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NUMERI - ein Werkzeug zur rechnergestützten Ingenieurausbildung /


NUMERI - a software tool for computer aided education of students

Article  in  tm - Technisches Messen · January 1991


DOI: 10.1524/teme.1991.58.jg.353

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1 author:

Peter Haschberger
German Aerospace Center (DLR)
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tm - Technisches Messen 58 (1991) 9 © R. Oldenbourg Verlag

NUMERI - ein Werkzeug zur rechnergestützten


Ingenieurausbildung
NUMERI - a software tool for computer aided education of students

P. Hasch berger

Schlagwörter: Digitale Signalverarbeitung, numerische den PC außer zur reinen Datenverarbeitung auch zur
Verfahren, Trainingssoftware, Ingenieurausbildung Datenerfassung einzusetzen, gleichermaßen im Bereich
der universitären Lehre vollzogen. Unterstützt wird
Voraussetzung für den Einsatz der Methoden der digitalen dieser Prozeß neben dem kontinuierlich sinkenden
Signalverarbeitung ist die genaue Kenntnis der Verfahren. Preis / Leistungs-Verhältnis der Rechner durch entspre-
Es zeigt sich vor allem in der Ausbildung der Ingenieure chende finanzielle Förderungen des Bundes und der
deutlich, daß allein die Vermittlung der theoretischen Länder (ζ. B. Computer-Investitionsprogramm CIP).
Grundlagen nicht ausreicht. Am Lehrstuhl für Elektrische In Ergänzung zur praxisorientierten Ausbildung der
Meßtechnik der TU München wurde vor diesem Hinter- Studenten innerhalb der Forschungslabors der Hoch-
grund das Programmsystem NUMERI entwickelt, das den schulinstitute wird der PC zunehmend als Lehrmittel in
Anwender im Umgang mit den Standardverfahren der Vorlesungen / Übungen und Praktika genutzt (CAE,
numerischen Signalverarbeitung (wie Ausgleichsrechnung, computer aided education). Mit Hilfe der entsprechenden
Statistik, Fouriertransformation, digitale Filterung, Korre- Software lassen sich theoretische Grundlagen verdeutli-
lation ) vertraut macht. Der Bediener wird interaktiv über chen und Vorlesungsinhalte vertiefen. Vor allem die aus
Auswahlmenüs durch das Programm geführt, hat gleich- der Sicht des Studenten oftmals fehlende Verbindung
zeitig jedoch genügend Freiheiten, sich ein Bild von Wir- zwischen Lehrstoff und praktischem Bezug kann durch
kungsweise, Qualität und Einsatzmöglichkeiten der Algo- den Rechnereinsatz einfach und in vielen Fällen ein-
rithmen zu machen. Der Aufsatz beschreibt den Inhalt des drucksvoll und nachhaltig vermittelt werden. Das Pro-
Pakets und erläutert dessen Einsatzmöglichkeiten anhand grammsystem N U M E R I , das im folgenden vorgestellt
einiger Beispiele. wird, bildet diese Verbindung im Bereich der numerischen
Verarbeitung digitaler Signale.
An exact knowledge of the various algorithms in the field of
digital signal processing is necessary for their useful and
efficient application. Particularly in the teaching of stu-
dents the theoretical background is not sufficient. Accor- 2 Ausgangssituation
dingly, the Lehrstuhl fur Elektrische Meßtechnik, Tech-
nical University of Munich, developed the software tool Aufgrund der großen Verbreitung PC-gekoppelter An-
NUMERI containing the major fields of digital signal wendungen von Meß-, Steuer- und Regelungssystemen ist
processing, such as Fourier transform, digital filtering, der Umgang mit Methoden der Datenerfassung und den
correlation, fitting and statistics. The user is led by Verfahren der Signalverarbeitung/-auswertung schon
interactive menus which leave sufficient freedom to experi- lange nicht mehr alleiniges Aufgabenfeld von Elektro-
ment and to gain insight into the use of the algorithms, their ingenieuren. Viele andere technisch-wissenschaftliche Be-
relative strengths and weaknesses and their limitations. The rufe werden mit diesem Arbeitsgebiet konfrontiert und
paper describes the package contents und shows the fields of müssen daher zumindest mit den Grundlagen von nume-
application by some examples. rischen Verfahren und Systemtheorie vertraut sein, um
die potentiellen Möglichkeiten der Systeme effektiv nut-
zen zu können. In der Ausbildung wird dieser Entwick-
lung durch entsprechende Änderungen der Studienpläne
1 Einleitung
Rechnung getragen. Den praktischen Umgang mit Ar-
beitsplatzrechnern, Datenerfassungssystemen und Peri-
Im Rahmen der Ausbildung von Ingenieuren hat der
pheriegeräten lernt der Student im Laufe seines Studiums
Einsatz von Personal Computern (PC) in den letzten
innerhalb spezieller Praktika oder während Semester-,
Jahren immer mehr an Bedeutung gewonnen: Die Rech-
Studien- und Diplomarbeiten kennen.
ner dienen nicht mehr nur als notwendige Hard-
ware-Komponente bei der Vermittlung von Soft- Die Erfahrung zeigt allerdings, daß die Kluft zwischen
ware-Kenntnissen (z.B. in Programmier-Kursen für Verständnis der theoretischen Grundlagen und anwen-
Hochsprachen oder als Emulationsumgebung innerhalb dungsgerechtem Einsatz der Methoden der Signalverar-
von Mikroprozessor-Praktika). Vielmehr hat sich der auf beitung bei den meisten Studenten groß ist. Es fehlt die
allen technisch orientierten Sektoren stattfindende Trend, Fähigkeit, in der Vorlesung vermitteltes (und meist auch

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t m 9/91 Aufsatz

erfaßtes) Wissen praktisch umzusetzen. Dieses Unvermö- sein. Dies ist Aufgabe der Vorlesungen und Übungen
gen zu beseitigen, ist Aufgabe von Praktika. Der Lehr- bzw. der begleitenden Literatur [1],
stuhl für Elektrische Meßtechnik der T U München Wie oben ausgeführt sind die Studenten von Inge-
bietet aus diesem Grund seit vier Jahren ein Fortge- nieur-Studiengängen die Hauptzielgruppe für N U M E R I .
schrittenen-Praktikum Elektrische Meßtechnik an, in Der Einsatz von N U M E R I ist allerdings nicht darauf
dem Studenten der Elektrotechnik ab dem 6. Semester beschränkt. Zwei weitere, große Bereiche sind:
anhand von zehn Versuchsaufbauten den Umgang mit
Verfahren der Signalverarbeitung erlernen. Die PC-ge- - Ingenieur-Weiterbildung: Kombiniert mit dem zugehö-
stützten Versuche sind mit Meßanordnungen gekoppelt rigen theoretischen Hintergrund ist das Programm-
und bearbeiten Themen aus Bereichen wie Meßwert- paket geeignet zur Auffrischung in Vergessenheit ge-
aufbereitung (Ausgleichsverfahren), Meßwertanalyse ratener Zusammenhänge. Der Erfahrungsschatz, den
(Logikanalyse, Amplitudenverteilungen) und System- der Ingenieur aus seiner praktischen Tätigkeit gewon-
theorie (Fouriertransformation, digitale Filterung, Kor- nen hat, wird in einen übergeordneten Rahmen ein-
relation). gepaßt und erhält somit eine fundierte Basis.
In einem weiteren Schritt in Richtung CAE entstand - Laborpraxis: Während N U M E R I bei den vorge-
ausgehend von den Algorithmen, die für die einzelnen nannten Bereichen eher zur Simulation eingesetzt wird,
Versuche dieses Praktikums entwickelt wurden, das Pro- bietet sich auch die direkte, praxisorientierte Anwen-
grammpaket N U M E R I . Unter einer einheitlichen Be- dung an. D a s Programm stellt ein hilfreiches Werkzeug
dienoberfläche sind hier alle gängigen Verfahren der dar, mit dem durch die Kopplung aller großen Gebiete
digitalen Signalverarbeitung zusammengefaßt (eine de- der numerischen SgnalVerarbeitung schnell und ein-
taillierte Beschreibung der Programminhalte folgt in fach die Auswertung von Meßergebnissen vorgenom-
Kapitel 4). men werden kann.

3 Intention und Zielgruppen 4 Programmstruktur und Inhalte

N U M E R I soll dem Studenten als Hilfsmittel beim Um- Entsprechend der zugehörigen Literatur [1] ist das Paket
gang mit den Algorithmen der digitalen Signalverar- in sieben große Kapitel unterteilt (Bild 1). Als Ergänzung
beitung dienen. Im Gegensatz zu vielen kommerziellen ist ein weiteres Kapitel „Dienstprogramme" implemen-
Software-Paketen für die Meßdatenverarbeitung sind die tiert. Der Bediener wird interaktiv über Auswahlmenüs
mathematischen Routinen hier nicht als „black box" durch das Programm geführt. Er hat gleichzeitig jedoch
implementiert, sondern der Anwender hat direkten und genügend Freiheiten, um sich ein Bild von Wirkungs-
interaktiven Zugriff auf alle wesentlichen Parameter der weise, Qualität und Einsatzmöglichkeiten der Algorith-
Verfahren. Durch Variation dieser Größen und die men zu machen. Das einheitliche Erscheinungsbild er-
direkte Reaktion des Programms darauf erhält er einen leichtert dem Bediener die Orientierung.
Einblick in die Wirkungsweise der Algorithmen. Der Die einzelnen Kapitel sind in sich abgeschlossen und
Vergleich ähnlicher Methoden läßt Rückschlüsse zu auf voneinander unabhängig: Die zentralen Programm teile
die jeweiligen Einsatzmöglichkeiten und zu berücksich- der Erzeugung/Aufbereitung von Datensätzen und der
tigende Randbedingungen. Durch den intensiven U m - Ausgabe der Ergebnisse befinden sich in jedem Kapitel.
gang mit den Rechenverfahren gewinnt der Student das Verfügbar sind dabei zur
notwendige Verständnis bezüglich deren Stärken und
Schwachpunkte und sammelt praxisorientiert Erfahrun- Datenerzeugung
gen im Umgang mit ihnen. Als Nebeneffekt werden ihm
- Formelinterpreter: Aus einem Formelausdruck, den
durch den spielerischen Einsatz des Programms Berüh-
der Bediener eingibt, werden in einem frei wählbaren
rungsängste bei der Arbeit am PC genommen und ein
x-Intervall Wertepaare berechnet,
Einblick in die Bedienung und Arbeitsweise tech-
- manuelle Eingabe der Wertepaare,
nisch-wissenschaftlicher Software-Pakete gegeben.

Wesentlich für die Implementierbarkeit eines großen (c)EMT1990 NUMERI Version: 2.0
Paketes wie N U M E R I in den universitären Ausbildungs- Kapitel : Hauptmenü
Programmteil:
betrieb ist seine Anwenderfreundlichkeit. N u r dann,
wenn die Einarbeitungszeit (inhaltlich sowie formal) auf 0 Dienstprogramme
ein notwendiges Minimum begrenzt bleibt, läßt es sich zu 1 Statistik

Lehrzwecken nutzen. Auf den formalen Aspekt (Pro- 2 Amplitudenverteilung


3 Ausgleichsrechnung
grammstruktur, Bedienoberfläche) wird in Kapitel 4 nä- 4 Glätten, Differenzieren, Integrieren
her eingegangen; die inhaltliche Einarbeitung in die 5 Diskrete Fourier-Transformation
6 Digitale Filter
Thematik von N U M E R I erfolgt nicht durch das Pro-
7 Korrelation
gramm selbst. Der Anwender m u ß also mit den theoreti-
schen Grundlagen der digitalen Signalverarbeitung, der F1 = Hilfe Auswahl über Ziffern E S C = Ende

Fachsprache und der Numerik der Algorithmen vertraut Bild 1. Eingangsmenü v o n N U M E R I .

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P. Haschberger: N U M E R I - ein Werkzeug zur rechnergestützten Ingenieurausbildung tm 9/91

(c) E M T 1 9 9 0 NUMERI Version: 2.0 schirm-Masken (Bild 2). Zahlen- oder Texteingaben
Kapitel : Dienstprogramme erwartet die Software in optisch hervorgehobenen Felder.
Programmteil: Dalen\Daten erzeugen\Standardsignale
Die Reihenfolge der Eingaben ist beliebig, erst durch die
Signalform : •Sinus
Betätigung einer Funktionstaste werden die Eintragun-
Rechteck gen übernommen und auf Korrektheit überprüft. Wesent-
Dreieck liches Augenmerk bei der Entwicklung des Programms
Frequenz [Hz] = 1 wurde auf diese Eingaben-Überprüfung gelegt. Die Soft-
Phase [Grad] = 0 ware macht auf unsinnige Eingaben aufmerksam und
Amplitude = 1
toleriert keine Parametervorgaben, die zu einem Absturz
Zahl der Abtastwerte = 1024 des Programms führen könnten. Eine kontext-sensitive
Abtastzeit [s] = 0,001 Hilfe-Funktion unterstützt den Bediener mit Informatio-
F 1 = Hilfe F10 = weiter ESC = Abbruch
nen zum aktuellen Menüpunkt.
Bild 2. Beispiel für Auswahlmenüs und Eingabemasken innerhalb Die folgende Übersicht liefert eine tabellarische Zusam-
von N U M E R I . menstellung der Programm-Inhalte:

Statistik
- Standard-Funktionen: Gängige Signalverläufe wie Si- - Verteilungsfunktionen: Dichte- und Summenfunktio-
nus-, Dreieck- oder Rechteckfunktionen werden nach nen sowie inverse Funktionen zu folgenden Verteilun-
Vorgabe der entsprechenden Parameter (Amplitude, gen können gebildet werden:
Frequenz, Phase) erzeugt, - Gleich-,
- Datensätze von Diskette/Festplatte: Daten aus ande- - Normal-,
ren Programmkapiteln oder aus eigenen Messun- - logarithmische Normal-,
gen/Simulationen können auf diesem Weg N U M E R I - Poisson-,
zugeführt werden. - Exponential-,
- Chi-Quadrat-,
Datenaufbereitung - Weibull-Verteilung.
- Löschen, Ändern, Hinzufügen von Wertepaaren, - Beurteilende Statistik: Als statistische Kenngrößen
- Sortieren, eines Datensatzes werden bestimmt
- Addieren, Multiplizieren von Konstanten, - algebraischer, geometrischer Mittelwert, Standard-
- additive Überlagerung von Rauschsignalen mit wähl- abweichung, Median usw.,
barer Verteilungscharakteristik, - Häufigkeitsverteilung,
- Vergleich von Datensätzen zur Bestimmung von abso- - Chi-Quadrat-Test,
lutem und relativem Fehler. - Vertrauensgrenze für Mittelwert.

Datenausgabe Amplitudenverteilungen
- grafische Ausgabe: Diese anschaulichste Darstellung - Bestimmung von absoluter Häufigkeit, Dichtefunk-
der Resultate bietet dem Bediener große Eingriffsmög- tion, Summenfunktion,
lichkeiten: Nachdem die Software die Ergebnisse der
- Impulshöhenanalyse: Für spezielle Anwendungen der
Berechnungen sinnvoll skaliert und beschriftet am
Amplitudenverteilungen können Peak-Netto-Berech-
Bildschirm ausgegeben hat, erleichtert ein interaktiver
nungen und Basislinien-Korrektur durchgeführt wer-
Grafik-Editor über Ein-Tasten-Befehle dem Anwender
den.
die Interpretation der Diagramme. Beliebige Teile der
Kurven können vergrößert dargestellt werden
(Zoom-Funktion). Parameter (Punktart, Strichart, A usgleichsrechnung
Verbindungsart, Farbe) und die Skalierung (linear,
- Ausgleich eines Datensatzes durch
logarithmisch, Gauß'sche Wahrscheinlichkeitsskalie-
- algebraische Polynome (bis 9. Grades),
rung) lassen sich variieren. Durch Einblendung eines
- Exponentialfunktion,
Hintergrundrasters und die Anzeige der aktuellen
- Fourier-Reihe,
Cursor-Position können die Kurven vermessen wer-
- gebrochen rationale Funktion,
den. Über einen angeschlossenen Plotter erfolgt die
- benutzerdefinierte Funktion.
Ausgabe der Grafik.
Die beiden letzten Ausgleichsverfahren arbeiten mit
- Die exakten Funktionswerte des Datensatzes können iterativen Algorithmen und gestatten bei entsprechen-
aus einer Wertetabelle, die auch auf einem Drucker der Wahl der Startwerte und der partiellen Ableitungen
ausgegeben werden kann, entnommen werden. den Ausgleich durch nahezu beliebige funktionale
- Zur Weiterverarbeitung oder Sicherung der Daten Ausdrücke
können diese auf Diskette / Festplatte abgelegt werden. - Spline-Interpolation durch
Die einzelnen Menüebenen innerhalb der Kapitel werden - natürlichen Spline,
über Ziffernmenüs angewählt. Die Eingabe von Para- - not-a-knot-Spline,
metern für die Algorithmen erfolgt über Bild- - Spline mit Vorgabe der Randableitungen.

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tm 9/91 Aufsatz

Glättung, Differentiation, Integration stützung des numerischen Co-Prozessors bleibt die Be-
- Glätten, Differenzieren durch Ausgleichspolynome, rechnungsdauer auch bei zeitintensiven Algorithmen in
- Integration über Newton-Cotes-Formeln (Rechteck, einem vertretbaren Rahmen.
Trapez, Simpson),
- Lösung von Differentialgleichungen und -glei-
chungssystemen (Euler, Heun, Runge-Kutta) bis 5 Beispiele
maximal 5. Ordnung,
- Lösung von Gleichungssystemen für Markow-Ketten. Anhand eines ausgewählten Datensatzes sollen einige der
Möglichkeiten von N U M E R I vorgestellt werden. Aus-
Diskrete Fouriertransformation gangspunkt sei der funktionale Zusammenhang (Bild 3 a)
- F F T und konventionelle Diskrete Fourier Transfor-
mation, 1
- Fensterfunktionen zur Bewertung der Daten im Zeit- y(t) = cos (2π · t) — - · cos(6π · ί) (1)
bereich (Dreieck, Hamming, von-Hann, Blackman),
- Rücktransformation,
eine Grundschwingung ( f 0 = 1 Hz) mit der Amplitude
- Rekonstruktion des abgetasteten Signals im Zeitbe-
reich. 1 und ihre 3. Harmonische mit der Amplitude —
abgetastet mit einer Frequenz fa = 512 Hz für eine Dauer
Digitale Filter von zwei Sekunden. Diesem Signal y(t), das beispiels-
- Entwurf rekursiver und nicht-rekursiver Digitalfilter: weise über den Formelinterpreter erzeugt wurde, wird
Tiefpaß-, Hochpaß-, Bandpaß-,
Bandsperre-Verhalten mit Vorgabe
von Grenz- und Abtastfrequenz,
- Impulsantwort, Übertragungs-
funktion des Filters,
- Filterung eines Datensatzes.

Korrelation
Korrelation im Zeit- oder im Fre-
quenzbereich: •. oo
- Autokorrelation eines Datensat-
zes,
- Kreuzkorrelation zweier Datensät-
-G. 50
ze,
- Bestimmung der Übertragungs-
funktion von PT 2 -Gliedern durch
Korrelation. -l. 00

0. 50
Dienstprogramme
Bild 3a. Beispieldatensatz y{t) = c o s ( 2 π · t) — '/ 3 • cos ( 6 π · t).
- Bestimmung der Nullstellen einer
yr(t)
benutzerdefinierten Funktion
(Newton, Regula Falsi, Se-
2. 00
kanten-Methode),
- Lösung von linearen Gleichungssy-
stemen (Gauß-Jordan, LR-Zerle-
gung). l.oo-
- Lösung von nicht-linearen Glei-
chungssystemen (Newton),
- grafische Überlagerung von 0. 0 0
Datensätzen.
Durch die einheitliche Datenstruktur
können Datensätze, die in einem der -L.00 η
Kapitel erzeugt wurden, von einem
anderen Kapitel aus weiterverarbeitet
werden. Die maximale Datensatzlän-
- 2 . 00
ge beträgt in der aktuellen Version
1024 Wertepaare. Diese Zahl ist auch
0. 0 0 0. 50 L. 0 0 L. 50 2. 00
für statistische Auswertungen genü- Z e i t Es]
gend groß. Durch optionale Unter- Bild 3b. yr(t), Datensatz y(t) überlagert mit normalverteiltem Rauschen (σ = 0,5).

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(c) EMT1990 NUMERI Version: 2.0 natürlich nur qualitativ deutlich. Der verbleibende Fehler
Kapitel Ausgleichsrechnung zwischen yr(t) und der Reihe kann aber auch quantitativ
Programmteil Fourier-ReiheVTabelle
untersucht werden. In dem Menüpunkt „Datensätze
y = y2 aO + Σ a [k] cos (k wt) + Σ b [k] sin (k wt); Σ (Fehler)2 = 248,514
vergleichen" wird dafür zunächst der absolute Fehler
zwischen den beiden Funktionen berechnet (Bild 6). Eine
Interpretation dieses Fehlerverlaufs im Zeitbereich ist
Paar Oberschwingung a-Koeffizienten b-Koeffizienten
nicht sinnvoll. Aussagekräftig ist dagegen die Verteilung
0 0 -0,0048635 0
1 1 -0,0099821 0,0246812 der Fehleramplituden. Teilt man die Fehleramplituden in
2 2 0,9871213 -0,0088391 30 äquidistante Klassen ein und berechnet im Pro-
3 3 0,0355015 0,0027564
-0,0048511
grammteil „Amplitudenverteilung" die Dichte- und die
4 4 0,0248383
5 5 -0,0134185 0,0027659 Summenfunktion, so gewinnt man die Erkenntnis, daß
6 6 -0,3741999 -0,0348987
der verbleibende Fehler offensichtlich normalverteilt ist
7 7 -0,0128864 -0,0278045
8 8 0,0199655 0,0100835 (Bild 7 a). Als hilfreiche Unterstützung bietet die Grafik
9 9 -0,0148004 0,0285153 dazu die Möglichkeit, die Skalierung der Kurven zu
10 10 0,0052575 -0,0144362
ändern. Außer der Umschaltung auf einen logarithmi-
F1 = Hilfe F2 = Ausdruck E S C = zurück schen Maßstab, der hier nicht sinnvoll wäre, kann eine
B i l d 4 . V o n N U M E R I aus y r ( t ) e r r e c h n e t e F o u r i e r - K o e f f i z i e n t e n bis
Gauß'sche Wahrscheinlichkeitsskalierung eingeschaltet
z u r 10. O b e r w e l l e . werden (Bild 7b). In dieser Darstellung erscheint die
Summenfunktion einer Normalverteilung als Gerade.

anschließend in einem Menüpunkt


„Daten verrauschen" ein normalver-
teiltes Rauschen (Standardabwei-
chung σ = 0,5) additiv überlagert
(yr(t), Bild 3b). Ziel der folgenden
Untersuchungen ist es, die Eigen-
schaften dieses verrauschten
Datensatzes yr(t) zu bestimmen.
Zunächst wird mit Hilfe des Pro-
grammteils „Ausgleichsrechnung"
versucht, durch einen approximieren-
den Ausdruck die Originalfunktion
y(t) zu rekonstruieren. Da es sich
ursprünglich bei y(t) um eine periodi-
sche Funktion handelte, bietet sich
der Ausgleich durch eine Fourier-
Reihe an. Das Ergebnis der Reihen-
entwicklung bis zur 10. Oberwelle
Zeit [sJ
zeigt Bild 4: Die b-Koeffizienten, die
B i l d 5 . V e r g l e i c h v o n yr(t) ( R e c h t e c k e ) und F o u r i e r - R e i h e aus d e n K o e f f i z i e n t e n nach Bild
die ungeraden Anteile in yr(t) be- 4 (durchgezogen).
schreiben, sind sehr klein ( < 0 , 0 5 ) .
Die Koeffizienten a2 und a6 sind als Ljr-(t) - ya(t) absoluter Fehler
einzige signifikant und liegen er-
wartungsgemäß in der Größen-
ordnung der idealen Werte (1 bzw.
—1/3). Der ausgleichende Charakter
L. 0 0 -
der Fourier-Reihe wird in der grafi-
schen Überlagerung von Original-
funktion yr(t) und Ausgleichskurve
deutlich. Bild 5 zeigt diesen Vergleich
so, wie ihn N U M E R I ohne weiteren ü. • •
Eingriff des Bedieners im Ablauf des
Programms erzeugt: M i t sinnvoller
Achsenskalierung und -beschriftung
werden die beiden Kurven dargestellt -1. • • -
- yr(t) als Punktemenge, die ausglei-
chende Fourier-Reihe als durchgezo-
gener Graph.

Die Qualität des Ausgleichs über die • .•• G. 50 L.00 1.50


Fourier-Reihe wird durch Bild 5 B i l d 6 . A b s o l u t e r F e h l e r z w i s c h e n d e n b e i d e n F u n k t i o n e n a u s B i l d 5.

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tm 9/91 Aufsatz

A m p L i t u d e n v e r t e i l u n g Bild 7 a . Dichte- und Summenfunktion der


Verteilung des absoluten Fehlers (30
Klassen).

_ϊ Β Ϊ. J_L T.T , .
1 1 —
-1.00 0.00 1.00
Dichtefunktion Amplituden

-1.00 0.00 1.00


Summenfunkt ion Amplituden

Eine detaillierte, zahlenmäßige Un-


tersuchung des absoluten Fehlers
führt der Menüpunkt „Statistik" aus:
Den Kenngrößen des Datensatzes
kann entnommen werden (Bild 8),
daß der Fehler mittelwert-frei ist und
die Standardabweichung sich tatsäch-
lich im Bereich von σ = 0,5 bewegt, so
wie es bei der Erzeugung von yr(t) aus
y{t) angegeben wurde.

Zur endgültigen Validierung der Nor-


malverteilung des Fehlers wird der
χ 2 -Test herangezogen. Über einen
Vergleich der angenommenen Vertei-
lung mit der tatsächlichen Verteilung
0. 0 0 oo
der Fehleramplituden erzeugt er nach
-1. 0 0
Summenfunktion AmpiL t u d e n Vorgabe der Aussagesicherheit ein
Bild 7b. Summenfunktion der Verteilung, dargestellt in der
Gütekriterium, mit dessen Hilfe abge-
Gauß'schen Wahrscheinlichkeitsskalierung. schätzt wird, ob die Hypothese „Nor-
malverteilung" angenommen oder
abgelehnt wird (Bild 9). Dieser Test
(c) E M U 990 NUMERI Version: 2.0
Kapitel Statistik
bestätigt die Vermutung des normalverteilten Fehlerver-
Programmteil: Beurteilende Statistik\Kenngrößen laufs.

Kenngrößen des Datensatzes


Neben der Auswertung von yr (t) im Zeit- und Amplitu-
Gesamtzahl der Werte Ν = 1024 denbereich bietet N U M E R I auch die Analyse im Spek-
kleinster Wert χ (min) = -1,657 tralbereich. Nach einer optionalen Fensterung des
größter Wert χ (max) = 1,6083
Spanne χ (max)-χ (min) = 3,2653
Datensatzes kann über die Diskrete Fouriertransforma-
Median χ (50) = 0,0083 tion das Spektrum von yr(t) berechnet werden. Die
arithmetischer Mittelwert = - 9 . 5 E - 0 0 1 2 Darstellung erfolgt wahlweise in der Form Real-/Ima-
Varianz σ2 = 0,2429
Standardabweichung σ = 0,4929
ginärteil oder Betrag/Phase (Bild 10). Das Betragsspek-
Variationskoeffizient ν = -1.9E-0011 trum zeigt deutlich die beiden Frequenzlinien bei 1 Hz
geometrischer Mittelwert = n.del.
und 3 Hz mit dem Amplitudenverhältnis von etwa 3:1.
Fl = Hilfe ESC = zurück Die übrigen Spektralanteile sind auf das normalverteilte
Bild 8. S t a t i s t i s c h e K e n n g r ö ß e n des Fehlers. Rauschen zurückzuführen.

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P. Haschberger: N U M E R I - ein Werkzeug zur rechnergestützten Ingenieurausbildung tm 9/91

(c) EMT1990 NUMERI Version: 2.0 (c) EMT 1990 NUMERI Version: 2.0
Kapitel Statistik Kapitel Digitale Filter
Programmteil: Beurteilende Statistik\Chi 2 -Test Programmteil: nichtrekursiv

Chi 2 -Test Filterordnung Ν = 100 Filtertyp: • Tiefpaß


HochpaS
Zahl der äquidistanten Klassen k = 30 Abtastfrequenz [Hz] = 256 Bandpaß
gewünschteAussagesicherheitß[%] = 50 Bandsperre
obere Grenzfrequenzu [Hz] = 4

Die Summe S der Abweichungen zwischen dem untersuchten Datensatz untere Grenzfrequenz [Hz] = 0 Fenster: Rechteck
und der vermuteten Verteilung beträgt S = 25,8638. Dreieck
Maximal zulässiges Argument der Chi 2 -Verteilung: Chi 2 (oben) = 26,3363. • von-Hann
Wegen S < Chi 2 (oben) wird die Hypothese angenommen. Hamming
Blackman
Fl = Hilfe F10 = weiter ESC = Abbruch Lanczos

Bild 9. χ 2 -Test zur Untersuchung der Verteilungscharakteristik des F1 = Hilfe F10 = weiter ESC=Abbruch
Fehlerverlaufs.
Bild 11. Menü zum Entwurf eines nicht-rekursiven Filters.

Im weiteren soll versucht werden, diese Rauschanteile 6 Erfahrungen


durch ein digitales Filter zu beseitigen. Um die Filterwir-
kung und das Einschwingverhalten besser beurteilen zu NUMERI wird seit 1989 am Lehrstuhl für Elektrische
können, wird dazu yr(t) über 4 Perioden der Grund- Meßtechnik in der studentischen Ausbildung eingesetzt.
schwingung (statt bisher 2) mit einer Frequenz Neben der Unterstützung von Vorlesungen und Übungen
f a = 256 Hz abgetastet. Die Einstellungen zürn Ent- dient es Studenten als individuelles Lehrmittel, mit dessen
wurf eines nicht-rekursiven Tiefpaßfilters zeigt Bild 11. Hilfe sie auf eigenen Rechnern oder den PC's aus dem
NUMERI berechnet daraus die FilterkoefFizienten. CIP-Pool selbständig Erfahrungen im Umgang mit den
Impulsantwort und Frequenzgang des Filters im interes- Methoden der digitalen Signalverarbeitung sammeln.
sierenden Spektralbereich können bestimmt und ange-
zeigt werden (Bild 12). Das Ergebnis der Filterung stellt Die Akzeptanz ist aufgrund der kurzen Einarbeitungszeit
NUMERI im Vergleich zum ungefilterten Datensatz dar im Rahmen von Diplom- und Studienarbeiten groß. Die
(Bild 13). Deutlich zu erkennen ist die Einschwingzeit des aus den selbst entwickelten Meßaufbauten gewonnenen
Filters und ein niederfrequentes Rest-Rauschen aufgrund Daten können mit NUMERI weiterverarbeitet und inter-
der Rauschanteile im Bereich der Signalfrequenzen. Diese pretiert werden. Die Erstellung eigener Auswerte-Softwa-
Störüberlagerung kann durch die Filterung nicht beseitigt re ist damit in vielen Fällen nicht mehr notwendig bzw.
werden und ist der Grund dafür, daß die gefilterte kann durch die Erfahrungen, die in Vorversuchen mit
Ausgangsfunktion nicht identisch ist mit j(i). NUMERI gewonnen wurden, zeitlich optimiert werden.

Spektrum (Ausschnitt)

Betrag Frequenz [Hz]

[Grad]
J
200

1•
100
][
Il
TTHTT LiLJi
IUI
0 u.

-100 -

Bild 10. Spektrum von "200 - 1 Ρ ' • • 1 r-


yr{t) nach Betrag und -20.0 0.0 20.0 -10.0 60. Q ΘΟ.Ο
Phase (Ausschnitt). Phase Frequenz [Hz]

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t m 9/91 Aufsatz

Frequenzqanq FIR-FLlter

0.0 10.0 20.0 30. 0


Bet r a g Frequenz [Hz]

Bild 12. Amplitudengang


des nach den Einstellun-
0.0 10.0 20.0 30.0 gen von Bild 11 entwor-
Phase Frequenz [Hz] fenen Filters.

FiLterunq eines Datensatzes

Bild 13. Eingangs- und


Ausgangssignal des
0.00 2.00
nicht-rekursiven
ftusgangsdater Tiefpaß-Filters.

Gekoppelt mit meßtechnischen Versuchsaufbauten findet dazu, N U M E R I in zukünftigen Ausbaustufen bei der
N U M E R I inzwischen außerdem Einsatz im oben er- Umsetzung der Theorie in die Praxis noch näher an den
wähnten Fortgeschrittenen-Praktikum Elektrische Bedarf der Industrie anzupassen.
Meßtechnik. Die trotz wechselnder Versuche einheitliche
Bedienoberfläche führt dazu, daß die Praktikanten sich Literatur
bei Durchführung und Auswertung der Versuche auf die [1] Schrüfer, E.: Signalverarbeitung. Verlag Carl Hanser, München
fachliche Arbeit konzentrieren können. (1990).
Der Aufsatz ist die überarbeitete Fassung eines Vortrages aus Anlaß
Zur Weiterbildung von Ingenieuren werden vom Lehr- des 60. Geburtstages von Prof. Dr. Elmar Schrüfer. Ihm ist dieser
stuhl regelmäßig Industrie-Seminare auf der Basis von Beitrag gewidmet.
N U M E R I durchgeführt. Die Anregungen, die bei diesen Dipl.-Ing. Peter Haschberger, Technische Universität München,
Schulungen von Seiten der Entwickler kommen, dienen Lehrstuhl für Elektrische Meßtechnik, W-8000 München 2.

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Download Date | 4/15/16 10:52 PM
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