und Spätholzbildung hin. G. Janka zeigte
auch die Abhängigkeit der mechanischen Kenngrößen von der Lage im Querschnitt und
der Lage der Probe in Stammlängsrichtung.

Erste Erwägungen zur Festlegung einer Normierung für Bauholz in Gebrauchsabmes-


sungen im oben erwähnten Sinne entstanden ab 1905 in den USA und endeten 1922
in der erstmaligen Herausgabe der Norm D143 – 27 ‚Standard methods of Testing
Small Clear Specimens of Timber’ und USDA Circular 295 mit der Festlegung von vier
visuellen Sortierklassen. 1927 wurde dann die amerikanische Sortiernorm

Manfred AUGUSTIN Seite 9


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ASTM D 245 ‚Standard Methods for Establishing Structural Grades for Visually Graded
Lumber’ mit Sortierregeln für die einzelnen Sortierklassen sowie deren zulässigen Span-
nungen erstmals herausgegeben. Wobei anzumerken ist, dass in Amerika zum Teil bis
heute von fehlerfreiem Probenmaterial (engl.: ‚clear wood’) – im Gegensatz zu Holz in
Bauteilabmessungen (engl.: ‚full – size lumber’) ausgegangen wird. Die für die Bemes-
sung von Bauteilen zulässigen Spannungen für Holz in Bauteilgröße (strukturgestörtes
Holz) werden von den so gewonnenen Festigkeiten durch Abschläge für die einzelnen
Strukturfehler ermittelt [21].

Frühe Untersuchungen in Europa wurden 1922 von R. Baumann / TH Stuttgart veröf-


fentlicht. Erstmals wurde auf die starke Abhängigkeit der Holzeigenschaften von der Roh-
dichte hingewiesen. Es wurden auch Proben mit Strukturstörungen (Äste, Faserneigung,
Drehwuchs, Windbruch uam.) geprüft, jedoch ohne genauere Erfassung und quantitati-
ve Festlegungen hinsichtlich des Festigkeitsverhaltens [22].

Von M. Rôs / EMPA Zürich wurden 1925 Ergebnisse von Zug-, Druck-, Biege- und
Scherfestigkeitsuntersuchungen an bauteilgroßen Proben angegeben, die zur Neufas-
sung der damaligen Schweizer SIA 111 – Norm dienten. Rôs erkannte den wesentlichen
Einfluss von Strukturparametern auf das Festigkeitsverhalten. Weiters wies Rôs auf die
beträchtlichen Streuungen der Holzeigenschaften hin und gibt auf dieser Basis eine
20 % – Abweichung vom Mittelwert der maßgebenden Festigkeitswerte als sinnvolle Ab-
stufung von unterschiedlichen Bauholzqualitäten an [13].

Ab 1928 wurden von O. Graf / TH Stuttgart systematisch Versuche an bauteilgroßen


Proben durchgeführt. Seine Tätigkeit ist eng mit dem Entstehen der deutschen Sortier-
norm DIN 4074, die in überarbeiteter Form die derzeit gültige österreichische Sortier-
norm ÖNORM DIN 4074 – 1 bildet, verbunden. Deshalb sei ihm im Rahmen dieses
geschichtlichen Abrisses etwas mehr Platz gewidmet [23], [24].

Ab 1929 wies Graf bereits auf die Notwendigkeit von Güteklassen für Bauholz hin und
betont bei der Beurteilung von Bauholz insbesondere auf die Eigenschaften Wuchs und
vor allem Astigkeit zu achten; speziell die Beachtung der durch die Astigkeit verursachten
lokalen Faserabweichungen und deren unterschiedlicher Auswirkungen auf die verschie-
denen Beanspruchungen Biegung, Druck und Zug schienen ihm besonders wichtig, um
die Qualität von Bauholz zu erhöhen [23].

Wegen der auch heute noch gültigen wegweisenden Feststellungen zum behandelten
Thema seien dazu Aussagen aus [23, 1929] zitiert:

‚…auch lässt sich die Verwertung der Hölzer technisch zweckmäßiger durchführen, weil
zu bestimmten Aufgaben nur Holz der erprobten Güteklasse notwendig ist …’

‚…die Zugfestigkeit der Hölzer wird durch Äste sehr bedeutend verringert …’

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‚…Dieser Einfluss der Äste entsteht, weil der Aufbau des Holzes – im Querschnitt als Röh-
renbündel erkenntlich – zur Aufnahme von Kräften parallel zur Faserrichtung geschaffen
ist …’

‚…An jeder Aststelle und an allen Stellen mit fehlerhaftem Wuchs tritt eine Ablenkung der
Faserrichtung vom allgemeinen Verlauf auf und damit eine Verminderung der Wider-
standsfähigkeit gegen äußere, parallel der Stammachse wirkende Kräfte. Astfreies Holz
erträgt also höhere Anstrengungen als astiges ...’

‚… Zu Flugzeugen, Maschinen, Leitern, Rädern und dgl. wird deshalb astfreies Holz ver-
langt. Für andere Aufgaben, vor allem für das Bauwesen, ist das astfreie Holz zu teuer;
die zulässigen Anstrengungen müssen deshalb für astiges Holz bemessen werden. Damit
erkennen wir auch, dass unsere Versuche für verschiedene Bedürfnisse zu entwickeln
sind. Die Festigkeitszahlen in unseren Handbüchern gehören fast ausschließlich zu ast-
freien kleinen Holzproben, die nur für Holz zu Apparaten und Flugzeugen Geltung haben
…’

Im Weiteren wird der bedeutende Einfluss der verschiedenen Größenordnungen der Pro-
bekörper erwähnt, sowie auf die beträchtlichen Unterschiede der Kenngrößen über den
Querschnitt und über die Stammhöhe aufmerksam gemacht. Für das Festigkeitsverhal-
ten sind weiters vor allem der Spätholzanteil und ihr Einfluss auf die Rohdichte, sowie die
Holzfeuchte maßgebend.

In Deutschland gab H. Seitz 1929 einen Vorschlag für zulässige Spannungen auf Basis
der von O. Graf durchgeführten Versuche für Eichen- / Buchenholz und Nadelholz an.
Die Strukturstörungen wurden zwar qualitativ beschrieben, es erfolgte jedoch noch keine
Angabe von Sortierkriterien im heutigen Sinne [25].

In einer 1935 publizierten Veröffentlichung [26] führt O. Graf Prozentsätze der Bean-
spruchbarkeit von Balken auf Biegung im Verhältnis des Astdurchmessers zur breiteren
Stelle an. In diesem Aufsatz weist Graf auch auf die besondere Bedeutung der mit Ästen
verbundenen Störung des Faserverlaufes (lokale Schrägfaser) hin. Weiters wird auf die
Lage des Astes als wesentlicher Parameter bei Zugbeanspruchung eingegangen. Erstma-
lig wird ein Vorschlag zur Einführung von Festigkeitsklassen – ,Gewöhnliches Bauholz’
und ,Bauholz mit besonders hoher Tragfähigkeit’ - zur Diskussion gestellt. Für Biegebal-
ken führt Graf Vorschläge für maximale Astdurchmesser und Verhältniszahlen der Ast-
größe zur zugehörigen Querschnittsabmessung in Abhängigkeit der Sortierklasse ein
(DEK). Weiters wird auch die Einführung des Astansammlungskriteriums vorgeschlagen
(DAB), d.h. die Summe der Astdurchmesser an allen vier Seiten an einer im Balken be-
liebigen, 150 mm langen Messstrecke in den einzelnen Sortierklassen wird einge-
schränkt. Für Bretter und Bohlen wird eine auf 1 m² bezogene Höchstzahl von Ästen bzw.
ein größter Astdurchmesser vorgeschlagen. Im Wesentlichen wurden also alle in der
heutigen ÖNORM DIN 4074 – 1 festgeschriebenen Astparameter bereits 1935 ange-
führt.

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E. Gaber / TH Karlsruhe unternimmt in einer Veröffentlichung 1936 [27] den Versuch


die Strukturstörungen Waldkante, Schrägfaser und Astigkeit in rechnerische Modelle um-
zusetzen und zu quantifizieren, indem er geometrische Überlegungen ansetzt. E. Gaber
weist außerdem auf die Notwendigkeit einer anwendungsbezogenen Sortierung hin.
Derselbe Autor führt 1937 auch eine bis heute noch nicht umgesetzte Idee in die Holz-
bauforschung ein. Er versucht aus dem Zusammenwirken der beiden maßgebenden
Holzstrukturstörungen Astigkeit und Schrägfasrigkeit an Biegebalken ein Interaktionsdi-
agramm einzubringen [28].

O. Graf untersuchte in weiterer Folge die Auswirkungen der Baumkante und der
Schwindrisse (1938 [29], 1939 [30], 1940 [31], 1941[32]) auf die Festigkeit. Erstere er-
wies sich als untergeordnet, bei Zweiteren wurde vor allem der Einfluss auf die Schub-
festigkeit festgestellt. Die Astigkeit wurde als wesentlichstes Strukturmerkmal bestätigt.

Im skandinavischen Raum untersuchten A. Ylinen (1942) und F. E. Siimes (1944) die


Auswirkungen der Holzrohdichte bzw. des Spätholzanteiles, sowie den Einfluss der ver-
schiedenen Astkonfigurationen. Beide ermittelten dabei ihre Ergebnisse in Modellen un-
ter Einbezug statistischer Methoden [13].

Damit wurde ein Übergang in eine neue Ära eingeleitet der bis heute anhält: Mit dem
Einsatz statistischer Methoden konnten die stark streuenden Eigenschaften des Schnitt-
holzes besser beschrieben und miteinander in Bezug gebracht werden. Dies führte zu
verfeinerten Modellen. Hilfreich war dabei auch das Aufkommen und der Einsatz von
elektronischen Rechenanlagen, womit größere Datenmengen erfasst und ausgewertet
werden konnten.

Als Folge von umfangreichen Versuchsserien und zugehörigen statistischen Auswertun-


gen war schließlich die Zeit der maschinellen Festigkeitssortierung gekommen. Um
1958 kamen die ersten Biegemaschinen in Amerika und England auf den Markt. Diese
basieren bekannterweise auf dem ausgeprägten Zusammenhang zwischen dem (stati-
schen) E – Modul und Bruchfestigkeit.

Aus dem europäischen Raum sind aus dieser Zeit vor allem Forschungsergebnisse aus
England am Forest Products Laboratory BRE Princes Risborough (W. T. Curry, B. Fewell)
und dem skandinavischen Raum (B. Thunell, Stockholm / Schweden) erwähnenswert, wo
umfangreiche Untersuchungen zum Thema Festigkeitssortierung durchgeführt wurden.

Damit setzte eine stürmische Entwicklung im Bereich der (maschinellen) Festigkeitssortie-


rung verbunden mit den Namen zahlreicher Persönlichkeiten ein, welche besonders auf
die Erforschung des Zusammenhangs zwischen E – Modul und Festigkeit konzentriert
war. Aber auch andere Methoden zur Erfassung von wichtigen Sortiermerkmalen wurden
in dieser Zeit entwickelt. Im deutschsprachigen Raum seien beispielsweise die Untersu-
chungen in jüngster Zeit von P. Glos / TU München zur Entwicklung des Iso- und
EuroGreComaten, sowie jene von R. Görlacher / Universität Karlsruhe im Zusammen-
hang mit der Erfassung des dynamischen E – Moduls (Dimter Grademaster) angeführt.
Es setzte eine immer detailliertere und umfangreichere Forschungstätigkeit ein, welche

Manfred AUGUSTIN Seite 12


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,Eine zusammenfassende Darstellung der Festigkeitssortierung von Schnittholz’

den Versuch unternahm, die vielen beeinflussenden Parameter des heterogenen Bau-
stoffes Holz zu erforschen und in Modelle zu integrieren.

Bedingt durch die Dokumentation und die Auswertung sehr umfangreichen Versuchsma-
terials, sowie den zunehmend wahrscheinlichkeitstheoretischen Modellierungen in den
Normenwerken wurde auch die Untersuchung übergeordneter Phänomene der Holzsor-
tierung, wie z.B. den Größeneffekt notwendig. Zur Erklärung: Der Größeneffekt spiegelt
die Tatsache wieder, dass ein bestimmter Fehler, beispielsweise ein Ast vom Durchmes-
ser 30 mm in einem größeren Volumen mit einer höheren Wahrscheinlichkeit auftritt als
in einem kleineren Volumen. Mit Auftreten dieses Fehlers wird in weiterer Folge auch die
Festigkeit bzw. andere Kenngrößen beeinflusst (Stichwort: ,Eine Kette trägt soviel wie ihr
schwächstes Glied !’). Stellvertretend für eine ganze Reihe von Forschern, die sich mit
dieser Art von Problemen auseinandergesetzt haben seien B. Thunell / Stockholm
Schweden, B. Madsen / University of British Columbia Vancouver, Kanada, B. Leicester
/ CSIRO Melbourne, Australien und E. Gehri / ETH Zürich genannt.

Neben diesen übergeordneten Phänomenen des Baustoffes Holz fanden und finden Un-
tersuchungen spezifischer Problembereiche statt. Durch die Möglichkeit moderner Com-
puterprogramme, die Auswirkungen bestimmter Parameter zu modellieren bzw. zu
simulieren, konnten weitere interessante Erkenntnisse gewonnen werden. Diese liegen
allerdings eher im theoretischen Bereich und können zumindest nicht unmittelbar der
Baupraxis zugeführt werden. Erwähnt seien hier die Möglichkeiten der Untersuchung mit-
tels numerischer Methoden, wie z.B. der Methode der Finiten Elemente oder auch die
Anwendung der Bruchmechanik.

In jüngster Zeit sind durch die rasante technische Entwicklung, insbesondere in der Leis-
tungsfähigkeit der Elektronik und Messtechnik, eine Vielzahl neuer Möglichkeiten initiiert
worden. In diesem Zusammenhang sei vor allem auf die Möglichkeiten der digitalen
Bildverarbeitung, der Röntgen- und Mikrowellentechnologie, sowie der Entwicklungen
der Computer Tomographen (CT) und anderer nicht zerstörender Methoden zur Mes-
sung von Materialparametern (NDE & NDT) hingewiesen. Diese Entwicklungen sind der-
zeit noch nicht abgeschlossen, wobei in Hinkunft auf Grund der finanziellen
Marktentwicklung im Schnittholzbereich sowie organisatorischen Überlegungen der Be-
triebe tendenziell die Computer Tomographen zunehmend eingesetzt werden dürften.
CT – Einheiten gestatten bereits im Rundholzstadium einen ,Einblick’ in den Stamm, wo-
durch bereits vor dem Einschnitt Aussagen über die aus dem Rundholzstamm erzielbaren
Schnittholzerzeugnisse gewonnen werden können. Zukünftiger Forschungsbedarf be-
steht nach Meinung des Verfassers in diesem Fall, neben der Entwicklung bzw. Verbes-
serung der eigentlichen Einheiten, vor allem in der Ableitung des Zusammenhanges
zwischen den durch die Anlage erkennbaren Merkmalen und den zugehörigen mecha-
nischen Kenngrößen. Neben den CT – Einheiten sollten aber auch Systeme, welche eine
,gemischte Sortierung’ ermöglichen, in Zukunft an Bedeutung gewinnen. Insbesondere
soll hier die Entwicklung auf Multisensorbasis erwähnt werden, die neben der Messung
festigkeitsrelevanter Merkmale auch solche der Erscheinungssortierung berücksichtigen.
In Speziellen sei hier auf die Entwicklungen der Mustererkennung mit Hilfe der digitalen
Bilderverarbeitung (engl.: ,patern recognition’) hingewiesen. In begrenzten Bereichen,

Manfred AUGUSTIN Seite 13


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wie z.B. der Sortierung von Rohfriesen für die Parkettherstellung, sind solche Systeme be-
reits zufriedenstellend in Betrieben implementiert.

Neben der eigentlichen Sortieraufgabe seien ergänzend auch die Entwicklungen aller
Arten von Optimierungsaufgaben, welche ursächlich durch die Sortierung bedingt sind
erwähnt.

2. 3 Überblick über die historische Entwicklung der DIN 4074


und der DIN 1052 [13], [14], [15], [16], [17]

In diesem Abschnitt soll eine kurze Darstellung der historischen Entwicklung der deut-
schen Sortiernorm für Schnittholz nach der Festigkeit DIN 4074, sowie der damit zusam-
menhängenden Konstruktionsnorm DIN 1052 dargestellt werden.

Neben den Angaben in Fachbüchern, wie jenen von Winkler (,Der hölzerne Brücken-
bau’) und jenen von Lang (,Das Holz als Baustoff’), welche aus Auswertungen der Ver-
suche von Tetmajer und Bauschinger stammen, waren erste Ansätze für eine allgemein
geltende Festlegung von zulässigen Spannungen und damit einhergehend, aus heutiger
Sicht noch recht vage, definierten Sortiermerkmalen in den 1910 erschienenen ,Amtli-
chen Berechnungsvorschriften für Bauholz’ in Preußen zu erkennen [19]. Diese Vorschrif-
ten galten für Hochbauten aus Holz. Auch der 1918 gegründete ,Normalienausschuss
für Maschinenbau’, der Vorläufer des ,Deutschen Institutes für Normung’ (DIN) befasste
sich bereits 1919 im Ausschuss für einheitliche Baupolizeibestimmungen mit Normungs-
fragen für Bauholz, die für alle deutschen Länder gültig sein sollten und veröffentlichte
im August 1921 den ersten Entwurf von DIN E 1052. Wegen des Knickproblems, das zu
diesem Zeitpunkt nicht ausreichend geklärt war, wurde diese Norm jedoch vorerst noch
nicht für verbindlich erklärt.

Im Jahr 1926 wurden die sog. ,Vorläufigen Bestimmungen für Holztragwerke’ gültig für
die deutsche Reichsbahn von K. Schaechterle veröffentlicht [33], [34], welche für alle
deutschen Reichsbahndirektionen bindend waren. Die zugehörigen Versuche wurden
von O. Graf in Stuttgart an Fichten- und Kiefernholz durchgeführt [35]. Es erfolgte erst-
mals eine Aufschlüsselung des wichtigen Sortiermerkmales Astigkeit in ,starke, mittlere
und kleine Äste’. Besonders wurde auf den Einfluss der Holzfeuchte und des Spätholzan-
teiles hingewiesen. Diese führten im Jahre 1930 zum Normblatt 1074 ,Berechnungs-
und Entwurfsgrundlagen für hölzerne Brücken’. Dieses Normenblatt löste das Knickpro-
blem mit Hilfe des ,ω’ – Verfahrens und ermöglichte somit auch die Weiterentwicklung
von DIN 1052. Die damals geltenden zulässigen Spannungen sind der nachfolgenden
Tabelle zu entnehmen:

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Vorschläge bzw. Vorschläge des Arbeitsausschusses Vorläufige Bestimmungen für die


Bestimmungen für einheitliche technische Ausführung von Holztragwerken
Baupolizeibestimmungen vom der Deutschen Reichsbahn –
12. März 1921 Gesellschaft vom Jahre 1926
Bezeichnung Holzart Bemerkungen Holzart Bemerkungen
Laub- Nadel- Laub- Nadel-
holz: holz: holz: holz:
Eiche, Kiefer,
Buche Fichte, Eiche, Kiefer,
Tanne Buche Fichte
Art der 1 2 3 7 8 9
Beanspruchung
a) Druck in der Faser- 90 60 100 80
richtung
b) Druck in der Faser- 100 90 110 90 Gleichzeitig darf im
richtung infolge Schwerpunkte des
Druck u. Biegung Querschnitts die
unter a)
(Kantenpressung) zugelassene Bean-
oder Biegung allein spruchung nicht
überschritten
werden
c) Örtlicher Druck 50 20 Gültig bei einem 35 15 Überstand der
rechtwinklig zur Überstand der das Schwelle ü. d.
Faserrichtung auf 1,5 – fache der Druckfläche i. d.
Schwellenhöhe Faserrichtung
ganzer Breite beträgt mindestens gleich
(Schwellendruck) dem 1,5 – fachen
der Schwellenhöhe
d) Örtlicher Druck 60 25 Die Schwelle muss 50 25 Überstand der
rechtwinklig zur mindestens 2 cm Schwelle über den
Faserrichtung auf breiter sein als der Stempel in der
Stempel Breitenrichtung
einem Bruchteil der mindestens 2 cm, in
Breite (Stempeldruck) der Längsrichtung
mindestens gleich
dem 1,5 – fachen
der Schwellenhöhe
e) Zug in der Faser- 100 90 Eine Erhöhung 110 100 Nur für scharfkantig
richtung dieser Werte ist geschnittenes Holz
unzulässig mit nur kleinen, fest
verwachsenen
Ästen
f) Abscheren in der 15 10 20 12
Faserrichtung
g) Elastizitätsmaß in der 110000 110000 100000 100000
Faserrichtung

Tab. 2.1 zulässige Beanspruchungen und Elastizitätsmaß in kg / cm² aus DIN E 1052, Entwurf 1921
und den vorläufigen Bestimmungen für die Ausführung von Holztragwerken der Deutschen
Reichsbahn – Gesellschaft aus dem Jahre 1926 [34]

Manfred AUGUSTIN Seite 15


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,Eine zusammenfassende Darstellung der Festigkeitssortierung von Schnittholz’

Wie bereits erwähnt, schlägt Seitz 1929 zulässige Spannungen für Bauholz vor, die fol-
gender Tabelle zu entnehmen sind:

Vorschlag für zulässige Spannungen in kg / cm²

Art der Beanspruchung Eiche und Buche Fichte, Tanne, Kiefer

a Druck in Faserrichtung 90 80

b Zug in Faserrichtung 100 90

c Biegung 110 110

d Abscherung in Faserrichtung 20 12

e Druck senkrecht zur Faser als 30 bis 50 1) 15 bis 25 1)


Schwellen- oder Stempeldruck
(Überstand der Schwelle in der
Faserrichtung mindestens gleich der
1½ – fachen Schwellenhöhe)
1)
Die oberen Grenzwerte gelten nur in solchen Fällen, bei denen kleine Eindrückungen zulässig sind

Tab. 2.2 Werte der zulässigen Spannungen nach dem Vorschlag von Seitz aus dem Jahre 1921 [25]

In der Folge der von Seitz in [25] vorgeschlagenen zulässigen Spannungen wird 1931
ein weiterer Entwurf für die Konstruktionsnorm DIN 1052 ,Bestimmungen über die Aus-
führung von Bauwerken aus Holz im Hochbau’ erstmals veröffentlicht und schließlich für
alle deutschen Länder bindend 1933 in Kraft gesetzt. Wie nachfolgender Tabelle zu ent-
nehmen ist, wurden diese Spannungen zum Teil doch wesentlich gegenüber dem Vor-
schlag von Seitz abgeändert [29].

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Art der Beanspruchung Holzart Bemerkungen

Nadelholz Eiche und


Buche

a) Druck in der Faserrichtung 80 100 –

b) Biegung 100*) 110 –

c) Zug in der Faserrichtung 90 105 –

d) 1. Druck rechtwinklig zur 20 40 Der Überstand der Schwellen


Faserrichtung über die Druckfläche in der
Faserrichtung muss beider-
2. Druck rechtwinklig zur 30 50
Faserrichtung bei Bau- seits mindestens gleich dem
teilen, bei denen gering- 1 ½ – fachen der Schwellen-
fügige Eindrückungen höhe sein. Andernfalls sind
unbedenklich sind, oder als die unter d) 1. und 2. ange-
Lochleibungsdruck von Ver- gebenen Spannungen um
bindungsmitteln, die nur
einen Bruchteil des Holz- 1/5 zu ermäßigen
querschnittes nach Höhe
und Breite beanspruchen

e) Abscheren in der Faserrichtung 12 20 –


*) Für übliches Bauholz im Wohnungsbau 90 kg/cm²

Tab. 2.3 Zulässige Spannungen in kg / cm² für Bauholz nach DIN 1052, Ausgabe 1933 [29]

Zu erwähnen ist noch der Umstand, dass die zulässigen Spannungen für den Hochbau
(DIN 1052) und den Brückenbau (DIN 1074) unterschiedliche Werte auswiesen. Diese
betrafen den Zug parallel zur Faser und den Druck normal zur Faser und waren für den
Brückenbau um rund 10 % tiefer angesetzt als jene für den Hochbau, obwohl im
Brückenbau bereits damals ein dynamischer Beiwert zu berücksichtigen war. Die Steifig-
keitswerte waren mit einem E – Modul von EII = 100.000 kg / cm² für Nadelholz und
EII = 125.000 kg / cm² festgelegt [37].

Die angeführten Werte für die zulässigen Beanspruchungen galten für ,baureifes Holz
mit wenig Ästen’, es gab also noch keine quantitative Festlegung von Sortierparametern.
Diesen Umstand beendete man 1939 durch erstmalige Auflage der DIN 4074 ,Gütebe-
dingungen für Bauholz’. In ihr sind Mess- und Beurteilungskriterien für eine visuelle Sor-
tierung von Kanthölzern, Brettern und Bohlen festgelegt, welche großteils auf den
Untersuchungen von O. Graf beruhten [38].

Manfred AUGUSTIN Seite 17


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Die in der DIN 4074 festgelegten Güteklassen sind wie folgt bezeichnet:

- Güteklasse I: Bauholz mit besonders hoher Tragfähigkeit

- Güteklasse II: Bauholz mit gewöhnlicher Tragfähigkeit

- Güteklasse III: Bauholz mit geringer Tragfähigkeit

Die Güteklassen sollten einen möglichst wirtschaftlichen Umgang mit der Ressource
Holz sicherstellen.

Die zulässigen Spannungen für die Hölzer der drei Güteklassen waren dabei den Nor-
men:

- DIN 1052
,Bestimmungen für die Ausführung von Bauwerken aus Holz im Hochbau’

und

- DIN 1074
,Berechnungs- und Entwurfsgrundlagen für Brücken’

zu entnehmen.

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Eine Sortierung in mehrere Güteklassen macht nur Sinn, wenn den einzelnen Klassen
auch differenzierte zulässige Spannungen für eine Bemessung zugeordnet werden kön-
nen. Somit wurde eine Neuausgabe von DIN 1052 notwendig, welche im Jahre 1941
unter dem bis heute bestehenden Namen ,Holzbau – Berechnung und Ausführung’ er-
folgte. Die nunmehr an die Güteklassen angepassten zulässigen Spannungen sind in der
unten angegebenen Tabelle angeführt:

Art der Beanspruchung zulässige Spannungen Bemerkungen

Holzart Holzart Holzart


Güteklasse I Güteklasse II Güteklasse III

Nadel- Laub- Nadel- Laub- Nadel- Laub-


holz holz holz holz holz holz

1 2 3 4 5 6 7 8

a) 1. Biegung auch 130*) 140 100*) 110 70 75 -


Biegung mit
Längskraft
σ B,zul

2. Biegung bei 140 155 110 120 75 80 -


durchlauf-
enden Trägern
σ B,zul

b) Zug in der 105 110 85 100 0 0 -


Faserrichtung
σ Z,zul

c) Druck in der 110**) 120 85**) 100 60 70 -


Faserrichtung
σ DII,zul

d) 1. Druck recht- 20 30 20 30 20 30 Der Überstand der


Schwellen über die
winklig zur Druckfläche in der
Faserrichtung Faserrichtung muss
σ D⊥,zul beiderseits mindestens
gleich dem 1½ –
fachen der Schwellen-
2. Druck recht- 25 40 25 40 25 40 höhe sein. Andernfalls
winklig zur sind die unter d)1. und
Faserrichtung d)2. angegebenen
σ D⊥ ,zul Spannungen um 1/5 zu
ermäßigen

e) Abscheren in d. 9 12 9 10 9 10 -
Faserrichtung u. in
der Leimfuge
τzul

*) Für Lärchenholz sind um 10 kg / cm² höhere Werte zulässig.


**) Für Lärchenholz sind um 5 kg / cm² höhere Werte zulässig.

Tab. 2.4 Zulässige Spannungen in kg / cm² nach DIN 1052, Ausgabe 1941 [38]

Manfred AUGUSTIN Seite 19


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,Eine zusammenfassende Darstellung der Festigkeitssortierung von Schnittholz’

Im Weiteren erfolgten Neuauflagen in den Jahren 1943, 1947 und 1953, welche aber
in Bezug auf die Sortierung bzw. die Festlegung der zulässigen Spannungen keine Ver-
änderungen mit sich brachten [17].

Durch die für Brettlamellen ungünstig festgelegte Methode zur Bestimmung der Astigkeit
und dem verstärkten Einsatz von Brettern für den Bau der sog. ,Brettlbinder’, sowie der
Entwicklungen rund um das Brettschichtholz wurde 1958 eine Revision der DIN 4074
notwendig. Die dafür notwendigen Untersuchungen wurden von E. Gaber und E. Kolb
in Stuttgart durchgeführt [39].

Die Neuauflagen von DIN 1052 in den Jahren 1969 und 1988 legten, wie die bisher
erschienenen Ausgaben, zulässige Spannungen und elastische Kennwerte für visuell sor-
tiertes Bauholz der Güteklassen I, II und III fest [17].

Durch die zwischenzeitliche Entwicklung im Bereich der maschinellen Schnittholzsortie-


rung und deren Zulassungserfordernissen sah man sich gezwungen, die Sortiernorm DIN
4074 in großem Umfang zu überarbeiten. Daher kam es 1989 zur Herausgabe des in
den wesentlichen Punkten bis heute bestehenden Normenpaketes DIN 4074 mit den
Einzelnormen [40]:

- DIN 4074 – Teil1:


,Sortierung von Nadelholz nach der Tragfähigkeit – Nadelschnittholz’

- DIN 4074 – Teil3:


,Sortierung von Nadelholz nach der Tragfähigkeit – Sortiermaschinen;
Anforderungen und Prüfung’

- DIN 4074 – Teil4:


,Sortierung von Nadelholz nach der Tragfähigkeit – Nachweis der Eignung zur
maschinellen Schnittholzsortierung’

Manfred AUGUSTIN Seite 20


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In DIN 4074 –1 sind dabei die Anforderungen und Kriterien an die visuelle und maschi-
nelle Sortierung festgelegt. Wesentlicher Inhalt dieses Normenwerkes sind Sortierregeln
für insgesamt sieben Sortierklassen – vier maschinelle und drei visuelle – welche wie folgt
bezeichnet wurden:

- Nach visuell feststellbaren Merkmalen die Sortierklassen:

S7 Schnittholz mit geringer Tragfähigkeit

S 10 Schnittholz mit üblicher Tragfähigkeit

S 13 Schnittholz mit überdurchschnittlicher Tragfähigkeit

- Nach maschinell zu ermittelnden Eigenschaften und zusätzlichen visuellen Sortier-


merkmalen die Sortierklassen:

MS 7 Schnittholz mit geringer Tragfähigkeit

MS 10 Schnittholz mit üblicher Tragfähigkeit

MS 13 Schnittholz mit überdurchschnittlicher Tragfähigkeit

MS 17 Schnittholz mit besonders hoher Tragfähigkeit

Als zu berücksichtigende Merkmale des Schnittholzes wurden festgelegt:

- Waldkante

- Äste (Äste in Kanthölzern, Äste in Brettern, Bohlen und Latten)

- Jahrringbreite

- Faserneigung

- Risse (Blitz- und Frostrisse, Ringschäle, Schwindrisse)

- Verfärbungen (Bläue, braune und rote Streifen, Rot- und Weißfäule)

- Druckholz

- Insektenfraß

- Mistelbefall

- Krümmung (Verdrehung, Längs- und Querkrümmung)

- Markröhre

Manfred AUGUSTIN Seite 21


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,Eine zusammenfassende Darstellung der Festigkeitssortierung von Schnittholz’

Neben einer Tabelle für den Anwendungsbereich, der Regelung der Holzfeuchte, dem
Sollquerschnitt und den anzuwendenden Kennzeichnungen sind auch normenmäßige
Hinweise auf die maschinelle Schnittholzsortierung anzuwenden.

Abschließend werden die Sortierkriterien der DIN 4074, Teil 1 mit den Anforderungen
für Kanthölzer (Tabelle 2), Bohlen, Bretter und Latten (Tabelle 3) und zusätzlichen Krite-
rien für Schnittholz bei der maschinellen Sortierung (Tabelle 4) angeführt, wobei eine de-
taillierte Darstellung der einzelnen Messmethoden zur Ermittlung der Sortiermerkmale in
Kapitel 5 angegeben wird [N2].

Sortiermerkmale Sortierklassen
S7 S 10 S 13
1. Baumkante alle vier Seiten müssen bis 1/3, in jedem Querschnitt bis 1/8, in jedem Querschnitt
durchlaufend vom Schneid- muss mindestens 1/3 jeder muss mindestens 2/3 jeder
werkzeug gestreift sein Querschnittsseite von Baum- Querschnittsseite von Baum-
kante frei sein kante frei sein
2. Äste bis 3/5 bis 2/5 bis 1/5
nicht über 70 mm nicht über 50 mm
3. Jahrringbreite
– im Allgemeinen – bis 6 mm bis 4 mm
– bei Douglasie – bis 8 mm bis 6 mm
4. Faserneigung bis 200 mm/m bis 120 mm/m bis 70 mm/m
5. Risse
– radiale Schwind-
risse zulässig zulässig zulässig
(= Trockenrisse)
– Blitzrisse
– Frostrisse nicht zulässig nicht zulässig nicht zulässig
– Ringschäle
6. Verfärbungen
– Bläue zulässig zulässig zulässig
– nagelfeste braune bis zu 3/5 der Querschnitts bis zu 2/5 der Querschnitts bis zu 1/5 der Querschnitts
und rote Streifen oder der Oberfläche zulässig oder der Oberfläche zulässig oder der Oberfläche zulässig
– Rotfäule, Weiß- nicht zulässig nicht zulässig nicht zulässig
fäule
7. Druckholz bis zu 3/5 des Querschnitts bis zu 2/5 der Querschnitts bis zu 1/5 der Querschnitts
oder der Oberfläche zulässig oder der Oberfläche zulässig oder der Oberfläche zulässig
8. Insektenbefall Froßgänge bis 2 mm Durchmesser von Frischholzinsekten zulässig
9. Mistelbefall nicht zulässig nicht zulässig nicht zulässig
10. Krümmung
– Längskrümmung, bis 15 mm / 2 m bis 8 mm / 2 m bis 5 mm / 2 m
Verdrehung

Tab. 2.5 Sortierkriterien für Kanthölzer bei der visuellen Sortierung, Tabelle 2 aus [N2]

Manfred AUGUSTIN Seite 22


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Sortiermerkmale Sortierklassen
S7 S 10 S 13
1. Baumkante alle vier Seiten müssen bis 1/3, in jedem Querschnitt bis 1/8, in jedem Querschnitt
durchlaufend vom muss mindestens 1/3 jeder muss mindestens 2/3 jeder
Schneidwerkzeug gestreift Querschnittsseite von Querschnittsseite von
sein Baumkante frei sein Baumkante frei sein
2. Äste
2.1. Einzelast bis 1/2 bis 1/3 bis 1/5
2.2. Astansammlung Kantenflächenäste nach DIN 68256, die sich über 1/
3 der Breite erstrecken, sind nicht zulässig
bis 2/3 bis 1/2 bis 1/3
3. Jahrringbreite
– im Allgemeinen – bis 6 mm bis 4 mm
– bei Douglasie – bis 8 mm bis 6 mm
4. Faserneigung bis 200 mm/m bis 120 mm/m bis 70 mm/m
5. Risse
– radiale Schwind-
risse zulässig zulässig zulässig
(= Trockenrisse)
– Blitzrisse
– Frostrisse nicht zulässig nicht zulässig nicht zulässig
– Ringschäle
6. Verfärbungen
– Bläue zulässig zulässig zulässig
– nagelfeste bis zu 3/5 der bis zu 2/5 der bis zu 1/5 der
braune Querschnitts oder der Querschnitts oder der Querschnitts oder der
und rote Streifen Oberfläche zulässig Oberfläche zulässig Oberfläche zulässig
– Rotfäule, nicht zulässig nicht zulässig nicht zulässig
Weißfäule
7. Druckholz bis zu 3/5 des bis zu 2/5 der bis zu 1/5 der
Querschnitts oder der Querschnitts oder der Querschnitts oder der
Oberfläche zulässig Oberfläche zulässig Oberfläche zulässig
8. Insektenbefall Froßgänge bis 2 mm Durchmesser von Frischholzinsekten zulässig
9. Mistelbefall nicht zulässig nicht zulässig nicht zulässig
10. Krümmung
– Längs- bis 15 mm / 2 m bis 8 mm / 2 m bis 5 mm / 2 m
krümmung,
Verdrehung
– Quer- bis 1/20 bis 1/30 bis 1/50
krümmung
11. Markröhre zulässig zulässig nicht zulässig
1) Vorwiegend hochkant biegebeanspruchte Bretter und Bohlen sind wie Kantholz zu sortieren

Tab. 2.6 Sortierkriterien für Bohlen, Bretter und Latten bei der visuellen Sortierung1),
Tabelle 3 aus [N2]

Manfred AUGUSTIN Seite 23


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Sortiermerkmale Sortierklassen

MS 7 MS 10 MS 13 MS 17
1. Baumkante alle vier Seiten bis 1/3, in jedem bis 1/8, in jedem bis 1/8, in jedem
müssen durchlauf- Querschnitt muss Querschnitt muss Querschnitt muss
end vom Schneid- mindestens 1/3 mindestens 2/3 mindestens 2/3
werkzeug gestreift jeder Querschnitts- jeder Querschnitts- jeder Querschnitts-
sein seite von Baum- seite von Baum- seite von Baum-
kante frei sein kante frei sein kante frei sein

5. Risse

– radiale Schwindrisse zulässig zulässig zulässig zulässig


(= Trockenrisse)

– Blitzrisse

– Frostrisse nicht zulässig nicht zulässig nicht zulässig nicht zulässig

– Ringschäle

6. Verfärbungen

– Bläue zulässig zulässig zulässig zulässig

– nagelfeste braune bis 3/5 des Quer- bis 3/5 des Quer- bis 3/5 des Quer- bis 3/5 des Quer-
und rote Streifen schnitts oder der schnitts oder der schnitts oder der schnitts oder der
Oberfläche Oberfläche Oberfläche Oberfläche

– Rotfäule
nicht zulässig nicht zulässig nicht zulässig nicht zulässig
– Weißfäule

8. Insektenbefall Fraßgänge bis 2 mm Durchmesser von Frischholzinsekten zulässig

9. Mistelbefall nicht zulässig nicht zulässig nicht zulässig nicht zulässig

10. Krümmung

– Längskrümmung, bis 15 mm / 2m bis 8 mm / 2 m bis 5 mm / 2m bis 5 mm / 2 m


Verdrehung

Tab. 2.7 Zusätzliche Sortierkriterien für Schnittholz bei der maschinellen Sortierung,
Tabelle 4 aus [N2]

Die beiden Normen DIN 4074 – Teil 3 und 4 beziehen sich auf die Anforderungen an
Sortiermaschinen. Teil 3 regelt dabei den Betrieb und die Überwachung der Sortieran-
lagen, während im Teil 4 der Vorgang für die prinzipielle (bzw. erstmalige) Zulassung
der Sortiereinheit festgelegt ist [N3], [N4].

Im Zuge der Aufnahme der maschinellen Sortierklassen in DIN 4074 wurde die bisherige
Bezeichnung ,Güteklassen’ auf die allgemeiner gehalterene Bezeichnung ,Sortierklas-
sen’ umgestellt.

Manfred AUGUSTIN Seite 24


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Naturgemäß konnte die nunmehr durch die maschinelle Festigkeitssortierung möglich


gewordene effizientere Sortierung und dem damit verbundenen noch besseren Umgang
im Einsatz von Schnittholz in der DIN 1052, Ausgabe 1988 noch nicht eingebracht wer-
den. Dies wurde 1996 mit der Vorlage des Ergänzungsblattes A1 zu DIN 1052, Teil 1
[N5] nachgeholt. Die Festlegung der Rechenwerte für Elastizitäts- und Schubmoduln so-
wie der zulässigen Spannungen für Vollholz und Brettschichtholz ist dabei den nachfol-
genden Tabelle zu entnehmen:

Holzart Sortierklasse nach Elastizitätsmoduln Schubmodul G


DIN 4074-12)
parallel zur rechtwinklig zur
Faserrichtung Faserrichtung
EII E⊥

1 Fichte, Kiefer, Tanne, S 7 bzw. MS 7 8000 250 500


Lärche, Douglasie,
Southern Pine, Wes- S 10 bzw. MS 10 10000 3) 4) 300 500
tern Hemlock, Yellow S 13 10500 3) 4) 350 500
Cedar1)
MS 13 11500 3)
350 550

MS 17 12500 3) 400 600

2 Holzarten nach Zeile S 10 bzw. MS 10 11000 350 550


1 bei Verwendung als
Lamellen für Brett- S 13 12000 400 600
schichtholz MS 13 13000 400 650

MS 17 14000 450 700

A Eiche, Buche, Teak,


Keruing (Yang) mittlere Güte 5) 12500 600 1000

B Afzelia, Merbau,
Angelique (Basra mittlere Güte 5) 13000 800 1000
locus)

C Azobè (Bongossi),
Greenheart mittlere Güte 5) 17000 6) 1200 6) 1000 6)
1)
Botanische Namen siehe DIN 4076 – 1
2)
Den Sortierklassen S 7, S 10 und S 13 entsprechen die Güteklassen III, II bzw. I von DIN 4074–2
3)
Für Holz, das mit einer Holzfeuchte ≤ 15 % eingebaut wird, dürfen die Werte um 10 % für Durch-
biegungsberechnungen erhöht werden.
4) Für Baurundholz: E = 12000 N/mm²
II
5) Mindestens Sortierklasse S 10 im Sinne von DIN 4074 – 1 bzw. Güteklasse II im SInne von
DIN 4074 – 2.
6) Diese Werte gelten unabhängig von der Holzfeuchte.

Tab. 2.8 Rechenwerte für Elastizitäts- und Schubmoduln in MN/m² für Voll- und Brettschichtholz
(Holzfeuchte ≤ 20 %), Tabelle 1 aus DIN 1052 – 1 / A1 (1996)

Manfred AUGUSTIN Seite 25


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Art der Beanspruchung Vollholz (aus Holzarten nach Tabelle 1, Vollholz (aus
Zeile 1) Laubhölzern nach
Sortierklasse nach DIN 4074-11) Tabelle 1)
Holzartengruppen

S7 S 10 S 13 MS 13 MS17 A B C
bzw. bzw.
MS 7 MS 10 2)
mittlere Güte

1 Biegung zul σB 7 10 13 15 17 11 17 25

2 Zug zul σZII 03) 7 9 10 12 10 10 15

3 Zug zul σZ⊥ 03) 0,05 0,05 0,05 0,05 0,05 0,05 0,05

Druck zul σDII 6 8,5 11 11 12 10 13 20

4 Druck zul σD⊥ 2,0 2,0 2,0 2,5 2,5 3 4 8


2,54) 2,54) 2,54) 34) 34) 44) - -

5 Abscheren zul τa 0,9 0,9 0,9 1 1 1 1,4 2

6 Schub aus Querkraft zul τQ 0,9 0,9 0,9 1 1 1 1,4 2

7 Torsion zul τT 0 1 1 1 1 1,6 1,6 2


1)
Den Sortierklassen S 7, S 10 und S 13 entsprechen die Güteklassen III, II und I von DIN 4074 – 2.
2)
Mindestens Sortierklasse S 10 nach DIN 4074 – 1 bzw. Güteklasse II nach DIN 4074 – 2.
3) Für MS 7 gilt: zul σ = 4 N/mm², zul σ =0,05 N/mm²
ZII Z⊥
4) Bei Anwendung dieser Werte ist mit größeren Eindrückungen zu rechnen, die erforderlichenfalls kon-
struktiv zu berücksichtigen sind. Bei Anschlüssen mit verschiedenen Verbindungsmitteln dürfen diese
Werte nicht angewendet werden.
5) Für Kastenquerschnitte sind die Werte nach Zeile 7 einzuhalten.

Tab. 2.9 Zulässige Spannungen für Vollholz in MN/m² im Lastfall H, Tabelle 5 aus DIN 1052 - A1
(1996) [N5]

Die derzeitig in Deutschland gültige Sortiernorm stammt aus dem Jahre 2003 und bein-
haltet die nachfolgend angeführten Änderungen [41]. Diese werden deshalb ausführli-
cher dargestellt, weil diese Norm entsprechend den bisherigen Gepflogenheiten auch in
das Österreichische Normenwerk übergehen wird (derzeit als ,Normenentwurf’ vorlie-
gend) und aus diesem Grund von besonderem Interesse für die nahe Zukunft ist:

- neue Bezeichnung der maschinellen Sortierklassen


Die maschinellen Sortierklassen werden in Zukunft durch die Angabe der Festig-
keitsklasse nach DIN EN 338 und deren einzuhaltenden charakteristischen Festig-
keits-, Steifigkeits- und Rohdichtekennwerten beschrieben. Die maschinell
ermittelten Sortierklassen werden durch den Zusatz M gekennzeichnet, also z.B.
,C30M’.

- DIN 4074 als Produktnorm


Wie einleitend bereits erwähnt, können Normenwerke als Ausführungs-, Produkt-
oder Prüfnormen herausgegeben werden. In diesem Sinne stellt die DIN 4074
eine Produktnorm dar und wurde als solche in die deutsche Bauregelliste A auf-
genommen.

Manfred AUGUSTIN Seite 26


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,Eine zusammenfassende Darstellung der Festigkeitssortierung von Schnittholz’

- Mess- (Holz-)bezugsfeuchte u = 20 %
Die Mess- (Holz-) bezugsfeuchte wurde entgegen früheren Ausgaben auf die Be-
zugsfeuchte u = 20 % festgelegt. Dies wurde einerseits auf Grund der Entwicklung
des europäischen Normenwerkes nötig, andererseits können die Sortierkriterien
Krümmung und Schwindrisse nur bei trockenem Schnittholz mit u ≤ 20 % zuver-
lässig ermittelt werden. Deshalb unterscheidet DIN 4074 zukünftig zwischen
trocken sortiertem (u ≤ 20 %) und nicht trocken sortiertem, d.h. frisch eingeschnit-
tenem Holz, bei dem die beiden oben erwähnten Sortierkriterien unberücksichtigt
bleiben.

- Schwindrisse in Kanthölzern
Entsprechend den Vorgaben europäischer Normenwerke sind Schwindrisse in
Kanthölzern zukünftig zu begrenzen, was in DIN 4074:2003 durch Regelung der
maximalen Schwindrisstiefe und -länge geschehen ist

- Kennzeichnung (Ü - Zeichen)
Nach DIN 4074 sortiertes Holz muss in Hinkunft mit dem Übereinstimmungszei-
chen gekennzeichnet werden. Für visuell sortiertes Holz wird eine Übereinstim-
mungserklärung des Herstellers (ÜH) ausreichen.

Für vorwiegend hochkant beanspruchte Bretter und Bohlen, die wie Kanthölzer
sortiert werden müssen ist zusätzlich die Bezeichnung ,K’ aufweisen, also z.B.
,S10 K’ für ein hochkant beanspruchtes Brett der Sortierklasse S 10

Ebenfalls anzugeben ist die Art der Sortierung in Bezug auf die Holzfeuchte. Bei
trocken sortiertem Holz ist daher die Bezeichnung ,TS’ anzugeben.

- Gesonderte Sortierregeln für Dachlatten


Die bisherigen Sortierregeln sind auf Dachlatten nicht sinngemäß übertragbar und
würden bei Anwendung zu einem hohen Ausschussanteil führen, weshalb man
sich entschied, eigene Sortierregeln für Dachlatten in die DIN 4074 – Teil 1 auf-
zunehmen, wobei lediglich zwischen den Sortierklassen ,S 10’ und ,S 13’ unter-
schieden wird.

- Gesonderte Sortierregeln für Laubschnittholz


Um die Verwendung von Laubschnittholz für lastabtragende Zwecke auf eine si-
chere normativ geregelte Basis zu stellen, wurde ein eigener Normenteil ,DIN
4074 – Teil 5 ,Laubschnittholz’ eingeführt. Um den Umgang mit dieser Norm zu
erleichtern, entsprechen die Sortierregeln dabei jenen von Nadelschnittholz. Wie
in DIN 4074 – 1 wird eine Sortierung für Kanthölzer, sowie Bretter und Bohlen ge-
regelt. Die Sortierung von Latten wurde nicht festgelegt. Wegen der mit Laubholz
erreichbaren höheren Festigkeiten werden die visuell sortierten Sortierklassen im
Unterschied zu jenen der Nadelhölzer zusätzlich mit dem Buchstaben ,L’ gekenn-
zeichnet, also z.B. ,LS 10’.

- Sonstige Änderungen
In Anpassung an die europäische Normung wurde der Begriff ,Kantenflächenast’
in ,Schmalseitenast’ abgeändert. Auf Basis umfangreicher Untersuchungen konnte
gezeigt werden, dass dieses Kriterium für die Sortierung von Brettern für die Brett-
schichtholzproduktion keinen Einfluss hat und die Anwendung dieses Kriteriums
dafür gänzlich entfallen darf.

Manfred AUGUSTIN Seite 27


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,Eine zusammenfassende Darstellung der Festigkeitssortierung von Schnittholz’

Ebenfalls an die europäische Normung angepasst wurden die Sortierkriterien


,Baumkante’, ,Krümmung’ und ,Jahrring’. Die Erfassung dieser Kriterien wurden
zum Teil geringfügig verändert.

Zusammenfassend kann also festgestellt werden, dass eine zunehmende Orientierung


der Inhalte von DIN 4074 an die europäische Normung zu erkennen ist. Die Entwicklung
der europäischen Normung im Bereich der Schnittholzsortierung wird in Abschnitt 2.5
dargestellt.

Tendenziell ebenfalls diesem Trend folgend wird derzeit (Mai 2004) die Einführung einer
neuen DIN 1052 (sog. ,BEKS – Entwurf’) [42] vorbereitet. Der derzeitige Stand sieht die
Veröffentlichung im Juli 2004 vor. Diese Norm bringt eine Umstellung vom bisher ge-
bräuchlichen deterministischen Sicherheitskonzept mit ,zulässigen Spannungen’ hin zum
,semi – probabilistischen’ Normenkonzept mit Teilsicherheitsbeiwerten mit sich und führt
als solches zu einer umfassenden Veränderung in der Holzbaunormung Deutschlands.
Dementsprechend müssen auch die Baustoffkenngrößen neu definiert werden. Die in
Zukunft geltenden charakteristischen Baustoffkenngrößen können der nachfolgenden
Tabelle entnommen werden.

Manfred AUGUSTIN Seite 28


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,Eine zusammenfassende Darstellung der Festigkeitssortierung von Schnittholz’

1 2 3 4 5 6
1 Festigkeitsklasse CD 16 CD 24 CD 30 CD 35 CD 40
Festigkeitskennwerte in N/mm²
2 Biegung fm,k 1) 16 24 30 35 40
3 Zug parallel 1) 10 14 18 21 24
ft,0,k
4 Zug rechtwinklig ft,90,k 0,4 0,4 0,4 0,4 0,4
5 Druck parallel fc,0,k 17 21 23 25 26
6 Druck rechtwinklig fc,90,k 2,2 2,5 2,7 2,8 2,9
7 Schub und Torsion fv,k 2,7 2,7 2,7 2,7 2,7
8 Rollschub fR,k 3) 1,0 1,0 1,0 1,0 1,0
Steifigkeitskennwerte in N/mm²
7 Elastizitätsmodul
E0,mean1) 2) 8000 11000 12000 13000 14000
parallel
8 Elastizitätsmodul
E90,mean2) 270 370 400 430 470
rechtwinklig
9 Schubmodul G 2) 3) 500 690 750 810 880
Rohdichtekennwerte in kg / m³
10 Rohdichte ρk 310 350 380 400 420
1)
Bei nur von Rinde und Bast befreitem Nadelrundholz dürfen in den Bereichen ohne
Schwächung der Randzone um 20 % erhöhte Werte in Rechnung gestellt werden.
2)
Für die charakteristischen Steifigkeitskennwerte E0,05, E90,05 und G05 gelten die
Rechenwerte: E0,05 = 2/3 · E0,mean; E90,05 = 2/3 · E90,mean; G05 = 2/3 · Gmean.
3)
Der zur Rollschubbeanspruchung gehörende Schubmodul darf mit GR,mean = 0,1 · Gmean
angenommen werden.

Tab. 2.10 Rechenwerte für die charakteristischen Festigkeits-, Steifigkeits- und Rohdichtekennwerte für
Nadelholz der Festigkeitsklassen CD 16 bis CD 40; Tabelle M.5; Vorzugsklassen sind un-
terlegt; aus Schlussentwurf Bemessungsnorm Holzbau BEKS – 2002 [42]

Die bisherigen Sortierklassen nach DIN 4074 – 1 (1989) und DIN 4074 – 2 (1958) wer-
den im neuen Normenkonzept den in der nachfolgenden Tabelle angeführten Festig-
keitsklassen wie folgt zugeordnet.

Manfred AUGUSTIN Seite 29


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1 2 3 4 5

1 Festigkeits- Sortierklasse1) 2) 3) Holzart Herkunft Botanische


klasse nach Handelsname Bezeichnung
DIN 4074 – 1 bzw. nach
DIN 4074 – 2 DIN EN 1912,
Tabelle 3

S 7/C16M
2 CD 16
III

S 10/C24M Fichte CNE – Europa4) 22


3 CD 24
II Tanne CNE – Europa4) 1
Kiefer CNE – Europa4) 47
S 13/C30M
4 CD 30 Lärche CNE – Europa4) 15
I
Douglasie Deutschland 54
5 CD 35 C35M

6 CD 40 C35M
1)
Diese Zuordnung gilt für trocken sortiertes Holz (TS)
2)
Vorwiegend hochkant biegebeanspruchte Bretter und Bohlen sind wie Kantholz zu sortieren und
entsprechend zu kennzeichnen (k)
3) Grundsätzlich kann Nadelholz maschinell in jede gewünschte Festigkeitsklasse sortiert werden
4) CNE – Europa ist die Abkürzung für Mittel-, Nord- und Osteuropa

Tab. 2.11 Zuordnung von Nadelholzarten und Sortierklassen nach DIN 4074 – 1 (1989) und DIN
4074 – 2 (1958) zu den Festigkeitsklassen CD 16 bis CD 40; aus Schlussentwurf Be-
messungsnorm Holzbau BEKS – 2002 [42]

Manfred AUGUSTIN Seite 30


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2. 4 Überblick über die historische Entwicklung der österreichi-


schen Normung für eine Sortierung von Schnittholz nach
der Festigkeit

Das österreichische Normenkonzept sah bei seinem Entstehen keine Trennung zwischen
Konstruktions- und Sortiernorm vor. Die Güteanforderungen an Schnittholz für tragende
Zwecke waren somit integrativer Bestandteil der 1951 erstmalig erschienenen ÖNORM
B 4100, Teil 2. Auch verzichtete man auf die Berücksichtigung unterschiedlicher Güte-
bzw. Sortierklassen und legte lediglich Sortierkriterien für eine einzige Güteklasse, das
sog. ,Gute Bauholz’ fest. Dieses entsprach in der Festlegung der zulässigen Spannungen
für Vollholz und den dafür einzuhaltenden Sortierbedingungen der bereits erwähnten
visuellen Sortierklasse ,S10’ nach DIN 4074 – Teil 1 [40].

Um den veränderten Gegebenheiten der Holzsortierung, insbesondere den technischen


Möglichkeiten der maschinellen Schnittholzsortierung gerecht zu werden, entschied man
sich im zuständigen Fachnormenausschuss FNA 012 ,Holzbau’ am Österreichischen
Normungsinstitut zu einer umfangreichen Abänderung der bisherigen Normenregelung.
So wurde mit Erscheinungsdatum Juni 1996 die vollinhaltliche Übernahme der oben an-
geführten Normenreihe DIN 4074, Ausgabedatum 1989 [N7],[N8],[N9] beschlossen,
d.h. ab diesem Zeitpunkt unterscheidet auch das österreichische Normenkonzept sieben
Sortierklassen – vier maschinelle (MS 7, MS 10, MS 13 und MS 17) und drei visuelle
(S 7, S 10 und S 13) – und regelt deren Anwendung. Die zulässigen Spannungen bzw.
Materialkennwerte der oben angeführten Sortierklassen sind in der mit
1. Dezember1997 neu herausgegebenen ÖNORM B 4100 – 2 [N6] festgelegt und kön-
nen der unten stehenden Tabelle entnommen werden. Die zulässigen Spannungen und
Steifigkeitswerte sind auf Grund der Übernahme der ÖNORM DIN 4074 eng an jene
der DIN 1052 – 1 / A1 (1996) angelehnt [40].

Manfred AUGUSTIN Seite 31


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,Eine zusammenfassende Darstellung der Festigkeitssortierung von Schnittholz’

Moduln bzw. Vollholz Vollholz aus


Art der Beanspruchung aus Fichte, Tanne, Kiefer, Lärche, Douglasie Eiche und
Sortierklasse nach ÖNORM DIN 4074 – 1 Buche

S7/ S 10 / S 13 MS 13 MS17 mittlere


MS 7 MS 10 Güte1)

1 E – Modul faserparallel 8000 10000 10500 11500 12500 12500


2) 3) 2) 3) 2) 2)

2 E – Modul fasernormal 250 300 350 350 400 600

3 Schubmodul G 500 500 500 550 600 1000

4 Biegung zul σB 7 10 3) 13 3) 15 17 11

5 Zug zul σZII 0/4 7 9 10 12 10

6 Zug zul σZ⊥ 0/0,05 0,05 0,05 0,05 0,05 0,05

7 Druck zul σDII 6 8,5 3) 11 3) 11 12 10

8a Druck zul σD⊥ 2 2 2,5 2,5 2,5 3

8b Druck 4) zul σD⊥ 2,5 2,5 3 3 3 4

9 Abscheren zul τa 0,9 0,9 0,9 1 1 1

10 Schub aus Querkraft zul τQ 0,9 0,9 0,9 1 1 1

11 Torsion zul τT 0 1 1 1 1 1,6


1)
Mindestens Sortierklasse S 10 im Sinne von ÖNORM DIN 4074 – 1.
2)
Für Holz, das mit einer Holzfeuchte ≤ 15 % eingebaut wird, darf dieser Wert um 10 % erhöht werden,
wenn beim Einbau die Holzfeuchte nachgewiesen wird.
3) Dieser Wert darf bei Baurundholz ohne Schwächung der Randzone um 20 % erhöht werden.
4) Bei Anwendung dieser Werte ist mit größeren Eindrückungen zu rechnen, die erforderlichenfalls kon-
struktiv zu berücksichtigen sind. Bei Anschlüssen mit verschiedenen Verbindungsmitteln dürfen diese
Werte nicht angewendet werden.
5) Für Kastenquerschnitte sind die Werte nach Zeile 10 einzuhalten.

Tab. 2.12 Elastizitätsmoduln, Schubmoduln und zulässige Spannungen in N/mm² für Vollholz, auch
keilgezinkt (Holzfeuchte ≤ 20 % der Darrmasse), Tabelle 1 aus ÖNORM B 4100 – 2 (1997),
[N6]

Derzeit (Mai 2004) wird die ÖNORM B 4100 – 2 unter Führung von Prof. Schickhofer
an der TU Graz neu überarbeitet und an das europäische Normenkonzept mit Teilsicher-
heitsbeiwerten (,semi – probabilistisches Sicherheitskonzept’) angepasst. Mit der Fertig-
stellung bzw. Herausgabe dieser Neufassung ist Ende 2005 zu rechnen [43].

Manfred AUGUSTIN Seite 32


Diplomarbeit
,Eine zusammenfassende Darstellung der Festigkeitssortierung von Schnittholz’

2. 5 Überblick über die Entwicklung der europäischen


Normung für eine Sortierung nach der Festigkeit [11], [44]

Neben Handelshemnissen durch Zölle u.a. wird der freie Wirtschaftsverkehr in einem
Markt auch durch nicht einheitlich geregelte technische Vorschriften behindert. Für den
europäischen Wirtschaftsraum entschloss man sich daher zur Verbesserung der Funkti-
onsfähigkeit eines freien Marktes für Waren, Personen, Dienstleistungen und Kapital
schrittweise zu einer Vereinheitlichung dieser Bestimmungen (EWG – Vertrag von Rom,
1957). Für den Bereich des Bauwesens veröffentlicht die Kommision der Europäischen
Gemeinschaften daher einheitliche Standards für den Entwurf, die Bemessung und Aus-
führung von Hochbauten und Ingenieurbauwerken sog. ,Eurocodes’. Diese Regelwerke
sollen einheitliche Normenwerke in den verschiedenen Mitgliedsstaaten schaffen,
gleichzeitig als Leitfaden für die Erstellung nationaler Regeln dienen und betreffen hier-
bei die Sicherheit, die Gebrauchstauglichkeit und die Dauerhaftigkeit von Bauwerken
und Materialien.

Die Entwicklung der Eurocodes basierte vorerst auf den technisch – wissenschaftlichen
Erkenntnissen internationaler Vereinigungen. Für den Holzbau ist dies in erster Linie der
Internationale Rat für Bauforschung und -dokumentation, Arbeitsgruppe W18
(CIB – W18). In diesen Vereinigungen wurde Ende der 60er – Jahre des vorherigen Jahr-
hunderts erkannt, dass ein Abbau von Hemmnissen nur durch Schaffung einer einheitli-
chen bauart- und baustoffübergreifenden Grundlage bezüglich Sicherheitan-
forderungen bewerkstelligt werden kann. Aus dieser Überlegung entstammt schließlich
ein internationales System von Musterbestimmungen für Bauwerke, der sog. ,Model
Code 1’, welcher in weiterer Folge auch in internationalen Grundlagenpapieren über-
nommen wurde. In diesem Model Code wurde als wesentlicher Bestandteil das sog. ,se-
mi - probabilistische Sicherheitskonzept’ verankert, in dem die Haupteinflussgrößen für
die Bemessung auf Basis wahrscheinlichkeitstheoretischer Überlegungen, d.h. unter Mit-
einbeziehung des streuenden Charakters der jeweiligen Größe, ermittelt werden. Für die
praktische Bemessung wird ein Nachweiskonzept mit gesplitteten Teilsicherheitsbeiwer-
ten auf der ,Einwirkungs-’ und der ,Widerstandsseite’ eingeführt.

Aufbauend auf dem ,Model Code 1’ wurden in weiterer Folge (seit 1978) seitens der
technisch – wissenschaftlichen Vereinigungen baustoffspezifische Model Codes entwi-
ckelt. Im Bereich des Holzbaues sind dies die Empfehlungen für Holzbauten (Model
Code 5).

Die Kommision der Europäischen Gemeinschaften übertrug Ende der Siebziger Jahre
die Erarbeitung von Eurocodes dem Europäischen Normungsinstitutes CEN. Im Bereich
des Holzbaues ist das der Eurocode 5 ,Bemessung und Ausführung von Holzbauwer-
ken’, dessen Entwurfsbearbeitung im Jahr 1987 abgeschlossen wurde. Assoziierend
wirkten auch Beauftragte der damaligen EFTA – Länder, unter ihnen auch Österreich,
an der Erstellung mit.

Manfred AUGUSTIN Seite 33


Diplomarbeit
,Eine zusammenfassende Darstellung der Festigkeitssortierung von Schnittholz’

Organisatorisch erfolgt die Bearbeitung der Eurocodes in der Form, dass am CEN tech-
nische Komitees (TC’s) für die jeweiligen Fachrichtungen eingerichtet wurden und diese
wiederum in Arbeitsgruppen (WG’s) eingeteilt sind. Erwähnt sei in diesem Zusammen-
hang auch die Tatsache, dass die Bearbeitung von Produktnormen und Bemessungsnor-
men in eigenen technischen Komitees erfolgt [44].

Produktnormen für Holz in konstruktiver Verwendung werden im TC 124 mit den Arbeits-
gruppen WG 1 – Prüfmethoden, WG 2 – Bauholz, WG 3 – Brettschichtholz und WG 4
– Verbindungsmittel erarbeitet.

Die Bearbeitung der Bemessungs- bzw. Konstruktionsnormen erfolgt im TC 250, wobei


hier Unterkomitees (engl.: Sub Comitees – SC’s) für die einzelnen Bauweisen eingerich-
tet wurden und diese wiederum in Projektgruppen (engl.: Project Group’s) organisiert
sind. Für den Holzbau ist das Unterkomitee SC 5 zuständig. Die Projektgruppen dieses
Unterkomitees sind das PT 1 – zuständig für die Erarbeitung der EN 1995 – 1 – 1
,Eurocode 5 – Bemessung und Konstruktion von Holzbauten – Teil 1-1: Allgemeine Be-
messungsregeln und Regeln für den Hochbau’, das PT 2 – zuständig für die Erarbeitung
von EN 1995 – 2: ,Eurocode 5 – Bemessung und Konstruktion von Holzbauten – Teil 2:
Brückenbau, sowie PT 10 – zuständig für die Erarbeitung von EN 1995 – 1 – 2: ,Euro-
code 5 – Bemessung und Konstruktion von Holzbauten – Teil 1-2: Allgemeine Bemes-
sungsregeln – Brandschutz’.

Bestimmungen zur Festigkeitssortierung von Bauholz für tragende Zwecke sind im euro-
päischen Normenwerk in den Normen EN 14081 – 1, EN 14081– 2 und
EN 14081 – 3 verankert. Ein System von Festigkeitsklassen für Vollholz ist durch die
EN 338 gegeben. Die Zuordnung der derzeit geltenden nationalen Sortierklassen zu den
europäischen Festigkeitsklassen gemäß EN 338 regelt EN 1912.

- EN 14081 – 1
,Holzbauwerke – Nach Festigkeit sortiertes Bauholz für tragende Zwecke mit recht-
eckigem Querschnitt; Teil 1: Allgemeine Anforderungen’, [N10]

Inhalt:
In dieser Norm werden die beiden grundsätzlichen Sortiermethoden zur Festig-
keitssortierung von Bauholz geregelt: die visuelle und die maschinelle Sortierung.

Im Bereich der visuellen Sortierung werden die Grundsätze für nationale Sor-
tiernormen definiert, die bei der Aufstellung von Anforderungen an die Grenzwerte
der Sortierparameter zu berücksichtigen sind.

Im Bereich der maschinellen Sortierung sind jene visuellen Kriterien mit festigkeits-
vermindernden Eigenschaften festgelegt und werden deren zulässige Ausmaße ge-
regelt, die von der Sortiereinheit nicht automatisch erkannt werden und zur
Kontrolle der maschinellen Sortierung notwendig sind.

Manfred AUGUSTIN Seite 34


Diplomarbeit
,Eine zusammenfassende Darstellung der Festigkeitssortierung von Schnittholz’

Außerdem sind grundsätzliche Anforderungen an die Erstprüfung des Produktes


oder der Sortiermaschine, werkseigene Produktionskontrolle und Kennzeichnung
von Produkten in dieser Norm geregelt.

Im (normativen) Anhang A sind Anforderungen und Methoden für die visuelle Sor-
tierung der festigkeitsverringernden Eigenschaften festgelegt. Diese sind:

- Grenzwerte für festigkeitsverringernde Eigenschaften


(Äste, Faserneigung, Rohdichte und Zuwachs, Risse)

- Grenzwerte für geometrische Eigenschaften


(Baumkante, Krümmung und Verdrehung)

- Grenzwerte für biologische Eigenschaften


(Befall durch Pilze und Insekten)

- andere Eigenschaften
(Reaktionsholz, mechanische Schädigung, andere Kriterien)

Anmerkung:
Diese Norm ersetzt die Normen EN 518 ,Bauholz für tragende Zwecke – Sortie-
rung; Anforderungen an Normen über visuelle Sortierung nach der Festigkeit’ und
EN 519 ,Bauholz für tragende Zwecke – Sortierung; Anforderungen an maschinell
nach der Festigkeit sortiertes Bauholz und an Sortiermaschinen’

- EN 14081 – 2
,Holzbauwerke – Nach Festigkeit sortiertes Bauholz für tragende Zwecke mit recht-
eckigem Querschnitt; Teil 2: Maschinelle Sortierung – Zusätzliche Anforderungen
an die Erstprüfung’, [N11]

Inhalt:
Prinzipiell kann die maschinelle Schnittholzsortierung mit Hilfe zweier Grundsyste-
me durchgeführt werden: ,ausgabekontrolliert’ und ,maschinell kontrolliert’, d.h.
die Qualität und Zuverlässigkeit der Sortierung kann durch periodische Kontrolle
des Produktes oder durch Eichung der Maschine sichergestellt werden.

Das ,ausgabekontrollierte’ System empfiehlt sich vor allem für Sortiermaschinen in


Sägewerken mit begrenzter Größe, Holzarten und Sortierklassen in sich wiederho-
lenden Produktionsabläufen einer oder mehrerer Arbeitsschichten. Maschinen
derselben Bauart können bei diesem Verfahren auch unterschiedliche ,Set – Up’s’
haben.

Beim ,maschinell kontrollierten’ System wird die Sortiermaschine selbst geeicht


bzw. streng beurteilt und kontrolliert. Dieses System empfiehlt sich insbesondere
bei sehr großer Anzahl von unterschiedlichen Maßen, Arten und Sortierklassen.
Dieses System verlangt sehr genau abgeleitete Maschineneinstellungen, welche
für alle Maschinen gleicher Bauart konstant bleiben müssen.

Manfred AUGUSTIN Seite 35


Diplomarbeit
,Eine zusammenfassende Darstellung der Festigkeitssortierung von Schnittholz’

Die Beurteilung der Eignung von Sortiermaschinen und die Ableitung von Einstel-
lungen wird auf Grund statistischer Verfahren sichergestellt. Deren Ergebnisse ste-
hen in Zusammenhang mit dem angewendeten Sortiersystem. In dieser Norm wird
ein Verfahren zur Erstzulassung von Sortiermaschinen festgelegt.

Weiters werden Anforderungen, Gestaltungskonzepte und Materialien für Refe-


renzbohlen beschrieben.

- EN 14081 – 3
,Holzbauwerke - Nach Festigkeit sortiertes Bauholz für tragende Zwecke mit recht-
eckigem Querschnitt; Teil 3: Maschinelle Sortierung – Zusätzliche Anforderungen
an die werkseigene Produktionskontrolle’, [N12]

Inhalt:
Neben der Erstprüfung einer zugelassenen Sortiereinheit sind maschinelle Sortier-
einheiten ständigen werkseigenen Produktionskontrollen unterworfen.

Wie in EN 14081 – 2 wird in dieser Norm das Vorgehen bei Systemen mit ,pro-
duktbezogenen’, sowie ,maschinell kontrollierten’ Sortierungen festgelegt. Diese
umfassen die Produktionskontrolle, sowie zu ergreifende Maßnahmen bei Abwei-
chungen.

EN 14081 – 4
,Holzbauwerke – Nach der Festigkeit sortiertes Bauholz für tragende Zwecke mit
rechteckigem Querschnitt; Teil 4: Maschinelle Sortierung – Einstellungen von Sor-
tiermaschinen für maschinenkontrollierte Systeme’, [N13]

Inhalt:
Diese Norm führt Einstellungen von Sortiermaschinen für maschinenkontrollierte
Systeme an. Diese Einstellungen wurden aus Versuchen nach EN 14081 – 2 für
verschiedene Kombinationen von Festigkeitsklassen, Sortiermaschinen und Holz-
arten ermittelt und gelten für die angegebenen Herkunftsgebiete des Holzes.

- EN 1912
,Bauholz – Festigkeitsklassen; Zuordnung von visuellen Sortierklassen und Holz-
arten’, [N14]

Inhalt:

Diese europäische Norm gibt visuelle Festigkeitsklassen, Arten und Herkunft von
Bauholz an und legt die Festigkeitsklassen nach EN 338 fest, denen sie zugeord-
net sind.

Die Zuordnung von Sortierklassen nach ÖNORM DIN 4074 – 1 zu den europäi-
schen Festigkeitsklassen nach EN 338 ,Bauholz für tragende Zwecke – Festigkeits-
klassen’ ist den beiden nachfolgenden Tabellen zu entnehmen.

Manfred AUGUSTIN Seite 36


Diplomarbeit
,Eine zusammenfassende Darstellung der Festigkeitssortierung von Schnittholz’

Festigkeitsklasse nach EN 338 Sortierklasse nach


ÖNORM DIN 4074 – 1

C 16 S7

C 24 S 10

C 30 S 13

Tab. 2.13 Zuordnung von visuellen Sortierklassen nach


ÖNORM DIN 4074 – 1 zu Festigkeitsklassen nach EN 338

Festigkeitsklasse Sortierklasse nach


nach EN 338 ÖNORM DIN 4074 – 1

C 16 MS 7

C 24 MS 10

C 35 MS 13

C 40 MS 17

Tab. 2.14 Zuordnung von maschinellen Sortierklassen nach


ÖNORM DIN 4074 – 1 zu Festigkeitsklassen nach EN 338
aus der Zulassung einer Sortiermaschine

Anmerkung:
Die Zuordnung von maschinell sortiertem Schnittholz entsprechend einer Sortierklasse
nach ÖNORM DIN 4074 – 1 zu einer Festigkeitsklasse nach EN 338 erfolgt über eine
Zulassung der zur Sortierung genutzten Maschine.

- EN 338
,Bauholz für tragende Zwecke – Festigkeitsklassen’, [N1]

Inhalt:
Diese Norm legt ein System von Festigkeitsklassen für den Gebrauch von Bauholz
für tragende Zwecke fest. Definiert sind neun Festigkeitsklassen (C14 bis C40) für
Nadelholz, sowie sechs Festigkeitsklassen (D30 bis D70) für Laubholz (siehe auch
Tab. 1.1). Sie gibt charakteristische Werte der Festigkeit, der Steifigkeit und der
Rohdichte für diese definierten Festigkeitsklassen an. Weiterer Bestandteil dieser
Norm ist die Regelung der Zuordnung von Holzgrundgesamtheiten, dass sind
Kombinationen von Holzart, Herkunft und Sortierklasse zu den in dieser Norm de-
finierten Festigkeitsklassen.

Manfred AUGUSTIN Seite 37


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,Eine zusammenfassende Darstellung der Festigkeitssortierung von Schnittholz’

In nachfolgender Tabelle sind charakteristische Festigkeits-, Steifigkeits- und Roh-


dichtewerte für diejenigen Festigkeitsklassen nach EN 338 angegeben, denen die
Sortierklassen nach ÖNORM DIN 4074 – 1 zugeordnet sind.

Nadelholz
C16 C24 C30 C35 C40
Festigkeitseigenschaften [N/mm²]
Biegung fm,k 16 24 30 35 40
Zug parallel ft,0,k 10 14 18 21 24
Zug rechtwinklig ft,90,k 0,5 0,5 0,6 0,6 0,6
Druck parallel fc,0,k 17 21 23 25 26
Druck rechtwinklig fc,90,k 2,2 2,5 2,7 2,8 2,9
Schub fv,k 1,8 2,5 3,0 3,4 3,8
Steifigkeitseigenschaften [kN/mm²]
Mittelwert des E0,mean 8 11 12 13 14
Elastizitätsmodul parallel
5 % – Quantile des E0,05 5,4 7,4 8,0 8,7 9,4
Elastizitätsmoduls parallel
Mittelwert des E90,mean 0,27 0,37 0,40 0,43 0,47
Elastizitätsmodul rechtwinklig
Mittelwert des Schubmodul Gmean 0,50 0,69 0,75 0,81 0,88
Rohdichte [kg/m³]
Rohdichte ρk 310 350 380 400 420
Mittelwert der Rohdichte ρmean 370 420 460 480 500
Anmerkungen:
1) Die oben angegebenen Werte für die Zug-, Druck- und Schubfestigkeit, die 5 % – Quantile
des Elastizitätsmoduls, den Mittelwert des Elastizitätsmoduls rechtwinklig zur Faserrichtung
und den Mittelwert des Schubmoduls wurden mit den in Anhang A angegebenen Gleichun-
gen berechnet.
2) Die tabellierten Eigenschaften gelten für Holz mit einem bei 20° C und 65 % relativer Luft-
feuchte üblichen Feuchtegehalt.
3) Es kann sein, dass Bauholz der Klasse C45 und C50 nicht immer zur Verfügung steht.

Tab. 2.15 Festigkeitsklassen nach EN 338, Ausgabe 1.Juli 2003 [N1] , denen Sortierklassen nach
ÖNORM DIN 4074 – 1 zugeordnet sind

Manfred AUGUSTIN Seite 38


Kapitel 3

3 Grundlagen der Sortierung


3. 1 Sortieren

Ein typisches Merkmal für Naturstoffe ist die Tatsache, dass die Beeinflussbarkeit be-
stimmter Eigenschaften im Rahmen der Herstellung bzw. Bearbeitung des Rohstoffes
nicht oder kaum möglich ist. Aus diesem Grund müssen diese Stoffe sortiert werden.
Doch was umfasst bzw. bedeutet der Begriff ‚Sortieren’ eigentlich ? Dazu die Erklärung
des Begriffes aus zwei Wörterbüchern:

sor|tie|ren <sw. V.; hat> [ital. sortire < lat. sortiri = (er)losen, auswählen, zu: sors, Sor-
te]: nach Art, Farbe, Größe, Qualität o. Ä. sondern, ordnen: Waren, Bilder, Briefe s.; die
Wäsche in den Schrank s.; Ü (scherzh.:) ich muss erst meine Gedanken s.;

Sor|te, die; -, -n [ital. sorta (wohl < frz. sorte) = Art, Qualität < lat. sors (Gen.: sortis)
= Los(stäbchen); Stand, Rang; Art u. Weise; schon mniederd. sorte < mniederl. sorte <
frz. sorte]: 1. Art, Qualität (einer Ware, einer Züchtung o. Ä.), die sich durch bestimmte
Merkmale od. Eigenschaften von anderen Gruppen der gleichen Gattung unterscheidet:
eine edle, gute, billige S.; in allen -n und Preislagen; diese S. [von] Rosen braucht viel
Sonne; Stoffe aller -n/in allen -n; bei dieser S. Kaffee will ich bleiben; Ü (ugs.) er ist eine
seltsame S. [Mensch]; ein Mädchen von der netten S. 2. <Pl.> Devisen (b);

Aus DUDEN ‚Deutsches Universalwörterbuch Neu’ [45]

sor|tie|ren [lat.-it.]: 1. in [Güte]klassen einteilen, unter bestimmten Gesichtspunkten


ordnen; sondern, auslesen, sichten. 2. Lochkarten nach numerischer od. alphabetischer
Reihenfolge auf- od. absteigend ordnen (EDV).

Aus DUDEN ‚Fremdwörterbuch’ [46]

Manfred AUGUSTIN Seite 39


Diplomarbeit
,Eine zusammenfassende Darstellung der Festigkeitssortierung von Schnittholz’

In seiner Anwendung im Bereich des behandelten Themas bedeutet ‚Sortieren’ somit ein
Aufteilen der ursprünglichen Menge in Teilmengen und damit Homogenisieren von (me-
chanischen und physikalischen) Eigenschaften nach definierten Gütekriterien und / oder
Dimensionen zu marktüblichen Sortimenten und Produktkategorien (nach E. Gehri [47];
vom Verfasser ergänzt).

In Hinblick auf die Sortierung bezüglich mechanischer Eigenschaften können dadurch je


nach Anforderung der Gütekriterien Sortierklassen gebildet werden, deren Mittelwerte
abgestuft und deren Streuung in Hinblick auf die Zielgröße wesentlich geringer ist als
jene der unsortierten Grundgesamtheit.

Abb. 3.1 Im Zuge eines Sortierprozesses wird die Grundgesamtheit (einhüllende Linie) in mehrere Sor-
tierklassen mit abgestuften Kennwerten aufgeteilt [48]

Die Leistungsfähigkeit einer Sortierung lässt sich dabei an Hand zweier wesentlicher Kri-
terien beurteilen: zum einen stellt die sog. ,Trennschärfe’, das ist das möglichst sichere
Einordnen in eine Sortierklasse mit definiertem Grenzwert und zum anderen der Aufwand
für die Sortierung ein Beurteilungskriterium dar. Der Aufwand für die Sortierung lässt sich
im Weiteren durch die Anzahl der zu berücksichtigenden Sortiermerkmale, sowie durch
die pro Schnittholz aufzuwendende Zeit quantifizieren [59], [60].

Wie Abbildung 3.6 [49] zeigt, ist zu beachten, dass eine Erhöhung der Anzahl der be-
rücksichtigten Parameter nur bis zu einer beschränkten Anzahl sinnvoll ist.

Neben den beiden geschilderten Merkmalen technischer Natur kommt eine dritte Kom-
ponente in der Beurteilung eines Sortierprozesses hinzu, die der sog. ,Ausbeute’. Diese
lässt sich für jede Sortierklasse aus dem Quotient der in diese Sortierklasse fallenden
Schnitthölzer zu jenen der Gesamtanzahl bilden und stellt ein ökonomisches Maß dar.
Bei Einhaltung der vorgegebenen Randbedingungen, wie dem Erreichen der geforderten

Manfred AUGUSTIN Seite 40


Diplomarbeit
,Eine zusammenfassende Darstellung der Festigkeitssortierung von Schnittholz’

Grenzwerte und der Einhaltung einer ausreichenden Trennschärfe ist ein Sortierergebnis
ökonomisch gesehen umso besser, je weniger Ausschuss produziert wird bzw. bei dem
ein größerer Anteil in qualitativ höherwertige Klassen fällt.

Je nach späterer Verwendung des Schnittholzes kann eine Sortierung von Schnittholz da-
bei vorwiegend nach:

- der Tragfähigkeit (Festigkeit und / oder E- Modul)

- der Erscheinung (oberflächenspezifische bzw. ästhetische Gesichtspunkte)

- der Gebrauchstauglichkeit (Rissefreiheit, Dimensionsstabilität)

erfolgen [6], [52], [54].

Für in der Praxis eingesetzte Schnittholzsortimente überschneiden sich diese Anforde-


rungsprofile im Allgemeinen. Dies deckt sich auch mit dem üblichen Einsatz von Holz in
Bauwerken als multifunktionalem Baustoff, d.h. Holz trägt und muss den Anforderungen
hinsichtlich Ästhetik und Gebrauchstauglichkeit entsprechen. Man spricht in diesem Zu-
sammenhang auch von einer sog. ,kombinierten Sortierung’.

Soll Bauholz im Bauwerk beispielsweise sichtbar und als lastabtragender Bauteil einge-
setzt werden sind Elemente der Sortierung nach der Tragfähigkeit und der Erscheinungs-
sortierung zu berücksichtigen.

Aus den oben erwähnten Gründen sind in den Normen und Standards, welche eigentlich
für die Sortierung von Schnittholz nach der Tragfähigkeit bestimmt sind, im Allgemeinen
auch Merkmale, welche in alle drei oben erwähnten Kategorien fallen, enthalten.

3. 2 Direkte und Indirekte Sortierung

Die Sortierung nach der Festigkeit stellt insofern besondere Anforderungen, als dass die
End- oder Zielgröße, d.h. die Festigkeit des betreffenden Schnittholzes nicht direkt be-
stimmt werden kann, weil dies dessen Zerstörung zur Folge hätte.

Daher ist man auf eine zerstörungsfreie Messmethode angewiesen oder anders ausge-
drückt, man muss die Festigkeit ,indirekt’ bestimmen.

Prof. E. Gehri / ETH Zürich beschreibt in [47] diesen Sachverhalt sehr anschaulich über
die Sortierung von Eiern. Diese sind im Handel in Klassen nach Gewicht eingeteilt. Es
wäre nun also möglich, jedes Ei einzeln zu wiegen und es einer vorher definierten (Ge-
wichts-) Klasse zuzuordnen. Dies wäre natürlich sehr aufwendig, daher wählt man auch
hier den ,indirekten’ Weg. Offensichtlich haben Eier mit großem Durchmesser auch ho-
hes Gewicht und so wird das ,indirekte’ Sortiermerkmal Durchmesser zur Bestimmung
der Zielgröße ,Gewicht’ benutzt, indem man die Eier durch Lochbleche mit verschiede-
nen Durchmessern führt und den entsprechenden (Durchmesser-) Klassen zuordnet. In-
direkt können die nun erhaltenen Klassen einer Gewichtsklasse zugeordnet werden.

Manfred AUGUSTIN Seite 41


Diplomarbeit
,Eine zusammenfassende Darstellung der Festigkeitssortierung von Schnittholz’

direkte Sortierung

X
Messgröße X inkl. Messfehler τ Z = Zielgröße Y inkl. Streuung
durch Messfehler τ

indirekte Sortierung
(Korrelations-)Modell
z.B. linear

X
Y = a+b · Z

Messgröße X inkl. Z = Messgröße Y inkl. Zielgröße Y inkl. Streuung


Messfehler τ Messfehler τ durch Messfehler τ und
Modellfehler
(Residualstreuung) ε

Hierin bedeuten:

X............. Messgröße

τ .............. Fehler der Messgröße

Y.............. Zielgröße

ε .............. Modellunsicherheit bzw. Residualstreuung der Korrelation zwischen


Mess- und Zielgröße

a, b.......... Konstanten

Abb. 3.2 Schema der direkten und indirekten Sortierung

Dieses sehr anschauliche Beispiel zeigt aber auch einen Nachteil der indirekten Sortie-
rung auf. Es ist einsichtig, dass diese Art der Sortierung natürlich gewisse Unschärfen in
Bezug zur eigentlichen Aufgabe, nämlich der möglichst exakten Bestimmung der End-
größe (Eier → Gewicht, Holz → Festigkeit) mit sich bringt. Für unser anschauliches Bei-
spiel bedeutet dies: Es existieren natürlich auch Eier mit bestimmtem Durchmesser, aber
relativ geringem Gewicht. Diese Unschärfen werden umso größer, je ,indirekter’ die
Messung wird (z.B. beim Holz: Festigkeit → E- Modul → Verfahren zur Bestimmung des
E - Moduls (z.B. über die Durchbiegung)), weil sich die ,Unschärfen’ der einzelnen Mes-
sungen kumulativ überlagern.

Manfred AUGUSTIN Seite 42


Diplomarbeit
,Eine zusammenfassende Darstellung der Festigkeitssortierung von Schnittholz’

Der erläuterte Zusammenhang zwischen der Messgröße X und der Zielgröße Y kann mit
Hilfe einer statistischen Korrelationsanalyse beschrieben werden. Deren Kennwert, der li-
neare Korrelationskoeffizient R oder das Bestimmtheitsmaß R² beschreibt den Zusam-
menhang zwischen Messgröße und Zielgröße.

Abb. 3.3 Darstellung der unterschiedlichen Ausprägungen des Korrelationskoeffizienten R [50]

Die beiden Extreme des Korrelationskoeffizienten R stellen zum einen den Fall R = 1 dar,
dann besteht ein strenger, im mathematischen Sinne funktionaler Zusammenhang
Y = f (X) bzw. der Fall R = 0 dar, bei dem überhaupt kein Zusammenhang zwischen den
beiden Größen mehr besteht. Wie bereits erwähnt, treten in der Praxis Messfehler und
Modellunschärfen auf, die das Sortierergebnis beeinflussen. In der unten stehenden Ta-
belle wird eine Übersicht über erzielbare Korrelationskoeffizienten für verschiedene Sor-
tierzielgrößen und Verfahren angegeben:

Manfred AUGUSTIN Seite 43


Diplomarbeit
,Eine zusammenfassende Darstellung der Festigkeitssortierung von Schnittholz’

Zerstörungsfrei messbarer Bestimmtheitsmaß R2


Sortierparameter
Biegefestigkeit Zugfestigkeit

1 2 3 4 1 5 6

Äste 0,27 0,20 0,16 0,25 0,36 0,42 0,30

mittlere Jahrringbreite 0,21 0,27 0,20 0,44 0,36 0,33 0,28

Rohdichte 0,16 0,30 0,16 0,40 0,38 0,29 0,38

E – Modul, Biegung bzw. Zug 0,72 0,53 0,55 0,56 0,70 0,69 0,58

E – Modul, flachkant 0,74

Äste und mittlere Jahrringbreite 0,37 0,42 0,39 0,49


kombiniert

Äste und Rohdichte kombiniert 0,38 0,38 0,55 0,61 0,64

Äste und E – Modul 0,73 0,58 0,64 0,70 0,76 0,78

Tab. 3.1 Ermittelte Bestimmtheitsmaße R² zwischen Festigkeiten und Sortierparametern, sowie deren
Kombination für Fichtenholz aus [52]; Resultate aus unterschiedlichen Veröffentlichungen
(1... Johansson et.al. (1992), 2... Hoffmeyer (1984); 3... Hoffmeyer (1990); 4...Lackner
et.al. (1988); 5...Glos et.al. (1982); 6... Johansson (1976)

Wie oben stehende Tabelle zeigt, können für die Sortierung von Schnittholz auch meh-
rere Parameter (=Messgrößen) kombiniert und aus diesen n – Messgrößen durch Mo-
dellbildung ein n – dimensionales (stochastisches) Modell zur Bestimmung der Zielgröße
abgeleitet werden. Auf Grund der Tatsache, dass jede dieser Messgrößen mit Messfeh-
lern behaftet ist und diese Größen sich auch wechselseitig beeinflussen (Interkorrelatio-
nen), ergibt sich für die Beschreibung des Sortierprozesses ein recht komplexes Modell.
Die teils beträchtlichen Unterschiede im Bestimmtheitsmaß R² lassen sich zum Teil aus
der Anwendung unterschiedlicher Prüfmethoden und durch unterschiedliche Material-
auswahl erklären.

3. 3 Ein theoretischer Ansatz [7], [53], [56], [58]

Um den obigen Sachverhalt sowie die wechselseitige Beziehung zwischen der Grundge-
samtheit (Angebot) und dem für die Festigkeitssortierung von Schnittholz maßgebenden
5 % – Fraktilwert und dessen Wechselwirkung mit Mess- und Modellfehler auch quanti-
tativ darzustellen soll im Folgenden eine stochastische Ableitung aus [7], [53] vorgestellt
werden. Dazu sind statistische Grundkenntnisse erforderlich, auf die in dieser Arbeit in
Kapitel 6 einführend eingegangen wird. Detailliertere Darstellungen sind bei Bedarf der
einschlägigen Literatur zu entnehmen (z.B. [50], [51]).

Manfred AUGUSTIN Seite 44


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,Eine zusammenfassende Darstellung der Festigkeitssortierung von Schnittholz’

Es sei Y (z.B. die Festigkeit) die für die Verwendung maßgebende Eigenschaft, die nicht
zerstörungsfrei ermittelt werden kann. Aus diesem Grund ist eine andere, indirekt mess-
bare Größe X (z.B. der E – Modul), die mit der Zielgröße in einem Zusammenhang steht
(,korreliert’) für die Ermittlung von Y heranzuziehen. Im Allgemeinen lässt sich jedoch
auch die Größe X nicht ,genau’ ermitteln, sondern ist mit Mess- und Modellfehlern be-
haftet.

Daraus lässt sich das folgende zweidimensional normalverteilte stochastische Modell ab-
leiten, wobei zwischen den beiden Größen X und Y einschränkend ein linearer Zusam-
menhang bestehen soll und diese als stetig veränderliche Zustandsgrößen betrachtet
werden:

Die gesuchte Größe Y sei über

Y = a + b ⋅ X + ε mit b > 0

von der Größe X linear abhängig. Die Residualstreuung ε (Modellfehler) zwischen


X und Y sei nach N(0, σε²) normalverteilt. X werde allerdings nur mit normalverteiltem
Messfehler τ, d.h. Z = X + τ beobachtet. τ sei dabei wieder annähernd normalverteilt
τ ~ N (0,στ²). In eine Klasse wird also nach einem Wert Z und nicht X eingeordnet. Für
einen bestimmten Wert X = x gilt somit:

2 2
Z |X〉 = x ∼ N ( x, σ t ) und Y |X〉 = x, Z = z bzw. Z |X〉 = x ∼ N ( a + b ⋅ x, σ ε ) ,

da Y nicht von τ abhängig ist.

Die Dichtefunktion von Y ist

f Y ( x ( z ∈ I i ) ) = ∫ f Y ( y |x, z ∈ I i〉 ) ⋅ f x ( x |z ∈ I i〉 ) ⋅ dx ,

wobei nach dem Bayes’schen Satz der Wahscheinlichkeitslehre

f y ( x |z ∈ I i〉 ∝ f x ⋅ P ( z ∈ I i |X〉 = x ) und P ( z ∈ I i |X〉 = x ) = ∫ f z ( z |x〉 ) dz


Ii

gilt.

Dabei ist das Intervall Ii bezüglich des Wertes von Z, für dass in Klasse i zugeordnet wer-
den soll und fX (x) die Dichte des Angebots (=Verteilung der Grundgesamtheit;
a priori – Verteilung).

Für die Dichte des Angebots wird in weiterer Folge nur der Fall der normalverteilten
Grundgesamtheit weiter betrachtet., d.h. es gilt x ~ N (µE, σE). Weiters sei das für die
Beobachtung Z geltende Intervall für eine Zuordnung in die Klasse i gleich Ii = [gu, go].
Die Indizes für die Klassengrenzen sind hier und im Folgenden weggelassen.

Manfred AUGUSTIN Seite 45


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,Eine zusammenfassende Darstellung der Festigkeitssortierung von Schnittholz’

Damit ergibt sich für die Dichtefunktion von Y nach einiger Rechnung:

1 σ y a   Co   Cu  
f Y ( y ) = --- ⋅ --------------- ⋅ ϕ ⋅  〈 --- – --- – µ E〉 , σ M ⋅  Φ  -------------------
- – Φ  -------------------
- 
K σε ⋅ σE  b b 
  1 + C 21  1 + C 21 

mit

σε ⋅ σE 2  σ 2E 2 go – m gu – m
σ = --------------- , σ M =  -----2- + σ E , C o = ---------------
- , C u = ---------------
-,
b ⋅ σM b  σ τ στ

y – a- ----- y
------------
2
+ E2-
σ σE ⁄ b σE
C 1 = – ----- , m = ---------------------------
-
στ 1 1
--------------
2
- + -----2-
2
σE ⁄ b σE

und der Normierungskonstante K zu:

 C o'   C u' 
- – Φ  -----------------------
K = Φ  – ------------------- -
 1 + C 21  1 + C 1' 2

mit

go – µE gu – µE σ
- , C u = ----------------
C o = ---------------- -, C 1 = – -----
στ στ στ

Die Verteilungsfunktion (Summenhäufigkeitslinie) ergibt sich zu:

°2 °
1   C
°
Co   C
°
Cu 
F Y ( y ) = 1 – --- ⋅  BvN  -----------------------, ----------------------- ;ρ – BvN  -----------------------, ----------------------- ;ρ 
K   1 + D° 2
1 + D° 
2  1 + D° 2
1 + D°  
2

mit

y a
µ E –  --- – ---
 b b b⋅σ go – µE gu – µE
C° = ------------------------------ , D° = -------------E , C° o = ----------------
- , C° u = ----------------
-,
σ σE στ στ
-----E
b
σ D° ⋅ D 1 °
D 1 ° = – -----E , ρ = ----------------------------------------------------
-
στ 2
1 + D° ⋅ 1 + D 1 °
2

Manfred AUGUSTIN Seite 46


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,Eine zusammenfassende Darstellung der Festigkeitssortierung von Schnittholz’

In den obigen Gleichungen sind ϕ (…) und Φ (...) die Verteilung von standardisierten
normalen Zufallsvariablen und BvN (x, y; ρ) die Verteilung von zwei standard – normalen
Zufallsvariablen mit dem Korrelationskoeffizienten ρ.

Die numerische Auswertung der Dichte- und Verteilungsfunktion zeigt, dass die zu sor-
tierende Größe Y je nach Quantität von σε, στ und Ii merklich von der Normalverteilung
abweichen kann. Bei großem σε und / oder στ ist die Wirkung der Sortierung nur noch
gering.

In der nachfolgenden Abbildung aus [49] sind nun die Dichtefunktionen der Zugfestig-
keit einer typischen Grundgesamtheit mit einer mittleren Zugfestigkeit von
µE = 35 N / mm² und einem Variationskoeffizienten vE (=σE / µE) = 30 %, d.h. mit der
Standardabweichung σE = 10,5 N / mm² angegeben. Weiters wurde angenommen,
dass die Ausbeute für die betrachtete Sortierklasse ‚S13’ konstant 28 % beträgt. In der
Abbildung wurde untersucht, wie sich die Zielgröße (hier: die charakteristische Festigkeit)
der Güteklasse ‚S13’ nach DIN 4074 in Abhängigkeit des Korrelationskoeffizienten zwi-
schen Ziel- und Messgröße (hier z.B. die Astigkeit) sowie dessen Messgenauigkeit, be-
schrieben durch die auf den Mittelwert µτ bezogene Standardabweichung στ mit
V = Vτ = στ / µτ des Messfehlers verändert. Im dargestellten Fall kann man z.B. ablesen:

Abb. 3.4 Zusammenhänge zwischen dem Korrelationskoeffizienten R zwischen dem Sortierparameter


Astigkeit und dem 5 % – Fraktilwert der Zugfestigkeit für unterschiedliche Variationskoeffizi-
enten des Messfehlers (Sortierfehlers) [49]

Ein Sortierparameter (=Messgröße) z.B. die Astigkeit weise im unsortierten Ausgangsma-


terial einen Mittelwert µε von 0,3 auf. Die Standardabweichung σε des Messfehlers bei
der Bestimmung des Sortierparameters betrage 0,03 (d.h. der Messfehler ist bei 2/3 al-
ler Messungen kleiner als 0,03) auf. Der Korrelationskoeffizient zwischen Mess- und Ziel-
größe R betrage 0,65. Mit V = 0,03 / 0,3 = 0,1 und r = 0,65 ergibt sich der
5 % – Fraktilwert ft,05 dieser Sortierklasse zu 28 N /mm². Würde sich die Standardabwei-

Manfred AUGUSTIN Seite 47


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,Eine zusammenfassende Darstellung der Festigkeitssortierung von Schnittholz’

chung des Messfehlers – infolge einer unsorgfältigen Sortierung – auf 0,12 vergrößern,
dann würde der 5 % – Fraktilwert dieser Güteklasse entsprechend V = 0,12 / 0,3 = 0,4
auf 22 N / mm² absinken.

Für das vorliegende Beispiel ist weiters ersichtlich, dass bei Vorliegen des Falles ‚keine
Korrelation (R = 0)’ oder aber auch bei Vorliegen eines sehr großen Messfehlers bei der
Bestimmung des Sortierparameters (auch bei bestehender ausgeprägter Korrelation zwi-
schen X und Y) der 5 % – Fraktilwert des unsortierten Materials jenem der unsortierten
Grundgesamtheit entsprechen muss (hier ft;0,05 = 17,80 N / mm²). Im theoretischen
Grenzfall V = 0 und R = 1, d.h. kein Messfehler und Vorliegen eines funktionalen Zu-
sammenhanges Y = f (X) ergäbe sich ein 5 % – Fraktilwert von 40 N / mm². In der Praxis
werden sich Werte zwischen diesen Grenzfällen einstellen (siehe auch Abb.3.3).

Dem angeführten Beispiel kann weiters entnommen werden, dass durch die Wahl eines
geeigneten Sortierparameters mit entsprechendem Korrelationskoeffizienten ein ent-
scheidender Einfluss auf die Zuverlässigkeit, aber auch auf die Wirtschaftlichkeit der Sor-
tierung ausgeübt werden kann. Weiters zeigt obige Abbildung, dass eine übertriebene
Sorgfältigkeit bei der Bestimmung des Sortierparameters und dem verbundenen Auf-
wand und in weiterer Folge den entstehenden Kosten nicht sinnvoll erscheint, da selbst
ein Messfehler mit einem Variationskoeffizienten von 10 % das Ergebnis nur wenig be-
einflusst.

In obigem Beispiel wurde die Ausbeute für die gewählte Sortierklasse mit rund 28 % kon-
stant gehalten. In der nachfolgenden Abbildung wird die Veränderung der Ausbeute für
den Bereich der aktuellen technischen Möglichkeiten (z.B. R = 0,8, V = 0,1) auf den
5 % – Fraktilwert der Zugfestigkeit einer Güteklasse (hier: ‚S13’) angegeben. Wie deut-
lich zu erkennen ist, besteht ein deutlicher Zusammenhang zwischen der Ausbeute bei
steigender Sortierqualität und dem 5 % – Fraktilwert.

Abb. 3.5 Zusammenhang zwischen dem 5 % – Fraktilwert und der Ausbeute einer Sortierklasse für ei-
nige Variationen der ,Sortiersorgfältigkeit’ [49]

Manfred AUGUSTIN Seite 48


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,Eine zusammenfassende Darstellung der Festigkeitssortierung von Schnittholz’

Wie bereits erwähnt ist die Qualität der Sortierung auch durch das Berücksichtigen meh-
rerer Sortierparameter beeinflussbar. Der folgenden Abbildung kann entnommen wer-
den, dass für die Erreichung eines bestimmten Korrelationskoeffizienten R und der
Wirtschaftlichkeit (= Anzahl der berücksichtigten Sortierparameter) ein Zusammenhang
besteht. Für die Praxis bedeutet dies, dass die Berücksichtigung möglichst weniger, aus-
sagekräftiger Parameter sinnvoll ist. Diese Parameter lassen sich durch Analyse mit Me-
thoden der multivariaten Statistik (z.B. ANOVA) ermitteln.

Abb. 3.6 Einfluss der Berücksichtigung mehrerer Sortierparameter auf den multiplen Korrelationskoef-
fizienten für den Zusammenhang mit der Zugfestigkeit von Bretter (1 ... ohne Einbeziehung
des E – Modules, 2 ... bei Einbeziehung des Biege E – Moduls, 3 ... mit Einbezug des
Zug E – Moduls) [49]

3. 4 Anzahl der Sortierklassen [47], [59], [60]

Eine Erhöhung der Komplexität eines theoretischen Modells bringt zusätzlich die Tatsa-
che mit sich, dass die Grundgesamtheit in mehrere Sortierklassen aufgeteilt werden soll.
Beispielsweise sind in der europäischen Norm EN 338 ,Bauholz für tragende Zwecke –
Festigkeitsklassen’ (Ausschnitt siehe Kapitel 1, Tab. 1.2) einzuhaltende charakteristische
Kenngrößen für zwölf Nadelholzklassen bzw. sechs Laubholzklassen festgelegt. Obwohl
man natürlich feststellen muss, das man in einem in der Praxis durchgeführten Sortier-
prozess mit weit weniger Klassen das Auslangen finden wird, die angesprochene Norm
das gesamte natürlich anfallende Spektrum der Holzqualitäten abdecken muss und nicht
alle Holzarten das Potenzial für eine Sortierung vor allem in die höheren Klassen auf-
weist, drängt sich doch die Frage auf, ob nicht auch die Festlegung von vier maschinel-
len bzw. drei visuellen Sortierklassen, wie sie in der derzeit in Österreich gültigen
Sortiernorm ÖNORM DIN 4074, Teil 1 reglementiert sind, ein zuviel an Angebot dar-
stellen. Im Weiteren das Problem einer mit einer ausreichenden Trennschärfe vollzoge-
nen Sortierung erschwert, sowie die Problemstellung der Einhaltung der damit
verbundenen Grenzwerte (charakteristischen Kenngrößen) unnötig verschärft und sich
somit unter Umständen in Hinblick auf die eigentliche Aufgabenstellung, nämlich eine

Manfred AUGUSTIN Seite 49


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,Eine zusammenfassende Darstellung der Festigkeitssortierung von Schnittholz’

sichere und zuverlässige Sortierung zu gewährleisten, eher kontraproduktiv auswirkt.


Obgleich die technischen Möglichkeiten einer differenzierten Klasseneinteilung gegeben
sind, müssen neben den technischen auch andere Randbedingungen erfüllt werden.
Diese betreffen vor allem ökonomische und logistische Zwänge, wie einer weitaus auf-
wendigeren Lagerhaltung, erhöhten Manipulationsaufwand in der Herstellung (z.B. bei
kombiniertem Brettschichtholz) und in der Ausführung, sowie der ,Verwechslungsgefahr’
auf der Baustelle u.a.m.

E. Gehri [47] schlägt daher vor, die Grundgesamtheit in maximal drei Klassen zu unter-
teilen und führt Untersuchungen aus dem Bereich des Brettschichtholzmarktes, bei dem
die Festigkeitssortierung eine besondere Rolle spielt an. Diese in den USA durchgeführ-
ten Untersuchungen belegen die Aussage von E. Gehri, wonach die Einteilung in drei
Klassen ein Optimum darstellt.

Die Ergebnisse der Diplomarbeit von E. Rami [61] bestätigen in einer, für den Bereich
der Brettschichtholzhersteller in Österreich durchgeführten Marktstudie diese Aussagen.
Im Wesentlichen verwenden die BSH – Produzenten die Sortierklasse ,S 10 / MS 10’ und
,S 13’ für die Produktion. Nur rund 5 bis 10 % des Volumens werden aus den höherwer-
tigen maschinellen Sortierklassen ,MS 13’ und ,MS 17’ hergestellt.

Vergleicht man beispielsweise den allgemeine Gebrauch von Baustahl, so zeigt sich,
dass man in diesem Bereich im wesentlichen mit zwei Stahlsorten (Fe 360 und Fe 520)
für die üblichen Anwendungsfälle das Auslangen findet. Lediglich für Sonderzwecke sind
Sonderstähle gefordert. Wegen der Möglichkeit einer gezielten Produktion in der Stahl-
erzeugung lässt sich diese Tatsache nicht unbedingt vergleichen, weil man im Bereich
des Holzbaues bekanntermaßen mit dem natürlichen Angebot arbeiten muss. Ob die
Produktion mehrerer Festigkeitsklassen auch ökonomisch zu positiven Ergebnissen führt
müssen betriebswirtschaftliche Überlegungen zeigen. Jedenfalls ist trotz der getätigten
Aussagen anzustreben, auch von der Möglichkeit Gebrauch machen zu können höher-
wertiges Schnittholz einzusetzen. Dies ist die Aufgabe möglicherweise einiger weniger
produzierender Betriebe und ist der Selbstregulierung des Marktes unterworfen.

Eng verbunden mit der Frage der Anzahl der Sortierklassen ist die Frage nach der erfor-
derlichen Abstufung der Kenngrößen. In der Holzbaupraxis wird man einen Großteil der
zu erfüllenden Aufgaben mit einer ,mittleren’ Sortierklasse (z. B. ,S 10’ / ,MS 10’) erfüllen
können. Lediglich für besonders hoch beanspruchte Bauteile wird man auf höherwertige
Klassen ausweichen. Dieses Vorgehen würde zusätzlich den Vorteil mit sich bringen, dass
man das eingesetzte Volumen auf das natürliche Angebot abstimmen kann und somit
zusätzlich ressourcenschonend handelt.

Manfred AUGUSTIN Seite 50


Diplomarbeit
,Eine zusammenfassende Darstellung der Festigkeitssortierung von Schnittholz’

3. 5 Sortiermethoden [1], [13], [52], [54], [55]

Für die Sortierung von Schnittholz nach der Festigkeit stehen zwei Methoden zur Verfü-
gung:

- die visuelle Sortierung und

- die maschinelle Sortierung

3. 5. 1 Visuelle Sortierung

Als Sortiermerkmale bei der visuellen Sortierung nach der Festigkeit kommen ausschließ-
lich augenscheinlich (visuell) erfassbare Merkmale in Frage. Für Nadelschnittholz sind
das im Wesentlichen:

- die Äste

- die Faserneigung

- die Jahrringbreite

- die Waldkante

- evt. die Lage im Stamm (juveniles Holz)

Das Messprinzip besteht dabei in der Tatsache, dass zwischen der Ausprägung eines vi-
suell erfassbaren Sortiermerkmales des Schnittholzes (z.B. der Größe eines Astes) ein
mehr oder weniger stark ausgeprägter Zusammenhang mit den mechanischen Kenngrö-
ßen besteht. Durch Versuche an bauteilgroßen Schnitthölzern bzw. durch Erfahrungswer-
te wurden Grenzwerte für diese Merkmale festgelegt und normiert.

Die visuelle Sortierung weist folgende Vorteile auf:

- Die Sortiervorschriften bestehen aus einfach zu erlernenden und relativ einfach an-
wendbaren Regeln.

- Die Durchführung ist ohne Messeinrichtungen oder apparative Hilfsmittel mög-


lich.

- Bei sorgfältiger Sortierung sind, in Relation zum Aufwand, gute Ergebnisse erziel-
bar, d.h. es ist eine ausreichende Trennschärfe bei den Klassenzuordnungen ge-
geben.

- Eine Überprüfung der Sortierung ist auch im eingebauten Zustand in einfacher


Weise möglich.

Manfred AUGUSTIN Seite 51


Diplomarbeit
,Eine zusammenfassende Darstellung der Festigkeitssortierung von Schnittholz’

Als Nachteile der visuellen Sortierung können angeführt werden:

- Die Sortierung kann nur bedingt reproduziert werden, weil die Klassierung auf
Grund einer subjektiven Entscheidung des Sortierers erfolgt.

- Wegen der relativ eintönigen Arbeit sind die Ergebnisse der visuelle Sortierung ins-
besondere auch von der Konzentrationsfähigkeit bzw. der Aufmerksamkeit des
Sortierpersonals abhängig. Damit ist die Leistungsfähigkeit der visuellen Sortie-
rung begrenzt.

- Die visuelle Sortierung ist relativ personalkostenintensiv.

- Höherwertige Schnittholzsortimente können durch eine visuelle Sortierung nicht


ausreichend sicher klassifiziert werden, damit kann das Potenzial des Holzes nicht
zur Gänze genutzt werden.

- Durch die einfach zu haltenden Sortierregeln können nicht alle Einflüsse und
Wechselwirkungen der Sortierparameter berücksichtigt werden, somit kommt es
zu einer ,Negativsortierung’ (der schlechteste Sortierparameter bestimmt die Klas-
sifizierung).

Prinzipiell auch der visuellen Sortierung zuzurechnen sind die, mit der Entwicklung sehr
leistungsfähiger Computer möglich gewordenen Methoden der optoelektronischen Sor-
tierung bei deren Anwendung versucht wird die visuell erfassbaren Merkmale mit Hilfe
der digitalen Bildverarbeitung zu erkennen. Festzustellen bleibt, dass diese Systeme der-
zeit noch nicht die Zuverlässigkeit einer manuellen visuellen Sortierung erzielen können.
Zusätzlich zu den für eine rein visuelle Sortierung ausgelegten Sortierparametern können
bei dieser Art der Sortierung auch weitere visuell erfassbare Parameter in die Sortierung
eingebracht werden.

3. 5. 2 Maschinelle Sortierung

Bei der maschinellen Sortierung werden zusätzlich zu den rein visuell erfassbaren Sortier-
parameter auch solche Merkmale und Eigenschaften der Holzstruktur in die Sortierung
eingebracht, die dem Augenschein nicht zugänglich sind, wie z.B. der E – Modul oder
die Rohdichte. Diese Merkmale werden von einer entsprechend konzipierten Sortierein-
heit erfasst und zerstörungsfrei ermittelt. Als wichtigstes ,indirektes’ Sortiermerkmal ist da-
bei der E – Modul zu nennen, weil dessen Zusammenhang mit der Festigkeit gegenüber
anderen Sortierparametern am stärksten ausgeprägt ist.

Manfred AUGUSTIN Seite 52


Diplomarbeit
,Eine zusammenfassende Darstellung der Festigkeitssortierung von Schnittholz’

Die Vorteile der maschinellen Sortierung sind:

- Auf Grund der effektiveren Zuordnung in die einzelnen Sortierklassen ist auch ein
kleinerer Variationskoeffizient in den einzelnen Klassen und damit eine höhere Ho-
mogenität (kleinere Standardabweichung) erreichbar. Damit steigt die Zuverläs-
sigkeit der Sortierung.

- Die Ergebnisse der Sortierung sind reproduzier- und dokumentierbar.

- Das Potential des Holzes kann sowohl wirtschaftlich (weniger Ausschuss) als auch
qualitativ besser genutzt werden, d.h. es sind auch die höherwertigen Sortierklas-
sen sortierbar und die Ausbeuten verschieben sich in die höherwertigen Klassen.

- Die Leistungsfähigkeit der Sortierung steigt (bis zu 300 lfm / min) beträchtlich.

Als Nachteil der maschinellen Sortierung anzuführen sind:

- Es entsteht ein großer finanzieller Aufwand für die Anschaffung der Sortiermaschi-
nen, sowie deren Zulassung und Wartung. Sortiermaschinen bzw. deren Sortierer-
gebnisse sind regelmäßigen umfangreichen Kontrollen zu unterziehen
(,maschinell kontrolliert bzw. ,ausgabekontrolliert’).

- Das Sortierergebnis, insbesondere im eingebauten Zustand kann nur mittels ap-


parativer Hilfsmittel nachvollzogen bzw. kontrolliert werden (,black – box – Sys-
tem’).

- Das mit der Bedienung der Sortieranlage betraute Personal muss entsprechend
qualifiziert sein und geschult werden.

Manfred AUGUSTIN Seite 53


Kapitel 4

4 Für eine maschinelle Schnittholzsortierung


nutzbare physikalische Effekte
Die zentrale Anforderung an Messmethoden zur Feststellung von Sortierparametern be-
steht darin die Zielgröße zerstörungsfrei erfassen zu können. Neben der, vom Schnitt-
holzvolumen her hauptsächlich angewendeten Methode der visuellen Sortierung, hat in
den letzten Jahrzehnten zusätzlich die Methode der maschinelle Sortierung an Bedeu-
tung gewonnen. Die maschinelle Sortierung beruht dabei auf einer Reihe physikalischer
Effekte um die erforderlichen Messgrößen zu bestimmen, von denen dann mit Hilfe sta-
tistischer Methoden auf die Festigkeit und / oder Steifigkeit des Schnittholzes geschlossen
werden kann. Um die Grundlagen für die Anwendung dieser physikalischen Effekte zu
entwickeln, hat sich in den letzten Jahrzehnten eine eigene technische Disziplin in der
Werkstoffprüfung bzw. der Messtechnik herausgebildet: die zerstörungsfreie Werkstoff-
prüfung (engl.: ,NDT’... non destructive testing resp. ,NDE’... non destructive evaluati-
on). Im Rahmen dieses Wissenszweiges gibt es mittlerweile eine Unzahl von
Möglichkeiten Werkstoffkenngrößen unter Nutzung ebensovieler physikalischer Effekte
zu ermitteln.

Für den Werkstoff Holz gilt, dass er – je nach Hierarchieebene Nano – Mikro – Makro
eine Reihe physikalischer Kenngrößen aufweist und somit auch unzählige physikalisch
messbare Effekte berücksichtigt werden könnten. Für den Bereich der Schnittholzsortie-
rung müssen die zu berücksichtigenden Sortierparameter in der Praxis jedoch durch re-
lativ einfache Messmethoden bzw. -einheiten und im ,On – Line’ Betrieb, d.h. ohne
Betriebsunterbrechung, gemessen werden können. Daher ist nur die Berücksichtigung
relativ ,einfach’ und zuverlässig zu ermittelnder Parameter sinnvoll.

Neben der einfachen Messbarkeit sind aber auch die Robustheit des Messverfahren, d.h.
bei kleinen Messungenauigkeiten soll die Aussage der Messung möglichst wenig verän-
derlich sein, sowie die Zuverlässigkeit und möglichst umfassende Anwendbarkeit in Be-
zug auf Holzart, Querschnittsgrößen und sonstigen Parametern bei der Auswahl des
Messverfahrens zu beachten. Die nachfolgend angeführte Tabelle gibt eine Zusammen-
stellung der für die Festigkeitssortierung nutzbaren physikalischen Effekte, welche in wei-
terer Folge detailliert erläutert werden [62], [63], [64]:

Manfred AUGUSTIN Seite 54


Prüfverfahren Gemessene Primär zu erfassende Holzcharakteristika Technische Vorteile Nachteile Mögliche Mögliche Geschätzter
Eigenschaften Eignung als Eignung als Entwicklungs-
einfaches apparative bedarf
stationäres Sortierhilfe

Äste
Risse
Gerät

schung

Schräg-
Feuchte
Vermor-

fasrigkeit
Festigkeit

Rohdichte
Mikrorisse

E – Modul
Geometrie
Verfärbung
Hohlstellen
Mechanische Verfahren
- statische Verformung + Bewährtes Prüfverfahren Umfangreiche Prüfeinrichtung (je nach + – 0...2
Biegeprüfung Automatisierungsgrad)
- Prüflastverfahren Verformung, + (+) Garantierte Mindestfestigkeit Umfangreiche Prüfeinrichtung + – 2

Manfred AUGUSTIN
(proof – loading) Steifigkeit (Güte-
sicherung)
- Prüflast, Schallemission + + Keine Zerstörung der Prüflinge Umfangreiche Prüfeinrichtung + – 5
Schalldetektion
Schwingungsverfahren
- dynamische Eigenfrequenz + Einfache Prüfung, unabhängig von Form Für Bestimmung des E – Moduls sollte zu- + ± 1...2
Biegeprüfung und Lage der Prüfkörper (gedämpfte sätzlich Rohdichte (inkl. Holzfeuchte)
Schwingung) bekannt sein (bei Resonanzverfahren
Ankoppelung notwendig)
- Spannungs- Impulslaufzeit + Einfache Prüfung, unabhängig von Form Einfluss Rohdichte, Holzfeuchte, Äste, ( – )? ± 3
wellen und Lage der Prüfkörper Schrägfasrigkeit, (bei Resonanzverfahren
Ankoppelung notwendig)
- (Ultra-) Impulslaufzeit, + (+) (+) + + + Erfassung der verschiedensten Holz- Begrenzte Reichweite des Schallimpulses 1...3
Schallwellen Eigenfrequenz, charakteristika, sowohl lokal wie (<4 m). EInfluss von Rohdichte Ästen, (4...5)
Dämpfung, Reflexion gesamthaft. Auch ,innere Wuchs- Schrägfasrigkeit, (Holzfeuchte) nocht nicht
eigenschaften’ werden detektiert. Hohe ausreichend quantifizierbar
Empfindsamkeit und Auflösung
Durchstrahlungsverfahren
- Röntgenstrahlen Masse- / Rohdichte- + + + + + Zahlreiche, auch innere Holzcharakteristika, Je nach Richtung werden Risse übersehen. – –
unterschiede können berührungsfrei erfasst werden Mässige Differenzierung zwischen versch.
Charakteristika. Gesundheitsrisiko
- Kernstrahlung, Mass- / Rohdichte- + + + + + + Zahlreiche, auch innere Holzcharakteristika, Je nach Richtung werden Risse übersehen. ± (?) –
Strahlung unterschiede können berührungsfrei erfasst werden Mässige Differenzierung zwischen versch.
Charakteristika. Gesundheitsrisiko
- Mikrowellen unterschiedliche + + + + + + + Zahlreiche, auch innere Holzcharakteristika, + ± 5
dielektrische können berührungsfrei erfasst werden
Eigenschaften
Optische Verfahren unterschiedliche Ausgezeichnete Erfassung sämtl. an der ,Innere Charakteristika’ werden nicht – –
Lichtreflexion Oberfläche sichtbaren Charakteristika. erfasst; z.T. schlechte Differenzierung zw.
Entsprechend visueller Sortierung verschiedenen Charakteristika
Penetrations- Eindringtiefe (+) (+) (+) Einfachstes Verfahren Genauigkeit, Erfassung von Einzelwerten – + 2
verfahren
,Härteprüfungen’ rel. Rückprall- (+) (+) Einfachstes Verfahren Weitgehend unerforscht + 2
geschwindigkeit
Abkürzungen:
Eignung der Holzcharakteristika: + ... gut geeignet, (+) ... bedingt geeignet, (–) ... wenig geeignet, – ... nicht geeignet, ± ... Einsatz nach technischer Entwicklung möglich
Geschätzter Entwicklungsbedarf: 5 ... sehr groß, 4 ... groß, 3 ... mittel, 2 ... klein, 1 ... sehr klein, 0 ... keiner

Tab. 4.1 Prüfverfahren zur Erfassung von Holzcharakteristika

Seite 55
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,Eine zusammenfassende Darstellung der Festigkeitssortierung von Schnittholz’
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,Eine zusammenfassende Darstellung der Festigkeitssortierung von Schnittholz’

Wie der Tabelle 4.1 zu entnehmen ist, lässt sich die technische Umsetzung der Messung
von Parametern in Sortiereinheiten (Sortiermaschinen) im Wesentlichen in die vier pra-
xisrelevanten Hauptgruppen mechanische Verfahren, Schwingungsverfahren, Durch-
strahlungsverfahren und optische Verfahren einteilen. Ergänzend dazu bestehen
Sonderverfahren, die i. Allg. für kleinere Prüfvolumen geeignet sind.

4. 1 Mechanische Verfahren

4. 1. 1 (statische) Biegeverfahren [48], [52], [65], [66], [67], [68]

Das zu sortierende Schnittholz durchläuft einen aus mindestens drei Rollen bestehenden
Rollengang und wird durch eine, mit Druckmessdosen ausgestattete Rolle durchgebo-
gen. An dieser Rolle wird dabei die für eine definierte Durchbiegung f erforderliche Rück-
stellkraft F gemessen.

Prinzip der Biegemaschinen F(f)

F(f)
l
Druckmessdose Verformung in-
M folge Kraft F Aus der Durchbiegungs-
Vorschub berechnung:
3
f F⋅l
f = ---------------------
48 ⋅ E ⋅ J
F/2 F/2 Daraus durch Umformung:
l F⋅l
3
E = -------------------
48 ⋅ J ⋅ f

Abb. 4.1 prinzipieller Aufbau und Messprinzip von Biegemaschinen

Wie der Abbildung 4.1 zu entnehmen ist lässt sich daraus unter Berücksichtigung der
Holzabmessungen (Breite und Dicke) und dem Abstand der feststehenden Rollen der sta-
tische E – Modul bestimmen. Der Messprozess erfolgt kontinuierlich und die endgültige
Zuordnung in eine Sortierklasse erfolgt über den kleinsten festgestellten E – Modul Wert
über die Brettlänge bzw. einem vorwiegend darauf beruhenden ,Maschinensortierpara-
meter’. Dieses Verfahren eignet sich für eine Sortierung von Brettdicken bis rund 80 mm
und ist damit im Wesentlichen auf die Sortierung von Brettschichtholzlamellen und Ge-
rüstbohlen beschränkt.

Die Vorteile liegen in der robusten, einfachen und kostengünstigen Ausführung. Als
nachteilig erweist sich der Umstand, dass der Bereich am Anfang und am Ende jedes
Schnittholzes nicht erfasst werden kann. Je nach Abstand der Führungsrollen (600 bis
1200 mm; i. Allg. 900 mm) können somit eigentlich nur geringe Brettlängen maschinell

Manfred AUGUSTIN Seite 56


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,Eine zusammenfassende Darstellung der Festigkeitssortierung von Schnittholz’

erfasst werden (bei 4,0 m Standardware: 1,6 bis 2,8 m). Weiters treten nicht erfassbare
Schubverformungen auf, die das Ergebnis beeinflussen; bereits bei relativ geringen Vor-
schubgeschwindigkeiten beginnen sowohl das Schnittholz, als auch die Maschine zu
schwingen, daraus folgt, dass die E – Modul Messung maschinenbauartspezifisch, sowie
dickenabhängig ist. Bei ungleichmäßigen Brettdicken entstehen größere Messfehler, wo-
mit eine Vorhobelung der Schnitthölzer in Dickenrichtung erforderlich wird.

Industriell eingesetzte Biegemaschinen weisen wegen der oben erwähnten Gründe meist
mehrere Rollengänge auf. Zum Teil existieren Maschinen bei denen das Schnittholz in
beiden Dickenrichtungen einer Prüfbelastung unterzogen wird. Als Messergebnis wird
der Mittelwert beider Messungen ausgegeben. Je nach Maschinentyp wird zusätzlich
auch eine Messung der Brettvorkrümmung durchgeführt. Moderne Biegemaschinen wer-
den i. Allg. in Kombination mit mehreren Messeinheiten (z.B. bei der in Mitteleuropa
verbreiteten Sortiermaschine EuroGreComat 704 ,Biegemaschine mit Röntgen’) indus-
triell eingesetzt.

4. 1. 2 Prüflastverfahren (,proof – loading’) [62], [64]

Bei diesem Verfahren wird das zu sortierende Schnittholz einer Vorbelastung (Prüflast;
engl.: ,proof – load’) ausgesetzt. Diese Vorbelastung kann dabei als Druck-, Zug- oder
Biegebelastung aufgebracht werden. Hält die Probe dabei der vorgebenen Belastung
stand, kann das geprüfte Schnittholz als lastabtragender Bauteil verwendet werden. Sta-
tistisch gesehen werden damit also jene Hölzer ausgesondert, die am unteren ,Schwanz’
der Summenhäufigkeitsverteilung liegen und den maßgebenden 5 % – Fraktil – Kenn-
wert erheblich beeinflussen. Dadurch wird insbesondere die Standardabweichung ver-
mindert, was wiederum zu einer Homogenisierung der mechanischen Eigenschaften der
betrachteten Charge führt. Die aufgebrachte Belastung liegt dabei im Bereich zwischen
dem 1 % – und 5 % – Fraktilwert des charakteristischen Wertes der Festigkeit für die be-
trachteten Festigkeitsklasse, d.h. die Belastung ist abhängig von der Festigkeitsklasse
und muss dementsprechend abgestimmt werden. Nachdem man in einem Arbeitsgang
nur in eine Festigkeitsklasse sortiert wird diese Methode im anglikanischen Raum, wo sie
am häufigsten eingesetzt wird auch als ,In – Grade Testing’ bezeichnet.

Als wesentlicher Nachteil dieses Verfahrens ist die mögliche Vorschädigung des Schnitt-
holzes durch die Vorbelastung anzuführen.

4. 1. 3 Schallemissionsanalyse [62], [64], [70], [71], [72]

Der oben angeführte Umstand lässt sich durch Kombination mit der sog. ,Schallemissi-
onsanalyse’ weitestgehend vermeiden. Während der mechanischen Belastung treten im
Holz bereits ab einer Belastung von 50 % der Bruchlast Mikrorisse auf, welche sich in
Form einer akustischen Abstrahlung bemerkbar machen. Durch geeignete Konfiguratio-
nen (Mikrofone und sonst. Detektoren) werden diese Abstrahlungen aufgezeichnet und
parallel ausgewertet. Der Korrelationskoeffizient R zwischen der Festigkeit und der abge-
strahlten Schallenergie wird in der Fachliteratur in der Größenordnung von R~0,9 an-
gegeben. Eine sinnvolle Anwendung der Schallemissionsanalyse liegt, wie erwähnt, in
der Anwendung als Abbruchkriterium für das ,proof – loading’ System.

Manfred AUGUSTIN Seite 57


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,Eine zusammenfassende Darstellung der Festigkeitssortierung von Schnittholz’

4. 2 Schwingungsverfahren [60], [62], [69]

Im Folgenden werden zwei Verfahren behandelt die als Messprinzip den dynamischen
E – Modul ermitteln. Dieser weist einen guten Zusammenhang mit dem statischen
E – Modul auf (R > 0,9). Bei ersterem wird die Laufzeit einer Schallwelle durch das zu
sortierende Holz gemessen, bei zweiterem wird das zu untersuchende Schnittholz durch
einen mechanischen Stoß zum Schwingen angeregt, die Eigenfrequenzen ermittelt und
daraus der dynamische E – Modul bestimmt.

Liegt der Frequenzbereich der anregenden Schallwelle beim ersten Verfahren im Bereich
oberhalb des menschlichen Hörbereiches (20 kHz bis 1 GHz), so spricht man von Ultra-
schall bzw. in seiner einfachsten Variante von Ultraschalllaufzeitmessung. Wegen seiner
einfachen, universellen und zuverlässigen Anwendung wird dieses Verfahren im folgen-
den einer detaillierteren Betrachtung unterzogen:

4. 2. 1 Ultraschalllaufzeitmessung
[62], [64], [74], [75], [76], [77], [78], [79], [80], [81]

- Allgemeines

Einen schematisierten Aufbau eines Ultraschall (US) Messsystems zeigt die unten stehen-
de Abbildung. Es besteht aus den Komponenten [78]:

- elektrischer Signal – Generator

- Sendekopf (Konus)

- Kopplungsmittel (Übertragung der Schallenergie vom Schallkopf auf den Prüf-


körper)

- Empfänger

- Zeitmarkengeber / – zähler

Schallgenerator

Startsignal

Zeitmarken –
Zähler Stoppsignal
Prüfkörper
678,7 µs Empfänger Sender

Abb. 4.2 prinzipieller Aufbau eines Ultraschall – Prüfsystems nach der Durchschallungsmethode (Lauf-
zeitmesssung) [78]

Manfred AUGUSTIN Seite 58


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,Eine zusammenfassende Darstellung der Festigkeitssortierung von Schnittholz’

Der US – Impuls wird durch Anlegen einer elektrischen Spannung an piezoelektrische


Kristalle, welche dadurch zum Schwingen angeregt werden, erzeugt. Die in das Prüfme-
dium eingebrachten mechanischen Schwingungen breiten sich in einem unbegrenzten,
anisotropen Körper entsprechend der Differentialgleichung der elastischen Bewegung
(,Wellendifferentialgleichung’) [78] aus:

∂σ ij
= ρ ⋅ u·· j
∂ xi
Dabei bedeuten:

u, x .......... Verschiebungsvektoren

ρ ............. Rohdichte

σij ............ Komponenten des Spannungs – Tensors

Die Lösung dieser Differentialgleichung erfordert die Einführung einiger elastomechani-


sche Grundlagen für die Beschreibung des Werkstoffes Holz.

Um diese Beschreibung zu ermöglichen, ist zuerst ein entsprechendes Koordinatensys-


tem festzulegen. Im Falle des Werkstoffes Holz wird man dieses entsprechend den
Hauptrichtungen der Holzanatomie mit den Hauptachsen in Längs-, radialer- und tan-
gentialer Richtung als Zylinderkoordinatensystem wählen.

Desweiteren sei angenommen, dass sich das Materialverhalten über ein genügend klei-
nes Volumen gleichartig beschreiben lässt, sodass sich die Gesetzmäßigkeiten der Kon-
tinuumsmechanik anwenden lassen. Die zu betrachtenden Volumina sollen ferner
genügend genau durch ein orthotropes, linear – elastisches Materialverhalten dargestellt
werden können, d.h. es soll das verallgemeinerte Hooke’sche Gesetz gelten. Dieses
drückt je nach Darstellung den Zusammenhang zwischen Verzerrungsgrößen und den
daraus resultierenden Spannungen aus und lautet:

σ ij = C ijkl ⋅ ε kl

bzw.

ε ij = S ijkl ⋅ σ kl

Es bedeuten:

σij ............ Spannungs – Tensor

εij ............ Verzerrungs – Tensor

Cijkl .......... Steifigkeitsmatrix

Sijkl .......... Nachgiebigkeitsmatrix

Manfred AUGUSTIN Seite 59


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,Eine zusammenfassende Darstellung der Festigkeitssortierung von Schnittholz’

Für den Fall der Orthotropie lässt sich die Steifigkeitsmatrix mit drei zueinander senk-
rechten Symmetrieebenen wie folgt darstellen:

C 11 C 12 C 13 0 0 0
C 21 C 22 C 23 0 0 0
C 31 C 32 C 33 0 0 0
C ijkl = C ij =
0 0 0 C 44 0 0
0 0 0 0 C 55 0
0 0 0 0 0 C 66

Es bedeuten:

[Cijkl]........ Steifigkeitsmatrix

Cij............ Steifigkeitskomponenten

Wegen der angenommenen Linearität gilt:

–1
C = S

Die Steifigkeitskoeffizienten können somit als Funktion der Größen E – Modul und Quer-
kontraktionszahlen der Nachgiebigkeitsmatrix dargestellt werden:

E 11 ⋅ ( 1 – ν 23 ⋅ ν 32 )
C 11 = -----------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------
-
1 – 2 ⋅ ν 21 ⋅ ν 32 ⋅ ν 31 – ν 13 ⋅ ν 31 – ν 12 ⋅ ν 21 – ν 23 ⋅ ν 32

E 22 ⋅ ( 1 – ν 13 ⋅ ν 31 )
C 22 = -----------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------
-
1 – 2 ⋅ ν 21 ⋅ ν 32 ⋅ ν 31 – ν 13 ⋅ ν 31 – ν 12 ⋅ ν 21 – ν 23 ⋅ ν 32

E 33 ⋅ ( 1 – ν 12 ⋅ ν 21 )
C 33 = -----------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------
-
1 – 2 ⋅ ν 21 ⋅ ν 32 ⋅ ν 31 – ν 13 ⋅ ν 31 – ν 12 ⋅ ν 21 – ν 23 ⋅ ν 32

In der Ebene (2D) lässt sich die Gestaltsänderung eines elastischen Materials durch die
beiden Normalverzerrungen εi und εj, sowie die Schubverzerrung εij vollständig beschrei-
ben. Die beiden Normalverzerrungen lassen sich aus der jeweiligen Ableitung der Weg-
größe in der zugehörigen Richtung und die Schubverzerrung aus der Hälfte der Summe
der jeweiligen Ableitung in den normal aufeinanderstehenden Richtungen bilden:

∂u i
εi =
∂ xi

1 ∂u ∂u
ε ij = --- ⋅  i + j
2  ∂ xj ∂ xi

Manfred AUGUSTIN Seite 60


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Somit kann die Wellendifferentialgleichung unter Zuhilfenahme des verallgemeinerten


Hooke’schen Gesetzes und der Verschiebungs – Verzerrungs – Beziehung auch in der
Form

2
∂ uk
C ijkl ⋅ = ρ ⋅ u·· j
∂ x i ⋅ ∂x l

dargestellt werden.

Der obige Ausdruck ergibt ein Gleichungssystem mit drei Differentialgleichungen


2. Ordnung. Als Lösung dieses Gleichungssystem sei eine ebene Welle gesucht, welche
sich in einer der drei Hauptrichtungen ausbreitet und sich in der Form

i ( km ⋅ xm – ω ⋅ t )
u j ( x m, t ) = A 0 ⋅ p j ⋅ e

darstellen lässt.

Es bedeuten:

xm ............ Ortsvektor

t............... Zeit

A0 ............ Amplitude

pj ............. Einheitsvektor in Richtung der Wellenfront

km ............ Komponente des Wellenvektors in xm – Richtung

ω ............. Kreisfrequenz

Setzt man nun diesen Lösungsansatz in die Differentialgleichung ein, so erhält man:

2
( C ijkl ⋅ n i ⋅ n j – ρ ⋅ v ⋅ δ ij ) ⋅ p m = 0

ni, nj ....... Richtungscosinus der Wellenfront

Die Wellenfront nimmt für den Polarisationsvektor pm somit eine Eigenform an. Die Grö-
ße δik bezeichnet das Kronecker – Delta bzw. den Kronecker – Tensor. Die oben ange-
führten Gleichungen werden auch als Christoffel – Gleichungen bezeichnet. In weiterer
Folge wird zur Vereinfachung der Darstellung der sog. ,Christoffel – Tensor’ zweiter Ord-
nung Γij eingeführt, es gilt:

Γ ij = C ijkl ⋅ n i ⋅ n j

Die Wellengeschwindigkeit v und die Polarisation pm (Richtung der Teilchen – Schwin-


gung) sind gegeben durch die Eigenwerte bzw. Eigenvektoren des Christoffel – Tensors.
Wegen der notwendigen Bedingung reeller Geschwindigkeiten müssen auch die Eigen-
werte reelle Zahlen sein. Die Eigenvektoren stehen orthogonal zueinander, woraus folgt,

Manfred AUGUSTIN Seite 61


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,Eine zusammenfassende Darstellung der Festigkeitssortierung von Schnittholz’

dass sich drei ebene Wellen in der gleichen Richtung pm (p1, p2, p3), allerdings mit un-
terschiedlichen Geschwindigkeiten fortpflanzen. Das Auffinden der Eigenwerte erfolgt
durch das Lösen der Eigenwertgleichung:

2
Γ 11 – ρ ⋅ v Γ 12 Γ 13
Γ 21 Γ 22 – ρ ⋅ v
2
Γ 23 = 0
2
Γ 31 Γ 32 Γ 33 – ρ ⋅ v

Mit dem oben eingeführten Zylinderkoordinatensystem und dessen Symmetrieachsen als


Hauptachsen für den Richtungsvektor pm mit seinen Komponenten p1, p2 und p3 folgt:

2 2 2
Γ 11 = C 11 ⋅ p 1 + C 66 ⋅ p 2 + C 55 ⋅ p 3
2 2 2
Γ 22 = C 66 ⋅ p 1 + C 22 ⋅ p 2 + C 44 ⋅ p 3
2 2 2
Γ 33 = C 55 ⋅ p 1 + C 44 ⋅ p 2 + C 33 ⋅ p 3

Γ 12 = ( C 12 + C 66 ) ⋅ p 1 ⋅ p 2

Γ 13 = ( C 13 + C 55 ) ⋅ p 1 ⋅ p 3

Γ 23 = ( C 23 + C 44 ) ⋅ p 2 ⋅ p 3

Für die Wellenausbreitung in der Längsrichtung gilt p1 = 1 und p2 = p3 = 0.

Die zu lösende Gleichung vereinfacht sich somit zu:

2
C 11 – ρ ⋅ v 0 0
0 C 22 – ρ ⋅ v
2
0 = 0
2
0 0 C 33 – ρ ⋅ v

Damit ergibt sich die Lösungsgleichung zu:

2 2 2
( C 11 – ρ ⋅ v ) ⋅ ( C 66 – ρ ⋅ v ) ⋅ ( C 55 – ρ ⋅ v ) = 0

Manfred AUGUSTIN Seite 62


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,Eine zusammenfassende Darstellung der Festigkeitssortierung von Schnittholz’

Dieser Term wird dann zu Null, wenn einer der Teilterme null wird. Damit ergeben sich
die endgültigen Lösungen zu:
2 C 11
C 11 – ρ ⋅ v = 0 bzw. v = -------- für eine Wellenausbreitung in Längsrichtung
ρ

2 C 66
C 66 – ρ ⋅ v = 0 bzw. v = -------- für eine Wellenausbreitung in radialer Richtung
ρ

2 C 55
C 55 – ρ ⋅ v = 0 bzw. v = -------- für eine Wellenausbreitung in tangentialer Richtung
ρ

Unter Berücksichtigung des eingeführten Hauptsteifigkeitskoeffizienten C11 lässt sich die


Ausbreitungsgeschwindigkeit einer Schallwelle in einem anisotropen Werkstoff in Längs-
richtung des Probekörpers schließlich durch folgenden Zusammenhang ausdrücken:

E 11 ⋅ ( 1 – ν 23 ⋅ ν 32 )
v = -------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------
-
ρ ⋅ ( 1 – 2 ⋅ ν 21 ⋅ ν 32 ⋅ ν 31 – ν 13 ⋅ ν 31 – ν 12 ⋅ ν 21 – ν 23 ⋅ ν 32 )

Sind die seitlichen Abmessungen des Probekörpers klein im Verhältnis zur Wellenlänge
werden die Einflüsse der Querkontraktion vernachlässigbar und die oben stehende Be-
ziehung vereinfacht sich zu:

E 11 2
v = - bzw. E 11 = ρ ⋅ v
------
ρ

Der so ermittelte E – Modul wird auch als dynamischer E – Modul bezeichnet. Wegen
der sehr kurzen, stoßartigen Schwingungsanregung ist der dynamische E – Modul rund
5 bis 10 % größer als der statische E – Modul.

Obig stehende Lösungen gelten gemäß den getroffenen Annahmen für homogene, or-
thotrope Werkstoffe. Der Werkstoff Holz kann zwar näherungsweise als orthotrop einge-
stuft werden, wegen der vorhandenen Strukturstörungen und Rohdichteschwankungen
im Querschnitt und entlang der Längsachse jedoch als nicht homogen. Dies führt zu Un-
schärfen in den Beziehungen zur Steifigkeit bzw. in weiterer Folge zur Festigkeit. Der Zu-
sammenhang mit den mechanischen Kenngrößen E – Modul und Festigkeit kann daher
nur über eine statistische Modellierung zwischen den angeführten Messgrößen und dem
Produkt aus der Rohdichte und dem Quadrat der Ausbreitungsgeschwindigkeit festge-
stellt werden.

Wie die Regressionsanalyse mehrerer durchgeführter Forschungsprojekte zeigt, verän-


dert sich der Korrelationskoeffizient R durch Nichtberücksichtigung der Rohdichte nur un-
wesentlich, selbst das Weglassen des quadratischen Zusammenhanges der
Ausbreitungsgeschwindigkeit geht nur mit Veränderungen von 1 – 2 % gegenüber der
Mitberücksichtigung einher. Im Allgemeinen wird daher in der praktischen Anwendung
der Zusammenhang zwischen den mechanischen Kenngrößen E – Modul und Festigkeit
und der Ausbreitungsgeschwindigkeit direkt gegenübergestellt und die abgeleiteten Mo-

Manfred AUGUSTIN Seite 63


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,Eine zusammenfassende Darstellung der Festigkeitssortierung von Schnittholz’

delle auf dieser Basis entwickelt.

Der Korrelationskoeffizient zwischen der US – Geschwindigkeit und dem statischen E –


Modul liegt unter Anwendung der Beziehung

v ∼ E dyn ∼ E stat

bei rund R ~ 0,8.

Für den Zusammenhang zwischen der US – Geschwindigkeit und der (Biege–) Festigkeit
ergeben sich Korrelationskoeffizienten von R ~ 0,6, wobei dieser Wert durch Hinzunah-
me weiterer (visueller) Parameter, wie z.B. Astigkeit noch erhöht werden kann. Im Hin-
blick auf eine möglichst einfache Sortiermethode wird dieser Umstand aber i. Allg. nicht
genutzt.

Die breite Anwendungspalette der US – Messung für mehrere Anwendungsbereiche, so-


wie die verschiedenen Möglichkeiten der Durchschallung zeigt die folgende Abbildung:

Ultraschallmessungen zur Qualitätskontrolle von Bauholz


1. Einsatzgebiet
1.1 1.2
1.3
Schnittholz Rundholz
Baum
(Kantholz, Bohle) (Langholz oder Abschnitt)

2. Art der Durchschallung


2.1 2.2 2.3 2.4
direkt in direkt quer zur indirekt halbdirekt
Faserrichtung Faserrichtung

3. Zweck der Messung

3.1 3.2 3.3 3.4


nachträgliche Festigkeits- Fehlstellenanalyse Struktur-
Festigkeits- sortierung Äste bestimmung
bestimmung bei Bruchfestigkeit zur Risse Schrägfasrigkeit
Sanierungs- Einteilung in Fäulnis Drehwuchs
maßnahmen Güteklassen Delamination

Abb. 4.3 mögliche Anwendungsbereiche und Arten der Durchschallung in der Anwendung des Ultra-
schallverfahrens [78]

Manfred AUGUSTIN Seite 64


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Will man das Messergebnis noch verbessern bzw. auch den Verlauf der Brettqualität im
Querschnitt ermitteln, kann die US – Geschwindigkeit auch an mehreren über den
Querschnitt verteilten Stellen gemessen werden (siehe Abb. 4.4).

Abb. 4.4 mögliche Lage der Messpunkte für unterschiedliche Querschnitte [78]

Wie die Ergebnisse verschiedener Forschungsprojekte gezeigt haben ([76], [77], [78]) ist
eine Mittelwertbildung dieser Messergebnisse in Hinblick auf die Zusammenhänge mit
der Festigkeit nicht sinnvoll. Werden mehrere Messtellen untersucht, so ergeben sich die
besten Zusammenhänge mit der Festigkeit durch Auswerten der minimalen US – Ge-
schwindigkeit im Querschitt. Zur Beschreibung des Zusammenhanges zwischen dem E –
Modul und der US – Laufzeit erweist sich der Mittelwert als bestgeeigneter Wert.

- Sonstige beeinflussende Parameter

Neben den oben angeführten prinzipiellen Materialeigenschaften werden die Ultra-


schalllaufzeiten noch durch die Parameter [78]:

• Wahl der Prüffrequenz

• Holzfeuchte und

• Holztemperatur

wesentlich beeinflusst, wobei die erwähnten Parameter holzartenspezifisch sind.

• Wahl der Prüffrequenz

Die Wahl der Prüffrequenz hat einerseits wesentlichen Einfluss auf die übertragbare
Schallenergie, andererseits auf die Größe der noch feststellbaren Strukturstörungen, wo-
bei bei hohen Frequenzen die Dämpfung stark zunimmt. Frequenzen größer als 250 kHz
sind für Holz nicht zielführend. Unterhalb von 10 kHz nimmt die Durchlässigkeit ande-
rerseits wieder ab. Man ist daher bestrebt möglichst tiefe Frequenzen zu verwenden, um
die Dämpfung gering zu halten und die zu erfassenden Diskontinuitäten noch auflösen
zu können. Die optimale Frequenz ist von der Holzart, der Rohdichte und der Faserrich-
tung abhängig. Im Allgemeinen wird die Prüffrequenz im Bereich zwischen 30 kHz und
50 kHz für Messungen verwendet.

Manfred AUGUSTIN Seite 65


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• Einfluss der Holzfeuchte [78]

Mit zunehmender Holzfeuchte strebt die US – Geschwindigkeit asymptotisch der Schall-


geschwindigkeit in Wasser zu. Die stärkste Abnahme für Fichtenholz tritt im Feuchtebe-
reich bei von 0 bis 28 % auf, also in etwa bis zum Bereich des Fasersättigungspunktes.
Darüber ist die Geschwindigkeitsabnahme unbedeutend (siehe auch Abb. 4.5).

Abb. 4.5 Einfluss der Holzfeuchte auf die Schallgeschwindigkeit für verschiedene Holzproben [78]

Dieser Effekt kann durch Bezug gemäß den nachfolgend angegebenen Formeln für Na-
delholz auf die Referenzholzfeuchte von u = 12 % eliminiert werden [78]:

vu
- für u < 28 %
v 12 = -----------------------------------------------------------
[ 1 – 0, 0053 ⋅ ( u – 12 ) ]

vu
v 12 = ---------------------------------------------------------------------------- für u > 28 %
[ 0, 9152 – 0, 0053 ⋅ ( u – 12 ) ]
v12 ........... auf die Holzfeuchte u = 12 % korrigierte US – Geschwindigkeit [m/s]

vu ............ US – Geschwindigkeit der Probe mit der Holzfeuchte u [m/s]

u.............. Holzfeuchte der Probe [%]

Für Holzfeuchten oberhalb von u = 50 % ist der Einfluss vergleichsweise gering, sodass
man in diesem Bereich lediglich bis zur Feuchte u = 50 % mit einem konstanten Wert

v 12 = 1, 102 ⋅ v w für u > 50 %

korrigiert.

Manfred AUGUSTIN Seite 66


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• Einfluss der Holztemperatur [78]

Die mechanischen Eigenschaften des Holzes sind temperaturabhängig. Dies gilt auch für
die Holzfeuchte, dadurch beeinflussen sich diese beiden Parameter wechselweise.

Abb. 4.6 Einfluss der Temperatur auf die Schallgeschwindigkeit bei Fichtenholz mit unterschiedlichen
Feuchten [78]

Der Einfluss der Holztemperatur kann für Nadelholz mit folgender Korrekturformel be-
rücksichtigt werden:

vT
v 20 = ----------------------------------------------------------- für u = 12 %
[ 1 – 0, 0008 ⋅ ( T – 20 ) ]
v20 ........... US – Geschwindigkeit auf T = 20° C korrigiert [m/s]

vT............. US – Geschwindigkeit bei der Temperatur T [m/s]

T.............. Temperatur T [° C]

• Koppelung Prüfkörper – Schallkonus [78]

Die ersten Anwendungen der US – Messung stammen aus dem Bereich des Stahl- und
Betonbaues, wobei die Ankoppelung zwischen Messgerät und Prüfkörper durch spezielle
Koppelungsmittel erforderlich war und eine spezielle Bearbeitung der Kontaktflächen
durchgeführt werden musste. Dies war notwendig, um eine möglichst gute Übertragung
der aufgebrachten Schallenergie sicherzustellen und somit entsprechend lange Prüfkör-
per untersuchen zu können. Um diese Koppelungsmittel, die zu umständlichen und un-
wirtschaftlichen Messungen führen zu vermeiden wurden für Prüfungen an Holz spezielle
Konusse entwickelt. Diese gestatten eine direkte Koppelung zwischen Konus und Schnitt-
holz über ein vorgebohrtes Loch von rund 1 cm Tiefe und rund 5 mm Durchmesser, und
erlauben Messungen an bis zu 6 m langen Prüfkörpern.

Manfred AUGUSTIN Seite 67


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Derzeit werden solche, speziell für die Holzbauforschung entwickelten US – Messeinhei-


ten als Laborgeräte der schweizer Firma Cableries & Trefileries de Cossonay S.A. unter
dem Namen ,Sylvatest’ vertrieben. Die industrielle Umsetzung derselben Technologie
(Gerät ,Sylvamatic’) befindet sich derzeit noch in der Erprobungsphase.

Abb. 4.7 mobiles Ultraschallgerät ,Sylvatest’

Die Vorteile der US – Messung sind in der verhältnismäßig kostengünstigen Geräteaus-


stattung, sowie der einfachen und robusten Anwendung zu finden. Ein weiterer Vorteil ist
die Anwendbarkeit für eine breite Palette an Querschnittsgrößen, so kann die US – Mes-
sung vom Rundholz bis zum Brett, aber auch am stehenden Baum eingesetzt werden. Für
die relativ großformatigen Kantholzquerschnitte ist die US – Messung derzeit eine der
wenigen apparativen Sortiermöglichkeiten. Dieser Umstand kann aber auch als Nachteil
angeführt werden, weil die ermittelten US – Grenzwerte für die jeweiligen Sortierklassen
neben der Holzartenabhängigkeit auch einen Einfluss der Querschnittsgrößen aufweisen
[74], [75].

- Weitere Verfahren der Ultraschalltechnik

Neben der US – Laufzeitmessung kommen auch andere Varianten dieses Verfahrens zum
Einsatz. Insbesondere ist die ,Impuls – Echo – Methode’ zu nennen, bei der Sender und
Empfänger an derselben Seite liegen und somit ein kompaktes Gerät z.B. für Anwendun-
gen in bereits verbauten Konstruktionen bilden [62]. Über spezielle Gerätekonfiguration
sind auch bildgebende US – Verfahren ähnlich der Anwendung der US – Technik in der
Medizin möglich [87].

Manfred AUGUSTIN Seite 68


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4. 2. 2 Spannungswellen [73], [83], [84], [85], [86], [87], [88]

Eine weitere Möglichkeit zur Ermittlung des dynamischen E – Moduls besteht in der
Schwingungsanregung des zu sortierenden Brettes durch einen mechanischen Stoß und
der damit verbundenen Erzeugung von Spannungswellen, die sich durch den zu unter-
suchenden Prüfkörper ausbreiten. Je nach Richtung des anregenden Stoßes wird das
Brett so zu Längsschwingungen (Anregung in Brettlängsachse), zu Biegeschwingungen
(Anregung normal zur Brettlängsachse) oder auch zu Torsionsschwingungen (Anregung
durch Verdrehen des Querschnittes) gezwungen. Die so auf das Brett einwirkende Ener-
gie versetzt es in sehr komplexe Schwingungen, welche von der Art und Stärke der
Schwingungsanregung, sowie von physikalischen und geometrischen Randbedingungen
abhängen. Gelingt es durch günstige Lagerungsbedingungen das Brett frei schwingen
zu lassen stellen sich nach kurzer Zeit die sog. ,Eigenschwingungen’ ein, welche sich
durch die Eigenfrequenz und die geometrischen Größen charakterisieren lassen. Durch
Aufzeichnen dieser Eigenfrequenz, Messen der geometrischen Größen – Breite, Dicke
und Länge – und Ermittlung der Rohdichte kann aus diesen Parametern der dynamische
E – Modul bestimmt werden.

Durch die Schwingungsanregung wird das Prüfstück in komplexe räumliche Schwingun-


gen versetzt. Die Darstellung dieser sehr komplexen Schwingungsanalyse wurde bei der
Herleitung der US – Geschwindigkeit gezeigt und unter Beachtung der i. Allg. zutreffen-
den praktischen Verhältnisse vereinfacht.

- Längsschwingungen [73], [83]

Das Hooke’ sche Gesetz

σ = E⋅ε

lässt sich bei einer Schwingungsanregung durch eine Kraft F in Längsrichtung, bei gege-
bener Querschnittsfläche A und mit

∆l ∂u
ε = ----- =
l ∂x

auch in der Form

F ∂u ∂u F
--- = E ⋅ bzw. = -----------
A ∂x ∂x E⋅A

anschreiben.

Manfred AUGUSTIN Seite 69


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,Eine zusammenfassende Darstellung der Festigkeitssortierung von Schnittholz’

Stablänge l
C D
∂F
F F+ dx
A,E ∂x
∂u
dx u + dx
x ∂x
u
C’ D’

∂u
dx + dx
∂x
Abb. 4.8 Ableitung der Längsschwingungen am differentiellen Element [73]

Ist die Kraft F nicht konstant, sondern ändert sich zeitlich, treten Beschleunigungen auf
wobei sich über den Querschnitt betrachtet, sehr komplexe Zusammenhänge (Verwöl-
bung des Querschnittes) ergeben. Unter Annahme des Ebenbleiben des Querschnittes
ergibt sich

2
∂ u ∂F
A⋅E⋅ 2 = ,
∂x ∂x
∂F
wobei der auf das differentielle Element dx wirkende Term   dx als Beschleunigung
 ∂ x
interpretiert werden kann.

Mit dem Newton’ schen Gesetz ergibt sich:

2
∂u
F = m ⋅ u·· , wobei u·· = 2
∂t
2 2
∂F ∂u ∂u
dx = m ⋅ 2 = ρ ⋅ A ⋅ 2
∂x ∂t ∂t

Durch Rückeinsetzen und Erweitern mit dx ergibt sich:

2 2
∂u ∂u
A ⋅ E ⋅ 2 dx = ρ ⋅ A ⋅ 2 dx
∂x ∂t

Manfred AUGUSTIN Seite 70


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,Eine zusammenfassende Darstellung der Festigkeitssortierung von Schnittholz’

Dies lässt sich vereinfachen in die Form

2 2
∂u E ∂u
= --- ⋅ 2 .
∂t
2 ρ ∂x

Mit

2 E
v = ---
ρ

ergibt sich letztendlich

2 2
∂u 2 ∂ u
2
= c ⋅ 2 (,Wellengleichung’).
∂t ∂x

Wie bereits erwähnt, entspricht diese Gleichung von der Struktur her jener, die unter Ver-
nachlässigung der Einflüsse der Querkontraktion bereits bei der Ultraschalllaufzeit ab-
geleitet wurde, wobei insbesondere nochmals auf die getätigte Einschränkung für die
praktische Anwendung kleiner Querschnittsabmessungen im Vergleich zur Stablänge
hingewiesen wird. Als für die Praxis relevante Näherungslösung mit den entsprechenden
Randbedingungen wurde dort erhalten:

E 11
v = -------
ρ

Mit dem allgemein geltenden Zusammenhang zwischen der Frequenz f, der Ausbrei-
tungsgeschwindigkeit v und der Wellenlänge λ in der Form [89]

v
f = --- ,
λ

sowie der speziellen Eigenschaft von Eigenschwingungen, dass an den Längsenden kei-
ne Verschiebungen auftreten, d.h. Knotenpunkte der longitudinalen Wellen vorliegen,
gilt somit für die Wellenlängen der n – ten Eigenschwingung [89]

2⋅l
λ 1n = --------- .
n

Setzt man nun die angeführten Zusammenhänge in die obige Formel ein so erhält man:

E 11
-------
ρ
f n = ------------
2⋅l
---------
n

Manfred AUGUSTIN Seite 71


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Durch Auflösen dieser Gleichung nach dem E – Modul (dynamischer E – Modul) erhält
man[83]:

2 2
4 ⋅ l ⋅ fn ⋅ ρ
E 11 = E dyn = ---------------------------
2
-
n
Es bedeuten:

Edyn ......... dynamischer E – Modul in Längsrichtung [N/m²]

l............... Länge des Prüfkörpers [m]

fn ............. n – te Eigenfrequenz (i. Allg. wird die 1. Eigenfrequenz verwendet) [Hz]

ρ ............. Rohdichte [kg/m³]


n.............. Ordnung der Eigenfrequenz [–]

In der praktischen Umsetzung wird bei diesem System das zu prüfende Holzstück auf de-
finierte Querschnittsabmessungen vorgehobelt sowie die Länge erfasst (bzw. auf eine
definierte Länge abgekappt) und anschließend im Quertransport auf eine definierte Auf-
lagerkonfiguration mit Wägezellen zur Ermittlung des Gewichtes bzw. darausfolgend der
Rohdichte geführt. Dort wird der Prüfling durch Anschlagen mit einem Metallbolzen zu
Längsschwingungen angeregt. Nach Abklingen der Störschwingungen (gedämpfte
Schwingung) stellen sich nach kurzer Zeit (wenige Sekunden) die Eigenschwingungen
ein, welche mehrmals durch geeignete Messgeräte (Mikrofone, Laser) erfasst werden
und schließlich die Eigenfrequenz durch geeignete Schwingungsanalyse (Fourieranalyse
bzw. Fast Fourier Transformation) ermittelt wird. Über den abgeleiteten Zusammenhang
lässt sich der dynamische E – Modul ermitteln. Eine industrielle Umsetzung dieses Ver-
fahrens liegt in Form der Sortiereinheit ,Dimter Grademaster 403’ (in Kombination mit
Monochromkameras) vor [83].

Abb. 4.9 Schwingungsanregung und Eigenfrequenzmessung beim ,Dimter Grademaster 403’ [90]

Manfred AUGUSTIN Seite 72


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4. 2. 3 Biegeschwingungen [84], [85], [87], [88]

Bei der Anregung zu Biegeschwingungen wird das Schnittholz normal zu seiner Längs-
achse zum Schwingen gebracht. Die Ableitung erfolgt analog jener der Längsschwin-
gung. Eine Näherungslösung für das Biegeschwingungsproblem unter Berücksichtigung
der Schubverformung (,Timoshenko Balken’) wurde von Kollmann und Krech (1960)
bzw. Hearmon (1966) wie folgt angegeben [84]:

2 4 2 2 2 2 2
4 ⋅ π ⋅ l ⋅ f0 ⋅ ρ i  E 4⋅π ⋅s⋅i ⋅ρ⋅f
E dyn = -------------------------------------
- ⋅ 1 + --- ⋅ K + K 2 ⋅ s ⋅ ---- – --------------------------------------------0-
2  1
4
mn ⋅ i
2
l G  G

Es bedeuten:

E.............. dynamischer Elastizitätsmodul in Längsrichtung

G............. Schubmodul

ρ ............. Rohdichte
l............... Stablänge

i............... Trägheitsradius in Richtung der Biegeschwingung

f0 ............. Eigenfrequenz

K1, K2, mn von der Ordnung der Frequenz abhängige Konstanten

s .............. Formfaktor (für isotrope Stäbe mit Rechteckquerschnitt ist s = 1,20)


bzw. für Schnittholz s = 1,0

In der praktischen Umsetzung wird auf die Berücksichtigung des Schubkrafteinflusses


(d.h. der Term s · E / G = 0) verzichtet, was bei einem Verhältnis von Trägerstützweite
zu Querschnittshöhe von l / h > 15 näherungsweise gerechtfertigt ist. Somit vereinfacht
sich die obige Gleichung zu

2 4 2 2
4 ⋅ π ⋅ l ⋅ f0 ⋅ ρ i---
E dyn = -------------------------------------
4 2
- ⋅ 1 + 2
⋅ K1
mn ⋅ i l
für die 1. Oberschwingung ergeben sich die Konstanten

mn4 = 0,5006 · 103 und K1 = 49,48 [84]

Ein industrieller Einsatz dieses Verfahrens scheiterte bis dato an der aufwendigeren Ge-
rätekonfiguration. Für Laborgeräte liegen jedoch erfolgreiche Umsetzungen vor [84],
[85], [87], [88].

Als Nachteil bei den Schwingungsverfahren kann die Tatsache angeführt werden, dass
mit diesen Methoden lediglich ein Mittelwert des dynamischen E – Moduls über die Brett-
länge erhalten werden kann. Da in den relevanten normativen Regelungen die Festle-
gung des zu erwartenden schwächsten Querschnittes gefordert wird (siehe z.B. ÖNORM
DIN 4074 – 3 [N3]), wird eine Sortieranlage auf dieser Basis von den zulassenden Stel-
len nicht akzeptiert. Um dieser Forderung gerecht zu werden sind Kombinationen mit an-
deren Verfahren umgesetzt worden (z.B. beim Grademaster 403 durch Kombination mit

Manfred AUGUSTIN Seite 73


Diplomarbeit
,Eine zusammenfassende Darstellung der Festigkeitssortierung von Schnittholz’

Monochromkameras an allen vier Seiten der Oberfläche) [83].

4. 3 Durchstrahlungsverfahren

Den Durchstrahlungsverfahren ist gemein, dass sie die verschiedenen Parameter berüh-
rungsfrei erfassen.

4. 3. 1 Röntgenverfahren [48], [64], [65], [66], [91], [92], [93], [94], [95]

Dieses Verfahren nutzt den Effekt, dass elektromagnetische Wellen (Röntgenstrahlen)


beim Durchgang durch Materie entsprechend der Flächendichte des Materials unter-
schiedlich geschwächt werden. Dabei befindet sich ein Röntgenstrahler auf der einen
und ein Detektor auf der anderen Seite des Prüfkörpers. Die Absorption bzw. die gemes-
sene Strahlungsintensität J ist eine Funktion der Flächenmasse, welche sich wiederum
aus dem Produkt Rohdichte ρ mal Dicke d ermitteln lässt.

Der erwähnte Zusammenhang zwischen der hinter dem Prüfkörper gemessenen Intensi-
tät J und der Flächenmasse F ist für ein enges Strahlenbündel gegeben durch [91]:

–µ ⋅ d ⋅ ρ
J = J0 ⋅ e
Es bedeuten:

J0 ............ Intensität der einfallenden Strahlung

J .............. Intensität der durch den Absorber geschwächten Strahlung

µ.............. Massenschwächungskoeffizient [cm² / g]

d.............. Dicke des Prüfkörpers [cm]

ρ ............. Rohdichte [g/cm³]

Der Massenschwächungskoeffizient µ ist strahler- und materialabhängig. Für Holz und


das Radionuklid Am 241 beträgt er beispielsweise rund 0,18 cm² / g. Ein wesentliches
Kriterium bei diesem Verfahren ist die relative Empfindlichkeit, die eine Aussage darüber
trifft, wie stark sich eine Veränderung der Terme im Exponenten auf die Änderung der
gemessenen Intensität auswirkt. Um eine große Messempfindlichkeit zu erreichen, soll
die relative Empfindlichkeit ein Maximum sein. Dies ist dann der Fall, wenn

1
F = d ⋅ ρ = ---
µ
F.............. Flächenmasse [g / cm²]

d.............. Dicke [cm]

ρ ............. Rohdichte [g/cm³]

wird, wobei F auch als 1/e – fache Flächenmasse m0 bezeichnet wird.

Manfred AUGUSTIN Seite 74


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,Eine zusammenfassende Darstellung der Festigkeitssortierung von Schnittholz’

Im relativ großen Bereich 0,1 · F0 < F < 3,5 · F0 bewirkt eine Messunsicherheit der In-
tensität von 0,5 ‰ (Stand der Technik) lediglich eine Messunsicherheit der Flächendichte
von 0,5 %. Für Holz mit einem Massenschwächungskoeffizienten von 0,18 cm²/g be-
deutet dies, dass sich ein großer Rohdichtenbereich bei gegebener Dicke d von
0,55 g/cm² bis 19,4 g/cm² sehr genau erfassen lässt.

Im Bereich der Festigkeitssortierung wird dieses Verfahren vor allem zur Detektion von
Ästen (Äste weisen im Vergleich zu ,fehlerfreiem Holz’ eine um das zwei- bis dreifache
höhere Rohdichte auf), aber auch zur Bestimmung der (mittleren) Rohdichte des Schnitt-
holzes eingesetzt. Weiters lassen sich damit alle Wachstumsunregelmäßigkeiten, welche
sich durch Rohdichteunterschiede bemerkbar machen, aufspüren (z.B. Druckholz) [93].

Nachteil dieser Methode ist die Projektion der Parameter in einen zweidimensionalen
Raum, d.h. es lässt sich keine Aussage über die räumliche Lage tätigen. Weiters sind Fra-
gen der Sicherheit und der Entsorgung der Röntgenquellen als problematisch anzuse-
hen.

Die im mitteleuropäischen Raum bekannteste Anwendung in einer zugelassenen Sortier-


maschine ist der sog. ,EuroGreComat’ der Fa. GreCon, wobei dieser sowohl in Kombi-
nation mit einer Biegeeinheit (EuroGreComat 704) als auch als unabhängige
Sortiermaschine (EuroGreComat 702) zur Anwendung kommt. Weitere bekannte Sor-
tieranlagen auf dieser Basis sind das ,Golden Eye’ (Fa. Mikrotec), sowie das ,Wood Eye’
(Fa. Innovative Vision) [69].

4. 3. 2 Computer – Tomographen [96]

Das Verfahren der Computer – Tomographie beruht ebenfalls auf dem Effekt der Schwä-
chung elektromagnetischer Wellen beim Durchtritt durch Materie. Im Unterschied zum
Röntgenverfahren rotiert dabei eine oder mehrere Röntgenröhren um das zu untersu-
chende Material und der abgeschwächte Strahl wird auf der gegenüberliegenden Seite
durch mehrere Sensoren erfasst. Dieses Verfahren stammt ursprünglich aus der Medizin-
technik und erlaubt die räumliche Erfassung und Rekonstruktion von Holzmerkmalen,
wie Ästen, Reaktionsholz und anderen rohdichteabhängigen Merkmalen. Gegenwärtig
wird dieses System vor allem zur Einschnittoptimierung von Rundholz erforscht. Es erlaubt
bereits vor dem Einschnitt einen ,Einblick’ in die innere Struktur des Rundholzes und er-
möglicht damit eine qualitäts- und/oder wertschöpfungsoptimierte Nutzung des Stam-
mes.

Manfred AUGUSTIN Seite 75


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,Eine zusammenfassende Darstellung der Festigkeitssortierung von Schnittholz’

Abb. 4.10 Visualisierung der Ergebnisse einer Computertomographie [96]

4. 3. 3 Mikrowellen (Hyperfrequenzradiometrie) [62], [97], [98], [99], [100]

Ebenfalls den Durchstrahlungsverfahren zuzuordnen sind Verfahren die Mikrowellen nut-


zen. Als Mikrowellen bezeichnet man elektromagnetische Wellen mit Frequenzen im Be-
reich von 108 Hz bis 1010 Hz. Gegenüber dem Ultraschall ergibt sich der Vorteil, dass
eine berührungslose Möglichkeit der Messung besteht und mit den gleichen Anlageteilen
ein breites Frequenzspektrum abgebildet, d.h. eine sehr breite Palette von Strukturstörun-
gen detektiert werden kann.

Der wesentliche physikalische Effekt bei der Nutzung von Mikrowellen besteht dabei in
der Tatsache, dass Holz nicht nur in seinen mechanischen, sondern auch in seinen elek-
trischen Eigenschaften stark anisotrop ist, wobei das dielektrische Verhalten der struktur-
bedingten Anisotropie folgt, d.h. in Längs-, radialer- und tangentialer Richtung
Unterschiede aufweist. Die elektrischen Eigenschaften des Holzes werden dabei durch
die (anisotrope) Dieelektrizitätskonstante ε charakterisiert, wobei diese auch die Durch-
strahlung von elektromagnetischen Wellen beeinflusst [82], [97].

Eine detaillierte Darstellung würde den Rahmen dieser Arbeit sprengen. Im Folgenden
wird daher die Wirkungsweise der Mikrowellenanwendung überblicksmäßig dargestellt.

Der zu prüfende Probekörper wird mit einer linear polarisierten Welle (das sind Wellen,
die in einer zeitlich konstanten Ebene schwingen) beaufschlagt. Beim Durchgang durch
das Prüfstück wird die Geschwindigkeit und damit die Wellenlänge dieser Welle verrin-
gert. Die Reduktion ist abhängig von der (anisotropen) Dielektrizitätskonstante ε, die bei
Holz wiederum von der Rohdichte ρ, der Feuchte u und der Temperatur T abhängt und
kann über die auftretende Phasenverschiebung der Welle messtechnisch erfasst werden.

Manfred AUGUSTIN Seite 76


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,Eine zusammenfassende Darstellung der Festigkeitssortierung von Schnittholz’

Weiters erfährt die Welle beim Durchgang durch Materie einen Intensitätsverlust infolge
Absorption und Streuung, welcher sich in einer Amplitudenschwächung bemerkbar
macht. Dieser Verlust hängt von der Dicke des Prüfkörpers und dem Verlustfaktor, wel-
cher wiederum einen Zusammenhang mit der Rohdichte und der Holzfeuchte aufweist,
ab.

Zusätzlich wird die linear polarisierte Welle beim Durchgang auch polarisiert (,gedreht’),
wobei die einfallende Welle je nach Verlauf der Holzstruktur bzw. der Dielektrizitätskon-
stanten in zwei Komponenten aufgespalten und elliptisch polarisiert wird. Die kleine Ach-
se kommt dabei in Richtung der maximalen Dielektrizitätskonstante (bzw. in
Faserrichtung) zu liegen. Durch Auswertung dieser Polarisationserscheinung kann somit
die innere Struktur, d.h. der Verlauf der Holzfasern erfasst werden.
Dielektrizitätskonstante von Holz
Amplitudendämpfung δ
ε' II 0
ε' = = 2, 73 0
0 ε' ⊥ 0 2, 16
z.B. für Douglas – Fir bei u=12%
elliptisch polarisierte Phasen-
verschiebung ϕ
Welle aus zwei recht-
winklig aufeinander Prinzipskizze
stehenden Wellen- Polarisation
zügen zusammenge-
setzt
Polarisation der Welle
Faserneigung in Faserrichtung

Ebene EI,L
der einfallenden φ
Welle
EI,T E0
Polarisation der Welle
normal zur Faserrichtung

einfallende, linear Prüfkörper


polarisierte Welle jωt
E I, L = E 0 ⋅ e ⋅ cos θ
jωt
E I, T = E 0 ⋅ e ⋅ sin θ

Abb. 4.11 Auftretende physikalische Effekte bei der Mikrowellenmessung (Zusammenfassung aus [97],
[98], [99])

Die Mikrowelle lässt sich also durch die drei Parameter Amplitude, Phasenverschiebung
und Depolarisation beschreiben, wobei diese Parameter sich z.T. stark gegenseitig be-
einflussen, was die Datenauswertung erheblich erschwert. Näherungsweise kann aber
gesagt werden, dass die Amplitudenschwächung stark mit der Holzfeuchte, die Phasen-
verschiebung mit der Rohdichte und der Holzfeuchte und die Depolarisation mit der Fa-
serneigung zusammenhängen. Durch entsprechende Messaufbauten und Konstant-
halten der Holzfeuchte und -temperatur können somit die wichtigen Parameter Rohdich-
te bzw. deren lokale Schwankungen (z.B. Äste) und die Faserneigung in einem Messver-
fahren berührungslos erfasst werden. In einem anderen Zusammenhang kann dieses

Manfred AUGUSTIN Seite 77


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,Eine zusammenfassende Darstellung der Festigkeitssortierung von Schnittholz’

Verfahren aber auch zur berührungslosen Feuchteermittlung (z.B. in der Spanplattenpro-


duktion) eingesetzt werden.

Derzeit wird das Mikrowellenverfahren nach Wissen des Verfassers lediglich in einer in
Australien entwickelten industriellen Sortiermaschine zur Erfassung der Rohdichte bzw.
der Astigkeit sowie der mittleren Faserneigung eingesetzt [100]. Wie aus Tabelle 4.1 er-
sichtlich ist, besteht für dieses Verfahren noch erheblicher Forschungsbedarf, wobei fest-
zustellen ist, dass dieses Verfahren ganz offensichtlich erhebliches Potenzial für eine
Verwendung in der Schnittholzsortierung in sich birgt.

Abb. 4.12 Mikrowellenmesseinrichtung für Schnittholz [101]

In einer Weiterentwicklung dieses Verfahrens kombiniert mit einem entsprechenden


Messaufbau und einer angepassten Datenauswertung sind auch tomographische Aus-
wertungen an Rundholzproben gemacht worden [82].

4. 3. 4 Verfahren auf Basis von elektrischer Feldstärkemessung


[102], [103], [104], [105]

Dieses Verfahren entspricht im Wesentlichen jenem der Mikrowelle. Der Unterschied be-
steht lediglich darin, dass bei dieser Methode statt elektromagnetischer Wellen ein sinus-
förmiges elektrisches Feld an das Prüfstück angelegt wird. An der gegenüberliegenden
Seite des Prüfstückes tritt, bedingt durch die dielektrischen Eigenschaften, eine Phasen-
verschiebung dieses Feldes auf, welche wiederum mit der Faserneigung der Probe in ei-
nem Zusammenhang steht. Somit kann mit diesem Verfahren der Faserverlauf festgestellt
werden.

Leider wurde dieses Verfahren auf Grund verschiedener Probleme nicht bis zur industri-
ellen Reife weiterentwickelt. In Form eines Laborgerätes mit einem Messkopf von 1 Zoll
(2,54 cm) Durchmesser steht es aber in mehreren Forschungsinstitutionen im Einsatz.

Manfred AUGUSTIN Seite 78


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,Eine zusammenfassende Darstellung der Festigkeitssortierung von Schnittholz’

4. 4 Optische Verfahren [106], [107], [108], [109]

Die optischen Verfahren versuchen die Wahrnehmung des menschlichen Auges für ein-
zelne Aufgaben der Sortierung zu ersetzen. Dies geschieht durch den Einsatz von Kame-
ras mit entsprechender Auswertesoftware oder dem Einsatz von speziellen
Laserlichtmethoden. Anders ausgedrückt lässt sich mit den optischen Verfahren eine au-
tomatisierte visuelle Sortierung umsetzen (sog. ,optoelektronische Sortierung’). Wegen
der umfassenden Wahrnehmung und der Erfahrung eines mit der Sortierung betrauten
und entsprechend geschulten Mitarbeiters und der, im Vergleich dazu noch nicht im er-
wünschten Maße ausgereiften Software der Bildverarbeitung bzw. der Verarbeitung in
entsprechenden Expertensystemen, insbesondere der Mustererkennung (engl.: ,pattern
recognition’) muss die eingangs angeführte Aussage derzeit noch mit Einschränkungen
getätigt werden.

4. 4. 1 (digitale) Farb- und Monochromkameras


[106], [107], [108], [109], [110], [111], [112]

Die rasche Entwicklung der Leistungsfähigkeit der digitalen CCD – Kameras verbunden
mit entsprechend leistungsfähiger Computerhardware und Auswertealgorithmen lässt
seit geraumer Zeit den Einsatz von Farb- und Monochromkameras für die Sortierung von
Schnittholz zu. Wachstumsunregelmäßigkeiten (Äste, Harzgallen, Risse, Druckholz usw.)
unterscheiden sich dabei durch Farbunterschiede an der Oberfläche vom umgebenden
fehlerfreien’ Holz sowie durch verschiedene geometrische Abmessungen. Beispielsweise
werden Äste i. Allg. durch runde und stetig verlaufende Formen abgebildet, Risse hinge-
gen Strukturen mit großer Länge und kleiner Breite usw.

Ein wesentlicher Nachteil dieses Verfahrens, der sich u.U. gravierend auf die Sicherheit
der Sortierung auswirkt, ist die nicht immer zuverlässige Detektion einzelner Merkmale,
weil eine direkte Koppelung an physikalische Kenngröße und damit verbunden deren
Nutzung in Rahmen dieses Verfahrens fehlt. Beispielsweise können fest verwachsene Äs-
te, die sich in der Farbgebung nur wenig vom umgebenden Holz unterscheiden, nur sehr
unzuverlässig erkannt werden. Ebenso sind Verschmutzungen oder unzureichende Aus-
hobelungen der Brettoberfläche nur sehr unzuverlässig feststellbar. Ein Einsatz von Ka-
meras ist daher eher im Bereich der Erscheinungssortierung sinnvoll, was in einzelnen
Bereichen der holzverarbeitenden Industrie, wie der automatisierten Sortierung von Par-
kettfriesen oder der Sortierung von Furnieren, durchaus erfolgreich gelungen ist.

Manfred AUGUSTIN Seite 79


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,Eine zusammenfassende Darstellung der Festigkeitssortierung von Schnittholz’

4. 4. 2 Verfahren, die den ,Tracheid Effekt’ nutzen


[113], [114], [115], [116], [117], [118], [119]

Ebenfalls den optischen Verfahren zuzurechnen sind Verfahren, die den sog. ,Tracheid
Effekt’ nutzen. Wird die Holzoberfläche mit Licht (z.B. Laser) bestrahlt, so wird der Groß-
teil des Lichts reflektiert. Der nicht reflektierte Teil dringt in die teil – lumineszente Ober-
fläche des Holzes ein und wird dort entsprechend der optischen Anisotropie der
Holzstruktur in den Tracheidenhohlräumen weitergeleitet (,Lichtleitereffekt’).

Abb. 4.13 ,Tracheid’ – Effekt im Bereich eines Astes [114] und Prinzipskizze [116]

Durch Verwendung eines ,Laser – Vorhanges’ und Aufnahme des gestreuten Bildes mit-
tels digitaler Kameras können Wachstumsunregelmäßigkeiten, wie Äste, Reaktionsholz,
z.T. auch die Faserneigung uam. an der Oberfläche festgestellt werden. Es erfolgt also
im Unterschied zu den rein optischen Verfahren eine direkte Koppelung an physikalische
Parameter des Holzes. Als zusätzlichen Effekt erlaubt dieses System in der Ausführung
mittels drei Laser – Linien eine sehr genaue und effiziente Dimensionsvermessung des
geprüften Schnitt- bzw. Rundholzes.

Auf Grund der Nutzung des ,Lichtleitereffektes’ ist die Anwendung dieses Systems auf
Holzarten mit vorwiegend Tracheidenzellen, d.h. auf eine Verwendung bei Nadelholz
beschränkt.

Manfred AUGUSTIN Seite 80


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,Eine zusammenfassende Darstellung der Festigkeitssortierung von Schnittholz’

4. 5 Sonderverfahren

4. 5. 1 Penetrationsverfahren (,Pilodyn’ – Verfahren) [62]

Bei diesem Verfahren wird ein zylindrischer Stahlstift von rund 2,5 mm Durchmesser mit
einer bestimmten Energie (6 Joule) aus Federkraft maximal 40 mm in das Holz einge-
schossen. Aus der Eindringtiefe kann auf die Kenngrößen Rohdichte, E – Modul und Fes-
tigkeit geschlossen werden. Das Verfahren wurde ursprünglich zum Erkennen von
Innenfäule für Rundholzmasten entwickelt und in weiterer Folge auch für ,gesundes’
Rund-und Schnittholz überprüft. Während sich beim Rundholz durchaus zufriedenstellen-
de Zusammenhänge finden ließen, ergab sich beim Schnittholz eine große Schwan-
kungsbreite in den Aussagen. Somit kommt dieses einfache und kostengünstige
apparative Hilfsmittel nicht für einen Einsatz in der Festigkeitssortierung in Frage. Für un-
tergeordnete Zwecke einer stichprobenartigen Überprüfung, sowie in der Anwendung
zur Überprüfung an verbautem Holz scheint ein Einsatz aber durchaus sinnvoll.

4. 5. 2 Härteprüfung (,Equotip’) [62]

Ähnlich den bekannten Verfahren für die Feststellung von mechanischen Eigenschaften
im Stahlbau, Betonbau und in der Felsmechanik zur vereinfachten Bestimmung der
Oberflächenhärte wird auch hier eine Stahlkugel mit einer bestimmten Geschwindigkeit
und Energie auf eine Oberfläche geschossen. Die induktiv gemessenen Auf- und Rück-
prallgeschwindigkeiten lassen einen Rückschluss auf die Rohdichte und den E – Modul
des zu untersuchenden Schnittholzes zu, welche bekannterweise in einem Zusammen-
hang mit der Festigkeit stehen. Auf Grund der ermittelten Zusammenhänge mit der Fes-
tigkeit, die einen stark streuenden Charakter aufweisen, scheint auch hier nur ein Einsatz
für untergeordnete Zwecke angebracht.

4. 5. 3 Thermographische Verfahren [120]

Bei den thermographischen Verfahren nutzt man die Tatsache, dass Schnitthölzer Berei-
che unterschiedlicher Rohdichte aufweisen. Bekanntlich haben Äste eine rund
2 bis 3 – fache Rohdichte gegenüber dem nicht strukturgestörten Holz. Andererseits ha-
ben Materialien mit hoher Rohdichte auch eine größere thermische Leitfähigkeit und
kühlen somit rascher ab. Dies nutzt man indem man das zu untersuchende Holz durch
geeignete Verfahren impulsartig erhitzt und das Schnittholz im Folgenden durch eine
Thermokamera führt, welche Zonen unterschiedlicher Erwärmung abbildet und auswer-
tet.

Wegen der aufwendigen Messmethode kommt diesem Verfahren derzeit keine prakti-
sche Bedeutung zu.

Manfred AUGUSTIN Seite 81


Kapitel 5

5 Holztechnologische Aspekte der Schnittholz-


sortierung
5. 1 Allgemeines

Unter holztechnologischen Aspekten der Schnittholzsortierung sollen im Folgenden alle


wesentlichen Merkmale und deren Zusammenhänge mit relevanten physikalischen und
mechanischen Eigenschaften angeführt und erläutert werden, welche das Festigkeits-
und/oder Steifigkeitsverhalten des Schnittholzes beeinflussen.

Im Hinblick auf die überwiegende Nutzung und den technischen Einsatz wird in diesem
Abschnitt ausschließlich auf die Eigenschaften von Nadelholz (Fichte, Tanne, Kiefer, Lär-
che) eingegangen. Die Eigenschaften von Laubholz sind zum Teil den hier beschriebe-
nen Aspekten entgegengesetzt, teils fehlen entsprechende Zusammenhänge für das
Laubholz überhaupt. Eine direkte Übertragung der hier erwähnten Eigenschaften auf
Laubholz ist daher nicht möglich.

Grundsätzlich lässt sich die Struktur des Roh- und Werkstoffes Holz auf unterschiedlichen
Strukturebenen betrachten [6; durch den Verfasser ergänzt]:

- auf der Ebene der Nanostruktur


(atomare Zusammensetzung, molekulare Zusammensetzung)

- auf der Ebene der Submikrostruktur


(Fibrillarstruktur, Fibrillenorientierung, Mikrolamellenbildung, Dicke der Zellwand-
schichten)

- auf der Ebene der Mikrostruktur


(Gewebeanteile, Gewebedimension, Faserlänge und –wanddicke, Faserverlauf)

- auf der Ebene der Makrostruktur


(Schnittrichtung, Faser – Last – Winkel, Kern – Splintholz, Jahrringbreite, Reakti-
onsholz, Äste usw.)

Manfred AUGUSTIN Seite 82


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,Eine zusammenfassende Darstellung der Festigkeitssortierung von Schnittholz’

5. 2 Der Aufbau des Holzes

Abb. 5.1 schematischer Überblick über die verschiedenen Strukturhierarchien des Holzes [124]

Holz ist ein natürlicher, organischer, zellförmig aufgebauter Stoff.

Chemisch gesehen besteht Holz im Wesentlichen aus rund 50 % Kohlenstoff (C), rund
44 % Sauerstoff (O) und rund 6 % Wasserstoff (H). Beinahe vernachlässigbar sind ein
Aschenanteil von 0,2 bis 0,3 %, sowie ein Stickstoffanteil von < 0,1 % [73].

In weiterer Folge gruppieren sich diese chemischen Grundstoffe zu Molekülen, welche


zum einen die Zellwandkomponenten bilden, zum anderen die Inhaltsstoffe aufbauen.
Die Zellwandkomponenten bestimmen dabei die wesentlichen mechanischen Eigen-
schaften und können wiederum in die Gruppe der Kohlenhydrate und jene der Phenole
unterteilt werden. Die Kohlenhydrate sind lineare Polymere (Polysaccharide), bilden rund
75 % der Holzmasse und lassen sich in weiterer Folge in die molekularen Substanzen
Cellulose und Hemicellulose unterteilen. Der überwiegende Teil der Phenole wird durch
das komplex aufgebaute Polymer Lignin gebildet [73].

Auf der Ebene der Submikrostruktur bilden ebene, 50 bis 80 Molekülschichten starke,
ausgerichtete Molekülpakete die elliptisch bis quadratisch geformten rund 3,5 x 3,5 nm
großen schraubenförmig gedrehten Elementarfibrillen, welche sich wiederum über Was-
serstoffbrücken und Lignin zu den 3,5 bis 10 nm großen Mikrofibrillen gruppieren [73],
[127].

Manfred AUGUSTIN Seite 83


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,Eine zusammenfassende Darstellung der Festigkeitssortierung von Schnittholz’

Abb. 5.2 Modelle zum Aufbau von Mikrofibrillen aus den Zellwandkomponenten Cellulose, Hemicel-
lulose und Lignin [125]

Diese Mikrofibrillen bilden in weiterer Folge die unterschiedlich dicken Zellwandschich-


ten, welche die verschiedenen Zellen aufbauen. Die Zellwände lassen sich unterteilen in
die Mittellamelle M, welche die unterschiedlichen Zellen verbindet, die rund 1 µm dicke
primäre Wandschichte und die wesentlich dickere sekundäre Wandschichte. Diese wie-
derum setzt sich zusammen aus drei weiteren, gekreuzt zueinander liegende Wand-
schichten (S1, S2, S3), wobei die rund 2 µm starke S2 – Schichte mit ihrer Dicke und
Ausrichtung die mechanischen Eigenschaften wesentlich beeinflusst [73].

Abb. 5.3 Aufbau einer Zelle aus den unterschiedlichen Zellwänden [125]

Wie bereits erwähnt, bilden diese Schichten die unterschiedlichen Zellarten. Beim Na-
delholz sind das zum überwiegenden Teil (rund 90 %) die sog. ,Tracheiden – Zellen’,
das sind rund 2 bis 5 mm lange, hohle Zellen mit rund 10 µm bis 50 µm Durchmesser,

Manfred AUGUSTIN Seite 84


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,Eine zusammenfassende Darstellung der Festigkeitssortierung von Schnittholz’

einer Zellwanddicke von 2 bis 7 µm und abgeflachten oder sich verjüngenden, geschlos-
senen Enden. Der zweite, beim Nadelholz wesentliche Zelltyp sind die vergleichsweise
gedrungeneren Parenchymzellen mit einem Anteil von rund 10 %, welche im Lebewesen
Baum Aufgaben der Speicherung von Reservestoffen und dem Transport von Wuchs-
und Nährstoffen übernehmen [1], [173].

Abb. 5.4 Schnitt durch einen Zellverband [125]

Diese Zelltypen formieren sich beim Nadelholz in einen einfachen, entlang der Längs-
achse in radialer Richtung angeordneten geometrisch hochstrukturierten Verband, dem
Jahrring. Dieser in die Längsachse des Baumes orientierte Aufbau aus hohlen Zellen be-
dingt das für das Holz typische, stark anisotrope physikalische und mechanische Verhal-
ten in den drei anatomischen Hauptrichtungen längs, radial und tangential [2], [3].

Neben den in Stammlängsachse orientierten Tracheiden besitzt der Holzkörper in radi-


aler Richtung orientierte sog. ,Markstrahlen’ (im Wesentlichen aus Paremchymzellen zu-
sammengesetzt), die Aufgaben der Nährstoffverteilung übernehmen und aus
mechanischer Sicht den radialen Zusammenhalt der Zellstruktur gewährleisten [2], [3].

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Abb. 5.5 Jahrringaufbau eines Nadelholzes [2]

Zum Zwecke der technischen Umsetzbarkeit in einem Sortierprozess soll im weiteren Ver-
lauf dieser Arbeit die Betrachtung der relevanten Eigenschaften vor allem auf der Ebene
der Makrostruktur stattfinden, d.h. mit den, dem menschlichen Auge zugänglichen Pa-
rametern. Sind tiefer reichende Betrachtungen zur Erklärung erforderlich, so wird auf die
Mikro- bzw. Nanoebene zurückgegriffen. Um vorab einen groben Überblick über die
mechanische Leistungsfähigkeit, im Speziellen der Zugfestigkeit, der Komponenten in
den verschiedenen Hierarchieebenen zu gewinnen, ist die unten angefügte Abbildung
hilfreich.

Abb. 5.6 Zugfestigkeit des Holzes in den verschiedenen Hierarchieebenen [4]

Will man eine Analyse der für die Steifigkeit und/oder Festigkeit wesentlichen Parameter
durchführen, so gilt es vorher eine Zusammenstellung aller wesentlichen Holzcharakte-
ristika und ihrer Ausprägungen durchzuführen. Eine solche ist im Folgenden für die ma-
kroskopisch bzw. apparativ erfassbaren Holzeigenschaften aus [6] angegeben und
durch den Verfasser ergänzt.

Manfred AUGUSTIN Seite 86


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Holzcharakteristika
Wuchseigenschaften - Rohdichte
Strukturmerkmale - Astigkeit (inkl. Aststörzone)
- Schrägfasrigkeit
- Jahrringbreite
- Juveniles Holz
- Reaktionsholz
- Überwallung
- Harztaschen
- Splint / Kern – Anteil
- Schwindrisse
Wuchsunregelmäßigkeiten - Abholzigkeit
- Krummschaftigkeit
- unstetige Jahrringbreite
Holzschäden - biologische Schädigung
holzzerstörende Pilze
holzzerstörende Insekten
- mechanische Schädigung
Stauchungen
Querrisse
Harzstellen (meist als Folge mechanischer Schädigung)
Dimensionsveränderungen am - Verformung
Schnittholz Krümmung
Vorwölbung
Verwindung
Verarbeitungsmerkmale - Jahrringstellung
- Splint- / Kernverhältnis
- Baumkante
- Holzverfärbungen
Bläue
Rotstreifigkeit
(Schrägfasrigkeit)
- Einschnitt (einstielig / mehrstielig)
Zustandsgröße - Holzfeuchte
(Gleichgewichtsfeuchte)

Tab. 5.1 Zusammenstellung maßgebender Holzcharakteristika und ihrer, die Festigkeit und Steifigkeit
des Holzes beeinflussenden Ausprägungen [6]

Manfred AUGUSTIN Seite 87


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5. 3 Sortierparameter

Eine grundlegende Aufgabe für die Sortierung von Schnittholz ist es direkte und indirekte
Merkmale (=Sortierparameter) zu finden, die einen möglichst guten Zusammenhang mit
der End- /Zielgröße aufweisen. Eine Zusammenstellung von wesentlichen Merkmalen in
Hinblick auf den Einfluss auf die Zielgrößen Festigkeit, Verformbarkeit, Dauerhaftigkeit
und Ästhetik gibt die unten stehende Tabelle aus [6].

Holzcharakteristika Eigenschaften

Festigkeit Verform- Dauer- Ästhetik


barkeit haftigkeit

Rohdichte + + – –

Astigkeit (inkl. Faserverlauf im Astbereich) + ± – +

Schrägfasrigkeit + – – –

Reaktionsholz + ± – +

Jahrringstellung / - bild (–) (–) (–) +

Splint und Kern – – + +

Überwallungen + – – +

Harzstellen + – – +

Harztaschen (Harzgallen) (–) – – +

Biologische Schädigung (Insekten, Pilze) (+) (+) + +

Mechanische Schädigung + (–) – (–)

Risse (+) (+) (+) (–)

Verformungen – + – +

Holzfeuchte + (+) + –

Bedeutung der einzelnen Abkürzungen:


+ ... starker Einfluss
(+).. bedeutsamer Einfluss
± ... mittlerer Einfluss
(–)... geringer Einfluss
– .... kein Einfluss

Tab. 5.2 Charakteristika und deren Beeinflussung auf die Festigkeit, Verformbarkeit, Dauerhaftigkeit
und Ästhetik von Schnittholz [6]

Manfred AUGUSTIN Seite 88


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Besonders hervorgehoben sei in diesem Zusammenhang die Aufstellung von Systemen


von Sortierparametern in Abstimmung auf den Endzweck der Sortierung. Beispielsweise
sind für in der späteren Anwendung hauptsächlich auf Biegung belastete Schnitthölzer
u.U. andere Parameter maßgebend als solche in einer Lamelle für die Brettschichtholz-
produktion (siehe z.B. DIN 4074 – 1 Einzelastkriterium für Kantholz und Bretter sowie
Berücksichtigung von Seitenflächenästen). Die Umsetzung dieser Grundüberlegung
scheitert in der Praxis vielfach am Mangel der konkreten Information über die spätere
Verwendung.

Die detaillierte Behandlung der einzelnen Sortierparameter erfolgt in der Folge so, dass
auf die wesentlichen festigkeitsbeeinflussenden Parameter Rohdichte, Astigkeit, Faser-
neigung bzw. Drehwuchs, Jahrringbreite und juveniles Holz umfassend eingegangen
wird. Die übrigen Parameter werden überblicksmäßig behandelt.

5. 4 Wuchseigenschaften

5. 4. 1 Rohdichte [1], [120], [121], [N16]

- Allgemeines

Die Rohdichte ist die wichtigste physikalische Kenngröße des Holzes. Die meisten physi-
kalischen und mechanischen Kenngrößen sind z.T. stark mit der Rohdichte korreliert.
Dementsprechend ist auch die Rohdichte eine der wichtigsten Parameter in der Sortie-
rung von Schnittholz. Bei den maschinellen Sortierverfahren wird die Rohdichte entweder
direkt gemessen oder als indirekter Parameter eingesetzt. Bei der visuellen Sortierung
wird die Rohdichte in Form der mittleren Jahrringbreite berücksichtigt. Näheres dazu ist
dem Abschnitt zur mittleren Jahrringbreite zu entnehmen. Im Ingenieurholzbau ist die
Rohdichte wegen der Korrelation mit der Tragfähigkeit von Verbindungsmitteln von he-
rausragender Bedeutung, weshalb die charakteristische Rohdichte auch eines der drei
Merkmale für die Zuordnung in eine Festigkeitsklasse nach EN 338 darstellt [1], [N1],
[N16].

Die Verteilung der Rohdichte im stehenden Baum variiert in weiten Bereichen und zwar
sowohl in der Verteilung über den Querschnitt als auch über die Stammhöhe (siehe Abb.
1.2).

Quantitativ beträgt die Rohdichte der Zellwand etwa 1500 kg / m³. Bauholz weist in der
Regel Darr – Rohdichten von 300 bis 550 kg /m³ auf, d.h., dass das Holz einen beträcht-
lichen Hohlraumvolumenanteil von 0,8 bis 0,63 aufweist [120], [121].

Manfred AUGUSTIN Seite 89


Diplomarbeit
,Eine zusammenfassende Darstellung der Festigkeitssortierung von Schnittholz’

- Bestimmung

Die Rohdichte ist definiert als Masse pro Volumen.

m
ρ = ----
V
Dabei bedeuten:

ρ ............. Rohdichte in [kg/m³]


m............. Masse [kg]

V ............. Volumen [m³]

Wegen der Hygroskopizität des Holzes ist die Rohdichte von der Holzfeuchte abhängig.

In der Holztechnologie und im Ingenieurholzbau wird die Rohdichte i. Allg. entweder als
sog. Darr – Rohdichte (Holzfeuchte u = 0 %) oder als (Referenz-) Rohdichte bei einer
Holzfeuchte von u = 12 % angegeben.

Die Rohdichte mit der Holzfeuchte u [%] errechnet sich für den hygroskopischen Feuch-
tigkeitsbereich zu [123]:

u
m 0 ⋅  1 + ----------
m  100  1 + 0, 01 ⋅ u
ρ u = ------u = ------------------------------------- = ρ 0 ⋅ -----------------------------------------
Vu β⋅u 1 + 0, 01 ⋅ β V ⋅ u
V 0 ⋅  1 + ----------
 100 
Dabei bedeuten:

ρu ............ Rohdichte bei der Holzfeuchte u [kg / m³]

ρ0 ............ Rohdichte im Darrzustand [kg / m³]

m0 ........... Masse im Darrzustand [kg]

V0 ............ Volumen im Darrzustand [m³]

u.............. Holzfeuchte [%]

βV ............ Volumenausdehnungskoeffizient [ -]

Nach EN 384 [N16] wird der Bezug auf eine Referenzfeuchte von u = 12 % durch fol-
gende Bestimmung geregelt:
Beträgt die Holzfeuchte mehr als 12 %, ist die Rohdichte je Prozent Feuchteabweichung
um 0,5 % zu vermindern, beträgt die Holzfeuchte weniger als 12 %, ist die Rohdichte um
0,5 % zu erhöhen. Dabei wird vorausgesetzt, dass sowohl Masse als auch Volumen bei
der Holzfeuchte u [%] bestimmt wurden.

Manfred AUGUSTIN Seite 90


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,Eine zusammenfassende Darstellung der Festigkeitssortierung von Schnittholz’

Im EN 338 sind die Rohdichtewerte einer Probe entweder als mittlere Rohdichte ρmean
oder als 5 % – Fraktilwert ρk (charakteristischer Wert) angegeben.

Nach EN 384 [N16] ist die Rohdichte als normalverteilt anzunehmen, d.h. der 5% –
Fraktilwert kann nach unten stehender Gleichung bestimmt werden:

ρ k = ρ mean – 1, 65 ⋅ s
mit

ρk ............ 5 % - Fraktilwert (charakteristischer Wert) der Rohdichte bezogen auf


eine Holzfeuchte von u = 12 % [kg / m³]

ρmean....... Mittelwert der Rohdichte bezogen auf eine Holzfeuchte von u = 12 %


[kg/m³]

s .............. Standardabweichung einer Stichprobe bezogen auf eine Holzfeuchte


von u = 12 % [kg / m³]

In der klassischen Holztechnologie (Prüfung an fehlerfreien Kleinproben) ist der Zusam-


menhang zwischen Dichte und Festigkeit bzw. Steifigkeit sehr stark ausgeprägt (R ~ 0,8
bis 0,9).

Zusammenhang zwischen
Rohdichte und Zug - E - Modul
120
MOE = -35,8121664 + 0,143330835*r12
r 2 = 0,1716
100
Zug - E - Modul [N/mm²]

80

60

40

20

0
300 350 400 450 500 550 600
Rohdichte [kg/m³]

Abb. 5.7 Zusammenhang zwischen der Rohdichte und dem Zug – E – Modul einer Prüfserie von Pro-
bekörpern in Bauteilgröße [162]

Manfred AUGUSTIN Seite 91


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,Eine zusammenfassende Darstellung der Festigkeitssortierung von Schnittholz’

Bei durch strukturelle Imperfektionen gestörtem Holz in Gebrauchsabmessungen ist der


Zusammenhang deutlich schwächer ausgeprägt und erreicht, wie die obige Abbildung
zeigt, abhängig vom mechanischen Kennwert, die Größenordnungen der folgenden Ta-
belle aus [48]:

Kenngröße bzw. Parameter Korrelation mit

Biegefestigkeit Zugfestigkeit Druckfestigkeit


fm parallel ft,0 parallel fc,0

Rohdichte 0,5 0,5 0,6

Tab. 5.3 Korrelationskoeffizienten zwischen der Rohdichte und einigen wichtigen mechanischen
Kenngrößen bei Nadelholz [48]

5. 5 Strukturmerkmale

Als Strukturmerkmale werden die typischerweise an Holz in Gebrauchsabmessungen


auftretenden Merkmale bezeichnet, die zum Großteil für den stark streuenden Charakter
verantwortlich sind und so zum großen Unterschied in den Aussagen der klassischen
Holztechnologie (i. Allg. Prüfung an fehlerfreien Kleinproben) zu jenen des (angewand-
ten) Holzbaues beitragen.

5. 5. 1 Astigkeit [1], [7], [129], [130]

- Allgemeines

Äste sind die Teile der Zweige, die im (Haupt-) Stamm eingebettet sind. Baumphysiolo-
gisch tragen sie entweder die für die Photosynthese notwendigen Blätter direkt oder aber
verzweigen in die Aststufen höherer Ordnung. Alle Äste haben ihren Ursprung in der
Markröhre und verlaufen anschließend, i. Allg. mit einer geringen Neigung gegenüber
der Stammnormalen nach oben, in radialer Richtung nach Außen.

Nadelholzbäume sind durch dominante Stämme gekennzeichnet, von denen aus meh-
rere Äste in regelmäßigen Abständen und verschiedenen Richtungen, aber annähernd
gleicher Höhe im Stamm (Astquirl), wachsen. Schnittholz aus Nadelholzbäumen ist da-
her durch lokale Ansammlungen von Ästen (Astansammlungen; engl.: clustered knots),
welche annähernd astfreie Zonen unterbrechen, gekennzeichnet. Diese Astansammlun-
gen treten in regelmäßigen Abständen über die gesamte Stammhöhe auf. Lediglich im
unteren Bereich des Stammes – dem sog. ,Erdbloch’ sind astfreie Zonen zu erwarten.

Solche Astansammlungen ,schwächen’ den Querschnitt bei mechanischer Belastung


ganz erheblich bzw. rufen bei Beanspruchung große Spannungsumlagerungen hervor,
sodass ihnen im Rahmen einer festigkeitsrelevanten Sortierung besonderes Augenmerk
zu schenken ist. Die Einbindung des Astes in den Stamm, die eine herausragende me-
chanische Leistung der Optimierungsfähigkeit der Natur darstellt, ist aus Abbildung 5.9
zu ersehen.

Manfred AUGUSTIN Seite 92


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,Eine zusammenfassende Darstellung der Festigkeitssortierung von Schnittholz’

Abb. 5.8 Astansammlung in einem Schnittholz

Abb. 5.9 Einbettung eines Astes in den Stamm (1,2,3 ... drei aufgespaltene Jahrringe, die Pfeile mar-
kieren den Jahrring des Astes sowie die zugehörigen Jahrringen im Stamm (von Links nach
Rechts), A ... vaskulares Kambium, B ... Phloem, C ... Rindenkambium, D ... Außenrinde,
E ...Astgabel [128]

Während der ersten Jahre ist der Ast fest mit dem Stamm verwachsen – sog. ,verwach-
sener Ast’ (engl.: ,inter – grown’ or ,live knot’). Seine Form gleicht im Allgemeinen der
eines Kegels. Durch die natürliche ,Astreinigung’ oder auch durch gezielte forstwirt-
schaftliche Maßnahmen sterben bzw. brechen Äste ab. In weiterer Folge wird der ver-
bliebene Aststumpf durch das Dickenwachstum des Stammes von den folgenden
Jahrringen umschlossen und überwachsen. Diese Äste sind mit dem Stamm nicht mehr
fest verbunden und werden als ,Totäste’ (engl.: ,encased’ or ,dead knots’) bezeichnet.
Solche Äste sind, wenn sie quer zu ihrer Längsachse geschnitten werden i. Allg. zylinder-
förmig. Auf Grund der Tatsache, dass das Astholz nicht mehr fest mit seiner Umgebung
verwachsen ist können diese Äste im Schnittholz auch als Ausfalläste, die oft auch Rinde
miteinschließen in Erscheinung treten [129].

Manfred AUGUSTIN Seite 93


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teilweise verwachsener Ast

loser Ast verwachsener Ast

Abb. 5.10 Übersicht über die Phasen der Astentwicklung im Stamm


([129] zit. P. Hoffmeyer, 1987 bzw. [9])

Es ist offensichtlich bzw. durch Studien belegt, dass der Zustand des Astes im Schnittholz
– verwachsen, umschlossen bzw. ausgefallen – Auswirkungen auf den Spannungsverlauf
innerhalb eines tragenden Holzbauteiles ausübt. Durch verwachsene Äste werden grö-
ßere Bereiche im Umfeld des Astes durch lokale Faserabweichungen gestört. Bei Belas-
tung sind daher Spannungsumlagerungen in einem größeren Bereich um den Ast zu
erwarten, während die durch das Dickenwachstum eingehüllten ,Totäste’ vom Stamm
stromlinienförmig (,Flow – Grain – Analogy’) umwachsen werden und bei Belastung we-
sentlich günstigere Kraftableitungsmechanismen aktiviert werden können [129].

Abgesehen von den natürlichen Eigenschaften des Astes beeinflusst die Lage des Brettes
bzw. das verwendete Einschnittmuster die Auswirkungen der Astigkeit in Hinblick auf die
mechanischen Eigenschaften des Brettes ganz erheblich. Äste können daher entspre-
chend der nachfolgend angeführten Asttypen zu Tage treten. Es ist offensichtlich, dass
Form und Faserverlauf unterschiedliche Auswirkungen auf die mechanischen Eigen-
schaften haben [7], [129].

Manfred AUGUSTIN Seite 94


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,Eine zusammenfassende Darstellung der Festigkeitssortierung von Schnittholz’

Asttyp A Asttyp B Asttyp C Asttyp D


von Breitseite zu Breitseite von der Breitseite nach Innen von der Schmalseite zur anderen von der Schmalseite nach Innen
Schmalseite

Asttyp E Asttyp F Asttyp G Asttyp H


über die Kante zur Schmalseite über die Kante nach Innen über die Kante zur Schmalseite von der Kante über die Schmalseite zur
anderen Kante

Asttyp I Asttyp J
von der Kante über die Breitseite zur von der Kante über die Breitseite
anderen Kante

Asttyp K
von der Kante zur gegenüberliegenden
Kante

Ast-
arten
Abb. 5.11 Asttypen, abhängig von der relativen Lage im Stamm ([7]; durch den Verfasser ergänzt)

Neben diesen beiden wesentlichen Kriterien – dem Zustand und den Typ des Astes –,
werden die mechanischen Auswirkungen noch durch die, mit dem Auftreten von Ästen
in kausalem Zusammenhang stehenden und daher i. Allg. der Asterfassung zuzurech-
nenden Abweichungen der Faserrichtung von der Brettlängsrichtung im Bereich der Äste
beeinflusst. Zusammen mit dem Ast bilden diese lokalen Faserabweichungen die sog.
,Aststörzone’, die sich durch signifikante Änderungen der mechanischen Eigenschaften
(Rohdichte, Faserverlauf) gegenüber dem ungestörten Bereichen (engl.: ,clear wood’)
charakterisieren lässt [120], [121], [129], [130].

Manfred AUGUSTIN Seite 95


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,Eine zusammenfassende Darstellung der Festigkeitssortierung von Schnittholz’

Abb. 5.12 Darstellung der Aststörzone im Radialschnitt [130]

Abb. 5.13 Aststörzone, (lokale) Faserabweichung und Reduktion der Zugfestigkeit im Bereich der Stör-
zone [130]

Besondere Auswirkungen dieser lokalen Faserneigung sind dann zu erwarten, wenn die
Äste nahe dem Rand des Schnittholzes zu liegen kommen und die umgebenden Fasern
durch den Einschnitt örtlich unterbrochen werden. Hier kommt es bei Belastungen zu ei-
nem örtlichen Anriss, der sich dann über den gesamten, entsprechend beanspruchten
Teil fortsetzt. Insbesondere das Auftreten von Kantenästen (Asttyp E und F in Abbildung
5.11) ist in diesem Zusammenhang problematisch. Neben dem Typ des Astes ist also
auch dessen Lage von maßgebender Bedeutung [129], [131], [132], [133], [135],
[136], [137], [138], [139], [140].

Es liegen mehrere Forschungsarbeiten vor, die versuchen die Auswirkungen dieser loka-
len Faserabweichungen auf theoretischem Wege mit Hilfe der ,Bruchmechanik’ bzw. mit
numerischen Methoden (FEM) zu untersuchen. Obwohl diese Bemühungen für bestimm-
te Fälle (z.B. für in Brettmitte liegende Äste) bereits befriedigende Ergebnisse liefern, ist
die allgemeine theoretische Behandlung auf Grund des äußerst komplexen, räumlichen
Faserverlaufes im Bereich der Astanschnitte, sowie der zum Großteil noch ungeklärten

Manfred AUGUSTIN Seite 96


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,Eine zusammenfassende Darstellung der Festigkeitssortierung von Schnittholz’

Fragen der gegenseitigen Beeinflussung dieser astspezifischen Merkmale (Zustand, Typ


bzw. Lage im Querschnitt, lokaler Faserverlauf) bzw. im Zusammenhang mit anderen
Strukturstörungen, wie z.B. dem globalen Faserverlauf, noch weitestgehend ungeklärt
[134], [136], [137], [138], [139], [140].

Bei der Beurteilung der Auswirkungen der Strukturstörung ,Ast’ ist man daher, insbeson-
dere dann, wenn man auch praktisch anwendbare Messmethoden angeben will, auf
eine Umschreibung dieser Störzone angewiesen.

- Bestimmung

Bei der Erfassung der Auswirkungen von Ästen auf die mechanischen Kenngrößen von
Bauteilen aus Holz ist man, wie erwähnt, auf die Asterscheinung abgestimmte Parameter
angewiesen. Im Folgenden sollen diese Parameter und die Methoden ihrer Erfassung
angeführt werden. Der Großteil dieser Parameter ist der derzeit gültigen Sortiernorm
ÖNORM DIN 4074 –1[N7] entnommen. Die meisten europäischen Normen sehen
praktisch gleichartige Parameter und Messmethoden vor.

• Berücksichtigung von Ästen nach ÖNORM DIN 4074 –1

ÖNORM DIN 4074 –1 unterscheidet in der Astvermessung zwischen den bei Kanthöl-
zern oder vorwiegend hochkant beanspruchten Bauteilen und den für Bretter, Bohlen
und Latten anzuwendenden Regeln. Ob der betreffende Ast verwachsen oder nicht ver-
wachsen ist wird in der Berechnung des Astmaßes nicht berücksichtigt. Die Löcher aus-
gefallener Äste werden gleich behandelt wie Äste. Wird ein Ast von Rinde umgeben, so
wird diese dem Ast hinzugerechnet. Hinsichtlich der Größe der zu berücksichtigenden
Äste sind all jene in die entsprechenden Astmaße miteinzubeziehen, deren kleinster
Durchmesser an der Schnittfläche 5 mm übersteigt. Die Messung der Astmaße hat laut
DIN 52 181 auf 1 mm genau zu erfolgen.

- DEK – Einzelastkriterium am Kantholz und bei Brettern, die vorwiegend hochkant


beansprucht werden

Dieses Kriterium ist als, über die gesamte Länge des Brettes oder Kantholzes gesehen,
maximaler Quotient A aus dem an der Oberfläche messbaren kleineren Halbmesser des
Astes in Bezug zur Querschnittsabmessung an welcher der Ast erscheint, definiert. Für
Bretter, Bohlen und Latten ist dieses Kriterium nur bedingt geeignet, weil Äste, die an der
Schmalseite der Bretter erscheinen (sog. ,Kantenflächenäste’) zu große Auswirkungen
auf die Festigkeit ergeben.

Manfred AUGUSTIN Seite 97


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,Eine zusammenfassende Darstellung der Festigkeitssortierung von Schnittholz’

d3
d d d d 
d1
A = Max  ----1-, ----3-, ----2-, ----4- 
d2 d4 b b h h
h

Abb. 5.14 Definition des Astparameter DEK aus ÖNORM DIN 4074 – 1 [N7]

- DEB – Einzelastkriterium für Bretter, Bohlen und Latten

Die Definition dieses Parameters unterscheidet sich von jenem des DEK in der Art der
Messung der Astbereiche. Während beim DEK der kleinere Halbmesser des Astes in Be-
zug zur jeweiligen Querschnittsabmessung ermittelt wird, erfolgt die Messung beim DEB
so, dass die an allen Oberflächen des Brettes erscheinenden Abmessungen eines Astes
aufsummiert und in Bezug zur doppelten Breite des Brettes gestellt werden. Die einzelnen
Abmessungen des Astes werden dabei aus dem Abstand der Tangenten an den Ast, pa-
rallel zur Längsrichtung des Brettes ermittelt. Ausnahmen bestehen für ,Kantenäste’
(Typ F in Abbildung 5.11), bei denen die Teile, welche an der inneren (rechten) Seite
liegen, nur dann in Rechnung zu stellen sind, wenn das Astmaß a auf der Schmalseite
ein bestimmtes Maß in Abhängigkeit von der Sortierklasse nicht übersteigt. Weiters ist
das Antreffen von ,Kantenflächenästen’, also Ästen vom Typ C nicht erlaubt und von
Typ D nur dann, wenn ihre Erstreckung über einen bestimmten Bereich der Querschnitts-
breite erfolgt (in Abhängigkeit von der Sortierklasse).

Manfred AUGUSTIN Seite 98


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a1 + a2 a3 + a4 + a5
A = ----------------
- A = -----------------------------
2⋅b 2⋅b

a6 a6 + a7 a8 + a9
- bzw. A = ----------------
A = ---------- - A = ----------------
-
2⋅b 2⋅b 2⋅b
Abb. 5.15 Definition des Astparameters DEB nach ÖNORM DIN 4074 – 1 [N7]

DAB – Astansammlung bei Brettern, Bohlen und Latten

Bei den bisher definierten Parametern DEK und DEB werden jeweils nur Einzeläste in der
Berechnung des Parameters miteinbezogen. Das Astansammlungskriterium DAB berück-
sichtigt die Auswirkungen von knapp hintereinander folgenden oder auf gleicher
Längskoordinate liegenden Ästen bzw. Astquirln (siehe auch Abbildung 5.8).

Der Parameter DAB wird aus der Summe der, nach der Vorschrift DEB berechneten Ast-
maße aller Astschnittflächen berechnet, die sich überwiegend innerhalb eines Messbe-
reiches mit der Länge von 150 mm befinden, dividiert durch die doppelte
Querschnittsbreite, ermittelt. Astmaße, die sich überlappen, werden nur einfach berück-
sichtigt.

Manfred AUGUSTIN Seite 99


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a1 + a2 + a3 + a4 + a5 + a6 + ( a7 )
A = ----------------------------------------------------------------------------------
2⋅b
Anmerkung:
a7 wird in Abhängigkeit des Maßes a6
und den Sortierklassen berücksichtigt

Abb. 5.16 Definition des Astparameters DAB nach ÖNORM DIN 4074 – 1 [N7]

sich überlagernde Bereiche


werden nur einmal berück-
sichtigt !

Abb. 5.17 Zusatz zur Erklärung der Definition des Astparameters DAB

• weitere Astmaße

- ,Astdichte’ [9]

Als Astdichte wird vom Verfasser in [9] der Quotient aus der Summe aller an der Brett-
oberfläche erscheinenden Astflächen und der Brettoberfläche bezeichnet. Die Astflächen
können dabei mittels optoelektronischer Einheiten gemessen werden. Dieser Parameter
wurde bereits von Graf im Jahr 1935 vorgeschlagen (Bezug auf 1 m² Brettfläche) und
scheiterte damals wohl an der Umsetzbarkeit, weil dieses Merkmal manuell nur unter
sehr großem Aufwand ermittelt werden kann und für eine rein visuelle Sortierung unge-
eignet ist. Die Korrelationsanalyse im Rahmen der Auswertung des erwähnten Projektes
für diesen Parameter ergab für die Zugfestigkeit einen besseren Zusammenhang als für
die Parameter nach ÖNORM DIN 4074 – 1.

Manfred AUGUSTIN Seite 100


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- Astflächenverhältnis (KAR – Wert; engl.: ,Knot Area Ratio’) [9]

Beim KAR – Wert wird das Verhältnis der projizierten Astflächen im Bereich einer Mess-
länge von 150 mm bezogen auf den Bruttoquerschnitt ermittelt. Bei sich in Projektions-
richtung überdeckenden Ästen wird der überdeckte Bereich nur einfach in Rechnung ge-
stellt.

Der KAR – Wert gibt somit den im Messbereich frei gebliebenen Nettoquerschnitt an und
weist als solcher gute Zusammenhänge mit der Zug- und Biegefestigkeit auf. Er wird
meist für die Sortierung von Brettschichtholzlamellen eingesetzt. Eine Beurteilung von
markbeinhaltenden Lamellen ist nicht möglich.

AÄste
∆A
sich überlagernde Bereiche
werden nur einmal berück-
sichtigt !

A Äste
KAR= - ∆A
A Brett

Abb. 5.18 Definition des KAR – Wertes [9]

- TKAR – Tensile Knot Area Ratio [9]

Dieser leitet sich aus dem KAR – Wert ab. Um den größeren Einfluss von Randästen bei
einer Beanspruchung auf Zug zu berücksichtigen, werden nur die ,Astprojektionen’ in
den beiden äußeren Viertel des Querschnittes in die Berechnung aufgenommen.
h

b/4 b/2 b/4


b

Abb. 5.19 Definition des TKAR – Wertes [9]

- Astkriterium nach Madsen [166]

Madsen führt in [166] ein Kriterium an, dass in seinen Untersuchungen zu den besten
Sortierergebnissen in Bezug auf die Festigkeit führte. Danach sollten in definierten (frei
wählbar; genaue Angaben fehlen) Kantenbereiche keine Astflächen auftreten. Auch die-
ses Kriterium zielt also auf die Aussortierung von Kantenästen mit ihren besonders dras-
tischen Auswirkungen auf die Festigkeit ab. Wegen der geringen Ausbeute an solchen
Brettern ist dieser Parameter wohl nur für die Auswahl von sehr hoch beanspruchten La-
mellen sinnvoll anzuwenden.

Manfred AUGUSTIN Seite 101


Diplomarbeit
,Eine zusammenfassende Darstellung der Festigkeitssortierung von Schnittholz’

h'
h’ und b’ frei wählbar

h
h'
b' b'
b

Abb. 5.20 Definition des Astparameters nach Madsen [9]

- Astkriterium nach Foley [133]

Auch dieses Kriterium versucht die besonderen Auswirkungen auf die Spannungskonzen-
tration im Bereich von Kantenästen zu erfassen. Dabei werden diese ab einem Durch-
messer > 10 mm und entsprechender Lage als ,kritische’ Äste eingestuft und in der
Sortierung berücksichtigt. Foley konnte damit eine Anhebung der charakteristischen Fe-
stigkeiten in einer Prüfserie erreichen. Bestätigt wird dies auch an Hand einer am Lehr-
stuhl für Holzbau an der TU Graz durchgeführten Prüfserie an Lärchenholz [141].

Querschnitt mit ,kritischen’ Ästen Querschnitt mit ,nicht – kritischen’


Ästen

Abb. 5.21 Darstellung und Erklärung der ,kritischen’ Kantenäste nach Foley [133]

- Zusammenhänge mit den mechanischen Kenngrößen [48]

Die Astigkeit weist mit den verschiedenen mechanischen Kenngrößen folgende Korrela-
tionen auf:

Kenngröße bzw. Parameter Korrelation mit

Biegefestigkeit Zugfestigkeit Druckfestigkeit


fm parallel ft,0 parallel fc,0

Astigkeit 0,5 0,6 0,4

Tab. 5.4 Korrelationskoeffizienten zwischen der Astigkeit und einigen wichtigen mechanischen Kenn-
größen bei Nadelholz [48]

Manfred AUGUSTIN Seite 102


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5. 5. 2 Faserneigung und Drehwuchs [1], [121], [122], [142], [143], [144],


[145], [146], [147]

- Allgemeines

Die Hauptrichtung der nach oben wachsenden Holzfasern am stehenden Baum verläuft
i. Allg. nicht parallel zur Stammlängsachse sondern windet sich mit einem bestimmten
Drehwinkel spiralförmig um die Längsachse des Stammes nach oben. Diese Eigenschaft
bezeichnet man als ,Drehwuchs’. Der Baum reagiert damit auf verschiedene Standort-
bedingungen. Diese Wachstumsveränderung ist genetisch gespeichert. Sie kann an ent-
sprechenden Standorten aktiv werden oder auch nicht [145], [147].

Abb. 5.22 Veränderung der Größe des Drehwuchses in Stammquerschnitt [8]

Die Größe des Drehwinkels über den Querschnitt gesehen ist nicht konstant, sondern
nimmt im Zentrum (Mark) des Querschnittes ihren Maximalwert an, ist bei den jungen
Bäumen i. Allg. linksläufig und wird in weiterer Folge mit zunehmenden Abstand vom
Mark immer flacher, um an den äußeren Randschichten rechtsläufig zu drehen. Neben
der Veränderung im Querschnitt variiert der Drehwuchs auch über die Längsachse.

Abb. 5.23 Drehwuchs an einem Baumstamm und Faserneigung erkennbar an den Schwindrissen an ei-
nem Schnittholz

Manfred AUGUSTIN Seite 103


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,Eine zusammenfassende Darstellung der Festigkeitssortierung von Schnittholz’

Trennt man nun aus einem Rundholzstamm ein Brett heraus, so wird die natürliche an-
nähernd rotationssymmetrische Form in eine prismatische, durch ebene Flächen be-
grenztes Schnittholz übergeführt. Durch diesen Vorgang (Einschnitt) wird die für den
stehenden Baum und seine Belastungen optimierte natürliche Funktionalität der Holz-
struktur (rotationssymmetrische Jahrringstruktur und Drehwuchs bzw. Faserneigung) um-
gewandelt und unter andere mechanisch – technische Randbedingungen gestellt.

Durch den Einschnitt wird der natürliche, durchgehende Faserverlauf durchtrennt und
damit auch die für den Rundholzstamm optimierte Festigkeits- und Steifigkeitsstruktur ge-
stört. Es entstehen angeschnittene Fasern mit der Auswirkung deutlich geringerer mecha-
nischer Qualitäten. Zusätzlich zur Schrägfasrigkeit aus den rotationssymmetrischen
Optimierungen des stehenden Baumes wird ein weiterer Beitrag aus der ebenfalls natür-
lich bedingten und für den stehenden Baum notwendigen Abholzigkeit (Konizität) des
Rundholzstammes und durch auftretende Krummschaftigkeit des Rundholzes induziert
(Abb.1.3).

Auf Grund der räumlichen Wachstumsstruktur des Rundholzes wird natürlich auch ein
räumlicher Winkel im Schnittholz aufgetrennt. Dieser Umstand wird im allgemeinen bei
Brettern und Pfosten vernachlässigt und aus praktischen Gründen lediglich der Faserver-
lauf an den ausgeprägteren Seiten (i. Allg. die Breite) erfasst und als (globale) Schräg-
fasrigkeit bezeichnet.

Wie schon im Kapitel über die Astigkeit erwähnt, werden Faserabweichungen, welche
sich aus Ästen ergeben, als lokale Faserabweichungen bezeichnet. Diese Abweichung
wird holztechnologisch den Ästen zugerechnet.

Für die praktische Beurteilung eines Schnittholzes sind natürlich beide Anteile gleicher-
maßen zu berücksichtigen, obwohl dies aus Gründen der Komplexität bisher nicht nor-
mativ festgelegt ist. Die Beurteilung von Schnittholz erfolgt in allen gängigen Sortier-
anlagen visuell durch den Sortierer. Somit ist eine Aussage über den Faserverlauf eine
subjektive mit den entsprechenden Fehlerquellen.

Am freigelegten Schnittholz bzw. an dessen Oberflächen ist vor allem der Umstand der
Abholzigkeit des Stammes in Kombination mit weiteren Wachstumsunregelmäßigkeiten,
wie Ästen, nicht ideal kreisrunden und/oder krummschaftigen Baumstämmen für die
dem Holz typische Textur (,Fladerung’) verantwortlich. Hätte man einen idealerweise
perfekt kreisrunden und in Längsrichtung parallelen Baumstamm ohne Äste vor sich und
würde diesen nun entlang seiner Erzeugenden aufschneiden, so würde man die rotati-
onssymmetrische Jahrringstruktur durchtrennen und es würde ein Muster aus parallelen
Streifen (bei Fichte: Spätholz) entstehen. Auf Grund der oben beschriebenen Wachstum-
seigenschaft ,Drehwuchs’ würde dieses Schnittholz aber trotzdem geneigte Fasern auf-
weisen. Dieser Umstand macht eine rein optoelektronische Erkennung von Drehwuchs
bzw. Faserneigung unmöglich. Um eine zuverlässige Erkennung von Faserneigung und
Drehwuchs sicherzustellen, sind daher neben der oberflächenmäßigen Analyse zusätzli-
che (physikalische) Eigenschaften des Holzes heranzuziehen. Eine solche ist z.B. die Tat-
sache, das Holz dielektrische Eigenschaften aufweist, d.h. Holz hat in Faserrichtung eine

Manfred AUGUSTIN Seite 104


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,Eine zusammenfassende Darstellung der Festigkeitssortierung von Schnittholz’

signifikant höhere Dielektrizitätskonstante als in Querrichtung. Dieser Umstand lässt sich


für eine Ermittlung des Faserverlaufes nutzen (siehe auch Ausführungen in Kapitel 4).

Wie beschrieben, ist der Einsatz optoelektronischer Einheiten zur Ermittlung des Faser-
verlaufes stark in Frage zu stellen. Wohl aber kann eine Aussage über die ,Verwirbelung’
entlang der Mantelflächen eines Schnittholzes aus der Analyse von gescannten Bildern
angedacht werden. Unter ,Verwirbelung’ soll dabei ein Maß für die Abweichungen der
Fasern von einer ausgezeichneten Richtung (i. Allg. der Längsachse) verstanden werden.
Dieses Maß kann also eine allgemeine, integrative Aussage über die Faserabweichun-
gen entlang dieser Richtung liefern. Aus der Erfahrung an durchgeführten Bruchversu-
chen kann aus diesem Kriterium ein Zusammenhang mit mechanischen Kenngrößen
vermutet werden [9].

Abb. 5.24 lokale Faserneigung im Bereich von Ästen und daraus mittels digitaler Bildverarbeitung ge-
wonnenes Trajektorienbild des Faserverlaufes [9]

Der bedeutende Einfluss der Faserneigung auf die mechanischen Kenngrößen und hier
im Besonderen auf die Zugfestigkeit wurde seit Beginn der Holztechnologie als solcher
erkannt und erforscht. Mechanisch gesehen ist Holz ein stark anisotropes Material, d.h.
die Materialeigenschaften hängen sehr stark von der Richtung der Beanspruchung ab.
Dies ergibt für den allgemeinen Fall (3D) näherungsweise ein orthotropes Materialgesetz
in den anatomischen Hauptrichtungen längs, radial und tangential und kann in Form
einer für das dreidimensionale Kontinuum gültigen Steifigkeitsmatrix angegeben werden
siehe Kapitel 4.2.1 – Ultraschall).

Leider sind bis heute keine gesicherten Materialmodelle bzw. Bruchhypothesen für den
allgemeinen Fall (Plastizitätsreserven; vor allem auf Druck) angebbar, sodass eine Mo-
dellierung und in weiterer Folge Simulation an realen Strukturen noch nicht bis in den
Detailbereich möglich ist. Deshalb sind die Auswirkungen die aus der Abhängigkeit der
Faserrichtung für die reale Struktur folgen noch zu wenig untersucht, obwohl verschie-
dene Forscher bestimmte Richtungskombinationen (z.B. Radial – Tangential Ebene in
[148]) durchaus schon intensiv bearbeitet haben und Lösungen vorliegen. Einschrän-
kend muss hinzugefügt werden, dass diese Modelle aus Versuchen an ,clear wood’, also
fehlerfreiem Holz abgeleitet wurden und somit das strukturgestörte Holz noch zu erarbei-
ten ist. Diesbezügliche Bemühungen sind zur Zeit im Gang [148].

Manfred AUGUSTIN Seite 105


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,Eine zusammenfassende Darstellung der Festigkeitssortierung von Schnittholz’

Für den Bereich des konstruktiven Holzbaues muss erwähnt werden, dass man auf den
Fall der allgemeinen Anisotropie bei der Angabe von Materialkennwerten verzichtet und
sich aus praktischen Gründen auf Eigenschaften längs und normal zur Faserrichtung be-
schränkt. Die Kennwerte werden dabei i. Allg. aus einachsigen Beanspruchungszustän-
den (z.B. Zugversuchen) gewonnen. Versuchsergebnisse aus Tests mit mehrdimen-
sionalen Spannungszuständen liegen nur vereinzelt vor (z.B. [148]).

Eine Darstellung des Einflusses der Faserneigung auf die verschiedenen mechanischen
Kennwerte ist der nachfolgenden Abbildung zu entnehmen.

Abb. 5.25 Einfluss der Faserneigung auf verschiedene mechanische Kennwerte des Holzes [130]

Quantifiziert wurde der Einfluss des Faserwinkels auf die Festigkeit des Holzes für den
durch Spannungen längs und normal der Faserrichtung charakterisierten Fall bereits
1921 durch den amerikanischen Flugzeugingenieur Hankinson. Dieser gibt folgende
(vom Verfasser adaptierte) Formel für die Abhängigkeit der Festigkeit vom Winkel der Be-
anspruchung an [121], [122]. Wobei angemerkt wird, dass diese Formel für die Zugfes-
tigkeitsabhängigkeit abgeleitet wurde, aber näherungsweise auch für die anderen
mechanischen Kenngrößen anwendbar ist (siehe Abb. 5.25).

Manfred AUGUSTIN Seite 106


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,Eine zusammenfassende Darstellung der Festigkeitssortierung von Schnittholz’

f 0 ⋅ f 90 E 0 ⋅ E 90
f α = -----------------------------------------------------
k
-k bzw. E α = --------------------------------------------------------
k
-k
f 0 ⋅ sin α + f 90 ⋅ cos α E 0 ⋅ sin α + E 90 ⋅ cos α
Es bedeuten:

α ............. Winkel zwischen Faser- und Belastungsrichtung


fα ............. Materialkennwert (Festigkeit bzw. E – Modul) bei Beanspruchung schräg
zur Faserrichtung

f0 ............. Materialkennwert (Festigkeit bzw. E – Modul) bei Beanspruchung in


Faserlängsrichtung

f90 ........... Materialkennwert (Festigkeit bzw. E – Modul) bei Beanspruchung normal


zur Faserlängsrichtung

k.............. Koeffizient (i. Allg. ,2’ für Festigkeitskennwerte, ,3’ für den E – Modul)

Aus der Abbildung 5.25 und dem Aufbau der angegebenen Formel geht hervor, dass
die mechanischen Kenngrößen für Beanspruchungen schräg zur Faserlängsrichtung be-
reits bei kleinen Winkeln zu großen Festigkeitseinbußen führen. So fällt die Zugfestigkeit
bereits bei einem Winkel von rund 10° auf 70 % ihres Wertes in Längsrichtung. Daraus
geht auch hervor, warum dem Sortierkriterium Faserneigung in der Festigkeitssortierung
ein besonderer Stellenwert zukommt.

- Bestimmung

Die ÖNORM DIN 4074 – 1 misst die Faserabweichung als Abweichung ,e’ der Fasern
auf 1000 m Länge. Örtliche Faserabweichungen bleiben unberücksichtigt. Die Faser-
neigung wird dabei nach Augenschein, Schwindrissen, dem Jahrringverlauf oder mit Hil-
fe eines geeigneten Ritzgerätes (siehe DIN 52 181) gemessen. Als Anmerkung wurde der
Hinweis angefügt, dass Drehwuchs im frischen Zustand schwer zu erkennen ist [N7].

Diese Bestimmungsmethode erweist sich in der Praxis als nicht umsetzbar, denn es stellt
sich die Frage an welcher Stelle man z.B. in Abbildung 5.24 das Messlineal ansetzen
und welcher Wert dann als Faserneigung ausgewertet werden soll ? Schwindrisse im
Schnittholz sind nicht erwünscht und entfallen damit i. Allg. als Möglichkeit zur Messung.
Die Ermittlung an Hand des Jahrringverlaufes (,Fladerung’) entspricht nicht dem wirkli-
chen Faserverlauf und führt zu verfälschten Messergebnissen. Die Prüfung mit dem in
ÖNORM DIN 4074 – 1 erwähnten Ritzgerät ist bereits im Labor ein sehr aufwendiges
und unzuverlässiges Verfahren und scheidet somit für eine praktische Ermittlung der Fa-
serneigung ebenso aus. Somit kann der wesentliche Sortierparameter ,Faserneigung’
unter praktischen Bedingungen eigentlich nicht festgestellt werden. Eine Messung mit
den in Kapitel 4 beschriebenen Geräten erlaubt in der Zukunft möglicherweise die Be-
stimmung dieses, für die Sortierung so wichtigen Merkmales. Es ist aber abzusehen, dass
die Entwicklung der entsprechenden Anlagen noch einige Mühen mit sich bringen und
somit auch noch einige Zeit in Anspruch nehmen wird.

Manfred AUGUSTIN Seite 107


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,Eine zusammenfassende Darstellung der Festigkeitssortierung von Schnittholz’

m
m
00
10

Abb. 5.26 Messung der Faserneigung nach ÖNORM DIN 4074 – 1 [N7]

- Zusammenhänge mit den mechanischen Kenngrößen

Diese sind der nachfolgenden Tabelle zu entnehmen, wobei festgestellt werden muss,
dass es sich bei den angegebenen Werten um solche handelt, die nach der Messmetho-
de in DIN 4074 – 1 aufgezeichnet wurden. Der Zusammenhang mit den Messgrößen
müsste nach Meinung des Verfassers mit einer ,wahren’ Faserneigung wesentlich stärker
ausgeprägt sein. Die Aussage wird also durch die Messmethode stark beeinflusst.

Kenngröße bzw. Parameter Korrelation mit

Biegefestigkeit Zugfestigkeit Druckfestigkeit


fm parallel ft,0 parallel fc,0

Faserneigung 0,2 0,2 0,1

Tab. 5.5 Korrelationskoeffizienten zwischen der Faserneigung und einigen wichtigen mechanischen
Kenngrößen bei Nadelholz [48]

Manfred AUGUSTIN Seite 108


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5. 5. 3 Jahrringbreite bzw. Wachstum


[1], [121], [122], [149], [150], [151], [152]

- Allgemeines

Bäume legen während der Wachstumsperiode jährlich eine Schicht in radialer Stamm-
richtung zu. Diese Zuwachszonen bestehen bei Nadelholz i. Allg. aus einer Schicht dünn-
wandiger, weitporiger Holzzellen, welche sich am Beginn der Wachstumsperiode bilden
und vorwiegend der Weiterleitung von Wasser und Nährstoffen dienen, sowie einer
Schicht dickwandiger, engporiger Holzzellen, die am Ende der Wachstumsperiode ent-
stehen und der Verfestigung bzw. Versteifung des Baumes dient. Der Übergang vom sog.
,Frühholz’ zum ,Spätholz’ verläuft i. Allg. kontinuierlich, jener vom ,Spätholz’ zum ,Früh-
holz’ ist deutlich ausgeprägter und für das bloße Auge gut zu erkennen (Abbildung
5.27). Die Summe der Breiten der Spätholz- und Frühholzschichte eines Jahres wird da-
bei als ,Jahrringbreite’ bezeichnet.

Abb. 5.27 Jahrringe einer Fichtenholzprobe und Mikroskopische Aufnahme des Überganges vom
Früholz- zum Spätholzbereiches [127]

Der nachfolgenden Abbildung ist der statistische Zusammenhang der Jahrringbreite mit
der Frühholzbreite- bzw. Spätholzbreite zu entnehmen.

Jahrringbreite

r = +0,97 r = + 0,64

r = + 0,43
Frühholzbreite Spätholzbreite

Abb. 5.28 Abhängigkeit der Jahrringbreite von der Früh- bzw. Spätholzbreite bei Kiefernholz [149]

Diese Abbildung lässt sich so deuten, dass die Jahrringbreite sehr straff mit der Frühholz-
breite korreliert oder anders ausgedrückt, die Veränderung der Jahrringbreite wird in ers-
ter Linie durch eine Veränderung der Frühholzbreite bewirkt. Das heißt die Spätholzbreite
bleibt relativ konstant (mäßige Korrelation).

Manfred AUGUSTIN Seite 109


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Wie bereits ausgeführt kann die Jahrringbreite als indirekter Parameter für die Rohdicht-
ebestimmung im Zuge einer visuellen Sortierung dienen. Die Zusammenhänge mit der
Rohdichte des Holzes und damit in erster Näherung mit dessen mechanischen Eigen-
schaften werden wesentlich durch das Verhältnis der jeweiligen Breiten bestimmt. Die
zeigt auch der nachfolgende statistische Zusammenhang, ausgedrückt durch den Korre-
lationskoeffizienten zwischen den Größen Rohdichte, sowie Früh- und Spätholzanteil:

Rohdichte

r = – 0,48 r = + 0,30

r = + 0,43
Frühholzbreite Spätholzbreite

Abb. 5.29 Abhängigkeit der Rohdichte von der Frühholz- und Spätholzbreite bei Kiefernholz [149]

Diese Abbildung lässt die Aussage zu, dass die Rohdichte nur mäßige Zusammenhänge
mit der Frühholz- bzw. Spätholzbreite aufweist. Aus der negativen Korrelation zwischen
Frühholzanteil und Rohdichte lässt sich weiters schließen, dass bei abnehmender Früh-
holzbreite die Rohdichte steigt. Dies ist unmittelbar einsichtig, denn die Rohdichte der
Frühholzzone bei Fichtenholz (Kiefernholz weist annähernd gleiche Werte auf) hat einen
Wert von rund 300 kg / m³, jene der Spätholzzone beträgt rund 1.000 kg / m³. Dazwi-
schen bildet sich ein kontinuierlicher Übergangsbereich aus. Dieser Zusammenhang hat
natürlich mechanische Konsequenzen. Das rund drei mal dichtere Spätholz trägt bei
gleicher Breite im ,Verbundquerschnitt’ Jahrring auch rund drei Mal so viel wie der Früh-
holzbereich an Belastung ab und bildet so den eigentlich ,tragenden’ Kern des Holzes
[127].

Abb. 5.30 Jahrring einer Fichtenholzprobe und Rohdichteprofil eines Jahrringes [127]

Manfred AUGUSTIN Seite 110


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Der Zusammenhang zwischen der gesamten Jahrringbreite und der Rohdichte ist der un-
ten angeführten Abbildung zu entnehmen.

800

750

700

650

Rohdichte [kg/m³]
600

550

500

450

400

350

300
0 1 2 3 4 5 6 7
mittlere Jahrringbreite [mm]

Abb. 5.31 Zusammenhang zwischen der Jahrringbreite und der Rohdichte bei Fichtenholz aus einem
theoretischen Modell [127] abgeleitet sowie aus vom Verfasser Versuchsergebnissen mehre-
rer Prüfserien [9]

- Bestimmung

Wie Abbildung 5.27 und 5.30 zeigen, lässt sich der Spätholzbereich nur schwer vom
Frühholzbereich abgrenzen. Eine Bestimmung des eigentlich für die mechanische Leis-
tungsfähigkeit maßgebenden Spätholzbereiches ist aufwendig und mühsam.

In der Sortierpraxis wird daher die Jahrringbreite bestimmt. Wegen der oft beträchtlichen
Variation der Jahrringbreiten innerhalb eines Querschnittes bedient man sich dabei der
sog. ,mittleren Jahrringbreite’. Zu deren Ermittlung werden Profile über den Querschnitt
gelegt, deren Länge vermessen und die Anzahl der Jahrringe innerhalb dieser Profile
ausgezählt. Die mittlere Jahrringbreite ergibt sich aus dem Quotienten Profillänge zu An-
zahl der Jahrringe.

∑ li
mittlJRB = --------- in [mm]
∑ ni
Es bedeuten:

mittl. JRB .. mittlere Jahrringbreite [mm]

Σli ............ Summe der Messstrecken nach Abb.5.29 [mm]

Σni ........... Summe der Anzahl der Jahrringe innerhalb der Messstrecken [-]

Der Bereich mit einem Radius von 25 mm um das Mark bleibt dabei von der Ermittlung
ausgeschlossen, den Grund dafür bildet das in der Folge erläuterte sog. ,juvenile’ Holz.

Manfred AUGUSTIN Seite 111


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cke
sstre
Messstrecke

Mes
cke

25
sstre

25
cke

Mes
sstre
Mes

Abb. 5.32 Bestimmung der mittleren Jahrringbreite nach ÖNORM DIN 4074 – 1 [N7]

- Zusammenhang mit den mechanischen Kenngrößen

Der Zusammenhang der mittleren Jahrringbreite mit den wichtigsten mechanischen


Kenngrößen ist der nachfolgenden Tabelle zu entnehmen:

Kenngröße bzw. Parameter Korrelation mit

Biegefestigkeit Zugfestigkeit Druckfestigkeit


fm parallel ft,0 parallel fc,0

Jahrringbreite 0,4 0,5 0,5

Tab. 5.6 Korrelationskoeffizienten zwischen der Jahrringbreite und einigen wichtigen mechanischen
Kenngrößen bei Nadelholz [48]

Manfred AUGUSTIN Seite 112


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5. 5. 4 Juveniles Holz
[153], [154], [155], [156], [157], [158], [159]

- Allgemeines

Ein weiteres Phänomen, welches eng mit den Jahrringbreiten und deren Variabilität in-
nerhalb des Stammquerschnittes zusammenhängt und sich bei Nadelholz ausbildet, ist
das Auftreten von sog. ,juvenilem’ Holz. Wie unzählige Studien berichten, bildet der ste-
hende Baum in den ersten 10 bis 20 Jahren deutlich breitere Jahrringe aus als in den
späteren Phasen seines Wachstums.

Abb. 5.33 Schnittholzquerschnitte mit ,juvenilem’ Holz in Markbereich und deutlich ausgeprägter Vari-
abilität der Jahrringbreiten

Wie spezifische Literaturquellen angeben, reagiert der Baum damit auf seine Umge-
bungsbedingungen. In Relation zu seinem Stammdurchmesser weist eine junger Nadel-
holzbaum eine große Angrifffläche für Einwirkungen wie z.B. Wind auf. Um Überleben
zu können bildet der Baum daher ein relativ flexibles Zellgewebe mit niedrigem Mikrofi-
brillenwinkel in der dominierenden S2 – Zellwand aus. In weiterer Folge wird das Einwir-
kungsfläche zu Stammdurchmesserverhältnis günstiger und der Baum reagiert auf der
Mikroebene mit immer steiler werdenden Mikrofibrillenwinkeln. Der Baum steuert so sei-
ne Steifigkeit bzw. Beanspruchbarkeit durch Veränderung der Mikrofibrillenwinkel in den
Zellschichten. Ab einem Radius von rund 100 mm (bei Fichtenholz) bleibt der Mikrofib-
rillenwinkel nahezu konstant. Es ist sehr interessant zu beobachten, dass sich diese Er-
scheinung auf allen Ebenen, also auf der Ebene der Zelle, der Kleinproben und der
Proben in Bauteilgröße in Veränderung der mechanischen Eigenschaften auswirken und
nachweisen lassen [154], [156], [157], [158], [159].

Auf der makroskopischen Ebene zeigt sich dies in der oft ausgeprägten Variabilität der
Jahrringbreiten (Abb. 5.33), und damit einhergehend der Rohdichte. Weiters bildet sich
dieser Effekt in einem verstärkten Drehwuchs im marknahen Bereich ab, was zum einen
die mechanischen Eigenschaften des Schnittholzes drastisch beeinflusst und zum ande-

Manfred AUGUSTIN Seite 113


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,Eine zusammenfassende Darstellung der Festigkeitssortierung von Schnittholz’

ren zu der für das marknahe Holz typischen erhöhten Schwind- und in weiterer Folge
auch Risseanfälligkeit führt (Abb.1.2).

Durch die geringere Rohdichte, sowie in Kombination mit der im marknahen Bereich si-
gnifikant höheren Astigkeit und dem dort auftretenden Drehwuchs bzw. Schrägfasrigkeit
ist Holz aus dem innersten Bereich des Stammes damit in seinem Festigkeits- und Stei-
figkeitsverhalten qualitätsmäßig deutlich schlechter einzustufen als solches aus den
Randzonen des Stammes [155], [156, [157], [158], [159].

Abb. 5.34 Veränderungen der mechanischen Kenngrößen Rohdichte und E – Modul in radialer Rich-
tung [156]

Obwohl diese Tatsachen bereits seit langer Zeit bekannt sind, wird dem juvenilen Holz
bzw. der Lage des Schnittholzes im Stamm erst in letzter Zeit erhöhte wissenschaftliche
Aufmerksamkeit geschenkt.

5. 5. 5 Reaktionsholz [1], [121], [122], [160]

Die Bildung von Reaktionsholz ist die Folge von exzentrischen Beanspruchung des Bau-
mes. Diese können aus exzentrischen Belastungsverhältnissen, wie z.B. einseitig angrei-
fenden Wind an frei stehenden Bäumen, Hangrutschungen, einseitigen Belastungen
durch Schnee und sonstigen Einwirkungen herrühren. Je nach Holzart bildet sich ,Druck-
holz’ (ugs.: ,Buchs’) beim Nadelholz oder ,Zugholz’ beim Laubholz aus. Der Baum bildet
bei den geschilderten Belastungsverhältnissen auf der Mikroebene einen, von der nor-
malen Zellstruktur abweichenden Aufbau aus. Diese Veränderung ist vor allem an der
S2 – Schichte der Zelle am veränderten Mikrofibrillenwinkel und deutlich erhöhtem Lig-
ningehalt sowie an der fehlenden Tertiärwand erkennbar. Die Zellen sind weitaus runder
und dicklumiger geformt. Beim Nadelholz erfolgt die Bildung dieser Zellen auf der
druckbeanspruchten Seite, daher auch der Name ,Druckholz’.

Manfred AUGUSTIN Seite 114


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Abb. 5.35 Mikroskopische Aufnahmen von normalem Fichtenholzgewebe und Druckholzgewebe [162]

Makroskopisch lässt sich Druckholz durch seine rötliche Färbung erkennen, weshalb es
mitunter auch als ,Rotholz’ bezeichnet wird. Im Querschnitt zeigt sich das Druckholz oft
in sichelhafter Form, wobei innerhalb druckholzhaltiger Jahrringe i. Allg. größere Jahr-
ringbreiten auftreten und die exakte optische Abgrenzung zwischen Früh- und Spätholz
nicht mehr so stark ausgeprägt ist wie bei druckholzfreiem Holz.

Abb. 5.36 Makroskopisches Erscheinen von ,Druckholz’ an einem Fichtenschnittholz [162]

In Bezug auf die holztechnologischen Auswirkungen ist zu erwähnen, dass zwar die Fe-
stigkeiten nicht wesentlich herabsetzt werden, aber Holz mit ,Buchs’ zu sprödem Bruch-
verhalten mit den typischen ,würfeligen’ Bruchflächen neigt (Bilder siehe Kapitel 7).
Weiters trägt das Reaktionsholz durch sein unterschiedliches Schwindverhalten wesent-
lich zu Verformungen und Verkrümmungen beim Schnittholz bei und wird deshalb durch
Begrenzung der Oberflächen- und/oder der Querschnittsflächenanteile in Abhängigkeit
von der Sortierklasse in ÖNORM DIN 4074 – 1 geregelt. Die Bestimmung der Flächen-
anteile ist dabei in der Praxis nicht immer ganz einfach und erfolgt i. Allg. durch Schät-
zung. Die Begrenzung des Querschnittsanteiles ist meist nicht sinnvoll, weil z.T. starke
örtliche Schwankungen am Schnittholz vorliegen.

Manfred AUGUSTIN Seite 115


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5. 5. 6 Schwindrisse [1], [121], [122], [N7]

Schwindrisse werden durch die Trocknung am Rund- oder Schnittholz oder auch bereits
am stehenden Baum erzeugt. Sie treten stets in radialer Richtung auf. Deren Größe und
Ausdehnungen am Schnittholz können durch das verwendete Trocknungsverfahren (na-
türliche Trocknung, künstliche Trocknung) beeinflusst werden. Wobei festgehalten wird,
dass Schnittholz aus der Kernzone kaum ohne Schwindrissbildung gewonnen werden
kann.

Das Auftreten der Schwindrisse lässt sich durch das unterschiedliche Schwindverhalten in
den anatomischen Hauptrichtungen erklären. Bei der Holztrocknung wird im Schnittholz
ein Spannungszustand erzeugt der bei Überschreiten der Materialfestigkeit in Form eines
Risses abgebaut wird. Bilder zu Trockenrissen sind in Kapitel 7 angeführt.

Trockenrisse im ,üblichen Maße’ beeinträchtigen das Festigkeitsverhalten nur sehr unbe-


deutend und werden durch die ÖNORM DIN 4074 – 1 zugelassen. Bei größeren
Schwindrissen (ab rund der Hälfte der Querschnittstiefe) kommt es jedoch insbesondere
zu einer Herabsetzung der Schubkenngrößen, weshalb die Schwindrisstiefe und -länge
in diesen Fällen zu beachten ist. Wegen der Einflüsse auf das optische Erscheinungsbild
sollten Schwindrisse jedenfalls so gering als möglich gehalten werden. Dies kann mit ent-
sprechend schonenden Trocknungsverfahren, sowie der Vermeidung des Einsatzes von
Bauholz mit Mark (kerngetrennte Ware) erreicht werden. In der Neufassung der DIN
4074 – 1 wurden Regelungen zur Beschränkung der Risstiefe und -ausdehnung aufge-
nommen um das Auftreten von Schwindrissen zu reglementieren.

Neben den Schwindrissen können am Schnittholz auch Blitzrisse, Frostrisse und die sog.
,Ringschäle’, dass sind Risse mit einem den Jahrringen folgenden Verlauf (siehe auch Bil-
der in Kapitel 7) auftreten. Weil diese Risse auf eine umfassende Schädigung des Holzes
am stehenden Baum schließen lassen wird deren Auftreten in Schnittholz für tragende
Zwecke in ÖNORM DIN 4074 – 1 nicht erlaubt.

5. 6 Wachstumsunregelmäßigkeiten

5. 6. 1 Abholzigkeit [123], [162]

Unter ,Abholzigkeit’ versteht man die durch die Anpassung an die natürlichen Belastun-
gen (Eigengewicht, Wind) mechanisch optimierte, sich verjüngende Form des Baum-
stammes. Je nach Wuchsbedingungen und sonstigen Parametern, wie Durchforstung
uam. beträgt die Abholzigkeit bei Nadelholzstämmen rund 1 bis 2 cm/m Stammlänge.

Auf die mechanischen Eigenschaften hat die Abholzigkeit als solche keinen Einfluss. Die-
ser wird vielmehr durch den Einschnitt in Form der Durchtrennung von Holzfasern er-
zeugt. Je nach Vorgehen beim Einschnitt und verwendeter Technologie können die
Auswirkungen i. Allg. gering gehalten werden.

Manfred AUGUSTIN Seite 116


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,Eine zusammenfassende Darstellung der Festigkeitssortierung von Schnittholz’

5. 6. 2 Krummschaftigkeit [123], [162]

Bäume in der Natur weisen vielfach eine Abweichung von der ideal geraden Stammform
in Längsrichtung auf. Dies äußert sich in einer krummen Form des Schaftes, vielfach
auch verbunden mit Drehwuchs und hat keinen direkten Einfluss auf die Festigkeit des
Rundholzes. Beim Einschnitt in prismatische Schnitthölzer treten jedoch verstärkt lokale
Faserdurchtrennungen auf, die in weiterer Form zu ,kritischen’ Faserneigungen in Di-
ckenrichtung führen und sich in den typischerweise ellipsenförmigen Mustern an der
Schnittholzoberfläche äußern. Durch die meist auf den Schmalseiten der Schnitthölzer
mit sehr steilen Winkeln zur Brettlängsachse verlaufenden starken Faserneigungen ent-
stehen dadurch beträchtliche Festigkeitseinbußen. Insbesondere ist diese Erscheinung
bei Schnitthölzern aus Rundholz mit sehr ,kurzwelligen’ Krummschaftigkeiten zu beob-
achten. Um negative Auswirkungen auf die Festigkeit des Bauholzes zu vermeiden ist da-
her bereits der Säger aufgerufen solche Rundhölzer nach Möglichkeit nicht für
Schnittholz für tragenden Zwecke zu verwenden.

5. 6. 3 Unstetige Jahrringbreiten [123]

Diese entstehen meist durch eine exzentrische Belastung oder einseitige Lichtverhältnisse
am stehenden Baum. Durch die einseitig stärkere Belastung reagiert er mit verstärkter
Volumsbildung an der stärker beanspruchten Zone, wobei der Baum nach dem Gesetz
der ,konstanten Oberflächenspannungen’ reagiert. Der Baum erzeugt so verschieden di-
cke Jahrringe, die in weiterer Form zu den typischen ellipsenförmigen Stammquerschnit-
ten führen. Damit einhergehend kommt es bei den Nadelholzbäumen zu verstärktem
Auftreten von Druckholz (,Buchs’). Wie für die beiden oben angeführten Merkmale gilt
auch hier, dass keine direkte Beeinflussung der mechanischen Kenngrößen stattfindet.
Für das aus solchen Querschnitten stammende Schnittholz gilt jedoch, dass es sehr un-
terschiedliche Qualitäten aufweist und somit zu einer stärkeren Streuung der Kenngrö-
ßen beiträgt.

5. 7 Holzschäden

5. 7. 1 Biologische Schäden

- holzzerstörende Pilze [123], [162], [N7]

Hier sind insbesondere der Befall durch Braunfäule (auch als Rotfäule bezeichnet) zu ne-
nen. Dieser stellt einen fortgeschrittenen Befall durch Braun- und Rotfäulepilze dar, wel-
che bevorzugt Cellulose und Hemicellulose, also die tragenden Zellkomponenten
abbauen. Dabei bleibt das dunkle Lignin zurück und verursacht so die braune bis rötli-
che Färbung. Bei Wasserverlust schrumpft die Ligninmasse und zerfällt in die für diesen
Befall typischen Würfel (,Würfelbruch’). Braunfäule tritt schon am stehenden Baum auf
und wird durch Infektion mit Basidiosporne und Konidien ausgelöst, die durch Verletzun-
gen des Baumes in diesen eindringen können. Besonders oft tritt Braunfäule bei älteren
Bäumen (Starkholz) auf, dabei bleibt der Splintbereich anfangs vom Befall verschont. Erst

Manfred AUGUSTIN Seite 117


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,Eine zusammenfassende Darstellung der Festigkeitssortierung von Schnittholz’

im späteren Stadium bzw. beim Fällen kann der Befall durch den typischerweise im Kern
hohlen Bereich erkannt werden.

Ein weiterer schwerwiegender Befall kann durch Weißfäulepilze (,Korrosionsfäule’) auf-


treten. Hier wird im Gegensatz zur Braunfäule zuerst das Lignin abgebaut, wodurch die
typische Weißfärbung entsteht. Der Celluloseanteil bleibt zurück, wobei das Holzgefüge
nach Außen hin im wesentlichen unverändert bleibt und ein Befall erst im späten Stadium
wahrgenommen werden kann. Das Holz verliert aber an Rohdichte und versprödet in
weiterer Folge sehr stark.

Da die beiden genannten Pilze, von denen es noch eine Unzahl anderer Arten gibt, die
tragenden Substanzen bzw. den ,Kleber’ der einzelnen Zellschichten abbauen und somit
das Gefüge schädigen bilden sich starke Einflüsse auf die mechanischen Kenngrößen
aus. Normgemäß ist daher der Einsatz von durch Braunfäule oder Weißfäule befallenem
Holz nicht erlaubt.

Nach ÖNORM B 4074 – 1 ist durch Braunfäule oder Weißfäule befallenes Holz für eine
Verwendung in lastabtragenden Konstruktionen nicht erlaubt.

- holzzerstörende Insekten [123], [162], [N7]

Holz kann durch eine Vielzahl von verschiedenen Insektenarten angegriffen werden. Ein
Befall ist am stehenden Baum, am frischen Rundholz oder auch am Schnittholz möglich.
Die bekanntesten Schädlinge sind der ,Borkenkäfer’, der ,Fichtenbock’ und die ,Holz-
wespe’, wobei die drei genannten Arten hauptsächlich das Holz am stehenden Baum
(,Borkenkäfer’) oder am frisch gefällten, nicht entrindeten Baumstamm auftreten.

Für die mechanischen Kenngrößen von Nadelholz gilt, das sich deren Werte mit der
Lochdichte, das ist die Anzahl der Fraßgänge bezogen auf den Probenquerschnitt redu-
ziert. Detaillierte Untersuchungen zu diesem Thema liegen jedoch nicht vor oder sind
nicht bekannt, sodass der Einsatz von befallenem Holz überhaupt vermieden werden
sollte.

In den nationalen Sortierbestimmungen ist festgehalten, dass Fraßgänge bis zu 2 mm


Durchmesser für Schnittholz aller Sortierklassen zulässig ist, ohne genauere Angaben
über das Ausmaß des Befalles anzugeben.

- Befall durch Mistelbewuchs [123], [162], [N7]

Die Mistel (lat.: Viscum album) ist eine auf Laub- und Nadelholzbäumen wachsende
Halbschmarotzerpflanze. Der Bedarf an Wasser und Nährstoffen wird dabei dem ,gast-
gebenden’ Baum entnommen. Die Rindenwurzeln der Mistel verlaufen im Laufe der Zeit
entlang der Rinde des Wirtsbaumes, wobei deren Spitzen jedes Jahr tiefer in Form von
Senkerwurzeln bis zur Holzoberfläche des Wirtes vordringen und in weiterer Folge von
den nachwachsenden Jahrringen umschlossen werden, sodass sich die nach dem Ab-
sterben der Mistel oder der Fällung des Wirtsbaumes typischen, nahe beieinander lie-
genden bis zu 5 mm Durchmesser dicken Löcher im Schnittholz ausbilden. Damit geht

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,Eine zusammenfassende Darstellung der Festigkeitssortierung von Schnittholz’

eine bedeutsame Schädigung des aus befallenen Bäumen gewonnenen Schnittholzes


einher, mit den Folgen eines starken Festigkeitsabfalles. Deshalb sind Schnitthölzer mit
Mistelbefall für tragende Holzkonstruktionen in ÖNORM DIN 4074 – 1 nicht zulässig.
Auf Fichten wird die Mistel i. Allg. nicht ansässig, sodass im zumeist verwendeten Fich-
tenholz auch keine Schäden durch Mistelbefall zu befürchten sind. Der Vollständigkeit
der Sortiervorschriften halber wurde dieses Merkmal an dieser Stelle trotzdem erwähnt.

Abb. 5.37 Schnittholz mit Mistelbefall [162]

5. 7. 2 Mechanische Schädigungen

Mechanische Schädigungen können durch unterschiedlichste Gegebenheiten entstehen.


Zum Teil treten sie bereits am stehenden Baum auf, z.B. durch Beschädigung bei der
Holzbringung, zum Teil am Rundholz, z.B. duch das Verladen, aber auch am Schnittholz
können mechanische Vorschädigungen entstehen (z.B. durch unsachgemäße Manipula-
tion uam.). Da das Ausmaß der Schädigung deren Einfluss auf die Festigkeit bestimmt,
ist von Fall zu Fall zu entscheiden, ob dem Schnittholz noch dessen Verwendung für die
Lastabtragung ,zugemutet’ werden kann oder nicht. Bei größeren Schädigungen sollte
von einer Verwendung der Sicherheit wegen Abstand genommen werden oder gegebe-
nenfalls die schadhafte Stelle ausgekappt werden.

- Stauchungen, Querrisse, Harzstellen, Überwallungen [123], [161], [N7]

Das oben erwähnte gilt vorerst für auf Makroebene vorhandene visuell erkennbare Schä-
digungen. Anders verhält es sich mit Schädigungen im Mikrobereich. Als solche können
Stauchungen und Querrisse auftreten. Am gehobelten Schnittholz sind solche lokalen
Faserstauchungen bei flachem Lichteinfall als weißliche, leicht schimmernde Querrisse
erkennbar. Die Ursache für deren Entstehen sind Überbeanspruchungen am stehenden
Baum, welche aus großen Windbeanspruchungen, übermäßiger Schneebelastung, aber
auch durch den Aufprall bei der Fällung benachbarter Bäume stammen können. Der
Baum umschließt die ,verwundete’ Stelle im Laufe der Zeit mit Harz bzw. bildet in radialer
Richtung neue Jahrringe aus, sodass diese Schäden am Rundholz nicht mehr sichtbar
sind. Erst durch den Einschnitt wird der Schaden wieder freigelegt und wieder aktiv. Bei
Belastung zeigen sich dann solche Risse durch scharfkantige Brüche quer zur Längsachse
bei extrem niedriger Belastung, sodass Holz aus stark windbeanspruchten Bereichen

Manfred AUGUSTIN Seite 119


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bzw. Windwürfen und Schneebrüchen nur mit äußerster Vorsicht in lastabtragenden Kon-
struktionen eingesetzt werden sollte. Leider existieren derzeit noch keine geeigneten
Messkonfigurationen um diese Schädigungen im vorhinein zu erkennen. Versuchsgeräte
mit Bestrahlung durch ultraviolettes Licht bei denen die Harzstellen erkannt werden kön-
nen sind in Erprobung.

Abb. 5.38 Bruchbild einer auf Zug geprüften Probe mit Mikrorissen in Querrichtung

Wird der Baum durch äußere Beanspruchungen (z.B. bei der Fällung, durch Wildverbiss
etc.) beschädigt bildet er zuerst eine ,Wundschichte’ aus Harz. In weiterer Folge reagiert
er mit der Bildung weiterer Jahrringe. Im Bereich der Verwundung kommt es dabei zu
einem allmählichen Zuwachsen der Beschädigung. Dies ist meist mit einer Verdickung
mit stark gestörtem Faserverlauf verbunden und wird als ,Überwallung’ bezeichnet.
Nach einigen Jahren bildet der Baum wieder einen rundumlaufenden Jahrring aus und
schließt so die Wunde, die im Weiteren am stehenden Baum keine Auswirkungen mehr
hat. Erst beim Einschnitt wird die Verwundung wieder freigelegt und führt zu i. Allg. star-
ken Entfestigungen des Schnittholzes. Stellen in Schnitthölzern mit solchen Schäden soll-
ten nach Möglichkeit ausgeschieden oder deren Verwendung als Bauholz unterbunden
werden. Dies trifft insbesondere auch für Wipfelbrüche zu, die in jungen Jahren zumeist
durch Wildverbiss bzw. im reiferen Alter z.B. durch Schneebruch auftreten. Bei durchge-
führten Zugversuchen mit solchen Schädigungen zeigte sich, dass diese mit sehr starken
lokalen Faserabweichungen verbundene Erscheinung zu unterdurchschnittlichen bis mi-
nimalen Festigkeiten führt. Es wird daher dringendst empfohlen die Bereiche um den
Wipfelbruch von der weiteren Verwendung auszukappen.

Manfred AUGUSTIN Seite 120


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Stammachse nach ursprüngliche


dem Wipfelbruch Wipfelbruch Stammachse

krummschaftiger Wuchs nach dem


Wipfelbruch führt zur Bildung von
,Druckholz’ auf der jeweils druck-
beanspruchten Seite des Stammes

Abb. 5.39 Schnittholz mit Wipfelbruch mit deutlich erkennbarer starker lokaler Faserabweichung
und Druckholzbildung auf Grund der Neigung der Stammachse

5. 8 Dimensionsveränderungen am Schnittholz

Dimensionsveränderungen am Schnittholz können unterschiedliche Ursachen haben.


Nachdem diese die Festigkeit/Steifigkeit und auch die Erscheinung nicht wesentlich be-
einflussen sind diese Parameter der ,verwendungsabhängigen’ Sortierung zuzurechnen.
In der Praxis kann es bei der Verwendung von Schnittholz mit größeren Verformungen
vor allem in der Verbindungstechnik zu Problemen kommen und sollte somit auf ein aus
der Erfahrung festgelegtes Maß beschränkt bleiben.

5. 8. 1 Verformungen [123], [162], [N7]

Zum einen resultieren diese aus Eigenspannungen im Baumes, deren Gleichgewicht


beim Einschnitt gestört wird. Das Schnittholz reagiert dann mit Formänderungen, bis es
einen neuen Gleichgewichtszustand gefunden hat.

Zum anderen entstehen die größten Formänderungen natürlich aus den in den Haupt-
richtungen unterschiedlichen Schwind- und Quellverhalten bei Feuchteentzug bzw. -zu-
fuhr.

Abb. 5.40 Verformungverhalten von Schnittholz beim Schwinden [162]

Manfred AUGUSTIN Seite 121


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Ein wichtiger Parameter in diesem Zusammenhang ist der Drehwuchs. Dessen Neigung
zu Längsrichtung des Stammes ist bei Nadelholz im Markbereich am größten und fällt in
radialer Richtung ab. Beim Einschnitt werden die Holzfasern angeschnitten und der na-
türliche rotationssymmetrische Querschnitt gestört, sodass beim Trocknen auf Grund der
unterschiedlichen Schwindmaße asymmetrische Spannungszustände entstehen, die das
Schnittholz verformen. Diese Erscheinungen am Schnittholzes sind also erst nach dem
Trocknen in voller Größe erkenn- bzw. messbar.

Weitere beeinflussende Parameter sind das Auftreten von Druckholz, sowie die Rohdich-
te und der Spätholzanteil. Die relevanten Informationen dazu wurden bereits geschildert.

Im Folgenden werden die festgelegten Messmethoden für die Schnittholzmerkmale, wie


sie in der ÖNORM DIN 4074 – 1 verankert sind wiedergegeben. Diese unterscheidet
zwischen Krümmungen und Verwindungen und deren quantitative Werte als Pfeilhöhen
an der Stelle der größten Verformung bezogen auf 2000 mm Messlänge angeben. Für
die verschiedenen Sortierklassen sind unterschiedliche Verformungsgrenzwerte festge-
legt.

5. 8. 2 Krümmungen

Unterschieden wird zwischen:

- der Längskrümmung von Schnittholz in Richtung der Dicke

Pfeilhöhe h m
000m
2

Abb. 5.41 Längskrümmung in Richtung der Dicke [N7]

Manfred AUGUSTIN Seite 122


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- Längskrümmung von Schnittholz in Richtung der Breite

Pfeilhöhe h

mm
2 0 00

Abb. 5.42 Längskrümmung in Richtung der Breite [N7]

- Querkrümmung (,Schüsselung’) von Schnittholz


(i. Allg. nur bei Brettern und Bohlen)

Pfeilhö he h

Abb. 5.43 Querkrümmung [N7]

5. 8. 3 Verdrehungen bzw. Verwindungen

Pf eilhöhe h

m
0 m
200

Abb. 5.44 Verdrehung bzw. Verwindung des Schnittholzes [N7]

Manfred AUGUSTIN Seite 123


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5. 9 Verarbeitungsmerkmale

5. 9. 1 Jahrringstellung [123], [157]

Abhängig von der ursprünglichen Lage des Schnittholzes im Stamm werden diese als
Rift-, Halbrift- oder Seitenware angesprochen. Als ,Riftware’ bezeichnet man dabei
Schnittholz mit ,stehenden’ Jahrringlagen, wogegen die ,Seitenware’ ,liegende’ Jahr-
ringlagen aufweist. Auf Grund des Anteiles an ,juvenilem’ Holz können damit u.U. ex-
zentrische mechanische Verhältnisse, z.B. bei einem Riftbrett unter Zugbelastung oder
auch nicht zu unterschätzende ,effektive’ Exzentrizitäten bei auf Druck belasteten Bautei-
len entstehen. Weiters unterscheiden sich die auftretenden Astformen zwischen Rift- und
Seitenware und führen so zu unterschiedlichen Festigkeitsverhältnissen. Dies tritt beson-
ders augenscheinlich bei Brettern zu Tage: Während die Äste bei der Seitenware i. Allg.
rechtwinklig zu deren Längsachse geschnitten werden und sich somit vorwiegend
Rundäste bzw. Kantenäste ausbilden, treten bei der Riftware dagegen vielfach sog. ,Flü-
geläste’ auf, also Äste die annähernd parallel zu deren Längsachse aufgetrennt werden.
Diese sind vor allem bei Brettern in Kombination mit den Auswirkungen der, lokalen Fa-
serabweichung’ ein stark festigkeitsverringerndes Merkmal. Abhilfe kann hier die best-
mögliche Wahl des Einschnittmusters mit sich bringen.

5. 9. 2 Baumkante [30], [121], [122], [123], [162], [N7]

Als Baumkante (Waldkante, Fehlkante) bezeichnet man den nicht von einem Sägeschnitt
erfassten Teil eines Schnittholzes. Der Einfluss der durch die Waldfläche bedingten Fehl-
fläche im Querschnitt bleibt beschränkt, solange sich die geometrischen Ausdehnungen
der Waldkante im normativ festgelegten Rahmen bewegt. Dies lässt sich mit den wesent-
lich besseren mechanischen Holzeigenschaften im Stammaußenbereich (siehe juveniles
Holz), sowie der dort nicht angeschnittenen Faserstruktur erklären. Diese beiden Effekte
kompensieren den Verlust an Querschnittsfläche durch die Waldkante.

Das Auftreten der Baumkante im Schnittholz erschwert jedoch den praktischen Umgang
mit dem Schnittholz, insbesondere führen die Fehlflächen in der Verbindungstechnik zu
Problemen. Außerdem beeinträchtigen sie die optische Erscheinung eines Schnittholzes
und somit deren Einsatz in sichtbaren Konstruktionen. Für Lamellen zur Herstellung von
Brettschichtholz ist das Auftreten daher nicht erwünscht bzw. erlaubt.

Die Messung der Baumkante ist in ÖNORM DIN 4074 – 1 so geregelt, dass deren
schräg gemessene Breite k einen Bruchteil K der größeren Querschnittseite in Abhängig-
keit von der Sortierklasse nicht überschreiten darf.

Manfred AUGUSTIN Seite 124


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h
K = ---
h

Abb. 5.45 Beispiel für ein Schnittholz mit Baumkante und Messung nach ÖNORM DIN 4074 – 1

5. 9. 3 Holzverfärbung [123], [162], [N7]

- Bläue [162]

Diese wird durch den Befall mit den sog. ,Ascomyceten’ (Schlauchpilzen) hervorgerufen
und tritt hauptsächlich im Splintbereich von Kiefern-, aber auch an Fichtenholz auf. Die
Blaufärbung stammt dabei von der dunklen Farbe der Vegetationsperiode dieser Pilze.
Diese leben ausschließlich von den Zellinhaltsstoffen und greifen die Zellwände nicht an.
Somit hat Bläuebefall auch keine Auswirkungen auf die Festigkeit des Schnittholzes. Von
Bläue befallenes Holz erfährt aber trotzdem eine erhebliche Wertminderung, da es nur
mehr im beschränkten Maße im sichtbaren Bereich eingesetzt werden kann und zeigt au-
ßerdem eine schlechte Imprägnierbarkeit.

Die Regelung der ÖNORM B 4074 – 1 lässt Bläuebefall für alle Sortierklassen zu.

- Rotstreifigkeit [162]

Rotstreifigkeit tritt vor allem bei zu lange und zu feucht gelagerten Fichtenholz auf. Die
typische Färbung zeigt sich im Stammquerschnitt durch braunrote, radial verlaufende
Streifen bzw. an den Längsseiten durch rötliche, schmale, sowie spitzauslaufende oder
auch blind endende Streifen. Verursacher der Rotstreifigkeit sind Fäulepilze, die zunächst
von den Inhaltsstoffen leben und erst im fortgeschrittenem Zustand die Zellwände an-
greifen und somit die Festigkeit beeinflussen. Die meisten Rotstreifpilze gehen bei Feuch-
teentzug in Trockenstarre über und leben erst bei erneuter Befeuchtung wieder auf.
Neben anderen Gründen sollte die Holzfeuchte für Bauholz mit zumindest u < 20 % ein-
gebaut werden, weil dann die Anfälligkeit gegen derartige Pilze stark abnimmt.

In der ÖNORM B 4074 – 1 ist beim Auftreten von Rotstreifigkeit eine ,Nagelprobe’
durchzuführen. Ist deren Ergebnis positiv, d.h. das Holz ist nagelfest darf der Anteil an
der Oberfläche den die Rotsteifigkeit einnimmt in Abhängigkeit von der Sortierklasse ver-
schieden stark ausgeprägt sein.

Manfred AUGUSTIN Seite 125


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5. 9. 4 Einschnitt [157]

Wie bereits erwähnt kommt der richtigen Wahl des Einschnittbildes eine wichtige Rolle
zu. Dessen Auswahl hängt dabei im Wesentlichen vom Rundholzdurchmesser und den
daraus herzustellenden Schnittholzsortimenten ab. Neben diesem Parameter sollte ins-
besondere Wert auf einen möglichst schonenden Einschnitt bezüglich der Faseranschnit-
te gelegt werden um aus dem Rundholz wertschöpfungsoptimierte und mechanisch
leistungsfähige Schnittprodukte zu herzustellen. Für Spezialprodukte (z.B. Fensterkanteln)
bedient man sich dazu spezieller Einschnitttechnologien, wie z.B. Bandsägen die eine
gezielte, qualitativ hochwertige Produktion von Schnittholz zulassen.

5. 10 Zustandsgrößen

5. 10. 1 Holzfeuchte [121], [122], [123]

Holz ist ein hygroskopisches Material, d.h. es nimmt je nach Umgebungsbedingungen


(Temperatur, rel. Luftfeuchte) entweder Feuchte auf oder gibt Feuchte ab. Im stationären
Zustand kommt es dabei zur sog. ,Ausgleichsfeuchte’. Zu unterscheiden sind dabei der
sog. ,hygroskopische’ Bereich bei dem die Zellhohlräume noch nicht mit freiem Wasser
gefüllt sind und der bei rund 30 % Holzfeuchte liegt (,Fasersättigungspunkt’), sowie der
,Sättigungsbereich’ oberhalb der angegebenen Holzfeuchte. Diese wird i. Allg. auf den
Darrzustand, d.h. vollkommen trockenes Holz bezogen und lässt sich durch die folgende
Gleichung ermitteln:

mu – m0
- ⋅ 100 in [%]
u = -------------------
m0
Es bedeuten:

u.............. Holzfeuchte [%]

mu ........... Masse des feuchten Holzes [kg]

m0 ........... Masse des darrtrockenen Holzes [kg]

Die Bestimmung der Holzfeuchte erfolgt in der Baupraxis durch elektrische Widerstand-
messung (direkte Angabe der Holzfeuchte) bzw. für holztechnologische Untersuchungen
durch Trocknen bis zur Gewichtskonstanz im Darrofen (bei 105 °C), Gewichtsmesung
vor und nach der Trocknung und nachfolgender Berechnung mit der angegebenen For-
mel.

Je nach Umgebungsbedingungen kommt es dabei im ,hygroskopischen’ Bereich zu Vo-


lumsvergrößerung (,Quellen’) oder Volumsverkleinerung (,Schwinden’). Diese auch als
,Arbeiten’ des Holzes bezeichnete Erscheinung ist in den anatomischen Hauptrichtungen
unterschiedlich und kann für Fichtenholz der folgenden Tabelle entnommen werden.

Manfred AUGUSTIN Seite 126


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Schwindmaß in [%]

längs radial tangential

0,21 6,25 6,70

Tab. 5.7 Schwindmaße für Fichtenholz in den anatomischen Hauptrichtungen [%] [121]

Wie der nachfolgenden Abbildung zu entnehmen ist hängen die mechanischen Kenn-
werte im praxisrelevanten Bereich sehr stark von der Holzfeuchte ab. Für die Angabe von
Kenngrößen erfolgt daher ein Bezug auf eine Referenzfeuchte. Diese wurde für Schnitt-
holz in tragender Verwendung nach EN 384 [N16] mit einer Holzfeuchte u = 12 % fest-
gelegt. Die detaillierte Beschreibung der Umrechnung wird in Kapitel 7 gezeigt. Näheres
zum umfangreichen Wissensgebiet der Auswirkungen der Holzfeuchte auf die technolo-
gische Eigenschaften des Holzes ist der Fachliteratur zu entnehmen.

Abb. 5.46 Auswirkungen der Holzfeuchte auf einige holztechnologische Kenngrößen [122]

Für die praktische Durchführung einer Sortierung ist es von Interesse, ob man es mit ,tro-
ckenem’ oder ,frisch’ eingeschnittenem Holz zu tun hat. Dies hängt mit den Schwinder-
scheinungen bzw. den daraus folgenden Verformungen und Krümmungen, aber auch
dem Auftreten von Schwindrissen zusammen, welche erst am trockenen Schnittholz ihre
volle Ausprägung erreicht haben und ist gegebenenfalls durch die Angabe ,Trocken sor-
tiert (TS)’ zu kennzeichnen (DIN 4074 – 1, Ausgabe 2003).

Auch die von Sortiermaschinen aufgenommenen Messgrößen müssen auf Referenzholz-


feuchten umgerechnet werden (z.B. bei der US – Laufzeitmessung u = 20 %) bzw. gelten
die Zulassungen der Sortiermaschinen nur für definierte Feuchtebereiche (meist
u = 7 bis 15 %).

Manfred AUGUSTIN Seite 127


Kapitel 6

6 Statististische Grundlagen der Sortierung


6. 1 Allgemeines

Bei der versuchstechnischen Ermittlung der unterschiedlichen Baustoffkenngrößen wer-


den Messwerte gewonnen, die bedingt durch Messunsicherheiten und Modellunschärfen
stets mehr oder weniger stark streuen. Für den bemessenden Ingenieur sind vor allem
die ,kleinen’ bzw. ,großen’ Kennwerte von Interesse, weil er seine Bauteilwiderstände
bzw. Einwirkungen nach diesen Werten zu ermitteln hat. Zur Bestimmung dieser maßge-
benden Werte bei der Sortierung von Schnittholz ist auf Grund des streuenden Charak-
ters oftmals die Anwendung statistische Methoden notwendig. Die dafür notwendigen
Grundlagen sollen in diesem Kapitel erläutert werden. Für eine detailliertere Darstellung
wird auf die Fachliteratur (z.B. [50], [51], [163]) sowie die Zusammenfassungen von Stei-
ger in [76], [77], [78] verwiesen.

6. 2 Stichprobenziehung

Der Auswahl der zu prüfenden Probekörper (Stichprobenziehung) kommt in Hinblick auf


die Aussagekraft der zu gewinnenden Daten besondere Bedeutung zu. Aus den Kenn-
werten einer Stichprobe (Anzahl bzw. Probenumfang n) sollte man auf den allgemeinen
Fall der Grundgesamtheit (Anzahl → ∞) schließen können. Bei der Auswahl der Probe-
körper sollte daher besonderes Augenmerk auf die repräsentative Verteilung von Ein-
flussfaktoren gelegt werden. Dies ist insbesondere beim Baustoff Holz mit seinen
unzähligen, verschieden stark streuenden Parametern ein schwieriges Unterfangen. Je-
denfalls sollten alle bekannten oder vermuteten Einflüsse auf die Verteilung der Kenn-
größen in der Grundgesamtheit, wie z.B. Wuchsgebiet, Einschnittverfahren
(sägewerksabhängig), Stammdicke etc. durch die entnommene Probe repräsentiert wer-
den, d.h. mit der gleichen Häufigkeitsverteilung auftreten wie in der Grundgesamtheit.

Die nachfolgenden Darstellungen und Berechnungen der statistischen Kenngrößen soll


im Weiteren an Hand des Beispieles einer Zugprobe von Brettern gezeigt werden.

Manfred AUGUSTIN Seite 128


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BEISPIEL: Auswertung einer Zugprobe (Probenumfang n = 45 Prüfkörper)

,Urliste’ der Prüfwerte

Probe Nr. Zugfestig- Probe Nr. Zugfestig- Probe Nr. Zugfestig- Probe Nr. Zugfestig- Probe Nr. Zugfestig-
keit keit keit keit keit
[N/mm²] [N/mm²] [N/mm²] [N/mm²] [N/mm²]
1 29,31 10 25,28 19 39,51 28 38,60 37 53,18
2 43,12 11 33,70 20 45,47 29 25,08 38 64,10
3 37,38 12 32,57 21 42,77 30 31,74 39 37,49
4 33,58 13 46,79 22 32,07 31 47,34 40 26,87
5 52,48 14 44,75 23 30,22 32 41,69 41 19,16
6 30,91 15 36,84 24 44,50 33 39,35 42 13,66
7 32,51 16 32,12 25 39,13 34 36,21 43 46,93
8 60,48 17 39,26 26 52,10 35 48,92 44 18,71
9 40,19 18 18,74 27 34,99 36 32,61 45 22,36

Tab. 6.1 ,Urliste’ mit 45 Festigkeitswerten einer Zugprobe (auf die Referenzbreite von b = 150 mm
bezogen)

Als Ausgangspunkt für weitere Überlegungen reiht man die Daten aufsteigend nach der
Größe:

lfd. Nr. Zugfestig- lfd. Nr. Zugfestig- lfd. Nr. Zugfestig- lfd. Nr. Zugfestig- lfd. Nr. Zugfestig-
keit keit keit keit keit
[N/mm²] [N/mm²] [N/mm²] [N/mm²] [N/mm²]

#1 13,66 #10 30,22 #19 33,70 #28 39,35 #37 46,79


#2 18,71 #11 30,91 #20 34,99 #29 39,51 #38 46,93
#3 18,74 #12 31,74 #21 36,21 #30 40,19 #39 47,34
#4 19,16 #13 32,07 #22 36,84 #31 41,69 #40 48,92
#5 22,36 #14 32,12 #23 37,38 #32 42,77 #41 52,10
#6 25,08 #15 32,51 #24 37,49 #33 43,12 #42 52,48
#7 25,28 #16 32,57 #25 38,60 #34 44,50 #43 53,18
#8 26,87 #17 32,61 #26 39,13 #35 44,75 #44 60,48
#9 29,31 #18 33,58 #27 39,26 #36 45,47 #45 64,10

Tab. 6.2 Nach der Größe gereihte Liste der Messdaten

Um einen ersten Überblick über die Messdaten zu bekommen bedient man sich einer
graphischen Darstellung in Form eines Histogrammes. Dazu werden die Prüfdaten in
Klassen (statistisch: Ränge) eingeteilt. Die Anzahl der Ränge kann man mit der folgenden
Formel abschätzen:

k ≈ 5 ⋅ log n ≈ 5 ⋅ log 45 ≈ 8, 3

Für unser Beispiel wählt man daher neun Klassen. Mit dem minimalen bzw. maximalen

Manfred AUGUSTIN Seite 129


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,Eine zusammenfassende Darstellung der Festigkeitssortierung von Schnittholz’

Prüfwert ergibt sich somit eine Klassenbreite b von:

x max – x min 64, 10 – 13, 66 2


b = ------------------------ = --------------------------------------- = 5, 60 N ⁄ mm
k 9

Aus praktischen Gründen wählt man für die Klassengrenzen und -breiten gerade Zah-
lenwerte und rundet auf bzw. ab. Mit der erhaltenen Klassenbreite lassen sich die ange-
gebenen Daten den einzelnen Rängen zuordnen. Stellt man den Besetzungsgrad der
einzelnen Ränge in Relation zur Gesamtanzahl dar, gewinnt man die sog. ,empirische
Häufigkeit’ hj. Bildet man die Häufigkeitssumme der einzelnen Klassen erhält man die
sog. ,empirische Summenhäufigkeit’ Hj.

Nr. der Klasse Absolute Häufigkeit Aufsummierte Empirische Empirische


Klasse [N/mm²] Strichliste Besetzungs- Besetzungs- Häufigkeit Summen-
i zahl ni zahl Bi 100 ni / n häufigkeit
hi [%] Hi [%]
1 12 ≤ x < 18 I 1 1 2,22 2,22
2 18 ≤ x < 24 IIII 4 5 8,89 11,11
3 24 ≤ x < 30 IIII 4 9 8,89 20,00
4 30 ≤ x < 36 IIIIIIIIIII 11 20 24,44 44,44
5 36 ≤ x < 42 IIIIIIIIIII 11 31 24,44 68,88
6 42 ≤ x < 48 IIIIIIII 8 39 17,78 86,66
7 48 ≤ x < 54 IIII 4 43 8,89 95,55
8 54 ≤ x < 60 0 43 0 95,55
9 60 ≤ x < 66 II 2 45 4,44 99,99
Summe 45 – 100 –

Tab. 6.3 Klassengrenzen und empirische Häufigkeit (Dichte) bzw. Häufigkeitssumme

HISTOGRAMM DER ZUGFESTIGKEIT SUMMENHÄUFIGKEIT DER ZUGFESTIGKEIT

30 100

90
Empirische Summenhäufigkeit [%]

25
80
Empirische Häufigkeit [%]

70
20
60

15 50

40
10 30

20
5
10

0 0
15 21 27 33 39 45 51 57 63 15 21 27 33 39 45 51 57 63

Klassenmittelwerte der Zugfestigkeit [N/mm²] Klassenmittelwerte der Zugfestigkeit [N/mm²]

Abb. 6.1 Empirische Häufigkeit bzw. Häufigkeitssumme der Messdaten

Manfred AUGUSTIN Seite 130


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Aus der oben angeführten Tab. 6.3 und Abb. 6.1 lässt sich bereits ein Schätzwert für
den, für die Bemessung maßgebenden Kennwert, den sog. ,5 % – Fraktilwert’ der Fes-
tigkeit, ermitteln. Teilt man die Probenanzahl n durch 20, so kann man den Wert für die
5 % – Fraktile (100 / 20 = 5 %) als n / 20 – ten Wert ablesen. Ist die Probenanzahl
nicht durch 20 teilbar darf linear zwischen den Werten interpoliert werden. Dieses Ver-
fahren ist parameterfrei und wird auch als ,Zählwertverfahren’ bezeichnet. Es ist in dieser
Form in der ON EN 384 ,Bauholz für tragende Zwecke – Bestimmung charakteristischer
Festigkeits-, Steifigkeits- und Rohdichtewerte’ enthalten, wobei diese Norm eine Min-
destprobekörperanzahl von 40 Probekörpern fordert.

Für unser Beispiel ergibt sich daraus:

n 45
n 05 = ------ = ------ = 2, 25 ,
20 20

d.h. der 5 % – Fraktilwert kann als 2,25 – ter Wert entnommen werden. Der zweite Wert
ergibt sich zu x2 = 18,71 N/mm² und der dritte Wert zu x3 = 18,74 N/mm². Somit ergibt
sich für den 5 % – Fraktilwert f05 = 18,72 N/mm².

Liegen mehrere Prüfserien einer Grundgesamtheit vor, so wird für jede Serie ein
5 % – Fraktilwert und in weiterer Folge der nach den Probenumfängen gewichtete Mittel-
wert f 05 mit der unten angegebenen Gleichung bestimmt:

∑ f 05, j ⋅ n j
f 05 = ----------------------- .
∑ nj
Wobei zu beachten ist, dass für f 05 größer als das 1,2 – fache des niedrigsten Wertes
f05 entweder die Grundgesamtheit neu zu definieren ist, oder aber für f 05 das 1,2 – fache
des niedrigsten Wertes anzusetzen ist (gemäß ON EN 384).

Der Wert f 05 bezieht sich vorerst auf die Probe mit der Probekörperanzahl n, d.h. es tre-
ten i. Allg. noch Unschärfen in Bezug zum endgültigen Wert (sog. ,charakteristischer’
Wert) der Grundgesamtheit auf. Die für die Ermittlung von Kenngrößen für Schnittholz
anzuwendende Norm ON EN 384 sieht dafür die Faktoren ks (Faktor zur Berücksichti-
gung der Probenanzahl und des Probenumfanges gemäß Abb. 6.2) und kv (Faktor zur
Berücksichtigung der Variabilität der Werte von maschinell sortiertem Holz im Vergleich
zu visuell sortiertem Holz) vor.

Manfred AUGUSTIN Seite 131


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A ... Anzahl der Proben


B ... Probenumfang der
kleinsten Probe

0,78

45

Abb. 6.2 Faktor ks in Abhängigkeit von Anzahl und Größe der Proben

Für die vorgestellte Prüfserie gilt: Probenanzahl = 1, Probenumfang = 45 → ks = 0,78

Der Faktor kv ist wie folgt definiert:

- Für maschinell sortiertes Holz mit fmk größer als 30 N/mm² und visuell sortiertes
Holz: kv = 1,0

- Für maschinell sortiertes Holz mit fmk gleich oder kleiner als 30 N/mm²: kv = 1,12

Für die vorgestellte Serie gilt: visuell sortiertes Holz → kv = 1,0

Anmerkung:
Der Wert kv ist in Fachkreisen umstritten. Er sollte generell mit kv = 1,0 angesetzt werden
bzw. kann damit überhaupt entfallen.

Abschließend kann der ,charakteristische’ Wert fk der Festigkeit für die gewählte Probe
mit:

2
f k = f 05 ⋅ k s ⋅ k v = 18, 74 ⋅ 0, 78 ⋅ 1, 0 = 14, 62 N ⁄ mm

ermittelt werden.

Manfred AUGUSTIN Seite 132


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Anmerkung:

- Der Mittelwert des E – Moduls E0,mean (charakteristischer Wert) ist nach der
ON EN 384 mittels folgender Gleichung zu ermitteln:
∑ Ei
Für jede Probe gilt: E = --------- ⋅ 1, 3 – 2690
n
Es bedeuten:

E ............ Mittelwert der Probe [N/mm²]

Ei ............ i – ter feuchtekorrigierter Wert (u = 12 %) des E – Moduls [N/mm²]

n.............. Anzahl der Probekörper der Probe [-]

∑ ( Ej ⋅ nj )
Ermittlung von E0,mean: E 0, mean = -----------------------
∑ nj
Es bedeuten:

E0,mean .... charakteristischer Wert des E – Moduls [N/mm²]

E j ............ Mittelwert des E – Moduls der j – ten Probe [N/mm²]

nj ............. Anzahl der Prüfkörper der j – ten Probe [-]

- Der charakteristische Wert der Rohdichte ρk ist nach der ON EN 384 wie folgt zu
ermitteln:

Für jede Probe gilt: ρ 05 = ρ – 1, 65 ⋅ s

Es bedeuten:

ρ05 .......... 5% – Fraktilwert der Probe [kg / m³]

ρ ............ Mittelwert der jeweiligen Probe [kg / m³]


s .............. Standardabweichung der jeweiligen Probe [kg / m³]

∑ ( ρ 05, j ⋅ n j )
Ermittlung von ρk: ρ k = -----------------------------
∑ nj
Es bedeuten:

ρk ............ charakteristischer Wert der Rohdichte [kg/m³]

ρ05,j ........ 5% – Fraktilwert der Rohdichte für die j – te Probe [kg/m³]

nj ............. Anzahl der Prüfkörper der j – ten Probe [-]

Manfred AUGUSTIN Seite 133


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,Eine zusammenfassende Darstellung der Festigkeitssortierung von Schnittholz’

6. 3 Statistische Kennwerte

Zur quantitativen Beschreibung und um die Ergebnisse einer Prüfserie in einigen, weni-
gen Kennwerten angeben zu können, bedient man sich einzelner Kennwerte der Statistik.
Eine Zusammenfassung der wichtigsten statistischen Parameter enthält die nachfolgende
Tabelle:

Eigenschaft der Kenngröße


Zufallsgröße

Lage Median (Zentralwert), Modalwert, Mittelwert, Minimum, Maximum

Streuung Spannweite, Varianz, Standardabweichung, Variationskoeffizient

Form Schiefe, Exzess

Tab. 6.4 Wichtige Eigenschaften und Kennwerte der Statistik

An Hand der folgenden Abbildung wird die Bedeutung der einzelnen Parameter erklärt:

1,75
Häufigkeitsfunktion
positive Schiefe steilgipflig
Mittelwert
(rechtsschiefe Kurve) (positiver Exzess)
1,5 Median
Modalwert Normal
Häufigkeit [%]

1,25 (Exzess = 0)
1
flachgipflig
0,75
(negativer Exzess)
0,5

0,25

0
0 10 20 30 40 50 60 70 80 90 100
Zugfestigkeit [N/mm²]

Abb. 6.3 Darstellung von wichtigen Kennwerten der Statistik an Hand der Häufigkeitsfunktion (Dichte-
funktion) einer statistischen Zufallsgröße [50]

- Der Median x̃ (Zentralwert) trennt die Dichteverteilung in zwei gleiche Hälften.

- Der Modalwert x̂ (Dichtemittel) gibt das Maximum der Verteilungsdichte, d.h. je-
nen Bereich an, in den die meisten Messwerte fallen.

- Das Minimum xmin ist der kleinste Prüfwert der Probe.

- Das Maximum xmax ist der größte Prüfwert der Probe.

- Die Spannweite w gibt den Bereich zwischen dem kleinsten und dem größten Prüf-
wert an und dient so als ein Maß für die Streuung der Prüfdaten.

Manfred AUGUSTIN Seite 134


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- Das arithmetische Mittel (Mittelwert) x einer empirischen Verteilung wird nach der
folgenden Formel ermittelt:

n
1
x = --- ⋅ ∑ x i
n
i=1

Es bedeuten:

n.............. Anzahl der Messwerte

xi ............. i – ter Messwert

Anmerkung:
Bei symmetrischen Verteilungen (z.B. Gauß’sche Normalverteilung) fallen das
arithmetische Mittel, der Median und der Modalwert zusammen.

- Als Maß für die Streuung erhält man die sog. Varianz V für eine empirische Ver-
teilung aus folgendem Zusammenhang:
n
1 2 2
V = ------------ ⋅ ∑ ( x i – x ) bzw. V = s
n–1
i=1

- Die ebenfalls als Streumaß dienende Standardabweichung s ermittelt sich aus der
Wurzel der Varianz V.

n
1
s = V = ------------ ⋅ ∑ ( x i – x ) 2
n–1
i=1

- Als Variationskoeffizient v (engl.: COV ... Coefficient of Variation) wird der Quo-
tient der, auf den Mittelwert bezogenen Standardabweichung bezeichnet. Er ist
eine Maßzahl für die relativen Schwankungen der Stichprobe und lässt insbeson-
dere den Vergleich der Streuung unterschiedlicher Stichproben desselben Grund-
gesamtheitstypus zu.

s
v = -
x

- Die Schiefe g1 gibt ein Maß für die Symmetrie der Verteilung der Meßwerte an. Bei
positiver Schiefe liegt der größere Teil der Prüfwerte auf der linken Seite (rechts-
schiefe Verteilung), während bei einer negativen Schiefe von einer linksschiefen
Verteilung gesprochen wird. Ein ,erwartungstreuer Schätzer’ (d.h. ein solcher
Schätzwert konvergiert für n → ∞ gegen den ,wahren Wert’ in der Grundgesamt-
heit) für die Schiefe einer Verteilung lässt sich durch Auswerten folgender Glei-
chung ermitteln:

n 3
n x i – x
g 1 = --------------------------------------- ⋅ ∑  -----------
(n – 1) ⋅ (n – 2)  s 
i=1

Manfred AUGUSTIN Seite 135


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- Der Exzess g2 (Wölbung) beschreibt die Konzentration der Prüfwerte um den Mit-
telwert im Vergleich zur oft benutzten Normalverteilung. Ein positiver Exzess zeigt
dabei eine ,spitzere’ Verteilung an, während ein negativer Exzess eine ,flachere’
Konzentration der Messwerte im Vergleich zu einer normalverteilten Zufallsgröße
wiedergibt.

n 2
n ⋅ (n – 1) x i – x 4 3 ⋅ (n – 1)
g 2 = ------------------------------------------------------------- ⋅ ∑  ----------- – ---------------------------------------
(n – 1) ⋅ (n – 2) ⋅ (n – 3)  s  (n – 2) ⋅ (n – 3)
i=1

Die statistischen Kennwerte für das vorgestellte Beispiel sind in der Folge angegeben:

- Der Median x̃ ist der (n+1) / 2 – Wert der nach der Größe gereihten Liste der
Prüfwerte. In unserem Fall mit (45+1) / 2 also der 23. Wert: x̃ = 37,38 N/mm².

- Der Modalwert x̂ gibt den Wert mit der größten Anzahl an Proben in einer Klasse
an. In unserem Fall ergeben sich im Intervall 30 ≤ x < 36 und 36 ≤ x < 42 jeweils
elf Prüfwerte pro Klasse. Der Modalwert ergibt sich somit aus dem mittleren Wert
zu x̂ = 36 N/mm².

- Der minimale Wert beträgt xmin = 13,66 N/mm².

- Der maximale Wert beträgt xmax = 64,10 N/mm².

- Aus der Differenz dieser beiden Werte lässt sich die Spannweite w errechnen:

2
w = x max – x min = 64, 10 – 13, 66 = 50, 44 N ⁄ mm

- Der (arithmetische) Mittelwert x der Probe errechnet sich aus der Summe aller Ein-
zelwerte geteilt durch die Anzahl der Proben.

∑ xi
1674, 78 2
i=1
x = ----------- = ----------------------- = 37, 22 N ⁄ mm
n 45

- Die Standardabweichung s ergibt sich durch Auswerten der oben angeführten For-
mel zu:

n
1 - 2 1 - 2
s = ⋅ (x – x) = ⋅ 5203, 42 = 10, 88 N ⁄ mm
n–1 ∑ i
----------- ---------------
45 – 1
i=1

- Damit lässt sich der Variationskoeffizient v angeben:

s 10, 88
v = - = ---------------- = 0, 292 bzw. v · 100 = 29,2%
x 37, 22

Manfred AUGUSTIN Seite 136


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- Für die Schiefe g1 lässt sich ein Wert von

g 1 = 0, 14572

errechnen, d.h. die Daten der angegebenen Probe weisen eine leicht rechtsschiefe
Tendenz (positive Schiefe) auf.

- Für den Exzess g2 ergibt sich:

g 2 = 0, 14725

Die Daten des Beispieles sind also etwas kompakter um den Mittelwert angeordnet
als bei einer vergleichbaren Normalverteilung (positiver Exzess).

Um für die erhaltenen Parameter einen Vergleich zu schaffen ist der nachfolgenden Ta-
belle eine Zusammenstellung der Größenordnung der Lageparameter und Fraktilwerte
für europäisches Nadelholz (Grundgesamtheit) und unterschiedlichen mechanischen
Kenngrößen aus mehreren Forschungsprojekten zu entnehmen:

Parameter Druck Zug Biegung (Biege-) E –


Modul

Mittelwert [N/mm²] 30 32 35 25 30 35 35 37 40 10 11,5 13


( x 103)

Variationskoeffizient [%] 16 18 20 30 35 40 25 27 30 20 22 25

5 % – Fraktilwert [N/mm²] 21 15 24 7.000

95 % – Fraktilwert [N/mm²] 50 55 55 16.500

Tab. 6.5 Größenordnung der Lageparameter und Fraktilwerte für europäisches Nadelholz für unter-
schiedliche mechanische Kenngrößen [165]

Eine sehr übersichtliche Darstellungsart der Lage und Streuung der Kenngrößen bilden
die sog. ,Box – Plots’. In diesen sind neben dem Minimal – und Maximal – Wert, dem
Median und dem ersten und dritten Quartilwert (Definition siehe weiter unten) bzw. dem
Interquartilbereich (IQ), dem minimalen und maximalen Wert auch die sog. ,Ausreißer’
in einem Diagramm enthalten und gestatten somit einen sehr übersichtlichen Blick auf
die Messdaten (in Abb. 6.4 auf der rechten Seite aufgetragen).

Eine erweiterte Variante dieser Darstellungsart beeinhaltet auch die Standardabwei-


chung s und den 5 % – bzw. 95 % – Fraktilwert (in Abb. 6.4 auf der linken Seite aufge-
tragen).

Manfred AUGUSTIN Seite 137


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Bereich von ,Ausreißern’


Ausreisser

Max Abkürzungen:
s ...... Standardabweichung

1,5 · IQ
95% – IQ ... Interquartilbereich
Fraktile (=Oberer Quartilwert –
Unterer Quartilwert)
Werteskala

obere Anmerkung:
Quartile
4 · IQ

Als Ausreißer im Box – Plot werden


(75 %)
Werte x < (Unterer Quartilwert –
IQ

Mittelwert
s s

1,5 · Interquartilbereich)
Median bzw.
untere Werte x > (Oberer Quartilwert +
Quartile 1,5 · Interquartilbereich)
(25 %) bezeichnet.
1,5 · IQ

5% –
Fraktile Bei einer Normalverteilung fallen rund
Min 99,65 % (praktisch 100 %) der
Werte in den Bereich ,4 · IQ’.
Bereich von ,Ausreißern’

Abb. 6.4 Definitionen für Box – Plots (mit Standardabweichung und 5% – bzw. 95 % – Fraktilwert)

70
nBox
60
Zugfestigkeit [N/mm²]

50
75%
40
50%

30 25%

20

-nBox
10

Abb. 6.5 Box – Plot für den angeführten Datensatz

Manfred AUGUSTIN Seite 138


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6. 4 Modelle zur Erfassung der Verteilung eindimensionaler


Zufallsgrößen

6. 4. 1 ,Ausreißer’

Aus der nach Größe der Prüfwerte geordneten Tabelle 6.2 kann entnommen werden,
dass einem sog. ,Ausreißer’ (beispielweise weisen die Werte der Prüfkörper #1 bzw.
#44 und #45 der vorgestellten Probe doch deutliche Unterschiede zu den benachbar-
ten Werten auf) am unteren bzw. oberen Ende der Prüfwerte (,Schwanz’ der Summen-
häufigkeitsverteilung) eine besonders große Bedeutung in der zuverlässigen Festlegung
des 5 % – bzw. 95 % – Fraktilwertes der Verteilung zukommt. Die Identifikation von ,Aus-
reißern’ am unteren bzw. oberen Ende der Verteilungen kann näherungsweise mit Hilfe
der nachfolgenden Faustformel erfolgen

x < Q 1 – 3 ⋅ ( x̃ – Q 1 ) bzw. x > Q 3 + 3 ⋅ ( x̃ – Q 1 )


Es bedeuten:

x .............. als unterer bzw. oberer Ausreißer vermuteter Wert

x̃ ............. Median
Q1 .......... untere Quartile (25 % – Quantile)

Q3 .......... obere Quartile (75 % – Quantile)

Für den angegebenen Datensatz ergibt sich für den Prüfwert x1 mit

Q1: N/4 – ter Wert = 45 / 4 = 11,25 – ter Wert → Q1 = 31,12 N/mm²


(interpolierter Wert)

Q3: 3 · N / 4 – ter Wert = 3 · 45 / 4 = 33,75 – ter Wert → Q3 = 44,16 N/mm²


(interpolierter Wert)

2
Q 1 – 3 ⋅ ( x̃ – Q 1 ) = 31, 12 – 3 ⋅ ( 37, 38 – 31, 12 ) = 12, 34 N ⁄ mm
2
x 1 = 13, 66 N/mm² > 12, 34 N ⁄ mm

d.h. der unterste Wert x1 konnte nicht als Ausreißer identifiziert werden.

Für den Größtwert x45 gilt:

2
Q 3 + 3 ⋅ ( x̃ – Q 1 ) = 44, 16 + 3 ⋅ ( 37, 38 – 31, 12 ) = 62, 94 N ⁄ mm

x 45 = 64, 10 N/mm² > 62,94 N/mm²

d.h. der Größtwert stellt einen Ausreißer dar.

Manfred AUGUSTIN Seite 139


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Anmerkung:
Wegen der geringen Differenz kann der betreffende Wert in der Auswertung berücksich-
tigt bleiben. Ansonsten müssten die bisher getätigten Berechnungen unter Vernachlässi-
gung dieses Wertes erneut durchgeführt werden.

Bevor ein ,Ausreißer’ aus einer Analyse ausgeschieden werden, sollte man nochmals den
Grund für das Auftreten dieses extremalen Wertes verifizieren. Es muss sichergestellt sein,
dass der ,Ausreißer’ nicht der betrachteten Grundgesamtheit angehört.

6. 4. 2 Modellierung durch stetige statistische Verteilungen

In der praktischen Auswertung von Versuchsdaten ist es wegen der vielfach zu geringen
Anzahl von Probekörpern nötig, einen Übergang von den aus einer Stichprobe empirisch
gewonnenen einzelnen (diskreten) Messdaten und ihren Häufigkeiten bzw. Summenhäu-
figkeiten hin zu einer kontinuierlichen statistischen Verteilungsfunktion durchzuführen,
um zu sinnvollen Ergebnissen zu kommen. Dabei ist es stets notwendig, sich des Unter-
schiedes zwischen den Kennwerten der aus n Proben bestehenden Stichprobe und jenen
der Grundgesamtheit (n → ∞) bewusst zu sein. Die aus der Stichprobe gewonnenen Pa-
rameter der Stichprobe stellen lediglich ,Schätzungen’ der Parameter der Grundgesamt-
heit dar und enthalten als solche noch mehr oder weniger große Unschärfen.

Eine Tabelle mit den Bezeichnungen der Kennwerte für die Stichprobe und ihren jewei-
ligen ,Entsprechungen’ in der Grundgesamtheit ist der folgenden Tabelle zu entnehmen:

Kennwert Parameter der Parameter der


Stichprobe Grundgesamtheit

Mittelwert x µ

Standardabweichung s σ

Variationskoeffizient v γ

Tab. 6.6 Bezeichnung der Parameter einer Stichprobe und der Grundgesamtheit [78]

Es ist zu beachten, dass die empirischen Daten je nach Größe der Streuungen und der
Schiefe durch die verschiedenen statistischen Verteilungen unterschiedlich repräsentiert
werden können. Anzustreben ist eine bestmögliche Anpassung der Versuchsdaten durch
die statistischen Verteilungen (,Best – Fitting – Model’), wobei anzumerken ist, dass jene
Verteilungen eine umso größere Flexibilität in der Anpassung an die empirischen Mess-
werte zulassen, welche mehr Parameter für die jeweilige Funktion aufweisen. Ein nicht zu
unterschätzender Nachteil bei mehrparametrigen Verteilungen besteht in der Bestimm-
barkeit dieser Kennwerte. Beispielsweise sind die Parameter der nachfolgend erläuterten
2 – und 3 – parametrigen Weibull – Verteilung in sinnvoller Weise nur durch numerische
Methoden per Computer errechenbar. Für die Parameterbestimmung kann mittlerweile
auf eine breite Palette an Softwareprodukten zurückgegriffen werden (z.B. MS EXCEL für
allgemein gehaltenere statistische Auswertungen, Statgraphics, SPSS, Statistica uam.).

Manfred AUGUSTIN Seite 140


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,Eine zusammenfassende Darstellung der Festigkeitssortierung von Schnittholz’

Zur Beschreibung von Kenngrößen im Bereich des Holzbaues und der Holztechnologie
werden i. Allg. die folgenden Verteilungen herangezogen:

Kenngröße Verteilungsmodell Anzahl der Parameter


Parameter

Holzfeuchte Normalverteilung 2 Mittelwert, Standardabweichung

Dichte Normalverteilung 2 Mittelwert, Standardabweichung

E – Modul Normalverteilung 2 Mittelwert, Standardabweichung

Festigkeit Normalverteilung; 2; Mittelwert, Standardabweichung;


Log – Normalverteilung; 2 bzw. 3; log. Mittelwert, log.
Extremwertverteilungen 2 bzw. 3 Standardabweichung bzw. Lage;
(Weibull uam.) Form-, Skalierungs- und
Lageparameter

Volumeneffekt Weibull – Verteilung 2 bzw. 3 Form-, Skalierungs- und


Lageparameter

Tab. 6.7 Verteilungsmodelle zur Beschreibung der unterschiedlichen Kenngrößen sowie Anzahl und
Art der Parameter [78]

Bevor nun zur Erläuterung und Darstellung der einzelnen Verteilungsarten übergegan-
gen wird, soll noch dem Begriff des ,Quantils’ (synonym ,Fraktils’; Anmerkung: eine Li-
teraturrecherche ergab keine einheitliche Differenzierung dieses Begriffes)
Aufmerksamkeit geschenkt werden. Wegen der verbreiteten Bekanntheit im Bauwesen
wird im folgenden der Ausdruck ,Fraktil’ verwendet.

Definition Fraktil - bzw. Quantilwert:

Ein p – Fraktil ist ein Lokalitätsmaß, dass durch F(x) = p (Anmerkung: F(x) ist die Sum-
menhäufigkeitsverteilung, also die aufintegrierte Dichteverteilung f(x)) definiert ist: Ein
xp – Wert ist also derjenige Wert einer stetigen Verteilung, bei dem die Wahrscheinlichkeit
für einen kleineren Wert genau p und die Wahrscheinlichkeit für eine größeren Wert 1 –
p beträgt. Spezialfälle ergeben sich für p = 1/4, 1/2, 3/4 mit den Bezeichnungen ,un-
teres Quartil’ (25 % – Fraktilwert), ,Median’ (50 % – Fraktilwert) und ,oberes Quar-
til’ (75 % – Fraktilwert). Im Bauwesen ist für die Festigkeit vor allem der sog. 5 %
– Fraktilwert von besonderer Bedeutung.

Manfred AUGUSTIN Seite 141


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6. 5 Verteilungsfunktionen zur Beschreibung eindimensionaler


Zufallsgrößen

6. 5. 1 Normalverteilung

Wie Tab. 6.7 angibt, sind die meisten Kenngrößen in der Holztechnologie, wie viele an-
dere Verteilungen in der Natur auch, annähernd normalverteilt. Die Normalverteilung
kommt dabei durch additives Zusammenwirken von Zufallsgrößen zustande. Aufgrund
des Zentralen Grenzwertsatzes der Statistik (dieser besagt, dass die Verteilung der Sum-
me von n statistischen Zufallsgrößen, unabhängig von den Verteilungstypen der Variab-
len, annähernd normal verteilt ist; für Produkte von n statistischen Zufallsgrößen wird
eine Approximation durch ein Log – Normalverteilung erreicht) können Stichproben ab
einem bestimmten Umfang (n > 30) mittels Normalverteilung approximiert werden.

Die Wahrscheinlichkeitsdichtefunktion f(x) der Normalverteilung lautet:

1 x – µ 2
---  -----------
– ⋅
1 2  σ  2
f ( x ) = ----------------------- ⋅ e mit – ∞ < x < ∞, – ∞ < µ < ∞, σ > 0
σ⋅ 2⋅π

Setzt man in obiger Gleichung die sog. ,Standardnormalvariable’ (z = (x - µ) / σ) ein,


so lässt sich die obige Funktion in Form der sog. ,standardisierten Normalverteilung’ mit
dem Mittelwert µ = 0 und der Standardabweichung σ = 1 darstellen. Der Vorteil dieser
Transformation ergibt sich in der Angabe von standardisierten Tafeln mit denen in wei-
terer Folge Kennwerte der Normalverteilung ermittelt werden können.

Somit lässt sich die Dichtefunktion f(z) auch in folgender Form darstellen:

2
z
1 – ----
2
y = f ( z ) = --------------- ⋅ e mit – ∞ < z < ∞ .
2⋅π

Die Verteilungsfunktion F(z) (Summenhäufigkeitsfunktion) ergibt sich durch Integration


der Dichtefunktion von -∞ bis zum Wert z und ist nicht geschlossen lösbar, d.h. nur durch
numerische Integration ermittelbar (siehe Standardnormalvariable).

z 2
w
1 – ------
2
F ( z ) = --------------- ⋅
2⋅π
∫e dw mit – ∞ < w < z
–∞

Manfred AUGUSTIN Seite 142


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,Eine zusammenfassende Darstellung der Festigkeitssortierung von Schnittholz’

Die beiden für die Bestimmung der Form der Normalverteilung maßgebenden Parame-
ter sind der Mittelwert µ (bzw. in der praktischen Anwendung der geschätzte Mittelwert x
der Stichprobe)

n
1
x = --- ⋅ ∑ x i
n
i=1

und die Standardabweichung σ (bzw. der aus der Stichprobe geschätzte Wert s)

n
1
s = ------------ ⋅ ∑ ( x i – x ) 2 .
n–1
i=1

Aus der nachstehenden Abbildung sind Dichtefunktionen von Normalverteilungen mit


unterschiedlichen Standardabweichungen σ (bzw. s) bzw. Mittelwerten µ (bzw. x ) ersicht-
lich.
Dichteverteilung für unterschiedliche Verteilungsfunktion für unterschiedliche
Standardabweichungen und gleichbleibendem Standardabweichungen und gleichbleibendem
Mittelwert bei normalverteilter Grundgesamtheit Mittelwert bei normalverteilter Grundgesamtheit
9,00 100,00
N (37,22; 5,00)
8,00 90,00
N (37,22; 10,88)
7,00 80,00
N (37,22; 15,00)
Häufigkeit [%]

Häufigkeit [%]

6,00 5% - Fraktile N (37,22; 5,00) 70,00


5% - Fraktile N (37,22; 10,88) 60,00
5,00
5% - Fraktile N (37,22; 15,00) 50,00 N (37,22; 5,00)
4,00 N (37,22; 10,88)
40,00
3,00 N (37,22; 15,00)
30,00
5% - Fraktile N (37,22; 5,00)
2,00 20,00 5% - Fraktile N (37,22; 10,88)
1,00 10,00 5 % - Fraktile 5% - Fraktile N (37,22; 15,00)

0,00 0,00
0 20 40 60 80 100 0 20 40 60 80 100
Zugfestigkeit [N/mm²] Zugfestigkeit [N/mm²]

Abb. 6.6 Beispiele für Dichte- und Verteilungsfunktionen einer Normalverteilung bei unterschiedlichen
Standardabweichungen s (bzw. σ) (mit 5 % – Fraktilwerten)

Dichteverteilung für unterschiedliche Mittelwerte Verteilungsfunktion für unterschiedliche


und gleichbleibender Standardabweichung bei Standardabweichungen und gleichbleibendem
normalverteilter Grundgesamtheit Mittelwert bei normalverteilter Grundgesamtheit
4,00 100,00
N (30,44; 10,88)
3,50 90,00
N (37,22; 10,88)
80,00
3,00 N (46,89; 10,88)
70,00
Häufigkeit [%]

Häufigkeit [%]

5% - Fraktile N (30,44; 10,88)


2,50 60,00
5% - Fraktile N (37,22; 10,88)
2,00 5% - Fraktile N (46,89; 15,00) 50,00 N (30,44; 10,88)
N (37,22; 10,88)
1,50 40,00
N (46,89; 10,88)
30,00
1,00 5% - Fraktile N (30,44; 10,88)
20,00 5% - Fraktile N (37,22; 10,88)
0,50 10,00 5% - Fraktile N (46,89; 10,88)

0,00 0,00
0 20 40 60 80 100 0 20 40 60 80 100
Zugfestigkeit [N/mm²] Zugfestigkeit [N/mm²]

Abb. 6.7 Beispiele für Dichte- und Verteilungsfunktionen einer Normalverteilung bei unterschiedlichen
Mittelwerten x (bzw. µ) (mit 5 % – Fraktilwerten)

Manfred AUGUSTIN Seite 143


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Aus der oben stehenden Abbildung 6.6 ist deutlich zu erkennen, dass eine Verringerung
der Streuung (Standardabweichung) in der Dichtefunktion eine stärkere Anhäufung der
Daten um den Mittelwert mit sich bringt, während sich derselbe Sachverhalt in einer stei-
leren Neigung der Verteilungsfunktion abbildet.

In Abbildung 6.7 ist anschaulich gezeigt, das eine Verschiebung des Mittelwertes sowohl
zu einer Verschiebung in der Dichteverteilung als auch der Verteilungsfunktion führt (kei-
ne Veränderung der Form der Kurven).

- Ermittlung des 5 % – Fraktilwertes für normalverteilte Grundgesamtheiten

Der (einseitige) 5 % – bzw. 95 % – Fraktilwert einer normalverteilten Zufallsvariable lässt


sich bei unendlich großer Probenanzahl unter Berücksichtigung der einseitigen Schranke
der Normalverteilung mit dem Wert uα = u5% = 1,645 (uα ist dabei die sog. ,Quantile’
der standardisierten Normalverteilung und ist für andere Fraktilwerte statistischen Tabel-
lenbüchern zu entnehmen) und der folgenden Formel ermitteln:

x 05 = µ – 1, 645 ⋅ σ bzw. x 95 = µ + 1, 645 ⋅ σ

Unter der Annahme der Vernachlässigung der Probenanzahl (mit n → ∞: x → µ, s → σ)


kann der 5 % – Fraktilwert des angeführten Beispieles somit zu:

2
x 05 = 37, 22 – 1, 645 ⋅ 10, 88 = 19, 32 N ⁄ mm

errechnet werden.

Falls die Probenanzahl endlich ist und die Streuung der Grundgesamtheit unbekannt ist
kann man mit der geschätzten Standardabweichung s der Stichprobe und folgenden For-
meln die p % – Fraktilwerte wie folgt bestimmen:

x p = x – k p ⋅ s bzw. x p = x + k p ⋅ s

bzw. bei bekannter Streuung der Grundgesamtheit durch:

x p = x – k p, σ ⋅ σ bzw. x p = x + k p, σ ⋅ σ ,

wobei die Faktoren kp und kp,σ von der Stichprobengröße n und dem Vertrauens-
intervall α (Definition siehe weiter unten) für den einseitigen statistischen Anteilsbereich
p (p % – iger Fraktilwert) abhängen und aus der nachfolgenden Tab. 6.8 entnommen
oder über die folgenden Formeln (für n ≥ 10) bestimmt werden können.

2 2
2 ⋅ (n – 1) - 2 ⋅ ( n – 1 ) + n ⋅ z(1 – p) – z(1 – p)
k p = -------------------------------------------- ⋅ z ( 1 – p ) + z ( 1 – α ) ⋅ ------------------------------------------------------------------------
2 ⋅ ( n – 1 ) – z( 1 – α)
2
2 ⋅ n ⋅ (n – 1)

1
k p, σ = z ( 1 – p ) + z ( 1 – α ) ⋅ -------
n

Manfred AUGUSTIN Seite 144


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,Eine zusammenfassende Darstellung der Festigkeitssortierung von Schnittholz’

z1-p und z1-α sind die Schranken der Standardnormalverteilung für einen bestimmten
Fraktilwert p bzw. eine bestimmte Irrtumswahrscheinlichkeit α und können Tabellenwer-
ken entnommen werden.

Nachfolgend sind die Werte für die Parameter kp = k05 und kp,σ = k05,σ (d.h. für die je-
weiligen 5 % – Fraktilwerte) und die gebräuchlichsten Vertrauenswahrscheinlichkeiten
(1 – α) = 99 % , 95 % und 90 % angeführt.

Stichproben 1– α = 99 % 1– α = 95 % 1– α = 90 %
-größe k05 k05,σ k05 k05,σ k05 k05,σ
n
10 3,738 2,481 2,911 2,165 2,503 2,050
15 3,102 2,246 2,566 2,070 2,291 1,976
20 2,808 2,165 2,496 2,013 2,182 1,932
25 2,633 2,110 2,292 1,974 2,112 1,901
30 2,515 2,070 2,220 1,945 2,064 1,879
35 2,437 2,038 2,157 1,923 2,028 1,862
40 2,464 2,013 2,125 1,905 1,999 1,848
45 2,416 1,992 2,085 1,890 1,976 1,836
50 2,269 1,974 2,065 1,878 1,957 1,826
60 2,202 1,945 2,022 1,857 1,926 1,811
70 2,153 1,923 1,990 1,842 1,903 1,798
80 2,114 1,905 1,964 1,829 1,885 1,788
90 2,082 1,890 1,944 1,818 1,870 1,780
100 2,056 1,878 1,927 1,810 1,857 1,773
200 1,923 1,809 1,837 1,761 1,792 1,736
500 1,814 1,749 1,763 1,719 1,736 1,702
∞ 1,645 1,645 1,645 1,645 1,645 1,645

Tab. 6.8 Faktoren k05 und k05,σ zur Berechnung des einseitig abgegrenzten statistischen Anteilberei-
ches bei einer Normalverteilung für gebräuchliche Vertrauenswahrscheinlichkeiten
(1 – α) = 99 %, 95 % und 90 %

Üblicherweise wird die Vertrauenswahrscheinlichkeit mit (1 – α) = 5 % festgelegt. Prin-


zipiell gilt, dass bei steigender Vertrauenswahrscheinlichkeit das ,Vertrauensband’ um
das die jeweiligen Messwertanteile liegen breiter wird.

Manfred AUGUSTIN Seite 145


Diplomarbeit
,Eine zusammenfassende Darstellung der Festigkeitssortierung von Schnittholz’

Für das angeführte Beispiel ergibt sich:

- bei bekannter Streuung der Grundgesamtheit (Annahme: s = σ) ergibt sich

z 1 – p = z 1 – 0, 05 = z 0, 95 = 1, 645 für den 5 % – Fraktilwert und

z 1 – α = z 1 –0, 05 = z 0, 95 = 1, 645 für den 95 % – Vertrauensbereich,

1 1
z 1 – α ⋅ ------- = 1, 645 ⋅ ----------- = 0, 245 ,
n 45

somit

1
k 05, σ = z 1 – p + z 1 – α ⋅ ------- = 1, 645 + 0, 245 = 1, 890
n

bzw. der 5% – Fraktilwert zu:

2
x 05 = x – k 05, σ ⋅ σ = 37, 22 – 1, 890 ⋅ 10, 88 = 16, 66 N ⁄ mm

- bei unbekannter Streuung der Grundgesamtheit

z 1 – p = z 1 – 0, 05 = z 0, 95 = 1, 645 für die 5 % – Fraktilwert

z 1 – α = z 1 – 0, 05 = z 95 = 1, 645 für den 95 % – Vertrauensbereich,

2 2
2 ⋅ (n – 1) 2 ⋅ ( n – 1 ) + n ⋅ z1 – p – z1 – p
k 05 - ⋅ z 1 – p + z 1 – α ⋅ -----------------------------------------------------------------
= -------------------------------------------- - =
2 ⋅ ( n – 1 ) – z(1 – α)
2
2 ⋅ n ⋅ (n – 1)
2 2
2 ⋅ ( 45 – 1 ) 2 ⋅ ( 45 – 1 ) + 45 ⋅ 1, 645 – 1, 645
= -----------------------------------------------------2- ⋅ 1, 645 + 1, 645 ⋅ ------------------------------------------------------------------------------------------- =
2 ⋅ ( 45 – 1 ) – 1, 645 2 ⋅ 45 ⋅ ( 45 – 1 )

= 1, 032 ⋅ [ 1, 645 + 0, 376 ] = 2, 086

Somit ergibt sich der 5% – Fraktilwert unter Einbeziehung der geschätzten Verteilungspa-
rameter Mittelwert x und Standardabweichung s zu:

2
x 05 = x – k 05 ⋅ s = 37, 22 – 2, 086 ⋅ 10, 88 = 14, 52 N ⁄ mm

Manfred AUGUSTIN Seite 146


Diplomarbeit
,Eine zusammenfassende Darstellung der Festigkeitssortierung von Schnittholz’

Anmerkung:
Die oben beschriebene (theoretische) Vorgangsweise führt in der praktischen Auswer-
tung von Sortierergebnissen i. Allg. zu unrealistisch niedrigen Kennwerten, weshalb die
in Forschungsberichten angegebenen Werte in der Regel jenen aus den empirisch ge-
wonnenen Parametern entsprechen (d.h. es erfolgt eine Gleichsetzung der Stichprobe
mit der Grundgesamtheit). Der Angabe der Anzahl der geprüften Versuchskörper und
des Variationskoeffizienten muss daher beim Studium der Fachliteratur besondere Auf-
merksamkeit geschenkt werden.

- Vertrauensbereiche (Konfidenzintervalle) für die geschätzten Parameter bei Nor-


malverteilung

Wie mehrfach erwähnt, stellen die aus einer Stichprobe ermittelten Kennwerte lediglich
Schätzungen der Parameter der Grundgesamtheit dar. Um eine Vorstellung von dem
Bereich zu gewinnen, in denen sich die Kennwerte der Grundgesamtheit um den ge-
schätzen Wert verteilen, bedient man sich der Konfidenzintervalle.

Abb. 6.8 Streubereich (,Konfidenzintervall’) für den ,wahren’ Wert des Mittelwertes einer normalver-
teilten Zufallsgröße [51]

Der ,wahre Wert’ der Grundgesamtheit wird dabei mit einer ,Vertrauenswahrscheinlich-
keit’ von 1 – α in diesem Bereich liegen. α bezeichnet man als Signifikanzniveau oder
Konfidenzzahl und wird üblicherweise mit α = 5 % festgelegt. Es gilt dabei: Je höher das
Signifikanzniveau, desto unsicherer die ,Aussage’ und damit desto ,enger’ der Vertrau-
ensbereich. Im Allgemeinen wird das Signifikanzniveau mit 5 % bzw. die Vertrauenswahr-
scheinlichkeit mit 95 % festgelegt.

Im üblichen Fall sind weder der Mittelwert noch die Standardabweichung der Grundge-
samtheit bekannt. Für diesen Fall ist der Bereich der Vertrauensintervalle für den Mittel-
wert, die Standardabweichung und den Variationskoeffizienten durch unterschiedliche
Formeln zu ermitteln, wobei die nachfolgenden Ausführungen nur für normalverteilte
Grundgesamtheiten gelten.

Manfred AUGUSTIN Seite 147


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,Eine zusammenfassende Darstellung der Festigkeitssortierung von Schnittholz’

• Vertrauensintervall für den Mittelwert µ einer normalverteilten Grundgesamtheit


bei geschätztem Stichprobenmittelwert und geschätzter Standardabweichung

Mit einer Vertrauenswahrscheinlichkeit (1 – α) liegt der gesuchte Mittelwert µ der Grund-


gesamtheit zwischen den unten angegebenen Grenzen

s s
x–t α ⋅ ------- ≤ µ ≤ x + t α ⋅ -------
n – 1 ;---
2 n n – 1 ;1 – ---
2 n
Es bedeuten:

t α ..... (zweiseitige) Quantile der Student – Verteilung (t – Verteilung)


n – 1 ;---
2
(kann statistischen Tabellenbüchern entnommen werden) in
Abhängigkeit vom Freiheitsgrad ν = n-1 und dem Signifikanzniveau α

x ............. aus der Stichprobe geschätzter Mittelwert

s .............. aus der Stichprobe geschätzte Standardabweichung

n.............. Anzahl der Prüfkörper

angeben.

Für den oben angeführten Datensatz ergibt sich für den Mittelwert µ bei einer Vertrau-
enswahrscheinlichkeit von (1 – α) = 95 % bei Annahme einer normalverteilten Grund-
gesamtheit:

s 10, 88
t44;5,0/2 = 2,015 und t α ⋅ ------- = 2, 015 ⋅ ---------------- = 3, 268 ,
n – 1 ;---
2 n 45

somit liegt der Erwartungswert µ der Grundgesamtheit mit 95 % – Vertrauenswahrschein-


lichkeit im Bereich von:

2 2
37, 22 – 3, 268 = 33, 95 N ⁄ mm ≤ µ ≤ 37, 22 + 3, 268 = 40, 49 N ⁄ mm bzw.

33, 95 N/mm² ≤ µ ≤ 40, 49 N/mm²

Manfred AUGUSTIN Seite 148


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,Eine zusammenfassende Darstellung der Festigkeitssortierung von Schnittholz’

• Konfidenzintervall für die Stichprobenvarianz σ² einer normalverteilten Grundge-


samtheit

Das Konfidenzintervall für die Stichprobenvarianz σ² lässt sich bei unbekanntem Mittel-
wert und der Annahme einer normal verteilten Grundgesamtheit aus der χ2 – Verteilung
(sprich: Chi – Quadrat – Verteilung) abschätzen:

n – 1- 2 2 n–1 2
--------------
2
⋅ s ≤ σ ≤ -----------------------
2
⋅s
χ α χ n – 1 ;1 – α---
n – 1 ;--- 2
2

Es bedeuten:

2
χ α ... untere Schranke der χ² – Verteilung
n – 1 ;---
2

2
χ α obere Schranke der χ² – Verteilung
n – 1 ;1 – ---
2
(kann statistischen Tabellenbüchern entnommen werden) in
Abhängigkeit vom Freiheitsgrad ν = n-1 und dem (einseitigen)
Signifikanzniveau α

Anmerkung:
Die χ² – Verteilung ist eine asymmetrische Verteilung, deshalb sind auch
die daraus resultierenden Konfidenzintervalle asymmetrisch verteilt.

Für die Stichprobenvarianz σ² der angeführten Daten ergibt sich:

2 2
χ 44 ;2, 5 = 64, 201 , χ 44 ;97, 5 = 27, 575

n – 1- 2 -------------------
45 – 1- 2 2
-------------- ⋅s = ⋅ 10, 88 = 81, 13 ≤ σ
χ
2
α
64, 201
n – 1 ;---
2
n–1 2 45 – 1 2
≤ ----------------------- ⋅ s = -------------------- ⋅ 10, 88 = 188, 88
2
χ n – 1 ;1 – α--- 27, 575
2

Die Varianz der Grundgesamtheit liegt mit 95 % – Vertrauenswahrscheinlichkeit im Be-


reich von

2
81, 13 ≤ σ ≤ 188, 88

Manfred AUGUSTIN Seite 149


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• Konfidenzintervall für die Standardabweichung σ einer normalverteilten Grundge-


samtheit bei geschätzter Standardabweichung und geschätztem Erwartungswert

In diesem Fall lässt sich ein Vertrauensintervall für die Varianz mit den oberen Schranken
der Fisher – Verteilung (auch: F – Verteilung) für die Vertrauenswahrscheinlichkeit α mit
der nachfolgenden Formel angeben. Zu beachten ist, dass die F – Verteilung unsymme-
trisch und somit auch das Vertrauensintervall nicht symmetrisch ist.

s
----------------------- ≤ σ ≤ s ⋅ F α
∞ ;n – 1 ;---
F α 2
n – 1 ;∞ ;---
2

Es bedeuten:

s .............. aus der Stichprobe geschätzte Standardabweichung

n.............. Anzahl der Prüfkörper

F α , F α
n – 1 ;∞ ;--- ∞ ;n – 1 ;---
2 2

............... ober bzw. untere Schranken der Fisher Verteilung (F – Verteilung)


(kann statistischen Tabellenbüchern entnommen werden) in
Abhängigkeit vom Freiheitsgrad ν = n-1 und dem Signifikanzniveau α

σ ............. Standardabweichung der Grundgesamtheit

Für den angeführten Datensatz ergibt sich für die Standardabweichung σ der Grundge-
samtheit bei einer Vertrauenswahrscheinlichkeit von 95 % unter Annahme einer normal-
verteilten Grundgesamtheit:

F α = 1, 459 , F α = 1, 596
n – 1 ;∞ ;--- ∞ ;n – 1 ;---
2 2

somit liegt die Standardabweichung der Grundgesamtheit mit 95 % – Wahrscheinlichkeit


im Bereich von:

s - 10, 88 2 2
----------------------- = --------------------- = 9, 01 N ⁄ mm ≤ σ ≤ s ⋅ F α = 10, 88 ⋅ 1, 596 = 13, 75 N ⁄ mm
F α 1 , 459 ∞ ;n – 1 ;---
2
n – 1 ;∞ ;---
2

9, 01 N/mm² ≤ σ ≤ 13, 75 N/mm²

Manfred AUGUSTIN Seite 150


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,Eine zusammenfassende Darstellung der Festigkeitssortierung von Schnittholz’

• Konfidenzintervall für den Variationskoeffizienten γ einer normalverteilten Grund-


gesamtheit

Unter der Voraussetzung, dass der Variationskoeffizient der Stichprobe kleiner als
v = 35 % ist und die Stichprobe n ≥ 10 Werte umfasst ergibt sich der zweiseitige sym-
metrische Zufallsstreubereich zum Signifikanzniveau α für den Variationskoeffizienten γ
der Grundgesamtheit näherungsweise mit:

z α
v v 1 – ---
2
-------------------------------------------- ≤ γ ≤ -------------------------------------------- mit a = ----------------------------
- .
1+a⋅ 1+2⋅v
2
1–a⋅ 1+2⋅v
2 2 ⋅ ( n – 1)

Angaben zur detaillierten Darstellung entnimmt man der Fachliteratur.

Für die Anwendung am angegebenen Zahlenbeispiel ergibt sich für den 95 % – Vertrau-
ensbereich:

z α
1 – ---
2 1, 960 -
z 97, 5 = 1, 960 und a = ----------------------------
- = -------------------------------- = 0, 209
2 ⋅ (n – 1) 2 ⋅ ( 45 – 1 )

v
------------------------------------------- 0, 292 - = 0, 238 ≤
- = -----------------------------------------------------------------------
2 2
1+a⋅ 1+2⋅v 1 + 0, 209 ⋅ 1 + 2 ⋅ 0, 292
γ≤

v 0, 292
-------------------------------------------- = -------------------------------------------------------------- = 0, 320
2 2
1–a⋅ 1+2⋅v 1 – 0, 209 ⋅ 2 ⋅ 0, 292

Der Variationskoeffizient γ liegt somit mit 95 % – iger Wahrscheinlichkeit im Bereich von

23,8 % ≤ γ ≤ 32,0 % .

Manfred AUGUSTIN Seite 151


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,Eine zusammenfassende Darstellung der Festigkeitssortierung von Schnittholz’

6. 5. 2 Log – Normalverteilung

Viele Verteilungen in der Natur sind durch eine positiv schiefe, linkssteile und rechts fla-
che Verteilung der Werte charakterisiert. Der Grund dafür liegt in der Tatsache, dass be-
stimmte Merkmale einen bestimmten Schrankenwert nicht unterschreiten können. Dies
trifft beispielsweise für die Festigkeit von Bauholz zu, wo es physikalisch nicht möglich ist,
dass Festigkeitswerte < 0 auftreten. Eine Funktion die diesen Sachverhalt abbildet ist die
Logarithmusfunktion, welche bekanntlich nur positive Abzissenwerte berücksichtigt. Beim
Logarithmieren wird der untere Wertebereich der Verteilung stark gestreckt, der obere
Bereich gestaucht.

Für die Auswertung von Versuchsdaten ist die Anwendung der Log – Normalverteilung
insbesondere dann sinnvoll, wenn der Variationskoeffizient große Werte (v > 0,35) an-
nimmt, was i. Allg. bei Ergebnissen von Zugversuchen, aber auch bei Biegeversuchen
von Bauholz auftritt.

Die Entstehung einer logarithmischen Normalverteilung ist auf das multiplikative Zusam-
menwirken der Zufallsgrößen zurückzuführen. Die Wirkung der Zufallsänderung ist da-
bei jeweils proportional der vorherigen Größe.

Durch die Transformation y = ln (x – x0) entsteht eine 3 – parametrige Log – Normalver-


teilung, welche durch die Dichtefunktion f(x) gegeben ist:

1 ln ( x – x 0 ) – µ y 2
– --- ⋅  ----------------------------------
-
1 1 2  σy 
y = f ( x ) = f ( x |µ y, σ y, x 0〉 ) = ----------------------- ⋅ ------------- ⋅ e für x 0 < x < ∞
σ ⋅ 2 ⋅ π x – x0

Liegt anstelle einer unteren Grenze xA = x0 (z.B. eine bestimmte ,Grundfestigkeit’) eine
obere Grenze xE = x0 (z.B. bei der Ermittlung von Einwirkungen) vor, so ist in der Formel
x – x0 durch x 0 – x zu ersetzen. Die Funktion ist dann im Intervall –∞ < x < x0 definiert.
In den folgenden Formeln gilt das positive Vorzeichen, wenn x0 die untere Schranke und
das negative Vorzeichen, wenn x0 die obere Schranke ist. Die Verteilungsfunktion F(x) er-
gibt sich mit xA = x0 nach Durchführung der Integration:

F(x) = ∫ f ( x ) dx
xA

Der nachfolgenden Abbildung ist der Verlauf der Dichteverteilung sowie der Verteilungs-
funktion einer log – Normalverteilung für den angeführten Datensatz zu entnehmen.

Manfred AUGUSTIN Seite 152


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,Eine zusammenfassende Darstellung der Festigkeitssortierung von Schnittholz’

Dichteverteilung bei log-normalverteilter Verteilungsfunktion bei log-normalverteilter


Grundgesamtheit Grundgesamtheit
4,50 100,00
4,00 90,00
3,50 LN (3,57; 0,322;0) 80,00
Häufigkeit [%]

70,00

Häufigkeit [%]
3,00 5% - Fraktile LN (3,57; 0,322; 0)

2,50
60,00
50,00
2,00
40,00 LN (3,57; 0,322; 0)
1,50 5% - Fraktile N (3,57; 0,322; 0)
30,00
1,00
20,00
0,50 10,00
0,00 0,00
0 20 40 60 80 100 0 20 40 60 80 100
Zugfestigkeit [N/mm²] Zugfestigkeit [N/mm²]

Abb. 6.9 Dichte- und Verteilungsfunktion einer Log – Normalverteilung (2 parametrig) (xA = 0)

Die Parameter der Log – Normal Verteilung sind wie folgt definiert:

- Median:

y
Median = x 0 ± e

- Streufaktor:
n


2
( yi – y )
i=1
------------------------------------
-
s n–1
Streufaktor = e y = e

- Standardabweichung:

 s 2 – 1
2  y 
( 2 ⋅ y + sy ) ⋅ e
S tan dardabweichung = e

- Mittelwert:
2
( y + 0, 5 ⋅ s y )
Mittelwert = x 0 + e

- Dichtemittel:
2
y – sy
Dichtemittel = e

Die Fraktilwerte der Log – Normalverteilung zeichnen sich dadurch aus, dass ihr geome-
trisches Mittel dem Median der Verteilung entsprechen:

2 2 2
x p ⋅ x ( 1 – p ) = ( Median ) z.B. x 05 ⋅ x 95 = x 50 = ( Median )

Manfred AUGUSTIN Seite 153


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,Eine zusammenfassende Darstellung der Festigkeitssortierung von Schnittholz’

Die Berechnung des 5 % – und des 95 % – Fraktilwertes für die Grundgesamtheit bzw.
für eine unendlich große Stichprobe erfolgt mit den Formeln:

1, 645 ⋅ s y
λ 05 = e

Median
x 05 = -------------------- bzw. x 95 = λ 05 ⋅ Median
λ 05

Nimmt man den Verschiebungsparameter x0 mit Null an, so erhält man die 2 – para-
metrige Log – Normalverteilung. Ein von Null verschiedener Wert für x0 kann entweder
auf Grund von mathematischen Berechnungen unter Berücksichtigung der Schiefe oder
von Vorkenntnissen über den Datensatz bestimmt werden. Im Folgenden wird von der
2 - parametrigen (2p) Log – Normalverteilung ausgegangen.

Für das angegebene Beispiel ergeben sich die folgenden logarithmierten Werte:

lfd. Nr. Bruch- yi = lfd. Nr. Bruch- yi = lfd. Nr. Bruch- yi = lfd. Nr. Bruch- yi = lfd. Nr. Bruch- yi =
spg. xi ln xi spg. xi ln xi spg. xi ln xi spg. xi ln xi spg. xi ln xi
[N/mm²] [N/mm²] [N/mm²] [N/mm²] [N/mm²]

#1 13,66 2,615 #10 30,22 3,409 #19 33,70 1,528 #28 39,35 3,672 #37 46,79 3,846

#2 18,71 2,929 #11 30,91 3,431 #20 34,99 3,555 #29 39,51 3,677 #38 46,93 3,849

#3 18,74 2,931 #12 31,74 3,458 #21 36,21 3,589 #30 40,19 3,694 #39 47,34 3,857

#4 19,16 2,953 #13 32,07 3,468 #22 36,84 3,607 #31 41,69 3,730 #40 48,92 3,890

#5 22,36 3,107 #14 32,12 3,469 #23 37,38 3,621 #32 42,77 3,756 #41 52,10 3,953

#6 25,08 3,222 #15 32,51 3,482 #24 37,49 3,624 #33 43,12 3,764 #42 52,48 3,960

#7 25,28 3,230 #16 32,57 3,483 #25 38,60 3,653 #34 44,50 3,795 #43 53,18 3,974

#8 26,87 3,291 #17 32,61 3,485 #26 39,13 3,667 #35 44,75 3,801 #44 60,48 4,102

#9 29,31 3,378 #18 33,58 3,514 #27 39,26 3,670 #36 45,47 3,817 #45 64,10 4,160

Tab. 6.9 Nach der Größe gereihte Liste der Messdaten und logarithmierte Werte

Aus den logarithmierten Werten kann ein Mittelwert y = 3,570 und eine Standardab-
weichung sy = 0,322 bestimmt werden.

Unter der Annahme einer unendlich großen Stichprobe ergibt sich ein 5 % – Fraktilwert
mit:
1, 645 ⋅ s y 1, 645 ⋅ 0, 322
λ 05 = e = e = 1, 698
y 3, 570 2
Median = x 0 ± e = 0 ± e = 35, 52 N ⁄ mm

Damit lässt sich der 5 % – Fraktilwert zu


Median 35, 52 2
x 05 = -------------------- = ---------------- = 20, 92 N ⁄ mm
λ 05 1, 698

Manfred AUGUSTIN Seite 154


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,Eine zusammenfassende Darstellung der Festigkeitssortierung von Schnittholz’

errechnen.

- Konfidenzintervalle der geschätzten Parameter für die Log – Normalverteilung

Konfidenzintervalle für die geschätzten Parameter der Log – Normalverteilung sind der
statistischen Fachliteratur zu entnehmen.

6. 5. 3 Weibull – Verteilung

Wie bereits erwähnt, wird die Bestimmung des 5% – Fraktilwertes u.U. durch ,Ausreißer’
stark verfälscht bzw. ist die Anpassung an die Messdaten in den ,Verteilungsschwänzen’
durch die einfachen Modelle Normalverteilung und Log – Normalverteilung nur unzu-
reichend gegeben. Zur Beschreibung solcher Probleme bietet die Statistik die sog. ,Ex-
tremwertverteilungen’ an. Diese Verteilungsfamilie gliedert sich in unterschiedliche
Typen, wie beispielsweise die zur Anpassung von Verteilungen bei denen Größtwerte von
Interesse sind, wie den Typen I und II (z.B. Gumbel- und Frechet – Verteilung). Die ,Wei-
bull’ – Verteilung ist eine Extremwertverteilung vom Typ III. Als solche wird sie für Proble-
me eingesetzt, bei denen Kleinstwerte (wie z.B. der 5 % – Fraktilwert) von Interesse sind,
wobei nochmals auf die u.U. schwierige Bestimmung der Parameter hingewiesen wird.
Die Form dieser Funktion lässt sich auf Grund der Berücksichtigung von drei bzw. zwei
Parametern sehr gut an die empirischen Daten anpassen.

Wegen der bei den Festigkeitswerten von Holz i. Allg. positiven Schiefe der Verteilung
würde sich zur Beschreibung die Log – Normalverteilung eigentlich gut eignen. Wegen
der i. Allg. aber nicht genügend stark ausgeprägten Schiefe der Kenndaten, wie sie diese
Verteilung vorgibt, werden die Kenngrößen besser durch die flexiblere Weibull – Vertei-
lung beschrieben. Wie die Log – Normalverteilung berücksichtigt diese Verteilung nur
Werte größer Null.

Die Dichtefunktion der 3 – parametrigen Weibullverteilung lautet:

x – xA β
β–1 –  -------------
β x–x
y = f ( x ) = f ( x |α, β, x A〉 ) = --- ⋅  ------------A-
 α 
⋅e mit x ≥ x A und α, β > 0
α  α 

Die Lage der Verteilung wird dabei durch den Ausdruck x – xA , mit xA als Lageparameter
beschrieben. Die Form wird über den Formparameter β und den Skalierungsparameter
α gesteuert.

Die Verteilungsfunktion erhält man wieder durch Integration der Dichtefunktion

x – xA β
–  -------------
 α 
F ( x ) = F ( x |α, β, x A〉 ) = 1 – e .

Der wesentliche Nachteil in der praktischen Anwendung der Weibull – Verteilung ist die
Bestimmung der Parameter. Diese sind nicht in geschlossener Form zu bestimmen, son-
dern nur über numerische Methoden zu ermitteln. Die Parameterbestimmung ist mit Hilfe

Manfred AUGUSTIN Seite 155


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,Eine zusammenfassende Darstellung der Festigkeitssortierung von Schnittholz’

geeigneter Softwarepakete mittlerweile jedoch in einfacher Weise möglich.

Der untenstehenden Abbildung ist die Dichte- und Verteilungsfunktion für den angege-
benen Datensatz zu entnehmen.

Dichteverteilung bei Weibull - verteilter Verteilungsfunktion bei Weibull - verteilter


Grundgesamtheit Grundgesamtheit
4,00 100,00
Weibull (41,16; 3,784; 0) 90,00
3,50
80,00
3,00 5% - Fraktile Weibull (41,16 ; 3,784; 0)

Häufigkeit [%]
70,00
Häufigkeit [%]

2,50 60,00
2,00 50,00 Weibull (41,16; 3,784; 0)

1,50
40,00
5% - Fraktile Weibull (41,16; 3,784; 0)
30,00
1,00
20,00
0,50 10,00 5 % - Fraktile

0,00 0,00
0 20 40 60 80 100 0 20 40 60 80 100
Zugfestigkeit [N/mm²] Zugfestigkeit [N/mm²]

Abb. 6.10 Beispiele für die Dichte- und Verteilungsfunktion einer Weibull – Verteilung (2 – parametrig;
xA = 0)

Um die Parameter der Weibull – Verteilung zu ermitteln bedient man sich der sog.
,Gamma’ – Funktion als Hilfsgröße, die wie folgt definiert ist:


x–1 –t
Γ(x) = ∫t ⋅ e dt für x > 0
0

Für ganzzahliges x gilt:

Γ ( x + 1 ) = x!

Die wichtigsten Kennwerte der Weibullverteilung lassen sich wie folgt berechnen:

Modalwert:

1
---
β–1 β
Modalwert = x A + α ⋅  ------------
 Γ 

Median:

1
---
β
Median = x A + α ⋅ ( ln 2 )

Standardabweichung:

2 1
S tan dardabweichung = α ⋅ Γ  1 + --- – Γ  1 + ---
2
 β  β

Manfred AUGUSTIN Seite 156


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,Eine zusammenfassende Darstellung der Festigkeitssortierung von Schnittholz’

Den 5 % – Fraktilwert findet man durch numerisches Auswerten der Verteilungsfunktion:

x – xA β
–  -------------
 α 
F ( x ) = 0, 05 = 1 – e

Näheres zur Parameterbestimmung ist der Fachliteratur zu entnehmen (z.B. [...], [...]).

- Bestimmung der Parameter der zweiparametrigen Weibull – Verteilung

Im Folgenden wird ein Verfahren gezeigt, dass es ermöglicht die beiden Parameter α und
β einer zweiparametrigen (2p) Weibull – Verteilung zu ermitteln, d.h. der Parameter xA
wird mit Null angenommen.

Ausgangspunkt ist die Verteilungsfunktion

x – xA β
–  -------------
 α 
F( x) = 1 – e ,

logarithmiert man diese Funktion zweimal, so erhält man:

1
ln ln  -------------------- = – β ⋅ ln α + β ⋅ ln x
 1 – F ( x )

Mit der empirischen Häufigkeit der Weibull – Verteilung

n – 0, 3
y = F ( x ) = --------------------
N + 0, 4

für jeden Versuchswert ergibt sich damit eine ,Geradengleichung’ y = a + b · x mit der
unbekannten ,Geradensteigung’ b = β · lnx und dem ,Ordinatenabstand’ beim Ur-
sprung a = – β · ln α.

Für die praktische Ermittlung geht man so vor, dass man die Prüfergebnisse nach der
Größe ordnet und damit den Rang n der einzelnen Prüfwerte bestimmt, in weiterer Folge
werden die empirische Häufigkeit, sowie die logarithmierten Prüfwerte berechnet und
diese in ein kartesisches Koordinatensystem eingetragen.

Mittels Regressionsanalyse (detaillierte Darstellung siehe weiter unten) wird in der Folge
die bestangepasste Gerade der so erhaltenen Punktwolke bestimmt. Die Steigung b die-
ser Gerade ergibt den Formparameter β, während der Skalierungsparameter α aus der
Beziehung

a a
– --- – ---
β b
α = e = e

bestimmt werden kann.

Manfred AUGUSTIN Seite 157


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,Eine zusammenfassende Darstellung der Festigkeitssortierung von Schnittholz’

Mit dem Formparameter β und dem Skalierungsparameter α kann schließlich durch Aus-
werten der Formel

x 05 – x A β 1
–  ------------------ --- ⋅ [ ln ( – ln ( 0, 95 ) ) + β ⋅ ln α ]
 α  β
F ( x ) = 0, 05 = 1 – e mit xA = 0 → x 05 = e

der 5 % – Fraktilwert der Weibull – Verteilung bestimmt werden.

Für den angegebenen Datensatz ergeben sich die nachfolgenden Werte:

R Bruch- ln xi emp. ln(ln(...)) R Bruch- ln xi emp. ln(ln(...)) R Bruch- ln xi emp. ln(ln(...))


spg. xi Häufig- Nr. spg. xi Häufig- Nr. spg. xi Häufig-
Nr.
[N/mm²] keit [N/mm²] keit [N/mm²] keit

#1 13,66 2,615 0,0154 -4,1656 #16 32,57 3,483 0,3458 -0,8572 #31 41,69 3,730 0,6762 0,1201

#2 18,71 2,929 0,0374 -3,2671 #17 32,61 3,485 0,3678 -0,7797 #32 42,77 3,756 0,6985 0,1815

#3 18,74 2,931 0,0595 -2,7913 #18 33,58 3,514 0,3899 -0,7050 #33 43,12 3,764 0,7203 0,2422

#4 19,16 2,953 0,0815 -2,4649 #19 33,70 1,528 0,4119 -0,6333 #34 44,50 3,795 0,7423 0,3045

#5 22,36 3,107 0,1035 -2,2141 #20 34,99 3,555 0,4339 -0,5639 #35 44,75 3,801 0,7643 0,3682

#6 25,08 3,222 0,1256 -2,0083 #21 36,21 3,589 0,4559 -0,4966 #36 45,47 3,817 0,7863 0,4338

#7 25,28 3,230 0,1476 -1,8345 #22 36,84 3,607 0,4780 -0,4306 #37 46,79 3,846 0,8084 0,5022

#8 26,87 3,291 0,1696 -1,6828 #23 37,38 3,621 0,5000 -0,3665 #38 46,93 3,849 0,8304 0,5734

#9 29,31 3,378 0,1916 -1,5479 #24 37,49 3,624 0,5220 -0,3036 #39 47,34 3,857 0,8524 0,6488

#10 30,22 3,409 0,2137 -1,4254 #25 38,60 3,653 0,5441 -0,2415 #40 48,92 3,890 0,8744 0,7298

#11 30,91 3,431 0,2357 -1,3138 #26 39,13 3,667 0,5661 -0,1804 #41 52,10 3,953 0,8965 0,8190

#12 31,74 3,458 0,2577 -1,2107 #27 39,26 3,670 0,5881 -0,1199 #42 52,48 3,960 0,9185 0,9191

#13 32,07 3,468 0,2797 -1,1145 #28 39,35 3,672 0,6101 -0,0599 #43 53,18 3,974 0,9405 1,0374

#14 32,12 3,469 0,3018 -1,0237 #29 39,51 3,677 0,6322 0,0002 #44 60,48 4,102 0,9626 1,1897

#15 32,51 3,482 0,3238 -0,9384 #30 40,19 3,694 0,6542 0,0601 #45 64,10 4,160 0,9846 1,4287

Tab. 6.10 Nach der Größe gereihte Liste mit den logarithmierten Messwerten, sowie berechnete und
transformierte empirische Häufigkeiten der Messwerte

Trägt man die so erhaltenen logarithmierten xi – Werte auf der Abszisse und die ln(ln(1-
(1-F(x))) auf der Ordinate auf und fügt eine ,bestangepasste’ Ausgleichsgerade ein, er-
gibt sich für die Gleichung der Ausgleichsgerade: y = -13,972 + 3,7569 · x

Manfred AUGUSTIN Seite 158


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0
2,5 2,7 2,9 3,1 3,3 3,5 3,7 3,9 4,1 4,3
ln[ln(1/(1-F(x)))]

-1

-2

-3

y = 3,7569x - 13,972
-4
R2 = 0,9864

-5
ln x i

Abb. 6.11 Ermittlung der Kenngrößen der 2p – Weibull – Verteilung

Daraus folgen die Parameter der 2p – Weibull Verteilung zu:

a a ( – ( 13, 972 ) )
– --- – --- – ---------------------------------
β b 3, 7569
β = b = 3, 7569 und α = e = e = e = 41, 224
1
--- ⋅ [ ln ( – ln ( 0, 95 ) ) + β ⋅ ln α ]
β
x 05 = e =
1 -
------------------- ⋅ [ ln ( ( – ln 0, 95 ) + 3, 7569 ⋅ ln 41, 224 ) ]
3, 7569 2
= e = 18, 70 N ⁄ mm

- Konfidenzintervalle für die Weibull – Verteilung

Für die Ermittlung der Konfidenzgrenzen für die Weibull – Verteilung wird auf die Fach-
literatur verwiesen.

6. 5. 4 Zur Frage der Wahl der am besten geeigneten Verteilungsfunktion

Aus der nachfolgend angefügten Tabelle ist eine Zusammenstellung der bisher ermittel-
ten 5 % – Fraktilwerte für die einzelnen Verfahren bzw. Verteilungen des angeführten Da-
tensatzes zu entnehmen.

Verfahren bzw. Verteilung 5 % – Fraktilwert


[N/mm²]
Zählwertverfahren 18,72
Normalverteilung (n → ∞) 19,32
Log – Normalverteilung (2p) (n → ∞) 20,92
Weibull – Verteilung (2p) (n → ∞) 18,70

Tab. 6.11 5 % – Fraktilwerte für den angegebenen Datensatz

Manfred AUGUSTIN Seite 159


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Verteilungsfunktionen für die verschiedenen Anpassung der Verteilungsfunktionen und empirische


statistischen Modelle und empirische Summenhäufigkeit der Messdaten am unteren Ende
Summenhäufigkeit der Messdaten der Summenhäufigkeitslinie
100,00 15,00
Normal
90,00
LogNormal
80,00
Weibull
70,00
Häufigkeit [%]

Häufigkeit [%]
10,00 emp. Summenhäufigkeit
60,00 5% - Fraktile Normal

50,00 5% - Fraktile LogNormal


Normal 5% . Fraktile Weibull
40,00
LogNormal 5,00
30,00
Weibull
20,00 emp. Summenhäufigkeit
10,00 19,32 20,92
18,7
0,00 0,00
0 20 40 60 80 100 12,5 15 17,5 20 22,5 25
Zugfestigkeit [N/mm²] Zugfestigkeit [N/mm²]

Abb. 6.12 Verteilungsfunktionen für die verschiedenen statistischen Modelle und Anpassung der empi-
rischen Daten am unteren Ende der Summenhäufigkeitslinie

Damit stellt sich nun die Frage, welchem 5 % – Fraktilwert man das größte Vertrauen
schenken soll ? Dies lässt die Fragestellung nach dem am besten geeigneten Modell zur
Beschreibung der Daten aufkommen.

Generell gilt, dass jenes Modell die besten Aussagen trifft, das die empirischen Daten
am besten approximiert. Dies kann gegebenenfalls durch eine graphische Darstellung
der Daten in geeigneten verteilungsspezifischen Diagrammen (sog. ,Wahrscheinlichkeit-
papieren’) bestimmt werden. Dabei werden auf der Abszisse die Prüfwerte, gegebenen-
falls auch mit entsprechender Verzerrung (z.B. logarithmiert) und auf der Ordinate die i.
Allg. verzehrten Verteilungen abgebildet. Die Verzerrungen der Maßskalen werden dabei
so gewählt, dass die Summenhäufigkeitslinie als Geraden abbildet werden und so eine
einfache graphische Anpassung an die Versuchsergebnisse ermöglicht. Im Allgemeinen
können die jeweiligen Verteilungsparameter dann direkt abgelesen werden bzw. die in-
teressierenden Fraktilwerte entnommen werden. In der Statistik wird diese Form der Dar-
stellung auch als Q – Q – Plot, im Falle der Normalverteilung auch als Normalplot
bezeichnet.

Auf der Ordinate werden die empirischen Daten dabei in Form der empirischen Häufig-
keit aufgetragen. Diese lassen sich aus:

n i – 0, 5
F x ( x i ) = -------------------
-
N
Es bedeuten:

ni ............. i – ter Probekörper in aufsteigender Reihenfolge

N............. Gesamtprüfkörperanzahl der Probe

ermitteln.

Manfred AUGUSTIN Seite 160


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Sind Extremwerte (5% – Fraktilwerte) von Interesse wird die Anwendung folgender Formel
empfohlen:

n – 0, 3
F x ( x i ) = --------------------
N + 0, 4

Für die einzelnen Verteilungen existieren unterschiedliche Wahrscheinlichkeitspapiere.


Eine direkte Entnahme der Verteilungsparameter ist daher von Fall zu Fall verschieden
durchzuführen. Details dazu sind der Fachliteratur bzw. den Angaben zu den Wahr-
scheinlichkeitspapieren zu entnehmen.

Wahrscheinlichkeitspapier Normalverteilung Wahrscheinlichkeitspapier Log-Normalverteilung

99,0 %

95,0 %
Summenhäufigkeit [%]

95,0 %

Summenhäufigkeit [%]
90,0 % 90,0 %
80,0 % 80,0 %
70,0 % 70,0 %
60,0 % 60,0 %
50,0 % 50,0 %
40,0 % 40,0 %
30,0 % 30,0 %
20,0 % 20,0 %
10,0 % 10,0 %
5,0 % 5,0 %

1,0 % 1,0 %

20,0 25,0 30,0 40,0 50,0 60,0


10 20 30 40 50 60 15,0

Zugfestigkeit [N/mm²] Zugfestigkeit [N/mm²]

Wahrscheinlichkeitspapier Weibull - Verteilung

99,0 %
95,0 %
90,0 %
80,0 %
Summenhäufigkeit [%]

70,0 %
60,0 %
50,0 %
40,0 %
30,0 %
20,0 %

10,0 %

5,0 %

1,0 %

10,0 15,0 20,0 25,0 30,0 35,0 40,0 50,0 60,0

Zugfestigkeit [N/mm²]

Abb. 6.13 Beispiele für Q – Q – Plots bzw. Wahrscheinlichkeitspapiere für die Normalverteilung, Log –
Normalverteilung und Weibull – Verteilung; zu erkennen ist, dass die Daten durch die Nor-
malverteilung und die Weibull – Verteilung allgemein gut angepasst werden, während die
Log – Normalverteilung größere Abweichungen zeigt

Die Wahl des Verteilungsmodells und den daraus erhaltenen statistischen Daten gilt es
auch bei der Interpretation der Aussagen zu beachten, weil alleine die Angabe der La-
geparameter und der Fraktilwerte noch keine ausreichende Beschreibung der Güte der
Anpassung an die empirischen Messdaten angibt.

Durch statistische Tests (z.B. ,χ² – Test’ oder dem ,Kolmogorov – Smirnov – Test’) kann
diesem Umstand begegnet werden. Wobei diese beiden Tests den Nachteil aufweisen,
dass sich diese Verfahren am Wert mit der größten Abweichung vom Verteilungsmodell
orientieren und daher nicht besonders aussagekräftig sind. Näheres zu diesen Tests ist
der statistischen Spezialliteratur zu entnehmen. Im Folgenden wird die Vorgangsweise
beim χ² – Test und dessen Anwendung auf den angegebenen Datensatz gezeigt.

Manfred AUGUSTIN Seite 161


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- χ² – Test

Der χ² – Anpassungstest verlangt eine Klassierung (Rangbildung) der Messdaten. Die


Klassenbreite muss dabei nicht notwendigerweise denselben Bereich umfassen. Die n
Messwerte werden in k Ränge mit den absoluten Häufigkeiten n1, n2 ... ni ... nk eingeteilt.
Die Klassen sind so zu wählen, dass im zu untersuchenden Verteilungsmodell mindestens
eine Messgröße pro Rang enthalten ist und höchstens 20 % aller Ränge einen Beset-
zungsgrad kleiner 5 aufweisen. Anzustreben ist, dass in die einzelnen Klassen annähernd
gleich viele Prüfwerte fallen.

Die nach der folgenden Formel gebildete Prüfsumme

k 2
( Bj – Ej )
∑ ---------------------
Ej
j=1

Es bedeuten:

Bj ............. Anzahl der in der j – ten Klasse beobachteten Prüfwerte

Ej ............. Anzahl der in der j – ten Klasse nach der zu prüfenden


Verteilungsfunktion erwarteten Prüfwerte
(errechnet aus den Werten der Verteilungsfunktion F(x) multipliziert mit
der Anzahl der Proben n)

wird in der Folge mit dem unter Beachtung des Freiheitsgrades ν = k – 1 und der Kon-
fidenzzahl α errechneten Schrankenwert der χ² – Verteilung verglichen. Ist die Prüfsumme
größer als dieser Schrankenwert, ist die Anpassung an das untersuchte Modell zu der ge-
wählten Vertrauenswahrscheinlichkeit nicht gegeben und die angenommene Hypothese
zu verwerfen, dass die Messdaten der betrachteten Grundgesamtheit entstammen.

Manfred AUGUSTIN Seite 162


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,Eine zusammenfassende Darstellung der Festigkeitssortierung von Schnittholz’

Für den angegebenen Datensatz nimmt man vorzugsweise die unter 2.2 angegebene
nach der Größe gereihte Liste zu Hilfe:

lfd. Nr. Zugfestig- lfd. Nr. Zugfestig- lfd. Nr. Zugfestig- lfd. Nr. Zugfestig- lfd. Nr. Zugfestig-
keit keit keit keit keit
[N/mm²] [N/mm²] [N/mm²] [N/mm²] [N/mm²]
#1 13,66 #10 30,22 #19 33,70 #28 39,35 #37 46,79
#2 18,71 #11 30,91 #20 34,99 #29 39,51 #38 46,93
#3 18,74 #12 31,74 #21 36,21 #30 40,19 #39 47,34
#4 19,16 #13 32,07 #22 36,84 #31 41,69 #40 48,92
#5 22,36 #14 32,12 #23 37,38 #32 42,77 #41 52,10
#6 25,08 #15 32,51 #24 37,49 #33 43,12 #42 52,48
#7 25,28 #16 32,57 #25 38,60 #34 44,50 #43 53,18
#8 26,87 #17 32,61 #26 39,13 #35 44,75 #44 60,48
#9 29,31 #18 33,58 #27 39,26 #36 45,47 #45 64,10

Tab. 6.12 Nach der Größe gereihte Liste der Messdaten

- χ² – Test bei Annahme einer normalverteilten Grundgesamtheit

Nr. der Klasse empirische % - Anteil der Klasse im Besetzungszahl der Prüfwert pro Klasse
Klasse i [N/mm²] Besetzungszahl Bi betrachteten Modell nach der Verteilung
der Klasse erwarteten Werte
∆M=F(xo) – F(xu)
Ej = ∆M – n

1 - ∞ ≤ x < 25 5 13,07 5,88 0,1317


2 25 ≤ x < 30 4 25,35 - 13,07=12,28 5,53 0,4233
3 30 ≤ x < 32,5 5 33,22 - 25,35=7,87 3,54 0,6021
4 32,5 ≤ x < 37 8 49,19 - 38,36=14,28 6,43 0,3833
5 37 ≤ x < 41 8 63,59 - 49,19=14,40 6,48 0,3565
6 41 ≤ x < 45 5 76,27 - 63,59=12,68 5,71 0,0883
7 45 ≤ x < 50 5 87,99 - 76,27=11,72 5,27 0,0138
8 50 ≤ x < ∞ 5 100,00 - 87,99=12,01 5,40 0,0296

Summe 45 – 44,24 2,0286

Tab. 6.13 Ermittlung der Prüfsumme des χ² – Tests für den betrachteten Datensatz

Der Wert der χ² – Verteilung für den Freiheitsgrad k – a – 1 = 7 – 2 – 1 = 4 (a ... Anzahl


der geschätzten Parameter des betrachteten Modells) zum Signifikanzniveau α = 5 %
beträgt: χ²4;0,95 = 9,49.

Somit gilt

k 2
( Bj – Ej ) 2
∑ --------------------- = 2, 0286 < χ k – 1, 1 – α = 9, 49 .
Ej
j=1

Der betrachtete Datensatz stammt damit mit 95 % – Wahrscheinlichkeit aus einer nor-
malverteilten Grundgesamtheit.

Manfred AUGUSTIN Seite 163


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- χ² – Test bei Annahme einer log – normalverteilten Grundgesamtheit

Im Folgenden werden die getätigten Überlegungen in analoger Weise auf die ermittelte
Log – Normalverteilung angewandt. Aus der oben stehenden Abb. 6.13 ist ersichtlich,
dass diese Verteilung den vorhandenen Datensatz nur schlecht wiedergibt.

Nr. der Klasse empirische % - Anteil der Klasse im Besetzungszahl der Prüfwert pro Klasse
Klasse i [N/mm²] Besetzungszahl Bi betrachteten Modell nach der Verteilung
der Klasse erwarteten Werte
∆M=F(xo) – F(xu)
E j = ∆M – n

1 - ∞ ≤ x < 25 5 13,78 6,20 0,2323


2 25 ≤ x < 29 3 26,45-13,78=12,67 5,70 1,2789
3 29 ≤ x < 32,5 6 39,14-26,45=12,69 5,71 0,0147
4 32,5 ≤ x < 36 6 51,67-39,14=12,53 5,64 0,0230
5 36 ≤ x < 40 9 64,40-51,67=12,73 5,73 1,8661
6 40 ≤ x < 45 6 76,88 - 64,40=12,48 5,62 0,0257
7 45 ≤ x < 52 5 88,18 - 76,88=11,30 5,09 0,0016
8 52 ≤ x < ∞ 5 100,00 - 88,18=11,82 5,32 0,0192

Summe 45 – 3,4615

Tab. 6.14 Ermittlung der Prüfsumme des χ² – Tests für den betrachteten Datensatz

Mit χ²8-1;0,95 = 9,49 ergibt sich

k 2
(n – n
j )
i, M 2
∑ -------------------------- = 3, 4615 < χ k – 1, 1 – α = 9, 49 ,
ni, M
j=1

d.h. mit Hilfe des χ² – Tests kann auch die Hypothese, dass der vorliegende Datensatz
aus einer log – normalverteilten Grundgesamtheit stammt, nicht verworfen werden. Je-
doch kann aus der höheren Prüfsumme im Vergleich mit der Normalverteilung geschlos-
sen werden, dass die Log – Normalverteilung etwas schlechter approximiert.

Auf den χ² – Test für die Weibull – Verteilung wird in der Folge verzichtet.

Weitere aussagekräftigere Tests sind der statistischen Literatur zu entnehmen. Eine grobe
Aussage über die Güte der Anpassung kann man auch erhalten, wenn man den Abso-
lutbetrag der Differenz zwischen empirischer Summenhäufigkeit und der Summenhäufig-
keit der einzelnen Modelle betrachtet. Eine zusätzliche Information erhält man, wenn
man die oben angeführte Betrachtung für den unteren Verteilungsbereich (z.B. bis zum
10 % – Fraktilwert) betrachtet.
n i – 0, 5
Die empirische Summenhäufigkeit ist dabei mit F x ( x i ) = -------------------
- zu berechnen.
N
Die Güte der Anpassung der vorliegenden Messdaten an das jeweilige Modell kann
auch mit Hilfe von Wahrscheinlichkeitspapieren abgeschätzt werden.

Manfred AUGUSTIN Seite 164


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,Eine zusammenfassende Darstellung der Festigkeitssortierung von Schnittholz’

Rang Nr. Bruchspg. xi emp. F(x) ∆ F(x) ∆ F(x) ∆
[N/mm²] Häufigkeit NV 2p – LNV 2p - WBV
#1 13,66 0,0111 0,0152 0,0041 0,0015 0,0096 0,0157 0,0045
#2 18,71 0,0333 0,0444 0,0111 0,0231 0,0102 0,0501 0,0168
#3 18,74 0,0556 0,0447 0,0109 0,0234 0,0322 0,0504 0,0051
#4 19,16 0,0778 0,0484 0,0294 0,0275 0,0503 0,5468 0,0231
#5 22,36 0,1000 0,0859 0,0141 0,0751 0,0249 0,0956 0,0044
#6 25,08 0,1222 0,1322 0,0100 0,1396 0,0174 0,1432 0,0210
#7 25,28 0,1444 0,1362 0,0082 0,1453 0,0008 0,1473 0,0029
#8 26,87 0,1667 0,1706 0,0039 0,1926 0,0260 0,1814 0,0147
#9 29,31 0,1889 0,2337 0,0448 0,2752 0,0863 0,2425 0,0537
#10 30,22 0,2111 0,2599 0,0489 0,3077 0,0966 0,2676 0,0565
#11 30,91 0,2333 0,2811 0,0478 0,3329 0,0996 0,2876 0,0543
#12 31,74 0,2556 0,3074 0,0518 0,3634 0,1078 0,3125 0,0569
#13 32,07 0,2778 0,3180 0,0402 0,3754 0,0976 0,3225 0,0447
#14 32,12 0,3000 0,3196 0,0196 0,3772 0,0772 0,3240 0,0240
#15 32,51 0,3222 0,3326 0,0104 0,3916 0,0694 0,3363 0,0141
#16 32,57 0,3444 0,3347 0,0098 0,3938 0,0494 0,3382 0,0063
#17 32,61 0,3667 0,3358 0,0309 0,3950 0,0284 0,3392 0,0274
#18 33,58 0,3889 0,3689 0,0200 0,4305 0,0416 0,3703 0,0186
#19 33,70 0,4111 0,3731 0,0380 0,4349 0,0238 0,3743 0,0368
#20 34,99 0,4333 0,4188 0,0145 0,4813 0,0480 0,4173 0,0160
#21 36,21 0,4667 0,4631 0,0076 0,5238 0,0683 0,4590 0,0035
#22 36,84 0,4889 0,4862 0,0084 0,5451 0,0673 0,4808 0,0030
#23 37,38 0,5000 0,5058 0,0058 0,5628 0,0628 0,4994 0,0006
#24 37,49 0,5222 0,5098 0,0124 0,5664 0,0442 0,5033 0,0190
#25 38,60 0,5444 0,5505 0,0060 0,6018 0,0574 0,5420 0,0025
#26 39,13 0,5667 0,5698 0,0032 0,6182 0,0516 0,5605 0,0062
#27 39,26 0,5889 0,5745 0,0144 0,6222 0,0333 0,5650 0,0238
#28 39,35 0,6111 0,5777 0,0334 0,6248 0,0137 0,5681 0,0430
#29 39,51 0,6333 0,5835 0,0498 0,6296 0,0037 0,5737 0,0596
#30 40,19 0,6556 0,6078 0,0478 0,6495 0,0060 0,5971 0,0584
#31 41,69 0,6778 0,6596 0,0182 0,6907 0,0129 0,6476 0,0301
#32 42,77 0,7000 0,6951 0,0049 0,7181 0,0181 0,6827 0,0173
#33 43,12 0,7222 0,7064 0,0159 0,7266 0,0044 0,6940 0,0283
#34 44,50 0,7444 0,7486 0,0041 0,7583 0,0138 0,7364 0,0081
#35 44,75 0,7667 0,7558 0,0109 0,7636 0,0030 0,7437 0,0230
#36 45,47 0,7889 0,7760 0,0129 0,7786 0,0103 0,7643 0,0246
#37 46,79 0,8111 0,8106 0,0005 0,8041 0,0070 0,7999 0,0112
#38 46,93 0,8333 0,8141 0,0192 0,8067 0,0266 0,8036 0,0298
#39 47,34 0,8556 0,8241 0,0314 0,8141 0,0414 0,8140 0,0415
#40 48,92 0,8778 0,8590 0,0188 0,8401 0,0377 0,8507 0,0270
#41 52,10 0,9000 0,9145 0,0145 0,8831 0,0169 0,9102 0,0102
#42 52,48 0,9222 0,9197 0,0025 0,8875 0,0348 0,9159 0,0063
#43 53,18 0,9444 0,9290 0,0155 0,8952 0,0492 0,9260 0,0184
#44 60,48 0,9667 0,9838 0,0171 0,9510 0,0157 0,9853 0,0187
#45 64,10 0,9889 0,9933 0,0044 0,9668 0,0222 0,9948 0,0059

Maximale Abweichung Über Alle Daten 0,0518 0,1078 0,0596


Maximale Abweichung bis zum 10 % – Fraktilwert 0,0294 0,0503 0,0231

Tab. 6.15 maximale Abweichungsquadrate der Häufigkeiten der einzelnen Verteilungsmodelle von der
empirischen Häufigkeit

Manfred AUGUSTIN Seite 165


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,Eine zusammenfassende Darstellung der Festigkeitssortierung von Schnittholz’

Für das vorliegende Datenmaterial ist also die Anpassung durch die Normalverteilung
und die 2p – Weibullverteilung besser als für die Log – Normalverteilung.

- Die Streuung des 5% – Fraktilwertes

Wie bereits erwähnt, kommt der Repräsentanz der Messdaten in Bezug auf die Grund-
gesamtheit besondere Bedeutung zu. Durch statistische Daten kann i. Allg. nur bedingt
eine Aussage getroffen werden, ob die Messdaten auch wirklich die Grundgesamtheit
repräsentieren, obwohl auch hier statistische Tests existieren. Es ist daher anzustreben,
möglichst umfangreiche Versuchsserien zu prüfen oder jedenfalls, die ebenfalls durch
statistische Methoden gewinnbaren Vertrauensintervalle anzugeben. Für den Holzbau
bestehen in Bezug auf den Umfang der Proben unterschiedliche Meinungen. So schreibt
die EN 384 zumindest 40 Proben pro Versuchsserie und Merkmal vor, wobei dies auf
die Anwendung des ,Zählwertverfahrens’ bezogen ist.

Generell gilt: Je stärker die Messdaten streuen (am Variationskoeffizienten erkennbar),


desto mehr Probekörper sollte die Versuchsserie enthalten.

Einen Anhalt über die mögliche Schwankungsbreite des 5 % – Fraktilwertes einer Stich-
probe zum 5 % – Wert der Grundgesamtheit zeigt die nachfolgende Abbildung.

Abb. 6.14 Statistische Unsicherheit bei Stichproben, Streuung der 5 % – Fraktilwerte der Teilstichproben
in Abhängigkeit der Stichprobengröße ([156] zitiert Curry und Fewell, 1981).

Manfred AUGUSTIN Seite 166


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6. 6 Korrelations- und Regressionsanalyse

6. 6. 1 Allgemeines

Unter einer Korrelationsanalyse versteht man die statistische Beschreibung des Zusam-
menhanges zweier (einfache Korrelationsanalyse) oder mehrerer (multiple Korrelations-
analyse) voneinander abhängiger statistischer Zufallsgrößen an Hand von Maßzahlen,
wie dem Korrelationskoeffizienten R oder dem Bestimmtheitsmaß B bzw. R². Es erfolgt
also eine Aussage über die Stärke und die Richtung des Zusammenhanges.

Bei der Regressionsanalyse wird der Zusammenhang zwischen den Zufallsgrößen, der
durch eine i. Allg. streuende Punktwolke vorliegt, durch ein bestangepasstes mathema-
tisches Modell, d.h. eine mathematische Funktion, beschrieben, wobei dieses Modell
aus linearen (lineare Regressionsanalyse) oder nichtlinearen (nichtlineare Regressionsa-
nalyse) Anpassungskurven bestehen kann.

Im Weiteren bleiben die Ausführungen auf die lineare Regression- und Korrelationsana-
lyse beschränkt. Für die genannten, weiteren Arten der Regressionsanalyse wird auf die
einschlägige Fachliteratur verwiesen.

Die Auswertung erfolgt mittlerweile i. Allg. mit Softwarepacketen (z.B. Microsoft EXCEL,
Statgraphics, Statistica, TableCurve uam.) per EDV. In diesen Programmen werden die
Ergebnisse auch graphisch dargestellt, sodass man sehr rasch eine Übersicht über die
Messdaten gewinnen kann.

6. 6. 2 Lineare Regressionsanalyse

Wie bei den eindimensionalen Verteilungen können auch hier die Parameter für die Ana-
lyse wegen des streuenden Charakters der beiden voneinander abhängigen, streuenden
Größen x und y aus den Messdaten ,geschätzt’ werden, weil die Parameter der Grund-
gesamtheit i. Allg. nicht bekannt sind. Dabei geht man davon aus, dass die beiden Grö-
ßen x und y durch eine Normalverteilung hinreichend genau beschrieben werden
können und legt diese Verteilung den Ausführungen zugrunde.

Für die Berechnung der Regressionsgeraden seien n – Wertepaare xi, yi gegeben. Bei-
spielsweise können das die Messwerte des E – Moduls und der Zugfestigkeit von n Prüf-
körpern sein. Zur Berechnung wendet man die ,Methode der kleinsten Fehlerquadrate’
an (auch andere Methoden zur Berechnung existieren), d.h. die Summe der Quadrate
der Abweichungen der einzelnen Messpunkte zum gewählten Modell soll ein Minimum
werden. Bei der linearen Regressionsanalyse wird das Modell durch die Geradenglei-
chung in der Form y = a + b · x mit unbekannten Parametern a und b vorgegeben. Im
einfachen Fall erfolgt die Ermittlung der Parameter durch eine graphische Anpassung der
Regressionsgeraden an die Messpunkte.

Manfred AUGUSTIN Seite 167


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Mathematisch formuliert ergibt sich die nachfolgende Darstellung:

n
2
∑ ( y i – a – b ⋅ x i ) = Min!
i=1

Es liegt somit eine Extremwertaufgabe mit Funktionen mehrerer Veränderlicher für die
beiden vorerst unbekannten Parametern a und b vor. Der Minimalwert wird durch parti-
elles Ableiten nach den beiden Parametern und nachfolgendes Nullsetzen der Einzelter-
me ermittelt. Das so erhaltene Lösungssystem wird nach a und b aufgelöst:

n n
∂ ( y i – a – b ⋅ x i ) = 0 und ∂ ∑ ( y i – a – b ⋅ x i ) = 0
2 2
∂a ∑ ∂b
i=1 i=1

Durch partielles Differenzieren erhält man:

n n

– 2 ⋅ ∑ ( y i – a – b ⋅ x i ) = 0 und – 2 ⋅ ∑ x i ⋅ ( y i – a – b ⋅ x i ) = 0
i=1 i=1

Durch Umformen und Anwendung einiger ,Summenregeln’ erhält man:

n n n n n
2
∑ y i – n ⋅ a – b ⋅ ∑ xi = 0 und ∑ ( x i ⋅ y i ) – a ⋅ ∑ x i – b ⋅ ∑ x i = 0
i=1 i=1 i=1 i=1 i=1

Aus diesem linearen Gleichungssystem in zwei Unbekannten lassen sich die Parameter
bestimmen. Die Parameter a und b ergeben sich zu:

n n n
2
∑ ( xi ⋅ yi ) ⋅ x – ∑ xi ⋅ y ∑ ( xi ⋅ yi ) – n ⋅ x ⋅ y
a = – i--------------------------------------------------------
=1
n
i=1 - und b = i----------------------------------------------
=1
n
-.
2 2 2 2
∑ xi – n ⋅ x ∑ xi – n ⋅ x
i=1 i=1

Es bedeuten:

x ............. aus der Stichprobe geschätzter Mittelwert der Zufallsgröße x

y ............. aus der Stichprobe geschätzter Mittelwert der Zufallsgröße y

Es bleibt anzumerken, dass die so ermittelte Regressionsgerade streng genommen nur


für den Bereich zwischen dem minimalen und dem maximalen Wert Gültigkeit haben
kann. Eine Extrapolation von Werten sollte mit der so ermittelten Geraden also nicht
durchgeführt werden.

Manfred AUGUSTIN Seite 168


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In der Folge soll die konkrete Berechnung an einem Beispiel gezeigt werdern. Für den
bereits angegebenen Datensatz der Zugfestigkeit einer Holzprobe wurden dazu auch die
E – Moduln bestimmt. Von Interesse ist im Weiteren der Zusammenhang zwischen diesen
beiden Kenngrößen.

Probe Zug – E – Zugfestigkeit Probe Zug – E – Zugfestigkeit Probe Zug – E – Zugfestigkeit


Nr. Modul yi Nr. Modul yi Nr. Modul yi
i xi i xi i xi
[N/mm²] [N/mm²] [N/mm²]
[N/mm²] [N/mm²] [N/mm²]
1 13272 29,31 16 13571 32,12 31 14799 47,34
2 13900 43,12 17 13389 39,26 32 13769 41,69
3 13726 37,38 18 13792 18,74 33 13385 39,35
4 12392 33,58 19 13013 39,51 34 13402 36,21
5 14352 52,48 20 12489 45,47 35 13866 48,92
6 15719 30,91 21 14794 42,77 36 13743 32,61
7 12809 32,51 22 12592 32,07 37 15665 53,18
8 13094 60,48 23 13701 30,22 38 17524 64,10
9 13490 40,19 24 13697 44,50 39 12749 37,49
10 14038 25,28 25 14311 39,13 40 12203 26,87
11 15057 33,70 26 12468 52,10 41 8982 19,16
12 12834 32,57 27 12219 34,99 42 6940 13,66
13 14709 46,79 28 12780 38,60 43 11800 46,93
14 14056 44,75 29 13979 25,08 44 12480 18,71
15 13496 36,84 30 13250 31,74 45 11802 22,36

Tab. 6.16 ,Urliste’ der Wertepaare

Manfred AUGUSTIN Seite 169


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,Eine zusammenfassende Darstellung der Festigkeitssortierung von Schnittholz’

Probe Nr. Zug – E – Modul xi Zugfestigkeit yi (xi · yi) xi 2 yi2


i [N/mm²] [N/mm²]
1 13272 29,31 3,890 · 105 1,761 · 108 859
2 13900 43,12 5,994 · 105 1,932 · 10 8 1859
3 13726 37,38 5,131 · 105 1,884 · 108 1473
4 12392 33,58 4,161 · 105 1,536 · 108 1128
5 14352 52,48 7,532 · 105 2,060 · 108 2754
6 15719 30,91 4,859 · 105 2,471 · 108 955
7 12809 32,51 4,164 · 105 1,641 · 108 1057
8 13094 60,48 7,919 · 105 1,715 · 108 3658
5
9 13490 40,19 5,422 · 10 1,820 · 108 1615
10 14038 25,28 3,549 · 105 1,971 · 108 639
11 15057 33,70 5,074 · 105 2,267 · 108 1136
12 12834 32,57 4,180 · 105 1,647 · 108 1061
5
13 14709 46,79 6,882 · 10 2,164 · 108 2189
14 14056 44,75 6,290 · 105 1,976 · 108 2003
15 13496 36,84 4,972 · 105 1,821 · 108 1357
16 13571 32,12 4,359 · 105 1,842 · 108 1032
17 13389 39,26 5,257 · 105 1,793 · 108 1541
18 13792 18,74 2,585 · 105 1,902 · 108 351
19 13013 39,51 5,141 · 105 1,693 · 108 1561
20 12489 45,47 5,679 · 105 1,560 · 108 2068
21 14794 42,77 6,390 · 105 2,189 · 108 1829
22 12592 32,07 4,038 · 105 1,586 · 108 1028
23 13701 30,22 4,140 · 105 1,877 · 108 913
24 13697 44,50 6,095 · 105 1,876 · 10 8 1980
25 14311 39,13 5,600 · 105 2,048 · 108 1531
26 12468 52,10 5 8 2714
6,496 · 10 1,555 · 10
27 12219 34,99 5 8 1224
4,275 · 10 1,493 · 10
28 12780 38,60 4,933 · 105 1,633 · 10 8 1490
29 13979 25,08 3,506 · 105 1,954 · 108 629
30 13250 31,74 5 8 1007
4,206 · 10 1,756 · 10
31 14799 47,34 7,006 · 105 2,190 · 108 2241
32 13769 41,69 5,740 · 105 1,896 · 10 8 1738
33 13385 39,35 5,267 · 105 1,792 · 108 1548
34 13402 36,21 4,853 · 105 1,796 · 108 1311
35 13866 48,92 6,783 · 105 1,923 · 108 2393
36 13743 32,61 4,482 · 105 1,889 · 108 1063
37 15665 53,18 8,331 · 105 2,454 · 108 2828
38 17524 64,10 11,233 · 105 3,071 · 108 4109
39 12749 37,49 4,780 · 105 1,625 · 108 1406
40 12203 26,87 3,279 · 105 1,489 · 108 722
41 8982 19,16 1,721 · 105 0,807 · 108 367
42 6940 13,66 0,948 · 105 4,816 · 108 187
43 11800 46,93 5,538 · 105 1,392 · 108 2202
44 12480 18,71 2,335 · 105 1,558 · 108 350
45 11802 22,36 2,639 · 105 1,393 · 108 500

Summe 600095 1674,79 2,276 · 107 81,180 · 108 67606

Tab. 6.17 Tabelle zur Ermittlung der Hilfsgrößen der Regressionsanalyse

Manfred AUGUSTIN Seite 170


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,Eine zusammenfassende Darstellung der Festigkeitssortierung von Schnittholz’

∑ x i 600095 2
Mittelwerte: x = --------- = -------------------- = 13335 N ⁄ mm bzw.
n 45
∑ y i 1674, 79
y = --------- = ----------------------- = 37, 22 N/mm²
n 45
Damit lassen sich die gesuchten Parameter wie folgt ermitteln:

n n
2
∑ ( xi ⋅ yi ) ⋅ x – ∑ xi ⋅ y 7 8
2, 276 ⋅ 10 ⋅ 13335 – ( 81, 180 ⋅ 10 ⋅ 37, 22 )
a = – i---------------------------------------------------------
=1
n
i=1 - = – 11, 66
- = – ----------------------------------------------------------------------------------------------------------------------
8 2
2 2 81, 180 ⋅ 10 – 45 ⋅ 13335
∑ xi – n ⋅ x
i=1

∑ ( xi ⋅ yi ) – n ⋅ x ⋅ y 7
i=1 2, 276 ⋅ 10 – 45 ⋅ 13335 ⋅ 37, 22
b = -----------------------------------------------
n
- = --------------------------------------------------------------------------------------
8 2
= 0, 00367
2 2 81, 180 ⋅ 10 – 45 ⋅ 13335
∑ xi – n ⋅ x
i=1

Die (lineare) Regressionsgleichung lässt sich somit in der Form:

y = – 11, 66 + 0, 00367 ⋅ x bzw. f t [N/mm²] = – 11, 66 + 0, 00367 ⋅ MOE [N/mm²]

darstellen.

6. 6. 3 Lineare Korrelationsanalyse

Die lineare Korrelationsanalyse hat zum Ziel ein Stärkemaß und die Richtung des Zusam-
menhanges zwischen den beiden Zufallsgrößen x und y anzugeben. Dieses Stärkemaß
wird durch den vorzeichenbehafteten linearen Korrelationskoeffizienten R ausgedrückt.
Die beiden Extreme des Korrelationskoeffizienten R werden zum einen durch die Fälle
R = 1 bzw. R = –1 gebildet, in diesen Fällen besteht ein linearer, im mathematischen
Sinne funktionaler Zusammenhang, bzw. zum anderen durch den Fall R = 0 dargestellt,
bei dem überhaupt kein Zusammenhang zwischen den beiden Größen besteht. Da Mes-
sergebnisse immer mit Messfehlern behaftet sind bzw. auch nichtlineare Zusammenhän-
ge bestehen können wird der Korrelationskoeffizient in der Praxis immer zwischen diesen
beiden Extremen liegen. Die verschiedenen Ausprägungen des linearen Korrelationsko-
effizienten sind der nachfolgenden Abbildung zu entnehmen.

Manfred AUGUSTIN Seite 171


Diplomarbeit
,Eine zusammenfassende Darstellung der Festigkeitssortierung von Schnittholz’

Abb. 6.15 Mögliche Ausprägungen des linearen Korrelationskoeffizienten [51]

Neben dem Korrelationskoeffizienten R wird in der Statistik häufig auch das sog. ,Be-
stimmtheitsmaß’ B bzw. R² angegeben. Dieses beschreibt im Gegensatz zum Korrelati-
onskoeffizienten lediglich die Stärke, nicht jedoch die ,Richtung’ des Zusammenhanges
zwischen den Messgrößen.

- Bestimmung des linearen Korrelationskoeffizienten R

Aus der Bedingung, dass dieses Maß sowohl vom Nullpunkt als auch von den Messdaten
x und y unabhängig sein muss, können die beiden Zufallsgrößen so standardisiert wer-
den, dass sie einen vorgegebenen Mittelwert (z.B. Null) und eine vorgegebene Standard-
abweichung von 1 haben. Dies gelingt durch die Transformationen der xi – bzw. yi –
Daten mit:

xi – x yi – y
x i' = ----------- und y i' = -----------
sx sy

Ein Gesamtmaß für den Zusammenhang zwischen den x- und y- Werten der Stichprobe
erhält man durch Mittelwertbildung der einzelnen Beträge.

Der lineare Korrelationskoeffizient (auch: Korrelationskoeffizient nach Pearson) errech-


net sich dann mit:

1 
1 x–x y–y
∑ ( x i ⋅ y i ) –  --n- ⋅ ∑ x i ⋅ ∑ y i
R = ------------ ⋅ ∑  ---------- ⋅  ---------- = -------------------------------------------------------------------------------------------------------------
n–1  sx   sy 
 ( x2 ) – 1 --- ⋅ ( ∑ x )  ⋅  ∑ ( y 2 ) – --- ⋅ ( ∑ y ) 
2 1 2
∑ n   n 

Manfred AUGUSTIN Seite 172


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,Eine zusammenfassende Darstellung der Festigkeitssortierung von Schnittholz’

Für den angegebenen Datensatz kann R wie folgt bestimmt werden:

1
∑ ( x i ⋅ y i ) – --n- ⋅ ∑ x i ⋅ ∑ y i
R = ------------------------------------------------------------------------------------------------------------- =
 ( x2 ) – 1 --- ⋅ ( ∑ x )  ⋅  ∑ ( y 2 ) – 1
2
--- ⋅ ( ∑ y ) 
2
∑ n   n 
7 1
2, 276 ⋅ 10 – ------ ⋅ 600095 ⋅ 1674, 79
45
= ----------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------- = 0, 546
 81, 180 ⋅ 10 8 – ------ 1 1
⋅ 600095  ⋅  67606 – ------ ⋅ 1674, 79 
2 2
 45   45 

Der errechnete (lineare) Korrelationskoeffizient R = 0,546 bzw. R² = 0,298 zeigt, ver-


glichen mit den angegebenen Bestimmtheitsmaßen aus Tabelle 3.1, einen sehr beschei-
denen Zusammenhang an. Dass der vorgegebene Datensatz stark streut und wesentlich
durch ,Ausreißer’ bestimmt ist, kann der nachfolgenden Abbildung in denen die Werte-
paare xi und yi aufgetragen sind und die Regressionsgerade enthalten ist entnommen
werden.

Zusammenhang Zug-E-Module und Zugfestigkeit

70,00

2
60,00 R = 0,298
bzw.
50,00 R=0,546
Zugfestigkeit [N/mm²]

40,00

30,00

20,00

10,00

0,00
5000 7000 9000 11000 13000 15000 17000 19000
Zug-E-Modul [N/mm²]

Abb. 6.16 Diagramm der Wertepaare xi, yi mit der Regressionsgeraden und dem Korrelationskoeffizi-
enten bzw. dem Bestimmtheitsmaß R²

Wie der angeführten Abbildung zu entnehmen ist, weist der lineare Korrelationskoeffizi-
ent R, obwohl in der Praxis sehr häufig verwendet und angegeben, doch einen gravie-
renden Nachteil auf: Die Auswirkungen einzelner ,Ausreißer’ gehen sehr stark in dieses
Maß ein und können zu starken Verfälschungen der Aussagen beitragen. So ist im oben
abgebildeten Diagramm der Korrelationskoeffizient vorwiegend durch die ,kleinen’ bzw.
,großen’ Wertepaare bestimmt. Um solche fälschlichen Aussagen über den Zusammen-
hang zwischen zwei Messgrößen zu vermeiden, sollte man sich daher stets auch das
oben stehende Diagramm zur rein mathematischen Ermittlung vor Augen führen, oder
man bedient sich robusterer Maße für die Angabe der Korrelation. Solche Maße gewinnt
man beispielsweise aus der Spearman’schen Rangkorrelation, welche die Stärke und
Richtung nicht aus linearen, sondern monotonen Zusammenhängen zwischen x und y

Manfred AUGUSTIN Seite 173


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gewinnt und so in vielen Fällen eine wichtige Ergänzung zum linearen Korrelationskoef-
fizienten R darstellt. Weitere robuste Korrelationsmaße können aus der Kendall’schen
Rangkorrelation und über die Quadranten – Korrelation bestimmt werden, deren Ablei-
tung und Darstellung der Spezialliteratur zu entnehmen ist.

- Spearman’ sche Rangkorrelation

Im Folgenden wird das Verfahren zur Ermittlung des Spearman’schen Rangkorrelations-


koeffizienten gezeigt, um einen Vergleichswert zum linearen (pearson’schen) Regressi-
onskoeffizienten zur Verfügung zu haben.

Dazu werden die beiden statischen Zufallsgrößen xi und yi nach Größe gereiht und in n
Ränge R(xi) und R(yi) eingeteilt. In weiterer Folge werden die Rangdifferenzen der einzel-
nen Wertepaare ermittelt und der Spearman’sche Rangkoeffizient nach der folgenden
Formel ermittelt:

n
2
6 ⋅ ∑ ( R ( xi ) – R ( yi ) )
i=1
R s = 1 – ----------------------------------------------------
2
-
n ⋅ (n – 1)

Anmerkung:
Bei obiger Formel wird davon ausgegangen, dass in die Ränge R(xi) und R(yi) keine
gleich großen Werte (statistisch: Bindungen) auftreten.

Für den angegebenen Datensatz ist die Auswertung aus der nachfolgenden Tabelle zu
entnehmen:

Manfred AUGUSTIN Seite 174


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Probe Zug – E – Modul Zugfestigkeit Rang R(xi) x y Probe R(xi) R(yi) ∆R (∆R)2
k k
Nr. [N/mm²] [N/mm²] bzw. Nr.
xi – Werte yi – Werte R(yi)

1 13272 29,31 #1 6940 13,66 1 19 9 10 100


2 13900 43,12 #2 8982 18,71 2 33 32 1 1
3 13726 37,38 #3 11800 18,74 3 28 23 5 25
4 12392 33,58 #4 11802 19,16 4 7 18 -11 121
5 14352 52,48 #5 12203 22,36 5 38 42 -4 16
6 15719 30,91 #6 12219 25,08 6 44 11 33 1089
7 12809 32,51 #7 12392 25,28 7 14 15 -1 1
8 13094 60,48 #8 12468 26,87 8 17 44 -27 729
9 13490 40,19 #9 12480 29,31 9 23 30 -7 49
10 14038 25,28 #10 12489 30,22 10 35 7 28 784
11 15057 33,70 #11 12592 30,91 11 42 19 23 529
12 12834 32,57 #12 12749 31,74 12 15 16 -1 1
13 14709 46,79 #13 12780 32,07 13 39 37 2 4
14 14056 44,75 #14 12809 32,12 14 36 35 1 1
15 13496 36,84 #15 12834 32,51 15 24 22 2 4
16 13571 32,12 #16 13013 32,57 16 25 14 11 121
17 13389 39,26 #17 13094 32,61 17 21 27 -6 36
18 13792 18,74 #18 13250 33,58 18 31 3 28 784
19 13013 39,51 #19 13272 33,70 19 16 29 -13 169
20 12489 45,47 #20 13385 34,99 20 10 36 -26 676
21 14794 42,77 #21 13389 36,21 21 40 33 7 49
22 12592 32,07 #22 13402 36,84 22 11 13 -2 4
23 13701 30,22 #23 13490 37,38 23 27 10 17 289
24 13697 44,50 #24 13496 37,49 24 26 34 -8 64
25 14311 39,13 #25 13571 38,60 25 37 26 11 121
26 12468 52,10 #26 13697 39,13 26 8 41 -33 1089
27 12219 34,99 #27 13701 39,26 27 6 20 -14 196
28 12780 38,60 #28 13726 39,35 28 13 25 -12 144
29 13979 25,08 #29 13743 39,51 29 34 6 28 784
30 13250 31,74 #30 13769 40,19 30 18 12 6 36
31 14799 47,34 #31 13792 41,69 31 41 39 2 4
32 13769 41,69 #32 13866 42,77 32 30 31 -1 1
33 13385 39,35 #33 13900 43,12 33 20 28 -8 64
34 13402 36,21 #34 13979 44,50 34 21 21 1 1
35 13866 48,92 #35 14038 44,75 35 40 40 -8 64
36 13743 32,61 #36 14056 45,47 36 17 17 12 144
37 15665 53,18 #37 14311 46,79 37 43 43 0 0
38 17524 64,10 #38 14352 46,93 38 45 45 0 0
39 12749 37,49 #39 14709 47,34 39 24 24 -12 144
40 12203 26,87 #40 14794 48,92 40 8 8 -3 9
41 8982 19,16 #41 14799 52,10 41 4 4 -2 4
42 6940 13,66 #42 15057 52,48 42 1 1 0 0
43 11800 46,93 #43 15665 53,18 43 38 38 -35 1225
44 12480 18,71 #44 15719 60,48 44 2 2 7 49
45 11802 22,36 #45 17524 64,10 45 5 5 -1 1

Summe 9661

Tab. 6.18 Tabelle zur Ermittlung der Hilfsgrößen für dem Spearman’schen Regressionskoeffizienten

Manfred AUGUSTIN Seite 175


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n
2
6 ⋅ ∑ ( R ( xi ) – R ( yi ) )
6 ⋅ 9661
i=1
R s = 1 – ----------------------------------------------------
2
- = 0, 364
- = 1 – ----------------------------------
2
n ⋅ (n – 1) 45 ⋅ ( 45 – 1 )

Es ergibt sich also je nach angewandter Methode ein Unterschied in der Aussage über
den Zusammenhang der beiden Kenngrößen. In praktischen Auswertungen sollten da-
her nach Möglichkeit beide Kennwerte angegeben werden.

- Konfidenzintervalle für die Regressions- bzw. Korrelationsanalyse

Für die Vertrauensgrenzen (Konfidenzintervalle) des Korrelationskoeffizienten existieren


Diagramme zu deren Abschätzung.

Ebenfalls der Fachliteratur zu entnehmen sind Darstellungen zu spezifischen Tests, wie


der Prüfung des Vorhandenseins einer Korrelation sowie der Prüfung der Linearität einer
Korrelation.

- Vertrauensbereiche für die Regressionsgerade bzw. für die Prognose einer Zielgrö-
ßen ŷ aus Messgrößen x̂

Die Angabe dieser Vertrauensintervalle findet eine praktische Anwendung in der Angabe
der möglichen Schwankungsbereiche der Regressionsgeraden sowie in der Prognose ei-
ner Zielgröße ŷ aus einer Messgröße x̂ . Wenn man also beispielsweise mittels einer Re-
gressionsanalyse (mit geschätzten Parametern) den Zusammenhang zwischen dem E –
Modul und der Zugfestigkeit einer Holzprobe gewonnen hat und für einen bestimmten
Wert des E – Moduls die zugehörige, prognostizierte Zugfestigkeit errechnet hat, ist es
einerseits von Interesse in welchen Bereichen sich die Regressionsgerade befinden kann
und andererseits ob der so ermittelte Wert bei einem vorgegebenen Vertrauensindex α
schwankt. Dies geschieht wie bei den eindimensionalen Zufallsgrößen durch Angabe ei-
nes Konfidenz- oder Vertrauensintervalles.

Für die folgenden Formeln besteht wieder die Einschränkung bzw. die Annahme, dass
die Zufallsgrößen annähernd einer normalverteilten Grundgesamtheit entstammen.

Zur Angabe von Konfidenzintervallen bzw. - bereichen ist eine Unterscheidung zu treffen,
ob man solche für die gesamte Regressionsgerade (Konfidenzstreifen) oder einen einzel-
nen Punkt bzw. Messwert angeben will (Prognosebereich).

Manfred AUGUSTIN Seite 176


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- Konfidenzintervall für die Regressionsgerade (Konfidenzstreifen)

Zur Behandlung dieser Fragestellung benötigt man die Standardabweichung für den ge-
schätzten Mittelwert ŷ an der Stelle x:

2
1 (x – x)
s ŷ = s y ⋅ x ⋅ --- + ------------------
n Qx

Die Hilfsgrößen sy·x und Qx sind dabei wie folgt definiert:

2 1 2 2
∑ y – --n- ⋅ ( ∑ y ) ⋅ ( 1 – R ) (∑ x) 2
2

sy ⋅ x = --------------------------------------------------------------------- und Q x = ∑ x – ---------------


n–2 n

Für den Bereich der Regressionsgeraden (zwischen dem minimalen und dem maximalen
Prüfwerten) gilt dann das Konfidenzintervall:

ŷ ± 2 ⋅ F ( 2, n – 2 ) ⋅ s ŷ .

Angewendet auf den angeführten Datensatz ergeben sich die Hilfsgrößen zu:

2 1 2 2 1 2 2
∑ y – --n- ⋅ ( ∑ y ) ⋅ ( 1 – R ) 67606 – ------ ⋅ 1674, 79 ⋅ ( 1 – 0, 546 )
45
sy ⋅ x = --------------------------------------------------------------------- = --------------------------------------------------------------------------------------------------------- =
n–2 45 – 2
= 9, 278

2
(∑ x) 2 8 600095
2
8
Q x = ∑ x – --------------- = 81, 180 ⋅ 10 – ----------------------- = 1, 15467 ⋅ 10
n 45

Für die Standardabweichung s ŷ an der Stelle x̂ = 14.000 N/mm² ergibt sich zum Bei-
spiel:

2 2
1 (x – x) 1 ( 14000 – 13335 )
s ŷ = s y ⋅ x ⋅ --- + ------------------ = 9, 278 ⋅ ------ + ----------------------------------------------- = 1, 498
n Qx 45 1, 15467 ⋅ 10
8

Mit dem Wert der F – Verteilung F 2 ;n – 2 ;1 – α = F 2 ;43 ;95 = 3, 215 aus einem statististi-
schen Tabellenbuch sowie dem geschätzten Wert aus der Regressionsanalyse ergibt sich
für die Zielgröße ŷ :

2
ŷ = – 11, 66 + 0, 00367 ⋅ x̂ = – 11, 66 + 0, 00367 ⋅ 14000 = 39, 72 N ⁄ mm .

Manfred AUGUSTIN Seite 177


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,Eine zusammenfassende Darstellung der Festigkeitssortierung von Schnittholz’

Das Konfidenzband für die Regressionsgerade im betrachteten Punkt errechnet sich so-
mit zu:

ŷ ± 2 ⋅ F ( 2, n – 2, 1 – α ) ⋅ s ŷ , 39, 72 ± 2 ⋅ 3, 215 ⋅ 1, 498 = 39, 72 ± 3, 80 ,

d.h. die Regressionsgerade im Punkt x̂ = 14.000 N/mm² liegt mit 95 % – iger Wahr-
scheinlichkeit zwischen den Grenzen

35,92 N/mm² ≤ ŷ = 39,72 N/mm² ≤ 43,52 N/mm²

- Konfidenzintervall für den prognostizierten Wert ŷ an der Stelle x̂ (Prognosestrei-


fen)

Zur Ermittlung des Konfidenzintervalles ist die Standardabweichung für einen vorausge-
sagten Einzelwert ŷ zu berechnen

2
1 (x – x)
s ŷ = s y ⋅ x ⋅ 1 + --- + ------------------
˜ n Qx

Das Vertrauensintervall wird dann mit der Vertrauenswahrscheinlichkeit 1 – α aus

ŷ ± t α ⋅ s ŷ
n – 2 ;1 – ---
2 ˜

ermittelt.

Auf den vorliegenden Datensatz angewandt, kann so die Fragestellung beantwortet wer-
den in welchen Bereich man z.B. für einen (gemessenen) E – Modul Wert von
E = 14.000 N/mm² die prognostizierte Festigkeit ŷ auf Basis des gewählten Signifikanz-
niveaus zu vermuten hat.

Der zu erwartende Festigkeitswert ŷ ergibt sich durch Einsetzen in die Regressionsglei-


chung zu:

2
ŷ = – 11, 66 + 0, 00367 ⋅ x̂ = – 11, 66 + 0, 00367 ⋅ 14000 = 39, 72 N ⁄ mm

Das 95 % – Konfidenzintervall für diesen Wert errechnet sich mit:

2
(∑ x) 2 8 600095
2
8
Q x = ∑ x – --------------- = 81, 180 ⋅ 10 – ----------------------- = 1, 15467 ⋅ 10
n 45

2 1 2 2 1 2 2
∑ y – --n- ⋅ ( ∑ y ) ⋅ ( 1 – R ) 67606 – ------ ⋅ 1674, 79 ⋅ ( 1 – 0, 546 )
45
sy ⋅ x = --------------------------------------------------------------------- = --------------------------------------------------------------------------------------------------------- =
n–2 45 – 2
= 9, 278

Manfred AUGUSTIN Seite 178


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,Eine zusammenfassende Darstellung der Festigkeitssortierung von Schnittholz’

2 2
1 (x – x) 1 ( 14000 – 13335 )
s ŷ = s y ⋅ x ⋅ 1 + --- + ------------------ = 9, 278 ⋅ 1 + ------ + ----------------------------------------------- = 9, 398 ,
˜ n Q x 45 1, 15467 ⋅ 10
8

und dem Wert der t – Verteilung t α = t 43 ;97, 5 = 2, 017 zu:


n – 2 ;1 – ---
2

ŷ ± t α ⋅ s ŷ = 39, 72 ± 2, 017 ⋅ 9, 398 = 39, 72 ± 18, 96 ,


n – 2 ;1 – ---
2 ˜

d.h. der aus dem Regressionsmodell errechnete Wert ŷ befindet sich in der Grundge-
samtheit mit 95 % – iger Vertrauenswahrscheinlichkeit im Bereich von

20,76 N/mm² ≤ 39,68 N/mm² ≤ 58,68 N/mm².

Um kontinuierliche Konfidenzbänder bzw. Prognoseintervalle zu erstellen ist das gezeigte


Vorgehen auf einige Punkte zwischen dem minimalen und dem maximalen Wert anzu-
wenden. Dies geschieht vorteilhafte mit Hilfe eines Tabellenkalkulationsprogrammes.
Damit lässt sich das folgende Diagramm zeichnen.

Regressionsanalyse
mit Konfidenzintervall für die Regressionsgerade und Prognoseband für
das Regressionsmodell
80
Datenpunkte
70
Regressionsgerade
Zugfestigkeit [N/mm²]

60
Konfidenzintervall für die
50 Regressionsgerade
Prognoseband für die Werte
40 des Regressionsmodells

30
Gleichung der
20 Regressionsgeraden
ft = -11,66 + 0,00367 . MOE
10 Korrelationskoeffizient
R = 0,546 bzw. Rs = 0,364
0
5000 7000 9000 11000 13000 15000 17000 19000

E-Modul [N/mm²]

Abb. 6.17 Darstellung der Ergebnisse der Regressions- und Korrelationsanalyse für den betrachteten
Datensatz

Manfred AUGUSTIN Seite 179


Kapitel 7

7 Forschungsprojekt
’Ermittlung der Auswirkungen der neu gere-
gelten Sortiervorschriften für Kantholzquer-
schnitte für österreichische Sägebetriebe und
Holzbauunternehmen’ kurz : ‚S13’ [175]
7. 1 Einleitung

Wie bereits in Kapitel 2.4 erwähnt, wurden mit der Neuauflage der ÖNORM B 4100 –
2, Ausgabe 1. Dezember 1997 sowie der vollinhaltlichen Übernahme der deutschen
Sortiernorm DIN 4074 – 1 in die ÖNORM DIN 4074 – 1, Ausgabe September 1989
neue Rahmenbedingungen für das Bauen mit Holz in Österreich geschaffen. Mit dem
erwähnten Normenpaket wurde die Sortierung von Schnittholz in mehrere Sortier- (Fes-
tigkeits-) klassen und damit die Basis für einen effizienteren Einsatz der Ressource Holz
im Baubereich ermöglicht.
Vor 1997 Nach 1997

Sortierbestimmungen, Planungs- und Berechnungsnorm Sortiernorm Berechnungs- und Planungs-


ÖNORM B 4100, Teil 2 ÖNORM DIN 4074, Teil 1 grundlagen
Ausgabe: 1. August 1981 Ausgabe: 1. Juni 1996 ÖNORM B 4100, Teil 2
Ausgabe: 1. Dezember 1997

Sortiervorschriften für Planungs- und Berechnungs- Maschinelle Visuelle Festigkeits- und


,Gutes Bauholz’ grundlagen Sortierung Sortierung Steifigkeitswerte

4 Klassen 3 Klassen

MS 7 S7

MS 10 S 10

MS 13 S 13

MS 17

Abb. 7.1 Stand der normativen Regelungen zur Festigkeitssortierung vor und nach Einführung der neu-
en Bestimmungen für die Sortierung von Schnittholz in Österreich

Manfred AUGUSTIN Seite 180


Diplomarbeit
,Eine zusammenfassende Darstellung der Festigkeitssortierung von Schnittholz’

Auf Grund der Tatsache, dass man es vor der Einführung der ÖNORM DIN 4074 – 1
im österreichischen Holzbaugeschehen nur mit einer einzigen – visuell sortierten – Fes-
tigkeitsklasse, nämlich dem sogenannten ,Guten Bauholz’ zu tun hatte, lag es nahe ein
Forschungsprojekt in die Wege zu leiten, dass die Auswirkungen dieses neu geschaffe-
nen Normenpaketes für Kantholzquerschnitte mit österreichischer (im speziellen steiri-
scher) Herkunft untersucht. In beiden neu geschaffenen Normen sind dabei Regelungen
bzw. Kennwerte sowohl für die maschinelle als auch die visuelle Festigkeitssortierung
bzw. -klassen von Schnittholz angeführt. Im Hinblick auf die Tatsache, dass für eine Sor-
tierung nach der Festigkeit von Kanthölzern zu Beginn des Forschungsprojektes (März
1997) noch keine geeigneten maschinellen Sortiereinrichtungen im Sinne der
DIN 4074, Teil 3 und 4 existierten und die Struktur der österreichischen Sägebetriebe
überwiegend Klein- und Mittelbetriebe aufweist in denen eine Einführung der maschinel-
len Schnittholzsortierung unwirtschaftlich ist wurde dabei die ,visuelle’ Sortierung ange-
wandt.

Im Speziellen sollten die Fragestellungen geklärt werden, ob die höchste visuelle Sortier-
klasse ‚S13’ durch visuelle Sortierung erreichbar ist und mit welcher Sicherheit, d.h. mit
welcher ,Trennschärfe’ zwischen den einzelnen Sortierklassen in diesem Fall zu rechnen
ist.

Eine weitere Fragestellung bezog sich auf die Ausbeuten der einzelnen Sortierklassen
und damit auf die wirtschaftliche Relevanz der neu eingeführten Bestimmungen.

Ergänzend zur visuellen Sortierung sollte jedoch auch die, durch relevante Forschungs-
arbeiten in der Schweiz und Deutschland für Kantholzquerschnitte forcierte Ultraschall-
sortierung (US) auf ihre Einsetzbarkeit erprobt werden. Die entsprechenden Messungen
wurden sowohl vor, als auch nach dem Einschnitt der Kanthölzer durchgeführt um die
Möglichkeit einer Festigkeitssortierung bereits im frühestmöglichen Produktionsstadium
abzuklären. Zusätzlich sollten auch die für eine US – Sortierung erforderlichen Parameter
für eine Einstufung der Kanthölzer in die einzelnen Sortierklassen erarbeitet werden.

7. 2 Projektablauf und durchgeführte Untersuchungen

7. 2. 1 Projektidee, Einreichung, Versuchsmaterial

Mit dem Entstehen der Idee für dieses Projektes am Lehrstuhl für Holzbau / Institut für
Stahlbau, Holzbau und Flächentragwerke der TU Graz wurden auch Bemühungen um
die Finanzierung bzw. interessierte Wirtschaftspartner intensiviert.

Als Partner konnten alsbald die dieses Produkt be- und verarbeitenden Interessensgrup-
pen bzw. Standesvertretungen gewonnen werden, so die Wirtschaftskammer Steiermark
Sektion ,Gewerbe und Handwerk’, im Speziellen die Fachgruppe der Sägeindustrie der
Steiermark, sowie die Landes- als auch die Bundesinnung der Zimmermeister.

Für den Einschnitt, die Trocknung und die Hobelung der Balken bot sich das Säge- und
Hobelwerk Hans Bichler in Kobenz an.

Manfred AUGUSTIN Seite 181


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,Eine zusammenfassende Darstellung der Festigkeitssortierung von Schnittholz’

Im weiteren Verlauf konnten in Vertretern aus allen einschlägig befassten Gewerben


Fachmänner für die Idee begeistert bzw. deren Mitwirkung bei der Durchführung der vi-
suellen Sortierung erreicht werden.

Für die durchzuführenden Laborarbeiten und Versuche stand die konstruktive Versuchs-
abteilung (KVA) an der TU Graz (Leitung: Prof. K. Kernbichler) zur Verfügung.

Somit waren die Vorarbeiten abgeschlossen und nach Formulierung des Projektes konn-
te es beim Forschungsförderungsfond der gewerblichen Wirtschaft Österreichs (FFF) ein-
gereicht werden.

Nach erfolgter positiver Stellungnahme seitens des FFF wurde Mitte 1997 mit den Arbei-
ten begonnen.

7. 2. 2 Durchgeführte Untersuchungen – Rundholz [176]

- Allgemeines

Im Rahmen der Herstellung von Schnittholz wird auf Grund der wirtschaftlichen Situation
immer öfter der Wunsch geäußert bereits vor dem Einschnitt eine Beurteilung der zu er-
wartenden Schnittholzqualität treffen zu können. Die Aussagekraft einer visuellen Sortie-
rung am Rundholz ist dabei i. Allg. wenig objektiv und unterliegt daher starken
Schwankungen, insbesondere wenn neben einer Aussage über die Ästhetik des zu erwar-
tenden Schnittholzes auch eine Einschätzung der Steifigkeits- und/oder Festigkeitseigen-
schaften sichergestellt werden soll. Im Rahmen des Projektes ,S 13’ wurde daher neben
einer visuellen Beurteilung des Rundholzes durch einen Säger (Sortierer A) und einen
Zimmermeister (Sortierer B) auch eine Ultraschallmessung am Rundholz durchgeführt.

Für dieses Projekt wurde ein repräsentativer Querschnitt von 94 Rundholzstämmen aus
vier steirischen Forstbetrieben bzw. Regionen ausgewählt, nachfolgend in das Sägewerk
Bichler / Kobenz transportiert, durch zwei Sortierer, einen Säger und einen Zimmermeis-
ter visuell begutachtet und deren Sortierergebnisse dokumentiert.

Die visuelle Vorsortierung erfolgte unabhängig voneinander am Rundholzplatz der


Fa. Hans Bichler in Kobenz. Die Beurteilung erfolgte auf Grund subjektiver, auf Erfah-
rung beruhender Kritererien, wobei sich dies in der Unterschiedlichkeit der verwendeten
Kriterien und der Form der Beurteilung widerspiegelt. So verwendete Sortierer A die Kri-
terien Astigkeit, Drehwuchs, Krümmung , Abholzigkeit und Querschnitt (Faser, Buchs
etc.) und bewertete an Hand des Schulnotensystems von 1 bis 5. Sortierer B erfasste die
Rundholzqualität in Form einer verbalen Beschreibung und durch Zuordnung zu einer
Rundholzklasse. In Anlehnung an die Bezeichnung der ÖNORM DIN 4074 – 1 wurden
diese Ergebnisse in der Auswertung den Rundholzklassen R13, R10, R7 und <R7 (R steht
für Rundholz) zugeordnet und analysiert.

Manfred AUGUSTIN Seite 182


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,Eine zusammenfassende Darstellung der Festigkeitssortierung von Schnittholz’

Im Anschluss an die visuelle Sortierung erfolgte eine Ultraschallmessung bzw. -sortierung


am Rundholz. Dabei wurde zuerst die Länge der Bloche gemessen und nachfolgend ge-
mäß der nachfolgend angeführten Abbildung an fünf Punkten des Rundholz – Quer-
schnittes die Ultraschallaufzeit ermittelt. Im Rahmen der Auswertung zeigte sich, dass der
Mittelwert dieser fünf Messungen sich vom jenem im Querschnittszentrum nur unwesent-
lich unterscheidet, sodass in weiterer Folge nur noch dieser Wert in der Auswertung ver-
wendet wurde.

Angemerkt wird, dass am Rundholz zwar die Feuchte gemessen wurde (Messwerte von
u = 30 % bis u = 95 %), diese aber wegen des verwendeten Messverfahrens (elektrische
Widerstandsmessung) keine Aussagekraft hat und in weiterer Folge vernachlässigt wird.
Für die Korrektur der ,feuchtebehafteten’ Ultraschalllaufzeit gibt Steiger in [75] eine Kor-
rekturformel für Holzfeuchten zwischen 30 % und 50 % bzw. > 50 % an, wegen des oben
erwähnten Umstandes wurde aber auf eine Korrektur der Ultraschalllaufzeit verzichtet.

Abb. 7.2 Skizze zur US – Messung am Rundholz [176]

7. 2. 3 Durchgeführte Arbeiten – Kantholz

Im Anschluss an die durchgeführten US – Messungen am Rundholz erfolgte der Ein-


schnitt im Sägewerk mit Gattertechnologie und die schonende, drei Wochen dauernde
technische Trocknung, sowie abschließend die Hobelung der Kanthölzer. Die Rundholz-
stämme wurden etwa zur Hälfte einstielig, zur anderen Hälfte zweistielig eingeschnitten,
sodass nach Beendigung dieses Vorganges 127 Kanthölzer mit den Abmessungen
b =150 mm / h = 200 mm / l = rund 4000 mm zur Verfügung standen.

Der nächste Schritt war die visuelle Sortierung der Kanthölzer durch fünf Fachleute und
die Dokumentation der Sortierergebnisse, wobei an dieser Stelle erwähnt werden muss,
dass diese unter praxisrelevanten Bedingungen, d.h. nach Augenschein und ohne Zuhil-
fenahme von Messgeräten durchgeführt wurde. Zur Dokumentation der Sortierung stand
für jedes Kantholz ein aufbereitetes Formular mit den Sortierparametern nach ÖNORM
DIN 4074 – 1 sowie der letztlich gültigen Entscheidung über die Einordnung in eine Sor-
tierklasse zur Verfügung. Ergänzt wurde das Sortierformblatt durch Felder mit der Mög-
lichkeit für Anmerkungen sowie allgemeinen Daten, wie Name des Sortierers sowie
Datum und Zeit der Sortierung.

Manfred AUGUSTIN Seite 183


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94 Rundholzstämme aus
4 steirischen Forstbetrieben

Sägewerk Bichler / Kobenz

Visuelle Sortierung und Ultraschallmessung am Rundholz


- Hr. Bichler
- Hr. BIM Dallago

Einschnitt mit Gattersäge


- 63 einstielig eingeschnittene Kanthölzer
- 64 zweistielig eingeschnittene Kanthölzer

Trocknung

Hobelung

Visuelle Sortierung
- Hr. Bichler
- Hr. BIM Dallago
- Hr. Ing. Pachernegg
- Hr. Prof. Pischl / Dr. Schickhofer
- Hr. Ing. Stingl

Abb. 7.3 Projektablauf bis zur visuellen Sortierung der Kanthölzer

In weiterer Folge wurden die Kanthölzer an die konstruktive Versuchsanstalt der Techni-
schen Universität Graz (KVA) (Leitung: Prof. K. Kernbichler) gebracht. Dort erfolgte eine
visuelle Sortierung nach den Bestimmungen der ÖNORM DIN 4074 – 1, diesmal unter
Zuhilfenahme von Messinstrumenten, die Holzfeuchtebestimmung an zwei Stellen im
Messbereich, die US – Messung in den Viertelpunkten des Kantholzquerschnittes und die
Aufnahme der Astigkeit in der Messzone. Weiters wurde das Gewicht für die Rohdichte-
bestimmung mit einer Waage erfasst und die Dokumentation etwaiger sonstiger Merk-
male durchgeführt.

Parallel dazu erfolgte die Durchführung der E – Modul- und Bruchversuche nach den Be-
stimmungen der Prüfnorm EN 408, Ausgabe Januar 1995 [N17], wobei beide Versuche
in einem gefahren wurden, d.h. die Messung der Formänderungen wurde bis zum Bruch
durchgeführt. Für die Prüfung mussten sieben Kanthölzer wegen zu großer Verdrehungen
ausgeschieden werden, sodass am Ende 120 Kanthölzer für die Projektauswertung zur
Verfügung standen. Die Wahl der Ober- bzw. Unterseite des Kantholzes für die Biege-
prüfung erfolgte wie in EN 408 festgelegt nach dem Zufallsprinzip, d.h. es wurde keine
Rücksicht auf auffällige Strukturmerkmale, wie Äste oder Druckholz genommen.

Abschließend erfolgte die Bestimmung und Dokumentation der Bruchursache sowohl im


Zusammenhang mit dem Versuchsablauf als auch durch nachfolgende Begutachtung
des Bruchquerschnittes.

Manfred AUGUSTIN Seite 184


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127 Kanthölzer

Prüfung von 120 Kanthölzern nach Ausscheiden von 7 Kanthölzern


ÖNORM EN 408 : 1995 wegen zu großer Verdrehungen

Bestimmung der Geometrie und der Gewicht


physikalischen Parameter
Breite / Höhe / Länge

US - Messung am Kantholz Holzfeuchte


(2 Messungen in den
Viertelpunkten des QS)

Visuelle Sortierung nach


ÖNORM DIN 4074 Teil 1

Dokumentation sonstiger Parameter


(Marklage, allg. Erscheinungsbild
etc.)

Biegeversuch nach E - Modulmessung


ÖNORM EN 408 : 1995
Bruchversuch
Feststellen und Dokumentieren
der Bruchursache

Abb. 7.4 Projektablauf und aufgenommene Parameter bei der Prüfung nach ÖNORM EN 408 an der
KVA Graz

7. 3 Versuchskonfiguration und -durchführung [174]

7. 3. 1 Normative Grundlagen für die Durchführung der Versuche

Als Basis für die Bestimmung der oben angeführten mechanischen Eigenschaften
Biege – E – Modul und Biegefestigkeit der Kanthölzer diente die ÖNORM EN 408,
Ausgabe 1. Januar 1995 [N17]. Das genormte Verfahren zur Bestimmung des Biege –
E – Moduls und der Biegefestigkeit beruht auf derselben Prüfanordnung (Abb. 7.5). Aus
diesem Grund konnten beide dafür benötigten Messwerte im Zuge eines Versuches er-
fasst werden. Die Steuerung der Prüfmaschine erfolgte dabei so, dass die Belastungsge-
schwindigkeit für die E – Modulmessung einen konstanten Wert von maximal 0,003 · h
[mm/s] (h...Querschnittshöhe) bzw. die Höchstlast beim Bruchversuch innerhalb einer
Zeitdauer von (300 ± 120) [s] bei konstanter Vorschubgeschwindigkeit erreicht wurde.

Manfred AUGUSTIN Seite 185


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a a
6 · h ± 1,5 · h 6 · h ± 1,5 · h
l1 = 5 · h

l= 18 · h ± 3 · h

Abb. 7.5 Prüfkonfiguration zur Bestimmung des Biege – E – Moduls und der Biegefestigkeit nach
ÖNORM EN 408 [174 bzw. N17]

Wie der obigen Abbildung zu entnehmen ist sieht die Prüfkonfiguration eine Krafteinlei-
tung in den Drittelpunkten vor, wodurch im 6 · h = 6 · 200 = 1200 mm breiten Mess-
bereich eine konstante Momentenbelastung ohne Querkrafteinfluss erreicht wird.

Die mechanischen Kenngrößen können über die folgenden Zusammenhänge ermittelt


werden:

- Biege – E – Modul Em

Aus dem auf die Länge l1 = 5 · h = 5 · 200 = 1000 mm bezogenen Zusammenhang


zwischen den Kräften und den Durchbiegungen mit der aus der Formel

M ⋅ l1 2
w = ----------------
-
8⋅E⋅J

abgeleiteten Gleichung:

2 2 2
M ⋅ l1 F⋅a l1 a ⋅ l ∆F
- = ------------1- ⋅ -------
- = ---------- ⋅ -----------------
E m = -----------------
8⋅J⋅w 2 8⋅J⋅w 16 ⋅ J ∆w

- Biegefestigkeit fm

maxM maxF ⋅ a
f m = ---------------- = ----------------------
W 2⋅W

Ergänzend sind die Bruchart und die Wuchseigenschaften an der Bruchstelle für jeden
Probekörper im Prüfprotokoll anzugeben.

Manfred AUGUSTIN Seite 186


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7. 3. 2 Versuchstechnik

Für die experimentelle Bestimmung der mechanischen Eigenschaften Biege – E – Modul


und Biegefestigkeit der Kanthölzer nach ÖNORM EN 408 (1995) wurden folgende Ver-
suchseinrichtungen eingesetzt:

- Ein horizontal linear verschiebbares und vertikal stufenlos verstellbares Prüfgerüst,


das mit dem Aufspannfeld durch Vorspannen gekoppelt ist.

- Ein Linearzylinder für ± 1000 kN der Baureihe 244 der Fa. MTS – Systems / Berlin,
welcher mit zwei Servoventilen versehen ist. Die Servoventilregelung im geschlos-
senen Regelkreis ermöglicht eine präzise Regelung der Kraft und des Kolbenwe-
ges. Der Zylinder ist deshalb mit einem Kraftaufnehmer auf DMS – Basis und
einem internen induktiven Wegaufnehmer ausgestattet. Die Einleitung der Kräfte
in die Balken erfolgte über einen Lastverteilungsträger, der am Prüfzylinder gelen-
kig angeschlossen und für die Weiterleitung der Kräfte mit zwei geführten Rollen
ausgestattet war. Die Stützweite der Balken betrug l = 3600 mm und der Abstand
der lasteinleitenden Stahlrollen 1200 mm (siehe Abb. 7.6).

- Die für den Betrieb des Prüfzylinders notwendige Hydraulikversorgung erfolgte


durch ein Pumpenaggregat mit einem Nennförderstrom von 95 l / min und einem
Nennsystemdruck von 210 bar.

- Die Regelung des servohydraulisch gesteuerten Prüfzylinders wurde über eine di-
gitale Regelelektronik vorgenommen, die im Wesentlichen aus folgenden Kompo-
nenten besteht:

- einem digitalen Servoregler, der mit einer Reihe von Steuer- und Verstärker-
komponenten bestückt ist (TestStar, MTS 490.01),

- einem Lastrahmensteuerpult,

- einem PC und

- der TestStar System – Software MTS 790.00 sowie der Applikations – Software
MTS 790.10 Test Ware – SX.

Manfred AUGUSTIN Seite 187


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Abb. 7.6 Prüfkonfiguration mit dem am Prüfzylinder gelenkig angeschlossenen Lastverteilungsträger


und dem Messbalken zur E – Modul Messung [174]

7. 3. 3 Messtechnik

- Kraft und Kolbenweg

Die Kraft wurde mit einem am Kolbenstangenende befestigten Kraftaufnehmer auf


DMS – Basis gemessen und dessen Messwert von einem im MTS – System inte-
grierten Messverstärker an die Messdatenerfassung weitergeleitet. Der auch als
Steuergröße verwendete Kolbenweg wurde mit einem im Prüfzylinder eingebauten
induktiven Wegaufnehmer erfasst und ebenfalls von einem im MTS – System inte-
grierten Messverstärker an die Messdatenerfassung weitergegeben. Die verstärk-
ten Signale beider Aufnehmer (Bereich -10 V bis +10 V) wurden von der
nachfolgend beschriebenen Messdatenerfassung übernommen und registriert.

- Durchbiegungsdifferenzen

Die Durchbiegungen wurden an den Längsseiten der Kanthölzer vom Messbalken


aus mit induktiven Messweggebern (W 5 TK der Fa. HBM) ermittelt. Abbildung 7.7
zeigt die Anordnung des auf zwei Nagelschäften (Abstand 1000 mm) gelagerten
Messbalkens mit dem Weggeber und den in der Trägermitte montierten Mess-
punkt. Die Erfassung dieser Messdaten erfolgte mit der nachfolgend beschriebe-
nen Ausstattung.

Manfred AUGUSTIN Seite 188


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- Messdatenerfassung

Für die Messdatenerfassung wurde ein digitales Messverstärkersystem vom Typ


DMCplus der Fa. HBM, das mit 14 Verstärkereinschüben der Type DV 55 bestückt
war, herangezogen. Die eingesetzte Konfiguration ermöglichte es, 28 Messwert-
aufnehmer unterschiedlicher Bauart anzuschließen und gleichzeitig abzufragen.
Dieses System war mit einem Messwertspeicher für 500 000 Messwerte ausgestat-
tet und verfügte über eine IEEE – Schnittstelle zu einem PC (Power Macintosh
8500/120). Auf diesem PC war die Software BEAM/DMC 91 – 6 installiert, die es
gestattet, alle für eine Messung notwendigen Einstellungen vorzunehmen und den
Messablauf zu steuern. Außerdem bietet diese Software eine Vielfalt an Möglich-
keiten für die Auswertung und die Darstellung von Messwerten.

Detail
Weggeber

Abb. 7.7 Krafteinleitung mit geführten Rollen sowie Messbalken mit Weggeber [174]

Manfred AUGUSTIN Seite 189


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7. 3. 4 Versuchsdurchführung

Die Versuche wurden kolbenweggesteuert mit einer Geschwindigkeit von 0,20 mm/s
durchgeführt. Die Messdaten wurden mit einer Abtastgeschwindigkeit von 1 Messung
pro Sekunde und Kanal registriert.

Die digital gespeicherten Versuchsergebnisse wurden einerseits in Form von Diagram-


men ausgegeben und andererseits so aufbereitet, dass der für die Berechnung der
E – Moduln notwendige Quotient ∆F/∆w als Steigungen von Ausgleichsgeraden ange-
geben werden konnten.

Die Diagramme, die einheitlich nach den unten angeführten Zuordnungen gestaltet sind
zeigen, jeweils in Abhängigkeit von der Kraft, einerseits den Kolbenweg und andererseits
die Durchbiegedifferenzen an. Dabei wurde folgende Zuordnung gewählt:

- x – Achse: Wege in mm (Kolbenwege bzw. Durchbiegedifferenzen)

- y – Achse: Kraft in kN

Im Unterschied zu den Anforderungen der Norm EN 384 [N16] wurden – wie bereits er-
wähnt – die Durchbiegedifferenzen an beiden Längsseiten der Balken gemessen. Der für
die Berechnung des E – Moduls eines Balkens herangezogene Quotient, konnte daher
als Mittelwert der Steigungen der beiden Ausgleichsgeraden berechnet werden.

7. 4 Auswertung

Die Auswertung erfolgte nach den Bestimmungen der ÖNORM EN 384, Ausgabe
1. Mai 1995 [N16]. Weil die in dieser Norm geforderte Mindestprobenanzahl für eine
Sortierklasse von 40 Stück nicht bei allen Sortierklassen eingehalten wurde erfolgte die
Auswertung nicht nach dem in dieser Norm vorgeschlagenen Verfahren (,Zählverfah-
ren’). Der Vollständigkeit halber sind die Ergebnisse nach diesem Verfahren in den Er-
gebnissen trotzdem angeführt. In weiterer Folge mussten daher statistische Methoden zu
Hilfe genommen werden. Dabei wurde zur Bestimmung der charakteristischen Werte für
die Rohdichte und den E – Modul eine normalverteilte und eine Log – Normal – verteilte
Grundgesamtheit angenommen und damit die Ergebnisse der Sortierung bestimmt.

Die Auswertung des 5 % – Fraktilwertes für die Festigkeit erfolgte wegen der zum Großteil
ausgeprägt sprödartigen Brüche (70 Balken mit sprödem, 25 mit duktilem und 25 mit
nicht ausgeprägtem Bruchverhalten) zusätzlich unter der Annahme einer, zur Beschrei-
bung spröd brechender Werkstoffe besser geeigneten 2– parametrigen Weibull – Ver-
teilung. Die Richtigkeit dieser Annahme über die Verteilung der Festigkeit in der
Grundgesamtheit konnte über statistische Tests in Relation zu den beiden anderen Ver-
teilungen nachgewiesen werden.

Manfred AUGUSTIN Seite 190


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Angefügt sind ein Beispiel für eine ,gute’ und ein Beispiel für eine ,schlechte’ Sortierung
an Hand der Summenhäufigkeitslinie der E – Modul – Auswertung. Man erkennt, dass
in Abb. 7.8 ,gute’ Sortierung eine differenzierte Abstufung in eindeutig zuordenbare Sor-
tierklassen (,Trennschärfe’) mit annähernd gleicher Standardabweichung (diese bildet
sich in gleicher Neigung der Summenhäufigkeitslinien ab) erreicht wird und somit die
Grundanforderungen an eine Sortierung erfüllt wurde.

Im Gegensatz dazu ist aus Abb. 7.9 ,schlechte’ Sortierung weder eine Differenzierung
der ,Trennschärfe’ noch eine Angleichung in der Standardabweichung für die verschie-
denen Sortierklassen zu erkennen. Somit kann in diesem Fall keine Auswirkung des Sor-
tierprozesses auf das Sortierergebnis festgestellt werden.

Häufigkeitsverteilung des E- Moduls


normalverteilt (nk)

99,0 %
S 10
S7
95,0 %
90,0 %
80,0 %
70,0 %
60,0 %
50,0 %
40,0 %
30,0 %
20,0 %
10,0 %
5,0 %
S 13
1,0 %

8000 10000 12000 14000 16000 18000 20000

E- Modul (nk) [N/mm²]

Abb. 7.8 Beispiel für eine ,gute’, da trennscharfe visuelle Sortierung [175]

Häufigkeitsverteilung des E- Moduls


normalverteilt (nk)

99,0 %

95,0 %
90,0 %
S 10
80,0 %
70,0 %
60,0 %
50,0 %
40,0 %
30,0 %
20,0 % S7
10,0 % S 13
5,0 %

1,0 %

8000 10000 12000 14000 16000 18000 20000

E- Modul (nk) [N/mm²]

Abb. 7.9 Beispiel für eine ,schlechte’, da nicht trennscharfe visuelle Sortierung [175]

Manfred AUGUSTIN Seite 191


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7. 5 Ergebnisse

7. 5. 1 Ergebnisse Schnittholz – Biegeversuche nach EN 408

- geforderte Festigkeits- und Steifigkeitswerte nach der


ÖNORM B 4100 – 2, Ausgabe 1. Dez. 1997 und der EN 338, Ausgabe
1. Mai 1995

Die ÖNORM B 4100 – 2, Ausgabe 1. Dez. 1997 sieht ein Bemessungskonzept mit zu-
lässigen Spannungen vor.

Die aus den Versuchen gewonnenen 5 % – Fraktilwerte der Festigkeit können daher nicht
direkt mit den Werten aus der angeführten Norm verglichen bzw. quantifiziert werden,
weil diese einen globalen Sicherheitsfaktor beinhalten.

Anders verhält es sich mit den E – Modulwerten, hier sind in dieser Norm Mittelwerte an-
gegeben, welche direkt mit den Versuchsergebnissen verglichen werden können.

Die Angabe der Rohdichtekennwerte als Klassifizierungsparameter, wie sie etwa in der
EN 338, Ausgabe 1. Mai 1995 festgelegt sind ist in der ÖNORM nicht vorgesehen.

Manfred AUGUSTIN Seite 192


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Für die Zuordnung der Sortierklassen, vor allem der charakteristischen Festigkeitskenn-
werte, wurde daher der ,Umweg’ über die EN 1912, Ausgabe 1. Juni 1995 [N18] ge-
wählt, die eine Zuordnung der Sortierklassen der einzelnen europäischen Länder zu den
europäischen Festigkeitsklassen regelt. Die europäischen Festigkeitsklassen sind in der
EN 338, Ausgabe 1. Mai 1995 [N15] samt charakteristischen Kennwerten für die Fes-
tigkeit, die Steifigkeit und die Rohdichte festgelegt.

ÖNORM B 4100 – 2 : 1997 S7 S 10 S 13

zul. Biegespannung zul σB [N/mm²] 7,0 10,0 13,0

Biegespannung (mit globalem


Sicherheitsbeiwert ν = 2,4 [N/mm²] 16,8 24,0 31,2
(Basis Sortierklasse S 10))

(Biege-) E – Modul 8.000 10.000 1) 10.500 1)

Rohdichte [kg/m³] – – –
1)
Für Holz, das mit einer Holzfeuchte u ≤ 15 % eingebaut wird, darf dieser Wert um 10 %
erhöht werden, wenn beim Einbau die Holzfeuchte nachgewiesen wird

Tab. 7.1 Kenngrößen der visuellen Sortierklassen S 7, S 10 und S 13 aus


ÖNORM B 4100 – 2, Ausgabe 1. Dezember 1997 [N6]

EN 338 : 1995 C 16 C 24 C 30

charakt. Biegefestigkeit fm,k


[N/mm²] 16,0 24,0 30,0

charakt. (Biege-) E – Modul E0,mean


[N/mm²] 8.000 11.000 12.000
(Mittelwert)

charakt. Rohdichte ρmean


[kg/m³] 370 420 460
(Mittelwert)

Tab. 7.2 charakteristische Kenngrößen der, den in Tab. 7.1 angegebenen Sortierklassen zugeordne-
ten Festigkeitsklassen nach EN 338, Ausgabe 1. Mai 1995 [N15]; Zuordnung über
EN 1912, Ausgabe 1. Juni 1995 [N18]

- Ausbeuten

Die Ausbeuteergebnisse der visuellen Sortierungen der einzelnen Sortierer, der Sortie-
rung nach ÖNORM DIN 4074 – 1, der Ultraschallsortierung mit den in Tabelle 7.17
festgelegten Grenzwerten sowie der ,Laborbiegefestigkeit’ kann den nachfolgenden Di-
agrammen entnommen werden.

Manfred AUGUSTIN Seite 193


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Sortierer A Sortierer B Sortierer C


<S7 S 13
<S7 <S7 3% 13%
S7 S7 3% S 13
2% S7
8% 15% 27% 29%

S 13
S 10 51%
39% S 10
S 10 55%
55%

Sortierer D Sortierer E ÖNORM DIN


4074-1
S7 < S 7 S 13
<S7 S7
3% 2% 13% S7
2% 18%
3%
S 10
29%
S 10
41%
S 13 S 10 S 13
66% 67% 56%

Ultraschall Laborbiege-
festigkeit
<S7
S7 S7
5% S 10
8% 5%
13%

S 10
21%

S 13
S 13
66%
82%

Anmerkung:
Unter dem Diagramm ,Laborbiegefestigkeit’ wurden alle Kanthölzer erfasst die eine größere
Bruchfestigkeit als die zugehörige charakteristische Biegefestigkeit (z.B. für ,S 13’: fm,k ≥ 30 N/mm²)
aufweist. Dieses Ausbeuteverhältnis kann daher als Anhaltsmaß für das wirkliche Potenzial der
Kanthölzer betrachtet werden.
Das Diagramm ,Ultraschall’ stellt die Ausbeute unter Berücksichtigung der in Tabelle 7.17
angegebenen Klassengrenzen dar.

Abb. 7.10 Ausbeuteergebnisse der einzelnen Sortierer, der Sortierung nach ÖNORM DIN 4074 – 1,
jener mit Ultraschall sowie der ermittelten Laborbiegefestigkeiten [175]

Manfred AUGUSTIN Seite 194


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- Biegefestigkeit

Die erreichten Biegefestigkeiten sind der nachfolgenden Tabelle 7.3 zu entnehmen. Um


die Biegefestigkeiten unterschiedlicher Proben und Forschungsprojekte untereinander
vergleichbar zu machen bzw. eine Zuordnung zu Festigkeitsklassen nach EN 338 treffen
zu können sind die Versuchswerte auf Referenzmaße zu beziehen. Die Fraktilwerte der
Biegefestigkeit wurden daher entsprechend EN 384 auf die dort angegebenen Referenz-
bedingungen, im Falle der Biegefestigkeit auf die Referenzhöhe von h = 150 mm, ent-
sprechend der Formel

fm fm
f k = ---- = ---------------------
-
kh  150 
0, 2
----------
 h 

umgerechnet.

Eine Anpassung der Biegefestigkeit auf eine Referenzfeuchte ist nach EN 384 nicht vor-
gesehen. Die mit Hilfe einer elektrischen Widerstandsmessung mit dem Feuchtemessge-
rät GANN 4050 an zwei Punkten im Messbereich ermittelte Holzfeuchte aller Proben
ergab einen Mittelwert von umean = 17,95 % bei einer Standardabweichung von
su = 1,8 %.

Neben dem in EN 384 festgelegten ,Zählverfahren’ sind dabei, wie bereits erwähnt die,
über die statistischen Verteilungen Gauß – Normal, Log – Normal und Weibull (2 – pa-
rametrig) errechneten 5% – Fraktilwerte der Biegefestigkeit angegeben.

Manfred AUGUSTIN Seite 195


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Biege- Sortier- Anzahl ÖNORM Sortierer Sortierer Sortierer Sortierer Sortierer


festig- klasse und Ver- DIN A B C D E
keit teilung 4074 – 1

S 13 Anzahl 68 61 32 15 80 16
[N/mm²]
NV 32,02 31,51 32,71 32,16 31,10 35,04

5% – Log–NV 32,37 32,37 33,01 32,75 31,06 34,69


Fraktil-
wert 2p-Wei-
31,29 30,57 32,37 31,12 30,77 35,17
bull

(auf Zähl-
Referenz- verfah- 28,94 28,78 27,52 22,81 26,18 23,54
beding- ren
ungen
nach S 10 Anzahl 49 47 66 67 35 81
EN 384
bezogen) NV 21,08 22,98 27,50 27,04 21,79 28,15

Log–NV 23,21 24,61 28,76 27,98 23,29 29,08

2p-Wei-
20,30 22,74 26,54 26,79 20,36 27,46
bull

Zähl-
verfah- 21,75 22,30 25,84 25,48 21,53 26,05
ren

S7 Anzahl 3 10 18 35 3 21

NV 21,58 18,13 17,59 21,09 26,14 14,07

Log–NV 22,76 20,02 21,46 23,46 27,03 19,23

2p-Wei-
23,05 17,92 17,50 21,83 29,39 14,99
bull

Zähl-
verfah- – – 22,06 20,67 – 18,81
ren

<S7 Anzahl 0 2 4 3 2 2

Tab. 7.3 Ergebnisse Biegefestigkeit für die einzelnen Sortierer [175]

Manfred AUGUSTIN Seite 196


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- Biege – E – Modul

Hier lassen sich die erhaltenen Versuchs- (mittel-) werte direkt mit jenen vergleichen, die
in der ÖNORM B 4100 – 2 angegeben sind. Jedoch sind dort Holzfeuchten von
u ≤ 20 % vorgesehen mit der Möglichkeit bei Nachweis der Holzfeuchte ab u ≤ 15 %
eine Erhöhung der E – Moduln um 10 % anzusetzen.

Die eigentlich einzuhaltende ,Auswertenorm’ EN 384 sieht jedoch eine Umrechnung auf
die Referenzbedingung mit einer Holzfeuchte von u = 12 % vor. Dabei ist pro Prozent
Feuchteabweichung zu den Referenzbedingungen eine E – Modulerhöhung von 2,0 %
anzusetzen.

Der Mittelwert der Holzfeuchte aller 120 Kanthölzer lag bei umean = 17,95 %. Dement-
sprechend ergibt sich eine Differenzfeuchte von ∆u = umean – uref = 17,97 – 12,00 =
5,97 %. Somit sind die versuchstechnisch erhaltene E – Modul um den ,Rechenwert’ von
ku = 2,00 · 5,97 = 11,94 ~12 % zu erhöhen.

(Biege-) Sortier- Anzahl ÖNORM Sortierer Sortierer Sortierer Sortierer Sortierer


E– klasse und Ver- DIN A B C D E
Modul teilung 4074 –1

S 13 Anzahl 68 61 32 15 80 16
[N/mm²]
NV 14.512 14.247 14.479 13.627 14.554 14.595

Mittel- Log–NV 14.519 14.256 14.488 13.645 14.561 14.601


wert
Zähl-
verfah- 14.579 14.288 14.423 14.220 14.579 14.923
(auf ren
Referenz-
beding- S 10 Anzahl 49 47 66 67 35 81
ungen
nach NV 12.546 13.246 13.655 13.861 11.753 13.840
EN 384
bezogen) Log–NV 12.552 13.257 13.661 13.870 11.765 13.846

Zähl-
verfah- 12.619 13.223 13.410 14.065 11.525 13.823
ren

S7 Anzahl 3 10 18 35 3 21

NV 10.648 12.170 12.801 13.350 11.714 12.142

Log–NV 10.703 12.178 12.807 13.358 11.811 12.139

Zähl-
verfah- 10.594 11.686 12.286 13.076 11.598 11.483
ren

<S7 Anzahl 0 2 4 3 2 2

Tab. 7.4 Ergebnisse E – Moduln (Mittelwerte; auf Referenzbedingungen nach EN 384 bezogen) für
die einzelnen Sortierer [175]

Manfred AUGUSTIN Seite 197


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,Eine zusammenfassende Darstellung der Festigkeitssortierung von Schnittholz’

Im folgenden werden auch die, hinsichtlich der Holzfeuchte nicht korrigierten Werte der
E – Moduln angegeben:

(Biege-) Sortier- Anzahl ÖNORM Sortierer Sortierer Sortierer Sortierer Sortierer


E– klasse und Ver- DIN A B C D E
Modul teilung 4074 –1

S 13 Anzahl 68 61 32 15 80 16
[N/mm²]
NV 12.887 12.686 12.922 12.231 12.971 12.942

Mittel- Log–NV 12.893 12.693 12.929 12.246 12.976 12.948


wert
Zähl-
verfah- 12.945 12.799 12.876 12.612 12.947 13.110
(nicht ren
korrigiert)
S 10 Anzahl 49 47 66 67 35 81

NV 11.278 11.826 12.213 12.349 10.558 12.357

Log–NV 11.282 11.834 12.218 12.356 10.560 12.362

Zähl-
verfah- 11.427 11.873 12.064 12.343 10.449 12.343
ren

S7 Anzahl 3 10 18 35 3 21

NV 9.795 11.000 11.289 11.963 10.122 10.963

Log–NV 9.838 11.006 11.293 11.969 10.153 10.963

Zähl-
verfah- 9.809 10.516 11.110 11.857 10.467 10.189
ren

<S7 Anzahl 0 2 4 3 2 2

Tab. 7.5 Ergebnisse E – Moduln (Mittelwerte; nicht korrigiert) für die einzelnen Sortierer [175]

Manfred AUGUSTIN Seite 198


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,Eine zusammenfassende Darstellung der Festigkeitssortierung von Schnittholz’

- Rohdichte

Die Einhaltung der charakteristischen Rohdichtekennwerte ist für eine Sortierung nach
ÖNORM DIN 4074 – 1, Ausgabe 1996 bzw. ÖNORM B 4100 – 2, Ausgabe 1997
nicht erforderlich. Die EN 338, Ausgabe 1. Mai 1995 sieht die Rohdichte jedoch als voll-
ständiges Klassierungsmerkmal für die Einordnung in eine Festigkeitsklasse vor, weshalb
sie im Weiteren angeführt wird. Auf die nach EN 384, Ausgabe 1. Mai 1995 angege-
bene Umrechnung auf fehlerfreie Kleinproben durch Division mit dem Faktor 1,05 wur-
de im Rahmen dieser Auswertung verzichtet.

Die Rohdichte ist wie der (Biege-) E – Modul auf eine Referenzfeuchte von u = 12 % zu
beziehen. Beträgt der Mittelwert der Holzfeuchte dabei mehr als 12 %, ist die Rohdichte
je Prozent Holzfeuchteunterschied um 0,5 % zu verringern, bei einem Mittelwert geringer
12 % um 0,5 % je Prozent Feuchtedifferenz zu erhöhen.

Für das vorliegende Projekt ist die aus den Messungen ermittelte Rohdichte daher um
5,95 · 0,5 = 2,98 % ~ 3 % zu vermindern.

Roh- Sortier- Anzahl ÖNORM Sortierer Sortierer Sortierer Sortierer Sortierer


dichte klasse und Ver- DIN A B C D E
teilung 4074 – 1
[kg/m³] S 13 Anzahl 68 61 32 15 80 16

NV 437 434 426 425 438 439


Mittel-
wert Log–NV 437 434 427 425 438 439

Zähl-
(auf verfah- 436 434 429 438 437 445
Referenz- ren
beding-
ungen S 10 Anzahl 49 47 66 67 35 81
nach
EN 384 NV 424 427 434 432 419 431
bezogen)
Log–NV 424 427 434 432 419 431

Zähl-
verfah- 429 430 438 430 422 430
ren

S7 Anzahl 3 10 18 35 3 21

NV 382 437 429 433 381 427

Log–NV 382 437 429 433 382 427

Zähl-
verfah- 389 438 431 434 372 433
ren

<S7 Anzahl 0 2 4 3 2 2

Tab. 7.6 Ergebnisse Rohdichte (Mittelwerte; auf Referenzbedingungen nach EN 384 bezogen) für
die einzelnen Sortierer [175]

Manfred AUGUSTIN Seite 199


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,Eine zusammenfassende Darstellung der Festigkeitssortierung von Schnittholz’

7. 5. 2 Interpretation der Ergebnisse am Kantholz

- zu den Ausbeuten

Wie aus den Diagrammen der Abb. 7.10 zu entnehmen ist wurden bei den visuellen Sor-
tierungen Ausbeuteergebnisse von 13 % bis 66 % der Sortierklasse ,S 13’, 29 % bis
67 % der Sortierklasse ,S 10’, 3 % bis 29 % der Sortierklasse ,S 7’ und 2 % bis 3 % für
,<S 7’ (Ausschuss) erreicht.

Eine genaue Aussage über die Ausbeuten ist wegen der starken Streuungen nicht mög-
lich. Berücksichtigt man jedoch die Verläufe der Verteilungsfunktionen (siehe Abb. 7.8
und 7.9 ,gute’ bzw. ,schlechte’ visuelle Sortierung) bzw. der ,Laborbruchfestigkeit’ sowie
der Ausbeute der Ultraschallsortierung, so kann, unter möglichst guter Einhaltung der
Sortierkriterien der ÖNORM DIN 4074 – 1 davon ausgegangen werden, dass sich für
die Sortierklasse ,S 13’ eine Ausbeute von rund 50 %, für ,S 10’ eine solche von rund
40 %, für ,S 7’ von rund 8 % und rund 2 % für die Klasse < S 7 (Ausschuss) ergibt. Wie
bereits in Kapitel 3 erwähnt besteht zwischen der Ausbeute und den zu erreichenden me-
chanischen Kennwerten ein Zusammenhang. Dies wird an dem Sortierergebnis von Sor-
tierer D erkennbar, wo zwar die charakteristischen Kennwerte der Sortierklasse ,S 13’ bei
einer hohen Ausbeute von 66 % erreicht wurden, jene für die Sortierklasse ,S 10’ aber
nicht mehr eingehalten werden konnten.

- zu den erhaltenen (Biege-) Festigkeitswerten

Als wichtigstes Ergebnis des Sortierprojektes ,S 13’ ist die Tatsache anzusehen, dass die
visuelle Sortierung der Festigkeitsklasse ,S 13’ sowohl durch die ÖNORM DIN 4074
Tei 1 als auch durch die praxisrelevante visuelle Klassierung nach Augenschein möglich
ist. Wie Tabelle 7.3 zeigt, konnten die erforderlichen Kennwerte der Biegefestigkeit von
allen Sortierern erreicht werden. Die Unterschreitung bei dem in der EN 384 angeführten
Zählverfahren ist dabei auf den, bei diesem Verfahren besonders großen Einfluss der
,Ausreißer’ an den ,Verteilungsschwänzen’ bzw. die geringe Anzahl der Proben in diesem
Bereich zurückzuführen.

Für die Sortierklasse ,S 10’ konnten die Sortierer im Vergleich dazu nicht bei allen Klas-
sifizierungen die erforderliche (Biege-) Festigkeit von 24,0 N/mm² erreichen. Besonders
der Umstand, dass auch bei der Sortierung nach ÖNORM DIN 4074 – 1 nur eine Fes-
tigkeit von 20,3 N/mm² (Weibull verteilt) bzw. 21,1 N/mm² (normalverteilt) erreicht wur-
de gibt Anlass zur Sorge. Hier wäre eventuell darüber zu diskutieren, ob nicht der eine
oder andere Parameter dieser Norm entsprechend strenger zu fassen wäre. Insbesonde-
re seien hier die einzuhaltenden Werte für die ,Faserneigung’ und den ,Drehwuchs’, so-
wie eine Regelung der einzuhaltenden Werte für die Schwindrisse (siehe auch
Bruchbilder in Kapitel 7.6.2) angeführt.

Manfred AUGUSTIN Seite 200


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,Eine zusammenfassende Darstellung der Festigkeitssortierung von Schnittholz’

Eine weitere Frage wirft die Zuordnung der Sortierklassen über die EN 1912, Ausgabe
1. Juni 1995 auf. Zur Diskussion dieser Frage ein kurzer (Gedanken-) Abriss:

- auf Grund der durchgeführten Versuche und der ermittelten Werte kann die Zu-
ordnung der (Biege-) Festigkeitswerte der Sortierklasse ,S 13’ zum charakteristi-
schen Wert der Biegefestigkeit nach EN 338 von 30,0 N/mm² der
Festigkeitsklasse C 30 mit Hilfe des vorliegenden Projektes bestätigt werden

Dementsprechend ergibt sich für die Sortierklasse ,S 13’ ein globaler Sicherheitsfaktor
von:

f mk, ( C30, EN338 ) , 0-


- = 30
ν = ----------------------------------------------- ------------ = 2, 31
zulσ B, ( S ( 13, OENORM ) ) 13, 0

- Eine ,Hochrechnung’ mit diesem Sicherheitsfaktor für die Festigkeitsklasse ,S 10’


ergibt demnach

N
f m, k ( S10 ) = zulσ B, ( S10 ) ⋅ ν = 10 ⋅ 2, 31 = 23, 1 -----------2- ,
mm

d.h. eine einzuhaltende (Biege-) Festigkeit ≤ 24,0 N/mm².

- Daraus ergibt sich nach dem Gebot der Sicherheit und den vorliegenden Ergeb-
nissen eher eine Zuordnung der Sortierklasse ,S 10’ zur nächstniedriger liegenden
Festigkeitsklasse ,C 22’ gemäß EN 338.

Diese Überlegung wird durch Forschungsergebnisse der vergangenen Jahre am Lehr-


stuhl für Holzbau an der Technischen Universität Graz gestützt bei denen stets Probleme
mit dem Erreichen der charakteristischen Festigkeitskennwerte für die Sortierklasse ,S 10’
auftraten.

Mit diesem (Biege-) Festigkeitskennwert können die Abweichungen der visuellen Sortie-
rung für die Sortierklasse ,S 10’ zumindest zum Teil kompensiert bzw. als akzeptabel ein-
gestuft werden.

Für eine fundierte Einstufung der Festigkeitsklasse ,S 7’ konnten im Rahmen dieses Pro-
jektes auf Grund der geringen Probenanzahl keine befriedigenden Aussagen geliefert
werden.

Der Vollständigkeit halber soll hier auch noch der 5 % – Fraktilwert der Festigkeit aller
120 Balken angeführt werden. Dieser lag bei 25,08 N/mm² (2p – Weibull) bzw.
25,58 N/mm² (normalverteilt). Der Mittelwert der Biegefestigkeit ergab sich mit
43,75 N/mm².

Manfred AUGUSTIN Seite 201


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,Eine zusammenfassende Darstellung der Festigkeitssortierung von Schnittholz’

- zu den erhaltenen E – Modul – Werten

Wie den Tabellen 7.4 und 7.5 zu entnehmen ist wurden die mittleren E – Modul Werte
der ÖNORM B 4100 – 2, Ausgabe 1997 bzw. der EN 338, Ausgabe 1995 für alle Sor-
tierklassen mühelos erreicht. Ergänzend sei hinzugefügt, dass auch die 5% – Fraktilkenn-
werte nach EN 338 für alle Klassen eingehalten werden konnten.

Aus den erhaltenen Ergebnissen kann insbesondere empfohlen werden, den mittleren
E – Modul der Sortierklasse ,S 13’ von derzeit 10.500 N/mm² (ÖNORM B 4100 – 2
Ausgabe 1997) auf 12.000 N/mm² anzuheben. Dies kann auch mit einer Übereinstim-
mung des mittleren E – Modul für die Festigkeitsklasse C 30 der EN 338 argumentiert
werden.

Wegen des i. Allg. guten bis sehr guten Zusammenhanges zwischen dem
Biege – E – Modul und der Biegefestigkeit kann diese Empfehlung zusätzlich durch fol-
gende Argumentation gestützt werden: Durch mehrere vorliegende Untersuchungen
kann die Zuordnung des Biege – E – Modul zur Biegefestigkeit für die Sortierklasse
,S 10’ bestätigt werden (zul σB = 10,0 N/mm²; Emean = 10.000 N/mm² in der
ÖNORM B 4100 – 2 bzw. Emean = 11.000 N/mm² in EN 338). Der ,Erhöhungsfaktor’
von der Sortierklasse ,S 10’ auf die Sortierklasse ,S 13’ beträgt somit:

zulσ B, S13 , 0-
- = 13
v Erh = --------------------- ------------ = 1, 3 für zulässige Werte nach ÖNORM B 4100 – 2
zulσ B, S10 10, 0

bzw.

f m, k ( C30 ) 30, 0
- = ------------- = 1, 25 für charakteristische Werte nach EN 338.
v Erh = ------------------
f m, k ( C24 ) 24, 0

Nimmt man diese Faktoren als Ausgangsbasis für die Zuordnung des E – Moduls für die
Sortierklasse ,S 13’, so ergibt sich:
N
E m ( S13 ) = E m ( S10 ) ⋅ v Erh = 10000 ⋅ 1, 3 = 13000 -----------2-
mm
für die Werte nach ÖNORM B 4100 – 2

bzw.
N
E m ( C30 ) = E m ( C24 ) ⋅ v Erh = 11000 ⋅ 1, 25 = 13750 -----------2-
mm
für die Werte nach EN 338.

Diese Werte können durch das vorliegende Forschungsprojekt gestützt werden, wobei
Abschläge auf diese errechneten Werte auf Grund der einfachen Modellierung durchaus
gerechtfertigt sind. Jedenfalls sollte der Wert für den Biege – E – Modul der Sortierklasse
,S 13’ auch in den nationalen Bestimmungen auf 12.000 N / mm² angehoben werden.
Durch den Umstieg auf das neue Normenkonzept erübrigt sich dieser Schritt allerdings

Manfred AUGUSTIN Seite 202


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,Eine zusammenfassende Darstellung der Festigkeitssortierung von Schnittholz’

mittlerweile, wobei aller Voraussicht nach für die, an EN 338 angelehnte, der Sortier-
klasse ,S 13’ entsprechende Festigkeitsklasse ,CA30’ (geplant: A für Austria in Anleh-
nung an Tab. 2.10 aus Entwurf DIN 1052 (BEKS – Entwurf) [42] ein mittlerer E – Modul
von 12.000 N / mm² festgesetzt werden wird [43].

Kritisch zu hinterfragen ist der Bezug der Referenzfeuchten in den Normen


ÖNORM B 4100 – 2 und EN 384, welche für Werte u ≤ 20 % (mit der Möglichkeit einer
Anhebung von 10 % des mittleren E – Moduls für Holzfeuchten u ≤ 15 %) bzw.
u = 12 % gelten. Vorgeschlagen wird hier der Bezug auf die Referenzfeuchte des Kon-
struktionsvollholzes von uKVH = 15 ± 3 % (evt. bis u = 20 %). Kanthölzer mit Holzfeuch-
ten von u > 20 % sollten für tragende Holzkonstruktionen nicht eingebaut werden oder
aber deren Kennwerte mit einer Abminderung der Festigkeits- und Steifigkeitseigenschaf-
ten verbunden sein.

Auch hier erfolgt die Erwähnung der erreichten Werte aller 120 Balken. Für den, auf die
Holzfeuchte von u = 12 % bezogenen Balken ergab sich ein Mittelwert des
(Biege-) E – Moduls von 13.613 N/mm² bei einem 5 % – Fraktilwert von 9.334 N / mm²
(normalverteilt), für die nicht korrigierten Balken wurden Werte von 12.153 N / mm²
bzw. 8.471 N / mm² errechnet.

- zu den Rohdichtewerten

Hier muss festgestellt werden, dass bei den Rohdichtekennwerten keine signifikanten Un-
terschiede zwischen den einzelnen Sortierklassen, insbesondere zwischen den Klassen
,S 13’ und ,S 10’ festgestellt werden konnten. Dies spiegelt sich auch in der Korrelati-
onsanalyse von Rohdichte und (Biege-) Festigkeit (Korrelationsfaktor R ~ 0,4) wieder.

In Frage zu stellen ist daher auch die Einstufung der Rohdichte als vollwertiger Klassie-
rungsfaktor in der EN 338. Vielmehr sollte die Rohdichte als rein indikativer Wert in die
Festigkeitstabelle der EN 338 aufgenommen werden.

Für alle Balken konnte eine mittlere Rohdichte von 430 kg / m³, bei einem 5% – Frak-
tilwert von 367 kg / m³ festgestellt werden. Der 95 % – Fraktilwert lag bei 493 kg / m³.

- Zusammenfassung der Ergebnisse am Schnittholz

Alle Ergebnisse zusammenfassend wird festgestellt, dass die visuelle Sortierung nach
ÖNORM DIN 4074 –1 prinzipiell die Sortierung aller drei, dort festgelegten Festigkeits-
klassen (,S 13’, ,S 10’, ,S 7’) mit ausreichender Zuverlässigkeit und Trennschärfe erlaubt.
Um die Zuverlässigkeit und damit Sicherheit der visuellen Sortierung sicherzustellen,
scheint es, zumindest nach Meinung des Autors, als zielführend auf die Notwendigkeit
entsprechender Qualitätssicherungsmaßnahmen (z.B. Schulungen) der in den Betrieben
mit der Festigkeitssortierung betrauten Personen hinzuweisen.

Manfred AUGUSTIN Seite 203


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,Eine zusammenfassende Darstellung der Festigkeitssortierung von Schnittholz’

7. 5. 3 Ergebnisse – Ultraschallsortierung am Rundholz [176]

- Allgemeines

Die US – Sortierung dieses Projektes erfolgte – am Rundholz wie am Schnittholz – mit


dem Messgerät ,Sylvatest’ (siehe Abb. 4.2). Dies ist ein mobiles Gerät, dass speziell für
die Bedürfnisse einer Festigkeitssortierung von Holz konzipiert wurde. Es erfordert keine
spezielle Ankoppelung der Messsonden, sondern diese können einfach in ca. 5 mm tie-
fe, vorgebohrte Löcher gesteckt werden. Die zur Laufzeitkorrektur notwendige Bestim-
mung der Holzfeuchte sowie der Holztemperatur erfolgte mit einem Messgerät
Gann 4050 auf Basis der elektrischen Widerstandsmessung mit 70 mm langen umman-
telten Sonden bzw. einem Infrarot – Aufsatz des erwähnten Messgerätes.

Auf Grund der Nichtverfügbarkeit der Rohdichte – besonders im Rahmen einer Vorsor-
tierung am Rundholzes – kann lediglich der Zusammenhang der US – Geschwindigkeit,
bei einer Messung und Auswertung unter Berücksichtigung der Holzart und der Holz-
feuchte, mit dem E – Modul Estat für die Festlegung der US – Sortiergrenzen (Sortierklas-
sen) herangezogen werden. Dieses Vorgehen bringt keine wesentliche Verschlechterung
der Ergebnisse mit sich (siehe Kapitel 3). Die nachfolgende Korrelationsfunktion be-
schreibt daher den Zusammenhang zwischen der US – Geschwindigkeit (n. k. ... keine
Feuchtekorrektur) gemessen in der Querschnittsmitte des Rundholzes und dem Biege –
E – Modul (n. k.) des daraus gewonnenen Kantholzes. Die Holzfeuchte wurde, wie be-
reits erwähnt, während der US – Messung am Rundholz zwar erfasst, blieb jedoch für die
weiteren Auswertungen unberücksichtigt.

Entsprechend dem folgenden Korrelationsdiagramm zeigt sich ein gut ausgeprägter Zu-
sammenhang zwischen der am Rundholz gemessenen US – Geschwindigkeit in Rund-
holzmitte und dem Biege – E – Modul für das daraus eingeschnittene Kantholz.

Manfred AUGUSTIN Seite 204


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,Eine zusammenfassende Darstellung der Festigkeitssortierung von Schnittholz’

Zusammenhang Biege - E - Modul am Kantholz


mit Ultraschallgeschwindigkeit in Rundholzmitte

5500
Ultraschallgeschwindigkeit in
Rundholzmitte [m/s]

5000

4500

4000
y = 0,1044x + 3633,7
R = 0,6321
3500
7000 9000 11000 13000 15000 17000
Biege - E - Modul am Kantholz (nicht korrigiert) [N/mm²]

Abb. 7.11 Korrelationsdiagramm Ultraschallgeschwindigkeit in Rundholzmitte vUS,RH [m/s] mit dem am


Kantholz ermittelten statischen Biege – E – Modul Estat,KH (n.k.) [176]

Aus der Korrelationsanalyse ergaben sich folgende Zusammenhänge:

v RH = 0,1044 ⋅ E stat + 3633, 7 n KH = 120


R = 0, 632
E stat = – 34,805 + 9, 579 ⋅ v RH n RH = 94

Korrigiert man den Biege – E – Modul auf die Referenzholzfeuchte von u = 12 % so er-
gibt sich der folgende Zusammenhang:

v RH = 0, 0877 ⋅ E stat + 3709 n KH = 120


R = 0, 617
E stat = – 42,292 + 11, 40 ⋅ v RH n RH = 94

Berücksichtigt man obige Funktionen, so folgen daraus die folgenden US – Sortiergren-


zen für eine Vorsortierung von Rundholz mittels Ultraschall. Dabei wird lediglich eine
Gliederung in die vier Klassen – R13, R10, R7 und < R7 – entsprechend den Zielgrößen
(Sortierklassen) für das Kantholz vorgenommen.

US – Grenzwerte am Rundholz [m/s] R 13 4800

ermittelt aus dem Zusammenhang US – Geschwindigkeit in R 10 4550


Rundholzmitte (nicht korrigiert) und dem Biege – E – Modul
am Kantholz (nicht korrigiert) R7 4350

Tab. 7.7 US – Sortiergrenzen für Rundholz [176]

Manfred AUGUSTIN Seite 205


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,Eine zusammenfassende Darstellung der Festigkeitssortierung von Schnittholz’

Berücksichtigt man die angeführten US – Sortiergrenzen (nicht korrigiert), so ergeben


sich folgende Ergebnisse für die einzelnen Klassen:

Ergebnisse R 13 R 10 R7 <R7

Anzahl 81 14 12 3

Biegefestigkeit (5% – Fraktile NV) [N/mm²] 29,21 34,02 22,59 14,10

Biege – E – Modul (Mittelwert) [N/mm²] 12.885 11.558 9.864 10.343

Ausbeute [%] 66,70 11,67 10,00 10,83

Ausfälle [%] 9,01 0,00 0,00 –

Tab. 7.8 Materialkenngrößen unter Berücksichtigung der US – Grenzwerte nach Tab. 7.7 [176]

Aus Abb. 7.11 ist ersichtlich, dass erst im oberen US – Geschwindigkeitsbereich


(vRH > 4500 m/s) – d. h. für die höheren Güten hinsichtlich Biege – E – Modul und im
weiteren der Biegefestigkeit – ein klarer Zusammenhang zwischen der Ultraschallge-
schwindigkeit am Rundholz vRH und dem Biege – E – Modul für das Kantholz gegeben
ist. Im Bereich zwischen vRH = 3.500 m/s und vRH = 4.500 m/s ist dieser klare Zusam-
menhang nicht mehr gegeben. Trotzdem konnte für die angeführten Grenzwerte unter
Berücksichtigung der vorhandenen Holzfeuchte (Mittelwert für alle: u = 18% ± 2%) eine
zufriedenstellende Biege – E – Modul Abstufung zwischen ,R13’, ,R10’ und ,R7’ festge-
stellt werden.

Um eine noch bessere Abstufung zwischen ,R13’ und ,R10’ zu erreichen, wurde eine
Korrektur der US – Grenzwerte vorgenommen. Für ,R13’ wurde ein Wert von
4900 m/s, für ,R10’ ein Wert von 4.400 m/s und für ,R7’ ein Wert von 4.200 m/s de-
finiert (bezogen auf die vorhandene Holzfeuchte von umean ~ 18%). In der Tabelle 7.9
ist das Resultat der Korrektur der US – Grenzwerte angeführt. Es zeigt sich, dass mit den
angepassten Laufzeiten eine deutlichere Differenzierung zwischen ,R13’ und ,R10’ so-
wohl für den Biege – E – Modul als auch für die Biegefestigkeit erreicht werden konnte.

US – Grenzwerte am Rundholz [m/s] R 13 4900

ermittelt aus dem Zusammenhang US – Geschwindigkeit in R 10 4400


Rundholzmitte (nicht korrigiert) und dem Biege – E – Modul
am Kantholz (nicht korrigiert) R7 4200

Tab. 7.9 adaptierte US – Sortiergrenzen für Rundholz [176]

Manfred AUGUSTIN Seite 206


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,Eine zusammenfassende Darstellung der Festigkeitssortierung von Schnittholz’

Ergebnisse R 13 R 10 R7 <R7

Anzahl 73 31 10 6

Biegefestigkeit (5% – Fraktile NV) [N/mm²] 31,03 26,71 20,90 18,27

Biege – E – Modul (Mittelwert) [N/mm²] 13.167 10.718 10.831 9.430

Ausbeute [%] 60,83 25,83 8,33 5,00

Tab. 7.10 Materialkenngrößen unter Berücksichtigung der US – Grenzwerte nach Tab. 7.9 [176]

Bei einer Ausbeute von rund 61 % ergibt sich somit ein 5 % – Fraktilwert für die Biege-
festigkeit von fm = 31,0 N/mm2. Würde man die Werte der obigen Tabelle auf die Re-
ferenzwerte gemäß ÖNORM EN 384, Ausgabe 1995, mit einer Holzfeuchte u = 12%
beziehen, erhält man für den E – Modul die nachfolgenden Werte:

Ergebnisse R 13 R 10 R7 <R7

E – Modul (Mittelwert) [N/mm²] 14.747 12.004 12.131 10.562

Tab. 7.11 Materialkenngrößen bezogen auf die Referenzwerte nach EN 384 [176]

Somit liegt für ,R13’ ein mittlerer Biege – E – Modulwert von Emean = 13.170 N/mm2
(bei einer Holzfeuchte von u = 18% ± 2%) und ein korrigierter Wert für
Emean = 14.750 N/mm2 (!) (bei einer Referenzfeuchte von u = 12%) vor. Für ,R10’ er-
gibt sich immerhin noch ein Wert von E0,mean = 10.720 N/mm2 (bei u = 18% ± 2%)
bzw. Emean = 12.000 N/mm2 (12%).

Manfred AUGUSTIN Seite 207


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,Eine zusammenfassende Darstellung der Festigkeitssortierung von Schnittholz’

7. 5. 4 Visuelle Sortierung des Rundholzes

Vorgängig zur Ultraschallvorsortierung erfolgte eine visuelle Vorsortierung durch zwei


Sortierer (Säger, Zimmermeister). Die Beurteilung der Stämme erfolgte ausschließlich auf
Basis subjektiver Kriterien (Sortierer A: 5 Kriterien mit einer Beurteilungsskala nach dem
Schulnotensystem von 1 bis 5; Sortierer B: verbale Beschreibung und Klassenzuordnung
nach ÖNORM DIN 4074 – 1). Die ausgewerteten Ergebnisse sind in den nachfolgenden
Tabellen zusammengefasst:

Ergebnisse visuelle Sortierung Sortierer A


Rundholz
R 13 R 10 R7 <R7

Anzahl [-] 46 50 24 0

Biegefestigkeit (5% – Fraktile NV) [N/mm²] 30,97 26,66 19,87 –

Biege – E – Modul (Mittelwert) [N/mm²] 12.995 12.059 10.734 –

Ausbeute [%] 38,33 41,67 20,00 0,00

Tab. 7.12 Materialkenngrößen aus visueller Sortierung Rundholz – Sortierer A [176]

Ergebnisse visuelle Sortierung Sortierer B


Rundholz
R 13 R 10 R7 <R7

Anzahl [-] 58 43 19 0

Biegefestigkeit (5% – Fraktile NV) [N/mm²] 25,28 27,70 25,92 –

Biege – E – Modul (Mittelwert) [N/mm²] 12.249 12.120 12.023 –

Ausbeute [%] 48,33 35,83 15,83 0,00

Tab. 7.13 Materialkenngrößen aus visueller Sortierung Rundholz – Sortierer B [176]

Aus Tabelle 7.12 ist zu entnehmen, dass es Sortierer A (Säger) gelungen ist, bereits über
subjektiv erfasste visuelle Kriterien eine ausgeprägte ,Trennschärfe’ zwischen ,R 13’,
,R 10’ und ,R 7’ zu erreichen. Bei rund 38 % Ausbeute an ,R 13’ wird für das daraus
eingeschnittene Kantholz sowohl die erforderliche Biegefestigkeit, als auch der erforder-
liche Biege – E – Modul für ,S 13’ erreicht. Wie aus Tabelle 7.13 zu ersehen ist konnte
Sortierer B (Zimmermeister) keine entsprechende Rundholzsortierung erreichen.

Manfred AUGUSTIN Seite 208


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,Eine zusammenfassende Darstellung der Festigkeitssortierung von Schnittholz’

7. 5. 5 Visuelle Sortierung und Ultraschallsortierung am Rundholz

Kombiniert man die visuelle Sortierung mit der Ultraschallsortierung, so sind einerseits
höhere Fraktilwerte für die Biegefestigkeit und den Biege – E – Modul zu erwarten, d.h.
die Sicherheit der Sortierung sollte erhöht werden. Dies erfolgt jedoch auf Kosten der
Ausbeute, d.h. gewissermaßen gegenteilig der wirtschaftlichen Komponente. Um hier
eine Optimierung zu finden müssten die entsprechenden Grenzwerte angepasst werden.

Die Ergebnisse der ,virtuellen’ kombinierten Sortierung ist den nachfolgenden Tabellen
zu entnehmen:

Biegefestigkeit [N/mm²] Sortierer Sortierer


5 % – Fraktilwerte normalverteilt A B

US – R 13 + vis R 13 34,44 30,37

US – R 13 + vis R 10 33,67 33,89

US – R 10 + vis R 13 27,30 20,99

US – R 10 + vis R 10 26,15 24,78

Misch R 10 26,15 24,78

Anmerkung:
Als Misch R 10 wird die Zusammenfassung der Gruppen US – R 13 + vis R 10, US – R 10 +
vis R 13 und US – R 10 + vis R 10 bezeichnet.

Tab. 7.14 5 % – Fraktilkennwert der Biegefestigkeit einer kombinierten Sortierung (visuell und Ultra-
schall) am Rundholz [176]

Biege – E – Modul [N/mm²] Sortierer Sortierer


Mittelwert A B

US – R 13 + vis R 13 13.834 13.292

US – R 13 + vis R 10 12.929 13.172

US – R 10 + vis R 13 10.326 10.412

US – R 10 + vis R 10 10.951 10.793

Misch R 10 11.746 11.560

Anmerkung:
Als Misch R 10 wird die Zusammenfassung der Gruppen US – R 13 + vis R 10, US – R 10 +
vis R 13 und US – R 10 + vis R 10 bezeichnet.

Tab. 7.15 Mittlerer Biege – E – Modul einer kombinierten Sortierung (visuell und Ultraschall) am Rund-
holz [176]

Manfred AUGUSTIN Seite 209


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,Eine zusammenfassende Darstellung der Festigkeitssortierung von Schnittholz’

Beiden Sortierern ist es gelungen in Kombination mit dem Ultraschallverfahren sowohl


die erforderlichen Kenngrößen für ,R13’ als auch für ,R10’ (Misch R10) zu sortieren. Wie
bereits ausgeführt ergibt sich auf Grund der Kombination beider Verfahren eine Ver-
schiebung der Ausbeutenverhältnisse. So ergibt sich für ,R13’ nur noch eine Ausbeute
von 29,2 % (Sortierer A) bzw. von 30,8 % (Sortierer B) und für ,R10’ von 50,8 % (Sor-
tierer A) bzw. von 53,3 % (Sortierer B).

7. 5. 6 Zusammenfassung und Schlussbetrachtung Ultraschall – Rundholz

In mehreren vorgängig erfolgten Forschungsprojekten [76], [77], [78] wurde die Mög-
lichkeit einer (zumindest) Vorsortierung am Rundholz mittel Ultraschall und der daraus
folgenden Erzielung besseren mechanischen Eigenschaften am Schnittholz erfolgreich
nachgewiesen. Das Ziel im Rahmen des vorliegenden Projektes war es also, die Ergeb-
nisse dieser Projekte für aus der Steiermark stammendes Holz zu bestätigen und die ent-
sprechenden Grenzwerte festzulegen. Zusammenfassend kann mit den Ergebnissen
dieses Forschungsprojektes somit festgestellt werden:

- Die Vorsortierung mit Ultraschall am Rundholz führt zu einer ausreichenden


,Trennschärfe’ der mechanischen Kenngrößen zwischen den Sortierklassen ,R 13’
(bzw. in weiterer Folge für ,S 13’ am Kantholz) und ,R 10’ (,S 10’ am Kantholz)

- Bei der US – Sortierung ergibt sich eine Ausbeute von rund 61% für ,R13’ und 26%
für ,R10’, d.h. in Summe rund 87% für R13 + R10) bei Wahl der Grenzwerte nach
Tab. 7.9

- Durch eine Kombination von visueller Sortierung und US – Sortierung wurden die
erforderlichen Kennwerte für das Kantholz bei weitem erreicht bzw. übertroffen.
Wegen der kombinierten Sortierung kam es allerdings zu einer Verschiebung der
Ausbeuteverhältnisse, sodass nur mehr rund 30 % als ,R13’ und rund 50 % ,R10’,
d.h. zusammen rund 80 % eingestuft werden konnten.

- Aus den Ergebnissen geht hervor, dass ein Einsatz dieser kostengünstigen und ein-
fachen Technologie eindringlich empfohlen werden kann, wobei für einen auto-
matisierten Einsatz noch Entwicklungsarbeit erforderlich ist. Vorstellbar ist ein
mobiles Gerät mit längsverschieblichen US – Köpfen, die den Messwert in Stamm-
mitte bestimmen.

Manfred AUGUSTIN Seite 210


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,Eine zusammenfassende Darstellung der Festigkeitssortierung von Schnittholz’

7. 5. 7 Ergebnisse – Ultraschallsortierung am Kantholz [175]

- Allgemeines

Die Ultraschallsortierung am Kantholz erfolgte vor der Biegeprüfung im Labor der KVA
Graz mit dem bereits beschriebenen Equipment US – Gerät ,Sylvatest’ und GANN 4050.
Zu erwähnen bleibt, dass die Schallköpfe in vorgebohrte Löcher mit ca. 1 cm Tiefe und
5 mm Durchmesser in den Viertelpunkten des Querschnittes, also rund 5 cm von den
jeweiligen Kanten entfernt eingesteckt wurden.

- Korrelationsgleichungen der US – Geschwindigkeit vUS mit dem Biege – E – Modul


bzw. der Biegefestigkeit

Die Nachfolgende Tabelle zeigt die gefundenen Zusammenhänge zwischen den ange-
gebenen Ultraschallgeschwindigkeiten und den mechanischen Kenngrößen Biege – E –
Modul und Biegefestigkeit:

Zusammenhang Korrelations- Korrelationsbeziehung


koeffizient R

mittl. US –
Biege – E – Modul
Geschwindigkeit 0,840 vMW,12/20 = 0,0838 · Em(k) + 4734
(k)
(k)

mittl. US –
Biege – E – Modul
Geschwindigkeit 0,823 vMW = 0,0905 · Em(nk) + 4568
(nk)
(nk)

min. US –
Geschwindigkeit Biegefestigkeit (k) 0,687 vmin,12/20 = 16,684 · fm(k) + 5088
(k)

min. US –
Geschwindigkeit Biegefestigkeit (k) 0,686 vmin = 15,887 · fm(nk) + 4918
(nk)

Anmerkung:
k ... korrigiert; E – Modul auf Referenzholzfeuchte von u = 12 % nach EN 384; US – Werte auf
Holzfeuchte von u =12 % nach Sandoz; Biegefestigkeit auf Referenzhöhe von h = 150 mm
nach EN 384 bezogen
nk ... nicht korrigiert; mittlere Holzfeuchte u = 18 %; Balkenhöhe h = 200 mm

Tab. 7.16 Zusammenhänge der US – Geschwindigkeit mit dem Biege – E – Modul bzw. der Biegefes-
tigkeit [175]

Die folgende Abbildung zeigt den Zusammenhang zwischen dem, auf die Referenz-
feuchte von u = 12 % korrigierten E – Modul und der, auf u = 12 % Holzfeuchte und
T = 20 °C Holztemperatur korrigierten mittleren US – Geschwindigkeit v12/20:

Manfred AUGUSTIN Seite 211


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Zusammenhang zwischen dem Biege - E - Modul (k) und dem


mittleren Wert der Ultraschallgeschwindigkeit am Kantholz

6500
Ultraschallgeschwindigkeit am
Kantholz v mean,12/20 (k) [m/s]

6250
mittlerer Wert der

6000

5750
vmean,12/20 = 0,0838*Em + 4734
5500 R = 0,8401

5250

5000
7000 9500 12000 14500 17000 19500
E-Modul (k) [N/mm²]

Abb. 7.12 Korrelationsdiagramm für den Zusammenhang zwischen dem Biege – E – Modul Em (auf
u=12 % korrigiert) und der mittleren US – Geschwindigkeit vmean,12/20 (auf u = 12 % und
T = 20 °C korrigiert) [175]

Dem Diagramm ist zu entnehmen, dass zwischen den beiden Kenngrößen ein ausge-
zeichneter, leicht nichtlinearer Zusammenhang besteht. Dieser könnte durch Berücksich-
tigung der Rohdichte und Ermittlung des dynamischen E – Moduls noch gesteigert
werden. Im Allgemeinen wird jedoch aus Gründen der leichteren Messbarkeit darauf
verzichtet.

Die folgende Abbildung zeigt den Zusammenhang zwischen der korrigierten Biegefes-
tigkeit fm und der korrigierten minimalen US – Geschwindigkeit (mittlere Holzfeuchte
u = 18 %).

Manfred AUGUSTIN Seite 212


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Zusammenhang zwischen der Biegefestigkeit (k) und dem


minimalen Wert der Ultraschallgeschwindigkeit am Kantholz

6500
Ultraschallgeschwindigkeit am

6250
Kantholz v min,12/20 (k) [m/s]
Minimaler Wert der

6000

5750

5500

5250 vmin,12/20 = 14,768 · fm + 5287,7


R = 0,6300
5000
0,00 10,00 20,00 30,00 40,00 50,00 60,00 70,00
Biegefestigkeit fm (k) [N/mm²]

Abb. 7.13 Korrelationsdiagramm für den Zusammenhang zwischen der Biegefestigkeit fm (auf u=12 %
korrigiert) und der minimalen US – Geschwindigkeit vmin,12/20 (auf u = 12 % und
T = 20 °C korrigiert)

- Ermittlung der Klassengrenzen

Die Ermittlung der Klassengrenzen erfolgte auf Basis der in ÖNORM B 4100 – 2 ange-
gebenen E – Moduln aus den oben angeführten Korrelationsbeziehungen zwischen dem
Biege – E – Modul und der mittleren US – Geschwindigkeit als Klassenmittelwerte.

Für den E – Modul der Sortierklasse ,S 13’ wurde dabei ein mittlerer E – Modul von
12.000 N/mm² angesetzt.

US – Grenzwerte [m/s] US 13 US 10 US 7

aus dem Zusammenhang mittlere US –


5650 5500 5300
Geschwindigkeit (k) und dem Biege – E – Modul (k)

aus dem Zusammenhang mittlere US –


Geschwindigkeit (nk) und dem Biege – E – Modul 5550 5400 5200
(nk); mittlere Holzfeuchte u = 18 %

Anmerkung:
E – Modul Korrektur auf u = 12 % Holzfeuchte; Korrektur der US – Geschwindigkeiten auf
u = 12 % Holzfeuchte und T = 20° C Holztemperatur

Tab. 7.17 US – Grenzwerte aus der Korrelationsanalyse [175]

Manfred AUGUSTIN Seite 213


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,Eine zusammenfassende Darstellung der Festigkeitssortierung von Schnittholz’

Mit den Grenzwerten für die korrigierten Werte aus Tabelle 7.17

US – Grenzwerte [m/s] US 13 US 10 US 7

ermittelt aus dem Zusammenhang US – Mittelwert


5650 5500 5300
am Kantholz (k) und dem E – Modul am Kantholz (k)

Tab. 7.18 US – Grenzwerte mit den korrigierten Werten aus Tab. 7.17 [175]

ergeben sich die nachfolgenden Kenngrößen:

Ergebnisse US 13 US 10 US 7 < US 7

Anzahl [-] 98 12 6 4

Biegefestigkeit (5 % – Fraktile NV) [N/mm²] 30,26 17,47 18,81 19,58

E – Modul (Mittelwert) [N/mm²] 14.364 10.850 9.617 9.496

Ausbeute [%] 81,67 10,00 5,00 3,33

Ausfälle [%] 7,14 25,00 0,00 –

Tab. 7.19 Ergebnisse einer US – Sortierung mit den US – Grenzwerten nach Tab. 7.18 [175]

Eine Erhöhung der Zuverlässigkeit der US – Sortierung kann durch Anheben der US –
Grenzwerte vorgenommen werden. Beispielsweise sei hier eine gleichmäßige Anhebung
um die Sicherheitsmarge ∆v = 100 m/s dargestellt, die zu folgenden Grenzwerten füh-
ren:

US – Grenzwerte + ∆v = 100 [m/s] US 13 US 10 US 7

ermittelt aus dem Zusammenhang US – Mittelwert


5750 5600 5400
am Kantholz (k) und dem E – Modul am Kantholz (k)

Tab. 7.20 US – Grenzwerte nach Tab. 7.18 zuzüglich einer Sicherheitsmarge von 100 m/s [175]

Damit können dann folgende Ergebnisse erreicht werden:

Ergebnisse US 13 US 10 US 7 < US 7

Anzahl [-] 84 16 14 6

Biegefestigkeit (5 % – Fraktile NV) [N/mm²] 31,95 23,11 16,21 21,10

E – Modul (Mittelwert) [N/mm²] 14.667 12.361 10.392 9.705

Ausbeute [%] 70,00 13,33 11,67 5,00

Ausfälle [%] 3,57 0,00 0,00 –

Tab. 7.21 Ergebnisse einer US – Sortierung mit den US – Grenzwerten nach Tab. 7.20 [175]

Manfred AUGUSTIN Seite 214


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Aus den nicht korrigierten Werten der Tabelle 7.17 folgt:

US – Grenzwerte [m/s] US 13 US 10 US 7

ermittelt aus dem Zusammenhang US – Mittelwert


am Kantholz (nk) und dem E – Modul am Kantholz 5550 5400 5200
(nk); mittlere Holzfeuchte u = 18 %

Tab. 7.22 US – Grenzwerte mit den nicht korrigierten Werten aus Tab. 7.17 [175]

Damit ergeben sich die nachfolgenden Kenngrößen:

Ergebnisse US 13 US 10 US 7 < US 7

Anzahl 80 25 9 6

Biegefestigkeit (5 % – Fraktile NV) [N/mm²] 32,86 21,60 15,47 21,10

E – Modul (Mittelwert) [N/mm²] [N/mm²] 13.152 10.762 9.365 8.756

Ausbeute [%] 66,70 20,83 7,50 5,00

Ausfälle [%] 2,50 4,00 0,00 –

Tab. 7.23 Ergebnisse einer US – Sortierung mit den US – Grenzwerten nach Tab. 7.22 [175]

Auch hier soll wieder die Auswirkung einer Anhebung der US – Grenzwerte gezeigt wer-
den:

US – Grenzwerte + ∆v = 100 [m/s] US 13 US 10 US 7

ermittelt aus dem Zusammenhang US – Mittelwert


am Kantholz (nk) und dem E – Modul am Kantholz 5650 5500 5300
(nk)

Tab. 7.24 US – Grenzwerte nach Tab. 7.22 zuzüglich einer Sicherheitsmarge von ∆v 100 m/s [175]

Damit ergeben sich folgende Ergebnisse:

Ergebnisse US 13 US 10 US 7 < US 7

Anzahl [-] 67 25 20 8

Biegefestigkeit (5 % – Fraktile NV) [N/mm²] 35,40 23,73 19,41 18,34

E – Modul (Mittelwert) [N/mm²] 13.523 11.305 9.814 9.178

Ausbeute [%] 55,83 20,83 16,67 6,67

Ausfälle [%] 0,00 0,00 0,00 –

Tab. 7.25 Ergebnisse einer US – Sortierung mit den US – Grenzwerten nach Tab. 7.24 [175]

Manfred AUGUSTIN Seite 215


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7. 5. 8 Visuelle kombiniert mit Ultraschallsortierung am Kantholz [175]

- Ausbeuten

Nachstehend sollen die Ausbeuten einer kombinierten Sortierung mit den Ultraschall-
kennwerte (korrigierte Werte) nach Tabelle 7.17 angeführt werden:

Ausbeute Sortierer A Ausbeute Sortierer B


visuell-US v isuell-US

60% 60%
50% 50%
40% 40%
30% 30%
20% 20%
S 13 10% S 13 10%
0% 0%
S7 S7
<S7

<S7
S7
S7

visuell visuell

S 10
S 10
S 13

S 13
US
US

Ausbeute Sortierer C Ausbeute Sortierer D


v isuell-US v isuell-US

60%
60%
50% 50%
40% 40%
30% 30%
20% S 13 20%
S 13 10% 10%
0% 0%
S7 S7
<S7
<S7

S7
S7

visuell visuell
S 10
S 10

S 13
S 13

US
US

Ausbeute Sortierer E Ausbeute ÖNORM


v isuell-US DIN 4074 - 1
visuell - US

60%
50% 60,00%
40% 50,00%
30% 40,00%
20% 30,00%
S 13 10% 20,00%
S 13
0% 10,00%
S7 0,00%
<S7

S7
<S7
S7

visuell visuell
S7
S 10

S 10
S 13

S 13

US US

Tab. 7.26 Ausbeuten einer ,virtuellen’ kombinierten Sortierung Visuell und Ultraschall [175]

Manfred AUGUSTIN Seite 216


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,Eine zusammenfassende Darstellung der Festigkeitssortierung von Schnittholz’

- Ergebnisse der mechanischen Kenngrößen

Nachstehend werden die Ergebnisse der kombinierten Sortierung Ultraschall und visuel-
le Sortierung dargestellt. Für die US – Sortierung wurden dabei die US – Grenzwerte
nach Tab. 7.22 angesetzt.

Biegefestigkeit ÖNORM Sortierer Sortierer Sortierer Sortierer Sortierer


[N/mm²] DIN A B C D E
4074 – 1
5% – Fraktile NV

US 13 + vis S 13 36,27 35,84 36,46 36,34 35,90 40,60

US 13 / vis S 10 30,02 31,00 34,36 34,36 28,52 33,09

US 10 / vis S 13 26,21 23,97 28,36 28,36 20,90 24,27

US 10 + vis S 10 18,35 16,99 18,75 18,75 19,19 21,44

Misch S 10 22,48 23,21 27,19 27,19 21,14 28,07

Anmerkung:
Als ,Misch S 10’ wird die Zusammenfassung der Klassengruppen ,US 13 + vis S 10’, ,US 10 /
vis S 13’ und ,US 10 + vis S 10’ bezeichnet

Tab. 7.27 Ergebnisse Biegefestigkeit der kombinierten Sortierung Ultraschall und visuelle Sortierung
[175]

Biege – E – Modul ÖNORM Sortierer Sortierer Sortierer Sortierer Sortierer


[N/mm²] DIN A B C D E
4074 – 1
Mittelwert

US 13 + vis S 13 13.688 13.415 13.294 13.195 13.533 13.234

US 13 / vis S 10 12.425 12.902 13.148 13.206 11.735 13.157

US 10 / vis S 13 10.823 10.451 11.017 10.786 10.891 12.069

US 10 + vis S 10 9.615 9.796 10.297 10.184 9.567 10.211

Misch S 10 11.151 11.484 12.100 12.220 10.667 12.343

Tab. 7.28 Ergebnisse Biege – E – Modul der kombinierten Sortierung Ultraschall und visuelle Sortierung
[175]

Manfred AUGUSTIN Seite 217


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Ausbeute ÖNORM Sortierer Sortierer Sortierer Sortierer Sortierer


[%] DIN A B C D E
4074 – 1

US 13 + vis S 13 40,83 38,33 21,67 7,50 52,50 10,00

US 13 / vis S 10 24,17 25,00 35,83 40,00 13,33 49,17

US 10 / vis S 13 15,83 12,50 4,17 5,00 14,17 3,33

US 10 + vis S 10 16,67 13,33 18,33 15,83 15,83 18,33

Misch S 10 56,67 50,83 58,33 60,83 43,33 70,83

Rest 2,50 10,84 20,00 31,67 4,17 19,17

Tab. 7.29 Ergebnisse Ausbeuten der kombinierten Sortierung Ultraschall und visuelle Sortierung [175]

Ausfälle ÖNORM Sortierer Sortierer Sortierer Sortierer Sortierer


[%] DIN A B C D E
4074 – 1

US 13 + vis S 13 2,04 2,17 3,85 0,00 3,17 0,00

US 13 / vis S 10 0,00 3,33 2,33 4,17 0,00 3,39

US 10 / vis S 13 5,26 20,00 40,00 16,67 29,41 25,00

US 10 + vis S 10 20,00 18,75 4,55 10,53 15,79 9,09

Misch S 10 7,35 11,48 5,71 6,85 15,38 5,88

Anmerkung:
Als Ausfälle wurden jene Proben bezeichnet, deren Laborbiegefestigkeit kleiner als die
entsprechende charakteristische Festigkeit der zugeordneten Festigkeitsklasse ist (also z.B. C
30 (=S 13) < 30 N/mm²)

Tab. 7.30 Ergebnisse Ausfälle der kombinierten Sortierung Ultraschall und visuelle Sortierung [175]

Eine Interpretation der Ergebnisse erfolgt im folgenden Abschnitt.

Manfred AUGUSTIN Seite 218


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,Eine zusammenfassende Darstellung der Festigkeitssortierung von Schnittholz’

7. 5. 9 Zusammenfassende Bemerkungen zur US – Sortierung [175]

Im Voraus ist festzustellen, dass die US – Sortierung mit den vorliegenden Daten dieses
Projektes als Sortiermöglichkeit für Kantholzquerschnitte bestätigt bzw. deren Anwen-
dung empfohlen werden kann.

Besonders der Zusammenhang der (mittleren) US – Geschwindigkeit mit dem (stati-


schen) Biege – E – Modul kann an Hand der Korrelationsanalyse sowohl für die, auf die
Referenzwerte korrigierten, als auch für die nicht korrigierten Kennwerte der Probekörper
als ausgezeichnet angesprochen werden. Dies wird durch die hohen Korrelationskoeffi-
zienten von 0,840 (k) bzw. 0,823 (nk) aus Tab. 7.16 ausgewiesen. Dementsprechend
eignet sich das Ultraschalllaufzeitverfahren ausgezeichnet für eine einfache und kosten-
günstige Steifigkeitssortierung von Bauholz.

Ein etwas schlechterer, jedoch als ausreichend gut zu bezeichnender Zusammenhang er-
gibt sich aus der Korrelationsanalyse zwischen der (Biege-) Festigkeit und dem (stati-
schen) Biege – E – Modul (Korrelationskoeffizienten von 0,687 (k) bzw. 0,686 (nk)) aus
Tab7.16. Die Zusammenhänge sind also für beide Analysen praktisch gleich ausge-
prägt.

Allerdings ergibt die Auswertung der vorliegenden Messdaten für den nicht korrigierten
Fall zum Großteil bessere, im Sinne realistischerer Ergebnisse, hinsichtlich der Festigkeit-
und Steifigkeitseigenschaften. Wie lässt sich diese Diskrepanz erklären ?

Wie oben erwähnt, wurden die Klassengrenzen für die in ÖNORM B 4100 – 2 (im Falle
der Klasse ,S 13’ mit dem aus den vorliegenden Daten empfohlenen 12.000 N/mm²)
festgelegten E – Moduln (Tab. 7.1) errechnet, dies bedeutet insbesondere für die korri-
gierten Werte einen zu geringen Ansatz (siehe auch ein Vergleich der Korrelationsbezie-
hungen Abb. 7.18 und 7.19 mit den ermittelten US – Grenzwerten aus Tab. 7.17) um
zu brauchbaren US – Grenzwerten zu kommen. Diesen Umstand belegen auch die Er-
gebnisse einer Anhebung der US – Grenzwerten um ∆v = 100 m/s (Tab. 7.21).

Es wird weiters festgestellt, dass es sich bei der US – Sortierung eigentlich um eine ,rela-
tive’ Sortierung handelt. Definierte Grenzwerte können also nur für einen bestimmten Pa-
rametersatz (Holzart, Holzfeuchte etc.) als brauchbar angesehen werden. Bei
Veränderung der beeinflussenden Parameter müssten die US – Grenzwerte angepasst
werden.

Die Zuverlässigkeit einer US – Sortierung kann durch Erhöhung der Grenzwerte gestei-
gert werden. Dies lässt sich mit den Ergebnissen der Tab. 7.21 bzw. 7.25 zeigen.

Dieser Umstand kann auch als Vorteil der US – Sortierung gedeutet werden, denn der
Anwender kann durch Veränderung der US – Grenzwerte die Sicherheit seiner Sortierung
anpassen.

Manfred AUGUSTIN Seite 219


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,Eine zusammenfassende Darstellung der Festigkeitssortierung von Schnittholz’

Für eine allfällige kombinierte US – Sortierung mit einer visuellen Sortierung kann fest-
gehalten werden, dass die Sortiersicherheit für alle Klassen gegenüber einer alleinste-
henden visuellen Sortierung deutlich gesteigert werden kann. Dies drückt sich in einer
signifikanten Anhebung sowohl der Festigkeits- als auch der Steifigkeitskennwerte aus.
So können für die Festigkeitsklasse ,S 13’ durchschnittliche Biegefestigkeiten von rund
36 N/mm² gegenüber rund 32 N/mm² bzw. Biege – E – Moduln von rund
13.400 N/mm² gegenüber rund 12.800 N/mm² erreicht werden. Dabei werden insbe-
sondere die ,Ausreißer’ durch die US – Sortierung herausgefiltert. Für die Sortierklasse
,S 10’ ergibt sich sowohl bei den Biegefestigkeiten als auch den Biege – E – Moduln
praktisch kein Unterschied zur visuellen Sortierung.

Die Erhöhung der Sortiersicherheit für die Festigkeitsklasse ,S 13’ wird allerdings durch
eine deutliche Senkung der Ausbeute erkauft. Hier wäre zu überlegen, ob die durchge-
führte Klassenbildung US 13 + vis S 13 nicht durch die Klasse US 13 / vis S 10 in eine
Klasse ,Misch S 13’ erweitert werden sollte was sich auf Grund der ermittelten Festig-
keits- und Steifigkeitskennwerte anbieten würde.

7. 6 Bruchursachen- und Problembereiche [175]

7. 6. 1 Angeführte Sortiermerkmale

Von Interesse ist hier die Art der von den einzelnen Sortierern bei der visuellen Begutach-
tung am häufigsten genannten und somit für die praxisrelevante Sortierung ausschlag-
gebenden Sortiermerkmale.

Am häufigsten wurde, wie zu erwarten, das Sortierkriterium Astigkeit bzw. Astansamm-


lung (in der ÖNORM DIN 4074 – 1 für Kanthölzer ein eigentlich nicht definierter Begriff;
wegen des häufigen Auftretens und der für die Festigkeit als kritisch einzustufenden Aus-
wirkungen jedoch erfasst) angeführt. Die Sortierung nach der Astigkeit erfolgte z.T. durch
Angabe von Art und Größe, z.T. nur durch relative Angaben, wie großer Ast, Astan-
sammlung usw.

Als weitere häufig genannte Gründe für die Einstufung in die Sortierklassen wurden die
Parameter ,Jahrringbreite’, ,Schrägfaser’ sowie ,Verdrehung’ in etwa gleich oft genannt.

Häufig wurde auch auf Grund des Sortierkriteriums ,Druckholz’ eine tiefer liegende Klas-
sierung vorgenommen.

Manfred AUGUSTIN Seite 220


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,Eine zusammenfassende Darstellung der Festigkeitssortierung von Schnittholz’

7. 6. 2 Im Labor angetroffene Bruchursachen

Erwartungsgemäß war hier besonders oft das Kriterium ,Astigkeit’ für den Bruch entschei-
dend. Als besonders gefährlich können hier die Astkränze bzw. Astansammlungen bei
den einstielig, aber auch den zweistielig eingeschnittenen Kanthölzern eingestuft werden.

Die nachfolgenden Bilder (alle aus [175]) zeigen einige der Brüche, die von Ästen aus-
gegangen sind:

Abb. 7.14 Bruch infolge Astigkeit Abb. 7.15 Bruch durch Ast in der Zugzone

Abb. 7.16 Bruch infolge ’Ast- Abb. 7.17 Anriss bei einem Abb. 7.18 lokale Schrägfa-
quirl’ (auch: ,Ast- Ast; ,Spaltwirkung ser durch Astigkeit
kranz’) durch angeschnit-
tene Faser

Manfred AUGUSTIN Seite 221


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,Eine zusammenfassende Darstellung der Festigkeitssortierung von Schnittholz’

Abb. 7.19 Bruch durch ,Astquirl’ Abb. 7.20 Bruch durch ,Astquirl’

Praktisch gleich oft, wenn auch nicht immer als eindeutige Bruchursache, konnten Brü-
che im Zusammenhang mit Reaktionsholz (ugs.: ,Buchs’) festgestellt werden.

Natürlich können die Auswirkungen von ,Buchs’ durch richtigen Einbau in der Praxis ab-
gemildert werden. Es zeigte sich, dass Querschnitte mit erhöhtem Druckholzanteil in den
mechanischen Kenngrößen nicht wesentlich gegenüber vergleichbaren Proben ohne
,Buchs’ abfallen. Trotzdem stellt Reaktionsholz wegen des ausgeprägt spröden Bruchver-
haltens (Abb. 7.22) und des von Außen nicht immer in vollem Umfang erkennbaren Aus-
maßes ein besonders zu beachtendes Kriterium dar. Insbesondere wird durch Druckholz
die Dimensionsstabilität (,Verdrehung’, ,Krümmung’) wesentlich beeinflusst.

Manfred AUGUSTIN Seite 222


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Nachfolgend dazu einige Bilder des angetroffenen Druckholzes in den Kanthölzern:

Abb. 7.21 Querschnitt mit Reaktionsholz (Buchs) Abb. 7.22 zugehöriges Kraft –
Weg – Diagramm

Abb. 7.23 Reaktions- Abb. 7.24 typisches Bruchbild in Ver- Abb. 7.25 sichelför-
holz mit Vor- bindung mit Reaktionsholz miges Reak-
schädigung tionsholz

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Abb. 7.26 Reaktions- Abb. 7.27 typischer Bruchquerschnitt Abb. 7.28 Abgleiten des
holz; mit Druckholzbeteiligung spröderen
von Außen Reaktions-
zum Großteil holzkeiles
nicht sichtbar

Ein weiteres, häufig angetroffenes Merkmal stellt der Faserverlauf bzw. Schrägfaser und
Drehwuchs dar.

Abb. 7.29 Bruchfläche mit Bruch durch Schräg- Abb. 7.30 Schrägfaser mit lokaler Fasernei-
faser gung

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