Sie sind auf Seite 1von 305

Der

Perestroika-Betrug

Die Welt bewegt sich in Richtung auf die

„Zweite Oktober-Revolution“
[Weltoktober]

Anatoliy Golitsyn

Autor von „Neue Lügen Für Alte“

1
Über den Autor

Anatoliy Golitsyn wurde 1926 in der Ukraine geboren. Als Kadett an der Militärschule wurde er
mit einem Sowjetorden „für die Verteidigung Moskaus im Großen Vaterländischen Krieg für das
Graben von Panzergräben in der Nähe Moskaus ausgezeichnet. Im Alter von 15 Jahren wurde Golitsyn
Mitglied im „Komsomol“ (Liga der kommunistischen Jugend), und mit 19 Jahren trat er in die
Kommunistische Partei ein. Im selben Jahr bewarb er sich beim KGB, wo er studierte und seinen
Dienst bis 1961 verrichtete. Er erwarb Diplome von der „Moskauer Schule für Gegenspionage,“ der
„Universität des Marxismus und Leninismus,“ der Fakultät für Gegenspionage an der „Hochschule für
Spionageabwehr“ und absolvierte ein Fernstudium der „Hochschule für Diplomatie.“ In den Jahren
1952 und 1953 beschäftigte er sich mit einem Freund mit der Ausarbeitung eines Vorschlags für das
„Zentralkomitee“ zur Verbesserung der sowjetischen Spionageabwehr.

Im Zusammenhang mit diesem Vorschlag nahm er an einer Sitzung des Parteisekretariats unter dem
Vorsitz von Stalin und an einer weiteren Sitzung des Präsidiums unter dem Vorsitz von Malenkow teil,
bei der auch Chruschtschow, Breschnew und Bulganin anwesend waren. In der Zeit von 1952 bis 1953
arbeitete er kurzfristig als Abteilungsleiter in einer Sektion, die sich mit Gegenspionage gegen die USA
beschäftigte. Im Jahre 1959 schloß Golitsyn ein vierjähriges Jurastudium am „KGB-Institut“ (jetzt
KGB-Akademie) in Moskau ab.

Von 1959 bis 1960, zu der Zeit, als die sowjetische „Langzeitstrategie“ entwickelt wurde, und der KGB
zur Erfüllung seiner Aufgabe in dieser Strategie umorganisert wurde, diente er als „Hauptanalytiker“
in der NATO-Sektion der Informationsabteilung des sowjetischen Spionagedienstes. Zur
Durchführung von Gegenspionageaktionen wurde er in der Zeit von 1953 bis 1955, und von 1960 bis
1961 an die Sowjetbotschaften in Wien und Helsinki versetzt.

Im Dezember 1961 lief Golitsyn zu den Vereinigten Staaten von Amerika über. Als Folge seines
geleisteten Beitrags für die „Nationale Sicherheit der führenden westlichen Staaten“ wurde er mit der
Verleihung der „United States Government Medal for Distinguished Service“ geehrt. Er wurde zum
„Ehrenkommandeur des Britischen Empire“ (CBE) ernannt. Seine Aufnahme in die französische
„Ehrenlegion“ war vorbereitet, erfolgte aber wegen des Todes von Staatspräsident Pompidou und dem
damit verbundenen Regierungswechsel nicht.

Seit 1962 hat der Autor sehr viel Zeit darauf verwendet, die kommunistischen und internationalen
Angelegenheiten und Ereignisse zu studieren, indem er die westlichen und östlichen Pressemedien
miteinander verglich. Im Jahre 1980 vollendete er sein Buch „New Lies For Old,“ das erst 1984

2
veröffentlicht wurde. Es handelt sich um eine Studie über die sowjetische „Langzeitstrategie von Lüge
und Desinformation.“

Über einen Zeitraum von mehr als dreißig Jahren erstellte Golitsyn für die „Central Intelligence
Agency“ (CIA) Memoranden, in denen er die CIA über zeitliche und sonstige Entwicklungen in bezug
auf die sowjetrussische kommunistische Strategie versorgte. Durch die Anwendung der „Dialektischen
Methodologie,“ die hinter der Strategie steht, war es dem Autor möglich, eine ungeheuer große Zahl
von „Volltreffern“ zu erzielen. Dieser erreichte Rekord im Hinbkick auf die Genauigkeit seiner
Prognosen, sind das Ergebnis seiner vierjährigen Tätigkeit und Erfahrung mit der KGB-Strategie, die
in den „Denkfabriken“ erarbeitet wurde. Seine Erfahrung wird durch sein tiefes Verständnis für die
dialektische Natur der Strategie und die leninistische Mentalität ihrer Erfinder begleitet. Der Autor ist
Bürger der Vereinigen Staaten von Amerika.

Inhaltsverzeichnis

Über den Autor


Danksagungen
Vorwort des Autors

3
Einführung von Christopher Story, Herausgeber & Verleger, SOVIET ANALYST

ERSTER TEIL: DER „PERESTROIKA“-BETRUG


Die Welt bewegt sich in die Richtung der „Zweiten Oktoberrevolution“
(„Weltoktober“)
Aufbau der Dokumente
Über die Memoranden

Memorandum an die Central Intelligence Agency: März 1989


Prognose, Verständnis und Umgang mit „Perestroika“
Prognose von „Perestroika“ in „New Lies for Old“
Ergänzende Prognosen zu „Perestroika“ in Memoranden an die CIA:
4. Juli 1984, 5. Juli 1985, August 1985, Winter 1986, März 1987
Korrekte Prognosen auf der Grundlage der neuen Analysemethode
Die Übernahme der Langzeitstrategie von „Perestroika“
Sowjetische Forschung und Vorbereitung auf die Strategie
Die Rolle des KGB bei der Vorbereitung von „Perestroika“
Experimente und Probeläufe von „Perestroika“
„Perestroika,“ die Endphase: Ihre Hauptziele
Die Essenz von „Perestroika:“ Anwendung des Leninismus aus den Jahren um 1920
Die Auswahl von Partei- und Regierungsführern für „Perestroika“
Gorbatschow als Parteiführer und Präsident
Die Wahl Ligachevs und Jeltzins als Kritiker der Linken und Rechten
Schewardnaze als Außenminister
Yakovlev als Leiter der Kommission für Außenpolitik
Chebrikov als Leiter der Kommission für Rechtsfragen
Kryuchkov als Leiter des KGB
Dubinin als Sowjetbotschafter in Washington
Präsident Reagan umarmt den Bären
Die Sowjetkampagne zur Beteiligung der amerikanischen Elite
Dialektik der Strategie und die Brisanz der neuen Analysemethode
Prognosen zur Durchführung der strategischen Endphase
Zunehmende Bedeutung der Kommunistischen Partei
Eine stärkere, reifere Ideologie
Ein verbesserter, umorganisierter KGB
Das neue Modell des Sowjetregimes
„Umstrukturierung“ in Osteuropa und China

4
„Umstrukturierung“ in Westeuropa
„Umstrukturierung“ der Dritten Welt
„Umstrukturierung“ der amerikanischen militärischpolitischen Bündnisse
„Umstrukturierung“ in den Vereinigen Staaten von Amerika
Die Sowjetkampagne gegen die Antikommunisten des Westens
Die sowjetischen Absichten hinsichtlich der nächsten Wahlen in den USA und Westeuropa:
Die radikale Linke
Der mögliche Austausch Gorbatschows
China: Ein strategischer Feind der USA
Mangelhafte westliche Analysemethoden
Die Mängel der westlichen Gegenspionage
Fehlinterpretationen über Gorbatschow und „Perestroika“
Das Erfordernis einer amerikanischen Gegenstrategie
Die Krise der Analyse und Maßnahmen zur Verbesserung
Dr. Brzezinskis Strategie für den Westen in Osteuropa
Das Erfordernis zur Verbesserung der westlichen Nachrichtendienste
Das zwingende Erfordfernis der öffentlichen Bloßstellung der „Perestroika“-Strategie
Die Vorteile der Bloßstellung der Strategie

ZWEITER TEIL: KOMMUNISTISCHE GROSS-STRATEGIEN UND WESTLICHE


ILLUSIONEN
Memorandum an die Central Intelligence Agency: 4. Januar 1988
Eine Einschätzung des Gorbatschow-Besuchs in den Vereinigten Staaten
angesichts der großen sowjetischen Täuschungsstrategie
Die drei großen Strategien
Die erste Großsterategie
Die zweite Großstrategie
Die dritte und gegenwärtige Großstrategie
Die Hauptziele der dritten Großstrategie
„Annäherung“ durch taktische Veränderungen und Desinformation
Amerikanische offizielle Taktiken gegen die offizielle sowjetische Strategie
Gorbatschows Amerikabesuch - ein Trojanisches Pferd zur Einbindung der amerikanischen
Elite in die Strategie der „Annäherung“
Das Erfordernis von Gegenaktionen durch die Vereinigten Staaten
Vorschläge des Autors

DRITTER TEIL: WESTLICHE GEGENSTRATEGIE GEGEN „PERSTROIKA“

5
Memorandum an die Central Intelligence Agency: September 1988
Westliche Gegenstrategie gegen „Perestroika“
Strategische Fehler Amerikas aus der Vergangenheit im Umgang mit der kommunistischen
Welt
Die Fehler zur Zeit des Vietnamkrieges
Das Szenario des verstorbenen Ex-Präsidenten Nixon für den Umgang mit Gorbatschow
Westliche Gegenstrategie gegen „Perestroika“

VIERTER TEIL: DIE DURCHFÜHRUNG DER „PERESTROIKA“-STRATEGIE


UND DIE BLINDE WESTLICHE REAKTION DARAUF:
DIE SIEBEN SCHLÜSSEL ZUM VERSTÄNDNIS VON „PERESTROIKA“
DAS ERFORDERNIS ZUM ÜBERDENKEN UNSERER BISHERIGEN REAKTION
Memorandum an die Central Intelligence Agency: März 1990
Die Durchführung der „Perestroika“-Strategie
Die blinde Reaktion des Westens
Die sieben Schlüssel zum Verständnis von „Perestroika“
Das Erfordernis zum Überdenken unserer bisherigen Reaktion
Die Fehleinschätzung von „Perestroika“ durch die Bush-Administration und ihre blinde
Reaktion haben den Westen in die Irre geführt
Die sieben Schlüssel zum Verständnis der „Perestroika“-Strategie
Der erste Schlüssel: Lenins Neue Wirtschaftspolitik (NWP) als Vorläufer von
„Perestroika“
Die Krise des Sowjetimperiums
Versuche zur Beherrschung der Krise im Sowjetblock vor Übernahme der „Perestroika“-
Strategie
Zhdanovs Politikszenario
Berias Politik: Persönliche Diktatur mit Liberalisierung
Malenkows Politik: Ein kurzlebiger, aber echter Versuch, um mit der Vergangenheit zu brechen
Chruschtschows Politik vor Übernahme der Strategie in den Jahren 1958/60
Die Grundelemente von Lenins „Neuer Wirtschaftspolitik“ (NWP)
Die Konsequenzen der leninschen NWP
Geheime Forschungen auf der Grundlage der Erfahrungen mit der NWP
Gorbatschow zu „Perestroika“
Der zweite Schlüssel: Vorbereitungen für den Einsatz des gesamten Polit- und
Sicherheitspotenzials des Kommunistischen Blocks
Der dritte Schlüssel: Die Schaffung einer kontrollierten „politischen Opposition“ in den
kommunistischen Ländern

6
Der vierte Schlüssel: Lenins „Verbindung alter und neuer Formen“ zur Entwicklung des
Sozialismus, und Chicherins Idee von den falschen repräsentativen Institutionen durch die
Zulassung von Nichtkommunisten
Der fünfte Schlüssel: Der Einsatz von „kontrollierten politischen Oppositionen“ in
„demokratischen“ und nicht-kommunistischen Strukturen
Der sechste Schlüssel: Lenins Einsatz einer formalen politischen „Unabhängigkeit“ für
die Fernöstlichen und Georgischen Republiken
Der siebte Schlüssel: Der Einsetzung des gesamten Polit- und Sicherheitspotenzials bei
der Durchführung der antiwestlichen Strategie
Fukuyama und „das Ende der Ideologie“
Die Entwicklun g von „Perestroika in den kommunistischen Ländern:
Gemeinsame Schemata und Besonderheiten
Partnerschaft zwischen der alten und der neuen Führungsgeneration
Die Bedeutung der Neuorganisation des KGB und der osteuropäischen
Sicherheits- und Nachrichtendienste
Die Bedeutung der Preisgabe des Parteimonopols und die Neurorganisation der
Regierung
Das gemeinsame Muster läßt eine „Revolution von oben“ erkennen
Der Erfolg von „Perestroika“
Besonderheiten in einzelnen kommunistischen Staaten
Die Besonderheiten von „Perestroika“ in Rumänien
Die Besonderheiten von „Perestroika“ in China
Die Selektive Ermordung von nichtorganisierten Elementen auf dem Tienanmen Platz
Die Probleme der westlichen Medien bei der Berichterstattung über
„Perestroika“
Anmerkungen zu einem Bericht von „Z“ in „Daedalus“
Schlußfolgerungen und das Erfordernis der Neubewertung der blinden
Reaktion des Westens auf „Perestroika“
Prioritäten für die Neubewertung

FÜNFTER TEIL: „PERESTROIKA“ - EINE SOWJETSTRATEGIE ZUR


HERBEIFÜHRUNG DER „ZWEITEN OKTOBERREVOLUTION“
(WELTOKTOBER)
GEWALTLOSE REVOLUTION, KONTROLLIERTER FALSCHER „DEMOKRATISMUS“
UND STRATEGISCHE DESINFORMATION
1. „PERESTROIKA“ ALS STRATEGIE FÜR DIE HERBEIFÜHRUNG EINER ZWEITEN
„SOZIALISTISCHEN WELTOKTOBERREVOLUTION (WELTOKTOBER)

7
2. DAS NEUE SCHEMA VON GEWALTLOSER REVOLUTION, NICHT DURCH
KOMMUNISTISCHE PARTEIEN, DIKTATUREN, DIE SOWJETARMEE UND GEWALT,
SONDERN DURCH FALSCHE REOFRMEN, BEEINFLUSSUNG UND DAS POLITISCHE
AGIEREN DER SOWJETKRÄFTE MITTELS PARTEIKONTRIOLIERTER
„DEMOKRATISIERUNG“ UND DEM SOGENANNTEN MULTI-PARTEIENSYSTEM IN
DER UDSSR
3. DIE ENTSCHEIDENDE ROLLE DER SOWJETISCHEN STRATEGISCHEN
DESINFORMATION FÜR DIE ERFOLGREICHE DURCHFÜHRUNG DER
„PERESTROIKA“-STRATEGIE
Memorandum an die Central Intelligence Agency: September/November 1990
Sowjetische Ablehnung des wirkungslosen -Schemas gewaltsamer Revolution in bestimmten
Teilen der Welt
Warum haben sich die Sowjetstrategen für eine gewaltlose Weltrevolution entschieden?
Die Ziele und Methoden der kommunistisxhen Strategie und politischen Offensive
Die umfassende Rolle der Partei als lenkende Kraft hinter der Strategie
Die Ressourcen der sowjetischen Politoffensive
Das „Multi-Parteiensystem“ ist ein künstliches Instrument des KGB
Die Sowjetmedien als strategische Waffe für die politische Offensive gegen die Vereinigten
Staaten von Amerika und die NATO
Der politische Durchbruch der Sowjets in Deutschland:
Die Entwicklung der sowjetisch-deutschen Partnerschaft
Eine Einschätzung der Irak-Invasion von Kuwait und der sowjetischen und chinesischen
ablehnenden Haltung unter strategischen Gesichtspunkten
Die Bedrohung durch zukünftige, nicht rpckverfolgbare nukleare Aktionen
Die grundsätzlichen Unterschiede zwischen sowjetischen und westlichen Konzepten von
Demokratie und Marktwirtschaft
Wartum der Westen die Essenz und Gefahren der sowjetischen „Demokratisierung“ ignoriert
Beweise für die Strategie
Der Würgegriff der sowjetischen strategischen Desinformation
Das vermutliche Endergebnis

SECHSTER TEIL: DER „AUGUST COUP“ UND SEIN KALKULIERTER


FEHLSCHLAG
Ein vorsätzlich herbeigeführter „Bruch mit der Vergangenheit“
Memorandum an die Central Intelligence Agency: April 1991

8
Ein Hauch von Realismus bei der Bewertung der Auseinandersetzung zwischen
Gorbatschows Anhängern, Jeltzins Anhängern und den Nationalisten in den
Sowjetrepubliken
Memorandum an die Central Intelligence Agency: 19. August 1991
Hintergründe des Sowjet-Coups:
Sowjetische Strategie und ihre Entwicklung
Die Hauptziele des Staatsstreichs
Memorandum an die Central Intelligence Agency: 20. August 1991
Eine weitere Analyse der Ziele des Sowjet-Coups
Memorandum an die Central Intelligence Agency: 26. August 1991
Die Analyse des Autors über die Ziele des kalkulierten Sowjet-Coups und des
geplanten „Fehlschlags“
Memorandum an die Central Intelligence Agency: 2. September 1991
Eine Einschätzung der sowjetischen Entscheidung zur Aussetzung der
Aktivitäten der Kommunistischen Partei
Memorandum an die Central Intelligence Agency: 26. März 1992
Geopolitische Strategien Rußlands, die sogenannte „Föderation Unabhängiger
Staaten“ und China: Ein Kommentar zu Ex-Präsident Nixons Rat zu massiver
Hilfe für Rußland
Der gefährliche Rat des Herrn Nixon
Das Denkvermögen wiedererlangen

Memorandum an die Central Intelligence Agency: 28. September 1992


Vorschlag für eine Studie über die wirtschaftlichen Absichten des „neuen Rußlands“
angesichts der politischen Strategie für eine „Zweite Oktoberrevolution“ (Weltoktober)
Memorandum an die Central Intelligence Agency: Februar 1993
Die Bedeutung des strategischen Faktors bei der Einschätzung der
Entwicklungen in Rußland und dem kommunistischen China
Memorandum an die Central Intelligence Agency: 26. März/12. Oktober 1993
Einschätzung der Konfrontation zwischen Präsident Boris Jeltzin und den
Abgeordneten der Volkskammer:
Beobachtungen im Zusammenhang mit dem „Reichtstagsbrand,“ Oktober 1993
Memorandum an die Central Intelligence Agency: 30. April 1993
Eine Warnung vor den Gefahren einer Partnerschaft mit russischen
„Reformern“ und „Demokraten“

9
Golitsyn zu politischen Morden [Anmerkung 64]

ANHANG: AUSZÜGE AUS ANATOLIY GOLITSYNS MEMORANDEN AN DIE


CENTRAL INTELLIGENCE AGENCY ZWISCHEN 1973 UND 1985
Prognose von „Perestroika“
Memorandum an die Central Intelligence Agency: 1973
Eine kritische Betrachtung von drei kürzlich veröffentlichten Büchern:
Sovjet Strategy for the Seventies: From Cold War to Coexistence, 1973
von Foy D. Kohler, Mose L. Harvey, Leon Goure und Richard Soll
Science and Technology as an instrument of Sowjet Policy, 1972
von Mose L. Harvey, Leon Goure und Vladimir Prokofieff
Convergence of Communism and Capitalism: the Sovjet View, 1973
von Leon Goure, D. Kohler, Richard Soll und Annette Siefbold
Memorandum an die Central Intelligence Agency: 1974
Eine Kritik an Herrn Schlesingers Einschätzung der sowjetischen
Herausdforderung und des Militärpotenzials der détente zwischen den
Vereinigten Staaten von Amerika und der Sowjetunion und bestimmter
Änderungen der US-Militärstrategie - im Lichte von internen Informationen
über die Situation im kommunistischen Block
Memorandum an die Central Intelligence Agency: 15. Januar 1978
Sie politischen Lanzeitziele und Absichten der Sowjetführer:
Eine Einschätzung des offiziellen Berichts eines sowjetischen Immigranten
angesichts der Langzeitstrategie des Kommunistischen Blocks und seiner
Desinformationsoffensive
Memorandum an die Central Intelligence Agency: 11. Februar 1982
Eine Analyse der Entwicklung in Polen im Licht der kommunistischen Strategie
Memorandum an die Central Intelligence Agency: 12. Dezember 1983
Lebensgefahr für Präsident Reagan
Memorandum an die Central Intelligence Agency: 4. Juli 1984
Strategische Absichten der Sowjets und die bevorstehenden US-
Präsidentschaftswahlen
Memorandum an die Central Intelligence Agency: Januar 1985
Das Verstehen der neuen zum Einsatz gelangenden aktiven Methoden
Kommunistischer politischer Aktivismus und neue Methoden
Die aktiven Methoden des KGB
Die zukünftige Strategie und ihre Ziele
Memorandum an die Central Intelligence Agency: April 1985

10
Eine Einschätzung der Einladung Billy Grahams anläßlich seines zweiten
Besuches in der UdSSR in russischen Kirchen zu predigen
Memorandum an die Central Intelligence Agency: August 1985
Die Gefahren für den Westen: Eine Einschätzung des Aufstiegs von Michael
Gorbatschow, die Rolle der „Liberalisierung“ in der Sowjetstrategie und ihre
Auswirkungen auf den Westen
Die neue Phase der sowjetischen Liberalisierung: Der Inlandsaspekt
Die Gefahren der Liberalisierung: Sowjetische strategische Muster gegen den Westen
Die Ziele der politischen Offensive
Neue Gelegenheiten
Die Rolle des KGB: Seine verdeckten Operationen und seine Einflußagenten
„Liberalisierung“ und ihre Auswirkungen auf strategische Verhandlungen:
Strategische Muster gegen die amerikanische Militärpolitik
„Liberalisierung“ als Teil der Strategie der internationalen kommunistischen Bewegungen
Die Antwort des Westens auf die „Liberalisierung“ und die politische Offensive in
Westeuropa: Probleme der politischen Führung der westlichen Staaten
Die Notwendigkeit zur Wiederherstellung des US-amerikanischen nachrichtendienstlichen
Potenzials
Das lebensnotwendige Erfordrnis zur Beibehaltung der militärischen Stärke von USA und
NATO
Über das Gipfeltreffen
Memorandum an die Central Intelligence Agency: 12. November 1985
Das Gipfeltreffen
Memorandum an die Central Intelligence Agency: 21. November 1985
Eine Einschätzung der Ergebnisse des Gipfeltreffens
Eine strategische Fehlkalkulation mit weitreichenden Konsequenzen für die
Vereinigten Staaten von Amerika
Memorandum an die Central Intelligence Agency: Dezember 1985
Gorbatschow hat seine politische Offensive begonnen:
Die Notwenigkeit zur Bloßstellung „seiner“ Strategie und verdeckter
Operationen
Anmerkung des Herausgebers zur Nachschrift - Die Langzeitstrategie zum Zwecke der
Täuschung

NACHSCHRIFT: ANALYSE DER SOWJETISCHEN LANGZTEITSTRATEGIE


Und die Welt bewegt sich auf die „Zweite Oktoberrevoilution“ zu
Die Langzeitstrategie der Täuschung

11
Zusammenfassung des Hintergrunds des Autors, seine Arbeit und ihr Zweck
Sieben Schlüssel zum Verständnis dessen, was die Sowjets beabsichtigen
Das Haupziel der leninschen Strategie der Neuen Wirtschaftspolitik (NWP)
Die Wandlung der Sowjetstrategie zur Zweidimensionalität
Partnerschaft zwischen der alten und neuen Führungsgeneration
Falsche „Unabhängigkeit“ der Sowjetrepubliken
Hauptzweck der Strategie
Unfähigkeit des Westens zum Verständnis des leninistischen Programms
Neue „Demokraten“ bleiben dem „Sozialismus“ (Kommunismus) treu
Nachahmung des amerikanischen Systems, um Equivalenz vorzutäuschen
Preisgabe des Machtmonopol zur Förderung der Strategie
Wie es dazu kam
Eine Fülle von Fehlkonzepten des Westens
Die angemessene Antwort auf die Herausforderung
Die USA werden herabgesetzt
Westliche Zukunftspersepektiven empfindlich unterminiert
Sie werden die Oberhand behalten bis wir vernünftig werden

ANHANG: WEITERE RELEVANTE MEMORANDEN AN DIE CIA


1. DIE KOSTEN UNANGEBRACHTEN VERTRAUENS
2. WARNUNG AN DIE CIA, DAS FBI UND DIE US-NACHRICHTENDIENSTE
BEZÜGLICH DER ZU ERWARTENDEN DESINFORMATIONSKAMPAGNE IM
HINBLICK AUF DIE ANGEBLICHE VERÖFFENTLICHUNG VON KGB-AKTEN
3. SCHWÄCHUNG DER CENTRAL INTELLIGENCE AGENCY DURCH KGB-
INFILTRATION MIT DER FOLGE DER UNFÄHIGKEIT ZUR KORREKTEN
EINSCHÄTZUNG DER ENTWICKLUNGEN IN RUSSLAND UND CHINA UNTER
EINBEZIEHUNG IHRER STRATEGIE UND DESINFORMATION
ANALYSE DER EREIGNISSE IN TSCHENIEN UNTER BERÜCKSICHTIGUNG
DER RUSSISCHEN STRATEGIE
DIE ZIELE DES KREMLS UND DIE KRISE IN TSCHECHNIEN
DIE ZWINGENDE NOTWENDIGKEIT ZUM ÜBERDENKEN DER VORGÄNGE IN
RUSSLAND UND CHINA
4. KONTROLLE DER POLITISCHEN EREIGNISSE IN RUSSLAND
Memorandum an die Central Intelligence Agency: 27. September 1993
Die Kosten unangebrachten Vertrauens [nach dem Mord an Fred Woodruff]
Memorandum an die Central Intelligence Agency: 28. April 1992

12
Warnung an die CIA, das FBI und die US-Nachrichtendienste bezüglich der zu
erwartenden Desinfinformationskampagne im Hinblick auf die angebliche
Veröffentlichung von KGB-Akten [die Veröffentlichung von Staatsgeheimnissen im
Interesse der Strategie]
Schlußfolgerung
Memorandum an die Central Inteligence Agency: 1. Februar 1995
Schwächung der Central Intelligence Agency durch KGB-Infiltration mit der
Folge der Unfähigkeit zur korrekten Einschätzung der Entwicklungen in
Rußland und China unter Einbeziehung ihrer Strategie und Desinformation
Analyse der Ereignisse in Tschechnienunter Berücksichtigung der russischen
Strategie
Die Ziele des Kreml und die Krise in Tschechien
Die zwingende Notwendigkeeit zum Überdenken der Vorgänge in Rußland und
China
(1) In der politischen Arena:
(2) Auf dem Verteidigungssektor
(3) Bei den Nachrichtendiensten
(4) Auf dem Gebiet der Gegenspionage
Ergänzendes Memorandum an die Central Intelligence Agency: 1. Oktober 1993
Kontrolle über die politischen Ereignisse in Rußland

INDEX
Index

13
„Jede Form der Kriegsführung beruht auf Täuschung. Ist man
kampfstark, muß Schwäche vorgetäuscht werden, bei Aktivität, Inaktivität.
Befindet man sich in der Nähe des Gegners, muß es den Anschein haben, man
sei weit entfernt. Befindet man sich nicht in der Nähe des Gegners, muß man
ihn glauben machen, man sei in seiner Nähe. Lege einen Köder für den Feind
aus, täusche Unordnung vor und greife ihn an. Wenn er sich sammelt, bereite
Dich vor. Wo er stark ist, meide ihn. Verwirre die Generäle des Feindes.
Täusche Unterlegenheit vor und ermutige seine Arroganz. Halte ihn stets in
Bewegung und verschleiße seine Truppen. Wo er sich sammelt, spalte ihn.
Greife an, wo er unvorbereitet ist. Schlage zu, wenn er es nicht erwartet. Die
kampflose Unterwerfung des Gegners ist die höchste Kriegskunst... Störe seine
Bündnisse... Darum sage ich: „Wenn Du Deinen Feind und Dich selbst kennst,
wirst Du auch uin hundert Schlachten niemals in Gefahr geraten. Bist Du
gegenüber dem Feind ignorant, aber kennst Dich selbst, sind die Chancen für
Sieg oder Niederlage gleichwertig. Bist Du beiden gegenüber ignorant, dem
Feind und Dir selbst, wirst Du mit Sicherheit in jeder Schlacht in Bedrängnis
geraten.“
SUN TZU „DIE KUNST DER KRIEGSFÜHRUNG,“ Oxford Universität Press Edition

„... n‘ oubliez jamais... que la plus belle des ruses du diable est de vous
persuader qu‘ìl n‘existe pas!“

14
CHARLES BEAUDELAIRE, „Le Spleen de Paris“

„Eine sich auf der Flucht befindliche herrschende Klasse - wie die unsere - ist zu
jeder Dummheit fähig. Sie trifft die falschen Entscheidungen, erwählt sich die
falschen Freunde und ist unfähig, seine Gegner zu erkennen - falls sie es nicht
sogar vorzieht, sich diese asls Freunde zu erwählen.“
MALCOM MUGGERIDGE, „Tread Softly for You Tread on My Jokes“

DANKSAGUNG

Ich möchte meine tief empfundene Dankbarkeit gegenüber Edward Harle Limited und Christopher
Story für die Veröffentlichung meines Manuskripts zum Ausdruck bringen. Für ihr Verständnis für die
Bedeutung des Manuskripts und ihren Mut zur Veröffentlichung eines so kontroversen Werkes,
verdienen sie meine Bewunderng. Besonders dankbar bin ich Christopher Story für die abschließende
Überarbeitung des Manuskripts.
Meine Dankbarkeit möchte ich auch gegenüber meinen Freunden und pensionierten
Nachrichtendienstoffizieren zum Ausdruck bringen, die mich beständig ermutigt und unterstützt
haben. Ebenso danke ich „N“ für die Überarbeitung meines Manuskripts, anderen Freunden, die es
gelesen und mir wertvolle Ratschläge erteilt haben. Mein besonderer Dank gilt Newton S. Miller,
Arthur Martin, CBE, John Leader, Esq. und der verstorbenen Mary Leader, John Walker, Frank F.
Friberg und William Hood. Ich danke auch Mark Riebling, der sich an meinen Überlegungen
interessiert zeigte und mir wertvolle Vorschläge unterbreitet hat.
Mein ganz besonderer Dank gilt meiner Ehefrau Svetlana für ihre Unterstützung und Ermutigung.

HINTER „PERESTROIKA“ UND DARÜBER HINAUS: SOWJETSTRATEGIE

Seit den ersten Tagen seiner Ankunft in den Vereinigten Staaten von Amerika im Dezember 1961
davon überzeugt, daß die konventionellen westlichen Interpretationen der Entwicklungen in der
kommunistischen Welt mit schwerrwiegenden Mängeln behaftet sind, begann der Autor mit dem
Studium der Sowjetstrategie, einschließlich der zur Anwendung gelangenden Desinformation. Die
Ergebnisse seiner Nachforschungen wurden in eiem Buch zusammengefaßt, „New Lies for Old,“ das
im Jahre 1980 fertiggestellt, und mit sieben ergänzenden Seiten im Jahre 1984 veröffentlicht wurde.

15
Seitdem hat der Autor in einer Vielzahl von Memoranden die Counter Intelligence Agency über die
Entwicklung in der kommunistischen Welt informiert. Die in diesem Buch enthaltenen Memoranden
sind überarbeitete Fassungen einiger dieser Berichte.

VORWORT DES AUTORS

Diese Sammlung meiner Memoranden an die Central Intelligence Agency befaßt sich mit der „Großen
Sowjetstrategie“ und der neuen Dimension ihrer Herausforderung für die westlichen Demokratien. Es
besteht eine bemerkenswert unterschiedliche Auffassung des Begriffs „Strategie“ bei den Amerikanern
und den Kommunisten. Amerikaner neigen dazu, Strategien im Sinne kurzfristiger, überschaubarer
Zeitabläufe zu verstehen. Beispielsweise den Zeitraum für den Wahlkampf bei einer
Präsidentschaftswahl, einer Fußballsaison oder über einen gewissen Zeitraum die „Strategie des
Mauerns,“ wie wir es beim „Watergate-Skandal“ erlebt haben. Für die russischen Kommunisten
hingegen, ist „Strategie“ ein weiträumiger Begriff im Sinne einer „Generallinie“ der Partei, welche die
Parteiaktivitäten über einen langen Zeitraum beherrscht und eines oder mehrere „Manöver“
beinhaltet, die der Partei dazu dienen, das angestrebte Ziel letztendlich zu erreichen - die
Machtergreifung in Rußland 1917, die ständige Expansion des Macht- und Einflußbereichs, und
schließlich den „weltweiten Sieg des Kommunismus.“

Dieses Buch beweist, daß das gegenwärtige „Manöver“ darin besteht, intern durch die Schaffung und
den Einsatz der „kontrollierten Opposition“ den Anschein einer neuen „demokratischen,“
„nichtkommunistischen“ und „nationalen“ Machtstruktur zu erwecken, die in Wirklichkeit jedoch
weiterhin unter kommunistischer Kontrolle steht. Auf internationaler Ebene dient dieses „Manöver“
dazu, durch den Einsatz dieses politisdchen Potenzials „neuer Machtstrukturen“ Kontakte
herzustellen und die „Solidarität“ mit den westlichen Demokratien zu vertiefen, um den „Weltsieg des
Kommunismus“ durch die Annäherung der Kommunisten an „nichtkommunistische Systeme“ zu
fördern.

Der Grund für mich, im Jahre 1961 in die USA überzulaufen, war a) die amerikanische Regierung von
der Akzeptanz der gegenwärtigen Großstrategie des Kommunismus, vor der politischen Rolle des KGB
und den angewendeten Methoden der „Desinformation“ zu warnen, und b) dem Westen dabei
behilflich zu sein, die KGB-Unterwanderung ihrer Regierungen zu neutralisieren. Bei meiner Ankunft
in Washington bat ich darum, mit Präsident John F. Kennedy sprechen zu dürfen. Von General Taylor,
Sicherheitsberater des Präsidenten, wurde mir mitgeteilt, daß man dem Präsidenten meinen Wunsch
vortragen werde. Generalstaatsanwalt Robert Kennedy informierte mich darüber, daß es in

16
absehbarer Zeit zu einem Treffen mit dem Präsidenten kommen werde. Von General Taylor erhielt ich
folgendes Schreiben:

THE WHITE HOUSE WASHINGTON, 21. DEZEMBER 1961


Sehr geehrter Herr Golitsyn,
ich bin im Besitz Ihres am 19. Dezember 1961 an den Präsidenten gerichteten Schreibens. Das
von Ihnen angesprochene Thema ist für diese Regierung von höchster Wichtigkeit, und Ihre Bitte um
ein Gespräch mit dem Präsidenten wurde sorgfältig erwogen.
Ich möchte Ihnen versichern, daß die Beamten, mit denen Sie gegenwärtig in Verbindung
stehen, uneingeschränkt bevollmächtigt sind und die Autorität zur Behandlung der Angelegenheit
besitzen. Ich bitte daher darum, daß Sie mit diesen Behörden uneingeschränkt zusammenarbeiten.
Ich habe veranlaßt, daß ich über die weitere Entwicklung dieser Angelegenheit auf dem
laufenden gehalten werde, und Sie dürfen sicher sein, daß von Ihnen stammende Informationen dem
Präsidenten zur Kenntnis gebracht werden, wann immer es von hier für erforderlich erachtet wird.
MAXWELL D. TAYLOR

Während ich auf meine Zusammenkunft mit dem Präsidenten wartete, beschränkte ich meine
Zusammenarbeit mit CIA, FBI und den verbündeten Nachrichtenediensten auf die Probleme der KGB-
Infiltration der amerikanischen, britischen und französischen Regierungsinstitutionen. Nach der
Ermordung Präsident Kennedys informierte ich den Direktor der CIA und die Leiter der anderen
Gegenspionagedienste über die sowjetische Langzeitstrategie, die Schaffung einer Abteilung für
Desinformation innerhalb des KGB und Shelepins Umorganisation des KGB in einen politischen Arm
der Partei. Anläßlich vieler Besprechungen hatte ich die Gelegenheit, andere führende westliche
Nachrichtendienste über die sowjetische Langzeitstrategie und die neue Rolle des KGB innerhalb
dieser Strategie zu informieren. Bei allen Gelegenheiten empfahl ich mit Nachdruck die
Neueinschätzung des kommunistischen Problems. Einige Beamte der CIA und der britischen und
französischen Nachrichtendienste verstanden meine Ausführungen und akzeptierten die ihnen
vermittelten Informationen als echt. Für mich persönlich war das mir entgegen gebrachte Verständnis
von Graf de Marenches, Leiter des französischen Nachrichtendienstes während der Amtszeit von
Präsident Pompidou, besonders ermutigend. Graf de Marenches gab mir die Gelegenheit, bei der
Bewertung der Vorgänge im Rahmen der sdowjetischen Langzeitstrategie mit seinem Dienst eng
zusammenzuarbeiten. In Anwesenheit einer Vielzahl hochrangiger Beamter seines
Nachrichtendienstes, erklärte Graf de Marenches, daß er bezüglich der Existenz einer Strategie und
des Einsatzes von Desinformation mit meinen Ansichten übereinstimme. Leider war ich nicht in der
Lage, meine Vorstellungen im einzelnen darzulegen, da meine Zusammenarbeit mit seinem Dienst
beendet wurde. Das wachsende Bewußtsein hinsichtlich der Desinfiormation und der politischen Rolle
des KGB bei der Durchführung der Strategie wurde durch die Anhörungen in der „Watergate-Affaire“

17
(durch die die amerikanischen Nachrichtendienste entschieden geschwächt wurden) unterbrochen.
Hinzu kam der unglückliche Tod von Präsident Pompidou (der ebenfalls zur Schwächung der
französischen Nachrichtendienste führte).

Trotz widriger Umstände habe ich stets versucht, die wichtigsten Entwicklungen in der UdSSR und
anderen Ostblockstaaten durch die Brille der „Langzeitstrategie,“ der strategischen Desinformation
und der politischen Rolle des KGB zu analysieren. Meine Memoranden über bedeutende
Entwicklungen bei den Kommunisten habe ich der CIA ständig zugeleitet und Vorschläge gemacht,
wie die CIA zu einem besseren Verständnis der kommunistischen Strategie gelangen könnte.

Im Jahre 1984 veröffentlichte ich mein Buch „New Lies for Old [Neue Lügen für alte] über die
kommunistische Strategie der Desinformation. In diesem Buch und meinen Memoranden, habe ich
etliche signifikante Vorhersagen in bezug auf die Entwicklungen in der kommunistischen Welt
gemacht. Ich habe vorhergesagt, daß die kommunistischen Strategen auf der Grundlage der Lehren
von Marx und Lenin wirtschaftliche und politische Reformen ingang setzten würden. Ich habe die
Legalisierung von „Solidarität“ in Polen prophezeit, und ebenso das Wiedereinsetzen des
demokratischen Prozesses in der Tschechoslowakei. Nicht zuleut auch den Fall der „Berliner Mauer.“
Gewarnt habe ich vor der Offensive zur Förderung eines neutralen sozialistischen Europas, die sich
zum Vorteil der Sowjets auswirken würde. Ich habe ebenso davor gewarnt und darauf hingewiesen,
daß der Westen durch den kommenden Wechsel der kommunistischen Taktiken akut gefährdet und
verwundbar sei. Es ist eine Selbstverständlichkeit, daß politische Ideen in der Praxis getestet werden.
Und so ist es auch eine Tatsache, daß viele meiner Prognosen, insbesondere über die kommenden
wirtschaftlichen und politischen Reformen in der UdSSR und Osteuropa, den Test bestanden haben
und durch die fortlaufenden Ereignisse, insbesondere in Polen und der Tschechoslowakei, sich
qualifiziert haben.

Eine Tatsache ist es aber auch, daß führende Sowjetexperten wie Zbiegnew Brzezinski, es unterlassen
haben, genaue Vorhersagen über die Entwicklungen zu erstellen. Das Versäumnis auf Seiten des
Herrn Brzezinski und anderer Experten in Washington, wurde von einem „unabhängigen Beobachter,“
der „The New York Times,“ am 12. September 1989 festgestellt. Seitdem habe ich weitere
Memoranden an die CIA und die politisch Verantwortlichen gesandt, in denen ich die „Große
Strategie“ der Sowjets und ihre strategischen Muster gegen den Westen, das Wesen von „Perestroika“
(die Endphase der Strategie), den erneuten Einsatz des Polit- und Sicherheitspotenzials zur
Vortäuschung kommunistisch kontrollierter „demokratischer,“ nationalistischer“ und
„nichtkommunistischer“ Strukturen in den kommunistischen Ländern dargelegt habe. Nicht zuletzt
auch die Entfaltung des Polit- und Sicherheitspotenzials der erneuerten „demokratischen“ Regime zur
Durchführung des strategischen Konzepts gegen den Westen.

18
In diesen Memoranden habe ich „Sieben Schlüssel“ zum Verständnis von „Perestroika“ gegeben, habe
die Gefahr westlicher Unterstützung erklärt und ein Überdenken dieser Unterstützung als vordringlich
bezeichnet. Ich habe darin auch Vorschläge unterbreitet, wie der Westen der Herausorderung von
„Perestroika“ und ihrer destabilisierenden Wirkung auf die westlichen Demokratien, begegnen sollte.
Da die CIA auf meine Memoranden nicht reagiert hat, entschloß ich mich zur Veröffentlichung.
Meiner Bitte auf Deklassifizierung und Freigabe meiner Dokumente wurde von dort entsprochen. Eine
Vielzahl von Überlegungen haben mich zu dieser Entscheidung gezwungen.

Erstens: Die Demokratien Amerikas und der westlichen Welt sind mit einer gefährlichen
Situation konfrontiert und verwundbar, weil ihre Regierungen, der Vatikan, die Elite, die Medien, die
Industriellen, die Finanziers, die Gewerkschaften, und insbesondere die breite Öffentlichkeit, für die
Gefahren der Strategie von „Perestroika“ blind sind, und ihnen das Gespür für die Entfaltung des
kommunistischen politischen Potenzials des erneuerten „demokratischen“ Regimes gegen den Westen
fehlt. Die Demokratien könnten untergehen, falls sie nicht über das gegen sie gerichtete aggressive
Muster von „Perestroika“ aufgeklärt werden!
Zweitens: Ich konnte mir nicht vorstellen, daß amerikanische Politiker, insbesondere die
Konservativen beider Parteien, trotz ihrer langjährigen Erfahrung im Umgang mit kommunistischem
Verrat, nicht fähig sein könnten, die neuen „Manöver“ der kommunistischen Strategen zu verstehen,
und eiligst den Westen davon überzeugten, „Perestroika“ zu fördern und zu unterstützen, was ihren
Interessen zuwiderläuft! Es war ein Trauerspiel, den Jubel von amerikanischen und westeuropäischen
Konservativen mit ansehen zu müssen, mit dem sie „Perestroika“ begrüßten, ohne sich darüber klar zu
sein, daß „Perestroika“ zu ihrem persönlichen Nieder- und Abgang führen würde. Liberale
Unterstützung für „Perestroika“ ist verständlich, aber konservative Unterstützung war für mich eine
Überraschung.
Drittens: Ich war entsetzt, feststellen zu müssen, daß „Perestroika“ von den Vereinigten Staaten von
Amerika „umarmt“ und unterstützt wurde, ohne daß eine ernsthafte Debatte dieser Entscheidung
vorausging.
Viertens: Entsetzt bin ich auch über das Versagen amerikanischer Kenner der Materie, die keine
Hinweise zum Verständnis des aggressiven, antiwestlichen Musters von Lenins „Neuer
Wirtschaftspolitik“ gaben. Experten, die auch darin versagt haben, entsprechende Warnungen an die
Politiker zu geben, und die unfähig waren, den Unterschied zwischen den Freunden und den Gegnern
Amerikas zu erkennen, weil diese Gegner jetzt in einer „demokratischen“ Uniform stecken! Ich gestehe
zu, daß Politiker bei ihrem permantenten Zeitdruck kaum die Möglichkeit haben, sich mit der
geschichtlichen Periode von Lenins „Neuer Wirtschaftspolitik“ vertraut zu machen, oder sich an die
Dialektik des Marxismus-Leninismus zu erinnern. Aber wie kann es möglich sein, daß so
herausragende Kenner der Materie, wie beispielsweise S. Bialer und Z. Brzezinski darin versagt

19
haben, Politiker und Öffentlichkeit über den Erfolg der „Neuen Wirtschaftspolitik“ und die Fehler des
Westens im Hinblick auf Gorbatschows Wiederholung der „Leninschen Strategie“ aufzuklären und
nichts gegen die euphorische Akzeptanz der Strategie unternahmen? Wo bleibt ihr Ruf als große
Gelehrte? Warum blieb es Prof. Norman Stone von der Oxford-Universität überlassen, in seinem
Artikel im „Daily Telegraph“ vom 11. November 1989 auf die Parallelen hinzuweisen und seine
Besorgnis über die Euphorie im Umgang mit Gorbatschow und „Perestroika“ zum Ausdruck zu
bringen?

In seinem Buch „The Grand Failure“ [Das große Versäumnis] beschränbkt sich Brzezinski bei der
Beschreibung der „Neuen Wirtschaftspolitik“ auf drei Begriffe: Er beschreibt die „Neue
Wirtschaftspolitik“ als Vertrauen in den Marktmechanismus und private Initiative zur Förderung der
wirtschaftlichen Wiederbelebung. Mit seinen Worten war es die „wahrscheinlich offenste und
intellektuellste Erneuerungsphase in der sowjetischen Geschichte.“ Aus der Sicht Brzezinskis handelt
es sich bei der „Neuen Wirtschaftspolitik“ also um eine Phase des Experimentierens, der Beweglichkeit
und der Mäßigung. Mich schockiert das Versäumnis Brzezinskis, die Bedeutung von Lenins „Neuer
Wirtschaftspolitik“ in bezug auf „Perestroika“ herauszustellen. Dieses Versöumnis manifestiert sich
auch auf andere Weise:
(a) S. Bialer, ein früherer Überläufer aus dem Zentralkommitee der Kommunistischen Partei Polens,
schrieb ein Vorwort zu Gorbatschows Buch „Perestroika“ und stellte es der amerikanischen
Öffentlichkeit vor, ohne auch nur ein Wort über die Pralellen mit der „Neuen Wirtschaftspolitik“
Lenins und ihren Gefahren für den Westen zu verlieren.
(b) Während seines kürzlichen Moskaubesuchs traf der ehemalige Sicherheitsberater der Carter-
Administration Z. Brzezinski, mit führenden Sowjetstrategen, einschließlich Jakovlev, einem
Fachmann für die Manipulation der westlichen Medien, zusammen, und gab Anweisungen, „wie mit
Perestroika weiter zu verfahren sei!“ Vor den Mitgliedern der „Diplomatischen Akademie“ hielt
Brzezinski ein Referat über dieses Thema!
Fünftens: Ich bin enttäuscht darüber, daß Gordiewski, ein kürzlicher KGB-Überläufer, nichts dazu
beigetragen hat, „Perestroika“ und die Endphase der sowjetischen Langzeitstrategie zu beschreiben
und auf die zerstörerische Natur des „Wandels“ und die strategische Gefahr für den Westen
hinzuweisen. Gordiewskis Artikel in der Londoner „The Times“ vom 27./28. Februar und 1. März 1990
enthielten eine optimistische, beinahe schon lobende Besxchreibung der „Reformen,“ die von
Gorbstschow und Jakovlev eingeleitet worden waren. Sein Enthusiasmus verblüfft mich. Gordiewski
hätte seine Kommentare besser in der „Prawda“ oder in Korotichs „Ogonek“ veröffentlichen sollen.
Seine Einschätzung von „Perestroika“ und ihre Bedeutung für den Westen steht im krassen
Widerspruch zu allem, was ich in meinen Memoranden an die Central Intelligence Agency ausgeführt
habe. Ein weiterer Kommentar erübrigt sich. Ich überlasse es dem Leser, sich selbst ein Urteil zu
bilden.

20
Sechstens: Die falsche Unterstützung von „Perestroika“ durch den Westen auf allen Ebenen,
insbesondere in den westlichen Medien, wirkt destabilisierend auf die westlichen Gesellschaften, ihre
Verteidigung, ihr politisches Fortkommen und ihre Bündnisse. Hierdurch wird eine enorme
Beschleunigung des Prozesses der gegen den Westen gerichteten sowjetischen Langzeitstrategie
bewirkt. Noch 1984 dachte ich, daß Widerstand des Westens gegen die Sowjetstrategie dazu führen
würde, daß die Anpassung der beiden Systeme in Ost und West noch ein halbes Jahrhundert dauern
würde. Jetzt jedoch, da sich der Westen dazu entschlossen hat, „Perestroika“ zu unterstützen, und
insbesondere wegen dieser falschen, euphorischen Unterstützung durch die Medien, könnte sich alles
sehr gut innerhalb eines Jahrzehnts entwickeln. Das „Schwert des Damokles“ hängt über den
westlichen Demokratien, auch, wenn sie es nicht wahrhaben wollen! Ich glaube an die Wahrheit und
daran, daß die Kraft der Gedanken die Wahrheit fördern wird. Darum gehe ich mit meinen
Memoranden an die Öffentlichkeit - überzeugt davon, daß sie dazu beitragen werden, „Perestroika“ im
Lichte der Veränderungen und der Folgen in der kommunistischen Welt und darüber hinaus zu
erkennen, und von ihrer Blindheit geheilt werden.

ANATOLIY GOLITSYN, USA, 1995

VORWORT DES HERAUSGEBERS

Im Juli 1991 wurde ich von der ehemaligen britischen Premierministerim Mrs. (jetzt Lady)
Thatcher zu einem Gespräch in ihre Amtsräume im Palast von Westminster gebeten.
Gegenstand des Gesprächs war das Netzwerk von bilateralen Verträgen, Erklärungen und
Abkommen, die von der Sowjetunion mit führenden westlichen Ländern unterzeichnet
worden waren. Damals gehörten zur Liste dr Unterzeichnerstaaten bereits Deutschland,
Frankreich und Italien, während zwischen der Sowjetunion und Spanien Verhandlungen für
weitere Verträge geführt, und eine politische Erklärung inter alia von Moskau und Finnland
unterzeichnet worden war. Deutschland hatte damals mit Moskau bereits zwei bilaterale
Verträge unterzeichnet. Ich hatte über diese Verträge und Abkommen eine vorläufige Analyse
erstellt und Übersetzungen der Texte und vorläufige Schlußfolgerungen in mehreren

21
Dokumenten in meinen Publikationen veröffentlicht. Ich hatte die Verträge und Abkommen
in den Kontext mit den Implikationen der „Gemeinsamen Erklärung“ von zweiundzwanzig
Signatarstaaten und die „Charta von Paris“ gestellt, die von Frau Thatcher am 19. November
1990, inmitten der Querelen und Herausforderungen um ihre Amtsführung unterzeichnet
hatte.

Anläßlich dieses Treffens zeigte die Premierministerin großes Interesse an den Vertragstexten
und meinen Ausführungen über deren Bedeutung. Nachdem sie zugegeben hatte, daß ihre
Mitarbeiter und Beamten sie im Verlauf der letzten Wochen ihrer Amtszeit darüber nicht
informiert hatten, wurde ich um meine Einschätzung der Sowjetstrategie im allgemeinen,
und deren Auswirkungen auf Europa im besonderen gebeten. Nachedem ich die
Premierministerin nach bestem Wissen darüber informiert hatte, daß das Verhalten Moskaus
und die Sowjetstrategie eindeutig leninistische dialektische Züge aufwiesen, merkte Frau
Thatcher an: „Ich glaube nicht, daß Gorbatschow noch immer ein Leninist ist.“ Im weiteren
Verlauf des Gesprächs, und insbesondere, nachdem die Premierministerin von meiner
Bekanntschaft mit Anatoliy Golitsyn und von seinem Buch „New Lies for Old“ erfahren hatte,
wurde deutlich, daß sie Golitsyns Analyse nicht teilte, merkte sie an: „Ich glaube nicht, daß
man uns getäuscht hat - zumindest hoffe ich es.“

Diese Bemerkung hat mich seitdem ständig verfolgt. Dieser bezeichnende Nachgedanke hatte
offenbart, daß die Premierministerin, deren Beitrag zur Öffnung des Türen es den Sowjets
ermöglicht hatte, diese Türen für den Export ihres „Perestoika“-Betrugs nach Europa weit
aufzustossen, hatte bei Frau Thatcher nagende Zweifel darüber aufkommen lassen, daß der
Westen in der Tat einer großangelegten strategischen Täuschungskampagne der Sowjets zum
Opfer gefallen war. Der Umstand, daß sie bereit war, diesen Zweifel zu artikulieren, ist ein
Beweis für ihre intellekuelle Integrität und Charakterstärke. Das ist auf jeden Fall mehr, als
von den heutigen westlichen Führern behauptet werden kann, die es zweifellos zugelassen
haben, daß Gorbatschow, seine Nachfolger und Mitarbeiter ihren Verstand in bezüglich der
wirklichen Bedeutung von „Perestroika“ - der „Umstrukturierung“ nicht des sowjetischen
Systems, sondern der Denkweise und Mentalität des Westens „umstrukturieren“ konnten.
Für Stalin bedeutete „Perestroika“ „besohlen“ - als würde man einem Pferd neue Hufeisen
anschlagen: Was so viel bedeutet, daß es sich nicht um die Veränderung des Regimes an sich
handelt, sondern um Schaffung und Anpassung der Mittel des Systems zur Konsolidierung
seiner Macht.

Bei aller verdienten Bewunderung für Frau Thatcher, muß dennoch festgestellt werden, daß
sie niemals ein guter Menschenkenner gewesen ist. Anläßlich der Rezension des Buches der

22
ehemaligen Premierministerin „The Downing Street Years“ [Die Jahre in der Downing
Street] durch „The New York Times“ am 14. November 1993, lenkte Dr. Henry Kissinger die
Aufmerksamkeit auf die Ausführungen, die sich mit der Reaktion von Frau Thatcher auf ihr
erstes Zusammentreffen mit Gorbatschow beziehen: „Hätte ich damals nur auf den Inhalt der
Ausführungen Gorbatschows konzentriert - die weitestegehend der marxistischen
Standardlinie entsprachen - wäre ich zu der Schlußfolgerung gelangt, daß auch er nur der
bekannten kommunistischen Gußform entstammt. Aber seine Persönlichkeit entspricht in
keinerWeise den hölzernen Bauchrednern des durchschnittlichen Sowjet-Appartschik. Er
lächelte, unterstrich seine Ausführungen mit Gesten seiner Hände, sprach mit akzentuierter
Stimme, ging auf jedes Argument erschöpfend ein und war ein harter Debattierer... Seine
politischen Ansichten entsprachen dem, was ich erwartet hatte. Ab er sein Stil war
entschieden anders. Im Verlauf der folgenden Tage begriff ich, daß sein Stil weit über die
bekannte marxistische Rhetorik hinausging. Bei ihm brach sich die Persönlichkeit Bahn.“ Dr.
Kissinger hatte offenbar bemerkt, daß sich Lady Thatcher zugegeben hatte, von
Gorbatschows Stil fasziniert worden zu sein. Durch sein Auftreten ist es ihm gelungen, sich
den Schlüssel zur Kontrolle des westlichen Verstandes - und zur „Umstrukturierung“ der
ganzen Welt zu verschaffen. Der Westen ist dem Beispiel von Lady Thatcher gefolgt. Er hat
den Stil für die Substanz gehalten. Die katastrophen Konsequenzen dieses
Jahrtausendirrtums machen sich jetzt in der westlichen Zivilisation breit und haben
bedrohliche Ausmaße angenommen, die den Bestand der westlichen Zivilisation aufs höchste
gefährden.

Das Bestreben zur Kontrolle der westlichen Denkweise ist ein lange gehegtes Ziel der
Sowjetpolitik, wobei man sich der Vorstellungen des istalienischen Kommunisten Antonio
Gramsci bedient, die davon ausgehen, daß die Beherrschung und Kontrolle des menschlichen
Bewußtseins eines der vorrangigsten Ziele sein müsse. Wie es Richard Pipes [in „Survival is
Not Enough,“ Simon & Schuster, New York, 1984, Seite 80] ausgeführt hat, „wird diese
Beherrschung primär durch die Kontrolle über die Informationsorgane“ erlangt. Das Ziel ist
es, „die Gedanken bereits an der Quelle zu manipulieren - d. h. im Gehirn, wo sich der
Gedanke formt und Informationen verarbeitet werden - und die beste Methode zur
Erreichung dieser Manipulation sei es, „Worte und Phrasen der gewünschten Art zu
schaffen.“ Hintu kommt, daß die Kontrolle über die Denkweise des gesamten Westens nicrt
nur durch die Verwendung einer lügenhaften Sprache, sondern auch durch aktives Handeln
zur Demoralisierung des Westens erlangt werden kann - durch die zersetzenden Angriffe auf
die gesellschaftlichen Institutionen, die aktive Förderung des Drogenmißbrauchs, die
Verbreitung von Agnostizismus, Nihilismus, sexuelle Freizügigkeit und konzertierte Angriffe
auf die Familie zur Destabilisierung der Gesellschaft. Religion und die traditionelle kulturelle

23
und moralische Hegemonie müssen erst zerstört werden, bevor die Revolution erfolgreich
sein kann - eine Botschaft, die in aller Klarheit durch den amerikanischen Aktivisten Ellen
Willis verbreitet wurde, der schrieb: „Feminismus sei nicht nur eine Angelegenheit oder eine
Zusammenfassung von Angelegenheiten, sondern das Schwert einer gegen die moralischen
und kulturellen Werte gerichteten Revolution... Das Ziel jeder feministischen Reform, von
straffreier Abtreibung bis zu Kinderbetreuungsprogrammen, ist die Unterminierung der
traditionellen Werte der Familie [siehe „The Nation,“ New York, 14. November 1984, Seiten
494/495]. Die bisher noch unbewiesene Annahme der Strategen geht davon aus, daß die
politischen Führer einer „umfunktionerten“ westlichen Gesellschaft den sowjetischen Plan
für eine „Neue Sozialistische Weltordnung“ oder „Weltregierung“ einfach akzeptieren und
mit ihnen zusammenarbeiten werden.

In diesem Zusammehang ist es interessant, sich daran zu erinnern, daß der Spion George
Blake gegenüber Kenneth de Courca Anfang der 1960er Jahre äußerte: „Die individuelle
Entscheiung werde letztendlich durch die sowjetische Beherrschung des Denkprozesses
herbeigeführt werden [Traitors: „The Labyriths of Treason“ von Chapman Pitcher, Sidgwick
& Jackson, London 1987, Seite 157]. Das Hauptziel von „Perestroika“ ist folglich die
Umstrukturierung der westlichen Denkweise durch die Verwendung lügenhafter Sprache
ebenso, wie die praktische Durchführung der Empfehlungen Gramscis, so daß sie für die
Umsetzung der globalen sowjetischen strategischen Ziele empfänglicher und
kooperationsbereiter wird. Wie es einer der führenden Strategen, Georgi Arbatov, in seinem
Buch „The System“ [Random Hoiuse, New York, 1992, Seite 211] deutlich ausspricht, wurden
die Vorstellungen Gramscis und anderer Marxisten, deren Bestreben es war und ist, die
westliche Mentalität „umzufunktionieren“ und einen dekadeten Lebensstil zu propagieren,
vorsätzlich in die Strategie der „Neuen Denkweise“ integriert: „Ich respektiere nicht wenige
marxistische Werke und Ideen. Dazu gehören nicht nur die „Gründerväter“ des Marxismus,
sondern auch herrausragende Führer der „Sozialistischen Internationale,“ und
Persönlichkeiten, wie Antonio Gramsci, György Lukacs, Ernst Bloch und Herbert Marcuse.“
Die Bedeutung der Ideen Gramscis als ein Element von Gorbatschows „Neuer [Leninistischer
Denkweise“, wurde auch in der gegen Ende der Inlandsphase von „Perestroika“
veröffentlichten Sowjetliteratur bestätigt. Beispielsweise in „Sputnik,“ Ausgabe vom Juni
1990, herausgegeben von Novosti in Moskau, wo festgestellt wird, „die Kultur der modernen
[sic] Welt sei ohne die Beiträge der einflußreichen westlichen marxististischen Philosophen
G. Lukacs [und] A. Gramsci unvorstellbar...“

„The Perestroika Deception“ legt offen, wie die zumeist im Dunkel verborgene kollektische
sowjetische Führerschaft sich der „Gehirnwäsche“-Ideen Gramscis bedient, ihr lange

24
vorbereitetes Abgehen von Lenins „Diktatur des Proletariats“ und die Hinwendung zu einem
„Volksstaat“ durchgeführt hat, dessen Hauptcharakteristikum die theatralische
Zurschaustellung von „Demokratismus“ ist, der dazu bestimmt ist, den Westen davon zu
überzeugen, daß ein „Bruch mit der Vergangenheit“ stattgefunden hat, um die westlichen
Regierungen zur Aufgabe ihrer Vorsicht und Zurückhaltung zu bewegen, und schließlich
einem auf Dauer angelegten Programm der Zusammenarbeit mit dem „ehemaligen“
Sowjetblock zuzuwenden. Diese Zusammenarbeit beinhaltet selbstverständlich die beständige
versteckte Drohung der Möglichkeit des „Rückfalls in den Kalten Krieg“ - oder Schlimmeres -
sollte der Westen zur Kooperation nicht bereit sein. Dieses Gesamtszenario kann am besten
unter dem Begriff „Zusammenarbeit durch Erpressung“ zusammengefaßt werden.

In den 1960er Jahren richteten die Strategen Spezialinstitute unter der Aufsicht der
„Akademie der Wissenschaften“ der UdSSR ein. Diese Institute waren angewiesen worden,
die westlichen Verhaltungsmuster zu studieren, und die Sowjetführung über mutmaßliche
Reaktionen des Westens auf taktische Manöver oder Szenarien zu unterrichten. Wie es die
Strategen vorausgesehen hatten, gelang es ihnen, den Westen einzuschläfern und durch den
vermeintlichen „Bruch mit der Vergangenheit“ für ihre Ziele einzuspannen. Es war in der Tat
ein phantastischer Erfolg, denn, wie es Anatoliy Golitsyn erläutert, kann eine Täuschung nur
dann erfolgreich sein, wenn die bekannten Wünsche des Zielobjekts weitestgehend
berücksichtigt werden, eine größtmögliche Übereinstimmung mit den Vorstellungen des zu
Täuschenden erreicht werden kann. Im Ergebnis beurteilte der Westen die „kosmetischen
Veränderungen“ als eine Vertiefung des Prozesses sowjetischer „Reformen“ mit neuen
Möglichkeiten in den Bereichen von Politik und Wirtschaft. In Wirklichkeit sah sich der
Westen einer sich entfaltenden sowjetischen Annäherungsstrategie gegenüber, mit der nicht
nur die Unterwerfung des Westens unter Moskau angestrebt wird, sondern an deren Ende die
„Kommunistische Weltregierung“ steht.

Wie die Werke von Sun Tzu, Machiavelli und Clausewitz, ist dieses Buch der Erklärung des
Begriffs „Strategie“ gewidmet. Im Gegensatz zu den Werken jener klassischen Autoren,
beschäftigt sich „The Perestroika Deception“ mit der zeitgenössischen Welt und erläutert, wie
Rußland und China sich die Ansichten und Ideen dieser Denker zu eigen gemacht und über
eine Generation auf der ganzen Welt verbreitet haben. Die Sowjetstrategen streben eine
unumkehrbare „Umstrukturierung“ der westlichen Denkweise, der Reaktion und der
Gesellschaft im allgemeinen, an. Es ist ihr Preis für „keinen Krieg“ und für „Veränderungen,“
die der Westen als „echt“ akzeptiert hat.

25
„The Perestroika Deception“ ist unter der Literatur über die kommunistischen und
„ehemaligen“ kommunstischen Staaten insofern einzigartig, als es ausführlich auf die
ununterbrochene Anwendung der „Annäherungs“-Strategie, des großen Gesamtschemas -
oder was von den sowjetischen Leninisten als „Generallinie“ bezeichnet wird, seit der Zeit der
Übernahme dieser Strategie in den Jahren von1958 bis 1960 - eingeht. Wie der Autor auf
Seite 51 der englischen Originalausgabe erläutert, ist diese „Generallinie“ flexibel in bezug auf
die zeitliche Abstimmung, enthält eine Vielzahl von Optionen und berücksichtigt Risiken und
mögliche Verluste, und bestimmt die Handlungsweise der Partei bereits seit zwanzig oder
dreißig Jahren bei ihrer unermüdlichen Verfolgung der kommunistischen Ziele. Das
Kriterium, durch das sich Strategie von Politik unterscheidet, besteht in einem der Strategie
innewohnenden geheimen, verdeckten oder täuschenden Manöver, das den Gegner durch
Überraschung niederwerfen und den Sieg der Strategie sicherstellen soll.“ Man kann, wie es
Arbatov erläutert, eine direkte Kontinuität zwischen den Beschlüssen des 20.
Parteikongresses, detènte und der „Neuen politischen Denkweise“ erkennen. Das ist in der
Tat möglich, und zur Beseitigung aller Zweifel, wurden weitere Bestätigungen der „nach“-
kommunistschen Anwendung der betrügerischen „Anäherung“ an den Westen freundlicher
Weise fvon Viktor Chernomyrdin gegeben. In einem Interview mit dem TV-Sender „Russia“
[Moskau, 15. Dezember 1992, 20.30 Uhr]bestätigte der neuernannte russische
Premierminister die „Generallinie,“ wobei er auf die der Strategie innewohnende Flexibilität
verwies, selbstverständlich ohne ihren Inhalt zu offenbaren: „Meine Kollegen in der
Regierung werden auch weiterhin diese Linie verfolgen. Die geplante [Partei]Linie.
Jene Linie, die ausgearbeitet worden ist...“ Das Leben zwingt uns zu Ergänzungen
unseres Programms, zu Anpassungen, vielleicht auch zu Veränderungen. Aber
grundsätzlich werden wir der [Partei]Linie weiter treu bleiben.“

Hinter diesem beeindruckenden Rauchschleier von Pseudo-Demokratie, Pseudo-


Kapitalismus und Pseudo-Reform, ist diese russisch/chinesische „Zusammenarbeit durch
Erpressung“ gegenüber dem Westen unversöhnlich feindlich gesonnen. Nochmals, es handelt
sich hier nicht um eine Vermutung. Im Mai 1994 wurde diese Haltung gegenüber Clark
Browers, einem offiziellen Mitglied einer US-Republikanischen Delegation, in Peking durch
Mo Xiusong, stellvertretender Vorsitzender der Kommunistischen Partei Chinas,
ausdrücklich bestätigt. Es wird angenommen, daß es sich bei ihm um den höchstrangigen
kommunistischen Amtsträger Chinas handelt, der Fragen beantwortete, die ihm von
anerkannten westlichen Experten gestellt worden waren:
Bowers: „Ist das langfristige Ziel der Kommunistischen Partei Chinas noch immer
der Weltkommunismus?
Mo Xiusong: „Ja, selbstverständlich. Allein aus diesem Grund gibt es uns.“

26
Indem er ein Licht auf die „Annäherungsstrategie“ mit dem Mittel der
„Zusammenarbeitdurch Erpressung“ wirft, sowie seinen Informationen aus erster Hand, wie
Moskau die dialetkische politische Mehtode von Marx, Hegel und Lenin in der Praxis
anwendet, fordert Golitsyn die moderne, und zunehmend lächerlicher werdende Behauptung
des Westens heraus, „man hätte den Kalten Krieg gewonnen,“ der Feind sei verschwunden,
der Kommunismus sei tot, die Sowjetunion sei zusammengebrichen, und Rußland hätte sich
jetzt auf einen „progressiven Weg in Richtung hin zur Demokratie“ [ohne sie jemals zu
erreichen] begeben - obwohl man beständig und beharrliuch genau diesen Eindruck
vermittelt, weil der Westen in die Falle der betrügerischen „Perestroika“-Strategie gegangen
ist. Nicht zu der Erkenntnis fähig ist, daß seine gegenwärtige miserable Situation die
Auswirkungen der sowjetisch-chinesischen Strategie sind, und ebenso wenig die Fähigkeit
besitzt, die Bedrohung zu erkennen, die sich aus der chinesisch-russischen Achse ergibt, zu
der auch Nordkorea, der Iran und der Irak zählen.

In seinem Buch „Wedge: The Secret War Between the FBI and CIA“ [Alfred A. Knopf, New
York, 1994], geht der Autor Mark Riebling auf den bemerkenswerten Rekord der
zutreffenden Prognosen Golitsyns in seinem vorausgegangenen Buch „New Lies for Old“ ein.
Riebling gesteht dem Autor eine „Trefferquote“ von fast 94 Prozent zu. Weil dieses
Rekordergebnis die „geheimen, verdeckten oder täuschenden Manöver“ im Rahmen der
Strategie beweist, wurden alle Anstrengungen unternommen, den Autor und den
verstorbenen James Jesus Angleton, der die Bedeutung der Analysen Golitsyns verstanden
hatte, zu diskreditieren. Nichts blieb unversucht. So erwähnt Riebling, „daß der britische
Journalist Tom Mangold im Jahre 1990 sogar so weit ging - nachdem Golitsyns
beeindruckenden Prognosen sich bewahrheitet hatten - zu erklären: Golitsyn hätte als
jemand, der in die Kristallkugel blickt, nicht sonderlich beeindruckt. Mangol kam zu dieser
Schlußfolgerung durch sechs offenbar falschen Voraussagen Golitsyns, wobei 139 völlig
korrekte Voraussagen unberücksichtigt blieben.

Die korrekten Voraussagen des Autors zu zählen und ihm eine „Trefferquote“ von 94 Prozent
zuzubilligen, war sicherlich hilfreich bei derRehabilitierung des Autors zur Zeit, als der
Prozeß der Übernahme der Kontrolle über die Denkweise des Westens weiter fortschritt. Aber
in gewisser Weise geht dieses Lob an der Absicht des Autors vorbei. Denn es ist nicht
erforderlich, die Genauigkeit von Golitsyns Prognosen aufzulisten, um zu erkennen, daß er
die Wahrheit offenbart hat. Es bedarf lediglich des Verständnisses dafür, daß die
„Generallinie“ das erforderliche dialektische Rahmenwerk liefert, ohne dessen Existenz das
sonst unverständliche Verhalten der „Nach“-Kommunisten nicht zu verstehen ist. Wenn der
westliche Beobachter erst einmal die Kontinuität der leninschen Strategie erkannt hat, besitzt

27
er den Schlüssel zur korrekten Interpretation und Prognose der Ereignisse. Anders
ausgedrückt: Man wird erkennen, daß als Belohnung für das Studium der dialektischen Natur
und Kontinuität der „Generallinie,“ der unvoreingenommene Skeptiker immer mehr befähigt
wird, einen so beeindruckenden Prognoserekord zu erzielen, wie es dem Autor gelungen ist.

Wie ist es dann zu erklären, daß trotz Golitsyns Dienst im Herzen des Moskauer KGB zur Zeit
der Übernahme der Strategie, trotz seines erwiesenen Rekordes korrekter Prognosen,
verifizierbarer Informationan an den Westen seit seiner Ankunft gegen Ende 1961, totz einer
Genauigkeit seiner Prognosen von 94 Prozent, und trotz seiner offenkundigen Integrität [wie
ich aus meiner persönlichen Erfahrung bei der Überarbeitung dieses Werkes bestätigen
kann], daß seine Warnungen von den politisch Verantwortlichen im Westen übersehen
worden sind?

Der erste Hauptgrund für die allgemeine (allerdings nicht vollständige) Ablehnung der
Analysen des Autors findet sich darin, wie es auch der Fall von Aldrich Hazen Ames bewiesen
hat, daß die Russen den „Psycho-Krieg“ durch die Unterwanderung der westlichen
Nachrichtendienste gewonnen haben - eine Feststellung, die von diesen Diensten naturgemäß
nicht gern gehört wird. Im Verlauf seiner Arbeit mit den amerikanischen, französischen und
britischen Nachrichtendiensten erkannte derAutor, daß deren Fähigkeit zur korrekten
Interpretation der Vorgänge in der kommunistischen Welt durch Unterwanderung nicht
mehr gegeben ist. Seit 1969 mangelt es dem Westen an echten nachrichtendienstlichen
Fähigkeiten zur Bloßstellung der Täuschung und des Betruges, der dieser Strategie
innewohnt, was in besonderem Maße auch für die Existenz der russisch/chinesischen
Langzeitstrategie im Rahmen der „Generallinie“ gilt. Folglich wurden die politischen
Entscheidungsträger nicht mit den angemessenen konventionellen diplomatischen und
journalistischen Mitteln zur Begegnung dieser Strategie versorgt.

Ein weiterer Faktor scheint die außergewöhnlich zögerliche Haltung einiger Analytiker beim
Studium der ihnen vorliegenden Dokumente zu sein. Wiederum aus persönlicher Erfahrung
als Verleger und Herausgeber von SOVIET ANALYST, kann ich bestägiten, daß es selbst für
einen Amateur möglich ist, die Existenz, den Rahmen, die Charakteristia und die Kontinuität
der Strategie aus Quellen, wie „International Affairs,“ dem Journal des russischen
Ausßenministeriums, sowie aus den Veröffentlichungen von sowjetischen und „nach“-
kommunistischen offiziellen Dokumenten und öffentlichen Erklärungen zu erkennen.
Schließlich ergibt sich dasselbe Resultat aus dem Studium der veröffentlichungen von
bekannten Einflußagenten und Förderern der Strategie in der westlichen Presse und
bestimmter Journale. Ist ein solches Studium der vorhandenen Quellen so langweilig oder zu

28
schwierig? Die Strategen zweifeln nicht daran, daß ein wenig Studium durchaus aufklärend
sein kann. „Die Gefahren liegen,“ erklärte Präsident Gorbatschow auf einer Pressekonferenz
mit Präsident Mitterand am 6. Mai 1991, „in der Tatsache, daß jemand privat oder sonstwie,
unter diesen oder jenen Umständen oder Ereignis, einschließlich eines dramatischen
Ereignisses, nicht zu voreiligen Schlußfolgerungen gelangen und nicht bezweifeln sollte, was
bisher erreicht worden ist. Was wir geschaffen haben, indem wir internationale Beziehungen
auf neue Gleise [sic!] gestellt haben, und dadurch der Eintritt, wie es alle festgestellt haben,
in eine Periode friedlicher Entwicklungen gelungen ist.“ Man beachte, daß zu der
erkennbaren Besorgnis darüber, daß „jemand“ mittels Analyse in der Tat das Vorhandensein
der Strategie zur Täuschung des Westens naxchweisen könnte, Gorbatschow sich hier auch
bereits umschrieben auf den zu erwartenden „August Coup“ bezog und davor warnte, und
keinen Zweifel daran ließ, daß die Zusammenarbeit mit dem Westen zur Errichtung der
„Neuen Sozialen Weltordung“ [Gleise] nur in eine Richtung möglich sei. Als lebenslanger
Jünger Lenins, der seine Anhänger den kreativen Einsatz der Sprache zum Zwecke der
Täuschung lehrte, hat Gorbatschow seine Worte mit charakteristischer Sorgfalt gewählt. Er
hätte „neue Wege“ anstelle von „neuen Gleisen“ sagen können. Aber ein Zug, der sich auf
Schienen bewegt, kann nur in eine Richtung fahren - in diesem Kontext entspricht es genau
dem, was von den Strategen beabsichtigt wird.

Ein dritter Hauptgrund für das mangelnde Interesse an den akkuraten Analysen des Autors
ist allgemein bekannt. Nämlich, daß der Horizont westlicher Politiker sich grundsätzlich nur
bis zum nächsten Wahlkampf erstreckt. Eine der Konsequenzen dieses Faktums ist ihr
Unvermögen rkennen zu können, daß kommunistishe und „ehemalige“ kommunistische
Systeme in der Lage sind, Strategien zu entwickeln, die mit taktischen Anpassungen über
Jahrzehnte ihre Gültigkeit behalten. Gleichermaßen neigen viele westliche Analytiker und
Beobachter dazu, ihr Augenmerk auf das Verhalten und Schicksal von bestimmten Personen
fixiert zu halten - Gorbatschow, Jeltzin, Kozyrev, Rutskoi, Javlinski, Shewardnaze und andere
- als handele es sich bei ihnen um persönlich motivierte Karrierepolitiker, entsprechend den
westlichen Politikern, denen es ausschließlich um Macht und Einfluß geht. Hierbei wird die
Tatsache völlig übersehehn, daß solche Charaktere - jeder von ihnen kommt von den
Sicherheitsdiensten, Komsomol und anderen kontrollierten Strukturen - bei der Verfolgung
der gemeinsamen Strategie als Kollaborateure einander verbunden sind. Das Schauspiel von
„Demokratismus“ dienst ausschließlich dazu, diese Tatsache zu verschleiern.

Eine Ausnahme bildete nur der französische Präsident Pompidou. Im Gegensatz zu seinem
Vorgänger de Gaulle - der sich hatte täuschen lassen und die militärischen Verpflichtungen
Frankreichs gegenüber der NATO aufkündigte, und sich dem kommunistischen Konzept

29
eines „Europas vom Atlantik bis zum Ural“ verschrieb - hielt Präsident Pompidou die
strategische politische Desinformation und den Einfluß von Sun Tzu für eine Realität.
Unglücklicherweise lebte er nicht lange genug, um seinen Einfluß in Frankreich und anderen
westeuropäischen Staaten geltend zu machen.

Ein vierter Grund, der bereits kurz angesprochen wurde, die schändliche Ignoranz gegenüber
den Analysen des Autors, besteht in der Schwierigkeit der Nachrichtendienste, ihre
politischen Herren davon zu überzeugen, daß sie getäuscht wurden. Selbstverständlich
möchte sich auch kein Nachrichtendienst gegenüber den politisch Verantwortlichen die Blöße
geben, zugeben zu müssen, daß er selbst in die Irre geführt worden ist.

An fünfter Stelle muß wiederholt werden, daß es im Laufe der Jahre zu einer nachhaltigen,
teilweise erfolgreichen Verleumdungskampagne mit dem Ziel gekommen ist, Angleton und
Golitsyn zu diskreditieren. Niemals zuvor wurden vergleichbare Versuche unternommen.
Niemals gab es eine solche Kampagne, die darauf abzielte, die Veröffentlichungen anderer
prominenter Überläufer in dieser schmutzigen Weise diskreditieren - woraus gefolgert
werden kann, daß die Strategen triftige Gründe dafür haben, den Westen darin zu
bekräftigen, die Analyseergebnisse Golitsyns abzulehnen, obwohl seine Prognosen so akkurat
sind, daß sie andere Analytiker vor Neid erblassen lassen.

Letztendlich berichten die westlichen Medien routinemäßig die Ansichten und


Interpretationen von Einflußagenten, wobei beide - Journalisten und Experten - die
Verwirrung immer mehr steigern, so daß das Wahrnehmungsvermögen von Analytikern und
insbesondere Politikern, erheblich getrübt wird. Politker wiederum, verhalten sich
bekanntermaßen äußerst zögerlich, wenn es darum geht, Informationen zu berücksichtigen,
die nicht ihrer eigenen Auffassung oder jener ihrer nicht selten in die Irre geführten Kollegen
entspricht. Politiker konferieren zumeist untereinander und mit Beamten, die ihnen
den„akzeptierten“ Kurs vermitteln. Für sie ist es daher besonders schwierig, in diesem oder
jenem „ruhigen Augenblick“ zu der Ekenntnis zu gelangen, daß es sich bei „Perestroika“ um
die konsequente Umsetzung einer Langzeitstrategie handelt, die ausschließlich der
Täuschung des Westens dient. Mit diesem Buch wird beabsichtigt, den Politikern und vielen
anderen bei dieser dringenden Aufgabe eine Hilfestellung zu bieten.

CHRISTOPHER STORY, LONDON, MAI 1995

30
erster teil

der

Perestroika

betrug

die Welt auf dem Weg zur


„zweiten oktober-revolution“
[„weltoktober“]

Aufbau der Dokumente

31
Dieses Buch besteht hauptäschlich aus Memoranden von Anatoliy Golitsyn, die derCentral
Intelligence Agency [CIA] zugeleitet worden sind. Die Dokumente sind datiert. Um es dem Leser zu
ermöglichen, über den Zeitpunkt der Übersendung der Dokumente an die CIA auf dem laufenden zu
bleiben, erscheint das Datum jeweils in der rechten oberen Ecke des Memorandums. Gelegentlich ist
es erfordrlich, auf das Übersendungsdatum bezug zu nehmen, um die chronoligische Abfolge der
Ereignisse nachvollziehen, und die akkuraten Prognosen im Kontext der Ereignisse erkennen zu
können. Die Veröffentlichung der Memoranden entspricht der vom Autor gewünschten Reihenfolge,
die nicht unbedingt mit der Datierung des Dokuments übereinstimmt. Die Gründe für diese Form der
Darstellung werden vom Leser im Verlauf der Lektüre ersichtlich werden. Anmerkungen wurden in
den Haupttext übernommen und finden sich auch am Ende jeder Seite, und nicht am Ende des
Buches. Aus den Fußnoten und Amerkungen ist klar ersichtlich, ob sie vom Autor oder dem
Herausgeber stammen.

Über die Memoranden

Anatoliy Golitsyns Memoranden an die Central Intelligence Agency lassen erkennen, daß die von ihm
angewandte Methode zur Interpretation und des Verständnisses für die chinesisch/russische Strategie
in beeindruckender Weise zuverlässig ist. Sinn und Zweck jeder nachrichtendienstlichen Tötigkeit ist
es, Regierungen mit akkuraten Vorausinformationen über die Entwicklung gegenwärtiger und
zukünftiger Ereignisse zu versorgen - nicht etwa, rückblickende Betrachtungen über Ereignisse zu
erstellen, deren Eintritt nicht vorausgesagt worden war. Durch den Bezug auf das Datum oder den
Zeitraum der Memoranden Golitsyns an die CIA, wird dem Leser der unwiderlegbare Beweis für die
Verläßlichkeit des vom Autor angewendeten Analysesystems ebenso geliefert, wie ein Einblick in die
fundierten Prognosen auf Grund seiner Vertrautheit mit, und dem Verständnis von der leninistischen
dialektischen politischen Methode. Die erwiesene Genauigkeit seiner Voraussagen entspringt
Golitsyns Anerkennung der Tatsache, daß die „ehemaligen“ Kommunisten auch weiterhin diese
Methode anwenden. Um also die Entwicklungen in sogenannten „ehemaligen“ Sowjetblock, in China
und hinsichtlich der beabsichtigten „Neuen Sozialistischen Weltordnung,“ zu deren Errichtung die die
Kommunisten im Geheimen zusammenarbeiten, zu verstehen, müssen westliche Analytiker dem
Beispiel Gorbatschows folgen und wieder zu den Wurzeln des Übels, zu Lenin zurückkehren. Das
nochmalige Lesen derWerke Lenins, oder zumindest die Mühe, sich noch einmal über Lenins
Anwendung der Dialektik von Hegel und Marx zu informieren, ist eine unverzichtbare Voraussetzung,
um die Welt zu verstehen, in der wir heute leben - selbstverständlich nicht, um die Ereignisse durch
die üble Brille Lenins neu zu bewerten, sondern um zu begreifen, daß sich der Wesaten auch heute
noch mit Lenins Nachfolgern auseinandersetzen muß, die seine Methoden auch weiterhin anwenden.
Das andauernde Versagen dees Westens, diese Tatsache zu anzuerkennen, die aus der Akzeptanz des

32
falschen „Bruchs mit der Vergangenheit“ resultiert, bedroht den Bestand der westlichen Zivilisation.
Wie der Autor in „New Lies for Old“ [Seite 43 der Originalausgabe] es audrückte: „Um glaubwürdig
und überzeugend zu wirken, muß eine Täuschung weitestgehend mit den Hoffnungen und
Erwartungen jener übereinstimmen, die getäuscht werden sollen.“

Gewisse Experten und Parteien im Westen werden dieses Werk auf der Grundlage eines Teilwissens
über die Zusammenarbeit des Autors mit den westlichen Nachrichtendiensten bewerten. Sie wären
gut beraten, sich jedes Vorurteils über Golitsyn zu enthalten und es dem Autor zu gestatten, durch
dieses profunde Werk für sich selbst zu sprechen. Eine wesentliche Voraussetzung für das Verständnis
der Sowjetstrategie besteht darin, die Strategie im Kontext der Tatsache der „Neuen Denkweise,“ also
der „Neuen Leninistischen Denkweise“ zu sehen.

Memorandum an die CIA: März 1989

VORAUSSAGE VON, VERSTÄNDIS FÜR, UND DER UMGANG MIT


„PERESTROIKA“

33
[Geschrieben angesichts des Meinungswechsels von Präsident Reagan vom „Imperium des Bösen“ zur
Akzeptanz von „Perestroika“ oder „Umstrukturierung“ und zu einer Zeit, als die Neubewertung von
„Perestroika“ in den ersten Monaten der neuen Administration von Präsident George W. Bush (sr.)
erfolgte].

VORAUSSAGE VON „PERESTROIKA“ IN „NEW LIES FOR OLD“


Eine Vielzahl von Aspekten über „Perestroika“ wurden in „New Lies for Old“ [1984]
vorausgesagt.
Beispielsweise [die genannten Seitenzahlen beziehen sich auf die Originalausgabe]:

Seiten 327-328: „Die kommunistischen Strategen sind jetzt bereit, in die Endphase der
offensiven Langzeitpolitik einzutreten, was zu einem langwierigen gemeinsamen Kampf für den
Endsieg des Kommunismus führen wird. Angesichts der sich an der Macht befindlichen
Parteienvielzahl, die engen Verbindungen zwischen ihnen, und die Gelegenheiten, die ihnen zur
Ausweitung ihrer Basis und zum Aufbau von erfahrenen Kadern geboten werden, sind die
kommunistischen Strategen bestens darauf vorbereitet, ihre Politik voranzubringen, sich auf Manöver
und Szenarien einzulassen, die das Vorstellungsvermögen von Marx, und die Praxis von Lenin in
unvorstellbarer Weise überbieten werden, und die selbst für Stalin undenkbar gewesen wären. Dazu
gehören... Szenarien über die Einführung einer falschen Liberalisierung in Osteuropa und
wahrscheinlich in der Sowjetunion, und die Zurschaustellung von trügerischer Unabhängigkeit der
Regime in Rumänien, Tschechoslowakei und Polen.“

Seiten 224-226: „Es wäre lohnenswert für den Westen, das Szenario und die Techniken des
tschechoslowakischen Experiments [von 1968] zu studieren - damit er nicht wieder auf einen solchen
Trick hereinfällt. Die Wiederholung dieses Szenarios mit örtlichen Varianten ist durchaus im Bereich
des Möglichen... Das Vortäuschen der „stummen Revolution“ und ihre Umkehrung diente einer
großen Bandbreite von strategischen und taktischen Zielen. [Dazu gehören:]
• Die Gefühle gegen Militärbündnisse in Europa aufzustacheln
• Zur Erhöhung des Drucks auf den Westen zur Einberufung einer Konferenz über
Sicherheitsfragen in Europa, wobei es den Sowjets primär auf die Auflösung von Militärbündnissen,
der Schaffung eines neutralen szialistischen Europas und dem Abzug der US-Truppen aus Europa
ankommt.
• Erfahrungen für die Wiederholung der „Demokratisierung“ in der Schechoslowakei, der
Sowjetunion und in anderen Ländern Osteuropas im Verlauf der Endphase der Langzeitstrategie des
Blocks zu sammeln.“

34
Seiten 241-242: „Die Schaffung einer falschen, kontrollierten Oppositionsbewegung, wie die
Dissidentenbewegung dient internen und externen strategischen Zwecken.
Intern schafft die kontrollierte Opposition die Möglichkeit für eine falsche „Liberalisierung“
kommunistischer Regime, fordert einige Elemente einer „Möchtegern-Opposition“ dazu heraus, sich
selbst zu entlarven, um eleminiert zu werden. Andere wiederum, werden zur Konformität gezwungen,
oder geben ihre Bestrebungen auf. Extern können „Dissidenten“ als Zugpferd für die Verbreitung von
„Desinformation“ zu einer Vielzahl von Themenbereichen im Zusamenhang mit der Entwicklung des
kommunistischen Systems Verwendung finden... Es wird der Boden für eine eventuelle dramatische
„Befreiung“ des Systems durch die Herausstellung der Gegensätze zwischen „Neo-Stalinismus“ und
dem zukünftigen „Sozialismus mit menschlichem Antlitz“ bereitet. Dadurch wird ein Kader von
Persönlichkeiten geschaffen, die im Westen wohlbekannt sind, und die in der Zukunft im
Kommunismus als Führer und Förderer eines „Multi-Parteiensystems“ eingesetzt werden können.
„Abweichlerische“ Industrie- und Handelsgewerkschaften sowie Intellektuelle, können für die
Förderung von „Solidarität“ mit den westlichen Gewerkschaften angehalten werden, um sie zu
gemeinsamen Aktionen mit dem Ziel der Abrüstung und Reform des westlichen „militärisch-
industriellen Komplexes“ zu bewegen. Auf lange Sicht werden die beteiligten westlichen
Persönlichkeiten und Gruppierungen zugeben müssen, daß ihre Unterstützung der „Dissidenten“ ein
Fehler gewesen ist, oder alzepieren, daß der Kommunismus radikale Veränderungen erfahren hat, was
die „Anäherung“ zu einer akzeptablen und vielleicht wünschenswerten Zukunftsperspektive macht.“

Seite 262: „Eines der Ziele [des Euro-Kommunismus] war es, in Koordination mit der
allgemeinen Block-Politik, den Boden für eine eventuelle „Liberalisierung“ in der Sowjetunion und
Osteuropa zu bereiten, und massive Vorstösse zur Auflösung von NATO, des Warschauer Pakts und
des Abzugs der US-Truppen aus aus einem neutralen, sozialistischen Westeuropa zu unternehmen.“

Seite 323: „Die westliche Strategie einer milden aktivistischen Annäherung an Osteuropa mit
Schwerpunkt auf den Menschenrechten, ist zum Scheitern verurteilt, weil er auf Fehlkonzepten
beruht, die schließlich in eine Falle führen, wenn es in der Endphase der kommunistischen Stragetie
zu einer weitere trügerische Liberalsierung in Osteuropa kommen sollte. Der beunruhigenste Aspekt
dieser gegenwärtigen Krise der westlichen Politk und Einschätzung besteht darin, daß, wenn man sich
überhaupt mit der Thematik beschäftigt, man stets zu Fehleinschätzungen gelangt. So, wie die Dinge
gegenwärtig stehen, ist der Westen akut verwundbar für die kommende Verlagerung der
kommunistischen Taktiken in der Endphase ihrer Politik.“

Seite 331: „Die Schlußfolgerung lautet, daß die „Erneuerung“ in Polen von der
Kommunistischen Paertei Polens in Zusammenarbeit mit ihren kömmunistischen Verbündeten, und
mit dem Ziel der Voranbringung der kommunistischen Strategie für Europa, lange im voraus

35
gründlich geplant worden ist. Diese Schlußfolgerung stützt sich außerdem auf die erwiesene
Beteiligung der polnischen Kommunistischen Partei bei der Gründung und den Aktionen von
„Solidarität.“

Seite 334: „Die Gründung von „Solidarität“ und ihre Aktivitäten als „Gewerkschaft“ in der
Anfangsphase, können als experimentelle Frühphase der ponischen „Erneuerung“ gewertet werden.
Die Ernennung Jaruzelskis, die Verhäöngung des Kriegsrechts und die Suspendierung von
„Solidarität“ repräsentieren die zweite Phase, die dazu diente, die Bewegung unter eine strikte
Kontrolle zu bringen und eine Periode der politischen Konsolidierung herbeizuführen. Für die dritte
Phase kann die Bildung einer Koalitionsregierung erwartet werden, die aus Vertretern der
Kommunistischen Partei, der wiederbelebten „Solidaritäts“-Bewegung und der Kirche bestehen wird.
Auch einige sogenannte „Liberale“ werden dieser Regierungskoalition vermutlich angehören. Eine
Regierung des „neuen Stils“ dieser Art in Osteuropa, wäre für die Förderung der kommunistischen
Strategie der Abrüstung, von atomwaffenfreien Zonen in Europa und der möglichen Wiederauflebens
des „Rapacki-Plans“ bei gleichzeitiger Auflösung von NATO und Warschauer Pakt, sowie der
Schaffung eines neutralen, sozialistischen Europas, bestens geeignet. Die Wiederbelebung weiterer
Elemente der kommunistischen Strategie für Europa [beispielsweise Verhandlungen in der Frage der
Menschenrechte], würden zeitlich abgestimmt erfolgen, um mit dem Aufkommen einer solchen
Regierung übereinzustimmen.“

Seite 335: „Eine Koalititonsregierung in Polen, wäre in der Tat Totalitarismus unter in
neuen, täuschenden und weitaus gefährlicheren Verkleidung sein. Als das spontane Hochkommen
einer neuen Form des „Multi-Parteiensystems,“ eines halb-demokratischen Regimes, würde sie dazu
dienen, den Widerstand gegen den Kommunimsus innerhalb und außerhalb des kommunistischen
Blocks zu unterminieren. Das Erfordernis erheblich gesteigerter Verteidigungsausgaben würden im
Westen auf Ablehnung stoßen. Neue Möglichkeiten für die Aufspaltung Westeuropas und die
Abspaltung von den Vereinigten Staaten von Amerika, sowie die Neutralisierung Deutschlands und
schließlich die Zerstörung der NATO würden daraus resultieren.“

Seiten 338-340: „Die Intensivierung der „Hardline“-Politik und Methoden in der


Sowjetunion, die an Sacharows Verhaftung und die Besetzung Afghanistans deutlich wird, läßt einen
geplanten Umschwung zur „Demokratisierung“ erkennen, der möglicherwiese durch Breschnews
Abgang von der politischen Bühne begleitet sein wird... Breschnews Nachfolger könnte durchaus den
Eindruck eines sowjetischen Alexander Dubcek erwecken. Allerdings wird die Nachfolge lediglich
repräsentative Bedetung haben.
Die Realität der kollektiven Führerschaft, und die gemeinsame Verpflichtung der Führer
gegenüber der Langzeitpolitik, werden davon völlig unberührt bleiben... Breschnews Regime und

36
seine stalinistischen Aktionen gegen „Dissidenten“ und in Afghanistan würden verdammt werden, wie
Novotnys Regime [in der Tschechoslowakei] im Jahre 1968 verdammtworden ist.
Im Bereich der Wirtschaftsreformen kann erwartet werden, daß die sowjetische Praxis sich
mehr an Jugoslawien odersoigar vermeintlich an westliche sozialistische Modelle anlehnen wird... Die
Partei wäre weniger verschwörerisch, würde aber dennoch aus dem Hintergrund auch weiterhin die
uneingeschränkte Kontrolle über die Wirtschaft ausüben...
Die politische „Liberalisierung“ und „Demokratisierung“ würde den allgemeinen Richtlinien
des Probedurchgangs in der Tschechoslowakei von 1968 folgen. Dieser Probelauf könnte durchaus die
Art von politischem Experiment sein, das Nikoly Mironov [ehemaliger Vorsitzender der
Verwaltungabteilung der Partei] bereits 1960 im Sinn hatte. Die „Liberalisierung“ würde spektakulär
und beeindruckend sein. Es ist mit formellen Ankündigungen über die Reduzierung der Rolle der
Kommunistischen Partei zu rechnen. Ihr Monopol würde vermeintlich beschnitten werden. Es könnte
zu einer äußerlichen Trennung von Legislative, Exekutive und Judikative kommen. Dem Obersten
Sowjet würden weitere Vollmachten übertragen werden, und der Präsident und die Abgeordneten
wären scheinbar unabhängiger.
Es könnte durchaus zu einer Trennung der Ämter des Präsidenten der Sowjetunion und des
Ersten Parteisekretärs kommen. Der KGB würde „reformiert“ werde. In der Heimat lebende
„Dissidenten“ würden unter eine Amnestie fallen. Den im Ausland lebenden „Dissidenten“ wird man
die Rückkehr in die Heimat gestatten. Einige von ihnen würden sogar Regierungsämter übernehmen.
Sacharow wird entweder einen hohen Posten in der Eegierung erhalten, oder man wird es ihm
gestatten, seine Lehrtätigkeit im Ausland fortzusetzen. Die kreativen Künste und die die kulturellen
und wissenschaftlichen Organisationen, wie die Schriftstellervereinigungen und die Akademie der
Wissenschaften, werden äußerlich freier und unabhängiger sein. Dasselbe dürfte für die
Gewerkschaften gelten. Politische Vereinigungen würden sich auch für Nichtmitglieder der
Kommunistischen Partei öffnen.
Führende Dissidenten werden wahrscheinlich eine oder mehrere alternative politische
Parteien gründen. Die Zensur würde zwar nicht abgeschafft, aber erheblich weniger streng sein.
Kontroverse Bücher, Theaterstücke, Filme und Kunstwerke würden öffentlich ausgestellt, aufgeführt
oder veröffentlicht werden. Viele jetzt im Ausland lebende prominente sowjetische Künstler würden in
die Heimat zurückkehren und ihre berufliche Laufbahn dort fortsetzen.
Es würde zu Verfassungsänderungen kommen, um die ERfüllung der Vorgaben der
Abkommen von Helsinki zu garantieren, und man würde den Anschein der Einhaltung der
Abkommen erwecken. Für Sowjetbürger würde es zu Reiseerleichterungen kommen. Westliche und
Beobachter der Vereinten Nationen würden in die Sowjetunion eingeladen werden, um Zeugen der
„Reformen“ zu sein.
Aber, wie im Falle der Tschechoslowakei, würde es sich umeine kalkulierte und täuschende
„Befreiung“ insofern handeln, als diese „Liberalisierung“ von „oben“ installiert wurde. Sie würde von

37
der Partei durch ihre Zellen und einzelnen Regierungsmitglieder, dem Obersten Sowjets, den
Gerichten, der Wahlmaschinerie und den Agenten des KGB durchgeführt werdeen, die sich unter den
Intellektuellen und Wissenschaftlern befinden...“

Seiten 340-342: „Die Dissidenten-Bewegung wird gegenwärtig auf den äußerst wichtigen
Aspekt ihrer strategischen Rolle vorbereitet, die darin besteht, den Westen von der Ecjtheit der
sowjetischen „Liberalisierung“ zu überzeugen, wenn der Zeitpunkit gekommen ist. Weitere
hochrangige Überläufer oder „offizielle Immigranten“ werden noch vor dem Wechsel des politischen
Kurses im Westen auftauchen.
Die Prognose hinsichtlich der Einhaltung des Helsinki-Abkommens durch die Sowjets stützt
sich auf die Tatsache, daß es die Staaten des Warschauer Paktes und ein sowjetischer Einflußagent
waren, von denen auf die Einleitung der Verhandlungen gedrängt wurde...
„Liberalisierung“ in Osteuropa würde wahrscheinlich zur Rückkehr an die Macht von Dubcek
und seiner Verbündeten bedeuten. Sollte sich diese „Liberalisierung“ bis nach Ostdeutschland
ausweiten, ist mit dem Abriß der „Berliner Mauer“ zu rechnen...
Die westliche Akzeptanz der neuen „Liberalisierung“ als echt, würde äußerst günstige
Voraussetzungen für die erfolgreiche Durchführung der kommunistischen Strategie für die
Vereinigten Staaten von Amerika, Westeuropa und wahrscheinlich auch Japan schaffen. Es könnte zur
Wiederbelebung des Euro-Kommunismus kommen. Der Druck zur Schaffung vereinter Fronten von
kommunistischen und sozialistischen Parteien und Gewerkschaften auf nationaler und internationaler
Ebene würde verstärkt werden.
Diesmal werden die Sozialisten vermutlich in die Falle gehen. Vereinigte Frontregierungen
unter starkem kommunistischen Einfluß könnten durchaus in Frankreich, Italien, Deutschland und
anderen Ländern an die Macht kommen. Überall wird sich der Einfluß der Kommunistischen Parteien
weiter ausbreiten. Die Mehrzahl der Staaten Europas wird sich höchstwahrscheinlich dem extrem
linken Sozialismus zuwenden, mit der Folge, daß nur noch ein geringer konservativer Widerstand
übrig bleibt.
Der Druck zur Lösung des Deutschlandproblems wird größer werden. Wahrscheinlich wird
man eine Lösung anstreben, die eine Art von Föderation zwischen Ost- und Westdeutschland,
verbunden mit der völligen Neutralisierung des Gesamtstaates und einen Freundschaftsvertrag mit
der Sowjetunion vorsieht. Frankreich und Italien, unter vereinigten Frontregierungen, würden sich
auf die Seite Deutschlands und der Sowjetunion stellen. Großbritannien wäre vor die Wahl vgestellt
werdeen, sich für ein neutrasles Europa oder die Vereinigten Staaten von Amerika zu entscheiden.
Die NATO würde diesen Prozeß kaum überleben. Die Tschechoslowaken, im Gegensatz zu
ihrer Vorstellung von 1968, könnten zusammen mit den Rumänen und Jugoslawen sehr wohl die
Initiative ergreifen, und [im Kontext von Helsinki] die Auflösung des „Warschauer Paktes“ im
Gegenzug für die Auflösung der NATO vorschlagen.

38
Das Verschwinden des „Warschauer Paktes“ würde auf die Koordination des Ostblocks kaum
Auswirkungen haben, aber die Auflösung der NATO könntesehr wohl den Abzug der US-Truppen aus
Europa, und eine engere Anlehnung Europas an den „liberalisierten“ Sowjetblock bedeuten. Auf lange
Sicht könnte ein ähnlicher Prozeß sich auch auf die Beziehungen zwischen den USA und Japan
auswirken, was die Aufkündigung des Beistandspaktes nach sich ziehen könnte.
Die gegenwärtige EG, selbst bei einer Ausweitung, wäre keinerlei Hindernis für die
NeutralisierungEuropas und den Abzug der amerikanischen Truppen...
Die Bemühungen Jugoslawiens und Rumäniens zur Schaffung stärkerer Bindungen an die EG
dürfen nicht als feindlich gegenüber den sowjtischen Interessen gesehen werden, sondern als erster
Schritt zur ^zusammenlegung von EG und COMECON. Das Europäische Parlament könnte sich
durchaus zu Europäischen Sozialistischen Parlament mit Vertretern aus der Sowjetunion und
Osteuropa wandeln. „Europa vom Atlantik bis zum Ural“ würde ein neutrales, sozialistisches Europa
sein.
Die Vereinigten Staaten von Amerika, von ihren ehemaligen Verbündeten betrogen, würden
dazu neigen, sich in ihre „Festung Amerika“ zurückzuziehen oder versuchen, mit den wenigen
verbliebenen konservativen Ländern, vielleicht mit Japan, ein Bündnis mit China als einziges
Gegengewicht gegen die Sowjetmacht, anstreben.“

Seite 348: „Die zeitliche Abstimmung der Entlassun g des Führers der „Solidarität,“ und die
Neuigkeit voin der Ernennung Andropovs, bestötigt... daß die „Liberalisierung“ nicht auf die UdSSR
begrenzt bleiben wird, sondern sich auf ganz Osteuropa, und insbesondere Polen, erstrecken wird.
Das Experiment der „Erneuerung“ wird in Polen wiederholt werden.
Diesmal jedoich, mit allen strategischen Initiativen und Konsequenzen gegen Westeuropa und
die NATO. Die Ernennung Andropovs, die Freilassung des „Solidaritäts“-Führers, und die Einladung
dcer polnischen Regierung an den Papst zum Besuch Polens im Juni 1983, wqeisen darauf hin, daß die
kommunistischen Strategen wahrscheinlich das Wiederaufleben von „Solidarität“ und die Schaffung
einer quasi-sozialdemokratischen Regierung in Polen [eine Koalition der Kommunistischen Partei, der
Gewerkschaften und der Kirchen] und politische undwirtschaftliche Reformen in der UdSSR für 1984
und danach, planen.“

Seiten 349-350: „Wie werden die westdeutschen Sozialdemokraten reagieren, wenn die
kommunistischen Regime mit ihrer „Liberalisierung“ beginnen, indem sie Zugeständnisse in der
Frage der Menschenrechte, bei dfer Erleichterung der Auswandung, bei Amnestien für Dissidenten
oder den Abbau der „Berliner Mauer“ machen? Esi st zu erwarten, die daß die sowjetischen
Einflußagenten in Westeuropa hinsichtlich dieser Möglichkeiten aktiver werden.
Es ist mehr als wahrscheinlich, daß diese kosmetischen Schritte vom Westen für echt gehalten,
und die Wiedervereinigung und Neutralisierung Westdeutschlands und schließlich den

39
Zusammenbruch der NATO bewirken werden. Der Druck auf die Vereinigten Staaten von Amerika für
Zugeständnisse in Abrüstungsfragen und Anpassung an die Sowjets wird stärker werden.
In dieser Periode wird es zu extensiven vorgetäuschten politischen Machtkämpfen um die
sowjetische Führung kommen. Es ist nicht auszuschließen, daß Andropov auf dem nächsten Parteitag,
möglicherwiese schon früher, gegen einen jüngeren Führer mit einem liberaleren Image ausgetauscht
werden wird, von dem die sogenannte „Liberalisierung“ verstärkt fortgesetzt werden wird...
Es ist keineswegs außerhalb des Vorstellbaren, daß die Sowjets in der Frage Afghanistans
Zugeständnisse machen, um neue strategische Vorteile zu gewinnen.“

Weitere Prognosen zu „Perestoika“


in Memoranden an die CIA

Juli 1984: „Jetzt könnte der Zeitpunkt gekommen sein, wo die Sowjetstrategen den alten
Führer Konstantin Chernenko, der nichts weiter als ein Strohmann ist, durch einen jüngeren
Sowjetführer ersetzen, der bereits vor langer Zeit zu seinem Nachfolger bestimmt worden ist, nämlich
Genosse Gorbatschow. Eine seiner Hauptaufgaben wird die Durchführung der sogenannten
„Liberalisierung“ sein. Es ist auch denkbar, daß die Strategen den alten „Hardliner“ Andrei Gromyko
durch einen jüngeren „Softliner“ ersetzen werden... Die neue sowjetische Führungsmannschaft könnte
Wirtschaftsreformen einführen und und verblüffende politische Initiativen ergreifen, um die klare
Botschaft zu übermitteln, daß die Veränderungen in der sowjetischen Führung und in der
Sowjetpolitik mit Veränderungen der US-Führungsmannschaft, bei der US-Militärpolitik und im US-
Haushalt einhergehen müssen. Da sowohl die Konservativen und Liberalen durch strategische
Desinformation über die strategischen Absichten der Sowjets verwirrt sind, ist es möglich, daß diese
Manöver mit Hilfe der sowjetischen Einflußagenten erfolgreich sein werden.“

5. Juli 1985: „Die Veränderungen in der Sowjetführung sollten nicht als Anzeichen Gorbatschows
Konsoldierung seiner persönlichen Macht, sondern als Erfüllung der strategischen Erfordernisse
gesehen werden. Die Ernennung Gromykos zum Präsidenten und von Schewardnaze zum
Außenminister, sollte als Vorbereitungshandlung für die kommenden Programme einer kalkulierten
politischen und wirtschaftlichen Reform gewertet werden, die bereits erläutert worden ist.
Schewardnaze wurde wegen seiner Erfahrungen als Innenminister der Georgischen Republiken in den
1970er Jahren ausgewählt. Seine Aufgabe wird es sein, die Strategie der sogenannten „Liberalisierung“
mit den Strategien Europas und der Abrüstungsfrage zu verbinden. Aller Wahrscheinlichkeit nach,
diente der Ungar Janos Kadar als Vorbild für seine Ernennung. Kadar war ungarischer Innenminister
des alten Regimes, von dem die sogenannte „Liberalisierung“ in Ungarn eingeleitet wurde. Die

40
Ernennung Gromykos wäre wegen seines Bekanntheitsgrades als Stalinist zweifellos eine
Fehlbesetzung gewesen. Es ist ein Fehler, das Amt des Präsidenten der Sowjetunion lediglich für eine
repräsentative Institution zu halten. Seit der Übernahme der gegenwärtigen Langzeitstrategie im
Jahre 1960, hat der Sowjetpräsident, damals Breschnew, später Podgorny, bei der Druchsetzung
dieser Poltik eine bedeutende Rolle gespielt. Als Mitglied des Politbüros wird Gromyko Gorbatschow
mit wichtigen Ratschlägen zur Strategie versorgen. Als Präsident wird er sein herausragendes Amt
dazu benutzen, den sowjetischen Einflußagenten unter den Führern der europäischen
Staaten und in der Dritten Welt Richtlinien zu geben.“

August 1985: „Es gibt keinerlei Grund für günstige Illusionen oder die Euphorie in Westeuropa über
Gorbatschows Ernennung und die kommende „Liberalisierung.“ Diese Entwicklung könnte sich als
eine große Herausforderung und ein ernster Test für die politischen Führer der Vereinigten Staaten
von Amerika und Westeuropas erweisen. Die „Liberalisierung“ wird weder spontan erfolgen, noch
wird sie echt sein. Es wird sich um eine klakulierte „Liberalisierung“ handeln, deren Schema dem
Probelauf der „Demokratisierung“ der Tschechoslowakei von 1968 folgen wird. Sie wird von „oben“
eingesetzt und durch den KGB und den Parteiapparat kontrolliert werden. Die „Liberalisierung“ wird
folgende Elemente enthalten:
(a) Wirtschasftsreformen zur Dezentralisierung der Sowjetwirtschaft und die Einführung von
Anreizen zu Profit gemäß den Leitlinien Ungarns und Chinas. Da Gorbatschow ein sowjetischer
Agrarfachmann ist, ist eine Neuorganisierung der „Kolchosen“ oder Kollektivbauernhöfen, in
„Sowchosen“ oder Staatsgüter, zu erwarten. Die Liquidierung der „Kolchosen“ war von Lavrentiy Beria
bereits im Jahre 1923 geplant worden.
(b) Religiöse Erleichterungen nach dem Vorbild der von Josef Stalin während des Zweiten
Weltkriegs gewährten Erleichterungen. Die sensationelle kürzliche Einladung an Reverend Billy
Graham zu Predigten in russischen Kirchen, weist darauf hin, daß die Sowjetstrategen dieses Element
bereits übernommen haben, ohne auf die formelle Ernennung Gorgbatschows zum Parteiführer zu
warten.
(c) Einer bestimmten Anzahl jüdischer Emigranten wird die Ausreise aus der UdSSR gestattet
werden.
(d) Es wird zu Reiseerleichterungen bei Auslandsreisen durch Sowjetbürger kommen. Diese
Ereleichterungen werden gewährt werden, um den Westen zu beeindrucken und zu demonstrieren,
daß man sich an die Vereinbarungen von Helsinki hält.
(e) Gewisse Erleichterungen für sowjetische Intellektuelle und kulturelle Überläufer sind zu
erwarten.Es wird sowjetischen Schriftstellern und Produzenten die Aufführung und Veröffentlichung
ihre Werke und Stücke über kontroverse Themen gestatten. Kulturelle Abweichler, Musiker und
Tänzer, werden wieder in der UdSSR und im Ausland auftreten dürfen. Eine Amnestie für die
sogenannten „Dissidenten“ ist ebenfalls zu erwarten.

41
(f) Eine gewisse Reduzierung des Militäretats und die Verwendung von Teilen des Militäretats
auf anderen Gebieten zur Ankurbelung der Wirtschaft wird folgen.“

„Sollte die „Liberalisierung“ in den unschuldigen, da uninformierten Medien als radkiale


Veränderung des kommunistischen Systems dargestellt werden, wird es den kommunistischen
Führern sofort ermöglicht, wieder die poltische Initiative zu ergreifen und die politische und
diplomatische détente wiederzubeleben, die für für den Westen so katastrophal, und für die
Kommunisten in der Vergangenheit so nützlich gewesen ist. Diec harismatische Persönlichkeit
Gorbatschows könnte bei der Überreaktion der westlichen Medien eine entscheidende Rolle spielen.“

„Die sowjetische „Liberalisierung“ ist ein wesentlicher Bestandteil der gegen den Westen
gerichteten Strategie des gesamten kommunistischen Blocks, insbesondere soweit es Polen und
Ostdeutschland betrifft. Das Hauptziel ist der Beginn einer politischen Offensive gegen die Vereinigten
Staaten von Amerika und die NATO und zur Entwicklung einer militärischen détente in Europa durch
Veränderung der militärischen und politischen Lage. Diese Strategie ist dazu angelegt, folgendes zu
erreichen:
(a) Die Bildung einer „Deutschen Konföderation“ von Ost- und Westdeutschland und der
Ausstieg beider deutschen Teile aus Warschauer Pakt und NATO.
(b) Die NATO aufzubrechen und den Abzug der US-Truppen aus Europa zu erzwingen.“

„Es ist zu erwarten, daß es zur Erreichung dieser Ziele eine ähnliche „Liberalisierung“ in Polen
und Ostdeutschland geben wird.
Als neue Realität in Europa dargestellt und angepriesen, wird die sowjetische, polnische und
ostdeutsche „Liberalisierung“ einen verblüffenden Effekt, und geradezu magische Auswirkungen auf
die Westeuropäer und Amerikaner haben. Die sich daraus ergebende Verwirrung wird durch die
sowjetischen, polnischen und ostdeutschen politischen Führer mittels ihrer aktivistischen Diplomatie,
insbesondere gegenüber Westdeutschland, zu ihrem Vorteil ausgenutzt werden. Die
tschechoslowakischen, ungarischen und rumänischen Führer werden zu dieser Strategie aktiv
beitragen...“

„Die „Liberalisierung“ der UdSSR, Polens und Ostdeutschlands könnte im Westen zu einer
Kettenreaktion führen, die insbesondere den NATO-Staaten und der US-Militärpolitik irreparable
Schäden zufügen wird, soifern man die wahre Natur und die Rolle der kommunistischen Strategie
nicht erkennt.“
Die „Liberalisierung“ und ihre strategischen Manipulationen, verbunden mit offenen und
verdeckten sowjetischen Operationen, wird auch der politisdchen Führung des Westens erhebliche
Probleme bereiten. Sie wird darauf abzielen, die westlichen Führer zu verwirren, die westeuropäischen

42
Verbündeten von den USA abzuspalten, und die Völker von ihren gewählten Führern zu separieren.
Von den politischen Führern, völlig geblendet von der „Liberalisierung,“ ist mit Sicherheit zu
erwarten, daß sie schwerwiegende Fehlentscheidungen treffen werden, zwar unbeabsichtigt, aber
dennoch im Interesse der Kommunisten.“

Winter 1986: „Die Essenz der Strategie ist die Einführung einer kalkulierten und
kontrollieren falschen Demokratisierung und die Wiederbelebung eines diskreditierten Regimes,
indem man ihm einen attraktiven Aspekt und „ein menschliches Antlitz“ beilegt. Das strategische Ziel
besteht in der Schaffung von Unterstützung, gutem Willen und Sympathie im Westen und die
Ausnutzung dieser Sympathie zur Bildung neuer Haltungen und neuer politischer Realitäten, die den
sowjetischen Interessen dienlich sind. Ein weiteres Ziel ist die Unterwanderung und Isolierung
traditioneller politischer Parteien und deren Führer, insbesondere der Konservativen und Realisten
des Westens. Ebenso wird eine Änderung der Haltung gegenüber der „Strategischen
Verteidigungsinitiative, dem US-Haushalt und dem US-Militär zur Entwaffnung der Vereinigten
Staaten von Amerika angestrebt. Begründet wird diese Initiative mit der Behauptung, „das neue aus
der UdSSR hervorgegangene Regime sei liberal und stelle für die USA keine Bedrohung mehr dar.“
Angesichts des Überraschungseffekts der Sowjetstrategie, könnten diese Vorstöße durchaus
erfolgreich sein. Die möglichen Folgen des Versagens, die Essenz dieser Strategie zu verstehen, würde
die USA und Westeuropa erheblich schädigen. Die Amerikaner, Westeuropäer, ihre politischen Führer
und Militärstrategen würden durch diese Entwicklungen beeinflußt und in die Irre geführt werden,
was sich zum Schaden der natiuonalen Interessen und Demokratien auswirken würde. Der
vermutliche Impakt einer solchen sowjetischen Wiederbelebung für den Westen würde dem der
„Oktoberrevolution“ entsprechen oder sogar übersteigen.
Die Auswirkungen wären in der Tat größer und tiefgreifender, weil der Westen nicht
alarmiert, sondern entwaffnet wäre. Diese Wiederbelebung würde einen signifikanten Einfluß auf das
politische Leben in Amerika und Westeuropa ausüben. Besonders betroffen wäre die Militrästrategie,
das NATO-Bündnis und die Strategische Verteidigungsinitiative, und alles das zum Schaden der
betroffenen Nationen. Letztendlich wird es zur Realisierung des Endziels der Sowjetstrategie kommen,
nämlich die Annäherung des kapitalistischen Westens an den kommunistischen Osten
nach sowjetischen Bedingungen und der Einrichtung einer „Weltregierung“ als Lösung
des Problems der Wettrüstung und zur Vermeidung einer nuklearen Konfrontation.“

März 1987: „Die UdSSR, China, Polen und vermutlich Ostdeutschland sind jetzt in der Lage,
eine politische und diplomatische Offensive gegen den Westen zu beginnen, um dessen Strukturen
und Fundamente zu erschüttern... Zu den nöchsten strategischen Zügen werden gehören: (a)
Massenauswanderung jüdischer Sowjetbürger mit der Absicht, einen Meinungsumschwung im
Westen in Richtung der Akzeptanz einer echten „Demokratisierung“ zu erreichen, (b) die

43
Wiederbelebung der „Liberalisierung“ in Polen, und die dortige Einführung von Wirtschaftsreformen,
(c) neue Initiativen zur Zeit des Papstbesuches in der UdSSR, (d) eine Initiative, die zur
Gründung einer Deutschen Föderation führen soll.“

ZUTREFFENDE PROGNOSEN AUF DER GRUNDLAGE


DER NEUEN ANALYSEMETHODE

Die absolute Mehrheit meiner Prognosen in „New Lies for Old“ und meinen nachfolgenden
Memoranden an die CIA haben sich als zutreffend erwiesen, und zwar in der Substanz und im Detail.
Es stell sich daher die Frage: Warum waren diese Prognosen korrekt, und warum ist es den
westlichen Experten nicht möglich gewesen, diese Entwicklungen ebenfalls zu
erkennen? Die Antwort liegt in den unterschiedlichen Analysemethoden. Die neue Methode
berücksichtigt die Übernahme der in den Jahren 1958 bis 1960 entwickelten Landzeitstrategie
durch die Führer des Kommunistischen Blocks, von der „Perestroika“ den logischen Höhepunkt
darstellt.

Die neue Methode berücksichtigt folgende Elemente:

(a) Die Insiderinformationen des Autors über die Übernahme der Strategie, deren Essenz die
Wiederbelebung des Kommunismus durch wirtschaftliche und politische Reformen des früheren
repressiven stalinistischen Systems ist.
(b) Die Insiderinformation des Autors von Shelepins Bericht von 1959, in dem dem KGB eine
entscheidende Rolle im Rahmen der neuen Strategie zugewiesen wird. Insbesondere die Aufgabe zur
Schaffung einer kontrollierten politischen Opposition, die dem Sowjet- und anderen
kommunistischen Regimen ein liberaleres Aussehen verleihen.
(c) Die Insiderinformation des Autors, daß die Partei und der KGB ein Programm der
strategischen Desinformation zur Unterstützung der Strategie entwickelt haben.
(d) Die achtundzwanzigjährige Erfahrung des Autors bei der Interpretation der
Entwicklungen in der kommunistischen Welt unter BErpcksichtigung der entsprechenden
Vorkenntnisse.
(e) Das Studium amtlicher Dokumente aus der Zeit von1958 bis 1960, in denen die
Langzeitstrategie öffentlich erläutert und angenommen wurde.

Außer dem Prognosen über die Entwicklung der zu erwartenden „Liberalisierung“ in den
Sowjetunion, enthielt „New Lies for Old“ eine Kritik an den westlichen Analysemethoden und eine

44
Beschreibung der neuen Methode. Es bedarf der Erwähnung, daß der verstorbene Sir John Rennie,
damals Leiter des britischen Nachrichtendienstes, 1986 in New York dsas gfesamte Kapitel las und die
Ansicht vertrat, es sollte veröffentlicht werden. Er bot seine Hilfe mittels seiner Freundschaft mit Mr.
Armsterong, dem Herausgeber von „Foreign Affairs,“ an. Der Autor erkennt an, daß es ein großer
Fehler war, dieses Angebot ablzulehnen. Als „New Lies for Old“ im Jahre 1984 veröffentlicht wurde,
fand es nicht die Aufmerksamkeit der amerikanischen Medien und der Öffentlichkeit.
Lediglich der verstorbene James Angleton und seine Kollegen von der „Intelligence and
Security Foundation“ erkannten die Bedeutung des Buches als Grundlage des Verständnisses für
„Perestroika“ und widmeten den Hauptzielen der sowjetischen Langtzeitstrategie drei Sonderberichte.
In nachfolgenden Memoranden an die CIA wies der Autor nachdrücklichst darauf hin, daß
„Perestroika“ keine Erfindung Gorbatschows, soindern der logische Höhepunkt der Langzeitstrategie
aus den Jahren 1958/60 sei.
Die neue Methode wendet bei der Analyse der sowjetischen Langzeitstrategie „kreatives
leninistisches Denken“ an. Die leninistische Denkweise, befreit von stalinistischen Dogmen und
Stereotypen, ist aich weiterhin die Hauptquelle der Inspiration des sowjetischen strategischen
Ansatzes für nationale und internationale Probleme. Die neue Methode verbessert das stalinistische
Denken durch die Hinzunahme von drei weiteren Faktoren bei der Analyse: Vladimir Lenins
Übernahme einer begrenzen Form des Kapitalismus in das Sowjetsystem in den 1920er Jahren zur
Stärkung und Beschleunigung der komunistischen Weltrevolution, Felix Dzerzhinskiys Schaffung
einer GPU(1)-kontrollierten „politischen Opposition“ in der UdSSR während derselben Periode, und
die entsprechende Information an die westlichen Nachrichtendienste und Generalstäbe zu
strategischen politischen Täuschungszwecken. Schließlich die dreißigjährige Erfahrung mit der
praktischen Anwendung der Strategie mit „Perestroika“ als Höhepunkt.

DIE ÜBERNAHME DER LANGZEITSTRATEGIE VON „PERESTROIKA“


Es war nicht 1985, sondern 1958 als die kommunistischen Führer nach den ungarischen und
polnischen Revolten erkannten, daß die stalinistische Praxis der Massenrepression dem Sowjetsystem
erheblichen Schaden zugefügt hatte, und daß radikale Maßnahmen erforderlich seien, um das System
neu zu beleben und wiederherzustellen. Bereits damals entschieden sie, daß stalinistische System in
die attraktivere Form der „Kommunistischen Demokratie“ umzuwandeln.
Es war nicht 1985, sondern 1958, als die kommunistischen Führer zugaben, ihr
Wirtschaftssystem sei unwirtschaftlich und hinke hinter der Produktion des Westens her. Damals
entschieden sie, es sei erforderlich die Sowjetwirtschaft durch die Einführung von Marktinitiativen
neu zu beleben.
Schon damals erkannten die kommunistischen Führer, daß der Kommunismus auf der
Grundlage von Angst und Massenrepression nicht weltweit zu verbreiten sei, und der kommunistische

45
Sieg nur durch die Umwandlung des sowjetischen und anderer kommunistischer Regime in für den
Westen attraktivere Formen errungen werden kann.
In den Jahren 1958 bis 1960 begqannen die kommunistischen Führer bereits mit ihrem
Konzept der Annäherung durch die Umstrukturierung und Umwandlung kapitalistischer System, was
schließlich zu dem einem System der Weltregierung führen sollte. Unter Berücksichtigung der
militärischen Stärke der NATO entschlossen sich die kommunistischen Führer zu einer massiven
Aufrüstung ihrer eigenen Streitkräfte als Garant für den Erfolg ihrer Programme eigenen
Inlandsprogramme und als Druckmittel zur Erzwingung von Abrüstungsverhandlungen mit dem
Westen, und schließlich zur Durchführung ihrer Annäherungsstrategie.
In Kenntnis des Erfordernisses einer stabilen politischen Führungsriege in der UdSSR bei der
Ausführung ihrer Langzeitstrategie, verwarfen die Sowjetführer Stalins Praxis der Eliminierung von
Rivalen und wandten sich dem leninistischen Führungsstil zu. Das Zentralkommitee löste das
Problem durch die vorzeitlige Auswahl von Chruschtschows Nachfolger, bevor dieser in den
Ruhestand ging. Im Juli 1960 wurde Leonid Breschnew auf diese Weise bestimmt, als er zum
Präsidenten gewählt wurde und eine Sonderunterweisung über seine besonderen
Verantwortlichkeiten für den Fall erhielt, daß Chruschtschow abdanken sollte.
Die gemeinsame Hinwendung zur Langzeitstrategie wurede zu einem Faktor, der zukünftige
Machtkämpfe verhinderte. Die westlichen Experten haben dies nicht verstanden, weil Chruschtschows
Rücktritt durch die Sowjetführer gegenüber dem Westen vorsätzlich falsch dargestellt woirden ist.
Auf diese und andere Weise wurde der Ursprung der täuschenden Langzeitstrategie für eine
lange Zeit geheim gehalten.

(1) Anmerung des Herausgebers: GPU=Staatspolitisches Direktorat- der erste „Etikettenschwindel“


der „Cheka, „der diese neue Identität mit der Umorganisation im Februar 1922 gegeben wurde.

SOWJETISCHE FORSCHUNG UND VORBEREITUNG DER STRATEGIE

Unter der Leitung des Parteiapparates, wurden von der Sowjetischen Akademie der Wissenschaften ab
1957 mit besonderen Forschungen und Studien eingeleitet zur Vorbereitung der Strategie begonnen.
Der Parteiapparat und seine „Denkfabriken“ - die Höhere Parteischule und die Akademie für
Sozialwissenschaften - suchten bei ihren Forschungen zunächst für wissenschaftliche und theoretische
Lösungen für die wichtigsten Inlandsprobleme im Zusammenhang mit der Strategie. Es waren diese
„Denkfabriken,“ von denen Szenarien für sowjetische Reformen entwickelt, und die sowjetischen
Führer und ihre Amtskollegen in den anderen Blockstaaten, wie Dubcek, über den Geist und die
Erfordernisse der Strategie unterrichtet wurden.
Das KGB-Institut und seine Forschungsabteilung führten eine Reihe von Sonderstudien für
das Zentralkommitee durch. Dazu gehörten Studien über „neue Methoden zur Neutralisierung
politischer Opposition in der UdSSR,“ und die Offenlegung von Staatsgeheimnissen im Interesse der

46
Strategie, was eine deutliche Parallele zur gegenwärtigen „Offenheit“ oder „Glasnost“ erkennen läßt -
eines der Studienthemen beschäftigte sich mit der Offenlegung zutreffender Informationen zusammen
mit Desinformation.
Sonderstudien über die Wirtschafts- und internationalen Beziehungen der führenden
kapitalistischen Länder wurden durch das „Institut für Weltwirtschaft und Internationale
Beziehungen“ durchgeführt. Dieses Institut widmete der „Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft“ und
den Divergenzen der wirtschaftlichen Interessen Amerikas, Westeuropas und Japans sein besonderes
Augenmerk. Die Ernennung des Dirketors zum fphrenden Wirtschaftsberater Gorbatschows erklärt
sich aus den Beiträgen, die das von ihm geleitete Institut zur Strategie beigetragen hat.
Ein besonderes Forschungsorgan, das „Institut zum Studium der USA und Kanada“ wurde
1960 in Moskau gegründet, um zu den Erfordernissen der Strategie beizutragen. Seit seiner Gründung
hat das Institut unter der Leitung des Akademikers Georgiy Arbatov jedes größere politische, sozialie,
kulturelle und rassische Problem in den USA ausführlichst untersucht. Das Institut hält ein waches
Auge auf die Arbeit der Exekutive, den Kongreß, die Presse, die politischen Parteien und die
bedeutenderen religiösen Organisationen.
Arbatov und seine Mitarbeiter haben enge Beziehungen mit der amerikanischen Elite
begründet, was ihnen die Möglichkleit zur „Kultivierung“ vieler führenden Politiker, Wissenschaftler,
Religionsfüphrer, Sowjetexperten, Journalisten und Gestalten des Kulturlebens durch
Zusammenkünfte in Washington oder Einladungen zu Besuchen in der UdSSR bietet.
Der sowjetisch-amerikanische Studentenaustausch wurde dazu benutzt, die Funktionsweise
amerikanischer Institute zu studieren, und die Sowjetexperten in Bereichen zu schulen, die für die
Durchführung der Strategie von Bedeutung sind. So studierte beispielsweise Aleksandr Yakovlev,
Spitzenberater Gorbatschows für internationale Politik und der Förderung von „Perestroika“ in den
amerikanischen Medien, im Rahmen eines Austauschprogramms an der Columbia Universität
Meidenpolitik und Journalismus.
Der Sowjetbotschaft in Washington kam eine besondere Rolle beim Studium der inneren
Zusammenhänge der amerikanischen Politik zu. Die gewonnenen Erkenntnisse wurden als
Empfehlungen an die Sowjetstrategen weitergegeben. Ein bemerkenswertes Novum wurde den
Aufgaben des Sowjetbotschafters in den USA beigefügt. Im Interesse der Strategie wurde Botschafter
Anatoliy Dobrynin zum Haupt-KGB-Residenten in Washington ernannt, um die diplomatische
Tätigkeit der Botschaft mit dem Einsatz der Mittel der KGB-Residentur, insbesondere ihrer
wichtigsten Einflußagenten unter den Politikern, Geschäftsleuten, Wissenschaftlern und Journalisten,
koordinieren zu können.
Der Autor hat ein Sondermemorandum über Anatoliy Dobrynin der CIA zugeleitet, worin der
Dobrynins Einsatz von KGB-Agenten im Rahmen der strategischen Erfordernisse bestätigt wird. Der
verstorbene James Angleton kam zu der Schlußfolgerung, daß das Memorandum in deklassifizierter
Form verölffentlicht werden sollte, um den von Dobrynin in Washington ausgeübten politischen

47
Einfluß zu neutralisieren und ihn wegen Einmischung in die inneren Angelegenheiten der Vereinigten
Staaten aus dem Land zu weisen. Der Inhalt des Memorandums wurde jedoch nach den
Anhörungen in der „Watergate Affäre“ verworfen, was zur Destabiliserung der
amerikanischen Nachrichten- und Spionagedienste geführt hat.

DIE ROLLE DES KGB BEI DER VORBEREITUNG VON „PERESTROIKA“

In Übereinstimmung mit einer Parteientscheidung, wurde dem KGB die Schlüsselrolle bei der
Durchführung der Strategie übertragen. Im Jahre 1959 wurde der KGB unter Aleksandr Shelepin
angewiesen, seine Nachrichtendiesnt- und Sicherheitspotenzial nicht mehr zur Unterdrückung der
Massen, sondern im Intgeresse der Strategie gegen den Hauptgegner einzusetzen. Die Neutralisierung
und Auflösung jeder echten Opposition von Nachtionalisten und antisowjetischen Intellektuellen
wurde zu seiner Hauptaufgabe. Der KGB erhielt den Auftrag zur Schaffung einer kontrollierten
politischen Opposition mit der Maßgabe, entsprechende Informationen nach dem Vorbild von
Dzherzinskis „Vertrauen“ an die westlichen Geheimdienste durchsickern zu lassen. Wie der Autor
bereits Anfang der 1960er Jahre nachwiese, begann der KGB mit der Schaffung einer kontrollierten
„Dissidentenbewegung, wobei besonderer Wert auf einen fachkundigen, kontrollierten Disput
zwischen „liberalen“ Schriftstellern, wie Aleksandr Tvardovkiy, Yevgenij Yevtuschenko und Nikoay
Voznesenskiy, und „konservativen,“ wie Vsevolod Kochotev, gelegt wurde. Der KGB war bedeutende
Einflußagenten an, die die sich mit den „Dissidenten“ unter den führenden Sowjetwissenschaftlern,
wie Andrei Sacharow und Petr Kapitska, „verbündeten.“ Es war kein Zufall, daß moderne
„Dissidenten“ vom KGB die Genehmigung erhielten, sich jetzt öffentlich zu zeigen und durch westliche
Vertreter der Menschenrechtsbewegungen beobachten zu lassen, und zwar im totalen Gegensatz zu
den völlig isolierten Insassen der Gefängnisse Stalins, die einfach spurlos verschwanden. Hier ist die
Anmerkung wichtig, daß bekannte „Dissidenten“ bereits ein beachtliches öffentliches Profil besaßen,
bevor „Glasnost“ oder „Offenheit“ eingeleitet wurde. Die Aufgabe der Einflußagenten, wie des
verstorbenen Andrei Sacharow, zielt keineswegs auf Propaganda ab, sondern dient allein der
Unterstützung der Strategie sowjetischer Reformen und der Annäherung an den Westen.
Außerdem warb der KGB eine Anzahl Theater- und Filmregisseuren, Schriftstellern und
Journalisten an, die infoffiziell dazu ermutigt wurden, mit den bis dahin gültigen Tabus und
kontroversen Themen, wie Unterdrückung, Gefängnisleben, Rehabilitation und religiösen
Angelegenheiten zu experimentieren. Das Ziel dieser Experimente war die Vorbereitung dieser
ausgewählten Personen auf die Rolle der „Initiatoren“ und Katalysatoren bei der kommenden
kontrollierten „Liberalisierung“ des Regimes.
Der KGB wies seine alten Agenten in den Reihen der sowjetischen Kirchenführer ein, die
Gapons(2) - und nutzte ihren Einfluß für die Annäherung an die Kirchen des Westens. Der KGB

48
konnte auf die Anwendung der Erfahrungen beim Einsatz religiöser Führer unter Stalin im Zweiten
Weltkrieg zurückgreifen. In den 1960er Jahren wendeten sie diese Erfahrungen im größeren und
verfeinerten Stil an.
Der KGB, die Partei, die Presse und selbst die Gerichte wurden für die kalkulierte
Zurschaustellung von „Dissidenten“ und ihrer Aktivitäten im Westen als Beispiele“ für die Erziehung
und Umerziehung von westlichen und antisowjetischen Intellektuellen eingesetzt.
Auf Initiative des KGB, wurde eine Armee von Sowjetischen Vigilanten in einer
Größenordnung von fünf Millionen Mitgliedern, die sogenannten „Druzhiny“ aus den Reihen der
Komsomol-Aktivisten rekrutiert. Ihre Einheiten wurden von pensionierten „Chekisten“ (3) angeführt.
Sie haben alle Straßen der sowjetischen Städte patroulliert und überwacht. Ihre Hauptaufgabe bestand
darin, das sowjetische Volk darauf vorzubereiten, „sich während der kommenden „Liberalisierung“ zu
benehmen.“
Die sowjetische Psychiatrie und das Wegschließen von aktiven Antikommunisten in
psychiatrischen Anstalten wurde zur „Erziehung“ und Einschüchterung der Bevölkerung eingesetzt,
um das Volk dem Regime zu unterwerfen, indem man ihm „vorführte,“ daß nur Geisteskranke
dagegen protestieren. Auch die Entspannung mit dem Westen wurde von der Partei als Waffe gegen
Antikommunisten eingesetzt, um die Botschaft zu vermitteln, jeder Antikommunismus sei in der
UdSSR „hoffnungslos,“ da selbst der Westen das Sowjetsystem akzeptiert habe.
Die Sowjetpresse erhielt Oberwasser durch das Versagen der Amerikaner, den
Tschechoslowaken zur Hilfe zu kommen, als ihre parteikontrollierte „Demokratisierung“ 1968 außer
Kontrolle zu geraten drohte. Dieses Versagen hatte einen ernüchternden Effekt auf die echten
Antikommunisten in der UdSSR und Osteuropa. Außerdem sorgte der KGB für

(2) Anmerkung des Autors: Pater Gapon war ein Hauptpriester im zaristischen Rußland. Er betätigte
sich als Polizeispitzel und wurde von der Polizei gegen die Arbeiterbewegung eingesetzt.
(3) Anmerkung des Autors: Benannt nach der „Cheka“ - des berüchtigten sowjetischen
Sicherheitsdienstes
eine selektive Emigration von Personen, die dem System ayblehend gegenüber standen oder die
Zusammenführung mit im Ausland lebenden Verwandten anstrebten, um das Aufkommen einer
echten Opposition zu verhindern.

Alle diese KGB- und Parteimethoden, zusammen mit dem natürlichen Alterungsprozeß und
dem Tod der ehemaligen Opfer Stalins, führte zum Verschwinden der aktiven Antikommunistien und
der allgemeinen Akzeptanz des Sowjetregimes durch die Bevölkerung. In den 1980er Jahren gab es
keine Sozialdemokraten oder politisch aktiven Nationalisten mehr in der Sowjtunion. Bis zu diesem

49
Zeitpunkt war es dem KGB und Parteiapparat gelungen, Bedingungen zu schaffen, in denen nur sie
neue politische Organisationen schaffen konnten.
Der KGB und die Partei führten ihre Vorbereitungen für „Perestroika“ in enger
Zusammenarbeit mit den Parteien und Sicherheitsdiensten der anderen kommunistischen Länder
durch. Die erfolgreiche Vorbereitung von „Perestroika“ durch den KGB und das Innenministerium der
Georgischen und anderer Republiken der UdSSR, erklärt die Ernennung ihrer Führer - Alexandr
Shelepin, Yurij Andropov, Gaidar Aliyev, Eduard Shewardnaze, Viktor Chebrikov und Andrei Vlasov -
zu Mitgliedern des Politbüros und in andere strategische Schlüsselpositionen.

EXPERIMENTE UND PROBELÄUFE FÜR „PERESTROIKA“


Seit 1959 waren die kommunistischen Blockparteien und Regierungen an den praktischen
Experimenten und Probeläufen für einzelne Elemente von „Perestroika“ in den verschiedenen
Ländern zur Vorbereitung der weltweiten Anwendung der Strategie beteiligt.
Die wichtigsten Experimente und Probeläufe waren:
• Der Versuch einer „Liberalisierung“ unter Chruschtschow Anfang der 1960er Jahre.
• Die Veröffentlichung von Artikeln über Marktwirtschaft von Prof. Yevsei Liberman und
Experimente mit Firmen und „Konzernen.“
• Alexei Kosygins Wirtschaftsreformen von 1965.
• Die angebliche „Unabhängigkeit Rumäniens“ seit Beginn der 1960er Jahre.
• Die „Kulturrevolution“ in China - in Wirklichkeit ein ideologischer und politischer
Feldzug der Umschulung und eine Vorbereitung der unerfahrenen chinesischen
Parteibürokratie auf den Umgang mit der „Entspannung“ mit dem kapitalistischen Westen.
• Die „Demokratisierung“ in der Tschechoslowakei von 1968.
• Die Legalisierung von „Solidarität“ durch die polnische
Kommunistische Partei.
• Die Einführung kapitalistischer Initiativen in China und Ungarn während der 1970er
und 1980er Jahre.
Die Sowjetstrategen studierten Durchführung, Ergebnis, Lehren und Fehler
dieser Experimente und Probeläufe. Zweifellos haben sie korrekte und praktische Schlüsse aus
den Exzessen der „Kulturrevolution“ in China und dem Kontrollverlust über die Experimente mit der
„Demokratisierung“ in der Tschechoslowakei und „Solidarität“ in Polen gezogen. Vermutlich haben sie
auch entsprechende Schlüsse aus den leidvollen Erfahrungen mit Jugoslawien gezogen. Die
gewonnenen Erfahrungen haben sich außerordentlich vorteilhaft für die weitere Planung von
„Perestroika“ in allen ihren Elementen in der UdSSR ausgewirkt.
Die Entwicklung und Durchführung der Strategie über einen Zeitraum von mehr als dreißig
Jahren, hat die sowjetische Macht in militärischer, politischer, und - mit Hilfe des Westens -
wirtschaftlicher Hinsicht enorm gestärkt. Derr Autor widerspricht der Einschätzung Brzezinskis (4),

50
die UdSSR stele vor dem Zusammenbruch, mit aller Entschiedenheit. Die Durchfrührung der Strategie
hat zur Ausweitung der politischen Basis der Kommunistischen Partei in der russischen und anderen
Nationalrepubliken geführt.
Durch sorgfältige Vorbereitung wurden die Bedingungen für „Perestoika“ und den Übergang
des Regimes des mächtigsten und erfahrensten sozialistischen Landes zu einer Phase der
„kommunistischen Demokratie“ geschaffen.
Selbstverständlich ist den Sowjetführern daran gelegen, dem Westen zu verheimlichen, was
tatsächlich vor sich geht, indem sie sich auf die Terminologie des „demokratischen Übergangs“
festgelegt haben.
Seit dem Zeitpunkt der Annahme der Strategie, hat die Parteiführung gegenüber ihren
Technokraten, Bürokraten, Militärs und Intellektuellen deutlich gemacht, daß die Erfordernisse der
Strategie bei ihren Aktivitäten und Einschätzungen höchste Priorität haben. Wegen dieser Forderung
und der Parteidisziplin, kann es bei den Konservativen in der Partei, dem Militär oder den
Technokraten keine wirkliche Opposition geben.
Riskante Experimente und die erfolgreiche Druchführung der Strategie in der UdSSR,
Osteuropa und dem kommunistischen China haben den Parteiführern, dem KGB, den Generälen, den
Technokraten und führenden Intellektuellen eine politische Reife und Raffinesse vermittelt, die in
„Perestroika“ ihren Niederschlag fand.
Wegen ihrer langen historischen Erfahrung, ihrem großeren politischen, wirtschaftlichen und
militärischen Potenzial und gründlichen Vorbereitung, sind die kommunistischen Strategen und die
herrschende Klasse davon überzeugt, daß sie ihre Völker führen und leiten können, ohne die Kontrolle
zu verlieren, wie es 1968 in der Tschechoslowakei und 1981 in Polen der Fall gewesen ist. Sollte dieser
Fall wider Erwarten doch eintreten, wird das Problem auf die altbewährte Weise gelöst werden -
mittels militärischer Unterdrückung.

„PERESTROIKA,“ DIE ENDPHASE: IHRE HAUPTZIELE


Durch die neue Analysemethode offenbart sich „Perestroika“ nicht als ein überraschender und
spontaner Wandel, sondern als das logische Ergebnis einer dreißigjährigen Vorbereitungszeit und als
die Endphase der Strategie: Die neue Analysemethode präsentiert „Perestroika“ in einem breiteren
Kontext als es die sowjetische „Glasnost“ oder „Offenheit“ erkennen läßt.
Hier wird die Strategegie nicht nur als die Erneuerung der sowjetischen
Gesellschaft, sondern auch als globales strategisches Modell zur „Umstrukturierung“
der gesamten kapitalistischen Welt dargestellt.
Die folgenden strategischen Ziele von „Perestroika“ können unterschieden
werden:

51
Für die UdSSR
(a) Die „Umstrukturierung“ und Wiederbelebung der sowjetischen sozialistischen Wirtschaft
durch die Einbeziehung einiger Elemente der Marktwirtschaft.

(4) Anmerung des Autors: Zbiegnew Brzezinski, ein führender amerikanischer Experte auf dem
Gebiet des Kommunismus und Nationaler Sicherheitsberater während der Carter-Administration

(b) Die „Umstrukturierung“ des stalinistischen Systems zu einer Form der „kommunistischen
Demokratie“ mit dem Anschein des politischen Pluralismus [„Demokratismus“ (5)].
(c) Die „Umstrukturierung“ eines repressiven Regimes mit brutalem Antlitz in ein attraktives
sozialistisches Modell mit menschlichem Antlitz, anscheined vergleichbar dem sozialdemkratischen
System Schwedens.

Für Osteuropa
Wirtschaftliche und politische „Umstrujturierung“ der bestehenden Regime in pseudo-
sozialdemokratische Modelle, wobei spezifische historische nationale Eigenheiten, wie die starke
katholisch-sozialistische Tradition in Polen und die demokratische Tradition der Vorkriegszeit in der
Tschechoslowakei beibehalten werden.

Für Westeuropa
(a) Das Anstreben eines neuen politischen Bündnisses zwischen den pseudo-demokratischen
Regimen der UdSSR und Osteuropas und den euro-kommunistischen Parteien und echten
sozialdemokratischen Parteien in Westeuropa.
(b) Die „Umstrukturierung“ der politischen und militärischen Blöcke - NATO und
Warschauer Pakt - und die Schaffung eines gemeinsamen „Europas vom Atlantik bis zum Ural,“
einschließlich eines vereinten, neutralen Deutschlands. (6)

Für die Hauptverbündeten der USA


(a) Die Spaltung der Vereinigten Staaten von Amerika, Westeuropas und Japans.
(b) Die Auflösung von NATO und dem zwischen den USA und Japan bestehenden
Beistandspaktes, sowie dem Abzug der US-Truppen aus Westeuropa und Japan.

52
Für die Länder der Dritten Welt
Die Einführung und Förderung des neuen Sowjetmodells mit einer Mischwirtschaft und
einem menschlichen Antlitz in Lateinamerika, Afrika und Asien durch die vereinten Bemühungen der
pseudo-sozialdemokratgischen Regime der UdSSR und Osteuropas, gemeinsam mit den echten
Sozialdemokraten Westeuropas und der Sozialistischen Internationale.

Für die Vereinigten Sraaten von Amerika


(a) Die Neutralisierung des Einflusses der antikommunistischen politischen Rechten in den
politischen Parteien Amerikas, und die Schaffung günstiger Bedingungen für den Sieg der radikalen
Linken bei den US_präsidentschaftswahlen im Jahre 1992.
(b) Die „Umstrukturierung“ des amerikanischen militärischen, wirtschaftlichen und sozialen
Status quo, um eine größere Annäherung zwischen den sowjetischen und amerikanischen Systemen,
und die letztendliche Einrichtung einer „Weltregierung“ zu erreichen.

(5) Anmerkung des Herausgebers: Die Sowjets bezeichnen ihre falsche Demokratisierung als
„Demokratismus“ - der als die Schaffung und Aufrechterhaltung einer Illusion von einer Demokratie
nach westlichem Stil definiert werden kann.
(6) Anmerkung des Herausgebers: Im Verlauf seiner Rede anläßlich der Verleihung des
Friedensnobelpreises [Oslo, Juni 1992] führte Gorbatschow aus: „Ich traue mich festzustellen, daß
der Entwicklungsprozeß in Europa bereits Elemente beinhaltet, die unumkehrbar sind... Sollte der
Prozeß sich jetzt beschleunigen, wird jede Nation und jedes Land in der überschaubaren Zukunft das
Potenzial einer Gemeinschaft von noch nie dagewesener Stärke zu seiner Verfügung haben, das die
gesamte obere Hälfte des Globus umspannt, sofern sie bereit sind, ihren eigenen Beitrag zu leisten.
In diesem Zusammenhang, im Prozeß der Schaffung eines neuen Europa, in dem zum ersten Mal in
der Geschichte alle Vorhänge und Mauern für immer der Vergangenheit angehören, und Grenzen
zwischen den Staaten ihren trennenden Zweck verlieren werden, wird die Selbstbestimmung
souveräner Staaten auf völlig andere Art und Weise realisiert werden [was in der
aesophianischen Audrucksweise Gorbatschows nichts anderes bedeutet, als in Übereinstimmung mit
dem in Moskau entwickelten „Kontrollmechanismus.“ Um jeden Zweifel darüber auszuräumen, was er
unter einem „erweiterten Europa“ versteht, fügte Gorbatschow hinzu, daß „unsere“ [sic] Vision des
europäischen Raumes vom Atlantik bis zum Ural kein in sich geschlossenes System ist. Da es die
Sowjetunion mit einschließt, die bis an die Pazifikküste reicht, erstreckt es sich über nominale
geografische Grenzen hinaus. Folglich ist die Ostgrenze des „neuen Europa“ nicht der Ural, sondern
der Pazifik - da die Sowjetunion dann „europäisch“ sein wird. Man beachte dabei auch, daß nationale
Grenzen in der Langzeitstrategie lediglich „nominalen“ Charakter haben.
Entsprechend äußerte sich Eduard Shewardnaze in einem Interview des Moskauer
Fernsehens am 19. November 1991: „Ich meine, daß die Vorstellung vom Gemeinsamen
Europäischen Haus, die Begründung eines vereinten Europa, und ich möchte heute hinzrfügen, eines
großen Europas, eines mächtigen, vereinten Europas vom Atlantik bis zum Ural, vom Atlantik bis nach
Wladiwostok, einschließlich unseres gesamten Territoriums, sehr wahrscheinliuch ein europäisch-
asiatischer Raum sein wird, ein vereinigter Lebensraum. Dieses Projekt ist unvermeidlich [sic]. Ich
bin sicher, daß wir auch einen gemeinsamen Militärraum einrichten werden. Um es deutlicher zu
sagen: Wir werden ein vereinigtes Europa begründen, dessen Sicherheit sich auf die Grundsätze der
kollektiven Sicherheit stützen wird. Genau das: Kollektive Sicherheit. Man beachte den leninistischen

53
Begriff „Unvermeidlichkeit“ und die Austauschbarkeit der Begriffe „von Atlantik bis zum Ural“ und „vom
Atlantik bis Wladiwostok.“ Der BEgriff ist dehnbar und könnte leicht auch Vancouver mit einbeziehen.
(7) Anmerkung des Herausgebers: „Annäherung“ [sblizhenie, ein Begriff, der soviel, wie „Kontakte
herstellen“ bedeutet, nutzt die globalistischen Tendenzen der westlichen Eliten. Ihre Mitglieder
aerbeiten mit den „ex“-Kommunisten in dem Bestreben zusammen, die „Eine Welt,“ d.h. die „Neue
Sozialistische Weltordnung [„Weltregierung“] zu errichten.

Die höchsten globalen Ziele


Die höchsten globalen Ziele der „Perestroika“-Strategie stellen darauf ab, die antikommunistische
Ideologie zu schwächen und zu neutralisieren, und den Einfluß der Anrtikommunisten im politischen
Leben der Vereinigten Staaten von Amerika, Westeuropas und überrall auf der Welt - als
anachronistische Überlebende des „Kalten Krieges,“ Reaktionäre und Hindernisse für die
„Umstrukturierung“ und den Frieden zu brandmarken. Jeder, der vor den wahren Zielen Moskaus
warnt, wird automatisch als „Kalter Krieger“ bezeichnet, und zwar selbst von Leuten, die an den
Motiven Moskaus zweifeln.

DIE ESSENZ VON „PERESTROIKA“: DIE ANWENDUNG DES LENINISMUS AUS DEN
1920ER JAHREN
Die neue Analysemethoder durchdringt die Fassade, zieht der verbalen Darstellung von „Perestroika“
die Maske vom Gesicht und offenbart die wahre Bedeutung der Strategie - was „Glasnost“ nicht
erreicht, und Gorbsatschow unterlassen hat. Lenins Lehre von der „Neuen Wirtschaftsordnung“
[NWP], und die daraus gewonnenen Erfahrungen sind die Schlüssel zum Verständnis von
„Perestroika,“ und die Gründe für Gorbatschows Herunterspielen und Ablehnung der Elemente
ideologischer Orthodoxie, wie Klassenkampf und sein Hervorheben der gemeinsamen Interessen und
der Vorteile einer engen Zusammenarbeit.
Lenin wies die Kommunisten dazu an, darauf vorbereitet zu sein, auf alle strategischen
Szenarien, Manöver, illgealen Methoden, Täuschungen und Unterwanderungen
zurückzugreifen, um ihre Ziele zu erreichen. Dieser Rat wurde am Vorabend der Wiedereinführung
des beschränkten Kapitalismus in Rußland und seines Buches „Kommunismus des linken Flügels, eine
Kinderkrankheit“ erteilt.
Die neue Methode läßt „Perestroika“ als Anwendung der Ratschläge Lenins unter neuen
Bedingungen erkennen. Eine weitere Rede Lenins aus der NWP-Periode vor dem Komintern-Kongreß
von 1921 ist für das Verständnis von „Perestroika“ nicht weniger aufschlußreich. „Unsere gegenwärtig
einzige Strategie,“ so Lenin,“ ist es, stärker und darum klüger, vernünftiger und opportunistischer zu
werden.“ Je mehr Opportunismus, desto schneller weden wir die Massen wieder um uns scharen.
Wenn wir durch unseren vernünftigen Ansatz über die Massen gesiegt haben, werden wir im
wahrsten Sinne des Wortes offensive Taktiken gegen die Welt anwenden.
Es ist offensichtlich, daß Gorbatschows opportunistische Reden und seine Darstellung von
„Perestroika“ gegenüber dem Westen die kluge Anwendung der leninschen Denkweise sind.

54
Gorbatschows Vernunft und Zurückhaltung zielen darauf ab, weltweit die Massen für sich zu
gewinnen. Auch eine weitere der Reden Lenins ist hier von Bedeutung. Die Delegierten der Konferenz
von Genua von 1921 unterweisend, riet er ihnen zu einer gemäßigten Sprache bei den Verhandlungen,
um die Kapitalisten „nicht zu erschrecken,“ und insbesondere jeden Bezug zum Klassenkampf, der
Gewalt und des Terrors der kommunistischen Doktrin zu vermeiden.“ Gorbatchows Rede vor den
Vereinten Nationen und Shewardnazes abwiegelnde Äußerungen in der Frage des Klassenkampfes, ist
die klassische Anwendung der leninschen Denkweise. Die neue Analysemethode erkennt in der
Argumentation zum Klassenkampf in der Sowjetunion ein kalkuliertes Mittel zur Manipulation der
westlichen Politiker und zur Beeinflussung der öffentlichen Meinung zu Gunsten der Politik
Gorbatschows.
Ebenso läßt die neue Methode Parallelen zwischen der damaligen westlichen Erwartung aus
den Ergebnissen der „Neuen Wirtschaftspolitik,“ und den heutigen Erwartungen von „Perestroika“
erkennen. Im Hinblick auf diese Parallelen kann das Ergebnis der damaligen NWP heute
außerordentlich instruktiv sein. Die „Neue Wirtschaftspolitik“ wurde von den Sowjets vorgestellt und
vom Westen als eine Abkehr von der kommunistischen Ideologie und einem Niedergang der Macht
des Sowjetregimes gewertet. Tatsache hingegen ist, daß die NWP die Sowjetwirtschaft wiederbelebt,
die Sowjetmacht gestärkt, und die Gründung einer Sowjet-Föderation erleichtert hat. Wegen ihrer
NWP waren die Sowjets in der Lage, ihren ideologischen und politischen Angriff auf die kapitalistische
Welt zu intensivieren.
Zusammengefaßt kann festgestellt werden: Die Essenz von „Perestroika“ ist die kreative
Anwendung der leninschen Denkweise und der durch die NWP gewonnenen Erfahrungen im
Endkampf mit der kapitalistischen Welt. Es ist die Taktik des „einen Schritt zurückzuweichen, um
zwei Schritte nach vorn zu tun.“ „Perestroika“ ist eine leninistische Strategie, die eine kalkulierte
Ablehnung der ideologischen Orthodoxie beinhaltet, um die Massen zu gewinnen und strategische
Ziele in Europa, den Vereinigten Staaten von Amkerika und in der Dritten Welt zu erreichen.

Die Erfahrung mit der NWP lehrt uns, daß der zeitgenössische sowjetische Pragmatismus und
Opportunismus nicht von Dauer, sondern lediglich eine Taktik ist. Gorbatchow ist ein überzeugter
Kommunist, der die Strategie der kommunistischen Erneuerung als Mittel zur Eroberung der
werstlichen Demokratien durchführt.

DIE AUSWAHL VON PARTEI- UND REGIERUNGSFÜHRERN FÜR „PERESTROIKA“


Die neue Analysemethode und die Kenntnis der Sowjetstrategie liefern auch Erklärungen für die
Auswahl Gorbatschows und anderer wichtiger Ernennungen innerhalb der Sowjethierarchie.

Gorbatschow als Parteiführer und Präsident

55
Wie konnte es möglich sein, daß ein obskurer Parteibürokrat aus der Provinz, wie Gorbatschow, (8)
der außer in Sewastopol keine politische Basis hatte, und der vor seiner Wahl zum „charismatischen
Führer,“ Philosdoph und Intellektuellem völlig unbekannt war, in einem totalitären System so
plötzlich emporkommen konnte? Nicht einam Mr. Kennan [ehemaliger US-Diplomat und Kenner der
Sowjetunion] konnte darauf eine Antwort geben. Die Antwort findet sich in der „Langzeitstrategie“
und ihren Erfordernissen. Der kommunistische Appart plant seine Strategie, und er wählt auch seine
Führer für die Durchfrührung!
Seit die Parteistrategen „Perestoika“ planten, war ihnen bewußt, daß sie nur fortschrittlich
sein konnte, wenn ihr ein „Führer der jungen Generation“ vorstand, der möglichst von den „Stigmen
des Stalinismus“ frei und hervorragend ausgebildet sein mußte. Gorbatschows Nominierung war nicht
die Folge von Machtkämpfen, sondern die gezielte Auswahl nach unfassender Ausbildung für die
Führungsposition.
Es gibt eine Parallele zwischen seinem und Dubceks plötzlichen Aufstieg. Beide kamen aus der
„Dunkelheit“ und wurden als Parteiführer von den sogenannten Konservativen gezielt ausgewählt. Ihr
Image als Konservative schließt aus, daß dazu das alte Konzept des „Parteigerangels“ angewendet
wurde. Die richtige Erklärung lautet: Beide wurden vom Parteiapparat zur Durchsetzung der Strategie
ausgewählt!
Es gibt Anhaltspunkte dafür, daß die Ausbildung Gorbatschiows durch M. Suslow und A.
Andropov gefördert wurde. Gorbatschow wurde in Landwirtschaft, Außenpolitik und
Rechtswissenschaften ausgebildet, was einen Studienaufenthalt in England einschloß. Alle drei
Ausbildungsgänge entsprache nden Erfordernissen der Strategie. Die zögerliche Haltung Breschnews,
den Posten freizumachen, mag die Einsetzung Gorbatschows kurzfristig verzögert haben. M.
Schatrow, Schriftsteller und Insider des Parteiapparates, gab indirekt zu, daß das Zentralkommitee
Schweirigkeiten hatte, Andropov und Gorbatschow wegen des Widerstands von Breschnew in ihre
Ämter einzusetzen. Die Übertragung des Präsdidentenamtes auf Gorbatschow war ebenfalls eine
Notwendigkeit zur Durchführung der Strategie. Daraus erklärt sich auch seine problemlose
Bestätigung im Amt.
Die Vermutung, daß ein „individueller“ Führer, wie Gorbatschow, für die Durchführung der
Strategie alleinverantwortlich sein könnte, ist falsch. Das Politbüro, der Parteiapparat un der KGB
sind sämtlich mit der Durchführung befaßt! Gorbatschow ist nicht andersd, als ein sehr brauxhbares
Werkzeug des Gesamtapparates! Die soergfältige Vorauswahl des Parteiführers ist das Mittel, mit der
„Apparat“ das Problem der „Amtsnachfolge“ löst. Die Bedürfnisse der Strategie stehen über allem
anderen und haben höchsten Vorrang!
Die Bedürfnisse der Strategie schließen „erlaubte Kritik“ an den Parteiführern mit ein. Siehe:
Chruschtschow, Breschnew - und jetzt Gorbatschow.

Die Wahl Ligachevs und Jelzins als Kritiker der Linken und Rechten

56
Die neue Methode erfordert den plötzlichen Aufstieg des angeblich „konservativen“ Ligachev und des
angeblich „liberalen“ Jelzin als „Kritiker“ von „Perestroika“ und Gorbatschows von liunks und rechts.
Es handelt sich hier um eine weitere sorgfältige Auswahl des Parteiapparates im Interesse der
Strategie. ‚Beide stiegen aus dem politischen „Dunkel“ auf. Darübver hinaus besitzt Ligachev keinerlei
Qualifdikation als „ideologischer Führer.“ Er ist kein anderer -Suslow! Der kalkulierte Charakter ihrer
Wahl wird durch die ihnen zugewiesenen Positrionen in der „Perestroika“-Strategie deutlich: Einer
möchte bremsend wirken, der andere beschleunigend Einfluß nehmen. Der Zweck ihrer Wahl liegt in
ihrer angeblichen Uneinigkeit mit Gorbatschow

(8) Anmerkung des Herausgebers: Gorbatschow war seit frühester Jugend mit dem KGB verbunden
[siehe Gail Sheenhy, „Gorbatscho“, München 1991, Hans Graf Huyn, „Die deutsche Karte,“ München
1991]. Er war niemals ein „Reformer,“ sondern immer ein treuer Anhänger der Parteilinie, ein Stalinist
unter Stalin, ein Breschnewist unter Breschnew. Ausgewählt durch Andropov, stieg er zum
Vorsitzenden der Parteiverwaltung auf, zur mächtigsten Position des Systems - das die Kontrolle über
KGB undd GRU für das Politbüro und das Zentralkommitee der KPDSU ausübt [Hans Graf Huyn, in
einem privat verbreiteten Dokument, 1991].
begründet, und ihre „dramatischen“ Auftritte sollen den Anschein angeblicher Uneinigkeit innerhalb
der Partei über „Perestroika“ erwecken, um die Glaubwüprdigkeit der Strategie im Westen zu fördern
und die Fiktion zu unterstützen, daß es es bei den „Konservativen“ und sogar einigen „Liberalen“
Widerstand gegen Gorbatschow gibt.
Diese Desinformation wurde erfgunden, um den Westen von der „Sponanietät“ der
Entwicklung von „Perestroika“ zu überzeugen, und die westliche Hilfe für Gorbatschow anzukurbeln.
Der kalkulierte „Rücktritt“ von „konservativen“ und „liberalen“ Parteimitgliedern, und ihre
angeblichen Dispute untereinander, geben dem Parteiapparat die Gelegenheit, die kommunistischen
„Hardliner“ zu lehren, wie „kommunistische Demokratie“ ein- und durchgeführt wird.

Shewardnadze als Außenminister


Schewardnazes Ernennung zum Außenminister ist ein weiteres Beispiel für die Wahl eines Kandidaten
gemäß den Erfordernissen der „strategischen Endphase.“ Es war eine Überraschung. Der frühere
Innenminister und Parteiführer der „Republik Georgien“ wurde plötzlich zum Nachfolger Gromykos
ernannt! Welche Qualifikation besitzt er für sein neues Amt, in dem er für die Sowjetdiplomatie
verantwortlich ist? Gemäß den alten Grundsätzen - überhaupt keine!
Die neue Analysemethode sieht die Ernennung Shewardnazes jedoch als Schlüssel zum
Verständnis der neuen Strategie im Hinblick auf die nationalen Unruhen in Aserbeidschan, Georgien,
Armenien und den Baltischen Republiken. Die Probleme der nationalen Republiken, insbesondere in

57
der Transkaukasischen Region, wo Shewardnaze für mehr als zehn Jahre für die Innenpolitik
verantwortlich war, sind genau das Gebiet, auf dem seine Fähigkeiten liegen.
Dadurch wurde er zum bestgeeigneten Ksndidaten, um angelbiche „nationale Unruhen“ im
Interesse der Strategie von „Perestroika“ im echten Nationalismus außerhalb der Grenzen der
Sowjetunion zu provozieren und zu fördern. DieTatsache, daß seine Ernenung „§vor“ dem Ausbruch
angeblicher nationalstischerUnruhen in den Teilrepubliken erfolgt ist, unterstützt due Annahme, daß
diese „Unruhen“ vom Parteiapparat und KGB aus strategischen Gründen geplant und kontrolliert
wurden.

Yakovlev als Leiter der Kommission für Außenpolitik


Nach der neuen Methode wurde Yakovlev als Leiter der Kommission für Außenpolitk wegen seiner
Fachkenntnisse über die westlichen, insbesondere die amerikanischen Medien, die er anläßlich seiner
Studien an der Columbia University und eines Botschafterpostens in Kanada erworben hat. Seine
Wahl beweist, daß sich die Sowjetstrategen der Tatsache bewußt sind, westlioche Akzeptanz und
Unterstützung für „Perestroika“ sei weitestgehend vom Verhalten der westlichen Medien abhängig.
Seine Aufgabe wird es sein, „Perestroika“ gegenüber dem Westen als eine neue, pragmatische,
opportunistische, nichtideologische Politik zu verkaufen, die keinerlei aggressive strategische Ziele
gegen den Westen verfolgt. (9)

Chebrikov als Leiter der Kommission für Rechtsfragen


Chebrikovs Ernennung zum Leiter der Kommission für Rechtsfragen war nur logisch angesichts der
Tatsache, daß der KGB bei der Durchführung der Strategie unter dem verstorbenen Andropov und
seinem Nachfolger eine entscheidende Role gespielt hat. Es ist zu erwarten, daß diese Kommission alle
Aspekte des Rechtssystems unter „Perestroika“ untersuchen wird. Dazu wird auch eine
Umorganisation des KGB gehören, um seine aktive Rolle bei der Durchführung der Strategie der
„Umstruturierung“ in der UdSSR, Osteuropa, Westeuropa und den Vereinigten Staaten von Amerika
übernehmnen zu können. Als ehemaliger „Chekist“ ist Chebrikov der geeignete Mann zur
Durchführung der KGB-Reform. Seine kürzliche Absetzung muß als Handlung zur Unterstützung der
vorgetäuschten Echtheit der nationalen Unruhen in Georgien und den Differenzen zwischen
Gorbatschow und den „Konservativen“ gesehen werden.

58
(9) Anmerkung des Autors: Yakovlev wurde während der kommunistischen Phase von „Perestroika“
zum Medienberater Gorbatschows ernannt. Sein Wiederauftauchen als Leiter der nationalen
Fernsehanstalten und Berater Jelzins in Medienangelegenheiten während der „demokratischen“
Phase von „Perestroika,“ beweist die Kontinuität der Strategie.

Kryuchkov als Leiter des KGB


Die Ernennung Kryuchkovs zum neuen Leiter des KGB ist loigisch angesichts seiner bekannten engen
Beziehungen zu dem verstorbenen Andropov und seiner weitreichenden Erfahrungt durch die
Vorbereitung und Durchführung von „Perestroika.“ Als Sowjetbotschafter in Ungarn zur Zeit des
Aufstands von 1956, und danach als Leiter der Abteilung für die Kommunistischen Blockstaaten des
Zentralkommitees, war Andropov einer der führenden Architekten der Langzeitstrategie.
Als Verantwortlicher dieser Abteilung und als Direktor des KGB von 1967 bis 1984, spielte
Andropov eine Schlüsselrolle bei den Experimenten mit der „Demokratisierung“ in der
Tschechoslowakei von 1968 und mit „Solidarität“ in Polen 1980, und schließlich auch bei der
Vorbereitung von „Perestroika“ für die UdSSR und Osteuropa. Kryuchkov zählte von Anfang an zum
inneren Kreis um Andropov. Als einer der wichtigsten Assitenten Andropovs in der Abteilung für die
Kommunistischen Blockstaaten, war er von Anbeginn an der Entwicklung der Langzeitstrategie in den
Jahren 1960 bis 1967 beteiligt. Später gberief ihn Andropov in den KGB.
Als führender KGB-Vertreter überwachte er die Experimente mit der „Demokratisierung“ in
der Tschechoslowakei und Polen. Seine Berater im KGB arbeiteten eng mit den Sicherheitsidensten
der Tschechoslowakei unbd Polens zusammen. Als stellvertretender Leiter des KGB seit 1978, war
Kryuchkov auf das Engste mit der Vorbereitung von „Perestroika“ befaßt.
Wegen seiner Erfahrungen ist er zur Leitung des KGB in der Endphase der Strategie
außerordentlich qualifiziert. Seine Erfahrungen mit der engen Zusammenarbeit mit den
osteuropäischen Sicherheitsdiensten und als Leiter der sowjetischen Nachrichtendienste, werden für
die Durchführung von „Perestroika“ nicht nur in der UdSSR, sondern auch in Osteuropa und im
Westen von erheblicher Bedeutung sein. Wegen seiner Erfahrungen mit der Tschechoslowakei und
Polen wird er für den Parteiapparat bei der Vermeidung von ähnlichen Fehlern und eines möglichen
Kontrollverlustes im Verlauf von „Perestroika“ hervorragende Dienste leisten. Sein Fachwissen wird
er für strategische Zwecke beim Einsatz der Mitarbeiter der Sicherheits- und Nachrichtendienste des
KGB, insbesondere bei den Eindflußagenten unter den führenden sowjetischen Wissenschaftlern,
Intellektuellen und Kirchenführern, sowie bei westlichen Wissenschaftlern, Kennern der Sowjetunion
und den Medien, aktiv einbringen. Dieses KGB-Potenzial wird dazu eingesetzt werden, Unterstützung
von „Perestroika“ in der UdSSR und Osteuropa zu gewährleisten, und um ein günstiges Klima für die

59
„Umstrukturierung“ von, und die „Annäherung an die Vereinigten Staaten von Amerika, Europa und
der Dritten Welt zu schaffen.

Dubinin als Sowjetbotschafter in Washington


Dubinins Ernennung zum Botschafter in Washington wirkt befremdlich. Er besitzt weder die
Erfahrung, nochie Statur eines Dobrynin, dem ehemaligen diplomatischen Giganten in Washington.
Aber es hat den Anschein, als seien drei Überlegungen für seine Ernennung auf diesen wichtigen
Posten ausschlaggebend gewesen:

(a) Seine Erfahrung auf dem Gebiet der Menschenrechte als ehemaliger sowjetischer
Verhandlungsführer zu diesem Thema. Hierdurch ist er befähigt, die russische Version der
Angelegenheit gegenüber der amerikanischen Auffassung erfolgreich durchzusetzen, und die
amerikanische öffentliche Meinung zu Gunsten von „Perestroika“ zu beeinflussen.
(b) Seine als Botschafter in Spanien gesammelten Erfahrungen während der Übergangszeit
von Francos antikommunistischem Regime zum gegenwärtigen sozialistischen Regime, das der
Sowjetunion freundlich gesonnen ist. Es mag einige westliche Experten schockieren, aber die Sowjets
sehen einige politische Ähnlichkeiten zwischen den spanischen und amerikanischen Gegebenheiten
als Mittel zur Verscheibung der Kräfteverhältnisse an. Die Sowjetstrategen halten die USAfür ein
reaktionäres Land, in dem die antikommunistische politische und religiöse Rechte einen großen
Einfluß auf die Bevölkerung ausübt. Strategen wie Arbatov sind davon überzeugt, daß den
Amerikanern die Angst genommen werden kann, wenn sie Sowjetunion als friedvolles, nicht
aggressives Land präsentieren, so daß es möglich wird, den Einfluß des Antikommunismus zu
neutralisieren und die Vereinigten Srtaaten von Amerika zu einer der UdSSR friedlich gesonnenen,
nicht-ideologischen Gesellschaft umzufunktionieren. Dieses wiederum, wird günstige
Voraussetzungen für die „Umstrukturierung“ im Kontext der sowjetisch/amerianischen Annäherung
schaffen. Aus diesen Gründen ist Dubinin der richtige Mann für Washington.
(c) Zweifellos hat Duvbinin die amerikanische Elite am Arbatov Instutut in Moskau zu
studiert. Der Autor schließt aus dem gekonnten Auftreten Dubinins während des Besuchs von
Gorbatschow in den Vereinigten Staaten, und von seinen Zusammenkünften mit führenden
Amerikanern, daß er die Angelegenheit bestens kennt. Er wird sich als guter Verkäufer für
„Perestroika“ erweisen.

PRÄSIDENT REAGAN UMARMT DEN BÄREN


Präsident Reagan reagiert auf zweierlei Weise auf die sowjetische Bedrohung. Zunächst sorgte er für
die Wiederbelebung der amerikanischen Wirtschaft und stellte die militärische Stärke der USA wieder
her: Er bezeichnete die Sowjetunion zutreffend als „Imperium des Bösen.“ Obwohl ihm die

60
Langzeitrategie nichtbekannt war, verletzte er die Sowjets mit dieser Rhetorik, die eine Bedrohung
ihrer strategischen Ziele bedeutete. Für diese Errungenschaften wird Präsident Reagan von der
Geschichte freundlich behandelt werden.
Später jedoch, ließ sich Präsident Reagan auf eine neue Phase der deténte mit Gorbatschow
ein und begann damit, „Perestroika“ zu unterstützen, ohne die Essenz und die Gefahren der Strategie
fürden Westen zu kennen. Im Licht dieser Analyse war Reagans Umarmung des Bären ein
schwerwiegender strategischer Fehler, der weitreichende und gefährliche Konsequenzen für die
Sicherheit der Amerikas und seiner Verbündeten haben wird. Die USA, die europäischen Verbündeten
und Japan haben sich außenpolitisch auf einen Irrweg begeben.
In der Tat wurden die Sowjets dazu ermuntert, geradezu eingeladen, mit ihrer Strategie der
„Umstrukturierung“ in Europa, und insbesondere in Deutschland, zu beginnen. Dadurch wurde ihnen
auch in den USA die Möglichkeit zur Durchführung der Strategie unter Einbindung der
amerikanischen und westeuropäischen Elite, insbesondere durch enge Zusammenarbeit mit den
europäischen Sozialdemokraten bei der „Umstrukturierung“ gegeben. Im Westen führte dies zu einer
enormen Euphorie und der Bereitschaft, die UdSSR mit Krediten und Technologie zu versorgen.
Westeuropäische und japanische Bankiers stehen zur Finanzierung der „Umstrukturierung“
miteiander im Wettkampf. Westeuropäische Bankiers, ermutigt vom westdeutschen Außenminister
Hans Dietrich Genscher, sprechen bereits von einem neuen „Marshall-Plan“ zur Finanzierung der
schwachen Wirtschaft in Osteuropa.
Für die Sowjets wurden neue Möglichkeiten zur Unterminierung und Neutralisierung des
vernünftigen Antikommunismus und des Einflusses der Rechten im politischen Leben der westlichen
Demokratien eröffnet. Präsident Reagans Nähe zu den Sowjets hat auch ein irreführendes Signal für
deren Gegner gesetzt. Es macht es den Sowjetführern und ihren Kommunistischen Parteien möglich,
das Sowjetvolk noch besser in den Griff zu bekommen und es an der praktischen Durchführung von
„Perestroika“ in der UdSSR zu beteiligen. Außerdem können sie jetzt ihr strategisches Hauptziel
erreichen: Die Gewinnung der Massen für ihre Ziele in der UdSSR und der kapitalistischen Welt. Die
Umarmung Gorbatschows und „Perestroika“ durch Präsident Reagan, hat es für die neue
Administration schwierig gemacht, ihre eigene Politik gegenüber den Sowjets zu entwickeln, weil die
öffentliche Meinung darauf drängt, sich mit den Sowjets auszusöhnen.

DER SOWJETISCHE EINSATZ ZUR EINBINDUNG DER AMERIKANISCHEN ELITE


Durch die neue Analysemethode wird offenkundig, daß es sich um eine sowjetische Offensive zur
Einbindung der amerikanischen Elite handelt, um die Vereinigten Staaten in enger Zusammenarbeit
„umzustrujturieren.“ Diese Operation ist inter alia durch die folgenden Entwicklungen offenkundig:
1. Das Treffen zwischen Gorbatschow und seinen wichtigsten Amerikaexperten (Dobrynin,
Dubinin, Yakovlev, Arbatov, Pozner(10) und anderen) und ausgewähltern Angehörigen der

61
amerikanischen Elite in der ASowjetbotschaft anläßlich Gorbatschows erstem Besuch in den
Vereinigten Staaten von Amerika.
2. Die andauernde Einsatz der Washingtoner Sowjetbotschaft zur Ausweitung ihrer Kontakte
mit amerikanischen Geschäftsleuten, Akademikern, Politikern, Prominenten aus Kirche und Kultur,
um die politidchen Veränderungen, und selbst die Katastrophen in der Sowjetunion, als
unumkehrbare Veränderungen in der Sowjetunion erscheinen zu lassen.
3. Der aktive Einsatz bekannter Einflußagenten in Amerika durch die Washingtoner KGB-
Rezidentura im Interesse der „Perestroika“-Strategie.
4. Die zunehmende Zahl von Einladungen an die amerikanische Elite zum Besuch der UdSSR,
um sie in irgendeinerWeise zur Zusammenarbeit zu bewegen. Das kürzlich durchgeführte gemeinsame
amerikanisch-sowjetische Treffen zur Raketenstationierung auf Kuba, war eine dieser
Veranstaltungen.
5. Die aktive Rolle Sacharows, eines der Haupteinfluagenten des KGB, bei der Vorstellung von
„Perestroika“ in den USA. Sacharow begann mit seinen Aktivitäten in den 1960er Jahren. Er
verbreitete sein bekanntes Manifest im Westen, worin er prognostiziert:
(a) Den Sieg der „realistischen“ Wirtschaftsreformen und die Ausweitung der“Deomokratie“
in der UdSSR [1960-1980].
(b) Den Sieg der Reformer des linken Flügels, ihre Angriffe auf die „Kräfte des Rassismus und
Militarismus,“ und Veränderung der Struktur der Eigentumsverhältnisse in den USA und anderen
kapitalistischen Ländern [1972-85].
(c) Die sowjetisch-amerikanische Kooperation in Abrüstungsfragen, und die „Rettung“ der
ärmeren Häöfte derWelt [1972-90].
(d) Die Umstrukturierung der Gesellschaft und die Annäherung der
kommunistischen und kapitalistischen Systeme, was zur Schaffung einer
(sozialistischen) Weltregierung führen wird [1980-2000].
Die von Sacharow zu einer Zeit verbreiteten Prognosen, als die „Perestroika“-Strategie sich
bereits in der Vorbereitungsphase befand, war eine bewußte Offenlegung der Essenz der Strategie für
die Mitglieder der radikalen Linken im Westen, um sie über die kommenden Entwicklungen in der
UdSSR zuu informieren und darauf vorzubereiten. Es war ein strategisches Signal der Sowjetstrategen
für ihre potenziellen politischen Verbündeten im Westen - insbesondere für ihre Einflußagenten und
Euro-Kommunisten. Die Entwicklung hat gezeigt, daß Sacharows Voraussagen hinsichtlich des
zeitlichen Ablaufs nur geringfügig von der Realität abweichen.
Allerdings verheimlichten Sacharows Prognosen die Tatsache, daß „Umstrukturierung“ und
„Annäherung“ der Kern der sowjetischen Langzeitstrategie mit ihren aggressiven Absichten gegenüber
den westlichen Demokratien sind. Worum es sich bei der Sowjetstrategie in Aktion handelt, wird von
Sacharow als ein spontaner Prozeß, und mit seinen eigenen typisch leninistischen Worten, als „die
optimistischste Entwicklung von Ereignissen“ beschrieben. Seit ungefähr 1965 bis 1980 war es

62
Sacharow vom KGB unter Breschnews neo-stalinistischer Herrschaft gestattet, seinen „Kritizismus“
und
andere Aktivitäten als Führer und Sprecher der „Dissidentenbewegung“ auszuüben. Es war Sacharow,
der die Ansichten der Sowjets zu Fragen der Menschenrechte in die Debatte einführte, indem er
Präsident Carter ein Schreiben zu diesem Thema übersandte. Hier stellt sich eine interessante Frage:
Warum verhielt sich der noch nicht reformierte KGB gegenüber Sacharow so tolerant, und zwar trotz
seiner scheinbaren Kritik am Handeln der Sowjets? Diese Toleranz erklärt sich durch Sacharows
aktive Rolle innerhalb der Sowjetstrategie. Ihm war die Aufgabe übertragen worden, als
„kontrollierter“ Dissident zu agieren. Im Jahre 1980, einige Jahre vor Gorbatschows „Perestroika“,
wurde Sacharow nach Gorki ins „Exil“ geschickt. Das „Exil“ Sacharows war ein typisches Mittel des
KGB, um Sacharows Ruf und Einfluß als „Dissident“ aufzubauen.
Als sich das Unglaubliche dann auch prompt ereignete, und Gorbatschow mit seinen
„Wirtschaftsreformen“ und der Ausweitung von „Demokratie“ gemäß den Preognosen Sacharows
begann, wurde er zum Hauptberater von Gorbatschow und Sprecher für „Perestroika“ ernannt. Er
setzte sich bei den politischen Führern, den Medien, der Elite und der allgemeinen Öffentlichkeit des
Westens aktiv dafür ein. Er informierte die englische Premierministerin Thatcher und andere
westliche Politiker über Gorbatschow und „Perestroika“ - und riet ihnen dazu, auf Gorbatschow und
„Perestroika“ zu vertrauen. Ähnliche Ratschläge erteilte er Präsident Mitterand anläßlich seines
Frankreichbesuchs. Gegenüber US-Präsident Reagan trat er praktisch als Berater in Fragen der
nationalen Sicherheit auf - Er riet dem Präsididenten dazu, die Strategic Defense Initiative
ebenso aufzugeben, wie die NATO-Doktrin zum Recht auf den nuklearen Erstschlag.
[Im November 1993 haben sich die Russen genau dieses Recht erneut gesichert].
Bezeichnenderweise, versuchte Sacharow offenbar die Existenz der Sowjetstrategie zu
verheimlichen, als er vor amerikanischen Experten für Sowjetangewlegenheiten erklärte,
„Gorbatschow verfüge nicht über einen besonderen Plan für die Veränderungen. Sein Handeln sei
vielmehr improvisiert.“ Diese Erklärung war eine vorsätzliche Täuschung über die strategische
Herausforderung, der sich der Westen gegenüber sieht.
Ein besonders wichtiges Element der gegenwärtigen Beschleunigung zur Erwiterung des
strategischen Einflusses in den USA, ist die kürzliche Einrichtung der „The International Foundation
for the Survival and Development of Humanity“ [Anm. Internationale Stiftung für das Überleben und
die Entwicklung der Menschheit]. Die Gründung erfolgte anläßlich Sacharows Amerikabesuch.
Sacharow, ein führender Einflußagent, hat den Vorsitz inne. Zu den weiteren Mitgliedern zählen
Velikhov (Präsident der Sowjet-Akademie der Wissenschaften), und die Wirtschaftswissenschaftlerin
Tatyana Zaslavskaya, der man die Wiedereinführung des Begriffs „Perestroika“ zuschreibt. Die
Stiftung ist ein gemeinsames sowjetisch-amerikanisches Unternehmen zur Zusammenarbeit auf den
Gebieten der Umwelforschung, Luftverschmutzung, Menschenrechte, Rüstungskontrolle und
wirtschaftliche Entwicklung. Es handelt sich insgesamt um Bereiche, die

63
für für die Sowjetstrategie der Annäherung bedeutsam sind. Zaslavskaya machte kein Hehl aus den
tatsächlichen Absichten der gemeinsamen „Forschungstätigkeit“. Sie schlug als erstes Projekt die
Erstellung einer Studie über Bürokratien vor, die nach ihren Worten: „In den einzelnen Ländern in
unterschiedlicher Weise „strukturiert“ sind, sich aber überall wie ein soziales Krebsgeschwür
auswirken.“ Eine solche Studie hätte Moskau wertvolle Informationen über die US-Bürokratie
geliefert.
Mehrere einflußreiche Amerikaner, darunter der bekannte Industrielle Armand Hammer, der
Verbündete Lenins, und der Präsident der Carnegie-Stiftung New York, Hymburg, gehören der
Stiftung als Vorstandsmitglieder oder Berater an. Die globale Expansion der Stiftung wird angestrebt.
Bisher wurdeen Büros in Washington und Stockholm eröffnet, und mit Spendengelder von Hammer
wurde ein Bürogebäude in New York erworben, das als Hauptquartier der Stiftung dienen soll.
Sacharows Festrede enthielt die Aufforderung an den Westen, mit der UdSSR nicht nur aus Gründen
des verminderten Risikos eines Atomkrieges eng zusammenzuarbeiten, sondern insbesondere wegen
der „zivilisierenden Auswirkungen,“ die eine solche Zusammenarbeit auf Verhalten der Sowjets im
eigenen Land haben würde. Diese Empfehlung ist ein offenkundiges Szenario für die Annäherung.
Prominente Amerikaner mit philantrophischen Neigungen, die der Stiftung beitreten, sind der
Manipulation durch Sacharow und andere Einflußagenten ausgeliefert, da sie Sacharow
uneingeschränkt vertrauen und keinerlei Kenntnis von dem anti-amerikanischen Muster der
Sowjetstrategie haben.

( 10) Anmerkung des Herausgebers: Vladimir Pozner ist ein führendes Mitglied des neuen „Jetset“
von russischen Amtsträgern, die ständig zwischen Moskau und den Vereinigten Staaten hin- und
herreisen. In Frankreich geboren, spricht er akzentfreies amerikanisches Englisch, da er in New York
aufgewachsen ist. Im Jahre 1952 kehrte er mit seinen Eltern in die UdSSR zurück. Später wurde er
Kommentator des Sowjet-Fernsehens. Er hat sich den Ruf eines starken Befürworters von

64
„Perestroika“ erworben. Vor dem „August Coup“ kehrte er in die USA zurück und wurde Co-
Präsentator der „Pozner-Donahue Show,“ die er als Plattform für seine Kommentare und
Interpretationen von „Perestroika,“ der Entwicklung in Rußland, Sozialismus, Kapitalismus und das
„Leben“ im allgemeinen nutzte. Nach seinen eigenen Anmerkungen im US-Fernsehen, pendelt er
regelmäßig zwischen Rußland und den Vereinigten Staaten. Kurz gesagt: Pozner ist ein gutes
Beispiel für praktisch angewandte „Annäherung.“
DIE DIALEKTIK DER STRATEGIE UND
DIE VORAUSSAGENDE KRAFT DER NEUEN METHODE
Das korrekte Verständnis über die Strategie, und die Anwendung dieses Wissens auf die Analyse der
Ereignisse, befähigt zur Prognose von ansonsten überraschenden sowjetischen Handlungen. Da es
sich um eine Langzeitstrategie handelt, besteht sie aus mehreren Phasen. Die Strategen planen ihre
Aktionen in den frühen Phasen in Vorbereitung auf die Endphase. In der Eingangsphase entwickeln
sie Sowjetreformen, sie führen entsprechende Generralproben in der Vorbereitungsphase durch, um
sie schließlich in der Endphase konsquent anzuwenden. Wegen dieses Rahmenwerks verfügt die
Strategie über ihre eigene Dialektik. Sie hat ihre These - das stalinistische Regime: Ihre Antithese -
Kritizismus und Ablehnung des stalinistischen Regimes: Und ihre Synthese - ein neues, reformiertes
Modell, das durch „Perestroika“ als Produkt der „Annäherung“ geschaffen werden soll. Das
Verständnis für die Dialektik und Logik dieser Strategie ist entscheidend für die
Prognosen: Es befähigt zu der Erkenntnis, wie sich die Lage in einer Phase in der
nächsten Phase weiterentwickeln wird.
Beispielsweise können die Veränderungen der Role und des Status von „Dissidenten“ im
voraus erkannt und bestimmt werden. In der Eingangsphase wurden sie angeworben und durch den
KGB ausgebildet. In der Vorbereitungsphase wurden sie durch den KGB „kritisiert“ und „verfolgt.“ In
der Endphase sind sie akzeptiert und werden sogar in „Perestroika“ eingebunden. Nur durch das
Verständnis dieser Dialektik war der Autor in der Lage, die einfache Tatsache vorauszusagen, daß
„Sacharaow in gewisser Weise an der Regierung beteiligt werden könnte.“ In der Tat wurde er zu
einem der wichtigsten Berater Gorbatschows.
Gleichermaßen befähigt die Kenntnis der Dialektik zu verstehen, daß die Kritik der Euro-
Kommunisten an den repressiven Praktiken und Menschenrechtsverletzungen in der UdSSR erfolgte
mit offizieller Vorauskenntnis und Toleranz im Hinblick auf die bevorstehenden „Reformen“
innerhalb des Sowjetsystems.

Der Tatsache der Errichtung der „Berliner Mauer“ zum Zeitpunkt der Annahme der Strategie bildete
eine ausreichende Grundlage für die Prognose, daß sie in der Endphase demontiert werden würde. Die
Dialektik befähigt dazu, in den kalkulierten, im Ausland veröffentlichten anti-sowjetischen
Manuskripten zwischen den Zeilen zu lesen. Das damalige Verbot solcher Schriften, und die
gegenwärtige Aufhebung des Verbotes dieser Veröffentlichungen aus der Zeit der 1960er und 1970er
Jahre, erfolgten im Rahmen der Langzeitstrategie. Entsprechendes gilt auch für die Prognose von
politischen und sozialen Angelegenheiten, die von den Sowjetstrategen in Westeuropa, den USA und
überall auf der Welt zu ihrem Vorteil ausnutzen werden.

65
PROGNOSEN ZUR DURCHFÜHRUNG DER STRATEGISCHEN ENDPHASE

DIE ERWEITERTE ROLLE DER KOMMUNISTISCHEN PARTEI


Während der Druchführung von „Perestroika“ wird die Rolle der Kommunisitschen Partei in den
kommunisitschen Ländern zunehmen, keinesfalls geringer werden. Die Partei wird auch weiterhin die
Gesamtüberwachung und Kontrolle über die gemischte Wirtschaft ausüben, und zwar mittels der
Parteimitgliederin Managerpositionen und ihren Technokraten. Die Partei, die „aus dem Untergrund“
agiert und mit anderen Mitteln arbeitet, wird auch zukünftig die Richtlinien der Politik bestimmen
und für die Umsetzung durch die verschiedenen „reformierten“ und „demokratisierten“ Institutionen
sorgen. Die Führung der Parteimitglieder wird mittels „vertraulicher Anweisungen“ erfolgen. Befreit
von der Tag-zu-Tag-Überwachung der Wirtschaft, wird sich die Partei vorrangig mit dfer Einführung
und Verbreitung von „Perestroika“ in der UdSSR und Osteuropa befassen, und die Akzeptanz der
Strategie in Westeuropa weiterfördern. Der Parteiapparat wird zu einem echten
„Generalstab“ für die Weltrevolution werden, die durch die „Perestroika“-Strategie
eingeleitet und durchgeführt werden wird! (11)

STÄRKERE UND REIFERE IDEOLOGIE


Trotz des anscheinenden „Niedergangs“ der ideologischen Orthodoxie, wird die kommunistische
Ideologie stärker und reifer werden. Mit dem Fortschreiten von „Perestroika“ in den
kommunistischen Ländern wird die alte Ideologie wieder aufgenommen und angewendet werden.
Jeder Erfolgszuwachs von „Perestroika“ wird die Parteimitglieder und jungen Kommunisten in ihrem
Glauben an die Ideologie bestärken. (12) Die Kommunisten werden weiter damit fortfahren, die
internationalen Beziehungen und die Lage in den kapitalistischen Ländern unter dem Gesichtspunkt
der „Klassenanalyse“ auszuwerten. Ihr „Humanismus“ wird auch weiterhin unter dem Aspekt der
„Haßliebe“ gesehen werden. Kapitalisten im eigenen Land und im Ausland werden gehaßt. Man wird
sie niemals lieben. Man wird sie weiterhin betrügen und ausnutzen. Die Partei wird ihr Programm der
„ideologischen Erziehung“ fortsetzen, und dadurch verhindern, daß eine Beeinflussung durch
ausländische Ideologien erfolgt. Alle Bemühungen zu Reformen und des Austausches des
Kapitalismus im Westen werden gefördert und beschleunigt werden. Nicht durch ideologische
Propaganda, sondern durch die Strategie von „Perestroika,“ die zur Annäherung an von Ost und West
führen wird.

EIN VERBESSERTER, REORGANISIERTER KGB

66
Es ist zu erwarten, daß der KGB in eine neue Organisation umgewandelt, und einen westlichlich
klingenden Namen erhalten wird. Die Umorganisation wird der Öffentlichkeit als ein Zeichen für die
Herabsetzung der Bedeutung des Dienstes innerhalb der sowjetischen Gesellschaft angepriesen
werden. Wegen der bedeutenden Rolle des KGB im Zusammerhang mit „Pereswtroika“ im Wege ihrer
Verbreitung sowohl im eigenen Land, als auch im Ausland, darf die „Umorganisation“ keinesfalls als
Schwächung des Dienstes angesehen werden.
Ebenso, wie Dzerzhinskys verhaßte „Cheka“ in den noch mächtigeren GPU umgewandelt
wurde, wird die Nachfolgeorganisation des KGB mächtiger sein als sein Vorläufer!
Der neue Dienst wird mit „Samthandschuhen“ arbeiten und ausgefeilte Methoden anwenden.
Intern werden die Kräfte dazu eingesetzt werden, den kontrollierten politichen „Pluralismus“
(Demokratie) zu schaffen. Es wird zu pseudo-sozialdemokratischen Parteien der Litauer, Muslime und
anderer Gruppen kommen. Es wird sogar stalinistische und antisemitische Gruppierungen geben, um
eine überzeugendes Potenzial an „Pluralismus“ vorweisen zu können. Selbstverständlich wird der neue
Dienst hinter diesen Gruppierungen stehen, sie im Interesse der Strategie und ihrer Ziele
kontrollieren und führen.

11) Anmerkung des Herausgebers: „Wo verbergen sich die alten Sowjetstrukturen?... Die
Gorbatschow-Stiftung... hat diese Aufgabe - und das Personal der Internationalen Abteilung des
Zentralkommitees der KPDSU - in gewisser Weise übernommen“ [Hans Graf Huyn, Privatdruck vom
November 1994
(12) Anmerkung des Autors: Diese Prognose wurde durch das offene Wiederauftauchen des
Kommunismus in den Nationalrepubliken und in Osteuropa bestätigt.
Der Dienst wird seine „Spionageabteilung, „Sicherheitsabteilung,“ und insbesondere seine
„Einflußagenten“ an den neugeschaffenen „nationalen Fronten,“ politischen Gruppierungen und
Parteien, zur Umsetzung der „Perestroika“-Strategie im Sinne der „Umstrukturierung“ der westlichen
Politik einsetzen.

DAS NEUE MODELL DES SOWJETREGIMES


Die Sowjets werden „Perestroika“ mit folgenden Mitteln und Methoden voranbringen:
• eine gemischte sozialistische Marktwirtschaft, vergleichbar mit der Wirtschaft Schwedens,
wird eingerichtet werden, wobei es nur einen gewaltigen Unterschied geben wird: Die sowjetischen
„Kapitalisten“ werden in Wirklichkeit geheime Parteimitglieder, und damit polkitische Werkzeuge der
Partei sein. Ihr Einfluß wird dabei im Interesse der „Auslandsstrategie“ genutzt werden. Das ist es, was
der „sowjetische Reifeprozeß“ in Wahrheit bedeutet.
• Die Partei wird einen kontrollierten politischen „Pluralismus“ schaffen, und damit den
Anschein von „Sozialdemokratie“ in der UdSSR erwecken. Die Durchführung dieses strategischen
Teilaspekts wird keinerlei Schwierigkeiten bereiten. Sogar das stalinistische Regime in Polen hatte
angeblich „nichtkommunistische,“ unabhängige Parteien, die in Wirklichkeit jedoch nur
„Marionetten-Parteien“ waren.

67
• Ein modifiziertes Sowjetparlament wird eine aktive Rolle bei der Durchführung des
strategischen Planes von „Perestoika“ im Ausland spielen.
• Das neue Parlament wird an das „Schwedenmodell“ angeglichen sein - wiederum mit einem
Unterschied: Es wird seine Kontakte zu westlichen Kollegen dazu nutzen, diese mit dem Ziel zur
Zusammenarbeit zu bewegen, den Westen „umzustrukturieren.“
• Das Sowjetimperium wird nicht als Ergebnis nationaler Unruhen zusammenbrechen. Die
Partei wird eine stärkere Föderation schaffen, welche die vollständige Kontrolle über „Auswärtige
Angelegenheiten,“ „Verteidigung“ und „Innere Sicherheit“ ausüben, und den einzelnen Republiken
nur die Unabhängigkeit in untergeordneten Angelegenheiten einräumen wird.
• Im Verlauf des Fortschreitens von „Perestroika“ werden beide, die Russen und Nichtrussen,
davon eingenommen werden. Sie werden den Prozeß fördern und sich aktiv daran beteiligen. Die
Schlußanalyse sieht vor, den Prozeß parallel zum Ausmaß der Unterstützung durch den Westen und
dem Maß der Verbesserung des Lebensstandards in Rußland voranzubringen.
• eine erfolgreich durchgeführte „Perestroika“ wird im Endergebnis zu einer „Pseudo-
Sozialdemokratie“ mit menschlichem Antlitz führen.
• An diesem Punkt angelangt, werden die Partei und der KGB alles daran setzen, das Ansehen
des „Neuen Modells“ zu verbessern und zu steigern, um letztendlich die Phase der Umsetzung im
Sinne von „Umstrukturierung des Westens“ anlaufen zu lassen.

„VERÄNDERUNG“ IN OSTEUROPA UND CHINA


Es wird zu fortlaufenden Bemühungen kommen, den Prozeß der „Veränderung“ in Osteuropa und
China voranzubringen. Grundsätzlich wird das dafür angewendete Modell dem der „Perestroika“ in
Rußland entpsrechen, jedoch die nationalen und historischen Gegebenheiten jedes einzelnen Landes
berücksichtigen.
Machtverhältnisse mit „Solidarität“ und der „Katholischen Hirarchie“ geben wird. In der
Tschechoslowakei wird dieses Modell die Erfahrungen von 1968 berücksichtigen. In Ungarn die
„Rehabilitierung“ des Volksaufstandes von 1956, in Ostdeutschland den Wunsch auf
Wiedervereinigung mit Westdeutschland. In China wird das Modell den asiatischen Charakter des
Sozialismus widerspiegeln, den Wunsch nach Wiedervereinigung mit Taiwan, und die gegenwärtigen
engen Beziehungen zu den Vereinigten Staaten von Amerika. Die „Veränderungen“ in Polen und
Ostdeutschland sollten besonders aufmerksam beobachtet werden, weil sie von ausschlaggebender
Bedeutung für die „Veränderung“ vonganz Europa sein werden.

„VERÄNDERUNG“ IN WESTEUROPA
In der UdSSR und Osteuropa wird „Perestroika“ mit einer bestimmten politischen und
diplomatischen Offensive einhergehen, um „Veränderungen“ in Westeuropa einzuleiten. Gorbatschow
und die osteuropäischen Führer werden alles daran setzen, um die gegenwärtige „Entspannung“ für

68
engere Beziehungen in wirtschaftlicher, militärischer, politischer, kultureller und wissenschaftlicher
Hinsicht zu nutzen, und eine engere Zusammenarbeit auf den genannten Gebieten anzustreben. Das
angestrebte Ziel ist die Schaffung eines „Vereinten Europa,“ ohne NATO und Warschauer Pakt!
Besondere Anstrengungen werden unternommen werden, um enge Beziehungen und
Zusammenarbeit mit osteuropäischen Sozialdemokraten und der Labour Party in Großbritannien zu
begründen, und zwar unter Anwendung des Konzepts von der „Pseudo-Sozialdemokratie“ und der
neuen „gemischten Marktwirtschaft.“ Von diesem Erscheinungsbild angezogen, und von seiner
Echjtheit überzeugt, werden die Sozialdemokraten [des Westens] sehr wahrscheinlich günstig im
Sinne des Planes reagieren.
Ostdeutschland wird eine ganz besondere Rolle bei der „Veränderung“ Westeuropas und
Westdeutschlands beigemessen. Die Ernennung von Valentin Falin, einem führenden sowjetischen
Deutschlandexperten, zum Leiter der dem Zentralkommitee unterstellten „Abteilung für
Internationale Beziehungen,“ läßt darauf schließen, daß die Sowjets eine „Initiative“ Ostdeutschlands
vorbereiten und auf den sich daraus ergebenden Erfolg zählen. Eine entsprechende Initiative wird
dann vermutlich durch durch einen Vorstoß Polens, quasi als Wiederbelebung des „Rapacki-Plans,“ im
Sinne einer „Atomwaffenfreien Zone in Zentraleuropa“ unterstützt werden. Es gibt keinen Zweifel
daran, daß ihren Strategen vollauf bewußt ist, daß die Weiterführung ihrer Strategie der
„Veränderung“ ohne die Beseitigung der „Berliner Mauer“ nicht erfolgreich sein kann. So, wie es ihnen
unmöglich gewesen ist, ohne den Rückzug aus Afghanistan irgendwelche Fortschritte zu erzielen.
Durch die Abschaffung der „Berliner Mauer“ könnte es den Sowjets gelingen, im Stil des „Rapallo-
Planes“ mit den Deutschen einen Handel durchzusetzen und abzuschließen - und das gilt in ganz
besonderer Weise für eine sozialdemokratische Regierung, der den Austritt aus der NATO und
ein „neutrales“ Deutschland zum Gegenstand hat!
Da die sowjetische „Perestroika“ auch viele Elemente der „euro-kommunistischen
Standpunkte“ enthält (Kritik an den kommunistischen repressiven Taktiken, Ablehnung des
Einmarsches in die Tschechoslowakei im Jahre 1968, Ausweitung der sowjetischen
„Demokratiebestrebungen“), werden viele ueo-kommunistische Parteien sich der Bewegung
anschließen und sie unterstützen. Allein schon darum, weil sich dadurch die Gelegenheit der
„Revitalisierung“ dieser Parteien bietet. Sie werden versuchen, durch die Schaffung „gemeinsamer
Aktionen“ mit Sozialdemokraten die „Veränderungen“ zu fördern und herbeizuführen, was
selbstverständlich ihr eigenes Land mit einschließt. Dubceks kürzliche „Wiederauferstehung“ aus der
Versenkung und seine Italienreise auf Einladung der Kommunistischen Partei Italiens, sind ein seehr
starkes Indiz für die Annahme, daß die Euro-Kommunisgen die Idee der sowjetischen und
osteuropäischen „Perestroika“ für sich übernehmen werden, um ihren politischen Einfluß in ihren
Ländern wiederzuerlangen und zu stärken. Die Unterstüzung der sowjetischen und osteuropäischen
„Perestroika“ durch die Regierungen Italiens und Frankreichs, macht die sozialistischen Parteien
dieser Länder für die Annäherung von Seiten der Kommunisten verwundbar.

69
„VERÄNDERUNGEN“ IN DER „DRITTEN WELT“
Eine aktive sowjetische und osteuropäische Offensive zur Durchsetzung der angestrebten
„Veränderungen“ in der „Dritten Welt“ darf erwartet werden. Die gegenwärtige sowjetische
Bereitschaft, sich für die Beilegung der bewaffneten Konflikte einzusetzen, bedeutet keinesfalls die
Aufgabe ihres Zieles, die betreffenden Länder zu unterwandern. Es hant nichts anderes als ein
Wechsel der Taktik stattgefunden. Dioe Strategie der „Veränderung“ basiert nicht zuletzt auch auf der
Taktik, durch den Beitrag zur Beilegung von Konflikten weiteren Einfluß zu gewinnen. Das
„reformierte“ Regime in der Sowjetunion und Osteuropa, wird mit den westeuropäischen
sozialdemokratischen Parteien und der „Sozialistischen Internationale“ eng zusammengehen, um die
„Veränderungen“ in die „Dritte Welt,“ und insbesondere nach Lateinamerika hineinzutragen. Sie
werden dort zur Durchführung des Planes die Nähe von Arbeiterbewegungen, religiösen Institutionen,
Menschrechtsbewegungen und Umweltschutzgruppen suchen, und diese in ihren Absichten
unterstützen. Es muß davon ausgegangen werden, daß der Einfluß von „Perestroika“ in diesen
Ländern erheblich zunehmen wird. Die mexikanische Presse ziwht bereits Vergleiche zwischen
„Perestroika“ und dem politischen Wandel in Mexiko, der als „Salinastroika“ bezeichnet wird. Der
frühere mexikanische Kommunistenführer zog denselben Vergleich. Fuentes, der linke mexikanische
Novellist, schrieb kürzlich, daß Salinas ein mexikanischer Gorbatschow werden müsse, wenn er den
Stand der Dinge in Mexiko verändern wolle. Ein weiteres Beispiel ist das kürzlich unterbreitete
Angebot des salvadorianischen Rebellenführers, sich freiwillig zu entwaffnen unter der Voraussetzung,
daß die Arme Salvadors „umstruturiert“ wird.
Diese Beispiele verdeutlichen den erkennbaren Trend in Richtung „Veränderungen“ und
„Umstrukturierung“ in Lateinamerika. Dieser Trend wird sich beschleunigen, falls die USA sich zur
Unterstützung voin „Perestroika“ entrschließen, ohne die sowjetische Strategie zu berücksichtigen, die
hinter allem steht. In Abetracht der Zerbrechlichkeit voin Demokratie, der hoffnungslosen
wirtschaftlichen Situation und des Schuldenproblems in Lateinamerika, ist eine verstärkte
gemeinsame Aktion von sowjetischen, osteuropäischen und westeuropäischen Sozialdemokraten (mit
ihrem Geld) zu erwarten, um ein „Allende“- oder „Sandinista“ ähnliches Regime an die Macht zu
bringen, das die „Veränderung“ im Sinne des „neuen“ reformierten Sowjetmodells durchführen wird.

„VERÄNDERUNG“ AMERIKANISCHER MILITÄRPOLITISCHER BÜNDNISSE


Die Sowjets werden das Ansehen des reformierten friedlichen sowjetischen Systems dazu einsetzen,
um den westlichen Konsens bezüglich der sowjetischen Bedrohung und der Notwendigkeit der
Aufrechterhaltung militärischer und politischer Bündnisse zu zerstören. In Europa werden die Sowjets
wahrscheinlich den Verusch unternehmen, einen Keil in die NATO zu treiben, um ihre Auflösung zu
erreichen. Als Mittel dazu, könnte die Beseitigung der „Berliner Mauer“ dienen mit der Langzeitfolge,
daß Deutschland sich aus der NATO zurückzieht und Österreich in die Neutralität folgt. (14)

70
Was Asien betrifft, ist es denkbar, daß die Sowjets das „amerikanisch-japanische
Sicherheitsabkommen“ zu Fall bringen, indem es die Kurilen-Inseln an Japan zurück gibt und Japan
ein Abkommen in wirtschaftlichedr Hinsicht zur Förderung der Entwicklung in Sibirien vorschlägt.
Gemäß der in Lateinamerika zur Anwendung kommenden Strategie, werden die Sowjets auch
dort ihren Einfluß zur Reduzierung der amerikanischen Militärpräsenz geltend machen.

„VERÄNDERUNG“ IN DEN VEREINIGTEN STAATEN VON AMERIKA


Die Sowjets werden alle nur denkbaren Anstrengungen unternehmen, um die neue Regierung
dahingehend zu beeinflussen, die von Reagan eingeleitete Politik der „Umarmung“ und der schnellen
Annäherung mit den Sowjets fortzusetzen. Sie werden die Bemühungen Gorbatschows und Sacharows
intensivieren, um die amerikanische Elite zur Zusammenarbeit auf den Gebieten Umwelt, Raumfahrt
und Abrüstung zu gewinnen.

(14) Anmerkung des Autors: Die NATO ist dem Beispiel des Warschauer Paktes nicht gefolgt. Sie hat
isch nicht aufgelöst. Ihre Schlagkraft hat jedoch erheblich gelitten. Darüber hinaus, hat sie ihrer
Verwirrtheit ehemalige Gegner als Mitglieder aufgenommen.
Ungefähr zeitlich wird das Angebot zur gemeinsamen Lösung politischer, wirtschaftlicher, sozialer,
militärischer und internationaler Probleme unterbreitet werden.(15) Besuche sowjetischer
Delegationen von Wissenschaftlern, Politikern, Intellektuellen und aus dem Bereich der Kultur
werden forciert werden, um den Amerikanern die Idee von „Veränderung“ und „Annäherung“
schmackhaft zu machen. In gleicher Weise werden vermehrt entsprechende amerikanische Gruppen
mit Vertretern der vorgenanten Richtungen in die Sowjetunion eingeladen werden, um auch dadurch
Einfluß auf die Akzeptanz und Verbreitung von „Perestroika“ nehmen zu können. „Einflußagenten“ in
den USA werden ihre Anstrengungen verdoppeln, um die Idee von „Veränderung“ und „Annäherung“
weiter zu verbreiten. Sie werden öffentliche Debatten organisieren, die sich mit dem Thema
„Sicherheit“ beschäftigen werden in der Absicht, die einhellige Meinung der Amerikaner über die
„Bedrohung durch die UdSSR“ zu beschwichtigen, und den US-Militärindustrie-Komplex zu
destabiliseren. KGB-Agenten unter den sowjetischen „Dissidenten“ werden zwischen den USA und der
UdSSR hin- und herreisen, um als „Brückenbauer“ für die politische und kulturelle Annäherung zu
fungieren. Das gesamte politische Potenzial der KGB-kontrollierten Parteien wird zur Schaffung von
„Verbindungen“ mit ihren „echten“ Partnern in den USA eingesetzt werden, um diese in Richtung
„Veränderung“ zu beeinflussen und zu motivieren.
Während ihres Aufenthalts in den USA werden sie versuchen, die Amerikaner durch die
wachsende Angleichung ihres Systems an das amerikanische System zu beeindrucken. Sie werden

71
versuchen, die Amerikaner davon zu überzeugen, „die Annäherung sei das Mittel zur
Verhinderung eines Atomkrieges! Je weiter die „Veränderungen“ in Osteuropa fortschreiten,
desto stärker werden die Osteuropäer die sowjetische Offensive in den USA unterstützen.

(15) Anmerkung des Herausgebers: Seit Anfang der 1990er Jahre hat Gorbatschow die Dimension
der Strategie durch die „Gorbatschow-Stiftung“ beschleunigt, die von einer Adresse in Presidio, einer
stillgelegten Marinebasis in San Franzisko, aus operiert. Diese Stiftung wurde am 10. April 1991 als
„Talmapais-Institut“ ins Leben gerufen, und zwar vier Monate vor dem „Staatsstreich von 1991“! Am
10. April 1992 wurde der Name in „Gorbatschow-Stiftung“-USA, geändert, die weitgespannte Dienste
anbietet, u.a. ein „WeltsicherheitsprjektW in Übereinstimmung mit dem Fahrplan zur Erweiterung des
Einflusses, wie es vom Autor prognostiziert worden ist. Im Mai 1992 startete die „Gorbatschow-
Stiftung“ einen Spendenaufruf in den USA, wobei Gorbatschow als „Zugpferd“ benutzt wurde. SDas
Ergebnis warenb mehrere Millionen Dollar zur „Finanzierung“ der Stiftung. Obwohl bekannt war, daß
die „Gorbatschow-Stiftung“-Moskau im ersten Quartal 1992 einen großen Personalbestand hatte,
wurde die „Spendenfreudigkeit“ der Amerikaner dadurch in keiner Weise beeinflußt. Es blieb auch
unbeachtet, daß die alten Kader der KPDSU in der „Gorbatschow-Stiftung“ untergetaucht sind.
DIE SOWJET-OFFENSIVE GEGEN DIE ANTIKOMMUNISTEN IM WESTEN
Die Sowjets, ihre Verbündeten und die KBG-Einflußagenten werden eine Offensive der politischen
und ideologischen Kriegsführung gegen den Antikommunismus und seinen Einfluß im Westen
beginnen. Diese Offensive wird „Perestroika“ als fundamentalen Wechsel des Sowjetsystems, und als
Auflösung der kommunistischen Ideologie, sowie als Verminderung der sowjetischen
Herausforderung und das Ende des „Kalten Krieges“ darstellen.
Georgiy Arbatov beschreibt diesen Prozeß als „die Löschung des Sowjetfeindes aus dem
Gedächtnis der Amerikaner.“(16) Die sowjetischen Medien, ihre Verbündeten und ihre Einflußagenten
werden zum Kampf aufrufen und versuchen, den Anti-Kommunismus und seine Anhänger als
Hindernisse des „Wandels“, Kalte Krieger und Feinde des Friedens zu verunglimpfen.“
Die Angriffe werden sich gegen politische Führer und leitende Regierungsbeamte richten, die ein
realistisches Verständnis von der „sowjetische Bedrohung“ haben, und gegen Antikommunisten in den
Parteien, insbesondere solche der politischen und religiösen Rechten. Weitere Ziele werden die
Antikommunisten in den sozialistischen, sozialdemokratischen und konservativen Parteien
Westeuropas und Amerikas sein. Entsprechender Einfluß wirdauch auf die amerikanischen und
westeuropäischen Experten in Fragen der Sowjetunion und der Medien genommen werden, die
objektiv über die Gefahren von „Perestroika“ berichten.
Man wird sie als Reaktionäre, Bürokraten mit überholten Vorstellungen,
politische und religiöse „kalte Krieger“ oder einfach als Faschisten bezeichnen. Der
Angriff wird darauf abzielen, diesen Personenkreis zu neutralisieren, indem man ihn
lächerlich macht und in eine gefährliche Spezies umfunktioniert.
Ein Artikel in der „The New York Times“ von Stephen Cohen vom 19. Seotember 1988
vermittelt einen Eindruck davon, was in dieser Richtung zu erwarten ist. Cohen schreibt, „daß es den
Zentrumspolitikern an der Fähigkkeit mangelt, auf Gorbatschow richtig zu reagieren. Er gibt dem

72
Präsidenten den aufrüttelnden Rat, alle relevanten Positionen im Bereich der Außenpolitik
ausschließlich mit Personen zu besetzen, die die These vom _Verschwinden der Bedrohung des
Kalten Krieges verstanden und akzeptiert haben.“
Es darf daher angenommen werden, daß die sowjetischen Yakovlevs und
Arbatovs die Neutralisierung und Entfernung der Antikommunisten aus dem
politischen Leben des Westens mit Nachdruck betreiben werden, und zwar im Hinblick
und mit Hilfe neuer geplanter Projekte in sowjetisch-europäischer Zusammenarbeit.
Es ist denkbar, daß sie zu diesem Zweck sogar ihre eigenen Presseorgane als Feinde von
„Perestroika“ angreifen werden, um die konservativen Kräfte zu entfernen und durch Befürwoirter
von „Perestroika“ ersetzen. Der kürzliche Abgang Ligachevs könnte unter diesem Gesichtspunkt
gesehen werden.
Es ist zu erwarten, daß der KGB und seine „Abteilung für politische Attentate“ in diese
Entscheidungsschlacht durch Tötung prominenter Antikommunisten, die für ernsthafte Hindernisse
für die Durchführung der „Veränderungen“ im Westen gehalten werden, eingebunden sein wird.
Diese Attentate werden so fachmännisch ausgeführt werrden, daß ein Rückschluß auf
den KGB nicht möglich sein wird. So, wie es auch der Fall bei der Ermordung von
Stepan Bandeira, dem Führer der Antikomunisten in der Ukraine, im Jahre 1958 der
Fall gewesen ist, bis sein Mörder in den Westen überlief.
Die sowjetischen strategischen Interessen an der Tötung ihrer stärksten politischen Gegner
werden von den unrealistischen Erwartungen der Amerikaner für eine ernstgemeinte, herzliche
Zusammenarbeit bei der Bekämpfung des internationalen Terrorismus begleitet sein. (17,18)

73
(16) Anmerkung des Herausgebers: In der Juniausgabe 1988 von „Kommunist,“ dem Journal der
Kommunistischen Partei der UdSSR, schreibt Georgiy Arbatov auf Seite 18, „es sei in der Tat nur
das Image des Feindes entfernt worden.“ Er wählte seine Worte mit leninistischer Sorgfalt: „Das Image
des Feindes, das entfernt worden ist... ist für die Militär- und Außenpolitik der USA und ihrer Verbündeten
absolut lebenswichtig. Die Zerstörung dieser Stereotype... ist Gorbatschows Waffe... Weder das
Wettrüsten, noch die Machtblöcke der Dritten Welt, noch die Militärblocke sind ohne ein „Feindbild“
denkbar, und ebenso wenig durch die „Sowjetische Bedrohung“... Selbstverständlich ist es keine
Geheimwaffe, aber sie ist sehr machtvoll. Und am 11. Juni 1989 anläßlich einer Pressekonferenz in Bonn auf
dem Höhepunkt des triumphalen Deutschlandbesuchs, faßte Arbatov zusammen, was als nächstes folgen würde:
„In den internationalen Angelegenheiten ist es zu einer großen Wende gekommen, aber einige Menschen
sind noch nicht bereit, sie zu umarmen... das Schlimmste, was wir tun konnten, was es, ihnen
das Feindbild zu nehmen...
DIE SOWJETISCHEN ABSICHTEN HINSICHTLICH DER NÄCHSTEN WAHLEN IN DEN
USA UND WESTEUROPA: DIE RADIKALE LINKE
Der Hauptgrund für den Angriff auf antikommunistishe Kräfte liegt in der Absicht, die
bevorstehenden Wahlen in Westeuropa und in den USA massiv zu beeinflussen. Die Sowjetstrategen
verbinden ihre Chance zur erfolgreichen Durchführung ihrer Strategie mit dem Sieg der „Linken“ bei
diesen Wahlen. Sie glauben, daß die Bedingungen günstig sind. Nach ihrer Auffassung sind die
Dienste der Spionageabwehr in den USA, Großbritannien, Frankreich und Westdeutschland
entscheidend geschwächt.
Sie haben ihre Fähigkeit durch öffentliche Enttarnung oder massive Infiltration durch den KGB
verloren. Sie wurden über die strategischen Absichten der Sowjets falsch informiert. Ihre Ignoranz der
sowjetischen Strategie geht so weit, daß einige Dienste, z. B. der britische Geheimdienst, Gorbatschow
und seine Strategie von „Perestroika“ inoffiziell unterstützen und fördern. Aus diesen Gründen halten
die Sowjetstrategen die westlichen Dienste nur noch für „Papiertiger“ und daher für ein nicht mehr
ernst zu nehmendes Hindernis bei der Durchführung ihrer Pläne.
Aus ihrer Sicht ist ernsthafter Widerstand gegen ihre Strategie der „Veränderung“ und
„Annäherung“ nur noch von ihren „ideologischen Gegnern“ zu erwarten; den antikommunistischen
Konservativen in den USA und Westeuropas. Sie haben festgestellt, daß konservative Führer (Ex-
Präsident Reagan, Premierministerin Thatcher und der westdeutsche Kanzler Kohl) es versäumt
haben, die Essenz von „Perestroika“ zutreffend zu interpretieren. Folglich wurden sie durch die
Befürworter der Sowjetstrategie in die Irre geführt. Hierdurch ergab sich eine „Krisensituation“
bezüglich der Unterstützung Gorbatschows. Die Konservativen sind über Gorbatschow und seine
„Perestroika“ verwirrt. Die alten Vorurteile kamen wieder hoch. Sie haben keine neuen Ideen und die
Persektive verloren. Die Sowjetstrategen befürchten, daß die Konservativen sich besinnen und
Widerstand gegen die „Veränderungen“ leisten könnten. Aus diesem Grund schließt das strategische
Ziel die „politische Kriegsführung“ mit folgenden Vorgaben ein:
(a) Die Neutralisierung des antikommunistischen Einflusses, insbesondere in den
konservativen Parteien, als wichtiger Faktor im politischen Leben der USA, Westdeutschlands,
Frankreichs und Großbritanniens.

74
(b) Die Sicherstellung des Sieges der „radikalen Linken“ bei den nächsten
Präsidentschaftswahlen in den USA 1992 und in den nationalen Wahlen in Westdeutschland,
Frankreich und Großbritannien in den 1990er Jahren. Der sowjetische Plan, die
„Menschrechtskonferenz 1991“ in Moskau abzuhalten, und ihr ausgeprägtes Interesse an der
Teilnahmeder USA, entspringt der Absicht, den Ausgang der Wahlen in Amerika zu Gunsten der
„radikalen Linken“ zu beeinflussen. Nach ihrer Auffassung ist die „Linke“ darauf vorbereitet, die
„Veränderungen“ in den USA durchzuführen und zu beschleunigen.
Die Sowjetstrategen nehmen an, daß ein wirtschaftlicher Abschwung in den USA noch
günstigere Voraussetzungen für die Durchführung ihrer Strategie bieten könnte. In diesem Fall
würden die Sowjets und ihre Verbüneeten zum Mittel des „Klassenkampfes“ greifen, um in die
westlichen Nationen „Breschen“ zu schlagen.
Die Endphase des „Veränderungsprzesses“ in den USA un den Ländern
Westeuropas würde von der „physischen Auslöschung“ aktiver Antikommunisten, also
der tatsächlichen „Eliminierung“ der politischen, militärischen, finaziellen und
religiösen Elite begleitet werden. Es würde zu Blutvergießen und dr Einrichtung
politischer Umerziehungslager kommen. Die Kommunisten würden nicht zögern, die
Massenunterdrückung von 1917, der Besetzung Osteuropas nach dem Zweiten
Weltkrieg oder des kommunistischen Sieges in China von 1949, zu wiederholen! Sie
würden rücksichtslos zu dem Mittel der „Massenunterdrückung“ greifen, um jede
Möglichkeit einer Revolte durch die Überrumpelten von vornherein zu unterbinden,
wenn es zuzr Sicherung ihres Endsieges erforderlich sein sollte.
Der Autor stützt seine diesbezügliche Prognose unter anderem auf die folgenden
Informationen: Als die Langzeitstrategie in den 1950er Jahren geplant und vorbereitet wurde, fragten
die Sowjetstrategen beim KGB an, „wieviele Westdeutsche schätzungsweise isoliert werden müßten,
um aus Westdeutschland ein „neutrales“ Land zu machen.“ Der KGb schätzte die Zahl auf ungefähr
150.000 Deutsche.

DER MÖGLICHE AUSTAUSCH GORBATSCHOWS


Die Sowjetstrategie zur „Veränderung“ der Welt ist nicht umkehrbar, aber Gorbatschow ist
austauschbar. Weil Gorbatschow als Anführer für die Durchführung der Endphase der Strategie
ausgewählt wurde, kann die Möglichkeit nicht ausgeschlossen werden, daß er durch einen
anderen Führer ersetzt werden wird. Sein Austausch könte dann erfolgen, wenn die
Erfordernisse der Strategie einer „härteren Gangart“ gegen die USA gegeben sein sollten, oder einer
Konfrontation bedürfen. Schließlich auch für den Fall, daß er sich als Versager erweisen sollte. Er
könnte durch einen anderen „konservativen“ Typ eines Ligachev oder durch einen „liberalen“ Typ wie
Jelzin ersetzt werden. Ein weitere Grund für eine solche Zurschaustellung angeblicher „Uneinigkeit“,
könnte darin bestehen, die Welt daran zu gewohnen, daß solche „Wechsel“ in Rußland nichts

75
Ungewöhnliches mehr darstellen. Gorbatschows „Austausch“ oder „Sturz“ wird in jedem
Fall ein geplantes Manöver sein. Sollten sich die Umstände später verändern, ist es
nicht ausgeschlossen, daß er wieder an die Macht gelangt.

CHINA: EIN STRATEGISCHER FEIND


DER VEREINIGTEN STAATEN VON AMERIKA
Das kommunistische China ist kein strategischer Partner, sondern ein heimlicher strategischer Gegner
der Vereinigten Staaten. China wird sich der Sowjetoffensive zur „Umstrukturierung“ der Vereinigten
Staaten von Amerika und dem Rest der Welt anschließen.
Durch Infiltration zerschlug der chinesische Geheimdienst die nachrichtendientlichen Quellen
der CIA während der 1950er, 1960er und 1970er Jahre und verhinderte so wirksam, daß die CIA sich
verläßliche Quellen aufbauen konnte, die Informationen über die strategischen Absichten der
chineischen Führer hätten liefern können. Die National Security Agency kann nicht aushelfen, weil die
Informationen über geheime chinesisch-sowjetische strategische Zusammenarbeit über Kanäle
ausgetauscht werden, die von der NSA nicht abgehört werden können.
Durch diese Situation sind die politisch Verantwortlichen in dieser Frage nur schlecht
informiert. Amerikanische Politiker der Ära Nixons und Kissingers bis zur Gegenwart, sind für ihr
übertriebenes Vertrauen aif die mändlichen Versicherungen von Mao, Chou En-Lai und Deng bekannt
geworden. Das Vertrauen auf das Wort ist kein guter Ersatz für zuverlässige nachrichtendienstliche
Quellen und Informationen.
Wegen dieser nachrichtendienstlichen Informationslücke war den den amerikanischen
Politikern bisher nicht möglich, zwischen Chinas Strategien und Taktiken zu unterscheiden. Dieser
Mangel ist nicht neu: Er war bereits zur Zeit des Zweiten Weltkriegs offenkundig, als die Amerikaner
nicht erkannten, daß die chinesisch-kommunistische Zusammenarbeit mit den Nationalisten gegen
die Japaner eine Taktik war, die man anwandte, um das strategische Ziel zu erreichen - den
kommunistischen Sieg über die Nationalisten. Einige der Erklärungen der chinesischen Führer über
amerikanische Politiker gegenüber ihren eigenen Anhängern sind abfällig und beunruhigend. Gegen
Ende der 1060er Jahre wies Mao die Partei an, die Amerikaner nicht in einem strategischen, sondern
lediglich in einem taktischen Sinn ernst zu nehmen. Die wohlbekannte Erklärung Dengs über eine
Katze, die eine Maus fängt, die er abgag, als China den Kapitalismus einführte und amerikanische
Technologie erhielt, kann so interpretiert werden, daß es sich bei dem chinesischen
Kommunistenführer um die Katze handelt, die die amerikanische Maus fing.
Wegen ihrer Verwirrung glauben die politisch Verantwortlichen Amerikas, das
kommunistische China sei ein wichtiger strategischer Partner, und ein strategischer Rivale und
Gegner der Sowjetunion. Da irren sie sich gewaltig. China ist ein taktischer, nicht ein strategischer
Partner der USA, und ein taktischer, aber kein strategischer Feind der Sowjetunion. (19)

76
Die Gründe für diese Schlußfolgerung lassen sich durch die Analyse der kommunistischen
Langzeitstrategie finden, die auch die strategische Rolle Chinas mit einbezieht.
Das kommunistische China war einer der Hauptarchitekten der kommunistischen
Langzeitstrategie. Die chinesisch-sowjetische „Spaltung“ war eine gemeinsame Strategie der
„Umstrukturierung.“ Die sowjetischen und chinesischen Führer haben ihre geheime strategische
Zusammenarbeit mit dem Mittel der Arbeitsteilgung fortgesetzt.
Gorbatschows „Perestroika“ und Dengs „Vier Modernisierungen“ (ein chinesischer
Euphemismus für „Umstrukturierung“ oder „Perestroika“) sind zwei identische Elemente in der
Endphase der gemeinsamen Strategie.

(17) Anmerkung des Autors: Bis 1995, als dieser Text geschrieben wurde, waren gegen Konservative gerichtete
terroristische Operationen nicht erforderlich, weil sie sich zu glühenden Befürwortern von „Perestroika“ gewandelt
hatten.
(18) Anmerkung des Herausgebers: Die vom Autor dargelegten Gründe, aus denen der KGB zum Mittel des
politischen Mordes von westlichen Führern greifen würde, findet sich auf Seite 352 von „New Lies for Old“ und ist
auch in Anmerkung 64 dieser Ausgabe übernommen worden.
(19) Anmerkung des Autors: Es wird sich noch herausstellen, ob die Politik des verstorbenen Präsidenten Nixon
gegenüber China und Rußland der Weisheit letzter Schluß gewesen ist.
Im Lichte der neuen Analysemethode diente die hastig vorbereitete Chinareise Shewardnazes
am Vorabend des Besuchs von Präsident Bush dazu, Deng bezüglich seiner Gespräche mit dem

77
amerikanischen Präsidenten zu beraten. Gorbatschow und Deng werden ihre Zusammenkunft nutzen,
um die Zusammenarbeit und neuen Initiativen während der strategischen Endphase zu besprechen.
Die neue Analyse läßt erkennen, daß es sich beim Abzug der Sowjettruppen aus Afghanistan um einen
taktischen Zug auf dem Weg zum strategischen Hauptziel handelt - „Umstrukturierung“ durch
Einbinden der USA in die Unterstützung für „Perestroika.“

Chinas enge Beziehungen zu den Vereinigten Staaten von Amerika, und selbst die chinesische
Hilfsbereitschaft gegenüber den USA in Pakistan-Afghanistanfrage, sind Taktiken, die dazu dienen
sollen, das strategische Hauptziel Chinas zu sichern. Nämlich eine moderne Supermacht mit Hilfe
amerikanischer Technologie zu werden.
Nach dieser Analyse setzen die chinesischen Führer ihren eigenen Parteiapparat und die
Sicherheitsdienste bei dem Versuch ein, den sowjetischen Erfolg bei der Schaffung kontrollierter
politischer Opposition, und den Transfer ihrer eigenen Leute in die USA zur Beeinflussung der
amerikanischen Politik im Interesse der gemeinsamen Strategie zu kopieren.
Die Chinesen waren von Sacharows zunehmendem Einfluß in Amerika in der Tat so
beeindruckt, daß sie ihre eigenen „Sacharows“ aufbauten - Einflußagenten unter den „abgewichenen“
chinesischen Wissenschaftlern. Daraus kann also geschlossen werden, daß die Chinesen ihren eigenen
Einfluß in den USA ausüben und sich der Sowjetoffensive der „Umstrukturierung“ letztendlich
anschließen werden.
Denn China ist dazu bestimmt, einer der Hauptpartner der Sowjets in der zukünftigen
Weltregierung zu werden, auf die Moskau und Peking gemeinsam hinarbeiten.

FEHLERHAFTE WESTLICHE ANALYSEMETHODEN


Die gegenwärtigen westlichen Analysemethoden waren nicht in der Lage, die Veränderungen in der
Sowjetunion, und die Bedeutung von „Perestroika“ für den Westen korrekt vorauszusehen. Sie haben
auch darin versagt, zutreffende Zukunftprognosen zu stellen. Der Grund für dieses Versagen sind die
schwerwiegenden Mängel der angewandten unbrauchbaren Analysemethode.
Das Hauptargument für ihre Unbrauchbarkeit ist die Tatsache, daß sie nicht geeignet waren,
die kommunistische Langzeitstrategie von „Perestroika“ in den Jahren 1958 bis 1960 zu erkennen und
die daraus folgenden Entwicklungen im Verlauf der nächsten dreißig Jahre zu verfolgen. John
McCone, damaliger Direktor der CIA, hatte recht, als er dem Autor 1964 mitteilte, „die amerikanische
Regierung arbeite auf der Grundlage von vier Jahren. Es wird daher sehr schwierig sein, die
Auswirkungen einer Analyse zu verstehen, die einen Zeitraum von dreißig Jahren abdeckt. Ebenso
versagte die Methode darin, die Desinformation zu erkennen, die dazu diente, einen Niedergang und
den Zerfall des Kommunistischen Blocks, seiner Ideologie und strategischen Zusammenarbeit
vorzutäuschen.
Die kritische Phase, als sich die Informationslücke bei den westlichen Nachrichtendiensten
immer mehr erweiterte, war zwischen 1958 und 1960. Es war der Zeitpunkt, wo es den westlichen

78
Nachrichtendiensten nicht mehr möglich war, zuverlässige Informationen über die Annahme der
Langzeitstrategie und das Programm der strategischen Desinformation zu erhalten, weil sie vom KGB
infiltiert, und ihre Hauptinformationsquellen in der UdSSR und China enttarnt worden waren.
Die KGB-Infiltration in den Vereinigten Staaten von Amerika begann nicht erst mit dem
„Walker-Ring.“ Bereits 1958 war die CIA zutiefst durch den KGB und den chinesischen
Nachrichtendienst infiltriert worden. Im selben Jahr verlor die CIA ihre wichtigste Quelle, Oberst
Popov (20) vom Militärischen Nachrichtendienst (GRU), der strategische Informationen hätte liefern
können, wäre er nicht vom KGB enttarnt und verhaftet worden.
Beide britischen Nachrichtendienste waren bereits seit langer Zeit infiltriert.
Beide westdeutschen Geheimdienste waren seit ihrer Gründung nach dem Zweiten Weltkrieg
mit KGB- und Stasi-Spitzeln durchsetzt.
Beide französischen Nachrichtendienste waren massiv infiltriert. Der KGB hatte Quellen
innerhalb der Dienste. Diese Tatsache ist in diesem Kontext von Bedeutung, denn es waren die
französischen Nachrichtendienste, von denen die meisten „Informationen“ über sowjetisch-
rumänischen und chinesisch-sowjetischen Differenzen kamen. Als Ironie muß gelten, daß sich die
Sowjetstrategen bezüglich der strategischen Ost-West-Balance die französische Einschätzung
bedienten, die für Präsident de Gaulle 1958 erstellt worden war. Der KGB erhielt dieses Dokument
durch seine Quellen innerhalb der französischen Regierung. Der KGB war jetzt zuversichtlich, daß es
den westlichen Nachrichtendiensten unmöglich sein würde, strategische Informationen aus der
Sowjetunion zu erhalten. Um eine solche Möglichkeit völlig auszuschließen, täuschte der KGB die
britischen und amerikanischen Nachrichtendienste durch ihren „Maulwurf“ - einen anderen GRU-
Oberst namens Penkovsky, den die Engländer und Amerikaner für echt hielten, und der zu ihrer
wichtigsten Informationsquelle in der UdSSR wurde. Bei der Zusammenarbeit mit den westlichen
Geheimdiensten, fand der Autor zweifelsfreie Beweise dafür, daß Penkovky durch den KGB
kontrolliert wurde.
Durch ihr Versagen, die Übernahme der Langzeitstrategie zu erkennen, waren die westlichen
Experten nicht in der Lage, angemessene strategische Kriterien zur Interpretation der Entwicklung in
der Sowjetunion zu entwickeln. Ein weiterer Mangel der westlichen Methodologie resultierte in der
Unfähgikeit, die politische Rolle des KGB im Verlauf der vergangenen dreißig Jahre bei der
Vorbereitung und Durchführung der „Perestroika“-Strategie zu erkennen. Im Westen operieren die
Nachrichtendienste nicht innerhalb eines strategischen Rahmenwerkes, sondern lediglich in den
engen Grenzen ihres besonderen Zuständigkeitsbereichs.
Folglich wurde von ihnen auch der Einsatz des gesamten KGB-Potenzials übersehen,
insbesondere ihre Infiltration der westlichen Länder und ihre Einflußagenten in der UdSSR und im
Westen im Interesse der Strategie. Ein wachsendes Bewußtsein für diese Entwicklung bei den
Amerikanern und Engländern wurde durch die „Watergate-Affäre“ und das anschließende Debakel
unterbrochen, der die Sicherheitsdienste destabiliserte. Als Ergebnis dieses völligen Versagens, gelang

79
es dem KGB, die kontrollierte politische Opposition in der UdSSR dem Westen als eine echte
Oppositionsbewegung zu verkaufen.
Außerdem gelang es dem KGB, dem Westen seine Version der Menschenrechte anzudienen,
die sich auf die manipulierte und kontrollierte Opposition stützt. Die Amerikaner sind auf die
sowjetischen Vorstellungen in der Menschenrechtsfrage fixiert, ohne die darin enthaltenen
sowjetischen strategischen Interessen zu verstehen, oder die unterschiedlichen Auffassungen des
Westens und der Kommunisten in dieser Sache zu erkennen. Für den Westen sind die
Menschenrechte ein geheiligter Grundsatz. Für die Sowjets bieten sie eine Öffnung zur Formung,
Beeinflussung und Manipulation des Westens, insbesondere in politischen Angelegenheiten, und hier
wiederum der amerikanischen Politik im Interesse der „Perestroika“-Strategie in der UdSSR und in
der westlichen Welt. Die Sowjets sehen die Menschenrechte im Zusammenhang mit ihrer schlafenden,
aber unsterblichen Doktrin des Klassenkampfes. Für sie sind Antikomunisten, kapitalistische
„Ausbeuter,“ und ihre Anhänger haben keine Existenzberechtitgung. Die Sowjets führen ihre
politischen Reformen nicht aus Respekt vor den Menschenrechten durch, sondern im Kontext ihrer
Entwicklung einer „kommunistischen Demokratie“ (die Anwendung des „Demokratismus“), in der die
Bildung einer echten politischen Opposition neutralisiert und verhindert werden kann.
Ihr Verständnis von den Menschenrechten zielt auf eine Verlagerung in Richtung der
Wiederbelebung des Klassenkampfes und dedr Unterdrückung ab, um das kapitalistische System im
Falle einer schweren Wirtschaftskrise und Massenarbeitslosigkeit in den Vereinigten Srtaaten von
Amerika und Westeuropa „umzustrukturieren“ oder zu ersetzen. Für sie bieten die Menschenrechte
eine Gelegenheit zur Voranbringung der „Veränderungen“ in den USA und überall auf der Welt, und
der Ersatz von echter Demokratie durch falsche Demokratie. Ihre Visionen schließen die Auslöschung
der amerikanischen und westeuropäischen Kapitalisten und Elite mit ein. Druch gekonnte
Manipulation der Menschenrechtsfrage und der KGB-kontrollierten politischen „Opposition,“ ist es
den Sowjets erfolgreich gelungen, den Westen vom Studium und Verständnis ihrer Langzeitstrategie
abzulenken. Es ist ihnen gelungen, die westliche Politik und Vorstellung von den in der UdSSR
erfolgenden Veränderungen zu ihrem Vorteil zu formen. In der Angelegenheit der Menschenrechte
haben die westlichen Nachrichtnedienste die wirklichen Aktivitäten des KGB bei der Vorbereitung von
„Perestroika“ und der gnadenlosen Feinseligkeit der Strategie gegenüber dem Westen völlig aus den
Augen verloren.
Eine Schlüsselrolle bei der Formung des westlichen Mißverständnisses von „Perestroika“ in
der UdSSR kam Sacharow zu, einem langjährigen sowjetischen Einflußagenten. Durch dieses völlige
Fehlverständnis wurde in westlichen Außenministerien, Nachrichtendiensten und „Denkfabriken“ ein
ein bösartiger Kreislauf bürokratischer Interessen ingang gesetzt, der es schwierig, wenn nicht
unmöglich macht, die begangenen Fehler zu berichtigen. Die durch die sowjetische strategische
Desinformation hervorgerufene Verwirrung, die erklärten Interessen bestimmter

80
Bürokratien an der akzeptierten Fehlinterpretation, und der Mangel an sachgerechten
strategischen Kriterien, haben im Westen schwerwiegenden Schaden angerichtet.
(20) Siehe Anmerkung Nr. 57.
Am kritischsten ist das Faktum, daß westliche Experten nicht in der Lage sind, die
strategische Kontinuität zu erkennen, die hinter der Strategie steht. Sie sammeln
Fakten, erkennen aber nicht die strategische Interaktion und können sie nicht in ein
strategsiches Gesamtbild einbauen. Ihnen fehlt die Weitsicht und die Einsicht, und
darum sind sie blind gegenüber dem Anschlag. Sie beschäftigen sich weiterhin damit,
Ereignisse nach den Richtlinien veralteten, nicht mehr anwendbaren stalinistischen
Konzepten zu analysieren. Beispeilsweise unter dem Gesichtspunkt des
Klassenkampfes.
Zweifellos war das auch der Fall im Zusammenhang mit der Interpretation von
Gorbataschows Aufstieg zur Macht, die Entfernung aus dem Amt seiner angeblichen Rivalen und
seiner Vorstellung vom Präsidentenamt. „Perestroika“ wurde und wird als rein interne Angelegenheit
zur Überwindung wirtschaftlicher und politischer Mängel in der Sowjetunion betrachtet - wobei das
breite antiwestliche Muster übersehen wird. Andere westliche Experten haben sich dem anderen
Extrem bei der Interpretation des Aufstiegs Gorbatschows und „Perestroika“ zugewandt. Sie halten
die Ereighnisse für eine spontane, positive Entwicklung - die das Sowjetregime in die Richtung des
Kapitalismus und einer Demokratie nach westlichem Vorbild drängt. Es ist typisch, daß sie
Gorbatschow für einen unabhängigen Erneuer halten, der sich gegen den Widerstand der
Parteibürokratie und des Militärs behaupten muß.
Ignorant gegenüber den leninistischen Wurzeln und dem Ursprung von „Perestroika,“
erkennen sie nicht, daß es sich um die logische Endphase der komunistischen Strategie handelt: Sie
begreifen die Essenz der Strategie nicht, ihre Ziel und ihre Gefahren als Teils eines Modells zur
Erringung des kommunistischen Weltsieges. Sie sind durch das „Perestroika“-Drama beeindruckt,
verstehen aber seine dialektische Logik und Dynamik oder das innewohnende revolutionäre Potenzial
nicht. Wegen ihrer völligen Fehleinschätzung der Lage, unterließen sie es, die politisch
Verantwortlichen, insbesondere Präsident Reagan und Premierministerin Thatcher über die sich aus
der Unterstüzung Gorbatschows und „Perestroika“ für den Westen ergebenden Gefahren zu warnen.
Gelegentliche Ansätze wurden schlicht überstimmt.

DIE MÄNGEL DER WESTLICHEN GEGENSPIONAGE

81
Die vorstehend erwähnten mangelhaften, veralteten Analysemethoden haben die Qualität der
westlichen Nachrichtendienste im Einsatz gegen den KGB erheblichen Schaden zugefügt. Da sie darin
versagt haben, die Sowjetstrategie und die Rolle des KGB innerhalb der Strategie zu verstehen, ist es
ihnen auch nicht gelungen, viele Einflußagenten in der UdSSR und anderen Ländern zu identifizieren.
Den amerikanischen und britischen Diensten gelang es nicht, Sacharow zu entdecken und als
sowjetischen Einflußagent zu entlarven. Sie verstanden seine strategische Rolle nicht, als er bereit
1967 die „Liberalisierung“ voraussagte und mit der Manipulation des Westens begann, um die
westlichen Länder entsprechend günstig einzustimmen. Ebenso wenig haben sie begriffen, daß seine
Exilierung durch Andropov im Jahre 1980 ein charakteristisches Mittel des KGB war, um Sacharows
Ansehen und Einfluß im Westen zu steigern.
Sie begriffen seine Rolle auch dann noch nicht, als Sacharow zum inoffiziellen Berater
Gorbatschows bestellt wurde und damit begann, „Perestroika“ im Westen zu fördern und US-
Präsident Reagan empfahl, seine Strategic Defense Initiative aufzugeben und auf das Recht des
Erstschlags beim Einsatz von Atomwaffen zu verzichten.
Folglich erging auch keine Warnung an die politisch Verantwortlichen, einschließlich
Präsident Reagan und Premierministerin Thatcher. Im Ergebnis konnte ein langjähriger sowjetischer
Einflußagent, im Westen als echter Demokrat und das „Gewissen der Welt“ empfunden,
entscheidenden politischen Einfluß im Sinne der Sowjetstategie von „Perestroika“ nehmen, und als
Berater westlicher Politiker auftreten, der ihnen Empfehlungen im Umgang mit „Perestroika“ gab.
Die Unfähigkeit zum Verständnis dieses neuen Siwjetoffensive und des KGB hat den Weg für
die Einschleusung neuer KGB-kontrollierter Quellen und KGB-kontrollierter „Überläufer“ in die
englischen und amerikanischen Dienste ermöglicht. Die westlichen Dienste sind nicht mehr fähig,
KGB-Spitzel von echten Quellen und echte Überläufer von falschen zu unterscheiden. Es könnte
durchaus sein, daß die unkritische Akzeptanz von Informationen von Nachrichtendiensten, die
Gorbatschow und „Perestroika“ wohlgesonnen sind, die Haltung der westlichen Führer maßgeblich
beeinflußt hat. Nachfolgend die Hauptirrtümer:

IRRTÜMER ÜBER GORBATSCHOW UND „PERESTROIKA“


Verwirrung und Euphorie über die Veränderungen in der Sowjetunion haben für eine Vielzahl von
Mißverständnissen und Irrtümern über Gorbatschow und „Perestroika“ geführt. Selbst, wenn man die
unbrauchbaren westlichen Analysemethoden nicht für alle Irrtümer verantwortlich halten kann, hat es
dennoch bisher keine ernsthaften Korrekturen dieser Methoden gegeben.

DER ERSTE IRRTUM: Der Ursprung von „Perestroika“


Liegt in dem Glauben, daß „Perestroika“ die Folge des von Präsident Reagan ausgeübten
militärischen Drucks auf die UdSSR und die Macht des amerikanischen Kapitalismus gewesen ist.
Jene, die an diesen Irrtum glauben, die darauf bestehen, "der Westen hätte den Kalten Krieg

82
gewonnen, vermuten nicht, daß "Perestroika" und der zeitliche Ablauf das Ergebnis einer
Langzeitstrategie, der Planung und der Vorbereitung ist. [Mit den Worten Sun Tzus: Sie sind arrogant
geworden].

DER ZWEITE IRRTUM: Der Inlandscharakter von "Perestroika"


Findet sich in dem Glauben, daß "Perestroika" lediglich der Versuch im eigenen Land sei, die
repressiven Praktiken zu korrigieren, die schwache Sowjetwirtschaft wiederzubeleben, und die
Sowjetunion an die Erfordernisse und Normen der modernen Welt anzupassen. Die Absicht der
Ausweitung von "Perestroika" über die Grenzen der kommunisitschen Welt hinaus zur letzendlichen
Erringung des kommunistischen "Weltsieges" durch "Umstrukturierung" wird übersehen.

DER DRITTE IRRTUM: WESTLICHE DEMOKRATIE IN DER SOWJETUNION


Wer daran glaubt, geht davon aus, Gorbatschow versuche, eine Demokratie nach westlichem
Vorbild einzuführen. Man ist sich der Tatsache nicht bewußt, daß er "Kommunistische Demokratie,"
auf den Westen ausdehen will – also eine neue, reifere Phase des Sozialismus, in der lediglich der
Anschein einer westlichen Demokratie erweckt wird.

DER VIERTE IRRTUM: DER NIEDERGANG DER IDEOLOGIE


Hier wird angenommen, die Ideologie liege im Sterben oder sei bereits tot, und daß
Gorbatschow den Klassenkampf aufgegeben hätte, um sich auf die "Straße des Kapitalismus" zu
begeben. Sie erkennen nicht, daß es sich bei "Perestroika" um den Ausdruck einer ideologischen
Strategie und das praktische Mittel zur Wiederbelegung der Ideologie handelt. Es ist keineswegs die
Einstellung des Klassenkampfes, sondern eine Finesse zur Sicherstellung der Niederlage der
kapitalistischen Demokratien durch den Einsatz kapitalistischer Waffen.
Der Klassenkampf wird noch blutige Feste feiern.
Die westliche Elite glaubt, sie fördere die Demokratie, obwohl sie in Wahrheit ihren eigenen
Niedergang finanziert, und sich ihre eigenen Gräber gräbt. Die Tragödie ist, daß sie es vermutlich erst
erkennen werden, wenn es zu spät ist.

DER FÜNFTE IRRTUM: DER IDEOLOGISCHE SIEG DES KAPITALISMUS


Die Irregeleiteten glauben, der Westen hätte den ideologischen Krieg gewonnen. Die Ironie
dabei ist, daß die Sowjets durch "Perestroika" die strategische und politische Initiative auf der
globalen Bühne ergriffen und damit begonnen haben, ihre lange gehegten Wünsche gegen den Westen
in einer Weise durchzusetzen, der die Existenz des Westens aufs höchste bedroht.

83
DER SECHSTE IRRTUM: DER KALTE KRIEG IST VORBEI
Es wird angenommen, die Sowjetunion sie nicht mehr gefährlich, weil der "Kalte Krieg"
beendet sei. (21) Sie halten den tödlichen Flirt für die romantische Hochzeit. Der Westen ist vom Ende
des "Kalten Krieges" überzeugt, und daß der Kommunismus tot sei. Aber von Seiten der Sowjets wird
sich der Kalte Krieg beschleunigen und noch tödlichere Formen annehmen, insbesondere
für die politische Rechte, die zur Hauptzielgruppe mit dem Zielt der totalen Auslöschung werden wird.

DER SIEBTE IRRTUM: "PERESTROIKA" - EIN SEGEN FÜR DEN WESTEN


Man glaubt, "Perestroika" diene den Interessen des Westens, und daß man Gorbatschow
helfen müsse. In den Vereinigten Staaten ist sogar ein kluger Mann, wie Jeremy J. Stone, Präsident
der "Federation of American Scientists" diesem Irrtum zum Opfer gefallen. In einem kürzlich
veröffentlichten Artikel in "The New York Times" mit dem Titel: "Wir müssen uns mit allen Kräften
für Gorbatschow einsetzen," rief er die Amerikaner dazu auf, den Sowjets zu helfen, "weil Mr.
Gorbatschow der beste Generalsekretär ist, den wir uns wünschen können."

(21) Anmerkung des Herausgebers: Sun Tzu, "The Art of War," 500 v. C.: Täusche Schwäche vor und ermutige
[deinen Feind] zur Arroganz." Diese Anweisung, ein Teil der alten chinesischen Tradition der bewußten
Täuschung, findet sich bei Sun Tzu unter dem Kapitel "Vorausgehende Kalkulationen" oder "Einschätzungen"
einer Lage, die sich mit der Lagebeurteilung vor einem Konflikt beschäftigt.

Die Irregeleiteten Westeuropas gehen sogar noch weiter. Sie befürworten einen neuen
"Marshall-Plan" zum Wiederaufbau der Wirtschaft in der Sowjetunion und Osteuropas. Es war eine
Sache, die durch den Krieg zerrüttete Wirtschaft von Westeuropa, Deutschland und Japan wieder
aufzubauen, um sie vor Stalins Armeen zu schützen und ihre demokratischen Systeme zu fördern.
Aber es ist eine völlig andere Angelegenheit, dem ideologischen Gegner und Totengräber der
westlichen Demokratien massive Wirtschaftshilfe zu einer Zeit zu gewähren, wo er er seine
strategische Politoffensive gegen den Westen konsolidiert.

DER ACHTE IRRTUM: ANGST VOR DEM VERSAGEN VON "PERESTROIKA"


UND DEM STURZ GORBATSCHOWS
Jene, die Gorbatschow über alles loben, lassen eine übertriebene Besorgnis über dessen
"Überleben" oder über den Erfolg von "Perestroika" erkennen, die sie für die größte Hoffnung für den
Westen halten. Sie befürchten, daß Gorbatschows Abgang zu einem Angriff auf die "Reofrmer,"
Aufruhr und möglicher Anarchie in der Sowjetunion führen würde. Sie wären besser beraten, ihr
Augenmerk auf ihre eigenen Probleme zu richten und ihre Gesellschaft vor Gorbatschows
"Umstrukturierung" zu schützen…

84
DER NEUNTE IRRTUM: KEIN BEDARF MEHR FÜR AMERIKANISCHE
MILITÄRPOLITISCHE BÜNDNISSE
Viele meinen, die Sowjetunion werde sich jetzt friedfertiger verhalten, und daß man
Gorbatschow vertrauen könnte mit der Folge, daß Amerikas politische und militärische Bündnisse
fortan überflüssig seien. Sie müssen aufwachen und die Gefahren der sowjetischen "Perestroika"-
Strrategie erkennen, die wie nie zuvor die Aufrechterhaltung und Stärkung dieser Bündnisse verlangt.

DAS ERFORDERNIS EINER AMERIKANISCHEN GEGENSTRATEGIE


Die westliche Reaktion auf "Perestroika" war nicht weniger fehlerhaft, wie die westliche Analyse
dieser Strategie. Die übereilte Akzeptanz und Unterstüzung für "Perestroika", wobei das aggressive
antiwestliche Muster schlicht übersehen wurde, haben den Westen in eine Krise geführt.
Die politisch Verantwortlichen im Westen haben nicht begriffen, daß der reformierte
sowjetische "Sozialismus mit menschlichem Antlitz" eine viel größere Gefahr darstellt, als die groteske
stalinistische Brutalität. Sie erkennen nicht, daß es sich um einen Teil des Strebens nach dem
kommunistischen Weltsieg handelt, und daß diese Strategie zur Erringung des Sieges en tscheidend
beiträgt. Westliche Politiker streben unbedeutende, kurzlebige Erfolge an, während Gorbatschow die
politische Offensive an sich gerissen hat, um die Grundlage für den kommunistichen Weltsieg im
weiteren Verlauf zu sichern. Westliche Unterstützung für "Perestroika" schafft keine stabile Grundlage
für eine dauerhafter Beziehung mit der Sowjetunion: Sie bietet den Sowjets nur mehr Möglichkeiten
zur Durchführung ihrer Strategie. Hier findet sich das Motiv für ihre Bereitschaft zur Verhandlung
über neue Abkommen zur Begrenzung nuklearer, konventioneller und chemischer Waffen.
Kurz gesagt, die amerikanische Umarmung von Gorbatschow und "Perestroika," die von
Präsident Reagan und Premierministerin Thatcher eingeleitet wurden, sind ein ebenso
schwerwiegender Fehler, wie Präsident Nixons Umarmung des kommunistischen China. Der
Hauptunterschied zwischen diesen beiden Fehlern liegt in der Tatsache begründet, daß die Zeit jetzt
ausläuft. In seinen Prognosen von 1967 sagte Sacharow, "Umstrukturierung," Abrüstung,
sozialistische Annäherung und die Schaffung einer Weltregierung könnten bis zum Jahre 2000
erfolgreich abgeschlossen sein. Sein Fahrplan hat sich ein wenig verschoben, aber angesichts der
westlichen Ignoranz gegenüber der Sowjetstrategie und derfehlerhaften Reaktion des Westens auf
Gorbatschow, ist mit dem Schlimmsten zu rechnen.
Um sicherzustellen, daß dieser schlimmste Fall nicht eintritt, muß der Westen eine neue
Politik entwickeln, von der as aggressive und revolutionäre Muster der Sowjetstrategie nicht
unterstützt, sondern bekämpft wird. Der Westen hatte den Umgang mit dem repressiven, aber
politisch passiven Totalitarismus von Stalin gelernt und entsprechend darauf reagiert. Jetzt muß er
lernen, wie mit dem reformierten, aber politisch aktiven Totalitarismus Gorbatschows umgegangen
werden muß. Es ist eine Herausforderung, eine neue Form des unerklärten Kalten Krieges,
dem sich der Westen stellen muß. Präsident Reagans Politik des "Vertrauen ist gut, aber

85
Kontrolle ist besser," genügt nicht – weil dieser Politik jedes Verständnis von der Essenz, den Zielen,
der Täuschung, der Gefahren, den Stärken und Schwächen der Sowjetstrategie fehlt. Für die Vereinigten
Staaten von Amerika ist es von allerhöchster Bedeutung, daß sie stark bleiben. Nicht nur militärisch, sondern
auch wirtschaftlich und politisch. Die militärische, wirtschaftliche und politische Zusammenarbeit
Amerikas mit seinen Verbündeten muß verstärkt werden, um der neuen Form der sowjetischen
Bedrohung angemessen begegnen zu können.
Zwei Formen der Reaktion auf die aggressive kommunistische Strategie sind möglich.
Entweder das Verhalten von Alexander Kerensky und Vizepräsident Wallace, die Gefahr zu ignorieren
und die Katastrophe heraufzubeschwören: Oder die Entscheidung Churchills und Trumans, nämlich
sich der Gefahr zu stellen und sie zu bekämpfen. Reagan und Thatcher haben sich für die naive
Haltung Wallace und Kerensky entschieden. Es ist lebenswichtig, daß ihr strategischer Fehler
berichtigt wird. Der neue amerikanische Präsident, der einen Kurswechsel zur Korrigerung dieses
Fehlers unterläßt, wird sich vor der Geschichte für den Verlsut Westeuropas an die Kommunisten, und
schließlich auch für das Ende des großen amerikanischen Experiments mit der Demokratie
rechtfertigen müssen.
Die moralischen Gründe für die zwingend erforderliche Umkehrung des amerikanischen
Verhaltens und die Ablehnung der Sowjetstrategie und von "Peresttoika," sind sehr einfach. Ein
System, das zwanzig Millionen seiner eigenen Landsleute ermordet hat (50 Millionen, wenn man die
im kommunistischen China Ermordeten berücksichtigt), seine Intellektuellen vergewaltigt und Leid
und Elend über die Bevölkkerung des zaristischen Reiches gebracht hat, verdient es nicht, erneuert zu
werden. Für das amerikanische Volk besteht keinerlei moralische Verpflichtung zur Unterstützung
eines solchen Systems.
Die pragmatischen Gründe für eine revidierte Reaktion Amerikas gegenüber "Perestroika," ist
das Erfordernis zum Schutz und zur Bewahrung des amerikanischen Systems vor der
"Umstrukturierung" und Annäherung an das Sowjetsystem, und dem amerikanischen Volk die
Blutbäder und Umerziehungslager zu ersparen, die eine solche Annäherung letztendlich mit sich
bringen werden.

DIE KRISE DER ANALYSE UND MASSNAHMEN ZUR VERBESSERUNG


Die fortgesetzte Anwendung überholter Analysemethoden fürhrt zu Irrtümern und Verwirrung über
"Perestroika." Der Hauptgrund für die gegenwärtige Krise findet sich in der Unfähgikeit des Westens
zur Entdeckung der aggressiven, antiwestlichen strategischen Absichten, die sich hinter "Perestroika"
verbergen. Ferner in der Unterschätzung der Fähigkeiten des gesamten sowjetischen politischen
Apparates, einschließlich des KGB, diese Strategie in die Praxis umzusetzen. Das Versagen des
Westens bei der nachrichtendienstlichen Tätigkeit, das heißt der Sammlung von Daten und
Informationen, und Analyse dieser Daten, sind keineswegs ungewöhnlich, wie die Vergangenheit
bewiesen hat. Es ist an der Zeit, daß der Westen sich bewußt wird, daß er sich heute in derselben
Situation befindet. Es ist höchste Zeit, den bösartigen Kreislauf bürokratisch motivierter Interessen im
Bereich der Meinungsbildung, basierend auf konventionellen Methoden, zu unterbrechen, und die

86
falschen Schlußfolgerungen und Sichtweisen, die sich bei den westlichen Nachrichtendiensten,
Außenministerien und "Denkfabriken" akkumuliert haben, aufzugeben.
Es ist an der Zeit, die strategische Denkweise der Sowjets zu analysieren, nicht mach
westlicher oder stalinistischer Terminologie, sondern nach der Terminologie des kreativen
Leninismus und der neuentwickelten sowjetischen Konzepte, um "Perestroika durch die Brille der
relevanten leninistischen strategischen Kriterien zu betrachten und zu erkennen, daß das
Sowjetsystem nicht als eine passive, sondern eine politisch aktive Form des Totalitarismus sehen zu
können.
Eine Neubewertung der Kapazität des sowjetischen politischen Systems und des KGB ist unter
der Vorgabe dringend erforderlich, sie nicht als repressive Kräfte in der UdSSR, sondern als
durchführende Organe der antiwestlichen Strategie zu sehen. Es ist an der Zeit, in die dialektische
Logik der Stratzegie einzudringen, um kommende sowjetische Initiativen und Provokationen
rechtzeitig erkennen zu können.

DR. BRZEZINSKIS STRATEGIE FÜR DEN WESTEN IN OSTEUROPA


Dr. Zbiegnew Brzezinski entwickelte seine Vorstellungen über die Behandlung Osteuropas und seine
Vorschläge für eine dortige westliche Strategie im Januar 1988 in London anläßlich einer Vorlesung.
Der Autor hält es für erforderlich, den Inhalt dieser Vorlesung zu kommentieren, weil sie für die
amerikanische Reaktion auf die sowjetische "Perestroika" relevant ist, und Auswirkungen auf die
amerikanischen Politiker haben könnten. (22)Dr. Brzezinskis Einschätzung lief darauf hinaus, daß die
Lage in Osteuropa potenziell revolutionär sei. Er ging von der Existenz einer echten politischen
Opposition in der Region aus, und daß die kommunistische Elite dort nationalistische Werte
angenommen hätte. Er sagte die mögliche Umwandlung der osteuropäischen Regime in pluralistische
Systeme voraus. Seine Überzeugung war das Vorhandensein eines beständig wachsenden Verlangens
der Osteuropäer, ein Teil der gesamteuropäischen Gemeinschaft zu werden. Nach seiner Überzeugung
hatten die Sowjetunion und die kommunistischen Parteien in Westeuropa aufgehört, eine starke Kraft
zu sein und damit ihre öffentliche Anziehungskraft verloren.
Dr. Brzezinski war hinsichtlich des Erfolgs von "Perestrtoika" pessimistisch. Er vertrat die
Ansicht, die Sowjetunion befände sich in der Defensive, und sei – nach militärischer Terminologie –
ein "eindimensionalerRivale." Er vermutete, der Einsatz der "deutschen Karte" durch die Sowjets, um
die Neutralisierung Deutschlands zu erreichen, könnte zum Zusammenbruch des Sowjetimperiums
und der Neutralisierung der Länder Osteuropas führen. Nach der Auffassung Dr. Brzezinskis, würde
diese Situation die Weichen für für eine "aufgeklärte Politik" stellen. Er glaubte nicht, daß der
Ausbruch von Unruhen in Osteuropa im westlichen Interesse sein könnte. Er forderte nachdrücklich,
daß der Westen den Ausbruch solcher Revolutionen weder schüren, erwarten oder willkommen
heißen sollte. Nach seiner Überheugng seien lediglich graduelle Veränderungen in Osteuropa
wünschenswert. Er forderte dazu auf, zu solchen graduellen Veränderungen zu ermutigen.
Das westliche Ziel sollte die Umwandlung Osteuropas zu einem neutralen Zentraleuropa sein,
neutral in der Substanz, aber nicht dem Wesen nach. Er sah den Aufstieg eines solchen Zentraleuropas

87
Im Kontext des fortdauernden Bündnissystems und der Förderung eines weiteren politischen Dialogs
mit dem Osten. Zur Förderung dieser graduellen Veränderungen, schlug Dr. Brzezinski den Einsatz
für die Menschenrechte, und Verhandlungen über extensive ost-westliche Wirtschaftsbeziehungen
vor. Er erwartete, daß es den Sowjets im auf dem Verhandlungswege gelingen würde, ihr Ziel der
nuklearen Abrüstung durch Verhandlungen über eine atomwaffenfreie Zone in Europa zu erreichen.
"Warum sollten wir diese Entwicklung nicht begrüßen," fragte Dr. Brzezinski, "und diese Gelegenheit
auch gleichzeitig für die Ausweitung der Verhandlungen auf konventionelle Waffensysteme ins Auge
fassen.? Wir sollten auf den eventuellen Abzug der schweren Panzereinheiten aus Zentraleuropa
hinarbeiten."

(22) Anmerkung des Herausgebers: Zbiegnew Brzezinski war Mitglied des "Kommitees zur Förderung der
Demokratie in Georgien," das von E. Shewardnazes "International Foreign Policy Association" unterstützt wurde,
das von Dr. Jim Gerrison, parallel zur Gorbatschow-Stiftung/USA, geleitet wird. Die International Foreign Policy
Association, wie auch die Gorbatschow-Stiftung, ist ein Instrument zur Mobilisierung der arglosen amerikanischen
liberalen und politischen Elite, um sie in die täuschende Langzeitstrategie der "Annäherung" zwischen Ost und
West nach kommunistischen Vorgaben einzubinden [siehe auch Anmerkung Nr. 70].

Nach seiner Einschätzung würde die Schaffung von atomwaffenfreien Zonen und der Abzug aller
Panzereinheiten zu einer Dreiteilung Europas führen – Westeuropa, Zentraleuropa und Osteuropa.
Dr. Brzezinskis Szenario ist mit Mängeln behaftet, weil er "Perestroika" nicht als eine in der
Durchführungsphase befindliche Sowjetstrategie ansieht, und das sowjetische strategische Muster für
Europa nicht erkennt. Er zieht in keiner Weise in betracht, daß die Sowjets mit ihrer politischen
Offensive bereits begonnen haben, und daß ihr strategisches Ziel nicht nur ein reformiertes
kommunistisches System in Osteuropa ist, sondern auch die Einführung eines neuen
"umstrukturierten" Systems in Westeuropa, wobei die Europäische Gemeinschaft als
Plattform dient.
Dr. Brzezinski unterschätzt das politische Potenzial der sowjetischen Macht in Westeuropa,
und insbesondere glaubt er nicht an die Absichten der Sowjets, "Perestroika" zur Wiederbelebung des
politischen Einflusses und der Vitalität der Euro-Kommunistischen Parteien einzusetzen. Dr.
Brzezinski übersieht die Auswirkungen von "Perestroika" auf die Sozialdemokraten in Westeuropa,
die den Interessen der Sowjetstrategie dienlich sein werden.
Die "Perestroika"-Offensive dient in der Tat eher zur Schaffung günstiger Bedingungen, um
Westeuropa zu einem sowjetischen Verbündeten umzufunktionieren und es letztendlich unter
sowjetische Hegemonie zu stellen. Dr. Brzezinskis Szenario unterschätzt außerdem den Einsatz der
"Deutschlandkarte" im Rahmen der Sowjetstrategie. Er geht vom möglichen Zusammenbruch des
Sowjetimperiums aus. Stattdessen muß das Szenario als als Teil der sowjetischen politischen Offensive
gesehen werden, die darauf abzielt, den Einfluß Moskaus in Westeuropa zu vergrößern. In gewissem
Sinne ist die von Dr. Brzezinski entwickelte Perspektive eine erweiterte Version der Absichten der
polnischen Regierung zur Einführung "nichtgegensätzlicher Wahlen" in Polen. Für die Russen wäre
dieses Modell zur Verhinderung von Volksaufständen in Osteuropa geeignet: Es würde es den
kommunistischen Regimen die Beschaffung westlicher Kredite erleichtern, und gü+nstige

88
Voraussetzungen dafür schaffen, Deutschland in ein zweites Österreich umzuwandeln. Dieses Modell
würde die Sowjets dabei unterstützen, West- und Osteuropa "umzustrukturieren."
Sollten die Vereinigten Staaten von Amerika dieses Szenario üvbernehmen, würde es den
Sowjets erheblich erleichtert, ihr Hauptziel, die Schaffung einer "gemeinsamen europopäischen
Heimat vom Atlantik bis zum Ural," zu erleichtern – selbstverständlich ohne jegliche US-Präsenz. Die
Perspektive Brzezinskis kommt vom Ansatz her, der Empfehlung eines "Marshall-Plans" für
Westeuropa sehr nahe. Indem er das sowjetische Politpotenzial und die Stärke der militärisch-
politischen Organisationen Osteuropas unterschätzt, beging Dr. Brzezinski denselben Fehler, den er
bei der Unterschätzung der Fähigkeiten der nicaraguanischen Sandinisten begangen hat – mit
katastrophalen Folgen für das nicaraguanische Volk und für die Vereinigten Staaten von Amerika. Der
Unterschied besteht nur darin, daß seine jetzige Fehleinschätzung sich noch entschieden dramatischer
auswirken wird.
Aus allen genannten Gründen sollte Brzezinskis Perspektive als mangelhaft und gefährlich
abgelehnt werden. Es trifft zu, daß Osteuropa die Achillesferse des Sowjetimperiums ist. Es sollte den
Völkern Osteuropas überlassen bleiben, ob sie sich für eine Revolution entscheiden. Der Autor ist fest
davon überzeugt, daß den amerikanischen Interessen und den Interessen der Völker, die unter
kommunistischer Herrschaft leben, mit Revolutionen in Osteuropa und dem Versagen "Perestroikas"
in der UdSSR besser gedient wäre. Sollte sich in Osteuropa eine revolutionäre Stimmung entwickeln,
sollte der Westen zum Umsturz ermutigen, und sich nicht für graduelle Veränderungen durch
politischen Dialog, sondern für einen radikalen Umsturz in Osteuropa einsetzen, falls sich die
osteuropäischen Völker dazu entschließen sollten.
Man sollte schließlich auch beachten, daß bei einer revolutionären Situation in Westeuropa
oder den Vereinigten Staaten von Amerika, die Sowjets nicht zögern würden, dazu zu ermutigen und
ihren Beitrag leisten würden. Warum sollte der Westen so zurückhaltend sein? Politische Unruhen in
Osteuropa bieten wahrscheinlich die einzige Möglichkeit, der Strategie der "Umstrukturierung"
Einhalt zu gebieten und sich der sowjetischen Vorherrschaft in der Region ein für allemal zu
entledigen.

DAS ERFORDERNIS ZUR VERBESSERUNG DER


WESTLICHEN NACHRICHTENDIENSTE
Die amerikanischen Nachrichtendienste, und hier insbesondere die Experten für die UdSSR und
China, sollten sich eines langfristigen Ansatzes im Umgang mit der sowjetischen und chinesischen
Herausforderung an die Vereinigten Staaten von Amerika bedienen. Die Beobachtung und
Entwicklung von Gegenmaßnahmen gegen diese feindselige Sowjetstrategie müssen für die
amerikanischen Nachrichten- und Gegenspionagedienste absoluten Vorrang haben. Beobachtung und
Gegenmaßnahmen müssen zwar weltweit durchgeführt werden, aber mit Schwerpunkt in den USA
und Westeuropa.
Die Fähigkeit zu effektiver Tätigkeit der amerikanischen Nachrichten- und
Gegenspionagediensten muß wieder hergestellt werden, um der neuen Herausforderung und

89
Bedrohung wirksam begegnen zu können. Die Zusammenarbeit der amerikanischen Diensten mit
denen ihrer Verbündeten muß im großen Stil ausgeweitet werden.
Insbesondere müssen die westlichen Gegenspionagedienste das klare Muster studieren, mit
dem die Einflußagenten für "Perestroika" werben, und zwar in Westeuropa und den kommunistischen
Ländern. Wegen Sacharows aktiver Rolle bei der Werbung für "Perestroika" und seinem übermäßigen
Einfluß in den USA, müssen die politisch Verantwortlichen davor gewarnt werden, daß der Kaiser von
"Perestroika" keine Kleider hat. Die wichtigsten westlichen Quellen innerhalb des Sowjet-
Establishments, wie TOPHAT des FBI im Bereich der militärischen Nachrichtendienste, oder
FEDORA des FBI und FAREWELL des französischen DST im Bereich der technischen
Nachrichtendienste, sollten im Lichte der von ihnen gelieferten Informationen über
Sowjetstrategie neu bewertet werden. Quellen, die nicht über bezeichnende Aspekte
der sowjetischen Strategie berichtet haben, müssen als unter der Kontrolle des KGB
stehend betrachtet werden. Die Anwendung dieser neuen Gegenspionagekriterien würde neue
Möglichkeiten zur Enttarnung der früheren und gegenwärtigen KGB-Infiltration der westlichen
Sonderdienste.

DAS ZWINGENDE ERFORDERNIS


ZUR ENTTARNUNG DER "PERESTROIKA"-STRATEGIE
Die sowjetische "Perestroika"-Strategie muß enttarnt werden, weil sie täuschend, aggressiv und
gefährlich ist. Gorbatschow und "Glasnost" haben es unterlassen, darauf hinzuweisen, daß
"Perestroika" ein weltweiter politischer Angriff gegen die westlichen Demokratien ist. Die Strategie
wurde als rein interne, spontane Improvisation Gorbatschows vorgestellt. Diese vorsätzliche
Täuschung muß öffentlich bloßgestellt werden.
Es muß bekannt werden, daß "Perestroika" das Ergebnis einer dreißigjährigen Vorbereitung
durch die Kommunistische Partei, die Sowjetregierung und des KGB unter der Leitung des
Parteiapparates ist, und daß es sich keineswegs nur um eine interne Erneuerung, sondern um eine
Strategie zur Umstrukturierung der ganzen Welt handelt. (23) Die finstere Rolle des KGB als
Plattform zur Durchführung zur praktischen Durchführung der Strategie muß erklärt werden.
Gorbatschow Zurückweisung ideologischer Orthodoxie ist weder ernst gemeint, noch
dauerhaft, sondern ein taktisches Manöver im Sinne der Strategie. Die Sowjets trachten nicht
nach echter, dauerhafter Zusammenarbeit mit den westlichen Demokratien, sondern nach
dem Weltsieg des Kommunismus: Sie führen weder einen echten Kapitalismus, noch eine
reale Demokratie nach westlichem Vorbild ein, sondern schaffen eine Illusion, um die
Sozialdemokraten Westeuropas zu neuen Formen von Volksfronten und Bündnissen mit der
Sowjetunion zu verleiten. Sie beabsichtigen, diese Illusion dafür zu nutzen, um die
Amerikaner zur Akzeptanz der "Umstrukturierung" und Annäherung des sowjetischen und
amerikanischen Systems zu verleiten. Um ihre Bemühungen zu unterstreichen, bedienen sie
sich des Druckmittels der Angst vor einem Nuklearkrieg.

90
Arbatov log, als er behauptete, die UdSSR haben aufgehört, ein Feind der Vereinigten
Staaten von Amerika zu sein: Die UdSSR ist gefährlicher als jemals zuvor, weil die neue Form
zur Erringung des kommunistischen Weltsiegs erheblich realisitischer ist, als die alte. Die
neue Form kann am zutreffendsten mit "Zusammenarbeit durch Erpressung" bezeichnet
werden.(24)
Die Annäherung nach sowjetischen Vorstellungen wird von Blutbädern und
politischen Umerziehungslagern in Westeuropa und den Vereinigten Staaten von Amerika
begleitet sein. Die Sowjetstrategen zählen auf die Wirtschaftskrise in den USA und
beabsichtigen im Verlauf derWirtschaftskrise die Einführung des refomierten Modells des
"Sozialismus mit menschlichem Antlitz" als Alternative zum amerikanischen System. Alle
diese Punkte müssen öffentlich bekannt gemacht werden.
Die zwingende Notwendigkeit zur öffentlichen Enttarnung der "Perestroika"-Strategie
wird inter alia von folgenden Faktoren diktiert:

10. Der anti-westliche Charakter von "Perestroika" wird von den westlichen Politikern, den Eliten
und der allgemeinen Öffentlichkeit nicht verstanden.
11. Die Amerikaner, und in noch größerem Ausmaß die Europäer, sind über Gorbatschow und der
sawjetischen "Perestroika" als Ergebnis der dramatischen Veränderungen in der UdSSR und der
Unterschützung Gorbatschows durch westliche Politiker, in eine Euphorie geraten.
12. Gorbatschow hat die politische Initiative an sich gezogen und verfolgt die Offensive mit
Nachdruck, um die Strategie in Ost- und Westeuropa, sowie in den USA durchzusetzen.
13. Die sowjetischen Nachrichten- und Sicherheitsdienste sowie ihre Einflußagenten in der UdSSR
und im Westen, nutzen die westliche Euphorie, um die Politik und öffentliche Meinung des
Westens im Interesse ihrer Strategie zu formen und zu manipulieren

DIE VORTEILE DER ENTTARNUNG


Die Enttarnung würde den Heiligenschein von Gorbatschow und "Perestroika" nehmen und ihre
wahren Farben erkennen lassen. Die sowjetische Politoffensive könnte zum Stillstand gebracht, und
die Euphorie des Westens gedämpft werden. Gorbatschow wäre daran gehindert, sein wichtiges
strategisches Ziel zu erreichen, die Volksmassen von den westlichen Führern auf seine Seite zu
bringen. Gorbatschow und seine Strategen wären in die Defensive gedrängt, und die Falschheit und
Schwäche der Sowjets würde offenkundig werden. Gorbatschow und Shewardnaze wären gezwungen,
zuzugeben, daß sie eine globale Strategie entwickelt haben, mit der sie die Vereinigten Staaten von
Amerika und den Rest der Welt in die Falle der Annäherung und einer Weltregierung locken wollen.
Es wäre ein Test für "Glasnost," und es würde sich zeigen, ob die Beendigung der Störung der
amerikanischen Rundfunksendungen dauerhaft oder lediglich ein zeitliches Mittel zum Zweck, und

91
die Folge des Verzichts auf antikommunistische Kommentare und den Lobpreis auf Gorbatschow und
"Perestroika" ist.
Diese Maßnahme wäre auch hilfreich, die Kontrolle der Partei über den Informationsfluß zu
unterbrechen, der durch "Glasnost" nicht beseitigt werden sollte und auch nicht beseitigt worden ist.
Es wäre eine Hilfe für den Westen bei der Beseitigung der vom Westen begangenen Irrtümer,
Fehlinterpretationen und der in "Perestroika" gesetzten übertriebenen Hoffnungen. Die
Unbestechlichkeit des Wahlverfahrens könnte gesichert, und der sowjetische Einfluß auf die
kommenden Präsidentschafts- und Regionalwahlen in Amerika und Westeuropa vermindert werden.
Schließlich könnte auch der Aderlaß westlicher und japanischer Technologie und Kredite in die
UdSSR und Osteuropa unterbunden werden. Die Enttarnung würde es der neuen US-Adminstration
ermöglichen, die Fehler zweier ehemaliger Präsidenten zu korrigieren und ihre politischen Kräfte und
Fähigkeiten neu zu sammeln, um eine fndierte Gegenstrategie zu entwickeln und die politische
Initiative wieder an sich zu ziehen.
Es sollte über die Möglichkeit der Enttarnung von "Perestroika" mit folgenden Maßnahmen in
Erwägung gezogen werden:

10. Durch die Veröffentlichung der Essenz der Memoranden des Autors in "Foreign Affairs"
unter der Verantwortung von "X" – einem KGB-Überläufer.
11. Durch die Veröffentlichung der Essenz der Memoranden in allen westeuropäischen
Ländern und Japan, und:
12. Durch Berichterstattung über die Essenz der Memoranden in amerikanischen
Auslandssendungen für die UdSSR und Osteuropa.

Es wäre angemessen, darauf hinzuweisen, daß der Autor bereits seit 1962 alles in seiner Macht getan
hat, um die Sowjetstrategie als Nachfolgestrategie der Neuen Wirtschaftspolitik und die neue
politische Rolle des KGB zu enttarnen. Anläßlich einer Zusammenkunft mit dem verstoirbenen
Generalbundesanwalt Robert Kennedy, hat der Autor entsprechende allgemeine Vorschläge
unterbreitet. Kennedy vereinbarte ein Treffen mit dem verstorbenen Edward Murrow, damals Leiter
der United States Information Agency [USIA]. Vermutlich erschien dem großen amrikanischen
Rundfunkjournalisten die Vorstellung von einer KGB-kontrollierten "Liberalisierung" zu unrealistisch,
zu unwahrscheinlich und unvorstellbar, weil die Zusammenkunft ergebnislos blieb

Heute ist das neue sowjetische Muster eindeutig erkennbar. Es ist ein realistsches Muster. Die Lage ist
kritisch. Es gibt keine andere Möglichkeit als die Enttarnung und Veröffentlichung der Sowjetstrategie
und ihrer Gefahren für die Vereinibten Staaten von Amerika und seiner Verbündeten. Die
Entwicklung ist bereits so weit fortgeschritten, daß es bei dem gegenwärtigen Chaos und der
Verwirrung nicht mehr viel zu verlieren gibt – aber es ist ganz sicher noch immer möglich, den Westen
von den Gefahren zu überzeugen, denen er sich angesichts dieser beispiellosen historischen globalen
strategischen Offensive der "Zusammenarbeit durch Erpressung" stellen muß.

92
(23) Anmerkung des Herausgebers: Die Genauigkeit der Prognose ist inter alia durch den hyperaktiven Fahrplan der
Gorbatschow-Stiftung/USA bestätigt, der Projekte unterstützt, die auf transnationale Angelegenheiten ausgerichtet sind und der
supranationalen Zusmmenarbeit bedürfen, einschließlich eines sogenannten "Projekts der globalen Sicherheit." Koordiniert von
Moskau durch Gorbatschows engen Verbündeten Georgiy Shaknazarov, Direkter des "Zentrums für Globale Programme" der
Gorbatschow-Stiftung/Moskau, beschäftigt sich das Projekt mit Angelegenheiten der "Globalen Kontrolle," "Kooperative
Sicherheitsabkommen," "Globale Kontrolle konventioneller Waffen," und die "Verbesserung der Macht internationaler
Strukturen." Diuese Bestreebungen haben zum Zusammenschluß vieler Angehöriger der russischen und amerikanischen Elite
geführt. Nach einer Veröffentlichung in "Argumenty i Fakt" [Moskau, Nummer 33, August 1991] äußerte sich Shaknazarov zu
Jelzins Verhalten anläßlich des August-Coups: "Er war großartig. Er hat alles getan, was man von ihm erwartet hat." Der
Autor schreibt: Vor der Einführung von "Perestroika" veröffentlichte Shaknazarov in sowjetischen Journalen Berichte über die
Zukunft der Sowjetgeselschaft. Siehe auch Anmerkung 97.
(24) Anmerkung des Autors: D. h. "arbeite mit uns zusammen, oder dir droht ein nukleares Chaos und Konflikt." Die sich im
Zusammenhang mit Nordkorea entwickelnde Lage sollte unter diesem Gesichtspunkt aufmerksam beobachtet werden. Der
verstorbene Kim Il Sung war ein sowjetischer Koreaner. Die Nordkoreaner hätten nicht provokativ gehandelt, ohne sich der
verdeckten Unterstüzung der Russen und ihrer chinesischen Waffenbrüder aus den 1950er Jahren versichert zu haben.
In einem anderen Kontext kann von den Russen die Provokation eines Zwischenfalls erwartet werden, dessen
Urheberschaft nicht auf sie zurückgeführt werden kann. Zu diesem Szeanario gehört auch die Detonation eines
atomaren Sprengkörpers irgendwo im Westen, wobei die USA nicht ausgeschlossen bleiben. Zweck dieses
Zwischenfalls wäre es, an dieNotwnefigkeit einer engen russisch-amerikanischen Partnerschaft mit Nachdruck zu
erinnern, und den Druck hin zur Errichtung einer Weltregierung zu erhöhen.
Die US-Politik im Umgang mit der nordkoreanischen Krise ist unangemessen, denn sie betrachtet Nordkorea als
einen isolierten Schurkenstaat, wobei zur Lösung des Problems naiv auf die Hilfe von Seiten der Russen und Chinesen gehofft
wird. Die Lage in Nordkorea und jeder zukünftigte Nuklearzwischenfall muß vor dem Hintergrund der chinesisch-sowjetischen
"Annäherung"-Strategie gesehen werden. Der Interaktion von russischer und chinesischer Politik, und jeder ihrer Schritte, sich
strategische Vorteile zu verschaffen, sollte kristisch untersucht werden.

93
ZWEITER TEIL

KOMMUNISTISCHE
HAUPTSTRATEGIEN

UND WESTLICHE
ILLUSIONEN

94
MEMORANDUM AN DIE CIA: 4. JANUAR 1988

KOMMUNISTISCHE HAUPTSTRATEGIEN UND WESTLICHE ILLUSIONEN

EINE EINSCHÄTZUNG DES BESUCHS GORBATSCHOWS IN DEN VEREINIGTEN


STAATEN IM LICHT DER SOWJETISCHEN HAUPTSTRATEGIE DER TÄUSCHUNG

Der Hauptzweck des USA-Besuchs Gorbatschows im Dezember 1987 war nicht die Vorbereitung eines
Gipfeltreffens oder Verhandlungen über Fragen der nuklearen Abrüstung, sondern die amerikanische
Elite in die Durchführung der Sowjetstrategie zu integrieren, und sie für ihre Unterstützung der
Strategie günstig einzustimmen.
Da diese Strategie eine Bedrohung für das langfristige Überleben der Vereinigten Staaten von
Amerika darstellt, besteht das dringende Bedürfnis für eine neue amerikanische Gegenstrategie und
für ein neues Konzept der Gegenspionagedienste.
Die nachfolgenden konventionellen Argumente wurden alle gegen eine neue Entspannung mit
der UdSSR und gegen neue Verträge auf dem Sektor der Beschränkung konventioneller Waffen bereits
vorgetragen:

10. Die Gefahr, daß die Sowjets neue Abkommen verletzen und die Entspannung wie
bisher dazu nutzen werden, das militärische Gleichgewicht zu ihren Gunsten zu
verändern.
11. Die Gefahr, daß es den Sowjets gelingen wird, die atomare US-Abschreckung zu
unterminieren, die über vier Jahrzehnte einen Krieg zwischen den USA und der
Sowjetunion verhindert hat, und als Mittel der Stabilität Amerikas und Westeuropas
gewesen ist.
12. Die Gefahr, daß es den Sowjets gelingen wird, die NATO zu destabilisieren, und neue
Möglichkeiten für sowjetische Abenteuer bietet.
13. Die Gefahr, daß es den Sowjetstrategen gelingen wird, die US-Strategische
Verteidigungsinitiative [SDI] zu stoppen.

95
14. Die Gefahr, daß die sowjetische Überlegenheit auf dem Gebiet der konventionellen Waffen
und Truppenstärke das Risiko eines Krieges erhöht.

Alle diese Argumente sind schlüssig und dürfen nicht vergessen werden. Aber sie
berücksichtigen weder die früheren sowjetischen politischen Muster gegen den Westen, noch die
gegenwärtige politische Sowjetstrategie.
Die gegenwärtige Euphorie über Gipfeltreffen macht die werstlichen Politiker blind gegenüber
Gorbatschows wirklichen strategischen Mustern gegen den Westen und bereitet den Weg für weitere
zukünftige Fehlkalkulationen und für die erfolgreiche Durchführung der Sowjetstrategie.
Das Versagen der amerikanischen und anderer westlichen politischen Führer darin, die
strategischen Absichten der Sowjets, und die damit für den Westen verbundenen Gefahren von
"Perestroika" und "Glasnost" zu erkennen oder zu verstehen, wird zu einer ernsten Krise führen.
Die Situation verlangt es, daß wir über die oben angeführten konventionellen Argumente
hinausblicken, und die historischen Erfahrungen der Sowjets bei der Entwicklung ihrer
Langzeitstrategie berücksichjtigen, wie auch der Beiträge, die der Westen bewußt oder unbewußt zur
erfolgreichen Druchführung der Strategie geleistet hat.

DIE DREI GROSSEN STRATEGIEN


Die Sowjets betrachten Strategie als ein großes, allumfassendes Gesamtschema, das häufig als
General-Linie bezeichnet wird, die den Kurs der Partei über Zeiträume von zwanzig bis dreißig Jahren
bei der Verfolgung ihrer unveränderten kommunistischen Ziele bestimmt.
Wie auch bei der Miltärstrategie, so ist auch die sowjetische politische Strategie flexibel,
enthält Alternativen bezüglich des zeitlichen Ablaufs, eine Vielfalt von Optionen und berücksichtigt
alle eventuellen Risiken und möglichen Verluste. Das Ziel einer Strategie, im Unterschied zur Politik,
besteht darin, daß sie in sich selbst ein verdecktes oder täuschendes Manöver enthält, um den Gegner
durch Überraschung zu überwinden und so den Sieg der Strategie zu gewährleisten.
Seit der Jahrhundertwende haben die russischen Kommunisten drei große Strategien entwickelt. Die
gemeinsame Essenz dieser Strategien war die messianische Besessenheit zur Machtergreifung in
Rußland, Erringung des kommunistischen Weltsieges und die Errichtung einer totalitären, egalitären
Gesellschaft.

DIE ERSTE HAUPTSTRATEGIE


Die erste Hauptstrategie wurde von Lenin entwickelt. Sein Ziel war der Sturz des zaristischen Regimes
mit Hilfe der Arbeiterrevolution und die Errichtung einer Diktatur der Kommunistischen Partei in
Rußland. Es bedu8rfte ungefähr zwanzig Jahre, um dieses Ziel zu erreichen, und es gelang mit der
Revolution vom Oktober 1917. Zur Erringung des Sieges nutzte Lenin drei Hauptfaktoren der
damaligen Lage:

96
10. Die russische Niederlage gegen die Deutschen im Ersten Weltkrieg, und die nachfolgende
Hungersnot und Unzufriedenheit, die bei der Landbevölkerung und beim Militär
vorherrschte.
11. Die Finanzhilfe des deutschen Generalstabs an die politischen Oppositionsparteien in
Rußland, einschließlich der Kommunistischen Partei. Die deutschen Generäle glaubten,
daß diese Parteien den Sturz des Zaren herbeiführen könnten, so daß Rußland sich aus
dem Krieg zurückziehen würde. Sie gingen soweit, daß sie sogar Lenins Rückkehr nach
Rußland über Deutschland und seiner Kollegen aus dem Schweizer Exil ermöglichten.
Lenin dankte den Deutschen ihre Hilfe nicht. Nachdem seine Partei an die Macht gelangt war, tat
er alles, um die Revolution in Deutschland zu fördern, und in den Jahren 1918-1919 schien es fast
so, als würde es ihm gelingen, die Revolution nach Deutschland hineinzutragen. Die Lenin von
den Deutschen geleistete Hilfe bewies, wie wenig sie von seiner Strategie und seinen Absichten
verstanden: Für ihren Fehler haben sie schwer bezahlt.
12. Die Schwäche und die Fehleinschätzungvon Alexander Kerensky, des letzten
Premierministers der demokratischen Provisorischen Regierung Rußlands. Die russischen
Generäle, besorgt über den Zerfall der russischen Armee und dem zunehmenden Einfluß der
Kommunistischen Partei, begannen mit den Vorbereitungen für eine vom Militär gestützte
Regierung, um einen kommunistischen Staatsstreich zu verhindern. Kerensky, ein Sozialist,
wandte sich gegen die Generäle und mit der Linken, die von den Kommunisten beherrscht wurde,
gemeinsame Sache. Hierdurch wurde der Boden für die kommunisitsche Machtübernahme im
Oktober 1917 bereitet.
Zu diesem Ereignis vom Autor im Jahre 1962 befragt, gab Kerensky zu, daß sein damaliges
Handeln ein schwerer Fehler gewesen war. Nach seinen Angaben, hatte er die Kommunistische
Partei für eine Partei wie jede
andere gehalten und ihre Organisation und Stärke unterschätzt. Er gab zu, ihre Strategie nicht
verstanden zu haben.
Die Essenz dieses Sondermanövers im Rahmen dieser ersten kommunistischen Großstrategie
zur Machtübernahme in Rußland, war die die Organisation eines Militärputsches oder
Staatsstreichs durch die Kommunistische Partei unter der Fühjrung von Lenin.

DIE ZWEITE HAUPTSTRATEGIE


Die Hauptziele dieser zweiten Großstrategie, entwickelt von Lenin nach der
Machtübernahme, waren folgende:

(a) Die Förderung des Sozialismus [Kommunismus] in Rußland.


(b) Die Herbeiführung einer weltweiten kommunistischen Revolution.

Die Durchführung dieser Strategie erfolgte in fünf bestimmbaren


Perioden oder Phasen:

97
In der ersten Phase versuchte Lenin die Strategie mittels der Taktik eines rigorosen
"Kriegs-Kommunismus" in Rußland, verbunden mit einem Frontalangriff auf die kapitalistische Welt
im Ausland, durchzusetzen. Anfang 1919 gründete er die "Kommunistische Internationale" oder
"Komintern," um als Basis für die kommunistischen Parteien in den kapitalistischen Ländern zu
dienen.
In der zweiten Phase führte Lenin taktische Anpassungen der Strategie durch. Bei dem
Verusch, die sowjetische Wirtschaft wiederzubeleben, führte er eine beschränkte Form von
parteikontrolliertem Kapitalismus unter der "Neuen Wirtschaftpolitik" oder NWP ein, wodurch neue
Produktionsmöglichkeiten und Initiativen geschaffen wurden. Durch die NWP gelang es ihm,
Wirtschaftshilfe, Ausweitung des Handels, Kredite und Technologie von westlichen Industriestaaten
zu beschaffen. In der Praxis diente die NWP allein dem Ziel, die sozialistische Basis in Rußland zu
stärken.
Indem er die Kontroversen zwischen dem geschlagenen Deutschland und den Siegermächten für
seine Ziele nutzte, gelang es ihm, den "Rapallo"-Vertrag miut Deutschland auszuhandeln. Daraus
entwickelte sich eine geheime militärische Zusammenarbeit zwischen den Sowjets und den Deutschen
unter General von Seeckt. Auf diese Weise begingen die deutschen Generäle einen weiteren schweren
Fehler, weil ihnen das Verständnis für Lenins Ideologie und anti-westliche Strategie fehlte.
Die den Sowjets von den Deutschen gewährte Hilfe bei der Errichtung von Rüstungsfabriken, war
ein entscheidender Faktor der deutschen Niederlage im Zweiten Weltkrieg. Außerdem plante Lenin
eine Reihe von politischen Reformen, um das kommunistische Modell für andere Länder attraktiver
erscheinen zu lassen. Aber seine Bemühungen blieben wegen seiner Erkrankung und späterem Tod
erfolglos.
Die dritte Phase ist durch die Fortsetzung der Strategie Lenins durch Stalin gekennzeichnet.
Aber an die Stelle der "Neuen Wirtschaftspolitik," wandte Stalin ein rücksichtsloses Konzept der
Industrialisierung und des Kollektivismus an. Um der zunehmenden Unzufreidenheit zu begegnen,
griff er zum Mittel der Unterdrückung der Massen – in deren Verlauf er seine eigene Diktatur, und
eine im höchsten Masse unterdrückende Form von Polizeisozialismus begründete.
Besorgt über die internen Probleme bei der Kollektivierung der russischen Bauernschaft,
versäumte es Stalin, die Depression in den USA und die Weltwortschaftskrise für seine Zwecke zu
nutzen. Seine Politik der Unterdrückung diskreditierte das kommunistische Konzept in den 1930er
Jahren und verzögerte die kommunistische Expansionspolitik.
Die vierte Phase ist durch Stalins gekonnte Ausnutzung der unter den Großmächten
herrschenden Uneinigkeit gekennzeichnet. Durch die Unterzeichnung des Nazi-Sowjetischen Paktes
erlangte er die Kontrolle über die Baltischen Staaten. Nach der deutschen Invasion der Sowjetunion,
schloß er einen militärischen Beistandspakt mit den USA und Großbritannien. Die im Rahmen dieses
Abkommens an die Sowjetunion geleistete US-Militärhilfe, war ein signifikanter Faktor bei der
Niederlage Deutschlands und später auch Japans.
Aber selbst im Rahmen dieser Zusammenarbeit, täuschte Stalin Präsident Franklin Roosevelt und
Premierminister Winston Churchill, indem er ihnen die expansionistische Natur seiner Strategie

98
vorenthielt. Es gelang ihm durch Abwiegelung der kommunistischen Ideologie, seiner
Selbstdarstellung als nationalistischer Führer, und kleiner aber öffentlichkeitswirksamer
Zugeständnisse an die Orthodoxe Kirche und schließlich die vermeintliche Auflösung der
"Komintern."
Stalin nutzte den Sieg über Deutschland und Japan zur Ausweitung der kommunistischen Welt in
Osteuropa und Asien. Seine geheime Militärhilfe an die chinesischen Kommunisten trug zu ihrer
Machtübernahme in China entscheidend bei. Der "Sozialismus eines Landes" hatte sich zu einem
Kommunistischen Block von 13 Staaten ausgeweitet.
Mit dem Vorteil der rückblickenden Betrachtung kann zu recht festgestellt werden, daß Präsident
Roosevelt Stalins strategisches Konzept unterschätzt hat, gegenüber Stalin zu leichtgläubig, und in
seiner Ansicht so naiv war, daß er glaubte, der Appetit Stalins auf Expansion sei unter Kontrolle zu
halten. Die Unterschätzung der Strategie Stalins, ist den Westen teuer zu stehen gekommen.
Der Kern dieses Spezialmanövers in dieser Phase der zweiten kommunistischen Hauptstrategie,
ein Manöver, das wesentlich zur Niederlage Deutschlands und Japans im Zweiten Weltkrieg und zur
Verbreitung des Kommunismus in der Nachkriegszeit beigetragen hat, war Stalins kalkulierte
beständiges Betonen des traditionellen russischen Nationalismus und Patriotismus anscheind auf
Kosten der kommunistischen Ideologie, seine kalkulierte Toleranz gegenüber der Russich-Orthodoxen
Kirche und seine scheinbare Auflösung der "Komintern."
Die fünfte und Endphase der zweiten Hauptstrategie war durch die rücksichtlose Sowjetisierung
der "Volksdemokratien" in Osteuropa gekennzeichnet. Aber hier führte seine Politik zu einem
industriellen und landwirtschaftlichen Niedergang, Hungersnöten und Unzufriedenheit bei der
Bevölkerung des Sowjetimperiums. Stalins Versuche der Massenunterdrückung erwiesen sich als
ineffektiv. Selbst bei den kommunistischen'Führern breitete sich Unzufriedenheit aus. Als Folge
davon, spaltete sich das kommunistische Jugoslawien ab, brach mit Stalin und trat aus dem
Kommunistischen Block aus. Im Jahre 1952 gab Stalin seine Strategie auf. Er war jetzt ein ängstlicher
Mann, der alles dafür tat, um seine persönliche Macht durch die Ermordung aller potentiellen Rivalen
zu erhalten.
Das gesamte kommunistische System befand sich in einer tiefen Krise. Im Sowjetimperium
entwickelte sich eine revolutionäre Stimmung, und mit dem Ausbruch von Unruhen war jederzeit zu
rechnen. Die Bekanntmachung der von Stalin begangenen Verbrechen durch die Partei goß Öl in die
Flammen. In Polen und Ungarn kam es zu offenen Revolten.
Hätten die USA und ihre Verbündeten in Ungarn eingegriffen, wäre die gespaltene und gelähmte
Sowjetführung nicht in der Lage gewesen, darauf wirksam zu reagieren. So lautete die Einschätzung
des damaligen KGB-Vorsitzenden General Ivan Serov.
Wäre es zu einem Eingreifen der USA und ihrer Verbündeten gekommen, hätten sich die Unruhen
höchstwahrscheinlich auf die UdSSR und andere kommunistische Staaten ausgeweitet. Eine einmalige
Geelgenheit, die Welt vom Kommunismus zu befreien, war nicht genutzt worden.

99
DIE DRITTE – GEGENWÄRTIGE – HAUPTSTRATEGIE
Chruschtschow, Mao Tse-Tung, Shelepin und anderen Kommunistenführern war der Schaden bewußt,
der durch Stalins Despotismus und dem Einsatz von Massenrepression der Sache des Kommunismus
zugefügt worden war. Sie verurteilten seine Dominanz über die Führer anderer kommunistischer
Parteien und seine Einmischung in ihre Angelegenheiten. Sie waren sich der Mängel ihrer Industrie
und Landwirtschaft und der Systemkrise ingesamt, schmerzlich bewußt. Sie erkannten das Bedürfnis
für radikale Änderungen für die komunistische Praxis, und das dringende Erfordernis einer neuen
Großstrategie für den Kommunismus.
Nach Angaben des damaligen Leiters des KGB-Instituts, gab Mao Tse-Tung im Jahre 1959 bis
auf die Parteileitung alle Ämter auf, um sich auf die Entwicklung einer neuen Strategie zu
konzentrieren.
Es wurden umfangreiche Analysen über die historischen Erfahrungen der Kommunistischen
Parteien erstellt. Zwischen den chinesischen und sowjetischen Führern kam es zu Konsultationen.
Chruschtschow und Shelepin besuchten China, wo sich Chrustschow mit Mao und Deng Xiao-ping
traf. Shelöepin studierte die Erfahrungen des chinesischen Ministeriums für Offentliche Sicherheit im
Umgang mit politischen Oppositionen.
Aus diesen Konsultationen und Analysen wurde die neue, dritte Großstrategie für den
Kommunistischen Block entwickelt und in den Jahren zwischen 1958 und 1960 in modifizierter Form
angenommen und in die Praxis umgesetzt. Die Hauptarchitekten waren Chruschtschow und Mao Tse-
tung. Es war eine Langzeitstrategie und war für den gesamten kommunistischen Block
konzipiert. Sie berücksichtigte nicht nur das politische, wirtschaftliche und
militärische Potenzial der Blockstaaten, sondern zum ersten Mal in ihrer Geschichte,
auch ihre Nachrichten- und Sicherheitsdienste, einschließlich des KGB.
Im Jahre 1959 lieferte Shelepin seinen bekannten Geheimbericht über den aktiven Einsatz des
KGB-Potenzials, und insbesondere den Einsatz einer kontrollierten politischen Opposition
im Rahmen der Durchführung der Strategie. Der KGB wurde den Bedürnissen der Strategie
entsprechend umorganisiert, und seine langfristige politische Rolle durch den Parteikongreß
beschlossen.
Seitdem hat die neue Strategie die Innen- und Außenpolitik der kommunistischen Staaten und
did Aktivitäten der internationalen kommunistischen Bewgungen beherrscht, und zwar im Hinblick
auf die Weiterentwicklung und Stärkung des kommunistischen Systems. Wie auch bei den beiden
vorangegangenen Großstrategien, war die dritte Großstrategie für die Dauer einer Generation
angelegt. Es bedurfte der Verzögerung einer Generation, um sicher zu sein, daß die Opfer Stalins und
seiner Folterknechte bei Beginn der strategischen Endphase nicht mehr am Leben waren.

DIE WICHTIGSTEN ZIELE DER DRITTEN HAUPTSTRATEGIE


Intern waren die Hauptziele der Langzeitstrategie folgende:

100
1. Abschaffung der stalinistischen Praktiken, insbesondere die Anwendung der
Massenunterdrückung, sowie die Einführung weiterer erforderlicher Veränderungen, um sich von
der Krise der Mitte der 1950er Jahre zu erholen.
2. Die Wiederherstellung des kollegialen Führungsstils nach Lenin innerhalb der Kommunistischen
Parteien, und echte brüderliche Beziehungen der Parteien untereinander.
3. Die Vorbereitung und Einführung wirtschaftlicher und politischer Umstrukturierung und
Demokratisierung der UdSSR und anderer kommunistischer Staaten in der Endphase. Hier findet
sich der Urspreung für die gegenwärtigen Wirtschaftsreformen in Ungarn und China und von
"Perestroika" in der UdSSR. Ähnliche Veränderungen, wie in Ungarn und China sind für den
gesamten Kommunistischen Block zu erwarten.

Extern waren die Hauptziele der Langzeitstrategie folgende:


(a) Der Aufbau eines Militärpotenzials im gesamten Kommunistischen Block.
(b) Die Aufnahme einer aktivistischen Diplomatie nach dem Stil Lenins gegen Länder des
"Hauptfeindes" (d. h. die USA, Großbritannien, Frankreich, Westdeutschland und
Japan). Und das Mittel täuschender Verhandlungen, Bündnisse und anderen
Abkommen nach dem Vorbild des "Rapallo"-Plans.
(c) Den Einsatz des nachrichtendienstlichen Potenzials der kommunistischen Länder,
und insbesondere des KGB, zur Unterminierung und Destabilisierung der
kapitalistischen Welt und ihrer Institutionen durch andauernde politische und
psychologische Kriegsführung.
(d) Den Einsatz des politischen Potenzials der kommunistischen Staaten und der
Kommunistischen Parteien der nichtkommunistischen Länder und nationalen
Befreiungs- und Kriegsgegnerbewegungen gegen den Westen.

Folgende Elemente wurden im Sinne der strategischen Hauptziele in


außenpolitischer Hinsicht zum Einsatz gebracht, um:
(a) Den Einfluß westlicher Länder in der Welt zu schmälern.
(b) Den Kräfteausgleich zu Gunsten der kommunistischen Welt zu verschieben, indem
westliche Regionalbündnisse, einschließlich NATO, CWENTO und SEATO
aufgebrochen, und westliche Militärprogramme und –verpflichtungen, insbesondere
durch die Unterstüzung nationaler Befreingsbewegungen, zu lähmen. Als Beispiel
kann hier Vietnam gelten.
(c) Um die sich ergebende Verschiebung des Kräfteverhältnisses zur letztendlichen
Eroberung des Kapitalismus mittels der Annäherung nach kommunistischen
Vorgaben zu nutzen.
Es kann keinen Zeifel daran geben, daß die dritte Großstatetegie den totalen Sieg des
Kommunismus anstrebt. Chruschtschows bekannte Anmerkung, die mit "wir werden euch
beerdigen" übersetzt wurde [obwohl er tatsächlich sagte: "Wir werden an eurer Beerdigung

101
teilnehmen"], war ein Versprecher, aber er erfolgte, als die Strategie angenommen worden war, und
brachte das wirkliche Ziel der Strategie zum Ausdruck.
Diese Zielsetzung manifestierte sich in einem Witz, der damals in bürokratischen Kreisen
kursierte und Suslov, einem der kommunistischen Spitzenstrategen, zugeschrieben wird: "Genossen,
sollten wir wirklich die gesamte kapitalistische Welt übernehmen? Wäre es nicht bessser, zumindest
einen kapitalistischen Staat, vielleicht die USA, bestehen zu lassen, der uns ernähren kann?"
Zusammenfassend ist festzustellen, daß es der zentrale Zweck der dritten Langzeitstrategie und ihrer
Endphase "Perestroika" ist, die Regime in der UdSSR und in anderen kommunistischen Staaten zu
erneuern, und sie zu Staaten des "gereiften Sozialismus mit menschlichem Antlitz" umzuwandeln.
Aber die Strategie reicht über intere Umstrukturierung weit hinaus und stellt auf die friedliche und
unfriedliche Eroberung der USA und Westauropas von innen heraus darauf ab.
Die Essenz der besonderen Manöver im Rahmen der Strategie ist die Schaffung
von insgeheim kontrollierten politischen Oppositionsbewegungen (das in der Strategie
verborgene Geheimnis unterscheidet sie von reiner Politik), und ihren Einsatz im Verlauf des
Übergangs zu neuen täuschenden "demokratischen," "nichtkommunistischen" und "nationalistischen"
Machtstrukturen, die insgesamt unverändert weiter unter kommunistIscher Kontrolle stehen.
Es sind diese erneuterten Regime, mit denen man den Weltsieg des Kommunismus durch
Annäherung der kommunistischen und nichtkommunistischen Systeme nach kommunistischen
Vorgaben erringen will.

"ANNÄHERUNG" DURCH TAKTISCHE VERÄNDERUNGEN UND DESINFORMATION


Bei der Entwicklung ihrer Strategie berücksichtigten die Sowjetstrategen die Beiträge, die der Westen
im Verlauf der beiden ersten Großstrategien unbewußt geleistet hatte. Sie gelangten zu der
Schlußfolgerung, daß unbewußt sowjetischen Annäherungsstrategie unverzichtbar
sei. Mit Hilfe eines Langzeitprogramms der Täuschung und taktischer Anpassung anpassungen im
Bereich der Ideologie, Politik und Wirtschaft, sowie durch Desinformationzur Schaffung der Illusion,
die kommunistischen Länder näherten sich dem westlichen Vorbild an, beabsichtigten sie, sich die
erforderliche Hilfe des Westens zu sichern. Die Themenbereiche ihrer Desinformation umfaßten die
Behauptung, "die kommunistische Ideologie liege im Sterben oder sei bereits tot, der Kommunistische
Block sei zerfalle in nationale Regime, und die europäischen Kommunistischen Parteien befänden sich
in einer Phase der Abkehr vom Leninismus, und him zu konventionellen politischen Parteien unter
dem Mantel des Eurokommunismus."
Diese Desinformation diente dazu, das Maß der Koordination zwischen den kommunistischen
Regierungen und Parteien im Sinne der Ziele der Langzeitstrategie vor dem Westen zu verheimlichen,
und die Illusion zu verbreiten, das Ende der Ideologie liefere die Grundlage für konstruktivere
Beziehungen mit dem Westen, um sich durch diese Täuschungsmanöver die Unterstützung des
Westens zu sichern.

102
Neben dieser Desinformationkampagne haben einige kommunistische Länder, insbesondere
China, Ungarn und die Sowjetunion, in den vergangenen fünfundzwanzig Jahren mit der Einführung
von Wirtschaftsreformen experimentiert. Ungarn führte kapitalistische Initiativen sowohl im Hinblick
auf die Binnenwirtschaft, als auch im Bereich des internationalen Handels ein. Ebenso verhielt es sich
mit dem kommunistischen China, wo es zu entsprechenden Initiativen und der Einführung einer
begrenzten Form des Kapitalismus kam, indem ausländische Unternehmen zu Investitionen in die
chinesische Wirtschaft aufgefordert wurden.
Die Sowjetunion reformiert nur anscheinend seine Wirtschaft. Alle diese
"Wirtschaftsreformen" sind Bestandteil der kommunistischen Strategie. Ihr Zweck dient nicht nur der
Verbesserung der Wirtschaftslage, sondern auch als Täuschungsmittel zur Schaffung und Förderung
der Illusion, China und die UdSSR seien auf dem Weg zu einem Kapitalismus nach westlichem
Vorbild, und daß die wachsende (aber nur scheinbare) Ähnlichkeit der Systeme die Grundlage für die
Annäherung liefert. Gleichzeitig haben die kommunistischen Staaten täuschende politische Reformen
im Verlauf der vergangenen fünfundzwanzig Jahre vorberreitet und erprobt, insbesondere in der
Tschechoslowakei, China, Pöolen und der UdSSR, die sich alle im Rahmen der Sowjetstrategie
befunden haben. In der UdSSR schuf der KGB, zunächst unter Shelepin und später Andropov eine
kontrollierte politische Oppositionsbewegung unter sowjetischen Intellektuellen, um als führendes
Element im Rahmen des Programms der politischen Reformen eingesetzt zu werden.
Die Kulturrevolution in China bildete einen Teil der strategischen Vorbereitungen für die
Entspannung und das aktive Engagement mit der kapitalistischen Welt, wie auch zur Einführung von
Polit- und Wirtschaftsreformen im Inland. Zweck der Kulturrevolution war es, die unzufriedenen
chinesischen Intellektuellen und die Reste der früheren kapitalistischen Klasse umzuerziehen, und sie,
zusammen mit der stagnierenden chinesischen kommunistischen Bürokratie, auf die aktive Rolle
vorzubereiten, die sie alle zu übernehmen hatten.
Jetzt, in der Endphase der Strategie, haben die Sowjets damit begonnen, ihr eigenes
Programm der Wirtschaftsreformen, oder die "Demokratisierung" der Sowjetunion in die Praxis
umzusetzen. Ein Hauptzweck dieses Programms ist die Lieferung weiterer politischer Argumente zu
Gunsten der Annäherung zwischen dem Westen und dem Osten.
Schließlich entwickelten die kommunistischen Strategen auch Desinformation bezüglich des
angeblichen Vorhandenseins liberaler und konservativer Politgruppen in der UdSSR und China, und
über konservativen Widerstand gegenüber der "Demokratisierung." Diese Desinformation ist absolut
nichts Neues, sie war von Anfang an Bestandteil aller Sowjetstrategien. Alles begann mit der
Desinformation über "Revisionsiten" unter der Führung von Chruschtschow, und "Stalinisten" unter
Maos Führung.
Weiter ging es mit der Desinformation über "Anpassungswillige" und "Sturköpfe" unter
Breschnew in der UdSSR, und "Pragmatiker" und "Dogmatiker" in China unter Mao und Deng. Unter
Chruschtschow und Breschnew diente die Desinformation zur Förderung der ersten "Entspannung"
mit den USA und Westauropa, und zur Erlangung von Konzessionen im Verlauf der SALT-

103
Verhandlungen. Im Falle Chinas ging es außerdem um Entspannung mit den USA und die
Beschaffung von westlicher Technologie für China.
Der Zweck der gegenwärtigen verstärkten Desinformation über "konservativen" Widerstand
gegen Gorbatschows Reformen und gegen die Jelzin-Affäre, zielt darauf ab, sich weitere weitreichende
Unterstützung des Westens zu Gunsten der Annäherung zu sichern, und die Kluft zwischen echten
Konservativen und Liberalen in den USA zu erweitern.
Der Ausgangspunkt dieser Desinformation ist die Erkenntnis, daß es zwei Arten von
Menschen gibt: Jene, die Veränderungen erkennen und sich dafür einsetzen, und solche, die sich dem
widersetzen – wobei davon ausgegangen wird, daß es sich bei den Widerständlern um "Feinde des
Fortschritt und des Friedens," "Kalte Krieger" usw. handelt. So lautete Gorbatschows Erklärung
gegenüber dem promoenten sowjetischen Experten Marschall Shulman anläßlich eines Empfangs im
Weißen Haus.
Gorebatschow fügte hinzu, "in unseren beiden Ländern gibt es beide Sorten von Menschen."
Auf diese Weise lieferte Gorbatschow den Beweis für seine Absicht zur Förderung der Sowjetstrategie
mit dem Ziel der Beeinflussung der amerikanischen Intellektuellen. Es gibt Hinwqeisedarauf, daß der
Abgang Jelzins als Kopf der Moskauer Parteiorganisation vorausgeplant, zeitlich abgestimmt und
äffentlich bekannt gemacht wurde, indem Mr. Dan Ruther die Zustimmung zu einem Interview mit
ihm zu dieser Frage erteilt wurde, und zwar einen Monat vor Gorbatschows USA-Besuch. Dise
spezielle Desinformation diente dazu, den angeblichen Druck [gegen den er sich angeblich immer
durchsetzen mußte] der sowjetischen "Konservativen" auf Gorbatschow zu übertreiben, die Rolle
beider, der sowjetischen und amerikanischen Konservativen als Hindernis für Reformen und
"Fortschritt" hervorzuheben, und günstige Bedingungen für ein Bündnis zwischen sowjetischen und
liberalen für die beabsichtigte "Umstrukturierung" beider Gesellschaften zu schaffen.

AMERIKANISCHE TAKTIKEN GEGEN SOWJETISCHE STRATEGIE


Als sich das Sowjetsystem zur Amtszeit der Präsidenten Truman und Eisenhower in der Krise befand,
und die Amerikaner unbestreitbar die militärische Überlegenheit besaßen, behandelte die
Sowjetbürokratie die USA mit Zurückhaltung. Heute sehen sie in den USA ein verwirrtes, uneiniges
und demoralisiertes Land, das sich in die Interessen von Minderheiten aufgespalten hat. Sie
betrachten die USA heute als die schwächere Nation und leichtes Ziel für ihre strategischen
Manipulationen. Der spaltende Effekt des Vietnamkrieges und die amerikanische Niederlage haben
sie ermutigt. Von der amerikanischen Entscheidung von 1967, aus dem "Kalten Krieg" auszusteigen
und das amerikanische politische Potential unter den Intellektuellen, Studenten und internationalen
Organisationen zu einer Zeit aufzulösen, als die Sowjets ihre politische und psychologische
Kriegsführung gegen die USA intensivierten, war die Sowjetbürokratie geradezu begeistert.
Die Sowjetstrategen mobilisierten ihr Sicherheits- und Nachrichtendienstpotenzial unter den
Intellektuellen und das gesamte politische Ptenzial ihrer Partei, des "Komsomol," und sogar der
"Jungen Pioniere." Eine weitere Ermutigung für die Sowjets ist die Schwächung der Central

104
Intelligence Agency, insbesondere seiner Gegenspionagedienste, als Ergebnis des "Watergate"-
Skandals.
Über den Erfolg ihrer Desinformation sind sie selbst erstaunt. Da die westlichen
Nachrichtendienste leidiglich eine taktische Desinformation anerkennen – beispielsweise in Form
gefälschter amtlicher westlicher Dokumente – und die Existenz von strategischer Desinformation
übersehen, ist es den Sowjetstrategen gelingen, die westlichen Regierungen zu verwirren, und sie
unbewußt in die Durchführung der Strategie einzubinden. Als Folge davon, hat der Westen
schwerwiegende Fehler im Umgang mit den Kommunisten begangen. Die Amerikaner haben sich auf
Entspannung mit China und der UdSSR eingelassen, und Einladungen an Chruschtschow, Breschnew
und Deng zu Besuchen in den USA ausgesprochen. Die Amerikaner und Westeuropäer schlossen
Handelsabkommen mit beiden Ländern und gewährten ihnen massive Kredite und
Technologietransfer.
Die USA unterzeichneten politische, diplomatische und militärische Abkommen, die
angesichts des kommunistischen Ziels der Weltherrschaft, im krassen Widerspruch zu den
langfristigen Interessen des Westens stehen. China und die UdSSR haben sich von den Krisen erholt,
haben ihre Regime gefestigt und gelten jetzt als ernstzunehmende Rivalen der USA und Westeuropas.
China entwickelt sich zu einer potenziellen Supermacht, die – zusammen mit der UdSSR – das
militärische Gleichgewicht, insbesondere bezüglich der konventionellen Streitkräfte, zu Gunsten der
Kommunisten verändern wird.
Die kommunistischen Strategen halten die gegenwärtige Lage für günstig zur Voranbringung
ihrer Strategie und sind von ihrem Erfolg überzeugt. Ihre Zuversichtt stützt sich auf die Erfolge ihrer
ersten und zweiten Großstrategie, sowie auf den bisherigen Erfolg ihrer dritten, gegenwärtigen
Strategie. Für besonders vorteilhaft halten sie die Tatsache, daß die amerikanischen und
westeuropäischen Politiker für ihre Strategie und ihrer Dialektik weder Verständnis
haben, noch über Mittel verfügen, um der Strategie zu begegnen.
Sie sind mit der Art und Weise zufrieden, wie die USA (und andere westliche)
Gegenspionagedienste ihren traditionellen Formen bei der Aufdeckung konventioneller Spione treu
bleiben, und gegenüber den durch die sowjetische strategische Desinformation und dem Einsatz von
Einflußagenten geschaffenen Problemen völlig blind sind. Die Beteiligung an der Durchführung der
Strategie zur Erringung der Weltherrschaft und die Praxis der strategischen Desinformation
beherrschen die Einstellung, Denkweise und das Verhalten der kommunistischen Bürokratie und ihrer
Diplomaten. Ihre Beteiligung hat ihre Motivation wiederbelebt. Ihr gesamtes Handeln und
Verhandeln wird von den Erfordernissen der Strategie bestimmt.
Wie es Mao ausdrückte: Sie halten die USA für einen ernst zu nehmenden taktischen Gegner,
aber halten in strategischer Hinsicht nichts von ihnen.
Trotz "Glasnost" gilt das sowjetische Credo– Wann immer es erforderlich ist, lüge für
die Parteilinie – unverändert weiter. Diplomatie und Verhandlungen mit den USA werden noch
immer als Elemente eines andauernden Klassenkampfes in der internationalen Arena betrachtet. Die
Einstellung der Sowjets gegenüber Verträgen mit den kapitalistischen Staaten hat sich seit Lenin nicht

105
geändert. Nämlich, daß sie nichts als Makulatur sind, Altpapier, das zerrissen wird,
sobald sich das Kräfteverhältnis verändert hat. (25) Darum haben sie so viele Verträge
verletzt, die sie mit den USA abgeschlossen hatten. Diese Mentalität erklärt auch die Überraschungen
auf dem Gipfeltreffen von Reykjavik, die auch von den strategischen Erwägungen diktiert wwaren.
Gorbatschow ist weder der Urheber der Strategie, noch der Vater der
sowjetischen Demokratie. Er wurde wurde von der Parteibürokratie zur
Durchführung der strategischen Endphase ausgewählt und ausbebildet. Ursprünglich
war Shelepin für diese Rolle vorgesehen, aber er verschwand nach seiner Rückkehr aus
Großbritannien in der Versenkung, nachdem er öffentlich diskreditiert worden war. Gorbatschow ist
lediglich der Ausführungsbeauftragte für die Sowjetstrategie. Da die Strategie von der Bürokratie und
einer ganzen Generation von Parteiführern entwickelt wurde, stellt Gorbatschow für die sogenannten
Partei-Konservativen, die Technokraten oder das Militär in keiner Weise eine Bedrohung dar.
Da aber die amerikanische Administration und ihre Verhandlungsführer des
Außenministeriums von Sowjetstrategie und strategischer Desinformation absolut keine Ahnung
haben, handeln sie auf einer völlig anderen Ebene. Die Amerikaner halten sich an die Regeln der
formalen, konventionellen Diplomatie, sie addieren und berichten über die Anzahl der Raketen und
anderer Waffensysteme. Sie beschäftigen sich mit Federfuchserei. Im Gegensatz zu ihnen, sind die
Sowjets ausschließlich auf den Erfolg ihrer Langzeitstrategie der Annäherung fixiert, wobei es ihr
Hauptanliegen ist, den USA die nuklearen Zähne zu ziehen und sie, mit den Worten Maos, "in einem
Papiertiger zu verwandeln." Insgeheim verabscheuen die Sowjets ihre amerikanischen
Verhandlungspartner. Ihre Praxis der aktivistischen Diplomatie macht ihre Verhandlungsführung und
alle geschlossenen Abkommen zur Heuchelei, insbesondere, da sie die Ansichten Lenins über den
Wert von Verträgen und Abkommen uneingeschränkt teilen.

25) Anmerkung des Herausgebers: Während die Verachtung der Leninisten gegenüber der Unverletzlichkeit von Verträgen die
Regel ist, werden dennoch von Moskau vorbereitete Verträge aktiv zur Förderung der Strategie eingesetzt. Gorbatschow war
der Initiator eines bilateralen Freundschaftsvertrags, eines traditionellen Instruments der sowjetischen Außenpolitik, der sich bis
in die Jelzin-Ära erstreckte. An den Obersten Sowjet der UdSSR gewandt, erläuterte Gorbatschow am 26. November 1990
dieses Element der sowjetischen Pläne für Europa mit leninistischer Präzision: "Zum ersten Mal hat politisches Vertrauen die
Form von dokumentierten gegenseitigen Versprechen angenommen. Die neue Art bilateraler Erklärungen und Verträge mit der
UdSSR hat kürzlich mit dem wiedervereinigten Deutschland, Frankreich, Italien, Spanien und Finnland ihren Anfang genommen
– und weitere Verträge sind in Vorbereitung – und natürlich die auf dem Gipfeltreffen von Paris unterzeichneten Dokumente,
bilden die politische Rechtsgrundlage für das neue Europa, mit dem die UdSSR ins 21. Jahrhundert zu gehen sich entschlossen
hat. Am 9. November 1992, als Präsiden Jelzin und der Britische Premierminister John Major den Grundsatzvertrag über die
Beziehungen zwischen dem Vereinigten Königreich, Nordirland und der Gemeinschaft unabhängier Staaten in London
unterzeichneten, war dieses Abkommen bereits von der Mehrheit der westeuropäischen Staaten, einschließlich Griechenland
und der Türkei unterzeichnet worden. Solche Verträge werden üblicherweise in Moskau entworfen und den westlichen Ländern
zur Beratung vorgelegt. Diese Praxis ergibt sich eindeutig aus den folgenden Informationen: (1) am 28. Oktober 1991 schrieb
John Mc Greogor, damals Führer des Britischen Unterhauses, an den Abgeordneten Michael Spicer [Aktenzeichen ADS/AG]
folgendes: "... Sie haben mich um Einzelheiten über Vertragsentwürfe der Sowjetunion an die Britische Regierung gebeten. Im
September 1990 legte die Sowjetunion ein bilaterales Dokument vor..." (2) Sektion III [Organisation of the Ministry´s Activity] aus
einem Dokument mit dem Titel "Vorläufige Maßnahmen des Ministeriums für Sicherheit der Russischen Föderation," approbiert
durch den ehemaligen Obersten Sowjet am 5. März 1992, ergibt sich, daß das Ministerium für Sicherheit an der Vorbereitung
internationaler Verträge beteiligt sei, und für die Umsetzung innerhalb der Grenzen der Kompetenz des Ministeriums Sorge
trägt."
Die Bedeutung, die Moskau dem Netzwerk neuer bilateraler Verträge beilegt, wobei die Mitgliedsstaaten der
Europäischen Union vertraglich an die Umsetzung der sich daraus ergebenden Verpflichtungen gegenüber Rußland verpflichtet
sind, wurde in International Affairs, dem offiziellen Journal des russischen Außenministeriums [März-April 1994] vom russischen
Außenminister Andrei Kozyrev ausdrücklich betont: "Zunächst einmal, ist jetzt der Zeitpunkt für due Durchführung bestehender
bilateraler Abkommen gekommen. Nicht nur, daß die EU-Mitgliedstaaten mit neuen bilateralen Verpflichtungen gegenüber

106
Moskau belastet sind, sondern auch ihregemeinsame Außen- Und Sicherheitspolitik, durch das Abkommen von Maastricht
eingeführt, wird durch diese Verpflichtungen direkt beeinflußt – wodurch Moskau machtvolle Möglichkeiten zur indirekten
Kontrolle über die Gestaltung der westlichen Außen- und Sicherheitspolitik eingeräumt worden sind. Diese wenig beachtete
Dimension des russischen Einflusses auf Westeuropa, wird durch formelle "kollektive Sicherheitsabkommen" als Reaktion auf
die Sowjetdiplomatie gestützt, bei sozialistischen der die Konferenz für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa [KSZE], die
teilweise durch die Etats der Europäischen Gemeinschaft finanziert wird, eine höchst verdächtige Rolle spielt.
Die Strategie zur Förderung "kollektiver Sicherheit," die sich auf das Netzwerk bilateraler Verträge stützt, geht auf
Initiativen der Sowjets zurück, wie es Golitsyn in seinem Buch "New Lies for Old" erläutert hat. Eine führende Rolle bei dieser
Koordinierung, insbesondere bezüglich der Realisierung der Strategie in Westeuropa, spielt das "Sowjetkommitee für
Europäische Sicherheit" unter dem Vorsitz des Parteifunktionärs V. Shytikov. Dieses Komitee wurde im Juni 1971 für
die bessere Koordination zwischen den sowjetischen Massenorganisationen im Kampf um die Realisierung einer
kollektiven euopäischen Sicherheit geschaffen. In seinem vorgenannten Buch sagte der Autor den Versuch der
Kommunisten voraus, wie er in der Tat gegen Ende der 1980er Jahre unternommen wurde, die gleichzeitige Auflösung von
NATO und Warschauer Pakt zu erreichen, als einen Schritt hin "zur Schaffung eines neutralen Europas." Im Jahre 1980 wurde
das Osteuropäische Kommitee für Europäische Sicherheit reaktiviert.
Das KSZE-Modell wurde von Moskau ebenfalls für die Anwendung im Mittleren Osten empfohlen.

GORBATSCHOWS USA-BESUCH, EIN TROJANISCHES PFERD, UM DIE


AMERIKANISCHE ELITE IN DIE STRATEGIE DER ANNÄHERUNG EINZUBINDEN

Der Ber Besuch von Generalsekretär Michael Gorbatschow in den Vereinigten Staaten von Amerika,
wie auch jene von Chruschtschow und Breschnew vor ihm, sind ein gutes Beispiel für sowjetische
strategische Doppeldeutigkeit und amerikanische Naivität. Der Präsident, die Administration und die
Gegenspionagedienste haben alle darin versagt, den Hauptzweck des Besuches zu erkennen, bei dem
es nicht um die Unterzeichnung eines Abkommens, sondern um die Amerikaner in der Strategie der
Umstrukturierung der sowjetischen und amerikanischen Gesellschaften mit dem Ziel der Annäherung
zu unterweisen, und die amerikanische Elite voin der Notwendigkeit der Akzeptanz und Förderung
seines Konzepts zu unterweisen.
Vor seinem Besuch war der Sowjetoffensive kein großer Erfolg beschieden gewesen: Nur
wenige politische Führer zeigten sich beeindruckt – insbesindere die britische Premierministerin
Thatcher, die einen Präzedenzfall schuf, indem sie in Gorbatschow einen Mann sah, mit dem sie
"Geschäfte machen konnte."
Bei vorausgegangenen Zusammenkünften von Vertretern der amerikanischen Elite mit
Gorbatschow und Sacharow in Moskau, hatten die Amerikaner skeptisch hinsichtlich der
Ernsthaftigkeit und Tiefe Gorbatschows und seiner Reformen bleiben lassen. Jetzt, mit dem USA-
Besuch Gorbatschows, haben die Sowjets ihre Offensive zur Beeinflussung der amerikanischen Elite
verstärkt – wobei sie die Angst vor einem Atomkrieg, die Verwirrung über die wahre Bedeutung des
"Perestroika" innewohnenden Begriffs von der "Annäherung" und die naive Euphorie über die
Unterzeichnung eines Vertrages, zu ihrem Vorteil nutzen.
Aus diesem Grund hatten die Sowjets ihre Spitzenberater der Spezialgebiete Strategie,
Diplomatie (Dobrynin), Propaganda und Öffentliche Beziehungen (Yakovlev und Arbatov),
Wissenschaft (Velikhov) und eine Gruppe von Wirtschaftsberatern in die Vereinigten Staaten von
Amerika gesandt. Hinzu kamen führende Experten für die amerikanischen und europäischen Medien
(Pozner und Falin, der auch Deutschlandexperte ist) und schließlich Kontrolleure der Einflußagenten,
wie Bessmertnykh (26) Aus diesem Grund wurden Zusammenkünfte für führende amerikanische
Politiker, Geschäftsleute, Verleger, Akademiker, Gestalten des kulturellen Lebens usw. für
Unterweisungen durch Gorbatschow und die Sowjetstraten in der Sowjetbotschaft arrangiert.

107
Diese Ereignisse, nicht die Unterzeichnung von Verträgen, hatten die höchste Priorität. Ihr
Zweck diente der Beeinflussung der amerikanischen Elite, um sie zur Zusammenarbeit bei der
Umstrukturierung der amerikanischen Denkweise und Gesellschaft im Sinne der Sowjetstrategie zu
gewinnen. Nach einem Bericht der "The New York Times," begrüßte Gorbatschow die amerikanischen
Intellektuellen als "Hefe für den Boden der Ereignisse."
Diese Sowjetoperation war offensichtlich erfolgreich. Es kam zu keiner Enttarnung,
Herausforderung oder Gegenaktion. Es hat den Anschein, als sei ihre politische
Bedeutung unerkannt geblieben, obwohl diese Zusammenkünfte direkt unter den
Nasen es Präsidenten, der US-Administration und der US-Gegenspionage ereigneten.
Über diese Zusammenkünfte wurde in den Medien lediglich lückenhaft berichtet. Die
Veranstaltungen mit Mitarbeitern führender amerikanischer Zeitungen, Fernsehsendern, Magazinen
und Verlegern wurde überhaupt nicht berichtet.
Cable News Network [CNN] berichtete lediglich kurz über eine dieser Veranstaltungen und
verkündete, die Übertragung sei von der Sowjetbotschaft unterbrochen worden, bevor die Gäste die
Möglichkeit hatten, Gorbatschow Fragen zu stellen. Nach der Berichterstattung von CNN wurde die
Kamera nach der Grußadresse Gorbatschows zur Seite gedreht und übertrug lediglich das Stilleben
eines Vorhangs. Aus diesem Grund beendete CNN die Übertragung. Typische Tricks wie diese,
trotz der sogenannten "Glasnost," sind geeignet, diese Einschätzung zu unterstreichen.

ERFORDERLICHE GEGENAKTIONEN DER VEREINIGTEN STAATEN


Weil die Sowjetstrategie für Verwirrung sorgt und auf die friedliche Eroberung der USA von innen
heraus abstellt, ist sie gegen die amerikanischen Interessen, sowie die innere und äußere Sicherheit
der USA gerichtet. Folglich sind wirksame Gegenmaßnahmen dringend erforderlich. Präsdient
Reagans frühere Rhetorik über das "Imperium des Bösen," obwohl sie die gegenwärtige
Sowjetstrategie unberücksichtigt ließ, war gesund und insofern wirksam, da sie die Sowjets davon
abhielt, ihre politische Offensive in die Vereinigten Staaten von Amerika zu tragen. Der plötzliche
Wandel der USA von Konfrontation zur Akzeptanz Gorbatschows und seines "Falles," und die
Ignoranz der dahinter stehenden Strategie, wird die amerikanische Nation spalten. Nach den
Worten von Sun Tzu, ist der Höhepunkt jeder Strategie, in die Festung des Feindes
eingeladen zu werden. Chruschtschow bediente sich der Desinformation über die chinesisch-
sowjetischen Diofferenzen, um seine Einladung in die USA zu erhalten. Brechnew und Deng bedienten
sich für ihre entsprechenden Einladungen der Desinformation über die chinesisch-sowjetischen
Feindseligkeiten.
Gorbatschow seinerseits, hat sich der Desinformation über die sowjetische Demokratisierung bedient,
um eingeladen zu werden. Präsident Reagans Umarmung der Initiative als positive Entwicklungen,
haben den Sowjets und dem KGB die Möglichkeit der aktiven Einmischung in die amerikanische
Politik eröffnet. Jetzt können sie ihre Freunde und Einflußagenten innedrhalb der amerikansichen
Elite aktivieren, die sie im Verlauf der vergangenen fünfundzwanzig Jahre angeworben haben.

108
Während der Konfrontationsperiode verhielten sich diese Agenten äußerst zurückhalten, da sie ihre
Enttarnung befürchteten.
Jetzt, nach Gorbatschow USA-Besuch, können sie aktiviert werden. Gorbatschows
leninistische Vorstellungen von "Umstrukturierung" werden viel besser bekannt werden, und es
werden alle Anstrengungen unternommen werden, um jene amerikanischen Antikommunisten zu
identifizieren und zu neutralisieren, die Gorbatschow und "Perestroika" nicht umarmen, sondern für
Hindernisse auf dem Weg zum Fortschritt halten. Desinformation über die Existenz soigenannter
"Konservativer" in der Sowjetunion und ihr "Widerstand" gegen "Perestroika," wird diesen Punkt
unterstreichen, und äußerst hilfreich dabei sein, die fiktiven sowjetischen "Liberalen" und die echten
amerikanischen Liberalen als natürliche Verbündete bei der Umstrukturierung und Annäherung
beider Gesellschaften darzustellen.
Der KGB wird versuchen, seine Agenten bei den amerikanischen Experten über Fragen der
Sowjetunion als offizielle oder offizielle Berater zu Fragen der nationalen Sicherheit unterzubringen.
Abgesehen von einem zukünftigen Besuch des Papstes in der Sowjetunion, sind jetzt
Veröffentlichungen der Werke Alexanr Solschenizins und die Rückkehr in seine Heimat zu erwarten.
Die sogenannten kulturellen Überläufer werden die UdSSR ebenfalls wieder besuchen und als ihre
Heimat bezeichnen. Neue strategische Abrüstungsverhandlungen könnten zur Destabiliserung der
gegenwärtig existierenden nuklearen Abschreckung zuz einer Zeit führen, solange die Strategic
Defense Initiative [SDI[ noch nicht einsatzbereit ist, und die sowjetische Politoffensive ihren
Höhepunkt noch nicht erreicht hat. Die wichtigsten Angelegenheiten zwischen den Sowjets und
Amerikanern betreffen nicht die Frage der Menschenrechte oder regionale Konflikte wie Afghanistan,
oder Verhandlungen über Atomwaffen, bei denen die Sowjets angesichts ihrer langfristigen Ziele
trügerische, und letztendlich bedeutungslose Zugeständnisse machen könnten. Die Wurzel des
Konflikts zwischen den Mächten, ist die sowjetische Langzeitstrategie zur
Welteroberung, und die Bereitschaft der amerikanischen Elite aktiv dabei
mitzuwirken.
Auf lange Sicht wird die amerikanische Akzeptanz der Echtheit von "Perestroika" als
spontaner Prozeß mit der Folge, daß das Langzeitziel der sowjetischen Weltherrschaft aufgegeben
werden wird, die amerikanische Nation spalten. Die USA könnten durchaus in einem politischen
Sumpf versinken, der durchaus mit der Weimarer Republik in Deutschland in den 1920er Jahren
vergleichbar ist. Diese Voraussetzung würde den sowjetischen Sieg durch Annäherung, verbunden mit
der erspresserischen Drohung mit einem Atomkrieg, zu einer realistischen Vorstellung machen. Das
Kriegsrisiko wird sich in jedem Fall steigern. Der gegenwärtig in der Sowjetbürokratie in
Moskau umgehende Witz besagt, daß "Perestroika" von "Perestelka" gefolgt sein wird
– das heißt, ein "Schußwechsel," der mit einem Blutbad im Stile Stalins enden wird.
Um diese katastrophalen Folgen zu verhindern, müssen die USA die sowjetische Strategie und
Desinformation durchschauen. Präsidents geplanter Moskaubesuch sollte abgesagt, und die
sowjetischen Pläne dem amerikanischen Volk und seinen Verbündeten als Bestandteil einer
amerikanischen Gegenstrategie bekannt gemacht werden. Ein amerikanischer Präsident, der nicht

109
fähig ist, die Sowjetstrategie zu durchschauen und es unterläßt, sein Volk vor den damit verbundenen
Gefahren zu warnen, wird von der Geschichte nicht als großer Friedensstifter, sondern als bankrotter
Politiker behandelt werden – ein amerikanischer Kerensky, der sich von den kommunistischen
Strategen hereinlegen ließ und unbewußt den Weg zu ihrem Erfolg ebnete. Das Vermächtnis, das er
seinen Nachfolgern hinterlassen muß, sollten wirksame Gegenmaßnahmen gegen "Perestroika" sein,
und nicht die Umarmung dieser Strategie. Die Fehlentscheidungen von Kerensky haben das Schicksal
Rußlands besiegelt. Die Fehlentscheidungen von Präsident Roosevelt besiegelten das Schicksal Chinas
und Osteuropas. Das gegenwärtige Verhalten von Präsident Reagan wird über das Schicksal der
Vereinigten Staaten von Amerika entscheiden.

VORSCHLÄGE DES AUTORS


Angesichts des Ausdmaßes der Verwirrung über "Perestroika" und die Unfähigkeit der
amerikanischen Experten in Fragen des Kommunismus, die sowjetische Langzeitstrategie zu
verstehen, wird vorgeschlagen, daß die Central Intelligence Agency wie folgt handeln sollte:

1. Legen sie diese Einschätzung des Autors dem Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika und
dem Nationalen Sicherheitsrat vor.
2. Legen sie diese Einschätzung den Führern des Kongresses und Angehörigen des Kommitees zur
Überwachung der US-Nachrichtendienste und Gegenspionagedienste vor.
3. Verbreiten Sie diese Einschätzung bei den Leitern der verbündeten Nachrichtendienste in
Großbritannien, Frankreich, Westdeutschland und Japan.
4. Empfehlen Sie den Erlaß einer Durchführungsverordnung, mit der die US-Gegenspionagedienste
beauftragt werden, sich mit den Folgen zu beschäftigen, die sich aus dem strategischen Einsatz des
KGB und seiner von Einflußagenten für die UdSSR und die USA ergeben.
5. Erweitern Sie ihre nachrichtendienstliche Tätigkeit von der engen konventionellen Basis zu einer
politisch-strategischen Funktion, die den durch die sowjetische Langzeitstrategie resultierenden
Gefahren für die innere und äußere Sicherheit der USA und Westeuropas angemessen sind.
6. Beginnen Sie sofort mit der Entwicklung wirksamer Gegenstrategien, um der sich aus
Gorbatschows politischer Offensive ergebenden Krisensituation begegnen zu können.
7. Beraten Sie das Problem schnellstens mit den Verbündeten der Vereinigten Staaten von Amerika.
8. Fordern Sie den Nationalen Sicherheitsrat dazu auf, die Möglichkeit der Veröffentlichung dieser
Einschätzung in "Foreign Affairs" zu prüfen.

DRITTER TEIL
110
WESTLICHE
GEGENSTRATEGIE
GEGEN "PERESTROIKA"

Memorandum an die CIA: September 1988

WESTLICHE GEGENSTRATEGIE GEGEN "PERESTROIKA"

STRATEGISCHE FEHLER DER VERGANGENHEIT IM UMGANG MIT DER


KOMMUNISTISCHEN WELT

Nach dem Zweiten Weltkrieg begingen die Vereinigten Staaten von Amerika einen strategischen
Fehler, indem sie sich für die defensive Eindämmungspolitik bezüglich des Kommunismus
entschieden haben, wie sie von Botschafter Kennan empfohlen worden war. Diese Politik ließ die Tiefe
der damaligen Krise des kommunistischen Systems und vorherrschende revolutionäre Lage in den

111
kommunistischen Staaten ebenso unberücksichtigt, wie die damalige unüberwindliche Stärke der
amerikanischen Nation.
Damals befanden sich die USA in einer weit überlegenen Position. Eine offensive
Unterstüzung und Befreiung die in Aufruhr befindlichen kommunistischen Satellitenstaaten wäre
angemessener gewesen.
Der Bankrott der Eindämmungspoitik erwies sich bei den Aufständen in Ungarn und Polen, als die
USA eine historische Gelegenheit ungenutzt ließen, Osteuropa von der sowjetischen Tyrannei ein für
alle Mal zu befreien.

DIE FEHLER DES VIETNAMKRIEGS


Während und nach dem Vietnamkrieg begingen die USA einen weiteren schwerwiegenden
strategischen Fehler, indem sie die kommunistischen Regime als unabhöngige nationalistische
Gebilde bwehandelten, die unabhängig von einer gemeinsamen kommunistischen Strategie
operierten.
Da sie unfähig zum Verständnis der neuen kommunistischen Langzeitstrategie und der
Desinformation bezüglich der Spaltungen zwischen kommunistischen Staaten waren, praktizierten die
USA eine widersprüchliche Politik der Bekämpfung der Kommunisten in Vietnam, während sie
gleichzeitig Wirtschaftsbeziehungen mit den osteuropäischen Satelliten-Regimen unterhielten und
Kredite bewilligten. Der größte Fehler waren die amerikanischen Bestrebungen für eine gleichzeitige
aktive Entspannung mit der Sowjetunion und dem kommunistischen China.
Diese widersprüchliche Politik der gleichzeitigen Bekämpfung und
Unterstützung der Kommunisten, verwirrte das amerikanische Volk und lieferte den
Hauptgrund für die Niederlage der Amerikaner in Vietnam.
Das Handeltreiben und die Kreditgewährung an Staaten Osteuropas und an China hat zur
Verlängerung des Bestehens der kommunistischen Regime entscheidend beigetragen.
Die SALT-Abkommen und der Transfer westlicher Technologie half der UdSSR eine
erfolgreiche Politik zu betreiben und die militärische Überlegenheit zu erringen.
Die strikte Einhaltung der Handelsbeschränkungen mit allen kommunistischen Staaten durch
die USA während des Vietnamkriegsm hätte den Krieg sehr schnell beendet, und die Wirtschaftskrisen
in der UdSSR, Osteuropa und China verstärkt.
Eine unmißverständliche strategische Antwort der USA auf dieser Grundlage, hätte die
Durchführung der kommunistischen Langzeitstrategie erheblich gefährdet und die Sowjetstrategen in
den Augen der Führer der anderen kommunistischen Staaten diskreditiert. Außerdem wäre es zu
echten Abspaltungen der kommunistischen Staaten anstelle der fiktiven, durch Desinformation
geschaffene Abspaltungen, gekommen.

EX-PRÄSIDENT NIXONS SZENARIO IM UMGANG MIT GORBATSCHOW

112
"Perestroika," die Durchführung der Endphase der kommunistischen Langzeitstrategie, hat die
amerikanischen Regierungsvertreter und Experten trotz der frühzeitigen Warnungen des Autors völlig
unvorbereitet überrascht. Der Mangel an Vorbereitung der amerikanischen Führung wird durch die
Improvisation Präsident Reagans und des kalkulierten Autritts Gorbatschows anläßlich seines
Besuchs in Washington, D.C. deutlich. Am Vorabend des Moskaubesuchs von Präsident Reagan,
veröffentlichte Ex-Präsident Nixon sein Szenario für den Umgang mit Gorbatschow im
Sonntagsamagazin der "The New York Times." Nixons Szenario war eine Verbesserung im Vergleich
zum Auftritt Reagans, das auf die tatsächliche und wahrhaftige Akzeptanz der Haltung Gorbatschows
zu "Perestroika" hinauslief.
Zweifellos war es Nixon bewußt, daß er und Kissinger sich durch die Entspannungspolitik mit
Breschnew, die zum Verlust der amerikanischen militärischen Überlegenheit und zur sowjetische
Expansion in die Dritte Welt führte, die Finger verbrannt hatten. Vermutlich empfahl Nixon deshalb
eine starke Verhandlungsposition im Umgang mit Gorbatschow. Er ging wohl davon aus, daß es
günstig für Reagan wäre, wie es für ihn bei den Verhandlungen mit den Chinesen günstig gewesen
war, und daß die Sowjets ihre expansionistische Politik im Tausch gegen wirtschasftliche Vorteile
durch die USA aufgeben würden. Der Mangel in Nixons Szenario findet sich in seinem
konventionellen Ansatz gegenüber der Lage in der kommunistischen Welt.
Gegenüber der Langzeitstrategie zur Welteroberung auf der Grundlage von Modernisierung
der siechen kommunistischen Wirtschaft mit Hilfe der Amerikaner, der angestrebten des
Kräfteverhältnisses in der Welt, sowie die Annäherung der komunistischen und kapitalistischen
Gesellschaften nach soiwjetischen Vorgaben, ist Nixon offensichtlich ignorant. Auf typisch westliche
Art, sieht Nixon in den Besuchen von Chruschtschow, Breschnew, Andropov und Gorbatschow keinen
Zusammenhang. Er hält sie für unzusammenhängende Perioden der Sowjetstrategie.
Ihm ist eindeutig nicht bewußt, daß die gegenwärtige Langzeitstrategie unter Chruschtschow
eingeleitet und unter Breschnew und Andropov fortgesetzt wurde, und jetzt unter Gorbatschow ihren
Hölhepunkt erreicht hat. Die Wiederherstellung des Ansehens Chruschtschows durch Gorbatschow ist
die logische Anerkennung der Rolle, die Chruschtschow als Urheber der gegenwärtigen
Langzeitstrategie gespielt hat.
Weitere Bestätigungen für das Andauern der Strategie finden sich in der Tatsachem, daß der
ehemalige Außenminister Gromyko, und der ehemalige Botschafter in Washington, Dobrynin, unter
Gorbatschow nicht nur ihre Posten behalten haben, sondern in höhere Ämter befördert worden sind.
Beide hatten im Verlauf von fünfundzwanzig Jahren wichtige Rollen bei der praktischen
Durchfürhung der Langzeitstrategie übernommen.
Die Wahl des alternden Gromyko ins Präsidentenamt ist eine Anerkennung der wertvollen
Beiträge, die er zur Strategie geleistet hat und ein Symbol für die Fortsetzung der Strategie. Die
Beförderung Dobrynins zum Chefberater in außenpolitischen Angelegenheiten, war wegen seiner
langjährigen Erfahrung als Botschafter in den USA nur logisch, was ihn zum bestegeeigneten Mann
für diesen Posten machte. Gromyko und er sind jetzt mit der Durchführung der Endphase derselben
Strategie gegen den "Hauptfeind" Vereinigte Staaten von Amerika befaßt.

113
Da Nixon nicht dazu in der Lage ist zu erkennen, daß die Langzeitstrategie ein chinesisch-
russisches Gemeinschaftsprojekt ist, das darauf abstellt, die USA in die Irre zu führen und strategisch
zu besiegen, rät er den gegenwärtigen US-Führern fälschlicher Weise dazu, bei Gorbatschow
denselben strategischen Fehler zu begehen, den er und Kissinger bei ihren Verhandlungen mit den
chinesischen Führern begangen haben. Er rät Reagan dazu, Gorbatschow Wirtschaftshilfe anzubieten,
wenn die Sowjets bereit sind, ihre Expansionspolitik aufzugeben. Bei allem Respekt: Das ist der
Ratschlag eines Rechtsanwalts, aber nichtg eines Strategen. Er führt zur selben Verwirrung in Politik
und Denkweise, wie sie zur Zeit des Vietnamkrieges vorgehrrscht hat. Hinzu kommt, daß sich hier ein
naiver Glaube daran widerspiegelt, daß man die Kommunisten durch Bestechung dazu bringen kann,
ihre Strategie und ihr Endziel aufzugeben – die Niederlage des "amerikanischen Imperialismus" und
der freien Marktwirtschaft des Kapitalismus.
Die chinesischen Führer haben ihre Ambitionen zur Erlangung der Weltherrschaft
keineswegs aufgegeben, sondern lediglich den zeitlichen Ablauf der Ereignisse angepaßt. Wenn sie mit
amerikanischer und japanischer Hilfe erheblich stärker geworden sind, werden sie sich der
sowjetischen Offensive gegen die Vereinigten wieder anschließen. Als Nixon von Studenten der
Universität Oxford danach gefragt wurde, ob sich China gegenüber den USA feindlich verhalten werde,
wenn es den Status einer Weltmacht erreicht hätte, antwortete Nixon: "Ich weiß es nicht, es wird sich
im Verlauf der Zeit erweisen."
Gorbatschwo, wie auch Deng, werden viel versprechen. Beispielsweise die Aufgabe der
kommunistischen Expansionsbestrebungen, aber er wird sich dessen ungeachtet nur noch mehr
bemühen, die Endphase der Strategie durchführen, wenn dafür wurde er von den Sowjetstrategen
ausgewählt und ausgebildet. Sind sie durch die Hilfe des Westens erst einmal wirtschaftlich gestärkt,
werden China und die UdSSR in einer gemeinsamen Offensive jede schwere Wirtschaftskrise für ihre
Zwecke nutzen, von der die amerikanische Wirtschaft betroffen sein könnte. Sie werden jedes
Druckmittel einsetzen, einschließlich der Einmischung in inneramerikanische Angelegenheiten,
Erpressung, Wirtschaftsmanipulationen, Sabotagedrohungen, beispielsweise gegen Atomkraftwerke
und Mord.
Stalin verpaßte in den 1930er Jahren seine Gelegenheit, weil es ihm damals an einer
adäquaten Strategie mangelte, sowie der Kollektivierung und Konsolidierung seiner eigenen Macht
beschäftigt war. Die sowjetischen und chinesischen Führer werden Stalins Fehler nicht wiederholen,
weil sie eine Strategie haben, politisch stärker sind, als es sich die westlichen Experten vorstellen
können. Und vor allem: Heute besitzt die UdSSR die militärische Überlegenheit.

WESTLICHE GEGENSTRATEGIEN GEGEN "PERESTROIKA"


Improvisation sollte durch eine wirksame amerikanische Gegenstrategie gegen "Perestroika" ersetzt
werden. Wire wirksam diese Gegenstrategie sein wird, hängt davon ab, wie genau die USA die neue
Lage in der UdSSR einschätzen können. Weil Washington die Stärke und Aggressivität des
kommunistischen Lagers un der unmittelbaren Nachkriegszeit überschätzte, bedienten sich die USA
der völlig unangemesssenen defensiven Eindämmungspolitik. Heute besteht das Risiko, daß die USA

114
die politische Stärke und Aggressivität des kommunistischen Lagers unterschätzen, und sich auf
Gorbatschow und "Perestroika" aktiv einlassen.
Inzwischen sind die amerikanischen politischen Führer und Experten in Fragen der
Sowjetunion weiterhin durch die kommunistische Desinformation über die interne Entwicklung in der
Sowjetunion in ihrer Verwirrtheit gefangen. Die sowjetische Krititk an Breschnew [unter dem die
Sowjets die militärische Überlegenheit erlangten], die Entlassung Jelzins am Vorabend von
Gorbatschows Besuch in Washington, die Ligachev-Affäre, die Beteiligung sowjetischer
Religionsführer an "Perestroika," und die Demonstrationen nationaler Minderheiten am Vorabend
des Moskaubesuchs von Präsident Reagan, sind alles von den Sowjetstrategen vorsätzlich geplante
Schauspiele, um zur aktiven amerikanischen Beteiligung an "Perestroika" zu ermutigen.
Die Aufstachelung nationaler Minderheiten stellt eine neue Dimension der verdeckten
Sowjetoperationen im Sinne der Strategie dar, wobei diese Provokationen gemeinsam vom
Parteiapparat, den Komsomol, dem KGB, den Massenorganisationen, religiösen Aktivisten und
anderen erfolgen. Gelegentlich liefern die Sowjets selbst Beweise für ihre Vorausplanmung. So ließ
beispielsweise ein armenischer Wirtschaftsberater Gorbatschows kürzlich ungewollt bei Gesprächen
mit Amerikanern armenischer Abstammung in Kalifornien über "Perestroika" verlauten, "die
Maßnahmen zur Lösung des armenischen Konflikts bereits seit 1987 vorbereitet seien," und daß er
selbst daran mitgewirkt hätte. Diese Operationen demonstrierten, daß die UdSSR, weit davon
entfernt, auseinanderzubrechen, seine totalitären Ressourcen aktiv und kreativ für strategische
Zwecke einsetzt.
Diese Perfektion der Operationen steht im krassen Gegensatz zu den primitiven Operationen
des stagnierenden, repressiven stalinistischen Regimes. Indem man beständig auf die vermeintliche
schwache Position Gorbatschows und die Zerbrechlichkeit von "Perestroika" verweist, wird
beabsichtigt, die Amerikaner zur Unterschätzung der sowjetischen politischen Stärke zu verleiten, um
günstige Bedingungen für Gorbatschows Verhandlungen mit amerikanischen Führern zu schaffen und
sie in eine selbstmörderische Politik der Unterstützung von "Perestroika" zu manövrieren.
Jede US-Strategie der aktiven Unterstützung wäre eine gefährliche Dummheit. Es sollte
niemals vergessen werden, daß das Endziel der Sowjetstrategie nicht etwa "Perestroika" in der UdSSR
ist, sondern die "Umstrukturierung" des amerikanischen politischen und wirtschaftlichen Systems,
einschließlich des Industriell-Militärischen Komplexes. Dieser gefährliche Aspekt der Strategie ist es,
auf den die Gegenstrategie zugeschnitten sein muß. Die amerikanischen Interessen wären mit einer
sorgfältigen Verteidigungsstrategie entschieden besser geschützt. Ein zweites Argument, sich gegen
"Perestroika" zu entscheiden, ist die Tatsache, daß die Amerikaner auf dem Gebiet der politischen
Kriegsführung gegenwärtig für die Sowjetunion kein ernsthafter Gegner sind.
Die Sowjets haben ihre politischen Massenorganisationen beibehalten, ihre Nachrichten- und
Gegenspionagedienste, wie auch eine äußerst schlagkräftige politische Polizei, deren Macht völlig
ungebrochen ist. Alles das kann für die Endphase der Strategie mobilisiert werden. Im Gegensatz
dazu, ist das amerikanische Potenzial für offene und verdeckte polititische Operationen durch die
"Watergate-Affäre" und die Iran-Nicaragua-Anhörungen schwer angeschlagen. Die amerikanischen

115
Versuche,m Manuel Noriega aus dem Amt zu entfernen, sind fehlgeschlagen. Ein weiterer Faktor ist
der Umstand, daß der Zustand der amerikanischen Gesellschaft nicht gut ist. Die Nation hat ein
großes Wirtschaftsdefizit, AIDS, Drogen, Verbrechen und Erziehungsprobleme, ausgenutzt durch
Einflußagenten, haben die nationale Moral, insbesondere bei der Jugend, ausgehöhlt. Die durch
Vietnam geschlagenen Wunden müssen noch heilen. Es gibt unausgewogene politische
Entscheidungen, und in Fragen der Verteidigungspolitik fehlt der Konsens ebenso, wie der Begegnung
der kommunistischen Bedrohung in Zentralamerika. Es wurden bisher keinerlei Maßnahmen
getroffen, um die operative Fähigkeit der Nachrichten- und Gegenspionagedienste zu verbessern. Der
Nation mangelt es an Gemeinschaftsgeist.
Verwirrung über die neuen Entwicklungen in der UdSSR und die Umarmung Gorbatschows
und "Perestroika," ungeachtet der damit verbundenen Gefahren, bedeutet nichts anderes, als daß die
USA ihre Verbündeten in die falsche Richtung führen. Dieser Fehler wird zur Schwächung des
Einflusses der USA als führende Nation der westlichen Welt führen. Die völlig irrigen Ansichten des
britischen Führers der Labourpartei Kinnock, des neuseeländischen Premierminister Lange und
bestimmter dänischer Politker, könnte auf das Verhalten junger amerikanischer Politiker ansteckend
wirken, die gegenüber der kommunistischen Ideologie und der kommunistischen Strategie ignorant
sind.
Es besteht die Gefahr, daß sie bei der Eile, mit der sie sich für "Perestroika" engagieren,
versuchen werden, die amerikanischen Probleme zu Lasten der nationalen Verteidigung zu lösen.
Diese Gefahr ist im Falle einer plötzlichen Wirtschaftskrise noch entschieden größer. Je
umfangreicher die Beteiligung der USA und anderer westlicher Staaten an gemeinsamen
Unternehmungen mit den Sowjets ist, desto verwundbarer werden sie für in Zeiten einer
Wirtschaftskrise für sowjetischen Druck und Einmischung sein. Brian Crozier, ein konservativer
britischer Kommunismusexperte, stellte die bedeutende Frage, ob es die Vereinigten Staaten oder die
Sowjetunion sein werde, die zuerst zusammenbrechen. Die Antwort, gestützt auf diese Analyse, unter
der Voraussetzung einer Wirtschaftskrise und fortdauernder amerikanischer Unterstützung von
"Perestroika," lautet: Die USA werden zuerst zusammenbrechen, wenn sie sich mit der geballten
Sowjetmacht und der chinesisch-russischen Strategie auseinandersetzen müssen.
Die Amerikaner sollten sich von Gorbatschow und "Perestroika" distanzieren. Es sollte keine
Gipfeltreffen, keine Kredite und keine westliche Technologie für die Sowjetunion und andere
kommunistische Staaten geben. Der amerikanischen Elite sollte davon abgeraten werden, in die
Sowjetunion zu reisen, und für die Angehörigen der Sowjetelite sollten keine Einladungen in die USA
ausgesprochen werden.
Das kommunistische Regime sollte sich selbst überlassen werden und im
eigenen Saft schmoren, um die eigenen Probleme ohne westliche Unterstützung zu
lösen. Schließlich behaupten sie, daß ihr System das beste der Welt sei, und von allen
anderen Staaten übernommen werden sollte. Die beste Methode zum Umgang mit
"Perestroika" in der Sowjetunion und der "Umstrukturierung" in den USA ist es, Gorbatschow und
seinen Freunden alles zu verweigern, was sie vom Westen fordern. Natürlich kann eine solche

116
Gegenstrategie nur wirksam sein, wenn sie gleichzeitig von den USA und allen westlichen
Verbündeten praktiziert wird.
Präsident Reagan würde als echter amerikanischer Staatsmann in die Geschichte eingehen,
würde er seinem Amtsnachfolger, dem amerikanischen Volk und allen Verbündeten nach seinem
Moskaubesuch eine klare Warnung vor den Gefahren von "Perestroika" aussprechen und das
Erfordernis für eine wirksamen Gegenstrategie verkünden.
Unter Lenins "Neuer Wirtschaftspolitik" in den 1920er Jahren, eröffnete eine kluge Großmutter einen
Laden und verdiente etwas Geld. Da sie den Sowjetbehörden mißtraute, versteckte sie ihren Gewinn in
einem Strumpf. Später erschien Lenins Geheimpolizei GPU, um ihre Ersparnisse zu beschlagnahmen.
Die Beamten forderten, zum Geldversteck geführt zu werden. Die Großmutter weigerte sich. Sie wurde
verhaftet und bedroht. Aber sie blieb bei ihrer Weigerung. Also wechselten die Beamten die Taktik.
Mit großer Freundlichkeit erklärten sie ihr, man sei damit beschäftigt, eine große Gesellschaft zu
errrichten, die als Sozialismus bezeichnet wird, wofür das Geld der kleinen Kapitalisten, also auch ihr
Geld, benötigt werde. Sie brachten die Großmutter in ihre Zelle zurück und forderten sie auf,
gründlich darüber nachzudenken. Einige Zeit später kehrten sie zurück und fragten, ob sie es sic h
überlegt hatte. "Ja," antwortete sie. "Ich habe darüber nachgedacht. Wenn ihr das Geld nicht dafür
habt, solltet ihr keinen Sozialismus aufbauen."
Das ist der Rat, den Präsident Reagan Gorbatschow erteilen sollte. "Wenn ihr das Geld nicht
habt, dann baut keinen Kommunismus auf und bittet uns Amerikaner nicht um Hilfe: Wir werden
nämlich nicht unsere eigene Beerdigung finanzieren."

117
VIERTER TEIL

DIE DURCHFÜHRUNG DER


"PERESTROIKA"-STRATEGIE
UND DIE BLINDE REAKTION
DES WESTENS

Die Sieben Schlüssel


Zum Verständnis von
"Perestroika"

118
Memorandum an die CIA: März 1990

DIE DURCHFÜHRUNG DER "PERESTROIKA"-STRATEGIE

DIE FEHLBEURTEILUNG VON "PERESTROIKA"


DURCH DIE BUSH-ADMINISTRATION HABEN DEN
WESTEN IN DIE IRRE GEFÜHRT

Die aktive Einbindung der Bush-Administration in die Maßnahmen zur Unterstüzung Gorbatschows
und seiner "Perestroika" beweist, daß die Regierung unter Bush unfähig ist, die hinter "Perestroika"
stehende Strategie zu erkennen und zu verstehen. Sie ist blind gegenüber den feindseligen Absichten
und den Gefahren, die sie mit sich bringt. Die Neubeurteilung von "Perestroika" hat zu nichts geführt.
Allenfalls dazu, daß die Nebelwand durch die erneute Fehleinschätzung noch dichter geworden ist.
Anstatt die Fehler zu berichtigen, die mit der naiven euphorischen "Umarmung" Gorbatschows und
seiner "Perestroika" durch Präsident Reagan gemacht worden sind, hat Bush die Irrtümer seines
Vorgängers nicht nur übernommen, sondern erheblich verschlimmert, indem er das Sezenario von
Brzezinski und Genscher von der notwendigen Unterstützung Gorbatschows durch den Westen
uneingeschränkt anerkannte. Hierdurch wurde dem Westen – was einer Katastrophe gleichkomt – die
falsche Richtung gewiesen. Es handelt sich um einen Fall, wo "ein Blinder die Blinden führt." Die sich
durch diese Blindheit für den Westen ergebenden Folgen sind offensichtlich:
10. Die Bedeutung der Entwicklung in der kommunistischen Welt wurde
mißverstanden, und die hinter den Aktionen der Kommunisten stehenden
Absichten wurden fehlinterpretiert. Feinde wurden als Freunde angenommen und
werden so behandelt, als seien sie Verbündete des Westens. Der Westen reagiert mit
Euphorie und istg sich des dadurch angerichteten erheblichen Schadens für die
Demokratie nicht bewußt. Die Blindheit des Westens gestattet es den Sowjetstrategen, im
Westen alles auf den Kopf zu stellen. Diese Blindheit wird zu einem kritischen
destabilisierenden Faktor in den internationalen Beziehungen, der westlichen Diplomatie,
dem Handel, der Wirtschaft, den Medien und den westlichen Gesellschaften ganz
allgemein. Die destabilisierende Wirkung und Verwirrung, die sich aus dieser Blindheit
ergibt, kann an den folgenden Beispielen verdeutlicht werden:
(a) Einige amerikansiche Generäle bringen ihre Unsicherheit bezüglich der sowjetischen Absichten
zum Ausdruck und glauben, daß das neue militärische Denken der Sowjets auf einer
"Verteidigungsdoktrin" basiert. Diese Annahme wird durch das fortgesetzte sowjetische Programm zur
Verbesserung ihrer strategischen Waffensysteme widerlegt.
(b) Es gibt Berichte über Meinungsverscheidneheiten zwischen den Verteidigungsorganisationen über
die Einschätzung der sowjetischen militärischen Bedrohung.
(c) Der Kongreß übt weiter Druck aus im Hinblick auf fortschreitende massive Reduzierung des
Verteidigungsetats und des Truppenabzugs aus Europa.

119
(d) Eine zunehmende Akzeptanz der gefährlichen Idee von der Integration der UdSSR und ihrer
Verbündeten in die internationalen Wirtschafts- und Finanzorganisationen der freien Welt,
einschließlich der Europäischen Gemeinschaft, breitet sich aus.
(e) Während ein sowjetischer Außenminister im NATO-Hauptquartier empfangen wird, reist ein
führernder Experte in Sowjetangelegenheiten nach Moskau, um die Sowjetstrategen anzuweisen, wie
sie mit "Perestroika" fortdahren sollen.
(f) Die Unterdrückung der türkischen Minderheit in Bulgarien hat zu einem militärischen Bündnis
zwischen Bulgarien und Griechenland gegen die Türkei geführt, dem griechischen Verbündeten an der
Spdflanke der NATO.
(g) In ihrer Verwirrung über "Perestroika" und"Glasnost" benutzt die amerikanische Spionageabwehr
nicht mehr den gesunden Menschenverstand, sondern verläßt sich auf (gefälschte) offene Quellen der
Sowjets.
(h) Zwischen den Emigranten aus den Baltischen Staaten und Osteuropa besteht gleichfalls
Verwirrung. Manche halten die "Veränderungen" für echt.
(i) Es ist ein sicheres Zeichen von Blindheit, wenn der Westen einen überzeugten Leninisten wie
Gorbatschow als einen vertrauenswürdigen zukünftigen Parnter betrachtet.

11. Die blinde amerikanische Akzeptanz von "Perestroika" lenkt die USA von
ihren eigenen Prioritäten ab, wie beispielsweise der kritischen Situation in
Lateinamerika, wo zerbrechliche Demokratien der ungeteilten Äaufmerksamkeit
bedürfen.

12. Wegen dieserBlindheit unterlassen es die USA und Westeuropa, sich auf ihre
eigenen vorrangigen Probleme zu konzentrieren und nach
Lösungsmöglichkeiten zu suchen. Stattdessen setzten sie ihre Mittel ein, um
die Probleme ihrer Genger in der kommunistischen Welt zu lösen, ohne die
wahre Natur der dortigen Vorgänge zu verstehen. Hierdurch wird den Sowjets
die Möglichkleit geboten, ihre finanziellen Lasten auf den Westen abzuwälzen – wodruch
der "Übergang" zu einem "Sozialismus mit menschlichem Antlitz" gewährleistet wird.
Durch diese Blindheit wird derWesten zu einem aktiven Helfer bei der erfolgreichen
Durchführung der Sowjetstrategie der kommunistischen "Erneuerung" auf Kosten der
westlichen Interessen. Der Westen entwickelt sich zu einem blinden Katalysator für seine
eigene langfristige Destabilisierung.

13. Amerikanische Blidnheit schwächt die Position der USA als führende Nation
der westlichen Welt und eröffnet für die Sowjets die Möglichkeit, für weitere
Manipulationen des Westens durch "Perestroika" zum Schaden der
westlichen Bündnisse. Der Unterschied zwischen der amerikanischen
Vorstellung von einem vergrößerten Europa, auf gebaut auf westliche

120
Werte, und der sowjetischen Vorstellung von einem neutralen sozialistischen
Europa vom Atlantik bis zum Ural, aufgebaut auf eine erweiterte
sozialistische Europäische Gemeinschaft unter der tatsächlichen Hegemonie
Moskaus, wurde aus den Augen verloren.

14. Blindheit hindert die USA daran, die sich bietenden Gelegenheiten zur
Einflußnahme auf Ereignisse und Entwicklungen in Osteuropa, und ganz
besonders in Ostdeutschland, zu nutzen, die in die Richtung einer "echten"
Demokratie und einer Stärkung der strategischen Interessen des Westens
führen könnten.

15. Blindheit hindert die USA auch daran, die destabilisierenden Auswirkungen
auf die westdeutsche Wirtschaft durch die unausgereifte Entscheidung der
Vereinheitlichung der Währung (1 : 1) und den Ausstieg aus der taumeldnen
Wirtschaft Ostdeutschlands zu erkennen. Dieselbe Blindheit führt zur völligen
Verkennung der katastrophalen Auswirkungen, die sich aus der Zulassung von 2,4
Millionen ehemaligen und gegenwärtigen Mitgliedern der Deutschen Kommunistischen
Partei (SED) zu Landtags- und Bundestagswahlen ergeben. Die kommunistischen
Strategen planen, sich Kanzler Kohls zu entledigen, sobald er die für seine Unterschrift
vorbereiteten bilateralen Verträge unterzeichnet hat. Dasselbe gilt für seine
"konservativen" Christdemokraten. Sie beabsichtigen, die Sozialdemokraten (oder eine
Rot-Grüne Koalition) an die Macht zu bringen, welche das sowjetische Konzept von einem
"neutralen sozialistischen Deutschland" und seiner destabiliserenden Wirkung auf
die NATO akzeptieren wird.

16. Blindheit gegenüber den sowjetischen Interessen zur Destabiliserung und


Neutralisierung hindert die USA an der Erkenntnis der tatsächlichen
Zusammenhänge bezüglich der über Jahre vom KGB-Ableger "Rote Armee-
Franktion" (RAF) durchgeführten Attentate. Beispielsweise den Mord an Dr.
Herrhausen, Vorsitzender der Deutschen Bank, und an einem Dutzend oder
mehr Angehöriger des deutschen militärischen Industriekiomplexes und
Angehöriger der US-Streitkräfte in Europa. Es gibt keinen Zweifel daran, daß die
Namen der betroffenen Deutschen von der "Hit-Liste" des KGB, die ungefähr 150.000
Namen von Deutschen enthält, als potenzielle Hindernisse für sie Sowjetstrategie
betrachtet werden, gestrichen wurden.

Einschüchterung durch die Ermordung der deutschen Elite wird von einer weiten Spanne weiterer
Praktiken begleitet werden. Ähnlich, wie sie der KGB über Jahre hinweg in Finnland durchgeführt
hat. Die bekannt gewordene Moskaureise von Marcus Wolf, dem Leiter des ostdeutschen

121
Sicherheitsdienstes (Stasi), läßt vermuten, daß die wichtigeren Mitarbeiter der "Staatssicherheit"
an den KGB abgegeben wurden. Der KGB wird diese Agenten, zusammen mit den von ihm bereits
installierten Zellen, dazu einsetzen, nationale Wahlen im Wege der Erpressung und Bestechung
von deutschen Politikern, zu beeinflussen. In gleicher Weise wird Einfluß auf Parteien durch
Infiltration, Spaltung und Übernahme ausgeübt werden.
Die weitreichende Durchsetzung der deutschen Geheim- und Sicherheitsdienste durch den KGB
und Stasi, hat die Möglichkeit der Bloßstellung von Mitgliedern der deutschen Elite geschaqffen,
wodurch sie verwundbar geworden sind, was ihre Manipulation durch den KGB mittels Druck und
Erpressung möglich macht. Es ist wahrscheinlich, daß diese Strategie bereits während des
"Wiedervereinigungsprozesses" zum Einsatz kommen wird. Die Blindheit gegenüber all diesen
Aktivitäten hat dazu geführt, daß der Westen sich mehr mit einer imaginären Bedrohung, die von
der Wiedervereinigung Deutschlands ausgehen könnte, befaßt, als mit der real existierenden
Bedrohung durch die Sowjetunion – ein Umstand, den Moskau zum Vorteil der Sowjets geschickt
in die Verhandlungen einbrachte.

17. Westliche Blindheit läßt hochgesteckte Erwartungen über die zukünftige


Zusammenarbeit mit dem "erneuerten" kommunistischen Regime
aufkommen. Diese Illusionen fördern ein unbegründetes Vertrauen, das es dem Westne
unmöglich macht, eine klarere objektivere Vorstellung von dem zu bekommen, was es mit
dem "Wandel" in der kommunistischen Welt und seiner tatsächlichen Bedeutung wirklich
auf sich hat.

18. Blindheit führt zur ideologischen, politischen und militärischen


Entwaffnung des Westens und der damit unabwendbaren Konsequenzen.

19. Westliche Blindheit und Verwirrung ermöglichen es Moskau, die


kommunistische "Erneuerung" immens zu beschleunigen, Uneinigkeit
zwischen den USA, Westeuropa und Japan zu tragen, den Westen zu
destabilisieren, und die sowjetischen Muster der Strategie gegen die USA
anzuwenden. Die blinde Unterstüzung von "Perestroika" in der UdSSR und Osteuropa
beweist, daß die Bush-Administration den Kern der Strategie und die damit auch für den
Westen verbundenen Folgen, überhaupt nicht erkannt hat. Diese Blindheit wird
letztendlich in Ernpchterung umschlagen und dem Zusammenbruch der
falschen US-Langzeiterwartungen führen, was vermutlich zum "Endsieg"
der Sowjetstrategie der "Annäherung" mit den Mitteln der Politik führen
wird.

122
SIEBEN SCHLÜSSEL ZUM VERSTÄNDNIS DER "PERESTROIKA"-STRATEGIE
"Perestroika" ruht auf sieben Säulen, die gleichzeitig die Schlüssel zum Verständnis
der Strategie liefern. Es sind folgende:

(c) Die innovative Anwendung der Erfahrungen Lenins mit der "Neuen
Wirtschaftspolitik" im gesamten Kommunistischen Block.
(d) Die Vorbereitung des Einsatzes des gesamten Polit- und Sicherheitspotenzials
der Blockstaaten.
(e) Die Schaffung einer "kontrollierten politischen Opposition" durch den KGB
und die Sicherheitsdienste der anderen kommunistischen Staaten nach den
Vorschlägen Shelepins.
(f) Lenins Idee von der Verschmelzung alter und neuer Formen zur Entwicklung
des Sozialismus und der Erringung des kommunistischen Endsieges.
Georgiy Chicherins Vorschlag von der Schaffung "falscher repräsentativer Institutionen"
durch die Zulassung von nichtkommunistischen Mitgliedern.
(g) Die Entwicklung einer "kontrollierten politischen Opposition" im Rahmen der
Schaffung neuer "demokratischer" und "nichtkommunistischer" Strukturen.
(h) Lenins Erfahrungen mit fiktiver "Unabhängigkeit" in den Fernöstlichen und
Georgischen Republiken.
(i) Das neue Muster einer antiwestlichen Strategie und der Einsatz des gesamten
politischen Potenzials der Blockstaaten im Rahmen der Strategie.

Die westliche Blindheit gegenüber der hinter "Perestroika" verborgenen Strategie resultiert
aus der Ignoranz, Ignoranz und nochmals Ignoranz des Westens gegenüber diesen sieben Schlüsseln.
Diese Blindheit kann durch Kenntnis geheilt werden. Der Westen weiß nicht, was
"Perestroika" ist, woher sie stammt, welche Kräfte an ihrer Durchsetzung beteiligt sind, welches die
Ziele sind, und welche Taktiken gegen den Westen zur Anwendung kommen.
Dr. Henry Kissinger hatte recht, als er offen zugab, der Westen wisse absolut nichts über die
neue Generation der Sowjetführer, die an der Durchsetzung von "Perestroika" beteiligt ist. Der
Westen hält "Perestroika" für eine Improvisation Gorbatschows. Den Sowjets ist gelungen, gegenüber
dem Westen zu verheimlichen, daß es sich bei "Perestroika" um eine Strategie handelt, die auf Lenin
zurückgeht.

DER ERSTE SCHLÜSSEL: Lenins NWP als Vorläufer von "Perestroika"


Zur Erläuterung, wie die "Perestroika"-Strategie entwickelt wurde, und wie Lenins NWP als Vorläufer
mit einbezogen wurde, ist ein kurzer historischer Rückblick hilfreich. Auf den folgenden Seiten wird
daher das erorderliche Hintergrundwissen über die Entscheidung zur Entwicklung einer sowjetischen
Langzeitstrategie vermittelt.

123
Die Entscheidung spiegelte einen entschiedenen Versuch der Kommunisten iwder, aus der
Krise, die in den letzten Lebensjahren Stalins über das Sowjetimperium kam, zu lernen und Schlüsse
zu ziehen.
Vor der Entwicklung und Annahme der sowjetischen Langzeitstrategie wurden mehrere
Versuche zur Überwindung der Krise unternommen – durch Andrei Zhdanov, der in Lenins
Erfahrungen mit der "Neuen Wirtschaftspolitik" einen Ausweg sah, von Beria, der eine weitreichende
Liberalisierung, einschließlich der Wiedervereinigung Deutschlands, plante, von Georgiy Malenkov,
der sogar bereit war, einen wirklichen Bruch mit der Vergangenheit plante, und mit Chrischtschow,
dessen Verurteilung der von Stalin begangenen Verbrechen das Nahen des "Tages der Wahrheit"
beschleunigte.

DIE KRISE DES SOWJETIMPERIUMS


In den letzten Jahren der Ära Stalin wurde das Sowjetimperium von einer Reihe von Krisen geschüttelt, von
denen alle Bereiche der Regierung, der Partei und ihrer Politik und Ideologie, und die internationale
kommunistische Bewegung betroffen waren. Die sowjetische Wirtschaft und Landwirtschaft lag am Boden. Die
Geheimpolizei, gefüttert von einer Armee von Informanten, verhaftete unzählige Tausende von Sowjetbürgern,
von denen man vermutete, sie würden antisowjetische Ansichten vertreten.
Intellektuelle wurden eingeschüchtert, bedroht und verbannt. Nationale Minderheiten wurden
mißhandelt und unterdrückt. Für eine gewisse Zeit wurde der Anti-Semitismus zur offiziellen Partei- und
Regierungspolitik. Nationalistische Untergrundbewegungen wurden rücksichtslos unterdrückt, nur, um wieder
aufzutauchen. Über Nordsibirien erstreckte sich ein Netzwerk von Gefangenenlagern, in denen Millionen
Sowjetbürger vegetierten. In den Satellitenstaaten lag die Wirtschaft am Boden, und ihr Ansehen war ruiniert. Sie
teilten das Schicksal ihres sowjetischen Meisters. Die Parteiführer Osteuropas wurden zu Manrionetten
degradiert, und ihre Völker zu Vasallen. Jugoslawien brach aus dem Block aus und suchte die Hilfe des Westens –
wobei eine neue Häresie geschaffen wurde, der Titoismus. In anderen Satellitenstaaten wurden führende
Parteibonzen verhaftet und als Titoisten vor Gericht gestellt.
Die Beziehungen zu dem neuen Verbündeten, zum kommunistischen China, die einst so stark gewesen waren,
verschlechterten sich, als es den chinesischen Führern bewußt wurde, wie ungemütlich die Atmosphäre im
gesamten Sowjetblock geworden war. In der nichtkommunistischen Welt hatte die kommunistische Bewegung,
unbeweglich in ihren revolutionären Taktiken, durch sowjetische Spionage und weltweit für ein Instrument der
Sowjetpolitik gehalten, alle Sympathie verloren, die sie im Krieg gegen Deutschland gewonnen hatte. Sie war
demoralisiert, isuliert und handlungsunfähig. Stalins einzigeReaktion auf die Krise war weiterer Terror und
verstärkte Unterdrückung der Massen.

DIE VERSCHIEDENEN VERSUCHE ZUR BEHERRSCHUNG DER KRISE IM


SOWJETBLOCK VOR ANNAHME DER "PERESTROIKA"-STRATEGIE

Zhdanovs Polit-Szenario
Stalins engen Verbündeten in der Sowjetführung, sich der Irrationalität der Politik bewußt, die
durchzuführen ihnen aufgetragen worden war, mangelte es an Mut, die Exzesse Stalins einzudämmen
oder seine Politik zu kritisieren. Nur Zhdanov, Sekretär des Zentralkomitees der Partei und möglicher

124
Nachfolger Stalins, zusammen mit einer kleinen Gruppe von Landleuten aus Leningrad, trauten sich,
untereinander über eine alternative Politik zu diskutieren. Zhdanov und seine Gruppe hatten die
explosive Lage in der UdSSR und ihren Satellitenstaaten erkannt. Sie sahen in der Anwendung von
Lenins "Neuer Wirtschaftspolitik" eine Möglichkeit zur Bewältigung der Krise. Der bekannte
Wirtschaftswissenschaftler Kikolay Voznesenskiy, ein Mitglied der Gruppe um Zhdanov, verlangte
mehr Flexibilität bei der Planung, reduzierte Investionen bei der Schwerindustrie, die Entwicklung
einer Leichtindustrie und Erleichterungen für die kollektivierten Bauern. Selbst für Privatinitiativen
setzte er sich ein. Aleksey Kuznesov, der die Aktivitäten der Geheimpolizei überwachte, war gegenüber
der Massenunterdrückung kritisch eingestellt.. Er schlug eine Verbesserung der Behandlung
nationaler Minderheiten und größere Freiheit für Intellektuelle (vermutlich ein Paradoxon angesichts
der bisherigen Behandlung der Intellektuellen durch Zhdanov). Es ist allgemein bekannt, daß
Zhdanov unter mysteriösen Umständen plötzlich starb, und seine Verbündeten erschossen wurden.
Als Ironie mag gelten, daß Zhdanbovs Pläne zur Wiederanwendung der "Neuen Wirtschaftspolitik"
nach Lenin, später von den Strategen Chruschtschows übernommen wurden, als sie ihre
Langzeitstrategie "Perestroika" formulierten.

Berias Politik: Persönliche Diktatur mit Liberalisierung


Durch die Liquidierung der Gruppe um Zhdanov durch Stalin, blieb die Partei ohne einen
erkennbaren Nachfolger in der Führung, was zu einem Machtkampf führte. Unbeeindruckt viom
Schicksal Zhdanovs, zu können. Er beabsichtigte, das System der kollektivierten Farmen aufzugeben.
Die Krise auf dem Agrarsektor war von ihm erkannt worden, und ebenso, daß die Probleme
durch eine kollektivierte Landwirtschaft nicht zu beheben waren. Auch war ihm die feindselige
Haltung der Bauernschaft nicht verborgen geblieben, die das Regime politisch diskreditiert hatte. Er
ging davon aus, daß hochtechnisierte private Landwirtschaft zu einer schnellen Verbesserung der Lage
auf dem landwirtschaftlichen Sektor führen würde. Er stützte seine Annahme auf das Beispiel von
Lenins NWP. Beria beabsichtigte, die Unterdrückung der nationalen Minderheiten in der UdSSR
durch eine Politik der liberalen Überwachung zu ersetzen. Ferner beabsichtigte er die Beibehaltung
der nationalen Kulturen der Baltischen Völker, der Juden und Ukrainer.
Außerdem plante er eine Amnestie für politische Gefangene, insbesondere für die
Nationalisten, von denen die Untergrundbewegungen unterstützt worden waren. Er hielt diese Lösung
für den besten Weg, diese Bewegungen aufzulösen. Für Schriftsteller und andere kreativ Schaffende,
sah er eine größte Freiheit der Meinungsäußerung vor. Er wollte die Massenemigration der
sowjetischen Juden nach Israel oder sonstwo ins Ausland gestatten. Allerdings waren seine Motive
keineswegs rein humanitärer Natur: Er beabsichtigte, die in der UdSSR zurückgebliebenen
Angehörigen der jüdischen Auswanderer zur Stärkung des sowjetischen Einflusses in Israel zu nutzen.
Die Instabilität in den Satellitenstaaten sollte durch wirtschaftliche und politische Reformen,
vergleichbar den für die UdSSR geplanten Reformen, beseitigt werden.
Er hoffte, daß die Gewährung einer größeren Unabhängigkeit bei ihren internen
Angelegenheiten wieder Männer in die Regierung zurückbringen würde, die von Stalin ins Gefängnis

125
gebracht oder aus ihren Ämtern vertrieben worden waren. Das ostdeutsche Regime erachtete er als
völlig diskreditiert, und die Ostdeutschen reif für einen Aufstand.
Er sah voraus, daß sich eventuelle Aufstände in Ostdeutschland auf andere Satellitenstaaten,
in die Baltischen Republiken und schließlich in die UdSSR ausweiten würden. Aus diesem Grund war
er bereit, das kommunistische Regime in Ostdeutschland zu opfern. Zur Verbesserung der
Beziehungen mit dem Westen, war er in der Tat zu beachtlichen Zugeständnissen bereit. Der
sowjetische Rückzug aus Ostdeutschland, eine Übergangslösung für das deutsche Problem, die
Auflösung der Kominform und ein "niedriges Profil" hinsichtlich der Aktivitäten der Spionagedienste
im Westen, würden die Grundlage für ein Gipfeltreffen mit den westlichen Führern bilden, und zu
einer Abschwächung der Spannungen zwischen den Blöcken führen. (29)
Trotz all dieser Reformen und Versuche, blieb es das Hauptziel Berias, seine persönliche
Diktatur zu errichten. Seiun Programm war radikal und flexibel und hatte kaum Anleihen beim
Marxismus-Leninismus gemacht. Nicht ganz grundlos wurde Beria als ein "Agent des Imperislismus"
entlarvt, verhaftet und erschossen.

Malenkovs Politik: Ein kurzer, avber echter Versuch zum "Bruch mit der
Vergangenheit"

In drei Hauptbereichen beabsichtige Malenkov politische Veränderungen herbeizuführen: Bei der


Wirtschaft, der Rolle der Sicherheitsdienste und bei den Beziehungen zum Westen. Wsie auch Beria,
war Malenkov die Landwirtschaftskrise und den niedrigen Lebensstandard des Sowjetvolkes,
insbesondere der Landbevölkerung und Bauernschaft, vollkommen bewußt. Er beabsichtigte nicht, am
System der kollektiven Landwirtschaft etwas zu ändern, sondern die Industrie wieder aufzubauen.
Mit diesen Absichten hielt er im August 1953 seine Rede vor dem Obersten Sowjet, mit der er
einen "neuen Kurs" vorschlug. Seine Politik zielte d arauf ab, die Bevorzugung der Schwerindustrie
aufzugeben, und den Kapitalfluß der Leichtindustrie zukommen zu lassen. Außerdem sollten
Ressourcen der militärischen Produktion auf den Bereich der Konsumgüter verlagert werden. Er
erhöhte die Investitionen in die Leichtindustrie, in die Landwirtschaft und den Häuserbau, bei
gleichzeitiger Kürzung der Ausgaben im militärischen Bereich. Gleichzeitig verkündete er die
Aussetzung von Stalins "Großen Kommunistischen Bauwerk" – eines großen Kraftwerks und den Bau
eines Kanals in Zentralasien.
Er erhöhte die Textil- und Lederwarenimporte, bezahlte die Lieferungen mit Goldwährung aus
einer besonderen Staatsreserve. Er beabsichtigte die Reduzierung der Truppenstärke, um mehr
Kapital und Arbeitskräfte für die Leichtindustrie zur Verfügung zu haben. Für die Bauernschaft
verfügte er einige Erleichterungen: Den kollektiven Landwirtschaftsbetrieben wurde in gewissem
Umfang ein Schuldenerlaß gewährt, die Preise für landwirtschaftliche Erzeugnisse durften bei
gleichzeitger Steuerreduzierung angehoben werden. Außerdem wies Malenkov Beria an, eine
allgemeine Amnestie für Gefanfgene zu verfügen.
Auf Initiative Malenkove wurde eine geheime Entscheidung zur Schließung von achtzig
Prozent aller sowjetischen Gefängnisse im Verlauf von zwei bis drei Jahren nach Inkrafttreten der

126
Generalamnestie getroffen. Schriftstellern und Künstlern wurde eine größere Meinungsfreiheit
gewährt: Es wurde zum "kritischem sozialistischen Realismusmus" asnstelle von Stalins
"Sozialistischen Realismus" ermutigt. Nach der Entfernung von Beria kritisierte Malenkov öffentlich
das gesamte Sicherheitssystem und seine Praktiken. Er setzte Reformen ingang, die auf die
Reduzierung der Rolle der Dienste im Staat und in der Regierung abzielten.
Das Sonderbüro des Innenministeriums, das sich bei der Entscheidung über das Schicksals in
Abwesenheit veruteilter Verdächtiger ungesetzlicher Macht bediente, wurde aufgelöst. Malenkov
erteilte die Anweisung zur vorzeitigen Pensionierung von "Chekisten" (Geheimpolizei) der alten
Schule. Hierdurch wurde der Personalbestand der Sicherheitspolizei verringert, und der Einstieg
besser ausgebildeter jüngerer Beamter ermöglicht. Er erteilte den Sichertheitsdiensten den Befehl, alle
Beschuldigten aus ihren Karteien zu streichen, gegen die nur ein vager oder vermeintlicher Verdacht
vorlag, und gab Anweisung, sich auf die selektive Überwachung und Unterdrückung von wirklichen
"Staatsfeinden", ausländischen Spionen und antisowjetischen Emigrantenorganisationen im Ausland
zu konzentrieren. Da diese Maßnahmen spontan und vorbereitungslos erfolgten, hätten sie zu einer
echten politischen Liberalisierung führen können.
Malenkov begann eine wirkliche Entspannungspolitik mit dem Westen. Im Juli 1953 wurde
der Waffenstillstand in Korea unterzweichnet. Diplomatische Beziehungen mit Israel und Jugoslawien
wurden aufgenommen. Malenkov unterstützte Berias Entscheidung zur zum Abbau des
Sicherheitspersonals in Deutschland – der noch vor dem Aufstand vom Juni 1953 durchgeführt
wurde. Nach der Revolte entschied Malenkov, um eine Grundlage für die Entspannung mit dem
Westen zu schaffen, daß er bereit wäre, das kommunistische Regime in Ostdeutschland zu opfern und
einer Wiedervereinigung zuzustimmen. Allerdings unter der Voraussetzung, daß ein wiedervereinigtes
Deutschland neutral sein müsse. Er glaubte, diese Maßnahme würde zur Auflösung der NATO führen,
und daß die Entspannung zwischen Ost und West danach realisiert werden könnte.
In seiner Rede über den "Neuen Kurs," forderte er Verhandlungen zur Verbesserung der
Beziehungen mit den Vereinigten Staaten von Amerika. Am wichtigsten von allem aber, war seine
Erklärung vom 12. März 1954, "daß es in einem Dritten Weltkrieg keine Sieger geben würde."
Malenkovs Politik wurde von Chruschtschow als "reformistische Abweichung von der
Landespolitik und Kapitulation gegenüber dem auslmändischen internationalen Imperialismus"
bezeichnet. Malenkov wurde wegen seines "abenteurlichen, unrealistischen Ansatzes" zur
Verbesserung der Lebensverhältnisse des Volkes gescholten. Gescholten wurde er auch für seinen
Vorschlag an die Führer der "Volkrepubliken," insbesondere an Imre Nagy in Ungarn, zur Übernahme
seines "abenteuerlichen Kurses, durch den die Lage in diesen Staaten in Gefahr begracht würde."
Chruschtschow behauptete, Malenkovs "Kapitulation gegenüber den westlichen
Imperialisten" in auswärtigen Angelegenheiten durch seine Bereitschaft zur Preisgabe des
kommunistischen Ostdeutschland an den Westen, und seine politisch fehlerhafte Erklärung, es gäbe
nach einem Dritten Weltkrieg keine Sieger, sei beispielhaft für den Gesamtirrtum der Strategie
gewesen.

127
Nach Chruschtschows Meinung hätte Malenkov sagen sollen, daß das kapitalistische System
untergehen würde, der Kommunismus würde hingegen einen Atomkrieg überleben. Wegen dieser
politischen Fehler wurde Malenkov aus dem Amt des Premierministers entfernt.
(29) Anmerkung des Herausgebers: Der Autor hatte diese Erkenntnisse über Beria der CIA vor den kürzlichen Bloßstellungen
Berias, und vor dem Erscheinen des Buches von Amy Knight, einem führenden Analytiker, mit dem Titel: "Beria: Stalin's First
Lieutenant" zugeleitet. In diesem Buch wird ausgeführt, daß Beria nach Stalins Tod mit einer Politik liberaler Reformen begann,
die viel weitereichender und radikaler war als alles, was Chruschtschow jemals versucht hat. Beispielsweise verfaßte er ein
Geheimdokument it dem Titel: "Maßnahmen zur Verbesserung der Politischen Lage in der DDR," mit dem er die ostdeutsche
Führung anwies, den Versuch zur Erzwingung des Sozialismus für ihr Land einzustellen, freies Unternehmertum zuzulassen
und die Wiedervereinigung Deutschlands zu fördern [Quelle: The New York Times, 3. November 1993]

Chruschtschows Politik vor Annahme der Strategie von 1958/60


Vor 1959 war Chruschtschows Politik amateurhaft und inkonsistent. Er spielte bei der Verurteilung
der Praktiken und Verbrechen Stalins eine Schlüsselrolle. Seine Offenbarungen über Stalins
Verbrechen trieben die Krise beschleunigt auf den Höhepunkt. Der gesamte Ostblock versank in einer
Woge des Aufruhrs. Aufruhr in Georgien, den Sowjetischen Baltischen Republiken und in einigen
größeren Städten der UdSSR, wurde von offenen Aufständen in Polen und Ungarn, sowie einer
hochexplosiven Situation in Rumänien, Tschechoslowakei und Ostdeutschland begleitet.
Die sowjetische Führung war gelähmt und entscheidungslos. Chruschtschows Schicksal hing
am seidenen Faden. Aber, ausgelöst durch chinesischen Führer, und verstärkt durch die Uneigkeit des
Westens über die Suez-Krise, entsandte Chruschtschow Truppen nach Ungarn und schlug den
Aufstand nieder. Für einige Zeit danach, bediente sich Chruschtschow wieder der stalinistischen
Politik der Unterdrückung von politischer Opposition im gesamten Block.
Die chinesischen Führer verhielten sich entsprechend mit ihrem Feldzug "Der tausen
Unkräuter," indem sie alle "Revisionisten" und "Kritiker" aus einflußreichen Positionen entfernten.
Im Juni 1957 kam es zur Entscheidungsschlacht im Machtkampf. Die "Antipartei-Gruppe,"
angeführt von Nikolay Bulganin uund Vyacheslav Molotov, versuchten Chruschtschow zu stürzen,
wobei sie seine Rückkehr zu stalinistischen Methoden und den Kult um seine eigene Person zum
Anlaß nahmen. Der Versuch scheiterte. Chruschtschow und seine Anhänger behielten die Oberhand,
womit der Machtkampf entschieden und beendet war. Jetzt stand der Weg für langfristige Planungen
offen.
Chbruschtschow bemühte sich um die Normalisierung der Beziehungen zu den
jugoslawischen, ungarischen, polnischen und chinesischen Führern auf der Grundlage der
Verurteilung von Stalins Abweichung vom reinen Marxismus-Leninismus. Es kam zum Abschluß eines
Geheimabkommens über die Formulierung einer Langzeitpolitik und -strategie für den Block und die
internationale kommunistische Bewegung. Sowjetstrategen begannen mit der Auswertung der
Archive auf der Suche nach theoretischen und praktischen Erkenntnissen aus den Erfahrungen der
früheren sowjetischen Experimente.

Die Hauptelemente von Lenins "Neuer Wirtschaftspolitik" [NWP]

128
Im Verlauf dieser auf höchster Ebene durchgeführten Nachforschungen entdeckten die Strategen
verblüffende Ähnlichkeiten zwischen der Lage im sowjetischen Block von 1958, und der Lage
Sowjetrußlands von 1921. Die Übereinstimmungen waren folgende: Eine identische Krise des
Sowjetregimes 1921 und 1958, identische separatistische Tendenzen der Nationalrepubliken
Sowjetrußlands 1921, und der Blockstaaten 1958, identische ungünstige Unausgewogenheit der
Machtverhältnisse zwischen der Sowjetunion und Westeuropa 1921 und des Sowjetblocks gegenüber
der NATO 1958, als die USA gegenüber der UdSSR die uneingeschränkte militärische Überlegenheit
besaßen, und der Zusammenhalt der westeuropäischen Länder größer war als im Sowjetblock.
Lenins Lösung für die Probleme von 1921 war eine Langzeitpolitik unter
Einbindung der Regierung, der Partei und der Komintern, die als "Neue
Wirtschaftspolitik" oder NWP bekannt geworden ist. Im Verlauf der folgenden acht Jahre
war dieser Politik ein spektakulärer Erfolg beschieden. Lenins Strategie lief darauf hinaus, seine
westlichen Opponenten zur Akzeptanz einer Politik zu bringen, die ihren Interessen zuwiderlief, wobei
er sich als Mittel zum Zweck der Täuschung und des Betruges bediente.
Er akzeptierte, daß es zur Stärkung des Regimes und der Ideologie für die Partei erforderlich
sei, sich vom starren "Kriegskommunismus" zu lösen. Es war erforderlich, einen Schritt zurück zu
gehen, um zwei Schritte nach vorn machen zu können. Zeitlich befristete Zugeständnisse waren
unverzichtbar.
Lenins NWP bot ausländischen Industriellen Handelskonzessionen an und lud sie dazu ein, in
Sowjetrußland Unternehmen zu eröffnen, und hier insbesondere in Georgien. Unter der NWP wurden
die sowjetischen Industrieunternehmen als "Konzerne" geführt, denen es gestattet war, auf
Gewinnbasis zu arbeiten. Durch die NWP wurde es sowjetischen Unternehmern gestattet, ihre eigenen
privatwirtschaftlichen Unternehmen zu gründen und zu betreiben.
Unter der NWP betrieben die Sowjets eine ideologische Mäßigung, und einen
geschäftsmäßigen Umgang bei Verhandlungen mit dem Westen. Eine Fülle von Informationen über
die wirtschaftlichen Bedingungen in Sowjetrußland wurden bekannt. Reisebeschränkungen wurden
teilweise aufgehoben. Im Ausland lebende Emigranten wurden unter Amnestie zur Rückkehr
ermutigt, während man es Sowjetbürgern die Emigration erlaubte. Sowjetdiplomaten begannen auf
die Bedeutung der friedlichen Koexistenz mit dem Westen hinzuweisen. Die alte repressive
Sicherheitspolizei wurde auf Lenins Forderung hin, zu einer Einheit umorganisiert, die auf den ersten
Blick ein weniger verhaßter Dienst war – in die GPU [Staatspolitisches Direktorarat].
Trotz dieser Fassade von angeblich opportunistischen Zugeständnissen, die den Eindruck
vermittelten, daß sich das ideologische Regime der Sowjets in die Richtung des Kapitalismus bewege,
war die Essenz der NWP nach Lenin, der Aufbau des Sozialismus: Mit seinen Worten Sie [die NWP]
wir über einen längeren Zeitraum sorgfältig durchgeführt werden – über fünf bis zehn Jahre."
Während der NWP stand die Industrie auch weiterhin unter der Kontgrolle der Partei. Die
Partei leitete Maßnahmen zur Eliminierung des Separatismus ein, indem sie eine Föderation von
Nationalrepubliken unter einer Zentralregierung schuf. Die nationale Wirtschaftsplanung wurde

129
eingeführt, die zuerst auf dem Energiesektor durch den Bau von Elektrizitätswerken praktiziert wurde,
um das Land zusammenzubinden.
Die GPU spielte bei der Durchführung der NWP eine aktive Rolle. Sie überwachte in- und
ausländische Kapitalisten. Sie unterdrückte echte Oppositions-Gruppen unter den Mitgliedern der
ehemaligen politischen Parteien und der Kirche oder schaltete sie aus, indem sie falsche, kontrollierte
Organisationen schuf. Das Staatspolitische Direktorat verriet eine dieser Gruppen, bestehend aus
ehemaligen zaristischen Generälen und Adligen, die als "der Trust" bekannt geworden ist, an die
westlichen Nachrichtendienst, von denen diese Organisation als echte Untergrundorganisation
anerkannt wurde.
Im Fernen Osten gründete Lenin eine vermeintlich unabhänige, nichtkommunistische
Fernöstliche Republik als Pufferstaat zwischen Sowjetrußland und Japan. Aber ihre Unabhängigkeit
und Antikommunismus waren eine reine Fassade. In Wahrheit wurden alle Entscheidungen mit den
Sowjets koordiniert, und nach zwei Jahren wurde die Mitgliedschaft in der Sowjetunion beantragt und
genehmigt.
Kapitalistische Zugeständnisse in Georgien und die Nutzung der dortigen Einrichtugnen für
den Handel mit Europa und den _Vereinigten Staaten von Amerika, sollten den Eindruck der
Unabhängigkeit Georgiens vermitteln, obgleich der Staat von sowjetischen Truppen besetzt war.
Lenin begann eine aktivistische Diplomatie, der er erfolgreich praktizierte – wobei er die
Widersprüchlichkeiten und Konflikte zwischen den führenden westlichen Mächten, insbesondere
zwischen dem besiegten Deutschland und den Siegermächten, geschickt für sich nutzte. Indem er die
Zugeständnisse und vermeintliche ideologische Mäßigung des Sowjetregimes voll ausnutzte, gelang
ihm der Abschluß des "Rapallo-Paktes" mit Deutschland. Das Abkommen sicherte Sowjetrußland die
Behandlung eines "Meistbegünstigten Staates" zu und erstreckte sich auf alle Bereiche der
Wirtschaftsbeziehungen. Deutschland stellte Kredite und miltärische Technologie zur Verfügung.
Lenin machte den Sowjetstaat und seine Ressourcen von der Unterstüzzung der
internationalen revolutionären Bewegungen abhängig. Die Komintern wurde aktiv und verhielt sich
kalkuliert gemäßigt, und die sowjetischen und ausländischen Kommunistischen Parteien gingen
zeitlich befristete Bündnisse mit sozialistischen und nationalistischen Parteien, insbesondere ein, was
in besonderem Maße für China galt.
Die zu beantwortende Kernfrage lautet: Warum hat der Westen die hochideologische Politik
nicht verstanden, und warum wurde diese Strategie für einen spontanen, opportunistischen Rückzug
zum Kapitalismus gehalten? Die Antwort lautet, daß Lenin und die Sowjetpresse die
opportunistische Form der Politik nachhaltig herausstellten, und dabei alle Anzeichen
eines idealistischen Inhalts erfolgreich unterdrückt werden konnten.
Für die Dauer der NWP verfügte Lenin, daß die Informationspolitik der Partei sich eines
Doppelstandards zu bedienen hatte, wobei zu unterscheiden war, was der Öffentlichkeit mitgeteilt
werden durfte, und welche Informationen lediglich den Parteimitgliedern vorbehalten bleiben sollten.
Nach Lenins Regeln durfte den Parteimitgliedern die reale Politik und ihre Ziele mitgeteilt werden,

130
aber diese Information dürfte weder der Öffentlichkeit, noch den ausländischen Kapitalisten
bekannt werden.
Wie er es ausdrückte: "Beabsichtigt man, ausländisches Kapital anzulocken, kann man nicht
reden, wie auf einer Parteiversammlung" [siehe Lenins Gesammelte Werke, 5. Auflage, Band 42,
Seiten 55-78]. Lenins Erklärung gegenüber der Partei, daß der Kapitalismus in Rußland zeitlich
befristet sei, wurde gegenüber der Öffentlichkeit unterdrückt und erst 1965 bekannt gegeben [Lenins
Gesammelte Werke, Band 54, Seite 131].
Es ist wichtig, festzuhalten, daß Lenin die begrenzte Möglichkeit eines einzelnen Sowjetstaates
zur Einflußnahme auf die westliche Politik durchaus bewußt gewesen ist.
Wiederum mit seinen Worten: "Die Aufgabe der Umwandlung einer nationalen Diktatur des
Proletariats (nur in einem Staat existierend und unfähig, Einfluß auf die internationale Politik zu
nehmen) in eine internationale Diktatur (der wenigstens mehrere entwickelte Länder angehören, und
darum die Möglichkeit der entscheidenden Einflußnahme auf die gesamte internationale Politik
gegeben ist) ist ausßerordentlich real und steht kurz vor der Erfüllung" [Lenins Gesammelte Werke,
Band 41, Seite 165].
Lenin fand eine kurzfristige Teillösung für dieses Problem, indem er eine kommunistisch
kontrollierte Fernöstliche Republik hinter der Fassade politischer Unabhängigkeit gründete. [siehe
oben].
Es ist auch wichtig, darauf hinzuweisen, daß sich die Zugeständnisse Lenins angesichts der
politischen Schwäche des Sowjetregimes in den 1920er Jahren auf den Wirtschaftssektor beschränkt
blieben. In diesem Zusammenhang lehnte Lenin den Vorschlag seines Außenministers Chicherin ab,
der empfohlen hatte, gegen "solide Gegenleistung" sollten die Sowjets die Amerikaner durch kleine
ideologische Zugeständnisse täuschen, beispielsweise die Zulassung einiger Nichtkommunisten in die
herrschende Organisation – um den Anschein einer repräsentativen Institution zu erwecken. Bei ihrer
Durchforschung der Archive, stießen die Strategen Chruschtschows auf dieses Mittel – und wandten
es in einem weitaus größeren Stil an.

Die Folgen von Lenins "Neuer Wirtschaftspolitik"


Die "Neue Wirtschaftspolitik" war ein großer Erfolg. Die Voraussagen westlicher Experten bezüglich
der Evolution des Regimes und des Niedergangs des Kommunismus haben sich als falsch erwiesen.
Das sowjetische kommunistische Regime ging nicht unter, sondern baute seine Macht aus. Der
sowjetische Zusammenschluß zerbrach nicht in nationale Komponenten, sondern entwickelte sich zu
einer Föderation. Der Westen war verwirrt.
Durch die NWP gelang es Lenin, die westliche Politik zu Gunsten der aowjetischen Interessen
zu beeinflussen. Das Sowjetregime erlangte weitreichende diplomatische Anerkennung, weitete den
Außenhandel aus und verschaffte sich westliche Kredite und Technologie. Die Wahrscheinlichkeit
eines westlichen anti-sowjetischen Bündnisses war in weite Ferne gerückt. Die Spaltungen in Europa
und Asien verstärkten sich. Die Komintern und ausländische Kommunistische Parteien wurden
wiederbelebt.

131
GEHEIME FORSCHUNG ÜBER DIE ERFAHRUNGEN MIT DER NWP
Gegen Ende 1957 wurden Sonderstudien zur Auswertung der Erfahrungen mit der NWP vom
Zentralkommitee der KPDSU gefordert und als "äußerst dringlich" und wichtig bezeichnet. Das
Informationskommitee, die Forschungsabteilung des KGB-Instituts, die Forschungsabteilung der
Schule für Hochintelligenz, die Forschungsabteilungen der politischen Nachrichtendienste und
Sonderinstitute der Akademie der Wissenschaften, wie das "Institut für Recht und Geschichte,"
leisteten ihre Beiträge zu diesem Forschungsprojekt. So wurde beispielsweise auf Anordnung Serovs,
das KGB-Insitut mit zahlreichen entsprechenden Forschungsprojekten beauftragt, um den
Forderungen des Zentralkommites nach einer Spezialstudie zum Thema "Sicherheitsnetzwerke" zu
entsprechen.
Zu den zu berücksichtigenden Aspekten gehörte auch das Potenzial der Sicherheitsdienste im
politischen und ideologischen Kampf zwischen den Systeme: Das Potenzial zur Einflußnahme auf den
Westen durch den Einsatz von Agenten unter den Sowjetwissenschaftlern und Intellektuellen, das
Potenzial zur Voranbringung der Innen- und Außenpolitik durch den Einsatz von Preistern der
verschiedenen Glaubensrichtungen, die Förderung neuer Methoden zum Umgang mit Nationalisten,
das Problem der Staatsgeehimnisse, einschließlich des Mittels kalkulierter Bekanntgabe, und
Vorschläge für neue Formen der Zusammenarbeit zwischen den Sicherheitsdiensten der
"Sozialistischen Staaten."
Eine Anzahl von Studien beschäftigte sich ausschließlich mit Lenins "Neuer
Wirtschaftspolitik," ihrer Ziele, Taktiken, "Reformen," die Art der Zugeständnisse gegenüber dem
Kapitalismus, die Mittel zur Durchsetzung der Politik, die Rolle der Sicherheitsdienste und die
Funktion der Desinformation. Eine Studie stützte sich auf Geheimdokumente aus NATO-Staaten: Es
wurden die Auswirkungen von Gipfeltreffen über westliche Demokratien mit denen auf das
kommunistische Regime verglichen.
Die Studie gelangte zu der Schlußfolgerung, daß es bei öffentlichem Druck und den
Besorgnissen der westlichen Politiker über zukünftige Wahlkampagnen, es für eine wetliche Regierung
schwierig wäre auf einer Gipfelkonferenz vernünftig und angemessen zu reagieren, was den Sowjets
eine Vielzahl von Möglichkeiten bot, diese Schwäche zu ihrem Vorteil zu nutzen. Eine andere Studie
gelangte zu der Erkenntnis, daß das demokratische System im Bereich der Außenpolitik wegen der
Rechenschaft, die sie für ihr Handeln gegenüber der öffentlichen Meinung ablegen mußte, im Nachteil
befand, was radikale politische Veränderungen unmöglich erscheinen ließ.
Besondere Aufmerksamkeit wurde der Rolle der Sicherheits- und Nachrichtendienste in bezug
auf Desinformation und politisches Agieren gewidmet. Vergangene Operationen dieser Art gegen
kapitalistische Länder wurden analysiert, und ihre Auswirkungen auf die auswärtigen Beziehungen
genutzt. Die Erfahrungen der sowjetischen Dienste bei der Durchführung der NWP wurden sorgfältig
analysiert, um zu erkennen, wie sich die Schaffung künstlicher Krisen und die Praxis der
politischen Agitation und Desinformation sich zum Vorteil der Sowjets auf die internationalen

132
Beziehungen ausgewirkt hatten. Operationen der Sicherheitsdienste, wie "The Trust" fanden
besondere Beachtung.
Es wurden drei Sonderstudien durchgeführt:

"Staatsgeheimnisse, und wie sie im Interesse der Politik offegelegt werden


können,"
"Der politische Inhalt, und wie er auf unterschiedliche Weise dargestellt werden
kann, und
"Erfahrungen durch die Errichtung der Fernöstlichen Republik"

Weitere Studienprojekte beschäftigen sich mit den Möglichkeiten zur Verstärkung der
Zusammenarbeit der Nachrichten- und Sicherheitsdienste der kommunistischen Staaten, um ihre
vereinten Ressourcen für gemeinsame politische Operationen einsetzen zu können. Als Ergebnis all
dieser Forschungstätigkeit wurde beschlossen, den anderen Blockstaaten die Anpassung der neuen
Strategie auf der Grundlage der "Neuen Wirtschaftspolitik" zu empfehlen.
Es folgten inmtensive Konsultationen zur Formulierung der neuen kommunistischen
Strategie. Die Konsultationen erfolgen bilateral und multilateral, mit der Gesamtheit der Blockstaaten
und weltweit auf Regierungs- und Parteiebene. Es liegt eine Fülle von Beweisen aus offiziellen Quellen
vor, daß es vor der Annahme der Strategie gegen Ende der 1960er Jahre, zwischen den
Kommunistischen Parteien deer Blockstaaten einen aktiven Erfahrungsaustausch über die "Neue
Wirtschaftspolitik" gegeben hat [siehe jährliche Ergänzung "Große Sowjetenzyklopädie" für die Jahre
1957, 1958 und 1959].
Mao entschloß sich dazu, seine gesamte Zeit den Problemen der neuen Strategie zu widmen.
Bis auf den Parteivorsitz der Kommunistischen Partei Chinas, gab er alle Ämter auf. Selbst Tito leistete
einen wichtigen Beitrag. Der Höhepunkt all dieser Studien war war Ende 1960 erreicht, als die neue
Strategie, gestützt auf die NWP und andere relevante Erfahrungen, abgesegnet und angenommen
wurde.
Obwohl gerundsätzlich auf die NWP gestützt, erfolgten bei der neuen Strategie fundamentale
Anpassungen an die komunistische Theorie, Praxis und Taktiken, die durch die Existenz des
Kommunistischen Blocks, des NATO-Bündnisses und anderer Veränderungen in den internationalen
Beziehungen, die sich seiot 1920 ergeben hatten, bedingt waren. Obwohl man sich vieler erprobter
Elemente der NWP auch weiterhin bediente, wurden aber auch beachtliche Neuerungen in die
Strategie einbezogen. Einerseits resultierten sie aus den Erfahrungen mit Stalins tragischer Tyrannei
und seiner Unterdrückung der Massen, und andererseits durch die zwischenzeitliche Errichtung des
Kommunistischen Blocks. Unter Lenin wurde die "Neue Wirtschaftspolitik" von einer einzigen
Kommunistischen Partei und einem einzigen kommunistischen Staat, von Sowjetrußland,
übernommen und ausgeführt. Die neu Strateige wurde von einem Block von dreizehn herrschenden
Kommunistischen Parteien in dreizehn kommunistischen Staaten, einschließlich des
kommunistischen China, übernommen, die alle ihr gesamtes Potenzial einbrachten.

133
Gorbatschow zu "Perestroika"
In seinem Buch "Perestroika" [Harper & Row, New York, 1987], unterläßt es Gorbatschow, darauf
hinzuweisen, daß "Perestroika" die logische Fortsetzung, und in der Tat, die Endphase der
Langzeitstrategie von 1958-1960 ist. Gorbatschow präsentiert "Perestroika" als ein neues Produkt
oder als ein Programm oder "Generallinie" der Partei, das vom Zentralkommitee der KPDSU auf
einer Sitzung im April 1985 angenommen wurde. Allerdings gibt Gorbatschow zu, "Lenin sei eine
ideologische Quelle" von "Perestroika," aber sein Eingeständnis ist sehr allgemein gehalten. Er
schreibt [auf Seiten 11-12 der verbesserten Ausgabe PERENNIAL LIBRARY von 1988]:

"Die Werke Lenins und seiner Ideale vom Sozialismus blieben für uns eine
unerschöpfliche Quelle kreativen dialektischen Gedankengutes, theoretischem
Reichtum und politischem Scharfsinn... Die Hinwendung zu Lenin, hat die Partei und
Gesellschaft bei ihrer Suche nach Erklärungen und Antworten auf Fragen, die sich
gestellt haben, großartig inspiriert... Die leninistische Periode ist in der Tat sehr
bedeutsam. Sie ist insofern instruktiv, als sie die Stärke der marxistisch-leninistischen
Dialektik bewiesen hat, die Schlußfolgerungen, die sich auf die Analyse der aktuellen
historischen Situation stützt. Vielen von uns war bereits vor der Plenarsitzung vom
April [1985] bewußt, daß alles, was zum Bereich der Wirtschaft, Kultur, Demokratie,
Außenpolitik – alle Bereiche – gehört, neu bewertet werden mußte."

Es dient der Klarstellung, daß sich Gorbatschow in einer Fußnote auf Seite 96 auf die "Neue
Wirtschaftspolitik" bezieht, und ihren Inhalt in einem kleinen Absatz als Nahrungsmittelbeschaffung
von der Bauernschaft gegen geringes "Entgelt" beschreibt. Ferner erwähjnt er, daß Konzessionen an
ausländische Firmen erteilt wurden, und das Privatunternehmertun, insbesondere Einzelhandel, bis
zu einem gewissen Grade erlaubt gewesen ist.
Da Gorbatschow "Perestroika" falsch dargestellt hat, indem er es unterließ zu erwähnen, daß
es sich um die Endphase der Langzeitstrategie von 1958-60, basierend auf dem Vorbild von Lenins
Neuer Wirtschaftspolitik handelt, war der Autor gezwungen, den vorstehenden historischen
Hintergrund darzustellen. Ausgehend davon, daß Lenins NWP der Erste Schlüssel zum Verständnis
von "Perestroika" ist, wird nachstehend anhand von Fakten, im Gegensatz zu den vagen
Ausführungen Gorbatschows, bewiesen werden, wir diese Erfahrungen von den Sowjetstrategen
überarbeitet und angewendet worden sind.

DER ZWEITE SCHLÜSSEL: VORBEREITUNGEN FÜR DEN EINSATZ DES GESAMTEN POLIT-
UND SICHERHEITSPOTENZIALS DER BLOCKSTAATEN

134
Im Jahre 1921 war Lenins Regime politisch und militärisch schwach. Dennoch wurde die Strategie der
Neuen Wirtschaftspolitik nach nur einjähriger Vorbereitungszeit übernommen. Die heutigen
kommunistischen Strategen hatten nicht wneiger als fünfundzwanzig Jahre Zeit für die Vorbereitung
der strategischen Endphase, nämlich "Perestroika."
Im Verlauf dieser fdünfundzanzig Jahre hatte sich die UdSSR zu einer militärischen
Supermacht gewandelt. Das Regime hatte seine politische Grundlage im Staat ausgeweitet und echte
politische Opposition neutralisiert und aufgelöst. Bezeichnender ist, daß die UdSSR und andere
kommunistische Staaten ein Polit- und Sicherheitspotenzials zur Verfügung haben, wie es der
ehemalige KGB-Vorsitzende Shelepin ausdrückte, das ihrem Militärpotenzial entspricht oder es
sogar noch übertrifft.
Zum politischen Potenzial zählen 19 Millionen ergebene sowjetische Kommunisten, Millionen
junger Kommunisten des Komsomol, Millionen von Gewerkschaftsmitgleidern und Millionen von
Wissenschaftlern und anderen Intellektuellen, die im marxistisch-leninistischen Sowjetsystem
aufgewachsen sind.
Das Sicherheitspotenzioal besteht einerseits aus den Armeen von Geheimagenten des KGB
und der Sicherheitsdienste anderer kommunistischer Blockstaaten, Kirchenführern und der
politischen Elite, und andererseits den Nachrichtendiensten der einzelnen Blockstaaten mit ihrer
Armee von Agenten, einschließlich hochrangiger Einflußagenten. Alle diese Mittel wurden über einen
Zeitraum von fünfundzwanzig Jahren zum Einsatz in der Endphase der Langzeitstrategie entwickelt
und ausgebildet.

DER DRITTE SCHLÜSSEL: DIE SCHAFFUNG EINER KONTROLLIERTEN "POLITISCHEN


OPPOSITION" IN DEN KOMMUNISTISCHEN STAATEN

Der Westen unfähig, die täuschende, kontrollierte Natur der neuen "demokraitschen"
und "nichtkommunistischen" Strukturen zu erkennen, die in der UdSSR und
Osteuropa eingeführt worden sind.
Der Westen jubelt darüber, daß ehemalige "Dissidenten," die Angehörigen der "verfolgten
politischen Opposition," im Rahmen der neuen Strukturen jetzt Präsidenten, Premierminister,
Regierungsmitglieder, Parlamentsabgeordnete und Botschafter werden. Es ist den Kommunisten
erfolgreich gelungen, dem Westen zu verheimlichen, daß diese von Blockparteien und
ihren Sicherheitsdiensten im Verlauf der langen Vorbereitungszeit von "Perestroika"
vorsätzlich geschaffen, gefördert und gelenkt worden sind. Dieses Phänomen stellt in
gewisser Weise den Einsatz des Polit- und Sicherheitspotenzials des Blocks im Interesse der Strategie
dar.

135
Zu diesem Zweck waren der KGB und die Sicherheitsdienste der anderen kommunistischen
Staaten angewiesen worden, eine kontrollierte "politische Opposition" auf der Grundlage der NWP-
Erfahrungen zu schaffen. Während der Durchführungsphase der NWP, schuf die GPU – Lenins
politische Polizei – eine falsch "Oppositionsbewegung," die als der "Trust" bezeichnet wurde. Ihre
Mitglieder wsaren ehemalige zaristische Generäle und Angehörige des Adelsstandes.
Die GPU ließ Informationen über diese "Oppositionsbewegung" an die westlichen
Nachrichtendienste durchsickern, die sie als echt anerkannten, darauf vertrauten und getäuscht
wurden. Ausgehend von der GPU-Erfahrung mit dem "Trust," haben die kommunistischen
Sicherheitsdienste ihre eigene Version von "politischer Opposition" – die "Dissidentenbewegung,"
geschaffen. Die Angehörigen dieser Bewegung entstammen der unter dem kommunistischen Regime
aufgewachsenen intellektuellen Elite.
In der UdSSR und China wurden logischerweise Atomwissenschafter in die Reihen der
"Dissidenten" integriert, und zwar wegen ihres potenziellen Impaktes auf Abrüstungsverhandlungen.
Dem KGB und anderen Diensten ist es gelungen, diese Bewegungen den westlichen
Nachrichtendiensten und dem Westen allgemein, als "echt" zu verkaufen. Der Westen hat sie als echt
anerkannt und seine Zukunft auf sie gesetzt.

DER VIERTE SCHLÜSSEL: LENINS VERSCHMELZUNG ALTER UND NEUER FORMEN ZUR
ENTWICKLUNG DES SOZIALISMUS, UND CHICHERINS VORSCHLAG VON FALSCHEN
REPRÄSENTATIVEN INSTITUTIONEN DURCH DIE ZULASSUNG VON NICHTKOMMUNISTEN

Der Westen hat auch einen weiteren Aspekt der Einführung falscher, kontrollierter "demokratischer"
und "nichtkommunistischer" Strukturen in der UdSSR und Osteuropa nicht erkannt, der von den
Kommunisten erfolgreich verheimlicht wurde. Nämlich, daß sich die Grundlage dieser Strukturen auf
die Gedanken Lenins und seines fähigen Kommissars für Auslandsangelegenheiten Chicherin zur Zeit
der "Neuen Wirtschaftspolitik" stützt.
Ein Element zum Verständnis dieser Grundlage findet sich in Lenins Rat an die
Kommunistischen Parteien: " Trachtet dfanach, die eine besondere, machtvolle, spezifisach nationale
Taktik zu finden, die unseren internationalen Zielen dient.. bis zum Endsieg des Kommunismus." Alle
Parteien, forderte Lenin, müßten die radikale Phraseologie des linken Flügelösablegen. Sie müssen auf
die Anwendung einer Reihe von Taktiken – alten und neuen, legalen und illegalen - vorbereitet sein.
"Internationaler Kommunismus," fuhr er fort, "muß sich nicht nur neuen, sondern auch alten Formen
ujnterwerfen – nicht nur, um die alten mit den neuen zu versöhnen, soindern um alle Formen, alte
und neue zu einer einzigen Waffe zu verbinden, die dem Kommunismus den uneingeschränkten,
totalen und entscheidenden Sieg bringen wird." Dem Rat Lenins folgend, haben die Sowjetanalytiker
und Arbatovs "Institut zum Studium der USA und Kanadas" sich mit dem Studium der westlichen
Demokratien, ihrer politischen Prozesse und Medien beschäftigt.
Es ist besonders aufschlußreich, daß Aleksandr Yakovlev, ein führernder "Perestroika"-
Stratege, Yevegnij Primakov, ein weiterer führender Stratege, Tatyana Zaslavskaya, eine
Wirtschaftswissenschaftlerin und Direktorin eines Instituts für Öffentliche Angelegenheiten, und

136
Nikolay Shmelev, ein führender Wirtschaftswissenschaftler hinter "Perestroika," alle in den USA
studiert haben. Dem Rat Lenins folgend, haben diese Strategen sich der Formen westlicher
Demokratie bedient, sie mit neuem kommunistischen Inhalt aufgefüllt und in der UdSSR und
Osteuropa als Grundlage für die Annäherung und als machtvolle neue Waffe zur Erringung des
kommunistischen Weltsieges eingesetzt.
Ebenso wahrscheinlich ist es, daß prominente Einflußagenten im Westen mit Kenntnissen von
den amerikanischen Verhältnissen, vorgeschlagen haben, daß es zur Eroberung der USA
unverzichtbar sei, den Kommunismus zu "amerikanisieren" und in "demokratische" Kleider zu hüllen.
Die Einführung der täuschenden "demokratischen" Formen in der kommunistischen Welt ist ein
weiterer Hinweis des Einsatzes des gesamten Polit- und Sicherheitspotenzials der Blockstaaten,
insbesondere der kontrollierten "politischen Opposition," im Interesse der Strategie.
Ein weiterer Schlüssel zum Verständnis dieser "demokratischen" Formen ist der bekannte
Hinweis Chicherins an Lenin. Am 20. Januar 1922, kurz vor der Konferenz von Genua, schrieb
Chicherin an Lenin:
"Für den Fall, daß Amerika auf repräsentativen Institutionen bestehen sollte, meinen Sie
nicht, daß wir sie - gegen solide Gegenleistungen – insofern täuschen sollten, als wir geringen
ideologischen Zugeständnissen ohne jede praktische Auswirkung zustimmen sollten? Wir könnten
beispielsweise die Anwesenheit von drei Vertretern der Nichtarbeiterklasse in der Körperschaft von
2.000 Vertretern der Arbeiterklasse gestatten. Ein solchr Schritt könnte den Amerikanern alsd eine
"Repräsentative Institution" vorgeführt werden [Fragen zu der Geschichte der KPDSU, Nr. 4, 1962,
Seite 152].
Wegen dieser damaligen Krise in Sowjetrußland, und der schmalen politischen Basis des
Regimes, lehnte Lenin Chicherins eher bescheidenes Täuschungsmanöver ab. Die Idee wurde jedoch
im großen Stil von Lenins Nachfolgern wieder aufgegriffen.

DER FÜNFTE SCHLÜSSEL: DER EINSATZ KONTROLLIERTER "POLITISCHER OPPOSITION"


IN "DEMOKRATISCHEN" UND "NICHTKOMMUNISTISCHEN'" STRUKTUREN

Angesichts der Reife des gegenwärtigen kommunistischen Regimes, der Stärke ihres Polit- und
Sicherheitspotenzials, und der langen Vorbereitungsphase der kontrollietren "politischen Opposition,"
befinden sich diese Regime in der Lage, den Vertretern der "nichtkommunistischen" Parteien ein
Drittel, die Hälfte oder sogar mehr der Sitze in ihren Parlamenten und Regierungen zu überlassen, um
diese Institutionen als "repräsentativ" und "demokratisch" erscheinen zu lassen. Es sollte in diesem
Zusammenhang beachtet werden, daß Chicherins Schreiben an Lenin bis 1962 als Staatsgeheimnis,
also bis nach Annahme der gegenwärtigen Strategie. Der Zeitpunkt der Veröffentlichung beweist die
Bedeutung des Schreibens für diese Strategie.
Der Aufbau einer kontrollierten "politischen Opposition" hat die Einführung täuschender
"nichtkommunistischer" und "demokratischer" Strukturen erst ermöglicht. Selbst sogenannte
freie Wahlen stellen für die Kommunisitschen Parteien kein Problem dar. Wegen ihrer
geheimen Partnerschaft mit der "Opposition" befinden sich die Kommunistischen

137
Parteien stets auf der Seite des Wahlsiegers. Es sind ihre Kandidaten – Kommunisten
oder Nichtkommunisten – die in jedem Fall gewinnen. Es gibt keine wirklich unabhängigen
Kandidaten.
Dies ist die neue Staatskunst der Kommunistischen Parteien und ihrer Sicherheitsdienste: Des
ist die neue Form zur Entwicklung des Sozialismus. Sie ermöglicht es den Kommunistischen Parteien,
ihre Basis zu erweitern und, in Übereinstimmung mit den Beschlüssen des 22. Parteitags vom Oktober
1961, das überholte Konzept der "Diktatur des Proletariats" durch das neue Konzept vom
"Volkkssataat" zu ersetzen, während sie ihre Macht erhalten, und ihre führende Rolle stärken.
Die Kommunisten habem dem Westen erfolgreich verheimlicht, daß die
"nichtkommunistischen" Parteien die geheimen Partner der Kommunisten sind, keine Alternative
oder Rivalen, und daß die neuen Machtstrukturen, obwohl sie sich den Anschein von Demokratie
geben, uneingeschränkt unter der Kontrolle der Kommunistischen Parteien stehen. Wegen dieser
Kontrolle handelt es sich bei den Blockstaaten nicht um echte Demokratien, und gleichzeitig wird
wirksam verhindert, daß sie sich in der Zukunft zu solchen wandeln könnten. Die frühere Akzeptanz
falscher politischer Opposition als echte durch den Westen, hat logischerweise zu der gegenwärtigen
unkritischen Akzeptanz der vorgetäuschten "Demokratie" als echte Demokratie geführt. Marx sagte:
Ein einmaliges Ereignis sei echt. Wiederholt es sich ein zweites Mal, ist es eine Frace. Die
fehlgeschlagenen Versuche zur Errichtung einer Demokratie in Ungarn und Polen im Jahre 1956
waren echt. Die gegenwärtige Einführung von Demokratie in der UdSSR und Osteuropa ist eine Farce:
Es ist Pseudo-Demokratie (Demokratismus). Die Kommunisten haben uns eine Vielzahl von
Hinweisen geliefert, aber die westlichen Politiker und Nachrichtendienste haben sie alle übersehen.

DER SECHSTE SCHLÜSSEL: LENINS ANWENDUNG VON FORMALER POLITISCHER


"UNABHÄNGIGKEIT" IN DEN FERNÖSTLICHEN UND GEORGISCHEN REPUBLIKEN

Der Westen ist unfähig, den kontrollierten Hintergrund des Aufkommens von "unabhängigen"
Republiken in Osteuropa und in den Baltischen und Transkaukasischen Rewgionen des
Sowjetimperiums zu erkennen. Der Westen befürchtet, daß die wachsende "Unabhängigkeit" dieser
Republiken zur Auflösung des Imperiums, und zu Anarchie und Chaos führen könnte. Aber der
Schlüssel zum Verständnis für diese aufkommende "Unabhängigkeit" findet isch in Lenins
Erfahrungfen mit der Schaffung formal "unabhängiger" Republiken in Fernost und Georgien, die ihre
Politik im Geheimen mit Lenins Regierung in Moskau abstimmten.
Nach gewissen Offenlegungen durch A. S. Stepanov in einem in "Geschichte der UdSSR,"
Moskau, Nr. 5, 1975, bezeichnenderweise während der Vorbereitungen für die Endphase der Strategie
veröffentlichten Artikel, "wurde die formale Unabhängigkeit der Fernöstlichen Republik (DVR) im
April 1920 in Übereinstimmung mit Lenins strategischem Plan zur Friedenssicherung im Fernen
Osten erklärt."
Der Plan, schrieb Stepanov, verfolgte eine Reihe von Zielen: Die Verhinderung des weiteren
Vorrückens der Japaner in die Region, und die Schaffung günstiger Voraussetzungen für den Abzug
aller Truppen aus der Region, die Begründung freundschaftlicher Handelsbeziehungen mit

138
ausländischen Mächten bei gleichzeitiger Ausnutzung der Gegensätze zwischen amerikanischen und
japanischen Geschäftsinteressen durch das Angebot von Zugeständnissen, den Ausbruch aus der
Wirtschaftsblockade und diplomatischen Isolation, die damals über Sowjetrußland verhängt worden
waren, Zeitgewinn zur Verstärkung des Militärs in der DVR, die Schaffung günstiger Bedingungen für
die Niederlage der internen Opposition und der externen gegenrevolutionären Bedrohung durch die
russischen Emigranten in China und der Mongolei, und schließlich die Schaffung günstiger
Operationsbedingungen für einen Ableger der Komintern in der DVR.
Nachdem die DVR proklamiert worden war, erließ das Politbüro der Russischen Republik eine
geheime Direktive über die geheime Koordinatuion der Außenpolitik von DVR und Sowjets. Die Partei
und Verwaltung der neuen Republik, einschließlich des Außenministeriums, wurden im voraus
anfgewiesen, Lenins Plan in die Praxis umzusetzen, die ideologische Grundlage jedoch
geheimzuhalten.
Im Juli 1920 schlossen die Japaner ein Abkommen mit der DVR über die Einrichtung eines
"Pufferstaates," bei dem der Kommunismus aus dem "sozialistischen System" ausgeschlossen war,
und ausländische Mächte sich nicht einmischen würden.
Die neue "unabhängige" Republik wurde zur selben Zeit zum Handelspartner der Russischen
Republik in Fernost als sie auch Handelsbeziehungen mit den USA und Japan aufnahm. Dal die
versprochenen Zugeständnisse nicht realisiert wurden, verschärfte sich die Rivalität zwischen diesen
beiden Mächten.
Die DVR unternahm (im geheimen Auftrag Sowjetrußölands) Anstrengungen zur Begründung
diplomatischer Beziehungen zu China. Es wurde der vergebliche Versuch unternommen, an der
Washingtoner Konferenz teilzunehmen, um die Anerkennung des Sowjetregimes zu erreichen.
Gleichzeitig kam es zur Gründung des Komintern-Ablegers auf dem Territorium der DVR und zur
Gründung Kommunistischer Parteien in der Fernost-Region. Nachdem die Streitkräfte in der
"unabhängigen" Republik aufgebaut waren, befriedeten sie zunächst das Gebiet der DVR und nahmen
anschließend den Kampf gegen die weißrussische Emigrantenbewegung unter der Führung von Baron
Ungern-Sternberg in der Mongolei auf. Im Juli 1921 wurde der Widerstand der Emigranten als
Vorwand für einen Staatsstreich in der Mongolei "auf Forderung" der neuen kommunistischen
Regierung benutzt. Bis zum Herbst 1922 waren das Sowjetregime und die Fernost-Armeestark genug
für den nächsten Zug. Den Japanern wurde mitgeteilt, "Rußland sei an den Pazifik zurückgekehrt."
Und militärischer, politischer und diplomatischer Druck wurde ausgeübt, um den Abzug der Japaner
aus der DVR zu erzwingen.
Am 13. November führte eine "Volksbefragung" zu dem Beschluß, bei der Sowjetregierung
einen Antrag auf Beitritt zur Russischen Republik zu stellen. Am 16. November wurde dem Antrag
stattgegeben. Die DVR wurde aufgelöst, und ihr Territorium der Sowjetunion als Fernöstliche Region
eingegliedert.
Stepanovs Artikel schrieb dieses exemplarische Beispiel einer aktivistischen Diplomatie Lenin
und Chicherin, sowie dem Premierminister der DVR, Krasnoshekov, F. Petrov, dem alten
Bolschewiken, der das Amt des Innenministers innehatte, Außenminister Y. Yanson und vielen

139
anderen Parteibonzen zu. Der Hauptgrund für den Erfolg dieser Operation und dem Versagen der
Außenpolitik, die Fernöstliche Region von Sowjetrußland abzuspalten, wurde von Stepanov als
"Koordination der Außenpolitik des Sowjetstaates und der DVR" bezeichnet, die von Lenin und der
Parteiführung gewährleistet worden war.
Ein weiteres Beispiel des leninschen Einsatzes der politischen "Unabhängigkeit" ergibt sich
aus der Geschichte der Krise in Georgien im Jahre 1921. Die Georgier standen dem Kommunismus
außerordentlich feinselig gegenüber, wie die Mehrheit der Bevölkerung auch heute noch, woraufhin
Lenin die Kommunisten zu einem gemäßigteren Vorgehen gegen die bourgeoisen Elemente anwies,
als es in der Russischen Republik der Fall gewesen ist.
Er stützte seine Anordnung auf die Annahme, daß ein gemäßigtes Vorgehen sich der
wirksamere Weg zur Befriedung der Georgier erweisen würde. Aber gleichzeitig benutzte er die
"Unabhängigkeit" Georgiens als Vorwand zur Förderung des Sowjethandels mit Italien, Deutschland
und den Vereinigten Staaten von Amerika. Er setzte eine liberale, nationale Staatsform, und eine
opportunistische Taktik zur Erreichung eines ideologischen Zieles erfolgreich ein.
Die heutigen kommunistischen Strategen verheimlichen, daß sie es sind, von
denen diese "unabhängigen" Republiken geschaffen werden, wobei im größeren Stil Lenins
Erfahrungen mit den Fernöstlichen und Georgischen Republiken ebenso, wie Stalins vorgetäuschte
Auflösung der "Komintern" im Jahre 1943, wiederholt werden. Die Strategen verheimlichen die
bestehende und beibehaltene geheime Zusammenarbeit zwischen Moskau und den "nationalistischen"
Führern dieser "unabhängigen" Republiken. Es stand ihnen ausreichend Zeit und Gelegenheit zur
rechtzeitigen Vorbereitung dieser Koordination zur Verfügung. Die Zersplitterung des
Sowjetimperiums wird nicht real, sondern fiktiver Natur sein. Es handelt sich hier nicht um
echte Selbstbestimmung, sondern um den Einsatz "nationaler" Formen im Rahmen der
Durchführung einer gemeinsamen kommunistischen Strategie. (30)
Auf den ersten Blick ist es erstaunlich, daß sich die Komunistischen Parteien der Baltischen
Republiken praktisch über Nacht zu "nationaldemokratischen" Parteien gewandelt haben sollen. Aber
es ergibt einen Sinn, wenn man berücksichtigt, daß diese kommunistischen Parteien den Kern der
neuen Organisationen bilden, wie auch die Kommunistische Partei Polens die Grundlage für
"Solidarität" bildete. Alle Mitglieder dedr alten Litauischen Kommunistischen Partei wurden
automatisch zu Mitgliedern der neuen "unabhängigen" Litauischen Partei. In den Reihen von
"Sajudis," der litausichen Volksbewegung, befinden sich ebenso viele Kommunisten, wie
Nichtkommunisten. In Lettland gibt es 180.000 eingeschriebene kommunistische Parteimitglieder,
sowie die "Volksfront" mit rund 220.000 Mitgliedern. Von ungefähr 40.000 Personen ist bekannt, daß
sie beideen Organisationen angehören.
Die Ziele der Umwandlung der Baltischen Kommunistischen Parteien in
"nationaldemokratische" Parteien, der im vorab durch die sowjetkommunistische Partei zugestimmt
wurde, sind folgende:
(a) Zumindest der Form nach Stalins historisches Vermächtnis der erzwungenen Besetzung
der Baltischen Staaten von 1940 zu verurteilen.

140
(b) Erweiterung der Basis dieser kommunistischen Parteien, um sie fpr die Rolle innerhalb
der gemeinsamen Strategie effektiver zu gestalten.
(c) Unterminierung der starken antikommunistischen Haltung der baltischen
Emigrantenbewegungen.
(d) Um für die Zukunft die kommunistische Vertretung und den Einfluß bei den
Vereinten Nationen, dem Europaparlament, anderen internationalen Organisationen,
wie dem Internationalen Währungsfond und der Weltbank, und letztlich in einem
"Gemeinsamen Europäischen Haus" zu sichern.

Der Western hat sich insbesondere über die Lage in Aserbeidschan besorgt gezeigt. Die Angst vor dem
Zerfall des Sowjetimperiums haben im Westen zu der Haltung geführt, auf Vorteile durch Unruhen in
der UdSSR zu verzichten, und einer gewaltsamen Niederschlagung solcher Unruhen durch sowjetische
Streitkräfte zuzustimmen, sollte ein solches Einschreiten zur Aufrechterhaltung der Ordnung
erforderlich werden. Diese unverständliche Haltung des Westens hat günstige Voraussetzungen für
die Einführung der neuen "nichtkommunistischen," "nationalistischen" Formen in Aserbeidschan, wie
auch in anderen Baltischen Republiken geschaffen. Der unwiderlegbare Beweis dafür, daß genau dies
erfolgt ist, findet sich in der Erklärung des ehemaligen Politbüromitglieds Gaidar Aliyev, mit der er
seine Unterstützung für die neue "politische Opposition" in Aserbeidschan zusagte. Eine völlig
logische Entwicklung, denn als ehemaliger Leiter des KGB und Parteiführer dieser Republik, hatte er
eine wichtige Rolle bei der Erschaffung und Vorbereitung dieser "politischen Opposition" und der
neuen "nationalistischen" Strukturen gespielt.
In den westlichen und sowjetischen Medien herrschte große Verwirrung über die Vorgänge in
Aserbeidschan vom Januar 1990, als Sowjettruppen angeblich eingriffen, um die Gewalt zu
unterdrücken. Die wirklichen Fakten werden vermutlich nie bekannt werden. Aber Bill Kellers Bericht
aus Baku mit der Überschrift: "Hat Moskau die Aserbeidjanis angestiftet? Manche erkennen eine
Verschwörung, veröffentlicht in "The New York Times" vom 19. Februar1990, berief sich auf Beweise
dafür, daß die Gewalt in Aserbeidschan vorsätzlich durch das Regime provoziert und die von
Polyanichko(31), Zweiter Sekretär der Kommunistischen Partei Aserbeidschans, organisiert worden
war. Es gibt drei triftige Gründe für die Schlußfolgerung der sowjetischen Provokation, die in Kellers
Bericht angeboten wird: Gorbatschow sei der Drahtzieher, um seinen Forderungen nach mehr Macht
für den Präsidenten Nachdruck zu verleihen, daß Hardliner hinter der Provokation stehen, um
Gorbatschow zu diskreditieren, oder daß der Kreml die Spaltung als Vorwand betrieb, um die
Republik mit Gewalt zusammenzuhalten.
(30) Anmerkung des Herausgebers: Im Jahre 1994 sollte es den politisch Verantwortlichen in den USA klar geworden sein, daß die Warnung
und der Rat des Autors , "die Aufspaltung des Sowjetimperiums sei nicht echt, sondern lediglich fiktiv, begründet und zutreffend war. Überall in
der "ehemaligen" UdSSR übten die Spitzenstrategen und Durchführungsbeauftragte ununterbrochen die offene Kontrolle aus. Aserbeidschan
befand sich unter dem Daumen von KGB-General Gaidar Aliyev, ein ehemaliges Mitglied von Breschnews Politbüro. Georgien wurde durch den
MVD-General Eduard Shewardnaze, ehemaliger Kommunistischer Parteisekretär in Georgien und Außenminister unter Gorbatschow,
kontrolliert. Kasachstan wurde von Nursultan Nazarbayev, ehemaligers Politbüromitglied unter Gorbatschow, beherrscht. Lettland stand unter
der Kontrolle von Anatolijis Gorbunovs, ehemaliger kommunistischer Chefideologe, Litauen wurde von Algirdas Brazauskas mit einem langen
kommunistischen Stammbaum, kontrolliert, Moldawien stand unter der Kontrolle von Mircea Snegur, einem Kommunisten, der an der Macht
geblieben war und durch Wahlen für eine kommunistische Regierung sorgte, Republik Dnjestr bezeichnnte sich öffentlich als einen Staat, der
die Methoden von 1945-47 anwendet, Rußland stand unter der Präsidentschaft des ehemaligen Generalsekretärs des Zentralkommitees der
KPDSU, Tatschikistan wurde von Rakhmon Nabiyev, dem Führer der Kommunistischen Partei, kontrolliert, Turkmenistan wurde von
Saparmurat Miyazov, einem Mitglied von Gorbatschows Politbüro geführt, Ukraine, Leonid Kravchuk, ehemaliger Chefideologe der
Kommunistischen Partei wurde von Leonid Kuchma, ehemaliger kommunistischer Direktor des sowjetischen Raketenstützpunkts abgelöst,

141
Usbekistan unter Islam Karimov behielt das kommunistische System unverändert bei, Belorußland war ein "neo"-kommuistischer
Verbündeter Moskaus, Armenien stand unter der Kontrolle von Lev Ter-Petrosyan, geobren in Syrien, von dembekannt war, daß er mit den
Strategen zusammenarbeitete, Kirgisistan befand sich unter der Knute von Askar Akayev, einem Wissenschaftler und Mitglied der
Kommunistischen Partei, und Estland unter Lennart Maris, erzielte wunderbareReformen und wurde dafür von Moskau bedroht, weil es
eifersüchtig auf die wirtschaftlichen Errungenschaften war.

(31) Nach unbestätigten Berichten wurde Viktor Polyanichko am 1. August 1993 in Vladikavaz ermordet.
Aber der wirkliche Grund gemäß dieser Analyse, ist, daß diese Vorfälle ein Teil der
Vorbereitung und Mobilisierung des politischen Potenzials der Kommunistischen Partei
Aserbeidschans und der ihr angeschlossenen oder mit ihr kooperierenden Massenorganisationen
unter der "nationalistischen" oder gar "antisowjetischen" Maske durch die Sowjetstrategen sind.
Bedenkt man, daß eine konventionelle Kommunistische Partei des Irans kaum eine Chance
hat, sich unter dem gegenwärtigen Regime weiterzuentwickeln, wird der iranische Teil
Aserbeidschans, der bereits zweimal in der Geschichte, 1920-21 und 1945 unter dem Sowjetregime
gelitten hat, zum Ziel des sofortigen Einsatz des getarnten sowjetisch-aserbeidschanischen
Politpotenzials.
Die größte "nationaldemokratische" Fraktion der Volksfront Aserbeidschans hat bereit nach
einem größeren Aserbeidschan verlangt, das 23 Millionen Aserbeidschaner auf beiden Seiten der
iranisch-sowjetischen Grenze vereinigen würde.
Das "nationalistische" Potenzial der anderen Sowjetrepubliken könnte zukünftig durchaus mit
denselben Vorgaben gegen die Türkei oder die Arabischen Staaten zum Einsatz gelangen. (32)

DER SIEBTE SCHLÜSSEL: DER EINSATZ DES POLIT- UND SICHERHEITSPOTENZIALS DES
BLOCKS BEI DER DURCHFÜHRUNG DER ANTI-WESTLICHEN STRATEGIE

Der Westen kann die Zusammenarbeit mit der Sowjetunion kaum erwarten, um das größte Problem
der Welt zu lösen. Dieser Optimismus ist völlig unbegründet, weil, obwohl der Westen diese Tatsache
ignoriert, es die Absicht der Sowjets ist, das Polit- und Sicherheitspotenzial der Blockstaaten bei der
Durchführung ihrer Strategie gegen den Westen aggressiv einzusetzen.
In der Vergangenheit, unter Lenin und Stalin, hatte der Einsatz des Polit- und
Sicherheitspotenzials lediglich eine Dimension: Die sowjetischen Sicherheitsdienste setzten ihr Polit-
und Sicherheitspotenzial repressiv gegen die eigene Bevölkerung ein. Jetzt erfolgt der Einsatz dieses
Potenzials zweidimensional: Im Inland und im Ausland.

(32) Anmerkung des Herausgebers: Die Genauigkeit der Einschätzung des Autors hinsichtlich des "nationalistischen"
Potenzials wird dazu ausgenutzt, um Reaktionen aus der Türkei und/oder Arabischen Staaten zu provozieren, wie folgendes
Beispiel beweist: Ein Dokument vom 2. August 1994, herausgegeben von Moskau durch den Obersten Rat der Republik
Georgien, in dem man dem [inzwischen ermordeten] Präsidenten Zviad Gamsakhurdia seine Unterstützung verichert, wird
ausgeführt, daß "die Präsenz und Aktivitäten der Russischen Streitkräfte in Georgien und der gesamten Transkaukasischen
Region, sowie die Annektierung Georgiens-- die Lage destabilisieren und für die Türkei und den gesamten Nahen Osten
gefährlich werden könnte. Wir können nur hoffen, daß die USA weiterte Impulse geben werden, um Aserbeidschan und die
Türkei enger an sich zu binden."

142
Der Inlandsaspekt beinhaltet den Einsatz dieses Potenzials zum Ausbau der politischen Basis
der Kommunistischen Parteien und zur Schaffung neuer "nicht-kommunistischer," "demokratischer"
und "nationalistischer" Strukturen, von denen die "Diktatur des Proletariats" durch den "Volksstaat"
abgelöst werden soll. Mit der Einführung dieser vorgetäuschten, kontrollierten "Demokratie," ist
dieser Prozeß praktisch abgeschlossen.
Der internationale Aspekt beinhaltet den aggressiven Einsatz des Polit- und
Sicherheitspotenziaks aller Blockstaaten bei der Durchführung der anti-westlichen Strategie der
Kommunisten. Angesichts des Anwachsens dieses Potenzials und ihrer militärischen Stärke, ist das
Schema der Strategie breiter angelegt, verständlicher, aggressiver und realistischer als Lenins anti-
westliche Strategie unter der NWP. Lenins Strategie stützte sich auf die Schaffung vereinter Fronten
zwischen kommunistischen und sozialdemokratischen Parteien.
Das Schema von "Perestroika" stützt sich auf den Einsatz des gesamten Polit- und
Sicherheitspotenzials des Blocks für die praktische Durchführung der Annäherung zwischen den
kommunistischen und nichtkommunistischen Systemen nach kommunistischem Diktat.
Das Hauptziel Lenis unter der NWP-Politik war es, den Westen zur Schaffung günstiger
Voraussetzungen zum Aufbau des Sozialismus in Sowjetrußland zu bewegen. Der Sozialismus sollte
als Grundlage für die Weltrevolution dienen, wobei seine Anerkennung durch den Westen durch
Handel, Technologie, Kredite und die Hilfe westlicher Spezialisten unverzichtbar war.
Die Hauptziele der "Perestroika"-Strategie sind:

(a) Westliche Reaktionen herbeizuführen, die geeignet sind, die Erneuerung und
Umwandlung kommunisitscherRegime zu attraktiven Modellen eines "Sozialismus mit menschlichem
Antlitz" zu beschleunigen.
(b) Die Schaffung günstiger Bedingungen und Voraussetzungen für den kommunistischen
Weltsieg durch die Annäherung beider Systeme.

Lenins NWP machte gegenüber inländischen und ausländischen Kapitalisten Konzessionen.


Die Strategen von "Perestroika" haben den Schwerpunkt auf Gemeinschaftsunternehmen gelegt. Das
ist verständlich. Gemeinschaftsunternehmen können zu Bindegliedern bei der Förderung der
politischen Annäherung werden.
Wegen der schmalen Grundlage seines Regimes, war Lenins NWP auf Wirtschaftsreformen
beschränkt. Die "Perestroika"-Strategen haben, unter Einsatz ihres gesamten Polit- und
Sicherheitspotenzials, politische und wirtschaftliche Reformen entwickelt und in die Strategie
eingebracht, die bei der Durchführung der anti-westlichen Strategie äußerst nützlich sind.
Lenin bediente ich einer aktivistischen Diplomatie, um die ungünstigen Machtverhältnisse zu
seinen Gunsten zu verändern, und um die Begründung einer europäischen anti-sowjetischen Koalition
zu verhindern. Die Meinungsverschiedenheiten zwischen den siegreichen westlichen Verbündeten

143
und dem geschlagenen Deutschland für sich ausnutzend, schloß er den "Rapallo-Pakt" mit
Deutschland.
Auch die Strategen von "Perestroika" haben auf das Mittel der aktivistischen
Diplomatie zur Ausnutzung der unterschiedlichen Auffassungen zwischen den USA,
Westdeutschlands und anderen europäischen Staaten zurückgegriffen. Sie nutzen die
Veränderungen in Osteuropa, den Fall der "Berliner Mauer" und die
Wiedervereinigungsfrage im Hinblick auf die Neutralisierung Westdeutschlands und
die Auflösung der NATO für sich aus. (33) Sie verheimlichen ihre Absichten zur
Nutzung des neuen "demokratischen" Erscheinungsbildes und des politischen
Potenzials ihrer erneuerten Regime in der UdSSR, Osteuropa und China zur
Voranbringung der "Umstrukturierung" in Westeuropa und insbesondere in den
Vereinigten Staaten von Amerika.

(33) Anmerkung des Autors: Die Auflösung der NATO wäre Moskaus bevorzugte Lösung gewesen, aber der Westen reagierte
nicht entsprechend, als die Sowjets den Warschauer Pakt auflösten. Trotz ihrer Verwirrung hat die NATO den Bezug zur
Realität noch nicht verloren. Aber die Sowjets verfügen über noch ausgefeiltere Pläne, angesichts der Unwahrscheinlichkeit,
daß die NATO sich auflöst, nur, weil Moskau darauf besteht, der "Kalte Krieg sei beendet."In "The Future Belongs To Freedom,"
[Sinclair-Stevenson Ltd., London, 1991] beschreibt MVD-General Eduard Shewardnaze die detaillierten Vorbereitungen
Moskaus mit dem Ziel, die zu erwartende Wiedervereinigung Deutschlands, die nur durch die Sowjets erfolgen kann, mit einer
"Umstrukturierung" der NATO zu verbinden – eine eigene "Perestroika" für das Bündnis – innerhalb des Rahmenwerks
bilateraler Verträge. "Von Anfang an haben wir die Frage der Wiedervereinigung Deutschlands mit dem Problem der Bildung
neuer Strukturen für die Sicherheit Europas verbunden... Als die Neuigkeiten über die NATO-Tagung in London [Juli 1990]
bekannt wurden, wußte ich, daß es eine Antwort gegeben hatte. Die in London gefaßten Beschlüsse machten deutlich, daß
auch die NATO neue Wege einschlagen würde, die Preisgabe des rein militärischen Schwerpunktes, und die Entwicklung einer
neuen Strategie. Höchst bedeutend war die Erklärung, die ausdrücklich feststellte, die beiden Bündnisse seien nicht länger
Feinde... Beide Seiten seien zu einem gegenseitigen Verständnis gelangt, wodurch jetzt die Möglichkeiten für die beschleunigte
Formulierung weiterer Abkommen eröffnet worden ist... Insbesondere auch für die Lösung der Frage der deutschen
Wiederveinigung in Übereinstimmung mit den Regeln des internationalen Rechts... Außerdem haben wir über die
Unterzeichnung einer Reihe weiterer wichtiger bilateraler Verträge gesprochen.

FUKUYAMA UND "DAS ENDE DER IDEOLOGIE"

144
In seinem Artikel "Das Ende der Geschichte?, veröffentlicht in "The National Interest" [Sommer
1989], bezieht sich Francis Fukuyama (34) auf Hegels Konzept der Geschichte als "einen dialektischen
Prozeß mit einem Anfang, einer Mitte und einem Ende." Insbesondere erwähnt er Hegels Erklärung,
daß Geschichte 1806 ihr Ende gefunden hatte, als er in Napoleons Sieg über die Preussische
Monarchie in der Schlacht von Jena den Sieg der Ideale der Französischen Revolution sah." Die
gegenwärtigen Veränderungen in der Welt hält Fukuyama für einen Triumpf des Westens, und den
unbeschränkten Sieg des wirtschaftlichen und politischen Liberalismus über den Kommunismus.
Er erklärt, daß der fundamentale Klassenwiderspruch zwischen Kapital und Arbeit im Westen
erfrolgreich überwunden wurde, und folglich die Anziehungskraft des Kommunismus in der
entwickelten Welt heute geringer sei als zur Zeit des Endes des Ersten Weltkriegs. Fukuyama glaubt,
die Veränderungen in der Sowjetunion "hätten den letzten Nagel in den Sarg der marixistisch-
leninistischen Alternative zur liberalen Demokratie geschlagen," und daß niemand dort, insbesondere
die Sowjetelite, noch ernsthaft an den Marxismus-Leninismus glaubt.
Fukuyama hält den Liberalismus für "den einzigen Verbindungsfaden" in den Prinzipien
Gorbatschows und der sowjetischen Reformwirtschaftler, von denen er umgeben ist.
Er geht davon aus, daß Gorbatschows Behauptung, er trachte danach, zum wahren Lenin
zurückzukehren, nicht ernst zu nehmen sei. Er glaubt, der Marxismus und die ideologischen
Grundsätze seien als Leitlinie der Politik in China irrelevant geworden und sieht voraus, daß der
Marxismus-Leninismus als treibende Kraft der Außenpolitik Chinas und Rußlands bedeutungslos
werden wird.
Fukuyama sagt, die entscheidende Frage für die Zukunft sei der Grad, der Assimilierung des
Bewußtseins von einem universalen homogenen Staat, beispielsweise Europa seit der Nachkriegszeit,
durch die Sowjetelite. Auf der Grundlage sowjetischer Schriften und seiner eigenen persönlichen
Kontakte mit den Sowjets, glaubt Fukuyama, "die neue politische Denkweise" der "liberalen
sowjetischen Intelligenz um Gorbatschow, sei der Tatsache, man hätte das geschichtliche Ende
erreicht, als Ergebnis ihrer seit der Breschnew-Ära bestehenden Kontakte zur europäischen
Zivilisation bemerkenswert schnell nahegekommen."
Fukuyama geht davon aus, daß die Erklärung Schewardnazes, "der Machtkampf zwischen zwei
gegensätzlichen Systemen sei nicht länger ein bestimmender Faktor," und die Bemühungen zur
Schaffung materiellen Wohlstandes, sowie der Umweltschutz "entscheidende Bedeutung" erlangt
haben, ernst gemeint sei.
Nach Fukuyamas Auffassung hat die Sowjetunion die Wahl, "einem Weg zu folgen, der von
Westeuropa vor fünfundvierzig Jahren bereitet worden ist, einem Weg, dem der größte Teil Asiens
gefolgt ist, oder in seiner Einzigartigkeit in der Geschichte als ein nationalistischer, slawophiler und
möglicherweise sogar faschistischer Staat stecken zu bleiben." Fukuyama endet mit der Feststellung,
"das Verschwinden des Marxismus-Leninismus, zuerst in China und dann in der Sowjetunion,
bedeutet sein Ende als lebendige Ideologie von welthistorischer Bedeutung, und die Unterminierung
des Anspruches, ein Vorreiter der menschlichen Geschichte zu sein.

145
Der Tod dieser Ideologie "bedeute die Zunahme Gemeinsamer Marktwirtschaft, den Ausbau
internationaler Beziehungen, und die Herabsetzung des Risikos von Großkonflikten zwichen Staaten."
Er empfindet nostalgische Gefühle für die Zeit, als es die Geschichte mit ihrer ideologischen
Auseiandersetzung noch gab, die Mut und Vorstellungsvermögen erforderte. Letztlich sagt er für die
Zukunft Jahrhunderte der Langeweile voraus.
Fukuyama hat eindeutig das wahre Wesen des Wandels in den kommunistischen Ländern
nicht verstanden. Hinzu kommt, und das ist entschieden bedeutsamer, daß er die kommunistishe
Großstrategie und ihr gegen den Westen gerichteten Zweck völlig unberücksichtigt gelassen hat..
Dadurch wird seine Analyse wertlos, und seine "Dialektik" absurf. Lenin war ein großer Dialektiker. Er
wußte eine geschliffene, gekonnte Dialektik zu schätzen, insbesondere als eine der Qualitäten bei
anderen kommunistischer Führern.
In seinem "Testament" drückte er seine Besorgnis darüber aus, daß der "Liebling der Partei"
Nikolay Bukharin, den Einsatz der Dialektik noch nicht voll beherrschte.
Fukuyama verfügt über keinerlei faktische Kenntnisse von der "neuen politischen Denkweise"
der Sowjetelite. Diese Denkweise ist keineswegs das Ergebnis des Kontaktes mit der sie umgebenden
"westlichen Zivilisation," sondern das Produkt ihrer eigenen kreativen Weiterentwicklung von Lenins
Dialektik und Strategie. Gegenwärtige Sowjetstrategen, wie Yakovlev, sind sind erfahrene
Dialektiker, die auf kreativer Weise die leninistischen Vorstellungen aus der Zeit der
"Neuen Wirtschaftspolitik" gekonnt anwenden.
Wie bereits zuvor erwähnt, stützt sich die gegenwärtige Großstrategie,
angenommen in den Jahren 1958-60, auf die klassische Anwendung des Hegelschen
Dreisatzes:

These: Stalinismus [oder stalinistischer Kommunismus]


Antithese: Ablehnung des stalinistischen Kommunismus.
Synthese: Annäherung, Vermischung und Ehe der kommunistischen [sozialistischen]
Substanz [Inhalt] mit demokratischem Format, oder "Demokratismus" [= Annäherung].

Diese Anwendung "demokratischer" Formen ist vorgetäuscht: Es ist die Essenz des
strategischen Manövers, das dazu dient, den Welt-Endsieg des Kommunismus zu sichern. Neben der
Hegelschen Dialektik folgten die kommunistischen Strategen auch noch dem Rat Sun Tzus.
Sun Tzu schrieb: "Ich gebe meinen Pläne für den Sieg eine gewisse Form, die aber vom
Durchschnittsmenschen nicht verstanden wird. Obwohl jeder die Fähigkeit hat, die Dinge zu sehen,
wie sie offensichtlich sind, versteht dennoch niemand, wie ich den Sieg erzwungen habe."
Sun Tzu, nicht Fukuyama, liefert den Schlüssel zum Verständnis des Einsatzes von
"demokratischen, nichtkommunistischen, nationalistischen Formen" durch die Sowjetstrategen im
Rahmen ihrer "Perestroika." Fukuyama hört nur die Echos von Schewardnazes Erklärung über die
klassische stalinistische Täuschung, mit der es gelang, Roosevelt und Churchill in den Jahren 1943-44
die Mütze über die Augen zu ziehen. Fukuyama ist über die ideologische Verbissenheit der Sowjetelite

146
falsch informiert. Die Elite besteht grundsätzlich aus der Kommunistischen Partei, den
Mitgliedern des Komsomol und Intellektuellen, von denen die politischen Aufträge der
Partei und des KGB durchgesetzt werden.
Die Tatsache der langjährigen aktiven Beteiligung der Sowjetelite an den Vorbereitungen für
"Perestroika," und ihre gegenwärtige aktive Rolle bedeutet, daß die Mitglieder überzeugte Anhänger
der kommunistischen Sache sind.

Die Sowjetstrategen und ihre Elite sind unverändert davon überzeugt, daß die Gegensätze
zwischen Kapital und Arbeit in den Vereinigten Staaten von Amerika und Westeuropa als
Klassengesellschaften, noch nicht vollständig überwunden sind.
Sie glauben, daß die Konflikte und Gegensätze im Westen, obwohl in Zeiten des Wohlstandes
unterdrückt, in Zeiten einer Rezession oder Depression wieder aufleben werden. Sie sind davon
überzeugt, daß diese Gegensätze überwunden werden können und müssen, allerdings nicht auf echt
demokratische Weise, sondern im Kontext des Sozialismus und der völligen Abschaffung von
Kapitalisten und Kapitalismus.
Noch immer halten sie sich für die Avantgarde, von der die bessere Gesellschaft ohne
Kapitalismus geschaffen werden wird, den sie für die ausschließliche Ursache aller Kriege und
Ausbeutung des Menschen halten.
Fukuyama hält "Perestroika" für den letzten Nagel im Sarg der marxistisch-leninistischen Alternative
zur Demokratie. Die kommunistischen Strategen sehen in "Perestroika" den letzten Nagel im Sarg des
westlichen Kapitalismus.
Fukuyama übersieht die Tatsache, daß eine massive Operation zur Begründung und
Entwicklung voin Kontakten mit Westeuropa zur Förderung der KSZE [der Helsinki-Prozeß] bereits
im Juli 1971 unter Breschnew eingeleitet wurde, als das "Sowjetkommitee für Europäische Sicherheit"
unter Viktor Shytnikov gegründet wurde.

(34) Gemeinsame Anmerkung: Fukuyama unterhält Beziehungen zur Rand Corporatiuon, die Forschungsprojekte für die Central Intelligency
Agency und andere US-Regierungsbehörden durchführt. Es ist bemerkenswert, daß Fukuyamas Bericht, angesichts der Tatsache, daß es sich
um eine entwickelte Theorie ohne faktische Substanz handelt, die sich auch noch auf merkwürdige Mißkonzepte stützt, damals in den USA für
einen solchen Wirbel gesorgt hat.
(34) Gemeinsame Anmerkung: Fukuyama unterhält Beziehungen zur Rand Corporatiuon, die Forschungsprojekte für die Central Intelligency
Agency und andere US-Regierungsbehörden durchführt. Es ist bemerkenswert, daß Fukuyamas Bericht, angesichts der Tatsache, daß es sich
um eine entwickelte Theorie ohne faktische Substanz handelt, die sich auch noch auf merkwürdige Mißkonzepte stützt, damals in den USA für
einen solchen Wirbel gesorgt hat.

Shytnikov, zusammen mit Arbatov, und Zamyatin (später Botschafter in London) und andere
sowjetische "Parlamentarier" haben den Prozeß eingeleitet. Die Vertreter der Sowjetelite sind nicht
nach Europa gegangen, um den Prozeß des bewußten Zusammenwachsens eines einheitlichen
europäischen Staatsgebildes zu fördern: Sie gingen nach Europa, um es zu verändern.
Durch die Knüpfung von Kontakten trugen sie zum strategischen Ziel der Umwandlung
Europas in ein neutrales, sozialistisches Europa bei, das sich vom Atlantik bis zum Ural erstreckt,
befreit von der NATO und amerikanischer Militärpräsenz.
Jetzt, wegen der "Perestroika"-Strategie, erscheint die Erreichung dieses Ziels erheblich
realistischer in den vergangenen vierzig Jahren.

147
Fukuyama irrt sich, wenn er vom Tod der kommunistischen Ideologie und dem Ende der
Auseinandersetzung zwischen beiden Systemen spricht. Für die Kommunisten ist die Ideologie nicht
tot. Sie ist in die sowjetisch-chinesische Strategie integriert.
Die neue Herausforderung und Bedrohung ergibt sich nicht aus den altmodischen Aufrufen
zum Marxismus-Leninismus durch konventionelle kommunistische Parteien, sondern aus der
politischen Mobilisierung von mächtigen kommunistischen Staaten, die danach
trachen, den Weltsieg des Kommunismus durch die Strategie der Annäherung zu
erringen.
Annäherung ist nicht, wie Fukuyama behauptet, eine Angelegenheit der
Vergangenheit, sondern der Bauplan für die Zukunft.
Die Sowjetunion und China werden nicht dem Weg folgen, dem der größte Teil Asiens gefolgt
ist, und ebensowenig wird die Sowjetunion sich zu einem slawophilen Nationalismus wandeln. Die
sowjetischen und chinesischen Führer haben ihre Wahl getroffen.
Sie glauben, daß sie die Avantgarde sind, und sie glauben an ihren Sieg. Sie haben einen Plan
für neue soziale, politische und wirtschaftliche Strukturen für den Kommunismus und den Westen,
wie er eindeutig und klar in Sacharows Essay "Sacharow spricht" offengelegt worden ist.
Die Auseiandersetzung ist nicht beendet: Sie ist in eine neue und härtere Phase
eingetreten. Das nächste Jahrzehnt wird keineswege ein Jahrzehnt der Langeweile werden. Die
Geschichte wird weitergehen, und die Gefahr von Großkonflikten mit dem kommunistischen System
könnte sich erheblich steigern.
Es wird zu einem akuten und lebhaften Widerstand gegen die kommunistische Durchführung
der Annäherungs-Strategie kommen. Mut, Vorstellungsvermögen und Opfer werden bei der
Verteidigung der westlichen Demokratien und ihrer Werte gefordert sein.
Sollten die kommunistischen Strategen die Schlacht gewinnen, werden sie den Sieg nicht
errungen haben, weil ihr System den anderen überlegen ist, sondern weil der Westen nicht in der Lage
war, ihre Strategie der Täuschung und ihre neuen politischen Waffen zu erkennen.
Zum Verständnis der Strategie muß sich der Westen zunächst einma von seinen falschen
Konzepte trennen. Beispielsweise von solchen, wie sie von Fukuyama präsentiert werden.
Fukuyamas Schlußfolgerung, das internatioanle Leben... sei weit mehr mit der Wirtschaft beschäftigt,
als mit Politik und Strategie, ist gefährlich falsch, denn es lenkt die Aufmerksamkeit von der Realität
ab.
Das beobachtete Interesse des Arbatov Instituts zum Studium der USA und Kanadas an der
weiten Verbreitung des Fukuyama-Berichts in Europa, ist nicht schwer zu erklären. Die Sowjets
erkennen eine Parallele zwischen Napoleon, der die Ideen der Französischen Revolution verkörperte
und die Preußische Monarchie besiegte, und sich selbst. Sie gehen davon aus, daß die Ideale der
Oktoberrevolution von ihnen verkörpert werden, und daß sie durch "Perestroika" dazu bestimmt
seien, den Sieg über den westlichen Kapitalismus zu erringen.
Nicht zuletzt erkennen sie auch die Ironie, daß sie Fukuyamas Analyse auch sie dialektisch
gekonnt dem Parteipublikum in der UdSSR als Anerkennung ihrer Strategie präsentieren können. Die

148
Verbreitung westlicher Analysen und Fernsehberichte, die zur Verstärkung der Thematik gegenüber
der heimischen Öffentlichkeit beitragen, gehören zu den Standardverfahren.

"PERESTROIKA" IN DEN KOMMUNISTISCHEN LÄNDERN:


GEMEINSAME MUSTER UND VERFAHRENSWEISEN

Die in Täuschungsabsicht erfolgte Einführung von "demokratischen" und "nichtkommunistischen"


Strukturen in der kommunistischen Welt, wurde vom Westen als echte, in der Entwicklung
befindliche Demokratie anerkannt. Diese unkritische Akzeptanz der Echtheit von "Perestroika"
erfordert eine neue Analyse durch das Prisma der Langzeitstrategie.
Die Analyse offenbart das Vorhandensein eines gemeinsamen Musters ebenso, wie spezifische
Einzelheiten, die in allen beteiligten Ländern zur Anwendunggelangen.
Die Hauptindikatoren für ein gemeinsames Muster sind folgende:

 Die Einführung von Wirtschafts- und Politreformen, und der Anschein von Demokratie
["Demokratismus"] in den wichtigsten komunistischen Ländern.
 Der Rücktritt oder die Ablösung der alten Kommunistenführer, und die Streichung der führenden
Rolle der Kommunistiscdhen Partei aus den Verfassungen.
 Die Legalisierung einer [kontrollierten] "politischen Opposition" – die ehemaligen "Dissidenten" –
und ihr Aufstieg als neuer politischer Faktor bei der Bildung von neuen Regierungen und politischen
Parteien.
 Die Einführung von neuen "demokratischen" und "nichtkommunistischen" Strukturen, denen
sowohl die Kommunisten, als auch die "politische Opposition" angehören.
 Die Kommunistischen Parteien veranstalten ihre Parteikongresse, ändern die Bezeichnung der
Partei von kommunistisch zu sozialistisch und wählen neue Parteiführer, die nicht mit den
stalinistischen Praktiken in Verbindung gebracht werden können und Gorbatschow und "Perestroika"
unterstützen.
 Die Macht des militärischen Establishments bleibt durch die Veränderungen unangetaste:
Vielmehr unterstützen sie "Perestroika" und agieren als Garanten ihres Erfolgs.
 Die Sicherheitsdienste werden "kritisiert" und reagieren darauf durch den Wechsel ihrer
Bezeichnung.
 Die reformierten Regime bleiben gegenüber der UdSSR loyal, unterstützen Gorbatschow und
halten ihre internationalen Verpflichtungen ein.

PARTNERSCHAFT ZWISCHEN DER ALTEN UND NEUEN FÜHRUNGSGENERATION

Der Wechsel von der einen Generation von Führern zur nächsten ist einem logischen Schema gefolgt.
Im allgemeinen haben die alten Führer ohne Protest abgedankt. Jenen, die verhaftet wurden, blieb aus
Alters- oder Krankheitsgründen zumeist ein Prozeß erspart. Selbstverständlich wurden die Reformen

149
unter der alten Generation von Führern vorbereitet – unter Breschnew und Andropov in der UdSSR,
unter Kadar in Ungarn, unter Honecker in Ostdeutschland usw.
Es war diese Generation, von der die kontrollierte "politische Opposition" geschaffen und
angeblich verfolgt wurde.
Um die Reformen glaubhaft erscheinen zu lassen, mußte die alte Generation den Weg für die
neue, einschließlich nichtkommunistischen Angehörigen der ehemaligen "Opposition", die angeblich
verfolgt worden war, freimachen. Da es sich bei diesen neuen "nichtkommunistischen"
Führern um die geheimen Parnter der Kommunisten handelt, besteht zwischen ihnen
keine Feindschaft.
Folglich ist es für den neuen Präsidenten der Tschechoslowakei nur logisch, den USA zur
Unterstüzung Gorbatschows und Finanzierung von "Perestroika" zu raten, oder einen Kommunisten
als Verteidsigungsminister zu akzeptieren, oder danach befragt, ob sein Land im kommunistischen
Bündnis verbleiben würde, zu antworten: "Wenn ein totalitäres System abgebaut wird, bleiben immer
noch einige Merkwürdigkeiten nach. Einige Punkte kann ich mit der "The New Yotk Times" nicht
diskutieren, bevor ich sie mit Präsidfent Gorbatschow in Moskau besprochen habe." Es ist nur logisch,
daß der neue tschechoslowakische Außenminister die Überprüfung "überholter europäischer
Konzepte" propagiert, und den Abzug der sowjetischen und amerikanischen Truppen aus Europa
vorschlägt.
Für den neuen polnischen "nichtkommunistischen" Premierminister ist es logisch,
vorzuschlagen, daß die Sowjettruppen zum Zwecke der Aufrechterhaltung der Verbindung zu den
Sowjettruppen in Deutschland sowjetischen in Polen bleiben sollten. Es ist nur logisch, daß Lech
Walesa erklärte, er wole einen Kommunisten als Präsident Polens, oder als
potenzieller Kandidat sich selbst für das hohe Amt, denn " es sei beabsichtigt, mit den
kommunistischen Behörden konstruktiv zusammenzuarbeiten."
Es war logisch, daß er Wähler aus den Reihen von "Solidarität" dazu
aufforderte, die "liberalen" Kommunistenführer, wie General Kiszczak, zu
unterstützen, der, zusammen mit General Jaruzelski im Dezember 1981 das
Kriegsrrecht verhängte, Walesa unter Hausarrest stellte und die "Solidarität" in den
Untergrund zwang. Es ist logisch, daß es General Kiszczak war, der die Übereinkunft
"aushandelte," die zu den freien Wahlen führte und es der "anrtikommunistischen"
Solidarität" ermöglichte, als "Opposition" ins Parlament einzuziehen.
Außerdem ist es logisch, trotz aller dramatischen Veränderungen in der Führung, daß es zu
keinerlei signifikanten Enttarnungen von Geheimagenten derSicfherheitsdienste unter den
ehemaligen "Dissifenten" gekommen ist, die in den "Demokratischen," "nichtkommunistischen" und
"nationalistischen" Strukturen zu führenden Gestalten aufgestiegen sind.
Die Erklärung findet sich darin, daß die neuen Führer mit den kommunistischen Strategen
und ihren Sicherheitsdiensten ein gemeinsames Interesse daran haben, diese Akten auch weiterhin
geheim zu halten. Solange diese Geheimnisse nicht offengelegt wordeen sind, und das wird nicht
geschehen, werden die kommunistishen Parteien ihr Machtmonopol behalten.

150
Wie es John Lenczowski in der "Los Angeles Times" vom 11. Januar 1989 ausdrpckte:
"Trotz der neuen Offenheit in diesen Ländern, bleibt dennoch vieles ein Geheimnis. Und wo es
Geheimhaltung gibt, herrscht zunächst einmal die Ungewißheit."

DIE BEDEUTUNG DER UMORGANISATION DES KGB


UND DER OSTEUROPÄISCHEN SICHERHEITS- UND NACHRICHTENDIENSTE

Die Kommunistischen Parteien bedienen sich des KGB und der osteuropäischen Sicherheits- und
Nachrichtendienste für besimmte Aufgaben innerhalbg der neuen "demokratischen" Strukturen.
Ehemalige und gegenwärtige Leiter des KGB – Vladimir Semichastniy [unter Chruschtschow und
Breschnew], Cehbrikov und Kryuchkov – haben der Sowjetpresse "Interviews" gegeben. Eine Reihe
weiterer weniger bedeutender "pensionierter" KGB-Beamter haben dasselbe getan.
Die Berichte ernthielten Kritik an den KGB-Praktiken und den Mißbräuchen der
Vergangenheit unter Breschnew, sowie Kommentare zur Rolle des KGB unter "Perestroika." So
bedauerte beispielsweise der pensionierte KGB-Oberst Karpovich die Tatsache, daß der KGB sich mit
der systematischen Unterdrückung der "Dissidenten" beschäftigt hatte, und seine persönliche
Beteiligung yn der Verfolgung Sacharows, Solschenizins und anderer. Die Veröffentlichung dieses
Artikels in "Ogonek" sorgte für eine Reihe von Leserbriefen, in denen manche den KGB verteidigten,
und andere den KGB-Oberst als Opportunisten beschimpften und ihm vorwarfen, es gehze ihm um
billige Popularität.
Einige Abgeordnete, einschließlich Sacharow und Jelzin, haben den KGB im Volksparlament
angegriffen. Sei es wegen seiner geheimen Rolle oder wegen Inkompetenz- Es scheint so, als seien
bereits Veränderungen in Struktur und Funktion des Dienstes, einschließlich eines
Überwachungsorgans, in Erwägung gezogen worden. So haben bereits einige KGB-Abteilungsleiter
mitgeteilt, daß ihre Direktorate umorganisiert (35) und die Personalstärke reduziert worden sei, was
darauf schließen ließe, daß der KGB von der Überwachung der Kirchen, der Intellektuellen, der
"Dissidenten" und der Armee abgezogen werde, um neue konventiuonelle und legitime

151
nachrichtendienstliche und Gegenspionageaufgaben zu übernehmen, wie beispielsweise den Kampf
gegen ausländische Spione, Terrorismus, Sabotage, Schmuggel, Erpressung und organisierte
Kriminalität.
Der KGB-Vorsitzende Vladimir Kryuchov hatte die Lkoyalität des KGB lediglich gegenüber
dem Obersten Sowjet, nicht jedoch gegenüber dem Politbüro der Partei erklärt, was darauf schließen
läßt, daß der Oberste Sowjet, und nicht das Politbüro der Partei der Entschungsträger im Staat ist.
Innenminister Bakatin ließ durchblicken, daß die Kontrolle über die Sicherheitsorgane zukünftig von
einem dem Amt des Präsidenten unterstellen Nationalen Sicherheitsrat ausgeübt werden würde.
Diese Kritiken und Reflexionenj über den KGB im Volksparlament und der Sowjetpresse
haben den Eindruck erweckt, als sei eine echte Debatte im sich entwicklenden Sowjetstaat über die
vergangene, gegenwärtige und zukünftige Rolle des KGB entbrannt. Radio Liberty führte sogar ein
Round Table-Gespräch [siehe Report on the UdSSR für den 22. Dezember 1989] zu diesem Komplex
durch, um über Aleksandr Rahrs Artikel "Gorbatschow und der KGB nach Chebrikov" zu diskutieren.
Die Reaktionen der Teilnehmer an dieser Runde ließen erkennen, daß sie von dieser kontrollierten
"Debatte" völlig eingenommen waren.Denn diese "Debatte" ergab sich nicht spontan, sondern war von
den Sowjetstrategen und dem KGB selbst, organisiert und gesteuert. Der Hauptzweck der "Debatte"
dient der Desinformation des Westens über die wirkliche Rolle des KGB in der Vergangenheit, durch
die Verheimlichung des entscheidenden Anteils des KGB bei der Vorbereitung der kontrollierten
"politischen Opposition" für den geplanten Einsatz im Rahmen von "Perestroika."
Um dieses Ziel zu erreichen, haben die Sowjetstrategen dem KGB während der Breschnew-Ära
alte stalinistische Praktiken der Überwachung und Unterdrückung der Kirchen, Intellektuellen und
"Dissidenten" zugewiesen, die in Wirklichkeit bereits Jahre früher aufgegeben worden waren. Seit
1959 war die Hauptaufgabe des KGB nicht die Unterdrückung dieser Elemente, sondern ihre
Entwicklung und ihren Einsatz im Rahmen der Sowjetstrategie gegen den Westen.
Zusammengefaßt muß festgestellt werden, daß diese angebliche "Debatte" eine kontrollierte
Desinformation war, um vor dem Westen zu verheimlichen, daß der KGB die politische Waffe der
Partei bei der Vorbereitung und Durchführungt der "Perestroika"-Strategie seit ihrer Annahme in den
Jahren 1958-60 gewesen ist.
Die Macht des KGB ist ungebrochen und ungeschmälert. Er ist von
kalkuliertem, ungenauen und irrelevanten Kritizismus an einigen seiner früheren
Praktiken nicht beinträchtigt. Die Rede von kosmetischen (35) Veränderungen im KGB
und seine Überwachung durch ein Kontrollorgan werden vorsätzlich veröffentlicht,
um den Mythos von der "Demokratisierung" des sowjetischen politischen Systems zu
unterstützen.
Die Forderungen nach parlamentarischer Aufsicht über den KGB lassen vermuten, daß er sich
zu einer Art von CIA oder FBI entwickeln wird. In gewisser Weise wiederholt die gegenwärtige
"Reform" des KGB Lenins Trick von der Umorganisation der alten repressiven Cheka in die GRU.
Allerdings wurde dieses Mal ein neues Element hinzugefügt. Die Sowjetstrategen vermitteln
vorsätzlich den falschen Eindruck der "Vergleichbarkeit" zwischen ihren und den amerikanischen

152
Diensten, um eine Grundlage für eine vorgetäuschte Zusammenarbeit mit ihnen zu schaffen. Eine
solche Zusammenarbeit würde ihrer Strategie der Annäherung dienlich sein, und selbstverständlich
auch die Grundlage für eine noch tiefere Unterwanderung der US-Nachrichtendienste und politischen
Parteien liefern. Auch die Sicherheitsdienste in den Osteuropa passen sich den neuen Bedingungen
an, und dem Vorbild Lenins folgend, werden umorganisert und geben sich weniger provokatische
Bezeichnungen. Der ostdeutsche Dienst denkt über eine ähnliche Bezeichnung nach, wie sie

Anmerkung des Herausgebers: Der KGB wurde nach dem "Staatsstreich" vom August 1991 in vier Abteilungen "umorganisiert" [wie auch
umbenannt]: Ziviler Nachrichtendienst [SWR], Gegenspionadedienst [MB], Innere Sicherheit [MWD] und Zentrale Abteilung [GRU]. Die
letztgenannte Einheit war eine völlig unabhängige Dienststelle innerhalb des jetzt umorganiserten KGB, und wie ihre Bezeichnung vermuten läßt,
waren alle wichtigen Entscheidungen zwecks Zustimmung über die Zentrale Abteilung abzuverfügen

in Westdeutschland verwendet wird. In Ungarn werden die Sicherheitsdienste durch ihre Zuweisung
zur uniformierten Polizei erhalten.
In Rumänien wurde die Armee für die Sicherheitsdienste verantwortlich gemacht. Bulgarien
behält seine Dienste unverändert bei, wie auch die "demokratische" Tschechoslowakei. Der neue
tschechoslowakische Präsident schloß einen neuen Vertrag zur Zusammenarbeit des Dienstes seines
Landes mit dem KGB, allerdings absichtlich auf die Zusammenarbeit im nicht-kriminellen Bereich
beschränkt. Danach befragt, ob die Tschechoslowakei bereit sei, ihren Auslandsnachrichtendienst zu
demontieren, antwortete ein Sprecher des Außenministeriums: "So bald die Vereinigten Staaten ihre
Spionagedienste abbauen, werden wir es auch tun." Alle Staaten werden einen starken
Gegenspionagedienst unterhalten, der gegen die werstlichen Länder und deren Botschaften in
Osteuropa eingesetzt werden wird. Zweifellos werden die Aktivitäten ihrer Nachrichtendienste
heruntergefahren werden, sofern es darum geht, westliche Technologie zu stehlen, denn die werden
sie jetzt entschieden leichter auf legale Weise erhalten. Sie werden sich bedeckter halten und auf Ziele
konzentrieren, die ihre eigenen nationalen Interessen betreffen. Vergleichbar den Diensten Polen, der
Tschechoslowakei und anderer nationalen Abteilungen oder Sektionen, die sich mit der Central
Intelligence Agency und dem Außenministerium befassen.
Der Umstand, daß es keinerlei bemerkenswerte Enttarnungen durch die neuen
"demokratischen" Regierungen über ihre wichtigsten Geheimagenten des Sicherheitsdienstes in den
Reihen der führenden "Dissidenten," Intellektuellen, Wissenschaftler, führenden Persönlichkeiten
unter den "Überläufern" aus den Bereichen Kultur und Kirche gegeben hat, bestätigt, daß diese
Dienste auch weiterhin von ihrem politischen, nachrichtendienstlichen und Sicherheitspotenzial
Gebrauch machen werden, um die Strategie der Annäherung zu fördern. Obwohl sie anscheinend auf
nationaler Basis geleitet werden, werden die osteuropäischen politischen und nachrichtendienstlichen
Operationen auch weiterhin mit den Sowjetstrategen und dem KGB abgestimmt werden. Die
osteuropäischen Dienste werden ihre Bemühungen zur Schaffung von Beziehungen zu amerikanischen
und amerikanischen Persönlichkeiten aus Politik, Kultur, Wissenschaft, Sport, Medien und
Gewerkschaften, Kongre´- und Parlamentsabgeordneten unverändert fortsetzen.

153
Die Rolle der KGB-Berater für die osteuropäischen Dienste wird üvberflüssig werden, und
man wird sie abziehen. Die Abstimmung zwischen den Sowjets, den Regierungen und ihren
Sonderdiensten wird auf der politischen und KGB-Ebene durch die Sowjetbotschaften erfolgen, zu
deren Personal auch weiterhin Vertreter des Zentralkommitees und des KGB zählen werden,
allerdings unter anderen Bezeichnungen.

DIE BEDEUTUNG DES MONOPOLVERZICHTS DER PARTEI UND DIE


UMORGANISATION VON PARTEI UND REGIERUNG

Gorbatschow und seine Strategen sind keine echten Demokraten und werden es nie sein. Sie hängen
weiterhin dem Sozialismus und Kommunismus an. Sie sind die neue Generation von Revolutionären,
die sich "demokratischer" Reformen bedient, um den kommunistischen Endsieg zu sichern. Den
kommunistischen Strategen war vollkommen bewußt, daß sie ihre Strategie der Annäherung nicht
durch die Verwendung der alten, überholten, stalinistischen kommunistischen Parteistrukturen und
den verkrusteten Institutionen, wie dem alten Sowjetparlament durchsetzen können. Aber sie sind
davon überzeugt, daß es ihnen mit den neuen, wiederbelebten "demokratischen" Strukturen gelingen
wird.
Aus diesem Grund reorgansieriren sie das Parteisystem, das Präsidentenamt und die
Legislative, um ihnen mehr Macht und Ansehen zu geben, und gleichzeitig für die entsprechenden
amerikanischen Institutionen annehmbarer zu machen. Inzwischen hat sich die Kommunistische
Partei scheinbar in die Bedeutungslosigkeit zurückgezogen. Aber die Kommunistische Partei hat ihr
echtes Machtmonopol keineswegs aufgegeben. Tatsächlich verhält es sich so, daß sie ihre
Machtposition ausgebaut hat, indem sie scheinbar mehr Machtbefugnisse an ihre Mitglieder im
Präsidentenamt und im Kongreß abgetreten hat, um die Strategie von "Perestroika" und der
Annäherung durchzuführen. Eine verstärkte Position des Präsidentenamtes ist erforderlich, um die
Strategie weltweit durchzusetzen. Es handelt sich hier keineswegs um die Übertragung von
Machtbefugnissen der Partei auf den Präsidenten. Der Präsident bleibt ein Mitglied und Instrument
der Partei, er ist das durchführende Organ ihrer Strategie.
Er ist nicht der Papst oder Luther. Er zwingt seinen Willen nicht der Partei auf, sondern erfüllt
den Willen der Partei. Die letztendliche Entscheidungsbefugnis ist beim Politbüro, dem Parteiapparat
und den Strategen. Obwohl das Ende des Parteimonopols verkündet wurde, bleibt der Parteiapparat
unverändert bestehen und wird von denselben Erzkommunisten geleitet. Yakovlev, jetzt ein führender
Stratege der "Perestroika"-Refomen, ist ein typischer Parteibürokrat des alten Stils, der, abgesehen
von seiner kurzen Amtszeit als Botschafter in Kanada, der vor Beginn der "Reformen" für fünfzehn
Jahre ununterbrochen in der Bürokratie des Zentralkommitees gedient hat.
Als Partei-Apparatschick und Leiter der Parteipropaganda unter Breschnew in den 1960er
Jahren, veröffentlichte Yakovlev bösartige Bücher über die Vereinigten Staaten von Amerika mit
Titeln, wie:

154
"The Call to Slaughter: American Falsifiers of the Problems of War and Peace" [1965],
"Ideology of the American Empire" [1967],
"Pax Americana – The American Ideology" [1969] und
"The USA: From "Great to Sick" [1969].

In diesen Büchern kommen die wahren Ansichten von Yakovley, dem


"Apparatschick" zum Ausdruck – nicht die reformistische Haltung, die er später allein
zu dem Zweck der Durchsetzung der betrügerischen Strategie annahm.
Der Parteiapparat, obwohl weniger deutlich abgehoben, wird auch weiterhin die Führung aller
Parteimitglieder in den reformierten Institutionen beibehalten. Die Partei verfügt nicht nur über eine
weitgespannte Organisation, sondern auch über eine lange Erfahrung, einschließlich Perioden illegaler
Operationen unter dem zaristischen Regime und den Gebieten unter deutscher Besatzung während
des Zweiten Weltkriegs. Es wird ihm keinerlei Schwierigkeiten bereiten, sich dem Umfeld eines
fiktiven "Multiparteiensystems" anzupassen, das in Wirklichkeit unter seiner Kontrolle steht. Es
könnte durch aus sein, daß sich die Partei in zwei Lager spaltet – in die reformierten und orthodoxen
Kommunistischen Parteien, wie es bereits in Ungarn erfolgt ist. An der Kontrolle über alle Parteien
wird sich nicht ändern.
Verändert hat sich das Ernennungsverfahren. Das alte verknöchterte Nomenklatura-System
hat den Weg für eine selektive Ernennung in Partei und Regierung frei gemacht, die in
Übereinstimmung mit den Erfordernissen der Strategie erfolgen. Beispiele sind die Ernennungen von
Vadim Medvedev, einem ehemaligen Professor für Sozialwissenschaften, zum Chefideologen und von
Falin, ehemaliger Sowjetbotschafter in Deutschland und Leiter der Nolvosti-Nachrichtenagentur, zum
Leiter der Abteilung Internationale Angelegenheiten des Zentralkommitees, und von Dobrynin,
ehemaliger Botschafter in Washington, zum außenpolitischen Berater Gorbatschows. Diese
Ernennungen iluustrieren den neuen kreativen Stil des Parteiapparates.
Alle diese Refomen – das starke Präsidentenamt, der neue beweglichere Kongreß, das Gerede
von einem Nationalen Sicherheitsrat und "Aufsicht" über den KGB, sowie die Schaffung einer "loyalen
Opposition" – erfolgen mit Blick auf den Anschein von Ähnlichkeit und Vergleichbarkeit mit den
entsprechenden amerikanischen Ämtern und Behörden. Sie alle müssen im Kontext der Strategie der
Annäherung betrachtet werden. Hieraus erklärt sich auch die Erweckung des Anscheins von einer
"Opposition," der kalkulierten Meinungsverschiedenheiten zwischen den alten Konformisten und den
Kongreßabgeordneten nach "westlichem Stil," wie Jelzin zur Frage des KGB und der nationalistischen
und anderer Angelegenheiten.
Ebenso erklärt sich hieraus das Hochkommen von Gruippen russischer Nationalisten, Erben
der slawophilen Tradition, Stalinisten und selbst Antisemiten durch "Pamyat" (Überlieferung): Sie
alle werden von der Partei kontrolliert und werden im Interesse der Strategie eingesetzt, um im
Westen Hoffnung und Furcht zu wecken. Die Partei wird auch weiterhin durch ihre Mitglieder im
Präsidentamt, im Parlament, in der Regierung, den neuen politischen Gruppierungen, den neuen
Parteien und den nationalen Bewegungen ihre strategische Führungsrolle ausüben. Selbst jene

155
"Reformkommunisten," die anscheinend die Reduzierung der Parteirolle und die Einführung eines
"Multiparteiensystems" fordern, erfüllen in Wirklichkeit die Anweisungen der Parteistrategen. Das ist
die Essenz der "Preisgabe" des Parteimonopols und der damit verbundenen "Reformen." Es ist kein
Zufall, daß diese Innovationen durch die "Denkfabriken" der Partei, der Höheren Parteischule unter
ihrem Rektor Shostakovskiy, der gleichzeitig Leiter der parteilichen "Reformgruppe" ist, erarbeitet
worden sind. Der Hauptbeitrag zum neuen Erscheinungsbild des Präsidentenamtes nach
amerikanischem und französischem Vorbild, wurde von Vladimir Kudryavtsev, einem
Kongreßmitglied, geleistet.
Er wurde auch zum Leiter des Staatlichen Rechtsamtes ernannt, wo er einen anderen
Strategen für Rechtsfragen und ehemaligen ehemaligen Professor des KGB-Instituts, Viktor
Chikvadze, ablöste. Die Durchführung der "Perestroika"-Strategie und Annäherung wird weder von
irgenswelchen Regeln, noch von Gesetzen bestimmt. Es ist der gekonnte Einsatz des sowjetischen
Politpotenzials in seiner Gesamtheit. Den Strategen ist zweifellos bewußt, daß sie nicht unter dem
Banner Lenins, oder unter Verwendung des Wortes "Annäherung," dem Sieg entgegenziehen können,
solange Lenin noch nicht begraben ist. Sie mögen mit dem Gedanken seiner endgültigen Beerdigung
mit allen Ehren gespielt haben, während sie bei ihrem letzten Anschlag auf den westlichen
Kapitalismus seinen Ideen in der Praxis folgen. Aber die Tatsache, daß sie Lenin noch nicht endgültig
beerdigt haben, läßt vermuten, daß es zur Zeit das falsche Signal für die Ko9mmunisten wäre.

DAS GEMEINSAME SCHEMA DEUTET AUF EINE "REVOLUTION VON OBEN HIN"

Der geordnete Übergang in Osteuropa kann nicht als spontan bezeichnet werden. Es ist alles zu schön,
um wahr zu sein. Es gab so gut, wie keine Exzesse (abgesehen von den Ereignissen in Rumänien), kein
Blutvergießen, Aufruhr, Chaos und Störungen der öffentlichen Ordnung. Die Ostdeutschen nannten es
eine "freundliche Revolution," die Tschechoslowaken eine "Samtrevolution." Alles das trifft auf einen
Volksaufstan, eine Revolution "von unten," nicht zu. Die alten Führer haben problemlos abgedankt
(wiederum mit Ausnahme der rumänischen Spitzenfunktionäre) – was bestätigt, daß es sich bei dem
Führungswelchsel um eine geplante Neuheit von "Perestroika" handelt. Die neuen kommunistischen
und nichtkommunistischen Führer agieren gemeinsam bei der Einführung von "Demokratie" und
arbeiten zusammen, um Unruhen zu verhindern.
Es hat keinerlei ernsthafte Versuche der Abspaltung von der UdSSR gegeben, und keinen
überzeugenden Ausdruck von Feindwseligkeit gegenüber den Sowjettruppen in Osteuropa. Ein
Zusammenbruch der Parteikontrolle gab es nicht. Selbst dort, wo die Komunistischen Parteien
angeblich die Macht trilen, wie in Polen und der Tschechoslowakei, behalten sie die Kontrolle über die
Streitkräfte und die Innenministerien. Trotz der Dramatik der angeblichen Hinwendung zum
Kapitalismus, bleibt die Kontrolle über die Schlüsselindustrie und edie Mechanismen der zentralen
Planung völlig unangetastet. Es wird häufig übersehen, daß es die zentralen Planungsorgane waren,
von denen einige Elemente des Kapitalismus eingeführt worden sind. Das Staatsmonopol des

156
Außenhandels bleibt bestehen. Selbst COMECON - der Koordinationsmechanismus für die
wirtschaftliche Zusammenarbeit der kommunistischen Länder – arbeitet mit einigen unwesentlichen
Anpassungen an die neue Situation unverändert weiter. Trotz der Veränderungen bleibt der
russische Einfluß auf die Außenpolitik der osteuropäischen Staaten weiterbestehen,
allerdings in einer neuen, weniger offensichtlichen Form.
Alle diese Faktoren deuten darauf hin, daß die Erkennbarkeit des gemeinsamen Schemas die
geplante, gelenkte und koordinierte Einführung von "Perestroika" im Rahmen der gemeinsamen
Strategie widerspiegelt. Diese Revolution kommt "von oben" und wird von den Kommunistischen
Parteien, ihrem Apparat, ihren Sicherheitsdiensten und Streitkräften durchgeführt.

DER ERFOLG VON "PERESTROIKA"


Die dynamische, aber geordnete Einführung von "demokratischen," "nichtkoimmunistischen
Regierungen und "unabhängigen" Republiken beweist, daß ein erfolgreiche Übergang zu neuen,
glaubwüridgeren politischen Strukturen erfolgt. Da dieser Erneuerungsprozeß von den
Kommunistischen Parteien geplant, vorbereitet, eingeleitet, gelenkt und durchgeführt wird, wächst die
tatsächlichliche Rolle und der Einfluß dieser Parteien trotz aller gegenteiligen Bekundungen. Die
Aufgabe der Führungsrolle der Partei ist taktisch und vorgetäuscht.
Die vorherrschende Absicht besteht darin, diese neuen "Demokratien" und ihrepolitischen
Parteien für den Westen glaubwürdiger erscheinen zu lassen. Es handelkt sich keineswegs um eine
Manifestation des Machtverfalls der Kommunistischen Parteien. Hier wird lediglich die Ablehnung
des Stalinismus und der Erneuerung von Parteien – indem ihnen eine aktivere Rolle in der
Gesellschaft ohne Verlust ihrer ideologischen Identität, politischen Ziele und strategischen Visionen
zugewiesen wird.
Die Einführung von "Pertestroika" in Osteuropa und der UdSSR war erfolgreich, weil die
sowjetischen und osteuropäischen Streitkräfte als Garanten für den Erfolg stehen, und weil die USA es
nicht nur versäumt haben, die instabile Lage zu ihrem Vorteil zu nutzen, sondern auch den
Kardinalfehler begingen, "Perestroika" zu unterstützen. Hierdurch wurde die sogenannte "Breschnew-
Doktrin" überflüssig: Die Sowjets konnten ihre Truppen jetzt risikolos aus Osteuropa, mit Ausnahme
von Ostdeutschland und Polen, abziehen. Folglich konnte Gorbatschow die Doktrin problemlos für tot
erklären.
"Perestroika" ist auch darum erfolgreich, weil die Strategie von den Sowjetstrategen gelenkt
wird, und eine enge Zusammenarbeit zwischen dem sowjetischen Parteiapparat, dem sowjetischen
Verteidigungs- und Außenministerium und den entsprechenden Behörden und Dienststellen in
Osteuropa erfolgt. Die Sowjets versuchen nicht einmal zu verbergen, daß sie der
bestimmende Faktor der osteuropäischen "Perestroika" sind. Zweifellos erfüllen die
Sowjetbotschaften ihre Funktion im Rahmen der Koordination. Außerdem liegt eine Fülle von
Beweisen über Moskaubesuche der neuen "nichtkommunistischen" Führer, um sich mit Gorbatschow
und anderen zu treffen, und über Besuche sowjetischer Strategen von osteuropäischen Ländern

157
inmitten der Veränderungen. So reiste beispielsweise Yakovlev im November 1989 nach Prag, kurz vor
dem Umbruch in der Tschechoslowakei, Gorbatschow reiste am Vorabend der Veränderungen in
Ostdeutschland nach Berlin, und Schewardnaze besuchte Bukarest nach dem Sturz von Ceausescu.
Wieviel weiß die Bevölkerung dieser Länder von der Strategie, wie ist ihre Haltung gegenüber
"Perestroika," und über welche Kapazitäten verfügen die Sowjets zur Kontrolle der Massen? Zweifellos
wiessen die Mitglieder der Kommunistischen Partei, die Führer der "politischen Opposition" und
politische Aktivisten fast alles. Die Strategie kann nur mit ihrer Kenntnis und aktiven Beteiligung in
die Praxis umgesetzt werden. Sie wurden durch die Partei eingewiesen. Die Partei- und Komsomol-
Mitglieder, die Aktivisten in den Gewerkschaften und anderen Massenorganisationen bilden einen
großen Teil der Bevölkerung in den Großstädten, wo die spektakulästen Manifestationen der
"Demokratie" zu beobachten sind. Sie sind die vorherrschende politische Kraft in diesen Städten. Sie
haben die Fähigkeit zur Organisation kontrollierter "Demonstrationen," "Streik", und andere
Zuschaustellungen von "Demokratie," entsprechend den Vorgaben der Strategen. Sie können die
Massen entweder direkt durch die Partei und ihrer Massenorganisationen wie in der UdSSR lenken,
oder durch ihre heimlichen Partner in den "nichtkommunistischen" Organisationen in Osteuropa
mittels ihrer Autorität und Ansehen.
Partei- und KGB-Funktionäre sind hervorragend für den Umgang mit "spontanen
Demonstrationen und Massenkundgebungen" geschult. Als Student am KGB-Institut hat der Autor in
den 1950er Jahren häufig an Besprechungen zur Planung von "Spontandemonstrationen"
teilgenommen. So tauchten beispielsweise während des Moskaubesuchs von Tito innerhalb kürzester
Zeit Zehntausende zu seiner Begrüßung am Flughafen, in den Stadien und in den Straßen auf.
Dieselbe Technik wird auch heute angewendet. Der einzige Unterschied besteht darin, daß das
damalige Regime eine passive Form des Totalitarismus repräsentierte, wohingegen es sich heute um
eine aktive Form des Totalitarismus handelt, der vorsätzlich Elemente westlicher Demokratie kopiert.
Die vorherrschende Rolle der parteikontrollierten Masenorganisationen überlagert jede echte
Opposition oder Demonstration gegen das System.
Der Durchschnittsbürger ohne Bindungen zur Partei, weiß nichts von der Strategie und ihrer
praktischen Durchführung. Wie auch die öffentliche Meinung im Westen, werden sie durch die
kommunistische Presse getäuscht. Viele mögen vermuten, worauf die Urheber aus sind, aber sie
äußern sich nicht dasrüber. Wie es der große russische Dichter Pushkin formulierte: "Das Volk ist
sprachlos, schweigend, stumm." Nach Meinung des Autors, nimmt die Unterstützung der
Kommunistischen Partei in der UdSSR wegen es Erfolgs der Parteipolitik und der unverantwortlichen
Unterstützung von "Perestroika" durch den Westen, beständig zu.

BESONDERHEITEN IN DEN EINZELNEN KOMMUNISTISCHEN LÄNDERN


Trotz eines gemeinsamen Schemas beim Übergang zur falschen, vorgetäuschten neuen Struktur,
bestehen dennoch berstimmte nationale Besonderheiten in jedem kommunistischen Land, die den
Charakter des Prozesses bestimmen und die Möglichkeiten für die strategische Nutzung bieten.

158
Hier folgen die kommunistischen Strategen den Vorgaben Lenins und nutzen diese
Besonderheiten im Sinne der gemeinsamen Strategie. Nach Lenin: "Alle Nationen werden
sozialistisch werden. Das ist unvermeidlich. Aber dieser Übergang wird nicht überall
nach demselben Schema erfolgen. Jede Nation wird diese oder jene Spuren von
Demokratie in diese oder jene Form der Diktatur des Proletariats ebenso einbringen,
wie auch gewisse Aspekte des Sozialismus, der bereits im öffentlichen und sozialen
Leben vorhanden ist. Aber es gibt keinen Grund zur Übertreibung der Bedeutung
dieser Besonderheiten."
Der herausragende Unterschied der UdSSR ist die Tatsache, daß es sichb um eine nukleare
Supermacht handelt. Hieraus ergibt sich die Möglichkeit der Nutzung von Abrüstungsverhandlungen
mit den USA, einschließlich überraschender Manöver, wie anläßlich des Treffens mit Präsident
Reagan in Reykjavik.
Eine weitere Besonderheit der UdSSR und Jugoslawiens ist die Multinationalität beider
Länder. Hieraus gibt sich das Erfordernis nach der Suche von Lösungsmöglichkeiten für die
nationalistischen und ethnischen Probleme.
In Polen findet sich die Besonderheit in der Stärke der Katholischen Kirche und der
Gewerkschaften.
In der Tschechoslowakei geht es um eine ausgeprägte demokratische Tradition.
Die Besonderheit Ostdeutschlands ist die Teilung in zwei Staaten und die sowjetische
Besatzung.
In Ungarn stehen die Besonderheiten im Zusammenhang mit der Niederschlagung des
Volksaufstandes von 1956, der starke unternehmerische Geist des Volkes und das ehemalige
Multiparteiensystem.
Diese Besonderheiten bestimmen den Umfang der wirtschaftlichen und politischen Reformen
und den besonderen Zuschnitt der neuen "demokratischen," "unabhängigen" und
"nichtkommunistischen" Strukturen. In einigen Fällen könnten diese Besonderheiten zu
Verzögerungen bei der Einführung von "Perestroika" führen. Beispielsweise in Nordkorea wegen
des bestehenden militärischen Konflikts mit den USA, der Teilung des Landes in zwei Staaten, und die
Anwesenheit amerikanischer Truppen in Südkorea. Die Besonderheit Kubas findet sich in dem
verhältnismäßig jungen kommunistischen Regime und seiner geographischen Nähe zu den
Vereinigten Staaten von Amerika.
Die Besonderheiten von "Perestroika" in Rumäninen und China bedürfen einer besonderen
Betrachtung.

DIE BESONDERHEITEN VON "PERESTROIKA" IN RUMÄNIEN


Rumäninen ist das einzige Land, in dem der Übergang zu den neuen Strukturen durch sogenannte
reale oder gewalttätige Revolution erfolgte. Diese Abweichung vom üblichen Schema isat auf das
repressive, stalinistische Ceausescu-Regime zurückzuführen. Um für den Westen glaubwürdig zu

159
wirken, bedurfte es einer Variation des Revolutionsmodells – in diesem Fall ein revolutionäres
Szenario nicht "von oben," sondern "von unten." Ist es einem kommunistischen Regime in einem
Land wie Rumänien möglich, ein solches Szenario zu planen und durchzuführen?
Nach der Auffassung des Autors kann ein totalitärer Staat, in dem die Partei, die
Sicherheitsdienste und das Militär alle Aspekte des politischen Lebens und alle
Kommunikationsmittel kontrollieren, ein solches Szenario durchaus planen und durchühren. Hinzu
kommt, daß das rumänische Regime gemäß gemeinsamer Planung mit der UdSSR, China und den
anderen kommunistischen Staaten handelte, die in geheimer Konkurrenz gemeinsam daran
geaerbeitet haben, das beste Szenario für "Perestroika" zu schaffen. Es Bukarest durchaus möglich,
eine Revolution "von unten" zu organiseren, weil das Rahmenwerk für den sicheren Übergang zu den
neuen Strukturen in anderen osteuropäischen Staaten bereits vorhanden war, und weil der Westen
entschieden hatte, die "instabile" Lage nicht zu seinem Vorteil zu nutzen. Außerdem würde zumindest
eine "echte" Revolution "von unten" im Gegensatz zu den vorangegangenen weniger überzeugenden
Revolutionen "von oben" zur Glaubwürdigkeit gegenüber dem Westen beitragen. Den rumänischen
Strategen war auch bekannt, daß das Ergebnis ihrer "Veränderungen" durch die westliche Verwirrung
über die Vorgänge in Osteuropa gefördert würde. Es gibt eine Vielzahl von Anhaltspunkten dafür, daß
die Unruhen in Rumänien in der Tat von der Armee und der militärischen Gegenspionage vorbereitet
und durchgeführt worden sind. Folgendes spricht dafür:

(a) Gorbatschows Rumänienbesuch uind seine Zusammenkünfte mit Ceausescu und


anderen rumänischen Führern im Jahre 1987. Hier wurden die Rumänen instruiert
und über den zeitlichen Ablauf in Kenntnis gesetzt.
(b) Der Zeitpunkt des Parteikongresses in Bukarest – wo Ceausescu eindringlich auf den
sozialistischen Zweck der Partei hinwies. Es hatte den Anschein, als wüßte er, was
kommen würde und bemüht war, sein sozialistisches Vermächtnis für die Zukunft zu
bewahren. Die versammelten Kommunisten empfanden ihn als stoisch.
(c) Der Zutritt zu den Regionen, in denen es angeblich zu Unruhen und Greueltaten
gekommen war, blieb den westlichen Journalisten zunächst verwehrt.
(d) Über die Unruhen und Greueltaten berichteten zuerst die jugoslawischen und
ungarischen Medien.
(e) In diesen Berichten war die Zahl der Opfer maßlos übertrieben worden. Eine
Tatsache, die selbst von Amnesty Interantional bemerkt wurde. In den ersten
Berichten war die Rede von mehr als 60.000 Toten. Realistische Schätzungen gehen
heute von weniger als 100 Todesopfern aus.
(f) Die merkwürdige Besorgnis der Anführer der "Revolution" um das Leben Ceausescus
läßt darauf schließen, daß die ursprünglichen Instruktionen zwar seine Verhaftung,
aber nicht seinen Tod vorsahen. Bei einer echten Revolte würde man solche
Instruktionen nicht vermuten.

160
(g) Gorbatschow, verantwortlich für "Perestroika" und den Übergan zu neuen Strukturen
in Osteuropa, wies die Forderung Präsident Mitterands zum Einsatz von
Sowjettruppen in Rumänien ab – in der Tat eine Einladung zur Wiederherstellung der
"Breschnew-Doktrin." Gorbatschows Reaktion bewies ein Vertrauen darauf, daß die
Strategen die Vorgänge unter Kontrolle hatten, und der Ausgang planmäßig sein
würde.
(h) Das plötzliche Auftechen einer kleinen "politischen Opposition" in Rumänien paßte in
das gemeinsame Muster des Übergangs in den anderen osteuropäischen Staaten. Die
"politische Opposition" – als Nationale Rettungsfront bezeichnet – besteht aus
kleinen Gruppen von "Dissidenten" und "enttäuschten Kommunisten," die
bezeichnenderweise mit der Sowjetbotschaft in Verbindung standen.
(i) Der merkwürdige Zeitpunkt des Iranbesuchs von Präsident Ceausescu während der
"Aufstände" in Osteuropa, und unmittelbar vor seinem Sturz und seiner Exekution. In
Zeiten einer echten Krise reisen Parteiführer nicht ins Ausland.
(j) Der bezeichnendste Indikator für eine kommunistische strategische Lenkung der
Ereignisse in Rumänien ist die Tatsache, daß die beiden neuen Führer Rumäniens,
Iliescu und Manescu, Komunisten sind. Ihr Aufstieg zur Führerschaft nach dem
"Sturz" Ceausescus, entspricht dem "Dubcek-Muster." Im Jahre 1971 fiel Liliescu
wegen "gourgeoisem Liberalismus" in Ungnade und wurde nach Timisoara – dem Ort
des angeblichen Massakers – ins Exil verbannt, wo er einen untergeordneten Posten
als Parteifunktionär innehatte. Durch einen verblüffenden Zufall besteht zwischen
ihm und Gorbatschow eine ungewöhnliche Beziehung. Anfang der 1950er Jahre
besuchten beide Moskauer Schulen und wurden Freunde. Es ist interessant, daß
anläßlich Gorbatschows Bukarestbesuchs von 1987, Ceausescu ein Zusammentreffen
beider verhinderte, indem er Iliescu mit einem unwichtigen Auftrag in die
Karpatenregion entsandte. Manescu, Außenminister unter Ceausescu, ist als
"Reformer" bekannt. Im März 1989 tat er sich mit fünf anderen Parteiveteranen
zusammen, die sich gegen das Ceausescu-Regime auflehnten. Seitdem stand er unter
Hausarrest. Der Vater des neuen Premierministers, Petre Roman, war in der
Vorkriegszeit Mitglied der Kommunistischen Partei Rumäniens, der im Spanischen
Bürgerkrieg in der Internationalen Brigade, und später in der Komintern in Moskau
diente. In der Nachkriegszeit war er kurzfristig Oberkommandierender der
rumänischen Streitkräfte und Verteidigungsminister. Nachdem er als potenzieller
Titoist in Ungnade gefallen war, wurde er 1953 rehabilitiert und zum Direktor eines
politischen Verlags ernannt. Sein Sohn, der neue Premierminister, war ein
bevorzugter Student Rumäniens und hat eine Professur für Ingenieurwesen an der
Bukarester Polytechnischen Universität inne. In dieser Eigenschaft wurde er zum
Verbündeten Iliescus. In seiner Jugend war er auch ein enger Freund der Tochter

161
Ceausescus, und durch Heirat ist er auch entfernt mit Manescu verwandt. Ein
rumänischer Emigrant beschrieb ihn als der rumänischen Elite zugehörig.
(k) Der Rumänienbesuch des sowjetischen Außenministers Schewardnaze kurz nach der
Amtsentfernung Ceausescus ist ein weiterer Indikator für die sowjetische
Zusammenarbeit mit den neuen rumänischen Führern.
(l) Angebliche Versuche der neuen Führung und der Armee, sich des verhaßten
Sicherheitsdienstes zu entledigen, sind kaum ernst zu nehmen, denn es gab keinerlei
bemerkenswerte Bloßstellungen ihrer wichtigsten Agenten des Dienstes unter den
prominenten rumänischen Intellektuellen, Kirchenfpührern und der Elite. Und
insbesondere darum nicht, weil die Armee die Verantwortung dür den
Sicherheitsdienst übernommen hat.
(m) Ceasusecus Vertedigungs- und Innenminister blieben noch mehrere Wochen nach der
"Revolution" in ihren Ämtern.
(n) Nach dem amtlichen Kommentar eines Sprechers der rumänischen Armee wurde
ausdrücklich verneint, die Armee hätte bereits sechs Monate im voraus einen
Staatsstreich geplant.
(o) Die Gerichtsdokumente über as Verfahren gegen Ceausescu ließ erkennen, daß es sich
um ein Zivilverfahren, und nicht ein Verfahren der Kommunistischen Partei gehandelt
hat.
(p) Lediglich Ceausescu, seine Ehefrau und einige seiner Vasallen wurden wegen
ungerechtfertigter Anordung des Schußwaffengebrauchs vor Gericht gestellt. Eine
allgemeine Verurteilung der Kommunistischen Partei und ihres stalinistischen
Regimes gab es nicht.

Zusammengefaßt kann festgestellt werden, daß die Hauptcharakteristika des Übergangs


Rumäniens zu neuen Strukturen eindeutig darauf schließen lassen, daß die kommunistisch
kontrollierte Armee und der militärische Gegenspionagedienst hinter den Unruhen standen. Es war
nicht die Geheimpolizei. Diese spielte lediglich die führende Rolle im Szenario und war der Garant für
den Erfolg der "Revolution." Diese Hypothese rgibt einen Sinn insofern, als das neue rumänische
Regime kein "demokratisches" Gesicht hätte zulegen können, ohne die vorgetäuschte Auflösung der
repressiven stalinistischen Geheimpolizei.
Selbstverständlich stellt sich die Frage, ob Ceausescu Teil dieses Szenarios gewesen ist, das
seine Amtsentfernung, sein Verfallen in Ungnade, und schließlich seinen Tod vorsah. Die Antwort
könnte lauten, daß Ceausescu sich unvernünftig verhielt und völlig außer Kontrolle geriet. Die Armee
und einige Parteiführer entschieden daher – mit Zustimmung der Sowjets – daß er getötet werden
müßte, obwohl dies nicht unbedingt die ursprüngliche Absicht gewesen wsein muß.
Vor der "Revolution" in Rumänien bestand die Kommunistische Partei aus 3,5 bis 4 Millionen
Mitgliedern. Selbst die Zulassung von Mitgliedern, die lediglich des persönlichen Vorteils willen der
Partei beitraten, änderte nichts daran, daß die Partei die größte politische Kraft in der Gesellschaft

162
stellte, und hier insbesondere in den Städten. Weder die Basis, noch die Kräfte für die Bildung einer
echten nichtkommunistischen Opposition standen jemals zur Verfügung.
Hieraus erklärt sich, warum die Kommunisten die herrschende Kraft in de "Nationalen
Rettungsfront" und in der von ihnen gebildeten Regierung stellen. Trotz der kürzlichen kosmetischen
Umorganisation der Front, wird sich nichts daran ändern, daß diese "refomierten," kontrollierten
Kommunisten auch weiterhin das "demokratische" Rumänien kontrollieren und lenken werden.

DIE BESONDERHEITEN VON "PERESTROIKA" IN CHINA


Das westliche Fehlverständnis von den Entwicklungen im kommunistischen China erfordert einige
neue Interpretationen dieser Entwicklung im Sinne der kommunistischen Langzeitstrategie, an der
China beteiligt ist, sowie der nationalen Besonderheiten Chinas hinsichtlich des Übergangs zu neuen
Strukturen.
Vor der gewaltsamen Unterdrückung der pro-demokratischen Studentendemonstrationen in
Peking, folgte die Kommunistische Partei Chinas praktisch demselben gemeinsamen Schema von
"Perestroika" wie die UdSSR und Osteuropa. Diechinesischen Strategen hatten Wirtschaftsreformen
und einige Elemente des Kapitalismus eingeführt.
Auch Anzeichen für die ansatzweise Entwicklung einer "politischen Opposition" –
"Dissidentenbewegungen" – einschließlich eines chinesischen "Sacharow" waren zu erkennen. Dann
kam die Demonstration, die das Aufkommen einer pro-demokratischen Studentenbewegung
signalisierte. Das Aufkommen dieser Bewegung reflektierte Chinas nationale Besonderheiten.
Diese Besonderheit findet sich darin, daß China überwiegend von Bauern bevölkert ist, wo die
Studenten auf eine alte revolutionäre Tradition als Initiatoren politischer Bewegungen und politischer
Veränderungen zurückblicken können. Auch die chinesische Kommunistische Psrtei begann als eine
Studentenbewegung. Folglich ist es logisch, daß die Parteistrategen sich dafür entschieden haben,
dieser Tradition zu folgen, und die Einführung von "Demokratie" durch die aktive Beteiligung der
Studenten herbeizuführen.
Die weiteren wichtigen Argumente zur Stützung dieser Analyse sind folgende:

1. Die Initiatoren und der Kern der pro-demokratischen Studentendemonstrationen waren die
Kinder von hochrangigen kommunistischen Parteibonzen – in der Tat die Generation, aus der
die zukünftigen Führer Chinas hervorgehen werden.
2. Nach vorliegenden Berichten wurde die Bewegung im "Forschungsinstitut für Sozialen
Wandel" gegründet.
3. Es wird gesagt, daß die Studenten Förderer in den Reihen der herrschenden Parteielite hatten,
sogenannte "Reformer," wie Zaho, der angeblich der Katalysator der Bewegung gewesen ist.

163
4. Die Demonstrationen forderten nicht die Zurückweisung des sozialistischen Systems oder den
Sturz der Regierung. Es wurden Spruchbänder gesehen, die die Aufschrift trugen: "Wir stehen
fest hinter der korrekten Führung der Kommunistischen Paetei."
Die Forderungen der Demonstranten waren eher gemäßigt: Beendigung der korrupten
Praktiken und ein sinnvoller Dialog mit den Führern des Landes.
5. Zu Beginn der Demonstrationen gab es seitens der Partei und ihrer Vertreter Toleranz, wenn
nicht gar Zusammenarbeit mit den Demonstranten. Es gab kein Eingreifen der Armee oder die
Unterdrückung der Studenten.
6. Die Toleranz der Partei gegenüber den Demonstrationen zeigte sich in der kooperativen
Haltung gegenüber der westlichen Fernsehberichterstattung über die Ereignisse, über die in
allen Einzelheiten von den westlichen TV-Sendern berichtet wurde.
7. Der geordnete Durchführung der Demonstrationen, und das Absingen der Parteihymne, die
"Internationale," kontrastiert stark mit den gewalttätigen und feindseligen Demonstrationen
der südkoreanischen Studenten in Seoul.
8. Der ununterbrochene Gerüchtestrom über einen angeblichen Machtkampf zwischen
"liberalen" Reformern und "Hardlinern" läßt eine bekannte Desinformationstechnik
erkennen, die dazu bestimmt ist, den Westen über die wahre Natur der Vorgänge zu verwirren.
Es ist eine Tatsache, daß diese Gerüchte von den kommunistischen Parteibonzen gegenüber
westlichen Beobachtern ausgestreut wurden. Es hat den Anschein, daß beide Seiten, "liberal"
und "konservativ," sich dieser Gerüchte bedienten, um die Reaktionen und Einschätzungen
des Westens zu manipulieren, insbesondere die Amerikaner und Japaner, im Interesse der
Täuschungsstrategie.

Dann wurde plötzlich die westliche Fernsehberichterstattung unterbrochen, und die pro-
demokratische Studentendemonstration unterdrückt. Warum haben die chinesischen Führer den Kurs
gewechselt? Warum dieser Rückzug? Vermutlich deshalb, weil die ursprünglich parteiorganisierte
Demonstration spontan echte Elemente auf die Straße brachte, und die Lage außer Kontrolle zu
geraten drohte, wie es damals beim "Prager Fühling" von 1968 in der Tschechoslowakei der Fall
gewesen ist.
Gab es auf dem Tienamen-Platz tatsächlich ein Massaker? Viele westliche Journalisten
berichten aus ihren Hotelzimmern über die Ereignisse. Sie hörten Schüsse und das Rasseln von
Panzerketten. Wieviele haben die Massaker tatsächlich gesehen? Veröffentlichte Berichte darüber,
sind widersprüchlich.
Am 12. Juni 1989 veröffentlichte die "The New York Times" einen Bericht, der zuvor in
Hongkong und San Franzisko veröffentlicht worden war. Darin ist die Rede davon, daß Truppen die
Demonstranten auf dem Tienamen-Platz im Morgengrauen des 4. Juni angegriffen haben sollen.

DIE SELEKTIVE TÖTUNG VON UNORGANISERTEN ELEMENTEN AUF DEM TIENAMEN-PLATZ

164
Am 13. Juni1989 veröffentlichte die "The New York Times" einen Bericht voin Nicholas D. Kristof,
ihres Peking-Korrespndenten, der dem Bericht vom 12. Juni widersprach und versicherte, daß
Truppen im Bereich um den Tienamen-Platz zwar auf Demonstranten geschossen und einige davon
getötet haben, es keinerlei Beweise dafür gäbe, daß es irgendwelche Opfer auf dem Tienamen-Platz
gegeben hätte. Wenn die Version Kristofs richtig sind, würde es die Annahme unterstützen, daß sich
der Truppeneinsatz nicht gegen die ursprünglichen pro-demokratischen Demonstranten richtete, die,
nach Kristof Bericht, den Platz unter Absingen der Internationale verließen, wobei sie Banner
mitführten, auf denen die Kommunistische Partei gelobt wurde. Vielmehr richtete sich dieser Einsatz
dann gegen die unorganiserten Elemente, die sich der Demonstration anschließen, oder sonstige
Vorteile aus der Demonstration erlangen wollten.
Auch andere Überlegungen könnten sehr wohl in die Entscheidung zur Unterdrückung der
Demonstration eingeflossen sein. Es gibt keinen Zweifel daran, daß die Entscheidung mit den Sowjets
abgesprochen und koordiniert worden ist, denn die Entscheidung zur Niederschlagung der
Demonstration fiel unmittelbar vor dem bevorstehenden Pekingbesuch Gorbatschows, dem Wochen
zuvor ein Besuch Shewardnazes vorangegangen war.
Es wäre denkbar, daß den Strategen daran gelegen war, ein zu offensichtlich uniformes
Schema beim Übergang zu den neuen Strukturen in der UdSSR, China und Osteuropa zu vermeiden,
und einen gegenteiligen Ansatz vorzogen – Sowjetische Unterstützung von, und chinesische
Intoleranz gegenüber "Demokratie" und "Reformen."
Die chinesische Niederschlagung der "Unruhen" erfolgte am Vorabend der Veränderungen in
Osteuropa. Es wurde ein klares (und wahrscheinlich beabsichtigtes) Signal an die Osteuropäer
gesandt, daß zuviel Unruhe im Verlauf von "Perestroika" zu militärischem Eingreifen führen könnte,
und an die Chinesen gerichtet, daß für die kommenden Veränderungen in Osteuropa nicht in China
geworben werden könnte. Möglicherwiese sahen die Chinesen auch die Notwendigkeit zur Ergreifung
von vorbeugenden Maßnahmen zur Stabilisierung ihres Regimes in politischer Hinsicht, und ihm eine
klarere sozialistische Richtung nach der Einführung des "Kapitalismus" zu geben – eine chinesische
Taktik schrittweisen Vorgehens.
In der nicht zu fernen Zukunft – und möglicherweise mit Deng Xiao-Pengs Abtritt von der
politischen Bühne – wäre es denkbar, daß die chinesischen Strategen sich wieder der polnischen
Formel für den Übergang zu den neuen Strukturen bedienen werden.
Die pro-demokratische Studentenbewegung könnte wieder, vergleichbar mit "Solidarität,"
legalisiert werden und sich zu einer führenden politischen Kraft in China entwickeln. Deng hingegen,
könnte wegen seines brutalen Vorgehens gegen die Studenten kritisiert werden.
"Liberale" Kommunistenführer würden in die Ämter zurückkehren, oder neue "liberale"
könnten in der kommunistischen Führerschaft Chinas auftauchen – und mit den Führern der pro-
"demokratischen" Bewegung harmonisch zusammenarbeiten.
Andererseits könnte die auf dem Tienamen-Platz gelieferte Botschaft völlig ausreichend sein,
um es dem Regime zu ermöglichen, den Zustand der "Synthese" nach dem Hegelianischen

165
dialetksichen Dreisatz zu erreichen – die Vorherrschaft der Kommunistischen Partei mit Elementen
des westlichen Kapitalismus und Demokratie.

DIE SCHWIERIGKEITEN DER WESTLICHEN MEDIEN


BEI DER BERICHTERSTATTUNG ÜBER "PERESTROIKA"

Die westlichen Medien befinden sich in einer schwierigen und verwundbaren Position. Sie müssen
über den "Perestroika"-Prozeß in den kommunistischen Staaten innerhalb eines von den
kommunistischen Strategen vorgegebenen falschen Bezugsrahmens, denen natürlich vor allem an
einer positiven Berichterstattung über "Perestroika" durch die westlichen Medien gelegen ist,
berichten. Erschwerend hinzu, kommt die falsche Auffassung der westlichen Regierungen, die
"Perestroika" fälschlicher Weise für einen Prozeß halten, der den westlichen Interessen dienlich ist.
Wie den westlichen Regierungen und ihren Nachrichtendiensten, fehlt es den Medien gleichermaßen
an verlässlichen Informationsquellen über die strategischen Absichten der kommunistischen
Amtsträger. Wie ihre Regierungen, wurden die westlichen Medien völlig unvorbereitet von
"Perestroika" überrollt und haben keinerlei Kenntnis über den Ursprung, die Motivation, den Einsatz
des Polit- und Sicherheitspotenzials oder das antiwestliche Muster der Strategie. Alle diese Faktoren
tragen zur unkritischen und falschen Berichterstattung über dieses Thema bei.
Simon Leis, ein westlicher Beobachter, berichtete zutreffend über die Schwierigkeiten bei der
Berichterstattung über die Klutirrevolution im kommunistischen China. "Ich bin davon überezugt,"
schrieb er, "daß Ausländer, die ständig oder zeitweilig unter diesen Bedingungen im kommunistischen
China leben, außer über Oberflächlichkeiten bei ihrer Berichterstattung nicht hinaus kommen. Jene,
die glauben, sie würden ernsthaft berichten, wenn sie ihre Eindrücke von China zu Papier bringen,
oder jene, die von sich behaupten, die chinesische Mentalität zu kennen, beschreiben in Wahrheit ein
Spektakel, das von den Maoistischen Behörden für sie auf der Bühne eines chinesischen Theaters
aufgeführt wird. Entweder täuschen sie den Leser, oder, was schlimmer wäre, sie machen sich selbst
etwas vor." Obwohl Mr. Leis seine Beobachtungen zur Zeit der Kulturrevolution beschrieb, gibt es
keinen Grund zu der Annahme, daß seine Anmerkungen heute nicht mehr gültig sind. Im Gegenteil,
seine Ausführungen sprechen für die gegenwärtige schlechte Qualität der Berichterstattung bei der
Einführung von "Demokratie" in den kommunistischen Ländern. Fast ausnahmslos berichten
Journalisten über "Schaukämpfe," die von den kommunistischen Strategen für sie inszeniert worden
sind. Sie vertrauen zu sehr auf die offizielle Berichterstattung in den kommunistischen Medien und
akzeptieren unkritisch die Informationen, die ihnen von den kommunistischen Veretretern und deren
Agenten geliefert werden.
So war es beispielsweise beunruhigend, die Berichterstattung des amerikanischen Fernsehens
über die Studentendemonstrationen in Peking von westlichen Journalisten aus ihren Hotelzimmern
zu betrachten. Über ethnische und nationalistische Spannungen in Aserbeidschan, Armenien oder den
Baltischen Republiken, wird häufig aus Moskau, Leningrad oder sogar London berichtet. Eine solche

166
Berichterstattung ist, wenn die Medien auch noch gegenüber den strategischen und politischen
Absichten der kommunistischen Strategen ignorant sind, kann nur ungenau, irreführend und den
westlichen Interessen abträglich sein.
Verwirrt über den wirklichen Vorgänge, die dahinter stehenden Kräfte und die Ziele von
"Perestroika," kommentieren die Medien die vermeintliche Lage in den kommunistischen Ländern
nach westlichen Maßstäben. Daher halten sie den Rücktritt der alten Kommunistenführer und ihren
Ersatz durch "nichtkommunistische" Führer aus den Reihen der "politischen Opposition," sowie die
"nichtkommunistischen" Strukturen in Osteuropa und der UdSSR nach den völlig irrigen westlichen
Maßstäben für echt und berichten entsprechend darüber – wobei sie den Unterschied zwischen echter
westlicher Demokratie und falscher, trügerischer, kontrollierte kommunistischer "Demokratie"
[Demokratismus] vollkommen unberücksichtigt lassen. Ihre irrigen Vorstellungen werden als Realität
angesehen und entsprechend berichtet. Nicht anderes verhält es sich mit der Berichterstattung der
Presse in Zeitungen und Journalen.
Ein weiteres Hindernis für die westlichen Medien ist die verbesserte Qualität der eingesetzten
Mittel zu ihrer Manipulation durch das neue "demokratische" Establishment in den kommunistischen
Ländern, die bei der Durchführung ihrer Strategie uneingeschränkt totalitär bleiben. Ihr
Totalitarismus unterscheidet sich von der stalinistischen Version insofern, als er politisch aktiv ist und
seinen Stil zivilisiert hat. Partei- und KGB-Vertreter und ihre Agenten in den neuen Strukturen, haben
zur Manipulation der westlichen Berichterstatter unter der Aufsicht von KGB-Oberst Norman
Borodin, dem Sohn des in Amerika geborenen "Komintern"-Vertreters Michael Borodin (Grusenberg),
eine beachtliche Schulung durchlaufen. Norman Borodin hat seine gesamte KGB-Dienstzeit mit der
Anwerbung und Manipulation amerikanischer, britischer, französischer und deutscher in Moskau
stationierter Journalisten verbracht.
Bei dieser Tätigkeit sammelte er einen reichen Erfahrungsschatz, den er an die neue
Generation von Partei- und KGB-Vertretern weitergegeben hat, die mit der Durchführung der
Strategie befaßt sind. Die neue Generation von Manipulationsexperten im Bereich der Medien, wird
von Yakovlev, Arbatov und Nikolay Shishlin, die alle die westlichen Medien studiert haben, ihre
Arbeitsweise kennen und wissen, wie ihr Sensationshunger zum Zwecke der Desinformation der
Öffentlichkeit im Westen und in Rußland genutzt werden kann, geführt und beraten.
Folglich sehen sich die westlichen Medien einer neuen Situation und
Herausforderung gegenüber. Den kommunistischen Strategen ist bewußt, daß der
Erfolg von "Perestroika" und ihre Chance zur Erlangung des Weltsiegs des
Kommunismus mit den Mitteln der Politik, von der Manipulation der Medien abhängt.
Unbeschadet von "Glasnost," werden sie nicht unversucht lassen, um weltweit die
öffentliche Meinung zu täuschen, "Demonstrationen," "Streiks," "nationale Unruhen,"
"Schießereien," "Greueltaten," "Schauprozesse" und "Exekutionen" können
erforderlichenfalls alle für den westlichen Konsum arrangiert werden.
Während des Krieges gegen Hitler setzten die Engländer ein Phantom ein - "Den Mann, den es
nie gab" – um den Deutschen gefälschte militärische Informationen in die Hände zu spielen. Heute

167
operieren die Kommunistgen in einem erheblich größeren Maßstab. Sie setzen alles ein, was ihr
totalitäres System und ihre Phantasie möglich macht. Sie bedienen sich heute vieler "Phantome" und
anderer angeblicher "Opfer," um ihr Konzept der Täuschung voranzubringen und die angestrebten
strategischen Ziele zu erreichen.
Auf der Grundlage eigener Studien der gegen westliche Journlisten angewendeten Methoden
am KGB-Institut, ist der Autor davon überzeugt, daß ermittelnder Journalismus im Stile von Robert
Woodward und Karl Bernstein in der UdSSR und and anderen kommunistischen Staaten unmöglich
wäre. Die Sicherheitsdienste würden diese Form des Journalismus unterbinden.
Die westlichen Medien bleiben außerhalb des inneren Kreises des kommunistischen
Establishments, und sie verügen über keinerlei wirksame Mittel und Möglichkeiten, die Wahrheit über
"Perestroika" in Erfahrung zu bringen. Folglich kann ihre Berichterstattung durch die Manipulatoren
des Establishments, der Sicherheitsdienste und ihrer Agenten beeinflußt und geformt werden.
Gefangen in der Zwangsjacke ihres eigenen Bezugsrahmens, und durch die kommunistischen
Manipulationen verwirrt, besteht die Gefahr, daß die westlichen Presse- und Rundfunkmedien nicht
nur zu Kanälen, sondern zu Generatoren des Fehlverständnisses von "Perestroika" werden. Sie
könnten in der Tat unbewußt Instrumente zur Beschleunigung der Sowjetstrategie von der
Annäherung beider Systeme werden.
Mr. Dan Rather, Chefreporter von CBS-News, berichtete beispielsweise als Teilnehmer an den
pro-demokratischen Studentendemonstrationen auf dem Pekinger Tienamen-Platz vor der
Unterdrückung. Es stellt sich die Frage, ob diese Art der Berichterstattung zu echter Objektivität führt,
oder ob es sich nicht eher um den Stil des US-Reporters John Reed handelt, der an den Ereignissen
der Oktober-Revolution teilnahm und darber berichtete.
Eine Erholung der westlichen Politik und eine realistischere Reaktion auf "Perestroika" kann
es ohne die Wiedereinführung einer kritischen Berichterstattung durch die westlichen Medien und
ihrem Verständnis von den inneren Prozessen der Strategie, die von den Sowjets sorgfältig
geheimgehalten werden, nicht geben.
Heute gestatten es die Sowjets der Öffentlichieit, die Radiosender "Stimme Amerikas" und
BBC zu hören, weil die westlichen Medien die kommunistische Version von "Pererstroika" akzeptiert
haben. Dürften sie auch weiterhin die westlichen Sendungen hören, wenn sich die Medien gegenüber
"Perestroika" kritisch äußerten, und die geheime Partnerschaft der kommunistischen und
nichtkommunistischen Führer in Osteuropa, die geheime Koordination zwischen "Konservativen" und
"Reformern," die verdeckten Verbindungen zwischen den kommunistischen Strategen und den
"nationalistischen" Führern der "unabhängigen" Republiken und schließlich das antiwestliche Muster
der Sowjetstrategie aufdecken würden?
Hierin findet sich der zukünftige Test für die sowjetische "Glasnost." Und hier finden sich
auch neue Möglichkeiten für intelligente westliche Journalisten für den Fall, daß ihre Vorgesetzten
zum Zuhören bereit sind.

168
ANMERKUNGEN ZU EINEM ARTIKEL VON "Z" IN "DAEDALUS"
"Die von "Z" erstellte Analyse über "Perestroika" ist irreführend und ungenau. Die Analyse läßt die
Langzeitstrategie aus den Jahren 1958/60 vollkommen unberücksichtigt. Deng Xiao-Pengs
Einführung von Elementen der Marktwiirtschaft und das Auftauchen von "Solidarität" in Polen, waren
keineswegs spontane Ereignisse, sondern Entwicklungen innerhalb des Rahmenwerks der Strategie.
"Perestroika" ist keine Reaktion auf eine Krise, sondern die Endphase der Strategie, die von den
kommunistischen Strategen über einen Zeitraum von füpnfundzanzig Jahren vorbereitet worden ist.
Wir werden nicht Zeugen des Zerfalls eines Systems, sondern von dessen Erneuerung, seiner
politischen Offensive und des Einsatzes des vollen politischen Potenzials der erneuerten
kommunistischen Regime. Bezüglich der Frage, ob man Gorbatschow helfen oder ihn nicht
unterstützen sollte, sind die Vorschläge von "Z" widersprüchlich. Einerseits erklärt er, westliche Hilfe
sei überflüssig und sollte nicht gewährt werden. Andererseits vertritt er die Ansicht, westliche Hilfe
könnte eine konstruktive Rolle insofern spielen, als "die Ereignisse sich in die Richtung des möglichen
Untergangs des Systems bewegen."
Hierin unterscheidet sich das Szenario von "Z" nicht sonderlich von den Vorschlägen
Brzezinskis, die in vorangegangenen Kapiteln behandelt worden sind. Er schlägt vor:
(a) Reduzierung der gegenseitigen Verteidigungslasten unter Berücksichtigung des
legitimen Sicherheitsbedürfnisses der Sowjetunion ["Z" weist darauf hin, daß
Gorbatschow seine Bereitschaft zur Aufnahme entsprechender Verhandlungen bereits
erklärt hat].
(b) Westliche Hilfe könnte sinnvoll gemäß der Polen gewährten Unterstüzzung eingesetzt
werden, insbesondere zur Entwicklung privater marktwirtschaftlicher Strukturen und
zur Förderung des politischen Pluralismus in Regionen, wie den Baltischen Staaten,
Armenien und dem sowjetischen Fernen Osten. Nach seiner Auffassung könnte sich
der Paralleleffekt möglicherweise auf die gesamte Sowjetunion ausweiten.
Wiederum unterscheidet sich das Szenario von "Z" nicht sonderlich von dem Brzezinskis.
Vielmehr handelt es sich um eine Erweiterung des Programms von Osteuropa auf die
aufkommenden sogenannten "unabhängigen" Republiken der UdSSR. Wie Bzezinski,
unterläßt es auch "Z," den Westen vor den Lektionen aus den Erfahrungen mit Lenins
"NeuerWirtschaftspolitik" zu warnen. Und wir Brzezinski, übertreibt auch "Z" die
Schwierigkeiten der Sowjets. Seine Erklärung über die "Endkrise" ist falsch. Er unterschätzt
die politische Stärke der Sowjetunion und ihren Einsatz des Politpotenzials bei der
Durchführung des strategischen Musters gegen den Westen.
Die Feststellung von "Z" darüber, daß der Kommunismus stets erfolgreich an seinem
Machtmonopol festgehalten hat, ist unvollständig. Der Kommunismus war auch erfolgreich
darin, sich von einem auf dreizehn Staaten auszuweiten und versucht jetzt, sich auch in

169
Westeuropa und den USA unter einer neuen Maske, und unter Einsatz seines gesamten
Poilitpotenzials zu etabilieren. Der Zeitpunkt der Veröffentlichung des Berichts ist
verblüffend. Im Januar 1988 und März 1989 hat dieser Autor in Memoranden an die CIA
vorgeschlagen, seine Analysen über die Sowjetstrategie in "Foreign Affairs" zu veröffentlichen
und einem anonymen KGB-Überläufer zuzuschreiben. Dieser Vorschlag wurde abgelehnt.

SCHLUSSFOLGERUNGEN UND DAS ERFORDERNIS ZUM ÜBERDENKEN


DER BLINDEN REAKTION DES WESTENS AUF "PERESTROIKA"

Die Blindheit des Westens, seiner Nachrichtendienste und politischen Kreise gegenüber der
Sowjetstrategie, seine unkritische Akzeptanz der Echtheit der vorgetäuschten, kontrollierten
Pseudodemokratie und ihre Unterstützzung für "Perestroika," haben den Sowjets bemerkenswerte
Vorteile verschafft, und die Position der westlichen Demokratien entscheidend geschwächt.
Vor allem haben die kommunistischen Strategen eine neue Möglichkeit zur Kontrolle der
Gesellschaft durch den Ersatz der offenen Parteidominanz durch neue "nichtkommunistische"
Strukturen geschaffen. Sie haben sich die Möglichkeit der Wiederbelebung ihrer Wirtschaft mit
westlichen Krediten, Technologie und Gemeinschaftsunternehmen eröffnet. Sie haben sich der
Vorstellungen Lenins bedient, um den Westen durch wirtschaftliche Zugeständnisse zu ihren Gunsten
beeinflussen. Allerdings handelt es sich keineswegs um die Einführung des Kapitalismus: Es ist ein
kalkuliertes Spiel, bei dem man sich der Kapitalisten bedient, um den Kapitalismus zu vernichten. Die
Strategen haben eine Möglichkeit zur Neutralisierung Deutschlands entwickelt. Und vor allem ist es
ihnen gelungen, sich den Anschein einer Demokratie zu geben. Obwohl diese Identifizerung mit der
Demokratie lediglich taktisch und vorgetäuscht ist, haben sie sich dennoch der Unterstützung der
echten westlichen Demokratien versichern können. "Perestroika" könnte durchaus zum Modell nicht
nur für kommunistischen Staaten, sondern für den Westen und die Dritte Welt werden, denn
"Perestroika" beweist gegenüber diesen Ländern, daß mit westlicher Hilfe, insbesondere der
gegebenen Zugriffsmöglichkeit auf westliche Technologie und Finanzmittel, eine Verbesserung der
wirtschaftlichen Verhältnisse erreicht werden kann.
Zweitens, hat die westliche Unterstüzung die erfolgreiche Erneuerung der kommunistischen
Regime und ihren Übergang zu neuen, akzeptableren politischen Strukturen enorm beschleunigt. Was
ohne westliche Hilfe Jahrzehnte gedauert hätte, ist heute bereits zur Realität geworden.
Drittens, hat die westliche Hilfe zur Verwirrung und Lähmung der westlichen Demokratien
geführt, und dadurch die Grundlage für ihren militärischen, ideologischen, politischen und
diplomatischen Niedergang geschaffen. Die Völker sind verwirrt, die Antikommunisten neutralisiert,
und die amerikanischen und westeuropäischen Konservativen haben sich zu enthusiastischen
Förderern von "Perestroika" und der kommunistischen Welt gewandelt.
Viertens, wurden die die westliche Unterstützung für die Kommunisten günstige Bedingungen
für den Einsatz ihres gesamten Polit- und Sicherheitspotenzials geschaffen. Hierdurch wurde die
Umsetzung der Strategie immens beschleunigt. Wäre diese Strategie vom Westen verstanden und

170
enttarnt worden, gäbe es keinerlei Erfolgsaussichten für die Sowjets. Aber angesichts der
vorherrschenden Blindheit, Verwirrung und Euphorie, wird der weltweite Endsieg des Kommunismus
in ungefähr einem Jahrzehnt Realität sein.
Die dramatischen Auswirkungen der Veränderungen in der kommunistischen Welt auf den
Westen hat eine Situation geschaffen, in der im Westen radikale Veränderungen durch die Medien, in
den Parlamentsabstimmungen und Straßendemonstrationen herbeigeführt werden können. Die Lage
ist kritisch. Kapitalismus und echte Demokratie in den USA und Westeuropa sind durch
fadenscheinige, kontrollierte Pseudodemokratien bedroht.
Ignorant gegenüber den aggressiven kommunistischen Absichten, sind die westlichen
Demokratien im höchsten Maße für die Aktivitäten des Polit- und Sicherheitspotenzials der
erneuerten komunistischen Regime in ihren Ländern anfällig. Dieses Potenzial besteht aus den
"nichtkommunistischen" Regierungen, den neuen politischen Parteien, den Mitgliedern der neuen
Parlamente, reformiertes Gewerkschaften, bekannten Kirchenmännern, Intellektuellen und Führern
der neuen "nichtkommunistischen, "demokratischen" Strukturen in den jetzt "unabhängigen,
"nationalistischen" Staaten. Dieses Potenzial wurde aufgebaut, inspiriert und revitalisiert durch den
Erfolg von "Perestroika" und ihrer Akzeptanz durch den Westen.
Alle diese Kräfte sind bereit, Kontakte mit ihren jeweiligen westlichen Gegenorganisationen
aufzunehmen, zur Förderung der Solidarität mit ihnen, und sie zu gemeinschaftlichen Vorstößen auf
dem Gebiet der Abrüstung, der Dutchsetzung radikaler Reformen der sozialen, politischen und
militärischen Struktur der USA und Westeuropas zu überzeugen. Der Einsatz dieses Potenzials hat
bereits in der Form von Besuchen in den USA und Westeuropa der neuen "Demokraten" aus den
kommunistischen Ländern, wie Lech Walesa, Jelzin, des inzwischen verstorbenen Andrei Sacharow
und des neuen tschechoslowaikischen Präsidenten begonnen. Sie bilden die Vorhut des
kommunistischen Politpotenzials, das die westliche Leichtgläubigkeit für ihre Ziele ausnutzt, die auf
so peinliche Weise, durch den euphorischen westlichen Empfang deutlich wird, der ihnen zuteil
geworden ist.
Walesa, beispielsweise, glaubte, seine westlichen Gastgeber darüber belehren zu müssen, daß
sie sich gegenüber dem neuen Regime in Polen, einem Regime, in dem, trotz seiner
"nichtkommunistischen" Reformen, die wahre Macht – das Präsidentenamt, das Innenministerium
und die Armee – sich weiterhin in den Händen der Kommunisten befinden. Walesa war arrogant und
benahm sich, als sei der Westen gegenüber dem neuen polnischen Regime finanziell verpflichtet,
wobei er die hohe Verschuldung gegenüber dem Westen gefließentlich unerwähnt ließ. Walesa
verlangte seine Scheibe Fleisch und konnte sie sich erfolgreich sichern. Er forderte Hilfe für ein
Regime, dessen Sicherheits und Nachrichtnedienste sich unter der Führung von Stanilaw Kania, den
verstorbenen Moczar und Kszczak zu den effektivsten Nachrichtendiensten neben dem KGB
entwickelt haben, und sich der meisten und erfoglreichsten Einflußagenten bedient. Der Einsatz des
politischen Potenzials der neuen "Demokratien" zur "Umstrukturierung" des Westens, ist eine reale
Bedrohung für echte Demokratien, ihren Werten, ihren Freiheiten und ihrem freien kapitalistischen
System. Es ist allerhöchste Zeit zum Aufwachen!

171
Aber nicht nur gegen die westlichen Demokratien hat der Einsatz des sowjetischen Polit- und
Sicherheitspotenzials begonnen. Auch die antikommunistischen muslimischen und arabischen
Staaten sind einbezogen, wobei mit den Nachbarstaaten der Sowjets, Iran und Turkei, der Anfang
gemacht wurde. Hier wird die Offensive nicht durch kommunistische Parteien oder die Sowjetarmee,
sondern durch sowjetische Muslime in der Maske von "unabhängigen, "nationalistischen",
"antikommunistischen" Muslimen in der "antisowjetischen" Republik von Aserbeidschan geführt, die
vorgeben, sich mit der islamischen Religion und ihren Werten zu identifizieren. Hier findet sich der
Schlüssel zum Verständnis für die Vorgänge in Aserbeidschan und für das Hochkommen von
"unabhängigen Fronten" und "Guerillagruppen," die in den Iran einsickern.

NEU ZU BEWERTENDE PRIORITÄTEN


Solange der Westen nicht seinesimple Denkweise aufgibt, und sich mit der Komplexität der
Veränderungen in der kommunistischen Welt hineindenkt, werden die kommunistischen Strategen
die Oberhand behalten. Die kritische Situation erfordert dringend eine Neubewertung der Reaktion
auf "Perestroika" und ihrer Gefahren für den Westen. Dieser Neubewertung muß höchste Priorität
eingeräumt werden. Dazu bedarf Mut und staatsmännischem Geschick im höchsten Maße.
Erstens, sollten die westlichen Regierung der Verwirrung, Euphorie und Destabisierung ihrer
Gesellschaften durch das Zulassen von Fehlern ein Ende machen, indem sie ihre Unterstützung für
"Perestroika" einstellen und auf die damit verbundenen Gefahren öffentlich aufmerksam machen.
Unbeschadet etwaiger negativer Wahlergebnisse müssen die verantwortlichen Politiker zugeben, daß
sie übereilt gehandelt haben, als sie sich dafür entschieden, Kräfte zu unterstützen, die beabsichtigen,
die westliche Demokratie auszuhöhlen und zu zerstören. Ihre Hauptsorge sollte die Stabiliserung ihrer
eigenen Gesellschaften, nicht der kommunistischen Gesellschaften, sein.
Sie sollten sich darauf konzentrieren, ihre eigenen Bündnisse zu stärken, sich ihren
Inlandsproblemen zuwenden und eine wirksame Gegenstrategie gegen "Perestroika" müssen
aufwachen, die Gefahr erkennen, ihre Verwirrung überwinden, und ihre Kräfte neu organisieren.
Da Westdeutschland besonders verwundbar, und sich dieser Tatsache nicht bewußt ist, sollten
die westlichen Führer die Westdeutschen dazu ermutigen, die Vorschläge Genschers zu einem aktiven
Engagement, einschließlich Finanz- und Wirtschaftshilfe, für "Perestroika" in der kommunistischen
Welt ablehnen. Die Behauptung der Deutschen, ein besseres Verständnis von den Sowjets zu besitzen
als andere westliche Länder, ist völlig unbegründet angesichts der vielen Fehler der deutschen Politik
gegenüber der Sowjetunion in der Vergangenheit.
Der Westen hat seine Reife durch die Ablehnung des Euro-Kommunismus bewiesen. Jetzt
muß er verstehen lernen und die "Perestroika"-Strategie ablehnen, um die Vergewaltigung westlicher
Demokratie durch Kommunisten in "demokratischen" Kleidern zu verhindern.
Zweitens, sollte der Vatikan seine völlig unangebrachte Unterstüzung der Erneuerung der
kommunistischen Regime in der UdSSR und Osteuropa einstellen. Der Vatikan ignoriert den
antiwestlichen Zuschnitt der Sowjetstrategie. Er versteht nicht, daß die vermeintlich
größere Toleranz gegenüber der Religion in der Sowjetunion ausschließlich der

172
Vermehrung der Partei- und KGB-Infiltration der Katholischen und anderer Kirchen,
sowie den Einsatz der internen Einflußagenten zu politischen und strategischen
Zwecken innerhalb und außerhalb der Sowjetunion dient. Als Teil des Programms zur
Zerstörung der Religion von innen heraus, hat der KGB gegen Ende der 1950er Jahre gewogene junge
Kommunisten in kirchliche Seminare und Organisationen entsandt, nicht, weil Gott sie gerufen hat,
um Ihm zu dienen, sondern auf den Ruf der Kommunistischen Partei hin, um der Partei zu dienen,
und die "Generallinie" des Kampfes gegen die Kirche aus ihren Reihen heraus durchzusetzen.
In der gegenwärtigen Phase gelangen Geheimagenten in den Reihen der Katholischen und
anderer Kirchen im Rahmen der kommunistischen Strategie zum Einsatz. Nachdem der
kommunistische Weltsieg errungen wurde, werden die Sowjetstrategen ihre Agenten im Priesterkleid
abberufen, um den Dienst der Kirche zu unterbrechen und sie zu zerstören. Niemals in ihrer
Geschichte seit der Neros sah sich die Kirche einer solchen Bedrohung mit der Möglichkeit der
Zerstörung gegenüber. Das Diktum des verstorbenen Papstes Pius XII. über die Unvereinbarkeit von
Kommunismus und Religon trifft heute mehr denn je zu. Der Vatikan sollte dieses Diktum erneut
bestätigen, seinen Einfluß geltend machen, und seine "Divisionen" zur Verteidigung der westlichen
Werte gegen den kommunistischen Angriff einsetzen.
Außerdem sollte der Vatikan eine neue Untersuchung über die Möglichkeit der Ermordung
des Vorgängers des gegenwärtigen Papstes einleiten. Kürzlich veröffentlichte Bücher haben sich zwar
mit einigen Verschwörungstheorien beschäftigt, die Möglichkeit einer Beteiligung des KGB jedoch
nicht untersucht. Es sollte noch immer die Frage gestellt und beantwortet werden: Wurde der letzte
Papst ermordet? Falls es so ist, wer stand hinter dem Mord? War es der KGB? Falls ja, was waren die
Motive des KGB?
Drittens, westliche Industrielle und Bankiers sollten ihre Fehler korrigieren, die sie durch
Gemeinschaftsunternehmen mit den Kommunisten begangen haben, und dadurch nicht nur die
Wiederbelebung ihres politischen Hauptgegners finanzieren, sondern ihn auch noch mit der
modernsten Technologie ausstatten. Sie wiederholen den Fehler des "Rapallo-Paktes" derDeutschen
Industriellen zur Zeit der "Neuen Wirtschaftspolitik." Sie sollten sich der Tatsache bewußt werden,
daß, während sie aus den Gemeinschaftsunternehmungen gegenwärtig zwar einen gewissen Gewinn
erzielen können, langfristig als Klasse jedoch ausgelöscht werden. Sie sollten auf ihre Profite
verzichten und die westlichen Demokratien und das kapitalistische System verteidigen.
Viertens, müssen die freien Gewerkschaftsverbände ihre Illusionen über die neuen
"nichtkommunistischen" Gwerkschaften in den kommunisitschen Ländern aufgeben, um ihnen nicht
in die Falle zu gehen. Solche Verbindungen werden nicht funktionieren. Die amerikanischen
Versuche, die Kontakte zu diesen sogenannten Gewerkschaften zu vertiefen, um aus deren Popularität
Kapital zu schlagen, wird mit der kommunistischen Unterwanderung ihrer Organisationen enden.
Fünftens, muß die Elite in den USA und Westeuropa ihre Unterstüzzung für "Perestroika" neu
überdenken. Es kommt einem der bekannte Aufruf des sowjetischen Schriftstellers Gorky aus der Zeit
des Hitler-Regimes "An die Herren der westlichen Kultur" in den Sinn, der eine Lösungsmöglichkeit
bietet. Wie auch damals, müssen sich die westlichen Intellektuellen zwischen den westlichen

173
Demokraiten und die neuen Quasi-Demokratien unter kommunistischer Kontrolle entscheiden, von
denen die russische Kultur und Rußlands Intellektuelle in der Vergangenheit vergewaltigt worden
sind, und die sie jetzt im Rahmen ihrer Strategie gegen den Westen manipulieren. Die westlichen
Intellektuellen müssen sich entscheiden, ob sie in ihren Ländern, wie Gorbatschow es ausdrückte, "zur
Hefe von Perestroika" werden, oder ob sie die "Hefe" bei der Verteidigung der westlichen Freiheiten
gegen ihre zukünftigen kommunistischen Würger sein wollen. Die Elite sollte sich nicht vom Glanz der
"Demokratien" nach westlichzem Vorbild in den kommunistischen Ländern blenden lassen, sondern
eine entschieden kritischere Haltung gegenüber den Entwicklungen und deren Bedeutung einnehmen.
An sechster Stelle müssen sich die westlichen Medien von der gegenwärtig verfälschten
Präsentation von "Perestroika" lösen, die Fassade von "Glasnost" und den neuen
"nichtkomunistischen" Strukturen durchdringen, um zu einer realistischeren, objektiveren
Berichterstattung über die Veränderungen in den kommunistischen Ländern und deren Bedeutung
für den Westen zu gleangen. Die Hauptaufabe für einen objektiven westlichen
Journalisten, der an die Wahrheit glaubt, sollte es sein, die wirklichen Beziehungen
zwischen dem kommunistischen Apparat und den "nichtkommunistischen" Strukturen
aufzudecken.
Schließlich müssen die USA ihren schwerwiegenden Fehler korrigieren, den sie mit der
Schwächung ihrer Nachrichten- und Gegenspionagedienste begangen haben, indem sie der CIA noch
vor Beendigung des "Kalten Krieges" die Möglichkeiten zur Erstellung korrekter Analyse und
Lagebeurteilungen genommen hat. Washington muß jetzt erkennen, daß sie, im Gegensatz zu anders
lautenden Behauptungen und euphorischem Eigenlob, den "Kalten Krieg" verloren hatten, als sie sich
auf Kosten ihrer eigenen Interessen zur Unterstützung von "Perestroika" entschlossen. Die
Weigerung, aus den historischen Erfahrungen mit den Sowjets zu lernen, ist unverzeihlich.
Selbst jetzt noch, wo es beinahe schon zu spät ist, sollten die amerikanischen Nachrichten-
und Gegenspionagedienste radikal wiederaufgebaut werden, um der Bedrohung durch die
"Perestroika"-Strategie begegnen zu können. Die westlichen Nachrichtendienste müssen wirksame
Mittel und Wege für den Umgang mit den kommunistischen Einflußagenten im Westen finden.
Da die Warnungen des Autors vor der "Perestroika"-Strategie die politischen
Entscheidungsträger in den USA nicht erreicht haben und auch sonst ohne Einfluß geblieben sind,
und da die Lage mit jedem Tag kritischer wird, verlangt der Autor, daß die CIA seine Memoranden
zum Zwecke der Veröffentlichung freigibt, damit das amerikanische Volk informiert werden kann. 

174
FÜNFTER TEIL

DIE ENTTARNUNG VON


"PERESTROIKA"
ALS SOWJETISCHE STRATEGIE
FÜR EINE "ZWEITE OKTOBER-
REVOLUTION"
["WELTOKTOBER"]
GEWALTLOSE REVOLUTION
KONTROLLIERTER, FALSCHER
"DEMOKRATISMUS"
UND
STRATEGISCHE DESINFORMATION
Memorandum an die CIA: September – November 1990

1. DIE ENTTARNUNG VON "PERESTROIKA" ALS STRATEGIE


FÜR EINE "WELT-OKTOBERREVOLUTION"

175
2. Das neue Modell der gewaltlosen Revolution, nicht durch die Kommunistischen Parteien,
Diktaturen, der Sowjetarmee und Gewalt, sondern durch vorgetäuschte Reformen, Einfluss und
politische Aktionen der sowjetischen Kräfte durch parteikontrollierte "Demokratisierung" und
das sogenannte Multi-Parteiensystem in der UdSSR

3. Die vorherrschende Rolle der aowjtischen strategischen Desinformation bei der erfolreichen
Durchführung der "Perestroika"-Strategie

Es war nicht die Absicht des Autors, der CIA weitere politische Memoranden über
sowjetische Affären zuzulieten. Er konnte jedoch nicht untätig bleiben und zusehen,
wier die USA und ihre politischen Führer von der sowjetischen strategischen
Desinformation vereinnahmt und von ihrem eigenen Wunschedenken über die
Entwicklung des Sowjetsystems geleitet werden. Er hat sich daher zu einem weiteren
Versuch entschlossen, die wirkliche Bedeutung von "Perestroika" zuu erklären, die
Widersprüche aufzuzeigen, das strategische Muster zu enthüllen und vor den
ungeheuer gefährlichen Auswirkungen auf die USA zu warnen. Früher oder später
werden die westlichen Demokratien die neuen Dimensionen der sowjetischen
Bedrohung erkennen und verstehen müssen. Dann wird das Pendel der US-Politik
anfangen, von der gegenwärtigen Verwirrung in Richtung einer größeren Realität
auszuschlagen. Dieses Memorandum wird in der Hoffnung übergeben, daß damit
dieser Prozeß beschleunigt werden möge.

OBJEKTE, ZIELE UND METHODEN DER KOMMUNISTISCHEN


STRATEGIE UND POLITISCHEN OFFENSIVE

"Perestroika" ist die zweite Runde der "Sozialistischen Welt-Oktoberrevolution." Die grundsätzlichen
Ziele der Sowjetstrategie und politischen Offensive sind unverändert der "Sozialistische Weltsieg" und
die Einrichtung einer "Weltregierung." Von der Grundstruktur her, richten sich die Hauptziele der
Offensive gegen die USA, die NATO und Westeuropa. Gegenwärtig wird Westdeutschland als das
politisch "verwundbarste" und schwächste NATO-Mitglied angesehen. Die wichtigsten zur
Anwendung gelangenden Methoden zur Durchführung der Sowjetstrategie der "Annäherung"
zwischen den Kommunisten und den westlichen Bündnissen sind:
(c) Wirtschaftliche "Reformen" der staatliche kontrollierten Wirtschaft zur geplanten
"Sozialistischen Marktwirtschaft," die das Wachsen eines internen großangelegten
Kapitalismus ausschließt.
(d) Parteikontrollierte "Demokratisierung," einschließlich eines "Vielparteiensystems."
(e) Geheime politische Koordination zwischen der Partei und den "unabhängigen Regierungen",
"nationalistischen" Parteien und "nationalistischen Fronten" in der Sowjetunion.

DAS "MULTIPARTEIEN-SYSTEM" IST EINE ERFINDUNG DES KGB


Die wichtigsteWaffe im sowjetischen Politarsenal isrt der KGB mit seinen 5 bis 6 Millionen
Geheimagenten in der UdSSR. Zusammen mit der Partei hat der KGB die "kontrollierte politische
Opposition" in den Hauptstädten der UdSSR und den Nationalrepubliken erfunden. Gemeinsam

176
haben sie die Organisationen, Führer und Aktivisten der der neuen "demokratischen,"
"nichtkommunistischen," '"nationalistischen" und "unabhängigen" Organisationen geschaffen, die
jetzt unter dem sowjetischen "Vielparteiensystem" wie Pilze aus dem Boden schießen. Sogar die
nichtdemokraitschen Gruppen, wie die antisemitische "Pamyat"-Bewegung, sind Schöpfungen des
Regimes. Gorbatschow ist nicht der Urheber eines wahren "Vielparteiensystems:" Er ist kein
sowjetischer "Stolpin," der darauf aus ist, Rußland durch den Kapitalismus zu retten! Er ist ein
Leninist, ausgesucht und ausgebildet von den Sowjetstrategen, um die Niederlage der
USA und des Westens im allgemeinen durch die Anwendung falscher, kontrollierter
Demokratie und einem scheinbaren Kapitalismus herbeizuführen. Die jungen
Kommunisten und Geheimagenten des KGB, die das "Herz" des Parteisystems darstellen, sind keine
echten, überzeugten Demokraten mit der Absicht, die alten Prinzipien der Bolschwistischen
Revolution über Bord zu werfen. Sie sind weiterhin gewogene, disziplinierte Revolutionäre und
erklärte Feinde der westlichen Demokratie. Gemäß den Weisungen der Partei verhalten siue sich wie
"Demokraten," "Nichtkomunisten" oder "Nationalisten," um den Endangriff auf den kapitalistischen
Westen, in Übernestimmung mit dem Muster der Gewaltfreiheit, im Sinne der "Zweiten
Oktoberrevolution" durchzuführen.
Wer an der Oberfläche dieser neuen, plötzlichen sowjetischen
"Demokraten," "Antikommuisten" und "Nationalisten," die aus dem Nichts erschienen
sind, kratzt, wird darunter geheime Parteimitglieder oder KGB-Agenten finden. Der
Westen wird für sein Versagen teuer bezahlen, weil er nicht begriffen hat, daß es sich bei "Perestroika"
nicht um die Anlehnung des Leninismus, sondern um die radikale, kreative und wirkungsvolle
Anwendung der Taktik handelt, die Lenin in seinem Buch "Kommunismus des Linken Flügels"
beschrieben hat. In diesem Werk beschrieb Lenin eindrucksvoll, "daß wahre Revolutionäre nicht
davor scheuen sollten, ihre revolutionäre Sprache abzulegen und Taktiken des rechten Flügels zu
übernehmen, um ihre revolutionäre Politik durchzuführen." Nach dsem Zweiten Weltkrieg haben die
Alliierten vollkommen zu recht ein "Entnazifizierungprogramm" durchgeführt, um die ehemaligen
Nazis und ihren Einfluß aus den Ämtern und dem politischen Leben des neuen Deutschlands
fernzuhalten. Kein entsprechendes Programm zur Eliminierung kommunistischen
Einflusses im politischen Leben der UdSSR und des Ostblocks gelangte zur
Anwendung. Die Kommunistische Partei, der KGB und die Streitkräfte mit ihren
Politkommissaren blieben unangetastet und voll aktiv. Trotzdem ist der Westen
gutgläubig genug, um den Tod des Kommunismus und das Verschwinden des
kommunistischen Einflusses über Nacht zu glauben. Dieser übereilte Optimismus ist
dazu bestimmt, in Ernüchterung zu enden.

DER ERFOLG DER SOWJETISCHEN POLITOFFENSIVE


GEGEN DIE USA UND NATO

177
Die Sowjetstrategen, und insbesondere Gorbatschow, haben eine bemerkenswerte Fähigkeit
entwickelt, die "demokratischen" Veränderungen in der UdSSR und in Osteuropa zu verkaufen, um
sich der Unterstützung ihrer "politischen Gegner" zu versichern. – Strengkonmservative, wie Reagan,
Thatcher, Kohl und die Bush-Administration – zur erfolgreichen Durchführung ihrer Strategie.
Westliche Konservative, Liberale und Sozialisten haben sich gegenseitig in ihren Zugeständnissen
gegenüber "Perestroika" übertroffen.
In Unkenntnis der von Gorbatschow angewendeten Strategie, wurde sie allle,
zuumeist unbewußt, zu seinen höchst wertvollen Helfern. Als Konsquenz darauf, hat es der Westen
viel zu eilig, den Sowjets den Weg zu ebnen. Die fortdauernde Weiterentwicklung des sowjetischen
Atomarsenals, verbunden mit der ständigen Abrüstung der USA, dem Abzug der atomaren Waffen aus
Westeuropa und der Schwächung der Verteidigungfähigkeit, schreiten viel zu schnell voran,. Die
NATO verliert ihre Bedeutung und ihre Substanz.
Je weiter die Partnerschaft der USA mit Gorbatschow voranschreitet, desto mehr wird
Amerika seine Führungsrolle in der Welt einbüßen. Deutschland und Japan gehen ihre eigenen Wege,
der UdSSR und China Wirtschaftshilfe und Zusammenarbeit anzubieten. Dr. Kissinger hatte
vollkommen recht, als er sagte: "Während der Westen feiert, wird sein Zusammenhalt ausgehöhlt." Es
bedarf stärkerer Worte, um die von Dr. Kissinger getroffene Feststellung, um die Situation zu
beschreiben, denn das amerikanisch-europäische Bündnis befindet sich einem kritischen Zustand von
Verwirrung und Auflösung. Die Bush-Administration beging einen schwerwiegenden Fehler, als sie
entschied, die Kontakte mit der plötzlich aufgetauchten "demokratischen" und
"nichtkommunistischen Opposition in den Personen von Staatspräsident Jelzin und dem Mkoskauer
Bürgermeister Popov und anderen zu vertiefen. Diese Politik ist gefährlich, da sie wahre
amerikanische Demokraten, Republikaner und Mitglieder anderer politischer Parteien in die Falle
gehen läßt, die von den Sowjetstrategen für sie aufgestellt wurde.

DER POLITISCHE DURCHBRUCH DER SOWJETS IN DEUTSCHLAND


DIE ENTWICKLUNG DER SOWJETISCH-DEUTSCHEN PARTNERSCHAFT

Da Westdeutschland von den Sowjets von jeher als das in politischer Hinsicht am meisten
verwundbare Land in Westeuropa angesehen wurde, richtete sich das Schwergewicht der
sowjetischen Angriffe gegen dieses Land. Um ihren Erfolg zu sichern, haben die Sowjets von einer
ausgefeilten Diplomatie, Enflußagenten, Druck und bemerkenswerten Zugeständnissen an die
Deutschen im Zusammenhang mit der Wiedervereiniung Gebrauch gemacht. Das Ergebnis war der
Durchbruch für die Sowjets.

178
Die Deutschen reagierten darauf mit Enthusiasmus und versorgten die Sowjets mit
massiver finanzieller, wirtschaftlicher und technologischer Hilfe – wodurch sie zu ihrem Hauptpartner
bei der Durchführung der Wirtschaftsstrategie wurden. Ironischerweise, bewegt sich Deutschland auf
eine Partnerschaft mit der UdSSR unter der Füjrung des konservativen Kanzlers Kohl zu. Das Problem
mit Kohl besteht nicht darin, daß er die Situation für seine Wiederwahl nutzt. Es besteht vielmehr
darin, daß er rücksichtslos die historischen Lehren aus früheren Geschäften mit den Sowjets
unberücksichtigt läßt. Er übersieht die Tatsache, daß es der deutsche Generalstab war, der Lenin
finanziell unterstützte und nach Finnland transportierte.
Kaum hatte Lenin seine "Oktoberrevolution" erfolgreich beendet, versuchte er, die
Revolution auch nach Deutschland zu tragen. Obwohl Kohl diesen Gedanken von sich weist, ist der
Vergleich zwischen Lenins Verhandlungen und Auslegungen des "Rapallo-Paktes" aus dem Jahre 1922
und der gegenwärtigen Sowjetstrategie im Hinblick auf wirtschaftliche Zusammenarbeit, wie sie von
Kohl und seinem Außenminister Genscher angeboten wird, unübersehbar. Was Kohl übersieht, ist
die Tatsache, daß es die Sowjetstrategen darauf abgesehen haben, die deutsche
Wirtschafts- und Technologiemacht daür zu nutzen, die UdSSR zur dominierenden
Macht in einem Vereinten Europa werden zu lassen.
Kanzler Kohl richtet sein Augenmerk auf die nächste Wahl. Aber Gorbatschow und
seine Strategen denken viel weiter voraus. Es war kein 'Versehen, daß Gorbatschow dem
wiedervereinten Deutschland zugestand, nicht nur Mitglied der NATO zu bleiben, sondern sich jedem
Bündnis anzuschließen zu dürfen, das es bevorzuge. Woran er dabei dachte, war die Möglichkeit, daß
eine zukünftiges Deutschland unter einer sozialdemokratischen Regierung zu einem Bündnis mit der
UdSSR umschwenken könnte.
Die Beherrschung eines vereinten Europa durch ein sowjetisch-deutsches Bündnis auf
der Basis einer politischen und wirtschaftlichen Parnterschaft wäre ein bedeutender Erfolg für die
zweite Runde der "Sozialistischen Welt-Oktoberrevolution."

STRATEGISCHE LAGEBEURTEILUNG DER INVASION KUWAITS


DURCH DEN IRAK

Die langjährige enge politische und militärische Partnerschaft zwischen der UdSSR und dem Irak, die
fortdauernde Anwesenheit sowjetischer "Militärberater" und die Ankunft von General Kakaschow in
Bagdad im Juli [1990], um als Saddam Husseins Militärberater zu fungieren, der Besuch des
irakischen Außenministers Tariq Aziz in Moskau am Vorabend des Treffens zwischen Präsident Bush
und Gorbatschows in Helsinki, sowie der Besuch Primakovs im Iran, läßt darauf schließen, daß die
Besetzung Kuwaits mit Zustimmung der Sowjets, oder sogar auf deren Vorschlag hin, erfolgt ist. Die

179
westliche Begewisterung für die ablehnende Haltung der Sowjets und Chinas bezüglich der Aktionen
des Irakm sind naiv und unangebracht.
Die Verdammung des Irak durch die Sowjets erfolgte ausschließlich zu dem Zweck,
der gegenwärtigen sowjetisch-amerikanischen Zusammenarbeit auf internationaler Ebene einen
neuen Impuls zu geben. Falls eine gewaltlose Lösung des Konflikts angestrebt wird, könnte das durch
eine internationale Nahost-Konferenz erfolgen. Auf einer solchen Konferenz würden die Interessen
der Sowjets und des Irak in dieselbe Richtung zielen. Es würde ein gemeinsamer Versuch
unternommen werden, den Rückzug des Irak aus Kuwait mit einem gleichzeitigen Rückzug Israels aus
den besetzten Gebieten zu koppeln.
Aus der Sicht der Sowjets wäre es allerdings noch vorteilhafter, wenn es ihnen
gelänge, die Amerikaner in einen Nahostkrieg zu verwickeln. Hieraus würde sich für die Sowjets die
Gegelegenheit ergeben, ihre politische Offensive gegen die USA und Westeuropa beschleunigt
voranzubringen. Ein solcher Krieg würde die Ölkrise verschärfen, und die Amerikaner in eine
Wirtschaftsflaute manövrieren. Das Ergebnis wäre eine gestärkte sowjetische Position durch die
Ausnutzung dieser Wirtschaftsflaute und der getreilten öffentlichen Meinung Amerikas, die sich aus
einem längeren Krieg ergeben wurden, um ihre Strategie der "Annäherung" weiterzufördern. Ob die
Problemlösung durch friedliche oder Mitteln der Gewaltr angestreebt wird, ist bedeutungslos. Eine
verlängerte Krise dient dazu, die Aufmerksamkeit der Amerikaner von der sowjetischen politischen
Offensive abzulenken.
Das Wesen der koordinierten strategischen Absichten der UdSSR und Chinas
erfordern seitens der Amerikaner allerhöchste Aufmerksamkeit und Vorsicht. Die USA und ihre
Verbündeten sollten alle Anstrengungen unternehmen, um diese Irak-Krise auf diplomatischem Wege
zu lösen, und alles daran setzen, einen Krieg zu vermeiden. Alles andere wäre nur den Interessen der
sowjetischen Langzeitstrategie förderlich.

DIE ZUKÜNFTIGE BEDROHNUNG DURCH SOWJETISCH INITIIERTE


ABER GELEUGNETE MILITÄR- UND NUKLEARSCHLÄGE

Der Erfolg der Sowjet, die westlichen Führer von der Ernsthaftigkeit ihres Wunsches zur
Zusammenarbeit mit dem Westen zu überzeugen, ist so groß, daß es dem Westen überhaupt nicht in
den Sinn kam, die Iraker könnten mit den Sowjets in der Kuwaitkrise eng zusammenarbeiten, Allein
der Gedanke daran, wurde weltweit zurückgewiesen.
Jedoch ist die bewußte Provokation von Krisen, um besondere Ziele zu
erreichen, einschließlich der Schaffung neuer Möglichkeiten der Zusammenarbeit mit
dem ideologischen Gegner, eine klassische Methode der Täuschung im Sinne der
Leninschen Diplomatie.

180
Die Golfkrise entspricht genau der damaligen Kubakrise, die von den Sowjets unter
Chruschtschow in enger Zusammernarbeit mit Fidel Castro provoziert wurde. Das Schlüsselelement
der Kubakrise war die Stationierung von sowjtischen Raketen auf der Insel. In der Golfkrise geht es
um die fortdauernde Präsenz sowjetischer "Berater" im Irak, sogar noch nach der öffentlichen
Ablehnung der irakischen Vorgehensweise gegen Kuwait durch Moskau. Die Beendigung der Golfkrise
nach den Vorstellungen und Interessen der Sowjets würde sie darin bestärken, auch zukünftig das
Mittel der Provokation von Krisen einzusetzen. Das könnte zum Beispiel ein "terroristischer
Atomschlag" auf militärische Anlagen der USA sein, für den die Verantwortung der UdSSR aus Mangel
an Beweisen nicht angelastet werden kann. Eine solche Maßnahme hätte den Effekt der Stärkung der
"Atomgegner" in den USA und würde zur Forderung einer noch eingeren sowjetisch-amerikanischen
Zusammenarbeit führen, und möglicherweise auch zu einer "Weltregierung."
Der westliche Glaube an die tatsächliche Unabhängigkeit der sowjetischen
Nationalstaaten eröffnet für die Zukunft die Möglichkeit für regionale militärische
Aktionen dieser "Republiken," wobei die sowjetische "Bundesregierung" und/oder
Rußland jede Verantwortung für derartige Aktionen ablehnen würde. Der Westen
würde den Sowjets wiederum unbesehen glauben, und ihrenn Forderungen zur
Errichtung einer "Neuen Weltordnung" zuarbeiten – eine Phrase, die von Präsident
Bush bereits zu oft benutzt wird. Der westliche Glaube an tatsächliche Unzufriedenheit
bei den "Ultra-Konservativen" in den sowjetischen Streitkräften, könnte von den
Sowjetstrategen in derselben Weise ausgenutzt werden.
Nur, wenn die Vereinigten Staaten und ihre verbündeten Regierungen die sowjetische
Strategie un ihren Einsatz zur Täuschung und Provokation richtig verstehen, wenn sie sie erkennen
und öffentlich bekanntmachen, kann eine wirkungsvolle Gegenstrategie entwickelt werden, die
zukünftige Provokationen dieser Art verhindern könnte. Der "Kalte Krieg" mag für den Westen
beendet sein. Für die Sowjets ist er in eine neue, aktive und vielversprechende Phase
eingetreten!
DER GRUNDSÄTZLICHE UNTERSCHIED ZWISCHEN SOWJETISCHEN
UND WESTLICHEN KONZEPTEN VON DEMOKRATIE UND MARKTWIRTSCHAFT

Der Westen ist nicht fähig, die Unvereinbarkeit der Hauptunterschiede zwischen den westlichen und den
sowjetischen Vorstellungen von Demokratie und Marktwirtschaft zu erkennen. Im Westen entscheidet
grundsätzlich der Wahlausgang darüber, welche Partei an die Macht gelangt. In der UdSSR ist es weiterhin die
Kommunistische Partei, die den Wahlausgang entscheidet. Die hält ihr politisches Machtponopol durch die
kontrollierten "Reformer" und "Konservativen," und durch ein kontrolliertes "Vielparteiensystem"
uneingeschränkt aufrecht.
Im Westen gibt es eine echte Opposition. Im Sowjetsystem der "Deomokratie" gibt es keine echte,
organisierte politische Opposition und keine Möglichkeit dafür, daß sich eine solche herausbilden kann. Wirkliche
"Nichtkommunisten" im sowjetischen Volk äußern sich privat: "Sie machen uns vor, daß sie uns die Demokratie
geben. Wir machen uns vor, daß wir frei sind." Jeder Versuch zur Bildung einer echten, unkontrollierten
politischen Opposition wird im Keim erstickt. So war es durch Deng Xiao-Peng mit dem Einsatz des Militärs auf
dem Tienamen Platz, durch Ilescu bei den Minenarbeitern in Rumäninen oder durch den Einsatz von Panzern,
wie er von Mladenov in Bulgarien angedroht wurde. Ähnliche Versuche in Polen, der Tschechoslowakei oder

181
Sowjetunion, würden ohne jeden Zweifel in gleicherWeise durch die gegenwärtigen "Reformer" unterbunden
werden. Sie würden sofort wieder das alte, häßliche Gesicht von Stalin und Lenin zeigen. Die sowjetische
"Demokratie" wird in ihrer Einstellung zu "echten politischen Oppositionskräften" immer diktatorisch bleiben.
Jene, die es wagen sollten, ihre Köpfe zu erheben, werden als "Reaktionäre," "Konterrevolutionäre," "Faschisten"
und als "vom Westen Eingekaufte" gebrandmarkt werden. Sowjetische "Demokratie" wird immer eine Fassade
bleiben, hinter die Kommunistische Partei mit ihrem Machtmonopol die Fäden zieht und die Puppen tanzen läßt.
Der Westen hat nur wenig Verständnis für den gravierenden Unterschied zwischen einer echten
kapitalistischen Marktwirtschaft und der sowjetischen "Quasi-Marktwirtschaft entwickelt.
Im Westen gehören die Unternehmen den Wirtschaftsgiganten bis hinunter zum kleinen Ladeninhaber.
Sie führen ihre Geschäfte. Die UdSSR hat die kapitalistische Klasse durch Massenmord ausgerottet. Die Partei
und der Staat besitzen und lenken die Schlüsselindustrie. Lediglich genau kalkulierte Elemente des Marktes
werden "freigegeben" werden, wobei es sich aber weiterhin insgesamt um eine grundsätzlich "geplante
Wirtschaft" handelt. Der Westen und die internationalen Finanzinstitutionen, die etwas anderes erwarten, sind
naiv.
Eines der Ziele der Sowjets ist die Durchführung einer "technologischen Revolution" mit der Absicht, die
sozialistische Wirtschaft mit Hilfe des westlichen Kapitals, der Erfahrung und Technologie, effektiver zu gestalten.
Die Kommunisten mögen das westliche Kapital, aber sie hassen die Kapitalisten! Die Kommunistische Partei hat
dem Sowjetvolk und den Völkern Osteuropas eine blutige Lektion darüber erteilt, was die Kommunistische Partei
von den Kapitalisten hält, indem sie drei Generationen von ihnen ausgelöscht hat. Während des
"Kommunistischen Krieges" – nach der Revolution – wurden die Kapitalisten des alten Rußland umgebracht.
Nach Lenins "Neuer Wirtschaftspolitik" wurde die nachgewachsene neue Generation von Kapitalisten ebenfalls
ermordet. Schließlich wurden nach dem Zweiten Weltkrieg auch die Kapitalisten Osteuropas, Chinas und der
Baltischen Staaten eliminiert. Das sowjetische Volk hat die Botschaft verstanden, daß die Partei, von
der die Kapitalisten systematisch ermordet wurden, es keinesfalls wünscht, den Kapitalismus
auf Dauer wiederzubeleben!
Die Sowjets und die Osteuropäer könnten ihre Mitarbeiter möglicherweise zu "Kleinaktionären" der
Betriebe machen, in denen sie beschäftigt sind, was jedoch allenfalls einer optischen Korrektur entspräche. Was
der Westen ebenfalls nicht verstehen will, ist der Umstand, daß das Motiv, wie auch die Einführung einer
kontrollierten "Demokratie," darin zu sehen ist, einen "Wandel" des westlichen Systems anzuregen, um durch die
"Annäherung" beider Systeme die Voraussetzungen dafür zu schaffen, sich das westliche System im Rahmen einer
"Weltregierung" einzuverleiben.

BEWEISE FÜR DIE EXISTENZ UND ANWENDUNG


DER SOWJETISCHEN LANGZEITSTRATEGIE

Es gibt eine Vielzahl fundierter faktischer Beweise für die Übernahme und Anwendung der
Langzeitstrategie durch die Sowjets. Die Hauptbeweise sind folgende:

Die Konferenzen der herrschenden Parteien des Kommunistischen Blocks, einschließlich der
Chinesen, die im November 1957 und November/Dezember 1960 stattfanden, dienten zur
Diskussion, Formulierung und Übernahme der Langzeitstrategie.

182
Das Manifest des "81. Parteikongresses" vom Dezember 1960 und Chruschtschows Rede vom 6.
Januar 1961, in der er die Übernahme der Strategie bestätigte und ihre Haupziele darlegte –
Festigung der Sozialistischen Staaten und Weltsieg des Kommunismus.
Offizielle Berichte aus denen sich ergibt, daß die Strategie auf der breiten Erfahrung Lenins
"Neuer Wirtschaftspolitik" in den 1920er Jahren basiert.
Die Entscheidung des "21. Sowjetischen Parteikongresses" im Januar/Februar 1959, auf dem die
Rolle des KGB für die Zukunft beschlossen und festgeschrieben wurde.
Der Bericht Shelepins über die neue politische Rolle des KGB bei der Durchführung der
Parteistrategie, den er auf der Moskauer KGB-Konferenz vom Mai 1959 abgeliefert hat.
Die Umstrukturierung des KGb durch Shelepin mit dem Ziel, die Spionage- und
Sicherheitspotenziale in ein politisches Arsenal zur Entwicklung und Schaffung einer
kontrollierten politischen Opposition gemäß den Richtlinien der GPU "Trust"-Operationen aus
den 1920er Jahren. Ferner, zur Vorbereitung einer kontrollierten "Liberalisierung" in der UdSSR
und den anderen sozialistischen Ländern.
Die Einrichtung eines strategischen "Desinformationsdienstes," und den Beginn der gezielten
Desinformations-Operationen durch die Blockstaaten zur Stützung der Strategie.
Das angenommene Parteiprogramm des "22. Sowjetischen Parteikongresses" in Moskau vom
November 1961 mit dem Beschluß, den Staat von der "Diktatur des Proletariats" in einen
"Volksstaat" umzuwandeln.
Offizielle Dokumente bestätigen den Erfahrungsaustausch zwischen der Sowjetpartei und den
Parteien anderer Ostblockstaaten in bezug auf die Anwendung der "Neuen Wirtschaftspolitik."
Zahllose Anhaltspunkt aus amtlichen Quellen beweisen, daß die sowjetische, ungarische und
andere Kommunistische Parteien des Ostblicks mit der Einführung und Erprobung der
marktwirtschaftlichen Elemente experimentierten, die jetzt zu den gegenwärtigen
"Wirtschaftsrefomen" geführt haben.
Die "Internationale Konferenz der Kommunistischen Parteien" von 1969 diskutierte den
Fortschritt bei der Durchführung der Strategie und legte die zukünftigen Schritte fest.
Solide Beweise für die fortdauernde Koordination zwischen den Kommunistischen Parteien des
Blocks auf allen Ebenen wäöhrend der 1960er, 1970er und 1980er Jahre. Von besonderer
Bedeutung waren die jährlichen Gipfeltreffen auf der Krim in den 1970er Jahren. Nach der
"Jährlichen Ergänzung der Großen Sowjetenzyklopädie für 1975, Seite 502, waren die
Zusammenkünfte auf der Krim zum Forum geworden, auf dem die internationale Lage
eingeschätzt, gemeinsame Angelegenheiten erörter und die Strategie gemeinsamer Aktionen
entwickelt worden ist.
Zahlreiche Hinweise darauf, daß sie sowjetische Kommunistische Partei eine Ausweitung der
"Sozialistischen Demokratie" vorbereitete.

Um auf diesen Punkt näher einzugehen, wird auf die Sowjetmagazine "Staat und Recht" aus den
1969er, 1979er und 1980er Jahren verwiesen, deren Berichterstattung und andauernde Diskussion mit

183
Bezug auf die theoretsiche Vorbereitung für die Entwicklung einer "Sozialistischen Demokratie" in der
UdSSR, und insbesondere die Erweiterung der Macht des Sowjetparlaments und seiner Abgeordneten,
die Stärkung des Einflußsses der Massenorganisationen, die Erweiterung der Eigenverantwortung der
Nationalrepubliken und die Übernahme eiuner Gesetzgebung in Sachen Menschrnechte führte. Auf
ähnliche Weise offenbart die Durchsicht früherer Ausgaben der Zeitschrift "Probleme des Friedens
und Sozialismus – das theoretischen Informationsjournal der Kommunistischen Parteien – im selben
Zeitraum eine ähnliche Diskussion bezüglich der Einrichtung einer "sozialen Demokratie," einer
angepaßten politischen Organisation der sozialistischen Staaten, und wie diese Neuerungen sich auf
die Strategien und Taktiken der Kommunistischen Parteien, insbesondere in Europa, auswirken
könnten.
Besondere Aufmerksamkeit sollte einem in diesem Journal im Juli 1981 veröffentlichten
Bericht gewidmet werden. Die Autoren waren Zawadski, Direktor des Wissenschaftlichen Instituts für
Staatsrecht an der Universität Warschau, und Guliyev, Abteilungsleiter am Moskauer Sowjetinstitut
für Staatsrecht, sowie Vertreter der kommunistischen Parteien Griechenlands und Argentiniens. Der
Artikel sützte sich auf eine Diskussionsrunde in der Warschauer Universität.
Es wurde die Frage der politischen Macht der Arbeiterklasse im Verlauf der Entwicklung von
Demokratie in den gereiften sozialistischen Staaten erörtert, wobei besonderer Bezug auf die Strategie
der Kommunistischen Parteien genommen wurde [russische Ausgabe, Seiten 44/45]. Der Leserwurde
daran erinnert,daß nach Lenin die Essenz der "Diktatur des Proletariats" die Führungsrolle der
Kommunistischen Partei sei, und nicht die Beteiligung anderer Parteien an der Regierung [Seite 47].
Der Bericht bezieht sich auf den Übergang von der "Dikatur des Proletariats" zum "Volksstaat" und
erläutert, daß der "Volksstaat" in Wahrheit dazu diene, die Sache der proletarischen Diktatur im
gereiften Leninismus hochzuhalten, und sich anderen Staaten im Klassenkampf gegen den
Imperialismus in der internationalen Arena anzuschließen [Seite 51]. Es sei nicht erforderlich,
den Widerstand der kapitalistischen Klassen durch den "Volksstaat" zu brechen, da
sie bis dahinbereits eliminiert seien. Jedoch bleibt er diktatorisch und in seiner
Haltung repressiv gegenüber ausländischen Kapitalisten. Weiter wird in dem Bericht
darauf hingewiesen, daß unter dem "Volksstaat" die führende Rolle der Kommunistischen Partei
beibehalten und ausgebaut wird. Es wird erläutert, daß neue Elemente in die kommunistische
Strategie gegen die kapitalistischen Länder eingebracht worden wird, um den Veränderungen durch
die technische Revolution Rechnung zu tragen, die die sozialistische Struktur dieser Länder micht sich
gebracht hat.

Die Strategie definiert den gegenwärtigen Klassenfeind als Monopole, die sich in Opposition
zur Mehrheit der Gesellschaft befinden. Die Strategie geht von einer breiten Basis für eine neue,
antimonopolistische Bewegung aus, dier sich der Mittelklasse zuwenden wird. Das Hauptziel der
Strategie ist das Aufbrechen der Macht der Monopole, und die Schaffung einer antimonopolistischen
Demokratie oder einer "erneuerten, verbesserten fortschrittlichen Demokratie."

184
Dieser ungewöhnlich offene Bericht wurde zu einer Zeit veröffentlicht, als "Solidarität" noch
eine illegale "Untergundbewegung" in Polen war, und "Dissidenten" in der UdSSR und Osteuropa
angeblich unterdrückt wurden. Der Bericht liefert signifikante Beweise für eine gezielt geplante neue
"demokratische" Struktur oder genauer, eines "Volksstaates." Er behandelt die Rolle der neuen
Strukturen als eine weitgefaßte, weniger bedrohliche Form der Diktatur des Proletariats, die dennoch
unverändert ihre aggressive Strategie gegenüber dem Westen beibehält.

DER WÜRGEGRIFF DER SOWJETISCHEN STRATEGISCHEN DESINFORMATION


Faktische Beweise für die Annahme und Durchführung der sowjetischen Langzeitstrategie wurden
vom Westen wegen der erfoglreichen Desinformation ignoriert, untertschätzt oder abgelehnt. In der
Vergangenheit zielte die Desinformation auf zwei Komponenten ab: Erstens, den Westen davon zu
überzeugen, daß es keine Langzeitstrategie des Blocks, und keine Koordination zwischen den
herrschenden Kommunistischen Parteien gab. Ferner, daß der Block sich in individuelle
kommunistische Staaten aufgelöst hat, die ihre eigenen nationalen Interessen verfolgen. Und
zweitens, den Westen davon zu überzeugen, daß insgeheim kontrollierte konventionelle Bewegungen
ind der UdSSR und Osteuropa den Aufstieg zu einer echten politischen Opposition signalisieren, was
wiederum zu einer echten Demokratisierung des stalinistischen Regimes führen würde.

In der gegenwärtigen fortgeschrittenen Phase der"Perestroika"-Strategie, hat


sich die sowjetische strategische politische Desinformation ins Uneremeßliche
gesteigert. Der Hauptschub zielt heute darauf ab, den Westen davon zu überzeugen, daß jetzt ein
echter Demokratisierungsprzeß begonnen hat, die kommunistischen Regime ihre kommunistische
Ideologie und Feindseligkeit gegenüber dem kapitalistischen Westen abgelegt haben, und daß sie sich
zu konventionellen Nationalstaaten wandeln, die den westlichen Vorbildern entsprechen.
Die Steigerung der Desinformation ist logisch gemäß der Tatsache, daß es sich um den
wichtigsten Faktor zur Sicherstellung des Erfolgs der kommunistischen politischen Offensive handelt.
Der Westen und seine Nachrichtendienste haben das Wesen der strategischen politischen
Desinformation nie verstanden, weil sie die sowjetische politische Strategie nie begriffen haben. Sie
haben nur die sogenannten "aktiven Maßnahmen" erkannt – d. h. die faktische Desinformation – die
sie allerdings auch nur gemäß den Begriffen ihrer eigenen verdeckten Operationen verstanden haben.
Die mangelnde Erkenntnis über die strategische Bandbreite der Desinformation hat zur
Akzeptanz der sowjetischen "Demokratisierung" als eine Realität von großer politischer Bedeutung
geführt – obwohl es sich in Wahrheit um ein Instrument der Tarnung handelt, um den Westen auf den
angestrebten Kurs zu bringen. Es ist unverzichtbar, sich darüber klar zu werden, daß diese
Desinformation durch die Reden und Erklärungen der Sowjetführer, wie Gorbatschow, Strategen wie
Yakovlev, Außenminister Schewardnaze, Regierungssprecher Genadiy Gerasimov und Shishlin, und
durch die Worte und Taten der sogenannten politischen "Opposition," der "liberalen" und
"konservativen" Führer dersogenannten politischen Paarteien und Regierungen der "unabhängigen"

185
nationalen Republiken, "Nationalisten," Antisemiten und Einzelpersonen, wie "ehemalige" KGB-
Offiziere verbreitet wird.
Die Sowjetmedien berichten über die von der Partei kontrollierten Streiks, Demonstrationen
und Unruhen in verschiedenen Teilen der UdSSR als reale, interne und natioanle Ausbrüche, die ein
sicheres Zeichen für den Zerfall und möglicherweise Zusammenbruch des Sowjetimperiums gedeutet
werden. Organisierte Dispute zwischen falschen Reformern und falschen Konservativen werden als
echte Machtkämpfe innerhalb der Partei verkauft. Die Sowjetmedien und parteikontrollierten
Aktivisten stellen den Moskauer Parteikongreß von 1990 gegenüber dem Westen als eine reale
Entscheidungsschlacht zwischen "Reformern" und "Konservativen" dar. KGB- und Parteiprovokateure
haben in "Pamyat" den falschen Eindruck von einem zunehmenden nationalistischen und
antimilitärischen Chaos in der UdSSR erweckt.
Bei ihrer Ignoranz gegenüber der sowjetischen leninistischen Strategie und strategischen
desinformation, haben die westlichen Medien alle diese von der Partei fabrizierten Simulationen
akzeptiert und dem westlichen Publikum als Realität angeboten. Diese naive, unkritische Haltung
wurde durch die Art und Weise deutlich, wie westliche Journalisten überden Parteikongreß
berichteten. Gerade so, als handele es sich um einen US-Präsidentschaftswahlkampf. Dasd Problem
steigert sich weiter durch die Inanspruchnahme sowjetischer Berater. CBS bediente sich
beispielsweise eines sowjetischen Beraters bei der Berichterstattung über den Parteikongreß. Die
sowjetische Desinformationskampagne hat sich bestehsn bezahlt gemacht. Die Sowjetstrategen haben
beachtliche Zugeständnisse vom Westen erhalten.

In den 1960er Jahren, als die CIA noch stark, und ihre Gegenspionageabteilung gerade damit
begann, die sowjetische Desinformation als das zu erkennen, was sie ist, wurden wirksame
Maßnahmen zur Heranvbildung qualifizierter Mitarbeiter für diesen Sektor eingeleitet. Ein
hochrangiger Mitarbeiter der Kennedy-Administration besuchte Moskau auf Einladung des
Schwiefersohnes Chruschtschows. Bei seinerRückkehr nach Washington wurde er über seine
sowjetischen Kontaktpersonen befragt. Unter den Genannten, befand sich auch Vasiliy Sitnikov, den
er als führendes Parteimitglied bezeichnete. Er war erstaunt, als man ihm eröffnete, Sitikov sei ein
ehemaliger KGB-Resident in Westdeutschland geqwesen, der zum Zeitpunkt der Zusammenkunft mit
dem Amerikaner ein führender Mitarbeiter der Abteilung für Desinformation des KGB mit
Zuständigkeitsbereich NATO war.
Die Frage der Ausbildung von US- und Beamten der Bündnisstaaten, Politikern, Diplomaten,
der Medien und der Öffentlichkeit über die sowjetische Desinformation, ihre neuen Kanäle und
Techniken, muß höchste Priorität haben. Leider sind weder die CIA, noch verbündete
Nachrichten- und Sicherheitsdienste in der Lage, diesem Erfordernis zu entsprechen,
weil sie das Problem nicht erkannt haben, sondern selbst in die Falle der sowjetischen
Desinformationm gegangen sind.
Hier muß dringend Abhilfe geschaffen werden. Viele Vorschläge zur Neuorganisation der
amerikanischen Nachrichtendienste sind angesichts der Umwälzungen in der UdSSR und Oateuropas

186
unterbreitet worden, ohne jedoch das Bewußtsein für die Tatsache wecken zu können, daß diese
Umwälzungen gefährlich fehlinterpretiert werden. Das Hauptziel jeder Neuorganisation muß auf
dieses Problem abgestellt werden.

DAS WAHRSCHEINLICHE ENDERGEBNIS


Da der Westen das hinter der sowjetischen "Demokratisierung" und den Wirtschaftsreformen
stehende Schema nicht erkennt, kann er den wahrscheinlichen Impakt dieser Veränderungen für den
Westen nicht voraussehen. Die zu stellende Frage lautet nicht, ob diese Veränderungen durch den
Westen umkehrbar oder unumkehrbar sind, sondern welche Auswirkungen sie auf lange Sicht auf den
Westen haben werden. Wegen der grundsätzlichen Unterschiede zwischen westlichen und
sowjetischen Vorstellungen von Demokratie und Marktwirtschaft, sind die westlichen Versuche, die
sowjetischen und osteuropäischen "Spontandemokraten" zu wahren Demokraten erziehen zu wollen,
naiv und kurzsichtig. Optimistische Erwartungen von langfristigen Dividenden aus der
westlichen Unterstützung von "Perestroika" sind völlig unbegründet. Die
gegenwärtige sowjetisch-wsestliche Zusammenarbeit ist nur von kurzer Dauer. Die
Ost-Westallianz ist lediglich taktischer Natur. Demokratie nach sowjetischem Stil ist
eine "Kuckucksei-Demokratie." Wenn das Küken ausschlüpft, wird es sein wahres
antagonistisches Wesen offenbaren und versuchen, das Nest zu beherrschen. Blind
gegenüber der Sowjetstrategie, werden sich die USA in internationalen
Angelegenheiten immer weiter an den Rand gedrängt sehen. Um es mit einem Zitat
von Marx auszudrücken: Die USA werden isoliert und gespalten sein, und über ihre
Selbstzerstörung und Niedergang nachgrübeln."
Das sowjetische Schema von gewaltsamen Revolutionen und Terror wurde vom Westen
verstanden, und er widersetzte sich dem wirksam. Sollte es dem Westen nicht gelingen, das neue
vorübergehend gewaltlose Schema zu verstehen, ist er dem Untergang geweiht. Wäre eine
provisorische Form von "Perestroika" von der Sowjetunion übereilt eingeführt worden, hätte dies zu
einer antikommunistischen und nationalistischen Explosion geführt, und letztlich zu echter
Demokratie und Freiheit. Aber die gegenwärtige "Perestroika"-Offensive wurde von Sowjetstrategen
auf den Weg gebracht, nachdem sie dreißig Jahre auf die Vorbereitung und Experimente verwendet
hatten. Die Risiken wurden kalkuliert, und unkontrollierter Aufstand wird auch weiterhin
systematisch und planmäßig unterdrückt werden.

Die westliche Unterstützung für die kommunistischen Führer, die "Perestroika" von oben
aufzwingen, hat jede Möglichkeit zu einer spontanen Entwicklung einer echten Demokratie zunichte
gemacht. Wennj die Sowjetstrategen ihre absichtlich übertriebenen wirtschaftlichen Probleme mit

187
westlicher Hilfe überwunden haben, und der Bevökerung Konsumgüter im Überfluß anbieten können,
werden sie in der Lage sein, der Welt die Überlegenheit des Sowjetsystems zu beweisen. Sie werden
ihre Gesellschaft erfolgreich wieder aufgebaut, umgestellt und erneuert haben. An diesem Punkt
angelangt, werden sie sich gegen die "verhaßten Kapitalisten" wenden, und das Ergebnis wird ein
weiterer "Holocaust" sein. Der neue "Holocaust" wird sich gegen die Klasse, nicht die Rasse richten.
Zu seinen Hauptofern werden die Angehörigen der westlichen politischen, militärischen, religiösen
und wirtschaftlichen Elite zählen. 

188
SECHSTER TEIL

DER VORGETÄUSCHTE
"AUGUST-STAATSSTREICH"
UND SEIN KALKULIERTER
FEHLSCHLAG

Ein vorsätzlich herbeigeführter


"Bruch mit der Vergangenheit"

Memorandum an die CIA: April 1991


Zur Vorlage beim Direktor der CIA

189
EIN HAUCH VON REALISMUS BEI DER EINSCHÄTZUNG
DER AUSEINANDERSETZUNG ZWISCHEN GORBATGSCHOWS ANHÄNGERN,
JELZINS ANHÄNGERN UND NATIONALISTEN
IN DEN SOWJETRUPUBLIKEN

(1) Die "Kämpfe" zwischen Gorbatschow, Jelzin und den "nationalistischen" unabhängigen
Republiken, ist ein vorsätzlicher Versuch der Sowjets zur Schaffung und Entwicklung von drei
parallelen politischen Machtstrukturen in der UdSSR. Die erste ist die "demokratische" Struktur,
die zweite die anti-demokratische Struktur, und die dritte die nationalistische Struktur der
kommunistischen und "nichtkommunistischen" Republiken. Alle drei Strukturen sind jedoch von
der Kommunistischen Partei und den Kommunisten in den Repbuliken kontrolliert, gelenkt und
koordiniert.
Folglich haben alle drei Strukturen eine gute Erfolgschange. Nach dem Erfolgseintritt
werden sie diesen Erfolg nicht dem Westen zuschreiben, sondern sich selbst zur Bildung ihres neuen
Systems lobend auf die Schultern klopfen.
(2) Ihr neues komplexes Dreiweg-System wird politisch stärker und wahrhaftig "demokratischer"
als das amerikanische System sein. Folglich könnte es die Grundlage für eine Weltregierung
bilden.
(3) Dann muß damit gerechnet werden, daß alle Sowjets, einschließlich der "demokratischen"
Kommunisten unter der Führung Gorbatschows oder eines anderen Leninisten, die
"demokratischen" Antikommunisten unter Jelzin und die "Nationalisten" beider
Schattierungen, versuchen werden, die naiven ameerikanischen Politiker, Kongreßmitglieder
und die amerikanische Öffentlichkeit zu beeinflussen und zu verwirren, die Annäherung unter
folgenden Vorgaben zu akzeptieren:

(a) Eine erneuerte Sowjetgesellschaft hat die politischen und wirtdchaftlichen Probleme "gelöst"
(ohne jeden Hinweis darauf, wie diese Lösung herbeigeführt worden ist).
(b) Das Sowjetsystem hätte sich soweit entwickelt, daß es, angesichts solcher Attraktionen, wie
kostenloses Erziehungswesen und Gesundheitswesen, als Vorbild für den Westen dienen sollte.

4. Die neue Strategie ist tweilweise darauf angelegt, die amerikanische Gesellschaft dahingehend zu
beeinglussen, für das amerikanische System vergleichbare Veränderungen zu fordern. Man wird
damit argumentieren, das amerikanische System sei dekadent, hoch verschuldet, von Verbrechen
durchdrungen, durch Drogen geschüttelt und hohen Kosten für das Erziehungswesen und noch
höheren Kosten für das Gesundheitswesen belastet.
Die Auswirkungen dieser Propaganda nach altem Stil auf die amerikanische Öffentlichkeit
können wegen der vermeintlichen Veränderungen des Sowjetsystems, wie beschrieben, erheblich
sein. 

190
Memorandum an die CIA: 19. August 1991
Gefertigt zum Zeitpunkt der Berichterstattung
über den Staatsstreich der "Hardliner"
und der CIA am 20. August 1991 übergeben

HINTERGRUND DES SOWJETISCHEN "STAATSSTREICHS" –


SOWJETSTRATEGIE UND IHRE ENTWICKLUNG:
DIE HAUPTZIELE DES STAATSSTREICHS

Wer hatte in der UdSSR das Sagen vor dem "Staatsstreich," und wer führte die Reformen durch?
Gorbatschow und seine "Liberalen"?
NEIN, die Partei und ihre Strategen.
Wer hat jetzt das Sagen, und wer empfahl den Staatsstreich, um Gorbatschow zu ersetzen? Die
"Hardliner, das Verteidigungsministerium und der Leiter des KGB?
NEIN, die Partei und ihre Strategen.

Der "Staatsstreich" wurde in Übereinstimmung mit den Erfordernissen der Sowjetstrategie


der Annäherung, die letztendlich zur Weltregierung führen soll, vorgeschlagen. Diese Strategie
und ihre Züge, wie der gegenwärtige "Staatsstreich," können nur im Lichte der Theorien eines der
sowjetischen Haupteinflußagenten, nämlich Sacharow, und seines Zeitplans für die Annäherung
verstanden werden. Nach Sacharow werden die leninistischen Realisten (d. h. Gorbatschow und
andere "Liberale") in der ersten Phase die "Demokratie" ausweiten und stärken, sowie
Wirtschaftsreformen in der UdSSR und anderen sozialistischen Ländern durchführen.
Wir wir wissen, ist alles das bereits verwirklicht worden.
Nach Sacharow wird in der zweiten Phase der vom Sowjetbeispiel und den
internationalen progressiven Kräften ausgehende Druck zum Sieg des linken
reformistischen Flügels (die sowjetische Beziechnung für die amerikanischen
Liberalen) führen, der dann mit einem Programm der weltweiten
Zusammenarbeit und Annäherung mit der UdSSR beginnen wird, als dessen Folge
sich Verlagerungen der Eigentumsstrukturen ergeben werden. Nach Sacharow würde
diese Phase die erweiterte Rolle der "Intelligentia" und einen Angriff auf die Kräfte des Rassismus
und Militarismus mit einschließen.
Diese Phase war vor dem Irak-Krieg erreicht worden. Nach Einschätzung der Sowjetstrategen
hat der US-Sieg über den Irak das politische Gleichgewicht in den USA empfindlich gestört. Aus
ihrerSicht hat der Sie die Liberalen (oder linken Reformisten) geschwächt und demoralisiert, die
konservativen Kräfte und das US-Militär hingegen gestärkt. Hierdurch wurde die weitere
Durchführung des sowjetischen strategischen Plans der Annäherung verzögert.
Sie erkannten, daß ihre politischen Hauptverbündeten bei der Voranbringung der
Annäherung geschwächt worden waren. Folglich täuschten sie diesen strategischen

191
"Staatsstreich" vor, um das Blatt wieder zu wenden, und den politischen Stand ihrer
amerikanischen Verbündeten wieder zu stärken. Unter strategischen Gesichtspunkten ist es der
Hauptzweck der "Absetzung" Gorbatschows, die amerikanische Meinung zu verwirren, die
politische Landschaft zu verändern, um den Fortgang der Sowjetstrategie zu beschleunigen und
wieder auf Kurs zu bringen.
Diese Strategie ist ein vorsätzlicher, koordinierter Schritt in Richtung Endsieg, indem man
sich zunächst des linken Spielbeins der "Liberalen" bedient, und anschließend das rechte
Spielbein der "Hardliner" einsetzt, um dann noch einmal mit den "Liberalen" nachzusetzen. Der
Abgang Gorbatschow ist zeitlich befristet. In vorangegangenen Memoranden habe ich ein
kalkuliertes "Abdanken" Gorbatschows und seiner späteren Rückkehr an die Macht vorausgesagt.
Der "Sttatsstreich" bestätigt diese Voraussage. Nach meiner Analyse zielt der "Staatsstreich"
auf die Intensivierung amerikanischer Besorgnis über das Schicksal Gorbatschows und der
anderen "Liberalen" und "Reformer" in der UdSSR, wie beispielsweise Schewardnaze, ab. Sobald
diese Besorgnis ihren Höhepunkt erreicht hat, kann mit dem nächsten Zug gerechnet werden.
Gorbatschow und andere "Liberale" werden durch eine Vielzahl von parteiorganisierten Streiks
und Demonstrationen an die Macht zurückkehren.
Wie es die Sowjetstrategen sehen, wird die Rückkehr Gorbatschows und die Stärkung der
"Reformer" auch die amerikanischen Liberalen in einer Weise stärken, daß sie möglicherweise die
nächsten Wahlen gewinnen – was letztendlich zur Annäherung zwischen den USA und der
UdSSR führen könnte. Kurz gesagt: Gorbatschows Rückkehr wird eine Wiederholung des Tricks
der angeblichen Unterdrückung und späteren Sieges von "Solidarität" in Polen sein.
Der Hauptzweck dieses "Staatsstreiches" ist die Umkehr einer ungünstigen Lage potenzieller
sowjetischer Verbündeter in den Vereinigten Staaten von Amerika, und die Schaffung günstiger
Voraussetzungen für die Durchführung der Annäherungsstrategie. Das zweite Ziel ist die
gewaltlose Schaffung der neuen sowjetischen "Gemeinschaft unabhängiger Staaten. Das dritte
Ziel stellt darauf ab, jedem potenziellen Abenteurer in den Reihen des sowjetischen Militärs eine
Lektion zu erteilen, um die Möglicheit eines zukünftigen echten Staatsstreichs von vornherein zu
verhindern. 

Memorandum an die CIA: 20. August 1991


Der CIA am 21. August 1991 übergeben

EINE WEITERE ANALYSE DER ZIELE DES SOWJETISCHEN "STAATSSTREICHS"


Es wurde bereits ausgeführt, daß Gorbatschow in dem Augenblick wieder an die Macht gelangen wird,
wenn es für die Sowjetstrategie der Annäherung am günstigsten ist. Abhängig von den dann
gegebenen Umständen, könnte er nach einer Zeit anderer Tätigkeiten durch Wahl wieder ins Amt
gelangen. Seine angebliche Amtsentfernung und Hausarrest sind vorsätzlich eingesetzte Mittel,

192
um seine Popularität vor einer solchen Wahl aufzubauen. Inzwischen darf angenommen werden, daß
die Sowjetstrategen ihn entweder entfernen, oder seiner Mannschaft ein weiteres "Trumpf Ass," den
Antikommunisten (wie Gorbatschow Protegée von Andropov) Boris Jelzin, Führer der Russischen
Republik, beigeben wird. Nach Auffassung der Sowjetstrategen hat Gorbatschow seine
Einflußmöglichkeiten auf den Westen erschöpft. Es ist ihm nicht gelungen, auf dem Londoner
Gipfeltreffen weitere Wirtschaftshilfe vom Westen zu erhalten, und sein Rat bezüglich einer
diplomatischen Lösung für die Irakkrise wurde von Präsident Bush ignoriert. Die Strategen sind davon
überzeugt, daß Boris Jelzin gegenüber dem Westen im Hinblick auf die sowjetischen Wirtschafts- und
Politreformen glaubwürdiger erscheint. Er befindet sich in einer besseren Position zur Nutzung seines
Einflusses im Sinne weiterer Wirtschaftshilfe durch den Westen, und insbesonderedie Zustimmung
des Westens für einen neuen "Marshall-Plan" für Rußland zu erhalten.
Ein "Marshall-Plan" für Rußland ist eines der wichtigsten Zwischenziele der Sowjetstrategen,
das Gorbatschow nicht erreicht hat. Die Strategen erwarten, daß Jelzin einen größeren Einfluß auf
diplomatische, wirtschaftliche und politische Beziehungen im Mittleren Osten und bei den Vereinten
Nationen ausüben kann.
So sieht ihre Planung aus, und sie haben sich für dieses Vorgehen entschieden, weil sie die
Vereinten Nationen als Grundstein für eine zukünftige Weltregierung ansehen. Das politische Spiel
der Sowjets und ihre Trickserei der "Manipulation" von Politikern, wie Gorbatschow und Jelzin für
den Konsum der Öffentlichkeit des Westens, erfordern mehr Vorstellungsvermögen und ein besseres
Verständnis dieser Machenschaften von Seiten der Bush-Administration. So ist es beispielweise die
Ernennung von Mr. Robert Strauss zum US-Botschafter in Moskau ein schwerwiegender Fehler, weil
diese Ernennung zu einem Zeitpunkt erfolgt, wo die Sowjetstrategen die Glaubwürdigkeit und das
Ansehen von Präsident Bush, das er sich durch seine Verhandlungen mit Gorbatschow erworben hat,
vorsätzlich unterminieren. Sie unterlaufen den Präsidenten zu Gunsten ihrer politischen Verbündeten,
nämlich der amerikanischen Liberalen. Heute ist die Lage entschieden ernster, als sie es nach dem
Zweiten Weltkrieg gewesen ist. Präsident Truman erkannte Stalins Mentalität, seine
Handlungen und seine Absichten. Die Bush-Administration hat im Gegensatz dazu
keinerlei Verständnis von der Sowjetstrategie und ihres letztendlich aggressiven
Musters gegen die Vereinigten Staaten.
Angesichts dieser Lage und des sowjetischen "Spielplanes," sollte der Präsident, anstatt einen
Politiker/Geschäftsmann wie Robert Strauss zum US-Botschafter in Moskau zu ernennen, diesen
Posten lieber einer Persönlichkeit wie Richard Helms oder General Vernon Walters – also einem
Fachmann und Nachrichtendienstexperten übertragen, der diesen sowjetischen "Spielplan"
durchblicken und der amerikanischen Administration helfen kann, wie es General Bedell Smith
Präsident Truman im Jahre 1947 geholfen hat. 

Memorandum an die CIA: 26. August 1991

193
DIE ANALYSE DES AUTORS ÜBER DIE ZIELE
DES KALKULIERTEN SOWJETISCHEN "STAATSSTREICHS" UND DES KALKULIERTEN
"FEHLSCHLAGS"

Nach meiner Einschätzung stellen der sowjetische "Staatsstreich" und sein


"Fehlschlag" eine grandioses Täuschungsmanöver – eine Provokation, dar. Die
"Unfähigkeit" der Beteiligten an diesem "Staatsstreich" und der "Fehlschlag" sind
gekonnt geplant und durchgeführt worden. Das Hauptargument zur Stützung dieser
These ist die Tatsache, daß das Sowjetmilitär, der KGB, die Partei und führende
Mediengestalten anscheinend entweder nicht die Fähigkeit zur Durchführung eines
erfolgreichen Staatsstreichs, oder nicht den Mut besaßen, aufkommenden Widerstand
gewaltsam zu brechen. Das ist der Tat etwas völlig Neues!
Als man sich 1956 in Ungarn einer echten Krise gegenüber sah, bewiesen diesen Kräfte ein
außergewöhnliches Können und Wissen, wie man eine echte Revolte niederschlägt. Die Kenntnis von
der Sowjetmentalität, der Partei und der Führer der Medien, verfügen alle über die erforderlichen
Fähigkeiten, den Willen und den Mut, echten Widerstand und Opposition zu brechen. Bei dieser
Gelegenheit ließen sie nichts von diesen Fähigkeiten erkennen, denn dieser "fehlgeschlagene"
Staatsstreich erfolte in Übereinstimmung mit den Anweisungen der Partei, und es waren die Partei
und der Komsomol, von denen der vermeintliche Widerstand organisiert worden ist.
Die wirklichen Beteiligten an diesem "Staatsstreich" und dem "Fehlschlag," waren in etwa
20.000 ausgewählte Komsomol- und Parteimitglieder in Moskau, unterstützt von zwei oder drei
Panzerdivisionen, sowie einer Handvoll gewogener Parteibonzen und Generäle, die ihr Ansehen im
Interesse der Parteistrategie und unter der Führung ihrer Strategen opferten. Die kalkulierte Art und
Weise dieses "Staatsstreichs" und der Zeitpunkt der Durchführung beweisen, daß er von den Russen
unter der Führung von Präsident Jelzin vorgetäuscht wurde, um den Kern der Union für den
Übergang zu einer neuen Form von Föderation zu bewahren.
Der fehlgeschlagene "Staatsstreich" war ein in erster Linie sorgfältig geplantes Schauspiel für
den Westen. Hieraus erklärt sich auch, warum die westlichen Medienkontakte mit Moskau nicht
unterbrochenwurden. Im Gegenteil, die hochkarätigen Mediengestalten, wie Vitaliy Korotich und
Vertreter des Arbatov-Instituts standen in den USA und Moskau bereit, um den westlichen Medien bei
der Interpretation der Vorgänge in der UdSSR "behilflich" zu sein. Diese Episode beweist, wie gut die
Sowjetstrategen, wie Arbatov und seine Experten für amerikanische Medien, die Kunst der
Darstellung derartiger Spektakel für den Konsum durch die amerikanischen und westlichen Medien
allgemein beherrschen.
Den Sowjetstrategen war daran gelegen, gegenüber dem Westen die dramatische Unfähigkeit
der "konservativen" Umstürzler, und den heldenhaften Mut und Widerstand der "Reformer" unter der
Führung Jelzins bei der "Verteidigung" des Sowjetparlaments – ihres symbolischen Gegenstücks des
"Weißen Hauses" - herauszustellen. Dieses Schauspiel sollte mit entsprechender Außenwirkung die
Echtheit der sowjetischen "Demokratisierung" demonstrieren, daß diese Bemühungen vom Volk

194
mitgetragen werden, und daß es funktioniert. Sie wollen den Westen davon überzeugen, daß
westliche Investitionen in der UdSSR Zinsen bringen.
Sie erwarten, daß der Westen jetzt mit einem neuen "Marshall-Plan" regaieren werden, der
westliche Technologie in die Sowjetunion fließen läßt, zu einer Wiederbelebung der sowjetischen
Wirtschaft führen wird, die dem wirtschaftlichen Aufschwung im Nachkriegsdeutschland und in
Japan nach dem Zweiten Weltkrieg entspricht.
Intern wird beabsichtigt, die Sowjetbevölkerung von der neuen parteikontrollierten
"Demokratie" zu überzeugen, sie als eine reale Macht anzupreisen, die sich entwickeln und reifen
wird, was wiederum zur Popularität der Führer, insbesondere Jelzins, beitragen wird. Ein weiteres Ziel
ist die Ausnutzung dieses gestellten Staatsstreich, um die Sowjetbürokratie, das Militär, die
Nachrichten- und Gegenspionagedienste, sowie den diplomatischen Dienst beu zu organiseren und zu
"reformieren," um ihnen den Anschein von "Demokratie" zu geben.
Den Sowjetstrategen ist bewußt, daß nur mit diesem neuen Image und dem vermeintlichen
"Bruch mit der Vergangenheit" und der Trennung vom Kommunismus diese Organisationen in
wirksame Waffen für die Annäherung mit ihren westlichen Gegenorganisationen umfunktioniert
werden können. Zu dieser Zielsetzung gehört auch die spektakuläre, öffentlichkeitswirksame
Entfernung bestimmter Monumente von Lenin und Dzerzhinsky sowie der roten Fahnen.
Diese Veränderungen repräsentieren keineswegs eine echte und überzeugte Ablehnung des
Kommunismus, sondern sind Maßnahmen zur Sicherstellung des angestrebten kommunistischen
Weltsieges. Obwohl äußerstr spektakulär, handelt es sich dennoch leidiglich um kosmetische
Veränderungen. Sie demonstrieren nur, daß Arbatov und andere genau wissen, wie die
amerikanischen und westlichen Medien durch den Einsatz einer machtvollen Symbolik, wie dem
Abriß der Berliner Mauer, dem Sturz der Denkmäler von Lenin und Dzerzhinsky und Jelzins
vorgetäuschter "Verteidigung" des sowjetischen "Weißen Hauses" zu manipulieren sind.
Würden sich die Sowjets wahrhaftig in die Richtung einer echten Demokratie bewegen und
einen wirklichen Bruch mit der Vergangenheit anstreben, würden diese symbolischen Veränderungen
von einem Umerziehungsprogramm, dem unwiderruflichen (nicht kosmetischen) Verbot der
Kommunistischen Partei und Komsomol auf allen Ebenen innerhalb der UdSSR begleitet sein. Solche
Maßnahmen würden die Amtsentfernung aller "ehemaligen" Partei- und Komsomolmitgliedern,
einschließlich des KGB, der Sowjetarmee und ihrer Politkommissare, der Ministerien – insbesondere
des Innen- und Außenministeriums – und der Gewerkschaften nach sich ziehen.
Angelbich hat Jelzin die Kommunistische Partei in Rußland verboten. Aber es sollte die Frage
gestellt werden: "Warum vergaß er auch die Jugendorganisationen des Komsomol zu verbieten?"
[Anm. Laut Bericht der "The New York Times" vom 29. September 1991 hat die Komsomol die
Selbstauflösung beschlossen. Ihre Statuten wurden dahingehend geändert, daß untergeordnete
Jugendligen in den Sowjetrepubliken an ihre Stelle treten – Hervorhebung durch den
Autor].
Um überzeugend zu wirken, hätte die Entfernung der ehemaligen Kommunisten
aus ihren Ämtern auf allen Ebenen erfolgen müssen, wie es durch das

195
Entnazifizierungsprogramm in Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg erfolgt ist.
Ohne ein solches Programm sind alle gegenwärtigen Veränderungen, obwohl durchaus eindrucksvoll,
lediglich kosmetisch.
Gegenwärtig gibt es in Rußland keinerlei Möglichkeit, zwischen einem echten Demokraten
und einem ehemaligen Kommunisten zu unterscheiden. Ein wichtiges Kriterium zur
Beurteilung der Ernsthaftigkeit der abrupten und praktisch simultanen Bekehrung
der ehemaligen Kommunistenführer zu echten Demokratern, wäre ihre amtliche
Erklärung, daß die Sowjetpartei und Regierung in den Jahren 1958 bis 1960 eine
Langzeitstrategie entwickelt haben, daß "Perestroika" eine fortgeschrittene Phase
dieser Strategie ist, und daß diese Strategie mit sofortiger Wirkung zu Gunsten
normaler, offener, zivilisierter Beziehungen aufgegeben wird. Von einem solchen
Eingeständnis istwiet und breit nichts zu sehen gewesen.
Als weiteres Kriterium zur Beurteilung der Ernsthaftigkeit der schlagartigen Bekehrung
"ehemaliger" Kommunistenführer zu Anhängern echter Demokratie müßte hinzukommen:
 Das offizielle Eingeständnis, daß die "Dissidentenbewegung" unter ihrem Anführer
Sacharow den Interessen der Streategie diente und unter der Kontrolle des KGB gestanden hat.
 Die öffentliche Enttarnung der wichtigsten KGB-Agenten in den Reihen der sowjetischen
Wissenschaftler, Priester, Schriftstellern, Theater- und Filmregisseuren, die eine aktive Rolle in der
KGB-kontrollierten politischen "Opposition" gespielt haben – insbesondere solche Persönlichkeiten,
wie der "konservative" Kochetov und der "liberale" Tvardovskiy, die sich in den 1960er Jahren an
einer partei- und KGB-kontrollierten Debatte beteiligten, die dem Zweck diente, den falschen
Eindruck zu erwecken, die Sowjetgesellschaft befände sich auf dem Weg zur Demokratie.
 Und schließlich: Eine kategorische Zurückweisung jeder strategischen Absicht seitens der
Sowjets bei ihren Bemühungen, mit den Vereinigten Staaten von Amerika eine Annäherung zu
erreichen.

Das völligte Fehlen dieser Kriterien deutet darauf hin, daß die symbolischen
Veränderungen nicht mehr bedeuten, als daß die Sowjetstrategen zu der Erkenntnis
der Unbrauchbarkeit der alten Symbole gelangt sind, sie sich überlebt haben –
zumindest in der Sowjetunion und Osteuropa – und durch neue, attraktivere,
volkstümlichere Symbole ersetzt werden mußten. Außerdem sind diese kosmetischen
Veränderungen logisch und wurden von diesem Analytiker bereits früher vorausgesagt. Den
Sowjets ist bewußt geworden, daß die Annäherung mit den USA nicht unter den alten
verhaßten Symbolen Lenins und Dzerzhinskiys und anderer erfolgen kann, die im
Westen mit Terror, Unterdückung, Exil und Blutvergießen in Verbindung gebracht
werden. Annäherung erfordert die Einführung neuer, attraktiverer, nationaler und
"demokratischer" Symbole, die den Eindruck vermitteln, die Sowjets näherten sich
dem, westlichen Vorbild an.

196
Zweifellos werden diese kosmetischen Veränderungen, die Umorganisation der
Sowjetbürokratie und der neue, attraktivere Status ihrer Führer, wie Jelzin, vom Westen als eine
Vertiefung des Prozesses der Sowjetreformen verstanden werden, die der westlichen Politik neue
Möglichkeiten eröffnen. Aber die Hauptschwäche des Westens bleibt unverändert bestehen: Er kann
die Tatsache nicht verstehen, daß eine Beschleunigung der sich entwickelnden
sowjetischen Annäherungsstrategie ausschließlich die letztendliche Unterwerfung des
Westens unter Moskau und eine Kommunistische Weltregierung herbeiführen soll.
Die Dreistigkeit, mit der die Sowjetstrategen den vorgetäuschten "Staatsstreich" und
geplanten Fehlschlag vorbeführt haben, ist eines Machiavelli würdig und im höchsten Maße
alarmierend. Zweifellos werden auf dieses Manöver nicht nur vorgetäuschte Selbstmorde, sondern
auch theatermäßige Schauprozesse gegen die angeblichen Anführer dieses "Umsturzversuchs" folgen.
Möglicherweise werden diese "Aufrührer" zu Freiheitsstrafen verurteilt werden, aber in Wirklichkeit
werden sie einen komfortablen Ruhestand in entlegenen Region auf der Krim und im Kaukasus
genießen. Rußland ist ein großes Land, das eine Fülle von Möglichkeiten bietet, wo sie sich verbergen
können.
Der "Staatsstreich" und sein "Fwehlschlage" beweisen, daß den Sowjets jedes Mittel recht ist,
wenn es darum geht, die Annäherungsstrategie voranzubringen. Es erinnert mich an Äußerungen von
Vladimir Zehnihov, dem ehemaligen KGB-Residenten in Finnland, und von Aleksey Novikov, einem
weiteren KGB-Offizier aus dem Jahre 1961.
Beide waren kürzlich von einem Heimaturlaub in Moskau zurückgekhrt. Als ich sie nach den
letzten Neuigkeiten aus dem Hauptquartier fragte, antworteten beide mit verschiedenen Worten, aber
inhaltlich identisch: "Diesmal wird der KGB das kapitalistische Amerika ein für allemal
erledigen." Ich habe ihnen damals geglaubt, und ich glaube, was sich heute ereignet, ist ein
schlechtes Omen für die westliche Demokratie.
Ein weiterer alarmierender Aspekt der Lage, ist die westliche Euphorie und die
unkritische Akzeptanz der gegenwärtigen sowjetischen Entwicklungen. Dies beweist, wie
leicht es ist, den Westen durch Schaukämpfe und sowjetische Theateraufführungen zu täuschen, und
wie berechtigt die Überzeugung der Sowjetstrategen ist, daß ihr "Zeitalter der Provokation" zu
den beabsichtigten Ergebnissen führen wird. Hinzu kommt, daß die westliche Euphorie und Naivität
die Sowjetstrategen nur dazu ermutigt, neue Spektakel zu veranstalten, weil sie mehr
denn je davon überzeugt sind, ihr strategisches Muster sei realistisch. 

Memorandum an die CIA: 2. September 1991

EINE EINSCHÄTZUNG DER SOWJETISCHEN ENTSCHEIDUNG


ZUR AUSSETZUNG ALLER AKTIVITÄTEN DER KOMMUNISTISCHEN PARTEI

197
Der Westen hält die sowjetische Parlamentsentscheidung über die Aussetzung der Aktivitäten
der Kommunistishen Partei für den Tod der Kommunistischen Partei und den Sieg der neuen
demokratischen Kräfte: Er hält diese Entwicklung für günstig und vorteilhaft für die
westlichen Interessen.
Diese Einschätzung ist falsch. Sie reflektiert lediglich die Naivität der
westlichen Sowjetexperten, die sich offensichtlich im Tiefschlaf befinden und
die drfeißigjährige Vorbereitungszeit für "Perestroika" und den Übergang vom
alten Sowjetstaat der "Diktatur des Proletariats" (gleichbedeutend mit der
Kommunistischen Partei) zum "Volksstaat" völlig verschlafen haben. Die
westlichen Experten haben vergessen, daß dieser Übergang von der
Kommunistischen Partei geplant, vorbereitet und auf dem 22. Parteikongreß im
Oktober 1961 angenommen worden ist. Die gegenwärtige Entscheidung des
Sowjetparlaments beweist, daß dieses Parteiprogramm von der
Kommunistischen Partei erfolgreich durchgeführt worden ist.
Es wurde eine neue "demokratische" politische Struktur geschaffen. Dadurch ist es
dem Sowjetparlament möglich geworden, die alte Kommunistische Partei auszusetzen, weil
die alten Partei- und Komsomolmitglieder in die neue "demokratische" Struktur übernommen
worden sind. Dies bedeutet, daß die neue von der alten Kommunistischen Partei
geschaffene politische Struktur breiter angelegt, vitaler und gefährlicher für
den Westen ist. Nicht zuletzt bedeutet es auch, daß die Anliegen der alten Partei im neuen
"Volksstaat" weiterleben.

Die Anliegen der Partei sind noch immer die aggressiven strategischen Muster zum
Erreichend er Anäherung an die Vereinigten Staaten von Amerika. Westliche Experten
übersahen die Tatsache, daß der Übergang zum "Volksstaat" zu einem Zeitpunkt erfolgte, als
Machtinstrumente der Partei, des KGB, des Sowjetmilitärs (einschließlich GRU) und ihrer
Politkommissare noch vollkommen unangetastet waren. Jetzt hat die neue politische Struktur
die alten Normen sicher ersetzt, so daß der KGB und das Militär umorganisert und "refomiert"
werden können, um den neuen politischen Strukturen und den Erfordernissen der
Annäherungsstrategie zu entsprechen. Jetzt wird man die Sowjetbürokratie, das Militär und
den KGB "reformieren," aber diese "Reform" wird eine Täuschung sein.
Die Hauptziele dieser "Reformen" sind:

(a) Den Eindruck zu erwecken, die Sowjetbürokratie sei jetzt demokratischer, und
ihre Elemente den westlichen Vorbildern weiter angepaßt.
(b) Den Kongreß der Vereinigten Staaten von Amerika durch die vorgetäuschten
"Reformen" in der UdSSR zu echten Reformen der amerikanischen Bürokratie, einschließlich
der Schwächung der CIA und der amerikanischen Streitkräfte durch Reduzierung der
entsprechenden Haushalte zu bewegen.

198
(c) Die Schaffung von Voraussetzung für eine aktive Beteiligung, Zusammenarbeit
und Annäherung zwischen der "reformierten" Sowjetbürokratie, dem KGB mit neuem Etikett
und dem Sowjetmilitär einerseits, und ihren westlichen Gegenorganisationen auf der anderen
Seite.

Sacharows Fahrplan sah die Umstrukturierung des westlichen politischen Systems nach
diesen Vorgaben mit dem Ziel der Annäherung vor. Aller Wahrscheinlichkeit nach, werden sich alle
diese "Reformen" ereignen, wenn sich der Westen im Zustand völliger Verwirrung über das wahre
Wesen und den Zweck der Veränderungen und "Reformen" in der Sowjetunion befindet.
Es liegen eine Vielzahl von Beweisen dafür vor, daß den führenden sowjetischen "Reformern"
nicht zu trauen ist. So begann beispielsweise Bakatin, der neue KGB-Vorsitzende und ein angeblicher
"Reformer," seinen Diuenst mit einer klaren Täuschung. Er versprach dem Sowjetparlament, der KGB
werde keine geheimen Informanten mehr beschäftigen. Es war eine gegen den Westen gerichtete
Täuschung, denn der Begriff "Informanten," Personen, die Informationen über ihre Kollegen und
Freunde liefern, wurden vom KGB bereits in den 1930er Jahren unter Shelepin aufgegeben. Geheime
Informanten waren stellten das größte Potenzial unter Stalin. Sie bildeten das Hauptinstrument zur
Unterdrückung der Massen der Sowjetbevölkerung bis in die späten 1950er Jahre. Aber seit 1959
wurden die geheimen Informanten durch KGB-Agenten ersetzt.
Unter Shelepin wurde der KGB umorganisiert, um seine politische Rolle im Rahmen der
Endphase der Langzeitstrategie nämlich "Perestroika" übernehmen zu können. Unter Shelepin wurde
ein neues Konzept zum Einsatz dieser Armee von KGB-Agenten gegen den Westen im Rahmen der
Strategie entwickelt und übernommen. Dieses Konzept ersetzte das alte Konzept von der internen
Unterdrückung der Sowjetbevölkerung. Im Verlauf der vergangenen dreißig Jahre hat sich der KGB
keiner Informanten, sondern bestens geschulter Agenten für politische Aufgaben zur Durchführung
der Strategie und Desinformation als Vorbereitung auf "Perestroika" bedient. Bakatin kommt mit
seinem Versprechen dreißig Jahre zu spät und beweist damit, daß ihm nicht zu trauen ist.
Die Qualitäten und Fähigkeiten von KGB-Agenten können an Fällen, wie dem des Oberst
Penkovsky dargestellt werden, der den englischen und amerikanischen Nachrichtendiensten als "echt"
angedient werden konnte, wie auch am Fall des Sowjetjournalisten Oleg Bitov, der zu den Engländern
"überlief," um später wieder nach Moskau "überzulaufen."
Sie waren KGB-Agenten, keine KGB-Informanten. Dasselbe trifft auf den soiwjetischen
Atomwissenschaftler Sacharow und den Dichter Tvardovskiy, Chefredaktuer des Magazins "New
World," zu, die beide führende Gestalten in der KGB-kontrollierten "Dissidentenbewegung" waren.
Die fähigsten KGB-Agenten, nicht KGB-Informanten, spielen bei der sowjetischen
"Demokratisierung" Hauptrollen. Sie sind die vitalsten und effektivsten Elemente im sowjetischen
Multi-Parteiensystem. Nur ein öffentliches Gestäündnis Bakatins über die Existenz dieser KGB-
Konzepte und Praktiken, zusammen mit der offiziellen öffentlichen Enttarnung der tausenden von
geheimen KGB-Agenten innerhalb der neuen Strukturen, in den Parlamenten und der Führung der
neuen Natiuonalrepubliken, würde den überzeugenden Beweis für die Echtheit der

199
"Demokratisierung" liefern und deutlich machen, daß es sich nicht nur um ein politisches Manöver
zur Förderung der sowjetischen antiwestlichen Langzeitstrategie der Täuschung handelt.
Der sowjetische Übergang zu einer neuen politischen Struktur zeigt, daß die
Sowjetstrategen in einem größeren Rahmen denken, planen und handeln, als es sich
westliche Politiker vorstellen können. Aus diesem Grund können die westlichen Politiker auch
die Tatsache nicht verstehen, daß es die Absicht der Sowjets ist, durch "demokratische" Mittel den
Sieg zu erringen. Durch den Übergang zu einem neuen System werden die eigenen Leute und
Institutionen wiederbelebt, und die Sowjets sind damit äußerst erfolgreich. Im Gegensatz zur
Annahme des Westens, halten sie ihre Reihen zusammen.
Sie sind ihrer Aufgabe gegenüber positiv eingestellt und resolut, weil sie fest davon überzeugt
sind, eine fundierte politische Strategie zu besitzen. Sie handeln mit klarem Verständnis von den
angestrebten witz, der schrieb, daß man die Vielzahl eder Ereignisse in ihrer Gleichförmigkeit nur von
einem Standpunkt aus verstehen könne, und daß das Beharren auf einem Standpunkt uns vor einer
schwankenden Haltung bewahrt.
Man könnte die Frage stellen: "Wo sind die Sowjetstrategen in den neuen politischen
Strukturen?" Man findet sie im [Nationalen] Sicherheitsrat in der Koalitionsregierung, in der
Leitung des Sowjetparlaments, im KGB, im Institut für das Studium der USA und Kanada und
weiteren Schlüsselinstitutionen, wie dem Euiropa-Institut und schließlich in den neuen politischen
Gruppierungen und Parteien.
Trotz des angeblichen Staatsstreichs, der angeblichen Uneinigkeit und des angeblichen Todes
der Kommunistischen Partei, liegt eine Vielzahl gesichterer Anhaltspunkte dafür vor, daß die
Sowjetstrategen große Fortschritte im Sinne der Erfordernisse der Strategie erzielen. Der neue
Außenminister Boris Pankinwar beispielsweise für fünfzehn Jahre Herausgeber der größten
Komsomol-Zeitung zur Zeit Breschnews. Danach war in der Frühphase von "Perestroika" acht Jahre
Sowjetbotschafter in Schweden.
Seit 1990 war er Botschafter in der Tschechoslowakei während des dortigen Übergangs zu den
neuen Strukturen. Seine Erfahrungen mit der sowjetischen Jugendbewegung machte ihn zur idealen
Wahl zur Förderung gemeinschaftlicxher Aktionen zwischen den europäischen Sozialdemokraten und
den neuen sowjetischen "Demokraten," und um den Punkt zu unterstreichen, daß sich das
Sowjetsystem in die Richtung des Sozialismus nach schwedischem Vorbild entwickle. Gorbastschow
selbst hat kürzlich bestätigt, daß die Sowejts an den Erfahrungen der sozialistischen Staaten Europas
und Regierungen hinsichtlich der Demokratie, der Wirtschaftsentwicklung und der Menschenrechte
interessiert seien.
Der Übergang zu den neuen politischen Strukturen bedeutet, daß die neuen "demokratischen" Kräfte
bereit stehen, sich mit den Vereinigten Staaten von Amerika zu engagieren, und dabei ihr
strategisches Konzept gegen den Westen ausführen. Den westlichen Interessen wird damit nicht
gedient. Im Gegenteil, sie werden bedroht. Es ist eine reale Gefahr, weil der Westen verwirrt ist und
ihm das Verständnis dafür fehlt, daß sich die sowjetischen "Demokraten" hinter der demokratischen
Fassade in einem Kampf bis zum Tod mit dem westlichen Kapitalismus befinden. Westliche Hilfe für

200
die neuen sowjetischen "Demokraten" wird ihre Effiktivität bei der Verfolgung ihrer rücksichtlosen
Strategie der Annäherung lediglich steigern.
Die politischen Kräfte Amerikas sind völlig aus dem Tritt geraten. Ihren Führern fehlt
jegliches Verständnis von den realen Vorgängen in der Sowjetunion und sich dort entwickelnden
Realitäten. Sie sind über die mögliche Auflösung der Sowjetunion und der Möglichkeit eines
Bürgerkrieges besorgt. Sie diskutieren unter sich, ob sie sich mit Gorbatschow im Zentrum, Jelzin in
der Russischen Republik oder mit den Nationalrepubliken engagieren sollen. Sie sind sich uneinig
darüber, ob diese Hilfe durch die Bereitstellung von Finanzmitteln, technischer Unterstützung oder
einem neuen "Marsahll-Plan" erfolgen soll. Am verwirrtesten sind die großen konservativen Denker,
die über die Veränderungen in der Sowjetunion in Jubel ausgebrochen sind.
Sie laden sowjetische "Demokraten" des Zentrums, aus Rußland und den
Nationalrepubliken edin und heißen sie als ihre neuen "Waffenbrüder" willkommen.
So etwas erfreut das Herz der Sowjetstrategen, für die solche Einladungen eine
großartige Errungenschaft sind. Sie haben bewiesen, daß ihre strategischen
Fähigkeiten ihren Zenit erreicht haben: Dem Rat Sun Tzus folgend, können sie in die
amerikanische Festung eindringen – ins Lager des Feindes – ohne jede Gegenwehr. 

Memorandum an die CIA: 26. März 1992

RUSSLANDS GEOPOLITISCHE STRATEGIEN, DIE "GEMEINSCHAFT UNABHÄNGIER


STAATEN" UND CHINA: EIN KOMMENTAR ZU EX-PRÄSIDENT NIXONS RAT ZU
MASSIVER UNTERSTÜZZUNG RUSSLANDS

In einem früheren Memorandum an die CIA hat dieser Analytiker die gemeinsame chinesisch-
sowjetische Langzeitstrategie der Annäherung mit dem Westen, und die beabsichtigte
Ausnutzung der durch die neuen Öffnungen sich ergebenden Möglichkeiten erläutert, die durch die
"reformierten" politischen Strukturen der ehemaligen UdSSR und dem Hochkommen der
sogenannten "Demokraten," "Nichtkommunisten" und "Unabhängigen" geschaffen worden sind.
Die gegenwärtige Einschätzung zeigt, wie es wegen der westlichen Ignoranz und Verwirrung
über die hinter "Perestroika" stehenden Strategie und die westliche politische und wirtschaftliche
Hilfe und Unterstützung für das sogenannte "reofmrierte" Sowjetsystem möglich gewesen ist, die
"Gemeinschaft Unabhängiger Staaten" [GUS] erfolgreich zu gründen, die bereits jetzt damit
beschäftigt ist, neue geopolitische Strategien innerhalb des Rahmenwerks der kommunistischen
Langzeitstrategie der Annäherung auszuführen.
Diese Strategien werden noch immer von denselben Sowjetstrategen koordiniert und geleitet,
die sich einfach von den alten überholten Ideologien und dem bekannten, aber veralteten Schema
abgewendet, und der Ausnutzung geopolitischer Faktoren und der neuen Potenziale des
"reformierten" kommunistischen Systems zugewendet haben. Das gemeinsame Schema dieser

201
geopolitischen Strategien ist die Manipulation und die Ausnutzung des "demokratischen" und
"unabhängigen" Erscheinungsbildes, das von der UdSSR über die GUS und die einzelnen
Mitgliedstaaten so überschwenglich zur Schau gestellt wird und voll ausgenutzt wird, weil der Westen
unfähig ist, die Strategie zu durchschauen.
Die nachfolgenden verbesserten Strategien können unterschieden werden:

 Die erste Strategie betrifft insbesondere direkte Verhandlungen von GUS und Rußland
mit langjährigen amerikanischen Verbündeten, wie Deutschland und Japan, um sie den USA
zu entfremden und zu wirtschaftlichen und politischen Bündnissen mit der GUS und
insbesondere mit Rußland zu bewegen.
Aus diesem Grund nutzt Rußland die amerikanische Wirtschaftsrivalität mit Deutschland und
Japan und die breitgefächerte Beteiligung Deutschlands und Japans im Bereich der wirtschaftlichen
Zusammenarbeit mit Rußland aus. Hinzu kommt das Angebot lukrativer Markt- und
Investionsmöglichkeiten in Rußland. Von China kann erwartet werden, daß es sich an dieser
Kampagne zur Entfremdung der amerikanischen Verbündeten beteiligt, indem es Japan verschiedene
Investionsmöglichkeiten in China anbietet.
13. Die zweite verbesserte Strategie betrifft die Einbeziehung der neuen"unabhängigen"
Muslimstaaten der GUS zur Begründung und Entwicklung einer politischen und
wirtschaftlichen Zusammenarbeit mit den Fundamentalisten des Iran und anderen
Staaten der muslimischen Welt.
Nach dieser Einschätzung könnte die so sehr gepriesene Fehde zwiwchen den Armeiern und
Aserbeidschanern türkischer Abstammung in Nagorno-Karabach ein taktischer Trick zur
Verwicklung der Türkei, des Iran und anderer muslimischer Länder im Sinne eines eventuellen
Bündnisses mit Aserbeidschan und anderen zentralasiatischen Muslimstaaten innerhalb der GUS
sein. Diese Strategie berücksichtigt die wachsende Macht der Fundamentalisten und die
Möglichkeit, daß sie die Kontrolle über beträchtliche Ölquellen erlangen könnten.
Eines der strategischen Hauptziele ist die Begründung einer Partnerschaft mit den
Fundamentalisten im Iran und Algerien, und der Austausch der gegenwärtig proamerikanischen
Herrscher Saudi-Arabiens durch Fundamentalisten. Die Einrichtung einer russischen Botschaft in
Saudi-Arabien und wahrscheinliche Einrichtung von Botschaften der Muslimstaaten der GUS
muß nicht nur als Versuch zur Beschaffung einiger Extramilliarden aus Saudi-Arabien, sondern
als Teil der Offensive gesehen werden, in diesem Land eine politische Neuorientierung zu
erreichen.
Auch von den chinesischen Muslimen kann erwartet werden, daß sie eine aktive Rolle bei der
Förderung von Bündnissen mit den Fundamentalisten spielen werden. Die Lieferung von Raketen
durch die Chinesen sollte im Zusammenhang mit dieser Strategie gesehen werden.
 Die dritte Strategie dient der Herbeiführung einer Verlagerung des
aufkommenden Regimes in Südafrika von der westlichen Einflußsphäre zu enger
wirtschaftlicher und politischer Zusammenarbeit sowie eines Bündnisses mit der

202
GUS, wobei man sich des Mittels der alten Freundschaften zwischen den Führern
des Afrikanischen Nationalkongresses und der südafrikanischen
Kommunistischen Partei bedienen wird, die inzwischen miteinander
verschmolzuen sind. Es ist zu erwarten, daß deie Offensive zur Herbeiführung einer solchen
Partnerschaft aktiver und deutlicher als je zuvor hervortreten wird, nachdem sich die "Reformen"
in der GUS und in Südafrika stabilisiert haben.
 Die vierte Strategie betrifft den Einsatz und die Manipulation der Veränderungen in der
ehemaligen Sowjetunion, um auf längere Sicht radikale Veränderungen der Beziehungen
zwischen den USA und Israel, in der Machtstruktur in Israel und bei Israels Position im Mittleren
Osten herbeizuführen, indem man die Weltöffentlichkeit gegen Israel aufbringt.

Die Tatsache, daß die neuen Führer Rußlands den Abzug der Sowjettruppen aus Deutschland, den
Baltenstaaten und Polen versprochen haben und auf einer Sieben-Jahres-Frist zur Reduzierung
der strategischen Waffen bei Abrüstungsverhandlungen mit den USA bestanden haben, sind
Anzeichen dafür, daß die russichen Strategen ihren eigenen Fahrplan haben. Mit den
optimistischen Erwartungen der westlichen Beobachter hat dies absolut nicht zu tun, sondern
mit der sowjetischen Einschätzung des benötigten Zeitraumes, um die vorbezeichneten Strategien
in die Praxis umzusetzen. Die Möglichkeit, daß die USA in diesem Zeitraum wertvolle Verbündete
verlieren werden, ist keineswegs neu. Internationale Beziehungen sind nicht auf Dauer angelegt.
Die Amerikaner haben diese Erfahrungen vor noch gar nicht langer Zeit gemacht, als sie plötzlich
den Iran verloren.
Die Verwundbarkeit der USA ergibt sich aus der Tatsache, daß ihre grundsätzliche
Einstellung, Einschätzung und Wahrnehmung über die gegenwärtigen und zukünftigen Vorgänge
in Rußland und der GUS falsch sind. Wo die USA goldene Möglichkeiten zu sehen glauben, sieht
sie sich in Wirklichkeit Fallen gegenüber, die für sie von den sowjetischen Strategen aufgestellt
worden sind. Die Auswirkungen der erfolgreichen Durchführung dieser Strategien werden
katastrophal sein.
Der Verlust langjäheriger Verbündeter, wie auch der Verlust von Ölreserven nach dem
gleichermaßen katastrophalen Verlust von Südafrika, würde zum Wiederauftauchen der GUSA
und Chinas als starke Gegner ebenso führen, wie zu einer "unumkehrbaren" Verlagerung der
Weltmacht zu ihren Gunsten. Die USA würden geschwächt und gespalten sein, und der Druck der
GUS und Chinas auf die USA in Richtung Annäherung nach chinesisch-russischen Bedingungen
würde sich beständig verstärken.

DER GEFÄHRLICHE RAT VON RICHARD NIXON


In diesem Kontext bedarf es einiger Anmerkungen zur Kritik des ehenaligen US-Präsidenten
Richard Nixon an Präsident Bush, daß die Rußland geleistete Hilfe ungenügend sei, und massive
Wirtschaftshilfe und technische Unterstützung in der Größenordnung eines neuen "Marshall-
Planes" für die GUS erheblich auszuweiten sei. Nixon warf der gegenwärtigen Administration

203
vor, eine historische Chance zu verpassen, um Jelzin zu helfen, und Rußland in eine Demokratie
umzuwandeln. Dieser Analytiker glaubt, daß Nixons Rat völlig falsch und schädlich für die vitalen
Interessen der USA ist, und zwar aus drei Gründen:

(1) Richard Nixon fehlt jedes Verständnis der wahren Natur und Bedeutung der Veränderungen
in der ehemaligen Sowjetunion. Er läßt läßt den kalkulierten Ursprung der neuen Realitäten in
Rußland völlig unbeachtet. Er erkenntn icht, daß "Perestroika" und die Einführung einer Quasi-
Demokratie und eines begrenzten Kapitalismus entlang den Vorgaben von Lenins Neuer
Wirtschaftspolitik innerhalb des Rahmenwerks der Langzeitstrategie erfolgen, die von den
sowjetischen und chinesischen Führern in den Jahren 1958 bis 1960 entwickelt und übernommen
worden ist.
(2) Nixon setzt ein zu großes Vertrauen in die ehemaligen kommunistischen Führer und in ihre
plötzliche Bekehrung zu "Demokraten," "nichtkommunisten" und "Unabhängigen." Er ist sich
nicht darüber bewußt, daß es sich um eine taktische Bekehrung entlang den
Vorgaben Lenins an die Kommunisten handelt, die linken und revolutionären
aufzugeben, und sich zur Erreichung der strategichen Ziele ein rechtes,
opportunistisches Erscheinungsbild zuzulegen.
(3) Nixon ignoriert die geopolitischen strategischen Muster der gegenwöärtigen Führer von GUS
und Chinas, die auf die Schwächung der USA abzielen, um eine Annäherung beider Systeme zu
erreichen. Und noch bedeutsamer, er versteht die treibenden Kräfte in der Struktur der GUS
völlig falsch. Folgte man seinem Rat nach Gewährung massiver Hilfe für die GUS, hätte dies das
Gegenteil dessen zur Folge, was beabsichtigt war. Eine solche Hilfe wird Rußland nicht in eine
Demokratie umwandeln, und wird den dortigen Despotismus nicht beseitigen. Aber es wird ei
Umwandlung Rußlands und der GUS zu machtvolleren Gegnern der USA bewirken, und die
Wiederaufnahme der alten ideologischen Feindschaft gegen echte amerikanische Demokratie und
Kapitalismus zur Folge haben. Es wird den Führern der GUS und des kommunistischen Chinas
ermöglicht werden, die Geschwindigkeit, mit der sie ihre aggressiven Strategien gegen die USA
und deren gegenwärtigeVerbündeter voranbringen, zu beschleunigen. Außerdem werden
westentliche Teile der zur Verfügung gestellten Finanzmittel umgeleitet und in Geheimfonds
eingezahlt werden, die der Finanzierung der nachrichtendienstlichen Betätigung dienen.
Hier in den Vereinigten Staaten von Amerika wird die Ansicht Richard Nixons hoch geschätzt.
Aber es ist wichtiger in betracht zu ziehen, wie die Führer der GUS Herrn Nixon und seine
Metamorphose von einem überzeugten Antikommunisten in einen starken Förderer von
Gorbatschow, Jelzin und "Perestroika" wie auch seinen Rat für massive Wirtschaftshilfe für
Rußland sehen. Die Frage wurde dem russischen Botschafter von einem westlichen Journalisten
diplomatisch verpackt vorgelegt. Es war interessant, die Reaktion und Antwort des Botschafters
auf dem Fernsehschirm zu beobachten. Nach der Meinung dieses Analytikers kann kein Zweifel
daran bestehen, daß die Führer der GUS die Bekehrung Nixons im Lichte des von Lenin erteilten
Ratschlags für den Umgang mit westlichen Politikern sehen.

204
Lenin hatte die westlichen Politiker in zwei Kategorien eingeteilt: Jene, die klug
und überzeugte Antikommunisten waren, mit denen man sich ernsthaft
beschäftigen und sie konfrontieren muß, und jene, die verwirrt und "nützliche
Idioten" sind, die man vollauf für die eigenen Ziele einspannen kann.
Da sich die sowjetische Langzeitstrategie und deren Endphase "Perestroika" auf Lenins
Erfahrungen mit der "Neuen Wirtschaftspolitik" stützt, ist es nur natürlich, daß die
nachfolgenden Kommunistenführer Nixon durch die Brille Lenins sehen. Als Richard Nixon im
Jahre 1959 noch eine streng antikommunistische Haltung einnahm, wurde er von Chruschtschow,
der als Urheber der Langzeitstrategie gilt, mit der beabsichtigt wird, den Kapitalismus in den USA
zu beerdigen, durch den Washingtoner Sowjetbotschafter nach Moskau eingeladen und ernst
genommen – das heißt, er ging auf ihn ein – indem er Nixons Ansichten über den Kommunismus
mit ihm diskutierte. Auch Breschnew nahm Nixon gleichermaßen ernst, indem er ihn gleichzeitig
mit den SALT-Abrüstungsverhandlungen beschäftigt hielt, während er ihn in Vietnam bekämpfte,
um dann mit Nixon das Abkommen über Vietnam abzuschließen, das letztendlich zur dortigen
Niederlage der USA führte. Während des Amtenthebungsverfahrens machten sich sowjetische
Vertereter über Nixon lustig. Nach Angaben eines amerikanischen Reporters fragten sie ihn mit
offensichtlichem Sarkasmus: "Was macht ihre mit unserem Nixon?" Heute, da Nixon zu einem
glühenden Verfechter der Interessen Jelzins geworden ist, der sich für einen "Marschall-Plan" für
die GUS einsetzt, müssen sich die Sowjetführer totlachen und sich an Lenins Phrase übver die
"Nützlichen Idioten" erinnern – während sie gleichzeitig die Vorteile aus Nixons Unterstüzung für
ihre Politik der Täuschung in Anspruch nehmen.

DAS DENKVERMÖGEN WIEDERERLANGEN


Die US-Nachrichtendienste sollten gegenüber Anzeichen für die Durchsetzung der geopolitischen
Strategien der GUS und ihrer Mitgliedstaaten aufmerksam sein, um die politisch
Verantwortlichen rechtzeitig warnen zu können. Um erfolgreich zu sein, müssen diese Dienste
sich zunöchst einmal von der oberflächlichen Lagebeurteilung ignoranter Fernsehkommentatoren
trennen, die alles, was von GUS-Vertretern behauptet wird für erwiesene Tatsachen halten. Sie
müssen den Schwerpunkt ihrer Informationssuche auf verläßliche menschliche Intelligenz legen,
auf die realen strategichen Absichten und Handlungen der GUS achten und die Entwicklung im
Sinne der oben beschriebenen geopolitischen Strategien bewerten.
Der "reformierte" KGB ist aktiv und seine nachrichtendienstliche Offensive gegen den Westen
wird unverändert fortgesetzt. In der Tat sind die politischen und operationamäßigen Fähigkeiten
erweitert worden. Anstatt des bekannten eionheitlichen KGB stehen dem Westen jetzt fünfzehn
KGBs gegenüber, die nicht nur ihre Namen verändert, sondern auch einen neuen modus
operandi – oder, um Lenin zu zitieren, "eine neue Arbeitsweise" übernommen.
Die Analytiker der Central Intelligence Agency müssen sich die Frage stellen, warum, wenn
der Kommunismut wirklich tot ist, die UdSSR sich wirklich aufgelöst hat und das
kommunistische wirklich Staatsschiff sinkt, es bisher keine Welle von hochrangigen Überläufern

205
gegeben hat, die vergleichbar oder größer ist als das, was sich nach dem Tod Stalins im Jahre 1953
ereignete.
Hochranige Überläufer wären nicht nur aus den Nachrichten- und Sicherheitsidensten zu
erwarten gewesen, sondern auch von den Streitkräften, der Bürokratie des Zentralkommitees,
dem dipolomatischen Dienst und Arbatovs Institut zum Studium der USA und Kanadas. Das
bisherige Fehlen dieser hochrangigen Überläufer weist darauf hin, daß der
ehemalige sowjetische Staatsapparat erfolgreich in einen "Volksstaat"
umgewandelt worden ist, wie er er auf dem 22. Parteikongreß vom Oktober-
November 1961 beschlossen wurde.
Die Streitkräfte der GUS sind nach wie vor eine beachtliche Macht mit nuklearen Kapazitäten
und ihren Politkommissaren. Die USA sollten wachsam bleiben und ihre militärische Stärke
beibehalten, denn die grundsätzliche Einschätzung der Militärstrategien Rußlands und Chinas
werden sich als mangelhalft, wenn nicht sogar falsch erweisen. Die USA sollten den Rat Richard
Nixons ignorieren und jede Form von wirtschaftlicher und technologischer Unterstützung
Rußlands, der GUS und Chinas ablehnen. Sie sollten ihre Verbündeten, wie Japan, Deutschland
und Frankreich vor solchen Beteiligungen warnen. Sie müssen sich auf die unmittelbarne
Probleme konzentrieren, von denen das Land betroffen ist und geeignet sind, seine Stärke zu
unterminieren.
Mit dem Ausland sollte eine aktive Außenpolitik verfolgt werden, um die Führungsposition in
der Welt zu bewahren und seine Bündnisse zu stärken. Aber damit alles das möglich wird, müssen
die USA zuerst ihre naiven Illusionen über das Wesen der Veränderungen in der "Ex"-
Sowjetunion [GUS] korrigieren. Es muß klar erkannt werden, daß die dortige Demokratisierung
nicht echt ist, und daß sich die fundamentale Einstellung des Gegners in keiner Weise geändert
hat: Lediglich seine Strategien und Taktiken haben sich sich insofern geändert, daß sie
ausgefeilter, realistischer und gefährlicher geworden sind.
Lediglich dann, wenn die USA das kalkulierte Wesen der Veränderungen und die dahinter
stehende leninistische Strategie erkannt haben, werden sie die verstehen, daß die Finanzierung
der wirtschaftlichen Wiederbelebung des gegenewärtigen russischen/GUS-Systems die Strategen
in die Lage versetzt, ihre Ziele im Sinne der Herbeiführung einer unumkehrbaren Verlagerung des
Gleichgewichts der Machtverhältnisse und einer letztendlichen Anäherung an den Westen, noch
wesentlich schneller zu erreichen.
Diese "Annäherung" wird nicht nach westlichen Vorstellungen erfolgen – wie elitäre westliche
Globalisten es sich vorstellen – sondern nach den Bedingungen, die von den leninistischen
Planern beabsichtigt sind. Die sich daraus entwickelnde "Eine Welt" wird eine marxistisch-
leninistisch-gramscisch-kommujnistische Welt sein – wohl kamu das, was die westlichen
Kollaborateure errichtet sehen möchten. 

206
Memorandum an die CIA: 28. September 1992

Zur Vorlage beim Direktor der Central Intelligence

VORSCHLAG FÜR EINE STUDIE ÜBER DIE ABSICHTEN DES "NEUEN"


RUSSLANDS IM LICHTE DER POLITISCHEN STRATEGIE DER "ZWEITEN
OKTOBER-REVOLUTION ["WELTOKTOBER"]

In vorangegangenen Memoranden an die Central Intelligence Agency habe ich die strategischen und
politischen Absichten der neuen russischen Führer erläutert: Ich habe Lageeinschätzungen gegeben
und Voraussagen getroffen, zu denen ich auch jetzt noch stehe. Jetzt schlage ich vor, daß die CIA ihre
Prioritäten auf den Wirtschaftssektor verlagern sollte.
Ich stimme dem zu, daß die CIA sich um wirtschaftliche Probleme kümmern sollten,
vorausgesetzt, daß die strategischen wirtschaftlichen Absichten der neuen russischen Führer im Auge
behalten werden.
Nach meiner Auffassung sollte die CIA die Möglichkeit der Erstellung einer Studie über die
russischen strategischen Absichten und ihr Schema im Bereich der Wirtschaft prüfen, wobei die
politische Strategie der "Annäherung," wie sie für die "Zweite Oktober-Revolution" ins Auge gefaßt
wurde zu berücksichtigen wäre. Die Führer des neuen Rußlands und der anderen ehemaligen
Sowjetrepubliken sind fest davon überzeugt, daß die Gruppe der sieben Industrienationen entweder
ihre natürlichen Ressourcen erschöpfen werden, wie es in den USA der Fall ist, oder es ihnen daran
mangelt, wie im Falle Japans. Sie gehen davon aus, daß die Ressourcen Rußlands und der anderen
Republiken noch weitgehend unangetastet sind.
Ihre Schlußfolgerung lautet daher, wenn sie aus der Gruppe der Sieben genügend Kapital und
technologische Investitionen zur Entwicklung ihrer Bodenschätze ziehen können, werden sie in der
Lage sein, dem Rest der Welt im 21. Jahrhundert eine "Pax Rußland" aufzuzwingen, die ihnen dabei
behilflich gewesen ist den politischen Sieg der "Zweiten Oktober-Revolution" über den
kapitalistischen Westen zu erringen.
Ich empfehle der CIA dringen, einige seiner reichlich virhandenen Quellen einzusetzen, um
die Gültigkeit dieser These überprüfen zu lassen. 

207
Memorandum an die CIA: Februar 1993

Zur Vorlage bei: James Woolsey, Direktor der Central Intelligence Ageny

DIE BEDEUTUNG DES STRATEGISCHEN FAKTORS BEI DER EINSCHÄTZUNG


DER ENTWICKLUNG IN RUSSLAND UND DEM KOMMUNISTISCHEN CHINA

Ich bin ein KGB-Überläuufer, der im Jahre 1961 in die USA kam, um der US-Regierung eine
Warnung über die sowjetische Langzeitstrategie mit dem Ziel der Niederlage der USA
zu überbringen. Im Oktober 1964 gab ich Mr. McCone, damals Direktor der CIA, einen Überblick
über den vom ehemaligen KGB-Vorsitzenden Shelepin abgelieferten Bericht auf einer KGB-
Konferenz von 1959. In diesem Bericht ist die Forderung nach einer KGB-
kontrollierten "Opposition" in der Sowjetunion als unverzichtbarer Bestandteil der
Strategie enthalten, die zu einer zukünftigen Liberalisierung des Regimes führen
sollte.
Ab 1963 habe ich vorgetragen, daß die so öffentlichkeitswirksam ausgetragenen
chinesisch-russischen Differenzen dazu dienten, eine gemeinsame chiesisch-russische
Strategie zu verdecken. Mit anderen Worten: Die angebliche "Spaltung" war eine
gemeinsame strategische Desinformations-Operation, die der Täuschung des Westens
diente. Zwiwchen 1963 und 1969 wurden meine Ansichten über die "Trennung"
innerhalb der CIA diskutiert. Ich habe Grund zu der Annahme, daß Informationen
über diese interne Debatte innerhalb der CIA an den KGB gegeben wurde, der sie an
die Sowjetführung weiterleitete. Das Ergebnis waren drastische Interventionen der
sowjetischen Führung, die dazu führten, daß die Debatte innerhalb der CIA zu Gunsten
der Sowjets entschieden wurde.
In Zusammenarbeit mit ihren chinesischen Verbündeten, organisierten die Sowjets 1969 ein
Theater militärischer Feindseligkeiten an der fernöstlichen Grenze, die den echten Feinseligkeiten
zwischen den Sowjets und Japanern in der Region aus dem Jahre 1938 entsprachen. Auf der
Grundlage der von den US-Überwachunhssatelliten gelieferten Daten akzeptierten die CIA-Experten
die Feindseligkeiten als Faktumt und als schlüssigen Beweis für die Echtheit des Bruchs zwischen der
Sowjetunion und China.
Ich habe vorgetragen, daß über Satelliten gewonnene Informationen allein keinerlei Aufschluß
über strategische Absichten und Überlegungen liefern können, die hinter diesem vermeintlichen
Miltärkonflikt am Boden stehen. Nur geheime nachrichtendienstliche Tätigkeit zuverlässiger Quellen
am Boden wären in der Lage, dien tatschlichen Vorgänge aufzudecken. Damals hatte die CIA durch

208
massive KGB-Infiltration ihre verläßlichen Agenten verloren und war nicht in der Lage, sie zu
ersetzen: Folglich war die CIA blind. Die verantwortlichen US-Politiker akzeptierten den "Bruch" als
echt und glaubten, daß die USA und die Sowkjetunion jetzt gemeinsame Interessen bei der
Konfrontation mit der wachsenden Gefahr eines mit Atomwaffen ausgerüsteten stalinistischen
kommunistischen Regimes in China hätten. Vor diesem Hintergrund traten die USA im Jahre 1969 in
die SALT-Abrüstungsverhandlungen mit der UdSSR ein, um sich dann im Jahre 1971 der
Entspannungspolitik mit den chinesischen Kommunistenführern zu widmen.
Der vermeintliche Konflikt an der chinesisch-russischen Grenze, und die versuchte
Liberalisierung der Tschechoslowakei von 1968, verzögerten die Fertigstellung meines Buches "Neue
Lügen für Alte," das der CIA in den 1980er Jahren mit dem Antrag auf Freigabe vorgelegt, und 1984
veröffentlicht worden war. Die Verzögerung bewirkte keine Änderung meiner These, daß der
Liberalisierungsversuch in der Tschechoslowakei eine Generalprobe für die kommende politische und
wirtschaftliche Liberalisierung des Systems in der UdSSR und dem Kommunistischen Block insgesamt
gewesen ist. In "Neue Lügen für Alte" habe ich vorausgesagt, daß diese Liberalisierung in der UdSSR
mit der Einführung einer KGB-kontrollierten politischen "Opposition," dem Fall der Berliner Mauer
und der Wiedervereinigung Deutschland einhergehen werde. Außerdem habe ich prognostiziert, daß
der Westen diese Entwicklung bedenkenlos für echt halten wird. Meine Voraussagen waren
zutreffend. Wichtiger ist jedoch die Tatsache, daß sie zutreffend waren, weil sie sich
auf meine Kenntnisse über die sowjetische politische Strategie stützten.
Über viele Jahre bis in die jüngste Vergangenheit, habe ich den wechselnden CIA-Direktoren
meine Memoranden zugeleitet, in denen ich danach trachtete, diese Strategie aufzudecken und zu
erläutern: Die wahre Bedeutung der wirtschaftlichen und politischen Reform des Sowjetsystems und
die Rolle des KGB bei der Schaffung einer kontrollierten politischen Opposition innerhalb des
Systems. Ich habe auch versucht, die wichtige Rolle der Desinformation im Rahmen der Strategie
darzustellen. In meinen Memoranden habe ich deutlich gemacht, daß eine Fülle von Informationen
nicht zwangsläufig zum Verständnis führt. Ab Ende der 1950er Jahre haben die westlichen
Nachrichtendienste die Fähigkeit zur korrekten Interpretation der kommunistischen,
und insbesondere sowjetischen Entwicklungen verloren, weil sie gegenüber der
dahinter stehenden politischen Langzeitstrategie, gestützt auf Desinformation,
ignorant gewesen sind. Die CIA war nicht informiert, weil sie ihren damaligen Spitzenagenten im
sowejetischen militärischen Nachrichtendienst [GRU], Oberstleutnant Popov, verloren hatte, der
durch den KGB-Provokateur Penkovsky ersetzt wurde.
In den 1960er und 1970er Jahren wurde der Mangel an Verständnis für die sowjetische
politische Strategie durch die Tatsache überlagert, daß die USA mit der Aufrüstung der UdSSR
mithielten und über ein starkes Abschreckungspotenzial verfügten. Aber der Mangel an
Verständnis wurde offensichtlich, als die "Perestroika"-Reformen, die das Ergebnis
von mehr als fünfundzanzig Jahren Vorbereitungszeit waren, den Westen übrraschten
und von dort blind als den Beginn einer Demokratie nach westlichem Vorbild, und
einem echten System der Marktwirtschaft in Rußland angenommen wurde, das

209
politische Unterstützung des Westens ebenso verdiente, wie massive Wirtschaftshilfe.
Es gibt zwei Ansätze zum Studium der Entwicklungen in der ehemaligen Sowjetunion und dem
kommunistischen China. Die eine Möglichkeit entspricht der Haltung des einfachen Mannes, der
unkritisch alles aufnimmt, was er im Fernsehen und in der Presse, in offiziellen russischen
Erklärungen und symbolischen Zurschaustellungen, wie die Entfernung ausgewählter Monumente
von Lenin und Dzerzhinskiy, und leere Regale in Moskauer Geschäften, vorgesetzt bekommt. Auf
Grund dieser völlig unfundierten Informationen zieht er die weitrechende Schlußfolgerung: Die
Russen verhungerten, der Komunismus sei zusammengebriochen, die UdSSR sie in Auflösunbg
begriffen, die Kommunistische Partei sei verboten worden, der "Kalte Krieg" beendet, und
schgließlich, daß der Bürgerkrieg in der ehemaligen UdSSR bereits hinter der nächsten Ecke warte. Er
interpretiert die Reformen in Rußland, über die er durch die Medien erfährt, als das sponmtane
Ergtebnis echten politischen Drucks und entwickelt folglich viel zu optimistische Erwartungen für die
Zukunft der Demokratie in Rußland.
Leider ist es dieser Ansatz des einfachen Bürgers, der die Denkweise der westlichen Politiker
beherrscht. Die alte Generation der skeptischen Kreml-Experten ist ausgestorben. Ihre Nachfolger,
denen jede eigene Kenntnis und Einsicht fehlt, plappern gedankenlos die Desinformation nach, die sie
dem Mahlstrom der Fernsehinterview, gestellten Fernsehspektakeln und Presseveröffentlichungen
entnehmen. Das Ergebnis sind Euphorie, unrealistische Erwartungen und unbegründete Reaktionen,
wie jene, die in dem kürzlichen Aufruf von Ex-Präsident Nixon zu massiver Wirtschaftshilfe für
Rußland zu finden sind.
Der alternative Ansatz ist das Studium der kommunistischen Langzeitstrategie
aus den Jahren 1958 bis 1960, um die volle Bedeutung des Übergangs von der
"Diktatur des Proletariats" zum "Volksstaat," den die russische "Sozialistische Gesellschaft"
geschaffen hat.
Vor diesem dokumentierten Hintergrund politischer und wirtschaftlicher Reformen und
"Demokratisierung" in Rußland, kann das über fünfundzwanzig Jahre geplante und vorbereitete
Produkt und die Generalproben in der UdSSR und Osteuropa, erkannt werden. Die "ex"-
kommunistischen "Reformen" und ihr Stil von "Demokratie," sind Merkwürdigkeiten in sich selbst.
Der "Volksstaat" ist in Wahrheit die angepaßte Anwendung der Vorstellungen Lenins von einem
"verdorrenden" Staat (der bereits sein Augenmerk auf den Zeitpunkt der Einrichtung einer
Weltregierung gerichtet hat), und dessen Ersatz durch soziale Massenorganisationen.
"Glasnost" und "Demokratisierung" sind beide nicht echt. Die Amerikaner beweisen lediglich
ihre Naivität, wenn sie eine ehrliche Antwort von den Russen erwarten. Beispielsweise auf die Frage,
ob Alger Hiss ein Sowjetagent gewesen ist. Für die betroffenen Familien ist die Frage des Schicksals
der in Rußland vermißten Soldaten von brennendem Interesse. Aber das ist nicht genug.
Bevor er sich noch weiter auf eine politische und militärische Partnerschaft mit Rußland
einläßt, sollte der US-Kongreß von den russischen Führern ein umfassendes, offenes Eingeständnis
und eine öffentliche Erklärung über die Tatsache verlangen, daß ihre Amtsvorgänger mehr als zwanzig
Millionen Russen, Ukrainer, Belorussen, Moldavier, Litauer, Lettländer, Estländer, Junden und

210
andere ermordet haben. Außerdem sollte der US-Kongreß die Antwort auf die Frage verlangen,
wieviele Geheimagenten sich unter den sogenannten "Demokraten" in Rußland und Osteuropa
befinden.
Der Mangel an Offenheit und öffentlicher Debatte über diese und andere
fundamentale Angelegenheiten in Rußland, läßt erkennen, daß "Glasnost,"
"Demokratisierung", die Entfernung von Monumenten und der angeblichen Auflösung
der Kommunistischen Partei nichts anderes als kosmetische Veränderungen sind. Ohne
freie und offene Debatten, kann es eine echte Oppositon nicht geben, die geeignet wäre, die
gegenwärtige "Pseudo-Opposition" zu ersetzen. Ohne als die wahren Erben des Kommunismus – die
sie sind - bloßgestellt zu werden, behalten die Sowjetstrategen die Oberhand und mesmerisieren den
Westen zu weiterer Hilfe und Unterstützung. Auf lange Sicht ist von diesem System nichts Gutes zu
erwarten. Nach der Stabilisierung der wirtschaftlichen Situation, kann von den Russen erwartet
werden, daß sie sich gegenüber dem Westen wieder feindselig verhalten werden: Der westliche Glaube
an den Zusammenbruch des Kommunimsus wird sich dann als Illusdion erweisen.
Die Sowjetstrategen haben ihr System reformiert, ihren eigenen Typ von Pseudo-Demokratie
eingebracht und wirtschaftliche Veränderungen herbeigeführt. Sie haben die überholte und
diskreditierte Domanz der Kommunistischen Partei durch eine neue, politische Struktur der
kontrollierten politischen Massen ersetzt. Hierdurch war es ihnen möglich, dieselben politische Elite,
dieselbe Armee mit ihren Politkommissaren, grundsätzlich dieselben Nachrichten- und
Sicherheitsdienste, sowie andere Elemente des ehemaligen Sowjetsystems beizubehalten.
Beispielsweise das Arbatov-Insitut zum Studium Amerikas und Kanadas und die anderen
Schlüsselinstitutionen, wie das Europa-Institut, das unter der Aufsicht der Akademie der
Wissenschaften arbeitet.
Die politische Elite besteht auch weiterhin unverändert aus den 25 Millionen
"ehemaligen" Kommunisten und 50 Millionen Jungkommunisten, die das aktivste
politische Element in Rußland und den "unabhängigen" Staaten stellen und
unverändert über ihr gesamtes Machtpotenzial verfügen. Diese Elite schafft,
durchdringt und lenkt die neuen Parteien und Oppositionsgruppen, sogar die
antisemitischen Gruppen, in Übereinstimmung mit den Erfordernissen der Strategie.
Die Elite wird durch zahlreiche Regierungs- und halbamtliche Kanäle gelenkt. Der
"Refomrierte" KGB und seine Agenten bleiben aktiv, insbesondere in empfindlichen Bereichen,
Beispielsweise bei antisemitischen Operationen, wo sie die Erfahrungen der Geheimpolizei aus der
Zeit des zaristischen und stalinistischen Regimes einbringen. Die politische Elite hält den
Kommuniswmus keineswegs für geschlagen. Im Gegenteil. Sie betrachten "Reformen"
und "Demokratisierung" als Mittel zur Durchführung ihrer Langzeitstrategie der
Annäherung mit dem Weste,n und für den Sieg über den Westen.
Die US-Nachrichtendienste scheinen die Moral der russischen Armee und ihrer Generäle
erheblich zu unterschätzen. Meine Beobachtung ihres Auftretens läßt eher erkennen, daß ihre Moral
außerordentlich hoch ist. Sie wurden weder politisch, noch militärisch geschlagen. Im Gegenteil, sie

211
gewinnen die strategische Schlacht gegen die USA und Westeuropa durch politische Mittel und der
Finanzhilfe aus westlichen Quellen. Dies macht ihren Politkommissaren die Aufgabe leicht. Zweifellos
werden sie mehr als genug Atomwaffen beibehalten, um sicherzustellen, daß sich die GUS/Rußland
auch in Zukunft als Supermacht qualifizieren.
Die USA verstehen die Entwicklung in Rußland nicht, aber Arbatov und die Mitarbeiter seines
Instituts besitzen ein hervorragendes Verständnis von den Entwicklungen in den USA. Darum haben
sie den sogenannten Zusammenbruch des Kommunismus überlebt. Arbatov zählt zu den führenden
Strategen und Hauptberatern der russischen Führung. Sein selbsterklärtes Ziel ist die Auslöschung
des Bildes, das Rußland als eine Macht darstellt, die den USA feindlich gesonnen ist. Die kürzliche
Übergabe von Mikrophonen aus dem Gebäude der Moskauer US-Botschaft an den US-Botschafter
erfolgte aus demselben Motiv.
Und dennoch gibt es keine echte, fundierte politische Opposition in Rußland und keinerlei
Fundament, auf das sich eine echte Opposition aufbauen könnte. Die vermeintliche Opposition dient
allein der Manipulation derWahrnehmung und der Reaktionen echter Demokraten im Westen. Der
Westen ist nicht in der Lage, die Mentalität der russischen Führer zu verstehen und überschätzt deren
Bereitschaft zur Selbstreform. Sie haben dieselbe Mentalität wie ihre Vorgänger, von denen die
gegenwärtige Langzeitstrategie entwickelt und übernommen wurde. Es waren jene Leute, die nicht
nur den CIA-Agenten Popov exekutierten, sondern einen Film über seine Verbrennung bei lebendigem
Leibe drehten, der jungen Offozieren vorgeführt wurde, um sie davon abzuhalten, dem Beispiel
Popovs zu folgen.
Hinter der Maske der diplomatischen und politischen Zusammenarbeit und Partnerschaft mit den
USA und Westeuropa, folgen die gegenwärtigen russischen Führer der Strategie ihrer Vorgänger und
arbeiten auf die "Neue Weltordnung" hin.
Wenn der richtige Augenblick gekommen ist, werden sie die Maske fallen lassen
und die Russen werden mit Hilfe der Chinesen danach trachten, dem Westen ihr
System nach ihren eigenen Bedingungen als Höhepunkt der "Zweiten Sozialistischen
Oktober-Revolution" aufzuzwingen.
Unter diesem Gesichtspunkt ist es einfach zu verstehen, warum die Russen weder ihre
militärische Macht, noch ihre Politkommissare aufgegeben haben, warum russische Truppen noch
immer in Ostdeutschland, Polen und den Baltischen Staaten stationiert sind, warum es die Russen
nicht eilig damit haben, bedeutsame militärische Abkommen mit den USA auszuhandeln, warum die
"reformierten" Sicherheits- und Nachrichtendienste ihre Aktivitäten aufrecht erhalten, warum sich die
Macht noch immer in den Händen von "Ex"-Kommunisten befindet, warum die führenden
Sowjetstrategen, wie Arbatov und Yakovlev ihren Einfluß weiter ausüben, und warum die sogenannten
"demokratischen" Führer Rußlands enge Beziehungen zu den kommunistischen Chinesen
unterhalten.
In der Vergangenheit, als man die UdSSR für einen Monolithen hielt, und die
parlamentarischen Institutionen lediglich symbolischen Charakter hatten, würden die
Verhandlungstaktiken der Sowjets gegenüber dem Wsesten mehr oder weniger verstanden. Heute

212
versteht man sie nicht mehr. Die Einführung einer kontrollierten politischen Opposition und die
neuen Strukturen der GUS mit ihren sogenannten "unabhängigen" Staaten, wie Ukraine, Kasachstan
und Belorußland, bieten viele neue Möglichkeiten zur Stärkung der russischen Verhandlungsposition
durch Desinformation. Die russischen Verhandlungsführer sind ihren amerikanischen
Verhandlungspartnern überlegen, weil ihre Schachzüge auf der Grundlage einer politischen Strategie
geplant sind, und ihre täuschenden Verhandlungstechniken von den Amerikanern nicht erkannt und
verstanden werden.
Die Bush-Administration, mit dem Blick auf die [zukünftige] Geschichte gerichtet, beeilte sich die
letzten Phasen der Verhandlungen zur nuklearen Rüstungsbegrenzung in leichtfertiger Weise zum
Abschluß zu bringen. Verhandlungen, die von den Russen vorsätzlich bis zum Ende der Amtszeit der
gegenwärtigen Administration hinausgezögert worden waren. Gegenüber den langfristigen russischen
Absichten völlig ignorant, vertraut die Bush-Administration auf Jelzin und machte, so ein
hochrangiger amerikanischer Beamter, bemerkenswerte Zugeständnisse. Diese Zugeständisse wurden
mit dem Wunsch begründet, "Jelzin die Verteidigung des Abkommens gegenüber jeglicher Kritik zu
ermöglichen," weil man fälschlicher Weise davon ausging, Jelzin stünde unter Druck von Seiten der
"Konservativen." In Wahrheit verhält es sich so, dáß die "konservative Opposition" durch die
politische Elite mit Jelzin und seinen Strategen koordiniert wird. Die Aktivitäten der "Konservativen"
können erhöht oder herabgesetzt werden, entsprechend den Bedürfnissen der Unterhändler. Auf
ähnliche Weise können vermeintliche Differenzen im Ukrainischen und anderen Parlamenten zur
Beschleunigung oder Verzögerung der Ratifizierung benutzt werden, um den Amerikanern weitere
Konzessionen abzuringen. Durch die Unterzeichnung des Abkommens mit der scheidenden US-
Administration, haben sich die Russen die Grundlage geschaffen, um die neue Administration zur
Weiterförderung des Prozesses ztu zwingen.
Die Vereinigten Staaten von Amerika verstehen den wahren Charakter der Beziehungen
zwischen den russischen und chinesischen Kommunistenführern nicht. Washington glaubt, daß es in
den 1980er Jahren zu einer echten Verbesserung der Beziehungen den Chinesen und Gorbatschow
und Jelzin gekomen ist. Ich sehe diese Kontakte als Beweis dafür, daß "Perewstroika" in Rußland die
Chinesen keineswegs überrascht hat, und daß sie ein umfassendes Verständnis von den dahinter
stehenden Realitäten haben, und ihre strategische Zusammenarbeit mit den Russen weitergeführt
wird, wie es seit Ende der 1950er Jahre der Fall gewesen ist. Jetzt allerdings mit der offenen
Bekundung ihrer guten Beziehungen. Die USA werten den Verkauf ganzer Fabriken und neuer
Waffensysteme durch Rußland an China als zwingende Notwendigkeit als Mittel zur Erleichterung der
gegenwärtigen wirtschaftlichen Schwierigkeiten Rußlands. Nach meiner Auffassung handelt es sich
hingegen um einem vorsätzlichen Transfer fortschrittlicher Technologie an einen alten und
vertrauenswürdigen Verbündeten.
Amerikanische Beamte zählen die Anzahl der Raketen, aber es mangelt ihnen am Verständnis
über die fortdauernede chinesisch-russische strategische Zusammenarbeit. Die Tatsache, daß Jelzin
kürzlich seine Zustimmung zur Unterzeichnung des Abrüstungsvertrages von Peking aus erteilte, blieb
völlig unbeachtet. Sein dortiger Besuch, wie auch die vorangegangenen Besuche Shewardnazes und

213
Gorbatschows, weisen auf die Fortdauer dieser Zusammenarbeit hin. Zweifellos hat Jelzin das neue
Abkommen mit den Chinesen erörtert und sich mit ihnen darüber verständigt. Es wäre keineswegs
eine Überraschung, wenn einige der sowjetischen Raketen in China auftauchen sollten. Zur
Vertuschung dieser Tatsache würde man sich wieder bewährter Täuschungsmanöver bedienen. Die
russische Fähigkeit zur Täuschung, könnte die amerikanische Fähigkeit zur Überprüfung der
Raketenabrüstung und des Verbleibs aller "verschrotteten" Raketen leicht neutralisieren.
Meine Einschätzung läuft darauf hinaus, daß bereits bei der Ausarbeitung der
Langzeitstrategie in den Jahren 1958 bis 1960, sich die Sowjets und Chinesen darauf geeinigt haben,
diese Strategie gemeinsam zu planen und sich auf eventuelle Reformen und Liberalisierung ihrer
Regime vorzubereiten, während sie bis dahin verschiedene Wege gingen. Die Liberalisierung ist ein
wesentlicher Bestandteil des strategischen Musters in ihrem Trachten danach, den Westen zu
entwaffnen, und die Annäherung der komunistischen und fernöstlichen Systeme zu erreichen.
Die gegenwärtigen russischen und chinesischen Führer sehen sich drei Militärmächten mit
nuklearen Kapazitäten gegenüber, mit denen sie sich auseinandersetzen müssen: Die USA,
Westeuropa und Israel. Sie gehen davon aus, daß sie in der Lage sein werden, die amerikanische
Militärmacht durch die Kombination ihres neuen "demokratischen" Erscheinungsbildes, ihrer
"Partnerschaft" mit den USA und Abkommen über atomare Abrüstung zu neutralisieren. Westeuropa
wird durch das Konzept der gemeinsamen "Europäischen Sicherheit" und der Mitgliedschaft der
"unabhängigen" osteuropäischen Staaten in westeuropäischen Institutionen neutralisiert werden.
Israles nukleare Schlagkraft wird nicht durch die Veränderungen in der ehemaligen UdSSR reduziert
werden, und wird bis auf weiteres ein andauernder Grund zur Besrognis der Russen und Chinesen
bleiben. Die Ernennung Primakovs, eines Mittelost-Experten, als Leiter des russischen
Auslandsnachrichtendienses [FIS], weist aud die Bedeutung hin, die diesem Szenario durch die
Führung beigemessen wird. Es kann nicht ausgeschlossen werden, daß hinter dem Vorhang der
Zusammenarbeit mit dem Westen zur Verhinderung der Ausbreitung von nuklearem "knowhow," die
Russen mit Hilfe ihrer dort stationierten Spionen dort verdeckte Sabotage-Operationen gegen
israelische Nuklearanlagen durchführen werden. Diese Operationen werden nach außen hin entweder
von arabischen oder iranischen muslimischen Fundamentalisten, oder abgefallenen sowjetischen
Wissenschaftlern oder Generälen im Dienste irgendeiner Terroristengruppe durchgeführt werden.
Es trifft zu, daß meine Einschätzung der Entwicklungen in Rußland und Chinaim Sinne einer
gemeinsamen Strategie sich im scharfen Gegensatz zu den Ansichten westlicher Regierungen und
ihrer Nachrichtendienste befindet. Allerdings trifft es auch zu, daß ich die Liberalisierung in
der UdSSR bereits vorausgesagt habe, als man von "Perestroika" noch nichts gehört
hatte. Damals befand ich mich in der absoluten Minderheit, ich stand mit meiner Ansicht völlig allein
da. Aber meine Voraussagen haben sich als richtig erwiesen, und ein konservativer Kenner des
Kommunismus hat die Aufmerksamkeit darauf gelenkt. Die Central Intelligence Agency wurde
kürzlich dafür kritisiert, daß sie es versäumt hatte, die "Liberalisierung" zu erkennen. Hätte man
meine Ansichten dort ernster genommen, wäre der CIA dieser Vorwurf erspart geblieben.

214
Ich bleibe dabei, daß die gegenwärtigen Ansichten der westlichen Politiker und der Medien
über die Entwicklungen in Rußland falsch und zu optimistisch sind. Die Geschichte hat die Fähigkeit
der Russen zur Täuschung über ihre eigenen Angelegenheiten und denen ihrer Opponenten
hinreichend bewiesen. Die Oktober-Revolution, die den Russen Brot, Frieden und Freiheit versprach,
endete mit der Ermordung von zwanzig Millionen ihrer Landsleute. Die sowjetische "Partnerschaft"
mit den östlichen Verbündeten gegen die Nazis zur Zeit des Zweiten Weltkriegs, führte nicht zu
dauerhaftem Frieden und Zusammenarbeit, sondern wurde zur Übernahme Osteuropas durch die
Sowjetarmee genutzt. Es folgte eine weitere Welle von Mord und Unterdrückung. Nichts anderes
folgte auf die kommunistische Übernahme in China. In allen Fällen wurden die Hoffnungen und
Erwartungen des Westens enttäuscht. Die Greueltaten de Kommuniswmus waren für sie eine höchst
unangnehme Überraschung.
Wegen des mangelnden Verständnisses der westlichen Politiker für die chienisch-russische
Strategie, insbesondere seit Beginn von "Perestroika," befürchte ich, daß für die russischen und
chinesischen Führer eine berechtigte Hoffnung gibt, ihre gemeinsame Strategie der Annäherung an
den Westen innerhalb der nächsten zehn Jahre erfolgreich durchzuführen.
Experimente mit falscher Demokratie durch die sogenannten ehemaligen
Kommunisten sind eine echte Herausforderung an die westlichen Nachrichtendienste.
Sollten sie darin versagen, die Strategie korrekt zu erkennen und die daraus
resultierenden Folgen zutreffend einzuschätzen, könnte ihr Fehler mit Blutvergießen
in den USA und Westeuropa führen.
Die westlichen Nachrichtendienste sollten weder durch politischen Druck, noch durch das
Gewicht konventioneller Weisheit eingeschränkt werden. Sie dürfen sich nicht nur auf technische und
allgemein zugängliche Informationsquellen verlassen. Das Bedürfnis für eine zuverlässige Analyse
über die strategischen Absichten der russischen und chinesischen Führung ist so akut, wie nie zuvor.
Die Bereitschaft, auch an das Undenkbare zu denken, ist gleichermaßen unabdingbar.
Jetzt, da sie die Verantwortung für die Führung der CIA übernehmen, um den Dienst an die
sogenannte "Lage nach dem Kalten Krieg" anzupassen, übersende ich Ihnen eine Sammlung meiner
Memoranden, die ich Ihren Amtsvorgängern zugeleitet habe, und in denen ich versucht habe, die
russischen Reformen im Sinne der Langzeitstrategie zu darzustellen. Der Grund, warum ich Ihnen
meine Memoranden übersende, ist meine Hoffnung, daß unter Ihrer Leitung die CIA sich von der
allgemein vorherrschenden Auffassung des einfachen Mannes auf der Straße über die Ereigngisse in
Rußland und China ab, und einer angemessenen nachrichtendienstlichen Tätigkeit zuwendet.
Ich weiß, daß Sie jetzt mit vielen Dokumenten befassen müssen. Aber ich beschwäre Sie,
meine Memoranden zu lesen, weil sie in bezug auf die Berücksichtigung der chinesisch-russischen
Strategie und Desinformation einzigartig sind, und ich davon überzeugt bin, daß sie Ihnen einen
gewissen Einblick in die strategische Denkweise geben, die hinter den Aktivitäten Jeslzins,
Gorbatschows, Primakovs und ihrer Armee von Mitarbeitern und Beratern steht. Die Memoranden
enthalten auch ein Korrektiv für die gegenwärtig vorherrschende Euphorie und eine Warnung vor der

215
Herausforderung, der sich die westlichen Demokratien, trotz allen gegenteiligen Anscheins, stellen
müssen.
Mitte der 1960er Jahre, als Mr. McCone Direktor der CIA [DCI] und Mr. Angleton Leiter der
Gegenspionage waren, wurden die von mir vorgelegten Informationen über die neue Strategie gemäß
dem Shelepin-Bericht von 1959 ernst genommen. In späteren Jahren ignorierte die CIA meine
Warnungen immer mehr. Meine Hoffnung geht dahin, daß unter Berücksichtigung der Richtigkeit
meiner Voraussagen über "Perestroika," die neue Leitung der CIA meine erneuten Warnungen, die ich
bezüglich des trügerischen Wesens des gegenwärtigen Systems und seines antiwestlichen Musters
gegeben habe, nicht ungeprüft ablehnen wird. Sollte ich noch einmal recht haben, und die
konventionelle Weisheit sich irren, werden die Folgen in der Tat katastrophal sein. Nach mehr als
dreißig Jahren der Zusammenarbeit mit der Central Intelligence Agency lautet mein politisches
Vermächtnis an die CIA:

"Ignorieren Sie das russische und chinesische,


gegen die Vereinigten Staaten von Amerika gerichtete,
strategische Muster auf ihr eigenes Risiko hin."

Respektvoll,

ANATOLIY GOLITSYN

Memoranden an die CIA: 26. März & 12. Oktober 1993

EINE EINSCHÄTZUNG DER KONFRONTATION ZWISCHEN PRÄSIDENT BORIS JELZIN


UND DEN ABGEORDNETEN DES "VOLKSKONGRESSES":
BEOBACHTUNGEN ZUR "REICHSTAGSBRAND"-EPISODE, OKTOBER 1993

Der folgende Text basiert auf zwei Quellen: Einem Memorandum des Autors an die CIA
vom 26. März 1993 inmitten der vermeintlichen Konfrontation zwischen Präsident
Jelzin und den Abgeordneten des "Volkskongresses," und Beobachtungen des Autors
nach der Fernsehübertragung von der Beschießung des "Weißen Hauses" im Oktober
1993:

26. März 1993: Nach der Einschätzung des Autors der gegenwärtigen Konfrontation zwischen
Präsident Boris Jelzin und den Abgeordneten des "Volkskongresses" [März 1993] handelt es sich nicht
um ein spontanes, sondern um ein in Übereinstimmung mit den Forderungen der russischen
Strategen arrangiertes Ereignis. Eine der angestrebten Hauptziele bei dieser Konfrontation ist es, die

216
neue US-Administration und die anderen sechs führenden Industrienationen zu einem
Hilfsprogramm für Rußland und die anderen Republiken nach dem Vorbild des "Marshall-Plans" zu
verpflichten. Während der Planungsphase von "Perestroika" haben die russischen Strategen, die zu
der weitestgehend unsichtbar bleibenden Führungsriege gehören, eine Reihe von Optionen für das
äußere Erscheinungsbild der Regierung erarbeitet. Die erste durchgeführte Option war "Perestroika"
unter einem Kommunisten, unter Gorbatschow, der von Andropov gefördert wurde. Ihre nächste
Option war die Fortsetzung von "Perestroika" unter einem "demokratischen" Führer, der sich vom
Kommunismus losgesagt hatte – Boris Jelzin.
Jelzin, ebenfalls von Andropov gefördert, wurde gleichzeitig mit Gorbatschow ausgewählt, um
diesen möglicherweise zu ersetzen, und den Übergang des Regimes zur sogenannten "Demokratie" zu
leiten und "Perestroika" unter einem "Nichtkommunisten" weiterzuführen. Die erste Phase der
Regierung Jelzins schloß bis zum März 1993 die Zusammenarbeit mit dem kommunistischen Element
mit ein.
Zur selben Zeit, als Jelzin Präsident wurde, ernannte man Alexandr Rutskoi zum
Vizepräsidenten. Angesichts seines Hintergrunds als militärischer Held, war diese Erennung ein
Hinweis darauf, daß die Strategen die Möglichkeit einer militärisch/nationalistischen Regierung nicht
ausgeschlossen hatten, die erforderlichenfalls durch einen "Militärputsch" an die Macht gelangen
könnte. Rutskoi besitzt weitere Befähigungen für die Leitung einer solchen Regierung. Als Unkrainer
würde er als Symbol engerer russisch-ukrainischer Beziehungen gelten. Ebenso wäre er eine
glaubwürdige Persönlichkeit für die Erfüllung des Auftrags der Verlangsamung der "Reformen" und
der Stabilisierung Rußlands und der anderen Republiken. Von größter Bedeutung wäre seine Rolle als
Garant für die militärische Unterstüzung der Regierung, der Stärkung des Militärs und der erkennbare
Status, daß das Land eine militärische "Supermacht" bleiben wird.
Es ist möglich, vorausgesetzt seine Gesundheit läßt es zu, daß Jelzin, wie Gorbatschow, sich zu
einem weiteren "Staatsmann in Reserve" entwickelt, der für den Einsatz im Rahmen zukünftiger
strategischer Optionen zur Verfügung steht. Es ist nicht ausgeschlossen, daß Gorbatschow später
wieder das Präsidentenamt übernehmen wird, wenn die strategieschen Überlegungen diese
Maßnahme erforderlich erscheinen lassen. Die aktive Einbindung der USA in Angelegenheiten
Rußlands und anderer Republiken, ohne zu berücksichtigen, daß sie alle Beteiligte an derselben
Langzeitstrategie sind, wird gewährleisten, daß die politischen Entscheidungsträger Amerikas auch
weiterhin Gefangene der russischen Strategen bleiben werden. Denn diese russischen Strategen
beschäftigen sich mit der Ausnutzung von kalkulierter Krisen und der Manipulation von Ernennungen
und Absetzungen von Regierungsführern, um die amerikanischen und westlichen Reaktionen im
Sinne ihrer Interessen und Absichten zu formen.

12. Oktober 1993: Die Möglichkeit des Austausches von Jelzin im Verlauf der nächsten vorgeplanten
"Krise" wurde in meinem Memorandum vom 26. März 1993 erörtert. Jelzin hat "überlebt," und
Rutskoi wurde von den Strategen für die Rolle eines der Führer und Symbole der "Kommunistischen
Alten Garde" benötigt, die sich in Opposition zum "demokratischen Reformer" Jelzin befindet. Diese

217
Option einer militärischen oder militärisch/nationalistischen Regierung unter einem von den
Strategen ausgewählten Führer bleibt für die Zukunft offen und wird zum Einsatz gelangen, wenn die
Lage es erfordern sollte.
Inzwischen ist die Jelzin-Regierung in die zweite strategische Phase eingetreten, die sich
durch die "Konfrontation mit Kommunisten" manifestierte und ihren Höhepunkt mit der Auflösung
des Parlaments und dem neuen Typ eines gestellten "Reichstagsbrandes" erreichte, als das "Weiße
Haus" im Oktober mit Granaten beschossen wurde. Diese Provokation erfolgte vor laufenden
Fernsehkameras, und mit dem Verständnis und der Unterstützung der westlichen Demokratien. Zu
den verdächtigen Anhaltspunkten, daß es sich um ein gestelltes Ereignis gehandelt hat, zählen
folgende:

 Die Nichtbeteiligung der Massen, weder in Moskau noch in Rußland allgemein.


 Die offensichtlich herabgesetzte Sicherheitsstufe in Moskau am Tag vor dem Angriff auf das
"Weiße Haus" ermöglichte es den Demonstranten, die Sicherheitsabsperrungen um das "Weiße Haus"
zu durchbrechen und ihren Angriff auf den Fernsehsender durchzuführen. Die Herabsstzung der
Sicherheitsmaßnahmen wurde absichtlich fehlinterpretiert und als Folge der zögerlichen Haltung
Jelzins gesehen.
 Die zeitliche Planung, der Ereignisse, die mit dem Treffen der G7-Gruppe, der Weltbank
und dem Internationalen Währungsfond zusammenfielen.
 Die Anwesenheit in den USA des russischen Außenministers Andrei Kozyrev und des
russischen Patriarchen, der nach Moskau zurückgerufen wurde, um als "Vermittler" zu fungieren.
Kozyrevs USA-Aufenthalt versetzte ihn in die Lage, die Reaktion der US-Administration auf die
Provokation zu beeinflussen. Hier folgte man dem Schema der Anwesenheit Zorkins, dem russischen
Gegenstück zum Obersten US-Bundesrichter, in den USA zum Zeitpunkt der "Konfrontationen vom
März 1993. Auch Zorkin interpretierte die Entwicklungen in Rußland fpür die US-Medien und wurde
dann unverzüglich nach Moskau zurückbeordert.

Diese Provokation vor dem "Weißen Haus" hat den Strategen den Vorwand geliefert, die
Kontrolle vom Zentrum aus sicherzustellen, während gleichzeitig einige der "letzten Spuren des
Kommunimus" zerstört wurden, so daß man mit Wahlen und Verhandlungen über eine Verfassung
fortfahren onnte – wodurch ihr Einfluß und jener der Kommunisten hinter den Kulissen weiter
zunehmen wird. Jelzin wird sich jetzt sich für einige Zeit, Maßnahmen zur Verbesserung seines
"demokratischen Ansehens" zu ergreifen, um sich auch weiterhin westliche Unterstüzung zu sichern,
und die Partnerschaft zwischen Moskau und den USA zu vertiefen.
Das Auftauchen von Zhirinovskiy war keineswegs eine spontane politische Entwicklung.
Solschenizin hatte recht mit seiner Feststelleun, "irgendjemand hat Zhirinovskiy absichtlich als die
Karikatur eines russischen Nationalisten geschaffen." Allerdings unterließ er es, mitzuteilen, wer
dieser Schöpfer gewesen ist, und welches Ziel damit verfolgt wurde. Nach meiner Auffassung wurde
Zhirinovkiy von den Strategen unter zwei Gesichtspunkten geschaffen: Zur Verhinderung der

218
Entwicklung eines unkontrollierten Ultranationalismus in Rußland, und die Ausnutzung der Furcht
vor dem sogenannten "Zhirinovskiy-Faktor" für strategische Zwecke. Der Westen ist über Zhirinovskiy
alarmiert, sieht allerdings nicht den dahinter stehenden Zweck, beispielsweise Jelzins kürzlichen
Deutschlandbesuch, wo er sich ausführlich auf Zhirinovskiy bezog, als er für Rußland einen
besonderen Platz in der G7-Gruppe forderte. 

Memorandum an die CIA: 30. April 1993


Zur Vorlage beim Direktor der Central Intelligence Agency

EINE WARNUNG VOR DEN GEFAHREN EINER PARTNERSCHAFT


MIT RUSSISCHEN "REFORMERN" UND "DEMOKRATEN"

Die Clinton-Adminstration hat eine Politik der Partnerschaft mit den "russischen Reformern" unter
der Führung von Boris Jelzin übernommen. Oberflächlich betrachtet, ist diese Politik auf
kurze Sicht äußerst attraktiv, und der Präsident hat mit Überzeugung erklärt, diese
Politik sei den Interessen der USA förderlich. Auf lange Sicht gesehen, steht diese
Politik für eine Katastrophe. Und zwar aus dem Grund, weil sich die politisch Verantwortlichen
Amerikas auf das Wort von ehemaligen Sowjetführern, insbesondere in militärischen Fragen,
verlassen und die fundamentalen Realitäten ignorieren, nämlich:

1. Wie dieser Analytiker über einen Zeitraum von mehr als dreißig Jahren beständig vertreten
hat, wurde von den Sowjets in den Jahren 1958 bis 1960 eine ausgefeilte Langzeitstrategie entwickelt
und angenommen, die sie seitdem bis zur Gegenwart beharrlich in die Praxis umgesetzt haben.
2. Die gegenwärtige Generation von russischen Führern, einschließlich Gorbatschow, Jeltin,
Rutskoi und Ruslan Khasbulatov, sind alle dieser Strategie verpflichtet und wurden dazu ausersehen,
verschiedene Aspekte der Strategie zu vertreten. Hätte sich auch nur einer von ihnen zu einem echten
Demokraten gewandelt, wäre er als Verräter an der Sache und der Strategie angesehen worden, was er
nicht überlebt hätte.
3. Seit der Gründung der Kommunistischen Partei, haben einflußreiche Mitglieder ihre
Mitgliedschaft verheimlicht, um der Sache besser dienen zu können. Frühe Ereignisse schließen die
vorrevolutionären Aktivitäten von Stalin, Maksim Litvinov und Leonid Krassin ein, die, mit
Zustimmung Lenins, geheime Methoden anwandten, um Gelder für die Partei zu sammeln.
4. In unterschiedlicher Weise haben auch die gegenwärtigen russische Führer die Maske von
"Reformern," "Demokraten", "Nichtkommunisten" und selbst "Antikommunisten" aufgesetzt.
Dadurch waren sie in der Lage, westliche Regierungen und die öffentliche Meinung davon zu
überzeugen, in Rußland sei es zu einer echten Revolution gekommen – obwohl sich dort noch immer

219
dieselbe Regierungselite an der Macht befindet, wie im Jahre 1984. Es hat sich nichts geändert, es hat
keinen "Bruch mit der Vergangenheit" gegeben.
Die mehr als 65 Millionen ehemaligen Mitglieder der Kommunistischen Partei und
des Komsomol haben ihre politische Einstellung nicht über Nacht gewechselt. Die Partei
hat vor der Oktober-Revolution für fünfzehn Jahre im Untergrund gearbeitet, und wiederum in den
von den Deutschen besetzten Gebieten während des Zweiten Weltkriegs.
Kiril Mazurov, der später Mitglied des Politbüros wurde, führte zur Zeit des Krieges eine geheime
Kommunistische Partei in Belorußland. Über mehr als siebzig Jahre hat die KPdSU die
Kommunistischen Parteien der Welt sowohl legal als auch illegal geleitet. Die Partei hat ihre Fähigkeit
zur Arbeit aus dem Untergrund heraus haben sie nicht verloren: Sie hat sich in einem pseudo-
demokratischen System ihre Fähigkeit zu wirksamen Operationen aus dem Hintergund heraus ebenso
erhalten, wie öffentlich zu agieren.
5. Dem Rat Lenins in seinem "Linkslastiger Kommunismus: Eine Kinderkrankheit" folgend,
daß die Kommunisten nach außen den Anschein der Mäßigung erwecken und revolutionäre Phrasen
vermeiden sollen, haben die russischen Führer verschiedene politische Farben angenommen. Dies
hat sie dazu befähigt, gestellte Disoute und Konfrontationen in ihren eigenen Reihen vorzutäuschen,
um den Bedürfnissen der gemeinsamen Strategie und Taktik gerecht zu werden, insbesondere, sich
beachtlicher Hilfe und Unsterstützung des Westens zu versichern.
6. Dem Westen ist es nicht gelungen, zu erkennen, wie politische "Krisen" in Rußland dazu
benutzt werden, um um die westliche Hilfe zum Zwecke des "Überlebens" zu steigern. Zuerst spielte
Gorbatschow diese Melodie, und später Jelzin auf internationalen Gipfeltreffen oder bei anderen
entscheidenden Gelegenheiten, um sich der Hilfe des Westens in allen Bereichen, einschließlich der
Mitsprache bei Entscheidungen über die NATO, zu sichern.
7. Eine entscheidende Komponente zur Förderung des westlichen Mißverständnisses über die
russischen Realitäten und lagfristigen Ambitionen, ist die erfolgreiche russische Manipulation der
westlichen Medien durch russische Experten und Einflußagenten, wie Georgiy Arbatov und seine
Gefolgschaft, die stets während politischer "Krisen" und "Konfrontationen" auftauchen, um die
Ereignisse für den Westen zu interpretieren.
8. Der Westen hat seine historische Lektion nicht gelernt, nämlich, daß westliche Hilfe für das
kommunistische Rußland stets kurzsichtig war und alle darin gesetzten Hoffnungen sich nicht erfüllt
haben. Beispielsweise:
 Die deutsche finanzielle und logistische Hilfe für Lenin während des Ersten Weltkriegs
wurde dankbar angenommen und von Lenin für Parteizwecke ausgenutzt. Die Oktoberrevolution trug
dazu bei, Rußland zu Gunsten der Deutschen aus dem Krieg zu katapultieren, aber innerhalb von zwei
Jahren war Lenin damit beschäftigt, die Revolution nach Deutschland zu tragen.
 Lebensmittellieferungen an Rußland durch die "American Relief Administration" in den
1920er Jahren, als die Russen in der Tat hungerten, wurde weitestgehend an die Partei und das GPU-
Staatspolkitische Direktorat, der Nachfolgeorganisation der Cheka, umgeleitet.

220
 Die deutsche Militärhilfe an die UdSSR, die auf den "Rapallo-Plan" von 1922 folgte, half
beim Aufbau der sowjetischen Militärindustrie und der Sowjetarmee, was schließlich zur Niederlage
der Deutschen im Zweiten Weltkrieg führte.
 Die alliierte Zusammenarbeit mit der UdSSR im Rahmen des "Leih- und Pachtvertrags"
während des Zweiten Weltkriegs änderte nichts an Stalins expansionistischen Zielen: Im Gegenteil,
die Allianz der Siegermächte wurde von ihm zum Zwecke der Übernahme Osteuropas nach dem
Krieg ausgenutzt.

Vergleichbar, wird die gegenwärtige westliche Hilfe für Rußland die russischen
Führer nicht von ihrem langfristigen Ziel der Welthegemonie abbringen, die sie auch
weiterhin unverändert mit den chinesischen Kommunisten anstreben werden.
Während westliche Politiker sich für massive westliche Unterstüzzung für Rußland stark
machen und optimistische Zukunftserwartungen hegen, führen dieselben Sowjetstrategen ihre
Strategie aus. Wie dieser Analytiker in mehreren Memoranden und später öffentlich in seinem Buch
"New Lies for Old" vermutet hat, wurde der verstorbene Akademiker Sacharow unter der Tarnung
eines "Dissidenten" als inoffizielles Sprachrohr des ehemaligen Sowjetregimes eingesetzt, bevor er
später von Gorbatschow unter "Perestroika" offiziell "rehabilitiert" wurde. Gegen Ende der 1960er
Jahre offenbarte er öffentlich bis zu einem gewissen Grad die Essenz der Sowjetstrategie. Allerdings
ohne zu erwähnen, daß die von ihm vorausgesagte Entwicklung einem virgefaßten Plan folgte.
Sacharow sah für den Zeitraum von 1968 bis 1980 eine zunehmende ideologische Auseinandersetzung
in den sozialistischen Ländern zwischen den Kräften des Stalinismus und Maoismus einerseits, und
den realistischen Kräften der linken leninistischen Kommunisten (und linken Westlern) andererseits
voraus... der in der Sowjetunion... zunächst zu einem Multiparteiensystem, akuten ideologischen
Auseinandersetzungen und Diskussionen, und schließlich zum ideologischen Sieg der [leninistischen]
Realisten und der Bestätigung einer Politik der zunehmenden friedlichen Koexistenz, Stärkung der
Demokratie und weitreichender Wirtschaftsreformen führen wird.
Der Zeitraum von 1972 bis 1985 würde durch den Druck der progressiven Kräfte im Westen,
verbunden mit dem Druck der Beispiele der sozialistischen Länder zur Durchsetzung eines
Programms der Annäherung mit dem Sozialismus. Das heißt: Sozialer Fortschritt, friedliche
Koexistenz und weltweite Zusammenarbeit mit dem Sozialismus, und Veränderungen
bei der Struktur der Eigentumsverhältnisse. Diese Phase beinhaltet eine erweitere Rolle für
die "Intelligentsia" und einen Angriff auf die Kräfte des Rassismus und Militarismus. Von 1972 bis
1990 "werden die Sowjetunion und die Vereinigten Staaten von Amerika ihre Gegensätze überwunden
überwunden, und die Probleme des ärmeren Teils der Welt gelöst haben... Gleichzeitig wird die
Abrüstung fortgesetzt werden." In der Zeit von 1980 bis 2000 "wird die sozialistische Annäherung die
Unterschiede der sozialen Strukturen vermindert, und die individuelle Freiheit gefördert haben.
Wissenschaft und Wirtschaft werden fortschreiten und zur Errichtung einer Weltregierung und
Reduzierung der nationalen Gegensätze führen."

221
Alle wichtigen Voraussagen Sacharows haben sich soweit erfüllt,
ausgenommen die russisch-amerikanische Partnerschaft zur Lösung der Probleme des
ärmeren Teils der Welt und die Errichtung einer Weltregierung. Was Sacharow, und die
gegenwärtigen russischen Führer, zweifellos anstrebten, war die "Ost-West-Annäherung nach
sozialistischen Vorgaben, die zu einer Weltregierung unter der Führung der Russen
und Chinesen führen soll.
Aber durch ihre Ignoranz gegenüber der hinter den Ereignissen in Rußland
stehenden Langzeitstrategie, haben die die amerikanischen politischen
Entscheidungsträger auf eine Partnerschaft mit den sogenannten "russischen
Reformern" eingelassen, ohne sich darüber klar zu sein, wohin sie diese Partnerschaft
führen wird.
Sacharow sah die Weltregierung für das Jahr 2000 voraus. Diese Frage mag durchaus im
'Verlauf der kommenden sieben Jahre auf der Tagesordnung stehen. Innerhalb dieses Zeitraums, falls
sich die Entwicklung entsprechend fortsetzt, wird sich Rußland mit westlicher Hilfe auf dem Weg zu
einer technologischen Revolution befinden, die das "Wirtschaftswunder" der kommunistischen
Chinesen übersteigen wird, und ohne Verlust der politischen Kontrolle durch die gegenwärtig
herrschende Elite der "realistischen Lenininisten."
Das Thema für ein neues System der Weltregierung wird auf der Ebene von
Gipfeltreffen auf die Tagesordnung gesetzt werden und durch Druck von unten, sowie
den aktiven Einsatz von Einflußagenten und der geheimen Ermordung von politischen
Führern begleitet sein, die als Hindernisse betrachtet werden. Diese Offensive wird für die
US-Adminstration überraschend sein. In den sich anschließenden Verhandlungen wird der dann
amtierende US-Präsident sich den Russen und der Chinesen ausgesetzt sehen. Bis dahin werden die
Chinesen ein "reformiertes" pseudodemoraktisches System übernommen haben. Im Verlauf der
Verhandlungen werden die Russen und Chinesen ihr wahres Gesicht zeigen, ihren fundamentalen
Antagonismus gegenüber der freien Welt, und derBedrohung, die sie für die freie Welt darstellen. Die
US-Politik der Partnerschaft mit Rußland wird sich als Reinfall erweisen. Innerhalb der USA wird dies
zu Spaltungen, Beschuldigungen und der Suchen ach Verantwortlichen und Sündenböcken führen.
Außerhalb der USA wird ihr Ruf als Führer der freien Welt irreparabel geschädigt sein, und die
amerikanischen Bündnisse, insbesondere mit Partnern wie Japan, die dazu gedrängt wurden, sich der
Hilfe für die Russen anzuschließen, werden aufs Höchste gefährdet sein.
Der US-Präsident wird ohne die besten bewaffneten Streitkräfte der Welt auskommen
müssen. Reformiert und wegen der Fehleinschätzung der real existierenden Bedrohung durch einen
reduzierten Militäretat geschwächt, wird das Militär zwar in der Lage sein, regional begrenzte
Konflikte zu regeln, aber für eine globale Konfrontation unvrobereitet sein.
Die US-Nachrichten- und Gegenspionagedienste, falls es sie noch geben sollte, werden wegen
des andauernden finanziellen Drucks jede Effektivität verloren haben.
Man wird zu spät erkennen, daß es keinerlei entsprechende Reduzierungen der Kampfkraft
bei den russischen und chinesischen Streitkräften oder deren Nachrichtendiensten gegeben hat. Es

222
wird zu einer massiven Kräfteverschiebung zu Gunsten des chinesisch-russischen Bündnisses gegen
die freien Welt in einer Weise gekommen sein, daß die Entscheidung über die Weltregierung voin den
Russen und Chinesen diktiert werden, und dem Westen keine andere Wahl bleiben wird, als mit ihnen
bei der Entwicklung der "Neuen Sozialen Weltordnung" zu konkurrieren. Wenn die russischen Führer
auch weiterhin gegenüber dem russischen Volk demonstrieren können, daß sie auch weiterhin
erfolgreich Unterstützung vom Westen ziehen, und einen gewissen wirtschaftlichen Fortschritt
vorweisen können, wird das russische Volk, wie auch die Chinesen, ihnen folgen, und sich mit ihren
Führern über die Dummheit des Westens totlachen. 

ANHANG
223
AUSZÜGE AUS

Anatoliy Golitsyns

MEMORANDEN
AN DIE
CENTRAL INTELLIGENCE
AGENCY
Von 1973 bis 1985

Die Voraussage von


"Perestroika"

Memorandum an die CIA: 1973

EINE KRITISCHE BETRACHTUNG VON DREI NEUEREN BÜCHERN

224
SOWJETSTRATEGIE FÜR DIE SIEBZIGER JAHRE: VOM KALTEN KRIEG ZUR FRIEDLICHEN
KOEXISTENZ
Von Foy D. Kohler, Mose L. Harvey, Leon Goure und Richard Soll

WISSENSCHAFT UND TECHNOLOGIE ALS INSTRUMENT DER SOWJETPOLITIK, 1972


Von Mose B. Harvey, Leon Goure und Vladimir Prokofieff

ANNÄHERUNG VON KOMMUNISMUS UND KAPITALISMUS: DIESOWJETISCHE SICHT, 1973


Von Leon Goure, Foy D. Kohler, Richard Soll und Annette Stiefbold
[Center for Advanced International Studies, University of Miami]

AUSZÜGE AUS DEM MEMORANDUM DES AUTORS VON 1973:

"... Entscheidend ist, daß sich die konventionellen kommunistischen Methoden und Taktiken
verändert haben, und die Meinung des Autors auf diese Veränderungen nicht eingeht. Die
Veränderungen sind so radikal, daß sie als eine Verlagerung der Methoden und Taktiken
bezeichnet werden können.
Die neue Taktik besteht in der Einführung eines aktivistischen Stils bei der
Ausnutzung der bestehenden Gegensätze und die Provokation und Ausnutzung neuer
Konflikte in nichtkommunistischen Staaten. Außerdem im aktiven Einsatz des
nachrichtendienstlichen Potenzials des gesamten Blocks, und der Anwendung von
Desinformation zur Durchführung der Blockpolitik.
Diese Veränderungen in Stil und Taktik werden von Lenins Konzept der aktiven
Verschiebung der Kräfteverhältnisse zwischen beiden Systemen und der entsprechenden
Strategie des Blocks geleitet.
Hieraus ergeben sich wiederum die beiden Hauptmethoden und Grundsätze zur
Erreichung der Verlagerung der Machtverhältnisse zwischen beiden Systemen:
(a) Eine aktive Steigerung der eigenen Kapazität zur Erweiterung des eigenen
Potenzials,
(b) Eine gleichzeitige Reduzierung der Kapazität des Gegners.
Folglich das Grundelement des leninschen Konzepts nicht friedliche Koexistenz,
sondern die Auseiandersetzung und Unterminierung des Gegners. Aus diesem Grund wird
diese Taktik von den Kommunistenführern als unerkörter Krieg zwischen den Potenzialen
beider Lager bezeichnet.
In diesem Zusammenhang sollte darauf hingewiesen werden, daß die Autoren es
unterließen, in ihre Ausführungen über Sowjetstrategie Chruschtschows Erklärung zum
Potenzials des Blocks von 1958 aufzunehmen. Chrustschow sprach von der Bedeutung des

225
politischen, wiretschaftlichen und psychologischen Potenzials der Blockstaaten. Er machte
deutlich, daß alle diese Potenziale bei der aktiven Anwendung ineinander übergehenDa es das
stratgegische Hauptziel ist, eine Verschiebung des Gleichgewichts zu erreichen, wurden der
Strategie zu den konventionellen Methoden und Taktiken neue Dimensionen beigefügt, die zu
Instrumenten zur Unterminierung des feindlichen und Stärkung des eigenen Potenzials
dienen...."

"... In Übereinstimmung mit dem Hauptziel der Blockstrategie zur Veränderung des
Gleichgewichts zu Gunsten der Kommunisten, wurde damit begonnen, die westlichen (und
insbesondere das amerikanische) Militärpotenzial durch eine Reihe von diplomatischen
Vereinbarungen zu schwächen, während gleichzeitig das kommunistische Programm zur
Stärkung des eigenen Militärpotenzials beschleunigt betrieben wird. Das Ergebnis ist das
Abkommen zum Bann von Atomversuchen, das Abkommen zur Bebrenzung der Verbreitung
von Atomwaffen und schließlich das SALT-Abkommen. Wiederum hat der Westen in der
Weise reagiert, daß er sich auf diese Abkommen eingelassen hat, und die Zurschaustellung
der vermeintlichen chinesisch-russischen Differenzen haben auch hier als Katalysator
gewirkt.
In diesem Zusammenhang muß darauf hingewiesen werden, daß es rein zufällig am
Vorabend und während der sowjetisch-amerikanischen Verhandlungen über die
vorbezeichneten Abkommen zu einer Verschärfung der Differenzen zwischen der
Sowjetunion und China kam..."

"... Außerdem ist eine verdeckte kommunistische Offensive durch ihre Einflußagenten zu
erwarten, die darauf abzielt, die amerikanische Öffentlichkeit zu manipulieren und das
Gesellschaft zu unterminieren, insbesondere das Pentagon, den sogenannten "Militärisch-
Industriellen Komplex" und die amerikanischen Sonderdienste. Außerdem wird beabsichtigt,
die Autorität des US-Präsidenten im Bereich des Militärs herabzusetzen und die weitere
Reduzierung des US-Verteidigungshaushaltes zu erreichen.
Mit weiteren verdeckten kommunistischen Versuchen zur Intensivierung ihres
Einflusses in den USA ist zu rechnen, die dazu führen könnten, daß sich die USA aus ihren
Engagements in Übersee zurückziehen muß.
Gegen Ende des Jahrzehnts ist von westlicher und kommunistischer Seite (Sacharow
und andere) mit Operationen im Rahmen der neuen Annäherungstheorie zu rechnen, um die
halboffenen Zugeständnisse des Westens an die Kommunisten zu rechtfertigen.
Aus diesen Gründen ist es um die sowjetisch-amerikanische Parität durch die
Offensive des kommunistischen Blocks zur Erringung der Überlegenheit über den Westen

226
mittels der geheimen chinesisch-sowjetischen Zusammenarbeit schlecht bestellt. Die
Herausforderung des Westens auf dem militärischen Gebiet wird erheblich sein..."

"...Die sowjetischen und chinesischen Raketenstreitkräfte und strategischen Bomber


werden einen Angriff im Stil von Pearl Harbor auf die wichtigsten Regierungs- und
Militärhauptquartiere der führenden westlichen Staaten und auf deren Raketenstützpunkte
vortragen. Hauptziel dieses Angriffs ist die Zerschlagung der westlichen
Gegenschlagskapazität und die zumindest kurzfristige Lähmung ihrer physischen Fähigkeit
zur Entscheidung über militärische Vergeltungsmaßnahmen.
Nach ihrer Einschätzung gegen die kommunistischen Führer davon aus, daß der
Vorteil des Überraschungsangriffs, unter der Voraussetzung, daß sie sich in ihren geheimen
Regierungsbunkern befinden, ihnen die Möglichkeit geben wird, die westlichen Regierungen
und Militärbehörden in einerWeise zu lähmen, daß jede Art von Vergeltungsschlag
verhindert werden kann.
Ein solcher Ansatz wurde von den KGB-Behörden in ihrer akademischen
Einschätzung darüber, was zu unternommen werden müsse, um die politische Lage in
Westdeutschland zu verändern, und wie Deutschland auf die Übernahme in eine
Sozialistische Föderation mit Ostdeutschland vorzubereiten sei. Auf Nachfrage der
Sowjetführer, antworteten die KGB-Strategen, daß 150.000 Personen der herrschenden
deutschen Elite im Bereich Politik, Militär und anderer Sphären eliminiert werden müßten.
Ein solcher Überraschungsangriff könnte durch die gleichzeitige Benutzung der "Heißen
Drähte" begleitet sein, um die westlichen Entscheidungsträger über die tatsächliche Lage zu
verwirren. Später wird man sich kommunistischer Radiosender bedienen, um die
Ausschaltung von "Brennpunkten der Aggression" mitzuteilen, verbunden mit einem Appell
and die "Welt" und die "Arbeiterklasse" der größten westlichen Länder, sofortige
Verhandlungen zur friedlichen Beilegung des Konflikts aufzunehmen, um eine Konfrontation
mit Atomwaffen zu verhindern.
Ein solcher Angriff wird wahrscheinlich von einer Steigerung der
nachrichtendienstlichen Tätigkeit der kommunistischen Ländern begleitet sein, um die Panik
im Westen zu steigern. Dazu zählen die Herbeiführung von Stromausfällen und die Lähmung
des normalen Lebens in den Großstädten der westlichen Länder. Ein solcher Angriff mit
anschließendem Vorschlag zur Beilegung des Konfliktes, wird vermutlich durch intensive
Aktivitäten der Einflußagenten in den betroffenen Ländern begleitet sein, insbesondere von
Vertretern der Theorien der "Annäherung" der beiden Systeme – diesmal allerdings nach
kommunistischen Vorgaben, um an die Vernunft zu appellieren und eine schnelle Beilegung
des Konflikts zur Vermeidung eines Atomkriegs zu erreichen. Ihre Argumentation wird

227
darauf hinauslaufen, daß die Sowjets ohnehin die militärische Überlegenheit besitzen und es
" besser sei rot, als tot zu sein." Obwohl diese Vision von einem Überraschungsangriff auf
den Westen gegenwärtig eine Spekulation des Autors ist, ist er dennoch fest davon überzeugt,
daß ein solcher Angriff im Bereich des Möglichen ist, und zwar angesichts der Tatsache, daß
dieses Szenario vom KGB studiert und vorbereitet worden ist. Folglich ist es sinnvoll, sich
darauf vorzubereiten..."

"...Die Schlußfolgerungen und Erwartungen, daß das Moskauer Gipfeltreffen und die
sowjetisch-amerikanischen Abkommen "ein wichtiger Schritt nach vorn in dem äußerst
langwierigen Prozeß der Entwicklung einer stabilen Grundlage für sowjetisch-amerikanische
Beziehungen sei, ist völlig unrealistisch. Die kommunistische Bedrohung ist nicht geringer
geworden.
Die schwerwiegendste Offensive in der Geschichte des kommunistischen Blocks gegen
den Westen, stellt in der Tat eine zunehmende Bedrohung und Herausforderung für den
Westen dar.
Die gegenwärtige kommunistische Bedrohung kann noch nicht einmal mit der
sowjetischen Drohung gegen die Vereinigten Staaten von Amerika und NATO gegen Ende der
1940er Jahre verglichen werden. Damals steckten die sowjetischen Regime in einer schweren
Krise, und die USA besaßen das Nuklear-Monopol. Heute hat sich der kommunistische Block
von dieser Krise erholt und war erfolgreich darin, die Krise auf die nichtkommunistische Welt
zu verlagern.
Die USA besitzen nicht mehr die militärische Überlegenheit, denn es ist dem
kommunistischen Block gelungen, mit den USA gleichzuziehen und jetzt selbst auf die
militärische Überlegenheit hinzuarbeiten..."

"...Der Westen sollte eine Sonderstudie über zukünftige Gegenreaktionen, sowjetische


Desinformation, ihren politischen Einfluß auf den Westen, ihre Techniken, Kanäle und
Schlachtordnung in Auftrag geben."

"...Bis zu zweitausend neue wissenschaftliche und technische Mitarbeiter wurden aus


den Reihen junger Wissenschaftler und erfahrener KGB-Agenten ausgewählt, um in den
Jahren 1958 bis 1960beim KGB in höhere Ämtger ausdzusteigen. Nach ihrer Ausbildung
wurden sie in das Staatskomitee für Technologische Koordination undandere Organisationen
eingeschleust.
Bestimmte Faktoren waren für die aktive Rolle des wissenschafltichen und
technischen Nachrichtendienstpotenzials im Rahmen der Blockpolitik ausschlaggebend:

228
(a) Die Erfahrungen der Sowjets, sich fortschrittliche Technologie in der Phase
der"Neuen Wirtschaftspolitik" vom Westen zu beschaffen, insbesondere aus Deutschland,
sowie während des Zweiten _Weltkriegs im Rahmen des "Leih- und Pachtvertrages."
(b) Die Erfahrungen der sowjetischen Nachrichtendienste bei der erfolgreichen
Beeinflussung des Westens durch die Teilnahme prominenter Sowjetwissenschaftler an den
"Pugwash-Treffen" und anderen internationalen Konferenzen in den Jahren 1958 bis 1960,
um die Auswirkungen des amerikanischen Drucks auf die sozialistischen Länder zu
vermindern.
Auf der Grundlage dieser Erfahrungen wurde der Einsatz von sowjetischen und
ausländischen Wissenschaftlern intensiviert, und sie wurden zu aktiv Beteiligten an der
neuen Strategie.
Die Autoren [der kommentierten Bücher] legen den Schwerpunkt auf sowjetische
Erklärungen in der Zeit von 1967-1972. Diese Auswahl ist eher ireführend. Der Zeitraum wird
aus dem Kontext genommen und gesondert behandelt... Lenins NWP, die für ihre Rolle in der
Frühphase der Industrialiserung und ihre Beiträge zum Militärpotenzial bekannt ist, wird nur
am Rande erwähnt, ohne dem Leser, auf der Grundlage der Erklärungen Lenins, ihrer Essenz
und Verbindung mit der gegenwärtigen Sowjetstrategie, die Zusammenhänge aufzuzeigen.
Die getroffene Auswahl enthält beispielsweise nicht Lenins Erklärungen zur "Neuen
Wirtschaftspolitik" und die sowjetischen Zugeständnisse als wirksames Mittel zur
Aufstachelung der USA, Deutschlands, Großbritanniens, Japans und Frankreichs
gegeneinander, um sie in Konflikte zu verwickeln, um aus diesen Differenzen untereinander,
für sich in allen Bereichen Vorteile zu erlangen, und Maßnahmen einzuleiten, die geeignet
sind, das kapitalistische System zu schwächen, und das Kräfteverhältnis zu Gunsten der
Sowjetunion zu verändern.
Außerdem ist in der Auswahl keinerlei offizielles Material über die sowjetischen
Operationen zur Erlangung fortschrittlicher Technologie von amerikanischen, deutschen und
britischen Firmen, wie General Motors, Krupp, Metro.Vickers und anderer enthalten. Ebneso
wenig irgendwelche amtlichen Daten über den Beitrag dieser Firmen zur sowjetischen
Industrialisierung und der Förderung der sowjetischen Militärindustrie.
Auch enthält diese Auswahl nicht die Einschätzung der sowjetischen Partei von
westlichen Geschäftsleuten und "Konzessionären," wie Averell Harriman und Armand
Hammer, die während der Zeit der "Neuen Wirtschaftspolitik" als "Helfer beim Aufbau"
galten und zur Errichtung des Sozialismus in der UdSSR maßgeblich beitrug."

Memorandum an die CIA: 1974

229
EIN KOMMENTAR ZU MR. SCHLESINGERS EINSCHÄTZUNG DER
SOWJETISCHEN HERAUSFORDERUNG UND DES MILITÄRPOTENZIALS
ZWISCHEN DEN USA UND DER SOWJETUNION, UND BESTIMMTER
ÄNDERUNGEN IM BEREICH DER US-MILITÄRINDUSTRIE – IM LICHTE VON
INSIDER-INFORMATIONEN ÜBER DIE GEGENWÄRTIGE LAGE IM
KOMMUNISTISCHEN BLOCK

• Im Hinblick auf den fachlichen Hintergrund des Autors und seiner Kenntnis der
sowjetischen Realitäten, wurde er gebeten, einen Kommentar zu Mr. Schlesingers Erklärung und
Reden zum Thema "US-Sicherheit und Verteidigung" zu verfassen. Das Kernthema beschäftigt sich
mit der Frage, auf welche Weise es den USA möglich ist, zur Entspannung mit der Sowjetunion zu
gelangen. In seiner Einschätzung zur Entspannungsfrage weist Mr. Schlesinger auf die
Doppelbedeutung hin: Während die Entspannung Möglichkeiten zur Verbesserung der Beziehung
zwischen zwei Staaten und Hoffnung für die Zukunft bietet, birgt sie gleichzeitig angesichts der
Sowjetoffensive zur Erlangung strategischer Vorteile über die USA sowie der Ungewißheit über die
zukünftigen Absichten der Sowjetführer, massive Gefahren in sich. Mr. Schlesinger nimmt an, daß die
Entspannung erolgreich sein könnte, falls die USA auch weiterhin einerseits die Vorteile nutzen, die
die Entspannung mit sich bringt, und andererseits mit den strategischen Fortschritten der Sowjets
Schritt hält. Er geht davon aus, daß die Entspannungsbemühungen auf Grund der amerikanischen
Initiative erfolgreich sei. Auf der Grundlage seiner Schlußfolgerungen über die Bedrohung durch die
wachsende sowjetische Militärkapazität, und unter Berücksichtigung der einer Entspannung
innewohnenden Gefahren, schlägt Mr. Schlesinger vor, die Entspannungungsbemühungen vorsichtig
fortzuführen, während gleichzeitig gewisse Veränderungen der US-Militärstrategie durchgeführt
werden könnten..."

• ... Zusammenfassend kann festgestellt werden, daß jede Analyse, bei der die Existenz der
kommunistischen Langzeitstrategie, ihre Ziele, ihr aktiver Einsatz des nachrichtendienstlichen
Potenzials der Blockstaaten, und insbesondere die Anwendung von Desinformation, unberücksichtigt
bleibt, nicht als Grundlage für vernünftige Entscheidungen über Entspannung, über westliche
Diplomatie, über US-Politik zur Aufrechterhaltung des westlichen Bündnisses oder über US-
Militärstrategie dienen kann. Dies führt zu der Schlußfolgerung, daß das Erkennen der
Desinformation der Schlüssel zur Wiedererlangung des rationalen Denkens ist, so daß eine
vernünftige westliche Politik, Diplomatie und Militärstrategie möglich wird. Das Erkennen der
Desinformation ist auch der Schlüssel zur Wiederherstellung der US-Beziehungen mit ihren
Verbündeten in Westeuropa. Die Desinformation ist eine Realität, und ihre Ignoranz läßt es zu, daß
Ereignisse und Trends sich weiterhin in eine irrationale Richtung entwickeln.
Die kommunistische Desinformation ist insofern bedeutend, als sie es der kommunistischen
Führung ermöglicht, die im Westen vorherrschende Verwirrung auszunutzen, während sie gleichzeitig
die kommunistischen Herausforderungen und Methoden verschleiert, wodurch dem Westen eine
realistische Einschätzung unmöglich wird. Die Rolle der k0mmunistischen Desinformation ist bisher

230
noch nicht erkannt worden, und ebenso wenig hat sich der Westen eingehend damit beschäftigt... Die
natürliche Neigung des Westens, einen Opponenten im Kontext des westlichen Systems zu sehen und
zu beurteilen – ist eine Haltung, die durch die kommunistische Durchsetzung des Westens und die
kommunistischen Aktivitäten zur Beibehaltung der Desinformationsoffensive durch neue Operationen
und Täuschungsmanövers begünstigt wird. Es ist der Zeitpunkt für eine Neubewertung der Lage durch
die USA gekommen ist."

Memorandum an die CIA: 15. Januar 1978

DIE POLITISCHEN LANGZEITZIELE UND ABSICHTEN DER SOWJETFÜHRUNG: DIE


BEURTEILUNG DES AMTLICHEN BERICHTS EINES SOWJET-EMIGRANTEN UNTGER
BERÜCKSICHTIGUNG DER LANGZEITSTRATEGIE DES KOMMUNISTISCHEN BLOCKS
UND SEINER DESINFORMATIONS-OFFENSIVE

• Zum Zeitpunkt der Übernahme der Langzeitstrategie in der Zeit von 1958 bis 1960, gab es
eine starke interne Opposition gegen das Sowjetregime von unzufriedenen Arbeitern, Kolchose-
Bauern, Intellektuellen, Kirchenmännern, Ukrainern, Lettländern, Litauern und jüdischen
Nationalisten usw. Diese Elemente der Opposition bezeichneten sich nicht als "Dissidenten," und auch
der KGB bezeichnete sie nicht als "Dissidenten."
Im Gegenteil, der KGB und die Partei bezeichneten sie als "Staatsfeinde." ... Der KGB wurde
angewiesen, neue Methoden zum Umgang mit den Oppositionellen zu entwickeln und anzuwenden,
die sich auf die Erfahrungen der GPU [die sowjetische politische Polizei] unter Dzerzhinskiy in den
1920er Jahren stützen sollten.
Hieraus ergab sich die Schaffung einer falschen Opposition in der UdSSR und anderen
Staaten... Die gegenwärtige "Dissidenten-Bewegung" ist eine ebenso falsch Opposition, die vom KGB
entwickelt und geschaffen wurde...
Die von den sowjetischen Herrschern mit der "Dissidenten-Bewegung" angestrebten
Hauptziele sind folgende:

(a) Verwirrung, Neutralisierung und Auflösung jeder echten politischen Opposition in der
Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken,
(b) Verhinderung der Kontaktaufnahme des Westens mit echten Oppositionskräften in der
UdSSR durch die Schaffung einer falschen, KGB-kontrollierten Opposition für den
Westen. Hieraus erklärt sich auch der leichte Zugang westlicher Medien zu den angeblichen
"Dissidenten."

231
(f) Beeinflussung der US-Außenpolitik durch die "Dissidenten" im Interesse der
kommunistischen Langzeitstrategie, und die Ausnutzung dieser Angelegenheit in der
strategischen Endphase."

"... Ein weiteres bedeutendes Desinformationsthema ist das angebliche Vorhandensein von
"versteckten Liberalen" in der Parteiorganisation. So wurde beispielsweise Aleksey
Rumyantsev als Liberaler bezeichnet. In Wahrheit ist er ein überzeugter Kommunist, der sich
schon immer ideologisch betätigt hat. Für einige Jahre nach 1958 war er der Herausgeber des
internationalen kommunistischen Journals "Probleme des Friedens und des Sozialismus."
Wegen seiner Position und Erfahrung war er an der Entwicklung der neuen Strategie
und täuschenden Taktiken intensiv beteiligt.
Hieraus erklärt sich, warum er heute fälschlicher Weise als Liberaler vorgestellt wird.
Ein ähnlicher Fall ist jener, eines bedeutenden Beamten, der während und nach dem Zweiten
Weltkrieg als Sachbearbeiter in einer Abteilung beschäftigt war, die sich mit der Infiltration
der westlichen Nachrichtendienste befaßte, und heute im Parteiestablishment ebenfalls als
Liberaler bezeichnet wird.
Das Ausmaß der Desinformation wird zunehmen, und es istg zu
erwarten, daß diese Desinformation von neuen "Überläufern" verbreitet
werden wird."

"... Dieser Analytiker ist bezüglich der wahrscheinlichen Entwicklungen in der UdSSR zu
folgenden Schlußfolgerungen gelangt:
(a) Die Einführung von Wirtschaftsreformen ist zu erwarten, die vom äußeren
Erscheinungsbild her, der jugoslawischen oder selbst der westlichen sozialistischen Praxis
entsürechen werden...
(b) Die Liberalisierung des Sowjetsystems, vergleichbar der "Befreiungg" der
Tschechoslowakei von 1968, einschließlich einer vermeintlichen Beschneidung des Monopols der
Kommunistischen Partei, wie auch eine vermeintliche Trennung von Legislative, Exekutike und
Judikative, eine zunhemende Bedeutung des Sowjetparlaments, "Reformen" des KGB, eine Manestie
für "Dissidenten," größere künstlerische und kulturelle Freiheit, verbunden mit Reisefreiheit,
Erfüllung des Helsinki-Abkommens, und das Emporkommen eines jüngeren Parteiführers zur
Einleitung der geplanten "Reformen."...
(c) Ähnliche Reformen in Osteuropa, einschließlich der möglichen Rückkehr Dubceks in der
Tschechoslowakei und vermutlich der Fall der "Berliner Mauer"...
(d) Es wird sich jedoch um eine falsche Liberalisierung handeln, die darauf abzielt, zunächst
die NATO zu zerbrechen, und den US-Militärisch-Industriellen Komplex zu demontieren. Das neue
liberale Image wird von Ostzdeutschland politisch und diplomatisch gegen Westdeutschland zur
Errichtung einer politischen Föderation ausgenutzt werden...

232
(e) Die vorgetäuschte Liberalisierung wird als echt und spontan angenommen werden. Die
Medien werden darüber begeistert über jedes vernünftige Maß hinaus berichten...
(f) Es könnte zur Ausübung von Druck in Richtung einer echten Entspannung und
weitreichender Veränderungen in der westlichen Gesellschaft kommen..."

"... Die Hauptziele der Desinformation Breschnews und seiner sowjetischen Politiker sind:
(a) Das beständige Beharren gegenüber den US-Politikern darauf, daß der Kommunistische
Block nicht mehr existiert, und die kommunistische Ideologie tot sei,
(b) Das Vorhandensein einer geheimen Koordination zwischen den kommunistischen Staaten
und Kommunistischen Parteien im Rahmen der Umsetzung der Endphase der gemeinsamen
Langzeitstrategie gegenüber dem zu verbergen.
(c) Auf dieser Grundlage gegenüber den US-Politikern beständig zu versichern, die
Entspannungspolitik mit der UdSSR sei ebenso richtig, wie die amerikanische Unterstützung der
"Dissidenten" als beste Möglichkeit zur internen Liberalisierung des Sowjetregimes, und schließlich:
(d) Die psychologische Vorbereitung der US-Politiker für eine günstige Reaktion auf die
kommende falsche Liberalisierung.
Da die Liberalisierung in der UdSSR geplant, falsch und kontrolliert sein wird, kann die
Schlußfolgerung gezogen werden, daß der Hauptzweck der Desinformation in der Beeinflussung der
amerikanischen Reaktion auf die kommende falsche Liberalisierung in der UdSSR im Sinne der
Endphase der Langzeitstrategie zu sehen ist.
Die Ankunft weiterer hochraniger sowjetischer "Überläufer" oder "offizieller
Emigranten" kann erwartet werden, die mit ähnlicher Desinformation aufwarten
werden, um die US-Außenpolitik entsprechend zu beeinflussen."

"... Im Verlauf der vergangenen fünfzehn Jahre hat dieser Analytiker in schriftlichen und
mündlichen Berichten an die CIA und anderer westlicher Nachrichtnedienste die verschiedenen
Aspekte der Langzeitstrategie des Kommunistischen Blocks, die neue politische Rolle des KGB und
den Stellenwert der Desinformation beschrieben... Der Westen und seine Gelehrten unterschätzen die
Schwere der kommunistischen Bedrohung, die entschieden erster ist als nach dem Zweiten Weltkrieg,
als die USA das Nuklearmonopol besaßen... Die kommunistische Ideologie ist wieder auferstanden,
und die kommunistische Welt befindet sich in einer politischen, wirtschaftlichen und diplomatischen
Offensive gegen den Westen im Rahmen ihrer Langzeitstrategie...
In dieser Schlacht gelangen alle Mittel zum Einsatz, legale und illegale. 'Aus
diesem Grund bedient man sich auch des Mittels der Desinformation in ungewöhnlich großem
Ausmaß, das ein völlig neues Licht auf ihre Entspannung, auf ihren Versuch zur Veränderung des
militärischen Gleichgewichts zu ihren Gunsten und, was am wichtigsten ist, auf ihre Absichten wirft..."

"... Seit der Übernahme der Langzeitstragegie des kommunistischen Blocks hat sich in der US-
Außenpolitik eine Krise entwickelt, weil der Westen unfähgi ist, die wahre Bedeutung der Ereignisse in

233
der kommunistischen Welt zu verstehen und entsprechend zu interpretieren. Die Krise ist verdeckt
und wird nicht erkannt... Jetzt hat sich die Lage durch den aktivistischen Ansatz der Carter-
Administration im Bereich der Diplomatie gegenüber der UdSSR, Chinas und Osteuropas kompliziert,
weil man nach Lösungen auf der Grundlage von Fehlinterpretationen sucht. Es wird versucht, die
Liberalisierung in der UdSSR herbeizuführen, ohne sich der angewandten Langzeitstrategie und
Desinformation bewußt zu sein, was am Beispiel der falschen KGB-kontrollierten "Dissidenten-
Bewegung" deutlich wird... Auf diese Weise wurde von den kommunistischen Politikern eine Falle
vorbereitet, in der man die USA und den Westen fangen wird, wenn die UdSSR mit der forgetäuschten
Liberalisierung ihres Regimes beginnt..."

"... Die mit den neuen kommunistischen Taktiken verbundenen Probleme des politischen
Einsatzes des Nachrichtendienstpotenzials, seiner Einflußagenten und ihrer Desinformation, wurden
in den vergangenen achtzehn Jahren vollkommen unbeachtet gelassen und ihre Priorität nicht
erkannt.
Die Nachrichtendienste der USA, Englands und Frankreichs wurden durch Umstrukturierung
und KGB-Infiltration praktisch lahmgelegt. Der Gegenspionage kommt beim Verständnis und dem
Umgang mit den neuen Dimensionen der kommunistischen Bedrohung eine Schlüsselrolle zu, die
eine Analyse der amerikanischen und anderen Informationsquellen über die
Entwicklung in der kommunistischen Welt, und darüber wie die westlichen
Nachrichtendienste möglicherweise durch den KGB und auf andere Weise
unterwandert wurden mit der Folge der Verbreitung von Desinformation aus den
eigenen Reihen heraus, erforderlich macht...
Die US-Regierung sollte zum Studium dieses Problems eine Untersuchungskommission aus
qualifizierten und vertrauenswürdigen Personen einrichten. Das Projekt sollte vom US-Präsident
genehmigt und direkt bei ihm angesiedelt werden.
Ein entsprechendes vertrauliches Projekt war auf Vorschlag dieses Analytikers unter dem
verstorbenen französischen Präsidenten Pompidou in Vorbereitung. Präsident Pompidou war ein
Gelehrter, der die Werke von Marx und Lenin, sowie das Traktat von Sun Tzu über "Die Kunst der
Kriegsführung" gelesen hatte, das sich mit Desinformation und seinen Mustern beschäftigt. Als
Präsident Pompidou starb, wurde das Projekt eingestellt. Aber man muß die Frage stellen:
Wenn es den Französen möglich ist, die Bedrohung zu erkennen, warum sind die
Amerikaner dazu nicht in der Lage? Keine andere westliche Regierung besitzt die
Fähigkeit zu einer solchen Neubewertung.
Dieser Analytiker möchte seinen Bericht mit folgender Forderung schließen: Sollte ihm etwas
zustoßen, sollten diese Analyse und seine Vorschläge als sein politisches Testament betrachtet
werden... Zwar kann man diese Analyse und die Vorschläge für eine gewisse Zeit ignorieren, aber die
zukünftige Entwicklung wird dazu zwingen, wieder auf sie zurückzugreifen und damit zu beginnen,
über das Undenkbare nachzudenken, allerdings unter entschieden weniger günstigen

234
Voraussetzungen. Die kommunistische Herausforderung und Bedrohung wird sich in den kommenden
Jahren als der größte Grund zur Besorgnis für die US-Außenpolitik erweisen." 

Memorandum an die CIA: 11. Februar 1982

Zu Händen: William Cases, Direktor der Central Intelligence Agency

EINE ANALYSE DER ENTWICKLUNGEN IN POLEN


IM LICHTE DER KOMMUNISTISCHEN STRATEGIE

[Der Autor verlangte die Weiterleitung dieses Memorandums an den nationalen


Sicherheitsberater Mr. Clark, Ausßenminister Alexander Haig und Verteidigungsminister Casper
Weinberger. Ferner die Möglichkeit der Veröffentlichung in "Foreign Affairs"].

"... Es liegen gesicherte Erkenntnisse darüber vor, daß die Gründung und Aktivitäten der
polnischen "Solidarität" in den Jahren 1980-82 unter voller Beteiligung der Kommunistischen Partei
Polens und unter ihrer Leitung erfolgt ist. Kania selbst ließ 1981 verlauten, daß unter den Mitgliedern
von "Solidarität" mehr als eine Million Mitglieder der Kommunistischen Partei befinden.
Parteivertreter waren von Anfang an in der Führung von "Solidarität" vertreten und blieben bis 1980
und 1981 auf ihren Posten. Es ist bezeichnend, daß Bogdan Lis, ein Mitglied des Zentralkommitees der
Kommunistischen Partei Polens, Walesas Stellvertreter war. Eine der weiblichen Führer von
"Solidarität" war Zofia Gryzb, ein Mitglied des Politbüros der Kommunistischen Partei. Die
Schlußfolgerung, daß "Solidarität" das geistige Kind der Kommunistischen Partei ist, wird
durch folgende Fakten gestützt:

(a) Die Anerkennung der führenden Rolle der Partei durch Solidarität,
(b) Die Anerkennung von Solidarität durch die Partei,
(c) Die für Solidarität günstigen Erklärungen von Kania und Moczar,
(c) Der freie Zugriff von Solidarität auf die total kontrollierten Medien.

"... Walesas Vielzahl von Reisen und seine Kontakte mit japanischen, französischen, italienischen und
amerikanischen Gewerkschaften fanden die Billigung der Kommunistischen Partei Polens... Der
polnische Botschafter in Tokio, der kürzlich überlief, offenbarte, daß er Walesa bei der Planung seiner
Reisen und Kontakte mit japanischen Gewerkschaften unterstützt hatte..."

"... Als Schlüsselfigur, die den Geheimdienst bei der Vorbereitung der falschen Opposition in den
1970er Jahren leitete, wurde Kania zum Parteichef gemacht, um die praktische Einfphrung der

235
"Erneuerung" in ihrer Erstphase in den Jahren 1980 bis 1981 zu leiten. Es war nur logisch, daß Kania
durch Verteidigungsminister Jaruzelski während der politischen Konsolidierung der "Erneuerung" in
der Parteiführung abgelöst wurde, um die Kontrolle zu behalten.
Der Denkweise und Dialektik der Strategie folgend, kann erwartet werden, daß in der
nächsten Phase die Koalititionsregierung aus Vertretern der Partei, Solidarität und Kirche bestehen,
und sich den Anschein einer sozialdemokratischen Struktur geben wird. Es ist nicht ausgeschlossen,
daß einige angebliche Partei-Liberale zu neuen Parteiführern und Regierungsvertretern ernannt
werden.
Was die Moskaubesuche Kanias und anderer polnischen Führer und die
"Überraschungsbesuche" des verstorbenen Suslov und Gromyko in Polen vom April und Juli 1981
betrifft, sollten diese Besuche nicht als Druckmittel, sondern als Besuche zur Koordinierung der
"Erneuerung" im Rahmen der Strategie gehalten werden.
Angesichts dieser Beweise ist die polnische "Erneuerung" weder spontan, noch
vielversprechend... Sie ist das Ergebnis einer fünfundzwanzigjährigen Vorbereitung zum
Zwecke der Erweiterung der politischen Basis der Kommunistischen Partei und der
Gewerkschaften. Es ist der Versuch, der Umwandlung der engen elitären Parteidiktatur in eine
Leninistische Diktatur der Arbeiterklasse, und zur politischen Aktivierung der Gewerkschaften gegen
den kapitalistischen Westen. Es ist nicht das Ende des Kommunismus, sondern die kreative
Entwicklung in Übereinstimmung mit den Lehren Lenins..."

"... Die internen Hauptziele der "Erneuerung" sind:


(a) Die Beeinflussung der nichtkommunistischen Arbeiter und der Polen im allgemeinen zu
Gunsten der erneuerten Partei und ihrer Führung,
(b) Die Akzeptanz des kommunistischen Regimes abzuschließen,
(c) Die Kontaktaufnahme und Beeinflussung der im Ausland lebenden Polen, um sie von ihrer
starken antikommunistischen Haltung abzubringen.
Die sowjetischen Militärmanöver um Polen herum, müssen alsEinschüchterung der
polnischen und ostdeutschen Bevölkerung ebenso gesehen werden, wie der Gewährleistung sanfter
Übergänge bei der Durchführung der "Erneuerung," und vor allem der Verhinderung des
Aufkommens einer echten antikommunistischen Bewegung im Verlauf der "Erneuerung." Die
Hauptziele der "Erneuerung" sind folgende:
(a) Die Verwirrung westlicher Regierungen und der politisch Verantwortlichen ebenso, wie
die Führer von politischen Parteien, insbesondere der Konservativen, und ihre Diskreditierung als
Führer [durch die Bekanntmachung, daß ihrer Opposition gegenüber dem Kommunismus völlig
unangebracht sei],
(b) Die Ausnutzung dieser Verwirrung, indem man den westlichen Führern die Unterstützung
der freien Gewerkschaften, Sozialdemokraten und Katholiken entzieht, und diese Kräfte gegen die
Interessen des Westens einsetzt. Man strebt Solidarität und gemeinsame Aktionen mit den westlichen
Organisationen an, um die Auflösung von NATO und "Warschauer Pakt" mittels eines neutralisierten

236
sozialistischen Europa auf der Grundlage kollektiver Sicherheit und der völligen Neutralität
Westdeutschland, und schließlich den Abzug der Amerikaner aus Europa zu erreichen...
(c) Die Finanzierung der polnischen kommunistischen "Erneuerung" soll durch den Westen
erfolgen, indem man einen allgemeinen Schuldenerlaß und einen neuen "Marshall-Plan" für das
erneurte polnische Regime anstrebt [1994: Der größte Teil der polnischen Auslandschulden wurde
wunschgemäß erlassen].

Es ist zu erwarten, daß sich die polnische "Erneuerung" auf Rumänien,


Ostdeutschland, Bulgarien und die UdSSR ausweiten wird... Die neuen Umstände
werden von den Kommunisten dazu genutzt werden, mit der Endoffensive im Rahmen
ihrer Strategie zu beginnen...". 

Memorandum an die CIA: 12. Dezember 1983


Zu Händen: Leiter der Central Intelligence Agency

DAS RISIKO FÜR DAS LEBEN VON PRÄSIDENT REAGAN

"Dieser Analytiker fühlt sich verpflichtet, seine Besorgnis zum Ausdruck zu bringen und davor zu
warnen, daß Präsident Reagans Leben wegen des für April 1984 geplanten Chinabesuchs in Gefahr
sein könnte.
Jeder westliche Politiker, der sich als ein ernsthaftes Hindernis für die kommunistische
Strategie erweist, könnte anläßlich offizieller Staatsbesuche von kommunistischen Ländern, der
UdSSR und Chinas, geheimen Attentaten zum Opfer fallen. Seinen Tod würde man natürlichen
Ursachen, wie beispielsweise einem Herzanfall zuschreiben. Nach Meinung dieses Analytikers, wird
Präsident Reagan von den kommunistischen Strategen als einziger westlicher Führer angesehen, der
eine erfolgreiche militärische Gegenstrategie gegen die UdSSR entwickelt hat.
Sollte sein Tod zur Unterbrechung der amerikanischen Gegenstrategie führen, würde man
seine Ermordung ernsthaft in Erwägung ziehen. Darum fordert dieser Analytikier ihre Unterstützung,

237
damit sichergestellt ist, daß diese Warnung dem Präsidenten und seinen Sicherheitsberatern vorgelegt
wird.
In diesem Zusammenhang möchte dieser Analytiker die Aufmerksamkeit auf
den Tod des französischen Präsidenten Georges Pomoidou lenken, der kurz nach
seinem Staatsbesuch in China plötzlich an einer ungewöhnlichen Krebsform
erkrankte.
Dieser Analytiker ist der Auffassung, daß Präsident Pompidou damals damit begonnen hatte,
sich mit der kommunistischen Desinformationsstrategie und der Möglichkeit zu beschäftigen, daß es
sich bei der chinesisch-sowjetischen Spaltung um eine gemeinsame Operation gehandelt hat, und daß
folglich eine chinesisch-sowjetische Zusammenarbeit geben müsse. Falls es so gewesen ist, und die
Auffassung des Präsidenten den Sowjets durch ihre Quellen in Westeuropa bekannt geworden sein
sollte, könnten sie ihn durchaus für eine Bedrohung ihrer Strategie gehalten haben. In diesem Fall
wäre sein Chinabesuch ein tödlicher Fehler gewesen.
Auch der plötzliche Tod des indischen Premierministers Lal Bahadur Shasrti,
angeblich durch einen Herzanfall hervorgerufen, anläßlich eines Besuchs in Taschkent
zu Verhandlungen mit pakistanischen Führern im Jahre 1965, sollte in diesem
Zusammenhang beachtet werden. Nach der Auffassung dieses Analytikers könnte die Ermordung von
Shastri als den Interessen der UdSSR förderlich angesehen worden sein, zumal seine einzige mögliche
Nachfolgerin die pro-sowjetische Frau Indira Gandhi gewesen ist.
Da die westlichen Analytiker von der Echtheit der sowjetisch-chinesischen Spaltung überzeugt
sind, und folglich die Möglichkeit einer geheimen sowjetisch-chinesischen Zusammenarbeit
ausschließen, würden die Sowjets ihre Chancen, mit einer geheimen Ermordung des US-Präsidenten
anläßlich seines Chinabesuchs durchzukommen, als außerordentlich gut einschätzen.
Präsident Reagans bevorstehende Chinareise kann nicht mit dem Staatsbesuch von Ex-
Präsident Nixon von 1972 verglichen werden. Damals war es das kommunistische strategische Ziel,
Präsident Nixon zu einer gleichzeitigen politischen Entspannung mit der UdSSR und China zu
bewegen, und ihn, als führenden Exponenten des Antikommunismus, zu veranlassen, die
antikommunistischen Elemente aus der amerikanischen Außenpolitik zu entfernen.
Die Kommunistenführer haben ihn als ein unwissendes Werkzeug zur Förderung ihrer
Strategie erachtet, da auch Nixon die Spaltung zwischen der UdSSR und China für echt hielt." 

Memorandum an die CIA. 4. Juli 1984

SOWJETISCHE STRATEGISCHE ABSICHTEN


UND DIE BEVORSTEHENEN PRÄSIDENTSCHAFTSWAHLEN

1. Im Buch dieses Analytikers ["New Lies for Old"] ist eine Analyse über die Sowjetstrategie
und ihre Ziele gegenüber den USA, der NATO und den politischen Parteien in den Vereinigten Staaten

238
von Amerika und Westeuropa enthalten. Dort wird vorausgesagt, daß die kommunistischen
Führer eine falsche kontrollierte Lieberalisierung und wirtschaftliche "Reformen"
vorbereiten und durchführen, um ihre strategischen Ziele zu erreichen.
Sie erwarten eine Ausweitung ihrer Einflußsphäre im Ausland, und insbesondere in
Westeuropa, durch den Austausch des System nach dem Vorebild des Dubcek-Modells. Wie im Buch
beschrieben, verbinden die Sowjetführer den Erfolg ihrer Strategie mit der Unterstützung von linken
und reformistischen Kreisen in den Vereinigten Staaten von Amerika.
Diese Analyse führt zu folgenden Einschätzungen der sowjetischen strategischen Absichten im
Verlauf des Präsidentschaftswahlkampfes:

(a) Die Sowjetstrategen sind darüber besorgt, daß die gegenwärtige erfolgreiche US-Politik der
Wiederherstellung der militärischen Stärke während einer zweiten Amtsperiode von Präsident
Reagan fortgesetzt werden wird.
(b) Die Sowjetstrategen sind ebenfalls darüber besorgt, daß ihrer sogenannte "Liberalisierung"
unter dem wiedergewählten Präsidenten im Sinne seiner günstigen Reaktion bezüglich
Abrüstung, der Neutralisierung Deutschlands und der Wirtschaftshilfe und Kreditgewährung
für ihr "liberalisiertes" Regime kein Erfolg beschieden sein könnte.
Folglich haben sie beschlossen, die Präsidentschaftswahlen massiv zu beeinflussen und die
gegenwärtige Administration durch die Verbreitung von Desinformation in öffentlichen
Mißkredit zu bringen. Diese Absicht wird durch ihren Konfrontationskurs, ihre Weigerung zur
Beteiligung an Verhandlungen zur Raketenbegrenzung, ihren Boykott der Olympischen 'Spiele
und der Verhaftung von diplomatischem Personal der Moskauer US-Botschaft deutlich.
Weitere Anzeichen dieser Kampagne schließen den Besuch ihres führenden Strategen für
amerikanische Angelegenheiten, Georgiy Arbativ, und einer Delegation von promionenten
sowjetischen Journalisten mit ein. Der sowjetische Einsatz Sacharows ist ein Teil dieser
Operation. In der Vergangenheit wurden Sacharows Ansichten dazu benutzt, den Ausgang der
SALT-Verhandlungen und die Entwicklung der Atomkraftgegner-Bewegung im Westen zu
beeinflussen.
Heute werden sie dafür eingesetzt, konservative Politiker in eine Falle zu locken und die
Position von sowjetischen Einflußagenten im Westen zu stärken.

2. Es ist zu erwarten, daß die Bemühungen der Sowjetstrategen zur Beeinflussung des
Präsidentschaftswahlkampfes ihren Höhepunkt im September oder Oktober 1984 erreichen werden,
wo man versuchen wird, den Präsidenten während der Verhandlungen für ein Gipfeltreffen zu
kompromittieren, indem man ihn als starrköpfig darstellt. Von größter Bedeutung ist jedoch die
Tatsache, daß man versuchen könnte, den Ausgang der Wahlen durch kalkulierte Veränderungen in
der Sowjetführung zu beeinflussen.
Die Sowjetstrategen könnten den alten Führer Konstantin Chernenko, der ohnehin
lediglichlich eine Marionette ist, durch einen jüngeren Sowjetführer ersetzen, der bereits vor einiger

239
Zeit zu dessen Nachfolger bestimmt wurde, ersetzen – nämlich Genosse Gorbatschow. Eine der
Hauptaufgaben Gorbatschows wird es sein, die sogenannte "Liberalisierung"
durchzuführen. Auch der alte "Hardliner" Andrei Gromyko könnte durch einen jüngeren
"Softliner" ausgetauscht werden. Es ist nicht einmal ausgeschlossen, daß sie eine Frau in die
Sowjetführung aufnehmen.
Von der neuen Sowjetführung werden Wirtschaftsreformen durchgeführt, und
einige verblüffende politische Initiativen ergriffen werden, umd die deutliche
Botschaft zu vermitteln, daß die Veränderungen in der Sowjetführung und
Sowjetpolitik entsprechende Veränderungen in der US-Führung, der US-Militärpolitik
und dem US-Haushalt bedürfen. Da beide, sie Konservativen und Liberalen durch die
strategische Desinformation bezüglich der sowjetischen Absichten gleichermaßen
verwirrt sind, könnten diese Sowjetmanöver, unterstützt durch die kommunistischen
Einflußagenten, erfolgreich sein. 

Memorandum an die CIA: Januar 1985

DAS VERSTÄNDNIS FÜR DIE EINGESETZTEN NEUEN AKTIVEN METHODEN

KOMMUNISTISCHER POLITISCHER AKTIVISMUS UND NEUE METHODEN


"... Die bisher vollzogen Veränderungen, erfolgten mittels eines kreativen Ansatzes in Verbindung mit
intensiviertem politischen Aktivismus. Diese Kombination wurde in alle Sphären der
kommunistischen Aktivitäten eingebracht:
 In die kommunistische Bewegung, anstelle des monolithischen Komintern aus den Tagen
Stalins, wurde durch die Strategen falsche Aufspaltungen eingebracht, während gleichzeitig die
geheime Koordination verstärkt wurde. Anstatt die Sowjetunion zu verherrlichen, wie es in der
Vergangenheit geschah, lassen die Kommunisten jezt kalkulierte Kritik an den sowjetischen Praktiken
zu. Anstelle der Isolation aus früheren Zeiten, sind politische Bündnisse mit sozialistischen Parteien
und Gewerkschaften im Westen getreten.
 In Wirtschaftsfragen haben die Kommunisten, und insbesondewre die Chinesen auf die
kalkulierte Einführung des Kapitalismus zurückgegriffen, um ihre Wirtschaft zu beleben und sich
westliche Kredite und Technologie zu verschaffen, indem sie die erprobten Taktiken der "Neuen
Wirtschaftspolitik" erneut anwenden.
 Im Bereich der Diplomatie ist an die Passivität und Isolation unter Stalin, eine aktive
Diplomatie nach den Grundsätzen von Lenins "Rapallo-Pakt" getreten, zu der auch Besuche von, und
den Abschluß politischer und militärischer Abkommen mit dem kapitalistischen Gegner auf dem

240
Gebiet der Militärtechnologie und Bewaffnung gehören. Dieses Aktivismus haben Chruschtschow,
Breschnew, Ceauscescu und jetzt die chinesischen Führer bedient.

DIE AKTIVEN METHODEN DES KGB


An die Stelle der primitiven Unterdrückung der Massen unter Stalin, haben der KGB und andere
kommunistische Sicherheitsdienste die aktiven Methoden gesetzt, die von den Sicherheitsdiensten
unter Dzerzhinski erfolgreich praktiziert worden sind. Zu diesem Methoden gehören die Schaffung
einer falschen, kontrollierten politischen Opposition, die den westlichen Nachrichtendiesnten als echt
angedient wird, um diese Nachrichtendienste mittels Desinformation zu manipulieren. Diese
Methoden beinhalteten, falls erforderlich, auch die Durchführung vorgetäuschter Gerichtsverfahren,
Morde usw. So arrangierte beispielsweise der sowjetische Sicherheitsidenst GPU die vorgetäuschte
Exekution von Oppercut, einer der besten Provokateure und Begründer des "Trust," wegen der
Anschuldigung der Spionage für die Engländer und des Terrorismus. Die GPU berichtete über seine
Exekution auf einer Pressekonferenz.
Der Westen hat das Erfordernis der Nachprüfung von Behauptungen der kommunistischen
Welt im Bereich der Raketenstationierung erkannt. Wegen der aktiven Methoden des KGB ist es
ebenso erforderlich, das Bedürfnis für die Überprüfung dessen, was uns überpolitische Entwicklungen
erzählt wird anzuerkennen, bevor wir sie als Tatsachen akzeptieren.
Angesichts der Anwendung sieser Methoden, war es für den KGB nur logisch, die
vorgetäuschte Verhaftung Sacharows zu arrangieren, um seine Glaubwürdigkeit [als Dissident] zu
erhöhen. Dieses Schauspiel war durch die Manipulation ihrer westlichen Quellen leicht zu
arrangieren.
Diese vorgetäuschte Verhaftung sorgte dafür, daß die bis dahin von Sacharow verbreitete
Desinformation vom Westen auch weiterhin für bare Münze genomnmen wurde.

ZUKÜNFTIGE STRATEGIEN UND IHRE ZIELE


"... Jetzt können die Sowjets mit der Durchführung ihrer "Neuen Wirtschaftspolitik" und der
Liberalisierung der UdSSR unter Gorbatschow weitermachen, und die zweite Phase ihrer Strategie in
Polen – Die Schaffung einer Koalitionsregierung aus Verteretern der Kommunistischen Partei, der
Kirche und Solidarität, in die Praxis umsetzen.
Jetzt können sie ihre diplomatische Offensive gegen Westdeutschland wieder aufnehmen.
Jetzt können sie ihre Einflußagenten reaktivieren. Jetzt können sie wieder davon ausgehen, daß ihre

241
Strategie erfolgreich sein wird, ihnen Kredite und Technologie aus dem Westen verschaffen, zur
Wiedervereinigung Deutschlands und zur Zerfall des NATO-Bündnisses führen wird. Alles das wird zu
weiteren Druck auf den Westen mit dem Ziel der einseitigen Abrüstung führen...
Die von den Sowjetstrategen angestreben Zwischenetappen sind folgende:

 Spaltung der amerikanischen Nation.


 Nachdrückliche Forderung zur Senkung des Verteidigungshaushalts.
 Erhöhung der Spannungen zwischen den USA und ihren Verbündeten.
 Reaktivierung der englischen und westdeutschen Abrüstungs-Bewetungen
 Reaktivierung der Atomwaffengegner in den USA. 

Memorandum an die CIA: April 1995

BEWERTUNG DER EINLADUNG VON BILLY GRAHAM


UM IN SOWJETISCHEN KIRCHEN ZU PREDIGEN

Es war ein außerordentlich bewegendes und beeindruckendes Ereignis mit erheblichen politischen
und strategischen Aspekten. Dieses Spektakel wurde in gekonnter Weise durch die sowjetischen
Behörden, die KGB-kontrollierten Priester, wie Patriarch Pimen, und Sowjetstrategen, einschließlich
Georgiy Arbatov, Direktor des Instituts zum Studium der Entwicklung in den USA und Kanada, Boris
Ponomarew, Politbüromitglied der Kommunistischen Partei und Yuriy Shukov, Vorsitzender des
Sowjetischen Friedenskommitees, in Szene gesetzt. Mit dem Letztgenannten hatte sich Billy Graham
schon einige male zuvor getroffen. Das Publikum war sorgfältig ausgesucht worden.
Neben den traditionellen echten Gläubigen der alten Generation, befanden sich in der
Versammlung auch Abgeordnete vom jungen "Komsomol" und Mitglieder der "Druzhiny" (der
sowjetischen Überwachungstruppe). Die Anwesenheit der Komsomol-Mitlgieder wurde deutlich, als
man erwähnte, die Behörden hätten sowjetische Studenten zur Teilnahme an der Veranstaltung
eingeladen. Die Einladung an Graham, seine "fürstliche" Behandlungen, die Höflichkeit der
Veranstalter des Spektakels, und die "Publicity," die alles umgab, waren ganz klare Hinweise darauf,
daß die Sowjetstrategen es auf etwas ganz Besonderes angelegt hatten.
Was also war die wahre Bedeutung un der Zweck dieser Veranstaltung?

(a) Die Veranstaltung wurde durchgeführt, um die westlichen Teilnehmer, insbesondere


westliche Christen, Katholiken und Protestanten, mit dem angeblichen Wachsen der religiösen
Freiehit in der UdSSR zu beeindrucken.
(b) In der Konsequenz wurde damit der Linie von Stalins Zurschaustellung von "Toleranz
gegenüber der Kirche" zur Zeit des Zweiten Weltkriegs gefolgt.

242
(c) Es war Anzeichen und Bestandteil der sowjetischen "Liberalisierung" und politischen
Offensive, wie es von diesem Analytiker vorausgesagt worden war. Während der Kriegszeit wurde
religiöse "Entspannung" zur Festigung des Bündnisses mit den westlichen Verbündeten eingesetzt,
und um die sowjetischen Kriegsanstrengungen zu unterstützen. Heute wird diesee Mittel in einem
anderen Krieg eingesetzt – um der politischen Strategie zur Abrüstung des Westens zu dienen.
(d) Ein weiterer Grund war die Absicht, das Ansehen des russischen "Hohepriesters" im Sinne
eines "wahren Hirten" zu heben, vergleichbar mit westlichen Priestern als moralische Autoritäten.
(e) Es war beabsichtigt, den Boden für ähnliche Einladungen und Massenbesuche westlicher
Priester in der UdSSR zu bereiten, und ganz besonders auf den Besuch des Papstes hinzuarbeiten.
(f) Der letztendliche Zweck bestand in der Förderung der Zusammenarbeit und zur
Begründung einer gemeinsamen Front zwischen den sowjetischen Kirchen und den Christen des
Westens – Katholiken und Protestanten – zur Unterstützung der nuklearen Abrüstung, wie es in den
Pastoralschreiben der katholischen Bischöfe gefordert wird.

Die Sowjetstrategen können mit ihrer Manipulation der westlichen Kirchen durchaus erfolgreich sein,
weil:

(1) Die sowjetischen Priester durch den KGB und die Sowjetstrategen kontrolliert und geführt werden,
und iuhre Beteiligung ein Täuschungsmanöver ist, das der Strategie zur einseitigen Abrüstung und
Annäherung des Westens dient, und
(2) die westlichen Priester, wie wir bei Billy Graham gesehen haben, keine Ahnung von der wahren
aktivistischen Rolle der sowjetischen Hoheprister und dem wahren Zweck der religiösen Entspannung
in der Sowjetunion haben. 

Anmerkung des Verlegers: Im Jahre 1993 besuchten der Erzbischof von Canrterbury und der Bischof von Oxford
Rußland, Armeinen und Georgien. In Armenien trafen sie mit dem armensichen Präsidenten Ter-Petrosyan
zusammen, der wie ihnen berichtet wurde – die Psalmen ins moderne Armenisch übersetzt hat. In Tbilisi wurden
die englichen Kirchenmänner herzlich durch den Katholischen Patriarchen Ilya II. begrüßt, der von anderen
georgischen Bischöfen belgeitet wurde. MVD-General Eduard Schewardnaze, von dem die britischen Besucher
persönlich empfangen wurden, besuchte seinerseits einen Empfang, den der Erzbischof von Canterbury in der
georgischen Haupotstadt gab. Nach Mitteilungen eines Verbindungsmannes der georgischen "Quellen," wurde
Schewardnaze im Jahre 1992 als Christ getauft und nahm den christlichen Namen "Georg" an. Als Schewardnaze
im Jahre 1993 von einem britischen Filmproduzenten für einen Dokumentarfilm aufgenommen wurde, plazierte
man schnell eine Ikone hinter seiner Schulter, die als Beweis für seine "Bekehrung" dienen sollte. Gemäß
georgischer Tradition, werden die Ikonnen aber in der oberen rechten Ecke des Raumes angebracht.
Schewardnazes "Bekehrung," wie auch die Übersetzung der Psalmen in modernes Armenisch durch Ter-

243
Petrosyan, und die Gerüchte über Gorbatschows Übertritt zum christlichen Glauben nach den Auftritten Billy
Grahams – sind falsch! Diese Gerüchte wurden verbreitet, um den Westen im allgemeinen, und die westlichen
Kleriker im besonderen zu täuschen. Schewardnazes interessantes Image als "wiedergeborener Christ" und sein
Glaube an Gott passen nur schlecht mit seinen Äußerungen zusammen: Beispielsweise seine Erklärung im
Georgischen Parlament vom 6. August 1993: "Mein Wort sollte für jedermann Gesetz sein."

Memorandum an die CIA: August 1995

DIE GEFAHR FÜR DEN WESTEN:


EINE BEURTEILUNG DES AUFSTIEGS GORBATSCHOWS,
DIE ROLLE DER "LIBERALISIERUNG"
IM RAHMEN DER SOWJETSTRATEGIE,
UND SEINE GEFÄHRLICHEN FOLGEN FÜR DEN WESTEN

"Die schnelle Ernennung Michael Gorbatschows zum Parteiführer bestätigt die früheren
Schlußfolgerungen dieses Analytikers über die Einstellung der Machtkämpfe innerhalb der
Sowjetführung, und die Lösung der Nachfolge durch die vorzeitige Auswahl der Personen durch das
Politbüro.
Gorbatschow wurde ausgewählt, gefördert und auf seine Ernennung durch den
verstorbenen Suslov und Andropov, sowie von Ponomarev und Gromyko in derselben
Weise vorbereitet, wie Dubcek für die Führungsrolle in der Tschechoslowakei ausgewählt worden war.
Gorbatschows Rede und weitere Anhaltspunkte bestätigen die vorangegangene Analyse des Autors
über die zu erwartende sowjetische "Liberalisierung," die im Verlauf der vergangenen zwei Jahrzehnte
unter Sehelpin und Andropov vorbereit worden ist. Gorbatschow wurde als Vertreter der "neuen
Generation" wegen seinerEntscheidungskraft, seiner Bestimmtheit, seines Auftretens, und vor allem,
weil er für die Durchsetzung der "Liberalisierungsstrategie" umfassend ausgebildet worden ist,
ausgewählt. Ein weiterer Faktor zu seinen Gunsten ist der Umstand, daß er nicht an der stalinistischen
Unterdrückung der Massen beteiligt gewesen ist.
Es gibt keinerlei Veranlassung zu Illusionen oder Euphorie im Westen über
Gorbatschows Ernennung und die kommende "Liberalisierung." Im Gegenteil, diese
Entwicklung könnte schwerwiegende Herausforderung und ein Test für die politische
Führung der USA und für den Westen bedeuten. Die "Liberalisierung" wird weder
spontan, noch echt sein. Es wird sich um eine kalkulierte "Liberalisierung" handeln,
vergleichbar der tschechischen "Demokratisierung," die im Jahre1968 als
Generalprobe diente. Sie wird von oben beginnen und durch den KGB und den
Parteiapparat kontrolliert und gelenkt sein. Die "Liberalisierung wird folgende Elemente
beinhalten:
(a) Wirtschaftsreformen zur Dezentralisierung der Sowjetwirtschaft und zur Einführung von
gewinnorientierten Unternehmen, vergleichbar denen in Ungarn und China. Da Gorbatschow ein
Landwirtschaftsfachmann ist, muß mit der Umorganisation der "Kolchosen" oder kollektiven Farmen,
zu "Staatsgütern" gerechnet werden. Die Aufgabe der Kolchosen wurde in der Tat von Beria bereits im
Jahre 1953 geplant.

244
(b) Religiöse Entspannung nach dem Vorbild Stalins während des Zweiten Weltkriegs. Die kürzliche
sensationelle Einladung von Rev. Billy Graham zu Predigten in Sowjetkirchen, weist darauf hin, daß
die Sowjetstrategen dieses Element bereits anwenden, ohne auf die formale Ernennung Gorbatschows
zum Generalsekretär der Partei gewartet zu haben.
(c) Die Erlaubnis für jüdische Emigranten zum Verlassen der UdSSR.
(d) Reiseerleichterungen, um den Sowjetbürgern die Möglichkeit für Auslandsreisen zu eröffnen.
Teilweise wird dies geschehen, um den Westen durch die vermeintliche Einhaltung des Helsinki-
Abkommens durch die Sowjets zu beeindrucken.
(e) Gewisse Erleichterungen für sowjetische Intellektuelle und kulturelle Überläufer. Sowjetischen
Schriftstellern, Regisseuren und Filmproduzenten wird es gestattet werden, Bücher, Theasterstücke
und Filme über kontroverse Themen zu produzieren.
(g) Vermeintliche Kürzungen des Rüstungsetats und die Übertragung der freigewordenen Gelder
in Bereiche der Wirtschaft.

DIE NEUE PHASE DES SOWJETISCHEN TOTALITARISMUS: DER INLANDSASPEKT

Diese "Liberalisierung" wurde möglich, weil das Sowjetsystem seine Wirtschaft stärken konnte,
teilweise mittels westlicher Kredite und Technologie, und politisch wegen der "Entspannung"
zwischen den Blöcken. Inzwischen wurde eine neue "reife" Phase des Sozialismus erreicht.
Die "Liberalisierung" wird das Sowjetregime zu einer neuen Form des Totalitarismus wandeln,
der durch zwei kritische Veränderungen charakterisiert wird:
 Eine breitere politische Basis, und
 Steigerung des politischen Aktivismus.
Es handelt sich jedoch um eine falsche, kosmetische Liberalisierung. So ist
beispielsweise die religiöse Entspannung ein vom KGB und den Hohepriestern der Kirche, die KGB-
Agenten und zur Durchführung der Strategie verpflichtet sind, inszeniertes Spektakel.
Dasselbe triftt auf die sogenannten "Dissidenten" zu, die unter KGB-Kontrolle
stehen. Es handelt sich um dieselbe Form der Provokation, wie sie in den 1920er
Jahren mit Dzerzhinskiys "Trust" praktiziert worden ist.
Im Inland bleiben die führende Rolle der Partei oder die Grundlagen des kommunistischen
totalitären Systems von der "Liberalisierung" unberührt. Vielmehr ist die "Liberalisierung" ausgelegt,
um Partei und System auf dieselbe Weise zu stärken, wie es durch Lenins "Neue Wirtschaftspolitik! In
den 1920er Jahren der Fall gewesen ist.

245
DIE GEFAHREN DER "LIBERALISIERUNG":
DAS SOWJETISCHE STRATEGISCHE MUSTER GEGEN DEN WESTEN

Die "Liberalisierung" ist für den Westen nicht wegen ihres Inlandseffekts, sondern wegen der ihr
innewohnenden Implikationen im Bereich der Außenpolitik und ihres gegen die westlichen
Demokratien gerichteten strategischen Musters. Die "Liberalisierung" ist Bestandteil der gegen den
Westen gerichteten Sowjetstrategie:
 Zunächst einmal, handelt es sich um einen wesentlichen Bestandteil der sowjetischen
Gesamtstrategie zur Täuschung, Beeinflussung und Entwaffnung des Westens durch taktische
Manöver und den Mitteln der Politik. Sollte die "Liberalisierung" durch die unwissenden Medien als
eine weitreichende, radikale Umstellung des Sowjetsystems angepriesen werden, wird es den
kommunistischen Führern sofort möglich sein, die politische Initiative an sich zu ziehen, und die
politische und diplomatische Entspannung wieder aufleben zu lassen, die sich für den Westen in der
Vergangenheit so katastrophal, und für die Kommunisten so günstig ausgewirkt hat.
 Die charismatische Persönlichkeit Gorbatschows könnte bei der Überreaktion der
westlichen Medien eine wichtige Rolle spielen. Die Fähigkeit der westlichen Medien zur Einschätzung
der Sowjetführer war bisher außerordentlich naiv bis schwach.
Früher wurde derdamalige KGB-Vorsitzende Shelepin als ein "junger Türke" eingestuft,
während Andropov später als "Schubladen-Liberaler" angesehen wurde. Gorbatschow wurde von den
Medien völlig zu unrecht bereits als sowjetischer "Jack Kennedy" bezeichnet.

DIE ZIELE DER POLITISCHEN OFFENSIVE

Die Sowjetliberalisierung ist ein Schlüsselelement der Strategie des gesamten Kommunistischen
Blocks, insbesondere von Polen und Ostdeutschland, gegen den Westen. Das Hauptziel ist eine
politische Offensive gegen die USA und Westeuropa durch Veränderung der politischen und
militärischen Landschaft.
Diese Strategie soll folgendes erreichen:
 Die Schaffung einer "Deutschen Föderation" von Ost- und Westdeutschland, und deren
Rückzug aus dem "Warschauer Pakt" und der NATO.
 Die Aufspaltung der NATO und die Erzwingung des Abzugs der US-Truppen aus Europa.

NEUE MÖGLICHKEITEN

246
Es ist zu erwarten, daß es zur Realisierung dieser verdeckten Ziele zu einer ähnlichen "Liberalisierung"
in Polen und Ostdeutschland kommen wird. Als neue Realität in Europa darstellt und angepriesen,
wird die sowjetische, polnische und deutsche "Liberalisierung" einen verblüffenden und einen
geradezu hypnotischen Effekt auf die Westeuropäer und Amerikaner haben. Die sich daraus
entwickelnde Verwirrung wird von den sowjetischen, polnischen und deutschen Führern mittels ihrer
aktivistischen Diplomatie, insbesondere mit Westdeutschland, ausgenutzt werden.
Die tschechoslowakischen, ungarischen und rumänischen Führer werden zu dieser
Politikaktiv beitragen. Die kommunistischen Strategen, ermutigt durch gegen die NATO- und Amerika
gerichtete Trends, insbesondere von den Sozialisten Westdeutschlands, Großbritanniens und
Griechenlands, werden versuchen, ihre "Liberalisierung" zur Entwicklung von Vereinten Fronten der
Zusammenarbeit mit Konservativen und Sozialdemokraten gegen Militärbündnisse in Europa
einzusetzen.
Die angebliche religiöse Entspannung wird von den kommunistischen Kirchen zur Errichtung
einer ähnlichen Front mit Katholiken, Protestanten und anderen Christen Westeuropas gegen die
NATO mißbraucht werden. Die "Liberalisierung" wird sich zu einem machtvollen Karalysator zur
Wiederbelebung der Anti-Kriegsbewegungen in Westeuropa, und hier insbesondere in
Westdeutschland, Großbritannien, Belgien und den Niederlanden entwickeln.

DIE ROLLE DES KGB: SEINE VERDECKTEN OPERATIONEN UND EINFLUSSAGENTEN

Im Verlauf dieser politischen Offensive werden der KGB und die Sonderdienste der anderen
kommunistischen Staaten ihr nachrichtendienstliches Potenzial zur durchführung offener und
verdeckter Operationen zur Sicherung spezifischer strategischer Ziele, insbesondere durch die
Manipulation der Pazifisten, einsetzen. Sabotageakte gegen NATO-Einrichtungen in Westeuropa
werden zunehmen.
Eine bedeutende aktivistische Rolle wird den sowjetischen Einflußagenten bei der Ausführung
der Strategie zukommen. Politiker, Wissenschaftler, Priester und Medienvertreter werden die
Zielgruppe bilden. Nach der Meinung dieses Analytikers, unterschätzen die westlichen
Gegenspionagedienste das nachrichtendienstliche Potenzial der kommunistischen Länder in Europa,
insbesondere, was ihre Einflußagenten betrifft. Gemäß dieser Analyse sind die folgenden
Entwicklungen Indikatoren für den Beginn der Politoffensive in Westeuropa:
(a) Die plötzliche Einladung des westdeutschen Außenministers Hans-Dietrich Genscher nach
Polen und in die UdSSR.
(b) Der Besuch Andrei Gromykos und seiner Begleiter im Vatikan. (Der Besuch erfolgte,
nachdem behauptet wurde, der KGB und die Sowjets seien in das Attentat auf den Papst beteiligt
gewesen. Dieser Analytiker hält diese Behauptungen für unbegründet, fragt sich aber, warum diese
Sowjetvertreter im Vatikan empfangen worden sind).

247
(c) Der geplante Frankreichbesuch Michael Gorbatschows, und der Jugoslawienbesuch von
Vitaliy Vorotnikov, einem Mitglied des Politbüros.
Es ist bezeichnend, daß die Sowjets mit ihrer Offensive vor der formalen Ernennung
Gorbatschows zum Parteivorsitzenden begonnen haben. Dies ist ein sicherer Hinweis darauf,
daß sich die Durchführung der Strategie in den Händen des Parteiapparates und
dessen Strategen befindet, und die zeitliche Vorausplanung ein wesentliches Kriterium
der Strategie ist.

"LIBERALISIERUNG" UND IHRE AUSWIRKUNGEN AUF STRATEGISCHE VERHANDLUNGEN:


STRATEGISCHE MUSTER GEGEN DIE US-MILITÄRDOKTRIN

Die "Liberalisierung in der UdSSR, Polen und Ostdeutschland wird von den Sowjetstrategen aktiv zur
Destabiliserung und Unterminierung der amerikanischen Militärmacht und entsprechender
Militärprogramme, einschließlich der "Strategic Defense Initiative" und des Militärhaushalts
eingesetzt werden.
Es wird zu einem neuen "Ballspiel" bei den Genfer Abrüstungsverhandlungen kommen. Die
"Liberalisierung" wird eine "Büchse der Pandora" des unterschiedlichen politischen Drucks auf die
US-Verhandlungsführer, auch von Seiten ihrer Verbündeten öffnen. Die Sowjets werden versuchen,
das Thema der "Liberalisierung" benutzen, um Konzessionen auszuhandeln, die sich für die USA
schädlich auswirken werden. Es ist zu erwarten, daß Gorbatschow einige verblüffende strategische
Abrüstungs-Initiativen und/oder den Abzug einer Anzahl von sowjetischen Raketen aus Osteuropa,
vergleichbar der Reduzierung von Sowjettruppen durch Chrustschow im Jahre 1960, vorschlagen.
Diese Vorschläge sollen der Störung und Unterminierung der US-militärischen Doktrin
dienen, und um eine Redizierung des amerikanischen Verteidigungshaushalts zu erreichen.
Schließlich auch darum, die US-Sowjetischen Verhandlungen im Interesse der Sowjetunion verlaufen
zu lassen, und die US-Strategische Verteidigungs-Inistiative] zu unterminieren.
Schließlich ist auch mit der Entsendung falscher Überläufer durch den KGB zu
erwarten, die Desinformation verbreiten werden, um die amerikanische
Verhandlungsposition zu schwächen. Die Aktivierung von sowjetischen Einflußagenten aus den
Reihen ihrer Wissenschaftler zur Unterminierung des US-Militärprogramms, insbesondere von SDI,
wird zeitgleich erfolgen.
Der hinreichend bekannte Direktor des Instituts für das Studioum der USA und Kanadas,
Georgiy Arbatov, und eines sowjetischen Raumfahrtexperten haben bereits Kontakt zum Dekan des
Notre Dame College und Medienvertretern mit der Absicht aufgenommen, dem SDI-Programm den
Todesstoß zu versetzen. Die Rolle Arbatovs wurde durch seine Teilnahme an einer Konferenz zum
Thema "Nuklearer Winter" offenbar. Eine Konferenz, die von Arbatov, zusammen mit dem Dekan des
Notre Dame Colleg, vorbereitet worden war. Über diese Tatsache berichtete der Fernsehsender CNN
am 14. Januar 1985.

248
"LIBERALISIERUNG" ALS TEIL DER STRATEGIE
DER INTERNATIONALEN KOMMUNISTISCHEN BEWEGUNG

Die "Liberalisierung" ist gleichfalls ein wesentlicher Bestandteil der Strategie der internationalen
Kommunistenbewegung. Sie bietet der Kommunistischen Partei eine Vielzahl von Möglichkeiten in
Westeuropa und liefert neue politische Munition zur Wiederbelebung ihrer Aktivitäten und zur
Steigerung ihres Einflusses und ihrer Macht. "Liberalisierung" tilgt das Stigma der diskreditierten
stalinistischen Praktiken des Sowjetregimes und seiner Satelliten. Das Stigma war ein Hindernis für
die kommunistische Propaganda und hat die westeuropäischen Kommunistischen Parteien isoliert.
Die "Liberalisierung" wird diese Lage grundlegend verändern. Der hungrige
Sowjetrevolutionär war eine Karikatur und ein Witz. Der gutgenährte Revolutionär mit menschlichem
Antlitz in einem Anzug nach westlichem Stil, ist für Propagandazwecke entschieden vorteilhafter. Die
"Liberaliserung" wird den Boden für die Wiederbelebung des "Euro-Kommunismus" oder Abarten, die
den Begriff "Kommunismus" vermeiden, bereiten. Sie wird die Grundlage für die Errichtung
gemeinsamer Fronten mit Sozialdemokraten bilden. Außerdem bietet die "Liberalisierung"
weitere Möglichkeiten zur Ausgrenzung der Konservativen und zur Veränderung des
politischen Gleichgewichts zu Gunsten der Linken in Westeuropa.
Der Klassenkampf ist nicht tot: Er wird in einer neuen und effektiveren aktivistischen Form
fortgesetzt werden. Die "liberalisierten" Regime werden ein attraktiveres, überzeugenderes Modell des
Klassenkampfes eintwickeln. Die "Euro-Kommunistische" Assoziierung mit der "Liberalisiserung" und
jede Möglichkeit der Manipulation wird dafür sorgen, daß Eurokommunisten in größerer Zahl in die
Parlamente einziehen. Die verdeckten Aktivitäten der kommunistischen Nachrichtendienste in
Westeuropa werden intensiviert werden. Zu diesen Aktivitäten wird auch die heimliche
Ermordnung von führenden Antikommunisten zählen, die als Hindernisse für die
Strategie erachtet werden. Weitere Aktivitäten werden die Rekrutierung und
Erpressung von konservativen und sozialistischen Politikern, und den Einsatz von
Einflußagenten einschließen, um Regierungen im Sinne der "Gemeinsamen Front" zu
schaffen.

DIE WESTLICHE REAKTION AUF DIE "LIBERALISIERUNG" UND DIE POLITISCHE OFFENSIVE
IN WESTEUROPA: PROBLEME DER FÜHRUNG DES WESTENS

Die "Liberalisierung" in der UdSSR, Polen und Ostdeutschland könnte im


Westen eine Kettenreaktion auslösen, und insbesondere den NATO-Ländern und der
US-Militärdoktrin irreparablen Schaden zufügen, sofern nicht die wahre Natur und
Absicht der dahinter stehenden kommunistischen Strategie erkannt wird. Die
"Liberalisierung" und ihre strategischen Manipulationen, verbunden mit offenen und

249
verdeckten Operationen, werden der westlichen Führung erhebliche Probleme
bereiten.
Die Operationen werden darauf abgestellt sein, die westlichen Führer zu
verwirren, die westeuropäischen Verbündeten von den USA abzuspalten, um dann die
Völker von ihren gewählten Führern zu trennen. Von den verantwortlichen Politikern,
die sich von der "Liberalisierung" blenden lassen, sind unbewußte Fehlentscheidungen
zu Gunsten der Kommunisten zu erwarten.
Die einzige Möglichkeit zu einer effektiven politischen Führung und der Verhinderung der
Spaltung von Volk und Führern, besteht darin, die Öffentlichkeit frank und frei über die Essenz und
die Gefahren der "Liberalisierung" zu informieren. Es ist lebenswichtig, fehlerhafte Ansichten über die
sogenannte Krise des Sowjetregimes zu korrigieren. Es ist allerhöchste Zeit, die Stärke und das
politische Potenzial des gegenwärtigen aktiven, reifen totalitären Staates zu
erkennen, der sich der Welteroberung mit politischen Mitteln und Offensiven
verschrieben hat. Es ist gleichfalls an der Zeit, die Lehren aus der falschen westlichen
Überreaktion auf die "Liberalisierung" zu ziehen, und die Lage nüchtern zu beurteilen,
und die Vor- und Nachteile für den Westen einzuschätzen.
Es besteht das dringende Bedürfnis für Konsultationen zwischen den USA und ihren
europäischen Verbündeten über die Gefahren der neuen Lage.

DAS ERFORDERNIS ZUR WIEDERHERSTELLUNG


DER NACHRICHTEN- UND GEGENSPIONAGEDIENSTE

Als gegenwärtige Realität gilt, daß der Westen es zugelassen hat, sich angesichts der kommunistischen
politischen Offensive politisch entwaffnen zu lassen. Die CIA verlor viele ihrer verläßlichen Quellen im
Jahre 1967 und durch den "Watergate-Skandal." Das Potenzial des Dienstes für offene und verdeckte
Operationen zur Verteidigung der USA, NATO und Westeuropas gegen die kommunisitsche
Politoffensive, wurde erheblich reduziert. Die westeuropäischen Nachrichtendienste sind keinesfalls
besser darauf vorbereitet, KGB-Agenten zu enttarnen und mit ihnen umzugehen. Es besteht das
dringende Bedürfnis zur Wiederherstllung des westlichen Nachrichtendiesntpotenzials.

DAS LEBENSWICHTIGE ERFORDERNIS ZUR ERHALTUNG


DER US- UND NATO-MILITÄRSTÄRKE

Obwohl die USA auf die kommunistische Politoffensive politisch völlig unvorbereitet sind, haben sie
ihre Die SDI und fortschrittliche amerikanische Technologie würden das Land noch sicherer machen:
Darum die sowjetischen Bemühungen, diese Bestrebungen zu torpedieren. Die militärische
Schlagkraft von USA und NATO sind das Mittel zur Verhinderung sowjetischen Abenteuertums und

250
möglicherweise geeignet, die gegenwärtige politische Offensive zu stoppen. Keinesfalls dürfen diese
militärischen Mittel wegen Illusionen über die "Liberalisierung" zur Dispostion stehen.
Anderenfalls werden die USA in den Augen der kommunistischen Länder zu einem
"Papiertiger" werden, was zu einer Kette von riskanten, unvorhersehbaren Ereignissen führen wird.

ÜBER DAS GIPFELTREFFEN

Es besteht die Gefahr, daß die Teilnahme der USA an einem Gipfeltreffen die Glaubwürdigkeit
Gorbatschows und die Erwartungshaltung der Strategen steigern wird.
Drei Überlegungen sollten beachtet werden:
(1) Die USA sollten der kommunistischen Seite keinerlei Möglichkeiten bieten, die US-
Beteiligung als Zeichen der Anerkennung der Politik Gorbatschows zu manipulieren.
(2) Die USA sollten sich von Gorbatschow Plänen zur "Liberalisierung" der Sowjetunion nicht
beeindrucken lassen, und
(3) Die USA sollten die mögliche Lebensgefahr für den Präsidenten berücksichtigen, die auch
während seines frühjeren Chinabesuchs bestanden hat. Bei Gipfeltreffen außerhalb der USA
besteht ein erheblich größeres Risiko, falls die Sowjetstrategen den Präsidenten als ein
Hindernis für ihre Strategie ansehen sollten. Diese Warnung gilt auch für zukünftige US-
Präsidenten. 

Memorandum an die CIA: 12. November 1985

DAS GIPFELTREFFEN

"Die bisherige Politik des US-Präsidenten der Ablehnung einer Entspannung mit den Sowjets bei
gleichzeitiger Förderung der US-Wirtschaft, war erfolgreich. Diese Politik isolierte die Sowjets von den
USA und Westeuropa und verzögerte die sowjetischen "Inlandsreformen." Die jetzt vorherrschende
Meinung der USA über die regelmäßige Abhaltung von Gipfeltreffen mit dem Sowjetführer Michael
Gorbatschow, dürfte zwar sehr öffentlichkeits- und presssewirksam sein, wäre allerdinge ein
strategischer Fehler, der den nationalen Interessen der USA schadet.

251
Es wäre ein Schritt zur Wiederherstellung einer totalen Entspannung mit den Sowjets,
vergleichbar der Entspannungspolitik Willi Brandts von 1970. Es wäre geradezu eine Einladung für
den Fuchs in den Hühnerstall. Außerdem wird es den Sowjets ermöglicht, die politische Initiative an
sich zu ziehen, und eine "Büchse der Pandora" von Sowjetoffensiven im In- und Ausland öffnen.
Letztlich würde es den Sowjets ermöglichen, ihre Wirtschaftsreformen voranzubringen und mit ihrer
Offensive gegen die NATO in Westeuropa zu beginnen." 

Memorandum an die CIA: 21. November 1985

EINE BEURTEILUNG DES GIPFELTREFFENS:


EINE STRATEGISCHE FEHLKALKULATION MIT WEITREICHENDEN
FOLGEN FÜR DIE VEREINIGTEN STAATEN VON AMERIKA

• Weil die strategischen Auffassungen der USA und der Sowjets gegenüber eingegangenen
Verpflichtungen völlig unterschiedlich sind, wird das Gipfeltreffen und die dort festgelegte zukünftige
Richtung, nämlich der Rückfall in die Entspannung, dem Westen auf lange Sicht keinen Frieden
bringen, und die Ergebnisse werden im krassen Gegensatz zu den strategischen Interessen der USA
stehen.
Die politischen Entscheidungsträger der USA haben die Lektion aus ihrer siebzigjährigen
Erfahrung im Umgang mit der sowjetischen Bedrohung vergessen – nämlich, daß der wirksamste
Weg, die sowjetische Expansion zu stoppen, nicht Entspannung, sondern das Gegenteil ist – den
Druck aufrecht zu erhalten und zu erhöhen.
Nach der Auffassung dieses Analytikers haben die Sowjets die USA wiederum auf dieselbe
Weise hereingelegt, wie es ihnen früher bei den Präsidenten Nixon und Carter gelungen ist.
Durch einen äußerst wirksamen öffentlichen Werbefeldzug ist es ihnen gelungen, den
Eindruck zu erwecken, ihr Hauptanliegen sei der Bann der Strategic Defense Initiative [SDI]. Ihr
wirkliches Haupziel war jedoch die Rückkehr zur Entspannung mit den USA, und genau das haben sie
erreicht. Die Sowjetstrategen sind sich der Tatsache bewußt, daß sie die USA nicht mit
militärischen Mitteln schlagen können. Aber sie sind davon überzeugt, die Schlacht
mit politischen Mitteln unter der Voraussetzung einer Entspannungspolitik gewinnen
zu können. Der anhaltende Druck des Präsidenten auf die Sowjets über fünf Jahre, hat sie in die
Defensive gedrängt und Hindernisse für die Durchführung ihrer politischen Strategie geschaffen. Es
war allein dieser Druck, der die Sowjets ihres des Konflikts mit dem Westen, verlassen sich die Sowjets
hauptsächlich auf ihre politische Strategie der "Wirtschaftsreformen" und der "Annäherung" an den
Westen nach ihren Bedingungen, und nicht in erstert Linie auf militärische Stärke. Folglich ist für sie
die Rückkehr zur Entspannung wichtiger, als der Bann der SDI, die sich allenfalls in zehn Jahren oder
noch später zu einem Problem für sie entwickeln könnte.

252
Die folgenden Überlegungen weisen darauf hin, daß die USA durch die Rückkehr zur
Entspannung strategische Fehlentscheidungen treffen werden, die unglücklicherweise die von Nixon
und Carter getroffenen Fehlentscheidungen weit übertreffen werden.

(1) Die Sowjets erachten die Entspannung für die wirksamste Form der akuten
Auseinandersetzung mit dem kapitalistischen Westen, weil sich alle Vorteile auf ihrer Seite befinden.
Diese Tatsache haben sie durch die Ausnutzung der unter den Präsidenten Nixon und Carter
ausgehandelten Entspannung hinreichend bewiesen.
(2) Der Hauptvorteil der Sowjets unter dem Zeichen der Entspannung ist ihre
Zugriffsmöglichkeit auf die Medien und der Zugang zur politischen Opposition im Westen, verbunden
mit dem Einsatz ihres Pöoit- und Nachrichtendienstpotenzials, insbesondere von Einflußagenten,
ihren Frontorganisationen und ihrer Sabotageagenten gegen die NATO.
Der Westen kann solche Vorteile nicht für sich in Anspruch nehmen, weil er keinen Zugang zu
echter Oppostion in der UdSSR hat, weil sie ausgeschaltet wurde, und weil der Westen sein eigenes
politisches Potenzial im Jahre 1967 und im Zuge der "Watergate"-Affäre aufgelöst hat. Es muß also
Ironie gesehen werden, daß die einzige Zugriffsmögoichkeit für den Westen die KGB-kontrollierte
"Dissiedentenbewegung" ist.
(3) Die Rückkehr zur Entspannung ermöglicht den Sowejts dier Durchführung ihrer
Wirtschaftsrefomen und die Rückgewinnung der Initiative bei der Durchführung ihrer politischen
Strategie gegen den Westen.
(4) Die Rückkehr zur Entspannung bietet den Sowjets Möglichkeiten zur Steigerung ihres
Einflusses und der nachdrücklichen Forderung von Beschenidungen des US-Mverteidigungshaushalts
und zur Demontage des "Militärisch-Industriellen Komplexes" und der NATO. Im Falle einer
amerikanischen Wirtschaftkrise, wird sich der Druck auf das Militär weiter erhöhen.
(5) Die Rückkehr zur Entspannung unterschneidet die Antikommunisten im Westen und
vermindert die Chancen von konservativen Parteien zukünftige Wahlen in Westdeutschland,
Großbritannien, Frankreich und den USA zu gewinnen.
Es ist geradezu ein grotesker Witz, daß sich alles das aus den Fehlentscheidungen eines
konservativen US-Präsidenten ergeben wird. Allerdings haben sich die kommunistischen Strategen
zur Durchsetzung ihrer Ziele seit jeher mit Vorliebe antikommunistischer politischer Führer bedient,
wie das Beispiel Präsident Nixons klar bestätigt hat.
(6) Die Rückkehr zur Entspannung wird das Ansehen des US-Präsidenten als großen
Friednesstifter nur für kurze Zeit stärken, weil die schädlichen Folgen seiner Fehlentscheidung sich
auf längere Sicht gegenüber der Öffentlichkeit selbst offenbaren werden. 

Memorandum an die CIA: Dezember 1985

253
GORBATSCHOW HAT EINE POLITISCHE OFFENSIVE BEGONNEN:
DAS ERFORDERNIS ZUR AUFDECKUNG "SEINER" STRATEGIE
UND DER VERDECKTEN OPERATIONEN

"Gelegentlich besitzen die westlichen Medien eine einzigartige Fähigkeit zur Aufeckung und zum
Angriff auf verdeckte Operationen der Vereinigten Staaten von Amerika – aber bei der Aufdeckung
entsprechender sowjetischer Aktionen versagen sie. Zugestanden, daß die Apartheit in